<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>det_police</genre><author><first-name>Elizabeth</first-name><last-name>George</last-name></author><book-title>Glaube der L�ge</book-title><date>2012</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Charlotte</first-name><last-name>Breuer</last-name></translator><translator><first-name>Norbert</first-name><last-name>M�llemann</last-name></translator><sequence name="Inspector Lynley (de)" number="17"/></title-info><src-title-info><genre>det_police</genre><author><first-name>Elizabeth</first-name><last-name>George</last-name></author><book-title>Believing the Lie</book-title><date>2012</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>golma1</nickname></author><program-used>calibre 0.8.4, FictionBook Editor Release 2.6.4, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-04-14">14.4.2013</date><id>50171015-bc35-4a35-856f-60dae1ea799b</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Glaube der L�ge</book-name><publisher>Wilhelm Goldmann Verlag,</publisher><city>M�nchen</city><year>2012</year><isbn>978-3-641-08041-9</isbn></publish-info></description><body><section><title><p>Elizabeth George</p><p>Glaube der L�ge</p></title><epigraph><cite><p>In Gedenken an Anthony Mott</p><p>Brillanter Erz�hler</p><p>Verehrter Freund</p><p>Antonio f�r mich</p></cite></epigraph><epigraph><p>This life�s five windows of the soul</p><p>Distort the heavens from pole to pole,</p><p>And lead you to believe a lie,</p><p>When you see with not through the eye.</p><empty-line/><p>Der Seele ird�sche Fenster zeigen</p><p>Das Himmlische verzerrt, zerst�ckt;</p><p>Du wirst den Trug zu glauben neigen,</p><p>Wenn�s Aug� nur sieht � und nicht erblickt.</p><text-author>William Blake</text-author><text-author>(�bersetzt von Sebastian Wohlfeil)</text-author></epigraph><empty-line/></section><section><title><p>10.�Oktober</p></title><subtitle>FLEET STREET � LONDON</subtitle><p>Zed Benjamin war noch nie ins Zimmer des Chefredakteurs gerufen worden, und er fand die Erfahrung zugleich beunruhigend und aufregend. Weil ihm nicht wohl bei der ganzen Sache war, schwitzte er unter den Achseln. Und vor lauter Aufregung hatte er solch ein Herzklopfen, dass er es bis in die Daumenspitzen sp�ren konnte. Aber da er mit der Einstellung angetreten war, Rodney Aronson als ganz normalen Kollegen bei der <emphasis>Source</emphasis> zu betrachten, f�hrte er das Schwitzen und die pulsierenden Daumen darauf zur�ck, dass er seinen einzigen Sommeranzug zu fr�h gegen seinen einzigen Winteranzug ausgetauscht hatte. Er nahm sich vor, am n�chsten Morgen wieder den Sommeranzug anzuziehen � falls seine Mutter ihn nicht schon in die Reinigung gebracht hatte, was er nicht hoffte. Obwohl es zu ihr passen w�rde, dachte Zed. Seine Mutter war hilfsbereit und zuverl�ssig. Und zwar beides eine Spur zu sehr.</p><p>Er suchte nach einer Ablenkung, die in Rodney Aronsons Zimmer leicht zu finden war. W�hrend der Chefredakteur Zeds Story las, �berflog Zed die Schlagzeilen der alten Ausgaben der Boulevardzeitung, die gerahmt an den W�nden hingen. Er fand sie geschmacklos und idiotisch, die Storys appellierten an die niedersten menschlichen Instinkte. CALLBOY BRICHT SCHWEIGEN zum Beispiel handelte vom Stelldichein eines Parlamentsabgeordneten mit einem Sechzehnj�hrigen in einem Auto in der N�he der King�s Cross Station, das durch das Eintreffen von zwei Polizisten vom Sittendezernat j�h unterbrochen worden war. Der Artikel daneben war betitelt mit PARLAMENTSABGEORDNETER: FLOTTER DREIER MIT TEENAGER, und der n�chste trug die �berschrift EHEFRAU DES ABGEORDNETEN VER�BT SELBSTMORD. F�r die<emphasis> Source</emphasis> waren diese Storys ein voller Erfolg gewesen, ihre Reporter waren als Erste vor Ort gewesen, sie hatten die Nachricht als Erste gebracht, und sie hatten als Erste Informanten f�r schl�pfrige Einzelheiten bezahlt, um einen Vorfall aufzupeppen, den jede seri�se Zeitung entweder diskret behandelt oder versteckt auf der letzten Seite gebracht h�tte � oder beides. Das galt vor allem f�r solche hei�en Themen wie: PRINZ RANDALIERT IM SCHLAFZIMMER, STALLMEISTER PLAUDERT � PALAST SCHOCKIERT und SCHON WIEDER EINE K�NIGLICHE SCHEIDUNG? Sensationsgeschichten, so viel hatte Zed in Gespr�chen in der Kantine mitbekommen, hatten dem Blatt eine Mehrauflage von �ber hunderttausend beschert. Daf�r war die Zeitung bekannt. Und jedem in der Redaktion war klar: Wer sich nicht die H�nde schmutzig machen und in der schmutzigen W�sche anderer Leute w�hlen wollte, der sollte besser nicht als Journalist bei der <emphasis>Source</emphasis> anfangen.</p><p>Aber genau das war Zedekiah Benjamins Problem: Es widerstrebte ihm zutiefst, als Enth�llungsjournalist bei der <emphasis>Source</emphasis> zu arbeiten. In seinen Augen war er eher der Typ, der zur <emphasis>Financial Times</emphasis> passte, mit ausreichend Status und Renommee, womit er seine wahre Leidenschaft h�tte finanzieren k�nnen, n�mlich Gedichte zu schreiben. Aber Stellen f�r Kolumnisten bei seri�sen Bl�ttern waren so selten wie die Blaue Mauritius, und mit irgendetwas musste man schlie�lich seine Br�tchen verdienen, wenn das mit Poesie nicht machbar war. Zed wusste also, dass es sich f�r ihn geziemte, sich so zu verhalten, als s�he er seine berufliche Erf�llung als Journalist darin, die Fehltritte von Ber�hmtheiten und die kleinen S�nden der Royals zu enth�llen. Dennoch war er der Meinung, dass selbst ein Blatt wie die <emphasis>Source</emphasis> davon profitieren konnte, hin und wieder ein klein wenig aus dem Sumpf der Menschenverachtung emporgehoben zu werden.</p><p>Der Artikel, den Rodney Aronson gerade las, war ein gutes Beispiel daf�r. In Zeds Augen musste eine Story in einer Boulevardzeitung nicht notwendigerweise vor schl�pfrigen Details strotzen. Okay, sie k�me vielleicht nicht auf die Titelseite, sondern war eher etwas f�r die Sonntagsbeilage, wobei ein doppelseitiger Mittelteil in der t�glichen Ausgabe auch nicht �bel w�re, Hauptsache, es gab Fotos und einen Verweis auf die Fortsetzung auf der n�chsten Seite. Zed hatte ewig an dieser Story gearbeitet, und sie enthielt alles, was <emphasis>Source</emphasis>-Lesern gefiel, allerdings mit mehr Stil: Die S�nden der V�ter und ihrer S�hne wurden ausgebreitet, zerr�ttete Beziehungen wurden erforscht, Drogen- und Alkoholmissbrauch sorgten f�r W�rze, und schlie�lich gab es sogar ein Happy End. Es war die Geschichte eines Prassers, dem es in � mehr oder weniger � allerletzter Minute gelang, sich von einer t�dlichen Methamphetaminsucht zu befreien und sich ganz neu zu erfinden, indem er sein Leben den �rmsten der Armen widmete. Es war eine Geschichte von Schurken und Helden, von w�rdigen Gegnern und immerw�hrender Liebe. Es war eine Geschichte �ber exotische Schaupl�tze, Familienwerte und Elternliebe. Und vor allem �</p><p>�Da schlafen einem ja die F��e ein. �Rodney Aronson warf Zeds Story auf den Schreibtisch und befingerte seinen Bart. Fand einen Kr�mel Schokolade darin und steckte ihn sich in den Mund. Er hatte beim Lesen eine Tafel Schokolade gegessen, und seine rastlosen Augen wanderten jetzt �ber seinen Schreibtisch auf der Suche nach Nachschub, den er in Anbetracht des von der �bergro�en Safari-Jacke, seiner bevorzugten Arbeitskleidung, schlecht verh�llten Leibesumfangs wei� Gott nicht brauchte.</p><p>�Wie bitte?�Zed meinte, sich verh�rt zu haben, und �berlegte krampfhaft, was sich auf <emphasis>F��e ein</emphasis> reimen k�nnte, um sich zu vergewissern, dass sein Chefredakteur seine Story nicht soeben auf die unterste Ecke von Seite zwanzig verbannt hatte oder Schlimmeres.</p><p>�Mir schlafen die F��e ein!�, sagte Rodney.�Sie haben mir eine gepfefferte Enth�llungsstory versprochen, wenn ich Sie da raufschicke. Sie haben mir, wenn ich mich recht erinnere, sogar eine Enth�llungsstory garantiert, wenn ich Ihnen ein Hotelzimmer bezahle f�r Gott wei� wie viele Tage ��</p><p>�F�nf�, sagte Zed.�Es gestaltete sich n�mlich etwas komplizierter. Ich musste diverse Leute interviewen, um die Objektivit�t zu wahren ��</p><p>�Also gut, f�nf. �ber die Wahl Ihres Hotels werden wir uns �brigens auch noch unterhalten, denn ich habe die Rechnung gesehen und mich gefragt, ob im Zimmerpreis Baucht�nzerinnen enthalten waren. Wenn einer auf Kosten der Zeitung f�r f�nf Tage nach Cumbria geschickt wird, weil er uns eine hammerm��ige Geschichte in Aussicht stellt ��Rodney nahm die Seiten vom Schreibtisch und wedelte damit in der Luft.�Was zum Teufel haben Sie hier recherchiert? Und was hat in Gottes Namen der Titel zu bedeuten? �Das neunte Leben�. Was ist das hier? Ein Machwerk aus einem von Ihren hochintellektuellen Literaturseminaren? Oder aus einem Kurs f�r kreatives Schreiben? Halten Sie sich etwa f�r einen Schriftsteller?�</p><p>Zed wusste, dass der Chefredakteur kein Universit�tsstudium absolviert hatte. Das erz�hlte man sich ebenfalls in der Kantine. Kurz nachdem Zed bei der <emphasis>Source</emphasis> angefangen hatte, hatte ihm jemand <emphasis>sotto voce</emphasis> zugeraunt: Wenn dir dein Leben lieb ist, Kumpel, komm Rod nur ja nicht mit irgendwas, das ihn daran erinnert, dass du irgendeinen Abschluss hast, der auch nur entfernt was mit h�herer Bildung zu tun hat. Das hat nur zur Folge, dass er sich verarscht f�hlt. Also halt am besten einfach die Klappe, wenn was Derartiges zur Sprache kommt.</p><p>Und so antwortete Zed �u�erst vorsichtig auf Rodneys Frage nach dem Titel seiner Story.�Das ist eine Anspielung auf Katzen.�</p><p>�Auf Katzen.�</p><p>��h � die sollen doch neun Leben haben.�</p><p>�Okay, gebongt. Aber wir schreiben nicht �ber Katzen, oder?�</p><p>�Nein. Nat�rlich nicht ��Zed wusste nicht so recht, worauf der Chefredakteur hinauswollte, und fuhr einfach fort mit seiner Erkl�rung.�Es geht darum, dass der Typ achtmal einen Entzug gemacht hat, verstehen Sie, und zwar in drei L�ndern, und nichts hat ihm geholfen, wirklich gar nichts. Okay, er war vielleicht sechs, acht Monate clean, einmal sogar ein ganzes Jahr, aber er ist immer wieder r�ckf�llig geworden. Dann f�hrt er nach Utah, wo er eine ganz au�ergew�hnliche Frau kennenlernt, und auf einmal ist er ein neuer Mensch.�</p><p>�Simsalabim, die wunderbare Wandlung, und das war�s? Gerettet durch die Liebe?�Die Frage klang freundlich, und Zed sch�pfte Mut.</p><p>�Ganz genau. Das ist einfach unglaublich. Er ist v�llig geheilt. Okay, bei seiner Heimkehr wird kein gem�stetes Kalb geschlachtet ��</p><p>�Kalb geschlachtet?�</p><p>Zed ruderte hastig zur�ck. Eine Anspielung auf die Bibel, ganz schlechte Taktik.�Dumme Bemerkung, sorry. Er kommt also zur�ck und gr�ndet ein Projekt, um denen zu helfen, denen nicht mehr zu helfen ist. �War das zu dick aufgetragen?� Und nicht etwa f�r Jugendliche, die ihr Leben noch vor sich haben. Nein, f�r Asoziale. Seine Sch�tzlinge sind alte Penner, gesellschaftlicher Abfall ��</p><p>Rodney sah ihn an.</p><p>�Ausgesto�ene, die ihre verfaulten Z�hne ausspucken, w�hrend sie ihr Essen aus M�lltonnen klauben. Er findet, dass sie es <emphasis>verdient</emphasis> haben, gerettet zu werden. Und das funktioniert tats�chlich. Die werden geheilt. Ein Leben lang ein Herumtreiber, ein Leben im Suff und im Drogenrausch, und auf einmal sind die clean. Zusammen bauen sie diese alten Wehrt�rme wieder auf. �Zed holte tief Luft. Wartete auf Rodneys Reaktion.</p><p>Sie kam ruhig, aber mit einem Unterton, der auf mangelnde Begeisterung schlie�en lie�.�Keiner von diesen Typen ist clean, Zed. Wenn der Turm fertig ist, sind die schneller wieder auf der Stra�e, als wir kucken k�nnen.�</p><p>�Das glaube ich nicht.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Weil es sich um einen Wehrturm handelt. Und das ist der Hammer an der Geschichte. Es ist eine Metapher f�r alles andere. �Zed wusste, dass ihn allein dieser Begriff auf gef�hrliches Terrain brachte, also redete er atemlos weiter.��berlegen Sie doch mal, wozu diese T�rme fr�her gedient haben, dann verstehen Sie, was ich meine. Sie wurden zum Schutz gegen marodierende Banden errichtet � gegen diese R�uberbanden, die aus Schottland �ber die Grenze kamen �, und in unserem Fall stehen die Marodeure f�r Drogen, okay? Meth, Koks, Hasch, Heroin, was auch immer. Der Wehrturm steht f�r Rettung und Heilung, und wenn man sich dann �berlegt, welche Bedeutung das hat oder haben <emphasis>k�nnte</emphasis> f�r einen, der seit zehn, f�nfzehn Jahren ein Herumtreiber ist, dann ��</p><p>Rodney legte den Kopf auf seinen Schreibtisch. Er wedelte mit der Hand.</p><p>Zed wusste nicht, wie er reagieren sollte. Es sah aus, als w�re er entlassen, doch er w�rde nicht einfach so den Schwanz einziehen � Gott, schon wieder eine Metapher, dachte er.�Genau das�, fuhr er eindringlich fort,�gibt der Story den Pfiff. Genau deswegen ist es die perfekte Story f�r die Sonntagsbeilage. Ich sehe es schon vor mir: Vier komplette Seiten mit Fotos: der Turm, die Typen, die ihn wiederaufbauen, das Vorher und Nachher und so weiter.�</p><p>�Mir schlafen die F��e ein�, sagte Rodney noch einmal.�Was �brigens auch eine Metapher ist. Sexy ist diese Story jedenfalls ganz und gar nicht.�</p><p>�Sexy�, wiederholte Zed.�Na ja, die Ehefrau ist tats�chlich eine schillernde Figur, aber sie wollte nicht, dass es um sie geht oder um die Beziehung. Sie sagt, er ist schlie�lich derjenige ��</p><p>Rodney hob eine Hand.�Ich rede nicht von sexy wie bei Sex, Sie Idiot. Ich rede von sexy wie spannend. �Er schnippte mit den Fingern.�Das Prickeln, die Ungeduld, das, was den Leser neugierig macht, die Vorfreude, die Erregung, das, was den Leser geil macht, ohne dass er wei�, wieso. Hab ich mich klar genug ausgedr�ckt? Ihre Geschichte hat nichts davon.�</p><p>�Aber darum geht es doch auch gar nicht. Sie soll erbaulich sein, den Lesern Hoffnung geben.�</p><p>�Wir verkaufen keine Erbauung, und wir verkaufen erst recht keine Hoffnung. Wir verkaufen Zeitungen. Und glauben Sie mir, mit diesem Geschwafel werden wir unsere Verkaufszahlen nicht steigern. Unser Markenzeichen ist eine ganz bestimmte Art des investigativen Journalismus. In Ihrem Vorstellungsgespr�ch haben Sie behauptet, das sei Ihnen bekannt. Und deswegen sind Sie doch nach Cumbria gefahren, oder? Tun Sie gef�lligst Ihren Job, verdammt noch mal!�</p><p>�Das habe ich getan!�</p><p>�Bl�dsinn. Das ist ein r�hrseliger Schei�dreck! Irgendjemand da oben hat Sie total eingewickelt ��</p><p>�Ganz und gar nicht!�</p><p>�� und Sie haben prompt einen R�ckzieher gemacht.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Das hier ��Wieder wedelte er mit den Seiten.�� soll also der gro�e Wurf sein? So wollen Sie eine Story aufrei�en?�</p><p>��h, na ja � nicht direkt. Aber, ich meine, als ich den Typen kennengelernt habe, da ��</p><p>�� haben Sie die Flatter gekriegt, und schon war�s vorbei mit dem Recherchieren.�</p><p>Diese Schlussfolgerung fand Zed ziemlich unfair.�Wollen Sie damit sagen, dass eine Geschichte von einem versauten Leben, von gequ�lten Eltern, die alles versucht haben, um ihren drogenabh�ngigen Sohn zu retten, der sich am Ende selbst aus dem Schlamassel zieht � Eine Geschichte �ber einen Typen, der beinahe an seinem goldenen L�ffel erstickt w�re � Wollen Sie behaupten, dass das kein investigativer Journalismus ist? Dass das nicht sexy ist? Nicht so sexy, wie Sie es gerne h�tten?�</p><p>�Der Sohn von irgendeinem adligen Affen ist also drogens�chtig. �Er g�hnte theatralisch.�Wahnsinn. Wenn Sie wollen, nenne ich Ihnen aus dem Stand die Namen von zehn weiteren Blindg�ngern, f�r die dasselbe gilt.�</p><p>Zed sp�rte, wie ihn der Kampfgeist verlie�. All die vertane Zeit, all die vergeudete Energie, all die Interviews, die er gef�hrt hatte � alles umsonst. Das war nicht recht. Zed �berlegte, welche M�glichkeiten ihm blieben. Schlie�lich sagte er:�Okay, akzeptiert. Aber ich k�nnte es ja noch mal versuchen. Noch mal da rauffahren und ein bisschen tiefer graben.�</p><p>�Und wonach, verdammt noch mal?�</p><p>Das genau war die Frage. Zed dachte an all die Leute, mit denen er geredet hatte: den Exjunkie, seine Frau, seine Mutter, seine Schwestern, seinen Vater, an die armen Schlucker, die er retten wollte. Gab es irgendwo irgendjemanden, der etwas Verbotenes tat; etwas, was er, Zed, �bersehen hatte? Den gab es garantiert, und zwar aus dem simplen Grund, dass es immer so jemanden gab.�Ich wei� nicht�, sagte Zed.�Aber wenn ich ein bisschen rumschn�ffle � Jeder hat irgendein Geheimnis. Jeder sagt �ber irgendwas die Unwahrheit. Und nach allem, was wir bereits in die Geschichte investiert haben, kann es nicht schaden, wenn ich�s noch mal versuche.�</p><p>Rodney schob sich mit seinem Stuhl vom Schreibtisch zur�ck und schien sich Zeds Angebot durch den Kopf gehen zu lassen. Er w�hlte eine Nummer auf seinem Telefon, blaffte seine Sekret�rin an:�Wallace? Sind Sie da?�, und als sie antwortete:�Bringen Sie mir noch eine Tafel Schokolade. Diesmal mit Haseln�ssen. �Dann sagte er zu Zed:�Also gut, aber Sie machen das auf eigene Rechnung. Wenn nicht, vergessen Sie�s.�</p><p>Zed blinzelte. Das war nat�rlich etwas ganz anderes. Er stand bei der <emphasis>Source</emphasis> auf der untersten Stufe der Leiter, und entsprechend sah sein Gehalt aus. Er �berschlug die Kosten f�r ein Zugticket, einen Mietwagen, ein Hotelzimmer � vielleicht konnte er in einem heruntergekommenen Bed &amp; Breakfast absteigen oder in einer Pension in einer Seitenstra�e in � ja, wo? Jedenfalls in keinem Ort an einem der Seen. Das w�re zu teuer, selbst jetzt, au�erhalb der Saison. Also m�sste er � Und w�rde �berhaupt seine Arbeitszeit bezahlt werden, solange er sich in Cumbria aufhielt? Wahrscheinlich nicht.�Kann ich mir das noch mal �berlegen?�, fragte er.�Sie werden die Story doch nicht gleich in die Tonne treten, oder? Ich muss erst mal Kassensturz machen, wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Lassen Sie sich Zeit. �Rodney l�chelte, ein seltsames und unnat�rliches Dehnen der Lippen, das verriet, wie ungewohnt ihm diese �bung war.�Wie gesagt, Sie machen das auf eigene Rechnung.�</p><p>�Danke, Rodney. �Zed war sich nicht ganz sicher, f�r was er sich eigentlich bei dem Mann bedankte. Er nickte, stand auf und ging zur T�r. Als er gerade die Klinke dr�cken wollte, sagte Rodney freundlich:�Falls Sie sich daf�r entscheiden sollten, rate ich Ihnen, auf Ihre M�tze zu verzichten.�</p><p>Bevor Zed darauf etwas antworten konnte, fuhr Rodney fort:�Das hat nichts mit Ihrer Religion zu tun, Kumpel. Es interessiert mich nicht die Bohne, was f�r eine Religion Sie aus�ben. Das ist ein guter Rat von einem, der schon in diesem Gesch�ft war, als Sie noch in die Windeln gemacht haben. Tun Sie, was Sie f�r richtig halten, aber Sie sollten die Leute nach M�glichkeit mit nichts von der Vorstellung ablenken, dass Sie ihr Beichtvater sind, ihr bester Freund, ihr Psycho-Onkel, was wei� ich. Wenn Sie also irgendwas anhaben, das die Aufmerksamkeit der Leute von dem ablenkt, was sie Ihnen erz�hlen wollen � oder noch besser, von dem, was sie <emphasis>nicht</emphasis> erz�hlen wollen �, dann haben Sie ein Problem. Und damit meine ich jede Art von Accessoire: Turbane, Rosenkr�nze, Beanies, hennarote B�rte, Dolche im G�rtel. K�nnen Sie mir folgen? Was ich sagen will, ist, dass ein investigativer Journalist sich optisch einf�gt � und mit so einer M�tze auf dem Kopf � An Ihrer Gr��e k�nnen Sie nichts �ndern oder an Ihrem Haar � es sei denn, Sie f�rben es, und das verlange ich nicht von Ihnen �, aber die M�tze ist zu viel des Guten.�</p><p>Reflexhaft ber�hrte Zed seine Kippa.�Ich trage sie, weil ��</p><p>�Es interessiert mich nicht, warum Sie sie tragen. Es interessiert mich nicht mal, <emphasis>ob</emphasis> Sie sie tragen. Es ist nur ein guter Rat von einem alten Hasen, mehr nicht.�</p><p>Zed wusste, dass der Chefredakteur den Nachsatz hinzugef�gt hatte, um eine Anzeige zu vermeiden. Alles, was Rodney zu Zeds Kippa gesagt hatte, hatte er aus demselben Grund so und nicht anders formuliert. Die <emphasis>Source</emphasis> war nicht gerade eine Bastion der politischen Korrektheit, aber darum ging es auch gar nicht. Rodney Aronson wusste, welche Fehler er in seinem Gewerbe besser vermied.</p><p>�Beherzigen Sie meinen Rat�, sagte Rodney, als die T�r sich �ffnete und seine Sekret�rin mit einer Familienpackung Schokolade hereinkam.</p><p>�Mach ich�, sagte Zed.�Mach ich auf jeden Fall.�</p><subtitle>ST. JOHN�S WOOD � LONDON</subtitle><p>Es kam auf jede Minute an, und er machte sich sofort auf den Weg. Er w�rde die U-Bahn nehmen und in der Baker Street in den Bus steigen. Ein Taxi bis nach St. John�s Wood w�re besser gewesen � nicht zuletzt wegen der gr��eren Beinfreiheit �, aber das konnte er sich nicht leisten. Er hastete zum U-Bahnhof Blackfriars, wo er endlos auf die Circle Line wartete, die so �berf�llt war, dass er sich gerade noch hineinquetschen konnte und mit eingezogenen Schultern, das Kinn auf die Brust gedr�ckt wie ein B��er, direkt an der T�r stehen bleiben musste.</p><p>Mit steifem Nacken stieg er an der Baker Street aus und ging zur Bank, um seinen Kontostand zu �berpr�fen in der vergeblichen Hoffnung, dass er sich beim �berschlagen seiner Einnahmen und Ausgaben irgendwie verrechnet hatte. Ein Blick auf den Kontostand machte ihn mutlos. Eine Fahrt nach Cumbria w�rde seine gesamten Ersparnisse verschlingen, und er musste sich �berlegen, ob ihm das die Sache wert war. Letztlich ging es nur um eine Story. Wenn er sie sausen lie�, w�rde man ihn eben auf eine andere ansetzen. Aber es gab Storys und Storys, und diese � Er wusste einfach, dass diese etwas ganz Besonderes war.</p><p>Immer noch unentschlossen traf er anderthalb Stunden fr�her als gew�hnlich zu Hause ein, und deswegen klingelte er an der Haust�r, damit seine Mutter keinen Schreck bekam, wenn sie zu einer so ungewohnten Tageszeit den Schl�ssel im Schloss h�rte. Er rief� Ich bin�s Mum!�, und sie antwortete� Zede<emphasis>ki</emphasis>ah! <emphasis>Ach</emphasis>, wie sch�n!�, was ihn verbl�ffte, bis er die Wohnung betrat und sah, weswegen seine Mutter so aus dem H�uschen war.</p><p>Susanna Benjamin war gerade dabei, ihren Nachmittagstee zu beenden, aber sie war nicht allein. Eine junge Frau sa� im bequemsten Sessel des Wohnzimmers � in dem Sessel, den Zeds Mutter immer f�r G�ste reservierte. Sie err�tete anmutig und senkte kurz den Kopf, als Zeds Mutter die beiden einander vorstellte. Sie hie� Yaffa Shaw und geh�rte demselben Lesezirkel an wie Susanna Benjamin, die diese Tatsache aus irgendeinem Grund als gro�artigen Zufall bezeichnete. Zed brauchte nicht lange auf eine n�here Erl�uterung zu warten.�Ich habe Yaffa gerade erz�hlt, dass mein Zedekiah ein <emphasis>absoluter</emphasis> B�cherwurm ist, der nicht nur eins, sondern gleich vier, f�nf B�cher auf einmal liest. Erz�hl Yaffa, was du gerade liest, Zed. Yaffa hat sich gerade den neuen Graham Swift vorgenommen. Also, das hei�t, wir <emphasis>alle</emphasis> haben mit dem neuen Graham Swift angefangen. Im Lesezirkel, Zed. Setz dich doch, mein Lieber. M�chtest du ein T�sschen Tee? Ach du je, der ist ja kalt! Soll ich dir frischen machen?�</p><p>Ehe Zed darauf antworten konnte, war seine Mutter bereits verschwunden. Er h�rte sie in der K�che herumklappern. F�r alle F�lle schaltete sie auch noch das Radio ein. Er wusste, dass sie mindestens eine Viertelstunde brauchen w�rde, um frischen Tee aufzusch�tten, denn er kannte das schon. Das letzte Mal war es die junge Frau gewesen, die bei Tesco an der Kasse arbeitete. Das vorletzte Mal war es eine vielversprechendere Kandidatin gewesen, n�mlich die �lteste Nichte ihres Rabbi, die sich in London aufhielt, um an einem Sommerkurs einer amerikanischen Universit�t teilzunehmen, an deren Namen Zed sich nicht erinnern konnte. Nach Yaffa, die ihn verstohlen beobachtete, zweifellos in der Hoffnung auf ein Gespr�ch, w�rde wieder eine kommen. Und so w�rde es weitergehen, bis er eine von ihnen heiratete und anfing, Enkelkinder in die Welt zu setzen. Nicht zum ersten Mal verfluchte Zed seine �ltere Schwester, ihren Beruf und ihre Entscheidung, nicht nur keine Kinder zu bekommen, sondern nicht einmal zu heiraten. Sie war Wissenschaftlerin geworden, ein Beruf, der eigentlich f�r ihn vorgesehen gewesen war. Nicht dass er gern Wissenschaftler geworden w�re, aber wenn seine Schwester mitgespielt h�tte und ihrer Mutter einen Schwiegersohn und ein paar Enkelkinder beschert h�tte, dann w�rde er nicht immer und immer wieder vor einer neuen Kandidatin sitzen, die seine Mutter unter wei� der Teufel welchem Vorwand ins Haus gelockt hatte.</p><p>�Sie und Mum�, sagte er,�geh�ren also demselben Lesezirkel an?�</p><p>Sie err�tete noch tiefer.�Eigentlich nicht�, sagte sie.�Ich arbeite in dem Buchladen. Ich gebe den Mitgliedern des Lesezirkels Empfehlungen. Ihre Mutter und ich � wir haben uns unterhalten � na ja, wie das halt so geht in einem Buchladen, wissen Sie.�</p><p>Er wusste nur zu gut. Und vor allem wusste er, wie Susanna Benjamin vorging. Er konnte sich das Gespr�ch genau vorstellen: die raffinierten Fragen und die arglosen Antworten. Er fragte sich, wie alt die junge Frau sein mochte, und ob seine Mutter es geschafft hatte, das Gespr�ch aufs Kinderkriegen zu lenken.</p><p>Er sagte:�Wahrscheinlich haben Sie gar nicht damit gerechnet, dass sie einen Sohn hat.�</p><p>�Sie hat es jedenfalls nicht erw�hnt. Aber im Moment ist alles ein bisschen kompliziert, weil ��</p><p>�Zed, Liebling�, fl�tete seine Mutter aus der K�che.�Ist Darjeeling recht? Und ein St�ck Kuchen? Oder m�chtest du lieber einen Scone? Yaffa, Sie trinken doch noch ein T�sschen, nicht wahr? Ihr jungen Leute wollt bestimmt noch ein Weilchen plaudern.�</p><p>Genau das wollte Zed auf keinen Fall. Er wollte seine Ruhe, denn er musste das F�r und Wider einer Reise nach Cumbria abw�gen, ob es sinnvoll war, sich zu verschulden, nur um seine Story sexy zu machen. Und wenn er erst einmal in Cumbria war, falls er sich daf�r entschied hinzufahren, w�rde er sich �berlegen m�ssen, was genau die Story sexy machen w�rde. Was w�rde ihr das Prickeln geben, den Biss oder was auch immer n�tig war, um die Neugier der <emphasis>Source</emphasis>-Leser zu wecken, die, so vermutete er, den IQ von Grabsteinen hatten. Womit konnte man einen Grabstein fesseln? Oder eine Leiche? Zed musste innerlich kichern �ber den Vergleich. Zum Gl�ck hatte er ihn nicht im Gespr�ch mit Rodney Aronson gemacht.</p><p>�So, da w�ren wir!�Susanna Benjamin brachte ein Tablett mit frischem Tee, Scones, Butter und Marmelade.�Mein Zedekiah ist ziemlich gro�, nicht wahr, Yaffa? Ich wei� gar nicht, von wem er die Gr��e geerbt hat. Wie gro� bist du noch?�, fragte sie Zed. Er war eins f�nfundneunzig, und seine Mutter wusste genau, von wem er die Gr��e geerbt hatte, n�mlich von seinem Gro�vater v�terlicherseits, der auch fast eins neunzig gewesen war. Als er nicht antwortete, fuhr sie unbek�mmert fort:�Und erst mal seine F��e. Sehen Sie sich diese F��e an, Yaffa. Und H�nde wie Gartenschaufeln. Sie wissen ja, wie es hei�t ��Sie zwinkerte der jungen Frau zu.�Milch und Zucker, Zedekiah? Beides, nicht wahr?�Und zu Yaffa:�Mein Sohn war zwei Jahre im Kibbuz. Und dann zwei Jahre bei der Armee.�</p><p>�Mum�, sagte Zed.</p><p>�Nun sei doch nicht so versch�mt. �Sie f�llte Yaffas Tasse.�Und zwar bei der <emphasis>israelischen</emphasis> Armee. Was sagen Sie dazu? Er stellt sein Licht immer unter den Scheffel. So ein bescheidener Junge. So ist er schon immer gewesen. Und Yaffa ist genauso, Zedekiah. Der Kleinen muss man jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen. Geboren in Tel Aviv, der Vater Chirurg, zwei Br�der, die in der Krebsforschung arbeiten, die Mutter Modedesignerin, mein Junge. Modedesignerin! Ist das nicht gro�artig? Ich k�nnte mir nat�rlich kein einziges von ihren Kleidern leisten, denn die werden in � Wo werden die noch verkauft, Yaffa?�</p><p>�In Boutiquen�, sagte Yaffa, die so puterrot angelaufen war, dass Zed schon f�rchtete, sie w�rde gleich einem Schlaganfall zum Opfer fallen.</p><p>�In Knightsbridge, Zed�, fuhr seine Mutter fort.�Stell dir das mal vor. Sie entwirft die Sachen in Israel, und sie werden <emphasis>hier</emphasis> verkauft.�</p><p>Um den Redefluss seiner Mutter zu unterbrechen, fragte Zed:�Was hat Sie denn nach London verschlagen, Yaffa?�</p><p>�Das Studium!�, rief Susanna Benjamin.�Sie geht hier auf die Universit�t, Zedekiah. Sie studiert Biologie.�</p><p>�Chemie�, korrigierte Yaffa.</p><p>�Chemie, Biologie, Geologie � was macht das f�r einen Unterschied? Wer h�tte gedacht, dass so viel Grips in diesem h�bschen K�pfchen steckt! Hast du jemals ein h�bscheres Ding gesehen als unsere kleine Yaffa?�</p><p>�In letzter Zeit nicht�, sagte Zed und warf seiner Mutter einen bedeutungsvollen Blick zu.�Es ist mindestens sechs Wochen her�, f�gte er hinzu in der Hoffnung, sie durch die Blo�stellung ihrer Absichten so in Verlegenheit zu bringen, dass sie endlich Ruhe gab.</p><p>Aber Susanna lie� sich nicht beirren.�Er macht sich gern �ber seine Mutter lustig, Yaffa. Er ist ein kleiner Scherzbold, mein Zedekiah. Sie werden sich schon daran gew�hnen.�</p><p>Daran <emphasis>gew�hnen</emphasis>? Zed schaute Yaffa an, die peinlich ber�hrt auf ihrem Sessel herumrutschte. Daraus schloss er, dass noch mehr auf ihn zukam, und seine Mutter spannte ihn nicht l�nger auf die Folter.</p><p>�Yaffa zieht in das Zimmer deiner Schwester�, verk�ndete Susanna ihrem Sohn.�Sie ist gekommen, um es sich anzusehen, und sie sagt, es ist genau das, was sie braucht, jetzt, wo sie aus ihrem anderen Zimmer rausmuss. Wie sch�n, wieder ein junges weibliches Gesicht im Haus zu haben, nicht wahr? Sie wird morgen hier einziehen. Sie m�ssen mir noch sagen, was Sie gern fr�hst�cken, Yaffa. Als junger Mensch muss man den Tag mit einer ordentlichen Mahlzeit beginnen. Das f�rdert die Konzentration, nicht wahr, Zed? Er hat sein Literaturstudium mit Auszeichnung abgeschlossen. Hab ich Ihnen schon erz�hlt, dass er Gedichte schreibt, Yaffa? Irgendetwas sagt mir, dass er demn�chst eins �ber Sie schreiben wird.�</p><p>Zed stand abrupt auf. Dabei schwappte sein Tee �ber, denn er hatte die Tasse in seiner Hand ganz vergessen. Zum Gl�ck landete das meiste davon auf seinen Schuhen und nicht auf dem guten Teppich seiner Mutter. Aber am liebsten h�tte er ihr den Rest �ber den sorgf�ltig frisierten Kopf gekippt.</p><p>Er traf seine Entscheidung spontan, und sie war n�tig.�Ich fahre nach Cumbria, Mum.�</p><p>Sie blinzelte.�Nach Cumbria? Warst du denn nicht gerade erst ��</p><p>�An der Story ist noch mehr dran, und das muss ich ausgraben. Das duldet keinen Aufschub.�</p><p>�Wann f�hrst du denn?�</p><p>�Sobald ich gepackt habe.�</p><p>Wof�r er h�chstens f�nf Minuten brauchen w�rde, dachte er.</p><subtitle>UNTERWEGS NACH CUMBRIA</subtitle><p>Die Tatsache, dass er sich so schnell wie m�glich aus dem Staub machen wollte, ehe seine Mutter mitten im Wohnzimmer die <emphasis>Chuppa</emphasis> aufbauen konnte, zwang ihn dazu, einen Zug zu nehmen, der auf Umwegen nach Cumbria fuhr. Daran lie� sich leider nichts �ndern. Nachdem er seine Reisetasche gepackt und seinen Laptop verstaut hatte, war er weg. Die Flucht war ihm sauber gelungen. Bus, U-Bahn, Euston Station, wo er bis zur Abfahrt des Zugs noch etwas Zeit hatte, um sich seine Fahrkarte, au�erdem vier Sandwiches, den <emphasis>Economist</emphasis>, die <emphasis>Times</emphasis> und den <emphasis>Guardian</emphasis> zu kaufen. W�hrend er auf dem Bahnsteig auf den Zug wartete, fragte er sich, wie lange er wohl brauchen w�rde, um etwas zu finden, das seine Geschichte sexy machte, und wie lange er noch brauchen w�rde, um seiner Mutter abzugew�hnen, ihm Frauen zuzuf�hren wie eine Kupplerin � Als er endlich im Abteil sa� und der Zug anfuhr, war er froh, sich mit Arbeit ablenken zu k�nnen. Er klappte seinen Laptop auf und begann, seine Aufzeichnungen durchzugehen, die er abends nach jedem Gespr�ch s�uberlich abgetippt hatte. Au�erdem hatte er noch einen Block mit handschriftlichen Notizen dabei, die er auch noch durchforsten w�rde, denn es musste irgendetwas geben, und er w�rde es finden.</p><p>Als Erstes befasste er sich mit der Hauptfigur seiner Geschichte: Nicholas Fairclough, zweiunddrei�ig Jahre alt, der ehemals lasterhafte Sohn von Bernard Fairclough, Baron von Ireleth im County Cumbria. In eine wohlhabende, privilegierte Familie hineingeboren � der goldene L�ffel �, hatte Nicholas bereits in seiner Jugend das Verm�gen verprasst, das ihm das Schicksal in die Wiege gelegt hatte. Er war ein Mann mit dem Gesicht eines Engels, aber mit Tendenzen, die Lots Nachbarn alle Ehre gemacht h�tten. Seit dem vierzehnten Lebensjahr hatte er �u�erst widerstrebend verschiedene Entzugsprogramme durchlaufen. Die Liste der Kliniken las sich wie ein Reisebericht, da die Eltern immer exotischere � und abgelegenere � Orte ausgew�hlt hatten in der Hoffnung, Nicholas zu einem ges�nderen Lebenswandel verhelfen zu k�nnen. Wenn er nicht gerade irgendwo auf Entzug war, unternahm er vom Geld seines Vaters nach dem Motto� Was kostet die Welt?�Luxusreisen, die ihn auf direktem Weg zur�ck in die Sucht f�hrten. Schlie�lich warfen alle Beteiligten das Handtuch, an dem sie sich vorher die in Unschuld gewaschenen H�nde abgewischt hatten. Vater, Mutter, Schwestern, sogar ein Vetter hatte �</p><p>Moment, <emphasis>dar�ber</emphasis> hatte er ja noch gar nicht nachgedacht, wurde Zed pl�tzlich bewusst. Diese Sache mit dem Vetter. Es war ihm vorgekommen wie ein unwichtiges Detail, das hatte Nicholas w�hrend der Interviews selbst betont, aber wom�glich war Zed da etwas entgangen, das er jetzt gebrauchen konnte � Er bl�tterte in seinem Notizbuch und fand den Namen: Ian Cresswell, bei der Firma Fairclough Industries in irgendeiner verantwortungsvollen Position besch�ftigt, Vetter von Nicholas, acht Jahre �lter als dieser, geboren in Kenia, aber als Junge nach England �bergesiedelt, wo er fortan bei den Faircloughs wohnte � Na, das war doch etwas, oder? Etwas, das sich vielleicht irgendwie ausschlachten lie�.</p><p>Zed hob nachdenklich den Kopf. Er schaute aus dem Fenster. Es war stockdunkel drau�en, er sah also nichts als sein eigenes Spiegelbild: ein rothaariger H�ne, auf dessen Stirn sich Sorgenfalten bildeten, weil seine Mutter versuchte, ihn mit der erstbesten willigen Frau zu verkuppeln, die sie auftreiben konnte, und weil sein Chef seine geschliffene Prosa in den Papierkorb werfen wollte und weil er selbst etwas schreiben wollte, was wenigstens ein bisschen Niveau hatte. Also gut, was stand in seinen Aufzeichnungen? Was? <emphasis>Was?</emphasis></p><p>Zed packte eins seiner vier Sandwiches aus und verschlang es, w�hrend er seine handschriftlichen Notizen durchging. Er suchte nach einem Anhaltspunkt, an dem er seine Story festmachen konnte, oder wenigstens nach einem Hinweis, dass es sich lohnte, in die eine oder andere Richtung tiefer zu graben, um das Prickeln zu produzieren, das Rodney Aronson verlangte. Diese Sache mit den Vettern, die wie Br�der aufgewachsen waren, war eine M�glichkeit. Unweigerlich musste er an das Alte Testament denken und an Kain und Abel, an die Frage� Bin ich der H�ter meines Bruders?�, an Alt�re, auf denen die Fr�chte der Arbeit geopfert wurden, an das Bestreben, demjenigen zu gefallen, der in der Geschichte die Rolle Gottes einnahm, wahrscheinlich Bernard Fairclough, Baron von Ireleth. Und wenn man die Geschichte wirklich mit der Bibel vergleichen wollte, dann k�nnte der Baron Isaak sein, im Konflikt mit Esau und Jakob und deren Streit um das Recht des Erstgeborenen � obwohl Zed nie geglaubt hatte, dass irgendjemand das Fell eines toten Lamms f�r einen behaarten M�nnerarm halten konnte. Jedenfalls sollte er seine Aufzeichnungen noch einmal durchforsten, um zu sehen, ob er irgendwelche Informationen dar�ber besa�, wer was erben w�rde, falls Lord Fairclough etwas Unvorhergesehenes zustie�, oder wer die Leitung von Fairclough Industries �bernehmen w�rde, falls den guten Lord ein vorzeitiger Tod ereilte.</p><p><emphasis>Das</emphasis> w�re tats�chlich eine Story. Bernard Fairclough auf geheimnisvolle Weise � was? Verstorben oder verschwunden zum Beispiel. Er st�rzt eine Treppe hinunter, ist querschnittsgel�hmt, erleidet einen Schlaganfall, wie auch immer. Nachforschungen ergeben, dass er sich wenige Tage vor seinem fr�hzeitigen Tod mit seinem Anwalt getroffen hat und � ja, was? Er hat ein neues Testament aufgesetzt, seine Absichten in Bezug auf das Familienunternehmen klargestellt, er hat eine Lebensversicherung abgeschlossen, alle seine Papiere in Ordnung gebracht in Bezug auf � ja, auf was? Darauf, dass jemand etwas erbte, darauf, dass jemand enterbt w�rde, auf eine Enth�llung � Der Sohn ist in Wirklichkeit nicht sein Sohn. Der Neffe ist nicht sein Neffe. Es gibt eine zweite Familie auf den Hebriden. Irgendwo versteckt, im Keller, auf dem S�ller, im Bootshaus, gibt es einen wahnsinnigen, missgestalteten �lteren Bruder. Das w�re Z�ndstoff. Das w�re der Knaller. Das w�re sexy.</p><p>Das Problem war, wenn Zed ganz ehrlich war, dass das Einzige, was man an seiner Geschichte von Nicholas Faircloughs neuntem Leben wirklich als sexy bezeichnen konnte, dessen Frau war, und die war nicht nur sexy, die war affenscharf. In seinem Gespr�ch mit Rodney Aronson hatte er das nicht besonders herausgestrichen, weil Rodneys Reaktion darauf absehbar gewesen war, n�mlich eine Aufforderung, ihm Bilder von ihren Titten zu verschaffen. Zed hatte sich bisher in Bezug auf das Thema sehr zur�ckgehalten, weil die Ehefrau w�nschte, im Hintergrund zu bleiben, aber jetzt fragte er sich, ob er die Dame vielleicht doch ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen sollte. Er �ffnete den Ordner mit seinen Aufzeichnungen. Wenn Eva auch nur entfernt wie Alatea Fairclough ausgesehen hatte, dann, so hatte Zedekiah nach dem einzigen Interview mit ihr gedacht, war es kein Wunder, dass Adam den Apfel gepfl�ckt hatte. Die einzige Frage war, warum er nicht s�mtliche verdammten �pfel samt Baum gegessen hatte. Also � War die Frau die Story? Machte <emphasis>sie</emphasis> die Story sexy? Prickelnd? Sie war wei� Gott umwerfend. Man brauchte nur ein Foto von ihr zu bringen, und jeder gesunde Mann w�rde wissen, warum Nicholas Fairclough geheilt worden war. Sonst hatte sie leider nichts weiter zu der ganzen Sache zu sagen als:�Was Nick getan hat, hat er selbst getan. Ich bin seine Frau, aber in seiner wirklichen Geschichte spiele ich keine Rolle.�</p><p>War das eine Anspielung gewesen, fragte sich Zed. Welche <emphasis>wirkliche</emphasis> Geschichte? Gab es noch mehr aufzudecken? Vielleicht musste er diesen Faden weiterverfolgen: wahre Liebe. Hatte Nicholas Fairclough sie tats�chlich gefunden? Und wenn ja, gab es jemanden, der ihn darum beneidete? Eine seiner Schwestern vielleicht? Denn eine war unverheiratet, und die andere war geschieden. Und wie f�hlten die beiden sich �berhaupt, jetzt, wo der verlorene Sohn heimgekehrt war?</p><p>Er ging weiter seine Notizen durch. Las, bis ihm die Augen brannten. A� noch ein Sandwich. Er machte sich auf die Suche nach einem Speisewagen � ziemlich absurd in Anbetracht seiner mageren Eink�nfte �, weil er dringend einen Kaffee brauchte. Anschlie�end sa� er wieder auf seinem Platz, v�llig ersch�pft, fast bereit aufzugeben. Dann pl�tzlich war er wieder hellwach: Was wenn etwas mit dem Haus der Familie nicht stimmte? Wenn es darin spukte, und wenn das zu der Drogensucht gef�hrt hatte? � Dann kam er wieder auf die verdammte Ehefrau zur�ck, die s�damerikanische Sirene, und allm�hlich sagte er sich, er t�te besser daran, nach Hause zu fahren und die ganze vermaledeite Story zu vergessen, nur dass daheim seine Mutter auf ihn wartete und Yaffa Shaw und eine nie endende Prozession von Frauen, die er heiraten und schw�ngern sollte.</p><p>Nein. Irgendwo war eine Geschichte, eine Geschichte, wie sein Chefredakteur sie haben wollte. Wenn er noch tiefer graben musste, um etwas Pikantes zu finden, dann w�rde er eben die Schaufel schwingen und graben, bis er in China ankam. Alles andere war inakzeptabel. Aufgeben kam nicht in Frage.</p></section><section><title><p>18.�Oktober</p></title><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Ian Cresswell war gerade dabei, den Tisch f�r zwei zu decken, als sein Lebensgef�hrte nach Hause kam. Er selbst hatte fr�h Feierabend gemacht, einen romantischen Abend im Sinn. Er hatte Lammbraten gekauft, der gerade unter einer duftenden Kr�uterkruste im Ofen schmorte, und er hatte frisches Gem�se und Salat zubereitet. Im Kaminzimmer hatte er eine Weinflasche entkorkt, Gl�ser poliert und zwei Sessel und den Spieltisch aus Eichenholz aus der Zimmerecke vor den offenen Kamin geschoben. Obwohl es in dem uralten Herrenhaus eigentlich immer ein bisschen k�hl war, war es noch nicht kalt genug f�r ein Kohlefeuer, und so hatte er eine Reihe Kerzen auf dem schmiedeeisernen Feuerrost befestigt und zwei weitere auf den Tisch gestellt. Als er gerade dabei war, die Kerzen anzuz�nden, h�rte er, wie die K�chent�r ge�ffnet wurde, dann das Ger�usch von Kavs Schl�sselbund, der in dem angeschlagenen Kammertopf auf der Fensterbank landete. Einen Augenblick sp�ter das Ger�usch von Kavs Schritten auf den K�chenfliesen, und als die T�r des alten Backofens quietschte, l�chelte Ian vor sich hin: Heute Abend war Kav mit Kochen an der Reihe, nicht er, und Kav hatte soeben die erste �berraschung entdeckt.</p><p>�Ian?�Schritte in der K�che, dann auf den Steinfliesen in der Eingangshalle. Ian hatte die T�r zum Kaminzimmer angelehnt gelassen.�Hier!�, rief er und wartete.</p><p>Kav erschien in der T�r. Sein Blick wanderte von Ian zum Tisch mit den Kerzen, zu den Kerzen im Kamin und wieder zu Ian zur�ck. Dann wanderte sein Blick �ber Ians K�rper und verweilte genau da, wo Ian es w�nschte. Aber nach einem Moment der Spannung, der fr�her einmal dazu gef�hrt h�tte, dass sie gleich darauf im Schlafzimmer gelandet w�ren, sagte Kav:�Ich musste heute mit anpacken, wir hatten zu wenig Leute. Ich bin verschwitzt. Ich geh mich kurz duschen und umziehen�, und verschwand ohne ein weiteres Wort. Das reichte, um Ian zu sagen, dass sein Lover genau wusste, was die Szene, die er vor sich gesehen hatte, bedeutete. Und es reichte, um Ian zu sagen, welche Richtung ihr Gespr�ch an dem Abend wie �blich nehmen w�rde. Eine solche unausgesprochene Botschaft von Kaveh h�tte ihm fr�her den Wind aus den Segeln genommen, aber diesmal nicht. Nachdem sie drei Jahre heimlich und ein Jahr offen zusammengelebt hatten, wusste er, was ihm das f�r ihn bestimmte Leben wert war.</p><p>Es dauerte eine halbe Stunde, bis Kaveh endlich fertig war, aber obwohl der Braten schon seit zehn Minuten auf dem Tisch stand und das Gem�se langsam unansehnlich wurde, hatte Ian nicht vor, sich davon kr�nken zu lassen, dass Kav sich so viel Zeit genommen hatte. Ian schenkte ihnen Wein ein � vierzig Pfund hatte die Flasche gekostet, was der Anlass jedoch rechtfertigte � und hob sein Glas.�Das ist ein guter Bordeaux�, sagte er und wartete darauf, dass Kav mit ihm anstie�, denn es war schlie�lich nicht zu �bersehen, dass er das w�nschte, so wie er mit dem Glas in der Hand dastand und ihn erwartungsvoll anl�chelte.</p><p>Zum zweiten Mal betrachtete Kav den Tisch.�Zwei Gedecke?�, sagte er.�Hat sie angerufen oder was?�</p><p>�Ich habe sie angerufen. �Ian lie� die Hand mit dem Glas sinken.</p><p>�Und?�</p><p>�Ich habe sie gebeten, die beiden erst morgen zur�ckzubringen.�</p><p>�Und darauf hat sie sich eingelassen?�</p><p>�Ausnahmsweise. Willst du nicht von dem Wein trinken, Kav? Ich hab ihn in Windermere gekauft. In dem Weinladen, wo wir letzten ��</p><p>�Ich hatte heute eine Auseinandersetzung mit dem alten George. �Kav machte eine Kopfbewegung in Richtung Stra�e.�Er hat mich abgefangen, als ich hier ankam. Beschwert sich mal wieder �ber die K�lte. Er meint, ihm w�rde eine Zentralheizung zustehen. <emphasis>Zustehen</emphasis>, hat er tats�chlich gesagt.�</p><p>�Er hat doch jede Menge Kohle. Warum verheizt er die nicht, wenn�s ihm im Haus zu kalt ist?�</p><p>�Er sagt, er will nicht mit Kohle heizen. Er will eine Zentralheizung. Er sagt, wenn er keine kriegt, sieht er sich nach was anderem um.�</p><p>�Als er hier gewohnt hat, hatte er doch auch keine Zentralheizung, Herrgott noch mal.�</p><p>�Da hatte er das Haus. Ich glaube, das hat er als eine Art Kompensation betrachtet.�</p><p>�Also, er soll sich gef�lligst an die Situation gew�hnen, und wenn er das nicht kann, dann soll er sich eben einen andern Hof mieten. Aber ich habe keine Lust, den ganzen Abend �ber George Cowleys Groll auf uns zu reden. Das Anwesen stand zum Verkauf. Wir haben es gekauft, nicht er. Ende.�</p><p>�<emphasis>Du</emphasis> hast es gekauft.�</p><p>�Eine Formsache, die hoffentlich bald aus der Welt geschafft wird. Dann gibt es kein Dein und Mein mehr. Kein Ich, kein Du. Nur noch ein Wir. �Ian reichte Kav das zweite Glas. Kav z�gerte kurz, dann nahm er es.�Gott, wie sehr ich dich begehre�, sagt Ian und f�gte l�chelnd hinzu:�Willst du mal f�hlen, wie sehr?�</p><p>�Hmm. Nein. Lassen wir�s langsam angehen.�</p><p>�Mistkerl.�</p><p>�Ich dachte, das gef�llt dir.�</p><p>�Das erste Mal, dass du l�chelst, seit du nach Hause gekommen bist. Hattest du einen anstrengenden Tag?�</p><p>�Eigentlich nicht�, sagte Kav.�Nur viel Arbeit und wenig Leute. Und du?�</p><p>�Nein. �Sie tranken beide einen Schluck, ohne den Blick voneinander abzuwenden. Kav l�chelte wieder. Ian trat auf ihn zu. Kav wich zur�ck. Er versuchte, es so aussehen zu lassen, als h�tte das frischpolierte Besteck oder die Blumenschale auf dem Tisch seine Aufmerksamkeit erregt, aber Ian lie� sich nicht t�uschen. Er dachte, was jeder Mann denken w�rde, der vierzehn Jahre �lter war als sein Liebhaber und alles aufgegeben hatte, um mit ihm zusammen sein zu k�nnen.</p><p>Mit seinen achtundzwanzig Jahren w�rde Kaveh ihm tausend Gr�nde daf�r nennen k�nnen, dass er noch nicht bereit war, sich zu binden. Doch Ian hatte keine Lust, sie sich anzuh�ren, denn er wusste, dass es nur einen Grund gab. Und um diese Heuchelei ging es in jedem Streit, den sie im letzten Jahr gef�hrt hatten.</p><p>�Wei�t du eigentlich, was heute f�r ein Tag ist?�, fragte Ian und hob erneut sein Glas.</p><p>Kav nickte, aber er wirkte gequ�lt.�Der Tag, an dem wir uns kennengelernt haben. Ich hab�s total vergessen. Einfach zu viel los in Ireleth Hall. Aber dann ��Er zeigte auf den Tisch. Ian wusste, dass er nicht nur die sch�ne Deko meinte, sondern auch die M�he, die er sich mit dem Abendessen gemacht hatte.�Als ich das gesehen hab, ist es mir nat�rlich sofort wieder eingefallen. Ich bin eine komplette Niete. Ich habe nichts f�r dich.�</p><p>�Ach, das macht doch nichts�, sagte Ian.�Was ich mir w�nsche, hast du immer bei dir, du brauchst es mir nur zu geben.�</p><p>�Du hast es doch schon, oder?�</p><p>�Du wei�t, was ich meine.�</p><p>Kaveh trat ans Fenster und schob die schweren Vorh�nge einen Spaltbreit auf, wie um nachzusehen, wo das Tageslicht geblieben war, doch Ian wusste, dass er �berlegte, was er sagen sollte, und der Gedanke, dass er sagen k�nnte, was Ian nicht h�ren wollte, bescherte ihm das verr�terische Pochen im Kopf und Sternchen vor den Augen. Er blinzelte.</p><p>�Eine Unterschrift im Standesamt macht unsere Beziehung nicht offizieller, als sie es so schon ist.�</p><p>�Unsinn�, entgegnete Ian.�Sie macht sie mehr als offiziell. Sie macht sie legal. Die Leute im Dorf werden uns akzeptieren, und vor allem zeigt sie aller Welt ��</p><p>�Wir brauchen nicht die Anerkennung der Leute hier.�</p><p>�Und vor allem�, wiederholte Ian,�zeigt die Unterschrift aller Welt ��</p><p>�Ganz genau�, sagte Kaveh gereizt.�Die Welt, Ian. Denk mal dr�ber nach. Und allen, die darin leben.�</p><p>Vorsichtig stellte Ian sein Weinglas auf dem Tisch ab. Er sollte den Braten aufschneiden, das Gem�se anrichten, sich an den Tisch setzen und essen und es gut sein lassen. Nach dem Essen mit Kav nach oben gehen und sich im Bett austoben. Aber an diesem ganz besonderen Abend konnte er nicht anders, als seinem Lebensgef�hrten noch einmal zu sagen, was er ihm schon ein Dutzend Mal gesagt hatte, obwohl er sich geschworen hatte, das Thema ausgerechnet heute nicht zu erw�hnen:�Du hast mich gebeten, mich zu meiner Homosexualit�t zu bekennen, und ich habe es getan. F�r dich. Nicht f�r mich, denn f�r mich spielte es keine Rolle. Und was ich getan habe � f�r dich �, war f�r andere Leute genauso schlimm, als h�tte ich ihnen einen Dolch ins Herz gesto�en. Mir war das egal, weil es das war, was du wolltest, und weil mir klar geworden war ��</p><p>�Das <emphasis>wei�</emphasis> ich alles.�</p><p>�Drei Jahre Heimlichtuerei ist genug, hast du gesagt. Du hast gesagt, heute Abend musst du dich entscheiden. Vor allen hast du das gesagt, Kav, und vor allen habe ich mich entschieden. Dann bin ich gegangen. Mit dir. Hast du �berhaupt eine Ahnung ��</p><p>�Nat�rlich habe ich eine Ahnung. Glaubst du, ich bin aus Stein? Ich <emphasis>habe</emphasis> eine Ahnung, verdammt. Aber wir reden nicht vom Zusammenleben, nicht wahr? Wir reden vom <emphasis>Heiraten</emphasis>. Und wir reden �ber meine <emphasis>Eltern</emphasis>.�</p><p>�Die Leute gew�hnen sich an alles�, entgegnete Ian.�Das hast <emphasis>du</emphasis> mir doch gesagt.�</p><p>�Die Leute, ja. Andere Leute. Sie gew�hnen sich an alles. Aber nicht meine Eltern. Wir haben das doch schon hundertmal durchgekaut. In meiner Kultur � in <emphasis>ihrer</emphasis> Kultur � �</p><p>�Ihr geh�rt jetzt zu unserer Kultur. Ihr alle.�</p><p>�So funktioniert das nicht. Man fl�chtet nicht in ein fremdes Land, nimmt eine Wunderdroge und wacht am n�chsten Morgen mit einem v�llig neuen Wertesystem auf. So l�uft das nicht. Und als einziger Sohn � als einziges Kind, Herrgott noch mal � habe ich � Verdammt, Ian, das <emphasis>wei�t</emphasis> du doch alles. Warum bist du nicht mit dem zufrieden, was wir haben? Mit dem, wie es ist?�</p><p>�Weil das, wie es ist, eine L�ge ist. Du bist nicht mein Mieter. Ich bin nicht dein Vermieter. Glaubst du im Ernst, dass sie uns das auf Dauer abkaufen?�</p><p>�Sie kaufen mir alles ab, was ich ihnen sage. Ich lebe hier, sie leben dort. Das funktioniert, und es wird immer funktionieren. Alles andere w�rden sie nicht verstehen. Sie brauchen es nicht zu wissen.�</p><p>�Warum nicht? Damit sie dir regelm��ig junge heiratsf�hige Iranerinnen schicken k�nnen? Junge Frauen, die deine Eltern sofort zu Gro�eltern machen w�rden?�</p><p>�Das wird nicht passieren.�</p><p>�Es passiert doch bereits. Mit wie vielen haben sie dich schon zusammengebracht? Einem Dutzend? Mehr? Und wann wirst du einknicken und heiraten, weil du den Druck nicht mehr ertr�gst, weil dein Pflichtgef�hl die Oberhand gewinnt? Und dann? Wie soll es dann weitergehen? Wirst du dann zwei Leben f�hren? Eins in Manchester mit ihr � wer auch immer sie sein wird � und den Kinderchen und eins mit mir und � Verdammt noch mal, sieh mich an. �Ian h�tte den Tisch mit allem darauf umwerfen k�nnen. Etwas braute sich in ihm zusammen, er w�rde gleich explodieren. Er ging zur T�r. Er w�rde die Eingangshalle durchqueren und durch die K�che nach drau�en gehen.</p><p>�Wo willst du hin?�, fragte Kaveh scharf.</p><p>�Raus. Zum See. Was wei� ich. Ich muss einfach raus.�</p><p>�Komm schon, Ian. Jetzt sei doch nicht so. Was wir haben ��</p><p>�Was wir haben, ist nichts.�</p><p>�Das stimmt nicht. Komm her, dann zeig ich�s dir.�</p><p>Aber Ian wusste, wohin das f�hren w�rde, n�mlich dahin, wohin es immer f�hrte, nur nicht zu der Ver�nderung, die er wollte. Er verlie� das Haus, ohne sich noch einmal umzudrehen.</p><subtitle>UNTERWEGS NACH BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Tim Cresswell fl�zte sich auf dem R�cksitz des Volvo. Er versuchte nicht hinzuh�ren, als seine kleine Schwester ihre Mutter mal wieder anflehte, sie beide bei sich wohnen zu lassen.�Bitte, bitte, bitte, Mummy�, sagte sie. Sie versuchte, ihre Mutter davon zu �berzeugen, dass ihr etwas fehlte, wenn sie ihre Kinder nicht st�ndig um sich hatte. Nicht dass irgendetwas, was Gracie sagte, oder die Art, wie sie es sagte, etwas bewirken w�rde. Niamh Cresswell hatte nicht die Absicht, ihre Kinder bei sich in Grange-over-Sands wohnen zu lassen. Sie hatte Wichtigeres zu tun, als sich um ihre Spr�sslinge zu k�mmern. Das h�tte Tim Gracie gern erkl�rt, aber wozu? Sie war erst zehn und noch zu klein, um zu verstehen, was es mit Stolz, Hass und Rachegel�sten auf sich hatte.</p><p>�Daddys Haus ist schrecklich�, sagte Gracie nachdr�cklich.�Es gibt �berall Spinnen. Es ist dunkel, und die Treppen quietschen, und es zieht, und in den Ecken h�ngen Spinnweben. Ich will bei dir wohnen, Mummy. Und Timmy auch. �Sie wand sich auf ihrem Sitz.�Du willst doch auch bei Mummy wohnen, oder, Timmy?�</p><p><emphasis>Nenn mich nicht Timmy, du dumme Gans</emphasis>, h�tte Tim seiner Schwester am liebsten geantwortet, aber er konnte einfach nicht w�tend auf Gracie sein, wenn sie ihn so vertrauensvoll anschaute. Und er h�tte ihr gern geraten, sich ein dickeres Fell zuzulegen, wenn er diesen Blick sah. Die Welt war ein Drecksloch, und er konnte einfach nicht verstehen, warum Gracie das noch nicht begriffen hatte.</p><p>Tim sah, dass seine Mutter ihn im R�ckspiegel beobachtete und abwartete, was er seiner Schwester antworten w�rde. Er kr�uselte die Lippen und schaute aus dem Fenster. Eigentlich konnte er es seinem Vater nicht ver�beln, dass er die Bombe hatte platzen lassen, die ihr Leben zerst�rt hatte. Seine Mutter war ein richtiges Mistst�ck.</p><p>Typisch, das dumme Zeug, das die bl�de Kuh ihnen erz�hlt hatte, um ihnen zu erkl�ren, warum sie sie jetzt schon nach Bryanbarrow zur�ckbrachte. Sie wusste nicht, dass er im selben Moment in der K�che ans Telefon gegangen war wie sie in ihrem Schlafzimmer und dass er alles mitgeh�rt hatte: Wie sein Vater gefragt hatte, ob sie die Kinder noch einen Tag l�nger bei sich behalten k�nne, und wie seine Mutter zugestimmt hatte. Und zwar ausnahmsweise einmal liebensw�rdig, was seinem Vater eigentlich h�tte sagen m�ssen, dass irgendetwas im Busch war, denn selbst Tim hatte es sofort kapiert. Deswegen hatte er sich auch nicht gewundert, als seine Mutter zehn Minuten sp�ter komplett aufgedonnert aus ihrem Zimmer gekommen war und ihn forsch-fr�hlich aufgefordert hatte, seine Sachen zu packen, sein Vater habe gerade angerufen und seine Mutter gebeten, die Kinder fr�her als geplant nach Bryanbarrow zur�ckzubringen.</p><p>�Irgendeine �berraschung�, hatte sie gesagt.�Was, wollte er mir nicht verraten. Also beeilt euch.�</p><p>Dann hatte sie sich auf die Suche nach ihren Autoschl�sseln gemacht. Die h�tte er verschwinden lassen sollen, dachte Tim. Nicht seinetwegen, sondern Gracie zuliebe. Sie h�tte es verdient, noch einen Tag l�nger bei ihrer Mutter zu bleiben, wenn sie das so gern wollte.</p><p>�Es gibt nicht mal genug hei�es Wasser, dass man die Badewanne vollkriegt, Mummy�, sagte Gracie gerade.�Und das Wasser tr�pfelt aus dem Hahn, und es ist ganz braun und eklig. Nicht wie bei dir, wo ich sch�n Schaum haben kann. Ich hab so gerne Schaum. Warum k�nnen wir nicht bei dir wohnen, Mummy?�</p><p>�Das wei�t du ganz genau�, antwortete Niamh Cresswell schlie�lich.</p><p>�Nein, das wei� ich nicht�, widersprach Gracie.�Die meisten Kinder bleiben bei ihrer Mutter, wenn ihre Eltern sich scheiden lassen. Sie wohnen bei ihrer Mutter, und sie besuchen ihren Vater. Du hast doch genug Platz f�r uns.�</p><p>�Gracie, frag deinen Vater, warum das bei uns alles anders ist, wenn du es schon unbedingt wissen willst.�</p><p>Na klar, dachte Tim. Als w�rde ihr Vater Gracie erkl�ren, warum sie in einem grauenhaften Haus am Rand eines grauenhaften Kaffs wohnten, wo es an einem Samstagabend oder einem Sonntagnachmittag nichts zu tun gab, au�er K�he zu z�hlen oder den Schafen beim Bl�ken zuzuh�ren. Bryanbarrow lag am Arsch der Welt, aber f�r das neue Leben ihres Vaters war es perfekt. Und von dem Leben � hatte Gracie keine Ahnung. Das war auch nicht vorgesehen. Sie sollte glauben, dass sie Zimmer vermieteten, blo� dass es nur <emphasis>einen</emphasis> Untermieter gibt, Gracie, und was glaubst du wohl, in welches Bett der kriecht, wenn du l�ngst schl�fst, und was glaubst du wohl, was die beiden dort treiben, wenn die T�r zu ist?</p><p>Tim bohrte die Fingern�gel seiner rechten Hand so tief in die Haut an seinem linken Handr�cken, bis er sp�rte, wie sich kleine Blutstr�pfchen bildeten. Seinem Gesicht war nichts anzusehen, das wusste er, denn er hatte diesen leeren Ausdruck trainiert. Zusammen mit dem Schmerz, den er seinen H�nden zuf�gte, sorgte dies daf�r, dass er dort blieb, wo er sein wollte, n�mlich weit weg von anderen Leuten und weit weg von allem. Er hatte sogar erreicht, dass sein Vater ihn von der �rtlichen Schule genommen hatte. Er ging jetzt auf eine Sonderschule in der N�he von Ulverston, meilenweit weg von da, wo sein Vater wohnte � dem es nat�rlich tierisch l�stig war, ihn jeden Tag dorthin zu fahren �, und meilenweit entfernt von dort, wo seine Mutter wohnte. Und genauso wollte er es haben, denn dort, bei Ulverston, wusste niemand, was in seinem Leben vorgefallen war, und das war ihm ganz wichtig.</p><p>Schweigend betrachtete Tim die vorbeifliegende Landschaft. Die Fahrt von Grange-over-Sands zum Haus seines Vaters f�hrte sie im schwindenden Tageslicht durch das Lyth Valley nach Norden. Die Landschaft war ein Flickenteppich aus kleegr�nen und smaragdgr�nen Pferdekoppeln und Viehweiden, der wie eine Welle gegen die kahlen Berge rollte. Gro�e Felsbrocken aus Schiefer und Sandstein ragten aus den von grauem Ger�ll bedeckten H�ngen. Am Fu� der Berge standen W�ldchen aus Erlen, Eichen und Ahorn, deren Herbstlaub gelb, golden und rot leuchtete. Und hier und da Bauernh�fe: gro�e, aus Feldsteinen errichtete Scheunen und mit Schieferschindeln verkleidete Wohnh�user mit Kaminen, aus denen der Rauch von Holzfeuern quoll.</p><p>Nach einigen Kilometern, wo das Lyth Valley sich verj�ngte, ver�nderte sich die Landschaft. Jetzt fuhren sie durch Wald, und die von Bruchsteinmauern ges�umte Stra�e wurde immer kurvenreicher. Es hatte angefangen zu regnen, aber wann regnete es nicht in dieser Gegend? Cumbria war bekannt f�r sein feuchtes Klima, und man sah es ja auch an dem Moos, das auf den Steinw�nden wucherte, an den Farnen, die aus allen Ritzen sprossen, und an den Flechten, die Boden und Baumst�mme �berzogen.</p><p>�Es regnet�, bemerkte Gracie �berfl�ssigerweise.�Wenn es regnet, kann ich dieses alte Haus erst recht nicht ausstehen. Du auch nicht, Timmy, oder? Es ist furchtbar in dem Haus, alles ist muffig und d�ster und einfach nur gruselig.�</p><p>Niemand sagte etwas dazu. Gracie lie� den Kopf h�ngen. Ihre Mutter bog in die Stra�e nach Bryanbarrow ein, als h�tte Gracie �berhaupt nichts gesagt.</p><p>Die Stra�e war eng hier und wand sich in Haarnadelkurven aufw�rts. Schlie�lich bogen sie in die Stra�e zum Dorf ein, das unten im Tal lag und eigentlich nicht viel mehr als eine Kreuzung mit einem Rasen in der Mitte zu bieten hatte. Da es hier eine Gastst�tte, ein Rathaus, eine Methodistenkapelle und eine anglikanische Kirche gab, war das Dorf eine Art Treffpunkt, allerdings nur abends und sonntags morgens, und die, die sich dann versammelten, hatten nichts Besseres zu tun, als zu beten oder zu saufen.</p><p>Gracie begann zu weinen, als sie langsam �ber die steinerne Br�cke fuhren.�Mummy, ich find es <emphasis>schrecklich</emphasis> hier. Mummy, <emphasis>bitte</emphasis>.�</p><p>Aber ihre Mutter sagte nichts, und Tim wusste, sie w�rde auch nichts dazu sagen. Bei der Frage, wo Tim und Gracie Cresswell leben sollten, gab es durchaus Gef�hle zu ber�cksichtigen, allerdings nicht die Gef�hle von Tim und Gracie. So war es, und so w�rde es bleiben, zumindest bis Niamh tot umfiel oder sie einfach aufgab, je nachdem, was zuerst passierte. Und �ber die erste M�glichkeit hatte Tim viel nachgedacht. Hass konnte einen Menschen umbringen, so schien es ihm. Andererseits hatte der Hass ihn noch nicht umgebracht, also w�rde der Hass seine Mutter vielleicht auch nicht umbringen.</p><p>Im Gegensatz zu vielen Anwesen in Cumbria, die weit au�erhalb von D�rfern oder Weilern lagen, stand die Bryan Beck Farm direkt am Dorfrand, und sie bestand aus einem alten elisabethanischen Herrenhaus, einer genauso alten Scheune und einem noch �lteren Cottage. Hinter den Geb�uden erstreckten sich die L�ndereien, und auf den Weiden grasten Schafe, die jedoch nicht Tims Vater geh�rten, sondern einem Bauern, der das Land pachtete. Die Schafe gaben dem Hof� einen authentischen Anstrich�, wie sein Vater gern sagte, und sie standen im Einklang mit der� Tradition im Lake District�, was auch immer er damit meinte. Ian Cresswell war kein verdammter Bauer, und so wie Tim das sah, waren die bl�den Schafe besser dran, wenn sein Vater sich von ihnen fernhielt.</p><p>Als Niamh in der Einfahrt hielt, schluchzte Gracie bitterlich. Anscheinend dachte sie, wenn sie nur laut genug schluchzte, w�rde ihre Mutter im letzten Moment wenden und mit ihnen zur�ck nach Grange-over-Sands fahren, anstatt genau das zu tun, was sie sich vorgenommen hatte, n�mlich sie aus dem Auto zu werfen, um ihrem Vater eins auszuwischen, und nach Milthorpe zu d�sen, um sich von ihrem d�mlichen Freund in der K�che seiner China-Imbissbude durchv�geln zu lassen.</p><p>�Mummy! Mummy!�, jammerte Gracie.�Sein Auto steht nicht mal da. Ich trau mich nicht rein, wenn sein Auto nicht dasteht, weil er dann nicht zu Hause ist und ��</p><p>�Grace, h�r sofort auf damit�, fauchte Niamh.�Du f�hrst dich auf wie eine Zweij�hrige. Er ist einkaufen gefahren, weiter nichts. Im Haus brennt Licht, und das andere Auto steht da. Ich sch�tze, du kannst dir denken, was das bedeutet.�</p><p>Nat�rlich sprach sie den Namen nicht aus. Sie h�tte hinzuf�gen k�nnen:�Der <emphasis>Mieter</emphasis> eures Vaters ist zu Hause�, mit dieser ver�chtlichen Betonung, die B�nde sprach. Aber damit h�tte sie Kaveh Mehrans Existenz anerkannt, und das w�rde sie niemals tun. Stattdessen sagte sie mit bedeutungsvollem Unterton:�Timothy�, und machte eine Kopfbewegung in Richtung Haus. Das hie�, dass er seine Schwester aus dem Auto zerren und zum Haus bugsieren sollte, da sie nicht vorhatte, das zu �bernehmen.</p><p>Er stieg aus und warf seinen Rucksack �ber die niedrige Steinmauer. Dann riss er die T�r auf der Seite auf, wo seine Schwester sa�.�Los, raus�, sagte er und packte sie am Arm.</p><p>�Nein! Ich will nicht!�, kreischte Gracie und schlug und trat um sich.</p><p>Niamh l�ste Gracies Sicherheitsgurt und sagte:�H�r auf, so ein Theater zu machen. Das ganze Dorf denkt noch, ich bringe dich um.�</p><p>�Das ist mir egal!�, schluchzte Gracie.�Ich will mit dir fahren! Mummy!�</p><p>�Herrgott noch mal. �Niamh sprang ebenfalls aus dem Auto, aber nicht etwa, um Tim zu helfen. Sie riss Gracies Rucksack vom R�cksitz, �ffnete ihn und warf ihn im hohen Bogen �ber die Steinmauer. Er landete � zum Gl�ck � auf Gracies Trampolin, und der gesamte Inhalt kullerte in den Regen, darunter auch Gracies Lieblingspuppe.</p><p>Als Gracie sah, wie ihre Puppe sich �berschlug, schrie sie auf. Tim sah seine Mutter w�tend an, woraufhin Niamh blaffte:�Was hast du denn von mir erwartet?�Und zu Gracie sagte sie:�Wenn du nicht willst, dass sie kaputtgeht, solltest du sie aufheben.�</p><p>Gracie rannte in den Garten, kletterte auf das Trampolin und dr�ckte ihre Puppe an sich. Sie weinte immer noch, und ihre Tr�nen mischten sich mit dem Regen.�Wie reizend von dir�, sagte Tim zu seiner Mutter.</p><p>�Beklag dich bei deinem Vater�, gab Niamh zur�ck.</p><p>Das war ihre Standardantwort auf alles. Beklag dich bei deinem Vater, als w�rde das, was der getan hatte, jede Gemeinheit von Niamh Cresswell rechtfertigen.</p><p>Tim schlug die Autot�r zu und wandte sich wortlos ab. Als er in den Garten ging, h�rte er hinter sich den Volvo losfahren, wohin auch immer, das war ihm egal. Von ihm aus konnte seine Mutter v�geln, mit wem sie wollte.</p><p>Gracie hockte heulend auf dem Trampolin. H�tte es nicht geregnet, w�re sie darauf herumgesprungen bis zur Ersch�pfung, denn das tat sie jeden Tag, genauso wie er jeden Tag tat, was er tat, um sich zu ersch�pfen.</p><p>Er hob seinen Rucksack auf und schaute ihr einen Moment lang zu. Okay, sie war eine Nervens�ge, aber sie hatte das alles nicht verdient. Er ging zum Trampolin und nahm ihren Rucksack.�Komm�, sagte er.�Wir gehen rein.�</p><p>�Ich nicht�, sagte sie und dr�ckte sich die Puppe an die Brust.�Ich nicht, ich nicht. �Sie da hocken zu sehen, drehte ihm den Magen um.</p><p>Er konnte sich nicht an den Namen der Puppe erinnern. Er sagte:�Komm, Gracie. Ich seh nach, ob Spinnen da sind, und ich mach die Spinnweben weg. Du kannst deine � wie hei�t sie noch ��</p><p>�Bella. Sie hei�t Bella�, schniefte Gracie.</p><p>�Also Bella-sie-hei�t-Bella. Du kannst Bella-sie-hei�t-Bella in ihre Wiege legen und ich � ich k�mm dir die Haare. Okay? Das hast du doch so gern. Und ich mach dir so eine Frisur, wie du sie so sch�n findest.�</p><p>Gracie schaute ihn an. Sie rieb sich die Augen mit dem Arm. Ihr Haar, auf das sie so stolz war, wurde nass, und schon bald w�rde es so kraus sein, dass man es nicht mehr b�rsten konnte. Sie drehte eine lange Locke um einen Finger.�Machst du mir einen franz�sischen Zopf?�Dabei sah sie ihn so hoffnungsvoll an, dass er ihr den Wunsch nicht abschlagen konnte.</p><p>Er seufzte.�Also gut. Einen franz�sischen Zopf. Aber dann musst du jetzt mit reinkommen, sonst mach ich�s nicht.�</p><p>�Okay. �Sie rutschte zum Rand des Trampolins und reichte ihm Bella-sie-hei�t-Bella. Er stopfte die Puppe kopf�ber in Gracies Rucksack und ging zum Haus. Gracie stapfte hinter ihm her und schlurfte mit den F��en durch den Kies auf dem Weg.</p><p>Sie betraten das Haus durch den Seiteneingang, der direkt in die K�che f�hrte. Auf dem primitiven Herd lag ein Braten auf einem Rost, die So�e in der Fettpfanne darunter war schon kalt und fest. Daneben stand ein Topf mit kaltem Gem�se. Auf dem Abtropfgitter welkte ein Salat vor sich hin. Tim und Gracie hatten noch nichts zu Abend gegessen, aber ihr Vater auch nicht, so wie das hier aussah.</p><p>�Ian?�</p><p>Tim wappnete sich innerlich, als er Kaveh Mehrans Stimme h�rte. Sie klang verhalten. Vielleicht ein bisschen verkrampft?</p><p>�Nein, wir sind�s�, sagte Tim.</p><p>Stille. Dann:�Timothy? Gracie?�Aus dem Kaminzimmer war ein Ger�usch zu h�ren, etwas wurde �ber die Steinfliesen auf den Teppich geschoben, dann ein Fluchen� Verdammter Mist!�. Wahrscheinlich hatten sie sich gestritten, dachte Tim, und pl�tzlich �berkam ihn ein Hochgef�hl, w�hrend er sich ausmalte, wie sein Dad und Kaveh mit Messern aufeinander losgegangen waren, und jetzt war alles voller Blut. Das w�re doch mal was! Er ging zum Kaminzimmer, gefolgt von Gracie.</p><p>Zu seiner Entt�uschung war alles in Ordnung. Keine umgest�rzten M�bel, kein Blut. Das Ger�usch war entstanden, als Kaveh den schweren, alten Spieltisch in die Ecke zur�ckgeschoben hatte, wo er hingeh�rte. Kaveh wirkte allerdings sehr bedr�ckt, und das reichte, um Gracie vergessen zu lassen, dass sie selbst aussah wie das heulende Elend. Besorgt lief sie auf den Mann zu.</p><p>�Kaveh�, sagte sie,�ist was passiert?�, woraufhin der Bl�dmann sich aufs Sofa fallen lie�, den Kopf sch�ttelte und die H�nde vors Gesicht schlug.</p><p>Gracie setzte sich neben ihn und legte ihm einen Arm um die Schultern.�Willst du�s mir nicht erz�hlen?�, sagte sie.�Bitte, erz�hl�s mir, Kaveh.�</p><p>Aber Kaveh schwieg.</p><p>Offensichtlich, dachte Tim, hatten er und sein Dad sich gestritten, und sein Dad war wutschnaubend abgehauen. Recht so, dachte er. Er hoffte, dass es den beiden richtig dreckig ging. Falls sein Dad mit dem Auto von der Stra�e abkam und in eine Schlucht st�rzte, w�re ihm das absolut recht.</p><p>�Ist deiner Mummy was passiert?�, fragte Gracie Kaveh. Sie war sich nicht mal zu bl�d, dem Typen �ber sein fettiges Haar zu streicheln.�Oder deinem Dad? Soll ich dir �ne Tasse Tee machen, Kaveh? Hast du Kopfweh? Oder vielleicht Bauchweh?�</p><p>Okay, dachte Tim, Gracie war vorerst besch�ftigt. Sie hatte ihre eigenen Sorgen vergessen und w�rde jetzt die Krankenschwester spielen. Er stellte ihren Rucksack neben der T�r ab, durchquerte das Zimmer und ging durch eine andere T�r in eine kleine, viereckige Diele, von der aus eine Treppe mit abgetretenen Stufen in den ersten Stock f�hrte.</p><p>In seinem Zimmer stand sein Laptop auf einem wackeligen Tisch unter dem Fenster, von dem aus man einen Blick auf den Vorgarten und den Dorfanger hatte. Inzwischen war es fast dunkel, und es regnete in Str�men. Der Wind, der heftiger geworden war, fegte das Laub der Ahornb�ume unter die B�nke auf dem Rasen und verteilte es von dort aus �ber die Stra�e. In den H�usern jenseits des Dorfplatzes brannte Licht, und in dem heruntergekommenen Cottage, in dem George Cowley mit seinem Sohn wohnte, bewegte sich jemand hinter den Gardinen. Tim sah eine Weile zu � anscheinend diskutierten die beiden �ber irgendetwas, aber was wusste er schon, was sich dort abspielte �, dann schaltete er seinen Computer ein.</p><p>Er ging ins Internet. Die Verbindung brauchte ewig, um sich aufzubauen. Es war, wie Wasser beim Gefrieren zuzusehen. Von unten h�rte er ged�mpft Gracies Stimme. Dann wurde die Stereoanlage eingeschaltet. Wahrscheinlich glaubte sie, Musik w�rde Kaveh tr�sten. Tim fragte sich, wie sie auf die Idee kam, denn Musik ging dem Typen am Arsch vorbei.</p><p>Endlich. Er rief seine E-Mails ab. Vor allem um eine bestimmte ging es ihm. Er musste unbedingt wissen, wie es weiterging, und das h�tte er unm�glich vom Laptop seiner Mutter aus �berpr�fen k�nnen.</p><p>Toy4You hatte endlich das Angebot gemacht, auf das Tim gewartet hatte. Er las es sich durch und �berlegte. Was Toy4You verlangte, war nicht viel im Vergleich zu dem, was Tim im Gegenzug erwartete. Also tippte er die Nachricht ein, die er schon seit Wochen hatte abschicken wollen, seit er mit Toy4You in Kontakt getreten war.</p><p><emphasis>O.K., aber wenn ich es mache, will ich eine Gegenleistung</emphasis>.</p><p>Unwillk�rlich musste er l�cheln, als er auf� Senden �klickte. Er wusste ganz genau, welche Gegenleistung das sein w�rde.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Ian Cresswell hatte sich l�ngst abgeregt, als er den See erreichte, denn die Fahrt bis dorthin hatte zwanzig Minuten gedauert. Allerdings hatte er sich nur �u�erlich beruhigt; an seinen Gef�hlen hatte sich nichts ge�ndert. Und in erster Linie f�hlte er sich verraten.</p><p>Das Argument� Unsere Lebensumst�nde sind nicht miteinander vergleichbar �beschwichtigte Ian nicht mehr. Anfangs hatte er das noch akzeptiert. Vor lauter Liebestrunkenheit war es ihm gar nicht in den Sinn gekommen, dar�ber nachzudenken, ob sein junger Lover dasselbe tun w�rde, was er von ihm verlangt hatte. Mit Kaveh Mehran zusammen aus dem Haus zu gehen, hatte ihm gereicht. Es hatte gereicht, um seine Frau und seine Kinder zu verlassen, um � das hatte er sich selbst, Kaveh und <emphasis>ihnen</emphasis> erkl�rt � endlich offen der sein zu k�nnen, der er war. Keine heimlichen Fahrten nach Lancaster mehr, kein namenloses Fummeln und Ficken mehr. Damit hatte er sich jahrelang begn�gt in der �berzeugung, dass es wichtiger war, andere vor dem zu sch�tzen, was er sich selbst viel zu sp�t eingestanden hatte. Dass das wichtiger war, als zu sich selbst zu stehen. Und genau das hatte Kaveh ihn gelehrt. Kaveh hatte gesagt:�Entweder sie oder ich�, und dann hatte er an der T�r geklingelt, war ins Haus gekommen und hatte gefragt:�Sagst du�s ihnen, oder soll ich es tun, Ian?�Und anstatt zu entgegnen:�Wer zum Teufel sind Sie, und was haben Sie hier zu suchen?�, hatte Ian sich geoutet und war mit Kaveh gegangen und hatte es Niamh �berlassen, den anderen alles zu erkl�ren, falls sie das denn wollte. Aber jetzt fragte er sich, was er sich dabei gedacht hatte, welcher Wahnsinn ihn da geritten hatte, ob er vielleicht tats�chlich geisteskrank war.</p><p>Das fragte er sich nicht, weil er Kaveh Mehran nicht mehr liebte oder mit an Irrsinn grenzender Leidenschaft begehrte. Nein, er fragte es sich, weil er keinen Augenblick �berlegt hatte, was er den anderen damit angetan hatte. Und er fragte es sich, weil er ebenso wenig dar�ber nachgedacht hatte, was es hei�en k�nnte, wenn Kaveh nicht bereit war, dasselbe f�r ihn zu tun, was Ian f�r ihn getan hatte.</p><p>In Ians Augen w�re Kavehs Bekenntnis zu ihm eine ziemlich einfache Angelegenheit und viel weniger zerst�rerisch als das, was Ian getan hatte. Okay, Kavehs Eltern waren Ausl�nder, aber sie waren nur in kultureller und religi�ser Hinsicht Fremde. Immerhin lebten sie schon seit mehr als zehn Jahren in Manchester, es war also nicht so, als trieben sie in v�llig unbekannten ethnischen Gew�ssern. Kav und er lebten jetzt schon �ber ein Jahr zusammen, und es wurde allm�hlich Zeit, dass Kaveh die Wahrheit �ber das aussprach, was sie einander bedeuteten. Dass Kaveh diese simple Tatsache nicht begriff, dass er nicht mit seinen Eltern dar�ber reden konnte � Das war so unfair, dass Ian nur noch schreien wollte.</p><p>Und dieses Bed�rfnis zu schreien musste er loswerden. Denn er wusste, dass es ihm nichts n�tzen w�rde.</p><p>Als er ankam, stand das Tor von Ireleth Hall offen, was in der Regel bedeutete, dass Besuch da war. Aber Ian hatte keine Lust, irgendjemandem zu begegnen, und deswegen ging er nicht auf das mittelalterliche Haus zu, das sich �ber dem See erhob, sondern folgte einem Weg, der direkt zum Ufer f�hrte und zu dem steinernen Bootshaus.</p><p>Hier lag sein Skullboot. Es war lang und schmal und lag nur flach im Wasser, und es war gar nicht so einfach, von dem gemauerten Anleger aus ein- und wieder auszusteigen. Noch schwieriger war es jetzt, weil das Bootshaus keine Beleuchtung besa�. Normalerweise reichte das Licht aus, das durch die zum See gelegene Einfahrt hereinfiel, aber heute war der Himmel bew�lkt, und zudem war es schon fast dunkel. All das jedoch durfte jetzt keine Rolle spielen, denn Ian musste raus auf den See, die Ruder ins Wasser tauchen, Tempo aufnehmen und sich verausgaben, bis ihm der Schwei� �ber den R�cken rann und er nur noch die Anstrengung sp�rte und sonst nichts.</p><p>Er machte das Boot los und hielt es ganz nah am Anleger fest. Drei Steinstufen ins Wasser, aber sie waren von Algen bewachsen und t�ckisch glatt, denn sie waren seit Jahren nicht gereinigt worden. Ian h�tte die Stufen leicht schrubben k�nnen, doch das Problem fiel ihm immer nur auf, wenn er sein Boot benutzte, was er nur tat, wenn er Bewegung n�tig hatte, und dann hatte er es immer ziemlich eilig.</p><p>Diesmal war es nicht anders. Die Festmachleine in der einen Hand, die andere Hand am Dollbord, stieg er vorsichtig ein, wobei er sorgf�ltig darauf achtete, sein Gewicht gleichm��ig zu verteilen, um das Boot nicht zum Kentern zu bringen. Er setzte sich. Rollte das Tau auf und legte es in den Bug. Dann schob er die F��e in die Schuhe am Stemmbrett und dr�ckte sich von der Mauer ab. Da er mit dem Gesicht zum See sa�, war es leicht, sich aus dem Bootshaus auf den See hinauszuschieben.</p><p>Der Regen, der eingesetzt hatte, als er nach Ireleth Hall gefahren war, fiel jetzt heftiger, und wenn er es nicht so n�tig gehabt h�tte, sich zu verausgaben, w�re er umgekehrt. Aber so machte der Regen ihm nichts aus. Au�erdem hatte er nicht vor, lange drau�en zu bleiben. Nur einmal volle Kraft voraus bis Windermere und wieder zur�ck zum Bootshaus.</p><p>Er legte die langen Riemen in die Dollen und justierte die Position der Riemensch�fte. Probeweise bewegte er die Beine, um sich zu vergewissern, dass der Rollsitz glatt in seinem Schlitten lief. Dann war er startklar. In weniger als zehn Sekunden hatte er sich bereits ein gutes St�ck vom Bootshaus entfernt und war unterwegs zur Seemitte.</p><p>Von dort aus konnte er das Gutshaus Ireleth Hall mit seinem Turm, seinen Giebeln und den vielen Kaminen ausmachen. In den Erkerfenstern des Salons brannte Licht, ebenso im ersten Stock, wo sich das Schlafzimmer befand. An der S�dseite des Geb�udes erhoben sich die riesigen geometrischen Umrisse des Formschnittgartens dunkel �ber der Mauer, die den Garten einschloss, und knapp hundert Meter jenseits davon brannte Licht in s�mtlichen Fenstern eines weiteren Turms. Es war der Zwilling des �ltesten Teils von Ireleth Hall, ein nutzloser Zierbau im Stil der Wehrt�rme von Cumbria und Wohnsitz einer der nichtsnutzigsten Frauen, denen Ian je begegnet war.</p><p>Er wandte sich ab vom Anblick des Herrenhauses, des Turms und des Formschnittgartens, dem Landsitz seines Onkels, den er zwar mochte, aber nicht verstand.�Ich akzeptiere dich, wie du bist, und deswegen musst du mich akzeptieren, wie ich bin�, hatte Bernard Fairclough zu ihm gesagt,�denn das Leben besteht aus Kompromissen.�</p><p>Aber Ian fand das ziemlich fraglich, ebenso wie er sich fragte, was es mit den Verbindlichkeiten auf sich hatte, die gezahlt werden mussten, und mit den Personen, die diese Zahlungen erhielten. Das ging ihm an dem Abend durch den Kopf. Ein Thema mehr, das ihn auf dem Wasser hielt.</p><p>Der See war kein einsamer Ort. Wegen seiner Gr��e � das gr��te stehende Gew�sser in Cumbria � hatten sich an seinen Ufern eine ganze Reihe kleiner St�dte und D�rfer angesiedelt, und in dem unerschlossenen Gel�nde dazwischen standen hier und da einzelne H�user mit Schieferfront, Landh�user, die schon vor Jahren zu teuren Hotels umgebaut worden waren, oder Privath�user, die auf gutbetuchte Eigent�mer schlie�en lie�en, die sich mehr als einen Wohnsitz leisten konnten. Denn wenn der Winter einsetzte, wurde das Seengebiet hier oben ziemlich unwirtlich f�r Leute, die nicht an Wind und Schnee gew�hnt waren.</p><p>Daher f�hlte Ian sich nicht allein auf dem See. Zwar war er der Einzige, der im Moment mit einem Ruderboot drau�en war, doch am Ufer lagen noch die Boote der Ruderclubs und die Kajaks, Kanus und Skulls der Eigent�mer von Wassergrundst�cken, die die Boote noch nicht f�r den Winter aus dem Wasser genommen hatten, und das war ein tr�stlicher Gedanke.</p><p>Er wusste nicht, wie lange er schon ruderte. Lange konnte er noch nicht unterwegs sein, dachte er, denn er war noch nicht weit gekommen. Er war noch nicht am Hotel Beech Hill vorbei, von wo aus er die Belle Isle gesehen h�tte. In der Regel hatte er an dem Punkt die H�lfte seiner Trainingsstrecke hinter sich. Aber offenbar hatte ihn die Auseinandersetzung mit Kaveh mehr mitgenommen, als ihm bewusst geworden war, denn seine Muskeln begannen zu erm�den, was ihm verriet, dass er besser umkehren sollte.</p><p>Einen Moment lang blieb er reglos sitzen. Von der A 592, die am Ostufer des Sees entlang verlief, drangen Verkehrsger�usche her�ber. Aber au�er dem Regen, der auf das Wasser prasselte, war nichts zu h�ren. Die V�gel schliefen schon, und alle, die einen Funken Verstand besa�en, waren in ihren H�usern.</p><p>Ian holte tief Luft. Ein Schauder �berlief ihn. Wenn er tot w�re, w�rde das den einen oder anderen freuen, sagte er sich bitter. Oder es lag am Wetter, dass er fr�stelte, was wahrscheinlicher war. Selbst bei dem Regen roch er den Rauch aus einem Kamin in der N�he, und er sah das w�rmende Holzfeuer vor sich, stellte sich vor, dass er vor dem offenen Kamin in einem Sessel sa�, neben sich Kaveh in einem �hnlichen Sessel, beide ein Glas Wein in der Hand bei einer zwanglosen Plauderei nach einem langen Tag, genauso wie Millionen von Paaren in Millionen von H�usern rund um den Globus.</p><p>Das, sagte er sich, war es, wovon er tr�umte. Das und der Friede, den es einem gab. Es war doch nicht zu viel verlangt: einfach nur ein ganz normales Leben.</p><p>So vergingen einige Minuten: kaum Ger�usche, Ian entspannt, das Boot im Einklang mit den Bewegungen des Sees. Wenn es nicht geregnet h�tte, w�re er vielleicht sogar eingeschlafen. Aber er war schon ziemlich durchn�sst, und nach einer Weile entschloss er sich, zum Bootshaus zur�ckzurudern.</p><p>Er sch�tzte, dass er etwas �ber eine Stunde auf dem Wasser gewesen war, und als er sich dem Ufer n�herte, war es stockdunkel. Die B�ume am Ufer waren nur noch als geometrische Formen zu erkennen: spitze Koniferen wie Menhire, Birken wie zarte Striche vor dem Nachthimmel, dazwischen Ahornb�ume, deren Laub im Regen zitterte. Ein Pfad f�hrte zum Bootshaus, vom Wasser aus betrachtet eine verspielte Konstruktion, denn selbst in der Dunkelheit und in dem Wetter hob es sich wie ein M�rchenschl�sschen vom Ufer ab.</p><p>Ian fiel auf, dass die Au�enlampe durchgebrannt war. Normalerweise schaltete sie sich bei Einbruch der Dunkelheit ein und beleuchtete wenigstens den Au�enbereich des Bootshauses. Aber wo ein gelber Lichtschein � zumindest bei besserem Wetter � Motten angelockt h�tte, war es jetzt dunkel. Ian nahm sich vor, sich auch um die Lampe zu k�mmern, wenn er sich die veralgten Stufen vornahm.</p><p>Er steuerte das Bootshaus an und glitt hinein. Die Dunkelheit im Innern war undurchdringlich. Au�er seinem Skullboot lagen hier noch drei weitere Boote. Ein ziemlich abgenutztes Angelruderboot, ein Schnellboot und ein Kanu unbestimmten Alters und noch unbestimmterer Seetauglichkeit, alle willk�rlich am Anleger vert�ut. Er musste sich zwischen diesen drei Booten hindurcharbeiten, um bis ans hintere Ende zu gelangen, und es gelang ihm ganz gut, sich im Dunkeln vorzutasten, obwohl er einmal mit der Hand zwischen das Ruderboot und sein Skullboot geriet und laut fluchte, als seine Finger zwischen dem Fiberglas und dem Holz eingequetscht wurden.</p><p>Er quetschte sich die Hand noch einmal zwischen Boot und Mauer, und diesmal sp�rte er, dass er blutete.�Verflucht�, murmelte er und dr�ckte seine Kn�chel kurz gegen seine Rippen. Es tat h�llisch weh, und er nahm sich vor, etwas besser aufzupassen.</p><p>In seinem Auto lag eine Taschenlampe, und er hatte noch genug Sinn f�r Humor, um sich daf�r zu gratulieren, dass er sie dort gelassen hatte, wo sie ihm �berhaupt nichts n�tzte. Etwas vorsichtiger streckte er die Hand nach der Mauer aus und tastete nach dem Metallring, an dem er sein Boot vert�uen konnte. Wenigstens konnte er den Knoten mit verbundenen Augen machen. Anschlie�end zog er die F��e aus den Stemmbrettschuhen. Dann verlagerte er sein Gewicht und griff nach der Steinmauer, um sich aus dem Boot zu hieven.</p><p>Es passierte, als er mit einem Fu� auf einen einzelnen Stein am Rand trat und mit dem anderen Fu� noch im Boot stand. Der Stein, der offenbar schon locker sa�, l�ste sich ganz, Ian verlor das Gleichgewicht, und sein Boot, das nur am Bug befestigt war, schoss nach hinten. Ian st�rzte in das eiskalte Wasser.</p><p>Dabei schlug er mit dem Kopf auf der Mauer auf. Als er im Wasser landete, war er bewusstlos, und wenige Minuten sp�ter war er tot.</p></section><section><title><p>25.�Oktober</p></title><subtitle>WANDSWORTH � LONDON</subtitle><p>Sie hielten es immer noch so wie anfangs. Sie gab ihm ein Zeichen, und er fuhr zu ihr. Manchmal war es die Andeutung eines L�chelns, ein leichtes Sch�rzen der Lippen, so kurz, dass jemand, der seine Bedeutung nicht kannte, es gar nicht bemerkt h�tte. Manchmal waren es nur die im Vorbeigehen auf dem Korridor gemurmelten Worte <emphasis>heute Abend?</emphasis> Manchmal, wenn sie sich im Treppenhaus begegneten oder in der Kantine, oder wenn sie morgens zuf�llig gleichzeitig in der Tiefgarage eintrafen, lud sie ihn ganz offen ein. Aber in jedem Fall wartete er auf ein Zeichen von ihr. Das gefiel ihm nicht, doch er hatte keine andere Wahl. Sie war unter keinen Umst�nden bereit, zu ihm zu kommen, und selbst wenn sie dazu bereit gewesen w�re, sie war seine Vorgesetzte, und sie hatte das Sagen.</p><p>Nur einmal, ganz zu Anfang, hatte er erw�hnt, sie k�nnten auch zu ihm gehen. Er hatte gedacht, es w�re ein Zeichen, wenn sie eine Nacht bei ihm in Belgravia verbrachte. Als h�tte das ihrer Beziehung eine Wendung geben k�nnen, obwohl er sich nicht einmal sicher war, dass er das wollte. Auf ihre typische Art, wie sie Dinge klarstellte, die keinen Widerspruch duldeten, hatte sie nur gemeint: Das wird nie passieren, Thomas. Und die Tatsache, dass sie ihn Thomas nannte und nicht Tommy, wie alle seine Freunde und Kollegen, sagte mehr aus als das, was sie unausgesprochen lie�: Das Haus in Eton Terrace war immer noch voller Erinnerungen an seine ermordete Frau, und acht Monate nach ihrem Tod auf den Eingangsstufen hatte er es immer noch nicht �ber sich gebracht, irgendetwas im Haus zu ver�ndern. Nat�rlich war es mehr als unwahrscheinlich, so einsichtig war er immerhin, dass irgendeine Frau in seinem Bett schlafen w�rde, solange Helens Kleider noch im Schrank hingen und Helens Parf�mflaschen auf der Kommode standen, neben Helens Haarb�rste, in der immer noch Helens Haare hingen. Solange Helen �berall in seinem Haus pr�sent war, brauchte er sich keine Hoffnungen zu machen, dass eine andere Frau bereit war, es mit ihm zu teilen, und sei es nur f�r eine Nacht. So steckte er in der Zwickm�hle, und wenn Isabelle sagte <emphasis>heute Abend?</emphasis>, dann fuhr er zu ihr, getrieben von einer Macht, die sowohl ein k�rperliches Bed�rfnis war als auch eine Sehnsucht nach einem Moment des Vergessens, und sei er noch so kurz.</p><p>Auch an diesem Abend fuhr er zu ihr. Am Nachmittag hatten sie einen Termin mit dem Leiter der IPCC, der Independent Police Complaints Commission, gehabt. Es ging um eine Anzeige, die eine Anw�ltin im vergangenen Sommer im Namen ihres Mandanten erstattet hatte: Ein manisch depressiver Mann war auf der Flucht vor der Polizei im dichten Verkehr verungl�ckt. Wegen der inneren Verletzungen und des Sch�delbruchs, die der Mann dabei erlitten hatte, klagte die Anw�ltin auf Schmerzensgeld. Die IPCC untersuchte den Fall, und das bedeutete endlose Sitzungen mit allen Beteiligten, die jeweils ihre Sicht der Ereignisse zu Protokoll gaben, das Sichten von Videos aus �berwachungskameras, die Vernehmung von Augenzeugen. Gleichzeitig lauerte die Londoner Boulevardpresse darauf, jedes noch so kleine Detail der Geschichte aufzuschnappen und die Sache gro� rauszubringen, sobald die IPCC ihr Urteil f�llte �ber Schuld, Unschuld, Pflichtverletzung, Unfall, unkontrollierbare Umst�nde oder was auch immer in Frage kam. Die Besprechung war in �u�erst angespannter Atmosph�re verlaufen. Hinterher war Lynley ebenso nerv�s gewesen wie Isabelle.</p><p>Auf dem Weg durch den Korridor zur�ck in den Victoria Block hatte sie zu ihm gesagt, <emphasis>Ich w�rde dich heute Abend gern sehen, Thomas, wenn du genug Energie hast. Abendessen und Sex. Hervorragende Steaks, sehr guter Wein, saubere Laken. Nicht aus Damast, wie deine bestimmt sind, aber frisch gewaschen.</emphasis></p><p>Und dann dieses L�cheln und dieses gewisse Etwas in ihrem Blick, das er drei Monate, nachdem er in dem seelenlosen Schlafzimmer ihrer Souterrainwohnung zum ersten Mal mit ihr geschlafen hatte, immer noch nicht zu deuten wusste. Er wollte verdammt sein, wenn er sie nicht begehrte. Es hatte damit zu tun, dass er sich im Bett einbilden konnte, er sei ihr Meister, w�hrend er in Wirklichkeit ihr Sklave war.</p><p>Das Arrangement war ziemlich einfach. Sie w�rde einkaufen gehen, und er konnte in der Zwischenzeit entweder direkt zu ihr fahren und in ihrer Wohnung auf sie warten � er hatte einen Schl�ssel �, oder er konnte erst zu sich nach Hause fahren und sich dort die Zeit vertreiben, bis er sich in die trostlose Stra�e begab, die zwischen dem Gef�ngnis von Wandsworth und einem Friedhof lag. Er entschied sich f�r letztere Variante. Sie erlaubte ihm, sich einzureden, er sei sein eigener Herr.</p><p>Um diese Illusion weidlich auszukosten, lie� er sich Zeit mit seinen Vorbereitungen: Er las in Ruhe seine Post, duschte, rasierte sich und rief seine Mutter zur�ck, die ihm auf den Anrufbeantworter gesprochen hatte und mit ihm �ber die Dachrinnen an der S�dseite des Hauses in Cornwall reden wollte. Sollten sie erneuert oder repariert werden? Der Winter steht vor der T�r, mein Lieber, und wenn demn�chst mehr Regen f�llt � Nat�rlich waren die Dachrinnen nur ein Vorwand gewesen. Sie wollte einfach wissen, wie es ihm ging, aber sie fragte nicht gern so direkt. Sie wusste genau, dass die Dachrinnen repariert werden mussten. Sie konnten unm�glich ausgewechselt werden. Schlie�lich stand das Haus unter Denkmalschutz. Es musste schon �ber ihren K�pfen zusammenbrechen, ehe sie die Erlaubnis erhielten, irgendetwas daran zu ver�ndern. Sie plauderten �ber Familienangelegenheiten. Wie es seinem Bruder gehe, fragte er, was der innerfamili�re Code war f�r: Ist er noch clean, oder h�ngt er wieder am Kokain, Heroin oder was auch immer er derzeit bevorzugt, um sich von der Welt zur�ckzuziehen? Die Antwort lautete: Es geht ihm sehr gut, mein Lieber. Was wiederum der Familiencode war f�r: Ich schau ihm auf die Finger, mach dir keine Sorgen. Wie geht es meiner Schwester? bedeutete im Klartext: Hat Judith es endlich aufgegeben, f�r immer ein Leben als Witwe zu f�hren? Und die Antwort darauf � Sie hat wie immer wahnsinnig viel um die Ohren � hie�: Sie will nicht noch einmal in so einer schrecklichen Ehe landen, glaub�s mir. Nachdem sie schlie�lich alle wichtigen Themen besprochen hatten, sagte seine Mutter: Ich hoffe so sehr, dass du Weihnachten herkommst, Tommy, und er versprach ihr, das zu tun.</p><p>Nachdem ihn nun nichts mehr in Belgravia hielt, fuhr er Richtung Themse nach S�den und �ber die Wandsworth Bridge. Kurz nach halb acht erreichte er das Haus, in dem Isabelle wohnte. In der Gegend einen Parkplatz zu finden, war die H�lle, aber er hatte Gl�ck, denn nur gut zwanzig Meter weiter fuhr ein Lieferwagen aus einer Parkl�cke.</p><p>Vor der Wohnungst�r, zu der ein paar Stufen hinunterf�hrten, nahm er Isabelles Schl�ssel aus der Tasche. Als er ihn gerade ins Schloss gesteckt hatte, wurde die T�r von innen aufgerissen. Isabelle trat schnell heraus und zog die T�r hinter sich zu.</p><p>�Heute geht�s nicht�, sagte sie.�Es ist etwas dazwischengekommen. Ich h�tte dich auf dem Handy angerufen, aber das ging nicht. Tut mir leid.�</p><p>Er war v�llig verbl�fft. Wie ein Idiot betrachtete er �ber ihre Schulter hinweg die geschlossene T�r.�Wer ist denn bei dir?�, fragte er, denn es konnte kein Zweifel daran bestehen, dass jemand da war. Ein Mann, dachte er, und damit lag er richtig, doch er hatte mit jemand ganz anderem gerechnet.</p><p>�Bob�, sagte sie.</p><p>Ihr Exmann. Warum sollte das ein Problem sein?� Und?�, fragte er freundlich.</p><p>�Thomas, es w�re mir peinlich. Sandra ist mitgekommen. Und die Jungs ebenfalls.�</p><p>Bobs neue Frau. Die Zwillinge, Isabelles S�hne aus der Ehe mit Bob, die f�nf Jahre gehalten hatte. Die Jungs waren acht Jahre alt, und er hatte sie noch nie gesehen. Soweit er wusste, waren sie noch nie bei ihrer Mutter in London gewesen.</p><p>Er sagte:�Wie sch�n, Isabelle. Er hat ihnen also endlich erlaubt, dich hier zu besuchen?�</p><p>�Du verstehst das nicht�, sagte sie.�Ich hatte nicht mit ihnen gerechnet ��</p><p>�Nat�rlich, das habe ich begriffen. Ich werde sie also kennenlernen, wir essen was zusammen, und dann verschwinde ich.�</p><p>�Er wei� nichts von dir.�</p><p>�Wer?�</p><p>�Bob. Ich hab�s ihm nicht gesagt. Das ist alles v�llig �berraschend gekommen. Er und Sandra sind in London, weil sie irgendwo zum Abendessen eingeladen sind. Irgendwas Gott wei� wie Vornehmes. Die haben sich total in Schale geworfen. Sie haben die Jungs mitgebracht, weil sie meinten, sie k�nnten bei mir bleiben, w�hrend die beiden bei dieser Veranstaltung sind.�</p><p>�Und sie haben dich nicht vorher angerufen? Was, wenn du nicht zu Hause gewesen w�rst? Was h�tte er dann mit den Kindern gemacht? H�tte er sie w�hrend des Abendessens im Auto warten lassen?�</p><p>Sie wirkte irritiert.�Das ist doch v�llig unwichtig, Thomas. Tatsache ist, dass ich zu Hause bin und dass sie in London sind. Ich habe die Jungs seit Wochen nicht gesehen, und es ist das erste Mal, dass er mir erlaubt, ein paar Stunden mit ihnen allein zu sein, und ich habe nicht die Absicht ��</p><p>�Was ist los?�Er schaute sie an. Sie kniff die Lippen zusammen. Er wusste, was das bedeutete. Sie brauchte einen Drink.�Was f�rchtest du, was ich tun k�nnte, Isabelle? Hast du Angst, ich k�nnte deine Kinder mit meiner ausschweifenden Lebensart verderben?�</p><p>�Mach�s bitte nicht so kompliziert. Das hat nichts mit dir zu tun.�</p><p>�Stell mich doch einfach als Kollegen vor.�</p><p>�Ein Kollege, der einen Schl�ssel zu meiner Wohnung hat?�</p><p>�Herrgott noch mal, wenn er sowieso schon wei�, dass ich deinen Hausschl�ssel habe ��</p><p>�Das wei� er nicht. Und er wird es auch nicht erfahren. Ich hab ihm gesagt, ich h�tte jemanden klopfen h�ren, und bin aufgestanden, um nachzusehen.�</p><p>�Merkst du eigentlich, dass du dir widersprichst?�Wieder betrachtete er die T�r hinter ihr.�Isabelle, ist jemand anders da drin? Ist es gar nicht Bob? Und auch nicht seine Frau? Und nicht die Jungs?�</p><p>Sie richtete sich auf. Sie war eins achtzig gro�, fast so gro� wie er, und er wusste, was es bedeutete, wenn sie diese Tatsache hervorhob.�Was willst du damit sagen?�, fragte sie.�Dass ich einen anderen habe? Mein Gott, ich fasse es nicht. Du wei�t, was das f�r mich bedeutet. Das sind meine Kinder. Du wirst sie und Bob und Sandra und wei� der Teufel wen sonst noch kennenlernen, wenn ich so weit bin, und nicht eher. Und jetzt muss ich wieder rein, sonst kommt er gleich nachsehen, was los ist. Du musst jetzt gehen. Wir reden morgen dar�ber.�</p><p>�Und wenn ich trotzdem reinkomme? Du kannst mich hier stehen lassen, aber ich habe einen Schl�ssel. Was, wenn ich einfach aufschlie�e?�Noch w�hrend er die Worte aussprach, war er �ber sich selbst entsetzt. Neben seinem Verstand, seiner Geduld und seiner Selbstbeherrschung war ihm offenbar auch noch seine W�rde abhandengekommen.</p><p>Und sie wusste es. Das zumindest sah er in ihren Augen, egal, wie viel sie sonst vor ihm verbergen mochte. Sie sagte:�Am besten, wir vergessen, dass du das gerade gesagt hast�, dann ging sie hinein und �berlie� es ihm, mit seinem Trotzanfall umzugehen, der eines F�nfj�hrigen w�rdig war.</p><p>Gott, was hatte er sich dabei gedacht? Thomas Lynley, Detective Inspector von New Scotland Yard, ein Angeh�riger des Landadels, Absolvent der Universit�t von Oxford und Inhaber des Narrenordens erster Klasse.</p></section><section><title><p>28.�Oktober</p></title><subtitle>MARYLEBONE � LONDON</subtitle><p>Es gelang ihm, ihr zwei Tage lang aus dem Weg zu gehen, obwohl er sich einredete, dass das gar nicht seine Absicht war, schlie�lich hatte er an diesen beiden Tagen sowieso an den K�niglichen Gerichtsh�fen zu tun. Dort musste er als Zeuge in einem Prozess gegen einen Serienm�rder aussagen, mit dem er im vergangenen Februar in sehr engen und beinahe t�dlichen Kontakt gekommen war. Nachdem seine Anwesenheit in Gerichtssaal Nummer eins nicht mehr gebraucht wurde, lehnte er h�flich die Anfragen von drei Journalisten nach einem Interview ab, da er wusste, dass sie bei dem einzigen Thema landen w�rden, �ber das er nicht sprechen konnte � den Tod seiner Frau. Stattdessen kehrte Lynley unverz�glich in den Yard zur�ck. Isabelle zitierte ihn zu sich und fragte ihn, wie nicht anders zu erwarten, ob er ihr aus dem Weg gegangen sei, da er nicht sie, sondern die Sekret�rin der Abteilung �ber seine Abwesenheit informiert hatte. Selbstverst�ndlich sei er ihr nicht aus dem Weg gegangen, antwortete er, dazu habe er nicht den geringsten Grund, er sei ebenso wie seine langj�hrige Partnerin DS Barbara Havers bei Gericht gewesen. Und Isabelle werde wohl kaum annehmen, dass DS Havers ihr ebenfalls aus dem Weg ging, oder?</p><p>Die letzte Bemerkung h�tte er sich sparen sollen, denn sie war allzu verr�terisch. Er hatte tats�chlich kein Bed�rfnis gehabt, mit Isabelle zu reden, ehe er sich nicht selbst dar�ber im Klaren war, warum er sich vor ihrer Haust�r so unm�glich aufgef�hrt hatte. Isabelle erkl�rte, selbstverst�ndlich glaube sie, dass DS Havers ihr aus dem Weg gehe, weil sie das grunds�tzlich tat. Worauf er erwiderte, das sei ja durchaus m�glich, aber seine Absicht sei es jedenfalls nicht gewesen.</p><p>Isabelle sagte:�Du bist w�tend, und das ist dein gutes Recht, Tommy. Es war nicht in Ordnung, wie ich mich verhalten habe. Bob war pl�tzlich mit den Kindern bei mir aufgetaucht, und ich war total durch den Wind. Aber versuch mal, es aus meiner Sicht zu sehen. Bob ist durchaus zuzutrauen, dass er hier in der oberen Etage anruft und sagt: �Wissen Sie eigentlich, dass Detective Superintendent Ardery mit einem Untergebenen v�gelt? Ich dachte nur, dass Sie das vielleicht interessiert.� Der w�rde das fertigbringen, da bin ich mir ganz sicher. Und du wei�t ganz genau, was dann passieren w�rde.�</p><p>Er fand das ziemlich paranoid, doch das sagte er nicht. Das w�rde nur zu einem Streit f�hren, wenn nicht hier in ihrem Zimmer, dann an einem anderen Ort. Er murmelte:�Vielleicht hast du recht�, und als sie darauf erwiderte:�Also �?�, wusste er, dass das ihre Art war zu fragen:�Heute Abend?�, damit sie nachholen konnten, was sie hatten verschieben m�ssen. Steaks, Wein und hei�er, sehr, sehr guter Sex. Und genau das, dachte er, war es, was ihn an ihr faszinierte. Isabelle war erfindungsreich und aufregend im Bett, und das Bett war der einzige Ort, wo er ihr Meister sein konnte.</p><p>Er dachte gerade �ber ihr Angebot nach, als Dorothea Harriman, die gertenschlanke, stets todschick gekleidete Abteilungssekret�rin in der T�r erschien, die er offen gelassen hatte.�Detective Inspector Lynley?�Als er sich umdrehte, fuhr sie fort:�Da war gerade ein Anruf. Ich f�rchte, Sie werden gew�nscht.�</p><p>�Von wem?�Er vermutete, dass er aus irgendeinem Grund noch einmal zum Gericht musste.</p><p>�Von seiner Hoheit.�</p><p>�Ah. �Also nicht das Gericht. Seine Hoheit war Sir David Hillier. Wenn Hillier rief, kam man seinem Wunsch sofort nach.�Jetzt gleich?�, fragte er.</p><p>�Sieht so aus. Aber er ist nicht hier. Sie sollen zu ihm in den Club kommen.�</p><p>�Um die Zeit? Was macht er denn jetzt in seinem Club?�</p><p>Harriman zuckte die Achseln.�Keine Ahnung. Aber Sie sollen so schnell wie m�glich hinfahren. Wenn der Verkehr es zul�sst, m�chte er Sie in einer Viertelstunde sehen, das hat seine Sekret�rin betont.�</p><p>�Tja, da kann man wohl nichts machen. �Er wandte sich an Isabelle.�Wenn Sie mich entschuldigen wollen, Chefin?�Sie nickte knapp, und er machte sich auf den Weg, ohne dass zwischen ihnen etwas gekl�rt worden w�re.</p><p>Sir David Hilliers Club lag in der N�he des Portland Place, und die Vorstellung, dass Lynley von New Scotland Yard aus in einer Viertelstunde dorthin gelangen konnte, war geradezu l�cherlich. Aber da es sich um etwas Dringendes zu handeln schien, nahm er sich ein Taxi und sagte dem Fahrer, er solle Vollgas geben und um Himmels willen den Piccadilly Circus vermeiden, der um diese Zeit regelm��ig verstopft war. Auf diese Weise schaffte er es in zweiundzwanzig Minuten zum Twins Club, was f�r diese Uhrzeit ein Rekord sein musste.</p><p>Der Twins Club war in drei Stadtvillen untergebracht, einer der wenigen Komplexe in der Gegend, die im neunzehnten Jahrhundert nicht irgendeinem wahnwitzigen Stadtumbauprojekt zum Opfer gefallen waren. Nur eine diskrete Bronzetafel und eine blaue Flagge mit dem Konterfei der namengebenden Gr�nder wies auf den Club hin. Nach dem Bild zu urteilen musste es sich bei den Br�dern um siamesische Zwillinge gehandelt haben. Soweit Lynley wusste, hatte niemand die Geschichte des Clubs so weit erforscht, dass bekannt w�re, ob es sich dabei um Wahrheit oder Legende handelte.</p><p>Er wurde nicht von einem Portier eingelassen, sondern von einer �lteren, ganz in Schwarz gekleideten Dame mit einem frischgest�rkten wei�en Sch�rzchen vor der Brust. Sie wirkte wie eine Gestalt aus einem anderen Jahrhundert, und sie bewegte sich auch so. In einer Eingangshalle mit schachbrettartigem Marmorboden, an deren W�nden viktorianische Gem�lde von zweifelhafter Qualit�t hingen, trug Lynley sein Anliegen vor, woraufhin die Frau nickte und sich merkw�rdig steif umdrehte. Lynley folgte ihr zu einer T�r rechts von einer eindrucksvollen Treppe, die an einem Zwischengeschoss vorbei in den ersten Stock f�hrte.</p><p>Die Frau klopfte an eine T�r, lie� Lynley in einen mit dunklem Holz get�felten Speisesaal eintreten und schloss die T�r hinter ihm. Zu dieser Stunde waren keine Essensg�ste anwesend, aber an einem der mit wei�em Damast gedeckten Tische sa�en zwei M�nner. Vor ihnen standen eine Kaffeekanne aus Porzellan und drei dazu passende Tassen.</p><p>Einer der beiden Herren war der Assistant Commissioner, und der andere war ein Mann mit Brille, der f�r die Tageszeit und f�r den Ort zu elegant gekleidet war, was eigentlich auch f�r Hillier galt. Die beiden wirkten etwa gleichaltrig, doch im Gegensatz zu Hillier hatte der andere Mann einen Glatzenansatz, den er noch dadurch betonte, dass er das verbliebene Haar mit Pomade nach hinten gek�mmt trug. Sein Haar war v�llig gleichm��ig in der Farbe � mausbraun traf es am ehesten �, also offenbar gef�rbt. Auf seiner Nase sa� eine altmodische Brille mit einem klobigen schwarzen Gestell. Zu allem �berfluss hatte er eine auffallend dicke Oberlippe, die �berhaupt nicht zu seiner Unterlippe passte, so dass er aussah wie seine eigene Karikatur. Von irgendwoher kannte Lynley den Mann, auch wenn ihm jetzt sein Name nicht einfiel.</p><p>Hillier half ihm auf die Spr�nge.�Bernard Fairclough�, sagte er.�Baron von Ireleth. Bernard, das ist DI Lynley.�</p><p>Fairclough nickte. Er war viel kleiner als Lynley und Hillier, vielleicht eins f�nfundsechzig, und er trug einen ordentlichen Bauch vor sich her. Sein H�ndedruck war fest, und w�hrend des nun folgenden Gespr�chs legte alles, was er tat oder sagte, den Schluss nahe, dass er willensstark und selbstbewusst war.</p><p>�David hat mir von Ihnen erz�hlt�, sagte Fairclough.�Ich hoffe, wir k�nnen gut zusammenarbeiten. �Sein Akzent deutete darauf hin, dass er aus dem Norden stammte, und seine Art zu sprechen �berraschte Lynley. Sie lie� vermuten, dass er �ber seine Teenagerzeit hinaus keine weitere Schulausbildung genossen hatte. Lynley schaute kurz zu Hillier hin�ber. Es passte zu seinem Chef, mit jemandem zu verkehren, der einen Titel besa�. Andererseits passte es �berhaupt nicht zu ihm, mit jemandem zu verkehren, der diesen Titel nicht geerbt, sondern �ber die Honours List verliehen bekommen hatte.</p><p>�Lord Fairclough und ich wurden am selben Tag geadelt�, sagte Hillier, als m�sste er klarstellen, warum er mit dem Mann zu tun hatte.�Fairclough Industries�, f�gte er noch hinzu, als k�nne die Nennung der Quelle von Faircloughs Reichtum � so er denn �ber welchen verf�gte � alles erkl�ren.</p><p>�Ah�, sagte Lynley.</p><p>Fairclough l�chelte.�Der Fairloo�, sagte er zur Erkl�rung.</p><p>Jetzt begriff Lynley. Bernard Fairclough hatte sich urspr�nglich einen Namen gemacht mit der Erfindung einer au�ergew�hnlichen Toilette, die von Fairclough Industries produziert und vertrieben wurde. Aber seinen Platz am Himmel derer, die von der dankbaren Nation mit Titeln bedacht wurden, hatte er sich mit der Einrichtung einer gemeinn�tzigen Stiftung verdient, die sich die Erforschung von Bauchspeicheldr�senkrebs zum Ziel gesetzt hatte. Trotzdem wurde der Name Fairclough nach wie vor mit der Toilette assoziiert, was f�r gro�e Heiterkeit gesorgt hatte, als die Boulevardpresse �ber Faircloughs Adelung und Ernennung zum Baron berichtet hatte.</p><p>Mit einer Geste bot Hillier Lynley einen Stuhl an. Ohne zu fragen, schenkte er ihm eine Tasse Kaffee ein und schob sie samt Milchk�nnchen und Zuckerdose �ber den Tisch, w�hrend Lynley und Fairclough sich setzten.</p><p>�Bernard hat uns um einen Gefallen gebeten�, sagte Hillier.�Die Sache ist streng vertraulich.�</p><p>Daher also das Treffen im Twins Club, dachte Lynley. Und das erkl�rte auch, warum man ihn zu einer Tageszeit in den Club bestellt hatte, zu der die einzigen anwesenden Clubmitglieder entweder in der Bibliothek �ber ihren Zeitungen eingeschlafen waren oder im Fitnessraum im Kellergeschoss Squash spielten. Lynley nickte, sagte jedoch nichts. Er schaute Fairclough an, der ein wei�es Taschentuch aus der Tasche zog und sich damit die Stirn betupfte, die von einem zarten Schwei�film bedeckt war. Es war nicht besonders warm im Raum.</p><p>Er sagte:�Mein Neffe � Ian Cresswell, der Sohn meiner verstorbenen Schwester � ist vor zehn Tagen ertrunken. Am S�dende des Lake Windermere, kurz nach sieben Uhr abends. Seine Leiche wurde erst am n�chsten Morgen gefunden. Meine Frau hat sie entdeckt.�</p><p>�Das tut mir leid�, sagte Lynley. Es war nat�rlich eine automatische Reaktion auf eine solche Nachricht, und Fairclough schien sie zu �berh�ren.</p><p>�Valerie angelt gern�, fuhr er fort, eine Bemerkung, die �berfl�ssig erschien, bis er hinzuf�gte:�Mehrmals in der Woche f�hrt sie mit einem kleinen Ruderboot raus. Seltsames Hobby f�r eine Frau, aber nun ja. Das macht sie schon seit Jahren. Das Boot liegt zusammen mit mehreren anderen Booten in einem Bootshaus auf unserem Anwesen, und dort hat sie Ians Leiche gefunden. Er lag mit dem Gesicht nach unten im Wasser und hatte eine klaffende Wunde am Hinterkopf, die nat�rlich nicht mehr blutete.�</p><p>�Was ist Ihrer Meinung nach passiert?�</p><p>�Er ist ausgerutscht, als er aus seinem Skullboot gestiegen ist. So hielt er sich fit. Also mit Rudern, meine ich. Er ist ausgerutscht, mit dem Kopf auf dem Anleger aufgeschlagen � der ist gemauert � und ins Wasser gefallen.�</p><p>�Konnte er nicht schwimmen, oder war er bewusstlos?�</p><p>�Letzteres. Laut Autopsiebericht.�</p><p>�Aber Sie sehen das anders?�</p><p>Fairclough drehte sich um. Er schien ein Gem�lde �ber dem offenen Kamin zu betrachten � eine Zirkusszene, die an Hogarths Zyklus� Werdegang eines W�stlings �erinnerte und Figuren aus einer Monstrosit�tenschau zeigte. Was f�r die Theorie mit den siamesischen Zwillingen sprechen w�rde. Die w�ren nat�rlich im Zirkus aufgetreten. Fairclough betrachtete die Szene nachdenklich, dann sagte er schlie�lich:�Er ist gest�rzt, weil zwei Steine in dem Anleger locker waren.�</p><p>�Verstehe.�</p><p>Hillier mischte sich ein.�Bernard h�lt es f�r m�glich, dass die Steine sich nicht von allein gelockert haben, Tommy. Das Bootshaus steht schon seit �ber hundert Jahren da, und es h�lt noch weitere hundert. Und der Anleger ebenfalls.�</p><p>�Aber wenn der Gerichtsmediziner zu dem Schluss gekommen ist, dass es ein Unfall ��</p><p>�Ich zweifle ja nicht direkt an seinem Urteil�, sagte Fairclough hastig.�Aber ��Er schaute Hillier an, als hoffte er, der w�rde den Satz f�r ihn beenden.</p><p>Was Hillier tat.�Bernard will sich einfach vergewissern, dass es wirklich ein Unfall war, das w�rde jedem so gehen. Es gibt famili�re Anliegen.�</p><p>�Famili�re Anliegen welcher Art?�</p><p>Die beiden M�nner schwiegen. Lynley schaute erst Hillier, dann Fairclough an.�Ich kann Ihnen keine Gewissheit in einer Sache verschaffen, �ber die ich im Dunkeln gelassen werde, Lord Fairclough.�</p><p>�Bitte, nennen Sie mich Bernard�, sagte Fairclough, obwohl Hilliers warnender Blick an seine Adresse andeutete, dass derlei Vertraulichkeiten nur das �bliche zur Folge haben w�rden.�In der Familie nennen mich alle Bernie, aber Bernard ist in Ordnung. �Fairclough nahm seine Kaffeetasse. Hillier hatte ihm gerade nachgeschenkt, aber es schien, als brauchte Fairclough die Tasse eher zur Besch�ftigung seiner H�nde als zum Trinken. Er drehte sie hin und her, betrachtete sie eingehend und sagte dann:�Ich m�chte Gewissheit dar�ber haben, dass mein Sohn Nicholas nichts mit dem Tod meines Neffen zu tun hat.�</p><p>Lynley lie� die Information erst einmal sacken und fragte sich, was sie �ber den Vater, den Sohn und den Neffen aussagte. Er fragte:�Haben Sie Grund zu der Annahme, Ihr Sohn k�nnte etwas damit zu tun haben?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Also?�</p><p>Wieder der hilfesuchende Blick zu Hillier, der sofort reagierte:�Nicholas hatte eine � na ja, sagen wir, eine schwierige Kindheit und Jugend. Er scheint das alles �berwunden zu haben, aber Bernard f�rchtet dennoch, der Junge ��</p><p>�Er ist inzwischen erwachsen�, fiel Fairclough ihm ins Wort.�Er ist zweiunddrei�ig. Verheiratet. Wenn ich ihn sehe, habe ich den Eindruck, dass sich alles ge�ndert hat. <emphasis>Er</emphasis> scheint sich ge�ndert zu haben. Trotzdem: Er hat Drogen genommen, alle m�glichen Drogen, vor allem Methamphetamine, und zwar jahrelang, seit er ungef�hr dreizehn war. Er kann von Gl�ck reden, dass er �berhaupt noch lebt, und er schw�rt, dass ihm das klar ist. Aber das hat er jedes Mal gesagt.�</p><p>W�hrend Lynley sich das alles anh�rte, d�mmerte ihm allm�hlich, warum man ausgerechnet ihn um Hilfe bat. Er hatte mit Hillier nie �ber seinen Bruder gesprochen, doch Hillier hatte Spione in jeder Abteilung der Metropolitan Police, und warum sollte sich unter all den Informationen, die er sammelte, nicht ein Bericht �ber Peter Lynleys Kampf gegen die Drogensucht befunden haben?</p><p>�Dann hat er eine Argentinierin kennengelernt�, fuhr Bernard fort.�Eine echte Sch�nheit. Er hat sich unsterblich in sie verliebt, aber sie wollte nichts mit ihm zu tun haben, solange er an den Drogen hing. Also hat er eine Entziehungskur gemacht. Zumindest sieht es so aus.�</p><p>F�r Lynley erh�hte das die Wahrscheinlichkeit, dass Nicholas nichts mit dem Tod seines Vetters zu tun hatte, aber er wartete auf mehr Informationen, die Fairclough nur h�ppchenweise preisgab. Offenbar war der Tote bei den Faircloughs aufgewachsen. Er hatte die Rolle des gro�en Bruders innegehabt und war mit so gro�en Schritten vorangegangen, dass der j�ngere Nicholas keine Chance gehabt hatte, ihm zu folgen. Ian Cresswell hatte das Elite-Internat St. Bees in Cumbria besucht und danach die Universit�t. Nach Abschluss des Studiums war er nicht nur als Finanzchef bei Fairclough Industries eingestellt worden, sondern hatte auch die pers�nlichen Finanzgesch�fte von Bernard Fairclough verwaltet. Und dabei schien es um betr�chtliche Summen gegangen zu sein.</p><p>�Bisher ist noch keine Entscheidung dar�ber gef�llt worden, wer einmal die Leitung der Firma �bernimmt, wenn ich nicht mehr da bin�, sagte Fairclough.�Aber Ian stand nat�rlich ganz oben auf der Liste.�</p><p>�Wusste Nicholas davon?�</p><p>�Jeder wusste das.�</p><p>�Hei�t das, dass Nicholas von Ians Tod profitiert?�</p><p>�Wie gesagt, es war � und ist � noch keine Entscheidung getroffen worden.�</p><p>Wenn also jeder gewusst hatte, dass Ian die Firma �bernehmen sollte, dann hatte auch so gut wie jeder � ein Mordmotiv, dachte Lynley. Falls es Mord gewesen war. Aber wenn der Gerichtsmediziner einen Unfall als Todesursache festgestellt hatte, dann h�tte Fairclough eigentlich erleichtert sein m�ssen, was offenbar nicht der Fall war. Fairclough <emphasis>wollte</emphasis> also, dass sein Sohn am Tod seines Vetters schuld war. Es war pervers, doch in all den Jahren bei der Met hatte Lynley Perversion in allen m�glichen Schattierungen erlebt.</p><p>�Wer genau ist jeder?�, fragte Lynley.�Ich vermute, es gibt noch andere au�er Nicholas, die ein pers�nliches Interesse an Fairclough Industries haben.�</p><p>Mit seiner Vermutung lag er richtig: Es gab zwei �ltere Schwestern und einen ehemaligen Schwiegersohn, aber einzig wegen seines Sohnes war Fairclough beunruhigt. �ber die anderen brauche Lynley sich keine Gedanken zu machen, die seien alle keine M�rder. Zu einem Mord w�ren die nicht f�hig, Nicholas dagegen durchaus. Au�erdem, bei seiner Vergangenheit � Man wolle sich nur vergewissern, dass er mit der Sache nichts zu tun hatte. Man wolle lediglich Klarheit schaffen.</p><p>�Ich m�chte, dass Sie das �bernehmen�, sagte Hillier zu Lynley.�Dazu werden Sie sich nach Cumbria begeben m�ssen, und die ganze Sache muss mit �u�erster Diskretion behandelt werden.�</p><p>Polizeiliche Ermittlungen und �u�erste Diskretion, dachte Lynley. Er fragte sich, wie er das bewerkstelligen sollte.</p><p>Hillier kl�rte ihn auf.�Niemand wird erfahren, dass Sie nach Cumbria gefahren sind. Und die Polizei vor Ort wird nicht informiert. Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass sich die IPCC f�r die Angelegenheit interessiert. Wir wollen niemandem auf die F��e treten, aber auch nichts unversucht lassen. Sie wissen doch, wie man so was macht.�</p><p>Er wusste es nicht. Und es gab noch etwas, weswegen er Bedenken hatte.�Superintendent Ardery wird wissen wollen ��</p><p>�Superintendent Ardery k�nnen Sie getrost mir �berlassen. Und auch alle anderen.�</p><p>�Ich soll das also ganz allein durchziehen?�</p><p>�Niemand von Scotland Yard darf davon erfahren�, sagte Hillier.</p><p>Lynley verstand die Welt nicht mehr, denn falls sich herausstellen sollte, dass Nicholas ein M�rder war, sollte er anscheinend �berhaupt nichts unternehmen. Er sollte Nicholas seinem Vater �berlassen oder vielleicht auch dem lieben Gott. Mit dieser Art von Ermittlung wollte Lynley nichts zu tun haben. Aber es handelte sich nicht um einen Gefallen, um den Hillier ihn bat, sondern um eine dienstliche Anweisung.</p><subtitle>FLEET STREET � LONDON</subtitle><p>Rodney Aronson hatte sich mit fairen und unfairen Methoden bis zu seiner derzeitigen Position bei der <emphasis>Source</emphasis> hochgearbeitet, und eine der unfairen Methoden bestand im Heranz�chten einer beeindruckenden Schar von Spitzeln und Informanten. Er befand sich genau da, wo er hingewollt hatte, n�mlich in einem imposanten, wenn auch etwas chaotischen B�ro, von dem aus er uneingeschr�nkte Macht aus�ben konnte. Was jedoch nicht hie�, dass es nichts mehr gab, wor�ber er sich beklagen k�nnte. Er hasste Arroganz, er hasste Heuchelei, er hasste Dummheit. Und ganz besonders und vor allen Dingen hasste er Inkompetenz.</p><p>Um an einer Story dranzubleiben, brauchte man kein Genie zu sein. Auch nicht, um sie ein bisschen aufzupeppen. Um an einer Story dranzubleiben, brauchte man drei Dinge: einen guten Riecher, gute Schuhsohlen und Hartn�ckigkeit. Um eine Story aufzupeppen, musste man bereit sein, seinen Mitmenschen zuzusetzen, bis sie winselten, und sie notfalls zu zerquetschen. Und wenn Letzteres voraussetzte, dass der Reporter sich ein bisschen aufs Glatteis begab, wo war das Problem? Es ging um die Story, die dabei herauskam, und wenn die gro� und sensationell genug war, schnellten die Verkaufszahlen in die H�he. Hohe Verkaufszahlen bedeuteten hohe Werbeeinnahmen, die wiederum hohe Gewinne bedeuteten, was den scheintoten Peter Ogilvie, den Verleger der <emphasis>Source</emphasis>, in Verz�ckung versetzte. Und Ogilvie musste unter allen Umst�nden bei Laune gehalten werden. Wenn das einem Kollegen den Ruf oder den Kopf kostete, spielte das keine Rolle.</p><p>Zugegeben, bei der Geschichte �ber Nicholas Faircloughs wundersame Heilung von der Drogensucht waren einem die F��e eingeschlafen. Sie war so sterbenslangweilig, dass man sie anstelle von Bet�ubungsmitteln in OPs h�tte einsetzen k�nnen. Aber jetzt sah die Sache auf einmal ganz anders aus. Anscheinend w�rde Rodney die Kosten f�r Zed Benjamins erste Fahrt nach Cumbria gar nicht rechtfertigen m�ssen, egal wie viel Geld der da aus dem Fenster geworfen hatte.</p><p>Dieser Gedanke brachte ihn wiederum auf ein ganz anderes Thema: journalistische Dummheit. Rodney konnte nicht begreifen, wie dieser Idiot es zum <emphasis>zweiten</emphasis> Mal geschafft hatte, eine Geschichte zu �bersehen, die direkt vor seiner Nase lag. Nach f�nf weiteren Tagen in Cumbria hatte er nichts weiter zu bieten als zus�tzliche Ausschm�ckungen seines R�hrst�cks �ber Nicholas Fairclough � �ber seine Vergangenheit im Drogensumpf, seine wundersame Rettung und seine Zukunft als Heiliger. Abgesehen davon enthielt die Story �berhaupt nichts, was den typischen <emphasis>Source</emphasis>-Leser interessierte. Nichts und wieder nichts.</p><p>Benjamin hatte ihm zerknirscht erkl�rt, es gebe einfach nichts, was er seinem Text noch hinzuf�gen k�nne, und Rodney wusste, dass er diesen Hornochsen h�tte auf der Stelle rauswerfen sollen. Hochkant. Er wusste selbst nicht, warum er es nicht getan hatte, und anfangs hatte er schon bef�rchtet, er w�rde allm�hlich weichherzig. Doch dann hatte einer seiner Spione angerufen und ihm einen wahrhaft pikanten Tipp gegeben, und jetzt dachte Rodney, dass er Benjamin vielleicht gar nicht zu feuern brauchte.</p><p>Was der Spion ihm erz�hlt hatte, war eine Offenbarung gewesen, und da Rodney Aronson Offenbarungen beinahe genauso liebte wie alles, was Kakao enthielt, zitierte er den rothaarigen H�nen in sein Zimmer und genehmigte sich einen Kitkat-Riegel, den er mit einem Espresso aus seiner pers�nlichen Maschine hinuntersp�lte. Die Espressomaschine war ein Geschenk von Butterball Betsy, einer verheirateten Fau, die sehr fantasievoll war, wenn es darum ging, ihm eine Freude zu bereiten. Dass die meisten Freuden kulinarischer Natur waren, tat nichts zur Sache.</p><p>Rodney hatte den Kitkat-Riegel aufgegessen und war gerade dabei, sich eine zweite Tasse Espresso zu machen, als er h�rte, wie Zed ins Zimmer getrampelt kam. Nicht zu fassen, dass der Mann immer noch mit dieser M�tze rumlief, dachte Rodney und seufzte. Wahrscheinlich hatte dieser Trottel schon das zweite Mal mit seinem Kepi auf dem Kopf ganz Cumbria unsicher gemacht und jeden potentiellen Informanten abgeschreckt, dachte Rodney. Er sch�ttelte resigniert den Kopf. Mit welchem Bl�dsinn er sich als Chefredakteur der <emphasis>Source</emphasis> herumschlagen musste, das ging einfach auf keine Kuhhaut. Rodney beschloss, kein Wort mehr �ber die Kopfbedeckung zu verlieren. Er hatte Zed Benjamin einmal auf das Problem aufmerksam gemacht, und wenn der Typ nicht auf ihn h�ren wollte, dann sollte er doch mit seinen spinnerten Marotten untergehen. Entweder er lernte aus seinen Fehlern oder nicht, und Rodney konnte sich sowieso schon denken, was wahrscheinlicher war. Ende der Geschichte.</p><p>�Machen Sie die T�r zu�, sagte er zu Benjamin.�Setzen Sie sich. Einen Moment noch. �Er bewunderte den Schaum auf seinem Espresso und schaltete die Maschine aus. Dann ging er mit der Tasse an seinen Schreibtisch und setzte sich.�Der Tod ist sexy�, sagte er.�Ich hatte angenommen, dass Sie da selbst drauf kommen w�rden, aber anscheinend war das zu viel verlangt. So leid es mit tut, Zedekiah, aber offenbar sind Sie f�r diesen Job nicht geeignet.�</p><p>Zed schaute ihn an. Er betrachtete die Wand. Er blickte zu Boden. Schlie�lich sagte er:�Der Tod ist sexy. �Er sagte es so langsam, dass Rodney sich fragte, ob sein Verstand sich in einem �hnlichen Zustand befand wie seine Fu�bekleidung, denn der Mann trug nicht etwa anst�ndige Schuhe, sondern seltsame Sandalen mit Sohlen aus alten Autoreifen und dazu gestreifte, offenbar aus bunten Wollresten handgestrickte Socken.</p><p>�Ich habe Ihnen gesagt, die Story ist nicht sexy genug. Sie sind ein zweites Mal nach Cumbria gefahren, um daf�r zu sorgen, dass sie sexy wird. Dass Ihnen das nicht gelungen ist, kann ich mehr oder weniger verstehen. Aber ich kann nicht verstehen, wie Sie das Ereignis verpennen konnten, das Ihre Story h�tte retten k�nnen. Sie h�tten wie ein ge�lter Blitz zur�ckkommen und rufen m�ssen <emphasis>Heureka!</emphasis> oder <emphasis>Jupiduh!</emphasis> oder <emphasis>Jesus, Maria und Josef, ich bin gerettet!</emphasis> Na ja, Letzteres wohl eher nicht, aber die Sache ist die: Man hat Ihnen die Rettung Ihrer Geschichte auf einem silbernen Tablett serviert � und damit auch gleich die Rechtfertigung f�r die horrenden Spesen, die Sie gemacht haben �, und Sie kriegen noch nicht mal mit, wenn etwas passiert. Dass ich das alles selbst rausfinden musste, gibt mir schwer zu denken, Zed.�</p><p>�Sie wollte immer noch nicht mit mir reden, Rodney. Ich meine, sie hat geredet, aber sie hat mir nichts <emphasis>gesagt</emphasis>. Sie findet, sie ist nicht wichtig. Sie ist seine Frau. Sie haben sich kennengelernt, haben sich verliebt, haben geheiratet, sind nach England gekommen, und mehr gibt�s zu ihr nicht zu sagen. Mehr war einfach nicht ��</p><p>�Ich wei�, dass Sie nicht bl�d sind�, fiel Rodney ihm ins Wort,�aber allm�hlich habe ich den Eindruck, dass Sie taub sind. Der Tod ist sexy, habe ich gesagt. Das haben Sie doch geh�rt, oder?�</p><p>��h, ja, hab ich. Und sie ist sehr sexy. Die Ehefrau. Da m�sste man schon blind sein ��</p><p>�Vergessen Sie die Frau, verdammt. Die ist doch nicht tot, oder?�</p><p>�Tot? �h, nein. Ich meine, ich dachte, das w�re eine Metapher gewesen, Rodney.�</p><p>Rodney leerte seine Tasse, um dem jungen Mann nicht den Hals umzudrehen, was er am liebsten getan h�tte. Dann sagte er:�Glauben Sie mir, wenn ich anfange, in Schei�metaphern zu reden, dann werden Sie das merken. Ist Ihnen bekannt, dass der Vetter Ihres Helden das Zeitliche gesegnet hat? Und zwar erst k�rzlich? Dass er vor einem Bootshaus ins Wasser gefallen und ertrunken ist? Und dass das Bootshaus dem Vater Ihres Helden geh�rt?�</p><p>�Ertrunken? W�hrend ich da oben war? Unm�glich�, entgegnete Zed.�Sie m�gen mich ja f�r blind halten, Rodney ��</p><p>�Da will ich Ihnen nicht widersprechen.�</p><p>�� aber das w�re mir mit Sicherheit nicht entgangen. Wann ist er denn gestorben? Und von welchem Vetter ist hier die Rede?�</p><p>�Gibt es denn mehr als einen?�</p><p>Zed rutschte auf seinem Stuhl herum.�Na ja, nicht dass ich w�sste. Ian Cresswell ist ertrunken?�</p><p>�So ist es.�</p><p>�War es Mord?�</p><p>�Ein Unfall, laut Untersuchungsbericht. Aber darum geht es nicht, denn dieser Todesfall ist h�bsch verd�chtig, und der Verdacht ist unser t�glich Brot. Das war �brigens eine Metapher, falls Ihnen das entgangen sein sollte. Und wir m�ssen das Eisen schmieden, solange es hei� ist � noch eine Metapher, ich habe gerade einen H�henflug �, und sehen, was ans Licht kommt, wenn wir auf den Busch klopfen.�</p><p>�Das ist ein schiefes Bild�, murmelte Zed.</p><p>�Was?�</p><p>�Schon gut. Sie wollen also, dass ich das tue? Wenn ich Sie richtig verstanden habe, soll ich andeuten, dass Grund zu der Annahme besteht, dass da jemand nachgeholfen hat. Und dass es sich bei diesem Jemand um Nicholas Fairclough handelt. Ich sehe schon, wie das zusammenpasst: Der ehemalige Junkie wird r�ckf�llig und bringt aus irgendeinem r�tselhaften Grund seinen Vetter um die Ecke, und, man h�re und staune, liebe Leser, er kommt damit auch noch ungeschoren davon. �Zed schlug sich mit den H�nden auf die Schenkel, als wollte er aufstehen und Rodneys Befehl sofort ausf�hren. Doch stattdessen sagte er:�Die beiden sind aufgewachsen wie Br�der, Rodney. Das steht in meinem urspr�nglichen Artikel. Und sie haben sich nicht gehasst. Aber wenn Sie das w�nschen, kann ich es nat�rlich so darstellen wie eine Kain-und-Abel-Geschichte.�</p><p>�Reden Sie nicht in diesem Ton mit mir�, sagte Rodney.</p><p>�In welchem Ton?�</p><p>�Sie wissen verdammt genau, was ich meine. Ich sollte Ihnen eigentlich einen Arschtritt verpassen, aber ich werde Ihnen stattdessen einen Gefallen tun. Ich werde drei kleine Worte aussprechen, die Sie hoffentlich aufhorchen lassen. H�ren Sie zu, Zed? Ich m�chte nicht, dass Ihnen das entgeht. Jetzt geht�s los: New Scotland Yard.�</p><p>Das, so stellte Rodney voller Befriedigung fest, holte Zed Benjamin von seinem hohen Ross. Der Reporter runzelte die Stirn und �berlegte. Schlie�lich sagte er:�Was ist mit New Scotland Yard?�</p><p>�Die ermitteln.�</p><p>�Die ermitteln wegen eines Ertrunkenen?�</p><p>�Ich sage noch etwas viel Besseres. Die schicken einen da rauf, einen mit ganz leisen Sohlen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Und es ist keiner, der die Arbeit der �rtlichen Polizei unter die Lupe nehmen soll.�</p><p>�Es handelt sich also nicht um interne Ermittlungen? Was ist es dann?�</p><p>�Ein Sonderauftrag. Streng geheim und unter der Hand. Offenbar soll er sich da oben ein Bild machen, alles doppelt und dreifach �berpr�fen und anschlie�end Bericht erstatten.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Das ist die Story, Zed. Das ist es, was den Tod sexy macht. �Am liebsten h�tte Rodney hinzugef�gt, dass Zed das selbst h�tte herausfinden k�nnen, wenn er sich in die Sache reingeh�ngt h�tte. Jedenfalls h�tte er, Rodney Aronson, das getan, wenn sein Chef ihm eine Geschichte in der Luft zerrissen und sein Job auf dem Spiel gestanden h�tte.</p><p>�Ich soll also nichts erfinden, um die Story sexy zu machen�, sagte Zed, als m�sste das noch klargestellt werden.�Sie meinen also, es ist alles schon da.�</p><p>�Bei der <emphasis>Source</emphasis>�, psalmodierte Rodney,�brauchen wir nichts zu <emphasis>er</emphasis>finden. Wir brauchen die Informationen nur zu <emphasis>finden</emphasis>.�</p><p>�Darf ich fragen � woher Sie das alles wissen? Das mit Scotland Yard, meine ich. Woher wissen Sie, dass die ermitteln, wenn die Sache streng geheim ist?�</p><p>Dies war einer der Momente, in denen v�terliche �berlegenheit gefragt war, und Rodney liebte diese Momente. Er stand auf, ging um seinen Schreibtisch herum und platzierte eine ausladende Ges��h�lfte auf der Tischkante. Das war nicht unbedingt bequem, doch Rodney fand, dass diese Position ihn als alten Hasen ausweisen und das, was er Zed zu sagen hatte, unterstreichen w�rde.�Zedekiah, ich bin in diesem Gesch�ft, seit ich ein Teenager war. Ich habe da gesessen, wo Sie jetzt sitzen, und ich habe eins gelernt: Wir sind nichts ohne die Informanten, die wir pflegen, und ich habe sie von Edinburgh bis London gepflegt, an jedem Ort gepflegt, an den es mich je verschlagen hat. Vor allem in London, mein Freund. Ich habe Spione an Orten, die von manchen Menschen nicht einmal als Orte wahrgenommen werden. Ich tue ihnen allen immer wieder einen Gefallen, und sie zeigen sich erkenntlich, wann immer sie k�nnen.�</p><p>Benjamin wirkte angemessen beeindruckt. Ja, er war von Ehrfurcht ergriffen. Er sah sich einem erfahrenen Journalisten gegen�ber, dem er nicht das Wasser reichen konnte, und das schien er endlich begriffen zu haben.</p><p>Rodney war in seinem Element.�Nicholas Faircloughs Vater hat Beziehungen zur Met. Er ist derjenige, der um die Ermittlung gebeten hat. Kann ich davon ausgehen, dass Sie kapieren, was das bedeutet, Zed?�</p><p>�Er glaubt also nicht, dass Ian Cresswell durch einen Unfall ertrunken ist. Und wenn es kein Unfall war, dann haben wir eine Story. Wir haben so oder so eine Story, weil Scotland Yard da oben rumschn�ffelt, was die Vermutung nahelegt, dass es da oben nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Und Vermutungen sind das, was wir f�r eine Story brauchen.�</p><subtitle>CHALK FARM � LONDON</subtitle><p>Detective Sergeant Barbara Havers hatte ziemlich schlechte Laune, �ber deren Ursache sie lieber nicht nachdenken wollte. Eigentlich h�tte sie dankbar sein sollen, denn immerhin hatte sie ganz in der N�he von Eton Villas einen Parkplatz gefunden, aber irgendwie konnte sie sich gar nicht dar�ber freuen, dass sie nicht so einen weiten Fu�weg bis zu ihrer Haust�r zur�cklegen musste. Wie �blich stotterte der Mini noch ein paarmal, nachdem Barbara den Z�ndschl�ssel umgedreht hatte, was sie jedoch nicht einmal registrierte. Regentropfen begannen auf die Windschutzscheibe zu pladdern, doch auch davon nahm sie kaum Notiz. Sie konnte an nichts anderes denken als an das, was sie schon auf der ganzen Fahrt vom Yard bis hierher � bis auf eine kurze Ablenkung � besch�ftigt hatte. Zwar sagte ihr eine innere Stimme, dass sie sich ziemlich kindisch auff�hrte, aber die Stimme war leider nicht laut genug, um die Gedanken zu verscheuchen.</p><p>Niemand hatte es bemerkt, dachte Barbara, absolut niemand. Na ja, Detective Superintendent Ardery hatte es bemerkt, doch die z�hlte nicht, denn die hatte es schlie�lich angeordnet � auch wenn sie behauptete, es sei lediglich ein Vorschlag gewesen. Nach vier Monaten Dienst unter der neuen Chefin wusste Barbara allerdings, dass die alles registrierte. Schon allein aus Gewohnheit. Sie schien geradezu eine hohe Kunst daraus gemacht zu haben. Alle anderen jedoch waren, als Barbara von ihrem letzten Zahnarzttermin zur�ck in den Yard gekommen war, weiter ihrer Arbeit nachgegangen, ohne eine Bemerkung zu machen, ohne eine Braue zu heben oder sonst irgendwie zu reagieren.</p><p>Barbara redete sich ein, dass ihr das nichts ausmachte, und das stimmte sogar, denn eigentlich war es ihr bei den meisten Kollegen egal, ob sie sie beachteten. Von einem bestimmten Kollegen allerdings w�nschte sie durchaus beachtet zu werden, und der Frust dar�ber, dass er sie nicht beachtet hatte, machte ihr zu schaffen und wollte bes�nftigt werden, am besten mit etwas S��em. Ein Schoko-Croissant w�re nicht schlecht, aber die bekam man nur vormittags. F�r eine komplette Sachertorte dagegen war es nicht zu sp�t. Andererseits wusste Barbara, dass sie Wochen brauchen w�rde, um die Unmengen an Kalorien wieder abzubauen, und deswegen hatte sie auf dem Heimweg nicht an einer B�ckerei gehalten, sondern an einer Boutique auf der Camden High Street. Dort hatte sie sich ein Halstuch und eine Bluse gekauft und dar�ber jubiliert, dass das �berhaupt nicht dem entsprach, wie sie normalerweise auf Stress, Frust oder Angstzust�nde reagierte. Aber dieses Hochgef�hl hatte nur angehalten, bis sie ihren Mini geparkt hatte, denn da war ihr ihre letzte Begegnung mit Thomas Lynley wieder eingefallen.</p><p>Nachdem sie am Morgen ihre Aussagen vor Gericht gemacht hatten, war Lynley zur�ck in den Yard gefahren, und Barbara war zum Zahnarzt gegangen. Erst am sp�ten Nachmittag waren sie sich im Aufzug wieder begegnet. Barbara kam gerade aus der Tiefgarage, und Lynley stieg im Erdgeschoss zu. Sie sah ihm sofort an, dass er in Gedanken versunken war. Als sie am Vormittag vor dem Gerichtssaal Nr. 1 gewartet hatten, war er ebenfalls in sich gekehrt gewesen, aber sie hatte vermutet, dass das mit seiner bevorstehenden Aussage zu tun hatte � vor ein paar Monaten erst war er mit knapper Not in dem Tatfahrzeug dem Tod entronnen. Aber diesmal schien ihn etwas ganz anderes zu beunruhigen, und als er, kaum dass die Aufzugt�ren sich ge�ffnet hatten, im Zimmer von Superintendent Ardery verschwunden war, glaubte Barbara auch zu wissen, was es war.</p><p>Lynley glaubte, sie w�sste nicht, was zwischen ihm und Ardery ablief, und sie konnte sich denken, wie er zu dieser Annahme kam. Keiner im Yard ahnte, dass Lynley und Ardery es zwei-, manchmal dreimal pro Woche miteinander trieben, aber keiner im Yard kannte Lynley so gut wie Barbara. Eigentlich konnte sie sich sowieso nicht vorstellen, dass irgendjemand <emphasis>Lust</emphasis> haben k�nnte, mit Superintendent Ardery zu v�geln � das musste ja sein, als w�rde man mit einer Kobra ins Bett gehen. Andererseits versuchte sie seit vier Monaten sich einzureden, dass Lynley es zumindest verdient hatte, etwas Sch�nes zu erleben. Seine Frau war vor ihrer eigenen Haust�r von einem Zw�lfj�hrigen erschossen worden, danach war er f�nf Monate lang allein wie von Sinnen an der K�ste von Cornwall entlanggewandert und ziemlich neben der Spur gewesen, als er nach London zur�ckgekommen war � Wenn er das fragliche Vergn�gen brauchte, seine Chefin eine Zeitlang flachzulegen, bitte sehr. Sie konnten beide in gro�e Schwierigkeiten geraten, wenn irgendjemand Wind von der Aff�re bekam. Doch es w�rde ohnehin niemand davon erfahren, weil die beiden sehr diskret vorgingen und Barbara schweigen w�rde wie ein Grab. Zudem w�rde Lynley sich garantiert nicht auf Dauer an eine wie Isabelle Ardery binden. Der Mann konnte auf dreihundert Jahre Familiengeschichte zur�ckblicken, er kannte seine Pflichten, und die hatten nichts zu tun mit einer zeitweiligen Aff�re mit einer Frau, an der der Titel Countess of Asherton h�ngen w�rde wie ein M�hlstein. Von einem Mann wie ihm wurde erwartet, dass er standesgem��e Nachkommen produzierte, die den Familiennamen in die Zukunft trugen. Das wusste er, und er w�rde sich entsprechend verhalten.</p><p>Trotzdem konnte Barbara sich nicht so recht damit abfinden, dass die beiden ein Verh�ltnis hatten. Das Wissen darum stand jedes Mal unausgesprochen im Raum, wenn sie mit Lynley zu tun hatte. Sie fand das unertr�glich. Nicht die Aff�re selbst, sondern die Tatsache, dass er nicht mir ihr dar�ber redete. Nicht dass sie das von ihm erwartet h�tte. Nicht dass sie das wirklich wollte. Nicht dass sie gewusst h�tte, was sie sagen sollte, falls er tats�chlich eine Bemerkung dar�ber machte. Aber sie waren Partner, sie und Lynley, oder zumindest waren sie Partner gewesen, und Partner sollten doch � ja <emphasis>was</emphasis> eigentlich? fragte sie sich. Doch das war eine Frage, die sie sich lieber nicht beantwortete.</p><p>Sie �ffnete die Fahrert�r. Es regnete nicht so stark, dass es sich gelohnt h�tte, einen Schirm zu benutzen. Sie schlug ihren Kragen hoch, nahm die T�te mit ihren neuen Errungenschaften vom Beifahrersitz und eilte nach Hause.</p><p>Wie immer warf sie einen Blick zu den Fenstern der Parterrewohnung in dem edwardianischen Haus, hinter dem sie wohnte. Es wurde schon dunkel, und es brannte Licht. Sie sah ihre Nachbarin an der Terrassent�r vorbeigehen.</p><p>Also gut, dachte sie, sie war bereit, es sich einzugestehen. Sie wollte, dass jemand es bemerkte. Sie hatte stundenlang im Zahnarztstuhl ausgeharrt, und ihre einzige Belohnung war ein knappes Nicken von Isabelle Ardery gewesen, begleitet von der Bemerkung:�Als N�chstes k�mmern Sie sich um Ihre Frisur, Sergeant. �Anstatt also dem Weg hinters Haus zu folgen, wo unter einer riesigen Robinie der Bungalow stand, in dem sie wohnte, klopfte Barbara an die T�r der Erdgeschosswohnung. Die Anerkennung einer Neunj�hrigen war besser als nichts.</p><p>Hadiyyah �ffnete, obwohl ihre Mutter sie schalt:�Liebes, das sollst du doch nicht tun! Man kann nie wissen, wer drau�en steht!�</p><p>�Ich bin�s nur!�, rief Barbara.</p><p>�Barbara, Barbara!�, jauchzte Hadiyyah.�Mummy, es ist Barbara! Sollen wir ihr zeigen, was wir gemacht haben?�</p><p>�Nat�rlich, Liebes. Bitte sie herein.�</p><p>Es roch nach frischer Farbe in der Wohnung, und Barbara sah sofort, was Mutter und Tochter vollbracht hatten. Das Wohnzimmer war frisch gestrichen. Angelina Upman war dabei, der Wohnung ihren Stempel aufzudr�cken. Auf dem Sofa lagen neue Kissen, und es gab zwei Vasen mit frischen Schnittblumen: einen kurzen, k�nstlerisch arrangierten Strau� auf dem Sofatisch und einen gro�en bunten auf dem Kaminsims.</p><p>�Ist das nicht h�bsch?�Hadiyyah schaute ihre Mutter so bewundernd an, dass es Barbara die Kehle zuschn�rte.�Mummy kennt sich mit so was aus, und es ist gar nicht schwer, stimmt�s, Mummy?�</p><p>Angelina dr�ckte ihrer Tochter einen Kuss auf den Kopf, dann hob sie z�rtlich mit einem Finger ihr Kinn an und sagte:�Du, mein Schatz, bist meine gr��te Bewunderin, und daf�r danke ich dir. Aber ich m�chte eine objektivere Meinung h�ren. �Sie l�chelte Barbara an.�Was meinen Sie, Barbara? Ist unsere Arbeit von Erfolg gekr�nt?�</p><p>�Es soll eine �berraschung sein�, sagte Hadiyyah.�Dad wei� gar nichts davon.�</p><p>Sie hatten die ehemals schmutzig wei�en W�nde hellgr�n gestrichen. Es war eine Farbe, die sehr gut zu Angelina passte, was ihr nat�rlich bewusst war. Gute Wahl, dachte Barbara. Das fr�hlingshafte Gr�n lie� die Frau noch attraktiver wirken, als sie es ohnehin schon war: blond, blau�ugig, feenhaft.</p><p>�Sch�ne Farbe�, sagte Barbara zu Hadiyyah.�Hast du geholfen, sie auszusuchen?�</p><p>�Na ja ��Hadiyyah trat von einem Fu� auf den anderen. Sie schaute zu ihrer Mutter hoch und biss sich auf die Lippe.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, log Angelina.�Ich habe ihr die endg�ltige Entscheidung �berlassen. Sie w�rde eine gute Innenarchitektin abgeben, aber da wird ihr Vater noch ein W�rtchen mitzureden haben. Er m�chte, dass du mal etwas Naturwissenschaftliches studierst, meine Kleine.�</p><p>�B�h�, machte Hadiyyah.�<emphasis>Ich</emphasis> will T�nzerin werden, so, jetzt wisst ihr�s.�</p><p>Das war Barbara neu, doch es wunderte sie nicht. Sie wusste, dass Angelina angeblich versucht hatte, sich w�hrend der vierzehn Monate, die sie aus dem Leben ihrer Tochter verschwunden war, als Profit�nzerin zu etablieren. Dass sie nicht allein verschwunden war, hatte man Hadiyyah nicht erz�hlt.</p><p>Angelina lachte.�T�nzerin? Das bleibt aber am besten unter uns. �Zu Barbara sagte sie:�M�chten Sie eine Tasse Tee mit uns trinken, Barbara? Hadiyyah, setz schon mal Wasser auf. Nach der vielen Arbeit m�ssen wir uns ein bisschen ausruhen.�</p><p>�Danke, ich kann nicht bleiben�, sagte Barbara.�Ich bin nur kurz vorbeigekommen, um ��</p><p>Barbara wurde bewusst, dass die beiden es auch nicht bemerkt hatten. Endlose Stunden in dem verdammten Zahnarztstuhl und niemandem fiel etwas auf � und das bedeutete � Sie riss sich zusammen. Gott, was war blo� mit ihr los?</p><p>Ihr fiel die T�te ein, die sie in der Hand hielt.�Ich hab mir auf der High Street ein paar Sachen gekauft und wollte mal sehen, ob sie Hadiyyah gefallen, damit ich sie morgen anziehen kann.�</p><p>�Au ja!�, rief Hadiyyah.�Zeig mal her! Mummy, Barbara macht sich neuerdings richtig schick. Sie hat sich neue Sachen gekauft und alles. Zuerst wollte sie zu Marks &amp; Spencer gehen, aber das hab ich ihr ausgeredet. Na ja, einen Rock haben wir da gekauft, nicht wahr, Barbara. Das war dann auch alles, weil ich ihr n�mlich gesagt hab, dass da nur alte Frauen einkaufen ��</p><p>�Das stimmt nicht ganz, mein Schatz�, sagte Angelina.</p><p>�Also, <emphasis>du</emphasis> sagst doch immer ��</p><p>�Ich rede viel dummes Zeug, das du gar nicht beachten solltest. Zeigen Sie mal her, Barbara. Oder ziehen Sie die Sachen doch mal kurz �ber.�</p><p>�Ja, ja, zieh sie an!�, sagte Hadiyyah.�Du <emphasis>musst</emphasis> sie anziehen. Du kannst in mein Zimmer gehen ��</p><p>�Da herrscht das totale Chaos�, sagte Angelina.�Gehen Sie lieber in unser Schlafzimmer, Barbara. Ich mache inzwischen Tee.�</p><p>Und so fand Barbara sich in dem Zimmer wieder, das sie freiwillig nie aufgesucht h�tte: im Schlafzimmer von Angelina Upman und Hadiyyahs Vater Taymullah Azhar. Sie machte die T�r zu und atmete tief durch. Sie schloss die Augen. Sie w�rde das �berstehen. Sie brauchte nur die Bluse aus der T�te zu nehmen, die auszuziehen, die sie anhatte � Sie brauchte ihren Blick nur auf das zu richten, was sich direkt vor ihrer Nase befand.</p><p>Was ihr nat�rlich nicht gelang, auch wenn sie �ber die Gr�nde daf�r lieber nicht nachdachte. Und sie sah genau das, was zu erwarten war: Spuren von einem Mann und einer Frau, die ein Paar waren und ein gemeinsames Kind hatten. Nicht dass sie versuchten, ein weiteres zu zeugen, dagegen sprach der Streifen Antibabypillen, der auf Angelinas Nachttisch neben einem Radiowecker lag. Aber was die Anwesenheit der Pillen bedeutete, war klar.</p><p>Na und? fragte sich Barbara entnervt. Was zum Teufel hatte sie denn erwartet, und was ging sie das alles �berhaupt an? Taymullah Azhar und Angelina Upman schliefen miteinander. Oder besser, sie schliefen <emphasis>wieder</emphasis> miteinander, nachdem Angelina pl�tzlich in Azhars Leben zur�ckgekehrt war. Dass sie ihn wegen eines anderen verlassen hatte, war offenbar vergeben und vergessen. Und jetzt waren sie alle gl�cklich und zufrieden. Was sie eigentlich auch sein sollte, dachte Barbara.</p><p>Sie kn�pfte die Bluse zu und versuchte, ein paar Knitterfalten glattzustreichen. Dann nahm sie das Halstuch aus der T�te, das sie passend zu der Bluse gekauft hatte, und band es sich ungeschickt um den Hals. Sie trat vor den Spiegel an der Zimmert�r und betrachtete sich darin. Es sah gr�sslich aus. Sie h�tte sich doch f�r die Torte entscheiden sollen, dachte sie. Das w�re billiger und unendlich viel befriedigender gewesen.</p><p>�Bist du schon umgezogen, Barbara?�, fragte Hadiyyah durch die geschlossene T�r.�Mummy will wissen, ob du Hilfe brauchst.�</p><p>�Nein, nein, schon fertig�, rief Barbara.�Ich komme jetzt raus. Hast du deine Sonnenbrille auf? Mach dich darauf gefasst, dass du geblendet wirst.�</p><p>Schweigen empfing sie. Dann sagten Hadiyyah und ihre Mutter wie aus einem Mund:�Gute Wahl, Barbara!�(Angelina)�O nein! Du hast vergessen, was wir �ber die Gesichtsform und den Halsausschnitt gelernt haben!�(Hadiyyah). Im Ton schierer Verzweiflung f�gte Hadiyyah noch hinzu:�Die sollen sich entsprechen, Barbara, hast du das denn schon ganz vergessen?�</p><p>Wieder ein Fehlkauf, dachte Barbara. Es hatte durchaus seinen Grund, warum sie die letzten f�nfzehn Jahre nichts als bedruckte T-Shirts und Hosen mit Gummizug getragen hatte.</p><p>�Hadiyyah!�, ermahnte Angelina ihre Tochter.</p><p>�Aber sie sollte Sachen mit rundem Halsausschnitt tragen, und sie hat ��</p><p>�Liebes, sie hat nur das Halstuch nicht richtig gebunden. Man kann denselben Effekt erzielen, indem man das Halstuch rund bindet � Kommen Sie, Barbara, lassen Sie mich mal machen.�</p><p>�Aber die Farbe, Mummy ��</p><p>�� ist perfekt, und es freut mich, dass du das erkannt hast�, sagte Angelina bestimmt. Dann nahm sie Barbara das Halstuch ab und band es ihr mit ein paar unertr�glich geschickten Handbewegungen neu. Dabei kam sie Barbara so nah, dass sie ihren Duft wahrnahm: Er erinnerte sie an eine tropische Blume. Und sie hatte die makelloseste Haut, die Barbara je gesehen hatte.�So�, sagte Angelina.�Schauen Sie mal in den Spiegel, Barbara. Sagen Sie mir, was Sie davon halten. Es geht ganz einfach. Ich zeige es Ihnen.�</p><p>Barbara ging zur�ck ins Schlafzimmer, wo immer noch die Pillen lagen, doch diesmal weigerte sie sich hinzusehen. Sie h�tte Angelina gern verabscheut � eine Frau, die Mann und Tochter hatte sitzen lassen, um sich �ber ein Jahr lang mit einem anderen zu am�sieren, was ihr dann auch noch verziehen wurde �, aber es gelang ihr nicht. Wahrscheinlich erkl�rte das, wie und warum Azhar ihr verziehen hatte.</p><p>Sie betrachtete ihr Spiegelbild und musste zugeben: Die Frau wusste, wie man ein Halstuch band. Und jetzt, wo das Halstuch ordentlich sa�, erkannte sie, dass es gar nicht zu der Bluse passte. Verflixt und zugen�ht, dachte sie, wann w�rde sie das endlich lernen?</p><p>Sie wollte gerade das Schlafzimmer verlassen, als sie h�rte, wie die Wohnungst�r sich �ffnete und Taymullah Azhar hereinkam. Auf keinen Fall wollte sie von ihm in seinem Eheschlafzimmer erwischt werden. Hastig riss sie sich das Halstuch herunter, zog die Bluse aus, stopfte beides in die Plastikt�te und streifte den Pullover �ber, den sie zur Arbeit angehabt hatte.</p><p>Als sie ins Wohnzimmer trat, stand Azhar mit Hadiyyah an der Hand und Angelina im Arm da und bewunderte die frisch gestrichenen W�nde. Er drehte sich um, und an seinem verbl�fften Gesicht erkannte Barbara, dass weder Hadiyyah noch Angelina ihn �ber ihre Anwesenheit informiert hatten.</p><p>�Hallo Barbara!�, sagte er.�Und? Wie gef�llt Ihnen das Gemeinschaftswerk?�</p><p>�Ich werde die beiden anheuern, damit sie meine Bude streichen�, sagte sie.�Was die Farben angeht, hatte ich an Lila und Orange gedacht. Glaubst du, das passt zu mir, Hadiyyah?�</p><p>�Nein, nein, nein!�, rief Hadiyyah entsetzt.</p><p>Ihre Eltern lachten. Barbara l�chelte. Sind wir nicht eine gl�ckliche Familie? dachte sie. Zeit, von der B�hne abzutreten. Sie sagte:�Ich lasse Sie dann mal in Ruhe zu Abend essen. �Und zu Angelina:�Danke f�r die Hilfe mit dem Halstuch. Ein Riesenunterschied. Wenn Sie mir jeden Morgen beim Anziehen helfen w�rden, w�re ich alle Probleme los.�</p><p>�Jederzeit�, sagte Angelina.�Wirklich.�</p><p>Und das meinte sie tats�chlich ernst, verflucht noch mal, dachte Barbara. Diese Frau brachte sie um den Verstand. Wenn sie sich wie ein Mistst�ck verhalten w�rde, w�re alles viel einfacher.</p><p>Sie verabschiedete sich und ging. Sie wunderte sich, als Azhar ihr folgte, begriff jedoch, dass er sich drau�en nur eine Zigarette anstecken wollte.</p><p>Er sagte:�Gl�ckwunsch, Barbara.�</p><p>Sie blieb stehen, drehte sich um und fragte:�Wozu?�</p><p>�Zu Ihren Z�hnen. Wie ich sehe, haben Sie sie richten lassen, und das sieht hervorragend aus. Aber ich nehme an, das h�ren Sie schon den ganzen Tag.�</p><p>�Ach so. Ja. Danke. Befehl von meiner Chefin. Na ja, nicht direkt, aber sie hat�s mir dringend nahegelegt. Jetzt will sie, dass ich zum Fris�r gehe. Keine Ahnung, was danach kommt, wahrscheinlich irgendwas mit Fettabsaugen und Sch�nheitschirurgie. Wenn die mit mir fertig ist, werd ich mich vor M�nnern nicht mehr retten k�nnen.�</p><p>�Sie machen sich dar�ber lustig, das sollten Sie nicht tun�, sagte Azhar.�Bestimmt haben Angelina und Hadiyyah Ihnen schon gesagt ��</p><p>�Nein, haben sie nicht�, fiel Barbara ihm ins Wort.�Aber danke f�r das Kompliment, Azhar.�</p><p>Ironie des Schicksals, dachte sie: ein Kompliment ausgerechnet von dem Mann, von dem sie am allerwenigsten erwartet h�tte, dass er ihre Z�hne bemerkte, und von dem Mann, von dem sie sich eigentlich keine Aufmerksamkeit erhoffen sollte. Na ja, so oder so, es war nicht so wichtig.</p><p>Sie w�nschte Taymullah Azhar eine gute Nacht und machte sich mit diesem Selbstbetrug auf den Weg zu ihrem Bungalow.</p></section><section><title><p>30.�Oktober</p></title><subtitle>BELGRAVIA � LONDON</subtitle><p>Nach dem Motto Gefahr erkannt, Gefahr gebannt hatte Lynley die beiden Tage nach dem Gespr�ch mit Hillier und Fairclough mit Recherchen �ber den Mann, seine Familie und seine Lebensumst�nde zugebracht. Er hatte nicht die Absicht, blind in diese verdeckte Ermittlung zu stolpern, und es stellte sich heraus, dass es eine ganze Menge an Informationen �ber Fairclough gab. Er war nicht als Bernard Fairclough geboren, sondern als Bernie Dexter aus Barrow-in-Furness. Das Licht der Welt hatte er in einem zweist�ckigen Reihenhaus in der Blake Street erblickt. Das Domizil der Familie Dexter lag in der N�he der Eisenbahnlinie, in einer Armeleutegegend.</p><p>Wie Bernie Dexter sich in Bernard Fairclough, Baron von Ireleth, verwandelt hatte, war die Art Geschichte, die Sonntagszeitungen als Existenzberechtigung dienten. Im Alter von f�nfzehn Jahren hatte Bernie Dexter die Schule abgeschlossen und bei Fairclough Industries als Hilfsarbeiter angefangen, und zwar in der Packerei, wo er acht Stunden t�glich verchromte Armaturen in Kisten verpackt hatte. Es war ein Job, der jedem normalen Arbeiter alles an Hoffnung und Ehrgeiz ausgetrieben h�tte, aber Bernie Dexter aus der Blake Street war kein normaler Arbeiter. <emphasis>Er war schon immer dreist</emphasis>, so hatte seine Frau Valerie ihn in einem Interview charakterisiert, kurz nachdem er zum Ritter geschlagen worden war, und sie musste es wissen, denn sie war eine geborene Fairclough, die Urenkelin des Firmengr�nders. Sie hatte den F�nfzehnj�hrigen kennengelernt, als sie selbst achtzehn war und er eine Rolle im Krippenspiel der Firma �bernommen hatte. F�r sie war die Anwesenheit auf der Weihnachtsfeier eine Pflicht�bung, f�r ihn pures Vergn�gen. Forsch nahm er seinen Weihnachtsbonus entgegen und erkl�rte Valerie mit einem kecken Augenzwinkern, er werde sie heiraten.�Eine echte Sch�nheit�, sagte er.�Ich werde daf�r sorgen, dass du bis an dein Lebensende versorgt bist. �Letzteres verk�ndete er im Brustton der �berzeugung, als w�re Valerie Fairclough nicht schon durch ihre adelige Geburt lebenslang versorgt.</p><p>Und er hatte Wort gehalten, denn er hatte absolut keine Hemmungen, Valeries Vater direkt anzusprechen und ihm zu erkl�ren:�Wenn Sie mir eine Chance geben, kann ich Ihrer Firma zu viel gr��erem Erfolg verhelfen. �Und das hatte er getan. Nat�rlich nicht auf einen Schlag, sondern ganz allm�hlich, und mit der Zeit war es ihm ebenfalls gelungen, Valerie mit seiner beharrlichen Verehrung zu beeindrucken. Au�erdem hatte er die junge Frau geschw�ngert, als diese f�nfundzwanzig Jahre alt war, woraufhin die beiden durchgebrannt waren und heimlich geheiratet hatten. Wenig sp�ter hatte Bernie ihren Familiennamen angenommen, die Effizienz der Firma verbessert, ihre Produkte modernisiert, darunter � ausgerechnet � eine ganze Serie topmoderner Toiletten, die ihm ein eindrucksvolles Verm�gen eingebracht hatten.</p><p>Bernies Sohn Nicholas war von Anfang an der Schandfleck im ansonsten perfekten Leben des Bernie Dexter gewesen. Lynley fand stapelweise Informationen �ber den jungen Mann. Denn immer wenn Nicholas Fairclough wieder einmal auf Abwege geriet, dann tat er das vor den Augen der �ffentlichkeit. Trinkgelage, Schl�gereien, Einbr�che, Rowdytum auf Fu�ballpl�tzen, Trunkenheit am Steuer, Autodiebstahl, Brandstiftung, Exhibitionismus unter dem Einfluss von Drogen � Der Mann hatte eine Vergangenheit, die sich las wie die Geschichte vom verlorenen Sohn auf Anabolika. Er hatte seinen Verfall vor den Augen Gottes, der Allgemeinheit und vor allem der Presse in Cumbria zelebriert, und die Artikel, die die Lokalbl�ttchen �ber ihn gebracht hatten, hatten die Aufmerksamkeit der landesweit vertriebenen Boulevardbl�tter erregt, die st�ndig auf der Suche waren nach irgendeiner Sensation f�r ihre Aufmacher. Vor allem wenn die Sensation von einem Spross aus namhaftem Hause verursacht wurde.</p><p>Menschen, die ein Leben f�hrten wie Nicholas Fairclough, wurden f�r gew�hnlich in jungen Jahren vom Tod ereilt, er aber war von der Liebe errettet worden, die ihm in Gestalt einer jungen Argentinierin mit dem eindrucksvollen Namen Alatea Vasquez del Torres begegnet war. Nach einer erneuten Entziehungskur war Nicholas nach Park City in Utah gefahren, um sich wie �blich auf Kosten seines verzweifelten Vaters eine angemessene Reha zu g�nnen. Das ehemalige Bergarbeiterst�dtchen eignete sich hervorragend f�r einen Entspannungsurlaub, denn es lag in einem h�bschen Tal in den Wasatch Mountains und zog jedes Jahr von November bis April begeisterte Skil�ufer an sowie Scharen von jungen Frauen und M�nnern, die als Servicepersonal eingestellt wurden.</p><p>Alatea Vasquez del Torres geh�rte zu der letzteren Gruppe, und laut einem besonders rei�erischen Artikel haben sich die beiden zum ersten Mal an der Kasse eines Schnellrestaurants in die Augen geblickt. Es kam, wie es kommen musste. Es folgte ein st�rmisches Liebeswerben, die standesamtliche Trauung in Salt Lake City, ein letzter Absturz in den Drogensumpf � seltsame Art, eine Hochzeit zu feiern, dachte Lynley. Aber Nicholas erhob sich wie Phoenix aus der Asche und �berwand seine Sucht, als seine junge Frau ihn knapp zwei Monate nach der Hochzeit verlassen hatte.</p><p>�Ich w�rde alles f�r sie tun�, hatte Fairclough sp�ter erkl�rt.�Ich w�rde f�r sie sterben. Ihr zuliebe eine Entziehungskur zu machen, war ein Kinderspiel.�</p><p>Sie war zu ihm zur�ckgekehrt, er war clean geblieben, und alle waren gl�cklich. Das zumindest legten s�mtliche Berichte nahe, deren Lynley innerhalb der ersten vierundzwanzig Stunden seiner Nachforschungen �ber die Familie Fairclough habhaft werden konnte. Falls Nicholas also auf irgendeine Weise in den Tod seines Vetters verwickelt war, w�re das merkw�rdig. Denn es war kaum davon auszugehen, dass seine Frau einem M�rder treu zur Seite stehen w�rde.</p><p>Lynley suchte nach Informationen �ber die anderen Familienmitglieder, aber das wenige, das er fand, lie� sie im Vergleich zu Lord Faircloughs Sohn ziemlich langweilig erscheinen. Eine Schwester geschieden, eine andere eine alte Jungfer, ein Vetter � vermutlich der Tote � der H�ter des Verm�gens der Faircloughs, die Frau des Vetters Hausfrau, die beiden Kinder brav � Die Faircloughs waren extrem unterschiedlich, aber auf den ersten Blick wirkten sie alle unbescholten.</p><p>Am Ende des zweiten Tages seiner Nachforschungen stand Lynley am Fenster seiner Bibliothek in Eton Terrace und schaute auf die Stra�e hinaus. Hinter ihm brannte das Gasfeuer im Kamin. Ihm war nicht wohl bei der ganzen Sache, aber er wusste auch nicht, wie er etwas daran �ndern sollte. Seine Aufgabe als Polizist war es, Beweise f�r die Schuld eines Menschen zusammenzutragen, und nicht Beweise f�r jemandes Unschuld zu sammeln. Wenn der Gerichtsmediziner einen Unfall als Todesursache festgestellt hatte, dann bestand eigentlich kein Grund, die Sache weiterzuverfolgen. Denn Gerichtsmediziner wussten, was sie taten. Sie verf�gten �ber Beweise und Zeugenaussagen, auf die sie ihre Befunde st�tzten. Dass der Gerichtsmediziner Ian Cresswells Tod auf einen Unfall zur�ckgef�hrt hatte � bedauerlich und zur Unzeit wie alle Unf�lle �, h�tte allen zumindest ein gewisser Trost sein m�ssen.</p><p>Es war interessant, dachte Lynley, dass Bernard Fairclough sich nicht damit abfinden wollte. Dass Fairclough trotz allem immer noch seine Zweifel hatte, legte den Verdacht nahe, dass er mehr wusste, als er bei ihrem Gespr�ch im Twins Club zugegeben hatte. Was wiederum den Verdacht nahelegte, dass hinter Ian Cresswells Tod mehr steckte, als auf den ersten Blick erkennbar war.</p><p>Lynley fragte sich, ob Fairclough N�heres �ber die Ermittlungsergebnisse im Todesfall seines Neffen wusste. Und er fragte sich, ob Fairclough von sich aus mit einem Polizisten vor Ort geredet hatte.</p><p>Lynley wandte sich vom Fenster ab und betrachtete seinen Schreibtisch, auf dem neben seinem Laptop seine Notizen und alle m�glichen Computerausdrucke lagen. Vermutlich musste er andere Mittel und Wege finden, um an weitere Informationen �ber den Tod von Ian Cresswell zu gelangen. Gerade wollte er nach dem H�rer greifen, als das Telefon klingelte. Er �berlegte kurz, ob er den Anrufbeantworter anspringen lassen sollte � seit Monaten seine �bliche Reaktion, wenn das Telefon l�utete �, entschloss sich jedoch, das Gespr�ch anzunehmen.�Wo in aller Welt steckst du eigentlich, Tommie?�, fragte Isabelle.�Warum kommst du nicht zur Arbeit?�</p><p>Er hatte angenommen, Hillier w�rde sich um dieses Detail k�mmern. Da hatte er sich offenbar geirrt.</p><p>Er sagte:�Ich muss etwas erledigen, um das Hillier mich gebeten hat. Keine gro�e Sache. Ich dachte, er h�tte dir Bescheid gesagt.�</p><p>�Hillier? Was f�r eine Sache?�Isabelle klang �berrascht. Er und Hillier verkehrten nicht gerade auf freundschaftlicher Ebene, und wenn es hart auf hart kam, war Lynley sicherlich der Letzte, an den Hillier sich um Hilfe wenden w�rde.</p><p>�Es ist vertraulich�, sagte er zu ihr.�Ich darf nicht dar�ber ��</p><p>�Was geht da vor?�</p><p>Er antwortete nicht gleich. Er �berlegte, wie er ihr erkl�ren konnte, was er tat, ohne ihr genau zu sagen, was er tat, aber offenbar hielt sie sein Z�gern f�r ein Ausweichman�ver, denn sie sagte schnippisch:�Ah, verstehe. Hat es mit dem zu tun, was neulich vorgefallen ist?�</p><p>�Womit?�</p><p>�Ich bitte dich. Stell dich nicht dumm. Du wei�t genau, wovon ich rede. Das mit Bob. Vor meiner Wohnung. Dass wir uns seitdem nicht mehr gesehen haben ��</p><p>�Gott, nein. Es hat �berhaupt nichts damit zu tun�, fiel er ihr ins Wort, obwohl er sich insgeheim eingestehen musste, dass er sich da gar nicht so sicher war.</p><p>�Wenn nicht, warum gehst du mir dann aus dem Weg?�</p><p>�Ich gehe dir nicht aus dem Weg.�</p><p>Schweigen. Er fragte sich, wo sie war. Um die Uhrzeit m�sste sie eigentlich noch im Yard sein, vermutlich in ihrem B�ro. Er stellte sich vor, wie sie an ihrem Schreibtisch sa�, den Kopf beim Telefonieren leicht gesenkt, ihr blondes Haar hinter ein Ohr geschoben, so dass ein unscheinbarer, aber modischer Ohrring zu sehen war. Vielleicht hatte sie einen Schuh abgestreift und beugte sich vor, um sich die Wade zu kratzen, w�hrend sie �berlegte, was sie als N�chstes sagen sollte.</p><p>Was sie sagte, �berraschte ihn.�Tommy, ich habe es Bob gestern gesagt. Nicht, mit wem genau ich ein Verh�ltnis habe, denn er w�rde es, wie gesagt, irgendwann gegen mich verwenden, wenn er den Eindruck h�tte, dass ich mein Leben nicht in den Griff bekomme. Aber ich habe ihm gesagt, <emphasis>dass</emphasis> ich einen Geliebten habe.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Und ich habe ihm erz�hlt, dass du gekommen bist, als er mit Sandra da war. Dass ich dich weggeschickt habe, weil ich dachte, die Jungs w�ren noch nicht so weit � schlie�lich waren sie zum ersten Mal bei mir in London zu Besuch, und sie m�ssen sich ja erst mal daran gew�hnen, dass ich in London wohne. Sie m�ssen sich an die Wohnung gew�hnen und alles, was dazu geh�rt. Wenn dann auch noch ein Mann da gewesen w�re � Ich habe ihm gesagt, dass ich das f�r verfr�ht hielte und dich gebeten habe zu gehen. Aber er sollte wissen, dass es dich gibt.�</p><p>�Ach Isabelle. �Lynley wusste, wie viel �berwindung sie das gekostet hatte: ihrem Exmann, der so viel Macht �ber ihr Leben hatte, von ihm zu erz�hlen, und jetzt <emphasis>ihm</emphasis> davon zu berichten. Er wusste nur zu gut, was f�r eine stolze Frau sie war.</p><p>�Du fehlst mir, Tommy. Ich m�chte, dass zwischen uns wieder alles gut wird.�</p><p>�Es ist alles gut zwischen uns.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Wirklich.�</p><p>Wieder Schweigen. Vielleicht war sie ja zu Hause, dachte er, sa� auf der Bettkante in ihrem winzigen Schlafzimmer mit nur einem einzigen Fenster, das sich nicht �ffnen lie�, und dem viel zu schmalen Bett, in dem sie unm�glich eine ganze Nacht lang gemeinsam schlafen konnten. Was vielleicht sogar Absicht war, �berlegte er.</p><p>�Das Leben ist einfach kompliziert�, sagte er.�Aber das ist es immer, nicht wahr?�</p><p>�Ab einem gewissen Alter ja. Jeder schleppt so viel Gep�ck mit sich rum. �Sie holte tief Luft.�Ich m�chte dich heute Abend sehen, Tommy. Kommst du zu mir?�Dann f�gte sie zu seinem gro�en Erstaunen hinzu:�Hast du Zeit?�</p><p>Er h�tte ihr gern gesagt, dass es keine Frage der Zeit war. Dass es damit zu tun hatte, wie er sich f�hlte. Aber auch das war kompliziert. Also sagte er:�Das wei� ich jetzt noch nicht.�</p><p>�Wegen dieser Sache, um die Hillier dich gebeten hat. Ich hoffe, dir ist aufgefallen, dass ich nicht darauf bestehe zu erfahren, was da los ist. Und das werde ich auch nicht tun. Das verspreche ich dir. Auch hinterher nicht, und du wei�t ja, was das bedeutet, denn ich kenne dich und wei�, wie du hinterher bist. Manchmal denke ich, hinterher k�nnte ich alles aus dir rauskriegen.�</p><p>�Und warum tust du es nicht?�</p><p>�Na ja, das w�re irgendwie unfair, meinst du nicht? Au�erdem bilde ich mir ein, dass ich nicht so bin. Ich trickse nicht. Jedenfalls nicht viel.�</p><p>�Trickst du jetzt?�</p><p>�Nur, um dich rumzukriegen, aber wenn ich�s zugebe, ist es kein Tricksen mehr, oder?�</p><p>Er musste l�cheln. Er sp�rte, wie ihm das Herz aufging, und das lag daran, dass er sie begehrte, obwohl ihre Aff�re zu einem unm�glichen Zeitpunkt angefangen hatte, obwohl sie �berhaupt nicht zusammenpassten und das auch nie tun w�rden. Er begehrte sie. Immer noch und trotz allem.</p><p>�Es kann aber ziemlich sp�t werden�, sagte er.</p><p>�Das ist egal. Kommst du heute Abend, Tommy?�</p><p>�Ja.�</p><subtitle>CHELSEA � LONDON</subtitle><p>Aber zuerst musste er ein paar Dinge regeln. Das h�tte er telefonisch erledigen k�nnen, doch er zog es vor, pers�nlich mit seinen Freunden zu reden, um einsch�tzen zu k�nnen, ob es ihnen widerstrebte, ihm den Gefallen zu tun, um den er sie bitten wollte. Denn sagen w�rden sie es ihm nie.</p><p>Die Tatsache, dass es sich nicht um eine offizielle polizeiliche Ermittlung handelte, behinderte ihn betr�chtlich. Er musste ziemlich viel tricksen, um die Sache geheim zu halten.</p><p>Nat�rlich h�tte er darauf bestehen k�nnen, dass Hillier ihm einen Kollegen zur Seite stellte, aber die einzigen Kollegen, mit denen er bereit war zusammenzuarbeiten, waren f�r eine heimliche Schn�ffeltour in Cumbria kaum zu gebrauchen. Mit seinen eins neunzig und einer Hautfarbe wie extrem starker Tee w�rde DS Winston Nkata im Lake District auffallen wie ein bunter Hund. Und DS Barbara Havers, die trotz ihrer nervt�tenden Angewohnheiten unter normalen Umst�nden seine erste Wahl w�re � Die Vorstellung, Barbara w�rde streitlustig und kettenrauchend durch Cumbria trampeln und sich als Naturliebhaberin auf Wanderurlaub ausgeben, war einfach lachhaft. Sie war eine hervorragende Polizistin, aber Fingerspitzengef�hl war nicht gerade ihre St�rke. W�re Helen noch am Leben, w�re sie genau die Richtige f�r diese Aufgabe gewesen. Und es h�tte ihr gro�en Spa� gemacht. <emphasis>Tommy, Liebling, wir werden inkognito reisen! Wie aufregend! Von so etwas hab ich schon als Kind getr�umt!</emphasis> Doch Helen war nicht mehr am Leben. Der Gedanke an Helen lie� ihn fluchtartig das Haus verlassen.</p><p>Er fuhr �ber die King�s Road nach Chelsea. Es war die direkte Strecke zur Cheyne Row, wenn auch nicht die schnellste, da die enge Stra�e durch das beliebte Einkaufsviertel f�hrte, wo sich Boutiquen, Schuhgesch�fte, Antiquit�tenl�den, Pubs und Restaurants aneinanderreihten. Wie immer wimmelte es von Menschen, und ihr Anblick, vor allem ihre Jugend, machte ihn wehm�tig, obwohl er gar nicht so recht wusste, warum. Und er hatte auch keine Lust, dar�ber nachzudenken.</p><p>Er parkte in der Lawrence Street in der N�he des Lordship Place. Dann ging er den Weg zur�ck, den er gekommen war, aber nicht ganz bis zur Cheyne Row, sondern zum Garteneingang des gro�en Backsteinhauses, das an der Stra�enecke stand.</p><p>Der Garten leuchtete in allen Herbstfarben und machte sich bereit f�r den Winter. Der Rasen war �bers�t mit Laub, das zusammengeharkt werden musste, und die Blumen in den Beeten am Rand waren l�ngst verbl�ht, ihre St�ngel beugten sich unter der Last der verwelkten Bl�ten. Die Gartenm�bel aus Korbgeflecht waren mit Schutzh�llen bedeckt. Moos wuchs zwischen den Backsteinen, mit denen der Gartenweg gepflastert war. Lynley folgte dem Weg bis zu den Stufen, die in die K�che im Souterrain f�hrten, wo schon Licht brannte. Durch die beschlagene Fensterscheibe sah er drinnen jemanden hin und her gehen.</p><p>Er klopfte zweimal kr�ftig, und als der Hund bellte, �ffnete er die T�r und sagte:�Ich bin�s, Joseph. Ich bin durch den Garten gekommen.�</p><p>�Tommy?�Das war nicht die Stimme, die Lynley erwartet hatte, sondern die von Josephs Tochter.�Bist du unter die Klinkenputzer gegangen?�</p><p>Sie folgte dem Hund, einem Langhaardackel mit dem unpassenden Namen Peach, zur T�r. Peach bellte und sprang aufgeregt an Lynley hoch. Das Tier war so unerzogen wie immer, der lebende Beweis f�r das, was Deborah St. James oft genug behauptet hatte: dass sie einen Hund brauchte, den sie auf den Arm nehmen konnte, weil sie unf�hig sei, irgendeinem Wesen irgendetwas beizubringen.</p><p>�Hallo�, sagte Deborah zu Lynley.�Was f�r eine angenehme �berraschung!�Sie schob Peach aus dem Weg, umarmte Lynley und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.�Du bleibst zum Essen�, verk�ndete sie.�Aus allen m�glichen Gr�nden, aber vor allem, weil ich heute koche.�</p><p>�Gro�er Gott. Wo ist denn dein Vater?�</p><p>�In Southampton. Der Jahrestag. Diesmal wollte er nicht, dass ich mitfahre. Ich nehme an, weil es der zwanzigste ist.�</p><p>�Ah. �Er wusste, dass Deborah nicht mehr zu dem Thema sagen w�rde. Nicht, weil es sie traurig machte, �ber den Tod ihrer Mutter zu sprechen, die gestorben war, als Deborah sieben Jahre alt war, sondern seinetwegen, um bei ihm keine schmerzvollen Erinnerungen zu wecken.</p><p>�Morgen kommt er wieder zur�ck�, sagte Deborah.�Aber bis dahin ist der arme Simon leider meinen Kochk�nsten ausgeliefert. Bist du hergekommen, um mit ihm zu reden? Er ist oben.�</p><p>�Ich m�chte mit euch beiden reden. Was kochst du denn?�</p><p>�Shepherd�s Pie. Aus einer Fertigpackung. Das krieg ich so gerade hin. Au�erdem, Kartoffeln sind Kartoffeln, oder? Dazu gibt�s Brokkoli nach Mittelmeerart mit Oliven�l und Knoblauch. Und vorher einen Salat, auch mit Oliven�l und Knoblauch. Bleibst du zum Essen? Du musst! Wenn�s ungenie�bar ist, kannst du ja flunkern und behaupten, es schmeckt wie Ambrosia. Ich merke es dir sowieso an, wenn du l�gst. Aber das darfst du ruhig, denn wenn du das Essen lobst, muss Simon es auch tun. Ach ja, und Nachtisch gibt�s auch.�</p><p>�Dann wird der den Ausschlag geben.�</p><p>�Ah. Siehst du, schon hab ich dich bei einer L�ge ertappt! Aber ich spiele mit. Es ist eine franz�sische Tarte. Genauer gesagt, eine Apfel-Birnen-Tarte.�</p><p>�Wie kann ich da widerstehen?�Lynley schaute zur Treppe, die nach oben f�hrte.�Ist er �?�</p><p>�In seinem Arbeitszimmer. Geh nur rauf. Ich schaue noch mal kurz in den Ofen, dann komme ich nach.�</p><p>Im Erdgeschoss ging er den Flur hinunter. Er h�rte Simon St. James� Stimme aus dem Arbeitszimmer im vorderen Teil des Hauses. An drei W�nden des Zimmers standen �berquellende B�cherregale, die bis zur Decke reichten, an der vierten hingen Deborahs Fotos. Als Lynley eintrat, sa� sein Freund am Schreibtisch, und die Art, wie er den Kopf gesenkt hielt und sich beim Telefonieren mit der Hand durchs Haar fuhr, sagte Lynley, dass Simon sich mit irgendeinem Problem herumschlug.</p><p>�Ja, das dachte ich auch, David�, sagte St. James gerade.�Und ich glaube es immer noch. Soweit ich das beurteilen kann, ist es die L�sung, die wir suchen � Ja, ja. Das verstehe ich voll und ganz � Ich werde noch mal mit ihr reden � Wie lange genau? � Wann k�nnten wir sie treffen? � Ja, verstehe. �Er blickte auf, sah Lynley und nickte zum Gru�.�Also gut. Gr�� Mutter und die deinen�, sagte er, dann legte er auf. Er hatte also mit seinem �ltesten Bruder David gesprochen, dachte Lynley.</p><p>St. James erhob sich m�hsam, schob sich vom Schreibtisch weg, um sich darauf abst�tzen zu k�nnen, behindert durch die Beinschiene, die er seit Jahren tragen musste. Er begr��te Lynley und trat an den Getr�nkewagen vor dem Fenster.�Ich brauche einen Whiskey�, sagte er zu Lynley.�Doppelt und pur. Du auch?�</p><p>�Gern�, sagte Lynley.��rger?�</p><p>�Mein Bruder David hat in Southampton eine junge Frau kennengelernt, die ihr Kind zur Adoption freigeben will. Ein Notar regelt die ganze Sache.�</p><p>�Das sind ja gro�artige Neuigkeiten, Simon�, sagte Lynley.�Was f�r ein Gl�ck, nach all den Jahren.�</p><p>�Unter normalen Umst�nden, ja. Es ist ein Geschenk, mit dem wir nicht gerechnet haben. �Er �ffnete eine Flasche Lagavulin und schenkte ihnen beiden ein. Lynley hob die Brauen, als St. James ihm ein Glas reichte.�Den haben wir uns verdient�, sagte St. James.�Ich zumindest, und ich nehme an, du ebenfalls. �Er zeigte auf die Ledersessel vor dem offenen Kamin. Sie waren alt und rissig, genau richtig, um hineinzusinken und sich zu betrinken.</p><p>�Und wie sind die Umst�nde?�, fragte Lynley.</p><p>St. James schaute zur T�r, um anzudeuten, dass das Gespr�ch ohne Deborahs Wissen stattfand.�Die Mutter will eine offene Adoption. Und zwar soll nicht nur sie selbst am Leben des Kindes teilnehmen, sondern auch der Vater. Sie ist sechzehn, er ist f�nfzehn.�</p><p>�Ah. Verstehe.�</p><p>�Deborah hat sofort gesagt, sie will kein Kind, das sie mit anderen teilen muss.�</p><p>�Klingt doch irgendwie vern�nftig, oder?�</p><p>�Und vor allem�, fuhr St. James fort,�will sie ihr Kind nicht mit zwei Teenagern teilen. Sie sagt, das w�re, als w�rden wir nicht ein Kind adoptieren, sondern gleich drei. Au�erdem ist da ja noch die Verwandtschaft auf beiden Seiten, die will auch ber�cksichtigt sein.�</p><p>�Also, eigentlich�, sagte Lynley,�kann ich ihre Argumente gut verstehen.�</p><p>�Ich auch. Die Situation ist alles andere als ideal. Andererseits scheint es � Na ja, sie hat die Ergebnisse der letzten Tests, und es steht endg�ltig fest, Tommy. Sie wird kein Kind austragen k�nnen.�</p><p>Das wusste Lynley. Er wusste es seit �ber einem Jahr, und anscheinend hatte Deborah ihrem Mann endlich die Wahrheit gesagt, die sie ein ganzes Jahr lang mit sich herumgetragen hatte. <emphasis>Balancierte Translokation</emphasis> nannte sich das. Eine Anomalie der Chromosomen. Wenn die beiden also Kinder wollten, blieb ihnen nichts anderes �brig, als sich nach Alternativen umzusehen.</p><p>Lynley sagte nichts. Die beiden M�nner sinnierten �ber ihrem Whisky. Das Scharren von Hundef��en auf Holz k�ndigte an, dass Peach im Anmarsch war, zweifellos in Begleitung ihres Frauchens.�Deborah hat mich eingeladen, zum Abendessen zu bleiben�, sagte Lynley leise,�aber ich kann mir eine Ausrede einfallen lassen, wenn es heute ung�nstig ist.�</p><p>�Gott, nein�, erwiderte St. James.�Mir w�re es lieber, du bleibst. Du kennst mich ja. Mir ist alles recht, um ein schwieriges Gespr�ch mit der Frau, die ich liebe, zu vermeiden.�</p><p>�Ich habe uns ein bisschen was zum Knabbern mitgebracht�, verk�ndete Deborah, als sie das Zimmer betrat.�K�sestangen. Peach hat sich schon eine einverleibt, sie scheinen also sehr lecker zu sein, zumindest f�r Hundegaumen. Bleib sitzen, Simon, ich hole mir selbst einen Sherry. �Sie stellte den Teller mit den K�sestangen auf die Ottomane, die zwischen den beiden Sesseln stand, scheuchte den Dackel davon weg und ging zum Getr�nkewagen.�Tommy sagt, er m�chte mit uns beiden reden. Ich sch�tze, es handelt sich entweder um was Gesch�ftliches oder um eine Ank�ndigung oder um beides. Und falls es etwas mit dem Healey Elliott zu tun hat, schlage ich vor, dass wir ihm den Wagen auf der Stelle abkaufen.�</p><p>�Das kannst du getrost vergessen�, sagte Lynley.�Mit dem Wagen wird man mich beerdigen m�ssen.�</p><p>�Verdammt. �St. James grinste.</p><p>�Ich hab�s immerhin versucht�, sagte seine Frau. Sie setzte sich neben St. James auf die Sessellehne und sagte zu Lynley:�Also, worum geht�s, Tommy?