<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Bernard</first-name><last-name>Werber</last-name></author><book-title>Die Ameisen</book-title><annotation><p><emphasis>Zu diesem Buch</emphasis></p><p>Bernard Werbers atemberaubend spannender Roman beginnt in einem halb verfallenen Haus, das Jonathan von seinem Onkel, einem verr�ckten Wissenschaftler, geerbt hat. Sein Testament enthielt nur einen kryptischen Satz: �Niemals den Keller betreten!� Schon kurz danach werden Jonathan, seine Frau Lucie und sein Sohn Nicolas von einer beunruhigenden Vorahnung geplagt. Der Alptraum beginnt, als Nicolas� Pudel nach einer Expedition in den Keller nur noch aus blutigen Fetzen besteht. W�hrend immer mehr Menschen, wie magisch angezogen, in den Keller steigen, ohne wiederzukehren, f�hrt uns die Erz�hlung in eine unterirdische Gegenwelt: in die Millionenmetropole Bel-o-kan, regiert von einer m�chtigen K�nigin, die ihre Soldatinnen, Arbeiterinnen, Nahrungs- und Nachwuchserzeugerinnen unter eiserner Kontrolle hat. Als Vermittler zwischen diesen beiden Welten entpuppt sich der Onkel, der in seinem unterirdischen Labor eine Sprache zwischen Mensch und Ameise entwickelt hatte.</p><empty-line/><p><emphasis>Bernard Werber,</emphasis> geboren 1962, schrieb nach dem Jurastudium und der Journalistenschule sechs Jahre lang f�r den �Nouvel Observateur� naturwissenschaftliche Reportagen. Seit seinem f�nfzehnten Lebensjahr interessiert sich Werber leidenschaftlich f�r die Welt der Insekten. Nach seinem Deb�troman �Die Ameisen�, gefeiert bei Publikum und Presse, sind von Bernard Werber auf deutsch erschienen �Der Tag der Ameisen� (1994) und �Die Revolution der Ameisen� (1994) sowie �Das Buch der Reise� (1998).</p><empty-line/><p>Titel der franz�sischen Originalausgabe: �Les Fourmis�</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>fr</src-lang><sequence name="Die Ameisen" number="1"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-05-22">22.05.2013</date><id>819902BD-D550-45D8-A2FC-FC6121E37F0A</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><year>1992</year></publish-info></description><body><section><p>MEINEN ELTERN UND ALL DEN FREUNDEN UND FORSCHERN,</p><p>DIE IHR SCHERFLEIN ZU DIESEM BAUWERK BEIGETRAGEN HABEN</p><empty-line/><p>W�hrend der wenigen Sekunden, die Sie brauchen, um diese Zeilen zu lesen, werden auf der Erde 40 Menschen und 700 Millionen Ameisen geboren, sterben auf der Erde 30 Menschen und 500 Millionen Ameisen.</p><empty-line/><p><emphasis>Mensch:</emphasis> S�ugetier, dessen Gr��e zwischen 1 und 2 Meter schwankt. Gewicht: zwischen 30 und 100 Kilogramm. Schwangerschaftsdauer des Weibchens: ���9 Monate. Ern�hrungsart: ���Allesfresser. ���Gesch�tzte Gesamtbev�lkerung: �ber 5 Milliarden Exemplare.</p><empty-line/><p><emphasis>Ameise:</emphasis> Insekt, dessen Gr��e zwischen 0,01 und 3 Zentimeter schwankt. Gewicht: zwischen l und 150 Milligramm. Gelege: beliebig, je nach Bestand der Spermien.</p><empty-line/><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</p></section><section><title><p>1</p><p><strong>Der Erwecker</strong></p></title><p>Der Notar erkl�rte, das Haus sei als Baudenkmal eingestuft und w�hrend der Renaissance h�tten Gelehrte darin gewohnt. Wer genau, wisse er nicht mehr.</p><p>�Die Wohnung selbst ist ein wenig sonderbar, es handelt sich n�mlich um ein Kellergescho�. Aber alle Achtung, sie ist ger�umig! Zweihundert Quadratmeter!�</p><p>Sie stiegen die Treppe hinunter, gelangten in einen dunklen Flur, in dem der Notar lange herumtappte, bis er hervorstie�: �Ah, verflixt! Das funktioniert nicht.�</p><p>Sie drangen in die Finsternis vor, tasteten sich ger�uschvoll an den W�nden entlang. Als der Notar endlich die T�r gefunden, sie ge�ffnet und, diesmal erfolgreich, auf den Lichtschalter gedr�ckt hatte, sah er, da� sein Klient bla� geworden war.</p><p>�Stimmt etwas nicht, Monsieur Wells?�</p><p>�Eine Art Phobie. Nicht so schlimm.�</p><p>�Angst vor der Dunkelheit?�</p><p>�Genau. Aber es geht schon wieder.�</p><p>Sie besichtigten die R�umlichkeiten. Obwohl die Wohnung nur durch einige schmale und in H�he der Decke gelegene Kellerfenster mit der Au�enwelt verbunden war, gefiel sie Jonathan.</p><p>S�mtliche W�nde waren in einem einheitlichen Grau tapeziert, und �berall war Staub ... Aber er wollte nicht m�kelig sein.</p><p>Die Wohnung, in der er zur Zeit wohnte, war nur ein F�nftel so gro�. Au�erdem verf�gte er nicht �ber die Mittel, k�nftig die Miete zu zahlen: Das Schl�sseldienstunternehmen, f�r das er arbeitete, hatte vor kurzem beschlossen, auf seine Dienste zu verzichten.</p><p>Diese Hinterlassenschaft seines Onkels Edmond war wirklich ein Gl�cksfall.</p><p>Zwei Tage sp�ter zog er mit seiner Frau Lucie, seinem Sohn Nicolas und ihrem Hund Ouarzazate, einem geschorenen Zwergpudel, in das Haus Nummer 3 an der Rue des Sybarites ein.</p><p>�Ich finde das gar nicht so schlecht�, erkl�rte Lucie und reckte ihren dichten roten Haarschopf hoch. �Bei den grauen W�nden hier k�nnen wir uns so einrichten, wie wir wollen. Hier mu� alles neu gemacht werden. Als m��te man ein Gef�ngnis in ein Hotel verwandeln.�</p><p>�Wo ist mein Zimmer?� fragte Nicolas.</p><p>�Hinten rechts.�</p><p>�Wuff, wuff�, machte der Hund und begann nach Lucies Waden zu schnappen, ohne zu ber�cksichtigen, da� sie das Hochzeitsgeschirr auf dem Arm hatte.</p><p>Aus diesem Grund wurde er prompt in die Toilette geschickt und eingesperrt, denn er schaffte es, zur T�rklinke hochzuspringen und sie herunterzudr�cken.</p><p>�Kanntest du den gut, deinen spendablen Onkel?� fragte Lucie.</p><p>�Onkel Edmond? Nein, ich kann mich nur erinnern, da� er mich wie ein Flugzeug durch die Luft gewirbelt hat, als ich ganz klein war. Einmal hatte ich solche Angst, da� ich ihn vollgepinkelt habe.�</p><p>Sie lachten.</p><p>�Warst schon immer ein Angsthase, was?� neckte ihn Lucie.</p><p>Jonathan tat so, als h�tte er nichts geh�rt.</p><p>�Er war mir nicht b�se. Er hat blo� zu meiner Mutter gesagt: &gt;Sch�n, jetzt wissen wir wenigstens, da� aus ihm nie ein Flieger wird . &lt;�Sp�ter hat mir Mama immer erz�hlt, da� er meine Entwicklung aufmerksam verfolgt hat, aber ich habe ihn nie mehr wiedergesehen.�</p><p>�Was war er von Beruf?�</p><p>�Er war Wissenschaftler. Biologe, glaube ich.�</p><p>Jonathan blickte nachdenklich drein. Im Grunde war ihm sein Wohlt�ter vollkommen unbekannt.</p><p>1 Meter hoch</p><p>50 Etagen unterhalb der Erde 50 Etagen �ber der Erde Gr��te Stadt der Region Gesch�tzte Einwohnerzahl: 18 Millionen</p><p>J�hrliche Produktion:</p><p>50 Liter Blattlaushonigtau 10 Liter Schildlaushonigtau 4 Kilogramm Lamellenpilze Kiesaussto�: 1 Tonne Benutzbare G�nge: 120 km Fl�che am Boden: 2 m<sup>2</sup></p><p>Ein Sonnenstrahl ist eingedrungen. Ein Bein hat sich bewegt. Die erste Bewegung seit Beginn des Winterschlafs vor drei Monaten. Ein anderes Bein, das in zwei Krallen endet, die sich allm�hlich spreizen, r�ckt langsam vor. Ein drittes entspannt sich. Dann ein Thorax. Dann ein Wesen. Dann zw�lf Wesen.</p><p>Sie zittern, um ihr durchsichtiges Blut durch das Netz ihrer Adern zirkulieren zu lassen. Es geht von z�hfl�ssigem in lik�rartigen, dann in fl�ssigen Zustand �ber. Nach und nach setzt sich die kardiale Pumpe wieder in Gang. Sie treibt den Lebenssaft bis in die Enden der Glieder. Die Biomechanismen erw�rmen sich. Die hyperkomplexen Gelenke drehen sich. �berall verschieben sich die Kniescheiben mit ihren sch�tzenden Platten, um ihre �u�erste Biegung zu finden.</p><p>Sie stehen auf. Ihre K�rper sch�pfen Luft. Ihre Bewegungen sind langsam, entstellt. Ein Zeitlupentanz. Sie r�keln sich leicht, sch�tteln sich. Ihre Vorderbeine vereinen sich wie zum Gebet, aber nein, sie befeuchten ihre Krallen, um ihre Antennen zu reinigen.</p><p>Die zw�lf, die aufgewacht sind, reiben sich gegenseitig ab. Dann versuchen sie, ihre Nachbarn zu wecken. Aber sie haben kaum Kraft, ihre eigenen K�rper zu bewegen, sie k�nnen noch keine Energie weitergeben. Sie lassen davon ab.</p><p>Und so bahnen sie sich m�hsam einen Weg inmitten der statuengleichen K�rper ihrer Schwestern. Sie krabbeln auf die Gro�e Au�enwelt zu. Ihr Organismus mit dem noch kalten Blut mu� die Kalorien des Tagesgestirns aufnehmen.</p><p>Ermattet r�cken sie vor. Jeder Schritt schmerzt. Sie haben gr��te Lust, sich wieder hinzulegen, friedlich dazuliegen wie Millionen ihresgleichen! Aber nein. Sie sind die ersten, die aufgewacht sind. Es ist nun ihre Pflicht, die ganze Stadt wiederzubeleben.</p><p>Sie durchdringen die H�lle der Stadt. Das Sonnenlicht blendet sie, aber der Kontakt mit der puren Energie ist derma�en st�rkend!</p><p>Sonne, geh ein in unsre hohlen K�rper Bewege unsre schmerzenden Muskeln Und vereine unsre geteilten Gedanken.</p><p>Das ist ein altes Morgenlied der roten Ameisen aus dem hundertsten Jahrtausend. Schon damals hatten sie Lust, beim ersten Kontakt mit der W�rme innerlich zu jubilieren.</p><p>Kaum drau�en, beginnen sie sich methodisch zu waschen. Sie sondern einen wei�en Speichel ab und bestreichen ihre Kiefer und ihre Beine.</p><p>Sie b�rsten sich ab. Das ist eine einzige, immergleiche Zeremonie. Zuerst die Augen. Die eintausenddreihundert kleinen �Bullaugen�, die jedes Auge kugelrund formen, werden entstaubt, befeuchtet, getrocknet. Genauso gehen sie bei den Antennen vor, bei den unteren Gliedern, den mittleren Gliedern, den oberen Gliedern. Zum Schlu� putzen sie ihre sch�nen roten Panzer, bis sie gl�nzen wie Tropfen aus Feuer.</p><p>Unter den zw�lf, die aufgewacht sind, ist ein zur Fortpflanzung bestimmtes M�nnchen. Es ist ein wenig kleiner als der Durchschnitt der belokanischen Bev�lkerung. Es hat schmale Oberkiefer, und es ist darauf programmiert, nicht l�nger als einige Monate zu leben, aber es ist auch mit Vorz�gen ausgestattet, die seinen Mitbr�dern vorenthalten sind.</p><p>Erstes Privileg seiner Kaste: Da es geschlechtlich differenziert ist, besitzt es f�nf Augen. Zwei gro�e, kugelf�rmige Augen, die ihm ein Sichtfeld von hundertachtzig Grad verleihen. Plus drei kleine Ozellen, die in Form eines Dreiecks auf der Stirn angeordnet sind. Diese �berz�hligen Augen sind in Wirklichkeit Infrarotsensoren, die es ihm erlauben, aus der Ferne jegliche W�rmequelle zu registrieren, selbst in v�lliger Dunkelheit.</p><p>Dieses Charakteristikum erweist sich als um so wertvoller, als die meisten Bewohner der gro�en St�dte dieses hunderttausendsten Jahrtausends vollst�ndig blind geworden sind, da sie ihr ganzes Leben unter der Erde verbringen.</p><p>Aber das ist nicht seine einzige Besonderheit. Er verf�gt auch (wie die Weibchen) �ber Fl�gel, die es ihm eines Tages m�glich machen, zu fliegen, um die Liebe zu vollziehen.</p><p>Sein Thorax ist durch einen speziellen Schild gesch�tzt: das Mesotonum.</p><p>Seine Antennen sind l�nger und sensibler als die der �brigen Bewohner.</p><p>Dieses junge M�nnchen bleibt eine ganze Weile auf der Kuppel und l�dt sich mit Sonne auf. Dann, als es wohlaufgew�rmt ist, kehrt es in die Stadt zur�ck. Einstweilen geh�rt es zur Kaste der �W�rmeboten�.</p><p>Es bewegt sich durch die G�nge der dritten unteren Etage. Hier schl�ft alles noch tief. Die erfrorenen K�rper sind erstarrt.</p><p>Die Antennen h�ngen schlaff herab.</p><p>Die Ameisen tr�umen noch.</p><p>Das junge M�nnchen schiebt sein Bein auf eine Arbeiterin zu, um sie mit der W�rme seines K�rpers aufzuwecken. Der lauwarme Kontakt l�st einen angenehmen elektrischen Schlag aus.</p><p>Nach dem zweiten Klingeln war ein Tippeln wie von einer Maus zu h�ren. Die T�r �ffnete sich mit leichter Verz�gerung, weil Gro�mutter Augusta erst die Sicherheitskette l�sen mu�te.</p><p>Seit dem Tod ihrer beiden Kinder lebte sie zur�ckgezogen auf diesen drei�ig Quadratmetern, lie� sie die alten Erinnerungen vorbeiziehen. Das war sicher nicht gut f�r sie, hatte jedoch nichts an ihrer Liebensw�rdigkeit ge�ndert.</p><p>�Ich wei�, es ist l�cherlich, aber zieh bitte die Filzpantoffeln an. Ich habe gerade das Parkett gebohnert.�</p><p>Jonathan gehorchte. Sie huschte voraus, f�hrte ihn in ein Wohnzimmer, dessen zahlreiche M�bel mit Schonbez�gen versehen waren. Jonathan setzte sich auf die Kante des Sofas, scheiterte jedoch bei dem Versuch, der Plastikh�lle kein Quietschen zu entlocken.</p><p>�Ich freu mich so, da� du gekommen bist ... Ob du�s glaubst oder nicht, ich hatte vor, dich in den n�chsten Tagen anzurufen.�</p><p>�Aha?�</p><p>�Stell dir vor, Edmond hat mir etwas f�r dich dagelassen. Einen Brief. Er hat gesagt: &gt;Wenn ich sterbe, mu�t du Jonathan unbedingt diesen Brief geben.&lt;�</p><p>�Ein Brief?�</p><p>�Ein Brief, ja, ein Brief ... Hmm, wenn ich nur w��te, wo ich ihn gelassen habe. Warte mal ... Er gibt mir den Brief, ich sag noch, ich werde ihn wegtun, lege ihn in eine Dose. Das mu� eine dieser Blechdosen in dem gro�en Schrank gewesen sein.�</p><p>Sie begann Schlittschuh zu laufen, hielt jedoch nach dem dritten Gleichschritt inne.</p><p>�Nein, was bin ich dumm! Was ist das nur f�r ein Empfang! Du trinkst doch sicher ein T��chen Tee?�</p><p>�Gern.�</p><p>Sie verschwand in der K�che, und man h�rte T�pfe scheppern.</p><p>�Erz�hl mir doch, wie�s dir geht, Jonathan!� rief sie.</p><p>�Puh, nicht so toll. Ich hab meinen Arbeitsplatz verloren.�</p><p>Gro�mutter steckte kurz ihren wei�en M�uschenkopf durch die T�r, dann erschien sie ganz, mit ernster Miene, eingepackt in eine lange, blaue Sch�rze.</p><p>�Haben sie dich entlassen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Wei�t du, der Schl�sseldienst ist ein eigenartiges Gewerbe. Unser Unternehmen, &gt;SOS Schl�ssel&lt;, ist rund um die Uhr in ganz Paris t�tig. Na ja, und nachdem einer meiner Kollegen �berfallen worden ist, habe ich mich geweigert, abends in zwielichtigen Vierteln herumzufahren. Daraufhin haben sie mich gefeuert.�</p><p>�Das war richtig von dir. Besser keine Arbeit und gesund als umgekehrt.�</p><p>�Au�erdem habe ich mich mit meinem Chef nicht besonders verstanden.�</p><p>�Und deine Erfahrungen mit den utopischen Gesellschaften? Zu meiner Zeit nannte man das die New-Age-Gesellschaften.� (Sie lachte verhalten, sie hatte das ausgesprochen wie ��ne Waage�.)</p><p>�Das habe ich nach dem Reinfall mit dem Bauernhof in den Pyren�en aufgegeben. Lucie war es leid, st�ndig f�r alle zu kochen und zu sp�len. Es gab ein paar Parasiten unter uns.</p><p>Lucie und ich sind sauer geworden. Jetzt lebe ich nur noch mit Lucie und Nicolas ... Und wie geht�s dir, Gro�mutter? �</p><p>�Mir? Ich lebe. Damit hat man genug zu tun.�</p><p>�Du Gl�ckliche! Du hast noch die Jahrtausendwende erlebt .�</p><p>�Och, wei�t du, am meisten wundert es mich, da� sich nichts ge�ndert hat. Fr�her, als ich noch blutjung war, da haben wir geglaubt, nach der Jahrtausendwende w�rden sich au�ergew�hnliche Dinge ereignen, und wie du siehst, hat sich nichts ge�ndert. Es gibt immer noch alte, einsame Leute, immer noch Arbeitslose, immer noch Autos, die Rauch erzeugen. Nicht einmal die Ideen haben sich weiterentwickelt. Guck mal, letztes Jahr hat man den Surrealismus wieder entdeckt, vorletztes Jahr den Rock�n Roll, und f�r diesen Sommer k�ndigen die Zeitungen das gro�e Comeback des Minirocks an. Wenn das so weitergeht, werden bald noch die Erfindungen vom Beginn des letzten Jahrhunderts wieder hervorgeholt: der Kommunismus, die Psychoanalyse und die Relativit�tstheorie .�</p><p>Jonathan l�chelte.</p><p>�Einige Fortschritte gibt es aber doch: die durchschnittliche Lebensdauer des Menschen ist gestiegen, ebenso die Anzahl der Scheidungen, der Grad der Luftverschmutzung, die L�nge der Metro-Linien .�</p><p>�Na fein. Ich hab geglaubt, wir h�tten alle unser eigenes Flugzeug und k�nnten vom Balkon abheben. Wei�t du, als ich jung war, hatten die Leute Angst vor dem Atomkrieg. Das war eine tolle Angst. Mit hundert Jahren in der Glut eines gigantischen Atompilzes zu sterben, gemeinsam mit dem Planeten unterzugehen, das hatte schon was. Statt dessen werde ich wie eine alte verfaulte Kartoffel enden. Und alle Welt wird sich �nen Dreck darum scheren.�</p><p>�Aber nein. Gro�mutter, aber nein.�</p><p>Sie wischte sich �ber die Stirn.</p><p>�Au�erdem wird es immer hei�er. Zu meiner Zeit war es nicht so hei�. Da gab es noch richtige Winter und richtige Sommer. Jetzt f�ngt die Gluthitze schon im M�rz an.�</p><p>Sie ging wieder in ihre K�che, h�pfte dorthin, um mit seltener Gewandtheit s�mtliche Utensilien zu angeln, die f�r die Zubereitung eines richtig guten Kr�utertees erforderlich waren. Man h�rte ein Streichholz aufflammen und kurz darauf das Gas, das durch die altmodischen D�sen ihres Herdes zischte, dann kehrte sie, um einiges entspannter, wieder zur�ck.</p><p>�Nun denn, du bist sicher aus einem bestimmten Grund gekommen. Heutzutage schaut man nicht einfach so bei alten Leuten vorbei.�</p><p>�Sei nicht zynisch, Gro�mutter.�</p><p>�Ich bin nicht zynisch, ich wei� nur, in was f�r einer Welt ich lebe, das ist alles. Komm, Schlu� mit dem Getue, sag schon, was dich zu mir f�hrt.�</p><p>�Ich m�chte, da� du mir von &gt;ihm&lt; erz�hlst. Er vermacht mir seine Wohnung, dabei kenne ich ihn nicht mal ...�</p><p>�Edmond? Erinnerst du dich nicht mehr an ihn? Dabei hat er so gern Flieger mit dir gespielt. Ich wei� noch, einmal, da hat er .�</p><p>�Ja, das wei� ich auch, aber davon abgesehen ist nur g�hnende Leere .�</p><p>Sie setzte sich in einen gro�en Sessel, achtete darauf, den Schonbezug nicht allzusehr zu zerknittern.</p><p>�Edmond, hmm, Edmond war eine Pers�nlichkeit. Dein Onkel war noch ganz jung, da hat er mir schon Kummer gemacht. Es war kein Zuckerschlecken, seine Mutter zu sein. Wei�t du, er hat zum Beispiel all seine Spielsachen kaputtgemacht, einfach, um sie auseinanderzunehmen, und nicht etwa, um sie wieder zusammenzubauen. Und wenn es nur seine Spielsachen gewesen w�ren! Alles m�gliche hat er auseinandergenommen: Uhren, Plattenspieler, die elektrische Zahnb�rste. Einmal hat er sogar den K�hlschrank in alle Einzelteile zerlegt.�</p><p>Wie zur Best�tigung begann die alte Wanduhr d�ster zu schlagen. Auch sie hatte bei dem kleinen Edmond allerhand mitgemacht.</p><p>�Und dann hatte er noch eine andere Marotte: H�hlen. Das ganze Haus hat er auf den Kopf gestellt, um sich seine Schlupfwinkel zu bauen. Eine hat er sich mit Decken und Schirmen auf dem Speicher gebaut, eine andere mit St�hlen und Pelzm�nteln in seinem Zimmer. Darin hauste er dann den ganzen Tag, einfach so, inmitten der Sch�tze, die er dort hortete. Einmal hab ich nachgeschaut, beide waren voll von Kissen und dem ganzen Zeug, das er aus den Ger�ten geklaubt hatte. Das sah gar nicht so ungem�tlich aus.�</p><p>�Das machen doch alle Kinder ...�</p><p>�Vielleicht, aber bei ihm nahm das wundersame Ausma�e an. Er weigerte sich, ins Bett zu gehen, er schlief nur noch in einer seiner H�hlen. Manchmal blieb er tagelang darin. Als wollte er �berwintern. Deine Mutter hat mal behauptet, in einem fr�heren Leben m�sse er ein Eichh�rnchen gewesen sein.�</p><p>Jonathan l�chelte ihr aufmunternd zu.</p><p>�Eines Tages wollte er seine Bude unter dem Wohnzimmertisch bauen. Das war der Tropfen, der das Fa� zum �berlaufen brachte. Dein Gro�vater, eigentlich ein friedlicher Mensch, hat einen Tobsuchtsanfall bekommen. Er hat ihm den Hintern versohlt, seine H�hlen zerst�rt und ihn gezwungen, im Bett zu schlafen.�</p><p>Sie seufzte.</p><p>�Von diesem Tag an hat er sich uns v�llig entzogen. Als h�tte jemand die Nabelschnur durchtrennt. Wir geh�rten nicht mehr zu seiner Welt. Aber ich glaube, diese Pr�fung war n�tig, er mu�te begreifen, da� sich die Welt nicht ewig seinen Launen beugt. Sp�ter, als er gr��er wurde, hat das Probleme gegeben. Er ertrug die Schule nicht mehr. &gt;Wie alle Kinder&lt;, wirst du wieder sagen. Aber bei ihm ging das dar�ber hinaus. Kennst du viele Kinder, die sich mit ihrem G�rtel in der Toilette aufh�ngen, weil sie von ihrem Lehrer einen R�ffel bekommen haben? Er, er hat sich mit sieben Jahren aufgeh�ngt. Der Hausmeister hat ihn runtergeholt.�</p><p>�Vielleicht war er zu sensibel .�</p><p>�Zu sensibel? Von wegen! Ein Jahr sp�ter hat er versucht, einen seiner Lehrer mit einer Schere zu erstechen. Mitten ins Herz hat er gezielt. Zum Gl�ck hat er nur sein Zigarettenetui erwischt.�</p><p>Sie blickte zur Decke. Erinnerungen rieselten ihr wie Schneeflocken kunterbunt in den Sinn.</p><p>�Danach hat sich das ein wenig gelegt, weil es einige Lehrer geschafft haben, seine Begeisterung zu wecken. Er hatte eine Eins in allen F�chern, die ihn interessierten, und eine Sechs in allen andern. Eins oder Sechs, sonst gab es nichts.�</p><p>�Mama hat gesagt, er sei ein Genie.�</p><p>�Deine Mutter schw�rmte f�r ihn, weil er ihr erkl�rt hat, er versuche das �absolute Wissen� zu erlangen. Deine Mutter glaubte seit ihrem zehnten Lebensjahr an ein fr�heres Leben, und sie hat gedacht, er sei die Reinkarnation von Einstein oder Leonardo da Vinci.�</p><p>�Also nicht nur ein Eichh�rnchen?�</p><p>�Warum nicht auch das. &gt;Es braucht viele Leben, um eine Seele zu schaffen&lt;, hat Buddha gesagt.�</p><p>�Hat er IQ-Tests gemacht?�</p><p>�Ja. Die waren ein totaler Reinfall. Dreiundzwanzig von hundertachtzig Punkten hat er erreicht, was leichten Schwachsinn bedeutet. Seine Lehrer haben gedacht, er sei verr�ckt und man m�sse ihn in eine Anstalt stecken. Ich aber wu�te, da� er nicht verr�ckt war. Er war nur �daneben�. Ich erinnere mich, da� er einmal, oh, da war er keine elf Jahre alt, mit mir gewettet hat, da� ich es nicht schaffen w�rde, vier gleichseitige Dreiecke mit nur sechs Streichh�lzern zu bilden.</p><p>Das ist nicht einfach, hier, versucht doch mal ...�</p><p>Sie ging in die K�che, warf einen Blick auf ihren Teekessel und brachte sechs Streichh�lzer mit. Jonathan z�gerte einen Moment. Das schien machbar. Er ordnete die sechs St�bchen auf unterschiedliche Weise an, aber nach einigen Minuten mu�te er aufgeben.</p><p>�Wie ist denn die L�sung?�</p><p>Gro�mutter Augusta konzentrierte sich.</p><p>�Na ja, ich glaube, die hat er mir nie verraten. Das einzige, woran ich mich noch erinnere, ist, was er mir als Hilfestellung gesagt hat: �Man mu� anders denken; wenn man so �berlegt, wie man es gewohnt ist, erreicht man nichts.� Stell dir vor, ein Balg von elf Jahren, der solche Sachen von sich gibt! Ah, ich glaube, da pfeift der Teekessel. Ich glaube, das Wasser kocht.�</p><p>Sie kehrte mit zwei Tassen zur�ck, die mit einer gelblichen, duftenden Fl�ssigkeit gef�llt waren.</p><p>�Wei�t du, ich freue mich, da� du dich so f�r deinen Onkel interessierst. Heutzutage sterben die Leute, und man vergi�t sogar, da� sie auf der Welt waren.�</p><p>Jonathan lie� die Streichh�lzer fallen und trank vorsichtig einige Schlucke Kr�utertee.</p><p>�Und wie ging es dann weiter?