<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_horror</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Kirkman</last-name></author><author><first-name>Jay</first-name><last-name>Bonansinga</last-name></author><book-title>The Walking Dead</book-title><annotation><p><strong>Das Buch</strong></p><p>Die Apokalypse ist hereingebrochen: Eine weltweite Plage l�sst die Toten wiederauferstehen und Jagd auf Menschenfleisch machen. Die meisten �berlebenden fliehen in Angst und Schrecken, und nur wenige wagen es, sich der Flut der untoten Bestien entgegenzustellen. Zu ihnen geh�rt Philip Blake mit seiner kleinen Schar, zu der seine Tochter Penny, sein Bruder Brian sowie seine Freunde Bobby und Nick z�hlen. Auf ihrem Weg nach Atlanta m�ssen sie sich den Herausforderungen des tagt�glichen Kampfes ums �berleben stellen. Mit diesem H�llentrip beginnt die Story des Mannes, den sie sp�ter nur noch den �Governor� nennen werden�� eines unmenschlichen Despoten, der mit harter Hand �ber eine kleine Siedlung von �berlebenden regiert. Dies ist seine Geschichte��</p><p>Robert Kirkmans<emphasis> The Walking Dead</emphasis> ist der Auftakt der Romanserie zum erfolgreichsten Zombie-Medienph�nomen unserer Zeit.</p><empty-line/><p><strong>Die Autoren</strong></p><p>Robert Kirkman ist der Sch�pfer der mehrfach preisgekr�nten und international erfolgreichen Comicreihe <emphasis>The Walking Dead</emphasis>. Die gleichnamige TV-Serie wurde von ihm mit entwickelt und feierte weltweit Erfolge bei Kritikern und Genrefans gleicherma�en. Zusammen mit dem Krimiautor Jay Bonansinga hat er nun seinen ersten Roman aus der Welt von <emphasis>The Walking Dead </emphasis>ver�ffentlicht.</p><empty-line/><p>Titel der englischen Originalausgabe</p><p>THE WALKING DEAD�� RISE OF THE GOVERNOR</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-04-06">6.4.2013</date><id>6D9B8018-CB5A-4137-9EF2-CCB2258BCE76</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><year>2012</year></publish-info></description><body><section><p><emphasis>F�r Jeanie-B und Bill�� </emphasis></p><p><emphasis>die beiden gro�en Lieben meines Lebens</emphasis></p><p>Jay</p><p><emphasis>F�r Sonia, Peter und Collette�� </emphasis></p><p><emphasis>Ich verspreche euch, dass ich nicht mehr so viel arbeite, </emphasis></p><p><emphasis>sobald gen�gend Geld f�rs College da ist.</emphasis></p><p>Robert</p></section><section><title><p>TEIL 1</p><p>Die hohlen M�nner</p></title><section><p>Sterben hat nichts Heldenhaftes.</p><p>Das kann jeder.</p><p><emphasis>Johnny Rotten</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p>Eins</p></title><p>Brian Blake hat sich in der muffigen Dunkelheit in eine Ecke gekauert. Blankes Entsetzen schn�rt ihm die Brust zu, der Schmerz l�sst ihn bis ins Mark erzittern. Pl�tzlich stellt er sich vor, ein zweites Paar H�nde zu haben. Dann k�nnte er sich zumindest die Ohren zuhalten, um nicht mit anh�ren zu m�ssen, wie die menschlichen Sch�del zu Brei gestampft werden. Leider sind Brians zwei H�nde jedoch damit besch�ftigt, die Ohren des kleinen M�dchens neben ihm in der Abstellkammer zuzuhalten.</p><p>Die Siebenj�hrige erzittert immer wieder in seinen Armen. Sie zuckt bei jedem BUMM BUMM BADONG zusammen. Den Ger�uschen folgt Stille, lediglich durchbrochen von dem klebrig klingenden Stapfen von Stiefeln auf blutigen Fliesen und einem hektisch w�tenden, klingenden Fl�stern aus dem Flur.</p><p>Brian f�ngt erneut an zu husten. Er kann nichts daf�r. Seit Tagen schon k�mpft er gegen diese gottverdammte Erk�ltung an, eine Plage, die seine Gelenke und Nebenh�hlen lahmlegt und die er nicht absch�tteln kann. Jeden Herbst erk�ltet er sich, sobald die Tage in Georgia dunkel und d�ster werden. Die Feuchtigkeit dringt in seine Knochen, zehrt an seinen Kr�ften und raubt ihm den Atem. Inzwischen sp�rt er mit jedem Husten das pochende Stechen des Fiebers.</p><p>Bei jedem keuchenden Hustenanfall kr�mmt er sich zusammen, presst die H�nde aber weiterhin auf die Ohren der kleinen Penny. Er wei�, dass seine Hustger�usche hinter der T�r in den endlosen G�ngen des Hauses bemerkt werden m�ssen, aber es gibt nichts, was er dagegen tun kann. Mit jedem unterdr�ckten R�cheln sieht er Lichtblitze vor seinen Augen�� wie winzige Kometenschweife, die einem Feuerwerk gleich hinter seinen geschlossenen Lidern hin und her schie�en.</p><p>Die Abstellkammer, gerade einen Meter breit, ist schwarz wie Tinte und riecht nach Mottenkugeln, M�usedreck und altem Zedernholz. Kleiders�cke aus Plastik h�ngen in der Dunkelheit und streifen immer wieder Brians Gesicht. Sein j�ngerer Bruder Philip hat ihm versichert, dass er in der Abstellkammer ruhig husten k�nne. In Wahrheit darf sich Brian hier ruhig die Lunge raushusten�� das lockt die Monster aus ihren Verstecken��, doch er darf auf keinen Fall Philips Tochter anstecken. Sonst w�rde Philip seinen Kopf mit einem Beil bearbeiten.</p><p>Der Hustenanfall ebbt ab.</p><p>Gleich darauf wird die Stille vor der T�r erneut von schwerem Stapfen durchbrochen. Noch eine tote Kreatur, die in die Killzone tritt. Brian presst die H�nde fester auf Pennys Ohren. Sie zuckt trotzdem zusammen, als erneut zu h�ren ist, wie ein Sch�del zerquetscht wird�� diesmal in d-Moll.</p><p>Falls man Brian fragen w�rde, wie man die Ger�usche vor der T�r beschreiben k�nne, w�rde er sich wahrscheinlich auf seine Zeit als Betreiber einer Musikalienhandlung berufen und die Sch�delbr�che mit einer Percussion-Symphonie vergleichen, die direkt aus der H�lle kommt�� etwa wie ein St�ck von Edgar Var�se oder ein berauschtes Schlagzeugsolo von John Bonham�� mit sich wiederholenden Leitmotiven und Refrains: dem schweren Atmen von Menschen�� dem schwerf�lligen Schlurfen eines lebenden Toten�� der Axt, wie sie pfeifend durch die Luft schwingt�� dem Ger�usch des Stahls, wie er sich in menschliches Fleisch gr�bt��</p><p>� Und schlie�lich das gro�e Finale: das dumpfe Klatschen eines feuchtkalten, leblosen K�rpers, der aufs glibberige Parkett aufschl�gt.</p><p>Eine erneute Pause in dem grauenhaften Tohuwabohu l�sst Brian bis ins Knochenmark erzittern. Die Stille legt sich erneut bleischwer auf sie. Nachdem sich seine Augen an die Dunkelheit gew�hnt haben, bemerkt er das Glitzern von dickfl�ssigem Blut, das unter dem T�rspalt durchsickert. Es sieht wie Motor�l aus. Behutsam zieht er seine Nichte von der gr��er werdenden Lache weg und dr�ckt sie gegen die Stiefel und Regenschirme, die an der Wand hinter ihnen stehen.</p><p>Der Saum von Pennys kleinem Jeanskleid ber�hrt einen Moment lang das Blut. Rasch rei�t er es hoch und reibt panisch an dem Fleck, als ob die rote Fl�ssigkeit irgendwie ansteckend sein k�nnte.</p><p>Ein weiterer krampfhafter Hustenanfall zwingt Brian in die Knie. Er k�mpft dagegen an und schluckt mit rauem Hals. Es kommt ihm so vor, als ob er Scherben hinunterw�rgen w�rde, w�hrend er das kleine M�dchen noch enger an sich dr�ckt. Er wei� nicht, was er tun oder was er sagen soll. Er will seiner Nichte helfen, will ihr etwas Beruhigendes zufl�stern. Doch er kann kein bes�nftigendes Wort finden.</p><p>Ihr Vater w�rde wissen, was er jetzt sagen m�sste. Philip w�rde es wissen. Er wei� immer, was er sagen muss. Philip Blake ist ein Mann, der stets genau das sagt, was allen anderen auch gerne eingefallen w�re. Er spricht das aus, was ausgesprochen werden muss, und tut das, was getan werden muss. So wie jetzt. Jetzt ist er da drau�en mit Bobby und Nick und tut das, was getan werden muss�� W�hrend Brian sich hier wie ein Angsthase zusammenkauert und den Kopf dar�ber zerbricht, was er seiner Nichte Beruhigendes sagen kann.</p><p>Angesichts der Tatsache, dass Brian Blake der �ltere der beiden Br�der ist, scheint es merkw�rdig, dass er stets der Schw�chere gewesen ist. Nicht einmal einen Meter siebzig gro� samt den Abs�tzen seiner Stiefel wirkt er wie eine Vogelscheuche von einem Mann, der es nicht einmal schafft, seine besonders enge Jeans und das schlampige Weezer-T-Shirt auszuf�llen. Ein mickriger Ziegenbart, Makramee-Armb�nder und dunkle Haare wie Ichabod Crane aus Sleepy Hollow vervollst�ndigen das Bild eines f�nfunddrei�igj�hrigen Tagtr�umers, der in einem Peter-Pan-Zustand stecken geblieben zu sein scheint und jetzt in der nach Mottenkugeln riechenden Abstellkammer auf die Knie sinkt.</p><p>Brian schnappt nach Luft und blickt zu Penny mit ihren weit aufgerissenen Augen. Ihr stummes, vor Entsetzen verzerrtes Gesicht leuchtet gespenstisch in der dunklen Kammer. Das Kind ist seit eh und je ein kleines, ruhiges M�dchen mit milchig wei�er Haut gewesen�� wie eine Puppe aus Porzellan��, die ihrem Gesicht stets etwas Unwirkliches verliehen hat. Seit dem Tod ihrer Mutter ist sie jedoch noch mehr in sich gekehrt und noch blasser geworden, sodass sie beinahe durchsichtig wirkt. Rabenschwarze Locken h�ngen ihr in die �bergro�en Augen.</p><p>W�hrend der letzten drei Tage hat sie kaum ein Wort von sich gegeben. Nat�rlich sind das au�ergew�hnliche drei Tage gewesen�� und traumatische Erlebnisse haben auf Kinder einen anderen Effekt als auf Erwachsene. Aber Brian macht sich Sorgen, dass Penny vielleicht in eine Art von Schockzustand verfallen k�nnte.</p><p>�Wird schon, Kleine�, fl�stert er ihr zu und hustet leise.</p><p>Ohne aufzuschauen gibt sie etwas Unverst�ndliches von sich; es ist wie ein Murmeln.</p><p>�Was hast du gesagt, Pen?� Brian h�lt sie eng an sich gedr�ckt, schaukelt sie sanft hin und her, bemerkt ihre Tr�nen und wischt sie ihr aus dem Gesicht.</p><p>Dann sagt sie es erneut, immer und immer wieder. Doch ihre Worte sind nicht an Brian gerichtet. Es ist eher wie ein Mantra oder ein Gebet. Wie eine Beschw�rungsformel �Es wird niemals wieder werden, niemals.�</p><p>�Still, Kleine.� Er h�lt ihren Kopf und dr�ckt ihn eng an sein T-Shirt, sp�rt die feuchte W�rme ihres Gesichts auf seinem Oberk�rper. Wieder h�lt er ihr die Ohren zu, als erneut das BADONG einer Axt auf der anderen Seite der T�r zu ihnen dringt.</p><p>Es h�rt sich an wie ein nasser Softball, der auf einen Baseballschl�ger trifft, gefolgt von einem schauderhaften, feuchten Aufschlag. Merkw�rdigerweise findet Brian das am schlimmsten: dieses dumpfe, klatschende Ger�usch eines K�rpers, der auf die teuren Keramikfliesen trifft. Die Fliesen sind extra f�r dieses Haus angefertigt worden und haben kunstvolle Einlegearbeiten und aztekische Muster. Das Haus ist wundersch�n�� oder ist es zumindest mal gewesen.</p><p>Dann enden die Ger�usche.</p><p>Es folgt wieder die schreckliche Stille. Brian unterdr�ckt einen Hustenanfall. Er schlie�t ihn wie einen Feuerwerksk�rper ein, der kurz vor dem Explodieren steht, damit er dem sich ver�ndernden Atmen vor der T�r und den glitschigen Fu�stapfen lauschen kann, wie sie durch das gerinnende Blut waten. Aber es herrscht Totenstille.</p><p>Brian sp�rt, wie das Kind neben ihm erstarrt. Die Kleine wappnet sich gegen eine weitere Attacke von Axthieben, aber die Stille h�lt an.</p><p>Nur wenige Zentimeter entfernt h�ren sie auf einmal einen Schl�ssel in einem Schloss. Brian l�uft es eiskalt den R�cken herunter. Kurz darauf wird die T�r ge�ffnet.</p><p>�Alles in Ordnung.� Der Bariton�� von vielem Whiskeytrinken und Heiserkeit�� geh�rt einem Mann, der jetzt in die dunkle Abstellkammer sp�ht. Seine Augen blinzeln in der Dunkelheit, das Gesicht ist feucht vor Schwei� und ger�tet von der Anstrengung der Zombie-Entsorgung. Philip Blake h�lt eine blutverschmierte Axt in seinen rauen H�nden.</p><p>�Sicher?�, bringt Brian m�hsam hervor.</p><p>Ohne seinen Bruder eines Blickes zu w�rdigen, konzentriert sich Philip ganz auf seine Tochter. �Alles ist in Ordnung, mein Schatz. Daddy geht es gut.�</p><p>�Bist du dir sicher?�, wiederholt Brian und f�ngt erneut zu husten an.</p><p>Philip schaut seinen Bruder an. �W�re es zu viel verlangt, wenn du dir die Hand vor den Mund h�ltst?�</p><p>Keuchend versucht Brian es noch einmal: �Bist du dir sicher, dass du Entwarnung geben kannst?�</p><p>�Schatz?� Philip Blake klingt z�rtlich und liebevoll, wenn er mit seiner Tochter spricht. Sein schwacher S�dstaatenakzent kaschiert die wild lodernden Flammen der Gewalt, die noch in seinen Augen flackern. �Ihr m�sst mir helfen und noch eine Minute hierbleiben. Alles klar? Du r�hrst dich nicht vom Fleck, bis Daddy sagt, dass du rauskommen kannst. Hast du das verstanden, mein Schatz?�</p><p>Das blasse Kind nickt kraftlos und signalisiert seinem Vater, dass es verstanden hat.</p><p>�Los, Junge�, sagt Philip und zieht seinen �lteren Bruder aus der Kammer. �Ich brauche deine Hilfe beim Aufr�umen.�</p><p>Brian rappelt sich auf und schl�ngelt sich an den M�nteln vorbei in den Gang hinaus.</p><p>Als er sich aus der Abstellkammer gek�mpft hat, blinzelt er im hellen Licht des Flurs. Er starrt, hustet und starrt erneut auf den Anblick, der sich ihm bietet. F�r einen Augenblick scheint es ihm, als ob der �ppige Eingang des zweigeschossigen Hauses im Kolonialstil, der von extravaganten Kronleuchtern aus Kupfer erhellt ist, mitten in Renovierungsarbeiten stecken w�rde�� und zwar durch Handwerker, die allesamt gel�hmt sind. Unmengen von br�unlich violetten Flecken zieren die aquamarinfarbenen W�nde. Tintenklecksf�rmige schwarze und karmesinrote Muster schm�cken Fu�leisten und Stuckarbeiten. Erst jetzt bemerkt er die leblosen Gestalten auf dem Boden.</p><p>Sechs Leichen liegen da in merkw�rdig verkrampften Haltungen. Das vorangegangene Gemetzel, die fahle, blutverschmierte Haut und die zerschlagenen Sch�del lassen keine Schl�sse mehr auf Alter oder Geschlecht zu. Der gr��te der Toten liegt in einer Lache von Blut und Erbrochenem am Fu� des gro�en Treppenaufgangs. Eine weitere Leiche�� vielleicht die Hausherrin, vielleicht eine freundliche Gastgeberin, die S��speisen und Gastfreundschaft gro�z�gig verteilte�� befindet sich in einem undefinierbaren Haufen auf dem sch�nen wei� gestrichenen Parkett. Eine lange Spur aus wurmig grauer Masse schl�ngelt sich aus ihrem gespaltenen Sch�del.</p><p>Brian Blake sp�rt, wie es ihn w�rgt und sich seine Kehle zusammenschn�rt.</p><p>�Okay, Gentlemen. Es gibt zu tun�, sagt Philip und meint damit seine beiden Freunde Nick und Bobby ebenso wie Brian. Aber das panische Pochen von Brians Herz �bert�nt die Aufforderung seines Bruders.</p><p>�ngstlich be�ugt er die anderen �berreste, die im Flur und an den dunkel gefleckten Fu�leisten vor dem Wohnzimmer liegen�� w�hrend der vergangenen zwei Tage hat es sich Philip angew�hnt, die Opfer der Monster als �zweimal gekochtes Schweinefleisch� zu bezeichnen. Vielleicht sind es die Teenager, die hier einmal gewohnt haben, vielleicht aber auch Besucher, die sich mit der Ungastlichkeit eines infizierten Bisses konfrontiert sahen. S�mtliche Leichen sind von einem strahlenf�rmigen Muster aus dickfl�ssigem Blut umgeben. Eine von ihnen, deren zerquetschter Sch�del mit dem Gesicht wie ein versch�tteter Suppentopf auf dem Boden liegt, pumpt weiterhin scharlachrote Fl�ssigkeit wie ein kaputter Hydrant in die Gegend. Kleine Beile stecken noch bis zum Anschlag in den Sch�deln der anderen�� wie Fahnen, die Entdecker triumphierend in neu bezwungene Gipfel gesteckt haben.</p><p>Brian h�lt sich die Hand vor den Mund, um dem, was sich da seine Speiser�hre emporarbeitet, Einhalt zu gebieten. Er sp�rt ein sanftes Klopfen an seiner Sch�deldecke, als ob eine Motte dagegensto�en w�rde. Brian blickt nach oben.</p><p>Blut tropft vom Kronleuchter �ber ihm herab. Ein Tropfen f�llt auf seine Nase.</p><p>�Nick, warum schnappst du dir nicht eine von den Planen, �ber die wir vorher gestolpert sind, in���</p><p>Brian f�llt auf die Knie, kr�mmt sich nach vorn und �bergibt sich. Ein regelrechter Sturzbach aus br�unlich gr�ner Gallenfl�ssigkeit l�uft �ber das Parkett und vereint sich mit den K�rperfl�ssigkeiten der Leichen.</p><p>Tr�nen brennen in seinen Augen, als vier Tage der Todesangst aus ihm herausbrechen.</p><p>Philip Blake st�hnt angespannt auf. Adrenalin schie�t noch immer durch seine Adern. F�r einen Moment bleibt er stehen, anstatt seinem Bruder zu Hilfe zu eilen. Er legt seine blutige Axt beiseite und rollt die Augen. Es ist fast ein Wunder, dass sich in seinen Augenh�hlen noch keine Furchen gebildet haben, so oft musste er �ber die Jahre wegen seines Bruders die Augen rollen. Was kann er sonst tun? Der arme Hund geh�rt zur Familie, und Familie ist nun mal Familie�� Insbesondere in so freakigen Zeiten wie diesen.</p><p>Nat�rlich besteht eine gewisse �hnlichkeit zwischen den Br�dern, dagegen kann auch Philip nichts machen. Gro� gewachsen, schlaksig und mit den geschmeidigen Muskeln eines Handwerkers, hat Philip Blake die gleichen markanten Z�ge wie sein Bruder, die gleichen dunklen mandelf�rmigen Augen und das gleiche pechschwarze Haar, das sie von ihrer mexikanischst�mmigen Mutter geerbt haben. Mama Roses M�dchenname lautete Garcia. Ihre Z�ge spiegeln sich deutlicher in den Gesichtern der Br�dern wider als die des Vaters, eines gro�en, raubeinigen Alkoholikers irisch-schottischer Herkunft namens Ed Blake. Philip, der drei Jahre j�nger als Brian ist, hat zumindest dessen Muskeln geerbt.</p><p>In seinen ausgewaschenen Jeans, den Arbeitsstiefeln, dem Flanellhemd, seinem Fu-Manchu-Schnauzbart und den T�towierungen im Stil eines Bikers bewegt er seinen eins achtzig gro�en K�rper endlich auf seinen Bruder zu. Er ist drauf und dran, ihn mal wieder anzufahren, als er pl�tzlich inneh�lt. Denn er h�rt etwas, was ihm ganz und gar nicht gef�llt�� und zwar aus Richtung der Abstellkammer.</p><p>Bobby Marsh, ein fr�herer Schulkamerad Philips, steht am Fu� der Treppe neben der Kammer und wischt die Axt an seiner Jeans in der Gr��e XXL ab. Er ist ein beleibter Zweiunddrei�igj�hriger, der sein Studium hingeworfen hat. Mit seinen fettigen zur�ckgebundenen Haaren wirkt er zwar nicht richtig dick, aber er ist auf jeden Fall �bergewichtig�� genau der Typ, den seine ehemaligen Burke-County-Kommilitonen gerne einen Butterball nannten. Jetzt lacht er nerv�s und gereizt, als er Brian beim �bergeben zusieht. Dem Lachen fehlt jedoch die echte Freude, es klingt hohl und schrill. Das Kichern ist zu einer dummen Angewohnheit geworden, die Bobby nicht mehr absch�tteln kann.</p><p>Dieser nerv�se Tick fing vor drei Tagen an, als einer der ersten Untoten aus einer Tankstelle in der N�he des Augusta-Flughafens stolperte. Der Mechaniker trug eine blutbesudelte Latzhose und schlurfte aus seinem Versteck. Er zog eine Rolle Toilettenpapier hinter sich her und hatte sich im Handumdrehen Bobbys dicken Stiernacken vorgenommen, ehe Philip sich eingemischt und das Wesen mit einer Brechstange mehr oder weniger zu Brei geschlagen hatte.</p><p>Die sp�tere Entdeckung jenes Tages�� dass ein gezielter Schlag auf den Kopf vollauf reicht, die Ungeheuer au�er Gefecht zu setzen�� veranlasste Bobby zu einem heftigen Kicheranfall, was eine nerv�se Abwehrreaktion vermuten lie�. Zwischen dem Gel�chter stammelte er immer wieder: �Muss was im Wasser sein, Mann�� Wie bei der Pest.� Aber Philip war schon damals nicht sonderlich an den Gr�nden f�r diese Katastrophe interessiert�� inzwischen noch viel weniger.</p><p>�He!�, ruft Philip seinem Freund zu. �Findest du das etwa lustig?�</p><p>Bobby h�rt auf der Stelle mit dem Kichern auf.</p><p>Von der gegen�berliegenden Wand aus neben einem Fenster, das einen Blick auf den nachtdunklen gro�en Innenhof gew�hrt, beobachtet ein vierter Mann unruhig das Geschehen. Nick Parsons, ein weiterer Freund aus Philips missratener Kindheit, ist ein kompakter, schlanker Typ um die drei�ig mit einem jungenhaften Auftreten und einer Frisur, mit der er in die Marine gepasst h�tte. Er wirkt wie eine Sportskanone. Als der einzig Religi�se der Gruppe hat Nick l�nger als alle anderen gebraucht, sich an die Idee zu gew�hnen, Kreaturen abzuschlachten, die einmal Menschen gewesen waren. Jetzt sind seine Kakihose und Turnschuhe blutbesudelt, und seine Augen sind starr vor Schock, w�hrend er Philip nachsieht, wie dieser auf Bobby zugeht.</p><p>�Tut mir leid, Mann�, stammelt Bobby.</p><p>�Meine Tochter ist da drin und hat Todesangst�, knurrt Philip, h�lt wenige Zentimeter vor Bobby an und starrt ihm in die Augen. Diese explosive Mischung aus Zorn, Panik und Schmerz kann Philip Blake in Sekundenschnelle die Kontrolle verlieren lassen.</p><p>Bobby starrt auf den blutigen Fu�boden. �Tut mir leid, tut mir wirklich leid.�</p><p>�Hol die Plane, Bobby.�</p><p>Keine zwei Meter entfernt kauert Brian Blake noch immer auf H�nden und Knien und w�rgt die letzten Reste heraus, bis nichts mehr �brig ist.</p><p>Philip tritt zu seinem �lteren Bruder und kniet sich neben ihn. �Raus damit.�</p><p>�Ich�� Oh���, kr�chzt Brian und zieht den Rotz hoch, w�hrend er krampfhaft versucht, einen klaren Gedanken zu fassen.</p><p>Philip legt seine gro�e, schmutzig schwielige Hand auf die Schultern seines Bruders. �He, mach dir nichts daraus, Bruderherz�� Nur immer raus damit.�</p><p>�Es tut mir�� mir so l-leid.�</p><p>�Ist nicht wichtig.�</p><p>Brian f�ngt sich allm�hlich und wischt sich den Mund mit dem Handr�cken ab. �Glaubst du, du hast sie alle erwischt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sicher?�</p><p>�Klar.�</p><p>�Hast du das�� das ganze Haus durchsucht? Auch den Keller und so?�</p><p>�Yes, Sir. S�mtliche R�ume. Selbst auf dem Speicher haben wir nachgeschaut. Der letzte Zombie hat sich aus seinem Versteck gewagt, als er deinen verdammten Husten geh�rt hat. Der ist ja auch laut genug, um Tote zu wecken. Es war ein junges M�dchen, das anscheinend Appetit auf Bobbys Doppelkinn hatte.�</p><p>Brian schluckt. Sein entz�ndeter Hals kratzt und tut weh. �Diese Leute�� Sie�� Sie haben hier gelebt.�</p><p>Philip seufzt. �Jetzt nicht mehr.�</p><p>Brian schafft es, sich einmal kurz umzublicken, ehe er zu seinem Bruder aufsieht. Sein Gesicht ist tr�nenfeucht. �Aber das war�� Es war eine Familie.�</p><p>Philip nickt schweigend. Am liebsten w�rde er seinen Bruder an den Schultern packen und sch�tteln: Na und? Aber stattdessen nickt er erneut. Er denkt weder an die untote Familie, die er gerade ins Jenseits bef�rdert hat, noch an die emotionalen Folgen des furchtbaren Gemetzels, das er w�hrend der letzten drei Tage angerichtet hat�� das Abschlachten von Menschen, die einmal M�tter, Brieftr�ger, Tankstellenwarte gewesen waren. Gestern noch gab Brian irgendeinen Bockmist zu Moral und Ethik angesichts dieser Situation von sich. Er meinte, moralisch gesehen d�rfe man nicht t�ten, und zwar niemals. Aus ethischer Sicht jedoch�� und das sei ein gro�er Unterschied�� k�nne man das T�ten zur Selbsterhaltung durchaus rechtfertigen. Philip h�lt das Ganze allerdings gar nicht f�r T�ten. Schlie�lich kann man etwas nicht umbringen, das bereits umgebracht wurde. Man macht vielmehr kurzen Prozess damit, wie man es mit einem Insekt tut. Auf jeden Fall darf man nicht so viel nachdenken!</p><p>Tats�chlich denkt Philip im Augenblick so gut wie gar nicht nach�� nicht einmal dar�ber, was seine kleine bunt zusammengew�rfelte Truppe als N�chstes machen soll, obwohl das h�chstwahrscheinlich allein seine Entscheidung sein wird�� schlie�lich ist er der inoffizielle Anf�hrer dieses Haufens, und je fr�her er sich damit abfindet, desto besser. F�r den Augenblick konzentriert sich Philip Blake jedoch nur auf eines: Seitdem dieser Albtraum vor weniger als zweiundsiebzig Stunden angefangen hat und Menschen ganz einfach zu Monstern werden�� aus bisher unerfindlichen Gr�nden��, gibt es f�r Philip Blake kein anderes Ziel mehr, als seine Tochter Penny in Sicherheit zu bringen. Deswegen ist er auch so schnell es ging vor zwei Tagen aus seiner Heimatstadt Waynesboro gefl�chtet.</p><p>Die Gegend, ein Farmerst�dtchen am �stlichen Rand von Georgia, war im Handumdrehen zur H�lle gefahren, als die Menschen dort zuerst starben, dann aber pl�tzlich wieder vor den Lebenden standen. Es war jedoch vor allem Pennys Wohlbefinden gewesen, was Philip dazu gebracht hatte, von dort zu verschwinden. Und wegen Penny hatte er sich auch an seine alten Schulkameraden gewandt. Wegen Penny waren sie nach Atlanta gefahren. Dort sollten n�mlich den Nachrichten im Fernsehen zufolge Fl�chtlingslager aufgebaut werden. Alles nur wegen Penny. Sie ist das Einzige, was Philip noch geblieben ist. Sie ist es, die ihn noch aufrecht erh�lt�� der einzige Trost f�r seine geschundene Seele.</p><p>Lange, ehe diese unerkl�rliche Epidemie �ber das Land hereingebrochen ist, schreckte ihn eine Leere in seinem Herz jeden Morgen um drei Uhr aus dem Schlaf. Genau um drei Uhr morgens verlor er seine Frau. Kaum zu glauben, dass es schon vier Jahre her ist. Das Ganze geschah auf einem regennassen Highway s�dlich von Athens. Sarah hatte eine Freundin an der Universit�t von Georgia besucht und etwas Alkohol getrunken, ehe sie auf der kurvigen Stra�e in Wilkes County die Kontrolle �ber das Auto verlor.</p><p>Von jenem Moment an, als er die Leiche identifiziert hatte, wusste Philip, dass sich sein Leben grundlegend ge�ndert hatte. Er hatte keine Probleme damit, das zu tun, was getan werden musste: Er nahm einen zweiten Job an, um Penny alles geben zu k�nnen wie zuvor. Dennoch w�rde es nie mehr so sein wie zuvor. Vielleicht ist das der Grund f�r all das, was jetzt passierte. Ein kleiner Scherz von Gott. Wenn Heuschreckenplagen �ber das Land kommen und Blut die Fl�sse rot f�rbt, nimmt der Mann, der am meisten zu verlieren hat, das Ruder in die Hand.</p><p>�Ist doch egal, wer sie einmal waren�, sagt Philip schlie�lich. �Oder was sie einmal gewesen sind.�</p><p>�Hm�� Vielleicht hast du recht.� Mittlerweile hat sich Brian wieder etwas besser im Griff. Er sitzt mit �berkreuzten Beinen auf dem Boden und atmet tief ein und aus. Er wirft einen Blick auf Bobby und Nick, die jetzt eine gro�e Plane ausrollen und M�lls�cke bereitlegen. Dann schleppen sie die triefenden Leichen auf die Plane.</p><p>�Das Einzige, was jetzt z�hlt, ist aufr�umen�, gibt Philip zu bedenken. �Wir k�nnen heute Nacht hier bleiben. Und wenn wir morgen fr�h Benzin auftreiben, fahren wir bis nach Atlanta weiter.�</p><p>�Das macht keinen Sinn�, murmelt Brian und starrt auf die Leichen.</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Schau sie dir doch an.�</p><p>�Was?� Philip wirft einen Blick �ber die Schulter auf die grausigen �berreste. Nick und Bobby sind gerade dabei, die Frau in die Plane einzupacken. �Was soll sein?�</p><p>�Das ist eine Familie.�</p><p>�Na und?�</p><p>Brian f�ngt wieder zu husten an und h�lt sich dann den �rmel vor den Mund, um ihn daran abzuwischen. �Was ich damit sagen will�� Wir haben eine Mutter, einen Vater und vier Kinder im Teenageralter�� F�llt dir nichts auf?�</p><p>�Nein. Was soll mir auffallen?�</p><p>Brian blickt zu Philip hoch. �Wie kann so etwas passieren? Sind sie etwa alle auf einmal�� Oder ist einer von ihnen gebissen worden und hat sich dann auf die anderen Familienmitglieder gest�rzt?�</p><p>Philip �berlegt einen Moment. Schlie�lich denkt auch er in stillen Momenten durchaus dar�ber nach, was vor sich geht und wie dieser Wahnsinn �berhaupt angefangen hat. Doch dann langweilt ihn das Denken, und er meint: �Los, steh auf und fang endlich an, uns zu helfen.�</p><p>Es dauert eine Stunde, bis sie alles halbwegs aufger�umt haben. Penny wartet die ganze Zeit �ber in der Abstellkammer. Philip bringt ihr zwei Kuscheltiere aus einem der Kinderzimmer und verspricht ihr, dass sie bestimmt bald herauskommen darf. Brian wischt das Blut auf und k�mpft dabei immer wieder gegen seine Hustenanf�lle an, w�hrend die anderen drei verpackte Leichen�� zwei gro�e und vier kleinere�� aus der hinteren Schiebet�r auf die Zedernholzveranda schleppen.</p><p>Es ist Ende September, und der klare Nachthimmel wirkt eisig wie ein schwarzer Ozean. Unz�hlige Sterne schimmern auf sie herab und scheinen sie mit ihrem teilnahmslosen und doch fr�hlichen Funkeln zu verspotten. Der Atem der drei M�nner steigt wei� in der Dunkelheit auf, als sie die B�ndel �ber die mit gefrorenem Tau bedeckten Holzplanken zerren. An ihren G�rteln h�ngen Pickel, und Philip hat sich eine Pistole hinten in den Hosenbund gesteckt�� eine alte Ruger mit einem Zweiundzwanziger-Kaliber, vor vielen Jahren auf einem Flohmarkt erstanden. Er hat nicht vor, die Waffe zu benutzen, denn er will die Untoten nicht durch Sch�sse auf sie aufmerksam machen. Der Wind tr�gt das verr�terische Schlurfen der furchtbaren Wesen an ihre Ohren�� wirres Gemurmel und schlurfende Schritte. Sie dringen aus der Dunkelheit zu ihnen her�ber�� wahrscheinlich aus dem Hinterhof eines der Nachbarh�user.</p><p>Dieser Fr�hherbst ist ungew�hnlich k�hl f�r Georgia. Heute Nacht soll das Thermometer bis null Grad und tiefer fallen. Zumindest verk�ndete das der �rtliche Rundfunksender, ehe er sich mit einem lauten Rauschen verabschiedete. Bis jetzt konnten sich Philip und seine Leute per TV, Radio und das Internet �ber Brians Blackberry auf dem Laufenden halten.</p><p>Inmitten des Chaos versicherten s�mtliche Nachrichtensender ihrem Publikum, dass alles nach Plan laufe. Die Regierung habe alles unter Kontrolle, und diese oder jene kleine H�rde w�rde innerhalb weniger Stunden �berwunden sein. Auf fest zugeordneten Frequenzen gab der Zivilschutz regelm��ige Warnungen aus: Man solle das Haus nicht verlassen und wenig besiedelte Gegenden meiden. Au�erdem solle man die H�nde waschen, nur Wasser aus Flaschen trinken und so weiter und so fort.</p><p>Nat�rlich hat niemand auch nur einen blassen Schimmer. Das Schlimmste ist, dass immer mehr Fernseh- und Rundfunksender ausfallen. Zum Gl�ck gibt es an Tankstellen noch Benzin, Lebensmittell�den verkaufen noch etwas zu essen, und das Stromnetz und die Ampeln funktionieren auch noch genauso wie Polizei und sonstige Infrastruktur, an deren d�nnen F�den die Zivilisation h�ngt.</p><p>Philip macht sich jedoch Sorgen, dass ein Stromausfall verheerende Folgen haben k�nnte.</p><p>�Ich schlage vor, wir werfen sie in den M�llcontainer hinter der Garage�, fl�stert er kaum h�rbar und zerrt zwei Plastikb�ndel den Holzzaun entlang in Richtung der riesigen Garage. Er will alles so rasch und so leise wie m�glich hinter sich bringen. Sie d�rfen blo� keine Zombies auf sich aufmerksam machen. Kein Feuer, keine lauten Ger�usche und vor allem keine Sch�sse, wenn es nur irgendwie geht.</p><p>Hinter dem zwei Meter hohen Zaun aus Zedernholz befindet sich ein schmaler Kiesweg, der zu den gro�en Garagen hinter den H�fen f�hrt. Nick schleppt eine Leiche bis zum hohen Hoftor, einer soliden Konstruktion aus Planken mit einem geschmiedeten Griff. Er l�sst den Sack fallen und �ffnet.</p><p>Hinter dem Zaun wartet eine weitere Leiche auf ihn�� diesmal aufrecht stehend.</p><p>�VERDAMMT! ALLE MANN AUFPASSEN!�, ruft Bobby Marsh warnend.</p><p>�Halt deinen Mund!�, zischt Philip ihn an und rei�t sich den Pickel vom G�rtel, w�hrend er auf das Gartentor zusprintet.</p><p>Nick zuckt zur�ck.</p><p>Der Zombie wirft sich mit aufgerissenem Kiefer auf ihn, bereit zuzubei�en. Nur um wenige Zentimeter verfehlt er Nicks Brust. Das Ger�usch der in der Luft zusammenschnappenden gelben Z�hne �hnelt dem Klacken von Kastagnetten. Im Mondlicht kann Nick deutlich erkennen, dass er es mit einem Mann zu tun hat, der einen zerrissenen Izod-Pullover, eine Golfhose und dazu passende teure Schuhe tr�gt. In seinen milchigen Augen spiegelt sich fahl das Sternenlicht wider: Das war mal ein Gro�vater.</p><p>Nick erhascht noch einen Blick auf das Monster, bevor er r�ckw�rtstaumelnd mit dem Hintern auf dem �ppig wachsenden Kentucky Bluegrass landet. Der tote Golfer wankt durch den Spalt im Tor auf den Rasen, als ein fliegendes, rostiges St�ck Metall im Mondlicht aufblitzt.</p><p>Philips Pickel gr�bt sich tief in den Kopf des Untoten und spaltet die Sch�deldecke des Alten, ehe er die dichten, fasrigen Membranen der harten Hirnhaut durchdringt und sich in die gallertartige Masse seines Scheitellappens gr�bt. Es h�rt sich so an, als ob man Stangensellerie zerbricht. Eine br�unliche Fl�ssigkeit spritzt hervor. Die insektenhafte Entschlossenheit im Gesicht des Alten ist pl�tzlich verschwunden und verwandelt sich in ein verbl�fftes Staunen.</p><p>Der Zombie sackt in sich zusammen.</p><p>Philip rei�t an dem Pickel, der tief im Sch�del steckt. Er versucht es noch einmal, aber die Spitze hat sich verhakt. �Schlie� das gottverdammte Tor! Sofort! Aber sei blo� leise�, faucht Philip panisch fl�sternd, ehe er mit der Stahlkappe an seinem linken Arbeitsstiefel heftig auf den bereits zerst�rten Sch�del des Leichnams tritt.</p><p>Die beiden anderen M�nner bewegen sich, als ob sie synchron miteinander tanzen w�rden: Bobby l�sst rasch sein Leichenb�ndel fallen und eilt zum Gartentor, w�hrend Nick sich aufrappelt, um dann vor Entsetzen r�ckw�rtszustolpern. Bobby schiebt den Riegel ins Schloss. Das metallene Ger�usch hallt �ber die d�ster daliegenden Rasenfl�chen der angrenzenden G�rten.</p><p>In der Zwischenzeit schafft es Philip, den Pickel aus dem st�rrischen Sch�del des Zombies zu ziehen. Es h�rt sich wie ein schmatzender Kuss an. Einen Moment lang steigt Panik in ihm auf. Dennoch wendet er sich wieder der toten Familie in den Planen und S�cken zu, um sie endlich zu entsorgen, als ihm ein merkw�rdiges Ger�usch an seine Ohren dringt. Es kommt vom Haus.</p><p>Ruckartig blickt er auf. Licht dringt aus den Fenstern des Hauses.</p><p>Brians Silhouette zeigt sich hinter der gl�sernen Schiebet�r. Er klopft an die Scheibe und winkt Philip und die beiden anderen hektisch zu sich. Die Angst steht ihm im Gesicht geschrieben. Das hat nichts mit dem toten Golfer zu tun�� so viel ist Philip klar. Im Haus stimmt etwas nicht.</p><p>G�tiger Himmel, bitte lass Penny unversehrt sein!</p><p>Philip l�sst den Pickel fallen und �berquert mit gro�en Schritten den Rasen.</p><p>�Und was ist mit den Leichen?�, ruft Bobby Marsh.</p><p>�Lass sie liegen�, erwidert Philip, w�hrend er die Stufen zur Veranda hinaufrennt.</p><p>Brian schaut ihn mit weit aufgerissenen Augen an. �Ich muss dir was zeigen, Mann.�</p><p>�Was ist los? Wie geht es Penny? Ist sie okay?� Atemlos st�rzt Philip ins Haus. Bobby und Nick eilen zur Veranda und dr�ngen sich hinter ihm hinein.</p><p>�Penny geht es gut�, erwidert Brian. Er hat ein gerahmtes Foto in der Hand. �Wirklich, ihr geht es gut. Es macht ihr nichts aus, noch l�nger in der Abstellkammer zu warten.�</p><p>�Mein Gott, Brian, was zum Teufel soll das dann?� Philip holt tief Luft und ballt die H�nde zu F�usten.</p><p>�Ich muss dir was zeigen. Wollen wir hier heute Nacht wirklich bleiben?� Brian dreht sich zur Schiebet�r. �Sieh dir das an. Die Familie ist doch da drinnen gestorben, nicht wahr? Alle sechs.�</p><p>Philip wischt sich den Schwei� aus dem Gesicht. �Nun spuck es schon aus, Mann.�</p><p>�Pass auf. Irgendwie sind sie alle gleichzeitig infiziert worden, die ganze Familie. Oder�� so scheint es doch, nicht wahr?� Brian hustet einen Moment lang und zeigt dann auf die sechs B�ndel in der N�he der Garage. �Da drau�en auf dem Gras liegen sechs Leichen. Mutter, Vater und vier Kinder.�</p><p>�Was soll das?�</p><p>Brian h�lt das Foto hoch. Ein Familienfoto aus besseren Tagen. Alle l�cheln etwas verlegen und tragen offenbar ihre sch�nsten Kleider. �Das habe ich auf dem Klavier gefunden�, erkl�rt Brian.</p><p>�Na und?�</p><p>Brian zeigt auf das j�ngste Kind auf dem Foto. Ein etwa elf- oder zw�lfj�hriger Junge in einem marineblauen Anzug mit blonden Haaren und einem sch�chternen L�cheln.</p><p>Brian blickt seinen Bruder an. �Da sind sieben Leute auf dem Foto.�</p></section><section><title><p>Zwei</p></title><p>Das elegante Haus aus der Kolonialzeit, das Philip f�r eine l�ngere Pause auserkoren hat, liegt in einer gepflegten kleinen Stra�e mit �ppigem Baumbestand. Es befindet sich in einer etwas un�bersichtlichen Wohnanlage, die man Wiltshire Estates nennt.</p><p>Der f�nfundzwanzig Quadratkilometer gro�e Ort ist etwa drei�ig Kilometer von Atlanta entfernt, in der N�he des Highway 278. In einem Naturpark gelegen, inmitten eines dichten Waldes aus Sumpfkiefern und riesigen alten Eichen, gibt es hier auch im S�den der Siedlung einen von Fuzzy Zoeller entworfenen Golfplatz mit sechsunddrei�ig L�chern.</p><p>In dem Prospekt, den Brian Blake vom Boden eines verlassenen Wachh�uschens vor wenigen Stunden aufgelesen hat, wird die Gegend in der typischen Sprache eines Marketingmenschen angepriesen: In den Wiltshire Estates vermischen sich preisgekr�nter Lifestyle mit Weltklassekomfort�� Von GOLF Magazine Living als �Cr�me de la cr�me� ausgezeichnet�� lockt Wiltshire Estates u. a. mit einer Triple-A Five Diamond Shady Oaks Plantatin Therme�� Sicherheitspatrouillen rund um die Uhr�� H�user von 475.000 bis zu einer Million Dollar.</p><p>Eingepfercht in Philips Chevy Suburban kam die kleine Gruppe bei Sonnenuntergang vor den kunstvoll gearbeiteten �u�eren Toren der Anlage an. Also wieder ein St�ck n�her an Atlanta. Im Licht der Scheinwerfer sahen sie die gusseisernen Tore mit den Kreuzblumen und das gro�e bogenf�rmige Schild mit dem Namen Wiltshire Estates, das zwischen zwei Spitzen am Metall der Tore angebracht war. Neugierig stiegen sie aus, um sich etwas umzusehen.</p><p>Zuerst hoffte Philip, dass sie hier eine Weile bleiben konnten. Vielleicht w�rden sie sogar etwas zu essen finden, ehe sie ausgeruht die letzte Etappe ihrer Reise in Angriff nahmen. Vielleicht w�rden sie auch auf andere Menschen treffen, vielleicht sogar auf ein paar Leute, die ihnen helfen k�nnten. Aber nachdem die f�nf m�den, hungrigen, nerv�sen und etwas benommenen Reisenden die verwinkelten Stra�en der Wilthire Estates in der Dunkelheit langsam durchfahren hatten, war ihnen klar, dass sie hier kein Leben mehr finden w�rden.</p><p>S�mtliche H�user lagen im Dunklen, keine Autos zu sehen. Wasser aus einem Hydranten �berflutete eine Kreuzung und den angrenzenden Rasen. An einer Stra�enecke stand ein verlassener BMW, die Motorhaube hatte sich um einen Telefonmasten gewickelt. Die verbogene Beifahrert�r war offen. Alles sah danach aus, als ob die Insassen des Wagens Hals �ber Kopf gefl�chtet waren.</p><p>Der Anlass f�r ihre Flucht war leicht zu erkennen. �berall auf dem Golfplatz, den d�steren Seitenstra�en und sogar auf den hell beleuchteten Hauptstra�en waren dunkle Gestalten zu sehen. Zombies torkelten ziellos wie unheimliche Schatten ihres fr�heren Selbst durch die Gegend. Aus ihren offen stehenden M�ndern drang ein kr�chzendes St�hnen, das Philip sogar durch die geschlossenen Scheiben seines Chevy Suburban h�ren konnte, als er durch die breiten, neu geteerten Stra�en fuhr.</p><p>Die Pandemie, oder was auch immer diese Katastrophe ausgel�st hatte, war also auch in Wiltshire Estates eingetroffen. Die meisten Untoten stolperten durch die B�sche und �ber die Wege des Golfplatzes. Vielleicht weil Golfer oft �lteren Jahrgangs und somit langsam waren? Oder schmeckten sie den Zombies einfach besonders gut? Wer zum Teufel konnte das wissen. Aber selbst aus mehreren hundert Metern Entfernung durch B�ume hindurch und �ber Z�une hinweg war es offensichtlich, dass sich Hunderte von Untoten in dem riesigen Klubhaus, auf den Fairways, den Br�cken und in den Bunkern versammelt hatten.</p><p>In der Dunkelheit der Nacht �hnelten sie Insekten, die scheinbar ziellos durch die Finsternis schw�rmten.</p><p>Ihr Anblick war mehr als verst�rend. Die Katastrophe hatte offenbar den ganzen Ort mit seinen nicht enden wollenden Einbahnstra�en und kurvigen Alleen so gut wie aussterben lassen. Je l�nger Philip und seine Leute durch die menschenleere Siedlung kurvten, desto mehr sehnten sie sich nach dem preisgekr�nten Lifestyle, der hier nirgendwo mehr zu finden war. Es h�tte ihnen schon wenig gereicht, um sich etwas zu erholen und die Batterien wieder aufzuladen.</p><p>Sie hatten gehofft, dass sie die Nacht hier verbringen konnten, um den n�chsten Tag frisch und erholt in Angriff zu nehmen.</p><p>Also w�hlten sie das gro�e, im Kolonialstil erbaute Haus am Ende der Green Briar Lane. Es schien weit genug vom Golfplatz entfernt zu sein, sodass die Zombies sie hoffentlich gar nicht erst bemerken w�rden. Au�erdem hatte es einen gro�en Garten, und der hohe Zaun machte einen soliden Eindruck. Es stand leer. Als sie leise �ber den Rasen zum Nebeneingang schlichen�� das Auto vor dem Haus war nicht abgeschlossen, und der Schl�ssel steckte im Z�ndschloss��, um einer nach dem anderen durch ein Fenster ins Innere zu klettern, wurden sie sogleich willkommen gehei�en. Beim ersten Knarzen aus dem oberen Stockwerk befahl Philip Nick, s�mtliche �xte und Pickel aus dem Kofferraum des Suburban zu holen.</p><p>�Ich sage es noch einmal: Wir haben alle erwischt�, verk�ndet Philip nun und versucht, seinen Bruder zu beruhigen, der am Fr�hst�ckstisch in der K�che Platz genommen hat.</p><p>Brian antwortet nicht, sondern starrt auf seine Sch�ssel Cornflakes. Daneben steht eine Flasche Hustensaft, die Brian bereits zu einem Viertel geleert hat.</p><p>Neben ihm sitzt Penny vor einer Schale Cap�n Crunch. Ein kleiner Stoffpinguin, so gro� wie eine Birne, wacht �ber ihr Essen, und ab und zu h�lt sie dem Tier einen L�ffel hin und tut so, als ob sie mit ihm teilen w�rde.</p><p>�Wir haben das ganze Haus durchk�mmt, jeden Zentimeter�, f�hrt Philip fort und rei�t die K�chenschr�nke auf: bis obenhin voll mit allen erdenklichen Delikatessen. Mit ihren Kristallgl�sern, Weinregalen, handgemachten Pastas, ausgefallenen Marmeladen und Gelees, Gew�rzen, von denen Philip noch nie geh�rt hat, teuren Lik�ren und unz�hligen Kochutensilien gleicht die K�che einem Schlaraffenland. Der riesige Gasherd ist blitzsauber, und der riesige K�hlschrank mit dem gro�en Eisfach ist bis zum Rand mit exklusivem Fleisch, Fr�chten, Brotaufstrichen, Milchprodukten und kleinen wei�en Pappschachteln mit den �berresten einer chinesischen Mahlzeit gef�llt. �Vielleicht war der Junge ja gerade bei Verwandten oder so�, meint Philip und bemerkt eine Flasche Bourbon auf einem der Regale. �K�nnte bei den Gro�eltern gewesen sein, oder er hat bei Freunden �bernachtet. Alles ist m�glich.�</p><p>�Mann! Seht euch das an!�, ruft Bobby Marsh begeistert. Er steht vor der Vorratskammer und betrachtet zufrieden die Sch�tze, die sich darin stapeln. �Das ist ja wie bei Charlie und die Schokoladenfabrik! Kekse, Pralinen�� Und das Brot ist sogar noch fast frisch.�</p><p>�Brian, wir sind hier sicher�, versucht Philip seinen Bruder zu beruhigen und schnappt sich die Flasche Bourbon vom Regal.</p><p>�Sicher?� Brian Blake starrt auf den Tisch. Er hustet und sch�ttelt sich.</p><p>�Das habe ich doch gerade gesagt. Und ob du willst oder nicht�� ich habe mir gedacht, dass���</p><p>�Schon wieder einer weg!�, sagt eine Stimme aus einer Ecke der K�che.</p><p>Nick. Seit zehn Minuten zappt er nerv�s auf einem kleinen Flachbildschirmfernseher, der neben der Sp�le unter einem K�chenschrank angebracht ist, durch die Fernsehkan�le, um die Nachrichten zu durchforsten. Es ist dreiundzwanzig Uhr f�nfundvierzig und an der Zeit, die Nachrichten auf Fox 5 aus Atlanta einzuschalten. Doch der Sender hat sich gerade in Rauschen aufgel�st. Das Einzige, was sie au�er den nationalen Netzwerken, die nur Wiederholungen von Tierfilmen oder alte Schwarz-Wei�-Schmonzetten bringen, noch empfangen k�nnen, sind die Nachrichten auf CNN aus Atlanta. Doch alles, was ihnen da geboten wird, sind die gleichen alten Meldungen und Storys, die sie schon seit Tagen kennen. Auch Brians Blackberry gibt langsam den Geist auf. Der Empfang hier drau�en in Wiltshire Estates ist eher sporadisch. Wenn er einmal funktioniert, erh�lt Brian sogleich eine Unmenge von Spammails, Facebook-Tags und anonymen Tweets mit solch kryptischen Meldungen wie:</p><p>� UND DAS REICH WIRD IN FINSTERNIS GEH�LLT��</p><p>� ZUERST FIELEN DIE V�GEL VOM HIMMEL. SO FING ALLES AN��</p><p>� ALLES VERBRANNT, ALLES VERBRANNT��</p><p>� BLASPHEMIE GEGEN GOTT��</p><p>� WENN DU SCHWACH BIST, STIRBST DU��</p><p>� DAS HAUS DES HERRN IST ZUR HEIMAT VON D�MONEN VERKOMMEN��</p><p>� SCHIEBT MIR NICHT DIE SCHULD IN DIE SCHUHE, ICH BIN LIBERAL��</p><p>� FRESST MICH��</p><p>�Schalt das Ding aus, Nick�, ermahnt Philip seinen Freund finster und l�sst sich mit der Flasche in der Hand auf einem Stuhl nieder. Er runzelt die Stirn und fasst mit einer Hand nach hinten, wo er die Pistole in die Hose gesteckt hat. Diese legt er auf den Tisch, �ffnet die Flasche Whiskey und nimmt gierig einen gro�en Schluck.</p><p>Brian und Penny starren auf die Waffe.</p><p>Philip macht die Flasche wieder zu und wirft sie zu Nick hin�ber, der sie mit der Leichtigkeit eines Baseballspielers, der er einmal war, f�ngt. �Schalte mal den Alkohol-Kanal f�r ein Weilchen an�� Du musst schlafen und dir nicht die ganze Nacht �ber diesen Schwachsinn reinziehen.�</p><p>Nick nimmt einen Schluck und dann noch einen, ehe er die Flasche wieder schlie�t und sie Bobby zuwirft.</p><p>Dieser l�sst sie beinahe fallen, so sehr ist er von der Speisekammer und ihrem Inhalt in Bann gezogen. Er verschlingt gerade eine Packung Oreo-Kekse; der schwarze Teig sammelt sich bereits in seinen Mundwinkeln. Gierig sp�lt er die Kekse mit einem gro�en Schluck Bourbon runter und r�lpst zufrieden.</p><p>Philip und seine beiden Kumpel sind es gewohnt, zusammen einen draufzumachen und zu trinken, und in dieser Nacht brauchen sie es mehr denn je. Es hatte alles mit Cr�me de Menthe und Melonenwein beim Zelten im elterlichen Garten im ersten Semester in Burke County angefangen und sich nach und nach zu Saufgelagen nach dem American Football entwickelt. Niemand kann so viel trinken wie Philip Blake. Doch die beiden anderen liegen Kopf an Kopf, was den zweiten Platz betrifft.</p><p>Kurz nach seiner Hochzeit zog Philip noch des �fteren mit seinen Kumpanen um die H�user, um die Zeiten des unbeschwerten Single-Daseins noch einmal auszukosten. Aber nach Sarahs Tod drifteten die drei M�nner auseinander. Der Stress als alleinerziehender Vater zusammen mit der Arbeit in der Werkstatt und die Nachtschichten als Lkw-Fahrer mit Penny in der Koje hinter der Fahrerkabine laugten Philip aus. Ihre Zusammenk�nfte fanden kaum noch statt. Ab und zu schafft es Philip, sich gen�gend Zeit freizuschaufeln, um mit Bobby und Nick im Tally Ho, im Wagon Wheel oder einer anderen Kneipe in Waynesboro gem�tlich die Kehle anzufeuchten�� w�hrend Mama Rose gew�hnlich auf Penny aufpasst.</p><p>In den letzten Jahren hat Philip begonnen, sich zu fragen, ob er diese Abende nicht nur noch als eine Art Pflichtveranstaltung betrachtet, um sich zu beweisen, dass er noch am Leben ist. Das war vielleicht auch der Grund, warum er Bobby und Nick am vergangenen Sonntag unbedingt mit auf die Reise nehmen wollte�� an jenem Tag, als es in Waynesboro so richtig schlimm wurde und er beschloss, sich Penny zu schnappen und sie in Sicherheit zu bringen. Irgendwie waren seine Freunde Teil seiner Vergangenheit, und das gab ihm ein etwas besseres Gef�hl.</p><p>Brian jedoch war nicht Teil seines Plans gewesen. Er h�tte ihn auch nie mitgenommen, wenn er ihn nicht zuf�llig wiedergesehen h�tte. Am ersten Tag ihrer Flucht beschloss Philip, als sie sich etwa sechzig Kilometer westlich von Waynesboro befanden, einen Abstecher nach Deering zu machen, um nach den Eltern zu schauen. Die beiden wohnten in einer Seniorenanlage in der N�he des Milit�rst�tzpunktes Fort Gordon. Als Philip vor dem Reihenhaus anhielt, stellte er jedoch fest, dass alle Anwohner der Anlage aus Sicherheitsgr�nden bereits nach Fort Gordon evakuiert worden waren.</p><p>Das war die gute Nachricht. Die schlechte war, dass sich Brian im elterlichen Haus befand. Er hatte sich in dem verlassenen Geb�ude verschanzt, und zwar war er in den Kriechkeller gerobbt und schlotterte dort vor Angst vor den lebenden Toten. Philip hatte Brian in den letzten Jahren so gut wie aus den Augen verloren und wusste nur wenig von seinem Leben: Nach dem Scheitern seiner Ehe mit dieser verr�ckten Jamaikanerin aus Gainesville, die alles aufgegeben hatte, um nach Jamaika zur�ckzugehen, war Brian zu seinen Eltern gezogen. Als ob das nicht reichte, hatte er zudem noch jede seiner bescheuerten Gesch�ftsideen in den Sand gesetzt, die er jemals hatte, wobei die meisten von ihren Eltern gesponsert wurden�� so auch sein geniales Vorhaben, einen Musikladen in Athens aufzumachen. In Athens! Wo es bereits an jeder Ecke einen Musikladen gibt! Allein bei dem Gedanken, auf seinen gro�en Bruder aufpassen zu m�ssen, zuckte Philip zusammen. Aber es blieb ihm wohl nichts anderes �brig.</p><p>�He, Philly�, sagt Bobby jetzt zu ihm, w�hrend er die letzten Kekse verputzt. �Glaubst du, dass die Fl�chtlingslager in der Stadt noch immer offen sind?�</p><p>�Woher soll ich das wissen?� Philip wirft einen Blick auf seine Tochter. �Wie geht es dir, Schatz?�</p><p>Das kleine M�dchen zuckt mit den Achseln. �Okay.� Ihre Stimme ist kaum h�rbar. Sie klingt wie ein kaputtes Windspiel, das leise hin und her schaukelt, w�hrend sie auf den Pinguin neben ihr starrt. �Geht schon.�</p><p>�Wie gef�llt dir das Haus? Magst du es?�</p><p>Penny zuckt erneut mit den Schultern. �Wei� nicht.�</p><p>�Was w�rdest du dazu sagen, wenn wir ein wenig hier bleiben w�rden?�</p><p>Alle starren ihn an. Brian rei�t die Augen auf. Nach einer Weile meint Nick: �Was soll das genau hei�en: ein wenig?�</p><p>�Her mit der Flasche�, erwidert Philip und gibt Bobby ein Zeichen, dass er ihm die Flasche zuwerfen soll. Als er sie hat, �ffnet er sie und nimmt einen gro�en Schluck. Er genie�t es, wie der Whiskey in seiner Kehle brennt. �Schaut euch doch mal um�, meint er schlie�lich, nachdem er sich den Mund am �rmel abgewischt hat.</p><p>Brian ist verwirrt. �Aber du hast doch gesagt, dass wir hier nur eine Nacht bleiben.�</p><p>Philip holt tief Luft. �Richtig, das hab ich. Aber ich bin gerade dabei, meine Meinung zu �ndern.�</p><p>�Ja, aber���, wirft Bobby ein.</p><p>�H�rt zu. Ich will damit nur sagen, dass es vielleicht keine schlechte Idee w�re, ein Weilchen abzutauchen.�</p><p>�Schon. Aber, Philly, aber was ist mit���</p><p>�Bobby, wir k�nnten einfach hierbleiben und abwarten, wie sich die Lage entwickelt.�</p><p>Nick hat gespannt zugeh�rt. �Philip, jetzt komm schon, Mann. In den Nachrichten hei�t es, dass es in den St�dten am sichersten ist���</p><p>�In den Nachrichten? He, Mann, vergiss den Schwachsinn. Die Nachrichten sind genauso Schnee von gestern wie der Rest der Bev�lkerung. Schau dich um. Glaubst du, dass eine Unterkunft, die uns die Regierung zur Verf�gung stellt, auch nur ann�hernd so gut ausgestattet ist wie diese? Hier haben wir Betten, gen�gend Essen f�r die n�chsten Wochen und zwanzig Jahre alten Whiskey. Es gibt Duschen, hei�es Wasser und eine Waschmaschine.�</p><p>�Aber wir sind so kurz vor dem Ziel�, wirft Bobby nach einem kurzen Schweigen ein.</p><p>Philip seufzt. ��Kurz� kann alles hei�en.�</p><p>�Es sind h�chstens noch drei�ig Kilometer, keinen Meter weiter.�</p><p>�Es k�nnten meinetwegen auch drei�igtausend Kilometer sein. Allein die zur�ckgelassenen Autos, die �berall auf den Stra�en stehen, sprechen B�nde. Auf dem Highway 278 wimmelt es nur so von Monstern.�</p><p>�Das st�rt uns doch nicht�, versichert Bobby. Seine Augen leuchten pl�tzlich auf, und er schnippst mit den Fingern. �Wir bauen uns einen�� Wie hei�t das noch mal? So ein Ding vor die Sto�stange des Chevy�� Genau, einen Schei�schieber. Mann, wie in diesem geilen Streifen Mad Max II���</p><p>�Achte auf deine Ausdrucksweise, Bobby�, ermahnt ihn Philip und nickt in Pennys Richtung.</p><p>Nick meldet sich erneut zu Wort. �Mann, wenn wir hierbleiben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Monster uns��� Er h�lt inne und wirft einen Blick auf das kleine M�dchen. Die anderen verstehen auch so, was er sagen will.</p><p>Peggy starrt auf ihre Schale. Es scheint so, als ob sie �berhaupt nicht zuh�ren w�rde.</p><p>�Dieses Haus h�lt viel aus�, kontert Philip, stellt die Flasche ab und verschr�nkt seine muskul�sen Arme vor der Brust. Er dachte bereits an die umherwandernden Scharen drau�en auf dem Golfplatz. Sie w�rden sie vorerst bestimmt in Ruhe lassen. Nat�rlich m�ssen sie sich still verhalten, die Fenster verdunkeln und d�rfen keine Lebenszeichen von sich geben. Alles muss so ruhig und leise wie m�glich ablaufen. Blo� kein Aufsehen erregen. �Solange wir Strom haben und den Kopf nicht verlieren, wird das hier super laufen.�</p><p>�Mit einer einzigen Pistole?�, fragt Nick. �Mann, sobald wir das Ding benutzen, rennen sie uns die Bude ein.�</p><p>�Wir sehen uns einfach um. Vielleicht gibt es ja noch Waffen in den anderen H�usern. Diese reichen Typen gehen doch gern auf die Jagd. Vielleicht finden wir sogar einen Schalld�mpfer f�r meine Ruger�� Mann, den k�nnen wir sogar selbst basteln. Habt ihr schon die Werkstatt im Keller gesehen?�</p><p>�Geht�s noch, Philip? Was soll das? Sind wir jetzt B�chsenmacher geworden? Alles, was wir haben, um uns vor diesen Kreaturen zu sch�tzen, sind���</p><p>�Philip hat recht.�</p><p>Brians Stimme klingt zwar heiser und atemlos, aber er scheint sich auf einmal sicher zu sein. Er schiebt seine Schale mit Cornflakes von sich fort und blickt seinen Bruder an. �Du hast recht.�</p><p>Philip ist wohl am meisten �ber die klare Gewissheit �berrascht, die in Brians Stimme anklingt.</p><p>Dieser steht auf, geht um den Tisch herum und stellt sich auf die Schwelle zu dem ger�umigen, gut ausgestatteten Wohnzimmer. Es liegt im Dunkeln, die Vorh�nge sind zugezogen. Brian zeigt auf die gegen�berliegende Wand. �Eigentlich ist nur die Vorderseite des Hauses ein Problem. Die Seiten und der hintere Teil sind durch den hohen Zaun gesch�tzt. Die Untoten k�nnen offenbar keine Hindernisse �berwinden�� Und wie es aussieht, hat hier jedes Haus einen eingez�unten Garten.� F�r einen Augenblick bef�rchten die anderen, Brian m�sste ersticken, so heftig hustet er. Aber er beruhigt sich wieder und h�lt eine Hand vor den Mund. Schlie�lich f�hrt er fort: �Wenn wir uns das eine oder andere von den Nachbarh�usern borgen, k�nnen wir vielleicht sogar unseren Vorgarten sichern�� und die der Nachbarh�user.�</p><p>Bobby und Nick werfen sich vielsagende Blicke zu. Doch keiner von ihnen sagt ein Wort, bis Philip endlich schwach l�chelt. �He, das muss man dem College-Boy lassen. Wenn er recht hat, dann hat er recht.�</p><p>Es ist schon ein Weilchen her, seitdem sich die beiden Blake-Br�der mit einem L�cheln bedacht haben. Doch jetzt merkt Philip zum ersten Mal, dass ihm dieser Taugenichts von Bruder offenbar helfen und auch seinen Mann stehen will. Brian hingegen genie�t Philips Anerkennung sichtlich.</p><p>Nick ist noch immer nicht �berzeugt. �Und f�r wie lange? Ich komme mir hier wie ein Lockvogel vor.�</p><p>�Wir wissen doch gar nicht, was hier vor sich geht�, sagt Brian. Seine Stimme klingt heiser und irgendwie manisch. �Wir haben noch immer keine keine Ahnung, was das hier ausgel�st hat und wie lange es dauern wird�� Vielleicht wird ja bald herausgefunden, wie man es bek�mpfen kann, oder man entdeckt ein Gegenmittel oder so�� Die k�nnten Chemikalien aus Spr�hflugzeugen spritzen, oder die Gesundheitsbeh�rde bekommt alles unter Kontrolle�� Kann doch sein. Ich glaube, Philip hat recht. Wir sollten hier ein wenig entspannen und Kraft tanken.�</p><p>�Verdammt richtig�, stimmt Philip mit einem L�cheln ein, die muskul�sen Arme noch immer verschr�nkt. Er zwinkert seinem Bruder zu.</p><p>Brian zwinkert zufrieden zur�ck und nickt Philip zu, w�hrend er sich eine Haarstr�hne aus den Augen wischt. Er atmet tief ein und tritt dann triumphierend zu der Flasche Whiskey, die auf dem Tisch neben Philip steht. Rasch fasst er in einer flie�enden Bewegung danach, die eine K�rperbeherrschung verr�t, welche er schon seit Jahren nicht mehr an den Tag gelegt hat. Er f�hrt die Flasche zum Mund und nimmt einen gro�en Schluck mit der siegessicheren Geste eines Wikingers, der seine erste erfolgreiche Jagd feiert.</p><p>Kaum ber�hrt der erste Tropfen Whiskey seine Kehle, kr�mmt sich Brian jedoch zusammen und sch�ttelt sich vor Husten. Der Whiskey in seinem Mund spritzt durch die K�che. Er hustet und hustet, bis er v�llig au�er Atem ist. Einen Augenblick lang schauen ihn die anderen hilflos an. Penny ist wie vom Blitz ger�hrt und starrt ihn mit ihren riesigen Augen an, w�hrend sie sich die Whiskeytropfen von der Wange reibt.</p><p>Philip betrachtet seinen erb�rmlichen Bruder und wirft dann seinen Kumpels einen Blick zu. Vor der Speisekammer hat Bobby Marsh seine Schwierigkeiten, ein Lachen zu unterdr�cken. Nick kann das Zucken um seine Mundwinkel kaum b�ndigen. Philip versucht etwas zu sagen, kann dann aber nicht anders und beginnt zu lachen. Das Lachen wirkt ansteckend, und die anderen fangen jetzt ebenfalls an.</p><p>Bald sind alle au�er Rand und Band�� selbst Brian��, und zum ersten Mal seit dem Beginn dieses schrecklichen Albtraums ist es ein echtes, wirkliches Lachen. Einen Moment lang ist es wie eine Befreiung von dem D�steren und unheimlich Zerbrechlichen, das in allen von ihnen lauert.</p><p>In der Nacht halten sie Wache und schlafen nur abwechselnd. Jeder bekommt sein eigenes Zimmer im ersten Stock. Die zur�ckgebliebenen Gegenst�nde der ehemaligen Bewohner wirken dabei wie unheimliche Objekte aus einem Museum: ein Nachttisch mit einem halbvollen Glas Wasser, ein John-Grisham-Roman, der nie zu Ende gelesen wird, zwei Pompons f�r eine Cheerleaderin �ber dem Himmelbett in einem M�dchenzimmer.</p><p>Den Gro�teil der Nacht sitzt Philip im Wohnzimmer im Erdgeschoss und wacht �ber das Haus. Neben ihm auf einem Beistelltisch liegt seine Pistole. Penny befindet sich unter mehreren Decken auf dem gro�en Sofa neben seinem Stuhl. Sie versucht vergeblich einzuschlafen. Gegen drei Uhr morgens, als Philips gequ�lte Gedanken immer wieder zu dem unheilvollen Unfall seiner Frau zur�ckdriften, bemerkt er aus den Augenwinkeln, dass sich Penny noch immer unruhig hin und her w�lzt.</p><p>Philip lehnt sich zu ihr hin, streicht ihr �ber die dunklen Haare und fl�stert: �Kannst du nicht schlafen?�</p><p>Das kleine M�dchen zieht sich die Decke bis zum Kinn und blickt zu ihm auf. Sie sch�ttelt den Kopf. Das orangefarbene Gl�hen des Heizl�fters, den Philip neben die Couch gestellt hat, verleiht ihrem blassen Gesicht etwas Engelhaftes. Von drau�en tr�gt der Wind den schrillen Sprechchor aus unentwegtem St�hnen herein, der trotz des leisen Blasens des Heizl�fters gerade noch wahrzunehmen ist. Er l�sst an die Brandung unwirklicher Wellen denken, die auf die K�ste treffen.</p><p>�Daddy ist bei dir, Schatz. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen�, beruhigt Philip sie liebevoll und streichelt ihr �ber die Wange. �Ich werde immer f�r dich da sein.�</p><p>Sie nickt.</p><p>Philip schenkt ihr ein L�cheln. Er beugt sich �ber sie und gibt ihr einen Kuss auf die linke Augenbraue. �Niemand und nichts wird dir etwas antun. Daf�r werde ich sorgen.�</p><p>Sie nickt erneut. Der kleine Pinguin lugt zwischen ihrem Hals und ihrem Kinn hervor. Sie blickt ihn an und runzelt die Stirn. Dann hebt sie ihn an ihr Ohr, als ob sie ihm zuh�ren w�rde, w�hrend er ihr ein Geheimnis anvertraut. Danach schaut sie wieder zu ihrem Vater hoch. �Daddy?�</p><p>�Ja, mein Schatz?�</p><p>�Pinguin m�chte etwas wissen.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Pinguin m�chte wissen, ob die Leute krank sind.�</p><p>Philip holt tief Luft. �Sag dem Pinguin: Ja, sie sind krank. Die sind viel mehr als nur krank. Und darum haben wir sie�� haben wir sie von ihrem Leid erl�st.�</p><p>�Daddy?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Pinguin will wissen, ob wir auch krank werden.�</p><p>Philip streicht ihr erneut mit der Hand �ber die Wange. �Nein, meine Kleine. Sag Pinguin, dass wir gesund bleiben. Gesund genug, um B�ume auszurei�en.�</p><p>Das scheint das M�dchen so weit zu beruhigen, dass es sich von ihrem Vater abwendet und erneut in die Luft zu starren beginnt.</p><p>Gegen vier Uhr morgens qu�lt sich ein weiterer unruhiger Geist mit anderen unbeantwortbaren Fragen. Unter einem Haufen Decken, den d�nnen K�rper lediglich in T-Shirt und Unterhose geh�llt, treibt das Fieber Brian Blake den Schwei� auf die Stirn. Im Zimmer des toten M�dchens dieses Hauses starrt er auf die stuckverzierte Decke und �berlegt, ob die Welt wohl so enden soll. War es nicht Rudyard Kipling, der einmal sagte, dass die Welt nicht mit einem Knall, sondern mit Gewimmer untergehen wird? Nein, einen Augenblick�� Das war <emphasis>Eliot</emphasis>. S. Eliot. Brian erinnert sich daran, das Thema dieses Gedichts an der Uni behandelt zu haben. Hie� es nicht <emphasis>Die hohlen M�nner</emphasis>? Es war an der Universit�t von Georgia gewesen, in einem Kurs f�r vergleichende Literaturwissenschaft im zwanzigsten Jahrhundert. Dieses Studium hatte ihm wirklich verdammt viel gebracht.</p><p>Er liegt da und gr�belt �ber seine Misserfolge nach�� wie jede Nacht. Doch diesmal mischen sich auch die Eindr�cke des Gemetzels hinein, wie schreckliche Bilder aus einem Snuff-Film, die sich in sein Bewusstsein dr�ngen.</p><p>Alte D�monen tauchen wieder auf, vermengen sich mit neuen �ngsten und qu�len ihn bis in sein Innerstes: H�tte er etwas tun oder sagen k�nnen, um seine Exfrau Jocelyn bei sich zu behalten und sie davon abzubringen, ihm diese ganzen schrecklichen Vorw�rfe zu machen, ehe sie ein f�r alle Mal zur�ck nach Montego Bay fuhr? Kann man Monster mit einem einzigen Hieb auf den Kopf t�ten, oder muss man auch das Hirngewebe zerst�ren? H�tte er etwas tun k�nnen�� selbst betteln oder sich Geld leihen��, um seinen Musikladen in Athens zu behalten, der einzige seiner Art im S�den, seine grandiose Idee eines Ladens, der ausschlie�lich Hip-Hop-K�nstler mit neu ausgestatteten Plattenspielern, gebrauchten Bassboxen und protzigen Mikros im Stil von Snoop Doggs Bling bediente? Wie schnell w�chst die Zahl der ungl�cklichen Opfer da drau�en eigentlich? Handelt es sich um eine luft�bertragene Krankheit oder verbreitet sie sich �ber das Wasser wie der Ebolavirus?</p><p>Seine Gedanken drehen sich eine Weile im Kreis, bevor er sich wieder auf das Hier und Jetzt besinnt. Er kann das Gef�hl nicht absch�tteln, dass sich das siebte Familienmitglied, das hier einmal gewohnt hat, noch immer irgendwo im Haus befindet.</p><p>Jetzt, da er Bobby und Nick dazu brachte hierzubleiben, muss er erst recht immer wieder an den Jungen denken. Er nimmt jedes Knarzen, jedes noch so leise Ger�usch des Hauses wahr, selbst das Surren der Heizung, wenn sie anspringt. Aus ihm unerfindlichen Gr�nden ist er sich absolut sicher, dass sich der blonde Junge noch im Haus befindet und wartet, bis�� Ja, bis was? Vielleicht wurde der Kleine ja gar nicht angesteckt. Vielleicht schlottert er stattdessen vor Angst in einem Versteck.</p><p>Ehe sie zu Bett gingen, bestand Brian noch einmal darauf, dass sie das ganze Haus von oben bis unten durchsuchen. Philip war mitgekommen, den Pickel in einer Hand und eine Taschenlampe in der anderen. Sie hatten jeden Winkel im Keller, jeden Schrank, jede Kammer und s�mtliche Abstellkammern kontrolliert. Selbst die Tiefk�hltruhe im Keller, die Waschmaschine und den Trockner durchforsteten sie nach unwillkommenen G�sten. Nick und Bobby waren f�r den Dachboden zust�ndig und st�berten zwischen Koffern, Kisten und in Kleiderschr�nken. Philip sah unter jedes Bett und hinter jede Kommode. Obwohl sie nicht das fanden, wonach sie suchten, machten sie doch die eine oder andere n�tzliche Entdeckung.</p><p>Zum einen gab es einen Hundefressnapf im Keller. Doch von einem Hund war weit und breit nichts zu sehen. Au�erdem stie�en sie in der Werkstatt des Hauses auf eine Reihe �beraus n�tzlicher Elektrowerkzeuge: Stichs�gen, Bohrer, Fr�sen und sogar eine Nagelpistole. Diese w�rde sich bestimmt als sehr brauchbar erweisen, wenn sie die Barrikaden bauten. Nicht nur ist sie schneller, als wenn man selbst h�mmern muss, sondern auch wesentlich leiser.</p><p>Brian fiel noch eine andere Verwendung f�r die Nagelpistole ein, an die er jetzt wieder denken muss, als er ein Ger�usch wahrnimmt, das ihm eine G�nsehaut �ber den ganzen K�rper jagt.</p><p>Das Ger�usch dringt von oben zu ihm herunter und zwar vom anderen Ende seines Zimmers.</p><p>Es kommt vom Dachboden.</p></section><section><title><p>Drei</p></title><p>Kaum h�rt Brian das Ger�usch, das er sofort als etwas anderes als ein Knarzen des Hauses, als den Wind in den Dachgauben oder als die ratternde Heizung identifiziert, schnellt er mit einem Ruck hoch.</p><p>Er legt den Kopf seitlich, um besser h�ren zu k�nnen. Es klingt so, als ob jemand herumkratzen oder als ob ruckartig ein St�ck Stoff zerrei�en w�rde. Zuerst will Brian seinem Bruder Bescheid geben. Philip soll das regeln, der kann das. Um Himmels willen, das k�nnte der Junge sein�� oder noch etwas viel Schlimmeres��</p><p>Doch pl�tzlich besinnt sich Brian und rei�t sich zusammen. Wenn er jetzt wieder den Schwanz einzieht, so wie immer? Will er wirklich wieder zu seinem Bruder laufen, wie er das immer getan hat? Zu seinem j�ngeren Bruder, verdammt noch mal! Der gleiche, dessen Hand Brian jeden Morgen an der Kreuzung halten musste, als sie noch zur Grundschule in Burke County gingen? Nein, zum Teufel. Das muss ein Ende nehmen. Brian will ihm endlich zeigen, dass auch er Eier hat.</p><p>Er holt tief Luft, dreht sich um und sucht nach der Taschenlampe, die er neben sich auf den Nachttisch gelegt hat. Nach einigen Sekunden hat er sie ertastet und schaltet sie ein.</p><p>Der d�nne Lichtstrahl erhellt das dunkle Schlafzimmer und taucht die gegen�berliegende Wand in einen silbrigen Schimmer. Nur du und ich, Justin, denkt Brian und steht auf. Sein Kopf ist klar, die Sinne in Alarmbereitschaft.</p><p>Eigentlich f�hlt sich Brian in ausgezeichneter Verfassung, vor allem, nachdem er den Plan seines Bruders so aktiv unterst�tzte. Allein Philips Blick�� als ob Brian mehr als nur ein nutzloser Taugenichts w�re�� hat ihm neuen Mut gegeben. Jetzt ist es an der Zeit, Philip zu zeigen, dass die Szene in der K�che keine einmalige Geschichte war, sondern dass er sich genauso ins Zeug legen kann wie sein Bruder.</p><p>Leise schleicht er in Richtung T�r.</p><p>Ehe er das Schlafzimmer verl�sst, nimmt er noch den Baseballschl�ger aus Metall, den er im Zimmer eines der Jungs gefunden hat.</p><p>Das Rascheln von oben ist im Gang noch deutlicher zu h�ren. Brian h�lt unter dem Zugang zum Dachboden auf dem Treppenabsatz des ersten Stockwerks inne. Die anderen Schlafzimmer entlang des Flurs, hinter deren T�ren Bobby Marsh und Nick Parsons schnarchen, liegen am anderen Ende des Treppenabsatzes an der Ostseite. Dort kann man das Ger�usch nicht h�ren. Es bleibt also nur Brian, der sich der Sache annehmen muss.</p><p>An der Dachluke h�ngt eine Schlaufe aus Leder. Brian springt so leise wie m�glich hoch und fasst nach ihr. Er zieht daran und �ffnet das Schnappschloss zum Dachboden. Eine Leiter erscheint, und Brian zieht sie knarzend bis auf den Treppenabsatz herab, ehe er die Taschenlampe auf das dunkle Loch �ber sich richtet. Staubk�rnchen tanzen durch die Luft. Die Dunkelheit ist dennoch undurchdringlich und scheint fast alles Licht zu schlucken. Brians Herz f�ngt heftig zu pochen an.</p><p>Du verdammtes Weichei, ermahnt er sich. Beweg deinen Hintern nach oben.</p><p>Er klettert eine Sprosse nach der anderen hoch, den Baseballschl�ger unter dem Arm, in der freien Hand die Taschenlampe. Als er oben ankommt, h�lt er inne. Er richtet den Lichtstrahl auf einen antiken Schrankkoffer voller alter Aufkleber vom Magnolia Springs State Park.</p><p>Jetzt nimmt er den kalten, fauligen Geruch wahr, der hier oben herrscht�� eine Mischung aus Moder und Mottenkugeln. Die herbstliche K�lte ist durch die Ritzen gekrochen und hat sich auf dem Dachboden breitgemacht. K�hle Luft ber�hrt sein Gesicht. Da dringt das Rascheln erneut an sein Ohr.</p><p>Es scheint ein St�ck entfernt zu sein. Brians Kehle ist staubtrocken, als er sich etwas aufrichtet. Das Dach ist derart niedrig, dass er leicht geb�ckt bleiben muss. Er erzittert in seiner Unterhose und dem T-Shirt. Au�erdem reizt ihn ein Husten, doch er unterdr�ckt ihn so gut er kann.</p><p>Einen Moment lang h�rt das Kratzen auf, ehe es mit erneutem Elan weitergeht. Als ob jemand w�tend w�re.</p><p>Brian hebt den Baseballschl�ger und r�hrt sich nicht vom Fleck. Er erlebt das Gef�hl der Angst wieder ganz neu: Wenn man sich beinahe in die Hose macht, zittert man nicht, wie es die Schauspieler in den Filmen tun. Nein, man bewegt sich �berhaupt nicht. Wie ein Tier, das die Nackenhaare aufstellt.</p><p>Das Zittern kommt erst danach.</p><p>Der Strahl der Taschenlampe wandert langsam durch die dunklen Ecken des Dachbodens �ber die abgelegten Dinge einer wohlhabenden Familie: ein Trimmfahrrad voller Spinnweben, ein Ruderger�t, Koffer, Hanteln, Dreir�der, Kartons voller Kleider, Wasserski, sogar ein Flipperkasten, der von einer dichten Schicht Staub �berzogen ist. Da dringt das Kratzen wieder an sein Ohr.</p><p>Der Lichtstrahl trifft auf einen Sarg.</p><p>Brian h�lt wie versteinert inne.</p><p>Ein Sarg?</p><p>Philip bleibt abrupt auf der Treppe stehen, als er bemerkt, dass die Dachluke auf dem Treppenabsatz im ersten Stock offen steht.</p><p>Er eilt die restlichen Stufen hoch, wobei seine F��e nur von Socken bedeckt sind. In einer Hand h�lt er eine Axt, in der anderen eine Taschenlampe. Die Schusswaffe steckt wieder hinten in seiner Jeans. Mit freiem Oberk�rper kann man seine sehnigen Muskeln erst recht gut erkennen. Seine Haut schimmert im Mondlicht, das durch die Oberluke f�llt.</p><p>In Sekundenschnelle hat er den Treppenabsatz erreicht und klettert die Stufen zum Dachgeschoss hoch. Als er oben in der Dunkelheit angekommen ist, sieht er die Silhouette eines Mannes in dem kleinen Raum.</p><p>Ehe Philip auch nur die Taschenlampe auf seinen Bruder richtet, ist ihm bereits klar, was hier vor sich geht.</p><p>�Das ist eine Sonnenbank�, sagt eine Stimme und l�sst Brians Atem vor Schreck stocken. Ihm war das Herz sowieso in die Hose gerutscht, doch jetzt, da er keine drei Meter von dem staubigen, l�nglichen Kasten entfernt steht, verliert er fast die Beherrschung. Der Deckel der Kiste ist zu, wie bei einer riesigen Muschelschale�� und etwas ist im Inneren und kratzt panisch, um herauszukommen.</p><p>Brian dreht sich blitzschnell um und erkennt in dem Strahl seiner Taschenlampe das markante, m�rrische Gesicht seines Bruders. Philip steht neben der Luke mit einer Axt in der rechten Hand. �Tritt beiseite, Brian.�</p><p>�Glaubst du etwa���</p><p>�Der Junge?�, fl�stert Philip und n�hert sich vorsichtig. �Da gibt es nur eine Antwort: Wir m�ssen nachsehen.�</p><p>Das Kratzen wird st�rker, als ob der im Inneren die Stimmen geh�rt h�tte.</p><p>Brian dreht sich wieder zu dem Kasten, konzentriert sich und hebt den Baseballschl�ger. �Vielleicht hat er sich ja hier oben versteckt, als die anderen angesteckt wurden.�</p><p>Philip kommt noch n�her. �Tritt beiseite, Mann.�</p><p>�Das hier ist meine Sache�, entgegnet Brian und streckt die freie Hand nach dem Schloss aus, den Baseballschl�ger bereit zum Schlag.</p><p>Philip stellt sich zwischen seinen Bruder und die Sonnenbank. �Du musst mir nichts beweisen, Mann. Geh einfach aus dem Weg.�</p><p>�Nein, verdammt noch mal. Das Ding hier zieh ich durch�, faucht Brian und greift nach dem staubigen Schloss.</p><p>Philip mustert seinen Bruder. �Okay, wie du meinst. Dann mach es eben selbst, aber mach es schnell. Was es auch sein mag�� denk dar�ber nicht nach.�</p><p>�Verstanden�, erwidert Brian und greift nach dem Schloss.</p><p>Philip steht direkt hinter ihm.</p><p>Brian �ffnet das Schloss.</p><p>Das Kratzen h�rt abrupt auf.</p><p>Philip hebt die Axt, als Brian den Deckel aufklappt.</p><p>Philip sieht lediglich den Schatten einer Bewegung. Zwei undeutliche Schemen huschen rasend schnell in die Dunkelheit. Dann h�rt er das Rascheln und sieht Fell, w�hrend der Baseballschl�ger durch die Luft schwingt.</p><p>Es dauert eine Weile, ehe er einen der Schemen als Tier erkennt: eine Ratte! Sie hastet aus dem Strahl der Taschenlampe und saust in Windeseile �ber den Kasten aus Glasfaser auf ein Loch in einer Ecke zu.</p><p>Kurz darauf trifft der Baseballschl�ger auf die Sonnenbank. Er hat den dicken grauen Nager um L�ngen verpasst.</p><p>Der Einschlag zerfetzt die Apparatur der Sonnenbank ebenso wie einige alte Spielsachen, die unmittelbar daneben liegen. Brian atmet erleichtert auf. Er tritt einen Schritt zur�ck und glotzt der Ratte hinterher, wie sie in ihrem Loch verschwindet. Die andere ist l�ngst weg.</p><p>Philip st�hnt und senkt die Axt. Er will gerade etwas sagen, als er pl�tzlich eine leise metallisch klingende Melodie h�rt, die aus dem Schatten neben ihm zu kommen scheint. Brian blickt auf den Boden und h�lt die Luft an.</p><p>Infolge des Schlags ist eine kleine Kiste heruntergefallen.</p><p>Von ihr stammt die blecherne Musik. Sie spielt noch einige T�ne eines Wiegenlieds, ehe sie verstummt.</p><p>Dann �ffnet sie sich, und heraus kommt eine kleine Clownsfigur.</p><p>�Buh�, macht Philip ersch�pft. Seine Stimme klingt alles andere als am�siert.</p><p>Ihre Laune ist am n�chsten Morgen nach einem gro�en Fr�hst�ck mit R�hreiern, Schinkenspeck, Hafergr�tze und Eierkuchen mit frischen Pfirsichen und s��em Tee etwas besser. Der Duft von Kaffee zieht durch das Haus und wird durch den des gebratenen Fleisches und des Zimts f�r die Eierkuchen erg�nzt. Nick bereitet zum Schinkenspeck sogar seine spezielle So�e, was Bobby in den siebten Himmel katapultiert.</p><p>Im Elternschlafzimmer entdeckt Brian ein paar Medikamente gegen seinen Husten. Nachdem er ein paar Pillen geschluckt hat, f�hlt er sich besser.</p><p>Nach dem Fr�hst�ck erkunden sie die unmittelbare Umgebung des Hauses, und zwar einen Block entlang der Green Briar Lane. Dabei finden sie verschiedene Dinge, die ihnen n�tzlich erscheinen. Nach einer Weile haben sie eine gute Sammlung zusammengetragen: Unmengen von Brennholz, Dielenbretter, diverse Lebensmittel in den K�hlschr�nken der Nachbarn, volle Gasflaschen in der einen oder anderen Garage, Winterjacken und Stiefel, Kartons voller N�gel, Gasbrenner, Wasserflaschen, ein Kurzwellenradio, einen Laptop, einen Generator und einen Haufen DVDs. In einem Keller sto�en sie sogar auf ein Waffenkabinett mit einer Anzahl von Gewehren und reichlich Munition.</p><p>Schalld�mpfer finden sie zwar nicht, aber beschweren k�nnen sie sich auch nicht.</p><p>Selbst was die Untoten betrifft, sieht es relativ rosig aus. Die angrenzenden H�user stehen beide leer. Ihre Bewohner waren offensichtlich rechtzeitig gefl�chtet, ehe die Katastrophe hereinbrach. Zwei H�user weiter stie�en Philip und Nick auf ein �lteres Ehepaar, das es nicht mehr geschafft hatte. Aber die beiden waren einfach, schnell und vor allem leise mit einigen gut platzierten Axthieben zu beseitigen.</p><p>Am Nachmittag macht sich die Gruppe so leise wie m�glich daran, die Barrikade zu errichten. Insgesamt wollen sie eine Spanne von gut f�nfzig Metern �berbr�cken, um die Vorg�rten ihres Hauses und der beiden angrenzenden Geb�ude zu sichern und dann noch mal zwanzig Meter an jeder Seite. Nick und Bobby l�sst schon die geplante L�nge zur�ckschrecken. Aber als sie drei Meter lange, vorgefertigte Zaunelemente unter der Veranda eines Nachbarn entdecken, geht die Arbeit �berraschend schnell voran. Um es sich noch einfacher zu machen, rei�en sie den gegen�berliegenden Zaun ab und bauen die Elemente in ihre Barrikade ein.</p><p>Bei Sonnenuntergang stellen Philip und Nick das letzte Teilst�ck am n�rdlichen Ende auf.</p><p>�Ich habe sie den ganzen Tag �ber nicht aus den Augen gelassen�, erkl�rt Philip und presst die Nagelpistole gegen ein Eckteil. Er meint damit den Schwarm aus Zombies, der sich weiterhin auf dem Golfplatz tummelt. Nick nickt, w�hrend er die beiden Quertr�ger dicht aneinanderdr�ckt.</p><p>Philip dr�ckt ab, und die Nagelmaschine gibt ein ged�mpft klingendes Ger�usch von sich�� wie das Schnalzen einer Peitsche��, und bohrt einen f�nfzehn Zentimeter langen Nagel ins Holz. Die Nagelpistole ist mit Teilen einer Decke umh�llt, die wiederum mit Isolierband angeklebt wurde, um den Ger�uschpegel der Maschine zu d�mpfen.</p><p>�Keiner von ihnen hat sich in unsere Richtung bewegt�, fl�stert Philip und wischt sich den Schwei� von der Stirn, ehe er sich an das n�chste Verbindungsst�ck macht. Nick h�lt es waagerecht, und Philip setzt die Maschine erneut an.</p><p>FFFFFFUMP!</p><p>�Ich bin mir da nicht so sicher�, meint Nick, ehe er sich die n�chste Strebe schnappt. Der Schwei� l�sst seine Roadie-Jacke an seinem K�rper kleben. �Ich glaube, dass es nicht eine Frage des Ob, sondern des Wann ist.�</p><p>FFFFFFUMP!</p><p>�Du machst dir zu viele Sorgen, Junge�, versucht Philip ihn zu beruhigen, r�ckt zum n�chsten Teil des Zauns und zieht ruckartig am Verl�ngerungskabel, an das die Nagelpistole angeschlossen ist. Es schl�ngelt sich bis zum Nachbarhaus. Philip hat sechs Kabel � zehn Meter aneinanderschlie�en m�ssen, damit sie die Maschine hier benutzen k�nnen. Er h�lt inne und wirft einen Blick �ber seine Schulter.</p><p>Etwa f�nfzehn Meter von ihnen entfernt spielt Brian mit Penny im Garten. Sie sitzt auf einer Schaukel, die er immer wieder anst��t. Es dauerte etwas, bis sich Philip mit der Tatsache abgefunden hatte, dass er seine Tochter seinem ungl�ckseligen Bruder anvertrauen musste. Aber momentan war er einfach das beste Kinderm�dchen, das Philip auftreiben konnte.</p><p>Die Spielplatzanlage samt Schaukel ist nat�rlich eine Luxusausgabe. Wohlhabende Leute lieben es offenbar, ihre Kinder mit solchen Sachen zu verw�hnen. Und diese�� sie muss wohl dem verschwundenen Jungen geh�rt haben�� hat alles, was ein Kinderherz begehrt: ein Rutsche, ein Spielhaus, vier Schaukeln, eine Kletterwand, ein Kletterger�st und einen Sandkasten.</p><p>�Das hier ist unsere Oase�, f�hrt Philip fort, w�hrend er sich wieder an die Arbeit macht. �Solange wir aufpassen, kann uns hier nichts passieren.�</p><p>Sie sind so sehr in die Arbeit vertieft, dass sie das verr�terische Schlurfen zuerst nicht h�ren.</p><p>Die Schritte kommen von der gegen�berliegenden Stra�enseite. Philip nimmt sie nicht wahr, bis der Zombie nahe genug ist, um ihn zu riechen.</p><p>Nick steigt der Gestank zuerst in die Nase: Dieser schwarze, �lige Mief von verrottendem Protein�� als ob man menschliche �berreste in Schweinefett anbraten w�rde. Nick wird sofort aufmerksam. �Augenblick mal�, unterbricht er Philip bei der Arbeit, in der Hand eine Planke. �Riechst du das auch?�</p><p>�Ja. Riecht wie���</p><p>Ein glitschig schmieriger Arm taucht auf einmal durch das Loch in der Barrikade und fasst nach Philips Jeanshemd.</p><p>Der Angreifer ist eine tote Frau mittleren Alters in einem Designer-Jogginganzug, der mittlerweile nur noch in Fetzen an ihr h�ngt. Sie ist abgemagert und hat schwarze Stummelz�hne. Ihre Augen stechen wie die eines Fischs hervor, w�hrend ihre hakenf�rmige Hand Philips Hemdzipfel mit st�hlerner Entschlossenheit festh�lt. Sie st��t ein �chzen wie eine kaputte Orgelpfeife aus, als sich Philip zur Axt wendet, die etwa f�nf Meter von ihm entfernt an einer Schubkarre lehnt.</p><p>Das sind f�nf Meter zu weit.</p><p>Die tote Lady arbeitet sich mit dem gierigen Hunger einer gro�en Schnappschildkr�te zu Philips Genick empor. Nick sucht verzweifelt nach einer brauchbaren Waffe. Doch alles geschieht viel zu schnell. Knurrend dreht sich Philip um. Erst jetzt wird ihm klar, dass er ja noch die Nagelpistole in der Hand h�lt. Er weicht den nach ihm schnappenden Z�hnen aus und hebt die Pistole hoch.</p><p>Ohne innezuhalten presst er sie an die Stirn des Zombies.</p><p>FFFFFFUMP!</p><p>Die Zombie-Lady erstarrt.</p><p>Ihre eiskalten Finger l�sen sich.</p><p>Philip befreit sich hastig und starrt schnaufend auf das Monster.</p><p>Die noch immer aufrechte Untote wankt. Einen Moment lang wirkt sie wie betrunken. Sie zuckt in ihrem Jogginganzug von Pierre Cardin zusammen, f�llt aber nicht zu Boden. Der Kopf des f�nfzehn Zentimeter langen verzinkten Nagels ragt direkt �ber der Nase aus der Stirn der Frau und sieht wie eine kleine M�nze aus, die man dort festgeklebt hat.</p><p>Das Wesen h�lt sich eine halbe Ewigkeit lang aufrecht. Seine Augen, die an einen Haifisch erinnern, blicken zum Himmel, bis es schlie�lich langsam r�ckw�rtszutaumeln beginnt. Das zerst�rte Gesicht nimmt einen merkw�rdigen, beinahe vertr�umt wirkenden Ausdruck an.</p><p>Einen Augenblick lang hat es den Anschein, als ob sich die Frau an etwas erinnern w�rde. Dann bricht sie endg�ltig auf dem Rasen zusammen.</p><p>�Ich glaube, die N�gel richten genug Schaden an, um die Monster zumindest aufzuhalten�, sagt Philip nach dem Abendessen, w�hrend er vor dem abgedunkelten Fenster im Wohnzimmer auf und ab tigert. In den H�nden h�lt er die Nagelmaschine, die er zur besseren Anschauung in die H�he hebt.</p><p>Die anderen sitzen um den gro�en gl�nzenden Eichentisch, auf dem noch Geschirr und die �berreste des Essens stehen. Brian hat das Kochen �bernommen und einen Braten in der Mikrowelle aufgetaut. F�r die So�e r�hrt er etwas Sahne in einen nicht �blen Cabernet Sauvignon. Penny befindet sich nebenan im Familienzimmer und schaut eine DVD der Kinderserie Dora an.</p><p>�Kann sein. Aber hast du auch gesehen, wie diese Frau zu Boden gegangen ist?