�</p><p>Er �berlegte, wie er das Thema angehen sollte. Schlie�lich sagte er:�Ich wollte euch fragen, ob ihr Lust auf einen Herbstausflug in den Lake District h�ttet.�</p><subtitle>CHELSEA � LONDON</subtitle><p>Sie b�rstete sich immer das Haar, ehe sie ins Bett kam. Manchmal tat er das f�r sie, und manchmal sah er ihr dabei zu. Ihr Haar war lang und kr�ftig und kraus und leuchtend rot und �beraus widerspenstig, und genau darum liebte er es. Er lag im Bett und schaute ihr zu. Sie stand vor ihrer Kommode, und im Spiegel sah sie, dass er sie beobachtete.</p><p>�Bist du sicher, dass du es dir leisten kannst, dir ein paar Tage freizunehmen?�, fragte sie.</p><p>�Es ist ja nur f�r ein paar Tage. Die Frage ist, willst du es denn �berhaupt?�</p><p>�Du meinst, ich bin keine gute Schauspielerin?�Sie legte ihre B�rste ab und kam zum Bett. Sie trug ein d�nnes Baumwollnachthemd, das sie wie �blich auszog, ehe sie zu ihm unter die Decke kroch. Es gefiel ihm, dass sie nackt schlief. Es gefiel ihm, sie neben sich zu sp�ren, warm und weich, wenn er sich im Schlaf umdrehte.�Helen w�re begeistert gewesen von so einer Aktion�, sagte sie.�Dass Tommy nicht daran gedacht hat ��</p><p>�Vielleicht hat er das ja.�</p><p>�Hmm. Ja. Auf jeden Fall will ich Tommy helfen, soweit ich kann. Als Aufh�nger k�nnte ich bei Nicholas Fairclough doch etwas in der Art anbringen: �Nachdem ich in diesem Zeitschriftenartikel �ber den Formschnittgarten Ihrer Eltern von Ihnen und Ihrem Projekt erfahren habe �� Und so weiter und so fort. Das k�nnte zumindest jemanden interessieren, der einen Dokumentarfilm drehen will. Wenn das nicht w�re, w�sste ich �berhaupt nicht, wo und wie ich anfangen sollte. Und wie sieht�s bei dir aus?�</p><p>�Die Ergebnisse der Obduktion d�rften kein Problem darstellen. Die forensischen Daten auch nicht. Was den Rest angeht, bin ich mir nicht so sicher. Die Situation ist ziemlich merkw�rdig, egal, wie man das Ganze wendet. �Apropos merkw�rdige Situationen, dachte er. Da gab es noch etwas. Er sagte:�David hat angerufen. Ich unterhielt mich gerade mit ihm, als Tommy kam.�</p><p>St. James konnte regelrecht sp�ren, wie sie sich ver�nderte. Sie holte tief Luft und hielt dann eine ganze Weile den Atem an. Er sagte:�Die junge Frau w�rde sich gern mit uns treffen, Deborah. Ihre Eltern und der junge Mann w�rden auch dabei sein. Sie m�chte es so, und der Anwalt sagt ��</p><p>�Ich kann das nicht�, sagte Deborah.�Ich habe dar�ber nachgedacht, Simon. Ich hab es aus jedem denkbaren Blickwinkel betrachtet. Ehrlich. Das musst du mir glauben. Aber egal, wie ich es drehe und wende, ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass die Nachteile die Vorteile �berwiegen.�</p><p>�Es ist ungew�hnlich, doch andere Leute kommen damit auch zurecht.�</p><p>�Das mag ja sein, aber ich bin nicht andere Leute. Wir m�ssten ein Kind mit seiner leiblichen Mutter, seinem leiblichen Vater, den leiblichen Gro�eltern und Gott wei� wem sonst noch alles teilen, und ich <emphasis>wei�</emphasis>, dass das alles fortschrittlich und modern ist, doch ich m�chte es nicht. Ich kann mich einfach nicht dazu �berwinden, so etwas f�r mich zu akzeptieren.�</p><p>�Wom�glich verlieren die leiblichen Eltern mit der Zeit das Interesse an dem Kind�, wandte St. James ein.�Sie sind immerhin noch sehr jung.�</p><p>Deborah, die neben ihm im Bett sa�, schaute ihn fassungslos an.�Sie k�nnten das <emphasis>Interesse</emphasis> verlieren? Wir reden hier von einem Kind, nicht von einem Welpen. Sie werden das Interesse nicht verlieren. K�nntest du dir das f�r dich vorstellen?�</p><p>�Nein, aber ich bin auch kein F�nfzehnj�hriger. Au�erdem w�rde es Absprachen geben. Die w�rde der Anwalt ausarbeiten.�</p><p>�Nein�, sagte sie.�Bitte frag mich nicht wieder. Ich kann das nicht.�</p><p>Er schwieg. Sie hatte sich abgewandt. Ihr Haar fiel ihr �ber den R�cken bis fast an die Taille. Er ber�hrte eine Str�hne, sah, wie sie sich von allein um seinen Finger wickelte. Er sagte:�W�rdest du wenigstens noch ein bisschen dar�ber nachdenken, ehe du eine endg�ltige Entscheidung triffst? Wie gesagt, die junge Frau w�rde sich gern mit uns treffen. Das k�nnten wir wenigstens machen. Vielleicht magst du sie ja. Und den Jungen und die Eltern. Wei�t du, die Tatsache, dass sie in Kontakt mit dem Kind bleiben will � Das ist doch eigentlich nicht schlecht, Deborah.�</p><p>�Wie meinst du das?�Sie wandte sich ihm wieder zu.</p><p>�Es l�sst auf ein gewisses Verantwortungsbewusstsein schlie�en. Sie will das Kind nicht einfach nur schnellstm�glich loswerden und weiterleben, als sei nichts geschehen. Auf ihre Weise m�chte sie f�r das Kind sorgen, f�r es da sein, falls es ihr irgendwann Fragen stellen m�chte.�</p><p>�Fragen k�nnen wir genauso gut beantworten. Das wei�t du genau. Und warum in aller Welt � wenn sie sich unbedingt um ihr Kind k�mmern will � will sie ausgerechnet ein Ehepaar aus London als Adoptiveltern, anstatt ein Paar aus Southampton? Das ergibt doch �berhaupt keinen Sinn. Sie ist doch aus Southampton, oder?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Also.�</p><p>Er vermutete, dass sie keine weitere Entt�uschung verkraften w�rde, und er konnte es ihr nicht ver�beln. Aber wenn sie nicht weitermachten, wenn sie nicht jeder Gelegenheit nachgingen, die sich ihnen bot, konnte es gut passieren, dass sie eine Chance verpassten, und wenn sie ein Kind wollten, wenn sie wirklich ein Kind haben wollten �</p><p>Das war nat�rlich die Kernfrage. Aber wenn er sie stellte, w�rde er sich auf ein Minenfeld begeben, und er war lange genug mit Deborah verheiratet, um zu wissen, dass es einige Minenfelder gab, die allzu gef�hrlich waren. Dennoch fragte er:�Hast du denn eine bessere Idee? Wei�t du eine andere M�glichkeit?�</p><p>Sie antwortete nicht gleich. Er hatte jedoch das Gef�hl, dass sie tats�chlich eine Idee hatte, etwas, das sie sich nicht auszusprechen traute. Als er seine Frage wiederholte, antwortete sie:�Leihmutterschaft.�</p><p>�Gro�er Gott, Deborah, das ist aber ��</p><p>�Keine Eispenderin, Simon, eine Leihmutter. Unser Embryo, unser Kind und eine Frau, die bereit ist, es auszutragen. Es w�re nicht ihr Kind. Sie h�tte keine Bindung zu ihm. Oder zumindest h�tte sie kein Recht dazu.�</p><p>Ihn verlie� der Mut. Er fragte sich, wie etwas, das f�r andere Leute das Nat�rlichste auf der Welt war, sich f�r sie beide zu einem derartigen Sumpf aus Entt�uschungen, Arztbesuchen, Spezialisten, Prozeduren, Anw�lten, Fragen, Antworten und noch mehr Fragen hatte entwickeln k�nnen. Und jetzt das? Monate w�rden vergehen, bis eine Leihmutter gefunden w�re, die dann auf Herz und Nieren �berpr�ft werden m�sste, w�hrend Deborah Gott wei� welche Medikamente nahm, um Eier heranreifen zu lassen, die dann � was?�� geerntet werden konnten, w�hrend er mit einem Beh�lter in der Hand auf die Toilette geschickt wurde, um seinen notwendigen Teil beizusteuern. Und all das, um � vielleicht, wenn sie Gl�ck hatten und nichts schiefging � ein leibliches Kind zu bekommen? Das Ganze erschien ihm f�rchterlich kompliziert, auf unmenschliche Weise mechanisiert und nur bedingt erfolgversprechend.</p><p>Er atmete tief aus.�Deborah�, sagte er und wusste zugleich, dass sie aus seinem Ton eine Skepsis heraush�ren w�rde, die ihr nicht gefiel. Dass es ihm vor allem darum ging, sie zu sch�tzen, w�rde ihr nicht in den Sinn kommen. Und das war in Ordnung, dachte er, denn sie konnte es nicht ausstehen, dass er sie vor dem Leben zu sch�tzen versuchte, auch wenn sie dazu neigte, sich alles viel zu sehr zu Herzen zu nehmen.</p><p>�Ich wei�, was du denkst�, sagte sie leise.�Und das bringt uns in eine ausweglose Situation, nicht wahr?�</p><p>�Wir haben nur unterschiedliche Ansichten. Wir n�hern uns den Dingen aus verschiedenen Richtungen. Wo einer von uns eine M�glichkeit sieht, sieht der andere nur un�berwindliche Schwierigkeiten.�</p><p>Sie dachte dar�ber nach. Dann sagte sie langsam:�Wie seltsam. Dann kann man wohl nichts machen.�</p><p>Sie legte sich hin, kehrte ihm jedoch den R�cken zu. Er schaltete das Licht aus und legte eine Hand auf ihre H�fte. Sie reagierte nicht.</p><subtitle>WANDSWORTH � LONDON</subtitle><p>Es war fast Mitternacht, als Lynley eintraf. Obwohl er es ihr versprochen hatte, h�tte er besser nach Hause fahren und sich hinlegen sollen. Stattdessen stieg er die Stufen zu Isabelles Wohnung hinunter und schloss die T�r auf.</p><p>Sie kam ihm entgegen. Er hatte angenommen, sie sei l�ngst schlafen gegangen, und zuerst sah es auch so aus, als k�me sie aus dem Bett. Aber neben dem Sofa in ihrem Wohnzimmer war eine Lampe an, und er sah eine aufgeschlagene Zeitschrift dort liegen, die sie offenbar weggelegt hatte, als sie den Schl�ssel im Schloss geh�rt hatte. Auch ihren Morgenmantel hatte sie auf dem Sofa liegen lassen, und sie kam nackt auf ihn zu, und als er die T�r hinter sich zudr�ckte, schmiegte sie sich in seine Arme und k�sste ihn.</p><p>Sie schmeckte nach Zitrone. Einen Moment lang �berlegte er, was der Geschmack bedeutete. Konnte es sein, dass sie wieder angefangen hatte zu trinken und ihm das zu verheimlichen versuchte? Aber als seine H�nde von ihren H�ften �ber ihre Taille zu ihren Br�sten wanderten, war ihm das nicht mehr wichtig.</p><p>Sie begann, ihn auszuziehen.�Das ist ganz schlecht, wei�t du das?�, murmelte sie.</p><p>�Was?�</p><p>�Dass ich den ganzen Tag an fast nichts anderes denken konnte. �Sein Jackett fiel zu Boden, und sie kn�pfte sein Hemd auf. Er beugte sich zu ihr und k�sste ihren Nacken, ihre Br�ste.</p><p>�Das�, sagte er,�ist in deinem Beruf wirklich ganz schlecht.�</p><p>�In deinem auch.�</p><p>�Aber ich bin disziplinierter.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Allerdings.�</p><p>�Und wenn ich dich hier ber�hre? So?�Er l�chelte.�Wie ist es dann um deine Disziplin bestellt?�</p><p>�Dasselbe, f�rchte ich, was mit deiner passiert, wenn ich dich hier k�sse, und wenn ich mit meiner Zunge � so etwas mache.�</p><p>Sie atmete scharf ein. Sie kicherte.�Sie sind ja ein ganz Schlimmer, Herr Inspector. Aber ich bin durchaus in der Lage, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. �Sie zog ihm die Hose herunter, machte ihn so nackt, wie sie selber war, und dr�ckte sich aufreizend gegen ihn.</p><p>Er sp�rte, dass sie genauso gierig war wie er.�Ins Schlafzimmer?�, fragte er.</p><p>�Nein, heute nicht, Tommy.�</p><p>�Also hier?�</p><p>�Ja, hier.�</p></section><section><title><p>2.�November</p></title><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>So fr�h am Nachmittag hatte Zed Benjamin noch einen guten Tisch im Willow &amp; Well ergattern k�nnen. Schon seit knapp einer Stunde sa� er hier und schaute aus dem Fenster in der Hoffnung, dass etwas passierte. Die K�lte zog durch die Ritzen herein wie ein Vorbote des Todesengels, aber solange er an diesem zugigen Platz hocken blieb, w�rde niemand etwas gegen die wollene Skim�tze sagen, die er auf dem Kopf trug. Die M�tze hatte er sich angeschafft, damit die Leute sich nicht so leicht an ihn erinnerten, denn darunter konnte er sein feuerrotes Haar komplett verschwinden lassen. An seiner Gr��e konnte er leider nichts �ndern, au�er sich m�glichst krumm zu halten, wenn es n�tig war.</p><p>Und genau das tat er. Anfangs hatte er sich �ber sein Bierglas gebeugt, dann war er auf seinem Stuhl nach unten gerutscht, hatte die Beine unterm Tisch ausgestreckt, bis ihm der Hintern eingeschlafen war, hatte sich mal so, mal so hingesetzt, w�hrend sich in dem Teil des Dorfes Bryanbarrow, den er durch das Fenster einsehen konnte, nichts Erhellendes ereignete.</p><p>Seit drei Tagen war er jetzt in Cumbria, seit drei Tagen suchte er nach etwas, das seine Story �ber Nicholas Fairclough sexy machte und Rodney Aronson davon abhielt, sie in die Tonne zu treten. Bisher hatte er leider nichts weiter zu Papier gebracht als die ersten f�nfzehn Zeilen eines Gedichts, das er allerdings auf keinen Fall erw�hnen w�rde, wenn sein verhasster Chef sich bei ihm meldete. Tag f�r Tag rief Aronson an, um sich bedeutungsvoll bei Zed zu erkundigen, wie er vorankam, und ihn daran zu erinnern, dass diese Aktion voll und ganz auf seine eigenen Kosten ging. Als k�nnte er das vergessen, dachte Zed. Als h�tte er sich nicht im billigsten Bed &amp; Breakfast einquartiert, das er hatte finden k�nnen, als w�rde er nicht in einem winzigen Dachzimmer in einem der unz�hligen Reihenh�user hausen, die praktisch jede Stra�e in Windermere s�umten, in diesem Fall in der Broad Street, in Fu�n�he der �ffentlichen Bibliothek. Er musste den Kopf einziehen, um sein Zimmer zu betreten, und praktisch den Limbo tanzen, wenn er sich darin bewegen wollte. Das Klo lag ein Stockwerk tiefer, und die Bude wurde nur durch die W�rme geheizt, die von unten hochstieg. Aber deswegen stimmte eben auch der Preis, und er hatte sofort zugeschlagen. Wie um die zahlreichen Unannehmlichkeiten wettzumachen, setzte ihm die Hauswirtin ein �ppiges Fr�hst�ck vor, das von Porridge bis hin zu Backpflaumen alles umfasste, was man sich w�nschen konnte, so dass Zed seit seiner Ankunft noch keinmal ein Mittagessen gebraucht hatte. Und das war gut so, weil er auf die Weise die Zeit nutzte, um herauszufinden, wer au�er ihm selbst im Dorf herumschlich, um etwas �ber Ian Cresswells Tod in Erfahrung zu bringen. Aber wenn tats�chlich ein Detective von Scotland Yard hier oben in Cumbria war, um zu ermitteln, auf welche Weise der gl�cklose Vetter von Nicholas Fairclough ertrunken war, so hatte Zed ihn noch nicht aufgesp�rt. Und solange er ihn nicht zu Gesicht bekam, konnte er <emphasis>Das neunte Leben</emphasis> nicht in <emphasis>Neun Leben und ein Tod</emphasis> umschreiben, so wie Rodney Aronson es von ihm erwartete.</p><p>Nat�rlich wusste Aronson genau, wer der Detective von Scotland Yard war. Darauf h�tte Zed einen Wochenlohn gewettet. Und er w�rde einen weiteren Wochenlohn darauf verwetten, dass Aronson vorhatte, Zed zu feuern, falls er diesen Detective nicht aufsp�rte. Oder falls es ihm nicht gelang, seine Geschichte sexy zu machen. Nur darum ging es bei dieser ganzen Sache: Rodney konnte nicht damit umgehen, dass Zed eine h�here Bildung und k�nstlerische Ambitionen hatte.</p><p>Nicht dass er bisher mit seinen Ambitionen weit gekommen w�re oder in Zukunft weit damit kommen w�rde. Sicher, Gedichte zu schreiben, war pers�nlich befriedigend, aber die Poesie verschaffte einem nun mal kein Dach �ber dem Kopf.</p><p>Dieser Gedanke erinnerte Zed an das Dach, das er zur Zeit in London �ber dem Kopf hatte. Und es erinnerte ihn an die Menschen, die sich unter diesem Dach aufhielten. Und an die Absichten dieser beiden Frauen, vor allem die Absichten seiner Mutter.</p><p>Gott sei Dank musste er sich im Moment dar�ber keine Gedanken machen, dachte Zed. Wenige Tage nach Yaffa Shaws Einzug � der so schnell erfolgt war, dass sogar seine Mutter gestaunt hatte � hatte die junge Frau ihm vor dem Bad aufgelauert, das sie zu teilen gezwungen waren. Verschw�rerisch hatte sie ihm zugeraunt:�Keine Sorge, Zed. Okay?�Zed hatte angenommen, sie meinte die vor ihm liegende Reise in den Lake District. Doch dann d�mmerte ihm, dass Yaffa �ber die kupplerischen Absichten seiner Mutter redete.</p><p>Zed sagte� H�?�und fummelte am G�rtel seines Morgenmantels herum. Der Morgenmantel war ihm ebenso wie seine Schlafanzughose zu kurz, und da er nie Pantoffeln fand, die ihm passten, trug er wie �blich am fr�hen Morgen zwei verschiedene Socken an den F��en. Er kam sich vor wie ein tapsiger Riese im Vergleich zu Yaffa, die schlank und adrett und in einer Farbe gekleidet war, die ihre Haut- und Augenfarbe betonte.</p><p>Yaffa drehte sich um und schaute in Richtung K�che, von wo Geschirrklappern zu h�ren war.�H�r zu, Zed�, sagte sie leise.�Ich habe einen Freund in Tel Aviv. Er studiert dort Medizin. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen. �Sie schob sich eine Str�hne aus dem Gesicht und schaute ihn mit einem spitzb�bischen Funkeln in den Augen an.�Das hab ich ihr nicht gesagt�, fl�sterte sie.�Auf diese Weise�� sie deutete mit einer Kopfbewegung auf die T�r zu dem Zimmer, das sie bewohnte ��spare ich eine Menge Geld. Und das bedeutet, dass ich nicht so viel arbeiten muss und einen zus�tzlichen Kurs an der Uni belegen kann. Und wenn ich das in jedem Semester so machen kann, bin ich eher mit dem Studium fertig, und umso schneller bin ich wieder zu Hause bei Micah.�</p><p>�Ah�, sagte Zed.</p><p>�Als deine Mutter uns einander vorgestellt hat � also, dich und mich �, da war mir sofort klar, was sie im Schilde f�hrt. Deshalb hab ich meinen Freund lieber nicht erw�hnt. Ich brauchte das Zimmer � ich <emphasis>brauche</emphasis> ein Zimmer �, und ich bin bereit mitzuspielen, wenn du es auch bist.�</p><p>�Was?�Anscheinend war er nicht in der Lage, im Gespr�ch mit dieser jungen Frau jeweils mehr als ein Wort herauszubringen, und er war sich nicht ganz sicher, was das zu bedeuten hatte.</p><p>Sie sagte:�Wir spielen ihr eben ein bisschen Theater vor.�</p><p>�Theater?�</p><p>�Wir tun so, als w�rden wir einander m�gen. Als w�rden wir uns ineinander verlieben. Und dann, irgendwann, wenn wir genug davon haben, breche ich dir das Herz. Oder du mir meins. Es spielt eigentlich keine Rolle, aber mit R�cksicht auf deine Mutter w�rde ich vorschlagen, dass ich dir deins breche. Wahrscheinlich m�ssen wir irgendwie am Telefon miteinander turteln, w�hrend du in Cumbria bist. Je l�nger wir das durchhalten, umso mehr Geld k�nnte ich sparen, und du h�ttest eine Weile Ruhe vor deiner Mutter. Nat�rlich m�ssten wir ab und zu auch ein bisschen rumschmusen oder so, aber daf�r br�uchtest du nicht mit mir zu schlafen. Denn ich w�rde mich selbstverst�ndlich weigern, deiner Mutter gegen�ber so respektlos zu sein und es zu tun, solange ich unter ihrem Dach wohne und wir nicht verheiratet sind. Also, ich glaube, es k�nnte funktionieren. Was meinst du?�</p><p>Er nickte.�Ich verstehe. �Zwei W�rter. Ein Fortschritt.</p><p>�Und?�, fragte sie.�Bist du einverstanden?�</p><p>�Ja. �Dann der Durchbruch � vier W�rter:�Wann fangen wir an?�</p><p>�Beim Fr�hst�ck.�</p><p>Als Yaffa ihn dann beim Fr�hst�ck bat, ihr von der Geschichte zu erz�hlen, f�r die er in Cumbria recherchieren musste, lie� er sich auf das Spiel ein. Zu seiner �berraschung stellte sie sehr kluge Fragen, und seine Mutter warf ihm, begl�ckt �ber Yaffas gespieltes Interesse an seinen Angelegenheiten, einen bedeutungsvollen Blick zu. Zum Abschied hatte seine Mutter ihn enthusiastisch umarmt und ihm ins Ohr gefl�stert:�Siehst du? <emphasis>Siehst</emphasis> du, mein Junge?�, und Yaffa hatte ihm unauff�llig einen Zettel in die Jackentasche gesteckt, den er im Zug gelesen hatte:�Warte sechsunddrei�ig Stunden, dann ruf zu Hause an, und sag deiner Mutter, dass du mich sprechen m�chtest. Und w�hrend sie unser Gespr�ch belauscht, geb ich dir meine Handynummer. Viel Erfolg in Cumbria, mein Freund. �Nach exakt sechsunddrei�ig Stunden hatte er daheim angerufen, und auch diesmal hatte es ihn �berrascht, wie viel Spa� ihm das kurze Gespr�ch mit Yaffa gemacht hatte. Das lag wahrscheinlich daran, dass sie mit offenen Karten spielten. Es gab keinen Druck. Und je weniger Druck man ihm machte, umso besser funktionierte er.</p><p>Er w�nschte nur, dasselbe g�lte f�r seine verdammte Story. Er wusste nicht, wie er diesen Detective von Scotland Yard ausfindig machen sollte. Er konnte nichts weiter tun, als sich in Bryanbarrow herumzutreiben und abzuwarten, wer an die T�r von Ian Cresswells Haus klopfte, um etwas �ber den vorzeitigen Tod des Mannes herauszufinden.</p><p>Nachdem Zed schon �ber eine Stunde auf seinem Posten sa� und sich an seinem Bierglas festhielt, tat sich pl�tzlich etwas da drau�en. Allerdings nicht an dem alten Herrenhaus, sondern an dem kleinen, halb verfallenen Cottage gleich daneben. Ein Mann und ein halbw�chsiger Junge traten aus der T�r und gingen ein paar Schritte weiter auf den mit Eichenlaub �bers�ten Dorfrasen zu, in dessen Mitte der Mann eine Fu�bank abstellte. Dann setzte er sich auf die Fu�bank und sagte irgendetwas zu dem Jungen, der einen alten Schuhkarton und etwas, das aussah wie ein altes Bettlaken, unterm Arm trug. Das Laken legte er dem Mann um die Schultern, anschlie�end entnahm er dem Schuhkarton eine Schere, einen Kamm und einen Handspiegel. Der Mann nahm seine Tweedm�tze vom Kopf und nickte, woraufhin der Junge begann, ihm die Haare zu schneiden.</p><p>Das musste George Cowley mit seinem Sohn Daniel sein, dachte Zed. Es kam niemand anders in Frage. Er wusste, dass auch der Tote einen Sohn gehabt hatte, aber da Ian Cresswell tot war, nahm er nicht an, dass dessen Sohn sich auf der Farm aufhielt, und noch weniger, dass er einem P�chter die Haare schnitt. Warum das Ganze mitten auf dem Dorfplatz stattfand, war eine interessante Frage, dachte Zed. Auf jeden Fall machte es das anschlie�ende Saubermachen einfacher.</p><p>Zed trank sein Bier aus, das inzwischen warm und schal war. Dann verlie� er den Pub und ging auf den Dorfplatz zu. Es war k�hl und windig drau�en, und es roch nach Holzfeuer und Kuhmist. Hinter der Bryan Beck Farm bl�kten Schafe, und wie zur Antwort quakten ein paar Enten ungew�hnlich laut vom Bach her, den Zed am Dorfrand rauschen h�ren, aber nicht sehen konnte.</p><p>�Guten Tag. �Zed nickte zum Gru�.�Sie sind Mr. Cowley, wie ich h�re. �Das wusste er, weil er sich w�hrend der ersten Stunde, die er auf seinem Beobachtungsposten im Pub verbracht hatte, ausf�hrlich mit dem Wirt unterhalten hatte. Der Wirt hielt Zed f�r einen der zahllosen Wanderer, die regelm��ig in den Lake District kamen, um entweder das zu entdecken, was Wordsworth in seinen Werken beschrieben hatte, oder um die Urt�mlichkeit der Gegend zu bestaunen � Letzteres war Beatrix Potter zu verdanken, die mit dem Erl�s aus <emphasis>Peter Rabbit</emphasis> den Landstrich vor der Bauwut ihrer Zeitgenossen bewahrt hatte. Der Mann hatte Zed begeistert �ber den� echten Lake District �aufgekl�rt und ihn mit reichlich Klatsch �ber dessen Einwohner versorgt, die gro�enteils� echte Originale �waren, wie zum Beispiel George Cowley.�Ein absolutes Schlitzohr, der gute alte George�, hatte der Wirt gesagt.�Und nachtragend bis ins Grab. Wenn Typen wie er sich nicht mit irgendeinem anlegen, langweilen sie sich. Sein Junge tut mir aufrichtig leid, denn das Einzige, wof�r George sich interessiert, sind seine kleinen Fehden, und das Einzige, was er liebt, ist sein verdammter K�ter. �Sein verdammter K�ter war ein Border Collie, der George und seinen Sohn bis zur Hecke begleitet hatte, als die beiden auf den Dorfrasen gegangen waren. Auf ein Wort von George hin hatte der Hund sich brav an der Hecke hingelegt. Dort lag er immer noch und verfolgte aufmerksam das Geschehen.</p><p>Cowley be�ugte Zed ausgesprochen misstrauisch. Sein Sohn hielt die Schere noch hoch, hatte aber aufgeh�rt, seinem Vater die Haare zu schneiden. George drehte sich zu ihm um.�Mach weiter, Dan�, befahl er. So viel zum Thema freundliches Gespr�ch, dachte Zed.</p><p>�H�bsche Farm haben Sie da�, sagte Zed.�Ungew�hnlich, dass sie so mitten im Dorf liegt. So was hab ich noch nie gesehen.�</p><p>�Ist nicht meine�, bemerkte George s�uerlich.</p><p>�Aber Sie bewirtschaften sie doch, oder? Ist das nicht fast so, als w�rde sie Ihnen geh�ren?�</p><p>George bedachte ihn mit einem ver�chtlichen Blick.�Wohl kaum. Und was geht das Sie �berhaupt an?�</p><p>Zed schaute den Sohn an. Der err�tete.�Eigentlich nichts�, sagte Zed.�Sieht einfach interessant aus. Das gro�e Haus und die ganze Anlage. Ich interessiere mich f�r alte H�user. Das ist ein altes Herrenhaus, nicht wahr? Das gro�e, meine ich.�</p><p>Cowley sah ihn finster an.�Kann schon sein. Dan, machst du jetzt weiter oder nicht? Ich hab keine Lust, den ganzen Tag hier in der K�lte rumzusitzen. Wir m�ssen noch ein paar Sachen erledigen.�</p><p>�Es ist elisabethanisch�, sagte Dan zu Zed.�Wir haben fr�her in dem gro�en Haus gewohnt.�</p><p>�Dan!�</p><p>�Sorry. �Der Junge widmete sich wieder dem Haareschneiden. Nach dem Geschick zu urteilen, das er dabei an den Tag legte, machte er das schon seit Jahren.</p><p>�Wer sind Sie �berhaupt, und warum wollen Sie das alles wissen?�, sagte Cowley zu Zed.</p><p>�Wie?�</p><p>�Das Haus. Die Farm. Warum fragen Sie danach? Wieso interessieren Sie sich daf�r? Haben Sie gesch�ftlich hier im Dorf zu tun?�</p><p>��h ��Zed �berlegte, auf welche Weise er m�glichst viele Informationen bekommen konnte, ohne selbst allzu viel preisgeben zu m�ssen.�Ich interessiere mich einfach f�r die Geschichte der Orte, die ich besuche. Der Wirt im Pub hat mir erz�hlt, das Herrenhaus ist das �lteste Geb�ude des Dorfs.�</p><p>�Da irrt er sich. Das Cottage ist noch hundert Jahre �lter.�</p><p>�Wirklich? In so einem Haus spukt�s wahrscheinlich.�</p><p>�Sind Sie deswegen hier? Sind Sie auf der Suche nach Gespenstern? Oder ��, f�gte er in scharfem Ton hinzu,�� suchen Sie was ganz anderes?�</p><p>Gott, war der Mann misstrauisch, dachte Zed. Wom�glich hatte der Typ das Familiensilber in seinem Kamin versteckt und f�rchtete, dass Zed gekommen war, um seine H�tte auszubaldowern.�Nein, nein�, sagte er liebensw�rdig.�Ich bin nur ein Tourist. Ich wollte Ihnen nicht auf die Nerven gehen.�</p><p>�Sie gehen mir nicht auf die Nerven. Ich kann schon auf Dan und mich aufpassen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich. �Zed bem�hte sich um einen munteren Ton.�Wahrscheinlich kommen nicht viele Leute her, die Sie mit Fragen zu der Farm l�chern. Das hei�t, vermutlich kommen �berhaupt nicht viele Leute hierher, vor allem um diese Jahreszeit, ob sie nun Fragen stellen oder nicht. �Er wand sich innerlich. Er musste unbedingt lernen, ein bisschen subtiler vorzugehen.</p><p>�Wenn Sie sich f�r Geschichte interessieren�, sagte Cowley,�damit kann ich dienen. �Doch dann verschr�nkte er unter dem Laken, das seine Kleidung vor den abgeschnittenen Haaren sch�tzte, die Arme vor der Brust, wie um zu demonstrieren, dass er nicht vorhatte, irgendetwas von sich zu geben.</p><p>�Dad�, sagte Daniel in einem Ton, der Zed dazu veranlasste, sich zu fragen, ob es ein guter Rat oder eine Warnung war.</p><p>�Ich hab nichts gesagt�, knurrte Cowley.</p><p>�Es ist nur ��</p><p>�Sieh einfach zu, dass du fertig wirst. �Cowley wandte sich ab und betrachtete das Herrenhaus hinter der Mauer. Es war aus Stein erbaut, sauber gewei�elt bis zu den Schornsteinen, und das Dach sah aus, als w�re es erst k�rzlich neu gedeckt worden.�Das�, sagte er,�h�tte mir geh�ren sollen. Aber die haben es mir vor der Nase weggeschnappt, und zwar heimlich, so dass es erst rausgekommen ist, als der Handel perfekt war. Und sehen Sie sich an, was passiert ist, was passieren <emphasis>musste</emphasis>. So l�uft das nun mal. Und wen wundert�s? Aber am Ende muss jeder seinen Preis bezahlen.�</p><p>Zed schaute den Mann verwirrt an. Mit� was passiert ist�, so vermutete er, meinte Cowley den Tod von Ian Cresswell, der ja in dem Herrenhaus gewohnt hatte.�Seinen Preis?�, fragte er, w�hrend er sich den Kopf dar�ber zerbrach, was der Mann da faselte.</p><p>�Den Preis f�r seine S�nden�, sagte Daniel leise.�Jeder muss f�r seine S�nden bezahlen.�</p><p>�Ganz genau�, sagte George Cowley.�Er hat f�r seine S�nden bezahlt, ja, das hat er. Tja, so sieht�s aus. Und wenn alles geregelt ist und das Haus wieder zum Verkauf steht, dann werden wir da sein, und diesmal werden wir keinen Fehler machen. Die Bryan Beck Farm ist f�r uns bestimmt, und wir haben uns nicht ein Lebtag die Butter vom Brot gespart, um sie uns ein zweites Mal vor der Nase wegschnappen zu lassen.�</p><p>Daraus schloss Zed, dass Ian Cresswells S�nde darin bestanden hatte, das Haus zu kaufen, ehe George Cowley dazu gekommen war. Was bedeutete � und das war doch eine sehr brauchbare Information �, dass Cowley ein Motiv gehabt hatte, Cresswell umzubringen. Und das wiederum bedeutete, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis New Scotland Yard auf der Bildfl�che erschien, und er folglich nur zu warten brauchte, bis ihm besagter Detective vor die Linse lief. Dann h�tte er die n�tigen Zutaten, um seine Story sexy zu machen, und anschlie�end konnte er nach London zur�ckfahren und sein normales Leben wieder aufnehmen. Das sah doch alles gar nicht so schlecht aus.</p><p>Er sagte:�Ich nehme an, Sie spielen darauf an, dass Mr. Cresswell die Farm gekauft hat.�</p><p>Cowley sah ihn an, als h�tte er nicht alle Tassen im Schrank.�Die Farm gekauft?�</p><p>�Sie sprachen doch von dem Preis f�r seine S�nden. Daraus habe ich geschlossen, dass der Kauf der Farm eine S�nde war.�</p><p>�Pah! Das war nicht in Ordnung, und es hat Dan und mich in die Situation gebracht, in der wir jetzt sind. Aber eine Immobilie zu kaufen ist schlie�lich keine S�nde. �Die letzten Worte hatte er voller Hohn ausgesprochen, doch er schien den Eindruck zu haben, dass Zed noch immer nicht kapiert hatte.�Sittenlos war das, wie er hier mit seinem arabischen Untermieter zusammengelebt hat. Und was hatten seine Kinder immer noch da zu suchen? Das ist die Frage, die <emphasis>ich</emphasis> stelle, aber niemand gibt mir eine Antwort. Also, das geh�rt sich ebenfalls nicht. Und eins sage ich Ihnen: Es werden noch mehr Leute bezahlen m�ssen, und nicht zu wenig. Verlassen Sie sich drauf!�</p><subtitle>SWARTHMOOR � CUMBRIA</subtitle><p>Tim Cresswell hasste die Margaret Fox School, aber er fand sich damit ab, denn so brauchte er nicht auf eine Schule zu gehen, wo man von ihm erwarten w�rde, dass er Freundschaften schloss, was so ziemlich das Letzte war, was er wollte. Fr�her hatte er Freunde gehabt, doch die hatten nur h�misch gegrinst, als sie gecheckt hatten, was bei ihm zu Hause ablief. Und jedes Mal, wenn er im Schulflur an ihnen vorbeiging, hatte er sich ihr Getuschel anh�ren m�ssen. Tatsache war, dass es ihm am Arsch vorbeiging, ob er je wieder Freunde hatte, denn seine alten Freunde hatten ihn fallen gelassen wie eine hei�e Kartoffel, als sein Vater die Familie hatte sitzen lassen, um eine iranische Schwuchtel zu ficken. <emphasis>Das</emphasis> hatte sich in k�rzester Zeit herumgesprochen, weil seine Mutter zu bl�d gewesen war, ihre Emp�rung f�r sich zu behalten, vor allem, nachdem sie rausgefunden hatte, dass sie die Arschkarte abgekriegt hatte. Und das hatte sie auf jeden Fall. Es hatte sich n�mlich herausgestellt, dass sein Vater schon seit Jahren M�nner gefickt hatte, dass er Niamh beschmutzt und erniedrigt und nicht nur ansteckenden Krankheiten, sondern auch dem Gesp�tt und der Verachtung der Leute ausgesetzt hatte. Und sie war es nicht m�de geworden, das jedem unter die Nase zu reiben, vor allem ihrem Sohn Tim. Daraufhin hatte Tim ein paar Dinge zerschlagen, ein paar Sachen abgefackelt, ein paar Leute verpr�gelt, einem K�tzchen die Beine abgehackt � okay, es war schon tot gewesen. Seitdem ging er auf die Margaret Fox School au�erhalb von Ulverston, nicht weit von Swarthmoor Hall, wo Mrs. Fox, nach der die Schule benannt war, gewohnt hatte. Hier wollte Tim bleiben. Und damit das klappte, musste er sich gerade gut genug benehmen, um als kooperativ zu gelten, aber nicht so gut, dass man ihn in das System zur�ckschickte, wo die Normalos die Schulbank dr�ckten.</p><p>Die meisten Kinder und Jugendlichen kamen auf das Margaret Fox Internat, weil sie so gest�rt waren, dass sie nicht bei ihrer Familie bleiben konnten. Es gab allerdings auch externe Sch�ler, und Niamh Cresswell hatte daf�r gesorgt, dass Tim dazugeh�rte. So waren sein Vater oder Kaveh Mehran gezwungen, ihn jeden Tag von Bryanbarrow nach Ulverston zu fahren und wieder abzuholen, eine Fahrt, die ewig dauerte, ihnen von ihrer gemeinsamen Zeit abging und sie daf�r bestrafte, dass sie Niamh gedem�tigt hatten. Tim machte das alles mit, weil er dadurch weit weg war von allen, die wussten, was mit der Ehe seiner Eltern passiert war, und das waren so ziemlich alle in Grange-over-Sands.</p><p>Aber etwas, was er an der Margaret Fox School auf den Tod nicht ausstehen konnte, waren die bescheuerten AGs. Jeder Sch�ler musste zus�tzlich zum normalen Unterricht drei AGs belegen, je eine aus einem wissenschaftlichen, einem musisch-k�nstlerischen und einem sportlichen Bereich. Die Philosophie dahinter war, dass die AGs die komplett durchgeknallten Sch�ler der Margaret Fox School zu halbwegs normalem Verhalten erziehen, sie irgendwie dazu bringen w�rde, sich so zu benehmen, als k�nnten sie jenseits der hohen Mauern der Institution funktionieren. Tim hasste die AGs, denn sie zwangen ihn zum Kontakt mit den anderen Sch�lern, aber er hatte sich drei ausgesucht, bei denen sich der Kontakt auf ein Minimum beschr�nken lie�. Er hatte sich bei den Wanderv�geln, den Zeichnern und den Philatelisten angemeldet, weil alle dort verlangten Aufgaben auch allein erledigt werden konnten. Man brauchte mit niemandem zu reden und sich nur anzuh�ren, was der jeweilige Lehrer zum Thema zu sagen hatte.</p><p>Genau wie jetzt beim w�chentlichen Treffen der Wanderv�gel. Quincy Arnold gab sein �bliches Blabla nach der Nachmittagswanderung zum Besten. Sie waren ein bisschen �ber den �ffentlichen Fu�weg von Mansrigg nach Mansrigg Hall und von dort rauf bis zur Town Bank Road getrippelt, wo ein Schulbus sie abgeholt hatte. Echt ein Witz. Aber so wie Q. A. sich dar�ber auslie�, sollte man meinen, sie h�tten gerade das Matterhorn bezwungen. Der gro�e Hit war die Aussicht auf Ben Cragg gewesen � schon lange keinen derma�en tollen Sandsteinfelsen mehr gesehen, hatte Tim nur h�hnisch gedacht �, aber eigentlich waren diese ganzen Nachmittagswanderungen nur die Vorbereitung auf das, was Q. A. das gro�e Abenteuer auf dem Scout Scar nannte. Das besagte Abenteuer sollte im kommenden Fr�hjahr stattfinden, und bis dahin sollten sie sich schon mal innerlich auf das gro�artige Ereignis einstellen, bla, bla, bla. Q. A. war der gr��te Schw�tzer von allen, und er konnte regelrecht ausflippen �ber Sandsteinschichten und � Gott, wie aufregend � Findlinge aus der Glazialzeit. Das alles klang etwa so interessant wie die Idee, sich von einem Blinden die chinesischen Schriftzeichen beibringen zu lassen, aber Tim wusste, dass es sich lohnte, Q. A. ab und zu anzusehen, wenn er da vorne laberte. Allerdings gab er sich dabei stets gelangweilt bis gleichg�ltig, um nur ja nicht den Eindruck zu erwecken, er sei auf dem Weg der Besserung.</p><p>Er musste aufs Klo. Er h�tte das drau�en erledigen sollen, ehe sie in den Bus gestiegen waren, der sie zur�ck zur Schule brachte. Aber er hasste es, seinen Schwanz in der �ffentlichkeit rauszuholen, weil man nie wissen konnte, wie die Heinis, mit denen er wandern ging, darauf reagieren w�rden. Deswegen musste er sich jetzt mit dem Harndrang herumqu�len, w�hrend Q. A. sich �ber ihren abenteuerlichen Ausflug auslie�. Als sie endlich auf dem Schulhof hielten, sprang er aus dem Bus und rannte auf die n�chste Toilette. Beim Pinkeln sorgte er daf�r, dass etwas daneben ging und etwas auf seinem Hosenbein landete. Als er fertig war, betrachtete er sich im Spiegel und kratzte sich einen Pickel auf der Stirn auf. Es blutete ein bisschen � das kam immer gut. Dann ging er sein Handy holen.</p><p>Die waren nat�rlich in der Schule verboten. Die Externen durften zwar ein Handy mitbringen, mussten es aber jeden Morgen im Vorzimmer des Direktors abgeben, wo es in eine Liste eingetragen wurde. Wenn man es nachmittags wiederhaben wollte, musste man erst zum Schulleiter hoch, sich dort einen Abholzettel ausstellen lassen und damit zum Schulkiosk gehen, wo die Handys in einem Schlie�fach hinter der Kasse aufbewahrt wurden.</p><p>Diesmal war Tim der Letzte, der sein Handy abholte. Als Erstes �berpr�fte er seinen SMS-Eingang. Nichts. Es kribbelte ihm in den Fingern. Am liebsten h�tte er das Handy irgendjemandem an den Kopf geworfen. Er ging den Weg hinunter zu der Stelle, wo er und die anderen Externen nach Schulschluss abgeholt wurden. Nat�rlich durften sie nur mit Leuten mitfahren, die offiziell bei der Schule eingetragen waren. Bei Tim waren es drei, aber jetzt, wo sein Vater tot war, waren es nur noch zwei, was eigentlich bedeutete, dass es nur noch einer war, denn seine Mutter k�me nie im Leben auf die Idee, ihn von der Schule abzuholen. Kaveh war bisher der l�stigen Pflicht brav nachgekommen, weil ihm nichts anderes �brig blieb und er noch nicht wusste, wie er sich davon befreien sollte.</p><p>Das juckte Tim nicht. Es war ihm egal, wer ihn abholte. Im Moment interessierte ihn nur der Deal, den er mit Toy4You vereinbart hatte, und die Tatsache, dass auf seine letzte Nachricht, die er am Morgen auf dem Weg zur Schule abgeschickt hatte, keine Reaktion gekommen war. Er schrieb eine SMS:</p><p><emphasis>wo bist du?</emphasis></p><p>Einen Augenblick sp�ter kam die Antwort:</p><p><emphasis>Hier</emphasis></p><p><emphasis>du hast nicht geantwortet</emphasis></p><p><emphasis>wann?</emphasis></p><p><emphasis>du wei�t was ich meine wir waren uns einig</emphasis></p><p><emphasis>quatsch</emphasis></p><p><emphasis>du hast es mir versprochen</emphasis></p><p><emphasis>geht nicht</emphasis></p><p><emphasis>wieso</emphasis></p><p><emphasis>nicht per handy</emphasis></p><p><emphasis>du hast es versprochen</emphasis></p><p><emphasis>wir m�ssen reden</emphasis></p><p>Tim lie� das Handy sinken. Er wollte nicht reden. Er wollte, dass endlich etwas passierte. Er hatte seinen Teil der Vereinbarung eingehalten, und es war nur fair, dass Toy4You den seinen auch einhielt. Es lief immer gleich ab, dachte er grimmig. Jeder versuchte, jeden reinzulegen, und er hatte die Schnauze gestrichen voll davon. Aber was sollte er machen? Er konnte sich was anderes suchen, aber dazu hatte er keine Lust. Es hatte lange genug gedauert, bis er Toy4You gefunden hatte.</p><p>Er tippte seine Antwort ein.</p><p><emphasis>Wo?</emphasis></p><p><emphasis>selbe Stelle</emphasis></p><p><emphasis>heute</emphasis></p><p><emphasis>heute abend</emphasis></p><p><emphasis>ok</emphasis></p><p>Er klappte das Handy zu und steckte es in seine Hosentasche. Ein dickes M�dchen, dessen Namen er nicht kannte, beobachtete ihn von einer Bank aus. Als ihre Blicke sich begegneten, hob sie ihren Schulrock an. Spreizte die Beine. Sie hatte keine Unterhose an. Er h�tte kotzen k�nnen. Er suchte sich eine Bank in einiger Entfernung und wartete darauf, dass er abgeholt wurde. W�hrend er �berlegte, wie er Kaveh auf der langen Fahrt �rgern konnte, fiel ihm ein, dass er sich die Hose bepisst hatte. Das w�rde Kaveh richtig auf die Palme bringen, dachte er schadenfroh.</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Alatea Fairclough war immer wieder v�llig fasziniert von der Morecambe Bay. So etwas hatte sie zuvor noch nie gesehen. Die Ebbe hatte mehr als dreihundert Quadratkilometer Watt freigelegt. Aber das Watt war so gef�hrlich, dass sich nur Leichtsinnige, die einheimischen Fischer oder der Wattf�hrer zu Fu� dort hinauswagten. Wer ohne F�hrer ins Watt ging � und das machten viele Leute �, lief Gefahr, sein irdisches Dasein zu beenden, indem er im Treibsand versank, der sich f�r das unge�bte Auge in nichts von festem Boden unterschied. Manche blieben auch weit drau�en in der Bucht zu lange auf einem Sandh�gel stehen, der ihnen sicher erschien, wie eine Art Insel, nur um festzustellen, dass die Flut sie erst vom Festland abschnitt und ihnen dann den Sand unter den F��en wegsp�lte. Denn wenn die Flutwellen wie galoppierende Pferde auf das Land zust�rmten, wurde alles in k�rzester Zeit vom Wasser verschlungen. Genau das fand Alatea so hypnotisierend an den Flutwellen. Sie schienen aus dem Nichts zu kommen, und die Schnelligkeit, mit der sie kamen, sprach von einer Gewalt, die sich der Kontrolle des Menschen entzog. Und doch gab ihr der Gedanke Frieden: dass es eine Macht gab, die der Mensch nicht kontrollieren konnte, und dass sie diese Macht um Trost bitten konnte, wenn sie ihn am dringendsten brauchte.</p><p>Sie fand es gro�artig, dass dieses Haus � ein Geschenk ihres Schwiegervaters zur Hochzeit des einzigen Sohnes � direkt oberhalb des Kent Channel lag, einer vom Meerwasser in die Morecambe-Bucht gegrabenen Vertiefung. In ein warmes Schultertuch gewickelt konnte sie vom Ende des Grundst�cks aus zuzusehen, wie die Flut hereinkam. Und sich einbilden, sie verst�nde etwas davon, wie die Strudel sich bildeten.</p><p>Auch an diesem Novembernachmittag stand sie hier. Die Dunkelheit setzte bereits ein, und eine Wolkenbank im Westen �ber dem Humphrey Head Point k�ndigte Regen an, aber das machte ihr nichts aus. Im Gegensatz zu so vielen Menschen in ihrer Wahlheimat freute sie sich immer �ber den Regen, der Wachstum und Erneuerung versprach. Trotzdem war sie beunruhigt. Der Grund war ihr Mann.</p><p>Sie hatte nichts von ihm geh�rt. Nachdem sie bei Fairclough Industries angerufen und erfahren hatte, dass er nicht zur Arbeit erschienen war, hatte sie versucht, ihn auf seinem Handy zu erreichen. Den Anruf in der Firma hatte sie gegen elf Uhr get�tigt, als er eigentlich noch h�tte dort sein m�ssen. F�r gew�hnlich fuhr er erst eine Stunde sp�ter zu dem Wehrturm-Projekt in Middlebarrow, wo er neuerdings den halben Arbeitstag verbrachte. Anfangs hatte sie angenommen, er sei fr�her als �blich dorthin aufgebrochen, und hatte es auf seinem Handy versucht. Aber sie hatte nur eine Nachricht hinterlassen k�nnen. Das hatte sie jetzt schon dreimal getan. Dass Nicholas sich nicht meldete, beunruhigte sie zutiefst.</p><p>Der pl�tzliche Tod seines Vetters �berschattete ihr Leben. Alatea wollte lieber gar nicht dar�ber nachdenken. Der Tod eines Menschen, den man kannte, ersch�tterte einen immer, aber Ians Tod und die Umst�nde seines Todes erf�llten sie mit einer Angst, die sie nur mit allergr��ter M�he verbergen konnte. Dass Ian ertrunken war, hatte die Familie hart getroffen, vor allem Nicholas� Vater. Anfangs war er derart am Boden zerst�rt gewesen, dass Alatea sich gefragt hatte, was f�r ein Verh�ltnis er eigentlich zu Ian gehabt hatte. Doch erst als Bernard angefangen hatte, sich von Nicholas zu distanzieren, hatte Alatea gesp�rt, dass hinter der Trauer des Alten noch mehr steckte.</p><p>Nicholas hatte nichts mit Ians Tod zu tun. Das wusste Alatea aus tausend Gr�nden, aber vor allem, weil sie ihren Mann kannte. Wegen seiner Vergangenheit hielten die Leute ihn f�r schwach, was er ganz und gar nicht war. F�r sie war er der Fels in der Brandung, und das w�re er auch f�r viele andere, wenn sie ihm eine Chance g�ben. Das Wehrturmprojekt in Middlebarrow hatte Nicholas so stark gemacht.</p><p>Heute war er allerdings auch nicht in Middlebarrow gewesen. Denn wenn er dort gewesen w�re, h�tte er sein Handy eingeschaltet. Er wusste schlie�lich, wie wichtig es ihr war, ihn jederzeit erreichen zu k�nnen, und er hatte nichts dagegen, dass sie ihn hin und wieder anrief. Anfangs hatte er gefragt:�Vertraust du mir nicht, Allie? Ich meine, wenn ich r�ckf�llig werde, werde ich so oder so r�ckf�llig. Davon wirst du mich mit einem Anruf nicht abhalten k�nnen. �Aber das war nicht der Grund, warum sie stets in engem Kontakt mit ihm sein wollte.</p><p>Immer, wenn er nicht bei ihr war, f�rchtete sie, dass ihm etwas zusto�en k�nnte. Ein Autounfall, ein Stein, der von dem alten Wehrturm fiel und ihn am Kopf traf, irgendein bl�der Unfall � genau wie das, was Ian passiert war. Doch an Ian wollte sie jetzt nicht denken. Sie musste �ber zu viele andere Dinge nachdenken.</p><p>Sie wandte sich vom Anblick der Flut ab, die den Kent Channel wieder f�llte. Am oberen Ende der weitl�ufigen Rasenfl�che lag Arnside House. Einen Moment lang durchstr�mten sie Gl�cksgef�hle beim Betrachten des Anwesens. Das Haus bot ihr eine Aufgabe, auf die sie all ihre Energie lenken konnte, und daf�r war sie dankbar. Ob Bernard das gewusst hatte, fragte sie sich, als er es ihnen bei ihrer R�ckkehr nach England geschenkt hatte?</p><p>�Nach dem Krieg diente es eine Zeitlang als Erholungsheim f�r Soldaten�, hatte er ihr erkl�rt, als er einen ersten Rundgang mit ihr gemacht hatte,�und dann war es ungef�hr drei�ig Jahre lang ein M�dcheninternat. Danach haben zwei Eigent�mer es ein bisschen restauriert, um es wieder in seinen urspr�nglichen Zustand zu versetzen. Leider hat es zuletzt ein paar Jahre leer gestanden. Trotzdem hat es etwas ganz Besonderes, meine Liebe. Ich finde, das Haus hat es verdient, dass eine Familie darin lebt, dass Kinder darin herumtollen. Ja, mehr noch, es hat jemanden verdient wie dich, der ihm eine pers�nliche Note verleiht. �Die ganze Zeit hatte seine Hand sanft auf ihrem R�cken gelegen, w�hrend er mit ihr durch das Haus gegangen war. Er hatte eine Art, sie anzusehen, die sie ein bisschen irritierte. Manchmal schaute er erst Nicholas, dann sie, dann wieder Nicholas an, als k�nnte er nicht verstehen, was die beiden miteinander verband, weder, wo es herkam, noch, wie es �berdauern sollte.</p><p>Aber das st�rte Alatea nicht. Ihr war nur wichtig, dass Bernard sie akzeptierte, und das tat er. Anscheinend glaubte er sie im Besitz irgendeiner geheimnisvollen Macht, die Nicholas besch�tzte, vielleicht eine Art Hexerei. Und die Blicke, mit denen er sie von Kopf bis Fu� musterte, sagten ihr, dass er eine ziemlich genaue Vorstellung davon hatte, worin diese Hexerei bestand.</p><p>Sie ging �ber das terrassenf�rmig angelegte Grundst�ck auf das Haus zu. Vorsichtig stieg sie ein paar moosbewachsene steinerne Stufen hoch, dann �berquerte sie den Rasen zu einem Seiteneingang des Hauses. Sie �ffnete die T�r und betrat das Wohnzimmer, dessen blassgelbe W�nde selbst an grauen Tagen die Illusion von Sonnenlicht erzeugten.</p><p>Dieses Zimmer hatten sie als erstes renoviert. Von seinen Fenstern aus hatte man einen Blick auf die Terrasse, auf den Rasen und auf den Kent Channel. Wenn es dunkel war, konnte man sogar die Lichter von Grange-over-Sands oben auf dem H�gel sehen. Abends sa� sie hier mit Nicholas am Kamin, dessen Flammen lange Schatten auf den Fu�boden zauberten.</p><p>Es war noch ein bisschen fr�h f�r ein Feuer, aber sie z�ndete es trotzdem an, um sich zu tr�sten und sich zu w�rmen. Dann trat sie an den Anrufbeantworter in der Hoffnung, dass ihr Mann eine Nachricht hinterlassen hatte, und als sie sah, dass das rote L�mpchen nicht blinkte, beschloss sie, ihn noch einmal anzurufen. Langsam tippte sie die Nummer ein, so wie man es macht, wenn man hofft, dass eine eben noch besetzte Leitung endlich frei ist. Doch noch bevor sie die komplette Nummer eingegeben hatte, h�rte sie seine Schritte im Flur.</p><p>Sie hatte weder sein Auto vorfahren h�ren, noch, wie er das Haus betreten hatte. Aber sie wusste, dass es Nicholas war, ebenso wie sie an seinem leichten Schritt erkannte, in welcher Stimmung er war. Sie lie� das Handy in ihre Tasche gleiten. Als Nicholas nach ihr rief, antwortete sie:�Hier, Liebling!�, und im n�chsten Augenblick war er auch schon bei ihr.</p><p>Er blieb in der T�r stehen. In dem weichen Licht wirkte er wie ein Engel, wie eine �bergro�e Putte aus einem Renaissance-Gem�lde, das runde Gesicht von blonden Locken eingerahmt. Er sagte:�Du bist eine umwerfend sch�ne Frau. Ich hoffe, ich habe mich nicht im Haus geirrt. �Dann kam er auf sie zu. Ausnahmsweise trug sie flache Schuhe, so dass sie gleich gro� waren: beide fast eins achtzig. So war es leichter f�r ihn, sie zu k�ssen, was er leidenschaftlich tat. Er legte die H�nde auf ihren Hintern und zog sie an sich. Schlie�lich sagte er lachend:�Ich f�hle mich, als k�nnte ich B�ume ausrei�en!�, und einen schrecklichen Moment lang f�rchtete sie, er h�tte Drogen genommen. Doch dann zog er die Klammern und K�mme aus ihrem Haar, so dass es ihr auf die Schultern fiel, und begann, ihre Bluse aufzukn�pfen, w�hrend er atemlos von� Schwimmern �berichtete,�Millionen, Allie, und die sind topfit und warten nur auf ihren Einsatz. Wann ist noch dein Eisprung?�Er k�sste ihren Nacken und �ffnete ungeduldig ihren BH.�Ach, vergiss es, es ist mir egal.�</p><p>Ihr K�rper reagierte, obwohl ihre Gedanken in eine ganz andere Richtung gingen. Sie sank auf den Teppich vor dem Kamin, zog Nicholas mit sich und begann, ihn auszuziehen. Er war kein Mann, der wortlos Liebe machte.�Gott, dich zu f�hlen!�, st�hnte er und� Ach, Allie �und� Ja, ja, genauso�, und deshalb bekam sie genau mit, wie seine Erregung sich steigerte.</p><p>So wie die ihre. Und obwohl ihre Gedanken wie immer zuerst zu einem anderen Ort wanderten, in eine andere Zeit, zu anderen M�nnern, landeten sie schlie�lich bei diesem Mann hier. Ihre K�rper verschmolzen miteinander, und sie verschafften einander eine aus purem Genuss geborene Erleichterung, die alles andere unbedeutend erscheinen lie�.</p><p>Und das gen�gte ihr. Nein, f�r sie war es mehr als genug. Genug war f�r sie schon, dass Nicholas sie liebte und besch�tzte. Und dass sie dar�ber hinaus einen Mann gefunden hatte, mit dem sie sich im Bett so gut verstand, dass alle Erinnerungen und alle �ngste verblassten � Dass so etwas m�glich war, h�tte sie sich an jenem Nachmittag an der Kasse einer Cafeteria auf einem Berg in Utah niemals tr�umen lassen.</p><p>Nachdem er am n�chsten Tag und die beiden Tage danach wiedergekommen war und bei ihr bezahlt hatte, hatte er sie gefragt, ob er sie am Nachmittag auf einen Kaffee einladen d�rfe. Und hinzugef�gt, er trinke keinen Alkohol, er habe gerade eine Entziehungskur wegen seiner Crystal-Meth-Sucht hinter sich, er sei Engl�nder und werde bald nach England zur�ckkehren und seinen Eltern beweisen, dass er die Teufel, die ihn so lange Jahre geritten hatten, endlich besiegt hatte, dass er � Er hatte gar nicht bemerkt, dass sich hinter ihm eine lange Schlange gebildet hatte. Sie dagegen schon, und um ihn zum Weitergehen zu bewegen, hatte sie gesagt:�Okay, wir k�nnen uns auf einen Kaffee treffen. Unten im Dorf gibt es ein Caf�, direkt gegen�ber dem Skilift. Es hei�t ��Er war ihr ins Wort gefallen:�Ich finde es, keine Sorge. �Und er hatte es gefunden.</p><p>Jetzt lagen sie nebeneinander auf dem Teppich vor dem Kaminfeuer. Er sagte:�Du solltest deine H�ften ein bisschen kippen, Allie. Meine kleinen Schwimmer sind topfit, aber abw�rts schwimmen sie noch schneller. �Er st�tzte sich auf einen Ellbogen und schaute sie an.�Ich war in Lancaster�, sagte er.�Hast du versucht, mich anzurufen? Ich hab mein Handy abgeschaltet, weil ich wusste, dass ich dich nicht w�rde anl�gen k�nnen.�</p><p>�Nicky ��Sie h�rte selbst, wie geknickt sie klang. Sie w�nschte, sie h�tte ihre Entt�uschung verbergen k�nnen, aber noch schlimmer w�re es gewesen, sich die Angst einzugestehen, die sie pl�tzlich �berkommen hatte.</p><p>�Nein, Liebling, h�r zu. Ich musste den Test machen, einfach, um mir Gewissheit zu verschaffen. Ich habe meinen K�rper �ber so viele Jahre regelrecht vergiftet � ich wollte es einfach wissen. Ich meine, h�ttest du das nicht auch gemacht an meiner Stelle? Zumal, wo immer noch nichts passiert ist?�</p><p>Sie drehte sich auch auf die Seite, einen Arm ausgestreckt, so dass sie den Kopf darauf ablegen konnte. Aber sie schaute an ihm vorbei nach drau�en. Der Regen hatte eingesetzt und schlug gegen das Erkerfenster. Sie sagte:�Ich bin keine Geb�rmaschine, Nicky. Oder wie hei�en die Dinger?�</p><p>�Brutkasten�, sagte er.�Ich wei�, dass du kein Brutkasten bist. Und so habe ich dich noch nie betrachtet. Aber es ist doch verst�ndlich � Ich meine, wir sind jetzt schon seit zwei Jahren verheiratet � und wir wollen es doch beide unbedingt ��Er streichelte ihr �ber den Kopf. Ihr Haar war nicht weich und glatt, so dass man mit den Fingern durchfahren konnte. Es war kraus und wild, das Geschenk eines ihrer Vorfahren � von welchem aus dieser unglaublichen Vielfalt an Ethnien, die sich in ihrem Land vermischt hatten, das wusste Gott allein.</p><p>�Genau das ist es ja, Nicky�, sagte sie.�In meiner Elternzeitschrift steht, dass schon allein der intensive Kinderwunsch es schwierig machen kann.�</p><p>�Das verstehe ich. <emphasis>Wirklich</emphasis>, mein Schatz. Aber es k�nnte ja auch etwas anderes sein, und dann ist es doch besser, man wei� Bescheid, oder? Deswegen hab ich den Test gemacht, und jetzt kannst du ��</p><p>�Nein. �Sie schob seine Hand von ihrem Haar weg und setzte sich auf.</p><p>�Nicht! Bleib liegen! Sonst ��</p><p>Sie sah ihn an.�Bei uns in Argentinien gibt man den Frauen nicht das Gef�hl, dass sie nur zu einem Zweck auf der Welt sind.�</p><p>�Aber das denke ich doch gar nicht.�</p><p>�Diese Dinge brauchen Zeit. Da, wo ich herkomme, wissen wir das. Und ein Kind muss man lieben, es kann nicht ��Sie z�gerte und wandte sich ab. Sie kannte die Wahrheit, die nichts mit dem zu tun hatte, was ihr K�rper leistete oder nicht. Und die Wahrheit musste ausgesprochen werden.�Ein Kind�, sagte sie schlie�lich,�kann nicht dazu dienen, die Anerkennung deines Vaters zu gewinnen, Nicky.�</p><p>Ein anderer Mann h�tte vielleicht mit Emp�rung oder Leugnen reagiert, aber so war Nicholas nicht. Und seine unbedingte Ehrlichkeit, so erstaunlich f�r einen Mann, der jahrelang drogenabh�ngig gewesen war, war ein Grund, warum sie ihn so sehr liebte. Er sagte:�Da hast du vollkommen recht. Das ist tats�chlich einer der Gr�nde, warum ich mir ein Kind w�nsche. Das bin ich ihm schuldig nach allem, was ich ihm angetan habe. Er sehnt sich nach einem Enkelkind, und da meine Schwestern ihm keins geschenkt haben, kann ich das wenigstens f�r ihn tun. <emphasis>Wir</emphasis> k�nnen es f�r ihn tun.�</p><p>�Du siehst also ��</p><p>�Aber das ist nicht der einzige Grund, Allie. Ich m�chte ein Kind mit dir. Weil ich dich liebe und weil es <emphasis>uns</emphasis> gibt.�</p><p>�Und wenn ich diese Tests machen lasse und sich herausstellt, dass ich � keine Kinder bekommen kann?�Sie schwieg eine Weile. In der Stille, die eintrat, konnte sie sp�ren, wie seine Muskeln sich total anspannten. Sie wusste nicht, was das zu bedeuten hatte, und dieses Nichtwissen verursachte ihr ein Kribbeln in den Fingern, so dass sie sich bewegen musste. Sie stand auf.</p><p>Er sprang ebenfalls auf.�Glaubst du das denn?�, fragte er.</p><p>�Wie soll ich etwas anderes glauben ��Sie zeigte auf den Teppich, wo sie sich vor dem Feuer geliebt hatten.�� wenn all das nur dem Kinderkriegen dient. Deine kleinen Schwimmer, wie du sie nennst, wie fit sie sind und wie schnell, und wie ich mich danach hinlegen soll, damit sie ihre Aufgabe erf�llen k�nnen. Was glaubst du wohl, wie ich mich f�hle, wenn du darauf bestehst, dass ich zu einem Arzt gehe und die Beine spreize und ihn mit Instrumenten in mir herumfuhrwerken lasse und wei� der Teufel sonst noch alles?�</p><p>Sie war immer lauter geworden. W�tend hob sie ihre Sachen auf und zog sich an.�Den ganzen Tag�, sagte sie,�hast du mir so gefehlt. Ich habe mir Sorgen gemacht, als ich dich nicht erreichen konnte und du dich nicht gemeldet hast. Ich sehne mich nach dir, weil ich mit <emphasis>dir</emphasis> zusammen sein will, w�hrend du ��</p><p>�Dasselbe gilt f�r mich. Das wei�t du.�</p><p>�Ich wei� �berhaupt nichts.�</p><p>Sie lie� ihn stehen. Sie eilte durch den langen Flur, durch die Eingangshalle und durch das Esszimmer zur K�che, die auf der anderen Seite des Hauses lag. Sie begann mit den Vorbereitungen f�r das Abendessen. Eigentlich war es daf�r noch viel zu fr�h, aber sie musste ihre H�nde besch�ftigen. Sie war gerade dabei, Zwiebeln zu hacken, als Nicholas in die K�che kam. Er hatte sich auch angezogen, sein Hemd allerdings falsch zugekn�pft, so dass es ganz schief hing, und der Anblick machte sie wieder weich. Ohne sie war er ein einsamer kleiner Junge, das wusste sie, genauso wie sie ohne ihn v�llig verloren w�re.</p><p>�Tut mir leid�, sagte er.�Dass du dir vorkommst wie ein Brutkasten. Das ist wirklich das Letzte, was ich m�chte.�</p><p>�Ich nehme die Vitaminpr�parate�, sagte sie.�Und all die anderen Pillen. Ich messe meine Temperatur. Ich achte auf meine Ern�hrung. Ich tue alles, was hilft ��Sie brach ab, denn sie hatte angefangen zu weinen. Sie wischte sich mit dem Unterarm die Tr�nen aus dem Gesicht.</p><p>�Allie ��Er fasste sie an den Schultern und drehte sie zu sich um.</p><p>Sie umarmten einander und blieben ein paar Minuten so stehen. Schlie�lich sagte er:�Allein, dich so in den Armen zu halten, erf�llt mich mit Ehrfurcht. Wei�t du �berhaupt, was f�r ein Gl�ck ich habe? <emphasis>Ich</emphasis> wei� es, Allie.�</p><p>Sie nickte und l�ste sich von ihm. Er nahm ihr Gesicht mit beiden H�nden und betrachtete es auf diese f�r ihn typische Weise. Und wie bei anderen Gelegenheiten hatte sie auch jetzt das Gef�hl, dass alles, was sie ihm verschwiegen hatte, offen vor ihm lag und er in ihrem Gesicht lesen konnte wie in einem Buch. Aber er fragte nur:�Verzeihst du mir?�</p><p>�Nat�rlich. Und ich tue, worum du mich gebeten hast. Aber noch nicht. Bitte, Nicky. Lass uns noch ein paar Monate warten.�</p><p>Er nickte. Dann sagte er grinsend:�Bis dahin lassen wir die kleinen Schwimmer ein bisschen trainieren, okay? Sorgen wir daf�r, dass sie ihren Orientierungssinn ein bisschen schulen.�</p><p>Sie l�chelte.�Abgemacht.�</p><p>�Gut. Und jetzt verrat mir doch mal, warum du so einen Berg Zwiebeln hackst, denn meine Augen brennen wie der Teufel. Was kochst du?�</p><p>Sie betrachtete die Zwiebeln.�Keine Ahnung.�</p><p>Er lachte.�Du bist verr�ckt. �Er nahm sich die Post des Tages vor, die s�uberlich gestapelt neben dem K�chentelefon auf der Anrichte lag.</p><p>Sie hatten sich vertragen und waren wieder vollkommen entspannt. Sie plauderten �ber dies und das, bis Nicholas den Zettel mit der Nachricht fand, die Alatea notiert und dann total vergessen hatte, vor lauter Bestreben, das Gespr�ch �ber Kinder, �rzte in Lancaster und Nicholas� Erwartungen hinter sich zu bringen.</p><p>�Was ist das hier?�, fragte Nicholas und hielt den Zettel hoch, den sie am Morgen aus ihrem Notizheft gerissen hatte.</p><p>�Ach. Da hat jemand f�r dich angerufen. Eine Frau. Es geht um einen Fernsehfilm, �ber den sie gern mit dir reden w�rde. Sie ist � Ich glaube, sie hat gesagt, sie ist f�r die Recherche zust�ndig.�</p><p>Er runzelte die Stirn.�Was denn f�r ein Film?�</p><p>�Alternative Behandlungsmethoden bei Drogenabh�ngigkeit. Ein Dokumentarfilm, sagt sie. Sie machen Interviews mit S�chtigen und �rzten und Sozialarbeitern. Ein Kamerateam und jemand � ein Prominenter oder ein Moderator, was wei� ich �, der die Fragen stellt. Ich hab ihr gesagt, dass du wahrscheinlich nicht daran interessiert bist, aber ��</p><p>�Wieso?�</p><p>�Wieso was?�</p><p>�Wieso hast du ihr das gesagt?�</p><p>Sie nahm eins ihrer Kochb�cher aus dem Regal �ber der Arbeitsfl�che, das Nicholas f�r sie gebaut hatte, und bl�tterte darin herum auf der Suche nach einer Idee, was sie mit all den gehackten Zwiebeln machen sollte.�Solche Dinge befriedigen nur das Ego, Nicky�, sagte sie.�Dar�ber haben wir uns doch ausf�hrlich unterhalten. Das f�hrt zu nichts Gutem, und es r�ttelt viel zu viel auf.�</p><p>�Ja, ja. Aber es geht nicht um mich, Allie. �Er hielt den Zettel immer noch in der Hand.�Wo kommt die Frau her? Und wo kommen die Leute her, die den Film machen?�</p><p>�Das hab ich nicht gefragt. Ich hatte nicht angenommen ��Sie betrachtete den Deckel des Kochbuchs und �berlegte, wie sie ihm erkl�ren sollte, was sie meinte.�Nicky�, sagte sie,�mit solchen Dingen musst du vorsichtig sein. Du sagst doch selbst immer, dass du lieber im Hintergrund agierst, hinter den Kulissen. Das ist das Beste.�</p><p>�Geld aufzutreiben f�r das Projekt ist das Beste�, entgegnete er.�Das k�nnte genau das sein, was wir brauchen, um das Projekt zu verwirklichen.�</p><p>�Und wenn nicht?�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Na ja � dieser Zeitungsmensch, der so oft hier war � Was ist dabei rausgekommen? Nichts. All die Stunden, die du mit ihm verbracht hast, die langen Gespr�che, die F�hrungen. Du hast ihn sogar am Turm mitarbeiten lassen. Und was ist passiert? Nichts. Er verspricht, einen ausf�hrlichen Artikel �ber dein Projekt zu schreiben. Und? Wieder nichts. Ich m�chte nicht schon wieder die Entt�uschung in deinem Gesicht sehen�, sagte sie. Weil man nie wusste, wo das hinf�hren konnte, w�rde er jetzt bestimmt denken, aber daran lie� sich nichts �ndern.</p><p>Sein Gesichtsausdruck �nderte sich, aber er sah nicht verkniffen aus. Im Gegenteil, er strahlte sie an, und dieses Strahlen war Ausdruck seiner Liebe.�Allie, mein Schatz�, sagte er.�Mach dir keine Sorgen. Ich wei�, was Tag f�r Tag f�r mich auf dem Spiel steht. �Er nahm das Telefon in die Hand.�Es geht nicht um mein Ego. Es geht darum, Leben zu retten. So wie meins gerettet wurde.�</p><p>�Du sagst doch immer, ich h�tte dir das Leben gerettet.�</p><p>�Nein�, erwiderte er.�Du hast mein Leben wieder lebenswert gemacht. Ich m�chte wissen, was es mit diesem Film auf sich hat. �Er hielt das Telefon hoch.�Aber ich rufe nur an, wenn du einverstanden bist.�</p><p>Sie sah keinen anderen Ausweg. Er bat sie so selten um etwas. Nach allem, was er f�r sie getan hatte, blieb ihr nichts anderes �brig, als zu sagen:�Also gut, Nicky. Aber sei vorsichtig.�</p><p>�Super. �Er las die Nummer von dem Zettel ab, und w�hrend er sie eintippte, fragte er:�Wie war noch der Name? Ich kann das nicht lesen.�</p><p>Sie schaute �ber seine Schulter auf den Zettel.�St. James�, sagte sie.</p><subtitle>GREAT URSWICK � CUMBRIA</subtitle><p>Als die Tore der Margaret Fox School sich �ffneten, atmete Manette Fairclough McGhie erleichtert auf. Sie hatte bef�rchtet, dass Niamh Cresswell vergessen hatte, bei der Schule anzurufen und Bescheid zu geben, dass ihr Sohn heute von jemandem abgeholt wurde, der nicht auf der offiziellen Liste stand. Das w�re zumindest typisch f�r Niamh gewesen. Sie wusste, dass Manette und Ian sich nahegestanden hatten, was Manette in Niamhs Augen zu einer Post-Scheidungs-Feindin machte. Aber anscheinend war Ians Exfrau zu dem Schluss gekommen, dass die Annehmlichkeit, noch jemanden zu haben, der bereit war, ihren Sohn von der Schule abzuholen, ihr Bed�rfnis �berwog, sich f�r alle echte und vermeintliche Schmach zu r�chen, die man ihr angetan hatte. Niamh hatte gesagt:�Ich werde es Gracie sagen, damit sie sich keine Sorgen zu machen braucht, wenn Tim nicht zur �blichen Zeit nach Hause kommt�, so dass Manette sich schon fast verpflichtet f�hlte, nicht nur Tim, sondern auch Gracie f�r den Tag zu sich zu nehmen. Heute allerdings wollte sie mit Tim allein reden, denn das Gesicht, das er auf der Beerdigung seines Vaters gemacht hatte, verfolgte Manette bis in ihre Tr�ume. Es w�rde ihr zehnter Versuch werden, zu dem Sohn ihres verstorbenen Vetters durchzudringen. Sie hatte es beim Totenkaffee versucht. Sie hatte es mit Anrufen versucht. Sie hatte es mit E-Mails versucht. Und jetzt wollte sie es im direkten Gespr�ch versuchen. Schlie�lich konnte Tim ihr schlecht aus dem Weg gehen, wenn er bei ihr im Auto sa�.</p><p>Sie hatte heute fr�her Feierabend gemacht und noch schnell bei Freddie vorbeigeschaut, um sich zu verabschieden und ihm zu sagen, dass sie sp�ter nach Hause kommen w�rde.�Ich hole Tim ab�, hatte sie gesagt.�Ich dachte, es macht ihm vielleicht Spa�, einen Abend mit uns zu verbringen. Abendessen und dann eine DVD. Du wei�t schon. Vielleicht hat er ja auch Lust, �ber Nacht zu bleiben. �Freddies Antwort hatte sie ziemlich �berrascht. Anstatt ein abwesendes� In Ordnung, Manette �zu murmeln, hatte ihr ehemaliger Lebensgef�hrte ihr sein von einem Sonnenbrand knallrotes Gesicht zugewandt und gesagt:�Ach so, �h ��, und nach weiterem untypischen Gestammel schlie�lich herausgebracht:�Ich hab heute Abend eine Verabredung, Manette.�</p><p>�Oh�, hatte sie geantwortet und sich bem�ht, ihre Verbl�ffung zu verbergen.</p><p>�Ich finde, es ist allm�hlich an der Zeit�, hatte er hinzugef�gt.�Wahrscheinlich h�tte ich es dir eher sagen sollen, aber ich wusste nicht so richtig, wie ich es r�berbringen sollte.�</p><p>Manette gefielen die Gef�hle nicht, die das alles in ihr ausl�ste. Sie rang sich ein L�cheln ab.�Das freut mich f�r dich, Freddie. Jemand, den ich kenne?�</p><p>�Nein, nein, nat�rlich nicht. Nur eine ��</p><p>�Wie habt ihr euch denn kennengelernt?�</p><p>Er schob sich von seinem Schreibtisch weg. Auf dem Monitor hinter ihm sah sie ein Diagramm. Sie fragte sich, woran er gerade arbeitete. Wahrscheinlich an der Einnahmen-�berschuss-Rechnung. Er musste auch noch die Geh�lter und Pr�mien ermitteln. Ganz zu schweigen von der schwierigen Aufgabe, nach Ians Tod eine Bilanz zu erstellen. Wann hatte Freddie die Zeit gefunden, eine Frau kennenzulernen? Er sagte:�Dar�ber m�chte ich jetzt nicht reden. Es ist mir irgendwie unangenehm.�</p><p>�Ach so. Verstehe. �Manette nickte. Er sah sie ernst an, offenbar gespannt auf ihre Reaktion, deshalb sagte sie leichthin:�Dann bring sie doch einfach mal mit nach Hause. Mal sehen, ob sie mir gef�llt. Du wirst ja sicher nicht schon wieder einen Fehler machen wollen.�</p><p>�Du warst kein Fehler�, sagte er.</p><p>�Hm. Danke, dass du das sagst. �Sie kramte ihre Autoschl�ssel aus ihrer Handtasche.�Du bist also noch immer mein bester Freund?�</p><p>�Noch immer und f�r immer.�</p><p>Was er nicht aussprach, war etwas, das sie auch so wusste: Sie konnten nicht ewig so weitermachen wie jetzt. Obwohl sie geschieden waren, lebten sie weiter so wie immer, mit dem einzigen Unterschied, dass sie kein gemeinsames Schlafzimmer mehr hatten und nicht mehr miteinander schliefen. Geblieben war die tiefe Freundschaft, die sie schon immer miteinander verbunden hatte und die letztlich die Wurzel des Problems war. Seit dem Tag, an dem sie sich entschlossen hatten, sich scheiden zu lassen, hatte Manette oft gedacht, dass vielleicht alles anders gekommen w�re, wenn sie Kinder gehabt h�tten. Dann w�re ihre Beziehung vermutlich nicht an den Punkt gelangt, wo sie nur noch �ber die Vor- und Nachteile einer selbstreinigenden und selbstdeodorisierenden Toilette hatten reden k�nnen � und wie man so ein Produkt am besten vermarktete. Wenn man es so weit kommen lie�, brauchte man sich nicht zu wundern, wenn irgendwann der Zauber weg war. Eine einvernehmliche Scheidung war ihnen als die beste L�sung erschienen.</p><p>Ihr war nat�rlich klar gewesen, dass Freddie irgendwann eine Neue haben w�rde. Sie selbst hatte auch nicht vor, ewig allein zu bleiben. Sie hatte nur nicht damit gerechnet, dass es so bald passieren w�rde. Und jetzt fragte sie sich, ob sie insgeheim gehofft hatte, dass es gar nicht passieren w�rde.</p><p>Vorsichtig fuhr sie durch das Tor der Margaret Fox School. Sie war noch nie hier gewesen, aber Niamh hatte ihr erkl�rt, wo sie Tim finden w�rde. Es gebe einen beaufsichtigten Wartebereich in der N�he des Verwaltungsgeb�udes, hatte sie gesagt. Manettes Name w�rde auf einer Liste von Personen stehen, die Tim abholen durften. Sie solle ihren Ausweis mitnehmen. Oder noch besser ihren Pass, falls sie einen habe.</p><p>Sie fand Tim ohne Probleme, da die Einfahrt zur Schule direkt auf das Verwaltungsgeb�ude zuf�hrte. Der Sohn ihres Vetters sa� vorn�bergebeugt auf einer Bank, seinen Rucksack neben sich auf dem Boden. Er tat das, was nach Manettes Erfahrung die meisten Teenager heutzutage in jeder freien Minute taten � er verschickte eine SMS.</p><p>Sie hielt am Bordstein, aber Tim war so auf sein Handy konzentriert, dass er nicht einmal aufblickte. Das gab Manette Gelegenheit, ihn einen Moment lang zu beobachten. Nicht zum ersten Mal staunte sie dar�ber, welchen Aufwand Tim betrieb, um die �hnlichkeit mit seinem Vater zu verbergen. Ebenso wie Ian war er sp�t in die Pubert�t gekommen, und er befand sich immer noch mitten in einem Wachstumsschub. Er war also ziemlich klein f�r sein Alter, und ohne die Schuluniform wirkte er noch kleiner, da er nur unglaublich weite Sachen trug, die ihm um den schm�chtigen K�rper schlackerten. Selbst seine Baseballm�tze schien ihm zu gro� zu sein. Seine Haare, die er ewig nicht hatte schneiden lassen, hingen ihm bis �ber die Augen. Die musste er nat�rlich besonders verstecken, denn sie waren genauso gro� und braun und klar wie die seines Vaters � und sie waren wie diese der perfekte Spiegel seiner Seele.</p><p>Manette sah, dass er �rgerlich die Brauen zusammenzog. Offenbar gefiel ihm nicht, was er als Antwort auf seine SMS erhalten hatte. Er riss an seinen Fingern und biss dabei die Z�hne so heftig zusammen, dass Manette es nicht mitansehen konnte. Sie sprang aus dem Auto und rief seinen Namen. Er blickte auf. Einen Augenblick lang wirkte er �berrascht � Manette h�tte gern gedacht freudig �berrascht, aber das war sicherlich Wunschdenken �, dann war der finstere Blick wieder da. Er r�hrte sich nicht von seiner Bank weg.</p><p>�Hey, komm schon�, rief sie.�Heute bin ich deine Chauffeuse. Ich brauche deine Hilfe.�</p><p>�Ich hab schon was vor�, erwiderte er trotzig und gab eine neue SMS ein � oder tat zumindest so.</p><p>�Tja, ich wei� nicht, wie du von hier wegkommen willst�, entgegnete sie,�denn ich bin die Einzige mit einem fahrbaren Untersatz, die dir heute ihre Dienste anbieten wird.�</p><p>�Und wo ist Kaveh?�</p><p>�Was hat Kaveh denn damit zu tun?�</p><p>Tim blickte von seinem Handy auf und schnaubte ver�chtlich. Das Schnauben galt nat�rlich ihr, es war seine Art, <emphasis>bl�de Kuh</emphasis> zu sagen, ohne es auszusprechen. Vierzehnj�hrige Jungs waren derma�en leicht zu durchschauen �</p><p>�Komm schon, Tim�, sagte sie.�Lass uns fahren. Deine Mutter hat hier angerufen, und die Schule wird dich heute mit niemand anderem fahren lassen.�</p><p>Er wusste doch, wie das ablief. Und dass es keinen Zweck hatte, sich zu widersetzen. Er murmelte irgendetwas vor sich hin, raffte sich schlie�lich auf und schlurfte, den Rucksack hinter sich her ziehend, zum Auto. Dann lie� er sich mit so viel Wucht auf den Beifahrersitz fallen, dass das ganze Auto wackelte.�Immer mit der Ruhe�, sagte Manette.�Und anschnallen bitte. �Sie wartete, bis er ihrer Aufforderung nachkam.</p><p>Tim tat ihr leid. Das war alles zu viel f�r ihn gewesen. Er war im denkbar ung�nstigsten Alter gewesen, als sein Vater die Familie verlassen hatte, ganz unabh�ngig davon, aus welchem Grund das geschehen war. Aber dass sein Vater sich als Homosexueller geoutet hatte und mit seinem Freund zusammengezogen war, hatte Tims ganze Welt auf den Kopf gestellt. Wie sollte er sich in solch einer Situation verhalten, und wie sollte er da seine eigene gerade erwachende Sexualit�t verstehen? In Manettes Augen war es kein Wunder, dass er verhaltensauff�llig geworden war und jetzt die Sonderschule f�r verhaltensgest�rte Kinder und Jugendliche besuchte. Denn er war tats�chlich gest�rt. Wer w�re das an seiner Stelle nicht?</p><p>Vorsichtig fuhr sie vom Schulgel�nde und bog auf die Stra�e ein.�Im Handschuhfach liegen CDs�, sagte sie zu Tim.�Du k�nntest uns ein bisschen Musik auflegen.�</p><p>�Du hast sowieso nichts, was mir gef�llt. �Er schaute aus dem Fenster.</p><p>�Wetten, dass ich doch was hab? Sieh doch einfach mal nach.�</p><p>�Ich bin verabredet�, sagte er.</p><p>�Mit wem?�</p><p>�Mit jemand.�</p><p>Wieder dieses ver�chtliche Schnauben. Er murmelte sich etwas in den Bart. Als sie ihn bat, es zu wiederholen, sagte er:�Vergiss es�, und betrachtete die Landschaft.</p><p>Dabei gab es wei� Gott nichts Faszinierendes zu sehen. Zwischen Ulverston und Great Urswick im S�den fuhr man durch eine weite, h�gelige Landschaft, vorbei an �ckern, die durch Hecken oder Bruchsteinmauern von der Stra�e abgeschirmt waren, an Viehweiden, auf denen die allgegenw�rtigen Schafe grasten, und an vereinzelten Erlen- und Birkenw�ldchen.</p><p>Es war keine lange Fahrt. Manette wohnte in Great Urswick und damit n�her an der Margaret Fox School als Tims andere Verwandten. Eigentlich, dachte Margaret nicht zum ersten Mal, w�re es nur logisch, wenn Tim w�hrend der Schulzeit bei ihr wohnen w�rde, und das hatte sie Ian und Niamh auch vorgeschlagen, kurz nachdem sie den Jungen auf der Schule angemeldet hatten. Doch Niamh hatte nichts davon wissen wollen. Sie m�ssten auch an Gracie denken, hatte sie gesagt. Das M�dchen w�re untr�stlich, wenn sie die Nachmittage ohne ihren Bruder verbringen m�sste. Margaret vermutete, dass noch etwas ganz anderes dahintersteckte, aber sie hatte nicht insistiert, sondern sich einfach vorgenommen, den Jungen so oft wie m�glich zu sich zu holen.</p><p>Great Urswick war kaum mehr als eine Ansammlung von H�usern, die an einer Stelle entstanden waren, wo sich zwischen Bardsea und Morecambe mehrere Landstra�en kreuzten. Es gab einen Pub, eine Poststelle, ein Restaurant, zwei Kirchen und eine Grundschule, und das Dorf hatte den Vorteil, dass es an einem kleinen See lag. Die H�user am Seeufer mit ihren weitl�ufigen Wassergrundst�cken bildeten das Nobelviertel, wie Manette und Freddie sich gern ausdr�ckten.</p><p>Manette hielt vor einem dieser H�user und sagte zu Tim:�Komm mal mit. Ich zeige dir, wobei ich deine Hilfe brauche.�</p><p>�Wieso hilft Freddie dir nicht?�, fragte Tim und machte keine Anstalten, aus dem Auto zu steigen.</p><p>�Freddie?�Manette lachte.�Unm�glich. Da m�sste er ja erst einmal die Anleitung studieren, und das traue ich ihm nicht zu. Wir machen es folgenderma�en: Ich lese vor, und du baust das Ding auf. Hinterher machen wir uns Hamburger mit Fritten.�</p><p>�Aufbauen? Was denn? Das kann ich nicht.�</p><p>�O doch, das kannst du. Wart�s ab�, entgegnete sie.�Wir m�ssen hinters Haus gehen. Komm. �Sie ging los, ohne abzuwarten, ob Tim sich abschnallte.</p><p>Es handelte sich um ein Zelt. Nat�rlich h�tte sie es selbst aufbauen k�nnen, mit oder ohne Hilfe. Aber es ging ihr in erster Linie darum, Tim zu besch�ftigen und zum Reden zu bringen oder ihn zumindest dazu zu bringen, dass er etwas lockerer wurde.</p><p>Sie packte das Zelt aus und breitete es auf dem Rasen aus. Es war ziemlich gro�, eher f�r eine vierk�pfige Familie geeignet als f�r das, was Manette vorhatte, aber Zelte kaufte man in der Regel nicht im Herbst, und sie hatte sich mit dem zufriedengeben m�ssen, was im Angebot war. Als sie gerade dabei war, die diversen Heringe und Schn�re zu sortieren, h�rte sie Tim ums Haus kommen.�Ah, da bist du ja�, sagte sie.�M�chtest du ein H�ppchen essen, ehe wir anfangen?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. Sein Blick wanderte vom Zelt zu Manette und dann zum See.�Wozu willst du das denn aufbauen?�, fragte er.</p><p>�Ach, das ist nur zum �ben�, antwortete sie.�Wenn wir den Dreh erst mal raushaben, fahren wir zum Scout Scar rauf.�</p><p>�Und was machen wir da?�</p><p>�Na, zelten nat�rlich. Was denn sonst? Deine Mutter hat mir erz�hlt, dass du neuerdings da oben wandern gehst, und da ich auch f�r mein Leben gern in den Bergen wandere, dachte ich, wir k�nnten mal zusammen losziehen, wenn du fit genug bist.�</p><p>�Du gehst doch gar nicht in den Bergen wandern.�</p><p>�Hast du eine Ahnung. Ich treibe jede Menge Sport. Und Freddie m�chte nicht, dass ich am Stra�enrand entlangjogge. Er hat Angst, dass ich irgendwann �berfahren werde. Also los, worauf warten wir noch? Willst du wirklich nichts essen? Vanillekekse? Jaffa Cakes? Eine Banane? Toast mit Marmite?�</p><p>�Ich hab Nein gesagt!�, fauchte er.�Au�erdem hab ich dir gesagt, dass ich �ne Verabredung hab.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Es ist wichtig. Ich hab versprochen, dass ich komme.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Windermere.�</p><p>�<emphasis>Windermere</emphasis>? Mit wem zum Teufel triffst du dich denn in Windermere? Wei� deine Mutter davon?�Sie stand auf.�Was ist los, Tim? Hast du irgendwas vor, wovon du lieber die Finger lassen solltest?�</p><p>�Was soll das denn hei�en?�</p><p>�Das wei�t du ganz genau. Drogen, Alkohol, irgendwas Unsinniges, das ��</p><p>�Nein! H�r zu, ich muss dahin. <emphasis>Wirklich</emphasis>!�</p><p>Sie h�rte die Verzweiflung in seiner Stimme, auch wenn sie keine Ahnung hatte, was der Grund daf�r war. Alles, was ihr als Erkl�rung einfiel, beunruhigte sie. Aber in seinen Augen lag etwas Gequ�ltes, etwas, das sie um Hilfe anflehte. Sie sagte:�Ich kann dich da nicht hinbringen, ohne vorher mit deiner Mutter zu sprechen. �Sie ging in Richtung Haus.�Ich werde sie anrufen und ��</p><p>�Nein!�</p><p>�Warum nicht? Tim, was ist los?�</p><p>�Das interessiert die doch sowieso nicht. Sie wei� nichts davon. Es spielt keine Rolle. Wenn du sie anrufst � Schei�e, Schei�e, <emphasis>Schei�e</emphasis>!�Er trampelte �ber das ausgebreitete Zelt und ging zum Steg hinunter. Dort lag ein Boot, doch er stieg nicht ein, sondern lie� sich auf die Planken fallen und verbarg das Gesicht in den H�nden.</p><p>Manette sah, dass er weinte. Es brach ihr das Herz. Sie ging zu ihm und hockte sich neben ihn.�Tim, ich wei�, dass du es im Moment schwer hast. Dass das alles ganz schlimm f�r dich ist. Aber das geht vorbei. Das verspreche ich dir. Es geht vorbei, weil ��</p><p>�Du wei�t �berhaupt nichts!�Er sprang auf und schubste sie so heftig, dass sie umfiel.�Du wei�t einen Schei�dreck!�Er trat auf sie ein. Ein stechender Schmerz fuhr ihr in die Niere. Sie wollte seinen Namen rufen, aber ehe sie dazu kam, trat er wieder zu.</p></section><section><title><p>3.�November</p></title><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Lynley traf am Nachmittag in Ireleth Hall ein. Vor die Wahl gestellt, entweder zu fliegen, mit dem Auto oder mit dem Zug zu fahren, hatte er sich trotz der L�nge der Strecke f�r das Auto entschieden und den Tag tief in Gedanken versunken in seinem Healey Elliott verbracht.</p><p>Er war am Abend zuvor nicht mit Isabelle zusammen gewesen. Sie hatte ihn eingeladen, und er w�re gern zu ihr gefahren, aber er war zu dem Schluss gekommen, dass es besser f�r sie beide war, wenn er diesmal nicht zu ihr ging. Obwohl sie das Gegenteil beteuert hatte, wusste er, dass sie das Ziel und den Grund seiner Reise in Erfahrung bringen wollte, und er hatte nicht vor, sie dar�ber aufzukl�ren. Lynley wollte den Streit vermeiden, den das Gespr�ch unweigerlich ausgel�st h�tte. Isabelle hatte in den Monaten, seit sie zusammen waren, ihren Alkoholkonsum radikal eingeschr�nkt, und er bef�rchtete, dass irgendetwas � wie zum Beispiel ein Krach mit ihm � sie wieder zur Flasche greifen lassen k�nnte.</p><p><emphasis>Darling, ich hatte ja keine Ahnung, dass du Frauen gegen�ber so ein Feigling geworden bist</emphasis>, h�tte Helen dazu gesagt. Aber so wie er das sah, hatte es nichts mit Feigheit zu tun, sondern mit Lebenserfahrung. Dar�ber und �ber sich und Isabelle hatte er fast auf dem ganzen Weg nach Cumbria nachgedacht. Und er hatte sich gefragt, ob sie zusammenpassten.</p><p>Die Fl�gel des gro�en schmiedeeisernen Tors von Ireleth Hall standen weit offen, als h�tte man ihn bereits erwartet. Lynley fuhr im Schatten von steinalten Eichen �ber den Weg, der sich zum Windermere-See hinunterwand, und hielt schlie�lich vor einem eindrucksvollen, von grauen Flechten �berzogenen steinernen Geb�ude mit zahlreichen Giebeln und einem m�chtigen Wehrturm, ein Hinweis auf das hohe Alter zumindest eines Teils des Geb�udes. Dreizehntes Jahrhundert, dachte Lynley. Mehr als vierhundert Jahre �lter als sein eigener Herrensitz in Cornwall.</p><p>Zu beiden Seiten des Geb�udes erstreckten sich weitl�ufige Rasenfl�chen mit vereinzelten Eichen, darunter einige der �ltesten, die Lynley je gesehen hatte, und Platanen, unter denen Damwild graste.</p><p>Lynley stieg aus und atmete tief ein. Die Luft war noch feucht vom Regen. Der See war vom Haus verdeckt, aber von den nach Westen gelegenen Fenstern aus hatte man wahrscheinlich einen fantastischen Blick aufs Wasser und das gegen�berliegende Ufer.</p><p>�Da sind Sie ja.�</p><p>Lynley drehte sich um, als er Bernard Faircloughs Stimme h�rte. Der Mann kam aus einem Garten an der Nordseite des Geb�udes auf ihn zu, der von einer Mauer eingegrenzt wurde. Er begr��te Lynley, fuhr voller Bewunderung mit der Hand �ber einen Kotfl�gel des Healey Elliott, erkundigte sich h�flich nach Baujahr und Leistung des Oldtimers und fragte, ob Lynley eine angenehme Fahrt gehabt habe. Nach dem Austausch der Nettigkeiten f�hrte er Lynley ins Haus. Sie betraten eine riesige, eichenget�felte Eingangshalle, an deren W�nden blankpolierte Brustschilde alter R�stungen hingen. Ein Feuer brannte in einem offenen Kamin, vor dem zwei Sofas einander gegen�berstanden. �ber dem Haus schien eine tiefe Stille zu liegen, die nur vom Knistern des Feuers und dem Ticken einer Standuhr gest�rt wurde.</p><p>Fairclough sprach so leise, als bef�nden sie sich in einer Kirche oder als f�rchtete er, dass jemand mith�ren k�nnte, obwohl sie allein waren, soweit Lynley das beurteilen konnte.�Ich musste Valerie mitteilen, warum Sie hier sind�, sagte er.�Wir haben keine Geheimnisse voreinander � wir sind seit mehr als vierzig Jahren verheiratet, und im �brigen kann ich ihr sowieso nichts vormachen. Sie ist also im Bilde. Sie wird mitspielen, auch wenn sie nicht gerade begeistert davon ist, dass ich diese Sache ins Rollen gebracht habe. Aber sie versteht mich � So gut wie eine Mutter es eben verstehen kann, wenn es um ihr eigenes Kind geht. �Fairclough r�ckte seine Hornbrille zurecht und �berlegte.�Aber sie ist die Einzige, die eingeweiht ist. F�r alle anderen sind Sie einfach ein Mitglied aus dem Twins Club, der f�r ein paar Tage hier zu Besuch ist. Einige wissen �ber die Sache mit Ihrer Frau Bescheid. Das macht das Ganze � �h � glaubw�rdiger. Ich hoffe, Sie haben damit kein Problem?�</p><p>Er wirkte nerv�s. Lynley fragte sich, warum. Weil er hier war? Weil er Polizist war? Oder weil zu bef�rchten stand, dass er bei seinen Nachforschungen auf etwas Peinliches stie�? Wahrscheinlich kamen alle drei M�glichkeiten in Frage. Auf jeden Fall machte Faircloughs Nervosit�t ihn neugierig.��ber Helens Tod wurde in allen Zeitungen berichtet�, sagte er.�Ich kann also kaum etwas dran �ndern, dass die Umst�nde ihres Todes allgemein bekannt sind.�</p><p>�Gut, gut. �Fairclough rieb sich die H�nde, wie um zu sagen: Packen wir�s an. Er l�chelte.�Ich zeige Ihnen Ihr Zimmer und f�hre Sie kurz durchs Haus. F�r heute Abend habe ich ein Abendessen im kleinen Kreis geplant, nur f�r uns vier, und morgen k�nnen Sie dann vielleicht � Was auch immer Sie vorhaben.�</p><p>�Uns vier?�</p><p>�Unsere Tochter Mignon wird auch dabei sein. Sie wohnt nicht hier im Haus, denn in ihrem Alter braucht eine Frau ihre eigenen vier W�nde. Aber sie wohnt ganz in der N�he, und sie ist alleinstehend, und da Sie Witwer sind, dachten wir ��</p><p>Wenigstens besa� Fairclough den Anstand, in Verlegenheit zu geraten, dachte Lynley.</p><p>�� das w�rde Ihrer Anwesenheit noch etwas mehr Glaubw�rdigkeit verleihen. Ich habe mit Mignon nicht direkt �ber die Sache gesprochen, k�nnte mir jedoch vorstellen, dass sie Ihnen gegen�ber gespr�chiger ist, wenn Sie � ihr ein bisschen Interesse entgegenbringen.�</p><p>�Glauben Sie, sie hat etwas zu verbergen?�, fragte Lynley.</p><p>�Sie ist mir ein R�tsel�, antwortete Fairclough.�Mir ist es noch nie gelungen, bis zu ihr durchzudringen. Ich hoffe, dass Sie da mehr Gl�ck haben. Kommen Sie. Hier entlang.�</p><p>Das Treppenhaus, dessen W�nde mit Landschaftsaquarellen geschm�ckt waren, befand sich im Wehrturm. Sie stiegen ein Stockwerk hoch und betraten einen Korridor, der ebenso wie die Eingangshalle mit Eichenpaneelen get�felt war, allerdings ohne die gro�en Fenster. Nur durch ein schmales Bleiglasfenster am Ende des Korridors fiel ein Lichtstreifen, in dem Staubfl�ckchen tanzten, als w�ren sie gl�cklich, der Gefangenschaft in dem persischen L�ufer entkommen zu sein.</p><p>Sie betraten ein ger�umiges Zimmer mit einem Erkerfenster, in dessen Laibung eine Bank eingebaut war. Fairclough f�hrte Lynley an dieses Fenster.�Windermere�, sagte er �berfl�ssigerweise.</p><p>Wie Lynley vermutet hatte, lag die Westseite des Hauses zum See hin. Das Gel�nde war in Terrassen angelegt. Die zwei oberen bestanden aus Rasenfl�chen, w�hrend die unterste, die direkt an den See grenzte, mit Kies bedeckt war. Dort standen verwitterte Tische, St�hle und Liegen. Weit entfernt im Nordosten ragte eine Halbinsel in den See, Rawlinson Nab, wie Fairclough Lynley erkl�rte. Etwas n�her lag die winzige, von ein paar Eschen bewachsene Insel Grass Holme, die im Wasser zu treiben schien, und weiter drau�en stach die Insel Grubbins Point wie ein Fingerkn�chel aus dem Wasser.</p><p>�Wie sch�n, hier zu wohnen�, bemerkte Lynley.�Au�er im Sommer vielleicht, denn ich k�nnte mir vorstellen, dass die Gegend dann von Urlaubern �berlaufen ist. �Er wusste, dass Cumbria und ganz besonders der Lake District eins der beliebtesten Urlaubsziele Englands waren. Von Juni bis September wurde hier bei jedem Wetter gewandert, geklettert und gezeltet.</p><p>�Ehrlich gesagt, w�nschte ich, ich k�nnte �fters hier sein�, sagte Fairclough.�Bei all den Terminen in der Firma in Barrow, bei der Stiftung, mit meinen Anw�lten in London und beim Verteidigungsministerium schaffe ich es h�chstens einmal im Monat hierher.�</p><p>�Verteidigungsministerium?�</p><p>Fairclough verzog das Gesicht.�Mein Leben ist vollkommen unromantisch. Ich stelle eine Komposttoilette her, an der die interessiert sind. Wir f�hren schon seit Monaten Gespr�che.�</p><p>�Und die Anw�lte? Gibt es ein Problem, �ber das ich Bescheid wissen m�sste? Etwas, das mit der Familie zu tun hat? Mit Ian Cresswell?�</p><p>�Nein, nein�, sagte Fairclough.�Es handelt sich um Patentanw�lte. Dann sind da noch die Anw�lte der Stiftung. Das alles h�lt mich ziemlich auf Trab. Um das Haus hier k�mmert sich Valerie. Da sie hier aufgewachsen ist, macht sie das gern.�</p><p>�Klingt, als w�rden Sie sich nicht allzu oft sehen.�</p><p>Fairclough l�chelte.�Das Geheimnis einer langen, gl�cklichen Ehe. Ein bisschen ungew�hnlich, aber es funktioniert schon sehr lange. Ah, da kommt Valerie.�</p><p>Lynley schaute in den Garten hinaus in der Annahme, Fairclough habe seine Frau dort erblickt, doch der zeigte auf ein Ruderboot auf dem See, das sich dem Ufer n�herte. Aufgrund der Entfernung war nicht zu erkennen, ob die rudernde Person m�nnlich oder weiblich war.�Sie f�hrt zum Bootshaus�, sagte Fairclough.�Am besten, wir gehen gleich hin, dann kann ich Sie einander vorstellen. Bei der Gelegenheit sehen Sie auch, wo Ian � Na ja, Sie wissen schon.�</p><p>Als sie ins Freie traten, fiel Lynley auf, dass das Bootshaus vom Haupthaus aus nicht zu sehen war. Vom S�dfl�gel von Ireleth Hall aus f�hrte ein gewundener Weg durch einen Garten. Mahonien, mit der Stechpalme verwandte Str�ucher, standen dort so dicht, als w�chsen sie dort schon seit hundert Jahren. Nachdem sie ein Pappelw�ldchen durchquert hatten, �ffnete sich vor ihnen eine f�cherartig angelegte Anlegestelle, neben der sich das Bootshaus erhob: eine verspielte Konstruktion, mit den f�r die Gegend typischen Schieferplatten, einem Spitzdach und einer einzigen T�r. Fenster gab es keine.</p><p>Die T�r stand offen, und Lynley folgte Fairclough hinein. Im Innern des Bootshauses verlief entlang der zum Land gelegenen Giebelwand und der beiden Seitenw�nde ein gemauerter Anleger, gegen den die Wellen des Sees pl�tscherten. Ein Motorboot, ein Skullboot und ein uraltes Kanu waren daran vert�ut. Fairclough erkl�rte Lynley, das Skullboot habe Ian Cresswell geh�rt. Valerie Fairclough hatte das Bootshaus noch nicht erreicht, aber sie konnten sie bereits sehen.</p><p>�Ian hat das Skullboot zum Kentern gebracht, als er gest�rzt ist�, sagte Fairclough.�Da vorne. Da, wo die beiden Steine fehlen. Wahrscheinlich hat sich einer der Steine gel�st, als er darauf getreten ist. Dann hat er das Gleichgewicht verloren und ist ins Wasser gefallen, und dabei ist auch der andere Stein rausgebrochen.�</p><p>�Wo sind sie jetzt?�Lynley ging zu der Stelle und hockte sich hin, um die Stelle genauer zu betrachten. Im Bootshaus gab es kaum Licht. Er w�rde noch einmal mit einer Taschenlampe herkommen m�ssen.</p><p>�Was meinen Sie?�</p><p>�Die Steine, die sich gel�st haben. Wo sind die? Ich w�rde sie mir gern ansehen.�</p><p>�Soweit ich wei�, liegen sie noch im Wasser.�</p><p>Lynley blickte auf.�Niemand hat sie herausgeholt, um sie zu untersuchen?�Das war ungew�hnlich. Ein fr�hzeitiger Tod wie dieser warf alle m�glichen Fragen auf. Und eine davon lautete, wie ein Stein sich aus dem Mauerwerk hatte l�sen k�nnen, egal, wie alt der Anleger sein mochte. Nat�rlich konnten Alterserscheinungen die Ursache sein. Aber ein Mei�el kam auch in Frage.</p><p>�Der Gerichtsmediziner hat, wie gesagt, auf Unfall entschieden. Dem Polizisten, der hergerufen wurde, kam alles ziemlich eindeutig vor. Er hat einen Inspector benachrichtigt, der hat sich umgesehen und ist zu demselben Schluss gekommen.�</p><p>�Waren Sie hier, als es passiert ist?�</p><p>�Nein, ich war in London.�</p><p>�War Ihre Frau allein, als sie die Leiche entdeckt hat?�</p><p>�Ja. �Er schaute in Richtung See.�Ah, da ist sie.�</p><p>Lynley stand auf. Die Frau ruderte mit voller Kraft, und das Ruderboot n�herte sich z�gig. Kurz vor der Einfahrt zum Bootshaus hob Valerie Fairclough die Ruder aus den Dollen und legte sie auf den Boden des Boots, das mit dem letzten Schwung hineinglitt.</p><p>Valerie Fairclough trug Regenkleidung: gelbe �ljacke und � hose, Handschuhe und Gummistiefel. Sie hatte jedoch weder einen Hut noch eine M�tze aufgesetzt, und ihr graues Haar wirkte wie frisch frisiert, obwohl sie �ber den See gerudert war.</p><p>�Was gefangen?�, fragte Fairclough.</p><p>Sie drehte sich um, schien jedoch nicht im Mindesten �berrascht.�Ach, da bist du ja�, sagte sie.�Nein, ich hatte kein Gl�ck heute. Ich war drei Stunden drau�en und habe nur drei armselige kleine Gesch�pfe gefangen, die mich so ungl�cklich angesehen haben, dass ich sie wieder ins Wasser geworfen habe. Sie m�ssen Thomas Lynley sein. Willkommen in Cumbria.�</p><p>�Nennen Sie mich Tommy. �Er streckte ihr seine Hand entgegen. Aber anstatt sie zu nehmen, warf sie ihm die Leine zu.</p><p>�Kopfschlag�, sagte sie.�Oder klingt das chinesisch?�</p><p>�F�r mich nicht.�</p><p>�Sie gefallen mir. �Sie reichte ihrem Mann ihre Angelausr�stung: einen Angelkasten, eine Rute und einen Eimer mit Maden. Auf jeden Fall war Valerie Fairclough keine zimperliche Frau, dachte Lynley.</p><p>Sie stieg aus dem Boot, w�hrend Lynley es vert�ute. Sie war unglaublich beh�nde f�r ihr Alter, und sie war immerhin schon siebenundsechzig, wie Lynley wusste. Sie sch�ttelte ihm die Hand.�Herzlich willkommen�, sagte sie.�Hat Bernie Sie schon herumgef�hrt?�Sie zog ihre Regenkleidung aus und h�ngte Jacke und Hose an der Wand auf, w�hrend ihr Mann die Anglerausr�stung unter einer Bank verstaute. Als er sich zu ihr umdrehte, hielt sie ihm eine Wange f�r einen Kuss hin.�Darling�, sagte sie zur Begr��ung. Dann:�Wann bist du angekommen?�Worauf er erwiderte:�Heute Mittag�, darauf sie:�Du h�ttest eine Leuchtrakete abschie�en sollen. �Ein Zwinkern.�Mignon?�, fragte sie. Darauf er:�Noch nicht. Alles gut?�Und sie:�Allm�hlich. �Es war, dachte Lynley, der typische Telegrammstil von Paaren, die schon sehr lange zusammen waren.</p><p>�Sie haben sich wahrscheinlich gerade angesehen, wo unser Ian ertrunken ist, nehme ich an�, sagte Valerie zu Lynley mit einer Kopfbewegung in Richtung des Skullboots.�Bernie und ich sind uns in der Sache nicht einig, aber das wird er Ihnen schon mitgeteilt haben.�</p><p>�Er sagte mir, dass Sie den Toten gefunden haben. Es muss ein Schock f�r Sie gewesen sein.�</p><p>�Ich hatte gar nicht gewusst, dass er mit dem Boot rausgefahren war, ja nicht einmal, dass er �berhaupt hier war. Er hatte seinen Wagen ja nicht am Haus geparkt. Als ich ihn fand, lag er schon fast vierundzwanzig Stunden im Wasser, Sie k�nnen sich also vorstellen, wie er ausgesehen hat. Trotzdem bin ich froh, dass ich ihn gefunden habe und nicht Mignon. Oder Kaveh. Nicht auszudenken, was dann passiert w�re.�</p><p>�Kaveh?�, wiederholte Lynley.</p><p>�Ians Lebensgef�hrte. Er f�hrt hier auf dem Anwesen ein paar Arbeiten f�r mich aus. Ich lasse gerade einen Fantasiegarten anlegen, den hat er entworfen. Und jetzt beaufsichtigt er die Arbeiten.�</p><p>�Ist er jeden Tag hier?�</p><p>�Vielleicht dreimal pro Woche. Er meldet sich nicht bei mir an, und ich k�mmere mich nicht darum. �Sie betrachtete Lynley, als versuchte sie zu ergr�nden, was in seinem Kopf vor sich ging.�W�re es Ihnen recht, wenn der G�rtner der M�rder w�re?�</p><p>Lynley l�chelte.�Vielleicht stellt sich ja auch heraus, dass der Gerichtsmediziner recht hatte.�</p><p>�Davon bin ich �berzeugt. �Sie warf ihrem Mann einen Blick zu. Lynley sah, dass Fairclough konzentriert auf den See hinausschaute.�Es war ein schrecklicher Schlag f�r uns. Bernie und ich mochten Ian sehr. Wir h�tten den Anleger besser in Schuss halten sollen. Er ist ziemlich alt � �ber hundert Jahre �, und er wurde st�ndig benutzt. Steine lockern sich mit der Zeit. Sehen Sie hier. Der ist auch locker.�</p><p>Sie stie� mit der Fu�spitze gegen einen Stein neben der Stelle, wo die anderen beiden herausgefallen waren. Er war tats�chlich locker, genau, wie sie gesagt hatte. Aber das konnte nat�rlich auch daran liegen, dachte Lynley, dass jemand ihn absichtlich gelockert hatte.</p><p>�Wenn ein Unfall passiert, haben wir das Bed�rfnis, einen Schuldigen zu finden�, sagte Valerie.�Und dieser Unfall war besonders tragisch, denn jetzt sind zwei Kinder ihrer verr�ckten Mutter ausgeliefert, und es gibt niemanden mehr, der einen m��igenden Einfluss aus�bt. Doch wenn in diesem Fall irgendjemand Schuld hat, dann bin ich das.�</p><p>�Valerie�, sagte ihr Mann.</p><p>�Ich bin verantwortlich f�r Ireleth Hall und das gesamte Anwesen, Bernie. Ich habe versagt. Und jetzt ist dein Neffe tot.�</p><p>�Ich mache dich nicht f�r seinen Tod verantwortlich�, entgegnete ihr Mann.</p><p>�Aber vielleicht solltest du das einmal in Erw�gung ziehen.�</p><p>Sie schauten einander in die Augen, und Bernie wandte sich als Erster ab. Dieser Blick hatte Lynley mehr gesagt, als ihre Worte es getan hatten. Hier gab es tiefe und tr�be Gew�sser, und das galt nicht nur f�r den See.</p></section><section><title><p>4.�November</p></title><subtitle>MILNTHORPE UND ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Als sie sich entschlossen hatten, ein paar Tage nach Cumbria zu fahren, um Tommy zu helfen, hatte Deborah St. James sich vorgestellt, dass sie und Simon sich ein Zimmer in einem von wildem Wein �berwucherten Hotel nehmen w�rden, mit fantastischem Blick auf einen der Seen. Sie w�re sogar mit einem Blick auf einen Wasserfall zufrieden gewesen, die es in der Gegend im �berfluss gab. Stattdessen waren sie in einem alten Gasthaus namens Crow &amp; Eagle gelandet, das genau dort lag, wo man ein Gasthaus erwarten w�rde: an einer Kreuzung von zwei Landstra�en, �ber die die ganze Nacht Lastwagen rumpelten. Die Kreuzung wiederum lag in der Mitte des Marktfleckens Milnthorpe, und zwar so weit im S�den, dass die Gegend offiziell gar nicht zum Lake District geh�rte, und das einzige Gew�sser, das der Ort zu bieten hatte, war ein Bach namens Bela, der irgendwo in die Morecambe Bay m�ndete.</p><p>Simon hatte ihren Gesichtsausdruck bemerkt, als sie den Gasthof erblickt hatte, und gesagt:�Tja, wir sind schlie�lich nicht zu unserem Vergn�gen hier, meine Liebe, aber wenn wir die Sache hinter uns gebracht haben, g�nnen wir uns ein paar Tage Urlaub. �Dann hatte er grinsend hinzugef�gt:�Und zwar in einem Luxushotel mit Blick auf Windermere, mit Kaminfeuer, Scones, Tee und allem, was das Herz begehrt.�</p><p>Sie hatte ihn mit zusammengekniffenen Augen angesehen und erwidert:�Ich nehme dich beim Wort.�</p><p>�Etwas anderes h�tte ich auch nicht von dir erwartet.�</p><p>Am Abend ihrer Ankunft hatte sie auf ihrem Handy den Anruf erhalten, auf den sie gewartet hatte. Sie hatte sich mit demselben Spruch gemeldet, den sie an dem Tag bei jedem Anruf aufgesagt hatte, um sich daran zu gew�hnen:�Fotostudio Deborah St. James�, und hatte Simon zugenickt, als der Anrufer sich als Nicholas Fairclough vorgestellt hatte. Sie hatten nicht lange gebraucht, um sich zu verabreden. Er war bereit, sich mit ihr zu treffen und �ber das Projekt zu reden, dessentwegen sie angerufen hatte. Er hatte gefragt:�Dieser Dokumentarfilm � da geht�s doch nicht um mich, oder? Zumindest nicht um mein Privatleben?�Sie hatte ihm versichert, dass es nur um das von ihm ins Leben gerufene Projekt gehe, ehemaligen Drogens�chtigen unter die Arme zu greifen. Sie wolle zun�chst ein Vorabinterview mit ihm f�hren, erkl�rte sie ihm. Anschlie�end w�rde sie einen Bericht f�r einen Produzenten von Query Productions schreiben, der dar�ber zu entscheiden habe, ob Faircloughs Initiative in den Dokumentarfilm aufgenommen w�rde.�Ich mache das bisher alles nur auf Verdacht�, hatte sie ihm erkl�rt.�Ich habe keine Ahnung, ob Sie am Ende in dem Film auftauchen werden. �Das schien ihn zu erleichtern, denn er hatte lebhaft geantwortet:�Also gut. Wann treffen wir uns?�</p><p>Jetzt war sie gerade im Aufbruch, um zu dem Treffen zu fahren. Simon telefonierte derweil mit dem Coroner und erz�hlte diesem eine Geschichte von einer Vorlesung, die er an der London University halten wolle. Sie fand, dass er wesentlich wortgewandter war als sie. Dass er sich so gut verstellen konnte, gab ihr zu denken. Es war kein angenehmes Gef�hl zu wissen, dass der eigene Ehemann so ein geschickter L�gner war, wenn es darauf ankam.</p><p>Ihr Handy klingelte, als sie gerade ihre Sachen zusammensuchte. Sie warf einen Blick aufs Display und erkannte die Nummer. Diesmal brauchte sie sich nicht mit� Fotostudio Deborah St. James �zu melden. Der Anrufer war Simons Bruder David.</p><p>Sie wusste sofort, warum David sie anrief. Sie war bereits darauf vorbereitet.</p><p>�Ich dachte, du hast vielleicht ein paar Fragen, die ich dir leicht beantworten kann�, sagte David in einem aufmunternden Tonfall.�Das M�dchen m�chte dich unbedingt kennenlernen, Deborah. Sie hat sich deine Website angesehen, die Fotos und alles. Simon meinte, du w�rst ein bisschen besorgt wegen der gro�en Entfernung, weil ihr in London wohnt und sie hier in Southampton. Also, unter normalen Umst�nden h�tte sie das auch gar nicht in Erw�gung gezogen, aber sie wei�, dass Simon mein Bruder ist, und ihr Vater arbeitet schon seit �ber zwanzig Jahren hier in der Firma. In der Buchhaltung�, f�gte er hastig hinzu. Was bedeuten sollte: <emphasis>Sie stammt aus einer anst�ndigen Familie</emphasis>, als glaubte er, das M�dchen k�nnte schlechte Erbanlagen haben, wenn ihr Vater Hafenarbeiter w�re.</p><p>Sie wollten eine Entscheidung von ihr. Das konnte Deborah verstehen. F�r David und Simon war diese Art der Adoption die perfekte L�sung eines Problems, mit dem sie und Simon sich seit Jahren herumschlugen. Sie waren es beide gew�hnt, jedes Problem im Leben ohne zu z�gern anzupacken. Sie waren nicht wie sie, die �ngstlich in die Zukunft blickte und sich ausmalte, wie kompliziert und belastend das Szenario werden k�nnte, das sie vorschlugen.</p><p>Sie sagte:�David, ich wei� es einfach nicht. Ich glaube nicht, dass es funktionieren w�rde. Ich kann mir nicht vorstellen ��</p><p>�Hei�t das, du sagst Nein?�</p><p>Das war auch so ein Problem. Nein zu sagen, bedeutete nein. Um Aufschub zu bitten bedeutete, keine Position zu beziehen. Warum zum Teufel, fragte sie sich, konnte sie sich nicht zu einer klaren Haltung durchringen? Dass es vielleicht ihre letzte und einzige Chance war, m�sste ihr die Sache doch eigentlich erleichtern. Aber sie war wie erstarrt.</p><p>Sie versprach, David zur�ckzurufen, erkl�rte ihm, sie habe es eilig und m�sse sich jetzt auf den Weg nach Arnside machen. Ein schwerer Seufzer sagte ihr, dass ihm das nicht gefiel, doch er protestierte nicht. Simon enthielt sich eines Kommentars, obwohl er sein Gespr�ch beendet und zweifellos mitbekommen hatte, was sie zu David gesagt hatte. Sie verabschiedeten sich neben ihren beiden Mietwagen und w�nschten einander viel Gl�ck. Deborah hatte die k�rzere Strecke zur�ckzulegen. Nicholas Fairclough wohnte am �u�ersten Ende von Arnside, einem Stra�endorf, das sich s�dwestlich von Milnthorpe an einem Wattstreifen entlangzog, der bis zum Kent Channel reichte. Unten am Ufer standen Angler, allerdings konnte Deborah nicht richtig erkennen, in was die Leute angelten. Vom Auto aus war jedenfalls kein Wasser zu entdecken. Sie sah nur, wo die Gezeiten in der Bucht Mulden in den Sand gesp�lt und Sandb�nke errichtet hatten, die Gefahr verhie�en.</p><p>Nicholas Faircloughs Wohnsitz nannte sich Arnside House. Es lag am Ende einer Stra�e, die ges�umt war von eindrucksvollen viktorianischen Villen, die zweifellos einmal die Sommerresidenzen von Industriemagnaten aus Manchester, Liverpool und Lancaster gewesen waren. Die meisten H�user waren umgewandelt worden in teure Eigentumswohnungen mit unverbaubarem Blick auf die Bucht, auf das Eisenbahnviadukt, das �ber die Bucht nach Grange-over-Sands f�hrte, und auf Grange-over-Sands selbst, das heute hinter einem leichten herbstlichen Nebelschleier verborgen lag.</p><p>Im Gegensatz zu den pr�chtigen Villen war Arnside House ein relativ schlichtes Geb�ude mit wei� get�nchtem Rauputz. Die Fenster waren von Sandstein eingerahmt, und aus den vielen Giebeln ragten runde Schornsteine, die ebenfalls wei� get�ncht waren. Nur die Regenrinnenk�sten im Arts-and-Crafts-Stil hoben sich von all der Schlichtheit ab. Im Innern des Hauses erwartete sie eine seltsame Stilmischung aus allen m�glichen Epochen von mittelalterlich bis modern.</p><p>Nicholas Fairclough �ffnete die T�r. Er bat sie in eine eichenget�felte Eingangshalle, deren Marmorboden mit einem Muster aus Rauten, Kreisen und Quadraten gestaltet war. Er nahm ihr den Mantel ab und f�hrte sie einen Korridor hinunter und an einem gro�en Raum vorbei, der aussah wie ein mittelalterlicher Bankettsaal. Der Raum befand sich in einem ziemlich bedauernswerten Zustand, soweit Deborah das beurteilen konnte, und wie zur Erkl�rung sagte Nicholas Fairclough:�Wir restaurieren den alten Kasten St�ck f�r St�ck. Dieser Raum wird wohl als Letztes drankommen, denn wir m�ssen erst jemanden auftreiben, der die au�ergew�hnliche Tapete wieder hinbekommt. Pfauen und Petunien habe ich sie getauft. Das mit den Pfauen stimmt, aber bei den Petunien bin ich mir nicht so sicher. Kommen Sie, wir k�nnen uns im Wohnzimmer unterhalten.�</p><p>Das Wohnzimmer war sonnengelb gestrichen, mit einem wei�en Stuckfries aus Wei�dornbeeren, V�geln, Rosen und Bucheckern. Jeden anderen Raum h�tte dieser opulente Fries dominiert, hier jedoch war der Blickfang der mit t�rkisfarbenen Kacheln verkleidete offene Kamin. Aber obwohl ein Feuer brannte, bedeutete Nicholas Deborah zu einem der Erkerfenster weiterzugehen und in einem von zwei niedrigen Sesseln Platz zu nehmen. Von hier aus hatte man eine herrliche Aussicht auf die Bucht. Auf einem Tisch zwischen den Sesseln stand ein Kaffeeservice mit drei Tassen, daneben waren diverse Zeitschriften f�cherartig angeordnet.</p><p>�Ich wollte mich kurz allein mit Ihnen unterhalten, ehe ich meine Frau hole�, sagte Nicholas.�Sie sollen wissen, dass ich bereit bin, ganz offen mit Ihnen zu reden, und dass ich mich freuen w�rde, wenn in dem Film �ber mein Projekt berichtet w�rde. Aber bei Allie werden wir noch ein bisschen �berzeugungsarbeit leisten m�ssen. Da wollte ich Sie nur schon mal vorwarnen.�</p><p>�Verstehe. K�nnen Sie mir ein bisschen �ber sie sagen �?�</p><p>�Sie ist ziemlich verschlossen�, sagte er.�Sie ist Argentinierin und geniert sich f�r ihr Englisch. Ich finde, ehrlich gesagt, dass sie es perfekt spricht, aber so ist sie nun mal. Au�erdem ��Er rieb sich das Kinn.�Au�erdem will sie mich besch�tzen.�</p><p>Deborah l�chelte.�Dieser Film ist kein Enth�llungsbericht oder so was �hnliches, Mr. Fairclough. Es sei denn, es stellt sich heraus, dass Sie ehemalige Drogens�chtige f�r Ihre Zwecke versklaven. Darf ich fragen, warum Sie es n�tig haben, dass man Sie besch�tzt?�</p><p>Sie hatte die Frage als Scherz gemeint, aber ihr fiel auf, wie ernst er sie nahm. Er schien in Gedanken mehrere M�glichkeiten durchzugehen, und das fand sie ziemlich verr�terisch. Schlie�lich sagte er:�Ich glaube, es verh�lt sich folgenderma�en. Sie f�rchtet, dass ich irgendwie entt�uscht werde. Und sie macht sich Sorgen, wohin die Entt�uschung f�hren k�nnte. Nat�rlich spricht sie das nicht offen aus, aber schlie�lich kennt man eine Frau, wenn man eine Weile mit ihr zusammengelebt hat. Wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Wie lange sind Sie denn schon verheiratet?�</p><p>�Im M�rz waren es zwei Jahre.�</p><p>�Dann stehen Sie sich sehr nahe.�</p><p>�Ja, allerdings. Ich werde sie holen, wenn�s recht ist. Sie sehen wirklich nicht besonders furchterregend aus.�</p><p>Er stand auf und lie� sie allein. Sie schaute sich um. Wer auch immer f�r die Gestaltung des Wohnzimmers verantwortlich war, besa� Geschmack. Das Mobiliar war im Stil an die Zeit angelehnt, aus der das Haus stammte, und f�gte sich harmonisch in das Interieur ein. Neben dem auff�lligen offenen Kamin besa� der Raum eine Reihe von schlanken S�ulen mit Kapitellen in Form von �berquellenden Obstk�rben. Diese S�ulen rahmten die Erkerfenster ein, bildeten den Abschluss der Sitzb�nke in der Kaminecke und trugen einen Sims, der sich unterhalb des Frieses entlangzog. Die Restaurierung dieses Raums allein musste ein Verm�gen verschlungen haben, dachte Deborah. Sie fragte sich, wo ein ehemaliger Junkie so viel Geld aufgetrieben hatte.</p><p>Ihr Blick wanderte zu dem niedrigen Tisch vor ihr und zu den Zeitschriften, die neben dem Kaffeeservice lagen. Sie hob sie nacheinander auf: Architektur, Innenarchitektur, Gartenbau. Dann hielt sie pl�tzlich inne. Eine Zeitschrift trug den Titel <emphasis>Conception</emphasis>. Empf�ngnis.</p><p>Deborah hatte diese Zeitschrift schon oft in den Wartezimmern von Gyn�kologen liegen sehen, aber darin gebl�ttert hatte sie noch nie. Vielleicht, dachte sie, gab es etwas, das sie und Nicholas Faircloughs Frau verband, und das k�nnte sich als hilfreich erweisen.</p><p>Sie schlug die Zeitschrift auf. Es gab Artikel zu Themen, wie sie in einem solchen Blatt zu erwarten waren: die richtige Ern�hrung w�hrend der Schwangerschaft, Vitaminpr�parate f�r die Zeit vor der Empf�ngnis, Kindbettdepressionen und damit verbundene Probleme, Interviews mit Hebammen, die Kunst des Stillens. Dann fiel ihr auf, dass im hinteren Teil einige Seiten fehlten. Sie waren herausgerissen worden.</p><p>Sie h�rte Schritte auf dem Korridor. Schnell legte sie die Zeitschrift auf den Tisch zur�ck und stand auf.�Alatea Vasquez del Torres Fairclough�, verk�ndete Nicholas. Dann musste er lachen.�Verzeih mir, es macht mir einfach Spa�, deinen vollen Namen auszusprechen. Allie, das ist Deborah St. James.�</p><p>Die Frau, dachte Deborah, sah ziemlich exotisch aus: dunkelh�utig mit fast schwarzen Augen und ausgepr�gten Wangenknochen. Krauses, kaffeebraunes Haar, das um ihren Kopf wogte und in dem riesige goldene Ohrringe aufblitzten, wenn sie sich bewegte. Ein eklatanter Gegensatz zu Nicholas Fairclough, ehemaliger Junkie und schwarzes Schaf der Familie.</p><p>Alatea kam auf Deborah zu und streckte ihr die Hand entgegen. Sie hatte gro�e H�nde mit langen, schmalen Fingern.�Nicky hat mir versichert, dass Sie vollkommen harmlos sind�, sagte sie l�chelnd. Sie sprach mit einem starken Akzent.�Er hat Ihnen ja schon erz�hlt, dass mir die Sache nicht ganz geheuer ist.�</p><p>�Was? Meine Harmlosigkeit oder das Projekt?�, fragte Deborah.</p><p>�Nehmen wir doch Platz, dann k�nnen wir uns in Ruhe unterhalten�, sagte Nicholas hastig, als f�rchtete er, seine Frau w�rde Deborahs Scherz nicht verstehen.�Ich habe Kaffee gemacht, Allie.�</p><p>Alatea schenkte ihnen ein. Sie trug goldene Armreifen � passend zu den Ohrringen �, und sie klimperten an ihrem Handgelenk. Sie z�gerte kurz, als ihr Blick auf die Zeitschriften fiel, und schaute Deborah an. Deborah schenkte ihr ein, wie sie hoffte, ermunterndes L�cheln.</p><p>Alatea sagte:�Ich habe mich �ber Ihr Filmprojekt gewundert, Ms. St. James.�</p><p>�Bitte nennen Sie mich Deborah.�</p><p>�Wie Sie w�nschen. Das Projekt, das Nicholas hier oben betreibt, ist ziemlich klein. Mich w�rde interessieren, wie Sie davon erfahren haben.�</p><p>Auf die Frage war Deborah vorbereitet. Tommy hatte in Bezug auf die Faircloughs seine Hausaufgaben gemacht und etwas zutage gef�rdert, was ihr als logische Erkl�rung dienen konnte.�Ich bin nicht selbst darauf gesto�en�, sagte sie.�Ich fahre einfach dorthin, wo man mich hinschickt, und f�hre die Vorabrecherchen durch f�r die Filmemacher von Query Productions. Wie die ausgerechnet auf Sie gekommen sind, Nicholas, wei� ich nicht genau, aber ich glaube, es hatte etwas mit dem Artikel �ber das Haus Ihrer Eltern zu tun.�</p><p>�Dieser Journalist schon wieder�, sagte Nicholas zu seiner Frau. Dann wandte er sich an Deborah:�Jemand hat einen Artikel �ber Ireleth Hall geschrieben, den Wohnsitz meiner Eltern. Es ist ein historisches Gem�uer mit Formschnittgarten am Lake Windermere, das meine Mutter zur�ckgekauft hat. Sie hat diesem Journalisten von unserem Haus erz�hlt, und da es sich um ein architektonisch interessantes Objekt handelt, ist er r�bergefahren, um es sich anzusehen. Warum, wei� ich auch nicht so genau. Vielleicht wollte er in seinem Artikel auch so etwas erw�hnen wie <emphasis>die Restaurierung historischer Geb�ude liegt den Faircloughs im Blut</emphasis> oder was wei� ich. Dieses Haus hier hat mein Vater uns geschenkt, und einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Allie und mir w�re ein neueres Haus mit allem modernen Komfort lieber gewesen, nicht wahr, Darling?�</p><p>�Es ist ein wundersch�nes Haus�, antwortete Alatea.�Ich sch�tze mich gl�cklich, dass ich hier wohnen kann.�</p><p>�Das liegt daran, dass f�r dich das Glas immer halbvoll ist�, sagte er.�Was mich wohl zu einem echten Gl�ckspilz macht.�</p><p>�Bei einer der ersten Besprechungen in London�, sagte Deborah zu Alatea,�als wir angefangen haben, Ideen zu sammeln, hat einer der Produzenten das Wehrturmprojekt von Middlebarrow ins Gespr�ch gebracht. Ehrlich gesagt, wusste zuerst keiner, was ein Wehrturm ist, aber einige Leute hatten schon von Ihrem Mann geh�rt. Wer er ist, meine ich. Und noch ein paar andere Einzelheiten. �Sie ging nicht n�her darauf ein, um was f�r Einzelheiten es sich handelte, denn die waren sowieso allen bekannt.</p><p>�Ich brauche also in diesem Film nicht mitzuwirken?�, fragte Alatea.�Es geht um meinen Akzent, wissen Sie ��</p><p>Den Deborah durchaus charmant fand.</p><p>�Au�erdem hat Nicky das ja alles allein gemacht.�</p><p>�Wenn du nicht in mein Leben getreten w�rst, h�tte ich es nicht geschafft�, wandte Nicholas ein.</p><p>�Aber das ist ein ganz anderes Thema. �Als sie sich ihm zuwandte, wippte ihre krause M�hne.�Das Wehrturmprojekt � Da geht es um dich und darum, was du erreicht hast und was du ganz allein geleistet hast. Ich unterst�tze dich nur im Hintergrund, Nicky.�</p><p>�Also, wenn das nicht wichtig ist ��Er verdrehte die Augen.�Sehen Sie, womit ich mich herumplage?�</p><p>�Jedenfalls spiele ich f�r das Projekt keine direkte Rolle, und ich m�chte auch keine spielen.�</p><p>�Machen Sie sich keine Gedanken�, versuchte Deborah sie zu beruhigen. Hauptsache, Alatea gab ihre Zustimmung, dachte sie.�Und wie gesagt, bisher steht noch gar nicht fest, ob der Beitrag �berhaupt in den Film aufgenommen wird. Ich treffe keine Entscheidungen, ich bin nur f�r die Recherchen zust�ndig. Ich schreibe einen Bericht, mache ein paar Fotos und schicke alles zusammen nach London. Und die Produzenten entscheiden, was in den Film kommt.�</p><p>�Siehst du?�, sagte Nicholas zu seiner Frau.�Alles ganz harmlos.�</p><p>Alatea nickte, wirkte jedoch nicht �berzeugt. Trotzdem gab sie ihren Segen:�Vielleicht solltest du dann gleich mit Deborah zum Wehrturm fahren und ihr dein Projekt vorstellen, Nicholas. Das w�re doch ein guter Ansatzpunkt.�</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Nachdem ihr Mann mit der rothaarigen Frau weggefahren war, blieb Alatea noch einen Moment vor dem Erkerfenster sitzen und betrachtete die Zeitschriften, die vor ihr auf dem Tisch lagen. Deborah hatte offenbar darin gebl�ttert. Einerseits war daran nichts Merkw�rdiges, denn schlie�lich hatte die Frau hier gewartet, w�hrend Nicholas sie, Alatea, geholt hatte. Wer w�rde da nicht eine oder zwei Zeitschriften aufschlagen, um sich die Zeit zu vertreiben? Andererseits gab es in letzter Zeit kaum etwas, das Alatea nicht nerv�s machte. Dass <emphasis>Conception</emphasis> jetzt obenauf lag, hatte �berhaupt nichts zu bedeuten, redete sie sich ein. Die Vorstellung, dass eine Fremde aus der Tatsache, dass eine solche Zeitschrift hier auf dem Tisch lag, ihre Schl�sse zog, war Alatea zwar ein bisschen peinlich, aber bedeuten musste es nichts. Diese Frau war nicht aus London hergekommen, um sich mit ihr zu unterhalten oder im Labyrinth ihrer pers�nlichen Geschichte herumzuschn�ffeln. Sie war hier, weil sie sich f�r Nicholas� Projekt interessierte. Und weil er als Sohn des Barons Fairclough of Ireleth nicht irgendwer war.</p><p>Anfangs hatte Alatea nichts davon geahnt, dass Nicholas der Sohn eines Barons war, und wenn sie es gewusst h�tte, w�re sie vor ihm davongelaufen. Nicholas hatte ihr nur erz�hlt, dass sein Vater eine Firma besa�, die alles produzierte, was in einem Badezimmer gebraucht wurde, und selbst das hatte er heruntergespielt. Nicht erw�hnt hatte er den Adelstitel seines Vaters, dass sein Vater eine Stiftung zur Bek�mpfung von Bauchspeicheldr�senkrebs gegr�ndet hatte, dass er ein ber�hmter Mann war. Sie hatte erwartet, einen Mann kennenzulernen, der aus Kummer dar�ber, dass sein Sohn zwanzig Jahre seines Lebens vergeudet hatte, fr�hzeitig gealtert war � nicht den vor Energie strotzenden Bernard Fairclough. Und es hatte sie ziemlich irritiert, wie Nicholas� Vater sie von oben bis unten ausgiebig gemustert und seinen Blick kurz auf ihrem Busen ruhen gelassen hatte, bevor er meinte:�Herzlich willkommen in der Familie, meine Liebe.�</p><p>Sie war es durchaus gew�hnt, dass M�nner ihren Busen beglotzten. Das war nicht das Problem gewesen. Das war nur nat�rlich. So waren M�nner nun mal. Aber normalerweise folgte darauf kein Blick, der sagte: <emphasis>Was will eine Frau wie du mit meinem Sohn?</emphasis></p><p>Mit diesem Blick hatte jeder in der Familie sie angesehen, dem Nicholas sie vorgestellt hatte. Offenbar waren alle der Meinung, dass sie und Nicholas nicht zusammenpassten, und sosehr sie sich einzureden versuchte, dass ihr Aussehen der Grund f�r diese Annahme war, so vermutete sie doch, dass mehr dahintersteckte. Sie war Ausl�nderin, die anderen wussten nichts �ber sie, und sie und Nicholas hatten sehr schnell geheiratet. Daraus schloss seine Familie offenbar, dass Alatea hinter irgendetwas her war, und das konnte nur das Familienverm�gen sein. Vor allem Nicholas� Vetter Ian war dieser �berzeugung gewesen, denn er hatte Bernard Faircloughs Geld verwaltet.</p><p>Nicholas� Angeh�rige kamen gar nicht auf die Idee, dass Alatea ihren Mann lieben k�nnte. Sie hatte sich alle M�he gegeben, ihnen zu zeigen, wie sehr sie Nicholas liebte. Sie hatte ihnen nicht den geringsten Grund gegeben, an ihrer Liebe zu Nicholas zu zweifeln, und irgendwann hatte sie den Eindruck gewonnen, sie alle �berzeugt zu haben.</p><p>Eigentlich w�re das ganze Theater gar nicht n�tig gewesen, denn sie liebte ihren Mann tats�chlich. Sie betete ihn an. Und, Herrgott noch mal, sie war bestimmt nicht die erste Frau auf der Welt, die sich in einen Mann verliebt hatte, der weniger attraktiv war als sie. Das passierte jeden Tag. Dass sie also immer wieder so skeptisch angesehen wurde � Das musste aufh�ren. Sie wusste nur nicht, wie sie das bewerkstelligen sollte.</p><p>Alatea wusste, dass sie ihre �ngste irgendwie in den Griff bekommen musste. Es konnte nicht so weitergehen, dass sie bei jedem Pups zusammenzuckte. Es war keine S�nde, das Leben mit Nicholas zu genie�en. Sie hatte es nicht darauf angelegt. Es war ihr in den Scho� gefallen. Das musste doch bedeuten, dass dies der richtige Weg f�r sie war.</p><p>Trotzdem lag die Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> jetzt oben auf dem Stapel. Trotzdem hatte die Frau aus London sie so merkw�rdig angesehen. Woher sollten sie wissen, wer diese Deborah wirklich war, warum sie hier war, was sie vorhatte? Sie wussten es nicht. Sie mussten es herausfinden. Zumindest glaubte Alatea das.</p><p>Sie stellte die Kaffeetassen auf das Tablett und trug es in die K�che. Neben dem Telefon lag immer noch der Zettel, auf dem sie die Nachricht von Deborah St. James notiert hatte. Den Namen der Firma, f�r die Deborah arbeitete, hatte sie nicht auf den Zettel geschrieben, aber sie hatte ihn zum Gl�ck nicht vergessen. Das war immerhin ein Ansatzpunkt.</p><p>Sie ging nach oben. In einem der ehemaligen winzigen Dienstbotenzimmer hatte Alatea ihr Planungsb�ro eingerichtet, w�hrend am Haus gearbeitet wurde. In dieses Zimmer zog sie sich gern zur�ck, und hier stand auch ihr Laptop.</p><p>Es dauerte ewig, sich von hier aus ins Internet einzuloggen, aber irgendwann klappte es. Eine Zeitlang starrte sie auf den Bildschirm, dann begann sie zu tippen.</p><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Es war ganz einfach gewesen, die Schule zu schw�nzen. Schlie�lich w�rde ihn niemand, der seine f�nf Sinne beisammenhatte, in dem Zustand nach Ulverston fahren wollen. Er war einfach im Bett liegen geblieben, hatte sich den Bauch gehalten und gest�hnt, Manette m�sse ihm am Abend zuvor irgendwas vorgesetzt haben, das er nicht vertragen hatte. Au�erdem hatte er behauptet, er h�tte sich im Lauf der Nacht schon zweimal �bergeben. Wie erwartet, war Gracie daraufhin zu Kaveh gerannt und hatte gerufen:�Timmy hat gekotzt! Timmy ist krank!�Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte er schon gehabt, denn es war nicht zu �berh�ren gewesen, dass er Gracie Angst eingejagt hatte. Die arme Kleine. Nat�rlich f�rchtete sie, dass pl�tzlich noch einer aus der Familie abkratzen k�nnte.</p><p>Gracie sollte sich endlich mal beruhigen. Jeden Tag starben Leute. Das konnte man nicht verhindern, indem man sie rund um die Uhr bet�ddelte. Au�erdem hatte Gracie, soweit er das beurteilen konnte, im Moment wirklich gr��ere Probleme, als zu f�rchten, dass noch jemand aus der Familie sterben k�nnte. Sie sollte sich lieber den Kopf dar�ber zerbrechen, was zum Teufel aus ihr werden sollte, jetzt, wo ihr Vater tot war und ihre Mutter keine Anstalten machte, sie und ihren Bruder zu sich zu nehmen.</p><p>Na ja, wenigstens waren sie nicht die Einzigen, die sich fragen mussten, was aus ihnen werden w�rde, dachte Tim. Denn es war nur eine Frage der Zeit, bis die Familie Kaveh vor die T�r setzen w�rde. Dann w�rde er sich eine neue Bleibe suchen m�ssen und einen neuen Schwanz, von dem er sich ficken lassen konnte. <emphasis>Dann kannst du wieder dahin verschwinden, wo mein Dad dich aufgegabelt hat, Kaveh, du Arsch</emphasis>.</p><p>Tim konnte den Moment kaum erwarten. Und wie sich herausstellte, war er nicht der Einzige.</p><p>Als Kaveh eben mit Gracie zum Auto gegangen war, hatte der alte George Cowley ihm aufgelauert, das hatte Tim von seinem Zimmerfenster aus beobachtet. Cowley sah aus wie ein Penner, aber das tat er immer. Es hatte also nichts weiter zu bedeuten, dass er seine Hosentr�ger vergessen hatte und ihm das Hemd halb aus der Hose hing. Wahrscheinlich hatte er Kaveh und Gracie gesehen, als er gerade dabei war, sich anzuziehen, und war aus seiner H�tte gerannt, um sich mit Kaveh anzulegen.</p><p>Tim konnte nicht h�ren, was die beiden sagten, aber er konnte sich auch so denken, um was es ging. Denn Cowley hatte sich mit einem Ruck die Hose hochgezogen und sich bedrohlich vor Kaveh aufgebaut. Und das konnte nur eins bedeuten: Cowley wollte wissen, wann Kaveh vorhatte, das Haus zu r�umen. Er wollte wissen, wann die Bryan Beck Farm versteigert werden w�rde.</p><p>Gracie hatte ihren Rucksack auf dem Boden abgestellt und wartete darauf, dass Kaveh das Auto aufschloss und sie einsteigen konnte. Ihr Blick wanderte zwischen Kaveh und Cowley hin und her, und Tim sah ihr an, dass sie Angst hatte. Das versetzte ihm einen Stich. Eigentlich m�sste er rausgehen und zwischen Cowley und Kaveh gehen oder zumindest Gracie da wegschaffen. Aber wenn er das tat, w�rde er Kavehs Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und der w�rde dann wom�glich auf die Idee kommen, ihn doch noch zur Margaret Fox School zu bringen. Und das war das Letzte, was er gebrauchen konnte, denn er hatte heute etwas Wichtiges zu erledigen.</p><p>Tim wandte sich vom Fenster ab und warf sich auf sein Bett. Er wartete darauf, dass Kaveh losfuhr, denn dann w�rde er endlich allein sein. Als er den Motor aufheulen h�rte � Kaveh gab beim Anfahren immer zu viel Gas �, nahm Tim sein Handy und tippte die Nummer ein.</p><p>Gestern war alles schiefgegangen. Er war total ausgeflippt bei Manette, und das war schlimm. Zum Gl�ck hatte er sie nicht ernsthaft verletzt. Am liebsten h�tte er sie erw�rgt, damit sie endlich aufh�rte, so bescheuert besorgt um ihn zu sein. Ihm war pl�tzlich schwarz vor Augen geworden, und er hatte die bl�de Kuh auf dem Boden vor ihm nicht mal mehr gesehen. Er war auf die Knie gesunken und hatte nicht sie, sondern den Steg mit den F�usten bearbeitet, und da hatte das Mistst�ck ihn doch tats�chlich an sich gezogen und versucht, ihn zu tr�sten. Tim hatte keine Ahnung, wo die Kusine seines Vaters gelernt hatte, die andere Wange auch noch hinzuhalten. So wie die vergeben und vergessen konnte, war stark anzunehmen, dass sie mehr als eine Schraube locker hatte.</p><p>Jedenfalls hatte er es nicht mehr nach Windermere geschafft. Tim hatte das Theater mitgespielt und ein bisschen geheult. Irgendwann hatte er sich beruhigt. Dann hatten sie mindestens eine halbe Stunde auf dem Steg gelegen, w�hrend Manette ihn in den Armen gehalten und irgendwas gemurmelt hatte von wegen ganz ruhig, es wird alles gut, und wir beide fahren zum Zelten auf den Scout Scar, und wart�s nur ab, du wirst schon sehen, und wer wei�, vielleicht kommt dein Daddy ja zur�ck, als wollte ihn irgendjemand zur�ckhaben, und vielleicht �ndert deine Mum sich ja, was genauso unwahrscheinlich war. Egal, dachte Tim. Wen interessierte das alles schon? Hauptsache, er musste nicht in Great Urswick �bernachten, und das hatte er immerhin vermieden.</p><p><emphasis>wo bist du</emphasis>, tippte er in sein Handy. <emphasis>heute ok</emphasis>.</p><p>Keine Antwort.</p><p><emphasis>konnte nicht</emphasis>, lautete seine zweite SMS. <emphasis>keine mfg n W</emphasis>. Den Bl�dsinn mit Manette und dem Zelt und alles brauchte er nicht zu erw�hnen, genauso wenig die Tatsache, dass er von Great Urswick Stunden gebraucht h�tte, um nach Windermere zu trampen.</p><p>Immer noch keine Antwort. Tim wartete. Allm�hlich begann er sich zu f�hlen, als h�tte er tats�chlich etwas Verdorbenes gegessen. Er schluckte den Klo� der Verzweiflung, der ihm im Hals sa�. Nein, sagte er sich. Er war nicht verzweifelt. Er war �berhaupt nichts.</p><p>Er rollte sich vom Bett und warf das Handy auf den Nachttisch. Er klappte seinen Laptop auf und rief seine E-Mails ab. Keine neuen Nachrichten.</p><p>Zeit, ein bisschen Druck zu machen, dachte er. Er lie� es sich von keinem bieten, dass eine mit ihm getroffene Abmachung nicht eingehalten wurde. Er hatte seinen Teil erf�llt, und jetzt w�rde er daf�r sorgen, dass der andere ebenfalls Wort hielt.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Lynley hatte eine kleine Taschenlampe aus dem Handschuhfach des Healey Elliott geholt und war gerade auf dem Weg zur�ck zum Bootshaus, um sich alles noch einmal genauer anzusehen, als sein Handy klingelte. Er erkannte Isabelles Nummer auf dem Display. Sie begr��te ihn mit den Worten:�Tommy, ich brauche dich in London.�</p><p>Logischerweise nahm er an, dass es um einen neuen Fall ging, und fragte sie danach.</p><p>�Es geht nicht um eine dienstliche Angelegenheit�, antwortete sie.�Es gibt bestimmte Dinge, bei denen ich keinen deiner Kollegen f�r mich einspannen m�chte.�</p><p>Er grinste.�Das freut mich. Es w�rde mir nicht gefallen, dich mit DI Stewart teilen zu m�ssen.�</p><p>�Ich w�rde es an deiner Stelle nicht darauf ankommen lassen. Wann kommst du wieder?�</p><p>Er schaute auf den See hinaus. Er hatte gerade das Pappelw�ldchen durchquert und stand auf dem Weg zum Bootshaus, die Sonne schien ihm auf die Schultern. Es w�rde ein herrlicher Tag werden. Einen Augenblick lang stellte er sich vor, wie es w�re, den Tag mit Isabelle zu verbringen. Er sagte:�Das wei� ich noch nicht. Ich habe gerade erst angefangen.�</p><p>�Wie w�r�s mit einem kurzen Treffen? Du fehlst mir, und das gef�llt mir nicht. Denn wenn du mir fehlst, spukst du in meinem Kopf herum, und dann kann ich mich bei der Arbeit nicht richtig konzentrieren.�</p><p>�Und ein kurzes Treffen w�rde dich davon erl�sen?�</p><p>�Ja. Ich gehe einfach gern mit dir ins Bett.�</p><p>�Zumindest bist du geradeheraus.�</p><p>�Und daran wird sich auch nichts �ndern. Also, hast du Zeit? Ich k�nnte heute Nachmittag kommen ��Sie unterbrach sich, und er stellte sich vor, wie sie in ihrem Terminkalender nachschaute. Als sie fortfuhr, wusste er, dass er richtig vermutet hatte.�Gegen halb vier�, sagte sie.�K�nntest du dich um die Zeit f�r ein St�ndchen freimachen?�</p><p>�Ich bin nicht in der N�he von London.�</p><p>�Wirklich nicht? Wo bist du denn?�</p><p>�Isabelle ��Er fragte sich, ob das ein Versuch war, ihn reinzulegen. Ihn mit der Aussicht auf Sex abzulenken und ihm dann unverhofft seinen Aufenthaltsort zu entlocken.�Du wei�t, dass ich dir das nicht sagen kann.�</p><p>�Ich wei�, dass Hillier dich zum Schweigen verpflichtet hat. Ich h�tte nicht gedacht, dass das auch f�r mich gilt. H�tte es auch ��Sie brach ab.�Vergiss es�, sagte sie, woraus er schloss, dass sie hatte fragen wollen: <emphasis>H�tte das auch f�r deine Frau gegolten?</emphasis> Aber das w�rde sie nicht aussprechen. Sie sprachen nie �ber Helen, denn �ber Helen zu sprechen beinhaltete das Risiko, ihre rein sexuelle Beziehung in eine andere Richtung zu lenken, und Isabelle hatte von Anfang an klargestellt, dass sie das nicht wollte.�Jedenfalls finde ich das l�cherlich�, sagte sie.�Was glaubt Hillier denn, was ich mit der Information anfangen w�rde?�</p><p>�Das ist garantiert nichts Pers�nliches�, entgegnete er.�Ich meine, dass er nicht will, dass du eingeweiht wirst. Er will nicht, dass irgendjemand Bescheid wei�. Ehrlich gesagt, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, ihn zu fragen, warum nicht.�</p><p>�Dass passt doch �berhaupt nicht zu dir. Wolltest du vielleicht aus irgendeinem Grund aus London weg?�Dann f�gte sie hastig hinzu:�Ach was, schon gut. Solche Gespr�che bringen uns nur in Schwierigkeiten. Ich melde mich wieder, Tommy.�</p><p>Sie legte auf. Einen Augenblick lang betrachtete er sein Handy. Dann steckte er es ein und ging zum Bootshaus. Besser, er konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt, dachte er. Isabelle hatte recht. Manche Gespr�che w�rden sie nur in Schwierigkeiten bringen.</p><p>Er stellte fest, dass das Bootshaus offenbar nie verriegelt wurde. Um die Tageszeit war es drinnen noch dunkler als beim letzten Mal, und er schaltete seine Taschenlampe ein. Es war k�hl hier: das Wasser, das alte Gem�uer, die herbstliche Jahreszeit. Und es roch nach feuchtem Holz und Algen. Er ging den Anleger entlang zu der Stelle, wo Ian Cresswells Skullboot vert�ut war.</p><p>Er kniete sich hin und beleuchtete die L�cke, wo sich die beiden Steine aus dem Gem�uer gel�st hatten. Viel zu sehen war nicht. M�rtel war per se ziemlich rau, und �ber die vielen Jahre waren Risse entstanden und kleine Partikel herausgebrochen. Wonach er suchte, war ein Hinweis darauf, dass ein Werkzeug zum Einsatz gekommen war, um die Steine zu lockern, eine Spitzhacke vielleicht, ein Schraubenzieher oder ein Brecheisen. Eigentlich kam jedes Werkzeug in Frage. Und jedes Werkzeug h�tte Spuren hinterlassen.</p><p>Er konnte nichts entdecken. Zur n�heren Untersuchung w�rde man eine bessere Beleuchtung beschaffen m�ssen, was allerdings schwierig werden w�rde, wenn er sich weiterhin als Besucher ausgeben sollte. Au�erdem mussten die beiden herausgebrochenen Steine aus dem Wasser geholt werden � keine angenehme Vorstellung, denn das Wasser war zwar nicht tief, aber eiskalt.</p><p>Er schaltete die Taschenlampe aus und verlie� das Bootshaus. Lie� den Blick �ber den See schweifen. Es war kein einziges Boot drau�en, und in der vollkommen glatten Wasseroberfl�che spiegelten sich die herbstbunten B�ume und der beinahe wolkenlose Himmel. Er schaute in Richtung des Herrenhauses. Von hier aus war es nicht zu sehen. Man musste den Pfad zur�ckgehen, und erst unter den Pappeln kam das Haus in Sicht. Allerdings gab es noch eine Stelle, von der aus das Bootshaus zu sehen war, fiel Lynley auf, n�mlich vom obersten Stockwerk und vom Dach eines viereckigen Turms aus, der einen kleinen H�gel s�dlich des Pappelw�ldchens �berragte. Das war der Zierbau, in dem Mignon Fairclough wohnte. Sie war am Abend zuvor nicht zum Abendessen erschienen. Vielleicht w�rde sie sich �ber einen morgendlichen Besuch freuen.</p><p>Der Turm war den f�r die Gegend typischen Wehrt�rmen nachempfunden. Solche Geb�ude hatten wohlhabende Familien fr�her errichten lassen, um ihren Wohnsitzen einen historisierenden Anstrich zu verleihen, obwohl das bei Ireleth Hall kaum n�tig gewesen war. Trotzdem war der Turm irgendwann errichtet worden, und jetzt stand er da, vier Stockwerke hoch, mit einem zinnenbewehrten Dach, das offenbar begehbar war. Und von dort, sagte sich Lynley, w�rde man rundherum alles einsehen k�nnen � Ireleth Hall, die Zufahrt, die gesamte Parkanlage, den See und das Bootshaus.</p><p>Als er an die T�r klopfte, rief eine Frau aufgeregt:�Was denn? <emphasis>Was denn nun schon wieder?</emphasis>�Vermutlich hatte er Mignon bei irgendeiner T�tigkeit unterbrochen, und er rief:�Miss Fairclough? Verzeihen Sie. St�re ich?�</p><p>Ihre Antwort klang �berrascht:�Ach! Ich dachte, es w�re schon wieder meine Mutter. �Im n�chsten Augenblick wurde die T�r ge�ffnet, und vor Lynley stand, gest�tzt auf einen Rollator, eine von Bernard Faircloughs Zwillingst�chtern. Die Frau war von ebenso kleiner Statur wie ihr Vater. Sie trug mehrere wallende Gew�nder �bereinander, die ihr das Flair einer K�nstlerin verliehen und ihren K�rper vollst�ndig verh�llten. Au�erdem war sie komplett geschminkt, als h�tte sie vor auszugehen. Ihre Frisur wiederum hatte etwas Kindliches: Wie Alice im Wunderland trug sie eine blaue Schleife im Haar, das allerdings nicht blond, sondern hellbraun war.</p><p>�Ah, ich nehme an, Sie sind der Londoner�, sagte sie.�Sie schleichen schon den ganzen Morgen hier herum. Ich habe Sie eben schon wieder am Bootshaus gesehen.�</p><p>�Ach, Sie haben mich gesehen?�Lynley fragte sich, wie das m�glich war. Vier Treppen hoch mit einem Rollator. Und er fragte sich, warum sie ihn beobachtete.�Ich wollte ein bisschen frische Luft schnappen�, sagte er.�Vom Bootshaus aus habe ich den Turm gesehen und beschlossen herzukommen, um mich vorzustellen. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, Sie gestern beim Abendessen kennenzulernen.�</p><p>�Das ist mir im Moment alles zu viel�, erwiderte sie.�Ich bin vor Kurzem operiert worden und immer noch nicht ganz auf dem Damm. �Sie musterte ihn von Kopf bis Fu�. Lynley rechnete schon damit, dass sie sagen w�rde:�Ich nehme Sie. �Oder dass sie ihn bitten w�rde, den Mund aufzumachen, damit sie sein Gebiss begutachten konnte, doch sie sagte nur:�Kommen Sie rein.�</p><p>�St�re ich auch nicht?�</p><p>�Ich war gerade im Internet, aber das kann warten. �Sie trat zur Seite, um ihn einzulassen.</p><p>Das Erdgeschoss bestand aus einem Wohnzimmer und einer K�che. In einer Ecke des Wohnzimmers stand Mignons Computer. Au�erdem schien das Erdgeschoss als Lagerraum zu dienen, denn �berall stapelten sich Kartons. Zuerst dachte Lynley, Mignon sei dabei umzuziehen, doch dann sah er, dass die Kartons, auf denen eingeschwei�te Packzettel klebten, alle an Miss Fairclough adressiert waren.</p><p>Der Computer war eingeschaltet, und an der Bildschirmoberfl�che erkannte Lynley, dass Mignon gerade dabei gewesen war, E-Mails abzurufen und zu beantworten. Als sie seinen Blick bemerkte, sagte sie:�Virtuelles Leben. Meiner Meinung nach dem wirklichen Leben bei Weitem vorzuziehen.�</p><p>�Eine moderne Version der Brieffreundschaft?�</p><p>�Gott, nein. Ich habe eine hei�e Aff�re mit einem Gentleman auf den Seychellen. Zumindest behauptet er, dass er da wohnt. Au�erdem sagt er, dass er verheiratet ist und Lehrer ohne Aufstiegsm�glichkeiten. Der arme Mann ist dahin gezogen, weil er Lust auf Abenteuer hatte, und musste leider die Erfahrung machen, dass f�r ihn Abenteuer nur im Internet zu finden sind. �Ein unaufrichtiges L�cheln huschte �ber ihr Gesicht.�Aber vielleicht ist das ja auch alles gelogen � Mich zum Beispiel h�lt er f�r eine Modedesignerin, die sich gerade auf die Pr�sentation ihrer n�chsten Kollektion vorbereitet. Das letzte Mal war ich eine Missions�rztin, die in Ruanda gute Werke tat, und davor � mal �berlegen � Ah ja. Davor war ich eine misshandelte Hausfrau auf der Suche nach jemandem, der mich verstand. Wie gesagt, virtuelles Leben. Alles ist m�glich. Die Wahrheit ist uninteressant.�</p><p>�Kann dabei nicht der Schuss auch nach hinten losgehen?�</p><p>�Das ist ja gerade der Reiz an der Sache. Aber ich bin vorsichtig, und sobald einer ein Treffen in irgendeinem Hafen vorschl�gt, breche ich den Kontakt ab. �Sie bewegte sich in Richtung K�che.�Ich sollte Ihnen einen Kaffee anbieten, aber ich f�rchte, ich habe nur Instantkaffee. M�chten Sie eine Tasse? Oder lieber Tee? Ich habe nur Beutel, keinen losen Tee. Ich wei�, loser Tee ist besser, aber das ist mir alles zu viel Aufwand.�</p><p>�Einen Kaffee nehme ich gern. Ich m�chte Ihnen jedoch keine Umst�nde bereiten.�</p><p>�Wirklich nicht? Wie wohlerzogen, das zu sagen. �Sie war in der K�che verschwunden, und er h�rte sie mit Geschirr klappern. Lynley nutzte die Gelegenheit, sich ein bisschen umzusehen. Abgesehen davon, dass sich �berall Kartons stapelten, stand auf allen verf�gbaren Fl�chen schmutziges Geschirr herum. Die Teller und Tassen schienen schon seit geraumer Zeit dort zu stehen, denn als er eine Tasse anhob, hinterlie� sie einen sauberen Kreis in der Staubschicht, die alles andere �berzog.</p><p>Er trat n�her an den Computer. Offenbar hatte Mignon nicht gelogen. <emphasis>Gott, ich wei� genau, was du meinst</emphasis>, hatte sie geschrieben. <emphasis>Manchmal lenkt einen das Leben von den wirklich wichtigen Dingen ab. Wir haben es fr�her jede Nacht gemacht. Jetzt kann ich froh sein, wenn es einmal im Monat passiert. Trotzdem solltest du mit ihr dar�ber reden. Wirklich. Na gut, ich sage das, obwohl ich mit James auch nicht dar�ber rede. Egal. Was ich mir w�nsche, wird nicht passieren. Aber sch�n w�r�s</emphasis>.</p><p>�Wir sind inzwischen so weit, dass wir uns von unserem erb�rmlichen Eheleben erz�hlen�, sagte Mignon, die pl�tzlich hinter ihm stand.�Wirklich unglaublich: Es l�uft immer gleich ab. Man sollte meinen, dass irgendjemand mal ein bisschen Fantasie entwickeln w�rde, wenn es um Verf�hrung geht, doch weit gefehlt. Ich habe Wasser aufgesetzt. Gleich gibt�s Kaffee. Sie m�ssen sich Ihre Tasse selber holen.�</p><p>Lynley folgte ihr in die K�che. Sie war winzig, aber mit allem N�tigen ausgestattet. Mignon w�rde allerdings bald einmal absp�len m�ssen, dachte Lynley. Es waren kaum noch saubere Teller �brig, und die letzte saubere Henkeltasse hatte sie f�r seinen Kaffee verwendet. Sie selbst trank nichts.</p><p>�W�rden Sie nicht eine echte Beziehung bevorzugen?�, fragte er.</p><p>Sie sah ihn an.�Wie die meiner Eltern?�</p><p>Er hob eine Braue.�Die beiden wirken einander sehr zugetan.�</p><p>�Aber ja. Das sind sie auch. Die reinsten Turteltauben. Haben sie Ihnen die Nummer vorgef�hrt?�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>�Na ja, wenn sie die Nummer gestern nicht abgezogen haben, dann kommt das bestimmt heute. Achten Sie auf verschw�rerische Blicke. Darin sind sie besonders gut.�</p><p>�Alles Schau und nichts dahinter?�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt. Sie sind einander <emphasis>zugetan</emphasis>. Und sie passen zueinander. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass mein Vater fast nie hier ist. Das ist f�r sie beide perfekt. Na ja, zumindest f�r ihn. Und meine Mutter beklagt sich nicht, und warum sollte sie auch? Solange sie zum Angeln rausfahren, mit Freunden zu Mittag essen, mein Leben organisieren und jede Menge Geld f�r ihren Garten ausgeben kann, ist sie zufrieden. Und es ist �brigens <emphasis>ihr</emphasis> Geld und nicht das meines Vaters, aber das scheint ihm nichts auszumachen, solange er dar�ber verf�gen kann. Das w�re nicht gerade meine Vorstellung von einer Ehe, doch da ich sowieso nicht vorhabe zu heiraten, sollte ich besser auch nicht �ber die meiner Eltern urteilen, nicht wahr?�</p><p>Das Wasser kochte, und der Wasserkocher schaltete sich ab. Mignon machte Lynley eine Tasse Kaffee, stellte sich dabei aber nicht sehr geschickt an. Sie l�ffelte Kaffeepulver in die Tasse und verstreute dabei die H�lfte auf der Anrichte, goss Wasser darauf und r�hrte so heftig um, dass der Kaffee �berschwappte. Dann schaufelte sie mit demselben L�ffel Zucker in die Tasse, lie� wieder Kaffee �berschwappen, f�gte Milch hinzu, und es schwappte noch einmal. Sie reichte Lynley die Tasse, ohne sie vorher abzuwischen, und sagte:�Sorry, ich bin keine besonders gute Hausfrau.�</p><p>�Ich auch nicht�, erwiderte er.�Danke.�</p><p>Sie schlurfte ins Wohnzimmer und sagte �ber ihre Schulter:�Was ist das �brigens f�r ein Auto?�</p><p>�Auto?�</p><p>�Das unglaubliche Gef�hrt, mit dem Sie rumfahren. Ich habe es gesehen, als Sie gestern angekommen sind. Ziemlich schicker Schlitten, aber der s�uft bestimmt Sprit wie ein Kamel in der Oase.�</p><p>�Das ist ein Healey Elliott�, sagte er.</p><p>�Nie geh�rt. �Sie fand einen Sessel, der nicht unter der Last von Kartons und Zeitschriften �chzte, lie� sich hineinplumpsen und sagte:�Machen Sie sich�s bequem. Was im Weg ist, k�nnen Sie zur Seite r�umen. �Und w�hrend er nach einem Sitzplatz suchte, fuhr sie fort:�Was wollten Sie denn nun am Bootshaus? Ich hab Sie auch gestern schon dort gesehen, zusammen mit meinem Vater. Was ist so interessant da unten?�</p><p>Er nahm sich vor, bei seinen Nachforschungen mehr Umsicht walten zu lassen. Anscheinend vertrieb sich Mignon, wenn sie nicht gerade im Internet war, die Zeit damit zu beobachten, was auf dem Anwesen vor sich ging. Er sagte:�Ich wollte ein bisschen mit dem Skullboot hinausrudern, aber dann hat meine Faulheit gesiegt.�</p><p>�Besser so. �Sie machte eine Kopfbewegung in Richtung See.�Der Letzte, der das Boot benutzt hat, ist ertrunken. Ich dachte schon, Sie w�ren da unten rumgeschlichen, um sich den Tatort anzusehen. �Sie lachte grimmig.</p><p>�Tatort?�Er trank einen Schluck von seinem Kaffee. Er schmeckte scheu�lich.</p><p>�Mein Vetter Ian. Man hat Ihnen doch sicher davon erz�hlt. Oder nicht?�Das meiste von dem, was sie ihm in unver�ndert unbek�mmertem Tonfall erz�hlte, wusste er bereits. Ihre Leutseligkeit machte ihn nachdenklich. Nach seiner Erfahrung diente eine derart zur Schau getragene Aufrichtigkeit meist dazu, die wichtigsten Informationen zu verbergen.</p><p>F�r Mignon stand fest, dass Ian Cresswell ermordet worden war. Ihrer Meinung nach kam es selten vor, dass jemand starb, blo� weil jemand anders sich das <emphasis>w�nschte</emphasis>. Als Lynley daraufhin die Brauen hob, lie� sie sich ausf�hrlicher dazu aus. Ihr Bruder Nicholas habe sein Leben lang im Schatten seines Vetters Ian gestanden. Seit Ian nach dem Tod seiner Mutter aus Kenia gekommen und im Haus eingezogen war, habe es nur noch gehei�en Ian hier und Ian da, und warum kannst du nicht so sein wie Ian? Ian war ein Mustersch�ler in St. Bees gewesen, ein Spitzensportler, der Lieblingsneffe seines Onkels Bernard, der Stern am Himmel der Familie Fairclough, der Goldjunge, der nie etwas hatte falsch machen k�nnen.</p><p>�Als er seine Familie hat sitzen lassen und mit Kaveh zusammengezogen ist, dachte ich, das w�rde meinem Vater in Bezug auf unseren lieben Ian endlich die Augen �ffnen. Nicky ist es bestimmt genauso gegangen, da bin ich mir sicher. Aber weit gefehlt. Und jetzt arbeitet Kaveh f�r meine Mutter. Wer soll das wohl arrangiert haben, wenn nicht Ian, hm? Nein, nichts, was der arme Nicky in seinem Leben getan hat, war gut genug, um ihm die Bewunderung seines Vaters einzutragen. Und nichts, was Ian tat, konnte die Liebe meines Vaters zu ihm mindern. Das bringt einen doch zum Nachdenken ��</p><p>�Wor�ber?�</p><p>��ber alles M�gliche�, antwortete sie mit einem unschuldigen und zugleich s�ffisanten Grinsen, das klarstellte, dass sie nicht bereit war, mehr zu dem Thema zu sagen.</p><p>�Nicholas hat ihn also ermordet?�, fragte Lynley.�Ich nehme an, er profitiert irgendwie von Ians Tod.�</p><p>�Also, was Ersteres angeht, w�rde ich mich jedenfalls nicht wundern. Aber ob er von Ians Tod profitiert � das wei� der Himmel. �Ihr Ton lie� auch vermuten, dass sie es Nicholas nicht �bel nehmen w�rde, wenn er Ian Cresswell etwas angetan h�tte, und das war neben dem, was sie sonst noch �ber den Mann gesagt hatte, ein Punkt, mit dem er sich noch genauer befassen w�rde, dachte Lynley. Ein weiterer Punkt war Ian Cresswells Testament.</p><p>Er sagte:�Ziemlich riskante Methode, Ian zu ermorden, meinen Sie nicht?�</p><p>�Warum?�</p><p>�Soweit ich wei�, f�hrt Ihre Mutter t�glich mit dem Boot raus.�</p><p>Mignon richtete sich in ihrem Sessel auf.�Wollen Sie damit andeuten �?�</p><p>�Dass der Mordanschlag eigentlich Ihrer Mutter galt � wenn wir davon ausgehen, dass es sich tats�chlich um einen solchen handelt.�</p><p>�<emphasis>Niemand</emphasis> k�nnte auch nur das geringste Interesse am Tod meiner Mutter haben�, erkl�rte Mignon und z�hlte an ihren Fingern ab, welche Personen daf�r in Frage k�men, allen voran nat�rlich wieder ihr Vater.</p><p>Lynley musste an <emphasis>Hamlet</emphasis> denken und an die K�nigin, die zu laut protestierte. Und er musste an reiche Leute denken und daran, was die mit ihrem Geld machten, und dass man mit Geld alles kaufen konnte, von unfreiwilligem Schweigen bis hin zu widerstrebender Kooperation. Aber all das warf nat�rlich die Frage auf, warum Bernard Fairclough nach London gefahren war und darum gebeten hatte, dass jemand ermittelte, unter welchen Umst�nden sein Neffe ums Leben gekommen war.</p><p><emphasis>Da hielt sich einer f�r einen richtigen Schlaumeier</emphasis>, kam ihm in den Sinn. Die Frage war nur, auf wen das zutraf.</p><subtitle>GRANGE-OVER-SANDS � CUMBRIA</subtitle><p>Manette Fairclough McGhie hatte lange geglaubt, dass es niemanden auf der Welt gab, der geschickter darin war, andere Leute zu manipulieren, als ihre eigene Schwester, aber jetzt war sie sich da nicht mehr so sicher. Mignon hatte einen simplen Unfall in Launchy Gill ausgenutzt, um ihre Eltern drei�ig Jahre lang an der Kandare zu halten: ein Sturz auf den glitschigen Steinen unter einem Wasserfall, eine Sch�delfraktur � und schon ging die Welt unter. Doch im Vergleich zu Niamh Cresswell war Mignon ein Waisenkind. Mignon nutzte die Schuldgef�hle und die �ngste anderer Leute aus, um zu bekommen, was sie wollte. Niamh hingegen benutzte ihre Kinder. Und das, dachte Manette grimmig, musste unbedingt aufh�ren.</p><p>Sie nahm sich einen Tag frei. Sie hatte sogar einen guten Grund, denn nachdem Tim gestern auf sie losgegangen war, tat ihr alles weh. Aber selbst wenn er sie nicht so brutal in die Nieren und den R�cken getreten h�tte, h�tte sie etwas unternommen. Wenn vierzehnj�hrige Jungs sich so auff�hrten, wie Tim es tat, dann gab es daf�r einen Grund. Nat�rlich hatte sie sich schon gedacht, dass hinter Tims Aggressivit�t und seiner Versetzung auf die Margaret Fox School mehr stecken musste als die Verwirrung des Jungen angesichts der Entscheidungen seines Vaters. Doch sie hatte nicht gewusst, dass es seine nichtsnutzige Mutter war.</p><p>Niamh wohnte etwas au�erhalb von Grange-over-Sands in einem schicken, modernen, an einem Hang gelegenen Neubaugebiet mit Blick auf die Morecambe Bay. Die Siedlung war offenbar von jemandem entworfen worden, der ein Faible f�r das Mediterrane hatte: Die H�user waren alle gleich gestaltet, strahlend wei� mit blauen T�ren und Fensterrahmen und identischen Vorg�rten mit Kies und ein paar Str�uchern als gestalterischen Elementen. Die H�user waren unterschiedlich gro�, und wie nicht anders zu erwarten, besa� Niamh eins der gr��ten mit der besten Aussicht auf die Bucht und die V�gel, die dort �berwinterten. Niamh war dort eingezogen, nachdem Ian die Familie verlassen hatte. Ian hatte Manette nach der Scheidung erz�hlt, dass Niamh darauf bestanden hatte umzuziehen. Na ja, das war ja wei� Gott verst�ndlich, hatte Manette damals gedacht. Das Haus, in dem sie mit Ian gewohnt hatte, war voller Erinnerungen, und au�erdem musste sie sich nach dem Supergau, der sich in ihrer Familie ereignet hatte, um ihre beiden Kinder k�mmern. Wahrscheinlich wollte sie einfach eine angenehme Umgebung schaffen, die die drastischen Ver�nderungen im Leben der Familie etwas ertr�glicher machte.</p><p>Diese Schlussfolgerungen hatte sie gezogen, bevor sie erfahren hatte, dass Tim und Gracie nicht bei ihrer Mutter, sondern bei ihrem Vater und dessen Liebhaber wohnten. Manettes erster Gedanke war gewesen: <emphasis>Was zum Teufel hat das zu bedeuten?</emphasis> Aber sie hatte die Frage nicht weiterverfolgt, als Ian ihr erkl�rt hatte, dass es sein Wunsch gewesen sei, die Kinder zu sich zu nehmen. Nach Ians Tod war sie selbstverst�ndlich davon ausgegangen, dass Niamh die Kinder zu sich holen w�rde. Und dass sie das offenbar nicht getan hatte, brachte Manette erneut auf die Frage: <emphasis>Was zum Teufel hat das zu bedeuten?</emphasis> Und diesmal w�rde sie daf�r sorgen, dass sie eine Antwort bekam.</p><p>Niamhs Kombi stand vor dem Haus, und sie machte sofort auf, als Manette an die Haust�r klopfte. Ihr erwartungsvoller Gesichtsausdruck verschwand, als sie Manette erblickte. Niamh hatte genug Parf�m aufgelegt, um den st�rksten Hengst ins K.o. zu bef�rdern, und sie trug ein fast bis zum Bauchnabel ausgeschnittenes pinkfarbenes Cocktailkleid. Aber allein ihr Gesicht h�tte Manette verraten, dass sie jemand ganz anderen erwartet hatte.</p><p>�Manette�, sagte Niamh zur Begr��ung, machte jedoch keine Anstalten, von der T�r wegzutreten.</p><p>Egal, dachte Manette und trat einen Schritt nach vorne, so dass Niamh keine andere Wahl blieb, als entweder eine Kollision zu riskieren oder aus dem Weg zu gehen. Sie entschied sich f�r Letzteres, schloss allerdings nicht die T�r, als sie Manette ins Haus folgte.</p><p>Manette ging ins Wohnzimmer, von dessen Panoramafenstern aus man auf die Bucht sah. Sie warf einen fl�chtigen Blick auf den Arnside Knott auf der anderen Seite der Bucht und verschwendete einen ebenso fl�chtigen Gedanken daran, dass man mit einem starken Teleskop nicht nur die vom Wind gebeutelten Koniferen oben auf dem H�gel erkennen, sondern auch beobachten konnte, was sich weiter unten im Wohnzimmer ihres Bruders Nicholas abspielte.</p><p>Sie drehte sich um. Niamh musterte sie mit zusammengekniffenen Augen, aber aus irgendeinem Grund schoss ihr Blick mehrmals in Richtung K�che. Als w�rde sich dort jemand verstecken, dachte Manette, was allerdings in Anbetracht von Niamhs erwartungsvollem Gesichtsausdruck beim �ffnen der T�r irgendwie keinen Sinn ergab. Deswegen sagte Manette:�Ich k�nnte einen Kaffee gebrauchen. Darf ich ��Sie ging auf die K�chent�r zu.</p><p>�Was willst du, Manette?�, fragte Niamh.�Du h�ttest wenigstens anrufen und mir Bescheid sagen k�nnen ��</p><p>Aber Manette war bereits in der K�che und stellte den Wasserkessel auf den Herd, als w�re sie hier zu Hause. Auf der Anrichte entdeckte sie den Grund f�r Niamhs nerv�se Blicke. Dort stand ein knallroter Blecheimer, gef�llt mit allen m�glichen Gegenst�nden. Ein schwarzer, wie eine Flagge geformter Aufkleber verk�ndete in wei�er Schrift: <emphasis>Liebeseimer</emphasis>. Ein offener Karton, der ebenfalls auf der Anrichte stand, verriet, dass der Eimer eben erst mit der Post geliefert worden war. Man brauchte keinen Doktortitel in Sexualkunde, um zu erraten, dass der Inhalt des Eimers aus einer Auswahl an Spielzeug bestand, mit dessen Hilfe ein Paar ein bisschen W�rze in sein Sexualleben zu bringen hoffte. <emphasis>Sehr</emphasis> interessant, dachte Manette.</p><p>Niamh schob sich an ihr vorbei und verstaute den Liebeseimer wieder in dem Karton.�Also gut�, sagte sie.�Was willst du? Und <emphasis>ich</emphasis> werde den Kaffee machen, wenn du nichts dagegen hast. �Sie nahm einen Kaffeekocher aus dem Schrank und knallte ihn auf die Anrichte. Dieselbe Behandlung wurde einer kleinen Packung Kaffee und einer Henkeltasse mit der Aufschrift <emphasis>Ich war in Blackpool</emphasis> zuteil.</p><p>Manette hielt es f�r das Beste, gleich zur Sache zu kommen.�Ich bin hier, um mit dir �ber deine Kinder zu reden�, sagte sie.�Warum wohnen sie immer noch nicht bei dir, Niamh?�</p><p>�Ich w�sste nicht, was dich das angeht. Hat Timothy dir gestern irgendwas erz�hlt?�</p><p>�Tim ist gestern mit den F�usten auf mich losgegangen. Ich denke, wir sind uns einig, dass das kein normales Verhalten f�r einen Vierzehnj�hrigen ist.�</p><p>�Ah, also darum geht�s. Du wolltest ihn doch unbedingt von der Schule abholen. Und Timothy hat sich nicht gefreut? Das tut mir aber leid�, sagte Niamh sarkastisch. Sie l�ffelte Kaffee in die Kanne und nahm eine T�te Milch aus dem K�hlschrank.�Aber ich verstehe gar nicht, warum du dich dar�ber wunderst, Manette. Es hat schlie�lich einen Grund, dass er auf die Margaret Fox School geht.�</p><p>�Und wir beide kennen den Grund�, sagte Manette.�Was zum Teufel hat das alles zu bedeuten?�</p><p>�Was das zu bedeuten hat, wie du dich ausdr�ckst, ist, dass Timothys Verhalten schon seit einiger Zeit nicht <emphasis>normal</emphasis> ist. Ich nehme an, du kannst dir denken, warum.�</p><p>Gott, dachte Manette, die alte Leier: Tims Geburtstagsparty und der �berraschungsgast. Gro�artige Gelegenheit, um zu erfahren, dass der Vater jemand anderen liebt, noch dazu einen Mann. Manette h�tte Niamh erw�rgen k�nnen. Wie viel Profit wollte diese Frau noch aus dem schlagen, was Ian und Kaveh ihr angetan hatten? Manette sagte:�Es war nicht Tims Schuld, Niamh. Und versuch nicht, dieses Gespr�ch auf deine �bliche Tour zu sabotieren�, f�gte sie hinzu.�Das mag vielleicht bei Ian funktioniert haben, aber bei mir ist das zwecklos.�</p><p>�Ehrlich gesagt habe ich nicht das geringste Bed�rfnis, �ber Ian zu reden, da kannst du also ganz beruhigt sein.�</p><p>Das war ja etwas ganz Neues, dachte Manette. Eine interessante Abwechslung, denn seit einem Jahr hatte Niamh gar kein anderes Gespr�chsthema gehabt als Ian und das, was er ihr angetan hatte. Nun, sie w�rde Niamh beim Wort nehmen. Sie war sowieso hergekommen, um �ber Tim zu reden.�Sehr gut�, sagte sie.�Denn ich habe auch nicht vor, �ber Ian zu reden.�</p><p>�Ach?�Niamh betrachtete ihre perfekt manik�rten Fingern�gel.�Das ist ja ein Ding. Ich dachte immer, Ian sei eins deiner Lieblingsthemen.�</p><p>�<emphasis>Wie</emphasis> bitte?�</p><p>�Also wirklich, tu doch nicht so verwundert. Du hast vielleicht die ganzen Jahre �ber versucht, es zu verbergen, aber ich habe von Anfang an gewusst, dass du hinter Ian her warst.�</p><p>�<emphasis>Wie bitte</emphasis>?�</p><p>�Du hast doch immer geglaubt, dass er zu dir kommen w�rde, wenn er irgendwann genug von mir h�tte. Dass er sich stattdessen Kaveh als neuen Lebensgef�hrten ausgesucht hat, m�sste dich doch eigentlich genauso w�tend gemacht haben wie mich.�</p><p>Gro�er Gott, dachte Manette. Niamh hatte es auf raffinierte Weise geschafft, von Tim abzulenken.�H�r auf mit dem Bl�dsinn�, sagte sie.�Ich wei� genau, was du vorhast. Aber es wird nicht funktionieren. Ich bleibe, bis wir �ber Tim geredet haben. Wir k�nnen das jetzt gleich erledigen, oder wir k�nnen bis heute Abend Katz und Maus spielen. Doch <emphasis>irgendetwas</emphasis> ��Sie warf einen bedeutungsvollen Blick auf den Liebeseimer�� sagt mir, dass du mich gern m�glichst bald los w�rst. Aber das schaffst du nicht, indem du mich �rgerst.�</p><p>Niamh entgegnete nichts darauf. Ihre Rettung war der Wasserkocher, der in dem Moment piepte. Sie f�llte die Kaffeekanne mit kochendem Wasser und r�hrte den Kaffee mit einem L�ffel um.</p><p>Manette sagte:�Alle Externen gehen nach Schulschluss nach Hause zu ihren Eltern. Aber Tim wohnt immer noch bei Kaveh, nicht bei dir. Was glaubst du, was das mit seinem Seelenzustand macht?�</p><p>�Was <emphasis>was</emphasis> mit seinem Seelenzustand macht, Manette?�Niamh fuhr herum.�Dass er immer noch bei Ians geliebtem Kaveh wohnt? Oder dass man ihn nach Hause gehen l�sst, anstatt ihn einzusperren wie einen Verbrecher?�</p><p>�Sein Zuhause ist hier, nicht in Bryanbarrow. Das wei�t du ganz genau. Wenn du ihn gestern erlebt h�ttest � Herrgott noch mal, was ist los mit dir? Tim ist dein Sohn. Warum hast du ihn noch nicht zu dir nach Hause geholt? Warum hast du Gracie nicht zu dir geholt? Bestrafst du die beiden aus irgendeinem Grund? Wieso spielst du mit dem Leben deiner Kinder?�</p><p>�Was wei�t du denn schon �ber das Leben meiner Kinder? Was hast du denn je gewusst? Dir ging es doch immer nur um Ian. Ian, Ian, Ian. Der gute, geliebte Ian, der keinem Fairclough je etwas zuleide tun konnte. Selbst dein Vater hat sich auf seine Seite geschlagen, als er mich verlassen hat. Dein <emphasis>Vater</emphasis>. Der heilige Ian verl�sst dieses Haus Hand in Hand � oder soll ich lieber sagen, Hand am Arsch � mit diesem � diesem � <emphasis>Araber</emphasis>, der noch ein halbes Kind ist, und dein Vater r�hrt keinen Finger. Keiner von euch. Und jetzt arbeitet dieser Araber f�r deine Mutter, als h�tte er nicht mein Leben zerst�rt. Und du wirfst mir vor, ich w�rde Spielchen spielen? Du stellst mein Verhalten in Frage, w�hrend keiner von euch versucht hat, Ian dazu zu �berreden, wieder nach Hause zu kommen, wo er hingeh�rte, zu seiner Familie, zu seinen Kindern, zu seiner � seiner ��Sie schnappte sich ein Geschirrtuch, denn ihre Augen, die sich mit Tr�nen gef�llt hatten, drohten �berzulaufen und ihr Make-up zu ruinieren. Nachdem sie ihre Tr�nen getrocknet hatte, warf sie das Geschirrtuch in den M�lleimer, dr�ckte den Kaffeesatz nach unten, wie um einen Schlusspunkt unter ihre letzten Worte zu setzen.</p><p>Manette beobachtete sie. Zum ersten Mal wurde ihr einiges klar. Sie sagte:�Du hast �berhaupt nicht vor, sie zu dir zu holen, nicht wahr? Du willst die Kinder bei Kaveh lassen. Warum?�</p><p>�Trink deinen verdammten Kaffee und hau endlich ab�, fauchte Niamh.</p><p>�Erst, wenn wir ein paar Dinge gekl�rt haben. Erst, wenn ich genau verstanden habe, was du vorhast. Ian ist tot, das Problem kannst du also von der Liste streichen. Jetzt also geht�s um Kaveh. Aber Kaveh wird wahrscheinlich nicht sterben, es sei denn, du bringst ihn um ��Manette brach ab. Die beiden Frauen starrten einander an.</p><p>Niamh wandte sich als Erste ab.�Geh�, sagte sie.�Mach einfach, dass du wegkommst.�</p><p>�Was ist mit Tim? Was ist mit Gracie? Was passiert mit den beiden?�</p><p>�Nichts.�</p><p>�Was bedeutet, du l�sst sie bei Kaveh. Bis jemand dich juristisch oder sonst wie zwingt, sie bei dir aufzunehmen, bleiben sie in Bryanbarrow. Damit Kaveh auch wirklich kapiert, was er angerichtet hat. Diese beiden Kinder, die �brigens an dem, was passiert ist, �berhaupt keine Schuld tragen ��</p><p>�Sei dir da nicht so sicher.�</p><p>�Wie bitte? Willst du etwa behaupten, dass <emphasis>Tim</emphasis> � Mein Gott. Du bist ja wirklich nicht bei Trost.�</p><p>Es hatte keinen Zweck, das Gespr�ch weiterzuf�hren. Manette lie� ihren Kaffee Kaffee sein und ging. Noch ehe sie die Haust�r erreichte, h�rte sie von drau�en Schritte, und gleich darauf rief jemand:�Niamh? S��e? Bist du da?�</p><p>Als sie die T�r, die nur angelehnt war, ganz �ffnete, stand ein Mann vor ihr, in der Hand einen Strau� Chrysanthemen. Der Ausdruck freudiger Erwartung in seinem Gesicht wies ihn zweifelsfrei als den Absender des Liebeseimers aus, der gekommen war, um sich mit dem darin enthaltenen Spielzeug zu vergn�gen, dachte Manette. Ein feiner Schwei�film gl�nzte auf seinen pummeligen Wangen.</p><p>�Oh!�, sagte er und schaute sich um, als h�tte er sich in der Haust�r vertan.</p><p>�Komm rein, Charlie�, rief Niamh, die hinter Manette stand.�Meine Schw�gerin wollte gerade gehen.�</p><p>Charlie. Er kam Manette irgendwie bekannt vor, doch sie konnte sich nicht erinnern, woher. Bis er nerv�s zum Gru� nickte und sich an ihr vorbei ins Haus schob. Er roch nach K�che und noch irgendetwas anderem. Zuerst dachte Manette an Fish �n Chips, aber dann fiel ihr ein, dass er der Eigent�mer einer der drei chinesischen Imbissbuden am Marktplatz in Milnthorpe war. Sie hatte mehr als einmal auf dem Heimweg von einem Besuch bei Nicholas dort angehalten, um f�r Freddie etwas zum Essen mitzunehmen. Sie hatte diesen Mann bisher immer nur in Kochkleidung gesehen, die wei�e Jacke mit Fett und Sojaso�e bespritzt. Und jetzt war er hier, doch was er im Schilde f�hrte, hatte absolut nichts mit Chop Suey und Fr�hlingsrollen zu tun.</p><p>Er sagte gerade zu Niamh:�Du siehst zum Anbei�en aus!�</p><p>Sie kicherte.�Das hoffe ich doch. Hast du denn auch Appetit mitgebracht?�</p><p>Sie lachten beide. Dann schloss sich die T�r hinter Manette.</p><p>Blanke Wut �berkam sie. Irgendwie, dachte sie, musste Ians Witwe zur Vernunft gebracht werden. Manette war klug genug zu wissen, dass das au�erhalb ihrer Macht stand. Aber sie konnte sehr wohl daf�r sorgen, dass sich f�r Tim und Gracie etwas �nderte.</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Die Berichte des Gerichtsmediziners zu beschaffen, war nicht schwierig gewesen, und das lag vor allem an St. James� gutem Ruf als Gerichtssachverst�ndigem. Nat�rlich wurde seine Sachkenntnis in diesem Fall gar nicht gebraucht, da der Coroner seinen Bericht l�ngst abgegeben hatte, aber ein Anruf und eine Fantasiegeschichte �ber einen Vortrag f�r Medizinstudenten hatten ausgereicht, um alle entscheidenden Dokumente in die H�nde zu bekommen. Die Unterlagen best�tigten, was Lynley ihm bereits �ber den Tod von Ian Cresswell berichtet hatte, und sie enthielten dar�ber hinaus einige zus�tzliche, interessante Details. Der Mann hatte einen heftigen Schlag gegen den Kopf erlitten � in der N�he der linken Schl�fe �, der ihm das Bewusstsein geraubt und eine Sch�delfraktur verursacht hatte. Die Kopfverletzung hatte Cresswell sich an dem gemauerten Steg zugezogen, und obwohl seine Leiche fast neunzehn Stunden lang im Wasser gelegen hatte, bis sie gefunden wurde, war es � zumindest laut Bericht des Gerichtsmediziners � angeblich m�glich gewesen, einen Bezug zwischen der Kopfwunde und der Form des Steins herzustellen, auf den er aufgeschlagen war.</p><p>St. James runzelte die Stirn. Er fragte sich, wie das m�glich war. Neunzehn Stunden im Wasser waren eine lange Zeit, in der eine Wunde sich normalerweise so stark ver�nderte, dass man nichts mehr an ihr ablesen konnte, es sei denn, man fertigte eine Rekonstruktion an. Er suchte nach einem entsprechenden Bericht, fand jedoch keinen. Er machte sich eine Notiz und las weiter.</p><p>Ian Cresswell war ertrunken, wie die Untersuchung der Lunge ergeben hatte. H�matome am rechten Bein legten die Vermutung nahe, dass er beim Fallen mit dem Fu� im Schuh des Stemmbretts h�ngen geblieben war, was das Boot zum Kentern gebracht hatte. Cresswell war so lange unter Wasser gehalten worden, bis sich der Fu� � vielleicht durch die sanften Wellen des Sees � irgendwann gel�st hatte. Erst dann war die Leiche des Mannes an die Oberfl�che getrieben.</p><p>Der toxikologische Bericht hatte nichts Auff�lliges ergeben. Cresswell hatte Alkohol im Blut gehabt, war aber nicht betrunken gewesen. Ansonsten besagte der Bericht des Gerichtsmediziners, dass der Mann vollkommen gesund und f�r sein Alter � Anfang vierzig � au�erordentlich fit gewesen war.</p><p>Da es sich um einen nicht beobachteten Tod durch Ertrinken gehandelt hatte, war die Kriminalpolizei eingeschaltet worden. Der Gerichtsmediziner hatte die Leiche begutachtet, und es hatte eine gerichtliche Untersuchung des Todesfalles stattgefunden. Als Zeugen hatten ausgesagt: die Kriminalpolizisten, Valerie Fairclough, der Gerichtsmediziner, der Polizist, der als Erster am Ort des Geschehens eingetroffen war, sowie dessen Kollege, der zur Unterst�tzung herbeigerufen worden war. Beide waren der Meinung gewesen, dass keine Tatortspezialisten angefordert zu werden brauchten, da es sich um kein Verbrechen handelte. Und am Ende entschied der Coroner dann auf Unfalltod durch Ertrinken.</p><p>Soweit St. James das beurteilen konnte, enthielt der Bericht nichts Fragw�rdiges. Aber falls Fehler begangen worden waren, dann musste das ganz zu Anfang passiert sein, und zwar durch den Polizisten, der als Erster am Ort des Geschehens eingetroffen war. Also fuhr St. James nach Windermere, um sich mit dem Mann zu unterhalten.</p><p>Der Polizist hie� PC William Schlicht, und er holte St. James in Windermere am Bahnhof ab. Er sah aus, dachte St. James, als k�me er gerade frisch von der Polizeischule. Das w�rde auch erkl�ren, warum er einen Kollegen herbeigerufen hatte, der seine Schlussfolgerung best�tigen sollte. Wahrscheinlich war es Schlichts erste Leiche gewesen, und er hatte seine berufliche Laufbahn nicht mit einem groben Schnitzer beginnen wollen. Abgesehen davon war der Tote auf dem Grund und Boden eines bekannten Industriellen gefunden worden. Das war ein gefundenes Fressen f�r die �rtliche Presse gewesen, und PC Schlicht hatte gewusst, dass aller Augen auf ihn gerichtet sein w�rden.</p><p>Schlicht war schm�chtig, aber zugleich drahtig und muskul�s, und seine Uniform sah aus, als w�rde er sie jeden Morgen st�rken und b�geln und die Kn�pfe an der Jacke polieren. St. James sch�tzte ihn auf Anfang zwanzig, und der Mann machte auf ihn den Eindruck, als wolle er es allen recht machen. Nicht gerade die beste Charaktereigenschaft f�r einen Polizisten, dachte St. James. Solche Typen waren leicht zu manipulieren.</p><p>�Ah, Sie geben also ein Seminar �ber forensische Untersuchungsmethoden?�, fragte PC Schlicht, nachdem sie einander begr��t hatten. Er f�hrte St. James in eine Art Bahnhofscaf�, wo auf einem K�hlschrank ein Zettel klebte mit der Aufschrift: <emphasis>Schreibt euren *#%*# Namen auf eure Butterbrott�te!</emphasis> Eine uralte Kaffeemaschine verstr�mte einen Duft, der an Kohlebergwerke aus dem 19. Jahrhundert erinnerte. Schlicht hatte offenbar sein Mittagessen unterbrochen. Der Rest seiner H�hnchenpastete lag noch in einem Plastikbeh�lter. Daneben stand ein kleinerer Beh�lter mit Himbeercreme.</p><p>St. James brummte irgendetwas Zustimmendes, als Schlicht das Seminar erw�hnte. Er hielt hin und wieder Vorlesungen an der University of London. Falls PC Schlicht sich bem��igt f�hlen sollte, Erkundigungen �ber ihn einzuziehen, so war alles, was er in Bezug auf seinen Besuch in Cumbria behauptete, verifizierbar. Er solle sein Mittagessen getrost fortsetzen, sagte St. James zu PC Schlicht, er wolle lediglich ein paar Details best�tigt haben.</p><p>�Jemand wie Sie h�tte wahrscheinlich lieber einen interessanteren Fall f�r so einen Vortrag�, bemerkte Schlicht, stieg mit einem Bein �ber die R�ckenlehne eines Stuhls und setzte sich. Dann nahm er sein Besteck und machte sich �ber sein Essen her.�Der Fall Cresswell war von Anfang an eine ganz klare Sache.�</p><p>�Aber Sie m�ssen doch zun�chst einige Zweifel gehabt haben�, entgegnete St. James.�Schlie�lich haben Sie einen Kollegen hinzugezogen.�</p><p>�Ach so, das. �Schlicht wedelte zustimmend mit seiner Gabel. Dann best�tigte er, was St. James vermutet hatte: Es war sein erster Toter gewesen, er habe sich keinen Schnitzer erlauben wollen, au�erdem sei die Familie in der Gegend ziemlich bekannt.�Noch dazu steinreich�, f�gte er hinzu,�wenn Sie wissen, was ich meine. �Er grinste, als verlangte der Reichtum der Faircloughs, dass die �rtliche Polizei zu ganz bestimmten Schlussfolgerungen gelangte. Als St. James ihn fragend anschaute, sagte er:�Die Reichen haben ihre Eigenheiten, wissen Sie? Die sind nicht wie Sie und ich. Meine Frau zum Beispiel: Wenn die in unserem Bootshaus eine Leiche finden w�rde � also, nicht dass wir ein Bootshaus h�tten �, dann w�rde die schreien wie am Spie�, die w�rde komplett durchdrehen, und selbst wenn sie es schaffen w�rde, bei der Polizei anzurufen, w�rde am Telefon kein Mensch ein Wort verstehen. Aber die ��St. James nahm an, dass damit Valerie Fairclough gemeint war.�� war absolut obercool. �In meinem Bootshaus schwimmt ein Toter im Wasser�, hat sie zu unserem Wachhabenden gesagt und ihm gleich auch noch unaufgefordert ihre Adresse gegeben, was ziemlich merkw�rdig ist. Denn man sollte doch meinen, dass sie unter den Umst�nden nicht von allein auf so was kommt. Und als ich ankam, hat sie nicht etwa in der Einfahrt auf mich gewartet, und sie ist auch nicht nerv�s im Garten auf und ab gelaufen, wie man es in einer solchen Situation von einer Frau erwarten w�rde. O nein. Sie war im Haus, und als sie rauskam, war sie angezogen, als w�r sie auf dem Weg zu irgendeinem vornehmen Nachmittagstee, und da hab ich mich nat�rlich gefragt, was sie in dem Aufzug unten am Bootshaus zu suchen gehabt hatte. Aber ohne dass ich sie danach gefragt hab, hat sie mir sofort erkl�rt, sie w�r zum Bootshaus gegangen, weil sie zum Angeln hatte rausfahren wollen. So feingemacht, wie die war, das muss man sich mal vorstellen. Sie meinte, das w�rde sie regelm��ig machen � zwei-, drei-, manchmal viermal die Woche. Und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie w�r gern auf dem Wasser, hat sie mir erz�hlt. Nat�rlich h�tte sie nicht damit gerechnet, einen Toten in ihrem Bootshaus vorzufinden. Aber sie wusste sogar, wer der Tote war: der Neffe ihres Mannes. Dann sind wir zum Bootshaus gegangen, damit ich mir die Leiche ansehen konnte. Wir waren noch nicht weit gekommen, da kam auch schon der Krankenwagen, und wir haben auf die Sanit�ter gewartet.�</p><p>�Mrs. Fairclough wusste also mit Sicherheit, dass der Mann im Wasser tot war?�</p><p>Schlicht, der sich gerade eine weitere Portion von seiner Pastete in den Mund schieben wollte, hielt mitten in der Bewegung inne.�Aber sicher. Der lag ja mit dem Gesicht nach unten im Wasser, und zwar schon ziemlich lange. Aber ihre Kleider. Die sprechen doch auch f�r sich, oder?�</p><p>Als sie am Bootshaus eintrafen, so Schlicht, sei die Situation eindeutig gewesen, so merkw�rdig ihm die Kleidung und das Verhalten von Valerie Fairclough auch erschienen sein mochte. Das Skullboot war gekentert, der Tote lag daneben im Wasser, und die fehlenden Steine in dem Anleger erkl�rten, was vorgefallen war. Aber zur Sicherheit hatte er darum gebeten, dass ein Detective Inspector sich die Sache ansah, und daraufhin war die Kollegin Dankanics gekommen und hatte ihm in seiner Einsch�tzung der Lage beigepflichtet. Der Rest war mehr oder weniger Routine gewesen: Er hatte den Papierkram erledigt, einen Bericht geschrieben, vor dem Coroner ausgesagt, et cetera.</p><p>�Hat DI Dankanics sich mit Ihnen zusammen den Ort des Geschehens angesehen?�</p><p>�Ja, nat�rlich. Wir alle.�</p><p>�Alle?�</p><p>�Die Sanit�ter, Mrs. Fairclough, die Tochter.�</p><p>�Die Tochter? Wo war die denn?�Das war allerdings merkw�rdig. Das Bootshaus h�tte abgesichert werden m�ssen. Es war absolut ordnungswidrig, dass dies nicht erfolgt war, und St. James fragte sich, worauf diese Ordnungswidrigkeit zur�ckzuf�hren sein mochte � auf Schlichts Unerfahrenheit, auf DI Dankanics� Gleichg�ltigkeit oder auf etwas ganz anderes.</p><p>�Ich wei� nicht genau, wo sie sich vorher aufgehalten hat�, sagte Schlicht,�aber der L�rm war ja nicht zu �berh�ren. Der Krankenwagen ist mit eingeschalteter Sirene bis zum Haus gefahren � die Jungs fahren auf ihre Sirene ab, sag ich Ihnen �, und sie ist mit ihrem Rollator runter an den See gekommen.�</p><p>�Ist sie behindert?�</p><p>�Sieht so aus. Jedenfalls wurde die Leiche zur Obduktion abtransportiert, DI Dankanics und ich haben Zeugenaussagen aufgenommen und ��Er runzelte die Stirn.</p><p>�Ja?�</p><p>�Tut mir leid. Ich hab vergessen, den Freund zu erw�hnen.�</p><p>�Freund?�</p><p>�Der Tote war �ne Schwuchtel. Sein Freund hat auf dem Anwesen gearbeitet. Nicht zu dem Zeitpunkt, das nicht, aber er kam, als der Krankenwagen grade wegfuhr. Nat�rlich wollte er wissen, was passiert war � ist ja nur menschlich, oder? Und Mrs. Fairclough hat ihn zur Seite genommen und es ihm gesagt, und er ist prompt umgekippt.�</p><p>�Er ist ohnm�chtig geworden?