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Kaum hatte er sein Studium an der Naturwissenschaftlichen Fakult�t aufgenommen, haben wir nichts mehr von ihm geh�rt. Ich habe nur andeutungsweise von deiner Mutter erfahren, da� er mit Bravour habilitiert und anschlie�end f�r eine Nahrungsmittelgesellschaft gearbeitet hat, die er dann verlie�, um nach Afrika zu gehen, und da� er wieder zur�ckgekehrt ist, um sich in der Rue des Sybarites niederzulassen. Danach hat bis zu seinem Tod niemand mehr etwas von ihm geh�rt.�</p><p>�Woran ist er gestorben?�</p><p>�Ja, wei�t du das denn nicht? Eine unglaubliche Geschichte. Sie stand in s�mtlichen Zeitungen. Stell dir vor, er ist von Wespen get�tet worden.�</p><p>�Von Wespen? Wie das?�</p><p>�Er ist allein durch den Wald spaziert. Er mu� aus Unachtsamkeit ein Nest umgesto�en haben. Sie sind allesamt �ber ihn hergefallen. &gt;Ich habe noch nie so viele Stiche an einem einzigen Menschen gesehen&lt;, hat der Gerichtsmediziner gesagt. Er ist mit 0,3 Gramm Gift pro Liter Blut gestorben. Absoluter Rekord.�</p><p>�Gibt es ein Grab?�</p><p>�Nein. Er hat darum gebeten, unter einer Kiefer im Wald beerdigt zu werden.�</p><p>�Hast du ein Foto von ihm?�</p><p>�Da, schau mal, an der Wand, �ber der Kommode. Rechts: Suzy, deine Mutter (hast du schon mal ein Bild von ihr gesehen, als sie noch so jung war?). Und links: Edmond.�</p><p>Er hatte eine kahle Stirn, einen spitzen Schnurrbart, Ohren ohne Ohrl�ppchen wie Kafka, die bis �ber die Augenbrauenh�he reichten. Er l�chelte sp�ttisch. Ein wahres Teufelchen.</p><p>Suzy neben ihm sah in ihrem wei�en Kleid wundersch�n aus. Sie hatte einige Jahre zuvor geheiratet, aber stets darauf bestanden, ihren Familiennamen Wells beizubehalten. Als wollte sie nicht, da� ihr Gef�hrte die Spur seines Namens auf ihren Spr��lingen hinterlie�.</p><p>Jonathan trat n�her und erkannte, da� Edmond zwei ausgestreckte Finger �ber den Kopf seiner Schwester hielt.</p><p>�Er war ein richtiger Schelm, oder?�</p><p>Augusta gab keine Antwort. Trauer hatte ihren Blick verschleiert, als sie das strahlende Gesicht ihrer Tochter gesehen hatte. Suzy war vor sechs Jahren gestorben. Ein F�nfzehntonner, gesteuert von einem betrunkenen Fahrer, hatte ihren Wagen in eine Schlucht gesto�en. Der Todeskampf hatte zwei Tage gedauert. Sie hatte nach Edmond verlangt, aber Edmond war nicht gekommen. Wieder einmal war er woanders gewesen .</p><p>�Kennst du noch mehr Leute, die mir von Edmond erz�hlen k�nnten?�</p><p>�Hmm ... Da war ein Jugendfreund, den hat er �fters gesehen. Sie waren sogar zusammen an der Universit�t. Jason Bragel. Seine Nummer m��te ich noch haben.�</p><p>Augusta sah rasch in ihrem Computer nach, dann gab sie Jonathan die Adresse. Sie schaute ihren Enkel liebevoll an. Er war der letzte �berlebende der Familie Wells. Ein braver Junge.</p><p>�Komm, trink deinen Tee aus, sonst wird er kalt. Ich hab auch noch Sandpl�tzchen, wenn du willst. Ich backe sie selbst, mit Wachteleiern.�</p><p>�Nein, danke, aber ich mu� wieder los. Besuch uns doch mal in unserer neuen Wohnung, wir sind fertig mit dem Umzug.�</p><p>�Gerne. Warte, geh nicht ohne den Brief.�</p><p>Sie durchsuchte fieberhaft den gro�en Wandschrank, die eisernen Schubladen, schlie�lich fand sie einen wei�en Umschlag, auf dem in eilig dahingeschriebenen Buchstaben stand: �Jonathan Wells.� Die Klappe des Umschlags war mit mehreren Klebestreifen verst�rkt, um zu verhindern, da� er von selbst aufging. Jonathan ri� ihn vorsichtig auf. Ein zerknittertes Blatt, wie aus einem Schulheft, fiel heraus. Nur ein einziger Satz war darauf notiert:</p><p>Niemals den Keller betreten!</p><p>Die Ameise zittert mit den Antennen. Sie ist wie ein Wagen, der lange im Schnee gestanden hat und nur m�hsam wieder anspringt. Das M�nnchen versucht es mehrfach. Es reibt sie ein. Bestreicht sie mit warmem Speichel.</p><p>Leben. Da ist es, der Motor springt wieder an. Eine Jahreszeit ist vor�ber. Alles beginnt von vorn, als h�tten sie nie diesen �kleinen Tod� erfahren.</p><p>Es reibt sie weiter, um ihr Kalorien zu �bertragen. Sie f�hlt sich wohl jetzt. W�hrend sich das M�nnchen weiter abm�ht, richtet sie ihre Antennen in seine Richtung. Sie kitzelt es ganz sanft. Sie will wissen, wer es ist.</p><p>Sie ber�hrt das von seinem Kopf aus gesehen erste Segment und liest sein Alter: hundertdreiundsiebzig Tage. Auf dem zweiten erkennt die blinde Arbeiterin seine Kaste: zur Fortpflanzung bestimmtes M�nnchen. Auf dem dritten seine Rasse und seine Herkunft: rote Waldameise aus der Hauptstadt Bel-o-kan. Auf dem vierten entdeckt sie die Legenummer, die ihm als Benennung dient: es ist das 327. M�nnchen, das seit Herbstanfang geboren wurde.</p><p>Dort bricht ihre olfaktorische Identifizierung ab. Die restlichen Segmente sind nicht f�rs �Senden� bestimmt. Das f�nfte dient dazu, die Pistenmolek�le aufzunehmen. Das sechste ist f�r einfache Dialoge bestimmt. Das siebte erm�glicht komplexere Dialoge geschlechtlicher Art. Das achte ist den Dialogen mit der K�nigin vorbehalten. Die drei letzten schlie�lich dienen als kleine Keulen.</p><p>So, sie ist s�mtliche elf Segmente der zweiten H�lfte der Antenne durchgegangen. Aber sie hat ihm nichts zu sagen. Also r�ckt sie von ihm ab und macht sich auf den Weg, um sich ihrerseits auf dem Dach der Stadt zu w�rmen.</p><p>Das M�nnchen tut es ihr nach. Schlu� mit der Arbeit als W�rmebotschafter, jetzt beginnen die Instandsetzungsarbeiten!</p><p>Oben angekommen, konstatiert das M�nnchen Nr. 327 die Sch�den. Die Stadt ist kegelf�rmig gebaut, um den Unbilden der Witterung m�glichst wenig Angriffsfl�che zu bieten. Dennoch war der Winter verheerend. Wind, Schnee und Hagel haben die oberste Schicht der Zweige weggefegt. Vogelmist verstopft die Ausg�nge. Sie m�ssen sich schnell ans Werk machen. Nr. 327 huscht auf einen gro�en gelben Fleck zu und f�llt mit seinen Mandibeln �ber die harten, �belriechenden F�kalien her. Auf der anderen Seite erscheinen bereits die Umrisse eines Insekts, das von innen her gr�bt.</p><p>Der Spion hatte sich verdunkelt. Jemand betrachtete ihn durch die T�r.</p><p>�Wer ist da?�</p><p>�Mein Name ist Gougne ... Ich komme wegen des Einbands.�</p><p>Die T�r �ffnete sich halb. Gougnes Blick fiel auf einen blonden Jungen von ungef�hr zehn Jahren, dann, tiefer noch, auf einen winzigen Hund, der seine Nase durch die Beine des Kindes schob und anfing zu knurren.</p><p>�Papa ist nicht da!�</p><p>�Sind Sie sicher? Professor Wells wollte bei mir vorbeikommen, und .�</p><p>�Professor Wells ist mein Gro�onkel. Er ist aber tot.�</p><p>Nicolas wollte die T�r wieder schlie�en, doch Gougne trat hartn�ckig n�her.</p><p>�Aufrichtiges Beileid. Aber sind Sie sicher, da� er nicht einen dicken Aktendeckel voller Bl�tter hinterlassen hat? Ich bin der Buchbinder. Er hat mich im voraus daf�r bezahlt, da� ich seine Aufzeichnungen in Leder binde. Ich glaube, er hatte vor, eine Enzyklop�die anzulegen. Er wollte bei mir vorbeikommen, aber jetzt habe ich lange nichts mehr von ihm geh�rt .�</p><p>�Ich hab doch gesagt, er ist tot.�</p><p>Der Mann schob seinen Fu� weiter vor und dr�ckte mit dem Knie gegen die T�r, als wollte er den Jungen umsto�en und eintreten. Der Miniaturhund begann w�tend zu kl�ffen. Der Mann blieb stehen.</p><p>�Verstehen Sie, es w�re mir ungeheuer peinlich, wenn ich meinen Verpflichtungen nicht nachk�me, und sei es posthum.</p><p>Schauen Sie doch bitte nach. Irgendwo mu� hier ein gro�er roter Ordner sein.�</p><p>�Eine Enzyklop�die, sagten Sie?�</p><p>�Ja, er hat dem Ganzen sogar einen Namen gegeben: &gt;Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissensc, aber es sollte mich wundern, wenn das auf dem Deckel st�nde ...�</p><p>�Wir h�tten sie sicher gefunden, wenn sie hier w�re.�</p><p>�Entschuldigen Sie, wenn ich nicht lockerlasse, aber ...�</p><p>Der Zwergpudel begann wieder zu zetern. Der Mann wich einen kleinen Schritt zur�ck, was dem Jungen reichte, um ihm die T�r vor der Nase zuzuschlagen.</p><p>Mittlerweile ist die ganze Stadt aufgewacht. Die G�nge sind voller W�rmeboten, die sich beeilen, die Bev�lkerung zu wecken. An einigen Kreuzungen liegen jedoch noch reglose St�dterinnen. Die Boten k�nnen sie noch so sch�tteln, ihnen Schl�ge versetzen, sie r�hren sich nicht.</p><p>Sie werden sich nie mehr r�hren. Sie sind tot. Der Winterschlaf ist ihnen zum Verh�ngnis geworden. Man kann nicht gefahrlos drei Monate mit einem praktisch nicht vorhandenen Herzschlag leben. Sie haben nicht gelitten. Sie sind im Schlaf verschieden, w�hrend eines pl�tzlichen Windsto�es, der die Stadt eingeh�llt hat. Ihre K�rper werden abtransportiert und auf die Deponie geworfen. Auf diese Weise schafft die Stadt jeden Morgen ihre toten Zellen mit dem anderen Abfall weg.</p><p>Kaum hat die Insektenstadt ihre Adern von allem Unrat gereinigt, beginnt ein buntes Treiben. �berall krabbeln Beine. Kiefer w�hlen. Antennen zucken vor Informationen. Alles ist wieder wie zuvor. Wie vor dem einschl�fernden Winter.</p><p>Das M�nnchen Nr. 327 transportiert gerade einen Zweig, der bestimmt sechzigmal soviel wiegt wie es selbst, als sich eine Kriegerin von �ber f�nfhundert Tagen n�hert. Sie klopft ihm mit ihren keulenartigen Segmenten auf den Sch�del, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Es hebt den Kopf. Sie dr�ckt ihre Antennen der L�nge nach gegen seine.</p><p>Sie will, da� es die Instandsetzungsarbeiten aufgibt, um mit einer Gruppe von Ameisen ... auf eine Jagdexpedition zu gehen.</p><p>Er ber�hrt ihren Mund und ihre Augen.</p><p><emphasis>Was f�r eine Jagdexpedition?</emphasis></p><p>Sie l��t ihn an einem ziemlich trockenen Fleischst�ckchen riechen, das in einer Falte eines Gelenks ihres Thorax verborgen war.</p><p><emphasis>Das hat man anscheinend kurz vor Winteranfang im Westen gefunden, und zwar in einem Winkel von 23� zur Mittagssonne.</emphasis></p><p>Das M�nnchen probiert. K�fer, kein Zweifel. Blattk�fer, genauer gesagt. Komisch. Normalerweise m��ten die K�fer noch im Winterschlaf sein. Wie jeder wei�, wachen die roten Ameisen bei 12� Au�entemperatur, die Termiten bei 13�, die Fliegen bei 14� und die K�fer bei 15� auf.</p><p>Die alte Kriegerin l��t sich von diesem Argument nicht aus der Fassung bringen. Sie erkl�rt ihm, da� dieses Fleischst�ckchen aus einer ungew�hnlichen Gegend stammt, die von einer unterirdischen Quelle k�nstlich erw�rmt wird. Dort gibt es keinen Winter. Das ist ein Mikroklima, in dem sich eine spezielle Fauna und Flora entwickelt hat.</p><p>Au�erdem hat die Stadt immer gro�en Hunger, wenn sie wach wird. Sie braucht dringend Proteine, um wieder in Gang zu kommen. Die W�rme allein reicht nicht.</p><p>Nr. 327 willigt ein.</p><p>Die Expedition besteht aus achtundzwanzig Ameisen aus der Kaste der Kriegerinnen. Die meisten sind geschlechtslose alte Damen, so auch die, die Nr. 327 zum Mitkommen bewegt hat. Das M�nnchen Nr. 327 ist das einzige Mitglied aus der Kaste der Fortpflanzungsf�higen. Es mustert seine Gef�hrtinnen von weitem durch das Sieb seiner Augen.</p><p>Mit ihren Tausenden von Facettenaugen sehen die Ameisen kein tausendfach wiederholtes Bild, sondern eine Art Gitter. Sie haben Schwierigkeiten, Details zu erkennen. Daf�r nehmen sie die feinsten Bewegungen wahr.</p><p>Die Kundschafterinnen dieser Expedition machen einen kampfeserprobten, weitgereisten Eindruck. Ihre schweren B�uche sind mit S�ure angef�llt. Ihre K�pfe sind mit �beraus m�chtigen Waffen behangen. Ihre Panzer weisen die Spuren feindlicher Mandibeln auf.</p><p>Seit einigen Stunden gehen sie schnurgerade voran. Sie kommen an mehreren St�dten der F�rderation vorbei, die sich hoch in den Himmel oder unter B�umen erheben. T�chterst�dte aus der Ni-Dynastie: Jodu-lu-baikan (der gr��te Getreideproduzent), Giu-li-aikan (dessen Killerinneneinheiten vor zwei Jahren eine Koalition der Termiten des S�dens besiegt haben), Zedi-bei-nakan (ber�hmt f�r seine Chemielabors, in denen hochkonzentrierte S�uren hergestellt werden), Li-wiu-kan (dessen Schildlausalkohol einen k�stlichen Harzgeschmack hat).</p><p>Die roten Ameisen schlie�en sich n�mlich nicht nur in St�dten, sondern auch in Koalitionen von St�dten zusammen. Der Bund macht ihre St�rke aus. Im Jura hat man F�derationen von roten Ameisen angetroffen, die auf einem Gebiet von 80 Hektar 15 000 Ameisenh�gel umfa�ten und eine Gesamtbev�lkerung von �ber 200 Millionen Individuen aufwiesen.</p><p>So weit ist Bel-o-kan noch nicht. Das ist eine junge F�deration, dessen erste Dynastie vor f�nftausend Jahren gegr�ndet wurde. Der einheimischen Legende zufolge soll eine von einem f�rchterlichen Sturm verwehte junge K�nigin einst hier gelandet sein. Da es ihr nicht gelungen sei, zu ihrer eigenen F�deration zur�ckzufinden, habe sie Bel-o-kan gegr�ndet, und aus Bel-o-kan seien die F�deration und die Hunderte von Generationen Ni-K�niginnen, die die F�deration bilden, hervorgegangen.</p><p>Belo-kiu-kiuni lautete der Name dieser ersten K�nigin. Das bedeutet: �Verirrte Ameise�. Aber s�mtliche K�niginnen der Hauptstadt haben ihren Namen �bernommen.</p><p>Einstweilen besteht Bel-o-kan nur aus dieser gro�en Zentralstadt und 64 mit ihr verb�ndeten T�chterst�dten, die in der Umgebung verstreut sind. Aber schon jetzt hat sich Bel-o-kan zur gr��ten politischen Kraft in diesem Teil des Waldes von Fontainebleau entwickelt.</p><p>Nachdem sie die verb�ndeten St�dte, vor allem La-chola-kan, die westliche belokanische Stadt, hinter sich gelassen haben, erreicht die Gruppe kleine Erhebungen. Erdschollen �hnlich: die Sommernester oder �Vorposten�. Sie sind noch leer. Aber Nr. 327 wei�, da� sie sich, im Zuge der Jagdexpeditionen und der Kriege, mit Soldatinnen f�llen werden.</p><p>Sie gehen in einer Linie weiter. Der Trupp hastet eine weite t�rkisfarbene Wiese und einen von Disteln ges�umten H�gel hinunter. Gen Norden zeichnet sich in der Ferne bereits die feindliche Stadt Shi-gae-pu ab. Aber ihre Bewohner d�rften um diese Zeit noch schlafen.</p><p>Sie ziehen weiter. Die meisten Tiere ringsum liegen noch im Winterschlaf. Da und dort schieben ein paar Fr�haufsteher den Kopf aus ihrem Bau. Kaum sehen sie die roten Panzer, verstecken sie sich ver�ngstigt. Die Ameisen sind nicht gerade f�r ihre Geselligkeit bekannt. Vor allem nicht, wenn sie derart ausr�cken, bewaffnet bis zu den Antennen.</p><p>Mittlerweile ist der Trupp an den Grenzen des vertrauten Terrains angelangt. Weit und breit ist keine einzige Tochterstadt mehr zu sehen. Am Horizont nicht der geringste Vorposten. Nicht der geringste von spitzen Beinen gegrabene Pfad. H�chstens noch einige kaum wahrnehmbare Spuren einer alten Piste, mit Duftnoten markiert, die darauf schlie�en lassen, da� fr�her einmal Belokanerinnen hier vorbeigekommen sind.</p><p>Sie z�gern. Das Laubwerk, das vor ihnen aufragt, ist auf keiner Geruchskarte vermerkt. Es bildet ein dunkles Dach, durch das kein Licht dringt. Diese von allen m�glichen Tieren bewohnte Pflanzenmasse scheint regelrecht nach ihnen zu schnappen.</p><p>Wie sollte er sie davon abhalten, da hinunterzugehen?</p><p>Er h�ngte sein Jackett auf und k��te seine Familie zur Begr��ung.</p><p>�Seid ihr fertig mit Auspacken?�</p><p>�Ja. Papa.�</p><p>�Sch�n. �brigens, habt ihr die K�che gesehen? Ganz hinten ist eine T�r.�</p><p>�Das wollte ich dir gerade erz�hlen�, sagte Lucie. �Das mu� ein Keller sein. Ich hab versucht, sie aufzumachen, aber sie ist abgeschlossen. Darunter ist ein gro�er Spalt. Man sieht nicht viel, aber anscheinend geht das dahinter tief hinunter. Du solltest das Schlo� knacken. Dann hab ich auch mal was davon, einen Schlosser zum Mann zu haben.�</p><p>Sie l�chelte und schmiegte sich in seine Arme. Lucie und Jonathan lebten seit dreizehn Jahren zusammen. Sie hatten sich in der Metro kennengelernt. Ein Rowdy hatte eines Tages aus reiner Langeweile eine Tr�nenbombe in den Wagen geworfen. S�mtliche Fahrg�ste waren zu Boden gegangen und hatten sich tr�nen�berstr�mt fast die Lunge aus dem Hals gehustet. Lucie und Jonathan waren �bereinander gest�rzt. Als sie sich von ihrem Husten und Heulen erholt hatten, hatte Jonathan angeboten, sie nach Hause zu begleiten. Danach hatte er sie in eine seiner ersten utopischen Gesellschaften eingeladen, ein Squatt in Paris, in der N�he der Gare du Nord. Drei Monate sp�ter hatten sie beschlossen zu heiraten.</p><p>�Nein.�</p><p>�Was hei�t das, nein?�</p><p>�Nein, wir werden das Schlo� nicht knacken, und wir werden auch diesen Keller nicht nutzen. Das Beste ist, wir reden nicht mehr davon, wir gehen gar nicht in seine N�he und schlagen uns den Gedanken aus dem Kopf.�</p><p>�Das ist doch nicht dein Ernst! Erkl�r mir das mal!�</p><p>Jonathan hatte nicht daran gedacht, sich eine logische Erkl�rung f�r dieses Verbot zurechtzulegen. Unfreiwillig hatte er das Gegenteil dessen bewirkt, was er wollte. Jetzt waren seine Frau und sein Sohn neugierig geworden. Was sollte er tun? Ihnen erkl�ren, den wohlt�tigen Onkel umgebe ein Geheimnis, letzterer habe sie vor der Gefahr, die im Keller lauerte, warnen wollen?</p><p>Das war keine Erkl�rung. Das war bestenfalls Aberglaube. Die Menschen lieben die Logik, nie im Leben w�rden Lucie und Nicolas darauf hereinfallen.</p><p>Er stammelte: �Der Notar hat mich gewarnt.�</p><p>�Wovor hat er dich gewarnt?�</p><p>�Der Keller ist von Ratten befallen!�</p><p>�Brrr! Ratten? Die schl�pfen garantiert durch den Spalt�, behauptete der Junge.</p><p>�Keine Bange, wir werden alles abdichten.�</p><p>Jonathan war mit Nicolas� Reaktion nicht unzufrieden. Ein Gl�ck, da� er auf die Idee mit den Ratten gekommen war.</p><p>�Na sch�n, niemand n�hert sich dem Keller, abgemacht? �</p><p>Er ging ins Badezimmer. Lucie kam nach.</p><p>�Du warst bei deiner Gro�mutter?�</p><p>�Stimmt.�</p><p>�Und das hat den ganzen Vormittag gedauert?�</p><p>�Ganz genau.�</p><p>�Du wirst doch nicht deine Zeit mit Herumlungern vertun. Erinnere dich, was du auf dem Hof in den Pyren�en gesagt hast: &gt;M��iggang ist aller Laster Anfang. &lt;�Du mu�t wieder Arbeit finden. Unsere R�cklagen schmelzen.�</p><p>�Wir haben gerade eine Wohnung von zweihundert Quadratmetern in einem feinen Viertel am Waldrand geerbt, und du redest von einem Job! Kannst du denn den Augenblick nicht genie�en?�</p><p>Er wollte sie umarmen, sie wich zur�ck.</p><p>�Doch, das kann ich, aber ich kann dabei auch an die Zukunft denken. Ich habe keine Stellung, du bist arbeitslos, wovon sollen wir in einem Jahr leben?�</p><p>�Wir haben noch Reserven.�</p><p>�Sei nicht dumm, wir haben noch genug, um uns einige Monate �ber Wasser zu halten, aber dann ...�</p><p>Sie stemmte ihre kleinen F�uste in die H�ften und streckte die Brust heraus.</p><p>�H�r zu, Jonathan, du hast deinen Job verloren, weil du nachts nicht durch gef�hrliche Gegenden fahren wolltest. Okay, das versteh ich, aber du m��test doch woanders etwas finden k�nnen!�</p><p>�Nat�rlich. Ich werde mir Arbeit suchen, la� mich nur erst auf andere Gedanken kommen. Ich verspreche dir, danach, sagen wir in einem Monat, st�rze ich mich auf die Annoncen.�</p><p>Ein blondes K�pfchen schaute herein, alsbald gefolgt von einem Pl�schtier auf Beinen, Nicolas und Ouarzazate.</p><p>�Papa, vorhin ist ein Mann gekommen, um ein Buch zu binden.�</p><p>�Ein Buch? Was f�r ein Buch?�</p><p>�Ich wei� nicht, er hat von einer gro�en Enzyklop�die geredet, die Onkel Edmond geschrieben hat.�</p><p>�Ach nein, sieh an . War er in der Wohnung? Habt ihr sie gefunden?�</p><p>�Nein, der sah nicht nett aus, und weil sowieso kein Buch da ist ...�</p><p>�Bravo, mein Sohn, das hast du gut gemacht.�</p><p>Jonathan war zun�chst perplex ob dieser Kunde, dann wurde er stutzig. Er durchw�hlte das ganze Untergescho�. Vergeblich. Danach blieb er eine ganze Weile in der K�che und untersuchte die Kellert�r, das gro�e Schlo� und den breiten Spalt. Welches Geheimnis verbarg sich dahinter?</p><p>Sie m�ssen in diesen Busch hinein.</p><p>Eine der alten Kundschafterinnen �u�ert einen Vorschlag. Sich zu einer �Schlange mit dickem Kopf� formieren, der beste Weg, auf ungastlichem Terrain vorzur�cken. Sofortige Zustimmung, sie hatten alle die gleiche Idee.</p><p>F�nf in einem umgedrehten Dreieck angeordnete Aufkl�rerinnen bilden die Augen der Truppe. Mit kleinen, gemessenen Schritten tasten sie den Boden ab, beschnuppern den Himmel, inspizieren das Moos. Wenn alles in Ordnung ist, sondern sie eine olfaktorische Botschaft ab mit dem Inhalt: �Vorne nichts!�. Dann reihen sie sich am Ende des Zugs ein, um von �neuen� Individuen ersetzt zu werden. Dieses Rotationssystem verwandelt die Gruppe in eine Art langes Tier, dessen �Nase� stets hypersensibel bleibt.</p><p>Zwanzigmal kommt das �Vorne nichts!� klar und deutlich. Beim einundzwanzigsten Mal wird es von einem widerlichen falschen �Ton� unterbrochen. Eine der Aufkl�rerinnen hat sich unbesonnen einer fleischfressenden Pflanze gen�hert. Eine Dionaea. Ihr bet�render Duft hat sie angelockt, ihr Leim hat die Beine der Ameise umschlossen.</p><p>Von da an ist alles verloren. Der Kontakt mit den H�rchen l�st den Mechanismus des organischen Scharniers aus. Die beiden breiten Bl�tter, durch Gelenke miteinander verbunden, schlie�en sich unerbittlich. Die langen �Fransen� dienen als Z�hne. Sie verschr�nken sich und werden zu festen St�ben. Wenn das Opfer g�nzlich platt gedr�ckt ist, sondert das pflanzliche Raubtier seine gefr��igsten Enzyme ab, die imstande sind, die h�rtesten Panzer zu verdauen.</p><p>Und so schmilzt die Ameise. Ihr ganzer K�rper verwandelt sich in einen sch�umenden Saft. Sie st��t einen Duft von Verzweiflung aus.</p><p>Aber man kann nichts mehr f�r sie tun. Das geh�rt zu den Unw�gbarkeiten s�mtlicher Expeditionen, die �ber weite Strecken f�hren. Es bleibt nur noch, die Umgebung der nat�rlichen Falle mit �Achtung, Gefahr� zu markieren.</p><p>Sie vergessen den Zwischenfall und machen sich wieder auf den von Duftstoffen gekennzeichneten Weg. Die Pistenpheromone zeigen die Richtung an. Nachdem sie das Gestr�pp durchquert haben, ziehen sie gen Westen weiter. Immer noch in einem Winkel von 23� zur Mittagssonne. Sie ruhen sich kaum aus, wenn es zu kalt oder zu warm wird. Sie m�ssen sich beeilen, wenn sie nicht mitten in einen Krieg zur�ckkehren wollen.</p><p>Es ist bereits vorgekommen, da� Kundschafterinnen bei ihrer R�ckkehr feststellen m�ssen, da� ihre Stadt von feindlichen Truppen eingeschlossen ist. Und eine solche Blockade zu durchbrechen ist kein Kinderspiel.</p><p>Da ist es, sie haben das Pistenpheromon gefunden, das den Eingang der H�hle anzeigt. W�rme steigt aus dem Boden auf. Sie dringen in die Tiefen der steinigen Erde ein.</p><p>Je tiefer sie kommen, um so deutlicher nehmen sie das leise Pl�tschern einer Abflu�rinne wahr. Das ist die warme Quelle. Sie dampft und verstr�mt einen starken Schwefelgeruch.</p><p>Die Ameisen l�schen ihren Durst.