�, fragt Nick und spielt mit einem St�ckchen Fleisch, das noch auf seinem Teller liegt. �Nachdem du den Nagel versenkt hast�� Hat ganz den Anschein gehabt, als ob sie einen Moment lang bekifft gewesen w�re.�</p><p>Philip l�uft weiterhin durchs Wohnzimmer, wobei er mehrmals auf den Ausl�ser der Nagelpistole dr�ckt. �Ja, aber was z�hlt, ist, dass sie letztlich zu Boden gegangen ist.�</p><p>�Das Ding ist auf jeden Fall leiser als eine Pistole oder ein Gewehr.�</p><p>�Und es ist einfacher, als den Sch�del mit einer Axt aufzuspalten.�</p><p>Bobby, der gerade mit seiner zweiten Portion Braten mit So�e angefangen hat, gibt mit vollem Mund zu bedenken: �Nur schade, dass wir kein Verl�ngerungskabel haben, das zehn Kilometer lang ist.�</p><p>Philip dr�ckt noch einige Male ab. �Vielleicht k�nnten wir das Ding mit Batterien betreiben.�</p><p>Nick blickt vom Tisch auf. �Vielleicht mit einer Autobatterie?�</p><p>�Ich habe eher an etwas gedacht, das einfacher zu handhaben ist. Vielleicht eine von diesen Laternenbatterien, oder wir nehmen eine aus einem der Rasenm�her.�</p><p>Nick zuckt mit den Achseln.</p><p>Bobby isst weiter.</p><p>Philip tigert auf und ab und denkt nach.</p><p>Brian starrt an die Wand und murmelt: �Es hat irgendetwas mit ihren Gehirnen zu tun.�</p><p>�Was?� Philip sieht seinen Bruder fragend an. �Was war das, Bri?�</p><p>Brian sieht ihn an. �Diese Wesen�� diese Krankheit. Die muss doch mit dem Gehirn zu tun haben, oder nicht? Anders kann es nicht sein.� Er h�lt inne und starrt nachdenklich auf seinen Teller. �Ich finde, dass wir immer noch nicht sicher wissen, ob sie wirklich tot sind.�</p><p>Nick schaut Brian fragend. �Meinst du, nachdem wir sie aus dem Verkehr gezogen haben? Nachdem wir�� Nachdem wir sie zerst�rt haben?�</p><p>�Nein, ich meine davor�, antwortet Brian. �Ich meine den Zustand, in dem sie sich befinden.�</p><p>Philip bleibt stehen. �Mann�� Am Montag habe ich einen gesehen, der von einem Zwanzigtonner �berfahren und zerquetscht wurde. Zehn Minuten sp�ter schleppt sich das Monster �ber die Stra�e und zieht seine Eingeweide hinter sich her. Es war �berall in den Nachrichten. Sie sind tot, Kumpel. Die sind garantiert tot.�</p><p>�Ich meine ja nur. Das zentrale Nervensystem, Mann�� das ist hochkompliziert. Mit dem ganzen Mist, den wir in die Umwelt pumpen, wer wei�, ob es da nicht neue, noch unbekannte Mutationen gibt.�</p><p>�He, wenn du so einen Zombie zum Arzt bringen und ihn genauer untersuchen lassen willst, werde ich dich garantiert nicht aufhalten.�</p><p>Brian seufzt. �Ich will damit doch nur sagen, dass wir nicht genug �ber sie wissen. Eigentlich wissen wir gar nichts.�</p><p>�Wir wissen alles, was wir wissen m�ssen�, erkl�rt Philip und sieht seinen Bruder auffordernd an. �Wir wissen zum Beispiel, dass es jeden Tag mehr von denen gibt und dass sie nichts anderes wollen, als uns zum Mittagessen zu verspeisen. Und genau deshalb verschanzen wir uns hier f�r ein Weilchen und warten ab, wie sich die Sache entwickelt.�</p><p>Brian seufzt erneut, diesmal lauter. Die anderen mischen sich nicht mehr ein.</p><p>In die nun herrschende Stille dringen jene Ger�usche, die sie schon die ganze Nacht �ber geh�rt haben: das dumpfe Aufprallen von empfindungslosen K�rpern, wenn sie gegen die behelfsm��igen Barrikaden knallen.</p><p>Trotz Philips Bem�hungen, den Zaun so rasch und leise wie m�glich aufzustellen, wurden die Zombies dennoch auf sie aufmerksam. Vermutlich lag es an der erh�hten Aktivit�t.</p><p>�Was meinst du: Wie lange k�nnen wir hier noch bleiben?�, fragt Brian leise.</p><p>Philip setzt sich endlich an den Tisch, legt die Nagelmaschine ab und nimmt einen Schluck Bourbon. Er weist mit dem Kopf zum Familienzimmer, wo die skurril klingenden Stimmen des Kinderprogramms zu h�ren sind. �Sie braucht eine Pause�, sagt er. �Sie ist ersch�pft.�</p><p>�Sie liebt diesen Spielplatz im Garten�, erkl�rt Brian und l�chelt.</p><p>Philip nickt. �Hier kann sie zumindest ein einigerma�en normales Leben f�hren.�</p><p>Alle Augen richten sich auf ihn, w�hrend jeder f�r sich nachdenkt.</p><p>�Sto�en wir auf die reichen Protzer dieser Welt an�, unterbricht Philip die Stille und hebt sein Glas.</p><p>Die anderen stimmen ein, auch wenn sie sich nicht ganz sicher sind, was er damit meint�� oder wie lange das alles noch gutgehen wird.</p></section><section><title><p>Vier</p></title><p>Am Tag darauf spielt Penny in der herbstlichen Sonne unter Brians Aufsicht im Garten. Sie spielt den ganzen Vormittag �ber, w�hrend die anderen eine Art Inventur machen und ihre zusammengetragenen Sachen ordnen. Nachmittags k�mmern sich Philip und Nick um die Lichtsch�chte zum Keller, die sie mit Holz zunageln. Danach versuchen sie vergeblich, die Nagelmaschine auf Batteriebetrieb umzubauen, w�hren Bobby, Brian und Penny im Familienzimmer miteinander Karten spielen.</p><p>Die unmittelbare N�he der Untoten ist ihnen stets bewusst. Wie ein Haifisch unter der Wasseroberfl�che begleitet sie jede ihrer Entscheidungen, jede ihrer Handlungen. F�r den Moment geht es jedoch lediglich um den einen oder anderen Streuner, der sich verlaufen hat und gegen die Barrikade st��t, ehe er wieder in eine andere Richtung taumelt. Der Gro�teil der Aktivit�ten entlang der Green Briar Lane ist dank des zwei Meter hohen Zauns bisher unbemerkt geblieben.</p><p>An diesem Abend nach dem Essen�� die Fenster sind bereits verdunkelt�� glauben sie sich in Sicherheit, und eine gewisse Normalit�t kehrt ein. Sie haben sich an das Haus gew�hnt, und sie nehmen das vereinzelte dumpfe Aufprallen in der Dunkelheit kaum noch wahr. Brian hat den verschwundenen zw�lfj�hrigen Jungen so gut wie vergessen, und nachdem Penny ins Bett gegangen ist, schmiedet die Gruppe Pl�ne f�r die n�chste Zukunft.</p><p>Sie diskutieren �ber einen weiteren Verbleib in dem Kolonialhaus, bis die Vorr�te aufgebraucht sind. Das kann noch Wochen dauern. Nick �berlegt, ob sie nicht eine Art Sp�her aussenden sollten, um herauszufinden, wie sich die Lage auf den Stra�en nach Atlanta entwickelt. Doch Philip besteht darauf, dass niemand das Haus und seine Umgebung verl�sst.</p><p>�Lass das die machen, die noch da drau�en sind�, r�t er.</p><p>Nick verfolgt noch immer die Nachrichten im Radio, Fernsehen und Internet. So wie die K�rperfunktionen eines Todkranken nach und nach aussetzen, so setzt auch bei den Medien ein Organ nach dem anderen aus. Mittlerweile senden die meisten Radiostationen entweder Wiederholungen oder unn�tze Informationen f�r den Notfall. Im Fernsehen�� zumindest auf jenen Sendern, die �ber Kabel zu empfangen sind und noch ausgestrahlt werden�� sieht man lediglich entweder vierundzwanzig Stunden dauernde Zivilschutzsendungen oder denkbar unpassende Wiederholungen von Dauerwerbesendungen, die sonst nur sp�t nachts beziehungsweise in den fr�hen Morgenstunden gezeigt werden.</p><p>Am dritten Tag stellt Nick fest, dass das Radio so gut wie nichts mehr sendet, die Kabelsender nur noch Rauschen bringen und das WLAN v�llig ausgefallen ist. Einwahlverbindungen funktionieren auch nicht mehr, und Nicks regelm��ige Anrufe bei den Notrufnummern�� die bisher stets irgendeine Ansage abspielten��, liefern ihm jetzt nur noch die Information, dass die gew�hlte Nummer derzeit nicht verf�gbar ist.</p><p>Am sp�ten Vormittag verd�stert eine dicke Wolkendecke den Himmel.</p><p>Nachmittags legt sich ein tr�ber, eiskalter Nebel �ber die Siedlung. Alle fl�chten ins Haus und versuchen nicht daran zu denken, dass nur ein schmaler Grat zwischen Sicherheit und Gefangensein liegt. Au�er Nick will niemand mehr �ber Atlanta reden. Die Stadt scheint jetzt noch weiter weg zu sein�� es ist, als ob sie sich immer weiter von ihnen entfernen w�rde, je mehr sie �ber die drei�ig Kilometer zwischen den Wiltshire Estates und der Metropole sprechen.</p><p>Nachdem sich die anderen schlafen gelegt haben, h�lt Philip seine einsame Nachtwache im Wohnzimmer neben einer schlummernden Penny.</p><p>Der Nebel ist dichter geworden und hat sich zudem zu einem gewaltigen Sturm mit Blitz und Donner entwickelt.</p><p>Philip zieht die Latten des Rollos ein wenig auseinander und wagt einen Blick in die Finsternis hinaus. Durch die L�cke sieht er �ber die Barrikade hinweg die kurvige Stra�e und die riesigen Schatten der Eichen, deren �ste vom Wind gebeutelt werden.</p><p>Ein Blitz erhellt die Nacht.</p><p>Kaum zweihundert Meter entfernt bemerkt er ein Dutzend oder mehr menschliche Gestalten, die ziellos durch den peitschenden Regen wanken. Dann ist es wieder dunkel.</p><p>Es war zu kurz hell, um sicher zu sein. Aber Philip glaubt, dass die Kreaturen, die in ihrer bleiern langsamen Art an Schlaganfallpatienten erinnern, sich auf das Haus zubewegen. K�nnen sie etwa Frischfleisch riechen? Oder hat sie der L�rm der letzten Tage neugierig gemacht? Oder irren sie nur ziellos wie Goldfische in einer Glaskugel umher?</p><p>Zum ersten Mal, seitdem sie in Wiltshire Estates angekommen sind, gr�belt Philip Blake dar�ber nach, ob ihre Tage in diesem mit dickem Teppichboden ausgelegten Schloss mit seinen �bergro�en Sofas nicht vielleicht doch gez�hlt sind.</p><p>Der Morgen des vierten Tages ist kalt und bew�lkt. Der zinngraue Himmel h�ngt tief �ber dem nassen Rasen und den verlassenen H�usern. Obwohl niemand es explizit ausspricht, stellt der Tag doch eine Art Wegmarke dar: Es ist die zweite Woche seit Beginn der Katastrophe.</p><p>Philip steht mit einem Becher Kaffee im Wohnzimmer und sp�ht durch das Rollo auf die Barrikade hinaus. Im fahlen Morgenlicht sieht er, wie die nord�stliche Ecke zu wackeln scheint. �Verdammt�, murmelt er.</p><p>�Was ist los?�, fragt Brian und rei�t Philip aus seinem Tr�bsinn.</p><p>�Es kommen immer mehr.�</p><p>�Mist. Wie viele?�</p><p>�Schwer zu sagen.�</p><p>�Was schl�gst du vor?�</p><p>�Bobby!�</p><p>Dieser schlendert in einer ausgebeulten Trainingshose barfu� ins Wohnzimmer, in einer Hand hat er eine Banane. �Zieh dich am besten an�, schl�gt Philip seinem Kumpel vor.</p><p>Bobby schluckt einen Bissen Banane runter. �Wieso? Was ist los?�</p><p>Philip ignoriert die Frage und wendet sich an seinen Bruder. �Penny bleibt im Familienzimmer. Okay?�</p><p>�Alles klar�, erwidert Brian und eilt davon.</p><p>Philip ist bereits auf dem Weg zur Treppe, wobei er den anderen zuruft: �Wir brauchen die Nagelpistole und so viel Verl�ngerungskabel, wie wir finden k�nnen�� Und �xte!�</p><p>FFFFFFUUUUUMP! Nummer f�nf bricht wie eine riesige, in Fetzen gekleidete Stoffpuppe in sich zusammen. Die toten, milchigen Pupillen rollen nach oben und verschwinden im Kopf, als der Zombie auf der anderen Seite des Zauns zu Boden geht. Philip tritt einen Schritt zur�ck. Vor Anstrengung ist er ganz au�er Atem. Sein Jeanshemd und seine Jeanshose sind feucht vor Schwei�.</p><p>Nummer eins bis Nummer vier waren einfach zu erledigen�� wie Fische, die man aus einem Aquarium herausfischt. Eine Frau und drei M�nner. Philip schlich sich einfach an sie heran, als sie unbeholfen gegen die Schwachstelle im Zaun stie�en und an ihr zu kratzen begannen. Philip brauchte nur noch neben der L�cke zwischen den Brettern zu warten, bis er einen guten Zielwinkel auf ihre Stirn hatte. Dann ging es ganz schnell, einer nach dem anderen: FFFFFFUUUUUMP! FFFFFFUUUUUMP! FFFFFFUUUUUMP! FFFFFFUUUUUMP!</p><p>Nummer f�nf war schwieriger. Er torkelte zuf�lligerweise im richtigen Augenblick zur Seite und vollf�hrte eine kleine Tanzeinlage wie ein Betrunkener, ehe er sich mit schnappendem Kiefer nach Philip reckte. Philip verschwendete zwei N�gel, die als Querschl�ger irgendwo auf dem Gehweg landeten, bevor er mit dem dritten endlich die Gro�hirnrinde des Anzugtr�gers durchbohrte.</p><p>Jetzt holt er tief Luft und kr�mmt sich einen Moment lang vor Anstrengung. In der rechten Hand h�lt er noch immer die Nagelmaschine, die an vier sieben Meter langen Verl�ngerungskabeln h�ngt. Er richtet sich auf und lauscht. In der Einfahrt herrscht Stille, am Zaun wird nicht mehr gewackelt.</p><p>Er wirft einen Blick �ber die Schulter und sieht Bobby Marsh im Garten, gut drei�ig Meter von ihm entfernt. Der Dicke sitzt nach Luft schnappend auf dem Boden und lehnt sich gegen eine kleine Hundeh�tte, die ein Dach aus Schindeln und ein Schild mit dem Namen LADDIE BOY hat.</p><p>Diese Reichen und ihre verdammten Hunde, denkt Philip. Adrenalin pumpt noch immer durch seine Adern. Das Tier hat wahrscheinlich Besseres zu fressen bekommen als die meisten Kinder dieser Welt.</p><p>Am hinteren Teil des Zauns, f�nf Meter von Bobby entfernt, h�ngen die �berreste einer Frau �ber die Latten. Die Axt, mit der ihr Bobby Marsh das Licht endg�ltig ausgeknipst hat, steckt noch in ihrem Sch�del.</p><p>Philip winkt Bobby zu und schaut ihn fragend an: Alles senkrecht?</p><p>Bobby reckt den Daumen hoch.</p><p>In diesem Moment geht alles ganz schnell�� ohne jegliche Vorwarnung.</p><p>Der erste Hinweis darauf, dass alles <emphasis>nicht</emphasis> senkrecht ist, erfolgt keine Sekunde, nachdem Bobby seinem Freund, Anf�hrer und Mentor den Daumen nach oben zeigte. In Schwei� gebadet, das Herz noch immer unter der Last seines nicht unbetr�chtlichen Gewichts wild pochend, schafft es Bobby, Philip zuzul�cheln�� Dabei nimmt er die Ger�usche, die aus dem Inneren der Hundeh�tte stammen, �berhaupt nicht wahr.</p><p>Schon seit Jahren versucht Bobby Marsh immer wieder, Philip Blake zu imponieren, und die Tatsache, dass er ihm jetzt nach einer solch blutigen Schlacht einfach den Daumen zeigen und dazu noch l�cheln kann, gef�llt ihm ungemein.</p><p>Als Einzelkind, das es kaum geschafft hat, die Schule abzuschlie�en, heftete Bobby sich schon an Philips Fersen, als Sarah Blake noch am Leben war. Nach ihrem Tod�� und nachdem sich Philip etwas von seinen Trinkkumpanen distanziert hatte�� war Bobby verzweifelt darum bem�ht gewesen, wieder den Kontakt zu ihm herzustellen. Er rief ihn viel zu oft an. Er redete zu viel, wenn sie sich trafen. Au�erdem machte er sich st�ndig l�cherlich, um das drahtige Alphatier, den Anf�hrer und Freund zu beeindrucken. Doch erst jetzt glaubt Bobby�� so komisch das auch klingen mag��, dass diese bizarre Epidemie wieder eine echte Verbindung zwischen den beiden M�nnern erm�glichte.</p><p>Daran liegt es wohl auch, dass Bobby das Rumoren in der Hundeh�tte �berhaupt nicht h�rt.</p><p>Als es auf einmal kracht und so klingt, als ob ein Riese von innen gegen die W�nde des H�ttchens h�mmern w�rde, erstarrt das L�cheln auf Bobbys Gesicht, und sein Daumen senkt sich langsam. Als er begreift, dass in der Hundeh�tte etwas ist, das sich bewegt, und der Gedanke �ber s�mtliche Synapsen endlich sein Gehirn erreicht hat, ist es l�ngst zu sp�t.</p><p>Eine schm�chtige Kreatur schnellt aus dem gew�lbten Eingang der Hundeh�tte!</p><p>Philip hat bereits die halbe Strecke zu Bobby im Sprint zur�ckgelegt, als er sieht, dass die Kreatur, die gerade aus der Hundeh�tte hervorgeschossen ist, tats�chlich menschlich ist�� oder zumindest das verwesende, bl�ulich verzerrte Abbild eines menschlichen Wesens. In den verfilzten blonden Str�hnen kleben Bl�tter und Hundekot, und Ketten h�ngen um seine kleine Taille und an seinen Beinchen.</p><p>�MIST!�, br�llt Bobby und schreckt vor dem zw�lfj�hrigen Untoten zur�ck, als sich das Wesen, das einmal ein Kind gewesen ist, auf Bobbys schinkengro�es Bein st�rzt.</p><p>Bobby wirft sich zur Seite und rei�t sein Bein gerade noch rechtzeitig zur�ck. Das verzerrte Gesichtchen, das eher einem verschrumpelten Flaschenk�rbis mit ausgeh�hlten L�chern denn lebendigen Augen gleicht, bei�t an jener Stelle in den Rasen, wo Sekundenbruchteile zuvor noch Bobbys Bein gewesen ist.</p><p>Philip hat noch gute zehn Meter zwischen sich und Bobby zu �berbr�cken. Er rennt, so schnell er kann, auf die Hundeh�tte zu. Wie eine W�nschelrute hebt er die Nagelmaschine und zielt auf das Minimonster. Bobby kriecht krebsartig durch das feuchte Gras davon. Dazwischen schreit er immer wieder mit hoher Stimme auf, sodass man glauben k�nnte, er w�re ein kleines Kind.</p><p>Das Monster bewegt sich mit der wenig eleganten Energie einer Tarantel weiterhin auf Bobby zu. Der dicke Mann versucht, aufzustehen und davonzulaufen. Aber seine Beine wollen ihm nicht gehorchen, sodass er ins Stolpern kommt und r�ckw�rts zu Boden f�llt.</p><p>Vier Meter trennen Philip noch von Bobby, als er bemerkt, dass Bobbys Schreie h�her und schriller klingen. Das Zombie-Kind hat eine Hand wie einen Haken um Bobbys Fu�kn�chel gelegt, und ehe er das Bein erneut wegrei�en kann, senkt es seine verfaulten Bei�erchen in Bobbys fleischige Wade.</p><p>�MIST! VERDAMMT!�, br�llt Philip, als er mit der Nagelpistole auf die beiden zusprintet.</p><p>Drei�ig Meter hinter ihm schnellt ein Stecker aus der Steckdose.</p><p>Philip setzt die Nagelmaschine an den Nacken des kleinen Monsters, als es sich gerade �ber den Rest von Bobbys fettem K�rperchen hermachen will.</p><p>Der Hahn der Maschine klickt, aber nichts passiert. Der Zombie gr�bt sich wie ein Piranha in Bobbys dicken Oberschenkel, bis er die Schlagader durchbei�t und dabei den halben Hodensack auch gleich noch mitfrisst. Bobbys schreiende Stimme zittert und verwandelt sich in ein jammerndes Heulen, als Philip die nutzlose Maschine zu Boden wirft, um sich mit blo�en H�nden auf die Kreatur zu werfen. Er rei�t den untoten Jungen von seinem Freund, als w�re er ein riesiger Blutegel, und schleudert ihn kopf�ber �ber den Rasen, ehe dieser ein weiteres Mal zubei�en kann.</p><p>Das kleine Monster schl�gt auf dem Boden auf und rollt f�nf Meter �ber das zertretene Gras.</p><p>Jetzt st�rmen Nick und Brian aus dem Haus. Brian schnappt sich sofort das Verl�ngerungskabel, w�hrend Nick mit erhobener Axt �ber den Rasen rennt. Philip packt Bobby und versucht, ihn zu beruhigen, denn er verblutet noch schneller, wenn er sich bewegt. So viel ist klar. Aus der aufgerissenen Wunde spr�hen Blutfont�nen im Rhythmus von Bobbys Herzschlag empor. Philip presst seine Hand auf das Bein seines Freundes, um den Blutfluss zu stoppen, doch vergeblich. Aus den Augenwinkeln sieht er, was sich w�hrenddessen zwischen den anderen abspielt. Das untote Wesen kriecht �ber den Rasen erneut auf Bobby und Philip zu. Nick z�gert keinen Augenblick, ehe er mit voller Wucht und weit aufgerissenen Augen ausholt und w�tend zuschl�gt. Die Axt zischt durch die Luft, und die verrostete Schneide trifft auf den Hinterkopf des Zombie-Kindes. Sie versenkt sich tief in seinem Sch�del. Das Monster sackt in sich zusammen. Pl�tzlich schreit Philip Nick etwas zu. Etwas von einem G�rtel, einem G�RTEL. Hastig kniet Nick sich hin und tastet nach seiner Schnalle. Philip ist kein ausgebildeter Sanit�ter, aber er wei�, dass man das Bluten zumindest mindern, wenn nicht sogar ganz zum Aufh�ren bringen kann, indem man das betroffene K�rperglied abbindet. Er legt Nicks G�rtel um das Bein des zitternden Bobby, der versucht, etwas zu sagen. Es scheint ihm eiskalt zu sein. Seine Lippen zittern, ohne dass ihnen ein Laut entweicht.</p><p>In der Zwischenzeit steckt Brian drei�ig Meter entfernt den Stecker wieder in die Steckdose. Das ist die einzige Art und Weise, wie er sich gerade n�tzlich machen kann. Die Nagelpistole liegt auf dem Rasen, gerade mal f�nf Meter von Philip entfernt. Dieser ruft Nick zu: �JETZT HOL ENDLICH DEN VERBANDSKASTEN�� UND ALKOHOL UND WAS AUCH IMMER!�</p><p>Nick macht sich auf den Weg, die Axt in der Hand, als Brian sich n�hert. Er starrt auf das tote Wesen mit dem eingeschlagenen Sch�del. Angewidert macht er einen gro�en Bogen darum herum und schnappt sich dann die Nagelmaschine�� man wei� ja nie. Gewissenhaft sucht er die Anh�he hinter dem Zaun mit den Augen ab. Philip h�lt den schluchzenden und kurzatmig keuchenden Bobby wie ein Baby in den Armen. Er tut sein Bestes, um den Freund zu beruhigen und fl�stert ihm zu, dass alles wieder gut wird�� Doch als sich Brian den beiden vorsichtig n�hert, ist klar, dass dem nicht so sein wird.</p><p>Kurz darauf kehrt Nick mit einem Haufen steriler Bandagen, die er im Haus gefunden hat, zu den Freunden zur�ck. Aus einer Hintertasche ragt eine Plastikflasche mit reinem Alkohol heraus, aus der anderen Klebeband. Etwas hat sich inzwischen ge�ndert. Aus dem Notfall ist etwas sehr Ernstes und D�stereres geworden: Jetzt ist es eine Totenwache.</p><p>�Wir m�ssen ihn reinbringen.� Philip, der mittlerweile v�llig mit Blut besudelt ist, versucht erst gar nicht, den dicken Mann hochzuhieven. Bobby Marsh ist so gut wie tot. Dessen sind sie sich alle bewusst.</p><p>Auch Bobby wei� es. Er verf�llt in einen Schockzustand und starrt regungslos in den grauen Himmel. Einen Moment lang versucht er, etwas zu sagen.</p><p>Brian steht nicht weit von dem Spektakel entfernt, die Nagelmaschine noch immer in der Hand, und starrt Bobby entsetzt an. Nick l�sst die Bandagen auf das Gras fallen und st�hnt. Er sieht so aus, als ob er gleich zu weinen anfangen w�rde, f�llt stattdessen aber auf die Knie neben Bobby und senkt den Kopf.</p><p>�I-I-Ich�� n-n-n���, stammelt Bobby in dem verzweifelten Versuch, Philip etwas mitzuteilen.</p><p>�Still��� Philip legt ihm die Hand auf die Schulter. Um etwas, irgendetwas zu tun, nimmt er die Bandagen und beginnt, die Wunde zu versorgen.</p><p>�N-n-n-NEIN!�</p><p>Philip h�lt inne, schluckt und starrt in die w�ssrigen Augen des Sterbenden. �Es wird schon�, beteuert er, aber seine Stimme hat sich ver�ndert.</p><p>�N-nein�� Wird es nicht�, stammelt Bobby. Irgendwo �ber ihnen kr�chzt eine Kr�he. Bobby wei�, was als N�chstes geschehen wird. Sie sahen einen Mann in einem Graben in Covington, der innerhalb von zehn Minuten zu einem Monster wurde. �S-sag das nicht mehr, Philly.�</p><p>�Bobby���</p><p>�Es ist vorbei�, fl�stert Bobby heiser, ehe sich seine Augen einen Moment lang verdrehen. Dann entdeckt er die Nagelpistole in Brians Hand und streckt seine dicken, fleischigen Finger nach der Laufm�ndung aus.</p><p>Vor Entsetzen l�sst Brian die Pistole fallen.</p><p>�Verdammt noch mal, wir m�ssen ihn ins Haus schaffen!� Hoffnungslosigkeit schwingt jetzt deutlich in Philips Stimme mit, als Bobby Marsh nach der Nagelmaschine fasst und versucht, sie sich an die Stirn zu setzen.</p><p>�Um Gottes willen!�, stammelt Nick.</p><p>�Nimm ihm das Ding weg!�, ruft Philip und fuchtelt in Brians Richtung.</p><p>Tr�nen laufen �ber Bobbys feiste Wangen und vermischen sich mit dem Blut. �B-bitte, Philly�, stammelt er. �M-mach�� Mach es einfach.�</p><p>Philip steht auf. �Nick! Komm mit!� Er dreht sich um und geht zum Haus.</p><p>Nick steht auf und folgt ihm. Die beiden M�nner bleiben nach f�nf Schritten stehen�� weit genug von Bobby entfernt, um nicht belauscht werden zu k�nnen. Sie reden mit ged�mpften Stimmen, den R�cken Bobby zugekehrt.</p><p>�Wir m�ssen es abtrennen�, bestimmt Philip.</p><p>�Was?�</p><p>�Wir m�ssen sein Bein amputieren.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ehe sich die Krankheit weiter ausbreitet.�</p><p>�Aber wie���</p><p>�Wir haben keine Ahnung, wie schnell das geht, aber wir m�ssen es probieren, Mann. Das sind wir ihm schuldig!�</p><p>�Aber���</p><p>�Du holst die S�ge aus dem Schuppen. Ach, und dann brauchen wir noch���</p><p>Hinter ihnen ert�nt eine Stimme und unterbricht Philip mitten im Satz: �Leute?�</p><p>Brian. Seiner dr�ngenden Stimme nach zu urteilen hat er keine guten Nachrichten.</p><p>Die beiden drehen sich um.</p><p>Bobby Marsh liegt wie regungslos da und r�hrt keinen Muskel.</p><p>Brian steigen die Tr�nen in die Augen, als er sich neben den dicken Mann kniet. �Es ist zu sp�t.�</p><p>Philip und Nick eilen zu Bobby, der mit geschlossenen Augen vor ihnen auf dem Rasen liegt. Seine schwabbelige Brust bewegt sich nicht mehr, der Mund steht leicht offen.</p><p>�O nein�� G�tiger Himmel, nein!�, st�hnt Nick und starrt auf seinen verstorbenen Kumpel.</p><p>Eine halbe Ewigkeit lang sagt Philip kein Wort. Alle schweigen betroffen.</p><p>Der Leichnam liegt auf dem nassen Gras. Die Minuten vergehen�� Bis sich auf einmal etwas bewegt�� in seinen Gliedma�en, den Sehnen seiner Beine und in den dicken Fingerspitzen.</p><p>Zuerst hat es den Anschein, als ob es sich um das typische Zucken sterbender Nerven handeln w�rde, das Leichenbestatter manchmal noch feststellen�� die letzten Regungen des zentralen Nervensystems. W�hrend Nick und Brian Bobby anstarren, ihre Augen aufrei�en und sie langsam zur�ckweichen, kommt Philip n�her. Er kniet sich neben seinen alten Freund. Pl�tzlich nimmt sein Gesicht einen kalten, klaren Ausdruck an.</p><p>Da �ffnen sich Bobby Marshs Augen.</p><p>Die Pupillen sind jetzt gelblich wie Eiter.</p><p>Philip rei�t die Nagelmaschine hoch, legt sie wenige Millimeter �ber der linken Augenbraue an die Stirn des Freundes und dr�ckt ab.</p><p>FFFFFFUUUUUMP!</p><p>Stunden sp�ter sind sie alle wieder im Haus. Drau�en ist es dunkel geworden. Nick ist in der K�che und begie�t seinen toten Freund mit Whiskey�� Brian ist von der Bildfl�che verschwunden�� Bobbys kalter Leichnam liegt neben den anderen Zombies im Hinterhof, eingewickelt in eine Plane�� Philip steht am Wohnzimmerfenster und starrt durch die Lamellen auf das gr��er werdende Gemenge dunkler Gestalten drau�en auf der Stra�e. Sie schlurfen wie Schlafwandler durch die Gegend und tummeln sich immer h�ufiger vor der Barrikade. Es werden mehr. Jetzt sind es schon an die drei�ig, vielleicht sogar bereits vierzig.</p><p>Das Licht der Stra�enlaternen f�llt durch die Zaunfugen. Die Toten durchbrechen den Lichtstrahl immer wieder, sodass er beinahe wie ein Stroboskop aussieht, wenn auch in Zeitlupe. Philip gef�llt das �berhaupt nicht. Er h�rt eine leise Stimme in seinem Kopf�� die gleiche, die sich bei ihm auch kurz nach Sarahs Tod zu Wort meldete: Brenn das Haus nieder. Brenn das ganze verdammte Haus nieder.</p><p>Diese Stimme hat er an diesem Tag schon einmal geh�rt. Kurz nachdem Bobby das Zeitliche gesegnet hatte, wies sie ihn an, die �berreste des zw�lfj�hrigen Jungen in Einzelteile zu zerlegen. Aber Philip schaffte es, der Stimme Einhalt zu gebieten und sie zum Schweigen zu bringen. Jetzt muss er wieder mit ihr k�mpfen: Die Lunte ist angesteckt, Bruder. Die Uhr tickt��</p><p>Philip wendet sich vom Fenster ab und reibt sich die m�den Augen.</p><p>�Es ist schon okay, lass es ruhig raus�, r�t ihm eine andere Stimme, die aus der Dunkelheit zu ihm dringt.</p><p>Philip dreht sich um und sieht die Silhouette seines Bruders in der K�chent�r auf der anderen Seite des Wohnzimmers stehen.</p><p>Er wendet sich erneut dem Fenster zu und antwortet nicht. Brian tritt zu ihm. In seinen zitternden H�nden h�lt er eine Flasche Hustensaft. Seine Augen leuchten fiebrig in der Dunkelheit. Er ist den Tr�nen nahe. Dann sagt er mit leiser Stimme, um Penny, die auf der Couch schl�ft, nicht zu wecken. �Es ist keine Schande, es herauszulassen.�</p><p>�Was herauszulassen?�</p><p>�H�r zu�, setzt Brian erneut an. �Ich wei�, dass es dir auch nahegeht.� Er schnieft und wischt sich den Mund mit dem �rmel ab. Seine Stimme ist heiser, die Nase verstopft. �Ich will nur sagen, dass mir das mit Bobby wahnsinnig leidtut. Ich wei�, dass ihr beide���</p><p>�Es ist vorbei.�</p><p>�Philip, was soll das���</p><p>�Das hier ist vorbei�� mit dem Haus, meine ich. Das k�nnen wir vergessen.�</p><p>Brian starrt ihn an. �Was soll das?�</p><p>�Wir verschwinden von hier.�</p><p>�Aber ich dachte���</p><p>�Sieh dich um�, sagt Philip und zeigt ihm die steigende Zahl der Schatten auf der Green Briar Lane. �Wir ziehen sie an wie die Fliegen.�</p><p>�Schon. Aber die Barrikade h�lt doch noch���</p><p>�Je l�nger wir hierbleiben, Brian, desto mehr wird das Haus zu einem Gef�ngnis.� Philip blickt aus dem Fenster. �Wir m�ssen weiter.�</p><p>�Wann?�</p><p>�Bald.�</p><p>�Morgen?�</p><p>�Morgen fr�h werden wir mit dem Packen anfangen und so viel an Vorr�ten wie m�glich ins Auto laden.�</p><p>Einen Moment lang herrscht Stille.</p><p>Brian wirft seinem Bruder einen fragenden Blick zu. �Alles klar mit dir?�</p><p>�Ja.� Philip starrt immer noch auf die Stra�e vor dem Haus. �Geh jetzt schlafen.�</p><p>Beim Fr�hst�ck beschlie�t Philip, Penny zu erz�hlen, dass Bobby pl�tzlich fortmusste�� �um sich um seine Eltern zu k�mmern�. Die Kleine scheint mit der Erkl�rung zufrieden zu sein.</p><p>Einige Stunden sp�ter graben Nick und Philip im Garten hinter dem Haus ein gro�es Grab, w�hrend sich Brian im Haus um Penny k�mmert. Er findet, dass Penny zumindest etwas von der Wahrheit erfahren sollte. Aber Philip erkl�rt ihm, dass er gef�lligst die Klappe halten und sich da raushalten solle.</p><p>Jetzt wuchten Nick und Philip den gro�en, verh�llten Leichnam vor dem Rosenspalier hoch und lassen ihn vorsichtig in das Grab hinunter.</p><p>Es dauert l�nger als erwartet, das Loch wieder zu f�llen. Beide h�ufen eine Schaufel nach der anderen die schwarze Georgia-Erde auf ihren Freund. W�hrenddessen tr�gt der Wind das furchtbare St�hnen und Jammern der Untoten zu ihnen her�ber.</p><p>Auch an diesem Tag ist es st�rmisch und bew�lkt. Die Ger�usche der Zombie-Horden werden in den Himmel hinaufgetragen. Philip ist schwei�gebadet. Dennoch schaufelt er weiter. Der �lige Gestank verwesenden Fleisches l�sst nicht nach. Sein Magen verkrampft sich, als er die letzten Schaufeln Erde auf das Grab wirft.</p><p>Philip und Nick stehen sich gegen�ber, das aufgef�llte Loch zwischen ihnen. Sie lehnen sich auf ihre Schaufeln. Der Schwei� k�hlt ihnen den Nacken. Keiner sagt etwas, beide sind in Gedanken versunken. Endlich blickt Nick auf und fragt leise: �M�chtest du vielleicht ein paar Worte sagen?�</p><p>Philip wirft ihm einen Blick zu. Das St�hnen und Jammern kommt aus allen Richtungen�� wie das furchtbare Get�se eines Heuschreckenschwarms. Es ist inzwischen so laut, dass Philip es kaum schafft, einen klaren Gedanken zu fassen.</p><p>In dem Augenblick erinnert er sich auf einmal an jene Nacht, als sich die drei Freunde betranken und in das Starliter-Autokino an der Waverly Road einbrachen, wo sie in den Projektionsraum eindrangen. Bobby veranstaltete ein Lichtspiel auf der entfernten Leinwand. Philip musste so heftig lachen, dass er glaubte, sich �bergeben zu m�ssen, w�hrend die Silhouetten von Kaninchen und Enten vor Chuck Norris hin und her tanzten, der gegen b�se Nazis k�mpfte.</p><p>�Es gab so manchen, der nicht viel von Bobby Marsh gehalten hat und ihn sogar als Trottel abkanzelte�, sagt er jetzt mit gesenktem Blick. �Doch die so was meinten, haben ihn nicht gekannt. Er war loyal und witzig. Er war ein verdammt guter Freund�� Und er ist wie ein Mann gestorben.�</p><p>Er schaut zu Boden, seine Schultern beben ein wenig. Seine Stimme bricht fast, sodass die Worte in dem immer lauter werdenden �chzen und St�hnen um sie herum kaum mehr zu h�ren sind. �Gro�er Gott, verwandle die Finsternis des Todes in deiner Gnade in den Morgen neuen Lebens und die Trauer des Abschieds in die Freude des Himmels.�</p><p>Philip steigen die Tr�nen in die Augen. Er bei�t seine Z�hne so stark zusammen, dass ihm der Kiefer wehtut.</p><p>�Durch unseren Retter, Jesus Christus�, stimmt Nick mit bebender Stimme ein, �der gestorben und auferstanden ist, um f�r ewig weiterzuleben. Amen.�</p><p>�Amen�, erwidert Philip mit einer Stimme, die er selbst kaum als die seine erkennt.</p><p>Das unerbittliche St�hnen schwillt an. Es wird lauter und lauter.</p><p>�HALTET VERDAMMT NOCH MAL DIE FRESSE!�, br�llt Philip Blake in Richtung der Zombies. Der L�rm dringt aus allen Richtungen. �IHR TOTEN HURENS�HNE!� Er dreht sich zum Zaun um. �ICH WERDE JEDEM EINZELNEN VON EUCH DEN SCH�DEL ZERTR�MMERN, IHR KANNIBALEN! ICH WERDE JEDEM DEN KOPF ABREISSEN UND AUS EUREM VERDAMMTEN KADAVER KLEINHOLZ MACHEN!�</p><p>Da f�ngt Nick zu schluchzen an. Philip, der nicht mehr weiterwei�, f�llt auf die Knie.</p><p>W�hrend Nick laut weint, starrt sein Freund auf das frische Grab, als ob er von dort eine Antwort erhoffte.</p><p>Falls es je Zweifel dar�ber gegeben hat, wer in der Truppe das Sagen hat�� was nie der Fall war��, so ist es jetzt klarer als je zuvor, dass es Philip ist.</p><p>Sie verbringen den Rest des Tages mit Packen. Philip gibt einsilbig Befehle. Seine Stimme klingt heiser vor Stress. �Nehmt die Werkzeugkiste�, knurrt er. �Batterien f�r die Taschenlampen� und �Vergesst die Munition nicht.� Dann noch: �Wir brauchen auch Extradecken.�</p><p>Nick �berlegt, ob es nicht besser w�re, wenn sie ein zweites Auto mitnehmen w�rden.</p><p>Obwohl die meisten Wagen in der Stra�e nur darauf zu warten scheinen, gefahren zu werden�� alles sind neue Luxusmodelle mit steckenden Z�ndschl�sseln��, gef�llt Brian die Idee, dass sich die bereits dezimierte Truppe weiter aufteilt, ganz und gar nicht. Vielleicht h�ngt er jetzt auch noch mehr an seinem Bruder�� diesem Zentrum der Schwerkraft.</p><p>Sie entscheiden sich also, den Chevy Suburban zu behalten. Das Ding ist schlie�lich fast wie ein Panzer.</p><p>Genau so etwas brauchen sie, um nach Atlanta zu gelangen.</p><p>Brian Blake, dessen Erk�ltung sich mittlerweile in der Lunge festgesetzt und sein Atmen zu einem asthmatischen Keuchen verwandelt hat, konzentriert sich auf die Arbeit. Er packt drei gro�e K�hlboxen mit Essen: ger�ucherter Schinken und Aufschnitt, K�se, Saft, Joghurt, Limo und Mayonnaise. Brot, Minisalamis, Pulverkaffee, Wasser, M�sliriegel, Vitaminkapseln, Papierteller und Plastikbesteck: Alles kommt in einen Karton. Dazu noch eine Auswahl scharfer K�chenmesser: Hackbeil, S�gemesser und Ausbeinmesser�� f�r den Fall, dass sie die eine oder andere Begegnung mit weiteren Monstern haben sollten.</p><p>In eine andere Kiste legt er Klopapier, Seife, Handt�cher und kleine Lappen. Dann w�hlt er sich durch den Medizinschrank und nimmt ausreichend Hustensaft, Schlaftabletten und Schmerzmittel mit. Pl�tzlich kommt ihm eine Idee. Da gibt es etwas, was er noch unbedingt machen muss.</p><p>Im Keller findet er einen Eimer mit roter Farbe und zwei breite Pinsel. Daneben liegt ein gro�es St�ck Sperrholz. Rasch schreibt er eine Nachricht auf das Holz. F�nf W�rter in gro�en Buchstaben�� gro� genug, damit man sie von einem vorbeifahrenden Wagen aus lesen kann. Dann nagelt er zwei kurze Holzstecken an das Schild.</p><p>Er nimmt es mit nach oben und zeigt es seinem Bruder. �Das hier sollten wir an die Barrikade stellen�, schl�gt er vor.</p><p>Philip zuckt nur mit den Schultern.</p><p>Sie warten auf die Dunkelheit, bevor sie aufbrechen. Punkt neunzehn Uhr, als die kalte, metallisch wirkende Sonne hinter den D�chern verschwindet, beladen sie den SUV. Hastig bilden sie eine Kette von der Haust�r bis zum Wagen, w�hrend sich die Zombies noch immer vor der Barrikade scharen.</p><p>Au�er den �xten, die sie von Anfang an dabeihatten, kommen jetzt noch Pickel, Schaufeln, kleine �xte, S�gen und Klingen aus dem Ger�teschuppen im Garten dazu. Zudem packen sie Stricke, Dr�hte, Fackeln, weitere M�ntel, Schneestiefel und Feueranz�nder sowie einen Schlauch zum Absaugen und so viel Benzinkanister ein, wie sie in den Kofferraum bekommen k�nnen.</p><p>Der Tank des SUV ist voll. Philip hat sechzig Liter von einer Limousine aus der Garage des Nachbarhauses abgezapft, schlie�lich kann keiner wissen, ob man an den Tankstellen �berhaupt noch Treibstoff kriegt.</p><p>W�hrend der vergangenen vier Tage hat Philip die Sportgewehre in den angrenzenden H�usern genau unter die Lupe genommen. Die Leute hier lieben es offenbar, Enten zu schie�en. Sie warten in ihren geheizten Verstecken, bis die ahnungslosen Tiere an ihnen vorbeifliegen, sodass sie ihre Pr�zisionsgewehre benutzen und die Beute danach von ihren reinrassigen Jagdhunden apportieren lassen k�nnen.</p><p>Philips Vater ist es noch auf die althergebrachte Art gewohnt gewesen: in Gummistiefeln, beim Licht des Mondes und aus einem geschickten Hinterhalt heraus.</p><p>Philip schnappt sich drei Gewehre und verstaut sie in den daf�r vorgesehenen Plastiktaschen im Auto�� eine Winchester Magnum Ringfire, Kaliber zweiundzwanzig, und zwei Gewehre Marlin 55. Insbesondere die Marlins k�nnten sich als n�tzlich erweisen. Man nennt sie auch Gans-Gewehre. Sie sind speziell f�r hoch fliegende Zugv�gel entwickelt worden und sehr schnell, pr�zise und treffsicher�� In diesem Fall w�rden sie allerdings etwas zweckentfremdet, denn schlie�lich geht es um menschliche Sch�del, die aus circa einhundert Metern Entfernung getroffen werden m�ssen.</p><p>Als sie mit dem Einpacken fertig sind, ist beinahe eine Stunde vergangen. Penny sitzt in einem Daunenmantel in der Mitte der Sitzbank. Neben ihr der Pinguin. Sie wirkt aufgeregt, obwohl ihr Gesichtsausdruck einen m�den, ersch�pften Eindruck macht�� beinahe so, als ob sie krank w�re und zum Kinderarzt m�sste.</p><p>Die T�ren �ffnen sich und schlie�en sich wieder. Philip klettert auf den Fahrersitz, Nick setzt sich neben ihn. Brian macht es sich neben Penny auf der Mittelbank bequem. Das Schild steht zu seinen F��en und dr�ckt auf seine Knie.</p><p>Philip dreht den Z�ndschl�ssel, und das Aufheulen des Motors hallt schrill durch die Stille. Die Untoten auf der anderen Seite der Barrikade horchen auf.</p><p>�Bringen wir es hinter uns�, murmelt Philip und legt den R�ckw�rtsgang ein. �Haltet euch fest!�</p><p>Er gibt Gas, und die Reifen des Allradantriebs beginnen zu greifen.</p><p>Alle werden leicht nach vorne geschleudert, w�hrend der SUV nach hinten schie�t.</p><p>Im R�ckspiegel sieht man, wie die schw�chste Stelle im Zaun auf sie zurast, bis�� KRACH! Das Auto bricht durch die Planken aus Zedernholz und wird vom schwachen Licht der Stra�enlaternen in der Green Briar Lane erhellt.</p><p>Schon prallt der Wagen auf einen Untoten. Philip steigt aufs Gas und schaltet auf Drive. Der Zombie fliegt ein paar Meter durch die Luft und dreht sich zum Abschluss inmitten eines Regens aus Blut. Ein Teil seines vermodernden Arms bricht ab und rollt davon.</p><p>Der SUV schie�t zur Hauptstra�e und nimmt dabei drei weitere Zombies mit sich. Bei jedem Zusammensto� zuckt Penny schmerzhaft zusammen, bis sie die Augen schlie�t. Die dumpfen Ersch�tterungen sind im Inneren des Autos deutlich zu sp�ren�� und die gelb r�tlichen Spuren auf der Windschutzscheibe nicht zu �bersehen.</p><p>An der Kreuzung rei�t Philip das Lenkrad herum. Er kratzt mit quietschenden Reifen die Kurve, ehe er n�rdlich auf das Tor zur Siedlung zuh�lt.</p><p>Wenige Minuten sp�ter ruft er Brian einen Befehl zu. �Los! Mach schnell! Verdammt schnell!�</p><p>Er steigt erneut auf die Bremse. Zum Gl�ck sind alle angeschnallt. Der Wagen bleibt vor dem Eingangstor stehen. Im Scheinwerferlicht ist der mit B�schen ges�umte Kiesweg deutlich zu erkennen.</p><p>�Bin gleich wieder da!�, erkl�rt Brian, ergreift das Schild und rei�t die T�r auf. �Lass den Motor laufen.�</p><p>�Beeil dich!�</p><p>Er steigt aus, das Schild in der Hand.</p><p>In der kalten Nachtluft eilt er �ber den Kiesweg. Angespannt lauscht er in die Dunkelheit. Er h�rt das Schlurfen und St�hnen der Zombies. Sie sind bereits im Anmarsch.</p><p>Brian stellt das Schild rechts neben dem Tor auf, wo es durch keine B�sche verdeckt wird, und lehnt es an die Mauer.</p><p>Dann dr�ckt er die h�lzernen Beine in die weiche Erde, um dem Ganzen etwas Halt zu geben, ehe er zur�ck zum Wagen sprintet. Er ist zufrieden, seinen Teil f�r die Menschheit getan zu haben�� oder was von ihr �brig ist.</p><p>Ehe sie davonrasen, drehen sich alle noch einmal um�� selbst Penny�� und blicken zur�ck. In der Ferne ist das Schild zu sehen. Darauf steht:</p><p>ALLE TOT!</p><p>NICHT BETRETEN!</p></section><section><title><p>F�nf</p></title><p>Sie halten sich in westlicher Richtung, wobei sie nicht schneller als f�nfzig Stundenkilometer durch die Nacht fahren. Die vier Spuren der Interstate 20 sind mit zur�ckgelassenen Autos �bers�t. Die Stra�e f�hrt auf ein schwaches Licht am Horizont des Nachthimmels zu. Sie sind gezwungen, sich so langsam durch die Wracks zu schl�ngeln, dass sie beinahe die Geduld verlieren. Doch immerhin schaffen sie beinahe zehn Kilometer, ehe es anf�ngt, wirklich schwierig zu werden.</p><p>Philip ist die meiste Zeit in Gedanken an Bobby vertieft. Was h�tten sie blo� tun k�nnen, um ihm das Leben zu retten? Leid und Trauer graben sich jetzt tief in sein Bewusstsein�� wie ein Krebsgeschw�r, dessen Metastasen immer weiter wuchern. Um die d�steren Gedanken zu vertreiben, denkt er an ein altes Trucker-Sprichwort: Immer nur kurz anschauen, aber nicht anstarren. Er h�lt das Lenkrad mit der L�ssigkeit eines alten Fernfahrers, richtet sich auf, konzentriert sich und versucht zu sehen, was sich an den Leitplanken abspielt.</p><p>�ber acht Kilometer hinweg sieht er lediglich eine Handvoll Toter im Lichtkegel der Scheinwerfer.</p><p>In der N�he von Conyers kommen sie an zwei Nachz�glern vorbei, die auf dem Haltestreifen daherschlurfen wie blutbesudelte Kriegsgefangene. Als sie an der Stonecrest Mall vor�berfahren, bemerken sie eine Traube dunkler Gestalten, die in einem Graben hockt und sich anscheinend an etwas labt�� ob an Mensch oder Tier, das kann man in der Dunkelheit nicht sagen. Sonst sehen sie niemanden�� zumindest w�hrend der ersten acht Kilometer nicht. Philip f�hrt stete und sichere f�nfzig. Sicher, weil bei weniger als f�nfzig Stundenkilometern die Gefahr besteht, ein Monster mitzunehmen, ohne es zu zerfetzen, und weil sie bei mehr als f�nfzig garantiert an dem einen oder anderen Autowrack ansto�en und ins Schleudern geraten w�rden.</p><p>Das Radio funktioniert nicht mehr. Sie kurven ohne ein Wort zu sagen um die verlassenen Wagen herum, den Blick auf die Landschaft gerichtet.</p><p>Langsam n�hern sie sich Atlanta. Sie lassen die ersten Trabantenst�dte links liegen, die von Pinienw�ldern oder auch Einkaufszentren durchbrochen werden. Gro�e Autoh�user stehen d�ster wie Leichenschauh�user an der Interstate. Im milchigen Mondlicht gleichen die endlosen Reihen von Neuwagen zahllosen S�rgen. Sie fahren an einer leer stehenden Waffelb�ckerei vorbei. Die Fenster sind eingeschlagen. Verlassene B�rogeb�ude mit ihren riesigen Parkpl�tzen erinnern an Kriegsgebiete. Die Restaurants, Caravan-Parks, K-Marts und Wohnmobilzentren links und rechts der Autobahn sind verw�stet. Kleine Feuer brennen hier und da, die Parkpl�tze wirken wie d�stere Spielwiesen, die herrenlosen Autos auf dem B�rgersteig wie Spielzeuge, die jemand w�tend weggeworfen hat. �berall liegt zerbrochenes Glas herum und schimmert unheilvoll im Mondlicht.</p><p>In weniger als eineinhalb Wochen hat die Plage das Randgebiet von Atlanta v�llig zerst�rt. Hier, inmitten der Naturparks, B�rolandschaften und Vorstadtsiedlungen�� dem Traum des typischen Mittelst�ndlers, um dem m�hsamen Pendeln von weit drau�en herein ebenso wie den wahnwitzigen Hypotheken und dem stressvollen Leben in der Stadt zu entrinnen��, hat die Epidemie alles in wenigen Tagen in Schutt und Asche gelegt. Aus irgendeinem Grund verst�rt Philip der Anblick der zerst�rten Kirchen am meisten.</p><p>Jedes Gotteshaus, an dem sie vorbeifahren, sieht noch schlimmer aus als das vorherige: Aus dem New Birth Missionary Baptist Center kurz vor Harmon steigt Rauch auf. Das verkohlte Kreuz auf dem Dach ragt anklagend in den Himmel. Zwei Kilometer weiter entdecken sie am Luther Rice Seminary hastig gepinselte Schilder �ber der Eingangst�r, auf denen Vor�berfahrende darauf hingewiesen werden, dass das Ende nahe und keine Hoffnung mehr f�r die S�nder sei. Die Unity Faith Christian Cathedral sieht so aus, als ob sie zuerst gepl�ndert worden w�re, ehe man sie anderweitig entweihte. Der Parkplatz von St. John the Revelator Pentecostal Palace wiederum gleicht einem mit Leichen �bers�ten Schlachtfeld, auch wenn sich viele der Toten mit der f�r Zombies typischen Tr�gheit und dem Hunger der Untoten noch immer durch die Gegend schleppen. Welcher Gott l�sst das zu? Und wenn wir schon beim Thema sind: Welcher Gott l�sst einen schlichten, unschuldigen Menschen wie Bobby Marsh so sterben? Welcher��</p><p>�Mist!�</p><p>Dieser Ausruf kommt vom R�cksitz und katapultiert Philip in die Gegenwart zur�ck. �Was ist los?�</p><p>�Dort dr�ben�, erwidert Brian mit schwacher Stimme, die entweder von seiner Erk�ltung oder der Angst kommt, die er empfindet. Vielleicht auch von beidem. Philip blickt in den R�ckspiegel und sieht den unruhigen Gesichtsausdruck seines Bruders. Brian zeigt nach Westen.</p><p>Philip konzentriert sich erneut auf das, was vor ihm liegt, bremst aber instinktiv ab. �Was ist los? Ich kann nichts sehen.�</p><p>�Verdammt�, flucht nun auch Nick vom Beifahrersitz. Er starrt durch eine Schneise im Pinienwald zu ihrer Rechten. Ein seltsames Licht schimmert durch die B�ume.</p><p>Circa f�nfhundert Meter vor ihnen macht die Interstate eine lange Rechtskurve durch ein St�ck Wald, um sich dann in Richtung Nordwesten weiter auf die Stadt zuzuschl�ngeln. Hinter den B�umen sind Flammen zu sehen.</p><p>Die Autobahn steht in Flammen.</p><p>�Verflucht!�, entf�hrt es Philip, ehe er den Fu� vom Gas nimmt, um die Situation erst einmal etwas besser einsch�tzen zu k�nnen.</p><p>Sekunden sp�ter sehen sie einen umgest�rzten Tankwagen, der in zwei Teilen in lodernden Flammen mitten auf der Stra�e liegt. Er versperrt den Weg in das Innere der Stadt. Das F�hrerhaus hat sich beim Aufprall oder der darauf folgenden Explosion �ber die gesamte Fahrbahn verstreut. Ein gro�es Teil klemmt zwischen zwei Fahrzeugen und versperrt nicht nur den Mittelstreifen, sondern auch die gegen�berliegenden Fahrspuren. Die ausgebrannten Karossen anderer Autos liegen hinter dem Tanker.</p><p>Noch weiter dahinter�� Fast k�nnte man glauben, dass die Interstate ein Parkplatz ist. Dort stehen unz�hlige Wagen, von denen manche brennen, die meisten aber Opfer einer Massenkarambolage geworden sind.</p><p>Philip f�hrt an die Seite und h�lt den SUV auf dem Standstreifen keine f�nfzig Meter von den lodernden Flammen entfernt an. �Das ist ja gro�artig�, sagt er, ohne sich an jemanden im Besonderen zu wenden. Er will gerade eine Salve von Schimpfw�rtern von sich geben, als er inneh�lt. Schlie�lich sitzt Penny auf der R�ckbank.</p><p>Auch aus dieser Entfernung sind selbst in der flackernden Dunkelheit einige Dinge klar. Zum einen bleibt ihnen nichts anderes �brig, als entweder eine Feuerwehr und ein R�umfahrzeug ausfindig zu machen, um weiterfahren zu k�nnen, <emphasis>ha,ha</emphasis>�� oder aber einen verdammten Umweg auf sich zu nehmen. Zum anderen scheint das, was hier geschehen ist, erst heute passiert zu sein�� vielleicht sogar erst wenige Stunden zuvor. Der Teer um das Wrack ist noch schwarz und die Oberfl�che rau, als ob ein Meteor dort eingeschlagen w�re. Selbst die B�ume am Stra�enrand sind vom pl�tzlichen Flammenmeer verkohlt worden.</p><p>�Was machen wir jetzt?�, will Brian wissen.</p><p>�Umdrehen�, antwortet Nick und wirft einen Blick �ber seine Schulter.</p><p>�Lasst mich einen Augenblick nachdenken�, meint Philip und starrt auf die �berreste der Fahrerkabine, deren Dach wie eine Fischkonserve aufgerissen ist. Verbrannte Leichen liegen �berall �ber den Mittelstreifen verstreut. Manche von ihnen zucken mit den Wellenbewegungen einer erwachenden Schlange.</p><p>�Los, Philip. Uns bleibt nichts anderes �brig, als umzudrehen�, dr�ngt Nick.</p><p>�Vielleicht k�nnen wir die 278 nehmen�, schl�gt Brian vor.</p><p>�VERFLUCHT, K�NNT IHR NICHT ENDLICH DIE KLAPPE HALTEN UND MICH NACHDENKEN LASSEN!�</p><p>Der pl�tzliche Wutanfall l�sst Philips Kopf mit der Wucht einer Migr�ne pochen. Er bei�t die Z�hne zusammen, ballt die H�nde zu F�usten und schiebt die Stimme in seinem Inneren beiseite: Es erst aufbrechen, dann aufrei�en. Hol dir das Herz��</p><p>�Tut mir leid�, sagt Philip schlie�lich und wischt sich den Mund mit dem Handr�cken ab. Er dreht sich um und sieht seine kleine Tochter an, die sich �ngstlich auf der R�ckbank zusammenkauert. �Es tut mir leid, Schatz. Daddy hat die Kontrolle verloren, aber jetzt ist alles wieder gut.�</p><p>Das kleine M�dchen starrt auf den Boden.</p><p>�Was willst du machen?�, fragt Brian leise. Der verloren klingende Ton in seiner Stimme l�sst vermuten, dass er seinem Bruder in die Flammen der H�lle folgen w�rde, wenn Philip das so bestimmen w�rde.</p><p>�Die letzte Abfahrt war�� Wie weit ist die entfernt? Eineinhalb Kilometer?� Philip wirft einen Blick nach hinten. �Ich finde, dass wir versuchen sollten���</p><p>Das Klatschen kommt v�llig unerwartet aus dem Nichts und unterbricht Philip mitten im Satz.</p><p>Penny schreit auf.</p><p>�MIST!�</p><p>Nick schreckt vom Beifahrerfenster zur�ck, an dem ein verkohlter Leichnam kratzt, der sich lautlos in der Dunkelheit an sie herangeschlichen hat.</p><p>�Runter mit dir, Nick!� Philips Stimme bleibt emotionslos wie der eines Funkers, als er sich rasch zum Handschuhfach vorbeugt, die Klappe �ffnet und nach etwas sucht. Das Wesen auf der Stra�e dr�ckt gegen die Fensterscheibe. Man kann es kaum mehr als menschlich erkennen, derart schwarz und verbrannt ist seine Haut. �Brian, halt Penny die Augen zu.�</p><p>�VERDAMMT!� Nick duckt sich und h�lt die H�nde �ber den Kopf, als ob er einen Luftangriff erwarten w�rde. �MIST! MIST! MIST!�</p><p>Philip zieht die geladene Ruger aus dem Handschuhfach.</p><p>Mit einer flie�enden Bewegung rei�t er sie mit der rechten Hand hoch, w�hrend er mit der linken das elektrische Fenster herunterl�sst. Der verkohlte Zombie streckt sofort einen versengten Arm ins Auto und st��t ein kehliges St�hnen aus. Ehe er seine Finger um Nicks Genick legen kann, dr�ckt Philip ab�� ein einziger Schuss direkt in den Sch�del.</p><p>Der Knall der Ruger hallt in dem Innenraum des SUV so laut wider, dass alle vor Schreck zusammenzucken. Der verkohlte Untote dreht sich einmal um die eigene Achse, Richtung K�hlerhaube. Aus dem Einschussloch nur wenige Millimeter �ber der linken Schl�fe spritzen die �berreste seines Gehirns auf die Windschutzscheibe.</p><p>Dann rutscht die Kreatur an der Au�enseite der Beifahrert�r zu Boden und f�llt auf die Stra�e. Der Aufprall auf dem Teer ist nach dem lauten Knall der Waffe kaum zu h�ren.</p><p>Selbstlader wie die Ruger sind vom Klang her unverwechselbar. Der Schuss �hnelt einem harten, scharfen Schlag, als ob ein Kantholz der L�nge nach auf Beton aufkommt. Au�erdem springt die Waffe dem Schie�enden beinahe aus der Hand.</p><p>In dieser Nacht hallt der Schuss vom Wind getragen in der dunklen Landschaft wider, obwohl er im Inneren des Autos abgefeuert wurde.</p><p>Er ist laut und deutlich noch in eineinhalb Kilometern Entfernung zu h�ren, und sein Echo arbeitet sich durch die dichten W�lder bis in die H�rkan�le der Schattenkreaturen, um die bereits toten zentralen Nervensysteme zu neuem, grausamem Leben zu erwecken.</p><p>�Alle in Ordnung?� Philip blickt sich um in dem dunklen Auto und legt die Pistole auf die mit Teppich verkleidete Ablage. �Alles senkrecht?�</p><p>Nick richtet sich langsam wieder auf, die Augen weit aufgerissen. Er starrt auf die �berreste, die an der Windschutzscheibe kleben. Brian h�lt Penny in den Armen. Sie hat die Augen noch immer fest zu, w�hrend sich ihr Onkel panisch umsieht. Er sp�ht durch jedes Fenster, um nach weiteren Untoten Ausschau zu halten.</p><p>Philip legt den R�ckw�rtsgang ein und gibt Gas. Gleichzeitig l�sst er das Beifahrerfenster wieder hoch. Die K�pfe der Mitfahrenden schnellen nach vorne, als das Auto r�ckw�rtsschie�t und sich f�nfundzwanzig Meter�� f�nfzig Meter�� f�nfundsiebzig Meter von dem brennenden Wrack des Tankwagens entfernt.</p><p>Dann tritt er auf die Bremse, und der Wagen h�lt.</p><p>Drau�en herrscht Stille. Auch im SUV sagt niemand ein Wort. Philip ist sich dennoch sicher, dass er nicht der Einzige ist, der sich fragt, ob diese drei�ig Kilometer lange Reise in die Stadt nicht wesentlich schwieriger werden wird, als sie urspr�nglich angenommen haben.</p><p>Eine Weile sitzen sie da und debattieren, was sie als N�chstes machen sollen, w�hrend der Wagen im Leerlauf brummt. Philip wird immer unruhiger. Er will nicht zu lang an einem Ort bleiben�� ganz besonders nicht, wenn der Motor l�uft und sie nutzlos Benzin und Zeit verschwenden, w�hrend sich die Schatten hinter den brennenden B�umen auf unheimliche Art bewegen. Er tut sein Bestes, den gutm�tigen Diktator in seiner kleinen Bananenrepublik zu geben.</p><p>�H�rt zu. Ich finde immer noch, dass wir versuchen sollten, au�en herumzufahren.� Er weist mit dem Kopf nach S�den, wo es stockdunkel ist.</p><p>Auf dem Standstreifen der Gegenfahrbahn liegen �berall ausgebrannte Autowracks. Doch es gibt zwischen dem Schotter und den B�umen, welche die Interstate s�umen, eine schmale L�cke, die etwas breiter als ihr SUV zu sein scheint. Der Regen und das �l aus dem umgest�rzten Tankwagen haben den festen Untergrund zu einem schmierigen Brei werden lassen. Aber ihr Auto ist gro�, schwer und hat breite Reifen. Philip hat es schon �ber ganz andere B�den gejagt.</p><p>�Das ist zu steil, Philly�, gibt Nick zu bedenken und wischt die Blutspritzer, die ins Innere dringen, mit einem schmutzigen Handtuch von der Windschutzscheibe.</p><p>�Da muss ich zustimmen�, erkl�rt auch Brian aus der Dunkelheit der R�ckbank, den Arm noch immer um Penny gelegt. Seine besorgte Miene wird ab und zu von den lodernden Flammen erhellt. �Ich bin daf�r, dass wir zur Ausfahrt zur�ckfahren.�</p><p>�Aber wir haben keine Ahnung, was uns da erwartet. Das k�nnte noch viel schlimmer sein.�</p><p>�Wissen wir aber nicht�, entgegnet Nick.</p><p>�Wir m�ssen auf jeden Fall weiter.�</p><p>�Aber was, wenn es in der Stadt noch m�rderischer zugeht? Bisher wird es ja auch immer schlimmer, je n�her wir Atlanta kommen.�</p><p>�Es sind immerhin noch gute zwanzig Kilometer, und wir haben keine Ahnung, wie es in Atlanta zugeht.�</p><p>�Ich wei� nicht so recht, Philly.�</p><p>�Ich verrate dir was�, erkl�rt Philip. �Ich schaue einfach mal nach.�</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>Philip nimmt seine Pistole. �Ich gehe kurz raus und sondiere die Lage.�</p><p>�Einen Moment!�, ruft Brian. �Philip, mach keinen Mist. Wir m�ssen zusammenbleiben.�</p><p>�Ich will mir nur ein Bild von dem Boden machen, ehe wir probieren, da hindurchzufahren.�</p><p>�Daddy��� Penny will noch etwas sagen, �berlegt es sich dann aber anders.</p><p>�Ist schon okay, mein Schatz. Daddy ist gleich wieder zur�ck.�</p><p>Brian starrt aus dem Fenster. Er ist ganz und gar nicht begeistert. �Wir haben abgemacht, dass wir uns nicht trennen w�rden�� komme, was wolle. Philip, �berlege es dir doch noch einmal.�</p><p>�Bin in zwei Minuten wieder da.� Philip �ffnet die Fahrert�r und schiebt die Waffe hinten in seine Jeans.</p><p>Die k�hle Luft, das Ger�usch des knisternden Feuers, der Geruch nach Ozon und der nach verbranntem Gummi dringen alle wie ein ungebetener Gast in den SUV. �R�hrt euch nicht von der Stelle. Bin gleich wieder zur�ck.�</p><p>Er steigt aus.</p><p>Die T�r f�llt zu.</p><p>Brian lauscht auf das laute Pochen seines Herzens, w�hrend Nick Wache schiebt. Er sp�ht durch die Fenster und vergewissert sich, dass ihre n�chste Umgebung zombiefrei ist. Doch �berall sieht er tanzende, flackernde Schatten. Penny wirkt wie erstarrt. Sie scheint sich in sich selbst zur�ckgezogen zu haben�� wie eine Bl�te, wenn es dunkel wird.</p><p>�Er kommt gleich wieder, Kleines�, beruhigt Brian seine Nichte. Er leidet mit ihr. Das ist alles so falsch. Ein Kind sollte so etwas nicht ertragen m�ssen. Brian versteht sehr gut, wie Penny sich f�hlt. �Er ist ein starker Mann, dein Vater. Er schl�gt jedes Monster, das ihm �ber den Weg l�uft. Das kannst du mir glauben.�</p><p>Nick dreht sich zu den beiden um. �Du kannst deinem Onkel glauben, meine S��e. Er hat v�llig recht. Dein Vater kann auf sich selbst aufpassen, nicht nur auf andere.�</p><p>�Ich habe mal gesehen, wie dein Vater einen tollw�tigen Hund fing�, erz�hlt Brian. �Damals war er neunzehn oder so, und es gab diesen Sch�ferhund, vor dem kein Kind in der Nachbarschaft sicher war.�</p><p>�Daran kann ich mich auch noch erinnern�, erkl�rt Nick.</p><p>�Das Tier hatte schon Schaum im Maul, und dein Daddy ist ihm bis in ein trockenes Flussbett gefolgt, wo er es niedergerungen und in eine M�lltonne gesperrt hat.�</p><p>�Ich kann mich noch bestens daran erinnern�, wiederholt Nick. �Er hat den Hund mit blo�en H�nden gepackt und ihn durch die Luft gewirbelt, ehe er die Tonne �ber ihn gest�lpt hat, als w�re er nichts anderes als eine harmlose Fliege.�</p><p>Brian beugt sich zu Penny und streicht ihr behutsam eine Str�hne aus dem Gesicht. �Ihm passiert garantiert nichts, mein Kind�� Das kannst du mir glauben. Dein Daddy ist ein knallharter Muchacho.�</p><p>Drau�en st�rzt ein brennendes Tr�mmerst�ck zu Boden. Der L�rm schreckt alle auf, und Nick sieht Brian an. �He, Mann. Kannst du mal hinter dich in die lange Plastiktasche neben dem Reserverad greifen?�</p><p>Brian sieht Nick an. �Was willst du haben?�</p><p>�Eines von den Gewehren.�</p><p>Brian starrt Nick einen Moment lang an, ehe er nach hinten fasst�� und die lange Tasche findet, die zwischen einer K�hlbox und einem Rucksack klemmt. Er �ffnet den Rei�verschluss und holt ein Marlin 55 hervor.</p><p>Als er Nick das Gewehr reicht, fragt er: �Soll ich auch Munition suchen?�</p><p>�Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bereits geladen ist�, meint Nick und klappt das Gewehr auf, um sich zu vergewissern, dass das auch wirklich der Fall ist.</p><p>Brian merkt, wie gut Nick mit der Waffe umzugehen vermag. Vielleicht ist er damit schon einmal zum Jagen gegangen. Brian war selbst nie dabei. Es war offiziell nicht sein Ding, bei den �u�erst m�nnlichen Freizeitbesch�ftigungen seines Bruders und seiner Kumpels mitzumachen, obwohl er insgeheim eigentlich nichts lieber getan h�tte. �Zwei Patronen im Lauf�, verk�ndet Nick und klappt das Gewehr zu.</p><p>�Sei vorsichtig�, ermahnt ihn Brian.</p><p>�Ich habe damit schon Wildschweine erlegt�, versichert ihm Nick.</p><p>�Wildschweine?�</p><p>�Ja, Wildscheine�� Im Chatthoochee-Reservat. Ich bin immer mit meinem Vater und Onkel Verne auf die Jagd gegangen�� nachts, versteht sich.�</p><p>�Du hast Schweine gejagt?�, fragt Brian ungl�ubig.</p><p>�Genau. Ein Wildschein ist schlie�lich ein gro�es Schwein. Vielleicht werden Wildschweine ja �lter, aber da bin ich mir nicht so���</p><p>Wieder ert�nt ein lautes metallisches Knacken�� diesmal n�her, direkt neben Nicks Fenster.</p><p>Nick richtet den Gewehrlauf in die Richtung des Ger�uschs, den Finger am Abzug. Er knirscht vor Nervosit�t mit den Z�hnen, aber drau�en bewegt sich nichts mehr. Die beiden entspannen sich wieder und seufzen erleichtert auf. �Wir sollten allm�hlich weiterfahren�, sagt Brian, �ehe���</p><p>Wieder ein Ger�usch.</p><p>Diesmal kommt es von der Fahrerseite. Das Schlurfen von F��en��</p><p>Ehe Nick erkennen kann, worum es sich handelt, kommt die Gestalt auf die Fahrert�r zu. Er rei�t die Waffe herum und zielt auf den Schatten. Der Finger ist am Hahn und kr�mmt sich bereits, um den Eindringling mit zwei Kugeln zu begr��en, als er eine bekannte Stimme h�rt.</p><p>�VERDAMMT!�</p><p>Kurz kann man Philip erkennen, ehe er sich aus der Schusslinie duckt.</p><p>�Mann, Philip, tut mir leid! Tut mir ehrlich leid�, entschuldigt sich Nick.</p><p>Philips Stimme klingt tiefer als gew�hnlich. Er hat sich zwar unter Kontrolle, aber seine Wut �ber Nicks Reaktion schwingt noch h�rbar mit. �K�nntest du mit dem Ding gef�lligst nicht auf mich zielen?�</p><p>Nick senkt die Waffe. �Tut mir leid, Philly. War keine Absicht�� ehrlich.�</p><p>Das Schloss klickt, die T�r �ffnet sich. Philip steigt keuchend ein. Sein Gesicht gl�nzt vor Schwei�. Er schl�gt die T�r zu und atmet erleichtert auf. �Nick���</p><p>�He, Mann, tut mir echt leid, aber ich bin eben ein bisschen nerv�s.�</p><p>Einen Augenblick lang hat es den Anschein, als ob Philip Nick trotzdem am liebsten einen Kopf k�rzer machen w�rde. Doch dann l�st sich die Anspannung. �Ich nehme an, wir sind alle schreckhaft�� Ist ja auch nachvollziehbar.�</p><p>�Ja, Mann. Wird nicht wieder passieren.�</p><p>�Pass einfach in Zukunft besser auf.�</p><p>�Werde ich.�</p><p>Brian meldet sich von hinten. �Und? Was hast du da drau�en gefunden?�</p><p>Philip legt die Hand auf die Automatikschaltung. �Einen Ausweg aus dieser verdammten Situation.� Dann schiebt er den Hebel auf Allradantrieb.</p><p>�Alle Mann festhalten!�</p><p>Philip schl�gt etwas ein und rollt dann langsam �ber ein wahres Feld aus zerbrochenem Glas. Die Scherben knirschen unter den dicken Reifen des SUV. Alle halten angespannt den Atem an. Brian macht sich insgeheim Sorgen, dass sie bald einen Platten haben k�nnten.</p><p>Philip lenkt den Wagen �ber den Mittelstreifen�� ein flacher Abwasserkanal, der von Rutenhirse, Unkraut und Rohrkolben �berwuchert ist. Die Hinterr�der greifen gut in der zerfurchten Erde. Als sie beinahe auf der anderen Seite sind, gibt er etwas mehr Gas, sodass der SUV hochschie�t und mit voller Wucht auf der gegen�berliegenden Fahrbahn aufkommt.</p><p>Philips H�nde scheinen am Lenkrad festgewachsen zu sein, als er auf den Standstreifen zuf�hrt. �Festhalten!�, warnt er erneut seine Mitfahrer, als sie pl�tzlich eine mit Unkraut �berwucherte B�schung hinabst�rzen.</p><p>Der Wagen neigt sich wie ein sinkendes Schiff zur Seite. Brian h�lt Penny fest, w�hrend sich Nick an die Mittelkonsole klammert. Philip rei�t das Lenkrad herum und tritt dann aufs Gaspedal.</p><p>Der SUV schlingert in Richtung der schmalen L�cke zwischen den Wracks. Drei �ste liegen im Weg, doch Philip achtet nicht auf sie. Einen Moment lang greifen die Hinterreifen nicht, finden dann aber wieder Halt im Schlamm. Philip k�mpft wie ein Wilder am Lenkrad. Die Mannschaft h�lt den Atem an, als sich der Wagen durch die kleine L�cke zw�ngt.</p><p>Als sie durch sind, brechen sie spontan in Jubel aus. Nick klopft Philip auf den R�cken, und Brian st��t einen triumphierenden Freudenschrei aus. Selbst Pennys Gesicht hellt sich etwas auf, als der Anflug eines L�chelns �ber ihre Lippen huscht.</p><p>Durch die Windschutzscheibe sehen sie ein Wirrwarr aus Autos, das vor ihnen liegt�� mindestens zwanzig Wagen, darunter SUVs und Kleintransporter��, die in einer Massenkarambolage auf der Gegenfahrbahn daran glauben mussten. Von den meisten sind nur noch rauchende Karosserien �brig geblieben. Dieser Anblick bietet sich ihnen �ber etliche Meter.</p><p>Philip tritt aufs Gas und schafft es, den SUV zur�ck auf die Stra�e zu lotsen. Er rei�t das Steuer erneut herum, wodurch der Wagen hinten ins Schlittern ger�t.</p><p>Irgendetwas l�uft schief. Brian merkt, wie sie einen Augenblick lang die Bodenhaftung verlieren. Pl�tzlich heult der Motor auf.</p><p>Der Jubel nimmt ein abruptes Ende.</p><p>Der Wagen steckt fest.</p><p>Einen Moment lang will Philip es nicht glauben. Er gibt noch mehr Gas und wippt mit dem K�rper vor und zur�ck, als ob das etwas helfen w�rde. Wut steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er strengt sich noch einmal an, doch der SUV bewegt sich keinen Zentimeter vorw�rts. Nur die Hinterachse schlingert hin und her. Bald greift keiner der Reifen mehr, sondern Schlammfont�nen spritzen in die vom Mond erhellte Finsternis hinter ihnen.</p><p>�MIST! MIST! MIST! MIST!�, br�llt Philip und schl�gt mit der Faust so hart auf das Lenkrad ein, dass das Plastik bricht. Schmerzen schie�en ihm bis in die Schulter. Dann tritt er noch einmal mit aller Gewalt aufs Gaspedal, und der Motor heult laut auf.</p><p>�Lass es sein, Mann!�, sagt Nick. �Damit gr�bst du uns nur noch tiefer ein.�</p><p>�MIST!�</p><p>Philip nimmt den Fu� vom Gas.</p><p>Der Motor wird leiser. Der SUV neigt sich zur Seite�� ein sinkendes Boot in seichtem Wasser.</p><p>�Wir m�ssen schieben�, erkl�rt Brian nach einem angespannten Schweigen.</p><p>�Halt mal das Lenkrad�, bittet Philip Nick, �ffnet die T�r und steigt aus dem Wagen. �Gib Gas, wenn ich dir es sage. Brian, hilf mir mal.�</p><p>Brian �ffnet die Hintert�r, steigt aus und stellt sich im Schein der R�cklichter neben seinen Bruder.</p><p>Die Hinterr�der stecken mindestens f�nfzehn Zentimeter tief in dem �ligen Matsch, und die hinteren Kotfl�gel sind voller Schlamm.</p><p>Den Vorderreifen ergeht es kaum besser. Philip legt seine gro�en Pranken auf die Heckklappe. Brian folgt seinem Beispiel auf seiner Seite.</p><p>Beide stellen sich breitbeinig hin, damit sie in dem Matsch nicht so leicht den Halt verlieren.</p><p>Keiner der beiden bemerkt dabei die dunklen Gestalten, die aus dem Wald auf der anderen Seite des Highways auf sie zustolpern.</p><p>�Okay, Nick. Jetzt!�, br�llt Philip und stemmt sich mit ganzer Kraft gegen den SUV.</p><p>Der Motor heult auf.</p><p>Die Reifen drehen sich, ohne zu greifen. Schlamm spritzt in den Himmel, w�hrend die Blake-Br�der schieben, was das Zeug h�lt. Sie geben ihr Bestes, doch es n�tzt nichts. Die Gestalten n�hern sich fast lautlos.</p><p>�Noch mal!�, ruft Philip und dr�ckt mit aller Gewalt gegen den Wagen.</p><p>Die Hinterreifen drehen sich erneut, ohne Bodenhaftung zu finden. Sie arbeiten sich noch tiefer in den Morast. Brian fliegt eine Ladung Schlamm ins Gesicht.</p><p>Hinter ihm n�hern sich die Kreaturen durch eine Bank aus Nebel und Rauch auf f�nfzig Meter. Sie laufen mit der typisch langsamen, unbeholfenen Art �ber die Scherben�� fast wie eine Horde verletzter Eidechsen.</p><p>�Zur�ck in den Wagen, Brian!� Philips Stimme klingt tonlos. �Jetzt!�</p><p>�Was ist?�</p><p>�Los.� Philip �ffnet die Heckklappe. Die Scharniere quietschen. Er durchsucht hastig im Kofferraum. �Jetzt keine Fragen.�</p><p>�Aber was ist mit��� Doch Brian bleiben die Worte im Hals stecken, als er mindestens ein Dutzend Schatten aus dem Augenwinkel ersp�ht, die auf sie zukommen und sie zu umzingeln drohen.</p></section><section><title><p>Sechs</p></title><p>Die Gestalten �berqueren den Mittelstreifen. Andere erscheinen hinter dem lodernden Haufen der Wracks, wieder andere wanken aus dem nahegelegenen Wald auf sie zu. Sie kommen in allen Formen und Gr��en, doch ihre Gesichter haben stets die Farbe von grauem Beton, und ihre Augen leuchten wie Murmeln im Licht der Flammen. Einige sind verbrannt, andere schlurfen in Fetzen daher, wieder andere taumeln im Sonntagsstaat auf das Auto zu, als w�ren sie gerade erst aus der Kirche gekommen. Die meisten sch�rzen die Lippen und machen den Eindruck, als ob sie einen unstillbaren Hunger h�tten.</p><p>�Verdammt.� Brian tauscht einen Blick mit seinem Bruder aus. �Was hast du vor? Was willst du machen?�</p><p>�Beweg deinen Hintern ins Auto, Brian!�</p><p>�Verdammt�� Verdammt!� Brian eilt zur hinteren T�r, �ffnet sie und springt neben Penny in den Wagen. Er rei�t die T�r zu und schlie�t ab. �Nick, verriegle die T�ren.�</p><p>�Ich helfe Philip��� Nick greift nach seiner Marlin und �ffnet die Beifahrert�r, als er inneh�lt. Philips entschlossene Stimme dringt durch die ge�ffnete Heckklappe ins Auto.</p><p>�Ich habe alles unter Kontrolle. Tu, was er sagt, Nick. Schlie� die T�ren ab und geht in Deckung.�</p><p>�Es sind zu viele!� Nick ist bereits dabei auszusteigen. Er entsichert seine Waffe.</p><p>�Bleib im Wagen, Nick!�, warnt ihn Philip und schnappt sich zwei �xte, die er in einem Gartenschuppen in den Wiltshire Estates gefunden hat. Es sind zwei rasiermesserscharfe, identische und perfekt ausbalancierte Waffen. Warum hatte sich ein dickleibiger Reicher wohl zwei so feine Prachtst�cke zugelegt, die er ohne Zweifel nie in die Hand nehmen w�rde?</p><p>W�hrenddessen zieht Nick sein Bein wieder in den SUV, wirft die T�r ins Schloss und schlie�t ab. Dann dreht er sich zu Philip um. Seine Augen funkeln, die Waffe h�lt er noch in den Armen. �Was zum Teufel hast du vor, Philly?�</p><p>Er h�rt, wie Philip die Heckklappe zuschl�gt.</p><p>Eine unheimliche Stille legt sich �ber den Wagen.</p><p>Brian sieht Penny an. �Ich glaube, du solltest dich besser auf den Boden legen, Kleines.�</p><p>Ohne Widerrede folgt Penny seiner Anweisung und rollt sich auf dem Boden zusammen. Etwas an ihrer Art und ihrem Gesichtsausdruck, in ihren gro�en, runden Augen l�sst vermuten, dass sie wei�, was vor sich geht. Und das zerrei�t Brian beinahe das Herz. Er streicht ihr ermutigend �ber den R�cken. �Das schaffen wir schon. Alles wird gut.�</p><p>Er dreht sich um und schielt �ber die R�ckbank und die Sachen im Kofferraum, um zu sehen, was drau�en passiert.</p><p>Philip, in jeder Hand eine gemeingef�hrliche Pr�zisionsaxt, geht seelenruhig auf die immer gr��er werdende Menge von Zombies zu.</p><p>�Verdammt�, murmelt Brian leise.</p><p>�Was hat er vor?�, will Nick mit gepresster Stimme wissen. Er h�lt sich an seiner Marlin fest.</p><p>Brian antwortet nicht. Der furchtbare Anblick, der sich ihm durch die Heckscheibe bietet, verlangt seine gesamte Aufmerksamkeit.</p><p>Es ist nicht h�bsch. Es ist auch nicht anmutig oder cool oder heldenhaft oder auch nur gut ausgef�hrt�� Aber es f�hlt sich gut an. �Ich habe alles unter Kontrolle�, fl�stert sich Philip selbst zu, als er ausholt, um den ersten Zombie, einen dicken Mann in der Latzhose eines Farmers, zu erledigen.</p><p>Die rasierklingenscharfe Axt trennt ein St�ck Sch�del in der Gr��e einer Pampelmuse ab und schickt eine Font�ne fleischfarbener Masse gen Himmel. Der Zombie f�llt zu Boden, doch Philip hat noch nicht genug. Ehe ihn der n�chste erreicht, macht er sich �ber den schlaffen K�rper her und bearbeitet das tote Fleisch mit dem kalten Stahl in seinen H�nden. �Die Rache ist mein. Ich will vergelten, spricht der HERR.� Blut und Gewebe spritzen in alle Richtungen, und es spr�hen Funken, wenn sich die Axt durch den K�rper gr�bt und mit voller Wucht auf dem Teer aufkommt.</p><p>�Ich habe alles unter Kontrolle, ich habe alles unter Kontrolle�, murmelt Philip weiter. Seine angestaute Wut und sein Schmerz stecken in jedem Hieb, den er austeilt. �Ich habe alles unter Kontrolle, ich habe alles unter Kontrolle���</p><p>Jetzt kommen die anderen n�her�� ein schlaksiger junger Mann, von dessen Lippen schwarze Fl�ssigkeit tropft, eine dicke Frau mit aufgedunsenem Gesicht, ein Kerl in einem blutbesudelten Anzug. Philip l�sst von dem zerfetzen Leichnam auf dem Boden ab, um sich den Neuen zu widmen. Bei jedem Hieb knurrt er: �Ich habe alles unter Kontrolle.� Der n�chste Sch�del�� ICH HABE ALLES UNTER KONTROLLE!�� eine durchtrennte Halsschlagader�� ICH HABE ALLES UNTER KONTROLLE! Seine Wut f�hrt in den kalten Stahl und durchschneidet Knorpelgewebe, Knochen�� ICH HABE ALLES UNTER KONTROLLE! Blut und Hirn spritzen durch die Luft und vernebeln seine Sicht. Er erinnert sich an die sch�umende Schnauze und triefenden Lefzen, die sich auf ihn st�rzten, als er noch ein Kind war. Wie Gott seine Ehefrau Sarah von ihm nahm und an die Monster, die ihm seinen Freund und Kumpel Bobby Marsh entrissen. ICH HABE ALLES UNTER KONTROLLE!�� ICH HABE ALLES UNTER KONTROLLE!</p><p>Brian wendet sich von der Szene ab. Er hustet und merkt, wie sich ihm bei den f�rchterlichen Ger�uschen, die bis ins Innere des Wagen vordringen, der Magen umdreht. Er unterdr�ckt sein starkes Bed�rfnis, sich zu �bergeben, und streckt die Arme nach Penny aus, um ihr die Ohren zuzuhalten�� eine Geste, die bedauerlicherweise zur Routine geworden ist.</p><p>Nick kann sich von dem Gemetzel, das hinter ihnen passiert, nicht abwenden. Brian mustert ihn aufmerksam und sieht eine merkw�rdige Mischung aus Bewunderung und Abscheu in seiner Miene�� eine Art Ehrfurcht, die zu sagen scheint: Zum Gl�ck ist er auf unserer Seite. Dieser Anblick schn�rt ihm noch weiter die Kehle zu. Er muss sich zusammenrei�en�� schon wegen Penny darf er sich nicht gehenlassen.</p><p>Brian l�sst sich auf den Boden runter und dr�ckt die Kleine fest an sich. Der K�rper des Kindes f�hlt sich leblos und feucht an. Ihm schwindelt.</p><p>Sein Bruder bedeutet ihm alles. Er ist der Eckpfeiler in seinem Leben. Doch etwas passiert gerade mit Philip, etwas F�rchterliches. Es beginnt auch Brian zu qu�len. Wie lauten hier eigentlich die Regeln? Diese wandelnden Abscheulichkeiten verdienen jeden verdammten Hieb, den Philip ihnen verpasst�� Aber wie lauten die Regeln in diesem grauenvollen Spiel?</p><p>Als Brian merkt, dass die furchtbaren Ger�usche endlich verstummt sind, versucht er, diese Gedanken zu verdr�ngen. Schwere Tritte dringen an sein Ohr. Die Fahrert�r wird ge�ffnet.</p><p>Philip Blake setzt sich in den SUV und legt die blutigen �xte auf den Boden zu Nicks F��en. �Da werden noch mehr kommen�, keucht er, das Gesicht feucht vor Schwei�. �Der Schuss hat sie geweckt.�</p><p>Nick sp�ht aus der Heckscheibe auf das Schlachtfeld und die Leichen, die vom prasselnden Feuer erhellt werden. Mit monotoner Stimme, in der eine Mischung aus Ehrfurcht und Abscheu mitschwingt, sagt er: �Home Run, Mann�� Grand Slam Home Run!�</p><p>�Wir m�ssen hier weg�, dr�ngt Philip und wischt sich den Schwei� von der Nase. Er holt tief Luft und blickt suchend in den R�ckspiegel. Nicks Worte scheint er �berhaupt nicht wahrzunehmen.</p><p>�Und jetzt, Philip?�, fragte Brian.</p><p>�Jetzt finden wir einen sicheren Ort, wo wir die Nacht verbringen k�nnen.�</p><p>Nick starrt Philip an. �Was soll das hei�en? Etwa nicht im Wagen?�</p><p>�Es ist zu gef�hrlich in der Dunkelheit.�</p><p>�Ja, aber���</p><p>�Den Wagen befreien wir morgen fr�h.�</p><p>�Ja, aber was ist mit���</p><p>�Schnappt euch alles, was ihr f�r die Nacht braucht�, befiehlt Philip und nimmt die Ruger.</p><p>�Warte!� Nick ergreift Philip am Arm. �Soll das hei�en, dass wir den Wagen zur�cklassen? Ich meine, die ganzen Sachen, die hier drin sind�� sollen die auch hierbleiben?�</p><p>�Nur f�r eine Nacht�, versichert Philip, �ffnet die T�r und steigt aus.</p><p>Brian st��t einen lauten Seufzer aus und tauscht einen Blick mit Nick aus. �Lass gut sein. Hilf mir lieber mit den Rucks�cken.�</p><p>Sie verbringen die Nacht f�nfhundert Meter von dem umgest�rzten Tankwagen entfernt in einem gelben Schulbus, der auf dem Standstreifen steht und ins kalte Licht der Natriumlampen getaucht ist.</p><p>Im Bus ist es einigerma�en warm und trocken. Er befindet sich au�erdem hoch genug �ber der Fahrbahn, damit sie die Waldr�nder links und rechts gut im Blick haben. Zudem besitzt er zwei Fluchtwege�� eine T�r vorne und eine hinten. Die Sitzb�nke sind lang und bequem genug, um sich darauf ausbreiten zu k�nnen und zumindest eine M�tze Schlaf zu bekommen. Der Schl�ssel steckt, und die Batterie ist noch fast voll.</p><p>Im Bus riech es nach alten Pausenbroten, und die Geister verschwitzter Kinder mit feuchten F�ustlingen scheinen noch in der modrigen Luft zu schweben.</p><p>Die vier essen Schinken und Sardinen, ehe sie sich an die Pita-Kr�cker machen, die wohl dazu gedacht waren, ein luxuri�ses Picknick f�r eine Golfpartie zu garnieren. Zum Essen benutzen sie Taschenlampen und sehen sich vor, dass die Lichtkegel nicht aus dem Fenster dringen. Schlie�lich packen sie ihre Schlafs�cke aus und machen es sich so bequem wie m�glich, um etwas Ruhe und Kraft zu tanken.</p><p>Abwechselnd schieben die M�nner Wache. Einer von ihnen sitzt mit einem Marlin-Gewehr auf dem Fahrersitz und h�lt Ausschau. Die riesigen Seitenspiegel sind ideal, um alles im Blick zu behalten. Nick meldet sich freiwillig f�r die erste Runde und verbringt eine geschlagene Stunde damit, eine Radiostation auf seinem kleinen tragbaren Rundfunkger�t zu finden. Doch die Welt scheint still geworden zu sein. Zumindest ist dieser Abschnitt der Interstate 20 ebenso still; weit und breit r�hrt sich nichts.</p><p>Als es an Brian ist, die Wache zu �bernehmen�� er ist lediglich f�r wenige Minuten auf einer der quietschenden Sitzb�nke eingeschlafen��, setzt er sich auf den Fahrersitz mit den Schaltern vor sich, dem kleinen tannenbaumf�rmigen Lufterfrischer, der vom R�ckspiegel h�ngt, und einem laminierten Foto�� wohl von dem Kind des Fahrers. Es gef�llt Brian zwar nicht, als Einziger wach zu sein oder�� und das w�re noch schlimmer�� das Gewehr benutzen zu m�ssen. Doch so hat er jedenfalls gen�gend Zeit, �ber ein paar Dinge nachzudenken.</p><p>Irgendwann, kurz vor Sonnenaufgang, nimmt Brian Pennys Atmen wahr. Es ist vom Wind, der drau�en weht, kaum zu unterscheiden. Doch ihr Atmen klingt jetzt unregelm��ig, als ob sie hyperventilieren w�rde. Die Kleine liegt auf einer Sitzbank unweit von Brian neben ihrem Vater.</p><p>Nun setzt sie sich nach Luft ringend auf. �Oh�� Ich hab�s�� Ich meine��� Ihre Stimme ist kaum lauter als ein Fl�stern. �Ich glaube, ich hab�s.�</p><p>�Psst�, beruhigt Brian sie, steht auf und geht zu ihr. Fl�sternd sagt er: �Es ist alles okay, Kleine�� Onkel Brian ist bei dir.�</p><p>��h���</p><p>�Schon gut�� Psst�� Wir d�rfen deinen Vater nicht aufwecken.� Brian wirft Philip einen Blick zu, der in eine Decke geh�llt f�rchterliche Grimassen schneidet. S��e Tr�ume d�rften etwas anderes sein.</p><p>�Mir geht es gut�, antwortet Penny mit ihrem sch�chternen Stimmchen und schaut zu ihrem Pinguin, den sie in den H�nden h�lt, als ob es sich um einen wichtigen Talisman handeln w�rde. Das Spielzeug ist verschmutzt und abgenutzt, was Brian beinahe das Herz bricht.</p><p>�Schlecht getr�umt?�</p><p>Penny nickt.</p><p>Brian schaut ihr in die Augen. Er denkt nach. �Ich habe eine Idee�, fl�stert er. �Warum kommst du nicht mit nach vorne und leistest mir etwas Gesellschaft?�</p><p>Das kleine M�dchen nickt.</p><p>Er hilft ihr auf und legt ihr eine Decke �ber die Schultern. Dann nimmt er sie an der Hand und f�hrt sie nach vorne zum Fahrersitz. Daneben befindet sich ein Notsitz, den er f�r sie herunterklappt. �Da, f�r dich�, meint er und klopft einladend auf das Polster. �Du kannst mein Beifahrer sein.�</p><p>Penny macht es sich auf dem Notsitz bequem. Sie zieht solange an der Decke, bis sie und der Pinguin ganz und gar eingeh�llt sind.</p><p>�Siehst du das?� Brian zeigt auf einen schmutzigen Videomonitor in der Gr��e eines Taschenbuchs, der �ber dem Armaturenbrett h�ngt und auf dem ein k�rniges Schwarz-Wei�-Bild der Stra�e hinter ihnen zu sehen ist. Der Wind pfeift durch die B�ume, und der Schein der Natriumlampen gl�nzt auf den D�chern der zur�ckgelassenen Autos. �Das ist eine Sicherheitskamera. Man braucht sie, wenn man r�ckw�rtsf�hrt.�</p><p>Das M�dchen betrachtet die Kamera neugierig.</p><p>�Hier sind wir sicher, Kleines�, beteuert Brian so �berzeugend wie m�glich. Am Anfang seiner Wache fand er heraus, wie weit man den Z�ndschl�ssel drehen muss, um die Elektrik und das Armaturenbrett aufleuchten zu lassen�� wie ein alter Flipperautomat, der wieder zum Leben erweckt wird. �Wir haben hier alles unter Kontrolle.�</p><p>Das M�dchen nickt.</p><p>�Willst du mir davon erz�hlen?�, fragt Brian mit sanfter Stimme.</p><p>Penny schaut verwirrt drein. �Wovon?�</p><p>�Von deinem schlechten Traum. Manchmal hilft es, wenn man�� wenn man jemandem anderen davon erz�hlt�� Verstehst du? Dann verschwindet er einfach und l�st sich in Luft auf.�</p><p>Penny zuckt mit den Schultern. �Ich habe getr�umt, dass ich krank werde.�</p><p>�Krank? Etwa so, wie die Leute da drau�en?�</p><p>�Ja.�</p><p>Brian holt tief Luft. Ihre Antwort geht ihm nahe. �H�r mir zu, Kleine. Ganz gleich, was diese Leute sind�� du wirst nicht so werden. Verstehst du? Das wird dein Vater nicht zulassen�� nicht heute, nicht morgen, nicht in einer Million Jahre. Ich werde es nicht zulassen.�</p><p>Sie nickt.</p><p>�Du bist deinem Vater sehr wichtig. Du bist mir sehr wichtig.� Brian sp�rt, wie sich seine Brust unerwartet zusammenschn�rt und seine Worte in seinen Augen brennen. Zum ersten Mal, seitdem er sein Elternhaus vor �ber eineinhalb Wochen verlassen hat, merkt er, wie sehr ihm das kleine M�dchen ans Herz gewachsen ist.</p><p>�Ich habe eine Idee�, sagt er, nachdem er sich wieder im Griff hat. �Wei�t du, was ein Passwort ist?�</p><p>Penny schaut zu ihm auf. �Ein Passwort? Wie bei einem Geheimversteck oder so?�</p><p>�Genau.� Brian leckt seinen Finger ab und wischt ihr damit etwas Schmutz von der Wange. �Du und ich, wir werden uns ein geheimes Passwort zulegen.�</p><p>�Okay.�</p><p>�Es ist ein ganz besonderes Passwort, okay? Von jetzt ab m�chte ich, dass du mir einen Gefallen tust, wenn ich das Wort sage. Kannst du das? Schaffst du es, dass du mir immer diesen Gefallen tust, wenn ich das besondere Wort sage?�</p><p>�Ja. Warum nicht?�</p><p>�Sobald ich das Wort sage, m�chte ich, dass du die Augen schlie�t.�</p><p>�Ich soll die Augen schlie�en?�</p><p>�Ja. Und die Ohren zuhalten. Bis ich dir sage, dass du die Augen wieder aufmachen kannst. Verstanden? Ach, und eine Sache noch.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Wenn ich dieses Wort sage, m�chte ich auch, dass du an etwas denkst.�</p><p>�An was?�</p><p>�Daran, dass der Tag kommen wird, an dem du die Augen nicht mehr schlie�en und die Ohren nicht mehr zuhalten musst, dass der Tag kommen wird, an dem alles wieder gut ist und es keine kranken Leute mehr geben wird. Okay?�</p><p>Sie nickt. �Okay.�</p><p>�Also, wie soll das Passwort lauten?�</p><p>�Darf ich es mir aussuchen?�</p><p>�Nat�rlich�� Schlie�lich ist es dein Passwort. Also darfst du es dir auch aussuchen.�</p><p>Das kleine M�dchen zieht konzentriert eine krause Nase, w�hrend sie nach einem passenden Wort sucht. Der Anblick des in Gedanken versunkenen Kindes, das so aussieht aus, als ob es �ber den Satz des Pythagoras sinnieren w�rde, schn�rt Brian erneut das Herz zusammen.</p><p>Endlich blickt Penny auf. Es ist das erste Mal, seitdem der Albtraum begonnen hat, dass ein Funken Hoffnung in ihren Augen aufschimmert. �Ich hab�s!� Sie fl�stert das Wort ihrem Stofftier zu und blickt dann auf. �Pinguin mag es auch.�</p><p>�Super�� Aber mach es nicht so spannend.