�</p><p>�Ist der L�nge nach auf den Boden geschlagen. Wir wussten erst nicht, wer er war, und fanden es ziemlich �bertrieben, dass ein Typ, der ankommt und erf�hrt, dass einer ertrunken ist, gleich aus den Latschen kippt. Also hat uns Mrs. Fairclough erkl�rt, dass er der Gartenarchitekt war und dass der andere � also, der Tote im Bootshaus � sein Partner war. Und mit <emphasis>Partner</emphasis> meinte sie Lebensgef�hrte, wohlgemerkt. Jedenfalls ist der Bursche ziemlich schnell wieder zu sich gekommen, und dann hat er angefangen zu heulen. Meinte, es w�re <emphasis>seine</emphasis> Schuld, dass der andere ertrunken war, was uns nat�rlich hellh�rig gemacht hat � also, mich und Dankanics �, aber dann kam raus, dass die zwei sich am Vorabend gestritten hatten. Ian Cresswell wollte heiraten mit gro�em Fest und allem Drum und Dran, aber der andere fand alles ganz prima, so wie�s war. Gott, hat der geheult. Da denkt man sich doch sein Teil, oder? Wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>St. James verstand nicht, was er meinte, fand allerdings die Informationen, die er bekam, verquerer und verquerer, wie Alice im Wunderland sich ausgedr�ckt h�tte. Er sagte:�Und das Bootshaus selbst �?�</p><p>�Hmm?�</p><p>�War dort alles in Ordnung? Abgesehen von den fehlenden Steinen nat�rlich.�</p><p>�Nach Aussage von Mrs. Fairclough jedenfalls ja.�</p><p>�Und die Boote?�</p><p>�Die waren alle drinnen.�</p><p>�Wie �blich?�</p><p>Schlicht zog die Brauen zusammen. Er hatte seine Pastete aufgegessen und �ffnete den Beh�lter mit der Himbeercreme.�Ich versteh nicht, was Sie meinen.�</p><p>�Lagen die Boote immer in der gleichen Anordnung in dem Bootshaus? Oder wurde darauf nicht geachtet?�</p><p>Schlichts Lippen kr�uselten sich, als wollte er pfeifen, doch er gab keinen Laut von sich. Er antwortete auch nicht gleich, aber trotz seiner ungezwungenen Art zu reden war der Mann nicht dumm, dachte St. James.�Das ist ja ein Ding�, sagte Schlicht.�Dass wir danach nicht gefragt haben. Verflucht, Mr. St. James, ich hoffe, das bedeutet nicht, was ich bef�rchte.�</p><p>Denn wenn auf die Anordnung nicht geachtet wurde, legte das einen Unfall nahe. Alles andere lie� auf einen Mord schlie�en.</p><subtitle>MIDDLEBARROW FARM � CUMBRIA</subtitle><p>Das Wehrturmprojekt von Middlebarrow befand sich �stlich des Arnside Knott, eines riesigen H�gels, der als Naturschutzgebiet ausgewiesen war. Deborah St. James und Nicholas Fairclough fuhren erst durch Arnside und folgten dann den Schildern nach Silverdale. W�hrend der Fahrt plauderte Nicholas Fairclough freundlich mit Deborah, wie es seine nat�rliche Art zu sein schien. Er wirkte offen und geradeheraus, ganz und gar nicht wie ein Mensch, der in der Lage war, den kaltbl�tigen Mord an seinem eigenen Vetter zu planen, falls es denn Mord gewesen war. Nat�rlich erw�hnte er Ian Cresswells Tod mit keinem Wort. Der Tod des Mannes hatte schlie�lich nichts mit dem zu tun, warum Deborah angeblich den Wehrturm besuchen wollte. Allerdings war sie sich nicht sicher, ob sie es dabei belassen sollte. Sie hatte den Eindruck, dass sie Cresswell auf die eine oder andere Weise ins Gespr�ch bringen musste.</p><p>Leider war das nicht gerade ihre St�rke. Munter drauflos zu plaudern war ihr noch nie leichtgefallen, allerdings hatte sie mit den Jahren dazugelernt, denn es zahlte sich aus, wenn die Personen, die sie fotografierte, sich entspannten. Die dazu notwendige Plauderei war zumindest irgendwie ehrlich. Aber sich f�r jemanden auszugeben, der sie nicht war, brachte sie in eine Situation, in der sie sich extrem unwohl f�hlte.</p><p>Zum Gl�ck schien Nicholas nichts davon zu bemerken. Er war viel zu sehr bem�ht, ihr zu versichern, wie sehr seine Frau ihn in seinen Bem�hungen unterst�tzte.</p><p>�Am Anfang ist sie immer ziemlich reserviert, aber das �ndert sich, wenn sie einen besser kennenlernt�, erkl�rte er Deborah, als sie durch die enge Stra�e rasten.�So ist sie nun mal. Das d�rfen Sie nicht pers�nlich nehmen. Allie ist erst mal jedem gegen�ber misstrauisch. Das hat mit ihrer Familie zu tun. �Er l�chelte sie an. Er hatte ein seltsam jungenhaftes Gesicht, wahrscheinlich w�rde er bis ins hohe Alter jung wirken, dachte Deborah. Manche Menschen hatten in der Hinsicht einfach Gl�ck.�Ihr Vater ist B�rgermeister der Stadt, in der sie geboren wurde. In Argentinien. Er ist schon ewig B�rgermeister, und sie ist aufgewachsen in dem Bewusstsein, st�ndig im Rampenlicht zu stehen und aufpassen zu m�ssen, was sie tut. Sie lebt also bis heute mit dem Gef�hl, dass irgendjemand sie beobachtet und sie bei � irgendwas erwischt, wei� der Teufel, wobei. Deswegen ist sie anfangs immer so scheu. Man muss ihr Vertrauen erst gewinnen.�</p><p>�Sie ist sehr attraktiv�, sagte Deborah.�Ich k�nnte mir vorstellen, dass das f�r jemanden, der st�ndig im Rampenlicht steht, ein Problem ist, vor allem in einer Kleinstadt. Aller Augen sind pausenlos auf sie gerichtet, wissen Sie. Aus welchem Ort in Argentinien stammt Ihre Frau denn?�</p><p>�Aus Santa Mar�a de irgendwas. Das vergesse ich immer. Ein St�dtename, der aus zehn W�rtern besteht. Am Fu� von irgendeinem Gebirge. Tut mir leid. Ich kann mir diese spanischen Namen einfach nicht merken. Sprachen sind mir ein Buch mit sieben Siegeln. Ich kann ja kaum Englisch! Auf jeden Fall mag sie den Ort nicht. Sie sagt, es war wie hinterm Mond zu leben. Wahrscheinlich ein kleines Kaff. Mit f�nfzehn ist sie von zu Hause weggelaufen. Sp�ter hat sie sich mit ihren Eltern vers�hnt, aber sie ist nie dorthin zur�ckgekehrt.�</p><p>�Sie wird ihren Eltern doch fehlen.�</p><p>�Dazu kann ich Ihnen nichts sagen�, erwiderte Nicholas.�Aber man w�rde es doch vermuten, oder?�</p><p>�Sie haben ihre Eltern also noch nicht kennengelernt? Sind sie denn nicht zur Hochzeit gekommen?�</p><p>�Tja, wir haben in aller Stille geheiratet. Nur Allie und ich im Rathaus von Salt Lake City, einer, der die Trauung vollzogen hat, und zwei Frauen, die wir auf der Stra�e angesprochen und gefragt hatten, ob sie sich als unsere Trauzeugen zur Verf�gung stellen k�nnten. Danach hat Allie ihren Eltern geschrieben, um ihnen mitzuteilen, dass sie geheiratet hatte, doch sie haben nicht geantwortet. Ich glaube, die sind ziemlich sauer auf sie. Aber sie werden sich bestimmt irgendwann wieder beruhigen, wie alle Eltern. Vor allem ��, er grinste,�� wenn erst mal ein Enkelkind unterwegs ist.�</p><p>Deswegen also hatte <emphasis>Conception</emphasis> auf dem Tisch gelegen, eine Zeitschrift voller Artikel �ber Themen rund um das Thema Empf�ngnis, Schwangerschaft und Geburt.�Sie erwarten ein Kind? Herzlichen ��</p><p>�Nein, nein, noch nicht. Aber wir rechnen jeden Moment damit. �Er trommelte mit den Fingern auf das Lenkrad.�Ich bin ein Gl�ckspilz�, sagte er.�Ein echter Gl�ckspilz. �Dann zeigte er auf ein Waldgebiet �stlich der Stra�e, wo Laubb�ume in bunten Herbstfarben zwischen gr�nen Koniferen leuchteten.�Der Middlebarrow Wald�, sagte er.�Von hier aus kann man den Wehrturm sehen. �Er hielt in einer Haltebucht, damit sie in Ruhe schauen konnte.</p><p>Der Turm stand auf einer Erhebung, die an die pr�historischen Grabh�gel erinnerte, die es �berall in England gab. Jenseits des H�gels begann der Wald. Der Turm stand auf einer freien Fl�che, so dass man von seinen Fenstern aus jeden Angreifer sehen konnte, der sich aus dem Wald n�herte, was in den Jahrhunderten, als die Grenze zwischen Schottland und England sich st�ndig �nderte, an der Tagesordnung gewesen war. Die Angreifer hatten alle dasselbe Ziel. Es handelte sich um Marodeure, die die Rechtlosigkeit der damaligen Zeit ausnutzten und das Grenzgebiet unsicher machten. Sie �berfielen die D�rfer, stahlen das Vieh, pl�nderten die H�user aus und flohen mit ihrer Beute �ber die Grenze. Dabei gab es nat�rlich unweigerlich immer wieder Tote auf beiden Seiten.</p><p>Die Wehrt�rme waren zum Schutz gegen diese Marodeure errichtet worden. Einige davon waren unzerst�rbar, mit meterdicken Mauern und Schie�scharten anstatt Fenstern und getrennten Stockwerken f�r das Vieh, die Bewohner und die Verteidigungsstellungen. Aber als man die Grenze schlie�lich festgelegt, Gesetze erlassen und Sheriffs eingesetzt hatte, wurden die T�rme nicht mehr gebraucht. Einige wurden abgetragen und das Baumaterial f�r andere Zwecke benutzt, andere wurden in gr��ere Bauten integriert wie Pfarrh�user oder Schulen.</p><p>Der Wehrturm von Middlebarrow geh�rte zu der ersten Kategorie. Er ragte hoch auf, die meisten seiner Fenster waren intakt. In einiger Entfernung standen ein paar alte Bauernh�user, die Zeugnis davon ablegten, welchem Verwendungszweck einige der Steine aus seinen Mauern zugef�hrt worden waren. Auf der Wiese zwischen dem Turm und den Bauernh�usern war ein Zeltlager errichtet worden. Es war eine Ansammlung von kleinen Zelten, mehreren behelfsm��igen Schuppen und einem gr��eren Zelt f�r das Zw�lf-Schritte-Programm, wie Nicholas Fairclough erkl�rte. Au�erdem diente das gro�e Zelt als Speisesaal.</p><p>Nicholas fuhr weiter und bog in eine Stra�e ein, die zu dem Turm f�hrte. Der Turm, sagte er, stehe auf dem Land eines Bauern aus Middlebarrow. Der Bauer hatte seine Zustimmung zu dem Projekt gegeben, nachdem er begriffen hatte, dass der restaurierte Turm als Touristenattraktion dienen w�rde und man sogar Ferienwohnungen darin einrichten konnte.</p><p>�Er hat sich sogar entschlossen, einen Campingplatz zu bauen�, sagte Nicholas.�Das bringt ihm w�hrend der Urlaubssaison ein bisschen Geld ein. Es war �brigens Allies Idee, den Bauern mit ins Boot zu holen. Anfangs hat sie noch bei dem Projekt mitgemacht.�</p><p>�Und jetzt nicht mehr?�</p><p>�Sie h�lt sich gern im Hintergrund. Au�erdem � na ja, als die ersten Junkies kamen, ist sie lieber zu Hause geblieben. �Sie waren auf der Baustelle angekommen, und Nicholas hielt an.�Aber keine Sorge. Diese Burschen sind viel zu kaputt und viel zu sehr damit besch�ftigt, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, um eine Gefahr f�r irgendjemanden darzustellen.�</p><p>Aber sie waren nicht zu kaputt, um zu arbeiten, stellte Deborah fest. Einer von ihnen war zum Gruppenleiter bestimmt worden, ein Mann, den Nicholas ihr als Dave K vorstellte ��Es ist �blich, keine Nachnamen zu verwenden�, erkl�rte er ihr �, und sie begriff sofort, dass der Tagesablauf aus Arbeiten, Essen, Zw�lf-Schritte-Programm und Schlafen bestand. Dave K hatte einige zusammengerollte Pl�ne bei sich, die er auf der Motorhaube von Nicholas Faircloughs Auto ausrollte. Mit einem Nicken nahm er Deborah zur Kenntnis, dann z�ndete er sich eine Zigarette an, die er, w�hrend er mit Nicholas �ber das Projekt sprach, als Zeigestock benutzte.</p><p>Deborah schlenderte zur Baustelle hin�ber. Der Turm war enorm, ein Trumm von einem Geb�ude mit Zinnendach, das an eine normannische Burg erinnerte. Auf den ersten Blick hatte sie gar nicht den Eindruck, dass hier gr��ere Restaurierungsarbeiten vonn�ten waren, doch als sie um den Turm herumging, sah sie, was im Lauf der Jahrhunderte aus dem Gem�uer geworden war. Jeder hatte sich von den Steinen bedienen k�nnen.</p><p>Deborah betrachtete das alles mit dem Blick der Fotografin, die Baustelle und auch die M�nner, die dort arbeiteten, die meisten im Rentneralter. Sie hatte keine ihrer gro�en Kameras dabei, nur eine kleine Digitalkamera, sozusagen als Requisit f�r ihre Rolle als Filmemacherin. Sie nahm die kleine Kamera aus der Tasche und begann zu fotografieren.</p><p>Nicholas Fairclough stie� zu ihr.�Ehrlich gesagt sehen Ihre Arbeiter nicht aus, als w�ren sie kr�ftig genug, hier viel auszurichten, Mr. Fairclough. Warum sind hier keine jungen M�nner?�, fragte sie.</p><p>�Weil diese M�nner am dringendsten Hilfe brauchen. Hier und jetzt. Wenn niemand sich ihrer annimmt, werden sie in den n�chsten Jahren auf der Stra�e sterben. Ich finde, dass niemand es verdient hat, so zu sterben. Im ganzen Land � auf der ganzen Welt � gibt es Programme f�r junge Leute, und glauben Sie mir, da kenne ich mich aus, denn ich habe eine Menge davon durchlaufen. Aber f�r solche M�nner wie die hier? Schlafpl�tze, Sandwiches, warme Suppe, Bibeln, Decken, alles M�gliche gibt es f�r sie. Aber keine Hoffnung. Die sind noch nicht so weit weggetreten, dass sie nicht in der Lage w�ren, Mitleid zehn Meter gegen den Wind zu riechen. Wenn man sie so behandelt, besorgen sie sich von dem Geld, das man ihnen gibt, den n�chsten Rausch und w�nschen einen zum Teufel � Entschuldigen Sie mich einen Moment, ja? Sehen Sie sich ruhig um. Ich muss kurz mit einem der M�nner reden.�</p><p>Deborah schaute ihm nach, als er behende �ber den Bauschutt kletterte.�Hey Joe!�, rief er.�Hat der Steinmetz sich schon gemeldet?�</p><p>Deborah ging auf das gro�e Zelt zu, �ber dessen Eingang ein Schild mit der Aufschrift EAT AND MEET hing. Ein b�rtiger Mann mit Strickm�tze und dicker Jacke � viel zu warm f�r das Wetter, aber er schien �berhaupt kein K�rperfett zu haben, das ihn w�rmte � war drinnen gerade dabei, das Mittagessen vorzubereiten. Auf Spirituskochern standen gro�e Kocht�pfe, und es duftete nach Fleisch und Kartoffeln. Er sah Deborah, und sein Blick fiel sofort auf die Kamera, die sie in der Hand hielt.</p><p>�Hallo�, sagte sie freundlich.�Keine Sorge, ich schaue mich nur ein bisschen um.�</p><p>�Das sagen sie alle�, brummte der Mann.</p><p>�Kommen viele Besucher her?�</p><p>�Am laufenden Band. Der Chef braucht die Kohle.�</p><p>�Ah, verstehe. Ich f�rchte, ich bin keine potentielle Spenderin.�</p><p>�Das war der Letzte auch nicht. Mir ist das egal. Wenn einer mich fragt, ob ich glaub, dass das hier funktioniert, dann sag ich ja.�</p><p>Deborah durchquerte das Zelt bis zu dem langen Tisch, auf dem die Kessel mit dem Eintopf standen.�Aber eigentlich glauben Sie das nicht?�</p><p>�Das hab ich nicht gesagt. Es spielt keine Rolle, was ich glaube. Ich krieg was zu essen und kann an dem Programm teilnehmen, und das reicht mir. Die Versammlungen gefallen mir besser, als ich gedacht h�tte, und das ist schon mal nicht schlecht. Au�erdem hab ich hier einen trockenen Schlafplatz.�</p><p>�W�hrend der Versammlungen?�, fragte Deborah.</p><p>Er sah sie scharf an. Als sie grinste, lachte er in sich hinein.�Wie gesagt, die sind besser, als ich dachte. Es wird ein bisschen viel von Gott gelabert und ein bisschen viel von Akzeptanz, aber damit komm ich klar. Vielleicht hilft�s ja. Ich versuch�s jedenfalls. Zehn Jahre als Tippelbruder � irgendwann reicht�s einfach.�</p><p>Aus einer gro�en Kiste, die auf einem Stuhl stand, nahm der B�rtige Besteck, Blechteller, Plastikgl�ser und � tassen und Papierservietten und reihte sie auf dem Tisch auf. Deborah half ihm dabei.</p><p>�Lehrer�, sagte er leise.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Das war ich fr�her. An einer Mittelschule in Lancaster. Chemie. Da w�ren Sie nicht draufgekommen, oder?�</p><p>�Nein�, antwortete sie ebenso leise.</p><p>Er zeigte nach drau�en.�Bei uns ist alles vertreten�, sagte er.�Einer war fr�her Chirurg, einer Physiker, zwei waren Banker und einer Immobilienmakler. Sie brauchen die Servietten nicht so ordentlich zu falten. Wir sind hier nicht im Ritz.�</p><p>�Oh, Verzeihung. Macht der Gewohnheit.�</p><p>�Wie der Chef�, sagte der Mann.�Man kann seine Herkunft nicht verleugnen.�</p><p>Deborah sagte ihm nicht, dass sie aus einer Familie stammte, deren Mitglieder bei Herrschaften� in Stellung gingen�, wie man sich in einem anderen Jahrhundert ausgedr�ckt h�tte. Ihr Vater arbeitete seit jeher f�r die Familie St. James und sorgte seit siebzehn Jahren f�r Simon, w�hrend er gleichzeitig so tat, als w�rde er nichts dergleichen tun. Es war ein schwieriger Balanceakt, und er redete seinen Schwiegersohn tats�chlich immer noch mit Mr. St. James an. Deborah murmelte etwas mehr oder weniger Zustimmendes und sagte:�Sie scheinen ihn zu m�gen.�</p><p>�Den Chef? Der ist anst�ndig. Ein bisschen zu vertrauensselig, aber grundanst�ndig.�</p><p>�Sie glauben, er wird ausgenutzt? Ich meine, von diesen Gentlemen hier.�</p><p>�Nein, nein. Die meisten wissen, dass es ihnen hier ganz gut geht, und wer nicht v�llig hin�ber ist vom Suff oder von Drogen, der bleibt, solange er kann.�</p><p>�Von wem dann?�</p><p>�Von wem er ausgenutzt wird?�Er schaute sie mit hochgezogenen Brauen an.�Leute kommen her und machen ihm Versprechungen, und er glaubt ihnen. Er ist halt naiv.�</p><p>�Es geht also um Geld? Um Spenden?�</p><p>�Manchmal. Manche erhoffen sich auch was von ihm. �Schon wieder dieser bedeutungsvolle Blick.</p><p>Deborah wurde klar, dass sie in seinen Augen zu der Kategorie von Leuten geh�rte, die sich etwas von Nicholas Fairclough erhofften. Und mit dieser Einsch�tzung lag er ziemlich richtig. Trotzdem fragte sie:�Was denn zum Beispiel?�</p><p>�Na ja, er hat immerhin eine interessante Geschichte hinter sich, nicht wahr? Er glaubt, wenn er sie erz�hlt, k�nnte ihm das eine Menge Geld f�r sein Projekt einbringen. Aber so funktioniert es eben nicht immer. Meistens kommt �berhaupt nichts dabei raus. Irgend so ein Journalist ist viermal hier gewesen und hat ihm versprochen, seine Story gro� rauszubringen, und er dachte, es w�rde einen warmen Regen geben, sobald die Geschichte gedruckt wird. Aber nichts ist passiert, und wir stehen wieder ganz am Anfang und wissen nicht, wo wir die Mittel auftreiben sollen. Das hab ich gemeint. Ein bisschen naiv.�</p><p>Deborah sagte:�Viermal?�</p><p>�H�?�</p><p>�Ein Journalist ist viermal hier gewesen, und es ist kein Artikel erschienen? Das ist aber sehr ungew�hnlich. Wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Energie da aufgewendet wurde, und am Ende hatte niemand etwas davon. Das muss ja eine herbe Entt�uschung gewesen sein. Welcher Journalist investiert so viel Zeit in eine Story und schreibt sie am Ende doch nicht?�</p><p>�Das w�sste ich auch mal gerne. Er hat <emphasis>behauptet</emphasis>, er k�me von der <emphasis>Source</emphasis> in London, aber keiner hat sich seinen Ausweis zeigen lassen, er kann also genauso gut gelogen haben. Wenn Sie <emphasis>mich</emphasis> fragen, dann war der hier, um irgendwas Negatives �ber den Chef rauszufinden und ihn schlechtzumachen. Der war nur auf der Suche nach was, womit er gro� rauskommen kann, wenn Sie verstehen, was ich meine. Aber der Chef sieht das nicht so. Sein einziger Kommentar war: �Die Zeit war noch nicht reif.��</p><p>�Aber Sie sind anderer Meinung?�</p><p>�Ich finde, er sollte sich vorsehen. Doch das tut er nicht, und das wird noch mal zu einem Problem. Wenn nicht jetzt, dann in Zukunft.�</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Yaffa Shaw hatte Zed gesagt, dass er schon etwas mehr Einsatz bringen m�sste, als im Willow &amp; Well in Bryanbarrow herumzuh�ngen und darauf zu warten, dass ihm auf wundersame Weise eine Offenbarung zuteilwerden w�rde � zum Beispiel in Gestalt eines Scotland-Yard-Detectives mit einer Riesenlupe in der Hand und einer Meerschaumpfeife zwischen den Z�hnen. Zed hatte Yaffa angerufen, nachdem er sich notiert hatte, was der alte George Cowley ihm auf dem Dorfplatz erz�hlt hatte. Unter anderem, dass Cowleys halbw�chsigem Sohn die Schimpftiraden seines Vater ziemlich peinlich gewesen waren. Vielleicht, dachte er, w�re es keine dumme Idee, sich mit Daniel Cowley einmal unter vier Augen zu unterhalten.</p><p>Yaffa, die ihre Rolle als Verlobte spielte, weil Zeds Mutter gerade mit ihr im Zimmer war � wann war sie das mal <emphasis>nicht</emphasis>, fragte sich Zed �, machte ihn darauf aufmerksam, dass Ian Cresswells Tod George Cowleys Pl�ne durchaus durchkreuzt haben k�nnte, anstatt ihm, wie Zed angenommen hatte, einen Vorteil einzubringen.</p><p>Zuerst hatte Zed sich aufgeregt. Schlie�lich war er der investigative Reporter und sie blo� eine Studentin in London, die ihr Studium m�glichst schnell hinter sich bringen wollte, um m�glichst bald zu ihrem Freund Micah in Tel Aviv zur�ckkehren zu k�nnen. Er sagte:�Da w�re ich mir nicht so sicher, Yaf�, und war zusammengezuckt, als ihm bewusst wurde, dass er ihr einen Spitznamen verpasst hatte.��h, sorry, Yaffa�, hatte er hinzugef�gt.</p><p>�Mir gef�llt es�, sagte sie.�Das bringt mich zum L�cheln. �Dann, offenbar zu seiner Mutter, die wahrscheinlich mit gro�en Augen gefragt hatte, was Yaffa Shaw w�hrend eines Telefongespr�chs mit ihrem geliebten Sohn zum L�cheln brachte:�Ach, Zed hat mich Yaf genannt. Das fand ich s��. �Und dann zu Zed:�Deine Mum sagt, du bist einfach ein s��er Bengel. Sie sagt, hinter deinem h�nenhaften �u�eren verbirgt sich ein Zuckerbursche.�</p><p>�O Gott�, st�hnte Zed.�Kannst du sie nicht aus dem Zimmer werfen? Oder soll ich einfach auflegen und wir einigen uns, dass wir f�r heute unsere Pflicht erf�llt haben?�</p><p>�Zed! H�r auf damit!�Sie lachte. Sie hatte, so fand er, ein sehr angenehmes Lachen. Sie sagte zu seiner Mutter:�Er macht Kussger�usche! Macht er das immer, wenn er mit einer Frau telefoniert? � Nein? Hmmm. Da bin ich ja mal gespannt, was ihm als N�chstes einf�llt.�</p><p>�Sag ihr, ich h�tte dich aufgefordert, dein H�schen auszuziehen oder so was�, sagte Zed.</p><p>�Zedekiah Benjamin! Deine Mutter steht direkt neben mir. �Dann:�Er ist sehr ungezogen. �Einen Augenblick sp�ter sagte sie in einem ganz anderen Ton zu Zed:�Sie ist weg. Aber sie ist wirklich sehr nett, deine Mum. Neuerdings bringt sie mir abends immer hei�e Milch und Kekse, wenn ich in meinem Zimmer sitze und lerne.�</p><p>�Sie wei�, was sie will, und sie arbeitet schon seit Jahren daran. Aber dann scheint ja alles gut zu laufen, oder?�</p><p>�Ja, alles prima. Micah hat angerufen, und ich habe deiner Mutter von ihm erz�hlt. Er spielt jetzt meinen Bruder Ari, der ab und zu aus Israel anruft, um sich zu erkundigen, wie seine kleine Schwester mit dem Studium vorankommt.�</p><p>�Aha. Okay. Gut. �Und damit h�tte das Gespr�ch beendet sein m�ssen, denn sie hatten lediglich vereinbart, zweimal t�glich in H�rweite seiner Mutter miteinander zu telefonieren.</p><p>Doch Yaffa kam noch einmal auf das zur�ck, was sie zu Beginn des Gespr�chs gesagt hatte:�Was, wenn alles ganz anders ist, als es auf den ersten Blick aussieht?�</p><p>�Wie bei uns, meinst du?�</p><p>�Na ja, ich rede nicht von uns, aber es kann doch sein, oder?�</p><p>�Dieser Typ von Scotland Yard ��</p><p>�Abgesehen von dem Typen von Scotland Yard. Bisher hast du mir Folgendes erz�hlt: Ein Mann ist tot, ein anderer Mann will das Haus haben, in dem der Tote gewohnt hat, und noch ein anderer Mann wohnt zusammen mit den Kindern des Toten in ebendiesem Haus. Was schlie�t du daraus?�</p><p>Eigentlich schloss er �berhaupt nichts daraus, aber pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass Yaffa ihm gedanklich voraus war. Er sagte:��h ��, und r�usperte sich.</p><p>Sie erl�ste ihn von seinem Elend.�Auf jeden Fall ist an der Sache mehr dran, als man auf den ersten Blick erkennt, Zed. Hat der Tote ein Testament hinterlassen?�</p><p>�Ein Testament?�Was zum Teufel hatte das mit der Sache zu tun? Was war an einem Testament sexy?</p><p>�Ja, ein Testament. Da liegt Potential f�r einen Konflikt, siehst du das denn nicht? Dieser George Cowley glaubt, dass er das Haus kriegt, weil es jetzt versteigert wird. Aber was ist, wenn er sich irrt? Was ist, wenn das Haus l�ngst abbezahlt ist und Ian Cresswell es jemandem vermacht hat? Oder wenn nicht nur sein Name im Grundbuch steht? Das w�re doch eine Ironie des Schicksals, oder? Dann w�rde George Cowley n�mlich schon wieder in die R�hre kucken. Und die Ironie w�re noch viel gr��er, wenn der gute alte Cowley etwas mit Ian Cresswells Tod zu tun gehabt h�tte, oder?�</p><p>Zed musste zugeben, dass sie recht hatte. Und er musste zugeben, dass sie ganz sch�n clever war und au�erdem auf seiner Seite stand. Und deswegen begann er, nachdem sie aufgelegt hatten, der Frage nachzugehen, ob Ian Cresswell ein Testament hinterlassen hatte. Er brauchte nicht lange, um in Erfahrung zu bringen, dass tats�chlich ein Testament existierte, denn Cresswell hatte es klugerweise online registrieren lassen: Eine Kopie des Dokuments lag bei Cresswells Anwalt in Windermere. Eine weitere Kopie � da der Mann tot war � m�sste beim zust�ndigen Gericht zu bekommen sein, aber dort Einsicht in das Testament zu beantragen, w�rde wertvolle Zeit kosten, ganz abgesehen davon, dass Zed daf�r nach York fahren m�sste. Also musste er sich die Informationen, die er brauchte, auf andere Weise beschaffen. Und er wusste auch schon, wer ihm dabei helfen k�nnte, an das Dokument heranzukommen.</p><p>�Ein Testament�, sagte Rodney Aronson, als Zed ihn in London anrief.�Sie wollen also einen Blick auf das Testament des Toten werfen. Ich bin gerade in einer Besprechung, Zed. Wir m�ssen eine Zeitung herstellen. Das wissen Sie doch, oder?�</p><p>Zed vermutete, dass sein Chefredakteur au�erdem gerade dabei war, einen Schokoriegel zu vernichten, denn er h�rte das Papier knistern.</p><p>Er sagte:�Die Situation ist komplizierter, als sie aussieht, Rod. Hier gibt�s einen Typen, der sich Ian Cresswells Haus unter den Nagel rei�en will. Er rechnet damit, dass die H�tte demn�chst versteigert wird. Ich finde, der h�tte doch auf jeden Fall ein Motiv gehabt, unseren Knaben ��</p><p>�Unser <emphasis>Knabe</emphasis>, wie Sie sich ausdr�cken, ist Nick Fairclough. Die Story, die Sie schreiben, handelt von ihm, wenn ich mich recht erinnere. Und um diese Story sexy zu machen, sind Sie nach Cumbria gefahren, und sexy wird sie durch Scotland Yard. Und das auch nur dann, wenn der Typ von Scotland Yard gegen Fairclough ermittelt. Zed, mein Junge, muss ich die Arbeit f�r Sie erledigen, oder kriegen Sie das alleine geregelt?�</p><p>�Ich kriege das geregelt, keine Sorge. Aber da bisher immer noch kein Detective von Scotland Yard hier aufgetaucht ist ��</p><p>�Das ist es, was Sie da oben machen? Sie warten darauf, dass irgendein Detective von Scotland Yard auftaucht? Herrgott noch mal, Zed. Was f�r ein Reporter sind Sie eigentlich? Ich sag Ihnen eins: Wenn dieser Credwell ��</p><p>�Cresswell. Ian Cresswell. Er hat hier ein Haus, und in dem Haus wohnen seine Kinder, zusammen mit irgendeinem Kerl, soweit ich wei�. Wenn dieser Typ also das Haus erbt, oder die Kinder, und ��</p><p>�Es interessiert mich einen Schei�dreck, wer das Haus erbt, wem es geh�rt oder ob es Tango tanzt, wenn keiner kuckt. Und es interessiert mich einen Schei�dreck, ob dieser Cresswell ermordet wurde. Ich will wissen, was Scotland Yard da oben zu suchen hat. Und wenn die nicht hinter Nicholas Fairclough her sind, dann ist Ihre Story tot, und Sie machen, dass Sie auf schnellstem Weg nach London zur�ckkommen. Haben wir uns verstanden?�</p><p>�Ich habe verstanden, aber ��</p><p>�Gut. Dann k�mmern Sie sich jetzt um Fairclough, und gehen Sie mir nicht auf die Nerven. Oder kommen Sie zur�ck nach London, h�ngen Ihren Job an den Nagel und verdienen Ihre Br�tchen mit dem Verfassen von Texten f�r Gru�karten. Solche, die sich reimen.�</p><p>Das war ein Schlag unter die G�rtellinie. Trotzdem sagte Zed:�Okay.�</p><p>Also gut, dachte Zed. Er w�rde sich dem Thema Nicholas Fairclough und Scotland Yard widmen. Aber zuerst wollte er herausfinden, was in dem verfluchten Testament stand, denn sein Bauch sagte ihm, dass dieses Testament f�r verschiedene Personen in Cumbria von entscheidender Bedeutung war.</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Lynley traf sich mit St. James in der Hotelbar. Bei ein paar Gl�sern mittelm��igen Portweins gingen sie die Informationen durch, die sie bisher gesammelt hatten. St. James, stellte Lynley fest, war derselben Meinung wie er. Sie mussten die fehlenden Steine des Anlegers bergen, und St. James musste sie untersuchen. Das Bootshaus selbst w�rde er sich auch gern einmal genauer ansehen, sagte er Lynley, aber er wusste nicht, wie sie das bewerkstelligen sollten, ohne ihre Tarnung aufzugeben.</p><p>�Ich sch�tze, die fliegt irgendwann sowieso auf�, bemerkte Lynley.�Ich wei� wirklich nicht, wie lange ich glaubw�rdig den neugierigen Besucher mimen kann. Faircloughs Frau wei� �brigens inzwischen Bescheid. Er hat sie eingeweiht.�</p><p>�Das erleichtert die Sache ein wenig.�</p><p>�In gewisser Weise, da gebe ich dir recht, Simon. Denn es gibt mehr als einen Grund, warum du dir das Bootshaus ansehen musst.�</p><p>�Was meinst du damit?�, fragte Deborah. Sie hatte ihre Digitalkamera auf dem Tisch neben ihrem Portweinglas abgestellt und ein kleines Notizbuch aus ihrer Handtasche genommen. Sie nahm ihre Rolle bei dieser kleinen Ermittlung sehr ernst, dachte Lynley. Er l�chelte sie an, dankbar f�r die Gesellschaft seiner alten Freunde.</p><p>�Ian Cresswell ist nicht regelm��ig mit dem Skullboot rausgefahren�, sagte Lynley zu Deborah.�Aber Valerie Fairclough geht mehrmals die Woche rudern. Das Skullboot war zwar an der Stelle vert�ut, wo die beiden Steine sich gelockert hatten, allerdings hatte es dort nicht seinen festen Platz. Offenbar vert�ut jeder sein Boot dort, wo gerade eine Stelle frei ist.�</p><p>�Aber jemand, der gesehen hat, wo das Skullboot vert�ut war, h�tte die Steine lockern k�nnen, w�hrend Ian auf dem See war, richtig?�, sagte Deborah.</p><p>�Das m�sste dann jemand gewesen sein, der auf dem Anwesen wohnt�, sagte St. James.�War Nicholas Fairclough an dem Abend dort?�</p><p>�Wenn, dann hat ihn niemand gesehen. �Lynley wandte sich an Deborah.�Was f�r einen Eindruck hattest du von Fairclough?�</p><p>�Ich fand ihn sehr sympathisch. Und seine Frau ist sehr sch�n, Tommy. Ich glaube, sie k�nnte einen M�nch dazu bringen, seine Gel�bde zu vergessen. Sie m�sste dazu nur mit den Wimpern klimpern.�</p><p>�Also eine Aff�re zwischen ihr und Cresswell?�, �berlegte St. James laut.�Und Nicholas hat Cresswell zur Rede gestellt?�</p><p>�Unwahrscheinlich, da Cresswell homosexuell war.�</p><p>�Oder bisexuell.�</p><p>�Und da ist noch etwas�, sagte Deborah.�Oder eigentlich sind es zwei Dinge. Vielleicht sind sie ja auch vollkommen unwichtig, aber wenn ihr m�chtet, dass ich von allem berichte, was mir auff�llt ��</p><p>�Auf jeden Fall�, sagte Lynley.</p><p>�Also. Alatea Fairclough hatte eine Ausgabe der Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> auf dem Tisch liegen. Im hinteren Teil waren mehrere Seiten herausgerissen, und wir sollten uns vielleicht diese Ausgabe besorgen und uns ansehen, was das f�r Seiten sind. Nicholas hat mir erz�hlt, sie w�nschen sich ein Kind.�</p><p>St. James r�usperte sich. Sein Gesichtsausdruck besagte, dass die Zeitschrift nichts zu bedeuten hatte und dass sie au�er Deborah niemandem aufgefallen w�re.</p><p>Anscheinend hatte Deborah den Blick ihres Mannes genauso interpretiert, denn sie sagte:�Das hat nichts mit mir zu tun, Simon. Tommy interessiert sich f�r alles Auff�llige, und ich dachte � Also, ich habe mich gefragt: Was ist, wenn die Drogensucht Nicholas unfruchtbar gemacht hat und Alatea nicht m�chte, dass er das erf�hrt? Vielleicht hat ein Arzt sie dar�ber informiert, ihn aber nicht. Oder sie hat einen Arzt �berredet, Nicholas die Wahrheit vorzuenthalten, weil ihn das sonst in eine schwere Krise st�rzen k�nnte. Was w�re also, wenn Alatea in dieser Situation Ian gebeten hat auszuhelfen � wenn ihr versteht, was ich meine.�</p><p>�Damit es in der Familie bleibt?�, fragte Lynley.�M�glich ist alles.�</p><p>�Und noch etwas�, sagte Deborah.�Ein Journalist von der <emphasis>Source</emphasis> ��</p><p>�Gro�er Gott.�</p><p>�� ist viermal bei ihnen gewesen, angeblich, um einen l�ngeren Artikel �ber Nicholas zu schreiben. Viermal, und es ist nichts dabei herausgekommen, Tommy. Einer der M�nner, die an dem Wehrturmprojekt arbeiten, hat es mir erz�hlt.�</p><p>�Wenn die <emphasis>Source</emphasis> einen Reporter hier raufschickt, dann hat irgendeiner Dreck am Stecken�, bemerkt St. James.</p><p>Lynley �berlegte, wer das sein k�nnte. Er sagte:�Cresswells Lebensgef�hrte hat anscheinend seit einiger Zeit auf Ireleth Hall zu tun. Er arbeitet f�r Valerie. Sein Name ist Kaveh Mehran.�</p><p>�PC Schlicht hat mir von dem Mann erz�hlt�, sagte St. James.�Hat er ein Motiv?�</p><p>�Wir m�ssen uns noch das Testament und die Lebensversicherungspolice ansehen.�</p><p>�Sonst noch jemand?�</p><p>�Mit einem Motiv?�Lynley berichtete den beiden von seiner Begegnung mit Mignon Fairclough: von ihren Andeutungen �ber die Ehe ihrer Eltern, die sie sp�ter wieder zur�ckgenommen hatte.�Sie ist eine ziemlich harte Nuss�, sagte er.�Und ich habe den Eindruck, dass sie ihre Eltern mit irgendetwas in der Hand hat. Es w�re also kein Fehler, wenn wir uns Bernard Fairclough selbst einmal vorkn�pfen w�rden.�</p><p>�Erpressung? Und Cresswell wusste Bescheid?�</p><p>�Sie wohnt auf dem Anwesen, aber nicht im Haus. Und es gibt noch eine zweite Schwester. Die habe ich allerdings noch nicht kennengelernt.�</p><p>Er berichtete ihnen, dass Bernard Fairclough ihm ein Video gegeben hatte mit der Bemerkung, falls tats�chlich jemand bei Ians Tod seine H�nde im Spiel gehabt habe, dann m�sse er sich� etwas sehr Verr�terisches ansehen�.</p><p>Es handelte sich um ein Video von der Beerdigung, das aufgenommen worden war, um es Ians Vater in Kenia zu schicken, der zu schwach war, um nach England zu kommen und seinem Sohn die letzte Ehre zu erweisen. Fairclough hatte es sich mit Lynley gemeinsam angesehen, und er hatte Lynley auf etwas aufmerksam machen wollen, was in dem Video <emphasis>fehlte</emphasis>. Niamh Cresswell, Ians Witwe und Mutter seiner zwei Kinder, war nicht zur Beerdigung erschienen. Fairclough hatte betont, dass sie mindestens ihren armen Kindern zuliebe h�tte kommen m�ssen.</p><p>�Er hat mir einiges �ber Ian Cresswells Ehe erz�hlt. �Nachdem Lynley ihnen berichtet hatte, was er wusste, sagten St. James und Deborah gleichzeitig:�Ein Motiv, Tommy.�</p><p>�Die H�lle selbst kann nicht w�ten wie eine verschm�hte Frau. Ja. Aber es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Niamh Cresswell um Ireleth Hall herumschleichen k�nnte, ohne gesehen zu werden, und bisher hat noch niemand erw�hnt, dass sie dort gesehen wurde.�</p><p>�Trotzdem�, sagte St. James,�m�ssen wir sie �berpr�fen. Rache ist ein starkes Motiv.�</p><p>�Habgier ebenfalls�, sagte Deborah.�Aber das gilt f�r alle Tods�nden, nicht wahr? Warum hei�en sie sonst Tods�nden?�</p><p>Lynley nickte.�Wir werden also �berpr�fen m�ssen, ob sie von Ians Tod profitiert � abgesehen davon, dass sie ihre Rache bekommen hat�, sagte er.</p><p>�Und damit w�ren wir wieder bei dem Testament. Oder bei einer Versicherungspolice�, sagte St. James.�Diese Informationen werden nicht leicht zu bekommen sein, wenn du weiterhin geheim halten willst, warum du dich in Cumbria aufh�ltst, Tommy.�</p><p>�Ja, ich kann das nicht selbst machen, da hast du recht�, sagte Lynley.�Aber es gibt jemanden, der das kann.�</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Als sie sich schlie�lich voneinander verabschiedeten, war es f�r Lynley zu sp�t, um den geplanten Anruf zu t�tigen. Er w�rde stattdessen Isabelle anrufen. Denn er musste zugeben, dass sie ihm fehlte. Gleichzeitig war er froh, weit weg von ihr zu sein. Das hatte nichts damit zu tun, dass er ihrer �berdr�ssig geworden w�re. Es hatte damit zu tun, dass er wissen wollte, was er wirklich f�r sie empfand. Er wusste, dass ihm ihr K�rper fehlte. Jetzt musste sich nur noch herausstellen, ob ihm auch alles andere fehlte, was Isabelle Ardery ausmachte.</p><p>In Ireleth Hall angekommen, rief er sie von seinem Handy aus an. Er stand neben dem Healey Elliott, gab die Nummer ein und wartete. Wie sehr er sich doch w�nschte, sie w�re bei ihm. Er wollte wieder eine Frau haben, mit der er locker und selbstverst�ndlich reden konnte � beim Fr�hst�ck, beim Abendessen, abends im Bett vor dem Einschlafen oder wenn einer von ihnen in der Badewanne lag. Zum ersten Mal jedoch wurde ihm bewusst, dass diese Frau nicht mehr ausschlie�lich Helen sein musste, dass es auch eine andere sein konnte. Und das f�hlte sich an wie Verrat an seiner geliebten Frau, die ohne eigenes Verschulden durch einen sinnlosen Akt der Gewalt aus dem Leben gerissen worden war. Aber dass solcherlei Gef�hle in ihm aufkamen, bedeutete auch, dass er dabei war, wieder in sein normales Leben zur�ckzukehren. Und er wusste, dass Helen ihm das gew�nscht h�tte.</p><p>Am anderen Ende der Leitung h�rte es auf zu klingeln, er h�rte ein leises� Verdammt�, dann ein Krachen, als Isabelles Handy irgendwo aufschlug, dann war es still.</p><p>�Isabelle?�, sagte er.�Bist du da?�Er wartete. Nichts. Noch einmal sagte er ihren Namen. Als sie sich nicht meldete, ging er aus der Leitung. Offenbar war die Verbindung unterbrochen worden.</p><p>Er gab ihre Nummer noch einmal ein. Es klingelte. Und klingelte. Vielleicht sa� sie im Auto und konnte nicht rangehen. Oder sie stand unter der Dusche. Oder sie war mit etwas besch�ftigt, das �</p><p>�Hallo? Tommy? Hassu grade angerufen?�Dann ein Ger�usch, das er nicht h�ren wollte, etwas, das mit ihrem Handy kollidierte, ein Glas, eine Flasche, es spielte keine Rolle.�Hab grad an dich gedacht, und schwupp! So was nennt man Telepe� Tele� Telepathie!�</p><p>�Isabelle ��Mehr brachte Lynley nicht �ber die Lippen. Er beendete das Gespr�ch, steckte sein Handy ein und ging auf sein Zimmer.</p></section><section><title><p>5.�November</p></title><subtitle>CHALK FARM � LONDON</subtitle><p>Barbara Havers hatte den Morgen ihres freien Tags dazu genutzt, ihre Mutter zu besuchen, die in einem privaten Pflegeheim in Greenford lebte. Sie war schon seit sieben Wochen nicht mehr dort gewesen, und das schlechte Gewissen dr�ckte sie von Tag zu Tag mehr. L�ngst hatte sie sich eingestanden, dass sie froh war, wenn die Arbeit sich stapelte, weil sie dann nicht nach Greenford fahren und sich ansehen musste, wie ihre Mutter immer tiefer in der geistigen Umnachtung versank. Doch irgendwann hatten die Schuldgef�hle die Oberhand gewonnen, und sie konnte den Besuch in dem Haus mit dem Kieselputz, dem gepflegten Vorgarten und den bl�tenwei�en Gardinen hinter den blitzsauberen Fensterscheiben nicht l�nger vor sich herschieben. Sie fuhr vom Bahnhof in der Tottenham Court Road mit der Central Line � nicht, weil das schneller ging, sondern weil es l�nger dauerte.</p><p>Sie war eine zu ehrliche Haut, um sich vorzumachen, dass sie mit der U-Bahn fuhr, um Zeit zum Nachdenken zu haben. Am liebsten wollte sie �ber gar nichts nachdenken, und ihre Mutter war nicht das einzige Thema, das ihr Bauchschmerzen machte. Ein anderes war Thomas Lynley: Wo steckte er, womit befasste er sich, und warum hatte man sie �ber nichts informiert? Ein weiteres war Isabelle Ardery: W�rde sie den Posten des Detective Superintendent tats�chlich bekommen? Und was w�rde das f�r Barbaras Zukunft bei Scotland Yard bedeuten oder f�r ihr Verh�ltnis zu ihrem Kollegen Thomas Lynley? Dann war da noch das Thema Angelina Upman: W�rde sie sich mit der Geliebten ihres Nachbarn und Freundes Taymullah Azhar, dessen Tochter so viel Freude in ihr Leben brachte, anfreunden k�nnen?</p><p>Nein, die Fahrt mit der U-Bahn war reine Vermeidungsstrategie, so einfach war das. Die U-Bahn bot reichlich und st�ndig wechselnde Ablenkung, und Ablenkung war genau das, was Barbara brauchte, und sei es nur, um Gespr�chsstoff zu haben, wenn sie ihrer Mutter endlich gegen�bersa�.</p><p>Nicht dass sie mit ihrer Mutter �berhaupt noch Gespr�che f�hren konnte. Jedenfalls keine, wie sie zwischen Mutter und Tochter normal waren. Barbara redete, geriet ins Stottern, wartete und sehnte irgendwann nur noch den Moment herbei, an dem sie wieder gehen konnte.</p><p>Ihre Mutter hatte sich in Laurence Olivier verliebt, den jungen Laurence Olivier. Sie war v�llig hingerissen von Heathcliff und Max de Winter. Sie war sich nicht ganz sicher, wer der Mann war, der im Fernsehen Merle Oberon qu�lte oder die arme Joan Fontaine sprachlos machte, sie wusste nur, dass sie und dieser gutaussehende Mann f�reinander bestimmt waren. Dass der Mann l�ngst tot war, spielte f�r sie keine Rolle.</p><p>Und sie regte sie sich furchtbar auf, wenn nicht <emphasis>Wuthering Heights</emphasis> oder <emphasis>Rebecca</emphasis> �ber die Mattscheibe flimmerte. Und so liefen sie in einer Endlosschleife auf dem Fernseher in ihrem Zimmer � daf�r hatte Mrs. Florence Magentry gesorgt, um nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Nerven der anderen Heimbewohner zu schonen. Man konnte einfach nicht unbegrenzt h�ufig mitansehen, wie der hinterh�ltige Larry das bisschen Gl�ck des armen David Niven zerst�rte.</p><p>Barbara hatte zwei Stunden mit ihrer Mutter verbracht. Es waren qualvolle zwei Stunden gewesen, und danach war sie schrecklich bedr�ckt nach Hause gefahren. Deswegen hatte sie, als sie Angelina Upman und ihre Tochter Hadiyyah vor der Haust�r getroffen hatte, deren Einladung gerne angenommen, mit in die Wohnung zu kommen und sich anzusehen,�was Mummy gekauft hat�.</p><p>Barbara hatte pflichtschuldigst die beiden ultramodernen Lithografien bewundert, die Angelina� fast umsonst, stimmt�s, Mummy �von einem H�ndler auf dem Stables Market erstanden hatte. Die Bilder entsprachen nicht Barbaras Geschmack, aber sie musste zugeben, dass sie sich in Azhars Wohnzimmer gut machten.</p><p>�M�chten Sie eine Tasse Tee? Ich sterbe vor Durst, und Sie sehen ein bisschen mitgenommen aus. Anstrengender Tag?�, fragte Angelina.</p><p>�Ich war in Greenford. �Mehr sagte Barbara nicht, doch Hadiyyah f�gte hinzu:�Da wohnt Barbaras Mum. Sie ist krank, nicht wahr, Barbara?�</p><p>Da Barbara keine Lust hatte, �ber ihre Mutter zu reden, suchte sie krampfhaft nach einem anderen Thema: Haare.</p><p>Nachdem Isabelle Ardery sie jetzt schon mehrmals darauf angesprochen hatte, musste Barbara zwingend irgendetwas in puncto Frisur unternehmen. Angela habe doch neulich einmal einen Fris�rladen erw�hnt, sagte sie, ob sie ihr den empfehlen �</p><p>�Salon!�, fiel Hadiyyah ihr ins Wort.�Das hei�t Fris�r<emphasis>salon</emphasis>, Barbara.�</p><p>�Hadiyyah!�, sagte ihre Mutter streng.�Das ist sehr unh�flich. �Zu Barbara sagte sie:�Ja nat�rlich kann ich Ihnen einen Fris�rsalon empfehlen, und zwar den, wo ich selbst hingehe.�</p><p>�Meinen Sie, die k�nnten �?�Barbara war sich nicht einmal sicher, was sie machen lassen sollte. Einen neuen Haarschnitt? Eine andere Farbe? Eine Dauerwelle? Sie schnitt sich schon seit Jahren selbst die Haare, und was dabei herauskam, sah zwar tats�chlich genauso aus, wie man es erwarten w�rde � n�mlich nicht wie eine Frisur, sondern wie mit der Sense barbiert. Es hatte seinen Zweck erf�llt und ihr die Haare aus dem Gesicht gehalten. Aber das reichte nun nicht mehr, zumindest nicht in den Augen von Barbaras Chefin.</p><p>�Die machen Ihnen, was Sie w�nschen. Die sind sehr gut. Ich kann Ihnen die Telefonnummer geben. Und den Namen meines Fris�rs. Er hei�t Dusty, und er ist ein f�rchterlich eingebildeter Arsch und von sich selbst �berzeugt, dass es stinkt. Doch was Haare betrifft, ist er der reinste K�nstler. Wenn Sie wollen, kann ich gleich einen Termin f�r Sie ausmachen und Sie begleiten � Wenn Ihnen das nicht zu aufdringlich erscheint.�</p><p>Barbara wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte, mit Hilfe von Azhars Lebensgef�hrtin an der Verbesserung ihrer �u�eren Erscheinung zu arbeiten. Bisher hatte Hadiyyah diese Rolle innegehabt.</p><p>Angelina schien ihre Unentschlossenheit zu sp�ren, denn sie sagte:�Also, ich gebe Ihnen schon mal die Nummer, und dann k�nnen Sie sich�s ja �berlegen. Es w�rde mir Spa� machen, Sie zu begleiten.�</p><p>�Wo ist dieser Salon denn �berhaupt?�</p><p>�In Knightsbridge.�</p><p>�Knightsbridge?�Gott, das w�rde ja ein teurer Spa� werden.</p><p>�Das liegt ja nicht auf dem Mond, Barbara�, sagte Hadiyyah.</p><p>Ihre Mutter hob den Zeigefinger.�Hadiyyah Khalidah ��</p><p>�Schon in Ordnung�, sagte Barbara.�Sie kennt mich einfach zu gut. Wenn Sie mir die Nummer geben, ruf ich gleich da an. Willst du auch mitkommen, Kleine?�, fragte sie Hadiyyah.</p><p>�Au ja!�, rief Hadiyyah.�Mummy, ich darf doch mit, oder?�</p><p>�Sie auch�, sagte Barbara zu Angelina.�Ich glaub, ich brauch bei dieser Unternehmung alle Unterst�tzung, die ich kriegen kann.�</p><p>Angelina l�chelte. Ein h�bsches L�cheln, dachte Barbara. Azhar hatte ihr nie erz�hlt, wie er Angelina kennengelernt hatte, aber vermutlich war es das L�cheln gewesen, das ihm als Erstes an ihr aufgefallen war. Da er ein Mann war, hatte er als N�chstes ihren K�rper erblickt, der schlank und feminin und gepflegt war und in sch�nen Kleidern steckte. Eine Frau, mit der Barbara nie im Leben w�rde konkurrieren k�nnen.</p><p>Sie nahm ihr Handy aus der Tasche, um bei dem Fris�r anzurufen, kam jedoch nicht dazu, weil es im selben Augenblick klingelte. Es war Lynley. Die Freude, die sie beim Anblick seiner Handynummer �berkam, war ihr unangenehm.</p><p>�Der Anruf beim Fris�r muss leider noch kurz warten�, sagte sie zu Angelina.�Ich muss erst noch hier drangehen.�</p><subtitle>CHALK FARM � LONDON</subtitle><p>�Was machen Sie gerade?�, fragte Lynley.�Wo sind Sie? K�nnen Sie reden?�</p><p>�Meine Stimmb�nder funktionieren noch, falls Sie das meinen�, erwiderte Barbara.�Falls Sie aber wissen wollen, ob es ungef�hrlich ist � Gott, das hat er die ganze Zeit zu Dustin Hoffman gesagt. Ich glaub, ich hab den Verstand verloren ��</p><p>�Barbara, wovon reden Sie da?�</p><p>�Laurence Olivier. <emphasis>Marathon Man</emphasis>. Fragen Sie mich nicht, warum. Ich bin zu Hause. Mehr oder weniger. Also, ich sitze auf Azhars Terrasse. Ihr Anruf hat mich in letzter Minute davor bewahrt, einen Termin beim Fris�r zu machen, um Detective Superintendent Ardery zu gefallen. Ich hatte an eine Lockenm�hne im Stil der fr�hen achtziger Jahre gedacht. Oder vielleicht so eine Vorkriegsfrisur, bei der die Haare an den Seiten zu W�rsten aufgerollt werden. Ich hab mich schon immer gefragt, wie die das hingekriegt haben � vielleicht mit Klopapierrollen?�</p><p>�Muss ich mich darauf einstellen, dass sich demn�chst jedes Telefongespr�ch mit Ihnen um das Thema Mode dreht?�, fragte Lynley.�Bisher dachte ich immer, Ihr Charme best�nde gerade in Ihrer Gleichg�ltigkeit gegen�ber jeder Art von Modetrend.�</p><p>�Die Zeiten sind vorbei, Sir. Was kann ich f�r Sie tun? Ich geh mal davon aus, dass Sie mich nicht anrufen, um sich zu vergewissern, dass ich mir immer sch�n die Beine rasiere.�</p><p>�Ich m�chte, dass Sie f�r mich etwas �berpr�fen, aber niemand darf etwas davon mitbekommen. M�glicherweise wird auch ein bisschen Lauferei auf Sie zukommen. Sind Sie bereit, das f�r mich zu tun? Das hei�t, ist es Ihnen m�glich?�</p><p>�Ich nehm an, das hat mit dem zu tun, was Sie grade treiben. Im Yard zerrei�en sich schon alle das Maul dar�ber, wissen Sie.�</p><p>�Wor�ber?�</p><p>�Wo Sie stecken, warum Sie weg sind, wer Sie geschickt hat und so weiter und so fort. Laut vorherrschender Meinung sind Sie grade dabei, irgendeinen Riesenschlamassel zu untersuchen. Korruption innerhalb der Polizei � Sie mit Tarnkappe auf der Jagd nach Leuten, die b�ndelweise Schmiergeld kassieren oder einem armen Verd�chtigen Elektroden an die Eier klemmen. Sie kennen das ja.�</p><p>�Und Sie?�</p><p>�Was glauben Sie denn? Hillier hat Sie auf einen Fall angesetzt, den er selber nicht mit einem f�nf Meter langen Stock anr�hren w�rde. Wenn die Sache in die Hose geht, bleibt die Schei�e an Ihnen h�ngen, w�hrend er immer noch nach Rosen duftet � Stimmt das in etwa?�</p><p>�Was Hillier angeht, ja. Es geht aber nur um einen Gefallen, den ich ihm tue.�</p><p>�Und mehr d�rfen Sie nicht verraten.�</p><p>�Vorerst jedenfalls nicht. Sind Sie bereit?�</p><p>�Wozu? Ihnen unter die Arme zu greifen?�</p><p>�Sie m�ssen unter dem Radar fliegen. Niemand darf davon erfahren. Vor allem nicht ��</p><p>�Superintendent Ardery.�</p><p>�Sie k�nnten �rger mit ihr bekommen. Langfristig wohl nicht, aber kurzfristig.�</p><p>�Wozu bin ich denn auf der Welt?�, seufzte Barbara.�Schie�en Sie los.�</p><subtitle>CHALK FARM � LONDON</subtitle><p>Kaum hatte Lynley den Namen Fairclough ausgesprochen, wusste Barbara Bescheid. Das lag nicht etwa daran, dass sie das Schicksal s�mtlicher Titelinhaber Gro�britanniens verfolgte, weit gefehlt. Nein, es war dem Umstand geschuldet, dass sie eine leidenschaftliche Leserin der <emphasis>Source</emphasis> war. Ja, sie war regelrecht s�chtig nach zehn Zentimeter gro�en Schlagzeilen und herrlich kompromittierenden Fotos, und das schon seit Jahren. Wenn sie an einer Werbetafel vorbeikam, die eine Skandalgeschichte ank�ndigte, marschierten ihre F��e von ganz allein zum n�chsten Kiosk. Sie kaufte sich das Blatt und schwelgte in den schl�pfrigen Details, meist bei einer Tasse Tee und einem getoasteten Teilchen. Deshalb war ihr der Name Fairclough vertraut, und zwar nicht nur wegen des Barons von Ireleth und dessen Firma � �ber die die Presse jahrelang immer wieder ihren Spott gegossen hatte �, sondern auch wegen des Lotterlebens von Nicholas Fairclough, dem Spr�ssling des Barons.</p><p>Und sie wusste sofort, wo Lynley sich aufhielt: in Cumbria, wo die Familie Fairclough wohnte und die Firma ihren Sitz hatte. Was sie nicht wusste, war, was Hillier mit den Faircloughs zu tun hatte und um welchen Gefallen er Lynley gebeten hatte. Anders ausgedr�ckt, sie war sich nicht sicher, auf wessen Seite sie stehen w�rden. Da aber ein Adelstitel im Spiel war, w�rde es Hillier �hnlich sehen, sich bei dessen Tr�ger einzuschmeicheln. Hillier hatte ein Faible f�r Adelstitel, vor allem f�r solche, die h�her angesiedelt waren als seiner, und das waren so ziemlich alle.</p><p>Also ging es wahrscheinlich um Lord Fairclough und nicht um seinen nichtsnutzigen Sohn, der ebenso wie viele andere reiche junge Leute, die ihr Leben zerst�rten, schon oft f�r Schlagzeilen gesorgt hatte. Doch die Liste der Dinge, �ber die Lynley Informationen w�nschte � darunter ein Testament, eine Versicherungspolice, die <emphasis>Source</emphasis>, Bernard Fairclough und die neueste Ausgabe der Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> �, sagte ihr, dass er ein breites Netz ausgeworfen hatte. Mit auf der Liste standen auch ein Mann namens Ian Cresswell, Faircloughs Neffe, sowie � falls ihre Zeit es erlaubte � eine Frau namens Alatea Vasquez del Torres, eine Argentinierin aus Santa Mar�a de soundso. Aber nur, wenn ihre Zeit daf�r ausreichte, betonte Lynley, denn im Moment gehe es in erster Linie um Fairclough. Fairclough senior, nicht Fairclough junior.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Freddies neueste Flamme, eine Frau, die er beim Internet-Dating kennengelernt hatte, war �ber Nacht geblieben. Eigentlich hielt Manette sich f�r eine ziemlich moderne Frau, aber das ging doch ein bisschen zu weit. Sicher, ihr Exmann war kein Schuljunge, und er hatte sie auch nicht um ihre Meinung zu dem Thema gebeten. Aber Herrgott noch mal, es war das erste Mal, dass die beiden sich getroffen hatten, und wo w�rde die Welt noch enden � oder besser, wo w�rde Freddie enden �, wenn M�nner und Frauen einander im Bett ausprobierten? Wenn sie sich erkundeten wie Kinder beim Doktorspielen? Freddie behauptete, es w�re <emphasis>ihre</emphasis> Idee gewesen. Die Frau hatte es vorgeschlagen! Laut Freddie hatte sie gesagt:�Es h�tte ja wohl keinen Zweck, uns noch mal zu treffen, wenn wir sexuell inkompatibel w�ren, oder findest du nicht?�</p><p>Na ja, Freddie war ein Mann. Wie h�tte er denn auf so ein Angebot reagieren sollen? Um ein halbes Jahr Zeit bitten, um sich in aller Keuschheit �ber alle erdenklichen Themen, von Politik bis hin zu Fingerfertigkeit auszutauschen? Au�erdem fand er den Vorschlag gar nicht so dumm. Schlie�lich hatten sich die Zeiten ge�ndert. Also waren sie nach zwei Glas Wein im Pub nach Hause gekommen und ins Bett geh�pft. Offenbar hatte nicht nur alles reibungslos funktioniert, sondern es hatte ihnen auch noch gefallen, und so hatten sie es noch zweimal getan, so Freddie, und sie war �ber Nacht geblieben. Und als Manette am Morgen nach unten gekommen war, hatten sie zusammen in der K�che gesessen und Kaffee getrunken. Die Frau hatte nichts anderes angehabt als eins von Freddies Hemden, so dass nicht nur ihre langen Beine, sondern auch ein Teil ihres Hinterns zu sehen war. Wie eine Katze, der die Federn des Kanarienvogels am Maul kleben, sagte sie:�Guten Morgen. Sie sind bestimmt Freddies Ex. Ich bin Holly.�</p><p>Holly? Holly! Was war das denn f�r ein Name? Manette schaute Freddie an � der zumindest den Anstand besa� zu err�ten �, schenkte sich eine Tasse Kaffee ein und trat den R�ckzug in ihr Zimmer an. Kurz darauf klopfte Freddie an ihre T�r und entschuldigte sich f�r die peinliche Situation � nicht etwa daf�r, dass die Frau �ber Nacht geblieben war � und versprach, typisch Freddie, demn�chst� bei ihnen �zu �bernachten.�Es ist einfach alles ziemlich schnell gegangen�, f�gte er hinzu.�Das hatte ich so nicht geplant.�</p><p>Aber Manette hatte genau geh�rt, dass er gesagt hatte� bei ihnen�, und so hatte sie endlich begriffen, dass die Zeiten sich ge�ndert hatten und dass Kopulation die moderne Version des H�ndesch�ttelns war.�Soll das hei�en, du hast vor, eine nach der anderen auszuprobieren?�, hatte sie gestammelt.</p><p>�Na ja, sieht so aus, als w�rde das heutzutage so laufen.�</p><p>Sie hatte versucht, ihm klarzumachen, dass das der reine Wahnsinn war. Sie hatte ihm einen Vortrag �ber sexuell �bertragbare Krankheiten gehalten, �ber ungewollte Schwangerschaften, �ber sexuelle Abh�ngigkeit, �ber alles, was ihr zu dem Thema eingefallen war. Was sie nicht gesagt hatte, war, dass sie es doch gut hatten, dass es sch�n war zusammenzuwohnen, denn sie wollte nicht h�ren, dass er ihr sagte, es sei an der Zeit, getrennte Wege zu gehen. Aber am Ende hatte er sie auf die Stirn gek�sst, ihr gesagt, sie solle sich keine Sorgen um ihn machen, ihr er�ffnet, dass er am Abend eine weitere Verabredung hatte, weshalb er wom�glich aush�usig �bernachten w�rde. Er w�rde mit seinem eigenen Wagen fahren, sagte er, denn die Frau, mit der er verabredet war, wohnte in Barrow-in-Furness, und sie wollten sich in einem Nachtclub namens Scorpio treffen. Falls sie also noch mit ihm in die Koje wollte � er sagte tats�chlich� in die Koje��, w�rden sie zu ihr fahren, weil der Weg bis Great Urswick zu lang war, wenn sie erst einmal f�reinander entflammt waren.</p><p>�Aber Freddie �!�, st�hnte Manette, mehr gab es dazu nicht zu sagen. Schlie�lich konnte sie ihm nicht vorwerfen, er sei untreu oder er zerst�re ihre Beziehung oder er handle �berst�rzt. Sie waren nicht mehr verheiratet, sie hatten so gut wie keine Beziehung mehr, und ihre Scheidung lag schon so lange zur�ck, dass Freddies Entschluss, sich wieder in den Markt zu st�rzen, nicht �berst�rzt gefallen war. Er war einfach so ein Typ. Und man brauchte ihn nur anzusehen, um zu verstehen, dass die Frauen auf ihn flogen: Er sah frisch und sympathisch und einfach gut aus.</p><p>Nein, sie hatte kein Recht, sich zu beklagen, und das wusste sie. Trotzdem trauerte sie um etwas, das sie verloren hatte.</p><p>Im Moment gab es Dinge, die wichtiger waren als ihre Probleme mit Freddie, und auch wenn sie das nach der Auseinandersetzung mit Niamh Cresswell nicht gedacht hatte, war sie pl�tzlich dankbar daf�r. Irgendetwas musste unternommen werden. Was Niamh anging, war Manette machtlos, aber bei Tim und Gracie sah das ganz anders aus. Wenn sie einen Berg bewegen musste, um den Kindern zu helfen, dann w�rde sie genau das tun.</p><p>Sie fuhr nach Ireleth Hall. Es war ziemlich wahrscheinlich, dass sie Kaveh Mehran dort antreffen w�rde, denn er war von Valerie damit beauftragt worden, einen Fantasiegarten f�r Kinder zu entwerfen und die Umsetzung seines Entwurfs zu beaufsichtigen. Der Garten war f�r die zuk�nftigen Kinder von Nicholas und Alatea vorgesehen, und in Anbetracht der Gr��e des daf�r vorgesehen Areals sollte man meinen, dass Valerie mit Dutzenden von Enkelkindern rechnete.</p><p>Als Manette in der Einfahrt hielt, sah sie sofort, dass sie Gl�ck hatte. Sie ging um den weitl�ufigen, skurrilen Formschnittgarten herum zu der Stelle, wo der Fantasiegarten angelegt wurde. Dort traf sie nicht nur Kaveh Mehran an, sondern auch ihren Vater. Bei den beiden stand ein Mann, den Manette nicht kannte, bei dem es sich aber vermutlich um den Grafen handelte, von dem ihre Schwester ihr am Telefon erz�hlt hatte.</p><p>�Witwer�, hatte Mignon ver�chtlich gesagt. Im Hintergrund hatte Manette das Klappern der Tastatur geh�rt und daraus geschlossen, dass ihre Schwester wie �blich beim Telefonieren die E-Mails ihrer Internet-Liebhaber beantwortete.�Eigentlich ziemlich offensichtlich, warum Dad ihn aus London hierhergeholt hat. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und jetzt, wo ich die Operation hinter mir und so viel abgenommen habe, glaubt er, ich bin reif f�r einen Mann. Wie die Prinzessin, die auf den Ritter auf dem wei�en Ross wartet. Gott, wie peinlich. Soll er weitertr�umen. Mir gef�llt mein Leben, wie es ist.�</p><p>Manette w�rde es ihrem Vater glatt zutrauen. Er versuchte schon seit Jahren, Mignon loszuwerden, aber Mignon hatte ihn genau da, wo sie ihn haben wollte, und sie hatte nicht die Absicht, daran etwas zu �ndern. Warum Bernard Mignon nicht an die Luft setzte, war Manette schleierhaft. Seit Bernard vor sechs Jahren den Turm f�r Mignon hatte bauen lassen, hegte Manette allerdings den Verdacht, dass ihre Zwillingsschwester etwas �ber ihren Vater wusste, was ihn ruinieren k�nnte, falls sie es ausplauderte. Manette hatte keine Ahnung, was das sein k�nnte, aber es musste etwas von Bedeutung sein.</p><p>Offenbar f�hrte Kaveh Mehran den beiden anderen M�nnern gerade die Fortschritte der Arbeiten an dem Fantasiegarten vor. Er zeigte auf mit Planen gesch�tzte Holzstapel, auf Steinhaufen, auf Pfosten, zwischen denen Seile gespannt waren. Manette rief von Weitem Hallo und ging auf die M�nner zu.</p><p>Mignon war nicht ganz bei Trost, dachte Manette, als die drei M�nner sich ihr zuwandten.�Der Witwer �aus London wirkte nicht, als w�re er als potentieller Mann f�r sie herbeigerufen worden. Der Mann war gro�, blond, unglaublich attraktiv und auf die typisch dezente, leicht zerknitterte Weise elegant gekleidet, die nach altem Geld roch. Wenn er Witwer und tats�chlich auf der Suche nach Ehefrau Nummer zwei oder zweihundertzweiundzwanzig war, dann w�rde er auf keinen Fall ihre Schwester erw�hlen. Die F�higkeit des Menschen zur Selbstt�uschung kannte keine Grenzen, dachte Manette.</p><p>Bernard l�chelte Manette an und stellte sie dem blonden Mann vor. Tommy Lynley hie� der Graf, allerdings wurde nicht erw�hnt, wo seine Grafschaft lag. Er hatte einen festen H�ndedruck, eine interessante alte Narbe an der Oberlippe, ein angenehmes L�cheln und dunkelbraune Augen, die nicht zu seinem hellblonden Haar zu passen schienen. Er war ge�bt im Smalltalk, dachte Manette, und verhalf anderen dazu, sich zu entspannen. Ein herrlicher Tag und ein sch�ner Ort, sagte er zu ihr. Er selbst sei urspr�nglich aus Cornwall, s�dlich von Penzance, auch eine sehr sch�ne Gegend, und er sei das erste Mal in Cumbria. Aber nach allem, was er um Ireleth Hall herum gesehen habe, sei er entschlossen, h�ufiger herzukommen.</p><p>Sehr charmant ausgedr�ckt, dachte Manette. Sehr h�flich. H�tte er dasselbe zu Mignon gesagt, h�tte sie garantiert alles M�gliche in die Worte hineingelegt. Manette meinte nur dazu:�Sie sollten mal im Winter herkommen, das w�rde Sie eines Besseren belehren�, und dann zu Kaveh Mehran:�Ich w�rde gern kurz mit dir reden, falls du Zeit hast.�</p><p>Ihr Vater hatte gro�en Erfolg als Industrieller, weil er ein untr�gliches Gesp�r f�r Zwischent�ne besa�. Er fragte:�Was ist los, Manette?�, und als sie einen verstohlenen Blick zu Lynley hin�berwarf, f�gte er hinzu:�Tommy ist ein guter Freund. Er wei� von der Familientrag�die. Gibt es noch etwas �?�</p><p>�Niamh�, sagte Manette.</p><p>�Was ist mit ihr?�</p><p>Erneut ein nerv�ser Blick in Lynleys Richtung.�Ich glaube nicht, dass du ��</p><p>Lynley wollte sich schon entschuldigen, aber Bernard sagte:�Nein, nein, bleiben Sie. �Und zu Manette:�Ich sagte, er ist ein guter Freund. So schlimm kann es ja nicht sein ��</p><p>Also gut, dachte Manette, wie du willst.�Niamh hat die Kinder noch immer nicht zu sich genommen�, sagte sie.�Sie wohnen nach wie vor bei Kaveh. Wir m�ssen etwas unternehmen.�</p><p>Bernard schaute stirnrunzelnd zu Kaveh hin�ber, dann raunte er Lynley zu:�Es geht um die Witwe meines verstorbenen Neffen.�</p><p>�Das ist einfach nicht in Ordnung�, sagte Manette.�Und das wei� sie ganz genau, aber es ist ihr egal. Ich habe gestern mit ihr gesprochen. Sie war aufgedonnert wie eine Zirkuspuppe, und mitten in der K�che stand ein Eimer voll Sexspielzeug. Sie hat einen Liebhaber, der zu ihr kommt, um sich mit ihr zu vergn�gen, und da sind Tim und Gracie eben im Weg.�</p><p>Bernards Blick huschte erneut zu Kaveh hin�ber.�Einfach nicht in Ordnung, Manette?�, sagte der junge Mann. Er war nicht unh�flich, aber sein Ton machte deutlich, dass er Manette falsch verstanden hatte.</p><p>Sie sagte:�Herrgott, Kaveh. Du wei�t, dass ich nicht �ber deine Neigungen rede. Du kannst von mir aus so schwul sein, wie du willst, aber wenn es um Kinder geht ��</p><p>�Ich habe kein Interesse an Kindern.�</p><p>�Genau das ist der springende Punkt, nicht wahr?�, fauchte Manette, seine Bemerkung absichtlich falsch deutend.�Wer ein <emphasis>Interesse</emphasis> an Kindern mitbringt, �bernimmt auch Verantwortung f�r sie. Tim und Gracie geh�ren in die Obhut der Familie, und was auch immer Kaveh sein mag, Dad, zur Familie geh�rt er nicht.�</p><p>�Manette ��In Bernards Stimme lag ein drohender Unterton. Offenbar gab es Einzelheiten, die er Lynley im Gegensatz zu seinen anf�nglichen Beteuerungen lieber vorenthalten w�rde. Tja, da hatte er einfach Pech, dachte Manette, denn eben noch hatte er sie aufgefordert, in Gegenwart dieses Londoners offen zu sprechen, und genau das hatte sie vor.</p><p>Sie sagte:�Ian wollte, dass die Kinder bei ihm in Bryanbarrow wohnten. Das konnte ich verstehen, und ich hatte nichts dagegen, denn auf diese Weise hielt er sie weitgehend von Niamh fern, die etwa so m�tterlich ist wie ein wei�er Hai. Aber Ian kann nicht gewollt haben, dass die Kinder im Fall seines Todes bei Kaveh bleiben. Das wei�t du doch auch, Kaveh. �Dann schaute sie wieder ihren Vater an.�Du musst also mit Niamh reden. Du musst sie in die Pflicht nehmen. Du musst irgendetwas unternehmen. Tim ist vollkommen aus der Bahn geraten, und Gracie braucht jetzt mehr denn je eine Mutter. Wenn Niamh nicht bereit ist, ihre Pflicht als Mutter zu erf�llen, dann muss jemand anders das �bernehmen.�</p><p>�Ich verstehe, was du meinst�, sagte Bernard.�Wir unterhalten uns sp�ter dar�ber.�</p><p>�Nein, das geht nicht, Dad, tut mir leid. �Zu Lynley sagte sie:�Hier geht�s ans Eingemachte, und es kommt noch schlimmer. Falls Ihnen das zu viel wird ��</p><p>Lynley sagte zu Bernard:�Vielleicht kann ich irgendwie behilflich sein?�Woraufhin etwas zwischen den beiden passierte, irgendeine Art von stummer Verst�ndigung, dachte Manette. Jedenfalls schien ihr Vaters pl�tzlich nichts mehr dagegen zu haben, dass Lynley alles mith�rte.</p><p>Manette sagte:�Tim ist auf mich losgegangen. Nein, nein, er hat mich nicht verletzt. Ich habe ein paar blaue Flecken abbekommen, aber darum geht es nicht. Wir m�ssen uns um ihn k�mmern � wir m�ssen die ganze verdammte Situation in den Griff bekommen �, und da Kaveh nicht ewig in dem Haus wohnen bleiben wird, ist es in unser aller Interesse, diesen Punkt zu kl�ren, bevor das Haus verkauft wird. Denn was passiert mit den Kindern, wenn Kaveh ausziehen muss? Ziehen sie mit ihm um? Und wenn, wohin? Das kann nicht so weitergehen. Die Kinder k�nnen nicht immer wieder aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen werden.�</p><p>�Er hat es mir vermacht�, sagte Kaveh.�Ich werde nicht ausziehen.�</p><p>Manette fuhr zu ihm herum.�<emphasis>Was</emphasis>?�</p><p>�Das Haus, Manette. Ich ziehe nicht weg. Er hat mir das Haus vererbt.�</p><p>�<emphasis>Dir</emphasis>? Warum?�</p><p>Mit einer W�rde, die Manette bewundern musste, antwortete er:�Weil er mich geliebt hat. Weil er mein Lebensgef�hrte war und weil es das ist, was Lebensgef�hrten tun: Sie treffen Vorkehrungen f�r den Fall, dass einer von ihnen stirbt.�</p><p>Schweigen. Ein paar Dohlen kr�chzten in die Stille hinein. Der Geruch nach verbranntem Laub lag in der Luft, als bef�nde sich das Feuer ganz in der N�he.</p><p>�M�nner sorgen in der Regel auch f�r ihre Kinder�, sagte Manette.�Tim und Gracie h�tten eigentlich das Haus erben m�ssen. Es m�sste ihnen geh�ren, damit sie es verkaufen k�nnen, wenn sie sp�ter mal Geld brauchen.�</p><p>Kaveh wandte sich ab. Seine Kiefermuskeln arbeiteten, als k�nnte ihm das helfen, sich zu beherrschen.�Ich glaube, f�r den Fall hat er eine Versicherung abgeschlossen.�</p><p>�Wie praktisch. Wessen Idee war das denn, das Haus dir zu vererben und f�r die Kinder eine Versicherung abzuschlie�en? Wie <emphasis>hoch</emphasis> ist die Versicherung �berhaupt? Und wer genau ist der Beg�nstigte? Denn wenn das Geld an Niamh geht, als Treuh�nderin f�r die Kinder ��</p><p>�Manette�, fiel Bernard ihr ins Wort.�Darum geht es jetzt nicht. �Dann fragte er Kaveh:�Werden Sie das Haus behalten oder verkaufen, Kaveh?�</p><p>�Ich werde es behalten. Und Tim und Gracie k�nnen so lange bei mir wohnen bleiben, bis Niamh bereit ist, sie wieder zu sich zu nehmen. Und falls sie die Kinder �berhaupt nicht mehr haben will, h�tte Ian gewollt ��</p><p>�Nein, nein, nein!�Mehr wollte Manette nicht h�ren. Die Kinder geh�rten in die Obhut der Familie, und Kaveh � ob er Ians Lebensgef�hrte gewesen war oder nicht � geh�rte nun mal nicht zur Familie.�Dad�, sagte sie w�tend,�du <emphasis>musst</emphasis> � Ian <emphasis>kann</emphasis> nicht gewollt haben � Wei� Niamh �berhaupt davon?�</p><p>�Wovon?�, fragte Kaveh.�Und glaubst du allen Ernstes, dass sie das irgendwie interessiert?�</p><p>�Wei� sie, dass du das Haus erbst? Wann hat Ian das eigentlich verf�gt?�</p><p>Kaveh z�gerte, er schien zu �berlegen, was er darauf antworten konnte. Manette musste seinen Namen zweimal aussprechen, um ihn zu einer Reaktion zu bewegen.�Ich wei� es nicht�, sagte er.</p><p>Bernard und Tommy Lynley tauschten Blicke aus. Manette bemerkte es und wusste sofort, dass die beiden dasselbe dachten wie sie. Kaveh log. Jetzt musste sie nur noch herausfinden, welche ihrer Fragen er mit� Ich wei� es nicht �beantwortet hatte.</p><p>�Was genau wei�t du nicht?�, fragte sie.</p><p>�Ich wei� �berhaupt nichts �ber Niamh. Sie hat das Geld von der Versicherung erhalten, und dabei handelt es sich um eine betr�chtliche Summe. Ian hat sie als Beg�nstigte eingesetzt, damit sie genug Geld hat, um den Kindern ein angenehmes Leben zu erm�glichen. Er glaubte nat�rlich, dass sie zur Besinnung kommen w�rde, falls ihm etwas zustie�e.�</p><p>�Tja, leider ist das nicht passiert. Und es sieht auch nicht so aus, als w�rde sie in absehbarer Zeit zur Besinnung kommen.�</p><p>�Wenn es sein muss, dann bleiben sie eben bei mir. Sie wohnen ja schon da, und es geht ihnen gut.�</p><p>L�cherlich anzunehmen, dass es Tim Cresswell gut ging. Es ging ihm schon seit langer Zeit nicht gut. Manette sagte:�Und was soll passieren, wenn du in ein oder zwei Monaten jemand Neues kennenlernst, Kaveh? Wenn dein neuer Liebhaber zu dir zieht? Na? Was dann? Was sollen die Kinder dann tun? Was sollen sie <emphasis>denken</emphasis>?�</p><p>�Manette�, ermahnte Bernard seine Tochter.</p><p>Kaveh war blass geworden, aber er sagte nichts, nur seine Kiefermuskeln arbeiteten, und seine rechte Hand war zur Faust geballt.</p><p>Manette sagte:�Niamh wird vor Gericht gehen und das Testament anfechten. Sie wird daf�r sorgen, dass die Kinder das Haus bekommen.�</p><p>�Manette, es reicht�, sagte ihr Vater seufzend.�Wir haben alle eine Menge Kummer zu verarbeiten, dich mit eingeschlossen.�</p><p>�<emphasis>Warum</emphasis> spielst du hier den Friedensstifter?�, fuhr sie ihren Vater an.�Er bedeutet uns nichts�, sagte sie mit einer Kopfbewegung in Richtung Kaveh.�Er bedeutet den Kindern nichts. Er ist ein dahergelaufener Kerl, f�r den Ian sein Leben weggeworfen hat und ��</p><p>�Ich sagte, es reicht!�, donnerte Bernard.�Nehmen Sie�s ihr nicht �bel, Kaveh. Sie meint es nicht so ��</p><p>�Sie meint ganz genau, was sie sagt�, entgegnete Kaveh.�Das tun die meisten Menschen.�</p><p>Um sich aus dem Sumpf zu befreien, in den sie sich man�vriert hatte, sagte Manette lahm:�Also gut. H�r zu. Abgesehen von allem anderen bist du zu jung, um f�r einen Vierzehnj�hrigen die Vaterrolle zu �bernehmen, Kaveh. Er braucht einen Mann, der �lter ist, der mehr Erfahrung hat, einen ��</p><p>�Der nicht homosexuell ist�, beendete Kaveh den Satz f�r sie.</p><p>�Das habe ich nicht gesagt. Und ich habe es auch nicht gemeint. Ich wollte sagen, einen aus der Familie.�</p><p>�Das hast du bereits mehrfach betont.�</p><p>�Es tut mir leid, Kaveh, es geht hier nicht um dich. Es geht um Tim und Gracie. Wir k�nnen den Kindern nicht noch mehr zumuten. Tim geht daran zugrunde. Und Gracie wird �ber kurz oder lang ebenfalls daran zugrunde gehen. Ich muss verhindern, dass ihre Welt noch mehr auseinanderf�llt. Ich hoffe, das kannst du verstehen.�</p><p>�Lass die Dinge, wie sie sind, Manette�, sagte ihr Vater.�Im Moment haben wir andere Sorgen.�</p><p>�Und <emphasis>was</emphasis> sollte das sein?�</p><p>Er sagte nichts. Aber schon wieder tauschte er verstohlene Blicke mit seinem Londoner Freund aus, und zum ersten Mal fragte sich Manette, was hier eigentlich vor sich ging. Auf keinen Fall war der Mann hier, um wie ein Galan aus dem achtzehnten Jahrhundert das Herz ihrer hinterlistigen Schwester zu erobern und mit ihrem Geld seinen maroden Familiensitz in Cornwall instand zu setzen. Und dass ihr Vater darauf bestanden hatte, ihn das ganze Gespr�ch zwischen ihr und Kaveh mith�ren zu lassen, legte den Verdacht nahe, dass das stille Wasser, als das dieser Mann sich ausgab, so tief war, dass Nessie darin schwimmen konnte. Okay, davon durfte sie sich jetzt nicht beirren lassen. Sie durfte sich von gar nichts beirren lassen. Sie w�rde etwas f�r die Kinder ihres Vetters tun, und wenn ihr Vater nicht bereit war, mit ihr an einem Strang zu ziehen, dann w�rde es jemand anders tun. Und sie wusste auch schon, wer.</p><p>Sie hob die H�nde und seufzte.�Also gut. �Zu Lynley sagte sie:�Tut mir leid, dass Sie sich das alles anh�ren mussten.�</p><p>Er nickte h�flich. Aber sein Gesichtsausdruck verriet ihr, dass all die neuen Informationen ihm durchaus willkommen waren.</p><subtitle>AUF DEM WEG VON BRYANBARROW NACH WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Der Tag zuvor war ein Reinfall gewesen. Nachdem Tim zwei Stunden lang an der Stra�e gestanden hatte, hatte er es aufgegeben, nach Windermere zu trampen. Aber heute w�rde er sein Ziel erreichen.</p><p>Kurz bevor er den langen Fu�marsch von Bryanbarrow durch das Lyth Valley angetreten hatte � der anstrengendste Teil seines Ausflugs �, hatte es angefangen zu regnen. Bestimmt w�rde ihn niemand mitnehmen, denn die Stra�e war kaum befahren, und wenn hin und wieder ein Bauer auf einem Traktor vorbeituckerte, war der so langsam und fuhr so eine kurze Strecke, dass er zu Fu� mindestens genauso schnell vorankam. Aber mit dem Regen hatte er nicht gerechnet. Das war ziemlich dumm, weil er nur ein T-Shirt und dar�ber ein Flanellhemd und dar�ber ein Sweatshirt mit Kapuze trug, und nichts davon war wasserdicht. Au�erdem trug er Sportschuhe, die zwar noch nicht durchn�sst, aber bis an die Kn�chel voll Schlamm waren, weil der Stra�enrand wie immer um diese beknackte Jahreszeit v�llig aufgeweicht war. Seine Jeans wurden mit jedem Schritt, den er durch den Regen lief, schwerer. Und da sie ihm viel zu gro� waren, musste er sie dauernd hochziehen, damit sie ihm nicht vom Hintern rutschten.</p><p>Unten im Tal angekommen, gelang es ihm tats�chlich, ein Auto anzuhalten, ein Lichtblick an diesem verkackten Tag. Es war ein Bauer in einem Land Rover, dessen Kotfl�gel komplett mit Schlamm beschmiert waren. Der Bauer �ffnete die Beifahrert�r und sagte:�Steig ein, mein Junge. Du siehst ja aus, als w�rst du in den Stra�engraben gefallen. Wo willst du denn hin?�</p><p>Tim sagte Newby Bridge � was in der entgegengesetzten Richtung lag �, denn es kam ihm irgendwie merkw�rdig vor, wie der Typ ihn musterte. Au�erdem wollte er nicht, dass man seine Spur verfolgen konnte. Wenn alles wie geplant ablief, wenn sein Name und sein Bild in der Zeitung erschienen und dieser Typ ihn erkannte, dann sollte er, wenn er bei der Polizei anrief, sagen:�Ich erinnere mich an den Jungen. Der hat gesagt, er wollte nach Newby Bridge.�</p><p>Der Bauer sagte:�Ach so, Newby Bridge�, und fuhr los. Er sagte, er k�nne ihn bis Winster mitnehmen, und dann wollte er nat�rlich wissen, warum Tim nicht in der Schule war.�Heute ist doch ein Schultag, oder? Hast wohl geschw�nzt?�</p><p>Tim war es gew�hnt, dass Erwachsene dauernd irgendwelche Fragen nach Dingen stellten, die sie einen Schei�dreck angingen. Und jedes Mal w�rde er denen am liebsten die Augen auskratzen. Einem anderen Erwachsenen w�rden sie solche Fragen nie stellen ��Warum sind Sie heute nicht bei der Arbeit wie jeder anst�ndige Mensch?��, aber einem Jugendlichen konnten sie mit jedem Mist kommen. Er hatte mit der Frage gerechnet und sagte:�Kucken Sie mal auf die Uhr. Die Schule ist f�r heute schon aus.�</p><p>�F�r meine drei nicht�, sagte der Farmer.�Auf welche Schule gehst du denn?�</p><p>Herrgott, dachte Tim. Welche Schule er besuchte, ging den Alten genauso viel an, wie wann er zuletzt geschissen hatte. Er sagte:�Hier in der Gegend. Margaret Fox. In der N�he von Ulverston. �Wahrscheinlich hatte der Typ noch nie von der Schule geh�rt.��ne unabh�ngige Schule. �n Internat, aber ich bin Externer.�</p><p>�Und was ist mit deinen H�nden passiert?�, wollte der Bauer wissen.</p><p>Tim biss die Z�hne zusammen.�Hab mich geschnitten. Muss �n bisschen besser aufpassen.�</p><p>�Geschnitten? Das sieht aber nicht so aus, als h�ttest du dich ��</p><p>�H�ren Sie, halten Sie einfach hier an�, sagte Tim.�Sie k�nnen mich hier aussteigen lassen.�</p><p>�Wir sind aber noch lange nicht in Winster, Junge. �Das stimmte sogar. Sie waren kaum anderthalb Kilometer weit gekommen.</p><p>�Lassen Sie mich einfach hier raus, okay?�, sagte Tim so ruhig, wie er nur konnte. Er wollte auf keinen Fall zu aggressiv werden, das war allzu verr�terisch. Aber er wusste, wenn der Alte nicht auf der Stelle anhielt, dann w�rde was Schlimmes passieren.</p><p>Der Bauer zuckte die Achseln. Er fuhr an den Stra�enrand. Er schaute Tim lange und durchdringend an, wahrscheinlich, um sich sein Gesicht einzupr�gen, dachte Tim. Wenn die n�chsten Nachrichten im Radio kamen, w�rde er jeden Raub�berfall oder b�swilligen Vandalismus Tim anh�ngen. Okay, das Risiko musste er eingehen. Besser, als noch l�nger bei dem Typen im Auto zu sitzen.</p><p>�Pass auf dich auf, Junge�, sagte der Bauer, ehe Tim die T�r mit voller Wucht zuknallte.</p><p>�Leck mich�, murmelte Tim, als der Land Rover weiterfuhr. W�tend biss er sich in den Handr�cken.</p><p>Beim n�chsten Mal hatte er mehr Gl�ck. Ein deutsches Paar nahm ihn mit bis Crook, wo sie abbogen, weil sie irgendein schei�vornehmes Hotel gebucht hatten. Sie sprachen ziemlich gut Englisch, aber das Einzige, was sie zu ihm sagten, war� Ach, der viele Regen hier in Cumbria�, und wenn sie miteinander redeten, und das taten sie die meiste Zeit, sprachen sie nat�rlich Deutsch, in kurzen, abgehackten S�tzen und, so schien es ihm, �ber irgendjemanden namens Heidi.</p><p>Kurz hinter der Crook Road hielt ein Lastwagenfahrer. Der Typ fuhr bis nach Keswick, er k�nne Tim bis nach Windermere mitnehmen, sagte er, kein Problem.</p><p>Ein Problem war allerdings, dass der Fahrer es f�r n�tig hielt, Tim einen Vortrag �ber die Gefahren des Trampens zu halten. Ob seine Eltern w�ssten, dass er allein unterwegs war und zu Fremden ins Auto stieg? Du kennst mich ja nicht mal, sagte er. Ich k�nnte Sutcliffe sein. Oder Brady. Ich k�nnte ein Kindersch�nder sein, der dir an die W�sche will. Verstehst du, was ich meine?</p><p>Tim ertrug das alles, ohne dem Typen eine in die Fresse zu hauen, was er am liebsten getan h�tte. Er nickte, sagte:�Ja, sicher�, und als sie endlich in Windermere waren, sagte er:�Lassen Sie mich da an der Bibliothek aussteigen. �Der Fahrer tat ihm den Gefallen, aber nicht, ohne noch einmal zu betonen, was Tim f�r ein Gl�ck hatte, dass er sich nicht f�r zw�lfj�hrige Jungs interessierte. Und weil das wirklich zu viel war, sagte Tim ihm, dass er vierzehn sei, nicht zw�lf. Der Lastwagenfahrer lachte laut und erwiderte:�Nie im Leben! Und was versteckst du da �berhaupt unter deinen weiten Sachen? Wahrscheinlich bist du in Wirklichkeit ein M�dchen, ha ha!�Woraufhin Tim die Beifahrert�r zugeknallt hatte.</p><p>Er war restlos am Ende mit seiner Geduld. Am liebsten w�re er in die Bibliothek marschiert und h�tte s�mtliche B�cher aus den Regalen gerissen. Aber das w�rde ihm �berhaupt nichts n�tzen. Also biss er sich so lange in die Fingerkn�chel, bis er Blut schmeckte, und das beruhigte ihn ein bisschen. Er atmete tief durch und machte sich auf den Weg ins Gesch�ftsviertel.</p><p>Selbst um diese Jahreszeit gab es Touristen in Windermere. Es war nat�rlich l�ngst nicht so schlimm wie im Sommer, wo man auf Schritt und Tritt von irgendeinem mit Rucksack und Wanderstab bewaffneten Touristen �ber den Haufen gerannt wurde. Im Sommer fuhr kein Einheimischer, der halbwegs bei Trost war, in die Stadt, weil die Stra�en dann hoffnungslos verstopft waren. Jetzt war es nicht so voll hier, und die paar hartgesottenen Naturfreaks, die bei dem Wetter hier herumtrotteten, sahen mit den dunkelgr�nen Regencapes, die sie �ber ihren Rucks�cken trugen, aus, als h�tten sie riesige Buckel. Tim ging an ihnen vorbei Richtung Gesch�ftszentrum, wohin die Touristen sich nicht verirrten, weil sie dort nichts zu suchen hatten.</p><p>Tim dagegen hatte einen guten Grund, dort hinzugehen, und der hie� <emphasis>Shots!</emphasis>. Es handelte sich um ein Fotolabor, wie er bei seinem einzigen Besuch in Windermere herausgefunden hatte. Der Laden hatte sich darauf spezialisiert, Landschaftsaufnahmen von Profi-Fotografen, die zu jeder Jahreszeit in den Lake District kamen, in Postergr��e zu drucken.</p><p>Im Schaufenster waren Kostproben dessen, was <emphasis>Shots!</emphasis> zu bieten hatte. Im Laden selbst hingen Portr�tfotos an den W�nden, in einem Regal hinter dem Tresen waren Digitalkameras aufgereiht, und in einer Ecke stand eine Vitrine mit antiken Kameras. Ein Mann kam aus dem Zimmer hinter dem Tresen, als Tim eintrat. Der Mann trug einen wei�en Laborkittel mit dem gestickten Logo von <emphasis>Shots!</emphasis> und einem Namensschild auf der linken Brust. Als ihre Blicke sich begegneten, entfernte der Mann hastig das Namensschild von seinem Kittel und steckte es in die Tasche.</p><p>Nicht zum ersten Mal dachte Tim, wie normal Toy4You aussah. Ganz anders als man erwarten w�rde, mit ordentlich frisiertem braunen Haar, rosigen Wangen und Nickelbrille. Er hatte ein angenehmes L�cheln, das er sofort aufsetzte. Aber er sagte zu Tim:�Das ist ein schlechter Zeitpunkt.�</p><p>�Ich hab dir �ne SMS geschickt�, sagte Tim.�Du hast nicht geantwortet.�</p><p>�Ich hab keine SMS von dir bekommen�, antwortete Toy4You.�Bist du sicher, dass du sie an die richtige Adresse geschickt hast?�Dabei schaute er Tim direkt in die Augen, und deswegen wusste Tim, dass er log, denn er hatte es fr�her genauso gemacht, bis er kapiert hatte, wie verr�terisch es war, jemanden so anzustieren.</p><p>Tim sagte:�Warum hast du mir nicht geantwortet? Wir hatten eine Abmachung. Wir <emphasis>haben</emphasis> eine Abmachung. Ich hab meinen Teil eingehalten. Du nicht.�</p><p>Der Mann warf einen Blick zur T�r. Er hoffte wohl, dass ein Kunde reinkam und er das Gespr�ch beenden konnte, denn er wollte genauso wenig wie Tim, dass jemand mitbekam, was sie miteinander zu bereden hatten. Aber es kam keiner, er w�rde also reden m�ssen, denn sonst w�rde er schon sehen, was Tim hier im Laden anstellte � zum Beispiel die Vitrine mit den antiken Kameras umwerfen.</p><p>�Ich hab gesagt ��</p><p>�Das, was du willst, ist zu riskant�, fiel Toy4You ihm ins Wort.�Ich habe dar�ber nachgedacht. Es geht einfach nicht.�</p><p>Tim sp�rte, wie die blanke Wut in ihm hochstieg. Ihm wurde so hei�, als w�rde er von innen verbrennen, und er atmete schnell und heftig, weil er nicht wusste, wie er sonst dagegen ankommen sollte.�Wir haben eine verdammte <emphasis>Abmachung</emphasis>. Meinst du etwa, das h�tte ich vergessen?�Er ballte die F�uste und schaute sich um.�Hast du �berhaupt eine Ahnung, was ich tun kann, wenn du die Abmachung nicht einh�ltst?�</p><p>Toy4You zog eine Schublade am Ende des Tresens auf. Tim erstarrte, denn er dachte, er w�rde eine Pistole herausholen, so w�rde es jedenfalls im Kino gehen. Stattdessen nahm er eine Schachtel Zigaretten aus der Schublade. Z�ndete sich eine an. Musterte Tim ziemlich lange. Schlie�lich sagte er:�Also gut. Wenn du es unbedingt willst. Aber dann brauche ich mehr von dir, als du mir schon gegeben hast. Nur so lohnt es sich f�r mich. Risiko gegen Risiko.�</p><p>Tim �ffnete den Mund, um etwas zu sagen, brachte aber kein Wort heraus. Er hatte schon alles getan. <emphasis>Alles</emphasis>. Und jetzt sollte er noch mehr tun? Er sagte das Einzige, was ihm einfiel:�Du hast es mir versprochen.�</p><p>Toy4You verzog das Gesicht wie einer, der eine vollgeschissene Windel auf dem Fahrersitz seines Autos entdeckt.�Was faselst du da von wegen �du hast es mir versprochen�? Sind wir hier im Kindergarten, oder was? Du gibst mir deinen Schokoriegel, daf�r lass ich dich mit meinem Dreirad fahren? Aber dann ess ich den Schokoriegel auf, und du kuckst in die R�hre?�</p><p>�Wir haben eine Abmachung�, sagte Tim.�Du warst einverstanden. Das ist unfair.�</p><p>Toy4You nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette und schaute Tim dabei mit zusammengekniffenen Augen an. Er sagte:�Ich hab�s mir anders �berlegt. Das kommt vor. Das Risiko ist mir zu hoch. Wenn du unbedingt willst, dass es passiert, mach�s doch selbst.�</p><p>Tim sah, wie ein roter Vorhang zwischen ihm und Toy4You fiel. Er wusste, was das bedeutete: Er musste handeln, und Toy4You w�rde nicht die Polizei rufen, um ihn davon abzuhalten. Andererseits w�re es damit nat�rlich aus zwischen ihnen, und Tim hatte absolut keine Lust, noch mal ganz von vorne anzufangen und sich jemand anderen zu suchen. Die Tage und Wochen, die das dauern w�rde � unm�glich. Also sagte er:�Ich schw�re bei Gott, ich verrate alles. Und anschlie�end � Nein, vorher bring ich dich um, und dann verrat ich alles. Ich schw�r�s dir. Ich sag, es war Notwehr.�</p><p>Toy4You hob gelangweilt eine Braue.�Bei der fetten Spur, die du auf deinem Computer hinterlassen hast? Das glaube ich kaum, Kumpel. �Er warf einen Blick auf eine Wanduhr hinter dem Tresen.�So, und jetzt wird�s Zeit, dass du dich verziehst.�</p><p>�Ich bleibe. �Tims Stimme zitterte. Die Wut raubte ihm fast den Atem.�Ich verrat es jedem, der hier reinkommt. Wenn du mich rauswirfst, warte ich auf dem Parkplatz. Ich erz�hl�s jedem, der an deinem Laden vorbeigeht. Wenn du die Bullen rufst, erz�hl ich�s denen ebenfalls. Du meinst wohl, ich bluffe nur. Glaubst du etwa, ich h�tte jetzt noch vor irgendwas Angst?�</p><p>Toy4You antwortete nicht sofort. Es wurde so still, dass das Ger�usch des Sekundenzeigers der Wanduhr klang, als w�rde der Hahn einer Pistole gespannt. Immer und immer wieder. Schlie�lich sagte der Mann:�Ganz ruhig. Also gut. Du hast mich in der Hand, aber das gilt auch umgekehrt, auch wenn du�s noch immer nicht kapiert hast. Wie gesagt, du gehst kein Risiko ein. Nur ich. Also musst du daf�r sorgen, dass es sich f�r mich noch ein bisschen mehr lohnt. Das ist alles.�</p><p>Tim sagte nichts. Am liebsten w�re er �ber den Tresen gesprungen und h�tte das Arschloch zu Brei geschlagen. Doch er r�hrte sich nicht von der Stelle.</p><p>Toy4You sagte:�Was kostet es dich schon zu tun, was ich von dir verlange � eine Stunde? Zwei? Drei? Wenn du unbedingt willst, dass ich meinen Teil einhalte, musst du dich schon ein bisschen ins Zeug legen. Wenn nicht, ruf die Bullen an. Aber wenn du das tust, musst du denen Beweise liefern, und wir wissen ja beide, wohin das f�hren w�rde. Du hast ein Handy, auf dem SMS gespeichert sind. Du hast einen Computer, auf dem E-Mails gespeichert sind. Die Bullen werden sich das alles genau ansehen, und dann werden sie rauskriegen, was mit dir los ist. Wir sitzen beide in der Tinte, also sollten wir einander lieber helfen, anstatt uns gegenseitig vor die Lokomotive zu sto�en, oder?�</p><p>Sie starrten einander an. Tim sp�rte, wie von seiner Wut und Verzweiflung nur noch Hoffnungslosigkeit �brig blieb. Er wollte der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen, und die lautete, dass Toy4You recht hatte, das lie� sich nicht leugnen. Also sagte er schlie�lich tonlos:�Was?�</p><p>Toy4You l�chelte kurz.�Diesmal nicht allein.�</p><p>Tim drehte sich der Magen um.�Wann?�</p><p>Wieder l�chelte der Mann, diesmal triumphierend.�Bald, mein Freund. Ich schicke dir eine SMS. Mach dich einfach bereit. Diesmal gehen wir aufs Ganze. Kapiert?�</p><p>�Ja�, sagte Tim, denn es blieb ihm nichts anderes �brig.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Nachdem Manette gegangen war, sagte Lynley zu Bernard Fairclough, sie m�ssten miteinander reden. Fairclough nickte, offenbar hatte er damit gerechnet, aber obwohl es angefangen hatte zu regnen, sagte er:�Zuerst m�chte ich Ihnen noch den Formschnittgarten zeigen.�</p><p>Lynley widersprach nicht, denn er vermutete, dass Fairclough die Zeit brauchte, um sich f�r das bevorstehende Gespr�ch zu wappnen. Sie betraten den Garten durch einen Torbogen in einer von Flechten �berzogenen Steinmauer. Fairclough plauderte �ber das Anwesen. Er wirkte ziemlich entspannt, aber zweifellos hatte er schon zahllose Besucher hierhergef�hrt und ihnen voller Stolz gezeigt, wie viel Liebe und M�he seine Frau in den Garten gesteckt hatte, um ihm seine alte Pracht zur�ckzugeben.</p><p>Lynley h�rte kommentarlos zu. Er fand den Garten auf seltsame Weise sch�n. Im Allgemeinen bevorzugte er nat�rlich gewachsene Str�ucher, doch hier waren Buchsbaum, Ilex, Myrte und Eiben zu bizarren Gebilden zurechtgeschnitten, einige davon waren fast zehn Meter hoch. Es gab W�rfel, Pyramiden, Spiralen, doppelte Spiralen, Pilze, B�gen, F�sser und Kegel. Mit Kies aus gebleichtem Sandstein bestreute Wege f�hrten zwischen den Gebilden hindurch, und die Zwischenr�ume waren mit Parterren aus winzigen Buchsbaumstr�uchern ausgef�llt. In diesen Parterren bildeten die gelben Bl�ten der Kapuzinerkresse einen h�bschen Kontrast zu violetten Stiefm�tterchen.</p><p>Der Garten sei �ber zweihundert Jahre alt, und Valerie habe davon getr�umt, ihn zu restaurieren, seit sie Ireleth Hall geerbt hatte, erkl�rte Bernard Fairclough. Anhand von Fotos von Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts und mit der Unterst�tzung zweier G�rtner habe sie sich in jahrelanger Arbeit ihren Traum erf�llt.�Gro�artig, nicht wahr?�, sagte Fairclough voller Bewunderung.�Meine Frau ist einfach unglaublich.�</p><p>Lynley war beeindruckt. Das w�re zweifellos jedem so gegangen. Aber irgendetwas in Faircloughs Ton stimmte nicht, und Lynley sagte zu ihm:�Wollen wir hier reden oder lieber woanders?�</p><p>Fairclough, dem klar zu sein schien, dass kein Weg mehr an dem Gespr�ch vorbeif�hrte, erwiderte:�Kommen Sie mit. Valerie ist zu Mignon gegangen, es wird eine Weile dauern, bis sie zur�ckkommt. Wir k�nnen uns in der Bibliothek unterhalten.�</p><p>Die Bezeichnung war irref�hrend, denn in dem Raum gab es kein einziges Buch. Es handelte sich um ein kleines, gem�tliches Zimmer gleich neben der gro�en Eingangshalle, mit Wandvert�felungen aus dunklem Holz und Portr�ts l�ngst verstorbener Faircloughs. In der Mitte stand ein Schreibtisch, und vor einem reich verzierten offenen Kamin waren zwei Sessel angeordnet. Ein Kohlefeuer war vorbereitet, und auf dem Kaminsims standen antike Keramikvasen. Fairclough z�ndete das Feuer an, denn es war k�hl in dem Zimmer. Dann �ffnete er die schweren Vorh�nge. Der Regen hatte zugenommen und schlug gegen die bleiverglasten Fenster.</p><p>Fairclough bot Lynley einen Drink an, den dieser in Anbetracht der fr�hen Stunde ablehnte. Fairclough schenkte sich einen Sherry ein. Er deutete auf die Sessel, und sie nahmen Platz.�Sie bekommen mehr schmutzige W�sche zu sehen, als ich erwartet hatte�, sagte er zu Lynley.�Das tut mir leid.�</p><p>�In jeder Familie gibt es schmutzige W�sche�, erwiderte Lynley.�Auch in meiner.�</p><p>�Nicht so schmutzige wie in meiner, darauf m�chte ich wetten.�</p><p>Lynley zuckte die Achseln. Dann stellte er die unumg�ngliche Frage:�Wollen Sie, dass ich mit meinen Ermittlungen fortfahre, Bernard?�</p><p>�Warum fragen Sie?�</p><p>Lynley legte die Fingerspitzen aneinander, st�tzte das Kinn darauf und schaute nachdenklich ins Kaminfeuer. Von Kerzenstummeln entz�ndet, kam es langsam in Fahrt. Bald w�rde es angenehm warm im Zimmer sein. Er sagte:�Wenn der Coroner auf Unfall entschieden hat, m�chten Sie es vielleicht gern dabei belassen.�</p><p>�Und jemanden mit Mord davonkommen lassen?�</p><p>�Meiner Erfahrung nach kommt letztlich niemand mit etwas davon.�</p><p>�Was haben Sie entdeckt?�</p><p>�Es geht nicht um das, was ich entdeckt habe. Das ist bisher ohnehin ziemlich wenig, da mir aufgrund der Scharade, die wir hier spielen, gewisserma�en die H�nde gebunden sind. Es geht eher um das, was ich entdecken k�nnte, und das ist ein Mordmotiv. Was ich sagen will, ist: Es k�nnte sich durchaus um einen Unfall handeln, aber wenn ich weiterermittle, k�nnte es sein, dass Sie Dinge �ber Ihren Sohn, Ihre T�chter, selbst �ber Ihre Frau erfahren, die Sie vielleicht lieber nicht wissen wollen, egal, auf welche Weise Ihr Neffe gestorben ist. Das bringen polizeiliche Ermittlungen so mit sich.�</p><p>Fairclough schien dar�ber nachzudenken. Wie Lynley schaute er eine Weile in die Flammen, dann betrachtete er die Keramikvasen auf dem Kaminsims. Lynley fiel auf, dass eine davon einmal zerbrochen und wieder zusammengeklebt worden war. Das war wohl schon lange her, dachte er, denn die Scherben waren ungeschickt zusammengesetzt worden, nicht so perfekt wie es mit modernen Klebern m�glich war, die die Bruchstellen unsichtbar machten.</p><p>Lynley sagte:�Andererseits k�nnte es sich tats�chlich um Mord handeln. Und der T�ter k�nnte jemand sein, den Sie lieben. Wollen Sie sich dieser M�glichkeit stellen?�</p><p>Fairclough sah ihn an. Er sagte nichts, aber Lynley sah ihm an, dass er �ber etwas nachdachte.</p><p>��berlegen Sie es sich gut�, sagte Lynley.�Sie wollten wissen, ob Nicholas irgendetwas mit dem Tod seines Vetters zu tun hat. Deswegen sind Sie nach London gekommen. Doch was ist, wenn nicht Nicholas, sondern jemand anders in die Sache verwickelt ist? Ein anderes Mitglied Ihrer Familie? Und was ist, wenn der Mordanschlag gar nicht Ian galt? M�chten Sie auch das erfahren?�</p><p>Sie wussten beide, wem der Mordanschlag sonst gegolten h�tte, und Fairclough sagte, ohne zu z�gern:�Niemand h�tte einen Grund, Valerie etwas zuleide zu tun. Sie ist der Mittelpunkt, um den sich unsere Welt hier dreht. Meine und ihre. �Er zeigte nach drau�en, woraus Lynley schloss, dass er seine Kinder meinte, und eins davon im Besonderen.</p><p>�Bernard�, sagte Lynley.�Wir m�ssen auch Mignon �berpr�fen, es geht nicht anders. Sie hat Zugang zum Bootshaus. Und zwar jeden Tag.�</p><p>�Auf keinen Fall Mignon�, entgegnete Fairclough.�Sie h�tte Ian nie etwas antun k�nnen, und ihrer Mutter schon zweimal nicht.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Sie ist kr�nklich, Tommy. Und das war sie schon immer. Sie hat als Kind eine Kopfverletzung erlitten und seitdem � Na ja, sie ist behindert. Ihre Knie, die Operationen � Egal � Sie w�re jedenfalls nicht dazu in der Lage gewesen.�</p><p>�Wenn sie irgendwie dazu in der Lage gewesen w�re�, sagte Lynley,�h�tte sie denn ein Motiv gehabt? Gibt es etwas, das ich �ber Mignons Beziehung zu ihrer Mutter wissen sollte? Oder �ber ihre Beziehung zu ihrem Vetter? Haben die beiden sich nahegestanden? Waren sie Feinde?�</p><p>�Anders ausgedr�ckt: H�tte sie einen Grund gehabt, sich Ians Tod zu w�nschen?�</p><p>�Das ist meine Frage.�</p><p>Fairclough nahm seine Brille ab und rieb sich die Augen.�Ian hat mich in Finanzdingen beraten, wie Sie wissen. Er war f�r alle meine finanziellen Angelegenheiten verantwortlich. Das war sein Job. Er war sehr gut darin, und ich brauchte ihn.�</p><p>�Verstehe�, sagte Lynley.</p><p>�Eine Zeitlang � vielleicht drei Jahre � hat er von mir verlangt, dass ich die monatlichen Zahlungen an Mignon einstelle. Er hat nie begriffen, dass das M�dchen einfach nicht arbeiten kann. Das konnte sie noch nie. Doch Ian meinte, ich w�rde sie durch meine Unterhaltszahlungen nur in Abh�ngigkeit halten, und sie k�nnte ganz gut f�r sich selbst sorgen. Das Thema war ein Zankapfel zwischen uns. Kein gro�er, und wir stritten uns nur ein-, zweimal im Jahr dar�ber. Aber ich hatte nie die Absicht � Ich konnte es einfach nicht. Wenn ein Kind eine schlimme Verletzung davontr�gt � Wenn Sie irgendwann mal Kinder haben, werden Sie das verstehen, Tommy.�</p><p>�Wei� Mignon, dass Ian von Ihnen verlangt hat, die Unterhaltszahlungen einzustellen?�</p><p>Fairclough nickte widerstrebend.�Er hat mit ihr dar�ber gesprochen. Als ich mich geweigert habe, ist er zu ihr gegangen. Er hat ihr vorgeworfen, sie w�rde ihrem Vater �auf der Tasche liegen�. Mignon hat�s mir erz�hlt. Sie f�hlte sich nat�rlich gekr�nkt. Sie hat mir gesagt, ich k�nnte die Zahlungen an sie sofort einstellen. Sie hat mich sogar darum gebeten.�</p><p>�Ich sch�tze, sie wusste genau, dass Sie es nicht tun w�rden.�</p><p>�Sie ist meine Tochter�, sagte Fairclough.</p><p>�Und Ihre anderen Kinder? Hatte Manette einen Grund, Ians Tod zu w�nschen?�</p><p>�Manette hat Ian geliebt. Ich glaube, es gab eine Zeit, da h�tte sie ihn gern geheiratet. Das war nat�rlich lange, bevor Kaveh aufgetaucht ist.�</p><p>�Und wie stand er zu ihr?�</p><p>Fairclough trank seinen Sherry aus und stand auf, um sich nachzuschenken. Er hielt die Flasche hoch und sah Lynley fragend an. Der lehnte erneut ab.�Er mochte Manette�, sagte Fairclough.�Aber mehr auch nicht.�</p><p>�Sie ist geschieden, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Ihr Exmann arbeitet f�r mich. Freddie McGhie. Sie �brigens auch.�</p><p>�K�nnte es einen Grund geben, warum Freddie McGhie Ians Tod gew�nscht h�tte? Sie haben mir gesagt, dass Sie noch keinen Nachfolger als Firmenleiter bei Fairclough Industries bestimmt haben. Wer k�me daf�r in Frage, jetzt wo Ian nicht mehr da ist?�</p><p>Fairclough schaute ihn an, sagte jedoch nichts. Lynley hatte den Eindruck, dass sie sich einem Thema n�herten, an das Fairclough lieber nicht r�hren wollte. Er hob eine Braue. Fairclough r�usperte sich.�Wie gesagt. Ich habe mich noch nicht entschieden. Manette oder Freddie k�nnten �bernehmen. Beide arbeiten f�r mich, seit sie ins Berufsleben eingestiegen sind. Vor allem Freddie w�re ein geeigneter Kandidat, auch wenn Manette sich von ihm hat scheiden lassen. Er kennt jede Abteilung, und er hat in jeder einzelnen gearbeitet. Eigentlich w�rde ich jemanden aus der Familie bevorzugen, genau wie Valerie, aber wenn niemand �ber die entsprechende Erfahrung und Einstellung verf�gt, w�re es nur logisch, dass Freddie die Z�gel �bernimmt.�</p><p>�W�rden Sie Ihren Sohn Nicholas als Nachfolger in Erw�gung ziehen?�</p><p>�Das w�re der reine Wahnsinn, bei seiner Vorgeschichte. Aber er gibt sich gro�e M�he, mir zu beweisen, dass er sein altes Leben endg�ltig hinter sich gelassen hat.�</p><p>�Was hat Ian davon gehalten?�</p><p>�Er war davon �berzeugt, dass Nick scheitern w�rde. Aber Nick hatte mir geschworen, er sei ein anderer Mensch geworden, und ich wollte ihm eine Chance geben. Er arbeitet sich von der Pike auf nach oben. Daf�r bewundere ich ihn.�</p><p>�Ist das eine Abmachung zwischen Ihnen?�</p><p>�Ganz und gar nicht. Es war allein seine Idee. Ich nehme an, dass Alatea ihm dazu geraten hat.�</p><p>�Es w�re also denkbar, dass er irgendwann die Firma �bernimmt?�</p><p>�Alles ist m�glich�, antwortete Fairclough.�Wie gesagt, es ist noch keine Entscheidung gefallen.�</p><p>�Aber Sie m�ssen es zumindest in Erw�gung gezogen haben. Warum sonst h�tten Sie mich hierherbitten sollen, damit ich Nicholas unter die Lupe nehme?�</p><p>Fairclough schwieg. Das reichte Lynley als Antwort. Schlie�lich war Nicholas sein Sohn. Und normalerweise wurde ein Gesch�ft vom Vater auf den Sohn vererbt und nicht auf den Neffen.</p><p>�Sonst noch jemand mit einem Motiv, Ian umzubringen?�, fuhr Lynley fort.�F�llt Ihnen noch irgendjemand ein, der mit Ian ein H�hnchen zu rupfen, ein gemeinsames Geheimnis, eine Sache zu kl�ren hatte?�</p><p>�Nein, niemand. �Fairclough nippte an seinem Sherry und schaute Lynley dabei �ber das Glas hinweg an.</p><p>Lynley war sich ganz sicher, dass der Mann log, aber er wusste nicht, warum. Au�erdem hatte er das Gef�hl, dass sie immer noch nicht zu dem eigentlichen Grund f�r seine Anwesenheit in Ireleth Hall vorgedrungen waren. Lynley sagte:�Bernard, bis auf diejenigen, die keinen Zugang zum Bootshaus haben, stehen alle unter Verdacht. Sie werden eine Entscheidung f�llen m�ssen, wenn Sie die Wahrheit wissen wollen, wie auch immer die lauten mag.�</p><p>�Was f�r eine Entscheidung?�</p><p>�Wenn Sie dieser Sache wirklich auf den Grund gehen wollen, werden Sie mich als das akzeptieren m�ssen, was ich bin.�</p><p>�Und was sind Sie?�</p><p>�Polizist.�</p><subtitle>FLEET STREET � LONDON</subtitle><p>Barbara Havers ging in einen Pub in der N�he der Fleet Street, der zu Hochzeiten des Zeitungsgesch�fts, als noch alle angesehenen Zeitungen und Boulevardbl�tter ihre Zentrale in der Gegend gehabt hatten, der Treffpunkt aller Journalisten gewesen war. Die Zeiten hatten sich ge�ndert, und die Canary Wharf-B�rot�rme hatten mehr als ein Zeitungshaus in den Osten der Stadt gelockt. Aber nicht alle waren den Sirenenges�ngen von niedrigen Mieten gefolgt, und vor allem ein Verlag war stur geblieben, entschlossen, dicht am Geschehen auszuharren. Das war die <emphasis>Source</emphasis>, und Barbara wartete in dem Pub auf ihren Informanten bei der <emphasis>Source</emphasis>. Sie hatte den Mann angerufen und um ein Treffen gebeten. Als er sich geziert hatte, hatte sie ihm ein Mittagessen in Aussicht gestellt. Er hatte immer noch gez�gert, bis sie den Namen Lynley fallen gelassen hatte. Das hatte ihn hellh�rig gemacht.�Wie geht es ihm?�, hatte er gefragt, offenbar in der Hoffnung auf ein saftiges H�ppchen f�r die Leser der Sparte <emphasis>Pers�nliche Trag�dien und ihre Folgen</emphasis>. Es w�rde nicht f�r eine Schlagzeile reichen, aber wenn die Einzelheiten interessant waren, w�re es vielleicht etwas f�r die Seite drei.</p><p>Sie hatte geantwortet:�Am Telefon sag ich �berhaupt nichts. K�nnen wir uns sehen?�</p><p>Das hatte funktioniert. Es widerstrebte ihr, Lynley auf diese Weise zu benutzen � na ja, eigentlich widerstrebte es ihr grunds�tzlich, ihn zu benutzen �, aber da er derjenige war, der sie um Informationen gebeten hatte, fiel das ihrer Meinung nach so gerade noch unter die Rubrik� zwischen Freunden erlaubt�.</p><p>Isabelle Ardery war ein h�rterer Brocken gewesen. Als sie im Yard angerufen und um den freien Tag gebeten hatte, der ihr zustand, war ihre Chefin sofort misstrauisch geworden.�Warum?�, hatte sie gefragt.�Wo fahren Sie hin?�Aber da Barbara damit gerechnet hatte, dass die Ardery das gr��te Problem sein w�rde, war sie vorbereitet gewesen.</p><p>�Zum Fris�r�, hatte sie geantwortet.�Zu einem Salon in Knightsbridge.�</p><p>�Sie brauchen also nur diesen einen Tag�, hatte Ardery nachgehakt.</p><p>�Vorerst�, hatte Barbara geantwortet.</p><p>�Was soll das denn hei�en, Sergeant?�Schon wieder dieses Misstrauen. Die Ardery w�rde lernen m�ssen, sich zu beherrschen, wenn sie nicht wollte, dass man ihr ihre Paranoia anmerkte, dachte Barbara.</p><p>�Seien Sie gn�dig, Chefin�, sagte sie.�Wenn ich nachher nicht mehr in den Spiegel schauen mag, muss ich wohl oder �bel jemanden auftreiben, der das wieder in Ordnung bringt. Ich melde mich. Ich muss sowieso �berstunden abfeiern.�</p><p>Das war die Wahrheit, und das wusste die Ardery. Au�erdem hatte sie ihr pers�nlich den Befehl erteilt, ihre �u�ere Erscheinung aufzupeppen. Und so hatte ihre Chefin widerwillig zugestimmt, allerdings hinzugef�gt:�Nicht mehr als zwei Tage�, damit Barbara nicht verga�, wer von ihnen beiden das Sagen hatte.</p><p>Auf dem Weg zum Pub hatte Barbara bereits einen von Lynleys Auftr�gen erledigt und die neueste Ausgabe von <emphasis>Conception</emphasis> gekauft. Ausfindig gemacht hatte sie die Zeitschrift in einem Bahnhofsbuchladen, der alle erdenklichen Presseerzeugnisse f�hrte, und zwar im U-Bahnhof King�s Cross, der praktischerweise sowieso auf ihrem Weg von Chalk Farm ins Zentrum lag. Es war also ein Klacks gewesen, wenn man davon absah, dass sie den absch�tzigen Blick des jungen Mannes hatte �ber sich ergehen lassen m�ssen, der die Kasse bediente. An seinen Augen und dem kaum merklichen Zucken der Mundwinkel hatte sie genau ablesen k�nnen, was er dachte: <emphasis>Empf�ngnis? Du? Da lachen ja die H�hner</emphasis>. Am liebsten h�tte sie ihn an seinem wei�en Hemd gepackt und �ber den Tresen gezogen, aber der Schmutzrand am Kragen hatte sie davon abgehalten. Jemandem, dessen pers�nliche Hygiene nicht einmal dazu ausreichte, dass er seine Klamotten wusch, musste man nicht unbedingt so nahe kommen, hatte sie sich gesagt.</p><p>W�hrend sie im Pub auf ihren Informanten wartete, bl�tterte sie in der Zeitschrift. Sie fragte sich, wo die all die perfekten S�uglinge f�r ihre Fotos auftrieben und all die frischgebackenen M�tter, die rosig und ausgeruht aussahen und nicht wie echte M�tter mit eingefallenen Wangen und dunklen Ringen unter den Augen vom permanenten Schlafmangel. Sie hatte sich eine Ofenkartoffel mit Chili con carne bestellt, die sie sich gerade zu Gem�te f�hrte, als ihr Kontaktmann von der <emphasis>Source</emphasis> auftauchte.</p><p>Mitchell Corsico betrat den Pub in seiner �blichen Aufmachung. Er trug stets einen Stetsonhut, Jeans und Cowboystiefel, und diesmal hatte er sogar eine Lederjacke mit Fransen an. Gott, dachte Barbara, wahrscheinlich w�rde er sich als N�chstes Lederchaps und einen Revolvergurt zulegen. Als er sie sah, nickte er ihr kurz zu und ging an den Tresen, um seine Bestellung aufzugeben. Er warf einen Blick auf die Speisekarte, legte sie weg und sagte dem Wirt, was er haben wollte. Er bezahlte sogar f�r sein Essen, was Barbara f�r ein positives Zeichen hielt, bis er an ihren Tisch kam und sagte:�Zw�lf Pfund vierzig.�</p><p>Sie fragte:�Verflucht, was haben Sie sich denn bestellt?�</p><p>�Hatte ich ein Limit?�</p><p>Grummelnd kramte sie ihr Portemonnaie aus der Tasche und schob das Geld �ber den Tisch, w�hrend er sich auf seinen Stuhl setzte, als w�rde er auf ein Pferd steigen.�Wo haben Sie denn Jolly Jumper gelassen?�, fragte sie.</p><p>�H�?�</p><p>�Vergessen Sie�s.�</p><p>�Das ist ungesund�, bemerkte er mit einem Blick auf ihr Essen.</p><p>�Was haben Sie denn bestellt?�</p><p>�Okay, nicht so wichtig. Was gibt�s?�</p><p>�Sie m�ssen mir einen Gefallen tun.�</p><p>Sie sah Argwohn in seinen Augen aufflackern, und sie konnte es ihm nicht verdenken. Normalerweise bat Corsico die Polizei um Informationen, nicht umgekehrt. Aber in seinem Blick lag auch ein bisschen Hoffnung, denn im Yard war man �berhaupt nicht gut auf ihn zu sprechen. Vor knapp einem Jahr hatte er die Polizei auf der Jagd nach einem Serienm�rder begleitet, und bei der Gelegenheit hatte er sich nicht besonders beliebt gemacht.</p><p>Trotzdem war er vorsichtig.�Ich wei� nicht�, sagte er.�Mal sehen. Was brauchen Sie denn?�</p><p>�Einen Namen.�</p><p>Er hielt sich zur�ck.</p><p>�Ein Reporter der <emphasis>Source</emphasis> hat sich in Cumbria umgesehen. Ich muss wissen, wer das ist und warum er da raufgeschickt wurde. �Als Corsico daraufhin in seine Jackentasche langte, sagte sie hastig:�Wir sind noch nicht bei den Gef�lligkeiten, Mitch. Geben Sie Jolly Jumper noch nicht die Z�gel, wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Ah, ein Pferd.�</p><p>�Ja, genau wie Silver. H� hott. H�tte eigentlich gedacht, dass Sie sich damit auskennen. Also, wer ist da raufgefahren? Und warum?�</p><p>Er �berlegte. Nachdem sein Essen gekommen war � Roastbeef und Pasteten mit allen m�glichen Gem�sebeilagen, was er garantiert nur dann bestellte, wenn er nicht selbst daf�r bezahlen musste, dachte Barbara �, sagte er:�Erst will ich wissen, was f�r mich dabei rausspringt.�</p><p>�Das h�ngt vom Wert Ihrer Informationen ab.�</p><p>�So funktioniert das nicht�, sagte er.</p><p>�Normalerweise nicht. Aber die Zeiten �ndern sich. �ne neue Chefin, die mir auf die Finger kuckt. Ich muss vorsichtig sein.�</p><p>�Ein Exklusiv-Interview mit DI Lynley, und wir sind im Gesch�ft.�</p><p>�Ha! Ganz schwierig.�</p><p>Er stand auf. Barbara wusste, dass das reine Show war, denn er w�rde auf keinen Fall sein Roastbeef mit Pasteten unanger�hrt stehen lassen. Doch sie lie� sich auf das Spiel ein und sagte:�Also gut. Ich werde sehen, was sich machen l�sst � Wer wurde nach Cumbria geschickt?�</p><p>Wie erwartet erz�hlte er ihr alles, was er wusste: Zedekiah Benjamin, der eine Story �ber Nicholas Fairclough geschrieben hatte. Der Chefredakteur hatte den Reporter abblitzen lassen, der daraufhin erneut nach Cumbria gefahren war, um aus seiner Story etwas zu machen, was zur <emphasis>Source</emphasis> passte. Der Mann war inzwischen dreimal in Cumbria gewesen � vielleicht auch viermal �, um seine Story aufzumotzen, aber anscheinend kam er nicht richtig aus der H�fte. Bis zu dem Tag, an dem Ian Cresswell ertrunken war, hatte er nichts von Bedeutung ausgegraben.</p><p>Das war allerdings interessant, dachte Barbara. Sie erkundigte sich nach Zedekiah Benjamins Reisedaten und erfuhr, dass er zweimal vor Ian Cresswells Tod nach Cumbria gefahren war. Beim zweiten Mal war er genau drei Tage vor Cresswells Ableben mit eingezogenem Schwanz nach London zur�ckgekehrt, ohne die schl�pfrigen Details, die sein Chefredakteur von ihm verlangte.</p><p>Sie fragte:�Was passiert mit diesem Kerl, wenn es ihm nicht gelingt, seine Geschichte sexy zu machen?�</p><p>Corsico fuhr sich mit dem Finger quer �ber den Hals und zeigte anschlie�end mit dem Daumen �ber seine Schulter, f�r den Fall, dass Barbara nicht geschnallt hatte, was er meinte. Sie nickte.�Wissen Sie, wo er da oben abgestiegen ist?�, fragte sie.</p><p>Corsico verneinte, f�gte jedoch hinzu, dass es nicht besonders schwierig sein d�rfte, Benjamin ausfindig zu machen, falls er um irgendjemandes Haus schlich.</p><p>�Warum nicht?�, fragte Barbara.</p><p>Weil er zwei Meter gro� war und flammenrote Haare hatte, lautete die Antwort.</p><p>�So�, sagte Corsico und z�ckte seinen Notizblock.�Und jetzt sind Sie dran.�</p><p>�Das m�ssen wir verschieben�, erwiderte sie.</p><subtitle>ARNSIDE KNOTT � CUMBRIA</subtitle><p>Es begann zu regnen. Aber Alatea war darauf eingestellt. Als sie zu ihrem Spaziergang aufgebrochen war, hatte sie die dicken schwarzen Wolken �ber Humphrey Head gesehen, die �ber die Morecambe Bay auf Arnside zutrieben. Sie hatte damit gerechnet, dass der Regen bald einsetzen w�rde, allerdings nicht damit, dass der Schauer sich zu einem Unwetter auswuchs.</p><p>Sie war auf halbem Weg zu ihrem Ziel, als der Wolkenbruch losging. Sie h�tte umkehren k�nnen, aber das tat sie nicht, denn sie wollte unbedingt auf den h�chsten Punkt des Arnside Knott steigen, komme, was wolle. Grimmig sagte sie sich, dass sie da oben vom Blitz getroffen werden k�nnte, und in dem Moment fand sie die Vorstellung, dass ihr Leben auf diese Weise enden k�nnte, gar nicht so schlimm. Es w�re ruck, zuck vorbei. Schluss, aus. Es w�re eine Art der absoluten Gewissheit in einer Situation, in der die fehlende Gewissheit sie zerfra�.</p><p>Der Regen lie� nach, als sie den letzten Teil des Anstiegs in Angriff nahm. Auf dem Abhang um sie herum grasten braunrote schottische Hochlandrinder. Alateas F��e suchten Halt in dem Sandsteinger�ll, und sie hielt sich beim Klettern an den krummen, windzerzausten Koniferen fest, die hier wuchsen. Oben angekommen, war sie weniger au�er Atem als die letzten Male, die sie hier heraufgestiegen war. Wahrscheinlich, dachte sie, w�rde sie schon bald fit genug sein, um den Arnside Knott hochzujoggen.</p><p>Von hier oben aus konnte sie alles sehen: ein Dreiviertelkreispanorama von Peel Island Castle, von hier aus nur als kleiner Punkt erkennbar, bis zu den H�geln an der Morecambe Bay mit den Fischerd�rfern, die sich an der K�ste aufreihten. Es war ein Ausblick auf einen endlosen Horizont und tr�gerische Gew�sser. Was einem leider nicht geboten wurde, war ein Blick in die Zukunft, und Alatea war trotz des schlechten Wetters hier heraufgekommen, um vor etwas wegzulaufen, dem sie doch nicht ewig entfliehen konnte.</p><p>Sie hatte Nicholas einen Teil von dem erz�hlt, was sie in Erfahrung gebracht hatte, aber nicht alles.�Die Frau ist gar kein Location-Scout, sondern freiberufliche Fotografin�, hatte sie ihm erkl�rt. Sie war furchtbar nerv�s gewesen und hatte ein Glas Sherry getrunken, um sich zu beruhigen.�Komm, sieh dir das an, Nicholas. Sie hat sogar eine Webseite.�</p><p>Es war ziemlich einfach gewesen, alles �ber Deborah St. James herauszufinden, was sie hatte wissen m�ssen. Das Internet war eine Fundgrube f�r Informationen aller Art, und man brauchte kein Genie zu sein, um sich daraus zu bedienen. Man w�hlte eine Suchmaschine, gab einen Namen ein und fertig. In der heutigen Welt konnte man davonlaufen, aber man konnte sich nicht verstecken.</p><p>Deborah St. James versuchte nicht einmal, sich zu verstecken. <emphasis>Was m�chten Sie fotografiert haben?</emphasis> lautete das Motto ihrer Webseite, und man konnte verschiedene Links anklicken, um sich ihre Arbeiten anzusehen. Sie war Kunstfotografin, wenn man das denn so nannte. Sie machte die Art Fotos, die in Kunstgalerien verkauft wurden: Landschaftsaufnahmen, Portr�ts, Stillleben, Sportszenen, Schnappsch�sse von Alltagsszenen auf der Stra�e. Sie arbeitete haupts�chlich in Schwarzwei�, hatte bereits mehrere Ausstellungen gehabt und bei Fotowettbewerben Preise gewonnen. Sie war zweifellos gut in ihrem Beruf, aber sie war auf keinen Fall Location-Scout f�r die Filmgesellschaft Query Productions.</p><p>Eine Filmgesellschaft dieses Namens existierte gar nicht. Auch das hatte Alatea herausgefunden. Doch das hatte sie ihrem Mann nicht gesagt, denn sie konnte sich schon denken, wohin das f�hren w�rde. Es w�rde eine logische Frage aufwerfen, und Nicholas w�rde sie nat�rlich stellen: Was machte Deborah St. James dann hier? Alatea wollte nicht, dass er diese Frage stellte. Das w�rde n�mlich bedeuten, dass sie sich Gedanken �ber eine m�gliche Antwort machen m�ssten. <emphasis>Was m�chten Sie fotografiert haben?</emphasis> sagte alles. Die Frage, mit der sie sich auseinandersetzen mussten, lautete: Was hatte Deborah St. James vor mit den Fotos, die sie hier machte?</p><p>Aber das Thema war zu heikel, um es mit ihrem Mann zu er�rtern, und deshalb hatte Alatea gesagt:�Es macht mich nerv�s, dass sie hier heruml�uft, Nickie. Irgendetwas an ihr gef�llt mir nicht.�</p><p>Sie hatten im Bett gelegen, und er hatte sich auf die Seite gedreht, den Kopf in eine Hand gest�tzt und sie stirnrunzelnd angesehen. Ohne seine Brille konnte er sie nur verschwommen sehen, dennoch hatte er sie eindringlich gemustert, und was er in ihrem Gesicht zu sehen meinte, hatte ihm ein L�cheln entlockt.�Weil sie Fotografin ist oder weil sie eine Frau ist?�, hatte er gefragt.�Dann lass mich dir eins sagen, geliebte Gattin: Falls Letzteres der Fall ist, kannst du dich beruhigen � �ber dieses Thema brauchst du dir niemals Gedanken zu machen. �Dann hatte er sich �ber sie hergemacht, um ihr zu beweisen, dass er es ernst meinte, und sie hatte es zugelassen. Sie hatte es sogar gewollt, nichts konnte sie so gut von ihren dunklen Gedanken ablenken wie Sex mit Nicholas. Aber hinterher waren die Sorgen und die Angst wiedergekommen wie die Flut in die Morecambe Bay. Es gab kein Entrinnen, und sie f�rchtete, in der schnell steigenden Flut zu ertrinken.</p><p>Er hatte es gesp�rt. Sie konnte ihm einfach nichts vormachen. Zwar wusste er ihre Anspannung nicht zu deuten, doch er sp�rte sie.�Warum machst du dich so verr�ckt deswegen?�, hatte er gefragt.�Sie ist freiberufliche Fotografin, und solche Leute werden angeheuert, um f�r ihre Auftraggeber Fotos zu machen. Deswegen ist sie hier. �Er r�ckte zur�ck in seine H�lfte des Betts.�Ich glaube, wir brauchen eine Auszeit�, sagte er liebevoll.�Wir arbeiten schon viel zu lange viel zu viel. Du ackerst von morgens bis abends, damit die Restaurierungsarbeiten hier am Haus vorangehen, und ich rase jeden Tag zwischen dem Turm und Barrow hin und her. �Er l�chelte sie reum�tig an.�S�chtige sind egoistische Mistkerle, Allie. Und ich bin ein Musterbeispiel.�</p><p>Sie fragte:�Warum brauchst du das?�</p><p>�Eine Auszeit? Dich? Sex mit dir?�Er grinste.�Ich hoffe, die letzte Frage war �berfl�ssig ��</p><p>�Dein Vater�, sagte sie.�Warum musst du dich ihm beweisen?�</p><p>�Weil ich ihm jahrelang das Leben zur H�lle gemacht habe�, antwortete er �berrascht.�Und meiner Mutter ebenfalls.�</p><p>�Du kannst die Vergangenheit nicht neu schreiben, Nickie.�</p><p>�Aber ich kann etwas wiedergutmachen. Ich habe ihnen Jahre ihres Lebens geraubt, und die m�chte ich ihnen zur�ckgeben, wenn ich kann. W�rdest du das an meiner Stelle nicht auch versuchen?�</p><p>�Jeder�, sagte sie,�sollte sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten. Du tust jedoch etwas anderes. Du versuchst, den Vorstellungen von jemand anderem gerecht zu werden.�</p><p>Er blinzelte, und einen ganz kurzen Moment lang hatte er gekr�nkt gewirkt.�In dem Punkt werden wir uns wohl nicht einigen k�nnen�, sagte er.�Warte einfach ab, wie die Dinge sich entwickeln, wie sich alles �ndert f�r mich, f�r dich, f�r die Familie.�</p><p>�Deine Familie ��</p><p>�Nein, ich rede nicht von meiner Familie�, war er ihr ins Wort gefallen.�Ich rede von unserer Familie. Von deiner und meiner. Von der Familie, die wir beide gr�nden werden. Von da an wird alles besser werden, du wirst schon sehen.�</p><p>Am n�chsten Morgen hatte sie einen erneuten Anlauf gemacht, aber diesmal versuchte sie es �ber einen Umweg.�Geh heute nicht zur Arbeit�, sagte sie.�Bleib bei mir. Fahr nicht zum Turm.�</p><p>Seine Antwort� Was f�r ein verf�hrerischer Vorschlag �hatte ihr Hoffnung gemacht, doch dann hatte er hinzugef�gt:�Aber ich muss zur Arbeit, Allie. Ich habe mir schon einen Tag freigenommen.�</p><p>�Nickie, du bist der Sohn des Chefs! Wenn du dir keinen Tag freinehmen kannst ��</p><p>�Ich bin Flie�bandarbeiter in der Versandabteilung. Irgendwann werde ich vielleicht wieder der Sohn des Chefs sein. Aber noch bin ich das nicht.�</p><p>Und so waren sie wieder da, wo sie angefangen hatten. Alatea wusste, dass sie so nicht weiterkamen. Und jetzt musste sie sich dazu auch noch mit Query Productions auseinandersetzen, beziehungsweise mit der Tatsache, dass diese Gesellschaft gar nicht existierte. Das konnte nur eins bedeuten: Dass diese Fotografin nach Cumbria gekommen war, hatte nichts mit Nicholas� Projekt zu tun, und auch nichts mit seiner Absicht, sich mit seinen Eltern auszus�hnen und ein neues Leben zu beginnen. Was wiederum bedeutete, dass es nur eine Erkl�rung f�r die Anwesenheit der Frau gab. <emphasis>Was wollen Sie fotografiert haben?</emphasis> sagte alles.</p><p>Der Abstieg vom Arnside Knott kostete Alatea mehr Zeit als der Aufstieg. Die Ger�llfelder waren glitschig nach dem Regen. Sie lief Gefahr, auf den losen Gesteinsbrocken auszurutschen und den Abhang hinunterzufallen. Auch der von Herbstlaub �bers�te Boden unter den Kastanien weiter unten war gef�hrlich, zumal es schnell dunkel wurde. Und so war Vorsicht ihr einziger Gedanke auf dem Heimweg. Und derselbe Gedanke veranlasste sie, kaum zu Hause angekommen, nach dem Telefon zu greifen.</p><p>Seit sie diese Nummer zum ersten Mal gew�hlt hatte, trug sie sie immer bei sich. Es widerstrebte ihr zutiefst zu tun, was sie tun musste, aber sie sah keine andere M�glichkeit. Sie nahm die Visitenkarte aus ihrer Tasche, holte mehrmals tief Luft, gab die Ziffern ein und wartete auf das Freizeichen. Als auf der anderen Seite abgenommen wurde, stellte sie die einzige Frage, die f�r sie jetzt noch eine Rolle spielte.</p><p>�Ich m�chte nicht dr�ngen, aber � haben Sie �ber mein Angebot nachgedacht?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und?�</p><p>�Wir sollten uns treffen, um noch einmal dar�ber zu reden.�</p><p>�Und das bedeutet?�</p><p>�Bleibt es bei der Summe? War das ernst gemeint?�</p><p>�Ja, ja, nat�rlich war das ernst gemeint.�</p><p>�Ich denke, dann werde ich Ihren Auftrag ausf�hren k�nnen.�</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Lynley hatte die beiden in einem Restaurant namens Fresh Taste in der Church Street in Milnthorpe aufgesp�rt, wo sie� ein absolut langweiliges Curry �gegessen hatten, wie Deborah sich ausdr�ckte. St. James f�gte hinzu:�Wir hatten die Wahl zwischen dem hier, einem China-Imbiss oder Pizza. Ich war f�r Pizza, wurde aber �berstimmt.�</p><p>Nach dem Essen hatten sie sich einen Limoncello bestellt, der ihnen in sehr gro�en Gl�sern serviert wurde, was mindestens ebenso verwunderlich war wie die Tatsache, dass ein indisches Lokal diesen italienischen Lik�r �berhaupt ausschenkte.�Nach neun Uhr abends findet es Simon ganz lustig, wenn ich ein bisschen beschwipst bin�, war Deborahs Kommentar zur Gr��e der Gl�ser.�Dann werde ich n�mlich zu Wachs in seinen geschickten H�nden. Allerdings bezweifle ich, dass er sich schon �berlegt hat, wie er mich ins Hotel schaffen soll, wenn ich mein Glas austrinke.�</p><p>�Ganz einfach: in einem Einkaufskorb�, sagte St. James. Er zeigte auf einen Tisch, an dem niemand sa�, und Lynley holte sich dort einen Stuhl.</p><p>�Und?�, fragte St. James.</p><p>Lynley wusste, dass sein Freund nicht wissen wollte, ob er ihm etwas zu trinken oder zu essen bestellen sollte.�Ich fange an, Motive zu entdecken. Und zwar unter fast jedem Stein, den ich umdrehe. �Er z�hlte sie an den Fingern ab: eine Versicherungspolice mit Niamh Cresswell als Beg�nstigter, ein Testament, das Kaveh Mehran zum Erben von Haus und Grundst�ck bestimmte, die m�gliche Einstellung der Unterhaltszahlungen an Mignon Fairclough, die Aussicht auf den h�chsten Posten in der Firma Fairclough Industries f�r Manette oder Freddie McGhie oder wom�glich auch f�r Nicholas Fairclough, und nicht zuletzt Niamh Cresswells Rachegel�ste.�Au�erdem stimmt irgendetwas nicht mit Cresswells Sohn Tim. Er ist externer Sch�ler an einem Internat namens Margaret Fox School, einer Sonderschule f�r Jugendliche mit schweren Problemen. So viel habe ich durch einen Anruf in Erfahrung gebracht, aber mehr wollte mir niemand �ber den Jungen sagen.�</p><p>�<emphasis>Mit schweren Problemen</emphasis> kann ja alles M�gliche hei�en�, meinte St. James.</p><p>�Richtig. �Lynley berichtete den beiden, dass Niamh Cresswell ihre Kinder kurzerhand dem Vater �berlassen habe und sie jetzt bei dessen Lebensgef�hrten lebten.�Die Schwester, Manette McGhie, war heute Nachmittag bei Fairclough und hat sich f�rchterlich aufgeregt deswegen.�</p><p>�Absolut verst�ndlich�, sagte Deborah.�Das ist ja auch wirklich schrecklich.�</p><p>�Ja, das stimmt. Die Einzigen, die bisher kein Motiv zu haben scheinen, sind Fairclough selbst und seine Frau. Allerdings�, f�gte Lynley nachdenklich hinzu,�habe ich den Eindruck, dass Fairclough mir etwas verheimlicht. Deswegen habe ich Barbara gebeten, sich ein bisschen umzuh�ren, was er in London so treibt.�</p><p>�Aber warum sollte er dich bitten, die Sache zu untersuchen, wenn er etwas zu verbergen h�tte?�, gab Deborah zu bedenken.</p><p>�Tja, das ist die Frage, nicht wahr?�, sagte Lynley.�Warum sollte jemand, der mit einem Mord davongekommen ist, die Polizei bitten, den Fall noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen?�</p><p>�Apropos ��Er habe mit dem Coroner gesprochen, berichtete St. James. Offenbar sei bei der Obduktion kein Test ausgelassen worden. Er habe die Berichte gelesen und sich die R�ntgenaufnahmen angesehen, auf denen klar zu sehen war, dass Ian Cresswell eine Sch�delfraktur erlitten hatte. Wie Lynley wisse, gebe eine Sch�delfraktur in der Regel keine Auskunft �ber den Gegenstand, mit dem sie herbeigef�hrt wurde. Entweder platze der Sch�del wie eine Eierschale, oder es stelle sich ein quer verlaufender halbkreisf�rmiger Bruch an der Oberfl�che ein. In jedem Fall aber m�sse man alle Gegenst�nde untersuchen, die die Sch�delfraktur verursacht haben k�nnten.</p><p>�Und?�, fragte Lynley.</p><p>Und die entsprechende Untersuchung sei erfolgt, antwortete St. James. Neben den beiden herausgebrochenen Steinen am Anleger habe man Blut nachgewiesen. Und das stamme laut DNS-Analyse von Ian Cresswell. Au�erdem habe man Haare, Hautpartikel und Fasern gefunden � laut Laborbericht ebenfalls von Ian Cresswell.</p><p>�Ich habe mit den M�nnern gesprochen, die die ersten Ermittlungen f�r den Coroner durchgef�hrt haben�, fuhr St. James fort.�Der eine war ein ehemaliger Polizist aus Barrow-in-Furness und der andere ein Rettungssanit�ter, der sich nebenher mit diesem Job ein Zubrot verdient. Sie hatten beide den Eindruck, dass es sich nicht um Mord, sondern um einen Unfall handelte, haben aber sicherheitshalber alle Alibis �berpr�ft.�</p><p>St. James nahm einen Notizblock aus seiner Brusttasche und z�hlte die Alibis wie zuvor Lynley an den Fingern ab: Kaveh Mehran war zu Hause gewesen, was Cresswells Kinder h�tten best�tigen k�nnen, aber man hatte sie nicht befragt, um sie nicht noch mehr zu traumatisieren; Valerie Fairclough war zu Hause gewesen � sie war gegen siebzehn Uhr vom Angeln zur�ckgekommen und hatte das Haus erst am n�chsten Morgen wieder verlassen, um mit den G�rtnern zu sprechen, die im Formschnittgarten arbeiteten; Mignon Fairclough war ebenfalls zu Hause gewesen und hatte E-Mails abgerufen und verschickt, was jedoch kein hieb-und stichfestes Alibi war, da jeder, der Zugang zu ihrem Computer habe und ihr Passwort kenne, das f�r sie habe tun k�nnen; Niamh Cresswell hatte im Auto gesessen � sie hatte die Kinder zu Ian gebracht und war dann nach Grange-over-Sands zur�ckgefahren, wof�r es jedoch keine Zeugen gab.</p><p>�Was bedeutet, dass sowohl Niamh als auch Mignon f�r einen bestimmten Zeitraum kein Alibi haben�, unterbrach ihn Lynley.</p><p>�So ist es. �St. James fuhr fort: Manette und Freddie McGhie waren beide den ganzen Abend zu Hause gewesen; Nicholas und seine Frau Alatea waren ebenfalls zu Hause gewesen; Lord Fairclough war in London gewesen, beim Abendessen mit einem Vorstandsmitglied seiner Stiftung, einer Frau namens Vivienne Tully, die Faircloughs Angaben best�tigt hatte.�Unser Hauptproblem ist also nach wie vor�, schloss er,�die Art und Weise, wie der Mann ums Leben gekommen ist.�</p><p>�Richtig�, stimmte Lynley ihm zu.�Wenn jemand die Steine manipuliert hat, kann das zu jedwedem Zeitpunkt erfolgt sein. Wir sind also wieder bei der Frage, wer Zugang zum Bootshaus hat, was bedeutet, dass fast alle in Frage kommen.�</p><p>�Wir m�ssen uns den Anleger noch einmal genauer ansehen und die Steine aus dem Wasser holen. Oder wir akzeptieren, dass es ein Unfall war, und legen den Fall zu den Akten. Falls Fairclough Gewissheit haben will, schlage ich Ersteres vor.�</p><p>�Das will er.�</p><p>�Das hei�t also, wir m�ssen mit starken Scheinwerfern ins Bootshaus, und wir brauchen jemanden, der die Steine f�r uns aus dem See holt.�</p><p>�Wenn es mir nicht gelingt, Fairclough dazu zu �berreden, eine Ermittlung offiziell zu beantragen, werden wir das wohl selbst �bernehmen m�ssen�, sagte Lynley.</p><p>�Hast du eine Ahnung, warum er sich nicht in die Karten kucken l�sst?�</p><p>Lynley sch�ttelte den Kopf.�Es hat mit seinem Sohn zu tun, aber ich wei� nicht was � abgesehen vom Naheliegenden nat�rlich.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Na ja, ich kann mir nicht vorstellen, dass er seinen einzigen Sohn wissen lassen m�chte, dass er ihn des Mordes verd�chtigt. Schlie�lich hat der junge Mann ein neues Leben angefangen. Und anscheinend wurde er zu Hause mit offenen Armen empfangen.�</p><p>�Und er hat ein Alibi, wie du sagst.�</p><p>�Er war mit seiner Frau zusammen�, sagte Lynley.</p><p>Deborah hatte bisher nur zugeh�rt, aber als das Gespr�ch auf Nicholas Fairclough zur�ckkam, hatte sie einen Stapel Papiere aus ihrer Tasche genommen.�Barbara hat mir die Seiten aus der Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> zugefaxt, Tommy�, sagte sie.�Sie hat die Zeitschrift per Eilpost aufgegeben, aber bis sie hier eintrifft ��Deborah reichte ihm die Seiten.</p><p>�Steht da was Relevantes drin?�Lynley sah, dass es sich vor allem um Anzeigen handelte, sowohl private als auch gesch�ftliche.</p><p>�Es passt zu Nicholas� Aussage, dass sie sich ein Kind w�nschen�, sagte sie.</p><p>Lynley warf St. James einen kurzen Blick zu. Er wusste, dass sein Freund dasselbe dachte wie er: Wie objektiv konnte Deborah sein, wenn sie und Nicholas� Frau dasselbe Problem hatten?</p><p>Deborah war der kurze Blickkontakt zwischen den beiden nicht entgangen.�Also wirklich�, sagte sie.�Habt ihr nicht gelernt, dass man in Gegenwart eines Verd�chtigen keine Miene verzieht?�</p><p>Lynley l�chelte.�Sorry. Macht der Gewohnheit. Bitte fahr fort.�</p><p>Sie schnaubte ver�chtlich, kam seiner Bitte aber nach.�Seht euch das an und bedenkt dabei, dass Alatea � oder jemand anders � diese Seiten aus der Zeitschrift herausgerissen hat.�</p><p>�Falls es jemand anders war, k�nnte das eine wichtige Rolle spielen�, bemerkte St. James.</p><p>�Ich halte es aber f�r ziemlich unwahrscheinlich. Seht mal. Hier wird f�r so ziemlich alles geworben, was mit dem Thema Fortpflanzung zu tun hat. Es gibt Anzeigen von Anw�lten, die sich auf Adoptionen spezialisiert haben, Werbeanzeigen von Samenbanken, Anzeigen von lesbischen Paaren, die nach einem Samenspender suchen, von Adoptionsagenturen, von Anw�lten die sich auf Leihmutterschaft spezialisiert haben. Anzeigen, in denen Studentinnen gesucht werden, die bereit sind, Eier zu spenden, und nach Studenten, die bereit sind, gegen ein Entgelt regelm��ig Samen zu spenden. Dank der modernen Wissenschaft hat sich das zu einem richtigen Industriezweig entwickelt.�</p><p>Deborah hatte immer leidenschaftlicher gesprochen, und Lynley fragte sich, was das zu bedeuten hatte, vor allem in Bezug auf Nicholas Fairclough und dessen Frau. Er sagte:�Seine Frau zu besch�tzen ist f�r einen Mann sehr wichtig, Deb. Gut m�glich, dass Fairclough die Zeitschrift gesehen und diese Seiten herausgerissen hat, um Alatea zu ersparen, dass sie sie sieht.�</p><p>�Vielleicht�, sagte sie.�Aber das bedeutet nicht, dass Alatea nichts von den Seiten wei�.�</p><p>�Einverstanden. Und was soll das mit Ian Cresswells Tod zu tun haben?�</p><p>�Das wei� ich noch nicht. Aber wenn du jede M�glichkeit �berpr�fen willst, dann musst du auch diese hier in Betracht ziehen.�</p><p>Wieder schaute Lynley St. James an.�Sie hat recht�, sagte St. James.</p><p>Deborah wirkte �berrascht. Die Tatsache, dass ihr Mann st�ndig und zu ihrem gro�en Verdruss versuchte, sie vor Schmerz zu bewahren, war ein alter Streitpunkt zwischen ihnen, was darauf zur�ckzuf�hren war, dass er sie erstens seit ihrem siebten Lebensjahr kannte und dass er zweitens elf Jahre �lter war als sie. Sie sagte:�Ich glaube, ich muss noch mal mit Alatea reden, Tommy. Ich k�nnte mich mit ihr anfreunden. Das w�re doch ziemlich einfach, wenn sie dasselbe Problem hat wie ich. Nur eine Frau kann sich vorstellen, wie das ist, glaub mir.�</p><p>Diesmal vermied es Lynley, seinen Freund anzusehen. Er wusste, wie Deborah reagieren w�rde, wenn es den Anschein hatte, als w�rde er ihren Mann um Erlaubnis fragen, wie ein Gentleman aus einem viktorianischen Roman.�Du hast recht�, sagte er.�Sprich noch einmal mit ihr. Mal sehen, was du sonst noch �ber sie in Erfahrung bringen kannst. �Er f�gte nicht hinzu, sie solle auf sich aufpassen. Das w�rde St. James �bernehmen.</p></section><section><title><p>6.�November</p></title><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Zu Zed Benjamins freudiger �berraschung entpuppte sich Yaffa Shaw als echtes Juwel. Es war nicht nur unterhaltsam, mit ihr zu telefonieren, sie leistete ihm auch unsch�tzbar wertvolle Unterst�tzung bei seinen Bem�hungen. Er wusste nicht, wie, aber sie hatte es tats�chlich geschafft, einen Blick in Ian Cresswells Testament zu werfen. Sie hatte am Tag zuvor ihre Vorlesungen geschw�nzt und war stattdessen nach York gefahren, zum Nachlassgericht gegangen und hatte dort einen Angestellten derart bezirzt, dass er ihr einen kurzen Blick auf das Testament gestattet hatte, und mehr hatte sie nicht gebraucht. Die Kleine hatte offenbar ein fotografisches Ged�chtnis. Sie hatte ihm am Telefon alle Hinterlassenschaften aufgez�hlt und ihm damit eine Fahrt nach York und stundenlanges Warten erspart. Sie war einfach gro�artig.</p><p>Er sagte:�Ich bete dich an.�</p><p>Sie antwortete:�Huch, ich werd ja ganz rot�, und zu seiner Mutter, die nat�rlich mal wieder neben ihr stand, sagte sie:�Ihr Sohn bringt mich tats�chlich zum Err�ten, Mrs. B. �Dann machte sie ein paar K�sschenger�usche ins Telefon.</p><p>Vor lauter Begeisterung �ber ihre Entdeckung verga� sich Zed und tat es ihr nach. Dann riss er sich zusammen. Und erinnerte sich an Micah, der in Tel Aviv auf Yaffa wartete. War das Leben nicht voller Ironie? dachte er.</p><p>Nach einem angemessenen Austausch von Liebesbeteuerungen beendeten sie das Gespr�ch, und Zed dachte �ber die neuen Informationen nach. Entgegen Rodney Aronsons Anweisungen, nach dem Detective von Scotland Yard Ausschau zu halten, entschloss er sich zu einem Angriff auf die Flanke der gegnerischen Armee. Aber er w�rde sich nicht mit George Cowley dar�ber unterhalten, was der �ber das Haus wusste, sondern er w�rde sich dessen Sohn vorkn�pfen.</p><p>Und so fuhr er schon am fr�hen Morgen nach Bryanbarrow Village. Da der Pub, von dessen Fenstern aus man die Bryan Beck Farm so gut im Blick hatte, noch nicht ge�ffnet war, parkte Zed am Rand des Dorfrasens und wartete im Auto.</p><p>Nat�rlich regnete es. Bei dem Wetter hier oben war es ein Wunder, dass der Lake District kein Sumpfgebiet war. Endlich tauchte der Junge auf. Zed vermutete, dass er in Windermere zur Schule ging, und das bedeutete entweder, dass sein Vater ihn hinbrachte, oder dass er mit dem Schulbus fuhr. Das spielte aber keine Rolle, denn Zed hatte in jedem Fall die Absicht, mit ihm zu reden. Er w�rde ihn entweder auf dem Weg ins Schulgeb�ude abfangen oder auf dem Weg zur Schulbushaltestelle, die sich garantiert nicht in diesem gottverlassenen Nest hier befand.</p><p>Daniel stapfte �ber den Rasen und bog auf die Stra�e, die aus dem Dorf hinausf�hrte, den Kopf gesenkt und die Schuhe und Hosenbeine bereits voll Matsch. Also der Schulbus. Zed gab ihm zehn Minuten Vorsprung, denn er nahm an, dass der Junge zur Landstra�e unterwegs war, die durch das Lyth Valley f�hrte. Ein ziemlich weiter Fu�marsch.</p><p>Als er neben Daniel hielt, war der schon bis auf die Haut durchn�sst, denn wie die meisten Jungs in seinem Alter w�rde er eher tot umfallen, als sich irgendwo mit einem Schirm blicken zu lassen. Das w�re sozialer Selbstmord. Als jemand, der w�hrend der eigenen Schulzeit t�glich einen Spie�rutenlauf absolviert hatte, konnte Zed den Jungen voll und ganz verstehen.</p><p>Er kurbelte sein Fenster herunter.�Kann ich dich irgendwohin mitnehmen?�</p><p>Daniel schaute ihn an. Zog die Brauen zusammen. Sah sich nach rechts und links um, w�hrend der Regen auf ihn niederprasselte. Schlie�lich sagte er:�Ich erinnere mich an Sie. Sind Sie ein Perverser oder was? Denn wenn Sie mich anr�hren ��</p><p>�Entspann dich�, sagte Zed.�Heute ist dein Gl�ckstag, heute steh ich auf M�dchen. Morgen w�r�s vielleicht schon wieder gef�hrlich. Komm, steig ein.�</p><p>Daniel verdrehte die Augen �ber Zeds bl�den Witz, �ffnete jedoch die T�r und lie� sich tropfnass, wie er war, auf den Beifahrersitz fallen.�Sorry�, sagte er, als er sah, dass er das ganze Auto nass machte.</p><p>�Kein Problem.�</p><p>Zed fuhr langsam, denn er war entschlossen, alles aus dem Jungen herauszubekommen, was der wusste. Um seine Fahrweise zu rechtfertigen, stierte er auf die Stra�e und mimte den dummen St�dter, der permanent Angst hatte, mit einem Schaf oder einem Kobold zu kollidieren.</p><p>Daniel fragte:�Was machen Sie �berhaupt hier oben?�</p><p>Zed hatte bereits einen Aufh�nger, den Daniel ihm selbst unbeabsichtigterweise geliefert hatte:�Du scheinst dich um das Lokalkolorit zu sorgen.�</p><p>�H�?�Der Junge sah ihn verst�ndnislos an.</p><p>�Angst vor Perversen.�</p><p>�Ist doch klar�, antwortete Daniel achselzuckend.�Von denen wimmelt�s hier oben.�</p><p>�Na ja, hier gibt�s doch eigentlich genug Schafe�, sagte Zed mit einem Augenzwinkern.�Aber vor einem Perversen ist wohl niemand gefeit.�</p><p>Der Junge bedachte ihn mit einem dieser f�r Jugendliche typischen Blicken, die <emphasis>Du bist ein Vollidiot</emphasis> viel eloquenter sagten, als Worte das k�nnten.</p><p>Zed sagte:�Sollte ein Witz sein. Ist noch zu fr�h am Morgen. Wo willst du denn hin?�</p><p>�Zur Landstra�e. Da h�lt der Schulbus.�</p><p>�Und wo gehst du zur Schule?�</p><p>�In Windermere.�</p><p>�Ich kann dich hinbringen, wenn du willst. Ich fahre sowieso in die Richtung.�</p><p>Der Junge sah ihn argw�hnisch an. Vielleicht war er ja doch an einen Perversen geraten.�Was wollen Sie �berhaupt?�, fragte er.�Sie haben mir gar nicht gesagt, warum Sie schon wieder hier sind. Was soll das?�</p><p>Ein neunmalkluges B�rschchen, dachte Zed.�Verdammt, entspann dich�, sagte er.�Ich lass dich raus, wo du willst. M�chtest du jetzt gleich aussteigen?�</p><p>Daniel betrachtete den str�menden Regen.�Aber lassen Sie blo� die Finger von mir�, sagte er.�Ich verpass Ihnen sonst eine in den Adamsapfel, und denken Sie ja nicht, dass ich mich nicht trau. Ich wei�, wie das geht. Mein Vater hat�s mir beigebracht, und es funktioniert, glauben Sie mir. Besser als ein Tritt in die Eier. Viel besser.�</p><p>�Toller Trick�, sagte Zed. Er musste das Gespr�ch auf das von ihm gew�nschte Thema bringen, bevor sie die Landstra�e erreichten und bevor der Junge ausflippte.�Dein Vater scheint sich Sorgen um dich zu machen�, sagte er.</p><p>�Allerdings. Bei uns nebenan wohnen schlie�lich zwei Perverse. Die tun so, als w�rden sie blo� zusammenwohnen, aber wir wissen genau, was da abl�uft. Mein Dad sagt, bei solchen Typen kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Und jetzt ist es noch schlimmer.�</p><p>�Wieso schlimmer?�Hallelujah, dachte Zed.</p><p>�Weil einer von den beiden tot ist, und jetzt sucht der andere sich bestimmt jemand Neues.�</p><p>Die Information stammte offenbar von jemandem, der sich auskannte, dachte Zed.�Verstehe�, sagte er.�K�nnte aber auch sein, dass der andere wegzieht, oder?�</p><p>�Darauf wartet mein Dad ja auch�, sagte Daniel.�Er will das Haus n�mlich kaufen.�</p><p>�Was, das ganze Anwesen mit Schafen und allem Drum und Dran?�</p><p>�Ganz genau�, sagte Daniel. Er schob sich eine nasse Str�hne aus der Stirn und begann zu plaudern. Jetzt wo nicht l�nger die Rede von den Perversen war, wie er sie nannte, war er sichtlich entspannter, denn er drehte die Heizung auf tropische Temperaturen hoch und kramte eine Banane aus seinem Rucksack, die er sich einverleibte. Er erz�hlte Zed, dass sein Vater das Haus haupts�chlich kaufen wolle, um es ihm, Daniel, sp�ter zu vererben. Was total bescheuert war, fand Daniel, denn er wolle eher tot umfallen, als Schafz�chter werden. Er werde bei der erstbesten Gelegenheit aus dem Lake District abhauen und zur Royal Airforce gehen. Die machten hier oben �bungsfl�ge, ob Zed das schon bemerkt habe? Geile Flugzeuge, die im Tiefflug durch das Tal donnerten, ganz pl�tzlich kamen die angerast, wenn man irgendwo langlief, und das war echt voll cool.</p><p>�Das hab ich meinem Dad schon tausendmal erkl�rt�, sagte Daniel.�Aber er meint, er k�nnte mich zu Hause behalten, wenn er diesen bescheuerten alten Kasten kauft.�</p><p>Er m�ge seinen Dad wirklich sehr, sagte Daniel, doch so leben wie er wolle er nicht. Seine eigene Mutter sei davongelaufen, weil sie es hier in dem Kaff nicht ausgehalten habe. Trotzdem wolle sein Vater es immer noch nicht kapieren.</p><p>�Ich sag ihm immer, er soll das machen, was er gut kann. Ich find, das gilt f�r jeden.�</p><p>Da musste er dem Jungen recht geben, dachte Zed.�Und was ist das?�, fragte er.</p><p>Daniel z�gerte. Zed schaute ihn kurz an. Der Junge wirkte ziemlich verlegen. Das k�nnte der entscheidende Augenblick sein, dachte Zed. Der Junge w�rde gleich gestehen, dass George Cowley gut darin war, Typen, die in einem Haus wohnten, das er kaufen wollte, um die Ecke zu bringen. Zed w�rde die Story seines Lebens bekommen.</p><p>�Puppenstubenm�bel�, murmelte Daniel.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Er baut M�bel f�r Puppenh�user. Wissen Sie nicht, was das ist?�</p><p>Verfluchter Mist, dachte Zed.</p><p>�Und er ist verdammt gut�, fuhr Daniel fort.�Klingt bescheuert, ich wei�, aber das macht er nun mal. Er verkauft das Zeug �bers Internet. Ich sag ihm immer, er soll sich voll darauf konzentrieren, anstatt bei den bl�den Schafen im Dreck rumzustapfen. Er sagt, es ist ein Hobby, und ich soll endlich lernen, was der Unterschied ist zwischen einem Hobby und einer Arbeit, mit der man seinen Lebensunterhalt verdient. �Daniel sch�ttelte den Kopf.�Er hat sich nun mal auf das beknackte Haus versteift.�</p><p>Ach? dachte Zed. Und was w�rde Cowley tun, wenn er erfuhr, dass Ian Cresswell das Haus Kaveh Mehran vererbt hatte?</p><p>Daniel zeigte auf eine riesige Eiche hinter einer Steinmauer. Dort k�nne Zed ihn aussteigen lassen, sagte er. Und danke f�rs Mitnehmen.</p><p>Zed hielt an, und Daniel stieg aus. Im selben Augenblick klingelte Zeds Handy. Ein Blick aufs Display sagte ihm, dass der Anruf aus London kam. Von Rodney Aronson. So fr�h am Tag war Rodney doch normalerweise noch gar nicht im B�ro, das lie� also nichts Gutes ahnen. Zum Gl�ck konnte Zed nach seinem Gespr�ch mit Daniel Cowley endlich Fortschritte vermelden.</p><p>�Seien Sie auf der Hut�, sagte Rodney ohne Vorrede.</p><p>�Wieso? Was ist passiert?�</p><p>�Scotland Yard wei�, dass Sie sich da oben rumtreiben. Also ziehen Sie den Kopf ein. Und behalten Sie Nick Fairclough im Auge. In dessen N�he werden Sie n�mlich auch denjenigen finden, der da raufgeschickt wurde, um Ian Cresswells Tod zu untersuchen.�</p><subtitle>BARROW-IN-FURNESS � CUMBRIA</subtitle><p>Manette wollte sich nicht mit der Tatsache auseinandersetzen, dass ihr Exmann in der vergangenen Nacht nicht nach Hause gekommen war. Noch weniger aber damit, welche Gef�hle das bei ihr ausl�ste. Aber es fiel ihr schwer, das durchzuhalten.</p><p>Sie hatten im Lauf der Jahre lang und breit �ber ihre gescheiterte Ehe diskutiert, �ber alles, was mit ihnen passiert war, was h�tte passieren k�nnen und was zweifellos passieren w�rde, wenn sie nichts �nderten. Am Ende waren sie zu dem Schluss gekommen, dass ihnen die Romantik abhandengekommen war, dass sie sich zu sehr auf die Arbeit konzentriert hatten und dass ihr Leben keine �berraschungen mehr bereitgehalten hatte. Sie waren zu Eheleuten geworden, die ihren Terminkalender konsultieren mussten, um sich zum Geschlechtsverkehr zu verabreden, in dessen Verlauf sie einander jahrelang Gef�hle vorgespielt hatten, die sie l�ngst nicht mehr f�reinander empfanden. Nach zahllosen, endlosen Gespr�chen waren sie sich einig gewesen, dass Freundschaft auf lange Sicht sowieso wichtiger war als Leidenschaft, und hatten sich entschlossen, als Freunde zusammenwohnen zu bleiben, denn letztlich waren sie immer noch gern zusammen, und welches Paar konnte das nach �ber zwanzig Jahren noch von sich behaupten?</p><p>Aber jetzt war Freddie �ber Nacht ausgeblieben. Und wenn er zu Hause war, pfiff er neuerdings vor sich hin, bevor er morgens zur Arbeit ging. Schlimmer noch, er hatte sich angew�hnt, unter der Dusche zu <emphasis>singen</emphasis> � und zwar immer dasselbe verdammte Lied, und das trieb Manette die W�nde hoch. Es war dieses Lied aus <emphasis>Die Elenden</emphasis>, mit dem die Bev�lkerung zu den Waffen gerufen wurde, und Manette sagte sich, wenn sie die Zeile� Das Blut der M�rtyrer wird Frankreichs Erde tr�nken!�noch ein einziges Mal h�ren musste, w�rde sie den Badezimmerboden mit Freddies Blut tr�nken.</p><p>Oder vielleicht auch nicht. Sie w�re nie in der Lage, Freddie auch nur ein einziges Haar zu kr�mmen.</p><p>Sie fuhr zur Arbeit und ging zu ihm ins B�ro. Er hatte sein Jackett abgelegt und sa� in seinem frischgeb�gelten wei�en Hemd und der roten Krawatte �ber einen Riesenberg Computerausdrucke gebeugt. Er arbeitete sich in die B�cher ein, um vorbereitet zu sein, falls ihr Vater ihm Ians Job anbot. Was er tun w�rde, wenn er vern�nftig war.</p><p>Sie blieb im T�rrahmen stehen.�Und? Wie war�s im Scorpio?�</p><p>Freddie blickte auf. An seinem Gesichtsausdruck erkannte sie, dass er keine Ahnung hatte, wovon sie redete.</p><p>�Der Nachtclub�, sagte sie.�Wo du mit deiner neuesten Flamme verabredet warst.�</p><p>�Ah!�, sagte er.�Das <emphasis>Scorpio</emphasis>!�Er legte den Computerausdruck weg, den er gerade studiert hatte.�Wir sind gar nicht reingegangen. Wir haben uns vor der T�r getroffen.�</p><p>�Gro�er Gott, Freddie. Ihr seid schnurstracks ins Bett gegangen? Du bist ja ein ganz Schlimmer!�</p><p>Er err�tete. Manette fragte sich, ab wann ihr nicht mehr aufgefallen war, wie schnell Freddie rot anlief. Dann lachte er.�Nein, nein. Aber die Leute, die da reingingen, waren alle h�chstens neunzehn und angezogen, als w�ren sie der Rocky Horror Picture Show entsprungen. Wir sind stattdessen zu einem Italiener gegangen. Ich hatte Rigatoni <emphasis>puttanesca</emphasis>. Besonders gut war�s nicht. Bisschen viel Putta und daf�r zu wenig Nesca. �Er grinste �ber den albernen Witz, und r�hrend ehrlich, wie er war, f�gte er hinzu:�Das war nicht von mir. Das kam von Sarah.�</p><p>�Ah, sie hei�t also Sarah?�Wenigstens ein richtiger Name und keine modische Abk�rzung, dachte Manette.�Und?�, fragte sie, obwohl sie es eigentlich gar nicht so genau wissen wollte.�Gibt�s grausige Details? Da sich in meinem Leben nichts ereignet, wie du wei�t, freue ich mich immer �ber erheiternde Erlebnisberichte. �Sie betrat das Zimmer und setzte sich provokativ in den Stuhl vor seinem Schreibtisch.</p><p>Er err�tete erneut. Diesmal noch tiefer.�Sei nicht so neugierig�, sagte er.</p><p>�Aber ihr habt�s getan, oder?�</p><p>�Getan? Was soll das denn hei�en?�</p><p>Sie legte den Kopf schief und sah ihn bedeutungsvoll an.�Freddie ��</p><p>�Also gut, ja. Ich meine, ich hab dir doch erkl�rt, wie das heutzutage l�uft. Wenn Leute sich zu einem Date treffen. Also ja, wir haben�s <emphasis>getan</emphasis>.�</p><p>�Mehr als einmal?�Sie �rgerte sich �ber sich selbst, doch pl�tzlich musste sie es einfach wissen. Und der Grund, warum sie es wissen musste, war, dass sie und Freddie in all den Jahren, in denen sie zusammen gewesen waren � selbst ganz am Anfang, als sie zwanzig Jahre alt und ein halbes Jahr lang vollkommen verr�ckt aufeinander gewesen waren �, nie h�ufiger als einmal innerhalb von vierundzwanzig Stunden �bereinander hergefallen waren.</p><p>Freddie war ganz der schockierte Gentleman.�Mein Gott, Manette�, sagte er.�Es gibt Dinge ��</p><p>�Also ja. Mehr als einmal. �fter als mit Holly? Sch�tzt du dich �berhaupt, Freddie?�</p><p>�Ich w�rde das Thema jetzt gern beenden�, sagte Freddie.</p><p>�Und was ist heute Abend? Triffst du dich heute Abend wieder mit einer anderen?�</p><p>�Nein, heute Abend treffe ich mich wieder mit Sarah.�</p><p>Manette schlug die Beine �bereinander. Sie w�nschte, sie h�tte eine Zigarette. Sie hatte geraucht, als sie jung war, und hatte seit Jahren nicht mehr an Zigaretten gedacht, aber pl�tzlich h�tte sie gern etwas gehabt, um ihre H�nde zu besch�ftigen. Sie nahm den Beh�lter mit den B�roklammern vom Schreibtisch und begann, damit zu spielen.�Ich finde das interessant�, sagte sie.�Da ihr es schon getan, sozusagen hinter euch gebracht habt, was steht als N�chstes an? Familienfotos? Oder diskutiert ihr �ber Erbkrankheiten und dar�ber, wer wessen Namen annimmt?�</p><p>Er sah sie seltsam an. Wahrscheinlich dachte er �ber ihre Bemerkung nach und legte sich eine Antwort zurecht. Aber ehe er aussprechen konnte, was er garantiert sagen w�rde ��Warum regst du dich eigentlich auf? Wir sind schon seit Ewigkeiten geschieden, wir waren uns einig, dass wir als Freunde zusammenleben wollten, und obendrein habe ich nie ein Keuschheitsgel�bnis abgelegt��, kam sie ihm zuvor:�Also, kommst du denn heute Abend nach Hause, oder �bernachtest du wieder bei Sarah?�</p><p>Er zuckte die Achseln.�Das wei� ich noch nicht�, sagte er.</p><p>�Nat�rlich. Wie auch? Tut mir leid. Ich hoffe, du bringst sie mal mit. Ich w�rde sie gern kennenlernen. Sag mir einfach vorher Bescheid, damit ich nicht mit nacktem Hintern am Fr�hst�ckstisch erscheine.�</p><p>�Klar. Kein Problem. Das neulich war eine ziemlich spontane Geschichte gewesen. Das mit Holly, meine ich. Da wusste ich noch nicht, wie diese Dinge heutzutage ablaufen. Aber jetzt, wo ich � na ja � man arrangiert sich. Und irgendwann muss man sich halt erkl�ren ��</p><p>Diesmal war Manette verdattert. Es passte nicht zu Freddie, so herumzustottern.�Was ist los?�, fragte sie.�Gott, Freddie, du hast doch nicht etwa irgendwas � irgendwas Verr�cktes angestellt, oder?�Sie wusste selbst nicht, was sie sich darunter vorstellte, aber Verr�cktheiten passten einfach nicht zu Freddie. Er war geradlinig, offen und ehrlich.</p><p>�Nein, nein�, erwiderte er.�Es ist nur so � ich hab ihr noch nicht � Also, ich hab ihr nichts von dir erz�hlt.�</p><p>�Wie bitte? Du hast ihr nicht gesagt, dass du geschieden bist?�</p><p>�Doch, das wei� sie nat�rlich. Aber ich hab ihr nicht gesagt, dass wir � na ja, dass wir immer noch unter einem Dach wohnen.�</p><p>�Holly wusste es doch. Sie schien kein Problem damit zu haben. Heutzutage wohnen viele Leute in WGs.�</p><p>�Ja, sicher. Aber Sarah � Bei ihr war es irgendwie anders. Ich wollte das Risiko einfach nicht eingehen. �Er nahm die Computerausdrucke und legte sie zu einem ordentlichen Stapel zusammen.�Ich bin schon lange aus der �bung, Manette, das wei�t du ja wohl. Bei den Frauen, die ich kennenlerne, lasse ich mich einfach von meinem Gef�hl leiten.�</p><p>�Davon bin ich �berzeugt�, entgegnete Manette schnippisch.</p><p>Eigentlich war sie zu ihm gegangen, um mit ihm �ber Tim und Gracie zu reden und �ber das Gespr�ch mit ihrem Vater. Doch jetzt schien es ihr auf einmal nicht mehr der rechte Moment. Und Freddie hatte ja eben gerade gesagt, dass man sich am besten auf sein Gef�hl verlassen sollte. Sie stand auf.</p><p>�Dann erwarte ich dich also heute Abend nicht�, sagte sie.�Pass auf dich auf, okay? Es w�rde mir leidtun, wenn � ich wei� nicht � wenn dir etwas passieren w�rde. �Ehe er etwas darauf erwidern konnte, verlie� sie das Zimmer und machte sich auf die Suche nach ihrem Bruder. Freddie f�hrte sein Leben und sie das ihre, sagte sie sich, und es wurde allm�hlich Zeit, dass sie es Freddie gleichtat und ein bisschen Farbe in ihr Leben brachte. Allerdings wusste sie noch nicht so recht, wie sie das anstellen sollte. Sich in die unbekannte Welt des Internet-Dating zu st�rzen, konnte sie sich jedenfalls nicht vorstellen. Mit einem wildfremden Mann ins Bett gehen, um festzustellen, ob man zusammenpasste? Sie sch�ttelte sich. Da konnte sie sich ja gleich einem Serienm�rder an den Hals werfen, dachte sie. Oder vielleicht hatte sie auch zu viele Krimis im Fernsehen gesehen.</p><p>Sie fand Nicholas in der Versandabteilung, in die er sich mittlerweile hochgearbeitet hatte. Vorher hatte er ein halbes Jahr lang Sp�lk�sten, Klosch�sseln und Waschbecken in ihrem t�nernen Rohzustand mit Glasur �berzogen und sie dann in den riesigen Brennofen geschoben. In der Halle mit dem Brennofen herrschten unertr�gliche Hitze und ohrenbet�ubender L�rm, aber Nicholas hatte die Etappe erfolgreich durchlaufen. Eigentlich hatte er sich in allen Abteilungen der Firma bew�hrt, in denen er in den vergangenen zwei Jahren gearbeitet hatte.</p><p>Manette wusste, dass er sich vorgenommen hatte, sich in der Firma von der Pike auf hochzuarbeiten. Sie konnte nicht umhin, ihn daf�r zu bewundern, auch wenn die Gr�nde f�r seine Entscheidung sie ein bisschen beunruhigten. Er nahm doch nicht etwa an, dass ein paar Jahre des Herumwerkelns bei Fairclough Industries mehr z�hlten als die Jahrzehnte, die sie und Freddie schon in der Firma arbeiteten? Er rechnete doch wohl nicht damit, zum Gesch�ftsf�hrer ernannt zu werden, wenn sein Vater eines Tages abtrat? Der Gedanke war einfach l�cherlich.</p><p>Nicholas war gerade dabei, eine Sendung Waschbecken zu �berpr�fen. Weil das gro�e Tor an der Rampe offen stand, war es kalt in der Halle. Und es war laut, da aus riesigen Lautsprechern Musik von Santana dr�hnte, als k�nnte das den Anwesenden einheizen.</p><p>Manette ging auf ihren Bruder zu. Er blickte auf und nickte zum Gru�. Sie musste gegen die Musik anbr�llen, um ihn zu fragen, ob sie kurz reden k�nnten.�Es dauert noch eine Weile, bis ich Pause habe�, antwortete er.</p><p>�Herrgott noch mal, Nick�, schrie sie ver�rgert.�Du wirst schon nicht gleich gefeuert, wenn du deine Arbeit mal f�nf Minuten lang unterbrichst.�</p><p>�Ich muss erst die Ladung hier abfertigen. Er wartet darauf. �Mit <emphasis>er</emphasis> war der Lastwagenfahrer gemeint, der herumstand und rauchte und nicht gerade den Eindruck machte, als h�tte er es furchtbar eilig loszufahren.</p><p>�Ich muss mit dir reden�, insistierte sie.�Es ist wichtig. Frag um Erlaubnis, wenn du es f�r n�tig h�ltst. Oder soll ich das f�r dich tun?�</p><p>Der Vorgesetzte ihres Bruders kam sowieso gerade an. Er schob sich den Hut in den Nacken, gr��te sie mit� Tag, Mrs. McGhie�, was ihr einen Stich versetzte, obwohl sie ja tats�chlich so hie�. Sie sagte:�Kann ich kurz mit Nicholas reden, Mr. Perkins? Es ist ziemlich wichtig. Eine Familienangelegenheit. �Letzteres f�gte sie hinzu, um den Mann daran zu erinnern � als w�re das n�tig �, wer Nicholas war.</p><p>Mr. Perkins warf einen Blick auf den Lastwagen, registrierte den unt�tigen Fahrer, sagte:�Okay, f�nf Minuten, Nick�, und verschwand.</p><p>Manette ging voraus hinter die Halle, wo es nicht so laut war. Das war offenbar die heimliche Raucherecke, erkennbar an den zahllosen Kippen, die den Boden �bers�ten. Sie w�rde mit Freddie dar�ber reden. Dann �berlegte sie es sich anders und nahm sich vor, sich selbst darum zu k�mmern.</p><p>�Es geht um Tim und Gracie�, sagte sie zu ihrem Bruder und beschrieb ihm die ganze Situation: Niamhs Absichten, Kavehs Verantwortlichkeiten, die Haltung ihres Vaters, Tims Schwierigkeiten, Gracies Bed�rfnisse.�Wir m�ssen unbedingt etwas unternehmen, Nick�, schloss sie.�Und zwar m�glichst bald. Ich m�chte nicht wissen, was Tim noch alles anstellt, wenn wir noch lange warten. Er ist vollkommen aus dem Lot.�</p><p>Ihr Bruder zog sich die Arbeitshandschuhe aus. Dann nahm er eine Tube Handcreme aus der Tasche und cremte sich die H�nde damit ein. Das tat er f�r Alatea, dachte Manette. Alatea war eine Frau, f�r die ein Mann darauf achtete, dass seine H�nde weich waren.�W�re es nicht eigentlich Niamhs Aufgabe, sich darum zu k�mmern, dass es ihren Kindern gutgeht?�</p><p>�Unter normalen Umst�nden ja, ist doch klar. Normalerweise sorgen M�tter f�r ihre Kinder. Aber Niamh benimmt sich nicht wie eine normale Mutter, und das tut sie nicht mehr, seit Ian sie verlassen hat, wie du sehr wohl wei�t. �Manette sah zu, wie ihr Bruder die Creme in seine Haut einmassierte.�Jemand muss eingreifen. Ob du�s glaubst oder nicht, sie hat allen Ernstes vor, die Kinder bei Kaveh Mehran zu lassen.�</p><p>�Der Mann ist doch in Ordnung. Ich mag ihn. Du etwa nicht?�</p><p>�Es geht nicht darum, ob ich ihn <emphasis>mag</emphasis>. Herrgott noch mal, Nick, er geh�rt noch nicht mal zur Familie. H�r zu, ich bin wirklich ein aufgeschlossener Mensch, und als Ian noch lebte und die Kinder bei ihm waren, hatte ich kein Problem damit. Da hab ich mir gesagt, besser, sie wohnen in einem Haushalt, wo es noch Liebe gibt, als bei Niamh, die von morgens bis abends Zeter und Mordio schreit. Aber es funktioniert nicht, und Tim ��</p><p>�Na ja, das dauert halt seine Zeit�, fiel Nick ihr ins Wort.�So lange ist Ian doch noch gar nicht tot, dass wir jetzt schon sagen k�nnten, was das Beste f�r die Kinder ist.�</p><p>�Da magst du ja recht haben, aber bis wir das wissen, sollten sie bei jemandem aus der Familie sein. Wenn nicht bei ihrer Mutter, dann eben bei einem von uns. Nick, ich wei�, dass ihr euch nicht gr�n wart, du und Ian. Er ist ziemlich hart mit dir umgesprungen, er hat dir nicht getraut, und er wollte sogar Dad ausreden, dass er dir traute. Aber einer von uns muss diesen Kindern Sicherheit geben, eine Familie und ��</p><p>�Das k�nnten doch Mum und Dad machen, oder? Die haben ja wei� Gott genug Platz in Ireleth Hall.�</p><p>�Ich habe mit Dad gesprochen, ohne dass es etwas gebracht h�tte. �Manette versp�rte immer st�rker das Bed�rfnis, ihrem Bruder ihren Willen aufzuzwingen. Eigentlich h�tte das ganz einfach sein m�ssen, denn Nicholas zu irgendetwas zu �berreden war schon immer ein Kinderspiel gewesen. Sie sagte:�H�r zu, ich wei�, was du dir vorgenommen hast, und ich bewundere dich daf�r. Das tut Dad auch. Das tun wir alle. Na ja, Mignon vielleicht nicht, aber das solltest du nicht pers�nlich nehmen, denn die interessiert sich sowieso nur f�r sich selbst.�</p><p>Er grinste. Er kannte Mignon genauso gut wie sie.</p><p>�Es w�re ein weiteres Plus auf deinem Weg zur Rehabilitation, Nick�, sagte sie.�Wenn du das t�test � wenn du die Kinder zu dir nimmst �, w�rde das deine Position st�rken. Es w�re ein Zeichen f�r deinen Einsatzwillen, f�r deine Bereitschaft, Verantwortung zu �bernehmen. Im �brigen wohnst du n�her an der Margaret Fox School als Kaveh, und du k�nntest Tim bequem auf dem Weg zur Arbeit zur Schule bringen.�</p><p>�Du wohnst doch noch viel n�her an der Margaret Fox School�, sagte er.�Wieso nimmst du die Kinder also nicht zu dir?�</p><p>�Nick ��Manette blieb nichts anderes �brig, als ihm die Wahrheit zu sagen. Sie brachte es so knapp wie m�glich hinter sich, erz�hlte ihm von Freddies Internet-Dates, dass es dabei anscheinend neuerdings darauf ankam, so schnell wie m�glich miteinander ins Bett zu gehen, so dass man jeden Morgen mit einer anderen Fremden am Fr�hst�ckstisch rechnen musste. So etwas konnte man Kindern ja wohl kaum zumuten, oder?</p><p>Nicholas schaute sie die ganze Zeit aufmerksam an.�Das tut mir leid�, sagte er, als sie geendet hatte. Und damit sie verstand, was genau ihm leidtat, f�gte er hinzu:�Ich wei�, was Freddie dir bedeutet, Manette, auch wenn du es selbst nicht immer wei�t.�</p><p>Sie wandte sich ab, denn sie k�mpfte mit den Tr�nen.�Wie auch immer � Du siehst also ��</p><p>�Ich muss wieder an die Arbeit. �Er nahm sie in die Arme und k�sste sie auf die Schl�fe.�Ich muss erst mit Allie dar�ber reden, okay? Irgendwas liegt ihr auf dem Magen, ich wei� nicht, was es ist. Sie hat�s mir noch nicht gesagt, aber sie r�ckt schon noch damit heraus. Wir haben keine Geheimnisse voreinander. Also gib mir ein bisschen Zeit, einverstanden? Jedenfalls sage ich noch nicht Nein, was Tim und Gracie angeht.�</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Er hatte keine Ahnung vom Angeln, aber das spielte keine Rolle. Er brauchte keinen Fisch zu fangen, er musste es nur so aussehen lassen, als w�rde er angeln. Also hatte Zed sich von seiner Hauswirtin eine Angel geliehen, was die alte Frau zum Anlass genommen hatte, ihm einen Vortrag �ber ihren verstorbenen Mann zu halten und dar�ber, wie viele Stunden er mit seiner Angel auf irgendwelchen Seen und Fl�ssen vergeudet hatte. Dann hatte sie ihm noch einen Angelkasten gegeben sowie eine Regenjacke und ein Paar Gummistiefel, alles so winzig, dass es ihm nichts n�tzte, und einen Angelhocker. Zum Schluss hatte sie ihm viel Gl�ck gew�nscht. Ihr Mann, sagte sie, habe so gut wie nie Gl�ck gehabt. In f�nfundzwanzig Jahren habe er gerade einmal f�nfzehn Fische gefangen. Sie k�nne es beweisen, denn sie habe genau aufgeschrieben, wann ihr Mann aus dem Haus gegangen und ohne einen Fisch zur�ckgekehrt war. Vielleicht habe er ja eine Geliebte gehabt, meinte sie, denn wenn man sich die Sache genau �berlege �</p><p>Zed hatte sich hastig bei der Frau bedankt und war nach Arnside gefahren, wo Gott sei Dank gerade Flut herrschte. Er hatte sich einen Platz an der Ufermauer gesucht, direkt unterhalb von Nicholas Faircloughs Haus, und seine Angel ausgeworfen. Dabei hatte er noch nicht einmal einen K�der am Haken befestigt, denn das Letzte, was er gebrauchen konnte, war, dass tats�chlich ein Fisch anbiss und er irgendetwas damit anstellen musste. Zum Beispiel anfassen.</p><p>Jetzt wo Scotland Yard wusste, dass er in der Gegend war, musste er Vorsicht walten lassen. Wenn die ihn erst einmal entdeckt hatten � wer auch immer sie sein mochten �, w�rde das seine Arbeit extrem erschweren. Er musste unbedingt herausfinden, wer sie waren � er ging jedenfalls davon aus, dass es mindestens zwei Polizisten waren, denn im Fernsehen arbeiteten sie ja auch immer in Teams.</p><p>Zed rechnete damit, dass sie irgendwann bei Nicholas auftauchen w�rden, und dann w�rde er zur Stelle sein.</p><p>Der Angelhocker war eine gro�artige Idee gewesen. So konnte er an seinem Platz an der Ufermauer abwechselnd stehen und sich ausruhen. Lange Zeit tat sich nichts Verd�chtiges bei Nicholas Faircloughs Haus, doch dann trat Alatea Fairclough pl�tzlich aus der T�r.</p><p>Sie kam direkt auf ihn zu, und er konnte nichts anderes denken als verdammt, verdammt, verdammt. Er w�rde auffliegen, ehe er irgendetwas Brauchbares in Erfahrung gebracht hatte, was wirklich kein Wunder war bei dem Pech, das er in letzter Zeit hatte. Die Frau blieb jedoch mitten auf dem Rasen stehen und schaute auf die Bucht hinaus. Wahrscheinlich dachte sie an all die Menschen, die in dieser Bucht den Tod gefunden hatten, wie diese armen Chinesen � mehr als f�nfzig, die im Dunkeln von der einsetzenden Flut �berrascht worden waren und auf Rettung gehofft hatten, die nicht kam. Oder wie der Mann, der mit seinem Sohn bei einsetzender Flut in eine Nebelbank geraten war und vollkommen die Orientierung verloren hatte, w�hrend �berall um ihn herum Nebelh�rner ert�nten. In Anbetracht all dessen war die Morecambe Bay wahrscheinlich ein schrecklich deprimierender Ort, sagte sich Zed, und Alatea Fairclough wirkte so deprimiert wie nur etwas.</p><p>Verdammt, dachte er, sie hatte doch nicht etwa vor, in dieses t�ckische Wasser zu gehen? Denn dann w�rde er sie retten m�ssen, und das w�rde f�r sie beide den sicheren Tod bedeuten.</p><p>Er war zu weit weg, um es zu h�ren, aber anscheinend klingelte Alateas Handy, denn sie nahm es aus ihrer Jackentasche und klappte es auf. Sie redete mit jemandem. Begann dabei, auf und ab zu gehen. Schlie�lich schaute sie auf ihre Armbanduhr, die er selbst auf die Entfernung glitzern sah. Dann schaute sie sich um, als f�rchtete sie, beobachtet zu werden, und Zed zog den Kopf ein.</p><p>Gott, war sie sch�n, dachte er. Wie war sie blo� hier am Arsch der Welt gelandet? Eine Frau wie sie war doch gemacht f�r den Laufsteg oder wenigstens f�r einen von diesen Dessous-Katalogen von Victoria�s Secret, in denen Models mit �ppigen Br�sten in hauchzarten BHs und dazu passenden H�schen posierten, lauter zarte Haut und straffe Schenkel und �</p><p>Zed riss sich zusammen. Was zum Teufel war mit ihm los? Man h�tte meinen k�nnen, er sei ein richtiger Chauvi. Das war nicht nur den Frauen im Allgemeinen gegen�ber unfair, sondern vor allem Yaffa gegen�ber, die ihn von London aus unterst�tzte, die seine verr�ckte Mutter ertrug und � Andererseits, warum sollte er R�cksicht auf Yaffa nehmen, wo doch Micah in Tel Aviv auf sie wartete und Medizin studierte wie ein guter Sohn, der Zed �berhaupt nicht war?</p><p>Er schlug sich mit der Hand an die Stirn. Dann riskierte er einen Blick hin�ber zu Alatea Fairclough. Offenbar hatte sie ihr Telefongespr�ch beendet, denn sie war auf dem Weg zur�ck ins Haus.</p><p>Das war also der H�hepunkt seines Tages. Gro�artig, dachte Zed. Wieder ein vertaner Tag in Cumbria. Er blieb noch zwei Stunden auf seinem Posten und tat so, als angelte er. Schlie�lich packte er seine Sachen und �berlegte, was er als N�chstes tun k�nnte.</p><p>Aber als er auf dem Weg zu seinem Auto war, wendete sich das Blatt. Er hatte gerade das Ende der Ufermauer erreicht, die Nicholas Faircloughs Grundst�ck einfasste, als ein Wagen in die Einfahrt einbog.</p><p>Am Steuer sa� eine Frau. Sie schien sich hier auszukennen. Schnell schlich Zed den Weg zur�ck, den er gekommen war.</p><p>Die Frau hatte rotes Haar, genau wie er. Sie trug Jeans, Stiefel und einen dicken, moosgr�nen Pullover. Er hielt sie f�r eine Freundin von Alatea und rechnete damit, dass sie auf direktem Weg zur Haust�r gehen w�rde. Aber das tat sie nicht, vielmehr schlich sie ums Haus herum wie eine dilettantische Einbrecherin. Dann z�ckte sie eine Kamera und begann zu fotografieren.</p><p>Schlie�lich ging sie zur Haust�r und klingelte. Sie schaute sich um, als rechnete sie damit, dass sich jemand � wie Zed � im Geb�sch versteckte. Sie nahm ihr Handy aus der Tasche und schien nachzusehen, ob eine SMS angekommen war. Dann ging die T�r auf, und ohne viele Worte zu verlieren, bat Alatea die Frau ins Haus.</p><p>Aber Alatea wirkte alles andere als erfreut, stellte Zed fest. Und �bergl�cklich stellte er fest, dass das Warten sich gelohnt hatte. Er hatte die Neuigkeit, die er brauchte, die Information, die seine Geschichte sexy machen w�rde. Denn jetzt wusste er, wen Scotland Yard aus London hergeschickt hatte.</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Als Alatea die T�r aufmachte, sah Deborah das Entsetzen in ihren Augen. Es war, als h�tte sie den Leibhaftigen erblickt, dachte Deborah best�rzt und wusste nicht, was sie sagen sollte.�Mr. Fairclough scheint nicht zu Hause zu sein�, brachte sie schlie�lich hervor.�Aber ich muss nicht unbedingt mit ihm sprechen.�</p><p>Das machte alles noch schlimmer.�Was wollen Sie?�, fragte Alatea schroff. Sie schaute �ber Deborahs Schulter, als rechnete sie damit, dass ein Angreifer um die Hausecke gerannt kam.�Nickie ist bei der Arbeit. �Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr, ein goldenes, mit Strasssteinen besetztes Schmuckst�ck, das an jeder anderen Frau l�cherlich gewirkt h�tte.�Das hei�t, inzwischen ist er wahrscheinlich auf dem Weg zu seinem Turmprojekt.�</p><p>�Kein Problem�, erwiderte Deborah frohgemut.�Ich habe drau�en ein paar Fotos gemacht, um dem Produzenten eine Vorstellung von der Kulisse zu geben � damit er sich �berlegen kann, wo er die Interviews f�hren will. Der Rasen w�rde sich sehr gut eignen, vor allem bei Flut. Aber hier oben muss man nat�rlich immer damit rechnen, dass es in Str�men regnet, nicht wahr? Deswegen w�rde ich gern ein paar Innenaufnahmen machen. W�re das m�glich? Ich m�chte Ihnen nat�rlich keine Unannehmlichkeiten bereiten. Es dauert auch nicht lange. Ich mache nur ein paar Schnappsch�sse.�</p><p>Alatea schluckte. Sie r�hrte sich keinen Millimeter von der T�r weg.</p><p>�Nur eine Viertelstunde. �Deborah bem�hte sich um einen heiteren Ton, der besagte: Von mir hast du nichts zu bef�rchten.�Ich interessiere mich in erster Linie f�r das Wohnzimmer. Da ist das Licht gut, und der Raum w�rde einen guten Hintergrund abgeben.�</p><p>�u�erst widerstrebend lie� Alatea Deborah eintreten. Die Frau war derma�en angespannt, dass Deborah sich fragte, ob sie wom�glich einen Liebhaber im Schrank versteckt hatte.</p><p>Sie durchquerten die Eingangshalle. Alatea �ffnete die doppelfl�gelige Schiebet�r, durch die sie in einen Flur gelangten, dessen W�nde mit dunklen Holzpaneelen verkleidet waren. Durch mehrere bleiverglaste Fenster mit einem h�bschen Muster aus roten Tulpen und gr�nen Bl�ttern fiel nur wenig Licht.</p><p>Das Haus sei wirklich eindrucksvoll, sagte sie zu Alatea. Ob schon Fotoreportagen dar�ber in Zeitschriften erschienen seien? Die Arts-and-Crafts-Bewegung sei so schlicht und sympathisch gewesen, nicht wahr? Ob Alatea an einem Dokumentarfilm �ber die Restaurationsarbeiten interessiert sei? Und ob schon jemand von einer der zahllosen Fernsehsendungen an sie herangetreten sei, die �ber historische H�user in England berichteten? Auf alle ihre Fragen erhielt sie einsilbige Antworten. Sich mit dieser Frau anzufreunden w�rde kein leichtes Unterfangen werden, sagte sich Deborah.</p><p>Im Wohnzimmer angekommen, versuchte sie es mit einem anderen Thema. Wie es Alatea in England gefalle? Es sei doch sicher v�llig anders als in Argentinien?</p><p>Alatea schaute Deborah verbl�fft an.�Woher wissen Sie, dass ich Argentinierin bin?�</p><p>�Ihr Mann hat es mir erz�hlt. �Am liebsten h�tte Deborah hinzugef�gt: Warum fragen Sie? Ist das ein Problem? Doch sie beherrschte sich. Sie lie� ihren Blick durch den Raum schweifen. Sie musste Alatea zu dem Erkerfenster locken, wo die Zeitschriften lagen. Deborah machte ein paar Aufnahmen von Stellen, die sich f�r ein Interview eigneten, und n�herte sich dabei unauff�llig dem Erkerfenster.</p><p>Aber als sie dort ankam, bemerkte sie sofort, dass die Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> nicht mehr auf dem Tisch lag. Das w�rde die Sache etwas komplizierter, jedoch nicht unm�glich machen. Deborah schoss ein Foto von den beiden Sesseln und dem niedrigen Tisch vor dem Erkerfenster und stellte die Blende so ein, dass auch die Aussicht zu sehen war, die man vom Fenster aus hatte. Beil�ufig sagte sie:�Wir haben �brigens etwas gemeinsam, Mrs. Fairclough. �Sie blickte von ihrer Kamera auf und l�chelte Alatea an.</p><p>Die stand an der T�r, als wollte sie jeden Augenblick die Flucht ergreifen. H�flich erwiderte sie Deborahs L�cheln, sah sie jedoch zweifelnd an. Offenbar hatte sie keine Ahnung, was sie mit Deborah gemeinsam haben k�nnte, abgesehen davon, dass sie beide Frauen waren und sich zuf�llig im selben Zimmer ihres Hauses aufhielten.</p><p>Deborah sagte:�Wir w�nschen uns beide ein Kind. Ihr Mann hat es mir erz�hlt. Ihm war aufgefallen, dass ich die Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> auf Ihrem Tisch gesehen hatte. Ich lese sie schon ewig�, log sie.�Na ja, seit f�nf Jahren. Seit Simon � mein Mann � und ich versuchen, ein Baby zu bekommen.�</p><p>Alatea sagte nichts dazu, aber Deborah sah, wie sie schluckte und wie ihr Blick zu dem Tisch wanderte, auf dem die Zeitschrift gelegen hatte. Deborah fragte sich, ob Alatea oder Nicholas das Heft weggenommen hatte. Und sie fragte sich, ob Nicholas sich genauso gro�e Sorgen um den Seelenzustand seiner Frau machte, wie Simon um sie besorgt war.</p><p>W�hrend sie eine weitere Aufnahme machte, sagte sie:�Anfangs haben wir uns einfach darauf verlassen, dass die Natur es schon richten w�rde. Dann haben wir es mit dem Eisprungkalender versucht, mit der Temperaturmethode, mit Mondphasen. �Sie rang sich ein Lachen ab. Es fiel ihr nicht leicht, solche Dinge einer Fremden anzuvertrauen, aber sie wusste, wie wichtig es war, Vertrauen aufzubauen, und zudem hatte sie das Gef�hl, dass ihr Gest�ndnis tr�stend wirken k�nnte.�Und dann haben wir uns untersuchen lassen, was Simon alles andere als angenehm fand, das kann ich Ihnen fl�stern. Und schlie�lich die endlosen Diskussionen �ber Alternativen, Besuche bei Spezialisten. �Sie lie� ihre Kamera sinken und zuckte die Achseln.�Es hat sich herausgestellt, dass ich kein Kind werde austragen k�nnen. Konstruktionsfehler. Jetzt denken wir �ber eine Adoption nach. Ich w�rde eine Leihmutter bevorzugen, doch davon will Simon nichts wissen.�</p><p>Die Argentinierin hielt sich immer noch auf Distanz. Deborah fiel auf, dass sie etwas blasser wirkte und dass sie ihre eleganten H�nde immer wieder zu F�usten ballte. In ihren Augen gl�nzten unvergossene Tr�nen.</p><p>Deborah begriff, was in der Frau vorging. Jahrelang hatte sie sich genauso gef�hlt.�Verzeihen Sie�, sagte sie hastig.�Es tut mir leid. Wie gesagt, ich habe bei meinem ersten Besuch die Zeitschrift hier liegen sehen. Ihr Mann hat mir gesagt, dass Sie versuchen, schwanger zu werden. Dass Sie seit zwei Jahren verheiratet sind und � Mrs. Fairclough, es tut mir wirklich leid. Ich wollte Sie nicht verletzen. Bitte, setzen Sie sich doch.�</p><p>Alatea setzte sich, aber nicht dahin, wo Deborah es gern gehabt h�tte, sondern auf die Bank neben dem offenen Kamin. Ihr krauses Haar gl�nzte im Licht, das durch das Bleiglasfenster fiel. Deborah ging zu ihr, achtete jedoch darauf, eine gewisse Distanz zu wahren.�Es ist schwer, ich wei�. Ich hatte sechs Fehlgeburten, bis ich erfahren habe, was mit meinem K�rper nicht stimmt. Vielleicht kann man irgendwann etwas daran machen, bei all der Forschung, die auf dem Gebiet betrieben wird, aber bis dahin bin ich bestimmt zu alt.�</p><p>Eine Tr�ne lief �ber Alateas Wange. Sie �nderte ihre K�rperhaltung, als k�nnte das verhindern, dass sie vor einer Fremden noch mehr Tr�nen vergoss.</p><p>�Merkw�rdig, nicht wahr�, sagte Deborah,�dass etwas f�r die einen das Nat�rlichste auf der Welt und f�r die anderen ein Ding der Unm�glichkeit sein soll.