</p><p>Kurz darauf entdecken sie ein komisches Tier: eine Kugel mit Beinen, k�nnte man glauben. In Wirklichkeit ist das ein Skarab�us, ein Pillendreher, der eine Kugel aus Kuhmist und Sand, in der seine Eier luftdicht gelagert sind, vor sich herschiebt. Wie der legend�re Atlas tr�gt er seine �Welt�. Wenn die Neigung des Gel�ndes g�nstig ist, rollt die Kugel von allein, und er braucht ihr nur zu folgen. Wenn nicht, mu� er sich abrackern, er rutscht aus und mu� sie oft unten wieder holen. Erstaunlich, einen Skarab�us hier anzutreffen. Normalerweise h�lt der sich eher in w�rmeren Zonen auf ...</p><p>Die Belokanerinnen lassen ihn ziehen. Sein Fleisch ist ohnehin nicht besonders schmackhaft, und sein Panzer ist zum Transport viel zu schwer.</p><p>Links von ihnen huscht eine schwarze Gestalt davon, um sich in einem Felsspalt zu verstecken. Ein Ohrwurm. Der allerdings, der ist lecker. Die �lteste Kundschafterin reagiert am schnellsten. Sie klemmt ihren Hinterleib unter ihren Hals, begibt sich in Schu�position, indem sie sich auf die Hinterbeine st�tzt, zielt mit untr�glichem Gesp�r und feuert aus weiter Entfernung einen Tropfen Ameisens�ure ab. Der �tzende, zu �ber vierzig Prozent konzentrierte Saft schie�t durch den Raum.</p><p>Treffer.</p><p>Der Ohrwurm bricht in vollem Lauf, wie vom Blitz erschlagen, zusammen. Vierzigprozentige S�ure, das ist kein Fruchtsaft. Die bei�t schon bei vierzig Promille, bei vierzig Prozent ver�tzt sie alles! Das Insekt bleibt tot liegen, und alle st�rzen herbei, um sein verbranntes Fleisch zu verschlingen. Die Herbstkundschafterinnen haben gute Pheromone hinterlassen. Die Ecke scheint reich an Wild. Die Jagd wird gut ausfallen.</p><p>Sie steigen in einen artesischen Brunnen hinab und terrorisieren alle m�glichen Arten von bislang unbekannten unterirdischen Bewohnern. Eine Fledermaus versucht zwar, ihrer Visite ein Ende zu machen, aber sie vertreiben sie, indem sie sie in eine Wolke von Ameisens�ure h�llen.</p><p>In den folgenden Tagen lassen sie nicht davon ab, die warme H�hle zu durchk�mmen. Sie stapeln die Kadaver kleiner wei�er Tiere und die �berreste hellgr�ner Pilze. Mit ihrer analen Dr�se streuen sie weitere Pheromone aus, die es ihren Schwestern erm�glichen werden, hier ungehindert zu jagen.</p><p>Die Mission ist gelungen. Das Territorium hat einen Arm bis hierher, �ber das Dickicht im Westen hinaus, ausgestreckt. Schwerbeladen mit Nahrungsmitteln, setzen sie, kurz bevor sie sich auf den R�ckweg machen, die chemische Flagge der F�deration. Ihr Duft schwingt durch die L�fte: �Bel-o-Kan!�</p><p>�Wie war der Name?�</p><p>�Wells, ich bin der Neffe von Edmond Wells.�</p><p>Die T�r geht auf, und es erscheint ein gro�er Kerl von fast zwei Metern. �Monsieur Jason Bragel ...? Entschuldigen Sie die St�rung, aber ich w�rde gern mit Ihnen �ber meinen Onkel reden. Ich habe ihn nicht gekannt, und meine Gro�mutter hat mir erz�hlt. Sie seien sein bester Freund gewesen.�</p><p>�Treten Sie ein ... Was m�chten Sie �ber Edmond wissen?�</p><p>�Alles. Ich habe ihn nicht gekannt, und ich bedaure es ...�</p><p>�Hm. Verstehe. Auf jeden Fall geh�rte Edmond zu den Leuten, die ein lebendiges Geheimnis darstellen.�</p><p>�Kannten Sie ihn gut?�</p><p>�Wer kann schon behaupten, jemanden zu kennen? Sagen wir, da� unsere K�rper oft Seite an Seite gingen und da� keiner von uns etwas dagegen hatte.�</p><p>�Wo sind Sie einander begegnet?�</p><p>�An der Universit�t, am Institut f�r Biologie. Ich habe mich mit Pflanzen herumgeplagt, er mit Bakterien.�</p><p>�Immerhin zwei �hnlich gelagerte Welten.�</p><p>�Ja, nur da� meine trotz allem wilder ist�, korrigierte ihn Jason Bragel und deutete auf das Wirrwarr von Pflanzen, das sich �ber das ganze E�zimmer erstreckte. �Sehen Sie die? Die sind allesamt Kontrahenten, bereit, sich gegenseitig f�r einen Lichtstrahl oder einen Tropfen Wasser umzubringen. Kaum ist ein Blatt im Schatten, st��t die Pflanze es ab, und die benachbarten Bl�tter wachsen breiter. Die Pflanzen, das ist wirklich eine Welt ohne Erbarmen ...�</p><p>�Und Edmonds Bakterien?�</p><p>�Er selbst hat erkl�rt, da� er nur seine Vorfahren studiere. Sagen wir, da� er seinen Stammbaum etwas weiter zur�ckverfolgte als andere ...�</p><p>�Und weshalb Bakterien? Warum nicht Affen oder Fische?�</p><p>�Er wollte die Zelle in ihrem Urzustand verstehen. Da der Mensch nur ein Konglomerat von Zellen ist, meinte er die &gt;Psychologie&lt; einer Zelle von Grund auf verstehen zu m�ssen, um daraus das Funktionieren des Ganzen abzuleiten. &gt;Ein gro�es, komplexes Problem ist in Wirklichkeit nur die Summe kleiner, einfacher Probleme.&lt; Er hat diese Weisheit w�rtlich genommen.�</p><p>�Hat er nur �ber Bakterien gearbeitet?�</p><p>�Nein, nein. Er war eine Art Mystiker, ein wahrer Generalist, am liebsten h�tte er alles gewu�t. Er hatte auch seine Schrullen ... Zum Beispiel wollte er seinen eigenen Herzschlag kontrollieren.�</p><p>�Das ist doch unm�glich!�</p><p>�Angeblich bringen einige hinduistische und tibetanische Yogis dieses Wunder zustande.�</p><p>�Und was hat man davon?�</p><p>�Keine Ahnung ... Er wollte dahin gelangen, um jederzeit Selbstmord begehen zu k�nnen, indem er nur mit seiner Willenskraft sein Herz anhalten w�rde. Auf diese Weise glaubte er in der Lage zu sein, das Spiel jederzeit abzubrechen.�</p><p>�Und zu welchem Zweck?�</p><p>�Vielleicht hatte er Angst vor den Schmerzen, die mit dem Alter einhergehen.�</p><p>�Hmm ... Und was hat er nach seiner Habilitation in Biologie gemacht?�</p><p>�Er hat in der Wirtschaft gearbeitet, in einer Firma, die lebende Bakterien f�r Joghurts herstellte. Die &gt;Sweetmilk Corporations Das hat sich f�r ihn gelohnt. Er hat eine Bakterie entdeckt, die nicht nur einen Geschmack, sondern auch noch einen Geruch entwickelte! Er hat daf�r den Preis f�r die beste Erfindung des Jahres 1963 erhalten ...�</p><p>�Und danach?�</p><p>�Danach hat er eine Chinesin geheiratet. Ling Mi. Ein sanftes, fr�hliches M�dchen. Er, der Brummb�r, ist auf der Stelle umg�nglicher geworden. Er war sehr verliebt. Von da an habe ich ihn seltener gesehen. Das ist geradezu klassisch.�</p><p>�Ich habe geh�rt, er sei nach Afrika gegangen.�</p><p>�Ja, aber erst danach.�</p><p>�Wonach?�</p><p>�Nach dem Drama. Ling Mi hatte Leuk�mie. Blutkrebs, da war nichts zu machen. Innerhalb von drei Monaten hat sie der Tod ereilt. Der �rmste ... Da hatte er nun bekundet, nur die Zellen seien spannend und die Menschen Nebensache ... Die Lektion war grausam. Und er hatte nichts dagegen tun k�nnen. Parallel zu diesem Desaster bekam er Streit mit seinen Kollegen in der &gt;�Sweetmilk Corporations Er hat die Arbeit aufgegeben und sich, schwer deprimiert, in seiner Wohnung eingeschlossen. Ling Mi hatte ihm den Glauben an die Menschheit wiedergeschenkt, und ihr Verlust lie� ihn endg�ltig in seine Misanthropie zur�ckfallen.�</p><p>�Ist er nach Afrika gegangen, um Ling Mi zu vergessen?�</p><p>�Vielleicht. Zumindest hat er gehofft, die Wunde werde vernarben, wenn er sich Hals �ber Kopf in seine Arbeit als Biologe st�rzen w�rde. Er mu� einen anderen, ebenso fesselnden Gegenstand gefunden haben. Ich wei� nicht genau, was das war, aber die Bakterien waren es nicht mehr. Wahrscheinlich hat er sich in Afrika niedergelassen, weil der Gegenstand dieser Arbeit dort leichter zu untersuchen war. Er hat mir eine Postkarte geschickt mit der Mitteilung, da� er dort unten mit einem Team des Nationalen Forschungszentrums sei und mit einem gewissen Professor Rosenfeld zusammenarbeite. Ich kenne diesen Herrn nicht.� �Haben Sie Edmond anschlie�end wiedergesehen?�</p><p>�Ja, einmal zuf�llig auf den Champs-Elys�es. Wir haben ein wenig miteinander geplaudert. Er hatte offenkundig neuen Lebensmut gesch�pft. Aber seine Antworten waren sehr vage, allen Fragen, die seinen Beruf betrafen, ist er geschickt ausgewichen.�</p><p>�Es hei�t, er habe eine Enzyklop�die geschrieben.�</p><p>�Jaja, das wollte er schon immer. Das war sein gro�er Traum. All seine Kenntnisse in einem Werk vereinigen.�</p><p>�Haben Sie sie schon gesehen?�</p><p>�Nein. Und ich glaube auch nicht, da� er sie jemals irgendwem gezeigt hat. So wie ich Edmond kenne, hat er sie im entlegensten Winkel von Alaska mit einem feuerspeienden Drachen als W�chter versteckt. Er hatte so eine geheimnisvollskurrile Art.�</p><p>Jonathan wollte sich schon verabschieden.</p><p>�Ach, noch eine Frage: Wissen Sie, wie man vier gleichseitige Dreiecke mit sechs Streichh�lzern legt?�</p><p>�Nat�rlich. Das war sein liebster Intelligenztest.�</p><p>�Und, wie ist die L�sung?�</p><p>Jason lachte laut auf.</p><p>�Nein, das verrate ich Ihnen bestimmt nicht! Wie sagte Edmond? &gt;Jeder mu� allein seinen Weg finden. &lt;�Und Sie werden sehen, die Befriedigung, wenn Sie es entdeckt haben, wird zehnmal so gro� sein.�</p><p>Mit all diesem Fleisch auf dem R�cken kommt ihnen die Strecke l�nger vor als auf dem Hinweg. Die Truppe schreitet kr�ftig aus, um nicht von den Unwegbarkeiten der Nacht �berrascht zu werden.</p><p>Ameisen sind in der Lage, von M�rz bis November vierundzwanzig Stunden am Tag ohne die geringste Pause zu arbeiten; jeder Temperatursturz schl�fert sie jedoch ein. Aus diesem Grund kommt es selten zu Expeditionen, die l�nger als einen Tag dauern.</p><p>Die Stadt der roten Ameisen hatte lange �ber dieses Problem nachgedacht. Man wu�te, wie wichtig es war, die Jagdgebiete auszudehnen und ferne L�nder kennenzulernen, in denen andere Pflanzen wuchsen und andere Tiere mit anderen Sitten lebten.</p><p>Im achthundertf�nfzigsten Jahrtausend hatte Bi-stin-ga, eine rote K�nigin aus der Ga-Dynastie (eine Dynastie im Osten, die seit hunderttausend Jahren verschwunden war), den wahnwitzigen Plan verfolgt, die ��u�ersten Enden� der Welt kennenzulernen. Sie hatte Hunderte von Expeditionen in alle vier Himmelsrichtungen losgeschickt. Keine war je zur�ckgekehrt.</p><p>Die derzeitige K�nigin, Belo-kiu-kiuni, war nicht so ehrgeizig. Ihre Neugierde beschr�nkte sich auf die Entdeckung dieser kleinen goldfarbenen K�fer, die wie kostbare Steine aussahen (und die tief im S�den zu finden waren), oder auf die Betrachtung der fleischfressenden Pflanzen, die man ihr zuweilen lebendig, mit Wurzel, brachte und die sie eines Tages zu z�hmen hoffte.</p><p>Belo-kiu-kiuni wu�te, der beste Weg, neue Territorien kennenzulernen, bestand darin, die F�deration weiter zu vergr��ern. Noch mehr Expeditionen in ferne Gegenden, noch mehr Tochterst�dte, noch mehr Vorposten, und all denen, die sich diesem Vorr�cken entgegenstemmen, den Krieg erkl�ren.</p><p>Sicher, bis zur Eroberung des Randes der Welt war es noch ein langer Weg, aber diese Politik der kleinen, hartn�ckigen Schritte stand im Einklang mit der allgemeinen Ameisenphilosophie: �Langsam, aber stetig voran.�.</p><p>Die F�deration von Bel-o-kan umfa�te mittlerweile vierundsechzig Tochterst�dte. Vierundsechzig St�dte mit dem gleichen Duft. Vierundsechzig St�dte, die mit einem Netz von insgesamt einhundertf�nfundzwanzig Kilometern gegrabener Pfade und siebenhundertachtzig Kilometern Geruchspisten verbunden waren. Vierundsechzig St�dte, die in Schlachten und Hungersn�ten zusammenhielten.</p><p>Das Konzept der F�deration erm�glichte es einigen St�dten, sich zu spezialisieren. Und Belo-kiu-kiuni tr�umte sogar davon, da� eines Tages eine Stadt nur Getreide produzierte, eine andere den Rest mit Fleisch versorgte, eine dritte sich ausschlie�lich mit dem Krieg befa�te.</p><p>Noch war man nicht soweit.</p><p>Jedenfalls war das ein Konzept, das mit einem anderen Grundsatz der Ameisenphilosophie �bereinstimmte: �Die Zukunft geh�rt den Spezialisten.�</p><p>Die Kundschafterinnen sind noch weit von den Vorposten entfernt. Sie beeilen sich. Als sie an der fleischfressenden Pflanze vorbeikommen, schl�gt eine der Kriegerinnen vor, sie samt Wurzel auszurupfen, um sie Belo-kiu-kiuni mitzubringen.</p><p>Allgemeine Antennenberatung. Sie diskutieren, indem sie winzige Geruchsmolek�le senden und empfangen. Die Pheromone. In Wirklichkeit Hormone, die aus ihrem K�rper austreten. Man k�nnte jedes dieser Molek�le visualisieren wie ein Goldfischglas, in dem jeder Fisch ein Wort w�re.</p><p>Dank dieser Pheromone sind die Ameisen einer Kommunikation f�hig, deren Nuancen praktisch unendlich sind. Den nerv�sen Antennenbewegungen nach zu urteilen, scheint die Diskussion lebhaft zu sein.</p><p><emphasis>Das ist zu hinderlich.</emphasis></p><p><emphasis>Mutter kennt diese Art von Pflanze nicht.</emphasis></p><p><emphasis>Wir riskieren Verluste, au�erdem haben wir dann weniger Arme, um die Beute zu transportieren.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn die fleischfressenden Pflanzen erst einmal gez�hmt sind, werden sie hervorragende Waffen sein. Man k�nnte ganze Fronten halten, indem man sie einfach in einer Reihe anpflanzt.</emphasis></p><p><emphasis>Wir sind m�de, und es wird bald Nacht.</emphasis></p><p>Sie beschlie�en, davon abzusehen, krabbeln um die Pflanze herum und setzen ihren Weg fort. Als sich die Gruppe einer Wiese n�hert, erblickt das M�nnchen Nr. 327, das sich am Ende des Zuges befindet, ein rotes G�nsebl�mchen. Ein solches Exemplar hat es noch nie gesehen. Da gibt es kein Z�gern.</p><p><emphasis>Auf die Dionaea haben wir verzichtet, aber das da nehmen wir mit.</emphasis></p><p>Es l��t sich ein wenig zur�ckfallen und schneidet vorsichtig den Stengel der Blume durch. <emphasis>Klick!</emphasis> Es dr�ckt seinen Fund an sich und l�uft los, um seine Kolleginnen wieder einzuholen.</p><p>Nur diese Kolleginnen, die gibt es nicht mehr. Die Expedition Nr. 1 des neuen Jahres ist zwar noch vor ihm, aber in welchem Zustand ... Emotionaler Schock. Stre�. Die Beine von Nr. 327 beginnen zu zittern. Sie hatten nicht einmal Zeit, sich in Gefechtsposition zu begeben, sie sind alle noch zu der �Schlange mit dickem Kopf� formiert.</p><p>Das M�nnchen mustert die Kadaver. Kein einziger S�urestrahl ist abgefeuert worden. Die Ameisen sind nicht einmal dazu gekommen, ihre Alarmpheromone auszusto�en.</p><p>Nr. 327 nimmt die Ermittlungen auf.</p><p>Es untersucht die Antennen des Kadavers einer Schwester. Olfaktorischer Kontakt. Keinerlei chemisches Bild ist aufgezeichnet. Sie zogen dahin, und pl�tzlich: Exitus.</p><p>Unbegreiflich, unbegreiflich. Und doch mu� es eine Erkl�rung geben. Zun�chst einmal die Rezeptoren reinigen. Mit Hilfe der beiden gebogenen Krallen seines Vorderbeins schabt Nr. 327 die Stengel auf seiner Stirn ab, entfernt den S�ureschaum, der sich durch den Anflug von Stre� gebildet hat. Es biegt sie zu seinem Mund und leckt sie ab. Wischt sie an dem kleinen b�rstenartigen Sporn ab, den die Natur klugerweise �ber seinem dritten Ellbogen angebracht hat.</p><p>Danach senkt es seine Antennen auf Augenh�he und bringt sie langsam, mit 300 Schwingungen pro Sekunde, in Bewegung. Nichts. Es erh�ht die Frequenz: 500, 1000, 2000. 5000, 8000 Schwingungen pro Sekunde. Es ist bei zwei Dritteln seiner rezeptiven F�higkeit angelangt.</p><p>Sogleich nimmt es die feinsten Ger�che wahr, die durch die Luft schweben: der Dunst des Taus, Pollen, Sporen sowie ein schwacher Duft, den es schon gerochen hat, den zu identifizieren jedoch schwerf�llt.</p><p>Es beschleunigt weiter. Maximale Frequenz: 12 000 Schwingungen pro Sekunde. In ihrem Wirbel erzeugen seine Antennen einen Saugeffekt, der s�mtliche Staubk�rnchen anzieht.</p><p>Da, es hat diesen schwachen Duft identifiziert. Das ist der Geruch der Schuldigen. Ja, sie m�ssen es sein, die unerbittlichen Nachbarn im Norden, die ihnen schon letztes Jahr so viele Sorgen bereitet haben.</p><p>Sie: die Zwergameisen aus Shi-gae-pu.</p><p>Sie sind also auch schon wach. Sie m�ssen einen Hinterhalt gelegt und eine neue, unheimliche Waffe benutzt haben.</p><p>Das M�nnchen Nr. 327 darf keine Sekunde verlieren, es mu� unverz�glich die ganze F�deration alarmieren.</p><p>�Sie sind alle von einem Laserstrahl mit sehr starker Amplitude get�tet worden, Chef.�</p><p>�Von einem Laserstrahl?�</p><p>�Ja, eine neue Waffe, die unsere schwersten Raumschiffe aus gro�er Entfernung in nichts aufl�st.�</p><p>�Und Sie denken, das waren ...�</p><p>�Ja. Chef, das k�nnen nur die Venusianer gewesen sein. Das tr�gt ihre Handschrift.�</p><p>�In diesem Fall werden wir Vergeltung �ben. Wieviel Gefechtsraketen haben wir noch im G�rtel des Orion?�</p><p>�Vier, Chef.�</p><p>�Das wird nicht reichen. Wir m�ssen Hilfstruppen anfor...� �Willst du noch ein wenig Suppe?�</p><p>�Nein, danke�, sagte Nicolas, der wie gebannt auf den Bildschirm starrte.</p><p>�Jetzt schau mal auf deinen Teller, sonst wird der Fernseher ausgeschaltet!�</p><p>�Och, Mama! Bitte .�</p><p>�Hast du immer noch nicht die Nase voll von diesen kleinen gr�nen M�nnchen und diesen Planeten, die Namen haben wie Waschmittelmarken?� fragte Jonathan.</p><p>�Ich finde das spannend. Ich bin sicher, eines Tages begegnen wir au�erirdischen Wesen.�</p><p>�Na ja ... Das ist doch ein alter Hut!�</p><p>�Die haben eine Sonde zu dem Stern geschickt, der der Erde am n�chsten ist. Die hei�t <emphasis>Marco Polo,</emphasis> die Sonde, und bald werden wir wissen, wer unsere Nachbarn sind.�</p><p>�Das wird genauso in die Hose gehen wie mit all den anderen Sonden, die man losgeschickt hat, um den Weltraum zu verschmutzen. Das ist zu weit, glaub�s mir.�</p><p>�Vielleicht, aber woher willst du wissen, da� die Au�erirdischen nicht uns besuchen? Man hat l�ngst nicht alle R�tsel um die Ufos gekl�rt.�</p><p>�Und wenn schon ... Was h�tten wir davon, wenn wir anderen intelligenten Wesen begegneten? Eines Tages w�rden wir unweigerlich mit ihnen im Krieg liegen, und findest du nicht auch, da� wir schon genug Probleme unter uns Erdbewohnern haben?�</p><p>�Das w�re exotisch. Vielleicht h�tten wir dann neue Gegenden, in die man in Urlaub fahren kann.�</p><p>�Wir h�tten vor allem neue Sorgen.�</p><p>Er fa�te Nicolas am Kinn. �Wenn du gro� bist, mein Junge, wirst du auch so denken wie ich: Das einzig wirklich interessante Wesen, das einzige Wesen, dessen Intelligenz sich wirklich von unserer unterscheidet, das ist ... die Frau!�</p><p>Lucie protestierte der Form halber, dann stimmte sie in Jonathans Lachen ein. Nicolas verzog das Gesicht. Einen seltsamen Humor hatten die, diese Erwachsenen ... Seine Hand machte sich auf die Suche nach dem beruhigenden Fell des Hundes.</p><p>Unter dem Tisch war nichts.</p><p>�Wo ist denn Ouarzazate?�</p><p>Er war nicht im E�zimmer.</p><p>�Ouarzi! Ouarzi!�</p><p>Nicolas pfiff durch die Finger. Gew�hnlich wirkte das sofort: als Antwort ein Bellen, dann ein Tapsen. Er pfiff erneut. Keine Antwort. Er stand auf und schaute in den zahlreichen Zimmern der Wohnung nach. Seine Eltern folgten ihm. Kein Hund zu sehen. Die Wohnungst�r war abgeschlossen. Und aus eigener Kraft hatte er sich nicht davonstehlen k�nnen, noch wissen Hunde nicht, wie man mit einem Schl�ssel umgeht.</p><p>Unwillk�rlich gingen sie alle in die K�che, genauer gesagt: zu der Kellert�r. Der Spalt war immer noch nicht abgedichtet. Und f�r ein Tier von Ouarzazates Gr��e war er gerade breit genug.</p><p>�Er ist da drin, ich bin sicher, er ist da drin!� wimmerte Nicolas. �Wir m�ssen ihn rausholen.�</p><p>Wie zur Antwort drang ein abgehacktes Kl�ffen aus dem Keller nach oben. Es schien von weit her zu kommen.</p><p>Sie gingen auf die verbotene T�r zu. Jonathan griff ein: �Papa hat dir gesagt, wir gehen nicht in den Keller!�</p><p>�Aber Schatz�, sagte Lucie. �wir m�ssen ihn doch holen. Vielleicht haben ihn die Ratten angefallen. Du hast gesagt, da unten seien Ratten ...�</p><p>Sein Gesicht wurde hart.</p><p>�Pech f�r den Hund. Wir kaufen morgen einen anderen.�</p><p>Der Junge war entsetzt.</p><p>�Aber Papa, ich will keinen anderen. Ouarzazate ist mein Freund, du kannst ihn doch nicht einfach so sterben lassen.�</p><p>�Was ist denn in dich gefahren?� fragte Lucie. �La� mich gehen, wenn du Angst hast!�</p><p>�Hast du Angst. Papa, bist du feige?�</p><p>Jonathan beherrschte sich m�hsam, er murmelte ein �Schon gut, ich guck nach� und holte eine Taschenlampe. Er leuchtete durch den Spalt. Es war schwarz dahinter, absolut schwarz, ein Schwarz, das alles verschluckte.</p><p>Er schauderte. Am liebsten w�re er davongerannt. Aber seine Frau und sein Sohn dr�ngten ihn zu diesem Abgrund. Herbe Bilder schossen ihm durch den Kopf. Seine Angst vor der Dunkelheit gewann die Oberhand.</p><p>Nicolas brach in ein Schluchzen aus. �Er ist tot! Er ist ganz bestimmt tot! Und du bist schuld!�</p><p>�Vielleicht ist er nur verletzt�, beschwichtigte Lucie, �wir m�ssen schnell nachsehen.�</p><p>Jonathan dachte an Edmonds Botschaft. Der Ton war kategorisch. Nur, was sollte er tun? Eines Tages w�rde sowieso einer von ihnen schwach werden und hinuntersteigen. Er mu�te den Stier bei den H�rnern packen. Jetzt oder nie. Er fuhr sich mit der Hand �ber seine schwei�nasse Stirn.</p><p>Nein, so w�rde das nicht ablaufen. Endlich hatte er die Gelegenheit, seine �ngste zu �berwinden, sich einen Ruck zu geben, sich der Gefahr zu stellen. W�rde ihn die Dunkelheit verschlingen? Um so besser. Er war bereit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Er hatte ohnehin nichts mehr zu verlieren.</p><p>�Ich gehe!�</p><p>Er holte sein Werkzeug und knackte das Schlo�.</p><p>�Ganz gleich, was passiert, r�hrt euch nicht fort. Versucht auf keinen Fall, nachzukommen oder die Polizei zu rufen. Wartet auf mich!�</p><p>�Du redest so sonderbar. Das ist doch nur ein Keller, wie es in jedem Haus einen gibt.�</p><p>�Da bin ich mir nicht so sicher ...�</p><p>Angestrahlt von dem orangefarbenen Oval einer untergehenden Sonne l�uft das M�nnchen Nr. 327, einziger �berlebender der ersten Jagdexpedition des Fr�hjahrs, allein weiter. Unertr�glich allein.</p><p>Seit einer Weile schon waten seine Beine durch Pf�tzen. Schlamm und schimmelige Bl�tter. Der Wind hat all seine Lippen ausgetrocknet. Staub hat seinen K�rper in einen bernsteinfarbenen Mantel geh�llt. Es sp�rt seine Muskeln nicht mehr. Einige seiner Krallen sind abgebrochen.</p><p>Aber am Ende der olfaktorischen Bahn, �ber die es zieht, erkennt es allm�hlich sein Ziel. Unter den Anh�hen, welche die belokanischen St�dte bilden, ist eine, die mit jedem seiner Schritte gr��er wird, die riesige Pyramide von Bel-o-kan, die Mutterstadt, der duftende Leuchtturm, der es in seinen Bann schl�gt und anzieht.</p><p>Endlich kommt Nr. 327 am Fu�e dieses imposanten Ameisenh�gels an, hebt den Kopf. Seine Stadt ist noch gr��er geworden. Man hat mit der Konstruktion einer neuen Schutzschicht begonnen. Der Gipfel des Berges aus Zweigen kitzelt den Mond.</p><p>Das junge M�nnchen l�uft einen Augenblick suchend umher, dann findet es dicht �ber dem Boden einen noch offenen Eingang und zw�ngt sich hinein.</p><p>Es war h�chste Zeit. S�mtliche Arbeiterinnen und Soldatinnen, die drau�en gearbeitet hatten, sind bereits zur�ck. Die W�rterinnen wollten schon die Ausg�nge verstopfen, um die W�rme im Innern zu bewahren. Kaum hat es die Schwelle �berschritten, machen sich die Maurerinnen an die Arbeit, und das Loch hinter ihm ist im Nu verschlossen. Fast wie eine T�r, die zuschl�gt.