�</p><p>�Weg. Das Geheimwort hei�t weg.�</p><p>Die graue Morgend�mmerung zieht langsam herauf. Zuerst wird die Interstate von einer unheimlichen Stille erfasst. Der Wind ebbt ab, ehe ein blass leuchtendes Schimmern hinter dem Wald erscheint, das alle weckt und auf Trab bringt.</p><p>Die Dringlichkeit ihrer Situation erfasst fast sofort die gesamte Mannschaft. Ohne ihren Wagen f�hlen sich die M�nner nackt und ausgeliefert, sodass sie sich auf die bevorstehende Aufgabe konzentrieren: alles zusammenpacken und so schnell wie m�glich zur�ck zum SUV, um den bl�den Karren wieder auf die Stra�e zu bekommen.</p><p>Sie brauchen samt ihren Rucks�cken mit dem �brig gebliebenen Essen und den Schlafs�cken eine Viertelstunde f�r die f�nfhundert Meter zur�ck zum Wagen. Ihren Weg kreuzt lediglich ein Zombie�� ein umherirrendes junges M�dchen, das Philip mit Leichtigkeit aus dem Weg r�umt, indem er seinen Haarscheitel vertieft. Zuvor fl�stert Brian Penny noch das geheime Passwort zu.</p><p>Als sie am SUV ankommen, machen sie sich stillschweigend an die Arbeit. Zuerst versuchen sie, mehr Gewicht auf die Hinterachse zu dr�cken, indem sich Nick und Philip an den Rand des Kofferraums setzen, w�hrend Brian Gas gibt. Doch der Wagen steckt zu tief im Morast. Dann suchen sie die unmittelbare Umgebung nach Dingen ab, die man unter die Reifen legen kann, um wieder etwas Bodenhaftung herzustellen. Es dauert eine geschlagene Stunde, ehe sie zwei kaputte Paletten im Abflussgraben entdecken. Sie schleppen sie zur�ck zum Wagen und keilen sie unter die Reifen ein.</p><p>Doch auch das funktioniert nicht.</p><p>Der Schlamm scheint so sehr von �l und sonstigem Unrat durchtr�nkt zu sein, dass er das Auto immer weiter nach unten zieht. Au�erdem rutscht der Wagen bei jedem Versuch, ihn zu befreien, weiter die B�schung hinab. Aber so einfach geben sie nicht auf. Eine Reihe seltsamer Ger�usche wie das Knacken von Zweigen und ein tiefes Grollen aus dem angrenzenden W�ldchen sowie die Furcht, dass sie ihr gesamtes Hab und Gut einschlie�lich des Proviants in dem weiter abrutschenden SUV verlieren, treiben sie an. Niemand will zugeben, dass die Situation immer hoffnungsloser wird.</p><p>Am fr�hen Nachmittag, nachdem sie stundenlang mit nur einer kleinen Essenspause erfolglos versucht haben, den Wagen zu befreien, ist das Auto weitere zwei Meter in den Wald gerutscht. Penny sitzt die ganze Zeit �ber im SUV, spielt mit ihrem Pinguin und dr�ckt ihr Gesicht ab und zu gegen die Fensterscheibe.</p><p>Pl�tzlich h�lt Philip inne und starrt in Richtung Westen.</p><p>Der bew�lkte Himmel wird bereits dunkel, und die Aussicht der einbrechenden Nacht gibt Philip zu denken. V�llig verschmutzt und schwei�gebadet nimmt er sein Halstuch und wischt sich damit den Nacken ab.</p><p>Nick und Brian wischen sich die H�nde ab und treten zu Philip. Keiner sagt ein Wort. In ihren Gesichtern spiegelt sich Hoffnungslosigkeit wider, und als wiederholt das Knacksen eines zerbrechenden Asts zu ihnen dringt�� diesmal so laut wie ein Pistolenschuss��, meint Nick leise: �Sieht nicht gut aus, oder?�</p><p>Philip steckt das feuchte Halstuch in die Hosentasche. �Nicht mehr lange und es wird dunkel.�</p><p>�Philly, was denkst du?�</p><p>�Zeit f�r Plan B.�</p><p>Brian schluckt und starrt seinen Bruder an. �Ich wusste gar nicht, dass es einen Plan B gibt.�</p><p>Philip erwidert seinen Blick und versp�rt einen Moment lang eine bizarre Mischung aus Wut, Mitleid, Ungeduld und Zuneigung. Dann wendet er sich seiner alten Rostlaube zu und kann sich einer gewissen Melancholie nicht erwehren. Es ist fast so, als ob er einen weiteren Freund unter die Erde bringen m�sste. �Doch, den gibt es.�</p><p>Sie saugen das Benzin ab und f�llen es in Plastikbeh�lter, die sie von Wiltshire Estates mitgenommen haben. Zum Gl�ck finden sie einen gro�en, modernen Buick LeSabre mit steckendem Z�ndschl�ssel. Er parkt keine zweihundert Meter entfernt auf dem Standstreifen. Sie fahren ihn zum SUV zur�ck. Erst tanken sie den neuen Wagen auf und packen dann so viel um, wie in den Kofferraum der riesigen Karre passt.</p><p>Als sie so weit sind, rasen sie der untergehenden Sonne entgegen. Jeder wirft einen letzten Blick auf den stecken gebliebenen SUV, der langsam wie ein sinkendes Schiff verschwindet.</p><p>Zahllose Anzeichen der bevorstehenden Apokalypse finden sich links und rechts entlang der Interstate in besorgniserregend kurzen Abst�nden. Je n�her sie der Stadt kommen, desto schwieriger wird es, den unz�hligen herrenlosen Autos auszuweichen. Die B�ume werden weniger und machen Wohnbl�cken, Gewerbegebieten und B�rogeb�uden Platz. Die Zeichen des Untergangs sind nicht mehr zu �bersehen. Sie fahren an einem dunklen, menschenleeren Walmart vorbei. Die Fenster sind eingeschlagen, und ein Meer aus Klamotten und anderen Waren ist auf dem Parkplatz verstreut. Immer �fter sind ganze H�userblocks in Finsternis getaucht und ragen wie riesige Grabsteine in den Himmel. Einkaufsstra�en sind gepl�ndert, biblische Zitate als Warnungen auf W�nde und Schornsteine gepinselt. Sie kommen sogar an einem einmotorigen Kleinflugzeug vorbei, das heftig rauchend in einem gigantischen K�hlturm feststeckt.</p><p>Irgendwo zwischen Lithonia und Pathersville f�ngt das Heck des Buick zu vibrieren an. Philip merkt, dass die zwei Hinterreifen platt sind. Vielleicht waren sie bereits kaputt, ehe sie losgefahren sind. Doch was macht das schon aus? Sie haben weder Zeit noch Lust, die beiden auszutauschen, oder auch nur ein Wort dar�ber zu verlieren.</p><p>Die Nacht bricht herein. Je n�her sie an den Stadtrand von Atlanta kommen, desto gr��er wird die Anzahl der ausgebrannten Wracks auf den Stra�en. Niemand spricht es aus, doch jeder fragt sich, ob sie nicht schneller zu Fu� ins Stadtzentrum gelangen konnten. Selbst die zwei doppelspurigen Stra�en Hilldale und Fairington neben der Interstate sind mit Autowracks �bers�t. Wenn es so weitergeht, brauchen sie mindestens eine Woche, um ihr Ziel zu erreichen.</p><p>Deshalb trifft Philip den Entschluss, den Buick stehen zu lassen, so viel mitzunehmen, wie sie tragen k�nnen, und sich zu Fu� weiter durchzuschlagen. Niemand ist davon begeistert, doch keiner widerspricht ihm. Die einzige Alternative, in dieser Massenkarambolage nach passenden Reifen oder einem funktionst�chtigen Wagen zu suchen, scheint sinnlos zu sein.</p><p>Rasch holen sie das N�tigste aus dem Kofferraum und stopfen Taschen und Rucks�cke mit Decken, Essen, Waffen und Wasser voll. Mittlerweile kommunizieren sie einigerma�en erfolgreich mithilfe von Gesten, Nicken und im Notfall mit Fl�stern. Das seltsame Dr�hnen der Untoten dringt einmal lauter, einmal leiser aus der Dunkelheit hinter dem Highway zu ihnen vor. Es sickert durch die B�ume und hallt von den Geb�uden wider. Philip ist von den drei M�nnern der durchtrainierteste, und er schnappt sich einen �bervollen Rucksack. Auch Penny will ihren Teil beitragen und nimmt einen kleinen Rucksack, in den immerhin ihr Bettzeug passt.</p><p>Philip bewaffnet sich mit der Ruger, den beiden scharfen kleinen �xten, die er sich in den G�rtel steckt, und einem langen Werkzeug, das einer Machete gleicht und mit dem man Unterholz und Gestr�pp entfernen kann. Dieses klemmt er zwischen Rucksack und R�cken. Brian und Nick nehmen sich jeweils ein Marlin-Gewehr und einen Pickel, den sie an ihren Rucks�cken festzurren.</p><p>Dann machen sie sich in Richtung Westen auf. Diesmal wirft keiner von ihnen einen Blick zur�ck.</p><p>Nach einem halben Kilometer stehen sie vor einer �berf�hrung, die von einem ramponierten Airstream-Wohnmobil blockiert wird. Die Fahrerkabine ist um einen Telegrafenmasten gewickelt. S�mtliche Stra�enlaternen sind ausgefallen, und in der Finsternis ist ein dumpfes Pochen aus dem Inneren des Wagens zu h�ren.</p><p>Die vier bleiben auf dem B�rgersteig unterhalb der Br�cke stehen und lauschen.</p><p>�Verdammt! Das k�nnte��� Brian h�lt sofort den Mund, als er sieht, dass sein Bruder die Hand hebt.</p><p>�Still!�</p><p>�Was ist, wenn���</p><p>�Still!� Philip neigt den Kopf zur Seite und horcht angespannt. Sein Gesichtsausdruck wirkt steinern. �Hier entlang. Kommt mit!�</p><p>Philip f�hrt die Gruppe den steinigen Abhang an der n�rdlichen Seite des Autobahnkreuzes hinab. Alle passen auf, um auf dem nassen Schotter nicht ins Rutschen zu kommen. Als Nachhut geht Brian die B�schung hinab und l�sst sich die Spielregeln noch einmal durch den Kopf gehen. Haben sie vielleicht gerade einen Menschen im Stich gelassen?</p><p>Er h�ngt dem Gedanken nicht lange nach, als einer nach dem anderen von den finsteren Tiefen der verw�steten Landschaft geschluckt wird.</p><p>Kurz darauf stehen sie auf einer zweispurigen Stra�e namens Miller Road, die in n�rdlicher Richtung durch die Dunkelheit f�hrt. F�r die n�chsten zwei Kilometer kommen sie an d�nn besiedelten Gewerbegebieten, desolaten Industrieparks und Werkst�tten mit seltsamen Schildern vorbei: Barloworld Handling, Atlas Tool and Die, Hughes Supply, Simcast Electronics, Peachtree Steel. Das rhythmische Widerhallen ihrer Schritte auf dem kalten Asphalt vermischt sich mit ihrem angestrengten Keuchen. Die Stille, die sonst �berall herrscht, f�ngt langsam an, mit ihren Nerven zu spielen. Penny ist m�de. Pl�tzlich h�ren sie rechts ein Rascheln, das zwischen den B�umen hervorkommt.</p><p>Philip deutet auf ein langes, niedriges Geb�ude in der Ferne. �Das da passt�, verk�ndet er leise.</p><p>�Passt? Wozu soll es passen?�, will Nick wissen und stellt sich keuchend neben Philip.</p><p>�Dort verbringen wir die Nacht�, antwortet dieser emotionslos.</p><p>Dann f�hrt er die Gruppe vorbei an einem niedrig h�ngenden, unbeleuchteten Schild: GEORGIA PACIFIC CORPORATION.</p><p>Philip steigt durch ein B�rofenster ein, w�hrend sich die anderen im Schatten des Eingangs zusammenkauern und warten, bis er sich durch die leeren, verw�steten Korridore zum Lager in der Mitte des Geb�udes durchgek�mpft hat.</p><p>Die G�nge sind so d�ster wie eine Krypta. Philips Herz schl�gt ihm bis zum Hals, w�hrend er mit erhobener Axt durch die Flure schleicht. Er versucht einen der Lichtschalter anzumachen, jedoch ohne Erfolg. Den penetranten Geruch von Zellstoff bemerkt er kaum�� es stinkt nach feuchtem L�semittel und Klebstoff��, und als er endlich die Sicherheitst�ren erreicht, st��t er sie vorsichtig mit der Stiefelspitze Zentimeter um Zentimeter auf.</p><p>Die Lagerhalle ist etwa so gro� wie eine Flugzeughalle�� voll riesiger Ger�ste, die bis an die Decke ragen. Dort h�ngen gro�e Lampen. Der Geruch von Papier liegt in der Luft. Etwas Mondlicht dringt durch die gewaltigen Dachfenster. Auf dem Boden stehen reihenweise Papierrollen, so breit wie der Stamm eines Mammutbaums. Ihr helles Wei� scheint in der Finsternis zu leuchten.</p><p>Etwas bewegt sich.</p><p>Philip steckt die Axt in den G�rtel zur�ck und fasst nach der Ruger. Er zieht die Waffe aus der Hose, entsichert sie, legt an und zielt auf die dunkle Gestalt, die hinter einem Stapel Paletten hervorkommt und auf ihn zuwankt. Der Fabrikarbeiter n�hert sich langsam, aber offensichtlich hungrig. Der Latz seiner Hose ist voller Blut und Gallensaft, und seine Z�hne funkeln im Mondlicht.</p><p>Ein Schuss�� und das Gesch�pf liegt am Boden. Der Knall hallt von den W�nden der gro�en Halle wie ein Kesselpaukenschlag wider.</p><p>Philip blickt sich um. Er sucht den Rest der Lagerhalle mit den Augen ab und entdeckt zwei weitere Zombies: einen dicken, alten Mann�� seine schmutzige Uniform l�sst vermuten, dass er hier Nachtw�chter war�� und einen j�ngeren Untoten. Beide tauchen pl�tzlich hinter einem der Regale auf.</p><p>Philip versp�rt keine Reue, als er erst dem einen und dann dem anderen eine Kugel aus kurzer Distanz in den Sch�del jagt.</p><p>Als er sich wieder zum Vordereingang aufmacht, entdeckt er einen vierten Zombie zwischen zwei riesigen Papierrollen. Die untere H�lfte des ehemaligen Gabelstaplerfahrers ist zwischen den blendend wei�en Zylindern eingeklemmt. Seine K�rperfl�ssigkeiten haben eine Pf�tze gebildet, die bereits gerinnt, w�hrend die obere H�lfte noch zuckt und mit milchig wei�en Augen panisch umherblickt.</p><p>�He, Kollege. Was ist los?�, fragt Philip und n�hert sich mit der Pistole an der H�fte. �Die Arbeit bringt nur Scherereien�� was?�</p><p>Der Zombie schnappt machtlos nach der Luft zwischen ihm und Philip.</p><p>�Es ist wohl an der Zeit, dass endlich die Mittagspause kommt.�</p><p>Erneut schlagen die Z�hne aufeinander.</p><p>�Friss das hier.�</p><p>Der Knall des Zweiundzwanziger-Kalibers hallt laut, als sich die Kugel durch die Sch�deldecke bohrt. Die Augen, gerade noch milchig wei�, sind mit einem Schlag schwarz. Der Fetzen eines Scheitellappens fliegt durch die Luft, und die Mischung aus Blut, Gewebe und Hirnr�ckenmarksfl�ssigkeit beschmutzt die makellos reinen wei�en Papierrollen, als die obere H�lfte der Kreatur in sich zusammensackt.</p><p>Philip starrt eine Zeit lang auf sein Werk�� scharlachrote Ranken breiten sich auf dem bl�tenwei�en Untergrund aus��, ehe er sich seiner eigentlichen Aufgabe besinnt und die anderen hereinholt.</p></section><section><title><p>Sieben</p></title><p>Sie verbringen die Nacht in dem gl�sernen B�ro eines Vorarbeiters hoch �ber dem Boden der Georgia-Pacific-Lagerhalle. Sie schalten ihre batteriebetriebenen Laternen an und schieben die Schreibtische und St�hle beiseite, um auf dem Linoleumboden Platz f�r ihre Schlafmatten zu machen.</p><p>Der ehemalige B�roinhaber hatte sich gut eingerichtet. Vielleicht wohnte er sogar in diesem nicht einmal zwanzig Quadratmeter gro�en Zimmer, denn es gibt CDs, eine Stereoanlage, einen Mikrowellenherd, einen kleinen K�hlschrank mit verfaulten Lebensmitteln, Schubladen voller S��igkeiten, Werksauftr�ge, halb leere Flaschen Alkoholika, frische Hemden, Zigaretten, Scheckb�cher und Pornohefte.</p><p>Philip macht die ganze Nacht kaum den Mund auf. Er sitzt neben einem der Fenster, von wo aus man die Halle �berblicken kann, und nimmt ab und zu einen Schluck aus der kleinen Whiskeyflasche, die er in einem Schreibtisch gefunden hat. Nick hat es sich in der gegen�berliegenden Ecke bequem gemacht und liest in einer kleinen Bibel im Licht seiner Laterne. Er behauptet, dass er das ledergebundene B�chlein mit Tausenden von Eselsohren stets bei sich tr�ge, doch bisher hatte ihn niemand jemals darin lesen sehen.</p><p>Brian isst etwas Thunfisch und Kr�cker. Als er Penny etwas anbietet, lehnt sie ab. Sie scheint sich mehr und mehr in sich zur�ckzuziehen. Ihre Augen blicken starr vor sich hin. Brian legt sich neben sie, w�hrend Philip auf einem B�rosessel vor dem verschmutzten, vergitterten Fenster vor sich hin d�st�� wie sicher schon der Vorarbeiter vor ihm, der wohl nach Faulenzern und Dr�ckebergern Ausschau hielt. Es ist das erste Mal f�r Brian, seinen Bruder so sehr in Gedanken versunken zu sehen, dass er sich um seine Tochter kein einziges Mal k�mmert. Kein gutes Zeichen.</p><p>Am n�chsten Tag wachen sie durch lautes Hundegebell von drau�en auf.</p><p>Fahles Licht scheint durch die hohen Fenster. Eilig packen sie Taschen und Rucks�cke. Keiner hat Appetit auf Fr�hst�ck, sondern alle wandern schnurstracks ins Badezimmer, verbinden ihre F��e, um sich gegen Blasen zu wappnen, und ziehen ein weiteres Paar Socken an. Brians Ferse ist bereits wund von den Kilometern, die sie gestern zur�ckgelegt haben. Doch das war nichts im Vergleich zu dem, was heute vor ihnen liegt. Jeder hat Kleidung zum Wechseln dabei, aber keiner hat gen�gend Energie, sich auch umzuziehen.</p><p>Auf dem Weg nach drau�en vermeiden es alle au�er Philip, sich die abgeschlachteten Untoten genauer anzuschauen. Sie liegen in ihrem Blut �berall auf dem Hallenboden verstreut.</p><p>Nur Philip scheint fasziniert von den Leichen zu sein, die nun genau zu erkennen sind.</p><p>Als sie drau�en vor dem Eingang stehen, entdecken sie ein Rudel streunender Stra�enhunde etwa hundert Meter von ihnen entfernt. Die Tiere streiten sich um einen Haufen Fleisch. Als Philip und die anderen n�her kommen, ziehen sich die K�ter zur�ck. Im Vor�bergehen wirft Brian einen Blick auf die �berreste und fl�stert Penny das Geheimwort zu: weg.</p><p>Es handelt sich um einen abgetrennten menschlichen Arm, der so �bel zugerichtet ist, dass man ihn eher einer zerfetzten Stoffpuppe zuordnen w�rde, wenn man es nicht besser w�sste.</p><p>�Schau da nicht hin, Kleines�, warnt Philip seine Tochter, und Brian zieht das M�dchen an sich und legt ihm die H�nde �ber die Augen.</p><p>Sie halten sich erneut Richtung Westen, als sie schweigend losmarschieren. Vorsichtig setzen sie einen Fu� vor den anderen�� wie Diebe, die sich verstohlen durch die Morgensonne davonschleichen.</p><p>Sie gehen den Snapfinger Drive entlang, der parallel zur Interstate verl�uft. Die Stra�e windet sich durch Waldst�cke, verlassene Wohnviertel und entlang gepl�nderter L�den. Als sie n�her zum Stadtzentrum vordringen und die Bebauung dichter wird, kommen sie an grauenvollen Szenen vorbei, die ein Kind niemals sehen sollte.</p><p>Das Fu�ballfeld einer Schule ist mit enthaupteten Leichen �bers�t. Ein Leichenschauhaus ist �berst�rzt mit Brettern vernagelt worden, und die ged�mpften Ger�usche der Wiederauferstandenen dringen an ihre Ohren, als diese versuchen, aus ihrem Gef�ngnis auszubrechen. Philip sucht die Gegend mit den Augen in der Hoffnung ab, einen passenden Wagen ausfindig zu machen, aber die meisten Autos entlang Snapfinger Drive liegen ausgebrannt in Gr�ben oder stehen mit kaputten Reifen auf dem B�rgersteig. Die Ampeln, von denen manche noch gelb blinken, die meisten aber gar nicht mehr funktionieren, baumeln �ber den mit Autos verstopften Kreuzungen.</p><p>Der Highway, der circa hundert Meter von ihnen entfernt hinter einer B�schung liegt, wimmelt nur so vor Untoten. Immer wieder verirrt sich ein Zombie in ihre Richtung, sodass Philip seine Truppe bittet, in Deckung zu gehen und keinen Mucks von sich zu geben. Doch trotz des Zeitverlusts, der entsteht, weil sie sich immer wieder hinter B�umen oder Autowracks verstecken, sobald sie eine der unheimlichen Kreaturen bemerken, kommen sie relativ gut voran.</p><p>Andere �berlebende treffen sie keine.</p><p>Am sp�ten Nachmittag �ndert sich das Wetter. Es wird auf einmal hell und heiter, und die Temperaturen liegen um die f�nfzehn Grad. Gegen siebzehn Uhr sind alle am Schwitzen. Penny hat sich ihr Sweatshirt um die Taille gebunden. Philip rechnet nach, wie weit sie gekommen sind. Er zieht eine halbe Stunde Pause f�r das Mittagessen ab und sch�tzt, dass sie etwa eineinhalb Kilometer pro Stunde zur�cklegen. Seiner Rechnung nach m�ssten sie demnach bisher zw�lf Kilometer durch die vorst�dtische Wildnis geschafft haben.</p><p>Niemand bemerkt, wie nahe sie ihrem Ziel in Wirklichkeit bereits sind, bis sie an einen H�gel kommen, der sich westlich von Glenwood aus einem Wald erhebt. Oben steht eine Baptistenkirche, die nach einer erloschenen Feuersbrunst noch immer raucht. Der Kirchturm ist eine schwelende Ruine.</p><p>Erledigt und hungrig folgen sie der gewundenen Stra�e bis zum Gipfel des H�gels. Als sie den Parkplatz vor der Kirche erreichen, atmen sie erst einmal durch, ehe sie nach Westen blicken�� und vor Verbl�ffung beinahe erstarren.</p><p>Die Silhouette der Stadt gl�nzt in der Abendsonne�� und ist h�chstens noch f�nf Kilometer entfernt.</p><p>F�r Kinder, die kaum dreihundert Kilometer entfernt von der gro�en Stadt des Neuen S�dens aufwuchsen, haben Philip und Brian Blake erstaunlich wenig Zeit in Atlanta verbracht. W�hrend der zweieinhalb Jahre, die Philip als Fahrer f�r Harlo Electric angestellt war, hatte er die eine oder andere Lieferung in Atlanta zu erledigen. Brian hingegen hatte mehr als nur ein paar Konzerte im Civic Center, dem Earl, dem Georgia Dome und dem Fox Theater besucht. Doch keiner von beiden kannte die Stadt �berm��ig gut.</p><p>Als sie auf dem Parkplatz stehen, den bei�enden Geruch der Apokalypse in ihren Nasenfl�geln, stellt die glitzernde Skyline in der diesigen Ferne eine Art unerreichbare Grandezza dar. Im tr�umerischen Licht sehen sie die T�rme des Kapitols mit der vergoldeten Kuppel, die beiden Glasfassaden der Concourse-T�rme, die riesigen Peachtree-Plaza-T�rme und die Spitze des Atlanta-Geb�udes. Der Anblick wirkt wie eine Fata Morgana, und sie f�hlen sich eher, als ob sie auf das versunkene Atlantis blicken w�rden.</p><p>Brian will gerade sagen, wie nahe und wie weit es doch noch bis ins Zentrum sei, als er im Augenwinkel eine schnelle Bewegung wahrnimmt.</p><p>�Da!�</p><p>Penny ist pl�tzlich losgest�rmt, ihre Stimme klingt aufgeregt.</p><p>�PENNY!�</p><p>Brian eilt ihr hinterher. Doch sie ist schnell und l�uft bereits am westlichen Rand des Parkplatzes entlang.</p><p>�HALTE SIE FEST!�, ruft Philip ihm nach und nimmt ebenfalls die Verfolgung auf.</p><p>�Schau doch! Schau doch!� Pennys kleine Beine tragen sie in Windeseile in eine kleine Seitenstra�e auf der anderen Seite des H�gels. �Da ist ein Polizist!� Sie zeigt auf einen Mann. �Der wird uns retten!�</p><p>�PENNY! STOP!�</p><p>Aber das kleine M�dchen rennt um eine Schranke herum auf die andere Seite der Stra�e. �Er wird uns retten!�</p><p>Brian hat im vollen Sprint ebenfalls den Zaunrand erreicht und sieht einen Polizeiwagen auf der gegen�berliegenden Stra�enseite, der unter einer gro�en Eiche parkt. Penny n�hert sich dem blauen Crown Victoria mit dem Wappen der Polizei von Atlanta, dem �blichen roten horizontalen Streifen und dem Blaulicht auf dem Dach. Brian entdeckt eine dunkle Silhouette hinter dem Lenkrad.</p><p>�Bleib stehen, Liebling!�</p><p>Pl�tzlich h�lt Penny inne. Sie keucht vor Anstrengung und starrt auf den Mann im Inneren der Streife.</p><p>Mittlerweile haben auch Philip und Nick aufgeholt. Philip rast an seinem Bruder vorbei. Mit voller Geschwindigkeit n�hert er sich Penny und rei�t sie in seine Arme, als ob er sie aus einem lodernden Feuer retten m�sste.</p><p>Brian steht vor dem Polizeiwagen und mustert den Fahrer durch die halb heruntergekurbelte Fensterscheibe.</p><p>Der Polizist war einmal ein gut beleibter Mann mit langen Koteletten gewesen.</p><p>Alle halten den Atem an.</p><p>Penny starrt durch das Fenster auf den Toten in Uniform, der verzweifelt am Sicherheitsgurt zerrt. Seiner Dienstmarke, der Uniform und dem Wort TRAFFIC nach zu urteilen, das in Gro�buchstaben auf der K�hlerhaube steht, handelt es sich um einen Verkehrspolizisten, der an den Stadtrand abkommandiert wurde, um Fahrern abgeschleppter Autos den Weg zum Abschlepphof an der Fayetteville Road zu zeigen.</p><p>Jetzt dreht er sich auf seinem Sitz, ein Gefangener seines Sicherheitsgurtes, den er nicht loszuwerden vermag. Sein Mund steht angesichts des frischen Fleisches offen, das drau�en auf ihn zu warten scheint. Seine Miene ist verzerrt, sein Gesicht aufgedunsen. Er hat eine Hautfarbe wie Mehltau, w�hrend die Augen wie abgegriffene M�nzen aussehen. Er knurrt die vier an, w�hrend er mit seinen schwarzen Z�hnen wild nach ihnen zu schnappen beginnt.</p><p>�Das ist alles ein schlechter Witz! Mann, welch ein erb�rmlicher Anblick�, murmelt Philip.</p><p>�Ich nehme sie�, bietet Brian an, tritt auf Penny zu und streckt die Arme nach ihr aus.</p><p>Brians Geruch steigt dem toten Polizisten in die Nase, sodass er seine schnappende Fratze in dessen Richtung dreht und so sehr am Gurt zerrt, dass dieser zu zerrei�en droht.</p><p>Brian schreckt zur�ck.</p><p>�Er kann dir nichts mehr tun�, belehrt ihn Philip. �Er wei� ja nicht einmal, was er mit dem Sicherheitsgurt anstellen soll.�</p><p>�Was soll das?�, erkundigt sich Nick und wirft einen Blick �ber Philips Schulter.</p><p>�Dumpfbacke.�</p><p>Der tote Polizist beginnt zu knurren.</p><p>Penny klettert in Brians ausgestreckte Arme. Er tritt einige Schritte zur�ck und dr�ckt sie fest an sich. �Los, Philip. Verziehen wir uns.�</p><p>�Einen Augenblick mal. Nicht so schnell, wenn ich bitten darf�, entgegnet Philip und zieht seine Ruger aus der Jeans.</p><p>�He, Mann�, warnt Nick. �Der L�rm zieht doch nur mehr von denen an�� Lass uns lieber verschwinden.�</p><p>Philip richtet die Waffe auf den Polizisten, der ihn bei dem Anblick noch st�rker anknurrt. Aber Philip dr�ckt nicht ab. Er l�chelt nur und �fft das Ger�usch eines Schusses nach: �Peng!�</p><p>�Philip, nun mach schon�, dr�ngt ihn Brian und wiegt dabei Penny hin und her. �Der versteht doch���</p><p>Da h�lt Brian inne und starrt auf den untoten Cop.</p><p>Der Zombie ist bei dem Anblick des auf ihn gerichteten Laufes nun doch wie versteinert. Brian �berlegt. Ob sein rudiment�res Nervensystem, das tief im Inneren seiner toten grauen Zellen schlummern muss, irgendwie ein Signal an einen kaum noch existierenden Muskel geschickt hat? Auf jeden Fall ver�ndert sich sein Gesichtsausdruck. Die monstr�se Abscheulichkeit, die das urspr�ngliche Gesicht ersetzt hat, f�llt wie ein Souffl� in sich zusammen und zeigt jetzt eine Miene, die man beinahe als traurig h�tte bezeichnen k�nnen. Oder vielleicht hat er Angst? Bei dieser schrecklichen Visage und der Schicht toter Haut und Gewebe ist das schwer einzusch�tzen, aber irgendetwas in diesen tr�ben Augen blitzte auf. Etwa Furcht?</p><p>Brian wird unerwartet von Emotionen erfasst, derer er sich kaum erwehren kann. Es ist schwer, genau zu sagen, was er empfindet, aber Abscheu, Mitleid, Ekel, Trauer und Wut spielen alle eine Rolle. Entschlossen setzt er Penny ab und dreht sie sanft um, sodass ihr der Anblick erspart bleibt.</p><p>�Kleine, das ist jetzt ein etwas l�ngerer Weg-Moment�, fl�stert er ihr beruhigend ins Ohr und wendet sich dann seinem Bruder zu.</p><p>Philip treibt ein Spielchen mit dem Zombie, er verh�hnt ihn. �Entspann dich einfach und folge einfach dem h�pfenden Ball�, spottet er, w�hrend er die Pistole vor dessen Augen auf und ab wandern l�sst.</p><p>�Ich mache es�, sagt Brian.</p><p>Philip h�lt inne. Langsam richtet er sich auf und blickt seinen Bruder an. �Wie bitte?�</p><p>�Gib mir die Waffe. Ich werde ihn umlegen.�</p><p>Philip schaut Nick an, und Nick wendet sich an Brian. �He, Mann. Jetzt mach keinen���</p><p>�Gib mir die Waffe!�</p><p>Das L�cheln, das um Philips Lippen spielt, l�sst jeglichen Humor vermissen. �Wie du willst, Bruderherz.�</p><p>Brian ergreift die Pistole und macht ohne zu z�gern einen Schritt auf den Streifenpolizisten zu. Er h�lt sie in das Auto und dr�ckt den Lauf gegen die Schl�fe des Untoten. Dann dr�ckt er ab�� Aber sein Finger will ihm nicht gehorchen. Sein verdammter Finger weigert sich, dem Befehl seines Gehirns zu folgen.</p><p>W�hrenddessen sabbert der Zombie weiter�� als ob er auf etwas warten w�rde.</p><p>�Du kannst mir die Kanone jetzt wiedergeben, Kumpel.� Philips Stimme dringt wie aus weiter Ferne an sein Ohr.</p><p>�Nein�� Der geh�rt mir.� Brian bei�t die Z�hne zusammen und versucht erneut abzudr�cken. Doch sein Finger gleicht einem Eisbrocken. Seine Augen brennen, und sein Magen verkrampft sich.</p><p>Der tote Polizist fletscht die Z�hne.</p><p>Brian beginnt zu zittern, als Philip einen Schritt auf ihn zutut.</p><p>�Gib mir die Waffe.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Na los, Junge. Her damit.�</p><p>�Der geh�rt mir!�, beharrt Brian und wischt sich den Schwei� mit dem �rmel von der Stirn. �Verdammt noch mal, der hier geh�rt mir!�</p><p>�Lass gut sein�, beruhigt ihn Philip und streckt den Arm nach der Waffe aus. �Genug ist genug.�</p><p>�Verdammt!�, entf�hrt es Brian. Dann l�sst er von dem Polizisten ab. Tr�nen steigen ihm in die Augen. Er schafft es einfach nicht. Damit sollte er sich abfinden. Er reicht seinem Bruder die Waffe und dreht sich gesenkten Kopfes um.</p><p>Philip erl�st den Polizisten aus seinem Elend. Ein einziger Schuss, der den Innenraum der Streife mit einem Spr�hnebel aus Blut verf�rbt. Der Schuss hallt laut �ber die verw�stete Landschaft hinweg.</p><p>Der tote Polizist sackt nun endg�ltig leblos �ber seinem Lenkrad zusammen.</p><p>Es dauert eine Weile, bis sich Brian erfolgreich gegen die aufwallenden Tr�nen und den Zitteranfall gewehrt hat. Dann blickt er durch die Fensterscheibe auf die �berreste des Cops. Am liebsten w�rde er sich bei dem toten Polizisten entschuldigen, tut es aber nicht. Stattdessen starrt er auf den schlaffen Leichnam, der immer noch vom Sicherheitsgurt aufrecht gehalten wird.</p><p>Der entfernte Klang einer Kinderstimme, �hnlich dem Flattern von gebrochenen Fl�geln, dringt auf einmal in sein Bewusstsein. �Dad�� Onkel Brian�� Onkel Nick? �h�� Da passiert gerade etwas Schlimmes.�</p><p>Die M�nner drehen sich um. Sie schauen �ber den Parkplatz hinweg auf jenen Punkt, auf den Pennys Augen gerichtet sind. �So ein Mist!�, entf�hrt es Philip beim Anblick des Super-GAUs, der sich ihnen nun bietet.</p><p>�Um Gottes willen�, keucht Nick.</p><p>�Mist, Mist�� Mist!� Brian sp�rt, wie es ihm eiskalt den R�cken herunterl�uft, als er sieht, was vor der Kirche vor sich geht.</p><p>�Los, Schatz. Hier entlang.� Philip tritt zu seiner Tochter und zieht sie sanft in Richtung des Wagens. �Wir leihen uns kurz das Auto des netten Polizisten aus.� Er steckt die Hand durch die heruntergekurbelte Fensterscheibe, schlie�t die T�r auf, �ffnet sie, l�st den Sicherheitsgurt und zerrt den leblosen K�rper aus der Polizeistreife. Der Zombie f�llt mit einem Klatschen auf den Asphalt.</p><p>�Alle Mann, schnell! Werft eure Sachen hinten hinein und dann nichts wie weg!�</p><p>Brian und Nick laufen auf die andere Seite des Autos, �ffnen die T�ren, schleudern Taschen und R�cks�cke auf die R�ckbank und springen hinein.</p><p>Philip schnappt sich Penny und setzt sie auf den Beifahrersitz, ehe er sich hinter das Steuer klemmt. Der Schl�ssel steckt.</p><p>Philip l�sst den Wagen an.</p><p>Der Anlasser gibt ein kl�gliches Kr�chzen von sich.</p><p>Das Armaturenbrett leuchtet kaum auf. Die Batterie schafft es gerade noch, die wenigen L�mpchen zu erhellen.</p><p>�Verdammt! VERDAMMT!� Philip wirft einen Blick aus dem Fenster auf die Kirche. �Okay. Einen Augenblick. Halt�� Halt!� Dann starrt er durch die Windschutzscheibe auf die Stra�e. Er bemerkt, dass sie zuerst eine leichte Neigung aufweist, die immer weiter abf�llt, bis sie steil den H�gel hinunter und durch eine Unterf�hrung f�hrt. Er dreht sich zu Brian und Nick um. �Ihr beiden, raus mit euch!�</p><p>Brian und Nick tauschen einen Blick aus. Das, was aus Richtung der Kirche auf sie zukommt�� wohl aufgeschreckt durch die lauten Stimmen und den Schuss�� brennt sich bereits jetzt in ihr Gehirn ein. W�rden sie diesen Eindruck jemals wieder los? Leider hat Penny das Ganze auch gesehen und wird sich daran erinnern�� nur noch lebhafter als die Erwachsenen: tote Kreaturen, die aus den kaputten Fenstern und offen stehenden Toren der Kirche kommen. Manche haben noch die �berreste zerfetzter, blutbesudelter Umh�nge um, wie Priester und Messdiener sie tragen. Andere stolpern in bester Sonntagskleidung auf sie zu, an der teilweise menschliche �berreste kleben. Der eine oder andere knabbert noch an einem abgerissenen Arm oder Bein, w�hrend wieder andere Troph�en mit sich tragen. Die Organe tropfen noch von der grausamen Orgie, die in der Kirche stattgefunden haben muss. Mindestens f�nfzig Zombies schleppen sich Seite an Seite mit nur einem Gedanken im Kopf in die Richtung der Lebenden.</p><p>F�r einen winzigen Augenblick, ehe er die T�r �ffnet und sich neben Nick stellt, bewegt Brian ein merkw�rdiger Gedanke: Sie bewegen sich wie eine Einheit. Selbst im Tod sind sie noch eine eng zusammengewachsene Gemeinde�� wie Puppen, die von einem Spieler kontrolliert werden. Aber er verharrt nicht lange, als er die Stimme seines Bruders h�rt, der noch immer hinter dem Steuer sitzt.</p><p>�SCHIEBT DIESEN KARREN AN UND SPRINGT DANN REIN! LOS, MACHT SCHON!�</p><p>Die beiden rennen nach hinten, legen die H�nde auf den Kofferraum und beginnen zu schieben, ohne weiter nachzudenken. Philip hat den Wagen in den Leerlauf geschaltet, die T�r ge�ffnet und hilft mit einem Bein mit.</p><p>Es dauert nicht lange, bis der Wagen etwas Geschwindigkeit gewinnt. Die Kirchg�nger hinter ihnen kommen n�her. Angesichts des Frischfleisches vor ihren Augen lassen sie ihre f�rchterlichen Sch�tze zu Boden fallen. Doch schon bald f�hrt das Auto von allein den Berg hinab�� schneller und schneller, bis Brian und Nick M�he haben, in den Wagen zu springen. Nick muss sich an der Stabantenne festhalten, um es zu schaffen, w�hrend Brian halb drinnen und halb drau�en h�ngt und sich so gut es geht an der offenen T�r festklammert.</p><p>Mittlerweile sind sie den halben H�gel hinabgerollt und haben etwas Distanz zwischen sich und die untote Kirchengemeinde gebracht. Durch sein Gewicht ist der Wagen jetzt kaum noch zu stoppen. Er f�hlt sich wie ein Zug an, der au�er Kontrolle ger�t, schnellt �ber jede Bodenwelle, jedes Schlagloch und rast auf die Kreuzung am Fu� des H�gels zu. Der Wind bl�st Brian die Haare ins Gesicht. Er klammert sich an die offene T�r und f�rchtet um sein Leben.</p><p>Nick br�llt etwas, aber der Wind, die quietschenden Reifen und die St��e durch die unebene Stra�e �bert�nen seine Stimme. Vor ihnen, am Fu�e des H�gels, liegt ein alter Rangierbahnhof, ein Irrgarten aus Schienen, die sich mit der Zeit in die Erde Georgias eingegraben haben. Marode H�uschen und B�rogeb�ude stehen d�ster und zerfallen wie Ruinen da. Philip ruft etwas, aber Brian kann auch seinen Bruder nicht verstehen.</p><p>Als sie endlich unten ankommen, gibt das Lenkrad seinen Geist auf.</p><p>Die Polizeistreife rattert �ber die Gleise und rast dann in den Rangierbahnhof. Philip kann nicht mehr gegensteuern, und das Auto beginnt zu schlingern. Die Reifen werden auf die Felgen gedr�ckt, und es fliegen Funken, als das Fahrgestell auf dem Boden aufsetzt.</p><p>Brian und Nick halten sich so fest es nur geht, w�hrend das Auto ohne Kontrolle durch den Rangierbahnhof schlittert, ehe es in einer dichten Wolke schwarzen Nebels zum Stehen kommt.</p><p>�Nehmt eure Sachen! Sofort!� Philip rei�t die T�r auf und zieht Penny nach sich aus dem Wagen. Brian und Nick lockern ihre verkrampften H�nde und beobachten, wie sich Philip seine Tasche �ber die eine Schulter wirft und seine Tochter auf die andere setzt. �Hier entlang!�, ruft er und weist mit dem Kopf in Richtung einer schmalen Stra�e, die nach Westen f�hrt.</p><p>Zusammen rennen sie aus dem Rangierbahnhof hinaus.</p><p>Eine Reihe mit Brettern zugenagelter L�den erstreckt sich entlang einer Stra�e mit Kopfsteinpflaster.</p><p>Die drei M�nner beeilen sich. Sie kommen gut voran, obwohl sie sich unter einer Reihe Markisen entlangschleichen und an mit Graffiti bemalte T�ren und schmutzige Fenster dr�cken. Die Sonne ist bereits am Untergehen und taucht alles in unheimliches D�mmerlicht.</p><p>Das Gef�hl, von Zombies umzingelt zu sein, ist �berw�ltigend, obwohl sie keine einzige Kreatur sehen�� nur eine lange Stra�e mit ausgedienten L�den, die einmal dieses Viertel von Atlanta pr�gten: Pfandleiher, Geldwechsler, Auktionsh�user, Autowerkst�tten, Kneipen und Ramschl�den.</p><p>W�hrend sie die kaputte und verlassene Einkaufsstra�e entlangeilen und dabei unter der Last ihres Gep�cks st�hnen, schweigen sie. Aber den Drang, sich in Sicherheit zu bringen, in einen Laden einzusteigen oder etwas �hnliches, teilen sie auch ohne Worte. Die Nacht bricht herein, und in weniger als einer Stunde wird es hier so finster wie auf der Schattenseite des Mondes sein. Sie haben keine Landkarte, kein GPS, keinen Kompass und keinerlei Anhaltspunkte au�er der im Nebel versunkenen Skyline von Atlanta.</p><p>Brian sp�rt das Unbehagen in seinem Nacken wie eine kalte Hand. Sie schleichen um eine Ecke.</p><p>Brian ersp�ht die Autowerkstatt als Erster. Aber Philip, der sie Sekundenbruchteile nach ihm sieht, geht bereits darauf zu. �Da, an der Ecke. Siehst du sie?�</p><p>Auch Nick versteht jetzt, worum es geht. �Ja�� Sieht gut aus.�</p><p>Die Werkstatt sieht wirklich gut aus. <emphasis>Donlevy�s Autobody and Repair</emphasis>-Werkstatt liegt nur einen Block entfernt an der s�dwestlichen Ecke einer menschenleeren Kreuzung. Es scheint das einzige Gesch�ft in dieser gottverlassenen Gegend zu sein�� obwohl es anscheinend f�r den Winter dichtgemacht hat.</p><p>Sie eilen auf das Geb�ude zu.</p><p>Als sie n�her kommen, sehen sie, dass das Gel�nde erst vor kurzem neu gepflastert wurde. Vor der Werkstatt stehen zwei Zapfs�ulen. Sie machen einen sauberen Eindruck und sehen so aus, als ob sie noch funktionieren w�rden. Dar�ber h�ngt ein riesiges Chevron-Schild. Das Geb�ude, an dem seitlich gro�e Reifenmengen aufgestapelt sind, weist auf einer Seite Garagentore auf. Die Fassade besteht aus schimmernden Metallpanelen und verst�rktem Glas. Es gibt einen ersten Stock, in dem entweder die B�ros oder ein Laden untergebracht sind.</p><p>Philip f�hrt sie um das Geb�ude herum. Der Hinterhof ist sauber aufger�umt. Hier stehen frisch lackierte M�llcontainer neben einer Mauer aus Gasbetonsteinen. Sie suchen nach einer offenen T�r oder einem Fenster, finden aber nichts, wo sie leicht Zutritt erlangen k�nnen.</p><p>�Und was ist mit dem Haupteingang?�, schl�gt Brian fl�sternd und au�er Atem vor, als sie neben den M�llcontainern stehen. Sie k�nnen die Kirchengemeinde h�ren, wie diese die Stra�e entlangschlurft und gemeinsam st�hnt und �chzt�� alle f�nfzig.</p><p>�Ich wette, der ist abgeschlossen�, meint Philip, und sein markantes Gesicht gl�nzt von der Anstrengung, seine Tochter und die Tasche zu schleppen. Penny saugt nerv�s an ihrem Daumen.</p><p>�Woher willst du das wissen?�</p><p>Philip zuckt mit den Achseln. �Probieren k�nnen wir es ja.�</p><p>Sie schleichen sich um das Geb�ude herum und achten dabei darauf, stets im Schatten des �berdachs zu bleiben. Dann setzt Philip Penny ab, legt die Tasche auf den Boden und eilt zur Hauptt�r. Er dr�ckt die Klinke herunter.</p><p>Die T�r ist offen.</p></section><section><title><p>Acht</p></title><p>Zusammengekauert warten sie unter der Verkaufstheke neben einem Gestell mit Schokoladenriegeln und Chips im Eingangsbereich der Autowerkstatt.</p><p>Philip schlie�t die T�r hinter ihnen ab, ehe er sich zu den anderen begibt und den Untoten auf der Stra�e zuschaut, wie sie an der Werkstatt vorbeiwanken. Offensichtlich haben sie keine Ahnung, wo sich ihr Frischfleisch befindet. Sie suchen zwar die Gegend mit ihren toten Augen ab und gleichen dabei Hunden, die manisch nach etwas suchen, sind aber zu tumb, um sich die Gegend genauer anzusehen.</p><p>Aus ihrem Versteck hinter den vergitterten Fenstern kann Brian die toten Priester und die zerlumpte Gemeinde genauer unter die Lupe nehmen. Was ist passiert, dass die gesamte Gemeinde zu Zombies wurde? Fanden sie sich als gottesf�rchtige Christen zusammen, nachdem die Plage ausgebrochen war? Suchten sie Beistand und Hilfe? Predigten ihnen die Priester Angst ein und heizten die Stimmung noch auf, indem sie die Offenbarung des Johannes vorlasen? Redeten sich die Priester in Rage und bombardierten die Gemeinde mit Geschichten �ber den bevorstehenden Untergang? �Und der f�nfte Engel blies in seine Trompete, und ich sah einen Stern aus dem Himmel auf die Erde fallen, und er trug den Schl�ssel f�r eine Grube ohne Boden!�</p><p>Doch wie verwandelte sich der Erste von ihnen? Handelte es sich um einen in den hintersten Reihen, der einen Schlaganfall erlitt? Oder vielleicht um eine Art rituellen Suizid? Brian stellt sich eine der alten schwarzen Ladys vor�� ihr K�rper voll Cholesterin, w�hrend ihre dicken, behandschuhten Finger im Einklang mit dem Heiligen Geist winken�� und wie sie sich pl�tzlich an die Brust f�hrt, als sie die ersten Anzeichen eines Infarkts sp�rt. Minuten oder auch eine Stunde sp�ter steht die Frau wieder auf, ihr aufgedunsenes Gesicht ein Spiegelbild der neuen Religion, einem einzigartig brutalen Glauben.</p><p>�Verdammte Schei�e�, murmelt Philip unter der Verkaufstheke. Dann dreht er sich zerknirscht zu Penny um. �Tut mir leid, wenn ich solche Worte benutze, Schatz.�</p><p>Sie sehen sich in der Autowerkstatt um. Die Werkstatt ist makellos sauber und sicher. Die B�den sind gefegt, die Regale geordnet, und es riecht nach neuem Gummi und den fl�chtigen Ger�chen von Benzin und L�sungsmitteln. Hier k�nnen sie die Nacht verbringen. Die beste Entdeckung machen sie jedoch erst, als sie die Garage genauer unter die Lupe nehmen.</p><p>�Wow! Das ist fast ein Panzer�, sagt Brian. Er steht auf dem kalten Betonboden und richtet seine Taschenlampe auf das schwarze Unding, das von einer Plane bedeckt ist.</p><p>Die anderen treten zu ihm. Sie stellen sich um das einzige Fahrzeug, das sich in der Garage befindet. Philip rei�t die Plane herunter. Es handelt sich um einen Cadillac Escalade neueren Baujahrs in einem gro�artigen Zustand. Die schwarze Farbe gl�nzt im gelben Licht der Lampe.</p><p>�Der hat wahrscheinlich dem Besitzer der Werkstatt geh�rt�, vermutet Nick.</p><p>�Heute sind anscheinend Weihnachten und Ostern auf einen Tag gefallen�, freut sich Philip und st��t mit dem Fu� gegen einen der Reifen. Der Luxus-SUV ist gigantisch. Er hat gro�e, speziell geformte Sto�stangen, l�ngliche Autoscheinwerfer und gl�nzende Chromfelgen. Er sieht wie ein Auto aus, das von einer Geheimorganisation der Regierung benutzt wurde. Die dunklen, get�nten Scheiben spiegeln den Strahl von Brians Taschenlampe wider.</p><p>�Da sitzt aber niemand drin, oder?�, fragt Brian und richtet die Taschenlampe gezielt auf den Wagen.</p><p>Philip zieht seine Waffe heraus, �ffnet eine T�r und h�lt den Lauf in den leeren, scheinbar unangetasteten Wagen. Er hat einer Innenausstattung aus Holz, Ledersitze und ein Armaturenbrett, das in einem Passagierflugzeug nicht fehl am Platz gewesen w�re.</p><p>�Ich wette, dass wir hier irgendwo auch den Schl�ssel dazu finden�, sagt Philip.</p><p>Die Geschichte mit dem Polizisten und der Kirchengemeinde hat Penny noch weiter verst�rt. Sie verbringt die Nacht zusammengerollt in einigen Decken auf dem Boden der Werkstatt und nuckelt dabei unentwegt an ihrem Daumen.</p><p>�Das hat sie schon seit langem nicht mehr gemacht�, bemerkt Philip, der in ihrer N�he auf einer Matratze sitzt und den letzten Rest Whiskey trinkt. Er tr�gt ein �rmelloses T-Shirt und seine schmutzige Jeans; die Stiefel stehen neben der Matratze. Nachdenklich nimmt er einen Schluck und wischt sich den Mund ab.</p><p>�Was?� Brian hockt seinem Bruder im Schneidersitz gegen�ber. Penny liegt in der Mitte. Er tr�gt seinen blutverschmierten Mantel und sieht sich vor, nicht zu laut zu sprechen. Nick d�st unweit von ihnen neben einer Werkbank. Er hat sich bereits in seinen Schlafsack zur�ckgezogen. H�chstens f�nf Grad, w�rmer ist es nicht in der Werkstatt.</p><p>�Den Daumen lutschen�, wiederholt Philip.</p><p>�Sie macht gerade eine Menge durch.�</p><p>�Da ist sie nicht allein.�</p><p>�Stimmt.� Brian starrt auf den Boden. �Aber das schaffen wir.�</p><p>�Schaffen? Was?�</p><p>Brian blickt seinem Bruder in die Augen. �Bis zum Fl�chtlingslager. Ganz gleich, wo es ist�� Wir werden es bestimmt finden.�</p><p>�Klar.� Philip leert die Flasche und stellt sie neben sich auf den Boden. �Wir werden das Lager garantiert finden�� so wie die Sonne morgen aufgeht, alle Waisenkinder ein gutes Zuhause bekommen und die Tapferen stets als Sieger hervorgehen.�</p><p>�Was ist los?�</p><p>Philip sch�ttelt den Kopf. �Verdammt noch mal, Brian. Mach doch die Augen auf.�</p><p>�Bist du sauer auf mich?�</p><p>Philip steht auf und streckt sich. �Warum sollte ich gerade auf dich sauer sein, Kumpel? Geht doch alles seinen normalen Gang.�</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Nichts�� Leg dich einfach hin. Der Schlaf wird dir gut tun�, meint Philip und geht zum Wagen. Er kniet sich hin und wirft einen Blick auf dessen Unterboden.</p><p>Brian steht m�hsam auf. Sein Herz rast. Ihm ist schwindlig. Seinem Hals geht es besser, und selbst sein Husten hat sich nach den Tagen im Haus in Wiltshire Estates gelindert. Aber er f�hlt sich bei Weitem noch nicht hundertprozentig gut. Aber wer tut das schon? Er tritt zu seinem Bruder. �Was soll das hei�en�� alles geht seinen normalen Gang?�</p><p>�Es ist, was es ist�, murmelt Philip, ohne ihn anzusehen.</p><p>�Du bist sauer auf mich, weil ich den Polizisten nicht umgebracht habe�, platzt Brian heraus.</p><p>Philip richtet sich auf und sieht seinen Bruder an. �Ich habe doch gesagt, du sollst dich schlafen legen.�</p><p>�Vielleicht f�llt es mir schwerer, jemanden zu erschie�en, der einmal ein Mensch war. Na und? Verklag mich doch.�</p><p>Philip packt Brian an seinem T-Shirt, wirbelt ihn um hundertachtzig Grad herum und st��t ihn gegen die Karosse des Escalade. Der Aufschlag raubt Brian einen Moment lang den Atem, und der L�rm weckt Nick. Auch Penny zuckt im Schlaf zusammen. �Jetzt h�r mir mal gut zu�, knurrt Philip drohend. �Das n�chste Mal, wenn du mir eine Knarre abnimmst, will ich, dass du sie auch benutzen kannst. Der Bulle war harmlos. Aber das wird nicht immer so sein, und ich werde garantiert nicht f�r alle Zeiten den Babysitter spielen. Hast du mich verstanden?�</p><p>Brian nickt. Seine Kehle ist vor Angst trocken geworden. �Ja, hab ich.�</p><p>Philip packt ihn noch h�rter. �Du solltest dir diesen ganzen Weicheier-Mist von wegen beh�teter Kindheit schnellstm�glich aus dem Kopf schlagen, anfangen, deinen Mann zu stehen und ein paar Sch�del einschlagen. Denn eines kann ich dir versprechen: Ehe es besser wird, wird es noch viel, viel schlimmer.�</p><p>�Verstanden�, antwortet Brian.</p><p>Philip l�sst noch immer nicht von seinem Bruder ab. Seine Augen funkeln vor Wut. �Wir werden diese Sache �berleben, indem wir gr��ere Monster werden als die da drau�en! Kapiert? Es gibt keine Regeln mehr! Keine Philosophie und vor allem keine Gnade oder Schonfrist. Es gibt nur die und uns, und alles, was diese Monster wollen, ist es, uns aufzufressen! Was machen wir also? Wir fressen die auf! Wir schnappen sie uns und spucken sie wieder aus, und wir werden das Ganze �berleben, oder ich werde h�chstpers�nlich ein riesiges Loch in diese verr�ckte Welt sprengen! Verstehst du? VERSTEHST DU?�</p><p>Brian nickt panisch.</p><p>Philip l�sst ihn los und wendet sich ab.</p><p>Mittlerweile ist Nick ganz wach geworden. Er setzt sich auf und starrt die beiden verdutzt an.</p><p>Pennys Augen sind ebenfalls weit aufgerissen. Sie nuckelt wie wild an ihrem Daumen und blickt ihrem Vater hinterher, der durch die Werkstatt zu tigern beginnt. Als er an den Toren vorbeikommt, h�lt er inne und starrt durch die eisernen Gitterst�be nach drau�en in die Nacht, die H�nde zu F�usten geballt.</p><p>Am anderen Ende der Werkstatt lehnt Brian noch immer am Escalade und ficht eine stille Schlacht mit sich selbst, um nicht wie ein Weichei loszuheulen, das eine beh�tete Kindheit genie�en durfte.</p><p>Am n�chsten Morgen erhellt eine schwache Herbstsonne ihre Bleibe. Hastig nehmen sie ihr Fr�hst�ck in Form von M�sliriegeln und Wasser zu sich, ehe sie das Benzin aus drei Zwanzig-Liter-Kanistern in den Tank des Escalade sch�tten und ihre Habe in den Wagen packen. Die get�nten Scheiben sind feucht von Kondenswasser. Brian und Penny machen es sich wie immer auf der R�ckbank bequem, w�hrend Nick neben dem Tor steht und auf Philips Zeichen wartet. Da der Strom ausgefallen ist�� anscheinend in der ganzen Stadt��, m�ssen sie das Tor manuell bedienen.</p><p>Philip setzt sich hinter das Lenkrad des Escalade und startet den Wagen. Der riesige V8-Motor mit sechs Litern Hubraum beginnt zu schnurren, und das Armaturenbrett leuchtet auf. Philip legt den ersten Gang ein, gibt Nick ein Zeichen und beginnt langsam vorw�rts zu fahren.</p><p>Nick rei�t das Tor auf. Die Rollen quietschen und setzen sich in Bewegung. Frische Morgenluft und Sonnenstrahlen str�men in die Garage, w�hrend Nick zur Beifahrert�r l�uft und in den Wagen steigt.</p><p>Philip z�gert einen Moment lang. Er blickt zuerst auf das Armaturenbrett und dann auf die Mittelkonsole.</p><p>�Was ist?�, will Nick nerv�s wissen. Er f�hlt sich immer ein wenig unsicher, wenn er Philips Handeln hinterfragt. �Sollten wir uns nicht langsam auf die Socken machen?�</p><p>�Einen Augenblick�, gebietet Philip und �ffnet ein Fach in der Mittelkonsole.</p><p>In dem Fach befinden sich zwei Dutzend CDs, die alle vom vorherigen Eigent�mer�� einem gewissen Calvin R. Donlevy, wohnhaft in 601 Greencove Lane S. E. laut Fahrzeugpapieren im Handschuhfach�� geordnet worden waren. �Jetzt sind wir startbereit�, erkl�rt Philip, nachdem er die CDs durchgesehen hat. Calvin R. Donlevy aus der Greencove Lane war offensichtlich ein Liebhaber klassischen Rocks, denn unter anderen finden sich Led Zeppelin, Black Sabbath und Jimi Hendrix in seiner Sammlung. �Ein bisschen Musik w�re doch nicht schlecht, damit wir uns besser konzentrieren k�nnen.�</p><p>Kaum erklingen die ersten T�ne einer Cheap-Trick-CD aus den Lautsprechern, tritt Philip aufs Gaspedal.</p><p>Die Kraft der vierhundertf�nfzig Pferdest�rken dr�ckt die Mannschaft in die Sitze, und der �berbreite Escalade schie�t durch die Tore. Philip bleibt gerade noch genug Raum, ohne die Au�enspiegel abzurei�en oder Kratzer im Lack zu verursachen. Das Sonnenlicht durchflutet den Innenraum. Das kreischende Gitarrensolo der Partyhymne �Hello There� pl�rrt aus der 5.1 Surround-Sound-Bose-Anlage, w�hrend sie aus der Werkstatt �ber den Vorplatz auf die Stra�e rasen.</p><p>Der S�nger von Cheap Trick fragt die Konzertg�nger auffordernd: �Are you ready to rock?�</p><p>Philip schnellt um die Ecke und f�hrt erst einmal auf die Maynard Terrace. Die Stra�e wird breiter. Billige H�user rauschen links und rechts an ihnen vorbei. Ein umherirrender Zombie in einem Regenmantel taucht zu ihrer Rechten auf, und Philip steuert direkt auf ihn zu.</p><p>Der widerlich dumpfe Schlag beim Aufprall ist �ber das Heulen des Motors und den donnernden Schlagzeugrhythmen von Cheap Trick kaum wahrzunehmen. Brian sinkt tief in seine R�ckbank. Ihm dreht sich der Magen um, und er macht sich Sorgen um Penny, die zusammengesackt neben ihm sitzt und vor sich hin starrt.</p><p>Brian lehnt sich zu ihr hin�ber, schnallt sie an und versucht, das M�dchen anzul�cheln.</p><p>�Etwas n�rdlich von hier sollte es eine Auffahrt geben�, br�llt Philip so laut er kann, wobei seine Stimme in der Musik und dem Motorenger�usch fast untergeht. Zwei weitere Untote torkeln zu ihrer Linken durch die Gegend�� ein Mann und eine Frau in Lumpen. Philip lenkt das Auto in ihre Richtung, um sie wie zwei schwache Kegel umzum�hen.</p><p>Ein abgetrenntes Ohr h�ngt an der Windschutzscheibe, und Philip schaltet die Scheibenwischer ein.</p><p>Sie erreichen das n�rdliche Ende der Maynard Terrace. Die Autobahnzufahrt liegt direkt vor ihnen. Philip tritt auf die Bremse, und der Escalade kommt mit quietschenden Reifen vor einer Massenkarambolage mit sechs Autos zum Stehen. Eine Traube Untote umkreist die Unfallstelle wie Aasgeier ihre Beute.</p><p>Philip legt den R�ckw�rtsgang ein und f�hrt wieder los. Die Rockmusik donnert weiterhin aus den Lautsprechern. Die pl�tzliche Beschleunigung rei�t alle aus den Sitzen, und Brian dr�ckt Penny zur�ck auf die Bank.</p><p>Ein geschicktes Man�ver, und der Wagen dreht sich um hundertachtzig Grad, ehe Philip ihn die McPherson Avenue hinunterjagt, die parallel zur Interstate verl�uft.</p><p>Sie legen eineinhalb Kilometer durch eine Wohngegend in weniger als zwei Minuten zur�ck, w�hrend die Schlagzeugeinlagen und der Bass der Musik synkopierte Akzente zu dem schrecklichen Aufprallen umherwandernder Zombies liefert, die zu langsam sind, um Philip auszuweichen. Zuerst knallen sie mit voller Wucht auf die Kotfl�gel und fliegen dann wie panisch flatternde Riesenv�gel durch die Luft. Immer mehr Untote tauchen aus den Schatten auf und kommen hinter B�umen hervor. Offensichtlich hat sie das Brummen des V8-Motors aus ihrem tranceartigen Schlummer geweckt.</p><p>Philip bei�t die Z�hne mit grimmiger Entschlossenheit zusammen, als sie sich einer weiteren Auffahrt zum Highway n�hern.</p><p>Nachdem er die Faith Avenue erreicht hat, tritt er erneut auf die Bremse. Ein Burger Win steht in Flammen, und die ganze Gegend ist in einen nach altem Fett riechenden Nebel getaucht. Die Auffahrt ist noch dichter zugestopft als die zuvor. Philip unterdr�ckt nur m�hsam einen Fluch, legt den R�ckw�rtsgang ein und tritt wieder aufs Gas.</p><p>Der Escalade biegt in eine Nebenstra�e ein. Philip rei�t das Steuer herum und wird schneller. Die Reifen quietschen und qualmen. Erneut schie�en sie Richtung Westen, weichen zahlreichen Stra�ensperren aus und halten stets auf die Skyline von Atlanta in der Ferne zu, die gr��er und gr��er wie eine Geistererscheinung am Horizont in den Himmel ragt.</p><p>Immer mehr Stra�en sind blockiert. Die Tr�mmer, Autowracks und umherirrenden Untoten scheinen un�berwindbar zu sein. Aber Philip Blake l�sst sich nicht so leicht unterkriegen. Angespannt sitzt er hinter dem Lenkrad und atmet schwer. Die Augen h�lt er auf den Horizont gerichtet. Sie rasen an einem Publix-Lebensmittelladen vorbei, der so aussieht, als ob er in einem Blitzkrieg zerbombt worden w�re. Der Parkplatz ist voller umherirrender Zombies.</p><p>Philip dr�ckt noch mehr auf die Tube, um heil durch eine Reihe von Monstern auf der Stra�e zu kommen.</p><p>Die Welle von Blut und Gewebe, die sich �ber die Motorhaube des SUV ergie�t, ist geradezu spektakul�r�� eine schreckliche Ansammlung zerst�rter Menschenmasse. Die Scheibenwischer schieben die �berreste schnarrend beiseite.</p><p>Brian wendet sich an seine Nichte. �Kleine?� Keine Antwort. �Penny?�</p><p>Aber das Kind starrt regungslos auf das Schauspiel auf der Windschutzscheibe. Sie scheint Brian im L�rm der Rockmusik und der Motorenger�usche nicht wahrzunehmen. Oder sie will ihn nicht h�ren. Oder es ist ihr alles zu viel geworden, und sie kann nichts mehr in sich aufnehmen.</p><p>Brian klopft ihr sanft auf die Schulter. Pl�tzlich ist sie wieder im Hier und Jetzt und schaut ihn an.</p><p>Da lehnt sich Brian �ber sie hinweg und schreibt mit dem Zeigefinger ein Wort auf die feuchte Fensterscheibe:</p><p>WEG</p><p>Er erinnert sich vage daran, irgendwo gelesen zu haben, dass etwa sechs Millionen Menschen im Gro�raum Atlanta leben. Er wei� noch, wie sehr ihn diese Zahl �berrascht hat. Brian hat Atlanta schon immer als eine Art Minimetropole betrachtet, eine Vorzeigestadt des s�dlichen Fortschritts, die sich in einem Meer von verschlafenen Nestern befindet. Bei den wenigen Malen, die er in Atlanta gewesen war, hatte er den Eindruck, die Stadt sei eine einzige Ansammlung von Vororten. Klar, auch Atlanta hat eine gewisse Anzahl von Wolkenkratzern im Zentrum�� f�r Firmen wie Turner, Coca Cola, Delta, Falcons und �hnliche. Aber die Stadt kam ihm immer wie eine kleine Schwester der gro�en St�dte im Norden vor. Brian war einmal in New York gewesen, um die Familie seiner Ex zu besuchen, und der gewaltige, schmutzige, klaustrophobisch wirkende Ameisenhaufen war ihm wie eine echte Stadt erschienen, w�hrend Atlanta lediglich ein Abziehbild zu sein schien. Vielleicht lag das an der Geschichte der Stadt. Brian besch�ftigte sich am College damit: Nachdem Sherman sie in Schutt und Asche gelegt hatte, entschieden sich die Verantwortlichen beim Wiederaufbau daf�r, die alten historischen Wahrzeichen verschwinden zu lassen. In den folgenden hundertf�nfzig Jahren wurde Atlanta mit Stahl und Glas aufgetakelt. Im Gegensatz zu anderen St�dten der S�dstaaten wie Savannah oder New Orleans, wo das Flair des alten S�dens noch pr�sent ist, hat sich Atlanta den langweiligen Fassaden des modernen Expressionismus verschrieben. Schau nur, scheinen sie zu sagen, wir sind so progressiv, wir sind so kosmopolitisch, wir sind so cool�� nicht wie diese Landeier in Birmingham. Doch f�r Brian wirkt Lady Atlanta immer �berkandidelt. F�r ihn hat Atlanta immer mehr so getan als ob.</p><p>Bis jetzt.</p><p>W�hrend der kommenden f�nfundzwanzig Minuten, die sich Philip im Zickzackkurs durch die desolaten Stra�en und Parkpl�tze k�mpft, um parallel mit der Interstate zu bleiben und sich doch stetig dem Zentrum der Stadt zu n�hern, betrachtet Brian durch die get�nten Scheiben des SUV das echte Atlanta wie einen flimmernden Diavortrag forensischer Fotos eines Tatorts. Er starrt auf Sackgassen voller M�ll und Unrat, auf brennende Abfallberge, gepl�nderte Sozialwohnungen, eingeschlagene Fensterscheiben, schmutzige Laken, die aus Geb�uden h�ngen, auf die verzweifelte Hilferufe geschmiert sind. Das hier ist wirklich eine Stadt�� eine urzeitliche Totenstadt�� �berv�lkert und nach Tod stinkend. Und das Schlimmste ist, dass sie noch nicht einmal bis zum Zentrum vorgedrungen sind.</p><p>Um 10.22�Uhr findet Philip Blake die Capital Avenue, eine breite, sechsspurige Stra�e, die sich am Turner-Field-Baseballstadion vorbeiwindet, ehe sie in die Stadtmitte f�hrt. Er macht die Stereoanlage aus. Die Stille dr�hnt jetzt in ihren Ohren, als sie auf die Capital Avenue einbiegen und langsam nach Norden fahren.</p><p>Die Stra�e ist mit zur�ckgelassenen Autos �bers�t, die aber weit genug auseinanderstehen, sodass Philip den Escalade sicher hindurchlenken kann. Die Spitzen der Wolkenkratzer zu ihrer Linken sind so nahe, dass sie im Dunst wie Gro�segel von Rettungsschiffen leuchten.</p><p>Niemand sagt ein Wort, w�hrend sie an einem Betonklotz nach dem anderen vorbeirollen. Der Parkplatz des Baseballstadions ist weitgehend leer. Hier und da liegen einige umgest�rzte Golfmobile herum. Wagen von Eis- und Hamburgerverk�ufern stehen verlassen und mit Graffiti verschmiert in den Ecken des Parkplatzes. Vereinzelte Tote wandeln in der Ferne durch das kalte herbstliche Licht.</p><p>Sie gleichen streunenden W�lfen, die sich vor Hunger kaum noch auf den Beinen halten k�nnen.</p><p>Philip f�hrt das Fenster herunter und lauscht. Der Wind pfeift. Es riecht merkw�rdig�� eine Mischung aus verbranntem Gummi, geschmolzenen Schaltkreisen und irgendetwas �ligem, etwas wie fauliger Talg. Von weit weg dringt ein Knattern und Tuckern zu ihnen, das die Luft wie ein gewaltiger Motor vibrieren l�sst.</p><p>Brians Magen dreht sich beinahe um, als bei ihm der Groschen f�llt: Wenn die Fl�chtlingscamps irgendwo im Osten liegen, irgendwo in den Eingeweiden der Stadt, sollte es dann nicht hier bereits Streifenwagen und Einsatzfahrzeuge geben? Schilder? Kontrollpunkte? Bewaffnete Soldaten oder Polizisten? Polzeihubschrauber? G�be es nicht irgendeinen Hinweis darauf, dass sie Hilfe erwarten k�nnen? Doch w�hrend ihrer ganzen Fahrt in die Stadt sahen sie lediglich wenige unklare Hinweise, dass es noch anderes Leben geben k�nnte. In der Glenwood Avenue glaubten sie, dass ein Motorrad an ihnen vorbeigerauscht w�re, aber ganz sicher waren sie sich nicht. Sp�ter in der Sydney Street behauptete Nick, dass er jemanden gesehen hat, der von T�r zu T�r rannte, aber beschw�ren wollte er es nicht.</p><p>Brian verdr�ngt die negativen Gedanken, als er das gewaltige Gewirr von Autobahnkreuzen und Abzweigungen in Form eines Kleeblatts gute f�nfhundert Meter vor sich liegen sieht.</p><p>Die riesige betonierte Fl�che f�hrt die Hauptverkehrsadern Atlantas zusammen und markiert das �stliche Ende der Innenstadt. Hier treffen die Interstates 20, 85, 75 und 403 aufeinander. Jetzt brennt die fahle Sonne auf das Schlachtfeld, das mit Autowracks und umgekippten Kombis verstopft ist. Brian merkt, wie sich der Escalade eine steile Br�cke hocharbeitet.</p><p>Capital Avenue thront auf riesigen Pfeilern �ber den Autobahnkreuzen. Philip geht vom Gas und schl�ngelt sich mit nicht einmal f�nfundzwanzig Stundenkilometern durch die herumliegenden Wracks.</p><p>Brian sp�rt, dass etwas seine linke Schulter ber�hrt. Es ist Penny, die ihn auf etwas aufmerksam machen will. Er dreht sich um und blickt sie fragend an.</p><p>Sie lehnt sich zu ihm hin und fl�stert ihm etwas zu. Es klingt wie: �Ich muss sein machen.�</p><p>Brian ist verdutzt. �Du musst sein machen?�</p><p>Sie sch�ttelt den Kopf und fl�stert es erneut.</p><p>Jetzt versteht Brian sie. �Ach so! Klein. Geht es noch eine Minute, Penny?�</p><p>Philip horcht auf und wirft den beiden einen Blick �ber den R�ckspiegel zu. �Was ist los?�</p><p>�Sie muss mal.�</p><p>�Ach du meine G�te�, st�hnt Philip. �Tut mir leid, Schatz, aber das geht jetzt ganz schlecht. Halte bitte noch etwas durch, ja?�</p><p>Penny fl�stert Brian zu, dass sie wirklich dringend mal muss.</p><p>�Philip, entweder jetzt oder es ist zu sp�t�, informiert Brian seinen Bruder.</p><p>�Versuch es dir zu verkneifen, Schatz.�</p><p>Sie kommen an den Scheitelpunkt der Br�cke. Nachts, wenn man auf der Capital Avenue �ber Atlanta steht, muss der Anblick der Stadt majest�tisch sein. In etwa hundert Metern wird der Escalade aus dem Schatten eines gro�en Geb�udes tauchen. Nachts leuchten die angestrahlten Geb�ude der Stadt auf und geben ein atemberaubendes Panorama mit der Kuppel des Kapitols im Vordergrund ab, eingerahmt von der funkelnden Kathedrale aus Wolkenkratzern.</p><p>Dann tauchen sie aus dem Schatten des Geb�udes auf und erblicken die vor ihnen liegende Stadt in ihrer ganzen Pracht. Philip macht eine Vollbremsung.</p><p>Der Escalade kommt abrupt zum Stehen.</p><p>Einen unendlich langen Augenblick sitzen sie wie gel�hmt da.</p><p>Die linke Stra�e f�hrt an der marmornen Fassade des altehrw�rdigen Kapitols vorbei. Es ist eine Einbahnstra�e, die mit verlassenen Autos vollgestopft ist. Doch deshalb sind sie nicht wie vom Blitz getroffen. Es ist vielmehr das, was auf der Capitol Avenue von Norden her auf sie zukommt.</p><p>Penny macht in die Hose.</p><p>Das Empfangskomitee, zahlreich wie eine r�mische Armee und planlos wie eine Herde gigantischer Arachnoiden, stolpert vom Martin Luther King Drive auf sie zu. Es ist noch einen guten H�userblock entfernt. Die Zombies kommen aus dem Schatten der Regierungsgeb�ude. Es sind so viele, dass es eine Weile dauert, bis die vier das wahre Ausma� wahrzunehmen verm�gen. Jedes Stadium der Verwesung ist vertreten. Sie kriechen aus H�usern, T�ren, Fenstern, Gassen, begr�nten Parks�� aus allen Ecken und Winkeln. Die gesamte Stra�e ist �berf�llt. Die Welle rollt wie ein durchgedrehter Spielzeugzug auf sie zu, angelockt von dem Ger�usch des Autos, dem Geruch und der Tatsache, dass Frischfleisch auf sie wartet.</p><p>Alt und Jung, Schwarz und Wei�, M�nner und Frauen, ehemalige Gesch�ftsleute, Hausfrauen, Beamte, Zuh�lter, Kinder, Verbrecher, Lehrer, Anw�lte, Krankenpfleger, Polizisten, M�llm�nner und Prostituierte. Jedes Gesicht faulig und zersetzt�� wie die in der Sonne verrottenden Fr�chte einer Obstplantage. Tausende von leblosen, metallisch wirkenden Augen richten sich wie eine Einheit auf den Escalade, Tausende von wild gewordenen Ortungssystemen aus der Urzeit starren hungrig auf die Neuank�mmlinge.</p><p>W�hrend dieses Augenblicks des totalen Horrors und der Stille wird Philip blitzschnell einiges klar.</p><p>Er merkt, dass der verr�terische Gestank der Horde durch das offene Fenster, vielleicht sogar durch das Ventilationssystem der Klimaanlage eindringt�� dieser widerliche, nach ranzigem Speck und Schei�e stinkende Geruch. Schlimmer noch: Er merkt, dass das merkw�rdige Ger�usch, das dumpfe Dr�hnen, das sie zuvor geh�rt haben, als er das Fenster herunterlieߠ� das vibrierende Surren in der Luft, als ob eine Million Hochspannungsleitungen unter voller Belastung st�nden��, das Ger�usch einer Stadt voller Toter gewesen ist.</p><p>Ihr kollektives Gest�hne, wie sie jetzt gleich einem einzigen gigantischen Lebewesen auf den Escalade zustr�men, l�sst Philip erschauern.</p><p>Das alles bringt Philip Blake zu einer Erkenntnis, die ihn mit der Wucht eines Vorschlaghammers trifft. Bei dem Anblick der beinahe tr�umerisch langsamen Bewegungen der Zombies f�llt bei ihm der Groschen: Ihr Vorhaben, ein Fl�chtlingscamp in dieser Stadt aufzusuchen, scheint auf einmal so vern�nftig zu sein, wie beispielsweise eine Stecknadel in einer Kloake zu suchen.</p><p>In diesem Sekundenbruchteil des Horrors, in diesem Moment eingefrorener Stille wei� Philip, dass morgen wohl kaum die Sonne aufgehen wird, die Waisenkinder Waisenkinder bleiben und die Guten diesmal nicht gewinnen.</p><p>Ehe er am Schalthebel rei�t, wendet er sich zu den anderen um und verk�ndet mit einer Stimme, die voll Bitterkeit klingt. �Alle, die noch immer das Fl�chtlingslager suchen wollen, heben die Hand.�</p></section></section><section><title><p>TEIL 2</p><p>Atlanta</p></title><section><p>Wer mit Ungeheuern k�mpft,</p><p>mag zusehen, dass er nicht dabei</p><p>zum Ungeheuer wird.</p><p>Und wenn du lange in einen Abgrund blickst,</p><p>blickt der Abgrund auch in dich hinein.</p><p><emphasis>Friedrich Nietzsche</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><p><image l:href="#2"/></p></section><section><title><p>Neun</p></title><p>Wenige Autos�� zumindest die aus den USA�� fahren schnell r�ckw�rts. Zuallererst ist da das Problem mit der Umsetzung. Die meisten Wagen, die von der Fertigungsstra�e rollen, ganz gleich ob Van, SUV, Kombi oder Sportler, sind mit f�nf oder sechs Vorw�rtsg�ngen, aber nur einem R�ckw�rtsgang ausgestattet. Zweitens ist die Federung einzig und allein auf das Vorw�rts- und nicht das R�ckw�rtsfahren ausgerichtet. Das bedeutet, dass es dem Fahrer unm�glich gemacht wird, mit Geschwindigkeit r�ckw�rtszupreschen. Und drittens muss man beim R�ckw�rtsfahren �ber die Schulter schauen und gleichzeitig lenken. Sollte man es trotzdem schaffen, mit Schwung nach hinten zu fahren, so endet dies meistens mit spektakul�ren Missgeschicken.</p><p>Der Schlitten, den Philip Blake f�hrt, ist ein Platinum Cadillac Escalade aus dem Jahre 2011 mit Allradantrieb und fein ausgekl�gelten Torsionsfedern, sodass der Meistermechaniker Calvin R. Donlevy aus der Greencove Lane so ziemlich alles offroad unternehmen konnte, was das Hinterland von Mittel-Georgia in gl�cklicheren Zeiten zu bieten hatte. Das Auto wiegt knappe vier Tonnen, ist �ber f�nf Meter lang und r�hmt sich eines sogenannten StabiliTrak, eines elektronischen Stabilit�tssystems, dem Standard f�r alle Platinum-Modelle. Am coolsten aber ist die Tatsache, dass es mit einer Kamera zum R�ckw�rtsfahren ausgestattet ist. Das Bild wird auf einem relativ gro�en Display wiedergegeben, das in das Armaturenbrett eingebaut ist.</p><p>Ohne zu z�gern�� sein Nervensystem scheint direkt mit seiner rechten Hand verbunden zu sein��, wirft Philip den R�ckw�rtsgang ein und starrt auf das gelb flackernde Bild auf dem Display vor seinen Augen. Er sieht einen teilbew�lkten Himmel �ber dem Horizont aus Beton hinter ihnen: der Scheitelpunkt der Br�cke.</p><p>Ehe das immer n�her r�ckende Bataillon von Zombies bis auf f�nfzig Meter an sie herankommt, schie�t der Escalade r�ckw�rts.</p><p>Die Insassen werden beinahe aus den Sitzen gerissen. Brian und Nick schaffen es dennoch, sich umzudrehen, um einen Blick auf die Br�cke durch die Heckscheibe zu werfen. Das Auto droht zu schleudern, f�ngt sich aber wieder und wird noch schneller. Philips Bleifu� l�sst den Motor aufheulen. Aber er dreht sich nicht um, sondern richtet die Augen auf das Display, auf dem die Br�cke immer gr��er wird.</p><p>Ein winziger Fehler, eine minimale Abweichung beim Steuern, und der Escalade ger�t au�er Kontrolle und f�ngt zu schleudern an. Aber Philip l�sst ihn nicht entgleisen. Die H�nde am Steuerrad, den Fu� auf dem Gaspedal und die Augen auf das Display gerichtet schie�t der Wagen immer schneller dorthin zur�ck, von wo sie gekommen sind. Der Motor kreischt. Pl�tzlich erkennt Philip etwas Neues auf dem Display.</p><p>�Mann�� Mist! Schau mal!�</p><p>Das ist Brian. Seine Stimme durchdringt das Motorenger�usch, aber Philip muss gar nicht erst hinsehen. Auf dem gelblich schimmernden Monitor sieht er eine Reihe dunkler Gestalten hinter ihnen auftauchen und sich an der obersten Stelle der Br�cke wie ein Zaun aufstellen. Sie bewegen sich, wenn auch langsam und unkoordiniert, und strecken die Arme nach dem Wagen aus, der auf sie zuschie�t. Philip knurrt genervt.</p><p>Mit beiden Stiefeln steigt er auf das gro�e Bremspedal, und der Escalade kommt mit quietschenden Reifen auf der Auffahrt zur Br�cke zum Stehen.</p><p>Wie auch die anderen realisiert Philip, dass sie nur noch eine Chance haben und�� je mehr Zeit verstreicht�� diese Chance immer kleiner wird. Die Untoten, die von vorne auf sie zu stolpern, sind noch knappe hundert Meter entfernt, w�hrend die Horde hinter ihnen auf der Br�cke, die immer weiter anschwillt, mit erstaunlicher Geschwindigkeit n�her eilt. Im Seitenspiegel entdeckt Philip eine L�cke zwischen zwei umgest�rzten Lastern, die einen Duchgang zum Memorial Drive erm�glicht. Das Problem ist nur, dass die Armee hinter ihnen diese L�cke gleich schlie�en wird.</p><p>In null Komma nichts trifft er eine Entscheidung und tritt erneut aufs Gaspedal.</p><p>Der Escalade schie�t nach hinten. Alle halten sich fest. Philip f�hrt direkt auf die Scharen der schlurfenden Leichname zu. Auf dem Display kann er sehen, wie sie gierig die Arme ausstrecken, die M�nder weit offen. Sie werden immer gr��er, je n�her er ihnen kommt.</p><p>Als er das gelbliche Schild des Memorial Drive auf dem Monitor erkennt, tritt er erneut auf die Bremse.</p><p>Das Heck des Escalade trifft mehrere Untote. Es gibt ein widerliches, ekelerregendes Ger�usch, w�hrend Philip den Vorw�rtsgang des Automatikgetriebes einlegt, ehe er mit Vollgas davonbraust. Die Mannschaft wird in die Sessel gedr�ckt, als der SUV nach vorne prescht und Philip das Steuer scharf nach links rei�t, um durch die knappe L�cke zu kommen, die zwischen den beiden Lastern vor ihnen zu sehen ist.</p><p>Funken fliegen, als der SUV einen der umgest�rzten Lkws rammt. Doch gleich darauf haben sie es geschafft und rasen den relativ freien und vor allem endlich zombielosen Memorial Drive hinunter.</p><p>Sie fahren sechs H�userblocks entlang, schie�en �ber Schienen und gelangen immer weiter ins Stadtinnere, ehe sie wieder vermehrt auf Zombies sto�en. Die Stra�en, die sich durch die H�userschluchten schneiden, sind voller Tr�mmer�� Reste von Explosionen, ausgebrannte Autos mit verkohlten Leichen, zerborstene Fenster, M�ll und Schutt, wo man nur hinblickt.</p><p>Philip nimmt eine von S�den nach Norden verlaufende Stra�e, die sie noch weiter ins Zentrum bringt. Aber als er rechts abbiegen will�� sie rasen gerade um einen demolierten Lieferwagen, der mitten auf der Kreuzung liegengeblieben ist��, tritt er pl�tzlich auf die Bremse, sodass der Escalade abrupt anh�lt.</p><p>Einen Augenblick lang stehen sie einfach da, der Motor im Leerlauf. Philip bewegt sich nicht. Seine H�nde halten noch immer das Steuer fest. Er kneift die Augen zusammen und schielt zu den Schatten der Wolkenkratzer direkt vor ihnen.</p><p>Zuerst begreift Brian nicht, was los ist. Er reckt den Kopf, um einen Blick auf die mit Tr�mmern �berh�ufte Stra�e zu werfen, die sich �ber viele H�userblocks vor ihnen erstreckt. Durch die get�nten Scheiben sieht er Wolkenkratzer links und rechts der vierspurigen Avenue. M�ll wird vom Herbstwind hochgewirbelt und fegt durch die H�userschlucht.</p><p>Nick ist ebenso ahnungslos. �Philip? Warum stehen wir mitten auf der Kreuzung?�</p><p>Philip antwortet nicht. Stattdessen starrt er schweigend nach vorn. Die Stille, die nun herrscht, wird nur von seinen knirschenden Z�hnen unterbrochen.</p><p>�Philip?�</p><p>Keine Antwort.</p><p>Nick dreht sich zur Heckscheibe und starrt die Stra�e hinunter. Jetzt ver�ndert sich auch sein Gesichtsausdruck. Er versteinert f�rmlich. Er sieht, was Philip sieht, und schweigt ebenfalls.</p><p>�Was ist hier eigentlich los?�, fragt Brian und lehnt sich nach vorne, um besser sehen zu k�nnen. Einen Augenblick lang kann er nur die vor ihm liegende, mit Tr�mmern �bers�te Avenue ausmachen. Aber schon bald muss er feststellen, dass er eine verw�stete Stadt vor Augen hat, die sich innerhalb von Sekundenbruchteilen wie ein gigantischer Organismus durch das Eindringen fremder Bakterien ver�ndert. Das, was Brian durch die get�nten Scheiben sieht, ist so grauenhaft, dass er zwar den Mund bewegt, aber keinen Ton herausbringt.</p><p>W�hrend dieses einen Augenblicks totaler Ohnmacht kehrt Brian Blake kurzfristig in Gedanken in seine Kindheit zur�ck. Der Wahnsinn dessen, was er sieht, packt ihn. Einmal nahm seine Mutter ihn und Philip mit zum Zirkus Barnum &amp; Bailey in Athens. Sie waren damals vielleicht zehn und dreizehn Jahre alt, und die Hochseilakte, die Tiger, die durch Reifen sprangen, die M�nner, die aus Kanonen durch die Luft geschossen wurden, die Akrobaten, die Zuckerwatte, die Elefanten, die Nebenvorstellungen, der Schwertschlucker, die menschliche Zielscheibe, die Feuerschlucker, die Frauen mit B�rten und der Schlangenbeschw�rer hatten es ihnen angetan. Doch das, woran sich Brians am besten erinnert und woran er auch jetzt wieder denken muss, ist das Auto mit den Clowns. An jenem Tag in Athens, mitten in der Vorstellung, fuhr ein merkw�rdig aussehendes Gef�hrt ins Zentrum der Manege. Es war eine Limousine mit bemalten Scheiben wie aus einem Trickfilm. Das Auto war tiefergelegt und mit einem Muster aus Leuchtfarben bemalt. Brian kann sich noch genau daran erinnern, wie er vor Lachen kaum an sich halten konnte, als sich die Clowns aus dem Auto k�mpften. Zuerst war es einfach nur lustig, doch dann musste er immer mehr staunen, bis es richtiggehend bizarr wurde. Denn es h�rte nicht auf. Immer wieder kam ein weiterer Clown aus dem Wagen. Sechs, acht, zehn, zwanzig, gro� und klein�� alle kletterten aus dem Auto, als ob es sich um einen speziellen Container f�r gefriergetrocknete Clowns handeln w�rde. Selbst als Dreizehnj�hriger war Brian v�llig gebannt, obwohl er wusste, dass es ein Trick sein musste�� wie eine Luke unter den S�gesp�nen, auf denen der Wagen geparkt war. Doch das spielte keine Rolle. Das Schauspiel, das sich ihm bot, faszinierte ihn unglaublich.</p><p>Genau das gleiche Ph�nomen�� oder zumindest eine perverse Kopie�� spielt sich jetzt erneut vor Brians Augen auf einer Stra�e mitten in der Innenstadt von Atlanta ab. Er starrt fassunglos auf die Szene und versucht vergebens, die richtigen Worte f�r den Horror zu finden, der sich vor ihren Augen abspielt.</p><p>�Dreh um, Philip.� Brians Stimme klingt selbst f�r ihn auffallend hohl, als er die Scharen der Untoten an jeder Ecke der Stadt aufwachen sieht. Wenn man die vorherige Horde auf ihrem Weg in die Stadt mit einer r�mischen Legion vergleichen konnte, dann war das hier ein ganzes Imperium.</p><p>So weit das Auge reicht, str�men Untote aus jedem Loch, jedem Geb�ude, hinter jedem Auto hervor�� aus Wracks, aus den Seitengassen, aus zerborstenen Schaufenstern, aus den marmornen Eing�ngen der Regierungsgeb�ude, hinter den d�nnen St�mmen ornamentaler B�umchen und aus den traurigen Resten zerbombter Stra�encaf�s. Man kann sie selbst in weiter Ferne erkennen, dort, wo die Stra�e im Schatten der Wolkenkratzer verschwindet. Ihre zerlumpten Silhouetten erinnern an einen riesigen Schwarm langsamer Insekten, die aufgeweckt wurden, weil man den Stein, unter dem sie lagen, wegnahm. Ihre gewaltige Anzahl scheint allen Regeln der Vernunft zu widersprechen.</p><p>�Nichts wie weg hier!�, presst Nick hervor.</p><p>Philip, stoisch und noch immer still, klammert sich weiterhin ans Lenkrad.</p><p>Nick wirft einen nerv�sen Blick nach hinten. �Wir m�ssen zur�ck!�</p><p>�Er hat recht, Philip�, sagt Brian und legt eine Hand auf Pennys Schulter.</p><p>�Was hast du vor?�, fragt Nick und sieht Philip an. �Warum drehst du nicht um?�</p><p>Brian starrt auf den Nacken seines Bruders. �Philip, das sind zu viele. Viel zu viele.�</p><p>�Um Gottes willen, wir sind im Arsch�� Wir sind im Arsch!�, stottert Nick, der von dem atemberaubenden Hindernis, das sich ihnen in den Weg stellt, wie gel�hmt wirkt. Die Untoten sind kaum einen halben H�userblock entfernt und scheinen wie die erste Welle eines Tsunamis zu sein. Es sind B�roangestellte, M�nner und Frauen, noch immer in Nadelstreifenanz�gen und Kost�men. Doch die Kleidung h�ngt nur noch in Fetzen von ihnen herab, als ob sie sich gegenseitig angebissen und durch Wagenschmiere gezogen h�tten. Sie stolpern umher wie seltsam aufgebrachte Schlafwandler.</p><p>Hinter ihnen dr�ngen sich einen H�userblock nach dem anderen unz�hlige weitere Zombies auf den B�rgersteigen und der Stra�e. Falls es Sto�zeiten in der H�lle gibt, dann k�nnen sie diesem Schauspiel ganz bestimmt nicht das Wasser reichen. Die dissonante Symphonie aus Jammern und St�hnen Hunderttausender Untoter, die durch die Entl�ftungsschlitze und Fenster des Escalade dringt, stellt Brian die Nackenhaare auf. Er lehnt sich nach vorne, um seinem Bruder vorsichtig auf die Schulter zu klopfen. �Philip, die Stadt ist verloren.�</p><p>�So ist es. Erledigt. Wir m�ssen sofort umdrehen�, dr�ngt Nick panisch.</p><p>�Einen Augenblick�, erkl�rt Philip mit kalter Stimme. �Wartet noch.�</p><p>�Philip, lass das�, ermahnt ihn Brian. �Die Stadt geh�rt den Zombies.�</p><p>�Ich habe gesagt, dass wir noch etwas warten!�</p><p>Brian starrt erneut auf den Nacken seines Bruders, und ihm l�uft es kalt den R�cken hinunter. Jetzt wei� er, was Philip vorhat. �Einen Augenblick� bedeutet nicht �Wartet mal kurz, w�hrend ich �berlege� oder �Mir kommt gleich die z�ndende Idee�.</p><p>Was Philip Blake mit �Einen Augenblick� meint, ist��</p><p>�Seid ihr alle angeschnallt?�, fragt Philip eher rhetorisch. Brian wird es erneut eiskalt.</p><p>�Philip, bitte���</p><p>Aber Philip h�rt nicht auf ihn, sondern tritt aufs Gaspedal. Der Escalade explodiert f�rmlich, als er losschie�t. Philip steuert schnurstracks auf den wimmelnden Mob zu. Brian verschl�gt es einen Moment lang die Sprache.</p><p>�PHILLY! NEIN!�</p><p>Nicks Schrei wird von Aufprallger�uschen �bert�nt. Als ob ein Riese unentwegt auf eine gewaltige Trommel schlagen w�rde, fegt der Escalade �ber den B�rgersteig und zerfetzt dabei mindestens drei Dutzend Untote in St�cke.</p><p>Gewebe und Blut regnen auf das Auto nieder.</p><p>Brian ist so geschockt, dass er sich auf den Boden wirft und gemeinsam mit Penny den Ort namens Weg aufsucht.</p><p>Die kleineren Zombies stellen kein gro�es Hindernis dar. Sie sind eher wie Schie�budenfiguren. Sie zerplatzen unter dem Gewicht der Reifen und hinterlassen lediglich eine Spur verwesender Innereien. Die Gr��eren aber prallen von den Kotfl�geln ab und fliegen durch die Luft, bis sie gegen Geb�ude klatschen und wie �berreife Fr�chte platzen.</p><p>Die Toten scheinen lernresistent zu sein. Selbst eine Motte flattert davon, sobald sie einmal der Flamme zu nahe gekommen ist. Aber dieser gewaltige Verband herumwandelnder Leichen in Atlanta hat offensichtlich nicht den geringsten Schimmer, warum man das gl�nzende schwarze Etwas, das auf sie zurast, nicht fressen kann�� das gleiche schwarze Etwas, das ihre Kumpanen Sekunden zuvor in Brei verwandelt hat. Sie kommen weiterhin und denken nicht einmal daran, innezuhalten oder die Richtung zu �ndern.</p><p>Philip ist �ber das Lenkrad gebeugt. Die Kn�chel wei� vor Anstrengung, bet�tigt er immer wieder die Scheibenwischer, damit die Windschutzscheibe nicht v�llig verschmutzt und er noch sehen kann, wohin er das Auto lenkt. Mit einer Geschwindigkeit zwischen f�nfzig und achtzig Kilometer die Stunde pfl�gt er den Weg zur Innenstadt frei.</p><p>Manchmal schl�gt er eine Schneise durch die dichte Menge, dass man meinen k�nnte, sie bef�nden sich in einem Wald voll blutender Fr�chte. Die herumfliegenden Arme und Finger gleichen �sten, die sich an den Seiten des Escalade verklemmen. Es gibt auch freie Stra�enabschnitte, auf denen der SUV lediglich einige wenige Zombies auf den B�rgersteigen oder am Rande der Stra�e trifft und Philip richtig Gas geben kann, w�hrend er von einer Seite zur anderen kurvt, um jeden Untoten mitzunehmen, den er kriegen kann. Dann kommt pl�tzlich wieder eine Wand aus Kreaturen auf sie zu. Das macht ihm am meisten Spa�, denn nur so fliegen die Fetzen so richtig.</p><p>Er f�hrt um eine Kurve und rast in eine neue Wand von Untoten, die auf den Wagen zustolpern.</p><p>Das Merkw�rdigste sind die sich wiederholenden Einschl�ge des gleichen Gewebes und der gleichen Organe. Manche sind zu erkennen, andere weniger. Eingeweide fliegen wahllos umher, landen auf der Windschutzscheibe und rutschen �ber die Motorhaube. Bruchst�cke von Z�hnen sammeln sich wiederholt in den Scheibenwischern, und etwas anderes, pinkfarbenes wie Fischrogen verf�ngt sich im Falz zwischen Kotfl�gel und Motorhaube.</p><p>Philip sieht ein totes Gesicht nach dem anderen. Jedes ist nur f�r den Bruchteil einer Sekunde sichtbar, ehe es dem n�chsten Platz macht. Er befindet sich jetzt in einer Zwischenzone�� irgendwo anders, aber nicht hier, nicht im SUV, nicht hinter dem Steuer, sondern mitten im Mob, in der Stadt der Untoten. Er arbeitet sich durch ihre Reihen, verschlingt Unmengen von Monstern. Was sie k�nnen, kann Philip schon lange. Er ist das schlimmste Monster von allen, und er wird es durch dieses Meer von Grauen schaffen, selbst wenn das gesamte Universum daran glauben muss.</p><p>Brian wei� genau, was passiert. Dazu muss er nicht erst die Augen �ffnen. Zehn qu�lende Minuten, nachdem sie angefangen haben, sich durch das Meer von Zombies zu k�mpfen�� immerhin dreiundzwanzig H�userblocks weiter��, ger�t der Escalade ins Schlingern.