�</p><p>Deborah hoffte die ganze Zeit, dass Alatea nicht nur mit Tr�nen reagierte, sondern irgendwie zu erkennen gab, dass es ihr �hnlich erging. Aber sie tat es nicht. Deborah h�tte jetzt noch darauf eingehen k�nnen, <emphasis>warum</emphasis> sie sich so dringend ein Kind w�nschte. Es hatte teilweise damit zu tun, dass ihr Mann behindert war � er selbst bezeichnete sich als <emphasis>Kr�ppel</emphasis> �, und teilweise damit, dass diese Behinderung sein Selbstwertgef�hl als Mann beeintr�chtigte. Doch �ber dieses Thema wollte sie eigentlich nicht mit Alatea Fairclough reden. Es fiel ihr schwer genug, sich das alles selbst einzugestehen.</p><p>Deswegen schnitt sie ein ganz neues Thema an.�Ich glaube, dass dieses Zimmer besser geeignet ist f�r ein gefilmtes Interview als alles, was ich drau�en gesehen habe. Und da, wo Sie gerade sitzen, ist das Licht besonders gut. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, w�rde ich gern ein Foto von Ihnen machen, um dem Produzenten zu zeigen ��</p><p>�Nein!�Alatea sprang auf.</p><p>Deborah wich einen Schritt zur�ck.�Es ist f�r ��</p><p>�Nein! Nein! Sagen Sie mir, wer Sie sind!�, schrie Alatea.�Sagen Sie mir, warum Sie wirklich hier sind! Sagen Sie es mir endlich!�</p></section><section><title><p>7.�November</p></title><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Hoffentlich Toy4You, dachte Tim, als sein Handy klingelte, denn er hatte das Warten satt. Aber es war die bescheuerte Manette. Benahm sich, als h�tte er ihr �berhaupt nichts getan. Sagte, es gehe um das Campingabenteuer. Sie nannte es tats�chlich <emphasis>Abenteuer</emphasis>, als w�rden sie nach Afrika fahren oder so was, und nicht auf die Viehweide von irgendeinem Bauern, zwischen Massen von Urlaubern aus Manchester.�Ich dachte, wir legen mal einen Termin fest�, sagte sie fr�hlich.�Wir sollten nicht mehr allzu lange warten. Regen ist nicht so schlimm. Wenn es allerdings anf�ngt zu schneien, ist es vorbei. Was meinst du?�</p><p>�Lass mich einfach in Ruhe!�, fauchte er.</p><p>�Tim ��, sagte sie in diesem geduldigen Ton, den Erwachsene anschlugen, wenn sie fanden, dass er aggressiv wurde, was meistens der Fall war.</p><p>�H�r zu�, sagte er.�Vergiss es einfach. Und h�r auf, so zu tun, als w�r ich dir wichtig.�</p><p>�Aber du bist mir wichtig, Tim. Du bist uns allen wichtig. Meine G�te, Tim, du bist ��</p><p>�Erz�hl mir keinen Schei�! Der Einzige, f�r den du dich jemals interessiert hast, war mein Vater. Glaub ja nicht, ich w�sste das nicht! <emphasis>Alle</emphasis> haben sich nur f�r diesen perversen Dreckskerl interessiert, und jetzt ist er tot, und ich bin froh dar�ber. Also lasst mich endlich alle in Frieden!�</p><p>�Du wei�t nicht, was du da redest.�</p><p>�O doch.�</p><p>�Nein, tust du nicht. Du hast deinen Vater geliebt. Er hat dir wehgetan, das wei� ich, aber was er getan hat, hatte nichts mit dir zu tun, mein Lieber. �Sie wartete auf eine Antwort, doch die Genugtuung w�rde er ihr nicht geben.�Tim�, fuhr sie fort.�Was passiert ist, tut mir leid. Aber er h�tte es nicht getan, wenn er eine andere M�glichkeit gesehen h�tte. Eines Tages wirst du es verstehen. Wirklich. Da bin ich mir ganz sicher.�</p><p>�Du hast doch keine blasse Ahnung.�</p><p>�Ich wei�, dass das alles schwer f�r dich ist, Tim. Das ist ganz normal. Aber dein Vater hat dich geliebt. Wir alle haben dich lieb. Wir m�chten, dass es dir ��</p><p>�Halt die Klappe!�, schrie er.�Lasst mich endlich in Frieden!�</p><p>Zitternd vor Wut trennte er die Verbindung. Es war ihr ekelhaft sanfter, m�tterlicher Ton. Der Schei�dreck, den sie ihm verzapfte. Sein ganzes, beschissenes Leben.</p><p>Er warf sein Handy aufs Bett. Sein ganzer K�rper war zum Bersten angespannt. Er brauchte frische Luft. Er beugte sich zum Fenster vor und riss es auf. Drau�en war es eiskalt, aber das war ihm egal.</p><p>George und Dan Cowley kamen gerade aus ihrem Cottage. Sie unterhielten sich, die K�pfe gesenkt, als h�tten sie irgendwas Gott wei� wie Wichtiges zu bereden. Sie gingen auf Georges Schrotthaufen von Auto zu, einen schlammverkrusteten alten Land Rover, an dessen Reifen jede Menge Schafschei�e klebte.</p><p>George �ffnete die Fahrert�r und stieg ein, aber anstatt um das Auto herumzugehen und auf der anderen Seite einzusteigen, hockte Dan sich hin und betrachtete Kupplung, Gas- und das Bremspedal sowie die F��e seines Vaters. George sagte irgendwas, gestikulierte und trat auf den Pedalen rum. Dann stieg er aus, und Dan stieg ein. Trat auf den Pedalen rum, w�hrend George nickte, gestikulierte und noch nachdr�cklicher nickte.</p><p>Dann lie� Dan den Motor an, w�hrend sein Vater weiter auf ihn einredete. George schlug die T�r zu, und Dan kurbelte das Fenster runter. Der Wagen war so geparkt, dass Dan nicht erst zur�cksetzen musste, um loszufahren. George gestikulierte wie wild, anscheinend bedeutete er Dan, er solle eine Runde um den dreieckigen Dorfplatz drehen. Dan fuhr los. Der Wagen hoppelte und schlingerte. George rannte schreiend und mit den Armen fuchtelnd neben dem Auto her, bis Dan den Motor abw�rgte.</p><p>George sagte etwas ins offene Fenster und langte hinein. Tim dachte, er w�rde Dan eine ordentliche Kopfnuss verpassen, aber stattdessen zauste er ihm das Haar und lachte, und Dan lachte auch. Er lie� den Motor wieder an. Sie gingen das Ganze noch mal von vorne durch. Diesmal blieb George stehen und rief Dan aufmunternd etwas zu. Dan schaffte tats�chlich eine Runde um den Platz, und George stie� triumphierend eine Faust in die Luft.</p><p>Tim wandte sich vom Fenster ab. Vollidioten, dachte er. Zwei Pfeifen. Wie der Vater, so der Sohn. Dan w�rde genauso enden wie sein Alter und irgendwo in Schafschei�e rumwaten. Er war ein Versager. Ein verdammter Schei�versager. Er war ein derartiger Versager, dass er zerquetscht geh�rte, und das w�rde Tim am liebsten sofort erledigen. Jetzt gleich. Auf der Stelle. Mit einer Pistole oder einem Messer oder einem Kn�ppel aus dem Haus rennen und sich auf ihn st�rzen, blo� dass er keine einzige Waffe hatte, wo er doch so dringend eine brauchte �</p><p>Tim rannte aus seinem Zimmer. Er h�rte Gracie und Kaveh miteinander reden und ging in die Richtung, aus der die Stimmen kamen. Sie waren in Kavehs Arbeitszimmer im obersten Stock. Der Bl�dmann sa� am Zeichentisch und arbeitete an irgendwas, und Gracie, diese dumme G�re, hockte auf dem Boden und spielte mit ihrer Puppe, wiegte sie in den Armen und redete tats�chlich mit ihr wie mit einem echten Baby, so was Bescheuertes. Es wurde wirklich Zeit, dass er seiner Schwester mal Verstand einbl�ute �</p><p>Gracie kreischte wie am Spie�, als er ihr die Puppe aus den Armen riss.�Verdammte, d�mliche Pute!�, schrie er, schlug die Puppe gegen den Zeichentisch, riss ihr Arme und Beine aus und schleuderte sie zu Boden.�Werd endlich erwachsen, du arme Irre!�, schrie er und st�rmte aus dem Zimmer.</p><p>Er rannte die Treppe runter und aus dem Haus, und hinter sich h�rte er Gracie weinen, was ihm eigentlich Genugtuung h�tte bereiten m�ssen, aber das tat es nicht. Dann h�rte er Kaveh nach ihm rufen, h�rte, wie Kaveh hinter ihm hergerannt kam, ausgerechnet Kaveh, der an allem schuld war.</p><p>George und Daniel Cowley standen neben dem Land Rover, und Tim ging extra so dicht an ihnen vorbei, dass er diesen Blindg�nger von Daniel aus dem Weg schubsen konnte.�Was f�llt dir ein?�, schrie George.</p><p>�Fick dich!�, br�llte Tim. Er brauchte etwas, er musste irgendetwas finden, denn es kochte in ihm, sein Blut kochte, und er wusste, wenn er nichts fand, w�rde sein Kopf explodieren, sein Blut und sein Gehirn w�rden rausspritzen, was ihm eigentlich egal w�re, doch so wollte er nicht enden. Und die ganze Zeit h�rte er Kaveh rufen, er solle stehen bleiben, er solle warten, aber das w�re das Allerletzte, was er tun w�rde: auf Kaveh Mehran warten.</p><p>Er lief um den Pub herum und durch einen Garten bis zum Bach. Ein paar Enten d�mpelten auf dem Wasser, und am anderen Ufer watschelten noch ein paar Enten durch das Gras auf der Suche nach Schnecken oder was zum Teufel die Viecher fra�en. Am liebsten h�tte er denen allen den Hals umgedreht oder sie mit den F��en totgetreten, egal, Hauptsache, er sp�rte irgendwas <emphasis>sterben</emphasis>.</p><p>Im n�chsten Moment war er auch schon im Wasser. Die Enten fl�chteten. Er versuchte, sie zu packen zu kriegen. Von �berall her war Geschrei zu h�ren, und pl�tzlich merkte er, dass es teilweise aus seinem eigenen Mund kam, und dann wurde er gepackt. Starke Arme umschlangen ihn, und eine Stimme sagte dicht an seinem Ohr:�Nein, tu das nicht. Das willst du doch gar nicht. Es wird alles gut.�</p><p>Verdammt, das war diese Schwuchtel, dieser Perverse. Er hatte Tim umklammert und hielt ihn in den Armen, ber�hrte ihn mit seinen Drecksfingern.</p><p>�Hau ab!�, schrie Tim. Er wehrte sich, aber Kaveh hielt ihn nur noch fester.</p><p>�Tim! H�r auf!�, rief Kaveh.�Du willst das doch gar nicht. Komm hier weg. Schnell.�</p><p>Sie rangen im Wasser miteinander, bis es Tim gelang, sich zu befreien, und Kaveh r�ckw�rts ins Wasser fiel. Er landete auf dem Hintern, sa� bis zum Bauch im Wasser und hatte M�he, sich aufzurappeln. Und Tim triumphierte innerlich, denn das war es, was er wollte, dieses Arschloch am Boden sehen. Er wollte es ihm zeigen, ihm beweisen �</p><p>�Ich bin kein Arschficker!�, br�llte er.�R�hr mich nie wieder an, kapiert? Such dir einen anderen!�</p><p>Kaveh schaute ihn an. Er keuchte, und Tim keuchte auch, und dann �nderte sich Kavehs Gesichtsausdruck, doch was sich darin spiegelte, war nicht das, was Tim sehen wollte, n�mlich Verletzung, Verzweiflung, Zerst�rung.</p><p>Kaveh sagte:�Nat�rlich bist du das nicht, Tim. Hast du das etwa gedacht?�</p><p>�Halt die Schnauze!�, schrie Tim und rannte davon.</p><subtitle>GREAT URSWICK � CUMBRIA</subtitle><p>Manette hatte es geschafft, das Zelt allein aufzubauen. Es war nicht ganz einfach gewesen, und sie hatte sich nicht sonderlich geschickt angestellt, so dass zu bef�rchten war, dass das Zelt irgendwann �ber ihr zusammenklappen w�rde. Trotzdem kroch sie hinein, setzte sich wie ein Buddha in die �ffnung und schaute auf den See hinaus.</p><p>Freddie hatte an die Badezimmert�r geklopft und gesagt, er m�sse mit ihr reden. Sie hatte gefragt, ob er ein paar Minuten warten k�nne, sie sei gerade dabei � bei irgendetwas eben. Selbstverst�ndlich k�nne er warten, hatte er hastig geantwortet, als w�re das, was sie gerade im Badezimmer tat, das Letzte, was er wissen wollte, was ja eigentlich auch verst�ndlich war. Manche Dinge waren wirklich zu intim.</p><p>Dabei hatte sie gar nichts getan. Sie hatte nur Zeit totgeschlagen. Schon am Vormittag, als sie sich am Kaffeeautomaten begegnet waren, hatte sie gesp�rt, dass Freddie irgendetwas auf den N�geln brannte. Sie war aus ihrem Zimmer gekommen, er von drau�en. Da er dasselbe anhatte wie am Abend zuvor, wusste sie sofort, dass er die Nacht bei Sarah verbracht hatte. Ein schlaues Luder, diese Sarah, dachte Manette. Hatte sofort erkannt, was f�r ein Goldst�ck sie sich da geangelt hatte.</p><p>Und als Freddie gesagt hatte, er m�sse mit ihr reden, hatte sie mit dem Schlimmsten gerechnet. Dass er glaubte, in Sarah die Richtige gefunden zu haben. Dass er vorhatte, sie am Abend mitzubringen, dass sie bei ihnen einziehen w�rde. Und Manette hatte sich gefragt, wie sie wohl damit zurechtkommen w�rde.</p><p>Es w�rde ihnen nichts anderes �brig bleiben, als das Haus zu verkaufen und getrennter Wege zu gehen. Doch das wollte sie nicht, denn sie liebte dieses Haus. Das hei�t, sie hing gar nicht so sehr an dem Haus selbst, das zugegebenerma�en ziemlich klein und sch�big war, sondern an diesem speziellen Ort, der schon seit Jahren ihre Zuflucht war. Dass sie ihn wom�glich w�rde verlassen m�ssen, stimmte sie traurig.</p><p>Wahrscheinlich ging es sowieso immer nur um Wurzeln, die man irgendwo geschlagen hatte, und die Angst davor, sie auszurei�en, weil nicht alle Pflanzen das �berlebten, und Manette wusste nicht, wie es sich anf�hlen w�rde, wenn sie gezwungen w�re, von hier fortzugehen. Von dem Haus und dem alten Ruderboot vorne am Steg, mit dem sie jederzeit auf den See hinausfahren und den Sonnenaufgang genie�en oder im Regen sitzen konnte.</p><p>Es hatte nichts mit Freddie zu tun, sagte sie sich. Und auch nicht mit Sarah oder irgendeiner anderen Frau, f�r die Freddie sich irgendwann entschied. Und letztlich war sie es ja gewesen, die die Diskussion dar�ber entfacht hatte, dass ihnen die Liebe abhandengekommen war.</p><p>Manette konnte sich nicht mehr erinnern, wie Freddie sie angesehen hatte, als sie das Thema zum ersten Mal zur Sprache gebracht hatte. Hatte er ihr widersprochen? Sie wusste es nicht mehr. Er war immer so verdammt gef�gig. Da h�tte es sie nicht wundern sollen, dass er einfach so hingenommen hatte, ihre Ehe sei mausetot. Damals war sie erleichtert dar�ber gewesen. Aber jetzt wusste sie �berhaupt nicht mehr, warum in aller Welt sie damals so erleichtert gewesen war. Was hatte sie denn von einer Ehe erwartet? Drama und Leidenschaft und wilden Sex jede Nacht? Wie sollte man so etwas durchhalten? Und wer wollte das denn �berhaupt?</p><p>�Ihr lasst euch <emphasis>scheiden</emphasis>?�, hatte Mignon ungl�ubig gesagt.�Du und Freddie? Ehe du dich zu diesem Schritt entschlie�t, solltest du dich vielleicht mal gr�ndlich umsehen ��</p><p>Es war nicht darum gegangen, Freddie gegen einen anderen Mann einzutauschen. Das interessierte Manette nicht. Es war darum gegangen, realistisch zu sein, sich ihr Leben anzusehen und sich zu fragen, ob es das war, was sie auf Dauer wollte. Sie waren gute Freunde gewesen, die ab und zu sich ein bisschen unter der Bettdecke vergn�gten, und das hatte ihr nicht gereicht. So hatte das nicht weitergehen k�nnen, das war ihnen beiden klar gewesen. Also hatten sie die logischen Konsequenzen gezogen, und sie hatten sich beide befreit gef�hlt. Oder nicht?</p><p>�Ach hier bist du! Was machst du denn hier drau�en, Kleine?�</p><p>Sie riss sich aus ihren Gedanken. Freddie stand mit zwei Henkeltassen vor ihr. Er hockte sich hin und reichte ihr eine Tasse. Sie wollte hinauskrabbeln, aber er sagte:�Nein, bleib da. Ich bin schon seit Jahren nicht mehr in einem Zelt gewesen. �Er kroch ins Zelt und setzte sich neben sie.�Das wird aber nicht lange halten, f�rchte ich�, sagte er mit einer Kinnbewegung in Richtung der schiefen Zeltstange.</p><p>�Ja, ich wei�. Ein Windsto�, und alles bricht zusammen. Aber es ist ein guter Platz zum Nachdenken, und ich wollte es mal ausprobieren.�</p><p>��berhaupt nicht n�tig�, sagte er. Er sa� im Schneidersitz neben ihr, und ihr fiel auf, dass er noch genauso beweglich war wie sie: Seine Knie ber�hrten beide den Boden, nicht wie bei manchen Leuten, deren Knie in der Position nach oben zeigten, weil sie viel zu steif waren.</p><p>Sie trank einen Schluck von der H�hnerbouillon, die er ihr mitgebracht hatte. Interessant. Als w�re sie krank.�Nicht n�tig?�, wiederholte sie.</p><p>�Zelten�, sagte er.�F�r den Fall der F�lle ins Zelt umzuziehen.�</p><p>Sie runzelte die Stirn.�Wovon redest du, Freddie?�</p><p>Er legte den Kopf schief. In seinen braunen Augen lag ein Funkeln, an dem sie erkannte, dass er sie auf den Arm nahm.�Na ja, du wei�t schon, neulich diese Sache mit Holly. Das war ein einmaliger Ausrutscher. Wird nicht wieder vorkommen.�</p><p>�Soll das hei�en, du gibst es auf?�</p><p>�Das Internet-Dating? Um Gottes willen, nein. �Und dann err�tete er.�Ich meine, das macht mir ziemlich viel Spa�. Ich hatte ja keine Ahnung, dass die Frauen so � so direkt geworden sind, seit ich nicht mehr in Aktion bin. Nicht dass ich je in Aktion gewesen w�re.�</p><p>�Vielen Dank auch.�</p><p>�Nein, nein, so war das nicht gemeint. Ich meinte, du und ich, na ja, wir waren so jung, als wir uns kennengelernt haben � Du warst meine Allererste, wei�t du. Meine Erste und meine Einzige. Und jetzt zu erleben, was so alles los ist in der Welt � Das ist echt ein Aha-Erlebnis, das kann ich dir sagen. Na ja, du wirst es ja demn�chst selbst erleben.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich das m�chte�, sagte sie.</p><p>�Ach so. �Er schwieg. Nippte an seiner Bouillon. Es gefiel ihr, dass er nie laut schl�rfte. Sie konnte lautes Schl�rfen nicht ausstehen.�Na ja.�</p><p>�Zur�ck zu dir�, sagte sie.�Ich will dir nicht verbieten, Frauen mit nach Hause zu bringen, Freddie. Keine Sorge. Es w�re nur nett, wenn du mir vorher Bescheid sagen k�nntest. Ein kurzer Anruf, wenn sie sich die Nase pudern geht. Aber auch das ist keine Verpflichtung.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte er.�Wer welche Rechte hat und so weiter. Ich wei� auch, wie ich mich f�hlen w�rde, wenn ich morgens in die K�che k�me und da s��e ein Typ am Fr�hst�ckstisch. Irgendwie komisch. Also werde ich mich mit den Frauen woanders treffen, nicht hier zu Hause.�</p><p>�Wie mit Sarah.�</p><p>�Wie mit Sarah.�</p><p>Manette versuchte, etwas aus seinem Ton herauszuh�ren, aber es gelang ihr nicht. Sie fragte sich, ob ihr das je bei ihm gelungen war. Merkw�rdiger Gedanke � konnte man �berhaupt jemals behaupten, seinen Ehemann zu kennen? Dann fiel ihr ein, dass Freddie schon lange nicht mehr ihr Ehemann war.</p><p>Eine Weile gaben sie sich der abendlichen Stille hin, die nur unterbrochen wurde vom Geschrei einiger Enten, die �ber sie hinwegflogen. Schlie�lich fragte Freddie:�Wo kommt das Zelt �berhaupt her? Das ist doch neu, oder?�</p><p>Sie erz�hlte ihm von ihren Pl�nen: dass sie mit Tim ein paar Tage in die Berge fahren wollte, um auf den Scout�s Scar zu wandern.�Aber er ist nicht gerade begeistert von meinem Vorschlag.�</p><p>�Der arme Junge�, sagte Freddie.�Dem hat das Leben wirklich �bel mitgespielt.�</p><p>Allerdings, dachte Manette.</p><p>Auf dem See waren Schw�ne aufgetaucht. Majest�tisch und still glitten sie scheinbar ohne Anstrengung �ber das Wasser. Manette schaute ihnen zu und sp�rte, dass Freddie neben ihr das ebenfalls tat. Nach einer Weile sagte Freddie nachdenklich:�Manette, ich habe angefangen, mich in Ians Buchhaltungsprogramm einzuarbeiten.�</p><p>�Ja, ich wei�.�</p><p>�Hm. Ja. Mir ist da etwas aufgefallen. Eigentlich sind mir mehrere Dinge aufgefallen, und ich wei� noch nicht so recht, was ich von alldem halten soll. Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht mal sicher, dass es sich um etwas Wichtiges handelt, aber trotzdem m�chte ich der Sache auf den Grund gehen.�</p><p>�Worum geht es denn?�</p><p>Freddie schaute sie an. Er schien zu z�gern. Dann sagte er:�Wusstest du, dass dein Vater alles finanziert, was mit Arnside House zu tun hat?�</p><p>�Er hat das Haus Nicholas und Alatea zur Hochzeit geschenkt.�</p><p>�Ja, sicher. Aber er kommt auch f�r die gesamten Restaurationskosten auf. Und die sind betr�chtlich. Hast du eine Ahnung, warum er das tut?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.�Ist das denn wichtig? Dad hat doch Geld genug.�</p><p>�Stimmt. Ian hat deinen Vater garantiert dazu gedr�ngt, Nicholas das Geld nur als Kredit zur Verf�gung zu stellen, und sei es zinslos und r�ckzahlbar in hundert Jahren. Und wie ich Ian kenne, hat er das alles irgendwo dokumentiert. Und denk doch blo� mal an Nicks Vergangenheit. Einem Junkie so viel Geld in die Hand zu dr�cken, das ist doch ��</p><p>�Ich glaube kaum, dass Dad ihm das Geld in die Hand gedr�ckt hat, Freddie. Wahrscheinlich bezahlt er einfach die Rechnungen. Au�erdem ist Nick kein Junkie, sondern ein Exjunkie.�</p><p>�Ian h�tte nicht gesagt <emphasis>Ex</emphasis>junkie. Nicht bei Nicks Geschichte.�</p><p>�Kann sein. Trotzdem � Nicholas wird irgendetwas von Dad erben. Vielleicht haben sie sich ja darauf geeinigt, dass Dad ihm sein Erbe schon jetzt auszahlt, damit Dad sich mit ihm daran freuen kann.�</p><p>Freddie wirkte nicht �berzeugt.�Wusstest du, dass dein Vater Mignon seit Jahren Unterhalt zahlt?�</p><p>�Was bleibt ihm denn anderes �brig? Seit dem Sturz in Launchy Gill hat sie ihn doch in der Hand. Man sollte meinen, Dad h�tte sie geschubst. Wahrscheinlich h�tte er es tun sollen.�</p><p>�Die monatlichen Unterhaltszahlungen sind neuerdings gestiegen.�</p><p>�Anpassung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten?�</p><p>�Was hat sie denn schon f�r Lebenshaltungskosten? Und er hat den Unterhalt nicht nur erh�ht, er hat ihn verdoppelt. Das h�tte Ian niemals zugelassen. Dagegen h�tte er protestiert. Wahrscheinlich hat er sogar versucht, deinen Vater dazu zu �berreden, dass er die Unterhaltszahlungen ganz einstellt.�</p><p>Manette �berlegte. Sie wusste, dass Freddie recht hatte. Aber einige Dinge, die Mignon betrafen, hatte er noch nie verstanden.�Sie hatte doch vor Kurzem diese Operation�, sagte sie.�Die Kosten daf�r hat der National Health Service bestimmt nicht �bernommen. Also muss jemand anders die Operation bezahlt haben, und das kann ja wohl nur Dad gewesen sein.�</p><p>�Dann h�tte er das Geld aber direkt an die Klinik �berwiesen.�</p><p>�Vielleicht hat er es an Mignon �berwiesen, damit sie die Rechnung selbst bezahlen konnte.�</p><p>�Aber warum �berweist er ihr diese Summe jeden Monat? Warum zahlt er ihr �berhaupt immer noch Unterhalt?�</p><p>Manette sch�ttelte den Kopf. Die Wahrheit war: Sie wusste es nicht.</p><p>Sie schwiegen eine Weile. Als Freddie schlie�lich seufzte, wusste sie, dass noch etwas auf sie zukam. Sie fragte ihn danach. Er holte tief Luft.</p><p>�Was ist eigentlich aus Vivienne Tully geworden?�, fragte er.</p><p>Sie schaute ihn an, doch er betrachtete weiterhin die Schw�ne auf dem See. Sie sagte:�Ich habe keine Ahnung. Warum?�</p><p>�Weil auch sie seit acht Jahren regelm��ige Zahlungen erh�lt.�</p><p>�Warum das denn?�</p><p>�Wenn ich das w�sste. Aber dein Vater wirft seit Jahren allen m�glichen Leuten viel Geld hinterher, Manette. Und ich glaube, Ian war der Einzige, der davon wusste.�</p><subtitle>AUF DEM WEG VON CHALK FARM NACH MARYLEBONE � LONDON</subtitle><p>Barbara Havers g�nnte sich gerade einen kleinen Imbiss, als Angelina Upman und ihre Tochter an ihre T�r klopften. Der Imbiss bestand aus einem Blaubeer-Pop-Tart und einer Portion Cottage Cheese � jede Mahlzeit sollte mindestens drei N�hrstoffgruppen enthalten, und in dieser Kombi waren immerhin zwei vertreten. Barbara stopfte sich schnell den letzten Bissen des Geb�cks in den Mund, ehe sie die T�r aufmachte, denn sie wollte sich von Hadiyyah nicht beim Verzehren eines Pop-Tart erwischen lassen.</p><p>Au�erdem rauchte sie beim Essen, und Hadiyyah entdeckte augenblicklich die Zigarette, die in einem Aschenbecher auf dem Tisch vor sich hinqualmte. Sie bedachte Barbara mit einem tadelnden Blick, verschr�nkte die Arme vor der Brust und tippte mit dem Fu� auf den Boden, sagte jedoch nichts. Dann schaute sie ihre Mutter an, eine tugendhafte Nichtraucherin, als wollte sie sagen:�Siehst du, mit was ich mich hier herumplagen muss?�</p><p>Angelina sagte:�Wir haben gute und schlechte Nachrichten. D�rfen wir reinkommen?�</p><p>O Gott, nein, dachte Barbara. Bisher war es ihr gelungen, Angelina von ihrer Bude fernzuhalten, und eigentlich h�tte das so bleiben sollen. Sie hatte ihr Schlafsofa nicht eingeklappt, sie hatte das Geschirr nicht gesp�lt, und �ber ihrer Sp�le hingen an einer behelfsm��igen W�scheleine f�nf Unterhosen zum Trocknen auf. Aber sie konnte ja schlecht in die Novemberk�lte hinaustreten und sich anh�ren, was Angelina und ihre Tochter von ihr wollten.</p><p>Also trat sie zur Seite und sagte:�Ich wollte gerade mit dem Hausputz anfangen�� eine derart himmelschreiende L�ge, dass sie ihr beinahe im Hals stecken geblieben w�re.</p><p>Hadiyyah sah sie zweifelnd an, doch Angelina kannte Barbara noch nicht gut genug, um zu wissen, dass f�r Barbara ein Hausputz etwa so verlockend war wie ein Besuch beim Zahnarzt.</p><p>Barbara sagte:�Kaffee? Tee? Ich kann ein paar Tassen sp�len. �In dem Berg aus schmutzigem Geschirr und Besteck befanden sich immerhin zehn Henkeltassen.</p><p>�Nein, nein, wir k�nnen nicht lange bleiben�, sagte Angelina.�Aber ich wollte Ihnen wenigstens wegen Dusty Bescheid sagen.�</p><p>Wie bitte �? fragte sich Barbara, bis ihr einfiel, dass das der Name des Fris�rs in Knightsbridge war, der dazu ausersehen war, ihr eine neue Frisur zu verpassen.�Ah, ja�, sagte sie und dr�ckte eilig die Zigarette aus, die immer noch im Aschenbecher qualmte.</p><p>�Ich habe Ihnen einen Termin bei ihm besorgt�, verk�ndete Angelina.�Aber der ist leider erst in einem Monat. Dusty ist immer restlos ausgebucht. So ist das nun mal bei erfolgreichen Friseuren, da stehen die Kundinnen Schlange.�</p><p>�Das kann ich mir vorstellen�, sagte Barbara, als h�tte sie eine Ahnung von so etwas.�Mist. Tja, da hab ich wohl Pech gehabt.�</p><p>�Pech gehabt?�, wiederholte Hadiyyah.�Du musst unbedingt da hingehen, Barbara. Er ist der Beste. Du wirst staunen, wie sch�n er dir die Haare schneidet.�</p><p>�Das glaub ich dir aufs Wort, Kleine�, sagte Barbara,�aber ich hab meiner Chefin gesagt, dass ich einen freien Tag brauche, um zum Fris�r zu gehen, und ich kann mir weder einen ganzen Monat freinehmen, noch ohne neue Frisur zur Arbeit erscheinen. Also ��Sie schaute Angelina an.�Kennen Sie vielleicht noch jemanden, den Sie mir empfehlen k�nnen?�</p><p>Angelina machte ein nachdenkliches Gesicht. Hob eine perfekt manik�rte Hand und legte sie an ihre Wange.�Wissen Sie was, ich glaube, da l�sst sich was machen. Vielleicht nicht bei Dusty, aber in seinem Salon. Er hat immer Leute da, die noch in der Ausbildung sind und unbedingt bei ihm lernen wollen � Vielleicht kann einer von denen Ihnen die Haare schneiden. Wenn ich mitkomme, kann ich Dusty bitten, zwischendurch mal einen Blick darauf zu werfen. Was halten Sie davon?�</p><p>In Anbetracht dessen, dass sie sich seit zwanzig Jahren die Haare in der Dusche abs�belte, konnte alles, was halbwegs professionell war, nur besser sein. Trotzdem fand Barbara es angebracht, sich ein bisschen skeptisch zu geben.�Hmm�, sagte sie.�Ich wei� nicht � Was meinen Sie? Das ist n�mlich wichtig, weil meine Chefin die Angelegenheit sehr ernst nimmt.�</p><p>�Das haut bestimmt hin�, versicherte ihr Angelina.�Es ist immerhin einer der besten Fris�rsalons, die nehmen nicht jeden als Lehrling an � Soll ich mich also darum k�mmern?�</p><p>�Ja, Barbara�, zwitscherte Hadiyyah.�Bitte sag Ja. Vielleicht k�nnen wir nachher noch alle zusammen zum Tee in ein Caf� gehen. Wir machen uns fein und setzen uns H�te auf und nehmen schicke Handtaschen mit und ��</p><p>�Ich glaube, heutzutage tr�gt niemand mehr einen Hut zum Tee�, fiel Angelina ihr ins Wort. Offenbar hatte sie das Entsetzen in Barbaras Gesicht gesehen.�Also, was meinen Sie, Barbara?�</p><p>Barbara hatte wirklich keine andere Wahl, denn in zwei Tagen musste sie wohl oder �bel mit einer neuen Frisur zur Arbeit erscheinen, und wenn sie keinen Profi an ihren Kopf lie�, musste sie die Sache selbst in die Hand nehmen, was diesmal nicht in Frage kam. Sie sagte:�Klingt gut�, woraufhin Angelina fragte, ob sie ihr Telefon benutzen k�nne, dann w�rde sie den Anruf gleich erledigen, bevor wieder etwas dazwischenkomme.</p><p>Als Hadiyyah quer durch das Zimmer flitzte, um das Telefon hinter dem verstaubten Fernseher hervorzuholen, fiel Barbara zum ersten Mal auf, dass das M�dchen nicht wie �blich zwei lange, ordentlich geflochtene Z�pfe hatte, sondern ihr Haar offen trug, aus dem Gesicht gehalten von einem h�bschen Haarreif.</p><p>W�hrend Angelina mit dem Salon telefonierte, machte Barbara Hadiyyah ein Kompliment zu ihrem sch�nen Haar. Hadiyyah strahlte. Ihre Mummy habe ihr das Haar geb�rstet, sagte sie. Ihr Daddy habe ihr immer nur Z�pfe geflochten, aber so habe sie ihr Haar immer getragen, bevor ihre Mummy nach Kanada gegangen war.</p><p>Barbara fragte sich, ob Hadiyyah das Haar schon seit Angelinas R�ckkehr offen trug. Gott, wenn dem so war, was sagte es dann �ber sie aus, dass es ihr eben erst aufgefallen war? Dar�ber wollte sie lieber nicht intensiver nachdenken, denn die Antwort konnte nur lauten, dass ihre Aufmerksamkeit in den letzten vier Monaten vor allem Angelina gegolten hatte oder, schlimmer noch, Angelina und Taymullah Azhar.</p><p>�Sehr gut. Perfekt�, sagte Angelina gerade.�Wir werden p�nktlich da sein. Und Sie sind sich ganz sicher, dass Cedric ��</p><p>Cedric? dachte Barbara.</p><p>�� seine Sache gut machen wird? � Sehr sch�n � Ja, danke. Bis dann. �Sie legte auf.�Heute Nachmittag um drei�, verk�ndete sie.�Dusty hat versprochen, sich Ihren Kopf anzusehen und die Frisur mit seinem Lehrling abzusprechen. K�mmern Sie sich einfach nicht um sein albernes Stargehabe, und nehmen Sie das alles nicht pers�nlich. Und hinterher gehen wir zum Tee in ein Caf�, wie Hadiyyah vorgeschlagen hat. Und zwar werden wir richtig vornehm mit dem Taxi zum Dorchester fahren. Ich lade Sie ein.�</p><p>�Wir gehen zum Tee ins Hotel Dorchester?�, quiekte Hadiyyah aufgeregt und schlug sich die H�nde vor die Brust.�Au ja! Du musst Ja sagen, Barbara!�</p><p>Barbaras Bed�rfnis, zum Tee ins Dorchester zu gehen, war etwa so gro� wie ihr Bed�rfnis, Drillinge in die Welt zu setzen. Aber Hadiyyah sah sie so hoffnungsvoll an, und Angelina hatte sich wirklich gro�e M�he gegeben. Wie konnte sie also Nein sagen?</p><p>�Tee im Dorchester, alles klar�, sagte sie, w�hrend sie sich fragte, was in drei Teufels Namen sie anziehen und wie sie das alles �berleben sollte.</p><p>Nachdem der Plan besiegelt war, verabschiedete Barbara ihre Freundinnen, zog sich halbwegs gepflegt an und fuhr zum Twins Club. Sie hielt es f�r ziemlich wahrscheinlich, dass Lord Fairclough in seinem Club abstieg, wenn er in London war. Und sollte das der Fall sein, gab es dort garantiert jemanden, der aus dem N�hk�stchen plaudern konnte.</p><p>Da Barbara noch nie einen privaten Club betreten hatte, war sie sich nicht ganz sicher, was sie erwartete. Sie rechnete mit von Zigarrenrauch geschw�ngerter Luft, alten M�nnern, die in persischen Pantoffeln umherschlurften, dem Klackern von Billardkugeln als Ger�uschkulisse, mit ledernen Sesseln vor einem offenen Kamin und zerlesenen alten Ausgaben der Satire-Zeitschrift <emphasis>Punch</emphasis> auf niedrigen Beistelltischen.</p><p>Womit sie nicht gerechnet hatte, war die alte Frau, die auf ihr Klingeln hin die T�r �ffnete. Die Frau sah aus, als w�rde sie schon hier arbeiten, seit der Club gegr�ndet worden war. Ihr Gesicht war nicht faltig, sondern runzlig, ihre Haut erinnerte an Pergamentpapier, und ihre Augen waren tr�b. Und anscheinend hatte sie ihr Gebiss vergessen. Oder sie besa� ganz einfach keins. Auch eine M�glichkeit, Di�t zu halten, dachte Barbara.</p><p>Sie mochte vielleicht zweitausend Jahre alt sein, aber sie war auf Draht. Sie musterte Barbara von oben bis unten und sagte dann v�llig unbeeindruckt:�Zutritt f�r Nichtmitglieder nur in Begleitung eines Mitglieds, meine Liebe. �Ihre Stimme klang wie die einer wesentlich j�ngeren Frau, was Barbara so verbl�ffte, dass sie sich beherrschen musste, um sich nicht nach einem Bauchredner umzusehen, der sich irgendwo versteckt hielt.</p><p>�Ich wollte mich um eine Mitgliedschaft bewerben�, sagte Barbara in der Hoffnung, wenigstens einen Fu� in die T�r zu bekommen. Hinter der Frau konnte sie dunkel get�felte W�nde und diverse Gem�lde sehen, aber mehr auch nicht.</p><p>�Das ist ein Herrenclub�, kl�rte die Alte sie auf.�Frauen ist der Zutritt nur in Begleitung eines m�nnlichen Mitglieds gestattet. �brigens nur zum Speisesaal. Und zu den Toiletten nat�rlich.�</p><p>Tja, so kam sie nicht weiter, dachte Barbara, also nickte sie und sagte:�Da w�r dann noch was anderes. �Sie zog ihren Scotland-Yard-Ausweis aus der Tasche.�Ich h�tte da ein paar Fragen zu einem Ihrer Mitglieder. Wenn Sie mich jetzt eintreten lassen w�rden?�</p><p>�Eben haben Sie gesagt, Sie wollten sich um eine Mitgliedschaft bewerben�, entgegnete die Frau.�Was wollen Sie denn nun? Mitglied werden oder Fragen stellen?�</p><p>�Eigentlich beides. Aber da das mit der Mitgliedschaft ja nun nichts wird, werd ich mich auf die Fragen beschr�nken. Ich w�rde es aber vorziehen, sie nicht hier vor der T�r zu stellen. �Sie trat einen Schritt vor.</p><p>Normalerweise funktionierte das, diesmal jedoch nicht. Die alte Dame lie� sich nicht beirren.�Was f�r Fragen?�, wollte sie wissen.</p><p>�Ich muss sie demjenigen stellen, der f�r den Club zust�ndig ist�, sagte Barbara.�Wenn Sie ihm Bescheid sagen k�nnten? Ich warte dann in der Eingangshalle. Oder wo auch immer Sie Polizisten warten lassen.�</p><p>�Hier gibt es keinen Gesch�ftsf�hrer. Es gibt einen Vorstand, und der setzt sich aus Mitgliedern zusammen, und wenn Sie sich mit einem von ihnen unterhalten wollen, dann m�ssen Sie n�chsten Monat wiederkommen, wenn der Vorstand tagt.�</p><p>�Tut mir leid, aber das geht nicht�, erwiderte Barbara.�Es geht um polizeiliche Ermittlungen.�</p><p>�Und hier geht es um Clubregeln�, entgegnete die Frau.�Soll ich den Anwalt des Clubs anrufen und ihn herbitten? Denn das ist die einzige M�glichkeit, wie Sie durch diese T�r kommen werden, meine Liebe, wenn Sie mich nicht �ber den Haufen rennen wollen.�</p><p>Verdammt, dachte Barbara, die Alte hatte wirklich Stacheldraht auf den Z�hnen.</p><p>�H�ren Sie�, sagte Barbara.�Ich habe ein paar ernste Fragen �ber eins Ihrer Mitglieder, und zwar in einem Fall, bei dem es sich um Mord handeln k�nnte.�</p><p>�Verstehe. �Die Frau legte den Kopf schief und �berlegte. Ihr dichtes Haar war schlohwei�. Barbara vermutete, dass sie eine Per�cke trug. In dem Alter hatte niemand mehr einen so kr�ftigen Haarwuchs. Das gab�s einfach nicht. Nicht mal bei der Queen Mum.�Tja, meine Liebe�, sagte die Frau,�wenn aus <emphasis>k�nnte sich um Mord handeln</emphasis> irgendwann <emphasis>es handelt sich um Mord</emphasis> wird, dann reden wir weiter.�</p><p>Damit machte sie einen Schritt zur�ck und schloss die T�r. Barbara stand drau�en und musste sich eingestehen, dass sie eine Schlacht verloren hatte, weil sie ein verflixtes Hilfsverb benutzt hatte.</p><p>Fluchend kramte sie eine Packung Players aus ihrer Tasche. Sie z�ndete sich eine an und �berlegte, wie sie weiter vorgehen sollte. Es musste jemanden geben, der in diesem Club arbeitete, jemanden, der Informationen zu bieten hatte: ein Koch, ein Kellner, eine Putzfrau. Die alte Schachtel konnte unm�glich alles selber machen. Sie ging die Eingangsstufen wieder hinunter und betrachtete das Geb�ude. Es war verriegelt und verrammelt, eine Festung, die die Privatsph�re ihrer Mitglieder sch�tzte.</p><p>Barbara schaute sich um. Vielleicht gab es noch eine andere M�glichkeit. Ein Laden mit einer neugierigen Verk�uferin, die durchs Fenster genau beobachtete, wie die gutbetuchten Herren vorfuhren und in ihren Club gingen? Eine Floristin, die regelm��ig Blumen lieferte? Ein Tabakh�ndler, bei dem die Mitglieder ihre Zigarren und ihren Schnupftabak kauften? Aber das Einzige, was sie entdecken konnte, war ein Taxistand auf der anderen Stra�enseite, nicht weit vom BBC-Geb�ude entfernt.</p><p>Ein Taxistand war besser als nichts. Taxifahrer hatten ihre Lieblingsstrecken. Die wussten, wo sie die besten Kunden aufgabeln konnten. Einen Taxistand gab es nur da, wo es sich lohnte. Und in dieser Stra�e hier lohnte es sich vielleicht nicht nur wegen der BBC, sondern auch wegen des Twins Club.</p><p>Barbara ging �ber den Platz, um ein bisschen zu plaudern. Die ersten drei Fahrer konnten ihr nichts sagen. Beim vierten hatte sie Gl�ck. Er kannte Lord Fairclough. Er kannte� die meisten feinen Pinkel�. Er plaudere gern mit ihnen, weil er ihnen damit auf die Nerven ging, und es mache ihm Spa� zu testen, wie lange es dauerte, bis sie ihm sagten, er solle die Klappe halten. Aber Fairclough sei einem Schw�tzchen nie abgeneigt, wenn er allein war. Wenn er in Begleitung war, sehe das allerdings schon wieder ganz anders aus.</p><p>Barbara wurde hellh�rig. Ob er jemand Bestimmten meine, fragte sie.</p><p>Ja, sagte der Fahrer, es sei immer dieselbe.</p><p>Seine Frau? fragte Barbara.</p><p>Der Mann lachte laut.</p><p>Ob er noch wisse, wo er die beiden hingefahren habe?</p><p>Der Fahrer grinste. Er tippte sich an die Stirn, der Ort, wo er seine Informationen speicherte. Er sagte, nat�rlich wisse er das noch, denn es sei immer dieselbe Adresse. Au�erdem, f�gte er mit einem Augenzwinkern hinzu, sei die Frau ziemlich jung.</p><p>Das wurde ja immer besser, dachte Barbara. Bernard Fairclough und eine junge Frau, die sich nach einem Stelldichein im Club immer zur selben Adresse fahren lie�en. Sie fragte den Mann, ob er sie jetzt gleich zu dieser Adresse bringen k�nne.</p><p>Er schaute zu der Schlange aus Taxis vor seinem Wagen, und Barbara wusste, was das bedeutete. Wenn er jetzt einen Passagier aufnahm und losfuhr, w�rde er tierischen �rger bekommen. Sie sagte, sie w�rde warten, bis er an der Reihe war. Dann zeigte sie ihm ihren Ausweis. Polizeiliche Ermittlungen, erkl�rte sie.</p><p>�K�nnen Sie bezahlen?�, fragte er, und als sie nickte, sagte er:�Dann steigen Sie ein, S��e.�</p><subtitle>AUF DEM WEG VON MILNTHORPE NACH LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>�Verstehst du denn nicht, was das bedeutet, Simon?�</p><p>Wenn Deborah ihm diese Frage stellte, wusste St. James, dass er auf der Hut sein musste. Denn dann hatte sie sich l�ngst etwas in den Kopf gesetzt, was sie von ihm best�tigt haben wollte, und in diesem Fall konnte dieses Etwas sie in eine gef�hrliche Situation bringen. Er sagte:�Ehrlich gesagt, nein, Liebling. Alatea Fairclough ist also v�llig au�er sich geraten, als du dich mit ihr unterhalten hast, aus Gr�nden, die uns nicht ganz klar sind, die aber sicherlich nichts mit Ian Cresswells Tod zu tun haben. Am besten, du rufst ihren Mann an, sagst ihm, es ist etwas dazwischengekommen und du musst nach London zur�ck.�</p><p>�Ohne zu erfahren, was er von mir will?�, fragte Deborah ungl�ubig und sah ihn misstrauisch an. Wie jede Ehefrau kannte sie die Schwachstellen ihres Mannes. Und sie wusste, dass seine gr��te Schwachstelle sie selbst war.�Warum in aller Welt sollte ich das tun?�</p><p>�Du hast selbst gesagt, sie wei�, dass du nicht die bist, als die du dich ausgegeben hast. Du kannst doch nicht annehmen, dass sie Nicholas nichts davon erz�hlt hat. Wenn er dich angerufen und gesagt hat, er m�chte gern mit dir reden � das hat er doch getan, oder?�� , dann wird er von dir wissen wollen, warum seine Frau so au�er sich war, nachdem du gegangen warst.�</p><p>�Dar�ber w�rdest <emphasis>du</emphasis> mit mir reden wollen. <emphasis>Er</emphasis> will vielleicht �ber ganz andere Dinge mit mir reden. Und ich werde nie erfahren, welche Dinge das sind � es sei denn, ich rufe ihn zur�ck und verabrede mich mit ihm.�</p><p>Sie standen auf dem Parkplatz des Crow &amp; Eagle neben St. James� Mietwagen, und er musste los, weil er mit Lynley in Ireleth Hall verabredet war. Er war noch nicht wirklich sp�t dran, aber wenn dieses Gespr�ch noch l�nger dauerte, w�rde es knapp werden. Deborah war ihm nach drau�en gefolgt, weil sie im Gegensatz zu ihm das Gespr�ch noch nicht als beendet betrachtete. Sie hatte ihren Mantel an, was ein schlechtes Zeichen war. Andererseits hatte sie weder ihre Handtasche noch ihre Kamera mit nach unten gebracht, was ihn hoffen lie�.</p><p>Deborah hatte ihm haarklein von ihrem Treffen mit Alatea Fairclough berichtet, und er war der Meinung, dass sie sich aus der Sache zur�ckziehen sollte, da ihre Tarnung aufgeflogen war. Deborah dagegen lie� nicht locker.</p><p>St. James erinnerte sie daran, dass ein Reporter der <emphasis>Source</emphasis> ebenfalls in der Gegend herumgeschn�ffelt habe, und wenn jetzt auch noch eine Fotografin auftauchte, die sich unter falschen Vorgaben Zugang zu ihrem Haus verschaffte, sei es ja wohl verst�ndlich, dass Alatea Faircloughs Nerven blank lagen. Was die Frau denn Deborahs Meinung nach zu verbergen habe? Einen Nazi in der Familie?</p><p>Dummes Zeug, sagte Deborah.</p><p>Dummes Zeug? St. James enthielt sich eines Kommentars und wartete ab.</p><p>�Ich glaube, das hat irgendwas mit dieser Zeitschrift zu tun, Simon. Alatea hatte kein Problem � okay, sie war vielleicht ein bisschen nerv�s, aber mehr nicht �, bis ich die Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> erw�hnt habe. Dabei habe ich nur versucht, ein bisschen N�he herzustellen, hab ihr ein bisschen von unseren Problemen mit dem Schwangerwerden erz�hlt, das war alles. Und da ist sie komplett ausgeflippt und ��</p><p>�Deborah, das sind wir doch alles schon durchgegangen�, entgegnete er geduldig.</p><p>�Ich habe ihr gesagt, dass ich freiberufliche Fotografin bin. Ich habe ihr erkl�rt, was das bedeutet. Ich habe ihr erz�hlt, die Firma Query Productions h�tte mich angeheuert, eine Start-up-Firma, die bisher noch keinen Film produziert hat. All das ist mir mitten in dem ganzen Stress eingefallen, denn als N�chstes wird sie in Erfahrung bringen, dass es gar keine Firma namens Query Productions gibt, wie wir beide sehr wohl wissen. Wenn ich das geschafft habe, dann werde ich auch mit Nicholas Fairclough fertigwerden.�</p><p>�Du befindest dich in einer ganz schlechten Position�, sagte St. James, die Hand bereits auf dem Griff der Fahrert�r.�Du solltest die Finger davon lassen. �Er verbot ihr nicht, an der Sache dranzubleiben. Er sagte nicht, dass er sich w�nschte, sie w�rde nichts weiter unternehmen. Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass er sie damit nur auf die Palme brachte, deshalb versuchte er, sie auf sanfte Weise umzustimmen. Letztendlich hatte er einfach nur schreckliche Angst, sie zu verlieren, aber das konnte er ihr nicht sagen. Denn darauf w�rde sie nur kontern, was er f�r einen Quatsch rede, er werde sie nicht verlieren. Woraufhin er sie an Helens Tod erinnern w�rde und an den Krater, den ihr Tod in Lynleys Leben gerissen hatte. Doch Helens Tod war ein Thema, das er nicht anr�hren wollte. Er w�rde es nicht ertragen, dar�ber zu reden, und er wusste, dass sich daran nie etwas �ndern w�rde.</p><p>�Ich kann auf mich aufpassen�, sagte sie.�Was kann er denn schon tun? Mich von einer Klippe sto�en? Mir eins �berbraten? Irgendetwas stimmt nicht mit Alatea, und ich stehe kurz davor herauszufinden, was das ist. Wenn es sich um etwas von Bedeutung handelt und Ian Cresswell dahintergekommen ist � Verstehst du, was ich meine?�</p><p>Das Problem war, dass er nur zu gut verstand, was sie meinte. Aber das konnte er ihr nicht sagen, denn das w�rde nur zu einer Schlussfolgerung f�hren, die er vermeiden wollte. Also sagte er stattdessen:�Ich bin bald wieder zur�ck. Dann reden wir weiter, einverstanden?�</p><p>Dieser Blick. Gott, war die Frau stur. Sie wandte sich ab und ging ins Gasthaus zur�ck. Doch damit war die Sache noch lange nicht aus der Welt, das war ihm klar. Er w�nschte, er h�tte die Geistesgegenwart besessen, ihre Autoschl�ssel mitzunehmen.</p><p>Ihm blieb nichts anderes �brig, als nach Ireleth Hall zu fahren, denn alle Vorkehrungen waren bereits getroffen. Valerie w�rde bei Mignon im Turm sein und ihre Tochter ablenken und von den Fenstern fernhalten. Lynley und Lord Fairclough erwarteten ihn mit den Lampen, die sie aufgetrieben hatten, um das Innere des Bootshauses auszuleuchten.</p><p>St. James brauchte nicht lange f�r den Weg und fand Ireleth Hall ohne Probleme. Das Tor stand offen, und er fuhr die Auffahrt hoch. In der Ferne grasten Damhirsche, die hin und wieder die K�pfe hoben, um zu wittern. St. James war beeindruckt von der h�geligen Parklandschaft mit den pr�chtigen Eichen, Platanen, Buchen und Birkenw�ldchen inmitten ausgedehnter Rasenfl�chen.</p><p>Lynley und Bernard Fairclough traten aus dem Haus, als St. James hielt, und Lynley stellte die beiden M�nner einander vor. Fairclough ging voraus zum Bootshaus, unter dem Arm ein paar gro�e Handt�cher. Er erkl�rte, sie h�tten den Strom von der Au�enbeleuchtung abgezapft, ein paar Lampen aufgestellt und f�r alle F�lle zus�tzlich mehrere starke Taschenlampen besorgt.</p><p>Der See lag spiegelglatt da, und die Stille hier drau�en wurde nur unterbrochen von Vogelgezwitscher und dem entfernten Ger�usch eines Motorboots, das irgendwo auf dem Wasser herumkurvte. Die T�r zum Bootshaus stand offen, und St. James fiel auf, dass sie �ber kein Schloss verf�gte. Zweifellos hatte Lynley das bereits gesehen und seine Schl�sse daraus gezogen.</p><p>Im Innern waren mehrere Baustrahler so aufgestellt worden, dass sie die Stelle beleuchteten, wo Ian Cresswell ins Wasser gest�rzt war. Die Strahler warfen lange Schatten in alle Richtungen au�er auf die Stelle, die sie untersuchen mussten, deswegen schalteten Lynley und Fairclough ihre Taschenlampen ein, um die verschatteten Bereiche auszuleuchten.</p><p>An einer Wand stand eine Werkbank, die, dem strengen Geruch nach zu urteilen, wahrscheinlich dazu diente, Fische auszunehmen. Und dazu brauchte man Werkzeug, dachte St. James, darum w�rden sie sich auch noch k�mmern m�ssen. Vier Boote waren im Bootshaus vert�ut: Ian Cresswells Skullboot, ein Ruderboot, ein Motorboot und ein Kanu. Das Ruderboot geh�re Valerie Fairclough, erkl�rte man ihm. Die anderen Boote wurden von allen Mitgliedern der Familie hin und wieder benutzt.</p><p>Vorsichtig n�herte sich St. James der Stelle, wo die Steine herausgebrochen waren. Er bat um eine Taschenlampe.</p><p>Er sah gleich, wie leicht sich jemand eine Sch�delfraktur hatte zuziehen k�nnen, der hier gest�rzt war. Die Steine waren grob behauen von der Art, wie sie h�ufig in Cumbria f�r Gem�uer benutzt wurden. Es handelte sich um Schiefer mit Graniteinsprengseln, und sie wurden durch M�rtel in Position gehalten. Aber der M�rtel war alt und an einigen Stellen br�chig. Es w�re kein Problem gewesen, die Steine zu lockern. Sie h�tten sich allerdings auch ganz von allein gelockert haben k�nnen, schlie�lich stiegen hier ewig lange schon Menschen aus ihren Booten.</p><p>St. James suchte nach Spuren, die auf die Verwendung eines Brecheisens hinweisen k�nnten. Der M�rtel war jedoch in derart schlechtem Zustand, dass sich nur sehr schwer w�rde feststellen lassen, ob eine Besch�digung auf das Alter des Gem�uers oder auf die Anwendung eines Werkzeugs zur�ckzuf�hren war. Eine gl�nzende Stelle w�re ein Hinweis auf den Einsatz eines Werkzeugs gewesen, aber St. James konnte keine solche Stelle finden.</p><p>Nachdem er den Bereich, wo die Steine fehlten, Zentimeter um Zentimeter abgesucht hatte, erhob er sich.</p><p>�Und? Was meinen Sie?�, fragte Fairclough.</p><p>�Nichts zu sehen.�</p><p>�Sind Sie sich ganz sicher?�Fairclough wirkte erleichtert.</p><p>�Nicht die geringste Spur von Manipulation. Wir k�nnten nat�rlich noch st�rkere Lampen einsetzen und alles noch einmal mit der Lupe absuchen. Dass man es f�r einen Unfall gehalten hat, leuchtet mir indes durchaus ein. Bisher jedenfalls.�</p><p>Fairclough schaute Lynley an.�Bisher?�</p><p>�Dass am M�rtel keine Spuren zu entdecken sind�, erkl�rte ihm Lynley,�hei�t nicht, dass es keine Spuren an den fehlenden Steinen gibt. �Er bedachte seinen Freund mit einem schiefen Blick.�Ich hatte eigentlich gehofft, darum herumzukommen.�</p><p>St. James grinste.�Ich auch. Aber ich stelle fest, dass behindert zu sein auch Vorteile hat.�</p><p>Lynley reichte Fairclough seine Taschenlampe und zog sich bis auf die Unterhose aus. Dann verzog er das Gesicht und lie� sich ins Wasser gleiten.�Verflucht�, murmelte er, als das Wasser ihm bis zur Taille reichte. Offenbar hatte er Boden unter den F��en, denn er f�gte hinzu:�Zum Gl�ck ist es nicht tief.�</p><p>�Das spielt sowieso keine Rolle�, sagte St. James.�Jetzt kommt der beste Teil, Tommy. Die Steine sind bestimmt leicht zu finden, denn es sind die einzigen ohne Algen.�</p><p>�Ich wei߫, knurrte Lynley.</p><p>Er tauchte unter. St. James hatte recht, es war ganz einfach. Lynley fand die gesuchten Steine ohne Probleme, holte sie aus dem Wasser und legte sie auf den Anleger. Er blieb jedoch im Wasser.�Da ist noch etwas. K�nnen Sie Ihre Taschenlampe auf diese Stelle hier richten?�, sagte er zu Fairclough und tauchte erneut unter.</p><p>W�hrend Fairclough die von Lynley angegebene Stelle beleuchtete, untersuchte St. James die Steine. Er war gerade zu dem Schluss gekommen, dass sie keine Hieb- oder Kratzspuren aufwiesen, als Lynley wieder auftauchte und etwas auf den Anleger knallte. Dann hievte er sich aus dem Wasser und begann zitternd, sich abzutrocknen.</p><p>St. James betrachtete den Gegenstand, den Lynley aus dem Wasser geholt hatte. Fairclough fragte:�Was haben Sie denn da gefunden?�</p><p>Es war ein Filetiermesser, das man zum Ausnehmen von Fischen benutzte. Es hatte eine d�nne, knapp f�nfundzwanzig Zentimeter lange Klinge. Und es hatte nicht lange im Wasser gelegen.</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Deborah fragte sich, was zum Teufel ihr nach Simons Meinung passieren konnte, wenn sie Nicholas Fairclough zur�ckrief. Die Konfrontation mit Alatea hatte sie absolut souver�n gemeistert, und dasselbe gedachte sie zu tun, wenn sie sich mit Nicholas traf.</p><p>Als sie ihn anrief, bat er um ein Treffen. Er fragte sie, ob sie noch mehr Informationen von ihm brauche, und sagte, er wisse, dass Filmemacher immer an Bildern interessiert seien, die ihr Thema illustrierten, und da gebe es ja jede Menge M�glichkeiten. Er schlug vor, mit ihr nach Barrow-in-Furness zu fahren und ihr einige Gegenden zu zeigen, wo Obdachlose n�chtigten. Das k�nnte einen wichtigen Aspekt zum Gesamtbild beitragen.</p><p>Deborah war einverstanden. Das war eine zus�tzliche Gelegenheit, Informationen auszugraben, und das war es doch, worum Tommy sie gebeten hatte. Wo sie sich treffen sollten, fragte sie Nicholas.</p><p>Er w�rde sie an ihrem Gasthaus abholen, sagte er.</p><p>Sie sah darin keine Gefahr. Schlie�lich hatte sie ihr Handy, und Simon und Tommy waren beide in der N�he. Sie hinterlie� ihrem Mann einen Zettel mit Nicholas Faircloughs Handynummer und ging nach drau�en.</p><p>Zwanzig Minuten nach ihrem Gespr�ch fuhr Nicholas in einem alten Hillman vor. Deborah hatte vor dem Gasthaus auf ihn gewartet, und als er vorschlug, noch irgendwo einen Kaffee zu trinken, ehe sie nach Barrow-in-Furness aufbrachen, hatte sie nichts dagegen.</p><p>Sie fuhren nach Milnthorpe, das einen h�bschen Marktplatz besa�. An der einen Seite des Platzes erhob sich auf einer kleinen Anh�he eine Kirche, w�hrend sich an zwei der anderen drei Seiten L�den, Restaurants und Caf�s aneinanderreihten. Neben einem Schnellimbiss namens Milnthorpe Chippy, der alles im Angebot hatte, was sich frittieren lie�, befand sich ein kleines Caf�, das Nicholas ansteuerte. Kurz bevor sie es erreichten, rief Nicholas pl�tzlich:�Niamh! Niamh!�Eine Frau, die gerade aus einem China-Imbiss trat, drehte sich um.</p><p>Die Frau war klein und zierlich und kam Deborah in Anbetracht der Tageszeit �bertrieben aufgedonnert vor, denn sie trug Stilettos und ein kurzes Cocktailkleid, das ihre wohlgeformten Beine zur Geltung brachte. Das tiefe Dekolletee gab den Blick auf �ppige Br�ste frei, bei deren Form offenbar k�nstlich nachgeholfen worden war. In der T�r hinter ihr stand ein Mann, der eine Sch�rze mit dem Logo des China-Imbiss trug. Offensichtlich hatten die beiden irgendetwas miteinander zu tun, wie Deborah aus dem schmachtenden Blick schloss, mit dem der Mann der Frau in die Augen schaute, als sie sich noch einmal umdrehte, um ihm etwas zu sagen.</p><p>�Wenn Sie mich kurz entschuldigen w�rden?�, sagte Nicholas zu Deborah und lief zu der Frau hin�ber. Die wirkte alles andere als erfreut �ber die Begegnung, denn sie bedachte ihn mit einem eisigen Blick. Sie sagte etwas zu dem Mann in der Sch�rze, der daraufhin erst sie, dann Nicholas musterte und dann in dem Imbiss verschwand.</p><p>Nicholas sagte etwas zu der Frau, die ihm schweigend zuh�rte, w�hrend Deborah sich langsam den beiden n�herte in der Hoffnung, etwas von dem Gespr�ch aufzuschnappen.</p><p>�� geht dich nichts an�, sagte Niamh gerade.�Und Manette ebenso wenig.�</p><p>�Nat�rlich nicht. �Nicholas klang freundlich und umg�nglich.�Aber sie geh�ren nun mal zur Familie, Niamh, und du wirst verstehen, dass sie sich Sorgen macht. Und ich auch.�</p><p>�Sie geh�ren zur Familie?�, sagte Niamh sarkastisch.�Dass ich nicht lache. Was habt ihr denn unternommen, als er abgehauen ist? Geh�rten sie auch zu eurer Familie, als er unsere zerst�rt hat?�</p><p>Nicholas schien peinlich ber�hrt.�Ich w�sste nicht, wie wir das h�tten verhindern k�nnen.�</p><p>�Ach nein? Dann will ich dir mal auf die Spr�nge helfen. Dein verdammter Vater h�tte ihm androhen k�nnen, dass er ihn aus der Firma wirft, wenn er nicht zur Vernunft kommt! Dein verdammter Vater h�tte ihm sagen k�nnen, wenn du das tust, bin ich fertig mit dir! Und ihr anderen h�ttet dasselbe tun k�nnen. Aber das habt ihr nicht, weil Ian euch alle unter Kontrolle ��</p><p>�Das stimmt nicht�, fiel Nicholas ihr ins Wort.</p><p>�Keiner von euch hat es je gewagt, sich mit ihm anzulegen. <emphasis>Keiner!</emphasis>�</p><p>�H�r zu, ich will mich nicht dar�ber streiten. Wir sind in mancher Hinsicht einfach unterschiedlicher Meinung, das ist alles. Ich wollte dir nur sagen, dass es Tim wirklich dreckig geht und ��</p><p>�Glaubst du etwa, das w�sste ich nicht? Ich, die ich eine Schule f�r ihn finden musste, wo seine Mitsch�ler nicht mit dem Finger auf ihn zeigen, weil sein Vater es heimlich mit einem Schei�araber getrieben hat? Ich wei�, dass es ihm dreckig geht, und ich werde mich darum k�mmern. Haltet euch gef�lligst aus unserem Leben raus! Das habt ihr ja auch getan, als Ian noch gelebt hat!�</p><p>Damit drehte sie sich um und st�ckelte auf die Autos zu, die am Stra�enrand geparkt standen. Nicholas blieb einen Moment lang nachdenklich stehen, ehe er zu Deborah zur�ckkehrte.</p><p>�Verzeihen Sie. Familienangelegenheiten.�</p><p>�Ah�, sagte sie.�War das eine Verwandte von Ihnen?�</p><p>�Die Frau meines Vetters. Er ist vor Kurzem ertrunken, und es f�llt ihr schwer � mit dem Verlust umzugehen. Sie hat zwei Kinder.�</p><p>�Das tut mir leid. Wollen wir �?�Sie zeigte auf das Caf�.�Oder w�re Ihnen ein andermal lieber?�</p><p>�Nein, nein�, sagte er.�Ich m�chte wirklich mit Ihnen reden. Diese Sache mit Barrow war, ehrlich gesagt, ein Vorwand, weil ich Sie unbedingt sehen wollte.�</p><p>Deborah war klar, dass sein Bed�rfnis, sie zu sehen, nichts mit ihrem Charme zu tun hatte, und so wappnete sie sich f�r das, was kommen w�rde. Als er sie angerufen und um ein Treffen gebeten hatte, war sie davon ausgegangen, Alatea h�tte ihm nicht die Wahrheit �ber ihr Gespr�ch mit Deborah gesagt, aber da hatte sie sich offenbar get�uscht.</p><p>Sie folgte ihm in das Caf�, bestellte sich eine Tasse Kaffee und ein St�ck Kuchen und bem�hte sich, vollkommen entspannt zu wirken.</p><p>Erst nachdem die Kellnerin ihre Bestellungen gebracht hatte, kam er auf Alatea zu sprechen.�Ich wei� nicht, wie ich das Thema anschneiden soll�, sagte er,�und daher werde ich einfach ganz direkt sein. Sie m�ssen sich von meiner Frau fernhalten, wenn das mit dem Dokumentarfilm etwas werden soll. Das gilt auch f�r die Filmleute, das m�ssen Sie denen sagen.�</p><p>Deborah setzte ein verbl�fftes Gesicht auf.�Ihre Frau?�, sagte sie und f�gte hinzu, als w�rde ihr allm�hlich d�mmern, worauf er anspielte:�Ich habe sie gestern aus der Fassung gebracht, und sie hat Ihnen davon erz�hlt, nicht wahr? Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, sie w�rde es f�r sich behalten. Es tut mir sehr leid, Mr. Fairclough. Es war wirklich nicht meine Absicht, Alatea zu verstimmen. Ziemlich ungeschickt von mir, muss ich zugeben. Es war diese Zeitschrift, nicht wahr?�</p><p>Zu ihrer �berraschung fragte er ziemlich schroff:�Welche Zeitschrift?�</p><p>Merkw�rdige Reaktion, dachte Deborah.�<emphasis>Conception</emphasis>�, sagte sie. Am liebsten h�tte sie gefragt: Gibt es denn noch eine andere Zeitschrift, die ich mir ansehen sollte? Sie �berlegte krampfhaft, welche anderen Zeitschriften auf dem Tisch gelegen hatten, aber diese eine hatte sie so sehr interessiert, dass sie die anderen gar nicht weiter beachtet hatte.</p><p>Nicholas sagte:�Ach die. Nein, nein, das ist nicht � Ach, vergessen Sie�s.�</p><p>Was sie nat�rlich nicht konnte. Sie entschloss sich, ganz direkt vorzugehen.�Mr. Fairclough�, sagte sie,�stimmt irgendetwas nicht? Wollen Sie mir irgendetwas mitteilen? Oder mich etwas fragen? Kann ich Sie in irgendeiner Weise beruhigen �?�</p><p>Er befingerte den Henkel seiner Kaffeetasse und seufzte.�Es gibt Dinge, �ber die Alatea partout nicht sprechen will, und dazu geh�rt unter anderem ihre Vergangenheit. Ich wei�, dass Sie nicht hergekommen sind, um die Vergangenheit meiner Frau zu erforschen, aber genau das bef�rchtet sie.�</p><p>�Verstehe�, sagte Deborah.�Hm, das einzige Thema des Films ist Ihr Wehrturm-Projekt. Aber in dem Zusammenhang k�nnten nat�rlich Dinge �ber Sie erw�hnt werden � Sind Sie ganz sicher, dass Ihre Frau nicht einfach um Sie besorgt ist? Dass sie um Ihren Ruf f�rchtet?�</p><p>Er lachte sp�ttisch.�Ich habe mir selbst so viel geschadet, als ich Drogen genommen habe, da kann kein Film noch gr��eren Schaden anrichten. Nein, es geht darum, womit Alatea sich durchgeschlagen hat, bevor wir uns kennengelernt haben. Ich verstehe �berhaupt nicht, warum sie sich so dar�ber aufregt. Es war vollkommen harmlos. Ich meine, es ist ja nicht so, als h�tte sie Pornos gedreht oder so etwas �hnliches.�</p><p>Deborah nickte ernst. Sie sah Nicholas mitf�hlend an, sagte jedoch nichts. Sie hatte den Eindruck, dass er ganz kurz davorstand, das Geheimnis auszuplaudern. Er brauchte nur noch einen ganz kleinen Schubs.</p><p>Schlie�lich sagte sie nachdenklich:�Sie haben sich in Utah kennengelernt, nicht wahr? Ich habe ein paar Jahre in den USA studiert. In Santa Barbara. Kennen Sie die Stadt? Das ist ein sehr teures Pflaster, und ich � Na ja, ich hatte sehr wenig Geld, und es gibt immer M�glichkeiten, sich etwas nebenbei zu verdienen ��Sie �berlie� es seiner Fantasie, womit sie sich �ber Wasser gehalten hatte. In Wahrheit hatte sie sich ausschlie�lich auf ihr Studium konzentriert, aber das konnte er unm�glich wissen.</p><p>Er sch�rzte die Lippen, vielleicht �berlegte er, wie viel er ihr anvertrauen konnte. Er trank einen Schluck Kaffee, stellte seine Tasse ab und sagte:�Bei ihr waren es Dessous.�</p><p>�Dessous?�</p><p>�Alatea hat als Dessous-Model gearbeitet. F�r Kataloge. Und f�r Werbeanzeigen in Zeitschriften.�</p><p>Deborah l�chelte.�Und sie m�chte nicht, dass ich davon erfahre? Aber das ist doch nichts Ehrenr�hriges, Mr. Fairclough. Und ehrlich gesagt, sie hat die Figur daf�r, sie ist eine sch�ne Frau und ��</p><p>�Sexy Dessous�, sagte er. Er lie� einen Augenblick verstreichen, vielleicht, um Deborah Zeit zu geben, sich �ber die Bedeutung dieser Information klarzuwerden.�Es ging um Kataloge f�r Leute mit einem speziellen Geschmack, verstehen Sie? Anzeigen in ganz bestimmten Zeitschriften. Es war nicht � sie waren nicht � Ich meine, es ging da nicht gerade um Edelmode. Heute ist ihr das alles unglaublich peinlich, und sie hat Angst, dass jemand davon erfahren und sie dem�tigen k�nnte.�</p><p>�Verstehe. Also, da k�nnen Sie Ihre Frau wirklich beruhigen. Ich interessiere mich nicht im Geringsten f�r ihre Vergangenheit. �Sie schaute aus dem Fenster, das zum Marktplatz hin gelegen war. Dort herrschte Hochbetrieb, und vor einem dunkelgr�nen Imbisswagen mit der wei�en Aufschrift <emphasis>Sue�s Hot Food Bar</emphasis> hatte sich eine Schlange gebildet. An mehreren Campingtischen sa�en Leute und lie�en sich die dampfenden Gerichte schmecken, die Sue auf Pappteller schaufelte.</p><p>�Ich dachte, dass ich sie auf die Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> angesprochen habe, h�tte Ihre Frau so aus dem H�uschen gebracht�, sagte Deborah.�Aber da habe ich wohl von mir auf andere geschlossen. Ich h�tte das Thema nicht anschneiden sollen. Richten Sie ihr doch bitte aus, dass es mir leidtut.�</p><p>�Nein, das war es nicht�, entgegnete Nicholas.�Sie w�nscht sich ein Kind, das ist richtig, doch eigentlich bin ich im Moment derjenige, der dauernd davon anf�ngt, und das macht sie ein bisschen empfindlich. Das Problem ist diese Geschichte mit den Dessous und ihre Angst, dass die Fotos irgendwann irgendwo auftauchen k�nnten.�</p><p>Er schaute aus dem Fenster und betrachtete den Imbissstand und die Tische davor, und pl�tzlich �nderte sich sein Gesichtsausdruck. Sein Blick wurde eisig, und er sagte:�Bitte entschuldigen Sie mich einen Moment. �Ehe Deborah etwas erwidern konnte, war er schon drau�en.</p><p>Er ging auf einen Mann zu, der an einem der Tische sa� und a�. Der Mann zog den Kopf ein, offenbar in der vergeblichen Hoffnung, dass Nicholas ihn nicht sehen w�rde. Als Nicholas ihn an der Schulter packte, stand er auf.</p><p>Der Mann war ein H�ne, mindestens zwei Meter gro�. Beim Aufstehen stie� er mit dem Kopf an den Sonnenschirm, der �ber dem Tisch aufgespannt war, so dass ihm seine M�tze herunterrutschte und sein feuerrotes Haar zum Vorschein kam.</p><p>Deborah nahm ihre Kamera aus der Tasche, w�hrend der Mann vom Tisch wegtrat und sich anh�rte, was Nicholas ihm zu sagen hatte. Nicholas schien vor Wut zu kochen. Der Mann zuckte die Achseln.</p><p>Deborah hob ihre Kamera und begann, die beiden miteinander streitenden M�nner zu fotografieren.</p><subtitle>KENSINGTON � LONDON</subtitle><p>Barbara Havers kam sich vor wie ein Gl�ckspilz, als das Taxi von Portland Place nur bis Rutland Gate, s�dlich von Hyde Park fuhr. Genauso gut h�tte die Adresse in Wapping oder noch weiter drau�en liegen k�nnen. Zwar h�tte Lynley ihr die Fahrtkosten sicherlich erstattet, aber sie h�tte gar nicht genug Bares dabei gehabt, um eine l�ngere Fahrt zu bezahlen, und sie bezweifelte, dass der Fahrer einen Zungenkuss als Entgelt akzeptiert h�tte. An all das hatte sie gar nicht gedacht, als sie frohgemut in das Taxi gestiegen war, aber sie hatte erleichtert aufgeatmet, als der Fahrer in Richtung Westen gefahren und schlie�lich kurz hinter dem Hochhaus der Hyde Park Barracks links abgebogen war.</p><p>Er zeigte auf eine imposante wei�e Stadtvilla. Die vielen Klingelschilder neben dem Eingang lie�en erkennen, dass das Haus in Eigentumswohnungen umgewandelt worden war. Barbara stieg aus und bezahlte den Fahrer, der ihr noch mit einem Augenzwinkern erz�hlte, dass das Paar jedes Mal hier ausgestiegen sei und dass offenbar beide einen Hausschl�ssel besa�en, wie er beobachtet hatte.</p><p>Nachdem das Taxi weggefahren war, �berlegte Barbara, wie sie weiter vorgehen sollte.</p><p>Wohnungen bedeutete, dass sie den Namen des entsprechenden Eigent�mers erst in Erfahrung bringen musste. Sie z�ndete sich eine Zigarette an und ging vor dem Haus auf und ab. Das Nikotin, sagte sie sich, w�rde sie auf Ideen bringen. Eine Zigarettenl�nge reichte aus.</p><p>Sie trat an die Haust�r und betrachtete die Klingelschilder, auf denen, wie es typisch war f�r London, keine Namen, sondern Nummern standen. Aber an einer Klingel stand <emphasis>Portier</emphasis>, ein richtiger Gl�cksfall, denn nicht in vielen Wohnh�usern gab es einen Portier. Es war ein Service, der die Wohnungen in dem Geb�ude aufwertete, jedoch auch eine Stange Geld kostete.</p><p>Eine m�nnliche Stimme erkundigte sich nach ihrem Begehr. Sie erkl�rte dem Portier, sie wolle sich nach einer Wohnung erkundigen, von der sie geh�rt habe, dass sie demn�chst verkauft werde. Ob er kurz Zeit habe?</p><p>Der Mann wirkte nicht gerade begeistert, lie� sich jedoch erweichen. Er bet�tigte den T�r�ffner und sagte ihr, sein B�ro liege im hinteren Teil des Geb�udes, am Ende des Flurs.</p><p>Es war vollkommen still im Haus, abgesehen von den ged�mpften Verkehrsger�uschen von der Kensington Road, die am Ende der Stra�e Rutland Gate querte. Lautlos ging sie �ber den verschossenen t�rkischen L�ufer, der auf dem Marmorboden lag. In der Eingangshalle lagen sich die T�ren zu zwei Wohnungen gegen�ber, und unter einem gro�en Spiegel mit vergoldetem Rahmen stand ein Tisch mit Sortierf�chern f�r die Post. Sie warf einen kurzen Blick auf die F�cher, aber ebenso wie die Klingelschilder waren sie lediglich mit Nummern versehen.</p><p>Hinter dem Treppenhaus und dem Aufzug fand sie schlie�lich eine T�r mit der Aufschrift <emphasis>Portier</emphasis>. Barbara klopfte. Der Mann, der ihr �ffnete, sah aus wie ein Rentner, und er trug eine Uniform, die ihm am Hals zu eng und am Bauch zu weit war. Er musterte Barbara von oben bis unten und bedachte sie dann mit einem Blick, der besagte, falls sie die Absicht hatte, in diesem Geb�ude eine Wohnung zu kaufen, dann solle sie sich auf eine Verhandlungsbasis gefasst machen, die sie aus ihren roten Sportschuhen hauen w�rde.</p><p>�Ich wei� nichts von einer Wohnung, die verkauft werden soll�, sagte er ohne Umschweife.</p><p>�Es handelt sich um eine Art Pr�ventivschlag, wenn Sie verstehen, was ich meine. Darf ich �?�Sie zeigte auf sein B�ro und schenkte ihm ein liebensw�rdiges L�cheln.�Ich werde Sie nicht lange aufhalten.�</p><p>Er trat von der T�r zur�ck und neigte den Kopf in Richtung seines Schreibtischs in einer Ecke des Zimmers. Er hatte es sich hier richtig gem�tlich gemacht, dachte Barbara, halb B�ro, halb Wohnzimmer komplett mit Fernseher. Gerade lief ein alter Film, in dem Sandra Dee und Troy Donahue sich als Jugendliche in den Armen lagen, eine verbotene Liebe, untermalt von der ber�hmten Filmmusik. Es dauerte einen Moment, bis ihr der Titel des Films einfiel. <emphasis>Summer Place</emphasis>, genau. Herzschmerz und Verzweiflung. Was gab es Sch�neres? Gebt mir die Kugel, dachte Barbara.</p><p>Der Portier folgte ihrem Blick und schaltete den Fernseher hastig aus, vielleicht, weil er das Gef�hl hatte, dass der Film zu viel �ber ihn aussagte. Dann setzte er sich hinter seinen Schreibtisch. Barbara musste stehen, aber das hatte er wohl beabsichtigt.</p><p>Barbara bedankte sich, wie sie fand, angemessen f�r die Bereitschaft des Portiers, mit ihr zu reden. Sie stellte ein paar Fragen zum Geb�ude, Fragen, die einem potentiellen K�ufer in den Sinn kommen w�rden, bevor er sein sauer verdientes Geld f�r eine hoffnungslos �berteuerte Immobilie in Kensington ausgab. Baujahr, Gesamtzustand, Probleme mit Heizung, Wasserleitungen, L�ftung, Probleme zwischen den Bewohnern, unerw�nschte Personen im Haus, das Viertel selbst, L�rmbel�stigung, Angebot an Kneipen, Restaurants, M�rkten, kleinen L�den und so weiter und so fort. Nachdem sie alles abgefragt hatte, was ihr einfiel, und sich seine Antworten in ihrem kleinen Notizbuch mit Spiralbindung aufgeschrieben hatte, warf sie ihren K�der aus:�Gro�artig. Vielen herzlichen Dank. Das stimmt fast alles mit dem �berein, was Bernard mir erz�hlt hat.�</p><p>Er biss an.�Bernard? Ist das Ihr Immobilienmakler? Wie gesagt, ich wei� nichts von einer Wohnung, die verkauft wird.�</p><p>�Nein, nein, Bernard Fairclough. Er hat mir erz�hlt, eine Bekannte von ihm wohnt hier, und die hat ihm gesagt � Mir f�llt nicht mehr ein, wie sie hie� ��</p><p>�Das muss Vivienne Tully sein�, sagte er.�Sie wohnt in Nummer sechs. Aber ich glaube nicht, dass sie ihre Wohnung verkauft. Die ist doch viel zu praktisch f�r sie.�</p><p>�Ah, ja�, sagte Barbara.�Nicht Viviennes Wohnung. Ich dachte erst, es w�rde ihre sein, und war schon ganz aufgeregt, aber Bernie ��Ein schlauer Einfall, ihn <emphasis>Bernie</emphasis> zu nennen, dachte sie.�� meinte, sie f�hlt sich sehr wohl hier im Haus.�</p><p>�Ja, das kann ich best�tigen�, sagte der Portier.�Eine sehr nette Frau, m�chte ich meinen. Denkt Weihnachten immer an mich, und das kann ich nicht von allen hier behaupten. �Er schaute kurz zum Fernseher hin�ber und schluckte. Barbara sah, dass auf einem Tischchen neben einem Sessel ein Teller mit Bohnen auf Toast wartete. Zweifellos wollte er sich nicht nur seinem Abendessen, sondern auch Sandra, Troy und ihrer verbotenen Liebe widmen. Sie konnte es ihm nicht verdenken. Leidenschaftliche und verbotene Liebe machten das Leben doch erst interessant �</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Lynley trank gerade einen Aperitif mit Valerie und Bernard Fairclough, als Mignon pl�tzlich vor ihnen stand. Sie sa�en in einem Zimmer, das Valerie als Salon bezeichnet hatte, wo ein Kohlefeuer im Kamin brannte und die K�lte vertrieb. Da keiner von ihnen geh�rt hatte, wie Mignon ins Haus gekommen war, waren sie alle ziemlich �berrascht, als die T�r aufflog.</p><p>Mignon schob ihren Rollator vor sich her. Es hatte wieder angefangen zu regnen, aber Mignon hatte sich ohne Regenmantel auf den Weg gemacht � und zwar mit voller Absicht, wie Lynley vermutete. Ihre Haare klebten ihr am Kopf, aus ihrem Alice-im-Wunderland-Haarband lief ihr das Wasser �ber die Stirn in die Augen, und ihre Kleider und Schuhe waren vollkommen durchn�sst. Wahrscheinlich hatte sie sich f�r diesen dramatischen Auftritt eine ganze Weile in den str�menden Regen gestellt. Bei ihrem Anblick sprang ihre Mutter entsetzt auf. Lynley erhob sich h�flich.</p><p>�Mignon!�, rief Valerie aus.�Warum hast du denn keinen Schirm mitgenommen?�</p><p>�Ich kann ja wohl schlecht einen Schirm halten, wenn ich dieses Ding hier benutze�, erwiderte Mignon und verwies auf ihren Rollator.</p><p>�Ein Regenmantel h�tte auch ausgereicht�, sagte ihr Vater. Lynley fiel auf, dass er nicht aufgestanden war. Anscheinend durchschaute er Mignons Masche.</p><p>�Daran hab ich nicht gedacht�, sagte Mignon.</p><p>�Komm�, sagte Valerie,�setz dich ans Feuer, Liebes. Ich hole dir ein Handtuch.�</p><p>�Lass nur�, entgegnete Mignon.�Ich gehe gleich wieder zur�ck. Ihr esst doch gleich zu Abend, oder? Da ich f�r heute nicht eingeladen bin, m�chte ich euch nicht unn�tig st�ren.�</p><p>�Du brauchst doch keine Einladung�, sagte Valerie.�Du bist hier immer willkommen. Aber da du lieber � wegen ��Es war klar, dass sie in Lynleys Gegenwart nicht mehr sagen wollte.</p><p>Mignon dagegen schon.�Ich wurde wegen Adipositas operiert, Thomas. Ich war fett wie eine Kuh. Sie machen sich keine Vorstellung. Das Fett, das ich �ber zwanzig Jahre mit mir rumgeschleppt habe, hat mir die Knie ruiniert. Die werden als N�chstes ersetzt. Dann bin ich wieder so gut wie neu, und dann kommt bestimmt bald ein netter Mann vorbei und erl�st meine Eltern von meiner Last. Das hoffen sie zumindest.�</p><p>Sie durchquerte das Zimmer und setzte sich in den Sessel, den ihre Mutter ihr angeboten hatte.�Ich k�nnte einen Sherry vertragen�, sagte sie zu ihrem Vater. Dann wandte sie sich an Lynley:�Anfangs dachte ich, deswegen w�ren Sie hier. Dumm von mir, ich wei�, aber Sie d�rfen nicht vergessen, wer mein Vater ist. Der f�hrt immer etwas im Schilde. Als ich Sie gesehen habe, wusste ich sofort, dass Sie Teil eines seiner Pl�ne sind. Ich habe mich nur in der Natur des Plans geirrt und gedacht, Sie w�ren meinetwegen gekommen.�</p><p>�Also wirklich, Mignon�, sagte ihre Mutter.</p><p>�Ich glaube, ich h�tte jetzt doch gern ein Handtuch. �Es schien Mignon zu gefallen, ihre Mutter springen zu lassen, denn sie l�chelte voller Genugtuung, als Valerie aus dem Zimmer eilte. Ihr Vater hatte sich immer noch nicht ger�hrt, und sie sagte zu ihm:�Bekomme ich denn nun einen Sherry, Dad?�</p><p>Bernard, dachte Lynley, sah aus, als w�re er drauf und dran, etwas zu sagen, was er sp�ter bedauern w�rde. Unter anderen Umst�nden h�tte Lynley abgewartet, um zu erfahren, um was es sich handelte, aber sein Anstandsgef�hl gewann die Oberhand. Er stellte sein Glas auf einem Beistelltisch ab und machte Anstalten, sich zu erheben.�Bleiben Sie sitzen, ich mache das schon�, sagte Bernard.</p><p>�Gib mir einen gro�en�, sagte Mignon.�Ich hatte gerade ein aufregendes Liebesintermezzo mit Mr. Seychellen und w�rde mich gern volllaufen lassen, sozusagen statt der Zigarette danach.�</p><p>Fairclough sah seine Tochter so unverhohlen angewidert an, dass Mignon lachte.</p><p>�Ist dir das peinlich?�, fragte sie.�Ach, das tut mir aber leid.�</p><p>Ihr Vater f�llte ein gro�es Glas mit Sherry. Die Menge, dachte Lynley, w�rde durchaus f�r einen Vollrausch ausreichen, falls die Frau das Glas austrank, und sie schien tats�chlich die Absicht zu haben.</p><p>Als Fairclough seiner Tochter das Glas reichte, kam Valerie mit dem Handtuch. Sie ging zu Mignon und trocknete ihr z�rtlich das Haar. Lynley rechnete damit, dass Mignon ihre Mutter �rgerlich wegsto�en w�rde, aber das tat sie nicht. Im Gegenteil, sie lie� sich gen�sslich Haare, Gesicht und Hals abtrocknen.</p><p>Sie sagte:�Meine Mutter kommt mich nie besuchen, wussten Sie das, Thomas? Also, sie kommt schon r�ber, um mir mein Essen zu bringen � wie die Schlossherrin, die den Armen Almosen bringt �, aber einfach so zum Plaudern? Das ist seit Jahren nicht mehr passiert. Und als sie heute pl�tzlich dastand, war ich v�llig von den Socken. Ich dachte, was kann die Gute nur wollen?�</p><p>Valerie lie� das Handtuch sinken. Sie schaute ihren Mann an. Er sagte nichts. Sie schienen sich beide f�r irgendeinen Angriff zu wappnen, und Lynley fragte sich, wie in aller Welt sie sich ihrer eigenen Tochter gegen�ber in diese Position gebracht hatten.</p><p>Mignon trank einen ordentlichen Schluck Sherry. Sie hielt das Glas mit beiden H�nden wie ein Priester den Kelch.�Sehen Sie, meine Mutter und ich haben uns einfach nichts zu sagen�, fuhr sie fort.�Sie interessiert sich nicht f�r mein Leben, und ich interessiere mich nicht f�r ihres, glauben Sie mir. Da gibt es dann nicht viel Gespr�chsstoff. Man tauscht sich �bers Wetter aus und dann? Wor�ber soll man noch reden? Abgesehen von ihrem langweiligen Formschnittgarten und ihrem noch langweiligeren Fantasiegarten?�</p><p>Endlich griff ihr Vater ein.�Mignon, bist du gekommen, um mit uns zu Abend zu essen, oder hat dein Besuch einen anderen Grund?�</p><p>�Treib mich nicht in eine Enge�, sagte Mignon.�Du wirst es bereuen.�</p><p>�Darling�, sagte ihre Mutter.</p><p>�Ich bitte dich. Falls es einen <emphasis>Darling</emphasis> in der Familie gibt, wissen wir doch beide, dass ich das nicht bin.�</p><p>�Das stimmt nicht.�</p><p>�Gott. �Mignon verdrehte die Augen.�Es hei�t immer nur Nicholas hier, Nicholas dort, seit dem Tag, an dem er geboren wurde, glauben Sie mir, Thomas. Endlich der ersehnte Sohn! Aber deswegen bin ich nicht hier. Ich will �ber diesen erb�rmlichen kleinen Kr�ppel reden.�</p><p>Lynley verstand nicht gleich, was sie meinte. Er dachte nat�rlich an St. James, der behindert war seit einem Unfall, den er, Lynley, verursacht hatte. Den Mann, mit dem er seit der Schulzeit befreundet war, als <emphasis>erb�rmlich</emphasis> und <emphasis>klein</emphasis> zu bezeichnen, war indes so unpassend, dass er glaubte, Mignon redete von jemand ganz anderem. Sie belehrte ihn eines Besseren, als sie fortfuhr.</p><p>�Meine Mutter ist nicht so lange bei mir geblieben, wie sie es Ihrem Auftrag gem�� h�tte tun sollen. Und nachdem sie weg war, habe ich mich gefragt, was sie bei mir gewollt hatte, und es war wirklich nicht schwer, das zu erraten. Ich habe euch alle vom Bootshaus raufkommen sehen. Dich, Dad, Sie, Thomas, und diesen Kr�ppel. Und mit den nassen Haaren und dem Handtuch um die Schultern sah Thomas ganz so aus, als w�re er ins Wasser gefallen. Aber nicht der Kr�ppel. Der war trocken. So wie du, Dad. �Sie trank noch einen kr�ftigen Schluck Sherry, dann fuhr sie fort:�Das Handtuch sagte mir, dass Thomas nicht aus Versehen ausgerutscht und ins Wasser gefallen war. Seine Kleider waren n�mlich trocken. Das bedeutet, dass er absichtlich ins Wasser gesprungen ist. Da die Badesaison l�ngst vorbei ist, muss er also einen anderen Grund daf�r gehabt haben. Und ich nehme an, dass der Grund etwas mit Ian zu tun hat. Na, wie bin ich?�</p><p>Lynley sp�rte, dass Fairclough ihn ansah. Valerie schaute abwechselnd ihre Tochter und ihren Mann an. Lynley sagte nichts. Er wollte Fairclough die Entscheidung �berlassen, ob er die Vermutungen seiner Tochter best�tigen oder bestreiten wollte. Er selbst hielt es f�r kl�ger, die Karten auf den Tisch zu legen, was die Gr�nde f�r seine Anwesenheit in Ireleth Hall anging, anstatt weiterhin eine Scharade zu spielen.</p><p>Aber Fairclough sagte nichts. Offenbar interpretierte sie sein Schweigen als Best�tigung.�Du glaubst also nicht, dass Ians Tod ein Unfall war, hab ich recht, Dad? Das war jedenfalls das Erste, was ich dachte, als ich euch drei vom See raufkommen sah. Ich habe �brigens nur wenige Sekunden gebraucht, um im Internet rauszufinden, wer unser Besucher in Wirklichkeit ist. H�ttest du mir seine Identit�t vorenthalten wollen, h�ttest du dir besser ein Pseudonym f�r ihn ausgedacht, Dad.�</p><p>�Niemand hat dir irgendetwas vorenthalten, Mignon�, sagte Fairclough.�Tommy ist hier als mein Gast. Die Tatsache, dass er au�erdem Polizist ist, hat nichts ��</p><p>�Er ist Detective�, fiel sie ihm ins Wort,�und zwar bei Scotland Yard, Dad, und ich gehe davon aus, dass du das wei�t. Du hast ihn hierher eingeladen, und jetzt schleicht er zusammen mit diesem anderen Typen hier auf dem Gel�nde herum � also, ich kann immer noch zwei und zwei zusammenz�hlen. �Sie �nderte ihre Sitzposition und schaute Lynley an. Ihre Mutter war einen Schritt zur�ckgetreten und stand stumm da, das Handtuch in der Hand.�Sie f�hren also hier still und heimlich eine kleine Ermittlung durch. Im Auftrag von �? Doch nicht von Dad, oder?�</p><p>�Mignon�, sagte Fairclough.</p><p>�Denn das w�rde bedeuten, dass Dad unschuldig ist�, fuhr sie unbeirrt fort.�Und das halte ich, ehrlich gesagt, f�r ziemlich unwahrscheinlich.�</p><p>�Mignon!�, stie� Valerie hervor.�Wie kannst du so etwas sagen!�</p><p>�Dad h�tte einen guten Grund gehabt, unseren lieben Ian um die Ecke zu bringen, stimmt�s, Dad?�</p><p>Fairclough antwortete seiner Tochter nicht. Sein Blick verriet nichts. Entweder er war solche Konfrontationen mit ihr gew�hnt, oder er wusste, dass sie nicht mehr preisgeben w�rde. Einen Moment lang herrschte angespannte Stille. Der Wind fegte irgendetwas gegen die Fenster des kleinen Salons. Valerie zuckte zusammen.</p><p>�Aber das gilt auch f�r mich�, sagte Mignon schlie�lich.�Nicht wahr, Dad?�Sie lehnte sich in ihrem Sessel zur�ck, es war nicht zu �bersehen, dass sie die Situation genoss. Sie schaute ihren Vater an und sagte zu Lynley:�Dad wei� nicht, dass ich wei�, dass Ian meine Unterhaltszahlungen einstellen wollte, Thomas. Unser guter Ian hat immer �ber den B�chern gebr�tet und nach M�glichkeiten gesucht, Kosten einzusparen. Tja, und ich verursache nun mal ziemlich hohe Kosten. Allein der Turm hat ein Verm�gen verschlungen, und seine Instandhaltung ist nicht gerade billig. Plus mein monatlicher Unterhalt. Und wie Sie mit Ihrem detektivischen Sp�rsinn herausgefunden haben werden, macht es mir Spa�, Geld auszugeben. Im Vergleich zu dem, was Dad �ber die Jahre mit der Firma verdient hat, brauche ich gar nicht viel. Doch Ian fand, dass ich selbst das bisschen nicht verdient hatte. Ich muss meinem Vater zugutehalten, dass er Ian nie beigepflichtet hat. Aber wir wissen beide � Dad und ich �, dass er es sich jederzeit h�tte anders �berlegen und seine Zahlungen an mich h�tte einstellen k�nnen. Habe ich recht, Dad?�</p><p>Fairclough sa� da mit versteinerter Miene. Valerie verfolgte das Geschehen sehr aufmerksam. Das war aufschlussreicher f�r Lynley als alle Informationen, die sie ihm freiwillig gegeben h�tte.</p><p>�Valerie�, sagte Bernard schlie�lich, ohne den Blick von seiner Tochter abzuwenden.�Ich glaube, es ist Zeit f�rs Abendessen, meinst du nicht auch? Mignon m�chte jetzt gehen.�</p><p>Mignon l�chelte. Sie kippte ihren Sherry und sagte spitz:�Ich glaube, ich brauche Hilfe auf dem Weg dorthin, Dad.�</p><p>�Ich bin �berzeugt, dass du das sehr gut alleine schaffst�, entgegnete ihr Vater.</p></section><section><title><p>8.�November</p></title><subtitle>AUF DEM WEG VON CHALK FARM NACH VICTORIA � LONDON</subtitle><p>Barbara schrie auf, als sie sich im Spiegel sah. Sie war am fr�hen Morgen schlaftrunken ins Bad gestolpert und hatte ganz vergessen, dass ihr Erscheinungsbild sich vollkommen ver�ndert hatte. Ihr blieb fast das Herz stehen, und sie fuhr herum, bereit, es mit der Frau aufzunehmen, die sie in einem Winkel des Spiegels entdeckt hatte. Es dauerte nur wenige Sekunden, aber sie f�hlte sich wie eine Idiotin, als sie zur Besinnung kam und alle Ereignisse des Vortags �ber ihr zusammenschlugen wie eine hei�e Welle aus Scham und etwas anderem, das sie nicht genau definieren konnte.</p><p>Nachdem sie das Haus aufgesucht hatte, in dem Vivienne Tully wohnte, hatte sie Angelina Upman auf dem Handy angerufen und ihr gesagt, sie sei gerade in Kensington, und es sehe so aus, als m�sse sie diesen Fris�rtermin absagen, da der Weg nach Chalk Farm einfach zu weit sei. Aber Angelina hatte entgegnet, von Kensington nach Knightsbridge sei es ja nur ein Katzensprung. Sie w�rden sich eben gleich dort treffen, anstatt gemeinsam hinzufahren. Dann war Hadiyyah pl�tzlich in der Leitung gewesen, anscheinend hatte sie ihrer Mutter das Handy aus der Hand gerissen.�Du <emphasis>kannst</emphasis> das nicht absagen, Barbara. Au�erdem hast du doch den Befehl von deiner Chefin, oder? Und es tut ja auch nicht weh!�Dann hatte sie in verschw�rerischem Ton hinzugef�gt:�Und hinterher gehen wir zum Tee ins Dorchester. Mummy sagt, da ist einer, der die ganze Zeit Klavier spielt, und ein Kellner geht rum mit einem silbernen Tablett voll Sandwiches, und es gibt frische Scones, die noch warm sind, und ganz leckeren Kuchen.�</p><p>Barbara lie� sich widerstrebend darauf ein. Also gut, sie w�rden sich in Knightsbridge treffen. Was w�rde sie nicht alles tun, um Sandwiches auf einem Silbertablett serviert zu bekommen �</p><p>Ein Pop-Psychologe, dachte Barbara, h�tte das gro�e Ereignis im Fris�rsalon als Erfahrung bezeichnet, an der man w�chst. Angelinas Beschreibung von Dusty hatte sich als vollkommen zutreffend erwiesen. Nachdem Barbara im Stuhl eines seiner Lehrlinge Platz genommen hatte, war er her�bergekommen und hatte nach einem kurzen Blick auf ihren Kopf theatralisch gest�hnt:�O Gott! Aus welchem Jahrhundert stammen Sie denn?�Er war d�nn, sah gut aus, hatte in Spitzen abstehende Haare und eine f�r November ungew�hnlich gesunde Br�une, die er sich nur in einem Solarium erworben haben konnte. Ehe Barbara auf seine Bemerkung hatte kontern k�nnen, hatte er seinen Lehrling angewiesen:�K�rzen, Str�hnchen mit einszweiundachtzig und vierundsechzig. Und ich werde mir Ihr Werk ansehen, wenn es fertig ist. �Dann hatte er zu Barbara gesagt:�Also wirklich, so lange, wie Sie schon damit rumlaufen, h�tten Sie auch noch die sechs Wochen warten k�nnen, dann h�tte ich das selbst �bernommen. Womit in aller Welt waschen Sie sich die Haare, wenn man fragen darf?�</p><p>�<emphasis>Fairy Liquid</emphasis>.�</p><p>�Sie belieben zu scherzen. Aber ich nehme an, Sie kaufen das Zeug im Supermarkt, oder?�</p><p>�Wo sollte ich mir denn wohl sonst mein Shampoo kaufen?�</p><p>Er hatte entsetzt die Augen verdreht.�Gott. �Dann hatte er zu Angelina gesagt:�Sie sehen bezaubernd aus, wie immer�, hatte ihr ein K�sschen auf die Wange gehaucht und Barbara seinem Lehrling �berlassen. Hadiyyah hatte er g�nzlich ignoriert.</p><p>Es hatte eine Ewigkeit gedauert, und es war die H�lle gewesen, und als Dustys Lehrling mit Barbara fertig war, hatte sie einen modischen Kurzhaarschnitt mit blonden und r�tlichen Str�hnchen. Der Lehrling � nicht Cedric, sondern eine junge Frau aus Essex, die trotz ihrer vier Lippenpiercings und der Schultertattoos sehr sympathisch war � hatte ihr dringend vom Gebrauch ihres vertrauten <emphasis>Fairy Liquid</emphasis> abgeraten und ihr stattdessen eine Flasche eines s�ndhaft teuren Elixirs aufgeschwatzt, dessen� Pflegeformel � mehr Leuchtkraft, bis zu sieben Wochen Farbschutz und perfekte K�mmbarkeit �versprach � und dazu einen spannenderen Freundeskreis.</p><p>Mit Grausen hatte Barbara die Rechnung bezahlt und sich gefragt, wie es m�glich war, dass Frauen regelm��ig so viel Kohle f�r etwas zum Fenster hinauswarfen, das sie genauso gut selbst in der Dusche erledigen konnten.</p><p>Beim Duschen am n�chsten Morgen hatte sie sich den Kopf mit Frischhaltefolie umwickelt, um ihre teure Frisur vor dem Wasser zu sch�tzen. Als sie sp�ter in einer weiten Flanellhose mit Gummizug und einem ausgebeulten Kapuzen-Sweatshirt an der Anrichte stand und sich einen Erdbeer-Pop-Tart toastete, hatte sie pl�tzlich Hadiyyas Stimme geh�rt, und gleich darauf hatte das M�dchen auch schon an Barbaras T�r geklopft.</p><p>�Bist du da? Bist du da?�, rief Hadiyyah aufgeregt.�Ich habe Daddy mitgebracht, damit er sich deine neue Frisur ansehen kann!�</p><p>�O nein�, fl�sterte Barbara. Sie war noch nicht bereit, jemandem unter die Augen zu treten, am allerwenigsten Taymullah Azhar, dessen Stimme sie durch die T�r h�rte, auch wenn sie nicht verstehen konnte, was er sagte. Sie hielt den Atem an und wartete in der Hoffnung, Hadiyyah w�rde annehmen, dass sie schon zur Arbeit gefahren war. Was nat�rlich Unsinn war, denn es war noch nicht einmal acht Uhr, und selbst wenn Hadiyyah Barbaras Gewohnheiten nicht genau kennen w�rde, h�tte sie ihren Mini sehen m�ssen, der vor dem Haus stand. Es blieb ihr also nichts anderes �brig, als die T�r aufzumachen.</p><p>�Siehst du, Dad? Siehst du?�, rief Hadiyyah.�Mummy und ich waren gestern mit Barbara bei Mummys Fris�r. Sieht Barbara nicht h�bsch aus? Alle im Dorchester haben sie angekuckt.�</p><p>�Ah, ja�, sagte Azhar. Barbara w�re am liebsten im Erdboden versunken.</p><p>Sie sagte:�Mal was anderes, was? Bin heute Morgen fast in Ohnmacht gefallen vor Schreck, als ich in den Spiegel gekuckt hab.�</p><p>�Es sieht keineswegs erschreckend aus�, entgegnete Azhar ernst.</p><p>�Okay. Na ja. Ich wollte auch nur sagen, dass ich mich selbst nicht wiedererkannt hab.�</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> finde, dass Barbara <emphasis>ganz</emphasis> h�bsch aussieht�, sagte Hadiyyah zu ihrem Vater.�Und Mummy findet das auch. Mummy sagt, die neue Frisur macht, dass Barbaras Gesicht strahlt und ihre Augen leuchten. Barbara hat n�mlich <emphasis>ganz</emphasis> sch�ne Augen, sagt Mummy, und die sollte sie betonen. Dusty hat Barbara gesagt, sie soll sich den Pony rauswachsen lassen, damit ��</p><p>�<emphasis>Khushi</emphasis>�, schnitt Azhar ihr liebevoll das Wort ab,�ihr habt das sehr gut gemacht, du und deine Mutter. Aber jetzt lassen wir Barbara in Ruhe fr�hst�cken und machen uns auf den Weg. �Er schaute Barbara lange und ernst an. Dann sagte er:�Die Frisur steht Ihnen gut�, legte seiner Tochter z�rtlich eine Hand auf die Schulter und bugsierte sie in Richtung Haust�r.</p><p>Hadiyyah h�pfte unerm�dlich plappernd den ganzen Weg bis zum Haus neben ihrem Vater her. Barbara schaute ihnen nach. Seit sie ihn kannte, war Azhar ein ernster Typ gewesen, doch diesmal war er ihr noch bedr�ckter vorgekommen als gew�hnlich. Sie konnte es sich nicht erkl�ren, aber da Angelina zurzeit arbeitslos war, hatte es wom�glich damit zu tun, dass er f�r die Rechnung aus dem Dorchester w�rde aufkommen m�ssen. Angelina hatte an nichts gespart und als Erstes Champagner bestellt, um auf Barbaras wundersame Verwandlung anzusto�en.</p><p>Nachdenklich machte Barbara die T�r zu. Wenn sie Azhar in eine unangenehme Lage gebracht hatte, dann musste sie unbedingt etwas unternehmen, auch wenn sie nicht so recht wusste, was das sein k�nnte, au�er dass sie ihm ein paar Pfund zusteckte, die er wahrscheinlich sowieso nicht annehmen w�rde.</p><p>Nachdem sie ihr Fr�hst�ck beendet hatte, bereitete sie sich mental auf den Tag vor, der sie erwartete. Obwohl sie offiziell heute freihatte, stand ein Besuch bei Scotland Yard auf dem Plan, und das bedeutete, dass sie sich auf einiges an Sticheleien seitens ihrer Kollegen w�rde gefasst machen m�ssen, wenn diese ihre neue Frisur erblickten.</p><p>Normalerweise h�tte sie das Unvermeidliche noch ein bisschen hinausschieben k�nnen, aber Lynley brauchte nun mal Informationen, an die sie nirgendwo so gut herankam wie im Yard, und so blieb ihr nichts anderes �brig, als sich in die Victoria Street zu begeben und sich dort so unauff�llig wie m�glich zu verhalten.</p><p>Sie hatte einen Namen � Vivienne Tully �, aber viel mehr auch nicht. Nach ihrem Gespr�ch mit dem Portier hatte sie noch ein paar wenige Informationen sammeln k�nnen. Ein paar an Vivienne Tully adressierte Briefe in einem der Postf�cher in der Eingangshalle hatten ihr best�tigt, dass die junge Frau in Apartment Nr. 6 wohnte, das sich im dritten Stock befand, wie Barbara nach einem kurzen Sprint die Treppe hoch festgestellt hatte. Es handelte sich um die einzige Wohnung auf dieser Etage, aber als Barbara an die T�r geklopft hatte, hatte sie lediglich in Erfahrung gebracht, dass Vivienne Tully eine Putzfrau besch�ftigte, die auch die T�r �ffnete, falls jemand sich bemerkbar machte, w�hrend sie mit Staubsauger und Schrubber hantierte. Die Frage nach Ms. Tullys Aufenthaltsort hatte Barbara nichts weiter eingebracht als die Erkenntnis, dass die Putzfrau so gut wie gar kein Englisch sprach. Dem Akzent nach zu urteilen stammte sie irgendwie aus dem Baltikum, und unter Zuhilfenahme einer Zeitschrift, die auf einem kleinen Tisch lag, und mehrmaligem Zeigen auf eine Standuhr hatte sie eine kleine Pantomime aufgef�hrt, aus der Barbara geschlossen hatte, dass Vivienne Tully entweder T�nzerin beim K�niglichen Ballett war oder mit einer Freundin namens Bianca zu einer Auff�hrung des K�niglichen Balletts oder zum Ballettuntericht gegangen war. Auf jeden Fall war klar: Vivienne Tully war nicht zu Hause und wurde fr�hestens in zwei Stunden zur�ckerwartet. Wegen des Fris�rtermins hatte Barbara nat�rlich nicht auf die Dame warten k�nnen, und so war Vivienne Tully, als Barbara nach Knightsbridge geeilt war, ein unbeschriebenes Blatt geblieben.</p><p>Um das Blatt zu f�llen, w�rde Barbara einen Abstecher in den Yard machen, und wenn sie schon mal dabei war, konnte sie auch gleich nachsehen, was sie �ber Ian Cresswell, Bernard Fairclough und diese Argentinierin in Erfahrung bringen konnte, die Lynley erw�hnt hatte, Alatea Vasquez del Torres. Sie lie� ihren Mini an und fuhr in Richtung Westminster und hoffte inst�ndig, dass sie in den Korridoren von New Scotland Yard m�glichst wenigen ihrer Kollegen �ber den Weg laufen w�rde.</p><p>Anfangs hatte sie, was ihre diesbez�glichen �ngste anging, einigerma�en Gl�ck. Die einzigen Personen, denen sie begegnete, waren Winston Nkata und die Abteilungssekret�rin Dorothea Harriman. Dorothea, schon immer der Inbegriff der Eleganz und Expertin in allen Mode- und Kosmetikfragen, blieb in ihren Zw�lf-Zentimeter-Stilettos wie angewurzelt stehen und rief aus:�Gro�artig, Detective Sergeant! <emphasis>Absolut</emphasis> gro�artig! Wer hat Ihnen denn diese schicke Frisur verpasst?�Sie ber�hrte Barbaras Haare mit ihren schlanken Fingern.�Und dieser Glanz. Traumhaft. Unser Detective Superintendent Ardery wird ganz entz�ckt sein, warten Sie�s ab.�</p><p>Abzuwarten war das Letzte, wonach Barbara der Sinn stand.�Danke, Dee�, sagte sie.�Mal was anderes, was?�</p><p>�<emphasis>Anders</emphasis> ist gar kein Ausdruck!�, erwiderte Dorothea.�Sie m�ssen mir unbedingt den Namen des Fris�rs verraten. W�rden Sie das tun?�</p><p>�Na klar�, sagte Barbara.�Warum denn nicht?�</p><p>�Also, manche Frauen w�rden das nie tun, wissen Sie. Man sch�tzt sich halt vor der Konkurrenz ��Sie trat einen Schritt zur�ck und betrachtete das Meisterwerk mit einem Seufzer.�Da werd ich ganz gr�n vor Neid.�</p><p>Dar�ber, dass Dorothea Harriman sie um ihre Frisur beneiden k�nnte, h�tte Barbara am liebsten schallend gelacht, ebenso wie �ber die Vorstellung, sie k�nnte sich mit Hilfe der von oben verordneten Runderneuerung einen Mann angeln. Aber sie beherrschte sich und nannte Dorothea den Namen des Fris�rs und die Adresse des Salons in Knightsbridge. Der Salon war garantiert nach Dorotheas Geschmack, dachte Barbara, die vermutete, dass die Sekret�rin viel Zeit in Knightsbridge verbrachte und dort einen Gro�teil ihrer Gehalts ausgab.</p><p>Winston Nkatas Reaktion fiel weniger �berschw�nglich aus, und daf�r war Barbara dankbar.�Sieht gut aus, Barb�, sagte er.�Hat die Chefin dich schon gesehen?�</p><p>�Ich hatte eigentlich gehofft, ihr aus dem Weg zu gehen. Also, falls du sie siehst, ich bin nicht hier, okay? Ich muss nur mal eben an den Polizeicomputer und ein paar Sachen �berpr�fen.�</p><p>�DI Lynley?�</p><p>�Nicht weitersagen!�</p><p>Nkata versprach, ihr so gut es ging Deckung zu geben, aber man konnte nat�rlich nie wissen, wann Isabelle Ardery irgendwo auftauchte.�Am besten legst du dir schon mal irgendeine passende Geschichte zurecht�, riet er Barbara.�Es passt ihr n�mlich gar nicht in den Kram, dass der Inspector abgehauen ist, ohne ihr zu verraten, wohin.�</p><p>Barbaras Augen wurden schmal. Sie fragte sich, was Nkata �ber Lynley und Isabelle Ardery wusste. Doch Nkatas Gesichtsausdruck verriet nichts, und obwohl das bei ihm die Regel war, neigte Barbara zu der Annahme, dass seine Bemerkung sich nur auf das Offensichtliche bezog: Lynley geh�rte zu Arderys Team, und sie war sauer dar�ber, dass Hillier ihn f�r einen Fall abgezogen hatte, der au�erhalb ihrer Zust�ndigkeit lag.</p><p>Barbara suchte sich einen unauff�lligen Platz, wo sie sich in den Polizeicomputer einloggen konnte. Als Erstes sammelte sie alle verf�gbaren Informationen �ber Vivienne Tully, was ziemlich einfach war. Die Frau war in Wellington, Neuseeland geboren, war in Auckland zur Schule gegangen und hatte auch dort studiert und sp�ter an der London School of Economics einen hervorragenden Abschluss gemacht. Sie war Hauptgesch�ftsf�hrerin bei Precision Gardening, einer Firma, die Gartenwerkzeug herstellte � kein besonders glamour�ser Job, dachte Barbara �, und sie sa� im Aufsichtsrat der Fairclough Foundation. Kurz darauf stie� Barbara auf eine weitere Verbindung zu Bernard Fairclough. Mit Anfang zwanzig war Vivienne Tully Bernard Faircloughs Chefsekret�rin bei Fairclough Industries in Barrow-in-Furness gewesen. Nachdem sie bei Fairclough Industries aufgeh�rt und bevor sie bei Precision Gardening angefangen hatte, war sie als freiberufliche Wirtschaftsberaterin t�tig gewesen, was in der modernen Gesch�ftswelt, so vermutete Barbara, entweder hei�en konnte, dass sie versucht hatte, eine eigene Firma auf die Beine zu stellen, oder dass sie vier Jahre lang arbeitslos gewesen war. Derzeit war sie dreiunddrei�ig Jahre alt, und auf einem Foto hatte sie modisch struppiges Haar, war eher jungenhaft gekleidet und wirkte au�erordentlich intelligent. Ihr Blick besagte, dass sie Schw�chlinge unertr�glich fand. Und in Anbetracht ihrer Herkunft und ihrer Bildung besagte er, dass sie eine vollkommen unabh�ngige Frau war.</p><p>�ber Lord Fairclough konnte Barbara nichts Merkw�rdiges entdecken. Umso mehr Merkw�rdiges fand sie �ber seinen missratenen Sohn, denn Nicholas Fairclough war nicht gerade auf dem Pfad der Tugend gewandelt, und in seinem Vorstrafenregister fand sie Autounf�lle, Verhaftungen wegen Trunkenheit am Steuer, vereitelte Einbr�che, Ladendiebst�hle und Hehlerei. Aber inzwischen f�hrte er anscheinend ein beinahe asketisches Leben. Er hatte alle seine Strafen verb��t und sich seit dem Tag seiner Hochzeit nichts mehr zuschulden kommen lassen.</p><p>Was Barbara zu Alatea Vasquez del Torres brachte, der Frau mit dem komplizierten Namen. Abgesehen von dem Namen hatte Barbara sich in ihrem eselsohrigen Notizheft ihren Herkunftsort notiert, n�mlich� Santa Mar�a de irgendwas�, was sich als wenig aufschlussreich erwies, denn es gab zahllose Orte in Lateinamerika, die mit Santa Mar�a de � anfingen. Das w�rde kein Zuckerschlecken werden, sagte sie sich.</p><p>Sie �berlegte gerade, wie sie vorgehen sollte, als Ardery sie entdeckte. Dorothea Harriman hatte bedauerlicherweise ihrer Chefin gegen�ber von Barbaras neuer Frisur geschw�rmt und dabei nicht daran gedacht, sich eine nette L�ge auszudenken bez�glich der Frage, wo sie Barbara mit ihrer neuen Frisur au�erhalb von Scotland Yard gesichtet haben k�nnte. Und so war Isabelle Ardery in die Bibliothek im zw�lften Stock gekommen, wohin Barbara sich zur�ckgezogen hatte, um heimlich und in Ruhe den Polizeicomputer zu durchforsten.</p><p>�Ach, hier stecken Sie. �Ardery hatte sich angeschlichen wie eine Katze, und Barbara h�tte schw�ren k�nnen, dass sie vor Genugtuung schnurrte.</p><p>�Hallo Chefin�, sagte Barbara und nickte zum Gru�.�Hab immer noch frei�, f�gte sie hinzu, f�r den Fall, dass Isabelle Ardery vorhatte, ihr irgendeinen dienstlichen Auftrag zu erteilen.</p><p>Aber Ardery schien nichts dergleichen im Sinn zu haben. Sie sagte:�Als Erstes m�chte ich mir Ihre neue Frisur ansehen.�</p><p>In Anbetracht des Tons ihrer Chefin wollte Barbara lieber nicht wissen, was als Zweites kommen w�rde. Sie stand auf, um sich begutachten zu lassen.</p><p>Ardery nickte.�Das ist ja tats�chlich ein Haarschnitt�, sagte sie.�Man k�nnte es sogar als Frisur bezeichnen.�</p><p>Bei dem Preis, den sie daf�r hingebl�ttert hatte, sollte man es als Haarpracht bezeichnen, dachte Barbara. Sie wartete.</p><p>Ardery ging um sie herum. Nickte.�Die Haare. Die Z�hne. Sehr gut. Es freut mich zu sehen, dass Sie Anweisungen befolgen k�nnen, wenn man Ihnen Feuer unterm Hintern macht, Sergeant.�</p><p>�Stets zu Diensten�, sagte Barbara.</p><p>�Was Ihre Kleidung angeht ��</p><p>�Ich bin im Urlaub, Chefin�, fiel Barbara ihr ins Wort, um ihre Aufmachung zu erkl�ren: Trainingshose, T-Shirt mit dem Aufdruck <emphasis>Finish Your Beer � Children in China are Sober</emphasis>, rote, kn�chelhohe Turnschuhe und Donkeyjacke.</p><p>�Auch im Urlaub repr�sentieren Sie Scotland Yard, Barbara�, sagte Ardery.�Sobald Sie dieses Geb�ude betreten ��Pl�tzlich fiel ihr Blick auf Barbaras zerfleddertes Notizheft.�Was machen Sie hier eigentlich?�, wollte sie wissen.</p><p>�Ich brauchte nur ein paar Informationen.�</p><p>�Dass Sie diese Informationen hier suchen, l�sst darauf schlie�en, dass es sich um eine Polizeiangelegenheit handelt. �Isabelle Ardery kam einen Schritt n�her, so dass sie den Bildschirm besser sehen konnte.�Argentinien?�, fragte sie.</p><p>�Urlaub�, antwortete Barbara leichthin.</p><p>Ardery ergriff die Maus und scrollte erst eine, dann noch eine Seite zur�ck.�Haben Sie neuerdings ein Faible f�r die Jungfrau Maria?�, fragte sie, als sie all die Orte sah, die mit Santa Mar�a de � anfingen.�Wo soll die Reise denn hingehen? In ein Skigebiet? Ans Meer? In den Dschungel vielleicht?�</p><p>�Ach, ich sammle erst mal Ideen�, sagte Barbara.</p><p>Isabelle fuhr zu ihr herum.�Verkaufen Sie mich nicht f�r dumm, Sergeant. Wenn Sie nach Urlaubsangeboten suchen w�rden, dann brauchten Sie das nicht hier im Yard zu tun. Da Sie aber nun einmal hier an diesem Computer sitzen und da Sie sich ein paar Tage freigenommen haben, nehme ich an, dass Sie f�r Inspector Lynley Informationen sammeln. Habe ich recht?�</p><p>Barbara seufzte.�Ja.�</p><p>�Verstehe. �Arderys Augen wurden schmal.�Dann stehen Sie also mit ihm in Kontakt?�</p><p>�Na ja � mehr oder weniger.�</p><p>�Regelm��ig?�</p><p>�Ich wei� nicht, was Sie damit meinen�, sagte Barbara. Sie fragte sich, worauf zum Teufel die Ardery hinauswollte. Schlie�lich hatte sie nichts mit Lynley. Und falls die Ardery irgendetwas in der Richtung annahm, war sie wirklich nicht ganz bei Trost.</p><p>�Wo ist er, Sergeant?�, fragte Isabelle Ardery ganz direkt.�Sie wissen es, nicht wahr?�</p><p>Barbara z�gerte. Die Wahrheit war, dass sie es wusste. Die Wahrheit war aber auch, dass Lynley es ihr nicht gesagt hatte. Sie war durch den Namen Bernard Fairclough darauf gekommen. Also antwortete sie:�Er hat es mir nicht gesagt, Chefin.�</p><p>Aber Ardery hatte bereits ihre eigenen Schl�sse gezogen. Sie sagte:�Verstehe�, und das in einem Ton, der Barbara sagte, dass sie sich etwas anderes zusammenreimte als die Wahrheit.�Danke Sergeant�, f�gte Ardery hinzu.�Vielen Dank.�</p><p>Dann ging sie. Barbara h�tte hinter ihr herrufen k�nnen, ehe sie die T�r der Bibliothek erreichte. Sie h�tte alles klarstellen k�nnen. Doch sie entschied sich dagegen. Und sie fragte sich auch nicht, warum sie ihre Chefin etwas glauben lie�, was absolut nicht stimmte.</p><p>Sie machte sich wieder an die Arbeit. Alatea Vasquez del Torres, dachte sie. Ihre Identit�t galt es zu ermitteln. Das war im Moment das Problem, und nicht Isabelle Ardery.</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>St. James musste der Tatsache ins Auge sehen, dass seine Frau schlicht und einfach Angst hatte. Angst, dass er sie beide in eine Zukunft katapultieren wollte, die zu viele Unw�gbarkeiten mit sich brachte. Widerstrebend hatte er zugeben m�ssen, dass sie nicht ganz unrecht hatte. Bei einer offenen Adoption nahmen sie nicht nur ein Kind in ihr Leben auf, sondern auch eine leibliche Mutter, einen leiblichen Vater, leibliche Gro�eltern auf beiden Seiten, und der Himmel wusste, wen sonst noch alles. Es war nicht einfach damit getan, dass man von einer Sozialarbeiterin einen S�ugling entgegennahm. Klar hoffte man, dass das Kind sp�ter einmal nicht das Bed�rfnis entwickelte, seine leibliche Familie ausfindig zu machen, und sich von einem abwandte. In dieser Hinsicht hatte Deborah vollkommen recht. Aber er hatte ebenfalls recht: Egal, auf welche Weise man zu Eltern wurde, eine Erfolgsgarantie gab es nie.</p><p>Sein Bruder dr�ngte ihn, endlich eine Entscheidung zu treffen. Dieses junge M�dchen in Southampton k�nne nicht ewig warten, hatte David gesagt. Es gab noch mehr interessierte Paare.�Komm schon, Simon. Ja oder nein. Das passt doch �berhaupt nicht zu dir, dich vor einer Entscheidung zu dr�cken.�</p><p>Also hatte St. James noch einmal mit Deborah gesprochen. Und auch diesmal war sie unnachgiebig geblieben. Eine Viertelstunde lange hatten sie �ber alle Aspekte diskutiert, dann war er zu einem Spaziergang aufgebrochen. Sie waren nicht im Streit auseinandergegangen, doch nach der hitzigen Auseinandersetzung mussten sie sich beide erst einmal beruhigen.</p><p>Vom Crow &amp; Eagle aus ging er in Richtung Arnside, auf der Stra�e, die am Fluss Bela entlang und schlie�lich am Watt von Milnthorpe Sands vorbeif�hrte. Er versuchte, an nichts zu denken, sondern nur die regenfeuchte Luft einzuatmen. Er musste sich das Thema Adoption endg�ltig aus dem Kopf schlagen. Wenn er es nicht tat � und wenn Deborah es nicht tat �, w�rde es ihre Ehe vergiften.</p><p>Diese verdammte Zeitschrift hatte alles nur noch schlimmer gemacht. Barbara hatte ihnen die gew�nschte Ausgabe geschickt, und Deborah hatte sie von vorne bis hinten gelesen. Ein bestimmter Artikel hatte sie von der Leihmuttermethode �berzeugt: sein Sperma, ihr Ei, eine Petrischale und eine Leihmutter eben. Sie hatte einen Bericht �ber eine Frau gelesen, die aus lauter Altruismus gegen�ber anderen Frauen sechs fremde Kinder ausgetragen hatte.�Es w�re unser Kind�, hatte sie immer wieder gesagt.�Deins und meins. �Ja und nein, dachte er. Auch diese M�glichkeit barg Gefahren.</p><p>Es war ein sonniger Tag, nachdem es die ganze Nacht wie aus Eimern gesch�ttet hatte. Die Luft war sauber und klar, und am Himmel t�rmten sich herrliche Gebirge aus grauen Kumuluswolken. Drau�en im Watt suchten die Nachz�gler der Vogelschw�rme, die den Winter in Afrika oder dem Mittelmeerraum verbrachten, immer noch nach Ringelw�rmern, Krebsen und Muscheln. St. James sah Regenpfeifer und Strandl�ufer in dem Gewimmel, aber die anderen V�gel h�tte er nicht benennen k�nnen. Eine Zeitlang beobachtete er sie und beneidete sie um ihr einfaches Leben. Dann drehte er sich um und ging zur�ck in den Ort.</p><p>Als er das Gasthaus erreichte, fuhr Lynley gerade auf den Parkplatz. St. James ging seinem Freund entgegen, der aus dem Healey Elliott stieg. Einen Moment lang betrachteten sie voller Bewunderung die gef�llige Linienf�hrung und die sch�ne Lackierung des Wagens. Dann sagte St. James:�Aber ich nehme nicht an, dass du hergekommen bist, um dich an meinem Neid auf dein Auto zu weiden.�</p><p>�Mir ist jede Gelegenheit willkommen, dich auf dem Gebiet der modernen Bef�rderungsmittel alt aussehen zu lassen. Aber in diesem Fall muss ich dir recht geben. Ich bin gekommen, um mit dir zu reden.�</p><p>�Daf�r hast du eine ziemlich lange Fahrt auf dich genommen. Ein Anruf h�tte gen�gt.�</p><p>�Hm, ja. Aber meine Tarnung ist teilweise aufgeflogen. Ich hatte das Gef�hl, es w�re nicht verkehrt, mich ein bisschen rar zu machen. �Er berichtete St. James von seiner Begegnung mit Valerie, Bernard und Mignon Fairclough.�Mignon wei� also, dass Scotland Yard an der Sache dran ist, und wird daf�r sorgen, dass alle anderen es ebenfalls erfahren.�</p><p>�Das k�nnte doch auch sein Gutes haben.�</p><p>�Ja, so h�tte ich es am liebsten von Anfang an gehalten.�</p><p>�Trotzdem bist du beunruhigt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil Fairclough Fairclough ist und weil Hillier Hillier ist und weil Hillier die verdammte Gabe besitzt, mich f�r seine Zwecke zu benutzen.�</p><p>St. James wartete. Er kannte die Geschichte von Lynleys Verh�ltnis zu seinem Chef. Dazu geh�rte mindestens ein Versuch, ein lange zur�ckliegendes Verbrechen zu vertuschen. Er w�rde es Hillier durchaus zutrauen, Lynley erneut auf �hnliche Weise zu benutzen, wenn� einer der Ihren�� wozu Hillier zweifellos Fairclough, Lynley und sich selbst z�hlte � ein ernstes Problem hatte, das er unter den Teppich zu kehren w�nschte; und Lynley sollte den Besen f�hren. Alles war m�glich, das wussten sie beide.</p><p>Lynley sagte:�Vielleicht ist das Ganze ja auch eine Vernebelungsaktion.�</p><p>�Welcher Teil davon?�</p><p>�Dass Fairclough mich gebeten hat, den Tod von Ian Cresswell zu untersuchen. So etwas in der Art hat Mignon jedenfalls gestern Abend angedeutet. Sie hat mir durch die Blume zu verstehen gegeben, dass ich mich auf den konzentrieren soll, der mich angeheuert hat. Ich hatte tats�chlich schon selbst daran gedacht, den Gedanken aber wieder verworfen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil es einfach keinen Sinn ergibt, Simon. �Lynley lehnte sich an den Healey Elliott und verschr�nkte die Arme vor der Brust.�Ich k�nnte mir vorstellen, dass er Scotland Yard um Hilfe bitten w�rde, wenn ein Mord ver�bt worden w�re, man ihn f�r den T�ter hielte und er seinen Namen reinwaschen wollte. Oder wenn man eines seiner Kinder f�r den T�ter hielte und Bernard dessen oder deren Namen reinwaschen wollte. Aber Ian Cresswells Tod galt von Anfang an als Unfall. Warum also sollte er jemanden herbitten, der die Sache noch einmal untersucht, wenn er schuldig ist oder wenn er bef�rchtet, dass jemand aus seiner Familie schuldig sein k�nnte?�</p><p>�Das w�rde eher darauf schlie�en lassen, dass Mignon den Nebel streut, meinst du nicht?�</p><p>�Und es w�rde erkl�ren, warum sie gestern Abend versucht hat, die Aufmerksamkeit auf ihren Vater zu lenken. Offenbar wollte Cresswell Bernard �berreden, dass er ihr den Unterhalt streicht. �Lynley kl�rte St. James �ber das Arrangement zwischen Vater und Tochter auf.�Damit war sie garantiert nicht einverstanden. Und da Cresswell die B�cher gef�hrt hat und �ber Bernards Transaktionen im Bilde war, w�re es durchaus m�glich, dass er noch jemandem den Unterhalt streichen wollte.�</p><p>�Dem Sohn?�</p><p>�Das w�re doch naheliegend, oder? Bei Nicholas� Geschichte hat Cresswell Bernard wahrscheinlich geraten, ihm nicht einen Penny anzuvertrauen, was ja durchaus verst�ndlich ist. Nicholas Fairclough mag ja vielleicht ein Exjunkie sein, aber es ist ja bekannt, dass S�chtige nie wirklich geheilt werden. Jeder Tag ist f�r sie eine neue Herausforderung.�</p><p>Was dieses Thema anging, kannte Lynley sich aus, weil sein eigener Bruder betroffen war, das wusste St. James.�Und? Hat Fairclough seinem Sohn Geld gegeben?�</p><p>�Das muss ich noch �berpr�fen. Die Information bekomme ich �ber die andere Tochter und deren Mann.�</p><p>St. James wandte sich ab. Aus der offenen Hintert�r des Hotels drangen L�rm und Ger�che: das Klappern von T�pfen und Pfannen und der Geruch nach gebratenem Speck und verbranntem Toastbrot.�Was ist mit Valerie, Tommy?�</p><p>�Du meinst, ob sie als M�rderin in Frage kommt?�</p><p>�Ian Cresswell war nicht blutsverwandt mit ihr. Er war der Neffe ihres Mannes, und er stellte eine potentielle Gefahr f�r ihre Kinder dar. Wenn er Mignon die Unterhaltszahlungen streichen wollte und nicht daran glaubte, dass Nicholas dauerhaft clean war, dann h�tte er Bernard Fairclough unter Umst�nden dazu bringen k�nnen, dass er seine Kinder nicht l�nger finanziell unterst�tzte. Und Valerie Fairclough hat sich laut Aussage von Constable Schlicht an dem Abend �u�erst merkw�rdig verhalten: wie aus dem Ei gepellt, vollkommen ruhig, ein Anruf bei der Polizei und die lapidare Aussage: In meinem Bootshaus schwimmt ein Toter.�</p><p>�Stimmt�, r�umte Lynley ein.�Aber der Anschlag k�nnte auch ihr gegolten haben.�</p><p>�Wo w�re das Motiv?�</p><p>�Mignon sagt, ihr Vater ist fast nie da. Meistens h�lt er sich in London auf. Havers k�mmert sich darum. Falls mit der Ehe der Faircloughs jedoch irgendetwas nicht stimmt, k�nnte Bernard doch Gr�nde haben, sich seine Frau vom Hals zu schaffen.�</p><p>�Und warum l�sst er sich nicht einfach scheiden?�</p><p>�Wegen der Firma. Er leitet Fairclough Industries seit Ewigkeiten, und er w�rde sicher eine enorme Abfindung bekommen, falls das vertraglich so geregelt ist � es sei denn, es gibt irgendeinen Ehevertrag, von dem wir noch nichts wissen. Aber noch geh�rt die Firma ihr, und ich nehme an, dass sie jedwede Entscheidung, die die Firma betrifft, beeinflussen kann, wenn sie will.�</p><p>�Ein Grund mehr, warum sie Ians Tod gew�nscht haben k�nnte, Tommy, falls er auf Entscheidungen gedrungen hat, die ihr nicht gefielen.�</p><p>�M�glich. Aber w�re es aus ihrer Sicht nicht sinnvoller gewesen, daf�r zu sorgen, dass Ian gefeuert wurde? Warum h�tte sie ihn umbringen sollen, wenn sie die Macht besa�, ihn einfach an die Luft zu setzen?�</p><p>�Also gut, was haben wir?�St. James erinnerte Lynley daran, dass das Filetiermesser, das sie aus dem Wasser geborgen hatten, keinen einzigen Kratzer aufwies und auf den ersten Blick vollkommen harmlos aussah. Auch an den Steinen, die sie aus dem Wasser geholt hatten, waren keine Kratzspuren zu erkennen, die darauf hingedeutet h�tten, dass jemand sie herausgel�st hatte. Sie konnten Constable Schlicht noch einmal zum Bootshaus bitten und auch die an der Untersuchung beteiligten Tatortspezialisten, doch dazu m�ssten sie erst den Coroner �berreden, den Fall wieder aufzurollen. Nur hatten sie ihm so gut wie nichts zu bieten, was ihn dazu animieren k�nnte, Ian Cresswells Tod noch einmal zu untersuchen.</p><p>�Wir m�ssen uns alle Beteiligten noch einmal vornehmen�, sagte Lynley.</p><p>�Was bedeutet, dass ich dir nicht l�nger von Nutzen bin�, sagte St. James.</p><p>Ehe Lynley darauf antworten konnte, klingelte sein Handy. Er warf einen Blick aufs Display.�Das ist Havers. Vielleicht kann sie uns auf die Spr�nge helfen. �Er klappte das Handy auf und sagte:�Sagen Sie mir, dass Sie etwas Entscheidendes zutage gef�rdert haben, Sergeant, denn wir rennen hier in eine Sackgasse nach der anderen.�</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Alatea war fr�h nach drau�en gegangen, um Blumenzwiebeln zu pflanzen, denn sie wollte ihrem Mann aus dem Weg gehen. Sie hatte die halbe Nacht wachgelegen, geplagt von unruhigen Gedanken, und beim ersten Morgengrauen war sie aus dem Bett geschl�pft und in den Garten geschlichen.</p><p>Auch Nicholas hatte schlecht geschlafen. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht.</p><p>Das war ihr zum ersten Mal beim Essen am Abend zuvor bewusst geworden. Nicholas hatte lustlos in seinem Essen herumgestochert, hatte sein Fleisch kleingeschnitten und auf dem Teller hin und her geschoben, die Kartoffelscheiben s�uberlich gestapelt wie Pokerchips. Auf ihre Frage hin, was ihn bedr�cke, hatte er nur vage gel�chelt und geantwortet:�Hab heute einfach keinen richtigen Appetit. �Schlie�lich hatte er seinen Teller von sich geschoben, war in den Salon gegangen, hatte sich kurz auf die Bank am offenen Kamin gesetzt, war wieder aufgesprungen und im Zimmer auf und ab gegangen wie ein Tiger im K�fig.</p><p>Als sie sich schlafen gelegt hatten, war es noch schlimmer gewesen. �ngstlich hatte sie sich ihm zugewandt, ihm eine Hand auf die Brust gelegt und gefragt:�Nicky, was ist los? Sprich mit mir. �Dabei f�rchtete sie in Wirklichkeit seine Antwort mehr als ihre eigenen rastlosen Gedanken und wohin sie gingen, wenn sie ihnen freien Lauf lie�.�Nichts�, hatte Nicholas geantwortet.�Wirklich, Liebling, es ist nichts. Ich bin einfach nur m�de. Und vielleicht ein bisschen mit den Nerven runter. �Und als er den entsetzten Blick bemerkt hatte, den sie nicht hatte unterdr�cken k�nnen, hatte er hinzugef�gt:�Mach dir keine <emphasis>Sorgen</emphasis>, Allie�, womit er ihr hatte versichern wollen, dass, was auch immer ihm auf der Seele lag, nichts mit seiner Drogenvergangenheit zu tun hatte. Das hatte sie auch gar nicht angenommen, aber sie hatte mitgespielt und gesagt:�Vielleicht solltest du mal mit jemandem reden, Nicky. Du wei�t doch, wie das ist�, und er hatte genickt. Dann hatte er sie liebevoll angesehen, und pl�tzlich war ihr klar geworden, dass das, was ihn bedr�ckte, nur mit ihr zu tun haben konnte.</p><p>Sie hatten nicht miteinander geschlafen. Auch das war untypisch f�r Nicholas, denn sie hatte sich ihm gen�hert, und nicht umgekehrt, dabei mochte er es so sehr, wenn sie die Initiative ergriff. Denn er war kein Trottel und wusste genau, wie ungleich sie wirkten, zumindest in den Augen derjenigen, die die Welt nach �u�erlichkeiten beurteilten. Deswegen hatte ihn die Tatsache, dass sie ihn genauso h�ufig begehrte wie er sie, immer fasziniert. Dass er auf ihre Ann�herungsversuche nicht reagiert hatte, war auch ein Zeichen. Das war noch nie vorgekommen.</p><p>Was Alatea schon am fr�hen Morgen in den Garten getrieben hatte, war also zum einen das Bed�rfnis, sich zu besch�ftigen und von den schrecklichen M�glichkeiten abzulenken, die ihr in der Nacht alle eingefallen waren. Zum anderen hatte sie Nicholas einfach nicht sehen wollen, denn das, was ihn bedr�ckte, w�rde �ber kurz oder lang ans Licht kommen, und damit, so f�rchtete sie, w�rde sie nicht fertigwerden.</p><p>Es mussten mehrere tausend Zwiebeln in den Boden. Sie wollte �ber den ganzen Rasen verteilt Sternhyazinthen pflanzen, damit der ganze Hang sich zu Beginn des Fr�hjahrs in ein Meer aus Gr�n und Blau verwandelte, und das war eine Menge Arbeit, genau das, was sie jetzt brauchte. Nat�rlich w�rde sie an einem einzigen Vormittag nicht fertig werden, aber es war schon mal ein Anfang. Sie ging mit Schaufel und Spaten zu Werke, und die Stunden vergingen wie im Flug. Als sie sich ganz sicher war, dass ihr Mann das Haus verlassen hatte und zur Arbeit aufgebrochen war, legte sie das Gartenwerkzeug weg, richtete sich auf und rieb sich den schmerzenden R�cken.</p><p>Erst kurz bevor sie das Haus erreichte, sah sie Nicholas� Auto in der Einfahrt stehen. Ihr Blick wanderte zum Haus, und die Angst kroch ihr in den Nacken.</p><p>Sie ging hinein. Er war in der K�che, sa� an dem gro�en Eichentisch, tief in Gedanken versunken. Vor ihm standen die Kaffeekanne, eine Tasse und die Zuckerdose. Aber die Kaffeetasse schien unanger�hrt, und der Kaffee in der Kanne war l�ngst kalt geworden.</p><p>Er war gar nicht f�r die Arbeit gekleidet, fiel ihr auf, sondern hatte sich nur den Morgenmantel, den sie ihm zum Geburtstag geschenkt hatte, �ber den Schlafanzug gezogen. Er sa� mit nackten F��en am Tisch, und die K�lte der Bodenfliesen schien ihm nicht das Geringste auszumachen. Das alles passte �berhaupt nicht zu Nicholas, am allerwenigsten die Tatsache, dass er nicht zur Arbeit gegangen war.</p><p>Alatea wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Sie griff ihr Gespr�ch vom Abend wieder auf.�Nicky�, sagte sie.�Wieso bist du denn noch zu Hause? Bist du krank?�</p><p>�Nein, ich musste nur nachdenken. �Als er sich zu ihr umdrehte, sah sie, dass seine Augen blutunterlaufen waren. Ein eisiger Schauder kroch ihr die Arme hoch und legte sich um ihr Herz.�Und hier kann ich das am besten�, f�gte er hinzu.</p><p>Es widerstrebte ihr, die logische Frage zu stellen, aber sie nicht zu stellen, w�re allzu verr�terisch gewesen.�Wor�ber musst du denn nachdenken? Was ist los?�</p><p>Er antwortete nicht gleich, sondern wandte sich ab. Sie schaute ihn unverwandt an. Er schien �ber ihre Frage nachzudenken und dar�ber, welche Antwort er ihr geben sollte. Dann sagte er:�Manette ist bei mir gewesen. In der Firma.�</p><p>�Gibt es Probleme in der Firma?�</p><p>�Nein, es geht um Tim und Gracie. Sie m�chte, dass wir die Kinder zu uns nehmen.�</p><p>�Zu uns nehmen? Wie meinst du das?�</p><p>Er erkl�rte es ihr. Sie h�rte ihm zu und h�rte doch nichts, denn sie war viel zu sehr damit besch�ftigt, seinen Ton zu interpretieren. Er redete von seinem Vetter Ian, von Ians Frau Niamh und von Ians Kindern. Alatea kannte sie nat�rlich alle, aber sie hatte nicht gewusst, wie Niamh zu ihren Kindern stand. Unvorstellbar, dass Niamh ihre eigenen Kinder auf diese Weise benutzen w�rde, wie Schachfiguren in einem Spiel, das l�ngst beendet sein m�sste. Bei dem Gedanken an Tim und Gracie kamen ihr fast die Tr�nen, und sie war entschlossen, etwas f�r die beiden zu tun, ebenso wie Nicholas es offenbar wollte. Doch dass ihm das den Schlaf raubte und ihn regelrecht krank machte? Er verschwieg ihr irgendetwas.</p><p>�Manette und Freddie sollten die Kinder zu sich nehmen�, sagte Nicholas.�Ich w�re mit Tims Problemen restlos �berfordert, aber die beiden k�nnten damit umgehen. Manette w�rde mit der Zeit an Tim herankommen, ganz bestimmt. Sie gibt niemanden so schnell auf.�</p><p>�Das Problem ist also schon gel�st?�, fragte Alatea hoffnungsvoll.</p><p>�Manette und Freddie sind leider getrennt, was die Sache kompliziert macht�, sagte Nicholas.�Ihre derzeitige Lebenssituation ist eher merkw�rdig und instabil. �Er f�llte seine halbleere Tasse mit kaltem Kaffee, tat einen geh�uften L�ffel Zucker hinein und r�hrte eine Weile schweigend um.�Und das ist sehr schade�, fuhr er schlie�lich fort,�denn die beiden geh�ren zusammen. Ich kann �berhaupt nicht verstehen, warum sie sich getrennt haben. Aber sie haben nie Kinder bekommen, und vielleicht hat das die Ehe irgendwann zerst�rt.�</p><p>Gott, das war der entscheidende Punkt, dachte Alatea. Darauf lief es letztlich hinaus. Sie hatte schon immer geahnt, dass es so kommen w�rde, wenn nicht mit Nicholas, dann mit einem anderen.</p><p>�Vielleicht wollten sie ja keine Kinder�, sagte sie.�Manche Leute wollen lieber kinderlos bleiben.�</p><p>�Manche Leute ja, aber nicht Manette. �Er schaute sie an. Er wirkte verh�rmt. Alatea sah ihm an, dass er ihr nicht die Wahrheit sagte. Sicher, Tim und Gracie brauchten dringend ein stabiles Zuhause, aber das war es nicht, was Nicholas bedr�ckte.</p><p>�Das ist nicht alles, stimmt�s?�, sagte sie und zog sich einen Stuhl heran.�Ich finde, du solltest mir alles erz�hlen, Nicky.�</p><p>Lange Zeit war es eine St�rke ihrer Beziehung gewesen, dass Nicholas ihr von Anfang an immer alles erz�hlt hatte. Er selbst hatte darauf bestanden, weil er bis dahin in einer L�genwelt gelebt hatte, einer Welt, in der er immerzu und auf jede erdenkliche Weise nur darauf aus gewesen war, seinen Drogenkonsum zu verbergen. Wenn er ihr jetzt nicht alles sagte, dann w�rde das ihrer Ehe mehr schaden als das, was er ihr bis jetzt verschwiegen hatte, wie schlimm es auch sein mochte.</p><p>�Ich glaube, mein Vater denkt, ich h�tte Ian umgebracht�, stie� Nicholas schlie�lich hervor.</p><p>Das war so meilenweit entfernt von dem, was Alatea erwartet hatte, dass es ihr die Sprache verschlug. Und was sie h�tte sagen k�nnen, w�rde ihr auf Englisch nicht gelingen.</p><p>�Jemand von Scotland Yard ist hier, um die Umst�nde von Ians Tod zu untersuchen. In Anbetracht dessen, dass der Coroner seinen Tod als Unfall eingestuft hat, kann es nur einen Grund f�r die Anwesenheit von Scotland Yard geben. Mein Vater hat Beziehungen, die er spielen lassen kann, wenn es darauf ankommt, und ich nehme an, dass er genau das getan hat.�</p><p>�Unm�glich. �Alatea hatte einen trockenen Mund. Am liebsten h�tte sie Nicholas� Kaffee ausgetrunken, aber sie beherrschte sich, weil sie am ganzen K�rper zitterte und viel zu viel Angst hatte, dass Nicholas es bemerkte.�Woher wei�t du das, Nicky?�</p><p>�Dieser Journalist.�</p><p>�Was? Meinst du diesen Mann, der vor Kurzem hier bei uns war? Der angeblich einen Artikel �ber dich schreiben wollte?�</p><p>Nicholas nickte.�Er ist wieder da. Er hat�s mir erz�hlt. Jemand von Scotland Yard ist hier. Den Rest hab ich mir selbst zusammengereimt: Die sind hinter mir her.�</p><p>�Hat er das wirklich gesagt? Hat dieser Journalist das behauptet?�</p><p>�Nicht direkt. Aber wenn man bedenkt, was sich hier in letzter Zeit alles abspielt, ist es doch wohl offensichtlich.�</p><p>Irgendetwas sagte er ihr immer noch nicht, das sah Alatea ihm an.�Das glaube ich nicht�, entgegnete sie.�Du? Warum in aller Welt h�ttest du Ian etwas antun sollen? Und wieso sollte dein Vater auf so eine Idee kommen?�</p><p>Er zuckte die Achseln. Sie sah, dass ein Kampf in ihm tobte, den er ihr nicht offenbaren konnte. Verzweifelt �berlegte sie, was es sein mochte und was es f�r sie beide bedeuten k�nnte. Er war zutiefst deprimiert oder zutiefst bedr�ckt oder zutiefst � irgendetwas.</p><p>Sie sagte:�Ich finde, du solltest mit deinem Vater reden. Und zwar auf der Stelle. Dieser Journalist meint es nicht gut mit dir, Nicky. Und jetzt taucht auch noch diese Frau hier auf, die behauptet, sie w�rde f�r eine Filmgesellschaft arbeiten, die gar nicht existiert � Du musst sofort mit deinem Vater sprechen. Du musst der Wahrheit auf den Grund gehen. Es ist die einzige M�glichkeit, Nicky.�</p><p>Er hob den Kopf. Seine Augen waren mit Tr�nen gef�llt. Ihr blieb fast das Herz stehen vor Liebe zu diesem Mann, dieser gequ�lten Seele, so gequ�lt wie ihre eigene.�Also, ich habe mich auf jeden Fall dagegen entschieden, an diesem Dokumentarfilm mitzuwirken. Das habe ich dieser Frau �brigens bereits mitgeteilt, wir haben also eine Sorge weniger. �Er bem�hte sich mit wenig Erfolg, sich ein L�cheln abzuringen. Es war ein schwacher Versuch, sie ein bisschen aufzumuntern, ihr zu sagen, dass alles gut werden w�rde.</p><p>Sie wussten beide, dass es eine L�ge war. Aber sie waren beide nicht bereit, sich das einzugestehen, ebenso wenig wie alles andere.</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>�Man w�rde einen ziemlich gro�en Briefumschlag brauchen, um es ganz draufzukriegen�, verk�ndete Havers �bers Handy.�Andererseits gibt�s vermutlich irgendeine spanische Abk�rzung f�r den Namen. �Sie meinte den Namen der Stadt in Argentinien, die am ehesten als Alatea Vasquez del Torres� Heimatort in Frage kam.�Santa Mar�a de la Cruz, de los �ngeles y de los Santos�, sagte sie.�Ein Kaff, das sich den Schutz s�mtlicher Heiligen gesichert hat. Liegt wahrscheinlich in einem Erdbebengebiet, und die Einwohner hoffen, dass sie im Ernstfall vom lieben Gott pers�nlich gerettet werden.�</p><p>Lynley h�rte, wie sie an einer Zigarette zog. Kein Wunder. Havers rauchte ohne Unterlass. Dann war sie also nicht im Yard. Und wenn doch, dann rief sie ihn aus dem Treppenhaus an, wo sie hin und wieder heimlich eine Zigarettenpause machte.�Was l�sst Sie vermuten, dass es der richtige Ort ist, Barbara?�, fragte er. Dann sagte er zu St. James, der neben ihm am Healey Elliott lehnte:�Sie ist Alatea Fairclough auf der Spur.�</p><p>�Mit wem reden Sie, Sir?�, fragte Barbara irritiert.�Ich kann Dreiergespr�che nicht ausstehen.�</p><p>�St. James ist hier. Ich schalte auf Lauth�ren, wenn ich rausfinde, wie das geht.�</p><p>�Das kriegen Sie sowieso nicht hin. Geben Sie das Ding lieber Simon, Sir.�</p><p>�Havers, ich bin kein kompletter ��</p><p>�Sir�, sagte sie mit einer Engelsgeduld. Es hatte keinen Zweck. Er reichte St. James das Handy. Der dr�ckte zwei, drei Tasten, und schon ert�nte Havers� Stimme auf dem Parkplatz des Crow &amp; Eagle.</p><p>�Der B�rgermeister�, sagte Havers.�Ich wei�, das ist ein Schuss ins Blaue, aber der B�rgermeister hei�t �steban Vega de Vasquez, und seine Frau hei�t Dominga Padilla del Torres de Vasquez. Ein interessantes Puzzlespiel, dachte ich. Auf jeden Fall stimmen ein paar von den Nachnamen mit denen von Alatea �berein.�</p><p>�Das ist aber ziemlich weit hergeholt, Barbara.�</p><p>�Haben Sie das im Internet gefunden?�, wollte St. James wissen.</p><p>�Ja, und zwar nach stundenlanger Suche. Und weil alles auf Spanisch ist, hab ich auch nur geraten, dass der Typ der B�rgermeister ist. Er k�nnte genauso gut der �rtliche Hundef�nger sein, aber auf der Seite war ein Foto von ihm, und ich konnte mir nicht vorstellen, warum der Hundef�nger irgendeinem die Rathausschl�ssel �bergeben sollte. Na ja, au�er vielleicht an Barbara Woodhouse.�</p><p>�Die ist tot�, bemerkte Lynley.</p><p>�Egal. Auf der Homepage ist also ein Foto von ihm im B�rgermeisterstaat, auf dem er zusammen mit seiner Frau und noch jemand posiert. Was unter dem Foto stand, konnte ich nat�rlich nicht lesen, weil�s auf Spanisch war und <emphasis>una cerveza por favor</emphasis> alles ist, was ich auf Spanisch verstehe. Aber die Namen standen da, �steban und Dominga und so weiter. Das ist bisher unsere beste Spur, das Einzige, was auch nur halbwegs in Frage kommt.�</p><p>�Wir brauchen einen �bersetzer�, sagte Lynley.</p><p>�Was ist mit Ihnen, Simon? Ist Spanisch eins Ihrer vielen Talente?�</p><p>�Ich beherrsche leider nur Franz�sisch�, sagte St. James.�Na ja, Latein auch, aber das wird uns auch nicht weiterhelfen.�</p><p>�Also, wir brauchen jedenfalls einen �bersetzer. Und wir brauchen einen, der uns erkl�rt, wie das bei denen da dr�ben mit den Nachnamen funktioniert, denn ich hab keine Ahnung und wei� auch nicht, wie ich�s rauskriegen soll.�</p><p>�Es hat irgendetwas mit den Vorfahren zu tun�, sagte Lynley.</p><p>�Ja, so weit war ich auch schon. Aber was? H�ngen sie einfach immer weiter alle Namen aneinander? Also, da m�chte ich jedenfalls keinen Reisepassantrag ausf�llen m�ssen, falls Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>Lynley dachte �ber das Sprachproblem nach und �berlegte, wer ihnen als �bersetzer dienen k�nnte. Nat�rlich gab es Leute im Yard, aber er wusste nicht, wie viele Leute er noch einweihen konnte, ohne dass Isabelle ihm auf die Schliche kam.</p><p>�Was ist mit Alatea Fairclough selbst?�, fragte er.�Wie passt sie in das Szenario dieses Ortes? Ich nehme an, Sie gehen davon aus, dass sie die Tochter des B�rgermeisters ist?�</p><p>�Ganz und gar nicht, Sir�, sagte Havers.�Der B�rgermeister und seine Frau haben f�nf S�hne. �Sie zog ger�uschvoll an ihrer Zigarette und blies den Rauch in ihr Handy. Im Hintergrund war Papierrascheln zu h�ren, sie bl�tterte also in ihrem Notizheft.�Carlos, Miguel, �ngel, Santiago und Diego�, fuhr sie fort.�Ich nehme jedenfalls an, dass es f�nf S�hne sind, aber so wie die ihre Namen aneinanderh�ngen, k�nnte es sich nat�rlich auch um einen einzigen handeln.�</p><p>�Und wie passt Alatea da hinein?�</p><p>�So wie ich das sehe, k�nnte sie die Frau von einem der S�hne sein.�</p><p>�Eine Ehefrau auf der Flucht?�</p><p>�Klingt doch plausibel, oder?�</p><p>�K�nnte sie nicht auch eine Verwandte sein?�, fragte St. James.�Eine Nichte, eine Kusine?�</p><p>�Auch m�glich.�</p><p>�Haben Sie diese M�glichkeit �berpr�ft?�</p><p>�Bisher noch nicht, kann ich aber machen. Leider kann ich nicht sehr tief in die Materie eindringen, weil das Zeug alles auf Spanisch ist, wie gesagt�, erinnerte sie ihn.�Im Yard gibt�s nat�rlich ein �bersetzungsprogramm. Sie wissen schon: irgendwo gut im Computer versteckt, wo Leute wie wir, die es tats�chlich brauchen k�nnten, es unm�glich finden. Ich k�nnte mal mit Winston reden, der kriegt bestimmt raus, wie das geht. Soll ich das machen?�</p><p>Lynley �berlegte. Erneut fragte er sich, wie Isabelle Ardery reagieren w�rde, falls sie herausbekam, dass er ein weiteres Mitglied ihres Teams f�r seine Zwecke abgeworben hatte. Die Situation w�rde wahrscheinlich f�r alle Beteiligten unerfreulich ausfallen. Es musste eine andere M�glichkeit geben, die spanischen Texte �bersetzen zu lassen. Warum es ihn �berhaupt besch�ftigte, wie Isabelle Ardery reagieren k�nnte, dar�ber wollte er lieber nicht weiter nachdenken. Fr�her h�tte es ihn nicht im Geringsten interessiert, was ein Vorgesetzter �ber seine Vorgehensweise zu sagen hatte. Die Tatsache, dass er sich diesmal den Kopf dar�ber zerbrach, brachte ihn an den Rand eines Abgrunds, an den er sich in der derzeitigen Situation nicht heranwagen konnte.</p><p>�Es muss eine andere M�glichkeit geben, Barbara�, sagte Lynley.�Ich kann Winston nicht auch noch einweihen, dazu bin ich nicht befugt.�</p><p>Havers machte ihn nicht darauf aufmerksam, dass er auch nicht befugt gewesen war, sie einzuweihen, sondern sagte nur:�Hm � Ich k�nnte Azhar fragen.�</p><p>�Ihren Nachbarn? Spricht der Spanisch?�</p><p>�Das nicht, aber er kann fast alles andere�, antwortete Havers.�Er kann bestimmt jemanden an der Uni f�r mich organisieren, der Spanisch spricht, einen Professor oder einen Studenten. Schlimmstenfalls kann ich immer noch einen Spaziergang zum Camden Lock Market machen, mich unter die Touristen mischen � falls um diese Jahreszeit welche da sind �, die Ohren spitzen und ein spanischsprechendes Individuum ins n�chste Internetcaf� zerren, um mir das Zeug �bersetzen zu lassen. Ich meine, es gibt Mittel und Wege, Sir. Wozu brauchen wir Winston?�</p><p>�Fragen Sie Azhar�, sagte Lynley und f�gte hinzu:�Falls es Sie nicht in eine unangenehme Lage bringt.�</p><p>�Warum sollte mich das in eine unangenehme Lage bringen?�, fragte sie argw�hnisch.</p><p>Lynley antwortete nicht. Es gab Dinge, �ber die er und Havers nicht diskutierten, und dazu geh�rte Barbaras Beziehung zu Taymullah Azhar.�Sonst noch etwas?�, fragte er.</p><p>�Bernard Fairclough. Er hat einen Schl�ssel zu der Wohnung einer Frau namens Vivienne Tully. Ich war da, hab sie aber bisher noch nicht erwischt. Auf einem Foto, das ich aufgetrieben hab, sieht sie eher jung aus. Kleidet sich modisch, gute Haut, gute Figur, freche Frisur. Der Alptraum jeder Ehefrau, w�rd ich sagen. Bisher wei� ich nur, dass sie mal f�r ihn gearbeitet hat. Jetzt hat sie einen anderen Job in London, und sie steht auf Ballett, denn da war sie gestern Abend. Sie war entweder beim Ballettunterricht, oder sie hat sich eine Ballettauff�hrung angesehen. So genau wei� ich das leider nicht. Die Putzfrau sprach kein Englisch, und wir mussten uns mit H�nden und F��en verst�ndigen. Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, Sir, wie viele Leute in London heutzutage kein Englisch sprechen? Oder Ihnen, Simon? Ich komm mir allm�hlich so vor, als w�rd ich in der verdammten Lobby der Vereinten Nationen wohnen.�</p><p>�Fairclough hat einen Schl�ssel zur Wohnung dieser Frau?�</p><p>�Romantisch, oder? Ich fahr heute noch mal nach Kensington und werd ihr ein bisschen auf den Zahn f�hlen. Cresswells Testament muss ich mir auch noch vornehmen, dazu bin ich noch nicht gekommen.�</p><p>Das sei kein Problem, sagte Lynley. Sie seien bereits im Besitz der wichtigsten Informationen zu dem Thema. Es gebe eine Lebensversicherung, und die Witwe sei die Beg�nstigte. Und laut Aussage von Cresswells Lebensgef�hrten habe dieser das Haus geerbt. Es w�re jedoch sehr hilfreich, fuhr Lynley fort, wenn Havers diese Angaben auf ihren Wahrheitsgehalt �berpr�fen k�nne. Au�erdem w�rde ihn interessieren, wann genau das Testament verfasst wurde. Ob sie sich darum k�mmern k�nne?</p><p>Sie k�nne und sie werde, versicherte sie ihm.�Was ist mit den Kindern?�</p><p>�Cresswell ist offenbar davon ausgegangen, dass die von der Lebensversicherung profitieren. Was allerdings nicht der Fall zu sein scheint.�</p><p>Havers pfiff durch die Z�hne.�Es lohnt sich immer, der Spur des Geldes zu folgen.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Apropos�, sagte sie.�Dieser Typ von der <emphasis>Source</emphasis> � sind Sie dem schon �ber den Weg gelaufen?�</p><p>�Noch nicht�, sagte Lynley.�Warum?�</p><p>�Weil der auch nicht ganz koscher ist. Der war n�mlich schon mehrmals da oben, und zwar zum ersten Mal drei Tage <emphasis>bevor</emphasis> Ian Cresswell ertrunken ist. So wie der unter Druck steht, seine Story aufzupeppen, k�nnte er doch auf die Idee kommen, einen Mord zu begehen.�</p><p>�Wir werden dem nachgehen�, sagte Lynley.�Aber um Cresswell umzubringen, h�tte er unbemerkt aufs Grundst�ck gelangen, ins Bootshaus eindringen, die Steine lockern und wieder verschwinden m�ssen. Sagten Sie nicht, der Mann ist auff�llig gro�?�</p><p>�Fast zwei Meter. Eine Schnapsidee also?�</p><p>�Zumindest �u�erst zweifelhaft, allerdings m�ssen wir im Moment alle M�glichkeiten in Betracht ziehen. �Lynley �berlegte, wie wahrscheinlich es war, dass ein zwei Meter gro�er rothaariger Reporter den scharfen Augen von Mignon Fairclough entging. Das h�tte nur in einer mondlosen Nacht passieren k�nnen, dachte er.</p><p>�Tja, wir haben also alle H�nde voll zu tun�, sagte er. Aber bevor er das Gespr�ch beendete, musste er noch eine Frage stellen, auch wenn er nicht wusste, warum sie ihm auf den N�geln brannte.�Schaffen Sie das eigentlich alles ohne Wissen von Superintendent Ardery? Glaubt sie immer noch, Sie seien in Urlaub? Sie sind ihr doch nicht in die Arme gelaufen, oder?�</p><p>Das Schweigen am anderen Ende der Leitung war ihm Antwort genug. Er wich St. James� Blick aus und sagte:�Verdammt. Das macht alles komplizierter, als es ohnehin schon ist. F�r Sie, meine ich. Tut mir leid, Barbara.�</p><p>�Die Chefin ist ein bisschen verspannt�, sagte sie leichthin.�Aber Sie kennen mich ja, Sir. Das bin ich gew�hnt.�</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Deborah konnte es �berhaupt nicht leiden, mit ihrem Mann uneins zu sein. Das hatte einerseits mit dem gro�en Altersunterschied zwischen ihnen zu tun und andererseits mit seiner Behinderung und allem, was damit zusammenhing. Aber vor allem hatte es mit ihren unterschiedlichen Charakteren und ihrer unterschiedlichen Weltsicht zu tun. Simon ging Probleme mit Logik und bemerkenswerter Distanziertheit an, weshalb es nahezu unm�glich war, sich mit ihm zu streiten. Im Gegensatz zu ihm lie� sie sich n�mlich von ihren Gef�hlen leiten, und Schlachten zwischen Armeen unter dem Kommando von Kopf und Herz wurden immer von den Armeen gewonnen, deren Anf�hrer der Kopf war. H�ufig blieb ihr nichts anderes �brig, als ein Gespr�ch mit dem sinnlosen Satz zu beenden: <emphasis>Das verstehst du nicht</emphasis>.</p><p>Nachdem Simon gegangen war, setzte sie sich aufs Bett und tat, was getan werden musste. Sie rief seinen Bruder David an und teilte ihm ihre <emphasis>gemeinsame</emphasis> Entscheidung mit, wie sie sich ausdr�ckte.�Trotzdem bin ich dir sehr dankbar daf�r, dass du dich so f�r uns eingesetzt hast, David�, sagte sie, und sie meinte es ernst.�Aber ich kann mich einfach nicht an den Gedanken gew�hnen, ein Kind mit seinen leiblichen Eltern zu teilen. Das ist der Grund, warum wir uns dagegen entschieden haben.�</p><p>Sie sp�rte, dass David entt�uscht war, und der Rest der Familie w�rde wahrscheinlich ebenfalls entt�uscht sein. Doch Simons Angeh�rige standen auch nicht vor der Frage, ob sie sich auf ein solches Abenteuer voller Unw�gbarkeiten einlassen sollten.�Wei�t du, Deborah�, hatte David geantwortet,�egal, auf welche Weise man sich auf ein Leben als Eltern einl�sst, es ist immer ein Lotteriespiel. �Worauf sie entgegnet hatte:�Ja, das wei� ich doch. Trotzdem bleibt die Antwort dieselbe. Die Komplikationen, die das alles mit sich bringen w�rde � Ich k�nnte einfach nicht damit umgehen.�</p><p>Es war also vorbei. In ein, zwei Tagen w�rde die schwangere junge Frau mit einem anderen adoptionswilligen Paar in Verhandlungen treten. Deborah war froh, dass sie die Entscheidung getroffen hatte, und gleichzeitig war sie untr�stlich. Simon w�rde alles andere als erfreut sein, aber sie sah einfach keine andere M�glichkeit. Sie mussten sich etwas anderes �berlegen.</p><p>Sie wusste, dass Simon die Vorstellung, eine Leihmutter anzuheuern, zutiefst widerstrebte. Eigentlich hatte sie gedacht, dass diese L�sung ihm als Wissenschaftler entgegenkommen w�rde. Doch er hatte die Wunder der modernen Medizin schlichtweg als� entmenschlichend �bezeichnet. Sich in einer Arztpraxis mit einem sterilen Reagenzglas auf der Toilette einzuschlie�en, um seinen Anteil beizusteuern � Dann mussten noch ihre Eizellen geerntet werden, ein Eingriff, der nicht ungef�hrlich war. Und schlie�lich musste die richtige Leihmutter gefunden und die ganze Schwangerschaft �ber betreut werden.</p><p>Wer soll das sein? hatte Simon vern�nftigerweise gefragt. Und wie erf�hrt man alles �ber die Person, was man wissen will?</p><p>Die Leihmutter sei nur ein Uterus, den sie mieten w�rden, hatte Deborah ihm erkl�rt.</p><p>�Wenn du im Ernst glaubst, dass es damit getan ist�, hatte Simon geantwortet,�dann bist du str�flich naiv. Wir mieten schlie�lich kein leeres Zimmer in ihrem Haus, um darin vor�bergehend ein paar M�bel zu lagern, Deborah. Es geht um neues Leben, das in ihrem K�rper wachsen wird. Anscheinend gehst du davon aus, dass sie das in keiner Weise ber�hrt.�</p><p>�Wir werden einen Vertrag machen, Herrgott noch mal. Hier in der Zeitschrift ist ein Artikel ��</p><p>�Diese Zeitschrift solltest du schleunigst in den M�lleimer werfen.�</p><p>Aber Deborah hatte die Zeitschrift nicht weggeworfen. Sie hatte David angerufen, und anschlie�end hatte sie sich die Ausgabe von <emphasis>Conception</emphasis> vorgenommen, die Barbara Havers ihnen per �bernachtexpress geschickt hatte. Sie hatte die Fotos betrachtet, auf denen die sechsmalige Leihmutter mit den gl�cklichen Familien abgebildet war, denen sie zu Nachwuchs verholfen hatte. Sie hatte den Artikel noch einmal gelesen. Dann hatte sie die Werbeanzeigen im hinteren Teil der Zeitschrift studiert.</p><p>Alles, was mit Fortpflanzung zu tun hatte, war in einer Art Preisliste aufgef�hrt, stellte sie fest, aber abgesehen von dem Artikel im Heft gab es keine Anzeigen zum Thema Leihmutterschaft. Nachdem sie bei einer Rechtsberatungsstelle angerufen hatte, deren Nummer am Schluss des Artikels angegeben war, wusste sie auch, warum. Sich als Leihmutter anzubieten, war illegal. Eine Frau, die als Leihmutter in Frage kam, musste man sich selbst suchen. Am besten eine Verwandte, erkl�rte man ihr. Haben Sie vielleicht eine Schwester, Madam? Eine Kusine? Es komme auch vor, dass M�tter ein Kind f�r ihre T�chter austrugen. Wie alt ihre Mutter sei?</p><p>Gott, alles war so kompliziert, dachte Deborah. Sie hatte keine Schwester, ihre Mutter war tot, sie war das einzige Kind zweier Einzelkinder. Simons Schwester k�me vielleicht in Frage, aber sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass die verr�ckte Sidney � die derzeit mit einem S�ldner liiert war � ihren Eine-Million-Dollar-K�rper zur Verf�gung stellen w�rde, um ihrem Bruder zu einem Kind zu verhelfen. Geschwisterliebe hatte ihre Grenzen, und Deborah glaubte zu wissen, wo sie endete.</p><p>In dieser Angelegenheit war der Gesetzgeber nicht ihr Freund. Alles andere, wof�r im Zusammenhang mit Fortpflanzung geworben wurde, war offenbar legal � von Kliniken, in denen man gegen Geld Eizellen spenden konnte, bis hin zu lesbischen Paaren, die nach einem Samenspender suchten. Es gab sogar Anzeigen von Gruppen, die potentielle Ei- bzw. Samenspender von ihrem Vorhaben abzubringen trachteten, sowie Beratungsstellen f�r Spender, Empf�nger und alle anderen Beteiligten. Au�erdem existierte ein telefonischer Hilfsdienst, bei dem man sich �ber �rzte, Krankenschwestern, Kliniken und Hebammen informieren konnte. Die Angebote und M�glichkeiten waren so zahlreich, dass Deborah sich nicht gewundert h�tte, wenn sie unter den Kleinanzeigen eine entdeckt h�tte, die nur ein Wort enthielt, n�mlich HILFE!</p><p>Dieser Gedanke erinnerte sie daran, wie sie �berhaupt auf die Zeitschrift aufmerksam geworden war und warum sie Barbara gebeten hatte, ihr diese Ausgabe zu schicken: Weil Alatea genau diese Seiten, die Deborah jetzt den Seelenfrieden raubten, herausgerissen hatte. Nachdem diese Anzeigen sie selbst in einen derartigen inneren Aufruhr versetzt hatten, konnte sie sich schon viel besser vorstellen, was in Alatea vorgegangen sein k�nnte. Was, wenn Alatea ebenfalls wusste, dass sie nie ein Kind w�rde austragen k�nnen? Was, wenn sie sich bisher noch nicht getraut hatte, ihrem Mann dies zu sagen? Was, wenn sie genauso wie Deborah in Erw�gung zog, nach einer Leihmutter zu suchen? Alatea lebte in England, weit weg von ihrer Heimat, weit weg von Freundinnen oder Verwandten, die sich erbieten k�nnten, ihr diesen Liebesdienst zu erweisen � Gab es eine Frau, an die sie sich wenden konnte? Eine Frau, die bereit w�re, das Kind von Alatea und Nicholas Fairclough auszutragen?</p><p>Deborah dachte dar�ber nach. Verglich Alateas Situation mit ihrer eigenen. Sie hatte Sidney St. James, auch wenn sie als Kandidatin schwerlich in Frage kam. Aber wen hatte Alatea?</p><p>Es gab eine M�glichkeit, dachte sie, eine, die zu dem passen w�rde, was im Bootshaus von Ireleth Hall vorgefallen war. Sie musste unbedingt mit Simon dar�ber reden. Und mit Tommy.</p><p>Sie sprang auf. Simon war schon vor einer ganzen Weile zu seinem Spaziergang aufgebrochen. Auf dem Weg die Treppe hinunter gab sie Simons Nummer in ihr Handy ein. Er unterhalte sich mit Tommy auf dem Parkplatz, sagte er ihr. Sie wollten gerade aufbrechen �</p><p>Sie bat ihn zu warten und Tommy ebenfalls. Sie wolle mit ihnen beiden sprechen.</p><p>Dann wurde sie jedoch von Nicholas Fairclough aufgehalten. Er war der Letzte, mit dem sie in der Eingangshalle des Crow &amp; Eagle gerechnet hatte, aber offenbar hatte er auf sie gewartet. Als er sie erblickte, stand er auf und kam ihr entgegen.�Dachte ich mir, dass ich Sie hier finden w�rde�, sagte er. Es klang, als h�tte sie versucht, sich vor ihm zu verstecken, und sie machte ihn darauf aufmerksam.</p><p>�Verstehe�, entgegnete er.�Unter aller Augen l�sst es sich am besten verstecken.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. Er wirkte v�llig ver�ndert. Sein sonst so engelhaftes Gesicht wirkte verh�rmt, und er war unrasiert. Dunkle Ringe unter seinen Augen deuteten darauf hin, dass er kaum geschlafen hatte. Und von seiner Freundlichkeit und Liebensw�rdigkeit war keine Spur mehr �brig.</p><p>�H�ren Sie�, sagte er ohne Umschweife.�Ich wei�, wer Sie in Wirklichkeit sind. Und Sie sollen eins wissen: Ich habe Ian nichts getan. Ich h�tte ihm nie ein Haar kr�mmen k�nnen. Die Tatsache, dass mein Vater das Gegenteil bef�rchtet, sagt Ihnen etwas �ber den Zustand unserer Familie, aber sonst gar nichts. Und Sie ��Er stie� mit dem Finger nach ihr, ohne sie jedoch zu ber�hren.�� machen gef�lligst, dass Sie von hier verschwinden. Kehren Sie nach London zur�ck. Hier gibt es nichts f�r Sie zu erfahren. Ihre verdammten Ermittlungen sind beendet. Und lassen Sie meine Frau in Frieden, kapiert?�</p><p>�Sind Sie ��</p><p>�Scheren Sie sich zum Teufel!�Er machte einen Schritt zur�ck, dann drehte er sich auf dem Absatz um und lie� sie stehen.</p><p>Deborah stand da wie erstarrt. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, und das Blut rauschte ihr in den Ohren. F�r diesen Auftritt gab es nur eine Erkl�rung. Aus unerfindlichen Gr�nden hielt Nicholas Fairclough sie f�r den Scotland-Yard-Detective, der nach Cumbria gekommen war, um den Tod seines Vetters zu untersuchen.</p><p>Es gab nur eine M�glichkeit, wie er zu diesem Schluss gelangt sein konnte, und die hatte sie mit ihrer Digitalkamera festgehalten.</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Kurz nach seiner fl�chtigen Begegnung mit Nicholas Fairclough auf dem Marktplatz am Tag zuvor hatte Zed Benjamin sich hinter einem der vielen St�nde verdr�ckt, so dass er von dem Caf� aus, wo Nicholas Fairclough sich mit der Frau von Scotland Yard getroffen hatte, nicht zu sehen war. Nachdem Fairclough das Caf� verlassen hatte, brauchte er nicht lange zu warten, bis auch die Frau herauskam, und es war ein Kinderspiel gewesen, ihr zum Crow &amp; Eagle zu folgen. Am n�chsten Morgen hatte Zed in aller Fr�he in der Filiale der NatWest Posten bezogen und stundenlang hinter dem Geldautomaten gestanden, das Hotel beobachtet und darauf gewartet, dass die Frau herauskam. Die Aktion hatte ihm reichlich misstrauische Blicke von Bankkunden und ungehaltene Worte von Leuten beschert, die den Geldautomaten benutzen wollten. Eine alte Frau hatte ihn ziemlich unsanft weggeschubst und gezetert:�Weg da, du Mistkerl, sonst ruf ich die Polizei � Deine Sorte kenn ich!�Die Lage war also brenzlig geworden, und er hatte nur noch hoffen k�nnen, dass die Frau von Scotland Yard sich bald blicken lie�, wenn er nicht wegen verd�chtigen Herumlungerns verhaftet werden wollte.</p><p>Am Morgen hatte er wie immer mit Yaffa telefoniert, und das Gespr�ch ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Sie hatte seine Kussger�usche nicht erwidert, weil seine Mutter nicht in der N�he gewesen war und die Notwendigkeit, ihr das verliebte Paar vorzuspielen, sich er�brigt hatte. Au�erdem gab es anscheinend neuerdings Probleme mit Micah in Tel Aviv, der es leid war, Yaffas Bruder Ari zu spielen. In einem Gespr�ch mit Micah hatte Yaffa Zed als <emphasis>attraktiv</emphasis> bezeichnet. Micah habe nicht besonders erfreut reagiert, trotz all ihrer Beteuerungen, dass es nichts zu bedeuten habe. Und w�hrend Zed noch dar�ber nachdachte, dass sie im Zusammenhang mit ihm das Wort <emphasis>attraktiv</emphasis> benutzt hatte, hatte sie ihm erkl�rt, sie m�sse sich wahrscheinlich ein anderes Zimmer suchen, denn Micah sei <emphasis>total aus dem H�uschen</emphasis>. Sie f�rchte, hatte sie Zed erkl�rt, dass Micah vor lauter Sorge, dass sie ihn nicht mehr liebte, sein Studium vernachl�ssigen k�nnte. Und das k�nne sich ein Medizinstudent nun wirklich nicht leisten. Aber er wisse ja sicherlich, was Eifersucht mit M�nnern mache �</p><p>In Wirklichkeit hatte Zed keine Ahnung, was Eifersucht mit M�nnern machte, denn bisher hatte er sich noch nie auf eine Beziehung mit einer Frau eingelassen.</p><p>Yaffa hatte ihm erkl�rt, sie glaube, sie k�nne ihren Verlobten noch eine Zeitlang beschwichtigen, allerdings nicht mehr lange. Dann w�rde sie entweder umziehen oder nach Tel Aviv zur�ckkehren m�ssen.</p><p>Zed hatte nicht gewusst, was er dazu sagen sollte. Er konnte sie kaum anflehen, noch zu bleiben. Ja, er wusste nicht einmal, wie er �berhaupt auf die Idee kam, sie anzuflehen, damit sie blieb. Und doch hatte ihm am Ende des Gespr�chs genau das auf der Zunge gelegen und nicht etwa ein gutgelauntes <emphasis>Gute Reise!</emphasis> Und das hatte ihn doch sehr gewundert.</p><p>Aber sie hatte sowieso aufgelegt, ehe er dazu gekommen war, das eine oder das andere auszusprechen. Am liebsten h�tte er noch einmal angerufen, um ihr zu sagen, dass sie ihm schrecklich fehlen w�rde, damit sie seine Sprachlosigkeit nicht dahingehend interpretierte, dass es ihm egal w�re, wenn sie nach Israel zur�ckkehrte. Die Telefongespr�che mit ihr gefielen ihm so sehr, dass er ihnen regelrecht entgegenfieberte, ja, er hatte das Gef�hl, dass sie genau die Frau war, die � Nein, so weit durfte er nicht denken. Was f�r eine Schande, dachte er. Er w�rde sich damit abfinden m�ssen, dass sie wie Romeo und Julia waren, und fertig.</p><p>Zed war so vertieft in seine Gedanken an Yaffa und Micah und die Ironie des Schicksals, das ihn �ber die perfekte Frau stolpern lie�, die nur dummerweise mit einem anderen verlobt war, dass er, als Nick Fairclough das Hotel Crow &amp; Eagle betrat, nicht sofort begriff, was f�r eine wichtige Beobachtung er da gerade machte. Er dachte lediglich, ach, da kommt ja Nick Fairclough, schob sich die M�tze ein bisschen tiefer ins Gesicht und zog die Schultern ein, um weniger aufzufallen. Erst als Nick Fairclough kurz darauf wieder aus dem Hotel st�rmte, noch dazu mit versteinerter Miene, z�hlte Zed zwei und zwei zusammen, und das ergab: Fairclough plus Scotland-Yard-Detective gleich wichtiges Ereignis.</p><p>Dann kam die Polizistin aus dem Hotel. Sie telefonierte auf ihrem Handy. Eine Polizistin, die auf ihrem Handy telefonierte, bedeutete, dass neue Entwicklungen stattfanden. Fairclough war gegangen, und die Polizistin folgte ihm. Zed musste den beiden folgen.</p><p>Sein Auto stand ganz in der N�he, und er rannte los, als die rothaarige Frau um das Hotel herumging, zweifellos zu ihrem Auto. Er lie� den Motor an und wartete darauf, dass sie auftauchte. Sie w�rde nirgendwo hinfahren, ohne dass er ihr auf den Fersen blieb.</p><p>Er z�hlte die Sekunden. Aus den Sekunden wurden Minuten. Was war passiert? Hatte sie Probleme mit dem Auto? Einen Platten? Wo zum Teufel steckte sie �?</p><p>Schlie�lich fuhr ein Wagen vom hinter dem Hotel gelegenen Parkplatz, aber es war kein Mietwagen, und die Frau sa� nicht am Steuer. Es war ein kupferfarbener, s�ndhaft teurer Oldtimer, und am Steuer sa� ein Typ, der vollkommen entspannt wirkte, um nicht zu sagen gutbetucht, denn wie sonst h�tte er sich einen solchen Schlitten leisten k�nnen? Ein Hotelgast, schloss Zed scharfsinnig. Der Typ fuhr in Richtung Norden.</p><p>Etwa drei Minuten sp�ter fuhr wieder ein Auto vom Hotelparkplatz, und Zed legte den ersten Gang ein. Aber auch diesmal sa� ein Mann am Steuer, ein Typ mit grimmiger Miene und schwarzem Haar, der sich den Kopf rieb, als versuchte er, eine Migr�ne loszuwerden.</p><p>Dann endlich sah er die Frau. Aber sie kam zu Fu�. Diesmal sprach sie nicht in ihr Handy, und sie wirkte ernst und entschlossen. Zuerst dachte Zed, sie wollte zum Marktplatz, wo es reichlich Caf�s gab, in denen man sich mit jemandem treffen konnte. Aber stattdessen ging sie zur�ck ins Hotel.</p><p>Zed traf seine Entscheidung im Bruchteil einer Sekunde. Er schaltete den Motor aus und rannte hinter ihr her. Er konnte sie bis ans Ende der Welt verfolgen, sagte er sich, oder aber er konnte den Stier jetzt bei den H�rnern packen und ein T�nzchen mit ihm wagen.</p><p>Entschlossen betrat er das Hotel.</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Deborah war so w�tend auf Simon, dass sie das Gef�hl hatte, sie k�nnte gleich platzen.</p><p>Als sie mit der Kamera in der Hand auf den Parkplatz gekommen war, hatte sie Simon im Gespr�ch mit Tommy angetroffen. Dass Tommy da war, hatte sie als gro�en Gl�cksfall empfunden, denn der w�rde auf ihrer Seite stehen, und sie brauchte unbedingt einen Verb�ndeten.</p><p>Sie hatte den beiden ganz kurz geschildert, was vorgefallen war: dass Nicholas Fairclough ihr im Hotel aufgelauert hatte, dass er �ber die Anwesenheit eines Detectives von Scotland Yard informiert war, der Ian Cresswells Tod untersuchte, dass er ausgerechnet sie, Deborah, f�r den Detective hielt, der in seinem Leben herumschn�ffelte.�Es gibt nur eine M�glichkeit, wie er auf die Idee gekommen sein kann�, sagte sie und hielt den beiden M�nnern das Foto unter die Nase, das sie am Tag zuvor geschossen hatte: Es zeigte einen gro�en, rothaarigen Mann, der sich auf dem Marktplatz mit Nicholas Fairclough unterhielt.</p><p>�Danach�, sagte sie,�wollte Nicholas pl�tzlich nichts mehr mit mir zu tun haben. Wir hatten vor, nach Barrow zu fahren, aber auf einmal war er dazu nicht mehr bereit. Und jetzt eben war er v�llig au�er sich � Es ist doch klar, was das bedeutet, oder?�</p><p>Tommy betrachtete das Foto.�Das ist der Journalist von der <emphasis>Source</emphasis>�, sagte er.�Barbara hat ihn mir beschrieben. Gro�, rothaarig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass zwei M�nner, auf die diese Beschreibung passt, hier in Cumbria herumschleichen und sich f�r Nicholas Fairclough interessieren.�</p><p>Das wird ja immer besser, hatte Deborah gedacht.�Tommy, wir k�nnen diesen Mann benutzen�, sagte sie.�Irgendetwas stimmt doch nicht mit diesen Leuten hier, und er hat Wind davon bekommen, sonst w�re er nicht hergekommen. Ich nehme Kontakt mit ihm auf. Dann wird er denken, er h�tte einen direkten Draht zur Polizei. Wir k�nnen ��</p><p>�Deborah�, hatte Simon gesagt. Es war sein Ton, der sie wahnsinnig machte, dieser Ton, der sagte, wir m�ssen sie beruhigen.</p><p>�Ich wei� nicht, Deb�, hatte Tommy gesagt und weggesehen. Sie fragte sich, ob er �ber das nachdachte, was sie eben gesagt hatte, oder ob er �berlegte, wie er vom Parkplatz verschwinden konnte, bevor sie und Simon sich in die Wolle gerieten. Denn niemand kannte Simon so gut wie Tommy. Er wusste genau, was <emphasis>Deborah</emphasis> bedeutete, wenn Simon ihren Namen in diesem Ton aussprach. Zugegeben, manchmal hatte Simon ja recht, wenn er sich um sie sorgte, aber diesmal sah sie �berhaupt keine Veranlassung dazu.</p><p>�Das ist doch <emphasis>die</emphasis> Gelegenheit f�r uns, Tommy�, hatte sie gesagt.</p><p>Worauf er entgegnet hatte:�Barbara hat mir mitgeteilt, dass der Journalist drei Tage vor Cresswells Tod schon einmal hier war, Deb. Er wurde hierhergeschickt, um eine Geschichte �ber Nicholas Fairclough ein bisschen aufzupeppen.�</p><p>�Und?�</p><p>�Das ist doch offensichtlich, Deborah�, hatte Simon sich eingeschaltet.�Es besteht durchaus die M�glichkeit, dass der Mann ��</p><p>�Also, ihr k�nnt doch nicht allen Ernstes annehmen, dass er, um seiner Story ein bisschen Pfeffer zu verleihen, auf die Idee gekommen ist, einen Verwandten seiner Hauptfigur um die Ecke zu bringen. Das ist doch vollkommen absurd. �Als beide gleichzeitig ansetzten, etwas darauf zu entgegnen, hatte sie abwehrend eine Hand gehoben.�Nein. Moment. H�rt mir zu. Ich habe �ber diese Sache nachgedacht. Es gibt einiges, was ihr nicht wisst. Und zwar �ber Nicholas Faircloughs Frau.�</p><p>Zum Gl�ck kannten die beiden weder Alatea noch Nicholas Fairclough.</p><p>�Barbara ist gerade dabei, Alatea Fairclough zu �berpr�fen, Deb�, sagte Tommy.</p><p>�Das mag ja sein�, entgegnete sie,�aber sie wei� nicht alles. �Dann berichtete sie, was Alatea Fairclough zu verbergen hatte.�Nicholas sagt, es m�ssen irgendwo Fotos von ihr existieren. Sie hat mal eine Zeitlang als Model gearbeitet, aber sie m�chte nicht, dass jemand davon erf�hrt. Nicholas hat sie nat�rlich alles erz�hlt, sonst wei� jedoch niemand in der Familie davon. Nicholas hat von �sexy Dessous� gesprochen, und ich denke, wir wissen alle, was damit gemeint ist.�</p><p>�Und zwar?�, fragte Simon. Er bedachte sie mit diesem <emphasis>Blick</emphasis> � ernst und wissend und sorgenvoll.</p><p>Verflixt und zugen�ht, dachte Deborah.�Das kann alles von Lack und Leder f�r die Sado-Maso-Szene bis hin zu Pornografie bedeuten, Simon. Da sind wir uns doch sicher einig, oder?�</p><p>�Da hast du nat�rlich recht�, sagte Tommy.�Barbara k�mmert sich darum, Deb. Die kriegt das schon hin.�</p><p>�Aber das ist noch nicht alles, Tommy. �Deborah wusste, dass Simon nicht begeistert sein w�rde, wenn sie das Thema anschnitt, doch es musste sein, denn es hatte garantiert etwas mit Ian Cresswell zu tun.�Es geht um das Thema Leihmutterschaft.�</p><p>Daraufhin war Simon tats�chlich erblasst. Wahrscheinlich dachte er, sie wolle dieses �u�erst sensible und pers�nliche Thema, das f�r Streit und Kummer zwischen ihnen sorgte, aufbringen, solange Tommy dabei war und als Schiedsrichter fungieren konnte.�Nicht das�, sagte sie zu ihm.�Ich halte es f�r m�glich, dass Alatea kein Kind austragen kann. Oder dass sie sonst irgendwelche Probleme damit hat, schwanger zu werden. Ich glaube jedenfalls, dass sie auf der Suche nach einer Leihmutter ist und dass es sich bei der Leihmutter um Ian Cresswells Frau Niamh handeln k�nnte.�</p><p>Simon und Tommy sahen einander an. Aber sie hatten Niamh Cresswell noch nie gesehen, und deswegen erkl�rte Deborah es ihnen: Nicholas Fairclough w�nschte sich ein Kind, Alatea besa� eine Ausgabe der Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis>, aus der die Seiten mit den Anzeigen herausgerissen waren, Niamh Cresswell, die ihren Mann verloren hatte und auf der Suche nach einem Neuen war, hatte sich offensichtlich diversen Sch�nheitsoperationen unterzogen.�Brustvergr��erung wird nicht von der Krankenkasse bezahlt�, sagte Deborah.�Irgendwie muss sie das also finanzieren. Und f�r Alatea ein Kind auszutragen, w�re die perfekte L�sung. Es ist zwar verboten, sich gegen Bezahlung als Leihmutter zur Verf�gung zu stellen, aber da es sich um eine Familienangelegenheit handelt, wird niemand erfahren, ob Geld im Spiel war. Nicholas und Alatea werden es bestimmt niemandem auf die Nase binden. Niamh kriegt also das Kind der beiden, �bergibt es ihnen, erh�lt ein h�bsches S�mmchen daf�r, und das war�s.�</p><p>Simon und Tommy schwiegen. Tommy betrachtete seine Schuhe. Als N�chstes w�rden sie ihr erkl�ren, sie sei nicht ganz bei Trost � Gott, wie gut sie die beiden kannte �, aber sie kam ihnen zuvor.�Oder vielleicht ist es ja noch viel besser. Vielleicht wei� Nicholas Faiclough ja gar nichts von der Vereinbarung, und Alatea hat vor, die ganze Schwangerschaft vorzut�uschen. Sie ist ziemlich gro�, und bei ihrer Figur ist es gut m�glich, dass sie erst ganz sp�t einen dicken Bauch bekommt. Niamh verschwindet f�r ein paar Monate, und kurz vor der Geburt f�hrt Alatea zu ihr. Sie denken sich irgendeinen Vorwand aus und ��</p><p>�Gott, Deborah. �Simon rieb sich die Stirn, w�hrend Tommy von einem Fu� auf den anderen trat.</p><p>Tommy trug immer Lobbs-Schuhe, dachte Deborah. Die mussten ein Verm�gen gekostet haben, aber die hielten nat�rlich auch ewig, und wahrscheinlich besa� er die, die er anhatte, schon seit er f�nfundzwanzig war. Sie hatten nat�rlich keinerlei Schrammen. Charlie Denton, Tommys Butler oder Kammerdiener oder Stallmeister oder was auch immer der Mann in Tommys Leben darstellte, w�rde schon daf�r sorgen, dass die Schuhe makellos blieben. Aber sie waren eingetragen und bequem, wie zwei alte Freunde �</p><p>Sie merkte, dass Simon mit ihr redete, und pl�tzlich wurde ihr bewusst, dass sie absichtlich die Ohren zugeklappt hatte. Er dachte bestimmt, dass das alles mit ihr zu tun hatte, mit ihnen beiden, mit der Diskussion um das bescheuerte Thema offene Adoption, denn er konnte ja nicht ahnen, dass dieses Thema f�r sie l�ngst beendet war, und deswegen entschloss sie sich kurzerhand, ihn jetzt gleich dar�ber aufzukl�ren.</p><p>�Ich habe �brigens David angerufen�, sagte sie.�Ich habe ihm abgesagt. Endg�ltig. Ich kann damit nicht umgehen, Simon.�</p><p>Simons Kiefermuskeln bewegten sich. Das war alles.</p><p>Deborah wandte sich an Tommy.�Nehmen wir also mal an, Ian Cresswell hat irgendwie von dem Arrangement erfahren. Er protestiert. Er sagt, dass es schon genug gibt, woran ihre Kinder zu knabbern haben, und er findet, man kann ihnen nicht auch noch zumuten, dass ihre Mutter ein Kind f�r die Frau des Vetters ihres Vaters austr�gt. Er ist davon �berzeugt, dass das zu viel Verwirrung stiftet, und spricht ein Machtwort.�</p><p>�Die beiden sind geschieden�, gab Tommy vorsichtig zu bedenken.</p><p>�Seit wann bedeutet das, dass zwei Menschen aufh�ren, einander zu kontrollieren? Nehmen wir mal an, er geht zu Nicholas. Er redet auf ihn ein. Nicholas wei� Bescheid oder auch nicht, egal, auf jeden Fall n�tzt all sein Reden nichts, und er k�ndigt an, dass er mit Nicholas� Vater sprechen wird. Aber dass Bernard Fairclough in die Sache hineingezogen wird, ist das Allerletzte, was alle Beteiligten wollen. Er hat Nicholas von Anfang an f�r einen Versager gehalten. Und jetzt das, ein Streit, der die Familie entzweit ��</p><p>�Es reicht�, fiel Simon ihr ins Wort.�Ich meine es ernst. Es reicht.�</p><p>Sein v�terlich strenger Ton traf sie wie ein elektrischer Schlag. Sie sah ihn entgeistert an.�Was hast du gerade zu mir gesagt?�</p><p>�Man braucht nicht Freud zu sein, um zu verstehen, wo das alles herkommt, Deborah.�</p><p>Blanke Wut �berkam sie. Sie �ffnete den Mund, um etwas zu entgegnen, doch er kam ihr zuvor.</p><p>�Das sind doch Hirngespinste. Es wird Zeit, dass wir nach London zur�ckkehren. �Er wandte sich an Lynley.�Ich habe getan, was ich konnte, und wenn wir das Bootshaus nicht noch einmal unter die Lupe nehmen wollen, w�rde ich sagen, dass Ian Cresswells Tod genau das war, als was er bisher erschienen ist.�</p><p>Dass er sie so abservieren w�rde � Zum ersten Mal in ihrem Leben h�tte Deborah ihrem Mann am liebsten eine gescheuert. <emphasis>Z�gle dich, Deborah, z�gle dich,</emphasis> h�tte ihr Vater gesagt, doch ihr Vater war auch noch nie so wenig ernst genommen worden von dem Mann, der vor ihr stand. Gott, er war unertr�glich, dachte sie. Total aufgeblasen. Und derma�en selbstgerecht. Er war immer so selbstsicher, so von sich �berzeugt, kehrte immer den verdammten Wissenschaftler heraus, dabei hatten manche Dinge weder etwas mit Wissenschaft zu tun noch mit Forensik, Mikroskopen, Blutflecken, Computeranalysen, Diagrammen, Kurven, dieser verbl�ffenden Maschinerie, mit der man von einem einzelnen Wollfaden auf den Hersteller und das Schaf und die Farm auf den Hebriden schlie�en konnte, auf der das Schaf geboren war. Sie h�tte laut schreien k�nnen. Ihm die Augen auskratzen, ihn �</p><p>�Sie hat nicht ganz unrecht, Simon�, sagte Tommy.</p><p>Simon schaute seinen alten Freund an, als h�tte der den Verstand verloren.</p><p>�Ich bezweifle nicht, dass es zwischen Nicholas und seinem Vetter b�ses Blut gegeben hat�, sagte Lynley.�Und mit Bernard stimmt auch irgendetwas nicht.�</p><p>�Einverstanden�, sagte Simon.�Aber die Vorstellung, dass Ian Cresswells Witwe ��Mit einer Handbewegung wischte er die Implikation weg.</p><p>Dann sagte Tommy:�Aber wenn das, was du sagst, stimmt, Deb, dann ist es zu gef�hrlich.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Du hast gute Arbeit geleistet, Simon hat allerdings recht. Ihr solltet nach London zur�ckfahren. Ab jetzt �bernehme ich. Ich kann nicht zulassen, dass du dich in Gefahr begibst. Das wei�t du.�</p><p>Er meinte viel mehr als das, und das wussten sie alle drei. Sie und Tommy waren einmal ein Paar gewesen, und selbst wenn nicht, w�rde er niemals zulassen, dass sie sich auch nur in die N�he einer Gefahr begab, die dazu f�hren konnte, dass Simon sie verlor, so wie Tommy seine Frau verloren hatte.</p><p>�Es ist nicht gef�hrlich�, sagte sie tonlos.�Das wei�t du genau, Tommy.�</p><p>�Wenn es um Mord geht, ist immer Gefahr im Spiel.�</p><p>Nach diesen Worten hatte er sich umgedreht und sie mit Simon allein auf dem Parkplatz stehen gelassen.</p><p>�Es tut mir leid, Deborah�, hatte Simon gesagt.�Ich wei�, dass du nur helfen willst.�</p><p>�Ach ja, wei�t du das?�, hatte sie verbittert geantwortet.�Tu doch nicht so, als wolltest du mich nicht bestrafen.�</p><p>�Bestrafen? F�r was denn?�Er tat tats�chlich so, als w�re er <emphasis>�berrascht</emphasis>.</p><p>�Weil ich David abgesagt habe. Weil ich unser kleines Problem nicht mit dem W�rtchen <emphasis>Ja</emphasis> gel�st habe. Das wolltest du doch, eine schnelle L�sung. Ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, wie es mir damit gehen w�rde, wenn mich in Zukunft s�mtliche leiblichen Angeh�rigen unseres Kindes andauernd beobachten w�rden, um zu sehen, was f�r eine <emphasis>Mummy</emphasis> ich bin ��Vor lauter Wut standen ihr die Tr�nen in den Augen.</p><p>�Das hat nichts mit deinem Anruf bei David zu tun�, sagte Simon.�Wenn du dich entschieden hast, dann akzeptiere ich das. Was soll ich sonst tun? Ich h�tte mir vielleicht etwas anderes gew�nscht, aber ��</p><p>�Und nur das z�hlt. Es ist das, was immer z�hlt. Deine W�nsche. Nicht meine. Denn wenn ich mich mit meinen W�nschen durchsetzen w�rde, dann w�rde das Machtverh�ltnis sich umkehren, und das wollen wir doch nicht, oder?�</p><p>Er wollte sie in den Arm nehmen, aber sie wich vor ihm zur�ck.�Geh und tu deine Arbeit�, sagte sie.�Wir haben schon genug gesagt.�</p><p>Er wartete einen Moment ab. Er schaute sie an, aber sie konnte seinen Blick nicht erwidern. Sie h�tte es nicht ertragen, den Schmerz in seinen Augen zu sehen und zu wissen, wie weit dieser Schmerz in die Vergangenheit zur�ckreichte.</p><p>Schlie�lich sagte er:�Wir reden sp�ter weiter. �Dann ging er zu seinem Wagen. Einen Augenblick sp�ter war er fort, irgendwohin gefahren, wo er etwas zu tun hatte. Was auch immer das sein mochte. Es interessierte Deborah nicht im Geringsten.</p><p>Sie riss sich aus ihren Gedanken und ging um das Hotel herum. Kaum hatte sie die Eingangshalle betreten, h�rte sie jemanden hinter sich rufen:�Moment, warten Sie! Wir beide m�ssen miteinander reden!�Als sie sich umdrehte, kam ausgerechnet der rothaarige H�ne durch die T�r. Ehe sie dazu kam, etwas zu erwidern, fuhr er fort:�Ihre Tarnung ist aufgeflogen. Das kann morgen auf der Titelseite der <emphasis>Source</emphasis> erscheinen, oder wir k�nnen einen Deal aushandeln. Sie haben die Wahl.�</p><p>�Was f�r ein Deal?�, fragte Deborah.</p><p>�Die Art Deal, die daf�r sorgt, dass wir beide bekommen, was wir wollen.�</p><subtitle>GREAT URSWICK � CUMBRIA</subtitle><p>Simon hatte recht, dachte Lynley: Deborah durfte sich nicht l�nger an den Ermittlungen beteiligen. Sie wussten nicht, womit sie es zu tun hatten, und alles, was Deborah in Gefahr brachte, war inakzeptabel.</p><p>Er h�tte die beiden nie um ihre Hilfe bitten d�rfen. Aber anfangs hatte es ausgesehen wie ein ziemlich einfacher Fall, der mit ihrer Hilfe in ein, zwei Tagen l�sbar w�re. Das hatte sich leider als Irrtum erwiesen, und jetzt musste er ein paar Dinge kl�ren, ehe Deborah etwas tat, was sie alle bereuen w�rden.</p><p>Nachdem Lynley sich in Milnthorpe von seinen Freunden verabschiedet hatte, fuhr er erst nach Norden, bog nach einer Weile in Richtung Westen ab und folgte der Stra�e, die sich zu der Landzunge hinunterwand, an deren Spitze Barrow-in-Furness lag. Aber Barrow war diesmal nicht sein Ziel. Er wollte sich mit Manette Fairclough unter vier Augen unterhalten, und das bedeutete, dass er sich nach Great Urswick begeben musste.</p><p>Die Strecke f�hrte ihn durch die h�gelige viktorianische K�stenstadt Grange-over-Sands, an der Flussm�ndung entlang, wo die dort �berwinternden V�gel eine lebende Landschaft im Watt bildeten und im st�ndigen Wettstreit um die Nahrung lagen, die hier im �berfluss zu finden war, da sie durch jede Flut wieder aufgef�llt wurde.</p><p>Hinter Grange-over-Sands lag auf der einen Seite der Stra�e das graue, tr�gerisch ruhige Meer und auf der anderen gr�nes Weideland, hier und da unterbrochen von einer Reihe kleiner Ferienh�user, die in der w�rmeren Jahreszeit von Urlaubern bev�lkert waren. Das war das s�dliche Cumbria, nicht das Seenland, das John Ruskin und William Wordsworth so geliebt hatten. Hier lebten Menschen, die hart arbeiteten und von der Hand in den Mund lebten. Seit Generationen wagten sich die Fischer hinaus in die tr�gerischen Sandb�nke der Bucht, fr�her mit Pferdekarren, heute mit Traktoren, und immer lauerte Lebensgefahr, wenn sie im Treibsand eine falsche Entscheidung trafen. Und wenn die Flut kam, gab es keine Rettung, dann konnte man nur warten, bis ihre Leichen angesp�lt wurden, was manchmal geschah, manchmal aber auch nicht.</p><p>In Bardsea bog er von der K�ste ins Landesinnere ab. Die Landschaft hier hatte nichts mit den schroffen Felsen und den mit Schiefer �bers�ten Ger�llhalden des Seengebiets gemeinsam. Dieser Teil von Cumbria erinnerte eher an die flache Sumpflandschaft des Nationalparks� The Broads �in Norfolk. Man lie� die D�rfer schnell hinter sich und gelangte dann in eine flache, vom Wind gepeitschte Landschaft, die haupts�chlich aus Weideland bestand.</p><p>Das Haus, in dem Manette wohnte, stand an einem kleinen See, auf dem Schw�ne d�mpelten und dessen Ufer mit Schilf bewachsen waren. Als Lynley zwei Autos in der Einfahrt sah, freute er sich. Manettes Exmann war offenbar ebenfalls zu Hause. Er w�rde also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen k�nnen.</p><p>Er klingelte. Ein Mann �ffnete. Vermutlich Freddie McGhie, dachte Lynley. Gutaussehend, gut gekleidet, dunkles Haar, dunkle Augen. Helen h�tte ihn als� geschniegelt und gestriegelt �bezeichnet, was aus ihrem Mund ein Kompliment gewesen w�re, denn er wirkte absolut gepflegt. Obwohl er Freizeitkleidung trug, sah er aus, als w�re er einer Werbeanzeige in der Zeitschrift <emphasis>Country Life</emphasis> entsprungen.</p><p>Lynley stellte sich vor.�Ah ja. Bernards Gast aus London. Manette hat mir von Ihnen erz�hlt. �Er wirkte liebensw�rdig, aber in seinen Worten klang auch Verwunderung mit. Schlie�lich gab es keinen offensichtlichen Grund, warum Bernard Faircloughs Londoner Gast nach Great Urswick kommen und an Freddie McGhies T�r klopfen sollte.</p><p>Lynley sagte, er w�rde gern mit Manette sprechen, falls sie zu Hause sei.</p><p>McGhie schaute zur Stra�e hin�ber, als suchte er nach der Antwort auf eine Frage, die Lynley gar nicht gestellt hatte. Dann, als w�re ihm wieder eingefallen, was sich geh�rt, sagte er:��h, ja, nat�rlich. Sie hatte nur nichts davon erw�hnt, dass ��</p><p>Dass was? fragte sich Lynley. Er wartete h�flich auf eine Erkl�rung.</p><p>�Ach, egal�, sagte McGhie.�Kommen Sie herein, ich rufe sie.