</p><p>Von der barbarischen und kalten Au�enwelt ist nichts mehr zu sehen. Das M�nnchen Nr. 327 ist wieder in den Scho� der Zivilisation zur�ckgekehrt. Es kann wieder mit der beruhigenden Menge verschmelzen. Es ist nicht mehr allein, es ist zahlreich.</p><p>Schildwachen kommen auf das M�nnchen zu. Sie haben es unter seinem Staubfilm nicht erkannt. Schnell st��t es seine Identifizierungsd�fte aus, die Posten sind beruhigt.</p><p>Eine Arbeiterin bemerkt seine M�digkeitsger�che. Sie schl�gt ihm eine Trophallaxie vor, diese rituelle Nahrungs�bermittlung aus ihrem K�rper.</p><p>Jede Ameise besitzt in ihrem Hinterleib eine Art Tasche, in Wirklichkeit ein zweiter Magen, in dem die Nahrung nicht verdaut wird. Der Sozialkropf. Dort kann sie Vorr�te anlegen, die unbegrenzt frisch und einwandfrei bleiben und die sie jederzeit in ihren �normalen� Magen zur�ckbef�rdern kann. Oder sie w�rgt sie wieder hoch, um sie einer Artgenossin anzubieten.</p><p>Die Gesten sind stets die gleichen. Die Spenderin spricht das Objekt ihres Trophallaxiewunsches an, indem sie gegen dessen Kopf klopft. Wenn jenes einverstanden ist, senkt es die Antennen. Reckt es sie ganz nach oben, bedeutet das Ablehnung, es hat keinen Hunger.</p><p>Das M�nnchen Nr. 327 z�gert nicht. Seine Energiereserven sind so sehr ersch�pft, da� es kurz davor steht, in Katalepsie zu fallen. Sie pressen ihre M�nder aufeinander. Die Nahrung steigt hoch. Die Spenderin bef�rdert zun�chst Speichel, dann Honigtau und einen Getreidebrei in seinen Mund. Das schmeckt gut und ist sehr st�rkend.</p><p>Die Gabe geht zu Ende. Sogleich l�st sich Nr. 327. Ihm f�llt alles wieder ein. Die Toten. Der Hinterhalt. Keine Sekunde zu verlieren. Er hebt seine Antennen und verspr�ht die Information in kleinen Tr�pfchen in die Runde.</p><p><emphasis>Alarm. Es ist Krieg. Die Zwerginnen haben unsere erste Expedition vernichtet. Sie haben eine neue Waffe von verheerender Wirkung. Klarmachen zum Kampf. Der Krieg ist ausgebrochen.</emphasis></p><p>Die Schildwache weicht zur�ck. Diese Alarmierungsd�fte reizen ihr Hirn. Schon umringt eine Schar von Ameisen das M�nnchen Nr. 327.</p><p><emphasis>Was ist los?</emphasis></p><p><emphasis>Was geht vor?</emphasis></p><p><emphasis>Er sagt, der Krieg sei ausgebrochen.</emphasis></p><p><emphasis>Hat er Beweise?</emphasis></p><p>Von �berall str�men Ameisen herbei.</p><p><emphasis>Er spricht von einer neuen Waffe und einer dezimierten Expedition.</emphasis></p><p><emphasis>Das ist schwerwiegend.</emphasis></p><p><emphasis>Hat er Beweise?</emphasis></p><p>Nr. 327 befindet sich jetzt inmitten eines ganzen Klumpens von Ameisen.</p><p><emphasis>Alarm, Alarm, der Krieg ist ausgebrochen, klarmachen zum Kampf!</emphasis></p><p><emphasis>Hat er Beweise?</emphasis></p><p>Diese Frage wird von allen gestellt.</p><p>Nein, er hat keine Beweise. Er war derma�en entsetzt gewesen, da� er nicht daran gedacht hatte, welche mitzubringen. Antennen r�hren sich. Zweifelnde Kopfbewegungen.</p><p><emphasis>Wo ist das passiert?</emphasis></p><p><emphasis>Westlich von La-chola-kan, zwischen dem neuen Jagdgebiet, das unsere Kundschafterinnen entdeckt haben, und unseren St�dten. Eine Gegend, durch die die Zwerginnen h�ufig streifen.</emphasis></p><p><emphasis>Das ist unm�glich, unsere Spioninnen sind zur�ck. Sie berichten ausdr�cklich: Die Zwerginnen sind noch nicht aufgewacht!</emphasis></p><p>Eine anonyme Antenne hat diesen Pheromonensatz von sich gegeben. Die Menge zerstreut sich. Ihr, ihr glaubt man. Ihm glaubt man nicht. Obwohl einiges davon wahr klingt, ist sein Bericht zu unwahrscheinlich. Die Fr�hjahrskriege beginnen niemals so fr�h. Die Zwerginnen w�ren verr�ckt, jetzt anzugreifen, wo sie nicht einmal alle aufgewacht sind. Jeder macht sich wieder an seine Arbeit, ohne sich �ber die Botschaft des M�nnchens Nr. 327 Gedanken zu machen.</p><p>Der einzige �berlebende der ersten Jagdexpedition ist wie vor den Kopf geschlagen. Diese Toten, meine G�te, die hat er doch nicht erfunden! Irgendwann werden sie merken, da� Mitglieder innerhalb der Kaste fehlen.</p><p>Seine Antennen sinken schlaff auf seine Stirn zur�ck. Das M�nnchen hat das erniedrigende Gef�hl, da� seine Existenz �berfl�ssig ist. Als lebe es nicht mehr f�r die anderen, sondern nur noch f�r sich selbst.</p><p>Bei dieser Vorstellung erschaudert er vor Entsetzen. St�rmt los, l�uft fieberhaft umher, macht die Arbeiterinnen auf sich aufmerksam und nimmt sie zu Zeugen. Doch man z�gert sogar, stehenzubleiben, als er die heilige Formel aufsagt:</p><poem><stanza><v>Als Kundschafter war ich Bein</v><v>Am Ort war ich Auge</v><v>Wieder zur�ck, bin ich nervlicher Stimulus.</v></stanza></poem><p>Niemand schert sich darum. Man h�rt hin, ohne ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Dann geht man weiter, ohne sich verr�ckt zu machen. Soll er doch aufh�ren zu stimulieren!</p><p>Jonathan war jetzt schon vier Stunden in dem Keller. Seine Frau und sein Sohn schwitzten Blut und Wasser.</p><p>�Mama, sollen wir die Polizei rufen?�</p><p>�Nein, noch nicht.� Sie ging auf die Kellert�r zu.</p><p>�Ist Papa tot? Sag schon. Mama, ist Papa genauso gestorben wie Ouarzi?�</p><p>�Aber nein, aber nein, mein Schatz, was erz�hlst du denn f�r einen Unsinn!�</p><p>Lucie verzehrte sich vor Angst. Sie beugte sich vor, um den Spalt zu untersuchen. Ihr war, als k�nnte sie im Licht der starken Halogenlampe, die sie gekauft hatte, ein St�ck weiter etwas erkennen ... Eine Wendeltreppe.</p><p>Sie setzte sich auf den Boden. Nicolas gesellte sich zu ihr. Sie umarmte ihn.</p><p>�Er kommt schon zur�ck, wir m�ssen nur Geduld haben. Er hat gesagt, wir sollen warten, also warten wir.�</p><p>�Und wenn er gar nicht mehr kommt?�</p><p>Nr. 327 ist m�de. Er hat den Eindruck, als k�mpfe er im Wasser. Man bewegt sich, aber man kommt nicht voran.</p><p>Er beschlie�t, sich an Belo-kiu-kiuni pers�nlich zu wenden. Mit ihren vierzehn Wintern (die geschlechtslosen Ameisen, die den Gro�teil der Bev�lkerung bilden, leben h�chstens drei Jahre) verf�gt die K�nigin �ber eine unvergleichliche Erfahrung. Sie allein kann ihm helfen, die Botschaft unter das Volk zu bringen.</p><p>Das junge M�nnchen nimmt die Hauptstra�e, die ins Zentrum der Stadt f�hrt.</p><p>Einige Tausend von Eiern beladene Arbeiterinnen trotten durch diesen breiten Gang. Sie tragen ihre Last vom vierzigsten Untergescho� in die Krippen des Solariums, die im f�nfunddrei�igsten Stock oberhalb der Erde angesiedelt sind. Das ist eine breite Flut von wei�en, auf den Fu�spitzen getragenen Schalen, die von oben bis unten und von rechts nach links reicht.</p><p>Er mu� r�ckw�rts gehen. Nicht einfach. Nr. 327 rempelt einige Ammen an, die ihn sogleich einen Wandalen schimpfen. Er wird selbst gesto�en, getreten, zur�ckgeschoben, zerkratzt. Zum Gl�ck ist der Gang nicht v�llig verstopft. Es gelingt ihm, sich einen Weg durch die wimmelnde Masse zu bahnen.</p><p>Danach zweigt er in die kleinen Tunnel ab, eine Strecke, die zwar l�nger, aber wenig m�hselig ist. Er trottet rasch voran. Er wechselt von den Hauptverkehrsadern in die Arteriolen �ber, von den Arteriolen in die Venen und von den Venen in die kleinsten �derchen. So legt er Kilometer um Kilometer zur�ck, �berquert Br�cken, Br�ckenb�gen, leere und �berf�llte Pl�tze.</p><p>Dank seiner drei Infrarot-Ozellen orientiert er sich m�helos in der Dunkelheit. Je mehr er sich der Verbotenen Stadt n�hert, um so st�rker wird der s��liche Geruch der K�nigin, und die Anzahl der Wachen nimmt zu.</p><p>Sie stammen aus allen m�glichen Unterkasten der Kriegerinnen. Kriegerinnen unterschiedlichster Gr��e, mit allen m�glichen Waffen: kleine mit langen, geschliffenen Mandibeln, kr�ftige mit stahlharten Brustpanzern, gedrungene mit kurzen Antennen, Artilleristinnen, deren Hinterleiber vor Gift fast platzen.</p><p>Das M�nnchen Nr. 327 verf�gt �ber einen g�ltigen �Pa߫, sprich die richtigen D�fte, und passiert ohne Schwierigkeiten die Kontrollposten. Die Soldatinnen sind gelassen. Man sp�rt, da� die gro�en Territorialkriege noch nicht begonnen haben.</p><p>Inzwischen schon ganz nah an seinem Ziel, weist sich Nr. 327 bei den Pf�rtnerinnen aus, dann biegt er in den letzten Gang ein, der zum k�niglichen Gemach f�hrt.</p><p>Auf der Schwelle bleibt er stehen, �berw�ltigt von der Sch�nheit dieses einzigartigen Ortes. Das ist ein gro�er, kreisrunder Saal, der nach den architektonischen und geometrischen Regeln gebaut worden ist, die die K�niginnen ihren T�chtern von Antenne zu Antenne �bermitteln.</p><p>Das Hauptgew�lbe ist zw�lf Kopf hoch bei einem Durchmesser von sechsunddrei�ig Kopf (der Kopf ist das L�ngenma� der F�rderation; ein Kopf entspricht drei Millimetern nach der g�ngigen menschlichen Bezeichnung). Pilaster aus seltenem Zement st�tzen diesen Insektentempel, der mit der konkaven Form seines Bodens so konstruiert ist, da� die von den einzelnen Wesen freigesetzten Geruchsmolek�le so lange wie m�glich abprallen, ohne in die W�nde einzudringen. Das Ganze ist ein bemerkenswertes olfaktorisches Amphitheater.</p><p>In der Mitte ruht eine schwere Dame. Sie liegt auf dem Bauch und streckt von Zeit zu Zeit ein Bein nach einer gelben Blume aus. Manchmal schnappt die Blume unfreundlich zu. Aber das Bein ist schon wieder fort.</p><p>Diese Dame ist Belo-kiu-kiuni.</p><p>Belo-kiu-kiuni, die letzte rote Ameisenk�nigin der Hauptstadt.</p><p>Belo-kiu-kiuni, die bereits w�hrend des gro�en Krieges mit den Bienen regierte, w�hrend die Eroberung der Termitenh�gel im S�den, w�hrend der Befriedung der Spinnenterritorien, w�hrend des schrecklichen Zerm�rbungskrieges, der ihnen von den Eichenwespen auf gezwungen wurde. Und seit dem letzten Jahr koordiniert sie die Bem�hungen der St�dte, dem Druck der Zwergenameisen an der Nordgrenze zu widerstehen.</p><p>Belo-kiu-kiuni, die s�mtliche Rekorde an Langlebigkeit schl�gt.</p><p>Belo-kiu-kiuni, seine Mutter.</p><p>Dieses lebende Denkmal liegt da, ganz nah vor ihm, wie fr�her. Nur da� sie jetzt von rund zwanzig jungen Dienerinnen angefeuchtet und gestreichelt wird, w�hrend sie sich einst von seinen kleinen, noch ungeschickten Beinen hat pflegen lassen.</p><p>Die junge fleischfressende Pflanze klappert mit den Kiefern, und die K�nigin st��t eine schwach duftende Klage aus. Niemand wei�, woher ihre Leidenschaft f�r die pflanzlichen Raubtiere kommt.</p><p>Nr. 327 tritt n�her. Aus der N�he betrachtet, ist die K�nigin nicht besonders sch�n. Ihr l�nglicher Schnabel ist mit zwei gro�en, hervortretenden Augen versehen, die in alle Richtungen auf einmal zu schauen scheinen. Ihre Infrarot-Ozellen liegen eng beieinander mitten auf der Stirn. Ihre Antennen hingegen sitzen �bertrieben weit auseinander. Sie sind sehr lang, sehr leicht und vibrieren in kurzen St��en, die vermutlich bestens kontrolliert sind.</p><p>Seit einigen Tagen ist Belo-kiu-kiuni aus dem gro�en Schlaf erwacht, und seitdem hat sie nicht aufgeh�rt. Eier zu legen. Ihr Hinterleib, zehnmal gr��er als �blich, wird regelm��ig von Zuckungen ersch�ttert. Im gleichen Augenblick legt sie acht magere, hellgraue, wie Perlmutt schimmernde Eier, die neuste Generation von Belokanerinnen. Die kreisrunde und klebrige Zukunft entweicht ihren Ged�rmen, um durch das Zimmer zu kullern und sogleich von den Ammen aufgelesen zu werden.</p><p>Das junge M�nnchen erkennt den Geruch dieser Eier. Das sind unfruchtbare Soldatinnen und M�nnchen. Es ist noch kalt, und die Dr�se, die die �M�dchen� erzeugt, ist noch nicht aktiv. Sobald es das Wetter zul��t, wird die K�nigin f�r jede Kaste legen, ganz nach den Bed�rfnissen der Stadt. Arbeiterinnen werden ihr sagen, da� �Getreidebrecherinnen und Artilleristin-nen fehlen�, und sie wird wunschgem�� liefern. Es kommt auch vor, da� Belo-kiu-kiuni ihre Loge verl��t und den Geruch der G�nge aufnimmt. Ihre Antennen sind fein genug, um das geringste Defizit in dieser oder jener Kaste zu registrieren. Dann f�llt sie umgehend das Personal auf.</p><p>Die K�nigin legt noch f�nf k�mmerliche Einheiten, dann wendet sie sich ihrem Besucher zu. Sie ber�hrt ihn und beleckt ihn. Der Kontakt mit dem k�niglichen Speichel ist stets ein au�ergew�hnlicher Moment. Dieser Speichel ist nicht nur allgemein desinfizierend, sondern auch ein wahres Wundermittel, das alle Wunden heilt, ausgenommen die im Innern des Kopfes.</p><p>Wenn Belo-kiu-kiuni auch nicht imstande ist, ein einziges ihrer unz�hligen Kleinen pers�nlich wiederzuerkennen, zeigt sie doch durch diesen Speichel, da� sie ihre D�fte identifiziert hat. Es ist ihr Kind.</p><p>Der Antennendialog kann beginnen.</p><p><emphasis>Willkommen im Scho� des Volkes. Du hast mich verlassen, aber du kannst nicht umhin, zur�ckzukehren.</emphasis> Der rituelle Satz einer K�nigin zu ihren Kindern. Kaum hat sie ihn �bermittelt, nimmt sie mit einer Gelassenheit, die dem jungen M�nnchen imponiert, die Pheromone der elf Segmente auf ... Sie hat den Grund seines Kommens bereits erfa�t ... Die erste Expedition in den Westen ist vollst�ndig aufgerieben worden. In der Umgebung schwebte der Geruch der Zwergameisen. Wahrscheinlich haben sie eine Geheimwaffe entdeckt.</p><poem><stanza><v>Als Kundschafter war er Bein</v><v>Am Ort war er Auge</v><v>Wieder zur�ck, war er nervlicher Stimulus.</v></stanza></poem><p>Sicher. Nur, das Problem ist, da� es ihm nicht gelingt, die Bev�lkerung zu stimulieren. Seine D�fte �berzeugen niemanden. Er ist der Ansicht, da� allein sie, Belo-kiu-kiuni, wei�, wie man die Botschaft durchsetzt und Alarm schl�gt.</p><p>Die K�nigin empf�ngt seine Pheromone mit gesteigerter Aufmerksamkeit. Sie erfa�t die geringsten, noch so fl�chtigen Molek�le an seinen Gelenken und Beinen. Ja, da sind Spuren von Tod und von Geheimnis. Das k�nnte der Krieg sein ... Das k�nnte aber auch sehr gut etwas ganz anderes sein.</p><p>Sie erkl�rt ihm, da� sie, wie dem auch sei, keinerlei politische Macht habe. In der Stadt werden s�mtliche Beschl�sse durch st�ndige Absprache gefa�t, und zwar durch die Bildung von Arbeitsgruppen, die auf frei gew�hlte Projekte ausgerichtet sind. Wenn das M�nnchen nicht in der Lage ist, eines dieser nervlichen Zentren zu erzeugen, kurz: eine Gruppe aufzustellen, wird ihm ihre Erfahrung nichts nutzen.</p><p>Sie kann ihm nicht einmal helfen.</p><p>Das M�nnchen Nr. 327 bleibt hartn�ckig. Endlich hat er eine Gespr�chspartnerin, die bereit scheint, bis zum Ende zuzuh�ren. Also st��t er mit aller Macht seine verf�hrerischsten Molek�le aus. Seiner Meinung nach sollte diese Katastrophe die vorrangige Sorge sein. Man mu� unverz�glich Spioninnen losschicken, um zu erfahren, was f�r eine Waffe das ist.</p><p>Belo-kiu-kiuni antwortet, da� das Volk vor lauter �vorrangigen Sorgen� fast zusammenbricht. Nicht nur, da� l�ngst nicht alle Ameisen erweckt worden sind, auch das Dach der Stadt ist noch eine einzige Baustelle. Und solange die letzte Schicht von Zweigen nicht angebracht ist, w�re es tollk�hn, in den Krieg zu ziehen. Schlie�lich darf man auch nicht vergessen, das Fest der Wiedergeburt vorzubereiten. All das erfordert ungeheure Energien. Selbst die Spioninnen sind �berlastet. Das ist auch der Grund, weshalb seine Botschaft nicht geh�rt wurde.</p><p>Pause. Man h�rt nur die Lippen der Arbeiterinnen, die den Panzer der K�nigin lecken, die ihrerseits wieder begonnen hat, mit ihrer fleischfressenden Pflanze zu spielen. Sie windet sich, bis ihr Hinterleib unter ihrem Thorax liegt und ihre Vorderbeine baumeln. Sie zieht ihr Bein rasch zur�ck, wenn sich die pflanzlichen Kiefer schlie�en, dann nimmt sie Nr. 327 zum Zeugen, welch gewaltige Waffe das sein k�nnte.</p><p><emphasis>Man k�nnte eine Mauer aus fleischfressenden Pflanzen errichten, um die gesamte Nordwestgrenze zu sch�tzen. Das einzige Problem ist, da� diese kleinen Monster keinen Unterschied machen zwischen den Bewohnern der Stadt und den Fremden</emphasis> ...</p><p>Nr. 327 kommt auf das Thema zur�ck, von dem er besessen ist. Belo-kiu-kiuni fragt, wieviel Tote es bei dem �Unfall� gegeben habe. Achtundzwanzig. Alle aus der Unterkaste der Kundschafterinnen? Kein Zweifel, Nr. 327 war das einzige M�nnchen der Expedition. Daraufhin konzentriert sie sich und legt nacheinander achtundzwanzig Perlen.</p><p>Achtundzwanzig Ameisen sind gestorben, diese achtundzwanzig Eier werden sie ersetzen.</p><empty-line/><p><strong>eines tages, unweigerlich: Eines Tages werden sich unweigerlich Finger auf diese Seiten legen. Augen werden diese Worte aufsaugen, Gehirne ihren Sinn interpretieren.</strong></p><p><strong>Ich will nicht, da� dieser Augenblick zu fr�h kommt. Die Folgen k�nnten f�rchterlich sein. Und zu dieser Stunde, da ich diese S�tze schreibe, k�mpfe ich noch, um mein Geheimnis zu wahren.</strong></p><p><strong>Dennoch wird man eines Tages erfahren m�ssen, was geschehen ist. Selbst die am tiefsten vergrabenen Geheimnisse steigen zu guter Letzt zur Oberfl�che des Sees auf. Die Zeit ist ihr �rgster Feind.</strong></p><p><strong>Wer immer Sie sind, als erstes gr��e ich Sie. Zu dem Zeitpunkt, da Sie dies lesen, bin ich wahrscheinlich schon seit zehn oder vielleicht sogar hundert Jahren tot. Zumindest hoffe ich es.</strong></p><p><strong>Manchmal bedauere ich, da� ich zu diesem Wissen vorgedrungen bin. Aber ich bin ein menschliches Wesen, und selbst wenn meine Verbundenheit mit meinen Artgenossen zur Zeit auf ihrem tiefsten Punkt angelangt ist, wei� ich doch um die Pflichten, die mir der schlichte Umstand auferlegt, da� ich eines Tages unter Euch, Menschen dieses Universums, geboren wurde.</strong></p><p><strong>Ich mu� meine Geschichte weitergeben.</strong></p><p><strong>All diese Geschichten �hneln sich, wenn man sie ein wenig genauer betrachtet. Am Anfang gibt es ein Subjekt �im Werden�, das schl�ft. Es erlebt eine Krise. Diese Krise zwingt es, zu reagieren. Seinem Verhalten gem�� wird es sterben oder sich entwickeln.</strong></p><p><strong>Die erste Geschichte, die ich Ihnen erz�hlen werde, ist die Geschichte unseres Universums. Weil wir darin leben. Und weil s�mtliche Dinge, ob gro� oder klein, den gleichen Gesetzen folgen und die gleichen Bezeichnungen wechselseitiger Abh�ngigkeit kennen.</strong></p><p><strong>Wenn Sie zum Beispiel diese Seite umbl�ttern, reiben Sie an einer Stelle Ihren Zeigefinger am Zellstoff des Papiers. Bei dieser Ber�hrung entsteht eine verschwindend geringe Erw�rmung. Dennoch ist diese Erw�rmung durchaus real. Im Bereich des unendlich Kleinen bewirkt sie dadurch den Sprung eines Elektrons, das sein Atom verl��t und gegen ein anderes Teilchen prallt.</strong></p><p><strong>Aber tats�chlich ist dieses Teilchen, in Relation zu sich selbst, sehr gro�. So da� der Aufprall des Elektrons f�r dieses Teilchen eine regelrechte Ersch�tterung bedeutet. Vorher war es tr�ge, leer, kalt. Wegen dieses Umbl�tterns ger�t es in eine Krise. Gigantische Funken stieben an ihm empor. Durch diese schlichte Bewegung haben Sie etwas ausgel�st, dessen Folgen Sie niemals vollst�ndig kennen werden. Vielleicht entstehen dabei ganze Welten mit Wesen darauf, und diese Wesen werden die Metallurgie, die provenzalische K�che und die Raumfahrt entdecken. Vielleicht erweisen sie sich sogar als intelligenter als wir. Und sie h�tten niemals existiert, wenn Sie nicht dieses Buch in die Hand genommen h�tten und Ihr Finger nicht eine Erw�rmung an ebendieser Stelle des Papiers bewirkt h�tte.</strong></p><p><strong>Ebenso findet unser Universum sicher seinen Platz auf der Ecke einer Buchseite, einer Schuhsohle oder dem Schaum einer Bierflasche einer anderen riesigen Zivilisation.</strong></p><p><strong>Unsere Generation wird wahrscheinlich niemals die M�glichkeit haben, dies zu best�tigen. Aber so viel wissen wir: da� unser Universum oder zumindest das Teilchen, das unser Universum enth�lt, vor langer Zeit leer, kalt, schwarz, tr�ge war.</strong></p><p><strong>Bis irgend jemand oder irgend etwas die Krise ausgel�st hat. Man hat eine Seite umgebl�ttert, ist auf einen Stein getreten, hat den Schaum einer Bierflasche abgestrichen. Fest steht, da� es einen Schock gegeben hat. Unser Teilchen ist aufgewacht. Bei uns, das wei� man, war das eine gewaltige Explosion. Man hat sie Urknall genannt.</strong></p><p><strong>Jede Sekunde vielleicht entsteht im unendlich Gro�en, im unendlich Kleinen, im unendlich Weiten ein neues Universum, so wie unser Universum vor �ber f�nfzehn Milliarden Jahren entstanden ist. Wir kennen diese anderen Universell nicht.</strong></p><p><strong>Aber von unserem wissen wir, da� alles mit der Explosion des �kleinsten� und �einfachsten� Atoms angefangen hat: des Wasserstoffs.</strong></p><p><strong>Stellen Sie sich also diesen weiten, stillen Raum vor, der pl�tzlich von einer gewaltigen Explosion geweckt wird. Weshalb hat man da oben die Seite umgebl�ttert? Weshalb hat man den Schaum des Bieres weggewischt? Unwichtig. Sicher ist, der Wasserstoff brennt, explodiert, knallt. Ein ungeheures Licht zerschrammt den makellosen Raum. Krise. Krise.</strong></p><p><strong>Die reglosen Dinge geraten in Bewegung. Die kalten Dinge werden warm. Die stillen Dinge dr�hnen.</strong></p><p><strong>In der Feuersglut, die am Anfang steht, verwandelt sich der Wasserstoff in Helium, ein nur unwesentlich komplexeres Atom. Aber schon aus dieser Umwandlung kann man die erste gro�e Spielregel unseres Universums ableiten: immer komplexer.</strong></p><p><strong>Diese Regel erscheint evident. Aber nichts beweist, da� das in unseren Nachbaruniversen nicht anders ist. Woanders hei�t es vielleicht �IMMER w�rmer� oder �immer h�rter� oder �immer komischer�.</strong></p><p><strong>Auch bei uns werden die Dinge w�rmer oder h�rter oder komischer, aber das ist nicht das Gesetz, das am Anfang steht.</strong></p><p><strong>Das sind nur Begleiterscheinungen. Unser Grundgesetz, um das sich alle anderen Gesetze ranken, lautet: �IMMER KOMPLExER�.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Nr. 327 irrt durch die s�dlichen G�nge der Stadt. Er ist nicht beruhigt. Er kommt nicht von dem ber�hmten Satz los:</p><poem><stanza><v>Als Kundschafter war er Bein,</v><v>Am Ort war er Auge,</v><v>Wieder zur�ck, ist er nervlicher Stimulus.</v></stanza></poem><p>Warum klappt das nicht? Wo ist der Fehler? Sein K�rper brodelt ob dieser unbeachteten Botschaft. Das M�nnchen ist der Meinung, da� das Volk verletzt wurde und es nicht einmal bemerkt hat. Nun, der Schmerzstimulus ist niemand anders als er selbst, Nr. 327. Es ist also seine Aufgabe, die Stadt zu einer Reaktion zu bewegen.</p><p>Ah, wie ist das doch schwer, eine Leidensbotschaft zu tragen, sie in sich zu behalten, ohne eine Antenne zu finden, die sie empfangen m�chte. Er w�rde sich so gern von diesem Gewicht befreien, dieses furchtbare Wissen mit anderen teilen.</p><p>Eine W�rmebotschafterin begegnet ihm. Sie sp�rt seine Niedergeschlagenheit, glaubt, er sei schlecht aufgewacht, und bietet ihm ihre Sonnenkalorien an. Das verleiht ihm wieder ein wenig Kraft, die er sofort zu dem Versuch nutzt, sie zu �berzeugen.