</p><p>Die Zentripetalkraft dr�ckt Brian noch tiefer zu Boden. Er schafft es erst wieder, sich aufzurichten und einen Blick �ber den Vordersitz zu wagen, als der SUV seitw�rts �ber unz�hlige Kadaver schlittert. Er hat keine Zeit, aufzuschreien, um die anderen zu warnen. Er kann sich und Penny lediglich so gut wie m�glich festhalten und auf den unweigerlichen Aufprall warten.</p><p>Der Wagen, die Reifen schmierig vor Blut und Gewebe, dreht sich einmal um sich selbst. Das Heck bef�rdert noch die letzten wandelnden Leichen in die H�lle. Drau�en rast die Stadt an ihnen vorbei. Philip rei�t am Lenkrad und versucht den Wagen unter Kontrolle zu bekommen, aber die Reifen schlingern auf einem Meer von Eingeweiden, Blut und glitschigen Organen.</p><p>Brian schreit erneut auf, ehe ihm die Luft im Hals stecken bleibt, als das Auto auf eine Schaufensterfront zuschlittert.</p><p>Im Augenblick vor dem Aufprall erkennt Brian eine Reihe geborstener Schaufenster�� Schaufensterpuppen ohne Per�cke, leere Schmuckvitrinen, durchtrennte elektrische Kabel, die aus dem Boden ragen, alles hinter scharfen Scherben, in denen noch der Sicherheitsdraht steckt. Doch alles ist wie hinter einem Schleier, denn der Wagen schlittert derart heftig, dass Brian nichts deutlich erkennen kann.</p><p>Dann kracht der Escalade mit der rechten Seite zuerst in ein Schaufenster.</p><p>Der Aufprall l�sst die Fensterscheibe in tausend St�cke bersten. F�r Brian bleibt die Zeit einen Moment lang stehen. Der L�rm des explodierenden Glases erinnert an eine Flutwelle, die auf einen Wellenbrecher trifft. Der Escalade durchtrennt die Gitterst�be und verschwindet seitlich in dem dunklen Schatten von Goldberg Fine Jewelry Center of Atlanta.</p><p>Verkaufstische und Vitrinen detonieren, und eine funkelnde, silberne Schicht breitet sich im ganzen Laden aus, w�hrend alle nach rechts geschleudert werden. Die Airbags des Escalade �ffnen sich bereits beim kleinsten Aufprall. Gro�e Ballons aus Nylon f�llen den Innenraum. Nick wird seitlich gegen den wei�en Stoff gedr�ckt. Philip knallt gegen Nick, w�hrend Penny mit voller Wucht gegen Brian geschleudert wird.</p><p>Der Escalade schlittert eine halbe Ewigkeit lang durch den leeren Laden.</p><p>Erst als er mit voller Wucht gegen einen tragenden Pfeiler in der Mitte des Gesch�fts prallt, kommt er zum Stehen. Die gesamte Mannschaft wird noch einmal mit voller Wucht in die Airbags gedr�ckt. Eine ganze Weile nach dem Aufschlag bewegt sich niemand.</p><p>Die Luft in dem Juwelierladen f�llt sich mit einer wei�en feinen Substanz, die auf sie herabschneit. Ein Knarzen unterbricht die laute Stille. Etwas scheint jeden Moment einzust�rzen. Brian wirft einen Blick durch die kaputte Heckscheibe auf die Ladenfront und entdeckt heruntergefallene Stahltr�ger, die das Loch versperren, wo einmal das Fenster war. Die Stra�e ist vor lauter Staub kaum auszumachen.</p><p>Philip dreht sich um, das Gesicht aschfahl und vor Panik ganz verzerrt. �Schatz? Schatz? Geht es dir gut? Sprich mit mir, Kleines. Wie geht es dir?�</p><p>Brian wendet sich Penny zu, die noch immer auf dem Boden liegt. Sie wirkt benebelt, als ob sie unter Schock stehen w�rde, scheint aber sonst keinen Schaden genommen zu haben. �Es geht ihr gut, Philip. Es geht ihr gut�, versichert Brian seinem Bruder und tastet ihren Kopf nach Blut oder sonstigen Verletzungen ab. Doch er findet nichts Beunruhigendes.</p><p>�Wie sieht es mit euch aus?� Philip schaut sich im dichten Staub um. Nur ein d�nner Sonnenstrahl erhellt den ansonsten d�steren Laden. In den sp�rlichen Lichtverh�ltnissen kann Brian die Gesichter der anderen gerade so ausmachen. Sie sind verschwitzt und vor Angst wie versteinert. Ihre Augen funkeln panisch.</p><p>Nick hebt den Daumen. �Alles klar.�</p><p>Brian erkl�rt, dass auch ihm nichts passiert sei.</p><p>Philip hat bereits die Fahrert�r ge�ffnet und k�mpft sich unter dem Airbag ins Freie hinaus. �Nehmt alles mit, was ihr tragen k�nnt�, befiehlt er. �Am wichtigsten sind Gewehre und Munition. Verstanden?�</p><p>Klar haben sie ihn verstanden. Jetzt klettern auch Brian und Nick aus dem Wagen. Innerhalb einer Minute bemerkt Brian eine Reihe von Dingen, von denen Philip die meisten anscheinend schon in Betracht gezogen hat. Es f�ngt mit der Ladenfront an.</p><p>Das St�hnen, �chzen und die Tausende von schlurfenden Schritten lassen Brian vermuten, dass die Zombie-Horde ihnen dicht auf den Fersen ist. Der Escalade hat einen Totalschaden, die Frontpartie ist zerquetscht, die Reifen sind geplatzt, und die gesamte Karosserie ist mit Blut, Gewebe und diversen Organen verschmiert.</p><p>Hinten im Laden ist ein Gang zu erkennen, dunkel, eng und mit Trockenbauplatten verkleidet. Vielleicht f�hrt er zu einem Ausgang. Zeit zum Sondieren haben sie nicht. Rasch packen sie ihre Taschen, Jacken und Waffen. Noch immer benommen von dem Aufprall, vor Panik schwindlig, gr�n und blau von der Achterbahnfahrt im Escalade und mit einem hohen schrillen Ton in den Ohren schnappen sich Nick und Brian jeweils ein Gewehr, w�hrend Philip so viele Messer und �xte mitnimmt, wie er an seinem K�rper unterbringen kann. Dazu geh�ren selbstredend auch die beiden kleinen scharfen �xte, die er sich beidseitig in den G�rtel steckt, die Ruger und drei Extramagazine.</p><p>�Los, Kleine. Wir m�ssen weiter�, fordert Brian Penny auf, aber das Kind macht einen lethargischen und verwirrten Eindruck. Er versucht, es aus dem demolierten Wagen zu zerren, doch es klammert sich an einen R�cksitz.</p><p>�Trag sie�, befiehlt Philip, der um die Ecke des SUV biegt.</p><p>�Los, Kindchen, du darfst auf meinen R�cken. Wir spielen Huckepack�, lockt Brian das M�dchen.</p><p>Widerwillig l�sst Penny von dem Sitz ab und klettert aus dem Auto, sodass Brian sie hochnehmen und auf den R�cken hieven kann.</p><p>Die drei M�nner schleichen durch den Schmuckladen zum Gang.</p><p>Sie haben Gl�ck. Direkt hinter der Glast�r des B�ros im hinteren Teil des Gesch�fts treffen sie auf eine gesichtslose Metallt�r. Philip legt den Riegel um, �ffnet sie wenige Zentimeter und wagt einen Blick durch den Spalt. Der Mief ist unertr�glich�� ein schmieriger Gestank, der Brian an einen Schulausflug zum Turner-Viehhof in der N�he von Ashburn erinnert. Der Geruch im Schlachthof war damals genauso penetrant wie der, welcher ihm jetzt in die Nase steigt. Philip signalisiert den anderen innezuhalten.</p><p>Brian kann �ber Philips Schulter hinweg eine lange, dunkle Gasse ausmachen, die voll von �berquellenden M�llcontainern ist. Was ihm am meisten ins Auge sticht, ist jedoch der Inhalt der Container: Bleiche menschliche Arme sowie abgerissene und eiternde Beine h�ngen �ber die Seiten, verfilzte Haare lugen hier und da hervor, und unter jedem Container schimmert eine Lache dicken, getrockneten Bluts.</p><p>Philip hat bereits einen Plan. �Ihr folgt mir und macht genau das, was ich euch sage.� Er entsichert seine Waffe. Jetzt sind acht Zweiundzwanziger-Kaliber-Kugeln bereit, durch die Luft zu tanzen. Dann tritt er hinaus.</p><p>Sie folgen ihm.</p><p>So leise und schnell wie m�glich eilen sie durch den Gestank und die �berreste eines weiteren Gemetzels die Gasse entlang zu einer Seitenstra�e. Mit der Tasche auf einer Schulter und dem M�dchen auf dem R�cken, hastet Brian zwischen Nick und Philip in Richtung Licht. Pennys drei�ig Kilo haben sich noch nie so schwer angef�hlt wie jetzt. Nick, der hinter ihm die Nachhut bildet, h�lt sein Marlin-Gewehr in den Armen. Brian hat sich seine Flinte zwischen Tasche und R�cken geklemmt; nicht, dass er �berhaupt w�sste, wie er sie gebrauchen sollte.</p><p>Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zur Seitenstra�e. Sie sind kurz davor, aus dieser schrecklichen Gasse zu entfliehen, als Philip aus Versehen auf eine menschliche Hand tritt, die unter einem der M�llcontainer liegt.</p><p>Die Hand, die an einem Zombie h�ngt, der noch nicht ganz am Ende ist, verschwindet augenblicklich unter dem Container. Philip zuckt vor Schreck zusammen.</p><p>�MANN!�, entf�hrt es Nick, als die Hand erneut erscheint und Philip am Fu�gelenk packt und daran rei�t.</p><p>Philip f�llt der L�nge nach zu Boden. Die Pistole entgleitet ihm und schlittert au�er Reichweite.</p><p>Der tote Mann�� ein aschfahler, b�rtiger Obdachloser in blutbesudelten Lumpen�� kriecht auf Philip mit der Geschwindigkeit einer riesigen Spinne zu.</p><p>Philip streckt sich nach der Pistole, w�hrend die anderen krampfhaft mit ihren Waffen herumfuchteln. Brian fasst nach seiner Flinte und versucht dabei, Penny nicht zu verlieren, w�hrend Nick sein Marlin-Gewehr entsichert.</p><p>Das tote Ding h�lt sich an Philips Fu�gelenk fest und �ffnet knarzend seinen Kiefer. Philip tastet panisch nach den �xten an seinem G�rtel.</p><p>Der Zombie will gerade in Philips Wade bei�en, als er am Hinterkopf von Nicks Gewehr zu Boden gedr�ckt wird.</p><p>Kurz darauf l�sst eine Kugel das Gehirn des Zombies explodieren, sodass die H�lfte seines Gesichts in die Luft fliegt. Das dr�hnende Echo des Schusses hallt in den Schluchten aus Glas und Stahl wider.</p><p>�Das ist schlecht�, meint Philip, rafft sich auf und zieht die Ruger heraus.</p><p>�Wieso?�, fragt Brian und r�ckt Penny zurecht.</p><p>�Du brauchst nur die Ohren aufzusperren�, entgegnet Philip trocken.</p><p>Sie lauschen. Tats�chlich �ndert sich auf einmal das tosende St�hnen und �chzen. Die Laute scheinen die Windrichtung gewechselt zu haben: Jetzt wandern die Untoten unaufhaltsam auf den Knall des Gewehrschusses zu.</p><p>�Nichts wie zur�ck!�, schl�gt Nick mit schriller Stimme vor. �Zur�ck zum Juwelier. Da gibt es doch garantiert ein Obergeschoss.�</p><p>�Zu sp�t�, erwidert Philip und kontrolliert seine Pistole. Er hat noch vier Runden Hohlspitzgeschosse im Magazin. Dazu kommen die drei Magazine mit je acht Kugeln in einer seiner Ges��taschen. �Ich wette, dass sie den Laden bereits von vorne gest�rmt haben.�</p><p>�Was k�nnen wir tun?�</p><p>Philip starrt Nick an und wendet sich an seinen Bruder: �Wie schnell, glaubst du, kannst du mit Penny rennen?�</p><p>Sie laufen los�� Philip voran, Brian hinter ihm her, Nick wieder als Nachhut. Sie laufen an eingest�rzten Ladenfronten und verkohlten, steifen Leichen auf Scheiterhaufen vorbei, die wahrscheinlich von unternehmungslustigen �berlebenden angesteckt worden waren.</p><p>Brian ist sich nicht sicher, aber er glaubt, dass Philip verzweifelt nach einem Ausweg sucht�� nach einer einigerma�en sauberen T�r, einer Feuerleiter, nach irgendetwas. Doch die immer h�ufiger auftauchenden Toten, die hinter jeder Stra�enecke auf sie lauern, lenken ihn ab.</p><p>Philip erschie�t den ersten aus einer Entfernung von f�nfzig Metern. Die Kugel durchdringt den Kopf, sodass der Mann wie ein Kartoffelsack zu Boden f�llt. Der zweite Zombie taucht �berraschend und in viel gr��erer N�he auf. Er stolpert aus einem dunklen Eingang. Philips erster Schuss verfehlt ihn, sodass er noch einmal abdr�cken muss. Mehr und mehr Horrorgestalten tauchen wie aus dem Nichts hinter Veranden oder aus zerst�rten Gesch�ften auf. Auch Nick nutzt sein Gewehr. Zwei Jahrzehnte Wildschweinjagd zeigen ihre Wirkung, und er bef�rdert mindestens ein Dutzend Zombies innerhalb von zwei H�userblocks ins Jenseits.</p><p>Die Sch�sse hallen durch die Stadt wie �berschallflugzeuge in der Stratosph�re.</p><p>Sie laufen um eine Ecke und eilen eine schmale Seitenstra�e hinunter, die mit Backsteinbauten im Fischgr�tenmuster ges�umt ist�� vielleicht eine Vorzeigestra�e, die noch aus den Zeiten vor dem amerikanischen B�rgerkrieg stammt, in der es hier einmal vor Kutschen und Pferden gewimmelt haben d�rfte. Doch jetzt sind die Wohn- und B�rogeb�ude mit Holzplanken vernagelt. Immerhin scheinen sie sich von den Zombiemassen zu entfernen. Mit jedem H�userblock, den sie zur�cklegen, treffen sie auf weniger Monster.</p><p>Dennoch haben sie das Gef�hl, in einer Falle zu stecken. Sie sp�ren, wie sie die Stadt umzingelt, sie auffrisst und durch ihren gl�sernen, st�hlernen Schlund herunterschluckt. Die Sonne hat mittlerweile ihren Zenit �berschritten, und die Schatten der Skyline werden immer l�nger.</p><p>In der Ferne, vielleicht einen oder zwei H�userblocks weg, entdeckt Philip etwas, das ihn instinktiv Schutz hinter einem heruntergerissenen Vordach suchen l�sst.</p><p>Die anderen kauern sich hinter ihn und dr�cken sich gegen das vernagelte Fenster einer ehemaligen Reinigung. Sie machen sich so klein wie m�glich und nutzen die Gelegenheiten, kurz etwas Luft zu holen.</p><p>Brian keucht vor Anstrengung. Die kleine Penny klammert sich wie ein halb d�sendes, traumatisiertes �ffchen an seinem Nacken fest. �Was ist los?�, will Brian wissen, als er bemerkt, wie Philip hinter dem Vordach hervorlugt, um genauer zu sehen, was in der Ferne vor sich geht.</p><p>�Ich spinne wohl�, erwidert Philip nach einer Weile.</p><p>�Wieso?�</p><p>�Das graue Geb�ude da vorne rechts�, meint er und weist mit dem Kopf nach Norden. �Seht ihr das? Ungef�hr zwei H�userblocks entfernt. K�nnt ihr den Eingang ausmachen?�</p><p>In der Ferne erhebt sich ein dreist�ckiges Wohngeb�ude �ber einer Reihe verfallener zweist�ckiger H�user�� ein Block aus kreidewei�em Stein und mit ausladenden Balkonen aus den Nachkriegsjahren. Es ist das gr��te Geb�ude weit und breit. Sein Dach ragt aus den Schatten der Stadt, wobei die fahle Sonne auf die Antennen und Schornsteine f�llt und diese in ein seltsames Licht taucht.</p><p>�Ich sehe es�, stammelt Brian fassungslos. Er balanciert noch immer Penny auf seinem R�cken, die sich an seinen Schultern festh�lt.</p><p>�Das ist keine Fata Morgana, Philly�, sagt Nick mit einer Spur von Ehrfurcht in der Stimme.</p><p>Sie starren auf die menschliche Gestalt in der Ferne. Sie ist zu weit weg, um zu sagen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, ob es ein Erwachsener oder ein Kind ist. Aber da ist jemand�� jemand, der ihnen zuwinkt.</p></section><section><title><p>Zehn</p></title><p>Vorsichtig n�hert sich Philip auf der gegen�berliegenden Stra�enseite, die Ruger entsichert, aber nicht auf die winkende Gestalt gerichtet. Die anderen folgen ihm im G�nsemarsch, angespannt und mit weit aufgerissenen Augen. Sie sind auf alles vorbereitet.</p><p>Die Frau auf der anderen Stra�enseite ruft ihnen mit ged�mpfter Stimme zu: �Beeilt euch! Schnell!�</p><p>Sie scheint um die drei�ig Jahre alt zu sein und hat lange blonde Haare, die sie in einem Pferdeschwanz straff nach hinten gek�mmt hat. Sie tr�gt Jeans und einen �bergro�en Strickpullover mit Zopfmuster, dessen urspr�ngliche Farbe vor Schmutz kaum noch auszumachen ist. Selbst aus dieser Distanz kann Philip die roten Blutflecken und Spritzer darauf erkennen, w�hrend die Frau sie zu sich winkt. In einer Hand h�lt sie eine kleinkalibrige Pistole, vielleicht eine Polizeiwaffe Kaliber achtunddrei�ig. Sie schwingt sie durch die Luft, als ob sie ein Flugzeug an seinen Platz weisen w�rde.</p><p>Philip wischt sich den Mund ab und �berlegt. Er wei� nicht, wie er die Frau einsch�tzen soll.</p><p>�Los!�, dr�ngt sie die Gruppe. �Ehe sie uns riechen!� Sie will, dass die Leute ihr ins Geb�ude folgen. Wahrscheinlich hat sie nicht vor, ihnen etwas anzutun. Aber so, wie sie mit der Pistole in der Luft herumfuchtelt, w�rde es Philip nicht wundern, wenn die Waffe �berhaupt nicht geladen w�re. Da erkl�rt sie: �Und wehe, wenn ein Bei�er euch hier hereinkommen sieht!�</p><p>Philip ist die Sache nicht ganz geheuer. Er h�lt inne, ehe er die Stra�e �berquert. �Wie viele seid ihr?�, ruft er der Frau leise zu.</p><p>Auf der gegen�berliegenden Stra�enseite seufzt die Frau genervt auf. �Heilige Schei�e! Wir bieten euch Essen und einen Zufluchtsort. Jetzt aber schnell!�</p><p>�Wie viele?�</p><p>�Verdammt! Willst du, dass wir euch helfen oder nicht?�</p><p>Philip umklammert den Griff seiner Pistole noch fester. �Erst will ich eine Antwort.�</p><p>Erneut seufzt sie auf. �Drei. Wir sind drei. Zufrieden? Jetzt ist wirklich eure letzte Chance. Ich gehe sonst allein wieder hinein, und dann wird es euch hier drau�en schlecht ergehen.� Sie hat den typisch schleppenden Akzent von Georgia, doch es ist auch klar, dass sie l�ngere Zeit in einer gro�en Stadt gelebt haben muss. Vielleicht sogar im Norden der Vereinigten Staaten.</p><p>Philip und Nick wechseln einen Blick. Das ferne Ger�usch der Zombies wird vom Wind zu ihnen getragen und k�ndet den bevorstehenden Ansturm der Monster deutlich an. Nerv�s r�ckt Brian Penny auf seinem R�cken zurecht und wirft einen Blick �ber die Schulter die Stra�e hinunter. Dann fixiert er seinen Bruder. �Was bleibt uns anderes �brig?�</p><p>�Er hat recht, Philly�, fl�stert Nick und schluckt seine Angst hinunter.</p><p>Erneut mustert Philip die Frau auf der anderen Stra�enseite. �Wie viele Frauen, wie viele M�nner?�</p><p>Ihre Antwort lautet: �Hast du einen Fragebogen zum Ausf�llen? Ich gehe jetzt rein. Viel Gl�ck. Das werdet ihr brauchen.�</p><p>�Warte!�</p><p>Philip nickt den anderen zu, und sie �berqueren gemeinsam die Stra�e.</p><p>�Habt ihr Zigaretten dabei?�, fragt die Frau, als sie in die Vorhalle des Geb�udes tritt, die T�r hinter ihnen zumacht und mithilfe eines behelfsm��igen Riegels sichert. �Zehn Zigarettenstummel, mehr gibt es hier nicht.�</p><p>Sie hat offenbar schon einiges mitgemacht. Ihr Kinn ist vernarbt, an den Wangen sind Bluterg�sse und Quetschungen zu sehen, und das eine Auge ist so blutunterlaufen, dass es eine leichte Blutung haben k�nnte. Aber hinter diesem heruntergekommenen �u�eren sieht Philip eine attraktive Frau mit kornblumenblauen Augen und einer Br�une, die man sonst nur von Farmerm�dchen kennt�� eine Art schlichte, wartungsarme Sch�nheit. Mit der trotzigen Neigung ihrer Kopfes und den �ppigen Kurven unter dem �bergro�en Pullover macht sie allerdings eher den Eindruck eines Vollblutweibs�� und mit Vollblutweibern legt man sich besser nicht an.</p><p>�Sorry, wir sind alle Nichtraucher�, erwidert Philip.</p><p>�Ihr seht so aus, als ob es euch da drau�en ganz sch�n durchgesch�ttelt h�tte�, sagt die Frau und f�hrt sie durch einen �bel riechenden Hausflur voller M�ll und mit achtzehn Briefk�sten und Klingeln an einer Seite. Brian setzt Penny ab. Das M�dchen wankt einen Moment lang, f�ngt sich aber. Der Gestank von Zombies und Schimmel h�ngt in der Luft. Das Geb�ude macht keinen sonderlich sicheren Eindruck.</p><p>Die junge Frau kniet sich vor Penny hin. �Du bist aber ein s��es M�dchen.�</p><p>Penny antwortet nicht, sondern starrt zu Boden.</p><p>Die Frau blickt zu Brian auf. �Geh�rt die zu dir?�</p><p>�Nein, zu mir�, antwortet Philip.</p><p>Die Frau streicht Penny eine schwarze, verfilzte Str�hne aus dem Gesicht. �Ich hei�e April, mein Kleines. Und wie hei�t du?�</p><p>�Penny.�</p><p>Pennys Stimme klingt so zittrig und ersch�pft, dass sie eher an das kl�gliche Miauen eines jungen K�tzchens erinnert. Die Frau l�chelt und legt Penny sanft eine Hand auf die Schulter, ehe sie sich aufrichtet und die M�nner anblickt. �Dann gehen wir besser mal hinein, ehe wir noch welche von diesen Monstern auf uns aufmerksam machen.� Sie geht zu einer Klingel mit einer Gegensprechanlage und dr�ckt auf den Knopf. �Dad, lass uns bitte rein.�</p><p>Es ert�nt ein Rauschen, dann eine Stimme. �Nicht so schnell, mein M�dchen.�</p><p>Philip packt April am Arm. �Ihr habt hier <emphasis>Strom</emphasis>?�</p><p>Sie sch�ttelt den Kopf. �Leider nein�� Die Gegensprechanlage funktioniert mit Batterien.� Sie dr�ckt erneut auf den Knopf. �Dad, nun mach schon.�</p><p>Wieder ein Rauschen, gefolgt von der Stimme: �Und wie sollen wir wissen, dass wir diesen Kerlen vertrauen k�nnen?�</p><p>Klick. �L�sst du uns jetzt hinein oder nicht?�</p><p>Rauschen. �Sag ihnen, dass sie ihre Gewehre und Waffen vorher abgeben m�ssen.�</p><p>Sie seufzt erneut und wendet sich an Philip, der den Kopf sch�ttelt und ihr einen Blick zuwirft, der so viel sagt wie: nie im Leben.</p><p>Klick. �Um Himmels willen, sie haben ein kleines M�dchen bei sich. Ich vertraue ihnen.�</p><p>Rauschen. �Und Hitler mochte Tiere�� Wir haben keine Ahnung, mit wem wir es hier zu tun haben.�</p><p>Klick. �Dad. Jetzt �ffne endlich die verdammte T�r!�</p><p>Rauschen. �Du hast selbst erlebt, was in Druid Hills passiert ist.�</p><p>April schl�gt mit der Faust auf den Knopf der Gegensprechanlage. �Das hier ist nicht Druid Hill! Und jetzt lass uns verdammt noch mal endlich rein, ehe wir hier Wurzeln schlagen!�</p><p>Es ert�nt ein metallenes Surren, das von einem lauten Klicken abgel�st wird, als das automatische Schloss der inneren Sicherheitst�r aufgeht. April f�hrt sie durch den Eingang in einen verstaubten, sauer riechenden Flur, von dem aus drei Wohnungst�ren abf�hren. Am Ende des Flurs ist eine Metallt�r, auf der das Wort TREPPE steht. Allerdings ist sie mehr oder weniger komplett mit Brettern vernagelt.</p><p>April klopft an der letzten T�r rechts�� Apartment 1C. Kurz darauf �ffnet eine schwergewichtigere, �ltere und gr�bere Version von April die T�r. �Ach, ist das ein s��es M�dchen! Wie reizend!�, verk�ndet die Frau, nachdem sie Penny ersp�ht hat, die Brians Hand h�lt. �Rein mit euch�� Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr es mich freut, endlich mal Leute zu treffen, die ihren Speichel im Mund halten k�nnen.�</p><p>Aprils Schwester, die sich als Tara vorstellt, ist mollig und etwas grobschl�chtig. Sie riecht nach Tabak und billigem Shampoo und tr�gt ein verschossenes hawaiianisches Blumenkleid, um ihre W�lste zu verh�llen. Ihr Dekollet� quillt wie Brotteig aus dem Stoff, und auf dem Ansatz einer Brust hat sie ein Tattoo von Woody Woodpecker. Sie besitzt die gleichen auffallenden Augen wie ihre j�ngere Schwester, hat diese aber stark mit Kajalstift und einem stahlblauen Lidschatten geschminkt. Ihre langen k�nstlichen Fingern�gel machen den Eindruck, als ob sie auch Dosen �ffnen k�nnten.</p><p>Philip betritt als Erster die Wohnung. In der Hand h�lt er noch immer die Ruger.</p><p>Die anderen folgen ihm.</p><p>Er bemerkt kaum das unordentliche Wohnzimmer mit den Kleidern, die �ber Stuhllehnen geworfen wurden, den ramponierten Taschen an einer Wand und den merkw�rdig geformten Instrumentenkoffern, die an einer Schiebet�r lehnen. Auch die kleine Kochnische mit den Kisten voller Dosen und Proviant und dem schmutzigen Geschirr in der Sp�le zu seiner Linken nimmt er fast nicht wahr. Selbst den Geruch nach abgestandenem Zigarettenrauch, muffigen Klamotten und altem Schwei� registriert er nur schwach.</p><p>Das Einzige, worauf er sich in diesem Augenblick konzentrieren kann, ist der Lauf eines Zw�lf-Kaliber-Gewehrs, der direkt auf ihn gerichtet ist.</p><p>�Keinen Schritt weiter�, sagt der alte Mann, der das Gewehr in H�nden h�lt und auf dem Schaukelstuhl an der gegen�berliegenden Wand sitzt. Er ist ein schlaksiger alter Kauz mit der gleichen Farmerbr�une wie seine T�chter und einem Gesicht, das wie aus Holz geschnitzt aussieht. Dazu kommen seine stahlgrauen Haare im kurzen B�rstenschnitt und klare blaue Augen. Der d�nne Schlauch einer Sauerstoffanlage verl�uft unter seiner Nase, und das dazugeh�rige Ger�t steht direkt neben ihm wie ein nicht von seiner Seite weichendes Haustier. Er passt kaum in die engen Jeans und das Flanellhemd, seine wei�en, haarigen Kn�chel lugen zwischen Schuhen und Hosenbein hervor.</p><p>Instinktiv hebt Philip seine Achtunddrei�iger und schaltet auf Kampfmodus. Er zielt auf den alten Mann und sagt: �Sir, da drau�en gibt es schon genug Probleme. Wollen wir uns wirklich hier drinnen noch mehr schaffen?�</p><p>Niemand r�hrt sich.</p><p>April schiebt Philip beiseite und stellt sich zwischen die beiden M�nner. �Jetzt habe ich genug, Dad. Runter mit der Flinte.�</p><p>Der alte Mann gibt seiner Tochter mit dem Lauf seines Gewehres zu verstehen, dass sie beiseitetreten soll. �Sei still, kleine G�re.�</p><p>April aber weicht keinen Millimeter zur�ck. Sie stemmt die H�nde in die H�ften und blickt ihren Vater w�tend an.</p><p>Auf einmal sagt Tara: �K�nnt ihr nicht alle eine Stufe runterfahren? Bitte!�</p><p>�Wo kommt ihr �berhaupt her?�, fragt der alte Mann, das Gewehr immer noch schussbereit auf Philip gerichtet.</p><p>�Aus Waynesboro, Georgia.�</p><p>�Noch nie geh�rt.�</p><p>�In Burke County.�</p><p>�Das ist ja beinahe schon South Carolina.�</p><p>�Yes, Sir.�</p><p>�Seid ihr auf Drogen? Speed? Crack?�� Sonst irgendwas?�</p><p>�Nein, Sir. Wie zum Teufel kommen Sie auf solche Schnapsideen?�</p><p>�Deine Augen, Junge. Die sehen so auf, als ob Speed durch deine Adern pumpen w�rde.�</p><p>�Ich nehme keine Drogen.�</p><p>�Und wie seid ihr auf die Idee verfallen, hierher nach Atlanta zu kommen?�</p><p>�Wir haben erfahren, dass es in Atlanta ein Fl�chtlingslager geben soll. Sieht aber nicht danach aus.�</p><p>�Da hast du recht�, meint der alte Mann.</p><p>April mischt sich ein. �H�rt sich so an, als ob wir etwas gemeinsam h�tten.�</p><p>Philip starrt weiterhin auf den alten Mann, spricht aber mit der Frau, als er sagt: �Und wieso?�</p><p>�Wir sind aus dem gleichen Grund in dieser gottverlassenen Wohnung gelandet�, erwidert sie. �Wir haben auch nach diesem Fl�chtlingslager gesucht, von dem alle geredet haben.�</p><p>Philip starrt auf den Lauf des Gewehrs. �Tja, selbst die besten Pl�ne���</p><p>�Genauso sieht es aus�, stimmt der alte Mann zu. Philip kann jetzt das leise Zischen des Sauerstoffs h�ren. �Ich nehme an, ihr habt nicht die leiseste Ahnung, was ihr uns gerade angetan habt?�</p><p>�Ich h�re.�</p><p>�Ihr habt die Bei�er aufgew�hlt. Bei Sonnenuntergang wird es da drau�en eine gottverdammte Tagung geben�� direkt vor unserer T�r.�</p><p>Philip zieht die Nase hoch. �Das tut mir leid. Aber wir hatten keine Alternative.�</p><p>Der alte Mann st�hnt. �Da wirst du wohl recht haben.�</p><p>�Ihre Tochter hat uns von der Stra�e geholt�� Wir haben keine b�sen Absichten�� Au�er, dass wir nicht gebissen werden wollen.�</p><p>�Tja, das ist verst�ndlich.�</p><p>Es folgt eine lange Pause. Alle warten. Die beiden Waffen senken sich langsam.</p><p>�Was ist das da?�, fragt Philip und weist mit dem Kopf auf die vielen Instrumentenkoffer, die �berall herumliegen. Er hat die Pistole zwar noch immer auf den alten Mann gerichtet, aber das Adrenalin in seinen Venen ist abgeebbt. �Sind da Maschinengewehre drin?�</p><p>Der alte Mann kann ein freudloses Lachen nicht verkneifen. Er legt das Gewehr quer �ber den Scho�, sichert es, und die Anspannung verschwindet auf einmal aus seinem hageren Gesicht. Der Sauerstofftank pfeift weiter vor sich hin. �Mein Freund. Du blickst auf die Reste der einst weltber�hmten Chalmers Family Band�� Stars der B�hne, Leinwand und der Volksfeste im ganzen S�den der Vereinigten Staaten.� Er nimmt das Gewehr und lehnt es an die Wand neben sich. Er blickt Philip an. �Ich sollte mich wohl besser f�r die unfeine Begr��ung entschuldigen.� Er rappelt sich m�hsam hoch, und es dauert ein Weilchen, bis er ganz aufgerichtet ist. Irgendwie erinnert er an einen verdorrten Abraham Lincoln. �Ich hei�e David Chalmers. Mandoline und Gesang sowie Vater dieser beiden Lumpenkinder.�</p><p>Philip steckt seine Pistole in den G�rtel. �Philip Blake. Das ist mein Bruder Brian. Und das Mauerbl�mchen da dr�ben ist Nick Parsons. Vielen Dank, dass Sie uns vor den Horrorgestalten da drau�en gerettet haben.�</p><p>Die beiden M�nner sch�tteln einander die Hand, und die Anspannung im Zimmer verpufft.</p><p>Es stellt sich heraus, dass es urspr�nglich noch ein viertes Mitglied der Chalmers Family Band gab�� Mrs.�Chalmers��, eine beleibte kleine Frau aus Chattanooga, die bei Bluegrass und �lteren St�cken der Gruppe Sopran sang. Laut April war es Gl�ck im Ungl�ck, dass ihre Mutter vor f�nf Jahren an einer Lungenentz�ndung erkrankte und starb. Wenn sie dieses Desaster miterlebt h�tte, w�rde es ihr wohl das Herz gebrochen haben. Sie h�tte das Ganze als Apokalypse gedeutet und w�re wohl direkt vom Pier des Clark�s Hill Lake in die Fluten gesprungen.</p><p>So kam es, dass die Chalmers Family Band zu einem Trio wurde. Sie f�hrten weiterhin ihre St�cke auf und tourten haupts�chlich durch die drei anliegenden Staaten. Tara spielte Bass, April Gitarre und Daddy die Mandoline. Als alleinerziehender Vater hatte der sechzigj�hrige David keine Zeit, um auf dumme Gedanken zu kommen. Tara war eine Kifferin, und April hatte das Temperament und die Sturheit ihrer Mutter geerbt.</p><p>Als die Plage �ber das Land fegte, befanden sie sich gerade auf einem Bluegrass-Festival in Tennessee und fuhren in ihrem Camper zur�ck nach Hause, kamen aber nur bis zur Grenze nach Georgia, als auf einmal der Wagen streikte. Sie hatten Gl�ck und fanden eine Bahnstation in der N�he. Die Z�ge liefen noch zwischen Dalton und Atlanta. Das Dumme war nur, dass sie in der Southeastside ausstiegen, an der King-Memorial-Station, wo es mittlerweile von Untoten nur so wimmelte. Irgendwie schafften sie es, sich nach Norden durchzuschlagen, ohne dass man sie angriff. Nachts nahmen sie einen leer herumstehenden Wagen und suchten nach dem Fl�chtlingslager.</p><p>�Und so sind wir hier gelandet, in unserem kleinen, nicht gerade exklusiven Paradies�, erkl�rt April Philip mit leiser Stimme sp�tnachts. Sie sitzt auf dem abgenutzten Sofa, w�hrend Penny unter einem Berg von Decken unruhig neben ihr d�st. Philip h�rt April interessiert zu.</p><p>Auf dem Kaffeetisch brennen Kerzen. Nick und Brian haben es sich bereits auf dem Boden bequem gemacht und sind eingeschlafen, w�hrend das Schnarchen von David und Tara aus den angrenzenden Zimmern zu h�ren ist.</p><p>�Wir haben zu viel Angst, um oben im Haus nachzusehen, was es dort noch so gibt�, f�hrt April fort. Bedauern schwingt in ihrer Stimme mit. �Obwohl wir das alles gut gebrauchen k�nnten, ganz gleich, was wir finden�� ob Batterien, Konserven, was auch immer. Verdammt, ich w�rde meine linke Brust f�r etwas Toilettenpapier hergeben.�</p><p>�Das w�re dann wohl ein verdammt schlechter Tausch�� so ein Schmuckst�ck f�r etwas Papier�, kontert Philip mit einem L�cheln. Er sitzt barfu� in seinem schmutzigen T-Shirt und der Jeans am anderen Ende des Sofas, und er ist noch immer satt vom Abendessen�� Reis mit Bohnen. Der Proviant der Chalmers wird langsam knapp, aber sie haben noch immer einen f�nf Kilo schweren Sack Reis, den sie vor einer Woche aus einem Lebensmittelladen mitgenommen haben, und gen�gend Bohnen, damit niemand Hunger leiden muss. April hat gekocht. Das Essen war gar nicht schlecht. Danach drehte Tara ein paar Joints mit den letzten Kr�meln ihres Red Man Tabaks und gab reichlich Gras dazu. Philip nahm den einen oder anderen Zug, obwohl er sich schon vor Jahren geschworen hatte, das Zeug nicht mehr anzur�hren. Er vernahm dann Dinge in seinem Kopf, mit denen er nichts zu tun haben wollte. Jetzt aber f�hlt sich sein Kopf von dem Gras angenehm schwer an.</p><p>April l�chelt ihn an. �Tja, nun�� So nah und doch so fern.�</p><p>�Was?� Philip starrt sie an und hebt den Blick dann langsam Richtung Decke. �Ach ja�� Richtig.� Er hat die Ger�usche von oben auch geh�rt. Jetzt herrscht wieder Ruhe, aber das Schlurfen und die �chzenden B�den der �ber ihnen liegenden Wohnungen meldeten sich mit Unterbrechungen den ganzen Abend lang immer wieder. Sie waren da. Man konnte sie zwar nicht sehen, aber sie waren in unmittelbarer N�he. Die Tatsache, dass Philip die Ger�usche kaum noch beachtet, zeigt, dass ihn die Untoten und ihre Pr�senz kaum noch ber�hren. �Wie sieht es mit den anderen Wohnungen in dieser Etage aus?�</p><p>�Die haben wir bereits leer gegessen und jedes noch so kleine, brauchbare Teil mitgenommen.�</p><p>�Was ist in Druid Hills passiert?�, erkundigt er sich nach einer kurzen Pause.</p><p>April seufzt. �Man hat uns gesagt, dass es dort ein Fl�chtlingslager gibt. Gab es aber nicht.�</p><p>Philip sieht sie an. �Und?�</p><p>April zuckt mit den Schultern. �Wir sind dort angekommen und haben einen Haufen Leute getroffen, die sich bei einem Altmetallh�ndler verschanzt hatten. Leute wie wir. Sie hatten Angst und waren verwirrt. Wir haben versucht, mit ihnen zu reden, denn wir wollten, dass sie mit uns kommen. Zusammen sind wir stark und so.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Sie hatten wohl zu viel Angst, um mit uns zu kommen, wollten aber auch nicht bleiben.� April blickt zu Boden. Das Licht der flackernden Kerzen spielt in ihrem Gesicht. �Wir haben ein Auto gefunden, das noch funktionierte. Also sammelten wir etwas Proviant und machten uns auf. Doch dann h�rten wir Motorr�der, als wir losfuhren.�</p><p>�Motorr�der?�</p><p>Sie nickt und reibt sich die Augen. �Wir waren gerade mal eine Viertelmeile gefahren und kamen um diesen H�gel. Da h�rten wir Schreie in der Ferne. Als wir uns umdrehten und das Tal zur�ck zum Altmetallh�ndler blickten�� Ich wei� auch nicht. Das war wie aus Mad Max II�� Der Vollstrecker oder so �hnlich!�</p><p>�Wie denn?�</p><p>�Diese Motorradtypen haben alles verw�stet, ganze Familien wurden ausgerottet und wer wei�, was sie sonst noch angestellt haben. Das war kein sch�ner Anblick. Und das Komische daran ist: Es ist uns nicht nur nahegegangen, dass wir dem nur knapp entgingen. Ich glaube, das Schlimme war das Schuldgef�hl. Wir wollten zur�ck und helfen und gute Mitmenschen sein und so. Aber wir sind nicht umgekehrt.� Sie blickt Philip in die Augen. �Weil wir keine guten Mitmenschen sind. Von den Leuten hat niemand �berlebt.�</p><p>Philip betrachtet nachdenklich Penny. �Ich kann verstehen, warum dein Dad nicht entz�ckt von der Idee war, hier Untermieter zu haben.�</p><p>�Seitdem wir das mit dem Altmetallh�ndler durchmachten, ist er geradezu paranoid, sobald wir �berlebende treffen�� vielleicht schlimmer als den Bei�ern gegen�ber.�</p><p>�Bei�er�� So nennt ihr die immer. Wem ist das denn eingefallen?�</p><p>�Mein Dad hat das Wort das erste Mal benutzt. Und danach hat es sich so eingeb�rgert.�</p><p>�Finde ich gut.� Philip l�chelt sie erneut an. �Und ich mag deinen Vater. Er k�mmert sich, und ich kann es ihm nicht ankreiden, dass er skeptisch uns gegen�ber war. Er scheint ein harter Brocken zu sein, und das respektiere ich. Wir brauchen mehr von der Sorte.�</p><p>April seufzt. �Er ist nicht mehr so hart, wie er es fr�her einmal war. Leider.�</p><p>�Was hat er? Lungenkrebs?�</p><p>�Eine Lungenaufbl�hung.�</p><p>�H�rt sich nicht gut an�, meint Philip und bemerkt dann etwas, was ihn tief ins Herz trifft.</p><p>April Chalmers f�hrt mit der Hand �ber Pennys Schulter und streichelt sie beinahe abwesend, w�hrend das kleine M�dchen schl�ft. Es ist eine solch zarte und unerwartete Geste�� so nat�rlich��, dass sie Philip tief im Innersten ber�hrt und etwas weckt, das er schon fast vergessen hatte. Zuerst erkennt er das Gef�hl kaum wieder. Seine Verwirrung muss sich in seiner Miene widergespiegelt haben, denn April sieht ihn fragend an.</p><p>�Alles klar?�</p><p>�Ja�� Mir geht es gut.� Er f�hrt mit den Fingern �ber das Pflaster an seiner Schl�fe, wo er sich w�hrend der Autofahrt den Kopf angeschlagen hat. Die Chalmers holten ihren Verbandskasten hervor, und die Neuank�mmlinge wurden noch vor dem Abendessen medizinisch versorgt. �Wie w�re es?�, beginnt Philip. �Du legst dich jetzt hin, und morgen fr�h werden die Jungs und ich die oberen Stockwerke ausr�umen.�</p><p>Sie mustert ihn einen Moment lang, und es hat den Anschein, als ob sie sich fragt, ob sie ihm trauen kann oder nicht.</p><p>Am Tag darauf, kurz nach dem Fr�hst�ck, beweist Philip April, dass er seine Versprechen h�lt. Er ruft Nick zu sich, schnappt sich die Magazine f�r die Ruger und eine Schachtel Munition f�r eines der Marlin-Gewehre. Die beiden scharfen kleinen �xte steckt er in den G�rtel und reicht Nick vorsichtshalber einen Pickel f�r einen etwaigen Nahkampf.</p><p>Unter der T�r h�lt er noch einmal inne und kniet sich hin, um die Schuhe noch einmal zuzuschn�ren. Seine Stiefel sind so schmutzig von Blut, Gewebe und Schlamm, dass man meinen k�nnte, die schrecklichen Muster w�ren aus schwarzer und lilafarbener Seide aufgestickt.</p><p>�Passt auf�, mahnt der alte David Chalmers aus der Kochecke. Er sieht grau aus. Im fr�hen Morgenlicht macht er einen ausgelaugten Eindruck, w�hrend er sich auf den Metallrahmen lehnt, an dem sein Sauerstofftank befestigt ist. Aus dem Schlauch unter seiner Nase entweicht bei jedem Atemzug ein leiser Pfeifton. �Ihr habt keine Ahnung, was euch dort erwartet.�</p><p>�Keine Angst�, versichert Philip, steckt sein Jeanshemd in die Hose und holt noch einmal die �xte hervor, um sich zu vergewissern, dass sie locker aus dem G�rtel gleiten. Nick steht neben ihm, das Gewehr �ber die Schulter geworfen. Sein Gesichtsausdruck ist ausdruckslos�� eine Mischung aus grimmiger Entschlossenheit und Erwartung.</p><p>�Die meisten von ihnen werden im ersten Stock auf euch warten�, f�gt der alte Mann hinzu.</p><p>�Denen werden wir zeigen, wo es langgeht.�</p><p>�Haltet euch einfach den R�cken frei.�</p><p>�Werden wir�, erwidert Philip, richtet sich auf und r�ckt die �xte zurecht.</p><p>�Ich komme mit.�</p><p>Philip dreht sich um und sieht sich Brian mit einem sauberen T-Shirt gegen�ber. Es hat ein M.-Logo auf der Brust, der Stolz von Athens. Seine Miene ist finster und ebenfalls entschlossen. In den Armen h�lt er das andere Gewehr, als ob es ein lebendiges Tier w�re.</p><p>�Bist du dir sicher?�</p><p>�Klar.�</p><p>�Und was ist mit Penny?�</p><p>�Die Frauen passen auf sie auf.�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>�Komm schon�, dr�ngt Brian. �Ihr braucht noch ein paar Augen da oben. Ich mache mit.�</p><p>Philip �berlegt. Er l�sst seinen Blick durch das Wohnzimmer wandern und sieht seine Tochter, die im Schneidersitz auf dem Boden zwischen den beiden Chalmers-T�chtern sitzt. Sie sind beim Kartenspielen, die Karten sind alt und speckig, aber es ist das erste Mal seit langem, dass Philip Penny l�cheln sieht. Au�erdem ist sie richtig aktiv am Mitspielen. Philip wendet sich seinem Bruder zu, l�chelt ihn an und meint: �Also gut, einverstanden!�</p><p>Sie nehmen die Treppe am Ende des Flurs, denn die Lifte am anderen Ende des Gangs sind so tot wie die Zombies. Doch zuerst m�ssen sie die Bretter abrei�en, mit denen die Treppe vernagelt ist. Die Schl�ge und das Quietschen der N�gel scheinen die Zombies oben in den dunklen Zimmern aufzuwecken. Vor Anstrengung muss Philip einmal kurz furzen�� eine Erinnerung an Aprils Bohnengericht am Abend zuvor.</p><p>�Der reicht, um mehr Zombies auszul�schen als jedes Gewehr�, bemerkt Nick.</p><p>�Sehr witzig�, meint Philip und rei�t das letzte Brett von der Wand.</p><p>Die Treppe liegt d�ster vor ihnen. Philip meldet sich zu Wort: �Also, noch einmal. Ihr m�sst schnell sein. Die Kerle sind zwar glitschig, aber langsamer als ein St�ck Mist�� und d�mmer als unser guter Nick hier.�</p><p>�Ha, ha�, erwidert Nick und l�dt seine Waffe mit zwei Kugeln Kaliber zwanzig.</p><p>Oben angekommen, stehen sie vor einer Feuert�r, die zum Flur im ersten Stock f�hrt. Sie ist geschlossen. Brian f�ngt zu zittern an.</p><p>�Immer ruhig, Junge�, sagt Philip zu ihm, als er sieht, wie der Lauf des Gewehres durch die Luft schwingt. Er dr�ckt den Lauf beiseite und f�gt hinzu: �Pass auf, dass du nicht aus Versehen Nick oder mich mit einer Kugel begl�ckst.�</p><p>�Klar, wird gemacht�, antwortet Brian mit angestrengter Stimme, die seine Angst verr�t.</p><p>�Also dann, los�, ruft Philip. �Und immer entschlossen und schnell auf sie zugehen.�</p><p>Ein harter Tritt mit der Sohle seines Stiefels st��t die T�r auf.</p></section><section><title><p>Elf</p></title><p>F�r einen kurzen Augenblick stehen sie nur da, und ihre Herzen schlagen in einem Stakkato wie ein Hammerwerk. Au�er einigen herumfliegenden Schokoriegelverpackungen, leeren Cola- und Limoflaschen und einem Haufen Staub ist der Flur leer. Er ist genauso geschnitten wie der darunterliegende. Tr�bes Tageslicht dringt durch die in der gegen�berliegenden Wand eingelassenen Fenster und erhellt Staubm�use, die an den geschlossenen Wohnungst�ren entlanggeblasen werden. 2A, 2C und 2E liegen auf der einen, 2B, 2D und 2F auf der anderen Seite.</p><p>Nick fl�stert: �Die haben sich alle in ihren L�chern verkrochen.�</p><p>Philip nickt. �Scheint so schwierig, wie Fische aus einem Fass zu angeln.�</p><p>�Los, fangen wir an�, dr�ngt Brian nicht besonders �berzeugend. �Ich m�chte es hinter mich bringen.�</p><p>Philip wirft seinem Bruder einen Blick zu, ehe er sich zu Nick wendet: �Anscheinend ist Rambo unter uns.�</p><p>Sie schleichen zur ersten T�r auf der rechten Seite�� 2F�� und heben die Waffen. Philip entsichert seine Achtundrei�iger.</p><p>Dann tritt er die T�r ein.</p><p>Eine Stinkwolke schl�gt ihnen entgegen. Das ist das Erste, was sie bemerken: ein f�rchterlicher Gestank menschlicher Verwesung, Urin und Kot�� Zombiegestank�� k�mpfen um die Vorherrschaft mit anderen �blen Ger�chen wie ranzigem Essen und verschimmelten Badezimmerfliesen und Kleidung. Der Gestank ist so �berw�ltigend und unausstehlich, dass jeder der M�nner einen halben Schritt zur�ckweicht.</p><p>�Da bricht ja sogar das Jesuskind in Tr�nen aus�, w�rgt Nick hervor und wendet das Gesicht ab.</p><p>�Und? Stinkt mein Furz immer noch so schlimm?�, fragt Philip und bewegt sich vorsichtig auf die stinkenden Schatten in der Wohnung zu. Er hebt seine Pistole.</p><p>Nick und Brian folgen ihm, die Gewehre gez�ckt und mit weit aufgerissenen Augen, die angespannt gl�nzen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter entdecken sie vier Exemplare, die sich gerade auf dem Boden des verw�steten Wohnzimmers auszuruhen scheinen. Jedes von ihnen hockt in einer Ecke, lethargisch, fast wie gel�hmt. Beim Anblick der Neuank�mmlinge knurren sie tr�ge, sind aber zu d�mlich oder zu krank, um sich zu bewegen�� als ob sie sich an den Gedanken gew�hnt h�tten, f�r immer in diesem h�llischen Zustand zu verweilen. Sie scheinen sogar vergessen zu haben, wozu man M�bel hat. Im tr�ben Licht ist es schwer zu sagen, aber es sieht ganz so aus, als ob es sich um eine Familie handeln w�rde: Mutter, Vater und zwei beinahe erwachsene Kinder. An den W�nden gibt es Kratzspuren, die an ein abstraktes Gem�lde denken lassen�� ein Beweis, dass die Wesen doch irgendeinem Instinkt gefolgt sein m�ssen und versuchten, sich hier herauszukratzen.</p><p>Philip geht zu der ersten Gestalt, deren Augen schimmern, als sie den Lauf der Waffe erblicken. Der Knall kreiert im Handumdrehen einen gro�en Jackson Pollock auf der dahinterliegenden Wand. Der Zombie sackt zu Boden. In der Zwischenzeit hat sich Nick einen anderen vorgenommen, um auch ihn aus seinem Elend zu befreien. Der Widerhall des Jagdgewehrs klingt wie eine aufgeblasene Papiert�te, die man zerschl�gt. Das Gehirn verteilt sich �ber der Wand. Philip k�mmert sich bereits um den dritten Zombie, der sich langsam aufrafft, w�hrend sich Nick auf den vierten zubewegt und�� KNALL! Das Ger�usch der auf die W�nde spritzenden Fl�ssigkeit geht durch das Dr�hnen in ihren Ohren unter.</p><p>Brian steht zehn Schritte hinter ihnen, die Waffe erhoben. Doch sein Kampfgeist wird von einer Welle aus Ekel und �belkeit verdr�ngt. �Das hier�� Das ist nicht���, beginnt er, aber eine Bewegung zu seiner Linken l�sst ihn nicht zu Ende reden.</p><p>Der umherstreunende Zombie stolpert aus den Tiefen des Gangs auf Brian zu und wirft sich wie ein schrecklicher Clown mit schwarzer Per�cke und Augen aus Zuckerguss auf ihn. Ehe Brian die Chance hat, sich den Untoten genauer anzuschauen und festzustellen, ob es sich um eine weitere Tochter oder eine Freundin handelt, die sich da in einem zerfetzten Bademantel und mit einer entbl��ten Brust wie ein angebissenes Schnitzel auf ihn werfen will, wirft sich das Ding mit der Wucht eines American-Football-Spielers auf ihn.</p><p>Brian geht zu Boden. Alles passiert so schnell, dass weder Nick noch Philip die Chance haben einzugreifen. Sie sind einfach zu weit weg.</p><p>Der wandelnde Kadaver landet auf Brian, fletscht seine schwarzen, schmierigen Z�hne und �ffnet in dem winzigen Augenblick, ehe Brian merkt, dass er noch immer das Gewehr in H�nden h�lt, seinen Mund.</p><p>Brian wirft einen Blick in den f�rchterlichen Schlund der Kreatur�� ein nicht enden wollender schwarzer Schlauch, der direkt in die H�lle zu f�hren scheint��, ehe er instinktiv die Waffe hebt. Zuf�lligerweise endet der Lauf genau zwischen den Z�hnen des Monsters. Brian st��t einen lauten Entsetzensschrei aus, als er abdr�ckt.</p><p>Der hintere Teil des Sch�dels explodiert und schickt eine Wolke aus Blut und feuchtem Gewebe in die Luft. Brian liegt noch immer wie vom Blitz getroffen auf dem Boden. Die �berreste des Kopfes wurden vom Lauf der Flinte aufgespie�t. Brian blinzelt. Die silbrigen Augen der Tochter oder Freundin oder wer auch immer das gewesen sein mochte, fixieren Brian.</p><p>Er hustet und wendet sich ab, als der Kopf des M�dchens wie ein St�ck Fleisch auf einem Spie� den Lauf herunterrutscht. Die toten Augen starren ihn unentwegt an. Er sp�rt den kalten, feuchten Schleim ihrer Fratze an seinen H�nden und schaut weg. Er kann sich nicht bewegen. Sein rechter Zeigefinger ist noch immer um den Abzug gelegt, w�hrend die linke Hand am Schaft klebt. Unwillk�rlich schneidet er eine Grimasse.</p><p>Gel�chter bef�rdert ihn wieder in die Gegenwart. �Sieh mal an, wer da gerade seine Unschuld verloren hat�, spottet Philip Blake, der in einer Wolke aus Korditpulver �ber seinem Bruder steht und ihn freudlos angrinst.</p><p>Nick findet eine Luke zum Dach, und Philip kommt auf die Idee, s�mtliche Leichen dort zu verstauen, damit sie mit ihrem Gestank nicht noch alles schlimmer machen, als es sowieso schon ist.</p><p>Es dauert eine gute Stunde, bevor sie s�mtliche �berreste der Toten den Treppenaufgang zum zweiten Stock und die engen Stufen bis zur Feuert�r hinaufgeschleppt haben. Sie m�ssen das Schloss aufschie�en und arbeiten dann als Kette, indem einer die stinkenden Leichen erst den Flur entlang und ein anderer die zwei Treppen zum Dach hochzerrt. Eine lange Spur aus Ged�rmen und Blut bleibt auf dem rosa-gr�nen Teppich zur�ck.</p><p>Sie erwischen jede der Kreaturen�� insgesamt sind es vierzehn�� und verbrauchen dabei zwei Magazine Zweiundzwanziger-Kugeln und eine halbe Schachtel Munition f�r die Gewehre. Alle Leichen werden auf dem Dachboden deponiert.</p><p>�Schau dir das an�, bestaunt Nick ihr Werk, als er den letzten K�rper auf den Boden an der �stlichen Seite des Flachdachs legt, der mit Teerpappe abgedichtet ist. Der Wind f�hrt ihm in die Haare und l�sst seine Jeans flattern. Die �berreste sind wie gespaltenes Holz f�r den Kachelofen aufgereiht. Brian steht am anderen Ende und mustert einen Toten nach dem anderen mit einer merkw�rdig unerbittlichen Miene.</p><p>�Cool�, sagt Philip und geht zum Rand des Flachdachs.</p><p>Das Geb�ude ist so hoch, dass er die entfernten Bauten des exklusiven Stadtteils Buckhead, Peachtree Plaza und eine Reihe von gl�sernen Wolkenkratzern im Westen sehen kann. Die T�rme der Stadt ragen weit in den Himmel hinauf, seltsam teilnahmslos und stoisch dem Sonnenlicht trotzend, unber�hrt von der Apokalypse. Unten auf den Stra�en erkennt Philip die umherwandernden Zombies, die wie kaputte Spielzeugsoldaten dahinstolpern.</p><p>�Kein schlechter Blick. �berhaupt ganz nett hier�, sagt er, dreht sich um und inspiziert das �brige Dach. Es ist ein mit Kies gef�lltes Areal, auf dem sich die Antennen, Satellitensch�sseln, Schornsteine und Luftsch�chte f�r die Klimaanlagen befinden und das gro� genug ist, um eine Runde Touch-Football spielen zu k�nnen. Vergessene Gartenm�bel lehnen an einem Entl�ftungsschacht. �Schnappen wir uns einen Stuhl und machen eine Pause.�</p><p>Jeder nimmt einen Liegestuhl, dann machen sie es sich am Rand des Daches bequem.</p><p>�Ich k�nnte mich glatt daran gew�hnen�, sagt Nick und blickt auf die Skyline.</p><p>Philip sitzt neben ihm. �Meinst du das Dach oder �berhaupt an hier?�</p><p>�An alles.�</p><p>�Verstehe.�</p><p>�Wie schafft ihr das nur?�, fragt Brian, der hinter ihnen steht und noch immer dagegen ank�mpft, nicht die Nerven zu verlieren. Er will sich nicht setzen, sich nicht entspannen. Seine Begegnung mit dem aufgespie�ten Kopf l�sst ihn nicht zur Ruhe kommen.</p><p>�Was?�, will Philip wissen.</p><p>�Ich wei� nicht, das ganze T�ten und so. Und im n�chsten Augenblick tut ihr so, als ob���</p><p>Brian h�lt mitten im Satz inne, unf�hig, seine Gef�hle in Worte zu fassen. Philip dreht sich um und starrt seinen Bruder an. �Setz dich, Bri. Du hast dich da unten tapfer geschlagen.�</p><p>Brian zieht einen Stuhl heran, setzt sich und spielt mit seinen H�nden. Offensichtlich ist er mit sich selbst am K�mpfen. �Ich meine ja nur���</p><p>Aber er schafft es nicht, sich weiter zu artikulieren, und bricht erneut ab.</p><p>�Das hat nichts mit T�ten zu tun, Junge�, beginnt Philip. �Sobald du das verstanden hast, wird es dir garantiert besser gehen.�</p><p>�Was ist es sonst?�</p><p>Philip zuckt mit den Schultern. �Nick, wie w�rdest du es nennen?�</p><p>Nickt starrt immer noch auf die imposante Skyline. �Gottes Arbeit?�</p><p>Laut auflachend sagt Philip: �Ich habe eine Idee.�</p><p>Er steht auf und geht zu einem Leichnam; es handelt sich um einen kleineren Zombie.</p><p>�Sieh dir das an�, sagt er und zerrt die �berreste an den Rand des Daches.</p><p>Nick und Brian stehen auf und stellen sich neben ihn. Der stinkende Wind weht ihnen entgegen, als sie zehn Meter hinunter in die Tiefe blicken.</p><p>Philip st��t mit einem Fu� gegen die Leiche�� oder ist es ein Kadaver? Keiner wei� es so genau��, bis er hinunterf�llt.</p><p>Der Tote scheint in Zeitlupe zu st�rzen. Seine schlaffen Gliedma�en flattern wie gebrochene Fl�gel, ehe er auf dem B�rgersteig direkt vor ihrem Geb�ude aufkommt. Der Aufprall zerfetzt den K�rper wie eine �berreife Wassermelone, und er explodiert in einem pinkfarbenen Regen aus Ged�rmen, Gewebe und Blut.</p><p>Im Schlafzimmer im Parterre sitzt David Chalmers in seinem Unterhemd und Boxershorts und saugt an einem Inhalator, um gen�gend Ipratropiumbromid in seine Lunge zu bef�rdern, damit er nicht mehr so keuchen muss. Pl�tzlich vernimmt er Ger�usche, die hinter den verbarrikadierten Glast�ren herzukommen scheinen.</p><p>Sofort richten sich seine Nackenhaare auf. Er greift rasch nach seinen Klamotten und dem Atemschlauch, den er aber nur halb befestigen kann, sodass er ihm �ber den Mund herabh�ngt.</p><p>Er st�rmt so schnell aus dem Zimmer, wie ihn seine abgenutzten Knie tragen, und ersp�ht im Augenwinkel seine zwei T�chter und Penny, wie sie angsterf�llt auf der Schwelle zur K�che stehen. April und Tara wollten mit dem kleinen M�dchen Kekse backen�� sie hatten die letzten Reste Mehl und Zucker zusammengesucht��, aber jetzt stehen die drei da und starren in Richtung der Ger�uschquelle.</p><p>David humpelt zu den Schiebet�ren hin�ber, die mit Gitterst�ben, Sicherheitsglas und Brettern vor Eindringlingen gesch�tzt sind.</p><p>Er findet einen schmalen Spalt in den Sperrholzbrettern und kann durch die �ste skelettartiger B�ume gerade noch die andere Seite des Innenhofs und ein St�ck der dahinterliegenden Stra�e ausmachen, die parallel zur Geb�udefront verl�uft.</p><p>Eine Leiche regnet vom Himmel herab, als ob sie von Gott h�chstpers�nlich heruntergeworfen worden w�re. Als sie aufkommt, macht sie ein feuchtes, schmatzendes Ger�usch, das wie ein zerberstender Wasserballon klingt. Aber das ist nicht der Grund, warum David Chalmers so au�er sich ist. Das sind nicht die Ger�usche, die in der kleinen Wohnung hin und her hallen und in Wellen wie eine ferne Symphonie erklingen.</p><p>�Ach du lieber Gott�, murmelt er keuchend und dreht sich so schnell um, dass er beinahe �ber das Metallgestell f�llt, das er immer mit sich tr�gt.</p><p>Dann zieht er es so rasch wie m�glich hinter sich her zur T�r.</p><p>Auf dem Dach machen Philip und Nick eine kleine Pause, nachdem der f�nfte Zombie �ber die Kante gegangen ist.</p><p>Vor Anstrengung nach Luft schnappend und mit einem morbiden Sinn von Humor meint Philip: �Die platzen so richtig gut, findest du nicht?�</p><p>Nick versucht erfolglos, nicht zu lachen. �Mann, das ist zwar krank, aber irgendwie f�hlt es sich gut an.�</p><p>�Wo du recht hast, hast du recht.�</p><p>�Und was soll das?�, mischt sich Brian ein, der hinter den beiden steht.</p><p>�Was soll das, was soll das! Genau das ist es ja�� es soll rein gar nichts.�</p><p>�Ist das irgendwie Zen?�</p><p>�Es ist, was es ist.�</p><p>�Ich kapiere �berhaupt nichts mehr. Ich meine, ich verstehe nicht, was ihr damit erreichen wollt, indem ihr diese Toten vom Dach feuert.�</p><p>Philip dreht sich zu seinem Bruder um und wirft ihm einen pr�fenden Blick zu. �Mach dich locker, Junge. Du hast heute deine erste Troph�e geschossen. Es war zwar nicht sch�n, aber es hat geklappt. Wir lassen nur ein bisschen Dampf ab.�</p><p>Nick sieht etwas in der Ferne, das ihm bisher noch nicht aufgefallen ist. �He, schau dir das mal an���</p><p>�Ich meine ja nur�, unterbricht ihn Brian. �Wir m�ssen einen k�hlen Kopf bewahren.� Er hat die H�nde in den Hosentaschen und spielt nerv�s mit seinem Taschenmesser und ein paar M�nzen. �April und ihre Familie sind nett, Philip. Wir sollten uns dementsprechend benehmen.�</p><p>�Ja, Mom�, antwortet Philip mit einem kalten L�cheln.</p><p>�He, ihr beiden. Seht mal�� das Geb�ude da unten an der Ecke.�</p><p>Nick zeigt auf ein gro�es, h�ssliches Backsteinhaus an der nord�stlichen Ecke der n�chsten Kreuzung. Die Ecken sind schwarz von den Abgasen der Stadt, aber man kann noch die verblassten Buchstaben �ber den Schaufenstern ausmachen: DILLARD�S HOME FURNISHINGS.</p><p>Philip sieht Nick fragend an. �Und?�</p><p>�Die vordere Ecke�� da ist so ein Fu�g�ngerding.�</p><p>�Ein was?�</p><p>�So ein Laufgang, siehst du ihn nicht? Eine �berdachte Br�cke!�</p><p>Jetzt hat auch Philip sie entdeckt. Eine verschmutzte, glasverkleidete Br�cke, die das schr�g gegen�berliegende B�rogeb�ude mit Dillard�s erstem Stock verbindet. Die �berdachte Br�cke hat an beiden Enden T�ren und ist menschenleer. �Was hast du vor?�</p><p>�Wei� auch nicht.� Nick starrt auf die Fu�g�ngerbr�cke und �berlegt. �Vielleicht���</p><p>�Gentlemen!�, ert�nt die rauchige Stimme des alten Mannes auf einmal hinter ihnen.</p><p>Brian dreht sich um und sieht David Chalmers, der sich aus der Dachluke zw�ngt und hinkend auf sie zukommt. Seine Augen funkeln, und er zieht seinen Sauerstofftank hektisch hinter sich her. Brian geht auf ihn zu. �Mr.�Chalmers. Haben Sie sich allein den ganzen Weg hierherbem�ht?�</p><p>Der alte Mann schnauft schwer, als er n�her kommt. Sein keuchendes, rasselndes Atmen macht ihn fast unverst�ndlich. �Ich bin vielleicht krank, aber nicht hilflos�� Und du kannst mich ruhig David nennen. Ich habe gesehen, wie ihr die Stockwerke aufger�umt habt. Alles sch�n sauber. Daf�r danke ich euch�� wirklich.�</p><p>Philip und Nick drehen sich zu David Chalmers um. �Gibt es ein Problem?�, fragt Philip.</p><p>�Und was f�r eines!�, bejaht der alte Mann, und seine Augen funkeln vor Wut. �Was zum Teufel denkt ihr euch dabei, einfach die Toten hinunterzuschmei�en? Damit schneidet ihr euch doch nur euren Fluchtweg ab!�</p><p>�Was wollen Sie damit sagen?�</p><p>Der alte Mann grunzt frustriert. �Seid ihr taub oder was? K�nnt ihr das nicht h�ren?�</p><p>�Was h�ren?�</p><p>David schlurft bis zum Dachrand. ��berzeugt euch selbst.� Mit einem knochigen Finger deutet er auf zwei ferne Geb�ude. �Seht ihr jetzt, was ihr angestellt habt?�</p><p>Philip starrt Richtung Norden. Pl�tzlich trifft es ihn wie ein Schlag. Er hat schon eine ganze Viertelstunde lang dieses infernalische Ger�usch von tausendundeinem St�hnen geh�rt. Jetzt wei� er, warum. Legionen von Zombies ziehen auf sie zu, angezogen von dem L�rm und dem Spektakel, das er und Nick seit geraumer Zeit veranstaltet haben.</p><p>Noch sind sie zehn, vielleicht zwanzig H�userblocks entfernt. Aber sie kommen mit der Sicherheit eines Blutgerinnsels, das durch die Arterien gesp�lt wird. F�r einen Moment kann Philip die Augen nicht von dem grausamen Schauspiel abwenden.</p><p>Sie wanken aus allen Richtungen auf sie zu. Sie sickern aus den Schatten, erscheinen aus Gassen, verstopfen die Hauptverkehrswege, treffen und vermehren sich an jeder Kreuzung wie eine gewaltige Am�be, die an Gr��e und Kraft st�ndig zunimmt, unaufhaltsam durch die Pr�senz von Menschen in ihrer Mitte angelockt. Philip schafft es endlich, die Augen abzuwenden und klopft dem alten Mann auf die Schulter. �Unser Fehler, David�� Unser Fehler.�</p><p>Abends essen sie zusammen und geben sich M�he, alles ganz normal wirken zu lassen. Aber das nicht enden wollende Kratzen, das von drau�en ert�nt, t�tet jedes aufkommende Gespr�ch sofort wieder ab. Die Ger�usche sind ein andauernder Beweis ihrer Exilexistenz, der t�dlichen Gefahr, die auf der anderen Seite der Wand auf sie lauert, ihrer Isolation. Sie erz�hlen sich ihre Lebensgeschichten und versuchen, das Beste aus dem Abend zu machen. Doch die f�rchterlichen Ger�usche lassen niemanden wirklich entspannen.</p><p>Angesichts der Tatsache, dass es siebzehn weitere Wohnungen im Haus gibt, hatten sie sich eine gro�e Beute aus den oberen Stockwerken erhofft. Aber sie fanden lediglich Essen wie M�sli und Spaghetti, vielleicht ein halbes Dutzend Konservensuppen, einen Haufen alter Kr�cker und die eine oder andere Flasche billigen Wein.</p><p>Seit Wochen steht das Geb�ude leer, ist ohne Strom und von Untoten heimgesucht. Das Essen ist dementsprechend schon lange schlecht geworden. In den meisten K�hlschr�nken fanden sie Maden, und selbst Bettw�sche und Kleider waren von Schimmel befallen und stanken nach Zombies. Vielleicht hatten die Leute auch das N�tigste mitgenommen, als sie flohen. Vielleicht rafften sie Wasserflaschen, Batterien, Taschenlampen, Streichh�lzer und Waffen zusammen, um gewappnet zu sein�� f�r oder gegen was auch immer.</p><p>Doch die Medizinschr�nke sind nicht gepl�ndert. Tara hat im Handumdrehen eine Ansammlung aus Pillen und Tabletten zusammengesucht�� von Antidepressiva bis zu Aufputschmitteln, Blutdruckmitteln, Di�tpillen, Beta-Blockern, Beruhigungstabletten und Cholesterin-Blockern. Au�erdem st��t sie auf ein paar Flaschen Bronchodilatator, die genau das Richtige f�r ihren Vater sind. Philip am�siert es, wie Tara eine fadenscheinigen Ausrede nach der anderen entwickelt und sich um das Wohlbefinden der anderen besorgt gibt, obwohl er sich absolut sicher ist, dass Tara nur eines im Sinn hat: Sie sucht alles, was sie irgendwie high machen k�nnte. Aber kann man ihr das ankreiden? In der Situation, in der sie sich befinden, ist pharmazeutische Hilfe genauso gut oder schlecht wie alles andere.</p><p>Philip hat die Chalmers-Familie schon am zweiten Abend ins Herz geschlossen�� trotz des konstanten Dr�hnens, das von drau�en unentwegt an ihre Ohren dringt. Er mag sie einfach. Er mag ihren Stil, der unkompliziert und bodenst�ndig wie er ist. Er mag ihren Mut, und au�erdem gef�llt es ihm, andere �berlebende um sich zu haben. Auch Nick scheint neue Kraft getankt zu haben, und Penny spricht sogar. Das erste Mal seit Wochen sind ihre Augen wieder klar. Die Gegenwart von zwei Frauen tut seiner Tochter gut�� soweit Philip das beurteilen kann.</p><p>Selbst Brian, dessen Erk�ltung so gut wie �berstanden ist, scheint st�rker und selbstbewusster zu sein. Philip glaubt zwar, dass er noch einen weiten Weg vor sich hat, aber die M�glichkeit einer Art Gemeinschaft, ganz gleich wie klein und provisorisch diese auch sein mag, st�rkt ihm offensichtlich ebenfalls den R�cken.</p><p>Am n�chsten Tag entwickeln sie rasch einen Plan. Philip und Nick beobachten die Zombies vom Dach des Geb�udes aus, w�hrend Brian die Schwachstellen im Parterre im Auge beh�lt�� die Fenster, die Notausg�nge, den Innenhof und den Eingangsbereich. Penny spielt mit den Chalmers-T�chtern, und David sitzt allein auf seinem Schaukelstuhl. Er k�mpft so gut er kann gegen seine Lungenerkrankung. Zwischen zwei Nickerchen nimmt er seinen Sauerstofftank und stattet den Neuank�mmlingen so oft wie m�glich einen Besuch ab.</p><p>Am Nachmittag macht sich Nick an einem behelfsm��igen Laufsteg zu schaffen, der sie vom Dach ihres Geb�udes zum n�chsten bringen soll. Er hat es sich in den Kopf gesetzt, dass sie sich auf diese Art bis zu der Fu�g�ngerbr�cke an der Kreuzung vorarbeiten k�nnen, ohne auch nur einen Fu� auf den Boden zu setzen. Philip h�lt das Ganze f�r eine Schnapsidee, hat aber nichts dagegen, dass Nick seine Zeit verschwendet.</p><p>Dieser ist fest davon �berzeugt, dass sein Plan ihren einzigen Ausweg, den Schl�ssel zum �berleben darstellt�� vor allem, da ihr Proviant nicht ewig reichen wird, wie jeder von ihnen genau wei�. Das spiegelt sich in jedem Gesicht wider, das einmal kurz in die K�che schaut. Au�erdem gibt es kein flie�endes Wasser mehr. Doch die Tatsache, dass sie ihre Ausscheidungen im Eimer vom Badezimmer zum Hinterzimmer tragen m�ssen, um sie dann in den Hinterhof zu werfen, st�rt sie allerdings noch am wenigsten. Viel schlimmer ist, dass ihnen langsam das Wasser ausgeht.</p><p>Nach dem Abendessen, kurz nach zwanzig Uhr, verstummt das Gespr�ch angesichts der unheimlichen Kratzger�usche, die von drau�en zu ihnen dringen. Pl�tzlich hat Philip eine Idee. �Warum spielt ihr nicht etwas f�r uns?�, schl�gt er vor. �Dann m�ssen wir uns wenigstens diesen L�rm von drau�en nicht mehr anh�ren.�</p><p>�He�, stimmt Brian mit ein. �Das ist eine Superidee!�</p><p>�Uns fehlt ein bisschen die �bung�, erkl�rt der alte Mann in seinem Schaukelstuhl. Er macht einen m�den, abgespannten Eindruck. Seine Krankheit macht ihm sichtbar zu schaffen. �Ehrlich gesagt haben wir kein Instrument mehr in H�nden gehabt, seitdem das alles hier angefangen hat.�</p><p>�Feigling�, spottet Tara, die es sich auf der Couch bequem gemacht hat und gerade etwas aus den letzten Tabakbr�seln, Samen und St�ngeln bastelt.</p><p>�Los, Daddy�, fordert April David auf. �Wir k�nnten �The Old Rugged Cross� versuchen.�</p><p>�Quatsch. Die wollen doch kein religi�ses Ges�lze h�ren. Insbesondere nicht jetzt.�</p><p>Tara hievt bereits ihren nicht unbetr�chtlichen K�rperumfang durch das Wohnzimmer zu dem Koffer, in dem sich ihr Bass befindet. In ihrem Mundwinkel steckt der behelfsm��ige Joint. �Daddy, sag, was wir spielen, und ich schaue, was ich auf dem Bass zusammenbekomme.�</p><p>�Ach, was soll�s? Kann ja nicht schaden�, meint David Chalmers schlie�lich und rappelt sich auf.</p><p>Die Chalmers holen ihre Instrumente aus den Koffern und stimmen sie. Als sie so weit sind, stellen sie sich nebeneinander auf. Sie wirken ungef�hr so entschlossen wie eine Einheit der Marines. April ist vorne an der Gitarre, w�hrend David und Tara seitlich etwas weiter hinten mit Bass und Mandoline stehen. Philip kann sich gut vorstellen, wie sie auf der B�hne der Grand Ole Opry stehen. Er sieht, wie Brian die Atmosph�re in sich aufsaugt und es sichtlich genie�t. Wenn sich Brian Blake mit etwas auskennt, dann mit Musik. Philip hat seinen Bruder schon immer wegen seiner Kenntnisse bewundert, und er ist sich sicher, dass er jetzt geradezu im siebten Himmel ist, da er endlich wieder Musik h�ren darf.</p><p>Die drei fangen zu spielen an.</p><p>Philip wird ganz ruhig.</p><p>Es kommt ihm so vor, als ob sein Herz pl�tzlich mit Helium gef�llt w�rde.</p><p>Es liegt nicht nur an der schlichten und unerwarteten Sch�nheit der Musik�� die erste Nummer ist ein wunderbarer irischer Volkstanz mit einer traurigen, kr�ftigen Bassstimme und einem energischen Gitarrenriff, der an einen hundert Jahre alten Leierkasten erinnert. Es ist auch nicht die s��e kleine Penny, die anscheinend von dem Lied ergriffen ist und mit einem v�llig vertr�umten Ausdruck auf dem Boden sitzt. Es hat auch nichts mit der einfachen, aber doch zarten Melodie zu tun, die angesichts der ganzen Schrecklichkeiten, die um sie herum passieren, Philip das Herz bricht. Nein, es ist der Augenblick, als April zu singen anf�ngt, in dem sich Philips Seele mit Honig f�llt:</p><p>There�s a shadow on my wall, but it don�t scare me at all</p><p><emphasis>I�m happy all night long in my dreams</emphasis></p><p>So klar wie eine Glasglocke, kein Ton sitzt falsch. Aprils spektakul�re, samtige Altstimme erf�llt das Wohnzimmer. Sie streichelt die Noten und verleiht dem Ganzen etwas beinahe Sakrales. Sie besitzt einen Touch Soul, eine Keckheit, die Philip an eine Kirchenchor-S�ngerin in einer Kapelle auf dem Land erinnert.</p><p>In my dreams, in my dreams</p><p><emphasis>I�m happy all night long in my dreams</emphasis></p><p><emphasis>I�m safe here in my bed, happy thoughts are in my head</emphasis></p><p><emphasis>And I�m happy all night long in my dreams</emphasis></p><p>Die Stimme ist die Antwort auf ein schmerzhaftes Verlangen in Philip�� etwas, das er seit Sarahs Tod nicht mehr erfahren hat. Pl�tzlich entwickelt er fast einen R�ntgenblick. W�hrend sie ihre Gitarre spielt und singt, bemerkt er auf einmal s�mtliche kleinen Einzelheiten bei April Chalmers, die ihm vorher nicht weiter auffielen. Zum ersten Mal sieht er ein kleines Kettchen um ihren Fu�kn�chel, das Tattoo einer kleinen Rose neben ihrem Ellenbogen und die blassen Rundungen ihrer Br�ste�� so wei� wie Perlmutt�� zwischen den Kn�pfen ihrer Bluse.</p><p>Das Lied ist zu Ende, und jeder im Zimmer applaudiert�� Philip am lautesten von allen.</p><p>Am n�chsten Morgen gibt es ein d�rftiges Fr�hst�ck aus altem M�sli und Trockenmilch. Philip sieht zu April hin�ber, die in der N�he der Eingangst�r ihre Wanderstiefel anzieht und die �rmel ihres Sweatshirts mit Klebeband zuklebt.</p><p>�Ich dachte, du m�chtest vielleicht noch einen zweiten�, meint Philip freundlich. Er h�lt in jeder Hand einen Becher mit Kaffee. �Ist zwar nur Pulverzeug, aber besser als nichts.� Er sieht, wie sie auch ihre Fesseln mit Klebeband umwickelt. �Was machst du da eigentlich?�</p><p>Sie blickt auf den Becher. �Hast du den Rest der F�nf-Liter-Flasche daf�r genommen?�</p><p>�Sieht ganz so aus.�</p><p>�Jetzt haben wir nur noch f�nf Liter f�r uns sieben. Das reicht nicht mehr lange.�</p><p>�Was hast du vor?�</p><p>�Mach jetzt bitte kein Theater.� Sie schlie�t den Rei�verschluss ihres Sweatshirts und zieht sich den Pferdeschwanz zurecht, ehe sie ihn in der Kapuze versteckt. �Das habe ich schon eine Weile geplant und will es alleine durchziehen.�</p><p>�Was?�</p><p>Sie �ffnet den in die Wand eingelassenen Kleiderschrank und holt einen Baseballschl�ger aus Metall hervor. �Den haben wir in einer der Wohnungen gefunden. Wir dachten uns, dass er irgendwann einmal n�tzlich sein w�rde.�</p><p>�April, was hast du vor?�</p><p>�Kennst du die Feuerleiter auf der S�dseite?�</p><p>�Du gehst da nicht alleine raus.�</p><p>�Ich schl�pfe aus der Wohnung 3F, steige die Leiter hinab und lenke die Bei�er vom Geb�ude fort.�</p><p>�Nein�� <emphasis>nein</emphasis>.�</p><p>�Nur lange genug, bis wir uns neuen Proviant organisieren k�nnen. Dann komme ich wieder.�</p><p>Philip sieht seine eigenen Holzf�llerstiefel bei der T�r stehen�� genau dort, wo er sie letzte Nacht ausgezogen hat. �Reich mir doch bitte mal die Stiefel�, fordert er sie auf. �Wenn du schon den Entschluss getroffen hast, will ich nicht dazwischenfunken. Aber auf eigene Faust machst du das auf gar keinen Fall.�</p></section><section><title><p>Zw�lf</p></title><p>Wieder einmal ist es der Gestank, der ihn beinahe umwirft, als er sich aus dem Fenster der Wohnung 3F lehnt�� ein nach Kupfer riechender Cocktail aus menschlichen Ausscheidungen, die langsam in schimmeligem Schinkenspeck angebraten werden, ein Geruch, der so widerlich ist, dass sich Philip konzentrieren muss, um bei Sinnen zu bleiben. Seine Augen beginnen zu tr�nen, als er sich durch den Spalt zw�ngt. An diesen Gestank wird er sich nie gew�hnen.</p><p>Er klettert auf den rostigen Absatz aus Gusseisen. Dreimal muss er die Treppe im Zickzack hinunter�� bei jeder Kurve wartet eine Standfl�che auf ihn��, ehe er in einer Seitenstra�e landet. Bereits beim ersten Schritt wackelt das gesamte Ger�st unter Philips Gewicht. Sein Magen macht einen Satz, als eine der Standfl�chen beinahe nachgibt. Hastig h�lt er sich am Gel�nder fest.</p><p>Das Wetter hat sich ver�ndert. Es ist jetzt trist und feucht. Der Himmel ist grau in grau, und der Nordostwind fegt durch die tiefen Stadtschluchten. Zum Gl�ck gibt es unten in der Seitenstra�e nur vereinzelte Bei�er, die an der s�dlichen Seite des Geb�udes herumirren. Philip blickt auf seine Armbanduhr.</p><p>In circa einer Minute und f�nfundvierzig Sekunden wird April ihr Leben aufs Spiel setzen. Mehr braucht Philip nicht, um sich zu fangen. Rasch klettert er die erste Treppe hinunter. Das wackelige Gestell �chzt unter seinem Gewicht und droht bei jedem Schritt zusammenzubrechen.</p><p>W�hrend des Abstiegs merkt er, wie sich die silbernen Augen der untoten Kreaturen unter ihm auf ihn richten. Das Klappern der Treppe hat sie aus ihrer Stumpfheit gerissen. Jetzt sind ihre primitiven Sinne auf ihn ausgerichtet, verfolgen ihn, riechen ihn, sp�ren die Vibrationen wie eine Spinne, die eine Fliege im Netz wei�. Dunkle Silhouetten, die er im �u�ersten Augenwinkel wahrnimmt, schlurfen langsam in seine Richtung. Immer mehr kommen um die Ecke des Haupteingangs zu ihm her�ber, um nachzusehen, was da vor sich geht.</p><p>Das wird lustig, denkt er, als er vorsichtig zu Boden gleitet, um rasch �ber die Stra�e zu rennen. F�nfundsechzig Sekunden. Der Plan lautet, so schnell wie m�glich alles �ber die B�hne zu bringen. Philip schleicht sich geschmeidig an den vernagelten Schaufenstern vorbei. Als er an der �stlichen Ecke des Geb�udes ankommt, findet er einen zur�ckgelassenen Chevy Malibu mit einem Kennzeichen, das davon zeugt, dass er nicht in Georgia zugelassen wurde.</p><p>F�nfunddrei�ig Sekunden.</p><p>Als sich Philip neben den Malibu hinkniet und rasch seinen Rucksack abnimmt, h�rt er, wie die schlurfenden Schritte hinter ihm n�her kommen. Seine H�nde sind ruhig, als er die kleine benzingef�llte Colaflasche hervorholt. Das Benzin hat April im Keller des Hauses in einem Reservekanister gefunden.</p><p>F�nfundzwanzig Sekunden.</p><p>Er schraubt den Verschluss auf, steckt einen benzingetr�nkten Putzlappen hinein und stopft das Ganze in den Auspuff des Malibus. Der Lappen dient als Lunte und ragt gut zwanzig Zentimeter aus dem Rohr heraus. Er holt ein Feuerzeug hervor, entz�ndet es und h�lt es an den Stofflappen. Dann rennt er so schnell es geht in Deckung.</p><p>Zehn Sekunden.</p><p>Er schafft es �ber die Stra�e, dr�ngt sich an ein oder zwei Bei�ern vorbei und springt in eine d�stere Gasse hinter zwei M�llcontainer, ehe er die erste Explosion h�rt�� das war die Colaflasche im Auspuff��, gefolgt von einem zweiten, viel lauteren Knall.</p><p>Philip duckt sich und bleibt kauernd auf dem Boden. Die ganze Stra�e vibriert, und ein Feuerball steigt empor, der selbst die dunkelsten Ecken im gesamten Umkreis erhellt.</p><p>Genau nach Plan, denkt April, w�hrend sie im Schatten des Eingangsbereichs wartet. Die Ersch�tterung rei�t an der Glast�r. Die Gl�hbirne, die �ber ihr zerplatzt, schimmert wie das Stroboskoplicht eines unsichtbaren Fotografen. Sie schielt durch die untere H�lfte der verriegelten T�r und beobachtet eine Ver�nderung in den Scharen der Untoten. Wie die Wogen eines Meeres, die von der Anziehungskraft des Mondes hin und her bewegt werden, beginnen die Horden dem Licht und den Ger�uschen zu folgen. Die chaotische Masse trampelt langsam, aber stetig zur s�dlichen Seite des Geb�udes.</p><p>Silberpapier k�nnte einen Schwarm Spatzen kaum besser in den Bann ziehen als die beiden Explosionen die Bei�er. Kaum ist eine Minute vergangen, ist die Stra�e vor dem Haupteingang so gut wie leer gefegt.</p><p>April wappnet sich und holt tief Luft. Sie r�ckt noch einmal die Tasche auf ihrem R�cken zurecht und schlie�t die Augen. Ein rasches, stilles Sto�gebet sp�ter springt sie hoch, schiebt den Riegel beiseite und �ffnet vorsichtig die T�r.</p><p>Sie schleicht nach drau�en. Der Wind weht ihr um die Nase, und der Gestank l�sst sie beinahe w�rgen. Als sie �ber die Stra�e rennt, h�lt sie sich geduckt, um m�glichst keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.</p><p>Die pl�tzliche Reiz�berflutung�� der Gestank, die N�he der Horde um die Ecke und das wilde Pochen ihres Herzens�� droht einen Augenblick lang, sie abzulenken. In Windeseile k�mpft sie sich von einer d�steren Ladenfront zur anderen vor. Zum Gl�ck kennt sie sich hier einigerma�en aus und findet bald den Lebensmittelladen.</p><p>Wenn man es genau nimmt, brauchte April Chalmers elf Minuten und dreiunddrei�ig Sekunden, um sich durch die Eingangst�r zu zw�ngen, den verkommenen Laden zu betreten und alles N�tige zu erledigen. Nur elfeinhalb Minuten, um eineinhalb gro�e Taschen mit gen�gend Essen, Trinken und sonstigen Dingen zu f�llen, damit sie, ihre Familie und die Neuank�mmlinge wieder eine Weile Ruhe haben w�rden.</p><p>Aber f�r April Chalmers f�hlt es sich nicht wie elfeinhalb Minuten, sondern wie eine halbe Ewigkeit an.</p><p>Sie schnappt sich zehn Kilo Lebensmittel, zehn Liter gefiltertes Wasser, drei Schachteln rote Marlboros, Feuerzeuge, Beef-Jerky, Vitamintabletten, Hustensaft und Medikamente gegen Erk�ltung, antibakterielle Salben und sechs Rollen Klopapier. All das bef�rdert sie mit unglaublicher Geschwindigkeit in die bereitgestellten Taschen.</p><p>Das Ticken der Uhr begleitet sie st�ndig. Sie sp�rt es f�rmlich im Nacken. Schon bald wird sich die Stra�e wieder mit Kreaturen f�llen. Die Bei�er werden ihr garantiert den Weg abschneiden, wenn sie sich nicht innerhalb weniger Minuten auf den R�ckweg macht.</p><p>Philip verballert ein weiteres halbes Magazin seiner Kugeln, w�hrend er sich zur R�ckseite des Geb�udes zur�ckk�mpft. Der Gro�teil der Bei�er hat sich jetzt um die brennenden �berreste des Malibu versammelt. Sie gleichen einem Schwarm Insekten, der vom Licht angezogen wird. Philip r�umt den Weg zum Innenhof frei, indem er nur zweimal abdr�ckt. Der erste Schuss l�sst den Sch�del eines Zombies in einem Jogging-Anzug explodieren, sodass er wie eine Marionette, deren F�den abgeschnitten wurden, zu Boden st�rzt. Der zweite Schuss gr�bt eine Furche in den Kopf einer ehemaligen Obdachlosen. Ihre aufgedunsenen Augen flackern noch einmal auf, ehe auch sie leblos in sich zusammensackt.</p><p>Bevor die anderen Bei�er eine Chance haben, sich auf ihn zu st�rzen, springt er �ber den Zaun in den Innenhof und sprintet �ber das braune Gras.</p><p>Er klettert auf ein Vordach, von wo aus eine weitere Feuerleiter circa eineinhalb Meter �ber ihm an der wei� verputzten Mauer lockt. Philip greift nach einer Sprosse und klettert die Leiter hoch.</p><p>Pl�tzlich aber h�lt er inne. War der Plan vielleicht doch nicht so gut wie gedacht?</p><p>April befindet sich jetzt kurz vor dem kritischen Punkt ihrer Mission. Mittlerweile sind knapp zw�lf Minuten vergangen, seitdem sie aus der Haust�r geeilt ist, aber sie riskiert es trotzdem, noch einem anderen Laden einen Besuch abzustatten.</p><p>Einen halben H�userblock weiter s�dlich wartet ein Ace Hardware Store auf sie. Das Schaufenster ist wie alle anderen eingeschlagen und leer ger�umt, aber die Eisenst�be sind weit genug auseinandergebogen, sodass sich eine schmale Frau wie April hindurchzw�ngen kann. Kurz darauf steht sie in der d�steren Eisenwarenhandlung und schaut sich um.</p><p>Sie f�llt die zweite Tasche bis oben mit Wasserfiltern, um das Wasser der Toiletten und Sp�lk�sten reinigen und trinken zu k�nnen, einer Schachtel N�gel, denn die alten wurden f�r die Barrikaden verwendet, Filzstiften und gro�en Rollen Papier, f�r Schilder, um etwaige andere �berlebende auf sich aufmerksam zu machen, Gl�hbirnen, Batterien, einigen Flaschen Spiritus und drei kleinen Taschenlampen.</p><p>Als sie zur�ck in Richtung Schaufenster eilt�� die Taschen wiegen jetzt weit �ber zwanzig Kilo��, kommt sie an etwas vorbei, das auf dem Boden neben einigen Rollen Isoliermaterial liegt und nach einem Menschen aussieht.</p><p>April h�lt inne. Das tote M�dchen auf dem Boden hat nur ein Bein. Es ist zusammengekauert und lehnt mit dem R�cken an der Wand. Die Spuren aus Blut und Gewebe deuten darauf hin, dass sich das Gesch�pf bis hierher geschleppt hat. Die Untote ist nicht viel �lter als Penny. April kann sich nicht von ihr abwenden.</p><p>Ihr ist klar, dass sie sich so schnell wie m�glich auf den Weg machen muss. Aber sie vermag sich nicht von der erb�rmlichen, zerst�ckelten Leiche abzuwenden, die in ihrem eigenen Blut sitzt. Es kommt offensichtlich aus dem schwarzen Stumpen, der einmal ein Bein gewesen ist.</p><p>�Um Gottes willen! Ich kann es nicht�, fl�stert April. Sie ist sich nicht sicher, was sie damit eigentlich meint: die Kreatur erl�sen oder sie bis in alle Ewigkeit in dieser verlassenen Eisenwarenhandlung schmoren lassen.</p><p>April zieht den Baseballschl�ger aus dem G�rtel und stellt die Taschen ab. Vorsichtig n�hert sie sich dem M�dchen. Die Tote auf dem Boden bewegt sich kaum��</p><p>�Es tut mir leid�, fl�stert April und versenkt den Baseballschl�ger im Sch�del des M�dchens. Der Schlag wird von einem feuchten Ger�usch begleitet, das an brechendes Holz erinnert.</p><p>Der Zombie gleitet lautlos ganz zu Boden. April steht da, schlie�t f�r einen Moment die Augen und versucht, den Anblick aus ihrem Gehirn zu l�schen�� ein Anblick, der sie wahrscheinlich trotzdem f�r den Rest ihres Lebens verfolgen wird.</p><p>Zu sehen, wie der Schaft des Schl�gers ein klaffendes Loch in einen Sch�del rei�t, ist schlimm genug. Aber was April in dem kurzen, f�rchterlichen Augenblick mitbekam, bevor sie auf das Wesen einschlug, war noch schrecklicher: Entweder war es ein unbedeutendes Aufflattern bereits abgestorbener Nerven oder ein echtes Begreifen. Jedenfalls wandte sich das untote M�dchen in jenem Augenblick ab, als der Baseballschl�ger auf es niederzischte.</p><p>Ein Ger�usch aus dem vorderen Teil des Ladens rei�t April aus ihren �berlegungen. Rasch schultert sie die Taschen und eilt zum Ausgang. Doch sie kommt nicht weit. Abrupt h�lt sie inne, als sie bemerkt, dass ihr ein zweites M�dchen den Weg versperrt.</p><p>Es steht keine f�nf Meter vor April zwischen den demolierten Metallgittern und tr�gt das gleiche Kleid wie das Gesch�pf, das April gerade ins Jenseits bef�rdert hat.</p><p>Zuerst glaubt April ihren Augen kaum zu trauen. Handelt es sich vielleicht um den Geist des Zombies, den sie soeben erl�st hat? Verliert sie jetzt den Verstand? Aber als das zweite M�dchen schlurfend den Gang entlang auf sie zukommt und schwarzer Speichel �ber ihre aufgeplatzte Lippe l�uft, f�llt bei April der Groschen: <emphasis>Zwillinge</emphasis>�� dieses M�dchen hat noch beide Beine!</p><p>Eineiige Zwillinge.</p><p>�Na dann�, sagt April laut. Sie ist bereit, sich den Weg freizuk�mpfen.</p><p>Langsam geht sie, den Baseballschl�ger wieder in den H�nden, auf das kleine Monster zu und holt aus, als ein lauter Knall hinter dem Zwilling ert�nt. April blinzelt �berrascht.</p><p>Die Kugel schl�gt in eine �brig gebliebene Scheibe und zerschmettert den Sch�del des wandelnden toten Zwillings. April zuckt zusammen, als sie ein feuchter, schwarzer Nieselregen trifft, w�hrend das M�dchen in sich zusammensackt. April seufzt erleichtert auf.</p><p>Philip Blake steht vor dem Laden auf der leeren Stra�e und schiebt gerade ein neues Magazin in seine Ruger.</p><p>�Bist du das?�, fragt er leise.</p><p>�Ja, ich bin hier! Es geht mir gut!�</p><p>�Ich wei�, dass es nicht h�flich ist, eine Lady zu dr�ngen, aber sie kommen!�</p><p>April nimmt ihre gepl�nderten Sch�tze, steigt �ber die blutigen �berreste des M�dchens, die ihr den Weg versperren, und zw�ngt sich durch die Gitterst�be hinaus auf die Stra�e. Sofort begreift sie, in welcher Situation sie sich befinden: Eine Masse von Zombies kommt mit dem kollektiven Eifer einer ausgeflippten Gemeinde um die Ecke.</p><p>Philip nimmt April eine der Taschen ab, und beide rennen so schnell sie ihre Beine tragen zum Haus zur�ck.</p><p>Wenige Sekunden sp�ter stolpern bereits f�nfzig Bei�er von beiden Seiten auf sie zu.</p><p>Brian und Nick sp�hen durch das verst�rkte Glas der Eingangst�r und sehen, wie sich die Situation blitzschnell �ndert.</p><p>Horden von Zombies kommen jetzt von beiden Seiten die Stra�e herunter auf sie zu. Wohin sie auch immer verschwunden waren�� jetzt sind sie jedenfalls auf dem R�ckmarsch.</p><p>Mitten unter ihnen befinden sich zwei Menschen�� ein Mann und eine Frau, wie Balljungen bei einem perversen, surrealen Sport��, die mit Taschen auf dem R�cken auf das Haus zulaufen.</p><p>�Da sind sie!�, ruft Nick, der Philip und April inmitten der Menge ersp�ht.</p><p>�Gott sei Dank�, erwidert Brian und senkt sein Marlin-Gewehr. Er zittert wie Espenlaub. Hastig schiebt er die linke Hand in die Hosentasche und versucht, sich zu beruhigen. Er will nicht, dass sein Bruder ihn so sieht.</p><p>�Los, �ffnen wir die T�r�, dr�ngt Nick und stellt sein Gewehr in eine Ecke.</p><p>Er schafft es gerade noch rechtzeitig, denn Philip und April schie�en schon den B�rgersteig entlang�� mit einer Schar Bei�er dicht auf den Fersen. April schl�pft als Erste durch den Spalt. Das Adrenalin in ihren Adern l�sst sie am ganzen K�rper zittern.</p><p>Philip folgt ihr kurz darauf. Seine Augen funkeln wie bei einem Testosteron-Feuerwerk. �Unglaublich!