�</p><p>Er f�hrte Lynley in ein Wohnzimmer, von dem aus man einen sch�nen Blick auf den Garten und den See hatte. Mitten im Wohnzimmer stand ein Laufband. Es war ein hochmodernes Ger�t mit Bildschirm, auf dem sich alle m�glichen Werte ablesen lie�en, mit Kn�pfen und reichlich technischem Schnickschnack. Um Platz f�r das Ger�t sowie eine Gummimatte f�r Dehn�bungen zu schaffen, waren die meisten M�bel an einer Wand zusammenger�ckt und gestapelt worden.��h, sorry�, murmelte McGhie.�Daran hab ich ja gar nicht gedacht. Gehen wir doch lieber in die K�che. Hier entlang bitte.�</p><p>Er f�hrte Lynley in die K�che, ging zur�ck in den Hausflur und rief nach Manette. Als Lynley Freddie die Treppe hochgehen h�rte, �ffnete sich die Terrassent�r, und Manette kam in die K�che. Zum ersten Mal wurde Lynley bewusst, dass sie ihrer Schwester nicht im Geringsten �hnlich sah. Sie war ebenso hochgewachsen und feingliedrig wie ihre Mutter, aber das Haar hatte sie leider von ihrem Vater geerbt. Es war so sch�tter, dass man ihre Kopfhaut sehen konnte, trotz des Kurzhaarschnitts und der Dauerwelle. Sie trug Sportkleidung und Laufschuhe, woraus Lynley schloss, dass sie diejenige war, die in Anbetracht des unbest�ndigen Wetters in der Gegend das Laufband im Wohnzimmer benutzte.�Ach Gott!�, rief sie aus, als sie Lynley gewahrte.�Guten Tag. �Dann schaute sie zu der T�r, durch die sie gekommen war, denn sie h�rte ihren Exmann nach ihr rufen.</p><p>�Bitte, entschuldigen Sie mich einen Augenblick�, sagte sie und verschwand im Hausflur.�Ich bin hier unten, Freddie!�, rief sie.�Ich war drau�en laufen. �Worauf McGhie antwortete:�Was?�, dann konnte Lynley nicht mehr viel verstehen, weil sie sich leise unterhielten. Er h�rte ihn sagen� Soll ich �?�und� Kann ich machen�, konnte aber nicht ausmachen, worauf sich das jeweils bezog. Im n�chsten Augenblick kamen sie beide in die K�che.�Was f�r eine nette �berraschung�, sagte Manette mit einem ironischen Unterton zu Lynley.�Hat mein Vater Sie aus irgendeinem Grund vorbeigeschickt?�</p><p>�Ich wollte mich mit Ihnen beiden unterhalten�, erwiderte Lynley.</p><p>Die beiden tauschten einen kurzen Blick aus. Es war allerh�chste Zeit, dass mit offenen Karten gespielt wurde, dachte Lynley. Mignon hatte sich nicht t�uschen lassen, und von den anderen w�rde auch niemand auf das alberne Spiel hereinfallen.</p><p>Er z�ckte seinen Dienstausweis und reichte ihn Manette. Ihre Augen wurden schmal. Sie gab den Ausweis an McGhie weiter und fragte:�Was hat das zu bedeuten? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Scotland Yard Sie hergeschickt hat, weil die Toiletten in Ihrem Geb�ude renoviert werden und Sie unser Toilettensch�sselsortiment testen sollen. Was meinst du, Freddie?�</p><p>McGhie war leicht err�tet, aber Lynley nahm nicht an, dass das etwas mit der Erw�hnung von Toilettensch�sseln zu tun hatte. Er sagte zu seiner Exfrau:�Ich dachte schon ��, und zuckte die Achseln, eine dieser typischen Du-wei�t-schon-Gesten, mit denen sich Paare, die sich schon lange kennen, wortlos verst�ndigen.</p><p>Manette lachte laut auf.�Danke f�r das Kompliment, Freddie�, sagte sie.�Aber ich glaube, der Inspector steht auf j�ngere Modelle.�</p><p>�Red keinen Unsinn. Du bist doch erst zweiundvierzig�, sagte Freddie.</p><p>�Frauenjahre sind wie Hundejahre, Freddie. In den Augen eines Mannes gehe ich eher auf die achtzig zu � Was kann ich f�r Sie tun, Inspector?�</p><p>Lynley sagte:�Ihr Vater hat mich gebeten, die Umst�nde von Ian Cresswells Tod zu untersuchen.�</p><p>�So was hatte ich mir schon gedacht�, sagte Manette zu McGhie, dann setzte sie sich an den K�chentisch. Sie nahm eine Banane aus dem Obstkorb, der auf dem Tisch stand, und begann sie zu sch�len.�Das wird Mignon aber gar nicht gefallen. �Mit dem Fu� zog sie einen Stuhl unter dem Tisch hervor.�Setzen Sie sich�, sagte sie zu Lynley und bedeutete auch McGhie, sich einen Stuhl zu nehmen.</p><p>Zuerst dachte Lynley, mit dieser Geste wolle sie ihm ihre Bereitschaft zur Kooperation signalisieren, doch von diesem Irrtum befreite sie ihn umgehend.�Falls mein Vater annimmt, ich w�rde mit dem Finger auf irgendjemanden zeigen, dann k�nnen Sie ihm ausrichten, dass er schiefgewickelt ist�, sagte sie.�Von uns hat er keine Unterst�tzung zu erwarten. Ich kann es nicht fassen, dass er es fertigbringt, seiner eigenen Familie so etwas anzutun.�</p><p>�Er m�chte sich vor allem vergewissern, dass die �rtliche Polizei die n�tige Sorgfalt hat walten lassen�, sagte Lynley.�Das kommt h�ufiger vor, als man meinen sollte.�</p><p>�Und wie hat man sich das vorzustellen?�, fragte Manette.�Jemand kommt nach London und bittet darum, dass Scotland Yard einen Fall noch einmal aufrollt, der bereits abgeschlossen wurde? Einfach so? Also, ich bitte Sie, Inspector. F�r wie dumm halten Sie mich eigentlich?�</p><p>�Was hat Bernard denn auf die Idee gebracht?�, wollte McGhie wissen.�F�r den Coroner war der Fall absolut eindeutig.�</p><p>�Dad hat seinen Einfluss geltend gemacht�, sagte Manette.�Der Himmel wei�, wie er das hingekriegt hat, aber ich wette, er kennt jemanden, der einen kennt, der bereit ist, ein paar Strippen zu ziehen oder ein h�bsches S�mmchen f�r den Witwen- und Waisenfonds zu spenden. So laufen solche Dinge. Ich vermute, er will wissen, ob Nick etwas mit Ians Tod zu tun hat, egal, was der Coroner gesagt hat. Wei� der Kuckuck, wie Nick das angestellt haben soll, doch bei seiner Vergangenheit ist wahrscheinlich alles denkbar. �Sie schaute Lynley an.�Habe ich recht? Sie sind hier, um zu sehen, ob ich Ihnen helfen kann, meinem Bruder die Daumenschrauben anzulegen.�</p><p>�Ganz und gar nicht�, antwortete Lynley.�Ich m�chte mir nur ein eindeutiges Bild machen.�</p><p>�Was zum Teufel soll das denn hei�en?�</p><p>�Das soll hei�en, dass mancher Todesfall zu einem allzu g�nstigen Zeitpunkt eintritt. Auf so etwas achtet ein Coroner nicht unbedingt. Zumindest nicht, wenn die Umst�nde f�r sich sprechen.�</p><p>�Deswegen sind Sie also hier? Sie wollen feststellen, wie g�nstig der Zeitpunkt von Ians Tod war? Und wem Ians Tod n�tzlich war? Mir jedenfalls hat sein Tod nichts gen�tzt, das kann ich Ihnen gleich sagen. Dir, Freddie? Hat dir Ians Tod gen�tzt?�</p><p>�Manette, wenn Scotland Yard ��</p><p>�Verdammt!�, fiel sie ihm ins Wort.�Wenn Scotland Yard den Fall untersucht, dann hat mein Vater wahrscheinlich einiges springen lassen. Die Mittel f�r einen neuen B�rofl�gel, was wei� ich. Du bist doch gerade dabei, die B�cher durchzusehen, Freddie. Du findest es bestimmt raus, wenn du lange genug suchst. Irgendeine Zahlungsanweisung, f�r die es keine Erkl�rung gibt. Eine gr��ere als die anderen, f�r die es keine Erkl�rung gibt.�</p><p>�Es gibt also Unregelm��igkeiten in der Buchf�hrung der Firma Ihres Schwiegervaters?�, erkundigte Lynley sich bei McGhie.</p><p>�Nein, das war ein Scherz�, sagte Manette. Dann schaute sie ihren Exmann an und f�gte mit einem warnenden Unterton hinzu:�Stimmt�s, Freddie?�</p><p>Freddie sagte:�Ex.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Mein Exschwiegervater.�</p><p>�Ja, selbstverst�ndlich�, sagte Lynley.</p><p>�Was spielt das f�r eine Rolle?�, fauchte Manette.�Ian ist ertrunken, der Coroner sagt, es war ein Unfall, und wenn es <emphasis>kein</emphasis> Unfall war, dann muss man sich eben fragen, wer von seinem Tod profitiert hat, und das war ich jedenfalls nicht. Aber wenn ich mich recht erinnere, gibt es jemanden, der sehr wohl von Ians Tod profitiert hat, und das ist Kaveh Mehran.�</p><p>McGhie runzelte die Stirn.�Wie meinst du das?�</p><p>�Ach, das habe ich dir noch gar nicht erz�hlt: Kaveh ist jetzt der alleinige Eigent�mer des Guts.�</p><p>�Soll das ein Witz sein?�</p><p>�Ganz und gar nicht. Ian hat es ihm vererbt. Das behauptet Kaveh zumindest. Aber ich nehme an, dass er die Wahrheit sagt, denn das l�sst sich ja sehr leicht �berpr�fen.�</p><p>�Wir sind dabei, alles zu �berpr�fen, Mrs. McGhie�, sagte Lynley.</p><p>�Aber Sie glauben nicht, dass Kaveh Ian umgebracht hat, oder?�, fragte McGhie.</p><p>�Niemand hat ihn umgebracht�, sagte Manette.�Sein Tod mag vielleicht jemandem gelegen gekommen sein, doch es war ein Unfall, Freddie. Man sollte dieses Bootshaus abrei�en, ehe es von allein zusammenkracht. Es wundert mich, dass meine Mutter nicht ausgerutscht und ertrunken ist. Die ist doch viel �fter im Bootshaus.�</p><p>McGhie sagte nichts, aber sein Gesichtsausdruck ver�nderte sich kaum merklich, indem sein Kiefer sich senkte, ohne dass sich sein Mund �ffnete. Irgendetwas war ihm aufgefallen, etwas, das er wom�glich preisgeben w�rde, wenn man ein bisschen nachhalf.</p><p>Lynley sagte:�Mr. McGhie?�</p><p>McGhies Hand lag auf dem Tisch, und seine Finger kr�mmten sich zu einer lockeren Faust. Er beobachtete Manette, und Lynley nahm an, dass er �berlegte, was passieren w�rde, wenn er aussprach, was er wusste.</p><p>Schweigen war stets von unsch�tzbarem Wert. Es hatte eine �hnliche Wirkung auf die Leute, wie wenn man sie im Verh�rzimmer allein lie�. Anspannung war der gro�e Gleichmacher unter den Menschen. Die meisten konnten nicht damit umgehen, vor allem, wenn sie die tickende Bombe, die sie enthielt, ganz leicht entsch�rfen konnten. Lynley wartete. Manette schaute ihrem Exmann in die Augen. Anscheinend sah sie etwas darin, was sie nicht zur Kenntnis nehmen wollte, denn sie sagte:�Wir wissen �berhaupt nichts, Freddie.�</p><p>�Das stimmt�, antwortete er.�Aber wir k�nnen Vermutungen anstellen. �Und dann begann er ohne Umschweife zu erz�hlen. Manette versuchte, ihn davon abzuhalten, doch er machte ihr seinen Standpunkt klar: Falls sich tats�chlich jemand am Steg im Bootshaus zu schaffen gemacht hatte, um Ian Cresswell oder wom�glich sogar Manettes Mutter Schaden zuzuf�gen, dann musste alles ans Tageslicht kommen.</p><p>So wie Freddie die Sache sah, hatte Bernard Fairclough in den vergangenen Jahren ein Verm�gen verschleudert: Er hatte Nicholas� teure Entzugskuren in Luxuskliniken bezahlt, die Park- und Gartenanlagen in Ireleth Hall wiederherstellen lassen, das Haus f�r Nicholas und Alatea gekauft, als die Immobilienpreise hoch waren. Er hatte die Renovierung des Hauses finanziert, um es f�r die beiden bewohnbar zu machen, den historisierenden Turm f�r Mignon errichten lassen. Er hatte die Operationen bezahlt, mit der Mignon sich von dem Fettpanzer befreien lie�, den sie sich �ber die Jahre angefressen hatte, ebenso wie die anschlie�enden Sch�nheitsoperationen, durch die ihre �berdehnte Haut gestrafft wurde �</p><p>�Ian hat zwar die Schecks ausgestellt, aber er wird auch versucht haben, Bernard davon abzubringen�, fuhr McGhie fort.�Denn dieser Unsinn lief teilweise schon seit Jahren. Soweit ich das bisher �berblicke, hat Bernard ohne Sinn und Verstand mit dem Geld nur so um sich geworfen. Als h�tte er sich einfach nicht bremsen k�nnen. Oder er f�hlte sich aus irgendeinem Grund verpflichtet. Also, all die �berweisungen zu t�tigen, meine ich.�</p><p>�Und das �ber Jahre?�, stellte Lynley noch einmal klar.</p><p>�Na ja, Nick war �ber viele Jahre hinweg ein Problem, und dann war da noch ��</p><p>�Freddie. Das reicht�, unterbrach ihn Manette gereizt.</p><p>�Er muss alles erfahren�, sagte Freddie.�Tut mir leid, Liebling, aber wenn Vivienne irgendetwas damit zu tun hat, dann m�ssen wir dar�ber reden.�</p><p>�Vivienne Tully?�, fragte Lynley.</p><p>�Sie wissen von ihr?�</p><p>�Ich lerne dazu.�</p><p>�Wissen Sie, wo sie ist?�, fragte Manette.�Wei� mein Vater, wo sie ist?�</p><p>�Na, das muss er ja wohl, oder?�, meinte McGhie.�Es sei denn, Ian hat ihr monatlich Geld �berwiesen, ohne dass dein Vater davon wusste. Aber warum in Gottes Namen h�tte Ian das tun sollen?�</p><p>�Weil sie �ber ihn Bescheid wusste. Weil sie wusste, was er vor Niamh und dem Rest der Familie geheim gehalten hat. Sie hat ihn erpresst, Freddie.�</p><p>�Ach, komm, das glaubst du doch selbst nicht. Es gibt nur einen Grund f�r die Unterhaltszahlungen an Vivienne, und wir beide wissen, welcher das ist.�</p><p>Die beiden hatten ganz vergessen, dass er mit am Tisch sa�, dachte Lynley, so eifrig waren sie darum bem�ht, einander ihre jeweilige Sichtweise darzulegen �ber Ian Cresswell, �ber Vivienne Tully und �ber das Geld, das Cresswell regelm��ig an alle m�glichen Leute �berwiesen hatte, entweder im Auftrag von Bernard Fairclough oder ohne dessen Wissen.</p><p>Freddie McGhie berichtete Lynley, dass auch Vivienne Tully � eine ehemalige Angestellte bei Fairclough Industries, wie Lynley bereits wusste � jahrelang monatliche Zuwendungen erhalten hatte, obwohl sie w�hrend dieser Zeit nicht mehr in der Firma besch�ftigt gewesen war. Und dieses Geld hatte nichts zu tun mit Gewinnbeteiligung oder einer Betriebsrente, f�gte Freddie hinzu.</p><p>�Es k�nnte demnach alles M�gliche bedeuten�, schloss er.�Vielleicht wollte Bernard eine Anzeige wegen sexueller Bel�stigung verhindern oder wegen gesetzeswidriger K�ndigung ��Er schaute seine Exfrau an, als erwartete er, dass sie seine Vermutungen best�tigte.</p><p>�Oder mein Vater hat nichts davon gewusst�, sagte sie.�Du hast doch selbst gesagt, dass Ian wom�glich die ganze Zeit die B�cher frisiert hat.�</p><p>All diese Informationen best�rkten Lynley darin, dass Ian Cresswell nicht durch einen Unfall ums Leben gekommen war. Aber wem der Anschlag gegolten hatte, konnte er immer noch nicht sagen.</p><p>Er bedankte sich bei Manette und Freddie McGhie und verabschiedete sich. Manette schien ziemlich aufgebracht �ber Freddies Enth�llungen, und Lynley w�rde sich nicht wundern, wenn sie ihrem Exmann ordentlich die H�lle hei�machte.</p><p>Als er gerade in den Healey Elliott steigen wollte, klingelte sein Handy. Wahrscheinlich Havers, dachte er. Mit neuen Informationen. Doch dann sah er Isabelles Nummer auf dem Display.</p><p>�Hallo�, sagte er.�Was f�r eine angenehme Ablenkung.�</p><p>�Wir m�ssen reden, Thomas�, erwiderte sie.</p><p>Selbst wenn sie nicht <emphasis>Thomas</emphasis> gesagt h�tte, h�tte er an ihrem Ton erkannt, dass dies nicht die Frau war, deren sanfte Rundungen und warmen K�rper seine H�nde kannten und genossen. Das war seine Chefin, und sie war stinksauer. Allerdings war sie auch stockn�chtern, das h�rte er ebenfalls an ihrer Stimme.</p><p>Er sagte:�Selbstverst�ndlich. Wo bist du?�</p><p>�Da, wo du sein solltest. Im Dienst.�</p><p>�Ich bin im Dienst, Isabelle.�</p><p>�Mehr oder weniger. Aber darum geht es nicht.�</p><p>Er brauchte nicht lange auf eine Erkl�rung zu warten.</p><p>�Wie kommt es, dass du Barbara Havers Informationen anvertraust, die du mir vorenth�ltst? Was glaubst du, was ich mit den Informationen getan h�tte? Was h�tte ich tun k�nnen? Zu Hillier ins Zimmer marschieren und tr�llern: �tschib�tsch, ich wei� Bescheid?�</p><p>�Barbara f�hrt ein paar Recherchen f�r mich durch, Isabelle, das ist alles.�</p><p>�Du hast mich belogen, stimmt�s?�</p><p>�In welcher Hinsicht?�</p><p>�Als du behauptet hast, die Sache sei streng geheim. Es kann sich ja wohl kaum um eine geheime Aktion handeln, wenn ein Trampel wie Sergeant Havers mitmischt.�</p><p>�Barbara kennt nur ein paar Namen. Es gab einige Dinge, die ich nicht von hier aus kl�ren konnte, deswegen habe ich sie um Hilfe gebeten. Sie stellt f�r mich Nachforschungen an.�</p><p>�Ich bitte dich, Tommy, ich bin schlie�lich nicht bl�d. Ich wei� genau, wie nahe ihr beide euch steht. Barbara w�rde sich f�r dich vierteilen lassen. Wenn du ihr sagst, die Sache ist geheim, w�rde sie sich eher die Zunge abbei�en, als mir gegen�ber etwas auszuplaudern. Das hat mit Bob zu tun, stimmt�s?�</p><p>Bob? Lynley �berlegte. Er hatte keine Ahnung, wovon sie redete. Dann f�gte sie hinzu:�Bob, seine Frau, die Zwillinge. Du bestrafst mich, weil ich im Gegensatz zu dir Verpflichtungen habe, die uns hin und wieder in die Quere kommen.�</p><p>�Redest du von dem Abend, als ich bei dir war?�, fragte er.�Als sie alle da waren? Mein Gott, Isabelle! Das ist l�ngst vergessen. Ich hege keinen ��</p><p>�Keinen Groll? Nein, nat�rlich nicht. Dazu bist du viel zu wohlerzogen.�</p><p>�Wirklich Isabelle, du regst dich v�llig unn�tig auf. Es ist alles genauso, wie ich es dir gesagt habe. Hillier m�chte nicht, dass diese Sache im Yard bekannt wird, und ich habe mich daran gehalten.�</p><p>�Es hat etwas mit Vertrauen zu tun, wei�t du. Und ich rede nicht nur von dieser Sache. Ich rede auch von unserer Situation im Allgemeinen. Du k�nntest mich ruinieren, Tommy. Ein Wort von dir, und ich bin erledigt. Schluss, aus. Wie soll ich dir vertrauen, wenn du mir nicht vertraust? Herrgott, was tue ich mir blo� an?�</p><p>�Du ereiferst dich wegen nichts und wieder nichts, das tust du dir an. Was k�nnte ich denn wohl tun?�</p><p>�Ich brauche mich doch nur danebenzubenehmen, nicht zu un, was du von mir erwartest. Oder du stellst irgendwann fest, dass ich doch nicht die Frau bin, die du ��</p><p>�Und dann was? Dann gehe ich zu Hillier und er�ffne ihm, dass ich seit vier Monaten, einem halben Jahr oder wie lange auch immer schon mit meiner Chefin ins Bett gehe? Meinst du das?�</p><p>�Du k�nntest mich ruinieren. Ich habe diese Macht nicht �ber dich. Du brauchst den Job nicht, verdammt, du <emphasis>willst</emphasis> ihn ja nicht mal! Wir begegnen uns nicht auf Augenh�he, und das ist das Schlimmste von allem. Wenn man bedenkt, dass jetzt auch kein Vertrauen mehr da ist, was bleibt uns dann noch?�</p><p>�Was meinst du damit, dass kein Vertrauen mehr da ist? Das ist doch l�cherlich. Es ist vollkommen absurd. �Und dann fragte er, weil er sich pl�tzlch ganz sicher war, dass er sich anfangs geirrt hatte:�Hast du getrunken?�</p><p>Stille. Es war das Schlimmste, was er sie fragen konnte. Er w�nschte, er k�nnte die Frage zur�cknehmen.</p><p>�Danke, Tommy�, sagte sie leise. Dann legte sie auf. Er schaute hinaus auf den See von Great Urswick, auf dessen spiegelglattem Wasser eine Schwanenfamilie friedlich dahinglitt.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Nachdem der Detective gegangen war, fuhr Manette nach Ireleth Hall. Sie parkte in der Einfahrt und ging auf direktem Weg zu Mignons Turm. Freddie hatte ihr erkl�rt, er habe keine andere Wahl gehabt, als alle Karten offenzulegen, und dass sie, falls Ians Tod wirklich kein Unfall gewesen war, der Sache auf den Grund gehen m�ssten. Au�erdem sehe er immer deutlicher, dass es noch eine ganze Reihe weiterer Dinge gebe, die sie demn�chst w�rden kl�ren m�ssen. Gut und sch�n, hatte sie ihm geantwortet, das sei genau das, was sie vorhabe.</p><p>Wie immer war Mignon zu Hause. Leider war sie nicht wie �blich allein, sondern in Gesellschaft ihres Masseurs, eines ernsten Chinesen, der dreimal pro Woche kam, um ihr den Kopf und die F��e zu massieren � jeweils eine Stunde. Sie sa� mit geschlossenen Augen in einem Sessel, w�hrend ihre F��e behandelt wurden: Druckpunkte, Massage, was auch immer dazu geh�rte. Manette wusste es nicht, und es interessierte sie auch nicht. Aber da sie ihre Zwillingsschwester kannte, lie� sie sich in einen Sessel fallen und wartete, denn nur so konnte sie mit Mignons Kooperation rechnen. Wenn sie ihr Vergn�gen unterbrach, w�rde sie es bitter bereuen.</p><p>Es dauerte eine geschlagene halbe Stunde. Ab und zu murmelte Mignon� Ah, tut das gut!�oder� Ja!�oder� Links ein bisschen mehr Druck bitte�. Der ernste Chinese tat, wie ihm gehei�en. Manette fragte sich, was er wohl tun w�rde, wenn ihre Schwester ihn bitten w�rde, an ihren Zehen zu nuckeln.</p><p>Schlie�lich wickelte der Masseur Mignons F��e in ein warmes Handtuch. Sie seufzte wohlig und sagte:�Schon fertig? Das kam mir vor wie f�nf Minuten. �Langsam �ffnete sie die Augen und schenkte dem Mann ein strahlendes L�cheln.�Sie sind ein Magier, Mr. Zhao�, murmelte sie.�Sie wissen ja, wohin Sie die Rechnung schicken m�ssen.�</p><p>Mr. Zhao packte seine Sachen zusammen. �le und Salben und was er sonst noch dabeihatte. Im n�chsten Augenblick war er auch schon verschwunden, so lautlos wie ein peinlicher Gedanke.</p><p>Mignon reckte und streckte sich in ihrem Sessel wie eine zufriedene Katze. Dann wickelte sie ihre F��e aus, ging zum Fenster und streckte sich noch ein bisschen. Sie beugte sich vor, bis ihre Fingerspitzen ihre Zehen ber�hrten, und machte Gymnastik�bungen, um ihre Taille und ihre H�ften zu lockern. Gleich macht sie auch noch Hampelmannspr�nge, dachte Manette. Zum Beweis, wie raffiniert sie ihre Eltern zum Narren hielt.</p><p>�Ich wei� nicht, wie du dich selbst ertr�gst�, bemerkte Manette.</p><p>�Ich leide H�llenqualen�, antwortete Mignon mit einem durchtriebenen Grinsen. Wenn es so etwas gab wie schadenfrohes Leiden, dachte Manette, dann lag genau das im Gesichtsausdruck ihrer Schwester.�Du ahnst ja gar nicht, was ich durchmache. �Sie schlenderte zu der Ecke hin�ber, wo ihr Computer stand, wobei sie den Rollator hinter sich her zog, f�r den Fall, dass ihr Vater oder ihre Mutter zuf�llig hereinschneien sollte. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch, dr�ckte ein paar Tasten und las etwas auf dem Bildschirm, wahrscheinlich eine E-Mail.�Ach Gott�, sagte sie.�Der Typ geht mir allm�hlich auf die Nerven. Wir haben jetzt das Stadium erreicht, wo wir die Unm�glichkeit unserer Liebe erkennen, und wenn die M�nner erst mal so weit sind, ist nur noch Heulen und Z�hneknirschen angesagt. Dann wird�s langweilig. �Sie seufzte.�Dabei hatte ich so gro�e Hoffnungen in ihn gesetzt. Es sah wirklich so aus, als k�nnte ich mich mindestens ein Jahr lang mit ihm am�sieren, vor allem, als er angefangen hat, mir Fotos von seinem Geschlechtsteil zu schicken. Aber was soll ich sagen? Wenn sie fallen, dann fallen sie tief. �Sie tippte etwas ein und murmelte:�Ciao, S��er. Schade, schade, das Leben ist ungerecht, und so weiter und so fort.�</p><p>�Ich will mit dir reden�, sagte Manette.</p><p>�Das habe ich mir schon gedacht. Es sieht dir nicht �hnlich, einfach so vorbeizukommen. Zumindest hast du das schon ewig nicht mehr getan. Das bedr�ckt mich, wei�t du. Wir haben uns doch fr�her so nahgestanden, du und ich.�</p><p>�Merkw�rdig�, antwortete Manette,�daran kann ich mich gar nicht erinnern.�</p><p>�Ach, das wundert mich nicht. Als du Freddie kennengelernt hast, hat sich f�r dich alles nur noch um ihn gedreht und um die Frage, wie du den armen Mann in den Hafen der Ehe locken konntest. Nat�rlich war er ein Notnagel, aber das konnte er ja nicht wissen. Es sei denn, du hast in der Erregung hin und weder den falschen Namen gest�hnt. Oder hast du das etwa getan? Ist es deswegen aus zwischen dir und Freddie?�</p><p>Manette biss nicht an.�Dad ist dabei, sich finanziell zu ruinieren. Ich wei�, dass er deinen Unterhalt erh�ht hat. Dar�ber will ich mit dir reden.�</p><p>�Ah, die wirtschaftliche Lage�, sagte Mignon.�Immer diese Schwankungen.�</p><p>�Spar dir den Sarkasmus. Klosch�sseln und Waschbecken werden immer gebraucht, so oder so. Aber es d�rfte dich interessieren, dass Freddie seit Ians Tod dabei ist, die B�cher zu �berpr�fen. Wir wissen, was Dad dir jeden Monat zahlt. Das muss aufh�ren.�</p><p>�Ach ja? Und warum? Hast du Angst, dass ich alles Geld verschleudere, bis nichts mehr f�r dich �brig ist?�</p><p>�Ich glaube, ich habe mich deutlich genug ausgedr�ckt, Mignon. Ich wei�, dass Dad deine Unterhaltszahlungen erh�ht hat � es steht schwarz auf wei� in den B�chern. Das ist l�cherlich. Du brauchst das Geld �berhaupt nicht. Du bist rundherum versorgt. Du musst ihn von dieser Pflicht entbinden.�</p><p>�Hast du auch schon mit Nick geredet, dem Augenstern unseres Vaters, seit er das Licht der Welt erblickt hat?�</p><p>�Herrgott noch mal, ich war ebenso wenig der hei� ersehnte Sohn wie du! Kannst du eigentlich an nichts anderes denken? Willst du bis in alle Ewigkeit dar�ber lamentieren, dass Dad dich nicht genug geliebt hat? Seit Nick auf der Welt ist, bist du eifers�chtig auf ihn.�</p><p>�W�hrend du nicht mal wei�t, wie man Eifersucht schreibt?�Mignon kam zur�ck in den Wohnbereich, suchte sich ihren Weg zwischen all den Kisten und Kartons mit Dingen, die sie online bestellt hatte, und setzte sich wieder in ihren Sessel.�Ich wei� meine Eifersucht, wie du es nennst, wenigstens gewinnbringend zu nutzen.�</p><p>�Wovon redest du?�Manette bemerkte die Falle zu sp�t.</p><p>Mignon l�chelte wie eine erfolgreiche schwarze Witwe, die auf das M�nnchen wartet.�Von Ian nat�rlich. Du hast immer nur Ian geliebt, und alle haben es gewusst. Und jahrelang haben alle hinter deinem R�cken getuschelt. Freddie war nur ein Ersatz, und auch das haben alle gewusst, der arme Freddie eingeschlossen. Der Mann ist ein Heiliger. Oder sonst was.�</p><p>�Dummes Zeug.�</p><p>�Was? Dass er ein Heiliger ist? Oder dass er sonst was ist? Dass du Ian geliebt hast oder dass Freddie es gewusst hat? Also, du wirst doch wohl nicht bestreiten, dass du Ian geliebt hast, Manette. Gott, es muss dich vollkommen umgehauen haben, als Niamh aufgekreuzt ist. Wahrscheinlich bist du selbst jetzt noch davon �berzeugt, dass dieses Mistst�ck Ian in die Arme von M�nnern getrieben hat.�</p><p>�Wenn du dein Ged�chtnis ein bisschen bem�hst�, sagte Manette ruhig, obwohl sie innerlich kochte,�wirst du auf einen kleinen Fehler in deiner Rechnung sto�en.�</p><p>�Und der w�re?�</p><p>�Als Ian sich f�r Niamh entschieden hat, war ich bereits mit Freddie verheiratet.�</p><p>�Wir sollten uns nicht an belanglosen Details aufhalten�, sagte Mignon.�Du wolltest Ian schlie�lich nicht <emphasis>heiraten</emphasis>. Du wolltest nur ein bisschen mit ihm � na ja, heimlich pimpern.�</p><p>�Das ist absolut l�cherlich.�</p><p>�Wie du meinst. �Mignon g�hnte.�War�s das dann? Ich w�rde mich n�mlich gern ein bisschen hinlegen. So eine Massage ist ganz sch�n anstrengend. Wenn es also weiter nichts gibt ��</p><p>�H�r auf, Dad auszunehmen. Ich schw�re dir, Mignon, wenn du nicht ��</p><p>�Also wirklich, ich bitte dich. Ich nehme mir nur, was mir zusteht. Das machen doch alle. Ich wei� gar nicht, warum du es nicht auch tust.�</p><p>�Alle? Wie Vivienne Tully zum Beispiel?�</p><p>Mignons Gesicht versteinerte, aber nur so lange, wie es dauerte, bis ihr eine passende Antwort einfiel:�Wenn du etwas �ber Vivienne wissen willst, musst du dich an Dad wenden.�</p><p>�Was wei�t du �ber sie?�</p><p>�Was ich wei�, spielt keine Rolle. Es geht um das, was Ian gewusst hat, Sch�tzchen. Wie gesagt: Die Leute nehmen sich, was ihnen zusteht. Das wusste Ian besser als jeder andere. Wahrscheinlich hat er sich selbst auch ordentlich bedient. W�rde mich jedenfalls nicht wundern. Es w�re ein Kinderspiel f�r ihn gewesen. Schlie�lich hatte er den Geldbeutel in der Hand, da h�tte er doch nur reinzugreifen brauchen. Aber dann wird Dad ihm auf die Schliche gekommen sein. Mit solchen Tricksereien kommt man nicht ewig davon. Irgendwann fliegt alles auf, und dann ist Schluss mit lustig.�</p><p>�Klingt wie eine Warnung, die du selbst beherzigen solltest�, sagte Manette.</p><p>Mignon l�chelte.�Ach was, ich bin die ber�hmte Ausnahme von der Regel.�</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Was Mignon gesagt hatte, enthielt tats�chlich ein K�rnchen Wahrheit. Manette war einmal in Ian verliebt gewesen, aber es war eine Jungm�dchenschw�rmerei gewesen, ohne Tiefe und ohne Aussicht auf Erf�llung, trotz der sehns�chtigen Blicke, die sie ihm beim Abendessen mit der Familie zugeworfen hatte, und trotz der verzweifelten Briefe, die sie ihm in die Hand gedr�ckt hatte, wenn er am Ende der Semesterferien zur�ck an die Uni fuhr.</p><p>Leider hatte Ian ihre Gef�hle nicht erwidert. Sicher, er hatte Manette gemocht, doch dann war der schreckliche, unvergessliche Augenblick gekommen, als er sie beiseitegenommen, ihr den Schuhkarton mit all ihren unge�ffneten Briefen gegeben und gesagt hatte:�Bitte, Manette, verbrenn die Briefe. Ich wei�, was sie enthalten, aber es geht einfach nicht. �Er hatte es nicht lieblos gesagt, denn das war nicht seine Art gewesen, trotzdem war es unmissverst�ndlich gewesen.</p><p>Tja, irgendwann kommt man �ber alles weg, hatte Manette sich schlie�lich gesagt. Doch jetzt fragte sie sich, ob das vielleicht f�r manche Frauen nicht galt. Sie machte sich auf die Suche nach ihrem Vater und fand ihn unten auf dem Rasen in der N�he des Sees. Er telefonierte gerade auf seinem Handy, den Kopf konzentriert geneigt. Sie �berlegte, ob sie sich anschleichen sollte, um zu h�ren, was er sagte, aber gerade in dem Moment beendete er sein Gespr�ch. Er drehte sich um und wollte gerade in Richtung Haus gehen, als er sie auf sich zukommen sah.</p><p>Manette versuchte, seinen Gesichtsausdruck zu interpretieren. Es war merkw�rdig, dass er zum Telefonieren nach drau�en gegangen war. Nat�rlich war es m�glich, dass er einen Spaziergang gemacht und einen Anruf erhalten hatte, aber das bezweifelte sie, denn f�r ihren Geschmack hatte er sein Handy allzu hastig in seiner Tasche verschwinden lassen.</p><p>�Warum hast du das alles zugelassen?�, fragte sie ihn, als sie bei ihm war. Ebenso wie ihre Mutter war sie gr��er als er.</p><p>�Was meinst du mit alles?�, wollte Fairclough wissen.</p><p>�Freddie hat Ians B�cher. Er hat die Kalkulationstabellen ausgedruckt. Er hat die Kalkulationsprogramme. Du musst doch damit gerechnet haben, dass er nach Ians Tod Ordnung schaffen w�rde.�</p><p>�Ich glaube, es geht ihm darum, seine Kompetenz unter Beweis zu stellen. Er will die Firmenleitung �bernehmen.�</p><p>�Das ist nicht seine Art, Dad. Er w�rde die Firma leiten, wenn du ihn darum bitten w�rdest, aber mehr auch nicht. Freddie f�hrt nichts im Schilde.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Ich kenne Freddie.�</p><p>�Wir glauben immer, wir w�rden unsere Ehepartner kennen. Aber in Wirklichkeit kennen wir sie nicht gut genug.�</p><p>�Ich hoffe, du willst damit nicht sagen, dass du Freddie irgendetwas unterstellst. Das lasse ich nicht zu.�</p><p>Bernard deutete ein L�cheln an.�Keine Sorge. Ich halte Freddie f�r einen anst�ndigen Kerl.�</p><p>�Das ist er auch.�</p><p>�Dass ihr euch habt scheiden lassen � Ich habe es nie verstanden. Nick und Mignon ��Er machte eine vage Geste in Richtung des Turms.�� haben ihre D�monen, aber ich dachte immer, du w�rst anders. Ich habe mich gefreut, als ihr geheiratet habt, du und Freddie. Sie hat eine gute Wahl getroffen, dachte ich. Dass deine Ehe kaputtgeht, dass ihr euch trennt, das war � Du hast sehr wenige Fehler gemacht in deinem Leben, Manette, aber Freddie gehen zu lassen war einer davon.�</p><p>�So was kommt vor�, antwortete sie knapp.</p><p>�Wenn wir es zulassen�, entgegnete ihr Vater.</p><p>Das war wirklich die H�he, dachte Manette.�So wie du Vivienne Tully zugelassen hast?�, fragte sie.</p><p>Bernard wich ihrem Blick nicht aus. Manette wusste, was sich in seinem Innern abspielte. Er ging blitzschnell alle M�glichkeiten durch, die seine Tochter auf diese Frage gebracht haben k�nnten. Und er fragte sich, wie viel genau Manette wusste.</p><p>�Vivienne Tully ist Vergangenheit�, sagte er schlie�lich.�Sie ist schon lange fort.�</p><p>Er warf seine Angel sehr vorsichtig aus. Aber in diesem tr�ben Gew�sser konnte sie ebenso gut fischen.�Die Vergangenheit ist nie so weit weg, wie wir es gerne h�tten. Irgendwie holt sie uns immer wieder ein. So wie Vivienne zu dir zur�ckgekommen ist.�</p><p>�Ich wei� nicht, was du meinst.�</p><p>�Ich meine, dass Ian ihr seit Jahren Geld �berwiesen hat. Und zwar monatlich. Doch das wirst du ja wissen.�</p><p>Er runzelte die Stirn.�Nein, davon wei� ich nichts.�</p><p>Manette versuchte, in ihn hineinzusehen. Auf seinem Gesicht schimmerte ein feiner Schwei�film, und sie h�tte sich gew�nscht, dass das etwas �ber ihn verriet und �ber das, was er m�glicherweise getan hatte. Sie sagte:�Ich glaube dir nicht. Zwischen dir und Vivienne Tully ist immer irgendwas gewesen.�</p><p>�Vivienne geh�rte zu etwas in meiner Vergangenheit, das ich zugelassen habe.�</p><p>�Was soll das denn hei�en?�</p><p>�Dass es einen Moment gegeben hat, in dem ich menschlich versagt habe.�</p><p>�Verstehe�, sagte Manette.</p><p>�Nicht alles�, entgegnete ihr Vater.�Ich habe Vivienne begehrt, und sie hat meine Gef�hle erwidert. Aber keiner von uns beiden hatte je die Absicht ��</p><p>�Ach, das behaupten doch alle. �Manette wunderte sich �ber ihre eigene Verbitterung. Schlie�lich hatte ihr Vater nur zugegeben, was sie schon seit Jahren vermutete: dass er eine Aff�re mit einer jungen Frau gehabt hatte. Was ging das sie an, seine Tochter? Es bedeutete nichts und war zugleich immens wichtig, und das Schlimme war, dass Manette nicht begriff, warum.</p><p>�Es war keine <emphasis>Absicht</emphasis>�, sagte Fairclough.�Man ger�t in so etwas hinein. Irgendwie hat man das dumme Gef�hl, dass das Leben einem mehr bieten m�sste, und wenn man diesen Gedanken erst einmal zul�sst, dann ��</p><p>�Du und Vivienne Tully. Ich will dich nicht verletzen, aber ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie h�tte mit dir schlafen wollen.�</p><p>�Das hat sie nicht.�</p><p>�Sie hat nicht mit dir geschlafen? Also wirklich!�</p><p>�Nein, das meine ich nicht. �Fairclough schaute zum Haus hin�ber, dann wandte er sich ab. Am See entlang verlief ein Weg, der zum Wald hinauff�hrte.�Komm, wir machen einen Spaziergang�, sagte er.�Ich werde versuchen, es dir zu erkl�ren.�</p><p>�Ich will keine Erkl�rung.�</p><p>�Nein. Aber du bist bedr�ckt. Und das hat teilweise mit mir zu tun. Komm mit, Manette. �Er nahm ihren Arm, und sie sp�rte den Druck seiner Finger durch ihren Wollpullover. Am liebsten h�tte sie sich losgerissen und w�re gegangen und h�tte sich endg�ltig von ihm verabschiedet. Sie hatte keine Lust, jetzt mit dem Mistkerl spazieren zu gehen und sich seine L�genm�rchen �ber Vivienne Tully anzuh�ren.</p><p>Er sagte:�Kinder wollen nichts �ber die Sexualit�t ihrer Eltern wissen. Das ist ganz normal.�</p><p>�Wenn es mit Mum zu tun hat ��</p><p>�Gott, nein. Deine Mutter hat nie � Egal. Es hat mit mir zu tun. Ich habe Vivienne begehrt wegen ihrer Jugend, ihrer Unverbrauchtheit.�</p><p>�Ich will das nicht ��</p><p>�Du hast das Thema aufgebracht, meine Liebe. Jetzt musst du dir auch anh�ren, was ich dazu zu sagen habe. Ich habe Vivienne nie verf�hrt. Hattest du das angenommen?�Er schaute sie an, doch Manette hielt den Blick auf den mit Kies bedeckten Pfad geheftet, folgte seinen Windungen vom See zum Wald hinauf.�Ich bin kein primitiver Sch�rzenj�ger, Manette�, sagte Fairclough.�Ich habe sie angesprochen. Damals arbeitete sie seit ungef�hr zwei Monaten f�r mich. Ich war ganz offen zu ihr, genauso offen, wie ich deiner Mutter gegen�ber war, als ich sie kennengelernt habe. Eine Ehe kam f�r uns nicht in Frage, ich habe nicht einmal einen Gedanken daran verschwendet. Also habe ich ihr gesagt, ich h�tte sie gern als Geliebte, ein diskretes Arrangement, von dem niemand erfahren w�rde, etwas, das ihre Karriere in keiner Weise behindern w�rde, denn ich wusste ja, wie viel Wert sie auf ihre berufliche Laufbahn legte. Sie besa� einen klugen Kopf und hatte eine gro�artige Zukunft vor sich. Und ich habe nicht erwartet, dass sie ihre F�higkeiten ein Leben lang in Barrow-in-Furness vergeuden oder ihre ehrgeizigen Pl�ne aufgeben w�rde, nur weil ich mit ihr ins Bett gehen wollte.�</p><p>�Ich will das alles nicht h�ren�, sagte Manette unwirsch. Ihr Hals schmerzte so sehr, dass sie die Worte kaum herausbrachte.</p><p>�Du hast mich auf Vivienne angesprochen, und jetzt wirst du mir zuh�ren. Sie hat sich Bedenkzeit ausgebeten. Zwei Wochen lang hat sie �ber meinen Vorschlag nachgedacht. Dann ist sie zu mir gekommen und hat mir ihrerseits einen Vorschlag gemacht. Sie w�rde mich als Liebhaber ausprobieren, sagte sie. Sie meinte, sie h�tte nie gedacht, dass sie einmal jemandes Geliebte sein w�rde, erst recht nicht die Geliebte eines Mannes, der �lter war als ihr Vater. Das fand sie ziemlich geschmacklos, wie sie sich ausdr�ckte, denn sie geh�rte nicht zu den Frauen, die Geld sexy finden. Sie f�hlte sich von jungen M�nnern angezogen, M�nnern in ihrem Alter, und sie konnte sich nicht vorstellen, mit mir ins Bett zu gehen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ich sie erregen k�nnte. Doch wenn ich sie als Liebhaber zufriedenstellte, womit sie, offen gesagt, nicht rechnete, dann w�rde sie sich auf das Arrangement einlassen. Wenn ich sie nicht zufriedenstellte, w�rde es � in ihren Worten � kein b�ses Blut zwischen uns geben.�</p><p>�Mein Gott. Sie h�tte dich anzeigen k�nnen. Das h�tte dich Hunderttausende von Pfund kosten k�nnen. Sexuelle Bel�stigung ��</p><p>�Das wusste ich. Aber das ist das, was ich meinte, als ich eben sagte, dass es einfach �ber einen kommt. Wer das nicht erlebt hat, kann das nicht verstehen. Man redet sich die Dinge sch�n, und pl�tzlich kommt einem alles vollkommen vern�nftig vor, selbst einer Angestellten einen solchen Vorschlag zu machen und dann ihren Gegenvorschlag anzunehmen. �Vom See her war ein leichter Wind aufgekommen. Manette fr�stelte. Ihr Vater legte ihr einen Arm um die Taille und sagte:�Es wird bald regnen. �Eine Weile gingen sie schweigend weiter, dann fuhr er fort:�Eine Zeitlang haben wir zwei verschiedene Rollen gespielt, Vivienne und ich. In der Firma waren wir Chef und Chefsekret�rin, und es gab nicht das geringste Anzeichen daf�r, dass sich irgendetwas zwischen uns abspielte. Und bei anderen Gelegenheiten waren wir ein Mann und seine Geliebte, wobei das korrekte Verhalten, das wir in der Firma an den Tag legten, den Reiz ausmachte f�r das, was nachts passierte. Irgendwann hatte sie dann genug davon. Sie konnte sich beruflich verbessern, und ich war nicht so dumm, sie aufzuhalten. Ich musste sie gehen lassen, und das habe ich getan, so wie ich es von Anfang an versprochen hatte, und ihr alles Gute gew�nscht.�</p><p>�Wo ist sie jetzt?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung. Sie hat eine Stelle in London angenommen, aber das ist schon einige Zeit her. Wahrscheinlich hat sie danach noch weiter Karriere gemacht.�</p><p>�Und was ist mit Mum? Wie konntest du ihr das ��</p><p>�Deine Mutter hat nie davon erfahren, Manette.�</p><p>�Aber Mignon wei� Bescheid, stimmt�s?�</p><p>Fairclough schaute zum See hinunter. Ein paar Enten flogen in V-Formation �ber sie hinweg, kurvten �ber den See und kamen wieder zur�ck. Schlie�lich antwortete er:�Ja, sie wei� davon. Mir ist r�tselhaft, wie sie es herausgefunden hat. Ich wundere mich sowieso, woher sie immer alles wei�.�</p><p>�Deswegen hat sie es geschafft ��</p><p>�Ja.�</p><p>�Und Ian? Wieso hat er Vivienne regelm��ig Geld �berwiesen?�</p><p>Fairclough sch�ttelte den Kopf, dann schaute er seine Tochter an.�Gott ist mein Zeuge, Manette: Ich wei� es nicht. Wenn Ian Vivienne Geld �berwiesen hat, dann kann ich mir nur vorstellen, dass er es getan hat, um mich vor irgendetwas zu sch�tzen. Wahrscheinlich hat sie Kontakt zu ihm aufgenommen, ihm mit irgendetwas gedroht � Ich wei� es einfach nicht.�</p><p>�Vielleicht hat sie gedroht, es Mum zu erz�hlen. So wie Mignon. Das tut sie doch, oder? Sie droht dir, es Mum zu erz�hlen, wenn du ihr nicht gibst, was sie will. Was w�rde Mum denn tun, wenn sie davon erf�hre?�</p><p>Als Fairclough sie anschaute, fand Manette zum ersten Mal, dass ihr Vater alt aussah. Ja, er wirkte regelrecht zerbrechlich.�Deine Mutter w�re am Boden zerst�rt, meine Liebe�, sagte er.�Nach all den Jahren w�rde ich ihr das gern ersparen.�</p><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Tim konnte Gracie vom Fenster aus sehen. Sie sprang auf ihrem Trampolin rum. Sie war jetzt schon �ber eine Stunde da drau�en und voller Konzentration bei der Sache. Manchmal fiel sie auf den Hintern, aber sie stand jedes Mal wieder auf und setzte ihre Sprung�bungen fort.</p><p>Vorher hatte Tim sie im Garten hinter dem Haus gesehen. Sie hatte ein Loch gegraben, und neben ihr hatte ein mit einer roten Schleife zugebundener Karton gestanden. Als das Loch tief und breit genug war, hatte sie den Karton hineingestellt und mit Erde bedeckt. Dann hatte sie die �brig gebliebene Erde mit einem Eimer �berall im Garten verteilt, obwohl solche Sorgfalt v�llig �berfl�ssig war. Aber bevor sie die Erde verteilt hatte, war sie niedergekniet und hatte die Arme vor der Brust gekreuzt: rechte Faust an die linke Schulter und linke Faust an die rechte Schulter. Das hatte Tim an die Haltung von den steinernen Engeln auf alten viktorianischen Friedh�fen erinnert, und da war ihm auf einmal klar geworden, was seine Schwester da drau�en getan hatte: Sie hatte ihre Puppe Bella beerdigt.</p><p>Man h�tte Bella reparieren k�nnen. Tim hatte sie ziemlich gr�ndlich kaputt gemacht, aber man h�tte die Arme und Beine wieder ann�hen k�nnen. Doch davon hatte Gracie nichts wissen wollen, genauso wie sie nichts von Tim hatte wissen wollen, als er zu ihr gegangen war. Nachdem er aus dem Bach geklettert war, hatte er sich trockene Sachen angezogen, war in Gracies Zimmer gegangen und hatte ihr angeboten, ihr die Haare zu k�mmen und zu flechten. Aber sie hatte nur gesagt:�R�hr mich nicht an! Und Bella auch nicht!�Sie hatte nicht mal traurig geklungen, nur resigniert.</p><p>Nachdem sie die Puppe beerdigt hatte, war sie zum Trampolin gegangen. Und seitdem sprang sie darauf herum. Tim wollte, dass sie damit aufh�rte, wusste aber nicht, wie er sie dazu bringen konnte. Er �berlegte, ob er seine Mutter anrufen sollte, verwarf den Gedanken jedoch so schnell, wie er ihm gekommen war. Er wusste, was sie sagen w�rde:�Sie h�rt schon wieder auf, wenn sie m�de ist. Ich werde nicht extra nach Bryanbarrow fahren, um deine Schwester vom Trampolin zu zerren. Wenn es dich derma�en st�rt, sag Kaveh, er soll sie ins Haus rufen � Der spielt doch so gern den Papa�, w�rde sie noch h�misch hinzuf�gen. Und dann w�rde sie zu Wilcox gehen, diesem Wichser, um es sich von einem <emphasis>richtigen Mann</emphasis> besorgen zu lassen. Genauso sah sie das. Charlie Wilcox wollte sie bumsen, also war er ein richtiger Mann. Und jeder, der sie nicht bumsen wollte, wie Tims Vater zum Beispiel, war in ihren Augen ein Arschloch. Und das stimmte ja sogar, dachte Tim. Sein Vater war ein Arschloch gewesen, und Kaveh war ebenfalls ein Arschloch, und allm�hlich wurde Tim klar, dass er von lauter Arschl�chern umgeben war.</p><p>Nachdem er versucht hatte, die Enten im Bach zu erwischen, war er nach Hause gekommen. Kaveh war hinter ihm hergelaufen und hatte versucht, mit ihm zu reden, aber mit dem Typen wollte er nichts zu tun haben. Schlimm genug, dass der Wichser ihn mit seinen ekelhaften Pfoten angepackt hatte. Auch noch mit ihm reden zu m�ssen � das w�re das Allerletzte.</p><p>Vielleicht konnte Kaveh jedoch Gracie �berreden, von dem Trampolin runterzukommen, dachte Tim. Vielleicht konnte er sie sogar dazu �berreden, Tim die Puppe ausgraben zu lassen. Dann k�nnte er sie zum Reparieren nach Windermere bringen. Gracie mochte Kaveh, weil sie eben so war. Sie mochte jeden. Sie w�rde auf Kaveh h�ren. Kaveh hatte ihr schlie�lich nichts getan � au�er dass er ihre Familie zerst�rt hatte, nat�rlich.</p><p>Aber dazu w�rde Tim mit Kaveh reden m�ssen. Er w�rde nach unten gehen und ihm sagen m�ssen, dass Gracie drau�en auf dem Trampolin herumsprang. Wahrscheinlich w�rde Kaveh sagen, dass es vollkommen in Ordnung war, auf einem Trampolin herumzuspringen, dass die Dinger schlie�lich dazu da waren, immerhin h�tten sie Gracie extra so ein Teil gekauft, weil ihr das Trampolinspringen so viel Spa� machte. Dann w�rde Tim ihm erkl�ren m�ssen, dass sie jetzt schon �ber eine Stunde auf dem Trampolin rumhopste, weil sie kreuzungl�cklich war. Und Kaveh w�rde nat�rlich antworten: Tja, und wir wissen ja beide, warum sie so ungl�cklich ist, nicht wahr?</p><p>Tim hatte das nicht gewollt. Das war ja das Problem. Er hatte Gracie nicht zum Weinen bringen wollen. Gracie war der einzige Mensch, der ihm etwas bedeutete. Sie war ihm in dem Moment einfach in die Quere gekommen. Er hatte �berhaupt nicht nachgedacht, als er sich Bella geschnappt und ihr die Arme und Beine ausgerissen hatte. Er hatte einfach irgendetwas tun m�ssen, weil er innerlich so gekocht hatte. Aber wie sollte Gracie das verstehen, wenn sie nicht innerlich kochte? Sie sah nur die Gemeinheit, mit der er Bella geschnappt und zerrissen hatte.</p><p>Gracie hatte aufgeh�rt zu springen. Tim sah, dass sie schwer atmete. Und dann entdeckte er etwas Neues an Gracie, das ihm einen Schrecken einjagte. Sie bekam Br�ste! Er sah genau, wie sie sich unter ihrem Pullover abzeichneten.</p><p>Das machte ihn so traurig, dass sich ihm der Blick verschleierte, und als er wieder klar sehen konnte, hatte Gracie wieder angefangen zu springen. Diesmal beobachtete er ihre kleinen Br�ste. Er musste sich unbedingt um Gracie k�mmern.</p><p>Seine Mutter anzurufen w�re v�llig zwecklos, dachte er zum zweiten Mal. Dass Gracie Br�ste bekam, bedeutete, dass ihre Mum irgendetwas unternehmen musste, zum Beispiel mit ihr in die Stadt fahren und einen Baby-BH kaufen oder was auch immer M�dchen trugen, wenn das mit den Br�sten losging. Das war etwas ganz anderes als die Sache mit dem Trampolin. Aber Niamh w�rde dazu dasselbe sagen, was sie zu allem sagte: Soll Kaveh sich doch darum k�mmern.</p><p>Es lief alles auf dasselbe hinaus: Egal, was in den n�chsten Jahren auf Gracie zukam, mit der Unterst�tzung ihrer Mum konnte sie nicht rechnen, denn es bestand kein Zweifel daran, dass in Niamh Cresswells Lebensplanung die Kinder, die sie mit ihrem nichtsnutzigen Ehemann gezeugt hatte, nicht vorkamen. Also mussten entweder Tim oder Kaveh Gracie beim Erwachsenwerden beistehen. Oder sie mussten es gemeinsam tun.</p><p>Tim verlie� sein Zimmer. Kaveh war irgendwo im Haus, und am besten sagte er ihm jetzt gleich, dass sie mit Gracie nach Windermere fahren mussten, um ihr zu besorgen, was sie brauchte. Wenn sie es nicht taten, w�rden die Jungs in der Schule sie aufziehen. Und irgendwann w�rden auch die M�dchen damit anfangen. Aber Tim w�rde nicht zulassen, dass die anderen Kinder seine Schwester herumschubsten.</p><p>Als er die Treppe hinunterging, h�rte er Kaveh reden. Seine Stimme kam aus dem Kaminzimmer. Die T�r stand einen Spaltbreit offen, und Licht fiel in den Flur. Tim h�rte, wie mit einem Sch�rhaken im Kamin herumgestochert wurde.</p><p>�� habe ich eigentlich nicht vor�, sagte Kaveh h�flich zu jemandem.</p><p>�Sie haben doch nicht etwa vor zu bleiben, jetzt, wo Cresswell tot ist. �Tim erkannte George Cowleys Stimme. Und er wusste sofort, wor�ber die beiden sprachen: �ber die Bryan Beck Farm. Offenbar witterte George Cowley seine Chance, das Gutshaus zu kaufen.</p><p>�Doch, das habe ich vor�, sagte Kaveh.</p><p>�Ach, Sie wollen wohl Schafe z�chten?�Die Vorstellung schien Cowley zu am�sieren. Wahrscheinlich stellte er sich gerade vor, wie Kaveh in pinkfarbenen Gummistiefeln und einer fliederfarbenen Regenjacke zwischen den Schafen herumh�pfte.</p><p>�Ich hatte gehofft, Sie w�rden das Land weiterhin pachten�, sagte Kaveh.�Das war doch bisher eine gute L�sung. Ich w�sste nicht, warum es das nicht auch in Zukunft sein sollte. Abgesehen davon w�rde das Land ziemlich viel einbringen, falls es einmal zum Verkauf kommen sollte.�</p><p>�Und Sie glauben wohl, ich h�tte sowieso nicht genug Geld, um es zu kaufen, was? K�nnen <emphasis>Sie</emphasis> es sich denn etwa leisten? Das ganze Anwesen wird in ein paar Monaten versteigert, und dann werde ich mit meinem Geld bereitstehen.�</p><p>�Ich f�rchte, da t�uschen Sie sich�, entgegnete Kaveh.</p><p>�Was soll das hei�en? Wollen Sie etwa behaupten, er h�tte Ihnen das Haus vermacht?�</p><p>�Genau das hat er getan.�</p><p>Einen Moment lang war es still. Offenbar musste Cowley die Neuigkeit erst einmal verdauen. Schlie�lich sagte er:�Sie wollen mich verarschen.�</p><p>�Ganz und gar nicht.�</p><p>�Ach nein? Und wovon wollen Sie die Erbschaftssteuern bezahlen?�</p><p>�Zerbrechen Sie sich mal nicht meinen Kopf, Mr. Cowley�, sagte Kaveh.</p><p>Wieder war es still. Tim fragte sich, was in George Cowley vorging. Und zum ersten Mal fragte er sich, ob Kaveh Mehran etwas mit dem Tod seines Vaters zu tun hatte. Es war doch ein Unfall gewesen, oder? Alle hatten das gesagt, selbst der Coroner. Aber auf einmal kam Tim das alles gar nicht mehr so eindeutig vor. Und das N�chste, was Kaveh sagte, machte die Sache noch komplizierter.</p><p>�Meine Familie wird ebenfalls hier einziehen, und gemeinsam ��</p><p>�Familie?�, schnaubte Cowley.�Was versteht denn wohl Ihresgleichen unter Familie?�</p><p>Kaveh antwortete nicht sofort. Dann sagte er betont f�rmlich:�Meine Eltern und meine Ehefrau werden aus Manchester hierherziehen.�</p><p>Der Boden schien unter Tims F��en zu schwanken. Alles, was er zu wissen geglaubt hatte, wurde in einen Strudel gesogen, in dem W�rter pl�tzlich einen ganz anderen Sinn erhielten. Tim verstand �berhaupt nichts mehr.</p><p>�Ihre Ehefrau�, sagte Cowley tonlos.</p><p>�Meine Ehefrau, ja. �Dann waren Schritte zu h�ren. Vielleicht ging Kaveh ans Fenster. Oder an den Schreibtisch. Oder vielleicht hatte er sich vor dem Kaminsims aufgebaut wie einer, der wusste, dass er alle Tr�mpfe in der Hand h�lt.�Ich werde n�chsten Monat heiraten.�</p><p>�Ah, ja�, sagte Cowley.�Und ist Ihre Zuk�nftige �ber Ihr kleines Arrangement hier oben im Bilde?�</p><p>�Arrangement? Ich verstehe nicht, was Sie meinen.�</p><p>�Sie wissen ganz genau, was ich meine, Sie kleine Schwuchtel. Das ganze Dorf wei�, was zwischen Ihnen und Cresswell abgelaufen ist.�</p><p>�Wenn Sie meinen, das ganze Dorf wei�, dass ich bei Ian Cresswell zur Miete gewohnt habe, da haben Sie selbstverst�ndlich recht. Was sonst gibt es da zu wissen?�</p><p>�Wollen Sie mir etwa erz�hlen ��</p><p>�Ich will Ihnen erz�hlen, dass ich n�chsten Monat heirate, dass meine Frau und meine Eltern hierherziehen werden und dass wir alle zusammen, einschlie�lich der Kinder, die wir demn�chst bekommen, hier wohnen werden. Falls daran irgendetwas unverst�ndlich sein sollte, kann ich Ihnen auch nicht helfen.�</p><p>�Und was ist mit den Kindern? Glauben Sie etwa, die verraten Ihrer zuk�nftigen <emphasis>Ehefrau</emphasis> nicht, was mit Ihnen los ist?�</p><p>�Reden Sie von Tim und Gracie, Mr. Cowley?�</p><p>�Sie wissen verdammt gut, von wem ich rede!�</p><p>�Abgesehen davon, dass meine Verlobte kein Englisch spricht und sowieso kein Wort von dem verstehen w�rde, was die beiden ihr sagen, gibt es �berhaupt nichts zu �verraten�. Au�erdem ziehen Tim und Gracie wieder zu ihrer Mutter, das ist alles bereits gekl�rt.�</p><p>�Das war�s dann also?�</p><p>�Ich f�rchte, ja.�</p><p>�Sie sind ein ganz schlaues Kerlchen, was? Wahrscheinlich haben Sie das alles von Anfang an geplant.�</p><p>Tim bekam nicht mehr mit, was Kaveh darauf antwortete. Er hatte genug geh�rt. Er stolperte in die K�che und von dort nach drau�en.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Es gab noch eine letzte M�glichkeit in Bezug auf Ian Cresswells Tod durch Ertrinken, der St. James nachgehen wollte. Sie war ein bisschen heikel, aber sie musste abgekl�rt werden. Und dazu brauchte er ein simples Sportger�t.</p><p>Seltsamerweise gab es weder in Milnthorpe noch in Arnside einen Angelladen, so dass er nach Grange-over-Sands fahren musste, wo er sein Gl�ck im Lancasters versuchte, einem Kaufhaus, das alles von Babykleidung bis hin zu Gartenwerkzeug im Angebot hatte. Die Gesch�ftsphilosophie schien in der Annahme zu bestehen, dass nicht gebraucht wurde, was hier nicht erworben werden konnte. Da in diesem Teil der Welt das Angeln eine wichtige Rolle spielte, hatte das Gesch�ft nat�rlich ein Filetiermesser im Angebot, das genauso aussah wie das, was Lynley im Bootshaus von Ireleth Hall aus dem Wasser geholt hatte.</p><p>St. James kaufte es, verst�ndigte Lynley �ber Handy und teilte ihm mit, dass er auf dem Weg nach Ireleth Hall sei. Dann rief er Deborah an, aber die ging nicht ans Telefon, was ihn nicht wunderte, da sie sauer auf ihn war und wahrscheinlich auf dem Display seine Nummer gesehen hatte.</p><p>Im Prinzip war er selbst im Moment auch nicht besonders gut auf sie zu sprechen. Er liebte seine Frau sehr, doch wenn sie sich in einem wichtigen Punkt einfach nicht einigen konnten, brachte ihn das manchmal derart zur Verzweiflung, dass das ihre ganze Ehe in Frage stellte. Meistens verflog die Verzweiflung schnell wieder, und wenn er sp�ter, nachdem sie sich beide wieder beruhigt hatten, dar�ber nachdachte, musste er selber lachen. Dann fragte er sich, wie es m�glich gewesen war, dass sie sich so in die Wolle geraten waren. Dinge, die an einem Tag von entscheidender Bedeutung zu sein schienen, entpuppten sich am n�chsten Tag als Bagatellen. Aber diesmal sah die Sache anders aus.</p><p>An einem anderen Tag h�tte er die abwechslungsreiche Strecke durch das Lyth Valley genommen, diesmal entschied er sich f�r die direkte Route nach Windermere und raste �ber die Schnellstra�e, die ihn ans Ende des Sees f�hrte, wo Endmor�nen bei Newby Bridge Zeugnis von Gletschern der letzten Eiszeit ablegten. Und dann lag der See vor ihm: ein breites, spiegelblankes, blaugraues Band, in dem sich die herbstlichen Farben der B�ume am Ufer spiegelten.</p><p>Ireleth Hall lag ganz in der N�he, gleich hinter dem Fell Foot Park mit seinen Rundwanderwegen, von denen aus man einen fantastischen Blick auf den See und die umgebenden H�nge hatte, die im Fr�hjahr �bers�t waren mit Narzissen und mannshohen Rhododendronb�schen. Die Stra�e f�hrte durch einen Tunnel aus Baumkronen, die teils rostrot und ockerfarben und teils bereits kahl waren.</p><p>Das Tor von Ireleth Hall war geschlossen, aber versteckt unter dem Efeu, der die Begrenzungsmauer umrankte, befand sich eine Klingel. St. James stieg aus seinem Mietwagen und klingelte. Im selben Moment hielt Lynley hinter ihm in seinem Healey Elliott.</p><p>Das vereinfachte die Sache. Als sich aus dem Lautsprecher der Gegensprechanlage eine Stimme meldete, sagte Lynley �ber St. James� Schulter hinweg knapp:�Thomas Lynley hier�, und schon schwang das Tor wie in einem Horrorfilm quietschend auf und hinter ihnen wieder zu.</p><p>Sie gingen direkt zum Bootshaus. Dies sei, erkl�rte St. James seinem Freund, das Einzige, was er noch �berpr�fen k�nne.</p><p>Lynley antwortete, er habe absolut nichts dagegen, den Fall abzuschlie�en und so bald wie m�glich nach London zur�ckzukehren. Als St. James ihn fragend ansah, sagte er:�Meine Chefin ist ziemlich sauer.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Es gef�llt ihr nicht, dass Hillier mich hierhergeschickt hat.�</p><p>�Nicht gut.�</p><p>�Nein, gar nicht gut.�</p><p>Mehr wurde nicht zu dem Thema gesagt, aber St. James machte sich so seine Gedanken �ber Lynleys Verh�ltnis zu Isabelle Ardery. Lynley hatte ihn einmal zusammen mit Ardery aufgesucht, um mit ihm �ber einen alten Fall zu reden, an dem sie gemeinsam gearbeitet hatten, und St. James hatte durchaus mitbekommen, dass es zwischen den beiden geknistert hatte. Doch ein Verh�ltnis mit einer Vorgesetzten war gef�hrlich. In Lynleys Fall w�re ein Verh�ltnis mit jeder Frau im Yard gef�hrlich.</p><p>Auf dem Weg zum Bootshaus berichtete Lynley seinem alten Freund von dem Gespr�ch mit Manette und deren Exmann und davon, was die beiden ihm von den �berweisungen erz�hlt hatten, die Ian Cresswell monatlich get�tigt hatte. Das war entweder in Bernard Faircloughs Auftrag geschehen oder ohne dessen Wissen, sagte Lynley. Auf jeden Fall m�sse Cresswell �ber Informationen verf�gt haben, die ihm gef�hrlich werden konnten.</p><p>�Letztendlich scheint es mal wieder ums Geld zu gehen�, sagte Lynley.</p><p>�Das tut es doch in den meisten F�llen, oder?�, bemerkte St. James.</p><p>Diesmal brauchten sie keine zus�tzliche Lampe, denn f�r das, was St. James im Bootshaus vorhatte, reichte das Tageslicht aus, das von der Wasseroberfl�che reflektiert wurde. St. James wollte die Steine untersuchen, aus denen der Steg gemauert war. Wenn sich au�er den beiden Steinen, die Lynley aus dem Wasser geholt hatte, noch mehr Steine gelockert hatten, dann musste das, was Ian Cresswell zugesto�en war, reiner Zufall gewesen sein.</p><p>Das Skullboot war da, aber nicht das Ruderboot. Anscheinend war Valerie drau�en auf dem See. St. James ging zu der Stelle, an der ihr Boot vert�ut gewesen war. Es schien ihm vern�nftig, dort als Erstes nachzusehen.</p><p>M�hsam ging er auf die Knie.�Geht schon�, sagte er, als Lynley ihm behilflich sein wollte, dann arbeitete er sich vorsichtig auf allen vieren vor. Alles wirkte stabil, bis er den f�nften gro�en Stein erreichte, der so locker sa� wie der Schneidezahn eines F�nfj�hrigen. Auch der sechste und siebte Stein waren locker. Die n�chsten vier sa�en fest, w�hrend Nummer zw�lf kaum noch Halt hatte. Dem zw�lften Stein r�ckte St. James mit dem Filetiermesser zuleibe, das er in Grange-over-Sands gekauft hatte. Den M�rtel herauszukratzen, bis der Stein so locker sa�, dass er bei der geringsten Ber�hrung ins Wasser fallen w�rde, war ganz einfach. Die Klinge lie� sich problemlos in den Zwischenraum schieben, und nachdem St. James ein bisschen damit herumgeruckelt hatte, reichte eine leichte Ber�hrung mit dem Fu� � Lynley stellte seinen zur Verf�gung �, um den Stein ins Wasser zu bef�rdern. Man konnte sich gut vorstellen, was mit jemandem passieren w�rde, der aus einem Boot stieg und mit seinem ganzen Gewicht auf einen solchen Stein trat. Die Frage war, ob die anderen lockeren Steine, die St. James nicht mit dem Messer bearbeitet hatte, ebenfalls ins Wasser fallen w�rden, wenn Lynley einen Fu� daraufsetzte. Einer fiel hinein, drei nicht. Lynley seufzte, sch�ttelte den Kopf und sagte:�Ich bin offen f�r Vorschl�ge. Falls meine R�ckkehr nach London einer davon ist, werde ich nicht widersprechen.�</p><p>�Wir brauchen direktes Licht.�</p><p>�Wozu?�</p><p>�Nicht hier drin. Komm mit.�</p><p>Sie verlie�en das Bootshaus. St. James hielt das Filetiermesser hoch. Sie betrachteten es beide, doch um zu sehen, worauf es ankam, brauchte man kein Mikroskop in einem forensischen Labor: Vom L�sen des M�rtels war die Klinge v�llig zerkratzt und eingekerbt. Das Messer dagegen, das Lynley aus dem Wasser geholt hatte, hatte keinerlei Gebrauchsspuren aufgewiesen.</p><p>�Ah, verstehe�, sagte Lynley.</p><p>�Ich denke, damit haben wir Klarheit, Tommy. Es wird Zeit, dass Deborah und ich nach London zur�ckkehren. Ich will nicht behaupten, dass diese Steine nicht auf andere Weise gelockert worden sein k�nnten, aber die Tatsache, dass das Messer, das du aus dem Wasser geholt hast, keine Kratzspuren aufweist, legt meiner Meinung nach den Schluss nahe, dass es sich bei Ian Cresswells Tod um einen Unfall gehandelt hat. Es sei denn, die Steine wurden mit Hilfe eines anderen Werkzeugs gelockert. Und falls du nicht vorhast, jeden beweglichen Gegenstand auf dem Grundst�ck ins Labor zu schaffen ��</p><p>�Muss ich einen anderen Weg einschlagen�, beendete Lynley den Satz f�r ihn.�Oder ich schlie�e den Fall ab und fahre nach London zur�ck.�</p><p>�Es sei denn, Barbara Havers liefert dir noch irgendetwas. Und es ist ja nicht einmal ein schlechtes Ergebnis, oder? Es ist immerhin ein Ergebnis.�</p><p>�Da hast du recht.�</p><p>Eine Weile schauten sie schweigend auf den See hinaus. Ein Boot mit einer geschickten Ruderin n�herte sich. Valerie Fairclough hatte Anglerkleidung an, aber offenbar kein Gl�ck gehabt. Als sie nahe genug war, hielt sie ihnen ihren leeren Eimer hin und rief gutgelaunt:�Zum Gl�ck hungern wir hier nicht. In den letzten Tagen hab ich �berhaupt nichts gefangen.�</p><p>�Am Steg im Bootshaus sind noch mehr Steine locker�, rief Lynley.�Und ein paar haben wir zus�tzlich gelockert. Seien Sie vorsichtig beim Aussteigen. Wir helfen Ihnen.�</p><p>Sie gingen zur�ck ins Bootshaus. Das Boot glitt hinein, und Valerie vert�ute es genau an der Stelle, wo die Steine locker waren.�Sie haben die allerschlimmste Stelle erwischt�, sagte Lynley.�Lag das Boot hier, als Sie losgefahren sind?�</p><p>�Ja�, sagte Valerie.�Mir ist gar nichts aufgefallen. Ist es wirklich so schlimm?�</p><p>�Die halten nicht mehr lange.�</p><p>�Wie die anderen?�</p><p>�Wie die anderen.�</p><p>Sie entspannte sich. Sie l�chelte nicht, aber ihre Erleichterung war deutlich sp�rbar, dachte St. James, und er wusste, dass es Lynley, der Valerie Fairclough ihre Angelausr�stung abnahm, auch nicht entgangen war. Lynley stellte das Angelzeug ab und reichte dann Valerie Fairclough eine Hand, um ihr beim Aussteigen zu helfen. Dann stellte er die beiden einander vor.</p><p>�Sie haben Ian Cresswells Leiche gefunden, wie ich h�re�, sagte St. James.</p><p>�Ja, das ist richtig. �Valerie nahm die Baseballm�tze ab, die ihr feines, graues Haar bedeckt hatte.</p><p>�Und Sie haben auch die Polizei verst�ndigt�, fuhr St. James fort.</p><p>�Ganz recht.�</p><p>�Ich h�tte dazu einige Fragen�, sagte St. James.�Wollten Sie gerade ins Haus gehen? D�rfen wir mitkommen?�</p><p>Valerie warf Lynley einen kurzen Blick zu. Sie wirkte nicht argw�hnisch, das w�rde sie sich nicht anmerken lassen. Aber wahrscheinlich fragte sie sich, warum Lynleys Freund, ein Gerichtssachverst�ndiger aus London, mit ihr reden wollte, und sie wusste garantiert, dass es nicht um ihr derzeitiges Pech beim Angeln gehen d�rfte.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte sie huldvoll. Ein kurzes Flackern in ihren blauen Augen verriet jedoch, dass es ihr durchaus nicht recht war.</p><p>Sie machten sich auf den Weg. Nach einer Weile fragte St. James:�Sind Sie an dem Tag auch zum Angeln rausgefahren?�</p><p>�An dem Tag, als ich ihn gefunden habe? Nein.�</p><p>�Weswegen sind Sie dann im Bootshaus gewesen?�</p><p>�Ich habe einen Spaziergang gemacht. Das tue ich fast jeden Nachmittag. Wenn der Winter erst einmal angefangen hat, verbringe ich viel mehr Zeit im Haus, als mir lieb ist, deswegen versuche ich, so viel wie m�glich drau�en zu sein, solange das Wetter es noch zul�sst.�</p><p>�Auf dem Anwesen? Im Wald? Auf den Felsen?�</p><p>�Ich bin hier geboren und aufgewachsen, Mr. St. James. Ich gehe �berall hin, wo es mir gef�llt.�</p><p>�Und an dem Tag?�</p><p>Valerie Fairclough schaute Lynley an.�W�rden Sie mir das erkl�ren?�, was eine h�fliche Art und Weise war zu fragen, was es zu bedeuten hatte, dass sein Freund sie einem Verh�r unterzog.</p><p>�Es ist eher mein Interesse als das von Mr. Lynley�, sagte St. James.�Ich habe mit Constable Schlicht �ber den Tag gesprochen, an dem Ian Cresswells Leiche gefunden wurde. Er hat mir zwei merkw�rdige Dinge �ber den Anruf bei der Polizei erz�hlt, und seitdem versuche ich, mir einen Reim darauf zu machen. Das hei�t, eigentlich bezog sich nur eine seiner Bemerkungen auf den Anruf. Die andere bezog sich auf Sie.�</p><p>Jetzt konnte Valerie Fairclough ihren Argwohn nicht l�nger verbergen. Sie blieb stehen und fuhr sich mit den H�nden �ber ihre Hosenbeine, eine Geste, mit der sie sich zu beruhigen versuchte, so schien es St. James. Lynley, der es ebenfalls bemerkt hatte, warf ihm einen Blick zu, der besagte, er solle nicht lockerlassen.</p><p>�Und was hat der Constable Ihnen gesagt?�, wollte Valerie wissen.</p><p>�Er hat mit dem Mann in der Telefonzentrale gesprochen, der Ihren Anruf entgegengenommen hat. Und der meinte, die Person, die angerufen hat, sei in Anbetracht der Umst�nde erstaunlich gelassen gewesen.�</p><p>�Verstehe. �Valerie war nach wie vor freundlich, aber ihr abruptes Stehenbleiben lie� darauf schlie�en, dass es Dinge im Zusammenhang mit Cresswells Tod gab, von denen sie nicht wollte, dass St. James und Lynley sie erfuhren. Und eins davon, dachte St. James, hatte mit dem Turm zu tun, den die Faircloughs f�r ihre Tochter hatten errichten lassen.</p><p>��In meinem Bootshaus schwimmt ein Toter�, so haben Sie sich offenbar ausgedr�ckt�, sagte St. James.</p><p>Sie wandte sich ab. Ein leichtes Zucken in ihrem Gesicht erinnerte Lynley an das Kr�useln der Wasseroberfl�che hinter ihnen. Irgendetwas hatte sie einen Moment lang aus der Fassung gebracht. Sie hob eine Hand und schob sich eine Str�hne aus der Stirn. Die Baseballm�tze hatte sie nicht wieder aufgesetzt. Das Sonnenlicht fiel auf ihr Gesicht und hob ihre feinen F�ltchen hervor, Altersspuren, die sie offenbar in Schach zu halten versuchte.</p><p>�Niemand kann sagen, wie er in einer solchen Situation reagieren wird�, sagte sie.</p><p>�Da gebe ich Ihnen recht. Aber das zweite merkw�rdige Detail jenes Tages ist die Kleidung, die Sie trugen, als Sie die Polizei und den Krankenwagen in der Einfahrt erwarteten. Sie waren nicht f�r einen Spaziergang gekleidet, erst recht nicht f�r einen Spaziergang im Herbst.�</p><p>Lynley, der verstand, worauf St. James hinauswollte, sagte:�Sie sehen also, dass sich mehrere M�glichkeiten anbieten. �Er lie� ihr einen Augenblick Zeit zum Nachdenken, ehe er fortfuhr:�Sie waren gar nicht im Bootshaus, nicht wahr? Sie haben weder die Leiche gefunden noch den Anruf bei der Polizei get�tigt.�</p><p>�Ich habe doch meinen Namen genannt, als ich angerufen habe�, erwiderte Valerie steif. Aber sie war nicht dumm. Sie musste wissen, dass zumindest dieser Teil des Spiels aus war.</p><p>�Jeder kann am Telefon irgendeinen Namen nennen�, bemerkte St. James.</p><p>�Vielleicht sollten Sie endlich die Wahrheit sagen�, f�gte Lynley hinzu.�Es geht um Ihre Tochter, nicht wahr? Ich nehme an, Mignon hat den Toten gefunden und dann bei der Polizei angerufen. Von ihrem Turm aus kann sie das Bootshaus sehen. Wenn sie auf dem Dach des Turms steht, kann sie wahrscheinlich sowohl die T�r des Bootshauses als auch die Boote sehen, die ein und aus fahren. Die eigentliche Frage, die wir beantworten m�ssen, lautet also, ob auch sie einen Grund gehabt h�tte, Ian Cresswell in den Tod zu schicken. Denn sie hat doch sicherlich gewusst, dass er an dem Abend auf den See hinausgerudert ist, nicht wahr?�</p><p>Valerie hob die Augen zum Himmel. St. James f�hlte sich unwillk�rlich an eine Piet�-Darstellung erinnert und musste daran denken, was die Mutterschaft f�r eine Frau bedeutete. Es h�rte nicht auf, wenn die Kinder erwachsen wurden. Es ging weiter, bis entweder die Mutter oder die Kinder starben. Valerie sagte:�Keins von meinen Kindern ��Sie brach ab und schaute erst St. James und dann Lynley an.�Meine Kinder sind in jeder Hinsicht unschuldig.�</p><p>St. James sagte:�Wir haben ein Filetiermesser im Wasser gefunden. �Er zeigte ihr das Messer, mit dem er die Steine gelockert hatte.�Nat�rlich nicht dieses, aber ein ganz �hnliches.�</p><p>�Das wird das Messer gewesen sein, das ich vor ein paar Wochen verloren habe�, sagte sie.�Ich war dabei, eine ziemlich gro�e Forelle zu s�ubern, dabei ist es mir ins Wasser gefallen.�</p><p>�Wirklich?�, fragte Lynley.</p><p>�Wirklich�, antwortete sie.�Ich bin eben manchmal ungeschickt.�</p><p>Lynley und St. James sahen einander an. Es war klar, dass Valerie log, denn der Arbeitstisch zum Ausnehmen der Fische stand viel zu weit weg. Das Messer h�tte schon schwimmen m�ssen, um unter Ian Cresswells Boot zu gelangen.</p><subtitle>KENSINGTON � LONDON</subtitle><p>In natura sah Vivienne Tully genauso aus wie auf den Fotos, die Barbara von ihr im Internet gefunden hatte. Vivienne war genauso alt wie Barbara, aber sie h�tten nicht unterschiedlicher sein k�nnen. Wahrscheinlich tr�umte Isabelle Ardery davon, dass Barbara irgendwann so aussah wie Vivienne: schlanker K�rper, elegant gekleidet einschlie�lich aller erforderlichen Accessoires, topmodische Frisur und perfektes Make-up. Schon allein aus Prinzip konnte Barbara die Frau auf den ersten Blick nicht ausstehen.</p><p>Sie hatte sich entschlossen, bei ihrem n�chsten Besuch in der Rutland Gate nicht als Interessentin an einer Immobilie aufzutreten, sondern als Sergeant Havers. Sie hatte die Klingel f�r Apartment Nr. 6 gedr�ckt, und Vivienne Tully � oder wer auch immer � hatte, ohne weiter nachzufragen, den T�r�ffner bet�tigt. Daraus schloss Barbara, dass Vivienne Besuch erwartete, denn kaum jemand w�rde die Haust�r �ffnen, ohne sich zu erkundigen, was derjenige wollte, der geklingelt hatte. Auf diese Weise wurden Leute ausgeraubt. Wenn nicht sogar ermordet.</p><p>Der Besuch, den Vivienne Tully erwartete, war eine Immobilienmaklerin, wie Barbara ziemlich schnell feststellte. Nachdem sie sie einmal von oben bis unten gemustert hatte, fragte Vivienne entgeistert:�<emphasis>Sie</emphasis> sind von Foxtons?�Da Barbara jedoch nicht wegen eines Sch�nheitswettbewerbs gekommen war, beschloss sie, die Bemerkung nicht als Beleidigung aufzufassen. Und sie verzichtete auch darauf, sich als die erwartete Person auszugeben, denn Vivienne Tully w�rde nie im Leben glauben, dass eine Immobilienmaklerin in roten Turnschuhen, einer orangefarbenen Cordhose und einer marineblauen Donkeyjacke an ihre T�r klopfen w�rde.</p><p>Also sagte sie:�Detective Sergeant Havers, New Scotland Yard. Ich muss mit Ihnen reden.�</p><p>Zu Barbaras Verwunderung zeigte Vivienne sich nicht im Mindesten schockiert.�Kommen Sie rein�, sagte sie.�Aber ich f�rchte, ich habe nicht viel Zeit. Ich habe gleich einen Termin.�</p><p>�Mit Foxtons. Schon klar. Sie verkaufen?�Barbara sah sich um, w�hrend Vivienne die T�r schloss. Die Wohnung war traumhaft sch�n: hohe Decken, aufwendiger Stuck, Perserteppiche auf Parkettboden, geschmackvolle Antiquit�ten, ein offener Kamin mit marmornem Sims. Sie musste ein Verm�gen gekostet haben und w�rde jetzt das Doppelte oder Dreifache einbringen. Das Merkw�rdige war, dass keinerlei pers�nliche Gegenst�nde zu sehen waren. Vielleicht konnte man einige ausgew�hlte St�cke deutschen Porzellans als pers�nlich bezeichnen, dachte Barbara, aber die Sammlung antiker B�cher in einem B�cherschrank sah nicht gerade so aus, als w�re sie als Lesestoff f�r regnerische Tage gedacht.</p><p>�Ich gehe nach Neuseeland�, sagte Vivienne.�Zeit, in die Heimat zur�ckzukehren.�</p><p>�Sie sind in Neuseeland geboren?�, fragte Barbara, obwohl sie die Antwort bereits kannte. Vivienne hatte keinen erkennbaren Akzent und h�tte ohne Weiteres l�gen k�nnen.</p><p>Aber das tat sie nicht.�Ja, in Wellington�, sagte sie.�Meine Eltern leben dort. Sie werden allm�hlich alt und h�tten mich gern in ihrer N�he.�</p><p>�Sie sind also schon eine Weile in England?�</p><p>�Darf ich fragen, warum Sie das wissen wollen, Sergeant Havers? Und womit ich Ihnen behilflich sein kann?�</p><p>�Indem Sie mir von Ihrer Beziehung zu Bernard Fairclough erz�hlen. Das w�re schon mal ein Anfang.�</p><p>Viviennes Gesichtsausdruck blieb vollkommen liebensw�rdig.�Ich glaube nicht, dass Sie das etwas angeht. Um was genau geht es eigentlich?�</p><p>�Um den Tod von Ian Cresswell. Ich nehme an, dass Sie ihn gekannt haben, da Sie eine Zeitlang gleichzeitig mit ihm bei Fairclough Industries gearbeitet haben.�</p><p>�W�re es dann nicht logisch, mich zu fragen, was f�r ein Verh�ltnis ich zu Ian Cresswell hatte?�</p><p>�Dazu w�re ich als N�chstes gekommen. Im Moment interessiert mich eher der Fairclough-Ansatz. �Barbara lie� ihren Blick durch die Wohnung schweifen und nickte anerkennend.�H�bsche H�tte. Darf ich Platz nehmen?�Ohne auf eine Antwort zu warten, ging sie zu einem Sessel, stellte ihre Tasche daneben auf den Boden und lie� sich in die Polster sinken. Sie fuhr mit der Hand �ber den kostbaren Bezugsstoff. Verflixt und zugen�ht � sollte das etwa Seide sein? Offensichtlich kaufte Vivienne Tully ihr Mobiliar nicht bei IKEA.</p><p>�Ich sagte ja bereits, dass ich einen Termin ��</p><p>�Dass Sie einen Termin mit jemand von Foxtons haben. Schon kapiert. Keine Sorge, das kann ich mir schon noch merken. Wahrscheinlich w�re es Ihnen ganz lieb, wenn ich wieder weg bin, bevor Ihr Immobilienfritze hier aufkreuzt, richtig?�</p><p>Vivienne war nicht dumm. Sie wusste, dass sie Barbara ein paar Informationen w�rde bieten m�ssen, damit sie sich verdr�ckte. Sie setzte sich auf ein kleines Sofa.�Ich habe eine Zeitlang bei Fairclough Industries gearbeitet, wie Sie bereits erw�hnten. Und zwar als Bernard Faircloughs Chefsekret�rin. Es war meine erste Arbeitsstelle nach meinem Abschluss an der London School of Economics. Nach ein paar Jahren habe ich die Stelle gewechselt.�</p><p>�Jemand wie Sie ist auf dem Arbeitsmarkt ziemlich umtriebig, das ist mir klar�, sagte Barbara.�Aber nach Ihrer Zeit bei Fairclough Industries und einem kurzem Intermezzo als freiberufliche Wirtschaftsberaterin haben Sie bei dieser Gartenbaufirma angefangen und sind bis heute dort geblieben.�</p><p>�Na und? Ich wollte die Sicherheit eines festen Arbeitsplatzes, und die hat Precision Gardening mir geboten. Ich bin in der Firma aufgestiegen, ich war die richtige Person am richtigen Ort zu einer Zeit, als Chancengleichheit gro�geschrieben wurde. Als Gesch�ftsf�hrerin habe ich dort jedoch auch nicht sofort angefangen, Sergeant.�</p><p>�Aber den Kontakt zu Fairclough haben Sie immer beibehalten.�</p><p>�Ich rei�e keine Br�cken hinter mir ab. Kontakte zu halten hat sich f�r mich als n�tzlich erwiesen. Bernard hat mich gebeten, im Aufsichtsrat der Fairclough Stiftung mitzuwirken. Warum h�tte ich das ablehnen sollen?�</p><p>�Wie ist er denn auf die Idee gekommen?�</p><p>�Wie meinen Sie das? Das ist doch nichts Schlimmes. Er hat mich gefragt, und ich habe Ja gesagt. Es geht schlie�lich um eine gute Sache.�</p><p>�Und er hat Sie gefragt, weil ��</p><p>�Ich nehme an, meine Arbeit in Barrow hat ihn davon �berzeugt, dass ich auch in anderen Positionen zu gebrauchen war. Als ich damals bei Fairclough Industries aufgeh�rt habe ��</p><p>�Warum eigentlich?�</p><p>�Warum ich dort aufgeh�rt habe?�</p><p>�Bei Fairclough Industries h�tten Sie doch auch Karriere machen k�nnen.�</p><p>�Waren Sie schon mal l�nger in Barrow, Sergeant Havers? Nein? Also, mir hat es dort nicht gefallen. Und als sich mir dann die Gelegenheit bot, nach London zur�ckzukommen, habe ich nicht lange gez�gert. So l�uft das eben. Auf eine Position, wie sie mir dort angeboten wurde, h�tte ich in Barrow Jahre warten m�ssen, selbst wenn es mich gereizt h�tte, dort zu bleiben, was nicht der Fall war, glauben Sie mir.�</p><p>�Und jetzt leben Sie in Lord Faircloughs Wohnung.�</p><p>Vivienne �nderte ihre Haltung ein wenig und richtete sich noch mehr auf, sofern das m�glich war.�Was auch immer Sie glauben m�gen, es entspricht nicht den Tatsachen.�</p><p>�Diese Wohnung geh�rt also nicht Fairclough? Warum hat er dann einen Schl�ssel? Ich dachte, er kommt ab und zu vorbei, um sich zu vergewissern, dass Sie die H�tte in Ordnung halten. Wie Vermieter das halt so machen.�</p><p>�Was hat das alles mit Ian Cresswell zu tun, der ja angeblich der Grund Ihres Besuchs ist?�</p><p>�Das wei� ich noch nicht so genau�, antwortete Barbara leichthin.�Wollen Sie mir vielleicht die Sache mit dem Schl�ssel erkl�ren? Vor allem, wenn Fairclough die H�tte nicht mal geh�rt, wie ich angenommen hatte. Sch�ne Wohnung �brigens. Muss Sie �ne Stange Geld gekostet haben. So was h�tet man doch wie seinen Augapfel, oder? Und Sie werden ja sicherlich Ihre Wohnungsschl�ssel nicht wahllos verteilen, sondern sie nur Personen Ihres Vertrauens �berlassen, nicht wahr?�</p><p>�Das geht Sie wirklich nichts an.�</p><p>�Wo �bernachtet unser guter Bernard dann, wenn er in London ist? Ich habe im Twins Club nachgefragt, aber die haben keine �bernachtungsg�ste. Au�er der alten Schachtel, die den T�rdienst macht, lassen die keine Frau �ber die T�rschwelle, die nicht in Begleitung eines m�nnlichen Clubmitglieds erscheint. Ich habe geh�rt, dass Sie dort am Arm von Lord Fairclough ein und aus gehen. Mittagessen, Abendessen, Cocktails. Anschlie�end fahren Sie zusammen im Taxi weg, und das Taxi bringt Sie jedes Mal hierher. Manchmal schlie�en Sie die Haust�r auf, manchmal schlie�t er die Haust�r auf, und zwar mit seinem eigenen Schl�ssel. Dann kommen Sie hier rauf in diesen � na ja � Palast und danach � Also, wo bettet Fairclough seinen alternden K�rper, wenn er in London ist? Das ist die gro�e Frage.�</p><p>Vivienne stand auf. Das musste sie auch, dachte Barbara, denn es dauerte nicht mehr lange, dann w�rde sie ihren ungebetenen Gast hinauswerfen. Aber bis dahin wollte Barbara so viel wie m�glich aus ihr herausquetschen. Sie sah, dass Vivienne gro�e M�he hatte, die Contenance zu wahren, und das bereitete Barbara eine ungeheure Genugtuung. Es tat doch einfach ausgesprochen gut, jemanden, der so verdammt perfekt war, zu piesacken.</p><p>�Nein, das ist nicht die gro�e Frage�, sagte Vivienne Tully.�Die gro�e Frage ist, wie lange Sie brauchen, um zur T�r zu gehen, die ich f�r Sie �ffnen und hinter Ihnen wieder schlie�en werde. Unser Gespr�ch ist beendet.�</p><p>�Tja�, sagte Barbara,�ich werde wohl freiwillig zur T�r gehen m�ssen.�</p><p>�Ich kann Sie auch dort hinzerren.�</p><p>�Und riskieren, dass ich kreische und um mich schlage, so dass die Nachbarn es h�ren? Ich werde einen Aufstand machen, der Ihnen mehr Aufmerksamkeit beschert, als Ihnen wahrscheinlich lieb ist.�</p><p>�Ich m�chte, dass Sie gehen, Sergeant. Ich tue nichts Verbotenes und w�sste nicht, was meine Mahlzeiten oder Cocktails mit Bernard Fairclough mit Ian Cresswell zu tun h�tten, es sei denn, Bernard hat Ian die Rechnungen gegeben und Ian hat sie nicht bezahlt. Aber deswegen wird er wohl kaum den Tod gefunden haben, oder?�</p><p>�W�re das typisch gewesen f�r Ian? Hat er mit dem Geld des Barons gegeizt?�</p><p>�Das wei� ich nicht. Seit ich vor Jahren bei Fairclough Industries aufgeh�rt habe, hatte ich keinen Kontakt mehr mit Ian. Ist das alles, was Sie wissen wollten? Wie gesagt, ich habe einen Termin.�</p><p>�Die Sache mit dem Schl�ssel ist immer noch nicht gekl�rt.�</p><p>Vivienne l�chelte freudlos.�Ich w�nsche Ihnen viel Erfolg bei der Aufkl�rung dieses Details. �Sie ging zur Wohnungst�r und hielt sie auf.�Wenn Sie also jetzt bitte gehen w�rden?�</p><p>Barbara blieb nichts anderes �brig, als der Aufforderung nachzukommen. Mehr w�rde sie aus Vivienne nicht herauskriegen, und die Tatsache, dass Vivienne sich nicht �ber einen Besuch von Scotland Yard gewundert hatte � ganz zu schweigen davon, dass sie das fast Unm�gliche fertiggebracht und w�hrend des ganzen Gespr�chs kein falsches Wort von sich gegeben hatte �, sagte Barbara, dass ihr Gegen�ber nicht so schnell aus der Fassung zu bringen war. Sie w�rde sich also etwas anderes einfallen lassen m�ssen.</p><p>Anstatt mit dem Aufzug zu fahren, ging sie die Treppe hinunter. Als sie aus dem Treppenhaus trat, sah sie den Portier, der gerade dabei war, die Post, die durch den Schlitz in der Eingangst�r geworfen worden war, aufzuheben und zu verteilen. Er h�rte sie und drehte sich um.</p><p>�Ach, Sie schon wieder�, sagte er.�Haben wohl die Hoffnung noch nicht aufgegeben, was?�</p><p>Barbara trat neben ihn an den Tisch, um besser sehen zu k�nnen. Ein unterschriebenes Schuldanerkenntnis w�re jetzt genau das Richtige gewesen, am besten in Vivienne Tullys Postfach oder, besser noch, Barbara direkt ausgeh�ndigt, damit sie es an Lynley weiterreichen konnte. Den Absendern nach zu urteilen � British Telecommunications, Thames Water, Television Licencing und so weiter � schien es sich jedoch um ganz normale Post zu handeln.</p><p>Sie sagte:�Ich hab bei Foxtons angerufen. Zuf�llig wird Apartment Nummer 6 demn�chst verkauft. Da hab ich mir gedacht, ich seh�s mir mal eben an.�</p><p>�Miss Tully verkauft?�, fragte der Portier.�Davon hab ich ja noch gar nichts geh�rt. Wirklich seltsam, denn normalerweise sagen die Leute mir so was, weil dann jedes Mal ein einziges Kommen und Gehen ist.�</p><p>�Vielleicht war�s ja �ne spontane Entscheidung�, sagte Barbara.</p><p>�Wahrscheinlich. Aber dass die mal verkaufen w�rde, das h�tt� ich nie gedacht. Vor allem in ihrer Situation. Es ist nicht leicht, �ne sch�ne Wohnung in der N�he einer guten Schule zu finden.�</p><p>Barbara wurde hellh�rig.�Schule?�, fragte sie.�Welche Schule meinen Sie denn?�</p></section><section><title><p>9.�November</p></title><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Zed Benjamin stellte fest, dass er sich jeden Tag auf sein morgendliches Telefongespr�ch mit Yaffa Shaw freute, und allm�hlich fragte er sich, ob so eine wirkliche Partnerschaft zwischen einem Mann und einer Frau aussah. Und wenn dem so war, warum er bisher jede Beziehung gemieden hatte wie der Teufel das Weihwasser.</p><p>Als Yaffa an den Apparat ging, gab sie ihm gleich zu verstehen, dass seine Mutter in der N�he war:�Zed, mein Herzblatt, du ahnst ja nicht, wie sehr du mir fehlst!�Dann machte sie noch f�r alle F�lle ein paar Kussger�usche.</p><p>Wahrscheinlich platzte seine Mutter vor Gl�ck, dachte Zed.�Du fehlst mir auch�, sagte er, ohne dar�ber nachzudenken, welche Konsequenzen ein solches Gest�ndnis haben k�nnte, denn eigentlich h�tte ein am�siertes� Danke �f�r das Beschwindeln seiner Mutter vollkommen ausgereicht.�Und wenn ich in London w�re, w�rde ich�s dir beweisen, dass dir H�ren und Sehen vergeht!�</p><p>�Ich werde dich beim Wort nehmen, wenn du wiederkommst�, sagte sie.</p><p>�Das hoffe ich�, sagte Zed.</p><p>Sie lachte.�Du Schlingel. �Dann sagte sie zu seiner Mutter:�Mama Benjamin, unser Zed ist mal wieder richtig frech.�</p><p>��Mama Benjamin�?�</p><p>�Sie besteht darauf�, sagte Yaffa, und ehe er etwas darauf erwidern konnte, fuhr sie fort:�Erz�hl mir, was du herausgefunden hast, mein Schatz. Du bist doch vorangekommen mit deiner Geschichte, oder? Das h�re ich dir regelrecht an.�</p><p>In Wirklichkeit, das musste Zed sich eingestehen, war <emphasis>das</emphasis> der eigentliche Grund f�r seinen Anruf. Er wollte sich wie jeder verliebte Mann vor der Frau produzieren, die so tat, als w�re er die Liebe ihres Lebens. Er sagte:�Ich habe die betreffende Person von Scotland Yard gefunden.�</p><p>�Wirklich? Das ist ja gro�artig, Zed. Ich wusste, dass du es schaffen w�rdest. Hast du denn schon deinen Chefredakteur angerufen, um ihm die gute Nachricht mitzuteilen? Und kommst du jetzt endlich nach Hause?�</p><p>�Nein, noch nicht. Und Rod hab ich auch noch nicht angerufen. Bevor ich mit ihm rede, will ich die Story unter Dach und Fach haben, damit ich sie ihm druckreif �bergeben kann. Ich habe mit der Polizistin gesprochen. Wir machen das gemeinsam.�</p><p>�Meine G�te, Zed�, stie� Yaffa hervor.�Das ist ja unglaublich!�</p><p>�Sie wird mir helfen, ohne dass sie es wei�. Sie wei� nur von einer Story, aber am Ende werden es zwei sein, und eine davon handelt von ihr.�</p><p>�Wie hei�t sie denn?�</p><p>�Detective Sergeant Cotter. Vorname Deb. Ich habe mir ihre Unterst�tzung gesichert. Es geht ihr �brigens vor allem um die Ehefrau, Alatea Fairclough. An Nick Fairclough ist sie �berhaupt nicht interessiert. Na ja, anfangs war sie das schon, aber dann hat sich rausgestellt, dass mit der Ehefrau irgendwas ganz und gar nicht stimmt. Ich muss gestehen, dass ich das von Anfang an gerochen habe. Es ist einfach vollkommen unglaubw�rdig, dass ein Typ wie Nick Fairclough eine Frau wie Alatea abkriegt.�</p><p>�Ach?�Yaffa wirkte interessiert.�Warum denn?�</p><p>�Er ist in Ordnung, keine Frage, aber sie � Sie ist einfach umwerfend, Yaffa. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so eine Frau gesehen.�</p><p>Stille am anderen Ende der Leitung. Als Zed schlie�lich ein leises� Ach so �h�rte, h�tte er sich am liebsten geohrfeigt. Wie hatte er nur so bl�d daherreden k�nnen.�Nat�rlich ist sie �berhaupt nicht mein Typ�, f�gte er hastig hinzu.�K�hl und distanziert. Die Sorte Frau, die einen Mann nach ihrer Pfeife tanzen l�sst, wenn du verstehst, was ich meine. Die reinste schwarze Witwe. Und du wei�t ja, was eine schwarze Witwe tut, oder?�</p><p>�Sie lockt M�nnchen an, um sich von ihnen begatten zu lassen, wenn ich mich recht erinnere�, antwortete sie.</p><p>��h, ja, nat�rlich. Aber nachdem das M�nnchen sie zufriedengestellt hat, verspeist sie es. Also wirklich, mich sch�ttelt�s bei dem Gedanken, Yaffa. Sie ist wundersch�n. Trotzdem ist irgendetwas an ihr total merkw�rdig, das sp�re ich genau.�</p><p>Das schien Yaffa zu tr�sten, dachte Zed, auch wenn er sich gleichzeitig fragte, wieso sie eigentlich Trost brauchte, wo sie doch ihren bescheuerten Micah in Tel Aviv hatte, diesen Medizinstudenten und zuk�nftigen Nobelpreistr�ger.�Du solltest vorsichtig sein�, sagte sie.�Sie k�nnte dir gef�hrlich werden.�</p><p>�Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen�, entgegnete er.�Au�erdem stehe ich ja unter dem Schutz der Polizistin von Scotland Yard.�</p><p>�Noch eine Frau. �Hatte das etwa traurig geklungen?</p><p>�Eine Rothaarige, so wie ich. Aber ich steh auf dunkle Typen.�</p><p>�Solche wie Alatea?�</p><p>�Nein�, sagte er.�Kein bisschen wie diese Alatea. Und diese Polizistin, Yaffa, die hat jede Menge Informationen f�r mich. Und sie gibt sie mir im Austausch daf�r, dass ich meine Geschichte noch ein paar Tage zur�ckhalte.�</p><p>�Und was willst du deinem Chefredakteur sagen? Wie lange kannst du den denn noch hinhalten?�</p><p>�Das ist kein Problem. Wenn ich Rod von dem Deal erz�hle, den ich mit Scotland Yard habe, dann wird der gleich handzahm. Das ist genau nach seinem Geschmack.�</p><p>�Pass auf dich auf.�</p><p>�Mach ich.�</p><p>Yaffa legte auf. Verdattert betrachtete Zed sein Handy. Dann zuckte er die Achseln und steckte es in die Tasche. Erst auf dem Weg zum Fr�hst�cksraum fiel ihm auf, dass Yaffa sich nicht wie �blich mit Kussger�uschen verabschiedet hatte. Und erst als er sich mit einer Portion w�ssrigem R�hrei an den Tisch setzte, wurde ihm bewusst, dass er w�nschte, sie h�tte es getan.</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Sie hatten einen schrecklichen Abend miteinander verbracht, und Deborah wusste, dass Simon b�se auf sie war. Sie hatten im Crow &amp; Eagle zu Abend gegessen, einem Restaurant, das nicht einmal einen einzigen Stern verdient hatte. W�hrend des Essens hatte Simon fast nichts zum Thema offene Adoption gesagt, nur ein leises:�Es w�re mir lieber gewesen, wenn du mit dem Anruf bei David noch etwas gewartet h�ttest. �Gemeint war nat�rlich, dass sie h�tte warten sollen, bis es ihm gelungen w�re, sie zu etwas zu �berreden, was sie von Anfang an nicht gewollt hatte.</p><p>Zun�chst hatte Deborah nichts auf seine Bemerkung geantwortet, sondern sich mit ihm �ber andere Dinge unterhalten. Erst als sie auf ihrem Zimmer waren, hatte sie das Thema noch einmal zur Sprache gebracht.�Es tut mir leid, dass du mit meiner Entscheidung unzufrieden bist, Simon. Aber du hast mir gesagt, die junge Frau wollte endlich Bescheid wissen. �Daraufhin hatte er sie mit seinen graublauen Augen gemustert, wie es seine Art war, und gesagt:�Darum geht es doch nicht, oder?�</p><p>Es war die Art Bemerkung, die sie entweder tieftraurig oder fuchsteufelswild machen konnte, je nachdem, welcher Aspekt ihrer Beziehung zu Simon gerade �berwog. Sie konnte sie als Ehefrau eines geliebten Mannes auffassen, den sie unabsichtlich verletzt hatte. Oder sie konnte sie als das Kind auffassen, das in seinem Haus, unter seinem wachsamen Blick, aufgewachsen war, und den Unterton v�terlicher Entt�uschung heraush�ren. Sie wusste, dass es Ersteres war, aber sie empfand Letzteres. Und manchmal tat es einfach gut, seinen Gef�hlen freien Lauf zu lassen.</p><p>Sie sagte:�Wei�t du was? Ich finde es unertr�glich, wenn du so mit mir redest.�</p><p>Er hatte sie verbl�fft angesehen, was sie noch mehr auf die Palme gebracht hatte. Und dann hatte er gefragt:�Wenn ich wie mit dir rede?�</p><p>�Das wei�t du ganz genau. Du bist nicht mein Vater!�</p><p>�Das ist mir vollkommen bewusst, Deborah, glaub mir.�</p><p>Und da war ihr der Kragen geplatzt. Er lie� sich einfach nicht provozieren, weil das nicht in sein Selbstbild passte. Das hatte sie schon immer in den Wahnsinn getrieben. Sie konnte sich nicht erinnern, dass es jemals anders gewesen w�re.</p><p>Von da an hatte eins das andere ergeben. War es anfangs darum gegangen, wie sie die ganze Sache mit der jungen Frau in Southampton eigenm�chtig abgeblasen hatte, hatten sie sich sp�ter dar�ber gestritten, wie oft sie angeblich schon froh gewesen war, dass er sich in ihr Leben eingemischt hatte. Denn mit ihrer verdammten Sturheit, betonte Simon, habe sie sich immer wieder selbst in Gefahr gebracht.</p><p>Das hei�t, so hatte Simon sich nat�rlich nicht ausgedr�ckt, das war nicht sein Stil. Er hatte gesagt:�Es kommt vor, dass du eine Situation nicht klar erfasst und auch nicht bereit bist, dich belehren zu lassen. �Dann hatte er eine Braue gehoben und hinzugef�gt:�Das musst du zugeben. �Womit er darauf angespielt hatte, dass sie sich darauf versteift hatte, f�r die Ermittlung sei es von entscheidender Bedeutung, dass Alatea im Besitz einer Zeitschrift namens <emphasis>Conception</emphasis> war.</p><p>�Tommy hat mich gebeten ��</p><p>�Ah ja, Tommy. Er hat gesagt, dass deine Aufgabe hier erledigt ist und dass du dich in Gefahr bringst, falls du weitermachst.�</p><p>�Wer oder was sollte mir denn gef�hrlich werden? Das ist doch vollkommen absurd.�</p><p>�Da gebe ich dir recht�, erwiderte er.�Fakt ist jedoch, dass wir hier fertig sind, Deborah. Wir m�ssen zur�ck nach London. Ich werde mich darum k�mmern.�</p><p>Damit hatte er das Ma� vollgemacht, was ihm nat�rlich bewusst gewesen war. Er hatte das Zimmer verlassen, um die n�tigen Vorkehrungen f�r ihre Abreise zu treffen, und als er zur�ckkam, hatte sie ihm die kalte Schulter gezeigt und kein Wort mehr mit ihm gesprochen.</p><p>Am n�chsten Morgen hatte er gepackt. Aber anstatt ebenfalls ihre Sachen zu packen, hatte sie ihm erkl�rt, sie werde in Cumbria bleiben.�Die Sache ist f�r mich noch nicht beendet�, sagte sie, und als er entgegnete:�Wirklich nicht?�, wusste sie, dass er nicht nur die Ermittlungen im Fall Ian Cresswells meinte.</p><p>�Ich m�chte das hier zu Ende bringen�, sagte sie.�Kannst du nicht wenigstens versuchen zu verstehen, dass mir das wichtig ist? Ich wei� einfach, dass es irgendeine Verbindung zu dieser Frau gibt ��</p><p>Das war ein Fehler gewesen. Wenn sie Alatea Fairclough erw�hnte, w�rde das Simon nur in seiner �berzeugung best�rken, dass Deborah sich von ihren eigenen W�nschen blenden lie�.�Dann sehen wir uns in London�, hatte er ruhig entgegnet.�Wann auch immer du zur�ckkommst. �Er schenkte ihr ein halbherziges L�cheln, das sich anf�hlte wie ein Pfeil, der ihr Herz durchbohrte.�Waidmanns Heil.�</p><p>Deborah h�tte ihm erz�hlen k�nnen, was sie mit diesem Journalisten von der <emphasis>Source</emphasis> vereinbart hatte. Aber wenn sie das getan h�tte, w�re herausgekommen, dass sie und Zed Benjamin die weiteren Ermittlungen gemeinsam durchf�hren wollten. Das h�tte Simon unterbunden, indem er sich an Tommy gewandt h�tte. Dadurch, dass sie Simon die Wahrheit vorenthielt, verhinderte sie, dass Tommys Identit�t als Scotland Yard Detective aufflog. Auf diese Weise sorgte sie daf�r, dass er mehr Zeit hatte, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wenn Simon nicht einsehen konnte, dass sie jetzt eine entscheidende Rolle bei den Ermittlungen spielte, dann konnte sie daran nichts �ndern.</p><p>W�hrend Deborah und Simon sich in der Pension in Milnthorpe voneinander verabschiedeten, hatte Zed Benjamin bereits seinen Posten auf der Stra�e nach Arnside bezogen, von dem aus er sehen konnte, wer bei den Faircloughs aus und ein ging. Sobald Alatea das Haus verlie�, w�rde er Deborah eine SMS schicken. <emphasis>Los</emphasis> bedeutete, dass Alatea mit dem Auto irgendwohin unterwegs war, <emphasis>MT</emphasis> bedeutete, dass sie auf dem Weg nach Milnthorpe war.</p><p>Das war das Sch�ne an Arnside, hatten Deborah und Zed Benjamin am Vortag festgestellt: Es gab zwar mehrere schmale Stra�en, die auf die andere Seite des Arnside Knott und zu den dahinterliegenden D�rfern f�hrten, aber wenn man schnell aus dem Dorf hinauswollte, kam nur eine Stra�e in Frage, n�mlich die nach Milnthorpe. Und diese Stra�e f�hrte am Crow &amp; Eagle vorbei.</p><p>Als die SMS kam, war Simon bereits seit einer halben Stunde weg. Aufgeregt las Deborah die Nachricht: <emphasis>Los MT</emphasis> stand da.</p><p>Die Sachen, die sie brauchen w�rde, hatte sie bereits zusammengepackt. In weniger als einer Minute war Deborah unten und postierte sich so am Eingang der Pension, dass sie die Stra�e im Blick hatte. Durch das Fenster in der T�r sah sie Alatea Fairclough vorbeifahren und nach rechts Richtung A 6 abbiegen. Kurz darauf folgte Zed Benjamin. Deborah stieg ein, als er am Stra�enrand hielt.</p><p>�Nach S�den�, sagte sie.</p><p>�Alles klar. Nick ist kurz nach ihr aufgebrochen. Er wirkte ziemlich niedergeschlagen. Ich nehme an, er ist in die Firma gefahren und leistet seinen Beitrag dazu, das Land mit ausreichend Klos zu versorgen.�</p><p>�Was meinen Sie? H�tte einer von uns beiden ihm folgen sollen?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.�Nein. Ich glaube, Sie haben recht. Die kleine Argentinierin ist der Schl�ssel zu allem.�</p><subtitle>LANCASTER � LANCASHIRE</subtitle><p>Der Mann war riesig, dachte Deborah. Er passte nur so gerade in sein Auto. Er war nicht fett, einfach h�nenhaft. Sein Sitz war bis zum Anschlag nach hinten geschoben, und dennoch stie� er mit den Knien ans Lenkrad. Aber trotz seiner Gr��e wirkte er in keiner Weise einsch�chternd. Im Gegenteil, er wirkte seltsam sanft, was ihm in seinem Beruf wahrscheinlich eher hinderlich war.</p><p>Sie wollte gerade eine Bemerkung dazu machen, als er, den Blick auf Alateas Auto geheftet, unvermittelt sagte:�Ich h�tte Sie nie im Leben f�r eine Polizistin gehalten. Und ich w�re auch nie draufgekommen, wenn ich nicht zuf�llig gesehen h�tte, wie Sie um das Haus der Faircloughs herumgeschlichen sind.�</p><p>�Und womit genau habe ich mich verraten, wenn ich fragen darf?�</p><p>�F�r solche Dinge habe ich einen Riecher. �Er tippte sich mit dem Finger an die Nase.�Das bringt mein Job so mit sich, wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Wie meinen Sie das?�</p><p>�Na ja�, sagte er,�als Journalist darf man sich nicht vom Schein tr�gen lassen. Investigativer Journalismus erfordert mehr, als am Schreibtisch zu sitzen und darauf zu warten, dass irgendjemandes Erzfeind anruft und einem eine Story serviert, mit der man eine Regierung zu Fall bringt. Da muss man schon ein bisschen gewieft sein, einen guten Jagdinstinkt besitzen.�</p><p>Deborah konnte nicht widerstehen.�Investigativer Journalismus�, wiederholte sie nachdenklich.�Ist es das, was Sie bei der <emphasis>Source</emphasis> machen? Dieses Blatt bringt aber nur selten investigative Artikel �ber die Regierung, oder? Wenn �berhaupt.�</p><p>�Na ja, das war halt ein Beispiel�, erwiderte er.</p><p>�Ach so.�</p><p>�H�ren Sie, das ist ein Job wie jeder andere�, erwiderte er auf ihren ironischen Unterton.�Eigentlich bin ich Dichter, und die Poesie ist nach wie vor eine brotlose Kunst.�</p><p>�Allerdings�, sagte Deborah.</p><p>�H�ren Sie, ich wei�, die <emphasis>Source</emphasis> ist ein K�seblatt, aber mit irgendwas muss ich schlie�lich meine Br�tchen verdienen, Sergeant Cotter. Ich nehme an, Ihr Job ist auch nicht viel besser, oder? Unter Pflastersteinen nicht den Strand, sondern den Abschaum der Gesellschaft suchen zu m�ssen.�</p><p>Ein ziemlich schiefes Bild. Ein bisschen merkw�rdig f�r einen Dichter, dachte Deborah.�Tja, so kann man das auch sehen�, sagte sie.</p><p>�Alles hat seine guten und seine schlechten Seiten.�</p><p>Alatea nahm die Abfahrt nach Lancaster. In der Stadt w�rden sie aufpassen m�ssen, dass sie sie nicht entdeckte. Sie lie�en sich zur�ckfallen, bis f�nf Autos zwischen ihnen waren.</p><p>Es war nicht zu �bersehen, dass Alatea sich auskannte und wusste, wo sie hinwollte. Im Zentrum von Lancaster bog sie auf den Parkplatz eines niedrigen Backsteinbaus. Deborah und Zed Benjamin fuhren weiter. Zed hielt an der n�chsten Stra�enecke, und Deborah drehte sich um. Im selben Augenblick kam Alatea auch schon um die Ecke und ging in das Geb�ude hinein.</p><p>�Wir m�ssen herausfinden, was da drin ist�, sagte Deborah. In Anbetracht seiner Gr��e w�rde Zed das allerdings nicht schaffen, ohne aufzufallen. Deborah stieg aus.�Warten Sie hier�, sagte sie und rannte auf die andere Stra�enseite, wo die parkenden Autos ihr ein wenig Sichtschutz boten.</p><p>Sie n�herte sich dem Geb�ude, bis sie die Schrift �ber dem Eingang lesen konnte. <emphasis>Kent-Howath Foundation for Disabled Veterans</emphasis> stand da. Ein Heim f�r Soldaten, die im Krieg verwundet worden waren.</p><p>Alatea war Argentinierin. Der Falklandkrieg, dachte Deborah. War es m�glich, dass ein argentinischer Soldat irgendwie in diesem Heim gelandet war? Jemand, den Alatea besuchte?</p><p>Sie �berlegte gerade, welche anderen Kriege in Frage kamen � die Golfkriege am ehesten �, als Alatea aus dem Geb�ude trat. Sie war nicht allein, in ihrer Begleitung war aber auch kein kriegsversehrter Veteran, sondern eine Frau, so gro� wie Alatea, wenngleich viel kr�ftiger gebaut. Die Frau hatte einen langen, buntgemusterten Rock, einen weiten Pullover und Stiefel an. Ihr langes, graumeliertes Haar, das sie offen trug, war einmal so dunkel gewesen wie Alateas. Ein Haarreif hielt es ihr aus dem Gesicht.</p><p>In ein offensichtlich ernstes Gespr�ch vertieft, gingen die beiden Frauen zum Parkplatz hinter dem Geb�ude. Deborah eilte zur�ck zu Zeds Auto und stieg ein.�Sie wird gleich weiterfahren. Eine Frau ist bei ihr.�</p><p>Zed lie� den Motor an.�Was ist das f�r ein Geb�ude?�, fragte er.</p><p>�Ein Heim f�r Kriegsinvaliden.�</p><p>�Was wollte sie denn da?�</p><p>�Keine Ahnung. Wie gesagt, sie ist mit einer Frau zusammen wieder rausgekommen. Es k�nnte nat�rlich eine Soldatin sein, aber soweit ich das sehen konnte, ist sie keine Invalidin. Da kommen sie. Schnell. �Deborah warf sich Zed an den Hals in der Hoffnung, dass es so aussah, als w�ren sie ein P�rchen in leidenschaftlicher Umarmung. Als sie �ber Zeds Schulter hinweg sah, wie Alateas Auto auf die Stra�e einbog, lie� sie ihn wieder los. Er war puterrot angelaufen.�Tut mir leid�, sagte sie.�Mir ist nichts Besseres eingefallen.�</p><p>�Kein Problem � �h ��, stammelte er. Dann fuhr er los und heftete sich wieder an Alateas Fersen.</p><p>Es herrschte dichter Verkehr, aber es gelang Zed, Alateas Auto im Auge zu behalten. Sie fuhr aus dem Stadtzentrum hinaus, bis eine Anh�he mit einer Reihe gro�er, moderner Geb�ude in Sicht kam.</p><p>�Sie f�hrt zur Uni�, sagte Zed.�Das bringt uns bestimmt nicht weiter.�</p><p>Da war Deborah ganz anderer Meinung. Wenn Alatea mit einer Freundin oder Bekannten zur Universit�t von Lancaster fuhr, dann hatte sie daf�r sicherlich einen Grund. Deborah konnte sich auch schon denken, was f�r ein Grund das war, und der hatte nichts mit dem Erwerb von h�herer Bildung zu tun.</p><p>Es w�rde allerdings nicht leicht sein, Alatea unbemerkt �ber den Campus zu folgen. Der Verkehr zur Uni wurde �ber eine Nebenstra�e geleitet, wo Deborah und Zed feststellten, dass das Parken nur in daf�r ausgewiesenen Parkbuchten erlaubt war, die kaum die M�glichkeit boten, sich zu verstecken. Offenbar war die Universit�t ohne einen Gedanken daran errichtet worden, dass man mal jemanden beschatten musste.</p><p>Als Alatea in eine dieser Parkbuchten einbog, bat Deborah Zed, sie aussteigen zu lassen. Das gefiel Zed ganz und gar nicht, schlie�lich lautete der Plan, dass sie Alatea gemeinsam beschatten w�rden. Er habe nichts in der Hand, was ihm die Kooperation von Scotland Yard sichere, argumentierte er.</p><p>�H�ren Sie�, sagte Deborah.�Wir k�nnen hier nicht zu zweit hinter den beiden herlaufen. Parken Sie irgendwo anders, dann rufen Sie mich auf dem Handy an, und ich sage Ihnen, wo ich bin. Es ist das Einzige, was wir machen k�nnen.�</p><p>Er wirkte nicht �berzeugt, aber daran lie� sich nichts �ndern. Sie war nicht hier, um ihm zu beweisen, dass sie vertrauensw�rdig war. Sie war hier, um die Wahrheit �ber Alatea Fairclough ans Tageslicht zu bef�rdern. Zed hielt an, und ehe er protestieren konnte, war Deborah schon aus dem Wagen gesprungen.�Rufen Sie mich an!�, sagte sie, dann eilte sie los.</p><p>Zed war nat�rlich klar, dass Alatea ihn auf keinen Fall entdecken durfte, sonst w�rde die Verfolgungsaktion sofort auffliegen. Deborah durfte sich nat�rlich auch nicht sehen lassen, aber sie war l�ngst nicht so auff�llig wie er.</p><p>Den beiden zu folgen erwies sich als leichter, als Deborah erwartet hatte. Sie hatte Gl�ck: Es begann zu regnen. Und zwar so pl�tzlich und heftig, dass man einen Schirm brauchte. Eine ideale Tarnung. Deborah fischte ihren Knirps aus ihrer Handtasche, spannte ihn auf und hielt ihn erleichtert �ber ihr kupferrotes Haar.</p><p>Sie folgte den beiden Frauen in geb�hrender Entfernung. Um diese Tageszeit wimmelte es auf dem Campus von Studenten, und das war ein Segen. Und es war ebenfalls ein Segen, dass die Uni, anders als die alten Universit�ten, aus einem einzigen gro�en Komplex bestand, der deutlich sichtbar au�erhalb der Stadt auf einem H�gel stand.</p><p>Alatea und ihre Begleiterin gingen zusammen unter einem Schirm und waren ins Gespr�ch vertieft. Alatea hatte sich bei der anderen Frau untergehakt. Als sie einmal stolperte, fing die andere sie auf. Die beiden schienen Freundinnen zu sein.</p><p>Sie bewegten sich schnell und zielstrebig, offenbar kannten sie sich hier aus, dachte Deborah aufgeregt.</p><p>Ihr Handy klingelte.�Wir sind auf einem Weg, der quer �ber den Campus f�hrt�, sagte sie hastig.</p><p>�Deb?�</p><p>Es war Tommy. Deborah wand sich innerlich und verfluchte sich daf�r, dass sie sich gemeldet hatte, ohne aufs Display zu sehen.�Ah, Tommy�, sagte sie.�Ich dachte, es w�re jemand anders.�</p><p>�Das hab ich gemerkt. Wo bist du?�</p><p>�Warum willst du das wissen?�</p><p>�Weil ich dich kenne. Ich habe gestern auf dem Parkplatz dein Gesicht gesehen. Du tust etwas, wovon wir dich gebeten haben, es sein zu lassen, hab ich recht?�</p><p>�Simon ist nicht mein Vater, Tommy. Ist er bei dir?�</p><p>�Er hat sich mit mir in Newby Bridge zum Kaffee verabredet. Deb, was hast du vor? Wo bist du? Wessen Anruf erwartest du?�</p><p>Deborah �berlegte, ob sie ihn anl�gen sollte, und fragte sich gleichzeitig, ob sie es �berhaupt fertigbringen w�rde, Tommy zu bel�gen. Sie seufzte.�Ich bin an der Uni in Lancaster.�</p><p>�An der Uni in Lancaster? Was machst du denn da?�</p><p>�Ich verfolge Alatea Fairclough. Sie ist in Begleitung einer Frau hier, die sie in einem Heim f�r Kriegsinvaliden abgeholt hat. Ich m�chte wissen, wo die beiden hingehen. �Um ihm keine Zeit zu lassen, dar�ber nachzudenken, was das zu bedeuten hatte, fuhr sie hastig fort:�Die ganze Sache hat mit Alatea Fairclough zu tun. Irgendwas stimmt da nicht, Tommy. Ich wei�, dass du das auch sp�rst.�</p><p>�Das Einzige, was ich sp�re, ist, dass du drauf und dran bist, dir gro�en �rger einzuhandeln, Alatea Fairclough hin oder her.�</p><p>�Wie soll ich mir �rger einhandeln, indem ich den beiden folge? Die wissen ja nicht mal, dass ich hinter ihnen her bin. Und selbst wenn sie es merken ��Sie z�gerte. Wenn sie ihm mehr erz�hlte, w�rde er es wahrscheinlich Simon weitersagen.</p><p>Aber er war ein schlauer Fuchs.�Du hast meine andere Frage noch nicht beantwortet, Deb. Wer soll dich anrufen?�</p><p>�Der Journalist.�</p><p>�Der Reporter von der <emphasis>Source</emphasis>? Bist du denn von allen guten Geistern verlassen, Deb? Da kann Gott wei� was passieren!�</p><p>�Es kann nichts Schlimmeres passieren, als dass mein Konterfei auf der Titelseite der <emphasis>Source</emphasis> erscheint mit der Unterschrift �Detective Sergeant Cotter�. Und das ist nicht gef�hrlich, sondern lustig, Tommy.�</p><p>Er schwieg einen Moment. Deborah sah, dass die beiden Frauen offenbar ihr Ziel erreicht hatten, ein hoher Betonkasten im gesichtslosen Stil der sechziger Jahre. Deborah blieb stehen, um ihnen Zeit zu lassen, das Geb�ude zu betreten und in den Fahrstuhl zu steigen. Tommy sagte:�Deb, hast du eigentlich eine Ahnung, wie es Simon gehen w�rde, wenn dir etwas zustie�e? Denn ich wei� es, glaub mir.�</p><p>Sie ging weiter. Vor dem Eingang zu dem Geb�ude blieb sie erneut stehen und sagte liebevoll:�Ach, Tommy. �Er entgegnete nichts. Sie wusste, was es ihn gekostet hatte, ihr diese Frage zu stellen. Sie sagte:�Mach dir keine Sorgen. Mir passiert schon nichts. Jetzt, wo der Journalist mich f�r eine Polizistin h�lt, brauchst du nicht zu f�rchten, dass er dir auf die Spur kommt und die <emphasis>Source</emphasis> davon erf�hrt. Und f�r mich ist diese kleine Scharade auch ein Schutz: Er wird der Gans, die ihm goldene Eier legt, kein Haar kr�mmen, und er wird auch nicht zulassen, dass jemand anders es tut.�</p><p>Sie h�rte ihn seufzen.�Sei vorsichtig�, sagte er.</p><p>�Na klar�, antwortete sie.�Und bitte: kein Wort zu Simon.�</p><p>�Wenn er mich fragt ��</p><p>�Das wird er nicht. �Sie legte auf.</p><p>Sofort klingelte ihr Handy erneut.�Mit wem zum Teufel telefonieren Sie?�, wollte Zed Benjamin wissen.�Ich versuche die ganze Zeit, Sie zu erreichen! Wo stecken Sie, verdammt?�</p><p>Deborah sagte ihm die Wahrheit. Sie habe mit einem DI von Scotland Yard telefoniert. Sie stehe gerade vor dem � George Childress Centre und werde jetzt hineingehen, um herauszufinden, was in diesem Geb�ude untergebracht sei. Sie riet ihm ab, zu ihr zu kommen, da er einfach zu auff�llig sei.</p><p>Das schien er einzusehen.�Also gut. Rufen Sie mich an, sobald Sie irgendetwas in Erfahrung gebracht haben. Und versuchen Sie nicht, mich reinzulegen, sonst stehen Sie morgen in der Zeitung, und Ihre ganze verdeckte Ermittlung fliegt auf.�</p><p>�Alles klar.�</p><p>Sie klappte ihr Handy zu und betrat das Geb�ude. In der Eingangshalle gab es vier Aufz�ge und einen Wachmann. An dem Wachmann w�rde sie nicht vorbeikommen, das brauchte sie gar nicht erst zu versuchen. Sie sah sich um. Zwischen zwei dahinsiechenden Bambuspflanzen in K�beln entdeckte sie eine verglaste Anschlagtafel. Sie ging n�her, um die Aush�nge zu lesen.</p><p>Das Geb�ude beherbergte alle m�glichen B�ros, Behandlungsr�ume und Labors und geh�rte offenbar zur Fakult�t f�r Wissenschaft und Technik, was ihr ein triumphierendes� Ja!�entlockte. Fieberhaft suchte sie nach etwas, von dem sie intuitiv wusste, dass es da war. Und sie wurde f�ndig: Ebenfalls untergebracht in dem Geb�ude war das Institut f�r Reproduktionsmedizin. Sie hatte die ganze Zeit recht gehabt. Und Simon hatte sich geirrt.</p><subtitle>NEWBY BRIDGE � CUMBRIA</subtitle><p>Nachdem Lynley das Gespr�ch beendet hatte, schaute er seinen Freund an. St. James hatte ihn w�hrend des Gespr�chs mit Deborah beobachtet. Lynley kannte kaum jemanden, der so gut zwischen den Zeilen lesen konnte wie St. James � auch wenn er diesmal nicht viel hatte zwischen den Zeilen lesen m�ssen. Lynley hatte daf�r gesorgt, dass St. James genau mitbekam, wo Deborah war und mit wem sie sich zusammengetan hatte, ohne sie direkt zu verraten.</p><p>�Diese Frau bringt mich zur Verzweiflung�, bemerkte St. James.</p><p>Lynley hob ratlos die Schultern.�Tun das nicht alle Frauen?�</p><p>St. James seufzte.�Ich h�tte ein Machtwort sprechen sollen.�</p><p>�Herrgott noch mal, Simon, sie ist erwachsen. Du kannst sie schlecht mit Gewalt nach London zerren.�</p><p>�Genau das hat sie mir auch gesagt. �St. James rieb sich die Stirn. Er sah aus, als h�tte er die ganze Nacht nicht geschlafen.�Leider sind wir mit zwei Mietwagen hier, sonst h�tte ich sie einfach vor die Wahl stellen k�nnen: Komm mit zum Flughafen oder sieh zu, wie du nach Hause kommst.�</p><p>�Ich bezweifle, dass das gut angekommen w�re. Und du wei�t, wie sie darauf reagiert h�tte.�</p><p>�Allerdings. Das ist es ja gerade. Ich kenne meine Frau.�</p><p>�Danke, dass du hergekommen bist, Simon. Dass du mir geholfen hast.�</p><p>�Ich h�tte dir lieber mit einem eindeutigen Befund gedient. Aber egal, wie ich es drehe und wende, ich komme immer wieder zu demselben Schluss: dass es ein ungl�cklicher Unfall war.�</p><p>�Trotz der vielen Motive? Jeder hier scheint eins zu haben. Mignon, Freddie McGhie, Nick Fairclough, Kaveh Mehran. Wei� der Himmel, wer sonst noch.�</p><p>�Ja, trotzdem�, sagte St. James.</p><p>�Und nicht das perfekte Verbrechen?�</p><p>St. James betrachtete die Hainbuchenhecke vor dem Fenster, die in pr�chtigen Herbstfarben erstrahlte, w�hrend er �ber Lynleys Frage nachdachte. Sie hatten sich zum Kaffee in der N�he von Newby Bridge in einem etwas heruntergekommenen viktorianischen Hotel getroffen. Helen h�tte begeistert ausgerufen <emphasis>Wie wunderbar dekadent, Tommy</emphasis>, um die h�sslichen Teppiche, die Staubschicht auf den Hirschgeweihen an den W�nden und die durchgesessenen Sofas und Sessel zu entschuldigen. Einen Moment lang fehlte sie Lynley so sehr, dass ihm fast der Atem stockte. Er atmete tief durch, wie er es gelernt hatte. Alles geht vorbei, dachte er. Auch das.</p><p>St. James wandte sich wieder vom Fenster ab.�Nat�rlich hat es fr�her einmal perfekte Verbrechen gegeben. Aber heutzutage ist es nahezu unm�glich, ein perfektes Verbrechen zu begehen. Die Forensik ist zu weit fortgeschritten, Tommy. Heute gibt es M�glichkeiten zur Spurensicherung, die noch vor f�nf Jahren absolut undenkbar waren. In der heutigen Zeit w�re ein Verbrechen vielleicht dann perfekt, wenn niemand auf die Idee k�me, dass �berhaupt ein Verbrechen begangen wurde.�</p><p>�Aber trifft nicht genau das in diesem Fall zu?�</p><p>�Nicht, nachdem bereits eine polizeiliche Untersuchung durchgef�hrt wurde. Nicht, nachdem Bernard Fairclough extra nach London gefahren ist, um dich zu bitten, dir den Fall noch einmal anzusehen. Das perfekte Verbrechen der Gegenwart ist eines, bei dem niemand auch nur auf die Idee k�me, dass es sich um ein solches handelt. Es gibt keine polizeilichen Ermittlungen, der Hausarzt stellt den Totenschein aus, die Leiche wird innerhalb von achtundvierzig Stunden im Krematorium verbrannt und fertig. In unserem Fall jedoch wurde jede Spur �berpr�ft, ohne dass etwas darauf hindeuten w�rde, dass Ian Cresswells Tod etwas anderes als ein Unfall war.�</p><p>�Und wenn nicht Ian, sondern Valerie das Opfer sein sollte?�</p><p>�Das w�rde am Ergebnis nichts �ndern. �St. James trank einen Schluck Kaffee.�Wenn das ein Mordanschlag war, Tommy, und wenn eigentlich Valerie aus dem Weg geschafft werden sollte, dann h�tte es dazu viel einfachere M�glichkeiten gegeben, das musst du doch zugeben. Alle wussten, dass nicht nur Valerie, sondern auch Ian regelm��ig im Bootshaus war. Warum riskieren, dass er ums Leben kommt, wenn eigentlich sie sterben soll? Und wo ist das Motiv? Und selbst wenn es ein Motiv gibt, wirst du es mit Hilfe forensischer Untersuchungen auch nicht herausfinden.�</p><p>�Also haben wir eigentlich gar keinen Fall.�</p><p>�So wie ich die Sache sehe, nein. �St. James l�chelte bedauernd.�Und deswegen sage ich dir, was ich � wenn auch ohne Erfolg � schon zu Deborah gesagt habe: Es ist Zeit, nach London zur�ckzukehren.�</p><p>�Und was ist mit einer Verbrechensabsicht?�</p><p>�Was ist das?�</p><p>�Man <emphasis>w�nscht</emphasis> einem anderen den Tod. Man <emphasis>hofft</emphasis>, dass er stirbt. Irgendwann <emphasis>plant</emphasis> man sogar einen Mord. Aber ehe man den Plan in die Tat umsetzen kann, kommt einem ein Unfall zuvor. Das vorgesehene Opfer stirbt. K�nnten wir es mit so etwas zu tun haben?�</p><p>�Nat�rlich. Aber selbst wenn � man kann in diesem Fall von keiner Schuld reden, und niemand verh�lt sich so, als w�rde er sich schuldig f�hlen.�</p><p>Lynley nickte nachdenklich.�Trotzdem ��</p><p>�Was?�</p><p>�Ich werde das Gef�hl nicht los ��Lynleys Handy klingelte. Er warf einen Blick aufs Display und sagte zu St. James:�Havers.�</p><p>�Vielleicht hat sie ja Neuigkeiten.�</p><p>�Ich hoffe es. �Lynley nahm das Gespr�ch an und sagte:�Erz�hlen Sie mir etwas Neues, Sergeant. Ich bin dankbar f�r alles.�</p><subtitle>CHALK FARM � LONDON</subtitle><p>Barbara hatte Lynley von zu Hause aus angerufen. Lange vor dem Morgengrauen war sie noch einmal in den Yard gefahren, um dort in der umfangreichen Datenbank zu recherchieren, und so schnell wie m�glich wieder nach Hause zur�ckgekehrt, um nur ja nicht ihrer Chefin �ber den Weg zu laufen. Sie hatte schon reichlich Kaffee intus, und inzwischen war sie so aufgeputscht von all dem Koffein, dass sie wahrscheinlich tagelang keinen Schlaf finden w�rde. Au�erdem rauchte sie wie ein Schlot, und sie hatte das Gef�hl, als w�rde ihr gleich der Kopf platzen.</p><p>�Es gibt ein Kind, Inspector�, sagte sie zu Lynley.�Das k�nnte wichtig sein. Andererseits hat es vielleicht auch gar nichts zu bedeuten. Aber Vivienne Tully hat eine achtj�hrige Tochter namens Bianca. Und ich glaube, sie hatte damit gerechnet, dass ich irgendwann an ihre T�r klopfen w�rde. In ihrer ganzen Wohnung gab es �berhaupt nichts Pers�nliches, und sie ist auch nicht vor Schreck in Ohnmacht gefallen, als ich ihr gesagt habe, ich k�me von Scotland Yard. Das mit dem Kind hab ich auch nur rausgefunden, weil ich mich mit dem Portier in dem Haus angefreundet hab. Wir werden uns demn�chst verloben.�</p><p>�Sie sind also reingekommen.�</p><p>�Meine Talente kennen keine Grenzen, Sir. Ich lebe, um Sie zu beeindrucken. �Barbara berichtete Lynley, was sie von Vivienne erfahren hatte � �ber ihre Schulbildung, ihren beruflichen Werdegang und ihre Absicht, nach Neuseeland zur�ckzukehren, wo sie geboren war.�Was Fairclough angeht, hat sie nichts abgestritten: Sie kennt ihn, ist Vorstandsmitglied seiner Stiftung, trifft sich regelm��ig mit ihm zum Essen, zum Beispiel im Twins Club. Aber als ich sie gefragt hab, warum der Mann einen Wohnungsschl�ssel von ihr hat, da hat sie dichtgemacht.�</p><p>�Diese Tochter. K�nnte die von Fairclough sein?�</p><p>�M�glich. Aber genauso gut k�nnte sie von seinem Sohn sein oder von Ian Cresswell oder vom Premierminister oder dem Prince of Wales. Oder sie ist das Ergebnis einer durchzechten Nacht, was wei� ich. Jedenfalls arbeitet diese Vivienne schon seit Jahren nicht mehr f�r Fairclough, und sie hat bei Fairclough Industries aufgeh�rt, lange bevor sie ihre Tochter hatte. Schwer vorstellbar, dass die beiden eine Fernbeziehung haben oder hatten, aus der dieses Kind stammt, meinen Sie nicht?�</p><p>�Vielleicht ist das Kind ja nicht das Ergebnis einer langj�hrigen Beziehung, sondern wurde gezeugt, als Vivienne zuf�llig wieder in Faircloughs Leben auftauchte.�</p><p>�Wie hab ich mir das denn vorzustellen? Die beiden treffen sich zuf�llig in einem Aufzug, fallen �bereinander her, und das Ergebnis ist Bianca? Tja, m�glich ist nat�rlich alles.�</p><p>�Er hat eine Stiftung eingerichtet�, sagte Lynley.�Er brauchte Vorstandsmitglieder, und sie ist eins davon.�</p><p>�Das kann es nicht sein. Die Stiftung gab es schon, da war Bianca noch auf der Himmelswiese. Und �berhaupt: Einen Posten als Vorstandsmitglied einer Stiftung zu akzeptieren ist eine Sache, aber sich auf eine Beziehung mit Fairclough einzulassen und die auch noch �ber l�ngere Zeit <emphasis>beizubehalten</emphasis>, das ist was ganz anderes. Warum sollte Vivienne das tun? Der Mann k�nnte ihr Gro�vater sein. Ich habe Fotos von ihm gesehen, und glauben Sie mir, die passt zu ihm wie die Faust aufs Auge. Die w�rde sich doch bestimmt eher f�r einen Mann in ihrem Alter interessieren, vorzugsweise einen, der unverheiratet ist. Eine Aff�re mit einem verheirateten Mann f�hrt im Allgemeinen nirgendwohin, und au�erdem wirkt sie viel zu clever, um sich auf so was einzulassen.�</p><p>�Aber Sie m�ssen zugeben, Sergeant, dass die Menschen nicht immer kluge Entscheidungen treffen.�</p><p>Barbara h�rte eine Stimme im Hintergrund. Lynley befriedigte ihre Neugier:�Simon sagt gerade, dass Geld t�glich Menschen dazu bringt, unvern�nftige Entscheidungen zu treffen.�</p><p>�Okay, gebongt. Aber wenn das Kind von Fairclough ist und wenn der seit wei� der Teufel wie lange schon die Tully flachlegt, warum bittet er dann Scotland Yard, den Tod seines Neffen noch einmal zu untersuchen, wenn der Coroner die Sache bereits als Unfall eingestuft hat? Er musste doch damit rechnen, dass jeder Beteiligte unter die Lupe genommen w�rde, ihn selbst eingeschlossen. Warum zum Teufel sollte er so ein Risiko eingehen?�</p><p>�Wenn dieser Aspekt seines Privatlebens mit Cresswells Tod nichts zu tun hat, verl�sst er sich vielleicht auf meine Diskretion.�</p><p>�<emphasis>Wenn</emphasis> er nichts mit Cresswells Tod zu tun hat�, sagte Barbara.�Und wenn doch, dann erkl�rt das jedenfalls, warum Hillier ausgerechnet Sie f�r den Job ausersehen hat, nicht wahr? Der Graf, der den Baron deckt. Ja, das w�rde Hillier gefallen.�</p><p>�Das will ich nicht bestreiten. Es w�re nicht das erste Mal, dass er so etwas tut. Sonst noch etwas?�, fragte Lynley.</p><p>�Ja. Ich war flei�ig. Kaveh sagt die Wahrheit �ber die Erbschaft. Cresswell hat ihm das Haus tats�chlich vermacht. Interessant ist, wann er das getan hat. Achtung, jetzt kommt�s: Er hat das Testament eine Woche vor seinem Tod unterschrieben.�</p><p>�Das ist allerdings aufschlussreich�, sagte Lynley.�Andererseits kann man sich kaum vorstellen, dass jemand dumm genug ist, gleich eine Woche sp�ter den Betreffenden aus dem Weg zu r�umen.�</p><p>�Richtig�, gab Havers zu.</p><p>�Sonst noch etwas?�</p><p>�Tja, zu unchristlichen Zeiten im Einsatz zu sein, bringt au�erdem den Vorteil mit sich, dass man Leute in anderen Teilen der Welt anrufen kann, weil die garantiert noch nicht im Bett liegen.�</p><p>�Zum Beispiel in Argentinien?�, riet Lynley.</p><p>�Sie haben�s erfasst. Ich hab�s geschafft, den B�rgermeister von <emphasis>Santa Mar�a</emphasis> und so weiter anzurufen. Zuerst hab ich�s in seinem B�ro versucht, aber da hatte ich eine Frau am Apparat, die immer nur <emphasis>qui�n</emphasis> und <emphasis>qu�</emphasis> sagte, w�hrend ich geschrien hab �Verdammt noch mal, stellen Sie mich zu Ihrem B�rgermeister durch�, bis mir klar wurde, dass ich die Putzfrau an der Strippe hatte. Also hab ich ihn zu Hause angerufen, und das war nicht einfach, das kann ich Ihnen sagen.�</p><p>�Ich bewundere Sie, Barbara. Was haben Sie in Erfahrung gebracht?�</p><p>�Dass in ganz Argentinien niemand Englisch spricht. Oder dass zumindest alle so tun, als k�nnten sie kein Englisch. Aber irgendwann ist es mir gelungen, mit einer Frau zu telefonieren, von der ich <emphasis>glaube</emphasis>, dass sie Dominga Padilla del Torres de Vasquez hei�t. Ich hab den Namen mehrmals wiederholt, und wenn sie nicht <emphasis>qui�n</emphasis> gesagt hat, hat sie <emphasis>s�</emphasis> gesagt. Als ich dann Alateas Namen genannt hab, kam ein Redeschwall, aus dem ich immer wieder <emphasis>d�nde, Dios m�o</emphasis> und <emphasis>gracias</emphasis> rausgeh�rt hab. Woraus ich schlie�e, dass die Frau wei�, wer Alatea ist. Jetzt brauch ich nur noch jemanden, der mit ihr reden kann.�</p><p>�K�mmern Sie sich darum?�</p><p>�Wie gesagt, ich denke, dass Azhar irgendeinen an der Uni kennt, der Spanisch spricht.�</p><p>�Im Yard gibt es bestimmt auch jemanden, Barbara.�</p><p>�Davon bin ich �berzeugt. Aber wenn ich anfange, im Yard rumzufragen, macht die Chefin mich zur Schnecke. Sie hat mich schon gefragt ��</p><p>�Ich habe mit ihr gesprochen, Barbara. Sie wei�, wo ich bin. Haben Sie es ihr gesagt?�</p><p>Barbara f�hlte sich zutiefst gekr�nkt. Dass er ihr nach all den Jahren der Zusammenarbeit so etwas zutraute, war die H�he.�Nein, das hab ich nicht, verdammt. �Und das war die Wahrheit. Dass sie es Isabelle Ardery hatte selbst herausfinden lassen, ohne absichtlich eine falsche Spur zu legen, war schlie�lich nicht ihr Problem.</p><p>Lynley schwieg. Pl�tzlich beschlich Barbara das ungute Gef�hl, dass sie auf die Frage� sie oder ich �zusteuerten. Das war das Letzte, was sie wollte, denn wenn Lynley sich entscheiden m�sste, ob er ihr oder der Chefin glaubte, war es ziemlich unwahrscheinlich, dass er einen Streit mit seiner Geliebten riskieren w�rde. Schlie�lich war er ein Mann.</p><p>Also beeilte sie sich, das Schweigen zu beenden.�Ich werd mal mit Azhar reden. Wenn er einen kennt, der Spanisch spricht, kommen wir bei Alatea Fairclough einen Schritt weiter.�</p><p>�Da ist �brigens noch etwas�, sagte Lynley und berichtete ihr von Alateas Job als Dessous-Model, bevor sie Mrs. Fairclough wurde.�Nick hat Deborah erz�hlt, dass es sich um �sexy� Unterw�sche handelte und dass sie sich jetzt f�r die Bilder sch�mt und f�rchtet, jemand k�nnte sie entdecken. Da sexy Unterw�sche h�chstens f�r eine Nonne peinlich w�re oder f�r eine Frau, die vorhat, in die k�nigliche Familie einzuheiraten, nehmen wir an, dass es sich eher um Pornografie handelt.�</p><p>�Okay, ich werd versuchen, dar�ber was in Erfahrung zu bringen�, sagte Barbara.</p><p>W�hrend sie noch ein bisschen Smalltalk machten, versuchte Barbara, seinen Ton einzusch�tzen. Glaubte er ihr, was sie ihm �ber Isabelle Ardery erz�hlt hatte? Oder glaubte er ihr nicht? Und spielte es �berhaupt eine Rolle, was er glaubte? Als er auflegte, hatte sie keine Antworten auf ihre Fragen. Aber ihre Fragen gefielen ihr auch nicht.</p><subtitle>CHALK FARM � LONDON</subtitle><p>Laute Stimmen drangen aus der Erdgeschosswohnung des Vorderhauses, als Barbara n�her kam.�Ich werde mir das nicht bieten lassen, Angelina, darauf kannst du dich verlassen!�, ert�nte die unverwechselbare Stimme von Taymullah Azhar. Barbara erstarrte. Dann schrie Angelina Upman:�Willst du mir etwa <emphasis>drohen</emphasis>?�, worauf Azhar br�llte:�Das <emphasis>fragst</emphasis> du mich noch? Die Angelegenheit ist f�r mich erledigt.�</p><p>Barbara wollte gerade das Weite suchen, als Azhar aus der T�r st�rmte, sein Gesicht so dunkel, wie sie es noch nie gesehen hatte. Als er sie sah, hielt er kurz inne, dann eilte er in Richtung Steeles Road davon.</p><p>Im n�chsten Augenblick kam Angelina Upman aus dem Haus, als wollte sie Azhar nachlaufen. Sie blieb stehen und dr�ckte sich eine Faust vor den Mund, als sie Barbara bemerkte. Ihre Blicke begegneten sich. Dann drehte Angelina sich um und verschwand wieder im Haus.</p><p>Barbara sa� in der Patsche. Angelina hatte mit ihr Freundschaft geschlossen. Barbara konnte sich schlecht verdr�cken, ohne zu fragen, ob ihre Nachbarin Hilfe brauchte. Obwohl es von den Optionen, die sie blitzschnell durchging, diejenige war, die ihr am wenigsten zusagte, fasste sie sich ein Herz und klopfte an die Terrassent�r.</p><p>Als Angelina �ffnete, sagte Barbara:�Verzeihung. Ich war eigentlich gekommen, um Azhar etwas zu fragen ��Sie fuhr sich mit einer Hand durchs Haar, das sich immer noch fremd anf�hlte, weil es jetzt ordentlich frisiert war. Sie sagte:�Ach, verflixt, tut mir furchtbar leid, dass ich den Streit mitbekommen hab. Aber ich hab fast nichts geh�rt. Ich bin eigentlich gekommen, weil ich Azhar um einen Gefallen bitten wollte.�</p><p>Angelina lie� die Schultern h�ngen.�Tut mir leid, Barbara. Wir h�tten nicht so laut werden d�rfen. Ich habe ein Thema angesprochen, an das ich normalerweise nicht r�hren darf. Es gibt Dinge, �ber die man mit Hari einfach nicht reden kann.�</p><p>�Reizthemen?�</p><p>�Ja, ja, Sie wissen schon. �Sie seufzte.�Aber er wird sich schon wieder beruhigen. Das tut er immer.�</p><p>�Kann ich irgendwas f�r Sie tun?�</p><p>�Wenn Ihnen die Unordnung nichts ausmacht, k�nnen Sie eine Tasse Tee mit mir trinken. �Sie grinste.�Oder besser ein Glas Gin, das k�nnte ich jetzt gut gebrauchen.�</p><p>�Ich nehme lieber Tee�, sagte Barbara.�Heben Sie mir einen Schluck Gin f�rs n�chste Mal auf.�</p><p>Als sie die Wohnung betrat, sah Barbara, was Angelina mit Unordnung gemeint hatte. Anscheinend hatten Angelina und Azhar sich bei ihrem Streit mit Gegenst�nden beworfen. Das schien Barbara so untypisch f�r Azhar, dass sie Angelina entgeistert anschaute und sich fragte, ob sie allein die Sachen zerdeppert hatte. Auf dem Boden lagen zerfledderte Zeitschriften, eine zerbrochene Porzellanfigur, eine Stehlampe und in einer gro�en Pf�tze die Scherben einer Vase zwischen zerknickten Blumen.</p><p>�Ich kann Ihnen auch beim Aufr�umen helfen�, sagte Barbara.</p><p>�Zuerst der Tee�, erwiderte Angelina.</p><p>In der K�che war alles beim Alten. Angelina goss den Tee auf und stellte die Kanne auf einen kleinen Tisch unter einem hohen Fenster, durch das das Sonnenlicht hereinfiel.�Gott sei Dank ist Hadiyyah in der Schule�, sagte sie.�Sie h�tte es bestimmt mit der Angst zu tun bekommen. Ich glaube nicht, dass sie Hari schon einmal so erlebt hat.�</p><p>Woraus Barbara offenbar schlie�en sollte, dass Angelina� Hari �sehr wohl� schon einmal so erlebt �hatte.�Wie gesagt, ich wollte ihn um einen Gefallen bitten�, bemerkte sie.</p><p>�Hari? Worum geht es denn?�</p><p>Barbara erkl�rte es ihr. Angelina nippte grazi�s an ihrem Tee. Sie hatte sch�ne H�nde und ebenm��ige Fingern�gel.�Er kennt bestimmt jemanden�, sagte sie.�Und er wird Ihnen helfen, da bin ich mir ganz sicher. Er mag Sie sehr, Barbara. Und das hier ��, sie blickte sich im Zimmer um,�� ist nur das Ergebnis von einem Zusammenprall zweier �hnlicher Charaktere. Wir vertragen uns auch wieder. Das tun wir eigentlich immer.�</p><p>�Gut zu wissen.�</p><p>Angelina trank noch einen Schluck Tee.�Wirklich dumm, wie man sich um nichts und wieder nichts streiten kann, nicht wahr? Einer macht eine Bemerkung, ein Wort ergibt das andere, und ehe man sich�s versieht, fliegen die Fetzen. Wirklich l�cherlich.�</p><p>Barbara wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Sie hatte noch nie in einer Beziehung gelebt, und wahrscheinlich w�rde sich daran auch in Zukunft nichts �ndern. Und sich mit einem Lebensgef�hrten streiten? Mit Sachen nach ihm werfen? Die Aussicht, dass sie so etwas erleben w�rde, war ziemlich gering. Trotzdem murmelte sie:�Ja, das ist die H�lle�, und hoffte, dass das Thema damit erledigt war.</p><p>�Sie wissen sicher von Haris Frau�, sagte Angelina.�Dass er sich von ihr getrennt hat, dass es aber nie zu einer Scheidung gekommen ist? Das hat er Ihnen doch bestimmt erz�hlt, oder?�</p><p>Barbara gefiel nicht, welche Richtung das Gespr�ch nahm.�Hm. Na ja. �h � mehr oder weniger.�</p><p>�Er hat sich meinetwegen von ihr getrennt. Ich war damals noch Studentin. Nicht seine, nat�rlich, die Naturwissenschaften liegen mir nicht. Wir haben uns beim Mittagessen kennengelernt. Die Cafeteria war brechend voll, und er hat gefragt, ob er sich zu mir an den Tisch setzen k�nne. Mir gefiel seine ernste, nachdenkliche Art. Und das Selbstbewusstsein, das er ausstrahlte, und dass er nicht unter dem Druck stand, andauernd vor Geist spr�hende Bemerkungen zu machen. Er war bodenst�ndig. Das hat mich angezogen.�</p><p>�Das kann ich verstehen. �Denn es war genau das, was Barbara an ihm mochte. So hatte sie Taymullah Azhar von Anfang an erlebt.</p><p>�Ich wollte nicht, dass er sich von seiner Frau trennt. Ich habe ihn geliebt � ich liebe ihn wirklich �, aber die Ehe eines Mannes zu zerst�ren � So eine Frau bin ich nicht. Aber dann kam Hadiyyah. Als Hari erfuhr, dass ich schwanger war, bestand er darauf, mit mir zusammenzuziehen. Nat�rlich h�tte ich abtreiben k�nnen. Aber sie war <emphasis>unser</emphasis> Kind, wissen Sie, und ich h�tte es nicht ertragen ��Sie beugte sich vor und ber�hrte kurz Barbaras Hand.�K�nnen Sie sich eine Welt ohne Hadiyyah vorstellen?�</p><p>Es war eine einfache Frage, auf die es eine einfache Antwort gab.�Nein�, sagte Barbara.</p><p>�Jedenfalls m�chte ich schon lange, dass sie ihre Halbgeschwister kennenlernt. Aber Hari will nichts davon wissen.�</p><p>�Und dar�ber haben Sie sich gestritten?�</p><p>�Ja, und zwar nicht zum ersten Mal. Es ist das einzige Thema, �ber das wir regelm��ig aneinandergeraten. Seine Antwort lautet immer gleich: �Das kommt nicht in Frage.� Als h�tte er �ber das Leben aller anderen zu bestimmen. Wenn er so etwas sagt, bringt mich das auf die Palme. Auch wenn er sagt, dass Hadiyyah kein Geschwisterchen mehr haben soll. Er sagt immer: �Ich habe drei Kinder, und ich werde kein viertes in die Welt setzen.��</p><p>�Vielleicht �berlegt er sich�s ja noch anders.�</p><p>�Das kann ich mir nicht vorstellen.�</p><p>�Und wenn Sie es heimlich machen?�</p><p>�Sie meinen, mit Hadiyyah ihre Halbgeschwister besuchen?�Angelina sch�ttelte den Kopf.�Ich habe keine Ahnung, wo sie wohnen. Ich wei� nicht mal, wie sie hei�en und wer ihre Mutter ist. Wom�glich ist sie mit ihren Kindern l�ngst nach Pakistan zur�ckgegangen.�</p><p>�Manche Frauen werden ja auch ganz zuf�llig schwanger. Aber das w�re ein bisschen gemein, oder?�</p><p>�Das w�rde er mir nie verzeihen. Und er hat mir bereits eine Menge verziehen.�</p><p>Barbara dachte schon, Angelina w�rde ihr jetzt auch noch die Gr�nde daf�r enth�llen, warum sie f�r ein paar Monate nach Kanada verschwunden war. Aber stattdessen sagte sie:�Ich liebe Hari von ganzem Herzen, wissen Sie. Aber manchmal hasse ich ihn auch total. �Sie musste �ber die Widerspr�chlichkeit ihrer Bemerkung l�cheln. Dann zuckte sie die Achseln.�Warten Sie eine Stunde, dann k�nnen Sie ihn auf seinem Handy anrufen. Egal, um was es geht, Hari wird Ihnen helfen.�</p><p>�Ich brauche jemanden, der flie�end Spanisch spricht.�</p><p>�Das ist bestimmt kein Problem.�</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Manette hatte den Verdacht, dass ihr Vater ihr nicht die Wahrheit �ber Vivienne Tully gesagt hatte. Aber sie hatte nicht den Mut besessen, weiter nachzuhaken. Nat�rlich war es albern, doch sie hatte sich vor ihrem Vater keine Bl��e geben wollen. Es war nicht zum Aushalten: Irgendwie war sie immer noch das kleine M�dchen, das glaubte, wenn sie sich nur genug M�he gab, k�nnte sie sich in den Sohn verwandeln, den Bernard Fairclough sich so sehnlich gew�nscht hatte. Ein gro�er Junge weint nicht, und deswegen lie� sie sich jetzt auch zu keinem Gef�hlsausbruch provozieren.</p><p>Aber das Thema war noch nicht vom Tisch. Wenn Ian �ber Jahre hinweg Geld an Vivienne Tully �berwiesen hatte, dann blieb Manette nichts anderes �brig, als der Sache auf den Grund zu gehen. Schon allein aus R�cksicht auf ihre Mutter. Schlie�lich geh�rte Valerie die Firma Fairclough Industries. Sie hatte sie geerbt. Bernard mochte das Unternehmen �ber Jahrzehnte hinweg erfolgreich geleitet haben, doch es war ein Familienbetrieb mit einem kleinen, aber m�chtigen Vorstand. Und Vorstandsvorsitzende war Valerie, und nicht Bernard. Denn Valeries Vater war nicht dumm gewesen. Dass aus Bernie Dexter Bernard Fairclough geworden war, bedeutete noch lange nicht, dass er Fairclough-Blut in den Adern hatte. Und Valeries Vater h�tte nie im Leben zugelassen, dass die Firma in die H�nde eines Mannes fiel, der nicht als Fairclough geboren war.</p><p>Manette hatte das alles mit Freddie beredet. Zum Gl�ck war er am Abend nicht mit Sarah verabredet gewesen, sondern hatte nur lange mit ihr telefoniert. Z�hneknirschend hatte Manette durch die T�r geh�rt, wie er mit ihr geplaudert und gescherzt hatte, und als ihr davon schlie�lich der Kiefer wehtat und das Gespr�ch immer noch nicht beendet war, hatte sie sich auf dem Laufband ausgetobt, bis ihr T-Shirt nassgeschwitzt war. Endlich kam Freddie ins Wohnzimmer, die Wangen und sein linkes Ohr ger�tet, woraus sie h�tte schlie�en k�nnen, dass er Telefonsex gehabt hatte, h�tte sie nicht gewusst, dass das nicht zu ihm passte.</p><p>Sie hatte sich noch f�nf Minuten l�nger abgek�mpft, um es wie ein ganz normales Training aussehen zu lassen, woraufhin Freddie den Daumen hochgereckt hatte, um seiner Bewunderung f�r ihre Kondition Ausdruck zu verleihen, und in die K�che gegangen war. Dort hatte sie ihn �ber einem Kreuzwortr�tsel br�tend vorgefunden.</p><p>�Gehst du heute Abend nicht aus?�, fragte sie ihn.</p><p>�Wir legen ein P�uschen ein�, sagte er.</p><p>�Ach, macht der alte Schlawiner etwa schlapp?�</p><p>Freddie err�tete.�Nein, nein, der ist topfit.�</p><p>�Freddie McGhie, also wirklich!�</p><p>Freddie sah sie mit gro�en Augen an, dann fiel bei ihm der Groschen.�Gott o Gott, so hab ich das nicht gemeint. �Er lachte.�Wir haben uns entschlossen ��</p><p>�Du und die Lady, oder du und der alte Schlawiner?�</p><p>�<emphasis>Sarah</emphasis> und ich haben uns entschlossen, es ein bisschen langsamer angehen zu lassen. Eine Beziehung sollte schlie�lich mehr beinhalten, als sich gegenseitig die Kleider vom Leib zu rei�en.�</p><p>�Freut mich, das zu h�ren�, sagte Manette, ohne nachzudenken.</p><p>�Das freut dich? Wieso?�</p><p>�Ach, weil � �h ��, stotterte sie.�Na ja, ich m�chte nicht, dass du einen Fehler machst. Dass du etwas tust, was du hinterher bereust.�</p><p>Er schaute sie an. Sie sp�rte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Sie musste unbedingt das Thema wechseln, und ihr Gespr�ch mit ihrem Vater am Vortag war jetzt genau das richtige.</p><p>Freddie h�rte sehr aufmerksam zu, wie es seine Art war. Als sie geendet hatte, sagte er:�Ich glaube, es wird Zeit, dass wir beide mal mit ihm reden, Manette.�</p><p>Manette war ihm so dankbar, dass sie sich �ber sich selbst wunderte. Sie wusste, dass sie, wenn sie Informationen von ihrem Vater haben wollten, nur eine Option hatten: Sie mussten ihre Mutter ins Spiel bringen und sie �ber die abflie�enden Gelder informieren.</p><p>Am sp�ten Vormittag fuhren Manette und Freddie nach Ireleth Hall. Kurz nachdem sie aufgebrochen waren, begann es zu regnen. Es war Sp�therbst, und es sch�ttete wie aus Eimern. In einem Monat w�rde es in Cumbria den ersten Schnee geben. In Great Urswick w�rden sie auch ein bisschen Schnee abbekommen, aber weiter oben im Norden w�rden die steilen, engen P�sse bis zum Fr�hjahr unbefahrbar sein.</p><p>Als Freddie vor der gro�en Eingangst�r von Ireleth Hall hielt, sagte Manette:�Ich danke dir, Freddie.�</p><p>�H�?�, fragte er verbl�fft.</p><p>�Daf�r, dass du mitgekommen bist.�</p><p>�Ach was. Das stehen wir doch gemeinsam durch. �Und ehe sie etwas darauf erwidern konnte, war er schon ausgestiegen und kam auf die andere Seite, um ihr die T�r aufzuhalten.�Lass uns den Stier bei den H�rnern packen, bevor uns der Mut verl�sst. Falls es unangenehm wird, k�nnen wir immer noch deine Schwester anrufen und um eine nette kleine Vorstellung bitten.�</p><p>Manette lachte. Freddie kannte ihre Familie. Na ja, das war auch nicht anders zu erwarten, schlie�lich geh�rte er schon sein halbes Leben lang dazu. Ohne �ber die Konsequenzen nachzudenken, fragte sie:�Warum in aller Welt haben wir beide uns eigentlich scheiden lassen, Freddie?�</p><p>�Weil einer von uns es einfach nicht gelernt hat, die Zahnpastatube nach dem Gebrauch ordentlich wieder zuzuschrauben, wenn ich mich recht erinnere�, erwiderte er leichthin.</p><p>Ohne anzuklopfen betraten sie die gro�e Eingangshalle, in der sie eine herbstliche K�hle empfing, da in dem riesigen Kamin kein Feuer brannte. Das Hallo, das Manette rief, hallte von den W�nden wider.</p><p>Sie h�rten Schritte im Flur im ersten Stock, und gleich darauf kam Valerie die Treppe herunter.�Was f�r eine nette �berraschung!�, sagte sie l�chelnd.�Und sogar zusammen!�Letzteres sprach sie so erwartungsvoll aus, als rechnete sie damit, dass die beiden gekommen waren, um ihre gro�e Vers�hnung zu verk�nden. Da konnte Valerie lange warten, dachte Manette. Aber ihre Mutter wusste ja nichts von Freddies erfolgreichem Eintritt in die Welt des Internet-Dating.</p><p>Zugleich sagte sich Manette, dass Valeries Fehldeutung der Situation ihnen im Moment sehr n�tzlich sein k�nnte. Sie nahm Freddies Hand und sagte:�Wir wollten kurz mit dir und Dad reden. Ist er da?�</p><p>Valerie strahlte.�Ach du je. Bestimmt ist er da. Ich sehe mal, wo er steckt. Freddie, mein Lieber, k�nntest du in der Zwischenzeit ein Feuer machen? Wollen wir uns hier unten zusammensetzen, oder w�rdet ihr lieber ��</p><p>�Hier ist prima�, sagte Manette und schaute Freddie an.�Nicht wahr, Freddie?�</p><p>Wie immer lief Freddie rot an, was das Ganze absolut �berzeugend machte, dachte Manette. Nachdem Valerie gegangen war, sagte er:�Also wirklich ��Worauf Manette antwortete:�Danke, dass du mitgespielt hast. �Dann hob sie seine Hand und dr�ckte ihm einen Kuss auf die Finger.�Du bist ein Goldst�ck. Komm, wir k�mmern uns um das Feuer. Sieh mal nach, ob der Abzug offen ist.�</p><p>Als Valerie und Bernard nach unten kamen, prasselte ein Feuer im Kamin, und Manette und Freddie standen davor und w�rmten sich den R�cken. An den Gesichtern ihrer Eltern, die freudige Erwartung ausstrahlten, sah Manette, dass sie �ber den Grund ihres Besuchs gesprochen hatten. Das wunderte sie nicht, denn beide hatten Freddie schon damals, als sie ihn zum ersten Mal mit nach Hause gebracht hatte, sofort ins Herz geschlossen.</p><p>Ihr Vater fragte, ob sie Kaffee wollten. Ihre Mutter bot ihnen Teegeb�ck aus einer B�ckerei in Windermere an. Manette und Freddie lehnten h�flich ab.�Aber setzen wir uns doch�, sagte Manette und bugsierte Freddie zu einem der Sofas vor dem Kamin. Ihre Eltern nahmen auf dem anderen Sofa Platz, allerdings interessanterweise so dicht an der Kante, als m�ssten sie jederzeit bereit sein, die Flucht zu ergreifen � oder eine Flasche Schampus zu holen. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt, dachte Manette.</p><p>Sie sagte:�Freddie?�</p><p>Er schaute erst ihren Vater, dann ihre Mutter an und sagte:�Bernard, Valerie, es geht um Ian und die B�cher der Firma.�</p><p>Es war nicht zu �bersehen, wie Bernard der Schreck in die Glieder fuhr. Er sah seine Frau so entgeistert an, als vermutete er, Valerie und seine Tochter h�tten ihn gemeinsam hereingelegt, w�hrend Valerie verwirrt schwieg. Manette wusste nicht, ob Freddie das bemerkt hatte, doch es spielte auch keine Rolle, denn er ging sofort in die Offensive:�Ich wei�, dass das nicht allen gefallen wird, aber wir m�ssen uns bei Mignons Unterhaltszahlungen etwas einfallen lassen. Oder noch besser, die Zahlungen ganz einstellen. Und wir m�ssen die Sache mit Vivienne Tully kl�ren. Das Geld, das in das Haus von Nick und Alatea geflossen ist, zusammen mit dem Geld, das Mignon und Vivienne monatlich zuflie�t, und dem Geld, das der Fantasiegarten hier in Ireleth Hall verschlingt � Ich w�rde euch gern sagen, dass Fairclough Industries ein dickes Polster besitzt, aber wir m�ssen unbedingt irgendwo Abstriche machen. Und zwar so bald wie m�glich.�</p><p>Das war so typisch Freddie, dachte Manette. Er war ernst und ehrlich und vollkommen arglos.</p><p>Sie wartete auf die Reaktion ihres Vaters. Ebenso wie Freddie. Ebenso wie Valerie. Das Feuer knisterte und knackte, und ein dickes Scheit rollte vom Rost. Bernard nutzte die Gelegenheit, um Zeit zu gewinnen. Er stand auf, nahm die Kaminzange vom Haken und k�mmerte sich um das Problem, w�hrend die anderen ihm zusahen.</p><p>Als er sich ihnen wieder zuwandte, sagte Valerie:�Erkl�r mir, was das f�r Geld ist, das jeden Monat an Vivienne Tully geht. �Sie schaute dabei jedoch nicht Freddie, sondern Bernard an.</p><p>�Tja�, sagte Freddie liebensw�rdig.�Es ist ein bisschen sonderbar. Sie bekommt seit Jahren monatliche Zuwendungen, die sich stufenweise erh�hen. Bisher habe ich Ians Buchf�hrung noch nicht komplett durchgearbeitet, aber soweit ich das bisher beurteilen kann, hat Vivienne vor Jahren eine gro�e Summe erhalten, und zwar per telegrafischer �berweisung auf ein Konto. Dann ist ein paar Jahre lang kein Geld geflossen, und schlie�lich haben die monatlichen �berweisungen angefangen.�</p><p>�Wann war das?�, fragte Valerie ruhig.</p><p>�Vor ungef�hr achteinhalb Jahren. Also, ich wei� ja, dass sie im Vorstand der Stiftung sitzt, Bernard ��</p><p>�Wie bitte?�Valerie schaute ihren Mann an und sagte seinen Namen, w�hrend Freddie fortfuhr:�Aber das ist ein ehrenamtlicher Posten. Nat�rlich bekommen ehrenamtliche Mitarbeiter ihre Auslagen erstattet, dar�ber hinaus jedoch keine weiteren Zuwendungen. Aber der Betrag, den sie erh�lt, �bersteigt bei Weitem alle vorstellbaren Auslagen � es sei denn�, f�gte er lachend hinzu, und f�r dieses unschuldige Lachen h�tte Manette ihn k�ssen k�nnen,�sie diniert jeden Abend mit potentiellen Spendern und schickt deren Kinder zus�tzlich auf Privatschulen. Und da das nicht der Fall ist ��</p><p>�Ich habe schon verstanden�, sagte Valerie.�Du auch, Bernard? Oder ist es eher so, dass du ohnehin �ber alles im Bilde bist?�</p><p>Bernard schaute Manette an. Nat�rlich w�rde er gern wissen, was sie Freddie erz�hlt hatte und welches Spiel sie jetzt mit ihm trieben. Er w�rde sich verraten f�hlen. Er hatte ihr am Vortag im Vertrauen einiges erz�hlt. Tja, dachte Manette, wenn er ihr wirklich alles anvertraut h�tte, dann h�tte sie die Wahrheit vielleicht f�r sich behalten. Aber das hatte er nicht getan. Er hatte ihr gerade so viel erz�hlt, wie n�tig war, um sie zu beruhigen. Das hatte er zumindest angenommen.</p><p>Und ebenso wie am Vortag versuchte Bernard, sich dumm zu stellen:�Ich habe keine Ahnung, warum Ian Vivienne Geld �berwiesen hat. Vielleicht f�hlte er sich verpflichtet ��Er geriet ins Stocken.�Vielleicht war das seine Art, mich zu sch�tzen.�</p><p>�Und wovor genau?�, wollte Valerie wissen.�Soweit ich mich erinnere, hat Vivienne eine besser bezahlte Stelle bei einer Londoner Firma angenommen. Sie wurde nicht entlassen. Oder doch? Gibt es etwas, wovon ich nichts wei�?�Dann fragte sie Freddie:��ber welche Summe reden wir hier eigentlich?�</p><p>Freddie nannte sie ihr. Und er nannte ihr den Namen der Bank. Valeries Lippen �ffneten sich leicht. Sie durchbohrte Bernard mit ihrem Blick. Er wandte sich ab.</p><p>Valerie sagte:�Was soll ich deiner Meinung nach daraus schlie�en, Bernard?�</p><p>Bernard schwieg.</p><p>�Soll ich annehmen, dass sie Ian aus irgendeinem Grund erpresst hat?�, fragte sie.�Vielleicht hat er ja die Bilanzen gef�lscht, und sie hat es herausgefunden, und daraufhin hat er sie an seinem Gewinn beteiligt? Oder vielleicht hat sie ihm angeboten, sich zu verziehen und Niamh nichts �ber seine sexuellen Neigungen zu verraten, solange er sie bezahlt � obwohl das nat�rlich nicht erkl�ren w�rde, warum er ihr weiterhin Geld �berwiesen hat, nachdem er sich von Niamh getrennt hat und mit Kaveh zusammengezogen ist, nicht wahr, Darling? Also bleiben wir doch bei der ersten M�glichkeit. Freddie, gibt es irgendwelche Hinweise darauf, dass Ian die Bilanzen manipuliert hat?�</p><p>�Tja, wenn, dann nur insofern, als auch die Zahlungen an Mignon gestiegen sind. Aber in seine eigene Tasche hat er kein ��</p><p>�<emphasis>Mignon</emphasis>?�</p><p>�Genau. Die monatlichen �berweisungen an sie sind drastisch gestiegen�, sagte Freddie.�Das Problem ist, dass die Erh�hung gar nichts mit gestiegenen Ausgaben zu tun hat, soweit ich das beurteilen kann. Okay, da war diese Operation, doch um die zu bezahlen, h�tte eine �berweisung gereicht. Und in Anbetracht der Tatsache, dass sie hier auf dem Familiensitz wohnt, hat sie ja kaum laufende Kosten, oder? Ich wei�, sie bestellt sich alles M�gliche im Internet, aber wie viel Geld kann sie da schon ausgeben? � Na ja, andererseits k�nnte jemand, der in der Hinsicht eine Sucht entwickelt, auf diese Weise ein Verm�gen verschleudern. Trotzdem ��</p><p>Freddie plapperte nur so drauflos. Manette wusste, dass es eine Reaktion auf die Anspannung zwischen ihren Eltern war, die er genau sp�rte. Eigentlich h�tte ihm klar sein m�ssen, dass sie sich auf gef�hrliches Terrain begeben hatten, als sie ihre Eltern �ber die Zahlungen an Mignon und Vivienne informiert hatten, aber in seiner Naivit�t hatte Freddie nicht geahnt, dass es sich um ein Minenfeld handelte.</p><p>Nachdem Freddie geendet hatte, herrschte einen Moment lang Schweigen. Valerie schaute Bernard an. Bernard fuhr sich mit der Hand �ber den Kopf. Schlie�lich sagte er:�Das h�tte ich dir nicht zugetraut.�</p><p>�Was?�, fragte Manette.</p><p>�Das wei�t du genau. Ich hatte immer gedacht, zwischen uns best�nde ein Vertrauensverh�ltnis. Aber da habe ich mich wohl get�uscht.�</p><p>�Moment�, sagte Freddie hastig,�das hat nichts mit Manette zu tun, Bernard. �Dann nahm er Manettes Hand und erkl�rte mit einer Bestimmtheit, die sie �berraschte:�In Anbetracht der Umst�nde sind ihre Sorgen vollkommen berechtigt. Und sie wei� nur von den Zahlungen, weil ich ihr davon erz�hlt habe. Fairclough Industries ist ein Familienunternehmen ��</p><p>�Und du geh�rst nicht zur Familie�, fauchte Bernard.�Du hast einmal dazugeh�rt, aber dann hast du es dir anders �berlegt. Und wenn du glaubst ��</p><p>�Rede nicht in dem Ton mit Freddie!�, fiel Manette ihm ins Wort.�Du kannst froh sein, dass du ihn hast. Wir k�nnen <emphasis>alle</emphasis> froh sein, dass wir ihn haben. Unter denen, die in der Firma einen verantwortungsvollen Posten bekleiden, scheint er der einzige Ehrliche zu sein.�</p><p>�Dich eingeschlossen?�, fragte ihr Vater.</p><p>�Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielt�, antwortete sie,�denn auf jeden Fall schlie�t es dich ein. �Vielleicht, dachte sie, h�tte sie letztendlich alles f�r sich behalten, schon allein, um ihre Mutter zu schonen, aber was ihr Vater eben zu Freddie gesagt hatte, war einfach zu viel � auch wenn sie sich nicht fragte, warum es sie derart auf die Palme brachte, denn eigentlich hatte ihr Vater nur die Wahrheit gesagt: Freddy geh�rte nicht mehr zur Familie. Daf�r hatte sie selbst gesorgt. Sie wandte sich an ihre Mutter:�Ich glaube, Dad hat dir etwas zu sagen, etwas �ber ihn und Vivienne Tully.�</p><p>�Das ist mir nicht entgangen, Manette�, sagte Valerie.�Freddie, stell die Zahlungen sofort ein. Nimm Kontakt zu ihr �ber die Bank auf, an die die Zahlungen gehen. Die sollen sie davon in Kenntnis setzen, dass ich das entschieden habe.�</p><p>Bernard sagte:�Das ist nicht ��</p><p>�Es interessiert mich nicht, was es ist und was nicht�, schnitt Valerie ihm das Wort ab.�Und dich sollte es ebenso wenig interessieren. Oder m�chtest du mir gern erkl�ren, warum du die Zahlungen gern fortsetzen w�rdest?�</p><p>Bernard wirkte gequ�lt. Unter anderen Umst�nden h�tte sie Mitleid mit ihm gehabt, dachte Manette. Aber M�nner waren doch wirklich verdammte Mistkerle. Sie wartete darauf, dass ihr Vater versuchen w�rde, sich aus der Situation herauszul�gen in der Hoffnung, dass sie nichts �ber ihr Gespr�ch verraten w�rde, in dem er ihr seine Aff�re mit Vivienne Tully gestanden hatte.</p><p>Aber wie immer hatte Bernard Fairclough das Gl�ck auf seiner Seite. Denn in dem Augenblick ging die T�r auf, und der Wind fegte herein. Als Manette sich umdrehte, weil sie glaubte, sie und Freddie h�tten die T�r nicht richtig zugemacht, st�rmte ihr Bruder Nicholas in die Eingangshalle.</p><subtitle>LANCASTER � LANCASHIRE</subtitle><p>Deborah sagte sich, dass sie unbedingt mit der Frau sprechen musste, die in Alateas Begleitung war. Denn wenn sie richtiglag mit ihrer Vermutung, dass alles mit Alateas Schwierigkeiten tun hatte, ein Kind zu bekommen, dann w�rde Alatea garantiert nicht gerne dar�ber reden wollen. Vor allem nicht mit einer Frau, die ihr die Unwahrheit �ber den Grund ihres Aufenthalts in Cumbria gesagt hatte. Und ebenso wenig w�rde Alatea einem Klatschreporter ihr Herz aussch�tten. Wenn sie also den Grund f�r Alateas merkw�rdiges Verhalten herausfinden wollten, dann mussten sie sich an Alateas Begleiterin halten.</p><p>Sie rief Zed auf dem Handy an.</p><p>�Das wird aber auch h�chste Zeit�, fauchte er.�Wo zum Teufel stecken Sie? Was ist los? Wir haben eine Abmachung, und wenn Sie ��</p><p>�Sie sind in eins der Geb�ude gegangen�, sagte sie.</p><p>�Na, das hilft uns ja enorm viel weiter�, schnaubte er.�Wahrscheinlich nimmt sie einfach an irgendeinem Seminar teil. Zusammen mit ihrer Freundin.�</p><p>�Ich muss mit ihr reden, Zed.�</p><p>�Ach, ich dachte, das h�tten Sie bereits vergeblich versucht.�</p><p>�Ich rede nicht von Alatea. Die wird ebenso wenig mit mir reden wie mit Ihnen. Ich meine die Frau, mit der sie aus dem Invalidenheim gekommen ist. Mit der will ich reden.�</p><p>�Wieso?�</p><p>Jetzt wurde es kompliziert.�Die beiden scheinen sich ganz gut zu kennen. Sie haben sich auf dem ganzen Weg ziemlich angeregt unterhalten. Sie wirkten wie Freundinnen, und Freundinnen vertrauen einander Geheimnisse an.�</p><p>�Und Freundinnen wissen ein Geheimnis zu h�ten.�</p><p>�Nat�rlich. Aber ich habe schon �fter festgestellt, dass die Leute au�erhalb von London einen Heidenrespekt vor Scotland Yard haben. Hier drau�en braucht man nur mit dem Dienstausweis zu wedeln, und schon sind die Leute bereit, einem ihre Geheimnisse zu offenbaren.�</p><p>�Dasselbe gilt f�r Reporter�, bemerkte Zed.</p><p>Sollte das ein Scherz sein? fragte sich Deborah. Wahrscheinlich nicht.�Verstehe�, sagte sie.</p><p>�Dann ��</p><p>�Ich glaube, ich allein wirke weniger bedrohlich.�</p><p>�Inwiefern?�</p><p>�Das ist doch klar. Erstens w�ren wir in der �berzahl: zwei Fremde, die eine Frau auf ihre Freundschaft mit einer anderen Frau ansprechen. Zweitens � Also, Sie m�ssen schon zugeben, Zed, dass Sie mit Ihrer Gr��e ziemlich einsch�chternd wirken.�</p><p>�Ich bin sanft wie ein Lamm. Das wird sie schnell genug merken.�</p><p>�Mag sein. Aber vergessen Sie nicht, wer wir sind. Sie wird verlangen, dass wir uns ausweisen. Stellen Sie sich das mal vor. Ich zeige ihr meinen Ausweis, Sie zeigen ihr Ihren � wie wird sie reagieren, wenn sie mitkriegt, dass Scotland Yard und die <emphasis>Source</emphasis> gemeinsame Sache machen? Es w�rde nicht funktionieren. Ich muss unbedingt unter vier Augen mit der Frau reden. Ich werde Ihnen berichten, was sie mir erz�hlt, und dann sehen wir weiter.�</p><p>�Und woher soll ich wissen, dass Sie das auch tun? Dass Sie mich nicht reinlegen?�</p><p>�Damit Sie als N�chstes auf der Titelseite der <emphasis>Source</emphasis> einen Artikel dar�ber bringen, dass Scotland Yard hier oben verdeckt ermittelt? Glauben Sie mir, Zed, mir ist nicht danach zumute, mit Ihnen Spielchen zu treiben.�</p><p>Er schwieg. Deborah hatte sich in sicherer Entfernung von dem Geb�ude postiert, denn sie wollte nicht von den beiden Frauen gesehen werden, wenn sie herauskamen. Es schien ihr das Beste zu sein, zu dem Invalidenheim zur�ckzukehren und dort auf Alatea und ihre Begleiterin zu warten. Das konnte nat�rlich Stunden dauern, was bedeutete, dass sie ziemlich lange in Zeds Auto w�rden hocken m�ssen, aber sie hatte keine andere Wahl.</p><p>Sie erkl�rte ihm jedoch, falls er einen besseren Vorschlag habe, solle er damit nicht hinter dem Berg halten.</p><p>Zum Gl�ck hatte er keinen anderen Vorschlag. Er war nicht dumm. Ihm war klar, dass eine Konfrontation mit den beiden Frauen hier auf dem Campus der University of Lancaster zu nichts f�hren w�rde. Zumindest oberfl�chlich betrachtet, hatten die Frauen nichts getan, was sie in irgendeiner Weise verd�chtig erscheinen lie�. Auf die Frage� Sieh mal einer an, was machen Sie beide denn hier?�w�rden sie mit Sicherheit ein� Das geht sie �berhaupt nichts an!�als Antwort erhalten.</p><p>Zed sah das ein, aber er machte Deborah deutlich, dass es ihm trotzdem nicht gefiel. Herumzusitzen und zu warten, erkl�rte er ihr, sei nicht sein Stil. Das passe nicht zu einem Journalisten. Ein Journalist bekomme seine Story, indem er Informationen ausgrub und Leute zur Rede stellte. Das geh�re zum Alltag des investigativen Journalismus.</p><p>Obwohl Deborah am liebsten ver�chtlich geschnaubt h�tte, nickte sie verst�ndnisvoll. Richtig, selbstverst�ndlich, sie verstehe ihn ja. Aber im Moment w�ssten sie nicht einmal den Namen der Frau, mit der Alatea hergekommen war, und ohne den Namen k�nnten sie auch nichts ausgraben.</p><p>Endlich gelang es ihr, Zed zu �berzeugen. Er sagte, er werde sie dort wieder aufgabeln, wo sie ausgestiegen war. Dann w�rden sie zum Invalidenheim fahren und dort warten, bis Alatea und ihre Begleiterin zur�ckkamen. Und w�hrend sie warteten, k�nnten sie sich einen Plan f�r ihr weiteres Vorgehen zurechtlegen, darauf bestehe er, f�gte er hinzu, denn er werde sich auf keinen Fall diese Story durch die Lappen gehen lassen, blo� weil sie ein falsches Spiel mit ihm spiele.</p><p>�Keine Sorge, Zed�, sagte Deborah.�Sie k�nnten mich in gro�e Schwierigkeiten bringen, wenn ich mich nicht an unsere Abmachung hielte.�</p><p>Er lachte in sich hinein.�Daran erkennt man einen guten Reporter.�</p><p>�Ja�, sagte sie.�Das ist mir inzwischen klar geworden.�</p><p>Sie beendeten das Gespr�ch. Deborah wartete noch ein paar Minuten, um zu sehen, ob Alatea und ihre Begleiterin das Geb�ude wieder verlie�en. Das passierte nicht. Soweit Deborah aus den Aush�ngen in der Eingangshalle hatte schlie�en k�nnen, befanden sich in dem Geb�ude nur B�ros und Labors und keine Vorlesungss�le. Das bedeutete, dass Alatea und ihre Begleiterin wahrscheinlich nicht an irgendeinem Seminar teilnahmen, wie Zed vermutete. Und da das Institut f�r Reproduktionsmedizin in dem Geb�ude untergebracht war, glaubte Deborah, dass sie bald wissen w�rden, was Alatea zu verbergen hatte.</p><subtitle>VICTORIA � LONDON</subtitle><p>Barbara Havers musste noch einmal in den Yard. Sie brauchte Winston Nkatas Hilfe, und die bekam sie nur in der Victoria Street, es sei denn, sie konnte ihn �berreden, sich f�r ein paar Stunden mit ihr an einem Ort zu treffen, wo sie Zugang zum Internet hatten. Aber bei sich zu Hause hatte sie keinen Internetanschluss. Ja, sie besa� nicht einmal einen Laptop und hatte auch noch nie das Bed�rfnis dazu versp�rt, da sie fand, dass die Leute nur ihre Zeit an den Dingern verplemperten. Die Welt der unbegrenzten Informationen war nicht ihre Sache. Das Leben war doch viel �bersichtlicher gewesen, als Ger�te nichts weiter als einen Knopf zum Ein- und Ausschalten besa�en und als das Tastentelefon und die Fernbedienung das �u�erste an moderner Technologie dargestellt hatten. Damals hatte man ein paar Anrufe get�tigt und sich die Informationen, die man brauchte, von anderen zutragen lassen.</p><p>Heutzutage sah das alles ganz anders aus. Heutzutage lief ein Ermittler sich nicht mehr die Hacken ab, sondern brachte seinen Kopf zum Qualmen. Und inzwischen fand sie sich, wenn auch widerstrebend, tats�chlich einigerma�en im Internet zurecht, w�hrend Winston sich regelrecht zum Experten auf dem Gebiet gemausert hatte. Die Frage lautete: Wie fand man ein bestimmtes Model, das f�r sexy Dessous warb? Winston w�rde die Antwort wissen.</p><p>Nat�rlich k�nnte sie ihn einfach anrufen, aber das w�re nicht dasselbe. Sie musste sehen, was auf dem Bildschirm erschien, wenn er sich durch das Web klickte.</p><p>Also fuhr sie in den Yard. Von der Eingangshalle aus rief sie ihn an und bat ihn, sich mir ihr in der Bibliothek zu treffen. Es handle sich um eine Nacht- und Nebelaktion, von der die Chefin nichts wissen d�rfe.</p><p>�Barb ��, sagte er.</p><p>Sie wusste genau, was es bedeutete, wenn Winston diesen Ton anschlug. Aber sie wusste auch, wie sie seine Bedenken ausr�umen konnte.</p><p>�Lynley braucht ein paar Informationen�, sagte sie. F�r Lynley w�rde Winnie alles tun, das wusste sie.�Du kannst dich doch f�r eine Weile loseisen, oder? Es dauert auch nicht lange.�</p><p>�Was hast du vor?�</p><p>�Pornos kucken.�</p><p>�Auf einem Computer hier im Yard? Bist du verr�ckt geworden?�</p><p>�Befehl von Hillier�, sagte sie.�Echt mal, Winnie, glaubst du im Ernst, ich mach das zum Vergn�gen? Lynley ist da einer Sache auf der Spur. Wahrscheinlich nichts weiter als irgendeine fette Kuh, die f�r Reizw�sche wirbt.�</p><p>Er sagte, er werde in die Bibliothek kommen, f�gte jedoch hinzu � und das war typisch Winnie �, dass er, sollte er der Chefin �ber den Weg laufen und sie ihn fragen, was er vorhabe, die Wahrheit sagen werde.</p><p>�Versuch wenigstens, ihr aus dem Weg zu gehen, okay?�, sagte Barbara.�Lynley hat schon �rger bekommen, weil sie spitzgekriegt hat, dass er mich in die Sache reingezogen hat. Wenn sie dahinterkommt, dass ich auch noch deine Hilfe in Anspruch nehme, dreht sie ihm den Hals um.�</p><p>Das �berzeugte ihn, wie sie gehofft hatte. Er w�rde Ardery so gut es ging aus dem Weg gehen.</p><p>Als Barbara in der Bibliothek eintraf, wartete Winston bereits auf sie. Eine Begegnung mit Isabelle Ardery hatte er erfolgreich vermieden, daf�r war er Dorothea Harriman �ber den Weg gelaufen, und das war keine gute Nachricht. Die Sekret�rin der Abteilung schien �ber einen siebten Sinn zu verf�gen, der sie wahrscheinlich bef�higte, Winstons Absichten an seinen Schn�rsenkeln abzulesen. Tja, daran lie� sich jetzt nichts mehr �ndern.</p><p>Sie machten sich an die Arbeit. Winstons flinke Finger flogen �ber die Tastatur. Nachdem Barbara ihm Alatea Faircloughs unaussprechlichen Geburtsnamen buchstabiert hatte, war er nicht mehr zu bremsen. Ein Fenster nach dem anderen �ffnete sich auf dem Bildschirm, und Barbara versuchte gar nicht erst, Schritt zu halten. Winston erkl�rte ihr nicht, was er tat oder wohin die Reise ins Netz ging. Er warf jeweils einen kurzen Blick auf die Bilder, die auftauchten, traf irgendeine Entscheidung und hackte wieder in die Tasten. Er w�rde einen guten Ermittler f�r Computerkriminalit�t abgeben, dachte Barbara. Das wollte sie ihm gerade sagen, als ein w�tendes� Sergeant Havers und Sergeant Nkata �ihr sagte, dass Dorothea Harriman nicht dichtgehalten und Isabelle Ardery sie entdeckt hatte.</p><p>Nkata drehte sich um. Er erstarrte. Barbara starrte ihre Chefin ausdruckslos an. Was hatte die Ardery eigentlich? Ging es um Lynley und darum, dass er seine n�chtlichen Pflichten bei ihr nicht erf�llte? Oder wurmte es sie nur, dass sie nicht alles unter Kontrolle hatte?</p><p>Winston stand langsam auf und schaute Barbara an. Sie sagte:�Ich hab mir Winston f�r ein paar Sekunden ausgeliehen, Chefin. Ich brauch unbedingt ein paar Informationen, und er kennt sich mit dem Internet viel besser aus als ich.�</p><p>Isabelle Ardery musterte sie von oben bis unten und las den Spruch auf Barbaras T-Shirt, der deutlich zu sehen war, da sie ihre Jacke �ber die Stuhllehne geh�ngt hatte. Er lautete: <emphasis>Christus ist f�r unsere S�nden gestorben � entt�uschen wir ihn nicht</emphasis>.</p><p>�Ihr Urlaub ist beendet, Sergeant Havers�, sagte Ardery.�Ich erwarte Sie in einer Stunde zur�ck zum Dienst, und zwar ordentlich gekleidet.�</p><p>Barbara entgegnete:�Bei allem Respekt, Chefin ��</p><p>�Treiben Sie es nicht zu weit, Barbara�, fiel Ardery ihr ins Wort.�Vielleicht stehen Ihnen noch weitere sechs Tage oder vielleicht auch sechs Wochen Urlaub zu, aber es scheint mir ziemlich offensichtlich, dass Sie keinen Urlaub machen. Also sehen Sie zu, dass Sie wieder zur Arbeit erscheinen.�</p><p>�Ich wollte nur sagen ��</p><p>�Sergeant Havers!�, bellte Ardery.�Entscheiden Sie sich!�</p><p>�Chefin�, sagte Barbara hastig,�ich schaffe es nicht in einer Stunde, nach Hause zu fahren, mich umzuziehen und wieder hier zu sein. Das ist schlichtweg unm�glich. Au�erdem muss ich noch zur London University. Wenn Sie mir noch diesen einen Tag lassen � Ich schw�re, ich bin in drei�ig Sekunden hier raus, und morgen erscheine ich p�nktlich und tipptopp zum Dienst. �Dann f�gte sie hinzu:�Ich hab Winston gezwungen, mir zu helfen, Chefin. Also lassen Sie es bitte nicht an ihm aus.�</p><p>�Es?�, fauchte Ardery.�Was genau meinen Sie mit <emphasis>es</emphasis>, Sergeant Havers?�</p><p>Barbara h�rte Winston st�hnen, aber zum Gl�ck so leise, dass die Ardery es nicht mitbekam. Barbara sagte:�Ich wei� nicht � einfach � na ja � Stress im Job und so weiter.�</p><p>�<emphasis>Und so weiter</emphasis>?�Isabelles Augen funkelten vor Wut, und Barbara w�re am liebsten im Erdboden versunken.</p><p>�Nichts, Chefin�, murmelte sie, obwohl sie am liebsten gesagt h�tte <emphasis>Na ja, ohne Lynley im Bett</emphasis>.�Ich hab nichts Konkretes gemeint. War nur so dahingesagt.�</p><p>�Ach ja? Reizen Sie mich nicht noch weiter mit Ihren Spr�chen, Sergeant. Beenden Sie, was auch immer Sie hier machen, und dann verschwinden Sie. Und wenn Sie morgen fr�h nicht p�nktlich zum Dienst erscheinen, k�nnen Sie ab morgen Nachmittag in Usbekistan den Verkehr regeln. Habe ich mich deutlich genug ausgedr�ckt?�</p><p>�Mehr als deutlich, Chefin�, sagte Barbara.</p><p>�Und Sie�, sagte Ardery zu Nkata,�kommen mit mir.�</p><p>�Keine Spur von Reizw�sche�, sagte Nkata zu Barbara und f�gte so leise, dass Ardery es nicht h�rte, hinzu:��berpr�fen Sie mal Raul Montenegro.�</p><p>Barbara wartete, bis Ardery und Nkata die Bibliothek verlassen hatten. Innerlich fluchte sie �ber ihr Pech mit Ardery. Sie w�rde sich in Zukunft hundertf�nfzig Prozent korrekt verhalten m�ssen, wenn sie nicht wollte, dass ihre Chefin sie auf den Mond katapultierte.</p><p>Sie setzte sich an den Computer und betrachtete den Bildschirm. Schon wieder alles auf Spanisch, stellte sie z�hneknirschend fest, aber nach einer Weile entdeckte sie den Namen, den Winston ihr genannt hatte. <emphasis>Raul Montenegro</emphasis>. Also gut, dachte Barbara, dann wollen wir mal.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Im Laufe der Jahre hatte Manette ihren kleinen Bruder in allen m�glichen Zust�nden erlebt, von stockn�chtern bis halb bewusstlos. Sie hatte ihn reum�tig erlebt, sie hatte ihn ernst, manipulierend, traurig, aufgeregt, �ngstlich, freudig erregt und paranoid erlebt. Aber sie hatte ihn noch nie so w�tend erlebt wie jetzt, als er in die Eingangshalle von Ireleth Hall gest�rmt kam und die T�r hinter sich zuknallte.</p><p>Sein Auftritt war beeindruckend, und alle starrten ihn mit offenem Mund an.</p><p>�Nicky, was ist passiert?�, fragte Valerie.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte Bernard.�Wo ist Alatea? Ist Alatea etwas zugesto�en?�</p><p>�Nein, Alatea geht es gut�, antwortete Nicholas schroff.�Ich will mit dir �ber Scotland Yard reden. Das wird dir doch nichts ausmachen, oder? Oder dir, Manette? Oder Freddie? Ich nehme an, ihr seid alle im Bilde.�</p><p>Manette schaute ihren Vater an. Sie hatte nicht vor, darauf irgendetwas zu erwidern, und sie dr�ckte Freddies Hand, damit er den Mund hielt. Sie sp�rte, dass er sie ansah, aber er sagte nichts, sondern verschr�nkte nur seine Finger mit ihren.</p><p>Bernard sagte:�Ich wei� nicht, wovon du redest, Nick. Setz dich. Du siehst ja furchtbar aus. Hast du nicht geschlafen?�</p><p>�Tu blo� nicht so, als w�rdest du dir Sorgen um mich machen�, fauchte Nicholas.�Du hast jemanden von London herbeordert, der gegen mich ermittelt, und tu blo� nicht so, als w�sstest du nichts davon. �Er baute sich direkt vor seinem Vater auf:�Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht? Hast du etwa angenommen, ich w�rde davon nichts mitbekommen? Glaubst du vielleicht, die Drogen und der Alkohol haben mir derma�en das Gehirn aufgeweicht, dass ich mich nicht fragen w�rde � Herrgott noch mal, ich sollte dir wirklich den Hals umdrehen. Das w�re doch ein Leichtes f�r mich, oder? Offenbar bin ich so ein kaltbl�tiger M�rder, dass es auf eine Leiche mehr oder weniger im Bootshaus auch nicht mehr ankommt.�</p><p>�Nicholas!�Valerie war aufgesprungen.�H�r auf!�</p><p>�Ach, du steckst also mit ihm unter einer Decke?�, h�hnte er.�Ich h�tte nicht gedacht ��</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> habe das alles veranlasst�, sagte Valerie.</p><p>Er verstummte. Manette war so schockiert, dass sich ihr der Magen zusammenzog. Aber schon bald folgte Verwirrung auf den Schock.</p><p>�Valerie�, sagte Bernard.�Das ist nicht n�tig.�</p><p>�Ich f�rchte doch. �Dann sagte sie zu Nicholas:�Die Polizei ist auf meinen Wunsch hier. Dein Vater hat das auf meinen Wunsch hin veranlasst. Es war nicht seine Idee. Hast du das verstanden? Er ist nach London gefahren, weil er jemanden bei Scotland Yard kennt. Doch es war weder seine Idee noch Manettes ��Sie zeigte auf Manette, die h�ndchenhaltend mit Freddie auf dem Sofa sa�.�� noch Mignons. Ich allein bin daf�r verantwortlich.�</p><p>Nicholas wirkte wie jemand, dem gerade eine t�dliche Wunde zugef�gt worden war. Endlich fand er seine Stimme wieder:�Meine eigene Mutter. Glaubst du wirklich � Traust du mir allen Ernstes zu �?�</p><p>�Es ist nicht ganz so, wie du denkst�, sagte Valerie.</p><p>�� dass ich Ian umgebracht habe?�Er schlug mit der Faust auf den Kaminsims.�Glaubst du das? H�ltst du mich f�r f�hig, einen Mord zu begehen? Was ist eigentlich mit dir los?�</p><p>�Nick. Es reicht�, sagte Bernard.�Schlie�lich hast du eine Vergangenheit ��</p><p>�Ich kenne meine Vergangenheit, verflucht noch mal. Nur zu gut. Du brauchst mich nicht daran zu erinnern. Aber ich kann mich nicht erinnern, jemals die Hand gegen irgendjemanden erhoben zu haben.�</p><p>�Niemand�, sagte Valerie,�hat die Hand gegen Ian erhoben. So ist er nicht gestorben.�</p><p>�Warum zum Teufel ��</p><p>�Valerie�, sagte Bernard.�Das macht alles nur noch schlimmer.�</p><p>�Schlimmer kann es nicht mehr werden�, sagte Nicholas.�Es sei denn, es gibt einen anderen Grund, warum meine Mutter sich an Scotland Yard gewendet hat. Das versuchst du doch gerade, mir weiszumachen, oder? Ermittelt Scotland Yard etwa gegen Manette? Oder gegen Mignon? Oder gegen Fred? Oder tanzt der immer noch nach Manettes Pfeife?�</p><p>�Wag es nicht, so �ber Freddie zu reden�, sagte Manette.�Und ja, Scotland Yard war auch bei uns. Und wir haben von der ganzen Sache erst erfahren, als man uns einen Scotland-Yard-Ausweis unter die Nase gehalten hat.�</p><p>�Na, immerhin�, sagte Nicholas. Dann wandte er sich an seine Mutter:�Hast du �berhaupt eine Ahnung � irgendeinen blassen Schimmer ��</p><p>�Es tut mir leid�, sagte sie.�Ich habe dich verletzt, und das tut mir wirklich leid. Aber es gibt Dinge, die wichtiger sind als ��</p><p>�Ach ja? Was denn zum Beispiel?�, schrie er. Dann pl�tzlich schien ihm ein Licht aufzugehen.�Geht es um die Firma? Darum, wer was erbt? Wer die Firma �bernimmt?�</p><p>�Nicholas, bitte. Es gibt auch noch andere Dinge, die ��</p><p>�Glaubst du etwa, dass mich das interessiert? Glaubst du, deswegen bin ich zur�ckgekommen? Es interessiert mich einen feuchten Kehricht, wer die Firma leitet. �bergib sie Manette. Oder Freddie. Oder irgendeinem dahergelaufenen Idioten. Kannst du dir vorstellen, was das alles mit Alatea macht? Dass jemand in unser Haus kommt und �berall herumschn�ffelt und sich ausgibt als � als � Diese Polizistin, die du herbestellt hast, hat uns von Anfang an belogen, Mum. Kapierst du das? Sie hat uns irgendeine alberne Geschichte aufgetischt, warum sie hier ist, und sie hat Allie in Angst und Schrecken versetzt. Allie glaubt � Gott, ich wei� ja nicht mal, was sie glaubt, aber sie ist vollkommen au�er sich, und sie denkt, ich h�tte � Siehst du denn nicht, was du angerichtet hast? Meine eigene Frau � Wenn sie mich verl�sst ��</p><p>�Sie?�, fragte Bernard.�<emphasis>Sie</emphasis> ist zu euch gekommen? Wovon redest du, Nick?�</p><p>�Wovon zum Teufel soll ich schon reden? Von eurer verdammten Polizistin von Scotland Yard!�</p><p>�Es ist ein Mann�, sagte Valerie.�Nicholas, es ist ein Mann, keine Frau. Wir wissen nichts von ��</p><p>�Nat�rlich nicht, Mum, alles klar.�</p><p>�Sie sagt die Wahrheit�, schaltete sich Manette ein.</p><p>�Er hat jemanden mitgebracht�, f�gte Bernard hinzu.�Aber auch das ist ein Mann, Nick. Ein forensischer Gutachter. Wenn eine Frau bei euch gewesen ist, um mit Alatea zu reden, dann hat das nichts mit Scotland Yard zu tun.�</p><p>Nicholas erbleichte. Blitzschnell ging er alle M�glichkeiten durch, das sah Manette ihm deutlich an.</p><p>Dann murmelte er:�Montenegro.�</p><p>�Wer?�, fragte Bernard.</p><p>Aber so schnell, wie Nicholas gekommen war, so pl�tzlich war er verschwunden.</p><subtitle>LANCASTER � LANCASHIRE</subtitle><p>W�hrend Deborah mit Zed Benjamin im Auto sa� und darauf wartete, dass Alatea und ihre Begleiterin zum Invalidenheim zur�ckkehrten, klingelte ihr Handy. Sie vermutete, dass es Simon war, und �berlegte schon, ob sie das Gespr�ch annehmen oder es auf die Mailbox umleiten lassen sollte, um nicht in Gegenwart des Journalisten ein� offizielles �Gespr�ch vort�uschen zu m�ssen, aber ein Blick aufs Display sagte ihr, dass es Tommy war. Damit w�rde sie umgehen k�nnen, sagte sie sich.</p><p>�Mein Chef�, sagte sie zu Zed, dann nahm sie das Gespr�ch entgegen.�Inspector Lynley, hallo.�</p><p>�Wie f�rmlich.�</p><p>�Aber selbstverst�ndlich�, erwiderte sie fr�hlich, ohne den Blick von dem Invalidenheim abzuwenden. Sie sp�rte, dass Zed sie anschaute.</p><p>�Ich habe mich mit Simon getroffen�, sagte Lynley.</p><p>�Damit hatte ich gerechnet.�</p><p>�Er ist auf uns beide nicht besonders gut zu sprechen. Auf mich nicht, weil ich dich in die Sache mit hineingezogen habe, und auf dich nicht, weil du gegen seinen Willen weiterermittelst. Wo steckst du �berhaupt?�</p><p>�In Lancaster.�</p><p>�Was in aller Welt machst du denn in Lancaster? Und wie bist du dahin gekommen?�</p><p>�Wie meinen Sie das?�</p><p>�Deborah, was soll das? Simon hat mich von eurem Hotel aus angerufen.�</p><p>�Sie sagten doch, Sie h�tten sich getroffen.�</p><p>�Das war sp�ter. Er ist zum Hotel zur�ckgefahren. Du warst weg, aber dein Mietwagen stand noch da. Er macht sich ziemliche Sorgen.�</p><p>�Aber nicht genug, um mich anzurufen.�</p><p>�Herrgott noch mal, Deb. Jetzt sei nicht so streng mit dem Mann. Er wei�, dass du w�tend auf ihn bist und sowieso nicht rangehen w�rdest, wenn sein Name auf dem Display erscheint. Also, was machst du in Lancaster? Und wie bist du dahin gekommen?�</p><p>Sie hatte nicht vor, Zed Benjamin zu erw�hnen.�Alatea Fairclough ist hier. Sie hat sich mit einer Frau getroffen und ist mir ihr zur Uni gefahren. Jetzt warte ich darauf, dass die beiden wieder auftauchen, weil ich mit ihr reden will. Nicht mit Alatea, mit der anderen.�</p><p>�Deb. �Sie h�rte ihm an, dass er nicht so recht wusste, wie er mit der Situation umgehen sollte. Sollte er an ihre Vernunft appellieren? Auf ihre Zeit als Liebespaar anspielen? Er befand sich ihr gegen�ber in einer interessanten Position, dachte sie.</p><p>Er sagte:�Simon m�chte, dass du mit ihm nach London zur�ckkehrst. Er macht sich Sorgen.�</p><p>�Das w�re im Moment eine unkluge Entscheidung. Ich bin hier etwas Wichtigem auf der Spur.�</p><p>�Genau deswegen macht er sich ja solche Sorgen. Du bist schon einmal einem M�rder verdammt nah gekommen.