</p><p><emphasis>Alarm, eine Expedition ist in einem Hinterhalt, den die Zwerginnen gelegt haben, vernichtet worden, Alarm!</emphasis></p><p>Aber das klingt nicht mehr so �berzeugend wie am Anfang. Die W�rmebotschafterin geht weiter, als ob nichts w�re. Nr. 327 gibt nicht auf. Er l�uft durch die G�nge und verbreitet seine Alarmbotschaft.</p><p>Zuweilen bleiben einige Kriegerinnen stehen, h�ren ihm zu, treten sogar mit ihm in einen Dialog, aber seine Geschichte von der verheerenden Waffe ist zu unglaubw�rdig. Es bildet sich keine Gruppe, die f�hig w�re, eine milit�rische Mission zu �bernehmen.</p><p>Bedr�ckt geht Nr. 327 weiter.</p><p>Pl�tzlich, er l�uft gerade durch einen verlassenen Tunnel im vierten Untergescho�, registriert er hinter sich ein Ger�usch. Jemand folgt ihm.</p><p>Nr. 327 dreht sich um. Er inspiziert mit seinen Infrarot-Ozellen den Gang. Rote und schwarze Punkte. Niemand da. Seltsam. Er mu� sich geirrt haben. Aber wieder ert�nt hinter ihm das Ger�usch von Schritten. <emphasis>Skritsch</emphasis> ... <emphasis>tssss, skritsch</emphasis> ... <emphasis>tssss.</emphasis> Das mu� jemand sein, der auf zweien seiner sechs Beine hinkt. Und der n�her kommt.</p><p>Um sich Gewi�heit zu verschaffen, biegt er bei jeder Kreuzung ab, dann bleibt er einen Moment stehen. Das Ger�usch verstummt. Kaum geht das M�nnchen weiter, ist es wieder da: <emphasis>Skritsch . tss, skritsch, tss, skritsch . tss.</emphasis></p><p>Kein Zweifel: jemand folgt ihm.</p><p>Jemand, der sich versteckt, wenn es sich umdreht. Ein sonderbares Verhalten, v�llig abwegig. Warum sollte eine Zelle des Volkes einer anderen nachschleichen, ohne sich auszuweisen? Hier geh�rt jeder zu jedem und hat vor niemandem etwas zu verbergen.</p><p>Die seltsame �Gegenwart� dauert indes an. Immer auf Distanz, immer versteckt. <emphasis>Skritsch</emphasis> ... <emphasis>tss, skritsch</emphasis> ... <emphasis>tss.</emphasis> Wie soll er reagieren? Als er noch eine Larve war, haben ihn die Ammen gelehrt, sich der Gefahr stets zu stellen. Er bleibt stehen und tut so, als w�rde er sich s�ubern. Die Gegenwart ist nicht mehr weit. Er sp�rt sie beinahe. W�hrend er seinen S�uberungsvorgang mimt, bewegt er seine Antennen. Da, er nimmt die Geruchsmolek�le des Verfolgers wahr. Eine kleine Kriegerin, ein Jahr alt. Sie verstr�mt einen eigenartigen Duft, der die �blichen Identifizierungsmerkmale �berlagert. Nicht leicht zu definieren. Ein Felsengeruch, k�nnte man meinen.</p><p>Die Kriegerin versteckt sich nicht mehr. <emphasis>Skritsch</emphasis> ... <emphasis>tssss</emphasis> ... Jetzt sieht er sie in Infrarot. Sie hat tats�chlich zwei Beine verloren. Ihr Felsengeruch wird st�rker.</p><p>Nr. 327 sendet.</p><p><emphasis>Wer da?</emphasis></p><p>Keine Antwort.</p><p><emphasis>Warum folgen Sie mir?</emphasis></p><p>Keine Antwort.</p><p>Er will den Vorfall vergessen und macht sich wieder auf den Weg, aber bald registriert er eine zweite Gegenwart, die ihm entgegenkommt. Eine schwere Kriegerin diesmal. Der Gang ist schmal, er wird nicht vorbeischl�pfen k�nnen.</p><p>Umkehren? Das hie�e, sich mit der Hinkenden anzulegen, die �berdies hastig n�her kommt.</p><p>Nr. 327 ist eingekeilt.</p><p>Jetzt ist es deutlich zu sp�ren: das sind zwei Kriegerinnen. Und sie haben den gleichen Felsengeruch. Die Gro�e �ffnet ihre langen Scheren.</p><p>Eine Falle! Es ist undenkbar, da� eine Ameise der Stadt eine andere t�ten will. Sollte das eine St�rung des Immunsystems sein? Haben sie seine Identifizierungsd�fte nicht erkannt? Halten sie ihn f�r einen Fremdk�rper? Das ist doch verr�ckt, das ist, als wollte sein Magen seinen Darm umbringen ...</p><p>Nr. 327 erh�ht die St�rke seines Aussto�es:</p><p><emphasis>Ich bin wie ihr eine Zelle des Volkes. Wir geh�ren zum gleichen Organismus.</emphasis></p><p>Das sind junge Soldatinnen, sie m�ssen sich irren. Aber seine �u�erungen beschwichtigen die beiden keineswegs. Die kleine Hinkende springt ihm auf den R�cken und packt ihn an den Fl�geln, w�hrend die Gro�e seinen Kopf zwischen ihre Mandibeln nimmt. Und so schleifen sie das M�nnchen in Richtung Deponie.</p><p>Nr. 327 wehrt sich. Mit seinem Segment f�r sexuelle Dialoge st��t er alle m�glichen Emotionen aus, die die Geschlechtslosen nicht einmal kennen. Sein Unverst�ndnis weicht der Panik.</p><p>Um nicht von diesen �abstrakten� Gedanken besudelt zu werden, schabt ihm die Hinkende, die immer noch auf seinem R�cken sitzt, mit ihren Mandibeln die Antennen ab. Dadurch beraubt sie ihn aller Pheromone und vor allem seines �Passes�. Dort, wo sie es hinbringen, wird er ihm ohnehin nicht mehr viel nutzen ...</p><p>Das unheimliche Trio schleppt sich durch die einsamsten G�nge. Die kleine Hinkende setzt systematisch ihre S�uberungsaktion fort. Anscheinend will sie keinerlei Information auf diesem Kopf lassen. Das M�nnchen wehrt sich nicht mehr. Resigniert bereitet es sich darauf vor, zu entschlummern, indem es seinen Herzschlag verlangsamt.</p><p>�Br�der, warum all diese Gewalt, warum all dieser Ha�? Warum?</p><p>Eins sind wir, eins, wir sind allesamt Kinder der Erde und Gottes.</p><p>Lassen wir von unserem eitlen Streiten ab. Das 22. Jahrhundert wird ein Jahrhundert im Geiste sein oder gar nichts. Verzichten wir auf unsere alten Zwistigkeiten, die sich auf Stolz und Falschheit gr�nden.</p><p>Der Individualismus, das ist der wahre Feind! Ein Bruder leidet Not, und ihr la�t ihn Hungers sterben, ihr seid nicht mehr w�rdig, der gro�en Gemeinschaft der Welt anzugeh�ren. Ein in die Irre gegangenes Gesch�pf bittet euch um Hilfe und Beistand, und ihr schlagt ihm die T�r zu. Ihr geh�rt nicht zu den Unsern.</p><p>Ich kenne euch, ihr mit eurem ruhigen, in Seide gepacktem Gewissen! Ihr denkt nur an eure pers�nliche Bequemlichkeit, ihr w�nscht nur den individuellen Ruhm. Gl�ck ja, aber nur das eure und das eurer N�chsten. Ich sage, ich kenne euch. Dich, dich, und dich! H�rt auf, vor euren Bildschirmen zu l�cheln, ich rede von ernsten Dingen zu euch. Ich rede von der Zukunft der Menschheit. Das kann so nicht andauern. Dieser Lebensweg hat keinen Sinn. Wir verschwenden, zerst�ren alles. Die W�lder werden gerodet, um wegwerfbare Taschent�cher herzustellen. Alles ist wegwerfbar geworden: Geschirr, Federhalter. Kleidung, Fotoapparat. Fahrzeuge. Und ohne da� ihr es merkt, werdet auch ihr wegwerfbar. Verzichtet auf diese oberfl�chliche Lebensform. Verzichtet noch heute darauf, bevor man euch morgen dazu zwingt.</p><p>Kommt zu uns, reiht euch in unser Heer von Getreuen ein. Wir sind alle Soldaten Gottes, Bruder.�</p><p>Das Bild einer Ansagerin. �Diese Sendung des Evangelismus wurde f�r Sie �bertragen im Auftrag von Pater Mac Donald von der Neuen Adventistenkirche des 45. Tages und von der Firma f�r Gefriergut &gt;Sweetmilk&lt;. Sie wurde �ber Satellit in alle Welt ausgestrahlt. Und jetzt, vor unserer Serie &gt;Au�erirdisch und stolz, es zu sein&lt;, noch ein wenig Werbung.�</p><p>Im Gegensatz zu Nicolas vermochte Lucie vor dem Fernseher nicht v�llig abzuschalten. Acht Stunden war Jonathan nun da unten, und immer noch keine Nachricht!</p><p>Ihre Hand langte nach dem Telefon. Er hatte gesagt, sie solle nichts unternehmen, aber wenn er nun tot war oder unter Schutt begraben?</p><p>Sie hatte noch nicht den Mut, in den Keller zu gehen. Sie hob den H�rer ab und w�hlte den Polizeinotruf.</p><p>�Hallo, ist dort die Polizei?�</p><p>�Ich hatte dich gebeten, nicht anzurufen�, sagte eine schwache und tonlose Stimme, die aus der K�che kam.</p><p>�Papa! Papa!�</p><p>Sie legte auf, w�hrend es aus dem H�rer noch klang: �Hallo, reden Sie, geben Sie uns Ihre Adresse.� Klack.</p><p>�Aber ja, klar doch, ich bin�s, ihr brauchtet euch keine Sorgen zu machen. Ich hab doch gesagt, ihr sollt ruhig auf mich warten.�</p><p>Sich keine Sorgen machen? Der hatte Nerven!</p><p>Jonathan hatte auf dem Arm, was von Ouarzazate �briggeblieben war, ein blutiger Klumpen Fleisch. Und auch er selbst war ver�ndert, wie verkl�rt. Er war keineswegs bedr�ckt, er erschien sogar eher heiter. Nein, nicht heiter, wie sollte man es nennen? Man hatte den Eindruck, er sei gealtert oder er sei krank. Seine Augen blickten fiebrig, seine Haut war aschfahl, er zitterte und wirkte abgehetzt.</p><p>Nicolas brach in Tr�nen aus, als er den zerhackten K�rper seines Hundes sah. Man h�tte meinen k�nnen, der arme Pudel sei mit Rasiermessern zerfetzt worden.</p><p>Sie legten ihn auf eine ausgebreitete Zeitung.</p><p>Nicolas weinte bitterlich �ber den Verlust seines Freundes. Es war vorbei. Nie wieder w�rde er ihn gegen die Wand springen sehen, wenn man �Katze� sagte. Nie wieder w�rde er sehen, wie er mit einem fr�hlichen H�pfer eine T�rklinke herunterdr�ckte. Nie wieder w�rde er ihn vor den gro�en homosexuellen Sch�ferhunden retten m�ssen.</p><p>Es gab keinen Ouarzazate mehr.</p><p>�Morgen bringen wir ihn zum Hundefriedhof von P�re-Lachaise�, meinte Jonathan resignierend. �Wir kaufen ihm dieses Grab zu viertausendf�nfhundert Francs, an dem man ein Foto von ihm anbringen kann.�</p><p>�Ja! Au ja!� sagte Nicolas schluchzend. �Das ist das mindeste, was er verdient.�</p><p>�Und danach gehen wir zum Tierschutzverein, und da suchst du dir einen anderen Hund aus. Was h�ltst du von einem kleinen Malteser? Die sind auch sehr niedlich.�</p><p>Lucie konnte es immer noch nicht fassen. Sie wu�te nicht, was sie als erstes fragen sollte. Warum war er so lange fortgeblieben? Was war mit dem Hund geschehen? Und was mit ihm selbst? Wollte er etwas essen? Hatte er nicht bedacht, wieviel Angst sie um ihn haben mu�ten?</p><p>�Was gibt es denn da unten?� fragte sie schlie�lich mit matter Stimme.</p><p>�Nichts, nichts.�</p><p>�Guck dir doch an, in welchem Zustand du zur�ckgekommen bist! Und der Hund ... Der sieht aus, als w�re er durch den Fleischwolf gedreht worden. Was ist mit ihm passiert?�</p><p>Jonathan wischte sich mit seiner schmutzigen Hand �ber die Stirn.</p><p>�Der Notar hatte recht, es wimmelt von Ratten da unten. Ouarzazate ist von ihnen in St�cke gerissen worden.�</p><p>�Und du?�</p><p>Er grinste.</p><p>�Ich bin ein gro�es Tier, vor mir haben sie Angst.�</p><p>�Das ist doch verr�ckt! Was hast du denn acht Stunden lang da unten getrieben? Was ist in diesem verdammten Keller?� brauste sie auf.</p><p>�Ich wei� es nicht genau. Ich bin nicht ganz hinuntergestiegen.�</p><p>�Du bist nicht ganz hinuntergestiegen?�</p><p>�Nein, das ist sehr, sehr tief.�</p><p>�In acht Stunden hast du es nicht bis zum Ende ... zum Ende unseres Kellers geschafft?�</p><p>�Nein. Ich bin nicht mehr weitergegangen, als ich den Hund gefunden habe. Da war �berall Blut. Wei�t du, Ouarzazate hat sich verzweifelt gewehrt. Es ist unglaublich, da� ein so kleiner Hund so lange standhalten kann.�</p><p>�Und wie weit bist du gekommen? Bis zur H�lfte?�</p><p>�Woher soll ich das wissen? Jedenfalls konnte ich nicht mehr weiter. Ich hatte auch Angst. Du wei�t, ich kann Dunkelheit und Gewalt nicht ausstehen. Jeder an meiner Stelle w�re umgekehrt. Man kann nicht ewig ins Ungewisse gehen. Au�erdem habe ich an dich, an euch denken m�ssen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie das da ist ... Das ist so finster. Das ist der Tod.�</p><p>Bei seinen letzten Worten erfa�te ein Zucken seinen linken Mundwinkel. So hatte sie ihn noch nicht erlebt. Sie erkannte, da� sie ihn nicht noch mehr bedr�ngen durfte. Sie legte ihre Arme um seine Taille und k��te seine kalten Lippen.</p><p>�Beruhige dich, es ist vorbei. Wir werden diese T�r zumauern, und dann reden wir nicht mehr davon.�</p><p>Er wich zur�ck.</p><p>�Nein. Es ist nicht vorbei. Ich habe mich da unten von diesem Blut abschrecken lassen. Jeder w�re zur�ckgeschreckt. Gewalt erschreckt einen immer, selbst wenn sie sich gegen Tiere richtet. Aber ich kann jetzt nicht aufgeben, vielleicht ganz kurz vor dem Ziel .�</p><p>�Du willst doch nicht etwa dahin zur�ck?�</p><p>�Doch. Edmond ist dahin gegangen, also werde ich es auch.�</p><p>�Edmond? Dein Onkel Edmond?�</p><p>�Er hat irgend etwas da unten gemacht, und ich will wissen, was.�</p><p>Lucie unterdr�ckte ein St�hnen.</p><p>�Bitte, um meinet- und um Nicolas� willen, geh nicht mehr da runter.�</p><p>�Ich habe keine Wahl.�</p><p>Wieder hatte er dieses Zucken am Mundwinkel.</p><p>�Ich habe immer alles nur halb gemacht. Immer bin ich stehengeblieben, wenn mir mein Verstand sagte, da� Gefahr droht. Sieh doch, was aus mir geworden ist. Ein Mann, der zwar der Gefahr aus dem Weg gegangen ist, der es aber auch zu nichts gebracht hat. Nie bin ich den Dingen auf den Grund gegangen, weil ich st�ndig auf halbem Weg stehengeblieben bin. Ich h�tte weiter als Schlosser arbeiten sollen, und wenn ich �berfallen worden w�re, Pech f�r den Bo�. Das w�re eine Art Feuertaufe gewesen, ich h�tte die Gewalt erlebt und gelernt, mit ihr umzugehen. Statt dessen bin ich wie ein Baby ohne jede Erfahrung, weil ich Schwierigkeiten immer ausgewichen bin.�</p><p>�Du spinnst.�</p><p>�Nein, ich spinne nicht. Man kann nicht ewig in Watte leben. Dieser Keller ist <emphasis>die</emphasis> Gelegenheit, den Schritt zu wagen. Wenn ich es nicht tue, werde ich nie mehr in den Spiegel schauen k�nnen, ich m��te mir immer sagen, da� ich ein Feigling bin. Au�erdem, erinnere dich, du selbst hast mich gedr�ngt, da runterzugehen.�</p><p>Er zog sein blutbeflecktes Hemd aus.</p><p>�Na sch�n, dann komme ich aber mit!� erkl�rte sie und packte die Taschenlampe.</p><p>�Nein, du bleibst hier!�</p><p>Er hatte ihre Handgelenke gepackt.</p><p>�La� mich los, was ist in dich gefahren?�</p><p>�Entschuldige, aber du mu�t einsehen, dieser Keller geht nur mich etwas an. Das ist mein Sprung ins kalte Wasser, das ist mein Weg. Und niemand darf sich da einmischen, verstehst du?�</p><p>Hinter ihnen weinte Nicolas immer noch �ber Ouarzazates �berresten. Jonathan lie� Lucies Handgelenke los und ging zu seinem Sohn.</p><p>�Na komm, mein Junge, ist ja gut!�</p><p>�Ich hab�s satt. Ouarzi ist tot, und ihr habt nichts Besseres zu tun, als euch zu streiten.�</p><p>Jonathan versuchte ihn abzulenken. Er nahm eine Schachtel Streichh�lzer, entnahm ihr sechs St�ck und legte sie auf den Tisch.</p><p>�Da, guck mal, ich zeig dir ein R�tsel. Man kann mit diesen sechs Streichh�lzern vier gleichseitige Dreiecke bilden. Denk gut nach, dann bekommst du�s raus.�</p><p>Der Junge trocknete �berrascht seine Tr�nen und zog die Nase hoch. Dann fing er an, die Streichh�lzer auf unterschiedliche Weise anzuordnen.</p><p>�Ich geb dir noch einen Tip. Um die L�sung zu finden, mu�t du anders denken. Wenn man �berlegt, wie man es gewohnt ist, kommt man nicht darauf.�</p><p>Nicolas schaffte es, drei Dreiecke zu bilden. Keine vier. Er blickte auf, blinzelte mit seinen gro�en blauen Augen.</p><p>�Hast du die L�sung gefunden, Papa?�</p><p>�Nein, noch nicht, aber ich sp�re, da� ich nicht mehr lange brauche.�</p><p>Jonathan hatte seinen Sohn vorl�ufig beruhigt, nicht jedoch seine Frau. Lucie warf ihm w�tende Blicke zu. Und am Abend hatten sie einen ziemlich heftigen Streit. Es nutzte nichts, Jonathan wollte nichts �ber diesen Keller und sein Geheimnis sagen.</p><p>Am n�chsten Morgen stand er fr�h auf und brachte den ganzen Vormittag damit zu, eine Eisent�r mit einem schweren Vorh�ngeschlo� am Eingang des Kellers anzubringen. Den einzigen Schl�ssel h�ngte er um seinen Hals.</p><p>Die Rettung kommt unerwartet in Form eines Erdbebens.</p><p>Als erstes erhalten die W�nde einen schweren seitlichen Schlag. Sand beginnt, einem Wasserfall gleich, von den Decken zu rieseln. Ein zweiter Sto� folgt fast unmittelbar danach, dann ein dritter, ein vierter . Die dumpfen Ersch�tterungen folgen immer schneller aufeinander, kommen dem ungew�hnlichen Trio immer n�her. Das ist ein gewaltiges Grollen, das nicht aufh�rt und alles erzittern l��t.</p><p>Von diesem Vibrieren wiederbelebt, beschleunigt das junge M�nnchen wieder seinen Herzschlag, kneift zweimal mit seinen Mandibeln zu, was seine Peiniger �berrascht, und verdr�ckt sich in einem besch�digten Tunnel. Es bewegt seine noch unentwickelten Fl�gel, um seine Flucht zu beschleunigen und seine Spr�nge �ber den Schutt zu verl�ngern.</p><p>Jeder neue, noch st�rkere Sto� zwingt es, stehenzubleiben und, auf den Boden gepre�t, das Ende der Sandlawinen abzuwarten. Ganze Wandst�cke prasseln mitten in die G�nge, Br�cken, Br�ckenb�gen, Krypten st�rzen ein, rei�en Millionen benommener Gestalten mit.</p><p>Die Ger�che h�chsten Alarms steigen auf und verbreiten sich. In der ersten Phase erfassen diese stimulierenden Pheromone die oberen G�nge. Wer diesen Duft wahrnimmt, beginnt augenblicklich zu zittern, kreuz und quer zu laufen und noch aufreizendere Pheromone zu produzieren. So da� die Aufregung nach dem Schneeballprinzip w�chst.</p><p>Die Alarmwolke verbreitet sich wie Nebel, kriecht in s�mtliche �derchen des �schmerzenden� Bereichs, dringt in die Hauptschlagadern. Das fremde Element, das den K�rper des Volkes infiltriert hat, bewirkt, was das junge M�nnchen vergeblich auszul�sen versucht hat:��Schmerztoxine.</p><p>Schlagartig beginnt das von den Massen von Belokanerinnen gebildete schwarze Blut schneller zu pulsieren. Die in der N�he der gesch�digten Zone liegenden Eier werden fortgeschafft. Die Soldatinnen schlie�en sich zu Kampfeinheiten zusammen.</p><p>Als sich das M�nnchen Nr. 327 auf einer breiten, vom Sand und der Menge halb verstopften Kreuzung befindet, nehmen die St��e ein Ende. Es folgt eine be�ngstigende Stille. Jeder bleibt reglos stehen, f�rchtet den weiteren Gang der Ereignisse. Die aufgerichteten Antennen zucken. Warten.</p><p>Pl�tzlich wird das qu�lende Pochen von vorhin durch eine Art dumpfes Fauchen abgel�st. Alle sp�ren, da� die F�llung zwischen den Zweigen durchl�chert worden ist. Irgend etwas Riesiges ist in die Kuppel eingedrungen, zermalmt die W�nde, zw�ngt sich durch die Zweige.</p><p>Ein feiner rosiger Fangarm taucht mitten �ber der Kreuzung auf. Er peitscht durch die Luft und f�hrt auf der Suche nach m�glichst vielen Bewohnern der Stadt irrsinnig schnell �ber den Boden. Als sich die Soldatinnen darauf st�rzen, um mit ihren Mandibeln zuzubei�en, bildet sich blo� eine gro�e schwarze Traube an seinem Ende. Reich garniert zieht sich die Zunge nach oben zur�ck und verschwindet, um die Menge in einen Schlund zu entleeren, dann erscheint sie wieder, immer l�nger, immer gieriger, t�dlicher.</p><p>Die zweite Alarmstufe wird ausgel�st. Die Arbeiterinnen trommeln mit dem Ende ihres Hinterleibs auf den Boden, um die Soldatinnen in den unteren Etagen, die von dem Drama noch nichts gemerkt haben, herbeizurufen.</p><p>Die ganze Stadt hallt unter diesem simplen Getrommel wider. Man meint, der ganze Organismus hechele: �Tac, tac, tac!� �Tok . tok . tok . �, antwortet der Fremdling, der wieder begonnen hat, die Kuppel zu beh�mmern, um tiefer einzudringen. Alles dr�ngt sich gegen die W�nde, um dieser hellroten, entfesselten Schlange zu entkommen, die die G�nge peitscht. Wenn ihr ein Happen zu k�mmerlich erscheint, dreht sich die Zunge noch mehr. Ein Schnabel folgt ihr, dann ein gigantischer Kopf.</p><p>Ein Gr�nspecht! Der Schrecken des Fr�hjahrs ... Diese gefr��igen, insektenverzehrenden V�gel schlagen bis zu sechzig Zentimeter lange L�cher in das Dach der Ameisenst�dte und stopfen sich mit ihrer Bev�lkerung voll.</p><p>Es ist h�chste Zeit, die dritte Alarmstufe einzul�uten. Einige Arbeiterinnen, dem Wahnsinn nahe, beginnen in ihrer �bererregung, die nicht in Aktivit�t umgesetzt werden kann, den Tanz der Angst zu tanzen. Die Bewegungen sind sehr ruckartig: Spr�nge, Mandibelknallen, Spucken ... Andere, vollkommen hysterisch, laufen durch die G�nge und bei�en alles, was ihnen in den Weg kommt. Perverser Effekt der Angst: die Stadt, die das angreifende Objekt nicht vernichten kann, zerst�rt sich schlie�lich selbst.</p><p>Die Katastrophe findet im f�nfzehnten westlichen Obergescho� statt, aber jetzt, da der Alarm seine drei Stufen durchlaufen hat, ist die ganze Stadt zum Krieg ger�stet. Die Arbeiterinnen suchen die untersten Etagen auf, um die Eier in Sicherheit zu bringen. Sie begegnen Kolonnen von Soldatinnen, die mit aufgerichteten Mandibeln nach oben hasten.</p><p>Die Ameisenstadt hat �ber zahllose Generationen hinweg gelernt, sich gegen derlei Unannehmlichkeiten zur Wehr zu setzen. Inmitten des ganzen Aufruhrs formieren sich die Ameisen aus der Kaste der Artilleristinnen zu Kommandos und teilen die zu treffenden Ma�nahmen unter sich auf.</p><p>Sie umzingeln den Gr�nspecht an seiner verwundbarsten Stelle: dem Hals. Dann drehen sie sich um und begeben sich in n�chster N�he in Schu�position. Ihre Hinterleiber sind auf das gefiederte Tier gerichtet. Feuer! Mit aller Kraft ihrer Schlie�muskeln sto�en sie Strahlen hyperkonzentrierter S�ure aus.</p><p>Der Vogel hat pl�tzlich das unangenehme Gef�hl, da� sich ein Schal aus Nadeln um seinen Hals legt. Er k�mpft, will sich befreien. Aber ist zu weit vorgedrungen. Seine Fl�gel sind in der Erde und den Zweigen der Kuppel gefangen. Erneut streckt er seine Zunge vor, um m�glichst viele dieser winzigen Gegner zu t�ten.</p><p>Eine neue Welle von Soldatinnen r�ckt vor. Feuer! Der Gr�nspecht zuckt zusammen. Diesmal sind das keine Nadeln, sondern Dornen. Er klopft nerv�s mit dem Schnabel. Feuer! Die S�ure spritzt abermals. Der Vogel zittert, langsam f�llt ihm das Atmen schwer, Feuer! Die S�ure ver�tzt seine Nerven, und er ist vollkommen eingeklemmt.</p><p>Das Feuer wird eingestellt. Von �berall laufen Soldatinnen mit langen Mandibeln herbei, bei�en in die Wunden, die die Ameisens�ure gefressen hat. Zudem begibt sich eine Einheit nach drau�en, auf das, was von der Kuppel noch �brig ist, ortet den Schwanz des Tieres und macht sich daran, die meistriechende Stelle anzubohren: den Anus. Diese Pioniere haben schon bald den Eingang verbreitert und zw�ngen sich in die Ged�rme des Vogels.</p><p>Der ersten Einheit ist es gelungen, die Haut der Kehle aufplatzen zu lassen. Als das erste Blut flie�t, endet der Aussto� von Alarmpheromonen. Der Kampf wird als gewonnen betrachtet. Der Schlund steht weit offen, sie st�rzen sich mit Bataillonsst�rke hinein. Im Kehlkopf sind noch lebende Ameisen. Sie werden gerettet.</p><p>Dann dringen Soldatinnen in das Innere des Kopfes ein, suchen die �ffnungen, die es ihnen erm�glichen, das Hirn zu erreichen. Eine Arbeiterin findet einen Durchgang: die Halsschlagader. Allerdings mu� man die richtigen erwischen: die, die vom Herzen zum Hirn f�hrt, nicht umgekehrt. Da ist sie! Vier Soldatinnen schlitzen die R�hre auf und st�rzen sich in die rote Fl�ssigkeit. Sie lassen sich von der vom Herzen kommenden Str�mung tragen und landen rasch mitten in den Gro�hirnhemisph�ren. Dort sind sie am rechten Platz, um die graue Masse zu zerhacken.