�</p><p>Nick wirft die T�r ins Schloss. Drei Bei�er krachen gegen die St�be, die das Sicherheitsglas sch�tzen. Ihr schwarzer Speichel spritzt gegen die Scheibe. Dutzende von milchig wei�en Augen starren durch die T�r auf die Menschen dahinter. Tote Finger kratzen an dem Glas, w�hrend sich immer mehr Zombies zu ihnen gesellen.</p><p>Brian hat sein Gewehr l�ngst wieder in der Hand und richtet es auf die Kreaturen auf der Stra�e. Dann weicht er einen Schritt zur�ck. �Was geht hier vor sich? Wo seid ihr denn so lange gewesen?�</p><p>Nick f�hrt sie durch eine weitere T�r in den inneren Teil des Hauses. Endlich kann April ihre schwere Tasche abstellen. �Das war�� Verdammt! Das war knapp!�</p><p>Philip l�sst auch seine Tasche vom R�cken gleiten. �Frau, du hast echt Mumm! Beeindruckend.�</p><p>Nick tritt zu ihnen. �Was soll das, Philly? Ihr haut einfach ab, ohne jemandem zuvor Bescheid zu geben?�</p><p>�Das hat nichts mit mir zu tun, da musst du mit ihr reden�, antwortet Philip und schiebt die Ruger in den G�rtel.</p><p>�Wir haben uns solche Sorgen gemacht!�, emp�rt sich Nick. �Wir waren kurz davor, auf der Stra�e nach euch zu suchen! Tara ist v�llig au�er sich!�</p><p>�Das ist allein meine Schuld�, sagt April und wischt sich den Schmutz aus dem Nacken.</p><p>�Seht euch mal unsere Beute an, Mann!�, fordert Philip die anderen auf. Er zeigt auf die zwei Taschen zu Nicks F��en.</p><p>Nick hat die F�uste geballt. �Dann h�ren wir pl�tzlich eine verdammte Explosion! Was glaubt ihr, was wir uns dabei dachten? Habt ihr das verbrochen? Wart ihr das?�</p><p>Philip und April blicken einander an. Philip antwortet: �Tja, das haben wir zusammen ausgeheckt.�</p><p>April kann ein triumphierendes L�cheln nicht unterdr�cken, als Philip zu ihr geht und eine Hand hochhebt. �Wie w�r�s mit High-Five?�</p><p>Sie schl�gt ein. Nick und Brian starren die beiden ungl�ubig an.</p><p>Nick will gerade protestieren, als jemand aus dem Inneren des Geb�udes um die Ecke kommt.</p><p>�Um Gottes willen!� Tara steuert direkt auf ihre Schwester zu, um April voller Inbrunst an sich zu dr�cken. �Nein, nein, nein. Ich habe mich so was von aufgeregt! Gott sei Dank geht es dir gut! Gott sei Dank, Gott sei Dank!�</p><p>April t�tschelt ihrer Schwester beruhigend den R�cken. �Tut mir sehr leid, Tara. Das war einfach etwas, was ich machen musste.�</p><p>Tara l�sst ihre Schwester los. Ihre Miene wirkt jetzt w�tend. �Ich sollte dich windelweich schlagen. Ehrlich! Der Kleinen erz�hle ich, dass du nur schnell hochgegangen bist, aber jetzt ist sie genauso aus dem H�uschen wie ich! Was sollte ich tun? Das war verdammt dumm von dir, verdammt verantwortungslos! Aber von dir kann man wohl auch nichts anderes erwarten!�</p><p>�Was soll das hei�en?�, will April wissen. �Warum sagst du nicht einmal im Leben, was du wirklich meinst?�</p><p>�Dumme Kuh!� Tara ist drauf und dran, ihrer Schwester eine Ohrfeige zu verpassen, als sich Philip einmischt und zwischen die beiden stellt.</p><p>�Jetzt mal sachte!�, versucht er Tara zu beruhigen und legt ihr eine Hand auf die Schulter. �Eine Sekunde. Atme erst einmal durch, Schwester.� Philip weist mit dem Kopf auf die Taschen. �Ich zeige dir etwas, okay? Aber schrei mich nicht schon vorher an�� versprochen?�</p><p>Er kniet sich hin, �ffnet einen Rei�verschluss und zeigt den anderen, was alles in der Tasche ist.</p><p>Sie starren wortlos auf die Beute. Philip richtet sich wieder auf, blickt Tara in die Augen und sagt: �Die �dumme Kuh� dort hat uns heute das Leben gerettet�� jetzt haben wir wieder Wasser und Essen. Die �dumme Kuh� hat Kopf und Kragen riskiert und wusste nicht, ob ihr Plan aufgehen w�rde. Am wichtigsten war ihr, dass niemand sonst dabei in Gefahr ger�t. Du solltest dieser �dummen Kuh� die F��e k�ssen.�</p><p>Tara wendet den Blick von den Taschen ab und schaut zu Boden. �Wir haben uns nur Sorgen gemacht. Sonst nichts�, verteidigt sie sich mit schwacher Stimme.</p><p>Nick und Brian st�rzen sich bereits auf die Taschen und durchw�hlen die Beute. �Philly�, meldet sich Nick. �Eines muss ich euch lassen: Das war echt cool von euch!�</p><p>�Super! Einfach super!�, stammelt Brian fassungslos, w�hrend er das Toilettenpapier, das Beef-Jerky und die Wasserfilter betrachtet. Die Angespanntheit l�sst nach, die Wolken verschwinden, und jetzt ist auf jedem Gesicht ein breites L�cheln zu sehen.</p><p>Lange kann sich auch Tara nicht der Neugier erwehren. Sie wirft einen verstohlenen Blick auf die Taschen. �Sind da auch Zigaretten drin?�</p><p>�Hier ist was in der Richtung�, erwidert April, b�ckt sich und nimmt eine Packung mit Glimmst�ngeln. �Viel Spa� damit, du dumme Kuh!�</p><p>Sie l�chelt ihre Schwester an und wirft ihr die Schachtel zu.</p><p>Alle lachen.</p><p>Niemand sieht die kleine Gestalt, die hinter einer halb ge�ffneten T�r in die Eingangshalle schielt, bis Brian sie bemerkt. �Penny? Ist alles in Ordnung?�</p><p>Das kleine M�dchen st��t die T�r ganz auf und tritt heraus. Es tr�gt einen Schlafanzug, und sein niedliches Gesicht ist voller Ernst, als es sagt: �Der Mann da drinnen. Mr.�Chalmers. Der ist gerade hingefallen.�</p><p>Sie finden David Chalmers auf dem Boden des Schlafzimmers mitten zwischen unz�hligen Papiertaschent�chern und Medikamenten. Die Scherben einer zerbrochenen Flasche mit Aftershave liegen um seinen zitternden Kopf und lassen ihn aussehen, als ob er einen Heiligenschein h�tte.</p><p>�O Gott! <emphasis>Daddy</emphasis>!� Tara kniet sich neben den alten Mann und rei�t ihm den Sauerstoffschlauch von der Nase. Davids graues Gesicht hat jetzt eine gelbliche Farbe angenommen. Er keucht wie ein Fisch nach Luft, der auf Land versucht, Wasser zwischen die Kiemen zu bekommen.</p><p>�Er erstickt!� April eilt auf die andere Seite des Bettes und entwirrt den Schlauch des Sauerstofftanks, der vor dem Fenster auf dem Boden liegt. Der alte Mann hat ihn bei seinem Sturz vom Nachttisch gerissen.</p><p>�Daddy? Kannst du mich h�ren?� Tara gibt ihrem Vater in kurzen Abst�nden ein paar leichte Schl�ge auf die Wangen.</p><p>�Schau dir seine Zunge an!�</p><p>�Daddy? Daddy?�</p><p>�Tara, schau dir die Zunge an!� April st�rzt mit Tank und Schlauch zu Tara und ihrem Vater. Philip, Nick, Brian und Penny schauen dem Drama unter der T�r zu. Philip f�hlt sich machtlos. Er wei� nicht, ob er ins Zimmer treten oder stehen bleiben soll. Die beiden Frauen machen den Eindruck, als ob sie w�ssten, was sie tun.</p><p>Vorsichtig �ffnet Tara dem alten Mann den Mund und wirft einen Blick in seinen Rachen. �Alles in Ordnung.�</p><p>�Dad?� April kniet jetzt ebenfalls neben ihm und versucht, den Schlauch unter die Nase zu klemmen. �Daddy? Kann du mich h�ren? Daddy?�</p><p>David Chalmers keucht weiter, ohne ein Wort hervorzubringen. Seine Kehle knarzt schmerzhaft wie eine alte Schallplatte mit einem Sprung. Seine Augenlider�� alt und durchsichtig wie die Fl�gel einer Eintagsfliege�� fangen zu flattern an. Beinahe panisch tastet Tara seinen Nacken und Hinterkopf nach Verletzungen ab. �Keine Anzeichen von Blut�, verk�ndet sie. �Daddy?�</p><p>April legt eine Hand auf seine Stirn. �Eiskalt.�</p><p>�Ist der Sauerstoff an?�</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Daddy?� April dreht ihren Vater vorsichtig um, bis er mit dem Sauerstoffschlauch �ber der Oberlippe auf dem R�cken zu ruhen kommt. Dann verpasst sie ihm erneut ein paar leichte Ohrfeigen. �Daddy? Daddy, kannst du uns h�ren? Daddy?�</p><p>Der alte Mann hustet. Seine Augenlider flattern noch immer. Dann �ffnet er sie kurz und versucht, sich die Lunge mit Luft vollzusaugen, aber sein flacher Atem bleibt ihm im Hals stecken. Seine Augen sind nach hinten gerollt, und er scheint nur halb bei Bewusstsein zu sein.</p><p>�Daddy! Schau mich an!�, befiehlt April und dreht sein Gesicht vorsichtig zu sich. �Daddy, kannst du mich sehen?�</p><p>�Wir m�ssen ihn aufs Bett legen�, schl�gt Tara vor. �M�nner, k�nnt ihr uns helfen?�</p><p>Philip und Nick sind auf einer Seite, w�hrend Tara und Brian auf der anderen stehen. Sie z�hlen bis drei, heben dann David vorsichtig hoch und legen ihn aufs Bett. Die Federn �chzen unter seinem Gewicht, und der Sauerstoffschlauch verwickelt sich erneut.</p><p>Sofort entwirren Tara und April das Durcheinander und decken den alten Mann mit Decken zu. Nur noch sein aschfahles, eingesunkenes Gesicht lugt unter der Bettdecke hervor. Die Augen sind geschlossen, der Mund steht offen, und er atmet sto�weise. Sein Rasseln klingt wie ein alter Verbrennungsmotor, der nicht recht laufen will. Immer wieder flattern seine Lider, und in seinen Augen, wenn man sie sehen kann, ist ein leichter Schimmer zu erkennen. Die Lippen verziehen sich zu einer Grimasse. Schon entspannt sich sein Gesicht wieder, und er atmet weiter�� Mehr schlecht als recht.</p><p>Tara und April sitzen einander gegen�ber neben ihm und streicheln ihm die Wangen. Eine ganze Weile f�llt kein einziges Wort. Aber es ist dennoch klar, dass alle das Gleiche denken.</p><p>�Glaubst du, dass es ein Schlaganfall war?�, fragt Brian einige Minuten sp�ter neben der gl�sernen Schiebet�r.</p><p>�Ich wei� nicht. Ich wei� es nicht.� April l�uft nerv�s auf und ab und kaut unentwegt an ihren Fingern�geln, w�hrend die anderen hilflos herumsitzen und sie anschauen. Nur Tara ist noch im Zimmer bei ihrem Vater. �Ohne medizinische Versorgung hat er so oder so schlechte Chancen.�</p><p>�Ist so etwas das erste Mal passiert?�</p><p>�Er hatte schon mehrmals Probleme mit dem Atmen, aber so schlimm war es noch nie�, erkl�rt April. Sie bleibt stehen. �Verdammt, ich wusste, dass es einmal so weit kommen w�rde.� Sie wischt sich die Augen, die tr�nenfeucht sind. �Au�erdem ist das der letzte Sauerstofftank. Das war es dann.�</p><p>Philip erkundigt sich nach den Medikamenten.</p><p>�Klar haben wir seine Medizin. Aber die hilft ihm jetzt wenig. Er braucht einen Arzt. Der alte Dickkopf hat schon seinen letzten Termin vor einem Monat sausen lassen.�</p><p>�Und was haben wir so an Pillen und Arzneien?�, will Philip wissen.</p><p>�Keine Ahnung. Da ist ein Haufen Zeug aus den Wohnungen. Antihistamin und so.� April beginnt wieder, ihre Runden zu drehen. �Au�erdem gibt es ein paar Erste-Hilfe-K�sten. Toll. Das mit Dad ist ernst, und ich habe keine Ahnung, wie wir damit umgehen sollen.�</p><p>�Wir m�ssen Ruhe bewahren und �berlegen.� Philip f�hrt sich �ber den Mund. �Im Augenblick scheint er ruhig zu sein�� oder? Seine Atemwege sind frei. Man kann nie wissen, aber vielleicht�� Vielleicht erholt er sich ja einfach wieder.�</p><p>�Und was ist, wenn nicht?� April starrt ihn an.</p><p>Philip steht auf und geht zu ihr. �H�r zu. Wir m�ssen einen k�hlen Kopf behalten.� Er legt ihr eine Hand auf die Schulter. �Wir passen gut auf ihn auf. Uns wird schon etwas einfallen. Der ist hart im Nehmen, dein Dad.�</p><p>�Hart im Nehmen, aber am Sterben�, sagt April, und eine Tr�ne l�uft ihr �ber die Wange.</p><p>�Das wei�t du nicht�, versucht Philip sie zu beruhigen und wischt ihr die Tr�ne aus dem Gesicht.</p><p>Sie blickt ihn an. �Guter Versuch, Philip.�</p><p>�Ernsthaft.�</p><p>�Guter Versuch.� Sie wendet das Gesicht ab, und ihr niedergeschlagener Gesichtsausdruck dr�ckt ihre tiefe Verzweiflung aus. �Guter Versuch.�</p><p>Die gesamte Nacht �ber sitzen die Frauen am Bett ihres Vaters. Eine batteriebetriebene Lampe erhellt sein blasses Gesicht. Die Wohnung ist so eisig wie ein K�hlhaus, und April kann Taras Atem �ber das Bett hinweg sehen.</p><p>Der alte Mann liegt fast die ganze Zeit �ber bewegungslos da. Lediglich seine eingefallenen Wangen ziehen sich ab und zu beim Versuch zu atmen zusammen. Die grauen Bartstoppeln an seinem Kinn gleichen Metallsp�nen, die sich nach dem Magnetfeld richten. Immer wieder beginnen sich seine trockenen, aufgeplatzten Lippen ohne ersichtlichen Sinn zu bewegen. Will er etwas sagen? Au�er etwas trockener Puste kommt nichts heraus.</p><p>Am fr�hen Morgen merkt April, dass Tara eingenickt ist. Ihr Kopf liegt auf dem Bett. April nimmt eine Decke und legt sie vorsichtig �ber ihre Schwester. Dann h�rt sie eine Stimme.</p><p>�Lil?�</p><p>Sie kommt von dem alten Mann. Seine Augen sind noch immer geschlossen, aber sein Mund bewegt sich unentwegt. Er scheint w�tend, seine Miene ist zerfurcht. Lil war die Abk�rzung von Lilian, Dads verstorbener Ehefrau. April hat den Kosenamen seit Jahren nicht mehr geh�rt.</p><p>�Daddy? Ich bin�s, April�, fl�stert sie und legt eine Hand auf seine Wange. Er zuckt zusammen, die Augen noch immer geschlossen. Sein Mund ist verzerrt. Die Stimme lallt durch den Nervenschaden, der eine Seite seines Gesichts l�hmt.</p><p>�Lil, pfeif die Hunde rein! Da zieht ein Sturm auf�� ein gro�er Sturm. Er kommt mal wieder aus Nordosten!�</p><p>�Daddy! Wach auf�, fl�stert April leise. Ihr Herz krampft sich zusammen.</p><p>�Lil? Wo bist du?�</p><p>�Daddy?�</p><p>Schweigen.</p><p>�Daddy?�</p><p>Tara wacht auf, streckt sich und setzt sich gerade hin. Die gepresste Stimme ihres Vaters hat sie aus dem Schlaf gerissen. �Was ist los?�, fragt sie und reibt m�de die Augen.</p><p>�Daddy?�</p><p>Das Schweigen h�lt an, aber der alte Mann atmet jetzt viel schneller.</p><p>�Da���</p><p>Das Wort bleibt April im Mund stecken, als sie etwas F�rchterliches �ber das Gesicht ihres Vaters huschen sieht. Seine Augenlider �ffnen sich leicht, und die wei�en Aug�pfel lugen darunter hervor. Pl�tzlich spricht er mit einer erschreckend deutlichen Stimme: �Der Teufel hat etwas vor mit uns.�</p><p>In dem d�steren Schein der schwachen Lampe tauschen die beiden Schwestern �ngstliche Blicke aus.</p><p>Die Stimme, die aus dem K�rper von David Chalmers kommt, ist tief und rau. �Der Tag des J�ngsten Gerichts ist nah�� Der Misset�ter ist unter uns.�</p><p>Dann kehrt wieder Stille ein. Sein Kopf rollt zur Seite, als ob man die Nervenstr�nge zu seinem Gehirn pl�tzlich durchtrennt h�tte.</p><p>Tara f�hlt seinen Puls.</p><p>Sie schaut ihre Schwester an.</p><p>April mustert das Gesicht ihres Vaters. Seine Miene ist jetzt entspannt. Er sieht so aus, als ob er sich zuversichtlich einem ruhigen, tiefen und unendlich langen Schlaf hingeben w�rde.</p><p>P�nktlich bei Sonnenaufgang f�ngt Philip in seinem Schlafsack auf dem Boden des Wohnzimmers an, sich zu regen. Er setzt sich auf und massiert sein steifes Genick. Seine Gelenke sind von der Eisesk�lte wie eingerostet. Es dauert ein Weilchen, ehe sich seine Augen an das tr�be Licht gew�hnt haben und er sich orientiert. Er sieht Penny in Decken auf dem Sofa eingeh�llt. Sie schl�ft tief. Sein Blick schweift zu Nick und Brian auf dem Boden, ebenfalls in Decken gewickelt. Auch sie schlafen noch. Die Erinnerung der Totenwache am Abend zuvor dr�ngt sich ihm auf und der hoffnungslose Versuch, dem alten Mann zu helfen und gleichzeitig Aprils Bef�rchtungen zu zerstreuen.</p><p>Er blickt durch den Raum. In den Schatten des Flurs kann er die T�r zum Schlafzimmer ausmachen. Sie ist geschlossen.</p><p>Rasch klettert er aus dem Schlafsack und zieht sich hastig und leise an. Nachdem er die Hose �bergestreift hat, f�hrt er in die Stiefel. Dann streicht er die Haare zur�ck und geht in die K�che, um sich den Mund auszusp�len. Pl�tzlich ert�nt eine Stimme. Er folgt ihr zum Schlafzimmer und lauscht an der T�r. Es ist Tara, die vor sich hin murmelt.</p><p>Sie betet.</p><p>Philip klopft leise an.</p><p>Einen Augenblick sp�ter �ffnet sich die T�r. April steht vor ihm. Ihre Augen sind so verquollen, dass man sie kaum erkennen kann. �Guten Morgen�, begr��t sie ihn mit leiser Stimme.</p><p>�Wie geht es ihm?�</p><p>Ihre Lippen erbeben. �Er ist tot.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Er hat es hinter sich, Philip.�</p><p>Er starrt sie an. �O Gott��� Er schluckt. �Es tut mir leid, April.�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie f�ngt zu weinen an. Nach einem kurzen peinlichen Augenblick�� eine Welle widerspr�chlicher Gef�hle durchl�uft Philip�� nimmt er sie in die Arme. Er dr�ckt sie an sich und streichelt ihr den Hinterkopf. Sie zittert in seiner Umarmung wie ein verlorenes Kind. Philip wei� nicht, was er sagen soll. �ber ihre Schultern hinweg blickt er in das Schlafzimmer.</p><p>Tara Chalmers kniet am Totenbett und betet leise mit dem Kopf auf dem Betttuch vor sich hin. Sie hat eine Hand auf die kalten, knorrigen Finger ihres Vaters gelegt. Aus irgendeinem Grund f�llt es Philip schwer, die Augen von Tara zu l�sen, wie sie die blassen Finger des Toten streichelt.</p><p>�Sie l�sst nicht mit sich reden, sondern will bei ihrem Daddy bleiben.� April sitzt am K�chentisch und trinkt eine Tasse schwachen, lauwarmen Tee, den sie auf einem Brennspirituskocher gekocht hat. Seitdem sie aus dem Totenzimmer gekommen ist, sind ihre Augen zum ersten Mal wieder klar. �Das arme Ding�� Ich glaube, sie will ihn wieder lebendig beten.�</p><p>�F�r so etwas muss man sich nicht sch�men�, meint Philip. Er sitzt ihr gegen�ber. Eine halb gegessene Sch�ssel Reis steht vor ihm. Er hat keinen Appetit.</p><p>�Hast du schon dar�ber nachgedacht, was ihr jetzt tun wollt?�, erkundigt sich Brian, der vor der Sp�le steht und Wasser aus den Toiletten der oberen Stockwerke filtert.</p><p>Ab und zu kann man Nick und Penny h�ren, wie sie im Wohnzimmer Karten spielen.</p><p>April blickt Brian an. �Wie <emphasis>was</emphasis> tun?�</p><p>�Mit eurem Vater�� Du wei�t schon�� Begraben und so?�</p><p>April seufzt. �Du hast das Ganze doch schon hinter dir, oder?�, fragt sie Philip.</p><p>Philip starrt auf den Reis vor sich. Er hat keine Ahnung, ob sie damit auf Bobby Marsh oder Sarah Blake anspielt. Er hat ihr sowohl von seinem Freund als auch von seiner Frau erz�hlt. �Ja, das habe ich.� Dann erwidert er ihren Blick und f�gt hinzu: �Was auch immer ihr entscheidet, wir werden euch auf jeden Fall helfen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich werden wir ihn beerdigen.� Ihre Stimme klingt tonlos. Sie senkt die Augen und mustert den Boden. �Ich habe mir das nie so vorgestellt�� nicht an so einem Ort wie diesem.�</p><p>�Das schaffen wir schon�, versichert ihr Philip. �Wir machen das so, wie es sich geh�rt.�</p><p>April hat den Blick noch immer zu Boden gesenkt, und eine Tr�ne tropft in den Tee. �Ich hasse das alles.�</p><p>�Wir m�ssen zusammenhalten�, erkl�rt Philip ohne gro�en Enthusiasmus. Er sagt es nur, weil er nicht wei�, was er sonst sagen k�nnte.</p><p>April wischt sich das Gesicht ab. �Da gibt es ein Fleckchen Erde unter dem���</p><p>Aus dem Flur dringt ein lautes Ger�usch zu ihnen. Sie drehen sich um.</p><p>Ein ged�mpfter Schlag gefolgt von einem Knall�� das Umfallen von M�beln.</p><p>Philip schnellt hoch, ehe die anderen verstanden haben, dass der Krach aus dem Schlafzimmer kommt.</p></section><section><title><p>Dreizehn</p></title><p>Philip rei�t die T�r auf. Der Teppich steht in Flammen, und die rauchige Luft erzittert vor Gebr�ll. In der Dunkelheit kann Philip eine Bewegung ausmachen. Es scheint eine halbe Ewigkeit zu dauern, bis er wei�, was er in dem flackernden Halbschatten vor Augen hat.</p><p>Die Kommode, die diese Ger�usche verursacht hat, ist knapp neben Tara umgest�rzt. Diese liegt auf dem Boden und versucht verzweifelt, sich von dem eisernen Griff toter Finger um ihr Bein zu befreien.</p><p>Toter Finger?</p><p>F�r den Bruchteil einer Sekunde glaubt Philip, dass sich etwas durch das Fenster hereingeschlichen haben muss. Doch dann sieht er die verdorrte Gestalt von David Chalmers�� mittlerweile v�llig verwandelt�� auf dem Boden. Er krallt sich an Taras Bein. Mit seinen gelben Fingern�geln kratzt er Tara die Haut auf. Das eingefallene Gesicht des alten Mannes ist bleigrau, und seine Augen sind mit milchig wei�en Sprengseln �berzogen. Aus seiner Kehle dringen hungrig klingende Grunzlaute.</p><p>Tara gelingt es, sich freizuk�mpfen und aufzurichten, ehe sie mit dem R�cken gegen die Wand prallt.</p><p>Pl�tzlich geschehen mehrere Dinge gleichzeitig: Zuerst f�llt bei Philip der Groschen, was hier vor sich geht. Au�erdem merkt er, dass er seine Pisole in der K�che vergessen hat und dass ihm die Zeit davonl�uft, die Gefahr zu bannen.</p><p>Die Tatsache, dass es den netten alten Mandolinenspieler nicht mehr gibt, sondern dass dieses Ding, diese Masse toten Gewebes, einfach aufsteht, hungrig knurrt und nach seiner Tochter schnappt, ersch�ttert Philip zutiefst. Diese Kreatur ist eine Bedrohung. Schlimmer noch als die Flammen, die auf dem Teppich lodern, schlimmer als der Rauch, der bereits einen undurchdringlichen Nebel bildet, ist die Tatsache, dass eine solche Abscheulichkeit mitten unter ihnen weilt�� mitten in ihrem Zufluchtsort.</p><p>Es bringt sie alle in Gefahr.</p><p>Ehe Philip auch nur eine Hand heben kann, sto�en die anderen zu ihm und dr�ngen sich unter dem T�rrahmen zusammen. April st��t einen schmerzerf�llten Schrei aus. Es ist kein Kreischen, sondern Ausdruck ihrer Qual und Pein�� wie ein Tier, das angeschossen wurde. Sie will sich ins Schlafzimmer dr�ngen, aber Brian h�lt sie zur�ck. April windet sich verzweifelt und versucht, seinem Griff zu entkommen.</p><p>All das passiert innerhalb weniger Sekunden. In diesem Moment ersp�ht Philip den Baseballschl�ger.</p><p>In der Aufregung des Abends zuvor lie� April den von Hank Aaron signierten Metallschl�ger in einer Ecke neben dem vergitterten Fenster stehen, und so ist er jetzt keine vier Meter von Philip entfernt. Die lodernden Flammen spiegeln sich in seinem gl�nzenden Metall wider. Philip hat keine Zeit, seinen n�chsten Schritt zu �berdenken oder einen Plan zu schmieden. Jetzt muss er sich nur noch auf den Baseballschl�ger st�rzen.</p><p>Nick rennt ins Wohnzimmer und holt sein Gewehr. Brian versucht noch immer, April festzuhalten und tut sein Bestes, sie aus dem Schlafzimmer zu zerren. Aber sie ist stark und au�er sich. Sie hat zu schreien begonnen.</p><p>Einen Sekundenbruchteil sp�ter h�lt Philip den Baseballschl�ger in der Hand. Doch in der Zwischenzeit hat sich das Ding, das einmal David Chalmers gewesen war, auf Tara gest�rzt. Ehe sich die gewichtige Frau orientieren und fl�chten kann, ist der Untote auf ihr.</p><p>Kalte, graue Finger bearbeiten unbeholfen ihre Kehle. Sie wird gegen die Wand gedr�ckt und versucht sich mit Schl�gen zu wehren und das Monster von sich zu sto�en. Aus dem bereits verwesenden, aufgerissenen Kiefer entweicht ein widerlicher Gestank. Die schwarzen Z�hne blitzen gierig auf, und die Kreatur be�ugt das wei�e Fleisch �ber ihrer Halsschlagader.</p><p>Tara schreit auf. Doch ehe die Z�hne zuschnappen k�nnen, schnellt der Baseballschl�ger hernieder. Halleluja?</p><p>Bis zu jenem Moment war der Akt, eine untote Leiche au�er Gefecht zu setzen, etwas beinahe Allt�gliches�� insbesondere f�r Philip. Es war genauso leicht wie ein Schwein vor dem Schlachten zu bet�uben. Aber das hier f�hlt sich anders an. Der Untote ben�tigt drei gut gezielte, heftige Schl�ge.</p><p>Der erste gegen die Schl�fe des ehemaligen David Chalmers l�sst die Kreatur erstarren, sodass die Gefahr f�r Tara erst einmal gebannt ist. Sie sinkt zu Boden. Tr�nen flie�en ihr �ber die Wangen, und Rotz l�uft ihr aus der Nase.</p><p>Der zweite Hieb ist gegen die Sch�delseite gerichtet, als sich das Ding seinem Angreifer zuwendet. Der geh�rtete Stahl des Schl�gers zerschmettert das Scheitelbein und Teile der Nasenh�hlen, sodass ein rosafarbener Schauer durch die Luft spritzt.</p><p>Der dritte und letzte Schlag knackt die gesamte linke H�lfte des Kopfs, und die Kreatur sackt in sich zusammen. Das Monster, das einmal David Chalmers war, landet auf einer der heruntergefallenen Kerzen, und sein Speichel, das Blut und die klebrige graue Hirnmasse f�ngt in den Flammen zu zischen an.</p><p>Philip stellt sich vor den �berresten auf. Er schnappt nach Luft, die H�nde umfassen noch immer den Schl�ger. Um die furchtbare Situation noch zu verst�rken, ert�nen jetzt schrille und durchdringende Piept�ne. Der batteriebetriebene Feuermelder im Flur meldet sich. Es dauert eine Weile, bis Philip realisiert, woher der Ton kommt. Er l�sst den blutigen Baseballschl�ger fallen.</p><p>Erst jetzt merkt er den Unterschied. Diesmal, bei dieser Exekution bewegt sich niemand. April starrt ihn an. Brian l�sst sie los und blickt ebenfalls fassungslos. Selbst Tara, die sich mittlerweile wieder hochgezogen hat und immer noch schluchzt, schaut ihn ungl�ubig, beinahe wie gel�hmt an.</p><p>Das Merkw�rdigste ist, dass sie nicht den blutigen Haufen auf dem Boden anstarren, sondern dass alle Augen auf ihn gerichtet sind.</p><p>Sie l�schen die Flammen und r�umen auf. Die �berreste des Zombies werden eingewickelt und in den Korridor getragen. Dort liegt er sicher bis zur Beerdigung.</p><p>Zum Gl�ck hat Penny kaum etwas von dem grausamen Schauspiel im Nebenzimmer mitgekriegt. Aber sie hat genug geh�rt, um sich erneut in ihre einsame Welt zur�ckzuziehen.</p><p>Auch den anderen hat es die Sprache verschlagen. Eine bedr�ckende Stille beherrscht den Rest des verbleibenden Tages.</p><p>Die Schwestern scheinen in eine stumpfe Benommenheit verfallen zu sein. Obwohl sie alles sauber machen, reden sie kein Wort miteinander. Die beiden haben sich die Augen trocken geweint und starren immer wieder Philip an, der ihre Blicke wie kalte Finger sp�rt, die �ber seinen R�cken streifen. Was hatten sie erwartet? Sollte sich das Monster erst an Tara laben, ehe es auf sie losgegangen w�re? Wollten sie, dass Philip sich gem�tlich mit dem Wesen hinsetzt?</p><p>Gegen Mittag des folgenden Tages halten sie einen behelfsm��igen Gedenkgottesdienst auf einem kleinen, umz�unten Flecken Erde im Hinterhof ab. Philip besteht darauf, das Grab selbst zu schaufeln, und lehnt jegliche Hilfe von Nick ab. Es dauert Stunden. Atlanta ist auf gutem, solidem Georgia-Lehm gebaut, der auch f�r die vielen Hochh�user der Stadt hartn�ckig genug ist. Aber im Laufe des Nachmittags ist der in Schwei� gebadete und kaputte Philip endlich so weit.</p><p>Am Grab singen die Schwestern Davids Lieblingslied�� �Will the Circle Be Unbroken�. Sowohl Brian als auch Nick brechen in Tr�nen aus. Der Song ist herzzerrei�end, insbesondere als er in den wolkenlosen, blauen Himmel aufsteigt und sich mit dem allgegenw�rtigen �chzen, St�hnen und Jammern vermengt, das von der anderen Seite der Umz�unung kommt.</p><p>Sp�ter sitzen alle bis auf Penny am Tisch im Wohnzimmer und teilen sich eine Flasche Schnaps, die sie in einer der Wohnungen fanden. Die Chalmers-Schwestern erz�hlen Geschichten von ihrem Dad�� aus seiner Kindheit, seinen Anf�ngen mit der Barstow Bluegrass Boys Band und seinen Tagen als DJ f�r den WBLR-Sender, der Macon und Umgebung beschallte. Sie erz�hlen von seinem Temperament, seiner Gro�mut, seinen Frauengeschichten und seinem Glauben an Jesus.</p><p>Philip l�sst sie reden. Es ist gut, endlich wieder ihre Stimmen zu h�ren, und die Anspannung des Tages scheint ein wenig nachzulassen. Vielleicht ist das ein Teil des Loslassens. Oder sie m�ssen sich an die neue Situation gew�hnen.</p><p>Sp�ter sitzt Philip allein in der K�che und schenkt sich den letzten Rest Whiskey ein, als April zu ihm tritt.</p><p>�H�r zu�� Ich wollte mit dir reden�� Dar�ber, was heute passiert ist���</p><p>�Vergiss es�, erwidert Philip und starrt in das Whiskeyglas.</p><p>�Nein. Ich h�tte�� Ich h�tte schon fr�her etwas sagen sollen. Ich stand unter Schock.�</p><p>Er blickt sie an. �Aber das wei� ich doch. Tut mir leid, dass es so gelaufen ist. Wirklich. Es tut mir sehr leid, dass du das hast mit ansehen m�ssen.�</p><p>�Du hast das getan, was du tun musstest�, sagt April.</p><p>�Ich danke dir, dass du mir das sagst.� Philip legt ihr eine Hand auf die Schulter. �Ich habe deinen Daddy vom ersten Moment an gemocht. Er war ein Prachtkerl. Und er hatte ein gutes und langes Leben.�</p><p>Sie kaut auf der Innenseite ihrer Wange. Philip merkt, dass sie an sich halten muss, um nicht wieder loszuweinen. �Ich dachte, ich h�tte mich damit abgefunden, ihn einmal zu verlieren.�</p><p>�Niemand ist auf so etwas vorbereitet.�</p><p>�Stimmt. Aber so�� Ich versuche immer noch, das Ganze zu verstehen.�</p><p>Philip nickt. �Verdammt dumm gelaufen.�</p><p>�Ich meine�� Das kann doch nicht einfach so passieren�� Da wei� man ja gar nicht mehr, woran man sich noch festhalten soll.�</p><p>�Ich wei�, was du damit sagen willst�, erwidert Philip.</p><p>Sie senkt den Blick und schaut auf ihre zitternden H�nde. Vielleicht spielt sich die Szene noch einmal vor ihrem inneren Auge ab, wie Philip mit dem Baseballschl�ger auf ihren Vater eindrischt. �Was ich eigentlich sagen wollte�� Ich gebe dir keine Schuld f�r das, was du getan hast.�</p><p>�Danke.�</p><p>Sie mustert sein Glas. �Haben wir noch etwas von dem billigen Wein �brig?�</p><p>Philip findet den Wein und gie�t ihr ein Glas davon ein. Eine Weile sitzen sie schweigend da und trinken. Endlich ergreift Philip das Wort. �Und was ist mit deiner Schwester?�</p><p>�Was soll mit ihr sein?�</p><p>�Sie scheint nicht��� Er verstummt, da er die richtigen Worte nicht findet.</p><p>April nickt. �Nachtragend zu sein?�</p><p>�So �hnlich.�</p><p>Sie l�chelt ihn bitter an. �Sie hat mir immer noch nicht verziehen, dass ich ihr in der Grundschule einmal ein paar Cent stibitzt habe.�</p><p>W�hrend der n�chsten Tage r�ckt die neu gefundene Familie enger zusammen. Die Chalmer-Schwestern durchleben ihre Trauer, indem sie sich �ber Nichtigkeiten streiten, die anderen mit Schweigen strafen oder sich f�r l�ngere Zeit in ihre Zimmer einschlie�en, um zu weinen oder beleidigt zu sein.</p><p>April scheint diese Zeit besser zu verkraften als ihre Schwester. Sie r�umt die Sachen ihres Vaters aus und zieht mit Sack und Pack ins Schlafzimmer, sodass Philip ihr altes Zimmer haben kann. Er richtet es f�r Penny gem�tlich ein und stellt unter anderem einige Malb�cher, die er in den anderen Wohnungen gefunden hat, auf die Regale.</p><p>Das M�dchen hat April ins Herz geschlossen. Sie verbringen Stunden zusammen, erkunden die anderen Zimmer, spielen miteinander und experimentieren, wie man ihre kargen Essensrationen auf einem Spiritusbrenner zu einem kreativen Abendessen umgestalten kann. Paradebeispiel wird ein Auflauf aus zerbr�seltem Beef-Jerky, Pfirsich und Rosinen mit Gem�se aus der Dose�� und dazu weiteres zerbr�seltes Beef-Jerky als Garnitur.</p><p>Allm�hlich l�sen sich die Schwaden der Untoten in der unmittelbaren Umgebung des Hauses auf. Einzelne Nachz�gler h�ngen noch herum, sodass die Blake-Br�der und Nick bei ihren Eins�tzen in der Nachbarschaft noch einmal so richtig w�ten k�nnen. Philip merkt, dass Brian immer verwegener wird und sich sogar aus dem Haus traut�� wenn auch nur kurz. Nick Parsons bl�ht geradezu auf.</p><p>Er richtet sich in einem Zimmer in einem Apartment am �stlichen Ende des Flurs im ersten Stock ein�� es ist Wohnung 2F��, und sucht B�cher und Magazine aus den anderen Wohnungen zusammen, bis er sich einigerma�en bequem eingerichtet hat. Zudem verbringt er viel Zeit auf dem Balkon, wo er Skizzen von der Umgebung anfertigt, Karten herstellt, die Bibel liest, Gem�se anbaut und viel �ber den Zustand der Menschheit im Allgemeinen nachdenkt.</p><p>Au�erdem baut er die wackelige Laufplanke zum angrenzenden Geb�ude fertig.</p><p>Der schmale Steg besteht aus Sperrholz und Malerleitern, die mit Stricken und Isolierband�� und einer gro�en Portion Hoffnung�� zusammengehalten werden. Die Br�cke weist immerhin eine Spannweite von acht Metern auf und f�hrt vom Sims ihres Geb�udes �ber eine Gasse hin zur Feuerleiter des gegen�berliegenden Hauses.</p><p>Die Fertigstellung der Planke bewirkt so einiges bei Nick, denn schon bald nimmt er seinen ganzen Mut zusammen und l�uft �ber die wackelige Konstruktion. Genau wie er es vorhergesagt hat, gelingt es ihm, sich bis zu dem Geb�ude an der s�d�stlichen Ecke der Kreuzung vorzuarbeiten, ohne einen Fu� auf die Stra�e setzen zu m�ssen. Dr�ben findet er den Zugang zu der �berdachten Fu�g�ngerbr�cke des Kaufhauses. Als er abends zur�ckkommt, bringt er eine Ladung Geschenke mit, die er bei Dillard�s eingepackt hat. Seine Wiederkehr gleicht der eines Kriegshelden.</p><p>Als Erstes packt er feinste Naschereien und N�sse aus, dann folgen warme Kleidung, Schuhe und gestanztes Briefpapier, teure Federhalter und Kulis, ein zusammenklappbarer Camping-Kocher, Bettlaken aus Satin und luxuri�se, dicht gewebte Bettw�sche. F�r Penny hat er Stofftiere mitgebracht. Auch Tara freut sich beim Anblick sch�n eingepackter europ�ischer Zigaretten. Nick treibt noch etwas anderes w�hrend seiner Soloausfl�ge an�� etwas, das er allerdings vorerst f�r sich beh�lt.</p><p>Eine Woche nach David Chalmers� Tod schl�gt Nick vor, Philip solle ihn einmal bei einem seiner Ausfl�ge begleiten. Dann w�rde er ihm auch zeigen, womit er seine Zeit verbracht habe. Philip ist bei dem Gedanken, den wackeligen Laufsteg zu �berqueren, nicht gerade begeistert. Er gibt vor, sich Sorgen zu machen, ob das Gebilde sein Gewicht auch tr�gt. Aber in Wirklichkeit leidet er unter H�henangst. Das wei� nur niemand. �Philly, das musst du dir anschauen�, schw�rmt Nick auf dem Dach. �Die Gegend hier ist eine einzige Goldmine. Du wirst schon sehen, Mann!�</p><p>Trotz seines inneren Widerstands willigt Philip endlich ein, sich �ber den Laufsteg zu wagen. Auf H�nden und Knien krabbelt er Nick hinterher und murrt dabei unentwegt, um seine Todesangst vor seinem Freund zu verbergen. Er traut sich nicht, nach unten zu schauen.</p><p>Endlich kommen sie am anderen Ende an, springen auf das Dach, klettern die Feuerleiter hinab und verschwinden durch ein offenes Fenster im benachbarten Haus.</p><p>Nick f�hrt Philip durch die menschenleeren Korridore der B�rogeb�ude, in denen Steuerformulare und Dokumente herumflattern oder wie gefallenes Laub auf dem Boden liegen. �Wir sind gleich da�, versichert Nick seinem Freund und t�nzelt eine Treppe hinunter, die in einem trostlosen Vorraum voll umgest�rzter M�bel endet.</p><p>Philip macht sich Sorgen wegen der hallenden Schritte in den leeren Fluren. Jedes Mal, wenn er auf ein St�ck Holz oder Schutt tritt, knarrt und knarzt es laut. Jeder blinde Fleck oder leere Raum l�sst sein Herz schneller schlagen. Er nimmt jedes Ger�usch wahr und wartet nur auf den Augenblick, in dem Zombies hervorkommen und sie attackieren. Seine Hand ruht stets auf dem Griff seines Revolvers, der wie gew�hnlich in seiner Jeans steckt. �Hier, wir m�ssen zum Parkhaus�, meint Nick und deutet in die Richtung.</p><p>Um die Ecke, vorbei an einem umgeworfenen Verkaufsautomaten, eine Treppe hoch, durch eine unmarkierte Metallt�r�� und pl�tzlich, ohne Vorwarnung, er�ffnet sich f�r Philip eine neue Welt.</p><p>�Heiliger Strohsack!�, staunt Philip, als er Nick �ber die Br�cke folgt. Sie ist voll Unrat und stinkt nach Urin. Die dicken Sicherheitsglasscheiben sind so mit Ru� verschmutzt, dass das Stadtbild von drau�en nur verzerrt in den �bel riechenden Gang eindringt. Aber der Ausblick ist nichtsdestoweniger spektakul�r. Die Br�cke ist lichtdurchflutet, und man kann kilometerweit in alle Richtungen blicken.</p><p>Nick bleibt stehen. �Nicht schlecht, oder?�</p><p>�Wahnsinn, Mann.� Sie befinden sich zehn Meter �ber der Stra�e. Der Wind peitscht gegen den �berdachten Gang. Unter ihnen sieht Philip vereinzelte Zombies wie exotische Fische in einem Aquarium vorbeipendeln. Er f�hlte sich wie in einem Glasbodenboot. �Wenn es diese �blen Monster nicht g�be, w�rde ich das Penny zeigen.�</p><p>�Ich habe dich eigentlich aus einem anderen Grund mitgenommen�, erkl�rt Nick und geht etwas weiter. �Siehst du den Bus? Ungef�hr einen halben H�userblock von hier?�</p><p>Philip kann ihn gut erkennen�� ein gro�es, silberfarbenes Fahrzeug des st�dtischen Transportunternehmens MARTA.</p><p>��ber der T�r beim Spiegel rechts. Siehst du es?�</p><p>Tats�chlich. Philip erkennt eine Art Symbol. Es steht �ber der Eingangst�r und wurde mit der Hand hingekritzelt. Ein hastig gespr�hter roter Stern mit f�nf Zacken. �Und was soll das?�</p><p>�Die Zone ist sicher.�</p><p>�Die was?�</p><p>�Ich habe mich ein bisschen in der Gegend umgeschaut�� die Stra�e hier hinunter und die andere wieder hoch�, erkl�rt Nick mit dem naiven Stolz eines kleinen Jungen, der seinem Vater die erste selbstgebastelte Seifenkiste zeigt. �Da dr�ben ist ein Friseur. Lupenrein sauber und sicher wie eine Bank. Die T�r ist nicht einmal abgeschlossen.� Dann deutet er weiter die Stra�e hinauf. �Da um die Ecke steht ein leerer Sattelanh�nger, der noch relativ in Ordnung ist. Er steht einfach da und hat eine richtig widerstandsf�hige�� Wie hei�t es noch mal? Faltt�r? Hinten�� du wei�t schon.�</p><p>�Nick, was soll das?�</p><p>�Es sind alles sichere Zonen. In denen man sich schnell mal verstecken kann. Sagen wir, du bist gerade dabei, Proviant zu holen, und es passiert etwas. Sichere Zonen gibt es �berall. Jeden Tag finde ich eine neue. Und ich markiere sie, sodass wir alle Bescheid wissen. Es gibt so viele Verstecke, man sollte es nicht glauben.�</p><p>Philip blickt ihn an. �Du bist bis zum Ende der Stra�e gegangen? Allein?�</p><p>�Nat�rlich. Wei�t du���</p><p>�Verdammt noch mal, Nick! Du solltest dich nicht so weit hinauswagen. Vor allem nicht ohne Verst�rkung.�</p><p>�Philly���</p><p>�Nein! Dein �Philly� kannst du dir in diesem Fall sparen, Mann. Ich meine es ernst. Ich will, dass du dich vorsiehst, verstehst du mich? Ich meine es todernst.�</p><p>�Okay, okay. Ist ja gut.� Nick schl�gt Philip zur Beruhigung auf den Oberarm. �Ich hab�s kapiert.�</p><p>�Gut.�</p><p>�Aber du musst zugeben�� das hier ist cool. Vor allem, wenn man bedenkt, in welcher Schei�e wir stecken.�</p><p>Philip zuckt mit den Schultern und schaut auf die Stra�e mit den kleinen Kannibalenfischen, die ziellos umherirren. �Ja, nicht �bel.�</p><p>�Wir k�nnten es schlechter getroffen haben, Philly. Die Geb�ude hier sind niedrig, sodass man die Gegend gut �berblicken kann. Au�erdem haben wir gen�gend Platz in unserem Haus, um uns nicht gegenseitig auf die Zehen zu treten, und es gibt Lebensmittell�den und andere Gesch�fte direkt um die Ecke. Ich glaube, wir k�nnten sogar einen Generator auftreiben und vielleicht ein Auto kurzschlie�en, um ihn zu uns zu transportieren. Ich kann mir vorstellen, dass wir es uns in diesem Haus noch ein wenig gem�tlicher einrichten, Philly�� Ich wei� nicht�� Vielleicht sogar f�r l�nger.� Er scheint den Gedanken zu m�gen. �Vielleicht f�r immer�� Verstehst du?�</p><p>Philip starrt durch die schmierigen Scheiben auf die Totenstadt voll leerer Geb�ude und umherwandelnder Zombies. �Inzwischen ist <emphasis>alles</emphasis> f�r immer, Nicky.�</p><p>Brian f�ngt in der Nacht wieder zu husten an. Das Wetter hat umgeschlagen. Mit jedem Tag wird es k�lter und feuchter, und Brians Immunsystem hat mit den neuen Bedingungen zu k�mpfen. Kaum ist die Sonne untergegangen, k�hlt die Wohnung radikal ab. Am n�chsten Morgen f�hlt sie sich wie eine Tiefk�hltruhe an, und der Boden unter Brians Socken hat sich in eine Eisfl�che verwandelt. Mittlerweile tr�gt er drei Pullover und einen gestrickten Schal, den ihm Nick von Dillard�s mitgebracht hat. Mit seinen fingerlosen Handschuhen, dem Schopf widerspenstiger schwarzer Haare und seinen eingefallenen Edgar-Allan-Poe-Augen sieht er immer mehr wie ein Obdachloser aus einem Charles-Dickens-Roman aus.</p><p>�Ich glaube, dass es Penny guttut, hier zu sein�, meint Brian zu Philip, als sie abends auf einem Balkon im ersten Stock stehen. Die Blake-Br�der genie�en ein Glas des billigen Weins nach dem Abendessen und betrachten die desolate Skyline. Die k�hle Abendbrise zerzaust ihnen die Haare, und der Gestank der Zombies lauert hinter dem Geruch frischen Regens.</p><p>Brian starrt auf die entfernten Silhouetten dunkler Geb�ude, als ob er in Trance verfallen w�re. F�r jemanden im Amerika des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist es so gut wie unm�glich, eine gro�e Metropole stockfinster zu sehen. Aber genau das ist der Anblick, der sich jetzt den Blake-Br�dern bietet: eine Skyline so schwarz, dass sie einem Gebirgszug bei Neumond gleicht. Ab und zu glaubt Brian, das Flackern eines Feuers oder ein aufblitzendes Licht inmitten des schwarzen Nichts zu erkennen, aber vielleicht bildet er es sich auch nur ein.</p><p>�Ich glaube, dass diese Frau, diese April, f�r Penny am besten �berhaupt ist�, gibt Philip zu bedenken.</p><p>�Ja, die beiden verstehen sich.� Brian hat sich selbst mehr als nur an April gew�hnt. Auch die Tatsache, dass sich Philip vielleicht in sie verliebt hat, ist ihm nicht entgangen. Nichts w�rde Brian gl�cklicher machen, als dass sein Bruder endlich wieder etwas Ruhe und Stabilit�t in der Beziehung zu einer Frau finden k�nnte.</p><p>�Die andere ist allerdings v�llig daneben�, meint Philip nach einer Weile.</p><p>�Tara? Ja, die ist unberechenbar.�</p><p>W�hrend der letzten Tage hat Brian versucht, Tara Chalmers aus dem Weg zu gehen. Sie gleicht einem wandelnden Geschw�r�� gereizt, paranoid und in tiefer Trauer um ihren Vater. Aber Brian glaubt, dass sie das irgendwann verarbeiten und �berwinden wird. �Eigentlich scheint sie ganz nett zu sein.�</p><p>�Sie begreift nicht, dass ich ihr das Leben gerettet habe�, giftet Philip.</p><p>Brian hustet drei- oder viermal und meint dann: �Dar�ber wollte ich mit dir reden.�</p><p>Philip blickt ihn an. �Wor�ber?�</p><p>�Dar�ber, dass sich der alte Mann so verwandelt hat.� Brian w�hlt seine Worte mit Bedacht. Er wei�, dass er nicht der Einzige ist, der sich dar�ber Sorgen macht. Seit David Chalmers von den Toten zur�ckgekehrt ist, um seine �ltere Tochter zu verschlingen, hat sich Brian den Kopf dar�ber zerbrochen, wie so etwas passieren kann, welche Schlussfolgerungen man daraus zieht und welche Regeln man in dieser wilden, unkontrollierten Welt aufstellen kann. �berhaupt: Wie soll es mit der Menschheit weitergehen? �Denk doch mal nach, Philip. Er ist nicht gebissen worden�� oder?�</p><p>�Nein, ist er nicht.�</p><p>�Warum also hat er sich verwandelt?�</p><p>Einen Augenblick lang starrt Philip seinen Bruder ausdruckslos an, und die Finsternis um sie herum scheint sich zu vertiefen. Es ist, als ob die Stadt in der unendlichen Weite eines Traumes stecken w�rde. Brian l�uft es kalt den R�cken runter�� als ob die Tatsache, dass er es jetzt endlich ausgesprochen hat, einen �bel gesonnenen Flaschengeist freigelassen h�tte. Einen Flaschengeist, den man nicht wieder einfangen kann.</p><p>Philip nimmt einen Schluck Wein. Sein Gesicht ist wie versteinert. Das kann Brian trotz der Dunkelheit sehen. �Wir wissen so gut wie nichts. Vielleicht hat er sich schon fr�her infiziert. Vielleicht muss man einen von denen ja nur ber�hren, und dann arbeitet sich der Virus langsam in einen hinein. Auf jeden Fall hat der alte Mann so oder so auf dem letzten Loch gepfiffen.�</p><p>�Wenn das der Fall ist, dann sind wir alle���</p><p>�He, Professor. Jetzt h�r mal auf. Wir sind alle gesund, und ich habe nicht vor, dass sich daran etwas �ndert.�</p><p>�Ich wei�. Ich will damit nur sagen�� Vielleicht sollten wir uns Gedanken dar�ber machen, welche Vorsichtsma�nahmen wir noch treffen k�nnen.�</p><p>�Vorsichtsma�nahmen? Ich habe eine Vorsichtsma�nahme direkt hier in meiner Hand.� Er greift an die Waffe in seiner Jeans.</p><p>�Ich rede von gr�ndlich H�nde waschen und Sachen sterilisieren.�</p><p>�Und womit?�</p><p>Brian seufzt und blickt zum Himmel hinauf. Die Wolken h�ngen tief�� eine dunkle Suppe so finster wie schwarze Wolle. In der Ferne braut sich ein Unwetter zusammen. �Wir haben Wasser in den Toiletten�, f�hrt er fort. �Wir haben Filter und Propan, wir kommen sogar an Reinigungsmittel, wenn wir uns die Stra�e hinunterwagen�� und Seife und Putzmittel und so.�</p><p>�Wir filtern doch das Wasser bereits, Junge.�</p><p>�Ja, aber���</p><p>�Und waschen tun wir uns mit diesem Ding, das Nick gefunden hat.� Das �Ding� ist eine Campingdusche, die Nick in der Sportabteilung von Dillard�s mitgenommen hat. Sie ist ungef�hr so gro� wie eine kleine K�hlbox und hat genug Platz f�r einen Zwanzig-Liter-Tank. Sie besitzt einen Schlauch mit Duschkopf und wird von einer batteriebetriebenen Pumpe versorgt. Schon seit f�nf Tagen genie�t jeder den Luxus einer kurzen Dusche, wobei sie das Wasser so gut es geht wiederverwenden.</p><p>�Ich wei�, ich weiߠ� Ich meine doch nur. Vielleicht ist es besser, wenn wir es mit der Sauberkeit ruhig etwas �bertreiben. Zumindest so lange, bis wir mehr wissen.�</p><p>Philip wirft ihm einen Blick zu. �Und was ist, wenn es nichts weiter herauszufinden gibt?�</p><p>Brian antwortet nicht.</p><p>Die Stadt brummt weiter finster vor sich hin, und ein fauler, widerlicher Gestank weht ihnen ins Gesicht. Er sagt so viel wie: Fuck you!</p><p>Vielleicht ist es die merkw�rdige Mischung unappetitlicher Zutaten, die April und Penny zum Abendessen auf dem Campingkocher zubereitet haben�� ein Fra� aus Spargel im Glas, Formschinken und zerbr�selten Kartoffelchips, der Philip wie ein Stein im Magen liegt. Vielleicht sind es aber auch der Stress, die Wut und die Schlaflosigkeit der letzten Wochen, die ihm zu schaffen machen. Oder war es doch die Unterhaltung mit seinem Bruder auf dem Balkon? Ganz gleich, woran es liegt�� auf jeden Fall hat Philip Blake in jener Nacht einen langen und schrecklichen Traum.</p><p>Er liegt in seinem neuen Zimmer auf dem gro�en Doppelbett und w�lzt sich unruhig von einer Seite auf die andere. Aprils ehemaliges Schlafzimmer war offensichtlich einmal ein Heimb�ro, denn w�hrend sie es aufr�umten, stie�en April und Philip auf allerlei Bestellformulare f�r Kosmetika, Proben und Muster. Im Schlaf f�llt er immer wieder in eine fiebrige Horrorshow. Es ist ein Traum ohne feste Form. Er besitzt weder Anfang noch Mitte oder Ende, sondern dreht sich einfach um den f�rchterlichen, allgegenw�rtigen Terror.</p><p>Philip ist zur�ck in seiner Kindheit in Waynesboro�� zur�ck in dem heruntergekommenen kleinen Bungalow an der Farrel Street, im Kinderzimmer, das er sich mit Brian teilte. Aber Philip ist kein Kind mehr. Doch nicht nur er hat die Zeitreise zur�ck in die siebziger Jahre unternommen�� die Plage ist ihm gefolgt. Der Traum wirkt erschreckend lebendig und echt. Die Tapete mit den Maigl�ckchen, die Iron-Maiden-Poster und der zerkratzte Schreibtisch. Auch Brian befindet sich irgendwo im Haus. Aber anstatt ihn zu sehen, h�rt Philip nur seine Schreie. Penny ist auch irgendwo und verlangt weinend nach ihrem Vater. Philip eilt auf den Flur, der einem endlosen Labyrinth gleicht. Putz f�llt von den W�nden. Eine Horde Zombies wartet drau�en, tobt und zetert. Sie wollen herein. Die zugenagelten Fenster sind am Vibrieren. Philip hat einen Hammer und versucht, sie erneut zu sichern. Er klopft weitere N�gel durch die Bretter und in die Holzwand, aber der Hammerkopf f�llt vom Stil. Ein Krachen�� etwas knarzt. Philip sieht, wie eine T�r langsam dem Druck von au�en nachgibt. Er sprintet hin, aber der T�rknauf f�llt ab, sobald er die Hand danach ausstreckt. Er durchsucht Schubladen und Kommoden nach Waffen. Das Furnier pellt sich von den Holzm�beln, w�hrend der Putz von der Decke rieselt. Die W�nde st�rzen ein, das Linoleum w�lbt sich, und die Fenster fallen aus ihren Rahmen. Philip h�rt st�ndig Pennys verzweifeltes Rufen, er h�rt ihre Schreie, wie sie nach ihm verlangt: �DADDY!�</p><p>Knochige Arme schie�en durch die kaputten Fenster, und schwarze, gekr�mmte Finger greifen nach ihm.</p><p>�DADDY!�</p><p>Philip entringt ein lautloser Schrei, als der Traum in tausend Scherben zerbirst. Er wacht auf.</p></section><section><title><p>Vierzehn</p></title><p>Philip schreckt keuchend auf. Ruckartig setzt er sich hoch und blinzelt ins blassen Morgenlicht. Irgendjemand steht am anderen Ende des Bettes. Nein. Es sind zwei Personen. Jetzt sieht er sie�� eine ist gro�, die andere eher klein.</p><p>�Guten Morgen�, begr��t ihn April, deren Hand auf Pennys Schulter ruht.</p><p>�Verdammt.� Philip lehnt sich ans Kopfteil des Bettes. Er tr�gt ein Unterhemd und eine Trainingshose. �Mann, wie sp�t ist es denn?�</p><p>�Noch nicht ganz Mittag.�</p><p>�Heiliger Strohsack�, murmelt er und versucht, sich zu orientieren. Seine sehnige Gestalt ist von einem d�nnen Schwei�film bedeckt. Sein Nacken tut weh, und sein Mund schmeckt abgestanden. �Unglaublich.�</p><p>�Wir m�ssen dir etwas zeigen, Daddy�, verk�ndet Penny, die Augen vor Spannung aufgerissen. Der Anblick seiner Tochter, die so fr�hlich vor ihm steht, l�st eine wohltuende Welle der Erleichterung in ihm aus und verdr�ngt die letzten Fetzen seines fiebrigen Traums.</p><p>Er steht auf und zieht sich an. �Bin gleich so weit. Gebt mir einen Augenblick, damit ich mich schminken kann�, sagt er mit heiserer Whiskey-Stimme und f�hrt sich mit den Fingern durch die ungewaschenen Haare.</p><p>Dann begleitet er die beiden aufs Dach hinauf. Als sie die Feuert�r �ffnen und ihnen die k�hle Luft entgegenschl�gt, kann Philip das grelle Licht kaum ertragen. Obwohl es bew�lkt ist, bekommt Philip Kopfschmerzen, und das Tageslicht l�sst seinen Kopf fast explodieren. Er blinzelt in den Himmel hinauf und entdeckt die bedrohlichen Gewitterwolken, die von Norden her immer n�her rollen. �Sieht nach Regen aus.�</p><p>�Das ist gut�, meint April und zwinkert Penny zu. �Zeig ihm warum, Kleine.�</p><p>Das M�dchen ergreift die Hand seines Vaters und zerrt ihn quer �ber das Dach. �Schau mal, Daddy. April und ich haben einen Garten gemacht, um Gem�se anzubauen.�</p><p>Sie zeigt ihm das kleine, behelfsm��ige G�rtchen mitten auf dem Dach. Es dauert einen Augenblick, ehe Philip versteht, dass er vor vier zusammengebundenen Schubkarren steht, denen die R�der fehlen. In jeder Wanne liegt eine etwa f�nfzehn Zentimeter dicke Schicht Erde, aus der bereits einige Triebe ragen. �Das ist ja prima�, lobt er Penny und dr�ckt ihre Hand. Dann wendet er sich an April. �Das ist wirklich prima.�</p><p>�War Pennys Idee�, erwidert April, und der Stolz spiegelt sich in ihren Augen wider. Sie deutet auf eine Reihe Eimer. �Au�erdem sammeln wir jetzt Regenwasser.�</p><p>Philip saugt April Chalmers h�bsches, etwas zerschrammtes Gesicht, ihre meerblauen Augen und die aschblonden Haare, die offen �ber die Schultern ihres mitgenommenen Wollpullovers mit Zopfmuster h�ngen, f�rmlich in sich auf. Er kann sich nicht von ihr abwenden. Selbst als Penny anf�ngt zu erz�hlen, was sie alles anbauen m�chte�� unter anderem Zuckerwattepflanzen und Kaugummib�sche��, kann Philip nur an eines denken: So wie April sich zu Penny gekniet und ihr konzentriert zugeh�rt, wie sie die Hand auf Pennys R�cken gelegt hat, der liebevolle Gesichtsausdruck, die lockere Art und Weise, wie die beiden miteinander umgehen, das Gef�hl der Zusammengeh�rigkeit�� all das signalisiert etwas Tieferes als lediglich den gemeinsamen Wunsch zu �berleben.</p><p>Philip traut sich kaum, das Wort zu formulieren, und trotzdem �berw�ltigt es ihn auf dem windgepeitschten Dach: Familie.</p><p>�Oh! Entschuldigung!�</p><p>Die schroffe Stimme kommt von der Feuert�r hinter ihnen auf der anderen Seite des Dachs. Philip dreht sich um und entdeckt Tara in einem ihrer schmuddeligen hawaiianischen Fummel. Finster blickend steht sie da und h�lt einen Eimer in der Hand. Ihr Gesicht mit den riesigen Wangen und den geschminkten Augen sieht noch d�sterer und verdrie�licher als gew�hnlich aus. �W�re es zu viel verlangt, wenn sich jemand beizeiten dazu herablassen k�nnte, mir zu helfen?�</p><p>April steht auf und dreht sich um. �Ich habe doch gesagt, dass ich gleich da bin.�</p><p>Offensichtlich hat Tara Wasser aus den Toiletten geholt. Philip �berlegt, ob er sich einmischen soll, entscheidet sich aber dagegen.</p><p>�Das war vor einer halben Stunde�, knurrt Tara. �In der Zwischenzeit habe ich einen Eimer nach dem anderen durch die Gegend geschleppt, w�hrend ihr euch hier oben vergn�gt und Sesamstra�e spielt.�</p><p>�Tara, bitte�� Reg dich ab�, st�hnt April. �Warte noch einen Augenblick, und ich bin sofort bei dir.�</p><p>�Wunderbar! Wie auch immer!� Eingeschnappt macht Tara eine Kehrtwende und verschwindet genervt im Haus.</p><p>April senkt den Blick. �Es tut mir leid, aber sie ist noch nicht so weit. Sie muss noch immer daran denken�� Du wei�t schon���</p><p>Aprils Miene l�sst keinen Zweifel daran aufkommen, dass es viel zu lange dauern w�rde, all die Dinge aufzulisten, die ihrer Schwester gerade auf die Nerven gehen. Philip ist nicht auf den Kopf gefallen. Er wei�, dass es kompliziert ist und Eifersucht und Rivalit�t zwischen den beiden ebenfalls mit im Spiel sind. Vielleicht wird das Ganze ja noch verschlimmert, da sich April w�hrend ihrer Trauer um ihren Vater nicht ausschlie�lich um Tara k�mmert.</p><p>�Du brauchst dich nicht zu entschuldigen�, meint Philip. �Aber da gibt es etwas, das ich dir sagen m�chte.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich wollte dich eigentlich nur wissen lassen, dass ich unheimlich dankbar bin, wie du dich um meine Tochter k�mmerst.�</p><p>April l�chelt. �Sie ist einfach gro�artig.�</p><p>�Ja�� Das ist sie�� Und du bist auch nicht so schlecht.�</p><p>�Oh, vielen Dank!� Sie lehnt sich zu ihm und gibt ihm einen fl�chtigen Kuss auf die Wange, der seine Wirkung nicht verfehlt. �Und jetzt muss ich wirklich hinunter, sonst erschie�t mich meine Schwester noch.�</p><p>April verl�sst die beiden, w�hrend Philip wie vom Donner ger�hrt zur�ckbleibt.</p><p>Als Kuss war es nichts Besonderes. Philips verstorbene Frau Sarah war eine ausgezeichnete K�sserin. Verdammt�� seit Sarahs Tod hat Philip die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen, die sich mehr ins Zeug legten. Auch diese Frauen haben Gef�hle, und Philip fragte f�r gew�hnlich immer zu Anfang, ob es ihnen etwas ausmache, wenn er sie ab und zu k�ssen w�rde�� wenn auch nur, um so zu tun, als ob Liebe mit im Spiel w�re. Aber dieses K�sschen von April war eher wie ein Hors d��uvre, ein Hinweis darauf, was noch alles geschehen k�nnte. Philip versteht den Kuss nicht als ein Spiel�� genauso wenig, wie er platonisch gemeint war. Nein, dieser Kuss befindet sich in jenem unwiderstehlichen Zwischenstadium zwischen zwei Polen. So wie Philip es sieht, war es ein Anklopfen. Sie hat an die T�r geklopft, um zu sehen, ob jemand zu Hause ist.</p><p>Nachmittags wartet Philip vergebens auf den Regen, er will einfach nicht kommen. Es ist bereits Mitte Oktober�� Philip hat keine Ahnung, welcher Tag��, und jeder erwartet die �blichen Regeng�sse, die Zentral-Georgia normalerweise um diese Zeit heimsuchen. Aber irgendetwas h�lt sie zur�ck. Die Temperaturen fallen, und die Luftfeuchtigkeit steigt, aber der Regen bleibt noch immer fern. Vielleicht hat die D�rre ja etwas mit der Plage zu tun. Aus welchem Grund auch immer�� Tatsache ist, dass der unruhige Himmel mit seinen dunklen Gewitterwolken die merkw�rdig unerkl�rliche Anspannung widerspiegelt, die sich langsam immer st�rker in Philip aufbaut.</p><p>Am sp�ten Nachmittag fragt er April, ob sie ihn nach unten auf die Stra�e begleiten will.</p><p>Sie zu �berreden stellt sich als ein hartes St�ck Arbeit heraus, obwohl die Anzahl der Zombies seit dem letzten Mal, als sie sich hinaustrauten, drastisch zur�ckgegangen ist. Er gibt vor, sie f�r einen Aufkl�rungseinsatz zu brauchen, um Baum�rkte wie Home Depot oder Lowe�s nach Generatoren zu durchforsten. Es wird immer k�lter, insbesondere nachts, und es wird nicht mehr lange dauern, bis Elektrizit�t �berlebenswichtig f�r sie wird. Schlie�lich �berredet er sie, indem er ihr sagt, dass er jemand Ortskundigen brauche.</p><p>Er will ihr zudem die Sicherheitszonen zeigen, die Nick ausgemacht und markiert hat. Nick bietet sich an, ebenfalls mitzukommen, aber Philip lehnt ab. Er versichert ihm, dass er besser hier aufgehoben sei, wo er sich zusammen mit Brian um die anderen k�mmern k�nne.</p><p>April l�sst sich schlie�lich �berreden. Ihr wird aber bei dem Anblick der wackelnden Br�cke Marke Eigenbau etwas mulmig. Was ist, wenn es tats�chlich zu regnen anf�ngt und sie rutschig wird? Philip erkl�rt ihr, dass es ganz einfach sei, insbesondere f�r jemand so Leichten, wie sie es sei.</p><p>Sie ziehen sich also M�ntel und feste Schuhe an und bewaffnen sich. April nimmt eins der Marlins. Schlie�lich sind die beiden bereit, die Sicherheit der Wohnung zu verlassen. Tara ist sauer und emp�rt �ber ihre �d�mliche, gef�hrliche, kindische und grenzdebile Zeitverschwendung�. Philip und April ignorieren ihre Schimpftirade h�flich.</p><p>�Nicht hinunterschauen!�</p><p>Philip ist schon zur H�lfte �ber die Laufplanke gekrochen. April folgt ihm in einem Abstand von drei Metern und h�lt sich so fest, wie sie nur kann. Philip wirft einen raschen Blick �ber die Schulter und l�chelt. Das M�dchen hat echt Mumm in den Knochen!</p><p>�Kein Problem�, ruft sie zur�ck und arbeitet sich mit zusammengebissenen Z�hnen und angespannten Muskeln weiter vor. Der Wind weht ihr durch die Haare. Zehn Meter unter ihr starren zwei Untote dumpf durch die Gegend und suchen nach dem Ursprung der Stimmen.</p><p>�Gleich haben wir es�, ermutigt Philip sie. Er erreicht die andere Seite.</p><p>Sie hat noch sechs Meter vor sich, ehe er ihr hilft, auf den Vorsprung der Feuerleiter zu steigen. Das gusseiserne Ger�st �chzt unter dem Gewicht.</p><p>Dann sind sie bei dem offenen Fenster und klettern in das Geb�ude der ehemaligen Steuerberater Stevenson &amp; Sons. Die Korridore sind dunkler und k�lter als beim letzten Mal, als Philip hier war. Es ist, als ob der drohende Sturm s�mtliches Licht verschluckt h�tte.</p><p>Sie eilen die leeren Flure entlang. �Mach dir keine Sorgen�, beruhigt Philip April, als sie �ber M�ll und zerknitterte Steuererkl�rungen steigen. �Hier sind wir sicher. Zumindest so sicher, wie man es heutzutage �berhaupt noch sein kann.�</p><p>�Das ist nicht besonders beruhigend�, gibt sie zur�ck, die Waffe gez�ckt und den Zeigefinger am Hahn.</p><p>Sie tr�gt ein zerfetztes Fleecehemd und Jeans und hat wie immer �rmel und Hosenbeine mit Klebeband zugeschn�rt. Sie ist die Einzige, die sich diese M�he macht. Philip fragte sie einmal, was sie damit eigentlich bezwecke. Sie erkl�rte ihm, dass sie einmal ein TV-Programm gesehen habe, in dem ein Trapper�� immerhin ein gutes Vorbild�� dieses Verkleben als gute Vorsichtsma�nahme gegen Verletzungen bezeichnet hatte.</p><p>Sie durchqueren die Empfangshalle und gelangen zur Treppe und den Verkaufsautomaten.</p><p>�Schau dir das an�, sagt Philip und steigt die Treppe zur unmarkierten Metallt�r empor. Er h�lt inne, ehe er sie �ffnet. �Kennst du Kapit�n Nemo?�</p><p>�Wen?�</p><p>�Aus einem alten Film: <emphasis>20.000 Meilen unter dem Meer</emphasis>. Der alte, verr�ckte Kapit�n spielt Orgel in einem U-Boot, w�hrend ein Riesenkrake an den gro�en Panoramafenstern vor�berschwimmt.�</p><p>�Nie gesehen.�</p><p>Philip l�chelt sie an. �Nun, das wird sich gleich �ndern.�</p><p>April Chalmers ist es inzwischen gew�hnt, dass ihr nichts au�er brutalste Gewalt die Sprache verschl�gt. Sonst nichts. Mit dieser Erwartung folgt sie Philip durch die Metallt�r auf die Fu�br�cke hinaus. Auf der Schwelle h�lt sie inne.</p><p>Eine solche Fu�g�ngerbr�cke ist nichts Neues f�r sie, vielleicht war sie sogar schon einmal hier gewesen. Aber heute Abend ist es mit den letzten Lichtstrahlen und dem gro�en, �berdachten Raum zehn Meter �ber der Kreuzung etwas ganz Besonderes. Durch das gl�serne Dach sind feine Blitze in der Ferne zu erkennen, welche die Wolken erhellen. Die transparenten W�nde geben den Blick auf die l�nger werdenden Schatten der Stadt frei, die vor Zombies nur so wimmelt. Ganz Atlanta gleicht einem riesigen Brettspiel, auf dem allerdings eine chaotische Unordnung herrscht.</p><p>�Jetzt verstehe ich�, sagt sie schlie�lich. Es ist eher ein Murmeln, so besch�ftigt ist sie damit, alles in sich aufzunehmen. Au�erdem sp�rt sie eine merkw�rdige Mischung aus Emotionen: Schwindelgef�hl, Angst und Aufregung.</p><p>Philip stellt sich in die Mitte der Br�cke und wirft seine Tasche zu Boden, ehe er nach S�den nickt. �Ich m�chte dir noch etwas zeigen�, erkl�rt er. �Komm bitte mal hierher.�</p><p>Sie tritt zu ihm und lehnt ihr Gewehr an das Plexiglas. Die Tasche stellt sie daneben.</p><p>Philip deutet auf die roten Sterne, mit denen Nick Parsons die leer stehenden Autos, Busse und Eing�nge markiert hat. Dann erkl�rt er die Idee mit den sogenannten Sicherheitszonen und lobt Nick f�r seine Umsicht und Cleverness. �Ich glaube, dass er das richtig gut macht.�</p><p>April stimmt Philip zu. �Wir k�nnen die Verstecke gut gebrauchen, um den Generator zu finden, von dem jeder redet.�</p><p>�Das denke ich auch.�</p><p>�Nick ist ein netter Kerl.�</p><p>�Das ist er.�</p><p>Dunkelheit legt sich �ber die Stadt, und in den blauen Schatten der Br�cke erscheint Philips markantes Gesicht noch rauer und schroffer als gew�hnlich. Mit seinem schwarzen Fu-Manchu-Schnurrbart und den dunklen, in Lachfalten eingenisteten Augen erinnert er April an eine Mischung aus einem jungen Clint Eastwood und�� An wen noch? An ihren Vater als jungen Mann? Ist das der Grund, warum sie immer wieder diese Anziehung zu diesem gro�en, schlaksigen Landei versp�rt? Geht es ihr denn so schlecht, dass allein die �hnlichkeit zu ihrem Vater reicht, einen Mann attraktiv zu finden? Oder hat diese verr�ckte Schw�rmerei mehr mit dem Stress zu tun, in einer Welt zu leben, die dem Untergang geweiht ist? Um Himmels willen, das ist der Mann, der ihrem Vater den Sch�del gespalten hat! Aber das war nicht mehr David Chalmers. Wie hei�t es so sch�n? Die Seele ihres Vaters war schon l�ngst zum Himmel gestiegen. Sie war bereits im Jenseits, als er aus dem Bett kletterte, um seine �lteste Tochter zu bei�en.</p><p>��brigens glaube ich�, f�hrt Philip fort und beobachtet in der Finsternis einige Zombies und streunende Hunde, die auf der Suche nach Nahrung durch die Stra�en ziehen, �dass wir gar nicht so viel brauchen, um es uns auch l�ngerfristig in der Wohnung gem�tlich machen zu k�nnen.�</p><p>�Das denke ich auch. Zuerst aber brauchen wir Valium, damit wir es Tara heimlich zum Fr�hst�ck verabreichen k�nnen�, scherzt sie.</p><p>Philip lacht�� ein sonores, echtes Lachen�� und zeigt April eine Seite von ihm, die sie bisher noch nicht kannte. Er blickt sie an. �Das ist unsere Chance. Wir k�nnten das schaffen, und wir k�nnen mehr als nur �berleben. Und ich spreche jetzt nicht nur von einem bl�den Generator.�</p><p>April erwidert seinen Blick. �Wie soll ich das verstehen?�</p><p>Er tritt n�her zu ihr. �Ich habe ja schon die eine oder andere Frau in meinem Leben kennengelernt, aber keine war so z�h wie du. So stark�� Doch die Zuneigung und Z�rtlichkeit, die du Penny gegen�ber an den Tag legst�� Ich habe noch nie erlebt, dass Penny einen Menschen so schnell in ihr Herz schlie�t. Verdammt, und du hast uns vor dem sicheren Tod gerettet, als du uns von der Stra�e aufgelesen hast. Du bist eine ganz besondere Frau�� wei�t du das?�</p><p>Pl�tzlich wird es April ganz hei�. Im Bauch hat sie ein flaues Gef�hl, und sie begreift, dass Philip sie auf einmal anders wahrnimmt. Seine Augen schimmern. Sie wei�, dass er das Gleiche gedacht haben muss wie sie. Sie blickt peinlich ber�hrt zu Boden. �Da kannst du aber keine hohen Erwartungen haben�, murmelt sie.</p><p>Er streckt den Arm nach ihr aus und ber�hrt ihre Wange mit seiner gro�en, schwieligen Hand. �Ich habe sogar deutlich h�here Erwartungen als die anderen.�</p><p>Drau�en am Himmel donnert es, die Br�cke bebt, sodass April zusammenzuckt.</p><p>Philip k�sst sie auf die Lippen.</p><p>Sie tritt einen Schritt zur�ck. �Ich wei� nicht, Philip�� Ich meine�� Ich wei� nicht, ob�� Verstehst du?�</p><p>April wird von unterschiedlichen Gef�hlen erfasst. Wenn sie sich darauf einl�sst, es zul�sst, was wird dann aus Tara? Wird es die Gemeinschaft in der Wohnung durcheinanderbringen? Wird dadurch alles noch komplizierter? Welche Auswirkungen hat es wohl auf ihre Sicherheit, auf ihre �berlebenschancen, ihre Zukunft�� wenn sie denn eine haben?</p><p>Philips Miene holt sie wieder in die Gegenwart zur�ck. Er sieht sie mit einem beinahe glasigen, gef�hlvollen Blick an, der Mund ein wenig offen vor Verlangen.</p><p>Er beugt sich vor und k�sst sie erneut. Diesmal kann sie nicht anders, als auch ihre Arme um ihn zu legen und seinen Kuss zu erwidern. Sie bemerkt gar nicht, dass die ersten Regentropfen auf die Plexiglasscheiben fallen.</p><p>April sp�rt, wie sich ihr K�rper Philips starker Umarmung hingibt. Ihre Lippen �ffnen sich, und sie erbebt immer wieder, als sie sich mit ihren Zungen erkunden. Ihre Sinne sind von Philips Geschmack nach Kaffee, Pfefferminzkaugummi und seinem m�nnlichen Geruch ganz benommen, sodass sich ihre Brustwarzen unter dem gestrickten Pullover zusammenziehen.</p><p>Ein bl�ulicher Blitz erhellt die Finsternis und taucht alles in ein silbriges Licht.</p><p>April wei� nicht, wie ihr geschieht. Ihr wird fast schwindelig, und sie bemerkt gar nicht, dass Regen auf das Glasdach prasselt. Sie nimmt nicht einmal wahr, dass Philip sie langsam auf den Boden der Fu�g�ngerbr�cke zieht. Ihre Lippen sind aufeinandergepresst, w�hrend Philips H�nde ihre Br�ste liebkosen. Vorsichtig dr�ckt er sie mit dem R�cken gegen eine Glaswand, und ehe sie wei�, wie ihr geschieht, dr�ngt er sich gegen sie.</p><p>Ein Sturm tobt jetzt �ber der Stadt, und es gie�t in Str�men. Der Donner rollt, Blitze schlagen in die hohen Geb�ude ein und jagen Funken in die Luft, w�hrend Philip in dem blauen Licht Aprils Pullover �ber ihren nackten Bauch und ihren BH zieht.</p><p>Seine Finger �ffnen ihre G�rtelschnalle. Der Donner rollt unentwegt �ber sie hinweg. April sp�rt die dr�ngenden Bewegungen von Philips Lenden zwischen ihren Beinen. Blitze flackern. Ihre Jeans sind schon �ber die Knie gestreift, ihre Br�ste entbl��t.</p><p>Ein Finger liebkost ihren Bauch, und ganz pl�tzlich, als ob jemand einen Schalter in ihrem Inneren umgelegt h�tte�� gerade als ein lauter Donnerschlag ert�nt��, schie�t ihr der Gedanke durch den Kopf: WARTE.</p><p>BUUUUUUUUM!</p><p>WARTE!</p><p>Eine Flutwelle des Verlangens sp�lt Philip Blake ins tosende Wasser der Lust.</p><p>Aus unendlicher Ferne glaubt er, Aprils Stimme zu h�ren. Sie fleht ihn an: Halt, warte, stopp, h�r zu, h�r zu, das ist mir zu viel, ich bin noch nicht so weit, bitte, bitte, h�r auf, jetzt. Aber Philip nimmt sie kaum wahr. Sein Gehirn schwimmt auf einer Woge der Begierde, der Sehnsucht, des Schmerzes, der Einsamkeit und der absoluten Notwendigkeit, endlich wieder etwas zu sp�ren. In diesem Augenblick ist sein ganzes Wesen mit seiner Leistengegend verkabelt, und s�mtliche angestauten Gef�hle str�men an seinem Kopf vorbei in seine Lenden.</p><p>�Um Gottes willen, ich flehe dich an, h�r endlich auf!�, ert�nt die Stimme in der Ferne erneut, und Aprils K�rper erstarrt.</p><p>Philip reitet die sich windende Frau unter ihm, als ob er eine Pipeline wei�en Rauschens surft. Er wei�, dass sie ihn insgeheim will, ihn liebt, obwohl sie etwas anderes sagt. Also st��t er immer und immer wieder in gro�en, magnesiumhellen Blitzen und roher Energie in sie, f�llt sie aus und verwandelt sie, bis sie unter ihm erschlafft und es still wird.</p><p>Die sanfte wei�e Explosion der Lust startet wie eine Rakete in Philip.</p><p>Er rutscht von April auf den Boden neben ihr und starrt eine Weile in den Regen, der auf das Dach prasselt. F�r einen Moment ist er sich der untoten Seelen zehn Meter unter ihm nicht mehr bewusst, die von dem stroboskopartigen Licht wie Monster in einem Stummfilm erhellt werden.</p><p>Philip versteht Aprils Schweigen als ein Zeichen, dass vielleicht mit viel Gl�ck alles okay ist. Als der Sturm zu einem stetigen Dauerregen abgeklungen ist�� das Dr�hnen erf�llt noch immer die �berdachte Br�cke��, ziehen sich die beiden wieder an und bleiben lange Seite an Seite liegen. Sie starren auf die Tropfen, die auf das durchsichtige Dach niederprasseln, ohne ein Wort miteinander zu wechseln.</p><p>Philip ist in einem Schockzustand. Sein Herz rast, die Haut ist feucht und kalt. Er kommt sich wie ein zerbrochener Spiegel vor�� als ob eine Scherbe seiner Seele abgebrochen w�re und sich darin ein Monster widerspiegelt. Was hat er getan? Er wei�, dass er etwas falsch gemacht hat, aber es f�hlt sich beinahe so an, als ob es jemand anderes gewesen w�re.</p><p>�Ich habe mich da etwas mitrei�en lassen�, sagt er endlich nach Minuten f�rchterlicher Stille.</p><p>Sie antwortet nicht. Er wirft ihr einen heimlichen Blick zu und beobachtet ihr Gesicht in der Dunkelheit. Die fl�ssigen Schatten des Regens spiegeln sich auf ihrer Haut. Sie sieht aus, als ob sie kaum bei Bewusstsein w�re, als ob sie einen Wachtraum durchleben w�rde.</p><p>�Es tut mir leid�, meint er kurz darauf, aber die Worte klingen hohl. Er sieht sie erneut an und versucht ihre Stimmung einzusch�tzen. �Alles okay?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sicher?�</p><p>�Ja.�</p><p>Ihre Stimme klingt mechanisch, ohne Farbe und kaum h�rbar �ber dem Get�se des Regens. Philip �ffnet erneut den Mund, h�lt dann aber inne, als ihm unterschiedliche Gedanken durch den Kopf schie�en. Pl�tzlich donnert und rumpelt es so heftig, dass die Fu�g�ngerbr�cke zu wanken und zu wackeln beginnt. Philip zuckt zusammen.</p><p>�April?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Wir sollten uns auf den R�ckweg machen.�</p><p>Der Heimweg erfolgt schweigend. Philip folgt April durch die menschenleere Eingangshalle, die Treppe hinauf und dann durch die langen, zugem�llten Korridore. Ab und zu zieht er in Erw�gung, etwas zu sagen, doch er entscheidet sich jedes Mal dagegen. Jetzt ist es sowieso schon zu sp�t, noch etwas zu tun. Sie wird zu ihrem eigenen Schluss kommen. Wenn er jetzt das Wort an sie richtet, macht er es vielleicht nur noch schlimmer. April l�uft vor ihm den Korridor entlang, das Gewehr auf der Schulter. Sie gleicht einem Soldaten, der von einer anstrengenden Patrouille zur�ckkehrt. Sie befinden sich jetzt im obersten Stockwerk und stehen vor dem offenen Fenster. Der Wind peitscht den Regen durch die mit Scherben eingerahmte �ffnung. Sie reden nur das N�tigste. �Du zuerst� oder �Pass auf�, w�hrend Philip ihr hilft, auf die Feuerleiter zu gelangen. Der Sturm zusammen mit dem starken Regen pfeift ihnen um die Ohren, als sie sich auf den Weg �ber den wackeligen Laufsteg machen. Philip gef�llt es beinahe. Er muss sich vorsehen. Das Unwetter weckt ihn auf und l�sst ihn hoffen, dass er vielleicht doch alles wiedergutmachen kann, was er dieser Frau an diesem Abend angetan hat.</p><p>Als sie wieder vor der Wohnungst�r stehen�� beide bis auf die Haut durchn�sst, ersch�pft und benommen��, ist Philip fast guten Mutes.</p><p>Brian ist zusammen mit Penny in Philips Zimmer und bringt sie gerade ins Bett, w�hrend Nick im Wohnzimmer an seiner Karte der Sicherheitszonen arbeitet. �He, wie war es?�, fragt er und blickt von seinen Papieren auf. �Ihr seht ja wie begossene Pudel aus. Habt ihr einen Baumarkt oder so etwas �hnliches gefunden?�</p><p>�Nein, leider nicht�, antwortet Philip und geht zu seinem Zimmer. Davor bleibt er stehen, um sich die Schuhe auszuziehen.</p><p>April sagt kein Wort und meidet Nicks fragenden Blick, als sie in den Flur tritt.</p><p>�Schaut euch beide an�, meint Tara, die mit grimmiger Miene aus der K�che kommt, eine Zigarette im Mundwinkel. �Genau, wie ich es mir gedacht habe�� ein total fruchtloses Unterfangen!�</p><p>Sie steht da, die H�nde in die H�ften gestemmt. April verschwindet in ihrem Zimmer am Ende des Flurs, ohne auf Taras Worte zu reagieren. Tara wirft Philip einen fragenden Blick zu und geht dann ihrer Schwester hinterher.</p><p>�Ich lege mich schlafen�, verk�ndet Philip halb an Nick und halb an sich selber gerichtet und geht in sein Zimmer.</p><p>Am n�chsten Morgen wacht Philip vor Sonnenaufgang auf. Der Regen prasselt noch immer gegen die Scheiben, und sein Zimmer ist kalt und dunkel. Es stinkt nach Schimmel. Er setzt sich auf die Bettkante und starrt unendlich lange auf Penny, die zusammengerollt in ihrem Bett schlummert. Nicht ganz klare Erinnerungen an einen Traum hallen in seinem benebelten Kopf nach�� genauso wie die erschreckende Erkenntnis, dass er keine Ahnung hat, wann die Albtr�ume angefangen und der Vorfall mit April am vorigen Abend aufgeh�rt haben.</p><p>Wenn er doch nur alles getr�umt h�tte, was gestern auf der Fu�br�cke vorgefallen ist! Aber die gnadenlose Gewissheit der Realit�t holt ihn in dem dunklen Zimmer in Gestalt von ein paar Erinnerungen ein. Es ist, als ob er jemand anderem bei der Tat zuschauen w�rde. Philip l�sst den Kopf h�ngen und versucht, die Schuldgef�hle und die Angst zu verdr�ngen.</p><p>Er f�hrt sich mit den Fingern durchs Haar und redet sich ein, dass er eigentlich voller Hoffnung sein sollte. April und er k�nnen das schon verarbeiten, einen Weg finden, es hinter sich zu lassen. Er muss sich entschuldigen und alles wiedergutmachen.</p><p>Er betrachtet Penny, wie sie schl�ft.</p><p>In den zweieinhalb Wochen, die Philip und seine Bande jetzt schon bei den Chalmers verbracht haben, ist Penny aus ihrem Schneckenhaus gekommen. Zu Anfang waren es noch kleine Dinge, die ihm auffielen: Penny freute sich immer darauf, das schreckliche Essen zu kochen. Ihre Miene hellte sich auf, wenn April das Zimmer betrat. Mit jedem Tag wurde das Kind gespr�chiger und offener, es hat sich sogar an Erlebnisse vor der Plage erinnert, ein paar Worte �ber das Wetter verloren und Fragen zur �Krankheit� gestellt: �K�nnen Tiere angesteckt werden? H�rt es irgendwann wieder auf? Ist Gott w�tend auf uns?�</p><p>Philips Brust schmerzt, als er das schlafende Kind betrachtet. Es muss einen Weg geben, seiner Tochter ein gutes Leben zu bieten, eine Familie zu gr�nden, ein Heim einzurichten�� sogar inmitten dieses Albtraums�� Es muss doch einfach einen Weg geben.</p><p>F�r einen kurzen Augenblick ertr�umt sich Philip eine kleine Insel mit einer H�tte und Kokospalmen. Die Plage ist eine Million Lichtjahre entfernt. Er stellt sich April und Penny vor, wie sie vor dem Gem�segarten zusammen mit der Schaukel spielen. Er sitzt auf der Veranda, braungebrannt und gesund, und schaut den beiden gl�cklich zu. In dieser Vision f�hrt er ein zufriedenes Leben.</p><p>Er steht auf und geht zu Penny hin�ber, kniet sich hin und legt eine Hand auf ihre daunenweichen Haare. Sie muss sich endlich einmal duschen, denn ihre Haare sind verfilzt und fettig, und ihr kindlicher Schwei� steigt ihm in die Nase. Der Geruch ber�hrt ihn im Tiefsten seiner Seele. Seine Augen f�llen sich mit Tr�nen. Er hat noch nie jemanden mehr geliebt als sein Kind. Selbst Sarah, die er verg�ttert hat, belegte den zweiten Platz. Seine Liebe f�r Sarah�� wie bei den meisten Ehepaaren�� war kompliziert, an diverse Bedingungen gekn�pft und unterlag Schwankungen. Aber als er vor siebeneinhalb Jahren das erste Mal sein kleines Baby sah, als es noch ganz blutig war, verstand er, was wahre Liebe hei�t.</p><p>Es hei�t, Angst zu haben. Es hei�t, f�r den Rest des Lebens verletzlich zu sein.</p><p>Irgendetwas rei�t ihn aus den Gedanken. Seine T�r steht offen. Er erinnert sich daran, dass er sie gestern Abend geschlossen hat. Das wei� er genau. Jetzt aber steht sie zwanzig Zentimeter offen.</p><p>Zuerst achtet er kaum darauf. Er macht sich keine Gedanken. Schlie�lich ist es m�glich, dass er sie aus Versehen nicht richtig zumachte, sodass sie von allein wieder aufging. Oder vielleicht stand er in der Nacht zum Pinkeln auf und verga�, sie wieder zu schlie�en. Oder Penny musste mal und lie� sie dann offen. Verdammt, vielleicht ist er ja sogar ein Schlafwandler und wei� es nicht! Doch dann, als er sich wieder umdreht, um seiner Tochter erneut beim Schlafen zuzusehen, bemerkt er noch etwas.</p><p>Es fehlen einige Dinge aus seinem Zimmer.</p><p>Philips Herz beginnt zu pochen. Sein Rucksack�� der Rucksack, den er vor zwei Wochen dabeihatte, als sie den Chalmers �ber den Weg liefen�� stand immer an der Wand. Aber jetzt ist er nicht mehr da. Und auch seine Pistole ist verschwunden. Er legte die Ruger samt dem letzten Magazin auf den Nachttisch. Aber auch die Munition ist wie vom Erdboden verschluckt.</p><p>Philip springt auf.</p><p>Er l�sst einen Blick durch das Zimmer schweifen. Das tr�be Morgenlicht reicht, um den Raum zu erhellen und Schatten des Regens drau�en vor dem Fenster an die Wand zu werfen. Seine Stiefel stehen auch nicht mehr da, wo er sie hingestellt hat. Die waren hundertprozentig unter dem Fenster! Wer zum Teufel sollte ihm seine Stiefel wegnehmen? Er ermahnt sich, Ruhe zu bewahren. Es muss eine einfache Erkl�rung geben. �berhaupt gibt es keinen Grund, sich aufzuregen. Doch dass seine Pistole verschwunden ist, macht ihm Sorgen. Er entschlie�t sich, nichts zu �berst�rzen und die Sache Schritt f�r Schritt anzugehen.</p><p>Leise, damit Penny nicht aufwacht, schleicht er durchs Zimmer und schl�pft aus der T�r in den Gang.</p><p>Die Wohnung ist still. Brian schl�ft im Wohnzimmer auf dem ausziehbaren Bett. Philip geht in die K�che und macht den Campingkocher an, um sich aus dem Regenwasser in einem der Eimer einen Kaffee zu machen. Er w�scht sich oberfl�chlich das Gesicht und versucht, Ruhe zu bewahren und erst einmal tief Luft zu holen.</p><p>Mit dem Kaffee in der Hand untersucht er den Rest der Wohnung. Er geht den Gang entlang zu Aprils Schlafzimmer.</p><p>Ihre T�r steht offen.</p><p>Er sp�ht hinein und sieht, dass das Zimmer leer ist. Sein Puls schl�gt schneller.</p><p>�Sie ist nicht da�, sagt jemand hinter ihm.</p><p>Er dreht sich um. Tara Chalmers steht direkt vor ihm. Sie hat seine Ruger in der Hand und richtet den Lauf auf Philips Kopf.</p></section><section><title><p>F�nfzehn</p></title><p>�h, Schwester�� Immer sch�n locker bleiben.� Philip bewegt sich nicht vom Fleck, sondern steht wie angefroren da�� die eine Hand erhoben, in der anderen den Kaffeebecher. Er h�lt diese Hand so von sich gestreckt, als ob er den Kaffee anbieten wollte. �Was auch immer los ist, ich bin mir sicher, dass wir dar�ber reden k�nnen.�</p><p>�Ehrlich?� Tara Chalmers blickt ihn mit ihrem geschminkten Gesicht finster an. Ihre Augen funkeln. �Das glaubst du wirklich?�</p><p>�H�r zu�� Ich habe keine Ahnung, was hier vor sich geht, Schwester, aber���</p><p>�Was hier vor sich geht�, unterbricht sie ihn ohne ein Anzeichen von Nervosit�t oder Angst, �ist Folgendes: Es werden sich ein paar Dinge �ndern.�</p><p>�Tara. Was auch immer du���</p><p>�Lass mich eines klarstellen.� Ihre Stimme klingt ruhig und emotionslos. �Du h�ltst jetzt deinen Mund und tust genau das, was ich dir sage, oder ich werde dich wegpusten. Und glaub blo� nicht, dass ich bluffe.�</p><p>�Das ist���</p><p>�Weg mit dem Becher.�</p><p>Philip gehorcht und stellt den Kaffee langsam auf den Boden. �Okay, Schwester. Wie du willst.�</p><p>�H�r auf, mich Schwester zu nennen.�</p><p>�Ja, Ma�am.�</p><p>�Und jetzt holen wir deinen Bruder, deinen Freund und die Kleine.�</p><p>Adrenalin schie�t durch Philips Adern. Er glaubt nicht, dass Tara es in sich hat, ihm wirklich wehzutun, und er zieht in Erw�gung, sich auf sie zu werfen, um sich seine Waffe zur�ckzuholen. Immerhin sind es von ihm bis zum Lauf der Ruger nicht einmal zwei Meter. Aber er widersteht der Versuchung. Es ist besser, erst einmal zu gehorchen und sie zum Reden zu bringen.</p><p>�Darf ich etwas sagen?�</p><p>�SETZ DEINEN HINTERN IN BEWEGUNG!�</p><p>Ihr pl�tzliches Schreien durchschneidet die Stille und ist laut genug, um nicht nur Penny und Brian aufzuwecken, sondern wahrscheinlich auch Nick, der sowieso ein Fr�haufsteher ist, im oberen Stockwerk aufzuschrecken. Philip macht einen Schritt auf Tara zu. �Wenn du mir nur eine Chance geben w�rdest���</p><p>Die Ruger explodiert.</p><p>Der Schuss geht daneben�� vielleicht absichtlich, vielleicht auch nicht��, und die Kugel schl�gt ein Loch in die Wand einen halben Meter �ber Philips linker Schulter. Der Knall der Pistole hallt in dem winzigen Flur ohrenbet�ubend laut wider. Philips Ohren dr�hnen. Ein St�ck Putz fliegt ihm mit voller Wucht ins Gesicht und bleibt an seiner Wange kleben.</p><p>Er kann Tara durch den dichten Rauch kaum ausmachen. Entweder l�chelt sie oder schneidet eine Grimasse�� schwer zu sagen.</p><p>�Der n�chste Schuss landet in deinem Gesicht�, h�rt er sie sagen. �Willst du jetzt ein guter Junge sein oder was?�</p><p>Nick Parsons h�rt den Schuss, kurz nachdem er die Bibel f�r seine Morgenandacht aufgeschlagen hat. Er sitzt im Bett, den R�cken an das Kopfteil gelehnt, und zuckt bei dem Knall zusammen, wodurch er das Buch fallen l�sst. Es war an der Stelle der Johannes-Offenbarung, Kapitel eins, Vers neun aufgeschlagen, wo Johannes verk�ndet: �Ich, Johannes, euer Bruder, teile mit euch die Bedr�ngnis und die Hoffnung auf Gottes neue Welt und die Standhaftigkeit, die Jesus uns schenkt.�</p><p>Nick springt aus dem Bett und eilt zum Schrank, um sich sein Gewehr zu schnappen, das dort eigentlich an der Wand stehen sollte. Tut es aber nicht. Panik kriecht Nicks R�ckgrat empor, und er dreht sich um, l�sst den Blick durchs Zimmer schweifen und bemerkt, was alles fehlt. Sein Rucksack�� weg. Seine Schachtel mit Munition�� weg. Seine Werkzeuge, sein Pickel, seine Stiefel, seine Karten�� alles weg.</p><p>Zumindest ist seine Jeans noch da, sch�n sorgf�ltig zusammengefaltet und �ber die R�cklehne des Stuhls gelegt. Er springt f�rmlich in die Hose und rennt dann aus dem Schlafzimmer durch die kleine Wohnung aus der T�r hinaus den Flur entlang. Die Treppe l�sst er in Windeseile hinter sich, ehe er in den Gang im Parterre einbiegt. Er glaubt, ein Schreien zu h�ren. Irgendjemand scheint sehr w�tend, aber ganz sicher ist er sich nicht. Er l�uft auf die Wohnung der Chalmers zu. Die T�r ist nicht abgeschlossen, und er tritt ein.