�</p><p>Guernsey, dachte sie. So wie Humphrey Bogart und Ingrid Bergman ihr Paris hatten, w�rden Simon und sie immer ihr Guernsey haben. Okay, sie hatte etwas abbekommen. Aber sie hatte es �berlebt. Sie war nicht einmal ansatzweise in Lebensgefahr gewesen. Und die jetzige Situation war wei� Gott nicht mit damals vergleichbar, als sie in einem Erdloch gehockt hatte und jemand eine Handgranate aus dem Krieg in der Hand gehalten hatte. Sie sagte:�Sie sind also nicht derselben Meinung wie die Forensiker?�</p><p>�Wovon redest du? �ber Simons Schlussfolgerungen bez�glich der Geschehnisse im Bootshaus?�Das Telefongespr�ch gestaltete sich zunehmend verwirrend f�r Lynley, dachte Deborah.�Gegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Todesursache l�sst sich schwerlich argumentieren, Deb.�</p><p>�Aber man kann die Dinge so oder so betrachten�, sagte sie.</p><p>�Da gebe ich dir recht. Und offenbar hegst du irgendeinen Verdacht gegen Alatea Fairclough. Ich habe �brigens Barbara Havers auf sie angesetzt.�</p><p>�Sie sehen also ��</p><p>�Wie gesagt, ich gebe dir recht. Aber ehrlich gesagt, mache ich mir Sorgen um Simon.�</p><p>�Sie glauben, dass er sich irrt?�</p><p>�Nicht notwendigerweise. Er macht sich viel zu gro�e Sorgen um dich, und das macht einen manchmal blind f�r Dinge, die direkt vor einem liegen. Trotz allem kann ich nicht zulassen, dass du ��</p><p>�Was meinen Sie mit zulassen?�</p><p>�Das war dumm ausgedr�ckt. So kommen wir nicht weiter. Was soll ich sagen � ich kenne dich. Aber versprich mir wenigstens, dass du auf dich aufpasst.�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Und Sie?�</p><p>�Es gibt hier noch ein paar lose Enden, die ich verknoten muss. Du rufst mich doch an, falls irgendetwas ist, oder?�</p><p>�Auf jeden Fall, Inspector. �Sie beendete das Gespr�ch. Sie schaute Zed Benjamin an, um zu sehen, ob er Verdacht gesch�pft hatte. Er war dabei, so tief wie m�glich in seinen Sitz zu rutschen, und deutete mit dem Kinn zu dem Invalidenheim. Alatea und ihre Begleiterin fuhren gerade auf den Parkplatz.</p><p>Deborah und Zed blieben, wo sie waren. Weniger als eine Minute sp�ter kam Alateas Begleiterin um die Ecke und ging zur�ck ins Geb�ude. Kurz darauf bog Alatea vom Parkplatz in die Stra�e ein und fuhr in Richtung Arnside, wie Deborah erleichtert feststellte. Zeit herauszufinden, was die andere Frau wusste, dachte sie.</p><p>�Ich mache mich auf den Weg�, sagte sie zu Zed.</p><p>�Ich gebe Ihnen eine Viertelstunde, dann rufe ich Sie auf dem Handy an�, sagte Zed.</p><p>�Das k�nnen Sie gern tun. Aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, dass ich verschwinden k�nnte, denn ich bin darauf angewiesen, dass Sie mich mit zur�ck nach Milnthorpe nehmen.�</p><p>Zed brummelte vor sich hin. Er sagte, er werde sich in der Zwischenzeit ein bisschen die F��e vertreten, die ihm in den zwei Stunden, die sie in dem engen Auto gewartet hatten, fast eingeschlafen waren. Sie sagte, sie w�rde ihn auf dem Handy anrufen, falls er sich zu weit von dem Invalidenheim entfernte.</p><p>�Oh, da machen Sie sich mal keine Sorgen�, entgegnete Zed.�Ich werde mich ganz in Ihrer N�he aufhalten.�</p><p>Daran zweifelte Deborah nicht im Geringsten. Der Mann w�rde sich im Geb�sch verstecken und am Fenster lauschen, wenn er k�nnte. Aber den Kompromiss musste sie eingehen, sagte sich Deborah, stieg aus, eilte �ber die Stra�e und betrat das Geb�ude.</p><p>Sie entschied sich daf�r, ganz direkt vorzugehen, denn ohne Polizeiausweis blieb ihr sowieso nichts anderes �brig. Sie trat an den Empfangstresen, setzte ihr charmantestes L�cheln auf und sagte zu dem Mann hinter dem Tresen, offenbar selbst ein ehemaliger Soldat, sie habe gerade eine Frau in das Geb�ude gehen sehen,�gro�, braunes, im Nacken zusammengebundenes Haar, langer Rock, Stiefel �?�Sie sei sich ganz sicher, dass es sich bei der Frau um eine Klassenkameradin ihrer �lteren Schwester handle, und sie w�rde so gern ein paar Worte mit ihr wechseln. Sie sei sich nat�rlich dar�ber im Klaren, dass es eine verr�ckte Bitte war, wom�glich sei die Frau ja jemand ganz anderes. Andererseits �</p><p>�Sie meinen bestimmt Lucy�, sagte der alte Mann. Er trug eine Milit�runiform, die ihm an seinem feisten K�rper klebte.�Sie ist unsere Sozialarbeiterin. Veranstaltet Spiele und Gymnastik und leitet Freizeitgruppen. Geht im Dezember mit uns zum Krippenspiel.�</p><p>�Lucy, ja genau! So hie� sie tats�chlich�, rief Deborah aus.�W�re es vielleicht m�glich ��Sie sah den Mann hoffnungsvoll an.</p><p>�Einer h�bschen Frau kann man doch keinen Wunsch abschlagen�, sagte er.�Woher haben Sie blo� das sch�ne Haar?�</p><p>�Von meiner Gro�mutter v�terlicherseits�, antwortete Deborah.</p><p>�Sie sind ein Gl�ckspilz. Ich hab schon immer was �briggehabt f�r einen Rotschopf. �Er nahm den Telefonh�rer ab und gab eine Nummer ein. Einen Augenblick sp�ter sagte er:�Hier fragt eine sch�ne Frau nach Ihnen, Darling�, und lauschte. Dann:�Nein, eine andere. Sie scheinen ja neuerdings sehr beliebt zu sein!�Er lachte �ber etwas, was die Frau zu ihm gesagt hatte, dann legte er auf und sagte Deborah, Lucy w�rde gleich da sein.</p><p>�Es ist mir echt peinlich�, sagte Deborah.�Aber ich kann mich einfach nicht mehr an Lucys Nachnamen erinnern.�</p><p>�Keverne�, sagte der Mann.�Lucy Keverne. So hat sie damals gehei�en, und so hei�t sie immer noch, denn sie ist nicht verheiratet. Hat nicht mal einen Freund. Ich versuch�s immer wieder bei ihr, aber sie sagt, ich bin ihr zu jung.�</p><p>Deborah tat die Vorstellung grinsend ab, so wie es von ihr erwartet wurde, und setzte sich gegen�ber dem Tresen auf eine h�lzerne Wartebank. Sie �berlegte, was in aller Welt sie zu Lucy Keverne sagen sollte, doch sie hatte nicht viel Zeit, um dar�ber nachzudenken, denn kaum eine Minute sp�ter betrat die Frau, die sie in Alatea Faircloughs Begleitung gesehen hatte, die Eingangshalle. Verst�ndlicherweise sah sie Deborah etwas verdattert an. Wahrscheinlich passierte es nicht h�ufig, dass Wildfremde sie auf ihrer Arbeitsstelle besuchten.</p><p>Aus der N�he sah Deborah, dass die Frau j�nger war, als sie aus der Entfernung angenommen hatte. Trotz der feinen grauen Str�hnen in ihrem Haar sah man an ihrem Gesicht, dass sie noch keine drei�ig war. Sie trug eine modische Brille, die ihre h�bschen Wangenknochen betonte. Au�erdem trug sie ein modernes H�rger�t, wie Deborah auffiel. H�tte sie ihr langes Haar offen getragen, w�ren die feinen Kabel, die in ihren Ohren verschwanden, �berhaupt nicht aufgefallen.</p><p>Sie legte den Kopf schief und fragte:�Was kann ich f�r Sie tun?�Dann streckte sie die Hand aus und f�gte hinzu:�Lucy Keverne.�</p><p>�K�nnen wir irgendwo ungest�rt reden?�, fragte Deborah.�Es geht um eine Privatangelegenheit.�</p><p>Lucy Keverne runzelte die Stirn.�Eine Privatangelegenheit? Falls Sie hier sind, um einen Heimplatz f�r einen Verwandten zu beantragen, bin ich die falsche Person.�</p><p>�Nein, nein, darum geht es nicht. Es hat mit der Universit�t in Lancaster zu tun�, sagte Deborah. Es war ein Schuss ins Blaue, doch offenbar hatte sie ins Schwarze getroffen.</p><p>�Wer sind Sie?�Lucy klang leicht beunruhigt.�Wer hat Sie hergeschickt?�</p><p>�K�nnen wir uns irgendwo ungest�rt unterhalten?�, fragte Deborah noch einmal.�Haben Sie vielleicht ein B�ro?�</p><p>Lucy Keverne schaute kurz zu dem Mann am Empfangstresen hin�ber, w�hrend sie �berlegte. Schlie�lich sagte sie:�Also gut, kommen Sie mit. �Sie f�hrte Deborah in einen Wintergarten, von dem aus man in einen unerwartet gro�en Garten schaute. Mehrere alte M�nner sa�en dort �ber ihre Zeitung gebeugt, und zwei spielten an einem niedrigen Tisch Cribbage.</p><p>Sie gingen in den Garten hinaus.�Von wem haben Sie meinen Namen?�, wollte Lucy wissen.</p><p>�Ist das wichtig?�, fragte Deborah.�Ich brauche Hilfe, und ich dachte, die k�nnte ich von Ihnen bekommen.�</p><p>�Sie m�ssen sich schon ein bisschen genauer ausdr�cken.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Deborah.�Ich m�chte mich gern mit Ihnen �ber Fortpflanzung unterhalten. Ich versuche schon seit Jahren, ein Kind zu bekommen. Jetzt hat sich herausgestellt, dass ich nicht schwanger werden kann.�</p><p>�Das tut mir leid. Das muss sehr schwer f�r Sie sein. Aber wie kommen Sie auf die Idee, dass ich Ihnen helfen k�nnte?�</p><p>�Weil Sie mit einer anderen Frau zum George Childress Centre gegangen sind. Ich habe Sie gesehen und bin Ihnen gefolgt in der Hoffnung, mit Ihnen reden zu k�nnen.�</p><p>Lucys Augen wurden schmal. Wahrscheinlich �berlegte sie, wie gef�hrlich Deborah ihr werden konnte. Bisher verst�ndigten sie sich mit einer Art von Code, alles war vollkommen legal. Aber es war eine Gratwanderung, und ein einziger Schritt konnte sie in die Illegalit�t f�hren.</p><p>�Wir waren zu zweit�, sagte Lucy.�Warum sind Sie mir gefolgt und nicht der anderen Frau?�</p><p>�Ich hab�s drauf ankommen lassen.�</p><p>�Weil ich Ihnen fruchtbarer vorkam?�</p><p>�Nein, entspannter. Weniger verzweifelt. Nach ein paar Jahren kennt man die Blicke. Den Gesichtsausdruck. Irgendwie gierig. Das kriegt man bei einer anderen Frau mit, es ist wie ein biologischer Code. Ich wei� nicht, wie ich es anders ausdr�cken soll. Wer es nicht erlebt hat, sieht es nicht. Ich wei�, wovon ich spreche.�</p><p>�Okay, gut m�glich. Aber ich wei� trotzdem nicht, was Sie von mir wollen.�</p><p>Die Wahrheit, dachte Deborah. Aber sie wusste nicht, wie sie es anstellen sollte. Noch einmal versuchte sie es mit einem Teil ihrer eigenen Wahrheit.�Ich suche nach einer Leihmutter�, sagte sie.�Und ich glaube, Sie k�nnen mir helfen, eine zu finden.�</p><p>Lucy musterte Deborah. Sie waren einem Weg gefolgt, der zu einer gro�en Urne am Ende des Gartens f�hrte. Jetzt blieb Lucy stehen und verschr�nkte die Arme vor der Brust.�Sie haben sich wohl nicht sehr intensiv mit dem Thema besch�ftigt, nicht wahr?�</p><p>�Offensichtlich nicht.�</p><p>�Also, dann rate ich Ihnen, es zu tun. Es gibt Eispenderinnen, Samenspender, Leihmutterschaft mit dem Ei der biologischen Mutter und dem Samen eines Spenders, mit dem Ei der Leihmutter und dem Samen des biologischen Vaters und so weiter. Wenn Sie sich auf die eine oder andere Weise f�r diesen Weg entscheiden, m�ssen Sie als Erstes verstehen, wie das alles funktioniert. Und Sie m�ssen sich mit den juristischen Implikationen besch�ftigen.�</p><p>Deborah nickte.�Sind Sie � K�nnen Sie � Ich wei� nicht recht, wie ich es formulieren soll � Aber welche Rolle �bernehmen Sie in der Regel?�</p><p>�Ich bin Eispenderin�, sagte Lucy.</p><p>Deborah erschauderte. Was f�r ein unpers�nlicher, klinischer Ausdruck. Aber sie hatte gefragt, welche Rolle Lucy <emphasis>in der Regel</emphasis> �bernahm. Vielleicht war sie ja auch offen f�r andere Rollen.�Und was ist mit Leihmutterschaft?�</p><p>�Das habe ich bisher noch nie gemacht.�</p><p>�Bisher? Diese Frau, mit der Sie zur Uni gefahren sind, die hat Sie also gefragt �?�</p><p>Lucy antwortete nicht sofort. Sie musterte Deborah, als versuchte sie, sie einzusch�tzen.�Ich bin nicht bereit, �ber die Frau zu sprechen. Es handelt sich um eine sehr vertrauliche Angelegenheit. Das werden Sie sicherlich verstehen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich. �Deborah dachte, jetzt w�re ein bisschen verzweifeltes H�nderingen angebracht, was ihr durchaus nicht schwerfiel.�Ich bin in mehreren Kliniken gewesen. Und da habe ich erfahren, dass man, was Leihmutterschaft angeht, ganz auf sich selbst gestellt ist. Also, wenn es darum geht, eine Leihmutter zu finden.�</p><p>�Ja�, sagte Lucy.�So ist es tats�chlich.�</p><p>�Man hat mir geraten, mich an eine Freundin, eine Schwester, an eine Kusine oder sogar an meine eigene Mutter zu wenden. Aber wo soll ich anfangen? Was soll ich tun? Ich kann doch schlecht jedes Gespr�ch mit einer geb�rf�higen Frau anfangen mit: �W�rdest du in Erw�gung ziehen, ein Kind f�r mich auszutragen?��Pl�tzlich war die Verzweiflung, die sie f�r Lucy Keverne hatte spielen wollen, ganz echt. Sie blinzelte, um ihre Tr�nen zur�ckzuhalten.�Tut mir leid. Verzeihen Sie.�</p><p>Das r�hrte Lucy Keverne offenbar, denn sie legte Deborah eine Hand auf den Arm und zog sie zu einer Bank an einem Teich, dessen Oberfl�che mit Herbstlaub bedeckt war. Sie sagte:�Es ist ein idiotisches Gesetz. Es soll verhindern, dass Frauen aus Profitgier Kinder austragen. Es soll Frauen sch�tzen. Nat�rlich wurde das Gesetz von M�nnern gemacht. Das finde ich, ehrlich gesagt, ziemlich ironisch: dass M�nner Gesetze f�r Frauen machen. Als h�tten die eine Ahnung, was gut f�r uns ist, wo sie doch im Allgemeinen selbst unser gr��tes Problem sind.�</p><p>�Darf ich fragen ��Deborah kramte in ihrer Tasche nach einem Taschentuch.�Sie sagten, Sie sind Eispenderin � Aber wenn Sie jemanden kennen w�rden � Eine Frau, die Ihnen nahesteht � Eine Frau, die verzweifelt ist � W�rden Sie ��Wie sollte sie einer v�llig Fremden eine solche Frage stellen, dachte Deborah.</p><p>Lucy Keverne wirkte nicht argw�hnisch, doch sie z�gerte mit einer Antwort. Offenbar, dachte Deborah, waren sie in ihrem Gespr�ch an einem Punkt angelangt, der Lucys Verh�ltnis zu Alatea Fairclough ber�hrte. Lucy selbst hatte die M�glichkeiten bereits aufgez�hlt: Entweder brauchte Alatea Lucy als Eispenderin oder als Leihmutter. Eine andere M�glichkeit sah Deborah nicht. Bestimmt hatten die beiden Frauen im George Childress Centre an der Uni von Lancaster keinen gemeinsamen Bekannten besucht.</p><p>�Wie gesagt, ich bin Eispenderin�, sagte Lucy.�Zu mehr w�re ich nicht bereit.�</p><p>�Sie w�rden sich also nicht als Leihmutter zur Verf�gung stellen?�, fragte Deborah.</p><p>�Nein, tut mir leid. Das w�rde ich � emotional nicht verkraften, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich glaube nicht, dass ich das k�nnte.�</p><p>�Aber kennen Sie vielleicht jemanden? Eine Frau, mit der ich reden k�nnte? Eine Frau, die �?�</p><p>Lucy betrachtete ihre Stiefel. Sie waren sch�n, dachte Deborah, wahrscheinlich italienisch. Aber nicht teuer.�Sie k�nnten sich mal die Kleinanzeigen in der Zeitschrift <emphasis>Conception</emphasis> ansehen�, sagte Lucy schlie�lich.</p><p>�Sie meinen, Leihm�tter werben in dieser Zeitschrift f�r sich?�</p><p>�Gott, nein. Das ist ja alles illegal. Aber manchmal � Auf diese Weise finden Sie vielleicht eine Eispenderin. Und eine Frau, die bereit ist, ihre Eier zu spenden, ist vielleicht auch zu mehr bereit. Oder sie kennt eine Frau, die Ihnen helfen kann.�</p><p>�Die ein Kind f�r mich austragen w�rde.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Das ist bestimmt � unglaublich teuer.�</p><p>�Nicht teurer, als selbst ein Kind zur Welt zu bringen, abgesehen von einer In-Vitro-Befruchtung. Eine Leihmutter darf nicht viel mehr daf�r verlangen. Alles andere w�rde gegen das Gesetz versto�en.�</p><p>�Man muss also eine Frau finden, die au�ergew�hnlich viel Mitgef�hl aufbringt�, sagte Deborah.�Die bereit ist, eine Schwangerschaft auf sich zu nehmen und sich dann von dem Kind zu trennen. Das m�sste aber eine ganz au�ergew�hnliche Person sein.�</p><p>�Ja, das haben Sie vollkommen recht. �Lucy Keverne stand auf und reichte Deborah die Hand.�Ich hoffe, ich habe Ihnen weiterhelfen k�nnen.�</p><p>In gewisser Weise hatte sie das, dachte Deborah. Aber andererseits hatte sie auch wieder nicht viel erfahren. Sie stand auf und bedankte sich. Immerhin wusste sie jetzt mehr als vorher. Was das alles mit dem Tod von Ian Cresswell zu tun hatte � oder ob es �berhaupt etwas damit zu tun hatte �, wusste sie jedoch immer noch nicht.</p><subtitle>VICTORIA � LONDON</subtitle><p>Der Name Raul Montenegro brachte Barbara Havers ein paar Schritte weiter. Sie fand ein Foto von dem Mann und dazu einen Artikel, der nat�rlich auf Spanisch war. Nachdem sie ein paar Links in dem Artikel angeklickt hatte, hatte sie schlie�lich ein Bild von Alatea Vasquez del Torres vor sich. Ein Rasseweib, dachte Barbara. Sah aus wie eine s�damerikanische Filmschauspielerin. Schwer vorstellbar, was sie am Arm eines Typen zu suchen hatte, der mit all seinen Warzen aussah wie eine Kr�te.</p><p>Das also war Raul Montenegro. Er war gut zwanzig Zentimeter kleiner als Alatea und mindestens drei�ig Jahre �lter. Er trug eine gr�ssliche Elvis-Presley-Per�cke und hatte eine monstr�se Warze auf der Nase. Aber er grinste wie ein Honigkuchenpferd, und Barbara hatte den Eindruck, dass sich in seinem Gesicht Besitzerstolz ausdr�ckte. Nat�rlich konnte sie das nicht mit Sicherheit wissen, doch es gab nur eine M�glichkeit, das herauszufinden.</p><p>Sie druckte die Seite aus und nahm ihr Handy aus der Tasche. Dann rief sie Azhar an der Uni an.</p><p>Selbstverst�ndlich werde er ihr helfen, sagte er, als sie ihn an die Strippe bekam. Jemanden zu finden, der Spanisch sprach, d�rfte kein gro�es Problem sein.</p><p>Auf die Frage, ob sie nach Bloomsbury kommen solle, antwortete Azhar, er werde ihr Bescheid geben. Er m�sse die Person, die er um die �bersetzung bitten wolle, erst kontaktieren. Wo Barbara denn gerade sei?</p><p>�In der H�hle des L�wen�, antwortete sie.</p><p>�Ah�, sagte er,�also bei der Arbeit. Sollen wir dann lieber zu Ihnen kommen?�</p><p>�Im Gegenteil�, erwiderte Barbara.�Ich muss machen, dass ich hier wegkomme.�</p><p>In dem Fall werde er sie so bald wie m�glich anrufen, damit sie einen Treffpunkt verabreden k�nnten, sagte Azhar. Dann f�gte er noch hinzu:�Ich muss mich auch entschuldigen.�</p><p>�Wieso?�, fragte Barbara, aber im selben Augenblick fiel es ihr wieder ein: sein morgendlicher Streit mit Angelina.�Oh�, sagte sie.�Sie meinen wegen heute Morgen. Na ja, solche Dinge passieren. Man m�chte ja immer meinen, die Liebe �berwindet alles � In B�chern und in Filmen sind alle immer gl�cklich und zufrieden bis ans Lebensende. Und so weiter. Ich kenn mich auf dem Gebiet nicht aus, doch nach allem, was ich so mitbekomme, ist der Weg zum zufriedenen Gl�ck bis ans Lebensende mit Schlagl�chern �bers�t. Scheint mir das Kl�gste zu sein, sich an das zu halten, was man hat, auch wenn es nicht immer leicht ist. Ich meine, was bleibt einem denn anderes als die Menschen, die man liebt?�</p><p>Er schwieg. Im Hintergrund waren Stimmen und Geschirrklappern zu h�ren. Wahrscheinlich hatte sie ihn in einer Cafeteria oder einem Restaurant erwischt. Pl�tzlich fiel ihr auf, dass sie seit Stunden nichts gegessen hatte.</p><p>Schlie�lich sagte er:�Ich rufe Sie so bald wie m�glich an.�</p><p>�Alles klar. Und Azhar �?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Danke f�r Ihre Hilfe.�</p><p>�Ist mir ein Vergn�gen.�</p><p>Barbara �berlegte, wie wahrscheinlich es war, dass sie ihrer Chefin noch einmal �ber den Weg lief, wenn sie sich auf die Suche nach etwas Essbarem machte. Wenn sie etwas einigerma�en Gesundes zu sich nehmen wollte, w�rde sie sich in die Kantine begeben m�ssen. Dann gab es nat�rlich noch die Automaten. Oder die M�glichkeit, den Yard zu verlassen und in irgendeinem Restaurant auf Azhars Anruf zu warten. Oder sie k�nnte erst mal eine rauchen, ein Gedanke, der ihr sehr verlockend erschien. Dazu m�sste sie sich ins Treppenhaus schleichen und hoffen, dass sie nicht erwischt wurde. Oder sie m�sste nach drau�en gehen. Entscheidungen �ber Entscheidungen, dachte Barbara. Am Ende entschloss sie sich, sich zusammenzurei�en und noch ein bisschen im Internet zu recherchieren. Vielleicht konnte sie ja noch etwas �ber Raul Montenegro in Erfahrung bringen.</p><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Tim w�rde diesmal ohne Protest in die Schule gehen, denn heute musste Kaveh ihn fahren. Es war die einzige M�glichkeit, Kaveh allein zu erwischen. Und das war unbedingt n�tig, denn solange Gracie in der N�he war, konnte er unm�glich mit ihm reden. Gracie war jetzt schon total durcheinander. Sie musste nicht auch noch erfahren, dass Kaveh vorhatte, seine Eltern und seine Ehefrau nach Bryanbarrow zu holen und sich die Altlasten namens Cresswell vom Hals zu schaffen.</p><p>Und so �berraschte er Kaveh, indem er zeitig aufstand und sich fertig machte f�r die Margaret Fox School, die Sonderschule f�r unheilbar Verr�ckte wie ihn. Er stellte alles auf den K�chentisch, was Gracie gern zum Fr�hst�ck a�, und machte ihr zum Mitnehmen ein Sandwich mit Tunfischsalat, das er zusammen mit einem Apfel, einer kleinen T�te Kartoffelchips und einer Banane in eine Tupperdose packte. Sie bedankte sich distanziert w�rdevoll, woraus er schloss, dass sie immer noch um Bella trauerte. Also ging er, anstatt zu fr�hst�cken, in den Garten, grub die Puppe aus und stopfte sie in seinen Rucksack, um sie mit nach Windermere zu nehmen und dort reparieren zu lassen. Den Puppensarg legte er zur�ck in das kleine Grab und schaufelte es wieder zu. Dann eilte er ins Haus und stopfte sich noch schnell eine Scheibe Toast mit Marmite in den Mund.</p><p>Solange Gracie mit im Auto sa�, sagte Tim kein Wort. Nachdem sie in Crosthwaite, wo sie zur Schule ging, ausgestiegen war, lehnte er sich gegen die Beifahrert�r und musterte Kaveh. Er hatte das Bild vor Augen, wie Kaveh es mit seinem Vater trieb, bis die K�rper der beiden im D�mmerlicht vor Schwei� gl�nzten. Dazu brauchte er noch nicht einmal seine Fantasie anzustrengen, denn er hatte die beiden einmal durch den T�rspalt beobachtet und gesehen, wie sie in Ekstase aufs Bett gesunken waren und sein Vater heiser gest�hnt hatte, Gott, ja! Der Anblick hatte ihm den Magen umgedreht und mit Abscheu und Hass erf�llt. Aber es hatte auch etwas anderes in ihm ber�hrt, etwas, womit er nicht gerechnet hatte, und einen Moment lang hatte das Blut wie wild in seinen Adern pulsiert. Und deswegen hatte er sich hinterher mit einem Taschenmesser eine Schnittwunde zugef�gt und Essig in die Wunde getr�ufelt, um sein erhitztes Blut von der S�nde zu reinigen.</p><p>Er konnte sich sehr wohl vorstellen, wie alles angefangen hatte. Kaveh war ein gutaussehender Typ, und einem Perversen wie seinem Vater musste er einfach gefallen haben. Selbst wenn Kaveh, wie es nun den Anschein hatte, selbst gar nicht so pervers war.</p><p>Als sie sich Winster n�herten, schaute Kaveh Tim kurz an. Offenbar sp�rte er den Abscheu, den Tim f�r ihn empfand.�Gut, dass du heute zur Schule gehst�, sagte er ein bisschen steif.�Dein Dad w�rde sich freuen.�</p><p>�Mein Dad�, sagte Tim,�ist tot.�</p><p>Kaveh erwiderte nichts. Noch einmal schaute er Tim an, aber die Stra�e war eng und kurvig, und so konnte er wirklich nur einen ganz kurzen Blick riskieren, um einzusch�tzen, was Tim als N�chstes tun oder sagen w�rde.</p><p>�Was dir wohl sehr zupasskommt�, f�gte Tim hinzu.</p><p>�Was?�</p><p>�Dass Dad tot ist. Was Besseres konnte dir doch gar nicht passieren.�</p><p>Zu seiner �berraschung bog Kaveh in eine Haltebucht ab und machte eine Vollbremsung. Sie befanden sich mitten im Berufsverkehr, jemand hupte und zeigte Kaveh den Stinkefinger, aber Kaveh bemerkte es nicht, oder vielleicht war es ihm auch egal.</p><p>�Wovon redest du?�, wollte Kaveh wissen.</p><p>�Du meinst, warum es gut f�r dich ist, dass mein Dad tot ist?�</p><p>�Ganz genau das meine ich. Wovon redest du?�</p><p>Tim schaute aus dem Fenster. Es gab nicht viel zu sehen. Sie standen neben einer Feldsteinmauer, aus der Farnwedel wuchsen wie Strau�enfedern an Frauenh�ten. Wahrscheinlich gab es hinter der Mauer Schafe, doch die konnte er nicht sehen, nur am Horizont einen Berggipfel mit einer Wolkenkrone.</p><p>�Ich habe dich etwas gefragt�, sagte Kaveh.�Und ich h�tte gern eine Antwort.�</p><p>�Ich muss dir keine Fragen beantworten�, entgegnete Tim.�Dir nicht und auch sonst keinem.�</p><p>�Doch, das musst du, wenn du Anschuldigungen erhebst�, sagte Kaveh.�Und genau das hast du getan. Du kannst versuchen, so zu tun, als h�ttest du es nicht getan, aber damit wirst du nicht weit kommen. Also sag mir gef�lligst, was du meinst.�</p><p>�Warum f�hrst du nicht weiter?�</p><p>�Weil ich es nicht muss.�</p><p>Tim hatte diese Konfrontation herbeigew�nscht, jetzt jedoch war er sich nicht mehr so sicher, ob er sie wollte. Er sa� allein in einem Auto mit dem Mann, f�r den sein Vater seine Familie zerst�rt hatte. War das nicht gef�hrlich? Lie� nicht die Tatsache, dass Kaveh Mehran es fertiggebracht hatte, an Tims Geburtstag bei ihnen aufzutauchen und die Karten auf den Tisch zu legen, darauf schlie�en, dass er noch zu ganz anderen Dingen f�hig war?</p><p>Nein, sagte sich Tim. Er hatte keine Angst. Denn wenn irgendeiner Grund zur Angst haben musste, dann war es Kaveh Mehran. Der Mann war ein L�gner, ein Betr�ger, ein Familienzerst�rer und alles andere dazu.</p><p>�Wann ist denn die Hochzeit, Kaveh?�, fragte er.�Und was willst du deiner Zuk�nftigen erz�hlen? Hast du vor, sie dar�ber aufzukl�ren, was du hier so alles getrieben hast? Oder ist das der Grund, warum du Gracie und mich loswerden willst? Damit sie nichts von alldem erf�hrt? Ich nehm an, dass wir beide nicht zur Hochzeit eingeladen werden, das w�r wohl ein bisschen zu viel verlangt. Dabei w�rde Gracie bestimmt gern Brautjungfer sein.�</p><p>Kaveh sagte nichts darauf. Tim rechnete es ihm hoch an, dass er erst nachdachte, anstatt ihn sofort anzuschnauzen, das gehe ihn alles nichts an. Wahrscheinlich �berlegte er krampfhaft, wie Tim es geschafft hatte, die Wahrheit rauszufinden.</p><p>�Hast du meiner Mutter eigentlich schon Bescheid gesagt?�, fragte Tim.�Denn wenn nicht, kann ich dir gleich fl�stern, dass sie bestimmt nicht begeistert sein wird.�</p><p>Tim wunderte sich �ber das, was er empfand, w�hrend er das alles sagte. Er wusste nicht, was das war. Es war ein Gef�hl, das ihn total vereinnahmte, und er wollte, dass es wegging. Er fand es furchtbar, wenn so etwas passierte. Er fand es zum Kotzen, wenn er auf die Worte und Taten anderer Leute reagierte. Er w�re gern wie eine Glasscheibe, an der alles abprallte wie Regen, und es machte ihn fast verr�ckt, dass ihm das bisher noch nicht gelungen war. Es war, als w�re er auf ewig verflucht, dazu verdammt, in einer H�lle zu leben, in der er der Gnade der anderen ausgeliefert war und nicht umgekehrt.</p><p>�Gracie und du, ihr geh�rt zu eurer Mutter�, sagte Kaveh schlie�lich.�Ich habe euch gern bei mir. Und ich w�rde euch bei mir behalten, aber ��</p><p>�Aber das w�rde deiner Frau wohl nicht gefallen�, schnaubte Tim.�Au�erdem w�rde es ein bisschen voll im Haus, da deine Eltern ja auch einziehen sollen. Mann, das ist echt perfekt gelaufen, was? Fast als h�ttest du es genau so geplant.�</p><p>Kaveh sah ihn durchdringend an.�Wovon genau redest du?�, fragte er.</p><p>Etwas Unerwartetes schwang in den Worten mit, etwas wie Wut, aber es war mehr als Wut. In dem Moment dachte Tim, dass Wut gef�hrlich sein konnte und dass es gef�hrlich werden konnte, wenn Leute wie Kaveh in Wut gerieten und sich verga�en. Aber das war ihm egal. Sollte der Typ ruhig ausrasten, na und? Etwas Schlimmeres, als er bereits angerichtet hatte, konnte er sowieso nicht tun.</p><p>�Ich rede davon�, sagte Tim,�dass du heiraten willst. Wahrscheinlich sagst du dir, dass die Arschfickerei mit meinem Dad dir eingebracht hat, was du wolltest, und dass du dir jetzt eine Frau nehmen kannst und alles. Nat�rlich hast du ein Problem, solange Gracie und ich da sind, weil, ich k�nnte dich ja, wenn deine Frau und deine Eltern zuf�llig neben dir stehen, beil�ufig fragen: �Seit wann stehst du denn auf Frauen, Kaveh?��</p><p>�Du wei�t nicht, wovon du redest�, sagte Kaveh. Er drehte sich nach hinten, um den Verkehr zu beobachten, und schaltete den Blinker ein.</p><p>�Ich rede davon, dass du dich von meinem Dad hast ficken lassen�, sagte Tim.�Und zwar jede Nacht. Glaubst du im Ernst, dass du eine Frau findest, die dich noch heiratet, wenn sie davon erf�hrt, Kaveh?�</p><p>��Jede Nacht�?�, wiederholte Kaveh stirnrunzelnd.��Von deinem Dad ficken lassen�? Wovon zum Teufel redest du, Tim?�Er machte Anstalten, sich in den Verkehr einzuf�deln.</p><p>Blitzschnell streckte Tim die Hand aus und drehte den Z�ndschl�ssel um.�Dass du mit meinem Dad gefickt hast, davon rede ich.�</p><p>Kaveh sah ihn an.�Ficken � Was ist eigentlich los mit dir? Was geht in deinem Kopf vor? Wie kommst du auf die Idee, dass dein Vater und ich �?�Kaveh setzte sich so hin, als richtete er sich auf ein l�ngeres Gespr�ch mit Tim ein.�Dein <emphasis>Vater</emphasis> war mir ein guter, lieber Freund, Tim. Ich habe gro�e Achtung vor ihm gehabt, und wir haben uns gemocht, wie das bei guten Freunden �blich ist. Aber dass da mehr gewesen sein soll � Dass er und ich � Glaubst du etwa, dein Vater und ich w�ren ein homosexuelles Paar gewesen? Wie kannst du nur so etwas annehmen? Er hat mir ein Zimmer in seinem Haus vermietet, und ich war sein Untermieter, mehr nicht.�</p><p>Tim starrte Kaveh entgeistert an. Der Mann wirkte vollkommen ernst. Er log so dreist und so geschickt, dass Tim einen Augenblick lang tats�chlich versucht war zu glauben, er und alle anderen h�tten sich in Bezug auf Kaveh und seinen Vater geirrt, vor allem in Bezug auf das, was die beiden miteinander getrieben hatten. Aber Tim war dabei gewesen, als sein Vater vor der versammelten Familie erkl�rt hatte, dass er Kaveh Mehran liebte, er hatte seinen Vater mit Kaveh zusammen gesehen, und deswegen kannte er die Wahrheit.</p><p>�Ich hab euch beobachtet�, sagte er.�Durch den T�rspalt. Du auf allen vieren und mein Vater, der dich in den Arsch gefickt hat � Das hast du nicht gewusst, stimmt�s? Das macht deine Situation ein bisschen komplizierter, nicht wahr? Ich hab euch beobachtet, okay? Ich hab euch <emphasis>beobachtet</emphasis>!�</p><p>Kaveh wandte sich ab. Dann seufzte er. Tim dachte schon, er w�rde endlich alles zugeben und ihn anflehen, seinen Eltern und seiner Zuk�nftigen nichts zu verraten. Aber Kaveh �berraschte ihn erneut. Er sagte:�In deinem Alter hatte ich auch solche Tr�ume. Sie kommen einem sehr real vor, nicht wahr? Man nennt sie Wachtr�ume. Sie entstehen meist beim Einschlafen, und sie wirken so echt, dass man hinterher glaubt, man h�tte das alles tats�chlich erlebt. Solche Tr�ume f�hren dazu, dass die Leute alles M�gliche glauben: dass sie von Au�erirdischen entf�hrt wurden, dass sie jemanden ins Zimmer haben schleichen sehen, dass sie Sex mit einem Elternteil, einem Lehrer oder einem Freund hatten. Dabei hat sich das alles in ihrem Schlaf abgespielt. Genau wie bei dir, als du geglaubt hast, du h�ttest deinen Vater und mich beim Sex beobachtet.�</p><p>Tims Augen weiteten sich. Er wollte etwas sagen, doch Kaveh kam ihm zuvor.</p><p>�Und dass dein Traum, in dem du deinen Vater und mich gesehen hast, mit Sex zu tun hatte, hat mit deinem Alter zu tun, Tim. Bei vierzehnj�hrigen Jungs spielen die Hormone verr�ckt. Das ist ganz normal, das geh�rt zur Pubert�t. In dem Alter tr�umen Jungen dauernd von Sex und ejakulieren sogar im Schlaf. Das ist ihnen peinlich, wenn niemand ihnen erkl�rt, dass das vollkommen normal ist. Aber dein Vater hat dir das doch erkl�rt, oder? Ganz bestimmt hat er das. Oder deine Mutter?�</p><p>Tim hatte das Gef�hl, gleich zu explodieren, er wollte sich nicht zum Narren halten lassen.�Du verdammter L�gner!�, schrie er und sp�rte zu seinem Entsetzen, wie ihm die Tr�nen kamen. Pl�tzlich wurde ihm sonnenklar, wie es ausgehen w�rde, egal, was er tat oder was er Kaveh androhte oder was er irgendjemandem erz�hlte, vor allem Kavehs Eltern und seiner zuk�nftigen Frau.</p><p>Und es gab niemand anderen, der diesen Leuten die Wahrheit �ber Kaveh sagen konnte. Und selbst wenn es jemanden g�be, der es k�nnte, w�rden Kavehs Verwandte gar nicht daran interessiert sein, sich von irgendeinem Wildfremden, der nicht mal Beweise f�r seine Behauptungen hatte, die Augen �ffnen zu lassen. Au�erdem war Kaveh der beste L�gner, den Tim je erlebt hatte. Tim konnte die Wahrheit sagen, er konnte schreien und toben, es w�rde alles nichts n�tzen, denn Kaveh w�rde ihm jedes Wort im Mund umdrehen.</p><p>Ihr d�rft es Tim nicht �bel nehmen, w�rde er mit ernster Miene sagen. Nehmt ihn einfach nicht ernst. Er geht auf eine Sonderschule, eine Schule f�r gest�rte Kinder. Es kommt vor, dass er merkw�rdige Sachen behauptet, seltsame Dinge tut � Zum Beispiel hat er der Lieblingspuppe seiner kleinen Schwester die Arme und Beine ausgerissen, und vor Kurzem hab ich ihn dabei erwischt, wie er den Enten im Bach den Hals umdrehen wollte.</p><p>Und die Leute w�rden ihm nat�rlich glauben. Erstens glaubten die Leute sowieso immer, was sie glauben wollten, und zweitens stimmte das alles ja tats�chlich. Es war, als h�tte Kaveh die ganze Sache von Anfang an geplant, von dem Moment an, als er Tims Vater kennengelernt hatte.</p><p>Tim schnappte sich seinen Rucksack und machte die Beifahrert�r auf.</p><p>�Was machst du da?�, fragte Kaveh.�Bleib hier. Du musst in die Schule!�</p><p>�Scher dich zum Teufel�, sagte Tim und knallte die T�r zu.</p><subtitle>VICTORIA � LONDON</subtitle><p>Raul Montenegro war jedenfalls keine Sackgasse, dachte Barbara. Sie hatte sich eine Stunde lang von Link zu Link geklickt und so viele Artikel �ber den Mann gefunden, dass sie mehrere Meter Papier gebraucht h�tte, um sie alle auszudrucken. Sie musste sich also f�r einige wenige entscheiden. Nat�rlich waren s�mtliche Artikel auf Spanisch, aber immerhin hatte Barbara so viel verstanden, dass der Mann ein reicher Industrieller war und dass er in Mexiko irgendetwas mit Erdgas zu tun hatte. Offenbar war Alatea Fairclough, geborene Alatea Vasquez del Torres, aus Argentinien nach Mexiko gegangen, auch wenn die Gr�nde daf�r Barbara noch nicht klar waren. Alatea war entweder aus einem Ort, den Barbara noch nicht ermittelt hatte, nach Mexiko gezogen. Oder, was wahrscheinlicher war, wenn man die Reaktion der Frau in Argentinien bedachte, mit der Barbara zu telefonieren versucht hatte, sie war irgendwann aus Santa Mar�a de la Cruz, de los �ngeles y de los Santos verschwunden. Entweder war sie eine Nichte oder Kusine oder sonstige Verwandte des dortigen B�rgermeisters oder, was Barbara f�r wahrscheinlicher hielt, sie war mit einem von dessen S�hnen verheiratet gewesen. Das w�rde zumindest die Aufregung am anderen Ende der Leitung erkl�ren, als es Barbara endlich gelungen war, im Haus des B�rgermeisters jemanden an die Strippe zu bekommen. Falls Alatea aus einer Ehe mit einem der S�hne des B�rgermeisters gefl�chtet war, dann w�rde dieser B�rgermeistersohn sicherlich wissen wollen, wo sie steckte. Vor allem, sagte sich Barbara, falls die beiden immer noch verheiratet sein sollten.</p><p>Das waren nat�rlich alles Spekulationen, dachte Barbara. Azhar musste ihr unbedingt jemanden besorgen, der Spanisch lesen und ihr das Zeug �bersetzen konnte, aber er hatte sich immer noch nicht bei ihr gemeldet. Also verfolgte sie weiterhin m�hsam alle Spuren, die sie hatte, und schwor sich, bei Winston Nkata einen Intensivkurs in Internetrecherche zu belegen.</p><p>Sie fand heraus, dass Raul Montenegro steinreich war. Das entnahm sie einem online-Artikel von <emphasis>Hola!</emphasis>, dem Mutterschiff der englischen Zeitschrift <emphasis>Hello!</emphasis>. Beide Zeitschriften brachten in erster Linie Hochglanzfotos von Sternchen und Ber�hmtheiten mit strahlend wei�en Gebissen, so dass man eine Sonnenbrille brauchte, wenn man sie betrachten wollte. Und nat�rlich trugen sie alle Designerklamotten und lie�en sich in ihren palastartigen Villen oder � falls das eigene Heim f�r die Leser des jeweiligen Blatts zu bescheiden war � in teuren Szene-Hotels ablichten. Raul Montenegro mit der grauenhaften Nase war bereits mehrmals in <emphasis>Hola!</emphasis> portr�tiert worden. Auf den Fotos posierte er auf seinem Anwesen irgendwo an der mexikanischen K�ste, inmitten von Palmen und exotischer Vegetation und jeder Menge attraktiver junger Frauen und M�nner, die sich an seinem Swimmingpool r�kelten. Ein weiteres Foto zeigte Montenegro am Bug seiner Yacht, um ihn herum mehrere jugendliche Crewmitglieder in sehr engen wei�en Hosen und genauso engen blauen T-Shirts. Barbara schloss daraus, dass Montenegro sich gern mit Jugend und Sch�nheit umgab, da auf s�mtlichen Fotos nur junge Menschen zu sehen waren, die entweder sch�n oder umwerfend sch�n waren. Wo, fragte sie sich, w�hrend sie die Fotos betrachtete, kamen all diese sch�nen Menschen her? So viele braun gebrannte, schlanke, geschmeidige, appetitliche Menschen bekam man wahrscheinlich sonst nur bei einem Casting Call zu sehen. Was Barbara nat�rlich auf die Frage brachte, ob diese jungen Leute sich tats�chlich um irgendeine Rolle bewarben. Und falls dem so war, konnte sie sich auch schon denken, um was es sich handelte. Geld besa� doch immer eine unglaubliche Anziehungskraft. Und Raul Montenegro schien regelrecht in Geld zu schwimmen.</p><p>Interessant war allerdings, dass Alatea Fairclough geborene Soundso auf keinem einzigen der Fotos in <emphasis>Hola!</emphasis> auftauchte. Barbara verglich das Erscheinungsdatum der Zeitschrift mit dem Datum des Artikels, zu dem das Foto geh�rte, auf dem Alatea an Montenegros Arm hing. Die Fotos in <emphasis>Hola!</emphasis> waren �lter. Vielleicht hatte Montenegro sich ja ge�ndert, nachdem er Alatea kennengelernt hatte. Alatea besa� die Art Sch�nheit, die es einer Frau erlaubte, die Gesetze zu bestimmen: Wenn du mich willst, musst du auf alle anderen verzichten.</p><p>Was Barbara wieder an die Situation in Santa Mar�a de la Cruz, de los �ngeles y de los Santos denken lie�, wie auch immer diese Situation aussehen mochte. Genau das musste sie herausfinden. Sie druckte den <emphasis>Hola!</emphasis>�� Artikel aus und nahm sich noch einmal den B�rgermeister �steban Vega y de Vasquez von Santa Mar�a und so weiter vor. Erz�hlen Sie mir Ihre Geschichte, Se�or, dachte sie. Im Moment w�rde mich alles interessieren.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>�Ich habe Barbara Havers von deinem � wie soll ich es nennen, Thomas? � Fall � abgezogen.�</p><p>Lynley hatte am Stra�enrand angehalten, um den Anruf entgegenzunehmen. Er war auf dem Weg nach Ireleth Hall, um die Ergebnisse, zu denen St. James gekommen war, mit Bernard Fairclough zu besprechen.�Isabelle�, sagte er mit einem Seufzer.�Du bist w�tend auf mich. Aus gutem Grund. Es tut mir furchtbar leid.�</p><p>�Tja. Hm. Mir auch. Barbara hat �brigens Winston in den �Fall� hineingezogen. War das in deinem Auftrag? Ich habe das sofort unterbunden, aber es hat mir gar nicht gefallen, sie in trauter Zweisamkeit �ber einen Computer gebeugt in der Bibliothek anzutreffen.�</p><p>Lynley betrachtete seine Hand auf dem Lenkrad des Healey Elliott. Er trug immer noch seinen Ehering und hatte in den Monaten seit Helens Tod nicht ein einziges Mal daran gedacht, ihn abzulegen. Es war ein schlichter goldener Ring, und auf der Innenseite waren ihre und seine Initialen sowie das Datum ihrer Hochzeit eingraviert.</p><p>Er w�nschte sich nichts sehnlicher, als Helen wiederzuhaben. Diese Sehnsucht w�rde jede seiner Entscheidungen bestimmen, bis er irgendwann bereit war, Helen endlich und endg�ltig loszulassen und ihren Tod zu akzeptieren, anstatt sich Tag f�r Tag gegen die grausige Erkenntnis zu str�uben. Selbst im Zusammensein mit Isabelle war Helen immer da: mit ihrem Esprit und ihrem gesamten wunderbaren Wesen. Niemand war daran schuld, am wenigsten Isabelle. Es war einfach so.</p><p>Er sagte:�Nein. Ich habe Winston nicht um Unterst�tzung gebeten. Aber mach Barbara bitte nicht f�r all das verantwortlich, Isabelle. Sie versucht nur, mir ein paar Informationen zu besorgen.�</p><p>�Wegen dieser Sache in Cumbria.�</p><p>�Ja, wegen dieser Sache in Cumbria. Ich dachte, da sie ja noch ein paar Urlaubstage hatte ��</p><p>�Ich wei�, was du gedacht hast.�</p><p>Er wusste, dass Isabelle sich verletzt f�hlte und sich zugleich dar�ber �rgerte, dass sie sich verletzt f�hlte. Menschen in solchen Situationen hatten das Bed�rfnis, andere zu verletzen, das war ihm klar, und das konnte er verstehen. Aber das alles war im Moment vollkommen unn�tig, und das wollte er ihr so gern begreiflich machen.�All das hat nichts mit Verrat zu tun.�</p><p>�Wie kommst du auf die Idee, dass ich es als solchen auffassen k�nnte?�</p><p>�Weil ich es an deiner Stelle so auffassen w�rde. Du bist die Chefin. Ich habe kein Recht, deine Mitarbeiter um Unterst�tzung zu bitten. Und h�tte ich eine andere M�glichkeit gehabt, mir die notwendigen Informationen in so kurzer Zeit zu beschaffen, dann h�tte ich Barbara Havers aus dem Spiel gelassen, glaub mir.�</p><p>�Aber es gab eine andere M�glichkeit, und das ist es, was mich aufbringt. Dass du die andere M�glichkeit nicht gesehen hast und offenbar immer noch nicht siehst.�</p><p>�Du meinst, ich h�tte mich an dich wenden sollen. Das ging leider nicht, Isabelle. Hillier hat das von Anfang an klargestellt. Ich sollte den Fall �bernehmen, und niemand sollte davon erfahren.�</p><p>�Niemand.�</p><p>�Du meinst Barbara. Ich habe ihr nichts davon erz�hlt. Sie ist von selbst draufgekommen, weil ich sie um Informationen �ber Bernard Fairclough gebeten habe. Als sie angefangen hat, �ber den Mann zu recherchieren, hat sie zwei und zwei zusammengez�hlt. Sag mir eins: Was h�ttest du an meiner Stelle getan?�</p><p>�Ich m�chte annehmen, dass ich dir vertraut h�tte.�</p><p>�Weil ich dein Liebhaber bin?�</p><p>�Ja. So in etwa.�</p><p>�Aber das geht nicht�, sagte er.�Isabelle, denk doch mal nach.�</p><p>�Ich tue fast nichts anderes. Und das ist ein echtes Problem, wie du dir vorstellen kannst.�</p><p>�Ja, das kann ich. �Er wusste, was sie meinte, doch er wollte den Streit abwenden, auch wenn er nicht genau wusste, warum eigentlich. Wahrscheinlich hatte es mit der schrecklichen Leere zu tun, die er seit Helens Tod empfand, und damit, dass Menschen als geselligen Gesch�pfen die Einsamkeit nicht guttat. Aber das war wahrscheinlich die krasseste Form der Selbstt�uschung, gef�hrlich sowohl f�r ihn als auch f�r Isabelle. Trotzdem sagte er:�Wir m�ssen das trennen, Isabelle, und zwar haarscharf. Das eine ist unser Beruf, und das andere ist unser Privatvergn�gen. Wenn du die Stelle als Superintendent bekommst, wirst du immer wieder �ber Wissen verf�gen � durch Hillier oder sonst wen �, in das du mich nicht einweihen darfst.�</p><p>�Ich w�rde es trotzdem tun.�</p><p>�Nein, Isabelle, das w�rdest du nicht.�</p><p>�Hast du es getan?�</p><p>�Hab ich was getan?�</p><p>�Ich meine Helen, Tommy. Hast du Helen immer alles erz�hlt?�</p><p>Wie sollte er ihr das erkl�ren? Er hatte Helen nichts zu erz�hlen brauchen, weil Helen immer alles gewusst hatte. Sie war zu ihm ins Bad gekommen, hatte sich ein bisschen Massage�l auf die H�nde getr�ufelt und angefangen, ihm den R�cken zu massieren und dabei gemurmelt:�Ah, David Hillier schon wieder, hm? Wirklich, Tommy. Ich glaube, noch nie hat sich ein Ritterschlag so inflation�r auf das Selbstwertgef�hl eines Mannes ausgewirkt. �Dann hatte er ihr vielleicht etwas erz�hlt, vielleicht auch nicht, aber der springende Punkt war, dass es f�r Helen keine Rolle gespielt hatte. Was er sagte, war f�r sie vollkommen unwichtig gewesen. Sie hatte nur interessiert, wer er war.</p><p>Das Schlimmste war, dass sie ihm so sehr fehlte. Er konnte es ertragen, dass er derjenige gewesen war, der die Entscheidung getroffen hatte, wann die lebenserhaltenden Ma�nahmen eingestellt wurden. Er konnte es ertragen, dass sie ihr gemeinsames Kind mit ins Grab genommen hatte. Er gew�hnte sich mit der Zeit daran, dass ihr Tod ein sinnloser Zufallsmord gewesen war, der aus dem Nichts heraus geschehen und ohne jeden Sinn gewesen war. Aber die Leere, die ihr Tod in seinem Leben hinterlassen hatte, war so unertr�glich, dass er manchmal nahe dran war, Helen daf�r zu hassen.</p><p>Isabelle sagte:�Was soll ich aus deinem Schweigen schlie�en?�</p><p>�Nichts. Ich habe nur nachgedacht.�</p><p>�Und die Antwort?�</p><p>�Worauf?�Er hatte tats�chlich vergessen, was sie ihn gefragt hatte.</p><p>�Helen.�</p><p>�Ich w�nschte wirklich, es g�be eine Antwort�, sagte er.</p><p>Dann, v�llig abrupt, wie es ihre Art war, zog sie andere Saiten auf. Es war ein Wesenszug an ihr, der ihn zugleich irritierte und anzog.�Gott, verzeih mir, Tommy�, sagte sie leise.�Ich mache dich nur fertig. Das hast du nicht verdient. Ich rufe dich an, obwohl ich eigentlich andere Dinge zu tun habe. Das ist der falsche Zeitpunkt f�r dieses Gespr�ch. Ich war sauer wegen Winston, aber daran bist du nicht schuld. Wir unterhalten uns sp�ter.�</p><p>�Ja�, sagte er.</p><p>�Kannst du schon sagen, wann du wieder zur�ck sein wirst?�</p><p>Das, dachte er, war ironischerweise die entscheidende Frage. Er schaute aus dem Fenster. Er befand sich auf der A 592 in einer dicht bewaldeten Gegend am Lake Windermere. Ein paar Bl�tter klammerten sich st�rrisch an die �ste von Ahornb�umen und Birken, aber dem n�chsten st�rkeren Wind w�rden sie nicht mehr standhalten.�Ich hoffe, bald. Vielleicht schon morgen. Oder �bermorgen. Simon war ein paar Tage hier, und er hat seine forensischen Untersuchungen abgeschlossen. Deborah verfolgt noch eine Spur. Ich muss so lange hierbleiben, bis sie diese Sache beendet hat. Ich bin mir nicht sicher, ob es etwas mit dem Fall zu tun hat, aber sie hat sich nicht davon abbringen lassen, und ich kann sie nicht hier oben allein lassen.�</p><p>Isabelle schwieg eine Weile. Er wartete ab, wie sie darauf reagieren w�rde, dass er Simon und Deborah erw�hnt hatte.�Es freut mich, dass die beiden dir helfen konnten�, sagte sie leichthin, aber er wusste, was es sie kostete, es so klingen zu lassen.</p><p>�Ja�, erwiderte er.</p><p>�Wir reden, wenn du wieder hier bist.�</p><p>�Machen wir.�</p><p>Nachdem sie das Gespr�ch beendet hatten, blieb er noch eine Weile in seinem Wagen sitzen und starrte ins Leere. Es gab Dinge und Gef�hle, die er w�rde kl�ren m�ssen. Doch zuerst musste er diesen Fall in Cumbria l�sen.</p><p>Er f�delte sich wieder in den Verkehr ein und setzte seinen Weg nach Ireleth Hall fort. Das Tor stand offen. Als er die Einfahrt hochfuhr, sah er, dass vor dem Haus ein Auto stand. Er erkannte es als eins der beiden Autos, die er in Great Urswick gesehen hatte, und schloss daraus, dass Faircloughs Tochter Manette zu Besuch war.</p><p>Sie war jedoch nicht allein gekommen, wie er bald feststellte, sondern in Begleitung ihres Exmannes. Die beiden sa�en zusammen mit den Faircloughs in der gro�en Eingangshalle, und alle waren nach einem Besuch von Nicholas Fairclough noch immer ganz ersch�ttert, wie er von Bernard erfuhr, der ihn eingelassen hatte.</p><p>Valerie ergriff das Wort:�Ich f�rchte, wir waren Ihnen gegen�ber nicht ganz ehrlich, Inspector. Und es sieht ganz so aus, als w�re jetzt der Zeitpunkt gekommen, Ihnen die Wahrheit zu sagen.�</p><p>Lynley schaute Fairclough an. Fairclough wandte sich ab. Lynley begriff sofort, dass man ihn benutzt hatte, und er sp�rte, wie ihn die Wut packte.�Wenn Sie die G�te h�tten, mir das zu erkl�ren�, sagte er zu Valerie.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Ich bin der Grund, warum man Sie nach Cumbria gebeten hat, Inspector. Au�er Bernard hat niemand davon gewusst. Aber jetzt wissen es auch Manette, Freddie und Nicholas.�</p><p>Einen verr�ckten Augenblick lang rechnete Lynley tats�chlich damit, dass die Frau als N�chstes den Mord am Neffen ihres Mannes gestehen w�rde. Immerhin w�re die Kulisse daf�r perfekt. Es erinnerte ihn an die Sorte Krimis, die an jedem Bahnhof verkauft wurden. Mit Titeln wie <emphasis>Tee im Pfarrhaus</emphasis> und <emphasis>Mord in der Bibliothek.</emphasis> Er konnte sich zwar nicht vorstellen, warum Valerie pl�tzlich ein Gest�ndnis ablegen wollte, aber er hatte auch nie verstanden, warum die Figuren in diesen Krimis in aller Seelenruhe im Wohnzimmer oder der Bibliothek sa�en, wohl wissend, dass am Ende der Ausf�hrungen des Detektivs einer von ihnen als der Schuldige dastehen w�rde. Keiner von ihnen verlangte jemals nach einem Anwalt. Das hatte Lynley nie verstanden.</p><p>Valerie, die offenbar seine Verwirrung gesp�rt hatte, beeilte sich, Klarheit zu schaffen. Es sei ganz einfach: Nicht ihr Mann, sondern sie sei diejenige gewesen, die darauf bestanden habe, dass Ian Cresswells Tod genauer untersucht wurde.</p><p>Das, dachte Lynley, erkl�rte allerdings eine ganze Menge, erst recht nach allem, was sie bisher �ber Faircloughs Privatleben zutage gef�rdert hatten. Dennoch erkl�rte es nicht alles. Das <emphasis>Warum</emphasis> harrte immer noch einer Antwort. <emphasis>Warum Valerie? Warum �berhaupt?</emphasis> Denn wenn sich herausstellte, dass es Mord gewesen war, dann war der T�ter wahrscheinlich unter ihren Angeh�rigen zu suchen.</p><p>Lynley sagte:�Verstehe. Ich wei� nicht, ob das eine Rolle spielt. �Dann berichtete er ihnen von den Untersuchungen im Bootshaus. Alles, was er und Simon St. James dort hatten feststellen k�nnen, sagte er, decke sich mit dem Befund des Coroners. Demnach sei Ian Cresswell durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen. Dasselbe h�tte jedem passieren k�nnen, der das Bootshaus benutzte. Der gemauerte Steg sei uralt und einige Steine darin locker. Die Steine, die sich aus dem Gem�uer gel�st hatten, seien nicht manipuliert worden. W�re Cresswell aus einem anderen Bootstyp ausgestiegen, w�re er vielleicht nur gestolpert. Aber aus einem Skullboot auszusteigen, sei gef�hrlicher, weil es schwierig war, dabei die Balance zu halten. Hinzu seien die losen Steine gekommen, und beides zusammen h�tte ihn das Leben gekostet. Er habe das Gleichgewicht verloren, sei mit dem Kopf auf die Steinmauer aufgeschlagen, ins Wasser gefallen und ertrunken. Es gebe keinerlei Anzeichen f�r Fremdeinwirkung.</p><p>Jetzt, dachte Lynley, h�tte eigentlich ein allgemeines erleichtertes Aufatmen erfolgen m�ssen. Normalerweise h�tte er erwartet, dass Valerie etwas wie� Gott sei Dank!�ausrufen w�rde. Stattdessen folgte ein langes, angespanntes Schweigen, woraus er schloss, dass der tats�chliche Grund f�r die Ermittlungen gar nicht Ian Cresswells Tod gewesen war.</p><p>Pl�tzlich ging die Haust�r auf, und Mignon Fairclough trat ein, gest�tzt auf ihren Rollator.</p><p>�Freddie, machst du bitte die T�r zu, Darling?�, fl�tete sie.�Es f�llt mir ein bisschen schwer. �Als Freddie McGhie aufspringen wollte, um ihrer Bitte nachzukommen, sagte Valerie scharf:�Ich denke, es d�rfte dir nicht schwerfallen, die T�r selbst zuzumachen!�</p><p>Mignon legte den Kopf schief und sah ihre Mutter mit hochgezogenen Brauen an.�Also gut�, sagte sie, drehte sich mit ihrem Rollator betont umst�ndlich um und schloss die T�r.�So�, sagte sie dann und wandte sich wieder ihrer Familie zu.�Das ist ja hier der reinste Taubenschlag, meine Lieben. Erst Manette und Freddie <emphasis>� deux</emphasis>. Wie aufregend! Mein Herz klopft bei dem Gedanken, was das alles bedeuten k�nnte. Dann kommt Nick angerauscht. Und rauscht wieder ab. Und jetzt ist unser gutaussehender Detective von Scotland Yard wieder unter uns und macht uns das Leben schwer. Verzeiht mir die Neugier, Mum und Dad, aber bei allem, was hier drinnen vor sich geht, habe ich es drau�en keine Minute l�nger ausgehalten.�</p><p>�Das trifft sich gut�, sagte Valerie.�Denn wir reden gerade �ber die Zukunft.�</p><p>�Darf ich fragen, �ber wessen Zukunft?�</p><p>��ber unser aller Zukunft. Einschlie�lich deiner. Ich habe heute erfahren, dass dein monatlicher Unterhalt vor einiger Zeit betr�chtlich erh�ht wurde. Damit ist es jetzt vorbei. Du bekommst ab sofort �berhaupt keinen Unterhalt mehr.�</p><p>Mignon schaute sie verdattert an. Damit hatte sie offenbar nicht gerechnet.�Aber Mum, meine Liebe � ich bin behindert. In meinem Zustand kann ich mich auf keine Arbeitsstelle bewerben. Du kannst mir also nicht einfach ��</p><p>�Da irrst du dich gewaltig, Mignon. Ich kann und ich werde.�</p><p>Mignon sah sich um, als suchte sie nach dem Grund f�r diese unerwartete Schicksalswende. Ihr Blick fiel auf Manette.�Du kleines Mistst�ck�, sagte sie mit zusammengekniffenen Augen.�Das h�tte ich dir wirklich nicht zugetraut.�</p><p>�Mignon!�, rief Freddie aus.</p><p>�Du h�ltst dich da raus�, fauchte sie ihn an.�Oder m�chtest du vielleicht gern �ber Manette und Ian reden, Freddie?�</p><p>�Da gibt es nichts zu reden, das wei�t du ganz genau�, sagte Manette.</p><p>�Es gibt einen Schuhkarton voll mit Briefen, Darling. Ein paar davon sind verbrannt, aber der Rest ist nach wie vor in einwandfreiem Zustand. Ich kann sie jederzeit herholen. Auf den Augenblick warte ich schon seit Jahren.�</p><p>�Okay, ich war als junges M�dchen in Ian verknallt. Versuch ruhig, mehr daraus zu machen, du wirst nicht weit kommen.�</p><p>�Und was ist mit �Ich liebe dich mehr, als ich jemals einen anderen lieben werde� und �Ach, bitte, ich m�chte, dass du mein Erster bist�?�</p><p>�Ich bitte dich�, sagte Manette angewidert.</p><p>�Ich k�nnte dir noch mehr davon zitieren, ich kenne jede Menge deiner Briefe auswendig.�</p><p>�Und keiner von uns will es h�ren�, fuhr Valerie sie an.�Es wurde genug gesagt. Es reicht.�</p><p>�O nein, es reicht noch lange nicht. �Mignon ging auf das Sofa zu, auf dem ihre Schwester und Freddie sa�en. Sie sagte:�Wenn�s dir nichts ausmacht, Freddie�, und machte Anstalten, sich zu setzen. Ihm blieb gar nichts anderes �brig, als aufzustehen, wenn er seine Schw�gerin nicht auf dem Scho� haben wollte. Er gesellte sich zu Bernard, der am Kamin stand.</p><p>Lynley sah ihnen allen an, dass sie versuchten, sich auf etwas Neues einzustellen. Sie ahnten, dass etwas auf sie zukam, auch wenn sie nicht wussten, was es war. Offenbar hatte Mignon jahrelang Informationen �ber s�mtliche Familienmitglieder gesammelt. Bisher hatte sie davon keinen Gebrauch machen m�ssen, jetzt jedoch schien sie entschlossen, das zu tun. Sie schaute erst ihre Schwester und dann ihren Vater an. Dann sagte sie l�chelnd, ohne ihren Blick von ihrem Vater abzuwenden:�Wei�t du, Mum, ich glaube nicht, dass sich hier viel �ndern wird. Und ich sch�tze, dass Dad das auch nicht glaubt.�</p><p>Valerie lie� sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen.�Die Unterhaltszahlungen an Vivienne Tully werden ebenfalls eingestellt, falls du darauf anspielst. So ist es doch, nicht wahr? Ich nehme an, dass du deinen Vater schon seit Jahren mit Vivienne Tully erpresst. Kein Wunder, dass so viel Geld in deine Richtung geflossen ist.�</p><p>�Ach, und jetzt h�ltst du ihm die andere Wange hin?�, h�hnte Mignon.�Sind wir schon so weit? Ist es schon so weit gekommen zwischen euch?�</p><p>�Was zwischen deinem Vater und mir ist, geht dich nichts an. Niemandes Ehe geht dich etwas an.�</p><p>�Ich m�chte mich nur vergewissern, dass ich alles richtig verstanden habe�, sagte Mignon.�Er treibt�s mit Vivienne Tully in London, er kauft ihr eine Wohnung, er f�hrt ein verdammtes Doppelleben � und jetzt soll <emphasis>ich</emphasis> daf�r bezahlen, weil ich den Anstand besessen habe, dir nichts davon zu erz�hlen?�</p><p>�Stell dich nicht dar als die noble Retterin�, sagte Valerie.</p><p>�H�rt, h�rt�, murmelte Freddie.</p><p>�Du wei�t genau, warum du mir nichts davon erz�hlt hast�, fuhr Valerie fort.�Die Informationen waren dir n�tzlich, und du bist eine ganz gew�hnliche Erpresserin. Du solltest niederknien und dem Herrgott daf�r danken, dass ich den Inspector nicht bitte, dich zu verhaften. Abgesehen davon ist alles, was mit Vivienne Tully zu tun hat, eine Angelegenheit zwischen deinem Vater und mir. Das alles geht dich nichts an. Das Einzige, womit du dich befassen solltest, ist die Frage, was du in Zukunft aus deinem Leben zu machen gedenkst. Denn es f�ngt morgen an, und das wird ganz anders aussehen als bisher.�</p><p>Mignon wandte sich an ihren Vater. Sie war sich dessen bewusst, dass sie alle Tr�mpfe in der Hand hielt.�Ist das in deinem Sinne?�, fragte sie ihn.</p><p>�Mignon�, seufzte er.</p><p>�Sprich dich aus, Dad. Es ist der perfekte Zeitpunkt daf�r.�</p><p>�H�r auf, Mignon�, sagte Bernard.�Was du tust, ist unn�tig.�</p><p>�Ich f�rchte, da irrst du dich.�</p><p>�Valerie�, flehte Bernard seine Frau an. Der Mann musste gerade mitansehen, wie sein gewohntes Leben in Scherben ging, dachte Lynley.�Ich glaube, es ist alles N�tige gesagt worden. Wenn wir uns vielleicht darauf einigen k�nnen ��</p><p>�Worauf?�, fauchte Valerie.</p><p>�Darauf, ein bisschen Gnade walten zu lassen. Dieser schreckliche Sturz vor all den Jahren. In Launchy Gill. Es geht ihr nicht gut. Sie ist seitdem nicht mehr dieselbe. Du wei�t, dass sie nicht in der Lage ist, f�r sich selbst zu sorgen.�</p><p>�Sie ist genauso gut dazu in der Lage wie ich�, schaltete Manette sich ein.�Wie jeder hier. Ehrlich, Dad, Mum hat recht, Herrgott noch mal. Es wird Zeit, dass wir mit diesem Unsinn aufh�ren. Das muss die teuerste Sch�delfraktur aller Zeiten sein, wenn man bedenkt, wie viel Kapital Mignon daraus geschlagen hat.�</p><p>Aber Valerie beobachtete ihren Mann. Lynley sah, dass Fairclough der Schwei� auf die Stirn getreten war. Seine Frau hatte es offenbar ebenfalls bemerkt, denn sie wandte sich an Mignon und sagte leise:�Bringen wir es hinter uns.�</p><p>�Dad?�, sagte Mignon.</p><p>�Um Himmels willen, gib ihr, was sie will, Valerie.�</p><p>�Nein, das werde ich nicht�, entgegnete Valerie.�Auf gar keinen Fall.�</p><p>�Dann sollten wir uns jetzt �ber Bianca unterhalten�, sagte Mignon. Ihr Vater schloss die Augen.</p><p>�Wer ist Bianca?�, fragte Manette.</p><p>�Unsere kleine Halbschwester�, antwortete Mignon. Sie schaute ihren Vater an.�Willst du uns von ihr erz�hlen, Dad?�</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Lucy Kevernes Anruf versetzte Alatea Fairclough in Alarmstimmung. Sie hatten vereinbart, dass Lucy sie niemals anrufen w�rde, weder auf dem Handy noch auf dem Festnetz. Alatea hatte ihr zwar die Nummern gegeben, doch sie hatte von Anfang an klargestellt, dass ein Anruf bei ihr der ganzen Sache ein Ende setzen w�rde, und das wollten sie beide nicht.</p><p>Worauf Lucy verst�ndlicherweise gefragt hatte:�Und was soll ich im Notfall tun?�</p><p>�Dann m�ssen Sie eben anrufen. Aber Sie werden verstehen, dass ich dann nicht mit Ihnen sprechen kann.�</p><p>�Wir brauchen einen Code f�r diesen Fall.�</p><p>�F�r was?�</p><p>�F�r den Fall, dass Sie in dem Moment, wo ich anrufe, nicht mit mir sprechen k�nnen. Falls Ihr Mann in H�rweite ist, k�nnen Sie ja schlecht sagen: �Ich kann jetzt nicht mit Ihnen sprechen.� Das w�rde ja erst recht seinen Verdacht erregen, oder?�</p><p>�Ja, da haben Sie recht. �Alatea �berlegte.�Ich werde sagen: �Nein, tut mir leid, ich habe nichts bei Ihnen bestellt�, und dann rufe ich Sie bei der allern�chsten Gelegenheit zur�ck. Aber das kann wom�glich bis zum n�chsten Tag dauern.�</p><p>Darauf hatten sie sich schlie�lich geeinigt, und bisher hatte Lucy auch keinen Grund gehabt, Alatea anzurufen. Als sie sich jetzt jedoch so kurz nach ihrem Treffen in Lancaster meldete, wusste Altea sofort, dass etwas nicht stimmte.</p><p>Wie brenzlig die Situation war, wurde ihr nach wenigen Sekunden klar. Man hatte sie zusammen an der Uni gesehen, berichtete ihr Lucy. Man hatte sie im George Childress Centre gesehen. Wahrscheinlich hatte es nichts zu bedeuten, aber eine Frau war ihnen von der Uni zum Invalidenheim gefolgt und hatte mit Lucy �ber Leihmutterschaft sprechen wollen. Sie sei auf der Suche nach einer Leihmutter, habe die Frau behauptet. Auch das m�sse noch nichts Schlimmes bedeuten. Doch die Tatsache, dass die Frau nicht Alatea, sondern Lucy angesprochen habe �</p><p>�Sie meinte, Sie h�tten �diesen Blick��, fuhr Lucy fort.�Sie hat gesagt, es ist ein Blick, den sie von sich selbst gut kennt. Deswegen h�tte sie sofort gewusst, dass sie nicht Sie, sondern mich auf die M�glichkeit einer Leihmutterschaft ansprechen musste.�</p><p>Alatea hatte das Gespr�ch in der Kaminnische des gro�en Wohnzimmers angenommen. Es war ein kuscheliges Pl�tzchen, wo sie die Wahl hatte, von der Eckbank aus in den Garten hinauszuschauen oder auf der anderen Seite des Kamins zu sitzen, wo jemand, der das Zimmer betrat, sie nicht gleich sehen konnte. Sie war allein im Haus und gerade dabei gewesen, in Architekturzeitschriften zu bl�ttern, doch mit den Gedanken war sie ganz woanders gewesen, n�mlich bei Lucy. Sie hatte �berlegt, wie sie weiter vorgehen sollten. Schon bald, hatte sie sich gesagt, w�rde Lucy Keverne, eine mittellose St�ckeschreiberin aus Lancaster, die in dem Invalidenheim arbeitete, um sich �ber Wasser zu halten, als eine Art neue Freundin in ihr Leben treten. Von da an w�rde alles einfacher werden. Es w�rde nie perfekt werden, aber das spielte keine Rolle. Man musste lernen, mit der Unvollkommenheit zu leben.</p><p>Als Lucy die Frau beschrieb, die ihnen gefolgt war, wusste Alatea sofort, wer sie war. Blitzschnell z�hlte sie zwei und zwei zusammen und kam zu dem Schluss, dass die rothaarige Frau namens Deborah St. James, die angeblich einen Dokumentarfilm drehen wollte, ihr nach Lancaster gefolgt war.</p><p>Anfangs hatten Alateas �ngste sich in erster Linie um den Journalisten gedreht. Sie kannte die <emphasis>Source</emphasis>, und sie wusste, dass das Blatt einen unstillbaren Hunger auf Skandale hatte. Der erste Besuch das Mannes in Cumbria hatte sie nerv�s gemacht, aber als er zum zweiten Mal aufgetaucht war, hatte sie H�llenqualen gelitten. Am meisten f�rchtete sie ein Foto in der Zeitung, auf dem sie erkannt w�rde. Und jetzt war ihr auch noch diese Rothaarige auf den Fersen.</p><p>�Was haben Sie ihr gesagt?�, fragte Alatea so ruhig, wie es ihr m�glich war.</p><p>�Die Wahrheit �ber das Thema Leihmutterschaft. Aber das meiste wusste sie schon.�</p><p>�Was meinen Sie mit Wahrheit?�</p><p>�Na ja, die verschiedenen M�glichkeiten, die es gibt, was legal ist und was nicht, und so weiter. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, irgendwie konnte ich nachvollziehen, was sie getan hatte. Ich meine, wenn eine Frau verzweifelt ist ��Lucy z�gerte.</p><p>�Fahren Sie fort�, sagte Alatea.�Wenn eine Frau verzweifelt ist �?�</p><p>�Dann schreckt sie vor nichts zur�ck. Deswegen kam es mir alles in allem gar nicht so abwegig vor, dass eine Frau, die zu einer Beratung ins George Childress Centre gegangen war und uns irgendwo auf dem Korridor zusammen gesehen hatte, wom�glich ��</p><p>�Wom�glich was?�</p><p>�� eine Chance gewittert hatte. Letztlich haben wir beide uns ja auch auf diese Weise kennengelernt.�</p><p>�Nein. Ich habe mich auf eine Anzeige von Ihnen gemeldet.�</p><p>�Richtig. Aber ich spreche von dem Gef�hl, das dahintersteckt. Von dieser Verzweiflung. Denn dar�ber hat sie die ganze Zeit geredet. Dachte ich zumindest.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Na ja, deswegen rufe ich Sie an. Nach dem Gespr�ch habe ich sie zur T�r begleitet, und wir haben uns verabschiedet. Sie ging die Stra�e hinunter, und von einem Fenster im Korridor habe ich dann zuf�llig gesehen, wie sie pl�tzlich auf dem Absatz kehrtgemacht hat und wieder zur�ckgegangen ist. Zuerst dachte ich, sie wollte mich noch etwas fragen, doch sie ist am Invalidenheim vorbeigegangen und in ein Auto gestiegen.�</p><p>�Vielleicht hatte sie vergessen, wo sie geparkt hatte�, sagte Alatea, obwohl sie das eigentlich selbst nicht glaubte.</p><p>�Das dachte ich auch zuerst. Aber offenbar sa� jemand in dem Auto, denn sie ist auf der Beifahrerseite eingestiegen, und jemand hat ihr von innen die T�r aufgehalten. Also bin ich am Fenster stehen geblieben und habe gewartet, bis das Auto vorbeifuhr. Am Steuer sa� ein Mann. Und das hat mich misstrauisch gemacht, verstehen Sie? Ich meine, wenn sie mit ihrem Mann hier war, warum haben die beiden dann nicht gemeinsam mit mir gesprochen? Warum hat sie ihn nicht erw�hnt? Mir erz�hlt, dass er drau�en im Auto wartet? Doch sie hat ihn mit keinem Wort erw�hnt.�</p><p>�Wie sah der Mann aus, Lucy?�</p><p>�Ich konnte ihn nicht richtig sehen, es ging alles zu schnell. Aber es schien mir das Beste, Sie anzurufen, weil � Na ja, Sie wissen schon. Die ganze Sache ist sowieso schon riskant ��</p><p>�Ich kann Ihnen mehr bezahlen.�</p><p>�Das ist nicht der Grund, warum ich anrufe, um Gottes willen. Wir haben uns doch l�ngst auf einen Preis geeinigt. Ich versuche nicht, noch mehr Geld aus Ihnen herauszuquetschen. Ich wollte nur, dass Sie wissen ��</p><p>�Dann sollten wir die ersten Schritte unternehmen. Und zwar m�glichst bald.�</p><p>�Na ja, das ist es ja gerade, wissen Sie. Ich w�rde eher vorschlagen, dass wir noch ein bisschen l�nger warten. Ich glaube, wir m�ssen uns vergewissern, dass diese Frau, wer auch immer sie sein mag, uns nicht gef�hrlich wird. Dann k�nnen wir vielleicht in einem Monat ��</p><p>�Nein! Wir haben doch alles vorbereitet. Wir k�nnen nicht l�nger warten!�</p><p>�Doch, Alatea, ich finde, das sollten wir tun. Ich schlage Folgendes vor: Sobald sich herausstellt, dass es wirklich reiner Zufall war, dass diese Frau uns gesehen und mich angesprochen hat, legen wir los. Ich gehe schlie�lich ein gr��eres Risiko ein als Sie.�</p><p>Alatea f�hlte sich wie benommen, das Atmen fiel ihr schwer.�Sie haben mich in der Hand�, sagte sie.</p><p>�Alatea, meine Liebe, es geht nicht um Macht. Es geht um Sicherheit. Um Ihre und meine. Schlie�lich bewegen wir uns am Rande der Legalit�t. Und es geht auch noch um eine Reihe anderer Dinge, �ber die wir aber jetzt nicht sprechen m�ssen.�</p><p>�Was f�r Dinge?�, wollte Alatea wissen.</p><p>�Nichts, nichts. Das war nur so dahingesagt. H�ren Sie, ich muss zur�ck an die Arbeit. Wir sprechen uns in ein paar Tagen wieder. Machen Sie sich keine Sorgen, okay? Ich stehe Ihnen weiterhin zur Verf�gung, nur nicht jetzt sofort. Nicht, solange wir nicht mit Sicherheit wissen, dass das Auftauchen dieser Frau nichts zu bedeuten hat.�</p><p>�Und wie werden wir das erfahren?�</p><p>�Wie gesagt: Ich werde es wissen, wenn sie nicht wieder bei mir auftaucht.�</p><p>Lucy Keverne riet ihr noch einmal, sich keine Sorgen zu machen, Ruhe zu bewahren, auf sich aufzupassen. Sie werde sich bei Alatea melden. Alles werde gut werden. Dann legte sie auf.</p><p>Alatea blieb in der Nische sitzen und �berlegte, welche M�glichkeiten ihr blieben oder ob sie �berhaupt noch etwas �ndern konnte. Sie hatte von Anfang gesp�rt, dass die Rothaarige ihr gef�hrlich werden w�rde, egal, was Nicholas gesagt hatte. Und jetzt, wo Lucy diese Deborah St. James mit einem Mann zusammen gesehen hatte, wusste sie auch, wie die Gefahr aussah. Manche Menschen hatten nicht das Recht, so zu leben, wie sie es w�nschten, und sie, Alatea, hatte das gro�e Pech, einer von diesen Menschen zu sein. Sie war au�ergew�hnlich sch�n, doch das bedeutete ihr �berhaupt nichts. Im Gegenteil, ihre Sch�nheit war ihr Untergang gewesen.</p><p>Sie h�rte, wie irgendwo im Haus eine T�r zugeschlagen wurde. Sie sprang auf und schaute stirnrunzelnd auf ihre Armbanduhr. Nicky war zur Arbeit gefahren. Von dort m�sste er eigentlich zu seinem Wehrturmprojekt weitergefahren sein. Aber als er ihren Namen rief und als sie die Panik in seiner Stimme h�rte, wusste sie, dass er woanders gewesen war.</p><p>Sie eilte ihm entgegen und rief:�Hier, Nicky! Ich bin hier!�</p><p>Sie trafen sich in dem langen, eichenget�felten Flur, wo tr�bes D�mmerlicht herrschte. Sie konnte seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen. Doch seine Stimme jagte ihr Angst ein.�Ich bin schuld�, sagte er.�Ich habe alles kaputt gemacht, Allie. Und ich wei� nicht, wie ich mit diesem Wissen leben soll.�</p><p>Alatea erinnerte sich daran, wie verzweifelt Nicholas am Vortag gewesen war, nachdem er erfahren hatte, dass jemand von Scotland Yard die Umst�nde von Ian Cresswells Tod untersuchte. Einen schrecklichen Moment lang hielt sie Nicholas� Worte f�r ein Gest�ndnis, dass er seinen Vetter ermordet hatte, und ihr wurde ganz schwindlig bei dem Gedanken, was ihnen passieren konnte, wenn das herauskam. Wenn der Schrecken ein Wesen besa�, dann war es in dem d�steren Flur deutlich zu sp�ren.</p><p>Sie sagte:�Nicky, bitte�, und nahm seinen Arm.�Du musst mir genau erz�hlen, was passiert ist. Dann entscheiden wir gemeinsam, was zu tun ist.�</p><p>Unerkl�rlicherweise f�llten sich seine Augen mit Tr�nen.�Ich glaube, das kann ich nicht�, sagte er.</p><p>�Warum nicht? Was ist passiert? Was kann denn so schrecklich sein, dass du es mir nicht sagen kannst?�</p><p>Er lehnte sich gegen die Wand. Ohne seinen Arm loszulassen, sagte sie:�Geht es um diese Scotland-Yard-Ermittlung? Hast du mit deinem Vater gesprochen? Glaubt er allen Ernstes �?�</p><p>�Das spielt alles keine Rolle�, erwiderte Nicholas.�Wir sind von lauter L�gnern umgeben. Meine Mutter, mein Vater, wahrscheinlich meine Schwestern, dann dieser Journalist von der <emphasis>Source</emphasis> und diese Frau von der Filmgesellschaft. Aber ich habe es nicht gesehen, weil ich an nichts anderes denken konnte als daran, mich zu <emphasis>beweisen</emphasis>. �Das letzte Wort hatte er voller Verachtung ausgesprochen.�Ego, Ego, Ego�, sagte er und schlug sich dabei jedes Mal mit der Faust an die Stirn.�Mich hat die ganze Zeit nichts anderes interessiert, als aller Welt � vor allem meiner Familie � zu beweisen, dass ich nicht mehr der bin, den sie bisher kannten. Keine Drogen mehr, kein Alkohol mehr. Sie sollten es <emphasis>sehen</emphasis>. Deswegen habe ich keine Gelegenheit ausgelassen, mich in ein gutes Licht zu r�cken, und einzig und allein deswegen sind wir jetzt in dieser Situation.�</p><p>Alatea war vor Schreck fast die Luft weggeblieben, als er Deborah St. James erw�hnt hatte.</p><p>Mehr und mehr drehte sich alles um diese Frau, die sie in blindem Vertrauen mit ihrer Kamera in ihr Haus gelassen hatten, mit der sie sich unterhalten, deren Fragen sie beantwortet hatten. Von Anfang an hatte Alatea gesp�rt, dass mit dieser Frau irgendetwas nicht stimmte. Und jetzt war sie sogar in Lancaster gewesen und hatte mit Lucy Keverne gesprochen. So schnell war sie ihr auf die Schliche gekommen. Das h�tte Alatea nie f�r m�glich gehalten.�Wie genau sieht denn die Situation aus, in der wir uns befinden, Nicky?�, fragte sie.</p><p>Er erkl�rte es ihr, und sie versuchte, seinen Ausf�hrungen zu folgen. Er sprach von dem Journalisten, der die rothaarige Frau f�r eine Polizistin von Scotland Yard hielt, er sprach von seinen Eltern und dar�ber, dass er sich mit ihnen in Gegenwart von Manette und Freddie McGhie �ber genau das Thema gestritten hatte. Er sprach von seiner Mutter, die ihm er�ffnet hatte, dass sie diejenige gewesen war, die sich an Scotland Yard gewandt hatte. Und er erz�hlte ihr, wie verbl�fft sie alle gewesen waren, als er ihnen vorgeworfen hatte, diese Polizistin h�tte Alatea v�llig aus der Fassung gebracht � Dann verstummte er abrupt.</p><p>�Und dann?�, fragte Alatea vorsichtig.�Was haben sie dazu gesagt?�</p><p>�Die Frau ist gar nicht von Scotland Yard�, sagte er tonlos.�Ich wei� nicht, wer sie ist. Aber irgendjemand hat sie hergeschickt, um diese Fotos zu machen � Sie hat zwar behauptet, sie br�uchte keine Fotos von dir, dass du gar nicht in dem verdammten Film auftreten solltest, doch irgendjemand muss sie geschickt haben, denn diese Filmgesellschaft, in deren Auftrag sie angeblich hier ist, existiert �berhaupt nicht. Verstehst du jetzt, warum ich an allem schuld bin, Allie? Alles ist meine Schuld. Ich fand es schon schlimm genug, dass meine Eltern meinetwegen einen Detective von Scotland Yard hergebeten haben, um die Umst�nde von Ians Tod noch einmal zu untersuchen. Aber zu erfahren, dass das, was diese Frau hier in diesem Haus getan hat, gar nichts mit Ians Tod zu tun hat, sondern nur passiert ist, weil ich so egoistisch bin � weil irgendein bescheuerter Artikel in irgendeinem K�seblatt jemanden auf uns aufmerksam gemacht hat ��</p><p>Pl�tzlich wusste sie, worauf er hinauswollte. Wahrscheinlich hatte sie es von Anfang an geahnt.�Montenegro�, fl�sterte sie.�Du glaubst, er hat sie geschickt?�</p><p>�Wer sonst soll sie geschickt haben, Herrgott noch mal? Das habe ich dir angetan, Allie. Und jetzt sag mir: Wie soll ich damit leben?�</p><p>Er schob sich an ihr vorbei und ging ins Wohnzimmer. Dort konnte sie im schwindenden Tageslicht sein Gesicht besser sehen. Er sah entsetzlich aus, und eine Schrecksekunde lang f�hlte sie sich f�r seinen Zustand verantwortlich, obwohl er es gewesen war, der die angebliche Mitarbeiterin einer Filmgesellschaft in ihr Leben gelassen hatte. Aber sie kam nicht dagegen an. Es war die Rolle, die sie in ihrer Beziehung �bernommen hatte, genauso wie es seine Rolle war, sie so verzweifelt zu brauchen, dass er nie irgendetwas in Frage gestellt hatte, solange sie ihn ihrer Liebe versichert hatte. Und das war genau das gewesen, was sie gebraucht hatte: ein Zufluchtsort, wo ihr niemand die Art gef�hrlicher Fragen stellte, die aus einem kurzen Moment des Zweifels erwuchsen.</p><p>Drau�en wurde es allm�hlich dunkel. Die Bucht war ein exaktes Spiegelbild des dunkelgrauen, von orangefarbenen Streifen durchzogenen Abendhimmels.</p><p>Nicholas lie� sich in einen der Sessel im Erker sinken und verbarg das Gesicht in den H�nden.</p><p>�Ich habe dich entt�uscht�, sagte er.�Und ich habe vor mir selbst versagt.�</p><p>Alatea h�tte ihren Mann am liebsten gesch�ttelt. Ihm gesagt, dass das nicht der richtige Zeitpunkt war, sich einzureden, er sei die Ursache aller Probleme, die sie hatten. Sie h�tte ihn am liebsten angeschrien, dass er �berhaupt keine Ahnung hatte, was f�r schlimme Dinge ihnen noch bevorstanden. Aber wenn sie das tat, w�rde er daraus unvermeidlich eine Schlussfolgerung ziehen, die es zu verhindern galt.</p><p>Nicholas glaubte, wenn Raul Montenegro wieder in ihr Leben trat, w�rde alles vorbei sein. Er konnte nicht ahnen, dass Raul Montenegro in Wirklichkeit erst der Anfang war.</p><subtitle>BLOOMSBURY � LONDON</subtitle><p>Barbara fuhr nach Bloomsbury, um in der N�he der Uni zu sein, wenn Taymullah Azhar sich bei ihr meldete. Da sie noch mehr Informationen �ber Raul Montenegro sowie �ber den Ort Santa Mar�a de la Cruz, de los �ngeles y de los Santos brauchte, beschloss sie, in einem Internetcaf� zu warten. So w�rde sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.</p><p>Bevor Nkata die Bibliothek verlassen hatte, hatte er ihr zugeraunt:�Such nach Schl�sselbegriffen und klick dich weiter durch. Daf�r muss man nicht studiert haben, man braucht nur ein bisschen �bung. �Mit Schl�sselbegriffen hatte er wahrscheinlich die Namen gemeint, die in den Artikeln auftauchten, dachte sie, und falls sie in der N�he des British Museum ein Internetcaf� fand, w�rde sie es damit versuchen.</p><p>Es war nicht der angenehmste Ort, um Internetrecherchen durchzuf�hren. Sie hatte sich unterwegs ein W�rterbuch Englisch/Spanisch gekauft, und jetzt sa� sie zwischen einem �bergewichtigen Asthmatiker in einem Mohairpullover und einer Kaugummiblasen produzierenden Gothic-Tussi mit Nasenring und Augenbrauenpiercings, die dauernd von jemandem auf ihrem Handy angerufen wurde, der offenbar nicht glaubte, dass sie in einem Internetcaf� sa�, denn sie fauchte immer wieder:�Herrgott noch mal, dann komm her und �berzeug dich selbst, Clive � Stell dich nicht so <emphasis>bescheuert</emphasis> an. Ich schreib keine E-Mails an niemand. Wie auch, wenn du mich dauernd anrufst?�</p><p>In dieser Atmosph�re versuchte Barbara, sich zu konzentrieren. Und sie versuchte die Tatsache zu ignorieren, dass die Maus aussah, als sei sie noch nie in ihrem Leben desinfiziert worden. So gut es ging, ber�hrte sie auch die vor Dreck starrende Tastatur beim Tippen nur mit den Fingern�geln, obwohl die daf�r eigentlich viel zu kurz waren.</p><p>Nachdem sie ein paar unergiebige Spuren verfolgt hatte, fand sie einen Artikel �ber den B�rgermeister von Santa Mar�a und so weiter, der ein Foto enthielt. Es sah aus wie ein Jubil�umsfoto � vielleicht ein Schulabschluss?�� , aber auf jeden Fall schien es ein Foto von einer Familienfeier zu sein, denn sie hatten sich alle auf den Stufen eines unidentifizierbaren Geb�udes aufgestellt: der B�rgermeister, seine Frau und ihre f�nf gemeinsamen S�hne. Barbara betrachtete das Foto genauer.</p><p>Auch ohne eine �bersetzung des Textes war ihr eins sofort klar: Als im Himmel die Sch�nheit verteilt wurde, hatten die f�nf Br�der ganz laut <emphasis>Hier!</emphasis> gerufen. Barbara las ihre Namen: Carlos, Miguel, �ngel, Santiago und Diego. Der �lteste war neunzehn, der J�ngste sieben Jahre alt. Aber dann entdeckte Barbara, dass das Foto bereits vor zwanzig Jahren aufgenommen worden war, was bedeutete, dass mindestens die drei �ltesten S�hne mittlerweile verheiratet sein konnten, einer von ihnen vielleicht mit Alatea. Wenn Barbara Nkatas Rat richtig verstanden hatte, bestand der n�chste Schritt jetzt darin, die f�nf S�hne zu �berpr�fen. Sie fing mit Carlos an.</p><p>Er war leichter zu finden als erwartet, aber er war nicht verheiratet, sondern zu ihrer �berraschung katholischer Priester. Sie fand einen Artikel �ber seine Priesterweihe, wieder mit einem Foto von der ganzen Familie, die diesmal auf den Stufen einer Kirche posierte. Carlos� Mutter klammerte sich an seinen Arm und schaute ihn voller Bewunderung an, sein Vater grinste breit, eine Zigarre im Mundwinkel, w�hrend die Br�der dreinblickten, als w�ren sie von all dem Zirkus eher peinlich ber�hrt. Carlos konnte sie also abhaken, dachte Barbara.</p><p>Sie nahm sich Miguel vor. Auch diesmal brauchte sie nicht lange. Es ging so leicht, dass Barbara sich fragte, warum sie eigentlich nicht seit Jahren ihre Nachbarn ausspionierte. Sie fand ein Foto von Miguels Verlobung. Seine Zuk�nftige erinnerte Barbara an einen afghanischen Windhund, viel Haar, schmales Gesicht und eine verd�chtig fliehende Stirn, was nicht gerade auf �berm��ig viel Grips schlie�en lie�. Miguel war Zahnarzt, vermutete Barbara. Oder er brauchte einen Zahnarzt � das konnte sie mit Hilfe ihres kleinen W�rterbuchs nicht genau eruieren. Aber es schien auch keine Rolle zu spielen, denn es brachte sie keinen Schritt n�her an Informationen �ber Alatea.</p><p>Sie wollte gerade �ngels Namen als Suchbegriff eingeben, als die ersten Takte von <emphasis>Peggy Sue</emphasis> ert�nten. Sie klappte ihr Handy auf und sagte:�Havers. �Azhar hatte endlich jemanden aufgetrieben, der ihr die spanischen Texte �bersetzen konnte.�Wo sind Sie gerade, Barbara?�, fragte er.</p><p>�In einem Internetcaf� gleich um die Ecke vom British Museum�, sagte sie.�Ich komme zu Ihnen, das ist einfacher. Gibt�s bei Ihnen eine Cafeteria oder so was?�</p><p>Er schwieg einen Moment. Schlie�lich sagte er, es gebe ein Weinlokal am Torrington Place in der N�he von Chenies Mews und der Gower Street. Dort k�nnten sie sich in einer Viertelstunde treffen.</p><p>�Alles klar�, sagte sie.�Das finde ich. �Sie druckte die Dokumente, die sie gefunden hatte, schnell aus und ging damit nach vorne, wo der junge Mann an der Kasse ihr einen exorbitanten Preis nannte.�Farbdrucker�, sagte er nur, als Barbara protestierte.</p><p>�Farbwucher w�rd ich eher sagen�, entgegnete Barbara, schob die Ausdrucke in einen gro�en Briefumschlag und ging in Richtung Torrington Street. In dem Weinlokal, das leicht zu finden war, wartete Azhar am Tresen auf sie. Neben ihm stand eine langbeinige junge Frau in einer Strickjacke aus Kaschmir, deren �ppige schwarze Locken ihre Schultern umspielten.</p><p>Die junge Frau hie� Engracia, ein Nachname wurde nicht genannt, und sie war eine Studentin aus Barcelona.�Ich werde Ihnen helfen, so gut ich kann�, sagte sie zu Barbara, die vermutete, dass die Studentin in erster Linie Azhar gef�llig sein wollte, und das konnte sie ihr nicht verdenken. Die beiden waren ein h�bsches Paar. Aber dasselbe galt f�r Azhar und Angelina Upman. Oder f�r Azhar und fast jede andere Frau.</p><p>�Danke�, sagte Barbara.�In meinem n�chsten Leben werde ich Dolmetscherin.�</p><p>�Dann lasse ich Sie beide jetzt allein�, sagte Azhar.</p><p>�M�ssen Sie noch arbeiten?�, fragte Barbara.</p><p>�Nein, ich fahre nach Hause�, antwortete er.�Und vielen Dank, Engracia.�</p><p>�<emphasis>De nada</emphasis>�, murmelte die junge Frau.</p><p>Sie setzten sich an einen Tisch, und Barbara nahm die Ausdrucke aus dem Umschlag. Als Erstes gab sie Engracia den Artikel mit dem Foto von der B�rgermeisterfamilie.�Ich hab mir ein W�rterbuch besorgt�, sagte sie,�aber das hat mich nicht viel weitergebracht. Ich meine, ein bisschen hat�s schon geholfen, aber ��</p><p>�Nat�rlich. �Engracia hielt das Blatt mit dem Artikel in der einen Hand und spielte beim Lesen mit der anderen an einem goldenen Ohrring. Nach einer Weile sagte sie:�Das hier hat etwas mit Wahlen zu tun.�</p><p>�Mit den B�rgermeisterwahlen?�</p><p>�<emphasis>S�</emphasis>. Der Mann � Esteban � kandidiert f�r den B�rgermeisterposten in dieser Stadt, und dieser Artikel stellt ihn vor. Es ist ein Artikel ohne Lob � wie nennt man das?�</p><p>�Lobhudelei?�</p><p>Engracia l�chelte. Sie hatte sehr sch�ne Z�hne und sehr glatte Haut. Sie trug Lippenstift, aber der war so gut gew�hlt, dass er kaum auffiel.�Ja. Lobhudelei�, sagte sie.�Hier steht, der Mann hat sehr viele Verwandte in der Stadt, und wenn die alle zur Wahl gehen, wird er gewinnen. Aber das ist wohl ironisch gemeint, denn die Stadt hat immerhin f�nfundsiebzigtausend Einwohner. �Sie las ein bisschen weiter.�Hier steht etwas �ber seine Frau Dominga und �ber ihre Familie. Beide Familien leben offenbar schon seit Generationen in Santa Mar�a de la Cruz, de los �ngeles y de los Santos.�</p><p>�Und die S�hne?�</p><p>�Die S�hne � Ah. Carlos besucht das Priesterseminar, Miguel m�chte Zahnarzt werden, �ngel will Architektur studieren, und die anderen beiden sind noch zu klein, um Berufsw�nsche zu haben, obwohl Santiago sagt, er m�chte mal Schauspieler werden. Und Diego ��Sie las noch ein paar Zeilen und lachte.�Hier steht, er m�chte Astronaut werden, falls Argentinien irgendwann ein eigenes Raumfahrtprogramm entwickelt, was er f�r ziemlich unwahrscheinlich h�lt. Ich glaube, das ist ein kleiner Scherz. Der Journalist hatte wohl Spa� an dem Jungen.�</p><p>Das brachte sie leider nicht viel weiter, dachte Barbara. Sie nahm die n�chsten beiden Artikel aus dem Umschlag, die ebenfalls von Raul Montenegro handelten, und reichte sie Engracia.�Sehen Sie sich die mal an. �Sie fragte Engracia, ob sie ein Glas Wein oder etwas anderes trinken wolle. Schlie�lich nahmen sie einen Tisch in einem Weinlokal in Anspruch, und man erwartete von ihnen, dass sie etwas konsumierten.</p><p>Engracia bat um ein Glas Mineralwasser. Barbara ging zum Tresen, bestellte das Wasser und f�r sich ein Glas Hauswein. Als sie mit den Getr�nken an den Tisch zur�ckkehrte, konzentrierte Engracia sich gerade auf den Artikel mit dem Foto von Alatea in Montenegros Arm. Es handle sich um einen Bericht �ber einen einflussreichen Geldspender in Mexico City, sagte Engracia, und �ber den Bau einer Konzerthalle. Der Mann auf dem Foto habe die gr��te Summe f�r das Projekt gespendet, weswegen ihm die Ehre zuteilwurde, dem Geb�ude einen Namen zu geben.</p><p>�Und?�, fragte Barbara in der Erwartung, dass die Halle nach Alatea benannt war, da sie auf dem Foto so strahlend l�chelte.</p><p>�Die Halle hei�t Musikzentrum Magdalena Montenegro�, sagte Engracia.�Das ist der Name seiner Mutter. Lateinamerikanische M�nner stehen in der Regel ihrer Mutter sehr nahe.�</p><p>�Was ist mit der Frau, die mit ihm auf dem Foto abgebildet ist?�</p><p>�Hier steht nur, dass sie seine Begleiterin ist.�</p><p>�Nicht seine Frau? Seine Geliebte? Seine Lebensgef�hrtin?�</p><p>�Nein, nur Begleiterin.�</p><p>�K�nnte es sich um eine besch�nigende Umschreibung f�r Geliebte oder Lebensgef�hrtin handeln?�</p><p>Engracia betrachtete das Foto.�Schwer zu sagen. Aber ich glaube nicht.�</p><p>�Es k�nnte also sein, dass sie ihn nur an diesem einen Abend begleitet hat? Oder dass es sich um eine Frau von einem Escort-Service handelt?�</p><p>�Gut m�glich�, sagte Engracia.�Vielleicht hat sie sich auch nur f�r das Foto neben ihn gestellt.�</p><p>�Verdammt�, murmelte Barbara. Als Engracia sie daraufhin zerknirscht anschaute, f�gte sie hastig hinzu:�Oh, tut mir leid. Ich fluche nicht �ber Sie. Nur �ber das Leben im Allgemeinen.�</p><p>�Das alles scheint sehr wichtig f�r Sie zu sein. Kann ich Ihnen sonst irgendwie helfen?�, fragte Engracia.</p><p>Barbara �berlegte. Es gab tats�chlich noch eine M�glichkeit. Nachdem sie schnell die Zeitdifferenz ausgerechnet hatte, sagte sie:�Sie k�nnten f�r mich mit jemandem telefonieren. �Sie nahm ihr Handy aus der Tasche.�Da dr�ben spricht niemand Englisch.�</p><p>Sie erkl�rte Engracia, dass sie die Privatnummer des B�rgermeisters von Santa Mar�a und so weiter gew�hlt habe, wo es jetzt fr�her Nachmittag sei, und bat sie, sich nach einer gewissen Alatea Vasquez del Torres zu erkundigen, falls sich jemand meldete.</p><p>�Die Frau auf dem Foto�, sagte Engracia und zeigte auf den Artikel �ber Raul Montenegro.</p><p>�Ganz genau�, sagte Barbara.</p><p>Als es am anderen Ende zu klingeln begann, reichte Barbara der jungen Spanierin das Telefon. Das Einzige, was Barbara in dem nun folgenden Gespr�ch aufschnappen konnte, war der Name Alatea. Aber aus dem Handy h�rte sie eine Frauenstimme. Sie klang schrill und aufgeregt, und an Engracias Gesicht konnte sie ablesen, dass dieser Anruf in Santa Mar�a de la Cruz, de los �ngeles y de los Santos sich gelohnt hatte.</p><p>Dann entstand eine Pause in dem Gespr�ch, und Engracia schaute Barbara an.�Das war eine Kusine�, sagte sie zu Barbara.�Elena Mar�a.�</p><p>�Also haben wir die falsche Nummer?�</p><p>�Nein, nein. Sie ist gerade zu Besuch. Dominga, die Frau des B�rgermeisters, ist ihre Tante. Sie holt sie gerade. Sie war schrecklich aufgeregt, als sie Alateas Namen geh�rt hat.�</p><p>�Bingo�, murmelte Barbara.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Sorry, nur so ein Spruch. Sieht so aus, als w�rden wir Fortschritte machen.�</p><p>�Ah. �Dann meldete sich wieder eine Stimme vom anderen Ende der Welt, und Engracia begann wieder wie ein Schnellfeuergewehr Spanisch zu sprechen. Barbara schnappte hin und wieder ein� entiendo�, ein� sabes?�, ein� no s�, viele� s��und� gracias �auf.</p><p>Nachdem Engracia das Gespr�ch beendet hatte, sagte Barbara:�Und? Was gibt�s Neues?�</p><p>�Eine Nachricht f�r Alatea�, sagte Engracia.�Diese Dominga bittet uns, Alatea zu sagen, sie soll nach Hause kommen. Wir sollen ihr ausrichten, dass ihr Vater sie versteht. Und die Jungs auch. Sie sagt, Carlos hat sie alle f�r Alateas gl�ckliche Heimkehr beten lassen.�</p><p>�Und hat die Frau Ihnen gesagt, wer zum Teufel Alatea ist?�</p><p>�Sie scheint irgendwie zur Familie zu geh�ren.�</p><p>�Eine Schwester, die aus irgendeinem Grund auf diesem alten Foto fehlt? Eine Schwester, die geboren wurde, nachdem das Foto aufgenommen wurde? Die Frau von einem der jungen M�nner? Eine Kusine? Eine Nichte?�</p><p>�Das hat sie nicht gesagt, zumindest nicht eindeutig. Aber sie hat mir erz�hlt, dass Alatea mit f�nfzehn von zu Hause weggelaufen ist. Sie dachten, sie w�re nach Buenos Aires gegangen, und haben sie dort jahrelang gesucht. Vor allem Elena Mar�a hat nach ihr gesucht. Dass Alatea verschwunden ist, hat ihr das Herz gebrochen, auch das sollen wir ihr ausrichten.�</p><p>�Seit wann genau ist Alatea denn verschwunden?�, wollte Barbara wissen.</p><p>�Seit dreizehn Jahren.�</p><p>�Und jetzt ist sie in Cumbria gelandet�, murmelte Barbara.�Wie zum Teufel �?�</p><p>Sie hatte mit sich selbst gesprochen, aber Engracia nahm noch einmal einen der Ausdrucke in die Hand, die sie vorhin gelesen hatte, einen der Artikel �ber Raul Montenegro, und sagte:�Vielleicht hat er ihr ja geholfen? Wenn der Mann genug Geld hat, um f�r den Bau einer Konzerthalle zu spenden, dann hat er auch genug Geld, um einer sch�nen Frau ein Flugticket nach London zu spendieren, oder? Oder ein Flugticket wer wei� wohin. An irgendeinen Ort der Welt, der ihr gef�llt.�</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Etwa drei�ig Sekunden lang wirkten sie wie ein Standbild, auch wenn diese drei�ig Sekunden viel l�nger zu dauern schienen. Mignon lie� ihren Blick von einem zum N�chsten wandern, und ihr Gesicht dr�ckte einen Triumph aus, auf den sie offenbar jahrelang gewartet hatte. Manette kam sich vor wie eine Figur in einem Theaterst�ck. Dieser Moment war der H�hepunkt des Dramas, und jetzt w�rde wie in jeder griechischen Trag�die die Katharsis folgen.</p><p>Valerie war die Erste, die aus ihrer Erstarrung erwachte. Sie stand auf und sagte auf ihre �bliche kultivierte Art:�Wenn ihr mich bitte entschuldigen wollt. �Dann verlie� sie den Raum.</p><p>Mignon konnte sich nicht mehr halten vor Lachen.�Willst du denn nicht mehr wissen, Mum?�, rief sie.�Du kannst doch jetzt nicht gehen. Willst du nicht auch noch den Rest h�ren?�</p><p>Nach kurzem Z�gern drehte Valerie sich um und schaute Mignon an.�Du w�rst ein gutes Argument f�r den Brauch, S�uglingen direkt nach der Geburt den Hals umzudrehen�, sagte sie und ging.</p><p>Lynley folgte ihr. Pl�tzlich zeigte sich alles in einem ganz neuen Licht, dachte Manette, und wahrscheinlich w�rde der Inspector alles, was er bisher �ber Ians Tod herausgefunden hatte, noch einmal �berdenken m�ssen. Sie selbst jedenfalls tat genau das, denn wenn Ian von dem Kind ihres Vaters gewusst hatte � wenn er ihren Vater mit diesem Wissen erpresst hatte � wenn ihr Vater vor der Wahl gestanden hatte, die Wahrheit ans Licht kommen zu lassen oder weiterhin mit einer L�ge zu leben � Manette konnte sich gut vorstellen, dass das Leben ihres Vetters unter diesen Umst�nden in Gefahr gewesen war, und das w�rde der Inspector bestimmt genauso sehen.</p><p>Sie wollte nicht glauben, was Mignon �ber dieses Kind gesagt hatte, aber das Gesicht ihres Vaters zeigte ihr, dass es die Wahrheit war. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte, und auch nicht, wie lange sie brauchen w�rde, um das alles zu verdauen. Aber sie sah genau, was Mignon von der Sache hielt: F�r sie war es ein Grund mehr, ihren Vater f�r alles verantwortlich zu machen, was ihr im Leben fehlte.</p><p>�Ach du je, Dad�, sagte Mignon grinsend.�Aber wenigstens gehen wir beide gemeinsam unter, nicht wahr? Das ist dir doch bestimmt ein Trost. Dem Untergang geweiht zu sein und zugleich zu sehen, dass dein Lieblingskind � das bin ich doch, oder?�� mit dir untergeht. Wie K�nig Lear und Cordelia. Die Frage ist nur: Wer spielt den Narren?�</p><p>Bernards Miene war wie versteinert.�Ich f�rchte, du irrst dich, Mignon�, sagte er.�Auch wenn du mit der List einer Schlange an das viele Geld gekommen bist.�</p><p>Mignon lie� sich �berhaupt nicht beirren.�Glaubst du im Ernst, die Vergebung in einer Ehe geht so weit?�</p><p>�Ich glaube, du wei�t weder etwas �ber die Ehe noch �ber Vergebung.�</p><p>Manette schaute Freddie an. Er beobachtete sie mit dunklen Augen. Sie wusste, dass er um sie besorgt war, dass er sich fragte, wie sie damit zurechtkam, Zeugin der Zerst�rung ihrer Familie zu werden. Sie h�tte ihm gern gesagt, dass sie damit zurechtkommen w�rde, aber sie wusste zugleich, dass sie das nicht allein durchstehen wollte.</p><p>Mignon sagte zu ihrem Vater:�Hast du wirklich geglaubt, du k�nntest Bianca ewig geheim halten? Gott, was musst du f�r ein Ego besitzen. Und sag mal, Dad, was hast du eigentlich gedacht, wie die arme kleine Bianca damit fertigwird, wenn sie eines Tages von der anderen Familie ihres Vaters erf�hrt? Von seiner richtigen Familie. Aber so weit hast du wohl nicht in die Zukunft geblickt. Solange Vivienne sich an deine Regeln gehalten hat, hast du wahrscheinlich an nichts anderes gedacht als daran, wie gut sie es dir im Bett besorgt und wie oft du sie sehen kannst.�</p><p>�Vivienne�, erwiderte Bernard,�kehrt nach Neuseeland zur�ck. Und damit ist dieses Gespr�ch beendet.�</p><p>�Ich bestimme, wann dieses Gespr�ch beendet ist�, sagte Mignon.�Nicht du. Deine Vivienne ist j�nger als <emphasis>wir</emphasis>. Sie ist sogar j�nger als Nick.�</p><p>Bernard ging zur Haust�r und musste dazu an Mignon vorbei. Sie versuchte, ihn am Arm zu packen, aber er riss sich los. Manette rechnete schon damit, dass ihre Schwester das ausnutzen w�rde, um sich vom Sofa fallen zu lassen und sich mal wieder zum Opfer v�terlicher Gewaltt�tigkeit zu stilisieren, doch Mignon sagte lediglich:�Ich werde mit Mum reden. Ich werde ihr alles erz�hlen. Seit wann du es schon mit Vivienne treibst � Seit zehn Jahren, Dad? Oder noch l�nger? Wie alt war sie, als es angefangen hat? Vierundzwanzig, nicht wahr? Oder noch j�nger? Und wie es dazu kam, dass Bianca geboren wurde. Sie wollte ein Kind, nicht wahr? Und du wolltest es auch, stimmt�s, Dad? Denn als Vivienne schwanger wurde, war Nick immer noch auf seinem Drogentrip, und du hast immer noch gehofft, dass irgendjemand dir irgendwann einen Sohn schenkt, nicht wahr? Und was glaubst du, wie Mum sich freuen wird, wenn sie das alles erf�hrt!�</p><p>Bernard sagte:�Richte m�glichst viel Schaden an, Mignon. Es ist ja das Einzige, was du kannst.�</p><p>�Ich hasse dich�, sagte sie.</p><p>�Wie immer�, erwiderte er.</p><p>�Hast du mich geh�rt? Ich <emphasis>hasse</emphasis> dich!�</p><p>�F�r meine S�nden�, sagte Bernard,�ich wei�. Und vielleicht habe ich das sogar verdient. Und jetzt verlasse mein Haus.�</p><p>Alle zuckten zusammen, und Manette dachte schon, ihre Schwester w�rde sich weigern. Mignon starrte ihren Vater an, als wartete sie auf etwas, von dem Manette wusste, dass es nicht passieren w�rde. Schlie�lich schob sie ihren Rollator zur Seite. Dann stand sie auf und schlenderte l�chelnd aus dem Leben ihres Vaters hinaus.</p><p>Nachdem die T�r sich hinter ihr geschlossen hatte, nahm Bernard ein linnenes Taschentuch aus seiner Tasche. Zuerst putzte er damit sein Brille, dann wischte er sich damit das Gesicht ab. Manette sah, dass seine H�nde zitterten. F�r ihn stand pl�tzlich alles auf dem Spiel, unter anderem seine vierzigj�hrige Ehe.</p><p>Schlie�lich schaute er zuerst Manette, dann Freddie, dann wieder Manette an.�Es tut mir leid, meine Liebe. Es gibt so vieles ��</p><p>�Ich glaube, das spielt alles keine Rolle mehr. �Wie seltsam, dachte Manette. Ihr Leben lang hatte sie auf diesen Augenblick gewartet: sich einmal ihrem Vater gegen�ber in einer �berlegenen Position wiederzufinden. Aber auf einmal wusste sie gar nicht, warum ihr das alles so wichtig gewesen war. Sie wusste nur, dass sie nicht das empfand, was sie erwartet hatte, als ihr die Anerkennung ihres Vaters endlich zuteilwurde.</p><p>Bernard nickte.�Freddie ��</p><p>�Wenn ich gewusst h�tte, was hier passieren w�rde�, sagte Freddie,�h�tte ich wahrscheinlich versucht, es zu verhindern. Oder vielleicht auch nicht, was wei� ich? Ich bin mir gar nicht so sicher.�</p><p>�Du bist ein anst�ndiger, ehrlicher Mann, Freddie. Bleib so. �Bernard entschuldigte sich. Manette und Freddie h�rten, wie er mit schweren Schritten die Treppe hochstieg. Dann wurde irgendwo �ber ihnen leise eine T�r geschlossen.</p><p>�Am besten, wir gehen jetzt�, sagte Freddie.�Das hei�t, wenn du dazu in der Lage bist.�</p><p>Er ging zu ihr, und sie lie� es geschehen, dass er ihr auf die Beine half, nicht, weil sie nicht allein aufstehen konnte, sondern weil es ihr guttat, seine starken Arme zu sp�ren.</p><p>Erst als sie im Auto sa�en und auf das Tor zufuhren, kamen ihr die Tr�nen. Sie versuchte, lautlos zu weinen, doch Freddie bemerkte es sofort. Er hielt an und nahm sie in die Arme.</p><p>�Das ist ziemlich heftig. Seine Eltern so zu erleben. Zu wissen, dass einer den anderen kaputt gemacht hat�, sagte er.�Ich sch�tze, deine Mutter hat immer gewusst, dass irgendetwas nicht stimmte, aber vielleicht war es leichter f�r sie, es einfach zu ignorieren.�</p><p>Das Gesicht an seiner Schulter vergraben, sch�ttelte sie den Kopf.</p><p>�Was ist?�, sagte er.�Okay, deine Schwester ist komplett verr�ckt, aber das ist doch nichts Neues, oder? Allerdings frage ich mich manchmal, wie es m�glich ist, dass du so � na ja, so normal bist, Manette. Das ist fast ein Wunder, wenn man sich�s recht �berlegt.�</p><p>Das brachte sie nur noch mehr zum Schluchzen. Es war alles zu sp�t.</p><subtitle>LAKE WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Lynley fand Valerie Fairclough in ihrem noch nicht fertiggestellten Fantasiegarten. Als er sich zu ihr gesellte, begann sie zu sprechen, als w�ren sie an ebendieser Stelle in ihrem Gespr�ch unterbrochen worden. Sie zeigte ihm das im Bau befindliche Schiffswrack, dessen Takelage sp�ter den gr��eren Kindern zum Klettern und Schaukeln dienen sollte. Sie zeigte ihm eine Kletterburg und ein kleines Karussell. Sie f�hrte ihn zu einem Spielplatz f�r die ganz Kleinen, wo Pferde, K�ngurus und Fr�sche auf schweren Federn auf ihre kleinen Reiter warteten. Es w�rde auch ein Fort errichtet, sagte sie, denn Jungs spielten doch so gern Soldaten, nicht wahr? Und f�r die M�dchen w�rde ein Miniaturhaus gebaut mit M�beln und allem, was sich in einem richtigen Haus befand, denn, Emanzipation hin oder her, letztendlich blieben M�dchen doch am liebsten im Haus und spielten Mutter und Kind, nicht wahr?</p><p>�ber ihre letzte Bemerkung lachte sie freudlos. Auf jeden Fall, schloss sie, w�rde der Fantasiegarten ein richtiges Kinderparadies werden.</p><p>Lynley fand das alles ziemlich merkw�rdig. Was sie dort anlegen lie�, war viel eher geeignet f�r einen �ffentlichen Park als f�r einen Privatgarten. Er fragte sich, was sie sich davon erwartete, ob sie gr��ere Pl�ne hatte und Ireleth Hall der �ffentlichkeit zug�nglich machen wollte, wie so viele Herrenhausbesitzer es taten. Es war, als h�tte sie seit Langem geahnt, dass ihr gro�e Ver�nderungen bevorstanden.</p><p>�Warum haben Sie mich nach Cumbria gebeten, Valerie?�, fragte er schlie�lich.</p><p>Sie schaute ihn an. Mit ihren siebenundsechzig Jahren war sie immer noch eine eindrucksvolle Frau. In ihrer Jugend musste sie eine gro�e Sch�nheit gewesen sein. Sch�nheit und Geld: eine eindrucksvolle Kombination. Sie hatte bestimmt zahlreiche Verehrer aus ihren eigenen Kreisen gehabt, aber sie hatte sich f�r Bernard entschieden.</p><p>Sie sagte:�Ich habe Sie nach Cumbria kommen lassen, weil ich schon lange einen Verdacht habe.�</p><p>�Einen Verdacht?�</p><p>�Ja. Dass Bernard irgendetwas treibt. Dass er es mit Vivienne Tully �treibt�, h�tte ich wahrscheinlich auch wissen m�ssen. Ich bin der Frau zweimal begegnet, danach hat er sie nie wieder mit einem Wort erw�hnt. Dann fuhr er jedoch immer h�ufiger nach London, und die Stiftung nahm mehr und mehr von seiner Zeit in Anspruch � Es gibt immer Hinweise, Inspector. Es gibt immer Indizien, Warnsignale oder wie auch immer man das nennen mag. Aber in der Regel ist es einfacher, die Augen davor zu verschlie�en, als sich dem Unbekannten zu stellen, das einen erwartet, wenn eine langj�hrige Ehe in die Br�che geht. �Sie hob einen Plastikbecher vom Boden auf, den einer der Arbeiter weggeworfen hatte, und steckte ihn stirnrunzelnd ein. Dann schaute sie auf den See hinaus, eine Hand sch�tzend �ber die Augen gelegt. �ber den Bergen im Westen brauten sich Gewitterwolken zusammen.�Ich bin von L�gnern und Gaunern umgeben�, sagte sie.�Die wollte ich aus ihren Verstecken scheuchen. Und dazu brauchte ich Sie, Inspector�, f�gte sie l�chelnd hinzu.</p><p>�Was ist mit Ian?�</p><p>�Der arme Ian.�</p><p>�Mignon k�nnte ihn umgebracht haben. Sie hatte ein Motiv, ein ziemlich starkes sogar. Wie Sie selbst gesagt haben, war sie im Bootshaus. Sie k�nnte vorher dort gewesen sein und die Steine so gelockert haben, dass man es nicht sah. Sie k�nnte ihn sogar im Bootshaus erwartet haben, als er von seiner Ruderpartie zur�ckkam. Sie k�nnte ihn aus dem Boot gezerrt und ins Wasser ��</p><p>�Inspector, eine solche Art Racheaktion liegt au�erhalb von Mignons Vorstellungskraft. Au�erdem h�tte sie keinen finanziellen Gewinn davon gehabt, und Geld ist das Einzige, was Mignon jemals interessiert hat. �Sie wandte sich Lynley wieder zu und schaute ihn an.�Ich wusste, dass die Steine locker sind, und ich habe Ian mehr als einmal darauf hingewiesen. Da er und ich die Einzigen waren, die das Bootshaus regelm��ig benutzten, habe ich mit niemand anderem dar�ber gesprochen. Dazu bestand keine Notwendigkeit. Ich habe ihm geraten, beim Ein- und Aussteigen aus seinem Boot sehr vorsichtig zu sein. Er sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen, er werde schon aufpassen, und bei n�chster Gelegenheit werde er sich darum k�mmern, dass der Steg repariert w�rde. Aber ich glaube, an dem Abend hatte er andere Sorgen. Es war ziemlich ungew�hnlich, dass er so sp�t noch zum Rudern ging. Ich glaube, er war einfach unachtsam. Es war ein Unfall, Inspector, das habe ich von Anfang an gewusst.�</p><p>Lynley �berlegte.�Und das Filetiermesser, das wir gefunden haben?�</p><p>�Das habe ich ins Wasser geworfen. Um Sie zu besch�ftigen. F�r den Fall, dass Sie zu fr�h zu dem Schluss gelangten, dass es ein Unfall war.�</p><p>�Verstehe�, sagte er.</p><p>�Sind Sie mir jetzt sehr b�se?�</p><p>�Das sollte ich sein. �Sie machten kehrt und begaben sich auf den R�ckweg. Hinter einer langen Mauer erhoben sich die gr�nen Skulpturen des Formschnittgartens und dahinter, etwas weiter weg, das sandsteinfarbe, geschichtstr�chtige Gem�uer von Ireleth Hall.</p><p>�Fand Bernard das nicht merkw�rdig?�, erkundigte sich Lynley.</p><p>�Was?�</p><p>�Dass Sie eine Untersuchung der Umst�nde von Ians Tod wollten?�</p><p>�Vielleicht. Aber was h�tte er denn sagen sollen? �Das m�chte ich nicht�? Dann h�tte ich ihn gefragt, warum nicht. Er h�tte versucht, es mir zu erkl�ren. Vielleicht h�tte er argumentiert, Nicholas, Manette und Mignon zu verd�chtigen sei unfair. Ich h�tte ihm jedoch entgegengehalten, dass es immer besser ist, die Wahrheit �ber seine Kinder zu wissen, als mit einer L�ge zu leben, und das, Inspector, h�tte uns viel zu dicht an die Wahrheit gebracht, die Bernard vor mir verbergen wollte. Es blieb ihm also nichts anderes �brig, als das Spiel mitzuspielen und dabei zu hoffen, dass Sie nicht auf Vivienne sto�en w�rden.�</p><p>�Sie kehrt ja jetzt nach Neuseeland zur�ck.�</p><p>Valerie sagte nichts dazu.�Wissen Sie, was merkw�rdig ist?�, fragte sie und hakte sich bei ihm unter.�Nach mehr als vierzig Jahren Ehe wird ein Mann zu einer Angewohnheit. Ich muss mir �berlegen, ob Bernard eine Angewohnheit ist, die ich ablegen m�chte.�</p><p>�Und?�</p><p>�Vielleicht. Aber zuerst brauche ich ein bisschen Zeit zum Nachdenken. �Sie dr�ckte seinen Arm und l�chelte ihn an.�Sie sind ein sehr attraktiver Mann, Inspector. Es tut mir leid, dass Sie Ihre Frau verloren haben. Sie haben doch hoffentlich nicht vor, allein zu bleiben.�</p><p>�Dar�ber habe ich noch nicht so richtig nachgedacht�, gab er zu.</p><p>�Das sollten Sie aber. Jeder muss sich irgendwann entscheiden.�</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Tim wartete in dem Gesch�ftszentrum stundenlang auf den richtigen Zeitpunkt. Nachdem er am Morgen aus Kavehs Auto gestiegen war, hatte er nicht lange bis Windermere gebraucht. Er war �ber eine niedrige Feldsteinmauer gesprungen, �ber eine unebene Weide bis zu einem Wald gerannt, hatte sich dort im Gestr�pp hinter einem umgest�rzten Baum versteckt und gewartet, bis Kaveh weggefahren war. Dann war er zur Stra�e zur�ckgegangen und in die Stadt getrampt.</p><p>Einen Puppendoktor hatte er trotz intensiver Suche nicht finden k�nnen, daf�r aber eine Werkstatt namens J. Bobak &amp; Sohn, die Elektroger�te reparierte. Zwischen Regalen hindurch, die vollgestopft waren mit kaputten K�chenger�ten, ging er in den hinteren Teil der Werkstatt, wo sich der Tresen befand. J. Bobak entpuppte sich als �ltere Frau mit grauen Z�pfen und hellrosa Lippenstift, der in die winzigen F�ltchen um ihre Lippen herum auslief, und der Sohn als junger Mann mit Downsyndrom. Die Frau reparierte gerade etwas, das aussah wie ein Waffeleisen, w�hrend der Sohn an einem alten R�hrenradio von der Gr��e eines Austin Mini herumbastelte. Um die beiden herum standen alle m�glichen reparaturbed�rftigen Ger�te: Fernseher, Mikrowellen, Mixer, Toaster und Kaffeemaschinen, die alle so aussahen, als warteten sie schon ewig darauf, dass sich jemand ihrer annahm.</p><p>Als Tim Mrs. J. Bobak Gracies Puppe gezeigt hatte, hatte die nur den Kopf gesch�ttelt. Da sei nichts zu machen, sagte sie, selbst wenn sie auf die Reparatur von Spielzeug spezialisiert w�ren, was nicht der Fall war. Er solle lieber ein bisschen sparen und seiner Schwester eine neue Puppe kaufen. Ganz in der N�he gebe es ein Spielzeuggesch�ft, das �</p><p>Es m�sse diese Puppe sein, hatte er J. Bobak erkl�rt. Er wusste, dass es unh�flich war, jemanden zu unterbrechen, und er entschuldigte sich bei der Frau. Die Puppe, erkl�rte er ihr, habe sein Vater seiner kleinen Schwester geschenkt, und sein Vater sei jetzt tot. Das erregte J. Bobaks Mitleid. Sie legte die Einzelteile der Puppe auf dem Tresen nebeneinander, sch�rzte die pinkfarbenen Lippen und betrachtete Bella nachdenklich. Dann war ihr Sohn dazugekommen.�Hallo�, sagte er zu Tim.�Ich geh nicht mehr zur Schule, aber du m�sstest doch eigentlich in der Schule sein, oder? Hast wohl geschw�nzt, was?�Seine Mutter sagte:�K�mmer dich um deine Angelegenheiten, Trev, mein Schatz�, und klopfte ihm auf die Schulter. Daraufhin war er zu seinem Radio zur�ckgeschlurft.</p><p>�Bist du dir ganz sicher, dass du keine neue Puppe kaufen willst?�, fragte sie Tim.</p><p>Vollkommen, erwiderte Tim. Ob sie Bella reparieren k�nne? Es gebe in der Stadt keinen Puppendoktor. Er habe �berall gesucht.</p><p>Schlie�lich versprach sie ihm, die Puppe so gut wie m�glich zusammenzuflicken. Er sagte, er werde ihr die Adresse aufschreiben, an die sie sie schicken solle, wenn sie fertig war, dann nahm er eine Handvoll zerknitterte Geldscheine aus der Tasche, die er mit der Zeit aus der Handtasche seiner Mutter, der Brieftasche seines Vaters und einem Marmeladenglas in der K�che geklaut hatte, in dem Kaveh immer etwas Bargeld aufbewahrte f�r den Fall, dass ihm das Geld ausging und er keine Zeit hatte, auf dem Heimweg von der Arbeit am Geldautomaten anzuhalten.</p><p>�Was?�, fragte J. Bobak.�Du willst sie nicht selbst abholen kommen?�</p><p>Nein, antwortete Tim, bis dahin werde er nicht mehr in Cumbria sein. Er sagte, sie solle sich so viel von dem Geld nehmen, wie sie wolle, den Rest k�nne sie mit der Puppe zusammen an seine Schwester schicken. Dann schrieb er ihr Gracies Namen und Adresse auf: Bryan Beck Farm, Bryanbarrow bei Crosthwaite. Wom�glich wohnte Gracie bis dahin l�ngst wieder bei ihrer Mutter, dachte er, aber Kaveh w�rde ihr die Puppe bestimmt zukommen lassen. Das w�rde er tun, egal, was f�r ein verlogenes Leben er mit seiner Frau und seinen Eltern f�hrte. Und Gracie w�rde sich freuen, Bella wiederzuhaben. Vielleicht w�rde sie Tim sogar verzeihen, dass er Bella kaputt gemacht hatte.</p><p>Nachdem das also erledigt war, hatte er sich von seinem restlichen Geld eine T�te Marshmallows, einen Kitkatriegel, einen Apfel und eine Portion Nachos mit Salsa und Bohnen gekauft, sich zwischen einem verdreckten wei�en Ford Transit und einer mit Styroporresten �berquellenden M�lltonne versteckt und alles aufgegessen. Dann war er zu dem Gesch�ftszentrum gegangen und hatte dort gewartet.</p><p>Als ein Laden nach dem anderen zumachte und der Parkplatz sich zu leeren begann, duckte er sich hinter eine M�lltonne, von wo aus er den Fotoladen im Auge behalten konnte. Kurz vor Ladenschluss lief er hin�ber und betrat den Laden.</p><p>Toy4You hielt gerade die Schublade mit dem Geld in den H�nden, die er aus der Kasse genommen hatte, so dass er sein Namensschild nicht entfernen konnte. Tim gelang es, einen Teil davon zu lesen, ehe der Mann sich abwandte: William Con � Der Mann verschwand im Hinterzimmer und kam gleich darauf ohne Geldschublade und ohne Namensschild wieder heraus. Und er war alles andere als gutgelaunt.</p><p>�Ich hab dir gesagt, ich w�rde dir eine SMS schicken�, sagte er.�Was hast du hier zu suchen?�</p><p>�Es passiert heute Nacht�, antwortete Tim.</p><p>�H�r mir gut zu: Ich spiele keine Machtspielchen mit einem Vierzehnj�hrigen. Ich hab gesagt, ich gebe dir Bescheid, sobald ich alles vorbereitet habe.�</p><p>�Dann k�mmer dich jetzt darum. Du hast gesagt, diesmal nicht allein, und das hei�t, dass du jemanden kennst. Hol ihn her. Wir machen es hier. �Tim schob sich an dem Mann vorbei. Er sah, wie dessen Gesicht sich verd�sterte. Es war Tim egal, ob es so weit kam, dass Toy4You ihn schlug. Schl�ge konnte er wegstecken. So oder so w�rde von jetzt an alles seinen Lauf nehmen.</p><p>Er war schon oft im Hinterzimmer des Ladens gewesen, also konnte ihn hier nichts �berraschen. Es war ein kleiner Raum, der in zwei Bereiche aufgeteilt war. Im vorderen Bereich standen ein Drucker und alles, was man zur Bearbeitung von Fotos brauchte. Der hintere Bereich diente als Fotostudio, wo man sich vor unterschiedlichen Hintergrundbildern fotografieren lassen konnte.</p><p>Diesmal war das Studio eingerichtet wie ein Salon aus dem vorigen Jahrhundert, in dem die Leute fr�her steif f�r Fotos posiert hatten, entweder stehend oder sitzend. Es gab eine Chaiselongue, zwei S�ulen, auf denen jeweils ein Topf mit einem k�nstlichen Farn stand, mehrere Sessel, schwere Samtvorh�nge, die von dicken Seilen mit Troddeln zur�ckgehalten wurden, und eine Kulisse, die die Szenerie so wirken lie�, als h�tte jemand oben auf einer Klippe, vor einem tiefblauen Himmel voller wei�er Kumuluswolken, M�bel arrangiert.</p><p>Tim hatte inzwischen kapiert, dass diese Kulisse etwas mit Kontrast zu tun hatte. Und Kontrast, das hatte er auch gelernt, bestand darin, dass zwei Dinge in einer Art Widerspruch zueinander standen. Als Toy4You ihm das bei seinem ersten Besuch erkl�rt hatte, musste er sofort an den Kontrast zwischen dem denken, was er einmal f�r sein Leben gehalten hatte � eine Mutter, ein Vater, eine Schwester, ein Haus in Grange-over-Sands �, und das, was aus seinem Leben geworden war, n�mlich nichts. Als er jetzt hier stand, dachte er an den Kontrast zwischen dem Leben, das Kaveh Mehran mit seinem Vater gef�hrt hatte, und dem scheinheiligen Leben, das Kaveh in Zukunft f�hren w�rde. Dann riss er sich von dem Gedanken los und konzentrierte sich stattdessen auf den wirklichen Kontrast, der vor ihm lag, zwischen dieser unschuldigen Kulisse und dem Inhalt der Fotos, die hier entstehen w�rden.</p><p>Toy4You hatte ihm das alles erkl�rt, als er zum ersten Mal f�r ihn posiert hatte. Manche Menschen, hatte er gesagt, f�nden Gefallen daran, sich Fotos von nackten Jungs anzusehen. Fotos, auf denen diese Jungen auf ganz bestimmte Weise posierten. Vor allem w�rden diese Leute sich f�r ganz bestimmte K�rperteile interessieren. Manchmal reiche die blo�e Andeutung eines K�rperteils aus, aber manchmal m�sse er direkt zu sehen sein. Manche Kunden legten Wert darauf, auch das Gesicht des Jungen zu sehen, andere nicht. Ein Schmollmund komme immer gut. Ebenso ein Blick, der sagte: <emphasis>Du kannst mich haben</emphasis>, wie Toy4You sich ausdr�ckte. Noch besser sei es, wenn er sich einen hochholte f�r die Kamera. Manche Leute seien bereit, eine Menge Geld f�r diese Art Fotos zu bezahlen.</p><p>Tim hatte sich darauf eingelassen. Schlie�lich hatte er etwas von Toy4You gewollt und nicht umgekehrt. Es ging ihm nicht um Geld. Er wollte etwas anderes, und das hatte Toy4You ihm immer noch nicht gegeben. Das w�rde sich jetzt �ndern.</p><p>Toy4You war ihm ins Hinterzimmer gefolgt.�Du musst verschwinden�, sagte er zu Tim.</p><p>�Ruf deinen Freund an und sag ihm, ich warte hier auf ihn. Sag ihm, er soll herkommen. Wir machen die Fotos jetzt gleich.�</p><p>�Das wird er nicht tun. Er l�sst sich von keinem Vierzehnj�hrigen herumkommandieren. Er sagt uns, wenn es so weit ist, und nicht umgekehrt. Wieso kapierst du das nicht?�</p><p>�Ich hab keine Zeit! Wir machen es <emphasis>jetzt</emphasis>! Ich kann nicht l�nger warten. Wenn du willst, dass ich�s mit einem Typen mache, dann solltest du die Gelegenheit nutzen, denn es wird keine andere geben.�</p><p>�So, so�, sagte Toy4You.�Jetzt sieh zu, dass du wegkommst.�</p><p>�Ach? Glaubst du etwa, du findest einen anderen Idioten, der das macht?�</p><p>�Es gibt immer Jungs, die Geld brauchen.�</p><p>�F�r ein Foto kriegst du sie vielleicht. Sie lassen sich nackt von dir fotografieren, vielleicht sogar mit �nem Steifen. Aber das andere? Glaubst du, du findest einen, der das andere auch macht?�</p><p>�Glaubst du etwa, du bist der Einzige, der mich im Internet gefunden hat? H�ltst du mich f�r einen Anf�nger? Glaubst du im Ernst, du bist der Erste? Der Erste und Einzige? Es gibt Dutzende von deiner Sorte, die alles tun, was ich von ihnen verlange, weil sie das Geld brauchen. Die halten sich sogar an die Regeln. Und eine der Regeln lautet, dass keiner von euch hier aufkreuzt und Forderungen stellt, so wie du es jetzt schon zum zweiten Mal tust, du kleiner Wichser.�</p><p>Toy4You war n�her gekommen und stand jetzt ganz dicht vor Tim. Er war nicht gro�, und Tim hatte immer gedacht, er k�nnte es mit ihm aufnehmen, wenn es darauf ank�me, aber als der Mann ihn am Arm packte, sp�rte Tim, wie ihn der Mut verlie�.</p><p>�Ich spiele keine Spielchen�, sagte Toy4You.�Und ich lasse mir von kleinen Wichsern wie dir nicht auf der Nase herumtanzen.�</p><p>�Wir hatten eine Abmachung und ��</p><p>�Schei� drauf. Es ist vorbei.�</p><p>�Du hast es versprochen!�</p><p>�Mir reicht�s.�</p><p>Toy4You zerrte ihn in Richtung T�r. Er w�rde ihn tats�chlich rauswerfen, dachte Tim. Das durfte nicht passieren. Er hatte zu viel darin investiert und war schon zu weit gegangen. Er riss sich los.</p><p>�Nein!�, schrie er.�Du hast es mir versprochen, und ich will es jetzt!�Er begann, sich die Kleider vom Leib zu rei�en.�Du hast es versprochen! Und wenn du dein Versprechen nicht h�ltst, geh ich zu den Cops, das schw�r ich dir! Dann erz�hl ich denen, was ich getan hab, was du von mir verlangt hast. Ich erz�hl denen von den Fotos. Von deinen Freunden. Wie sie dich finden k�nnen. Es ist alles auf meinem Computer und ��</p><p>�Halt die Klappe!�Toy4You warf einen Blick in Richtung Fotostudio. Dann knallte er die T�r zum Laden zu.�Herrgott noch mal, beruhige dich!�, fauchte er Tim an.�Ist ja gut, du kriegst, was du willst. Aber nicht jetzt. Kapierst du das endlich?�</p><p>�Ich will � ich schw�re dir � Ich hetz dir die Cops auf den Hals.�</p><p>�Alles klar. Die Cops. Ich hab�s kapiert. Ich glaube dir. Hauptsache, du kommst endlich auf den Teppich. H�r zu. Ich mache einen Anruf. Jetzt. In deinem Beisein. Ich arrangiere alles f�r morgen. Dann machen wir die Fotos. �Er schien einen Moment zu �berlegen, dann musterte er Tim.�Aber diesmal werden wir es filmen. Alles live. Diesmal gehen wir aufs Ganze. Kapiert?�</p><p>�Aber du hast gesagt ��</p><p>�Ich bin derjenige, der ein Risiko eingeht!�, schrie Toy4You.�Und du wirst daf�r sorgen, dass es sich f�r mich lohnt. Also, ja oder nein?�</p><p>Tim wand sich. Aber er �berwand seine Angst und sagte:�Ja.�</p><p>�Also sch�n. Zwei Typen und du. Alles klar? Du und zwei Typen und aufs Ganze. Live gefilmt. Du wei�t hoffentlich, was das bedeutet? Denn bild dir ja nicht ein, du kannst mittendrin pl�tzlich sagen, du hast es dir anders �berlegt. Das l�uft nicht. Du und zwei Typen. Sag, dass du das kapiert hast.�</p><p>Tim biss sich auf die Lippe.�Ich und zwei Typen. Alles klar.�</p><p>Toy4You starrte ihn an. Tim hielt seinem Blick stand. Toy4You nickte kurz und tippte eine Telefonnummer ein.</p><p>�Und hinterher � wenn es vorbei ist�, sagte Tim.�Du hast es mir versprochen.�</p><p>�Versprochen. Wenn�s vorbei ist, stirbst du. Genauso, wie du es willst. Und f�r den letzten Akt darfst du die Regeln bestimmen.�</p></section><section><title><p>10.�November</p></title><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Als Lynley Deborah am fr�hen Morgen anrief, war er klug genug, in der Pension und nicht auf ihrem Handy anzurufen. Sie nahm den H�rer ab, denn sie sagte sich, Simon oder Tommy, selbst Zed w�rden sie garantiert auf dem Handy anrufen. Wenn also das Telefon in ihrem Pensionszimmer klingelte, bedeutete das sicherlich, dass jemand vom Personal wissen wollte, wie lange sie noch zu bleiben gedachte.</p><p>Sie st�hnte auf, als sie Lynleys wohlt�nenden Bariton erkannte. Und als er sagte:�Simon ist von uns beiden ziemlich entt�uscht�, konnte sie schlecht behaupten, er h�tte sich verw�hlt.</p><p>Es war sehr fr�h, und sie lag noch im Bett. Auch das war ein kluger Schachzug von Tommy: Auf die Weise konnte sie ihm nur schwer aus dem Weg gehen.</p><p>Sie setzte sich auf, zog sich die Decke bis unters Kinn und sagte:�Tja, ich bin auch von Simon entt�uscht.�</p><p>�Ich wei�. Aber er hat recht, Deborah. Und er hat von Anfang an recht gehabt.�</p><p>�Er hat doch immer recht, oder?�, erwiderte sie schnippisch.�Wovon redest du �berhaupt?�</p><p>�Von Ian Cresswells Tod. Er h�tte nicht sterben m�ssen, wenn er an dem Abend ein bisschen besser darauf geachtet h�tte, wo er sein Boot vert�ut.�</p><p>�Und wie sind wir zu dieser Schlussfolgerung gelangt?�Deborah rechnete damit, dass er sagen w�rde, Simons unertr�glich logische Auswertung und Darlegung der Fakten habe ihn zu der Schlussfolgerung gelangen lassen, aber er tat nichts dergleichen. Stattdessen berichtete er ihr von einem Familienstreit bei den Faircloughs, dessen Zeuge er geworden war, und von einem darauf folgenden Gespr�ch, das er mit Valerie Fairclough gef�hrt hatte.</p><p>Abschlie�end sagte er:�Ich bin also hierhergebeten worden, um im Auftrag von Valerie ein bisschen Licht in die Machenschaften ihres Mannes zu bringen. Man hat mich sozusagen zum Narren gehalten. Und den guten Hillier ebenfalls. Er wird nicht erfreut sein, wenn ich ihm schildere, wie wir beide benutzt worden sind.�</p><p>Deborah schlug ihre Decke zur�ck, schwang die Beine aus dem Bett und warf einen Blick auf die Uhr.�Und du glaubst ihr?�, fragte sie. Ein Anruf von Tommy um halb sieben in der Fr�h konnte nur eins bedeuten, und sie wusste genau, was das war.</p><p>�Normalerweise w�rde ich ihr vielleicht nicht glauben. Aber nach dem, was der Coroner festgestellt hat, und nach allem, was Simon herausgefunden hat, klingt das, was Valerie mir erz�hlt hat ��</p><p>�Sie k�nnte dich belogen haben, Tommy. Schlie�lich hatten alle m�glichen Leute ein Motiv.�</p><p>�Ein Motiv allein reicht nicht, um jemanden vor Gericht zu bringen, Deb. So ist das nun mal. Ehrlich gesagt, gibt es jede Menge Leute, die ein Motiv f�r einen Mord h�tten. Viele nehmen sich sogar vor, einen Menschen zu t�ten. Und doch gehen sie nicht einmal so weit, demjenigen auch nur ein Haar zu kr�mmen. Und so verh�lt es sich anscheinend auch hier in diesem Fall. Es wird Zeit, dass wir nach London zur�ckkehren.�</p><p>�Obwohl die Sache mit Alatea Fairclough noch nicht gekl�rt ist?�</p><p>�Deb ��</p><p>�H�r mir einfach mal zu, Tommy, okay? Alles an Alatea riecht doch nach Geheimnistuerei. Und Leute mit Geheimnissen sind zu allem M�glichen bereit, um ihre Geheimnisse zu sch�tzen.�</p><p>�Das mag durchaus sein, aber was auch immer sie getan hat oder tut, um ihre Geheimnisse zu sch�tzen � vorausgesetzt, sie hat �berhaupt welche �, sie hat auf keinen Fall Ian Cresswell ermordet. Um das herauszufinden sind wir hierhergekommen. Wir kennen jetzt die Wahrheit. Wie gesagt, es ist Zeit, nach Hause zur�ckzukehren.�</p><p>Deborah stand auf. Es war kalt im Zimmer. Zitternd schaltete sie die elektrische Kaminheizung ein, die sich in der Nacht abgeschaltet hatte. Die Fensterscheibe war beschlagen, und sie wischte sie ab, um nach drau�en sehen zu k�nnen. Es war immer noch dunkel. Das Licht der Stra�enlaternen und der Ampel an der Ecke spiegelte sich in dem nassen Asphalt.</p><p>Sie sagte:�Tommy, diese fehlenden Seiten aus der Zeitschrift waren von Anfang ein Hinweis darauf, dass mit Alatea etwas nicht stimmt.�</p><p>�Das bestreite ich ja gar nicht�, antwortete er.�Und wir wissen ja sogar ungef�hr, um was es sich bei diesem Etwas handelt. Aber das wusstest du bereits. Es geht ums Schwangerwerden. Das hat Nicholas Fairclough dir doch bei eurem ersten Gespr�ch gesagt, oder?�</p><p>�Ja, aber ��</p><p>�Es ist doch vollkommen nachvollziehbar, dass sie �ber so etwas nicht mit einer Fremden reden m�chte. Redest du etwa mit jedem �ber das Thema?�</p><p>Das war ein Schlag unter die G�rtellinie, und das wusste er genau. Aber Deborah hatte nicht vor, sich von ihren Gef�hlen den Verstand vernebeln zu lassen.�Das ergibt doch alles keinen Sinn. Wenn Lucy Keverne nur deswegen in <emphasis>Conception</emphasis> inseriert hat, um sich als Eispenderin anzubieten, wie sie behauptet, was hatte sie dann zusammen mit Alatea Fairclough an der Uni in Lancaster zu suchen? Was wollte sie mit Alatea im George Childress Centre?�</p><p>�Vielleicht hat sie Alatea dort ein Ei gespendet�, sagte Lynley.</p><p>�Das Ei muss befruchtet werden. H�tte Nicholas dann nicht auch dort sein m�ssen?�</p><p>�Vielleicht hat Alatea Sperma von ihm mitgenommen.�</p><p>�In einem Marmeladenglas, oder was?�, fragte Deborah spitz.�Und warum musste Lucy dann dabei sein?�</p><p>�Um das Ei zu spenden?�</p><p>�Also gut. Meinetwegen. Aber warum war Nicholas dann nicht dabei, um frisches Sperma zu spenden, flinke kleine Schwimmer, die noch richtig fit sind?�</p><p>Lynley seufzte. Deborah fragte sich, wo er sich befand. Wahrscheinlich irgendwo an einem Festnetzapparat, denn die Verbindung war perfekt. Das lie� darauf schlie�en, dass er noch in Ireleth Hall war.�Deb�, sagte er.�Ich wei� es nicht. Ich habe einfach keine Ahnung, wie so etwas funktioniert.�</p><p>�Das ist mir klar. Aber <emphasis>ich</emphasis> wei�, wie es funktioniert, glaub mir. Und ich kann dir sagen, wenn die ein Ei von Lucy oder mehrere mit Samen von Nicholas befruchten, dann werden die Eier auf keinen Fall sofort eingesetzt. Wenn Lucy also, wie sie behauptet, tats�chlich Eispenderin ist, und wenn sie Alatea aus irgendeinem Grund Eier spendet, und wenn die Eier mit Nicholas� Sperma befruchtet werden ��</p><p>�Das spielt alles keine Rolle�, fiel Lynley ihr ins Wort.�Denn nichts von alldem hat irgendetwas mit Ian Cresswells Tod zu tun. Wir m�ssen zur�ck nach London.�</p><p>�<emphasis>Du</emphasis> musst zur�ck nach London. Ich nicht.�</p><p>�Deborah. �In seiner Stimme lag ein ungehaltener Unterton. Wie bei Simon. Wie �hnlich die beiden sich doch waren, dachte sie.</p><p>�Ja?�, fragte sie gereizt.</p><p>�Ich fahre noch heute Vormittag nach London zur�ck. Du wei�t genau, dass ich dich deswegen angerufen habe. Ich w�rde gern in Milnthorpe vorbeikommen, dir zur Autovermietung folgen und dich dann mit nach London nehmen.�</p><p>�Weil du mir nicht zutraust, dass ich alleine zur�ckfinde?�</p><p>�Ich h�tte gern ein bisschen Gesellschaft�, sagte er.�Es ist eine lange Fahrt.�</p><p>�Sie hat gesagt, sie w�rde sich niemals als Leihmutter zur Verf�gung stellen, Tommy. Wenn sie nichts weiter vorhat, als Alatea ein paar Eier zu spenden, warum sagt sie das dann nicht einfach? Warum erkl�rt sie mir, dass Leihmutterschaft f�r sie indiskutabel ist?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung. Und es ist vollkommen unwichtig. Es spielt keine Rolle. Ian Cresswell ist aufgrund seiner eigenen Unachtsamkeit ums Leben gekommen. Er wusste von den lockeren Steinen im Bootshaus. So sieht es aus, Deb, und nichts, was die beiden Frauen in Lancaster gemacht haben, wird daran etwas �ndern. Die Frage lautet also: Warum bei�t du dich so sehr daran fest? Und ich glaube, wir kennen beide die Antwort.�</p><p>Er hatte das ganz ruhig gesagt, aber es passte nicht zu Tommy. Es zeigte, wie sehr Simon ihn auf seine Seite gezogen hatte. Eigentlich war das nur verst�ndlich, dachte Deborah. Schlie�lich verband die beiden eine jahrzehntelange Freundschaft. Sie hatten gemeinsam einen schrecklichen Verkehrsunfall �berlebt, und sie hatten einmal dieselbe Frau geliebt, die sp�ter ermordet worden war. Diese Dinge verbanden die beiden M�nner auf eine Weise miteinander, gegen die sie nie w�rde ankommen k�nnen. Und deswegen blieb ihr nur eine Alternative.</p><p>Sie sagte:�Also gut, Tommy, du hast gewonnen.�</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Das soll hei�en, dass ich mit dir nach London fahre.�</p><p>�Deborah ��</p><p>�Nein. �Sie seufzte ger�uschvoll.�Ich meine es ernst, Tommy. Ich gebe auf. Wann genau brechen wir auf?�</p><p>�Meinst du das ernst?�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Ich bin stur, aber nicht bl�d. Wenn es keinen Zweck hat, diese Sache weiterzuverfolgen, dann hat es keinen Zweck, fertig.�</p><p>�Du siehst also ein ��</p><p>�Ja. Gegen Forensiker kann man nicht argumentieren. So ist das nun mal. �Sie lie� ihm einen Augenblick Zeit, das zu verdauen. Dann fragte sie noch einmal:�Wann brechen wir auf? Du hast mich �brigens geweckt, ich brauche also noch etwas Zeit zum Packen, Duschen, Haare F�nen und so weiter. Au�erdem w�rde ich gern fr�hst�cken.�</p><p>�Zehn Uhr?�, schlug er vor.�Danke, Deb.�</p><p>�Es ist einfach besser so�, sagte sie.</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Zed Benjamin hatte kaum geschlafen. Seine Geschichte zerbr�selte ihm zwischen den Fingern. Was so hei� angefangen hatte, dass man es nur mit Ofenhandschuhen anfassen konnte, war jetzt so interessant wie kalte Pizza. Er hatte keinen blassen Schimmer, was er mit den Informationen anfangen sollte, die er zusammengetragen hatte, denn es war nichts darunter, was f�r eine spannende Story taugte. In seinen Tagtr�umen war es Titelseitenmaterial gewesen, eine Story, in der enth�llt wurde, wie New Scotland Yard heimlich gegen Nicholas Fairclough ermittelte und herausfand, dass er seinen Vetter ermordet hatte, weil der seinem Erfolg im Weg gestanden hatte. Es war die Geschichte eines Mannes, der es geschafft hatte, seine Eltern, seine gesamte Familie und seine Freunde hinters Licht zu f�hren, indem er den Wohlt�ter gespielt hatte, w�hrend er in Wirklichkeit einen Menschen aus dem Weg ger�umt hatte, um sich Zugang zum Familienverm�gen zu verschaffen. Der Artikel sollte von Fotos begleitet werden � DS Cotter, Fairclough, seine Frau, das Wehrturmprojekt, Fairclough Industries und so weiter � und auf Seite 3, 4 und 5 fortgesetzt werden. Und in der Verfasserzeile prangte nat�rlich sein Name: <emphasis>Zed Benjamin</emphasis>.</p><p>Aber damit all das Wirklichkeit wurde, musste der Artikel nat�rlich von Nicholas Fairclough handeln. Der Tag, den Zed mit DS Cotter verbracht hatte, hatte ihm allerdings bewiesen, dass Scotland Yard sich nicht die Bohne f�r Nicholas Fairclough interessierte. Und es hatte sich herausgestellt, dass seine Nachforschungen �ber Faircloughs Ehefrau in eine gewaltige Sackgasse gef�hrt hatten.</p><p>Als er die rothaarige Polizistin gefragt hatte, was sie in Erfahrung gebracht h�tte, hatte sie nur gemeint:�Ich f�rchte nichts.�</p><p>�Was soll das hei�en, �nichts�?�, hatte er zu wissen verlangt.</p><p>Worauf sie ihm erz�hlt hatte, die Frau � Lucy Keverne sei ihr Name � und Alatea h�tten an der Uni einen Spezialisten aufgesucht wegen� Frauenproblemen�. Lucy sei diejenige mit den� Frauenproblemen�, und Alatea habe sie aus Freundschaft begleitet.</p><p>�Mist�, murmelte er.�Das bringt uns keinen Schritt weiter.�</p><p>�Es bedeutet, wir m�ssen wieder bei null anfangen�, erwiderte sie.</p><p>Nein, dachte er. Es bedeutete, dass <emphasis>sie</emphasis> wieder bei null anfangen musste. F�r ihn bedeutete es, dass er um seinen Job f�rchten musste.</p><p>Er musste unbedingt mit Yaffa reden. Sie war gescheit, und wenn es jemanden gab, der ihm sagen konnte, wie er aus dem Schlamassel rauskam und doch noch eine Story daraus machen konnte, die Rodney Aronson als angemessene Entsch�digung f�r die Investitionen der <emphasis>Source</emphasis> betrachtete, dann war sie es.</p><p>Also rief er sie an, und schon als er ihre Stimme h�rte, atmete er erleichtert auf.�Guten Morgen, Darling�, sagte er.</p><p>Sie sagte:�Hallo <emphasis>Zed</emphasis>!�, und dann:�Mama Benjamin, es ist unser Schatz�, um ihn wissen zu lassen, dass seine Mutter sich in H�rweite befand.�Du fehlst mir so, mein Liebling!�Dann lachte sie �ber eine Bemerkung seiner Mutter und sagte zu ihm:�Mama Benjamin findet, dass es keinen Zweck hat, ihren Sohn zu bezirzen. Sie meint, er ist ein unverbesserlicher Junggeselle. Stimmt das?�</p><p>�Nicht, wenn du versuchst, ihn eines Besseren zu belehren�, antwortete er.�Ich habe noch nie eine Frau gekannt, die so zum Anbei�en verf�hrerisch war.�</p><p>�Also wirklich, du Schlimmer!�Dann:�Nein, nein, Mama Benjamin. Ich werde auf keinen Fall wiederholen, was Ihr Sohn zu mir gesagt hat. Aber ich muss gestehen, dass mir ein bisschen schwindlig wird von seinen Worten. �Und zu Zed:�Das meine ich ernst. Mir wird ganz anders ��</p><p>�Na, das will ich doch hoffen!�</p><p>Sie lachte. Dann sagte sie in einem vollkommen anderen Ton.�So, sie ist aufs Klo gegangen. Jetzt k�nnen wir reden. Wie geht�s dir, Zed?�</p><p>Er konnte sich gar nicht so schnell von Yaffa, der angeblichen Geliebten, auf Yaffa, die Mitverschw�rerin, umstellen.�Du fehlst mit, Yaf�, sagte er.�Ich w�nschte, du w�rst hier.�</p><p>�Ich kann dir auch von hier aus helfen.�</p><p>Einen verr�ckten Moment lang dachte Zed tats�chlich, sie redete von Telefonsex, und in seinem derzeitigen Zustand h�tte er noch nicht einmal etwas dagegen gehabt. Doch dann fragte sie:�Hast du inzwischen die Informationen, die du f�r deine Story brauchst?�</p><p>Das wirkte wie eine kalte Dusche.�Ach, diese verdammte Story�, st�hnte er. Er brachte Yaffa auf den neuesten Stand. Erz�hlte ihr alles, was er seit ihrem letzten Gespr�ch unternommen hatte. Abschlie�end sagte er:�Es gibt also nichts und wieder nichts zu berichten. Ich k�nnte nat�rlich schreiben, dass Scotland Yard hier oben ist und gegen Nick Fairclough ermittelt wegen des mysteri�sen Todes von dessen Vetter Ian Cresswell, der f�r die Buchhaltung von Fairclough Industries verantwortlich war � und wir wissen ja alle, was das bedeutet, nicht wahr, liebe Leser? Aber jetzt sieht es so aus, als w�rde Scotland Yard gar nicht gegen Nick Fairclough ermitteln, sondern gegen dessen Frau Alatea, und dass sie in dem Fall bisher ungef�hr so weit gekommen sind wie ich bei Nick Fairclough. Wir befinden uns in derselben Situation, Scotland Yard und ich. Mit dem einzigen Unterschied, dass diese Polizisten frohgemut nach London zur�ckkehren und ihren Vorgesetzten einen Abschlussbericht pr�sentieren k�nnen. Aber wenn ich ohne Story zur�ckkomme, bin ich erledigt. �Dann f�gte er hastig hinzu:�Tut mir leid, ich wollte dich nicht volljammern.�</p><p>�Zed, du kannst jammern, so viel du willst.�</p><p>�Danke, Yaf. Du bist � Na ja, du bist eben, wie du bist.�</p><p>Er h�rte, dass sie l�chelte, als sie antwortete:�Danke. Aber jetzt lass uns mal scharf nachdenken. Wenn eine T�r zuschl�gt, �ffnet sich eine andere.�</p><p>�Und das bedeutet?�</p><p>�Es bedeutet, dass du vielleicht das tun solltest, was deine Berufung ist. Du bist ein Dichter, Zed, kein Klatschreporter. Wenn du bei dieser Zeitung bleibst, wirst du deine Kreativit�t verlieren. Es wird Zeit, dass du anf�ngst, Gedichte zu schreiben.�</p><p>Zed schaubte ver�chtlich.�Die Poesie ist eine brotlose Kunst�, sagte er.�Sieh mich doch an: Ich bin f�nfundzwanzig und wohne immer noch bei meiner Mutter. Nicht mal als Journalist schaffe ich es, meinen Lebensunterhalt zu verdienen.�</p><p>�Ach Zed, sag nicht so was. Du brauchst nur jemanden, der an dich glaubt. <emphasis>Ich</emphasis> glaube an dich.�</p><p>�Und was n�tzt mir das? Du gehst doch bald wieder nach Tel Aviv zur�ck.�</p><p>Yaffa schwieg. Pl�tzlich klopfte es in Zeds Leitung. Er sagte:�Yaffa? Bist du noch da?�</p><p>��h, ja, ich bin noch da�, antwortete sie.</p><p>Es klopfte immer noch in der Leitung. Wahrscheinlich Rodney. Es war wohl an der Zeit, dass er sich den Tatsachen stellte.�Yaffa�, sagte er.�Da ruft mich jemand an. Ich muss ��</p><p>�Ich muss ja nicht zur�ckgehen�, sagte sie hastig.�Mich dr�ngt nichts. Denk dr�ber nach, Zed. �Dann legte sie auf.</p><p>Einen Moment lang starrte er verdattert auf sein Handy. Dann nahm er den anderen Anruf entgegen.</p><p>Es war die Polizistin. Sie sagte:�Ich fahre noch mal nach Lancaster, um ein zweites Mal mit dieser Frau zu reden. Es steckt offensichtlich mehr dahinter. Und es wird Zeit, dass wir beide ihr die Daumenschrauben anlegen.�</p><subtitle>BARROW-IN-FURNESS UND GRANGE-OVER-SANDS � CUMBRIA</subtitle><p>Der Letzte, den Manette bei Fairclough Industries erwartet h�tte, war Kaveh Mehran. Soweit sie sich erinnerte, war er noch nie in der Firma gewesen. Ian hatte ihn jedenfalls nie offiziell herumgef�hrt und vorgestellt. Nat�rlich wussten fast alle, dass Ian seine Frau wegen dieses jungen Mannes verlassen hatte, aber das war auch alles. Und als Kaveh jetzt in ihr B�ro gef�hrt wurde, war sie erst einmal verbl�fft. Doch dann sagte sie sich, dass er wahrscheinlich gekommen war, um Ians pers�nliche Sachen abzuholen. Irgendjemand musste sich schlie�lich darum k�mmern.</p><p>Es stellte sich jedoch heraus, dass er aus einem anderen Grund da war. Tim war verschwunden. Er war am Tag zuvor auf dem Weg zur Schule aus Kavehs Auto gesprungen und seitdem nicht nach Hause gekommen.</p><p>�Ist denn etwas vorgefallen?�, fragte Manette.�Warum ist er aus dem Auto gesprungen? War er in der Schule? Hast du schon in der Schule nachgefragt?�</p><p>Bereits am Tag zuvor, sagte Kaveh, habe jemand von der Schule bei ihm angerufen. Tim sei nicht zum Unterricht erschienen, und in so einem Fall wurden die Erziehungsberechtigten sofort informiert, weil � na ja, weil es eben so eine Schule sei, falls sie wisse, was er meine.</p><p>Nat�rlich wisse sie, um was f�r eine Schule es sich handelte. Die ganze Familie wusste �ber die Margaret Fox School Bescheid, das war kein Geheimnis.</p><p>Kaveh sagte, er sei am Morgen die Strecke von Bryanbarrow bis zur Margaret Fox School abgefahren, weil er dachte, Tim w�rde vielleicht an irgendeiner Kreuzung stehen und trampen. Er war nach Great Urswick gefahren, um zu sehen, ob der Junge vielleicht zu Manette gelaufen war und sich irgendwo auf ihrem Grundst�ck versteckt hatte, ohne dass sie davon wusste. Dann war er zur Schule gefahren. Und jetzt war er in die Firma gekommen, um nach Tim zu fragen.</p><p>�Nat�rlich ist er nicht hier�, sagte Manette.�Was sollte er denn hier in der Firma tun?�</p><p>�Hast du ihn denn sonst wo gesehen? Hat er bei dir angerufen? Bei Niamh habe ich noch nicht nachgefragt, wie du dir denken kannst. �Kaveh wirkte verlegen, aber Manette sp�rte, dass er ihr etwas Wichtiges vorenthielt.</p><p>�Ich habe nichts von ihm geh�rt�, sagte sie.�Bei uns in Great Urswick ist er auch nicht gewesen. Warum ist er aus deinem Auto gesprungen?�</p><p>Kaveh drehte sich kurz um, als �berlegte er, ob er die T�r zu ihrem B�ro schlie�en sollte. Manette wappnete sich, denn sie f�rchtete, dass jetzt etwas kam, das sie nicht h�ren wollte.</p><p>�Ich glaube, er hat ein Gespr�ch zwischen mir und George Cowley mitbekommen.�</p><p>�Mit dem Bauern? Was zum Teufel �?�</p><p>�Es ging darum, was mit dem Haus und der Farm passieren soll. Ich denke, du wei�t, dass Cowley das Haus kaufen wollte.�</p><p>�Ja, Ian hat mir davon erz�hlt. Und?�Warum sollte Tim sich daf�r interessieren? fragte sie sich im Stillen.</p><p>�Ich habe Mr. Cowley gesagt, was ich mit dem Haus vorhabe�, sagte Kaveh.�Und ich f�rchte, das hat Tim geh�rt.�</p><p>�Was hast du denn mit dem Haus vor? Willst du etwa Schafe z�chten?�, fragte Manette sp�ttisch. Sie konnte sich nicht beherrschen. Tim und Gracie h�tten das Haus erben m�ssen, und nicht dieser Mann, der die Familie der beiden zerst�rt hatte.</p><p>�Ich werde es behalten und dort wohnen bleiben. Und � Ich habe Cowley gesagt, dass Tim und Gracie zu ihrer Mutter zur�ckkehren werden. Das k�nnte Tim geh�rt haben.�</p><p>Manette zog die Brauen zusammen. Nat�rlich war das der logische Lauf der Dinge. Haus hin oder her, Tim und Gracie konnten nach dem Tod ihres Vaters nicht bei dessen Liebhaber wohnen bleiben. Sie w�rden es bei ihrer Mutter nicht leicht haben, aber solange sie minderj�hrig waren, gab es keine Alternative. Tim w�rde das verstehen. Er musste sogar damit gerechnet haben. Dass diese Neuigkeit ihn also dazu gebracht haben sollte, aus Kavehs Auto zu springen und abzuhauen � Das ergab irgendwie keinen Sinn.</p><p>�Ich m�chte dir ja nicht zu nahetreten, Kaveh�, sagte sie,�aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kinder bei dir wohnen bleiben wollen, jetzt, wo ihr Vater tot ist. K�nnte es also sein, dass noch etwas anderes passiert ist? Etwas, das du mir verschweigst?�</p><p>Kaveh sah sie an.�Ich w�sste nicht was. Kannst du mir helfen, Manette? Ich wei� nicht, was ich sonst noch ��</p><p>�Ich k�mmere mich darum�, sagte sie.</p><p>Nachdem er gegangen war, rief sie in der Schule an. Um l�stige Fragen zu vermeiden, gab sie sich als Niamh aus. Sie erfuhr, dass Tim schon den zweiten Tag fehlte. In der Schule machte man sich Sorgen. Dass ein Sch�ler nicht zum Unterricht erschien, konnte alles M�gliche bedeuten, aber auf keinen Fall etwas Gutes.</p><p>Als N�chstes rief Manette bei Niamh an. Der Anrufbeantworter sprang an, und eine Ansage mit Niamhs lasziver Stimme, sicherlich gedacht als Sirenengesang f�r potentielle Verehrer, forderte sie auf, eine Nachricht zu hinterlassen. Manette kam der Aufforderung nach und sagte dann:�Tim? Bist du da? Falls du das h�rst, nimm bitte ab! Ich bin�s, Manette!�</p><p>Nat�rlich passierte nichts, aber das musste nicht unbedingt etwas bedeuten. Falls Tim sich versteckte, w�rde er sich niemandem zu erkennen geben, der nach ihm suchte. Ihm musste klar sein, dass sie ihn suchte. Er musste damit rechnen, dass alle ihn suchten.</p><p>Ihr blieb nichts anderes �brig, als sich tats�chlich auf die Suche nach Tim zu machen, aber nicht allein. Sie ging zu Freddies B�ro, um ihn um Hilfe zu bitten. Er war nicht da. Sie ging zu Ians B�ro, wo Freddie vor Ians Computer sa� und versuchte, aus den Finanztransaktionen schlau zu werden. Einen Moment lang schaute sie ihm zu. Lieber Freddie, dachte sie, und ihr Herz krampfte sich kurz zusammen, als wollte es sich zum ersten Mal seit Jahren bemerkbar machen.</p><p>Schlie�lich sagte sie:�Hast du einen Moment Zeit?�</p><p>Er blickte auf und l�chelte sie an.�Was gibt�s?�Dann verd�sterte sich seine Miene, denn er kannte sie einfach zu gut. Er fragte:�Was ist passiert?�</p><p>Sie erz�hlte ihm, dass Tim verschwunden war und dass sie zu Niamh fahren wollte, weil sie glaubte, dass er sich nur dort versteckt haben konnte. Aber sie wolle nicht allein fahren, sagte sie. Besser gesagt, sie wolle sich nicht allein mit Tim auseinandersetzen. Der Junge sei ziemlich durcheinander. Sie w�rde sich wohler f�hlen, wenn Freddie sie begleitete.</p><p>Selbstverst�ndlich erkl�rte sich Freddie dazu bereit. Wann hatte er ihr schon einmal etwas abgeschlagen?� In zehn Minuten am Auto�, sagte er und begann, den Computer herunterzufahren und den Schreibtisch aufzur�umen.</p><p>Als er auf dem Parkplatz erschien, sa� sie bereits am Steuer. Er �ffnete die Beifahrert�r und fragte:�Soll ich nicht lieber fahren?�</p><p>�M�glicherweise muss einer von uns aussteigen und ihn festhalten, und es w�re mir lieber, wenn du das machst�, sagte sie.</p><p>Sie fuhren �ber die K�stenstra�e an der Bucht entlang und schafften es in k�rzester Zeit nach Grange-over-Sands. Als sie vor dem wei� get�nchten Haus hielten, verabschiedete Niamh sich gerade liebevoll von demselben Mann, dem Manette bereits bei ihrem letzten Besuch begegnet war. Charlie Wilcox, der Besitzer des ber�hmten China-Imbiss in Milnthorpe, dachte sie und nannte Freddie den Namen. Sie brauchte ihm nicht zu erkl�ren, welche Rolle der Mann im Leben von Tims und Gracies Mutter spielte.</p><p>Niamh hatte ihren Morgenmantel nur nachl�ssig zugebunden, und es war eindeutig, dass sie nichts darunter anhatte. Charlie trug noch die Ausgehkleidung vom Vortag: schwarzes Jackett, schwarze Hose, wei�es Hemd und eine Krawatte, die verwegen locker an seinem Hals baumelte. Als Niamh Manettes Auto erblickte, umschlang sie Charlie mit einem Bein und rieb sich mit dem Becken an ihm, w�hrend sie ihn leidenschaftlich k�sste.</p><p>Manette seufzte. Sie schaute Freddie an. Er err�tete und warf ihr einen vielsagenden Blick zu. Sie zuckte nur die Achseln.</p><p>Als die Knutscherei beendet war, stiegen sie aus, w�hrend Charlie mit entr�cktem Blick zu seinem Saab ging, der in der Einfahrt stand. Im Vorbeigehen nickte er ihnen v�llig unbefangen zu. Er schien hier ganz selbstverst�ndlich ein und aus zu gehen, um Niamh zu geben, was sie brauchte, dachte Manette. Wie der Klempner, der die verstopften Rohre freilegt. Mit einem ver�chtlichen Schnauben ging sie zum Haus.</p><p>Niamh hatte die T�r offen gelassen, so dass Manette und Freddie eintreten konnten. Sie schlossen die T�r hinter sich.</p><p>�Ich komme gleich!�, rief Niamh.�Ich ziehe mir nur schnell was Anst�ndiges an.�</p><p>Sie gingen ins Wohnzimmer, wo noch die Spuren des gestrigen Abends zu sehen waren: eine leere Weinflasche, zwei Gl�ser, eine Platte mit K�se- und Schokoladenkr�meln, Sofakissen auf dem Boden und daneben Niamhs Kleider auf einem Haufen. Offenbar wusste Niamh sich zu am�sieren, dachte Manette.</p><p>�Sorry, bin noch nicht zum Aufr�umen gekommen.�</p><p>Manette und Freddie drehten sich um. Sie trug einen hautengen, einteiligen, schwarzen Gymnastikanzug und darunter offenbar keinen BH, so dass sich ihre Brustwarzen deutlich abzeichneten.</p><p>Manette warf Freddie einen Blick zu. Er schaute aus dem Fenster und genoss die herrliche Aussicht auf die Bucht. Es herrschte Ebbe, und im Watt tummelten sich Tausende von Regenpfeifern und M�wen, die Freddie, der sich eigentlich gar nicht f�r V�gel interessierte, aufmerksam beobachtete. Seine Ohren leuchteten knallrot.</p><p>Mit einem durchtriebenen Grinsen fragte Niamh:�Was kann ich f�r euch tun, ihr zwei?�, und begann, das Wohnzimmer aufzur�umen: Sie sch�ttelte die Kissen auf und stellte sie ordentlich aufs Sofa, sammelte die leere Weinflasche ein und trug sie zusammen mit den Gl�sern und der Platte in die K�che, wo die Reste eines chinesischen Essens herumstanden. Offenbar versorgte Charlie Niamh in mehrerer Hinsicht. Der arme Trottel, dachte Manette.</p><p>Manette sagte:�Ich habe dich angerufen. Hast du das Telefon nicht geh�rt?�</p><p>Niamh machte eine wegwerfende Handbewegung.�Ich geh nie ans Telefon, wenn Charlie hier ist. Das t�test du doch auch nicht an meiner Stelle, oder?�</p><p>�Ich w�rde auf jeden Fall ans Telefon gehen, wenn ich mitbek�me, dass jemand eine Nachricht auf den Anrufbeantworter spricht, die etwas mit meinem Sohn zu tun hat.�</p><p>Niamh stand an der K�chenanrichte und untersuchte die Beh�lter aus dem China-Imbiss, um zu sehen, ob sie noch etwas Essbares enthielten.�Tim? Was ist mit ihm?�, fragte sie.</p><p>Manette sp�rte, wie Freddie hinter ihr in die K�che kam, und trat zur Seite, um ihm Platz zu machen. Sie schaute ihn an. Er hatte die Arme vor der Brust verschr�nkt und betrachtete das Chaos in der K�che. Freddie konnte so einen Saustall �berhaupt nicht ausstehen.</p><p>Manette berichtete Niamh kurz, was sie wusste.�Ist er hier bei dir aufgetaucht?�, fragte sie, als sie geendet hatte.</p><p>�Nicht dass ich w�sste�, antwortete Niamh.�Aber ich war auch nicht die ganze Zeit zu Hause. Vielleicht war er hier und ist wieder gegangen.�</p><p>�Wir w�rden gern nachsehen�, sagte Freddie.</p><p>�Wieso? Glaubt ihr vielleicht, ihr findet ihn unterm Bett? Glaubt ihr, ich verstecke ihn vor euch?�</p><p>�Wir dachten, er versteckt sich vielleicht vor <emphasis>dir</emphasis>�, sagte Manette.�Was ihm niemand verdenken w�rde. Machen wir uns doch nichts vor, Niamh. Was ein Junge aushalten kann, hat seine Grenzen, und ich glaube, Tim hat diese Grenze erreicht.�</p><p>�Was willst du damit sagen?�</p><p>�Ich glaube, das wei�t du ganz genau. Was du in letzter Zeit hier treibst ��</p><p>Freddie legte ihr eine Hand auf den Arm und sagte ruhig:�Vielleicht hat Tim sich ins Haus geschlichen, als du geschlafen hast. Oder er hat sich in der Garage verkrochen. W�rde es dir etwas ausmachen, wenn wir mal nachsehen? Es dauert nicht lange, und dann bist du uns los.�</p><p>Manette sah Niamh an, dass sie das Gespr�ch gern weitergef�hrt h�tte, aber dann w�rden sie unweigerlich wieder bei demselben leidigen Thema landen, und das wollte Manette sich ersparen. Niamh war davon �berzeugt, dass Ian sie verraten hatte, dass er mit seinen S�nden ihre Familie zerst�rt hatte, und sie war nicht bereit, Gras �ber die Sache wachsen zu lassen und ihren Kindern zu helfen, die schlimmen Zeiten zu �berwinden.</p><p>Sie sagte:�Tu, was du nicht lassen kannst, Freddie�, und machte weiter mit dem Aufr�umen.</p><p>Das Haus zu durchsuchen nahm weniger als f�nf Minuten in Anspruch. Im ersten Stock gab es drei Zimmer und ein Bad. Es war nicht anzunehmen, dass Tim sich im Zimmer seiner Mutter versteckt hatte, denn dann h�tte er ihren Liebesspielen lauschen m�ssen. Also blieben die beiden Kinderzimmer, die Manette durchsuchte, w�hrend Freddie sich die Garage vornahm.</p><p>Zur�ck im Wohnzimmer sahen sie sich nur an und sch�ttelten wortlos den Kopf. Sie mussten woanders weitersuchen. Doch vorher wollte Manette noch ein W�rtchen mit Tims Mutter wechseln. Niamh kam gerade mit einer Tasse Kaffee aus der K�che. Ihren ungebetenen G�sten hatte sie keinen angeboten. Umso besser, dachte Manette, denn sie hatte nicht vor, sich l�nger als unbedingt n�tig hier aufzuhalten.</p><p>�Es wird Zeit, dass die Kinder wieder nach Hause kommen�, sagte sie zu Niamh.�Du hast deinen Standpunkt klargemacht, und es gibt keinen Grund, weiterhin diese Show abzuziehen.�</p><p>�Ach du je�, sagte Niamh und b�ckte sich, um etwas aufzuheben, das unter einen Sessel gerutscht war.�Charlie und seine Spielchen ��</p><p>Manette sah, dass es sich um ein Sexspielzeug handelte, und zwar um einen Vibrator, den Niamh grinsend auf den Couchtisch legte.�Was wolltest du mir eben sagen, Manette?�, fragte sie.</p><p>�Du wei�t genau, was ich dir sagen wollte. Du hast dir die Titten vergr��ern lassen, und du bestellst diesen armen Trottel von Charlie jeden Abend hierher, damit er es dir besorgt ��</p><p>�Manette�, sagte Freddie.</p><p>�Nein, lass mich�, entgegnete sie.�Es wird Zeit, dass ihr mal jemand ordentlich den Kopf w�scht. Du hast zwei Kinder, Niamh, und diesen Kindern gegen�ber hast du eine Pflicht als Mutter, und das hat nichts mit Ian zu tun und damit, dass er dich wegen Kaveh verlassen hat ��</p><p>�H�r auf!�, fauchte Niamh.�Dieser Name wird in meinem Haus nicht ausgesprochen!�</p><p>�Welcher? Der des Vaters deiner Kinder oder des Mannes, dessentwegen er dich verlassen hat? Ian hat dich verletzt � akzeptiert. Das wissen wir alle. Du hattest ein Recht, dich verletzt zu f�hlen, und glaub mir, auch das wissen wir alle. Aber Ian ist tot, und die Kinder brauchen dich, und wenn du das nicht begreifst, wenn du derma�en egozentrisch bist, wenn du so verdammt bed�rftig bist, wenn du dir jeden Tag aufs Neue beweisen musst, dass ein Mann � irgendein Mann � dich begehrt � Was zum Teufel ist los mit dir? Bist du Tim und Gracie jemals eine Mutter gewesen?�</p><p>�Manette�, murmelte Freddie.�Ich glaube, es reicht.�</p><p>�Wie kannst du es wagen ��Niamh war bleich vor Wut.�Ausgerechnet du! Du hast deinen Mann abgelegt f�r ��</p><p>�Es geht nicht um mich.�</p><p>�Ach nein? Du bist wohl perfekt, was, und �ber uns alle erhaben? Hast du �berhaupt eine Ahnung, was ich durchgemacht habe? Was glaubst du wohl, wie es ist herauszufinden, dass der Mann, den du liebst, es seit Jahren mit M�nnern treibt? Auf �ffentlichen Toiletten, in Parks, in Nachtclubs, wo sie sich gegenseitig befummeln und in den Arsch ficken? Wie es sich anf�hlt, wenn einem diese Erkenntnis d�mmert? Wenn einem klar wird, dass die Ehe, in der man lebt, nur Fassade ist, und schlimmer noch, dass der Mann, den man liebt, seit Jahren ein Doppelleben f�hrt und einen der Gefahr aussetzt, sich alle m�glichen ekelhaften Krankheiten einzufangen? Erz�hl mir nicht, wie ich mein Leben zu leben habe. Erz�hl mir nicht, ich sei egozentrisch, bed�rftig, erb�rmlich oder was dir sonst noch alles einf�llt ��</p><p>Sie hatte angefangen zu weinen und wischte sich mit dem Handr�cken die Tr�nen fort.�Macht, dass ihr rauskommt, und lasst euch nie wieder hier blicken! Wenn du es noch einmal wagst, mein Haus zu betreten, Manette, dann rufe ich die Polizei, das schw�re ich dir. Macht, dass ihr wegkommt, und lasst mich in Ruhe!�</p><p>�Und Tim? Und Gracie? Was ist mit den Kindern?�</p><p>�Sie k�nnen nicht bei mir wohnen.�</p><p>�Was meinst du damit?�, fragte Freddie.</p><p>�Sie erinnern mich an alles. Immer wieder. Das ertrage ich nicht. Ich ertrage sie nicht.�</p><p>Pl�tzlich fiel es Manette wie Schuppen von den Augen.�Warum in aller Welt hat er sich f�r dich entschieden? Warum hat er nicht begriffen?�</p><p>�Was?�, fragte Niamh.�<emphasis>Was</emphasis>?�</p><p>�Von Anfang an hat sich f�r dich alles nur um dich selbst gedreht. Und daran hat sich nichts ge�ndert.�</p><p>�Ich wei� nicht, wovon du redest�, sagte Niamh.</p><p>�Macht nichts�, entgegnete Manette.�Ich wei� es.�</p><subtitle>LANCASTER � LANCASHIRE</subtitle><p>Deborah hatte ein schlechtes Gewissen gegen�ber Tommy, aber nur ein bisschen. Er w�rde zum Crow &amp; Eagle in Milnthorpe kommen, und sie w�rde nicht da sein, aber er w�rde nicht wissen, dass sie nach Lancaster gefahren war, denn ihr Mietwagen w�rde noch auf dem Parkplatz stehen. Wahrscheinlich w�rde er zuerst annehmen, sie sei zu einem letzten kurzen Spaziergang aufgebrochen, vielleicht zum Markt oder zum Friedhof hinter der Kirche, oder ein St�ck die Stra�e Richtung Arnside hinunter, um die Seev�gel zu beobachten. Denn es herrschte gerade Ebbe, und s�mtliche Wasserv�gel, die hier oben �berwinterten, tummelten sich dort auf der Suche nach Nahrung. Oder er w�rde annehmen, sie sei noch schnell zur Bank auf der anderen Stra�enseite gegangen. Oder er w�rde denken, dass sie noch beim Fr�hst�ck sa�. Aber das spielte alles keine Rolle. Sie war nicht bereit, sich einfach von ihm abholen und zu Simon zur�ckbringen zu lassen, und nur das z�hlte. Nat�rlich h�tte sie ihm eine Nachricht hinterlassen k�nnen. Doch sie kannte Tommy. Wenn er Wind davon bekam, dass sie unterwegs nach Lancaster war, um sich noch einmal mit Lucy Keverne �ber Alatea Fairclough zu unterhalten, w�rde er hinter ihr her sein wie der Teufel hinter der armen Seele.</p><p>Sie hatte ihr Zimmer f�r eine weitere Nacht gebucht und dann Zed Benjamin angerufen, der sich sofort auf den Weg gemacht hatte und in Rekordzeit bei ihr eintraf. Kaum war er auf den Parkplatz eingebogen, um zu wenden, war sie hinausgelaufen und in seinen Wagen gestiegen.</p><p>Sie erz�hlte ihm nicht, dass sie ihn �ber den Grund von Alatea Faircloughs und Lucy Kevernes Besuch im George Childress Centre belogen hatte. Einem Klatschreporter schuldete sie absolut nichts, fand sie. Weder die Wahrheit noch ein L�gengespinst noch eine faule Ausrede.</p><p>Sie erkl�rte Zed, sie sei zu dem Schluss gekommen, dass Lucy Keverne ihr am Tag zuvor die Unwahrheit gesagt hatte. Dass sie wegen� Frauenproblemen �in Begleitung von Alatea Fairclough zur Uni in Lancaster gefahren sein sollte, ergebe einfach keinen Sinn. Schlie�lich handle es sich beim George Childress Centre um ein Institut f�r Fortpflanzungsmedizin � wozu h�tte sie bei einem Termin dort die Unterst�tzung einer Freundin gebraucht? Wenn es um k�nstliche Befruchtung ging, h�tte sie vielleicht ihren Ehemann oder ihren Lebensgef�hrten zu dem Termin mitgenommen � aber eine Freundin? Nein, es sehe ganz so aus, als sei da mehr im Busch, sagte Deborah, und sie brauche Zed Benjamins Unterst�tzung, um herauszufinden, um was es sich dabei handelte.</p><p>Zed, ganz Klatschreporter auf der Suche nach einer Story, dachte sofort an eine heimliche lesbische Beziehung zwischen Lucy Keverne und Alatea Fairclough. Wom�glich hatte Ian Cresswell davon erfahren und damit gedroht, Nicholas Fairclough zu informieren. Dann ging er mehrere Szenarien durch, wie die beiden Frauen das Problem gel�st haben k�nnten, die alle damit endeten, dass sie Ian Cresswell aus dem Weg ger�umt hatten. Deborah war es ganz recht, dass er auf der ganzen Fahrt �ber nichts anderes redete, denn solange er sich in seine Fantasiegeschichten hineinsteigerte, w�rde er nicht auf die Idee kommen, sich zu fragen, weshalb um alles in der Welt eine Polizistin von Scotland Yard an der Unterst�tzung durch einen Journalisten der <emphasis>Source</emphasis> interessiert sein k�nnte.</p><p>Sie sagte ihm, dass es ihrer Meinung nach nur um Geld gehen konnte. Zed m�sste nur eine gewisse Summe von seiner Zeitung auf den Tisch legen, dann h�tte er seine Geschichte. Davon wusste er zwar noch nichts, aber er w�rde es bald erfahren.</p><p>Als sie das Invalidenheim erreichten, sagte sie:�Sie warten hier.�</p><p>�Moment mal�, meinte Zed, der zweifellos f�rchtete, dass er mal wieder nur den Chauffeur spielen sollte, w�hrend sie Informationen sammelte, die sie an ihn weitergeben w�rde oder auch nicht. Eigentlich konnte sie ihm das nicht einmal �bel nehmen, dachte Deborah, denn beim letzten Mal hatte er nicht viel mehr von ihrem Ausflug gehabt als einen halbleeren Tank.</p><p>�Ich rufe Sie an, sobald ich mit ihr allein bin�, sagte sie.�Wenn wir sie gemeinsam ansprechen, dann sagt sie uns kein weiteres Wort �ber Alatea Fairclough, das garantiere ich Ihnen. Warum sollte sie auch? Wenn sie etwas Illegales vorhat, wird sie es nicht hinausposaunen wollen.�</p><p>Zum Gl�ck fragte er nicht, warum zum Teufel sie dann �berhaupt hergekommen waren.</p><p>Am Empfangstresen sa� derselbe alte Herr wie beim letzten Mal. Er erinnerte sich an sie wegen ihres roten Haarschopfs. Er fragte, ob sie wieder Miss Lucy Keverne sprechen wolle, und hielt einen Stapel Papier hoch.�Ich lese n�mlich gerade ihr St�ck, und wenn das nicht gro� rauskommt, dann fress ich einen Besen.�</p><p>Lucy machte ein �berraschtes Gesicht, als sie die Eingangshalle betrat und sah, wer am Tresen stand. Dann �nderte sich ihre Miene, und sie sah Deborah misstrauisch an.</p><p>Deborah ging auf sie zu, legte ihr eine Hand auf den Arm und sagte leise:�H�ren Sie, Ms. Keverne. Scotland Yard ermittelt hier in Cumbria, und ein Journalist von der <emphasis>Source</emphasis> treibt sich ebenfalls hier in der Gegend herum. Fr�her oder sp�ter werden Sie Ihre Geschichte erz�hlen m�ssen � die wahre Version �, und es liegt an Ihnen, wem Sie sie erz�hlen.�</p><p>�Ich kann nicht ��</p><p>�Ihnen bleibt gar nichts anderes �brig. Ich habe Ihnen gestern etwas vorgemacht. Daf�r bitte ich Sie um Entschuldigung. Aber ich hatte gehofft, der Sache auf den Grund gehen zu k�nnen, ohne Sie in eine unangenehme Situation zu bringen. Gegen Alatea Fairclough wird ermittelt, und die Spur f�hrt auf direktem Weg zu Ihnen.�</p><p>�Ich habe nichts Verbotenes getan.�</p><p>�Das sagen Sie�, meinte Deborah.�Und wenn das tats�chlich stimmt ��</p><p>�Es ist die Wahrheit!�</p><p>�� dann k�nnen Sie entscheiden, wer Ihnen mehr zu bieten hat.�</p><p>Lucys Augen wurden schmal.�Wovon reden Sie?�</p><p>Deborah sah sich verstohlen um.�Dar�ber kann ich hier nicht mit Ihnen reden.�</p><p>�Gut, dann kommen Sie mit.�</p><p>Noch besser, dachte Deborah.</p><p>Diesmal gingen sie nicht in den Garten, sondern in ein B�ro, das Lucys zu sein schien. Es gab zwei Schreibtische, von denen nur einer in Benutzung war. Lucy schloss die T�r, verschr�nkte die Arme vor der Brust und fragte:�Wer bietet was?�</p><p>�Boulevardzeitungen bezahlen f�r eine gute Geschichte, das wissen Sie doch.�</p><p>�Sind Sie Journalistin?�</p><p>�Nein, aber ich habe einen mitgebracht, und wenn Sie sich bereit erkl�ren, mit ihm zu reden, sorge ich daf�r, dass er Sie daf�r bezahlt. Meine Aufgabe ist es, den Wert einer Geschichte einzusch�tzen. Sie erz�hlen mir die Geschichte, ich verhandle mit dem Journalisten.�</p><p>�Ich kaufe Ihnen nicht ab, dass das so funktioniert�, entgegnete Lucy.�Wer sind Sie? Eine Agentin der <emphasis>Source</emphasis>? Eine Art � Nachrichten-Scout oder was?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass es eine Rolle spielt, wer ich bin�, sagte Deborah.�Wichtiger ist, was ich zu bieten habe. Ich kann den Scotland-Yard-Detective anrufen, der hier in Cumbria in einem Mordfall ermittelt, oder ich kann einen Journalisten anrufen, der hier reinkommt, sich Ihre Geschichte anh�rt, Sie daf�r bezahlt und wieder verschwindet.�</p><p>�Wie bitte? Sagten Sie gerade <emphasis>Mord</emphasis>?�</p><p>�Das ist im Moment nicht wichtig. Es geht um das, was sich zwischen Ihnen und Alatea Fairclough abspielt. Es ist Ihre Entscheidung. Was w�re Ihnen lieber? Ein Besuch von einem Detective von Scotland Yard oder von einem Journalisten?�</p><p>Lucy Keverne dachte dar�ber nach. Auf dem Korridor wurde ein Teewagen vorbeigeschoben. Schlie�lich sagte sie:�Wie viel?�</p><p>Deborah atmete erleichtert auf.�Ich sch�tze, das h�ngt davon ab, wie sensationell Ihre Geschichte ist�, antwortete sie.</p><p>Lucy schaute aus dem Fenster in den Garten, wo sie ihr erstes Gespr�ch gef�hrt hatten. Ein Windsto� fuhr in einen japanischen Ahorn und riss einige der letzten Bl�tter ab, die sich immer noch st�rrisch an die Zweige klammerten. Deborah wartete. Es war ihre letzte M�glichkeit, die Wahrheit zu erfahren. Wenn Lucy Keverne sich nicht darauf einlie�, blieb ihr nichts anderes �brig, als unverrichteter Dinge nach London zur�ckzukehren.</p><p>Schlie�lich sagte Lucy:�Es gibt keine Geschichte. Jedenfalls keine, die die <emphasis>Source</emphasis> interessieren k�nnte. Es ist nichts weiter als eine Vereinbarung zwischen zwei Frauen. Glauben Sie mir, ich w�rde mehr daraus machen, wenn ich w�sste wie, denn ich k�nnte das Geld gut gebrauchen. Es ist nicht gerade mein Traum, hier zu arbeiten. Viel lieber w�rde ich zu Hause sitzen, in Ruhe meine St�cke schreiben und sie in London auf die B�hne bringen lassen. Aber daraus wird so bald nichts werden, und deswegen arbeite ich vormittags hier im Invalidenheim, schreibe nachmittags und verdiene mir hin und wieder ein bisschen dazu, indem ich Eier spende. Deshalb auch die Anzeige in der <emphasis>Conception</emphasis>, aber das habe ich Ihnen ja bereits erz�hlt.�</p><p>�Sie haben mir au�erdem erz�hlt, Alatea Fairclough h�tte Sie angesprochen, weil sie eine Leihmutter sucht, und Sie h�tten abgelehnt.�</p><p>�Okay, das war gelogen. Ich habe zugesagt.�</p><p>�Und warum haben Sie das gestern abgestritten?�</p><p>�Weil es eine Privatangelegenheit ist.�</p><p>�Und das Geld?�</p><p>�Was ist damit?�</p><p>�Soweit ich wei߫, sagte Deborah,�bezahlt man Sie daf�r, dass Sie Ihre Eier spenden. Aber wenn Sie sich als Leihmutter zur Verf�gung stellen, werden Sie nicht daf�r bezahlt. Sie bekommen nur Ihre Kosten erstattet. Ist es nicht so?�</p><p>Lucy schwieg. In die Stille hinein klingelte Deborahs Handy. Ungehalten nahm sie es aus der Tasche und nahm das Gespr�ch entgegen.</p><p>�Halten Sie mich f�r einen verdammten Idioten?�, fragte Zed.�Was zum Teufel geht da drinnen vor?�</p><p>�Ich rufe Sie gleich zur�ck.�</p><p>�Kommt gar nicht in Frage. Ich komme rein.�</p><p>�Das ist keine gute Idee.�</p><p>�Ach nein? Also, es ist die beste, die mir einf�llt. Und wenn ich komme, hoffe ich, dass Sie eine Geschichte f�r mich haben, und zwar eine, die mit dem Mord an Cresswell zu tun hat.�</p><p>�Das kann ich Ihnen nicht versprechen ��Aber er hatte bereits aufgelegt. Deborah sagte zu Lucy:�Der Journalist kommt. Ich kann jetzt nichts mehr tun, es sei denn, Sie wollen mir noch etwas sagen. Etwas, das ich benutzen kann, um Ihnen den Mann vom Hals zu halten. Ich nehme an, es geht um Geld. Alatea ist bereit, Ihnen mehr zu geben als das, was Sie auslegen, nicht wahr? Was illegal w�re. Und es w�rde auch erkl�ren, warum Sie mich gestern in die Irre gef�hrt haben.�</p><p>�Sehen Sie mich an!�, sagte Lucy aufgebracht.�Sehen Sie sich diesen Job hier an! Ich brauche Zeit, um mein St�ck fertig zu schreiben, zu proben, zu �berarbeiten, aber ich habe weder Zeit noch Geld, und die Vereinbarung mit Alatea h�tte mir beides garantiert. Wenn Sie wollen, k�nnen Sie daraus gern eine Geschichte machen, doch ich glaube kaum, dass sie die Verkaufszahlen irgendeiner Boulevardzeitung steigert! Sie etwa?�</p><p>Sie hatte nat�rlich vollkommen recht. <emphasis>Fairclough-Erbe sucht illegal Leihmutter </emphasis>w�rde niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Die Geschichte w�re erst interessant, wenn es Fotos von einem l�chelnden Baby g�be und eine Schlagzeile in typischer <emphasis>Source</emphasis>-Manier: <emphasis>Fairclough-Baby f�r 50 000 Pfund von Leihmutter an Eltern verkauft</emphasis>. Ein geplatzter Deal w�re keine Story, da sich nicht beweisen lie�, dass �berhaupt Verhandlungen stattgefunden hatten. Selbst wenn Lucy aussagte, w�rde Alatea alles abstreiten. Ohne ein Kind als lebenden Beweis gab es keine Geschichte.</p><p>Andererseits wusste Deborah jetzt, warum Alatea Fairclough ihretwegen in Panik geraten war. Die einzige Frage war, ob Ian Cresswell irgendwie von der Sache erfahren und Alatea auf die einzige Weise unter Druck gesetzt hatte, die ihm zur Verf�gung stand: �bers Geld. Wenn Alatea vorhatte, Lucy f�r die Leihmutterschaft zu bezahlen, dann h�tte das Geld von Ian Cresswell kommen m�ssen. Er hatte die Kontrolle �ber das Fairclough-Verm�gen gehabt. Wenn sie nicht selbst �ber eine Menge Geld verf�gte, h�tte Alatea sich auf irgendeine Vereinbarung mit Ian einlassen m�ssen.</p><p>In dem Fall w�re es nat�rlich interessant zu wissen, welche Rolle Nicholas Fairclough bei dieser ganzen Sache spielte. Er h�tte eingeweiht werden und das Geld letztlich auftreiben m�ssen.</p><p>�Was ist mit Nicholas, Alateas Ehemann?�, fragte Deborah Lucy.</p><p>�Er hat nur ��</p><p>Weiter kam Lucy nicht, denn in dem Moment st�rmte Zed Benjamin ins Zimmer.�Mir reicht�s mit Ihren Scotland-Yard-Tricks! Entweder wir machen das zusammen oder gar nicht!�</p><p>�Scotland <emphasis>Yard</emphasis>?�, rief Lucy entsetzt.</p><p>�F�r wen zum Teufel haben Sie sie denn gehalten?�, fragte Zed.�F�r Dornr�schen?�</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Alatea hatte Nicholas �berredet, zur Arbeit zu fahren. Er w�re lieber zu Hause geblieben, und es konnte gut sein, dass er wieder zur�ckkam. Aber im Moment klammerte sie sich an alles, was sich irgendwie wie Normalit�t anf�hlte, und dazu geh�rte, dass Nicky zur Arbeit und anschlie�end zu seinem Wehrturmprojekt fuhr.</p><p>Er hatte schon wieder die ganze Nacht kein Auge zugetan, vor lauter Zerknirschung dar�ber, dass er Raul Montenegro wieder auf ihre Spur gebracht hatte.</p><p>Nicky wusste, dass sie und Raul ein Paar gewesen waren, in dem Punkt hatte sie ihm nie etwas vorgemacht. Und er wusste, dass sie auf der Flucht vor Montenegro war. In einer Welt, in der zahlreiche Frauen sich vor Stalkern in Sicherheit bringen mussten, hatte Nicky bereitwillig geglaubt, dass sie vor diesem Million�r aus Mexiko besch�tzt werden musste, vor diesem m�chtigen Mann, der entschlossen war, sich zu holen, was sie ihm versprochen hatte, dem Mann, mit dem sie f�nf Jahre zusammengelebt hatte.</p><p>Aber Nicky hatte nie alles �ber sie und �ber Raul erfahren und dar�ber, was sie einander bedeutet hatten. Der Einzige, der die Geschichte vom Anfang bis zum Ende kannte, war Raul selbst. Er hatte sein Leben ge�ndert, um mit ihr zusammen zu sein. Er hatte sie in eine Welt eingef�hrt, die sie ohne ihn nie kennengelernt h�tte. Aber es gab Dinge, die Raul ihr verschwiegen hatte, ebenso wie es Dinge gab, die sie ihm verschwiegen hatte. Das Ergebnis war ein Alptraum gewesen, dem sie nur durch Flucht hatte entkommen k�nnen.</p><p>W�hrend Alatea in der K�che auf und ab gegangen war und sich den Kopf zerbrochen hatte, welche M�glichkeiten ihr blieben, hatte Lucy Keverne angerufen. Die rothaarige Frau sei wieder bei ihr aufgetaucht, sagte sie, und diesmal sei sie nicht allein gewesen.�Ich musste ihr die Wahrheit sagen, Alatea. Zumindest weitgehend. Sie hat mir keine andere Wahl gelassen.�</p><p>�Was soll das hei�en? Was haben Sie ihr gesagt?�</p><p>�Dass Sie keine Kinder bekommen k�nnen. Ich habe sie allerdings in dem Glauben gelassen, Ihr Mann w�sste Bescheid.�</p><p>�Sie haben ihr nichts von dem Geld gesagt, oder? Wie viel ich Ihnen angeboten habe � Und alles andere � Sie haben ihr doch nicht alles gesagt?�</p><p>�Das mit dem Geld hat sie sich allein zusammengereimt. Ich hatte ihr gestern erz�hlt, dass ich mich gegen Bezahlung als Eispenderin zur Verf�gung stelle, da hat sie einfach zwei und zwei zusammengez�hlt und geschlussfolgert, dass ich das mit der Leihmutterschaft auch nicht kostenlos machen w�rde. Das konnte ich ja schlecht abstreiten.�</p><p>�Haben Sie ihr denn auch erz�hlt ��</p><p>�Mehr wei� sie nicht. Ich habe Ihnen gesagt, dass ich Geld brauche. Schluss. Aus.�</p><p>�Aber nicht ��</p><p>�Ich habe ihr nicht erz�hlt, was wir geplant haben, keine Sorge. Dass Sie die Schwangerschaft vort�uschen wollen. Sie wei� nichts von unserer �Freundschaft�, dem gemeinsamen Urlaub, der �Fr�hgeburt�. Das ist und bleibt unser Geheimnis. Von alldem wei� sie nichts.�</p><p>�Aber warum haben Sie ��</p><p>�Alatea, sie hat mir keine Wahl gelassen. Ich stand vor der Wahl, ihr alles zu erz�hlen oder verhaftet zu werden, und wenn ich im Gef�ngnis landen w�rde, k�nnte ich Ihnen wohl kaum helfen, wenn erst einmal Gras �ber diese Geschichte gewachsen ist � Falls das �berhaupt noch m�glich ist.�</p><p>�Aber wenn sie Bescheid wei� und irgendwann ein Kind geboren wird ��Alatea setzte sich ans Fenster. Das heitere Gelb des Wohnzimmers, in dem sie sich befand, konnte dem tr�ben, grauen Himmel nichts entgegensetzen.</p><p>�Das ist noch nicht alles�, sagte Lucy.</p><p>�Wie bitte?�, fragte Alatea.�Wie meinen Sie das?�</p><p>�In ihrer Begleitung war ein Journalist. Sie hat mich vor die Wahl gestellt, ihm meine Geschichte zu erz�hlen oder mich mit Scotland Yard ��</p><p>�O mein Gott. �Alatea lie� sich in einen Sessel sinken und fasste sich an die Stirn.</p><p>�� aber ich frage mich, warum Scotland Yard sich f�r Sie interessiert. Warum will ein Reporter von der <emphasis>Source</emphasis> einen Artikel �ber Sie schreiben? Ich frage Sie das, weil Sie mir garantiert haben, dass niemand jemals von unserer Vereinbarung erfahren w�rde ��</p><p>�Es geht nicht um mich. Und es geht auch nicht um Sie�, sagte Alatea.�Es geht um Nicky. Weil sein Vetter ertrunken ist.�</p><p>�Welcher Vetter? Was hat das mit Ihnen zu tun?�</p><p>�Nichts. Es hat weder etwas mit mir noch mit Nicky zu tun. Aber es ist der Grund, warum Scotland Yard hier in Cumbria ermittelt. Der Journalist war hier, weil er einen Artikel �ber Nicky und das Wehrturmprojekt schreiben wollte, aber das ist schon Wochen her, und ich habe keine Ahnung, warum er wieder aufgetaucht ist.�</p><p>�Das Ganze entwickelt sich allm�hlich zu einem Riesenschlamassel�, sagte Lucy.�Ich glaube allerdings nicht, dass der Journalist einen Artikel bringen wird. Wor�ber sollte er denn schon schreiben? Dass wir beide uns �ber Leihmutterschaft ausgetauscht haben? Aber die Frau � Sie hat behauptet, sie k�nnte den Detective von Scotland Yard jederzeit auf den Plan bringen, w�hrend der Journalist behauptet hat, <emphasis>sie</emphasis> sei von Scotland Yard, was sie wiederum abgestritten hat. Mehr wollte sie nicht sagen � Aber, um Himmels willen, Alatea, wer <emphasis>ist</emphasis> diese Frau? Was will sie von mir? Was will sie von Ihnen?�</p><p>�Sie sammelt Informationen�, sagte Alatea.�Sie will wissen, wer ich bin.�</p><p>�Was meinen Sie damit, wer Sie sind?�</p><p>Das Werkzeug eines anderen, dachte Alatea, nie die, die ich sein m�chte.</p><subtitle>VICTORIA � LONDON</subtitle><p>Barbara Havers verbrachte auf Gehei� von Isabelle Ardery den ganzen Vormittag mit einem Angestellten des Crown Prosecution Service CPS, einer Abteilung der Staatsanwaltschaft, um s�mtliche Zeugenaussagen im Fall des unaufgekl�rten Todes einer jungen Frau abzugleichen, die im vergangenen Sommer auf einem Friedhof in Nordlondon ermordet worden war. Sie verabscheute diese Art von Arbeit, aber sie hatte keine Miene verzogen, als Ardery ihr die Aufgabe �bertragen hatte. Sie musste sich mit ihrer Chefin gut stellen, und zwar nicht nur, was ihre �u�ere Erscheinung betraf, die im �brigen heute tadellos war. Sie trug ihren ausgestellten Rock, eine marineblaue Strumpfhose, blankpolierte Pumps mit Blockabsatz, einen neuen Pullover aus feiner Wolle und ein kariertes Jackett. Dazu hatte sie das einzige Schmuckst�ck angelegt, das sie besa�, eine filigrane Halskette, die sie im vergangenen Sommer bei Accessorize auf der Oxford Street erstanden hatte.</p><p>Hadiyyah war total begeistert gewesen, als sie sie am Morgen gesehen hatte, woraus Barbara schloss, dass sie in puncto �u�eres allm�hlich Fortschritte machte. Das M�dchen hatte an ihre T�r geklopft, als sie sich gerade den Rest des Pop-Tart in den Mund stopfte, den sie sich zum Fr�hst�ck getoastet hatte, und heroisch die Zigarette �bersehen, die qualmend im Aschenbecher lag.</p><p>Barbara fiel auf, dass Hadiyyah ihre Schuluniform nicht anhatte.�Hast du heute schulfrei?�</p><p>Hadiyyah hatte die H�nde auf einen der St�hle gest�tzt, die an Barbaras winzigem K�chentisch standen, und trat von einem Fu� auf den anderen.�Mummy und ich ��, sagte sie.�Es ist was <emphasis>Besonderes</emphasis>, Barbara. Es ist eine �berraschung f�r Dad, deswegen konnte ich heute nicht zur Schule gehen. Mummy hat angerufen und gesagt, ich bin krank, und das ist nur eine kleine Notl�ge, weil es ja eine �berraschung sein soll!�Sie strahlte Barbara an.�Wart�s nur ab!�</p><p>�Ich? Wieso?�</p><p>�Mummy sagt, ich darf�s dir verraten, aber du musst mir versprechen, dass du Dad kein Wort davon erz�hlst. Okay? Mummy sagt, die beiden haben sich gestritten, und jetzt will sie alles wiedergutmachen mit einer �berraschung. Und das machen wir heute.