</p><p>Der Gr�nspecht, wahnsinnig vor Schmerz, flattert hin und her, aber er hat keine Chance, diese Eindringlinge abzusch�tteln, die ihn von innen in St�cke schneiden. Ein Zug von Ameisen pfercht sich in die Lunge und l��t dort S�ure ab. Der Vogel hustet f�rchterlich.</p><p>Andere, ein ganzes Armeekorps, dringen in die Speiser�hre ein, um sich im Verdauungsapparat mit ihren Kolleginnen, die durch den Anus gekommen sind, zusammenzuschlie�en. Letztere steigen schnell den gro�en Grimmdarm hinauf. Auf ihrem Weg verletzen sie s�mtliche Organe, die in Reichweite ihrer Mandibeln sind. Sie w�hlen sich durch das lebende Fleisch, wie sie sich sonst durch die Erde w�hlen, machen sich �ber Magen, Leber, Herz, Milz und Bauchspeicheldr�se her, als w�ren es sturmreife Festungen.</p><p>Mitunter spritzt ungewollt Blut oder Lymphe heraus und ertr�nkt einige Ameisen. Das passiert jedoch nur den Ungeschickten, die nicht wissen, wo und wie man sauber zubei�t.</p><p>Die anderen r�cken systematisch inmitten des roten und schwarzen Fleisches vor. Sie springen geschickt zur�ck, bevor sie von einem Zucken erdr�ckt werden. Sie meiden die Bereiche, die mit Galle oder Magens�ure gef�llt sind.</p><p>Schlie�lich vereinigen sich die beiden Armeen in H�he der Nieren. Der Vogel ist immer noch nicht tot. Sein von den Mandibeln zerkratztes Herz pumpt weiter Blut in das kaputte R�hrensystem.</p><p>Ketten von Arbeiterinnen haben sich gebildet, die, ohne den letzten Atemzug ihres Opfers abzuwarten, noch zuckende Fleischst�ckchen von Bein zu Bein reichen. Nichts widersteht den kleinen Chirurginnen. Als sie beginnen, das Hirn abzubauen, wird der Vogel von einem Krampf gesch�ttelt, dem letzten.</p><p>Die ganze Stadt l�uft herbei, um das Unget�m zu zerlegen. Die G�nge wimmeln von Ameisen, die alle etwas transportieren, diese eine Feder, jene ein wenig Flaum.</p><p>Die Maurerinnen sind bereits am Werk. Sie werden die Kuppel und den besch�digten Tunnel wieder aufbauen.</p><p>Von weitem k�nnte man glauben, der Ameisenhaufen verspeise einen Vogel. Erst verschlingt er ihn, dann wird er verdaut, und sein Fleisch und sein Fett, seine Federn und seine Haut werden an die Stellen verteilt, wo sie der Stadt am meisten n�tzen.</p><empty-line/><p><strong>GENESIS: Wie ist die Ameisenzivilisation entstanden? Um es zu</strong></p><p><strong>VERSTEHEN, MU� MAN EIN PAAR HUNDERT MILLIONEN JAHRE ZUR�CKGEHEN, ZU JENER ZEIT, DA SICH DAS LEBEN AUF DER ERDE ENTWICKELT HAT.</strong></p><p><strong>Unter den ersten Ank�mmlingen waren die Insekten.</strong></p><p><strong>Offenbar waren sie an ihre Welt schlecht angepa�t. Sie waren klein, schwach, die idealen Opfer f�r alle m�glichen R�uber. Um sich am Leben zu halten, w�hlten einige, so die Heuschrecken, den Weg der Reproduktion. Sie legten derma�en viele Eier, da� es zwangsl�ufig �berlebende geben mu�te.</strong></p><p><strong>Andere, wie die Wespen oder die Bienen, w�hlten das Gift, r�steten sich im Laufe der Generationen mit Giftstacheln aus, die Furcht einfl��ten.</strong></p><p><strong>Wieder andere, wie beispielsweise die Schaben, wurden ungenie�bar. Eine spezielle Dr�se verlieh ihnen einen solch �blen Geschmack, da� niemand sie verzehren mochte.</strong></p><p><strong>Noch andere, wie die Gottesanbeterinnen oder die Nachtfalter, w�hlten die Tarnung. Gr�sern oder Baumrinden �hnlich, fleuchten sie unerkannt durch die unwirtliche Natur.</strong></p><p><strong>Viele Insekten jedoch hatten in diesem Dschungel der ersten Tage keinen �Trick� gefunden, um zu �berleben und schienen zum Aussterben verdammt.</strong></p><p><strong>Unter diesen Benachteiligten waren zun�chst die Termiten. Diese �Holzfresser�, vor ungef�hr einhundertf�nfzig Millionen Jahren auf der Erdkruste erschienen, hatten keine Aussicht auf ein langes Leben. Zu viele R�uber, nicht gen�gend nat�rliche Tr�mpfe, um ihnen zu widerstehen ...</strong></p><p><strong>Was sollte aus den Termiten werden?</strong></p><p><strong>Viele starben, und die �berlebenden steckten arg in der Klemme, bis sie rechtzeitig auf eine originelle L�sung verfielen: �Nicht mehr allein k�mpfen, sondern solidarische Gruppen bilden. Es wird unseren Feinden schwerer fallen, zwanzig Termiten auf einmal anzugreifen, die eine gemeinsame Front bilden, als eine einzige, die zu fliehen versucht.� Und so erschlo� die Termite einen der K�nigspfade der Komplexit�t: den sozialen Bund.</strong></p><p><strong>Diese Insekten begannen in kleinen Zellen, zun�chst auf Familienebene, zu leben: alle um die eierlegende Mutter geschart. Dann wurden die Familien zu D�rfern, die D�rfer nahmen an Gr��e zu und verwandelten sich in St�dte. Schon bald erhoben sich ihre St�dte aus Sand und Zement auf der ganzen Erdoberfl�che.</strong></p><p><strong>Die Termiten waren die ersten intelligenten Herren unseres Planeten, und seine erste Gesellschaft.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Nr. 327 sieht die beiden Killerinnen mit dem Felsengeruch nicht mehr. Er hat sie tats�chlich abgesch�ttelt. Mit ein wenig Gl�ck sind sie sogar tot unter dem Ger�ll begraben.</p><p>Nicht tr�umen. Und selbst wenn, w�re er l�ngst nicht aus dem Schneider. Er hat keinen �Pa߫ mehr. Sobald er irgendeiner Kriegerin begegnet, ist er geliefert. Er w�rde von seinen Schwestern automatisch als Fremdk�rper betrachtet. Man w�rde ihm nicht einmal die M�glichkeit geben, sich zu rechtfertigen. S�urestrahl oder Mandibelbi� ohne Vorwarnung, so die Behandlung, die f�r diejenigen vorgesehen ist, die nicht die Duftmerkmale der F�deration aussto�en k�nnen.</p><p>Das ist verr�ckt. Wie konnte es nur dazu kommen? Das ist alles die Schuld dieser beiden verfluchten Kriegerinnen mit den Felsenausd�nstungen. Was war in sie gefahren? Sie m�ssen wahnsinnig sein. Auch wenn es nur selten der Fall ist, es kommt vor, da� Fehler im genetischen Programm psychologische St�rungen dieser Art nach sich ziehen, ein Ph�nomen, das �hnlich gelagert ist wie das dieser hysterischen Ameisen, die w�hrend der dritten Alarmstufe �ber alle Welt herfallen.</p><p>Die beiden wirkten jedoch weder hysterisch noch degeneriert. Sie schienen sogar sehr genau zu wissen, was sie taten. Als ob ... Man kennt nur einen einzigen Fall, in dem Zellen bewu�t andere Zellen des gleichen Organismus zerst�ren. Die Ammen nennen das Krebs. Als ob ... irgendwelche Zellen von Krebs befallen w�ren.</p><p>Dieser Felsengeruch w�re demzufolge der Geruch von Krankheit. Auch da m��te er Alarm schlagen. Nr. 327 hat fortan zwei R�tsel zu l�sen: ���die Geheimwaffe der Zwergameisen und die Krebszellen von Bel-o-kan. Und er kann mit niemandem reden. Er mu� nachdenken. Es k�nnte gut sein, da� er in sich irgendeine verborgene Ressource hat ... eine L�sung.</p><p>Er macht sich daran, seine Antennen zu waschen. Anfeuchten (ein merkw�rdiges Gef�hl, Antennen zu lecken, ohne den charakteristischen Geruch der �Pa߫-Pheromone aufzunehmen), abb�rsten, gl�tten an der Ellbogenb�rste, abtrocknen.</p><p>Was tun, verflixt?</p><p>Zun�chst einmal �berleben.</p><p>Nur ein einziges Wesen kann sich seines Infrarotbildes erinnern, ohne auf die Best�tigung der Identifikationsd�fte angewiesen zu sein: Mutter. Allerdings wimmelt es in der Verbotenen Stadt von Soldatinnen. Auch gut. Wie lautet der alte Satz von Belo-kiu-kiuni: <emphasis>Oft ist man im Zentrum der Gefahr am sichersten aufgehoben.</emphasis></p><p>�An Edmond Wells erinnert man sich hier nicht gern. Als er gegangen ist, hat ihn niemand aufgehalten.�</p><p>Der da so redete, war ein alter Mann mit einem liebensw�rdigen Gesicht, einer der stellvertretenden Direktoren der �Sweetmilk Corporation�.</p><p>�Dabei hat er doch, wie es hei�t, eine neue Bakterie entdeckt, die einen intensiven Joghurtgeruch verstr�mt .�</p><p>�Ja, als Chemiker, das mu� man ihm lassen, hatte er geniale Eingebungen. Aber sie kamen nicht regelm��ig, sondern sto�weise.�</p><p>�Hatten Sie Schwierigkeiten mit ihm?�</p><p>�Ehrlich gesagt, nein. Sagen wir so: Er hat sich nicht in das Team eingef�gt. Er hielt sich abseits. Und auch wenn seine Bakterie Millionen eingebracht hat, ich glaube, gesch�tzt hat ihn hier niemand.�</p><p>�K�nnten Sie das genauer erkl�ren?�</p><p>�In einem Team gibt es Chefs. Edmond mochte keine Vorgesetzten, �berhaupt ertrug er keinerlei Form von Hierarchie. F�r die Gesch�ftsf�hrer, die, wie er sagte, &gt;nur um des Dirigierens willen dirigieren und nichts produzierenc, hatte er nur Verachtung �brig. Nun, wir sind alle gezwungen, die Stiefel unserer Vorgesetzten zu lecken. Was ist schon dabei? Das System will es so. Er hingegen spielte den Stolzen. Ich glaube, uns, seine Kollegen, �rgerte das noch mehr als die Vorgesetzten selbst.�</p><p>�Weshalb ist er gegangen?�</p><p>�Er hat sich mit einem unserer stellvertretenden Direktoren gestritten, und zwar einer Sache wegen, in der er, wie ich zugeben mu�, vollkommen recht hatte. Dieser stellvertretende Direktor hatte sein B�ro durchsucht, worauf Edmond einen Anfall bekam. Als er merkte, da� alle zu dem anderen hielten, mu�te er wohl oder �bel gehen.�</p><p>�Aber Sie sagten doch, er hatte recht ...�</p><p>�Mitunter bringt es mehr, sich feige auf die Seite von wom�glich unsympathischen Leuten zu schlagen, die man kennt, als mutig einen vielleicht sogar sympathischen Unbekannten zu unterst�tzen. Edmond hatte keine Freunde hier. Er a� nicht mit uns, trank nicht mit uns, er schien stets mit den Gedanken woanders.�</p><p>�Warum gestehen Sie mir dann Ihre &gt;Feigheit&lt;? Das brauchten Sie mir doch alles nicht zu erz�hlen.�</p><p>�Hm, seitdem er tot ist, sage ich mir, da� wir uns doch recht mies verhalten haben. Sie sind sein Neffe, es erleichtert mich ein wenig, Ihnen das zu erz�hlen .�</p><p>Am hinteren Ende des engen Gangs erkennt man eine Festung aus Holz. Die Verbotene Stadt.</p><p>Dieses Bauwerk ist in Wirklichkeit ein Kiefernstumpf, um den herum die Kuppel errichtet worden ist. Der Stumpf dient als Herzst�ck und Wirbels�ule von Bel-o-kan. Als Herzst�ck, weil er das k�nigliche Gemach und die kostbaren Nahrungsmittelvorr�te beherbergt. Als Wirbels�ule, weil die Stadt dank ihm Sturm und Regen trotzt.</p><p>Aus der N�he betrachtet sind die W�nde der Verbotenen Stadt mit komplizierten Motiven verziert, die wie barbarische Schriftzeichen aussehen. Das sind die G�nge, die einst von den ersten Bewohnern des Stumpfs gegraben wurden: ���den Termiten.</p><p>Als die erste Belo-kiu-kiuni vor f�nftausend Jahren in der Gegend landete, war sie sofort mit ihnen aneinandergeraten. Der Krieg hatte sehr lange gedauert, �ber tausend Jahre, aber schlie�lich hatten die Belokanerinnen gesiegt. Daraufhin hatten sie staunend eine �harte� Stadt entdeckt, eine Stadt mit holzfarbenen G�ngen, die nie zusammenst�rzten. Dieser Kiefernstumpf er�ffnete ganz neue st�dtebauliche und architektonische Perspektiven.</p><p>Oben das flache, hochgelegene Plateau; unten die tiefen Wurzeln, die sich in der Erde verliefen. Das war ideal. Schon bald reichte der Stumpf jedoch nicht mehr, um die wachsende Bev�lkerung der roten Ameisen zu sch�tzen. Also hatte man unter der Erde in der Verl�ngerung der Wurzeln weitergegraben. Und man hatte kleine Zweige auf den gek�pften Baum geschichtet, um die Spitze zu vergr��ern.</p><p>Jetzt ist die Verbotene Stadt so gut wie verlassen. Au�er der K�nigin und ihren Elitewachen lebt alle Welt in den Randgebieten.</p><p>Nr. 327 n�hert sich dem Stumpf mit vorsichtigen, unregelm��igen Schritten. Gleichm��ige Ersch�tterungen deuten auf die Anwesenheit einer Person hin, w�hrend ungleichm��ige T�ne als leichtes Ger�ll durchgehen k�nnen. Er kann nur hoffen, da� er keiner Soldatin begegnet. Er beginnt zu kriechen. Er ist nur noch zweihundert Kopf von der Verbotenen Stadt entfernt. Allm�hlich erkennt er die vielen Eing�nge, die den Stumpf durchl�chern, genauer gesagt die K�pfe der �Pf�rtnerinnen�, die den Zugang verstopfen.</p><p>Infolge irgendeiner unbekannten genetischen Abartigkeit haben jene einen breiten, kreisrunden und flachen Kopf, der ihnen das Aussehen eines gro�en Nagels verleiht, der genau dem Umfang des Loches entspricht, das sie zu �berwachen haben.</p><p>Diese lebenden T�ren haben ihre Wirksamkeit in der Vergangenheit bereits bewiesen. W�hrend des �Erdbeer-krieges� vor siebenhundertneunzig Jahren fielen die gelben Ameisen in die Stadt ein. Alle �berlebenden Belokanerinnen hatten sich in die Verbotene Stadt gefl�chtet, und die Pf�rtnerinnen hatten zur�ckweichend s�mtliche Zug�nge hermetisch geschlossen.</p><p>Die gelben Ameisen hatten zwei Tage gebraucht, bis es ihnen gelang, diese Riegel zu sprengen. Die Pf�rtnerinnen verstopften nicht nur die L�cher, sondern bissen auch mit ihren langen Mandibeln zu. Die gelben Ameisen formierten sich zu Hundertschaften, um gegen eine einzige Pf�rtnerin zu k�mpfen. Schlie�lich gelang es ihnen, das Chitin der K�pfe zu durchbohren und ins Innere zu gelangen. Aber das Opfer der �lebenden T�ren� war nicht vergebens. Die anderen f�derierten St�dte hatten Zeit gehabt. Hilfstruppen aufzustellen, und einige Stunden sp�ter war die Stadt befreit.</p><p>Nr. 327 hat gewi� nicht die Absicht, sich allein mit einer Pf�rtnerin anzulegen, aber er hofft, das �ffnen einer dieser T�ren auszunutzen, wenn zum Beispiel eine mit den Eiern der K�nigin beladene Amme herausgelassen wird. Er k�nnte hineinhuschen, bevor sich die T�r wieder schlie�t.</p><p>Da, gerade bewegt sich ein Kopf, gibt den Durchgang frei, und es erscheint ... eine Schildwache. Pech, nichts zu machen, die Schildwache w�rde sofort umkehren und ihn t�ten.</p><p>Erneute Kopfbewegung der Pf�rtnerin. Nr. 327 kr�mmt seine sechs Beine, bereit loszusprinten. Nein! Falscher Alarm, die Pf�rtnerin hat nur eine andere Haltung eingenommen. Da mu� man schlie�lich Kr�mpfe bekommen, wenn man st�ndig ein solches Kollier aus Holz um den Hals hat.</p><p>Was soll�s, Nr. 327 verliert die Geduld, er rennt auf das Hindernis zu. Kaum ist er in Reichweite der Antennen, bemerkt die Pf�rtnerin das Fehlen der Identifikationspheromone. Sie weicht noch weiter zur�ck, um die �ffnung vollst�ndig zu versperren, dann st��t sie die Alarmmolek�le aus.</p><p><emphasis>Fremdk�rper in der Verbotenen Stadt! Fremdk�rper in der Verbotenen Stadt!</emphasis> wiederholt sie wie eine Sirene.</p><p>Sie l��t ihre Scheren kreisen, um den unerw�nschten Gast einzusch�chtern. Sie w�rde gern vortreten, um ihn zu bek�mpfen, aber die Weisung lautet strikt: erst einmal blockieren!</p><p>Nr. 327 mu� sich beeilen. Er hat einen Vorteil: Er kann in der Dunkelheit sehen, die Pf�rtnerin hingegen ist blind. Er st�rzt vor, meidet die w�tenden Mandibeln, die aufs Geratewohl zuschnappen, und springt hoch, um sie an den Wurzeln zu packen. Er trennt sie eine nach der andern ab. Transparentes Blut flie�t. Was sich da noch bewegt, sind nur mehr zwei ungef�hrliche St�mpfe.</p><p>Dennoch kommt Nr. 327 immer noch nicht hindurch, der K�rper seiner Gegnerin blockiert den Eingang. Die wie im Wundstarrkrampf gel�hmten Beine stemmen sich sogar reflexartig weiter gegen das Holz. Was tun? Das M�nnchen dr�ckt seinen Hinterleib gegen die Stirn der Pf�rtnerin und schie�t. Der K�rper zuckt, das von der Ameisens�ure zerfressene Chitin beginnt in einer grauen Rauchwolke zu schmelzen. Aber der Kopf ist sehr dick. Es bedarf drei weiterer Strahlen, bis sich Nr. 327 einen Weg �ber den flachen Sch�del bahnen kann.</p><p>Er kommt durch. Auf der anderen Seite erblickt er einen Thorax und einen verk�mmerten Hinterleib. Die Ameise war nur eine T�r, nichts als eine T�r.</p><empty-line/><p><strong>KONKURRENTEN: Als f�nfzig Millionen Jahre sp�ter die ersten Ameisen erschienen, hatten sie Schwierigkeiten, sich zu halten. Als entfernte Abk�mmlinge einer wilden und einsamen Wespe, hatten sie weder m�chtige Mandibeln noch einen Stachel. Sie waren klein und schw�chlich, aber nicht dumm, und sie begriffen schnell, da� es f�r sie von Nutzen war, die Termiten nachzuahmen. Sie mu�ten sich zusammenschlie�en.</strong></p><p><strong>Sie schufen ihre D�rfer; sie erbauten plumpe St�dte. Die Termiten wurden bald unruhig wegen dieser Konkurrenz. Ihrer Meinung nach war auf der Erde nur f�r eine Art von sozial lebenden Insekten Platz.</strong></p><p><strong>Fortan war Krieg angesagt. �berall auf der Welt, auf den Inseln, auf B�umen und Bergen, k�mpften die Armeen der Termitenst�dte gegen die jungen Armeen der Ameisenst�dte.</strong></p><p><strong>Das hatte es im Reich der Tiere noch nie gegeben. Millionen von Mandibeln, die Seite an Seite nicht der Ern�hrung wegen metzelten, sondern zu �politischen� Zwecken!</strong></p><p><strong>Anfangs gewannen die erfahreneren Termiten s�mtliche Schlachten. Aber die Ameisen pa�ten sich an. Sie kopierten die Waffen der Termiten und erfanden neue. Die weltweiten Kriege zwischen Termiten und Ameisen entfachten zwanzig Millionen Jahre lang den Planeten. Schlie�lich erlangten die Ameisen einen entscheidenden Vorteil, als sie die Waffe des S�urestrahls entdeckten.</strong></p><p><strong>Die Schlachten zwischen den beiden Arten dauern bis heute an, aber selten nur tragen die Einheiten der Legionen den Sieg davon.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>�Sie kannten ihn aus Afrika, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, antwortete der Professor. �Edmond hatte Kummer. Seine Frau war gestorben, wenn ich mich recht entsinne. Er hat sich mit Feuereifer in das Studium der Insekten gest�rzt.�</p><p>�Und weshalb Insekten?�</p><p>�Warum nicht? Die Insekten schlagen uns seit Menschengedenken in ihren Bann. Schon unsere fr�hesten Vorfahren f�rchteten die M�cken, die ihnen das Fieber �bertrugen, die Fl�he, die Juckreiz verursachten, die Spinnen, die sie stachen, die R�sselk�fer, die ihre Nahrungsvorr�te auffra�en. Das hat Spuren hinterlassen.�</p><p>Jonathan befand sich im entomologischen Labor Nr. 326 des Nationalen Forschungszentrums in Fontainebleau und unterhielt sich mit Prof. Daniel Rosenfeld, einem gutaussehenden, freundlichen, �beraus redegewandten alten Herrn mit einem Pferdeschwanz.</p><p>�Das Insekt verunsichert uns, es ist kleiner und zarter als wir, und dennoch trotzt es uns, es bedroht uns sogar. Im �brigen, wenn man es recht bedenkt, landen wir zu guter Letzt alle in den M�gen der Insekten. Denn es sind die Maden, die Larven der Fliegen also, die sich an unseren sterblichen �berresten g�tlich tun ...�</p><p>�Daran hatte ich nicht gedacht.�</p><p>�Das Insekt wurde lange als die Inkarnation des B�sen angesehen. Beelzebub, eine der Ausgeburten der H�lle, wird zum Beispiel mit einem Fliegenkopf dargestellt. Das ist kein Zufall.�</p><p>�Die Ameisen haben einen besseren Ruf als die Fliegen.�</p><p>�Je nachdem. Das ist von Kultur zu Kultur verschieden. Im Talmud sind sie das Symbol der Rechtschaffenheit. Im tibetanischen Buddhismus repr�sentieren sie die L�cherlichkeit des materiellen Strebens. Die Bauli (??) an der Elfenbeink�ste glauben, da� eine schwangere Frau, die von einer Ameise gebissen wird, ein Kind mit einem Ameisenkopf zur Welt bringt. Manche polynesischen St�mme hingegen halten sie f�r winzige Gottheiten.�</p><p>�Edmond hatte doch vorher �ber Bakterien gearbeitet. Weshalb hat er damit aufgeh�rt?�</p><p>�Weil er seine Forschungen auf dem Gebiet der Insekten, und ganz besonders der Ameisen, tausendmal spannender fand. Und wenn ich &gt;Forschungen&lt; sage, dann meine ich damit ein totales Engagement. Niemand anders als er hat das Gesuch zum Verbot der Spielzeugameisenhaufen eingereicht, jener Plastikdosen mit einer K�nigin und sechshundert Arbeiterinnen, die in den Superm�rkten verkauft wurden. Und er hat sich daf�r eingesetzt, Ameisen als &gt;Insektizide&lt; zu verwenden. Er wollte, da� systematisch St�dte roter Ameisen in den W�ldern eingerichtet werden, um sie von Parasiten zu befreien. Das war gar nicht so dumm. Schon fr�her hat man Ameisen benutzt, um die Raupen des Prozessionsspinners an den italienischen Kiefern und die Pamphiliide (??) der polnischen Tannen zu bek�mpfen, zwei Sch�dlinge, die ganze W�lder heimsuchen.�</p><p>�Die Insekten gegeneinander aufzuhetzen, war das seine Idee?�</p><p>�Mmmh ... Er nannte das &gt;sich in ihre Diplomatie einmischen&lt;. Im letzten Jahrhundert ist mit den chemischen Insektiziden derma�en viel Unfug angestellt worden. Man darf die Insekten nie frontal angreifen, und erst recht darf man sie nicht untersch�tzen und hoffen, sie zu bezwingen, wie man es mit den S�ugetieren gemacht hat. Das Insekt hat beispielsweise eine Parade gegen s�mtliche chemischen Giftstoffe: den Mithridatismus. Da� man es immer noch nicht geschafft hat, der Heuschreckenplage Herr zu werden, wissen Sie, das liegt daran, da� sie sich an alles gew�hnen, diese Teufelchen. Pumpen Sie sie mit Vertilgungsmittel voll, zu neunundneunzig Prozent krepieren sie, aber ein Prozent �berlebt. Und dieses eine Prozent ist nicht nur immunisiert, sondern bringt kleine Heuschrecken zu Welt, die zu hundert Prozent gegen dieses Insektizid &gt;geimpft&lt; sind. So hat man vor zweihundert Jahren den Fehler begangen, st�ndig die Giftigkeit der Produkte zu erh�hen. So da� sie mehr Menschen als Insekten t�teten. Und wir haben hyperresistente Insektenst�mme geschaffen, die imstande sind, die giftigsten Stoffe ohne jeden Schaden zu konsumieren.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen, da� es kein wirksames Mittel gibt, die Insekten zu bek�mpfen?�</p><p>��berzeugen Sie sich selbst. Es gibt immer noch M�cken, Heuschrecken, R�sselk�fer, Tsetsefliegen - und Ameisen. Sie widerstehen allem. 1945 hat man festgestellt, da� einzig die Ameisen und die Skorpione die nukleare Explosion �berlebt haben. Sogar daran haben sie sich gew�hnt!�</p><p>Nr. 327 hat das Blut einer Zelle des Volkes vergossen. Er hat seinem eigenen Organismus schlimmste Gewalt angetan. Das hinterl��t einen bitteren Beigeschmack. Aber hatte er eine andere Wahl, wo er doch �berleben mu�te, um als Hormon der Information seinen Auftrag zu erf�llen?</p><p>Nur weil man versucht hat, es zu t�ten, hat es selbst get�tet. Das ist eine Kettenreaktion. Wie der Krebs. Wenn sich das Volk ihm gegen�ber unnormal verh�lt, ist es gezwungen, ebenso zu handeln. Es mu� sich mit diesem Gedanken vertraut machen.</p><p>Es hat eine Schwesterzelle get�tet. Es wird vielleicht weitere t�ten.</p><p>�Aber was hat er in Afrika gewollt? Ameisen gibt es doch �berall, wie Sie selbst sagen.�</p><p>�Sicher, aber nicht die gleichen Ameisen ... Ich glaube, nach dem Verlust seiner Frau war ihm alles einerlei; heute frage ich mich sogar, ob er nicht darauf wartete, da� die Ameisen seinen Selbstmord besorgten.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Sie haben ihn um ein Haar aufgefressen, verdammt noch mal! Die afrikanischen Seidenameisen ... Haben Sie nie den Film <emphasis>Wenn die Marabunta grollt</emphasis> gesehen?�</p><p>Jonathan sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Die Marabunta nennt man die Masse von Seidenameisen, oder auch annoma nigricans, die durch das Flachland zieht und auf ihrem Weg alles zerst�rt.