</p><p>�Was ist los? Was zum Teufel ist hier los?�, fragt Nick, als er im Wohnzimmer abrupt anh�lt. Er sieht etwas, was keinen Sinn ergibt. Vor ihm steht Tara Chalmers mit erhobener Waffe�� Philips Waffe�� und bedroht seinen besten Freund, der eine merkw�rdige Grimasse zieht. Daneben ist Brian, der Penny an sich gezogen und seine Arme sch�tzend um sie gelegt hat. Und was noch merkw�rdiger ist: All ihre Sachen sind als gro�er Haufen mitten im Wohnzimmer vor dem Sofa aufget�rmt.</p><p>�Los, du auch. Zu den anderen�, befiehlt Tara und weist ihm den Weg mit dem Lauf der Waffe zu Philip, Brian und Penny.</p><p>�Was ist passiert?�</p><p>�Ruhe. Ihr tut, was ich sage.�</p><p>Nick gehorcht zwar, aber er ist verwirrt. Was um Himmels willen geht hier vor sich? Unwillk�rlich wirft Nick Philip einen Blick zu und sucht in den Augen des gro�en Mannes nach einer Antwort. Aber zum ersten Mal, seitdem Nick Philip Blake kennt, macht er einen beinahe kleinlauten, bel�mmerten Eindruck. Frustration und Unschl�ssigkeit stehen ihm im Gesicht geschrieben. Nick schaut Tara an. �Wo ist April? Was ist passiert?�</p><p>�Das geht dich nichts an.�</p><p>�Was hast du vor? Was soll das, unsere ganze Sachen in einem Haufen auf���</p><p>�Nicky�, meldet sich Philip zu Wort. �Vergiss es. Tara wird uns schon sagen, was sie mit uns vorhat. Und wir werden brav gehorchen, und alles wird sich in Wohlgefallen aufl�sen.�</p><p>Philip hat zwar mit Nick gesprochen, sieht aber die ganze Zeit �ber Tara an.</p><p>�H�r auf deinen Freund, Nick�, r�t diese. Auch sie richtet sich zwar an Nick, starrt aber unentwegt Philip an. Ihre Augen funkeln vor Abscheu, Rache und irgendetwas anderem�� etwas, das Nick nicht versteht, etwas das eine beunruhigend intime Qualit�t an sich zu haben scheint.</p><p>Pl�tzlich meldet sich Brian zu Wort: �Und was genau hast du mit uns vor?�</p><p>Tara beh�lt Philip weiterhin im Auge, als sie befiehlt: �Raus mit euch!�</p><p>Zuerst klingt dieser einfache Imperativ f�r Nick Parsons wie reine Rhetorik. Er glaubt nicht, dass Tara sie herumkommandiert, sondern es kommt ihm so vor, als ob sie ein Zeichen setzen will. Aber dieser erste Eindruck�� oder ist es vielleicht nur eine vage Hoffnung�� verschwindet in dem Augenblick, in dem er Taras Gesicht bemerkt.</p><p>�Raus!�</p><p>Philip starrt sie weiterhin an. �Wo ich herkomme, hei�t so etwas Mord.�</p><p>�Nenne es, wie du willst. Schnappt euch eure Sachen und verschwindet.�</p><p>�Willst du uns ohne Waffen auf die Stra�e schicken?�</p><p>�Ich werde noch viel mehr tun als das�, erwidert sie. �Ich werde mit einem eurer Gewehre auf das Dach steigen und sicherstellen, dass ihr auch wirklich die Kurve kratzt.�</p><p>Nach einem langen Augenblick des Schweigens schaut Nick seinen Kumpel fragend an.</p><p>Endlich wendet Philip den Blick von der beleibten, vollbusigen Frau mit der Pistole in der Hand ab. �Nimm dein Zeug�, fordert er Nick auf und wendet sich dann an Brian, �Ich habe einen Regenumhang in meinem Rucksack�� kannst du ihn Penny umwerfen?�</p><p>Sie brauchen kaum Zeit, um zu packen und sich fertigzumachen�� vielleicht f�nf Minuten. Tara Chalmers steht die ganze Zeit �ber Wache. Brian kann es nicht so recht fassen, aber er h�lt den Mund und �berlegt. Was hat das alles ausgel�st? Er schn�rt seine Stiefel, legt den Regenumhang um Penny und kommt zu dem Schluss, dass alles auf irgendeine kranke Dreiecksbeziehung hinweist. Allein die Tatsache, dass April nicht hier ist, spricht B�nde. Genau wie Taras unnachgiebige, selbstgerechte Wut. Aber worin liegt der wahre Grund f�r ihr Verhalten? Es kann nichts mit Philip zu tun haben. Nichts mit dem, was er gesagt oder getan hat. Also�� was konnte die beiden Frauen so tief verletzen?</p><p>F�r einen verr�ckten Augenblick wird Brian zur�ck in die Vergangenheit katapultiert, zur�ck zu seiner wahnsinnigen Exfrau. Zwanghaft, explosiv und unzuverl�ssig, war Jocelyn durchaus imstande, ebenfalls solche Dinge durchzuziehen. Pl�tzlich war sie f�r Wochen verschwunden. Einmal, als Brian auf der Abendschule war, warf sie sein ganzes Hab und Gut auf die Treppe vor ihr Mietshaus, als ob sie einen Schmutzfleck aus ihrem Leben wischen wollte. Aber das hier ist anders. Die Chalmers-Frauen haben bisher nicht den Eindruck gemacht, als ob sie irrational oder verr�ckt w�ren.</p><p>Was Brian am meisten Sorgen macht, ist das Verhalten seines Bruders. Unter der Oberfl�che seiner Ver�rgerung, seiner Wut und Frustration wirkt Philip Blake beinahe hoffnungslos. Das ist ein Hinweis, ein wichtiger Hinweis. Nur dumm, dass er nicht gen�gend Zeit hat, daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.</p><p>�Los, dann lasst uns gehen�, verk�ndet Philip, den Rucksack bereits geschultert. Er tr�gt seine Jeansjacke�� der schwarze, schmierige Schmutz und das getrocknete Blut ihrer ersten Begegnungen mit den Zombies sind noch sichtbar�� und geht zur T�r.</p><p>�Warte!�, h�lt Brian ihn auf und wendet sich an Tara. �Lass uns zumindest etwas zu essen mitnehmen. F�r Penny.�</p><p>Sie wirft ihm einen kalten Blick zu. �Ihr kommt hier lebendig raus. Das reicht.�</p><p>�Los, Brian� fordert Philip seinen Bruder unter dem T�rrahmen auf. �Es ist vorbei.�</p><p>Brian wirft ihm einen Blick zu. Etwas in Philips tief gefurchtem, verwitterten Gesicht r�hrt Brian. Philip geh�rt zur Familie. Sie haben viel zusammen durchgemacht und zu viel gemeinsam erlebt, um jetzt auf der Stra�e wie ausgesetzte Haustiere zu krepieren. Brian versp�rt ein ungewohntes Gef�hl, das sich in ihm zusammenbraut und ihn mit einer fremden Empfindung erf�llt, die ihm Kraft verleiht. �Gut�, sagt er schlie�lich. �Wenn es so sein soll���</p><p>Er spricht den Satz nicht zu Ende. Es gibt nichts mehr zu sagen. Er legt einen Arm um Penny und f�hrt sie aus der Wohnung, ihrem Vater hinterher.</p><p>Der Regen ist sowohl ein Fluch als auch ein Segen. Er prasselt ihnen ins Gesicht, als sie aus der T�r auf die Stra�e treten. Aber als sie sich unter einem verk�mmerten Baum in der Parkanlage zusammenkauern, um sich zu orientieren, merken sie, dass der Regen auch die Bei�er von der Stra�e gefegt hat. Die Gullys flie�en �ber, die Wassermassen bahnen sich einen Weg �ber den Teer, und die grauen Wolken h�ngen tief herab.</p><p>Nick schielt nach S�den in die Ferne. Die Stra�en sind relativ frei. �Da entlang ist der beste Weg! Da sind die meisten Sicherheitszonen.�</p><p>�Alles klar, dann gehen wir nach S�den�, erkl�rt Philip und wendet sich an Brian. �Kannst du sie wieder auf die Schultern nehmen? Ich z�hle auf dich, Kumpel. Pass auf sie auf.�</p><p>Brian wischt sich den Regen aus dem Gesicht und streckt dann den Daumen hoch, um sein Einverst�ndnis zu signalisieren.</p><p>Er dreht sich zu Penny und erkl�rt ihr, dass er sie gleich auf seine Schultern heben wird, als er pl�tzlich inneh�lt und sie ungl�ubig anstarrt. Auch sie streckt einen Daumen in die Luft. Brian wirft seinem Bruder einen Blick zu. Die beiden bed�rfen keiner Worte, um einander zu verstehen.</p><p>Penny Blake steht da und wartet. Trotzig streckt sie ihr Kinn in die H�he. Ihre sanften Augen blinzeln, um den Regen zu vertreiben, und ihr Gesichtsausdruck erinnert an den ihrer Mutter, wenn sie wieder einmal den Unsinn der M�nner �ber sich ergehen lassen musste. Endlich sagt das M�dchen: �Ich bin kein Baby mehr�� K�nnen wir jetzt gehen?�</p><p>Sie arbeiten sich zur n�chsten Ecke vor, wobei sie stets geduckt bleiben. Auf dem glitschigen B�rgersteig rutschen sie immer wieder aus. Der Regen verlangsamt ihr Vorankommen ungemein. Die Tropfen klatschen ihnen ins Gesicht, durchdringen ihre Kleidung und kriechen in ihre Gelenke. Es ist ein eisiger Herbstregen, der keine Anzeichen macht, besser zu werden.</p><p>Vor ihnen hat sich eine kleine Horde Zombies an einer Bushaltestelle versammelt. Die klebrigen Haare h�ngen ihnen wie verfilztes Moos in die verwesten Gesichter. Sie sehen aus, als w�rden sie auf einen Bus warten, der nie kommen wird.</p><p>Philip f�hrt seine Gruppe �ber eine Kreuzung und sucht unter einem Vordach Schutz. Nick zeigt in Richtung der ersten Sicherheitszone: Der Bus wartet einen halben H�userblock s�dlich hinter der Fu�g�ngerbr�cke auf sie. Eine rasche Geste von Philip, und die vier Gestalten eilen�� an Schaufensterfronten gedr�ckt�� auf den Bus zu.</p><p>�Ich bin daf�r, dass wir zur�ckgehen�, murrt Nick Parsons, als er sich auf den Boden des Busses kauert und seinen Rucksack durchw�hlt. Der Regen prasselt wie ged�mpfte Maschinengewehrsalven auf das Blech. Nick holt ein T-Shirt heraus und wischt sich damit den Regen aus dem Gesicht. �Das ist nur eine einzige Frau, mit der wir es zu tun haben. Wir k�nnen die Wohnung von ihr zur�ckerobern. Ich schlage vor, dass wir zur�ckschleichen und sie verdammt noch mal hinauswerfen.�</p><p>�Du glaubst, dass wir ihr die Wohnung einfach so abnehmen k�nnen?� Philip steht neben dem Fahrersitz und durchsucht die Ablagef�cher in der Hoffnung, etwas Brauchbares zu finden. �Hast du deine kugelsichere Weste dabei?�</p><p>Der Bus�� ein neun Meter langes Gef�hrt mit Plastiksitzen, die seitlich aufgereiht sind und nach innen blicken�� riecht nach den gespenstischen Ausd�nstungen seiner ehemaligen Passagiere. Der Geruch erinnert an einen nassen Hund. Hinten im Bus, auf dem vorletzten Sitz, hat Penny es sich bequem gemacht. Brian sitzt neben ihr und zittert in seinen durchn�sster Jeans und dem Sweatshirt. Er hat ein schlechtes Gef�hl, und es hat nichts mit dem Sturm oder der urbanen Wildnis Atlantas zu tun.</p><p>Seine Bef�rchtungen des bevorstehenden Untergangs stehen viel mehr mit den Geschehnissen der letzten Nacht in Zusammenhang. Er kann nicht anders als dar�ber nachzugr�beln. Was ist zwischen siebzehn Uhr, als sich Philip und April auf den Weg machten, und f�nf Uhr am n�chsten Morgen geschehen, als alles schon passiert war? Der rauen Anspannung in der Stimme seines Bruders und der kalten Entschlossenheit in seinem Gesicht nach zu schlie�en, wird es nicht einfach sein, das R�tsel zu l�sen. Ihre erste Aufgabe lautet sowieso erst mal zu �berleben. Aber die Sache will Brian nicht aus dem Kopf. Das Geheimnis spricht ihn auf einer tieferen Ebene an�� einer Ebene, die er nicht mit Worten fassen kann.</p><p>Drau�en blitzt es. F�r einen Augenblick wird alles grell erhellt.</p><p>�Uns ist es dort gut gegangen�, f�hrt Nick mit jammernder Stimme fort. Er steht auf und findet an einer herunterh�ngenden Handschlaufe Halt. �Mann, das sind unsere Waffen. Soll die ganze Arbeit, die wir da reingesteckt haben, f�r die Katz gewesen sein? Die Wohnung geh�rt uns genauso wie den Chalmers!�</p><p>�Runter mit dir�, befiehlt Philip tonlos. �Ich will nicht, dass uns so ein Ekelbrocken da drau�en sieht.�</p><p>Nick duckt sich.</p><p>Philip hat auf dem Fahrersitz Platz genommen. Die Federn quietschen unter seinem Gewicht. Er betrachtet eine Karte auf dem Armaturenbrett, findet aber nichts, was ihnen n�tzlich sein k�nnte. Der Schl�ssel steckt im Z�ndschloss. Philip dreht ihn um. Aber es passiert nichts, au�er dass sich der Starter vergebens bem�ht. �Ich will mich eigentlich nicht noch mal wiederholen, aber die Bude k�nnen wir abschreiben. Das Thema ist abgeschlossen. Aus, vorbei.�</p><p>�Aber warum? Warum k�nnen wir sie uns nicht einfach zur�ckholen, Philly? Die Schlampe machen wir doch locker fertig. Zu dritt.�</p><p>�Nick, lass es gut sein�, ermahnt ihn Philip, und selbst Brian hinten im Bus h�rt den warnenden Tonfall, der in der Stimme seines Bruders mitschwingt.</p><p>�Ich verstehe es einfach nicht�, beschwert sich Nick leise. �Wie kann so etwas geschehen���</p><p>�Bingo!� Endlich hat sich Philips Suche gelohnt. Ein hundertzwanzig Zentimeter langer Stahlstab, in etwa so breit und so schwer wie Bewehrungsstahl, h�ngt unterhalb des Fahrerfensters. Er hat einen Haken an einer Seite, sodass der Fahrer die T�r schlie�en kann, ohne aufstehen zu m�ssen. Jetzt, da ihn Philip in der D�mmerung hin und her schwingt, scheint er eine formidable Waffe zu sein. �Das ist doch gar nicht so schlecht f�r den Anfang�, murmelt er.</p><p>�Wie ist es passiert, Philly?�, hakt Nick erneut nach und kauert sich inmitten der Blitze auf den Boden.</p><p>�VERDAMMT NOCH MAL!�</p><p>Philip schl�gt den Stahlstab mit voller Wucht auf das Armaturenbrett, und Plastikfetzen spr�hen durch den vorderen Teil des Busses. Alle zucken zusammen. Dann schl�gt er erneut zu und zerbricht das Funkger�t. Er holt zum dritten Mal aus und vergr�bt den Stab mit voller Wucht im Tacho, wobei auch der Geldhalter zerbricht und M�nzen durch die Gegend fliegen. Philip will nicht mehr aufh�ren. Er drischt so lange auf das Armaturenbrett ein, bis er es zerst�rt hat.</p><p>Endlich, als die Adern in seinem Kopf schon zu platzen drohen und sein Gesicht vor Wut blutrot angelaufen ist, wendet er sich an Nick Parsons. �W�rdest du jetzt endlich deine verdammte Schnauze halten!�</p><p>Nick starrt ihn ungl�ubig an.</p><p>Im hinteren Teil des Busses hat sich Penny weggedreht, starrt still aus dem Fenster und folgt dem Regen, wie er in Rinnsalen die Fenster hinunterstr�mt. Ihr Gesicht ist versteinert, als ob sie ein verzwicktes mathematisches Problem ausarbeiten w�rde, das f�r ihr Alter viel zu kompliziert ist.</p><p>Vorne ist Nick noch immer vor Schock gel�hmt. �He, Philly�� Immer mit der Ruhe�� Ich meine doch nur�� Verstehst du? Sollte nichts bedeuten. Nur�� ich habe mich da ganz wohl gef�hlt.�</p><p>Philip f�hrt sich mit der Zunge �ber die Lippen. Das Lodern in seinen Augen l�sst nach. Er holt tief Luft und atmet langsam und schmerzvoll aus. Er legt den Stahlstab auf den Fahrersitz. �H�r zu�� Tut mir leid�� Ich verstehe ja, was du meinst. Aber so ist es besser. Ohne Strom wird das Haus sowieso bald wie ein riesiger Eisschrank sein�� sp�testens Mitte November.�</p><p>Nick starrt auf den Boden. �Ja�� Vielleicht hast du recht.�</p><p>�Es ist besser so, Nicky.�</p><p>�Klar.�</p><p>Brian fl�stert Penny zu, dass er gleich wieder zur�ckkommen w�rde, und rutscht von seinem Sitz.</p><p>Geb�ckt kriecht er den Gang entlang, sodass man ihn von drau�en nicht sehen kann, bis er bei Nick und seinem Bruder angelangt ist. �Also�� wie sieht unser Plan aus, Philip?�</p><p>�Wir suchen uns einen Ort, an dem wir ein Feuer machen k�nnen. Das geht schlecht in diesen Wohnbl�cken.�</p><p>�Nick, wie viele von diesen Sicherheitszonen gibt es eigentlich?�, will Brian wissen.</p><p>�Genug, um von hier wegzukommen. Allerdings brauchen wir hier und da etwas Gl�ck.�</p><p>�Fr�her oder sp�ter ben�tigen wir auch ein Auto�, gibt Brian zu bedenken.</p><p>�Ach was�, knurrt Philip sp�ttisch.</p><p>�Glaubst du, dass der Bus noch Super im Tank hat?�</p><p>�Wenn, dann Diesel.�</p><p>�Ist doch egal, was es ist. Wir haben sowieso nichts zum Absaugen.�</p><p>�Und nichts, womit wir den Sprit auffangen k�nnen�, erg�nzt Philip.</p><p>�Das Gleiche gilt f�r den Transport�, f�gt Nick hinzu.</p><p>�Das Ding da�, sagt Brian und deutet auf den Stahlstab auf dem Fahrersitz. �Ist das scharf genug, um ein Loch in den Tank zu bohren?�</p><p>�Den Tank des Busses?�, fragt Philip und �berlegt. �K�nnte klappen. Aber wozu?�</p><p>Brian schluckt. Er hat eine Idee.</p><p>Sie schl�pfen einer nach dem anderen aus der T�r in den Regen hinaus, der sich mittlerweile zu einem andauernden, kalten Nieseln abgeschw�cht hat. Das Tageslicht ist nur d�rftig. Philip hat den Stahlstab in der Hand. Nick tr�gt die drei Miller-Light-Flaschen, die Brian unter den hinteren Sitzen gefunden hat, und Brian passt auf Penny auf. Egal, in welche Richtung sie blicken�� �berall sind dunkle Gestalten zu sehen. Die n�chste ist vielleicht einen H�userblock von ihnen entfernt. Die Zeit l�uft.</p><p>Alle paar Sekunden erhellt ein Blitz die gesamte Stadt und taucht sie in grelles Licht, sodass man die Untoten sehen kann, die von beiden Enden der Stra�e auf sie zukommen. Einige der Bei�er haben die Menschen bemerkt, die um den Bus gehuscht sind, und kommen jetzt mit wesentlich gezielteren Stolperschritten n�her.</p><p>Philip wei�, wo sich der Tank im Bus befindet. Er ist schlie�lich nicht umsonst Lkw-Fahrer gewesen.</p><p>Er kniet sich neben den riesigen Vorderreifen und greift rasch unter die Karosse, um den Tank ausfindig zu machen. Der Regen tropft ihm �ber das Kinn. Der Bus hat zwei separate Tanks mit jeweils dreihundert Litern.</p><p>�Beeil dich, Mann, die kommen!� Nick kniet hinter Philip, die Flaschen in der Hand.</p><p>Philip schl�gt mit dem spitzen Ende des Stahlstabs gegen den unteren Teil des Tanks, jedoch ohne viel Erfolg. Seine Bem�hungen haben nicht mehr als eine kleine Beule hinterlassen. Er schreit w�tend auf und holt weit aus, ehe er den Stab erneut mit aller Wucht gegen den Treibstoffbeh�lter rammt.</p><p>Diesmal durchbricht die Spitze den Tank, ein d�nner Strahl gelber, schmieriger Fl�ssigkeit schie�t hervor und spritzt auf Philips Arme und H�nde. Rasch lehnt sich Nick nach vorn und f�llt die erste der kleinen Bierflaschen.</p><p>Es donnert, gefolgt von Blitzen. Brian wagt einen Blick �ber die Schulter und sieht ein ganzes Regiment wandelnder Leichen auf sie zukommen. Die grellen Blitze lassen sie noch n�her erscheinen, vielleicht sind es nur noch zwanzig Meter. Er kann ihre Gesichter deutlich in dem Stroboskoplicht erkennen.</p><p>Eine von ihnen hat keinen Kiefer mehr, w�hrend eine andere ihre Eingeweide aus einem Loch im Magen beim Gehen zu verlieren droht.</p><p>�Beeil dich, Nick! Schnell!� Brian h�lt ein zerfetztes Hemd in der einen und ein Feuerzeug in der anderen Hand. Er h�pft nerv�s von einem Fu� auf den anderen, w�hrend Penny neben ihm ihr Bestes tut, nicht die Nerven zu verlieren, indem sie die H�nde zu F�usten ballt und auf der Unterlippe herumkaut. Aber sie beh�lt die heranstolpernde Masse genau im Auge.</p><p>�Hier die erste�� los! LOS!� Nick reicht Brian eine Flasche mit Treibstoff.</p><p>Brian stopft einen Fetzen in die �ffnung und dreht ihn rasch um, bis er sich vollgesogen hat. Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden, aber Brian sp�rt, wie ihm die Zeit davonrennt und sie Hunderte von Bei�ern umzingeln. Er versucht, den Molotowcocktail anzuz�nden, aber das Feuerzeug will bei dem Wind nicht so recht angehen.</p><p>�Los, Junge�� Los, los!� Philip wendet sich der immer n�her kommenden Horde zu und hebt den Stahlstab. Hinter ihm versucht Brian verzweifelt, den Stofffetzen anzuz�nden. Pl�tzlich hat er eine Flamme, und das dieselgetr�nkte Material beginnt zu brennen. Die Flammen z�ngeln an der Flasche entlang.</p><p>Brian wirft den Molotowcocktail in die erste Reihe der schlurfenden Untoten.</p><p>Die Flasche landet eineinhalb Meter vor den Zombies, explodiert in einem gelben Schein aus Feuer und prasselt unheilvoll in der Luft. Durch das unerwartete Licht und die Hitze stolpern die Leichen r�ckw�rts. Sie kommen sich in die Quere und fallen wie Dominosteine um. Eigentlich sieht es fast lustig aus, aber keiner von ihnen denkt auch nur an Lachen.</p><p>Philip schnappt sich die zweite gef�llte Flasche und stopft einen Hemdfetzen hinein. �Her mit dem Feuerzeug!� Brian reicht es ihm. �Und jetzt nichts wie weg!�, befiehlt Philip, z�ndet den Molotowcocktail an und wirft ihn in die Armee der Bei�er, die sich ihnen von der anderen Seite n�hert.</p><p>Diesmal landet die Flasche mitten unter ihnen und explodiert kurz darauf, sodass mindestens ein Dutzend von ihnen in Flammen aufgehen.</p><p>Brian will gar nicht hinschauen, als er sich Penny schnappt und wie ein Wahnsinniger hinter Nick in Richtung Friseurladen rennt.</p><p>Brian, Penny und Nick haben schon den halben Weg zur n�chsten Sicherheitszone zur�ckgelegt, als sie auf einmal merken, dass Philip fehlt.</p><p>�Was zum Teufel treibt der denn schon wieder?� Nicks Stimme klingt schrill und hektisch, als er neben einer weiteren, mit Brettern verschlagenen Schaufensterfront in Deckung geht.</p><p>�Woher soll ich das wissen?�, gibt Brian zur�ck und dr�ngt sich zusammen mit Penny in den Eingang, w�hrend er nach hinten in die Richtung seines Bruders blickt. Philip ist noch hundert Meter von ihnen entfernt und br�llt die Monster an, w�hrend er mit dem Stahlstab in der Luft herumfuchtelt und auf einen Bei�er einschl�gt. Ein brennender Zombie kommt in einer Wolke von rauchenden Funken auf ihn zu.</p><p>�Um Gottes willen!�, st�hnt Brian und h�lt Penny die Hand vor Augen. �Runter mit dir�� RUNTER MIT DIR!�</p><p>In der Ferne sehen sie, wie sich Philip Blake von dem Mob entfernt, in der einen Hand ein brennendes Feuerzeug und in der anderen den blutigen Stahlstab. Er scheint von einer Urkraft besessen zu sein, in der sich seine gesamte angestaute Wut sammelt.</p><p>Er h�lt inne und z�ndet eine Diesellache an, die sich unter dem Bus gebildet hat. Dann dreht er sich um und nimmt Rei�aus�� wie ein Soldat, der vor einer Granate fl�chtet.</p><p>Hinter ihm breiten sich die Flammen lauffeuerartig aus. Das blaue Lodern erreicht schon bald die st�hlerne Karosse des Busses. Philip legt circa f�nfzig Meter auf dem durchn�ssten Teer zur�ck und zerfetzt dabei die Sch�del eines halben Dutzend Bei�er, w�hrend das Feuer den Bus angreift.</p><p>Ein tiefer, dumpfer Schlag �bert�nt pl�tzlich sowohl Regen als auch das St�hnen der Untoten. Inmitten der Feuersbrunst und des Nebels verliert Philip seinen Bruder aus den Augen.</p><p>�PHILIP! HIER!�</p><p>Brians Rufe helfen Philip, der Richtung zu folgen, aus der die Stimme kommt, als pl�tzlich eine weitere Explosion den Boden ersch�ttert und den dunklen, grauen Nachmittag in ein grelles, hei�es Licht taucht.</p><p>Keiner von ihnen versteht so ganz, was passiert. Sie sind alle zu sehr damit besch�ftigt, sich in den Eingang zu ducken und ihre Gesichter vor fliegenden Schrapnellgeschossen zu sch�tzen. Einzelteile des Busses schie�en in Form von scharfen Metallsplittern und zerborstenen Glasscherben am T�reingang vorbei. Brian kann in der Spiegelung eines noch halb vorhandenen Schaufensters die Explosion sehen: Einen halben H�userblock entfernt fliegt der zwanzig Tonnen schwere Bus in die Luft, und ein Rauchpilz aus grellem, alles vernichtendem Feuer, das die Fahrerkabine zerrei�t, steigt in die Luft. Danach rollt eine fl�ssig hei�e Sto�welle mit dem violetten Glanz einer Supernova durch die Masse von Zombies. Unz�hlige Untote werden von ihr mitgerissen, einge�schert in ihrem Hochofen. Einige werden von unz�hligen Schrapnellen in tausend St�cke zerfetzt. Ihre �berreste steigen wie ein Schwarm V�gel in den sturmumtosten Himmel auf.</p><p>Eine brennende Sto�stange landet keine f�nf Meter von ihnen entfernt auf dem Boden.</p><p>Alle schrecken zusammen und rei�en die Augen auf. �Verdammt! VERDAMMT!�, schreit Nick und sch�tzt den Kopf mit beiden H�nden. Brian h�lt Penny fest an sich gedr�ckt. Es hat ihm die Sprache verschlagen, und er ist starr vor Entsetzen.</p><p>Philip wischt sich das Gesicht mit dem Handr�cken ab und schaut benommen wie ein Schlafwandler, der gerade zu sich kommt, um sich. �Alles klar.� Er wirft einen Blick �ber die Schulter und wendet sich an Nick. �Und wo ist jetzt dieser Friseur?�</p></section><section><title><p>Sechzehn</p></title><p>Einen halben H�userblock weiter s�dlich�� in der Dunkelheit eines fauligen, luftarmen Raums mit Fliesen an den W�nden, inmitten herumfliegender Reste von True-Detective-Magazinen, K�mmen, Staubm�usen aus menschlichem Haar und Tuben mit Haargel�� trocknen sie sich die Gesichter an Handt�chern und Friseurkitteln und entdecken weitere Zutaten f�r ihre Molotowcocktails Marke Eigenbau.</p><p>Sie leeren Flaschen mit Haarwasser und f�llen sie mit Alkohol, um sie danach mit Baumwollwatte zuzustopfen. Ein alter, von diversen Eins�tzen in Mitleidenschaft gezogener Louisville-Baseballschl�ger steht neben der Kasse. Er hat wohl dazu gedient, unbequeme Kunden oder Raudis abzuschrecken, die sich auf unredliche Weise bereichern wollten. Philip schnappt ihn sich und reicht ihn Nick mit den Worten, weise damit umzugehen.</p><p>Sie durchforsten den Laden nach sonstigen Dingen, die ihnen n�tzlich sein k�nnten. Ein alter Verkaufsautomat beherbergt einige Schokoriegel, Kuchen mit Cremef�llung und eine uralte Dauerwurst. W�hrend sie die ergatterten Sachen in ihre Taschen stopfen, mahnt Philip, hier keine Wurzeln zu schlagen. Er h�rt Ger�usche von drau�en�� mehr Tote, die n�her kommen, wahrscheinlich von der Explosion angezogen. Der Regen hat nachgelassen, sodass jeder Laut besser zu h�ren ist. Sie m�ssen sich beeilen, wenn sie vor Sonnenuntergang aus der Stadt sein wollen. �Los, macht schon�, dr�ngt Philip. �Wir m�ssen hier raus und zur n�chsten Sicherheitszone. Nick, du zuerst.�</p><p>Widerwillig f�hrt Nick sie aus dem Friseurladen in den Nieselregen. Erneut dr�cken sie sich an Schaufensterfronten vorbei. Philip bildet die Nachhut, den Stahlstab gez�ckt. Er hat ein Auge auf Penny gerichtet, die sich wie ein �ffchen an Brians R�cken festklammert.</p><p>Sie haben den halben Weg hinter sich, als pl�tzlich ein Zombie hinter einem Autowrack erscheint und bedrohlich auf Brian und Penny zuwankt. Philip holt aus und trifft ihn mit dem Hakenende am Hinterkopf�� genau �ber dem sechsten Halswirbel. Er schl�gt so hart zu, dass er das R�ckgrat durchtrennt. Der Kopf sackt nach vorn und baumelt an Luft- und Speiser�hre auf der Brust. Dann sinkt die Kreatur auf den nassen Pflastersteinen zusammen.</p><p>Noch mehr Bei�er tauchen aus Gassen und dunklen T�reing�ngen auf.</p><p>Nick sieht das n�chste Symbol an der Ecke einer Kreuzung.</p><p>Der rote Stern steht �ber der Glast�r eines Gesch�fts, dessen Front mit eisernen Gitterst�ben gesichert ist. Au�er einigen abgerissenen Dr�hten, kaputten Neonr�hren und einem Haufen Klebeband sind die Schaufenster leer. Die T�r ist zwar geschlossen, aber nicht verriegelt�� genau wie sie Nick vor drei Tagen zur�ckgelassen hat.</p><p>Er rei�t sie auf und winkt die anderen hinein. Sie hasten ins Innere des Gesch�fts.</p><p>Alle sind derart darauf erpicht, rasch in Sicherheit zu geraten, dass niemand auf das Schild �ber der T�r achtet, auf dem mit schwarzen kalten Neonr�hren geschrieben steht: TOM THUMB�S TINY TOY SHOPPE.</p><p>Der kleine Laden, h�chstens f�nfzig Quadratmeter gro�, ist mit bunten Dingen aller Art �bers�t. Der schmutzige Inhalt umgest�rzter Regale�� Puppen, Autos und Spielzeugz�ge�� liegt �ber den Boden verstreut. Ein Tornado der Verw�stung ist offenbar durch das Gesch�ft getost. Wo mal Mobiles hingen, baumeln jetzt nur noch vereinzelte F�den. In den Ecken liegen die Reste von LEGO-Flugzeugen und Baus�tzen. Die flauschigen Innereien von Stofftieren werden wie herabgefallenes Laub von dem Wind aufgewirbelt, mit dem die Neuank�mmlinge hereinst�rmen und die T�r ins Schloss werfen.</p><p>Einen Augenblick lang stehen sie triefend nass da und holen Luft. Sie starren auf die Verw�stung, die vor ihnen liegt. Niemand bewegt sich. Etwas fasziniert sie an der ganzen Unordnung und h�lt sie im Eingang wie gebannt fest. �Niemand r�hrt sich von der Stelle�, verk�ndet Philip schlie�lich, kramt ein Taschentuch hervor und wischt sich den Nacken ab. Er steigt �ber einen kaputten Stoffb�ren und dringt dann weiter in den Laden vor. Dort ist eine T�r. Vielleicht f�hrt sie zu einem Lager, vielleicht aber auch nach drau�en. Brian l�st Penny sanft von seinem R�cken auf den Boden gleiten und untersucht sie nach Verletzungen.</p><p>Sie sieht traurig auf die Tr�mmer enthaupteter Barbiepuppen und zerfetzter Stofftiere.</p><p>�Als ich das erste Mal hier war�, erkl�rt Nick, der seinen Blick durch den Laden schweifen l�sst, �dachte ich mir, dass wir hier vielleicht etwas finden�� Gadgets, Walkie-Talkies, Taschenlampen�� <emphasis>irgendetwas</emphasis>.� Er geht zur Ladentheke und ein paar Stufen zur Kasse hoch. �Mann, so ein Laden und in dieser Gegend�� Es w�rde mich nicht wundern, wenn wir hier sogar eine Knarre finden.�</p><p>�Was ist <emphasis>da</emphasis>?�, fragt Philip und deutet mit dem Daumen auf einen Flur im hinteren Teil des Gesch�fts, der mit einem Vorhang abgetrennt ist. Der schwarze Stoff h�ngt bis zum Boden herab. �Hast du dir das angeschaut?�</p><p>�Ist wohl ein Warenlager, aber das ist nur eine Vermutung. Sei vorsichtig, Philly. Da ist es so dunkel und finster wie unter Tage.�</p><p>Philip h�lt vor dem Vorhang inne, streift sich den Rucksack von den Schultern und holt eine Taschenlampe hervor, die er in einer der Seitentaschen verstaut hat. Er schaltet sie ein und schiebt sich durch einen Spalt, um in der Finsternis zu verschwinden.</p><p>Penny ist noch immer von den kaputten Puppen und den ausgenommenen Stofftieren fasziniert. Brian beh�lt sie ununterbrochen im Auge. Er will ihr unbedingt helfen und erreichen, dass alle wieder ein Ziel vor Augen haben. Aber im Augenblick kann er nicht mehr tun, als sich neben dem M�dchen hinzuknien und es abzulenken, so gut es geht.</p><p>�Willst du vielleicht einen Schokoriegel?�</p><p>�Nein.� Ihre Stimme klingt so mechanisch wie die einer Aufziehpuppe.</p><p>�Sicher?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir haben auch Kuchen�� mit Cremef�llung�, lockt Brian, um die Stille zu f�llen. Aber er kann den Blick nicht von dem Ausdruck in Philips Gesicht und der brutalen Gewalt in seinen Augen abwenden. Seine Welt�� <emphasis>ihre</emphasis> Welt�� ist am Zusammenbrechen, das ist eindeutig.</p><p>�Nein, mir geht es gut�, erwidert Penny. Unter einem Haufen kaputten Spielzeugs ersp�ht sie einen kleinen Hello-Kitty-Rucksack. Zielstrebig geht sie darauf zu, zieht ihn hervor und mustert ihn. �St�rt es jemand, wenn ich mir paar Sachen mitnehme?�</p><p>�Was denn, Kleine?�, will Brian wissen und schaut sie an. �Spielzeug?�</p><p>Sie nickt.</p><p>Brian versp�rt einen Stich von Trauer und Scham in der Brust. �Bedien dich ruhig�, murmelt er.</p><p>Sie liest zertrampelte Puppen und ramponierte Stofftiere vom Boden auf. Brian kommt es beinahe wie ein Ritual vor, als sie Barbies ohne Gliedma�en und Teddyb�ren mit aufgetrennten N�hten mustert und dann die gewissenhaft, ausgew�hlten Spielzeuge mit einer Vorsicht in ihren Rucksack steckt, als ob sie sich der Verletzungen bewusst w�re. Brian seufzt.</p><p>Pl�tzlich ert�nt Philips Stimme aus dem dunklen Korridor im hinteren Teil des Ladens. Brian springt auf und ruft: �Was ist los?�</p><p>Hinter der Kasse spitzt Nick die Ohren. �Ich hab keine Ahnung. Hab�s auch nicht verstanden.�</p><p>�Philip?� Brian eilt zu dem schwarzen Vorhang. Vor nerv�ser Anspannung l�uft es ihm kalt den R�cken hinunter.</p><p>�Ist bei dir alles klar?�</p><p>Schritte sind hinter dem Vorhang zu h�ren. Dann zieht eine Hand den Stoff zur�ck, und Pilips Gesicht zeigt sich�� verzerrt vor Aufregung. �Schnappt euch eure Sachen! Wir haben gerade einen Sechser im Lotto!�</p><p>Philip f�hrt die Gruppe durch den dunklen Flur, vorbei an Regalen voller Spielzeug und Brettspiele. Sie treten durch eine Sicherheitst�r, die bei der Flucht des Ladeninhabers wahrscheinlich offen gelassen wurde. Es folgt ein weiterer schmaler Korridor, der von Philips Taschenlampe d�rftig beleuchtet wird, bis sie zu einem Notausgang kommen. Die Metallt�r steht einen Spalt breit offen. Sie k�nnen einige Schatten im Flur auf der anderen Seite ausmachen.</p><p>�Schaut euch an, was sich hinter diesem Laden befindet.� Philip tritt gegen die T�r. �Unser Fahrschein aus dieser verdammten H�lle.�</p><p>Die T�r schwingt auf, und Brian sieht nichts weiter als einen weiteren Flur, der genauso aussieht wie der, den sie gerade durchlaufen haben.</p><p>Am anderen Ende befindet sich eine weitere Metallt�r, die ebenfalls offensteht. Brian lugt hindurch und erkennt in der Dunkelheit eine Reihe gl�nzender Speichen. �Wahnsinn�, stammelt er. �Sehe ich da richtig?�</p><p>Der Raum ist riesig�� er umfasst das gesamte Erdgeschoss des angrenzenden Geb�udes�� und auf drei Seiten mit Sicherheitsglas ausgestattet. Durch die Fenster kann man die Stra�enecke sehen, an der schemenhafte Gestalten ziellos durch die Gegend stolpern. Aber hier, in der blitzsauberen Welt des Champion Cycle Centers, Atlantas erster Adresse f�r alles, was Motorr�der angeht, ist es warm, aufger�umt und auf Hochglanz poliert.</p><p>Der Ausstellungsraum scheint von der Plage unber�hrt geblieben zu sein. Das schwache Tageslicht, das durch die riesigen Scheiben dringt, beleuchtet vier lange Reihen unterschiedlicher Motorr�der, die sich durch die gesamte L�nge der Halle erstrecken. Es riecht nach Gummi, ge�ltem Leder und fein geschliffenem Stahl. An den Seiten ist die Halle mit Teppichboden ausgelegt, auf dem das Logo des Champion Cycle Centers zu sehen ist�� wie in einem F�nfsternehotel. Stromlose Leuchtreklamen h�ngen an mehreren Stellen von der Decke und preisen die verschiedenen Hersteller an: Kawasaki, Ducati, Yamaha, Honda, Triumph, Harley-Davidson und Suzuki.</p><p>�Glaubst du, dass in irgendeinem dieser Bikes Benzin ist?�, fragt Brian und dreht sich staunend um die eigene Achse.</p><p>�Unglaublich, was, Junge?� Philip weist mit dem Kopf �ber die Motorr�der, die Verkaufstheke und Tische hinweg zu Regalen, die von oben bis unten mit Ersatzteilen voll sind. �Dahinten gibt es eine Werkstatt und eine Garage�� Da finden wir schon, was wir brauchen.�</p><p>Penny starrt emotionslos auf die Auswahl von fahrbaren Unters�tzen. Auf dem R�cken tr�gt sie ihren neuen Hello-Kitty-Rucksack.</p><p>Brians Kopf dreht sich. Unterschiedlichste Gef�hle wallen in ihm auf: Aufregung, Angst, Hoffnung und Panik. �Da g�be es nur ein Problem���, beginnt er leise. Die erneute Verunsicherung lastet schwer auf ihm.</p><p>Philip blickt seinen Bruder an. �Was soll denn jetzt schon wieder ein Problem sein?�</p><p>Brian f�hrt sich �ber den Mund. �Ich habe keine Ahnung, wie man so ein Ding f�hrt.�</p><p>Die anderen lachen laut auf. Es war an der Zeit, etwas Dampf abzulassen, und die allgemeine Nervosit�t schwingt h�rbar mit. Aber sie lachen. Wenn auch nur �ber Brian. Philip versichert seinem Bruder, dass es nicht das Geringste ausmache, ob er jemals auf einem Motorrad gesessen habe oder nicht. Denn selbst ein Idiot k�nne so etwas innerhalb von zwei Minuten lernen. Sowohl Philip als auch Nick hatten zudem jahrelang eines besessen, weshalb Brian und Penny problemlos bei den beiden mitfahren k�nnen. Sie m�ssen sich nur entscheiden, wer bei wem hintendraufsitzt.</p><p>�Je schneller wir aus Atlanta rauskommen, desto bessere Chancen haben wir�, verk�ndet Philip kurz darauf, w�hrend er sich durch die Hosen, Jacken und Kombianz�ge aus Leder und sonstiges Zubeh�r in der N�he der Verkaufstheke w�hlt. Er zieht eine braune Harley-Jacke und schwere schwarze Motorradstiefel hervor. �Ich schlage vor, dass jeder aus seinen nassen Klamotten steigt und in f�nf Minuten fertig zur Abfahrt ist. Brian, du hilfst Penny.�</p><p>Sie wechseln die Kleidung. Der Regen drau�en l�sst immer mehr nach.</p><p>�Siehst du, wie sich die Bei�er da drau�en sammeln?�, fl�stert Nick Philip zu. Nick tr�gt bereits trockene Klamotten und schlie�t den Rei�verschluss seiner schwarzen Lederjacke. Er nickt in Richtung der Schaufensterfront. �Ein paar von denen sind schon ganz sch�n weit fortgeschritten.�</p><p>�Und?�</p><p>�Na ja, manche sind vielleicht schon drei oder vier Wochen alt.�</p><p>�Wenn nicht mehr.� Philip l�sst sich das durch den Kopf gehen, w�hrend er seine nasse Jeans auszieht. Die Unterw�sche klebt an seinem K�rper, und er hat fast Schwierigkeiten, sich herauszupellen. Er wendet sich von Penny ab, damit sie ihn nicht nackt sieht. �Das Ganze fing vor mehr als einem Monat oder so an�� Was willst du damit sagen?�</p><p>�Sie verwesen.�</p><p>�Was?�</p><p>Nick senkt die Stimme weiter, damit ihn Penny nicht h�ren kann. Sie ist gerade dabei, einen etwas zu kleinen Wintermantel anzuziehen. Brian hilft ihr dabei und versucht, ihn zuzumachen. �Denk mal nach, Philly. Die Natur hat es so eingerichtet, dass ein toter K�rper innerhalb eines Jahres zu Staub wird.� Er spricht jetzt noch leiser. �Insbesondere einer, der den Elementen ausgesetzt ist.�</p><p>�Was willst du damit sagen, Nick? Dass wir nur Tee trinken und abwarten m�ssen? Dass wir die Arbeit den Maden �berlassen sollen?�</p><p>Nick zuckt mit den Achseln. �Na ja. Ich habe laut nachgedacht���</p><p>�Nun pass mal auf, mein Freund�, sagt Philip. �H�r mir mit deinen verdammten Thesen auf.�</p><p>�Ich wollte doch nur���</p><p>�Die verschwinden nicht einfach so, Nicky. Schreib dir das hinter die Ohren. Ich will nicht, dass meine Tochter deine Thesen h�rt. Die ern�hren sich von Lebenden, und sie vermehren sich, und wenn sie verrotten, wird es neue Bei�er geben, die an ihre Stelle treten. Wenn wir etwas von der Sache mit dem alten Mann Chalmers gelernt haben, dann braucht man nicht erst gebissen zu werden, um so zu enden. Das hei�t, dass das Ende der Welt gekommen ist. Also wach auf, Junge. Es ist sp�ter, als du denkst.�</p><p>Nick senkt den Blick. �Ist gut, Mann�� Verstehe�� Du kannst dich wieder abregen, Philly.�</p><p>Mittlerweile hat es Brian geschafft, Pennys Mantel zuzumachen. Er nimmt sie an der Hand, und die beiden gehen zu Philip und Nick hin�ber. �Wir sind so weit.�</p><p>�Wie sp�t haben wir es?�, fragt Philip seinen Bruder, der in seiner zu gro�en Harley-Jacke etwas l�cherlich aussieht.</p><p>Er blickt auf die Uhr. �Kurz vor zw�lf.�</p><p>�Gut�� Das hei�t, wir haben sechs, vielleicht sieben Stunden Tageslicht, um diese verdammte H�llenstadt endlich hinter uns zu lassen.�</p><p>�Habt ihr euch eure Motorr�der schon ausgesucht?�, fragt Brian.</p><p>Philip schenkt ihm ein herablassendes L�cheln.</p><p>Sie suchen sich zwei der gr��ten Motorr�der im ganzen Laden aus: zwei Harley-Davidson Electra Glides, eine in Graublau und die andere in Mitternachtsschwarz. Sie sind nicht nur gro� und schwer, sondern strotzen vor Zugkraft, haben breite Sitze, bieten sogar etwas Stauraum und vor allem�� es sind verdammte Harleys! Philip will Penny mitnehmen, sodass Brian bei Nick aufsteigt. Die Tanks sind zwar leer, aber in der Werkstatt stehen gen�gend Motorr�der mit Sprit herum. Sie zapfen das Benzin ab und f�llen die Harleys bis obenhin auf.</p><p>Es dauert eine Viertelstunde, bis die Motorr�der startbereit sind, sie sich passende Helme ausgesucht und ihre Taschen festgezurrt haben. Mittlerweile geht es auf der Stra�e vor dem Motorradladen geradezu hektisch mit Untoten zu. Hunderte von Bei�ern dr�ngeln sich auf der Kreuzung und wandern ziellos im grauen Nieselregen umher. Manche knallen gegen das Sicherheitsglas und �chzen vor sich hin, w�hrend schwarzer Speichel aus ihren M�ndern flie�t. Ihre zinngrauen Augen starren gierig auf die beweglichen Schatten hinter dem Sicherheitsglas des Champion Cycle Centers.</p><p>�Viel los da drau�en�, murmelt Nick mehr zu sich selbst, als er das gewichtige Zweirad zum Seitenausgang schiebt, der durch eine T�r auf den Parkplatz f�hrt. Er st�lpt sich den Helm �ber und zieht ihn fest.</p><p>�Wir m�ssen sie �berraschen�, meint Philip und rollt seine schwarze Harley ebenfalls zur T�r. Sein Magen knurrt vor Hunger und Nervosit�t, als er sich den Helm aufsetzt. Das letzte Mal, dass sie etwas zwischen die Z�hne bekamen, ist inzwischen fast vierundzwanzig Stunden her. Philip steckt den Stahlstab zwischen Lenker und Frontscheibe, damit er jederzeit griffbereit ist. �Los, Schatz. Auf geht�s!�, ruft er Penny zu, die sch�chtern mit ihrem Kinderhelm ein wenig abseits steht. �Wir machen eine Spritztour�� okay?�</p><p>Brian hilft der Kleinen auf den Sozius, einen gepolsterten Sitz �ber dem schwarz lackierten Staufach, in dem er sogar einen Sicherheitsgurt findet. Er schnallt ihn um ihre schmale Taille und spricht ihr ermutigend zu. �Keine Sorge, Kleine! Das wird schon alles.�</p><p>�Zuerst geht es Richtung S�den, und dann biegen wir nach Westen ab�, meint er und steigt auf. �Nicky, fahr mir einfach hinterher.�</p><p>�Alles klar.�</p><p>�Alle Mann bereit?�</p><p>Brian tritt zur T�r und nickt nerv�s. �Alles klar.�</p><p>Philip startet seine Harley. Der Motor heult auf und f�llt den Ausstellungsraum mit Abgasen. Nick steigt ebenfalls auf den Kickstarter, und zusammen singen die beiden Motoren eine laute Arie in dissonantem Einklang, die den Raum erf�llt. Philip dreht am Gas und gibt Brian ein Zeichen.</p><p>Brian zieht den Riegel heraus und rei�t die T�r auf. Der Wind fegt ihnen um die Ohren. Philip legt den ersten Gang ein und schie�t ins Freie.</p><p>Brian springt auf Nicks Sozius, und die beiden machen sich ebenfalls auf den Weg.</p><p>�MIST! VERDAMMT! PHILIP! PHILIP! SCHAU NACH UNTEN! SCHAU VERDAMMT NOCH MAL NACH UNTEN! NACH UNTEN!�</p><p>Brians hektisches Gebr�ll wird von seinem Helm ged�mpft und vom lauten Motorenger�usch v�llig �bert�nt.</p><p>Es passiert Sekunden, nachdem sie durch eine Horde Bei�er auf der Kreuzung gerast sind. Die Leichen wurden vom Vorbau der Harleys in die Luft geschleudert. Nach einer Linkskurve sausen die M�nner auf der Water Street Richtung S�den und lassen die Scharen Untoter hinter sich, als Brian vor sich auf die Stra�e blickt und eine verst�mmelte Leiche sieht, die von Philips Harley mitgeschleppt wird.</p><p>Die untere H�lfte der Kreatur gibt es nicht mehr. Ihre Eingeweide wehen im Wind wie flatternde Kabel, aber der Oberk�rper funktioniert noch, und der vermodernde Kopf ist auch noch ganz. Mit den beiden toten Armen h�lt sich das Ding an der hinteren Sto�stange der Harley fest und beginnt, sich langsam aber sicher hochzuarbeiten.</p><p>Weder Philip noch Penny merken etwas.</p><p>�HOL AUF, NICK! FAHR NEBEN IHM HER!�, br�llt Brian, die Arme um den Fahrer geschlungen.</p><p>�VERSUCH ICH DOCH!�</p><p>Sie schie�en die menschenleere, nasse Nebenstra�e entlang, und die Motorr�der drohen, auf dem Wasser ins Schlingern zu geraten. Endlich bemerkt Penny die Kreatur, die sich verkrampft festh�lt und immer h�her klettert. Penny f�ngt an zu schreien und gestikuliert wild wie eine Schauspielerin in einem Stummfilm.</p><p>Nick dreht am Gas und holt Philip allm�hlich ein.</p><p>�HOL DEN BASEBALLSCHL�GER RAUS!�, br�llt er �ber den Motorenl�rm hinweg, und Brian versucht, den Schl�ger aus ihrem Gep�ck zu ziehen.</p><p>Jetzt hat auch Philip bemerkt, dass er einen blinden Passagier an Bord hat. Nick hat weiter aufgeholt. Er ist keine zwei Meter mehr vom R�cklicht der schwarzen Harley entfernt. Aber ehe Brian etwas mit dem Baseballschl�ger ausrichten kann, sieht er, wie Philip den Stahlstab aus seiner behelfsm��igen Scheide zwischen Lenker und Bike zieht.</p><p>Mit einer raschen, brutalen Bewegung, welche die Harley ins Schwanken bringt, dreht sich Philip, den Lenker in der linken Hand, um und schl�gt den Stahl mitten in den Rachen der untoten Kreatur.</p><p>Der aufgespie�te Kopf des Monsters h�lt, nur wenige Zentimeter vor Penny, inne. Doch der Stahlstab ist nun zwischen den gl�nzenden Auspuffrohren der Harley eingeklemmt, und die Kreatur h�ngt noch daran. Philip zieht das rechte Bein an und tritt mit der Wucht eines Rammbocks auf den halben Leichnam und den Stahlstab, sodass beides lose kommt. Das Wesen verliert den Halt und f�llt auf die Stra�e. Nick muss ein wildes Ausweichman�ver hinlegen, damit es sich nicht stattdessen an seiner Harley festh�lt.</p><p>Philip gibt Gas und f�hrt weiter Richtung S�den ohne einen Blick zur�ck.</p><p>Und so geht�s weiter im Zickzackkurs durch das s�dliche Atlanta. Sie wollen immer auf Nebenstra�en bleiben und nicht �ber gro�e Kreuzungen fahren. Nach eineinhalb Kilometern sto�en sie jedoch auf eine Hauptverkehrsstra�e mit wenigen Wracks und einer �berschaubaren Anzahl von Zombies. Also biegt Philip dort ab. Immerhin haben sie bereits f�nf Kilometer zur�ckgelegt.</p><p>Der Horizont ist unverbaut, und im Westen hellt es sogar ein wenig auf.</p><p>Sie haben genug Benzin f�r gute sechshundert Kilometer, ehe sie die Bikes erneut auff�llen m�ssen.</p><p>Was sie in der l�ndlichen, grauen Landschaft erwartet mag, kann nur besser sein als das, was sie in Atlanta hinter sich gelassen haben.</p><p>Es muss besser sein.</p></section></section><section><title><p>TEIL 3</p><p>Chaostheorie</p></title><section><p>Niemand w�hlt das B�se, weil es b�se ist;</p><p>man verwechselt es lediglich mit Gl�ckseligkeit,</p><p>mit dem Guten, nach dem man sich verzehrt.</p><p><emphasis>Mary Wollstonecraft-Shelley</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><p><image l:href="#3"/></p></section><section><title><p>Siebzehn</p></title><p>In der N�he des Hartsfield Airport h�rt es endlich auf zu regnen. �ber ihnen schimmern die Wolken noch immer silbrig metallisch und h�ngen weiterhin tief. Die Temperatur ist zwar deutlich zur�ckgegangen, aber es f�hlt sich trotzdem gut an, innerhalb einer knappen Stunde so weit gekommen zu sein. Der Highway 85 ist weniger verstopft als die Interstate 20, auf der sie gekommen waren, und die Anzahl von Bei�ern hat sich ebenfalls merklich verringert. Die meisten Geb�ude zu ihrer Linken und Rechten sind noch unversehrt, die Fenster und T�ren verriegelt und mit Brettern vernagelt. Die wenigen umherstreunenden Untoten stolpern durch die Gegend, als ob sie zur Landschaft geh�rten. Das ganze Land scheint infiziert zu sein, s�mtliche St�dte sind tot. Als sie so dahinfahren, k�nnen sie sich eines Gef�hls der Trostlosigkeit nicht erwehren. Trotzdem kommt es ihnen nicht wie das Ende der Welt vor.</p><p>Das einzige dr�ngende Problem, vor dem sie stehen, ist die Tatsache, dass jede Tankstelle oder jeder liegen gebliebene Tanklaster vor Bei�ern nur so wimmelt. Au�erdem macht sich Brian Sorgen um Penny. Bei jedem Zwischenhalt�� entweder, um sich zu erleichtern oder um nach Essen zu suchen�� wirkt ihr Gesicht abgespannter, und ihre kleinen Lippen sind rissiger. Brian bef�rchtet, sie k�nnte dehydrieren. Verdammt, sie alle haben schon viel zu lange nichts mehr getrunken.</p><p>Ein leerer Bauch ist eine Sache�� man vermag lange Zeit ohne Essen auszukommen��, aber ohne Wasser kann die Lage rasch kritisch werden.</p><p>F�nfzehn Kilometer s�dwestlich von Hartsfield hat sich die Landschaft zu einem Flickwerk aus Kiefernw�ldern und Sojabohnenfeldern aufgelockert. Brian �berlegt inzwischen, ob sie nicht vielleicht das Wasser aus den Motorradk�hlern trinken k�nnten. Auf einmal sieht er ein gr�nes Schild in der Ferne, auf dem die lang erwartete Ank�ndigung �Rastst�tte�� 2 km� steht. Philip gibt ein Zeichen, die n�chste Ausfahrt zu nehmen.</p><p>Als sie den Berg zum Parkplatz hinauftuckern, neben dem eine kleine Touristeninformation steht, f�llt Brian ein Stein vom Herzen. Weit und breit ist niemand zu sehen�� weder Lebende noch Tote.</p><p>�Philip, was ist in Atlanta passiert?�</p><p>Brian sitzt an einem Picknicktisch, der auf einer kleinen Grasfl�che hinter den Toilettenh�uschen steht. Philip tigert vor ihm auf und ab und nimmt immer wieder einen Schluck aus der Evian-Flasche, die er aus einem Verkaufsautomaten genommen hat. Er blickt zu Nick und Penny hin�ber, die ein St�ck entfernt auf einem verwahrlosten Kinderspielplatz spielen. Penny sitzt auf einem kleinen Karussell unter einer kranken Eiche, und Nick schiebt sie an. Das M�dchen wirkt freudlos und starrt vor sich hin, w�hrend es sich im Kreis dreht.</p><p>�Ich habe mich doch klar und deutlich ausgedr�ckt. Ich will nicht dar�ber reden�, knurrt Philip.</p><p>�Ich glaube aber trotzdem, dass du mir eine Antwort schuldig bist.�</p><p>�Ich bin niemandem etwas schuldig.�</p><p>�Irgendetwas ist passiert, und zwar an jenem Abend oder in der Nacht�, dr�ngt Brian weiter. Er hat keine Angst mehr vor seinem Bruder. Ein Ausbruch von Gewalt zwischen den beiden Blake-Br�dern scheint wahrscheinlicher als je zuvor, aber das l�sst Brian kalt. Etwas ist mit ihm passiert, etwas Grundlegendes wie eine seismische Verschiebung. Wenn Philip ihn erw�rgen will, dann soll es eben so sein. �War es etwas zwischen dir und April?�</p><p>Philip wird auf einmal ruhig und senkt den Blick. �Na und? Was w�rde das f�r einen Unterschied machen?�</p><p>�Das w�rde einen Riesenunterschied machen�� jedenfalls f�r mich. Unser Leben steht hier auf dem Spiel. In der Wohnung standen unsere Chancen noch recht gut. Und nun hat sich das Ganze einfach in Luft aufgel�st���</p><p>Philip blickt auf. Seine Augen sind jetzt auf Brian gerichtet. �Brian, lass es gut sein�, sagt er mit drohender Stimme.</p><p>�Verrate mir noch eines. Du warst doch so scharf darauf, von dort wegzukommen. Hast du auch einen Plan, wie es weitergehen soll?�</p><p>�Was?�</p><p>�Hast du so etwas wie eine Strategie? Irgendeine Idee, was als N�chstes kommen soll?�</p><p>�Was soll das? Bist du auf einmal Tourif�hrer geworden oder was?�</p><p>�Was ist, wenn es wieder mehr Bei�er werden? Wir haben kaum etwas anderes als unsere F�uste, um sie zu bek�mpfen.�</p><p>�Dann finden wir eben etwas.�</p><p>�Philip, was hast du mit uns vor?�</p><p>Philip wendet sich ab und schl�gt den Kragen seiner Lederjacke hoch. Er starrt auf den Highway, der sich durch die Landschaft nach Westen bis zum Horizont hochschl�ngelt. �Noch einen Monat oder so und der Winter kommt. Ich bin daf�r, dass wir weiter nach S�dwesten fahren�� Bis zum Mississippi.�</p><p>�Und was sollen wir da?�</p><p>�Von dort ist es einfach, nach S�den zu gelangen.�</p><p>�Und?�</p><p>Philip dreht sich um und fixiert Brian finster. In seinem tief gezeichneten Gesicht spiegelt sich eine Mischung aus Entschlossenheit und Verzweiflung wider, als ob er gar nicht an das glauben w�rde, was er sagt. �Wir finden schon einen Ort, an dem wir uns niederlassen k�nnen und zwar dauerhaft. Im Warmen. Wie Mobile oder Biloxi, vielleicht sogar New Orleans�� Ich wei� noch nicht. Irgendwo, wo es angenehm ist.�</p><p>Brian st�hnt ersch�pft auf. �Das h�rt sich so einfach an. Wir m�ssen nur nach S�den.�</p><p>�Wenn du einen besseren Plan hast, w�rde ich ihn gerne h�ren.�</p><p>�Ein langfristiger Plan ist ein Luxus, den ich mir schon lange nicht mehr leiste.�</p><p>�Wir schaffen das.�</p><p>�Wir m�ssen uns um Essen k�mmern, Philip. Ich mache mir Sorgen um Penny. Sie muss etwas Vern�nftiges in den Bauch bekommen.�</p><p>�Penny ist meine Tochter. Die Sorgen um sie kannst du mir �berlassen.�</p><p>�Sie r�hrt nicht einmal einen Kuchen mit Cremef�llung an. Kannst du das verstehen? Ein Kind, das keinen Kuchen mag! Wo gibt es denn so was?�</p><p>�Kuchen! Das ist doch l�cherlich�, knurrt Philip. �W�rde ich an ihrer Stelle auch nicht. Wir finden schon etwas. Penny schafft das. Die Kleine ist z�h�� wie ihre Mutter.�</p><p>Da hat er recht, denkt Brian. Bisher hat sich die Kleine verdammt gut �ber Wasser gehalten. Insgeheim ist sich Brian nicht einmal sicher, ob sie nicht diejenige ist, die ihre Gruppe zusammenh�lt und die M�nner davon abh�lt, sich gegenseitig kaputt zu machen.</p><p>Er wirft einen Blick auf Penny. Vertr�umt f�hrt sie auf dem rostigen Karussell im Kreis. Nick hat keine Lust mehr, sie weiter anzuschieben und gibt dem Karussell stattdessen ab und zu nur einen Tritt.</p><p>Hinter dem Spielplatz hebt sich die Landschaft zu einer mit B�umen bewachsenen Kuppe, auf der in der blassen Sonne ein kleiner, dem Wind ausgesetzter Friedhof liegt.</p><p>Penny und Nick reden ein wenig miteinander. Brian hat den Eindruck, als ob sie ihn �ber etwas ausfragen w�rde. Er wundert sich, was es sein k�nnte, denn die Kleine macht einen besorgten Eindruck.</p><p>�Onkel Nick?� Pennys kleines Gesicht ist vor Sorge ganz starr. Langsam dreht sie auf dem Karussell ihre Runden. Sie nennt Nick schon seit Jahren �Onkel�, obwohl sie wei�, dass er in Wirklichkeit nicht ihr Onkel ist. Die Bezeichnung hat in Nick schon immer etwas wie Sehnsucht ausgel�st�� die Sehnsucht, dass er irgendwann einmal vielleicht ein richtiger Onkel wird.</p><p>�Ja, Kleines?� Ein bleiernes Gef�hl legt sich auf Nick Parsons� Gem�t, w�hrend er das Karussell geistesabwesend immmer wieder mal anschiebt. Er kann die Br�der Blake im Augenwinkel sehen. Sie scheinen sich zu streiten.</p><p>�Ist Daddy sauer auf mich?�, fragt Penny.</p><p>Nick versteht nicht, was sie meint. Das M�dchen starrt auf den Boden, w�hrend es langsam im Kreis herumf�hrt. Nick w�hlt seine Worte mit Bedacht. �Nat�rlich nicht. Er ist nicht sauer auf dich. Was hat dich denn auf diese Idee gebracht?�</p><p>�Er redet nicht mehr so viel wie fr�her mit mir.�</p><p>Nick bremst das Karussell langsam ab, bis es steht. Penny schaukelt jetzt mit dem Kopf vor und zur�ck. Nick klopft ihr sanft auf die Schulter. �H�r zu. Ich verspreche dir, dass dich dein Daddy mehr als alles andere auf der Welt liebt.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Er hat nur gerade sehr viel um die Ohren. Deshalb ist er so.�</p><p>�Glaubst du nicht, dass er sauer auf mich ist?�</p><p>�Nie und nimmer. Er hat dich sehr lieb, Penny. Das kannst du mir glauben. Er hat nur�� nur viel um die Ohren.�</p><p>�Ja�� Kann sein.�</p><p>�Wir alle haben viel um die Ohren.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich bin mir sicher, dass keiner von uns in letzter Zeit viel geredet hat.�</p><p>�Onkel Nick?�</p><p>�Ja, S��e?�</p><p>�Glaubst du, dass Onkel Brian sauer auf mich ist?�</p><p>�Um Gottes willen, nein. Warum in aller Welt sollte Onkel Brian sauer auf dich sein?�</p><p>�Vielleicht, weil er mich die ganze Zeit durch die Gegend tragen muss?�</p><p>Nick l�chelt traurig. Er mustert ihre Miene, ihre sorgenvoll gerunzelte Stirn und streichelt ihr �ber die Wange. �Jetzt h�r mir mal zu. Du bist das mutigste kleine M�dchen, das mir je �ber den Weg gelaufen ist. Und das sage ich nicht einfach so. Du bist eine Blake�� Und darauf kannst du stolz sein.�</p><p>Sie denkt �ber seine Worte nach, und ein L�cheln zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab. �Wei�t du, was ich tun werde?�</p><p>�Nein, Liebes. Verrat es mir.�</p><p>�Ich werde die kaputten Puppen wieder heil machen. Du wirst schon sehen. Ich werde sie alle wieder gesund machen.�</p><p>Nick l�chelt sie an. �Das ist ein prima Plan.�</p><p>Er fragte sich schon, ob er das kleine M�dchen jemals wieder fr�hlich erleben w�rde.</p><p>Einen Augenblick sp�ter sieht Brian Blake aus dem Augenwinkel, wie sich etwas auf der anderen Seite der Rastst�tte zwischen den Picknicktischen bewegt. In hundert Meter Entfernung, hinter der Rastst�tte inmitten der zerfallenen Grabsteine mit ihren verblassten Inschriften und kaputten Plastikblumen braut sich etwas zusammen.</p><p>Brian starrt auf die drei Gestalten in der Ferne, die jetzt aus dem Schatten der B�ume treten. Unsicher stolpern sie auf Brian und die anderen zu�� wie tr�ge Bluthunde, die ihre Beute aufgesp�rt haben. Es ist schwer, es aus dieser Entfernung genau einzusch�tzen, aber ihre Kleider machen den Anschein, als ob sie aus Versehen in einen M�hdrescher geworfen worden w�ren. Ihre M�nder stehen in immerw�hrender Qual offen.</p><p>�Zeit, dass wir uns auf die Socken machen�, meint Philip locker und l�uft zum Spielplatz. Sein Gang ist schwer und hat etwas beinahe Mechanisches an sich.</p><p>Brian eilt ihm hinterher. Pl�tzlich dr�ngt sich ihm der Gedanke auf, dass sein Bruder, dessen muskul�se Arme an den Seiten herabh�ngen und auf dessen Schultern die Sorgen der Welt zu lasten scheinen, beinahe selbst ein Zombie sein k�nnte.</p><p>Sie fahren und fahren. Hauptsache weg von Atlanta. Immer wieder kommen sie an kleinen St�dtchen vorbei, die so still in der Landschaft liegen, als ob sie Modellbauten in einem Museum w�ren. Das blaue Licht der Abendd�mmerung zieht seinen Schleier �ber den bew�lkten Himmel, und der Wind schl�gt eiskalt gegen ihr Visier, w�hrend sie Autowracks und menschenleeren Wohnwagen ausweichen. Sie befinden sich noch immer auf dem Highway 85. Brian �berlegt. Sie m�ssen bald ein Nachtquartier suchen.</p><p>Auf dem Sitz hinter Nick hat Brian mit tr�nenden Augen und dr�hnenden Ohren vom Rauschen des Windes und dem Ger�usch des Doppelnockenwellenmotors der Harley gen�gend Zeit, sich die perfekte Bleibe f�r den ersch�pften Reisenden im Land der Toten vorzustellen. Er tr�umt von einer riesigen Festung mit G�rten und Wacht�rmen. Er w�rde seine linke Hand f�r ein Steak mit Pommes geben. Oder f�r eine Flasche Cola. Selbst ein St�ck des Fleisches, das die Chalmers immer aufgetischt haben��</p><p>Etwas spiegelt sich auf der Innenseite seines Visiers wider und rei�t ihn abrupt aus den Gedanken.</p><p>Er wirft einen Blick �ber die Schulter.</p><p>Merkw�rdig. F�r einen winzigen Augenblick versp�rte er etwas in seinem Nacken�� fl�chtig wie ein Kuss kalter Lippen. Es passierte genau im selben Moment, in dem er einen dunklen Punkt �ber sein Visier huschen sah. Vielleicht bildete er es sich nur ein, aber er glaubt, auch etwas im Seitenspiegel gesehen zu haben�� und zwar kurz bevor Nick nach S�den lenkte.</p><p>Er wirft erneut einen Blick nach hinten, sieht aber nichts als die leere Stra�e, die sich durch die Landschaft schl�ngelt und hinter einem W�ldchen verschwindet. Er zuckt mit den Achseln und widmet sich erneut seinen Fantasien.</p><p>Sie fahren immer tiefer ins Hinterland, bis sie an kaputten Farmh�usern und wilden Landstrichen vorbeikommen. Die sanfte H�gellandschaft mit ihren Bohnenfeldern f�llt nach links und rechts ab. Das hier ist alte Erde�� pr�historisch, m�de und �ber Generationen hinweg zu Tode bewirtschaftet. Die �berreste alter Maschinen liegen �berwachsen tief im Morast der Felder.</p><p>Die D�mmerung weicht langsam der Nacht, und das Grau des Himmels verf�rbt sich zu einem tiefen Indigoblau. Neunzehn Uhr. Brian hat die Sache mit der Spiegelung in seinem Visier inzwischen vergessen. Sie m�ssen sich langsam um eine Unterkunft k�mmern. Philip schaltet sein Licht ein. Das Motorrad wirft einen silbrigen Strahl auf die l�nger werdenden Schatten.</p><p>Brian will den anderen gerade Bescheid geben, dass sie nicht mehr viel Zeit haben, um etwas zu finden, aber Philip kommt ihm zuvor. Er gibt ein Handzeichen, ehe er nach rechts deutet. Brians Blick folgt der Geste nach Norden, und er sieht, worauf es sein Bruder abgesehen hat.</p><p>In der Ferne vor den H�geln kann man die Silhouette eines Hauses erkennen. Es ist noch so klein, dass es wie aus Papier gemacht aussieht. Wenn ihn Philip nicht darauf aufmerksam gemacht h�tte, w�re es Brian nicht aufgefallen. Jetzt aber wei� er, warum es Philip darauf abgesehen hat. Es scheint eines dieser alten H�user aus dem neunzehnten Jahrhundert, vielleicht sogar aus dem achtzehnten Jahrhundert zu sein�� wahrscheinlich das ehemalige Herrenhaus einer Plantage.</p><p>Erneut bemerkt Brian etwas, das in seinen Augenwinkeln vorbeihuscht. Diesmal hat er auch einen Blick im Seitenspiegel erhascht�� Es ist hinter ihnen und schnellt f�r den Bruchteil einer Sekunde durch sein Blickfeld.</p><p>Dann ist es wieder verschwunden, und Brian dreht sich auf seinem Sitz, um einen Blick �ber die Schulter zu werfen.</p><p>Sie nehmen die n�chste Ausfahrt und schie�en dann einen staubigen Feldweg entlang. W�hrend sie sich dem Haus n�hern, das einsam auf einer H�gelkuppe eines Gebirgsausl�ufers einen knappen Kilometer vom Highway entfernt steht, f�hrt Brian die K�lte so sehr in die Knochen, dass er zittern muss. Auf einmal erf�llt ihn eine Vorahnung, obwohl das Haus immer einladender aussieht, je n�her sie kommen. Dieser Teil von Georgia ist f�r seine Pfirsich-, Feigen- und Pflaumenplantagen ber�hmt, und als sie die Auffahrt zum Haus entlangfahren, wird es immer offensichtlicher, dass es sich hier um ein in die Jahre gekommenes Prachtexemplar eines Herrenhauses handelt.</p><p>Von Pfirsichb�umen ums�umt, die sich wie die Speichen eines Rads mit dem Haus in der Mitte in die Landschaft hineinziehen, steht das zweist�ckige Ziegelsteingeb�ude mit seinen kunstvoll verzierten Dachgauben und Dachfenstern und einem Dach, das bei einer alten, verfallenen italienischen Villa nicht fehl am Platz gewesen w�re, majest�tisch da. Die Veranda ist ein f�nfzehn Meter langer S�ulenvorbau mit Balustraden und Fenstern, die gerade noch unter dem sprie�enden Efeu und der Bougainvillea hervorlugen. In dem dahinschwindenden Licht erscheint das Geb�ude wie ein Geisterschiff, das noch aus den Zeiten vor dem amerikanischen B�rgerkrieg stammen k�nnte.</p><p>Der L�rm und die Abgase der Harleys wirbeln die staubige Luft auf, als Philip vor das Haus f�hrt, wo ein Springbrunnen aus Marmor steht; das Becken ist schon seit langem nicht mehr ges�ubert worden. Rechts befinden sich mehrere Au�engeb�ude, die Stallungen sein k�nnten. Ein mit Hirsegras �berwachsener Traktor steht in der N�he, w�hrend zur Linken der Villa ein Kutschenhaus in die H�he ragt, in das locker sechs Autos passen.</p><p>Brian registriert diesen �berfluss alten Geldes allerdings �berhaupt nicht, als sie sich langsam einer Seitent�r zwischen Garage und Villa n�hern.</p><p>Philip bremst und wirbelt eine gro�e Staubwolke auf. Er schaltet den Motor ab und mustert das lachsfarbene Ziegelgeb�ude. Nick kommt neben ihm zum Stehen und klappt den St�nder herunter. Niemand sagt ein Wort. Philip steigt ab und wendet sich an Penny. �Warte hier auf mich, Liebling.�</p><p>Nick und Brian steigen ebenfalls ab und strecken sich.</p><p>�Hast du den Baseballschl�ger zur Hand?�, fragt Philip, ohne die beiden anzuschauen.</p><p>�Glaubst du, dass da noch jemand ist?�, will Nick wissen.</p><p>�Man wei� nie.�</p><p>Philip wartet, bis Nick den Baseballschl�ger geholt hat, der zwischen Rahmen und Staufach seiner Maschine klemmt. Er reicht ihn Philip.</p><p>�Ihr bleibt bei Penny�, verk�ndet Philip und geht auf die Veranda zu.</p><p>Brian ergreift den Arm seines Bruders und h�lt ihn fest.</p><p>�Philip��� Brian will ihm von den dunklen Schatten erz�hlen, die �ber Visier und Seitenspiegel gehuscht sind, entscheidet sich dann aber dagegen. Er ist sich nicht sicher, ob Penny das h�ren soll.</p><p>�Was ist denn schon wieder?�, f�hrt Philip ihn an.</p><p>Brian schluckt. �Ich glaube, wir werden verfolgt.�</p><p>Die ehemaligen Bewohner der Villa gibt es hier schon seit langem nicht mehr. Drinnen sieht es so aus, als ob sie bereits Jahrzehnte vor Ausbruch der Plage ausgezogen w�ren. Vergilbte Laken h�ngen �ber den antiken M�beln. Viele Zimmer sind leer, staubige Mahnmale einer anderen Zeit. Eine Standuhr tickt leise im Salon vor sich hin, und Zeugen einer l�ngst vergangenen �ra schm�cken die Villa: kunstvoll gearbeiteter Stuck, Fenstert�ren und eine riesige Rundtreppe sowie zwei Kaminsimse mit Feuerstellen, so gro� wie begehbare Kleiderschr�nke. Unter einem Laken lugt ein Fl�gel hervor, unter einem anderen eine uralte Musiktruhe, und ein drittes Laken ist �ber einen Holzofen geworfen.</p><p>Philip und Nick suchen das obere Stockwerk nach Zombies ab, finden aber nichts weiter als staubige �berreste des Alten S�dens: eine Bibliothek, ein Flur voller �lgem�lde von Gener�len der Konf�rderierten in vergoldeten Rahmen, ein Kinderzimmer mit einer verstaubten alten Wiege, die noch aus Kolonialzeiten stammt. Die K�che ist �berraschend klein�� ein weiteres �berbleibsel aus dem neunzehnten Jahrhundert, als noch Sklaven oder Bedienstete das Kochen erledigten. Doch die Regale der gigantischen Speisekammer brechen beinahe unter der Last verstaubter Konserven zusammen. Jegliches Getreide und Reis sind bereits mehlig und voller Maden und W�rmer, aber die Auswahl an konservierten Fr�chten und Gem�se ist atemberaubend.</p><p>�Du hast Wahnvorstellungen, Junge�, erkl�rt Philip leise, als sie vor dem prasselnden Feuer im Hauptsalon sitzen. Sie haben Feuerholz neben der Scheune gefunden. Es ist das erste Mal, dass sie sich w�rmen, seitdem sie Atlanta verlassen haben. Die W�rme und der Schutz, den die Villa bietet, sowie die eingelegten Pfirsiche und Okraschoten lassen Penny auf der Stelle einschlafen. Im Augenblick liegt sie unter einer dicken Daunenbettdecke in einem Kinderzimmer im ersten Stock. Nick schl�ft im Zimmer daneben, aber die beiden Br�der leiden an Schlaflosigkeit. �Wer zum Teufel sollte uns schon folgen?�, f�gt Philip hinzu und nimmt einen weiteren Schluck von dem Sherry, den er in der Speisekammer gefunden hat.</p><p>�Ich sage nur, was ich gesehen habe�, erwidert Brian und wippt nerv�s auf dem Schaukelstuhl vor und zur�ck. Er hat ein trockenes Hemd und eine Trainingshose �bergezogen und f�hlt sich beinahe wieder menschlich. Missmutig mustert er seinen Bruder, der in das Feuer starrt, als ob ihm darin ein Geheimnis offenbart werden w�rde.</p><p>Aus irgendeinem Grund bricht Philips hageres, besorgtes Gesicht, auf das die Flammen ihre Schatten werfen, Brian beinahe das Herz. Er erinnert sich an fr�here gemeinsame Ausfl�ge in den Wald. Damals verbrachten sie die N�chte entweder im Zelt oder in einer Holzh�tte. Er kann sich seines ersten Biers mit seinem Bruder entsinnen; Brian war damals dreizehn und Philip erst zehn. Schon damals trank ihn Philip f�rmlich unter den Tisch.</p><p>�Vielleicht war es ja ein Auto�, f�hrt Brian fort. �Oder ein Minivan. Kann ich nicht genau sagen. Aber ich schw�re, dass ich es gesehen habe�� Und wenn es uns nicht hinterhergefahren ist, dann wei� ich nicht, was es sonst dort gemacht hat.�</p><p>�Was soll�s, wenn uns tats�chlich jemand verfolgt? Wen k�mmert das?�</p><p>Brian �berlegt eine Weile. �Nun�� Wenn sie uns gut gesinnt sind�� Ich nehme an, sie w�rden irgendwie Kontakt aufnehmen wollen. Entweder indem sie uns einholen oder uns irgendein Zeichen geben.�</p><p>�Wer weiߠ�� Philip starrt auf das prasselnde Feuer, aber seine Gedanken sind woanders. �Um wen auch immer es sich handeln mag�� Wenn sie da drau�en sind, dann geht es ihnen h�chstwahrscheinlich genauso mies wie uns.�</p><p>�K�nnte sein�, gibt Brian zu. �Vielleicht haben sie ja auch einfach Angst. Vielleicht�� Vielleicht spionieren sie uns auch erst einmal aus.�</p><p>�Hier wird sich niemand einfach so an uns heranschleichen k�nnen, das verspreche ich dir.�</p><p>�Ist gut, Philip. Ist gut.�</p><p>Brian wei� genau, was sein Bruder damit sagen will. Die Lage der Villa ist ideal. Sie liegt auf einer Anh�he, von der aus man kilometerweit in alle Richtungen �ber kahle B�ume hinwegblicken kann. Sie w�rden jeden Angreifer fr�h genug ausmachen k�nnen. Selbst bei Neumond ist die Obstplantage so still, dass es niemand schaffen w�rde, sich heranzuschleichen, ohne vorher entdeckt zu werden. Philip dachte zudem bereits laut �ber Stolperdr�hte im Garten nach, damit sie rechtzeitig vor etwaigen Eindringlingen gewarnt werden w�rden.</p><p>Au�erdem bietet das Haus alle Annehmlichkeiten, die man zum Leben braucht. Vielleicht k�nnten sie hier sogar den Winter verbringen. Im Hinterhof befindet sich ein Brunnen, der Traktor hat noch Diesel im Tank, es gibt eine Garage f�r die Harleys und Obstb�ume, so weit das Auge reicht. An manchen h�ngen sogar noch essbare Fr�chte, wenn auch ihnen der Frost bereits arg zugesetzt hat. Und es ist gen�gend Feuerholz da, um den Ofen und die Kamine �ber Monate hinweg zu heizen. Das einzige Problem, das sie haben, sind Waffen. Sie durchsuchten die Villa von oben bis unten und fanden lediglich ein paar brauchbare Dinge in der Scheune: eine rostige, alte Sense und eine Heugabel. Schusswaffen waren jedoch nirgendwo zu entdecken.</p><p>�Alles klar?�, fragt Brian nach einer langen Schweigepause.</p><p>�Und wie.�</p><p>�Sicher?�</p><p>�Ja, Mutti.� Philip starrt weiterhin ins Feuer. �Nach ein paar Tagen hier werden wir alle fit wie Turnschuhe sein.�</p><p>�Philip?�</p><p>�Was?�</p><p>�Darf ich etwas sagen?�</p><p>�Mann, was kommt jetzt?� Philip starrt noch immer auf die lodernden Flammen. Er hat sein Unterhemd und eine trockene Jeans an. Seine Socken sind durchl�chert, sein gro�er Zeh lugt hervor. Der Anblick des gro�en Onkels in dem flackernden Licht�� der Nagel hat auch schon bessere Tage gesehen��, bricht Brian erneut fast das Herz. Irgendwie l�sst der Zeh seinen Bruder�� vielleicht zum ersten Mal �berhaupt�� verwundbar erscheinen. Ohne Philip w�rden sie allerdings wohl kaum mehr am Leben sein. Brian versucht also seine Gef�hle runterzuschlucken.</p><p>�Ich bin dein Bruder, Philip.�</p><p>�Ach was.�</p><p>�Was ich damit sagen will�� Ich verurteile dich nicht. Und werde es auch niemals tun.�</p><p>�Und?�</p><p>�Und�� Ich finde es toll, was du f�r uns tust�� Wie du dein Leben f�r uns auf Spiel setzt. Ich will nur, dass du Folgendes wei�t: Ich rechne dir das hoch an.�</p><p>Philip antwortet nicht, starrt aber jetzt nicht mehr ganz so verkrampft ins Feuer wie zuvor. Stattdessen scheint er hinter sie zu blicken. Die Flammen lassen seine Augen geheimnisvoll funkeln.</p><p>�Ich wei�, dass du ein guter Mensch bist�, redet Brian weiter. �Das wei� ich.� Er h�lt einen Augenblick lang inne. �Und ich wei�, dass dich etwas auffrisst.�</p><p>�Brian���</p><p>�Lass mich ausreden.� Die Unterhaltung hat jetzt einen Punkt �berschritten, nach dem es kein Zur�ck mehr gibt. �Wenn du mir nicht beichten willst, was zwischen dir und April passiert ist, habe ich damit kein Problem. Ich werde dich nie wieder danach fragen.� Es folgt eine noch l�ngere Pause. �Aber du kannst es mir erz�hlen, Philip. Du kannst es mir erz�hlen, weil ich dein Bruder bin.�</p><p>Endlich wendet sich Philip vom Feuer ab und mustert seinen Bruder. Eine Tr�ne l�uft �ber sein markantes Gesicht, und Brians Magen verkrampft sich bei dem Anblick. Er kann sich nicht daran erinnern, Philip jemals weinen gesehen zu haben�� selbst als Kind nicht. Einmal verpr�gelte ihr Vater den zw�lfj�hrigen Philip erbarmungslos mit einer Haselnussrute. Die Striemen auf R�cken und Po lie�en ihn die die ganze Nacht auf dem Bauch schlafen. Aber er vergoss auch damals keine Tr�ne. Er tat es aus reinem Trotz nicht. Doch jetzt, da er in Brians Augen blickt, klingt seine Stimme tonlos, als er seinem Bruder sein Herz �ffnet. �Ich habe Mist gebaut, Junge.�</p><p>Brian nickt, sagt aber nichts. Er wartet. Das Feuer prasselt leise.</p><p>Philip schaut auf den Boden. �Ich glaube, ich habe mich in sie verknallt.� Eine Tr�ne tropft von seinem Kinn. Seine Stimme bleibt weiterhin tonlos und leise. �Ich will nicht behaupten, dass es Liebe war, aber was ist schon Liebe? Liebe ist eine Krankheit.� Er sch�ttelt sich, als ob ihn ein D�mon in seinem Inneren qu�len w�rde. �Ich habe es zerst�rt, Brian. Aus uns h�tte etwas werden k�nnen, etwas Solides. Du wei�t schon�� f�r Penny und so. Etwas Gutes.� Er verzieht das Gesicht, als ob er eine Woge der Traurigkeit zur�ckhalten m�sste. Tr�nen steigen ihm bei jedem Blinzeln in die Augen und rinnen ihm �bers Gesicht. �Ich konnte nicht mehr an mich halten. Sie hat mich gebeten, aber ich konnte nicht. Verstehst du�� Die Sache ist so�� Es hat sich so verdammt gut angef�hlt.� Jetzt flie�en die Tr�nen in Str�men. �Selbst als sie mich weggedr�ckt hat, f�hlte es sich noch immer wahnsinnig gut an.� Stille. �Was ist nur mit mir los?� Stille. �Ich wei�, dass es daf�r keine Entschuldigung gibt.� Schweigen. �Ich bin nicht bl�d�� Ich kann nur nicht glauben, dass ich je�� Ich h�tte nie und nimmer gedacht, dass ich so was in mir habe�� Ich habe keine Ahnung gehabt���</p><p>Seine Stimme versagt, und um sie herum gibt es nur noch das Prasseln des Feuers und die Dunkelheit um das Haus. Nach einer halben Ewigkeit hebt Philip endlich den Blick und schaut seinen Bruder an.</p><p>In dem tanzenden Licht der Flammen sieht Brian, dass Philip nicht mehr weinen kann. Sein Gesicht ist von echter Verzweiflung gezeichnet. Brian sagt noch immer kein Wort, sondern nickt nur stumm.</p><p>Es ist inzwischen Anfang November. Sie warten ab, um zu sehen, was das Wetter macht.</p><p>Ein eiskalter Schneeregen fegt eines Morgens �ber die Obstplantage. Wenige Tage sp�ter legt sich der Frost �ber die Felder und verdirbt die �brig gebliebenen Fr�chte an den B�umen. Obwohl sich der Winter in gro�en Schritten n�hert, machen sie keine Anstalten, die Villa zu verlassen. Schlie�lich ist hier ihre beste Chance, die bevorstehende harte Zeit zu �berleben. Sie haben gen�gend konservierte Lebensmittel, um sich mit etwas Umsicht monatelang �ber Wasser zu halten. Holz ist auch da, um warm zu bleiben, und die Obstplantage scheint zumindest in der unmittelbaren Umgebung relativ frei von irgendwelchen Bei�ern zu sein.</p><p>Philip macht den Anschein, als ob es ihm jetzt besser gehen w�rde, da er seine Schuld offen ausgesprochen hat. Brian beh�lt das Geheimnis f�r sich. Er denkt oft dar�ber nach, spricht aber nie wieder davon. Die beiden Br�der kommen mittlerweile besser miteinander aus, und selbst Penny scheint sich in dem neuen Leben, das sie langsam, aber sicher entwickeln, einigerma�en wohl zu f�hlen.</p><p>Sie findet ein altes Puppenhaus in einem der Zimmer im ersten Stock und richtet sich und ihren kaputten Spielsachen eine Ecke im oberen Flur ein. Als Brian eines Tages die Treppe hochkommt, entdeckt er die kaputten Puppen ordentlich nebeneinander daliegen, ihre fehlenden Gliedma�en neben ihnen aufgereiht. Er betrachtet eine Zeit lang das kleine Leichenschauhaus, ehe Penny ihn anspricht. �Los, Onkel Brian�, sagt sie. �Du kannst der Arzt sein�� Du kannst mir helfen, sie wieder heil zu machen.�</p><p>�Gute Idee�, erwidert er nickend. �Die kriegen wir schon wieder hin.�</p><p>Ein anderes Mal h�rt Brian fr�h am Morgen ein Ger�usch aus dem Parterre. Er geht die Treppe hinab zur K�che und sieht Penny, die auf einem Stuhl steht und von oben bis unten mit Mehl bedeckt ist. Sie hantiert mit T�pfen und Pfannen. Etwas, das wie Pfannkuchenteig aussieht, ist in ihr verfilztes Haar geschmiert. Die K�che gleicht einem Katastrophengebiet. Kurz darauf kommen Philip und Nick herunter, und die drei M�nner stehen in der T�r und sehen Penny an. �Nicht b�se sein�, verk�ndet sie und wirft ihnen einen Blick �ber die Schulter zu. �Ich mache alles wieder sauber.�</p><p>Die M�nner schauen sich gegenseitig an. Seit Wochen muss Philip endlich wieder einmal lachen. �Wer soll dir denn b�se sein? Wir sind nicht b�se, sondern haben Hunger. Wann gibt es Fr�hst�ck?�</p><p>Die Tage vergehen, und sie treffen Vorkehrungen. Von jetzt an machen sie nur noch nachts Feuer, da man so den Rauch vom Highway aus nicht sehen kann. Philip und Nick bauen einen Zaun aus Bindedraht, den sie zwischen h�lzernen Pfeilern straffziehen. Sie h�ngen leere Dosen an die Dr�hte, um sie vor etwaigen Eindringlingen zu warnen�� ganz gleich, ob es sich um Bei�er oder normale Menschen handelt. Auf dem Dachboden finden sie zudem eine alte Zw�lfkaliber-B�chse mit Doppellauf.</p><p>Die Flinte ist mit einem feinen Staubfilm �berzogen und mit Putten verziert. Sie sieht so aus, als ob sie einem das Gesicht zerfetzen w�rde, falls man auf die Idee k�me, sie zu gebrauchen. Aber es gibt keine Munition. Philip glaubt dennoch, dass sie von Nutzen sein k�nnte. Schlie�lich sieht sie bedrohlich genug aus.</p><p>�Man kann nie wissen�, sagt er und lehnt die Flinte an den Kaminsims, ehe er es sich auf der Couch gem�tlich macht und sich mit mehr Sherry bet�ubt.</p><p>Die Tage vergehen mit formloser Regelm��igkeit. Mittlerweile sind sie alle ausgeschlafen, erkunden die Obstplantage und ernten die gerade noch essbaren Fr�chte. Sie stellen sogar Kastenfallen in der Hoffnung auf, das eine oder andere Tier zu fangen. Eines Tages finden sie tats�chlich einen abgemagerten Hasen. Nick meldet sich freiwillig, das Tier zuzubereiten, und zaubert dann geschmorten Hasenbraten auf dem Holzofen.</p><p>W�hrenddessen laufen ihnen nur wenige Bei�er �ber den Weg. Eines Tages ist Nick gerade dabei, eine halb verdorrte Pflaume von einem Baum zu pfl�cken, als er einen herumwandelnden Untoten in Latzhose im Schatten des benachbarten Hofes sieht. Ruhig klettert er vom Baum runter, schleicht sich an den Bei�er heran und rammt ihm eine Heugabel mit aller Wucht in den Hinterkopf, als ob er einen Ballon kaputt machen wollte. Ein anderes Mal macht sich Philip gerade am Traktor zu schaffen, als er einen verst�mmelten Leichnam in einem der Wassergr�ben in der N�he entdeckt. Mit zerfetzten Beinen, die sie m�hsam hinter sich her zieht, scheint sich die Frau kilometerweit bis hierher geschleppt zu haben. Philip nimmt die Sense und trennt ihr kurzerhand den Sch�del ab, bevor er die �berreste mit etwas Treibstoff aus dem Traktor verbrennt.</p><p>So einfach geht das.</p><p>In der Zwischenzeit scheint sich die Villa genauso an sie zu gew�hnen wie sie sich an das altehrw�rdige Geb�ude. Sie nehmen die Laken von den opulenten M�beln, und schon wirkt alles wesentlich wohnlicher. Mittlerweile hat jeder sein eigenes Zimmer bezogen, und obwohl sie immer noch von Albtr�umen verfolgt werden, gibt es nichts Wohltuenderes, als die Treppe herunterzukommen und in die alte, elegante K�che zu treten, die von den Strahlen der Novembersonne erhellt wird. Dazu duftet es nach Kaffee, der die ganze Nacht �ber auf dem Ofen vor sich hingek�chelt hat.</p><p>Abgesehen von dem wiederkehrenden Gef�hl, unter Beobachtung zu stehen, ist alles ziemlich perfekt.</p><p>Die Ahnung, beobachtet zu werden, best�tigt sich f�r Brian schon ziemlich rasch�� genauer gesagt in der zweiten Nacht ihres Aufenthalts. Er ist an diesem Abend in sein Zimmer im ersten Stock gezogen�� einem schlichten N�hzimmer mit einem Himmelbett und einem Kleiderschrank aus dem achtzehnten Jahrhundert��, als er pl�tzlich mitten in der Nacht aufschreckt.</p><p>Er tr�umte, als Schiffbr�chiger auf einem Flo� mitten in einem Ozean von Blut zu schwimmen, als er pl�tzlich einen Lichtstrahl sieht. Im Traum glaubte er einen fernen Leuchtturm ersp�ht zu haben, der ihn zu sich lockt, um ihn vor dem unendlichen Meer aus Blut zu erretten. Doch als er aufwacht, merkt er, dass er ein echtes Licht in der richtigen Welt gesehen haben muss�� wenn auch nur f�r eine Sekunde. Es war ein rechteckiges Licht, das �ber die Decke wanderte. Doch kaum blinzelte er, war es verschwunden.</p><p>Er ist unsicher, ob er nicht nur getr�umt hat. Aber jede Faser in seinem K�rper dr�ngt ihn dazu, aufzustehen und zum Fenster zu gehen. Er folgt seinem Drang und starrt in die tiefe, schwarze Nacht hinaus. Im Nachhinein k�nnte er schw�ren, ein Auto gesehen zu haben, das keinen halben Kilometer entfernt ist und am Ende des Feldwegs vor dem Highway umdrehte. Dann ist es wie vom Erdboden verschwunden.</p><p>Danach ist es f�r Brian so gut wie unm�glich, in jener Nacht noch ein Auge zuzumachen.</p><p>Als er Philip und Nick am n�chsten Morgen davon erz�hlt, tun sie es als nichts weiter als einen Traum ab. Wer zum Teufel sollte schon vom Highway abbiegen, um dann wieder umzudrehen und weiterzufahren?</p><p>Doch der Verdacht erh�rtet sich f�r Brian w�hrend der n�chsten eineinhalb Wochen. Nachts sieht er immer wieder Lichter auf dem Highway oder am anderen Ende der Obstplantage. Manchmal kann er in den fr�hen Morgenstunden sogar das Knirschen von Reifen auf Kies h�ren. Zumindest k�nnte er darauf schw�ren, es geh�rt zu haben. Doch die Tatsache, dass er allein diese Ger�usche wahrnimmt und zudem zu den unm�glichsten Zeiten, ist schier unertr�glich f�r ihn. Er kann sich des Gef�hls nicht erwehren, dass die Villa langsam, aber sicher umzingelt wird. Da die anderen seine Mutma�ungen jedoch weiterhin als Verfolgungswahn abtun, h�rt er auf, ihnen davon zu erz�hlen. Vielleicht bildet er sich ja wirklich alles nur ein.</p><p>Jetzt erz�hlt er nichts mehr von seinen Wahrnehmungen. Er sagt diesbez�glich keinen Ton mehr�� bis zu ihrem zweiw�chigen Jubil�um in der Villa, als er kurz vor Sonnenaufgang von einem Klirren von Dosen aus dem Tiefschlaf gerissen wird.</p></section><section><title><p>Achtzehn</p></title><p>Was zum Teufel���, stammelt Brian in die Dunkelheit, die sein Zimmer einh�llt. Er tastet nach der Kerosinlampe auf seinem Nachttisch, st��t sie aber lediglich um, sodass das Glas zerbricht und die Fl�ssigkeit ausl�uft. Er steht auf und geht zum Fenster. Der Boden ist so kalt, dass seine F��e fast daran kleben bleiben.</p><p>Das Mondlicht erhellt die kristallklare Herbstnacht und verleiht jeder Form einen silbrigen Schein. Brian kann noch immer die Dosen an den Stolperdr�hten h�ren. Auch die anderen haben offenbar etwas mitbekommen, denn es dringen Ger�usche aus den anliegenden Zimmern zu ihm. Jetzt sind alle wach, aufgeweckt von den klappernden Dosen.</p><p>Das Merkw�rdigste ist�� Brian ist sich allerdings nicht ganz sicher, ob er sich das nicht nur einbildet��, dass das Klappern aus allen Richtungen zu kommen scheint. Die Dosen l�rmen sowohl hinter der Villa wie auch vor ihr. Brian reckt den Kopf, um besser sehen zu k�nnen, als die T�r zu seinem Zimmer aufgeht.</p><p>�Alles klar?� Philip steht mit nacktem Oberk�rper im T�rrahmen. Er tr�gt Jeans und Stiefel, die er aber noch nicht zugeschn�rt hat. In einer Hand h�lt er die alte Flinte, und seine Augen sind vor Aufregung weit aufgerissen. �Du schnappst dir die Heugabel, sie steht hinten in der Diele. Schnell!�</p><p>�Bei�er?�</p><p>�Jetzt mach schon!�</p><p>Brian nickt und eilt aus dem Zimmer. Vor Panik beginnt er zu keuchen. Er tr�gt nichts weiter als eine Jogginghose und ein �rmelloses T-Shirt. Als er durch die Villa rennt�� die Treppe hinab, quer durch den Salon und in den Gang hinaus��, sieht er, wie sich drau�en etwas bewegt. Es kommt n�her. N�her.</p><p>Er schnappt sich die Heugabel, die an die T�r gelehnt ist, dreht sich um und eilt zum Salon.</p><p>Nick, Philip und Penny warten bereits am Treppenabsatz auf ihn. Zusammen eilen sie zum Erkerfenster, das einen guten Rundblick auf die umliegenden Gartenanlagen, die sanft abfallende Einfahrt zur Stra�e und die Obstplantage bietet. Die geduckten Schattenumrisse sind nicht zu �bersehen. Sie n�hern sich aus drei Richtungen dem Haus.</p><p>�Sind das Autos?�, fragt Nick kaum h�rbar.