�</p><p>�Wollt ihr ihn bei der Arbeit besuchen?�</p><p>�Nein, nein! Wenn er nach Hause kommt.�</p><p>�Ein tolles Abendessen also.�</p><p>�Nein, was <emphasis>viel</emphasis> Besseres.�</p><p>F�r Barbara gab es eigentlich nichts Besseres als ein besonderes Abendessen, vor allem, wenn sie es nicht selbst zubereiten musste.�Was denn?�, fragte sie.�Verr�tst du�s mir? Ich schweige wie ein Grab.�</p><p>�Versprochen?�</p><p>�Hoch und heilig.�</p><p>Hadiyyah h�pfte auf und ab und drehte sich vor Aufregung einmal um sich selbst.�Meine Geschwister! Mein Bruder und meine Schwester! Wusstest du, dass ich einen Bruder und eine Schwester habe?�</p><p>Barbara hatte gro�e M�he, sich ihre Entgeisterung nicht anmerken zu lassen.�Du hast einen Bruder und eine Schwester? Wirklich?�</p><p>�Ja!�, rief Hadiyyah.�Dad war n�mlich schon mal verheiratet, wei�t du, und das wollte er mir nicht erz�hlen, weil er findet, dass ich f�r so was noch zu jung bin. Aber Mummy hat�s mir erz�hlt, und sie hat mir erkl�rt, dass das gar nichts Schlimmes ist, wenn man schon mal verheiratet war, und ich hab gesagt, ich finde das auch gar nicht schlimm, weil, in meiner Schule sind �ne Menge Kinder, deren Eltern nicht mehr verheiratet sind. Da hat Mummy mir erz�hlt, dass dasselbe mit Dad passiert ist, nur dass seine Familie so sauer auf ihn war, dass seine Kinder ihn nicht mehr besuchen durften, und das ist doch nicht in Ordnung, oder?�</p><p>�Hm, da hast du recht�, sagte Barbara. Allerdings hatte sie ein ganz ungutes Gef�hl, wohin diese Sache f�hren konnte. Wie zum Teufel hatte Angelina Azhars Kinder �berhaupt gefunden? fragte sie sich.</p><p>�Und heute ��Hadiyyah machte eine theatralische Pause.</p><p>�Ja?�</p><p>�Heute holen Mummy und ich die beiden ab!�, rief Hadiyyah.�Das wird eine �berraschung, stell dir das mal vor! Du glaubst gar nicht, wie aufregend das alles ist! Und Dad wird seine Kinder endlich wiedersehen. Mummy wei� nicht mal, wie alt die Kinder sind. Aber sie glaubt, dass sie zw�lf und vierzehn sind. Stell dir das blo� mal vor, Barbara: Ich hab einen gro�en Bruder und eine gro�e Schwester! Glaubst du, die werden mich m�gen? Ich hoffe es, denn ich wei� jetzt schon, dass ich sie mag!�</p><p>Barbara fehlten die Worte.�Tja, also ��, brachte sie m�hsam heraus, w�hrend sie krampfhaft �berlegte, was zum Teufel sie tun sollte. Ihre Freundschaft mit Azhar verlangte, dass sie ihn vor dem Desaster warnte, das ihm bevorstand: dass Angelina Upman vorhatte, ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen, und ihm weder Zeit noch Gelegenheit bleiben w�rde, das zu verhindern. Aber reichte ihre Freundschaft tats�chlich so weit? fragte sie sich. Und wenn sie es ihm steckte, was w�rde er dann tun, und welche Auswirkungen w�rde das auf Hadiyyah haben, um die es hier in erster Linie ging?</p><p>Schlussendlich hatte Barbara nichts unternommen, weil ihr einfach nichts eingefallen war, was sie h�tte tun k�nnen, ohne das Leben der Beteiligten auf den Kopf zu stellen. Mit Angelina zu reden bedeutete, Azhar zu verraten. Mit Azhar zu reden bedeutete, Angelina zu verraten. Und so hatte sie es vorgezogen, sich aus der Sache ganz herauszuhalten und der Natur � oder was auch immer es sein mochte � ihren Lauf zu lassen. Sie w�rde zur Stelle sein, um die Scherben aufzulesen, aber vielleicht gab es ja auch gar keine Scherben. Schlie�lich hatte Hadiyyah ein Recht darauf, ihre Geschwister kennenzulernen. Vielleicht endete das Ganze in Friede, Freude, Eierkuchen. Vielleicht.</p><p>Und so war Barbara wie gewohnt zur Arbeit gefahren. Sie hatte daf�r gesorgt, dass Superintendent Ardery ihre Aufmachung zu Gesicht bekam, allerdings erst, nachdem sie sich der Anerkennung von Dorothea Harriman vergewissert hatte. Harriman war v�llig aus dem H�uschen geraten ��Detective Sergeant Havers � Ihre Frisur! � Ihr Make-up! � Einfach umwerfend!��, aber als sie angefangen hatte, von ihrem neuen Mineralpuder zu schw�rmen, hatte Barbara sich schnell wieder verzogen. Sie war bei Superintendent Ardery vorstellig geworden, die ihr die Unterlagen f�r die Staatsanwaltschaft in die Hand gedr�ckt hatte, w�hrend sie jemanden am Telefon anfuhr:�Was ist das �berhaupt f�r ein Schlamassel? Kriegen Sie da dr�ben eigentlich jemals was geregelt?�, woraus Barbara schloss, dass sie jemanden vom SO7 an der Strippe hatte und dass es irgendein Problem mit der Kriminaltechnik gab. Sie selbst machte sich an die Arbeit mit dem CPS-Mitarbeiter, und es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich wieder um die Recherchen f�r Lynley k�mmern konnte.</p><p>Das ging leichter als bisher, da Ardery sich offenbar um den� Schlamassel �k�mmern musste, und falls es sich tats�chlich um ein Problem bei der Kriminaltechnik handelte, w�rde die Chefin den Rest des Tages auf der anderen Seite der Themse verbringen. Kaum hatte Barbara erfahren, dass die Ardery das Geb�ude verlassen hatte, entschuldigte sie sich bei dem CPS-Mitarbeiter, der nichts dagegen hatte, eine ausgedehnte Mittagspause einzulegen, schnappte sich ihr Spanisch-W�rterbuch und flitzte nach oben in die Bibliothek.</p><p>Nachdem sie bereits genug Informationen �ber die beiden �ltesten S�hne des B�rgermeisters � den Priester Carlos und den Zahnarzt Miguel � gesammelt und anhand eines Fotos von Miguels Frau festgestellt hatte, dass keine Sch�nheitsoperation der Welt sie in Alatea Fairclough h�tte verwandeln k�nnen, wollte sie diesmal versuchen, etwas �ber �ngel, Santiago und Diego herauszufinden. Wenn keiner der Br�der in irgendeiner Verbindung zu Alatea stand, w�rde sie sich die restlichen Familienmitglieder vornehmen m�ssen, und das, so hatte ihr die Studentin aus Barcelona versichert, konnten gut und gern Hunderte sein.</p><p>�ber �ngel, der, anders als sein Name vermuten lie�, offenbar das schwarze Schaf der Familie war, gab es kaum Informationen. Mit Hilfe ihres W�rterbuchs reimte sie sich in m�hseliger Kleinarbeit zusammen, dass er einen Autounfall verursacht hatte, bei dem seine Beifahrerin, ein f�nfzehnj�hriges M�dchen, so schwer verletzt worden war, dass sie seitdem behindert war.</p><p>Barbara verfolgte die Spur � immerhin war die F�nfzehnj�hrige, abgesehen von Miguels h�sslicher Ehefrau, das einzige weibliche Wesen, auf das sie bei ihren Nachforschungen bisher gesto�en war �, doch sie f�hrte in eine Sackgasse. Von der jungen Frau war kein Foto aufzutreiben. Und das einzige Foto von �ngel, das sie fand, zeigte ihn als Neunzehnj�hrigen, aber das spielte auch keine Rolle, denn nach dem Unfall verschwand er aus dem Blickfeld der �ffentlichkeit. W�re er Nordamerikaner gewesen, h�tte er entweder eine Therapie gemacht oder Jesus entdeckt, aber der Bursche war S�damerikaner, und seit dem Unfall hatte sich keiner mehr f�r ihn interessiert. Ein zu kleiner Fisch wahrscheinlich.</p><p>Barbara kn�pfte sich Santiago vor. Sie fand einen Artikel �ber die Erstkommunion des Jungen. Zumindest vermutete sie, dass es sich um die Erstkommunion handelte, denn auf dem Foto, das den Artikel begleitete, stand er aufgereiht unter lauter kleinen Jungs in schwarzen Anz�gen und kleinen M�dchen in Brautkleidern, und entweder hatte die Mun-Sekte beschlossen, ihre Mitglieder bereits im Kindesalter zu verheiraten, oder diese Kinder waren als Katholiken in Argentinien gerade zu w�rdigen Empf�ngern des heiligen Sakraments aufgestiegen. Da sie es jedoch ziemlich merkw�rdig fand, dass �ber eine Erstkommunion so ausf�hrlich berichtet wurde, versuchte Barbara mit Hilfe ihres W�rterbuchs, ein bisschen mehr zu verstehen. Was ihr schlie�lich gelang: Die Kirche war abgebrannt, und man hatte die Erstkommunionsfeier im Stadtpark abhalten m�ssen. Es konnte aber auch sein, dass die Kirche von einer Flut oder einem Erdbeben zerst�rt oder Termiten zum Opfer gefallen war, so genau konnte Barbara das bei ihren mangelnden Spanischkenntnissen nicht eruieren, und sie fluchte vor sich hin �ber die M�he, die es sie kostete, sich Wort f�r Wort durch all diese Texte zu arbeiten.</p><p>Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete sie das Foto von den Kommunionkindern und sah sich die M�dchen an. Dann nahm sie das Foto von Alatea, das sie im Internet gefunden hatte, und verglich es mit jedem Gesicht auf dem Gruppenbild. Die Namen der Kinder waren angegeben, und es waren nur f�nfzehn, und nat�rlich h�tte sie jeden einzelnen Namen googeln k�nnen, doch das h�tte Stunden gedauert, und so viel Zeit hatte sie nicht. Wenn Superintendent Ardery zur�ckkam und Barbara nicht gemeinsam mit dem CPS-Mitarbeiter �ber den Zeugenaussagen sitzen sah, dann gute Nacht.</p><p>Sie �berlegte, ob sie die wahrscheinlichste Kandidatin unter den Kommunionkindern aussuchen und dann das Age-Progression-Verfahren anwenden sollte. Aber dazu reichte weder ihre Zeit noch ihre Befugnis. Also recherchierte sie weiter �ber Santiago, denn wenn sich herausstellte, dass da nichts mehr zu holen war, w�rde ihr nichts anderes �brig bleiben, als sich Diego vorzunehmen.</p><p>Sie fand ein Foto von dem jugendlichen Santiago in der Rolle des Othello ohne die �bliche schwarze Schminke in dem gleichnamigen Shakespeare-St�ck. Und noch ein letztes Foto von ihm als Sch�ler zusammen mit seiner Fu�ballmannschaft und einem riesigen Pokal. Und damit verlor sich seine Spur ebenso wie die von �ngel. Es war, als verl�ren die Medien vollkommen das Interesse an den jungen M�nnern, wenn sie nicht bis Anfang zwanzig irgendeinen vorzeigbaren Erfolg aufweisen konnten � wie in diesem Fall der Priesterseminarist und der angehende Zahnarzt. Oder sie waren f�r ihren Vater politisch nicht mehr n�tzlich. Denn der Vater war schlie�lich Politiker mit dem typischen Gehabe eines Politikers, der seine perfekte Familie im Wahljahr der �ffentlichkeit pr�sentierte.</p><p>Barbara dachte �ber das Thema nach: Familie, Politik, W�hlergunst. Sie dachte an �ngel. Sie dachte an Santiago. Sie betrachtete noch einmal alle Fotos, die sie gefunden hatte, bis hin zu dem Foto von den Kommunionkindern im Stadtpark. Dann nahm sie noch einmal das Foto von Alatea Fairclough in die Hand.</p><p>�Was ist passiert?�, fl�sterte sie.�Erz�hl mir deine Geheimnisse, Kleine.�</p><p>Aber nichts geschah. Sie erhielt keine Antwort.</p><p>Fluchend griff sie nach der Maus, um den Computer auszuschalten. Mit Diego, dem j�ngsten Bruder, w�rde sie sich sp�ter befassen. Sie warf einen letzten Blick auf das Foto mit der Fu�ballmannschaft und auf das von Othello. Dann betrachtete sie noch einmal das Foto von Alatea Fairclough. Dann das von Alatea an Montenegros Arm. Dann noch einmal das von den Kommunionkindern. Dann ging sie die Fotos von Alatea als Dessous-Model durch. Sie ging immer weiter zur�ck, Jahr um Jahr, und schlie�lich begriff sie.</p><p>Den Blick auf den Bildschirm geheftet, nahm sie ihr Handy und rief Lynley an.</p><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>�Kann man sie zwingen?�, wollte Manette von Freddie wissen, der den Wagen mit hohem Tempo durch das Lyth Valley lenkte. Sie hatten gerade die Kurve ins s�dwestliche Ende des Tals genommen, wo sich hinter den staubigen Begrenzungsmauern auf beiden Seiten der Stra�e gr�ne Wiesen erstreckten. Die Gipfel der Berge am Horizont waren von Wolken umh�llt. Dort oben war es neblig. Bald w�rde der Nebel ins Tal sinken und im Lauf des Tages immer dichter werden.</p><p>Manette hatte die ganze Zeit �ber ihr Gespr�ch mit Niamh nachgedacht. Wie war es m�glich, fragte sie sich, dass sie diese Frau seit Jahren kannte, ohne sie wirklich zu kennen?</p><p>Freddie schien dagegen mit seinen Gedanken ganz woanders gewesen zu sein, denn er schaute sie kurz an und fragte:�Wen? Wozu?�</p><p>�Niamh, Freddie. Kann man sie zwingen, die Kinder zur�ckzunehmen?�</p><p>Freddie machte ein skeptisches Gesicht.�Mit Familienrecht kenne ich mich nicht aus. Aber ganz davon abgesehen � was w�re das denn f�r eine L�sung? Ein Gericht einzuschalten?�</p><p>�Ach Gott, ich wei� es auch nicht. Wir sollten uns zumindest �berlegen, welche M�glichkeiten bestehen. Denn die Vorstellung, dass sie Tim und Gracie einfach ihrem Schicksal �berlassen k�nnte � vor allem die kleine Gracie � Meine G�te, Freddie, will sie die Kinder etwa in ein Heim stecken? Kann sie das �berhaupt? Ich meine, k�nnte sie jemand zwingen �?�</p><p>�Anw�lte, Richter, Sozialarbeiter ��, sagte Freddie.�Was glaubst du, welchen Eindruck das auf die Kinder machen w�rde? Tim ist doch so schon v�llig verst�rt, so sehr, dass man ihn auf die Margaret Fox School geschickt hat. Ich f�rchte, wenn er erleben m�sste, dass ein Gericht seine Mutter zwingt, ihn wieder zu sich zu nehmen, w�rde er endg�ltig durchdrehen.�</p><p>�Und meine Eltern? Vielleicht k�nnten die die Kinder aufnehmen?�, sagte Manette.�Sie lassen doch gerade erst diesen riesigen Fantasiegarten anlegen. Meine Eltern w�rden das bestimmt machen. Die haben genug Platz, und den Kindern w�rde es dort gefallen, mit dem See in der N�he und dem riesigen Spielplatz.�</p><p>Freddie ging vom Gas. Vor ihnen wurde eine Schafherde auf eine andere Weide getrieben, und zwar so, wie man es in Cumbria oft erlebte: Sie trotteten gem�chlich mitten auf der Stra�e, ein Collie sorgte daf�r, dass sie zusammenblieben, und der Sch�fer schlenderte hinterher.</p><p>�Meinst du nicht, dass Tim aus dem Alter raus ist, auf Spielpl�tzen herumzutollen? Und jetzt, wo diese Geschichte mit Vivienne Tully ans Licht gekommen ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass Ireleth Hall der ideale Ort f�r die beiden ist ��</p><p>�Da hast du nat�rlich recht. �Manette seufzte. Sie musste an das denken, was sie in den vergangenen vierundzwanzig Stunden �ber ihre Eltern erfahren hatte, vor allem �ber ihren Vater. Schlie�lich fragte sie:�Was glaubst du, was sie tun wird?�</p><p>�Deine Mutter?�Freddie sch�ttelte den Kopf.�Keine Ahnung.�</p><p>�Ich habe nie verstanden, was sie zu Dad hingezogen hat�, sagte Manette.�Und was Vivienne an ihm gefunden hat, ist mir v�llig r�tselhaft, glaub mir. Beziehungsweise, was sie an ihm findet, denn anscheinend haben die beiden ja schon seit Jahren ein Verh�ltnis. Was in aller Welt findet sie an meinem Vater attraktiv? Das Geld kann es nicht sein, denn das geh�rt meiner Mutter. Wenn es zu einer Scheidung k�me, w�rde er zwar nicht in die R�hre kucken, aber er w�rde auch nicht gerade in Geld schwimmen. Nat�rlich hat er immer �ber Geld verf�gt, und vielleicht wei� Vivienne ja gar nicht, dass es eigentlich meiner Mutter ��</p><p>�Wahrscheinlich hat sie gar nicht an Geld gedacht, als sie sich auf deinen Vater eingelassen hat�, fiel Freddie ihr ins Wort.�Er wird sie mit seinem selbstsicheren Auftreten beeindruckt haben. Das gef�llt Frauen bei M�nnern, und dein Vater hat immer vor Selbstbewusstsein gestrotzt. Ich nehme an, dass sich auch deine Mutter deswegen zu ihm hingezogen gef�hlt hat.�</p><p>Manette schaute ihn an. Er beobachtete immer noch die Schafe vor ihnen auf der Stra�e, aber seine Ohren verrieten ihn. Sie sagte:�Und?�</p><p>�Und was?�</p><p>�Das mit dem selbstsicheren Auftreten.�</p><p>�Ach so. Ja, also � Das habe ich immer an deinem Vater bewundert. Und ehrlich gesagt, hab ich mir immer gew�nscht, ich k�nnte mir bei ihm eine Scheibe abschneiden. �Seine Ohren wurden noch tiefer rot.</p><p>�Du? Soll das hei�en, dir mangelt es an Selbstbewusstsein? Wie kannst du denn so etwas sagen? Man braucht sich ja nur anzusehen, wie viele Frauen sich in letzter Zeit darum rei�en, mit dir ins Bett zu gehen.�</p><p>�Ach, so was ist ein Kinderspiel, Manette. Das ist der Fortpflanzungstrieb. Frauen begehren einen Mann, ohne dass sie wissen, warum. Er muss es nur bringen. Und wenn ein Mann es nicht bringt, wenn eine Frau ihm die Hose runterzieht, um sich von ihm v�geln zu lassen ��</p><p>�Freddie McGhie!�Manette musste unwillk�rlich lachen.</p><p>�Aber so ist es, meine Liebe. Die Spezies stirbt aus, wenn der Mann keinen hochkriegt, sobald eine Frau ihn anmacht, so einfach ist das. Reine Biologie. Einen hochzukriegen ist Routine. Die Technik selbst nat�rlich nicht, aber gute Techniken kann sich jeder aneignen. �Die Schafherde vor ihnen hatte die n�chste Weide erreicht. Das Gattertor in der Feldsteinmauer stand weit offen, der Collie bugsierte seine Sch�tzlinge hindurch, und Freddie legte den Gang ein.�Sagen wir also, dein Vater hat eine gute Technik entwickelt, aber zuerst musste er die Frauen nat�rlich auf sich aufmerksam machen, und das hat er mit seiner Selbstsicherheit getan. Er verf�gt �ber die Art Selbstsicherheit, die einen glauben l�sst, man k�nnte alles erreichen. Und er glaubt nicht nur daran, er beweist es auch noch.�</p><p>Manette verstand, was Freddie meinte, vor allem in Bezug auf die Ehe ihrer Eltern. Seit sie denken konnte, erz�hlte man sich in ihrer Familie, wie die beiden sich kennengelernt hatten, wie der F�nfzehnj�hrige auf die achtzehnj�hrige Valerie Fairclough zugegangen war und ihr seine Absichten erkl�rt hatte. Seine Dreistigkeit hatte Valerie beeindruckt, vor allem in einer Welt, in der seinesgleichen sich in der Regel damit begn�gte, einen Kratzfu� zu machen. Diese Faszination war alles, was Bernie Dexter gebraucht hatte. Der Rest war Geschichte.</p><p>�Aber Freddie, du kannst doch auch alles erreichen, was du willst. Glaubst du das nicht von dir selbst?�</p><p>Er l�chelte sie zweifelnd an.�Tja, dich konnte ich jedenfalls nicht halten. Und wie Mignon gestern gesagt hat: Ich hab immer gewusst, dass du eigentlich Ian haben wolltest. Vielleicht war das �berhaupt unser Problem.�</p><p>�Nein, was f�r ein Unsinn�, widersprach Manette.�Als ich siebzehn war, habe ich f�r Ian geschw�rmt, das ist richtig. Aber als ich erwachsen wurde, wollte ich nur dich.�</p><p>�Ah�, sagte er und schwieg.</p><p>Sie schwieg ebenfalls, obwohl sie sp�rte, wie sich ein Unbehagen zwischen ihnen ausbreitete, eine Spannung, die vorher nicht da gewesen war. Den Rest der Fahrt �ber sagte keiner etwas.</p><p>Als sie in Bryanbarrow eintrafen und vor dem alten Herrenhaus parkten, sahen sie, dass vor dem Haus, in dem George Cowley und sein Sohn Daniel wohnten, ein Umzugswagen stand. George Cowley hatte sie bemerkt und kam zu ihnen her�ber, als sie aus dem Wagen stiegen.�Jetzt kriegt er also, was er von Anfang an wollte�, sagte er und spuckte auf den Weg, der an Gracies Trampolin vorbei zur Haust�r f�hrte.�Der wird sich noch wundern, wenn er erst mal merkt, dass die Farm keinen Penny abwirft.�</p><p>�Wie bitte?�, fragte Freddie. Er kannte George Cowley nicht. Manette kannte ihn zwar vom Sehen, hatte aber noch nie mit ihm gesprochen.</p><p>�Er hat <emphasis>ganz gro�e</emphasis> Pl�ne�, sagte Cowley.�Wir r�umen das Feld, Dan und ich. Die Schafe nehmen wir mit, soll er sehen, wie er zurechtkommt. Es wird sich ja zeigen, ob er noch mal einen P�chter findet, der bereit ist, in der H�tte da zu wohnen und auch noch ein Verm�gen f�r den Spa� zu berappen. Dann werden wir ja sehen, wie er sich hier f�hlt mit seinen Eltern und seiner Frau.�</p><p>Manette fragte sich, ob das Cottage gro� genug war f�r einen Mann samt Frau und Eltern, aber sie sagte nichts dazu, sondern fragte nur:�Ist Tim hier, Mr. Cowley? Wir suchen nach ihm.�</p><p>�Keine Ahnung�, erwiderte George Cowley.�Jedenfalls stimmt mit dem Jungen irgendwas nicht. Und die Kleine ist auch ziemlich merkw�rdig. Springt den ganzen Tag auf ihrem Trampolin rum. Ich bin heilfroh, wenn ich hier weg bin. Wenn Sie diesen Arschficker sehen, sagen Sie ihm das. Und sagen Sie ihm, ich glaube kein Wort von dem Bl�dsinn, den er verzapft, egal, wie viele Tr�mpfe er im �rmel hat.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Freddie. Er nahm Manettes Arm und bugsierte sie in Richtung Haust�r.�Dem geht man am besten aus dem Weg, hm?�, murmelte er.</p><p>Manette nickte. Der Mann war offenbar nicht ganz richtig im Kopf. Wovon hatte der �berhaupt geredet?</p><p>Im Herrenhaus schien niemand zu sein, aber Manette wusste, wo ein Hausschl�ssel lag: unter einem von Flechten bedeckten Betonpilz am Fu� einer alten herbstlich kahlen Glyzinie, deren Stamm schon fast bis unters Dach reichte. Sie holten den Schl�ssel und gingen ins Haus. Durch einen Flur gelangten sie in die blitzsaubere K�che. Die alten Holzschr�nke waren auf Hochglanz poliert. �berhaupt war alles noch ordentlicher als vor Ians Tod. Offenbar hatte Kaveh � oder jemand anders � einen gr�ndlichen Hausputz gemacht.</p><p>Das beunruhigte Manette. In ihrer Vorstellung verursachte tiefe Trauer eher Lethargie anstatt einen Energieschub.</p><p>�Jedenfalls kann man nicht behaupten, dass er das Haus verfallen l�sst�, sagte Freddie, w�hrend er sich umsah.</p><p>Manette rief:�Tim? Bist du hier?�</p><p>Eigentlich war es �berfl�ssig, Tim zu rufen, denn selbst wenn er hier w�re, w�rde er sicher nicht angelaufen kommen und ihnen freudestrahlend um den Hals fallen, dachte Manette. Trotzdem suchten sie das Haus systematisch ab. Und jedes Zimmer, in das sie hineinschauten, war tipptopp sauber und aufger�umt. Es sah ziemlich genauso aus wie zu Ians Lebzeiten, nur viel besser in Schuss, wie hergerichtet f�r Fotos in einem Artikel �ber Herrenh�user im georgianischen Stil.</p><p>Sie gingen nach oben. So ein altes Haus verf�gte �ber zahlreiche Ecken und Winkel, die sich als Verstecke eigneten. Freddie meinte, Tim sei wahrscheinlich l�ngst �ber alle Berge, und das k�nne ihm keiner verdenken nach allem, was er durchgemacht hatte. Doch Manette wollte auf Nummer sicher gehen. Sie schaute unter den Betten und in den Schr�nken nach, tastete sogar einige W�nde ab, um festzustellen, ob es irgendwo eine Geheimt�r gab. Sie kam sich selbst albern dabei vor, aber sie konnte nicht anders. Irgendetwas stimmte in diesem Haus ganz und gar nicht, und sie wollte unbedingt herausfinden, was hier vor sich ging. Denn wenn sie das richtig sah, dann war Tim wegen irgendetwas abgehauen, das Kaveh getan oder gesagt hatte, auch wenn der hinterher den Besorgten gespielt und vorgegeben hatte, er w�rde den Jungen suchen.</p><p>Als Letztes nahmen sie sich Tims Zimmer vor. Auch hier war alles tipptopp aufger�umt. Obwohl Tims Kleider noch im Schrank lagen, deutete nichts darauf hin, dass es sich um das Zimmer eines Vierzehnj�hrigen handelte.</p><p>�Ah�, sagte Freddie und trat an den Tisch unterm Fenster, auf dem ein Laptop stand, der aufgeklappt war, als w�re er vor Kurzem erst benutzt worden.�Vielleicht hilft uns der ja weiter. �Er setzte sich und lie� seine Fingergelenke knacken.�Wollen wir doch mal sehen.�</p><p>Manette trat neben ihn.�Aber wir kennen sein Passwort nicht. Wie sollen wir denn ohne Passwort da reinkommen?�</p><p>Freddie l�chelte sie an.�Du Kleingl�ubige�, sagte er. Er begann, auf die Tastatur einzuhacken, um das Problem in Angriff zu nehmen, das sich als nicht existent entpuppte: Tim hatte sein Passwort gespeichert. Sie brauchten nur seinen Nutzernamen, den Manette kannte, weil sie regelm��ig mit Tim in E-Mail-Kontakt gestanden hatte.�Bingo�, murmelte Freddie.</p><p>Er grinste.�Wirklich schade, dass du nicht gerade mit was anderem besch�ftigt warst�, sagte er.�Sonst h�ttest du mich am Ende vielleicht tats�chlich f�r ein Computergenie gehalten ��</p><p>Sie dr�ckte seine Schulter.�F�r mich bist du Genie genug, mein Lieber.�</p><p>W�hrend Freddie sich Tims E-Mails vornahm, ging Manette die anderen Sachen durch, die auf dem Schreibtisch lagen. Schulb�cher, ein iPod samt Docking Station und Lautsprechern, ein Notizheft gef�llt mit verst�renden Bleistiftzeichnungen von grotesken Au�erirdischen, die dabei waren, K�rperteile von Menschen zu verspeisen, ein Buch �ber das Beobachten von V�geln � wie er wohl dazu kam, fragte sie sich �, ein Taschenmesser mit Resten von getrocknetem Blut an der gr��ten Klinge und eine Landkarte, die Tim sich anscheinend aus dem Internet ausgedruckt hatte. Sie nahm die Karte in die Hand.�Freddie�, sagte sie,�k�nnte das vielleicht ��</p><p>Vor dem Haus wurden Autot�ren zugeschlagen. Manette beugte sich �ber den Tisch, um aus dem Fenster zu sehen. Vielleicht war Kaveh ja nach Hause gekommen, vielleicht hatte er Tim gefunden und mitgebracht, was bedeutete, dass Freddie ganz schnell den Laptop w�rde ausschalten m�ssen. Aber neben dem Auto stand ein �lteres, dunkelh�utiges Paar, vielleicht Iraner, wie Kaveh, und ein junges, schwarzhaariges M�dchen, das sich eine langfingrige Hand vor den Mund hielt und mit gro�en Augen an dem Herrenhaus hochschaute. Sie sah das �ltere Paar fragend an. Dann nahm die Frau sie am Ellbogen, und zusammen gingen sie auf die Haust�r zu.</p><p>Die Leute mussten irgendwie zu Kaveh geh�ren, dachte Manette. Hier oben in Cumbria lebten kaum Ausl�nder, erst recht nicht auf dem Land. Vielleicht waren sie �berraschend zu Besuch gekommen. Oder vielleicht hatten sie auf einer l�ngeren Fahrt einen Abstecher hierhergemacht. Aber dar�ber brauchte sie sich nicht den Kopf zu zerbrechen, denn es w�rde sowieso niemand auf ihr Klopfen hin �ffnen, und dann konnten sie und Freddie sich wieder um das k�mmern, weswegen sie hergekommen waren.</p><p>Aber es kam ganz anders. Offenbar hatten die Leute einen Hausschl�ssel.�Was zum Teufel �?�, entfuhr es Manette.�Freddie, da ist jemand gekommen. Ein �lteres Paar und ein junges M�dchen. Ich glaub, die geh�ren irgendwie zu Kaveh. Soll ich �?�</p><p>�Verdammt�, murmelte Freddie.�Ich bin hier gerade auf etwas gesto�en. Kannst du � Ich wei� nicht � Kannst du dich um die Leute k�mmern?�</p><p>Manette verlie� das Zimmer und schloss die T�r. Dann ging sie ger�uschvoll die Treppe hinunter.�Hallo?�, rief sie.�Kann ich Ihnen helfen?�Sie fing die Leute im Flur zwischen Kaminzimmer und K�che ab.</p><p>Ihr blieb nichts anderes �brig, als zu bluffen, dachte Manette. Sie l�chelte, als w�re es das Selbstverst�ndlichste auf der Welt, dass sie sich in diesem Haus aufhielt.�Ich bin Manette McGhie�, stellte sie sich vor.�Ich bin Ians Kusine. Sie sind sicher Freunde von Kaveh? Er ist gerade nicht hier.�</p><p>Sie waren keine Freunde von Kaveh, sondern dessen Eltern, die aus Manchester hergekommen waren. Sie hatten Kavehs Verlobte mitgebracht, die gerade aus Teheran eingetroffen war, damit sie sich ansehen konnte, wo sie nach der Hochzeit in wenigen Wochen einziehen w�rde. Sie und Kaveh kannten sich noch nicht. Eigentlich sei es nicht �blich, die Braut dem Br�utigam vor der Hochzeit vorzustellen, aber Kaveh habe darauf bestanden, deshalb seien sie jetzt hier. Eine kleine �berraschung vor der Hochzeit.</p><p>Das junge M�dchen hie� Iman, und sie hielt dem�tig den Blick gesenkt, w�hrend die Erwachsenen sich unterhielten, so dass ihr dichtes, schwarzes Haar nach vorne fiel und ihr Gesicht verbarg. Aber Manette hatte trotzdem gesehen, dass sie ausnehmend h�bsch war.</p><p>�Kavehs Verlobte?�, fragte Manette entgeistert. Das erkl�rte zumindest den tadellosen Zustand des Hauses. Doch abgesehen davon war das junge M�dchen hier in einen furchtbaren Schlamassel geraten.�Ich wusste gar nicht, dass Kaveh verlobt ist. Ian hat nie etwas davon erw�hnt.�</p><p>Der �rger ging schon los.</p><p>�Wer ist Ian?�, fragte Kavehs Vater.</p><subtitle>AUF DEM WEG NACH LONDON</subtitle><p>Als Lynleys Handy klingelte, befand er sich mehr als hundert Kilometer von Milnthorpe entfernt, kurz vor der Abfahrt zur M56, und er war ziemlich geladen. Deborah St. James hatte ihn zum Narren gehalten, und das gefiel ihm absolut nicht. Er war wie verabredet um halb elf zum Crow &amp; Eagle gefahren, in der Annahme, dass sie mit gepackten Koffern auf ihn wartete. Da ihr Mietwagen auf dem Parkplatz stand, hatte er sich zun�chst nichts dabei gedacht, als er sie nicht in der Eingangshalle antraf.</p><p>�W�rden Sie Mrs. St. James bitte Bescheid geben�, hatte er die junge Frau in der frischgest�rkten wei�en Bluse und dem schwarzen Wollrock gebeten, die an der Rezeption sa�.</p><p>�Selbstverst�ndlich, Sir. Wen darf ich anmelden?�</p><p>Als er geantwortet hatte� Tommy�, hatte sich ihr Gesichtsausdruck kaum merklich ver�ndert. Wom�glich, dachte Lynley, wurde das Crow &amp; Eagle ja von den Angeh�rigen des Landadels als Stundenhotel genutzt. Hastig f�gte er hinzu:�Sie hat mich gebeten, sie mit nach London zu nehmen. �Kaum hatte er das ausgesprochen, �rgerte er sich �ber sich selbst. Entnervt trat er an den St�nder mit Brosch�ren �ber die touristischen Ausflugsm�glichkeiten in Cumbria und tat so, als w�rde er sie studieren.</p><p>Nach einer Weile r�usperte sich die junge Frau an der Rezeption und sagte:�Es meldet sich niemand, Sir. Vielleicht sitzt sie ja noch im Speiseraum.�</p><p>Aber dort war sie nicht. Und auch nicht in der Bar. Irgendwo in der N�he musste sie jedoch sein, schlie�lich stand ihr Mietwagen auf dem Hotelparkplatz. Lynley setzte sich an einen Tisch im Speisesaal und wartete. Auf der anderen Stra�enseite befand sich eine Bank, im Ort gab es einen Marktplatz, eine alte Kirche mit einem h�bschen Friedhof � Vielleicht hatte sie noch einen kleinen Spaziergang gemacht vor der langen Fahrt.</p><p>Erst nachdem er eine Weile gewartet hatte, fiel ihm auf, dass Deborah offenbar noch gar nicht aus dem Hotel ausgecheckt hatte, denn sonst h�tte die Frau an der Rezeption nicht in ihrem Zimmer angerufen. Ihn packte die Wut.</p><p>Er rief sie auf dem Handy an. Nat�rlich bekam er nur ihre Mailbox.�Dir ist bestimmt klar, dass ich einigerma�en sauer bin. Wir hatten eine Verabredung. Wo zum Teufel steckst du?�Mehr sagte er nicht. Er kannte Deborah. Wenn sie sich einmal in etwas verrannt hatte, dann hatte es keinen Zweck, sie eines Besseren belehren zu wollen.</p><p>Als kurz vor der Abfahrt auf die M56 sein Handy klingelte, dachte er zuerst, es sei Deborah, die anrief, um sich bei ihm zu entschuldigen. Ohne auf das Display zu sehen, nahm er das Gespr�ch entgegen und bellte:�Ja?�</p><p>��h, ja�, sagte Sergeant Havers.�Ihnen auch einen sch�nen guten Tag. Schlecht geschlafen?�</p><p>�Sorry�, sagte er.�Ich bin auf der Autobahn.�</p><p>�Unterwegs nach �?�</p><p>�Nach Hause, wohin sonst?�</p><p>�Keine gute Idee, Sir.�</p><p>�Wieso? Was ist los?�</p><p>�Rufen Sie mich an, sobald Sie auf einen Rastplatz gefahren sind. Ich m�chte nicht, dass Sie Ihren teuren Schlitten zu Schrott fahren. Den Bentley hab ich ja schon auf dem Gewissen.�</p><p>Eine Viertelstunde sp�ter hielt Lynley vor einer schmuddeligen Rastst�tte. Er holte sich einen Kaffee, setzte sich damit an einen Tisch und rief Barbara an.</p><p>�Ich hoffe, Sie sitzen gut�, sagte sie, als sie das Gespr�ch entgegennahm.</p><p>�Ich sa� auch schon gut, als Sie mich angerufen haben�, antwortete er.</p><p>�Okay, okay. �Sie berichtete ihm, wie sie es geschafft hatte, Isabelle Ardery aus dem Weg zu gehen und ihre Internetrecherchen durchzuf�hren, die ihr immer mehr Spa� machten. Sie erz�hlte ihm von einer Studentin aus Barcelona, von ihrem Nachbarn Taymullah Azhar, den Lynley fl�chtig kannte, der Kleinstadt Santa Mar�a de la Cruz, de los �ngeles y de los Santos und den f�nf S�hnen des B�rgermeisters jenes Kaffs. Die Pointe bewahrte sie sich bis zu Schluss auf:�Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt keine Alatea Vasquez del Torres. Oder besser gesagt: Es gibt sie, und es gibt sie auch wieder nicht.�</p><p>�Hatten Sie nicht bereits festgestellt, dass Alatea wahrscheinlich aus einem anderen Zweig der Familie stammt?�</p><p>�Um mit einem meiner Lieblingssongs zu antworten, Sir: That was yesterday and yesterday�s gone.�</p><p>�Und das bedeutet?�</p><p>�Das bedeutet, Alatea geh�rt zu diesem Familienzweig, aber sie ist nicht Alatea.�</p><p>�Sondern?�</p><p>�Santiago.�</p><p>Lynley versuchte, diese Information zu verdauen. In seiner N�he war eine Putzfrau dabei, den Boden zu schrubben. Sie warf ihm bedeutungsvolle Blicke zu, anscheinend in der Hoffnung, dass er sich einen anderen Platz suchte, so dass sie unter seinem Tisch wischen konnte. Schlie�lich fragte er:�Wie meinen Sie das, Barbara?�</p><p>�Ich meine genau das, was ich gesagt habe, Sir. Alatea ist Santiago. Santiago ist Alatea. Entweder das, oder die beiden sind eineiige Zwillinge, und wenn ich im Bio-Unterricht nicht gepennt hab, dann gibt es nur gleichgeschlechtliche eineiige Zwillinge.�</p><p>�Das hei�t also � Was?�</p><p>�Crossdressing, Sir. Transsexualit�t. So was h�lt man doch lieber vor der Familie geheim, oder?�</p><p>�Ja, wahrscheinlich. Unter gewissen Umst�nden. Aber diese Umst�nde ��</p><p>�Sir�, fiel Barbara ihm ins Wort.�Santiagos Spur verliert sich, als er ungef�hr f�nfzehn ist. Ich sch�tze, in dem Alter hat er angefangen, als Alatea aufzutreten. Um dieselbe Zeit ist er von zu Hause abgehauen. Das habe ich unter anderem in einem Telefongespr�ch mit der Familie erfahren.�</p><p>Sie berichtete ihm, was die spanische Studentin ihr nach dem Gespr�ch mit Argentinien erkl�rt hatte: Die Familie wolle, dass Alatea nach Hause komme, ihr Vater und ihre Br�der w�rden sie jetzt verstehen, Carlos, der Priester, habe die Familie zur Einsicht gebracht, alle beteten f�r Alateas R�ckkehr in den Scho� der Familie, die Angeh�rigen seien seit Jahren auf der Suche nach ihr, sie solle nicht l�nger vor ihnen weglaufen, ihr Verschwinden habe Elena Mar�a das Herz gebrochen �</p><p>�Wer ist Elena Mar�a?�Lynley schwirrte der Kopf.</p><p>�Eine Kusine�, sagte Barbara.�Ich sch�tze, Santiago hat die M�cke gemacht, weil er sich gern als Frau verkleidete, wovon sein Vater und seine Br�der wahrscheinlich nicht besonders begeistert waren. Latinos, Sie wissen schon. Macho, und so weiter. Irgendwann jedenfalls ist er Raul Montenegro �ber den Weg gelaufen ��</p><p>�Wer zum Teufel ��</p><p>�Ein reicher Typ aus Mexiko. Einer, der so viel Geld hat, dass er eine Konzerthalle bauen lassen und sie nach seiner Mutter benennen kann. Also, Santiago l�uft Raul �ber den Weg, und Raul f�hrt auf ihn ab, denn der Typ ist vom anderen Ufer, wenn Sie verstehen, was ich meine. Und er steht vor allem auf m�glichst junge Knaben, wenn man den Fotos glauben darf, die ich gefunden hab. Jedenfalls waren unsere zwei H�bschen im siebten Himmel. Auf der einen Seite Santiago mit seiner Vorliebe f�r Frauenkleider und auf der anderen Raul, der stockschwul ist, das aber nicht gern an die gro�e Glocke h�ngen will. Raul tut sich also mit Santiago zusammen, der aussieht wie ein zum Anbei�en h�bsches junges M�dchen, mit dem er sich sogar in der �ffentlichkeit blicken lassen kann. Und die beiden bleiben zusammen, bis sich was Besseres findet.�</p><p>�Und was sollte das sein?�</p><p>�Nicholas Fairclough, w�rd ich mal vermuten.�</p><p>Lynley sch�ttelte den Kopf. Das klang einfach allzu unglaublich.�Barbara, sagen Sie mal: Sind das alles Vermutungen, oder haben Sie irgendwelche Beweise f�r Ihre Behauptungen?�</p><p>Sie lie� sich nicht beirren.�Sir�, sagte sie,�es passt alles zusammen. Santiagos Mutter wusste genau, von wem die Rede war, als Engracia angerufen und nach Alatea gefragt hat. Aber da sie nur S�hne hat, dachten wir, Alatea m�sse eine Nichte von ihr sein. Bis ich mir Santiago genauer unter die Lupe genommen und mir dann noch mal die j�ngsten Fotos von Alatea als Dessous-Model angesehen habe, und � Glauben Sie mir, Sir, sie ist Santiago. Er ist abgehauen, hat sich als Frau ausgegeben, und keiner hat�s gemerkt, und als er dann Raul Montenegro begegnet ist, war die Sache geritzt. Wahrscheinlich haben die beiden gl�cklich und zufrieden zusammengelebt, bis Nicholas Fairclough aufgekreuzt ist.�</p><p>Lynley musste zugeben, dass das plausibel klang. Denn Nicholas Fairclough, ehemaliger Drogens�chtiger und Alkoholiker, w�rde seinen Eltern auf keinen Fall offenbaren, dass ein Mann sich als seine Frau ausgab, mit einer falschen Heiratsurkunde, dem einzigen Dokument, das der Person ein Aufenthaltsrecht im Land sicherte.</p><p>�K�nnte es sein, dass Ian Cresswell irgendwie dahintergekommen ist?�, �berlegte Lynley laut.</p><p>�Genau das hab ich mich auch gefragt�, sagte Barbara.�Wer, wenn nicht Ian Cresswell, wird auf den ersten Blick gesehen haben, wen er vor sich hatte?�</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Deborah f�hlte sich elend, und das nicht erst, seitdem die Frau an der Rezeption im Crow &amp; Eagle ihr Tommys Nachricht gegeben hatte. Denn alles, worum sie sich bem�ht hatte, drohte in einem kompletten Chaos zu enden.</p><p>Sie hatte versucht, den widerw�rtigen Zed Benjamin davon zu �berzeugen, dass das, was Lucy Keverne ihnen erz�hlt hatte, nicht f�r eine Story in der <emphasis>Source</emphasis> reichte. Da Zed sie, Deborah, immer noch f�r eine Polizistin von Scotland Yard hielt, hatte sie gehofft, dass er, als sie gesagt hatte� Tja, meine Arbeit hier ist damit beendet�, ebenfalls zu dem Schluss gelangen w�rde, dass in Cumbria f�r ihn nichts zu holen war. Wenn die angebliche Polizistin der Meinung war, dass sich niemand etwas hatte zuschulden kommen lassen, dann schien es doch nur logisch, dass es auch keine Story gab. Aber Zed Benjamin hatte das anders gesehen. Er war der Meinung gewesen, dass alles erst anfing.</p><p>Entsetzt hatte sie ihn gefragt, an was f�r eine Story er denn denke.�Zwei Menschen sind bereit, einer Frau f�r eine Leihmutterschaft mehr zu bezahlen, als das Gesetz vorsieht�, hatte sie ihm gesagt.�Wie viele solche Menschen gibt es in England? Wie viele Menschen haben keine Freundin oder Verwandte, die bereit ist, sich aus lauter Mitgef�hl als Leihmutter zur Verf�gung zu stellen? Das Gesetz, das so etwas verbietet, ist l�cherlich. Es gibt schlicht und einfach keine Story.�</p><p>Aber auch da war Zed anderer Meinung gewesen. Das Gesetz selbst sei die Geschichte, hatte er ihr erkl�rt. Denn es st�rze Frauen in Verzweiflung, die daraufhin zu verzweifelten Mitteln griffen, um ihr Problem zu l�sen.</p><p>�Verzeihen Sie, Mr. Benjamin�, hatte Deborah darauf erwidert,�aber ich glaube kaum, dass die <emphasis>Source</emphasis> sich auf Ihre Empfehlung hin zur F�rsprecherin aller unfruchtbaren Frauen aufschwingen wird.�</p><p>�Das werden wir ja noch sehen�, hatte er darauf knapp erwidert.</p><p>Sie hatten sich vor ihrem Hotel verabschiedet, und an der Rezeption hatte man ihr einen verschlossenen Umschlag �berreicht, auf dem ihr Name in einer Handschrift geschrieben stand, die sie sofort wiedererkannte von den vielen Briefen, die Tommy ihr geschrieben hatte, als sie in Kalifornien Fotografie studierte.</p><p>Die Nachricht war kurz und knapp: <emphasis>Deb, was soll ich sagen? Tommy</emphasis>. Und es stimmte. Was h�tte er sagen sollen? Sie hatte ihn belogen, sie hatte seine Anrufe ignoriert, und jetzt war er genauso sauer auf sie wie Simon. Gott, was hatte sie f�r einen Schlamassel angerichtet.</p><p>Sie ging auf ihr Zimmer und packte ihre Sachen, w�hrend sie dar�ber nachdachte, wie gr�ndlich sie alles vermasselt hatte. Angefangen hatte es mit Simons Bruder David, den sie ewig hingehalten hatte in Bezug auf die offene Adoption, die er nur arrangiert hatte, weil er ihnen helfen wollte. Dann hatte sie Simon immer wieder vor den Kopf gesto�en, vor allem, als sie stur darauf beharrt hatte, weiterhin in Cumbria zu bleiben, obwohl klar gewesen war, dass ihre Aufgabe hier l�ngst erledigt war. Und indem sie sich in Alatea Faircloughs Privatangelegenheiten eingemischt hatte, hatte sie wahrscheinlich auch deren Hoffnungen auf ein Kind zerst�rt.</p><p>Sie setzte sich aufs Bett. Seit einigen Jahren wurde ihr Leben von etwas bestimmt, das vollkommen au�erhalb ihrer Kontrolle lag, dachte sie. Sie w�nschte sich sehnlichst ein Kind, doch es war ihr nicht gegeben, sich diesen Wunsch zu erf�llen. Wahrscheinlich hatte Alatea Fairclough dasselbe durchgemacht wie sie.</p><p>Endlich begriff Deborah, warum die Argentinierin so �ngstlich auf sie reagiert hatte und warum sie sich so gestr�ubt hatte, mit ihr zu reden. Alatea und ihr Mann waren bereit, eine Frau daf�r zu bezahlen, dass sie ein Kind f�r sie austrug, und jetzt f�rchteten sie, die �rzte von der Uni in Lancaster h�tten sie, Deborah, geschickt, um die Wahrheit �ber das Arrangement mit Lucy Keverne herauszufinden, ehe sie die Schritte in die Wege leiteten, die f�r eine Leihmutterschaft n�tig waren. Das waren sicherlich eine ganze Reihe. Und die w�rden erst umgesetzt, wenn man Gewissheit �ber das Verh�ltnis zwischen Alatea und der zuk�nftigen Leihmutter hatte.</p><p>Deborah hatte die arme Frau verfolgt, seit sie nach Cumbria gekommen war, obwohl Alatea lediglich von derselben Sehnsucht getrieben war wie sie selbst, der Sehnsucht nach einer Schwangerschaft, die f�r andere Frauen das Nat�rlichste auf der Welt war und von manchen sogar als Fluch empfunden wurde.</p><p>Deborah wurde klar, dass sie einige Leute w�rde um Verzeihung bitten m�ssen f�r ihr Verhalten in den vergangenen Tagen. Anfangen w�rde sie bei Alatea Fairclough. Und deswegen w�rde sie, bevor sie sich auf den Heimweg nach London machte, Alatea noch einen Besuch abstatten.</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Was er der Polizistin von Scotland Yard gesagt hatte, war nichts weiter gewesen als S�belrasseln, dachte Zed zerknirscht. Nachdem er sie zu ihrem Hotel gebracht hatte, war er nicht nach Windermere zur�ckgefahren, sondern zu dem Marktplatz in Milnthorpe. Er parkte neben einem Supermarkt und ging hinein. Der Laden war rappelvoll, und es war f�rchterlich stickig dort drin, was seine schlechte Laune nicht gerade vertrieb.</p><p>Ziellos bl�tterte er in den Zeitungen und Zeitschriften, bis er nicht mehr widerstehen konnte und sich die neueste Ausgabe der <emphasis>Source</emphasis> kaufte. Damit ging er zur Frittenbude neben der Metzgerei, in deren Schaufenster appetitliche Wildpasteten auslagen.</p><p>In der Frittenbude bestellte er sich eine Portion Fish �n Chips und dazu eine Dose Fanta, machte es sich an einem Tisch bequem, holte tief Luft, um sich zu wappnen, und faltete die Zeitung auseinander.</p><p>Mitchell Corsico, dieser Dillettant, hatte nat�rlich mal wieder die Titelstory geschrieben. Wie immer der totale M�ll: eine Enth�llungsstory �ber irgendeinen unbedeutenden Spross der k�niglichen Familie, der ein uneheliches Kind in die Welt gesetzt hatte, noch dazu ein dunkelh�utiges. Das Kind, ein M�dchen, war mittlerweile f�nf Jahre alt, und es gab mehrere Fotos von der Kleinen. Sie war h�bsch, wie die meisten Mulatten. Ihr Vater w�rde jedoch nie den englischen Thron besteigen, es sei denn, das derzeitige Monarchenpaar w�rde mitsamt allen Angeh�rigen der weitverzweigten Verwandtschaft auf einem Luxusdampfer auf dem Atlantik eine Party feiern und der Dampfer w�rde mit einem Eisberg kollidieren. Diese unbedeutende Kleinigkeit entzog der Story jede vern�nftige Grundlage. Aber das schien weder Mitchell Corsico noch Rodney Aronson gest�rt zu haben, der den Artikel immerhin auf die erste Seite gesetzt hatte, unabh�ngig davon, wie unbedeutend das Mitglied der k�niglichen Familie war.</p><p>Dass der Artikel auf der ersten Seite stand, bedeutete wahrscheinlich, dass es sich um die Enth�llungsstory des Jahres handelte, und die <emphasis>Source</emphasis> versuchte, auch noch das Letzte aus ihr herauszuquetschen. Rodney hatte das volle Programm durchgezogen: zw�lf Zentimeter Schlagzeile, grobk�rnige Fotos, namentliche Nennung des Verfassers und Verweis auf die Fortsetzung auf Seite acht, wo �ber die Mutter des Kindes berichtet wurde sowie �ber den adligen Kindsvater, der im Gegensatz zu zahlreichen Royals immerhin mit einem Kinn auf die Welt gekommen war.</p><p>Diese Geschichte w�rde doch niemanden vom Hocker rei�en. Zed schloss daraus, dass zurzeit in der Gosse einfach nichts zu holen war, wenn Rodney sich schon auf eine solche Story als Aufmacher verlegen musste.</p><p>Und das bedeutete, dass er wom�glich gute Chancen hatte, die Titelseite zu ergattern, wenn er alles, was er in Cumbria zusammengetragen hatte, zu einer guten Story verarbeitete. Er legte die <emphasis>Source</emphasis> beiseite, sch�ttete reichlich Essig auf seinen Fisch und seine Fritten, �ffnete die Fantadose und ging noch einmal alles durch, was er �ber Nick Fairclough und die sch�ne Alatea zutage gef�rdert hatte.</p><p>Viel hatte er nicht, da musste er der Polizistin recht geben. Nick und Alatea Fairclough w�rden einer Frau mehr als nur ihre Ausgaben erstatten, damit sie f�r sie ein Kind austrug, was zwar nicht legal, aber auch noch keine Story war. Die Frage lautete: Wie konnte man eine Story daraus machen, oder wenigstens so einen M�ll, wie Mitchell Corsico ihn fabriziert hatte?</p><p>Zed �berlegte, welche Zutaten ihm zur Verf�gung standen: Eier, Sperma, ein Mann, eine Frau, noch eine Frau und Geld. Wessen Eier, wessen Sperma, welcher Mann, welche Frau, wessen Geld? Das waren die Themen, aus denen er sich eine Geschichte zusammenreimen musste.</p><p>Es gab verschiedene M�glichkeiten. Vielleicht taugten die Eier der armen Alatea nichts � konnte das sein?�� oder landeten nicht an der richtigen Stelle, um sich mit Nicks Sperma zu vereinigen. Also mussten die Eier einer anderen Frau her. Aber Nick und Alatea wollten nicht, dass die Familie davon erfuhr, weil � ja, warum eigentlich nicht? Wegen der Erbschaft? Was genau besagte das Erbrecht? Gab es �berhaupt etwas zu vererben au�er einer Firma, die Klosch�sseln und andere unappetitliche Dinge herstellte, deren Erw�hnung die ganze Geschichte zu einem Lacher machen w�rde und Zed zum Deppen? Oder vielleicht war ja auch Nicks Sperma zu nichts zu gebrauchen. Vielleicht waren seine Samenzellen nach all den Jahren des Drogenkonsums total verkr�ppelt? Also musste das Sperma eines Spenders her, und der daraus resultierende Spr�ssling w�rde trotz allem als echter Fairclough ausgegeben. Das w�re doch eine nette Geschichte.</p><p>Oder war es besser, sich auf das Geld zu konzentrieren, das Lucy Keverne bekommen sollte? In Anbetracht von Nicks Vergangenheit konnte es doch gut sein, dass er nicht nur mit Klosch�sseln, sondern auch noch mit anderen Dingen handelte, um sich das Honorar f�r die Leihmutter leisten zu k�nnen. Und mussten die �rzte vielleicht auch geschmiert werden? Auch das war zumindest eine M�glichkeit.</p><p>Bis Zed seine Mahlzeit beendet hatte, war er zu dem Schluss gelangt, dass er bei Nick Fairclough ansetzen musste, wenn er einen Artikel �ber das geschmacklose Ansinnen schreiben wollte, sich einen Baby-Automaten zu kaufen � so w�rde er Rodney seine Story verkaufen. Er besa� genug Menschenkenntnis, um sich denken zu k�nnen, dass Lucy Keverne, kaum dass Sergeant Cotter und er gegangen waren, als Erstes bei Alatea Fairclough angerufen und ihr alles br�hwarm berichtet hatte.</p><p>Also kam f�r ihn nur noch Nick in Frage. Er w�rde den Mann ein bisschen unter Druck setzen, und mit etwas Geschick w�rde er ihm die Einzelheiten �ber den Deal mit der Frau in Lancaster schon aus den Rippen leiern.</p><p>Er schnappte sich die <emphasis>Source</emphasis> und ging zu seinem Wagen. Um die Uhrzeit w�rde er Nicholas Fairclough wahrscheinlich bei seinem Wehrturmprojekt antreffen.</p><p>Er fuhr am Crow &amp; Eagle vorbei in Richtung Arnside, vorbei an Milnthorpe Sands, wo derzeit wirklich nur Sand war � wenn auch ziemlich matschiger �, da Ebbe herrschte und der River Kent zu einem schmalen Flussband zusammengeschrumpft war, an dessen Ufern Brachv�gel, Regenpfeifer und Wasserl�ufer auf ihrer endlosen Suche nach Futter umhertrippelten. Von Humphrey Head aus kroch der Nebel in Richtung K�ste. Die Luft war so feucht, dass die Fenster der H�user beschlagen waren. Die Stra�e war glitschig nass.</p><p>Zed parkte in der N�he des Wehrturms. Es war niemand auf der Baustelle zu sehen. Aber als Zed ausstieg, h�rte er im Kantinenzelt ein paar M�nner laut lachen. Dort fand er sie alle versammelt. Sie sa�en an den langen Tischen, waren jedoch nicht beim Essen, sondern h�rten einem �lteren Mann zu, der vor ihnen stand, einen Fu� auf einem Stuhl und einen Ellbogen auf dem Knie abgest�tzt. Die Geschichte, die er zum Besten gab, schien die M�nner unglaublich zu am�sieren. Sie tranken Kaffee oder Tee, und die Luft im Zelt war erf�llt von Zigarettenqualm.</p><p>Zed entdeckte Nick Fairclough im selben Moment, als dieser ihn entdeckte. Er sa� am hinteren Ende des Zelts, den Stuhl nach hinten gekippt, die F��e auf dem Tisch. Als ihre Blicke sich begegneten, sprang er auf und kam eilig auf Zed zu.</p><p>Er nahm Zed am Arm und bugsierte ihn nach drau�en.�Das ist keine �ffentliche Veranstaltung�, sagte er unwirsch. Anscheinend war Zed in eine Sitzung der Anonymen Alkoholiker oder einer �hnlichen Organisation geraten, dachte er. Und es war ziemlich offenkundig, dass Nick Fairclough nicht begeistert war �ber das Wiedersehen. Tja, das lie� sich nun mal nicht �ndern.</p><p>�Ich w�rde mich gern mit Ihnen unterhalten�, sagte Zed.</p><p>�Da werden Sie sich noch etwas gedulden m�ssen�, entgegnete Nick.�Wie Sie sehen, bin ich gerade in einer Versammlung.�</p><p>�Ich f�rchte, das kann nicht warten�, sagte Zed und z�ckte sein Notizheft.</p><p>Faircloughs Augen wurden schmal.�Was hat das zu bedeuten?�</p><p>�Ich m�chte mit Ihnen �ber Lucy Keverne reden.�</p><p>�Wie bitte? �ber wen?�</p><p>�Lucy Keverne. Oder vielleicht kennen Sie sie unter einem anderen Namen? Sie ist die Leihmutter, die Sie und Ihre Frau angeheuert haben.�</p><p>Fairclough sah ihn an, als fragte er sich, ob Zed den Verstand verloren hatte.</p><p>�Leihmutter?�, wiederholte Fairclough.�Was soll der Bl�dsinn?�</p><p>�Ich w�rde gern mit Ihnen dar�ber reden, was Sie mit Lucy Keverne vereinbart haben. Welchen Deal Sie mit ihr ausgehandelt haben.�</p><p>�Deal?�, sagte Nicholas Fairclough.�Es gibt keinen Deal. Wovon zum Teufel reden Sie �berhaupt?�</p><p><emphasis>Bingo</emphasis>, dachte Zed voller Genugtuung. Jetzt hatte er seine Story.</p><p>�Lassen Sie uns einen kleinen Spaziergang machen�, sagte er.</p><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Manette hatte Kavehs Eltern und Verlobte ins Kaminzimmer gef�hrt und ihnen Tee und Kekse vorgesetzt. Als sie jetzt die Treppe hochging, versuchte sie immer noch zu verdauen, was sie soeben erfahren hatte. Der Himmel wusste, warum sie den Leuten Tee angeboten hatte, dachte sie, wahrscheinlich aus lauter Gewohnheit.</p><p>Die Verwirrung dar�ber, wer Ian Cresswell gewesen war, hatten sie schnell beseitigen k�nnen. Es hatte sich herausgestellt, dass Kaveh � soweit seine Eltern informiert waren � bei einem Herrenhausbesitzer zur Miete gewohnt hatte, dessen Vornamen ihr Sohn nie erw�hnt hatte. Dann war der Mann bei einem Unfall ums Leben gekommen, und zu Kavehs gro�er Verwunderung hatte er in seinem Testament Kaveh als Alleinerben eingesetzt. Nat�rlich brauchte Kaveh gar kein Haus, wie seine Eltern ihm immer wieder zu verstehen gegeben hatten, denn er und seine Frau k�nnten zu seinen Eltern ziehen und es wie seine Landsleute halten, die traditionell in Gro�familien zusammenlebten. Aber Kaveh sei ein moderner junger Mann, beeinflusst vom europ�ischen Lebensstil, und in England zogen junge M�nner nun mal nicht mit ihrer Frau zu den Eltern. In diesem Fall sei es sogar umgekehrt. Kaveh bestehe darauf, dass seine Eltern zu ihm zogen. Sie seien sehr gl�cklich, beteuerten sie, dass sie nun endlich die lang ersehnten Enkelkinder bekommen w�rden.</p><p>Wie wenig diese Leute �ber ihren Sohn wussten, war unglaublich, aber Manette wollte nicht diejenige sein, die diese Seifenblase zum Platzen brachte. Die junge Frau tat ihr leid, denn sie w�rde einen Mann heiraten, der wahrscheinlich ein �hnliches Doppelleben f�hren w�rde, wie Ian es getan hatte. Doch daran konnte Manette nichts �ndern. Und selbst wenn sie sich ein Herz fasste und sagte:�Verzeihen Sie, wissen Sie denn nicht, dass Kaveh homosexuell ist?�, was w�rde das bringen, au�er dass es die Eltern und die Verlobte in ein Chaos st�rzte, das sie, Manette, nichts anging? Sollte Kaveh doch tun, was er wollte. Seine Angeh�rigen w�rden die Wahrheit schon irgendwann herausfinden. Oder auch nicht. Im Moment hatte Manette wei� Gott andere Sorgen. Sie musste Tim finden. Wenigstens wusste sie jetzt, warum er weggelaufen war. Zweifellos hatte Kaveh ihm von seinen Zukunftspl�nen erz�hlt. Und das war f�r den armen Kerl zu viel gewesen.</p><p>Aber was hatte er jetzt vor? Sie ging zur�ck in Tims Zimmer in der Hoffnung, dass Freddie ihr inzwischen darauf eine Antwort w�rde geben k�nnen.</p><p>Freddie sa� immer noch an Tims Laptop, doch er hatte ihn so gedreht, dass Manette, wenn sie zur T�r hereinkam, den Bildschirm nicht sehen konnte. Sein Gesichtsausdruck war ernst.</p><p>�Was hast du gefunden?�, fragte Manette.</p><p>�Pornofotos. Und nicht nur neueren Datums.�</p><p>�Was denn f�r Pornofotos?�Sie wollte hinter ihn treten, um einen Blick auf den Bildschirm zu werfen, aber er hob abwehrend eine Hand.�Das m�chtest du nicht sehen, Darling.�</p><p>�Was ist es denn?�</p><p>�Es f�ngt relativ harmlos an, nackte Frauen, die die Beine breitmachen, das �bliche eben. Das ist normal, dass Jungs sich so was ansehen.�</p><p>�Du etwa auch?�</p><p>�Na ja, ich stand mehr auf Br�ste. Aber die Zeiten �ndern sich.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Nun ja, dann hab ich meine erste Freundin kennengelernt.�</p><p>�Freddie, ich rede von Tims Computer. Ist da noch mehr?�</p><p>�Ja. Dann kommen Bilder von M�nnern und Frauen beim Sex.�</p><p>�Das ist doch auch normal, oder?�</p><p>�Eigentlich ja. Aber dann folgen Bilder, auf denen M�nner es mit M�nnern treiben.�</p><p>�Vielleicht wegen Ian und Kaveh? Oder vielleicht hat er selbst solche Neigungen?�</p><p>�M�glich. Sogar wahrscheinlich. Ich denke, dass Tim verstehen wollte. Die beiden. Sich selbst. Was wei� ich. �Doch Manette merkte Freddie an, dass das noch nicht alles war.</p><p>�Und was hast du noch gefunden, Freddie?�, fragte sie.</p><p>�Na ja, sp�ter sind es keine Fotos mehr, sondern Filme. Live-Aufnahmen. Und es sind andere Beteiligte. �Er rieb sich das Kinn, und das Ger�usch, das durch seine Bartstoppeln entstand, hatte etwas Tr�stliches, auch wenn sie nicht h�tte sagen k�nnen, warum.</p><p>�Andere Beteiligte?�</p><p>�M�nner und Jungs�, sagte Freddie.�Kleine Jungs, Manette. Vielleicht zehn, zw�lf Jahre alt. Und die Filme ��Freddie sah sie voller Sorge an.�Kleine Jungs mit �lteren M�nnern. Das hei�t, es ist immer nur ein Junge, aber manchmal sind es mehrere M�nner. Sie stellen ber�hmte Szenen nach, zum Beispiel das letzte Abendmahl, nur dass �Jesus� seinen J�ngern nicht die F��e w�scht, und �Jesus� ist vielleicht neun Jahre alt.�</p><p>�Gro�er Gott. �Manette versuchte zu verstehen, wie es gekommen war, dass Tim sich zuerst f�r nackte Frauen interessiert hatte, dann f�r Sex zwischen M�nnern und Frauen und dann f�r Sex zwischen M�nnern und schlie�lich f�r Sex zwischen M�nnern und kleinen Jungen. Sie wusste nicht genug �ber pubertierende Jungen, um zu wissen, ob das noch unter normale Neugier fiel oder nicht, aber sie f�rchtete, dass das nicht mehr normal war.�Was sollen wir denn blo� �?�Sie brachte es nicht fertig, die Frage zu Ende auszusprechen, weil sie nicht wusste, ob sie irgendetwas tun konnten, au�er die Polizei zu informieren und einen Psychologen einzuschalten und auf das Beste zu hoffen.�Dass er im Internet nach solchen Sachen sucht � Wir m�ssen es nat�rlich Niamh sagen. Andererseits, was soll das n�tzen?�</p><p>Freddie sch�ttelte den Kopf.�Er sucht das Zeug nicht im Internet, Manette.�</p><p>�Was? Woher hat er es denn sonst?�</p><p>�Ich habe jede Menge E-Mails von jemandem gefunden, der sich Toy4You nennt. Sie f�hren alle in einen Chatroom f�r Fotografie. Ich nehme an, dass es in diesem Chatroom verschiedene Zug�nge zu unterschiedlichen Fototechniken oder zu Fotomodellen gibt, zu skurrilen Aufnahmen und Nacktfotos und zu bestimmten Personen, in deren private Chatrooms man gelangen kann. Das Internet hei�t nicht zuf�llig <emphasis>Internet</emphasis>. Die F�den des Netzes f�hren �berallhin. Man braucht ihnen nur zu folgen.�</p><p>�Und was schreibt dieser Toy4You?�</p><p>�Was man von einem erwarten w�rde, der ein Kind vorsichtig anlockt: �ein bisschen harmloser Spaߋ, �unter Freunden�, �nur freiwillig�, �man muss vollj�hrig sein�, sp�ter dann �Sieh�s dir an und sag mir, was du davon h�ltst� und �K�nntest du dir vorstellen� und so weiter.�</p><p>�Und Tim?�</p><p>Freddie trommelte mit den Fingern auf den Schreibtisch. Er schien sich zu �berlegen, was er antworten sollte. Entweder das, oder er war noch dabei, die einzelnen Teile zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen.</p><p>�Freddie?�, sagte Manette vorsichtig.</p><p>�Es sieht so aus, als h�tte Tim mit diesem Typen einen Deal ausgehandelt.�</p><p>�Mit diesem Toy4You?�</p><p>�Mhmm. Der Typ � ich nehme jedenfalls an, dass es ein Mann ist � schreibt in seiner letzten Mail: �Wenn du das machst, tu ich alles, was du willst.��</p><p>�Und was meint er mit �das�?�</p><p>�Er hat ein Video mitgeschickt.�</p><p>�Und?�</p><p>�Der Garten von Gethsemane�, sagte Freddie.�Aber die r�mischen Soldaten nehmen keinen fest.�</p><p>�Mein Gott�, entfuhr es Manette. Dann weiteten sich ihre Augen, und sie schlug sich mit der Hand vor den Mund.�O Gott, Freddie, glaubst du, Tim hat diesen Mann dazu angestiftet, Ian umzubringen?�</p><p>Freddie sprang so hastig auf, dass sein Stuhl beinahe umgefallen w�re.�Nein�, sagte er.�Die Mail ist <emphasis>nach</emphasis> Ians Tod gekommen. Was auch immer Tim von dem Mann will, es hat nichts mit dem Tod seines Vaters zu tun. Und ich glaube, dass er es bekommt, wenn er bereit ist, in diesem Porno mitzuwirken.�</p><p>�Was kann er blo� von dem Mann wollen, Freddie? Wir m�ssen ihn unbedingt finden.�</p><p>�Du sagst es.�</p><p>�Aber wie �?�Dann fiel ihr die Landkarte ein, die sie gesehen hatte, und sie durchsuchte die Sachen auf Tims Schreibtisch.�Moment�, sagte sie,�Moment. �Dann fand sie sie. Doch sie sah sofort, dass die Karte ihnen nichts n�tzen w�rde, denn es handelte sich um einen vergr��erten Ausschnitt aus einem Stadtplan, und wenn Freddie die Stra�ennamen nicht zuf�llig bekannt vorkamen, w�rden sie im Internet einen Stra�enatlas suchen und irgendwie versuchen m�ssen herauszufinden, um welche Stadt es sich handelte.</p><p>�Ach Gott, Freddie, das sind nur ein paar Stra�en�, jammerte sie und zeigte ihm den Ausdruck.�Was machen wir jetzt blo�? Wir m�ssen ihn finden!�</p><p>Freddie warf einen Blick auf die Karte, faltete sie zusammen und schaltete den Laptop aus.�Los, fahren wir�, sagte er.</p><p>�Aber wohin denn?�, fragte Manette.�Wei�t du etwa, wo das ist?�Gott, dachte sie, wieso hatte sie sich von dem Mann scheiden lassen?</p><p>�Nein�, antwortete er,�aber ich glaube, ich wei�, wer es mir sagen kann.�</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Lynley hatte die Strecke in k�rzester Zeit zur�ckgelegt. Der Healey Elliott war urspr�nglich als Rennwagen konstruiert worden, und trotz seines hohen Alters entt�uschte er Lynley nicht. Nach knapp einer Stunde fuhr er von der Autobahn ab. Inzwischen war es sehr diesig geworden, und er musste �u�erst vorsichtig fahren.</p><p>Die Stra�e, die �ber Milnthorpe nach Arnside f�hrte, war eng und kurvenreich, es gab nur wenige Haltebuchten, in die langsame Fahrer abbiegen konnten, um ihn vorbeizulassen, und an dem Tag schienen s�mtliche Bauern Cumbrias mit ihrem Traktor unterwegs zu sein.</p><p>Lynley hatte das Gef�hl, sich beeilen zu m�ssen. Der Himmel wusste, was Deborah vorhatte, und sie war dickk�pfig genug, um irgendetwas Verr�cktes zu unternehmen, was sie in Gefahr brachte. Dass Simon ihr immer noch nicht den Hals umgedreht hatte, grenzte an ein Wunder, dachte Lynley grimmig.</p><p>Auf halber Strecke zwischen Milnthorpe und Arnside sah er die Nebelbank, die sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit �ber die Bucht schob, als w�rde sie von unsichtbaren Pferden gezogen.</p><p>In Arnside verlangsamte er sein Tempo. Er war noch nie bei den Faircloughs gewesen, aber von Deborahs Beschreibung her wusste er, wo ihr Anwesen lag. Er fuhr an einem Pier vorbei, der in das leere Bett des River Kent hineinragte, und bremste, um eine Frau die Stra�e �berqueren zu lassen, die einen Kinderwagen schob und an deren Hose sich ein Kleinkind festhielt, das dick gegen die K�lte eingepackt war. W�hrend er wartete � wenn man in Eile war, schien sich immer alles gegen einen zu verschw�ren �, las er die Warnhinweisschilder: <emphasis>Achtung, schnell steigende Flut! Achtung, Treibsand! Gefahr! Vorsicht!</emphasis> Warum in aller Welt, fragte er sich, zogen Leute an einem Ort Kinder gro�, wo ein falscher Schritt gen�gte, um in einen nassen Tod gerissen zu werden?</p><p>Endlich ging es weiter. Er fuhr durch das Dorf und �ber die von viktorianischen Villen ges�umte Promenade, bis er die Einfahrt zu Arnside House erreichte. Das Haus, das von einem weitl�ufigen Rasen umgeben war, bot eine fantastische Aussicht, die allerdings heute durch den immer dichter werdenden Nebel behindert wurde.</p><p>Es sah verlassen aus. Nirgendwo im Haus brannte Licht, obwohl es so ein d�sterer Tag war. Lynley wusste nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war. Dass kein Auto vor der T�r stand, lie� zumindest hoffen, dass Deborah sich nicht in eine dumme Situation gebracht hatte.</p><p>Er hielt auf dem mit Kies bedeckten Vorplatz. Als er ausstieg, stellte er fest, dass sich die Luft w�hrend der wenigen Stunden, die er fort gewesen war, ver�ndert hatte. Sie war derart feucht, dass er das Gef�hl hatte, Kiemen zum Atmen zu brauchen.</p><p>Er klingelte, obwohl er nicht damit rechnete, dass jemand �ffnen w�rde. Doch dann h�rte er drinnen Schritte auf dem Fliesenboden, und im n�chsten Augenblick ging die T�r auf. Dann stand die sch�nste Frau vor ihm, die er je gesehen hatte.</p><p>Es traf ihn wie ein Schock: die dunkle Haut, die �ppigen Locken, aus dem Gesicht gehalten mit Perlmuttk�mmen, die gro�en, dunklen Augen, der sinnliche Mund, die femininen Kurven. Nur ihre H�nde verrieten sie, und das auch nur durch ihre Gr��e.</p><p>Er konnte sich gut vorstellen, wie Alatea und Nicholas Fairclough es geschafft hatten, allen in ihrer Umgebung etwas vorzumachen. Wenn Barbara Havers ihm nicht geschworen h�tte, dass es sich bei dieser Frau um Santiago Vasquez del Torres handelte, Lynley h�tte es nicht geglaubt. Eigentlich konnte er es immer noch nicht glauben. Deswegen w�hlte er seine Worte mit Bedacht.</p><p>�Mrs. Fairclough?�, sagte er. Als sie nickte, zeigte er ihr seinen Dienstausweis.�DI Thomas Lynley, New Scotland Yard. Ich bin hier, um mit Ihnen �ber Santiago Vasquez del Torres zu sprechen.�</p><p>Sie erbleichte so schnell, dass Lynley f�rchtete, sie w�rde in Ohnmacht fallen. Sie trat einen Schritt von der T�r zur�ck.</p><p>�Santiago Vasquez del Torres�, wiederholte Lynley.�Der Name scheint Ihnen bekannt vorzukommen.�</p><p>Sie tastete hinter sich nach der Eichenbank, die an der holzget�felten Wand stand, und setzte sich kraftlos darauf.</p><p>Lynley trat ein und schloss die Haust�r. Durch vier kleine bleiverglaste Fenster mit einem Muster aus roten Tulpen und gr�nen Bl�ttern fiel weiches Licht auf die Frau, die v�llig in sich zusammengesunken war.</p><p>Lynley war sich immer noch nicht ganz sicher, wie verl�sslich seine Informationen waren, doch er entschloss sich, einen Frontalangriff zu wagen.�Wir m�ssen miteinander reden. Ich habe Grund zu der Annahme, dass Sie Santiago Vasquez del Torres aus Santa Mar�a de la Cruz, de los �ngeles y de los Santos in Argentinien sind.�</p><p>�Bitte, nennen Sie mich nicht so.�</p><p>�Ist das Ihr wahrer Name?�</p><p>�Nicht mehr, seit ich in Mexiko war.�</p><p>�Bei Raul Montenegro?�</p><p>Sie richtete sich auf.�Hat er sie geschickt? Ist er hier?�</p><p>�Mich hat niemand geschickt.�</p><p>�Das glaube ich Ihnen nicht. �Sie stand auf, eilte an ihm vorbei und w�re beinahe �ber die Schwelle an der T�r gestolpert, die in einen langen, dunklen, eichenget�felten Flur f�hrte.</p><p>Lynley folgte ihr. Sie �ffnete eine doppelfl�gelige T�r mit bleiverglasten Fenstern mit einem Muster aus Lilien und Farnwedeln und betrat einen gro�en Raum, der etwa zur H�lfte restauriert war. Alatea verkroch sich in der Kaminecke, wo sie sich mit angezogenen Knien auf eine Bank setzte.</p><p>�Bitte, gehen Sie�, sagte sie, mehr zu sich selbst als zu Lynley.�Bitte, lassen Sie mich in Frieden.�</p><p>�Ich f�rchte, das geht nicht.�</p><p>�Sie m�ssen gehen. Verstehen Sie das nicht? Niemand hier wei� Bescheid. Sie m�ssen sofort gehen.�</p><p>Lynley konnte sich nicht vorstellen, dass kein Mensch Bescheid wusste. Ja, es schien ihm mehr als unwahrscheinlich.�Ich vermute, dass Ian Cresswell Bescheid wusste�, sagte er.</p><p>Sie hob den Kopf.�Ian?�, fragte sie verdattert.�Unm�glich. Woher soll er davon gewusst haben?�</p><p>�Als Homosexueller, der sich noch nicht geoutet hatte, f�hrte er ein Doppelleben. Er wird mit Menschen wie Ihnen in Kontakt gekommen sein. Es wird ihm leichter gefallen sein als anderen ��</p><p>�Halten Sie mich etwa f�r einen Homosexuellen?�, fragte sie.�F�r einen Transvestiten?�Dann schien ihr einiges zu d�mmern.�Sie glauben, ich h�tte Ian umgebracht, nicht wahr? Weil � Weil er etwas herausgefunden hatte? Weil er mir gedroht hat, er w�rde mich verraten, wenn � wenn was? Wenn ich ihm kein Geld gab? Was ich nat�rlich nicht hatte? O Gott, ich w�nschte, es w�re so gewesen.�</p><p>Lynley begriff �berhaupt nichts mehr.</p><p>�Ian wusste nichts�, sagte sie.�Niemand hier wei� etwas.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen, dass auch Nicholas nichts wei�?�Lynley sah sie ungl�ubig an. Er versuchte, sich einen Reim auf das zu machen, was sie ihm zu sagen versuchte, aber das bedeutete, ein Territorium zu betreten, das ihm g�nzlich unbekannt war. Er kam sich vor wie ein Blinder, der in einem Raum voller unf�rmiger M�bel nach einer Geheimt�r tastete.�Falls ja, verstehe ich nicht, was Sie meinen. Wie kann es sein, dass er nichts wei�?�</p><p>�Ich habe es ihm nie gesagt.�</p><p>�Aber er hat schlie�lich Augen im Kopf ��Und dann begriff Lynley. Wenn sie Nicholas Fairclough nie von Santiago Vasquez del Torres erz�hlt hatte und wenn Nicholas Faircloughs Augen es ihm nie enth�llt hatten � dann konnte das nur eins bedeuten.</p><p>�Ja�, sagte sie. Offenbar hatte sie seine Gedanken gelesen.�Nur meine Eltern und meine Br�der in Argentinien wissen davon. Und eine Kusine, Elena Mar�a. Elena Mar�a hat von Anfang an Bescheid gewusst. Schon als wir noch Kinder waren. �Sie schob sich eine Str�hne aus dem Gesicht, eine typisch weibliche Geste, was Lynley in Verlegenheit brachte, wie sie es vielleicht beabsichtigt hatte.�Mar�a und ich haben zusammen mit Puppen gespielt, und als wir gr��er wurden, hat sie mir ihre Kleider geliehen und mich ihr Schminkzeug benutzen lassen. �Alatea schaute aus dem Fenster, dann wandte sie sich Lynley wieder zu und sagte ernst:�K�nnen Sie sich das vorstellen? Es war f�r mich eine M�glichkeit, ich selbst zu sein. Es war die <emphasis>einzige</emphasis> M�glichkeit f�r mich, ich selbst zu sein, und das hat Mar�a verstanden. Ich wei� nicht wie und warum, aber sie hat es wirklich verstanden. Sie hat als Erste gewusst, wer und was ich bin.�</p><p>�Eine Frau�, sagte Lynley.�Gefangen in einem M�nnerk�rper. Aber trotzdem eine Frau.�</p><p>�Ja.�</p><p>Lynley brauchte einen Augenblick, um das zu verdauen. Er sah, dass sie ihn beobachtete. Und er sah, dass sie auf seine Reaktion wartete, dass sie sich vielleicht wappnete f�r den Fall, dass die Reaktion negativ ausfiel. Sie war einer von f�nf Br�dern gewesen, in einer Welt, in der ein Mann zu sein bedeutete, dass man Privilegien genoss, die Frauen sich erst m�hsam erk�mpfen mussten. Ihr musste klar sein, dass kaum ein Mann verstehen w�rde, warum ein Mann in einer solchen Welt den Wunsch haben k�nnte, sein angeborenes Geschlecht abzulegen. Doch genau das hatte sie offenbar getan.</p><p>�Selbst als ich noch Santiago hie�, war ich eine Frau. Ich besa� zwar einen m�nnlichen K�rper, aber ich war kein Mann. Ein solches Leben zu f�hren � nirgendwo hinzugeh�ren � in einem falschen K�rper gefangen zu sein � einem K�rper, den man verabscheut und unbedingt loswerden will, um sein zu k�nnen, wer man ist ��</p><p>�Also sind Sie eine Frau geworden�, sagte Lynley.</p><p>�Ich habe eine Geschlechtsumwandlung machen lassen�, sagte sie.�Ich bin aus Santa Mar�a weggegangen, weil ich als Frau leben wollte und das dort nicht m�glich war. Wegen meines Vaters, wegen seiner gesellschaftlichen Position, wegen der Familie. Es gab viele Gr�nde. Und dann kam Raul. Er hatte das Geld, das ich brauchte, um eine Frau zu werden, und er hatte auch seine eigenen Bed�rfnisse. Also haben wir einen Deal gemacht, er und ich. Niemand anders war daran beteiligt, und niemand anders wusste davon. �Sie schaute ihn an. Lynley hatte im Lauf der Jahre die Gesichter von verzweifelten, ausgekochten oder durchtriebenen Menschen gesehen, wenn sie versuchten, der Wahrheit auszuweichen. Sie glaubten alle, sie k�nnten sich verstellen, aber das gelang nur den Soziopathen. Denn in Wirklichkeit waren die Augen tats�chlich Fenster, durch die man in die Seele sehen konnte, und nur Soziopathen hatten keine Seele.</p><p>Lynley ging in die Kaminecke und setzte sich auf die Bank gegen�ber von Alatea. Er sagte:�Ian Cresswells Tod ��</p><p>�Damit habe ich nichts zu tun�, fiel sie ihm ins Wort.�Wenn ich jemanden umbringen w�rde, dann w�re das Raul Montenegro. Aber ich will ihn nicht umbringen. Das wollte ich nie. Ich wollte nur vor ihm fl�chten. Allerdings nicht, weil er damit gedroht hatte, mein Geheimnis zu verraten. Das h�tte er nie getan, denn er brauchte eine Frau an seiner Seite. Keine echte Frau, wissen Sie, sondern einen Mann, der als Frau durchging. Schlie�lich war er sehr um seinen Ruf besorgt. Was er nicht verstanden hat und was ich ihm auch nicht erkl�rt habe, ist, dass ich mich als Frau f�hlte. Mir fehlte nur noch die Operation.�</p><p>�F�r die er bezahlt hat?�</p><p>�Im Austausch, so dachte er, f�r die perfekte Beziehung zwischen zwei M�nnern, von denen einer so aussieht wie eine Frau.�</p><p>�Eine homosexuelle Beziehung.�</p><p>�In gewisser Weise ja. Was nat�rlich unm�glich ist, wenn nicht beide Partner demselben Geschlecht angeh�ren. Unser Problem � mein Problem � war, dass wir nicht wirklich verstanden haben, was wir voneinander wollten, bevor wir uns in dieses � Abenteuer begaben. Oder vielleicht habe ich absichtlich alles missverstanden, was er von mir wollte, weil ich verzweifelt war und er meine einzige Hoffnung darstellte.�</p><p>�Und warum glauben Sie, dass er jetzt hinter Ihnen her ist?�</p><p>�W�ren Sie das nicht, Thomas Lynley?�, fragte sie ohne Ironie oder �berheblichkeit.�Der Mann hat immerhin sehr viel Geld ausgegeben, um mich zu dem zu machen, was ich heute bin, und er hat f�r seine Investition sehr wenig zur�ckbekommen.�</p><p>�Was wei� Nicholas?�</p><p>�Nichts.�</p><p>�Wie ist das m�glich?�</p><p>�Meine letzte Operation war vor Jahren in Mexiko. Als mir klar wurde, dass ich f�r Raul nicht sein konnte, was er von mir erwartete, habe ich ihn verlassen. Ich bin aus Mexiko weggegangen. Ich habe an vielen Orten gelebt, nirgendwo lange. Irgendwann landete ich in Utah. Und da habe ich Nicky kennengelernt.�</p><p>�Aber Sie m�ssen ihm doch gesagt haben, dass ��</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil ��Das war doch klar, dachte Lynley. Bestimmte Dinge w�rden biologisch nicht m�glich sein.</p><p>�Ich dachte, es k�nnte immer so weitergehen, ohne dass Nicky je die Wahrheit erfahren m�sste. Aber dann wollte er unbedingt nach England zur�ckkehren und sich seinem Vater gegen�ber beweisen. Und er sah nur eine M�glichkeit, das zu bewerkstelligen, nur eine M�glichkeit, seinen Vater gl�cklich und zufrieden zu machen. Wir w�rden tun, was keine seiner Schwestern getan hatte, wir w�rden ihm ein Enkelkind schenken und damit alles wiedergutmachen, was Nicky seinen Eltern in all den Jahren zuvor angetan hat.�</p><p>�Das hei�t also, dass Sie ihm jetzt reinen Wein einschenken m�ssen.�</p><p>Alatea sch�ttelte den Kopf.�Wie kann ich ihm einen solchen Verrat gestehen? K�nnten Sie das?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Ich kann ihn lieben. Ich kann seine Geliebte sein. Ich kann ihm ein Zuhause schaffen und alles f�r ihn tun, was ein Mann sich nur von einer Frau w�nschen kann. Nur das eine nicht. Wenn ich mich von einem Arzt untersuchen lasse, findet er heraus, warum ich immer noch nicht schwanger bin � Ich habe Nicky von Anfang an belogen, weil ich es gew�hnt war zu l�gen, weil wir das alle tun, weil wir das tun m�ssen, um in der Welt zu bestehen. Der einzige Unterschied zwischen mir und all den anderen, die die �Transition� vom Mann zur Frau durchgef�hrt haben, besteht darin, dass ich es vor dem Mann, den ich liebe, geheim gehalten habe, weil ich f�rchtete, dass er mich nicht heiraten w�rde, wenn er die Wahrheit w�sste. Weil ich Angst hatte, dass er mich dann nicht an einen Ort mitnehmen w�rde, wo ich vor Raul Montenegro in Sicherheit w�re. Das ist meine S�nde.�</p><p>�Sie wissen, dass Sie es ihm sagen m�ssen.�</p><p>�Ja, irgendetwas werde ich unternehmen m�ssen�, antwortete sie.</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Er nahm gerade seine Autoschl�ssel aus der Tasche, als Deborah vorfuhr. Sie hielt neben dem Healey Elliott, stieg aus und schaute ihn an. Zumindest, dachte er, besa� sie den Anstand, reuig zu wirken.</p><p>�Tut mir leid, Tommy�, sagte sie.</p><p>�Hm�, erwiderte er.�Na ja.�</p><p>�Hast du die ganze Zeit auf mich gewartet?�</p><p>�Nein. Ich war schon auf dem Weg nach London, ungef�hr eine Stunde von hier. Barbara hat mich auf dem Handy angerufen. Es gab noch ein paar ungekl�rte Fragen. Deshalb bin ich zur�ckgekommen.�</p><p>�Was f�r Fragen?�</p><p>�Wie sich herausgestellt hat, keine, die etwas mit Ian Cresswells Tod zu tun haben. Wo warst du? Bist du noch mal nach Lancaster gefahren?�</p><p>�Du kennst mich zu gut.�</p><p>�Ja. Und das wird immer so bleiben, nicht wahr?�Er schaute zur Bucht hinunter. Die Nebelbank hatte die Ufermauer erreicht, w�lzte sich dar�ber und breitete sich bereits �ber den Rasen aus. Er musste sofort losfahren, wenn er die Autobahn erreichen wollte, ehe der Nebel undurchdringlich wurde. Andererseits w�rde der Nebel das Autofahren in ganz Cumbria gef�hrlich machen, und er sagte sich, dass er sich nicht guten Gewissens ohne Deborah auf den Weg machen konnte.</p><p>�Ich musste noch einmal mit Lucy Keverne sprechen, aber ich wusste, dass du es mir nicht erlauben w�rdest�, sagte Deborah.</p><p>Lynley hob eine Braue.�Ich habe dir �berhaupt nichts zu �erlauben�. Du bist ein freier Mensch, Deborah. Ich habe dir am Telefon gesagt, dass ich mir lediglich deine Gesellschaft auf der langen Fahrt gew�nscht h�tte.�</p><p>Sie lie� den Kopf h�ngen. Ihre pr�chtiges rotes Haar fiel �ber ihre Schultern nach vorne, und er sah, dass die feuchte Luft bereits dabei war, ihr Werk zu tun. Str�hne um Str�hne kringelte sich zu L�ckchen, als f�hrten sie ein Eigenleben. Medusa, dachte er. Diese Wirkung hatte sie immer schon auf ihn gehabt.</p><p>�Ich hatte �brigens recht�, sagte sie.�Ich meine damit, dass mehr hinter der Sache steckt, als Lucy Keverne mir anfangs gesagt hat. Aber ich glaube nicht, dass es ausreicht f�r ein Mordmotiv.�</p><p>�Und was hast du in Erfahrung gebracht?�</p><p>�Dass Alatea Lucy daf�r bezahlen will, dass sie ein Kind f�r sie austr�gt, also dass sie ihr nicht nur die Unkosten erstatten, sondern wesentlich mehr geben will. Die Geschichte ist also gar nicht so sensationell, wie ich dachte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand wegen so etwas einen Mord begehen w�rde.�</p><p>Daraus schloss Lynley, dass Lucy Keverne � wer auch immer sie sein mochte � entweder nicht die ganze Wahrheit �ber Alatea Fairclough wusste oder dass sie Deborah nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte. Denn die wirkliche Geschichte war mehr als sensationell. Sie enthielt die drei Faktoren, die alles menschliche Verhalten bestimmten � Sex, Macht und Geld �, und jeder, der sie kannte, w�rde in Versuchung geraten, alles aus ihr herauszuholen, was sie zu bieten hatte. Aber Mord? Wahrscheinlich lag Deborah mit ihrer Einsch�tzung richtig. Das Einzige, was als Mordmotiv in Frage kam, war ein Detail, von dem Lucy Keverne nichts wusste, wenn man Alatea Fairclough glauben konnte. Und Lynley glaubte ihr.</p><p>�Und jetzt?�, fragte er Deborah.</p><p>�Ich bin hergekommen, um mich bei Alatea zu entschuldigen. Ich habe ihr tagelang die H�lle hei�gemacht, und ich f�rchte, ich habe ihre Pl�ne mit Lucy vereitelt. Das war nicht meine Absicht, aber dieser f�rchterliche Journalist ist in unser Gespr�ch geplatzt und hat Lucy erz�hlt, ich sei eine Polizistin von Scotland Yard, die nach Cumbria geschickt wurde, um die Umst�nde von Ian Cresswells Tod aufzukl�ren ��Sie seufzte, sch�ttelte ihr Haar nach hinten und schob sich eine Str�hne aus dem Gesicht, genau wie Alatea.�Ich glaube, ich habe Lucy Keverne Angst eingejagt, so dass sie sich jetzt nicht mehr traut, f�r Alatea ein Kind auszutragen. Ich habe Alatea schreckliches Unrecht angetan. Jetzt muss sie wieder ganz von vorne anfangen und sich eine neue Leihmutter suchen. Ich dachte � Na ja, wir haben doch etwas gemeinsam, sie und ich, nicht wahr? Wenigstens das m�chte ich ihr gern sagen. Und sie um Verzeihung bitten. Und ihr sagen, wer ich wirklich bin.�</p><p>Sie meinte es gut, dachte Lynley, doch er fragte sich, ob sie es Alatea damit nicht noch schwerer machen w�rde. Andererseits kannte Deborah nicht die ganze Wahrheit, und von ihm w�rde sie sie nicht erfahren. Dazu bestand keine Notwendigkeit. Seine Arbeit hier in Cumbria war erledigt, Ian Cresswell war tot, und wer Alatea Fairclough war und was sie ihrem Mann anvertraute oder nicht, ging nur den lieben Gott etwas an.</p><p>�Wartest du auf mich?�, fragte Deborah.�Ich brauche nicht lange. Wir k�nnten uns im Hotel treffen.�</p><p>Er �berlegte. Es schien die beste L�sung zu sein.�Aber falls du es dir anders �berlegst�, sagte er,�gib mir diesmal Bescheid, okay?�</p><p>�Versprochen�, sagte sie.�Aber ich werde es mir nicht anders �berlegen.�</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Zed fuhr nicht zur�ck zu seiner Pension in Windermere. Das h�tte ihn viel zu lange aufgehalten bei dem, was ihm noch in seinem Hinterst�bchen herumgeisterte. Und er hatte eine brandhei�e Geschichte, die er so schnell wie m�glich schreiben musste, damit er die Druckpressen noch rechtzeitig anhalten konnte. Schon lange hatte er nicht mehr so unter Spannung gestanden wie jetzt.</p><p>Nick Fairclough hatte versucht, alles vor ihm zu verbergen, aber das war ihm so gut gelungen wie einem dicken Mann, der versuchte, sich hinter einem Laternenmast zu verstecken. Der arme Mann hatte nicht das Geringste von dem geahnt, was seine Frau mit Lucy Keverne ausgeheckt hatte. Zed vermutete, dass die beiden Frauen Nick erst hatten einweihen wollen, wenn Lucy die halbe Schwangerschaft schon hinter sich hatte und es zu sp�t war f�r eine Abtreibung. So genau wusste Zed nicht, wie die Sache ablaufen sollte, da Nick sich dar�ber ausschwieg, wie das mit seinem Sperma geplant war oder ob Alatea sich bereits welches besorgt hatte, aber das war auch alles nicht so wichtig. So wie Zed das sah, hatte er es mit einem Ehemann zu tun, der von zwei Frauen reingelegt worden war, und zwar aus irgendeinem �u�erst interessanten Grund, der garantiert ans Tageslicht kommen w�rde, sobald der erste Teil der Geschichte auf der Titelseite der <emphasis>Source</emphasis> erschien. Normalerweise dauerte es danach nicht l�nger als vierundzwanzig Stunden, bis die �blichen Verd�chtigen aus ihren Verstecken gekrochen kamen und ausplauderten, was sie wussten, und sp�testens dann w�rde Zed alles �ber Nick, Lucy und Alatea erfahren. Man sollte nicht zu viele Metaphern miteinander vermischen, dachte Zed, aber bei dieser Art von Journalismus war es einfach so, dass eine Story auf die n�chste folgte wie der Tag auf die Nacht und die Nacht auf den Tag. Zuerst musste er jedoch die Story, soweit er sie bisher hatte, auf die erste Seite der <emphasis>Source</emphasis> bringen. Und was f�r eine saftige Story das war: Scotland Yard ermittelte in Cumbria in einem Mordfall und stolperte dabei zuf�llig auf die perfide Verschw�rung zwischen einer heuchlerischen Ehefrau und einer hinterlistigen St�ckeschreiberin, die bereit war, ihren Unterleib wie ein billiges Zimmer zu vermieten. Wahrscheinlich konnte man auch noch Anspielungen auf Prostitution unterbringen, dachte Zed. Denn wenn Lucy Keverne einen Teil ihres K�rpers gegen Geld zur Verf�gung stellte, war es doch naheliegend, dass sie dasselbe auch mit anderen K�rperteilen tat.</p><p>Da Zed auf seinem Weg sowieso am Crow &amp; Eagle vorbeikam, fuhr er kurz auf den Parkplatz. Das Hotel verf�gte bestimmt �ber einen Internetanschluss, denn das brauchte heutzutage jedes Hotel, um im Gesch�ft zu bleiben.</p><p>Er hatte keinen Laptop dabei, aber das spielte keine Rolle. Er w�rde einfach ein paar Scheinchen �ber den Rezeptionstresen schieben, und schon w�rde man ihn den Computer des Hotels benutzen lassen. Um diese Jahreszeit mussten garantiert nicht viele Anfragen von Touristen bearbeitet werden. Mehr als zwanzig Minuten w�rde er nicht brauchen. Nachdem Rod den Entwurf gelesen hatte, w�rde Zed sich an die Feinarbeit machen.</p><p>Zed schnappte sich seine Notizen und stieg aus. Im Hotel trat er an die Rezeption, z�ckte seine Brieftasche und z�hlte hundert Pfund ab. Die w�rde er sp�ter als Spesen abrechnen, sagte er sich.</p><p>Er beugte sich vor und legte die Geldscheine auf die Tastatur des Computers, vor dem eine junge Frau sa�. Der Bildschirm war an, aber die junge Frau telefonierte gerade mit einem Kunden, der sich anscheinend �ber die Gr��e und Beschaffenheit jedes einzelnen Zimmers im Hotel erkundigte. Sie schaute erst Zed an, dann das Geld, dann wieder Zed. Sie sagte� Einen Augenblick bitte �zu ihrem Gespr�chspartner, dr�ckte sich den Telefonh�rer an die knochige Schulter und wartete auf eine Erkl�rung.</p><p>Zed legte ihr sein Anliegen dar, und sie brauchte nicht lange, um sich zu entscheiden. Sie beendete ihr Telefongespr�ch, steckte das Geld ein und sagte:�Wenn das Telefon klingelt, beachten Sie�s einfach nicht � der AB ist an. Sie werden mich doch nicht verpfeifen?�</p><p>�Sie sind nach oben gegangen, um f�r mich nach einem Zimmer zu sehen�, beruhigte er sie.�Ich habe gerade eingecheckt, und Sie lassen mich in der Zwischenzeit Ihren Computer benutzen, damit ich meine Mails abrufen kann. Zwanzig Minuten?�</p><p>Sie nickte. Dann flitzte sie die Treppe hoch. Erst als sie im ersten Stock verschwunden war, begann er zu schreiben.</p><p>Die Story f�hrte in alle m�glichen Richtungen. Ihre Einzelteile waren wie die Nebenfl�sse des Amazonas, Zed brauchte nur jeden einzelnen hinaufzupaddeln. Und er legte los.</p><p>Als Erstes nahm er sich den Scotland-Yard-Einsatz vor und ging auf die Ironie ein, die darin lag, dass eine Polizistin nach Cumbria geschickt worden war, um die Umst�nde von Ian Cresswells Tod aufzukl�ren, und dabei auf eine illegale Vereinbarung zur Leihmutterschaft stie�, die � darauf w�rde er wetten � zu einem ganzen Ring von illegalen Leihm�ttern f�hrte, der von der Verzweiflung kinderloser Paare profitierte. Dann ging er auf den k�nstlerischen Blickwinkel ein: die mittellose Dramatikerin, die um der Kunst willen bereit war, ihren K�rper zu verkaufen. Weiter ging es mit den Themen Betrug und Verrat, und er war gerade dabei zu beschreiben, wie infam Alatea Fairclough und Lucy Keverne Nicholas Fairclough hintergangen hatten, als sein Handy klingelte.</p><p>Yaffa! dachte er. Er musste ihr unbedingt erz�hlen, dass alles in bester Ordnung war. Wahrscheinlich machte sie sich schon Sorgen. Bestimmt rief sie an, um ihn aufzumuntern. Er konnte es gar nicht erwarten, ihr von seinem bevorstehenden Triumph zu berichten.</p><p>�Hallo Schatz�, sagte er,�ich hab�s geschafft! Die Story ist hei�!�</p><p>�Ich wusste gar nicht, dass wir beide uns so nahe stehen�, bemerkte Rodney Aronson trocken.�Wo zum Teufel stecken Sie �berhaupt? Warum sind Sie noch nicht zur�ck in London?�</p><p>Zed h�rte auf zu tippen.�Ich bin noch nicht in London�, sagte er,�weil ich die Story habe. Und zwar die ganze Story. Von A bis Z. Halten Sie mir die erste Seite frei, denn das wird der Hammer.�</p><p>�Um was geht�s denn?�, fragte Rodney. Er klang eher skeptisch.</p><p>Zed fasste die Geschichte kurz zusammen: die illegale Leihmutterschaft, die hungerleidende K�nstlerin, der ahnungslose Ehemann. Die Pointe hob er sich f�r den Schluss auf: der Journalist, der Hand in Hand mit Scotland Yard zusammenarbeitet.</p><p>�Die Polizistin und ich haben die Frau in Lancaster dingfest gemacht�, verk�ndete Zed.�Und nachdem sie uns erst einmal ins Netz gegangen war ��</p><p>�Moment�, unterbrach ihn Rodney.�Sagten Sie Polizistin?�</p><p>�Genau. Detective Cotter von Scotland Yard. Detective Sergeant. Sie ermittelt im Fall Ian Cresswell. In dem Zusammenhang hat sie Nick Fairclough und seine Frau vernommen, und dabei ist sie auf Dynamit gesto�en � na ja, kein Dynamit f�r sie, aber f�r mich.�</p><p>Rodney sagte nichts. Zed wartete auf ein Lob von seinem Chef, aber es kam nichts. Er dachte schon, Aronson h�tte aufgelegt.�Rod?�, sagte er.�Sind Sie noch da?�</p><p>Schlie�lich sagte Rodney:�Sie sind ein verdammter Versager, Zedekiah. Das wissen Sie doch, oder? Ein Versager allererster G�te.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Es gibt keinen Detective Cotter, Sie Idiot.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Detective Inspector Lynley ist in Cumbria, der Typ, dessen Frau letzten Winter von einem Zw�lfj�hrigen abgeknallt wurde. Schon mal von geh�rt? Die Story war zwei Wochen lang in den Schlagzeilen. �Er lie� Zed gar nicht zu Wort kommen.�Gott, Sie sind doch wirklich zu nichts zu gebrauchen. Machen Sie, dass Sie zur�ck nach London kommen. Holen Sie sich Ihren Lohn ab. Ihre Zeit bei der <emphasis>Source</emphasis> ist abgelaufen.�</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Alatea sah sie in der Einfahrt stehen. Die K�rpersprache der beiden sagte ihr alles. Das war kein Gespr�ch zwischen Fremden, die sich zuf�llig �ber den Weg gelaufen waren. Sie waren Kollegen oder gar Freunde. Sie tauschten Informationen aus. Das sah sie daran, wie die Frau den Kopf schief legte und das Haus betrachtete, w�hrend sie etwas dar�ber sagte. Oder �ber jemanden, der in dem Haus wohnte. Wahrscheinlich �ber sie. �ber ihre Vergangenheit und �ber das, was die Zukunft f�r sie bereithielt.</p><p>Alatea blieb nicht l�nger am Fenster stehen. Mehr brauchte sie nicht zu sehen. Ihre Welt brach zusammen wie ein Kartenhaus. Sie h�tte die Flucht ergriffen, wenn es einen Ort g�be, an den sie fl�chten k�nnte, aber ihre M�glichkeiten waren sehr begrenzt, und deswegen zwang sie sich, sich zu beruhigen und nachzudenken.</p><p>Die Frau wollte Klarheit �ber Alateas Identit�t, und der Detective w�rde sie ihr geben, schlie�lich wusste er Bescheid, und zwar dank Alatea selbst, die alles h�tte abstreiten k�nnen, die alles h�tte abstreiten m�ssen, die sich aber hatte �berrumpeln lassen. So viel war klar, denn was sonst h�tten die beiden miteinander zu bereden? Die einzigen Fragen, die vielleicht noch blieben, waren die, die nur Alatea selbst stellen konnte. Hatte die Frau, die da drau�en mit dem Detective sprach, bereits Fotos von Alatea an Raul Montenegro geschickt? Und wenn nicht, w�re sie offen f�r Bestechung? Wenn ja, w�re Alatea gerettet. Nat�rlich nur vorerst. Aber mehr konnte sie auch nicht erwarten.</p><p>Sie rannte die Treppe hoch und lief ins Schlafzimmer. Dort zog sie eine Kassette unter dem Bett hervor, nahm den Schl�ssel dazu aus ihrem Nachttisch. Die Kassette enthielt Geld. Es war nicht viel, kein Verm�gen, nicht die Summe, die Raul hingebl�ttert hatte, um sie zu finden. Doch zusammen mit ihrem Schmuck w�rde es vielleicht reichen, um die Frau in Versuchung zu f�hren.</p><p>Sie war bereits wieder unten, als es wie erwartet an der T�r klopfte. Die Frau konnte nicht wissen, dass Alatea sie mit dem Detective hatte reden sehen. Das verschaffte Alatea zun�chst einen Vorteil, und sie war entschlossen, ihn zu nutzen.</p><p>Sie schloss die Augen, fl�sterte <emphasis>Dios m�o por favor</emphasis>, atmete tief durch und �ffnete die T�r.</p><p>Die rothaarige Frau sagte:�Mrs. Fairclough, ich bin Ihnen gegen�ber nicht ehrlich gewesen. Darf ich reinkommen, um es Ihnen zu erkl�ren?�</p><p>�Was wollen Sie von mir?�, erwiderte Alatea steif und f�rmlich.</p><p>�Ich habe Sie verfolgt und beobachtet�, sagte Deborah St. James.�Sie sollen wissen, dass ��</p><p>�Wie viel zahlt er Ihnen?�, fragte Alatea.</p><p>�Es geht nicht um Geld.�</p><p>�Es geht immer um Geld. Ich kann Ihnen nicht so viel zahlen, wie er Ihnen bietet, aber ich bitte Sie � Ich flehe Sie an ��Alatea nahm die Kassette, die sie zusammen mit ihrem Schmuck auf der Bank abgestellt hatte, und reichte Deborah beides.�Nehmen Sie das hier.�</p><p>Deborah wich einen Schritt zur�ck.�Ich will das nicht. Ich bin nur gekommen, um ��</p><p>�Sie m�ssen es nehmen. Und dann gehen Sie bitte. Sie kennen ihn nicht. Sie ahnen nicht, zu was M�nner wie er f�hig sind.�</p><p>Deborah musterte Alatea mit zusammengezogenen Brauen. Sie schien zu �berlegen. Alatea versuchte noch einmal, ihr die Kassette und den Schmuck zu geben.�Ich verstehe�, sagte Deborah.�Ich f�rchte nur, es ist bereits zu sp�t, Mrs. Fairclough. Manche Leute lassen sich nicht mehr aufhalten, und ich glaube, dieser Mann geh�rt dazu. Er hat so etwas Verzweifeltes an sich � Er hat es nicht direkt gesagt, aber ich glaube, dass f�r ihn eine Menge auf dem Spiel steht.�</p><p>�Das macht er Ihnen nur vor. So ist er nun mal. Es war schlau von ihm, eine Frau zu schicken. Wahrscheinlich denkt er, auf diese Weise k�nnte er mich in Sicherheit wiegen. Obwohl er nur eins im Sinn hat, n�mlich mich zu zerst�ren. Er hat die Macht dazu, und er wird es tun.�</p><p>�Aber es gibt keine Geschichte. Jedenfalls keine, die ein Sensationsblatt wie die <emphasis>Source</emphasis> drucken w�rde.�</p><p>�Und das soll mich beruhigen?�, fragte Alatea.�Was hat ein Artikel in der <emphasis>Source</emphasis> �berhaupt damit zu tun? Was hat das mit dem zu tun, womit er Sie beauftragt hat? Sie haben mich fotografiert, nicht wahr? Sie sind mir gefolgt und haben Fotos von mir gemacht, und mehr Beweise braucht er nicht.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was Sie meinen�, sagte Deborah.�Er braucht doch keine Beweise. Das brauchen diese Typen doch nie. Beweise bedeuten denen gar nichts. Die arbeiten hart an der Grenze der Legalit�t, und wenn sie die Grenze mal �berschreiten, haben sie eine ganze Armee von Anw�lten auf ihrer Seite, die sich um das Problem k�mmern.�</p><p>�Dann verkaufen Sie mir Ihre Fotos�, sagte Alatea.�Wenn er mich auf den Fotos sieht ��Sie zog ihren Ring mit dem gro�en Diamanten vom Finger. Sie nahm die Ohrringe mit den Smaragden ab, die Valerie ihr zur Hochzeit geschenkt hatte.�Hier, nehmen Sie das. Und geben Sie mir daf�r die Fotos.�</p><p>�Die Fotos sind wertlos. Ohne Text bedeuten sie �berhaupt nichts. Und �berhaupt, ich will Ihren Schmuck nicht und auch nicht Ihr Geld. Ich m�chte Sie nur um Verzeihung bitten f�r � na ja, eigentlich f�r alles, aber vor allem daf�r, dass ich Ihnen wom�glich alles verdorben habe. Wir sind uns sehr �hnlich, Sie und ich.�</p><p>Alatea sch�pfte Hoffnung. Dass die Frau sie um Verzeihung bat, bedeutete vielleicht, dass noch nicht alles verloren war.�Sie werden ihm also nichts sagen?�</p><p>Die Frau sah sie traurig an.�Ich f�rchte, er wei� schon Bescheid. Das ist es ja gerade. Deswegen bin ich hergekommen. Ich m�chte, dass Sie vorbereitet sind auf das, was auf Sie zukommt. Sie sollen wissen, dass es alles meine Schuld ist und dass es mir furchtbar leidtut. Ich habe versucht, ihm die Informationen vorzuenthalten, aber diese Leute sind gewieft, und seit er in Cumbria ist � Es tut mir so leid, Mrs. Fairclough.�</p><p>Alatea begriff, was das bedeutete, nicht nur f�r sie, sondern auch f�r Nicky und f�r ihr gemeinsames Leben.�Er ist <emphasis>hier</emphasis>�, fragte sie.�In Cumbria?�</p><p>�Ja, schon seit Tagen. Ich dachte, Sie w�ssten das. Hat er Sie nicht ��</p><p>�Wo ist er jetzt?�</p><p>�Ich glaube, in Windermere.�</p><p>Jetzt musste sie handeln. Und zwar schnell. Alatea verabschiedete sich von Deborah und ging nach oben. Sie warf die Kassette und den Schmuck aufs Bett. Holte einen kleinen Koffer aus dem Wandschrank am Ende des Flurs. Ihr blieb nicht viel Zeit, um die Sachen zusammenzupacken, die sie brauchte.</p><p>Als sie gerade die oberste Schublade der Kommode �ffnen wollte, die zwischen den beiden Fenstern stand, h�rte sie, wie vor dem Haus eine Autot�r zugeschlagen wurde. Sie schaute aus dem Fenster und sah, dass Nicky fr�her als erwartet nach Hause gekommen war. Ausgerechnet heute. Er unterhielt sich mit Deborah St. James und wirkte aufgebracht. Alatea h�rte, wie er Deborah anschrie, konnte jedoch nicht verstehen, was er sagte.</p><p>Aber das brauchte sie auch nicht. Es reichte zu sehen, dass die beiden miteinander redeten. Nickys Gesichtsausdruck sagte ihr, wor�ber sie sich unterhielten. An Flucht war nicht mehr zu denken. Ihr Auto konnte sie nicht nehmen, denn Nicky und Deborah standen in der Einfahrt. Sie konnte auch nicht zu Fu� zum Bahnhof von Arnside gehen, auch dazu m�sste sie das Haus durch die Haust�r verlassen, vor der Nicky und Deborah standen. Verzweifelt ging sie im Zimmer auf und ab. Dann wusste sie pl�tzlich, was sie zu tun hatte. Sie eilte auf die andere Seite des Hauses, die zum Garten hin gelegen war, und schaute aus dem Fenster. Sie w�rde �ber den Rasen laufen, der bis zur Ufermauer reichte. Und jenseits der Mauer lag die Bucht.</p><p>Es herrschte gerade Ebbe. Das bedeutete, sie konnte die Bucht zu Fu� �berqueren und so nach Grange-over-Sands gelangen. Das waren nur wenige Kilometer. Auch dort gab es einen Bahnhof.</p><p>Sie musste also nur ein paar Kilometer �berwinden. Dann w�rde sie frei sein.</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Tim hatte die Nacht am Seeufer unter einem Wohnwagen verbracht. Als er auf dem Weg vom Fotoladen bei der Feuerwehr von Windermere vorbeigekommen war, hatte er in einer offenen T�r einen Stapel nach Rauch stinkender Wolldecken entdeckt und davon eine geklaut. Jetzt brauchte er nur noch zu warten, bis Toy4You bereit war. Er jedenfalls war bereit. Bald, sagte er sich, w�rde er die L�sung f�r das Chaos haben, in dem er umherirrte, seit Kaveh Mehran in sein Leben getreten war.</p><p>Der Wohnwagen hatte ihm Schutz gegen den n�chtlichen Regen geboten, und mit der Decke, in die er sich gewickelt hatte, war auch die K�lte ertr�glich gewesen. Am Morgen war er dann wieder in die Stadt gegangen und hatte sich die ganze Zeit irgendwo herumgetrieben, und als er am Nachmittag ins Einkaufszentrum zur�ckkehrte, sah er genauso schlimm aus, wie er sich f�hlte, die Knochen taten ihm weh, und er stank wie ein Schwein.</p><p>Als Toy4You ihn erblickte, r�mpfte er die Nase, zeigte auf die Toilette und raunzte ihn an, er solle sich gef�lligst ein bisschen frisch machen. Anschlie�end dr�ckte er ihm drei Zwanzig-Pfund-Scheine in die Hand und sagte:�Geh los und kauf dir was Anst�ndiges zum Anziehen. Was hast du dir dabei gedacht? Wenn die anderen Darsteller dich so sehen, wollen sie nichts mit dir zu tun haben.�</p><p>�Wo ist das Problem?�, fragte Tim.�Wir werden doch sowieso nichts anhaben, oder?�</p><p>Toy4You sah ihn durchdringend an.�Und besorg dir auch was zu essen. Ich will nicht, dass du pl�tzlich mittendrin anf�ngst zu maulen, weil du Hunger hast.�</p><p>�Ich maule nicht.�</p><p>�Das sagen sie alle.�</p><p>�Du kannst mich mal�, sagte Tim, nahm das Geld aber trotzdem.</p><p>�So ist�s recht�, sagte Toy4You sarkastisch.�Ich sehe, wir haben uns verstanden.�</p><p>Tim zog los. Er stellte fest, dass er tats�chlich Hunger hatte. Eigentlich hatte er gedacht, dass er nie wieder etwas essen w�rde, doch als er wieder an der Feuerwehr vorbeikam und der Duft nach frischgebratenem Speck ihm entgegenwehte, �berkam ihn pl�tzlich ein unb�ndiger Hunger. Der Duft erinnerte ihn an seine fr�he Kindheit, an warme Br�tchen und R�hrei mit Speck. Sein Magen knurrte vernehmlich. Also gut, dachte er, dann w�rde er sich also etwas zu essen besorgen. Aber zuerst die Klamotten. Er kannte einen Oxfam-Laden im Zentrum, da w�rde er schon irgendeine Hose und einen Pullover finden. Auf keinen Fall w�rde er sich etwas Neues kaufen, das w�re reine Geldverschwendung. Ab morgen w�rde er sowieso keine Kleider mehr brauchen.</p><p>Bei Oxfam erstand er eine Cordhose. Sie war am Hintern etwas abgescheuert, doch sie passte, und das reichte ihm. Dazu kaufte er sich noch einen Rollkragenpullover, mehr brauchte er nicht, denn Schuhe, Socken und einen Anorak hatte er ja schon. Er hatte reichlich Geld �brig f�r eine Mahlzeit, aber er w�rde sich nur ein Sandwich kaufen, vielleicht noch eine T�te Chips und eine Dose Cola. Den Rest w�rde er in einen Umschlag stecken und Gracie schicken. Er w�rde ihr eine Karte schreiben und ihr raten, vor allem auf sich selbst aufzupassen, denn <emphasis>niemand anders</emphasis> w�rde sich um sie k�mmern, egal wie nett sie zu allen war. Dann w�rde er sie bitten, ihm das mit Bella zu verzeihen. Es tat ihm immer noch furchtbar leid, dass er die Puppe zerrissen hatte, und er konnte nur hoffen, dass die Frau in der Elektrowerkstatt sie wieder hinbekam.</p><p>Komisch, dachte Tim, als er in seinen neuen Sachen auf die Stra�e trat, es ging ihm schon viel besser. Er hatte eine Entscheidung getroffen und f�hlte sich erleichtert. Unglaublich, wie lange er sich hundeelend gef�hlt hatte, dabei h�tte er nichts weiter zu tun brauchen, als eine Entscheidung zu f�llen.</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Auf der Polizeistation in Windermere mussten Manette und Freddie fast eine halbe Stunde warten. Sie hatten Tims Laptop mitgenommen und auch den Kartenausschnitt, den der Junge ausgedruckt hatte. Eigentlich hatten sie damit gerechnet, dass der Hinweis auf einen Kinderporno-Ring irgendjemandem Feuer unterm Hintern machen w�rde, aber das war nicht der Fall gewesen. Man hatte sie Platz nehmen lassen wie im Wartezimmer eines Arztes, und mit jeder Minute, die verstrich, wurde Manette nerv�ser.</p><p>�Es wird alles gut�, murmelte Freddie mehr als einmal. Er hielt ihre Hand und streichelte sie immer wieder, so wie er es zu Anfang ihrer Beziehung getan hatte.�Wir kriegen das schon hin.�</p><p>�Fragt sich nur, was <emphasis>das</emphasis> ist�, sagte Manette.�Wom�glich ist es schon l�ngst passiert. Oder es passiert, w�hrend wir hier sitzen und warten. Vielleicht ist er � vielleicht haben sie � Niamh ist an allem schuld.�</p><p>�Es bringt doch nichts, einen Schuldigen zu suchen�, sagte Freddie leise.�Das hilft uns nicht dabei, den Jungen zu finden.�</p><p>Als man sie endlich zu einem Polizisten vorlie�, schaltete Freddie den Laptop ein und f�hrte dem Constable den E-Mail-Verkehr zwischen Tim und Toy4You vor sowie die Fotos und Filme, die der Mann dem Jungen geschickt hatte. Ganz Gentleman sorgte Freddie daf�r, dass Manette die Filme nicht sehen konnte, aber am Gesicht des Constable konnte sie ablesen, dass sie tats�chlich so schlimm waren, wie Freddie sie beschrieben hatte.</p><p>Der Polizist nahm den Telefonh�rer ab und gab drei Ziffern ein. Dann sagte er:�Connie, ich habe hier einen Laptop, den m�ssen Sie sich unbedingt ansehen � Alles klar. �Er legte auf und sagte zu Freddie und Manette:�F�nf Minuten.�</p><p>�Wer ist Connie?�, fragte Manette.</p><p>�Superintendent Connie Calva�, sagte der Polizist.�Die Chefin der Sitte. Haben Sie sonst noch was?�</p><p>Manette fiel der Kartenausschnitt ein. Sie nahm ihn aus ihrer Tasche und gab ihn dem Constable.�Das lag auf Tims Schreibtisch. Freddie meinte, wir sollten es mitbringen. Ich wei� nicht, wie n�tzlich es ist � Ich meine, wir wissen nicht, wo genau das ist.�</p><p>�Ich dachte, Sie h�tten vielleicht jemanden hier, der die Stra�en wiedererkennt�, sagte Freddie.�Es ist ein vergr��erter Kartenausschnitt. F�r jemanden, der sich mit Stadtpl�nen im Internet besser auskennt als ich, ist es vielleicht ganz leicht rauszufinden, um welchen Ort es sich handelt.�</p><p>Der Constable nahm zu Manettes gro�er Verwunderung eine Lupe aus seiner Schreibtischschublade. Wie Sherlock Holmes, dachte sie. Er hielt sie �ber den Kartenausschnitt, um die Stra�ennamen besser lesen zu k�nnen.�So was lassen wir meistens in Barrow machen. Da haben wir einen forensischen Computerspezialisten, der � Ah. Moment. Ich glaube, das ist ziemlich einfach.�</p><p>Er blickte auf, als eine Frau in Jeans, kniehohen Lederstiefeln und kariertem Jackett hereinkam, die Freddie und Manette f�r Superintendent Calva hielten. Sie nickte den beiden zum Gru� zu und fragte:�Was haben Sie f�r mich, Ewan?�</p><p>Der Constable schob den Laptop in ihre Richtung und wedelte mit dem Kartenausdruck.�Wenn Sie den Schmutz sehen, der da drauf ist, fallen Sie vom Glauben ab�, sagte er.�Und das hier ist ein Kartenausschnitt von der Gegend rund um das Einkaufszentrum.�</p><p>�Sie wissen, wo diese Stra�en sind?�, fragte Manette. Sie konnte ihr Gl�ck kaum fassen.</p><p>�Aber ja�, erwiderte Ewan.�Hier in der Stadt. Keine zehn Minuten von hier.�</p><p>Manette packte Freddie am Arm und sagte zu dem Constable:�Wir m�ssen sofort dahin. Wir wissen, dass sie ihn heute filmen wollen. Das passiert bestimmt dort. Wir m�ssen sie aufhalten.�</p><p>Der Constable hob eine Hand.�So einfach geht das nicht�, sagte er.</p><p>Superintendent Calva hatte sich mit dem Laptop an einen anderen Schreibtisch gesetzt und schob sich gerade einen Streifen Kaugummi in den Mund. Sie hatte den ersch�pften Gesichtsausdruck einer Frau, der nichts mehr fremd war, aber der Ausdruck �nderte sich, als sie die Bilder sah. Schlie�lich h�rte sie auf zu kauen und starrte reglos auf den Bildschirm.</p><p>�In der Gegend dort stehen Wohnh�user, jede Menge Pensionen, eine Feuerwehr und ein Einkaufszentrum. Da k�nnen wir nicht einfach so reinst�rmen, da brauchen wir schon konkrete Beweise. Sicher, der Laptop ist voll damit, aber wo ist die Verbindung zwischen dem Zeug auf dem Laptop und dem Kartenausschnitt, abgesehen davon, dass Ihr Neffe oder wer auch immer den Ausschnitt im Internet gefunden und ausgedruckt hat? Verstehen Sie, was ich meine? Sie haben uns sehr wertvolle Informationen beschafft, und Superintendent Calva wird sich sofort darum k�mmern. Und sobald wir mehr wissen ��</p><p>�Aber der Junge ist verschwunden�, sagte Manette.�Seit mehr als vierundzwanzig Stunden. Und jetzt haben wir diese Bilder auf seinem Computer gefunden und herausbekommen, dass er in einem Film mitwirken soll, bei dem Gott wei� was passieren kann � Er ist erst vierzehn!�</p><p>�Das habe ich verstanden�, sagte der Constable.�Aber das Gesetz ��</p><p>�Zum Teufel mit dem Gesetz!�, schrie Manette.�Unternehmen Sie was!�</p><p>Freddie legte ihr einen Arm um die Schultern.�Hm, ja�, sagte er.�Das verstehen wir.�</p><p>�Bist du verr�ckt geworden?�, fuhr sie ihn an.</p><p>�Die m�ssen sich an ihre Vorschriften halten, meine Liebe.�</p><p>�Aber Freddie ��</p><p>�Manette ��Er schaute zur T�r und hob die Brauen.��berlassen wir das der Polizei, einverstanden?�</p><p>Er bat sie, ihm zu vertrauen, das verstand sie, doch im Moment traute sie niemandem. Trotzdem konnte sie ihren Blick nicht von Freddie abwenden. Sie wusste, dass er immer zu ihr hielt. Widerstrebend sagte sie:�Also gut, wenn du meinst. �Und nachdem sie dem Constable und Superintendent Calva alles gesagt hatten, was sie wussten, verlie�en sie die Polizeistation.</p><p>�Was hast du vor?�, fragte Manette, als sie drau�en waren.</p><p>�Wir brauchen einen Stadtplan�, sagte er.</p><p>�Und dann?�</p><p>�Dann brauchen wir eine z�ndende Idee�, antwortete er,�oder jede Menge Gl�ck.�</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Sie hatten Gl�ck. Das Polizeirevier lag au�erhalb der Stadt, zwischen Bowness-on-Windermere und Windermere. Sie fuhren die Lake Road entlang in Richtung Windermere, als Manette Tim entdeckte. Er kam gerade aus einem kleinen Lebensmittelladen, in der Hand einen blau-wei� gestreiften Plastikbeutel, aus dem er eine T�te Kartoffelchips zog, die er mit den Z�hnen aufriss.</p><p>�Da ist er!�, rief Manette.�Halt an, Freddie!�</p><p>�Immer mit der Ruhe, meine Liebe�, sagte Freddie und fuhr weiter.</p><p>�Aber was ��Sie schnallte sich ab.�Wir verlieren ihn aus den Augen!�</p><p>Ein St�ck weiter die Stra�e hinunter und in sicherer Entfernung von Tim, der in die entgegengesetzte Richtung weiterging, hielt Freddie an.�Hast du dein Handy dabei?�, fragte er Manette.</p><p>�Nat�rlich ��</p><p>�H�r zu, Darling. Hier geht es um mehr als darum, Tim aufzugabeln.�</p><p>�Aber er ist in Gefahr!�</p><p>�Wie viele andere Jugendliche auch. Stell dein Handy auf Vibrieren und folge ihm. Ich parke den Wagen und rufe dich an. Verstanden? Wenn er wirklich wegen des Films hergekommen ist, wird er uns zu dem Ort f�hren, an dem diese Filme gemacht werden.�</p><p>Das klang plausibel. Wie immer bewahrte Freddie einen k�hlen Kopf.�Ja nat�rlich�, sagte sie.�Du hast recht. �Sie vergewisserte sich, dass ihr Handy auf Vibrieren eingestellt war, und stieg aus. Dann beugte sie sich noch einmal in den Wagen und schaute Freddie an.</p><p>�Was ist?�, fragte er.</p><p>�Du bist einfach wunderbar, Freddie McGhie�, sagte sie.�Ich liebe dich.�</p><p>Bevor er etwas darauf erwidern konnte, schlug sie die T�r zu.</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Als Nicholas Fairclough Deborah aus seinem Haus kommen sah, trat er auf die Bremse, sprang aus dem Wagen und st�rmte auf sie zu.�Wer zum Teufel sind Sie?�, fuhr er sie an.�Was machen Sie hier?�Nichts erinnerte mehr an den freundlichen, gesitteten Gentleman, mit dem Deborah sich vor Kurzem unterhalten hatte. Seine Augen spr�hten vor Zorn.�Wo ist er? Wie viel Zeit haben wir noch?�</p><p>Deborah f�hlte sich so eingesch�chtert, dass sie nur noch stammeln konnte.�Ich wei� es nicht � Wie lange dauert so etwas denn? H�ren Sie, Mr. Fairclough � Ich habe versucht, ihm klarzumachen, dass es keine Story gibt, Punkt aus. Es gibt keine Story.�</p><p>Fairclough wich einen Schritt zur�ck.�Story? Wer zum Teufel sind Sie? Verdammt, arbeiten Sie etwa auch f�r die <emphasis>Source</emphasis>? Sie wurden also gar nicht von Montenegro hergeschickt?�</p><p>Deborah runzelte die Stirn.�Die <emphasis>Source</emphasis>? Nein. Ich habe mit der <emphasis>Source</emphasis> nichts zu tun � Und wer in aller Welt ist Montenegro?�</p><p>Nicholas schaute zum Haus hin�ber, dann sah er sie wieder an.�Wer zum Teufel sind Sie?�</p><p>�Deborah St. James. Wie ich Ihnen von Anfang an gesagt habe.�</p><p>�Aber es gibt gar keine Filmgesellschaft, und es wird auch keinen Dokumentarfilm geben. Das haben wir herausgefunden. Nichts von dem, was Sie uns erz�hlt haben, entspricht der Wahrheit. Also, was wollen Sie hier? Was wissen Sie? Sie sind mit diesem Typen von der <emphasis>Source</emphasis> in Lancaster gewesen. Das hat er mir selbst erz�hlt. Oder stimmt das etwa auch nicht?�</p><p>Deborah leckte sich die Lippen. Es war kalt und feucht, und der Nebel wurde immer dichter. Sie wollte sich an einem Kaminfeuer w�rmen, wollte ein hei�es Getr�nk, doch solange Fairclough ihr den Weg versperrte, kam sie hier nicht weg, und ihr blieb nichts anderes �brig, als ihm die Wahrheit zu sagen.</p><p>Sie sei in Cumbria, um einen Detective von Scotland Yard bei seiner Suche nach Informationen zu unterst�tzen, sagte sie. Sei sei mit ihrem Mann hergekommen, einem forensischen Spezialisten, der f�r die Polizei bei schwierigen Ermittlungen Beweismittel auswerte. Der Jounalist von der <emphasis>Source</emphasis> habe sie aus irgendeinem Grund f�r eine Polizistin gehalten, und sie habe ihn in der Annahme best�rkt, um ihn von dem echten Detective und ihrem Mann abzulenken, damit die beiden in Ruhe die Umst�nde von Ian Cresswells Tod untersuchen konnten.</p><p>�Ich kenne niemanden namens Montenegro�, sagte sie zum Schluss.�Ich habe den Namen noch nie geh�rt. Wer ist der Mann denn?�</p><p>�Raul Montenegro. Er versucht, meine Frau zu finden.�</p><p>�Das hat sie also gemeint�, murmelte Deborah.</p><p>�Sie haben mit ihr gesprochen?�</p><p>�Ja, aber ich f�rchte, wir haben total aneinander vorbeigeredet�, sagte Deborah.�Sie muss gedacht haben, wir redeten �ber Raul Montenegro, w�hrend ich davon ausging, dass wir von diesem Journalisten von der <emphasis>Source</emphasis> sprachen. Ich habe ihr gesagt, er sei in Windermere. Aber ich meinte nat�rlich den Journalisten.�</p><p>�O Gott. �Fairclough eilte zur Haust�r und rief �ber seine Schulter:�Wo ist sie jetzt?�</p><p>�Drinnen�, sagte Deborah.�Warten Sie, Mr. Fairclough, noch etwas!�</p><p>Er blieb stehen und drehte sich um.�Ich habe versucht, ihr das zu sagen. Ich habe sie um Verzeihung gebeten. Ich meine � Das mit der Leihmutter. Sie haben absolut nichts zu bef�rchten. Ich habe Mr. Benjamin gesagt, dass es keinen Stoff f�r eine Geschichte gibt. Au�erdem kann ich Sie voll und ganz verstehen � Ihre Frau und ich � Wir haben dasselbe Problem.�</p><p>Er starrte sie an. Er war kreidebleich.</p><p>�Ich w�nsche mir auch nichts sehnlicher als ein Kind, und ich ��</p><p>Aber er war verschwunden, ehe sie den Satz beenden konnte.</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Als Tim in den Fotoladen zur�ckkehrte, stand Toy4You hinterm Tresen und plauderte mit einem anglikanischen Priester. Sie drehten sich beide um, als Tim eintrat, und der Priester musterte ihn von Kopf bis Fu�. Vermutlich war der Typ einer von denen, die in dem Film mitmachten, dachte Tim, und bei dem Gedanken wurde ihm ganz schlecht. Doch dann packte ihn die Wut. Ein verdammter Priester! dachte er. Genau so ein Heuchler wie alle anderen. Dieses Schwein stand jeden Sonntag in der Kirche vor seiner Gemeinde, verk�ndete das Wort Gottes, teilte die Kommunion aus, und hinter dem R�cken seiner Sch�fchen �</p><p>�Daddy! Daddy!�Zwei Kinder kamen in den Laden gest�rmt, ein M�dchen und ein Junge, beide in Schuluniform. Ihnen folgte eine Frau, die ziemlich gestresst wirkte und auf ihre Armbanduhr schaute.�Tut mir leid, Darling. Sind wir zu sp�t?�Sie trat zu dem Priester, k�sste ihn auf die Wange und hakte sich bei ihm unter.</p><p>�Anderthalb Stunden, Mags�, sagte der Priester und seufzte.�Also wirklich. Du kommst viel zu sp�t. Wir werden einen neuen Termin vereinbaren m�ssen. William hat gleich noch einen anderen Termin, und ich muss ebenfalls weg.�</p><p>Die Frau entschuldigte sich wortreich, w�hrend die Kinder an den H�nden ihres Vaters hingen. Es wurde ein neuer Termin f�r das weihnachtliche Familienfoto vereinbart.</p><p>W�hrenddessen dr�ckte Tim sich in einer Ecke des Ladens herum und tat so, als interessierte er sich f�r die Digitalkameras in den Schauk�sten. Nachdem der Priester und seine Familie sich verabschiedet hatten, ging Tim zum Tresen. <emphasis>William Concord</emphasis> stand auf dem Namensschild von Toy4You. Tim fragte sich, was es zu bedeuten hatte, dass der Typ das Namensschild diesmal nicht verschwinden lie�. Er konnte sich nicht vorstellen, dass er es vergessen hatte, so einer war der nicht.</p><p>Toy4You kam hinter dem Tresen hervor, verriegelte die Eingangst�r und drehte das Schild um, so dass jetzt von au�en <emphasis>Geschlossen</emphasis> zu lesen war. Dann schaltete er die Deckenlampen aus und bedeutete Tim mit einer Kopfbewegung, ihm ins Hinterzimmer zu folgen.</p><p>Tim sah sofort, warum Toy4You unm�glich ein Familienfoto von dem Priester und seiner Frau und seinen Kindern h�tte machen k�nnen. Ein Mann und eine Frau waren gerade dabei, das Fotostudio komplett umzubauen. Anstelle der S�ulen mit dem Himmel als Hintergrund entstand der Nachbau eines viktorianischen Kinderzimmers. Drei schmale Betten wurden in dem Moment hereingetragen, und in einem davon lag eine lebensgro�e Schaufensterpuppe, die einen Schlafanzug mit Shrek-Motiven und seltsamerweise eine Schulm�tze trug. Ans Fu�ende eines der beiden anderen Betten legte die Frau einen riesigen Pl�schhund, der aussah wie ein Bernhardiner. Schlie�lich rollte der Mann eine Kulisse mit einem aufgemalten offenen Fenster herein, durch das ein sternengesprenkelter Nachthimmel zu sehen war und im Hintergrund eine dilettantische Darstellung von Big Ben, dessen Uhr Mitternacht anzeigte.</p><p>Tim konnte sich zun�chst auf all das keinen Reim machen, bis ein Junge in ungef�hr seinem Alter aus dem Lagerraum kam. Im Gegensatz zu Tim wirkte er au�erordentlich selbstsicher. Er ging entschlossen �ber die B�hne, lehnte sich ans Kulissenfenster und z�ndete sich eine Zigarette an. Er war von Kopf bis Fu� in Gr�n gekleidet, mit Schnabelschuhen und einem Hut, der ihm keck auf dem Kopf sa�. Er nickte Toy4You zum Gru� zu, w�hrend die beiden Erwachsenen im Lagerraum verschwanden, von wo Tim Gemurmel h�rte und das Ger�usch von Kleidern und Schuhen, die auf den Boden fielen. W�hrend Toy4You noch an einem Stativ herumfummelte, auf das er eine ziemlich teuer aussehende Kamera geschraubt hatte, kamen der Mann und die Frau zur�ck auf die B�hne. Sie trug jetzt ein hochgeschlossenes wei�es Nachthemd mit R�schenkragen, und er war als Piratenkapit�n verkleidet. Der Mann war der Einzige, der eine Maske trug, aber der Haken, der aus einem seiner �rmel ragte, reichte aus, um auch noch dem letzten Deppen klarzumachen, wen er darstellte. Obwohl wahrscheinlich trotzdem noch einige Volldeppen �brig blieben, die sich nicht mal fragten, was K�pt�n Hook in einem viktorianischen Kinderzimmer zu suchen hatte und weshalb er nicht da war, wo er hingeh�rte, n�mlich auf ein Segelschiff in Nimmerland.</p><p>Tim schaute zu Toy4You hin�ber und fragte sich, welche Rolle ihm wohl zugedacht war. Dann entdeckte er auf einem der beiden leeren Betten ein Nachthemd und eine runde Nickelbrille, offenbar sollte er Peter Pans �lteren Bruder spielen.</p><p>Das Ganze kam Tim reichlich bescheuert vor, andererseits war er auch ein bisschen erleichtert. Als er den Film mit dem letzten Abendmahl und den mit Jesus im Garten Gethsemane gesehen hatte, war er davon ausgegangen, dass auch diesmal irgendetwas total Blasphemisches vorgesehen war, auch wenn er sich nicht hatte vorstellen k�nnen, was. Ein bisschen hatte er sich Sorgen gemacht, dass im falschen Moment wom�glich seine christliche Erziehung durchkommen w�rde und er nicht in der Lage w�re, den Regieanweisungen Folge zu leisten, obwohl ihm das Thema des Films eigentlich piepegal war.</p><p>Aber er h�tte sich keine Sorgen zu machen brauchen. Als Wendy und Captain Hook ihre Positionen auf dem Set einnahmen, reichte Toy4You Tim ein kleines Glas Wasser. Dann nahm er ein Tablettenr�hrchen aus der Tasche, sch�ttelte zwei Tabletten heraus, gab sie Tim und bedeutete ihm, sie zu schlucken.</p><p>�Was ist das?�, fragte Tim.</p><p>�Das ist gut f�r authentische Nahaufnahmen�, sagte Toy4You.�Unter anderem.�</p><p>�Was machen die?�</p><p>Ein L�cheln huschte �ber Toy4Yous Gesicht. Er hatte sich schlecht rasiert.�Die helfen dir bei dem, was wir gleich von dir verlangen. Los, mach schon, schluck sie runter. Du wirst schon sehen, wie sie wirken. Es wird dir bestimmt gefallen.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Los, schlucken�, zischte Toy4You.�Es ist genau das, was du wolltest, also mach schon. Wir haben nicht die ganze Nacht Zeit.�</p><p>Tim schluckte die Tabletten. Er sp�rte nichts. Vielleicht machten sie, dass er sich entspannte. Oder vielleicht machten sie ihn bewusstlos. Er fragte:�Soll ich das Nachthemd anziehen?�</p><p>�Sieh mal an, du bist gar nicht dumm�, sagte Toy4You.�Bleib einfach neben der Kamera stehen und warte auf deinen Einsatz.�</p><p>�Einsatz?�</p><p>�Herrgott noch mal, halt die Klappe und wart�s ab. �Dann sagte er zu Peter Pan und zu Wendy:�Fertig?�Ohne auf eine Antwort zu warten, nahm er seinen Platz hinter der Kamera ein. Der Junge stellte sich ans Fenster, und die Frau im Nachthemd kniete sich auf ein Bett.</p><p>Das Nachthemd war so durchsichtig, dass alles an ihr zu sehen war. Tim schluckte und h�tte sich am liebsten abgewendet, aber es gelang ihm nicht, denn die Frau zog sich das Nachthemd ganz langsam aus, w�hrend Peter Pan auf sie zuging. Sie hielt ihm ihre Br�ste hin, und in dem Augenblick sagte Toy4You zu Tim:�Jetzt!�</p><p>�Aber was soll ich denn tun?�, fragte Tim. Er sp�rte, wie sein Glied steif wurde.</p><p>�Du gehst sp�t ins Bett�, murmelte Toy4You, w�hrend er filmte, wie Wendy Peter die Strumpfhose herunterzog und sich an ihm zu schaffen machte.�Hast mal wieder bis in die fr�hen Morgenstunden in der Bibliothek gehockt und gelesen und �berraschst deine Schwester und Peter Pan bei ihren kleinen Spielchen. Aber du stehst ebenfalls auf Peter und bist ganz entz�ckt, als du siehst, was er zu bieten hat.�</p><p>�Und � was mach ich?�</p><p>�Verdammt, geh einfach auf den Set und tu, was dir in den Sinn kommt! Ich wei� doch, worauf du stehst! Das wissen wir doch beide!�</p><p>Und das Schlimmste war, dass es sogar stimmte. Denn er konnte sich gar nicht losrei�en von dem, was die beiden da vor laufender Kamera miteinander trieben. Und er wusste nicht, was es bedeutete, dass er Peters steifes Glied wie gebannt anstarrte und irgendetwas wollte, ohne zu wissen, was.</p><p>�Los, geh schon!�, zischte Toy4You.�Peter und Wendy zeigen dir, was du tun sollst. �Er warf einen Blick auf Tims Hose und grinste.�Ah. Die Wunder der modernen Medizin. Mach dir keine Sorgen.�</p><p>�Und er?�, fragte Tim.</p><p>�Wer?�</p><p>�Der � der K�pt�n.�</p><p>�Um den brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Er steht auf Peter. Und auf all die anderen verlorenen Jungs. Auf dich sowieso. Der kommt sp�ter und bestraft dich daf�r, dass du mit Peter fickst, kaum dass Wendy das Zimmer verlassen hat. Okay? Kapiert? Und jetzt mach, dass du auf die B�hne kommst, wir verschwenden nur Zeit.�</p><p>�Und wie bestraft er mich?�</p><p>�Genauso, wie du es dir gew�nscht hast�, sagte Toy4You gereizt.�Alles klar? Kapiert?�</p><p>�Aber du hast gesagt ��</p><p>�Herrgott noch mal, du kleiner Wichser. Was hast du denn erwartet? Den Tod auf einem Silbertablett? Und jetzt los � wird�s bald?�</p><subtitle>MILNTHORPE � CUMBRIA</subtitle><p>Als Deborah sich auf den Weg zum Crow &amp; Eagle machte, w�lzte sich der Nebel �ber die Stra�e wie eine dichte Rauchwolke. Die Eisenbahnbr�cke, unter der Deborah hindurchfuhr, nahm sie nur noch schattenhaft wahr, das Watt war �berhaupt nicht mehr zu sehen; nur noch einige Wattv�gel in der N�he des Ufers waren in dem tr�ben Grau vage auszumachen.</p><p>Das Scheinwerferlicht der Autos wurde vom Nebel reflektiert, und die wenigen Fu�g�nger, die sich bei dem Wetter noch vor die T�r wagten, tauchten so pl�tzlich aus dem dichten Nebel auf, als w�rden sie aus dem Boden schie�en. Es war eine anstrengende Fahrt, und Deborah atmete erleichtert auf, als sie wohlbehalten auf den Hotelparkplatz einbog.</p><p>Tommy erwartete sie, wie versprochen. Er sa� in der Bar, vor sich einen Kaffee, das Handy am Ohr. Er sa� vorn�bergebeugt, so dass er sie nicht gleich sah, aber sie h�rte das Ende seines Gespr�chs mit.</p><p>�Ziemlich sp�t�, sagte er gerade.�Soll ich trotzdem zu dir kommen? Ich habe keine Ahnung, wann, und vielleicht solltest du lieber � Ja, in Ordnung � Ich freue mich auch, Isabelle, und es tut mir schrecklich leid, wie das alles � Ja. Also gut. Dann eben sp�ter. Ja ��Er h�rte eine Weile zu und sp�rte anscheinend, dass Deborah sich n�herte, denn er drehte sich um. Dann sagte er:�Sie ist gerade gekommen, ich nehme also an, dass wir in wenigen Minuten aufbrechen. �Er sah Deborah fragend an, und sie nickte.�Gut�, sagte er.�In Ordnung. Ich habe den Schl�ssel dabei.�</p><p>Er beendete das Gespr�ch. Deborah wusste nicht, was sie sagen sollte. Vor zwei Monaten hatte sie bereits vermutet, dass Tommy mit seiner Vorgesetzten ins Bett ging. Aber sie war noch zu keinem Schluss gekommen, wie sie das finden sollte. Nat�rlich musste Tommy wieder in sein normales Leben zur�ckfinden, der Weg jedoch, den er dazu gew�hlt hatte, irritierte sie zutiefst.</p><p>�Kann ich noch einen Kaffee trinken, bevor wir fahren, Tommy?�, fragte sie.�Ich verspreche, ich werde ihn so schnell kippen wie der Priester den Altarwein.�</p><p>�Du brauchst ihn nicht zu kippen�, erwiderte er.�Ich trinke auch noch einen. Wir sollten beide hellwach sein, denn das wird eine lange Fahrt.�</p><p>Sie setzte sich, und er ging zum Tresen, um zu bestellen. W�hrend des Telefongespr�chs mit Isabelle Ardery hatte er auf einer Serviette herumgekritzelt. Er hatte ein Haus auf einer Wiese gezeichnet, dazu zwei kleinere H�tten, einen Bach und Berge auf beiden Seiten. Nicht schlecht, dachte sie. Sie hatte gar nicht gewusst, dass Tommy eine k�nstlerische Ader besa�.</p><p>�Du hast Talent�, bemerkte sie, als er zur�ckkam.</p><p>�Irgendein Haus in Cornwall.�</p><p>��berlegst du zur�ckzugehen?�</p><p>�Noch nicht. �Er setzte sich und l�chelte sie an.�Irgendwann vielleicht. �Er nahm die Serviette, faltete sie zusammen und steckte sie in seine Brusttasche.�Ich habe Simon angerufen�, sagte er.�Er wei�, dass wir zur�ckkommen.�</p><p>�Und?�</p><p>�Na ja, er findet, dass du einen f�rchterlich auf die Palme bringen kannst. Aber das wissen wir ja.�</p><p>Sie seufzte.�Ja. Hm. Ich glaub, ich hab alles nur schlimmer gemacht, Tommy.�</p><p>�Zwischen dir und Simon?�</p><p>�Nein, nein, das bringe ich schon wieder in Ordnung. Schlie�lich bin ich mit dem nachsichtigsten Mann der Welt verheiratet. Nein, ich rede von Nicholas und Alatea Fairclough. Ich hatte eben ein seltsames Gespr�ch mit ihr und anschlie�end eins mit ihm.�</p><p>Sie berichtete ausf�hrlich von dem, was vorgefallen war. Dass Alatea ihr Geld und Schmuck angeboten hatte und dass Nicholas einen Mann namens Montenegro erw�hnt hatte. Wie immer h�rte Tommy ihr aufmerksam zu.</p><p>Ihr Kaffee wurde serviert, und Tommy schenkte ihnen beiden ein.</p><p>�Alatea dachte also die ganze Zeit, wir w�rden �ber diesen Montenegro reden, w�hrend ich dachte, es ginge um den <emphasis>Source</emphasis>-Reporter. Letztlich w�re das nicht weiter wichtig gewesen, aber ich habe ihr gesagt, dass er in Windermere ist � zumindest glaube ich, dass er dort hingefahren ist, nachdem er mich hier abgesetzt hat �, und daraufhin ist sie komplett in Panik geraten, offenbar in der Annahme, ich meinte Montenegro. Und Nicholas ist ebenfalls in Panik geraten.�</p><p>Lynley sch�ttete ein T�tchen Zucker in seinen Kaffee. Nachdenklich r�hrte er um. Er wirkte so gedankenversunken, dass Deborah etwas begriff, was ihr schon viel fr�her h�tte klar sein m�ssen.</p><p>�Du wei�t, was mit diesen Leuten los ist, nicht wahr, Tommy? Wahrscheinlich hast du es von Anfang an gewusst. Egal, was es ist, ich w�nschte, du h�ttest es mir gesagt. Dann w�re ich wenigstens nicht wie ein Elefant im Porzellanladen im Leben dieser armen Menschen herumgetrampelt.�</p><p>Lynley sch�ttelte den Kopf.�Nein. Ich wusste noch weniger als du, denn ich habe Alatea heute zum ersten Mal gesehen.�</p><p>�Sie ist sch�n, nicht wahr?�</p><p>�Sie ist ��Er schien nach einem passenderen Wort zu suchen. Er hob eine Hand, wie um zu sagen, dass kein Wort ihr gerecht werden konnte. Schlie�lich sagte er:�Sie ist eine bemerkenswerte Frau. Wenn ich es nicht gewusst h�tte, h�tte ich nie geglaubt, dass sie als Mann auf die Welt gekommen ist.�</p><p>Deborah fiel die Klappe herunter.�Wie bitte?�</p><p>�Santiago Vasquez del Torres. So lautet ihr urspr�nglicher Name.�</p><p>�Was soll das hei�en? Dass sie ��</p><p>�Eine Geschlechtsumwandlung hinter sich hat, und die hat dieser Montenegro finanziert. Sie sollte seine Geliebte spielen, damit er seinen Ruf wahren, privat aber eine homosexuelle Beziehung leben konnte.�</p><p>Deborah schluckte.�Gro�er Gott. �Sie dachte an Lancaster, an Lucy Keverne, an das, was die beiden Frauen geplant hatten.�Aber Nicholas wei� doch sicher Bescheid, oder?�</p><p>�Nein, sie hat es ihm nicht gesagt.�</p><p>�Ich bitte dich, Tommy, er muss es doch gemerkt haben. Ich meine � Gott o Gott � Sie wird doch Narben haben, oder?�</p><p>�Sie ist von einem Top-Chirurgen operiert worden. Da wird alles ge�ndert, Deborah, selbst der Adamsapfel. Und wenn der Mann sowieso ein femininer Typ ist � vielleicht, weil er ein zus�tzliches X�Chromosom hat �, ist es noch leichter.�</p><p>�Aber warum sollte sie Nicholas nicht die Wahrheit gesagt haben?�</p><p>�Aus Verzweiflung? Aus Angst vor Ablehnung? Wenn Montenegro hinter ihr her ist, und der Mann hat offenbar Geld genug, um die Suche endlos fortzusetzen, dann braucht sie einen Ort, an dem sie in Sicherheit ist. Und deswegen hat sie Nicholas glauben lassen, was er wollte. Er hat sie geheiratet, und das gibt ihr das Recht, solange sie will in England zu bleiben.�</p><p>Deborah sah den Zusammenhang.�Ian Cresswell�, sagte sie.�Hat sie ihn ermordet? Hat er es gewusst?�</p><p>Lynley sch�ttelte den Kopf.�Sieh sie dir doch an, Deborah. Sie ist ein Meisterwerk. Niemand w�rde etwas ahnen, es sei denn, er h�tte einen Grund, in ihrer Vergangenheit zu graben, und dazu gab es keinen Grund. Sie ist Nicholas Faircloughs Ehefrau, Punkt, aus. Wenn wir jemanden mit Hinblick auf Ians Tod h�tten �berpr�fen m�ssen, dann w�re es Nicholas gewesen. Das brauchten wir letztlich jedoch nicht zu tun, weil Simon und der Coroner von Anfang recht hatten. Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass Ian Cresswells Tod etwas anderes als ein Unfall war. Vielleicht hat sich jemand seinen Tod gew�nscht. Vielleicht kam sein Tod dem einen oder anderen gelegen. Aber niemand hat nachgeholfen.�</p><p>�Und jetzt schreibt dieser schreckliche Journalist einen Artikel �ber die Sache mit der Leihmutter, und die Zeitung wird ein Foto von Alatea bringen, und ich bin schuld daran. Was soll ich blo� tun?�</p><p>�An sein gutes Herz appellieren?�</p><p>�Er arbeitet f�r die <emphasis>Source</emphasis>, Tommy.�</p><p>�Tja, da hast du allerdings recht�, r�umte er ein.</p><p>Ihr Handy klingelte. Deborah hoffte, dass es Zed Benjamin war, der anrief, um ihnen mitzuteilen, dass er es sich anders �berlegt hatte. Oder vielleicht Simon, der anrief, um zu sagen, dass er verstehen konnte, was sie dazu getrieben hatte, so einen Schlamassel anzurichten. Aber es war Nicholas Fairclough, und er war in Panik.�Was haben Sie mit ihr gemacht?�</p><p>Deborahs erster Gedanke war, dass Alatea sich etwas angetan hatte.�Was ist passiert, Mr. Fairclough?�Sie schaute Tommy an.</p><p>�Sie ist weg. Ich habe das ganze Haus und das gesamte Grundst�ck abgesucht. Ihr Auto ist noch da, und sie h�tte sowieso nicht wegfahren k�nnen, ohne dass wir sie gesehen h�tten. Ich bin an der Ufermauer entlanggelaufen. Alatea ist weg!�</p><p>�Sie kommt bestimmt wieder zur�ck. Sie wird nicht weit weggegangen sein, vor allem bei dem Wetter.�</p><p>�Sie ist ins Watt rausgelaufen.�</p><p>�Bestimmt nicht.�</p><p>�Ich sage Ihnen, sie ist ins Watt rausgelaufen. Es ist die einzige M�glichkeit.�</p><p>�Wahrscheinlich ist sie spazieren gegangen, um nachzudenken. Sie kommt bald zur�ck, und wenn sie wieder da ist, dann sagen Sie ihr, dass ich von dem Journalisten gesprochen habe und nicht von Raul Montenegro.�</p><p>�Sie verstehen das nicht!�, rief er.�Herr im Himmel, Sie begreifen es nicht! Sie kommt nicht zur�ck! Sie kann nicht zur�ckkommen!�</p><p>�Warum denn nicht?�</p><p>�Wegen des Nebels. Wegen des Treibsands.�</p><p>�Aber wir k�nnen ��</p><p>�Nein, wir k�nnen gar nichts tun! Sehen Sie denn nicht, was Sie angerichtet haben?�</p><p>�Bitte, Mr. Fairclough, wir werden sie suchen. Wir rufen jemanden an, wir ��</p><p>�Nein, wir k�nnen niemanden anrufen.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Wegen der Flutwelle, Sie dumme Pute! Eben kam eine Flutwellenwarnung! Die Sirenen heulen schon!�</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Bis ihr Handy endlich vibrierte, war Manette ein Nervenb�ndel. Sie hatte sich auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums hinter einem M�llcontainer versteckt und behielt die T�r im Auge, hinter der Tim verschwunden war. Es war ein Laden namens <emphasis>Shots!</emphasis>�� ein Fotostudio, vermutete Manette, denn im Schaufenster waren mehrere Gro�aufnahmen des herbstlichen Cumbria ausgestellt. Kurz nach Tim hatte eine gestresst wirkende Frau mit zwei Kindern das Gesch�ft betreten. Die Frau war wenige Minuten sp�ter am Arm eines anglikanischen Priesters wieder herausgekommen und zusammen mit dem Mann und den Kindern in einen Saab gestiegen. Nachdem die Familie weggefahren war, hatte jemand in dem Laden das <emphasis>Ge�ffnet</emphasis>-Schild umgedreht, und da Manette bis dahin immer noch nichts von Freddie geh�rt hatte, rief sie die Polizei an.</p><p>Ihr Gespr�ch mit Superintendent Connie Calva verlief kurz und ergebnislos, was Manette so w�tend machte, dass sie ihr Handy am liebsten auf den Boden geknallt h�tte. Sie hatte der Polizistin geschildert, was vorgefallen war, dass an der T�r von <emphasis>Shots!</emphasis> jetzt <emphasis>Geschlossen</emphasis> stand und Tim immer noch in dem Laden war, und der Junge sei erst vierzehn, und sie w�ssten ja wohl beide, dass das nur bedeuten konnte, dass Tim hier war, um in einem von diesen grauenhaften Pornos mitzuwirken, deswegen m�sse die Polizei herkommen, und zwar so schnell wie m�glich.</p><p>Connie Calva hatte jedoch gesagt, sie m�ssten zuerst Tims Laptop nach Barrow bringen, wo ein Computerspezialist sich das Ger�t vornehmen w�rde, um herauszufinden, von wo aus Toy4You seine Mails gesendet hatte, und dann w�rden sie einen Durchsuchungsbeschluss beantragen und ��</p><p>�Verflixt und zugen�ht!�, war Manette ihr ins Wort gefallen.�Ich kann Ihnen ganz genau sagen, wo Tim ist, wo dieses Monster ist, wo die diese Filme drehen! Und ich verlange, dass Sie jemanden hierherschicken, und zwar jetzt sofort!�</p><p>Darauf hatte Superintendent Calva in einem ausnehmend freundlichen und geduldigen Tonfall geantwortet, woraus Manette schloss, dass sie �bung darin hatte, mit Leuten zu reden, die v�llig durchgedreht waren � wahrscheinlich lernten die das schon auf der Polizeischule.�H�ren Sie, Mrs. McGhie�, hatte sie gesagt,�ich wei�, dass Sie beunruhigt sind, aber wenn wir solche Leute dingfest machen und vor Gericht bringen wollen, dann m�ssen wir uns streng an die Vorschriften halten. Ich wei�, dass Ihnen das nicht gef�llt, und mir gef�llt es ebenso wenig wie Ihnen, wir haben jedoch keine andere Wahl.�</p><p>�Ich pfeife auf Ihre verdammten Vorschriften!�, fauchte Manette und beendete das Gespr�ch.</p><p>Dann rief sie Freddie an, denn sie wollte wirklich zu gern wissen, wo der steckte. Er ging sofort ran und sagte:�Verdammt, Manette, ich hab versucht, dich zu erreichen. Du solltest doch ��</p><p>�Ich hab die Polizei angerufen�, unterbrach sie ihn.�Tim ist in einem Fotostudio, Freddie. Herrgott noch mal, wo <emphasis>bleibst</emphasis> du?�</p><p>�Ich hab am Bahnhof geparkt und bin jetzt zu Fu� unterwegs ins Zentrum. Wo bist du?�</p><p>�Vor dem Fotoladen. �Sie erkl�rte ihm, wo er sie finden w�rde.�Bitte, beeil dich, Freddie. Die Polizei kommt nicht. Ich hab da angerufen, doch die haben mir erkl�rt, sie brauchen einen Durchsuchungsbeschluss, und daf�r m�ssen sie zuerst Tims Laptop nach Barrow bringen und dann � Wei� der Teufel, was dann. Aber Tim ist da drin, und die werden ihn filmen. Ich wei� es, Freddie, ich <emphasis>wei�</emphasis> es einfach, aber sie hat mir nicht geglaubt.�</p><p>�Ich bin gleich da�, sagte er.</p><p>�Ich versuch, irgendwie in den Laden reinzukommen�, sagte sie.�Ich klopfe einfach an die T�r, dann h�ren die doch bestimmt auf mit dem, was sie da drinnen treiben, oder?�</p><p>�Manette, du tust �berhaupt nichts. Hast du mich verstanden? Diese Leute sind gef�hrlich. Ich bin unterwegs. Warte auf mich!�</p><p>Manette wusste nicht, wie sie das schaffen sollte. Trotzdem versprach sie ihm, auf ihn zu warten, dann beendeten sie das Gespr�ch.</p><p>Doch sosehr sie sich auch bem�hte, sie konnte sich nicht beherrschen. Nach drei Minuten gab sie es auf.</p><p>Sie lief �ber den Parkplatz und r�ttelte an der T�r des Fotostudios, die nat�rlich geschlossen war. Sie schlug mit der Faust dagegen. Die T�r war aus Glas, aber die Scheibe war dick, und die T�r gab kein bisschen nach. Dass sie mit ihrem Gepolter irgendjemanden bei Filmaufnahmen st�ren w�rde, war unwahrscheinlich, denn die T�r, die in die hinteren R�ume f�hrte, war geschlossen. Und falls da drinnen tats�chlich gerade Filmaufnahmen gemacht wurden, w�re das sicherlich auch mit Ger�uschen verbunden.</p><p>Manette kaute auf ihren N�geln. Sie schaute sich um. Sie �berlegte. Es musste noch einen Hinterausgang geben. Schlie�lich musste laut Brandschutzgesetz jedes �ffentliche Geb�ude �ber einen Notausgang verf�gen.</p><p>Sie lief auf die R�ckseite des Einkaufszentrums, wo sich tats�chlich eine Reihe von T�ren befanden. Dummerweise war keine davon gekennzeichnet. Sie hatte gar nicht daran gedacht, die L�den abzuz�hlen. Also lief sie noch einmal zur�ck, und als sie um die Ecke bog, kam Freddie auf den Parkplatz gerannt.</p><p>Sie warf sich ihm in die Arme. Er war v�llig au�er Atem.�Ab morgen�, keuchte er,�geh ich aufs Laufband. �Dann:�Wo? Welcher Laden?�</p><p>Sie berichtete ihm, dass die Ladent�r verriegelt war, dass es eine T�r gab, die nach hinten f�hrte, und dass sich auf der R�ckseite des Geb�udes Notausg�nge befanden. Manette schlug vor, sie w�rde mit den F�usten an die Hintert�r trommeln, dann brauche Freddie sich nur vor dem Vordereingang zu postieren und zu warten, bis sie alle herausgerannt kamen.</p><p>�Kommt nicht in Frage�, widersprach er.�Mit den Leuten k�nnen wir es nicht alleine aufnehmen. Wir brauchen die Polizei.�</p><p>�Aber die kommt nicht!�, jammerte Manette.�Das hab ich dir doch gesagt. Die kommen erst, wenn sie einen verdammten Durchsuchungsbeschluss haben.�</p><p>Freddie sah sich auf dem Parkplatz um. Dann entdeckte er den M�llcontainer.�Wir werden denen schon einen Grund geben herzukommen�, sagte er.</p><p>Er lief zu dem Container und stemmte sich mit der Schulter dagegen. Als Manette begriff, was er vorhatte, eilte sie ihm zu Hilfe. Sie rollten den Container auf den Laden zu. Zum Gl�ck war der Boden etwas absch�ssig, und der Container nahm immer mehr Fahrt auf.�Volle Kraft voraus, Darling�, murmelte Freddie.�Und hoffen wir, dass die ihre Alarmanlage eingeschaltet haben.�</p><p>Das hatten sie. Die M�lltonne krachte in die Glast�r des Fotostudios, und im selben Moment ging die Alarmanlage los.</p><p>Freddie zwinkerte Manette zu und st�tzte sich keuchend auf den Knien ab.�Geschafft!�</p><p>Sie grinste.</p><subtitle>MORECAMBE BAY � CUMBRIA</subtitle><p>Alatea r�hrte sich nicht vom Fleck. Fast drei Kilometer von der Stelle entfernt, wo sie �ber die Ufermauer in das wasserlose Bett des River Kent geklettert war, blieb sie reglos wie eine Statue stehen. Als sie losgegangen war, hatte sie zwar die Nebelbank gesehen, jedoch immer noch die Halbinsel Holme Island ausmachen k�nnen, und sie wusste, dass dahinter Grange-over-Sands lag, und dahinter die Freiheit.</p><p>Sie hatte ihre Wanderschuhe angezogen und einen Anorak, f�r mehr hatte die Zeit nicht gereicht. Dann hatte sie sich ihre Handtasche geschnappt, war zur Terrassent�r hinausgeschl�pft, hatte den Rasen �berquert, war �ber die Ufermauer geklettert und losgelaufen, so schnell sie konnte.</p><p>Das Wasser hatte sich vollkommen aus der Bucht zur�ckgezogen, und der River Kent war nur noch ein Rinnsal. Sie w�rde genug Zeit haben, auf die andere Seite zu gelangen, sagte sie sich, sie musste nur vorsichtig sein. Sie hatte einen Wanderstab mitgenommen, mit dem sie den t�ckischen Treibsand ertasten konnte, f�r den die Bucht ber�chtigt war. Zum Gl�ck wusste sie, was man im Notfall tun musste, um sich daraus zu befreien.</p><p>Womit sie nicht gerechnet hatte, war der Nebel. Sie hatte ihn zwar im Nordwesten von Arnside aufziehen sehen und gewusst, dass er sich auf die K�ste zubewegen w�rde, aber sie hatte nicht geahnt, dass es so schnell gehen w�rde. Die Nebelbank kam angerollt wie eine gigantische Walze, die lautlos und unaufhaltsam alles in ihrem Weg ausl�schte. Als der Nebel sie erreichte, erkannte Alatea sofort die t�dliche Gefahr. Zuerst umh�llte sie nur ein k�hler, feuchter Schleier, der sich jedoch in k�rzester Zeit in eine undurchdringliche wei�e Br�he verwandelte und ihr jede Sicht raubte.</p><p>Sie hatte keine andere Wahl als umzukehren, da der gr��ere Teil der Strecke noch vor ihr lag. Aber nach wenigen Minuten blieb sie stehen, weil sie einfach nicht mehr wusste, in welche Richtung sie sich bewegte.</p><p>Sie lauschte auf Ger�usche, die ihr h�tten helfen k�nnen, sich zu orientieren, doch sie konnte unm�glich ausmachen, woher sie kamen. Sie h�rte einen Zug �ber die Br�cke donnern, die Arnside mit Grange-over-Sands verband. Aber sie h�tte nicht sagen k�nnen, aus welcher Richtung der Zug kam, ja nicht einmal, in welcher Richtung die Br�cke lag. Wenn sie sich auf dem Weg zur�ck nach Arnside befand, m�sste die Br�cke eigentlich zu ihrer Linken liegen. Es hatte sich allerdings so angeh�rt, als k�me das Ger�usch von irgendwo hinter ihr, was bedeuten w�rde, dass sie gerade auf das offene Meer zuging.</p><p>Sie �nderte ihre Richtung und ging weiter. Geriet in eine Pf�tze und versank mit einem Bein bis fast ans Knie. Zog es hastig aus dem Sand. Irgendwo rief jemand etwas. Sie konnte nicht ausmachen, woher das Rufen kam, aber es h�rte sich an, als k�me es aus der N�he, was beruhigend war. Sie ging darauf zu.</p><p>Ein Traktormotor heulte auf. Zumindest h�rte es sich so an. Und zwar direkt hinter ihr. Also musste dort die K�ste liegen. Sie wandte sich in die Richtung und rief:�Hallo? Hallo? Ist da jemand?�Aber niemand antwortete. Nur der Traktormotor heulte und stotterte, als m�sste er eine schwere Last bewegen.</p><p>Dann ert�nte eine Hupe. Dort musste also die Stra�e liegen. Doch eigentlich hatte sie in der Richtung das Meer vermutet, und das bedeutete, dass sie dort das Verderben erwartete. Sie w�rde �ber Sandbuckel und durch Pf�tzen stolpern und irgendwann im Treibsand versinken.</p><p>Wieder blieb sie stehen. Sie drehte sich um. Lauschte. Rief. Als Antwort kam der Schrei einer M�we. Einen Augenblick sp�ter wurde die Luft von einem Knall zerrissen, der sich anh�rte wie ein Gewehrschuss oder eine Fehlz�ndung. Dann totale Stille.</p><p>Und da begriff Alatea, dass es kein Entrinnen f�r sie gab. Sie begriff, dass es f�r sie nie ein Entrinnen gegeben hatte. Vielleicht bestand ja tats�chlich die M�glichkeit, dass sie doch noch aus der Bucht gerettet wurde. Aber aus ihrem Leben und aus dem L�gengeb�ude, das sie um sich herum errichtet hatte, konnte sie niemand retten. Es wurde Zeit, dass sie das akzeptierte, sagte sie sich. Ihr Leben war von der Angst bestimmt, entdeckt zu werden, auch wenn sie sich stets an die t�richte Hoffnung geklammert hatte, auf Dauer unerkannt bleiben zu k�nnen. Doch jetzt war diese Hoffnung endg�ltig zerstoben, und dieser Wahrheit musste sie ins Auge sehen.</p><p>Also gut. Sie w�rde ihr Schicksal akzeptieren, denn sie hatte es nicht anders verdient. Sie �ffnete ihre Reisetasche. Sie fand ihre Handtasche, ihr Portemonnaie, ihr Schminkt�schchen, aber nicht ihr Handy. Sie hatte es in der K�che liegen lassen, wo es am Ladeger�t hing. Wie benommen starrte sie in ihre Tasche. Sie w�rde Nicholas nicht mehr die Wahrheit sagen k�nnen.</p><p>Jetzt konnte sie sich nur noch in das Unvermeidliche f�gen. Wie hatte sie je glauben k�nnen, dass ihr etwas anderes verg�nnt war? Hatte sie nicht jeder Schritt, den sie gegangen war, seit sie vor ihrer Familie davongelaufen war, unaufhaltsam an genau diesen Ort, in genau diese Situation gef�hrt?</p><p>Es hatte nie ein Entrinnen f�r sie gegeben, nur einen Aufschub, das wurde ihr endlich bewusst. Zwar hatte die moderne Chirurgie sie aus ihrem k�rperlichen Gef�ngnis erl�st und sie zu einer Fremden in einem fremden Land gemacht, aber niemals w�rde sie all ihren schrecklichen Erinnerungen entfliehen k�nnen.</p><p>Das Schlimmste, dachte sie, waren die Boxstunden, die ihr verordnet worden waren, weil ihr Vater der Meinung gewesen war, ihre Br�der k�nnten nicht ewig die K�mpfe f�r Santiago Vasquez del Torres ausfechten. Es sei an der Zeit, dass er lerne, sich selbst gegen R�pel zur Wehr zu setzen. Er hatte stirnrunzelnd und sorgenvoll dreingeblickt, wenn Santiago keine Lust hatte, mit seinen Br�dern Unsinn zu machen, Forts zu bauen und Soldaten zu spielen, sich zu balgen und beim Weitpinkeln mitzumachen. Und seine Mutter hatte entsetzt dreingeblickt, wenn sie Santiago in M�dchenkleidern erwischt hatte, wenn sie gesehen hatte, wie er und seine Kusine mit Puppen spielten.</p><p>Die Gesichter von Santiagos Eltern hatten dasselbe ausgedr�ckt, n�mlich die bange Frage: Was haben wir da blo� in die Welt gesetzt? Der Vater, ein Mann, der von seiner Kultur, seiner Religion, seiner Erziehung gepr�gt war, hatte nur eine Angst: dass sein Sohn homosexuell sein k�nnte. Die Mutter dagegen hatte sich �ngstlich gefragt, wie ihr Santiago in einer Welt zurechtkommen sollte, die ihn nicht verstehen w�rde.</p><p>Damals war Elena Mar�a Santiagos Zuflucht gewesen. Ihr hatte er alles erz�hlt. Dass er in einem K�rper lebte, den er nicht als den seinen betrachtete. Er schaue an sich hinunter und sehe, dass es ein m�nnlicher K�rper ist, aber er funktioniere nicht wie ein Mann, und er wolle auch nicht, dass er so funktioniere. Er k�nne es nicht einmal ertragen, seinen eigenen K�rper zu ber�hren, weil es sich so anf�hle, als ber�hre er einen Fremden.</p><p>Ich wei� nicht, was das ist, hatte er zu Elena Mar�a gesagt. Ich wei� nicht, was es bedeutet, aber ich will diesen K�rper nicht, ich kann mit diesem K�rper nicht leben, ich muss ihn loswerden, und wenn das nicht geht, dann will ich sterben.</p><p>Bei Elena Mar�a hatte Santiago sich wohlgef�hlt. W�hrend dieser wenigen gemeinsamen Stunden, w�hrend der Tagesausfl�ge in eine der gr��eren St�dte oder an den Wochenenden am Strand, wo sie heranwachsende M�dchen sein konnten, erkannte der junge Santiago, was es war, wonach er sich sehnte und was er sein wollte. Aber das war unm�glich in einer Welt, in der sein Vater glaubte, ihn abh�rten zu m�ssen. Um so leben zu k�nnen, wie es ihm seine Natur vorgab, hatte Santiago schlie�lich von zu Hause fliehen m�ssen, und er war geflohen und in den Armen von Raul Montenegro gelandet.</p><p>Waren die Boxstunden wirklich das Schlimmste gewesen? fragte sich Alatea jetzt. Oder war die Sache mit Raul Montenegro das Schlimmste gewesen, die Verwandlung, die Raul ihr verhei�en hatte, und die Forderung, ihren Teil der Abmachung einzuhalten? Sie war sich nicht sicher. Doch sie wusste, dass Raul Montenegro ein Mann war, der sich nicht beirren lie�. Genauso wie er sein Versprechen r�ckhaltlos eingehalten hatte, die Tr�ume seines jungen Geliebten Santiago zu erf�llen, w�rde er seinen Vorsatz, Alatea zu finden, niemals aufgeben.</p><p>Und jetzt stand sie hier, so verloren, wie sie ihr ganzes Leben lang schon verloren gewesen war, vor der Wahl, weiterzugehen oder zu sterben. Sie ging in die Richtung, in der sie Arnside vermutete. Nach wenigen Schritten geriet sie in den Treibsand, den sie so gef�rchtet hatte, und in k�rzester Zeit war sie bis an die Oberschenkel darin versunken. Ihr war so schrecklich kalt.</p><p>Sie brauchte nicht in Panik zu geraten, sagte sie sich. Sie wusste, was sie zu tun hatte. Nicholas hatte es ihr erkl�rt. Vor langer Zeit, w�hrend eines Spaziergangs durch die Bucht bei Ebbe. Sie erinnerte sich genau an seine Worte. Es ist v�llig gegen den Instinkt, Darling, hatte er gesagt, aber du musst es tun.</p><p>Das wusste sie. Sie wappnete sich.</p><p>Da ert�nte die Sirene.</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>�Sind Sie ganz sicher, Sir?�, wollte der Mann von der K�stenwache in Walney Island von Lynley wissen. Er sprach mit der ruhigen Bestimmtheit, die den Anrufer, der einen Notfall meldete, beruhigen sollte. Er war der Einzige, der die Befugnis besa�, Ma�nahmen zu ergreifen.�Ich m�chte kein Boot in die Bucht schicken, solange wir nicht mit Sicherheit wissen, dass die Frau wirklich da drau�en ist�, sagte er.�Das ist lebensgef�hrlich. Hat sie angerufen? Hat sie eine Nachricht hinterlassen?�</p><p>�Weder noch. Aber wir sind uns dennoch ganz sicher. �Lynley beschrieb die Lage des Hauses und was sie bisher unternommen hatten, um Alatea zu finden. Und er f�gte hinzu, sie habe allen Grund gehabt, die Bucht zu durchqueren.</p><p>�Und was ist das f�r ein Grund, Sir?�, fragte der Mann von der K�stenwache.</p><p>Lynley erkl�rte ihm, er ermittle in einem Todesfall durch Ertrinken, bei dem es sich nach den Erkenntnissen von Scotland Yard vermutlich um Mord handelte. Das war nat�rlich glatt gelogen, aber er sah keine andere M�glichkeit, den Mann zum Handeln zu bewegen.</p><p>Fairclough hatte inzwischen an der Ufermauer ein gro�es Feuer angez�ndet hatte, das Deborah mit allem in Gang hielt, dessen sie habhaft werden konnte: Holzscheite, Zweige, Zeitungen, Zeitschriften, alte M�bel. Das Feuer hatte nicht nur die Aufmerksamkeit der K�stenwache, sondern auch der B�rger von Arnside auf sich gezogen, die dabei halfen, die Flammen am Lodern zu halten, in der Hoffnung, dass sie Alatea den Weg nach Hause wiesen.</p><p>Aber das Feuer war eher eine Besch�ftigungstherapie als eine n�tzliche Ma�nahme, das wusste Lynley. Denn wenn Alatea sich drau�en in der Bucht befand, w�rde sie der Flut nicht entkommen k�nnen. Aus dem Grund hatte er die K�stenwache informiert.</p><p>Der Mann auf Walney Island sagte:�Sir, ich kann ein Boot rausschicken, aber ich will Ihnen nichts vormachen. Die Sichtweite betr�gt keine sieben Meter. Die Bucht hat eine Gr��e von mehr als dreihundert Quadratkilometern. Bei dem Nebel, der da drau�en herrscht, und bei der Flutwelle, die da anrollt � Ich schicke meine Leute nicht wegen einer fixen Idee da raus.�</p><p>�Ich versichere Ihnen, das ist keine fixe Idee�, entgegnete Lynley.�Wenn Ihre Leute Kurs auf Arnside nehmen, k�nnen Sie vielleicht ��</p><p>�Also gut, wir versuchen es�, unterbrach ihn der Mann.�Aber sie hat keine Chance, Sir, das wissen wir beide. Will sagen, rufen Sie den Rettungsbootdienst an, vielleicht k�nnen die uns unterst�tzen. Und Sie sollten den Wattf�hrer um seine Meinung bitten.�</p><p>Der Wattf�hrer hatte seinen St�tzpunkt auf der anderen Seite der Bucht, s�dlich von Grange-over-Sands, in einer kleinen Enklave namens Berry Bank. Er klang sehr liebensw�rdig, als Lynley ihn anrief. Seit fast f�nfzig Jahren, so erkl�rte er Lynley, f�hre er jetzt schon neugierige Urlauber �ber die Bucht, und seit er denken k�nne, sammle er Muscheln im Hafen des Fischerdorfs Flookburgh und fange Krabben im River Leven, daher kenne er die Bucht und sei mit dem Sand vertraut, und wenn eine Frau aus welchen Gr�nden auch immer bei dem Nebel da rausgelaufen sei, dann sei sie dem Tod geweiht,�so leid es mir tut, Sir.�</p><p>Ob man denn gar nichts tun k�nne, wollte Lynley wissen. Die K�stenwache von Walney Island habe ein Boot rausgeschickt, und er werde als N�chstes die Royal National Lifeboat Institution um Entsendung einer Rettungsmannschaft bitten.</p><p>�Kommt drauf an, nach wie vielen Leichen Sie suchen wollen, wenn der Nebel sich verzieht�, antwortete der Mann und erkl�rte, dass er sich auf keinen Fall einem Trupp von Leichtsinnigen anschlie�en werde, die sich auf die Suche nach der vermissten Frau machten.</p><p>Ebenso wenig waren die Helfer vom RNLI gewillt, sich auf eine riskante Rettungsaktion einzulassen. Sie seien alle Freiwillige, erkl�rte man Lynley am Telefon. Sie seien dazu ausgebildet, Leben zu retten, und sie seien auch jederzeit gern bereit zu helfen, aber um mit ihren Booten rauszufahren, br�uchten sie Wasser, und derzeit herrsche nunmal leider Ebbe. Zwar habe die Flut bereits eingesetzt, und sie w�rden hinausfahren, sobald der Wasserstand es zulasse, doch es sei zwecklos, sorry, Sir. Die Frau werde nicht �berleben, denn sie werde entweder ertrinken oder erfrieren.</p><p>Und so wurde das Feuer gesch�rt. Jemand hatte ein Megafon herbeigeschafft, mit dem immer wieder Alateas Name gerufen wurde. Inzwischen kam die Flutwelle n�her. Der Anblick allein sei schon furchterregend, h�rte Lynley jemanden murmeln. Aber von ihr erfasst zu werden, bedeute den sicheren Tod.</p><subtitle>WINDERMERE � CUMBRIA</subtitle><p>Die Alarmanlage war laut genug, um Tote aufzuwecken, und sie konnten sich nur schreiend verst�ndigen. Mit aller Kraft schoben sie die M�lltonne so weit in den Laden, dass sie sich Zugang verschaffen konnten. Dann schrie Freddie:�Warte hier!�Aber nat�rlich dachte Manette gar nicht daran.</p><p>Er r�ttelte an der T�r zum Hinterzimmer. Sie war verriegelt.�Aufmachen! Polizei!�, br�llte Freddie. Und:�Tim! Tim Cresswell!�Nichts r�hrte sich.</p><p>�Ich muss sie aufbrechen�, sagte Freddie. Zumindest glaubte Manette, das von seinen Lippen ablesen zu k�nnen.</p><p>�Womit denn?�, schrie sie, denn auch wenn Freddie viele Qualit�ten besa�, so war er doch nicht der Typ, der �ber die rohe Kraft verf�gte, eine T�r aufzubrechen. Und das hier war keine B�hnent�r, die zwar stabil aussah, sich aber ganz leicht mit einem einzigen Tritt eintreten lie�, nein, das war eine T�r, die einen Zweck erf�llte, n�mlich den, Eindringlinge fernzuhalten.</p><p>Trotzdem legte Freddie sich ins Zeug. Zuerst trat er zu. Dann warf er sich mit der Schulter gegen die T�r. Dann wechselten sie sich ab. Und die ganze Zeit �ber schrillte die Alarmanlage. Nach mehreren Minuten gab die T�r endlich nach. Freddie schrie:�Manette, du bleibst da!�, und stolperte vorw�rts.</p><p>Auch diesmal ignorierte sie seine Anweisung. Wenn er sich in Gefahr begab, w�rde sie ihn nicht allein gehen lassen.</p><p>Sie befanden sich in einem Fotolabor, von dem aus man durch eine T�r in einen Lagerraum gelangte. Zwei G�nge f�hrten zwischen Regalreihen hindurch, an deren Ende helle Lampen brannten. Der vordere Teil des Raums lag im Dunkeln. Ein k�hler Luftzug, der ihnen entgegenwehte, verriet ihnen, dass die V�gel durch die Hintert�r ausgeflogen waren. Sie hofften inst�ndig, dass sie Tim zur�ckgelassen hatten.</p><p>Am Ende des Lagerraums, wo das Licht am hellsten war, entdeckten sie den Filmset: drei Betten, ein Fenster, Big Ben im Hintergrund, ein Pl�schhund. Dann bemerkten sie eine Gestalt in einer Art Nachthemd, die auf der Seite lag. Aber das Nachthemd hatte man der Gestalt �ber den Kopf gezogen und mit einer gr�nen Strumpfhose zugebunden wie einen Sack. Der Junge lag auf der Seite, die H�nde vor dem K�rper gefesselt, die Genitalien entbl��t. Sein Penis war eregiert. Ein X auf dem Boden vor dem Bett lie� erkennen, wo die Kamera gestanden hatte.</p><p>�O Gott�, fl�sterte Manette.</p><p>Freddie packte sie an den Schultern.�Bleib hier!�, schrie er.�Bleib <emphasis>hier</emphasis>!�</p><p>Diesmal blieb sie, wo sie war, denn sie war vor Angst wie gel�hmt. Wenn Tim tot war, w�rde sie den Anblick nicht ertragen.</p><p>Freddie trat an das Bett. <emphasis>Er blutet!</emphasis>, las Manette von seinen Lippen ab. Und: <emphasis>Tim, mein Junge! Tim, h�rst du mich!</emphasis>, w�hrend er die Strumpfhose aufknotete, die das Nachthemd �ber Tims Kopf hielt.</p><p>Tim zuckte zusammen und wehrte sich. Freddie redete beruhigend auf ihn ein, und schlie�lich gelang es ihm, das Nachthemd herunterzuziehen und den K�rper des Jungen damit zu bedecken. An Tims Augen und an seinem Gesichtsausdruck erkannte Manette sofort, dass er unter Drogen stand, und daf�r war sie dem Himmel dankbar, denn es bedeutete vielleicht, dass er sich nicht an das erinnern w�rde, was ihm hier widerfahren war.</p><p><emphasis>Ruf die Polizei an!</emphasis>, schrie Freddie.</p><p>Aber das brauchte sie nicht, denn in dem Moment verstummte die Alarmanlage, und sie h�rte eine Stimme im Vorraum.</p><p>�Verdammter Schlamassel�, sagte jemand.</p><p>Wie wahr, dachte sie.</p><subtitle>MORECAMBE BAY � CUMBRIA</subtitle><p>Was man tun musste, um im Treibsand zu �berleben, so hatte ihr Nicky erkl�rt, widersprach jedem Instinkt. Sobald man hineinger�t, erstarrt man intuitiv, weil es den Anschein hat, als w�rde man, je mehr man sich wehrt, umso schneller darin versinken. Aber du musst dir ein paar wichtige Dinge merken, Darling. Erstens kann man nicht wissen, wie tief der Sand ist. Du steckst nur in einer Mulde, und auch wenn es welche gibt, die ein Pferd oder einen Traktor oder sogar einen kompletten Bus verschlucken k�nnen, sind die meisten ganz seicht, und man versinkt nur knietief oder h�chstens bis zu den H�ften darin. Trotzdem darfst du nicht einmal bis an die H�ften und erst recht nicht bis zur Brust im Sand versinken, denn wegen der Sogkraft ist es unm�glich, dich da rauszuziehen, wenn die Retter eintreffen. Dann kommst du nur noch mit Hilfe von Wasser wieder da raus, entweder durch Wasser, das mit Hilfe eines Feuerwehrschlauchs in den Sand gepumpt wird, oder mit Hilfe der Flut, die den Sand wegsp�lt. Du musst also schnell handeln, wenn du in Treibsand ger�tst. Wenn du Gl�ck hast, ist er nicht tief, und du schaffst es, dar�ber wegzulaufen oder umzukehren, ehe er deine Schuhe ansaugt und nicht mehr freigibt. Wenn das nicht geht, musst du dich hinlegen. Du wirst sofort merken, dass du nicht tiefer einsinkst. Und dann kannst du dich von der Stelle wegrollen.</p><p>Aber sosehr ihr Nicky, der in diesem seltsamen Teil der Welt aufgewachsen war, das alles ans Herz gelegt hatte, die Vorstellung erschien Alatea wie der reine Wahnsinn. Sie steckte bereits bis zu den Oberschenkeln im Sand, an schnelles Handeln war also nicht mehr zu denken. Sie musste sich hinlegen. Aber sie konnte sich einfach nicht dazu �berwinden.�Du musst es tun, du musst�, sagte sie sich, aber sie f�rchtete nur, dass der Sand ihren K�rper verschlingen, ihr in Ohren und Nase dringen w�rde.</p><p>Sie h�tte so gern gebetet, aber ihr Verstand brachte keine Worte zustande, mit denen sie h�tte ein Wunder erbitten k�nnen. Stattdessen tauchten Bilder vor ihrem geistigen Auge auf, und das Eindr�cklichste war eins des dreizehnj�hrigen Santiago Vasquez del Torres, der von zu Hause weggelaufen und nur bis zur n�chsten Stadt gekommen war. In einem Kleid von Elena, zurechtgemacht mit Schminkzeug von Elena, mit einem Tuch �ber dem Kopf, das sein Haar bedeckte, Haar, das zu kurz war f�r ein M�dchen und zu lang f�r einen Jungen, hatte er in der Kirche Zuflucht gesucht. In der Tasche, die er bei sich trug, befanden sich ein bisschen Kleingeld, ein paar Kleider zum Wechseln und drei Lippenstifte.</p><p>Als der Priester sie entdeckt hatte, hatte er sie <emphasis>Tochter</emphasis> genannt und gefragt, ob sie gekommen sei, um zu beichten. Eine Beichte schien der richtige Weg zu sein ��Geh, Santiago�, hatte Elena gesagt,�geh den Weg, den Gott dir zeigt.��, und Santiago Vasquez del Torres hatte gebeichtet. Keine S�nden, sondern den Wunsch nach Hilfe, denn wenn er nicht sein d�rfe, was er sein m�sse, werde er seinem Leben ein Ende setzen.</p><p>Der Priester hatte zugeh�rt. Er hatte von der schweren S�nde der Verzweiflung gesprochen. Er hatte gesagt, Gott mache keine Fehler. Und dann hatte er gesagt:�Komm mit mir, Kind�, und sie waren zusammen ins Pfarrhaus gegangen, wo der Priester ihm die Absolution erteilte und ihm eine warme Mahlzeit aus Kartoffeln und Fleisch vorsetzte, die er ganz langsam gegessen hatte, w�hrend er sich unter den misstrauischen Blicken der Haush�lterin des Priesters in der einfachen K�che umgesehen hatte. Nach dem Essen hatte der Priester ihn in ein Wohnzimmer gef�hrt, wo er sich ausruhen sollte von der langen, beschwerlichen Wanderung. Und da er tats�chlich furchtbar ersch�pft gewesen war, war er auf dem Sofa eingeschlafen.</p><p>Sein Vater hatte ihn geweckt. Mit versteinerter Miene hatte er gesagt� Danke, Pater �und seinen missratenen Sohn am Arm gepackt.�Danke f�r alles. �Dann hatte er der Kirche oder vielleicht auch dem Priester pers�nlich eine gro�e Summe gespendet f�r seinen Verrat und Santiago wieder mit nach Hause genommen.</p><p>Um ihn zu kurieren, hatte sein Vater ihn verpr�gelt. Dann hatte er ihn in ein leeres Zimmer gesperrt, um ihm Zeit zu geben, �ber die S�nde nachzudenken, die er gegen Gottes Gebote und gegen seine Familie und deren guten Namen ver�bt hatte. Und erst wenn er gelobe, mit diesen Verr�cktheiten aufzuh�ren, werde er ihn wieder freilassen, hatte der Vater gedroht.</p><p>Und so hatte Santiago versucht, ein Mann zu werden. Aber die Bilder von nackten Frauen, die die Br�der sich heimlich anschauten, hatten in ihm nur den Wunsch verst�rkt, selbst einen weiblichen K�rper zu besitzen.</p><p>Er entwickelte sich nicht wie seine Br�der: keine Behaarung an Armen und Beinen, keine Behaarung an der Brust, kein Bartwuchs. Es war offensichtlich, dass etwas mit ihm nicht stimmte, doch f�r seinen Vater lag die einzige L�sung des Problems darin, ihn abzuh�rten. Er schickte ihn zum Boxen, nahm ihn mit auf die Jagd, zum Bergsteigen und Skilaufen, damit er sich zu dem Mann entwickelte, zu dem Gott ihn bestimmt hatte.</p><p>Zwei endlose Jahre lang qu�lte Santiago sich ab. Zwei Jahre lang sparte er jeden Peso. Und mit f�nfzehn lief er wieder von zu Hause weg, diesmal f�r immer. Er fuhr mit dem Zug nach Buenos Aires, wo niemand sein Geheimnis kannte.</p><p>Alatea dachte an die Zugfahrt, an das Ger�usch der Lokomotive, an die vorbeifliegende Landschaft. Sie erinnerte sich daran, wie sie den Kopf gegen die k�hle Fensterscheibe gelegt hatte. Wie sie die F��e auf ihrem Koffer abgestellt hatte. Wie der Schaffner gekommen war, ihren Fahrschein abgeknipst und gesagt hatte: <emphasis>Gracias, se�orita</emphasis>. Und wie sie von da an immer nur eine <emphasis>Se�orita</emphasis> gewesen war.</p><p>Die Erinnerung war so lebhaft, dass sie beinahe meinte, die Lokomotive wieder zu h�ren. Das Rumpeln und Kreischen der R�der des Zugs, der sie in die Zukunft entf�hrte, fort von ihrer Vergangenheit.</p><p>Als das Wasser kam, begriff sie, dass es die Flut gewesen war, was sie geh�rt hatte. Und jetzt begriff sie auch, warum vor einer Weile die Sirenen geheult hatten. Das war die Flutwelle, die so schnell kam wie eine Herde galoppierender Pferde. Das bedeutete, dass das Wasser sie aus dem Treibsand befreien w�rde. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, dass es Dinge gab, von denen nichts und niemand sie jemals befreien konnte.</p><p>Sie war froh, dass sie nicht im Sand ersticken w�rde, wie sie bef�rchtet hatte. Und als das Wasser sie traf, wusste sie, dass sie auch nicht ertrinken w�rde. In solchem Wasser ertrank man nicht. Man legte sich einfach hin und schlief ein.</p></section><section><title><p>11.�November</p></title><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Sie hatten wirklich nichts tun k�nnen. Sie hatten es alle gewusst. Und alle hatten sich das Gegenteil vorgemacht. Die K�stenwache war im Nebel hinausgefahren, von Walney Island in Richtung Lancaster Sound. Aber von dort aus war es eine weite Strecke bis in die Morecambe-Bucht und noch weiter bis zum Kent Channel. Alatea h�tte irgendwo sein k�nnen, auch das hatten sie alle gewusst. Wenn es nur die Flutwelle gewesen w�re, h�tte Alatea vielleicht eine geringe Chance gehabt. Aber zusammen mit dem dichten Nebel war die Situation von Anfang an aussichtslos gewesen. Sie fanden Alatea nicht.</p><p>Nachdem die Flut hoch genug gestiegen war, hatte auch der RNLI ein Boot hinausgeschickt. Aber schon sehr bald war klar geworden, dass sie nach einer Toten suchten, und da es Unsinn war, f�r eine Tote Menschenleben zu riskieren, waren die M�nner wieder umgekehrt. Nur der Wattf�hrer k�nne ihnen jetzt noch helfen, hatten sie Lynley bei ihrer R�ckkehr erkl�rt, denn dessen Aufgabe in einer solchen Situation bestand darin einzusch�tzen, an welcher Stelle die Leiche wahrscheinlich angesp�lt w�rde. Er w�rde ihnen helfen, die Leiche so schnell wie m�glich zu finden, denn wenn das nicht geschah, sobald der Nebel sich aufl�ste, w�rde sie wahrscheinlich nie gefunden. Das Meer w�rde sie fortsp�len, und der Sand w�rde sie unter sich begraben. Manches verschlinge die Bucht f�r immer, und manches gebe sie erst nach hundert Jahren wieder preis. So sei die Bucht nun einmal, erkl�rte der Wattf�hrer. Wild in ihrer Sch�nheit und unerbittlich in ihrer Vergeltung.</p><p>Lynley und Deborah waren schlie�lich ins Haus gegangen, nachdem sie Stunde um Stunde das Feuer am Lodern gehalten hatten, selbst dann noch, als die Flut l�ngst in die Bucht zur�ckgekehrt war und alle wussten, dass keine Hoffnung mehr bestand. Aber Nicholas hatte sich nicht von dem Feuer losrei�en k�nnen, und so hatten sie mit ihm da drau�en ausgeharrt. Erst als es dunkel wurde und die Ersch�pfung und die Erkenntnis, dass es zwecklos war weiterzumachen, ihm alle Kraft raubten, hatte er endlich aufgegeben. Lynley und Deborah waren ihm unter den mitleidvollen Blicken der Dorfbewohner ins Haus gefolgt.</p><p>Dort hatte Lynley Bernard Fairclough angerufen und ihm mitgeteilt, die Frau seines Sohnes werde vermisst und sei wahrscheinlich in der Bucht ertrunken. Anscheinend sei sie zu einem Spaziergang aufgebrochen und von der Flutwelle �berrascht worden.</p><p>�Wir kommen sofort�, hatte Bernard Fairclough gesagt.�Sagen Sie Nicholas, wir sind unterwegs.�</p><p>�Sie kommen, weil sie Angst haben, ich k�nnte jetzt wieder anfangen, Drogen zu nehmen�, sagte Nicholas benommen, als Lynley ihm die Worte seines Vaters ausrichtete.�Na ja, bei meiner Vergangenheit kann man es ihnen wohl nicht verdenken. �Dann erkl�rte er, er wolle weder seine Eltern noch sonst irgendjemanden sehen.</p><p>Also hatte Lynley gewartet, bis Nicholas� Eltern eintrafen. Er teilte ihnen die Entscheidung ihres Sohnes mit, hatte sich jedoch entschlossen, Alateas Geheimnis nicht zu verraten. Er w�rde es mit ins Grab nehmen, und er wusste, dass Deborah es genauso halten w�rde.</p><p>Da es f�r die Fahrt nach London mittlerweile zu sp�t war, fuhren Lynley und Deborah zum Crow &amp; Eagle, buchten zwei Zimmer, a�en mehr oder weniger schweigend zu Abend und gingen ins Bett. Am n�chsten Morgen �berpr�fte Lynley sein Handy. Er hatte sieben neue Nachrichten, aber er las keine davon, sondern rief Barbara Havers an.</p><p>Er schilderte ihr kurz, was vorgefallen war. Bis auf ein gelegentliches� Ach, verdammt �und� Ach Gott, Sir �h�rte sie kommentarlos zu. Er sagte, sie m�ssten Alateas Angeh�rige in Argentinien �ber den Tod der jungen Frau informieren. Ob Barbara die Studentin aus Barcelona noch einmal um ihre Unterst�tzung bitten k�nne. Selbstverst�ndlich, antwortete Barbara. Es tue ihr schrecklich leid, wie die Sache ausgegangen war.</p><p>�Wie geht es Ihnen, Sir?�, erkundigte sie sich.�Sie klingen gar nicht gut. Kann ich sonst noch irgendwas f�r Sie tun?�</p><p>�Richten Sie Superintendent Ardery aus, dass ich in Cumbria aufgehalten wurde�, sagte er.�In ein, zwei Stunden werde ich mich auf den Weg nach London machen.�</p><p>�Soll ich ihr sonst noch was sagen?�, fragte Barbara.�Soll ich ihr mitteilen, was passiert ist?�</p><p>Lynley �berlegte kurz, dann sagte er:�Nein, lassen wir die Dinge lieber auf sich beruhen.�</p><p>�In Ordnung, Sir�, antwortete sie und legte auf.</p><p>Auf Barbara konnte er sich verlassen, dachte Lynley. Und dann fiel ihm auf, dass ihm �berhaupt nicht in den Sinn gekommen war, Isabelle anzurufen. Weder am Abend zuvor noch am Morgen, als er nach einer unruhigen Nacht aufgewacht war, hatte er an sie gedacht.</p><p>Deborah wartete bereits auf ihn, als er nach unten kam. Sie sah sehr mitgenommen aus. Ihre Augen f�llten sich mit Tr�nen, als sie ihn sah, und sie r�usperte sich, um nicht zu weinen.</p><p>Sie sa� auf einer h�lzernen Bank gegen�ber dem Empfangstresen. Lynley setzte sich neben sie und legte ihr einen Arm um die Schultern. Sie lie� sich gegen ihn sinken und nahm seine andere Hand, und er sp�rte, wie sie sich beide entspannten.</p><p>�H�r auf zu denken, was du denkst�, sagte er.</p><p>�Wie soll ich das?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Aber du darfst das nicht denken.�</p><p>�Tommy, sie w�re niemals in die Bucht rausgegangen, wenn ich mich nicht so penetrant in ihr Leben eingemischt h�tte. Dabei hatte diese Sache mit der Leihmutter �berhaupt nichts mit Ian Cresswells Tod zu tun, genau wie du und Simon es mir gesagt habt. Ich bin schuld.�</p><p>�Deb, Liebes, schuld daran sind die, die geschwiegen haben, die Geheimnisse f�r sich behalten und gelogen haben. Nicht du.�</p><p>�Du versuchst nur, nett zu mir zu sein.�</p><p>�Nein, ich sage die Wahrheit. Alatea ist in die Bucht gegangen, weil sie es nicht ertragen konnte, ihrem Mann reinen Wein einzuschenken. Aus demselben Grund hat sie heimlich Kontakt zu Lucy Keverne aufgenommen. Du kannst nicht die Verantwortung f�r ihr Versteckspiel und f�r ihren Tod auf dich nehmen.�</p><p>Deborah schwieg eine Weile. Schlie�lich murmelte sie:�Aber es gibt Dinge, die man f�r sich behalten muss, nicht wahr?�</p><p>Er dachte �ber alles nach, was zwischen ihnen unausgesprochen geblieben war und es immer bleiben w�rde. Dann sagte er:�Wer w�sste das besser als wir beide?�Als er seinen Arm von ihren Schultern nahm, schaute sie ihn an. Er l�chelte liebevoll.�London?�, fragte er.</p><p>�London�, sagte sie.</p><subtitle>ARNSIDE � CUMBRIA</subtitle><p>Obwohl Nicholas deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass er allein sein wollte, hatte Valerie darauf bestanden, mit Bernard in Arnside House zu �bernachten. Sie hatte Manette angerufen, um ihr die traurige Nachricht zu �berbringen, und sie gebeten, sich von Arnside fernzuhalten. Mignon hatte sie ebenfalls informiert, obwohl sie wenig Sorge hatte, dass sie vor der Haust�r ihres Bruders auftauchen k�nnte, denn seit dem gro�en Familienkrach hatte sie sich in ihrem Turm verkrochen. Mignon war Valerie im Moment auch relativ egal. Sie machte sich Sorgen, wie ihr Sohn auf diese Trag�die reagieren k�nnte.</p><p>Was er ihnen durch den Detective von Scotland Yard hatte ausrichten lassen, war knapp, aber klipp und klar gewesen. Er w�nschte niemanden zu sehen. Mehr nicht.</p><p>�Aber sie hat doch Verwandte in Argentinien�, hatte Valerie zu Lynley gesagt.�Die m�ssen wir informieren. Die Formalit�ten ��</p><p>Lynley hatte ihr versichert, Scotland Yard werde sich darum k�mmern und alles N�tige veranlassen. Eine Kollegin habe bereits Kontakt mit Alateas Verwandten aufgenommen. Und was die Formalit�ten angehe, solle man vielleicht abwarten, ob die Leiche gefunden werde.</p><p>An die M�glichkeit hatte sie noch gar nicht gedacht, dass es wom�glich keine Leiche geben werde. Am liebsten h�tte sie geantwortet, es m�sse eine Leiche geben, schlie�lich sei jemand gestorben. Wie solle man um jemanden trauern, den man nicht begraben konnte?</p><p>Nachdem Lynley mit der Frau, die er ihr als Deborah St. James vorgestellt hatte, abgefahren war, war Valerie nach oben gegangen und hatte an Nicholas� T�r geklopft.�Wir sind hier�, hatte sie zu der verschlossenen T�r gesagt.�Dein Vater und ich. Du findest uns unten.�</p><p>Die ganze Nacht lang hatten sie im Wohnzimmer gesessen. Im Kamin brannte ein Feuer. Gegen drei Uhr meinte Valerie, im ersten Stock ein Ger�usch geh�rt zu haben, aber es war nur der Wind gewesen. Der Wind vertrieb den Nebel und brachte Regen mit, der gegen die Fensterscheiben prasselte. Valerie kam eine Stelle aus ihrem Gebetbuch in den Sinn �ber die Niedergeschlagenheit w�hrend der Nacht, die am Morgen von der Freude abgel�st wird. Doch in diesem schrecklichen Fall trafen die Worte nicht zu. Die meiste Zeit schwiegen sie. Mehrmals versuchte Bernard, ein Gespr�ch anzufangen, aber sie sch�ttelte nur den Kopf und hob abwehrend eine Hand.�Herrgott noch mal, Valerie, du kannst dich doch nicht ewig weigern, mit mir zu reden�, sagte Bernard, und da begriff sie, dass er trotz allem, was in den letzten zw�lf Stunden vorgefallen war, �ber sie beide reden wollte. Was war blo� mit dem Mann los? fragte sie sich ersch�pft. Andererseits � hatte sie die Antwort auf die Frage nicht schon immer gewusst?</p><p>Kurz nach dem Morgengrauen kam Nicholas ins Wohnzimmer. Er bewegte sich so leise, dass sie ihn erst wahrnahm, als er vor ihr stand.</p><p>Sie wollte schon aufspringen, doch Nicholas wehrte ab:�Nicht.�</p><p>�Nicholas�, sagte sie, aber er sch�ttelte den Kopf. Er hatte ein Auge geschlossen, als w�rde das Licht im Raum ihn schmerzen, und er legte den Kopf schief, als k�nnte er sie so besser sehen.</p><p>Er sagte:�Nur eins: Ich habe nicht die Absicht.�</p><p>�Was?�, sagte Bernard.�Nick, ich verstehe nicht ��</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, wieder Drogen zu nehmen�, sagte Nicholas.</p><p>�Deswegen sind wir nicht hier�, sagte Valerie.</p><p>�Sondern?�Seine Lippen waren so trocken, dass sie ganz spr�de waren. Er hatte dunkle Ringe unter den Augen. Sein blondes Haar klebte ihm am Kopf. Seine Brille war verschmiert.</p><p>�Wir sind geblieben, weil wir deine Eltern sind�, sagte Bernard.�Herrgott noch mal, Nick ��</p><p>�Es ist meine Schuld�, sagte Valerie.�Wenn ich Scotland Yard nicht gebeten h�tte hierherzukommen, wenn diese Leute sich nicht in euer Leben eingemischt h�tten, wenn sie Alatea nicht ��</p><p>�Wenn hier einer Schuld hat, dann bin ich das�, fiel Bernard ihr ins Wort.�Du darfst deiner Mutter keinen Vorwurf machen. Wenn ich ihr keinen Grund gegeben h�tte, um eine Ermittlung zu bitten ��</p><p>�H�rt auf. �Nicholas hob eine Hand und lie� sie ersch�pft wieder sinken.