�</p><p>Prof. Rosenfeld stand auf, als wollte er sich einer unsichtbaren Welle entgegenstemmen.</p><p>�Zuerst h�rt man eine Art gewaltiges Rauschen, das sich aus den Schreien und dem Kreischen, dem Fl�gelschlagen und Stampfen s�mtlicher Kleintiere zusammensetzt, die die Flucht ergreifen. In diesem Stadium ist von den Seidenameisen noch nichts zu sehen. Dann tauchen einige Kriegerinnen auf einem H�gel auf. Nach diesen Kundschafterinnen kommen die anderen ganz schnell, in Kolonnen, so weit das Auge reicht. Das ist wie ein Lavastrom, der alles einschmelzt, was er ber�hrt.�</p><p>Der Professor ging gestikulierend, von seinem Gegenstand hingerissen, auf und ab.</p><p>�Das ist das giftige Blut Afrikas. Lebende S�ure. Ihre Anzahl ist erschreckend. Eine Kolonie von Seidenameisen legt Tag f�r Tag durchschnittlich f�nfhunderttausend Eier. Ganze Eimer k�nnte man damit f�llen ... Und dieser Strom aus schwarzer Schwefels�ure flie�t dahin, klettert B�schungen und B�ume hinauf, nichts kann ihn aufhalten. Die V�gel, Eidechsen oder insektenfressenden S�ugetiere, die das Pech haben, ihnen zu nahe zu kommen, werden sogleich zerst�ckelt. Die reinste Apokalypse! Die Seidenameisen haben vor keinem Tier Angst. Einmal habe ich eine zu neugierige Katze gesehen, die sich im Handumdrehen in nichts aufl�ste. Sie �berqueren sogar Fl�sse, indem sie Pontonbr�cken mit ihren eigenen Kadavern errichten . ! An der Elfenbeink�ste, in der Gegend, die an das �kologische Institut von Lamto grenzt, in dem wir arbeiteten, hat die Bev�lkerung immer noch kein Mittel gegen ihre Invasion gefunden. Sobald es hei�t, da� diese winzigen Attilas ihr Dorf durchqueren werden, raffen die Leute ihr wertvollstes Hab und Gut zusammen und fliehen. Sie stellen Tisch- und Stuhlbeine in Eimer voll Essig und beten zu ihren G�ttern. Wenn sie zur�ckkommen, ist alles blitzblank, als w�re ein Taifun hindurchgefegt. Es gibt nicht mehr das kleinste Br�ckchen Nahrung oder irgendeiner organischen Substanz. Auch kein Ungeziefer mehr. Letztlich sind die Seidenameisen das beste Mittel, seine H�tte von Grund auf zu reinigen.�</p><p>�Und wie haben Sie sie dann studieren k�nnen, wenn sie so blutd�rstig sind?�</p><p>�Wir haben gewartet, bis es Mittag war. Die Insekten haben keinen W�rmehaushalt wie wir. Ist es drau�en 18�, ist es auch in ihrem K�rper 18�, und wenn Hitze herrscht, f�ngt ihr Blut an zu kochen. Das ist unertr�glich f�r sie. Also graben sich die Seidenameisen bei den ersten hei�en Strahlen ein Nest, sozusagen ein Biwak, in dem sie eine mildere Witterung abwarten. Das ist eine Art Miniwinterschlaf, nur da� sie nicht von der K�lte, sondern von der Hitze lahmgelegt werden.�</p><p>�Und dann?�</p><p>Jonathan hatte Schwierigkeiten, ein richtiges Zwiegespr�ch zu f�hren. F�r ihn waren solche Gespr�che wie kommunizierende R�hren. Es gibt einen, der Bescheid wei�, die volle R�hre, und einen, der nicht Bescheid wei�, die leere R�hre, in der Regel er selbst. Jener, der nichts wei�, sperrt die Ohren auf und kurbelt von Zeit zu Zeit den Redeschwung seines Gespr�chspartners mit einem �Und dann?�, einem �Erz�hlen Sie mir davon� und einem Kopfnicken an.</p><p>Wenn es andere Mittel gab, sich zu unterhalten, so kannte er sie nicht. Au�erdem kam es ihm vor, wenn er seine Zeitgenossen betrachtete, als hielte ein jeder nur parallele Monologe und benutzte den anderen als kostenlosen Psychiater. Unter diesen Umst�nden zog er seine eigene Technik vor. Es hatte vielleicht den Anschein, als w��te er nichts, aber zumindest lernte er so unaufh�rlich dazu. Besagt nicht ein chinesisches Sprichwort: Wer eine Frage stellt, ist f�nf Minuten dumm, wer keine stellt, ist es sein Leben lang?</p><p>�Und dann? Wir sind hingegangen, verflixt! Und das war was, glauben Sie mir. Wir hatten vor, diese verfluchte K�nigin zu finden. Besagtes dickes Tierchen, das f�nfhunderttausend Eier am Tag legt. Wir wollten sie nur sehen und fotografieren. Wir haben dicke Kanal arb ei ter stiefel angezogen. Pech f�r Edmond, er hatte Gr��e 43, und es war nur noch ein Paar in 40 da. Er ist in Pataugas mitgekommen ... Ich erinnere mich, als w�re das gestern gewesen. Um 12.30 Uhr haben wir die vermutliche Form des Nest-Biwaks auf den Boden gekratzt und haben ringsum einen Graben von einem Meter Tiefe gebuddelt.</p><p>Um 13.30 Uhr haben wir die �u�eren Kammern erreicht. Eine schwarze und knisternde Fl�ssigkeit kam uns entgegen. Tausende h�chst aufgeregte Kriegerinnen knallten mit ihren Mandibeln, die bei dieser Art scharf sind wie Rasierklingen. Sie pflanzten sie in unsere Stiefel, w�hrend wir uns mit Schaufel und Hacke weiter in Richtung K�nigin vork�mpften. Schlie�lich haben wir unseren Schatz gefunden. Ein Insekt, zehnmal gr��er als unsere europ�ischen K�niginnen. Wir haben sie von allen Seiten genauestens fotografiert, w�hrend sie in ihrer Duftsprache sicher ein ums anderemal <emphasis>God save the Queen</emphasis> rief ... Das Ergebnis lie� nicht lange auf sich warten. Von �berall her tauchten Kriegerinnen zusammen und bildeten Klumpen auf unseren F��en. Einigen gelang es sogar, �ber ihre Kolleginnen hinweg, die sich in das Gummi verbissen hatten, nach oben zu klettern. Von dort krabbelten sie uns unter die Hose, dann unters Hemd. Wir wurden alle zu Gullivern, aber unsere Liliputaner hatten nur den einen Gedanken, uns in mundgerechte Portionen zu zerlegen! Wir mu�ten vor allem aufpassen, da� sie nicht in unsere K�rper�ffnungen eindrangen: Nase, Mund, Anus, Trommelfell. Sonst ist es aus, sie graben sich innen durch!�</p><p>Jonathan schwieg beeindruckt. Der Professor schien die ganze Szene noch einmal zu erleben, er f�hrte sie mit der Kraft des jungen Mannes vor, der er nicht mehr war.</p><p>�Wir gaben uns heftige Klapse, um sie zu vertreiben. Sie, sie lie�en sich von unserem Atem und unserem Schwei� leiten. Wir hatten allesamt Yoga�bungen gemacht, um langsam zu atmen und unsere Angst zu kontrollieren. Wir haben versucht, nicht zu denken, diese Trauben von Kriegerinnen zu vergessen, die uns t�ten wollten. Und wir haben zwei ganze Filme verknipst, zum Teil mit Blitz. Kaum waren wir damit fertig, sprangen wir alle aus dem Graben. Au�er Edmond. Die Ameisen hatten ihn von Kopf bis Fu� eingeh�llt, sie schickten sich an, ihn aufzufressen! Wir haben ihn schnell an den Armen herausgezogen, haben ihn entkleidet und mit dem Buschmesser s�mtliche Kiefer und K�pfe abgeschabt, die in seinem K�rper steckten. Wir waren alle zerschunden, aber nicht so wie er mit seinen Pataugas. Und vor allem: er war in Panik geraten, er hatte Angstpheromone ausgeschieden.�</p><p>�Schrecklich.�</p><p>�Nein, prima, da� er mit dem Leben davongekommen ist. Das hat ihm die Ameisen �berdies nicht verleidet. Im Gegenteil, er hat sie noch besessener erforscht.�</p><p>�Und danach?�</p><p>�Er ist nach Paris zur�ckgekehrt. Wir haben nichts mehr von ihm geh�rt. Er hat seinen alten Rosenfeld kein einziges Mal angerufen, der Schuft. Schlie�lich habe ich in der Zeitung gelesen, da� er tot ist. Frieden seiner Asche.�</p><p>Er ging zum Fenster, um den Vorhang zur Seite zu schieben und ein altes Thermometer in emailliertem Blech zu betrachten.</p><p>�Hm, 30� mitten im April, unglaublich. Es wird von Jahr zu Jahr hei�er. Wenn das so weitergeht, ist Frankreich in zehn Jahren ein tropisches Land.�</p><p>�Steht es so schlimm?�</p><p>�Man merkt es kaum, weil das langsam fortschreitet. Aber wir Insektenforscher stellen es an einigen ganz pr�zisen Details fest: Pl�tzlich gibt es im Pariser Becken Insektenarten, die f�r die �quatorgegenden typisch sind. Ist Ihnen nie aufgefallen, da� die Schmetterlinge immer schillernder werden?�</p><p>�In der Tat, gestern habe ich einen auf einem Wagen gesehen, rot und schwarz schimmernd .�</p><p>�Wahrscheinlich eine Zyg�ne mit f�nf Flecken. Ein Giftschmetterling, der bislang nur in Madagaskar zu finden war. Wenn das so weitergeht . K�nnen Sie sich vorstellen, Seidenameisen in Paris? Bonjour Panique. Das w�re ein lustiger Anblick ...�</p><p>Nachdem er sich die Antennen ges�ubert und einige warme St�cke der �eingetretenen� Pf�rtnerin verzehrt hat, huscht Nr. 327 durch die h�lzernen G�nge. Das k�nigliche Gemach ist in der N�he, er kann es riechen. Zum Gl�ck ist es 25�, bei dieser Temperatur ist in der Verbotenen Stadt nicht allzuviel Betrieb. Er d�rfte sich ohne Schwierigkeiten hindurchschl�ngeln k�nnen.</p><p>Pl�tzlich nimmt er den Geruch von zwei Kriegerinnen wahr, die ihm entgegenkommen. Eine gro�e und eine kleine. Und der Kleinen fehlen zwei Beine ...</p><p>Sie saugen aus der Ferne gegenseitig ihre D�fte auf.</p><p>Unglaublich, das ist das M�nnchen!</p><p>Unglaublich, das sind die beiden!</p><p>Nr. 327 nimmt schleunigst Rei�aus, um sie abzuh�ngen. Er kreist durch dieses dreidimensionale Labyrinth. Er verl��t die Verbotene Stadt. Die Pf�rtnerinnen halten ihn nicht auf, da sie nur darauf programmiert sind, zu verhindern, da� jemand von drau�en nach drinnen eindringt. Seine Beine treten jetzt auf lockeren Boden. Er nimmt Kurve um Kurve.</p><p>Aber die beiden anderen sind auch sehr schnell und lassen sich nicht absch�tteln. In diesem Moment rempelt das M�nnchen eine mit einem Grashalm beladene Arbeiterin an und st��t sie um. Das war keine Absicht, aber die Killerinnen mit dem Felsenduft werden in ihrem Schwung gebremst.</p><p>Er mu� diese Atempause ausnutzen. Er versteckt sich schnell in einer Spalte. Die Hinkende n�hert sich. Er zw�ngt sich noch ein wenig weiter in sein Versteck.</p><p>�Wo ist er hin?�</p><p>�Er ist wieder unten.�</p><p>�Wie, wieder unten?�</p><p>Lucie nahm Augustas Arm und f�hrte sie zu der Kellert�r.</p><p>�Seit gestern abend steckt er da drin.�</p><p>�Und er ist immer noch nicht zur�ck?�</p><p>�Nein, ich wei� nicht, was da unten vorgeht, aber er hat mir strikt verboten, die Polizei anzurufen ... Er ist schon ein paarmal da runtergegangen, und er ist jedesmal zur�ckgekommen.�</p><p>Augusta war verbl�fft.</p><p>�Das ist verr�ckt! Sein Onkel hat es ihm doch ausdr�cklich verboten .�</p><p>�Jetzt nimmt er schon Berge von Werkzeugen mit, Stahlteile, gro�e Betonplatten. Keine Ahnung, was er sich da unten zurechtbastelt .�</p><p>Lucie schlug die H�nde vors Gesicht. Sie war am Ende, sie sp�rte, da� sie wieder depressiv wurde.</p><p>�Und wir k�nnen ihm nicht nachgehen und ihn suchen?�</p><p>�Nein. Er hat ein Schlo� angebracht und von innen abgeschlossen.�</p><p>Augusta setzte sich mit betretener Miene.</p><p>�O wei, o wei ... Wenn ich gewu�t h�tte, da� Edmonds Geist soviel Scherereien macht ...�</p><empty-line/><p><strong>Spezialisten: ���Die ����ber Millionen von Jahren vollzogene</strong></p><p><strong>Arbeitsaufteilung in den gro�en modernen Ameisen St�dten hat genetische Mutationen erzeugt.</strong></p><p><strong>So kommen bestimmte Ameisen mit riesigen, scherenf�rmigen Mandibeln zu Welt, um Soldaten zu werden; andere haben stumpfe Mandibeln, um Getreidemehl herzustellen; wieder andere sind mit hochentwickelten Speicheldr�sen ausgestattet, um die jungen Larven zu befeuchten und zu desinfizieren.</strong></p><p><strong>Das ist ein wenig so, als k�men bei uns die Soldaten mit Fingern in Form von Messern zur Welt, die Bauern mit zangenartigen F��en, damit sie die Obstb�ume hinaufklettern k�nnen, die Ammen mit zehn Br�sten.</strong></p><p><strong>Aber von allen �berufsbedingten� Mutationen ist die der Liebe am eindrucksvollsten.</strong></p><p><strong>Damit sich die Masse der Arbeiterinnen nicht durch erotische Triebe ablenken l��t, werden sie geschlechtslos geboren. S�mtliche Fortpflanzungsorgane sind auf Spezialisten konzentriert: M�nnchen und Weibchen, die Prinzen und Prinzessinnen dieser parallelen Zivilisation.</strong></p><p><strong>Jene kommen einzig der Liebe wegen zur Welt, einzig zu diesem Zweck sind sie ausger�stet. Sie verf�gen �ber allerlei �Zubeh�r�, das ihnen bei ihrer Paarung dienlich ist. Das geht von den Fl�geln �ber die zum Senden und Empfangen abstrakter Emotionen f�higen Antennen bis hin zu den Infrarot-Ozellen.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Das Versteck ist keine Sackgasse, es f�hrt zu einer kleinen Grotte. Nr. 327 kriecht hinein. Die Kriegerinnen mit dem Felsenduft gehen vorbei, ohne es zu entdecken. Die Grotte ist jedoch nicht unbewohnt. Jemand ist darin, warm und duftend. Jemand, der deutlich, klipp und klar wissen will:</p><p>�Wer sind Sie?�</p><p>Dank seiner Infrarot-Ozellen nimmt das M�nnchen das Tier wahr, das ihn befragt. Ein gro�es Tier, das sch�tzungsweise neunzig Sandk�rner wiegt. Mindestens. Aber eine Soldatin ist das nicht. Das ist etwas, was es bislang noch nie gerochen, noch nie gesehen hat.</p><p>Ein Weibchen.</p><p>Und was f�r ein Weibchen! Feine H�rchen, angenehm mit Sexualhormonen versehen, zieren die anmutig geschwungenen Beine. Die kr�ftigen Antennen knistern vor starken D�ften. Die Augen mit den roten Reflexen sind wie Blaubeeren. Sie hat einen wuchtigen, glatten, stromlinienf�rmigen Hinterleib. Einen breiten Brustschild, dar�ber ein wunderbar k�rniges Mesotonum. Und schlie�lich lange Fl�gel, doppelt so gro� wie seine.</p><p>Das Weibchen spreizt seine niedlichen kleinen Mandibeln und . springt dem M�nnchen an die Kehle, um es zu enthaupten.</p><p>Nr. 327 kann kaum schlucken, er bekommt keine Luft. In Anbetracht des fehlenden Duftausweises hat das Weibchen nicht vor, seinen W�rgegriff zu lockern. Es hat einen Fremdk�rper vor sich, den es zu vernichten gilt.</p><p>Aufgrund seines kleinen Wuchses kann sich Nr. 327 letztlich doch befreien. Er klettert auf die Schultern des Weibchens, pre�t seinen Kopf. Das Blatt wendet sich. Jetzt ist es an ihr, sich Sorgen zu machen. Sie wehrt sich.</p><p>Als ihre Kr�fte schwinden, schiebt Nr. 327 seine Antennen vor. Er will sie nicht t�ten, will nur, da� sie ihm zuh�rt. Die Sache ist nicht einfach. Er will eine AK mit ihr. Ja, eine absolute Kommunikation.</p><p>Das Weibchen (Nr. 327 identifiziert ihre Legenummer, sie ist die Nr. 56) spreizt die Antennen, meidet den Kontakt. Dann b�umt sie sich auf, um sich von ihm zu befreien. Aber das M�nnchen bleibt wie verwurzelt auf ihrem Mesotonum und verst�rkt den Druck seiner Mandibeln. Wenn er so weitermacht, wird er ihr den Kopf ausrupfen wie Unkraut.</p><p>Sie h�lt still. Nr. 327 auch.</p><p>Mit ihren Ozellen, die ein Blickfeld von hundertachtzig Grad haben, kann sie den auf ihrem Thorax sitzenden Peiniger deutlich sehen. Er ist ganz klein.</p><p>Ein M�nnchen.</p><p>Sie erinnert sich an die Lektionen der Ammen:</p><p><emphasis>Die M�nnchen sind Halbwesen. Im Gegensatz zu allen anderen Zellen der Stadt sind sie nur mit der H�lfte der Chromosomen ausgestattet. Sie gehen aus unbefruchteten Eiern hervor. Sie sind also gro�e Eizellen oder vielmehr gro�e Samenzellen, die im Freien leben.</emphasis></p><p>Sie hat also eine Samenzelle auf dem R�cken, die sie erw�rgen m�chte. Die Vorstellung am�siert sie fast. Warum werden bestimmte Eier befruchtet und andere nicht? Wahrscheinlich aufgrund der Temperatur. Unterhalb von 20� kann die Spermathek nicht aktiviert werden, und die K�nigin legt unbefruchtete Eier. Die M�nnchen sind also aus der K�lte hervorgegangen. Wie der Tod.</p><p>Zum erstenmal sieht sie einen aus Fleisch und Chitin. Was hat er hier zu suchen, im Gemach der Jungfrauen? Dieser Bereich ist tabu, den weiblichen Zellen vorbehalten. Wenn irgendeine fremde Zelle in ihr zerbrechliches Heiligtum einbrechen kann, dann steht die T�r s�mtlichen Infektionen offen!</p><p>Das M�nnchen Nr. 327 versucht erneut, den Antennenkontakt herzustellen. Aber das Weibchen l��t sich nicht �berrumpeln.</p><p>Kaum spreizt er seine Antennen, klappt sie ihre auf den Kopf; kaum streift er das zweite Segment, zieht sie sie unverz�glich zur�ck. Sie will nicht.</p><p>Er erh�ht den Druck seiner Kiefer, und es gelingt ihm, sein siebtes Antennensegment mit ihrem siebten in Ber�hrung zu bringen. Das Weibchen Nr. 56 hat noch nie mit jemandem auf diese Weise in Verbindung gestanden. Man hat sie gelehrt, jeglichen Kontakt zu meiden, lediglich D�fte auszuscheiden oder aus der Luft zu empfangen. Aber sie wei�, da� diese �therische Kommunikation tr�gerisch ist. Belo-kiu-kiuni hat eines Tages ein diesbez�gliches Pheromon ausgesto�en:</p><p><emphasis>Zwischen zwei Gehirnen gibt es stets allerlei Unverst�ndnis und L�gen, hervorgerufen durch parasit�re D�fte, Luftstr�me und die schlechte Qualit�t von Sender und Empfang.</emphasis></p><p>Das einzige Mittel, diese Unannehmlichkeiten abzustellen: die absolute Kommunikation. Der direkte Kontakt der Antennen. Der ungest�rte �bergang der Informationen von einem Gehirn zum andern.</p><p>F�r sie ist das wie eine Entjungferung ihres Geistes. Jedenfalls etwas Hartes und Unbekanntes.</p><p>Aber sie hat keine Wahl. Wenn er weiter so zudr�ckt, wird er sie t�ten. Sie zieht die Antennen auf ihre Schultern zur�ck zum Zeichen der Unterwerfung.</p><p>Die AK kann beginnen. Die beiden Antennenpaare r�cken entschlossen zusammen. Leichter elektrischer Schlag. Die Nervosit�t. Langsam, dann immer schneller, reiben die beiden Insekten ihre gezackten elf Segmente aneinander. Ein Schaum bildet sich, mit konfusen �u�erungen gef�llt und voller Bl�schen. Diese fette Substanz schmiert die Antennen ein und erm�glicht es, den Rhythmus des Reibens noch zu beschleunigen. Die beiden Insektenk�pfe beben eine Weile unkontrolliert, dann beenden die Antennenstengel ihren Tanz und pressen sich der L�nge nach aneinander. Jetzt gibt es nur ein Wesen mit zwei K�pfen, zwei K�rpern und einem einzigen Antennenpaar.</p><p>Das nat�rliche Wunder vollzieht sich. Die Pheromone wandern �ber die tausend und abertausend kleinen Poren und Kapillaren der Segmente von einem K�rper in den anderen. Das Denken vereint sich. Die Gedanken werden nicht mehr kodiert oder dekodiert. Sie werden in ihrem Zustand urspr�nglicher Schlichtheit �berreicht: Bilder, Musik, Gef�hle, D�fte.</p><p>Und in dieser ganz und gar unmittelbaren Sprache erz�hlt das 327. M�nnchen dem 56. Weibchen sein ganzes Abenteuer: die Vernichtung der Expedition, die Duftspuren der Zwerginnen, sein Treffen mit der Mutter, wie man versucht hat, ihn auszuschalten, den Verlust seines Duftausweises, sein Kampf mit der Pf�rtnerin, die Killerinnen mit dem Felsengeruch, die immer noch hinter ihm her sind.</p><p>Kaum ist die AK beendet, zieht sie ihre Antennen zum Zeichen des Wohlwollens zur�ck. Er steigt von ihrem R�cken.</p><p>Jetzt ist er ihr ausgeliefert, sie kann ihm m�helos den Garaus machen. Sie kommt n�her. Mandibeln weit aufgesperrt, und ... �bertr�gt ihm einige ihrer �Pa߫-Pheromone. Damit ist er vorl�ufig aus dem Schneider. Sie schl�gt ihm eine Trophallaxie vor. Er willigt ein. Dann l��t sie ihre Fl�gel kreisen, um s�mtliche Ausd�nstungen ihrer Unterhaltung zu verwehen.</p><p>Endlich. Er hat es geschafft, jemand zu �berzeugen. Die Information ist angekommen, ist von einer anderen Zelle verstanden, akzeptiert worden.</p><p>Er hat seine Arbeitsgruppe gegr�ndet.</p><empty-line/><p><strong>zeit: Die Wahrnehmung des Ablaufs der Zeit ist bei Menschen und Ameisen v�llig verschieden. F�r die Menschen ist die Zeit absolut. Die Dauer einer Sekunde ist stets und immer wieder gleich, einerlei, was passiert.</strong></p><p><strong>Bei den Ameisen hingegen ist die Zeit relativ. Wenn es warm ist, sind die Sekunden sehr kurz. Wenn es kalt ist, dehnen sie sich endlos in die L�nge, bis hin zum winterlichen Bewu�tseinsverlust.</strong></p><p><strong>Diese elastische Zeit verleiht ihnen eine Wahrnehmung der Geschwindigkeit der Dinge, die sich von unserer grundlegend unterscheidet. Um eine Bewegung zu definieren, z�hlt f�r die Insekten nicht nur der Raum und die Zeit, sie f�gen eine dritte Dimension hinzu: die Temperatur.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Fortan sind sie zu zweit darum bem�ht, m�glichst viele Schwestern von der Bedeutung der �Aff�re der zerst�rerischen Geheimwaffe� zu �berzeugen. Es ist noch nicht zu sp�t. Sie m�ssen jedoch zwei Punkte in Betracht ziehen. Zum einen wird es ihnen vor dem Fest der Wiedergeburt, das s�mtliche Energien in Anspruch nehmen wird, nicht gelingen, gen�gend Arbeiterinnen auf ihre Seite zu ziehen. Sie brauchen also einen dritten Komplizen. Zum andern m�ssen sie Vorsorge treffen f�r den Fall, da� die Kriegerinnen mit dem Felsenduft wieder auftauchen. Sie brauchen ein Versteck.</p><p>Nr. 56 schl�gt ihr Gemach vor. Sie hat dort einen Geheimgang gegraben, der ihr im Notfall die Flucht erm�glicht. Nr. 327 ist nicht sonderlich �berrascht. Das ist zur Zeit schwer in Mode, Geheimg�nge zu graben. Angefangen hat das vor hundert Jahren, w�hrend des Krieges gegen die Leimspuckerinnen. Eine K�nigin einer f�derierten Stadt, Ha-yekte-duni, hatte sich in einen Sicherheitswahn gesteigert. Sie hatte sich eine �gepanzerte� verbotene Stadt bauen lassen. Die Seitenw�nde waren mit dicken Kieselsteinen bewehrt, die wiederum mit Termitenzement zusammengef�gt waren!</p><p>Das Problem war, da� es nur einen Ausgang gab. So da� sie in ihrem eigenen Palast festsa�, als ihre Stadt von den Einheiten der leimspuckenden Ameisen umzingelt wurde. Die Leimspuckerinnen hatten keine Schwierigkeiten, sie zu fangen und in ihrem ekelhaften, schnell trocknenden Klebstoff zu ersticken. Die K�nigin Ha-yekte-duni wurde in der Folge ger�cht und ihre Stadt befreit, aber ihr schreckliches und dummes Ende pr�gte auf lange Zeit das Denken der Belokanerinnen.</p><p>Da die Ameisen das ungeheure Gl�ck haben, mit einem Mandibelhieb die Form ihrer Behausung zu ver�ndern, begann jeder, seinen Geheimgang zu bohren. Eine Ameise, die ihr Loch gr�bt, das mag noch angehen, aber wenn sich eine Million daranmacht, ist das eine Katastrophe. Die �offiziellen� G�nge brachen zusammen, so sehr waren sie von den �Privatg�ngen� unterh�hlt. Man benutzte seinen Geheimgang und landete dabei in einem wahren Labyrinth, das von �denen der anderen� gebildet wurde. Das ging so weit, da� ganze Viertel bauf�llig wurden und sogar die Zukunft von Bel-o-kan gef�hrdet war.</p><p>Belo-kiu-kiuni hatte dem einen Riegel vorgeschoben. Niemand durfte mehr auf eigene Faust graben. Aber wie sollte man s�mtliche Gem�cher kontrollieren?</p><p>Nr. 56 schiebt einen kleinen Stein zur Seite, der eine dunkle �ffnung freigibt. Dort ist es. Nr. 327 untersucht das Versteck, findet es perfekt. Bleibt nur noch, einen dritten Komplizen aufzust�bern. Sie gehen hinaus, verschlie�en das Loch sorgf�ltig. Das Weibchen Nr. 56 meint:</p><p><emphasis>Wir nehmen die erstbeste. La� mich machen.</emphasis></p><p>Schon bald begegnen sie jemandem, einer gro�en geschlechtslosen Soldatin, die ein St�ck eines Schmetterlings mit sich schleift. Das Weibchen redet sie von weitem mit emotionsgeladenen Botschaften an, spricht von einer gro�en Bedrohung f�r das Volk. Sie bedient sich der Sprache der Emotionen mit solch virtuoser Feinheit, da� das M�nnchen ba� erstaunt ist. Die Soldatin l��t augenblicklich ihr Wildbret fallen und kommt herbei.