</p><p>Als sich ihre Augen an die Finsternis gew�hnt haben, merken sie, dass es sich tats�chlich um Fahrzeuge handelt, die langsam �ber das Grundst�ck auf die Villa zufahren. Eines kommt die Auffahrt hoch, ein anderes n�hert sich von Norden her durch die Obstplantage, und ein drittes ist im S�den erkennbar, wie es auf einem Kiesweg aus dem W�ldchen kommt.</p><p>Mit einer beinahe perfekten Synchronisation h�lt jedes Auto in gleicher Entfernung zur Villa an und wartet einen Augenblick lang. Sie sind jetzt keine f�nfzehn Meter mehr entfernt. Die Windschutzscheiben sind zu dunkel, als dass man die Insassen erkennen k�nnte. �Das ist kein Begr��ungskomitee�, murmelt Philip trocken.</p><p>Pl�tzlich und beinahe wieder synchron gehen die Lichter an. Der Effekt ist recht dramatisch. Die Lichtstrahlen treffen auf die Fenster der Villa und erhellen das dunkle Innere. Philip ist bereits auf dem Sprung, nach drau�en zu gehen, um den Eindringlingen mit seiner nicht funktionierenden Flinte ein Gefecht zu liefern, als aus dem hinteren Teil des Hauses ein lautes Krachen zu ihnen dringt.</p><p>�Schatz, du bleibst bei Brian�, bittet er Penny, ehe er Nick einen Blick zuwirft. �Nicky, ich will, dass du aus einem Seitenfenster kletterst. Nimm die Machete und versuch, sie von hinten zu �berraschen. Verstanden?�</p><p>Nick wei� genau, was er machen soll, und verschwindet im Seitengang.</p><p>�Bleibt hinter mir, dicht hinter mir.� Philip hebt die Flinte, der Kolben ruht auf seiner Schulter. Vorsichtig und mit einer beinahe unheimlichen Ruhe schleicht er generalstabsm��ig zur K�che, aus der jetzt die Ger�usche von Schritten auf zerbrochenem Glas zu ihnen dringen.</p><p>�Jetzt mal locker, B�rschchen!�, schl�gt der Eindringling mit einem gut gelaunten Tennessee-Akzent vor und richtet den Lauf einer Neun-Millimeter-Glock auf Philip, als dieser die K�che mit erhobener Flinte betritt.</p><p>Ehe man ihn so unsanft unterbrach, sah sich der Einbrecher mit aller Seelenruhe in der K�che um, als ob er gerade erst aufgestanden und mal kurz zur Speisekammer getapst w�re, um sich einen Mitternachtssnack zu g�nnen. Das Licht der Scheinwerfer dringt von drau�en in die K�che. Die Fensterscheibe �ber dem T�rknauf ist kaputt�� so hat sich der Eindringling offensichtlich Zugang verschafft��, und das blasse Licht der Morgend�mmerung steigt langsam �ber den Horizont.</p><p>Der Mann ist mindestens einen Meter neunzig gro�, tr�gt eine abgenutzte Tarnhose, schmutzige Stiefel und eine blutbesudelte, kugelsichere Weste aus Kevlar. Auf seinem vernarbten Kopf w�chst kein einziges Haar mehr, und seine Augen gleichen zwei Kratern, die von winzigen Meteoriteneinschl�gen verursacht wurden. Bei genauerer Betrachtung macht er einen kranken Eindruck, so als ob er einer zu hohen Dosis Strahlung ausgesetzt worden w�re. Seine blassgelbe Haut ist von Wunden und Geschw�ren �bers�t.</p><p>Philip zielt mit der nutzlosen Antiquit�t auf den Sch�del des Eindringlings�� sie stehen etwa zwei Meter voneinander entfernt. Philip tut so, als ob sie geladen w�re. Er scheint es beinahe selbst zu glauben. �Hm, ich dr�cke mal ein Auge zu�, sagt er, �und gehe davon aus, ihr habt gedacht, dass hier niemand mehr wohnt.�</p><p>�Du sagst, wie es ist, B�rschchen�, erwidert die Glatze gelassen und klingt beinahe so, als ob er unter Medikamenten- oder Drogeneinfluss st�nde. Seine Z�hne sind mit Goldkronen versehen und funkeln, als er ein reptilienartiges Grinsen zeigt.</p><p>�Dann bedanken wir uns schon mal, dass ihr uns in Ruhe lasst. So passiert euch auch nichts.�</p><p>Der Glatzkopf mit der Glock runzelt die Stirn. �He, das ist aber nicht nett von euch!� Der Mann leidet unter einer nerv�sen Zuckung, die seine Gewaltbereitschaft erahnen l�sst. �Hab schon gesehen, dass ihr ein nettes, junges Ding da drinnen habt.�</p><p>�Das kannst du dir gleich aus dem Kopf schlagen.� Philip weicht keinen Zentimeter. Er h�rt die T�r knarzen, dann n�hern sich Schritte vom Salon her. Philip ist hin und her gerissen. Einerseits hat er Angst, was als N�chstes passieren k�nnte, andererseits will er dem Kerl zeigen, wer hier das Sagen hat. Er wei�, dass die n�chsten Sekunden entscheidend sind�� vielleicht sogar �ber Leben und Tod. Aber es f�llt ihm erst einmal nichts anderes ein, als Zeit zu schinden. �Wir wollen kein Blut vergie�en, Junge, und ich kann garantieren, dass es deines ist, das zuerst flie�t, falls etwas passiert.�</p><p>�Gro�e Klappe, wie ich sehe.� Pl�tzlich ruft er etwas zu einem Kumpan in der Dunkelheit. �Shorty?�</p><p>Eine Stimme antwortet. �Alles klar, ich habe ihn, Tommy!�</p><p>Im selben Moment taucht Nick vor der kaputten Fensterscheibe der Terrassent�r mit einem gro�en Bowiemesser an der Kehle auf. Ihm folgt ein abgemagerter junger Kerl mit Pickeln und B�rstenhaarschnitt. Der Typ st��t die T�r mit dem Fu� auf und schubst Nick in die K�che.</p><p>�Tut mir leid, Philly�, �chzt dieser, ehe er gegen einen Schrank prallt und ihm einen Moment lang der Atem wegbleibt. Der schlanke Kerl mit dem B�rstenhaarschnitt h�lt das Messer an Nicks Adamsapfel gedr�ckt. Die Machete hat er in den G�rtel gesteckt. Das hibbelige, kn�cherne Exemplar von Mann mit den fingerlosen Handschuhen macht den Eindruck, als ob es soeben aus dem Gef�ngnis ausgebrochen w�re. Er hat die �rmel seiner Tarnjacke abgetrennt, und seine langen, d�nnen Arme sind mit Tattoos nur so �bers�t.</p><p>�Jetzt mal ganz ruhig�, wendet sich Philip an die Glatze. �Es gibt keinen Grund���</p><p>�Sonny!� Der haarlose Riese ruft einen weiteren seiner Schergen, und im selben Moment ert�nen knarzende Schritte auf dem hundert Jahre alten Holzfu�boden im Wohnzimmer. Philip h�lt seine Flinte noch immer auf den Glatzkopf gerichtet, wagt aber einen raschen Blick �ber die Schulter. Brian und Penny stehen zusammengedr�ngt hinter ihm, vielleicht eineinhalb Meter von ihm entfernt.</p><p>Zwei weitere Gestalten tauchen hinter Brian und Penny auf. Das kleine M�dchen zuckt ver�ngstigt zusammen.</p><p>�Alles unter Kontrolle, Tommy!�, meldet einer der Neuank�mmlinge und h�lt einen gro�en Revolver in die Luft, damit ihn alle sehen k�nnen�� 357er Magnum oder 45er Army, ist nicht genau zu erkennen. Dann richtet er ihn auf Brians Hinterkopf. Philips Bruder erstarrt wie ein in die Enge getriebenes Tier.</p><p>�Es reicht�, meldet sich Philip erneut zu Wort.</p><p>Aus dem Augenwinkel sieht er, dass es sich bei den beiden Gestalten, die Brian und Penny in Schach halten, um einen Mann und eine Frau handelt�� Allerdings f�llt es ihm nicht leicht, die Bezeichnung <emphasis>Frau</emphasis> zu benutzen. Das Gesch�pf, das Penny am Kragen h�lt, gleicht eher einer androgynen Marionette aus Haut und Knochen. Sie tr�gt eine Lederhose und diverse Netzoberteile. Die Augen sind mit einem ru�igen Eyeliner geschminkt, sie hat stachelige Haare, und ihre Haut schimmert leicht gr�nlich gef�rbt�� wie die Haut eines Junkies. Nerv�s klopft sie mit dem Lauf ihrer Achtunddrei�iger auf ihren d�rren Oberschenkel.</p><p>Der Kerl neben ihr, der auf den Namen Sonny h�rt, macht ebenfalls den Eindruck, als ob er schon Bekanntschaft mit der Nadel gemacht h�tte. Seine eingefallenen Augen starren aus einem pockennarbigen Gesicht, das ignorant und hinterh�ltig wirkt. Sein ausgemergelter K�rper steckt in alten Armeeklamotten.</p><p>�Ich m�chte dir danken, Kumpel�, sagt der Glatzkopf, steckt die Neun-Millimeter in sein G�rtelhalfter und tut so, als ob die Kraftprobe jetzt offiziell beendet w�re. �Ihr habt es euch hier recht gem�tlich gemacht, das muss man euch lassen.� Er geht zur Sp�le und trinkt in aller Ruhe etwas Wasser aus einem Krug, der auf der Arbeitsplatte steht. �Das wird ein nettes Quartier f�r uns.�</p><p>�Nette Pl�ne�, meint Philip und macht keine Anstalten, seine Flinte zu senken. �Es gibt nur ein Problem: Wir k�nnen nicht noch mehr Leute aufnehmen.�</p><p>�Ach, das macht nichts, Kumpel.�</p><p>�Und was habt ihr dann vor?�</p><p>�Vor?� Der Glatzkopf spricht das Wort so aus, als ob er erst �berlegen m�sste. �Wir haben vor, euch die H�tte hier abzunehmen. Sonst nichts.�</p><p>Jemand, den Philip nicht sehen kann, kichert am�siert.</p><p>Philips Gehirn gleicht einem kaputten Schachcomputer, auf dem die Figuren wild hin und her tanzen. Er wei� genau, dass diese Kerle ihn und die anderen umbringen wollen. Er wei�, dass sie es mit Parasiten zu tun haben, die mit aller Wahrscheinlichkeit die Villa schon seit Wochen beobachtet haben. Offenbar litt Brian doch nicht unter Verfolgungswahn.</p><p>Es dringen weitere Ger�usche an seine Ohren�� gesenkte Stimmen, zerbrechende �ste��, und er z�hlt rasch zusammen: Das sind mindestens sechs an der Zahl, vielleicht mehr, und sie haben vier Autos�� wenn das reicht. Au�erdem scheint jeder eine Waffe und gen�gend Munition zu haben. Jede Menge Magazine und Schnelllader h�ngen an ihren G�rteln. Was ihnen jedoch anscheinend fehlt, ist Intelligenz. Vielleicht ist das Philips Chance. Selbst in den Augen des gro�en Glatzkopfs�� allem Anschein nach der Anf�hrer�� scheint das Wort �Dumpfkiffer� geschrieben zu sein. Diese Kerle kennen keine Gnade, jeder Vorschlag guter Nachbarschaft wird auf taube Ohren sto�en. Philip sieht nur eine Chance.</p><p>�Kann ich noch was sagen?�, fragt er. �Ehe ihr euch falsche Hoffnungen macht.�</p><p>Der Glatzkopf hebt den Wasserkrug, als ob er einen Toast aussprechen wollte. �Klar, Kumpel.�</p><p>�Die Sache kann so oder so ausgehen.�</p><p>Das scheint die Aufmerksamkeit des Glatzkopfs zu wecken. Er stellt den Krug ab und wendet sich Philip zu. �So oder so?�</p><p>�Ja. Die erste M�glichkeit ist, dass wir mit dem Ballern anfangen, und ich kann dir jetzt schon sagen, wie das ausgehen wird.�</p><p>�Mach es nicht so spannend.�</p><p>�Deine Leute werden uns �berw�ltigen, und das war es. Aber eines kann ich dir versprechen�� und so sicher bin ich mir in meinem ganzen Leben noch nicht gewesen.�</p><p>�Und was w�re das?�</p><p>�Ganz gleich was passiert�� ich wei�, dass ich einen Schuss abfeuern werde, und das soll jetzt keine Geringsch�tzung dir gegen�ber sein, aber ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass sich der Gro�teil dieser Stahlk�gelchen in die obere H�lfte deines K�rpers bohren wird. Willst du jetzt die zweite M�glichkeit h�ren?�</p><p>Der Glatzkopf hat anscheinend seinen Humor verloren. �Raus damit.�</p><p>�Die zweite M�glichkeit lautet folgenderma�en: Ihr lasst uns hier heil raus, und wir lassen euch die Villa. Das erspart das bl�de Aufr�umen nach der Schie�erei, und du darfst deinen Oberk�rper und deinen Kopf behalten.�</p><p>Eine Zeit lang scheint alles gut zu gehen. Der Glatzkopf gibt die Befehle. Das Junkie-Paar�� Philip hat sie mittlerweile Sonny und Cher getauft�� l�sst von Brian und Penny ab, sodass Brian das M�dchen durchs Wohnzimmer zur Eingangst�r tragen kann.</p><p>Die Abmachung, wenn man sie �berhaupt so nennen kann, lautet folgenderma�en: Philip und seine Leute k�nnen verschwinden, lassen aber alles zur�ck. Brian sieht zu, wie Philip r�ckw�rts durch das Wohnzimmer auf ihn zukommt, die Flinte noch gez�ckt. Zum Gl�ck haben sie dieses funktionslose Dekost�ck! Nick folgt ihm. Die beiden treten neben Brian und Penny, und Brian �ffnet langsam die T�r.</p><p>Sie dr�ngen sich einer nach dem anderen hinaus. Philip richtet die Waffe weiterhin auf die Eindringlinge.</p><p>Brians Gehirn verarbeitet alle Eindr�cke auf einmal: den kalten Wind, das blasse Morgenlicht, das langsam �ber die Obstplantage kriecht, die Silhouetten von zwei weiteren Sch�tzen zu ihrer Linken und Rechten sowie die Autos mit den Scheinwerfern, die wie Theaterstrahler die n�chste Szene dieses albtraumhaften St�cks erhellen.</p><p>Von drinnen ert�nt die Stimme des Glatzkopfs: �Jungs! Lasst sie durch!�</p><p>Jeder der Sch�tzen, in heruntergekommene Tarnanz�ge gekleidet und mit schwerer Artillerie bewaffnet, h�lt eine Flinte mit abges�gtem Lauf in der Hand. Sie be�ugen Brian mit der m�rderischen Gier eines Raubvogels, als er Penny vorsichtig auf seinen R�cken hebt. Philip fl�stert ihnen so leise zu, sodass sie es gerade noch h�ren k�nnen: �Bleibt in meiner N�he und folgt mir. Die wollen uns immer noch etwas antun. Macht genau das, was ich euch sage.�</p><p>Brian folgt Philip, der mit nacktem Oberk�rper und erhobener Waffe �ber den Vorplatz an einem der wachsamen Aufpasser vorbei auf den benachbarten Pfirsichbaumhain zul�uft.</p><p>Es scheint eine halbe Ewigkeit zu dauern, als Philip die anderen �ber das Anwesen und in die Schatten der n�chsten Plantage f�hrt. Tats�chlich sind nur wenige Minuten vergangen, aber Brian Blake ist mindestens um f�nf Jahre gealtert. Er wei�, dass es mit der geregelten �bergabe der Villa vorbei ist.</p><p>Hinter ihm ert�nen beunruhigende Ger�usche, w�hrend er Penny so schnell wie m�glich in die Sicherheit der B�ume tr�gt. Er ist barfu�, und der steinige Boden zieht die Sohlen seiner F��e ganz sch�n in Mitleidenschaft. W�tende Stimmen ert�nen aus der Villa, und Schritte auf der Veranda dringen an sein Ohr.</p><p>Der erste Schuss f�llt, als sich Philip, Nick, Brian und Penny auf dem Pfirsichfeld verstecken. Die Explosion l�sst die Stille des Morgens erbeben, und die Kugel schl�gt in einen Ast keine f�nfzehn Zentimeter von Brians rechter Schulter entfernt ein. Holzsplitter regnen ihm ins Gesicht, und Penny schreit entsetzt auf. Philip gibt seinem Bruder einen Schubs. �LAUF!�, befiehlt er ihm. �LAUF, BRIAN! LAUF!�</p><p>F�r Brian Blake vergehen die n�chsten f�nf Minuten wie in einem verwirrenden Traum. Hinter sich h�rt er weitere Sch�sse. Kugeln sausen durch das Laub, w�hrend er tiefer in die rettende Dunkelheit taucht, die das schummrige Morgenlicht noch nicht durchdrungen hat. Brians geschundene nackte F��e tun ihm mit jeder Sekunde mehr weh. Sie versinken im weichen Boden aus herabgefallenem Laub und fauligen Fr�chten. Er wei� vor Panik nicht aus noch ein. Penny zittert bei jedem Schritt und keucht vor Angst. Brian hat keine Ahnung, wie weit oder wohin er rennen oder ob er besser warten soll. Er l�uft also immer weiter in die sch�tzende Dunkelheit der B�ume hinein.</p><p>Nach ungef�hr zweihundert Metern kommt er zu einem gro�en, umgefallenen Baumstamm, hinter dem er mit Penny in Deckung geht.</p><p>Keuchend holt er tief Luft. Sein Atem ist in der kalten Morgenluft gut sichtbar. Sein Herz schl�gt ihm bis zum Hals. Er stellt Penny sanft auf den Boden neben sich.</p><p>�Immer sch�n geduckt bleiben, Kleines�, fl�stert er ihr zu. �Vor allem musst du ganz, ganz still sein. Okay?�</p><p>Der Schusswechsel h�rt einen Augenblick lang auf, und Brian riskiert einen Blick �ber den Baumstamm. Durch eine Reihe von Pfirsichb�umen sieht er, wie eine Gestalt in etwa hundert Metern Entfernung auf sie zueilt.</p><p>Seine Augen haben sich inzwischen an die Dunkelheit gew�hnt, sodass er einen der fremden M�nner erkennen kann. In einer Hand h�lt er ein Gewehr, das er offenbar jederzeit abzufeuern bereit ist. Dann sieht Brian, wie eine Gestalt auf den ersten Mann zusprintet.</p><p>Er geht erneut hinter dem Baumstamm in Deckung und w�gt panisch s�mtliche Alternativen ab. Wenn er jetzt losl�uft, wird man ihn zweifelsohne bemerken. Wenn er sich jedoch nicht vom Fleck r�hrt, wird irgendwer mit Sicherheit �ber ihn stolpern. Wo zum Teufel sind Philip und Nick?</p><p>Pl�tzlich h�rt Brian in einer anderen Richtung das Brechen von �sten. Jemand taucht hinter dem ersten Mann auf und wird immer schneller.</p><p>Erneut lugt Brian �ber den Baum und erkennt die Silhouette seines Bruders�� etwa f�nfzig Meter von ihm und Penny entfernt��, der durch das Unterholz auf den ersten Kerl zu schleicht. Brian l�uft es eiskalt �ber den R�cken, und sein Magen verkrampft sich vor Panik.</p><p>Da sieht er, wie sich Nick Parsons aus dem Schatten auf der anderen Seite mit einem Stein in der Hand erhebt. Er wartet einen Augenblick und wirft dann das grapefruitgro�e Geschoss drei�ig Meter quer durch die Obstplantage.</p><p>Der Stein trifft mit einem lauten Knall auf einen Baum, sodass der Verfolger mit dem Gewehr verdutzt stehen bleibt.</p><p>Er dreht sich um und dr�ckt in Richtung des Aufpralls ab. Der Schuss l�sst die Obstplantage erzittern, und Penny schreckt zusammen. Brian duckt sich wieder. Zuvor sieht er noch, wie ein Schatten auf den Mann zuschnellt, ehe dieser eine Chance hat, einen zweiten Schuss auf die Buche abzufeuern.</p><p>Philip Blake taucht aus dem Gestr�pp auf und schwingt die antike Flinte. Der Gewehrkolben trifft den Sch�tzen so hart mitten auf den Hinterkopf, dass er beinahe aus seinen Schuhen fliegt. Er l�sst das Gewehr fallen und sackt wie ein nasser Sack auf moosbedeckten Boden.</p><p>Brian wendet sich ab. Er legt Penny eine Hand �ber die Augen, w�hrend Philip rasch und beinahe barbarisch dem Sch�del vier weitere Hiebe verabreicht, um ganz sicherzugehen, dass der andere f�r immer schachmatt ist.</p><p>Die Verh�ltnisse haben sich nun fast unmerklich ver�ndert. Philip entdeckt eine kleine Achtunddrei�iger mit kurzem Lauf im G�rtel des Mannes. Dazu eine Tasche Munition und einen Schnelllader, und Nick und Philip f�hlen sich besser. Brian schaut gebannt aus f�nfzig Metern Entfernung zu.</p><p>Er atmet erleichtert auf. Ein Funken Hoffnung blitzt in ihm auf. Sie k�nnen sich jetzt aus dem Staub machen und wieder von vorne anfangen. Auf jeden Fall stehen die Chancen wesentlich besser als zuvor, den Tag zu �berleben. Doch als Brian seinem Bruder und Nick signalisiert, zu ihm zu kommen, erstarrt er vor Schreck, als er Philips Miene in dem blassen Morgenlicht bemerkt. Panik breitet sich in Brians Eingeweiden aus.</p><p>�Wir werden diese Wichser allemachen�, knurrt Philip. �Bis auf den Letzten werden wir sie ausrotten.�</p><p>�Aber, Philip! Was, wenn wir einfach���</p><p>�Wir holen uns unsere Villa zur�ck. Sie geh�rt uns, und die werden es nicht �berleben.�</p><p>�Aber���</p><p>�Jetzt h�r mir gut zu.� Etwas in Philips Augen l�sst Brian erschauern. �Du musst meine Tochter in Sicherheit bringen�� ganz gleich, was passiert. Verstehst du, was ich sage?�</p><p>�Ja, aber���</p><p>�Das ist deine Aufgabe�� nicht mehr und nicht weniger.�</p><p>�Okay.�</p><p>�Pass gut auf sie auf. Schau mir in die Augen. Kannst du das f�r mich tun?�</p><p>Brian nickt. �Klar. Logisch, Philip. Aber ich will nicht, dass ihr euch in den Tod st�rzt.�</p><p>Philip antwortet nicht. Er reagiert nicht einmal, sondern starrt ihn nur an, w�hrend er das Gewehr l�dt und sich dann an Nick wendet.</p><p>In wenigen Augenblicken sind die beiden kampfbereit und verschwinden zwischen den B�umen. Brian bleibt wieder allein mit Penny und ohne Waffe zur�ck. Er ist vor Angst gel�hmt und panisch vor Unentschlossenheit. Seine nackten F��e bluten. Will Philip, dass er hierbleibt? Was ist eigentlich der Plan?</p><p>Ein Schuss hallt durch den Hain. Brian zuckt zusammen. Es folgt ein weiterer, dessen Echo �ber den Wipfeln widerhallt. Brian ballt die H�nde so stark zu F�usten, dass sie beinahe zu brechen drohen. Soll er einfach nur dasitzen und abwarten?</p><p>Er zieht Penny eng an sich. Ein weiterer Schuss ert�nt. Diesmal n�her. Ihm folgt ein ged�mpftes, w�ssrig klingendes W�rgen wie bei einem Todeskampf. Brians Gedanken beginnen erneut zu rasen.</p><p>Schritte kommen n�her. Brian wagt einen raschen Blick �ber den Baumstamm. Es ist der Glatzkopf mit seiner Neun-Millimeter-Glock, die er wild durch die Gegend schwenkt.</p><p>Er steuert direkt auf sie zu, das vernarbte Gesicht vor Rage verzerrt. Der leblose K�rper des d�rren Jungen Shorty liegt drei�ig Meter entfernt von ihm. Der Kopf ist halb weggeblasen.</p><p>Ein neuer Schuss hallt durch den Wald. Brian duckt sich hinter den Baumstamm. Das Herz schl�gt ihm bis zum Hals. Er ist sich nicht sicher, ob es den Glatzkopf erwischt hat oder ob er derjenige war, der schoss.</p><p>�Los, Kleine�, fl�stert Brian der erstarrten Penny zu, die sich im Gestr�pp zusammengeduckt hat. �Wir m�ssen jetzt von hier weg.�</p><p>Er zieht sie aus dem Unterholz und nimmt ihre Hand, da es zu gef�hrlich ist, sie auf dem R�cken zu tragen. Hastig zerrt er sie fort�� fort von den Sch�ssen.</p><p>Sie kriechen zwischen den Pfirsichb�umen hindurch, wobei sie stets im Dickicht weitab von den Wegen bleiben, die durch die Obstplantage f�hren. Brians Fu�sohlen sind so geschunden und eisig, dass er kaum noch etwas sp�rt. Pl�tzlich h�rt er Stimmen hinter ihnen, einige Sch�sse und dann Stille.</p><p>Eine lange Zeit �ber weht lediglich der Wind durch die �ste. Ab und zu glaubt er rasche Schritte zu h�ren. Ganz sicher ist er sich aber nicht, da sein Herz so laut h�mmert. Entschlossen arbeitet er sich mit Penny durch den Hain.</p><p>Nach weiteren hundert Metern stehen sie vor einem alten Heuwagen, hinter dem sie in Deckung gehen. Brian ringt nach Luft und dr�ckt Penny eng an sich. �Alles okay, Kleines?�</p><p>Penny streckt ihm ihren Daumen entgegen, aber die Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben.</p><p>Pl�tzlich dringen ungewohnte Ger�usche an Brians Ohr. Er erstarrt, duckt sich aber dann und sp�ht durch die Bretter des Heuwagens. Ungef�hr f�nfzig Meter vor ihnen l�uft eine Gestalt durch einen Wassergraben. Sie ist gro� gewachsen und schlaksig und h�lt ein Gewehr in einer Hand. Dummerweise ist sie noch zu weit entfernt, als dass Brian mit Sicherheit sagen k�nnte, um wen es sich handelt.</p><p>�Daddy?�</p><p>Pennys Stimme l�sst Brian zusammenzucken, auch wenn es kaum mehr als ein Fl�stern ist�� aber immerhin laut genug, um sie zu verraten. Er legt dem Kind die Hand auf den Mund, ehe er wieder hochblickt, um erneut einen Blick auf die Gestalt in dem Graben zu werfen.</p><p>Doch der Mann, der auf sie zukommt, ist nicht der Vater des kleinen M�dchens.</p><p>Der Schuss zerfetzt den halben Heuwagen. Brian wird in einer Wolke aus Staub zu Boden geschleudert. Er spuckt Erde und fasst so lange nach Penny, bis er endlich einen Zipfel ihres Oberteils erwischt. Hastig kriecht er tiefer in den Hain, Penny stets hinter sich. Nach ein paar Metern rappelt er sich auf die Beine. Jetzt sollte es wieder schneller vorangehen. Aber irgendetwas stimmt nicht.</p><p>Das kleine M�dchen macht keinerlei Anstalten mehr, sich selbstst�ndig zu bewegen, so als ob es das Bewusstsein verloren hat.</p><p>Brian h�rt das Knirschen von Schritten hinter sich und wie das Gewehr erneut geladen wird. Der n�chste Schuss soll t�dlich sein. Panisch nimmt er Penny auf den R�cken und rennt dann so schnell er kann auf die n�chsten B�ume zu. Es dauert nicht lange, bis er merkt, dass er blutverschmiert ist. Das Blut rinnt �ber sein Shirt und durchtr�nkt es.</p><p>�Um Gottes willen, nein! O Gott, o Gott, o Gott��� Brian legt Penny sanft auf den weichen Untergrund. Ihr blutleeres Gesicht ist kreidebleich. Ihr Augen sind glasig und starren in den Himmel. Sie zuckt, schluckt mehrmals, und ein rotes Rinnsal flie�t ihr aus dem Mundwinkel.</p><p>Brian h�rt den Killer kaum noch, wie er sich mit raschen Schritten n�hert, die zweite Patrone einlegt und durchl�dt. Pennys T-Shirt ist von dem scharlachroten Lebenssaft v�llig durchn�sst. Er entdeckt die Stelle, an der die Schrotkugeln wieder aus ihrem K�rper ausgetreten sind. Die Wunde hat einen Durchmesser von etwa f�nfzehn Zentimeter. Schrot aus einer Zwanzig-Kaliber-Patrone hat gen�gend Durchschlagskraft, um Stahl zu durchschlagen. Es sieht ganz so aus, als ob das Kind mindestens die H�lfte des Schrots in den R�cken bekommen h�tte und die Metallk�gelchen aus seinem Bauch wieder ausgetreten w�ren.</p><p>Der Killer kommt n�her und n�her.</p><p>Brian hebt das T-Shirt hoch, und Penny gibt ein qualvolles St�hnen von sich. Seine Hand reicht nicht, um den Blutfluss zu stoppen. Die klaffende Wunde hat die Form einer Sichel. Er presst die Hand noch st�rker darauf, aber das Blut h�rt nicht auf zu flie�en. Panisch rei�t er ein St�ck ihres T-Shirts ab und versucht, zumindest einige L�cher mit dem Stoff zu stopfen. Doch inzwischen ist das Blut �berall. Brian wimmert. Er redet mit Penny, w�hrend das Rot durch seine Finger rinnt und der Killer immer n�her kommt. �Das wird schon wieder. Du wirst schon wieder. Wir kriegen dich schon wieder hin. Du wirst schon sehen, so gut wie neu���</p><p>Brians Arme und H�fte werden von ihrem warmen, Lebenssaft bedeckt. Sie fl�stert schwach: �� Weg���.</p><p>�Nein, Penny. Nein! Du darfst nicht weg�� Lass mich nicht allein, noch nicht, nicht jetzt�� Geh nicht!�</p><p>Brian h�rt, wie ein Ast hinter ihm unter dem Gewicht eines Stiefels bricht.</p><p>Ein Schatten legt sich auf Penny.</p><p>Eine raue Stimme ert�nt. �Eine verdammte Schande.� Dann sp�rt er, wie sich das kalte Ende eines Gewehrlaufs in seinen Nacken bohrt. �Schau sie dir noch einmal genau an.�</p><p>Brian dreht sich um und starrt den M�rder an. Es ist ein gro�er Kerl mit unz�hligen Tattoos, einem Bierbauch und einem Bart. Er richtet die Schrotflinte jetzt direkt in Brians Gesicht. �Schau sie dir an�� Es wird das Letzte sein, was du in deinem Leben siehst.�</p><p>Brian h�lt die Hand noch immer auf Pennys Wunde gedr�ckt, wei� aber, dass es zu sp�t ist.</p><p>Sie wird es nicht schaffen.</p><p>Mit dieser Gewissheit ist Brian ebenfalls bereit�� Jetzt kann er sterben.</p><p>Die Explosion hat etwas von einem Traum an sich�� als ob Brian pl�tzlich aus seinem K�rper gerissen wird und hoch �ber die Obstplantage fliegt. Von oben kann er alles wie eine k�rperlose Seele verfolgen. Er ist bei dem lauten Knall nach vorne gefallen, zuckt aber beinahe im selben Augenblick zusammen. Ein Blutschleier legt sich �ber seinen Arm und �ber Penny. War der Einschlag der Kugel aus dieser minimalen Entfernung so katastrophal, dass er nichts mehr sp�rt? Ist er vielleicht bereits tot, ohne es zu wissen?</p><p>Der Schatten des M�rders sinkt wie in Zeitlupe zu Boden.</p><p>Brian dreht sich gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, dass der B�rtige von hinten erschossen wurde. Sein Sch�del gleicht rotem Brei, sein Bart ist voller Blut und Gewebe. Die Augen sind zur�ckgerollt, als er zusammenbricht. Brian starrt auf das Spektakel. Wie ein fallender Vorhang gibt der zu Boden sackende Mann die Sicht auf zwei Gestalten frei, die auf Brian und Penny zulaufen.</p><p>�GOTT! NEIN!� Philip wirft das Gewehr�� es raucht noch, so hei� ist es�� zu Boden, um sich den Weg schneller bahnen zu k�nnen. Nick folgt dicht hinter ihm. Philip st��t Brian beiseite. �NEIN! NEIN!�</p><p>Philip f�llt neben seinem sterbenden Kind auf die Knie. Penny droht jetzt am eigenen Blut zu ersticken. Er hebt sie hoch und ber�hrt z�rtlich die klaffende Wunde, als ob es nur ein Kratzer w�re�� nichts Schlimmes, nur eine Sch�rfwunde. Er zieht das M�dchen an sich und umarmt es, w�hrend das Blut weiter aus seinem K�rper str�mt.</p><p>Philip wiegt sein blutbesudeltes Kind in den Armen hin und her.</p><p>W�hrend er die Kleine h�lt, st��t sie ein paar r�chelnde Seufzer aus. Ihr Gesicht ist so wei� und klar wie Porzellan. Philip sch�ttelt sie. �Schatz�� Bleib bei uns�� Bleib bei uns�� Mach schon�� Du musst bei uns bleiben�� Bitte�� Schatz? Schatz? Schatz?�</p><p>Eine grauenvolle Stille erf�llt die bedr�ckende Szene.</p><p>�O Gott�, murmelt Nick und senkt den Blick.</p><p>Philip h�lt sein Kind weiter in den Armen. Es scheint eine halbe Ewigkeit zu vergehen. Nick starrt die ganze Zeit auf den Boden und betet leise vor sich hin. Brian liegt der L�nge nach keine zwei Meter entfernt auf dem Waldgrund. Er weint und stammelt unentwegt mehr zu sich selbst als zu den anderen. �Ich habe es versucht�� Alles ist so schnell gegangen�� Ich konnte nicht�� Es war�� Ich kann nicht�� Ich kann nicht�� Penny war���</p><p>Pl�tzlich packt ihn eine harte Pranke am Nacken.</p><p>�Was habe ich gesagt?�, knurrt Philip und rei�t seinen Bruder auf die F��e, ehe er ihn gegen den n�chsten Baumstamm schleudert. Brian sackt in sich zusammen.</p><p>�Philly! Nein!� Nick will sich zwischen die beiden Br�der werfen, aber Philip schubst ihn so hart beiseite, dass der kleinere Mann zu Boden taumelt. Philip legt die rechte Hand um Brians Hals.</p><p>�Was habe ich dir gesagt?� Er knallt ihn erneut mit aller Wucht gegen den Baumstamm. Brians Sch�del prallt auf die Rinde, und Wogen aus Schmerz und grellem Licht verschleiern ihm den Blick. Er unternimmt keinen Versuch, sich zu wehren oder zu fl�chten. Brian will nur noch sterben. Er will durch die H�nde seines Bruders erl�st werden.</p><p>�WAS HABE ICH GESAGT?� Philip rei�t Brian hoch, ehe er ihn wieder zu Boden schleudert. Eine Schulter wird mit ungeheurer Wucht in Brians Gesicht gerammt, ehe er sich einem Hagel von Tritten ausgesetzt sieht. Er rollt beiseite, und ein Tritt erwischt ihn im Gesicht. Der Tritt ist hart genug, um seinen Unterkiefer zu brechen. Ein weiterer zerfetzt drei Rippen, sodass ein scharfer Schmerz durch seine Seite schie�t. Der n�chste landet im Kreuz, und schimmernder, greller Schmerz schie�t ihm durch das Stei�bein. Nach einer Weile sp�rt Brian die Qualen kaum noch. Ihm bleibt sowieso nichts anderes �brig, als es �ber sich ergehen zu lassen. Er blickt von oben auf seinen demolierten K�rper herab und gibt sich ganz seiner Strafe hin.</p></section><section><title><p>Neunzehn</p></title><p>Am n�chsten Tag verbringt Philip eine Stunde im Ger�teschuppen hinter der Villa. Er geht die Sammlung von Waffen durch, welche die Eindringlinge hinterlassen haben, und untersucht s�mtliche auch nur andeutungsweise scharfen Werkzeuge und sonstige Ger�tschaften, die vielleicht als Waffe genutzt werden k�nnten. Er wei�, was zu tun ist, aber sich f�r die Art der Exekution zu entscheiden, ist ihm beinahe unm�glich. Zuerst w�hlt er die Neun-Millimeter-Semiautomatik. Das geht am schnellsten und ist am saubersten. Dann kommen ihm Zweifel. Soll er wirklich eine Schusswaffe nehmen? Das scheint irgendwie unfair zu sein. Zu kalt, zu unpers�nlich. Aber eine Axt oder eine Machete zu benutzen, das bringt er auch nicht �bers Herz. Zu schmutzig, zu ungewiss. Was, wenn er nur einen Zentimeter daneben schl�gt?</p><p>Endlich entscheidet er sich f�r die Neun-Millimeter-Glock. Er schiebt ein neues Magazin in den Griff und sichert es.</p><p>Dann holt er tief Luft und geht zur T�r. Dort h�lt er inne und bereitet sich innerlich auf das Bevorstehende vor. Ab und zu h�rt er ein Kratzen, welches das Innere des Schuppens zu f�llen scheint. Die Villa und das Grundst�ck sind voller Bei�er. Das Gemetzel von gestern hat sie in Scharen angezogen. Philip tritt gegen die T�r.</p><p>Eine Frau mittleren Alters in einer schmutzigen Sch�rze kriegt sie mitten ins Gesicht geknallt. Die Wucht des Schlags l�sst sie zur�cktaumeln und mit den Armen fuchteln. Aus ihrer verwesten Kehle dringt ein gespenstisches St�hnen. Philip geht an ihr vorbei. Beil�ufig hebt er die Waffe und bef�rdert die Frau ohne innezuhalten mit einem einzigen Schuss in den Sch�del ins Jenseits.</p><p>Das Echo hallt durch das Anwesen, als die Leiche durch die Kugel zur Seite geschleudert wird, ehe sie zu Boden sackt.</p><p>Philip marschiert um die Villa herum und verpasst zwei weiteren Bei�ern den letzten Segen�� einem alten Mann in vergilbter Unterw�sche, vielleicht ein Ausrei�er aus einem Altenheim, und h�chstwahrscheinlich einem ehemaligen Obstbauern, dessen aufgedunsener, schw�rzlicher K�rper noch immer in einer verklebten Latzhose steckt. Ohne Aufhebens verpasst er ihnen jeweils eine Kugel und nimmt sich vor, ihre �berreste sp�ter mithilfe des Schneeschieberaufsatzes f�r den M�her beiseitezuschaffen.</p><p>Seit Penny in seinen Armen gestorben ist, sind beinahe vierundzwanzig Stunden vergangen, und die Morgend�mmerung enth�llt einen klaren, blauen Herbsthimmel �ber den B�umen der Obstplantage. Philip hat beinahe einen ganzen Tag gebraucht, um sich im Klaren zu sein, dass es keinen Ausweg gibt. Jetzt nimmt er die Waffe in die feuchte Hand und betritt den Hain.</p><p>Im Magazin stecken noch f�nf Kugeln.</p><p>Im Schatten der Plantage windet sich eine Gestalt an einem alten Baum. Sie st�hnt und �chzt. Trotz der Tatsache, dass sie mit Stricken und Klebeband festgebunden ist, versucht das gefangene Wesen immer wieder verzweifelt zu fliehen. Philip hebt die Waffe. Er zielt mit dem Lauf genau zwischen die Augen, und f�r einen winzigen Augenblick w�nscht sich Philip nichts mehr, als dass alles ganz schnell vorbei ist. Wunde aufstechen, Tumor entfernen, Operation erfolgreich.</p><p>Die Laufm�ndung f�ngt zu zittern an, und Philips Finger am Abzug scheint zu erstarren. Er st�hnt auf. Dann murmelt er leise: �Ich kann es nicht.�</p><p>Er senkt die Waffe und blickt seiner Tochter in die Augen. Sie steht keine zwei Meter vom ihm an den Baum gebunden und faucht mit dem wilden Hunger eines tollw�tigen Hundes. Ihr Porzellanpuppengesicht ist zu einer wei�en, verschrumpelten Kalebasse eingesunken, und ihre sanften Augen haben sich zu Silberm�nzen verh�rtet. Ihre ehemals unschuldigen Lippen sind jetzt schwarz und kr�useln sich unnat�rlich vor den schleimigen Z�hnen. Sie erkennt ihren Vater nicht wieder.</p><p>Das ist es auch, was Philip beinahe den Verstand raubt. Er kann die Erinnerung an Pennys Blick nicht aus seinem Kopf verbannen. Wie sie ihn angesehen hat, wenn er sie vom Kindergarten oder von Tante Nina am Ende eines langen, harten Arbeitstags abgeholt hat. Das freudige Wiedererkennen und die Aufregung in den gro�en Kinderaugen, wenn sie Philip sah. Und verdammt noch mal, ja! Auch die Liebe, die er darin erkannte. Das reichte, sich ihretwegen s�mtliche Gliedma�en auszurei�en. Doch jetzt war dieses Leuchten f�r immer verloren und durch den grauen Film der Untoten ersetzt worden.</p><p>Philip wei�, was er zu tun hat.</p><p>Penny faucht.</p><p>Philips Augen brennen vor Schmerz.</p><p>�Ich kann nicht�, murmelt er erneut und blickt zu Boden. Sie so zu sehen l�st einen Zorn in ihm aus�� wie der Lichtbogen eines Schwei�ger�ts, der ihn tief im Innersten trifft. Da h�rt er wieder die Stimme: Rei� die Welt in St�cke, zerfleische sie, rei� ihr das Herz aus der Brust�� Warte nicht, tu es jetzt.</p><p>Er verl�sst die Obstplantage, wobei es sein Herz vor Verzweiflung und Wut fast zerrei�t.</p><p>Das Anwesen, das von der milden herbstlichen Morgensonne erw�rmt wird, ist ein halbmondf�rmiges St�ck Land mit der Villa in der Mitte. Hinter dem Haupthaus auf einer kleinen Anh�he steht eine Reihe von Au�engeb�uden: das Kutschenhaus, ein kleiner Schuppen f�r den Aufsitzm�her und den Traktor, ein zweiter Schuppen f�r die Werkzeuge, ein Wagenschuppen auf Pf�hlen f�r G�ste und eine gro�e h�lzerne Scheune mit einer riesigen Windfahne auf dem Kuppeldach. Dorthin will Philip�� zur Scheune, die von Holzw�rmern zerfressen ist und von der Sonne zu einem hellen Pink gebleicht wurde.</p><p>Er muss unbedingt das Gift loswerden, das durch seine Adern pulsiert. Er muss Dampf ablassen.</p><p>Der Haupteingang besteht aus einer Doppelt�r, die mit einem riesigen Balken auf Schulterh�he gesichert ist. Philip rei�t den Balken aus den Halterungen und �ffnet die quietschenden T�ren. Zahllose Staubm�use fegen durch die Scheune. Philip tritt ein und schlie�t die T�ren hinter sich. Es stinkt nach Pferden und verschimmeltem Heu.</p><p>In einer Ecke sitzen zwei Gestalten. Sie winden sich, zappeln herum, gefangen in ihrer eigenen privaten H�lle, an H�nden und F��en gebunden und mit Klebeband geknebelt: Sonny und Cher.</p><p>Die beiden zittern auf dem Scheunenboden, den R�cken an den Verschlag einer leeren Pferdebox gepresst. Ihre Zuckungen sind die Folge irgendwelcher Entzugserscheinungen�� entweder Heroin oder Crack oder sonst etwas. Aber was geht das Philip an? Das Einzige, was ihn im Augenblick interessiert, ist, dass die beiden keine Ahnung haben, wie schlecht es ihnen gleich gehen wird.</p><p>Philip tritt zu dem Duo. Die d�rre Frau zuckt spasmisch, ihr Gesicht ist mit einer Kruste getrockneter Tr�nen und Erde verklebt. Der Mann atmet schwer durch die Nase.</p><p>Philip baut sich vor den beiden auf, beleuchtet von einem einzigen staubigen Sonnenstrahl, und starrt wie eine zornige Gottheit auf sie herab. �Du�, sagt er zu Sonny. �Eine Frage: Ich wei�, dass es schwierig ist, mit festgeklebtem Kopf zu nicken. Also einmal Blinzeln f�r Ja und zweimal f�r Nein.�</p><p>Der Mann schielt mit seinen w�ssrigen Augen zu ihm auf. Er blinzelt einmal.</p><p>Philip blickt ihn an. �Willst du zuschauen?�</p><p>Blinzel, Blinzel.</p><p>Philip f�hrt mit der Hand zur G�rtelschnalle und f�ngt an, den G�rtel aufzumachen. �Schade. Das wird bestimmt eine unvergessliche Vorf�hrung.�</p><p>Blinzel, Blinzel.</p><p>Erneut zweimal blinzeln.</p><p>Zweimal blinzeln, zweimal blinzeln, zweimal blinzeln.</p><p>�Immer mit der Ruhe, Brian, nicht so schnell�, sagt Nick am Abend danach im N�hzimmer im ersten Stock. Im Licht der Kerosinlampe hilft Nick Brian beim Trinken durch einen Strohhalm. Brians Mund ist geschwollen und unbeweglich. Die H�lfte des Wassers geht daneben. Nick hat alles getan, um Brian das Leben so angenehm wie m�glich zu machen. Am wichtigsten ist es, dass Brian gen�gend zu sich nimmt und dass es drinbleibt. �Versuch doch noch mal die Gem�sesuppe�, schl�gt Nick vor.</p><p>Brian schafft zwei L�ffel. �Danke, Nick.� Seine Stimme klingt gepresst. Der Schmerz schwingt h�rbar mit. �Danke f�r alles.� Er lallt. Sein Gaumen ist angeschwollen und entz�ndet. Er redet z�gerlich mit Unterbrechungen, w�hrend er im Bett liegt. Seine gebrochenen Rippen wurden verbunden. Das Gesicht und der Nacken sind mit Pflastern �bers�t, die Augen aufgedunsen und violett. Irgendetwas ist auch mit seiner H�fte passiert, aber keiner wei�, was es genau sein k�nnte.</p><p>�Das wird schon wieder, Alter�, sagt Nick. �Bei deinem Bruder bin ich mir da nicht so sicher.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Der ist ausgeflippt.�</p><p>�Er hat viel durchgemacht, Nick.�</p><p>�Wie kannst du ihn auch noch in Schutz nehmen?� Nick lehnt sich zur�ck und seufzt gequ�lt. �Schau dir nur an, was er mit dir gemacht hat. Und fang nicht wieder mit Penny an. Wir haben alle bereits Menschen verloren, die wir geliebt haben. Er war kurz davor, dich ins Jenseits zu bef�rdern.�</p><p>Brian wirft einen Blick auf seine �bel zugerichteten F��e, die aus der Bettdecke herausragen. Mit gro�er Anstrengung meint er schlie�lich: �Ich habe alles verdient, was er ausgeteilt hat.�</p><p>�Red keinen Quatsch! Es war nicht deine Schuld. Aber die Sache hat etwas bei deinem Bruder ausgel�st, was mir echt Sorgen macht.�</p><p>�Der schafft das schon.� Brian schaut Nick an. �Was ist denn los? Irgendetwas besch�ftigt dich.�</p><p>Nick holt tief Luft und �berlegt, ob er sich Brian anvertrauen soll. Die Blake-Br�der hatten schon immer eine komplizierte Beziehung. Nick Parsons verstand sich bisher mehr als Philips Bruder als Brian Blake. Dennoch verbindet die beiden Blakes etwas Besonderes. Es ist ein Bund, der tief in ihnen verwurzelt ist.</p><p>Endlich spricht Nick. �Ich wei�, dass du es mit der Religion nicht so hast und denkst, ich spinne ein wenig.�</p><p>�Das ist nicht wahr, Nick.�</p><p>Nick winkt ab. �Das macht nichts. Mein Glaube ist stark, und ich beurteile niemanden nach seiner Religion.�</p><p>�Was willst du damit sagen?�</p><p>Nick sieht Brian an. �Er h�lt sie am Leben, Brian�� Leben ist in diesem Fall vielleicht nicht das richtige Wort.�</p><p>�Penny?�</p><p>�Er ist bei ihr da drau�en.�</p><p>�Wo?�</p><p>Nick erkl�rt, was w�hrend der vergangenen zwei Tage seit Pennys Tod vorgefallen ist. W�hrend sich Brian von den Schl�gen seines Bruders erholte, war Philip nicht unt�tig. Er h�lt zwei der Eindringlinge�� die einzigen, die das Gemetzel �berlebten�� in der Scheune gefangen und behauptet, er frage sie nach weiteren �berlebenden in der Umgebung aus. Nick aber glaubt, dass er sie foltert. Doch das ist nicht das Schlimmste. Penny Blakes Schicksal macht Nick am meisten zu schaffen. �Er hat sie an einem Baum festgebunden, also quasi angekettet wie ein gefangenes Tier�, berichtet er.</p><p>Brian runzelt mit der Stirn. �Wo genau?�</p><p>�Drau�en auf der Obstplantage. Jeden Abend geht er zu ihr und bleibt eine Weile dort.�</p><p>�G�tiger Himmel.�</p><p>�H�r zu. Ich wei�, dass du davon nichts h�ltst, aber ich glaube nun einmal daran. Im Universum gibt es zwei Kr�fte. Die eine ist gut, die andere b�se.�</p><p>�Nick, ich glaube nicht, dass das der richtige Zeitpunkt ist���</p><p>�Nicht so schnell, lass mich ausreden. Ich glaube, dass die Plage oder wie auch immer du es nennen willst das Werk des B�sen, des Teufels, des Satans ist.�</p><p>�Nick���</p><p>�Nein, ich will, dass du mir zuh�rst. Ich habe viel dar�ber nachgedacht.�</p><p>�Na gut, ich h�re.�</p><p>�Was hasst Satan am meisten? Die Macht der Liebe? Vielleicht. Wenn jemand wiedergeboren wird? Ja, auch m�glich. Aber ich glaube, wenn jemand stirbt und seine Seele aufsteigt�� das ist es, was ihn am meisten wurmt.�</p><p>�Verstehe ich nicht.�</p><p>Nick erwidert Brians verst�ndnislosen Blick. �Das passiert gerade, Brian. Der Teufel hat einen Weg gefunden, wie er die Seelen auf der Erde behalten kann.�</p><p>Brian denkt eine Weile nach. Nick erwartet nicht, dass er ihm glaubt, aber vielleicht f�ngt er zumindest an zu verstehen, worum es gehen k�nnte.</p><p>Der Nordwind pfeift um die Fensterl�den. Das Wetter schl�gt um. Die Villa �chzt und st�hnt. Nick stellt den Kragen seines Wollhemds auf�� vor einigen Tagen haben sie warme Klamotten auf dem Dachboden gefunden. Er beginnt zu frieren. Es ist kalt im ersten Stock. �Was dein Bruder macht, ist falsch, Brian. Es ist gegen Gottes Willen�, erkl�rt er. Noch lange hallen seine Worte in der eisigen Luft wider.</p><p>Zur gleichen Zeit prasselt drau�en in der Dunkelheit der Obstplantage ein kleines Lagerfeuer und wirft seine unheimlichen Schatten in die Umgebung. Philip sitzt auf der kalten Erde vor den Flammen, das Gewehr neben ihm. Auf seinem Scho� liegt ein modriges, kleines Buch, das er in einem Kinderzimmer der Villa gefunden hat. �Lass mich rein, lass mich rein, kleines Schwein�, liest Philip in gequ�ltem Singsang vor. �Ich werde strampeln und trampeln, ich werde husten und prusten und dir dein Haus zusammenpusten.�</p><p>Einen Meter entfernt, an einen Baumstamm gebunden, faucht und geifert Penny Blake bei jedem Wort. Ihre kleinen Z�hne bei�en erfolglos in die Luft.</p><p>�Bin ganz allein, bin ganz allein, ich lass dich nicht ins Haus herein�, f�hrt Philip fort und bl�ttert die hauchd�nne Seite um. Er h�lt inne und wirft einen Blick auf das Wesen, das einmal seine Tochter war.</p><p>Pennys Gesicht verzerrt sich im flackernden Licht der Flammen vor unstillbarem Hunger. Ihre Fratze ist faltig und aufgedunsen, um die H�ften mit Draht an den Baum gebunden, bebt und windet sich. Sie streckt ihre Finger aus und fasst immer wieder ins Leere.</p><p>�Und der Wolf strampelt und trampelt, er hustet und prustet und pustet das ganze Haus zusammen.� Eine qualvolle Pause folgt. Dann liest er mit niedergeschlagener Stimme weiter, in der sowohl Trauer als auch Wahnsinn mitschwingen. �Und er fra� das Schweinchen.�</p><p>Philip Blake findet im Laufe der Woche nur wenig Schlaf. Er versucht, zumindest ein paar Stunden pro Nacht zu erhaschen, aber er ist so nerv�s, dass er sich von einer Seite auf die andere w�lzt, bis er aufsteht, um etwas�� irgendetwas�� zu tun. Die meisten N�chte geht er zur Scheune, um seine unb�ndige Wut an Sonny und Cher auszuleben. Sie sind die Ausl�ser, warum sich Penny verwandelt hat, und es ist Philips Aufgabe sicherzustellen, dass sie so sehr leiden, wie noch nie ein Mann oder eine Frau vor ihnen gelitten hat. Die Aufgabe, sie nicht sterben zu lassen, macht ihm zu schaffen. Ab und zu muss Philip ihnen Wasser geben, damit sie am Leben bleiben. Er muss auch aufpassen, dass sie sich nicht selbst umbringen, um ihren Qualen zu entkommen. Wie jeder gute Kerkermeister h�lt er sie gefesselt und au�er Reichweite jeglicher scharfer Gegenst�nde.</p><p>In dieser Nacht aber�� Philip glaubt, dass Freitag ist�� wartet er, bis Brian und Nick eingeschlafen sind, ehe er aus seinem Schlafzimmer schl�pft, seine Jeansjacke �berwirft und die Stiefel anzieht, um sich aus der Hintert�r �ber den mondbeschienenen Hinterhof zu der verwitterten Scheune zu schleichen. Wie immer k�ndigt er sich laut an.</p><p>�Daddy ist wieder da�, fl�stert er gespielt freundlich. Sein Atem ist in der kalten Nachtluft zu sehen, als er das Vorh�ngeschloss abnimmt und die Tore �ffnet.</p><p>Er schaltet die batteriebetriebene Lampe an.</p><p>Sonny und Cher sitzen zusammengesackt in der Ecke, in die er sie gepfercht hat�� zwei mitgenommene Gesch�pfe, gefesselt wie zwei Schweine, Seite an Seite. Sie sitzen in einer Lache aus Blut und F�kalien. Sonny ist kaum bei Bewusstsein. Sein Kopf h�ngt herab, seine Junkie-Augenlider rot umrandet, auch Cher ist wie bewusstlos. Sie liegt neben ihm, ihre Lederhose h�ngt ihr um die Fesseln.</p><p>Sie h�ren die Ger�usche von Philips Folterwerkzeugen�� eine Nadelzange, Stacheldraht, Kanth�lzer mit rostigen N�geln und diverse ungehobelte H�lzer und stumpfe Metallgegenst�nde, die Philip zusammengesammelt hat.</p><p>�Aufwachen, meine Liebe!� Philip dreht die Frau auf den R�cken. Die Fesseln schn�ren sich in ihre Handgelenke, aber der Strick um ihren Nacken l�sst nicht zu, dass sie allzu sehr protestiert. Er verpasst ihr einen Schlag, und ihre Augen �ffnen sich f�r einen Moment. Er verpasst ihr eine weitere Ohrfeige. Jetzt kommt sie zu sich. Ihre Schreie werden durch das Klebeband �ber ihren Mund h�rbar ged�mpft.</p><p>Irgendwann schafft sie es, ihren blutigen Schl�pfer wieder hochzuziehen, um sich zu bedecken.</p><p>�Ich m�chte euch noch einmal auf etwas hinweisen�, sagt Philip und rei�t ihr den Schl�pfer wieder bis zu den Knien herunter. Er steht �ber ihr und dr�ckt ihre Beine mit seinen Stiefeln auseinander, um den Weg frei zu machen. Sie windet sich unter ihm, als ob sie aus ihrer eigenen Haut fliehen will. �Ihr seid diejenigen, die mir meine Tochter genommen haben. Also gehen wir auch zusammen in die H�lle.�</p><p>Philip �ffnet den G�rtel, l�sst die Hose fallen und will sich gerade in eindeutiger Weise um Cher k�mmern, als er drau�en Schritte h�rt, die auf dem Kies knirschen. Schritte, die sich der Stelle n�hern, wo Penny ist!</p><p>Philip verl�sst die Scheune und sieht, wie die Gestalt im Schatten der B�ume verschwindet. Sie hat eine gedrungene Statur und wirkt wie ein Mann um die drei�ig. Er tr�gt Jeans und einen Pullover und schultert eine gro�e rostige Schaufel.</p><p>�Nick!�</p><p>Philips Ruf wird nicht erwidert. Nick ist zwischen den B�umen verschwunden.</p><p>Philip zieht die Neun-Millimeter aus dem G�rtel und rennt zur Obstplantage. Auf dem Weg dorthin schiebt er ein neues Magazin hinein, ehe ihn die Dunkelheit erfasst und er die Taschenlampe anmachen muss.</p><p>In zehn Metern Entfernung sieht er, dass Nick Parsons seine Taschenlampe auf das bleigraue Gesicht der Penny-Kreatur richtet.</p><p>�NICK!�</p><p>Nick dreht sich um, die Schaufel bereits erhoben. Er l�sst die Taschenlampe fallen. �Das ist schon zu weit gegangen, Philly. Viel zu weit.�</p><p>�Runter mit der Schaufel�, befiehlt Philip und tritt mit erhobener Pistole zu ihm. Der Schein der Taschenlampe erhellt die Bl�tter und taucht die Szene in ein unheimliches Licht�� fast wie in einem grobk�rnigen Schwarzwei�film.</p><p>�Du kannst deiner Tochter so etwas nicht antun. Du wei�t nicht, was du da verbrichst.�</p><p>�Runter mit der Schaufel!�</p><p>�Du h�ltst ihre Seele davon ab, ins Paradies zu kommen, Philly.�</p><p>�Halt�s Maul!�</p><p>F�nf Meter entfernt rei�t das Penny-Gesch�pf an seinen Fesseln. Der Strahl der Taschenlampe, die auf dem Boden liegt, erhellt ihre monstr�sen Gesichtsz�ge. In ihren Augen spiegelt sich das silbrige Licht wider.</p><p>�Philly, h�r mir zu.� Nick senkt die Schaufel. In seiner Stimme schwingt tiefes Mitleid mit. �Du musst sie sterben lassen�� Sie ist eines von Gottes Kindern. Bitte�� Ich flehe dich an, als Christ�� Bitte erl�se sie.�</p><p>Philip zielt mit dem Lauf der Pistole direkt auf Nicks Stirn. �Wenn sie stirbt�� Dann bist du der N�chste.�</p><p>Einen Augenblick lang scheint es, als ob Nick Parsons verloren h�tte.</p><p>Er l�sst die Schaufel fallen, den Kopf h�ngen und macht sich dann wieder wortlos auf den Weg zur Villa.</p><p>W�hrend dieser schrecklichen Auseinandersetzung h�lt das Penny-Wesen seinen gierig ausdruckslosen Blick auf den Mann gerichtet, der einmal sein Vater war.</p><p>Brian geht es immer besser. Sechs Tage nach den Schl�gen f�hlt er sich fit genug, um aufzustehen und durch das Haus zu hinken. Seine H�fte tut bei jedem Schritt weh, und er leidet unter Schwindelanf�llen, wenn er die Treppe hinauf- oder hinuntermuss. Aber im Gro�en und Ganzen kann er zufrieden sein. Seine Prellungen und Bluterg�sse sind mehr oder weniger abgeklungen, und er versp�rt die ersten Anzeichen von Appetit. Au�erdem hat er sich mit Philip unterhalten.</p><p>�Ich vermisse sie so sehr�, beichtet Brian seinem Bruder eines Nachts in der K�che. Beide M�nner leiden noch immer unter Schlaflosigkeit. �Ich w�rde sofort mit ihr tauschen, wenn sie nur wieder zu uns zur�ckkehren k�nnte.�</p><p>Philip blickt zu Boden. Er hat eine Reihe von kaum merklichen Eigenarten entwickelt, die nur zutage treten, wenn er unter Druck steht. Er schn�ffelt, sch�rzt die Lippen und r�uspert sich. �Ich wei�, Junge. Es war nicht dein Fehler�� Das, was sich da drau�en abgespielt hat. Ich h�tte dir das nie antun d�rfen.�</p><p>Brian steigen die Tr�nen in die Augen. �Ich h�tte mich wohl nicht anders verhalten.�</p><p>�Vergessen wir es am besten.�</p><p>�Klar.� Brian wischt sich die Augen und schaut seinen Bruder an. �Und was ist mit den Leuten in der Scheune?�</p><p>Philip erwidert Brians Blick. �Was soll mit ihnen sein?�</p><p>�Die ganze Situation macht Nick nerv�s�� Und dann diese Ger�usche�� Nachts, meine ich. Nick glaubt, dass du�� �h�� Ihnen die Fingern�gel ausrei�t.�</p><p>Ein kaltes L�cheln spielt um Philips Lippen. �Das ist doch krank.�</p><p>Brian verzieht keine Miene. �Philip. Ganz gleich, was du in der Scheune anstellst�� es bringt Penny nicht zur�ck.�</p><p>Philip senkt den Kopf. �Das wei� ich�� Glaubst du denn, dass ich mir dessen nicht bewusst bin?�</p><p>�Dann flehe ich dich an: H�r auf damit. Ganz gleich, was du dort anstellst�� h�r auf!� Brian starrt ihn an. �Das hat doch keinen Zweck.�</p><p>Philip hebt den Kopf und starrt seinen Bruder an. Seine Augen gl�hen vor Besessenheit. �Der Abschaum da drau�en hat mir alles genommen, was mir jemals etwas bedeutet hat�� Der Glatzkopf und seine Bande�� Die beiden Junkies�� Sie haben das Leben eines wundersch�nen, unschuldigen, kleinen M�dchens zerst�rt. Aus Wahnsinn und Habgier. Es gibt nichts, das ich ihnen antun k�nnte, was auch nur ann�hernd eine gerechte Strafe w�re.�</p><p>Brian seufzt. Weitere Proteste w�rden auf taube Ohren sto�en, das wei� er. Also nimmt er seinen Kaffeebecher.</p><p>�Und du liegst falsch mit der Behauptung, dass es keinen Zweck hat�, f�hrt Philip nach einer Weile fort. �Es dient dem Zweck, dass es mir besser geht.�</p><p>Am n�chsten Abend, nachdem sie die Lichter ausgemacht haben und die Feuer in den Kaminen vergl�hen, beginnt der Wind mit den Dachfenstern und den losen Schindeln zu spielen. Brian liegt in seinem Bett im N�hzimmer und versucht, sich einem unruhigen Schlaf hinzugeben, als er eine T�r h�rt und Nick Parsons� Silhouette auf seiner Schwelle erscheint. Brian setzt sich auf. �Was ist los, Nick?�</p><p>�Still�, fl�stert Nick, tritt zu ihm ans Bett und kniet sich hin. Er tr�gt einen Mantel und Handschuhe. Eine Ausbuchtung an der H�fte l�sst darauf schlie�en, dass er eine Pistole eingesteckt hat. �Nicht so laut.�</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Dein Bruder schl�ft�� Endlich.�</p><p>�Und?�</p><p>�Na, wir m�ssen also�� Wie hei�t es? Wir m�ssen�� eingreifen.�</p><p>�Was? Meinst du Penny? Hast du etwa noch einmal vor, Penny ins Jenseits zu bef�rdern?�</p><p>�Nein! Die Scheune, Mann! Die Scheune!�</p><p>Brian reibt sich die Augen und streckt seine schmerzenden Gliedma�en. �Ich wei� nicht, ob ich mir das schon wieder antun will.�</p><p>Sie schleichen aus der Hintert�r, jeder von ihnen mit einer Knarre bewaffnet. Nick hat die Waffe des Glatzkopfs eingesteckt, und Brian den Achtunddrei�iger mit dem kurzen Lauf. Leise laufen sie durch den Hinterhof zur Scheune. Dort richtet Brian den Strahl seiner Taschenlampe auf das Vorh�ngeschloss. Sie nehmen ein St�ck Holz von einem Stapel und brechen damit, so leise wie es geht, die maroden Tore auf.</p><p>Brians Herz schl�gt ihm bis zum Hals, als sie sich in die dunkle Scheune wagen.</p><p>Der Gestank nach Schimmel und F�kalien schl�gt ihnen entgegen. Er wird immer penetranter, je tiefer sie sich in die d�steren Schatten der Scheune begeben. Endlich erkennen sie zwei dunkle Gestalten, die in einer Blutlache liegen, das so schwarz wie �l ist. Sie scheinen kaum mehr etwas Menschliches an sich zu haben. Als Brian den Schein der Lampe auf ein blasses Gesicht richtet, verschl�gt es ihm den Atem.</p><p>�Grundg�tiger!�</p><p>Der Mann und die Frau sind noch am Leben�� gerade noch. Ihre Gesichter sind entstellt und stark angeschwollen, auf ihren entbl��ten K�rpern sind �berall offene Wunden, aus denen Eiter quillt. Beide stehen kurz vor der Bewusstlosigkeit. Ihre halb geschlossenen Augen starren zu den Dachsparren. Die Frau wurde brutalst misshandelt und vergewaltigt. Sie gleicht einer gebrochenen Gliederpuppe. Ihre Beine sind auseinandergerissen, und ihre wei�e, t�towierte Haut ist voll getrocknetem Blut.</p><p>Brian f�ngt zu stammeln an. �Mein Gott�� Was ist�� Grundg�tiger���</p><p>Nick kniet sich neben die Frau. �Brian, hol Wasser.�</p><p>�Und was ist mit���</p><p>�Aus dem Brunnen, und zwar schnell!�</p><p>Brian �berl�sst Nick die Taschenlampe, dreht sich um und eilt aus der Scheune.</p><p>Nick richtet den Strahl auf die Wunden und Entz�ndungen�� manche von ihnen sind bereits alt und halb verfault. Die Brust des Mannes hebt und senkt sich in raschen Abst�nden. Die Frau bem�ht sich, ihre w�ssrigen Augen auf Nick zu fokussieren. Sie blinzelt wie eine Wahnsinnige.</p><p>Ihre Lippen bewegen sich unter dem Klebeband. Nick zieht es vorsichtig von ihrem Gesicht.</p><p>�B-b-biiittt-t-t-ttt��� Sie versucht, ihm etwas mitzuteilen, etwas Dringendes, aber Nick versteht kein Wort.</p><p>�Es ist alles gut. Wir sind hier, um euch zu helfen. Alles wird gut.�</p><p>�T-t-ttt����</p><p>�Was? Ich verstehe nicht���</p><p>Die Frau versucht noch einmal zu schlucken. �T-t�te unssss�� B-bitte���</p><p>Nick starrt sie an. Sein Magen verkrampft sich. Er sp�rt, wie ihn etwas an der H�fte ber�hrt. Es ist die schorfbedeckte Hand der Frau, die nach dem Pistolengriff fasst, der aus Nicks G�rtel ragt. Nick gibt innerlich nach, und sein Herz rutscht ihm bis in die Hose.</p><p>Er zieht seine Waffe heraus, steht auf und starrt lange auf die beiden �bel zugerichteten Gesch�pfe vor ihm.</p><p>Dann spricht er ein Gebet. Den dreiundzwanzigsten Psalm.</p><p>Brian ist auf dem R�ckweg zur Scheune. Er tr�gt einen Plastikeimer voll Brunnenwasser. Pl�tzlich h�rt er zwei ged�mpfte Sch�sse. Sie klingen wie Feuerwerksk�rper, die in Dosen explodieren. Die Sch�sse sind kurz und hart. Brian h�lt mitten im Schritt inne, sodass er etwas Wasser versch�ttet. �berrascht st��t er einen leisen Schrei aus.</p><p>Da bemerkt er im Augenwinkel, wie ein kleines Licht hinter einem der Fenster im oberen Geschoss der Villa angeht. Philips Zimmer. Der Strahl einer Taschenlampe erscheint und verschwindet wieder, gefolgt von einer Reihe von Schritten die Treppe hinunter und durch das Haus�� schnell und zielstrebig. Brian sch�ttelt sich.</p><p>Er l�sst den K�bel stehen und rennt �ber den Hinterhof in die dunkle Scheune. Er sieht einen kleinen silbernen Lichtstrahl und rast auf Nick zu, der sich gerade �ber die zwei Gefangenen beugt.</p><p>Kordid steigt aus dem Lauf der Waffe in Nicks rechter Hand. Sie h�ngt jetzt locker an seiner Seite herab. Beide M�nner starren auf die leblosen K�rper vor ihnen.</p><p>Brian will gerade etwas sagen, als er den Blick auf die klaffenden Kopfwunden richtet, Blut und Gewebe bilden ein bizarres Gebilde auf der Stallt�r, an der die beiden lehnten. Jetzt schimmern die menschlichen �berreste im Schein der Taschenlampe.</p><p>Mann und Frau sind tot. Beide liegen in ihrem Blut. Ihre Gesichter wirken fast friedlich, endlich befreit von den Qualen der Folter und der Pein. Brian versucht erneut, etwas zu sagen.</p><p>Aber es fehlen ihm die Worte.</p><p>Einen Moment sp�ter werden die Fl�geltore aufgerissen, und ein zorniger Philip st�rmt herein. Die H�nde sind zu F�usten geballt, das Gesicht vor Rage verzerrt, die Augen funkeln wahnsinnig. Er rennt durch die Dunkelheit auf das Licht zu. Es sieht so aus, als ob er die beiden verschlingen will. In seinem G�rtel stecken eine Pistole und eine Machete.</p><p>Dann wird er langsamer.</p><p>Nick hat sich von den Leichen abgewandt, weicht aber keinen Zentimeter zur�ck, als Philip auf sie zukommt. Brian hingegen tritt einen Schritt beiseite. Eine tiefe Scham erfasst ihn. Es ist, als ob seine Seele entzweigerissen w�rde. Er starrt zu Boden, als sein Bruder langsam n�her kommt, und l�sst dann den Blick nerv�s zwischen den beiden leblosen K�rpern und Nick hin und her wandern.</p><p>Niemand sagt ein Wort. Philip schaut Brian an, der versucht, seine l�hmende Scham zu verbergen. Je mehr er sich jedoch darauf konzentriert, desto schlimmer wird es.</p><p>Wenn Brian doch nur den Mut aufbringen k�nnte, w�rde er sich den Lauf seiner Pistole in den Mund stecken, um sich zu erl�sen. Auf irgendeine perverse Art glaubt er, dass er an allem Schuld hat, aber er ist zu feige, um sich selbst das Leben zu nehmen�� wie ein richtiger Mann das tun w�rde.</p><p>Also steht er nur da und wei� vor Scham und Schmach nicht, wo er hinsehen soll.</p><p>Die �bel zugerichteten K�rper der beiden Toten zusammen mit dem unerbittlichen Schweigen seines Freundes und seines Bruders l�sen bei Philip etwas aus. Wie bei einer unsichtbaren Kettenreaktion f�ngt er an, innerlich zusammenzubrechen.</p><p>Er k�mpft gegen Tr�nen an und reckt das bebende Kinn. Er versp�rt eine Mischung zwischen Trotz und Selbstverachtung. Sein Mund bewegt sich, als ob er etwas Wichtiges mitzuteilen h�tte, und doch muss er sich ungeheuer anstrengen, um etwas hervorzubringen. �Wie auch immer.�</p><p>Nick glaubt seinen Ohren nicht zu trauen. Er starrt Philip ungl�ubig an. �Wie auch immer?�</p><p>Philip dreht sich um und geht. Er zieht die Glock aus dem G�rtel, entsichert sie und ballert auf die Bretterwand der Scheune. BUUUUMMMMM! Der R�cksto� f�hrt durch seine Hand ins Handgelenk, und der laute Knall l�sst Brian zusammenzucken. BUUUUMMMMM! Ein weiterer Schuss. Das M�ndungsfeuer erhellt kurz die d�stere Scheune, und die Kugel zerfetzt einen Teil des maroden Tors. BUUUUMMMMM! Der dritte Schuss landet in den Dachsparren. Schutt, Staub und Heu regnen auf sie herab.</p><p>W�tend tritt Philip gegen das Fl�geltor und st�rmt aus der Scheune.</p><p>Dann herrscht Schweigen. Brian hat w�hrend der ganzen Zeit nicht aufgeschaut. Auch jetzt l�sst er den Kopf gesenkt und starrt trostlos auf das verschimmelte Heu. Nick wirft einen letzten Blick auf die leblosen K�rper und gibt ein langes, schmerzvolles Seufzen von sich, ehe er den Kopf sch�ttelt. �Nicht zu glauben�, sagt er schlie�lich.</p><p>Etwas schwingt in seiner Stimme mit�� ein Anflug von Furcht?��, was Brian zeigt, dass sich etwas in ihrer kleinen Patchworkfamilie ver�ndert hat�� unwiderruflich f�r immer.</p></section><section><title><p>Zwanzig</p></title><p>Was zum Teufel macht er da?� Nick steht am Fenster des Wohnzimmers und starrt in den bew�lkten Morgen hinaus.</p><p>Am anderen Ende des Vorhofs direkt hinter der Auffahrt zerrt Philip seine Tochter an einer Art Hundeleine aus diversen Teilen, die er im Ger�teschuppen gefunden hat, hinter sich her. Von fern sieht es wie ein langes Kupferrohr mit einem Stachelhalsband. Philip zieht Penny hinter sich her zu dem Ford S-10 Pick-up, der auf dem St�ck Gras geparkt ist. Der Wagen stammt von Glatzkopf und seiner Bande. Jetzt hat Philip ihn beschlagnahmt und mit Essen, Waffen und Bettzeug beladen.</p><p>Penny zischt und knurrt, w�hrend sie sich widerwillig durch die Gegend zerren l�sst. Sie greift nach dem Kupferrohr und bei�t L�cher in die Luft. Im w�ssrigen Morgenlicht �hnelt ihr totes Gesicht einer lebendig gewordenen Halloween-Maske aus wurmgrauem Ton.</p><p>�Das versuche ich dir doch schon die ganze Zeit klarzumachen�, meint Brian, der neben Nick steht und ebenfalls auf die bizarre Szene starrt, die sich drau�en abspielt. �Er ist heute Morgen aufgestanden und hat behauptet, dass wir keinen Augenblick l�nger hierbleiben k�nnen.�</p><p>�Wieso?�</p><p>Brian zuckt mit den Schultern. �Keine Ahnung�� Nach all dem, was passiert ist�� Ich glaube, die ganze Gegend hier ist f�r ihn verseucht, voller Geister�� Was wei� ich, was in seinem Kopf vorgeht.�</p><p>Brian und Nick haben die ganze Nacht �ber kein Auge zugemacht, sondern Unmengen von Kaffee getrunken und sich �ber die Situation unterhalten, in der sie sich befinden. Nick glaubt, dass Philip jetzt endg�ltig durchgedreht ist. Die schreckliche Geschichte mit Penny und der Druck, sich um Brian und ihn zu k�mmern, seien einfach zu viel gewesen. Obwohl Nick es nicht klar ausspricht, glaubt er, dass der Teufel nun Besitz von Philip genommen hat. Brian ist zu ersch�pft, sich mit Nick �ber metaphysische Themen zu unterhalten, aber es gibt keinen Zweifel daran, dass sich die Lage drastisch verschlimmert hat.</p><p>�Lass ihn gehen�, meint Nick endlich und wendet sich vom Fenster ab.</p><p>Brian wirft ihm einen Blick zu. �Was soll das hei�en? Willst du damit etwa sagen, dass du hierbleiben willst?�</p><p>�Genau das. Ich bleibe hier, und ich finde, das solltest du auch.�</p><p>�Nick, mach keine Scherze.�</p><p>�Wie k�nnen wir ihm weiter hinterherlaufen? Nach dieser ganzen Sache�� Nach all dem, was hier passiert ist?�</p><p>Brian f�hrt sich �ber den Mund und �berlegt einen Augenblick. �Pass auf. Ich sage es gerne noch einmal. Was er mit diesen Leuten angestellt hat, ist unvorstellbar. Er ist vom Weg abgekommen, und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn jemals wieder mit gleichen Augen sehen werde�� Aber wir m�ssen �berleben�� nicht mehr und nicht weniger. Wir d�rfen uns nicht trennen. Unsere beste Chance besteht darin, dass wir zusammenhalten. Komme, was wolle.�</p><p>Nick schaut wieder aus dem Fenster. �Glaubst du wirklich, dass wir es bis zu K�ste vom Golf von Mexiko schaffen? Das sind locker sieben-, wenn nicht achthundert Kilometer.�</p><p>�Ich wiederhole mich gern: Unsere beste Chance besteht darin zusammenzuhalten.�</p><p>Nick sieht Brian an. �Er hat seine tote Tochter an einem Halsband. Er hat dich beinahe zu Tode gepr�gelt. Brian, der Mann ist eine tickende Zeitbombe, die jederzeit hochgehen und uns um die Ohren fliegen kann.�</p><p>�Diese tickende Zeitbombe hat uns durch ganz Georgia gebracht�� von Waynesboro bis hierher�, knurrt Brian. Allm�hlich wird er w�tend. �Dann ist er eben verr�ckt, explosiv und hat mit D�monen zu k�mpfen. Mann, dann ist er eben der verdammte F�rst der Finsternis�� Aber er ist noch immer mein Bruder und unsere beste Chance, am Leben zu bleiben.�</p><p>�Nennen wir das jetzt so? �berleben?�</p><p>�Wenn du hierbleiben willst, dann bitte. Ich werde dich nicht davon abhalten.�</p><p>�Vielen Dank. Genau das habe ich auch vor.�</p><p>Nick wendet sich vom Fenster ab und verschwindet im Haus. Brian starrt weiterhin nerv�s zu seinem Bruder hinaus.</p><p>Sie m�ssen Benzin sammeln und benutzen einen K�hlerschlauch zum Absaugen s�mtlicher Tanks�� der Traktoren, Autos und Harleys��, um den Treibstoff in den Ford S-10 zu f�llen. Nach getaner Arbeit ist der Sechzig-Liter-Tank voll, und sie haben noch eine ganze Menge �brig. Philip richtet Penny einen Platz auf der Ladefl�che ein, indem er die Kisten mit Proviant in einem Halbkreis aufstellt und den Boden mit Decken auslegt. Dann kettet er sie an einen B�gel in der Ladefl�che, sodass sie nichts anstellen oder sogar abspringen kann.</p><p>Nick beobachtet das Treiben vom Zimmer im ersten Stock aus und tigert dabei wie ein Raubtier in einem K�fig auf und ab. Die Realit�t der Lage scheint sich jetzt auch ihm zu offenbaren. Er wird allein in dieser gro�en, zugigen Villa zur�ckbleiben. Er wird die N�chte hier ohne jemand anderen aushalten m�ssen. Er wird den ganzen Winter �ber einsam sein. Er wird den Nordwind h�ren, wie er durch die Fensterl�den pfeift, und das St�hnen der Bei�er wird zu ihm dringen, w�hrend sie in der Obstplantage herumstreifen�� Aber vor allem wird er allein sein. Er wird einsam aufwachen, einsam essen, einsam nach Essbarem suchen, einsam von besseren Tagen tr�umen und einsam Gott um Erl�sung anflehen�� Alles allein. W�hrend er Philip und Brian bei den letzten Vorbereitungen zur Abreise zusieht, ergreift ihn ein Gef�hl des Bedauerns. Ist es Reue? Er geht durch das Zimmer zum Schrank.</p><p>Es dauert nur Sekunden, um das N�tigste in seine Tasche zu werfen.</p><p>Dann st�rzt er aus dem Zimmer und rennt die Treppe hinunter, wobei er immer zwei Stufen auf einmal nimmt.</p><p>Brian macht es sich auf dem Beifahrersitz bequem, und Philip legt gerade den ersten Gang ein, als sie das laute Zuknallen der Haust�r h�ren.</p><p>Brian wirft einen Blick zur�ck und sieht, wie Nick mit einer �ber die Schulter geworfenen Tasche auf sie zul�uft und ihnen zuwinkt.</p><p>Es ist kaum vorstellbar, dass Philip nicht auf die Idee gekommen ist, einen Blick unter die Motorhaube des Trucks zu werfen. Wenn er sich nur drei Minuten Zeit genommen h�tte, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist, h�tte er den kaputten Schlauch bemerkt. Aber Philip Blake ist in diesen Tagen nicht mehr das, was man hundertprozentig einsatzbereit nennt. Im Augenblick gleicht sein Kopf eher einem Kurzwellenradio, bei dem st�ndig die Station gewechselt wird.</p><p>Ganz gleich, ob die Eindringlinge den Schlauch absichtlich am Tag des Kampfes kaputt gemacht haben�� um sicherzugehen, dass niemand fl�chten kann?�� oder ob es eine umherstreunende Kugel war, die sich erst durch den K�hler bohrte, um dann den Schlauch zu durchdringen oder ob es sich um reinen Zufall handelt�� es �ndert jedenfalls nichts an der Tatsache, dass der Truck keine acht Kilometer weiter zu qualmen beginnt.</p><p>Etwa achtzig Kilometer s�dwestlich von Atlanta, in einer Gegend, von denen die meisten Menschen behaupten w�rden, sie liegt in der Mitte von Nirgendwo, f�ngt der Pick-up zu stottern an. Philip lenkt ihn vom Highway auf den Standstreifen, wo der Wagen seinen Geist aufgibt. S�mtliche Warnleuchten auf dem Armaturenbrett blinken auf, und wei�er Dampf schie�t unter der Motorhaube hervor. Jegliche Versuche, ihn erneut zu starten, schlagen fehl. Philip beschimpft das Auto in unfl�tigster Weise und tritt vor Wut mit seinen Stiefeln beinahe ein Loch in die Karosse. Die beiden anderen M�nner starren auf den Boden und warten schweigend darauf, dass der Anfall vor�bergeht. Brian wundert sich, ob sich so eine misshandelte Ehefrau f�hlt: Man hat zu viel Angst, um zu fliehen, aber auch zu viel Angst, um zu bleiben.</p><p>Nach geraumer Zeit beruhigt sich Philip wieder. Er steigt aus und �ffnet die Motorhaube.</p><p>Brian geht zu ihm. �Und? Wie sieht es aus?�</p><p>�Total im Eimer.�</p><p>�Keine Chance, ihn zu reparieren?�</p><p>�Hast du zuf�llig einen K�hlschlauch dabei?�</p><p>Brian wirft einen Blick �ber die Schulter die B�schung hinab, an deren Fu� ein Haufen alter Autoreifen und M�ll liegen. Er verfolgt die Spur Unrat und sieht etwa in f�nfhundert Metern Entfernung eine Gruppe von Bei�ern, die sich im M�ll tummeln. Sie stolpern durch die Gegend auf der Suche nach Frischfleisch und gleichen einer Herde Tr�ffelschweine. Noch haben sie das liegen gebliebene Auto nicht bemerkt, das dampfend auf dem Notstreifen steht.</p><p>Auf der Ladefl�che beginnt Penny auf einmal, heftig an ihrer Kette zu zerren. Die N�he zu den anderen Untoten scheint sie aufzuregen.</p><p>�Und jetzt?�, will Brian von seinem Bruder wissen, der vorsichtig und so leise wie m�glich die Motorhaube wieder schlie�t.</p><p>Nick steigt ebenfalls aus und gesellt sich zu ihnen. �Und? Wie soll es weitergehen?�</p><p>Brian antwortet: �Der Plan lautet: alles beschissen.�</p><p>Nick kaut auf den Fingern�geln herum und schaut �ber die Schulter auf die Zombiegruppe, die sich langsam und unbeholfen durch den M�ll auf sie zubewegt. �Philip, wir k�nnen hier nicht warten. Wir brauchen ein anderes Auto.�</p><p>Philip st��t einen Seufzer aus. �Okay, ihr wisst ja mittlerweile, wie es geht. Schnappt euch eure Sachen, und ich nehme Penny.�</p><p>Schwer beladen machen sie sich mit Penny an der Leine auf den Weg. Zuerst folgen sie den Notstreifen entlang dem Highway. Brian humpelt mit, ohne sich zu beschweren�� trotz des stechenden Schmerzes in seiner H�fte. In der N�he von Greenville m�ssen sie einen Umweg in Kauf nehmen, weil eine Massenkarambolage ihnen den Weg versperrt. Um die Autowracks und die ausgebrannten Karossen, die sich �ber beide Fahrbahnen ausbreiten, wimmelt es nur so von Zombies. Es hat den Anschein, als ob sich dort die Erde ge�ffnet und eine Unmenge von Untoten ausgespuckt h�tte.</p><p>Sie biegen in eine kleine zweispurige Stra�e ein�� Rural Route 100��, die sich nach S�den durch Greenville schl�ngelt und den Stau umrundet. Nach zwei oder drei Kilometern hebt Philip die Hand und h�lt an.</p><p>�Einen Augenblick�, meint er, runzelt die Stirn und neigt den Kopf zur Seite. �Was in aller Welt kann das sein?�</p><p>�Was?�</p><p>�Das Ger�usch.�</p><p>Philip lauscht, und auch die anderen sperren die Ohren auf. Er dreht sich langsam im Kreis, um die Richtung besser bestimmen zu k�nnen, aus der das Ger�usch kommt. �Ist das ein Motor oder was?�</p><p>Jetzt h�rt es auch Brian. �Klingt eher wie ein Panzer!�</p><p>�Oder vielleicht ein Bulldozer?�, mutma�t Nick.</p><p>�Was auch immer�, sagt Philip. �Allzu weit weg kann es jedenfalls nicht sein.�</p><p>Sie machen sich wieder auf den Weg. Nach knapp eineinhalb Kilometern stehen sie vor einem verbeulten Schild:</p><p>WOODBURY�� 1 MI.</p><p>Sie gehen weiter und betrachten verwundert den verqualmten Himmel im Westen.</p><p>�Mit wem auch immer wir es hier zu tun haben�� an Treibstoff fehlt es ihnen jedenfalls nicht�, sagt Nick.</p><p>Brian mustert die Staubwolke am Horizont. �Glaubst du, dass sie uns freundlich gesinnt sind?�</p><p>�Ich will da nichts dem Zufall �berlassen�, meint Philip. �Los�� Suchen wir erst einmal weiter. Immer eins nach dem anderen.�</p><p>Philip f�hrt die Truppe �ber den Notstreifen und die unkrautbewachsene B�schung hinab.</p><p>Sie eilen �ber einen Acker�� ein riesiges, brachliegendes Feld mit weicher Erde, in die sie mit jedem Schritt tief einsinken. Der kalte Wind pfeift ihnen um die Ohren, und es dauert l�nger als erwartet, um die Vororte von Woodbury links liegen zu lassen und das verlassene St�dtchen zu erreichen.</p><p>Ein Walmart-Schild ragt �ber eine Gruppe alter Eichen, die gelben B�gen eines McDonald�s erheben sich kurz dahinter. M�ll wird durch die Stra�en geblasen, vorbei an Ziegelgeb�uden, die noch aus der Zeit kurz nach dem amerikanischen B�rgerkrieg stammen. An der n�rdlichen Stadtgrenze, inmitten eines Gewirrs aus Maschendrahtz�unen, verr�t das Brummen von Motoren, H�mmern und Stimmengewirr die Anwesenheit von Menschen.</p><p>�Sieht ganz so aus, als ob sie eine Mauer oder so etwas bauen�, mutma�t Nick, als sie hinter einer Gruppe von B�umen in Deckung gehen. In der Ferne, etwa zweihundert Meter im Norden, macht sich rund ein Dutzend Gestalten an einem Wall zu schaffen, der bereits eine L�nge von fast zwei H�userblocks aufweist.</p><p>�Sonst scheint hier alles tot zu sein�, meint Philip. �Gibt wohl nicht so viele �berlebende.�</p><p>�Was zum Teufel ist das?�, will Brian wissen und deutet auf eine Reihe von Flutlichtern, die halbkreisf�rmig �ber ein paar H�userblocks westlich der Barrikade herausragen. H�user, Z�une und Mauern verwehren den Blick auf das, was sie erhellen sollen.</p><p>�Vielleicht American Football f�r die Highschool?�, r�t Philip und greift nach seiner Glock. Er zieht sie aus der Jeans und �berpr�ft, wie viele Kugeln er im Magazin hat�� noch sechs Hohlspitzgeschosse.</p><p>�Philip, was denkst du?�, will Nick mit nerv�ser Stimme wissen.</p><p>Brian �berlegt, ob Nick Angst hat, erneut in eine Falle zu geraten. Vielleicht stellt er sich auch nur so an, weil Philip mit dabei ist.</p><p>Ehrlich gesagt ist auch Brian nicht sonderlich darauf erpicht, diese Leute aufzuscheuchen�� insbesondere deshalb, weil sie einen vermodernden Zombie mit sich herumschleppen und der Vater des besagten Zombies nervlich derart angespannt ist, dass er jederzeit zu allem f�hig zu sein scheint.</p><p>Aber haben sie eine Wahl? Am westlichen Horizont ballen sich schon wieder d�stere Wolken zusammen, und au�erdem wird es k�lter.</p><p>�Was hast du da, Junge?�, will Philip von Brian wissen und weist mit dem Kopf auf Brians G�rtel. �Ist das etwa die Achtunddrei�iger?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und du hast die 357er?�, fragt er Nick, der nerv�s nickt. �Alles klar. Hier ist der Plan���</p><p>Sie n�hern sich von Nordosten. Bei einem W�ldchen treten sie ins Freie auf die Schienen. Langsam und mit erhobenen H�nden gehen sie den Strang entlang und signalisieren so, dass sie nichts B�ses im Schilde f�hren. Es dauert �berraschend lange, ehe sie von einem der mindestens zw�lf Menschen �berhaupt wahrgenommen werden, obwohl sie Fremde sind, die in eine unbekannte Stadt kommen.</p><p>�He!� Ein gewichtiger Mann mittleren Alters in einem schwarzen Rollkragenpulli springt von einem Bulldozer und zeigt auf die Neuank�mmlinge. �Bruce! Schau mal, wir bekommen Gesellschaft!�</p><p>Ein weiterer Arbeiter�� ein gro� gewachsener schwarzer Mann in einem Parka mit glatt rasiertem Sch�del�� h�rt zu h�mmern auf. Er blickt auf, und seine Augen weiten sich. Er greift nach dem Gewehr, das neben ihm an einer K�hlbox lehnt.</p><p>�He, immer mit der Ruhe, Leute!� Philip geht langsam �ber den staubigen Parkplatz voller Trucks auf sie zu, noch immer die H�nde in der Luft. Sein Gesichtsausdruck soll ruhig wirken, und tats�chlich macht er einen einigerma�en freundlichen Eindruck. �Wir sind auf der Durchreise�� Wir suchen keinen Streit.�</p><p>Brian und Nick folgen ihm langsam, ebenfalls mit erhobenen H�nden.</p><p>Die beiden M�nner n�hern sich der Truppe. Jeder von ihnen hat ein Gewehr dabei. �Das sieht aber nicht so aus!�, sagt der Schwarze und weist mit dem Kopf auf ihre G�rtel. Er hat die Pistolen ersp�ht.</p><p>�Die sind alle gesichert�, antwortet Philip, h�lt inne und greift dann langsam nach seiner Glock. �Ich werde dir die Knarre zeigen. Ganz ruhig, versteht sich.�</p><p>Er zieht die Waffe vorsichtig aus der Hose und zeigt ihn den M�nnern.</p><p>�Und ihr beide?�, fordert der Mann im Rollkragenpulli Brian und Nick auf.</p><p>Sie folgen Philips Beispiel.</p><p>�Seid ihr nur zu dritt?� Dem Akzent nach kommt der Mann mit dem Rollkragenpulli aus dem Norden. Sein kurz geschorenes, blondes Haar weist hier und da graue Stellen auf, und er hat den Stiernacken und Brustumfang eines Schwergewichtsboxers. Sein Bauch quillt �ber den G�rtel.</p><p>�Nur wir drei�, entgegnet Philip und l�gt nicht einmal. Er hat Penny an einen Baum gebunden�� im Schutz des kleinen W�ldchens circa hundert Meter von der Barrikade entfernt. Philip hat sie au�erdem noch mit weiteren Stricken gefesselt und sie mit einem Halstuch geknebelt, sodass sie keinen Laut von sich geben kann. Es hat ihm beinahe die Tr�nen in die Augen getrieben, ihr das Halstuch in den Mund zu stecken. Aber bis er wei�, mit wem und was er es hier zu tun hat, will er sie erst einmal verstecken.</p><p>�Was ist mit euch passiert?�, will der Mann mit dem Rollkragenpulli von Brian wissen und deutet auf seine Wunden.</p><p>�Er hat sich wacker geschlagen, als ein paar Zombies auf ihn los sind�, erkl�rt Philip.</p><p>Der Mann im Rollkragenpulli senkt sein Gewehr. �Seid ihr aus Atlanta?�</p><p>�Nein. Aus einem kleinen Kaff namens Waynesboro�, erwidert Philip.</p><p>�Seid ihr irgendwelchen Sicherheitskr�ften begegnet?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Habt ihr den Weg allein zur�ckgelegt?�</p><p>�So gut wie�, erwidert Philip und schiebt seine Waffe wieder in den G�rtel. �Wir wollen uns nur ein wenig ausruhen, und dann sind wir wieder weg.�</p><p>�Habt ihr etwas zu essen dabei?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Zigaretten?�</p><p>�Nein.� Philip deutet auf Brian und Nick. �Wenn wir nur ein Dach �ber dem Kopf bekommen, um ein Nickerchen zu machen, w�ren wir zufrieden. Wir wollen wirklich niemanden st�ren. Geht das in Ordnung?�</p><p>Die beiden M�nner tauschen einen Blick, als ob sie sich am�sieren w�rden. Dann bricht der schwarze Mann in lautes Lachen aus. �Jungs, das hier ist der Wilde Westen! Niemand schert sich einen Dreck darum, was ihr tut oder bleiben lasst.�</p><p>Es stellt sich heraus, dass der Schwarze noch geh�rig untertrieben hat.</p><p>W�hrend der n�chsten Stunden erfahren Philip, Brian und Nick von der Lage in der Stadt, die nicht unbedingt rosig ist. Es gibt etwa sechzig �berlebende, die sich in der sicheren Zone im Norden aufhalten. Sie versuchen, sich mit �berresten und Abf�llen �ber Wasser zu halten, und die meisten von ihnen sind so paranoid und hegen so viel Misstrauen ihren N�chsten gegen�ber, dass sie es nicht wagen, tags�ber aus ihren L�chern zu kommen. Sie leben in verlassenen Wohnungen und leeren L�den. �berall herrscht v�lliges Chaos. Es ist geradezu �berraschend, dass einige wenige der Leute die Initiative ergriffen haben, diesen Wall �berhaupt zu bauen. In Woodbury muss jede Frau, jedes Kind und jeder Mann selbst schauen, wo er bleibt.</p><p>Genau das gef�llt Philip, Brian und Nick. Nachdem sie sich genauer umgesehen haben, suchen sie sich ein verlassenes Haus mit zwei Wohneinheiten an der s�dlichen Grenze der sicheren Zone in der N�he des menschenleeren Gewerbegebiets. Schulbusse und leere Anh�nger wurden in Reihen um die sichere Zone aufgestellt. Sie dienen als behelfsm��ige Barriere, damit die Bei�er nicht einfach hineinspazieren k�nnen.</p><p>Es scheint alles relativ sicher zu sein.</p><p>Brian vermag in der folgenden Nacht kein Auge zuzumachen. Er steht auf, um die Stadt etwas genauer zu betrachten. Das Gehen f�llt ihm schwer�� die Rippen tun ihm noch weh, und das Luftholen ist m�hsam und von Keuchen begleitet��, aber es f�hlt sich gut an, an die frische Luft zu kommen und den Kopf frei zu machen.</p><p>In dem funkelnden Mondlicht liegen die B�rgersteige in dem ehemaligen Arbeiterviertel einsam da. M�ll fegt �ber verlassene Spielpl�tze und durch kleine Parks. Schaufensterfronten der typischen L�den, wie man sie in jeder Kleinstadt findet�� ein Zahnarzt, DeForest�s Bedarf f�r Landwirte, ein Milchladen und ein Supermarkt�� sind alle ohne Licht und mit Brettern verschlagen. Die Folgen der Plage sind allgegenw�rtig�� in der Kalkgrube von Kirney�s Salvage Yard, in der verkohlte Leichen liegen ebenso wie im gro�en Pavillon auf dem Robert E. Lee Platz, der Blutspuren einer Schlacht aufweist, die wie schwarzer Teer im Mondlicht gl�nzen.</p><p>Brian �berrascht es nicht, dass das offene Feld in der Stadtmitte�� das ihm zuerst vom Ackerland aus auffiel, �ber das sie laufen mussten, um in die Stadt zu gelangen�� fr�her einmal als Pferderennbahn diente. Die Einwohner scheinen �ber gen�gend Treibstoff zu verf�gen, um Tag und Nacht Generatoren laufen zu lassen. Schon bald merkt er, dass riesige Flutlichter �ber der ehemaligen Rennbahn hin und wieder die dunkle Nacht erleuchten. Am anderen Ende der Rennstrecke kommt er an einem Sattelanh�nger vorbei, der von den Generatoren im Inneren zu vibrieren scheint. Unz�hlige Kabel versorgen anliegende Geb�ude mit Strom.</p><p>Als es am �stlichen Horizont langsam hell wird, ist es an der Zeit, wieder nach Hause zu Philip und Nick zur�ckzukehren. Er �berquert einen verlassenen Parkplatz und nimmt eine Abk�rzung durch eine m�ll�bers�te Seitengasse. In der n�chsten Stra�e sieht er eine Gruppe alter M�nner, die sich um ein brennendes Fass versammelt haben, ihre H�nde am Feuer w�rmen und eine Flasche Wein die Runde machen lassen.</p><p>�Sieh dich vor, Jungchen�, warnt einer der Alten Brian, als er an ihnen vorbeigeht. Die beiden anderen kichern freudlos vor sich hin. Bei den dreien handelt es sich um grauhaarige Kerle, die in mottenzerfressenen M�nteln der Heilsarmee stecken. Sie erwecken den Anschein, als ob sie schon seit Ewigkeiten um das Fass st�nden.</p><p>Brian bleibt stehen. Er hat die Waffe mit dem kurzen Lauf im G�rtel unter der Jacke stecken, sieht aber keinen Grund, sie zu z�cken. �Gibt es hier in der Gegend denn Bei�er?�</p><p>�Bei�er?�, wiederholt einer der M�nner mit einem langen, wei�en Bart und runzelt die Stirn.</p><p>�Er meint die toten Dinger�, erkl�rt der dritte, der dickste der drei.</p><p>�Klar, Charlie�, stimmt der erste der Gruppe mit ein. �Jetzt komm schon�� Diese Eiterbeulen, die sich Yellow Mike geschnappt haben�� Der Grund, warum wir hier in diesem gottverdammten Kaff feststecken.�</p><p>�Ich wei� schon, wen er meint�, gibt der B�rtige zur�ck. �Hab aber noch nie geh�rt, dass man sie so nennt.�</p><p>�Bist du neu hier, Junge?� Der Dicke mustert Brian von oben bis unten.</p><p>�Ja, bin ich.