�Ja, ihr seid schuld. Und zwar alle beide. Aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr.�</p><p>Er drehte sich auf dem Absatz um und lie� sie allein. Sie h�rten ihn den Flur entlangschlurfen und kurz darauf die Treppe hochsteigen.</p><p>Sie fuhren nach Hause. Als h�tte sie gewusst, dass sie �ber die hintere Einfahrt kommen w�rden � wahrscheinlich war sie auf dem Dach ihres Turms gewesen, von wo aus sie, wie Valerie inzwischen wusste, seit Jahren alles und jeden beobachtete �, stand Mignon vor dem Haus und erwartete sie bereits. Klugerweise war sie ohne ihren Rollator gekommen, dieses Spiel war endg�ltig vorbei. Zum Schutz gegen die K�lte hatte sie sich in einen dicken Wollmantel gewickelt. Es war ein herrlicher Morgen, wie manchmal nach einem heftigen Regen, die Sonne schien wie ein Sinnbild der Hoffnung und tauchte die Wiesen und die Damhirsche, die in der Ferne grasten, in goldenes Herbstlicht.</p><p>Mignon kam auf sie zu, als Valerie ausstieg.�Was ist passiert, Mum?�, fragte sie.�Warum seid ihr gestern Abend nicht nach Hause gekommen? Ich war ganz krank vor Sorge. Ich hab die halbe Nacht kein Auge zugetan. Um ein Haar h�tte ich die Polizei gerufen.�</p><p>�Alatea ��, sagte Valerie.</p><p>�Nat�rlich, Alatea�, sagte Mignon.�Aber warum um Himmels willen seid ihr nicht nach Hause gekommen?�</p><p>Valerie sah ihre Tochter verst�ndnislos an. Aber war Mignon ihr nicht schon immer fremd gewesen?</p><p>�Ich bin viel zu m�de, um jetzt mit dir zu reden�, sagte sie.</p><p>�Mum!�</p><p>�Mignon, es reicht�, sagte ihr Vater.</p><p>Valerie h�rte, dass Bernard ihr folgte. Sie h�rte Mignon maulen. Sie blieb stehen und drehte sich um.�Du hast geh�rt, was dein Vater gesagt hat. Es reicht.�</p><p>Sie ging ins Haus. Sie war zu Tode ersch�pft. Bernard sagte ihren Namen, als sie die Treppe hochgehen wollte. Er klang z�gerlich, verunsichert auf eine Art, die sie an Bernard Fairclough noch nie erlebt hatte.</p><p>Sie sagte:�Ich lege mich eine Weile hin, Bernard�, und ging nach oben.</p><p>Sie wusste, dass sie irgendeine Entscheidung treffen musste. Ihr Leben war ein Scherbenhaufen, und sie w�rde sich �berlegen m�ssen, wie diese Scherben sich wieder zusammensetzen lie�en, welche davon noch zu gebrauchen waren und welche davon in den M�ll geh�rten. Und sie wusste, dass ein Gro�teil der Verantwortung f�r das, was geschehen war, auf ihren Schultern lastete. Sie war schon lange �ber Bernards Doppelleben im Bilde gewesen, und dieses Wissen und wie sie mit diesem Wissen umgegangen war, das waren ihre S�nden, f�r die sie bis ans Ende ihrer Tage w�rde b��en m�ssen.</p><p>Ian hatte ihr nat�rlich alles erz�hlt. Obwohl sein Onkel ihm die Finanzen der Firma anvertraut hatte, hatte Ian immer gewusst, wer bei Fairclough Industries wirklich die Macht besa�. Sicher, Bernard k�mmerte sich um das Alltagsgesch�ft, er traf viele Entscheidungen. Bernard, Manette, Freddie und Ian hatten gemeinsam daf�r gesorgt, dass das Unternehmen seine Marktposition ausbauen konnte, hatten es auf eine Weise modernisiert, die Valerie gar nicht erst in den Sinn gekommen w�re. Aber wenn der Vorstand zweimal im Jahr zusammenkam, nahm sie den Platz am Kopfende des Konferenztischs ein, und keiner hatte das je in Frage gestellt, denn so war es immer gewesen. Man konnte die Karriereleiter hochklettern, doch irgendwann stie� man an die Decke, und sie zu durchbrechen, war eine Frage des Bluts und nicht der Kraft.</p><p>�Ich habe etwas Seltsames und ziemlich Beunruhigendes entdeckt�, hatte Ian eines Tages zu ihr gesagt.�Ehrlich gesagt wollte ich es dir eigentlich ersparen, Tante Val, weil � na ja, weil du immer gut zu mir gewesen bist, und Onkel Bernie nat�rlich auch, und eine Zeitlang dachte ich, ich k�nnte das Geld ein bisschen hin und her schieben und die Ausgaben vertuschen, aber inzwischen sehe ich nicht mehr, wie ich das machen soll.�</p><p>Als Ian Cresswell nach dem Tod seiner Mutter aus Kenia zu ihnen gezogen war, war er ein netter Junge gewesen. Und er war zu einem sympathischen Mann herangewachsen. Es war wirklich schade, dass er seine Frau und seine Kinder so tief verletzt hatte, als er sich zu seiner Neigung bekannt und beschlossen hatte, das Leben zu f�hren, das f�r ihn bestimmt war. Aber manchmal widerfuhren den Menschen eben solche Dinge, und dann musste man sehen, wie man damit zurechtkam. Jedenfalls hatte Valerie verstanden, was ihm Sorgen bereitet hatte, sie hatte seinen Loyalit�tskonflikt akzeptiert, und sie war dankbar gewesen, als er ihr die Ausdrucke gezeigt hatte, die belegten, wohin das ganze Geld floss.</p><p>Sein Tod hatte sie schrecklich getroffen. Obwohl es ein Unfall gewesen war, machte sie sich Vorw�rfe, weil sie nicht mit genug Nachdruck auf die losen Steine im Steg hingewiesen hatte. Andererseits hatte sein Tod ihr den Vorwand geliefert, auf den sie so lange gewartet hatte. Die einzige Methode, Bernard zu bestrafen, bestand ihrer Meinung nach darin, ihn vor der ganzen Familie zu dem�tigen. Seine Kinder sollten erfahren, was f�r ein Mann ihr Vater war. Dann w�rden sie ihm sagen, er solle sich nach London zu seiner M�tresse und seinem Bastard scheren, und sich sch�tzend um ihre Mutter scharen. Auf diese Weise w�rde Bernard f�r seine S�nden bezahlen. Denn die Kinder hatten Fairclough-Blut in den Adern, und sie w�rden die Obsz�nit�ten ihres Vaters keine Sekunde lang dulden. Sp�ter, wenn eine angemessene Zeit verstrichen war, w�rde sie ihm verzeihen. Was blieb ihr auch anderes �brig nach zweiundvierzig Jahren Ehe?</p><p>Sie trat ans Fenster ihres Zimmers, von dem aus man eine herrliche Aussicht auf den See hatte. Zum Gl�ck, dachte sie, konnte sie von hier aus nicht den Fantasiegarten sehen, der jetzt wohl nicht mehr fertiggestellt w�rde. Sie betrachtete den See, in dessen spiegelglatter Oberfl�che sich die Fichten am Ufer, die Felsen gegen�ber Ireleth Hall und die dicken, wei�en Kumuluswolken spiegelten, die wie immer nach einer st�rmischen Nacht gem�chlich �ber den Himmel zogen. Es war ein perfekter Herbsttag, sauber und frisch. Valerie hatte das Gef�hl, nicht in diesen Tag hineinzupassen. Sie kam sich alt und verbraucht vor. Ihre Seele erschien ihr beschmutzt.</p><p>Sie h�rte, dass Bernard ins Zimmer kam, doch sie drehte sich nicht um. Sie h�rte, wie er sich ihr n�herte, und aus den Augenwinkeln sah sie, dass er ein Tablett mitgebracht hatte, das er auf dem kleinen Tisch zwischen den beiden Fenstern abstellte. �ber dem Tisch hing ein gro�er Spiegel, und darin sah Valerie, dass Bernard ihr Tee, Toast und gekochte Eier gebracht hatte. Und sie sah das Gesicht ihres Mannes.</p><p>Er war der Erste, der das Schweigen brach.�Ich habe es getan, weil ich es tun konnte. So ist mein ganzes Leben verlaufen. Ich sch�tze, es war wie eine Herausforderung. So wie damals, als ich dich erobert habe. So �hnlich wie die Herausforderung, mehr aus der Firma zu machen, als es dein Vater und dein Gro�vater vermocht hatten. Ich wei� nicht einmal, weshalb mir das Ganze so wichtig gewesen war, und das ist das Schlimmste, denn es l�sst mich bef�rchten, dass ich es wieder tun w�rde.�</p><p>�Was f�r ein tr�stlicher Gedanke�, bemerkte sie sarkastisch.</p><p>�Ich versuche, dir gegen�ber ehrlich zu sein.�</p><p>�Noch so ein tr�stlicher Gedanke.�</p><p>�H�r zu. Das Verteufelte ist, dass ich nicht behaupten kann, es h�tte mir nichts bedeutet, denn das stimmt nicht. Ich wei� nur nicht genau, warum es mir so wichtig gewesen war.�</p><p>�Sex�, sagte sie.�M�nnlichkeit, Bernard. Du wolltest dir beweisen, dass du doch nicht so ein kleiner Wicht bist.�</p><p>�Das kr�nkt mich�, sagte er.</p><p>�Das soll es auch. �Sie betrachtete wieder den See. Sie musste einige Dinge in Erfahrung bringen, ehe sie eine Entscheidung traf, also konnte sie das genauso gut jetzt gleich hinter sich bringen.�Hast du es eigentlich immer getan?�, fragte sie.</p><p>Er besa� den Anstand, nicht zu fragen, was sie meinte.�Ja�, sagte er.�Na ja, nicht <emphasis>immer</emphasis>. Nur gelegentlich. Na ja, ziemlich h�ufig. Meistens, wenn ich gesch�ftlich unterwegs war. In Manchester zum Beispiel. Oder in Birmingham. In Edinburgh. In London. Aber vor Vivienne nie mit einer Angestellten. Und selbst bei ihr war es anfangs genauso wie bei den anderen. Weil ich es <emphasis>konnte</emphasis>. Aber mit der Zeit entwickelte sich mehr zwischen uns, und ich sah die Chance, zwei Leben zu f�hren.�</p><p>�Ganz sch�n clever�, sagte sie.</p><p>�Stimmt, ganz sch�n clever.�</p><p>Sie schaute ihn an. Er war tats�chlich klein. Sie �berragte ihn fast um Hauptesl�nge, und doch hatte sie ihn nie als klein empfunden. Aber er war es. Klein, ein bisschen feingliedrig, frech, mit einem kecken Grinsen � Gott, dachte sie, ihm fehlten nur noch ein Buckel, ein Wams und eine Strumpfhose. Sie hatte sich so leicht verf�hren lassen wie Lady Anne.�Warum, Bernard?�, fragte sie, und als seine Augen schmal wurden, f�gte sie hinzu:�Warum zwei Leben? F�r die meisten Menschen ist eins mehr als genug.�</p><p>�Das wei� ich�, antwortete er.�Das ist der Fluch, mit dem ich lebe. Ein Leben war mir nie genug. Ein Leben hat mir einfach nicht � Ich wei� auch nicht.�</p><p>Aber sie wusste es, und vielleicht hatte sie es von Anfang an gewusst.�Ein Leben h�tte nicht gereicht, um dir zu beweisen, dass du mehr bist als Bernie Dexter aus der Blake Street in Barrow-in-Furness.�</p><p>Er schwieg. Drau�en ert�nten Entenrufe, und Valerie wandte sich wieder dem Fenster zu. Etwa ein Dutzend Enten flogen in V-Formation in Richtung Fell Foot Park. Enten, die abhoben oder landeten, dachte sie, wirkten beinahe l�cherlich, aber im Flug wirkten sie so elegant wie andere V�gel auch. Nur die Art, wie sie in die Luft gelangten, lie� sie t�lpelhaft und schwerf�llig erscheinen.</p><p>�Ja�, sagte Bernard.�Ich glaube, da hast du recht. Die Blake Street war das Loch, aus dem ich gekrochen bin, aber die W�nde waren glitschig. Eine falsche Bewegung, und ich w�re wieder zur�ck in das Loch gefallen.�</p><p>Sie ging zu dem kleinen Tisch zwischen den Fenstern. Er hatte nur ein Gedeck auf das Tablett gestellt. Eine Tasse, eine Untertasse, zwei gekochte Eier, aber nur einen Eierbecher, Besteck f�r eine Person und eine wei�e Serviette. Anscheinend war er sich seiner selbst doch nicht so sicher. Das stimmte Valerie schon etwas gn�diger.</p><p>�Wer bist du?�, fragte sie ihn.�Und wer willst du sein?�</p><p>Er seufzte.�Valerie, ich m�chte dein Mann sein. Ich kann dir nicht versprechen, dass das � du und ich und alles, was wir uns aufgebaut haben � nicht in ein paar Monaten den Bach runtergeht. Aber ich m�chte dein Mann sein.�</p><p>�Und das ist alles, was du mir anzubieten hast? Nach fast dreiundvierzig Jahren?�</p><p>�Das ist alles, was ich anzubieten habe.�</p><p>�Warum in aller Welt sollte ich dieses Angebot annehmen? Dich als meinen Mann ohne irgendeine Dreingabe wie Ehrlichkeit, wie Treue, wie ��Sie zuckte die Achseln.�Ich wei� es selbst nicht mehr, Bernard.�</p><p>�Was?�</p><p>�Was ich von dir will. Ich wei� es nicht mehr. �Sie schenkte sich Tee ein. Er hatte Zitrone und Zucker mitgebracht, keine Milch, so wie sie ihren Tee immer trank. Er hatte Toast ohne Butter mitgebracht, so wie sie ihn immer a�. Er hatte Pfeffer mitgebracht, aber kein Salz, so wie sie ihr gekochtes Ei immer w�rzte.</p><p>Er sagte:�Valerie, wir haben eine gemeinsame Geschichte. Ich habe dir und unseren Kindern ein gro�es Unrecht angetan, das wei� ich, und das wei�t du. Weil ich Bernie Dexter aus der Blake Street bin. Mehr hatte ich dir von Anfang an nicht zu bieten.�</p><p>�Was ich alles f�r dich getan habe�, sagte sie leise.�Um dir zu gefallen, um dich zufriedenzustellen.�</p><p>�Ja, das hast du wirklich�, sagte er.</p><p>�Was es mich gekostet hat � Das kannst du nicht ahnen, Bernard. Das wirst du nie wissen. Wir m�ssen eine Abrechnung machen. Verstehst du das? Kannst du das verstehen?�</p><p>�Ja�, sagte er.�Das kann ich verstehen.�</p><p>Sie f�hrte die Tasse an ihre Lippen, aber er nahm sie ihr aus der Hand und stellte sie vorsichtig wieder auf die Untertasse.</p><p>�Bitte, lass mich damit anfangen�, sagte er.</p><subtitle>GREAT URSWICK � CUMBRIA</subtitle><p>Die Polizei hatte einen Krankenwagen gerufen, der Tim ins Krankenhaus in Keswick gebracht hatte. Manette hatte darauf bestanden, im Krankenwagen mitzufahren, denn auch wenn sie sonst nichts �ber den Zustand des Jungen und seine Aussichten auf Heilung wusste, so wusste sie doch, dass er von jetzt an immer einen Angeh�rigen in der N�he haben musste, und das war in dem Fall sie.</p><p>Beim Eintreffen der Polizei hatte die Alarmanlage immer noch geschrillt, als st�nde der J�ngste Tag bevor. Manette hatte auf dem Bett gesessen und Tims Kopf auf ihrem Scho� gewiegt, w�hrend Freddy versucht hatte herauszufinden, was sich in dem Laden abgespielt hatte. Die �belt�ter waren �ber alle Berge, die Kamera war fort, und es war keine Spur von einem Computer zu entdecken, aber in ihrer Eile hatten die Beteiligten andere Dinge zur�ckgelassen: ein Herrenjackett samt Brieftasche, eine Damenhandtasche, die einen Reisepass enthielt, und einen ziemlich schweren Safe. Die Polizei w�rde bald feststellen, was sich darin befand, dachte Manette.</p><p>Tim hatte in seinem benommenen Zustand immer wieder zwei S�tze gemurmelt:�Er hat es versprochen �und� Bitte nichts verraten. �Manette streichelte ihm �ber den Kopf � sein Haar war lang und ungepflegt � und sagte:�Keine Sorge, Tim. Mach dir keine Sorgen.�</p><p>Als den uniformierten Polizisten klar geworden war, womit sie es zu tun hatten, hatten sie die Kollegen von der Sitte verst�ndigt. Und so hatten sich Manette und Freddie erneut Superintendent Connie Calva gegen�bergesehen. Sie betrat den Raum und betrachtete die Szenerie: die viktorianische Einrichtung, das offene Fenster, Big Ben im Hintergrund, den Pl�schhund am Fu�ende des Betts, die Kost�me auf dem Boden, Tim, der mit dem Kopf auf Manettes Scho� lag. Dann hatte sie die Constables gefragt:�Haben Sie einen Krankenwagen gerufen?�Und zu Manette hatte sie gesagt:�Tut mir leid, mir waren die H�nde gebunden. Ich muss mich an die Vorschriften halten. �Manette hatte sich abgewandt, aber Freddie war der Kragen geplatzt:�Kommen Sie uns nicht mit Ihren verdammten Vorschriften!�Daf�r h�tte Manette ihn umarmen k�nnen, und ihr waren fast die Tr�nen gekommen vor Verzweiflung dar�ber, dass sie so dumm gewesen war und Freddie McGhie bis zu diesem Augenblick nie gesehen hatte, wie er wirklich war.</p><p>Superintendent Calva lie� sich nicht beirren. Sie schaute Manette an und fragte:�Ich nehme an, Sie sind zuf�llig hier reingeraten. Sie haben die Alarmanlage geh�rt, die Sauerei drau�en gesehen und Verdacht gesch�pft, richtig?�</p><p>Manette schaute Tim an, der angefangen hatte zu zittern, und traf eine Entscheidung. Sie r�usperte sich und sagte, nein, sie seien nicht zuf�llig in den Laden gestolpert, auch wenn es sehr freundlich von Superintendent Calva sei, das anzunehmen. Sie und ihr Mann � sie verga�, Exmann zu sagen � seien mit Gewalt in den Laden eingedrungen. Sie h�tten sich �ber das Gesetz hinweggesetzt und w�rden die Konsequenzen daf�r in Kauf nehmen. Leider seien sie nicht rechtzeitig eingetroffen, um die Vergewaltigung eines Vierzehnj�hrigen und die Filmaufnahmen f�r die Perversen in aller Welt verhindern zu k�nnen, aber den Rest w�rden sie der Polizei �berlassen, ebenso wie die Entscheidung, auf welche Weise man mit ihr und ihrem Mann � wieder verga� sie, ihn als ihren Exmann zu bezeichnen � verfahren wolle, nachdem sie in den Laden eingebrochen waren oder wie auch immer die Polizei ihr Vorgehen bezeichnen wolle.</p><p>�Als Malheur, w�rde ich sagen�, hatte Superintendent Calva daraufhin gesagt.�Oder vielleicht als dummen Streich? Auf jeden Fall m�ssten diese M�llcontainer mit irgendeiner Art Bremsen ausgestattet werden, damit sie nicht in Schaufenster rollen k�nnen. �Sie hatte sich noch einmal umgesehen und ihre Leute angewiesen, Beweismittel einzusammeln. Dann hatte sie gesagt:�Wir werden von dem Jungen eine Aussage brauchen.�</p><p>�Aber nicht jetzt�, hatte Manette geantwortet.</p><p>Dann waren sie zum Krankenhaus gefahren. Die �rzte und Krankenschwestern im Krankenhaus in Keswick waren sehr behutsam mit Tim umgegangen und hatten ihn schlie�lich in Manettes Obhut entlassen. Sie und Freddie hatten ihn mit nach Hause genommen, hatten ihn in die Badewanne gesteckt, ihm eine warme Suppe vorgesetzt, noch eine Weile mit ihm am K�chentisch gesessen und ihn schlie�lich ins Bett verfrachtet. Dann hatten sie sich in ihre Zimmer zur�ckgezogen. Manette hatte in ihrem Zimmer eine schlaflose Nacht verbracht.</p><p>Am fr�hen Morgen, noch bevor es hell wurde, hatte sie Kaffee aufgesetzt. Sie hatte sich an den K�chentisch gesetzt, und jetzt starrte sie mit leerem Blick ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe an, hinter der noch dunkle Nacht herrschte und irgendwo in der Nacht der See lag, an dessen Ufer die Schw�ne noch im Schilf schliefen.</p><p>Als N�chstes w�rden sie wohl Niamh anrufen m�ssen. Sie hatte Kaveh bereits am Abend zuvor Bescheid gesagt und ihn gebeten, Gracie auszurichten, sie brauche sich keine Sorgen um ihren Bruder zu machen.</p><p>Und jetzt musste sie sich irgendwie mit Niamh auseinandersetzen. Als Tims Mutter hatte sie das <emphasis>Recht</emphasis> zu wissen, was vorgefallen war, aber Manette fragte sich, ob es wirklich n�tig war, dass Niamh es erfuhr. Was wenn sie nicht reagierte und Tim erfuhr davon? Dann w�re er doch sicher am Boden zerst�rt, oder? Und hatte er nicht schon genug durchgemacht? Andererseits mussten sie sich irgendwann bei Niamh melden, denn immerhin wusste sie, dass ihr Sohn vermisst wurde.</p><p>Manette sa� am K�chentisch und zerbrach sich den Kopf, was zu tun war. Tim zu verraten war undenkbar. Zugleich w�rde er aber auch Hilfe brauchen. Die konnte er in der Margaret Fox School bekommen, wenn er sich dort kooperativ verhielt. Doch wann war Tim jemals kooperativ gewesen? Und wie konnte man von ihm erwarten, dass er nach allem, was ihm widerfahren war, pl�tzlich kooperativ war? Warum, zum Teufel, sollte er es auch sein? Wem konnte er denn noch trauen?</p><p>Gott, war das alles ein Schlamassel, dachte Manette. Sie wusste �berhaupt nicht, wie sie dem Jungen helfen sollte.</p><p>Sie sa� immer noch am K�chentisch, als Freddie nach unten kam. Offenbar war sie auf ihrem Stuhl eingenickt, denn es war taghell, und Freddie war gerade dabei, sich eine Tasse Kaffee einzuschenken, als sie aufschreckte.</p><p>�Ah, du lebst ja noch�, bemerkte Freddie. Er sch�ttete den Inhalt ihrer Kaffeetasse in die Sp�le und schenkte ihr frischen Kaffee ein.�Kopf hoch, Kleine�, sagte er und klopfte ihr auf die Schulter.�Nach einem Viertelst�ndchen auf deinem Laufband f�hlst du dich bestimmt wieder viel besser.�</p><p>Als er sich ihr gegen�ber an den Tisch setzte, fiel Manette auf, dass er seinen besten Anzug anhatte. Genau genommen trug er seine Hochzeits-, Tauf- und Beerdigungskluft, wie er es nannte: der gute Anzug, wei�es Hemd mit Manschettenkn�pfen und Einstecktuch aus Batist. Er sa� da, zufrieden mit sich selbst, von Kopf bis Fu� geschniegelt und gestriegelt, als w�re der vergangene Tag nicht einer der schlimmsten Alptr�ume gewesen.</p><p>Mit einer Kinnbewegung wies er auf das Telefon, das vor ihr auf dem Tisch lag, und sagte:�Hm?�Manette sagte ihm, dass sie Kaveh angerufen habe.�Und was ist mit Niamh?�, wollte Freddie wissen, worauf sie antwortete:�Das ist die gro�e Frage, nicht wahr?�Sie erz�hlte ihm, dass Tim sie angefleht hatte, seiner Mutter nichts zu verraten, als sie am Abend noch einmal nach ihm gesehen hatte.</p><p>�Aber ich sollte sie wenigstens anrufen und ihr Bescheid geben, dass er bei uns ist�, sagte sie.�Auch wenn mir selbst das widerstrebt.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Aus demselben Grund, warum Tim mich gebeten hat, ihr nichts von dem zu erz�hlen, was gestern passiert ist. Manchmal ist es leichter, die Wahrheit �ber jemanden nicht so genau zu kennen. Tim kann sich denken � oder besser gesagt, ich kann mir denken �, dass es ihr egal ist oder dass sie nicht reagieren wird oder dass sie sich �rgert, und das war�s. Aber wenn ich sie anrufe, dann werde ich die Wahrheit �ber Niamh Cresswell erfahren. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das m�chte. Und Tim will es mit Sicherheit auch nicht.�</p><p>Freddie h�rte sich das alles geduldig an. Schlie�lich sagte er:�Ah, verstehe. Tja, da kann man wohl nichts machen, oder?�Er nahm das Telefon und gab die Nummer ein.�Ist ein bisschen fr�h, aber gute Nachrichten sind doch immer willkommen, oder?�, murmelte er. Er lauschte eine Weile, dann sagte er:�Hallo Niamh, hier ist Fred. Hoffe, ich hab dich nicht geweckt? � �h, tut mir leid � Wir hatten eine ziemlich unruhige Nacht � Wirklich? Das freut mich � H�r mal, Niamh, wir haben Tim hier bei uns � Ach, er ist ein bisschen erk�ltet, weil er sich nachts drau�en rumgetrieben hat, der Schlingel � Wir haben ihn zuf�llig in Windermere aufgegabelt. Manette pflegt ihn sch�n � Ja, ja, genau. K�nntest du in der Schule anrufen und denen Bescheid sagen � Ach so. Na ja, klar. Sicher � Du hast Manette doch auch auf seine Karte gesetzt, oder? Sehr gut � Manette und ich w�rden Tim und Gracie gern eine Weile bei uns behalten. Was h�ltst du davon? � Hmm, ja. Gro�artig, Niamh � Manette wird sich freuen. Sie mag die beiden sehr.�</p><p>Das war�s. Freddie beendete das Gespr�ch, legte das Telefon auf den Tisch und trank einen Schluck Kaffee.</p><p>Manette sah ihn entgeistert an.�Was ist denn in dich gefahren?�</p><p>�Das muss man doch alles organisieren.�</p><p>�Ja, nat�rlich. Aber bist du verr�ckt geworden? Wir k�nnen die Kinder doch nicht zu uns nehmen!�</p><p>�Warum denn nicht?�</p><p>�Freddie, unser Leben ist ein einziges Chaos. Und was Tim und Gracie jetzt brauchen, ist Stabilit�t.�</p><p>�Ah, ja, Chaos. Richtig. Ich wei�.�</p><p>�Tim dachte, der Mann w�rde ihn umbringen, Freddie. Er braucht Hilfe.�</p><p>�Also, das ist doch nachvollziehbar, oder? Dass er gedacht hat, der Kerl bringt ihn um. Er muss f�rchterliche Angst gehabt haben. Er ist da in was reingeraten, was er �berhaupt nicht verstanden hat und ��</p><p>�Nein, du verstehst das nicht. Er dachte, der Mann w�rde ihn umbringen, weil das die Abmachung war, die er mit ihm getroffen hatte. Das hat er mir gestern Abend erz�hlt. Er hat gesagt, er h�tte sich unter der Bedingung auf die Filmerei und alles eingelassen, dass dieser Toy4You ihn hinterher umbringen w�rde. Weil er nicht den Mumm hatte, sich selbst umzubringen. Er wollte es, aber er hat�s nicht �ber sich gebracht. Und vor allem wollte er nicht, dass Gracie ihn f�r einen Selbstm�rder hielt.�</p><p>Freddie h�rte ihr ernst zu, das Kinn in die Hand gest�tzt.�Hm�, sagte er.�Verstehe.�</p><p>�Gut. Denn dieser Junge ist in einem derart verwirrten und verletzten Zustand � Gott, mir fehlen die Worte � Ihn hierherzuholen, in diesen Scherbenhaufen � Das k�nnen wir ihm doch nicht antun!�</p><p>�Erstens�, sagte Freddie, nachdem er einen Moment nachgedacht hatte,�geht er auf eine sehr gute Schule, wo er wieder auf die Beine kommen kann, wenn er dazu bereit ist. Unsere Aufgabe ist es, ihm das klarzumachen. Er w�nscht sich eine Mutter und einen Vater, die zu ihm stehen und die an die M�glichkeit glauben, dass man die Scherben seines Lebens einsammeln und er noch einmal von vorne anfangen kann.�</p><p>�Das ist ja alles sch�n und gut, aber wie lange k�nnen wir ihm das geben?�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Ach, komm schon, Freddie, tu doch nicht so�, sagte Manette geduldig.�Du bist ein guter Fang und offenbar sehr begehrt, und fr�her oder sp�ter wird dich eine von deinen Freundinnen angeln. Und dann sind Tim und Gracie schon wieder damit konfrontiert, dass ihre Familie zerbricht. Das k�nnen wir ihnen doch nicht zumuten.�</p><p>Freddie schaute ihr in die Augen.�Oh. Dann habe ich mich also get�uscht?�</p><p>�Inwiefern?�</p><p>�In uns. Denn wenn das so ist, geh ich nach oben und zieh meinen Hochzeitsanzug wieder aus.�</p><p>Ihre Augen f�llten sich mit Tr�nen.�Freddie � Ach, Freddie � Nein, du hast dich nicht get�uscht.�</p><p>�Das hei�t also, wir m�ssen heute zu einer Hochzeit erscheinen, oder? Auf dem n�chsten Standesamt, w�rde ich sagen. Wir brauchen nur noch zwei Trauzeugen. Soll ich Tim wecken?�</p><p>�Ja�, sagte Manette.�Und ich rufe Gracie an.�</p><subtitle>ST. JOHN�S WOOD � LONDON</subtitle><p>Zed Benjamin sa� im Auto und betrachtete den Weg, den er zur�cklegen musste, um ins Haus seiner Mutter zu gelangen. Er wusste, was ihn da drinnen erwartete, und er war nicht wild darauf. Seine Mutter w�rde nicht lange brauchen, um spitzzukriegen, dass er seinen Job verloren hatte, und dann w�rde sie ihm ordentlich die H�lle hei�machen. Au�erdem musste er Yaffa gegen�bertreten, und die Vorstellung, was sie f�r ein Gesicht machen w�rde, wenn sie erfuhr, dass er seine Jahrhundertstory in den Sand gesetzt hatte, war einfach nur deprimierend.</p><p>Zu allem �berfluss f�hlte er sich hundeelend. Er war am Morgen in einem sch�bigen Hotel an einer Rastst�tte aufgewacht. Am Tag zuvor hatte er gleich nach dem Telefonat mit Rodney Aronson seine Sachen in Windermere abgeholt und sich auf den Heimweg gemacht. Dann war er so lange in Richtung London gefahren, bis ihm fast die Augen zugefallen waren. Das Zimmer, in dem er �bernachtet hatte, hatte ihn an diese japanischen Schlafboxen erinnert, �ber die er einmal gelesen hatte. Er f�hlte sich, als h�tte er versucht, in einem Sarg zu schlafen.</p><p>Am Morgen war er so ausgeruht gewesen, wie man sein konnte, wenn man um drei Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen wurde, weil sich auf dem Hotelkorridor ein paar Typen derma�en pr�gelten, dass die Polizei gerufen werden musste. Um halb f�nf war er wieder eingeschlafen, aber gegen f�nf waren die Leute zur Fr�hschicht in den verschiedenen L�den und Imbissbuden der Rastst�tte eingetroffen, hatten ihre Autot�ren zugeschlagen und einander lauthals begr��t, und um halb sechs hatte Zed seine Schlafversuche endg�ltig aufgegeben und sich in die Miniaturdusche gezw�ngt.</p><p>Wie ein Roboter hatte er sich rasiert, die Z�hne geputzt, sich angezogen. Hunger hatte er keinen gehabt, aber er hatte wenigstens einen Kaffee trinken wollen, und als er gerade in der Cafeteria war, wurden die Tageszeitungen geliefert.</p><p>Aus lauter Gewohnheit hatte Zed sich die <emphasis>Source</emphasis> geschnappt und mit an seinen Tisch genommen. Die Zeitung brachte eine Fortsetzung von Corsicos weltbewegender R�hrstory �ber das Mischlingskind aus dem dritten Glied der K�nigsfamilie. Die Story war richtig gro� aufgemacht, diesmal mit der Schlagzeile <emphasis>Er gesteht ihr seine Liebe</emphasis>, und begleitet von den entsprechenden Fotos. Das besagte Mitglied der k�niglichen Familie hatte anscheinend die Absicht, die Mutter des Kindes zu ehelichen, da die Enth�llungsstory dazu gef�hrt hatte, dass sie ihren Job als drittklassige Bollywood-Schauspielerin verloren hatte. Lesen Sie auf Seite drei, wer die Mutter des Kindes ist � Zed befolgte die Anweisung. Und stie� auf ein Foto von einer vollbusigen Sch�nheit und ihrem k�niglichen Verehrer, der das Kind auf dem Scho� hielt. Der Mann grinste in die Kamera, als wollte er seinen Geschlechtsgenossen im ganzen Land zeigen:�Seht mal, was ich mir geangelt hab, ihr Wichser!�Und es stimmte sogar. Der Idiot hatte immerhin einen Titel. Ob er auch noch einen dem Titel angemessenen Verstand besa�, war eine andere Frage.</p><p>Zed warf die Zeitung auf den Tisch. Was f�r ein Schwachsinn, dachte er. Aber er wusste, dass bei der <emphasis>Source</emphasis> die Korken knallten. Man w�rde Mitchell Corsicos unfehlbaren Riecher f�r eine hei�e Story feiern, seine F�higkeit, die �ffentliche Meinung zu beeinflussen und einen Spross der k�niglichen Familie � wie unbedeutend der auch sein mochte � dahingehend zu manipulieren, dass er genau das tat, was die <emphasis>Source</emphasis> ihm vorgab. Er, Zedekiah Benjamin, verkannter Dichter, sollte eigentlich froh sein, dass er den Schei�job bei dem K�seblatt los war.</p><p>Er stieg aus dem Auto. Er konnte das Unausweichliche nicht l�nger aufschieben, dachte er, doch er konnte es immerhin als positive Wendung in seinem Leben darstellen, falls ihm die richtigen Worte einfielen.</p><p>Kurz bevor er die Haust�r erreichte, kam Yaffa aus dem Haus. Sie r�ckte gerade ihren Rucksack zurecht, woraus er schloss, dass sie auf dem Weg zur Uni war. Sie hatte ihn nicht gesehen, und er wollte sich gerade hinter ein paar Str�uchern verdr�cken, als sie ihn entdeckte.</p><p>�Zed�, stammelte sie.�Was f�r eine � Also, das ist ja � Was f�r eine �berraschung. Du hast mir ja gar nicht gesagt, dass du heute schon nach London zur�ckkommen w�rdest.�</p><p>�Wenn ich dir erst mal erz�hle, warum ich wieder da bin, wirst du weniger erfreut sein.�</p><p>�Was ist denn?�, fragte sie besorgt. Sie legte ihm eine Hand auf den Arm.�Was ist passiert, Zed?�</p><p>�Ich bin gefeuert.�</p><p>Sie schaute ihn mit offenem Mund an. Wie weich ihre Lippen waren, dachte Zed.�Du hast deinen Job verloren? Aber es lief doch alles so gut! Was ist denn mit deiner Story? Und mit den Leuten in Cumbria? Mit all den Geheimnissen? Was hatten sie denn zu verbergen?�</p><p>�Es ging nur darum, wie man ein Kind in die Welt setzt, wenn man selber keins bekommen kann�, sagte er.�Das war alles.�</p><p>Sie runzelte die Stirn.�Und Scotland Yard? Es kann doch nicht sein, dass die wegen so was ermittelt haben.�</p><p>�Das ist das Schlimmste, Yaffa�, sagte er.�Wenn da oben wirklich jemand von Scotland Yard war, dann hab ich ihn jedenfalls nicht zu Gesicht bekommen.�</p><p>�Aber wer war denn dann diese Frau?�</p><p>�Sie war gar nicht von Scotland Yard. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wer sie war, und jetzt, wo ich meinen Job los bin, spielt es auch keine Rolle mehr, oder?�Er trat verlegen von einem Fu� auf den anderen.�Aber unsere kleine Scharade am Telefon hat mir Spa� gemacht.�</p><p>Sie l�chelte.�Mir auch.�</p><p>Nerv�s spielte er an seinem Laptop herum. Pl�tzlich schien er nicht zu wissen, wo er seine H�nde und F��e lassen sollte.�Tja. Hm�, sagte er.�Wann wollen wir denn unsere Trennung inszenieren? Wenn�s nach mir geht, so bald wie m�glich. Wenn wir das n�mlich nicht in den n�chsten Tagen angehen, bestellt meine Mutter den Rabbi und backt eine Challa.�</p><p>Yaffa lachte.�Und w�re das denn gar so schrecklich, Zedekiah Benjamin?�, fragte sie in einem neckischen Ton.</p><p>�Was? Das mit dem Rabbi oder das mit der Challa?�</p><p>�Beides.�</p><p>Die Haust�r ging auf. Eine �ltere Frau kam mit einem kleinen Pudel an der Leine heraus. Zed trat zur Seite, um ihr Platz zu machen. Sie schaute erst ihn, dann Yaffa, dann wieder ihn an. Sie grinste. Zed sch�ttelte den Kopf. J�dische M�tter. Die waren doch alle gleich, dachte er resigniert. Dann sagte er zu Yaffa:�Das w�rde Micah aber gar nicht gefallen, oder?�</p><p>�Ach, Micah. �Yaffa schaute der alten Frau mit dem Pudel nach. Der Pudel hob das Bein und pinkelte an einen Strauch.�Ich f�rchte, es gibt gar keinen Micah.�</p><p>Er schaute sie verdattert an.�Wie bitte? Verdammt! Ihr habt euch getrennt?�</p><p>�Zed�, sagte Yaffa.�Es hat nie einen Micah gegeben.�</p><p>Zed brauchte einen Augenblick, um das zu verdauen. Endlich fiel ihm der Groschen.�Soll das hei�en ��</p><p>Sie lie� ihn nicht ausreden.�Ja, genau das soll das hei�en.�</p><p>Er l�chelte.�Du bist ja eine ganz Raffinierte.�</p><p>�Ja�, sagte sie.�So bin ich einfach. Und ja.�</p><p>�Ja, was?�</p><p>�Ja, ich will deine Frau werden. Wenn du mich noch haben willst, obwohl ich dich mit Hilfe deiner eigenen Mutter reingelegt habe.�</p><p>�Aber warum willst du mich denn jetzt noch?�, fragte er.�Ich habe keinen Job, ich habe kein Geld, ich wohne bei meiner Mutter und ��</p><p>�Das sind die Geheimnisse der Liebe�, sagte sie.</p><subtitle>BRYANBARROW � CUMBRIA</subtitle><p>Kaum hielt das Auto vor dem Tor, kam Gracie aus dem Haus gelaufen. Sie flog Tim um den Hals und lie� ihn gar nicht mehr los und redete so atemlos auf ihn ein, dass er M�he hatte zu verstehen, was sie sagte. Und alles andere war ihm auch noch nicht so ganz klar. Manette hatte in der Margaret Fox School angerufen, um Bescheid zu sagen, dass Tim jetzt bei ihr wohnte. Sie hatte gebeten, ihn noch einen Tag vom Unterricht zu beurlauben, und versprochen, ihn am n�chsten Morgen pers�nlich zur Schule zu bringen. Dann hatte sie einen gr�nen Seidenrock, einen grauen Kaschmirpullover und ein graues Jackett angezogen, sich ein buntes Halstuch umgebunden und verk�ndet, sie m�ssten zu einer Hochzeit und Tim sei Freddies Trauzeuge � falls er nichts dagegen habe.</p><p>Irgendwann hatte Tim begriffen, dass es sich um die Hochzeit von Manette und Freddie handelte. Er hatte beteuert, nat�rlich habe er nichts dagegen, aber dann hatte er sich von den strahlenden Gesichtern der Brautleute abgewandt und sich gesagt, dass er da nicht hingeh�rte, denn wenn er sich auf den ganzen Jubel einlie�, w�rde er sich umso beschissener f�hlen, wenn ihn seine trostlose Wirklichkeit wieder einholte. Und er hatte es so satt, immer alles hinter sich lassen zu m�ssen. Er hatte gefragt:�Was soll ich denn anziehen?�, denn in Great Urswick hatte er �berhaupt keine Sachen.</p><p>�Wir finden schon was Passendes f�r dich�, hatte Manette geantwortet und sich bei Freddie untergehakt.�Aber zuerst holen wir Gracie ab. Kaveh hat sie zu Hause behalten, weil ich ja schlie�lich eine Brautjungfer brauche.�</p><p>Gracie war v�llig aus dem H�uschen� Eine Hochzeit! Eine Hochzeit!�, rief sie, w�hrend sie neben Tim herh�pfte.�Wir gehen auf eine Hochzeit, Timmy! Krieg ich ein neues Kleid, Manette? Soll ich eine wei�e Strumpfhose anziehen?�</p><p>Zu Tim sagte sie:�Du darfst nie wieder weglaufen, h�rst du? Ich hab mir solche Sorgen gemacht! Klar war ich sauer wegen Bella, weil du sie kaputt gemacht hast, aber sie ist nur eine Puppe, das wei� ich ja. Ich hatte sie nur so gern, weil Dad sie mir geschenkt hat, wei�t du, und ich durfte sie mir sogar selber aussuchen. Jetzt bin ich einfach nur froh, dass du wieder da bist. Wei�t du schon, was du zur Hochzeit anziehst?�</p><p>Dann wollte sie von Manette wissen:�Habt ihr viele G�ste eingeladen? Kommen deine Eltern auch? Und deine Schwester? Oder ist das zu anstrengend f�r die?�</p><p>Tim musste l�cheln, was seltsam war, denn es war das erste Mal seit mindestens einem Jahr, dass ihm nach L�cheln zumute war. Gracie bl�hte richtig auf, und er w�nschte sich so sehr, dass es dabei blieb.</p><p>Sie gingen ins Haus, Tim lief nach oben, um sich etwas zum Anziehen zu holen. Das Haus kam ihm seltsam fremd vor. In seinem Zimmer waren seine Sachen, aber sie geh�rten ihm nicht wirklich. Er wohnte hier, und doch wohnte er nicht hier. Er wusste nicht recht, was er davon halten sollte, dass er sich so f�hlte.</p><p>Er hatte nichts zum Anziehen, das f�r eine Hochzeit geeignet war, h�chstens seine Schuluniform, und die kam nat�rlich nicht in Frage.</p><p>Er �berlegte, ob er den n�chsten Schritt wagen sollte. Es schien ein Riesenschritt zu sein, der ihn vielleicht total umhauen w�rde. Aber Manette und Freddie w�rden heiraten, und letztlich w�rde ihm nichts anderes �brig bleiben, als ins Zimmer seines Vaters zu gehen und die schwarzen M�lls�cke mit dessen Sachen unter dem Bett hervorzuziehen, die Kaveh dort versteckt hatte, um sie zu Oxfam zu bringen, bevor seine Braut hier einzog.</p><p>Tim probierte eine von Ians Hosen an. Sie war ihm zu weit, aber mit einem G�rtel w�rde es schon gehen, und in einem Jahr w�rde sie ihm sowieso passen. Er ging die Sachen durch: Hosen, Hemden, Krawatten, Jacketts, Pullover. Wie gut sein Vater sich gekleidet hatte, dachte Tim. Was sagte ihm das �ber Ian? Wer war er gewesen? Einfach ein Mann. Ein ganz normaler Mann �</p><p>Hastig suchte er sich ein Hemd, eine Krawatte und ein Jackett aus, zog die Sachen an und lief nach unten. Die anderen warteten in der K�che auf ihn, wo Gracie gerade dabei war, einen Zettel f�r Kaveh an den Schrank zu kleben, in dem Kaveh den Tee aufbewahrte.�Gracie und Timmy gehen zu einer Hochzeit!�stand darauf, und darunter hatte sie ein Smiley gezeichnet.</p><p>Auf dem Weg zum Auto sahen sie, wie George Cowley seine letzten Habseligkeiten aus dem Cottage trug. Daniel stand ein bisschen verlegen dabei. Tim fragte sich, warum Dan nicht in der Schule war. Ihre Blicke streiften sich kurz. Gracie rief:�Tsch�ss, Dan! Wir fahren zu einer Hochzeit, und vielleicht kommen wir nie mehr zur�ck!�</p><p>Sie stiegen ins Auto und machten sich auf den Weg nach Windermere. Erst als sie das Dorf hinter sich gelassen hatten und durch das Lyth Valley kurvten, drehte Manette sich zu ihnen um und fragte:�Was w�re denn, wenn ihr wirklich nie wieder zur�ckk�mt, Gracie? Was w�rdet ihr denn davon halten, zu uns nach Great Urswick zu ziehen?�</p><p>Gracie schaute Tim an. Dann schaute sie Manette mit gro�en Augen an.�Und mein Trampolin? Kann ich das mitbringen?�</p><p>�Daf�r finden wir bestimmt einen Platz.�</p><p>Gracie seufzte, r�ckte n�her zu Tim und legte den Kopf an seine Schulter.�Das w�r sch�n�, sagte sie.</p><p>Tim schloss die Augen und h�rte zu, wie Gracie und Manette Pl�ne schmiedeten. Erst als Freddie vom Gas ging und Manette etwas von Standesamt erw�hnte, machte er die Augen wieder auf.</p><p>�K�nnen wir vorher noch kurz irgendwo vorbeifahren?�, fragte er.�Ich meine, vor der Hochzeit.�</p><p>Selbstverst�ndlich, sagte Manette, und Tim nannte Fred die Adresse des Ladens, wo er Bella zur Reparatur abgegeben hatte. Er m�sse nur kurz etwas erledigen, sagte er, sprang aus dem Auto und betrat den Laden. Die Arme und Beine der Puppe waren angen�ht worden. Sie war zwar nicht ganz wieder die Alte, aber immerhin.</p><p>�Ich dachte, ich sollte die Puppe mit der Post schicken�, sagte die Frau.</p><p>�Hab�s mir anders �berlegt�, erwiderte Tim.</p><p>Im Auto gab Tim seiner Schwester die Puppe. Gracie dr�ckte Bella an sich, rief:�Du hast sie wieder heil gemacht! Du hast sie wieder heil gemacht!�, und wiegte sie sanft, als w�re sie ein lebendes Wesen.</p><p>�Ganz wie neu ist sie nicht geworden�, sagte Tim.�Tut mir leid.�</p><p>�Ach�, sagte Freddie, als er wieder losfuhr.�Wir beide sind auch nicht wie neu.�</p></section><section><title><p>12.�November</p></title><subtitle>CHELSEA � LONDON</subtitle><p>Als Lynley und Deborah in London eintrafen, war es schon nach Mitternacht. Sie hatten fast w�hrend der ganzen Fahrt geschwiegen, obwohl Lynley sie gefragt hatte, ob sie reden wolle. Nat�rlich war ihm bewusst, dass sie von ihnen beiden die schwerere Last trug, weil sie sich an Alateas Tod mitschuldig f�hlte, und er h�tte ihr gern wenigstens einen Teil dieser Last genommen. Aber das hatte sie nicht zulassen wollen.�K�nnen wir einfach still sein?�, hatte sie gefragt, und das hatte er akzeptiert. Nur hin und wieder hatte er kurz ihre Hand gestreichelt.</p><p>Kurz vor der Stra�e in Richtung Liverpool und Manchester wurde der Verkehr dichter. In der N�he von Birmingham stockte der Verkehr wegen verschiedener Baustellen, und vor der Abfahrt auf die A45 nach Northampton gerieten sie wegen eines Unfalls in einen Stau. Schlie�lich fuhren sie auf eine Rastst�tte und a�en ausgiebig zu Abend in der Hoffnung, dass der Stau sich aufl�sen w�rde. Erst gegen Mitternacht erreichten sie den Kreisverkehr in Cricklewood, und eine halbe Stunde sp�ter trafen sie in Chelsea ein.</p><p>Als sie vor dem Haus hielten, sah Deborah sofort, dass in Simons Arbeitszimmer im Erdgeschoss noch Licht brannte. Offenbar wartete er auf sie.</p><p>Er sa� im Sessel und las, und Peach lag vor dem Kaminfeuer auf einem Kissen, das Simon f�r sie dorthin gelegt hatte. Die Dackelh�ndin erhob sich tr�ge, als Deborah eintrat, streckte erst die Vorderbeine, dann die Hinterbeine und kam auf sie zu, um sie zu begr��en.</p><p>Simon legte sein Buch weg, einen Roman, wie Deborah verwundert bemerkte. Normalerweise las Simon ausschlie�lich Sachb�cher und Biografien von Menschen, die in der Wildnis �berlebt hatten. Sein Lieblingsheld war Shackleton.</p><p>Er stand m�hsam auf.�Da seid ihr ja endlich�, begr��te er sie.</p><p>�Wir sind ein paarmal in einen Stau geraten�, sagte sie.�Hat Tommy dir alles erz�hlt?�Er nickte und musterte sie mit seinen grauen Augen. Sah die Last, die sie schier erdr�ckte.�Er hat mich angerufen, als ihr getankt habt. Es tut mir schrecklich leid.�</p><p>Sie hob Peach auf die Arme, die sofort versuchte, ihr das Gesicht abzulecken.�Du hast mit allem recht gehabt�, sagte sie zu Simon, w�hrend sie ihre Wange in das seidige Hundefell dr�ckte.�Wie immer.�</p><p>�Das bereitet mir keine Genugtuung.�</p><p>�Was? Dass du immer recht beh�ltst? Oder dass du diesmal recht hattest?�</p><p>�Weder das eine noch das andere. Und ich behalte nicht immer recht. Auf dem Gebiet der Wissenschaft bewege ich mich auf ziemlich sicherem Boden. Aber was Herzensdinge angeht, die Gef�hle zwischen dir und mir � Glaub mir, Deborah, ich tappe v�llig im Dunkeln.�</p><p>�Es war diese Zeitschrift. Ich war total auf die Sache mit der Schwangerschaft fixiert und f�hlte mich Alatea so sehr verbunden. Der Gedanke, dass diese Frau ebenso entschlossen war wie ich, dass sie sich ebenso <emphasis>leer</emphasis> f�hlte wie ich, hat mich nicht mehr losgelassen. Ich bin schuld an ihrem Tod. Wenn ich ihr nicht solche Angst eingejagt h�tte, wenn ich sie in Ruhe gelassen h�tte, dann � Ich dachte, sie redete von diesem verr�ckten <emphasis>Source</emphasis>-Reporter, w�hrend sie dachte, der Mann, der sie suchte, h�tte mich geschickt.�</p><p>�Der Mann, von dem sie <emphasis>glaubte</emphasis>, er w�rde nach ihr suchen�, korrigierte sie Simon.�Wenn man die Wahrheit so zwanghaft verheimlicht, wie sie es getan hat, dann beherrscht sie irgendwann das ganze Leben. Alles wird nur noch von Misstrauen regiert. Du warst in Cumbria, weil Tommy dich darum gebeten hat, Deborah. Alles andere hat nur mit Alatea selbst zu tun.�</p><p>�Wir wissen doch beide, dass das so nicht stimmt�, entgegnete sie.�Ich habe in das, was ich bei Nicholas und Alatea gesehen habe, mehr hineingelegt, weil ich das wollte. Und wir wissen beide, warum ich das wollte. �Sie setzte sich in einen Sessel, und Peach machte es sich auf ihrem Scho� bequem.�Warum schl�ft sie nicht bei Dad?�, fragte Deborah, w�hrend sie die Dackelh�ndin streichelte.</p><p>�Weil ich sie bei mir haben wollte. Ich wollte nicht allein auf dich warten.�</p><p>Deborah lie� die Bemerkung auf sich wirken.�Wie seltsam�, sagte sie.�Ich h�tte nie gedacht, dass es dir etwas ausmachen k�nnte, allein zu sein. Du wirkst immer so selbstgen�gsam.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Ja. Wie sonst? K�hl, rational, selbstbewusst. Ich explodiere immer mal wieder, aber dir passiert das nie. Und jetzt � stehst du vor mir und erwartest irgendetwas von mir. Ich sp�re es, dabei habe ich keine Ahnung, was du erwartest ��</p><p>�Wirklich nicht?�</p><p>�� oder wie ich es dir geben soll.�</p><p>Simon setzte sich, aber nicht in den Sessel, in dem er bei ihrer Ankunft gesessen hatte, sondern auf die Lehne ihres Sessels. Deswegen konnte sie sein Gesicht nicht sehen, und er konnte ihres nicht sehen.�Ich muss einfach dar�ber wegkommen�, sagte sie.�Das wei� ich. Aber ich wei� nicht, wie ich das machen soll. Warum komme ich nicht dar�ber weg, Simon? Warum kann ich etwas, das ich mir so sehr w�nsche, nicht einfach loslassen?�</p><p>�Vielleicht solltest du es dir weniger w�nschen�, sagte er.</p><p>�Und wie soll ich das anstellen?�</p><p>�Indem du resignierst.�</p><p>�Aber das w�rde bedeuten, dass ich aufgebe. Dass <emphasis>wir</emphasis> aufgeben. Und wie w�rde ich mich dann f�hlen?�</p><p>�Verloren�, sagte er.</p><p>�Sehns�chtig�, sagte sie.�So f�hlt es sich an. Da ist so eine Sehnsucht in mir, die sich durch nichts stillen l�sst. Es ist schrecklich. Deswegen f�hle ich mich immer so � leer. Ich wei�, dass ich so auf Dauer nicht leben kann, doch ich wei� auch nicht, wie ich diese Sehnsucht loswerden soll.�</p><p>�Vielleicht ist das auch nicht der richtige Weg�, sagte er.�Vielleicht musst du einfach lernen, damit zu leben. Oder du musst begreifen, dass die Sehnsucht und das Stillen der Sehnsucht zwei grundverschiedene Dinge sind. Die nichts miteinander zu tun haben. Das eine ist durch das andere nicht wegzukriegen.�</p><p>Deborah dachte dar�ber nach. Sie �berlegte, wie gro� der Teil ihres Lebens war, der von dieser unstillbaren Sehnsucht bestimmt wurde. Schlie�lich sagte sie:�So will ich nicht leben, mein Liebling.�</p><p>�Dann versuch, anders zu leben.�</p><p>�Und wie soll ich das machen?�</p><p>Er streichelte ihr �bers Haar.�Vielleicht solltest du dich zuerst einmal ausschlafen.�</p><subtitle>WANDSWORTH � LONDON</subtitle><p>Urspr�nglich hatte Lynley von Chelsea aus direkt nach Hause fahren wollen. Von St. James bis zu ihm waren es nur f�nf Minuten mit dem Auto. Aber als h�tte der Healey Elliott einen eigenen Willen, hatte er ihn zu Isabelle gefahren, und noch ehe er so recht wusste, warum er das tat, schloss er ihre Wohnungst�r auf.</p><p>Es war dunkel in der Wohnung, wie mitten in der Nacht nicht anders zu erwarten. Er ging in die K�che und schaltete die schwache Lampe �ber der Sp�le ein. Und obwohl er sich daf�r verabscheute, warf er einen Blick in den K�hlschrank, �ffnete s�mtliche Schrankt�ren, �berpr�fte den Inhalt des M�lleimers und sah im Backofen nach.</p><p>In dem Moment ging das Licht an, und Isabelle stand in der K�che. Er hatte sie nicht geh�rt, so dass er nicht wusste, wie lange sie ihn schon dabei beobachtet hatte, wie er ihre Schr�nke durchsuchte.</p><p>Sie sahen einander schweigend an. Dann warf sie einen Blick auf die offene Ofenklappe, drehte sich um und ging zur�ck ins Schlafzimmer.</p><p>Er folgte ihr. Aber er konnte sich einfach nicht beherrschen. Im Schlafzimmer wanderte sein Blick zuerst zum Nachttisch, von dort zum Boden neben dem Bett, dann zur Kommode an der Wand. Es war, als h�tte ihn eine Krankheit befallen.</p><p>Sie beobachtete ihn. Offenbar hatte er sie aus dem Schlaf geholt. Aber aus welcher Art von Schlaf? Hatte sie etwas geschluckt, etwas eingenommen? � Pl�tzlich musste er das unbedingt wissen. So glaubte er zumindest, bis er ihren Gesichtsausdruck wahrnahm: Billigung ebenso wie Resignation lagen in ihrem Blick.</p><p>�Es tut mir furchtbar leid�, sagte er.</p><p>�Mir auch�, sagte sie.</p><p>Er ging zu ihr. Sie trug nur ein d�nnes Nachthemd, das sie sich �ber den Kopf zog. Er legte ihr eine Hand in den Nacken und k�sste sie. Sie schmeckte nach Schlaf und nach sonst nichts. Er l�ste sich von ihr, schaute sie an, k�sste sie noch einmal. Sie begann, ihn auszuziehen, und er legte sich zu ihr, w�hrend er die Laken herunterriss und auf den Boden warf, so dass nichts mehr zwischen ihnen war.</p><p>Und doch stand etwas zwischen ihnen. Auch als ihre K�rper sich miteinander vereinigten, auch als sie sich auf ihn setzte und er ihre Br�ste, ihre Taille, ihre H�fte streichelte, auch als sie sich im Rhythmus zusammen bewegten und sich k�ssten. Es war immer noch da. Es gab kein Entrinnen, dachte er. Der Genuss ihrer Vereinigung war ein einziges Fest. Aber gleichzeitig hatte er das Gef�hl, auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen.</p><p>Als sie sp�ter verschwitzt und befriedigt nebeneinanderlagen, sagte er:�Das war das letzte Mal, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte sie.�Das wussten wir beide. �Sie schwieg eine Weile. Dann sagte sie:�Es h�tte nicht funktioniert, Tommy. Auch wenn ich es wirklich gern gewollt h�tte.�</p><p>Er nahm ihre Hand, und ihre Finger verschr�nkten sich.�Das hat nichts mit Helen zu tun�, sagte er.�Das sollst du wissen.�</p><p>�Ja, ich wei�. �Sie schaute ihn an, und ihr Haar fiel ihr ins Gesicht. Er schob ihr eine nassgeschwitzte Str�hne hinters Ohr.�Tommy, du musst dir eine Frau suchen�, sagte sie.�Nicht als Ersatz f�r sie, denn welche Frau k�nnte sie ersetzen? Aber eine, mit der du weitermachen kannst. Denn darum geht es doch im Leben, oder? Ums Weitermachen.�</p><p>�Ich w�nsche mir das auch�, sagte er.�Anfangs war ich mir nicht sicher, und es wird bestimmt Tage geben, an denen ich r�ckf�llig werde und mir einrede, das Leben ohne Helen sei sinnlos. Aber diese Momente werden vor�bergehen. Ich werde das durchstehen und hinter mir lassen. Es kommen auch wieder andere Zeiten.�</p><p>Sie streichelte ihm die Wange mit den Kn�cheln und sah ihn liebevoll an.�Ich kann nicht sagen, dass ich dich liebe. Es gibt zu viele D�monen in meinem Leben. Und in deinem.�</p><p>�Ich wei�, was du meinst.�</p><p>�Aber ich w�nsche dir alles Gute. Das sollst du wissen. Egal, was passiert. Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><subtitle>BELGRAVIA � LONDON</subtitle><p>Um halb vier war Lynley endlich zu Hause. Er schloss die T�r zu seinem Haus in Eaton Terrace auf und tastete nach dem Lichtschalter. Sein Blick fiel auf ein Paar Damenhandschuhe, die seit neun Monaten am Fu� der Treppe lagen. Er durchquerte die Eingangshalle, hob die Handschuhe auf, hielt sie sich unter die Nase, um ein letztes Mal ihren Duft einzuatmen, dr�ckte sie sich an die Wange, um das weiche Leder ein letztes Mal zu sp�ren, und legte sie dann in eine Schublade der Garderobe.</p><p>Pl�tzlich hatte er gro�en Hunger. Ein seltsames Gef�hl. Es war eine Ewigkeit her, dass er zuletzt wirklichen, nagenden Hunger versp�rt hatte. Eigentlich hatte er nur noch gegessen, weil er wusste, dass sein K�rper das brauchte.</p><p>Er ging in die K�che und �ffnete den K�hlschrank, der wie immer gut best�ckt war. Er war ein verdammt schlechter Koch, aber R�hrei mit Toastbrot w�rde er schon hinbekommen, ohne das Haus abzufackeln, sagte er sich.</p><p>W�hrend er noch dabei war, alle Zutaten und Utensilien zusammenzusuchen, die er f�r die Zubereitung dieser schlichten Mahlzeit brauchen w�rde, kam Charlie Denton in Morgenrock und Pantoffeln in die K�che.</p><p>�Was machen Sie in meiner K�che, Mylord?�, fragte Denton, w�hrend er sich die Brille an seinem Morgenmantel polierte, worauf Lynley wie immer geduldig bemerkte:�Denton ��</p><p>�Sorry�, sagte Denton.�Bin noch nicht richtig wach. Was zum Teufel haben Sie in meiner K�che zu suchen, <emphasis>Sir</emphasis>?�</p><p>�Wie Sie sehen, mache ich mir etwas zu essen�, sagte Lynley.</p><p>Denton betrachtete die Zutaten, die Lynley auf der Anrichte aufgereiht hatte: Eier, Oliven�l, Marmite, Marmelade, Zucker.�Und was soll das werden?�, wollte er wissen.</p><p>�R�hrei mit Toastbrot. Allerdings bin ich noch auf der Suche nach dem Brot und der Bratpfanne.�</p><p>Denton seufzte.�Lassen Sie mich mal machen. Sie veranstalten sowieso nur eine Riesensauerei, und ich muss hinterher alles in Ordnung bringen. Was hatten Sie denn mit dem Oliven�l vor?�</p><p>�Braucht man nicht etwas, um die Eier zu braten?�</p><p>�Setzen Sie sich. �Denton machte eine Geste in Richtung K�chentisch.�Lesen Sie die Zeitung von gestern. Gehen Sie Ihre Post durch, die habe ich noch nicht auf Ihren Schreibtisch gelegt. Oder machen Sie sich n�tzlich und decken Sie den Tisch.�</p><p>�Wo ist das Besteck?�</p><p>�Herrgott noch mal, setzen Sie sich einfach.�</p><p>Lynley tat, wie ihm gehei�en. Er nahm sich seine Post vor. Wie immer waren jede Menge Rechnungen dabei. Aber auch ein Brief von seiner Mutter und einer von seiner Tante Augusta, die sich beide standhaft weigerten, E-Mails zu schreiben. Seine Tante hatte bis vor Kurzem nicht einmal ein Handy besessen.</p><p>Lynley legte die beiden Briefe beiseite und entfernte ein Gummiband von einem aufgerollten Handzettel.�Was ist das?�, fragte er.</p><p>�Keine Ahnung. Das klemmte hinterm T�rknauf�, antwortete Denton.�Die sind gestern hier in der Stra�e verteilt worden. Hatte noch keine Zeit, es mir anzusehen.�</p><p>Lynley betrachtete das Flugblatt. Es handelte sich um eine Einladung zu einer Veranstaltung in Earl�s Court, und zwar zu einer ganz besonderen: Es wurde ein Roller Derby angek�ndigt, die Boudica�s Broads aus Bristol gegen die Electric Magics aus London. <emphasis>The Spills! The Thrills!</emphasis> stand da in gro�en Lettern. <emphasis>Frauen-Rollschuh-Wettkampf: Werden Sie Zeuge spektakul�rer Artistik und hemmungsloser Rempeleien!</emphasis></p><p>Darunter waren die Namen der Sportlerinnen aufgef�hrt, und Lynley konnte nicht widerstehen, die Liste zu �berfliegen und nach einem Namen zu suchen, den wiederzusehen er nie geglaubt h�tte: Kickarse Electra, der Kampfname einer Gro�tier�rztin aus dem Zoo von Bristol, einer Frau namens Daidre Trahair, die ab und zu ein Wochenende in Cornwall verbrachte, wo er sie kennengelernt hatte.</p><p>Lynley lachte leise in sich hinein. Denton drehte sich kurz um und fragte:�Was ist?�</p><p>�Was wissen Sie �ber Roller Derby?�</p><p>�Was zum Teufel soll das sein?�</p><p>�Ich finde, das sollten wir in Erfahrung bringen, Charlie. Soll ich uns Eintrittskarten besorgen?�</p><p>�Eintrittskarten?�Denton sah Lynley an, als h�tte der den Verstand verloren. Dann lie� er sich gegen die Anrichte sinken und griff sich theatralisch an die Stirn.�Mein Gott�, sagte er,�ist es schon so weit gekommen? Soll das hei�en, Sie laden mich ein, mit Ihnen <emphasis>auszugehen</emphasis>?�</p><p>Lynley lachte.�Ganz recht.�</p><p>�Wo wird das noch hinf�hren?�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Lynley.</p><subtitle>CHALK FARM � LONDON</subtitle><p>Es war kein leichter Tag f�r Barbara Havers gewesen, denn sie hatte sich auf zwei Charaktereigenschaften verlassen m�ssen, die sie eigentlich nicht besa�, n�mlich die F�higkeit, das Offensichtliche zu ignorieren, und die F�higkeit, Mitgef�hl f�r Unbekannte zu empfinden.</p><p>Das Offensichtliche zu ignorieren h�tte bedeutet, Lynley nicht darauf anzusprechen, dass zwischen ihm und Superintendent Ardery offenbar irgendetwas vorgefallen war. Denn wenn Barbara sich nicht t�uschte, hatten die beiden miteinander Schluss gemacht. Beide wirkten irgendwie traurig, was sie jedoch mit H�flichkeit und Freundlichkeit zu �berspielen versuchten, woraus Barbara schloss, dass sie sich in gegenseitigem Einvernehmen getrennt hatten, was sie beruhigend fand. Denn h�tte sich nur einer getrennt und der andere darunter gelitten wie ein Hund, h�tte sich das katastrophal auf die Arbeitsatmosph�re im Yard ausgewirkt. So konnte wenigstens alles seinen gewohnten Gang gehen, ohne dass sie einander die n�chsten Monate mit Sticheleien und bissigen Bemerkungen das Leben zur H�lle machen mussten. Trotzdem d�nsteten sie beide eine derartige Niedergeschlagenheit aus, die Barbara dazu veranlasste, ihnen vorerst aus dem Weg zu gehen.</p><p>Dass sie nur wenig Mitgef�hl f�r Unbekannte aufzubringen vermochte, hatte jedoch nichts mit Lynley oder Ardery zu tun. Es war nicht damit zu rechnen, dass einer von beiden auf die Idee kommen w�rde, Barbara sein Herz auszusch�tten, wof�r sie dankbar war. Weniger dankbar war sie f�r die Aufgabe, sich noch einmal mit Engracia zu treffen und die junge Spanierin um einen letzten Anruf in Argentinien zu bitten.</p><p>Sie bekamen Alateas Bruder Carlos an den Apparat, der mit seiner Kusine Elena Mar�a seine Mutter besuchte. Engracia sprach sowohl mit Carlos als auch mit Elena Mar�a, w�hrend Barbara soufflierte.</p><p><emphasis>Bitte sagen Sie ihnen, dass Alatea ertrunken ist � Ihre Leiche wurde bisher nicht gefunden � das liegt an den besonderen Verh�ltnissen in der Bucht von Morecambe � am Treibsand � dazu kommt, dass mehrere Fl�sse in die Bucht m�nden � au�erdem kam an dem Abend eine Flutwelle � Wir gehen davon aus, dass die Leiche irgendwann angesp�lt wird, und wir wissen auch ungef�hr, wo � Ihr Mann wird sie beerdigen � Ja, sie war verheiratet � Ja, sie war sehr gl�cklich � Sie wollte nur einen Spaziergang machen � Es tut uns schrecklich leid � Ja, ich werde sehen, ob es Fotos gibt � Selbstverst�ndlich � Ja, es war ein Unfall � daran besteht kein Zweifel � ein schrecklicher, tragischer Unfall</emphasis>.</p><p>Es spielte keine Rolle, ob es ein Unfall gewesen war oder nicht, dachte Barbara. Alatea war tot, das war, was z�hlte.</p><p>Engracia hatte geweint, w�hrend sie der Familie die Nachricht von Alateas Tod �berbracht hatte, ein Ph�nomen, das Barbara nicht zum ersten Mal in Erstaunen versetzt hatte: dass jemand �ber den Tod eines Menschen weinte, den er nie gekannt hatte, dass jemand Mitgef�hl f�r Menschen empfand, denen er nie begegnen w�rde. Was l�ste solche Gef�hle aus, fragte sie sich? Warum waren ihr solche Gef�hle fremd? Konnte es sein, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmte? Oder lag es einfach an dem Beruf, f�r den sie sich entschieden hatte?</p><p>Eigentlich wollte sie �ber all das gar nicht weiter nachdenken � �ber Lynleys finstere Stimmung, �ber Arderys Niedergeschlagenheit, �ber die Trauer einer argentinischen Familie. Also konzentrierte sie sich auf dem Heimweg auf etwas Erfreuliches, n�mlich auf das bevorstehende Abendessen. Sie w�rde sich ein Steak in die Pfanne hauen, eine Nierenpastete in die Mikrowelle schieben, dazu einen Tetrapak Rotwein �ffnen, zum Nachtisch w�rde sie sich ein St�ck Cheesecake g�nnen und eine Tasse Kaffee vom Morgen aufw�rmen. Anschlie�end w�rde sie sich mit <emphasis>Die s��en Verhei�ungen der Leidenschaft</emphasis> aufs Sofa legen, einem schw�lstigen Liebesroman mit viel Herzschmerz, denn sie war gespannt darauf zu erfahren, ob Grey Mannington sich endlich seine Liebe zu Ebony Sinclair eingestehen w�rde. Und sie w�rde den elektrischen Kamin anwerfen. Denn es war den ganzen Tag �ber f�rchterlich kalt gewesen, ein Vorgeschmack auf den bevorstehenden Winter. Es w�rde ein bitterkalter, langer Winter werden, dachte sie. Zeit, die Biberbettw�sche aufzuziehen.</p><p>Azhars Auto stand vor dem Haus, aber im Erdgeschoss brannte kein Licht. Wahrscheinlich g�nnten ihre Nachbarn sich heute ein Abendessen in einem Restaurant und waren das kurze St�ck bis zur Chalk Farm Road oder zum Haverstock Hill zu Fu� gegangen. Vielleicht war alles am Ende doch gut gelaufen, dachte Barbara. Vielleicht sa�en Azhar, Hadiyyah und Angelina in friedlicher Eintracht mit Azhars anderen Kindern und seiner nicht von ihm geschiedenen Exfrau im China-Restaurant um die Ecke. Wie eine richtige Gro�familie. Vielleicht verstanden sie sich ja jetzt alle pr�chtig, vielleicht hatte die Frau ihrem Mann verziehen, dass er sie wegen einer Studentin, die von ihm schwanger war, verlassen hatte, vielleicht hatte Azhar sich ja auch schuldig bekannt; vielleicht hatte die ehemalige Studentin sich als Mutter bew�hrt und durfte jetzt auch die Rolle der Stiefmutter �bernehmen, und sie w�rden in Zukunft alle zusammenziehen und eine Patchwork-Familie bilden, die heutzutage so sehr in Mode waren � M�glich w�re es, dachte Barbara. Vielleicht waren aber auch allen Schweinen in England �ber Nacht Fl�gel gewachsen.</p><p>Inzwischen war es eiskalt, und sie beeilte sich, an dem Haus vorbei zu ihrem Bungalow zu gelangen. Es war ziemlich dunkel im Garten, da in zwei der f�nf Gartenlaternen die Birnen durchgebrannt waren, und vor ihrem Bungalow war es noch dunkler, denn sie hatte am Morgen vergessen, die Verandabeleuchtung einzuschalten.</p><p>Trotzdem sah sie, dass jemand auf der Stufe vor ihrer T�r hockte. Die Knie angezogen, den Kopf auf die Knie gelegt, die F�uste an die Schl�fen gedr�ckt wiegte die Gestalt sich vor und zur�ck. Als Barbara n�her kam, hob die Gestalt den Kopf. Es war Taymullah Azhar.</p><p>�Azhar?�, sagte sie. Er antwortete nicht. Dann bemerkte sie, dass er nur einen Anzug trug, aber weder Mantel noch Handschuhe, und dass er vor K�lte zitterte und mit den Z�hnen klapperte.</p><p>�Azhar!�, rief sie erschrocken.�Was ist passiert?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. Als sie ihm auf die Beine half, brachte er m�hsam hervor:�Sie sind weg.�</p><p>Barbara begriff sofort. Sie legte Azhar einen Arm um die Taille und schloss ihre T�r auf.�Kommen Sie rein�, sagte sie. Sie f�hrte ihn zu einem Stuhl. Der Mann war bis auf die Knochen durchgefroren. Selbst seine Kleider waren ganz steif und f�hlten sich an, als w�ren sie dabei, an seiner Haut festzufrieren. Sie zog eine Decke von ihrem Schlafsofa und legte sie ihm um die Schultern. Sie f�llte den Wasserkocher und schaltete ihn ein, dann ging sie zur�ck zu Azhar und rieb ihm die H�nde. Weil ihr nichts Besseres einfiel, wiederholte sie mehrmals seinen Namen. Wenn sie ihn noch einmal gefragt h�tte� Was ist passiert?�, h�tte er es ihr wahrscheinlich erz�hlt, doch sie wusste nicht, ob sie es wirklich wissen wollte.</p><p>Er hielt den Blick auf sie gerichtet, aber sie merkte, dass er sie eigentlich gar nicht sah, denn er starrte nur ins Leere. Der Wasserkocher schaltete sich ab, Barbara h�ngte einen Teebeutel in eine Henkeltasse und �berbr�hte ihn mit kochendem Wasser. Sie stellte die Tasse, ihre Zuckerdose und eine T�te Milch auf den Tisch. Dann tat sie Milch und Zucker in den Tee, r�hrte um, hielt ihm die Tasse hin und forderte ihn auf zu trinken.</p><p>Seine H�nde waren so steifgefroren, dass er die Tasse nicht halten konnte, also hielt sie ihm die Tasse an die Lippen. Er trank einen Schluck, hustete und trank wieder.�Sie hat Hadiyyah mitgenommen�, stie� er hervor.</p><p>Es konnte sich nur um einen Irrtum handeln, dachte Barbara. Angelina und Hadiyyah waren doch nur losgefahren, um Azhars Kinder abzuholen. Das war zwar eine ziemlich verr�ckte Idee, aber es konnte doch h�chstens eine Stunde dauern, bis Angelina und Hadiyyah mit den beiden anderen Kindern im Schlepptau zur�ckkehrten und die �berraschungsparty steigen lie�en. Zugleich jedoch wusste Barbara, dass sie sich etwas vormachte. Und dass Angelina sie angelogen hatte.</p><p>Dann fiel ihr auf, dass ihr Anrufbeantworter blinkte. Vielleicht, dachte sie, vielleicht �</p><p>Sie legte Azhars Hand um die Teetasse und ging zu dem Tischchen, auf dem der Anrufbeantworter stand. Zwei Nachrichten waren aufgezeichnet worden. Sie dr�ckte auf die Abh�rtaste. Die erste Stimme, die ert�nte, war Angelinas:�Hari wird es heute Abend nicht gut gehen�, sagte sie freundlich.�Wenn Sie vielleicht einmal nach ihm sehen w�rden. Ich w�re Ihnen sehr dankbar. �Nach einer kurzen Pause f�gte sie hinzu:�Machen Sie ihm verst�ndlich, dass es nichts Pers�nliches ist, Barbara � Na ja, einerseits ist es schon etwas Pers�nliches, andererseits auch wieder nicht. W�rden Sie ihm das sagen, Barbara?�Dann h�rte sie die zweite Nachricht ab. Azhars aufgeregte Stimme sagte:�Barbara � Barbara � Ihre P�sse � Hadiyyahs Geburtsurkunde ��Er begann zu schluchzen, dann war die Aufzeichnung zu Ende.</p><p>Barbara drehte sich zu ihm um. Er sa� in sich zusammengesunken am Tisch.�O Gott, Azhar�, sagte sie.�Was hat sie getan?�Das Schlimme war, dass sie genau wusste, was Angelina Upman getan hatte. Und wenn sie rechtzeitig mit Azhar gesprochen und ihm von der��berraschung �erz�hlt h�tte, dann h�tte er vielleicht geahnt, was Angelina vorhatte, und es vielleicht verhindern k�nnen.</p><p>Barbara setzte sich an den Tisch. Am liebsten h�tte sie ihn in den Arm genommen, aber sie f�rchtete, wenn sie das tat, w�rde er wie Glas zerbrechen.�Azhar�, sagte sie.�Hadiyyah hat mir etwas von einer �berraschung erz�hlt. Sie meinte, sie und ihre Mum w�rden losfahren, um Ihre anderen Kinder zu holen, die Kinder, die Sie mit � mit Ihrer Ehefrau haben. Ich wusste nicht, was ich Ihnen sagen sollte, Azhar. Ich wollte Hadiyyahs Vertrauen nicht missbrauchen � und � Verdammt, was ist eigentlich los mit mir? Ich h�tte etwas sagen sollen. Ich h�tte etwas unternehmen sollen. Ich hab doch nicht damit gerechnet, dass ��</p><p>�Sie wei� doch gar nicht, wo sie wohnen�, sagte er tonlos.</p><p>�Sie muss es irgendwie rausgefunden haben.�</p><p>�Wie denn? Sie kennt ja nicht mal ihre Namen. Nicht den meiner Frau, nicht die meiner Kinder. Sie kann unm�glich � Aber Hadiyyah hat wahrscheinlich gedacht � Bestimmt denkt sie ��Er verstummte.</p><p>�Wir m�ssen die Polizei verst�ndigen�, sagte Barbara, obwohl sie wusste, dass es zwecklos war. Denn Hadiyyah war nicht mit einer Fremden fortgegangen. Sie war in Begleitung ihrer Mutter. Und dass Azhar nicht geschieden war, machte die Frage nach dem Sorgerecht kompliziert. Ein Mann und eine Frau und ihre gemeinsame Tochter hatten ein paar Jahre lang einigerma�en friedlich zusammengelebt. Dann war die Mutter ins Ausland gegangen. Zwar war sie irgendwann zur�ckgekehrt, aber Barbara begriff pl�tzlich, dass sie das nur getan hatte, um ihre Tochter zu holen: Sie hatte Azhar in falscher Sicherheit gewiegt, ihn glauben lassen, es w�re alles wieder gut, und einen g�nstigen Moment abgewartet, um mit Hadiyyah spurlos zu verschwinden.</p><p>Gott, Angelina hatte sie alle hereingelegt und benutzt, dachte Barbara. Und was w�rde Hadiyyah denken und f�hlen, wenn ihr d�mmerte, dass ihre Mutter sie von ihrem Vater fortbrachte, an dem sie hing, und dass sie sie aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen hatte. Wohin w�rde Angelina wohl mit ihrer Tochter gehen? fragte sich Barbara. Wohin?</p><p>Niemand verschwand wirklich spurlos. Barbara war schlie�lich Polizistin, und sie wusste nur zu gut, dass niemand verschwand, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen.�Kommen Sie, wir gehen in Ihre Wohnung�, sagte sie zu Azhar.</p><p>�Ich kann da nicht mehr reingehen.�</p><p>�Sie m�ssen, Azhar. Sonst finden wir Hadiyyah nie wieder.�</p><p>Ganz langsam stand er auf. Barbara f�hrte ihn am Arm zum Vorderhaus. Auf der Terrasse vor seiner Wohnung blieb er stehen, aber sie bugsierte ihn weiter. Sie lie� sich von ihm die Schl�ssel geben, schloss die Haust�r auf und machte Licht.</p><p>Barbara betrachtete das Wohnzimmer, das Angelina so geschmackvoll renoviert hatte. Und auf einmal kapierte sie, was das alles zu bedeuten hatte. Angelina hatte sie alle hinters Licht gef�hrt, nicht nur Azhar und Hadiyyah, sondern auch Barbara. <emphasis>Es wird ein Riesenspa�, und was glaubst du, was dein Vater f�r Augen machen wird!</emphasis></p><p>Azhar stand in der Diele, das Gesicht aschfahl. Barbara f�rchtete schon, dass er gleich aus den Latschen kippen w�rde. Sie f�hrte ihn vorsichtshalber in die K�che und dr�ckte ihn auf einen Stuhl an dem kleinen Tisch.�Warten Sie�, sagte sie zu ihm.�Es wird alles gut, Azhar. Wir werden sie finden. Wir werden sie beide finden. �Er sagte nichts.</p><p>Sie ging ins Schlafzimmer und stellte fest, dass alles verschwunden war, was Angelina geh�rte. Die Frau konnte unm�glich alle ihre Habseligkeiten in Koffern mitgenommen haben, was bedeutete, dass sie die meisten Sachen schon vorher heimlich verschickt haben musste. Was wiederum bedeutete, dass sie bereits im Voraus gewusst hatte, wohin sie gehen w�rde, und vielleicht sogar, zu wem. Ein wichtiges Detail.</p><p>Auf dem Bett lag eine Geldkassette. Sie war offen, und der Inhalt war auf das Bett gekippt worden. Barbara ging die Sachen durch: Versicherungspolicen, Azhars Reisepass, eine Kopie seiner Geburtsurkunde, ein verschlossener Umschlag, auf dem in seiner sauberen Handschrift stand: <emphasis>Testament</emphasis>. Alles, was mit Hadiyyah zu tun hatte, fehlte, genau wie er es gesagt hatte.</p><p>Barbara ging ins Kinderzimmer. Hadiyyahs Kleider waren alle weg � bis auf ihre Schuluniform, die auf dem Bett lag wie zum Hohn, dass das M�dchen sie nie wieder tragen w�rde. Auch ihre Schultasche war noch da, mitsamt den B�chern und den in einem Ringbuch s�uberlich abgehefteten Hausaufgaben. Auf dem Schreibtisch stand Hadiyyahs Laptop, und obenauf thronte eine kleine Pl�schgiraffe, die ein freundliches M�dchen ihr im vergangenen Jahr auf dem Vergn�gungspier in Balford-le-Nez in Essex geschenkt hatte. Diese Giraffe, dachte Barbara, h�tte Hadiyyah niemals freiwillig zur�ckgelassen. Auch nicht den Laptop. Oder ihre Schulsachen. Und vor allem h�tte sie niemals freiwillig ihren Vater verlassen.</p><p>Sie ging zur�ck in die K�che, wo Azhar immer noch am Tisch sa� und vor sich hinstierte.�Azhar�, sagte sie.�Sie sind Hadiyyahs Vater. Das l�sst sich nachweisen. Sie hat seit ihrer Geburt bei Ihnen gewohnt. Die Nachbarn im ganzen Haus werden das bezeugen. Die Polizei wird die Leute hier befragen, und sie werden aussagen, dass Sie ein liebevoller Vater sind. Hadiyyahs Lehrer werden das best�tigen. Alle werden ��</p><p>�Mein Name steht nicht in der Geburtsurkunde, Barbara. Angelina hat darauf bestanden. Es war der Preis daf�r, dass ich mich nicht habe scheiden lassen.�</p><p>Barbara schluckte. Sie �berlegte fieberhaft.�Also gut. Das kriegen wir schon hin. Es spielt keine Rolle. Es gibt schlie�lich DNS-Tests. Wir werden beweisen, dass Sie der Vater sind.�</p><p>�Wie denn, wenn sie nicht hier ist? Und welche Rolle spielt es schon, solange sie bei ihrer Mutter ist? Angelina hat gegen kein Gesetz versto�en. Sie hat gegen keinen Gerichtsbeschluss versto�en. Es gibt keine richterliche Anordnung in Bezug auf ein gemeinsames Sorgerecht, der sie sich entzieht. Sie ist einfach verschwunden. Sie hat meine Tochter mitgenommen, und die beiden werden nie wieder zur�ckkommen.�</p><p>Er schaute sie so ungl�cklich an, dass Barbara sich abwandte.�Nein, nein, das kann nicht sein�, sagte sie wider besseres Wissen.</p><p>Er schlug sich mit den F�usten an die Stirn. Einmal, zweimal. Barbara hielt seine Handgelenke fest.�Nicht. Wir werden sie finden. Ich schw�re es Ihnen. Ich rufe ein paar Leute an. Jetzt gleich. Es gibt M�glichkeiten. Sie werden Hadiyyah wiedersehen, daran m�ssen Sie glauben. Glauben Sie daran?�</p><p>�Mein Leben hat keinen Sinn mehr�, murmelte er.�Ohne Hadiyyah hat mein Leben keinen Sinn.�</p><subtitle>CHALK FARM � LONDON</subtitle><p>Wen konnte sie verantwortlich machen? fragte sich Barbara verzweifelt. Wem auf Gottes verfluchter Erde konnte sie die Schuld geben? Sie musste einen Schuldigen finden, denn wenn ihr das nicht gelang, musste sie sich selbst die Schuld geben. Daf�r, dass sie sich hatte verf�hren lassen, sich hatte einsch�chtern lassen, dass sie zu bl�d gewesen war, dass sie �</p><p>Letztlich war Isabelle Ardery schuld, dachte sie. Wenn die bescheuerte Ardery nicht darauf bestanden h�tte, dass Barbara ihre �u�ere Erscheinung �nderte, w�re das alles nicht passiert; denn dann h�tte Barbara Angelina Upman erst gar nicht kennengelernt, dann w�re sie auf Distanz zu der Frau geblieben und h�tte klarer gesehen � Aber was f�r eine Rolle spielte das �berhaupt, denn Angelina hatte von Anfang an vorgehabt, ihre Tochter mitzunehmen, und genau <emphasis>darum</emphasis> war es in dem Streit zwischen Angelina und Azhar gegangen, den Barbara zuf�llig mitbekommen hatte. Sie hatte ihm gedroht, mit Hadiyyah wegzugehen, und er war w�tend geworden. Azhar hatte die Beherrschung verloren, wie es jedem Mann gehen w�rde, wenn er erf�hre, dass man ihm sein Kind wegnehmen wollte. Als Angelina Barbara kurz darauf erz�hlt hatte, um was es bei dem Streit gegangen war, hatte Barbara ihr das L�genm�rchen abgekauft, so wie sie ihr �berhaupt alles abgekauft hatte.</p><p>Sie wollte Azhar nicht allein lassen, doch wenn sie den Anruf t�tigen wollte, w�rde ihr nichts anderes �brig bleiben. Sie wollte nicht in seiner Gegenwart telefonieren, da sie nicht wusste, was bei dem Gespr�ch herauskommen w�rde, auch wenn sie Azhar versicherte, dass alles gut werden w�rde.�Legen Sie sich ein bisschen hin, Azhar�, sagte sie zu ihm.�Ruhen Sie sich aus. Ich bin gleich wieder da. Versprochen. Warten Sie hier auf mich. Ich werde ein paar Leute anrufen, und dann komme ich mit einem Plan zur�ck � Azhar, h�ren Sie mir �berhaupt zu?�Am liebsten h�tte sie jemanden gebeten herzukommen und sich um ihn zu k�mmern, aber es gab niemanden. Sie konnte nichts anderes tun, als ihn ins Schlafzimmer zu bringen, ihn zuzudecken und ihm zu versprechen, dass sie bald wieder da sein w�rde.</p><p>Sie lief zu ihrem Bungalow, um zu telefonieren. Es gab nur einen Menschen, der ihr helfen konnte, der in einer solchen Situation klar denken konnte. Sie w�hlte seine Handynummer.</p><p>�Ja? Barbara?�, sagte Lynley.�Sind Sie das?�Im Hintergrund war ein f�rchterlicher L�rm zu h�ren.�Ja, Sir�, sagte Barbara erleichtert.�Ja, Sir, ich bin�s. Ich brauche ��</p><p>�Ich kann Sie nicht verstehen, Barbara. Kann ich Sie zur�ck ��</p><p>Seine Stimme ging im Jubelgeschrei einer Menschenmenge unter. Wo zum Teufel steckte er? fragte sich Barbara. In einem Fu�ballstadion?</p><p>Als h�tte er ihre Frage geh�rt, sagte er:�Ich bin im Earl�s Court ��Wieder tobte die Menge, und Lynley sagte zu jemandem:�Charlie, ist die verr�ckt geworden? Gott, ist die Frau aggressiv. Haben Sie gesehen, was passiert ist?�Jemand antwortete etwas, und Lynley lachte. Er lachte, dachte Barbara, wie sie ihn nicht mehr hatte lachen h�ren seit dem vergangenen Februar, als sie geglaubt hatte, er w�rde nie wieder lachen. Er sagte:�Roller Derby, Barbara�, dann wurde es so laut, dass sie fast kein Wort mehr verstand.�� diese Frau aus Cornwall�, h�rte sie. War er bei einem Rendezvous? fragte sie sich. Mit einer Frau aus Cornwall? Und was war Roller Derby? Und wer war Charlie? Eine Frau namens Charlotte? Es konnte doch unm�glich Charlie Denton sein, oder? Wieso zum Teufel sollte Lynley mit Charlie Denton ausgehen?</p><p>�Sir�, rief sie ins Handy.�Sir!�Aber es hatte keinen Zweck.</p><p>Die Menge tobte, und Lynley sagte zu jemandem:�Ist das ein Punkt?�Dann sagte er ins Handy:�Barbara, kann ich Sie zur�ckrufen? Ich verstehe kein Wort.�</p><p>�In Ordnung�, sagte sie. Sie �berlegte, ob sie ihm eine SMS schicken sollte. Aber er war gerade so gel�st und gl�cklich, wie konnte sie ihn da herausrei�en, wo sie im Grunde ihres Herzens wusste, dass er sowieso nichts tun konnte? Von offizieller Seite konnte niemand etwas tun. Was auch immer sie unternahm, es musste vollkommen inoffiziell geschehen.</p><p>Sie betrachtete ihr Handy. Dachte an Hadiyyah. Sie kannte sie erst seit zwei Jahren, es kam ihr jedoch so vor, als w�rde sie das fr�hliche M�dchen mit den Z�pfen schon kennen, seit es auf der Welt war. Pl�tzlich fiel Barbara auf, dass Hadiyyah die letzten beiden Male, als sie sie gesehen hatte, gar keine Z�pfe gehabt hatte, und sie fragte sich, wie sie ihr Haar wohl demn�chst tragen w�rde.</p><p>Was wird sie aus dir machen? dachte Barbara. Wie wird sie dir deine Verkleidung erkl�ren? Was wird sie dir �ber euer Reiseziel erz�hlen, wenn du erst einmal begreifst, dass sie nicht vorhat, dich zu deinen Halbgeschwistern zu bringen? Wohin wird eure Reise euch f�hren? In wessen Arme wird deine Mutter sich fl�chten?</p><p>Denn darauf lief es letztlich hinaus. Und wie sollte man Angelina Upman daran hindern, ihr Kind mitzunehmen, eine Mutter, die aus� Kanada �zur�ckgekommen war, oder wo und bei wem auch immer sie gewesen war? Denn nat�rlich war sie jetzt unterwegs zu ebendiesem Mann, den sie genauso wie Azhar verf�hrt hatte, so wie sie wahrscheinlich jeden dazu verf�hrt hatte, ihr jeden Bl�dsinn zu glauben � Was hatte Angelina getan, und wohin war sie unterwegs?</p><p>Unruhig ging Barbara in ihrem Bungalow auf und ab. Sie w�rde jedes Londoner Taxi �berpr�fen, dachte sie. Jeden Bus. Sie w�rde sich jedes Band aus den �berwachungskameras des U-Bahnhofs Chalk Farm ansehen. Dann die Fernbahnh�fe �berpr�fen. Den Eurostar. Die Flugh�fen. Luton, Stansted, Gatwick, Heathrow. Jedes Hotel. S�mtliche Pensionen. Jede Wohnung und jedes m�gliche Versteck in London und Umgebung. Die Kanalinseln. Die Isle of Man. Die gro�en und die kleinen Hebriden. Europa. Frankreich, Spanien, Italien, Portugal �</p><p>Wie lange w�rde man brauchen, um eine sch�ne, blonde Frau mit einem dunkelhaarigen kleinen M�dchen zu finden, das schon bald nach seinem Vater fragen w�rde, das es irgendwie schaffen w�rde, seinen Vater anzurufen und zu sagen:�Daddy, Daddy, Mummy wei� nicht, dass ich dich anrufe, aber ich will nach Hause ��</p><p>Also, warten wir auf den Anruf? fragte sich Barbara. Oder suchen wir sie? Oder beten wir einfach nur? Reden wir uns ein, dass Angelina nichts Schlimmes im Schilde f�hrt und nichts Schlimmes passieren wird, weil sie ihr Kind liebt und wei�, dass Hadiyyah zu ihrem Vater geh�rt, der ihretwegen alles aufgegeben hat und ohne sie nicht leben kann?</p><p>Gott, sie w�nschte, Lynley w�re da. Er w�rde wissen, was zu tun war. Er w�rde das Richtige sagen. Er w�rde sich die ganze schreckliche Geschichte anh�ren, und er w�rde den richtigen Ton finden, um Azhar Hoffnung zu machen. Sie selbst wusste nicht, wie sie es anstellen sollte, aber irgendetwas musste sie tun. Sie musste etwas sagen, irgendetwas unternehmen, denn wenn sie das nicht tat, was f�r eine Freundin war sie dann?</p><p>Es war fast zehn Uhr, als Barbara schlie�lich in ihr kleines Badezimmer ging. Lynley hatte noch nicht zur�ckgerufen, doch er w�rde es tun, das wusste sie. Er w�rde sie nicht im Stich lassen, denn DI Lynley lie� niemanden im Stich. So war er nicht. Er w�rde so bald wie m�glich anrufen, und an den Gedanken klammerte sich Barbara, schlie�lich musste sie an irgendetwas glauben.</p><p>Sie drehte das Wasser in der Dusche auf und wartete darauf, dass es warm wurde. Sie fror pl�tzlich, aber nicht vor K�lte, denn der elektrische Kamin hatte den kleinen Wohnraum ganz gut aufgew�rmt. Nein, etwas viel tiefer in ihrem Innern lie� sie fr�steln. Sie betrachtete sich im Spiegel, w�hrend es aus der Dusche dampfte. Sie betrachtete die Frau, die sie auf Gehei� anderer geworden war. Sie dachte an die Schritte, die unternommen werden mussten, um Hadiyyah zu finden und zu ihrem Vater zur�ckzubringen. Es waren viele Schritte, aber Barbara wusste, welcher der erste war.</p><p>Sie ging in die K�che und nahm eine Schere aus der Schublade, eine gute, scharfe Schere, mit der man leicht H�hnerknochen durchtrennen konnte, obwohl sie sie zu diesem Zwecke noch nie benutzt hatte. Oder zu irgendeinem anderen Zweck. Aber sie war perfekt geeignet f�r den Zweck, f�r den Barbara sie jetzt brauchte.</p><p>Sie ging zur�ck ins Bad und zog sich aus.</p><p>Sie stellte die Wassertemperatur ein.</p><p>Sie trat in die Duschkabine.</p><p>Und begann, sich die Haare abzuschneiden.</p><cite><text-author>6.�September 2010</text-author><text-author>Whidbey Island, Washington</text-author></cite></section><section><title><p>Danksagung</p></title><p>Als Amerikanerin, die Romane schreibt, die in England spielen, stehe ich st�ndig in der Schuld bei Menschen, die bereit sind, mir bei meinen Recherchen vor Ort behilflich zu sein. In diesem Fall gilt mein Dank den Angestellten und den Eigent�mern der Gilpin Lodge in Cumbria, einem gem�tlichen Ort, von dem aus ich meine Streifz�ge durch die Landschaft machen konnte, in der dieser Roman spielt. Cedric Robinson, der Queen�s Guide to the Sands, der in der Morecambe Bay aufgewachsen ist und seit Jahrzehnten andere sicher durch die Bucht f�hrt, hat mir unsch�tzbar wertvolle Informationen zur Verf�gung gestellt. Mr. Robinsons Frau Olive hat mich in dem achthundert Jahre alten Cottage des Ehepaars willkommen gehei�en und ebenso wie ihr Mann stundenlang mit mir �ber Cumbria geplaudert. Swati Gamble von Hodder &amp; Stoughton hat einmal mehr bewiesen, dass sie, ausger�stet mit Internet und Telefon, alles m�glich machen kann.</p><p>In den Vereinigten Staaten haben mir Bill Solberg und Stan Harris wertvolle Hinweise gegeben, was das Leben im Lake District angeht, und eine zuf�llige Begegnung mit Joanne Herman in einem Fernsehstudio in San Francisco vor einer Talkshow brachte mich in Besitz des Buchs <emphasis>Transgender Explained</emphasis>. Caroline Cosseys Buch <emphasis>My Story</emphasis> hat mir den Schmerz und die Verwirrung nahegebracht, die durch Geschlechtsdysphorie entsteht, und mich ahnen lassen, welchen Vorurteilen diejenigen begegnen, die sich entschlie�en, entsprechende Schritte zu unternehmen.</p><p>Ich danke meinem Mann Thomas McCabe f�r seine Unterst�tzung, meiner pers�nlichen Assistentin Charlene Coe f�r ihre unersch�tterlich gute Laune und Susan Berner und Debbie Cavanaugh f�r ihre Bereitschaft, stets meine ersten Romanentw�rfe zu lesen. Ebenso gilt mein Dank meinem Agenten Robert Gottlieb von der Trident Media Group sowie den Mitarbeitern meines englischen Verlags Hodder &amp; Stoughton, Sue Fletcher, Martin Nield und Karen Geary. Dieser Roman kommt bei dem amerikanischen Verlag Dutton heraus, und ich danke meinem neuen Verleger Brian Tart f�r sein Vertrauen in meine Arbeit.</p><p>Und schlie�lich danke ich meinen Lesern f�r ihr Interesse an Cumbria und dem Lake District: Alle Orte in diesem Roman sind wie in allen meinen B�chern real. Allerdings habe ich mir wie immer ein paar literarische Freiheiten erlaubt: Ireleth Hall steht f�r Levens Hall, das Anwesen von Hal und Susan Bagot; das Bootshaus der Faircloughs steht im Fell Foot Park; Arnside House steht f�r Blackwell, das herrliche Arts-and-Crafts-Geb�ude am Ufer von Lake Windermere; die Bryan Beck Farm steht f�r ein elisabethanisches Herrenhaus namens Townend; und aus dem Dorf Bassenthwaite wurde das Dorf Bryanbarrow, einschlie�lich der Enten. Mit �rtlichkeiten wie diesen Gott zu spielen ist Teil des Vergn�gens am Romaneschreiben.</p><cite><text-author>Elizabeth George</text-author></cite><p>Whidbey Island, Washington</p></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAJ/AZADASIAAhEBAxEB/8QAHQAAAAYDAQAAAAAAAAAAAAAAAAQFBgcIAQMJAv/EAGkQAAEDAwICBQUGDQwPBQgBBQECAwQABREGEgchEyIxQVEIFDJhcRUjgZGxsxYzN0JSYnJ1kqGywdEkNDVDVHOCg5Oi0tMXGCUnU1VWY3SUlaO0wuFEZGXD8CY2RXaEheLxR6Q4Rmbj/8QAGwEAAgMBAQEAAAAAAAAAAAAAAAMBAgQFBgf/xABDEQACAQMBBgMEBwYDBwUAAAAAAQIDBBESBQYTITFBMlFxImGBsRQjM5GhwdEVJDRCQ3IWUuE1NlOCsvDxJSZiksL/2gAMAwEAAhEDEQA/AKgxlyYjzUyOt5hxCwth5BKSFA5BBHYR41PPCnyl9V6evVtXqxK9Rw4zTkZUpSgJ4ZWWzt6Q8ndpbyOk6x3KG8Z5WE4S8N+GauHETT5RGv65jy0lU4OqTltW7CWuRb2JVnaravrKye2o24t+Spby5Ik8LrmVPsby7aZzmUN/cyPrVHqgJc+2O7lTG8kIK8aOIun+JUaze5s+33C2IM6RckG1uMvxWkRujDzm3etHR+cKKDzSpe77EJLlc0Pe9Sac0+3rCOxb7CI0NtiMZSX3ojKujY3OtpQEfSvpSRkt9IpSyVhOKgXu2XrTV4dt14gSrXdYxSXGJCC24jICkkg9xBCh3HINT5wZ8pN62si0a/6eRFduTM0XCK0gvB0Pocc3tjblKgjmRzzzwcmoaAtlbdK6ZteorNPh22HZJrludixTB2oSR0qXVJaSnKMK9LvJT9xTm1lCtsy2KZvTrkdp9tTIlJUlPm55LDgKuSVpU2lSVYJSpIIpgji5wyuTWnZ0TXenmQ5cUKaYdmpS6oKacbV0jasFn089fHZjtIBk1V6swtAvTs+K3bRHEoTXFhLAaKQoObz1duCDnNUJIB1Tq+Zp67XOJqFm3l7c1KlXNmH08SehtCQw29uKURVOLSpWxazgjaCrIJcHDubc9J6cZYNsmoiWt5mDfHp0tqKwhRbS6u4jpOuhKzzdQf8ACFXaleW1x18p7QdjhPWfSrELWM57pI8tG4+YhtSFJO5Y6rwJKRtTkEFXWB7aXar1vqvVjTDWor7OuYYQlDYffUoJCc7eWesRk9ZWVc+2r4yRkupfuNd41a6hPB2E1O97/uncpKTGiw1udVltbr6kAuDmtQDavRSkZ62NJ0PM1S4Lnxd1rbb2bW8yYUDTiXBGS85y6VSko3PSN3oJORyxjrkBK4Tcf9LwdB2ezyVN2+NC0574uPHCvMpTW9CtyB9YopaUnkcl7me3aja38qfTMX9XWO3StQ6mbKhFdlhTdrhZT2soBC3PDcsJUefNAO2oxgEGp+tbhoXhlrWLerZ797rypLEmZJbh3GQ3ODjbL7LPRAIVt6QK2dZPRup2p+tTOFWsPJ3gcKbZbdV6obe1A5b2WH3Da5YVCGF+9NdG3tG3pXcqH0xS1lRVur3r/hXchw/t/HPiDquPq2/RJUS5yoMiSg21637gvzNjkUkr3DGOorcQEnO4yNdrhJvtibOsI+l7O2tlIiWS5XpyNDjNnsSthLSPOeqE7ivqpPVCBglRgkg/jLxg0lxEsydPxNPTL5KjNea2xcpJYVuVtT0qW2s9fq78ZTndjGBiinkva20fAsN50/r/AFH7nQ4RL1shuqdQiShxC0y2VlGN6VJQ2A2tQG45APZU2Wy7M3/XWkb5a9OTrRoq0yTtdCXNkybIiqjpXHSlI95bCPT6hPSbgmoJ1xPnaR4sR+IuiYj14jXS2+c3xBg9JGcecdcYmMOcjsDi2847R0gqSMEvcTOLHDnWMPT2i0Xq3ptU5xk3j3t5a27e0624iGnok7+ne97QoNk7dppw3ni3pMaYudmuFh1noa3yEHoHbrZnY7eCep5urroZJXjG/ahPb6qTuFvlEcIrsFuaoab07ePORiPNhBxLPvnUS2+2j0EfbhODk9lS0Ljpy62u6aiudztk/TMpotOKblMLidC2QAFu7tqwStw4KsdcjB7aqSQFfhry2cQGVQZlqvN4vd0eiyrzb3VKUuE4DtjEPpEdHLoQ0necOJVnO805PJ7v8a1RHNIxhpqwuWp8296V5g+5JvK462wpWTtR0pU50QRvdVv3bBsApq6fsd8uttQ5o7p9Daclwx7psLLpt9xaffSgyugUtPmiC19ehbbq0+ilDfXpEkC96St8TTVu1/YpmlnUFpSrZbYrj7ExKXNzbLb74S51NrfThfX9HmrfukBc4h20aP1R9H+hIsOzX0y3sW9IU1bLiEt9HKbSkKT9K6qjIw21uUobt2ypA4Sa8tWttZIMiG5CvgZaL9nfmKS8k7Nq34yXFdCuMW0pyG+soJ3Edm6G9H6q1zfbwu8aekxW4sOG/brpFjtRbTIgoV0KejYCnHeiT7w2kLcQhkObkjBO6pQg6J4dcW1TYN/iPJ1LHjpmtyHGPM5bjTvSbXpEROzc6FK2uLxtXtZWlW1eEw0QSaNYsQdFwzCcYXHhKMVy6z0hiItLKlNbwtaklRWUZHRhztx35EU6Y482K2uibrDVmk0pXNdMdu0Nuvr6OR10OuKSer0aVKQpBQFfw6QZumOD+lrfE05N0R02p/O2rOZJ6a4okdVtLzrPJxPS7PRbLY6Nwjq+LhhcQ2dOpvlwsvDGZZbPDitW0JVDW1cHZPSpVsSnouTYTIbx0xb9Lq557RMgk3yURNHAXTki6SGZE+eJNwfdbdC95fkuugqI+uwsZB5g5B5ipMflNNIUStOR6IJ7eWR+eok03xNhiGyhjTbtnjKbdSxKmxvc6M67ne47tJKEs5JWV7ypRUdoVkkqtnujqLezJlSn591MZppplmU0n31Sfe0pbQSjcvrLKl56Md+BuqCxJjbiV+gc1spPgAISY4S8dmCp5S93SK7CN2ckjGDkD9G6M4vett5SS7kkFIwCnJxyz3DkaAE6+zVMvwYTdzjwZM98sxQ9HLnTLShTikjrDnsQtWM9iVUVfsMi6yIr10nofYiyPOEMsNKaDjiFJLJX1zu2YzjsKsKwMAU0fKG0/brxpBq8zZF2I0y4q7BEGb5vs6JtRU7nt3pQFhBB5LUnPVJqCmeJl04j8NXrFqKx3iy2J1sTLhevMC6/cwy+nlFZQnYlZS3vceAU2hXSdUdSjGQJB07bpfEaPd9LrlMw9JsaruSrgtppt568SG5rj6GUpXuQ2yj3tS1LyXdu0AJ5qeVzevk2wRomnkS7nGZYRDRdI76Y/nClZbW/tb2pUhsAq2N43K9EISElSboqNpHV+nRHsMhH0FWQu2lqNHe97uAQ02nMhI62EnICV81+n6K0U8Iur4EhEBiKZ1xuDqw0UR4LgShwJ3OBxSgENYHM7lA+AJ5UEoQNSWq5x5tmuOjLgPd8RvNpblwC1sXSMw2pO15KPrt7m9KwPsh2LpZuetLhp5DSdW6buEKLhZfutvKZcFlKUlQUrml9OezHREbjgFQ61Fzd5aOMFpQ8hbEG4WWQhneUlBfQ6yohCkkhW5Ch249A4yeQeOpGLhJssxm2OttSXGFpaUtJOFlJ2nkRjBwaA6m63So8xkuxZHnDZwpKwOSkkAgpOOaT3EZHrr1bZKZsYvpQpCekWgZIOdqinPL2U04HDiBAti4sC9X6Cp09IvzO4LabQ8VFbjjbfNCN6lElAG0Z5AUsWWMqItm3yrhOddabCW0yHQOkCcDekpAK84BIJJGeYwRQA4KFChQQChQoUAChQoUAChQoUAChQoUAChQoUAChQoGgDB5jNee2vRNYoAq87b06ZRb75bNYP6Vcfs713vk+VzgSZLr7O0OsqWpTa3VbkdMjmoN4y5TM0vxE4u6jiuT9B2MpeebIlTLhc4zYkLU0UtrQ28lslr6/s5uK7cdWtbaxr7Xi3LxpOUt6wuJi2LS7sbamNIc2urkzS2MoaR2hkA5CVdX0yuarALZF0xI4d6jnrjIgQdrb1xYw+Yjycoba3IAUpCtzOEjmG07QCat0ISyVy1ZZdVQr7ptzXPCa6rasloe92SzOan+6LXS9NJkuL63QqJfcJXvz751dnc208F7hrvWV2j6PsjGjfNQ0pq0X65qXId6RtTyejPRZ5oHYr0e9VWnmwr5Cu9uslrtsM2SWhbjEO6FLbzryOq68lKkqUsKYO0oASpPSE4JBIMaH07f3LUuGu2QrnptK3029hm8vIdXB6RfQtrS8jJCFbugWhaMICOdSDKI8QOHOtdCvNJ1VYHoDUj9bygpLsd7v6jqCUE454zkd4FH9F8KOJ2tIkZ/Tuk7xcrepCizIV7xGWMkK2OOFKORBBAPaKvZMhx52gZPDu86e1TdW/MTBdU5bY6W+TfvbpcU50SnEkJVuQv6Ynlg4FQpp6HqryctaRJl4+iadwveIWtTbyWxBecXt3PttqWF429gVhW9J9LqUZDAT4W+R7cJaok3iFefc1Lh61st4Dru37d70Udn1oV2jnSZ5a/Cq16NiaVu+mbDEtlr6Ny2vIipJCVpV0jS3F+k44tJWMqJPU7efK8sd1h9CJLDrbrTiQpC21BSVJIyCCO0GmH5RJsD/AAM1eu9rjGGLa6EuONlxLb+MMqwkE5DhQRjsPOoySc07O6bwY1svmoVxLXb23n2mnlrUE9inEMJwUhxYSMA7UqUACodtSLx1j8F4ujtKs8Krg5MlJ6b3WclhzzpW5Lewr3AJGML5IGATU4+RXClzuCc5+wwWkzU3mQhx5RQve70DKm1dG4nadu7HpJ9vWNNryiNNyNDaGui7lZ7GlF+kLjvxEqALc5DyXEXGOpWSOka6i2kBsVOckYJA19xC07qNGidE8NrT9F8ZiQ1eJ9qsm1proGkZZbdyOjQgyFtqWk9mzChzp0Is+seIN5jJ4mQmBpwvHodOWWcpTSdq1e+XFxezpUpW3hKEdUkZ29WqjcKr0OHrCdSsXCJA1EuOqbblKk9NGnxkkpet8tpJ97K9u9skc1BPMdVSbS6P8oPghKgpXI1K/Ac2q2QZ0V8pQXHOkPYlaMpUrHb9bnwxDQDl1TYzpqFOuGm2bg+mU21aXLc7GT7+z6LYjtp2KLjKd20r6u3dzwMpV+Hj9mnaOnaHh3yQm5Nx3EqZmNqjzmQ6Cd7jSyHCQpSvfB1VcikmmzxR4o6ZVoQIsvEbSCb/AHGTGhKuEK4MOm2MyHUNvPpSXN2EI558cE4A5Rv5lpbXWpmWNOcO4EizXJLsZu632I6pySkJU6ua44v9UvEj6UltTZV9e6OohAHQkLjHadP3TQEDVl40TpVZuL0dN0kXqMpD8LelLY98Z985O7UnrfXd/ZUI2jyW79qBE65W28OabZ6PpGGZUJbKTIPXShpHSrdRHSFBO9333Pa3kVIln4RWxGhbbdVajvz+obDcmrbElOvo6CIqPcPN2XOgUkJASna5gnOB6XMknL/f+IVukSdLxdTtX/UUUHzmbCtaugRC3dZcgtKKWXNzaklCG1vfYHmKkMEZXHQPHrTxZg23VkfVcG0LW2zb5ruWXpBSpRCWHuUkjdlJ62FeBQoBTs/lKcTZ2jvOr1onzGyqneZy73Z7ap/okBGVttsur6PpezrLVsH2Bord+IMjh1pFdxtVuDN4ZACrx7oLmsz3pY6TrBxYWFp2uFSDlO5O5W/KM6OHWgtTah0BpzT8KJIZsjUOTdZjLtwdti76pxTJPPY50bOFdGheB0qW1K6goaBDOvnFixJ1TZpunWLpao0azobkypbhiz5S0uuKSWn2EuKR9Oc5+ipPVUnqINOu9an4D8Rbc+4hN40/dYkN1bES5Xh1DUl1TCkqbbe3OJGOjaAK9g9HKVjKatC6x5xZ7NpC56aZiRX4qFzLauUiS0yy2hKW2FrPblzYAoA52Gos4gcKuGep3oQhaPhR1zL81bYkiGfNlrZZUnzlXVO1wBtmSd2D+1/bbQMDW0RqTTPDLR6LfbXdOaohJIVJUzemG5a2nEpVskMPqVsO9XZGW4nko7QetSxbtSPX5/U2ltNacZtkufMdlIGuOlZf6OSwyt1iOy1kvu70qdxvGMtnnuyCELhNfNKWG6yU8ZNR2S3QGpUoRBHTMb6BvplOtbelHSqR1t3VCDu8SpKW/A4c6/uPCm5apncSdQqdlW6NMCGB0kd+KGd7Yc2q3OOI6yVbQpSdvYsbdwGCYrP/AGWGWmtNuyNFPojxHT5suJLjCU2hzo0hWM+9jdjs6w9KtF0ixbdq20jUmrH7RcpdvnNFyJDjstvKc6NfSM9GOlbKf857574oJPWVTWicD9R6gbi2t/jLqqY/AjPRHJzSi0x5upTe6GBuKypSQkrKiQkpSnaSDgjp7yX9BJ1zeNL3JN3eTA6GXGlLmguSI7rYSEqQlACQHW3jvB5421BJJFk4h6fskB68jUDCtI2qWiAqfKeTulhDIKlMq39I5scARtUgqXkkLWaL6h4uXW7akj23SVjhWqe7GkNxpOpLnHhqCyE9dMcdI8pKMhakK6MnYR2imzZfJ+4NQm7zBVZ5V2uDbvTROguJflBvwSynCEgL3IBcSU9m5VITmktKW+zX+2XPg9KlzLXNaSt9uwLcRdo7TYSEsvJ2iO71cuL9FRBUN3SYoAMXKwTNZ66TFvOuZXEE6c/VTzrdsS3a1TFc4cAMsr2KyrLj617uqhpG5HXqbzEn3uLI1Fa3VokTIzTci2OQ0BwAfTULS4rb0v1oJ6uE/X9tRfo/ROoeB/DdnUelLnGu8GPalXfUVlnvfqd11EdPSvwn0N7m1kIKQFBSFpV3YFTfEag6ljWXVMF+UmM5FTJaaI2ofadQFJDqD2kA5T9irn4g1bwBWJvRV91PddIT7pa9LsXK9w7q5Kgrd6SHdFsv+9MSEx0dEHG2HFbXRlSS34oSmrGsWNEWzOyp6kzojTQCIxfAi+boHSNhKFENoKPQ34TuSkFVM3iEyzB1JaplyeEOyR7hGU+Esp6NCZTcyM4jcE707/eAdp9Ls7acLWkJGpkQ9QamiKkyVJD8WyTVJ80tqnEgKyhIIefSCoFxZVzUvbtBoAP2VrTWsdTsakgxo1yh2eO5EtlwSCppSnFJ6csqB2rSOiaTvA5ELAV6Qp5ss9FyDiikAYSQMJx4d/x5ojaYZtja4qFgxgrLLaWwkNJ+wGO4UqUACtTjLLhQVtpJQdyDjmk4xkeBwSPhrbQoAFChQoAFChQoAFChQoAFChQoAFChQoAFChQoAFChWKAAawKCjWN1AEZcNXLJpV2Ho3zC1afmOhTkeNCbCIkxH2TKsArV47+v2+mOuS/Ei6W+0cSIlxuWxlUexuqhFcVLq5B6dvzhhoekpakdGnaPswee04Xp2mIrmjHLFcFxZanRsdlOIQwEpHJK8JwErSgJCSjbtIyNtRjdtL+4OpdPvWiWVBEa9sxo6j52w3JbTub6NLmXW3CllSlFBPX7utQBv1LqWHbbbA1Ja39SRILZNstwegOfqdmSjk5lSN+0K6Nzbz97ZTjwqUYUjo7FGs+nHEw4LLDMeDMWnpEKbCQE9ECcr6gBCz1ezBXzwio01Gl264xbrPU83KtgszC4zBQgJLexb4bBJC1KVjPYlLSRkUd4YXlFwsEOTMjW6Jdpb0pqdHbaQwfOY7ymnwgDPSJS4lQCiclJSTgk1LAclvsrEWQuQqTJkOl1bjSnCkJYCu1KEpATjOTkgnnzJwMIfGKEm68NdV2VLTb8mbZJjbDa8ddfQq249YVj5ac4fPul5oe9jpNuPR62O31/mpnccZLto4T6vuzktKBFtEh2Ltb5od6FaUgnmSFKUkcsciQTgmoA38F0Mv8ACHRExxtLkhzTsBa3VpBWomM3zKu0mlDV9x81RGgJDqBKcShz9T7kuJUcBtKiQAtR5fXYGVEAAkFuF7KIPDfTNljuOrEGzRI5eLeAS22lspPgoFBBT2g1tmImPa8tKLktlcNLEl2KylOAh1IQgLJOSV7HHAAMDClZBIBEgQZwPU5wn466v4c3V2Nb7Hd4/wBEdpQeq0x/hWWx34TlOfCNnHOi/luBy+cPrUuJbXXbpcLw1b4cQNKMoDY44obU56yylnqdvo9/KnT5Y9mnQtMWXipYGym96Lnty0bushcdagHElPfz6Pn3J3e0EY+oLpxi4i6fvmjZKIdns1plXOF0rSz5xIeCY+Huzo0587aSpPWyy6oZBFADb4ScGtIXTQNguen7hOhyb3p9C5ctHQT40iSgnpkPRnkKbVtUraMbSMEZzk0S1pwl1ciVF1LpnR3Di83KA50UZdmZbitXBjKkupmQXveXCrrddt1KhnlnCdrrgzb9pXWmtNf2bTQg2m2FhGrbI7L5PyS2X5U+NtynehpyMvsR0qC5lKXMVNiZjrzMqXb/AO6hZTtQXHehZcWNxw31Sn1bvx0ZIRU7TOrdEaqv7WgpXk3W9vVDW9D9va80iL3pbyoguJbX6O5WFLOORyTg03fov1Bw01PbdC6o03qK46fiS1v2+13JttU9qI50jcZpp9tZStJ6pUjsS4yNvo1YCZpKwX3jPfNHapt9qujtw0jb5b5lNl9wlD8xlx1oq9BfvqcK7U8sVHvlG8MntDaUXqS368usyNIeiQZzmon/AD2Qy0mQHUOMODa4S24lJDYz1VOnxqQyIkTVmrb/ACxYotrKLjc3XTfLDDvrbE+bLCgQHmZKG1ow0zhZjkZSRlfLFOTWet+ImlLYi52vha1YZA6WEGnbow82kebecK/UrSNiWG+svcVbs7dx5kU1LzxBfu5t6dSTLS7q2NAU5arnbukfU7KbUXI5bQGlvMSQtRStlxKUOIJSQOrhC1q3xWuzMu2r+hfUUrX1xVAi3CDdPOFvCO2nehhe8Noj+pQzuT1vrDUsgTdC2+3cZuMiJ+s481tiWOmi2uLyVIaba7XXdu5x1Tbe7KE7nejcx0exIq03BxLlng3K16hlOiKmcU22RPVjfDA3NMq6iWwvar0Udo7uqTUJ8a1Wa+2aHabVonVds1Np6E37lNzoqmfcy1stBQW860vZscUlaNyl9Xo1eifpiVpa96x1K+L1w90XZGEXlIQtq/XD3TdTJL6h56npeu2AtzYFLGFbee9VQySdr1r2waLtrq9QXdEG+XdyM9BhKLj8t5vYjAU20CsJCy7jHic8802dCa10w7qFEh/UKbSqFGatUCOITxnre+mTS3FUja3vdU2D1Vn3vBCeVNK16J1PZERddaZ0rp2JFZectsqRbHVzLvNWuR0bsuM4+02yVrUDs6uzC+qMYCXRwl4jO2G6yNPXm1T9PW+7Xa4zGrzfd6Ere6YpEVtJKkF7I3FXSqSrao81KwAkfembXaNayLjcXbSpNsQA2lZdYkO39ooPXkLQTvYCtwDJVglPWH1tMzRmjL59AUy0M9FbtWyGBbhNjFtmTJt2G+hfQkK6PaUJV1ljenmntHWcK7lw6Yv71xf1zb5lydmo82dTLEx8J2pTsQGfpaF7l5TtCRuUR2bqdN41Rp2Rc5YtM25S7i7bXYyFwGXBsQg5W8l1e1kBO5OFFWFHABqMgHeF7cG0WGywF3jzp2bCXOYbfe3POtkoKnufNalFwLcUcnpHTzwRhK4i3ayw78nV6XGZKNOOCHfAnpAERH9hIJT1VltXRulKs7UKX2bq12rQ096PaJ7t1fsCo8IsNRLIPeMKbQn39Xpu8kJwR0e3u59ajw0rFisWexi3K9zYpaUuCytK46w2kAKO4pVzUrcoEK3FIznnmAHLpa1utTbrdp0PzedcXG1uKU8HFBKWwEt8uQSjKhy5ElR55JJ1i1MBh1ooabDjjjiyyC2VKUrIJIPb4nvpsO2W5aUCRomKhFtbSXHLOoktFOet5r3MrH1rXJo/ac1U4LXd4+omiIjSnrctoh15SVIIXkpU0UqAIUnBCgcFJBSQCDgAjTjYzMuWhdUsxNRXhhSYshiYzbw3JYLam1ZaX06eSj0mPe+sBtwOVbuE2pZUfRjVklLQ1N0tBYgXy2ON9FIhLZa2lwOKPRrZcSgONqO1JSSd5wQmWGxHYbSkoajoSAlAwEgADkB8FRLx10fd5LEzVmkJwj6lRbHIU+M1ATLVc4ClblNhs/tqOsWz2FXUVyVkAGrWN6tt20lp4MRfM41x1PZbexGeGx1C2ZSXnWXW/rVpDbgPjipjW8lDZWpSUpBwNxxUP6V4ZaevEe16tGttVX24PrRd4N1lOoW378gHc1GcbLDW5JA5NhaR2FNODSunky7g9B1xMVqC/RFdIHJLWyK4zy2OMR+baceio81hWetgpoAdkrUtgjZD94t6XARlAfSpYz2dUZPb6q9t3jzrpUW2OZS0J5ErCAF9yVA9ZPLrcx2dmTypQjMsR2kssNNstp7EoSAB8VeJENp19mRgodZVlK08jjvB8Qf0UAYbXLSjdIYQT4Mr3fKBRuhQoAFChQoAFChQoAFChQoAFChQoAFChQoAFChQoAwe2sGsmsGoJPKuztryDXrZ66ztxQTkS+ghP/tH0z0/1P6afsfZUfa2aet2qbOyysxkvajbciFtCU7BIhyGXdu5O0qQrc6e3kruzSRqnyjtCxIzUXTa5l3vcp1DEWNJiO29lK1nCS69JShCEZB5jJ9VNjXGkjc4Uy58UDcNS6miwFz4RgTXmLRBUlS1dDES0oOJdUkJIW8CV7AArAxVkVJl0B7nzdIWq429199tcXY3IlrCpD4B29IpR+y27u70uwdlFtKtxGrrrKxh3DK77vQ2ORa6aLHdWQfEurcWPbTB0XC1bCtVsY0frTS2rYbcSKWLfqGKWZTLRaHNuSygK63aN7Kj6+2t2mNV3e0Wx1V/0Jqz3YTOeNxkwGG7kyqRy3bUNLDobCdiWwpAw2lGFKO7dAErwlyIVz9zpm0tOBLcKSp3K3UobTlK846+ekVy5EAnlzph8cSdUXGx8JohPSX55My6vNjcuHb4ziHFLI7B0jiUNJKgUncrkcEUnat4padmybLamp18sUvz1EqUZtgnMSGmGwVL2BTWMkqQgk5TtXjBCgKZNk1uxovi3e9eXVy4L0tqDbDlzJNmmBy3+atJTGcccU0E4fV03UQO1TR7zQBPj8+Fpy5PMynGo8OUFSGcnmt4qJdSlIHMnKVADJUVKwOVI6LhJl36Pcbfpm6KYZRJQuTM2xRlez6xxYc/a0gEoxjsrZp6xS7pPOp9VRdt3XuTBiB3ItLKu1CVp/bVD6YtJ5nqAlCQSuo904p6F1aZrGVFC0jDyRywFA8lY59YYPYNpOSQBgcZZ2r3eHl7VGtVn8zXAf3Oy5O3oQUbSPpaxkhSuucJxyOM5qtvk5apunDiPqKdA09Nu3D528vwlXqAnziTELOChTvR4K2Q2rfnCRuWSCMkGyvGRUCPwS1S9b0GUXbHMajIYc2pDTuUEpQPsOk7hnljNIvAbhk1adHOec3tq5sP3qbPjeaAtsO5d2Idc2Lw4opaQdvJKQSnacbqlECb5Oqk8QNM6suZluKs8/VNwUstqCDcELPIrQUb2QGy0gJ3qOEnOOVPLhDPjwdML0bcQ+7c9KTDaFoQwVOGOjnDeWEZwFxuiO44G7cORBAZ9rjOcOvKQkaThpcZ09rgKvEFuO5sEWdHR+qRs7ClxOFK/g49GljjPbL4xquy3XSTqmJV66S33GOzK82XODLD0hgJc2L6NwbHUhYGSHNpPZgJN5fba8rOOt8dEt/Qzjak9vJNyQlvs8d59lO7i1b4Fx0FcWbmy+7EbUy86WAouNht1C+kRtBO5O3I5Hs5jGagydLSi9WrXtpYvTnmFomRdRWi43Xpbq5EWWVdNEDhU06GlbVkpVjO1PpVLUDWSNW6DRq7TMoPMTy2zDbi5fdDqyElLicAIKCcryDtSFKPIUMCJeHwtHEjTBi3a9uXWaiAY6X4ctQkw57S3HI0phsqT0Sy002pHR+GFdqssCGxD1j5Scyyagn2QantdqXbmZ9rU7Hbu89LilqfcSjZzLW5l5sKST19i/Qw61Oi6vydHcLrqLjZrbFWxf7rFDAz5xI3FMDq7BKdTkKWkdGNuUDfjck3m98Kka10ozatOru+m3bZI08IDYZYDziHlLjFLDq/OErC3Htz/JS3FZTlXVqQHM1fLlaYzmlLXZZuj9R3hMazWtMxOxpbinVecO+dI96fcZQpW1z6aslBUhSsinajh5qaCh6xHVUONClQo8ebJtlkZYW821vSWFuqzsQEuJQhsBR2oxlGSaQJ+k9X3oSOGbeqI8xVh6K9aRuEpvDjrKepHWH28++R1p2qO33wPc+3NPvh7xX0vc9KRg7L80vg3x5lvkuloszGwA+jpnQAspKiSclWOeDUAKWqm9RW6NGgofiuRlKwhq1jzKUkbHEq5qK0JT1vTT0ZSeykS3aLtKeGjGlIydVWp9AZkJbioIXFkocDpdZ6TKW8uZOEnby+Ggq5aguOs7bcbMixmEmEzLT0khZ6SI8rr+bq/gt9fqZ62Gl5C6k+0S4dwCcsrS411h0rKmlE42kpSrCgOtjJA7aGAxuHt6uERU6yajtjDN5kPKmsGM2GjdGh0f6px6CVY29KM9VX3aacupY9xvkaPbl9LbGntvvjEpXSBQOVJVtwC3tyDg5JIHLtrZrO39NDiyoEVLl4huKNscKOQcKTlDiu5lQGF+rBHWCaLaOkXC4E3kvsuMTENGLFKHWSyjkpxXvgyolalDIAG1CMVADySnakJya1tx0IJUMlR7VE5JrbQoA1ABtxZJ6mM+zxptWazNqky7m27Ojxrk+qV5u1IU0hOUpTuwnmCrbvPMc1c+eaVLy4xKfbsbitypja1OJ/zKcBfx7gn+FSqAAkJA5AYFACUiwWtKumREb85GdslY6R5Oft15V28+3woxDtsODHWxBZbi9IsuLU0kBS1nmVE96j3k5NHTyFEZLS1tOOyJPRNJSSraNpCRj67tHYeYx2+qgCNrDdrNw/1/J0WqbAjWO4tSJ9rjpeKlwn2wlyUxtx1W1B3pkJBOPfgNqQhIdmpLbZNR22Leo9wTGmRm1O2y6skb4xcSAFIJ5KSrq5QcpWMAgimDcbc9aII0+I63HrxEVKtT8aS4HBPS+p5O8uKXghbjagtW4YZXnPJBcM3UztiLNv1pEjx20rSqJcozuyLKW24ChteSnoZBACg0oqQo+itRBSAB16UuDk22svXCI/BuK0DzmM6BlpfelJHIpBzggnkQT20vVrdbbdQUOJCkqHMKHaKyhIQkJTyA7BQB7oUKFAAoUKFAAoUKFAAoUKFAAoUKFAAoUKFAAoUKFAANYxWaFVAwKzQoVYCAdRTblKhP2VxvVly0pfYr3nLDltJuMNrpMOBsugqW2oK62/Kk/WekNixwY1nFiWG3aM1Jc2vPWkrg2W4LU2hi+xWllpp6O4FFC17OjC2worB54IUKf9itrUbLLMct2yNG8zhxyVF7HMuKK93Pd1MZ5jaTnnSHqXQLU2EmDbYll806RIkWy4wUPQH0bgA50YAKHkIzhSCnccBWQElM5AaukIb9tiuP3SSJ0fT1zdsrqE7ihNraSjot7XYVoSptxS08+Su7NLuuzbtE3+26gtaJJckAwbmhLzrwZhYWpL6m8k7WnSkAAdjq0gcxj1w1FksFgv9vbx5vF1DKitI3KddfUvavo+t1lKwvHsT9iKOyNMJuVilG5LfRPdntSHVNu8wG1ZaR6OFBCPVjfuV66gAs9e1StS6ZuzbWyFK85tnSqSpHS9M02804lPM7VdDt59h8aN8RILGsdDvWKbcVWBEwoW26TtksPtOJdaWkEjG1xCFEHtAxyzmkdmHetRaUbiL1ncA/HMfonxDYQ4+rclxlwdVeM9XKh3c+XWp28Oo8IWpT7DAK3lblvuoT07p3Kz0xHa4k7kKOTkoznnUgMXhRqZdqed0/diwxcVOebSIDbqy3HuAC1YZ3pBTFkto6ZntQna42CCAgStPblPRj7nyIrMoEArfZLqQMgkFKVJPZnHP46R9SaNtF6vcG8yFy48yIlbK1xXdglR1Zyw8nBDiMncnPWQobkFJJzplB+yuMW5TC5NpkdRT7bm2Q1gADpFZBWnGSVjrAJ5gjKhADS49MXGJwyu0hL9oBf2wXx5soJWmU6wyeXSDr88jKsdgPjS5w7aasF4k6cisttwZIkTmSlQCenTIUiSEoJJSCspcwBtBcUBgYFN/iZJn3O7absXmyksRbrBukpsOFfUTMZbYbePYkrWta0jJCjHVz5GnXqjSKp6WJ8Vxj3Ut9z90bcXG/ekKIwto4OQHAV5V3KUF4O3aZARONHDZOvdLEG6uW7UUJ8SLJdWQtCrc8FDG0pIVtUAAo/wsDaAICgcXdUs23RELX9mDckXqI+1fYrrcZpIadUmQ242oIDTuwqbUPRUn0cDCqsgu/3Wbp12Vp9URTyXfMVtOKx5rKLnRFtXpc0K9Lu5dXOajaBw609rPh/eNL6nsrb9xtbs+JbZ75x0hEl4oW054IU50auQ5pPLBTQgG1x1kDWjVli2bTE5hqXczdorL1s3FcWE255xLcivbEYc85bbSlzG/wCuI5Yi7R2gOJmpI7lxtgXA004tMWai3y/ctd7jq6Rzzh3YFIT1HEpUsp/bNpHJe1O1cnXWg79b7ratZLkW+6WdlNlfuQbVugLdbWYrhdz9LdDaFp/wfPknKBMHD2brHQVqe1TdLsq4aVusx24Qrnbo2Y8RC3XFEPw1kGO2/wCmFt+gpWF1ZlcEY3M6x0hreDJ0dbtU6adMrzODDucBhNvPR9VTPTreKHMr3KQd23LnvezfT7i6ZvMyzvLummbRenrkHHZUplp1u6eflzmoK6DZFdjncA1u5oSrZkgqU/GtT6Q1fw+dtMiJZfOo8RXTWVjbIZVEK0vZaAA3EoS2rqjejb9aqm1Dn35gyuG12n6pjMR7w5BuF/DQffbDaXJDcluRuWvpVxvNATt96Kt3qo6E4I94gXbUGmzpqVY+JzF0tlilIdN5DZl3CztTE483XuUPOWve0nrthSTsT4JpY0/ru4Q7HcE6W0y5egHkKkyWZ7qYFwKWdjktt53oll4KOHSknqpycJQVU6LBpLTOu9fX+xWO4yY9pss5p92Xbith6VKUFJUtwvJUlTrBK1dUDK5PSDB5Fl8RtNQNM8Pvce26ourLbzn909I3CCqfsLMroVyopGPN21r6Tn0iEudIpPSZTtoySTZoSy6+0s7KYFrubFsmSA86gT4ZDTnRNp6QFQJwpSVbxnkdpTyyKOq1RqZ29QU2CyamvjfnLxVJjiN5kUJd9HpnFJz1dyeWR6JHMVG9ss/FmGm36ZmaX0u5adoSm3WzUFyhxpCHEOYZDq1LaUhv3xS2UcylIxlPa44dp41Rret4RNG3lYHvbEe5zOnDO73voHHVBlSkhXLk2PGqsCW4t61M8tYl6VTEKV4Runtk7SB1jgHHeMd+D3YJRZsk6ZnGTc8z4Mm5rMKSZDDKoL7y/pO5SxubUo8vru4pNNywam1hddJWxrQGlGI0aWdjdy1JM64dRu6bpo7G5Sl5bcQre42oL9lFtE3K0zn39McTbtbpN4s6l/qa6PtONXFa1blT2gtKUqQF9IyhtP0nYts8+yAJYh3JE63W6Sgh9ucUqYdSeWC2pYPL1JpZByORzUPRb3aTG+h/R1wZj2dmZHUzdIsL+5UQdMlSozLjXVWrclSSOSEBZ3K5Bsy1bVw3IiTAWwuOOSCyQUj1DHKgDaltIUV4BcIAUrHM4/8AR+OtlCsUAZpuXiLOfKrfBv0xmY51z9JUUN7uZ27ezuH5+dLzyngMNNhSj3qVgD20UtMXoHH3HkoVKWsB15KcdJyyPXgZx8HiTQAjWfSaYlxRcpVwmTJyEKb6d4pKi0rB6LISOqFJCvEn1AJCpemG5drk26VAMqPLbMd1GAUqQsEK3cwduM59vLNKtCgCPtPX0aYvTGlbnlVnfUGNOzkrW6pQSgExHyeYeSM7CSS4hPPKkkqfbbwWpWELASopJUnGceHiPXTM4qN202NUd6FFdkKdZlBbiFnoi083h47MKAQopJUCFJGSM9lO+EUrYbcaeRIjrQlTTqV7t4IyDu7wfGgA1QoUKABQoUKABQoUKABQoUKABQoUKABQoUKABQoUKABQoUKABQoUKACSA1GaW1GQCUEq2Z8e389JN51TAgh9DShIfjAKkNpBJYTjOVDGdxHooAKlkjAxlQQbNrCya2sr9305c4l0tKmd65aHtjTCQrmHEcnQsJ6xSoJ8M99EjcLcgzn1RrgHlFa5ctFvwq3suJTjbs+uWnrlXXUOr0nopFAHrSzUSw30ztTSUpud/Z90kvyilCWJHRID7LXPqJDbbXV5khtRUTinkJVslhL0OVCkuuBO9TLiVKWkZx2dwyT8dNzV++z2uO/I1FbWkQffYUi6KDZ6dKcIQp4uJ9NKlp9EnClGle13G3X+K1LVbmH0SGk7H0rafaV2HbvST3q/OKCOfka4LkAXpD7V2ZcfXmOlCsHPXWsp7fSGFAeAFFr0I2k7orU7aA3BluJZuwC8AFRw2+Ek9Ze8pbKU9ZQWnGdgSY8GqtOQlQItpbsFlnwLjJdnG6vNNC2De83tcU3nc6Q51WgR1fSUMp3OV0aIuA6a76havt9jRuvJhOre6BTicZZaa3Jbx2pO0qGASVEbqCcMeErUUIBSUre6RKOkU0Y7nSJTjOVJ29X2qwPXWjW0632O2P6ruBCmrXBfdDatoCiQMYJ7FH0B4leO+ma7q25iwvPKQ8zp2HGWHL1fWlMF1opSEOdCE9K45u3JKFBrpO7to3aIl31REk3vWAkRYbEZXmdpbQEOI6ih5y6f8Ooc0t52NfbLG9IB6RpSZZ9FXSdNYMy/LAushyClay9IZc6VuOhHpKaRtS02j7EdmTTlsl/uN8YSuJp5+K0YzLxVOdCAsuoSsJQUBe7aCQonGCABnmQswkSo9qiNSXhJkttJS64E7AtQAycd3spnafubljssyK029IlOXeV5hGfBZS6hyUcJbcO4FKQokYx1UnkAM0EI1zoc/S2tY9/YgoFlnMqZvRbWD0S07ehkbQnc4QAWzyOElJ5AGitkkMyGmLWwGXHk6muSVl/clTeJLjxU2pKfS6yftOspCvsadFwtV1mkJm3qT0Dq0pcjwMMI6Pv6+FOZ7iUqRkdmKbVr09ddPw7lEsV5ct0Zyc9Jiie2H21b1Hf2rCg4Xcr3EkK6TJSpRVichgiDiNpB+ZwzlaXkSrVBmruZWy+UutsxHGGXC6W328+9q98PQlAUlLzuM9Wm5wKvOvbk2iDp+83DStsamJVeLdMtXnzFsL3XipjsqWlaIz6FdmMIKQpJAXymnRrkuDJ8+cbnqhxLhcvO5BfbcemFxSXkqCEfZ9XDbYHopH3Uc8bFX9EiBxAt0ZMJ2K8IV7b6VtK5jXRhyOtba1hlyU0rrtNJ6T3xSQfsasAd1FbPol0rPsOppVoYcsigNrjO1plh9/6fE3obWw0B7zvWpXR9G6nr9VZR4ekL+mCxqnT8qZNlILtrgLzH33RnrNyWy9hC/paP1NvyE9H2DeipXu1q0xxA4WRrnpaTb7y+7IYkw5kxIlgvcm8Op+t6ilIUnAKAVYANGI+p5UuTDg3KBBil+K6oPs34oCHY7n6oaDakBZU0oFQISRhByUjlVcktMjvTd+mcP1XSM1pgpSuWLzFd1PfWmihp9rDjiQy05hTaU9drOdvNPNe2lPWmn4UiLfbXa7iZ+orhGWyiT0SUm43OTHdaCQpXLoWI249GjIbbVu5q9LzqaS+9Cvnnlquz/nDao1vlQVRzJmLbidG8/wBRRTGSW92fQI29X3xSWqfGn9MJiS7Ve491cuTkIKTcPPEolLCBHDaW2X9qVNlOQRkArClFXM5qQ5jl0uzBKl2WLFbjRYLbYYbQjYkN424SnlhIUlY7B2UqXq3e6MFUNmfMtyVJKemiKSl0Z7wpQOD+mo+gapjy5Njk6UYRqCdLgpS9IjKCWY7LnX6RxxSut1wcI553d1PewtTUhReVHSyvd0LiJLjqh1vrtwAz4+B5VDAirU8W86H4i+ZaXs0UtarTutj0h1fm0a+ttuB1971ORsqPatxbJ7yV1K9hs9p+h22xnLaHvNWk7FTo6S9vyFFxeRyWpQ3qPaVczzqOOPl5N14e3xWlUvy7lp9xNxZu7BR0NvmRlZ25IV0jnUUhTaUK9MpXtzSzw91Try9tOOXmHp1tyJMcYkNQi64h1CEIAUh7OAVlYeSFJBLa0ggEFZgCSmmm20hLTaUAdgSkACkjScCNa2XoDCEs9AUtltDYbRyQOsEjlzz2+rHdSi1JWokORnWgOxRKSD8RJoIUypkSUuBQI3bx3igA1QrArNAArB7axuTntHx1mggzQrzuGcZz8NeqCTShlAkuPqSkrWAndjmEju+PJ+GvIa6IjouQ+uHj6/b66MUKAAKFeSoZweRoA8+yggzmhmsZFDIoA9UK8lVDI8aAyZzQzWMihkUBk9UKxzoUAZoVgmsFQHbQB6oVg0KCTNCgSAMk153c+2gD1WKHw1igCt83g5oe28YX7RFVJ0u5qOO5c7HdbTcFRZkWQ0tpMyM3lRBStC21pTtISFPgAADBjjTw1RY+FOpLm9xG4i3cx7asIjTLuFMqO3HviW2070+IVkcz2E5qR+NelrvqC0QbpZFoeuGnZaLvb7erCUzZDWfelrPYFtqdbGMAFwE5AxSJxfuts1H5PGpNSWiQH4FwsKnWFDkcHuI7lA5BSeYIIPMVWb9ljrf7aHqiiMtpDEpxtCE7eXLAx2V5RHYca6QSo6T9iFgVsn83pJHM9Dy9vKr9P6VtD+qY70PTum4tm2qbec9zWd77uN4UlSkYATsUnvzvV2YzXKt6HFzzPpW2dsLZrhHRnOfyKCNrCGiw0tlYWefNJzT04EtbeNGj1bQFe6iAB3eiqri6k4d2JWg3xZdPWM3SGTLgkW1tPXQorQjsOcglGc8wontJppOaA009fIN8ZtQTbtURm24zVkf81VEfDCnkvdRSUKygO5Vyz0aBsVuUa1wtHB5ycG53phXoSpRp9V5/6CpcrkqfeWbXgtWnziQ+2xGyfOOjQ44qUt7PoF3ow2kdf0lZI9GjUNjPmygwnBCT2+urvxLFPslwHnEWembDgyPdOVGPTxbo2pkJQ/0KfpL25tI5No5JcSnKcVSO2k9NF58sfmqL980TucvYqv3nQrhIt1XBXRbTHNb1khpUsubVISWU5UPEjlyp1zrLDmWYW5cVpTKG9rAKQQyQkhKk57CM8qZvA1zp+Gek19IehasUJpDQQVYWGRuVkdxyBg9m2pHTyGK1x6I8hWeKkl72I0K1w34sd51rCkEKZU0eiKU92NmCAoAEjsPeMcqjryt2GDwGvjjzTaw2/DU1vTktq85bG4eBwSM+BI78GXUpCTtqIvK93/2Br/tc2p6WJvG3O8ectcvVzwc+rHfRPwsfs/ndU/7l8yl/DhvPETTR3EYvETmO36cmr2cV4OlWtK3e+agsTlzRCt8x1QCCQG0tFS05PVQVBtKQrkr0QCMDFF+Gf1R9MeHu3Bz/AKwmrt8cbjb7jBg6EjT4ouV2nR3HEqIcDMVh9Dzy3GwQVIIb6Lby3KcCRWWzeUz0e+OFXppeT+ZSfXFia05q9+x3AwEzbdGiRpPRO7kl1MVoLUDgZyrcT35znxLccVHLh6FKM55HdV+LpAsC7si7XXStn6dp11q8pdhtunZ1SJHSKTkgbkK+5U53ppbumlNHx4olI0zZWkxS4taRbmeaUtr+15D1+FRKzbeck229EKNOMOFnCS6+RzqajRStSnHEo288UAmO42pTTe7FdDJ2h9LlLYRZrbDlBlcdh1u3x1LX1UK34U2RnqY7MZJ5VSfjRcoNx4k31+1xI0S3NS1RYzLATtSlrqq7AO1e89+M4zgClTocJZydrZW2439bhcPT8Rd8m/TEvUnEdh+CzHdkWKM5cG0ygS0p4YDST/DIP8HPdVrvofkar1MwbjYhFtMFsKk/3XcKZT/VU206wklLjaAtalBZHW24yOdMfyItOeZ6Fu2pnR17vNDTJ7iyxlOR/GKdHwVPMGKiI5IW32vuBxQAwMhISPxJT8VbaENMTx+3rrj3ksdFyEFEZ/TdzWGYqpdqnuJUIsOOlJiOhIypKR2tq25PeFc8EKJTTnjmxbLVFftVsZioZN5ehtoSyPf48XpHGXtwPjPcZ7wfN09mFJq8k5C1SIzwdKUNlRcSAOtkY7T2fBVIvKwYscbihCtmnIMOHBgWhsKbjthAQ4888+oYHYPfArGBgqNVuZ6abJ3doOrtGmuyy39xH/Di5xtP640pe0NJZ81uzDrznM4b3hK/5pNdG4sxuY+82w07saXs6UgBC1DGQk5yrGcEgYBBGcggc0L5Ek25uFFkoCHVwmZacHPvb7aXWz+CpNXv4Z21iTatN6xstrgJbuNuEiQ35y4hMd51tBWploDogSoEKACOZJzlSs57KT9qPkdPeijGTpV49JZ5+ZKPdWvdu9HxpPQzKcfPnMySM/tbTYS2PhAJ/nfFSilG0dWt55FnNvi+hC+LmtFlsKWL9MAz+/KpqKLONj3R7vHdmnfxZ+qzrfP+PpfzyqtT5FTLSuEctJbBAvD4G5IJ9FuuTGnxJtZPpla/Vhs+nV06uS93YplCeciPNuwpoDmeqGn1IV8G01JeguOGvtHXBvffJd4iFYL1vuqy6FJ+0dOXEEDs5lPik1dnUWjNK6hjrZvenbXcErGCX4qFKHLGQSMg+BHMVSryjeGUXQWuURbUZHuTc21SYKn1Fam9pAcZ3H0gklJBPPCwCSRktdCdBZTOfabVs9rVODXpYeORc7hprW0690pHv9nK0oWotPsOcnI7qQNzah4jI9oII5EU6apl5F+qlW3iTN02p5fmt5jFaG1cv1QzzG0etsqye/ZVzM8q2Up8SOTym1LJ2Vw6fbqvQpD5bIY/sykOtpV/ceNjdn7N3wqEXYQQAQYiOWeSiPlqbPLXweMref8AEsf5x6nL5EtntF2uWrRdLTBuAbjwNnnMdLmzIezjcDjOPxVz5Q4lZxPbW1yrHZFOtpy0l+LZWgIb7+i/CH6a9oaYKhno/wAMfprpedE6MJ/907F/s9r+jWPoH0b/AJKWL/Z7X9Gm/Q/eYHvdB/0vx/0Iy8jVLQ4LsFggo90pPYc/X1TDVMdn6JbqtLjOPPX/ANsT/hVeuumFrtlvtUMQ7ZAiwY4UV9FHaS2jcTknCQBk0lr0TpJS1uK0vY1LWorWpVvaJUonJJO3tJNaKlByilnocaw2zG0uKlZwzq7Z6HNQIiY5tsH19KP00Nkf9yI/CP6a6QXbRukU2uWoaVsYIYcwfc9r7E/a1zfAHQtEL7GB8eK51a3dPHM9lsfatPaTktGMY7gSYW4dRA/jD+mtEtMXo39qGvUQvPf7a6DcHNJ6VmcJdHypembNIfesUJxxx2C0palFhBJUSnmc99Oo6G0WQQdJWLB7R7ntY/JrUrN+Zw6m9VJZXCfl1CmvuXCe/YJCPcOR8wqub6Y6cxusP1vns79prpVxNShPDPUyEgACzywAP3lVc2VehF/e0/k1F/LGktuhGNTitrujpDwfz/Ym0gSSSbJDyT+8Ip086avB36k2kPvJD+ZRTr55rodjxlXlN+oXnpCobyVDI6NWR8FcttgCEYVvG0d/ZyrqXM/Wz372r5K5bxAPN2+X1ia519HOD2e5+HKrn3fmdE+AA28FdG/eaMfjQDT4VTH4DfUb0h4e4sX5sU91Vth0XoePrr62Xq/mF5kiLGSFS5LUdO8JSXHAkKPaAMn8VQtxq0QLJwt1vdLBeJVuTOYlTblCV7/FlF1SyshC8lpw7h1m1AZGSk1NT8Vh9DiH2m3Q4NqwtAO5PgfEYz8dRXx8f9zOFOqrSXswTZnw2dmehc6uxtah2bt3Uz27eZzVp+Fhb/bU/wC5FEJY95k47Qn/AJhXRxnUsQMwE3eNGhhyR0IW295xHPUODvAG3OfrgK5yvg7JnLsbJ/GK6RabTdV2WGuQyxIjuQEKeaVu3rcUMqA3dXHOsVl3PYb4+On8fyHL1OiSlraEhOE7ewDuxTKJhwVRmIaVPGDeWgWCnmjp2lZKftQl9SvUEkd1LunGGbWwbWkuoaSoqjsLWFhpsqUEoSQAdoA5A52jABwBWq+2hD8SbIjwoxuGUyGCtHVLjX0rd8OfgNbzxI3LjGuIv9xfkSlqjvWFfRJbRhLa05Tzx4blbc9u5X2Nc9mjhMUjtCB8ldLHGmHdPybglnY9JhFaiTkhJbKgnPgMnw7Se+uaTY9H1IHyVz76OrSe43N5OqvQ6J8EkujhJoYh33o2GECjHf0AOc/FT8pmcDvqNaL+8ML5hFPOt8eh4qt436s1uMtrcQ4sEqRnacnlmoj8rPeeBeoQr0OlhY/1tmpO1DeoVjtrs+eXA02M4bQVrWe5KUjmonwAqIfKjRe3+A19lXFUaI0pyLiIyCtQzMZCdzhODy5kBIwSBkgdZdTwMfYfxdL+5fMp7o7pWtVQG2GQ8+bnF6JBcKNyw8kpTuBBTuOBkEEduavRYrFFsPEBqJFS0pV6tEl+ZMRHCFvLacZCDkckpSl0pSgdg7ckkmj2g9yuJFjabWEKXdoexRSFYPTo54PI+yr264tspMB23251+NNw5NssxCN5jywF7kbeQXlK1ENn0k9InIwCM1l0Z6Xe9fXU37n+Qo3qPGgXNzVCWi8w3ADM9IVuS4zvJ3BPZuRzP2yVEHsTShYEoetHmboUtMNfm6SRjchIBQeR5goKefLPPlimnp1N4uenkzPolbLkMPxAuPbW2ZBfQotbVFW4ITvTkJCEkDAV2HLn07BuNpmTWXZjUq3OdEYe5va61tbShSFkclDqJIOAesQc4BO48gIPEKa7YIE/U635Ddqs9rlOJiNrUjziQduzs+tHWAz2FWRyArnukSA6+ke/PJ8eZWtR/OTVxfLZ1ELdw3t9hS9tevM3KkfZMsDer+eWar95OWmnNTcXdPM7C5Hbke6Evv2tx+unPqLgbSfuq59y3OcYHtt34xtLGtdy7/kXf4Z6bRpHh/YtNoSgKgQm2nSjsU5jLivhWVH4aclDOB2VjG6uhjB4qUnOTk+4Sua224/XWlO5aUjJUCST2DbzJ7cAdtc8ONUl2dxY1lPWd2LvIQjqbMpQ4W08vYkc+09vfV/70bZp+Bcb/JQlDUSI4+8sDJS22krV8GEg4GOYrnLYIcq9agtFtJ/VF1mssgnvU88B/wA9Yr1+FHq91I6Z1qvZRf6/kSH5R1iGm9Y2y1Hns03bwf4tKmf/ACqsh5H1190uC0SMr6ZbJj8Rf4fSJ/mOJHsAqJPLntgj6k03cGv+2RJDJ/inkuf+dS95Ct6C16q06XsNhbE9hv2pLbh/mN0R9ms4l7pKvsWnW8n+qLRpHKs1gUD2fDW08ec2uL/1U9a/f6Z8+qrZeRP9Seb9+X/yG6qbxf8Aqqa1+/0z59VWx8ij6k0379P/AJDdYaHOqz3W3OWyaf8Ay/8ASTpiq2eXbFB0lpu5H0mrg5GHscaKj81VkzVc/LvdSOHdijn01XsOD7lLDoP5QrRcfZs81sN42hR/uIE8nWQuNx701LHaLitlX8Y04j85roN41z14BtKf466ajN+kbslxXsQhSj8hroUO+kWSxF+p0963m7j/AGopF5bA/vw//aY35b1O/wAgr9ltZ/6Pb/lfppeWz9WD/wC0xvy3qd3kFAi7az5f9nt/yv0un/EM61z/ALvR9F8y19ChQronggUKFCgBP1D+wc7/AEZ38g1y/ax5oPuR8ldQNQ/sFP8A9Gd/INcvWjiKB9qPkrBfdEe33O6VPh+Z0f4H/Uc0V/8AL8H5hNPI99M3gf8AUc0V/wDL8H5hNPI99bl0PFVfG/UbXFD6mup/vRK+ZVXNftSn97/5K6UcUvqa6n+9Er5lVc12uYT+9/8AJWG+7HtNz/DV+B0i4PnPCXR/3kh/MIp101eEAxwm0f8AeSH8winT31vXQ8ZV8b9TVO/Wrv3Cvkrlu3+tWv3tHyV1Im/rV397V8lct2/1q3+9o+SsF52PZbn+Kr8DolwG+ovo37zRfmxT2Wo0yeAv1F9G/eaL82Kea1CtcH7KPI3K+un6v5hOT56+Pef1K1v98X6Ti0/aeGfXzHhTC4+Px2eB+rmIcd09HbHuaG1bTy+y+WpCiPCWwHI6/eXAFpXjtBGcj1UyfKISE8DNZc//AIW7Rnkwo/aRXvRz9knEGSrvLZB+Eiuj1r0vZYKlRo1uW210LYK/OXCHBt24I3dwA+OubjoU4h5sYBcRtHxg/mqz58rN5vbu4cpJ2gZ93PD+IrFaTUc5Pd7z7OubucOBDVjOfiWTs1rYtrrpjtNJdd29K6lASXCOQyAMDA8OXM8hzyrK7M5qrCvK6dCNyeHaN3h7t/8A/CnTwi8oZzXmv7dpZzRaLX5+l5XnAuhe2dG2V+j0Sc5xjtGK2KvTbwnzPIVtiX9Gm6s6TUV16EuNtvRrLPirLQjtsrMNKdwUlktckqB7MK3JH2qU555rmz2lPrQPkFdO78P7ky/9Hc/JNcxI4z5tnvQM/FWO+ljSel3OeZVH6HRvgb9RjRX3hhfMIp5HmaZnA76jOi/vDC+YRTz766Eeh4ut9pL1CzcJhsJG1TgAPNxRWrn6zkmot8rr6gGos/Zw/wDi2qluok8rokcAdRfdw/8Ai2qpPwsfs/8Aiqf9y+ZS/h7j+yTpU/8AjELP8uiuhOtnnUabnqhrUieiO4uGtKN60vBB2lKRzUc9w7s92a578PcHiPpTP+OIXz6K6LxrbEjy/OWGG2lkYOxOO/NZbL+Y9Nvfzq0vR/Ma+jVtW4NB2Z0kC8bJdtQtSluhZT1w4s9qlDav2lz1U8UBl9YUnrY7j/6/9Ck2xMeZRsrjklyUtA2J+lpSpSUZx2jCU86PXifFtVrlXSa6lmLDZXIfcPYhtCSpR+IGt544pP5ZGpBe+MT1qbOWLLEbhoAOR0qvfHFfzkJP3FP/AMhbTg6K/wCr3GMAlu1RVntwPfXvgJU18Karbep0q83ubqGWEiVOkPzXkA5CVOKKyB6ufKr9+T7pteleEOnrU8lSZKowlSQtICg88S6tJx27SvbnwSK5trPiVZSZ7bbWLPZdK1j3xn5v8WP+hQoGuieJIt8qK6KtHBDUam1hLs1pMFHr6ZxKFD8ArPwVUbgDb27txz0hbnE5bYmiQOXZ0LZdH42xU8+XZehF0jpyzAkKlXQyjj65DLZBH4TqfiqN/Iwtgn8ZXLo4AURLTIeQfsVKcbaH81S/irHVeqqkew2ZH6PsetWfWWfyRKHlvQUO6BtF3SxvdhXPolr+xbdbWD8a0t1D3kf3Vdu43w4naLpBfirH2OAHQf8AdEfDVm/KftSrlwL1MhtOVxY6Jo/iXEuH+ak1SfQl1RYOJWnL4pzYzDuUd59Y7mt4C/5pNLuZaK0ZDNiL6TserQx0z+p0nFBXZWtkEdtezXQPFI5t8XVH+yvrP7/TPnlVbLyJznhNOP8A45J/JbqpvF0g8WNaDxvsz55VSdwH432/hroh3TsvT025POTnJPSsyEISApKAB1u/qmubSShVbb8z6FtS2q3Gy6SpR1PEeXwLqk1Ujy6b+3J1XprTjRz5lGflSsHkC9hLY9oDaz7FCjt/8rCX5s6zYtGJaeKeo/Om7koP3CE8/wAIVBltiat4mawd8yZmXy/T3ukkPOdjeeW5avRbbAwB2AAYA5Yplespx0x5nL2Nsitb11c3S0Rj5skLyNdPPXfjA1ewD5vZYTj7zn+cdCmm0fCkuH+BV3E0w+B/DyBw40U1aGlpk3B5XTT5e3HTOnlyHchIACU+Az2kkvxNaaMNEcHE2vfK+upVV07ehSPy1+fGRfI/sLG+dcp5eQcvdc9ZY7o1uH45FNDyzQTxnXlwD+4sft/fXKb/AAS4pu8KZV4lM2Nq8i7NxkkGb5uWuiC/tFbs7/VjFYVJQrNs9fKhUudiQpUlltL5l+sihuqq39tu+f8A+PEf7dH9TQ/ttn+7h2k//fB/U1t48PM8r+wdof8ACf3r9S1FZpo8JtWr13oG26pXbRbVTelzFD/TdGUOrb9PanOdmewduKd1NTyso5U4ShJwksNcmEb/APsHcB/3Vz8k1y9+tA/zSfyRXUK/fsJcP9Fc/JNcve3n/mk/kisN92Pa7nf1PgdHuB31GNE//L8H5hFPKmbwP+ozon/5fg/MIp5VuXQ8VV8b9Rs8Uvqb6m+9Ev5lVc2Ujaw2v7RP5NdJ+KX1N9TfeiX8yqubJ/WbA9Sfyaw33LB7Tc/+p6o6P8IVJHCjSIJwRZIff/mEU6d48a5dB1tSQfOFpx3dKR+esEoT1/O1n1dMf00Rvs/yi5bpttvir7mdQZyh5q6Ac5bV8hrl3GI8yGRz2Ix8Rrc242tCtrgbWDlKw6QflrX1ioc04QB8NIr1uLjlg7mxNkfs9zevVnHbHT4nQvgTuHBjR33mifN081K7aZvAw54M6OH/AINE+bp3LQdx510IeFeh86rr66Xq/mbrfFTDZ6FvATnPLJJ9ZJJJPiTTF8o5OOBmsef/AMLdqQ6j3yjUg8D9YK7xanfi5H81WxyZSg/rY+q+Zz5kKZZakLT1ltEkfHip5a8lrXbmAb7pfO0H05Hf/F1AlxQEOTgOwoPyiuomzKEY+xFYbSmp51Hvd5Np3Vk6boSxqznl6fqU5V5KmuiAlN50vnx6WR/V09OC3ADV2iOJtq1TdbnY3okJt9K24y3S4orbUgY3JA5E57asq1kelWytit4J5R5Ott6+r05U6k8p+4IX79hpn+jr/JNcv2j+p2vYPkrp/f8A9hpn7wv8k1y/Z+kNewfJWe8jnB6Hc7pV9UdHuB31GdFfeGF8winke2mbwNP95jRX3hhfMIp5HtrZDoeLreOXqCoi8r76gGov32F/xbVS7UReV99QDUX77C/4tqq1fAzRs7+Mpf3L5lMuHPPiVpb78Qfn0V0pTXNbhz9UnS/35g/PorpSKyWUcKR6Pe/7al6P5mtKEoBCEhIJKjjxJyfx1D/lc6iFh4NzorTikyry8i2t7T9avKnc+otoWn2qFTJVOfLg1AJ2vLTpphWRaoapLgH+GfV6J9iG0kfvlaa89EGzibFtlc3tODXJPL9FzIj4T6cOq+I9g0+QVMzZqEvpHeyj3x3+YhVdIh8frqoXkOafL2q73qN9ILcCMmGySP2x47lY9YS3z9TlW9FLtKemHqdDem64984rpFYPVA1gVg8605PNlMvLhuxm8SoNoQ5vattpQSn7Fx50qP8ANbR8dOfyDbfuOrLqWzjESK2vwwHVrA/CRUKeUBejeuNurZaM7ETzEx4dAkMn8aFH4as35E1tchcHnZaxj3Quz76T4pSEtfK2axU/arNnt9oJW2w6dPvLH6kxaotTV903crLIOGp8R2K4fBK0FJ+WuZAIEZ1lwe+4Cfi7fkrqUSO+ubvGG3mz8UNTW7ouiRHukhLKPBorK0fzVCovVhKQjdCqnVqUX0az93/k6AcNbwrUPD/T99WrLk+2x33PUtTaSofAcinGru9tQz5HN1TceB8GJkly1S34S8nt63Sp+Da6kfBUynu9tbIyysnlrqjwK06Xk2jm7xcGOLGsioZ/u/M+dVTt4TcEtS8Q9KO3613y1wWkSnI3QyUL3FSMc8gHtzTT4vcuKWsiOf8A7QTPnVVa7yLE44Syvvy/+Q3WKFOM6jUj3W0b2vabMpToPD5ds9iD9SeTbxNtkTziIxaryodrcCZh3H3LqUA/ASfVTI0drTXXD25uqtEyTaHWXNsyFIaOxawcFDrSuwgcs8lDuIroziq3eWhoNiXpxGvbfHQmdb3G49wI5dOwtWxKleKkLUnHqUrOQAA2rbqC1Q7HL2fvBK6kra9ScZd8fMkDgXxctnEm3OxvN24F+hISqXCS5uStJ5dK0T6SMkAjtSTg5G1SpT7q5tcM9Tv6G1patUIdcbMOSnzpCf2yMo7XUH2pJx6wD2gV0jQpKxuT2EZFXtq/Fjz6nM29stbPucQ8D6FJPLYwOMmP/BI/zj1M3hFwsvvE6ZckWW426H7ltMKdEzf1+lCsY2g9mw/ip4eWwf79PPs9xI/5b1PLyCx/dPWH+jQM/HIrEoqddxZ6n6VUtthwq0niSS+Y3v7VDXfb7vaa/lH/AOhWf7VDXf8Aj7TX8o//AEKudQFbeBDyPMvePaH+f8EMjgnpSfojhjaNMXORGkS4Qd6VyNu6Mlby1jG4A9ih209qwK9CnpY5HEnOVSTlLq+YQ1B+wVw/0Vz8k1y+T9L/AIpP5IrqDqD9g7h/orn5Jrl+3zTju6JP5IrDe9j2m5/9T4HR3gf9RjRP/wAvwfmEU8qZvA/6jOif/l+D8winlW5dDxVXxv1Y2uKf1ONS/eiX8yqubEY7zHR6k/k10n4o/U51N96JfzKq5rQvTjn1j5KxXizg9rud0q+qL+8MNA6GuHDbS8+dorTcqVIs8R15521sqW4tTSSVFRTkkmnIeGnDr/ITTH+yWP6NeuD/ANSfSP3kh/Mop1c624TXQ8fUq1Nb9p9fMZsvhtw7TGdUnQumAQhRB9yWPA/a1zlt+XY6AsgANpA/HXUWZ+tHv3tXyGuXUJTYjo3HHvafz1iu3pwew3SlKTq5een5nQzgT9RvRvP/AODRPmxT1dxntpmcCtv9hfRxH+JonzdO9XMnnWhP2V6HlLjnWl6v5h8dtR/5R31C9Zfep75KkGo+8o76hesvvU98lMkuTE0H9bH1Rz0uH/avYv5K6ktjqj2CuWtw7ZXsXXUtv0B7KyWcspnsN8uVSl8fmj3QoChW08UJ+oP2FmfvDn5Brl6j0Wh4D81dQtQfsNN/eHPyDXL9oZS0fV+asN3HOD3G539T4HRvgZ9RrRf3hhfMpp6UzeBv1GtF/eGF8ymnlWyPNHiqz+sl6sB7aiPyvPqBah/fIX/FtVLlRH5Xf1AtQ/vkL/i2qip4WaNn/wAVS/uXzKY8OfqmabH/AI1C/wCIRXShPf7a5r8O/qnab+/UL/iEV0pT31ltJZTPSb3/AG1L0fzPJIAJPYBk1ze4i6mXqziTfNRqWVszZ61x93b0Ceo1/MSmru+UVqQ6X4O6hntr2SX43mcYhWCHXiG0qHrTuKv4NUQ0xZX75qi1achDLlxktwkL/wAHvUElf8EZPsFVvm04xRO6lOMYVbmfZY/Mu35Klh9w+C9pdW3tfu6l3R3+Nx0f+6S3UtA0Wgw2IMOPDitIZYjtpabbQOSUpGAB6gBRkCtsY6Vg8nXqurVlUfd5M45URus1i222VcJa9keK0p51XglI3E/EKPZqNPKZuyrPwO1RIQcLkRRCH8epLR/Esn4KmTxFkUYOrUjBd2UIRKVKu70yaOldkOLeeV4rUdxPxk1fvyb7eLPwS0rFUpJLsFMpWVDkXlF0j4N+Pgrn8tDWVIacKFpXgDxFaT5sqe44Isd9Su3enlXIo1eE28ZPp22NlPaFOEFNR0+fodSVLQR6aPwhVGvK1hIt/He6OuYUm4wYspPPPMI6L4PpX5++ocKYa+RjxGvHCK9MNQ1KDbDiEr7gkHnV6l1xY4wYNl7B+gXHGdTPLGMNFovIMvBJ1Zp1x7klUeaw37d7bh/mtVacCqLeR9dPc3jdCaUR0d0hyIPP7Lb0o+H3rHw1eoDArdbS1QPNbyUlS2hPHfD/AAObnF/6qetfv7M+fVVsfIpP96aZ9+X/AMhuqncX/qqa1+/sv59VWw8ib6k0z78yPyG6RQ+1Z3duL/0mn/y/9JOvdTJ45wm53BzV7DiAoe48lxPqUhtS0n4CkGnrmmpxdWG+FGr1q7E2OaT/ACC62voeHpv20zm9JWoiS59c6CfjrpNwulOzuGumZ76yt2TaYry1HtJUykn8Zrm1twkjtBj7viTXR/g8nbwm0gn7Gxwh/uEVhserPbb4eCk+/P8AUqb5bH1YM9/uTE/Lfp5eQV+yusv9GgfK/TN8tf6r/wD9piflv08vIM5XXWX+jQPlfpcf4hl6/wDu/H0XzLWihQoV0zwgKFChQAn6g/YK4f6K7+Qa5fx/1t/Fj8muoGof2CuH+iu/kGuX8c4Zx/mx+TWC97Httz+lX4HR7gf9RnRP3gg/MIp4d9M7gf8AUZ0T94IPzCKeI7a3rojxdTxy9RtcUfqb6m+9Er5lVc2InIw/g/JrpRxR+pvqb70SvmVVzWjdsP4PyRWG97HtNz+lX1R0j4PfUn0j944fzKKdffTU4PfUn0h944fzKKdffW48XV8b9QvO/Wzv72r8k1y2jpHQt/cp+SupU79bO/cK/JNct4/0pHsT8lY7ntk9puf1q/A6HcDx/eW0b95YnzYp2AkH4fz01eBfPgvo37yxPmxTtcAFOi/ZR5Sv9tP1fzFKo+8o36hesfvU98lSBUf+Ud9QvWX3qe+Smy6MRQ+1j6o563oYkzPDFdSGvQFcuJ5846UbsFYPy5q0zXlbpcRy0Cvly53VP9XXOtJxjnLPebz7Pubp0uFBvGfyLSViqvHytWwjf9AhOO73XGfmqWtAeUwdWazs2nxopURu5SegMg3IL6LqlWdvRjPZ4itvGh0yeTnsW/hFzdN4RPN//YaZ/o7n5BrmFG5xGFevH4hXT6/c7HNx3R3PyDXL+OcRIw7OYrNeSxg9Fuf/AFPgdG+Bv1G9F/eCF8ymnjVQ9D+VAnTWkbPpz6CVyRa4LMPpxcgnpejQE7sdGcZxnGTS2nytkE/+4K/9rp/qqfGvTx1OFU2DtFycuE+b9xaE1EvlcH+8FqH98hf8W1TK015UQvOqrRYhodTJuM+PD6X3T3dH0rgRux0fPGc45U9PK5+oHqL98hf8W1VnNTi8CqFnWtbylGqsNtfMplw658TtN/fqF/xCK6TjlmubHDbnxN03n/HUL/iEV0oOATnsrNZcos7e+H21L0fzKt+XVqM7dOaXYX9LK7pIR8PRNfHue/BpneRfpr3W4ne66xlmxQlSOX+He3Nt5/gdL8IpoeUFqr6IuMWoZAT0sdEjzKP1uQQx73y9RUFq/hUv8D+MUXhjZ7hFRpFd1lTZIdckJnJZIQlICEYKDkDrHt+uNL4kXW1S7G5WdensdUaEW5S5v4l5hQqrv9tyz/kE5/tQf1VYPlcs/wCQTn+1B/VVt49PzPM/sDaK/pMtEarz5cN2Zb0LY7Cp0tqn3MvrPi0y2okfhrbp4cB+MCeKZvmzTy7R7leb+lLD3S9L0n2qcY2evOfVUF+XPdzK4j2SyBWW4FsL6h4KfcwfxMpqteSdJtdxmx7OcdqQo1Fhx5v4EbcDrQL5xm0dGCAo+6bclQPYUsDpT+JFdEAkZ7B8Qqk3kX2pM3jGiUtJxbLZJkpV4LWUND+aV1dxNKtFiGTTvTVc77T5JfqeShPgPiFQd5Zdq864Sx7mG0g2q7x5C17QCEK3NH8bianQn1UxeP8AaBe+DOrIW0qWLW8+0B2lxpPSI/nIFaZxzFo4tlWdGvCeejRQ/hzelaX1/Ybr0m1iDdI70g/5reEr/mqNdJlLJ9h7K5eoQmU7Iz2LYKvhyDXR/hrejqPQNgviyC5Ot7DznqWptJUPgVkVjspdUen3vo6ZwqL3plAuLZKuLGsWvrfd6X86atj5FP1I5X36kfkt1U/ir1uLusW+/wB3pfzqqlvyfeNth4c6Ge07cbLeJ8hU52T0sQNdGEqCQB11pOeR7qinNQqNs37Ut6txsunClHL9n5MuOaiDys9UN2DhBcrey4Tcb4n3OjNJPWUF/TVYHPAbC+fZkgd9R9e/KwZU263ZNIHcU9R6dOSAk+ttCST7AoVXrXeu9S63v5vepJokSUJKI7bSdjMZBOdraeeB4kkk4GScU6pcR0+ycbZm7l1OupVo4iufPuIbUOXcZbcSEgrlTXER2WQOalLUEgD4TXTWzQmrbaotuYGGYrKGWx9qlISPkqnvkicOZuotTR9cXKIUWW0vb4i3BzlyRyGz7Rs9Yq+ywkZwrFzqi1p6YuXmRvPeKvXjSi/B19e5STy2FY4y48bNF+cep4+QmhaLvrDd3xrf/wCfTP8ALWbKuMvL/EsX5x6kPgJxZVw0uF4cc085ePdJmM2AiYGOj6HpOfNJznf+KsvEUa7ydt29W42JCnSWXhfMvvWaq7/bbJzgaAX/ALYR/V0P7bYf5AqH/wB4R/V1vVen5nlf2DtD/hP8P1LRUKZHBvXauImjEajVaTayqS6x5uX+lxsVjO7A7fDFPbNNTycupCVOThLqgjqH9g5/+iu/kGuXzPopH+bT+SK6g6i/YOf/AKK5+Qa5fNA9Tl+1J/JFYb3sey3O/q/A6PcD/qM6J+8EH5hFPLvpncD/AKjOivvBB+YRTwrd5HjKvjl6ja4o/U31N96JXzSq5sRfSh/+u4V0o4o/U31N96JXzKq5rxu2H8H5IrFfdEj2u5/Sr6o6Q8H/AKk+kPvHD+ZRTs76anB/6k+kPvHD+ZRTrNbjxVTxv1NE/wDWzv72r5DXLRk+9I+5T8ldSp361d/e1fkmuWzAPRN8vrU/JWC+6LB7Tc7rV+B0Q4F8uDGjfvJE+bFO90EimjwNH95jRv3lifNinmezsrTFZijyVd/Xz9X8w7TU4tadnas4bX/TVuejMy7lCcjtLkFQbSpQwCopBOPYDTpbr3TWZ08PJTBzyVeIrjpWbxpMex5/HzVeD5KnEXuvGlP5Z/8AqqujQrP9Hgd17zbQ/wA6+5FK/wC1V4j5/ZnSmP35/wDqqdHCvyd9caW4i2HUNyuenXIdulF51uO88XFAoUnlubA+u7yKtZWKsrennLQqtvBe1qbpzlyfuCdxZVIt8mOggKdaUgE9mSCKpu15KPEFLSEqvWliod3TyP6qrqVmmVKcanUyWW0rmyT4MsZ68slL/wC1V4h4x7o6T9vTv/1dY/tV+JAHK9aW/l3v6qrnkgc/GmhqjiboDTMhyLe9XWaJKa9OMZAU8n2tpyr8VK4FNHShvHtGbwnn4FdNDeTXxBs2trFeZl302qNb7nGlvpbeeK1NtupWoJy2BkgHGT21YHjjpO5a44Y3bTFpeiMzJi46m1ylKS2OjfbcOSkE9iCOztxRO08b+FVyd6JjW9paV/3lSo4+NxKRT/hyo8uK1JivNPsupC0ONqCkqSewgjtFXhTgo4iYbu+vKteNavylHGOWOnMqVpbyaNfWzV9ovMy7ab83hXGPKcS1IeK1JbcSogAtAZwOXOrX3oXFyzTBaDHTcSwsRDIz0XS7Ts3457c4zjnijoArJwAT2AVanTjDoKvdoV72SlWfTpyKWteSpxFG0u3fTLihklRkv5UT2k+916PkqcQz/wDGNKj+Pkf1dW+927QCP7qQef8A3hH6a9C92fn/AHTg8v8AvCP00h29NnR/xFtFctX4Ip5/apcRP8caY/1h7+rrH9qnxE/xxpj/AFh/+rq4fu3Zv8aQf9YR+mgL3ZycC6QT/wDUI/TV1Qgiz3k2j5/giIvJm4U6h4av6jcvky1PouaYgYTCdcXt6LpN27ehPbvHZnvpm8ZOAeudccTb1qaLctPIhzOiTGbfkuhaEIbSjCgGyBkgq5E9tWfGCM+NDAq7pRcdPY51PalzC4dymtb74IT8mfhJfeG82+zdQybTJfntR2mDBW4rYlBcKslaU9pWnlz9GprrB5dlMO/cYeGlkeUzP1pZg4k4Uhl/plJ9obCiKFGNNYXJCKtSteVXNrMn5If4rTLYbkR3GHUBxtxBQpJ7CCMGmPYOL/DO+vdFbta2dTnYEPv9ApR9QcCSfgp+BYIB7jV4tPoKlCdN4mmn7ymbPkt8QmozEYXXS6ksn0i88CoZz/g6snwR0rdtGcOrbpq9PQnpUJTwC4i1KbKFOqWkdZKTkBWOzHKnzWDS4UoweUbLvade7goVXlIqTrvyaNe3rWt9vUG66YEa5XORMaS/IfC0ocWVAEBojOO3maRh5KnEUc/dbSn8u/8A1VXDlXO3xHwzJmxmXCAoIW6lKsZxnBPZyPxV5927R/jSD/rKP01TgQbNtLb+0KUFCMlhdOSKmW7yTdXvyAbjqqxxW+8sNOvH4js+UVIuiPJe0dZ5KJeorhM1C832MqHQRj6yhJKj7Csg94NTxHlRXxmPIZdH2iwr5K257+6rRoQXYRX25f1VplUaXu5GmHFjw4rUSIw1HjsoDbTTSAlDaQMBKQOQAHIAUZ7qFCnHKK5+UDwU1pr3iL7vWK4WKPEEBqNtmOuhZUlTiicJbUMdcd/dUcnyVOIajly86Uz+/wAj+qq59ZUQBk91JdvCTyzr0NvXlvTVOm0kvcil39qlxCT6F50un2yH/wCqrI8lPiErmu8aXV7JD4/8qrLag4vcNbG90Nw1pZUug4U21I6ZSfaGwog+2tdi4x8MbzJ83g60tHSnklL7vQFR8B0gTk+yoVGmuWTZ+3dquOpLl56eRo4A6JvGguHzen75KhyJiZbz5XEUpTeFqyBlSQfxVImKCSFDIII9VeuVOSwsHAq1JVZucur5sJ3OOqVbpMZCkpU6ytCSrsBII51TkeSvxKLCGFXnSQCEhIPnD+TgY/wdXPedbZaU68tLbaAVKUo4CQO8nwoh7uWXP7Kwf9YR+mqVKcZ9TXY39xZ54Dxn3BDhzZ5OnNA6e09Ncadk2y1xoby2iShS220oJSSASMjlkA+qnF3Um+7lm/xrB/1hH6aBvdn/AMaQv5dH6aZyMTjJvOAtrK2P3nSt2tMZbbbs6C/GbW4TtSpbakgnGTjJGcVUZnyVOJTaEf3X0mdicfrmR4fvNXDbutrddbaauMRxxxW1CEvpJUe3kAfVR8Glypqp1NlptK5sk1SljPURNB2h+xaKsdklONuSLfbo8R1bedilttpSSnODjI5ZpdrANZq/Qwt5eTRLbK4zqU+kpCgM+JFUxb8lTiQlpkKvGlFhoAD9USB2HP8AgqumTWM0qpSjV8RustpXFi26LxnryT+Y2OGtimac4fWDT89xhyVbbezGeWwSW1LQgAlOQDjl3gU4UjNe1KNeCpVXSwjG5apNm9v0K9V4aPUr2KEyoKFCh31ZAChQoVJDMV5UcUM1FnlR6ue0pwqlpt8ksXS7OC3RFp7UFYJWvxGEJWQe5W2obwssbRpSr1FTj1fIhLyi+Odxvc+ZpfRE52NZ4q1MS50Z3Y5LcBwpKFDmlsEYyOaufPb6VegFstobZaS2snalKSCtZPcB2n4K3QoEqTdItutLLj0qXIbjsspOVLcWcAfCTV+eDfC2x8O7O0GozEq+OIHnlyUjK1qI5pQTzS2OwJGPE5JJrmxjK4bb5Hv69xbbBoxhTjqk/wAfeUGk2+ZDKUXGNJivO/S0ymFt7/ZuAz8FO/hJxF1Rw+uqZFhkrVEDg87tTx2xpKD6XPnsX4LAz45BIN/7/ZrXqC0yLTfIDFwgSUbHmHkbkqH5vEEcwRmqA8e9DucPuIEjT7bq1wHECRAcV2qYVyCVfbJKVJPjgHA3UVKDoYlFlbHbENst21eCXl3L56G1RadZaVgaksjq3IU1vekLAC0KBwpCgCcKSoFJ5kZHIkc6WX9q2HN32J+SqmeRBq1UbUd20W4o+ZzWPP4YJ9F5GEuD+EkoP8XVtJG3oF5+xPyVupz4kNR4zaFm7O6lRbzjo/NHK9qOC02AlByB9bWxKW19RfQICe/lzrZCThhB7eqa6FcCYcU8G9I7ozKiq0R1ElAOfexXOpUOJLGT6FtXai2bThJRznkc8yY4TgKjn+Cmt9vXH6eOFLh484bz2Z9NNdO/c6CP+wxv5MUBboJOfMY38mKd9CefEcGe9kJRa4X4/wCgaNFrpNiWy3yLjPkNx4kZpTz7zhwltCRlSifAAE0ZTyGKrb5a2t1QbVa9DRncKuZ87ngfuds9RP8ACXz/AIuts5qEcnlbK1ld140o9yIuOnGS+cQbi7bbdIlw9ObsNwUnYX0/ZPEczn7D0R7edRbFYlzJHm8NpUiQjl5rGZUv8SOVOzhdoqbr7XkCwwFuMNP5clSEj9bxk/TF58eaUp5ektPdV+dHaWsOkrMzZ9PW5mDDZHJCBzWfslntUo96jkmsEKEqzcpM9vd7UobFpxt6EE5d+3345s5rOxpLL7kCXFUiQB1mnk7Fj+CrBqV+BnGO/cP5rMC5SX7jpgqHSxHSVKip+yYPdjt6PsPcAauVrzRundb2Zy1ahtjEpog9E6UgOsLxyW2vtSoeI9hyMiqA8S9K3fQWr7lpaerp1Q3ApiTsKRIZVzQ4AfVyIBOCCMnFE6UrdqUWWtNp2+3YSoXEEpdv9GdGrZNi3K3RrjAfbkRJTSXmHUHKVoUMhQPeCDRkgYquHkVaw89s1w0TIfKlWn9UQQTz83dUdyf4C+/uDgHZVjiDjtrfTlqjk8PeWsrWtKjLsylHlqkJ4wxlLabUr3Dj+kP86/UEEMBRK1tJHbhY/TU8eW19WKJn/Ecf51+nJ5DjEZ6+6uS+y24BEg4Ckg45vZrnzp66rWT31rdRstkQraE8JfHngrI10bp6siOz4YWE/JT70bxa4haOfbFq1JNkstkAw5zipMZSR9btUcpH3BSfXV97tpDSl3RsummrPOSe6RDbc+UVU3yp+D8HQ6Y2rNKtCNZX3/NpcTcVeauKHUWgqz72rGCCeqrGOR5WlbzpLUmZLXbdptGqqFeklnpksPwL4q2riZY3nmWDAu0MgTYKl7tm7O1aFctyDg4OAcggipIrnfwF1Q5pHilp+5pdKEPyhCnZVhKozvVVn7k7Vj1oFdDQQrsPIHFarerxInmtubO+gXGiPhfNGqZKYhxHpcp1tiOy2px11xQShCUjJUonkAACSTVHOPfGa+8QJr0CzSHoWlgcR46FbFTUj9se79p7m/j51Mnlr6zVaNGQtIxHtr1+cUqSM9kVrGU+resoHrCViqsaF0xcNXastembUtCZlwe6NClDIaQAVLcI5ZCUgnGefId9KuajyoROzu9s+lGlK+uPCs4z7ur/AEEYMPiW3FjtKD6+aGWk7lfAE1unRrk3ITFuTLoWRkIktlCseIBGa6LcOdBab0HY27ZYYKG1lI85luAKkSljtW4vGVHmfADOAAOVGddaPsOtbC7ZtQQm5LCgS2sgdIwvHJxtXalQ7iPkqn0LKzkY97/b08JafV5/QpTwN4w6g4dXFqHLekT9N5xJgrJJYTnHSM+BHbt9FXPsPWq9lqmxrnbI1ygvofiSmUvMOoOUuIUAUqHqIINc3ddWCdojW930zOJckQXygrI+mtkBTa+/G5CknHdnFWm8inVbtw0fP0q+slVqcS9FBPYw9uOwfcrSv4FAdgotqjTcGV3i2fTlTje0ej6+Tz0ZKPHhJPBjWRBIPuJKxj97Nc65DCBKcTtT6I+t9VdE+PWf7C+ssf4jl/Nmudk8KMVxYPY0AfxUu8eJIfuljg1X718jwRbMdRxnNeMMD0VsEfBXUCPAiBlB80YOUJ/ax4Vn3Mi5/Wsf+ST+irxsf/kK/wAXaetH8Tn1wAVAVxo0htDQdF0bxgepVdEkjmaKNwIrbiVJjMBSTlKg2Mg4xkHHLkT8dHQMVrpUuGsHntrbRV/VVRRxywZArNChTGcwwqvJrJryagDWvI7DWhWT31vIA7TWpQB7DQAZZ5tp9lbK1RiOiR7K21SHQlgoYoUDTOxAKFCsGpA84qoflyX9Std6fsQB6KFBVNP2ynV7B8QZP4VW7Kqob5VkvpuNuplKWF+aGLGbHgnzdtZ/nLVWa6lpgd/dqkp3qk/5VkVvI6063euLTFyeaUpqywHJQX2gPrw2gH+Cpw+1Iq73tqsXkJQiiHrG4497ckRI6P4CFqPzgqzo7Km2jpgK3hqOpfzXlyM1D3lA8IZfEy46ffhXiNaVQFSESH3I5eUptxIICU5AJCkjtIwFE+ozDWKdKKksM5VCvUoTVSm8NEV8LeBWitA3CNeYyJlyvjG4ony3ube9G1YQhG1ABGe0E8+2pQkfrZz7g/JW2tcj9bufcH5KmKUVhEVK1SvU11JZb8zlvA7CPVXRHgJ9RbR/3mj/ADYrndA5E58K6I8BPqL6O+80f5sVzrGOGz2u9/2NP1/IflChQrpHhjwrtxXP/wApm+e7nG3Uz4eJYhFNuj/a9Cnr/wC8K6v+s4ST4VzH1DcF33UEq4LPvlxlPSV5+yccUo/LWK9liKR6rdGjrupVPJY+/kWl8h2xtiy6j1S60OmflItzKi3gpbaTvVtPeCpzBxy6g8KsoKivyUofmfAbTuUbVyUvyV/bb33CD+DipVFaaUdMEjh7Uq8a7qS9+Pu5GCKrF5dOn2lQNN6rSkApfVbH1j0lBQLjXwApc/Dqz9RB5X8FE3gJfF7NzsR2LIaP2JEhtJP4KlfHRXWabDZVbgXdOa80Vi8mS9ixcbLC848WvP1Lt8gdykuJ6g/lA2fgq/RziuZNnuAt+p7Ves4cgTWJR/inEq/NXTXd1fHlWezl7LR297KHDrwn5rH3PBSny3PqxQPvKx867Tm8gw5v2sP9Gh/lPU2fLe+rDC+8rHzr1OXyCs+72sP9Gh/lPUqMfr8+86lb/d6PovmW0qN/KWgC48DtVMnHvUPzoZ8WVpdH40VJFMfj2pCeDOr9xABs8kfG2QPx1vl4WeKs39fD1XzOdR5tuL9RPxZrp/aJCZlsjTUA7X2kufhDP565gOK2xHEDtLah+I1030o2pjTVrYcGFIiNpV7QkVks5Zyes3ySbpN9s/iUq8r28ruvGO7NZBZtkePAZx9x0yvh3OKHwU+PIfsHTXu/6odYGYbLFvjOY5ZV7498OA38BqDuKEkzuI2rJS3ekL17lqR9wHlBP4hj4Ktp5F1v8z4QLlH/ALfdZD4PqTtaHzdUpS11h20/3XY0KUe+Px5k40KFCugeFIJ418CnuIvEaPfkXqNaIHueiPK6OOXJDjiXFHI5hIyhWNxyRtHIinlws4Q6L4buuy9PxZbtxeZ6B6dMkFx5be7dtwMISM49FIzgZqQsUMVRQSeTTO8ryoqjqelduwyuO3PgxrLP+JJfzSq50SPpUg92Pz10X48H+8xrL7ySvmlVzmlgpae9hz8dYL3xI9luis29b1R1KjfSG/uR8lbQK1RfpDf3KfkFbq6R4R9TAFZoUKCECsd9ZrBwKgkCuytShXorSK8FwVDZKPJKcZPfWlZwNtbgErRy7RWh9Kh1hUYDBshq96Rz7qMpVSTBfPRJ9lHG3STWWFTkXcQ7mgeytSF5rZnIrRGeUUawZrB7azWKZkgxjka518dnvP8Ajbq17wurrf4GEf8ALXRSubvFr6resfv/ADfnlVmuvCj1W6SxdT/t/NFofIZSk8MLy4B1jfHEn4I7FWCqAfIYGOFV39d/f+ZZqd5khiJGdlSn22I7KC4664oJQhIGSpRPIADmSabR8CZxtrP99q+rN9CmsOIegv8ALfTX+1WP6VZ/sh6C/wAt9Nf7VY/pU0waZeQ6BXiR9Ic+5PyUg2vWekLlcGoFu1XYpsp4kNsR7g044vAJOEpUSeQJ9gNL0j6Q59yfkoIWU1k5bRUqVteKgBXRLgN9RjR/3njfkCudTAS5HQ0lWFGrC6K8oq76X0daNPo0dEmJtsNuKJHukpG8ITgKKejOM48TXLtqqg22fRN47Krd0acaay0/yLlV5qpw8rK9lzo/oKgf7TV/VUo6Z8p27XjVlmsJ0ZDjm5XBiIXvdJStgccSkqx0QzgHsrcriDPIT2Fewi5OPT3ljtWy/c/S91uA/wCzQnnvwWyfzVzIbIQ00r64NpOfCukfFVfRcL9UufY2aYf9yuubeNwUO5LA/JrNevnE9BugsKrL0/DmdF+BbKWODWjW0jl7iRFfG0kn8Zp600+DQ28JNHjwsUL5hFOyt0VhHjKzzUl6sFMLyhYyZfBDWTSuwWeQ6PahBWPxpFP2mfxuG7g7rNPjYJ3zC6JdCaLxUj6r5nOKSgqZkL+yClV09skkTbLCmj0X47bo9ikA1zFUcxEjxacz+Ca6T8N1l3hxptZ7V2iKon+JTWGyfU9lvj7SpfEqP5b2P7MUL7xMD/fP06vIQ/ZjVmP3HC/KfpreWuknjRET2/3BYP8Avn6ZnB/ineOGFwuz9ptsCZ7ooZQ4JSljZ0e7GNvjvPb4VRtRr6mbY29S62HClSWXhfM6F91Ql5Y+oWLVwelWQv7Z17dRGjpSrr7ErStxWO3btTtJ7isVDl18qnX8gFu32mwRMj0y064pPrHXA+MGoh1Tqu9akuxvmo7rKvFwUkIU66kJCEjOEoSkBKE8+xIGTk99Oq3MdOInH2du3cwrxqV1iMXn1NGmLM3f9SQbHHWpDlwmMxGleHSKCVK+AEn2A10ySnqpTnsOKqv5I3DB929RuI12iriwmWVJtLDiClby1DBkdvJG0qSnPpbirkAkm1R7ata0tMc+Zm3nv43N0oQeVHkcvXpHnc6RMPWVIdcdz47lk1ezyR0bPJ900PHzpXxynjVC7T9Ki57Nn5zV+/JV+oJpn97f/wCIcpFn4mdnet/ulJe9fIlAdteqJXa522zwHLhdp8WBDax0j8l5LTaMkAZUogDJIHw0h/2RNA/5b6a/2qx/SronhFFvoOms8qav9kTQH+XGmv8AajP9Kjtl1Xpe9y1Q7NqSz3KQlHSKZiTW3VpRkDcUpJIGSBmjJOmXdCLx2H95jWQ8bLK+aVXOqaR5tK8cnHx10V47HHBjWR/8Dln/AHSq5zqSXkuDxQpXxc65l8syR7rdFN29b1R1JifSUfcp+QVtqo7XlbXlvqfQLBISkDPukruH73XtXlaXsgL+gaAAf/E1f1dbVXgcB7u7Qz4C2tCq68JfKGumt+I9p0rJ0tChMzumK5Dc1bikbGlLGElA7SkDt8asOFcuymQmprKOXdWtW1noqrD6nus8jXk4rypWKJPBnSyBSAa0qa59tey6c15KgaW+ZZcjWpSWwTWjzneCgitju1ad3dWhwIx1e2ocsFsCTAl5AwSmlVh8Eenzppw5JO0lQFK8SRg8jnNYYTHSiL7K+t6asYow2seNJrLucZUKNNr7ga0QkKcQ6DQFakmtqTWiMsi2sGFfnrm7xb58W9aff2Z88qukSvz1zk4yNhvixrTHb7uyvxuf9aRdSxFHqd0n+9T9PzRZzyFz/eru6c5xf3vmWKlDjMCOD+syQc+4M0ADn+0LqK/IUJ/sX3tB7RqB3/h2KsGoZBBp9J+wjkbVei/qPykcsmyx0YzJaT7EK/RXuOne5taW04D2KIOPxiupGPUKr15cQZOgbClwObDeOe04/aHaxTs+HFvUeqsd55XdxGi6fi5Zz/oQN5LxJ8oDSyT9a5JP/wDSu1fySf1M4fBB+SqC+TAAPKE0pj7KTn/VXqvy/wA47g8Wz8lPtHqg8nJ3p5Xsf7V8zlxHawy06k/W5/Gan/Rnk43zUmkrVqFjWMBhu5RG5IZVAWpTYWkHBIXg9vqqvzKlNsIR29U/nrotwD+otpD7zxvyBWa2gptpnf3jvK1nSpypPGX+RX/+1Kv2c/Rtbc/6Av8Ap0qaU8me+WfV9kvL2r7c8i23KPMW2iAtJWGnErKQSs4yBjNWloY9VbVb008pHkam3r+pFxnPqmui7jT4vDHCjVw/8EmfMrrnA6R5uoDtU03+TXSjiYz5xw71JHHa7aZSPjZUK5rwB0ziEnsKEj4k1lvpYcT0G6HONX4HSDg79SXSH3jh/MIp100OC6t3B/Rh8bDCP+4RTvroroeKqeN+oKaHGk44P6zP/gM35hdO+mZxwVt4Na0P/gM35hdRJ4RNJZnH1Rzm9AHPcyv8k10p4YjHDXTA8LRF+ZTXNe4YS4tI/wAGR+I10y0Kx5rouxxD+1W9hHxNpFYLPqz2e+C5UviU/wDLXcLHGyE8OeLGwMfxr1RhbdLrumi9R6qacKvcdUNb7I/wT63EFY8SlQRy8Co91Sb5bgzxhiKPZ7hR/nX6W/IstMW7xddWeegPw59vjR3m84yhfTpIz3cj21WcFOq0zbRuJ2ux6daHVJfMhnhzarFcNbWq1akmzIUCbJEZciKpAWyVghKsrBSBvKQSewEnuq4+jvJ64baektynoMq/yG8Fty6vdKlP8WkJbPj1kn1YqlOqrJM0vqG6aduWVyorq4rxKSndg5SsA9yklKh4gir3+T1rRWuuFtsuspeblFBg3Ef94bAyr+GkoXjuCwKtaKOWmuaMO807jRTrQm9El5/FEjACgazmsCugeIOWMPlBiJ7x+k1fvyU+fAPS58G3x/8A1DtUIjJwthB5YB/KNXz8lBZ/sBab9RlD4pTwrnWMsyZ73etfudL1/L/Q1eV6oJ4AagUTj32H3Z/7WzVEJKjy3PMerCVforqUQCOdeNifD8Vaa9vxXnODgbJ249m0nTUM5eeuO3ocuSpte8NuNbcdySDU6eQ19WCef/8AXn/+Ij0s+XMlr6NtMhQ5G3P9nLn0iaSPIdGOMNwH/wDrz/8AxEeslKlw6uMnqby8V5sedbGMr17os5x4+orrP7yS/mlVzsdPRsu4Hopz7eYFdFOPH1FdZ/eSV80qudL30l/PgflFWu+qMm6LxRrP3r5Fkx5Jl8eabdGs7WN6QrHmDneP3ys/2pN9AH/tpauX/cHP6yrZxP1uj7kfIK3VpdvBnAe8W0M+P8EVy4R+T3eNGcR7TqqVqeBMYt4eC2Goa21L3tKQOZWcYKs9ndViRgpBScg9leqyKZCCprCOXd3VW7qcSq8s8kHPLsryvlXtXbyNeFczyqGJRoXyOeytal4762rQVjA5VocjrB7RVGywWeWR1SoYorvPSZChijclhSuXVzRFadj4QUg0qTbJGhb3knYck5pdivEYwkdtNK1S94R2cxypfiO8k5PfXNhUyapLI5GF5x66UGFd1IsN3nypUjrJPOtkJZFSWBSaPKtyaLM0YTWqDESRhfbXPvyj2PNePmqGP+/NufhtIX/zV0GIyKon5YltMDjfcpR/+Iw4ksfAgs/+VS7yOaafvPRbq1Er1x84v5olbyEZ/SWXVdvHYzMYkY/fWyP/ACqsuKp95Ct1EfW2obMTznW1qSP4lwp/82rgpp9v9mjDt+nwtoVF58zJquvlzKA0Lp9vszdFH4mXKsUe2qx+Xi9/czSETucmSHfwUJH/ADUV/s2RsHntGiveQ35Lf1f9KK+yck4/1V2r+OpAjq9ST8lUN8lRjpOOWlFj9rMon/VXavlI/Wzn3B+Sl2vtQyjfvTLN7H+1fNnLeKfeUfB8tdE+Av1GdH/eeP8AkCudMc4Q2PZ8tdFuA31GNH/eeP8ANik2XVnW3v8AsKX/AH2H0KFAdlCugeEC05lMmE/FcGW3W1IV7CCK5g20bcMnAIbxXUVXaK5t8VLWuxcTNSQOi2Jg3V/os97SnCtr+YpFYryOcSPX7oVVxalJ90n93/ku75NM3z7gTpFzdno7eiP7OiJbx8G3FSRioL8i28ouXB33PSMG03F+Ng9pCiHgfZ74R8FTpWuDzFHmL2k6V1Ug+zYKjTynZhhcCNVOD9siCP8Ayq0t/wDNUl1Bflp3hMHhMzakuJCrrcmWlJPaW28vE48MtoHw1WpLEWXsKbqXNOK7tFK1gPiUyjm4+pKED1lQx+OuoUZAbYShIwEJCU+zArnJwWs7l+4s6XgIbDgcujLjifFDZ6Rf81Cq6P4AGAOQrLYp6Wz0m+FRO4hBeWfv/wDBSjy3T/feh/eWP86/Tm8gnnddWf6NE/LepseW19V+F95Y/wA8/To8gj9lNWf6NE/LepUV+9m6t/sBen5mjy4dFCJdbXrqKyEtTE+ZTSnA9+SMtKI7yUBaSf8ANpFN/wAjbWrtj4huWKc9i339CWk5+slIBLf4Sd6fWdtWu4raVb1tw/u+mFr6NcxjDDh7G3kkKbUfUFpSSO8ZrnQl2XabkeT0GfDe3JxlLkaQ2r5UrH4qvcZpVFNCdiuO0dmzsp9Yrl+R1BrCzimrwo1azrjQNp1MykIXKZHnDaexp5J2uI+BQPwYp1K7RW9PKyjxMoShJxl1RzJ1ZD9z9RXCP+5Z0iPj7h1SfzVc7yNJ6ZnBOOwD+srhKYI8MuFz5HBVUOOdvXauLOrIDnIpuzzwH2rx6YficFWH8hO6svaV1JZU/TIk5mWr2PNBI/Gya59utNXB73b+K2yYVF2wWToUBWM10MngSnvl3KxrnTQHdbnT/vBSb5Dx3cZLio91gfH/APUR63eXQ/u4o2WMexqzpc/CecH/ACVs8hiN0nE29ygOTVnKPw3kH/lrC3iue6S/9vfD/wDRZLjz9RbWf3klfNmudc/0XsfYH5RXRXjyP7yus/vJK+bVXOmeeq99x+cVW7fNBun9hW9V8jqNF5x0fcp+QVu7K1RPpCPuU/IK3EVuzyPDS6mM1hSsCvKzitS1Ej4RVWyUsntR59tegRjNFzmsbldgqrZOAyVJ7+VFn3QkE91elLBR1jg0VfWnG0nlSpFkjS+8Eq3Zoot5vpNylpBrxKUR2kEUlSnQXOykSci8UMCxvb47B+1/OadEBZIAP2VNPSrJXbYqye1H5zTsgtK5c++uIqmnkbWhdhq50sxTy5UiQ0ncKWooIFbaNXuJmv5RXYVkdlGBRKO5mjaDXUoyyZJo9Cqq+XVYB59pfVSGstku22Qv1/TGh87Vqk0zuMejW9ecPblpzpEsSnU9JCeV2NSEdZtR5HlkYOPrSR31onHXFo1bNulaXUKr6J8/Qo5wH1MnSHFi1X11Wy3pf83mOH0UMOdRSlepOQv+DXRIeIOR3VzGuEWTab5JjT2jBdjPLYkwlq6zbieqoEd/Pv7DU2cJfKMvek7VHsV3tKb9a2EpREdbf6OQy2Aeqdw2rA5AeiQO0nuw2tbQnGR63eDZM72cbi3WXjnzXNeZc48hVPfLlvrc3WtpsbWFi02xx91Y+tckLR1D6wltKvYoU5NSeVjDMN4af0hLL4QQHLi+hCG1dx2oKiseoFPtqst4u1xv+oJV9vcx2bJnOBcl9Q5qVjAAA7AAAAByAAHdTrivFx0xMewdjXFC541daVH8cpk4+RDZi7xMu12I3N2y19F9y4+4MfzWV1cSV9JX9yfkqKvJe0I9ovhy27dGOivN4c8+mIUOuwFABDJ5A5SkDIPYoqHZUrPfSXM/Yn5KfRjphg4m17tXV7Ooumcfccs22ytpLh7Nua6K8BuXBbRwP+JY/wA2K53RVdLGbaHLlirC6E8peRpjSNp003oqPKTaobcXzhd4LfS7E43behOM+GT7ax2s4wbcj2O8llcXtGnGhHLT5/cXGHZWaqoPK3mEgfQDE/20r+orP9tlNMlln6AYo6RYTkXpXLJx/gK2cen5nkHsDaC/p/iWpql3lpaY9zeKEe+pSeh1BFT1+4PMdVf8wtY+GrngE9vLNR7x/wBAniFw6lWqMlAusVYl21auwPJBG0nPYtJUgnu3ZxyFFalrg0L2Pe/Q7uFR9Oj+JXDyN9ZxdPcRZOnZbwbi35lDbKlcgJLW4oGTyG5Klj1kJHfV0ck1zDmuTIch6LLhyIUuK8ptwHKHGHkKwR6lJUPgIqwnDzyn71BtTVv1ZZHr0psYFwgrSl5Q+3QrqlXrBA9VZ7evFLTI9Ft3YlevP6TbrVnqu/uwW3JIqlHljaya1DxIassB7fE06hTJWk8jKcx0yfXtCUJPgdwpb4j+VFeblanbXpCzPWhbg2qnzHAp9A+0QnqhXrJPsqALfHk3C6MQocN+XLmOpbZab6y3HFHkMk9pPaT6yai5rKS0RDYWxa9tU+lXC06eaT/P0J08iXSwuHECbqUpPQ2SJ0KD/wB4f5fDhCV58N4q5JzimLwP0Ijh5w/hWFS23pyyZNwebztckL9LGe4ABIOBkJGafZ7K029Ph00n1PO7XvFeXk6kfDnl6dik/lt/Vfh/eWP86/To8gn9ldWf6NE/Lepq+Wwf78EIf+Cx/nn6dPkE/stqwd/m0T8t6scf4o9XW/2AvRfMth31SDyv9JI01xFcujDKERNQIVKRtHZIRgPfHlC8+KzV4T2VFnlNaOOsOFVxbjMdJcraDPhgDKlKQDuQB3lSCpIHiQe6ttaGqB5XY14rS7jOXR8mQ15FGt0xdQ3LRUh/3m6Dz6Fu7pCU4eb8TuQlKh3Do1eNW37RXMXT15mab1Lb77bcol259MiP4FaT6KvtT2HxBI766R6PvsLU2m4N+trhVDnMIeazjIyOaTjsIOQR3EEUm0qak4vqjpbzWXBrq4ivZn8+/wCpTzy1dPG28Wm7y20Q1e7c26V/ZPNe9rHwJ6H46JeSNqlGneKUeG+90cK9siA5k8hJ7Wc+0hSB61irHeVDoB/XPDlxdpZK77aV+dwgn0ngAQ4z69yTyH2QTVEmcNNmTuUkrcykDkUqBz8BBpFf6uqpHa2ROO0dlu1bw1y+HVHUYdlY9VVK4c+U7eIFsRE1dY/dpTQCRcIbqWnlpHettQCSrxKSB6qMa48qme9bXY+ktLOQpDiSlE24PIUWcjtDSchSvDKsAgZBHKtKuKeM5PMPYF+p6HT+RHflaagZvfGS7ssrQ6i2ssW9tae8oBW58S3Fp9qTUs+Qlaii16nv4B6J96NAQSO1TKFLX88B8FVdgIl3W/NIZbfmTZL2xAJK3H3nCQMk8ySo8yfEk10I4M6NRoLh1a9Nb0uvx0Fct1PY5IWdzihyBxuJAz9aBWe3TnUczvbelCy2fTsl15fgeePX1F9ZfeSV82a5zzfRkfcfnFdF+PX1FtZfeWV82a52TPfBgct6MZ9uKi78SG7orVQqr3r5HUOH9KR9wn5BW7PLtqqA8raS0y20NBxVbUhOfdg9w/eayPK6l9g0DF+G8n+pp7uqa5ZPP/4d2jn7P5FqhXleM1XLQflLXDVGubPpteio0NFylCOZCbqXejyCc7ejGezxFWBDxIFMjKM1lHPubSraTUKyw+pvW5ivIeA5mtC3QeVa+so47qh+8SmbHnUqNE5S0pGQa3OhIHbzpJuDuOWaTJojJqlSCMg0mP4Ucg0JDyc81URW9leATScFlIQNFvRnrHAUnvb/ADmnpBabUBjxqNuHas6ctqgP2r85qTrMOkAwO+vMuX1mDqTjlCjGZGeylOOjaOytbLY7qNtIx210qMdJkmbmxRlHZRZJrclVdSnJIzTRuoY5V4Cq9ZrXCohTRE/GnghpviO6LmXPcrUCUBCZ7bW8OpHYl1GRvAHYQQRy54GKrnffJu4o2yVtgw7VeWvrHIk4NEeopdCefsJHrq8eM86x291TOnGfPB1LLbN3Zx0Qly8mUXt/k4cVbi6Eu2eBbftps9sp/wB0Vn8VTvwf8nuy6Ouke+X+Ym+XaOoOR2w1tixF8sKQkklaxzwtR5ZyADzqcs0M1WlRhGWpIvebevbuGicsL3csnoV5eSpTK0owFFJAJ7M4r3QrSzjrkU6b8kvVTSRu1RY/5F2snyT9UE/+81m/1d2riGvNIVCB21vDfrpP8CnyfJN1RnP0UWf+Rcra35KOp0ymXfols3va0q5Muc8HNW9oc6n6PAHvFfv+cCRjGe2s0KFPOIRHxp4HWHiC4u6MSBZr6UpSqahrel9I5AOoyN2E8gQQoAJGcACq633yaeJducxAttuu4J5LiXBLYA8Sl7afgyfbV5axgeFInbwm8s61ltu8s46KcuXv5lH9PeTXxInrAnWq2WVST9Ok3FLhPrCWt3P1ZHtqxXBjgnpvhyoXEuuXm/KQUKuEhAT0QPallHMNpPtKjk5Vg4qVsVjvqadCFN5RW921d3sdFWXLyXI91g1mhTWjllfePfA298RNfx9SW69W6G01bm4hZkNLUSpK3FZ5d3XFLHk7cI7vw2ut7l3O7QJwuLTDbaYrak7OjLhOd3bnePiqaKyO2l8KOrV3N72lXlQVvn2F2M1rX7K90KYkc9lUdTeS3eZOpLlJsV/tMO2SJTj0aO7GXuZQo5CORxhOcDHdUv8Ak+6G1Nw80pI03e7vAuMNuSp2CY7a0qaSrmtJ3d2/Kh90efcJNVWUiqRpRjJyRvuNp3FzSVKpLKQO6oM4x+T1Y9X3ORqDT8xFgvUlwuyT0PSRpKsdqkAjao96k9uSSCedTpWKJQU1hiLe6q201UpSwyiNy8nDivClFtqywLo3/hIlxbQP97sP4qO2bybeJ099HnMC1WdvPXXLnh1WPEJaCvxkVeA4rBxSHaU0dp707Ql1a+4ifg1wQ03w7k+6zjou+oCkp8+ca2JZSeRDTeTsyOROSTz54OKlqvNeqdFKKwjh1q0603Oo8sbvEmxSNT6CvunIr7Ud65QHYzbroJShS0kAnHPHOqvJ8k/V6UgHVVhOBj6Q7VxFVrV21SpCM+bNNptK5s4uNGWEyoC/JT1LnnqSw/6u9WF+SzqNKcfRHYf9Weq3rnIelSdKXg+lSVQp+Rs/b9+lnX+BW7hr5O2oNJ67suoJOpLK/Ht8tMhbSGXQpQAIwCeWeffVjgsAVpU5mvBc51KiorETn3V5WvKnErPL6G1agTmsF4pFeQUk86y4OWO6pxJiUwpLkK5kUlSVOunsNK7qWvhoo642nkQKlRXcqxHXEdK/ROK9Ihc8qRR9chI7MVqVJT3mocMBEj7QiC3pi1Z/wJ/LVT1tTxacQoH66mRoBxS9K2rf29Efy1U8oeChOO3NeHlP2ng7nYecKQlwAhVHNwJ3CkCGFhA2kCjKn3E9TJroUrhoySpi0hQ8a8PvFI5UmMvqB6yzXt1/cnko076TrFOngUI8glXWNGw4k94pFhqClYUTSi3jurbQqti5QNsyWxDjqkSXA20nGVYJxk4HZ7aJDUdk/d7fxK/RR8E9+Pjr2RkduPZW9VZIS4icNRWb93o/BP6Kz9ENm/d7f4J/RSgB61fHTa03qO9Xi4qP0Pss2sSZLHnnnoUv3lxTeej255qT48s06NV4zlfcQ0Kv0RWf/GCPiP6KyNQ2f93o/BP6KRZWso8fTkq9u26QpqNdV29bbXviztldBvAAyfsto545czSk9qCKXrEIRTMj3h9TTT7TgKEpDLju77YHo8cvHNMVQNPMMfRDZv3e38R/RWPohs/7vR+Cf0UYvk5Nrss65qZU6Ikdx8oSQCraknAz7KQZetbfCkafROadYbvUdTqHiQW2CA3gOHuBLoSFdmcA4yKnVgjGRX+iGz/u9H4J/RWfohs37vb/AAT+itabyn6IplnUyoGLBZmFe7O4OLdTtA8R0Xw7hSdofU8/UsdueuxmFb5TCX4b4lIdKkkkbXAPQcGMlI3AdhIPKob54DAqfRDZf3e38R/RQ+iGy/u9HxH9FIGkdarvUmM1Lsj0JM5h2RCcD6XA4htQSoKxgoV1knsxjvzyo1ovUd41BHjz3rA3Dt0lgusuiYHFk5GElO0YyMnt5cvgFUi/CyXBp4aFX6IrL+72/iP6Kx9ENl/d6PiP6KRoOqbtdpCJFh06mZaFPBvzx2YlpTqQvapxtGDuQMEgqKSoDIBBGfd51He4WpmLPH081ITJSt1p0zkoy0gthxRTtyCC6nA559VTrI0oV/ohs/7tR+Cf0UPohs/7uR+Cf0UlStS3ORPkxNO2NF0TCc6OW+7NSw2HMAlpHJRUsAjOQEgnG7IUAH9XNjSS73Etjy5CZbcJUF5aW3G31vpZ2LPMDClg55gpwRkEEw5pLLDAp/RDZ/3ej8E/or19EVm/d7f4J/RXjTF4cu8eWJEB2DLhSTGkMrWlYCtiVgpUnkpJQ4g55HnggEEVsk3QNamg2UsbvO4kiT0m70eiWynGMc89N292311bMvMjB5+iGzfu9v8ABP6Kx9ENm/xg3+Cf0UjStatMKkQfct1V3buibc3D3j3wr6yHN2OSC1lwnBwEqHNSSKPRNU217WM7S7ra2JkdLa2lrA6OQFI3FKD9mkcyntwQRkZwa0GkOfRDZv3e38R/RWfohs/7vR8R/RSLI1k01ZLvcfMOduuvudsDmN/vqG9+ccvTzj1Uo6pvUm0C3Mw7cJ8q4SjGaQt8NJBDTjpJUQe5s93fVVVhjOScMMnUNm/d7f4J/RWPohs37vR8R/RRGZqKRabda5d8tYiiVKTGkll8OpiqWSltROBlJVsSTjkVjuyaNaZvSb8idKjx1ohMS3I0d9SgRJDZ2rWkdyd4WkHvCc9hFWzkjBsOo7L+7kfgn9FY+iOy/u5H4J/RSNqnWD9lvMuK3YlTYkCAi4Tn230JU0ypTiSQhWNxAaUSAezsyeVG75qVUW4MWmz233TuD7PnBQH0tNNM5xvWvnjJ5JABKsHHIEiiqRfRkpB46hsn7vR+Cf0V5OorL/jBH4J/RRXTl/NwmSbXcbc9bbpESlx5hSw4hTayoIcbWBhSDtUO4ggggcsp69d2hOin9VhLohtLW3sx1ypLnR4x7efs50OZZRFlOpbLn9fo/BV+ivY1LZP3ej8FX6K1367tWm2SZ7iVuoYaK9ifScV9ahPiVHCR6yK0DU0Jeh3tVMsqdYagLmKZSRvGxBUpvnyCgQUnPYRRqwQ0HDqOy4/X6PwVforWrUdl/d6PwVfopPk6thjS6NQQkrlMKksR+jzsWhTj6GiFpUMpUkr5pIzypaflISpSM8wTUKWScBB7UNlI/X7f4Kv0VpYuECWpXQSku8vrQr84rc5cSn65f4VJ0i5LyrLhIx9dUpEMOr29xou66gHBzmkp+6jHLI9dEXbgo5VuOKs0U6C2uUhIwTjHrrwqanaMq5U3XZySOso59lEZV0UAdqsAeqoSDUOiVORswFHNJkmX3jNNSRelhWA4qiT1+UVHc8rAqHDIah2LnoyRvouZydx9+HwmmZIvRJyMfCqtCryoDI5eznRwyvEwKmhniNMWwAftR/LVTwhP8skd9NnR1nmN6etqAB9KP5aqcseDJQdqhivDui5Sek7kqmELkSRnGDijYfWpWTjApIYiPgA7qVYbSk4S4M02FOSFOR7Klq5hVekdKe8mjjcUHwxW5DQR3ZrRToMXOZpglwnmk0ooUQK0oTn0cCtiUmunRjhCWww2snwrclSqJvNOLYU20+thZ7HEpSSPgUCKLC33LH7PzP5Bn+hT1IoxXC+fb8FMDRFmet17cXJ0ZHTI8+nLF4CmN3RuyHXE8vpnNKkg06hbLh/lBN/kGf6Fe02y4D//ACCb/IM/0KbGM5dimcDZ+h67/Q75h0DXS/RP5/jpB+t/dDp93t288fBW1elJkTWlsuFqebTZ0T3psmGvl0Ly2HUFxrHYlRX1kdm47hg7suT3NuH+UFw/kmP6us+5k/8Aygn/AMkx/V09Q5YI1A1VFenaZusCMEl+VCeZaCjgFSkEDJ7uZpvsadlO3HTzc+LHegRrHJgz23CFpWpwRxsKSMKSQ25nu5eunCbdOx+zs7+TY/q68m3zv8ez/wCTY/q6s4p9SExvab0vcLLf7itMoSoJtrEW3rfJU62EOPKDbhz1wnpAArkSnAOSNx0aKs92a1W5dZFjYsKVRFN3JuO+FNT5RWhSXkJT9alKVgLUAtXSYI6op0+5k7/H8/8AkmP6uh7mTv8AH8/+SY/q6skHxG9w30k3YbTGXMiNt3foVIecDqnNoLhVtSSThJ5EgYBPdSfwvsLljEWPK0bHt0xqGpD90QppanlBQ5ZHX59vOnj7mXDP/vBcP5Jj+roG2z/8oJ/8kx/V1XTgs6jeff1G5ptOpNNW2Bpluwe6UeIW4zFwblNtt+bhW0KcSrrhaUdoSFBRGQRnAWbhb5b+t7VdEtJMSNb5bDit3MLcXHKeXeCG1fF66M+50/8Ax/P/AJJj+rrPudP/AMoJ/wDJMf1dWjyWCrG4hnUOmbhcWrZYlXm2zJDsyP0Mptt1h1w7nEOBwpBQVlSgpJJAVjbyBOiRpa6SdKTYk5DD8653iPOmNx3iltCEvs7kIWQlWEtNAbsAkgkAE4Dq9zZ/+UE7+RY/q6HubP8A8oJ/8ix/V1VoMiHpnTb0Sxz9PTW3o7CJanI82LLU29KQohYW4pBC+lHoqJ9LGew4HrUEe8xdWWi7Wy1OXRmNb5UVxAkoQsFxcdSTlwjPJpXfmln3Nnf5QTv5Fj+roe5s7/H87+RY/q6lghNkWZSuJ0O/eatFpu0PRS/9eFqdbUlPswF/HRB/SKLpqDUi7qytMaa5FdhSGl7XWXGm8BxtQ5pWlXYfgOQSC4fc64f5QT/5Jj+rrPudcP8AKC4fyTH9XUpJhkY72k9Qp0Te4Doizbo/eEzUrbV0aZCEvMrzg+gohByOYBzg4xSjrGHd7/brC/I0m3LEW4relW2S+yoKb6F5tJySUk5WlWM8vaKcwtlw/wAoLh/JMf1dZ9zZ/wDlBP8A5Jj+rpbprsSmJMi0GRw4nWiLYY9qW9BeZZgJKOjbUpKgB1ergk55eNGrdZAvTFqtkp6TH8zYZSRDkrZ6yEAYygglPq7Dyo17m3H/ACgn/wAix/V1j3NuH+UE7+RY/q6tJkDP1vpeZeNTSrvFisySzCjJZYfeIZkqaedWtl1HYpKgpOFEHaoBWDggn71GvMTUCdSWy2+fIeiNw5tvS8lt1IQ4paFoUrqkpLjgIyAQrIPLmvKtdw/ygnc/8wx/V1qVa5/P/wBoJ3+rsf0KzSeBi9fmNuNE1A9Iu+o5cRqHNVbVw7db0vJWUDrL3OODq7lLKeQyEhPacmktrQbpEaJ04FrNtAcZz/27zfzfpPudnM/bJBp4m3zhn+7sz/VmP6FFnos9JwL7N+CMx/QpLlkZFtdGJEq1ahuto07bZDqYCobbT9wkbUue/tpTtbSlQIV1yV7sY6gHrrW9p69saR1bpyO8iei4Q5DkF5RS2VvyEOdIgpAASN+FZH+EPhzV1M3ED9mJ5/iGP6NaVe6CeQu1w/1dj+jUSrOPYvw/eghrPS0qaWJlrUI8hb8RVyZWcNy0MvNq3ep1OzkrvHVP1uF6cr3xawtPNR76TUJuyx+ycn/VWf6FEZxuzZx7oyD/APSs/wBCrU54KSj7wxKeUO+k2VJVRR9uf2uz5n8i1/QogrzrODLdcA+zQhP5IBPx1rjUz2FTiuzN8qUoJzzz4UQXNUU462fCtc94t9VRJH2VJD1x2rISCR9lTdeRD5Co9MWM5UfjpPkSVK7CaTV3ZkjKioY9VFl3JopJSoj4KtF5EuQZku7M5PbRByQnt3jl6qJyrk2pBBdPKkKZOUMjpSM9nOmINQuPPNgY3iib8hCe10/ArFNqTcXEYJdV8dFpNwDiRlWfbVmmL1Fn9NOI9yIqd31v5zS60lCsZNMXT87bb4wyOz89OWHOKiMkYrhwoYR1ZTQ540JB5heRRxqGhfIK5UkQJyUkJKhil6E8kjcCMU9U4+RVyPaYOzACwfgrYYuBW0PJPZitoUCKYqMX0KamFOh2jkK9IRg800a+ChtBPMVPA8g1hXs7q9tczW4tpNZDYFRwZEagCvQrGKQNRay0pppwM3zUVtgvLGUsuvp6VXsQOsfip8KbXUrkcNCmVE4pcP5MlMYaqt7DqvREpRYCvYXAmnFKvdni2cXiTdYLNtIB88W+kM4JwDvztwScZzTNJAp0KbK9faFSjcda6bCfE3RnHx7qX4j7MuM1KjPIeYeQFtuIVuStJGQQR2gjvqdOAN9ChWDy7arkkzWDRCzXe2Xlh6RapzExpl9yO4ppW4JcQdqkn1g1m8Xa2WaCqdd7hEt8RKglT8l5LaAScAFSiBzNDAO0KbLuv9CtoC1a002EnsJujPP+dThDrZaDoWktlO4Kzyx40thg20KbCOIGhFJKxrXTewfXe6jOPj3Ualav0rHtsS5ydS2dmBMJEaUua2GXsfYLJ2q7D2GrYDAuCs02XeIOg29u/Wum07uzN0Z/pUq2i+WW8NKdtF4t9xQn0lRJKHQPaUk1OkBRr1SLeNS6dskhpi83+1W115JU03LmNsqWB2kBRBIoi7xD0E2cK1vppJ+2ujI/5qiKAdFCkG1aw0nd5jMO1aosk+Q9no2o09p1a8Ak4CVEnABPwUvVfOAPIrNJd71BYbH0Pu3e7bbC+SGfPJSGekI5nbuIzj1Umua/0K39M1pptP3V0ZH/ADVVsBymsKFIlq1ZpS7PBm1anstwdV2Iiz2nVH4EqNLQIPYQc0uQILrbSawlhB7qRX9a6MYmPxH9W2FqRHcLbzTlwaSttYOClSSrIIIPI1o/sh6Axy13pb/a7H9KkOEn2GZwsDi6NGfRFZ6NH2AonZrzZ7y247abtAuLbStji4shLqUHGcEpJxypKTr/AEQUEjWNgKR2kXBrH5VV05DItrH2PKtKgPrgFUjx9b6Mmu9HC1fYH1/Yt3Fon8qlJx3bz7arL2RiZofgRngAQRim/dtPoJWtpdOcLKm95GPCkq8qd6L3sEqPaBUcRForJG+oI62VFKUZxTQnhwpKGm1czz5VIV5W6FEmMeXaTTbmyAhG5LOPHlUqvgXOlqGPLDpUo9HsJ8PGkmYZIG1SQv2U+pEtKclbLa89uaQblIacQoBjb66bC6wZ523kMxbjqXFdIlSU94pPmynEjJBPw91OCcpZGN2T3gUgyI6eupRUnx51sp10xM6E49BIkyz0hBBPf20lPXXYsrIJHZ20elR3UtqUFZHZ6NI0iM7sVhQJ7fRrZCUWZZxmizFmuSEwmASc4/OacMK6DA5moxtE0iOyFE9n56XY1xwpI3cqwRo4RodRklxrmhRGCacFquOwDKzt9tRjBuzY7VcqWIl1CsYXypqpMsqpKke5NEAbh8dHWp6D2HPw1G0W5Adi8/DSpEuJ7Nx+OrcJLoX4pITMhKh21uCwaZ8CeojOSaVI0094OKh02uhZTTF8EGs0QZk5NGukBTQuROSLONus7tDulu0RpZ0tXi6lKXH0nCmULUUpCT3KOFHd9aE5HM5Du4f6Fsuj7aluEwh64OjdMnuJy/JWeZUpRycZ7s4+HJMUzFD+2taU/wBgkJQ3n/QOr/OJqfAvwq75AJ+orJa7/bHbZdojUmM4CClSRlJ+ySfrVDuI50j8KLLP0/oCBY7ogdNDU8yMkELbS8vo18icbkbVY7RnB5itGr9dxtLuvKuOnNRuQ2du6dHioWxz9e/IweRJAGaMaI1pE1cy5Jt9mvUWGkZRKmx0ttPYOCEEKJVgg92OVVyBG2l4EH+2fvLfmzQQ1HcfbTsGEOFEfrAePWVz+2NTkkY76hXTX/8AdFfv9Ec+ajVNYPVqJIlAJxTW4mX2RY9IS5MJJXcJBRCt6B2qkvLDbXxKVuPqBpyhwdiqibX+q9OxeLNot97uSo0KyNLuDoS047vmOJ6NlKghJxtbUtf8IVEYhkTeAzkrTesdScP5r3SLYc6dlWNu8jAUrH2yFNK7fGpndGU7Dgg9oIyKrnrfWOmWeKdl1rpu4uSeiKWrjlhxvqo6qj1wM5aWv8DNWLK0uBDiOaVYIPtonElEH8HrfCRx31glEdoJi9P5uCkYZzI+t8KnNOAMcsVCvCIf39dcfdP/APEVMylYNLms4BPBHevrVbZPGbQbz0GO4ZAnB8qbB6TomQpvd47SSRnszUiOx2X462XWW3GVgpU2pAKVDHYQeRFMfWH1VtAE+FzV8TCae7LuS2PWfkNWxgMkL+S1HZXp28POR2lrEllAUpAPIMjlRDi1b2NLcUNM3fTLLUK4T3R0zMYbA578hGSPtgtQI79ue6vHk7MX+Rp26+5F5t1ta88RuEi3Kkkq6Mdh6RGPioxcpMzQetY2odfWoakW+4puJeYr2DGSM9URiNiThSj25weRJ5VZA2SnxLZYkcO9SokMNOhNskrSFpBwpLalJPtBAI9dNPycGmXeGyS5HacJuEjmpAP1wp0azkMTeG2oJcV0Ox37LIdacTzC0KZUUke0EVG3A/6NzodJ01I001C87e5XCO+pwrzz5ocAx8FRFA2SNedGx5OutO6ntqIcZ+3OvCYAjap5lxlaAOQ5lKykjPYNw76eOKjLho3qJriRrEalMJUzzW3dEqEhSWOh9+2pTu58jvyCTjPhipJ31ElgEFrzDizrdJjTI7T7K2lpWhxIUCCCDUQeSxEiPaQuUl6My48qYgLWpAJOGG8dvtqYZjn6mf8A3tXyGoj8k7/3Jume33RT/wAOzULnHID61hw+0nqmI41c7LEDyh1JbLSUSGz4hYGfgOR4g1HvCq/3jTHEGRw31DOdltJVst77p5jqlaRk5O1SM4BJ2qG0ZB5TZUEcTEh7yjtNiKPfx5j0uPU48pX+7qIe0DeDf5V0VhNpssosoDy5TjSlAdqejUr5amVUCCUKbMKP2c/ek/oqIPKt3HTlk3dnnjuD/Eqp2ymOL/ROhidoneUHaBDk5zjuJcI7fEY9VS46gDuidJfQzqHUcuJ5oi23WU1IjsMg5aUGwlwEdgBIyAOzJ9VR9xojsL4waIDjLag/IaQ71eS0iS3hKvHtp+cDUqRwm06hxJSsQxvCu0Kyc59ec0xuObrzHFLQr0eKZTzbwW2yFhBdWJDWE7jyGfE8qpTjibfkiW+Q+tdaQtepdPy4F1hR3MNqVHe6JPSMLxyUk49QyOwjkaY/k4z5M3SkqFIWtxiE8gR96iShK2wooHqB7B3Zx4V74k6/1AyprTk2wO6UF2PQm6y3ESAy0rqrUhLZwpQ3DPWG0HNPvQ2k4WkLEm0QAtSdxddeWcl5wgAqPh2AAdgAA7qVUWmGC0eorKb3BIBwBRGcyoLUsKpWbbWchxGM0VkNBD+zGe+ubNOI9PI2pNqM51ILu0d+aJ3GwpZSpKWEuIHaackhp2U4AxhGw9asPp96UyokkjFKmm0Ni8EcLskKStQS2gLx2EUj3DTkchaVIKR4IHbTxu1pkNuFTbgAzy61Ni42+7oJWh5ac5wQqqQyMekbF10oy1EW8lKkD7YUzLhEio3J6pXntIp63G36md6qX1OhWfSVyppXfSGr3XMsRBJBGSEK7K00mxNSMWM2eAMnxpDnJwdvjTje0xqp1/om7S70n24x/wBPho6OGeqZQ98Sw259hz/610FXhT6sxOnKfRClBkKShICFcqPNl91JVtKaQY1+jlpKSNqhSjH1C2RgKQAPGutGnJdjkOqLUdUptIASpWfAUsQHH8AqQ4PgNN+FfwrbhxsDPhTii3gKTuQ6k4HhV9MkHFyLMWSrkdx9lLlslDdhSyM+NMtV7Z7AhCfloyxeyCCFJx7KZGlJ9iyqx8yT7dNbbTgqKs0sRpiFqAKyB4ZqK4d7UFAlRI9tLcG8kkKCx7DVJUJDFXT7klx5QPaPio8xLRkJ3fHTGt13JRzIz7aUI04ukkkUt0mNVZDP46aZuhu8LX2mk7pcHaZLY9NPRKyh7b3gZUFfa4NSFoLW9s1dZWpluUkSQhPncQLCnI7hHYR4HtChyIrZDccQCsjt8aRrnoTSN6ne6E2xsJmfumK4uM7+E0pJqNJfXk28bHQOFmoN4U3ujBKd425UXE4xWOBKw5wmshChgdPkg5/b3K8q4eaOcdbdl2p+5KR6PujcJEpKfYlxZFLj+n7PKsqrGbXERal+lEbb6Nvtz2JI7/jqNOS6kRpp2SwPKfvrnTN7HY7jDatwwXAzH6vt6qvwTUv3i6QbNa37ndJLcaJHQVuuLUAAAOweJPYAO001k8KeHhHW0nbj6sKx8tZPCPhutJCtJwCD3Hefi58qW0XTDWkNRvStAR9WagaatrTzC5i04IDTBUpTeQckq6PbnHaewcwKSOCzUmZp+4avklIm6kuDsxzbg7Gk4aab/gobHwk04b5onSt5iW+Jc7LGlMW5voojbhVtaTgDAAP2qe3woaW0XpvTEyTLslqZguyEBDhaUrCgDnsJI7e/FSkDYicabN7s8OLoORegJE9sq5YLXWV8aN4+GtPBHUPuzw+jMLWpydbf1JIBPPA+lr+FG3n4g05NT6Ysmpm2GL5bWZzLCytDbpVtBIxnkR+PNJds4daJtdxjXG36ciRZkZYWy80pYKSOz67n7DyqWiFIja6S1cN+Oz19npcas95CgXT1gUubCvHrQ4NxHM7VVMzF0tr8A3Bq5QnIuM9OmQhTePHcDitWobdAvNuXb7vBiz4iyCWn2wpOR2Ed4I7iOYpns8JuHCHOkTpdpah9a7JeWn4iv5c1DgRrMWGYnWHFBzUsNResFihuQIUkfS5El0p6ZSPEJSgJz2Ek4p/FaGsuLO1KElRJ7AAOZJ7q1QIojxWo0WM2zHbG1CG0hCEAdgCR2D2Unal0pYtS9Cm92pE7oN3Rha1pCc4z6JGc4HbS8Fk8kY+TE6henr1GCk9IJLLoTnmUlvGceGQa38frgxPt8HR1rULjfXJzb5hxjvcQkJUkbgPRzvzzxySadf8AYt0AThWk7dy7MFwf81OSxaZsdmaU3Z7TBtqF+l5rHS2Ve0gZPwmgkblzgLsHBefapLiViFp1yKt7JCVKDJTy9p5Dv7KSvJvz/Y7MVCQt1mc6XEhQyndtI+PJp2X/AENpW/z0zb1ZY855DfRhTqlEYHZyzj8VJb3Czh9nKdJ29JPeCsH8SqEAd4marXpTTynojTD11lLRGt7DgJ6R5agkZAIJSndk4I5d/MU6CpQSByKhyOPGmXbuHGh7fMZmRdNQmpDDqXWnAVkpWk5SeajTrzz7atpyR0BcnENW+TIcUEttsLUtR7AAknNRH5K0lhOmLlBU8hMkSUP9GVdYoLKE7seGQR7akPVGldP6m83N8tjM/wA33dGHVrATuxnklQB7B25pH/sXcPV7QvSNu5dmC4P+ao0AnkXdY610/pOIXrzPZbdIw1FbVvkPq7kttjrKJ9gA7yBzpkcL9L3e560m8RNWxTBmyCo2+CvPSR0lOwFXZghvqgYzzWSBnFPSyaP07ZHAu02O1wHk9j0eIhLn4ZBV+OlsgMDB5rPPdVMYLIiDyrXEK07ZY24dKZLrm0nmUpaVk/jFTNHdakstyWXUONOIStCkqyFJIyCPUaYyuGeg331yH9MQXHlqKlLJcycnP2VYTwr4e92k4KR37VOD/mqGicio5qgyuIzGlLV5s83HhOyrosglTOChLSE4OMqKiTkHkn11H3Gt9lvixoNTjqEBqQ0tzn2J85a5/iV8VSHpjSOmdNPyHbFZIdvXIQG3lMpIK0juJJNJLvCvQDiTu0pblK7lLLij8J3Z/HVVJR6hjId4qaTb1jpSRCAS1Na9+gur7EOAY2n7VSSUq9SvHFNHgPrMyWfoKvhWxc4GW46XThS0I7Wz/nEd/inrVI2nrFbbDaxbrTERFj71OFtKlEbj2nrEnuHfSbqTRGltRSBJvNjhyZAORISFNvchgddBB5d3gOQrPr5OPbzLpDldUQeSqKLRvcSVGvSEbUhKewDArIySOVY5S1DYrB6dbJb2pOKJPo6LGaOqWQCAKJy0PuAdXNLayXi8Gh+IiQjcdqs9lJT9rZwpJyPZThjtOBgBWxNFnGVdKVKIrPOHLMUXjLLG05Y2lkBTix4cq9KsUNCct7l49LNOJxCUp9IGk+Y+hCTtBHjWSdXnhsdBZQmG3tpHIY+CtchpttO0LaBA7FV6XcUpXhTox7KRb66XFKUhaSCO3OKzyi88y8XgqVItFxtzu1bbis/a0ELfQcqbWn+DUmPyIkrtXM3+wfpop7gMv9l9cb3/AFjzHo/Fn5a+iUbhLxI8bVt5PwjRhyVJT24pThXFSVY6bFLKNANvnq6iTvPcY/V/TRqRw3lwW0POSFPtq+ubbx+etUbig/5jM6FZdgnC2SXOUnHtGKWYdtLihslIz6zScjTM9sZjw33PVjnSpa7dqBpxDSbNIBJ7009y8mLUZJ4aF+22R7ek+cBXwU4oOnX1uBXSKA9nKtdmtuqGXGwbasJPbuqQYMQiMBIUWncc01ir13HudKjbuS6CTbtOsBr319ZUPCj8K2JYe6rhKftqVG2mU/tqfgraGGSAOkrH9J1G3gRibU4KQEkEVkqdbHJBI9VYZjthX0wkUoxwByGMVMKmPeW4eQrHkknaptQHso6ht9f0s4Fb0FBOOqT7KMpHLAGKvKpkhU8CetM5BxyIrUZUpB2qbJFLBRkc80AhOMYBqIzJdMS2pTi/Gva31p7c0oBtCexI+KslCD2pB+Cp1IjRIRpVxTEjOyXw6W2kFag00pxZA8EpBUo+oAmmnI4raHS95u5d5qZG7b0BtMoObvDaWwc+Hj3VIRZbGfe0/FULXhCf7auzpwMeYj5iRRqBU8km26Ui429ifGRIDL6d6A+wtlYGcdZCwFJPLsIpM1Jqix6YcT7uvTYrK0BYkJt77rIycYLiEFKTnuJB5jxp4IRjtpvcUUg8NNUAjl7jy/mlUNgoEfXFWmOJWrtOy7NqW8trtEjpClu1SQ0rCgvk6UhLSjt2kknKeWKXeKGmIs2+6f1XMvN6isWWQFFiHCdlqdJWFDCWgVJJ27SraRtOOVDycUAcLovLmqZKJ/llVJChy5UtjUsDCtPEzRF2nJh265zpUhZwlDVqlHvxz975DPIk4A76ej7jbDJeecQ20kEqWtW1KQO0knkB66Y/DeKljiLxGCR6Vyiq/CioX8qzTL1TMl8TeKo0O3JU1py1uKNwQ1/2jZjfu/hkIHgcnGcVXSSPtfEvTj7rzVlRddQLYXsdNotrsltJ/fAAg/ATRN3ivpSM90N7RebC4oEt+6lpfYSsDtIVgjA76ftvgRLfBZgwY7UaKwkIaaaSEpQB3ACkXiLpljV+kLjYn0tlUhhYjrWPpT2Oo4D2gg+HcSO+pA9agvFrsltRcbi7KEdagndHhuyCMgnJDSVEJ5dpGKbcfiZoaSSIl2mytvNXQWiW7t8PRbNPayR5bNohpndF523HQl8NElG8JG7aSAcZz3VEPk2Y+iLXLR5YlN/PSqloqOg8R9FJlx4q7pOZekOBtpL9plNblEgY67Y8RT4EfPPdjHKkPiBYoOorQ1p9+6tQZj8huRCcUQpwOMrS4ShJI3EAEHHYFc6dATgk+NVYKIXdVy7a0FouHOKPFtKjnFZCAKrgsEkMK8MVs6BVGseFYJPZioaA0pjpB5176NA7q986yao4lsnjaMcq1uJHhW1VYOMdlInDJKeAsR6qyEd4Fbin1cqwBz5Cs7pl9RpLY7QOdYCB2451vI8BXkpOapOkSpGhbXLFF3WCUnBo2tKyrlXhQIGCKROm2hkZYEx2M9sO0j46TJsV7YdxFL7hUkHqnFEJbjRGFtnNZHaJvLGKpgZc+A5hR3bT4017zAUVdaY4D6qkWY22QTnl4GkO5R4LmQtsnHhVnRLcQ92RjSE5hC7c1anErPJIaSCfgNLzVntSQCi1wT6wwnIqo+nr++ZKBFnCMCrCnAAoj2CpZ0nqye7FdjqkPy1RzuU8Vhs7a9DVsJ037LORS2jTmvbJtjxYsYhTEVpCvtGkjHw0ZQ0hacujcM8gtAOKim38UomC0sSXVjkEYB+HNHxxVQWC3HjMqdVySFKwUmo+jVl1Rojd0X4WSa20EHkhPxVsLTah10D4qYdh1heJqQt5iLtSetkYz7KXTdLk8MtJiDP+eqrpyTwyyqJrIu+ZRggbY/L18q1KtsB1YKmVA+p2kmIu5SVEPIG31OUpR4zaElRCM+tVCg49wctRtTabeB1UH8Kt6LdECcBCh/CrSH0A9UFPwVnzwZx758VXjHJGYoMot8VI7Fn+FW1qFFTzCSPhokH/AK5bq0j1ivTN0ib9hkAn1irJNFW4iolttJ6qBXutLL7TieovNbQRjmasB6BoCvAVz7aznJq8WGD3yoVihVskGahS74/trbN/oI+YlVMsqQxFjuSJLzbLLY3LccUEpSPEk9gqALtqewHynLddheIPufHYSwuT06eiCyw8Mbs45FxIPPlmhgWFyKbfFH6m2p/vNL+ZVXiVrzRcaMqS9qyydElO7KJraifYAcn2DtpJ4eS5muOHVwm3d/pY16fmIjNlCQWYhUppDZKe04STnt62O6pAJ+TirPC2L9rMlD/fKqSar3wj1MeG93naF1mvzJBe6ZmSodTdgJzn7BYAUFdxyFYNSbqLiho60Qypi8xLtOc6saDbXkyX31n0UhCDnJ9eBQB40Ad/ELiI8n0TdIrefWmExn5RUbcAgpnjBqVuT9PUiUk571Jlnd8oqUuFFmudp02/JvaEt3e7zXbnObRzS047jDYPglISn+DTC4n6VvmldctcR9JwFzW0u9NOiMjrAlO1xWO0pWnOSMlJwrBGcVAm7uqLtccS9QaNPT3rQhEFbymmZLN1bUFYyRkbcjKRmnTozXultXRku2e6sKeI98iOrCJDR7wpsnIx48x4E1HXlUXq0HSca1C4xDNEwOGP0mVhPQujdgetSR/CqQJP0XdrperILjc7H7jl3CmGTJS8pTZSCFEpGEk57PVULcHbRfrnqLWHuJqh2xLbmAPbILUjpcuv4+mA7cc+ztzUy2y82q1aQs8m6XKHAYchsgOSX0tJ+lg9qiBUO+T/AKo09btS6scuV6gwUzng9GVJfS2lxIefJwVEDOFpOPA0AO+HpnV1t4t6cuN3v07UkJMOY0XlQm2URFKCCMhsAdbHaefVA8KlWmXqjiTo2yWSTcvoitM11lsqajR5ra3HlY5JSASefjjl20qcPX7rK0PZpd7lCTcZMNt+Q4GwgbljdtwOXLOPXjNGAHBWMUAazRgACsYrNDHrqMAefgofBXqhiqOIHmsEV75UMio0ZJyeMVgivdYOKU4E5PArBFe8VgiluBKZ47udaXVcuQowB6qxgHuqjpFkxLfU6QcJOKRpjjwVgNE04pR25GaSnUt9IStSqhUkWzkbs4vKJPRr5+JpEltyU5967fA07nzFbUU71Z9YpMmqYUkqKkH4MUudPHYFjzKG2WSYC0OJW86M7gkMkAD20+bfebnLhrTb2lJD59NKQVH1YrxI1ZaXUjZCiYSc7dufjxSjpjX1stlzU4q2MNtrTgFhoYB+GvZOFSSzpPFqdNcmwrDlXaG4rzlc5zJ6xQjbj8VOLTM2RPkLYt0Z19wc15UFKSPE0mXLjA1FcVskyWWyskobQgkn2GmdP4x3ZNzVMgFbfPrFbbaVODw6oqUqkuTiM4XemyfGdSz4TYab27lDBwjNb4U3VLiDJdltiIDn3xYB/wClVkk8SdQzVhxU5TCO5LSQn8dek8Qb0ttKXJSnwn/CK7f01H0OHmh7q1ly5lnnL5LcZUmG07IVnn0K85Ptpe03dbw0wp6YwWAkcm31dtVOh8R5aFkF1+Mc/tJ2g/BS1F4py2JAcaffcAHWS8rdmpez4SWMohXlWl1TLRTNZXJUlLcKEp0q7cKCiKOs6muqElUkyWykZAIwBVcLdxiuDLhc6RASrsIZAx8Io1L40uLwQlK3E9q1KwfiNUezGvJlltNvzLGW/VsqWspekukHl1jhNaVyobdwL0q+x0g9jSCFKqtLvG3USHD5vLT0R+sUhBzSjZ+NCFr2SrFbOl73S3nPtxR+zX5plltNvzLV2m5h1YCXst9yqdMV7KBvOfA1U+38cw2sboMJgDua3bvxmnRA8oOKhsJVBOPHv+SkVNkXD6I0Uds2y8UsfBlkAtPcK9b1fY1CFq486edQkyULbXnsNO+1cVdK3IpDFxaU5j6XnmKzS2bcw/lNcdpWkulREhBwGvQOaacbVVpXzS+PgNHU6kth7JNKdCouqHK4pyxh5FuXHjS4zkWWw1IYcG1xtxIUlQ8CDyIpNTpfTAGE6etAHgITf9GsMXeK8eo6g/wxR1qVHP7aj4DS3FrqMUkwkNK6XB5abs49kFv9FKcSNGhx0RokdqOw2MIbbQEpSPUByFe23Ensr3kGoLBG8Wi1XdlLN0tsOe2k5CJLCXAD2ZAUDii1n0zpuzuh602C1wHACAuNEQ2rB7eYGaWKFSBjnQ7awpQArwHU0LmAj3nR+k706XrxpizT3j2uSITbi/wiM17s+ktLWZzpbPpuzwHfs48JttXxgZpU6ZNDpk1OCMhe62m2XRLSblbYc1LKtzYkMJcCDjGRuBwfZRQ6V0ycf+ztn9f6hb/o0o+cp+xVQ85T9iqjAZExGk9LJJKdNWVJPbiA0M/zaWEpSkAJAAHIAd1aunFZ6dFGCNSN3Ks1oEhs99eg8g0YBSNtCtYcBNewcioaJTyZoUM0M1GCQVg0CRWCoVVgYFCsZFDcPGq4AzWDQyPGgVDxqHEnICsYou9IQjsrDj7SDgrFFX5UfvwaHAsYffQRndSfKkoSnmfxV7lTIqEklQFIM67wlKKemQKhUmQ5aTXNloCzlwgnwGaSZbsbaemkKwfVWm53eCgnHb45poXvVEVvPSFvA+yNW+juXYo6+nuUoN8B+ls59ZrU5dZzgwlwoT4CkAyHAfEeqtiZagK7n0pS7mD6HGPRB51alnco5J7zWEq7jzoj52M+iTWxMxHgQaOLF9y6pSj0DqSa3Iz3mk/zxofZfFXtM1s9u+mqtDzKTpTYf6RCa9CSR2UQ86j55ldb2pcTHPf8VW40PNC+FNB9EhZGCBW6IdznWSDRJq425PpBz8H/AK1vZu1tQcjpR/A/601VYLujPOnU7Rf3Cs2wTzCcD20ZbZIHID46SE36AD6Tx/gUaa1FbMczIH8XWiFekueUYalGu+kX9wpBCQQSqj0cLA6pPKkVOoLNjJU7y/zNHoeqrIkdZ1aR62q00rqm34l95kqWtaS8D+4WYz7gUMnPtpSbkHbgpHP1UhMag04s5M7b7WzRxvUWnQR/dFvl4oNaYV6Un4l95zalrXXSm/uHJb7nLjdWM9JZHi08pP4gacEHWd+ipDbN2nDH+EKV/lA0zo1/sRAKLvCB+2WR8opURebY60Nk+3H1iQkH4ia0KdGXdfeY6lKrDpB//UejOu9Vq5i4o5eLCR8mKXrXxR1PHH6ojRZXhz2VHaJcTZ71NtzpPYUy0cvx04Ivuc5FQpV4tKXu8LlIx+ImqzpW8usUxdOvcR6Sa/795JVs43TWQEu2tHP7HP6aX4nGdtQ3O21Y8e39FRGu0IdCHo7tukO+LUpez8QrUHhEvibNNs8WUFx/O2yFrBUvp+hwMpJJJ5gZ5ns58qyT2dZy/kN9Ham0o9amfgTrG4wWV7YkR1hxatu3d/0pSa4kwXM7IrgX3JWdpV7O6oYtIti5DstDchBaCghLDi39qkqSlacIycpKk5GMjcMgZoyyqwSRuc8+nDpNjbiIUh/epKvRT1CDkpUOR591Y57Ns12OlT2xevxSXwWPzJfHEKC39NZkt/d/H3UdtmrYE4hRA6In6Yy/u2/B8vhUVafu1rnRWH4dkuyVPEjpEQHdnQq+lq6w27V/+vRVSxa+mEsvQIFy6EbVn9TqR1tv2OOr/wCsVilaW7Xsm6ntG4znJNEVyO6yh1paVoWMpUD2it3vdRwNQ3a1RH5ci2qTGYaU66XQobUJBUo8h4A0vQNSSpkZqQ3akpbdbS4grdUklKhkctvga5VS1muh2YXtOQ6iU+qsFINN83l9XpWuR7Wuv+YVkXKV2iHNH3TdL4Ml1G8dPoLhjtfY/jNDzdruT+M0hG7Tx/2V1X/06/zZrUq5Szknz1s/YohLP5qnhsOPHshwltpHWKUivBnQ09UuJFNCROuOci1Xqb/E9GB+EofiFYbeuD6N/uJcG/Uotj/mq8aCfViZXT7RHh55Hz24+KvfncfH05A/hUzS9c84FkuB/jW/00C9dscrFOP8e1+mp+jJ9yv01r+UeKprATkOJx4VqVcmAM7qZjzl/IPR6efB7i5LR+atSk6nX1TaWk+2TVo2ke8iHeyfSLHbKvsRtJG5S1eCRRU3yMUJUpXRg9x7aabkXUhBHuTHJ8Q+f01qcgajUMeYRwR4un9NOja0X1Yl3dVdEx1TdRRmW8Kd2j1pNIEvVkbd1CtZ8MYpHkWjUCjgQo271vHFJ72n9TFzJgQB6+nP6K1QoW67marcXb6IWXtZSm1YaShKT3HJom/rWWk4AQoH4aQ5+ndTnI80tuT3qdc/MKSJOl7+GSlTdqS4fGQ6PzVphQtfMwyq3q6RF6XreSgHc0M/ckUjXLiC4y0VdCFEdhJNI0jRupllSkKgIUOXVUs/LTfueiNU9CoFcdQBzjnTVTtDNK42jHohdk8TJTzKNxa2+sE/npqyNeSpL7vSNN4B6pANJcvRuqFcm2W0p9Ta6S5mjNUgZ2tgDty2oVacbSIri7Qqe4XBrKW0sqLaV+pWeX46Q7zqiTMWVOlGzPohOMUiy9ParZBDZb2+KU/9KQrhY9UJBW69z+0CjWScqXkbqfFl1YgN6UtCxyRMz+/f/jRtnRtnIG5mWT+//wD40qxm3dvPkfuqUI4dGMcz61Gkxo0f8qJld3P+diPH0PYlqGYsjPrkH9FKcfQGmlelDfJ/f1UtRkuHG5Kc/dGlGOopPoJJp0KNH/KvuKfS7lfzv7xGicN9MK5+5oPtkOf0qVGOGOksZXY0K/8AqHf6dLcHoirBS9n1A0qNSEIWEJjyMeJz+ipdGn2iSrqq/wCd/exAi8LdFq5r0+2R/pL39OlKNwm0Orn9DTB9sp7+lTphOJ2jCHQfX/8AqlWOsEAFtz4MVSVNf5RsalR/zv72NiFwl0E2Ru0hCX92+8f+eliPwo4fAAjRVpUfWXT/AM9OVlWAN3S/gf8AWlSMVAJKErHr6OkSSjzwjVTbfLL/ABGzG4W8P+W/Q1mSPWys/KqlqFwt4cbR/wCw2nFfdwyf+anPHdAbALhJ8NtHmFk94H8A1knLnnCNkIJdWxvs8M+Hiezh9pP/AGYk/KTR5nh1oAf/AMf6P/2Mz+inAw7++fgUoMr9S6U5GqK1DeZ4d6CBBGgtHJ9lkj/0KPM8PtDActE6UHsskf8AoUut9tG2+ylvI1RiuwhM6K0i0fetJ6da/e7Swn/lo2NK6dHZYLP/ALOZ/o0spArck4pepruWUIPsJcexWhr6Varc39zDbHyJo4i3Q0ehGjI+5YQPzUaAHhXrkKHJk6IeR5babSpOENgZ7kCqZ8UtOccrVxXu9/gaVuVziPS3zBkQx0+6OJLjrO7YrKCncnAwPRTVzQrP1i69D2EUylUdN5QmpRhUWJLkU0js+Udcobdgj6XnQJdtjdM9PD6mFzAOqlrpN+zd1frO3tPdUdu8QNb6evHS3hi+QnreUrRGuKljzPpNwG1t/sylXd3V0FutytdpgLnXWfFgRUEBb8l5LTaSTgZUogDJIFRD5QmprtY7pY2WdTTbRb3mJMmU3EQgvL6EBScOOZA352bcEVto3EpPBguLSjThq0rl5EFaT4m242ubmTa1osrzLcBdzjSnzILh6Mup9995ShHXKEA+krb21J7uu7tZLReosOAl2U22JMhqUhx5EiOXVNrfQlCulSlaOv117QPCoU1Ve9M6UtLZt1sezNbJKJbHpo27knd9a9uc6y0YBTt5Uk8IIlw1xxF0rdb0UzLZKvKLbJjgnc8htkOHd9knbtzW2uoxXtdTDRVWq3Kk8Q88lg7rxFvDWnxO1O+wY1yTcoaLeGfNm19GFNOrU4p3/C7kbPS+xpU0zxiSnQFvlScRUsQbUkHYlba1vOymVcuW1O6MSrnyT2fbIHHWJbpN8tOg4glMhy4IfYFuw4hpUh/Mzzjcr9sDyilnGSrad3W20o654AzneGsvT+nb60p5LMVMVLzOwnzeXOkBJUFHGfPQnP8Am8/XcufJrllG+MZJSlGT6d+ZKmitbwb7PTalBLc0iSUdESpp0MOhC1JJ7Bhxlfhh5OCTnDyxVIdI64eVo/UNqv2SGEeazSG2+nY6MJ6reUEbUqSpf3W3tqeNM611Dp0OPXVT2obD0ENY81jPuXCMuRt6ygvk412nuWnuSRU1rfS8xLUbv2UqvXzJm2nu/NWCkjxpq6X4gaU1RNusOz3VJlWd1TU9iQ2phxkhRG4hYHVOPSHLmM4PKnTuVjrkdnLvrLzRtjKL6GCgHsJ+GsJTjlmvPTo7DivPTtJVyVVuZOlG311rc9prZ0iSOWDWFODGcCoRLYXWj64j4k1lI3EDC1D7nFelSccg2PburwqSknJA+FQqUn5FNTPbm5CDtbBHrOKJSGn3MKSVI9QdIHyUZVJwDjo8exNaXZucc8H19n4hVkn5ESafcLlEsdvRY9RJNa3GpHaQlQ9ea2GUAetLUPUAf0Vlx5vAJkge0EVbIvSl3Ep8KKiFgpA7k76LuoJZJTHWT4jdn8dKjsprPVfSr2k0QkSWwrdvaV6uZq0csW4pdxFksSCd+HEJHL0xSLc4c7dlLkk459V5A+WnJLmMjJIyO8YpsX+9RIzW9UULGeZ6IHFPjrEVNI37lGQWzmSokd6pe35Kac9MQLKhO3LH7Ubgr+lT6Fws01nc2/DKu8ZSMfHSZdIVuca2tsQ3Fn9sBbOP51OUtJjlDURPfsNrUU3BhPil6YT+amlMkR0kqN3hJ+16Uq/NUvT7a08CpiGwojvU0kY/HTdutrSUHpWbclXjhKabKTXYyfR4y/mIuju8hgilJl5GAVLSB45pFYIySV7j7MUabKVYHm6lAfbVWLFzF+NNhJwFS0pPx0qxZ9sUoYmNk9+VfmpqJHWBTa1Efd4pRYbc29S2xgT4k/opywUWUO+Lcrc0rcqcz7Egk0rwLlBWvKJjf8YgimTED7atxtMc48FKBpQhSbg44ejsTeB3qdNW0ZKqpgf7U+Btz5zGJH+cxShBmtuDLYjnHi/TNgNXJXWNsZbB9eaWrc1KSv3xnA9Q5VEommE8j0t7i1AfrcH/AEhNLUZ4IAHnUdCvU6KZ8eKpSBlG4U4LZAhI5+apUrHPcDWKrg6FHIvsSuQSuYnBPaF0pMFvcFh9BT45pKgQ4K1fSEgj63FKrTEdOB0CCPDFZZHQgKMd0KTkSUKHiDRph3KgEvJcHgFUWjMNpGAAlPgE4o03hpeENED1AUiUjRHUGEuhJIKSPYay9OjtAdKtxP8AANeU9MTlDaAPEjJo1tG1O/Gao2i3tBZV3itgDcr8GjCb5C5FW8fBRlEZhYGUD4U1s80ZPY0j4qhaCcTQUTfIKj1XHvgB/RRhu6w1d7pPrB/RW5LLQ9BBHs/6VuSgY7T8NVbSD2/cavPGFjsX8VaZNxt8WIqVNmIiR0qSkuvHYgFSglI3KwOaiAPWQKMFpxHPCcVW3iPdl2DiBxAtV684nacvRhuSooCluNRHI3QPFonqpKXVML+CnU4a2Lr1OHHV5Dq8sdzoODIZ84KA/dozXRlGRIzvOw+zbu9qBUG8bbjLtvDDhfvlNTEKsL2XTzPV27U5z3bkpx9rSpxUa4eWvgMbZopq8rViJfFuzHlOdTzlUPcrrbUq3ZThIHo0y+P3SvcA+C07l0jkC4Ic9fXZ21pjLTFPzMyhxCM7RE1JxH1fbbBHeVKmSVKEcLX1W04yr2ABOT6hXQrg9oeDofRkKxRWWt7SUqfeQPpr23C3ATzwTnGeYGB3VXTyNuG8mPMGt7mpyLLaX0ceItv02HWQpL2c9h3EAY7jzq37PUSgY+uSB8JxU1Jlorny7FZFW6yv+Uk7eoCkvvO3zzWUgvEqbeR1ek27uRx2HGOqqrNh3ACu2qQx5DcryoIwCnoeNcur2dG0vKjJwoKWDnnt5cjjPI1dSOAWUdbljPx1FfnjAq2cuep5KM8XWZfDfi7qG6SI65Dd8uFwcaBSUpWzIQhYcQrGN7a149qaXW9UzvN7dJtlxlWCPcZgb8/Ze6JZ2uudIFdf7bt+2qR/LZ06btw9hXeOnpFWSZvcSF/tbu1B5fdbPgzVW9AXO7wtT2WAqQ8qDbZvuh0JO3qJWlxxSfalutNKpozy6iLm34+MvDX/AGvyZY3QWq4+u4WpbVrtjzu1u2xU9x2PFaacPRL3qTnb1ldVPp5yU/DU+8POH2jdExm16WtCoKXWcZcfdcWUq2qIO9RxzAJA76qrar8i88NLiu1sPJfXbVyXlDr46SQ42ndtT27W+Z+y3GrR8Ip8i68NLBc5Sll16GhKtxJzt6uTnvOOdUuaUY4cSLKq3Phy69/cPFXbgYNYIUn0Uqz91RfYSeefjobVAZQoZ9YrIdPUGipRTlW7P3Va+lcHLYnHr21rbQ6rksj4BXlxp7P01QH3X/So0g5YN28EbSlPxVlLScZIR7O2iCm3ErylxTnrUsVmVHefZCS8tr1pXQV5hlxLSRhbOR6uVBC2MYSAjHdjNIj8Rxs4FweP3Sq2MR3Et8pyUnx3Gr6UQpyFTpNxI6uPDOKKuvIbzuLbftB50XfbLYJdnMq9oSmiZMbaQtxIB7xzoxkhyDLnQrO9aI7qPAqIojMLSV9WOgDxCTyok9bY5cLrDziV/ZJB/NRN+U3GV79LlJSO0q5imcPHQVrDM3oABv6NW7uyKRp7LIcC1Wp4tD69Kht+TNen3mlrK0LUsdxU3tpNlSWy4M9KCO8Dl8tCUkUk4sSrp5p0zjjcVODyw4OX46btztiXkb4dujLUe3PRAfppcvFybUpSOnKcdhKx+emlNcedcwGG5KT3pcQDT4uRmmoiXPtcxkndEabR4dFypt3SDIKyobE+tUfCfjxS/c32EK6JwyWPEupWR+I03pj8AuYi3JKT3+/rR+JVXVSTM04IYTMkqIKEk+qlKM88s4LKUqH29IkR1/f9JI/g4pTYde7wM+tNETM3gWIr8tQO3oQR4rJpSiCYrAcdASfAmkOO7JScAgD1N4pTjOSCjK+k9WE1eORbY5ISTs3AqyfGlSNlIweZ9RpvwZewgKJIHjSvGnsqUCpC/gq/MtDCHFAUhCQSkZ9aqWIsqM0BvIBPrpuQVNPnqlY9ppXjRWXDlZXgeChVJNGqmOWNcEKSkMuDPsNKUKQtagF59oFIFuLKR+pwFY8RSgzIuYJ83LeB3ECs04tm2MkhxRUEEqCnCM91K0ZSEDOXVfBTYgy7kke+N8+8A0tQ5s5ZSOiSketVZ5LBshLKF1iUzy3qKfgo4zJjlX05IHspJQZC8b0N7fVijCY4cBSQQPteVJ0pD1Ji6062rHRrT8lHQ4doBQCPGmqm2oA6jr4/h0chQOiVu3vq+6USKq45LRkxw9KtJ5IBH3Ve0PZHYKTEJQB6PP21uQFHszSmkhq5h7psfta1/cUA4skc1cyB2eNNO5a20ba1ON3XWGnYDrfptP3RkLH8HcTSpp662W9tCRYrxb7ozlO5yHJS6lOfEpPL4avgrqIX1b5WmirLcJ9viWO8XB6K8plKwppttwpVg8ySU9/aM8uyoA19xKOp+LA1DZo02O1flQuiS9J68dCT0TiMjltUU+yo241/Vl1wAjYBqGeNo7v1QuvetIptFv0VMZeXm46dTIUBy2kS5DeP90D7TWmniL5dxc6cpeJ5JIu9xYl8FdUgBQetEazWhw/5xUuZKcT8BUnPrTSVf5994i2HRej4djVbbXpiA2yp5TheU668ApbvYMJVtGEc8c+Zp7absQ1D5HerLkEBM2ZfkSA4s/TOhbYbUo+srW8f4VTzwqtcKPomxOJjJjSXLNAaeKBjcW46E8/h3fHTKaxLV5CJz08u4ocI7cmy2li3JZKQ2gJShBcWEgdw3ZwO3lSD5R/GuVwyTDttssnns+fEdeZmOO4aiELKEqKNpK1d4B2pBKeZqSoADB5fg7qrx5bL2HtPR3Oh6G5QJaXMuY6zLqVI7AeY6Sol9bUQuhHhLBX6w672cRbTqG4APKYu8a4SnMpQXFoXuV6hnJzXRllxpCFtEn1VyyuNplImvNwoMx1npD0ZDZUFJzy7Bzrp5ucA6JxC23EIShQUMEEJAqZS1dRjpxp+ETtcRo11s7kBQCkOpO5GPSrnjrHTt30zc325zK2wpTm1ahtOzdtHZXRaQzGDGXekUfj/AEVC3lC6ahXjQ89tphCZZUjoVgbV7d2T21opxzHHkZKk+HNyfR9StHDO+q09ojWMwk/qoR4Tf3S+kV8HVQrn3U7+HvlAX3Qlm8ws0CHIiqcL7rU/ccOlAT1VJUDt6qTj7qmXPtb1u4e6vtrrLLZh3y3J63pnqTE9X4+dR8kZRilSnp5G5UYVOcjrep1HTkjAO1P4wDXkryc0277eI9kt064zlbINuYU7KewVbG205UrAGTyHdUbSPKJ0I2p7oYOqJTTOdzzEBtTZA25KT0vWxuGQOYzzFJUBaqe4mwu55ZrypqOexxWfuTTE0VxG01q6Q7Ftct9ia0hxaocxCW39qNoUdoUrGCsAhRCvVjnTtEpLY5qHx0OJfXkPIYSo5CiPhr2W0A46XPqpKVcVpGQkEeJOKAm7k7yoIPqqjjMhVUhRcZbHMjPtrQ4zHPYpCT4HnRBc53ueUr21ofuLzKOkK1D18z+ajTUJ4kWGlJZSnrO9I53J25Hx0QetrLi+kUHN3gCcV7bvJUjCnms/bJArW9PfUeqwlafFKjRiZGUwnKgxs4fkvpHchKyPkohOjQWkBTylhPcD1/k50qPSmyCVNpQrvSCrP46TpNwabbPRNOFXeSDy/FV1KZWSQly2rY5tWiQrd4JVt/FROU2wASHQeXIKdBJ+A1ouE9hlRW7HSAezCcUkyb1DfQQlTDJT27loz8R51bExWqBruBhElTsZG4d4Qk5pBkLhqKgIoT4KS0M/EDWyddmsgoO5B70pH5jTdutzSVKShoZ8Vk/IBmmKMzPUlAzdhEX+2FA8VIKabVxiRd366cVnuW4nb8RFGF3iUFECKf5XaPx0SkykPEh5hJUfE7vx1L1IW8SGFHdIVjYpR+1o6269nJjrA8QKJQGnUgnIHtpRZC/rX0A/ck01TijA6baDEVxxY5IcPwYpXgdMCAtxePDFEYiJQ7XnFj7RAFLcDd0Wf1QpXgp7FWVRExpN9Q3Ea3rIyN3rQT8lKzTclQ2BsqHqbxWiAd31pSr20sRg4E43OA+KU5NDq4HqgmYhwHHSEqZUk+JyKX7fZmhgqZCj47jRaEnbgF2Rux+2DA/FS3AcVgJ3AHxANJnVbNFK3QeYtyEpCUshY9dK8FlpJH6kxjwpPhqOfp3MeNK0Pf2dJz9lZ5SZvjSSFSO21gHzdINH2gkpB2J591JcYvkn30HHjSjFQtSCpaxkUhtj4oVGU4HogUabUOyiDKueMn46ONDvziltjlEONp7Dto00D9gB/Com2ru3UYbPw1GRmQ0hAT2oR8VbWcdOgDvIpC1NfoGnLG/eLqpxEdpSEdQAkrWsIQnJIAyogZJwO+o/sHHKyXHVMGwN2ac1OkTosZIW6goHS78qykHOzZgjxPcBmrRpynHVFchEq0IPEigt3myWLhKaacKE9M4FBPVHJZHYOXdT88lvUrdl496auE+5NQYSXHkyHXpAZaCFMODrqJAxkg8+8CmRryKuBre/QXcb490lNLx4peWPzUl2C0y79qO3WO2tByZcJTcZhBVjc4tQSkZ7uZFanL2cEwWWL3GGbGn8WtZXCFIakxZV9mvMPNLCkONqfWpKkkciCCCDTn4w2RcDhtwouCwQ5K0+8n+CJbrqfxP0yeItpZsOvdQ2KM50ke13STCaWfrkNOqQD8SRU5+VhHbi8M+DcBtIDsOx9C7gdp6CIr5SqqYJlLBKPAfT/n3ktWGC8y661cHJkhxv/wCpKU9/+az/AAqlrTERUKA1EcCHm2UBCTt24x8NRl5PNzis8GNN25iUQ5GZd6UfbLecX/zVK0F4dFzNOXsU1AweKo5i0xgN5Q2gfBVZ/LsgSp9w4cRISQX3F3JKfDn0B/PVjWJYAquflnOx7zJ0AmNMbQTcpkTpPsAtuOD8XfSksPJozhYK2kanjS2YEKRcnmhubjeZOObF9b63Ye9VXV8mNclzgfptU5x9UptyYy4l9RKk7ZLnVOefLNVMRCe083IhSIjb7lvkSY60oVuCCHijI9WUKFWX8mVa4/DEwnXN5iXiahOD6mVf89bJw6GNV/accdCYZuFjZUda4SXGHW247EhJI3Jf9D4eYp3zHHlDeh3YkeknHZTXv7XTB3m479whNTbLDE3b1RyVe4oWOQxpjWuopQkMCXdYjbQHUad5vdifVtqEGiQk8+fjVo/KIiPSeG0hhHSdFEfRJc2+rKR+VVW081ADvqLqOmS9/wCpq2ZPVTkvJ4/BF29E3y8XjyK7pcL5cHpT/uDdGulkA71ISvo2+t9cPrc/B3VSUOuJSAlxQHqNXO1iUx/IRZEMhJNht28A/Wqmo6T41fLVLl8+yskWbqfcs35Btrmuaw1NqIoUYbNsENTijyU866hQSM9p2trJ8OWe0VbtWzHZmq9eQ10bPB+6Pkc3b+4k/wACOzj8s1PK5jeO3bTY+Zlm0pvIa3II6ory6lJTzBHwUURMSB72QfgreJpUBvA+Oqy1LoQnFmENpCwUqPx1uU4pPLpMfBmvJkoHogfFWpxwLOVCqNyfUbTjE8ykpUMuNBQPeM0jXC3R3eskvN4723CmlV51IGCvb8Zoq8U9ziT7DVVPBM6WRHbacZyESl4H+E6x+Oisp5XYZDfwqApSlKTg9ppvS207lHHx1KnkW4YC8pfpFTrKvBJG6m7NRHXuIZYz3bTilK6O9GySA2VdwUrFILq+kQSW0tnuIVuFMUn0EyUfISprG9Z6WPux2YP/AFpJuLakoK20ON49YFKFwfQU4aSQrvwSKRZjigrK3F48M5/NV+KxbpQ8hAuTk8rOxXVPd0Yz8tIq23wohT8vJ+t6HlTgkdGpw7COX1xP/Sk9+WgE++jI7zmrOrgpGmM1m4OOOnYwMfbClKK+pPNZZSPADBrUyhsnAQM1sKUpVnoxn1mlqSF8LApR7s2hQCGHFEd+4AUos3sAddBx4AZpCS49syHEJHhjNGorssgBDpHrCBTYuJSUWhxw9SsJSQ3Eluq9TeKXLVeJz7gHmKmU+Kzzpsx3ZSACXVH2gUqR5conBUkevdU8mEMj3hSXRtUsCliLNQr7AH7U5pjwZD6FAdK0QfBJNL8F5ZQMuBJ9SRSpYNUMseEV5pSRzJNKsSQVYwvApox3ncAlwfBSrHWs4woilyTNCyO6IvAyezxpRjOpA5HkabcN5WwDpFHHaKPsKHbuUKU4MfGQ4WnefbRtt7l2ikKE4p2Q0zjktYTnwycVWe++UdqByTJat64NhZQtaG+js6Ji+R9Lc4v0vaMVRU8ltZbxDhrchasfTMVTFPlKaqbYkhu5Jluo+kLcs8ZoO+j6QSOr9cfHljNTX5O3Fy48U3NQtXC1woarWGFtrjI2BSXVFO1QyesNvbyzk8qJUtPctGpq7Dg8pud5nwJ1I66yJLSfMytBJH/a2vrhzH/oVVDg4qSrjpohu2vKb/u8yeiDmShHVU9/BKVK/HVofKmyPJz1iO/ZD/41iqt+R5hXlC2Hd1nC1O6PP+E8zeNXpz009BDp6pahO8qSwMad4235mMXC1cFpuad/cZCQ6oD1BalAeoCivkvpaX5QWi0vICh7ppIz9kAdv48U+PLvi9Dxhtbw/wC0adir5fardR/yUwvJojNy+PmjGXVBKDdG1HPftycfDjHw1P8ALkYuQhcVnen4m6tkZ+mXyar431mrWeUXpQXDR2m1pjdOLbBjoMkHPIster0aqrxCsz9t1ldojyejLc11OD91VotF3G5XfRNpQ7ILTbcJpnYkqwpKEBOTk9pxzrbbUsT1PsczaFZSpJQ6vv5C/wAKLZFYskRLZIbQOqokK/QfxcqlCOphr0FhXtpjaOt+0Y6V0fb9HTtYjs9q1lePCprc3yFWcJKn7QpPlo++/wDr81QX5Wd2iMaMsM6MnMq36jYfZ2LGcdEvd+NCcfjpT4mcSHLDrNWlW4khhCY6Jbktpe5wNrT0h6uOwJz39/dUK6x1hb70WPdIzb4yzPTJHSt9D+pkuKQrd9mpSfEAppcKee451sduQ2JN+jXPV17lx0ONxp70h9ttw5KQp1S9p/DVVhPJYnoXwyecdcKnlXmYtWTz+lxh+aoJYuekYd890FWSfFbD6VxGWVtrDCSoncFFILnLACV5HMnPLBmjhQm1WvTCImmHzMtq5Lj7L8lGx5RXjclYHLcnGzIwDszgZrVp18jJOai9S7kzLuLbgCeiI8Se2kyeI6VqdQDjvHaaQ/OH1OJUtb2D69qB7KJT5SFKUw7KkKJ7CR2eyphQETudQz+N63hoa7MBn6awEddv7bdVRyy8y9girRcQ2UKjuBx0jwG/cs1CN7tZziMzzpl1bSnFSj2DZt7GnOUJd+ZMN81JGY8iqDbCSp+cw1BH2pTOce/JZHx1WdrkedSXruRLgcJ9P2NQ95dkuSD9rtSMficNRmORrnVIcOWDtWc+JT1ebfzZcjyQk9BwXKmXSfOL5LUsfYkNRx8gFS9zz/8AnUCeSvcvNuEjsdt4Ai+ylrH2IUxGA/JNSfHvbpnoStzeyFAqV6q00qfJHOuK2ib9RavWqLHYikXu8262lWdqZD+1SgBkkJAJOAQT7RSGeL3DtvcPoxtCtveFuf0M/EDVMYuq7jLvDk+5vRpb7ilLK5TCHd5Uee4Ec/VnwFe1THZkaWl1mO0xuLyVoZQ3sV3cwMlHgkeIqi9roaeFKn4kXmsGs7BfukTZbrb7q81zcZiSQtxCfsintx4nszS57qjo0hbCm6pTwuukm2aigxmpEMNP3CJlYjNqcOXEpwlwjekd5T31aN+4vNuLCXlv49vjUOjqKcbR16Dtk3BpYxvWn2J50kzbgpsEtrUT9sBSELuTkqbUcfZE4+OiEq/JKVYabb9ZWo0pW/Mt9K5ChJvs1CiPelJ9pBog/qB8elkD1DPy0gzLqhRyXGiftRzpKudxS4QkKIH26MD4xTeAhDueYtz7+0c7mXFDxOKRJOoISVkqJSnuGdtIkuWguENvMq/jQKRpcg8yXGz6gQqpVJRWBbuJPsL029xM7kO4J8U/9aR59waUNwfZUo9xVim3MkdbCMLV7RSdMkObcDCVezNUdNIaqs32FiVcVAnrJ/g0mSLgpSubpI+5/wD3SW7IcSg4CFfcqpOflpPNZeSfbVHEuhbakHd1MH4MUaQ4VnmAPaKS2JGTydUaPMuu55LUayKTL6eeBSibd+DhIpVaZyAU4pFZfUPTcJ9WKUI05Q9EkewZqeLIs6QtxoykkZyT4E8qVWErbUO71YyaQWJRVgFajStBeaGOQ9hUM0cRsFTwL8V0qITuc9mAKUozaSoElWfUeVIbElO4YUfZmlSPJHLKwKnWW0jgjY5Ast49Z50pxVJCgnmT3DuFN+JJTyJIwO+liI+lQSpIyKhzYyCyL0YKUoZdUnHckilFrA7CT7TSGxISAcpCSeznSjFeJQUqUnJHKlupJjlBC5aedyi45+/J5fDXO+88pzv74r5a6E2l8NS4zp57XUn8Yqg3EFoQ9eX+Jy2R7rLaHwPLFOoSzkrKA2XTz5VZ7yCDg67OefQQfnHKq+6edWP8i+5Wu3t60kSbhCtrPRW8Yly0IKiC5uIzgkZBJwOqCM+NWqDuxM3lWyFf2vepmwrrKVDz7POm/wA4FVe8kd0x/KE006T1UeeE/wCpvVZfylGVPcBtWjdzSzGdHrxLY/TVZvJOjrd47WRWQEtx56zn1Qn6VBApch9+XAnfdNIXbbzetz8TP70/v/8ANqHOCk0wOMGjpgOOivkNR+56ZOfxZqYPLZnbpGlLRyPm0eTL6T99cCNv+4qBdHyY9u1XaLjLWpMaNOZddUlOSEpWCSB38hV3yZWlzponjjbp8ydXyZCQXnVPHmAnrY5eiOzsp28PXZkK2sMTMdTCRtV6KfDxp16ktaPPZAjpy4p9RU5jmoZPbSfAtjgPSdEB/A61diM4aUonmZUqspZbyPSHcEoAO8j2dlH2p7biSkKJGeYHbmm000htQR0m8BXLwzSmzKYaRuWpKSO7vrJJZOnCRBXG64FPF+YzhbLcuzxWx7Ayv89Q3fekG1lJVyJPx1KflOPp/siWOcgFsO2htJ9ZQ88PkxUb3UNuTW3Fb1NrGMjt7DTKfhImsVkwhHu6pTcdqQnPRBAGBjkOQqeOCt3itaNiJcCUHziTt3dgHSZH5VQ+3ZW0pa82QFKaaCRnmFn3xWfiTT84MsxjpkrfSp9YluNlCThO0lH56fQXtczJfzzT+q8/1JeMtgrKkSGXMnnhIUBWqZMaCStLXTEf4MDIpPYirWpWxjok9hSgcs+2i06IVpOyM4NowpXSYOa0p8zmtvSEri6hxbkhLBadKSOvhavx9lMJ+Iua+VKB37+YUdvKnFd23VtFta0NhJwVOvdY/FTfmMNlzY28pSkjmSrIPsrVHkjmuXtcxncXchNrg9zaXXPwlBP/ACUwXh76vbT64hxHZDsbnzbG2mO4OgeWlXdXAu01WbZ7bZU4u1iosm7yaJbiLFf4oVj9UR14/guA/mqVPP5DAdB996jn0vb4VDXk6ONJGoCV4HRR1dv2yx+ipUn3ti32+RMS224WGlPbV+irYkqwfbjHw10LV5pnG2jH97l8PkipAIBBHwUZZ6VbDgTkjPWo3bmGZESQMpSoEYz4nP6Px04bHaZMSLPW88wp1DeOi7e3Ce32rHxVyqccnpKtXSuho0Iy4NfaZSQU77rHA+BxP6RVpd0txRzIzz+tTtqvvDOMiRxg0vFUkLS2+498KN5H5Aqx64qA2W1E8/CtVGSjk5V3F1NPoJsgSA3lXMeAVzFJkgLDRLrrwHcndmlhdsQkdVDqj9kVcqTZlv2qO0kesmmcVGfgyQkSgtIBbWXM9xNI0kqO5Dgwo/CBS3IjJSrCgpX3IxRN1lAJCW1JPr55qsqqIVCQ3ZDIA3kod9qqJvgg5S0hHsVThlIYJ2dAkD7miEhhr6zYPgpUqq8hsaLQ2JMVpSsqbHtAxRF5jBylSses04XWHNuV7leznRGVH3JKSkJpTqD4waGy+Gkk9ZST7KJOlRHpFQ9lLz8RKD6AV7aT5ENSgdgCaprfmNUTWy4kHIH4qOtvA9XpMZ7gKREuKPoqx7OdGmi4cZUDWQco4FpKVEZCsD20dg7Cesrs9dIrLignBUaUIa0pGaknI4GnUbhgjNHWpCgBkjmaQmVAHIrY28CvrLPPsoIHIzKKDkK76PMy1rVgucqbbTgT25IpUgq+0zQA6IkpwpxzTj10rw5+wp3jOPtqaceWrHVHx0pQlLcKScJHiaFlhnA84c8FYO5PPxNKzM5tKgQrcfVTEhyAX1IU4TjsAFKsV/c4EErQR2Cp0ZGRmPYXJxtjpPNfrh9r3/HVK+Nym/7L+rxHRsR7tSjgfvhz+PNW0jvj6YVdGPu93f41UfjYWzxf1cY7gW2bvJIIP+cOfx0JaRtN5GiTXgEg8qFGrTCduVziW6P9OlPoZb+6UcD8ZocsjksF7+PbCv7B+r0SHAsptjJBHil+PVavJFKU8ZmVODcEWyeU+3oFj89T55Qcx0cM9YRVDokqjhoJz2npmcfk1AXkutmNxSQ8tZZItssJUfAtED5avGOTPrSQ+fKzsrN0uFhnMe9dGlyI5+FvT+UrNRFpDShl36LHDTju51JKEo3ZSO2rQ6t09ZtSxmjdH3C4xnoUI+tzjPyCmJ9D7DcxlmxDznove+k6TGz8XWPyVupRjz1M5lavOGEuhKTPn77CXUJS06oZUjGcV5TBceQS8FhzPcrbn4qL2CamChDYjv8AnCOqvKs7qWnb2z0a0iES6R2nnj4qVLKHRhBmhltLAT4J7QOZ/HRK6eYlZcSp5JPNW4VtbuXRPBYjLdUs42kbQfjovfZPnDoW4lLacbVoQc49VWhJsrNRIT8pssGVpRTRBHRyEFSh9u2f+ao6tciB7pW3z8jocLcc/g9J1erT/wDKYQk2WyS21KBalyGwlQ7iho/mqB+ndP11ROelj6VDiRXMkG3XJpFuivNPhl0KdGAcgYacx+VT04PJZGkUyVOkuPTHUqQewegQfxmoKbdcCioKPVB5E+qpo4S2+S9pqM8l7CFuFYA7CdxH/LWi2q65czDtK3dGmuH5/qS/E6RDXvSkoQPRShWQfgrXPeWQUPgkgdXurEOJJZaQl1zYcZ2lBry8UFB99y4T9d2AU+MmmYZQWkQZTcV1BYcC0JHWCscz8NIcyDCSStuQ90Xadyhkn204bnELy8lYO37blSBcYW0r3tt9GOYS27zrZCfI5FWn7WcDS1HFhqbKi7lQ9E7qi28NqTMWTzTnmak7UtqnIYW70WEDsFMC5Ml0AAdbPMVzr+OpnodkT0RwP3yfLVBnvXUTekwG042nH11P7jDGjWLhfcpNv6TpX3GIxUtwnCHCoqwPHCMewmo94SwprK3XmA8BnB6Pdz5d9OnivIUeHFyYLL4w4xzc+7qY+zbpFZT17QT8yE7AY7l2jokqS20VZVzx2D/pRxV3dS8stOkJWoLK8dgyT2d/PHxUgA4UCO0VskuuyJDj76ytxxRUpR7ya5kajR35U1LqS7wH/utxTZk9Vs221ur5d/UDI+H33J9dWBe3gZOTj11Enk8WRi0aad1EprpZl097QT2tMIV3fdLHP1IHfUpCaNvXSOfrpsW8GCppctK7I8mS6VE7yfV4UVlOJHXKVKJ762OSCoHanspMfmrJAU2gEfXJNTkqkwtOUhWRudFJbjjYVtK1geBo/JcQSVbVZ9vKkp15tJJISPUeZNCeSHFoxITkZSaTZCCkHAJJr0/L6xGxSh6qLuXBsJOELSfXVJZGLCCshzb1eYNFFrUrvBr3JktLPMgE0UcwOwkUsvHDPD4JPZRJ4bQedbnVvAkApoq4VdqiDVS+BsBTiTgYPrxRthLiu/FamUKx40cYbVjKlY9VV0hk3NIxyzR1o7B40TbQhJypXwUYaU3nIOatgjIfaWV8iOVGojqUEoLIz45zScHSPQWkeIreguJTuCk+s4qME8xYRICD6OD40aalgei4M+FIbB5ZW5uB+KjDI3dUJwPs+6hRIYvIkqb2qUsJPcDzNGkLdcHSOSAB3BFIUcLBB5p+Wl23lKhhBcz6086kgWrbKbjpQRG3KPeVZz+ilxvpJLeVMssg9w9M/DTYYfKHDudTy7kDl8NbDdue1Liz9oP01foA6Y64pGwAn1doqrXFnov7Jupeh9A3ORj+UVVgV3cqa2pRn+af+tV84p++cQ787yGZrnZ7fz9tLmx9DuNinZwgaS7xV0sgn0bvFX8CXEqPyU1Ke3AwI/srWJbgzsecX+C2sj5KrkeyzupUNXe1zUyZEdtDyCClwEg9/dTSsNm9xrgxNjS4hQ03tUyhs4IVR/VExTdueaQ3tBTyCQSc0wbRer5AvikqS6uOtHYtBxy9ZrfQlhHDr+LJKl1W2603KXEddHpBDCiAPbike9anZZjNR27eWzuyFJSdwzy5+NeoF/WpoedoZaRjtyQcewUhXfUDVxdfjxFJDCTgKQnJyPWeymxeGEnmI9bXeU+4zLslKWVHsSjtPrI7qzCnOPvLKMAn68jOfaab9kQJTKdyTkdppditBaikq2YHI0qZenHPMVkBLhSJEoBzxBx+KtVwdbYWno3AtvvKu2khxC0ubuajnrc62XV+K+WWGG3VjHXKury9Rqi5DnzI38pMh7SFtdSR73cSn8Jr/wDCoAqf/KAQV6QY2tNoaTLa249LmlY5/HUA47qXUeWa7fw4PPdVg+GBatujrfFed+mI6b7jd1qr6RyqedKjz6xWJkPdCGobfSfb/B/+qZa9WZtpv6uPqSRAlqfQS0oLB+uxWsRJj6Q2ltIIOSvePkoo3LaYShtoqUkDBwnFbWpLr+4sFYCTzyK2N4OelGXLALjbZzK1ByNvBQFHuzSWttQCT5uhBUrJS6Aac6POnrWpa1bznGfrgKQpJfSpKkNF058OYplOqZalGMeeBDu1pmPuOo6Ha3jkEjq01ZulgFDccEntHMCpL8788dCSHej/AM4jFJdwgsuyCkb0q7sHlV+Iu4p0nDoedFWUR0tqjdgHMn68/wDSs8aW88LbySOY6H55FKSRKhstojNODHekH9FatZsm5cOdQsyFkn3PccGfFvDv/l1nqyzHBus/YkVUSkk4FZSDnBr0woBzJ7K3KSlSur31zYLJ6FssnwneP9jyxM9D735q51/452nMl1aCEhRcC+3NMTgxMc/sdwfCO/IZ/nhf/PTsXOKztyM+qtS5o48npqv1FIOqxjby9tFZI2AuBkrPhnFaXJ6UtqCY7xUOzArQ+m6uttupgSUtnn25qmC+sIyri6HloREUB4hWQaLOPKcAPQpHw1lyNdnPQhlIV3qWBiki7IvENe18JS3/AJtQJNS4lXLJ6ldBvK8KQo94omp5wZSpRcB7AvniiapL5G0EKH3OaNR2HZAGEqJx2hNVcSdQRmMbkYIR45Kc0lutOpyUqV8ApyLs88slw9ErwSk/LSLMiTmyoKYUrHejmKrglSCsWLJkkhv0h2gnnRR9h9l1RWl0Y7QQaMhyQysLAKCnnnPOj0y6KmR0dOUKIHoDtNQ1gtkayAc+jj1CglRyVYJx8GKzvHYlYFbGlI3Z7VeI5Cljk8nplxB9MLoy0EKOEJKfWaJTJLUdsrkubB4duaTfogiISUpbdUPVyJobwXUNQ6Q+00OSUqUPEV5EtbqtoSEpHw00pOoxy6GHzHYVmiEy7TpWOuGQOwN8qjUiypSJB84cba+s/g1lEpA2bnc7e7uqNRNnZ/Xb38or9NOLTcoqcW2864vGOq76RPP0T4f9KmMshKljuPyO+pSd4dH3S+XxUZE1xpnqyQAe0d5pBShxCuq3uSPFWTW8OFZG/Ax3VYS2KSJbrn7YT6s0ejvqSBh9G71DOKQXHmwk8m0J9Z5GgmcUpCUBG3xSakpkc6ZRKUpU9y71Z7Kh3iUpCteXno/Q86VipHZmpIAURnHZmor1c95xqi5v9frynPT9Lt76VUNVAS6eXBZ0M8SrW54Ikf8ADuUy6cGgJnudq2FM/wAHu/Ggp/PVIvUaJ8o5J/vN2UhRAO5KvVTFuN3fZuWUh1zn6J9Glh+5x3z05SpYHZ/1pClPtqmdK0wd6uzHNNb4eyji1FqHBbrgXG8vthsKHZgk17tz8JUxQSkKQDzDXpfDRaFNaRHPnCk78eggZNH7U9HQkuNxGUBR7QcfHRq5hGORwwJkiM250TRbaV2gjPKjDkxSEpUopTu780iNXYvOnoAsjPdyyPVRt+e0dqFtoJ+2pY9chVcvDaWdiMBwjkUnPP10mOzpCeu4Vcz1SBgn4K0uSM4IQ2tI7CBtwaLrua3FKbYeTuxzOMgfCeypRVsa3Fyc8/oiWyem/XbO/pP4dQpuNTNryWqdpuXAUQStxCyoNeglOcn8dRvJs/QJBCgoEK6ju5paPb3c/wD90qay8mu3klHSIBVVg9CQRP0faEQZrLbyYnvmfuvzVCcaEy9J2dE603+2POH0PE/o7zT+4czBZEv2xcnpkynEltCOzf1tuO87h2cqtRemWSLla0kStBt9zbWEzpUYsBPV6NY5mjkybKZSGmuZbUCoJIAPw1Gx4o2lDpDMJ9LQHWCEAYNerVru0ylbn5a43Xz1k4P6K1JqZhnCUeaRLzGp0LbSPMtuxOD1Qc/CKIz7ot4oeTGeaUB1SACKb8aaEOtyW1srQobkuHByPkrxN1LcZSS106QjOB1Rj8VSlgRKbfYW7O/dLnKc6TaW/EpwKVbjKg25bKEW/pnvrsjApFtt6kxWg0FoH3HIUabuj4khxxpqQs9hUMAVMshFpdRwR7kqSyN1qDaE+j180lXOXB8ylsSIYdakx3mVoWonIWgpOOwd+fgojcFXIdI80WnGnPsP/Qpo328llag8D2Hr76qoZJnU04K7OJ2KUPBRFYSspWDmjN1SPO1hPZk0THZXOctJ317SLC8Arf7o8NX0CU0wReH8bz2+8sdlOlVvXbH1h4rO3sW0sfoqPuB90aY0UuI4SP7our7PFtr9FSV0iJUbrOIVu+yrXTWUcqu8yaCl4mILLTcN1zsyvd40jrelJ5mVIz91ypVegxk80flZrXLYiuR9q/ysVZikNeapanFlDy8+G782ab9xlPRpeHlF5ezf0e9IVt8cZpx3RhhtpwtoT8fL4sVF+r7oWdTu498bbQ31PR/ak9/yeHdS5ywNpUtecDgc1TaOj3oEpJ7whCVf81bIWqmRIc8zkDmE7W5HVznny7flHOmT7th1OyTEaU2tW53YlKVL+HHLx9vOgo2eR0KnssHKWx0XW6NP2Skq9L46S6rNSt4vqSeu7zFJ3uBbJPcD8lEnrhNJKd6tp/HUfQnpkBThiXBpQbPooVlB+BWKVE6qZJAfh8/8IwfzVdTKO3l2HUlaFAqejqOe/uraFW1lKXOg3n7EUStxlyNrjbqX45+s7hWydHcwQhSGj+IVIh8hrFbeRWCvnhKuVeQhA5BPx14W8hPVCOdVwPjyEG9E+6Txz4fIKKA4xRq8590Xfg+SincKzS8Ruj4TYFDvr2FMY6wPZ4f9aLUKjJOAx7xn+L/nUqaefeevEcKVu9L8k0h0qabP912MHb6X5JqYsiSyPouuYznArCnFrTgLxRNKx3k5rIWT2pJHjmtCZgwbAFbvTBPr50ZSsBO0qSD6uVEwpXYUdX1HnW5DW5Po8vtjVslcGtbriJB2rGymHNddky3pDy9zrqytasYySck1IW1KRgoTimHeUbLg9js3ml1EaKHcIjNK2nAkTkqXSahI5ZFKtsZUp0Fs4qKawNrS9kfTaopTzXu5VuM1hproykqGOykSOhQbA7V47a2uLkpICkJPKtKZznyFuM+jBVkNqIz1udPqU7b9HWDT0iRYbXe9Ragg+6iTdW1OxIEJSloYCGAoBx1zBUVqPVwAAe2orccWlPv+UKT9jzp0w9SWHUGlrZY9Ue69tuFkQqNbLzb4qJnSRCsr82fYWtBIQSdq0r5BWNvLNUqPI2nEemm47WodRi5XHTQ09a2rVLu08Wtt1luVHiZ6RUdLiiEkkpR1FYHtrfZdU6Vu13gQb7omxQrTNeRHMm2l1mdDLigkLL6lnpthxneOtzPqpDl8SYOnWNCsWFubeY1gjT4VxauMBMNudHlublthCXHNvVJGSTzSkkK7KRWr7wvsdxi3u3ydT3RMJ9D8OzTYDLW1xshTaHpKXVBbYUBna2FKAxkZJKs5GqCQ+dSW6JY9FPb47XuvC1rMs78nO7pG2Ym7Hs3c/VSXabzFt+gr5e12Wx3SUxe4NvR7oxlOIQy8y6pYSEqSQctg5z403Ymu9M6l0ZIs2o71e4F8k6ql391+LaGn23enYShScdO3t5hRolMuWjmdH3vSky96nZiT7rDuEaazZmXVrDLDiFtraMlIT13cghSuSe7NEZkumGrrEsmsuGOodZaftrGnrpp2fHZvjcErMWSw+44iO/H6RRW0sK6ikbtpHW9VLfH3Ttm09rKTetKxrdGsMtMuKIUra4WJcN4MPRkN9f01dC6nP+Ez9bUd3nWGmbbo06K0XFu/udMnMTbxcLjtbkzVNJ6jQZbUUNtJUpxQSVLJJSdwxinbbuLlqYv2tp8223OdBk6id1RptrOzzO5B1wsreAV6BQvrgH9pSPXS9Ro0G/jvpqzaP0roZaI7Tl8deujN9mJb29LMb833tJx1djS1raG3l1Ce+j+vtH2GFw76CyssG7aPuLVs1bKB6YuKktNkOK7kpbkdNHGPsc5poWPiPY2rdoNF9Yul0k6bnXS5S23Slbct57onYySVHrILzSekyM4Jxk160vxbkuN6htus40B+zait78ecq32KExIEnHSMSfektFwoewrClYxnvoTwQ4ZHRq7QllvHDyytWK3+Zams+nIt6nNBvJu8OQkKckIUPrmFnCgfrez0cVt0TpfRSFWqfqDT5mWxHDld0uCIqvflPKuLkZUhG446RDfWHd1OVMLUvEuQ3qnR+ptISptuuNgsVvgdK6E/T2GdjgSAT72rKsg+luVkU9tScRNKXOZMVpzT10s0SZodVkRCIGyLMcnedL29b6QMqCT2+j1RV8tlWtI74mmk6Ynah0/cEM3SJC0jOudpnN+g+gNp83kp/JPr+CmWyoqZQot7EEg/Y7sClLRGu2Iug75pa8QZEtxVvmNWKU0QVQlSW9jzKySMsrACj9iU9+U4akeY50akpTgbeRSc1spvJya3YOvIekSS6JIbTnkreRRoyLoxhTKwtCByKVE5pvIkzmXd7fIDsC+YrVqG+XFu3dHHVtdcGHFJ5YHqp7aM8KbkOmRdrr5sA8gjIyFAkAUxr3crhIW4hTrgCjgpTkg0RtFzujKN67kp1gHrNrUSaMSrnHWVgtKAUMggkGq6kxsqTj0Gjco585JPI57hRZuG64rahBUT3ml2ZPCnApLCEcuwitzE9CkbXg2nI5YFZJQi37jpRryjHA4OHdrmttKR06UpznaDUj2Z16M2pLjoWQeSVVG9gvEC2ABUsNkjODTpiXRqfhxt5KkAd1Ni44x2Mk1OTyOCa9LeVuQ+kH7HOaJ7JZX+qX9qPAcqT5UptpaSF5HjnFbTKQ5tKF8u/POoIwZfd8xe5++t9b6+oh4hrQ7q+c4030aD0eE+Hvaaku7uvuHDaBUWa2OdTSz9wPiQB+akVumDXadxGKiTXvpDtxWvNYrNlm89AqBzQ3msZodlGWA/9LydlkiEgkALGP4dLdwuzbTASWs9mBTUscpxqzsJwCnCuX8I0pJktutJLiQTuxitkeaRzKy9sSwFKPWJzW4IASMpHw0OfcBQW2VYJJNRjJZvA276MXJfsHyUQPbSlqAYnk+ofJSbmssvEb4PMTFChQqpYFKened2ZP2IUf5ppMFLek29055R+sZJ+MgVePUrPwscgIV6O0+qvYwBzxXnYVY2gCjAiOdHuU4EjwxmnnPTMIxjIAxW/wB7CMkZ9hokUqScIXk+OMV5UtSPrutRksmGZTu1jJNMq6qSqQtXrpwynVqbCCabU5PvqgfGokMpBZtXvgFKMZ3o1jBpMWnByDRmGvHM86onzHVVmI9bbLjojdbw7+2tr8lno94z2U3mkkNpVuzy7KNSXC2E5ORt7KYpGXTkPszFLJSheUj1ZrcWwtXSqe28uwGkVlbj6h0OElXwUaSlxHVUvcoHs7KlMnTgPNtsOHL7hUkHsziiN0t0M5Wysjd3dlbg5zx2VocdKlggdlTqwRjAnxbSQ8HOlIxSzJRFQyN6emP21Jsi49C70Yb50Wmz1PMe/Jx9zVHNInTKXUIXvHnHJjoqJh8+b9FXla93bWvFIzzNsY6YpHoc62vr3ZrDidqwPED81BxOEA+Jq4HgnGKkyBKt7yGkraO/o05Vj7UVGK+2nbFlOhLSEpSE9Gnn3+iKZRl1Mt0ug5JM6I0gtsRVqA7099FV6hU21tTGWhI7jSe7JU2nmTj1VpRN3q3KRuSO40/Vgxacht67F9JO5TfwmkeZOnuAoKxszyJ7aXLSzbpy1Bxt8bRyAXik66Qw0+QhSijPIE1LbZMGoIJ26QW3SFoGMfjrLr3SK6ySefLnijTEB/BUhKTyz20Tmx32zvdASFdmDRhoumpHhL0fpMOAkCsPvW7mtDStwog5uByKwolSgkHFJ1N9DRGngNNpjPHOCkmlqzhUM7UunaaToMNHJS3PxUaShQdwHOVWi12F1GOhl1EnaFunf4DnRybMaiNJDakqPenOKabCngousrx491ELhMc6cqUTkd+as5CtORcl3N0PYB5c6Z+pFly7OOHtKUfkijiJa1c1UnXdW6ao+KUfkik1Hk120NISoUKFZjWChQrPKgB0WpKk2xkKIHafx1sJBOd5HPlRe2NqcabUTjCaE7LSUpz1u3NbFySOdPnM/9k=</binary>
</FictionBook>