�</p><p>Sein Gegen�ber grinst und entbl��t dabei faulig gr�nliche Z�hne. �Willkommen im Warteraum der H�lle.�</p><p>�H�r nicht auf ihn, Kleiner�, beschwichtigt der erste Penner Brian und legt einen d�rren rheumageplagten Arm um seine Schultern. Er f�gt mit einer leisen, vertraulichen und rauen Stimme hinzu: �Hier brauchst du keine Gedanken an die toten Dinger verschwenden. Aber auf die Lebenden, auf die solltest du aufpassen.�</p><p>Am n�chsten Tag ermahnt Philip Brian und Nick, nichts auszuplaudern, solange sie in Woodbury sind. Sie sollen sich unauff�llig verhalten, Kontakt mit den anderen vermeiden und den Mitbewohnern nicht einmal ihren Namen sagen. Sie haben Gl�ck, denn das Haus ist kein schlechter Aufenthaltsort. In den f�nfziger Jahren errichtet�� die M�bel sind mindestens genauso alt, mit einem angeschlagenen Spiegel, einem mottenzerfressenen Schlafsofa und einem Aquarium neben dem Fernseher�� weist es drei Schlafzimmer und flie�end Wasser auf. Es stinkt zwar penetrant nach Katzen und faulem Fisch, aber wie Brians und Philips Vater zu sagen pflegte: �In der Not frisst der Teufel Fliegen.� Au�erdem finden sie Lebensmittelkonserven in der Speisekammer und entscheiden sich, ein Weilchen zu bleiben.</p><p>Zu Brians �berraschung werden sie von den anderen Bewohnern der Kleinstadt zufriedengelassen. Er wei� nicht, ob es sich herumgesprochen hat, dass sie drei Neuank�mmlinge in ihrer Mitte haben, aber niemanden scheint das zu k�mmern. Nick sondert sich weitgehend ab, liest seine Bibel und sagt nicht viel. Philip und Brian, beide in der Gegenwart des anderen gereizt, gehen ihren Gesch�ften nach und reden so wenig wie m�glich miteinander. Keiner von ihnen erw�hnt die Frage, ob sie sich vielleicht auf die Suche nach einem Auto machen sollten, um ihre Reise nach S�den fortzusetzen. Brian empfindet es ein wenig so, als ob sie aufgegeben h�tten. Sie haben aufgegeben, an die K�ste zu gelangen, sie haben ihre Zukunft aufgegeben, und vielleicht haben sie sich auch selbst aufgegeben.</p><p>Brians Wunden heilen weiter. Philip k�mmert sich immer mehr um seine Manie: Penny. Bei jeder Gelegenheit verschwindet er in dem W�ldchen.</p><p>Eines Nachts h�rt Brian, wie sich die T�r zur Wohnung �ffnet und dann wieder ins Schloss f�llt.</p><p>Er liegt im Bett und lauscht vielleicht f�r eine Stunde, ehe Philips schlurfende Schritte und ein gurgelndes Ger�usch in sein Schlafzimmer dringen. Es ist schon die dritte Nacht, in der Philip heimlich ausb�xt�� wahrscheinlich, um nach Penny zu schauen, wenn die anderen schlafen. Aber heute ist es das erste Mal, dass Brian mitbekommt, wie er zur�ckkommt. Jetzt h�rt er Philip im Wohnzimmer nach Luft schnappen. Au�erdem murmelt er etwas, das aber von leisem St�hnen und Knurren sowie dem Klappern einer Kette �bert�nt wird.</p><p>Brian steht auf und geht ins Wohnzimmer. Er h�lt inne, als er sieht, wie Philip Penny an der Leine h�lt und sie wie einen r�udigen Hund �ber den Teppich zerrt.</p><p>F�r einen Augenblick verschl�gt es ihm die Sprache. Er starrt wortlos auf den kleinen Zombie in dem Sch�rzenkleid und hofft inbr�nstig, dass es sich nur um einen kurzen Besuch handelt. Vor allem hofft er, dass es nicht ihre neue Mitbewohnerin wird.</p></section><section><title><p>Einundzwanzig</p></title><p>Was zum Teufel machst du da?�, will Brian von seinem Bruder wissen, w�hrend das tote M�dchen hungrig ins Leere bei�t. Es richtet seine milchig wei�en Augen auf seinen ehemaligen Onkel.</p><p>�Ach, lass mich�, entgegnet Philip und zerrt seine tote Tochter in den Flur hinaus.</p><p>�Du willst doch nicht���</p><p>�K�mmere dich gef�lligst um deine eigenen Angelegenheiten!�</p><p>�Aber was ist, wenn jemand���</p><p>�Niemand hat etwas davon gemerkt�, unterbricht ihn Philip und tritt die T�r zur Waschk�che auf.</p><p>Es ist ein winziger, mit Linoleumfliesen ausgelegter Raum, dessen W�nde mit Kork beklebt sind. In der Ecke stehen eine kaputte Waschmaschine und ein ramponierter Trockner. �berall liegt Katzenstreu herum. Philip schleift das geifernde und fauchende Gesch�pf in eine Ecke und befestigt die Kette an einer freiliegenden Wasserleitung. Er tut dies mit der sicheren und strengen, aber sanften Hand eines erfahrenen Dompteurs.</p><p>Brian sieht ihm vom Flur aus zu. Der Anblick widert ihn an. Philip hat Decken auf dem Boden ausgebreitet und s�mtliche scharfen Ecken und Kanten abgeklebt, damit das Penny-Wesen weder L�rm machen noch sich verletzen kann. Es ist offensichtlich, dass Philip alles zuvor geplant hat. Er zieht dem Wesen ein behelfsm��iges Ledergeschirr �ber, das er aus einem G�rtel und Stricken zusammengeschustert hat, und bindet es dann noch einmal an die Wasserleitung.</p><p>Philip geht mit der ruhigen Sorgfalt eines Betreuers vor, der ein behindertes Kind in einen Rollstuhl setzt. Mit dem St�ck Kupferrohr h�lt er das Monster weit genug von sich entfernt, um das Geschirr festmachen zu k�nnen. Die ganze Zeit �ber knurrt, geifert und rei�t das Gesch�pf, das einmal Penny war, an seinen Fesseln.</p><p>Brian starrt auf das Schauspiel, das sich vor seinen Augen abspielt. Er wei� nicht, ob er sich abwenden, zu heulen anfangen oder aufschreien soll. F�r einen winzigen Augenblick scheint er in eine andere Zeit zur�ckversetzt zu sein. Er ist wieder achtzehn und besucht seine sterbende Gro�mutter ein letztes Mal im Altersheim von Waynesboro. Ein letzter Abschied. Er wird den Ausdruck auf dem Gesicht des Betreuers nie vergessen. Er musste die alte Dame beinahe st�ndlich saubermachen, und die Miene, die er dabei an den Tag legte, wenn er dies in Anwesenheit ihrer Verwandten tat, war erschreckend�� eine Mischung aus Ekel, stoischer Professionalit�t, Mitleid und Verachtung.</p><p>Jetzt zeigt Philip Blake den gleichen Gesichtsausdruck, w�hrend er mehrere Riemen um den Kopf des kleinen Monsters schnallt und mit gr��ter Vorsicht ihre zuschnappenden Bei�erchen vermeidet. Er singt ihr leise etwas vor, w�hrend sie sich gegen ihre Fesseln wehrt�� ein Wiegenlied, das Brian nicht kennt.</p><p>Irgendwann ist Philip offenbar zufrieden. Z�rtlich streicht er dem Penny-Zombie �ber den Kopf, ehe er ihn auf die Stirn k�sst. Das untote M�dchen schnappt nach ihm und verfehlt seine Halsschlagader nur um wenige Zentimeter.</p><p>�Ich lasse das Licht an, Schatz�, verspricht ihr Philip mit lauter Stimme, als ob er mit jemandem sprechen w�rde, der nur schlecht Englisch versteht. Dann dreht er sich um, verl�sst die Waschk�che und schlie�t die T�r sorgf�ltig hinter sich zu.</p><p>Brian steht im Flur. Ihm gefriert beinahe das Blut in den Adern. �M�chtest du reden?�</p><p>�Ach, das wird schon�, sagt Philip und vermeidet es, seinem Bruder in die Augen zu sehen. Dann geht er in sein Zimmer.</p><p>Das Schlimmste ist, dass die Waschk�che direkt neben Brians Zimmer liegt. Seit jener Nacht h�rt er das Penny-Wesen st�ndig, wie es kratzt, st�hnt und an den Fesseln zerrt. Es ist eine stete Erinnerung an�� Ja, woran? An Armageddon, an den Weltuntergang? An den Wahnsinn, der ausgebrochen ist? Brian findet nicht die Worte daf�r, was das Gesch�pf verk�rpert. Der Gestank ist tausendmal schlimmer als Katzenpisse. Philip verbringt viel Zeit mit dem lebenden Leichnam in der Waschk�che. Wer wei�, was er mit ihm macht. Jedenfalls f�hrt das Ganze dazu, dass die drei M�nner sich mehr und mehr entfremden. Obwohl sich Brian noch immer zwischen Trauer, Kummer und Schock hin- und hergerissen f�hlt, versp�rt er sowohl doch auch Mitleid und Ekel. Nat�rlich liebt er seinen Bruder, aber dennoch wird es allm�hlich unertr�glich. Nick sagt nichts mehr, aber Brian wei�, dass er aufgegeben hat. Das Schweigen zwischen den M�nnern wird immer l�nger, und Brian und Nick verbringen mehr und mehr Zeit au�erhalb der Wohnung, sondieren die Umgebung und lernen so die kleine Stadt und ihre Bewohner nach und nach besser kennen.</p><p>Brian h�lt sich zwar bedeckt, wenn er umherstreift, aber er bringt bald in Erfahrung, dass die Bewohner in zwei Schichten aufgeteilt werden k�nnen. Zur ersten�� den M�chtigen�� geh�ren diejenigen, die einen n�tzlichen Beruf haben: zwei Maurer, ein Maschinist, ein Arzt, der Besitzer eines Waffenladens, ein Tierarzt, ein Installateur, ein Friseur, ein Automechaniker, ein Farmer, ein Koch und ein Elektriker. Die zweite Gruppe�� Brian nennt sie f�r sich �die Abh�ngigen��� umfasst die Kranken, die Jungen und die fr�heren B�roangestellten, unter anderem auch Leute aus dem mittleren Management und Corporate Executives, die zuvor �ber ein sechsstelliges Einkommen verf�gten und die Abteilungen multinationaler Firmen unter sich hatten. Jetzt jedoch sind sie nutzlos geworden und so sinnlos wie alte Musikkassetten. Brian muss immer wieder an seine Soziologiekurse an der Uni denken, w�hrend er sich fragt, ob sich diese lose Gemeinschaft verzweifelter Seelen jemals zu etwas entwickeln wird, das einer funktionierenden Gesellschaft �hneln k�nnte.</p><p>Drei Mitglieder der Nationalgarde, die zwei Wochen zuvor zu ihnen stie�en, scheinen der Sand im Getriebe zu sein, denn sie kommandieren jeden herum, der ihnen �ber den Weg l�uft. Diese kleine Clique�� Brian bezeichnet sie als Tyrannen�� wird von einem ehemaligen Marinesoldaten mit B�rstenschnitt und kalten blauen Augen angef�hrt, der auf den Namen Gavin h�rt�� oder Major, wie ihn seine Schergen betiteln. Es dauert keine zwei Tage, und Brian ist klar, dass er ein Psychopath ist, der nichts anderes als Macht und Beuterecht im Kopf hat. Vielleicht war es die Plage, die Gavin so weit gebracht hat, aber Brian beobachtete in seiner erster Woche in Woodbury Gavin und dessen Truppe dabei, wie sie hilflosen Familien Lebensmittel abnahmen und einige Frauen nachts in der N�he der Rennbahn mit gez�ckter Pistole vergewaltigten.</p><p>Brian h�lt Distanz und macht sich unsichtbar. W�hrend er jedoch im Stillen Woodburys Machtstrukturen studiert, trifft er immer wieder auf einen Namen: Stevens.</p><p>Von seinen wenigen Unterhaltungen mit den Bewohnern und dem, was er mitbekommt, schlussfolgert Brian, dass sich Stevens nach Ausbruch der Plage zu neuen, besseren Ufern aufmachte�� offenbar nach einer Scheidung, wie gemunkelt wird. Er ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der seine eigene Praxis in Atlanta hatte. Der Mann traf relativ fr�hzeitig auf die zusammengew�rfelte Gruppe �berlebender in Woodbury und entschied sich angesichts der vielen Kranken, Unterern�hrten und Verwundeten dazu, hier seine Dienste anzubieten. Im Meriwether County Medical Center, drei H�userblocks von der Pferderennbahn entfernt, machte er eine Art Praxis auf.</p><p>Am Nachmittag des siebten Tags in Woodbury kommt es Brian bei jedem Atemzug so vor, als ob ihm ein Messer in die Brust gestochen w�rde. Er nimmt also seinen Mut zusammen und sucht das niedrige graue Geb�ude am s�dlichen Ende der Sicherheitszone auf.</p><p>�Sie haben Gl�ck�, sagt Stevens und h�ngt ein R�ntgenbild vor die beleuchtete Plexiglasscheibe. Er zeigt auf das verschwommene Abbild von Brians Rippen. �Keine schlimmen Br�che�� Lediglich drei Mikrorisse an der zweiten, vierten und f�nften Rippe.�</p><p>�Gl�ck gehabt?�, murmelt Brian, der mit freiem Oberk�rper auf der gepolsterten Bank sitzt. Sie befinden sich in einem bedr�ckend wirkenden, gefliesten Kellerraum im Meriwether County Medical Center�� das ehemalige Pathologie-Institut��, das Stevens jetzt als Behandlungszimmer dient. Es stinkt nach Desinfektionsmittel und Schimmel.</p><p>�Nicht unbedingt ein Wort, das ich in letzter Zeit oft benutzt habe, das muss ich zugeben�, meint Stevens und geht zu einem Schr�nkchen aus Edelstahl, das neben der Plexiglasscheibe h�ngt. Er ist ein gro� gewachsener, adrett aussehender Mann Ende vierzig und hat eine randlose Designerbrille, die auf seiner Nasenspitze sitzt. Seinen Arztkittel tr�gt er �ber einem wei�en Hemd, und seine Augen wirken ersch�pft, aber intelligent.</p><p>�Und das Keuchen?�, will Brian wissen.</p><p>Der Arzt durchforstet ein Fach mit Plastikampullen. �Das Anfangsstadium einer Rippenfellentz�ndung, die durch die angeknacksten Rippen hervorgerufen wurde�, murmelt er und sucht nach der richtigen Arznei. �Sie m�ssen so viel wie m�glich husten�� Es wird zwar wehtun, verhindert aber, dass sich septischer Katarrh in Ihrer Lunge sammelt.�</p><p>�Und was ist mit meinem Auge?� Der stechende Schmerz in Brians linkem Auge, der von seinem geprellten Kiefer ausgeht, ist w�hrend der letzten Tage schlimmer geworden. Jedes Mal, wenn er in den Spiegel blickt, scheint das Auge noch blutunterlaufener zu sein.</p><p>�Das sieht gut aus�, erwidert Stevens und holt ein Fl�schchen Pillen aus dem Schrank hervor. �Ihr Unterkiefer weist eine nicht unerhebliche Prellung auf, aber das vergeht mit der Zeit von selbst. Ich werde Ihnen etwas gegen die Schmerzen geben.�</p><p>Stevens reicht Brian das Fl�schchen und stellt sich mit verschr�nkten Armen vor ihn hin.</p><p>Aus Gewohnheit will Brian zum Portemonnaie greifen. �Ich wei� nicht, ob ich genug���</p><p>�Hier wird nicht gezahlt�, meint der Arzt mit hochgezogenen Augenbrauen. Brians Geste scheint ihn etwas irritiert zu haben. �Es gibt keine Mitarbeiter, keinerlei Infrastruktur, keine Nachuntersuchungen�� und wenn wir schon dabei sind, auch keinen vern�nftigen Espresso oder halbwegs vern�nftige Zeitungen, die man lesen k�nnte.�</p><p>�Oh�� Verstehe�, stammelt Brian und steckt das Fl�schchen mit den Pillen in die Tasche. �Und wie steht es um meine H�fte?�</p><p>�Ein paar Quetschungen, aber nichts gebrochen�, lautet die Antwort. Stevens schaltet das Licht hinter der Plexiglasscheibe aus und schlie�t das Arzneimittelschr�nkchen. �An Ihrer Stelle w�rde ich mir dar�ber keine Sorgen machen. Sie k�nnen sich jetzt wieder anziehen.�</p><p>�Gut�� Danke.�</p><p>�Mit dem Reden haben Sie es nicht so�� oder?� Der Arzt w�scht sich die H�nde und trocknet sie dann an einem schmutzigen Handtuch ab.</p><p>�Da haben Sie recht.�</p><p>�Ist vermutlich besser so�, sagt Stevens und wirft das Handtuch ins Waschbecken. �Sie wollen mir wahrscheinlich nicht einmal Ihren Namen verraten.�</p><p>�Nun���</p><p>�Schon gut. Vergessen Sie es. In den Akten wird einfach nur �unkonventioneller Mann mit angebrochenen Rippen� stehen. M�chten Sie mir verraten, wie es dazu gekommen ist?�</p><p>Brian zuckt mit den Achseln und kn�pft das Hemd wieder zu. �Bin hingefallen.�</p><p>�Haben Sie gegen die Exemplare gek�mpft?�</p><p>Brian wirft Stevens einen fragenden Blick zu. �Die Exemplare?�</p><p>�Tut mir leid�� Meine Ausdrucksweise. Bei�er, Zombies, Eiterbeulen�� wie man sie auch nennen mag. Haben Sie sich dadurch so verletzt?�</p><p>�Ja�� So �hnlich.�</p><p>�Wollen Sie meine professionelle Meinung h�ren? Eine Prognose sozusagen?�</p><p>�Gerne.�</p><p>�Hauen Sie ab, solange es noch geht.�</p><p>�Wie bitte? Warum?�</p><p>�Chaostheorie.�</p><p>�H�?�</p><p>�Entropie�� Imperien gehen unter, Sterne verlodern�� Die Eisw�rfel in unseren Drinks schmelzen.�</p><p>�Tut mir leid, da komme ich nicht ganz mit.�</p><p>Der Arzt schiebt seine Brille hoch. �Es gibt hier ein Krematorium im zweiten Untergeschoss�� Heute haben wir zwei M�nner verbrannt�� einer hatte zwei Kinder. Gestern fr�h wurden sie am n�rdlichen Rand der Sicherheitszone von Bei�ern attackiert. W�hrend der Nacht wurden sie reanimiert. Es kommen immer mehr Bei�er durch�� Die Barrikade ist so l�chrig wie ein Sieb. Die Chaostheorie besch�ftigt sich mit der Unm�glichkeit eines geschlossenen Systems, stabil zu bleiben. Diese Stadt ist dem Untergang geweiht. Es gibt niemanden, der die Z�gel in der Hand h�lt�� Gavin und seine Schergen werden immer unversch�mter�� Und Sie, mein Freund, sind nichts weiter als Futter.�</p><p>Brian antwortet nicht, sondern starrt an Stevens vorbei ins Leere.</p><p>Schlie�lich steht er auf und streckt die Hand aus. �Danke, Doc.�</p><p>Brian ist von den Schmerzmitteln ganz benebelt, als er nachts ein Klopfen an seiner Schlafzimmert�r h�rt. Noch ehe er sich orientieren und das Licht anmachen kann, �ffnet sich die T�r, und Nick kommt ins Zimmer. �Brian, bist du wach?�</p><p>�Klar�, knurrt er, pellt sich aus den vielen Decken und setzt sich auf die Bettkante. In der Wohnung haben nur wenige Steckdosen tats�chlich Strom, und in Brians Schlafzimmer gibt es keine einzige. Er schaltet die batteriebetriebene Lampe an und sieht, dass Nick ins Zimmer kommt, die Miene vor Anspannung verzerrt.</p><p>�Das musst du dir anschauen�, sagt er dr�ngend, geht zum Fenster und schielt durch die Jalousie. �Ich habe ihn schon gestern Nacht gesehen. Heute ist es wieder das Gleiche. Zuerst hielt ich es f�r das Beste, es zu ignorieren.�</p><p>Brian ist zwar noch immer nicht ganz bei sich, stolpert aber ebenfalls zum Fenster. �Was gibt es?�</p><p>Hinter der Jalousie in der Dunkelheit des Parkplatzes taucht Philips Silhouette aus dem dahinterliegenden W�ldchen auf. In der Finsternis sieht er nach nicht viel mehr als einem Strich in der Landschaft aus. Seit Pennys Tod hat er stetig abgenommen, kaum noch geschlafen und so gut wie nichts gegessen. Er ist ein kranker, gebrochener Mann, und seine ausgebleichte Jeans scheint das Einzige zu sein, das seine langen d�nnen Beine noch zusammenh�lt. Er tr�gt einen Eimer und wirkt merkw�rdig h�lzern�� wie ein Schlafwandler oder ein Roboter.</p><p>�Was soll das mit dem Eimer?�, fragt Brian.</p><p>�Genau!� Nick kratzt sich nerv�s am Kopf. �Den hatte er letzte Nacht auch schon dabei.�</p><p>�Okay, Nick. Bleiben wir hier.� Brian schaltet die Lampe aus. �Und schauen wir, was passiert.�</p><p>Kurz darauf h�ren sie die Haust�r. Waschk�chen-Zombie wird nun lauter und rasselt mit den Ketten. Dann erklingen die typischen Grunzger�usche, an die sich Brian und Nick schon beinahe gew�hnt haben. Pl�tzlich aber dringt etwas an ihre Ohren, das neu ist, das sie noch nicht kennen. Etwas Feuchtes f�llt auf den gefliesten Boden, gefolgt von den animalischen Schmatzger�uschen eines Zombies beim Fressen.</p><p>�Was zum Teufel tut er da?� Nicks Gesicht ist in dem d�mmrigen Licht vom Grauen gezeichnet.</p><p>�Heiliger Strohsack�, fl�stert Brian. �Das kann doch nicht wahr sein���</p><p>Brian kommt nicht weiter, denn Nick ist bereits auf dem Weg zur T�r. Er ist unglaublich aufgebracht und will in den Flur hinaus.</p><p>Brian l�uft ihm nach. �Nick, nicht���</p><p>�Das darf doch nicht wahr sein!� Nick eilt den Gang entlang zur Waschk�che. Er h�mmert gegen die T�r und ruft: �Philip? Was geht da drin vor sich?�</p><p>�Hau ab!�</p><p>Obwohl man Philips Stimme nur undeutlich durch die geschlossene T�r h�ren kann, ist es eindeutig, dass er h�chst angespannt ist.</p><p>�Nick��� Brian versucht sich zwischen Nick und die T�r zu dr�ngen, aber es ist schon zu sp�t.</p><p>Nick dreht am T�rknauf. Die T�r ist nicht abgeschlossen, und er st�rmt hinein.</p><p>�Um Gottes willen!�</p><p>Brian nimmt seine entsetzte Reaktion wahr, ehe er selbst einen Blick in den Raum werfen kann.</p><p>Er zw�ngt sich in den Raum und sieht, wie das tote M�dchen an einer menschlichen Hand nagt.</p><p>Brians urspr�ngliche Reaktion ist nicht die des Ekels oder der Emp�rung�� im Gegensatz zu Nick, der fassungslos der F�tterung zuschaut. Stattdessen erfasst Brian eine gro�e Trauer. Zuerst sagt er nichts und mustert nur seinen Bruder, der vor dem kleinen Leichnam kniet.</p><p>Ohne auf die beiden zu achten, zieht Philip ein menschliches Ohr aus dem Eimer und wartet geduldig darauf, bis das Penny-Monster die Hand verschlungen hat. Es schluckt die offensichtlich m�nnlichen Finger mit unverhohlenem Appetit herunter und kaut gen�sslich auf den blutleeren, behaarten Handkn�cheln, als ob es sich um einen gro�en Leckerbissen handeln w�rde. Aus ihren Mundwinkeln l�uft Speichel, und rosafarbene Spucke tropft von ihren Lippen.</p><p>Sie hat noch nicht runtergeschluckt, als Philip die �berreste des menschlichen Ohrs in die N�he ihrer schwarzen Z�hne bringt. Er h�lt dem Gesch�pf den Leckerbissen mit der Hingabe und F�rsorge eines Priesters hin, der einem Gemeindemitglied die Hostie reicht. Die Penny-Kreatur verschlingt das menschliche Knorpelgewebe im Handumdrehen.</p><p>�Ich haue ab�, bringt Nick Parsons schlie�lich hervor, dreht sich auf der Stelle um und st�rmt hinaus.</p><p>Brian kniet sich neben seinen Bruder. Er wird nicht laut. Er beschuldigt ihn keines Fehltritts, denn Brian selbst ertrinkt in Kummer. Er fragt nur: �Was geht hier vor sich, Junge?�</p><p>Philip l�sst den Kopf h�ngen. �Er war schon tot�� Sie wollten ihn verbrennen�� Ich habe ihn in einem Sack hinter der Klinik gefunden�� Er ist auf nat�rliche Weise gestorben�� Ich habe mir nur ein paar St�cke geschnappt�� Niemand wird etwas merken���</p><p>Das Penny-Wesen hat das Ohr bereits verschlungen und knurrt schon wieder hungrig. Es will mehr.</p><p>Philip f�ttert es mit einem abgetrennten Fu�, aus dem noch Blut tropft. Ein scharfer Knochen ragt aus der Ferse wie ein schleimiger Elfenbeinzahn.</p><p>�Glaubst du, dass��� Brian sucht nach den richtigen Worten. �Glaubst du, dass das vern�nftig ist?�</p><p>Philip senkt erneut den Blick. Die schmatzenden Ger�usche der Zombie-F�tterung f�llen die winzige Kammer. Das M�dchen bei�t auf dem Knochen herum, und Philip spricht leise und voller Emotionen. �Er war sozusagen ein Organspender���</p><p>�Philip���</p><p>�Ich kann sie nicht loslassen, Brian�� Ich schaffe das nicht�� Sie ist alles, was ich habe.�</p><p>Brian holt tief Luft und k�mpft gegen seine eigenen Tr�nen an. �Die Sache ist die�� Das da hat nichts mehr mit unserer Penny zu tun.�</p><p>�Das wei� ich.�</p><p>�Warum also���</p><p>�Ich sehe sie, und ich versuche, mich zu erinnern�� Aber ich kann nicht�� Ich kann mich nicht erinnern�� Ich kann mich an nichts anderes erinnern als an diesen Albtraum, in dem wir leben�� Und an diese Schweine, die sie erschossen haben�� Und dabei ist sie doch alles, was ich habe��� Der Schmerz und die Trauer schn�ren ihm die Kehle zu und verwandeln sich in etwas Finsteres. �Sie haben sie mir genommen�� Das ganze Universum�� Jetzt gibt es neue Regeln�� Neue Regeln���</p><p>Brian kann kaum mehr atmen. Er beobachtet das Penny-Ding, das noch immer an dem abgetrennten Fu� kaut. Schockiert wendet er sich ab. Es ist zu viel f�r ihn. Sein Magen schn�rt sich zusammen, und er muss w�rgen. Er sp�rt, wie ihm hei� wird. M�hsam steht er auf. �Ich muss�� Ich kann hier nicht bleiben, Philip�� Ich muss weg.�</p><p>Brian dreht sich um, stolpert aus dem Zimmer und geht einige Schritte, ehe er auf die Knie sackt und sich �bergibt.</p><p>Sein Magen ist fast leer, und so w�rgt er haupts�chlich Gallenfl�ssigkeit heraus. Sie kommt in qu�lenden Spasmen. Er w�rgt und w�rgt, und seine Magens�ure breitet sich auf dem Boden zwischen Flur und dem Wohnzimmer aus. Er w�rgt, bis er nichts mehr in sich hat. Dann bricht ihm kalter Schwei� aus, ehe ihn ein Hustenanfall verkrampfen l�sst. Er kniet minutenlang auf dem Boden und hustet, bis er endlich elend zusammenbricht.</p><p>F�nf Meter weiter packt Nick Parsons im Licht der batteriebetriebenen Lampe seinen Rucksack. Er stopft Klamotten, einige Dosen Bohnen in Tomatensauce, Decken, eine Taschenlampe und Wasser hinein. Schlie�lich sucht er auf dem �berh�uften Couchtisch nach etwas Bestimmten, findet es aber nicht.</p><p>Brian setzt sich auf. Er wischt sich den Mund mit der Hand ab. �He, Junge. Du kannst jetzt nicht abhauen.�</p><p>�Und wie ich das kann�, entgegnet Nick, findet endlich seine Bibel unter einem Berg von S��igkeiten und steckt sie ebenfalls in den Rucksack. Die ged�mpften Ger�usche der Zombief�tterung dringen aus der Waschk�che zu ihnen und machen Nick sichtbar noch nerv�ser.</p><p>�Nick, ich flehe dich an.�</p><p>Nick schlie�t den Rei�verschluss. Er w�rdigt Brian nicht einmal eines Blicks, als er sagt: �Du brauchst mich hier nicht.�</p><p>�Das ist nicht wahr.� Brian schluckt den bitteren Geschmack der Gallenfl�ssigkeit runter. �Ich brauche dich jetzt mehr denn je�� Ich brauche deine Hilfe�� Damit nicht alles noch weiter aus den Fugen ger�t.�</p><p>�Aus den Fugen?� Nick schaut Brian in die Augen, ehe er den Rucksack auf die Schultern nimmt. Dann tritt er zu dem Blake-Bruder, der noch immer auf dem Boden sitzt. �Hier ist schon verdammt lange alles aus den Fugen geraten.�</p><p>�Nick, so warte doch���</p><p>�Er ist zu weit gegangen, Brian.�</p><p>�Nick, h�r mir zu�� Ich wei� genau, was du meinst, aber gib ihm noch eine Chance. Das geht vielleicht vor�ber. Vielleicht�� Ich wei� auch nicht�� Vielleicht ist es Trauer. Nur noch eine einzige Chance, Nick. Wir haben eine viel bessere �berlebenschance, wenn wir zusammenhalten.�</p><p>F�r einen qu�lend langen Augenblick denkt Nick �ber das Gesagte nach. Dann seufzt er ersch�pft und gleichzeitig ver�rgert auf und l�sst den Rucksack mutlos wieder sinken.</p><p>Am n�chsten Tag verschwindet Philip. Brian und Nick machen sich nicht einmal die M�he, nach ihm zu suchen. Sie verbringen fast den ganzen Tag in der Wohnung, wobei sie kaum ein Wort miteinander wechseln und sich selbst beinahe wie Zombies f�hlen. Leise schleichen sie durch die Zimmer�� vom Badezimmer in die K�che zum Wohnzimmer, wo sie aus dem vergitterten Fenster in den st�rmischen Himmel starren und versuchen, eine Antwort auf den Teufelskreis zu finden, in dem sie sich befinden und der immer teuflischer wird.</p><p>Gegen siebzehn Uhr dringt ein seltsames Summen an ihre Ohren. Es kommt von drau�en�� wie der L�rm einer Kettens�ge oder eines gro�en Rasenm�hers. Um Philip besorgt, geht Brian zur Hintert�r, lauscht einen Moment lang und �ffnet sie dann. Er tritt in den Hinterhof.</p><p>Der L�rm hat zugenommen. In der Ferne, am n�rdlichen Rand des St�dtchens, zeigt sich sich eine Gewitterwolke am stahlgrauen Himmel. Das Heulen von Motoren wird vom Wind zu ihnen her�bergetragen, und mit einiger Erleichterung stellt Brian fest, dass es sich wahrscheinlich um ein Rennen auf der stadteigenen Rennstrecke handelt. Ab und zu h�rt er Jubeln und Klatschen.</p><p>Pl�tzlich wird Brian flau im Magen. Wissen diese Idioten denn nicht, dass der L�rm jeden Bei�er im Umkreis von f�nfzig oder gar hundert Kilometern anlocken wird? Er lauscht dem Ges�ge, das der Wind ebenfalls bis an seine Ohren tr�gt. Wie ein Radiosender, der einmal deutlicher, einmal weniger deutlich zu empfangen ist, dringt es in Brians Bewusstsein und ber�hrt eine Wunde tief in seinem Inneren. Er sehnt sich nach den Zeiten vor der Plage. Schmerzvolle Erinnerungen fauler Sonntagnachmittage und durchschlafener N�chte dr�ngen sich ihm auf�� als er noch unbehelligt in einen Laden gehen konnte, um nichts weiter als harmlose Milch zu kaufen.</p><p>Brian geht wieder hinein, zieht eine Jacke an und verk�ndet Nick, dass er einen Spaziergang machen will.</p><p>Der Zugang zur Rennstrecke liegt an der Hauptstra�e. Zwischen zwei Ziegelhaufen ist ein hoher Maschendrahtzaun gespannt. Als Brian n�her kommt, sieht er M�ll und alte Autoreifen um die Kasse verstreut. Der Bretterverschlag des d�rftigen Geb�udes ist mit Graffiti verschmiert.</p><p>Der L�rm ist jetzt ohrenbet�ubend. Das Heulen der Motoren und die jubelnde Menge von Zuschauern wird von dem bei�enden Gestank von Benzin und verbranntem Gummi begleitet. Staubwolken und Rauch h�ngen in der Luft.</p><p>Brian findet ein Loch im Zaun und will gerade hindurchschl�pfen, als er eine Stimme h�rt.</p><p>�He!�</p><p>Er h�lt inne, dreht sich um und sieht drei M�nner in heruntergekommener Milit�rkluft auf sich zukommen. Zwei von ihnen sind Mitte zwanzig mit fettigen langen Haaren und Sturmgewehren �ber den Schultern, als ob sie auf Patrouille w�ren. Der �lteste der Bande�� ein harter Hund mit B�rstenschnitt und einer olivgr�nen Jacke mit einem Patronengurt �ber der Brust�� geht voran. Er hat offensichtlich das Sagen.</p><p>�Der Eintritt kostet vierzig Dollar oder das Gleiche in Handelsware.�</p><p>�Eintritt?�, wiederholt Brian �berrascht. Dann sieht er den Aufn�her auf der Brust der olivgr�nen Jacke: Maj. Gavin. Bisher hat Brian die brutalen Mitglieder der Nationalgarde immer nur fl�chtig aus der Ferne gesehen. Jetzt kann Brian dem Mann jedoch genau in die eisigen blauen Augen schauen. Er hat eine Alkoholfahne: Whiskey. Genauer gesagt: Jim Beam�� vermutete Brian zumindest.</p><p>�Vierzig Dollar pro Erwachsener, Kleiner. Bist du schon erwachsen?� Die anderen lachen. �Kinder kommen umsonst rein. Aber du siehst mir so aus, als ob du schon �ber achtzehn w�rst�� gerade so.�</p><p>�Ihr verlangt Geld von den Leuten?� Brian versteht die Welt nicht mehr. �Jetzt? In diesen Zeiten?�</p><p>�Wir tauschen auch gerne. Hast du vielleicht ein Huhn? Oder irgendwelche Pornohefte, �ber denen du genug gewichst hast?�</p><p>Erneutes Lachen.</p><p>Brian erstarrt vor Wut. �Ich habe keine vierzig Dollar.�</p><p>Der Major h�rt abrupt auf zu grinsen, als ob er das Grinsen einfach abgeschaltet h�tte. �Dann w�nsche ich noch einen sch�nen Tag.�</p><p>�Wer bekommt das Geld?�</p><p>Pl�tzlich horchen die beiden anderen Nationalgardisten auf. Sie dr�ngen sich um Brian. Gavin st��t mit seiner Nase an die von Brian und knurrt leise und bedrohlich: �Das ist f�r die Gemeinschaft.�</p><p>�Die was?�</p><p>�Die Gemeinschaft, das Kollektiv�� Wird zum Wohlergehen aller ausgegeben und so.�</p><p>Brian sp�rt, wie er noch w�tender wird. �Zum Wohlergehen von euch dreien?�</p><p>�Tut mir leid�, verk�ndet der Major mit eisiger Stimme. �Ich habe wohl die Aktennotiz �bersehen, in der es hei�t, dass du der neue Stadthalter bist. He, Jungs! Habt ihr das Memo gesehen, in dem steht, dass dieser Prolet hier der neue Stadthalter von Woodbury ist?�</p><p>�Nein, Sir�, antwortet einer der Lakaien mit den fettigen Haaren. �Haben wir nicht erhalten.�</p><p>Gavin zieht eine F�nfundvierziger-Semiautomatik aus dem Pistolenhalfter, entsichert sie und dr�ckt den Lauf gegen Brians Schl�fe. �Kleiner, du solltest dich mal ein bisschen �ber Gruppendynamik schlau machen. Hast du Staatsb�rgerkunde in der Schule verpasst, oder was?�</p><p>Brian gibt keinen Ton mehr von sich. Stattdessen starrt er den Major an und beginnt rotzusehen. Seine H�nde kribbeln, sein Kopf f�ngt an, sich zu drehen.</p><p>�Sch�n �A� sagen�, befiehlt der Major.</p><p>�Was?�</p><p>�ICH HABE GESAGT, DU SOLLST DEIN GOTTVERDAMMTES MAUL �FFNEN!�, br�llt Gavin, und die beiden anderen Gardisten streifen ihre Sturmgewehre von der Schulter und legen an. Jetzt sind drei L�ufe auf Brians Kopf gerichtet. Brian �ffnet den Mund, und Gavin steckt Brian den Lauf seiner Waffe zwischen die Z�hne�� wie ein Zahnarzt, der nach L�chern sucht.</p><p>Irgendetwas zerbricht in Brian. Der kalte Stahl in seinem Mund schmeckt wie alte Geldm�nzen und Bittermandel�l. Die Welt nimmt eine tiefe purpurrote Farbe an.</p><p>�Geh wieder dahin, wo du herkommst�, meint der Major. �Sonst k�nnte dir etwas passieren.�</p><p>Brian schafft es gerade noch zu nicken.</p><p>Wenn er jetzt nicht den Mund h�lt, kann es ihn sein Leben kosten.</p><p>Wie im Traum entfernt sich Brian langsam von den Nationalgardisten, dreht sich um und wird schneller. Er rennt dorthin zur�ck, wo er hergekommen ist�� durch eine unsichtbare, blutrote Wolke.</p><p>Gegen neunzehn Uhr an jenem Abend kehrt Brian wieder in die Wohnung zur�ck. Allein. Er tr�gt noch immer seine Jacke und steht erneut vor dem vergitterten Fenster im hinteren Teil des Wohnzimmers. Aufgew�hlt starrt er in das schw�cher werdende Tageslicht hinaus, und seine Gedanken �berschlagen sich wie Wellen an einem Wellenbrecher. Er presst die H�nde auf die Ohren. Das ged�mpfte Pochen und H�mmern des Miniaturzombies nebenan f�hrt dazu, dass er noch stumpfer in die Gegend starrt und sich immer tiefer in sich selbst vergr�bt.</p><p>Zuerst merkt Brian kaum, dass Nick ebenfalls zur�ckgekehrt ist. Er nimmt lediglich ein Schlurfen, gefolgt vom �ffnen der Schrankt�r wahr. Als er aber ein entferntes Murmeln im Flur h�rt, schreckt er aus seiner Trance auf und verl�sst das Zimmer, um nachzusehen, was da vor sich geht.</p><p>Nick durchw�hlt den Schrank. Seine Nylonjacke ist feucht, seine Turnschuhe voller Schlamm. Au�erdem stammelt er immer wieder so etwas wie: �Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen�� von welchen mir Hilfe kommt�� Meine Hilfe kommt von dem Herrn�� der Himmel und Erde gemacht hat.�</p><p>Brian sieht, wie Nick das Gewehr mit dem Pistolengriff aus dem Schrank holt.</p><p>�Nick? Was hast du vor?�</p><p>Nick bleibt ihm eine Antwort schuldig. Stattdessen klappt er die Waffe auf, um zu sehen, ob sie geladen ist. Sie ist es nicht. Panisch sucht er den Schrankboden ab, bis er endlich eine Schachtel mit Munition findet, die sie den ganzen Weg von der Villa bis nach Woodbury mitgebracht haben. Er h�rt mit dem Stammeln nicht auf. �Der Herr beh�te dich vor allem �bel�� er beh�te deine Seele���</p><p>Brian geht einen Schritt auf ihn zu und fragt erneut: �Nick, was geht hier vor sich?�</p><p>Aber er erh�lt noch immer keine Antwort. Nick versucht, die Munition mit zitternden H�nden in den Lauf zu schieben, wobei er eine Patrone fallen l�sst. Sie rollt �ber den Boden. Er sucht nach einer weiteren, steckt sie in den Lauf und klappt das Gewehr zu. �Siehe, der H�ter Israels schl�ft nicht noch schlummert er���</p><p>�Nick!� Brian packt den Mann an der Schulter und dreht ihn zu sich. �Was ist los mit dir?�</p><p>F�r eine Sekunde sieht es so aus, als ob Nick das Gewehr erheben will, um Brian eine Kugel in den Kopf zu jagen. Sein Gesicht ist vor Zorn v�llig verzerrt. Dann gewinnt er wieder die Kontrolle �ber sich, schluckt, blickt Brian in die Augen und sagt: �Das kann so nicht weitergehen.�</p><p>Ohne noch ein Wort zu verlieren wendet er sich ab, marschiert den Flur entlang und verschwindet durch die Haust�r nach drau�en.</p><p>Brian schnappt sich seine Achtunddrei�iger, schiebt sie hinten in den G�rtel und eilt ihm nach.</p></section><section><title><p>Zweiundzwanzig</p></title><p>Das violette Licht der Abendd�mmerung legt sich �ber die Landschaft. Eisige Winde pfeifen in den W�ldern, die an Woodbury grenzen. Die Ger�che von Holzrauch und Kohlenmonoxyd h�ngen in der Luft und passen zu dem nicht enden wollenden Heulen der Motoren auf der Rennbahn. Auf den Nebenstra�en herrscht Ruhe. Die meisten Einwohner scheinen tats�chlich der Veranstaltung beizuwohnen�� Dennoch gleicht es beinahe einem Wunder, dass niemand sieht, wie Brian und Nick �ber das brachliegende Land an der Grenze der Sicherheitszone stolpern.</p><p>Nick betet wie ein Wahnsinniger auf dem Weg zum Wald. Seine Waffe hat er �ber die Schulter geworfen. Irgendwie erinnert er an einen unheimlichen Gotteskrieger. Brian versucht immer wieder, ihn aufzuhalten, ihn festzuhalten, damit er endlich f�r eine Sekunde mit diesem Beten aufh�rt und wie ein normaler Mensch redet. Aber Nick ist nicht daran interessiert, sondern hat sich ganz und gar in seine Aufgabe hineingesteigert.</p><p>Endlich kommen sie an den Waldrand. Brian rei�t jetzt so heftig an Nicks Jacke, dass dieser beinahe der L�nge nach hinf�llt. �Was hast du vor?�</p><p>Nick dreht sich um und starrt Brian an. �Ich habe gesehen, wie er ein M�dchen hierhergezerrt hat.� Nick kann die Tr�nen kaum zur�ckhalten.</p><p>�Wer? Philip?�</p><p>�Das kann nicht so weitergehen, Brian���</p><p>�Welches M�dchen?�</p><p>�Eins aus der Stadt. Freiwillig ist sie wohl kaum mitgekommen. Was auch immer er im Schilde f�hrt, es muss ein Ende haben.�</p><p>Brian schaut Nick an. Sein Kinn bebt, und seine Augen f�llen sich mit Tr�nen. Brian holt tief Luft. �Okay, jetzt beruhige dich erst mal�� nur f�r eine Sekunde.�</p><p>�Die Dunkelheit hat Besitz von ihm ergriffen, Brian. Lass mich los. Ich muss ihn aufhalten.�</p><p>�Du hast gesehen, wie er sich ein M�dchen geschnappt hat, aber nicht���</p><p>�Lass mich los, Brian.�</p><p>Einen Augenblick lang steht Brian ratlos da und h�lt noch immer Nicks Jacke fest, ehe er auf einmal eine G�nsehaut bekommt und es ihm kalt wird. Er will es nicht akzeptieren. Es muss einen Weg geben, alles wieder in geregelte Bahnen zu bringen, alles wieder unter Kontrolle zu bekommen.</p><p>Nach einer scheinbar unendlich langen Zeit sieht Brian Nick an und sagt: �Zeig es mir.�</p><p>Nick f�hrt ihn einen schmalen, �berwachsenen Fu�weg entlang, der sich durch das W�ldchen aus Pekannussb�umen schl�ngelt. Schierlingsbecher und Wolfsmilch �berwuchern den beinahe unsichtbaren Pfad. Es wird nicht mehr lange dauern, ehe die Sonne untergeht und die Temperaturen fallen.</p><p>Brombeerranken und Dornenstr�ucher rei�en an ihren Jacken, als sie auf eine Lichtung zueilen.</p><p>Zu ihrer Rechten k�nnen sie durch einen Vorhang von Laub die s�dliche Seite der Baustelle sehen, wo der neue h�lzerne Abschnitt der Barrikade errichtet wird. Das Bauholz wartet bereits in ordentlichen Stapeln darauf, verbaut zu werden. Ein Bulldozer steht in der zunehmenden Dunkelheit regungslos da, als Nick auf die Lichtung vor ihnen deutet.</p><p>�Da ist er�, fl�stert er, als sie direkt vor der Rodung zum Stehen kommen. Er versteckt sich hinter einem Haufen Baumst�mme und gleicht dabei beinahe einem hysterischen Jungen, der Cowboy und Indianer spielt. Brian folgt seinem Beispiel. Er kauert sich ebenfalls hinter die St�mme und sp�ht �ber das Holz hinweg auf die Lichtung.</p><p>Keine zwanzig Meter von ihnen entfernt, in einer nat�rlichen moosbewachsenen Senke, die von einem Baldachin alter Eichen �berdacht ist, steht Philip Blake. Auf dem Boden liegt ein Teppich vermoderter Tannennadeln, Pilze und Unkraut. Knapp dar�ber scheint eine Schicht Methan in einem unheimlichen Magenta zu leuchten. Die Atmosph�re hat beinahe etwas Mystisches an sich. Nick hebt seine Waffe. �G�tiger Herr�, murmelt er leise. �bitte erl�se uns von dem B�sen���</p><p>�Nick, h�r auf damit�, fl�stert Brian.</p><p>�Ich entsage allen meinen S�nden�, f�hrt Nick fort und starrt auf die entsetzliche Szene, die sich vor ihren Augen abspielt. �Denn sie vergr�men dich, o Herr���</p><p>�Halt�s Maul, halt endlich dein Maul!� Brian versucht etwas zu erkennen. Er kann kaum sehen, was sich da abspielt. Zuerst glaubt er, dass sich Philip mitten auf der Lichtung hingekniet hat und einem Schwein die L�ufe festbindet. Seine Jeansjacke ist vorn schwei�nass und voller Kletten, und er bindet den Strick um die Gelenke einer sich unter ihm windenden Gestalt.</p><p>Dann durchf�hrt es Brian eiskalt. Jetzt sieht er, dass es sich wirklich um eine junge Frau handelt. Ihre Bluse ist aufgerissen, in ihrem Mund steckt ein Knebel. �Um Gottes willen. Was zum Teufel macht er���</p><p>Nick betet noch immer leise vor sich hin. �Vergib mir, o Herr, f�r das, was ich tue. Mit der Hilfe Deiner Gnade werde ich Deinen Willen vollstrecken���</p><p>�Halt endlich die Schnauze!�, schnauft Brian von Panik ergriffen, schier au�er sich vor b�ser Vorahnung. Philip will das arme Ding entweder vergewaltigen oder t�ten, um es Penny zum Fra� vorzuwerfen. Sie m�ssen etwas tun�� und zwar schnell. Nick hat recht. Er hat die ganze Zeit �ber recht gehabt. Es muss einen Weg geben, dem Ganzen Einhalt zu gebieten. Es muss eine L�sung gefunden werden, ehe��</p><p>Pl�tzlich bewegt sich etwas neben Brian.</p><p>Nick st�rzt sich �ber die Baumst�mme und rennt geradeaus auf die Lichtung zu.</p><p>�Nick! Warte!�, br�llt Brian und schafft es bis zu den Dornenstr�uchern, als er die Szene, die sich in der schattigen Lichtung vor ihm abspielt, wie ein B�hnenst�ck surrealer Figuren wahrnimmt. Es scheint alles in Zeitlupe vor seinen Augen zu passieren.</p><p>Nick stolpert �ber die Rodung, das Gewehr auf Philip gerichtet. Dieser, von Nicks pl�tzlichem Auftauchen und Brians Warnruf �berrascht, rappelt sich hoch. Unbewaffnet blinzelt er nerv�s von der auf dem Boden liegenden Frau zu der Tasche neben den Fliegenpilzen zu ihrer Linken. Philip hebt die H�nde. �Runter mit der Waffe, Nicky.�</p><p>Nick aber hebt sie weiter, bis der Lauf auf Philips Gesicht gerichtet ist. �Der Satan steckt in dir, Philip. Du hast gegen Gott ges�ndigt�� Seinen Namen gesch�ndet und entweiht. Jetzt ist es in den H�nden Gottes, dich zu richten.�</p><p>Brian taumelt auf die Lichtung und fummelt nach der Pistole in seinem G�rtel. Er bekommt vor Adrenalin, das durch seine Adern schie�t, kaum noch Luft. �Nick, nein! NICK, TU ES NICHT!� Brians Gedanken rasen, als er drei Meter hinter Nick zum Stehen kommt.</p><p>Mittlerweile hat es die junge Frau auf dem Boden geschafft, sich umzudrehen�� sie ist noch immer gefesselt und geknebelt. Ihre Tr�nen rinnen in den feuchten Boden, als ob sie sich danach sehnen w�rde, dass er sich auftun und sie verschlingen und t�ten w�rde, w�hrend Nick und Philip keine zwei Meter voneinander entfernt stehen und sich anstarren.</p><p>�Was soll das werden? Bist du jetzt der Racheengel oder was?�, fragt Philip seinen langj�hrigen Freund.</p><p>�Vielleicht, Philip, vielleicht.�</p><p>�Das hier geht dich nichts an, Nicky.�</p><p>Nick zittert vor Emotionen. Er muss wiederholt blinzeln, damit ihm die Tr�nen nicht die Wangen herunterlaufen. �Es gibt einen besseren Ort f�r dich und deine Tochter, Philly.�</p><p>Philip steht wie versteinert da, und sein eingefallenes Gesicht sieht in dem schw�cher werdenden Licht geradezu grotesk aus. �Darf ich annehmen, dass du es sein wirst, der Penny und mich erl�st?�</p><p>�Irgendjemand muss diesem Wahnsinn Einhalt gebieten, Philly. Warum nicht ich?� Nick hebt den Lauf weiter, bis Kimme und Korn auf Philip zielen. �Herr, bitte vergib mir���</p><p>�Nick, warte! Bitte, bitte! H�r mir zu!� Brian umkreist Nick und h�lt dabei seine Achtunddrei�iger in die Luft. Er kommt wenige Zentimeter vor Nick zum Stehen, der den Lauf noch immer auf Philips Gesicht gerichtet hat. Brian redet weiter. �Die ganzen Jahre, die ihr in Waynesboro wart, die vielen Male, die ihr zusammen gelacht habt, die ganzen Meilen, die wir gemeinsam hinter uns gebracht haben�� z�hlt das alles nichts mehr? Philip hat uns das Leben gerettet! Die Sache hier ist aus dem Ruder gelaufen, klar. Aber das kriegen wir schon wieder ins Lot. Runter mit der Waffe, Nick. Komm schon, ich flehe dich an.�</p><p>Nick beginnt zu zittern, h�lt die Waffe aber immer noch auf Philip gerichtet. Schwei�tropfen treten auf seine Stirn.</p><p>Philip tritt einen Schritt auf ihn zu. �Mach dir nichts draus, Brian. Unser Nick hier ist schon immer etwas geschw�tzig gewesen. Der hat es einfach nicht in sich, auf jemanden zu schie�en, der noch am Leben ist.�</p><p>Nick zittert jetzt wie Espenlaub.</p><p>Brian sieht den beiden Freunden zu und ist vor Unentschlossenheit wie gel�hmt.</p><p>Philip greift in aller Ruhe nach der Frau, packt sie am Genick, zieht sie vom Boden hoch wie ein Gep�ckst�ck, dreht sich um und zerrt das sich windende Gesch�pf bis an den Rand der Lichtung.</p><p>Nicks Stimme ist jetzt tiefer als zuvor. �Herr, sei uns gn�dig.�</p><p>Pl�tzlich l�dt er die Waffe durch.</p><p>Und dr�ckt ab.</p><p>Eine Schrotflinte mit einer 12-mm-Bohrung ist ein kompromissloses Instrument. Die t�dlichen Schrotk�gelchen Kaliber dreiunddrei�ig k�nnen sich �ber eine kurze Distanz �ber mehr als drei�ig Zentimeter ausbreiten und treffen ihr Ziel mit gen�gend Wucht, um einen Porenbetonstein in seine Bestandteile explodieren zu lassen.</p><p>Das grobe Schrot, das in Philips R�cken dringt, schie�t erst durch das Fleisch seines Schulterblatts, ehe er die B�nder seines Genicks zerrei�t. Das Schrot hat auch den Kopf der Frau erwischt und sie im Handumdrehen get�tet. Die beiden wirbeln in einem purpurnen Nebel durch die Luft.</p><p>Sie landen Seite an Seite auf der Lichtung, alle viere von sich gestreckt. Die junge Frau ist bereits tot und bewegt sich nicht mehr, w�hrend Philip die letzten qu�lenden Sekunden von den Zuckungen eines heftigen Todeskampfes heimgesucht wird. Auf seinem Gesicht ist die v�llige �berraschung zu sehen, die er empfindet. Er versucht zu atmen, doch sein Gehirn ist bereits dabei, s�mtliche K�rperfunktionen abzuschalten.</p><p>Der Schock �ber das, was soeben passiert ist, zwingt Nick Parsons in die Knie. Sein Finger ist noch am Abzug, und die Schrotflinte in seiner Hand qualmt von der Hitze der Explosion.</p><p>Er kann nichts anderes mehr sehen als das, was er den beiden Menschen vor sich angetan hat. Best�rzt l�sst er die Schrotflinte zu Boden fallen, und obwohl sich sein Mund unentwegt bewegt, kommt kein Ton heraus. Was hat er getan? Er sp�rt, wie sich sein Inneres zusammenzieht�� wie eine Samenschote, kalt und verlassen. Das Armageddon-Dr�hnen hallt in seinen Ohren wider, die hei�en Tr�nen der Scham flie�en jetzt in Str�men �ber sein Gesicht. Was hat er getan? Was hat er verbrochen? Welche Schuld hat er nur auf sich geladen?</p><p>Brian Blake wird zu Eis. Seine Pupillen weiten sich. Der Anblick seines Bruders, der in einem blutigen Haufen auf dem Waldboden neben dem toten M�dchen liegt, brennt sich f�r immer in sein Gehirn ein und verdr�ngt alle anderen Gedanken.</p><p>Nur Nicks Wehklagen durchdringt die Benommenheit, die von Brian Besitz genommen hat.</p><p>Nicks lautes Heulen wird ab und zu von Schluchzern unterbrochen. Er ist noch immer auf den Knien. Jegliche Vernunft hat Nick Parsons verlassen, und bei dem Anblick des Gemetzels vor seinen Augen jammert und winselt er immer wieder laut auf. Er schw�tzt irgendeinen Unsinn, w�hrend ihm der Rotz aus der Nase l�uft�� teils Sto�gebet, teils Flehen. Sein Atem wird in der kalten Luft der Abendd�mmerung zu Dampf, und er richtet den Blick flehend zum Himmel hinauf.</p><p>Ohne nachzudenken hebt Brian seine Waffe und dr�ckt, angetrieben von einem unb�ndigen Zorn, ab. Ein einziger Schuss aus n�chster N�he in Nick Parsons� Schl�fe.</p><p>Ein Strahl roter Fl�ssigkeit schie�t mit der Wucht eines Rammbocks durch die Luft. Die Kugel zerfetzt Nicks Gehirn und tritt an der anderen Seite wieder aus, ehe sie sich in einer Baumwurzel vergr�bt. Nick sackt in sich zusammen. Seine Augen rollen nach hinten in ihre H�hlen.</p><p>Er landet zusammengerollt wie ein schlafendes Kind auf dem Waldboden.</p><p>Die Zeit verliert ihre Bedeutung. Brian bemerkt die dunklen Silhouetten nicht, die sich ihm, angezogen von dem Tumult, durch den finsteren Wald n�hern. Auch nimmt er die Gestalten nicht wahr, die sich �ber die Rodung auf die verst�mmelten Leichen zubewegen. Irgendwie, ohne dass er sich es selbst erkl�ren kann, endet Brian Blake auf dem Boden neben Philip und h�lt die blutigen �berreste seines j�ngeren Bruders in seinem Scho�.</p><p>Er starrt auf Philips markantes, blutbespritztes Gesicht, das jetzt so wei� wie Alabaster ist.</p><p>Ein Lebensflimmer schimmert noch in seinen Augen, als sich die Blicke der Br�der treffen, und f�r einen Moment zuckt Brian angesichts der Trauer, die ihn durchschneidet, zusammen. Die Verbindung der beiden, das Blut, das sie teilen, ist dick und reicht tief bis ins Innerste. Jetzt zerrei�t die Pein Brians Seele. Das Gewicht ihrer gemeinsamen Geschichte�� die endlose Langeweile in der Schule, die willkommenen Sommerferien, das sp�tabendliche Gefl�ster von einem Bett zum anderen, die ersten gemeinsamen Biere auf dem ungl�ckseligen Campingausflug in den Appalachen, ihre geteilten Geheimnisse, ihre K�mpfe, ihre kleinst�dtischen Tr�ume, die das Leben so grausam zerschlug�� all das zerschneidet in diesem Augenblick sein Herz.</p><p>Er weint�� so hell und durchdringend wie ein gefangenes Tier��, und sein Schluchzen steigt in den dunkler werdenden Himmel auf, bis es sich mit dem weit entfernten Heulen der Rennwagenmotoren vereint. Er heult so inbr�nstig, dass er nicht merkt, wie Philip aus seiner Welt scheidet.</p><p>Als Brian wieder seinen Bruder ansieht, hat sich dessen Gesicht bereits in eine wei�e marmorne Skulptur verwandelt.</p><p>In etwa f�nf Metern Entfernung erzittert das Laub. Mindestens ein Dutzend Bei�er jeglicher Couleur, Gr��e und Form stolpert durch das Unterholz.</p><p>Der Erste, ein erwachsener Mann in zerfetzten Arbeitskleidern, dringt durch das Gestr�pp, die Arme ins Nichts ausgestreckt. Seine dicht beieinanderliegenden Augen suchen die Lichtung ab, bis sie auf das ihm am n�chsten liegende Mahl treffen: Philips abk�hlender Leichnam.</p><p>Brian Blake rafft sich auf und wendet sich ab. Er kann nicht zusehen. Er wei�, dass das die beste Art ist�� seine Art. Sollen die Zombies das Chaos auf ihre Weise aufr�umen.</p><p>Er steckt die Waffe wieder in seinen G�rtel und verschwindet in Richtung Baustelle.</p><p>Auf der Fahrerkabine eines Trucks findet er einen sicheren Platz, von wo aus er den Futterrausch in Ruhe abwarten kann.</p><p>Sein Gehirn �hnelt einem Fernseher, der zig Stationen abspielt. Er zieht die Achtunddrei�iger aus dem G�rtel und h�lt sich daran fest, als ob es das Einzige in der Welt w�re, das ihm jetzt noch Halt und Geborgenheit bringen k�nnte.</p><p>Stimmengewirr und die Fragmente halb geformter Bilder rasen unkontrolliert durch Brians Kopf. Die Abendd�mmerung hat der Dunkelheit Platz gemacht. Die n�chste Lichtquelle�� die Stadionscheinwerfer�� ist mehrere hundert Meter entfernt. Brian nimmt seine Umwelt in der Bildhelligkeit eines Negativs wahr, seine Sinne sind so scharf wie die Klinge eines japanischen Messers. Er ist jetzt allein�� So allein wie noch nie zuvor�� Und das macht ihm mehr zu schaffen als all die Zombies um ihn herum.</p><p>Die Ger�usche des Futterrauschs, feucht, saugend und gurgelnd, sind kaum noch �ber dem konstanten Heulen der Motoren der Rennwagen zu h�ren. In einer hinteren Ecke seines Gehirns wei� Brian, dass der L�rm des Rennens den Tumult auf der Lichtung �bert�nt, was wahrscheinlich von Philip mit eingeplant war, damit seine Entf�hrung nicht bemerkt werden w�rde.</p><p>Brian kann die Umrisse der dunklen Figuren auf der Rodung nur schwer erkennen. Er sieht, wie sich die Monster an den menschlichen �berresten laben��</p><p>Brian schlie�t die Augen.</p><p>Einen Moment lang ist er unentschlossen, ob er beten soll oder nicht. Oder w�re eine stille Grabrede f�r seinen Bruder besser? Und f�r Nick und die verstorbene Unbekannte? F�r Bobby Marsh, f�r David Chalmers, f�r alle Toten, selbst f�r die noch Lebenden und diese ganze gottverdammte, kaputte Welt. Aber er tut es nicht, sondern sitzt einfach nur da, w�hrend sich die Zombies an den �berresten seines Freundes, seines Bruders und der unbekannten Frau satt fressen.</p><p>Brian hat keine Ahnung, wie viel Zeit verstrichen ist, als sich die Zombies wieder verziehen und die zerlegten, abgenagten Reste auf der ganzen Lichtung verstreut zur�cklassen.</p><p>Dann gleitet er vom Dach der Fahrerkabine und schleicht durch die Dunkelheit nach Hause.</p><p>Brian sitzt die ganze Nacht �ber in der leeren Wohnung im Wohnzimmer�� vor dem leeren, sch�bigen Aquarium. Sein Kopf ist leer, da strahlt kein Sender mehr aus. Die Nationalhymne ist bereits gespielt, das Testbild ist verschwunden, und jetzt flimmert nur noch wei�es Rauschen �ber seinen inneren Bildschirm.</p><p>Er steckt noch immer in der schmutzigen Jacke und starrt auf das Glas des Aquariums, das von gr�nem Schleim bedeckt ist und an dem hier und da etwas Fischfutter klebt. Der Anblick erinnert an ein monotones Stillleben, das direkt aus der H�lle zu stammen scheint. Brian sitzt da und glotzt in den von Glas umrahmten Raum, in dem einmal Fische schwammen. Aus Minuten werden Stunden. Sein Sch�del gleicht einer Braun�schen R�hre. Er bemerkt kaum die aufgehende Sonne, die Morgenr�te. Er h�rt weder den Tumult au�erhalb der Wohnung noch die aufgeregten Stimmen oder die Motorenger�usche.</p><p>Der Tag nimmt seinen Lauf�� Zeit hat f�r Brian keinerlei Bedeutung mehr��, bis der Abend hereinbricht und seinen Schleier der Dunkelheit �ber die Wohnung legt. Brian bleibt in der Finsternis sitzen und starrt weiterhin auf die bildlose �bertragung in dem leeren Aquarium. Der n�chste Morgen kommt, dann der Mittag.</p><p>Irgendwann am folgenden Tag f�llt bei Brian ein Groschen. Der Schimmer einer Nachricht huscht �ber den leeren Bildschirm seines Gehirns. Zuerst scheint alles weit entfernt und wirr zu sein, wie ein schlecht empfangener Sender, aber mit jeder Sekunde wird es klarer und die Nachricht lauter. AUF NIMMERWIEDERSEHEN.</p><p>Wie eine Wasserbombe in der Tiefe seiner Seele implodieren die beiden Worte in einem gl�hend hei�en Fieberkrampf und rei�en ihn endlich aus seiner Benommenheit. Er schnellt auf und �ffnet die Augen.</p><p>AUF NIMMERWIEDERSEHEN��</p><p>Er ist dehydriert, und seine Knochen sind steif. Sein Magen ist leer, und seine Hose trieft vor Urin. Beinahe sechsunddrei�ig Stunden sa� er einfach nur auf dem Stuhl wie bewusstlos, still wie ein Betonklotz, und es f�llt ihm anfangs schwer, seinen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Aber er f�hlt sich gereinigt und so klar im Kopf wie selten zuvor. Er humpelt in die K�che, sucht nach etwas zu essen, findet aber nichts au�er einigen Dosen mit Pfirsichen. Er �ffnet eine und verschlingt den Inhalt mit wildem Hei�hunger. Der Saft tropft ihm vom Kinn. Pfirsiche haben ihm noch nie so gut geschmeckt. Es scheint ihm beinahe, als ob er noch nie zuvor Pfirsiche probiert h�tte. Dann geht er ins Schlafzimmer und streift sich die verdreckten Kleider vom Leib, um sich eine neue Jeans und sein einziges anderes Hemd �berzuziehen�� ein AC/DC-T-Shirt. Er schnappt sich ein Paar Doc-Martens-Stiefel, schl�pft hinein und schn�rt sie zu.</p><p>An der T�r h�ngt ein gro�er, gesprungener Spiegel.</p><p>Ein drahtiges, zerzaustes, leicht gedrungenes Frettchen von Mann starrt ihn an. Der Sprung im Spiegel spaltet sein schmales Gesicht und die M�hne seines langen, dunklen, unb�ndigen Haars. Seine Miene wird von einem str�hnigen Backenbart eingerahmt, und die eingesunkenen Augen stecken tief in ihren H�hlen, umgeben von dunklen Umrandungen. Er erkennt sich kaum selbst wieder.</p><p>�Wie auch immer�, sagt er zum Spiegel und verl�sst das Schlafzimmer.</p><p>Im Wohnzimmer holt er seine Achtunddrei�iger, schnappt sich das letzte Magazin�� die letzten sechs Kugeln, die er hat�� und schiebt die Waffe hinten in den G�rtel. Das Magazin steckt er in eine Hosentasche.</p><p>Dann stattet er seiner Zombie-Nichte einen Besuch ab.</p><p>�Hallo, Kleines�, begr��t er sie mit sanfter Stimme, als er die Waschk�che betritt. Die kleine, mit Linoleum ausgelegte Kammer stinkt nach Tod. Brian bemerkt den �blen Geruch jedoch kaum, sondern geht sofort auf die Penny-Kreatur zu, die ihn anknurrt und an ihren Ketten rei�t. Ihre Hautfarbe erinnert an Zement, und ihre Augen sind so glatt und ausdruckslos wie matt geschliffene Steine.</p><p>Brian kniet sich vor sie hin und wagt einen Blick in den Eimer. Er ist leer.</p><p>Dann schaut er sie an. �Du wei�t, wie sehr ich dich liebe, oder?�</p><p>Das Penny-Ding faucht ihn an.</p><p>Brian streichelt ihre d�nne, kleine Ferse. �Ich gehe jetzt fort, um etwas Proviant zu holen, Schatz, und bin gleich wieder da. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.�</p><p>Die kleine Untote legt den Kopf zur Seite und st��t ein Grunzen aus, das klingt, als ob Luft durch verrostete Rohre gepresst werden w�rde. Brian klopft ihr aufs Bein�� stets darauf bedacht, au�er Reichweite ihrer Z�hne zu bleiben�� und steht dann auf.</p><p>�Bis bald, S��e.�</p><p>In dem Augenblick, als Brian unbemerkt aus der Seitent�r der Wohnung schleicht und sich mit gesenktem Kopf und den H�nden in den Taschen durch die windgepeitschten Felder aufmacht, wei� er, dass etwas nicht stimmt. Die Pferderennbahn, die zum Autodrom umfunktioniert wurde, liegt still in der Ferne da. Einige der Ans�ssigen eilen an ihm vorbei, die Augen vor Panik weit aufgerissen. Die Luft tr�gt ihm den Gestank der Toten und Verwesenden zu. Links hinter der Barrikade aus Bussen und alleinstehenden H�usern wandern unz�hlige Untote an der Grenze entlang und suchen nach einem Loch, nach einem Weg nach drinnen. Vor sich sieht er schwarzen Rauch aus dem Schornstein des Krematoriums aufsteigen. Brian legt einen Zahn zu.</p><p>Als er sich dem Marktplatz n�hert, erkennt er in der Ferne, dass mit Gewehren und Ferngl�sern ausger�stete M�nner auf dem h�lzernen Wall am n�rdlichen Ende der Sicherheitszone stehen, wo der Zaun noch gebaut wird. Sie machen keinen gl�cklichen Eindruck. Brian eilt weiter. Sein Schmerz, die steifen Glieder, seine angebrochenen Rippen�� all das verschwindet bei den Unmengen von Adrenalin, die jetzt durch seinen K�rper pumpen.</p><p>Die Lebensmittel von Woodbury werden in einem Lagerhaus aus Ziegeln dem Gerichtsgeb�ude gegen�ber gehortet. Brian h�lt vor der Lagerhalle inne, als er die drei alten obdachlosen M�nner vor dem Geb�ude stehen sieht. Mehrere Leute warten auf den Stufen und ziehen nerv�s an ihren Zigaretten, w�hrend andere den Eingang versperren. Brian geht �ber die Stra�e und gesellt sich zu der Menge.</p><p>�Was ist hier los?�, fragt er den alten Mann im Heilsarmeemantel.</p><p>�Probleme in Gotham City, Kleiner�, erwidert der Alte und deutet mit einem verschrumpelten Daumen auf das Gerichtsgeb�ude. �Die halbe Stadt hat sich da drinnen versammelt und ber�t sich.�</p><p>�Wieso? Ist etwas passiert?�</p><p>�Gestern wurden drei weitere Anwohner gefunden. Im Wald. Fein s�uberlich abgenagt bis auf die Knochen�� Hier wimmelt es nur so von Bei�ern. Der L�rm des Rennens hat sie wahrscheinlich angelockt. Verdammte Verr�ckte! Warum haben sie nur so viel Krach gemacht?�</p><p>Einen Moment lang �berlegt Brian, wie es jetzt weitergehen soll. Er k�nnte sich einfach aus der Aff�re ziehen, indem er seine Siebensachen nimmt und abhaut. Er k�nnte sich einfach ein Auto schnappen, alles aufladen, Penny in den Kofferraum stecken und losfahren.</p><p>Hier schuldet er niemandem etwas. Am besten ist es, sich zu verd�nnisieren und dem Kaff so schnell wie m�glich den R�cken zuzudrehen. Das w�re eindeutig die beste Vorgehensweise. Aber etwas in Brian l�sst ihn noch einmal dar�ber nachdenken. Was w�rde Philip tun?</p><p>Brian starrt auf die aufgebrachte Menge, die sich vor dem Eingang zum Regierungsgeb�ude dr�ngt.</p></section><section><title><p>Dreiundzwanzig</p></title><p>Wei� denn �berhaupt jemand, wie sie hie�en?� Eine Frau Ende sechzig mit lockigen grauen Haaren steht im hintersten Teil des Versammlungsraums im Parterre des Geb�udes. Die Venen in ihrem Hals pulsieren vor Anspannung.</p><p>Etwa drei�ig Einwohner von Woodbury haben sich hier zusammengefunden�� Stadtr�te, Familienoberh�upter, ehemalige Kaufleute und Passanten, die hier zuf�llig gestrandet sind. Sie sitzen unruhig in zerfetzten Klamotten und schmutzigen Schuhen da und blicken nach vorn. Das Ganze strahlt Weltuntergangsstimmung aus. Putz f�llt von den W�nden und Decken, Kaffeemaschinen liegen auf dem Boden, die Stecker sind abgerissen, und Dr�hte ragen aus den W�nden. Auf dem Parkett liegen M�ll und Schutt.</p><p>�Das ist doch v�llig gleich!�, br�llt Major Gene Gavin vom Rednerpult. Hinter ihm stehen seine Speichellecker mit M4-Sturmgewehren an den H�ften. Dem Major scheint es zu gefallen, am Rednerpult der kleinen Gemeinde zwischen der Flagge der USA und der von Georgia zu stehen und den gro�en Mann zu spielen. �hnlich wie MacArthur, der Japan befreite, oder Stonewall Jackson bei der ersten Schlacht am Bull Run genie�t es der Major, nun endlich einmal Kopf einer Truppe zu sein�� auch wenn es sich nur um einen Haufen Feiglinge und sonstiger Ausschussware handelt. Knallhart steht er in seiner olivgr�nen Jacke und dem B�rstenschnitt da. Er hat schon seit langem auf diesen Augenblick gewartet.</p><p>Gavin ist der geborene Tyrann, der alle Schw�cheren das F�rchten lehrt, und er wei�, dass man Respekt braucht, um Menschen anzuf�hren. Respekt, den er sich durch Furcht erkauft. Genauso machte er es damals mit seinen Wochenendsoldaten im Camp Ellenwood. Damals war er noch Ausbilder f�r �berlebenstraining beim 221. Military Intelligence Battalion. Er packte diese Schw�chlinge an den Eiern und schikanierte sie, wo es nur ging. Bei den Ausfl�gen und den Nachtlager in Scull Shoals urinierte er in ihre Taschen und tyrannisierte sie bei der geringsten Regel�bertretung bis zum Umfallen. Aber das war schon so lange her, dass es kaum noch Bedeutung hatte. Diese Situation aber ist so verr�ckt, dass sich Gavin jeden Vorteil zunutze machen muss, um die Kontrolle zu bewahren.</p><p>�Das waren doch nur ein paar von diesen neuen Typen�, f�gt Gavin hinzu, als ob die Sache damit erledigt w�re. �Und irgendeine G�re aus Atlanta.�</p><p>Ein �lterer Herr in den ersten Reihen steht auf. Seine knochigen Knie schlottern. �Bei allem Respekt�� Das war die Tochter von Jim Bridges, und sie war nicht irgendeine G�re, sondern ein anst�ndiges M�dchen. Ich glaube, dass ich jedem hier aus der Seele spreche, wenn ich sage, dass wir Schutz brauchen, vielleicht sogar eine Ausgangssperre�� Damit niemand mehr nach Anbruch der Dunkelheit auf die Stra�e geht. Vielleicht k�nnten wir ja dar�ber abstimmen.�</p><p>�Setz dich, alter Mann�� Ehe du dir wehtust�, schnaubt Gavin und starrt ihn finster an. �Wir haben gr��ere Probleme, um die wir uns k�mmern m�ssen. Da drau�en ist eine ganze Kompanie von Bei�ern, die nichts anderes im Kopf hat, als uns zu fressen.�</p><p>Der Herr nimmt Platz und brummt vor sich hin. �Der ganze L�rm der verdammten Rennen�� Das ist der wahre Grund, warum uns die Bei�er jetzt umzingeln.�</p><p>Gavin klappt sein Halfter auf, sodass der Griff seiner F�nfundvierziger f�r alle zu sehen ist, und macht einen Schritt auf den alten Mann zu. �Es tut mir sehr leid, aber ich kann mich nicht daran erinnern, Einwohnern des Altenheims das Wort erteilt zu haben.� Dann deutet er mit ausgestrecktem Zeigefinger auf ihn. �Ich rate dir, Freundchen, deine Schnauze zu halten, ehe du sie f�r immer h�ltst.�</p><p>Ein j�ngerer Mann, der in der gleichen Reihe wie der alte Mann sitzt, springt auf. �Immer mit der Ruhe, Gavin.� Er ist gro� gewachsen mit olivfarbenem Teint. Sein Haar ist unter einem Tuch versteckt, und er tr�gt ein �rmelloses Hemd, das seine muskul�sen Bizepse zur Schau stellt. Seine dunklen Augen funkeln. �Das ist kein John-Wayne-Film hier. Reg dich ein bisschen ab.�</p><p>Gavin dreht sich langsam zu ihm und richtet den Lauf seiner Waffe auf den Mann. �Halt deine Fresse, Martinez, und park deinen verdammten Arsch wieder auf dem Stuhl.�</p><p>Hinter Gavin stellen sich auf einmal seine zwei Nationalgardisten auf und z�cken ihre M4-Sturmgewehre. Ihre Blicke streifen durch den Versammlungsraum.</p><p>Der Mann namens Martinez sch�ttelt den Kopf und setzt sich wieder hin.</p><p>Gavin st�hnt frustriert auf.</p><p>�Ihr scheint den verdammten Ernst der Lage nicht zu verstehen�, f�hrt er mit milit�risch abgehackter Stimme fort, steckt seinen Revolver wieder ins Halfter und geht zur�ck zum Rednerpult. �Wir sind hier nichts weiter als Lockv�gel, leichte Beute, wenn wir uns nicht um die Barrikaden k�mmern. Und gleichzeitig gibt es hier einen Haufen Schmarotzer, die den ganzen Tag nichts weiter tun, als herumzuh�ngen und von anderen zu erwarten, dass sie das Kind schon schaukeln. Keine Disziplin! Euch habe ich etwas zu sagen, denn euer Urlaub hat gerade aufgeh�rt. Von jetzt ab wird es hier anders zugehen. Jetzt weht hier ein anderer Wind! Es gibt neue Regeln. Jeder hilft mit, und wehe, ihr macht nicht genau das, was euch gesagt wird! Wehe dem, der nicht spurt oder aufm�pfig wird! Habe ich mich klar und deutlich ausgedr�ckt?�</p><p>Gavin holt tief Luft, wartet auf die Wirkung seiner Worte und blickt f�r den Fall, dass jemand es wagt, ihm zu widersprechen, gebieterisch durch den Raum.</p><p>Die Menge sitzt auf ihren Pl�tzen und schaut wie Kinder drein, die gerade vom Rektor eine Standpauke gehalten bekommen. Stevens, der Arzt, steht zusammen mit einer jungen Frau in den Zwanzigern in einer Ecke. Sie tr�gt einen Kittel, ein Stethoskop h�ngt ihr um den Hals. Stevens macht den Eindruck, als ob er etwas riechen w�rde, das schon eine ganze Weile vor sich hin geschimmelt hat. Er hebt die Hand.</p><p>Der Major rollt mit den Augen und prustet genervt. �Was denn jetzt schon wieder, Stevens?�</p><p>�Berichtigen Sie mich bitte, falls ich mich t�usche�, beginnt der Arzt, �aber wir sind schon jetzt nicht besonders gut aufgestellt. Jeder von uns tut, was er kann.�</p><p>�Was wollen Sie damit sagen?�</p><p>Der Arzt zuckt mit den Schultern. �Was genau wollen Sie von uns?�</p><p>�ICH WILL EUREN GOTTVERDAMMTEN GEHORSAM!�</p><p>Das Gebr�ll macht so gut wie keinen Eindruck auf Stevens� intelligente Gesichtsz�ge. Gavin atmet lange und tief ein und wieder aus, um nicht die Beherrschung zu verlieren. Stevens schiebt seine Brille hoch, wendet den Blick ab und sch�ttelt den Kopf. Dann dreht sich der Major zu seinen M�nnern um und gibt ihnen ein Zeichen.</p><p>Die Gardisten nicken dem Major zu und legen den Finger an den Abzug.</p><p>Das wird offenbar doch nicht so leicht, wie Gavin es sich vorgestellt hat.</p><p>Brian Blake h�lt sich ganz hinten im Versammlungsraum. Er steht im Schatten eines staubigen, kaputten Verkaufsautomaten, hat die H�nde in den Taschen und h�rt zu. Sein Herz pocht wie wild. Und er hasst sich f�r diese Tatsache. Er kann das Gef�hl nicht absch�tteln, eine Laborratte zu sein. Eine l�hmende Angst�� seine alte Nemesis�� ist wieder da und begleitet ihn auf Schritt und Tritt. Das Magazin brennt ihm beinahe ein Loch in die Hosentasche und sticht doch kalt in seinen Schenkel. Seine Kehle ist zusammengeschn�rt und trocken, die Zunge viel zu gro� f�r seinen Mund. Was zum Teufel ist nur los mit ihm?</p><p>Vorne am Rednerpult beginnt Gavin vor den Gem�lden der Stadtv�ter, die in Schauk�sten an der Wand h�ngen, auf und ab zu marschieren. �Es ist mir v�llig egal, wie ihr diese Anh�ufung geballter Kacke nennen wollt, in der wir uns befinden. Ich nenne es Krieg�� Und damit herrscht �ber dieses verdammte Kaff das Kriegsrecht.�</p><p>Ein unruhiges Raunen erfasst den Saal. Der alte Mann ist der Einzige, der sich traut, das Wort zu erheben. �Und was soll das hei�en?�</p><p>Gavin geht auf ihn zu. �Das soll hei�en, dass jeder hier meinen Befehlen Folge leisten und sch�n brav sein wird.� Dann t�tschelt er dem alten Mann die Glatze, als ob es sich um ein harmloses Haustier handeln w�rde. �Immer sch�n gehorchen und genau das machen, was man euch sagt, und dann haben wir sogar den Hauch einer Chance, dies alles zu �berstehen.�</p><p>Der alte Mann schluckt. Die meisten Leute starren zu Boden. F�r Brian ist eines klar: Die Menschen in Woodbury stecken tief in der Klemme. Der Hass in dem Saal liegt so dick in der Luft, dass man sie zerschneiden k�nnte. Doch die Angst siegt. Sie steigt aus jeder Pore der Anwesenden�� einschlie�lich Brian, der aber hart gegen sie anzuk�mpfen versucht. Er schluckt den Klo�, der in seinem Hals steckt, hinunter.</p><p>Jemand im vorderen Teil des Saales in der N�he der Fenster meldet sich zu Wort. Brian ist zu weit entfernt, um es zu verstehen, und stellt sich auf die Zehenspitzen, damit er sehen kann, um wen es sich handelt.</p><p>�Gibt es etwas, das du uns mitteilen willst, Detroit?�, erkundigt sich der Major gereizt.</p><p>Der schwarze Mann mittleren Alters mit seiner fettigen Latzhose und dem grauem Bart sitzt auf einem Stuhl und macht einen unzufriedenen Eindruck. Finster starrt er aus dem Fenster. Seine langen gelbbraunen Finger sind mit Wagenschmiere �berzogen. Der einzige Mechaniker vor Ort ist aus dem Norden hergezogen. Er murmelt etwas vor sich hin und beachtet den Major �berhaupt nicht.</p><p>�Immer raus mit der Sprache, Homeboy.� Der Major kommt mit gro�en Schritten n�her. Als er neben ihm steht, f�hrt er fort: �Was ist dein Problem? Gef�llt dir etwa die Freizeitgestaltung nicht?�</p><p>Kaum h�rbar erwidert der Schwarze: �Ohne mich.�</p><p>Er steht auf und dreht sich zum Ausgang, als der Major pl�tzlich seine Waffe zieht.</p><p>Mit einem beinahe unwillk�rlichen Instinkt greift der schwarze Mann mit seiner gro�en, schwieligen Hand nach dem Revolver in seinem G�rtel. Aber ehe er ziehen kann, hat Gavin die Waffe schon auf ihn gerichtet. �Ach, tu mir doch den Gefallen, Detroit�, knurrt der Major und richtet den Lauf gegen dessen Kopf. �Ich wollte schon immer deinen krausen Sch�del in tausend St�cke blasen.�</p><p>Die Soldaten reihen sich hinter ihrem Major auf und heben ihre Sturmgewehre. Alle starren sie den schwarzen Mechaniker an.</p><p>Mit der Hand am Griff seiner Waffe, den Blick starr auf Gavin gerichtet, murmelt er: �Es ist schon schlimm genug, dass wir die Toten da drau�en bek�mpfen m�ssen�� Und jetzt kommst du und willst uns auch noch herumschubsen.�</p><p>�Setz. Dich. Hin. Sofort.� Gavin dr�ckt den Lauf jetzt fester gegen den Sch�del des Mechanikers. �Oder ich werde dich hinrichten. Hier und jetzt.�</p><p>Detroit seufzt genervt und nimmt wieder Platz.</p><p>Da wendet sich der Major an die restlichen Bewohner. �Das Gleiche gilt f�r euch! Glaubt ihr, dass ich hier auf Kur bin? Dass ich das aus Jux und Dollerei mache? Das ist hier keine Demokratie, Leute, es geht um Leben und Tod!� Er beginnt wieder, vor den Leuten auf und ab zu marschieren. �Wenn ihr nicht als Hundefutter enden wollt, m�sst ihr mir gehorchen. Lasst die Profis ran!�</p><p>Die Stille legt sich �ber den Versammlungsraum wie Giftgas. Ganz hinten sp�rt Brian, wie sich die Haare in seinem Nacken aufrichten. Sein Herz pocht so heftig in seiner Brust, dass es droht, ein Loch in sein Brustbein zu schlagen. Er bekommt kaum noch Luft. Er will diesem M�chtegernsoldaten den Hals umdrehen, aber sein K�rper verkrampft sich, und Brian wei� nicht, ob er fl�chten oder sich dem Ganzen stellen soll. Durch seinen Kopf schwirren Fragmente von Erinnerungen, Szenen und Ger�uschen eines angstbestimmten Lebens. Schon auf dem Spielplatz der Burke-County-Grundschule musste er kleinen Tyrannen aus dem Weg gehen und schlich immer um den Parkplatz des Supermarkts, um nicht den Schl�gern in die Finger zu geraten. Er rannte vor einer Gang beim Kid-Rock-Konzert davon und hoffte stets auf Philips Hilfe�� Wo zum Teufel ist Philip, wenn man ihn braucht?</p><p>Ein Ger�usch aus der Richtung des Rednerpults r�ttelt Brian auf.</p><p>Der Mann namens Detroit steht auf. Er hat die Nase gestrichen voll. Sein Stuhl knarzt, als er sich zu seiner vollen Gr��e aufrichtet�� weit �ber einen Meter achtzig��, sich umdreht und davongeht.</p><p>�Wo zum Teufel willst du <emphasis>hin</emphasis>?� Gavin schaut zu, wie sich der Schwarze auf den Ausgang zu bewegt. �HE! ICH REDE MIT DIR, DETROIT! WOHIN, GLAUBST DU, BEWEGST DU DEINEN ARSCH?�</p><p>Detroit dreht sich nicht einmal um, sondern winkt nur genervt ab und murmelt: �Ich hau ab�� W�nsch euch viel Gl�ck�� Und das werdet ihr brauchen, wenn die Idioten hier das Sagen haben.�</p><p>�PFLANZ DEINEN SCHWARZEN NIGGERARSCH SOFORT WIEDER AUF EINEN STUHL, ODER ICH MACHE DICH AUF DER STELLE KALT!�</p><p>Detroit achtet nicht auf ihn.</p><p>Gavin zieht seinen Revolver.</p><p>Detroit geht weiter.</p><p>Die gesamte Versammlung holt tief Luft, als Gavin die Waffe hebt und auf den Hinterkopf von Detroit zielt.</p><p>Der Schuss saugt die Luft aus dem Raum. Er ist so laut, dass die W�nde wackeln. Eine Frau schreit auf. Die Kugel gr�bt sich in den Hinterkopf des Schwarzen. Detroit wird nach vorne geschleudert und landet auf dem Verkaufsautomaten. Brian, der direkt daneben steht, zuckt zusammen. Der Mechaniker prallt auf den kalten Stahl, wird zur�ckgeworfen und sackt dann zu Boden. Das Coca-Cola-Logo ist mit seinem Blut beschmiert. Rote Spritzer kleben an der Wand dar�ber und an der Decke.</p><p>Noch ehe die vielen Schreie verklingen und das Echo des Schusses verhallt, passieren mehrere Dinge auf einmal. Beinahe gleichzeitig springen drei Gemeindemitglieder auf�� zwei M�nner mittleren Alters sowie eine Frau um die drei�ig�� und rennen zum Ausgang. Brian sieht ihnen wie in einem Traum hinterher. Es rauscht noch immer in seinen Ohren, und seine Augen sind geblendet. Er nimmt kaum die absonderlich ruhige Stimme des Majors wahr, die jegliche Reue vermissen l�sst und in der keinerlei Gef�hl mitschwingt, als sie den zwei Gardisten Barker und Manning befiehlt, die Fliehenden zu schnappen. Au�erdem sollen sie den Rest zusammentreiben, �der sich da drau�en wie feige Kakerlaken verkriecht�, denn Gavin will, dass jeder, der noch Blut in den Adern hat, seine Worte h�rt. Die beiden Nationalgardisten rennen aus dem Gerichtssaal und lassen eine fassungslose, gel�hmte Gruppe von f�nfundzwanzig Einwohnern zur�ck, den Major und�� Brian.</p><p>F�r Brian dreht sich alles, als Gavin seine Waffe wieder ins Halfter steckt und einen triumphierenden Blick auf den leblosen K�rper des Schwarzen wirft, als ob es sich um eine Troph�e handeln w�rde. Dann dreht er sich um und schlendert nach vorne zum Rednerpult zur�ck. Jetzt hat er die Aufmerksamkeit, die er wollte, und er scheint jede Sekunde davon zu genie�en. Brian merkt kaum, wie er droht, an jedem Weichei ein Exempel zu statuieren, das auch nur daran denkt, das Leben der Einwohner von Woodbury in Gefahr zu bringen, indem er sich auf eigene Faust auf und davon machen will. Solche verdammten Besserwisser geh�rten ausgerottet. Diese Zeiten sind nach Gavin etwas ganz Besonderes. Sie wurden schon in der Bibel beschrieben und prophezeit. Tatsache sei, dass sie es vielleicht mit dem Weltuntergang zu tun h�tten. Jeder Einwohner von Woodbury m�sse es endlich in seinen dicken Sch�del bekommen, dass dies wom�glich die letzte Schlacht zwischen Satan und der Menschheit sei. Und Gavin h�chstpers�nlich sei von nun an der gottverdammte Messias.</p><p>Die durchgedrehte Predigt dauert zwar kaum l�nger als eine Minute, doch in dieser kurzen Zeit durchl�uft Brian Blake eine Metamorphose.</p><p>W�hrend er wie versteinert neben dem alten Verkaufsautomaten steht und das Blut des erschossenen Mannes unter seine Schuhsohlen l�uft, wird Brian Blake klar, dass er keine Chance in dieser Welt hat, wenn er seinem bisherigen Verhaltensmuster folgt: n�mlich jedem Streit aus dem Weg gehen, Gewalt vermeiden, sich Gefahren entziehen. Scham erf�llt ihn und nimmt von ihm Besitz. Er erinnert sich an seine erste Begegnung mit den wandelnden Toten. Es war in Deering bei seinen Eltern, Millionen von Lichtjahre entfernt. Sie stolperten hinter dem Ger�teschuppen hervor, und Brian versuchte, mit ihnen zu reden, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Er warnte sie, sich von ihm fernzuhalten, und bewarf sie mit Steinen, ehe er zur�ck ins Haus fl�chtete, die Fenster verbarrikadierte, sich in die Hose machte und generell wie ein Feigling auff�hrte, der er schon immer gewesen war und immer sein w�rde. Doch in diesem kurzen, f�rchterlichen Augenblick, in dem Gavin seine gesammelten Weisheiten �ber die Einwohner von Woodbury ergie�t, schie�en ihm s�mtliche Erinnerungen an seine Feigheit und Unentschlossenheit auf dem langen Weg ins westliche Georgia durch den Kopf. Hat er denn nichts gelernt? Zuerst versteckte er sich in der Abstellkammer im Haus in Wiltshire Estates, sein erster erlegter Zombie im Haus der Chalmers war eher so etwas wie Zufall, und st�ndig lag er seinem Bruder in den Ohren, nervte ihn mit seiner Schw�che und unn�tzen �ngstlichkeit. Pl�tzlich aber begreift Brian mit einem Schmerz, der sein Herz fast zerbersten l�sst, dass er das alles nie und nimmer allein �berleben wird. Jetzt, da Major Gavin die traumatisierten Menschen vom Rednerpult aus herumkommandiert, ihnen beinahe unmenschliche Pflichten aufb�rdet und ihnen neue Regeln unterbreitet, sp�rt Brian, wie sich sein normales Verhalten gleich einem Schmetterling verabschiedet, der seinen Kokon verl�sst. Zuerst w�nscht er sich noch, dass Philip hier w�re, um ihn zu besch�tzen�� wie er es seit Beginn der Plage getan hat. Wie w�rde Philip mit Gavin umgehen? Was w�rde er tun? Es dauert nicht lange, ehe sich diese Sehnsucht in einen akuten Schmerz um Philips Verlust verwandelt. Es qu�lt ihn wie eine offene Wunde, und das scharfe Schwert der Trauer durchschneidet sein Innerstes. Er st�tzt sich an dem blutbesudelten Verkaufsautomaten ab und sp�rt, wie sich seine Seele von seinem K�rper wie von einem urweltlichen Klumpen Erde l�st, um den Mond zu formen. Ein Schwindelanfall droht, ihn zu Boden zu rei�en, aber ehe Brian wei�, wie ihm geschieht, hat er seinen K�rper verlassen. Sein Bewusstsein schwebt jetzt �ber seinem Leib. Er ist ein gespenstischer Zuschauer, der in diesem luftarmen, stinkenden, �berf�llten Versammlungsraum im alten Gerichtsgeb�ude von Woodbury auf sich selbst hinabschaut und sich beobachtet.</p><p>Und Brian w�chst weiter �ber sich hinaus.</p><p>Jetzt sieht er sein Ziel vorne am Rednerpult, circa zehn Meter von ihm entfernt.</p><p>Er staunt, wie sein K�rper einen Schritt nach vorn macht, weg von dem Verkaufsautomaten, seine Hand nach der Waffe in seinem G�rtel greift und sich seine Finger um dessen Griff legen, w�hrend Gavin weiterhin Befehle br�llt und vor den Gr�ndungsv�tern der Stadt auf und ab stolziert.</p><p>Brian schaut zu, wie er drei weitere Schritte auf den Hauptgang zugeht und gleichzeitig die Waffe in einer eleganten, flie�enden Bewegung aus dem G�rtel zieht. Er h�lt die Achtunddrei�iger an der Seite, macht einen vierten Schritt. Jetzt ist er nur noch f�nf Meter von Gavin entfernt und bekommt endlich dessen Aufmerksamkeit. Der Major h�lt inne und schaut auf. Brian hebt die Waffe und leert das gesamte Magazin der t�dlichen Hohlspitzgeschosse in Gesicht und Oberk�rper von Major Gavin.</p><p>Wieder herrscht Unruhe unter den Anwesenden, aber diesmal schreit niemand auf.</p><p>Alle sind schockiert, jedoch niemand st�rker als Brian. Er steht einen scheinbar unendlich langen Augenblick wie angewurzelt im Hauptgang. Seine Waffe ist noch immer nach vorne gerichtet, obwohl sie jetzt leer ist. Er scheint keine Kontrolle mehr �ber seinen ausgestreckten Arm zu haben. Major Gavins �berreste liegen zusammengesackt auf dem Boden vor der Wand. Sein Oberk�rper ist teilweise durchl�chert wie ein Sieb, und aus Hals und Kopf sprudelt dunkelrotes Blut in �ligen Blasen.</p><p>Der Bann ist gebrochen, als das Ger�usch quietschender St�hle und das Aufstehen von Personen an Brians Ohren dringen. Er l�sst die Waffe sinken und schaut sich um. Einige der Anwesenden treten zum Rednerpult, andere starren Brian an. Einer der M�nner kniet sich neben Gavins Leiche, macht sich aber nicht die M�he, nach dem Puls zu suchen oder Erste Hilfe zu leisten. Der Mann namens Martinez geht auf Brian zu.</p><p>�Nimm das nicht pers�nlich, Kumpel�, meint Martinez mit rauer und ernster Stimme. �Aber es w�re sicher ratsam, wenn du von hier abhaust.�</p><p>�Nein.� Brian sp�rt, dass seine Seele wieder zu ihm zur�ckgekehrt ist. Er f�hlt sich so, als ob man ihn neu gebootet h�tte.</p><p>Martinez starrt ihn an. �Hier wird die H�lle los sein, sobald seine Gorillas zur�ckkommen.�</p><p>�Das wird schon�, antwortet Brian, greift in seine Tasche holt das Magazin hervor und l�dt die Waffe. Obwohl er keinerlei �bung darin hat, bewahrt er eine ruhige Hand. Er steht jetzt mit beiden Beinen felsenfest auf dem Boden. �Wir sind ihnen zahlenm��ig bei weitem �berlegen.�</p><p>Einige der Anwohner Woodburys haben sich um den Verkaufsautomaten versammelt, vor dem der Leichnam des Mannes namens Detroit liegt. Dr.�Stevens sucht noch nach dem Puls, als Brian jemanden leise weinen h�rt. Er dreht sich zu der Gruppe um.</p><p>�Wer von euch ist bewaffnet?�, fragt er.</p><p>Ein paar M�nner strecken die H�nde in die Luft.</p><p>�Bleibt bei mir.� Dann eilt er durch die fassungslosen Anwesenden zum Ausgang, stellt sich unter dem Portal auf und blickt durch das Sicherheitsglas hinaus in den windigen, bew�lkten Herbstnachmittag.</p><p>Selbst durch die Scheibe ist das untr�gliche Dr�hnen der Zombies aus der Ferne zu h�ren, das der Wind her�bertr�gt. Aber f�r Brian h�rt es sich jetzt irgendwie anders an. Getrennt durch die behelfsm��igen Barrikaden, durch nichts weiter als durch d�nne Bretter, Blech und Drahtzaun von der hartn�ckigen, kleinen Gemeinde �berlebender abgegrenzt, scheint die allgegenw�rtige Symphonie aus �chzen und St�hnen�� so schrecklich und disharmonisch wie ein Windspiel aus menschlichen Knochen�� nicht mehr der Verk�nder von Schrecken und Finsternis zu sein. Vielmehr verhei�t ihm das gr�ssliche Raunen jetzt eine neue Chance. Brian vernimmt darin die M�glichkeit eines neuen Lebens, einer neuen Ordnung, die sich in ihm wie die Geburt einer neuen Religion auftut.</p><p>Eine Stimme neben ihm rei�t ihn aus seiner Trance. Er dreht sich um und sieht Martinez, der ihm einen musternden Blick zuwirft. �Tut mir leid�, entschuldigt sich Brian. �Was hast du gesagt?�</p><p>�Dein Name�� Wie hei�t du eigentlich?�</p><p>�Mein Name?�</p><p>Martinez nickt. �Ich hei�e Martinez�� Und du?�</p><p>Brian z�gert f�r einen winzigen Augenblick, ehe er antwortet. �Philip�� Philip Blake.�</p><p>Martinez streckt die Hand aus. �Ich freue mich, deine Bekanntschaft zu machen, Philip.�</p><p>Die beiden M�nner tauschen einen kr�ftigen H�ndedruck aus, und mit dieser einfachen Geste nimmt die neue Ordnung endg�ltig Gestalt an.</p></section></section><section><title><p>DANKSAGUNG</p></title><p>Mein spezieller Dank gilt Robert Kirkman, Brendan Deneen, Andy Cohen, David Alpert, Stephen Emery und all den liebensw�rdigen Leuten des Circle of Confusion.</p><p>Jay</p><p>Ein gro�er Dank geht an Jay Bonansinga, David Alpert und den Rest der Mitglieder des Circle of Confusion, den tollen Leuten von Image Comics sowie Charlie Adlard, der stets das Ruder in der Hand behielt. Vielen Dank auch Rosenman, Rosenbaum, Simonian und Lerner. Und selbstverst�ndlich�� Brendan Deneen.</p><p>Robert</p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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