</p><p><emphasis>Eine gro�e Bedrohung f�r das Volk? Wo, wer, inwiefern, warum?</emphasis></p><p>Das Weibchen schildert ihr kurz die Katastrophe, die die erste Expedition des Fr�hjahrs ereilt hat. Ihre Art, sich auszudr�cken, verstr�mt k�stliche D�fte. Sie hat bereits den Anmut und das Charisma einer K�nigin. Die Kriegerin ist schnell gewonnen.</p><p><emphasis>Wann ziehen wir los? Wieviel Soldatinnen brauchen wir, um die Zwerginnen anzugreifen?</emphasis></p><p>Sie stellt sich vor. Sie ist die geschlechtslose Nr. 103 683 aus dem Gelege des vergangenen Sommers. Ein gro�er leuchtender Sch�del, lange Mandibeln, Augen kaum vorhanden, kurze Beine, kurzum, eine m�chtige Verb�ndete. Und eine geborene Enthusiastin. Das Weibchen Nr. 56 mu� ihren Feuereifer sogar z�geln.</p><p>Sie erkl�rt ihr, da� es unter ihnen, inmitten des Volkes, Spioninnen gibt, wom�glich S�ldnerinnen, die f�r die Zwergameisen arbeiten und verhindern sollen, da� die Belokanerinnen das R�tsel der geheimen Waffe l�sen.</p><p><emphasis>Man erkennt sie an ihrem charakteristischen Felsengeruch. Wir m�ssen schnell machen.</emphasis></p><p><emphasis>Verla�t euch auf mich.</emphasis></p><p>Sie teilen untereinander die Stadt in Einflu�zonen auf. Nr. 327 wird sich bem�hen, die Ammen des Solariums zu �berzeugen, die im allgemeinen recht naiv sind.</p><p>Nr. 103 683 wird versuchen. Soldatinnen anzuheuern. Wenn es ihr gelingt, ein Heer aufzustellen, w�re das schon toll.</p><p><emphasis>Ich kann auch die Kundschafterinnen befragen, um weitere Informationen �ber diese Geheimwaffe der Zwerginnen zu erhalten.</emphasis></p><p>Nr. 56 wird ihrerseits die Pilzkulturen und die Stallungen aufsuchen, um strategische Unterst�tzung zu erlangen.</p><p>Treffpunkt 23�-Zeit an gleicher Stelle, um Bilanz zu ziehen.</p><p>Diesmal lief im Fernsehen, im Rahmen der Serie �Kulturen der Welt�, ein Bericht �ber die japanischen Sitten:</p><p>�Die Japaner, ein Inselvolk, leben seit Jahrtausenden in Autarkie. Die Welt ist f�r sie zweigeteilt: die Japaner und die anderen, die Fremden mit den unbegreiflichen Br�uchen, die Barbaren, bei ihnen <emphasis>Gai jin</emphasis> genannt. Die Japaner haben seit jeher einen sehr ausgepr�gten Nationalsinn. L��t sich beispielsweise ein Japaner in Europa nieder, wird er automatisch aus der Gruppe ausgeschlossen. Kommt er dann ein Jahr sp�ter zur�ck, sehen ihn seine Eltern nicht mehr als einen der Ihren an. Bei den <emphasis>Gai jin</emphasis> leben hei�t ihren Geist annehmen, mit anderen Worten: ein <emphasis>Gai jin</emphasis> werden. Selbst seine Freunde aus der Kindheit werden ihn behandeln wie irgendeinen Touristen.�</p><p>Auf dem Bildschirm zogen die Bilder verschiedener Tempel und der geheiligten Orte von Shinto vorbei. Die Stimme aus dem Off fuhr fort:</p><p>�Ihre Vorstellung vom Leben und vom Tod unterscheidet sich von unserer. Hier hat der Tod eines Individuums keine gro�e Bedeutung. Besorgniserregend ist der Verlust einer produktiven Zelle. Um den Tod zu z�hmen, lieben es die Japaner, die Kunst des Kampfes zu kultivieren. Der Kendo wird von der Grundschule an gelehrt .�</p><p>Zwei K�mpfende, gekleidet wie alte Samurai, tauchten auf dem Bildschirm auf. Ihre Oberk�rper waren mit schwarzen, beweglichen Platten bedeckt. Auf dem Kopf trugen sie einen ovalen, mit zwei langen Federn in Ohrh�he geschm�ckten Helm. Sie st�rzten mit einem Kriegsschrei aufeinander zu, begannen mit ihren langen S�beln zu fechten.</p><p>Neue Bilder. Ein Mann sitzt auf seinen Fersen und h�lt mit beiden H�nden ein kurzes Schwert gegen seinen Bauch.</p><p>�Der rituelle Selbstmord, <emphasis>Seppuku,</emphasis> ist ein weiteres Kennzeichen der japanischen Kultur. Es ist f�r uns sicher schwer zu verstehen, was .�</p><p>�Fernsehen, immer nur Fernsehen! Da wird man bl�d von! St�ndig werden einem die gleichen Bilder in den Kopf gepfropft. Die erz�hlen doch nur irgendwas. Habt ihr nicht langsam die Nase voll?� rief Jonathan, der seit einigen Stunden zur�ck war.</p><p>�La� ihn. Das beruhigt ihn. Seit dem Tod des Hundes ist er nicht ganz auf der H�he ...�, sagte Lucie mit mechanischer Stimme.</p><p>Er streichelte seinem Sohn �ber das Kinn.</p><p>�Geht�s dir nicht gut, Gro�er?�</p><p>�Pst, ich kann nichts h�ren.�</p><p>�Hoppla! Wie redet der jetzt mit uns!�</p><p>�Wir redet er mit dir! Du mu�t zugeben, er sieht dich nicht sehr oft. Kein Wunder, da� er dir ein wenig die kalte Schulter zeigt.�</p><p>�He, Nicolas! Hast du die vier Dreiecke geschafft?�</p><p>�Nein, das geht mir auf die Nerven. Ich will zuh�ren.�</p><p>�Na sch�n, wenn dir das auf die Nerven geht ...�</p><p>Jonathan spielte nachdenklich mit den Streichh�lzern, die auf dem Tisch liegen.</p><p>�Schade. Das ist ... lehrreich.�</p><p>Nicolas h�rte nicht hin, sein Verstand war direkt an den Fernseher angeschlossen. Jonathan ging in sein Zimmer.</p><p>�Was machst du?� fragte Lucie.</p><p>�Das siehst du doch, ich packe meine Sachen. Ich gehe wieder hinunter.�</p><p>�Was? O nein!�</p><p>�Ich habe keine Wahl.�</p><p>�Jonathan, sag mir endlich, was gibt es da unten, was dich so fasziniert? Immerhin bin ich deine Frau!�</p><p>Er gab keine Antwort. Seine Augen wichen ihr aus. Und immer wieder dieses unsch�ne Zucken. Des Streitens m�de, seufzte sie:</p><p>�Hast du die Ratten get�tet?�</p><p>�Meine blo�e Gegenwart reicht, um sie auf Distanz zu halten. Wenn nicht, dann komme ich ihnen damit.�</p><p>Er z�ckte ein gro�es K�chenmesser, das er ausgiebig gesch�rft hatte. Mit der anderen Hand ergriff er seine Taschenlampe und ging zur Kellert�r, einen Rucksack mit reichlich Proviant und modernstem Schlosserwerkzeug umgeschnallt. Er sagte lediglich:</p><p>�Auf Wiedersehen, Nicolas. Auf Wiedersehen, Lucie.�</p><p>Lucie wu�te nicht, was sie tun sollte. Sie packte Jonathans Arm.</p><p>�So kannst du nicht gehen! Das ist zu einfach. Du mu�t mit mir reden!�</p><p>�Ah, ich bitte dich!�</p><p>�Wie soll ich�s dir nur sagen? Du bist nicht mehr derselbe, seit du in diesen verdammten Keller gegangen bist. Wir haben kein Geld mehr, und du kaufst f�r mindestens f�nftausend Francs Material und B�cher �ber Ameisen.�</p><p>�Ich interessiere mich f�r die Schlosserei und f�r Ameisen. Das ist mein gutes Recht.�</p><p>�Nein, das ist nicht dein Recht. Nicht, wenn du einen Sohn und eine Frau zu ern�hren hast. Wenn du das ganze Arbeitslosengeld f�r B�cher �ber Ameisen ausgibst, werde ich mich noch .�</p><p>�Scheiden lassen? Wolltest du das sagen?�</p><p>Niedergeschlagen lie� sie seinen Arm los.</p><p>�Nein.�</p><p>Er fa�te sie an den Schultern. Zuckender Mundwinkel.</p><p>�Du mu�t mir vertrauen. Ich darf nicht auf halbem Weg stehenbleiben. Ich bin nicht verr�ckt.�</p><p>�Ach nein? Schau dich doch an! Du bist leichenbla�, man k�nnte meinen, du hast st�ndig Fieber!�</p><p>�Mein K�rper altert, mein Kopf wird j�nger.�</p><p>�Jonathan, sag mir, was da unten vorgeht!�</p><p>�Aufregende Dinge. Man mu� tiefer gehen, immer tiefer, wenn man eines Tages wieder hinaufkommen will ... Wei�t du, das ist wie ein Schwimmbad, erst auf dem Grund findet man Halt, um nach oben zu gelangen.�</p><p>Und er brach in ein irres Lachen aus, das noch drei�ig Sekunden sp�ter unheimlich die Wendeltreppe heraufschallte.</p><p>35. OG. Die feine Schicht aus d�nnen Zweigen hat die Wirkung eines Kirchenfensters. Die Sonnenstrahlen dringen glei�end durch diesen Filter, um wie ein Sternenregen auf den Boden zu fallen. Wir sind im Solarium der Stadt, der �Fabrik�, in der die belokanischen B�rger erzeugt werden.</p><p>Es herrscht eine f�rchterliche Hitze. 38�. Das ist normal, das Solarium liegt nach S�den, damit es so lange wie m�glich der Glut des wei�en Gestirns ausgesetzt ist. Manchmal steigen die Temperaturen durch den Katalysatoreffekt der Zweige auf bis zu 50� an.</p><p>Hunderte von Beinen sind in emsiger Bewegung. Am zahlreichsten ist die Kaste der Ammen vertreten. Sie schichten die Eier auf, die Belo-kiu-kiuni gelegt hat. Vierundzwanzig Stapel bilden einen Haufen, vierzig Haufen eine Reihe. Die Reihen verlieren sich in der Ferne. Wenn eine Wolke f�r Schatten sorgt, verschieben die Ammen die Stapel. Die j�ngsten m�ssen stets gut gew�rmt sein. �Feuchte Hitze f�r die Eier, trockene Hitze f�r die Kokons�, so ein altes Ameisenrezept, um sch�ne Junge zu erzeugen.</p><p>Links sieht man Arbeiterinnen, die damit besch�ftigt sind, schwarze Holzbr�ckchen zu stapeln, in denen sich die Hitze speichert, und kompostierte Humusst�ckchen, die Hitze erzeugen. Dank dieser beiden �Radiatoren� weist das Solarium st�ndig eine Temperatur zwischen 25� und 40� auf, selbst wenn die Au�entemperatur nur 15� betr�gt.</p><p>Artilleristinnen gehen auf und ab. F�r den Fall, da� sich ein Gr�nspecht blicken l��t ...</p><p>Rechts erkennt man �ltere Eier. Eine lange Metamorphose: Durch das dauernde Lecken der Ammen und der Zeit werden die kleinen Eier gr��er und gelb. Nach ein bis sieben Wochen verwandeln sie sich in Larven mit goldfarbenen H�rchen. Auch das h�ngt von der Witterung ab.</p><p>Die Ammen sind �u�erst konzentriert. Sie sparen weder mit ihrem antibiotischem Speichel, noch lassen sie in ihrer Aufmerksamkeit nach. Nicht der geringste Dreck darf die Eier besudeln. Sie sind so zerbrechlich. Selbst die Dialogpheromonen werden auf das Allern�tigste beschr�nkt.</p><p><emphasis>Hilf mir, sie in diese Ecke zu tragen</emphasis> ... <emphasis>Achtung, dein Stapel droht einzust�rzen</emphasis> ...</p><p>Eine Amme transportiert eine Larve, die doppelt so gro� ist wie sie selbst. Bestimmt eine Artilleristin. Sie setzt die �Waffe� in einer Ecke ab und beleckt sie.</p><p>In der Mitte dieses weitl�ufigen Brutkastens schreien Haufen von Larven, deren zehn K�rpersegmente sich allm�hlich abzeichnen, nach ihrem Futter. Sie sch�tteln den Kopf hin und her, recken den Hals und lamentieren so lange, bis sich die Ammen dazu bequemen, ihnen ein wenig Honigtau oder ein St�ck Insektenfleisch zu �bergeben.</p><p>Nach drei Wochen, wenn sie gen�gend �gereift� sind, h�ren die Larven auf zu fressen und sich zu bewegen. Es folgt eine Pause der Lethargie, in der sie sich auf die gro�e Anstrengung vorbereiten. Sie sammeln ihre Energien, um den Kokon auszuscheiden, der sie in Puppen verwandeln wird.</p><p>Die Ammen schleppen diese dicken gelben Pakete in einen benachbarten Saal, der mit Sand gef�llt ist, um die Luftfeuchtigkeit zu absorbieren. �Feuchte Hitze f�r die Eier, trockene Hitze f�r die Kokons�, man kann es nicht oft genug wiederholen.</p><p>In diesem Brutofen wird der wei�e Kokon mit dem bl�ulichen Schimmer gelb, dann grau, schlie�lich braun. Der Stein der Weisen in umgekehrter Richtung. Unter der Schale vollzieht sich das Wunder der Natur. Alles �ndert sich. Nervensystem, Atmungs- und Verdauungsapparat, Sinnesorgane, Panzer .</p><p>Die in diesem Brutkasten untergebrachte Puppe wird in wenigen Tagen anschwellen. Das Ei kocht, der gro�e Augenblick naht. Die Puppe, die kurz davor ist, auszuschl�pfen, wird zur Seite gezogen, zu den anderen, die im gleichen Zustand sind. Die Ammen schlitzen behutsam den Schleier des Kokons auf, legen eine Antenne frei, ein Bein, bis eine Art wei�e Ameise erscheint, die zittert und wankt. Ihr noch weiches und helles Chitin wird in einigen Tagen so rot sein wie das der anderen Belokanerinnen.</p><p>Nr. 327, der inmitten dieses Trubels steht, wei� nicht, an wen er sich wenden soll. Er st��t einen schwachen Duft in Richtung einer Amme aus, die einem Neugeborenen hilft, die ersten Schritte zu tun.</p><p><emphasis>Es geschieht etwas Wichtiges.</emphasis></p><p>Die Amme wendet nicht einmal den Kopf. Sie gibt einen Satz von sich, dessen Duft kaum wahrnehmbar ist.</p><p><emphasis>Pst. Es gibt nichts Wichtigeres als die Geburt eines Wesens.</emphasis></p><p>Eine Artilleristin st��t ihn zur Seite, indem sie mit den keulenartigen Enden ihrer Antennen auf ihn einklopft. <emphasis>Tip, tip, tip.</emphasis></p><p><emphasis>Sie d�rfen nicht st�ren. Gehen Sie.</emphasis></p><p>Er hat nicht das richtige Niveau an Energie, er vermag andere nicht zu �berzeugen. Ah, wenn er die Begabung von Nr. 56 h�tte! Dennoch versucht er sein Gl�ck bei anderen Ammen, doch sie schenken ihm nicht die geringste Aufmerksamkeit. Allm�hlich fragt er sich, ob seine Mission wirklich so bedeutsam ist, wie er glaubt. Vielleicht hat Belo-kiu-kiuni recht. Es gibt wichtigere Aufgaben. Zum Beispiel das Leben zu erhalten, fortzupflanzen, statt einen Krieg vom Zaun zu rei�en.</p><p>W�hrend er noch bei diesem merkw�rdigen Gedanken ist, streift ein Strahl Ameisens�ure seine Antennen! Eine Amme hat ihn abgefeuert. Sie hat den Kokon fallen lassen, der ihr anvertraut war, und auf ihn angelegt. Zum Gl�ck hat sie schlecht gezielt.</p><p>Er saust los, um die Terroristin zu fassen, aber sie ist bereits in die erste Krippe davongelaufen und hat einen Stapel Eier umgesto�en, um ihm den Weg zu versperren. Die Schalen zerbrechen und geben eine transparente Fl�ssigkeit frei.</p><p>Sie hat Eier zerst�rt! Was ist in sie gefahren? Es herrscht helle Aufregung, die Ammen laufen kreuz und quer, voller Sorge, die im Entstehen begriffene Generation zu sch�tzen.</p><p>Nr. 327 erkennt, da� er die Fl�chtige nicht einholen kann. Also schiebt er den Hinterleib unter seinen Thorax und legt seinerseits an. Aber bevor er zum Schie�en kommt, wird sie bereits von einer Artilleristin getroffen, die sie beobachtet hat, als sie die Eier umstie�.</p><p>Ein Auflauf bildet sich um den von der Ameisens�ure ver�tzten K�rper. Nr. 327 neigt seine Antennen �ber den Kadaver. Kein Zweifel, er verstr�mt einen schwachen Geruch. Einen Felsenduft.</p><empty-line/><p><strong>Soziabilit�t: Bei den Ameisen wie bei den Menschen ist die Soziabilit�t vorherbestimmt. Die neugeborene Ameise ist zu schwach, um den Kokon, der sie umh�llt, allein zu durchbrechen. Das menschliche Baby ist nicht einmal in der Lage, zu gehen oder sich allein zu ern�hren.</strong></p><p><strong>Ameisen und Menschen sind zwei Arten, die sich so entwickelt haben, da� sie auf die Hilfe ihrer Umgebung angewiesen sind; sie k�nnen nicht allein, von sich aus lernen.</strong></p><p><strong>Diese Abh�ngigkeit von den Erwachsenen ist sicher eine Schw�che, aber sie leitet einen anderen Proze� ein: den der Suche nach Wissen. Wenn die Erwachsenen �berleben k�nnen, die Jungen jedoch nicht, sind letztere von Beginn an gezwungen, von den �lteren die Vermittlung von Kenntnissen zu verlangen.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>20. UG. Das Weibchen Nr. 56 ist noch nicht dazu gekommen, mit den B�uerinnen �ber die Geheimwaffe der Zwerginnen zu reden, denn was sie da sieht, fesselt sie viel zu sehr, als da� sie irgend etwas �u�ern k�nnte.</p><p>Da die Kaste der Weibchen besonders wertvoll ist, bleiben diese w�hrend ihrer ganzen Kindheit in ihrer Kammer eingesperrt. Oft kennen sie von der Welt nicht viel mehr als ein paar hundert G�nge, und nur wenige von ihnen haben sich bereits �ber das 10. Ober- oder das 10. Untergescho� hinausgewagt.</p><p>Einmal hat Nr. 56 versucht, hinauszugehen und die Gro�e Au�enwelt zu betrachten, von der ihr die Ammen erz�hlt hatten, aber die Schildwachen haben sie zur�ckgedr�ngt. Man k�nne mehr oder weniger ihre Ger�che tarnen, nicht aber ihre langen Fl�gel. Also haben ihr die Wachen erz�hlt, da� drau�en riesige Unget�me lauerten. Sie fr��en die kleinen Prinzessinnen auf, die vor dem Fest der Wiedergeburt hinauswollten. Seitdem war Nr. 56 zwischen Neugier und Schrecken hin- und hergerissen.</p><p>Im 20. Untergescho� angelangt, wird ihr klar, da� sie, bevor sie die wilde Gro�e Au�enwelt erkundet, noch viele Wunder in ihrer eigenen Stadt zu entdecken hat. Hier sieht sie zum erstenmal die Pilzkulturen.</p><p>In der belokanischen Mythologie hei�t es, da� die ersten Pilzkulturen im f�nfzigtausendsten Jahrtausend, w�hrend des Getreidekrieges, entdeckt wurden. Ein Artilleristinnen-kommando hatte eine Termitenstadt eingenommen. Pl�tzlich stie�en sie auf einen Saal mit kolossalen Ausma�en. In der Mitte erhob sich ein riesiger wei�er Kuchen, den die Termitenarbeiterinnen unaufh�rlich polierten.</p><p>Sie hatten ihn probiert und �u�erst schmackhaft gefunden. Das war ... das war wie ein ganzes e�bares Dorf! Gefangene gestanden, da� es sich um Pilze handelte. Tats�chlich leben die Termiten nur von Zellulose; da sie diese jedoch nicht verdauen k�nnen, greifen sie auf diese Pilze zur�ck, um sie assimilierbar zu machen.</p><p>Die Ameisen verdauen Zellulose zwar sehr gut und sind nicht auf derlei Tricks angewiesen, aber den Vorteil, solche Kulturen innerhalb ihrer Stadt zu haben, erfa�ten sie nichtsdestoweniger: Das gab ihnen die M�glichkeit, Belagerungen und Hungersn�ten zu trotzen.</p><p>Heute werden in den gro�en S�len im 20. UG von Bel-o-kan die St�mme ausgew�hlt. Die Ameisen verwenden allerdings nicht mehr die gleichen Pilze wie die Termiten, in Belo-kan werden vor allem Lamellenpilze angebaut. Und ausgehend von diesen landwirtschaftlichen T�tigkeiten hat sich eine ganze Technologie entwickelt.</p><p>Nr. 56 irrt zwischen den Beeten dieses wei�en Gartens umher. Auf einer Seite bereiten Arbeiterinnen das �Bett� vor, auf dem der Pilz wachsen wird. Sie schneiden Bl�tter in kleine Vierecke, die anschlie�end zerkratzt, zersto�en, durchgeknetet und zu einer Paste verarbeitet werden. Die Bl�tterpaste wird auf einem aus Exkrementen gebildeten Kompost aufgetragen (die Ameisen sammeln ihre Exkremente in daf�r vorgesehenen Becken) und mit Speichel befeuchtet. Die Arbeit, dieses Erzeugnis zum Keimen zu bringen, wird der Zeit �berlassen.</p><p>Die bereits vergorenen Pasten sind von einem Kn�uel wei�er e�barer Fasern umgeben. Dort links sind welche zu sehen. Die Arbeiterinnen begie�en sie daraufhin mit ihrem desinfizierenden Speichel und schneiden alles ab, was �ber den kleinen wei�en Kegel hinausragt. Wenn man die Pilze wachsen lie�e, w�rden sie bald den Saal sprengen. Aus den von den Arbeiterinnen mit den flachen Mandibeln abgeschnittenen Fasern wird ein ebenso schmackhaftes wie st�rkendes Mehl gewonnen.</p><p>Auch dort sind die Arbeiterinnen h�chst konzentriert. Nicht das geringste Unkraut, nicht der geringste parasit�re Pilz darf von ihren Anstrengungen profitieren.</p><p>Unter diesen nicht gerade g�nstigen Umst�nden versucht Nr. 56, einen Antennenkontakt mit einer G�rtnerin herzustellen, die gerade sorgf�ltig einen der wei�en Kegel beschneidet.</p><p><emphasis>Eine gro�e Gefahr bedroht die Stadt. Wir brauchen Hilfe. Wollt ihr euch unserer Arbeitszelle anschlie�en?</emphasis></p><p><emphasis>Was f�r eine Gefahr?</emphasis></p><p><emphasis>Die Zwerginnen haben eine Geheimwaffe von verheerender Wirkung entdeckt. Wir m�ssen so schnell wie m�glich handeln.</emphasis></p><p>Die G�rtnerin fragt sie sanftm�tig, was sie von ihrem Pilz h�lt, einem sch�nen Lamellenpilz. Nr. 56 begl�ckw�nscht sie dazu. Die andere bietet ihr an, davon zu kosten. Das Weibchen bei�t in die wei�e Paste und versp�rt sogleich ein heftiges Brennen in ihrer Speiser�hre. Gift! Der Lamellenpilz ist mit Myrmikazin getr�nkt worden, einer t�dlichen S�ure, die normalerweise in verd�nnter Form als Unkrautvertilgungsmittel verwendet wird. Nr. 56 hustet und spuckt die giftige Speise rechtzeitig wieder aus. Die G�rtnerin hat ihren Pilz fahrenlassen und springt ihr mit ge�ffneten Mandibeln an die Brust.</p><p>Sie w�lzen sich in dem Kompost, biegen ihre Antennenkeulen ruckartig zur�ck und schlagen einander auf den Sch�del. <emphasis>Klack! Klack! Klack!</emphasis> Die Schl�ge geschehen in der eindeutigen Absicht zu t�ten. Die B�uerinnen trennen die beiden.</p><p><emphasis>Was ist denn mit euch los?</emphasis></p><p>Die G�rtnerin flieht. Nr. 56 �ffnet ihre Fl�gel, setzt ihr mit einem wunderbaren Sprung nach und pre�t sie auf den Boden. In diesem Augenblick identifiziert sie einen schwachen Felsengeruch. Kein Zweifel, auch sie ist an ein Mitglied dieser unerh�rten M�rderbande geraten.</p><p>Sie kneift ihr in die Antennen.</p><p><emphasis>Wer bist du? Warum hast du versucht, mich zu t�ten? Woher kommt dieser Felsenduft?</emphasis></p><p>Schweigen. Sie verdreht ihr die Antennen. Das ist sehr schmerzhaft, die G�rtnerin beginnt zu strampeln, antwortet jedoch nicht. Es ist an sich nicht die Art von Nr. 56, einer Schwesterzelle weh zu tun, dennoch verdreht sie die Antennen weiter.</p><p>Die andere r�hrt sich nicht. Sie ist in die freiwillige Starre eingetreten. Ihr Herz schl�gt kaum noch, sie wird bald sterben. Ver�rgert trennt ihr Nr. 56 beide Antennen ab, aber sie ereifert sich nur noch an einem Kadaver.</p><p>Die B�uerinnen umringen sie erneut.</p><p><emphasis>Was ist los? Was haben Sie mit ihr gemacht?</emphasis></p><p>Nr. 56 denkt, da� dies nicht der Moment ist, sich zu rechtfertigen. Es ist besser, sich aus dem Staub zu machen, was ihr mit einem Fl�gelschlag auch gelingt. Nr. 327 hat recht. Es spielt sich etwas Unglaubliches ab, Zellen innerhalb des Volkes sind verr�ckt geworden.</p></section><section><title><p><strong>2</strong></p><p><strong>Immer tiefer</strong></p></title><p>45. UG: Die 103 683. Geschlechtslose dringt in die Kampfs�le ein. R�ume mit niedrigen Decken, in denen die Soldatinnen im Hinblick auf die Fr�hjahrskriege �ben.</p><p>�berall duellieren sich Kriegerinnen. Die Kontrahentinnen tasten zun�chst einander ab, um ihren Wuchs und die Gr��e der Beine abzusch�tzen. Sie drehen sich, bef�hlen die Flanken, ziehen sich an den Haaren, scheiden herausfordernde D�fte aus, kitzeln sich mit dem keulenartigen Ende ihrer Antennen.</p><p>Schlie�lich st�rmen sie aufeinander ein. Zusammenprall der Panzer. Beide bem�hen sich, die Gelenke des Thorax der anderen zu packen. Sobald es einer gelungen ist, versucht die andere, ihr in die Knie zu bei�en. Ihre Bewegungen sind ruckartig. Sie richten sich auf den beiden Hinterbeinen auf, st�rzen, w�lzen sich w�tend.</p><p>In der Regel verharren sie reglos, wenn sie einmal zugepackt haben, dann pl�tzlich schlagen sie auf ein anderes Glied. Achtung, das ist nur Training, es wird nichts gebrochen, es flie�t kein Blut. Der Kampf ist beendet, wenn eine der beiden Ameisen auf dem R�cken liegt. Dann biegt sie ihre Antennen zum Zeichen der Aufgabe zur�ck. Trotzdem sind diese Duelle sehr realistisch. Oftmals wird ein Griff in den Augen angesetzt, um Halt zu finden. Die Mandibeln knallen in der Luft zusammen.</p><p>In einiger Entfernung sitzen Artilleristinnen auf ihren Hinterleibern und schie�en auf Kieselsteine, die f�nfhundert Kopf weit weg aufgestellt sind. Nicht selten treffen die S�urestrahlen ihr Ziel.</p><p>Eine alte Kriegerin erkl�rt einer Anf�ngerin, da� sich alles schon vor dem Zusammenprall entscheidet. Mandibel oder S�urestrahl best�tigen nur eine �berlegenheit, die bereits vorher von den beiden Streitenden anerkannt wird. Schon vor der Auseinandersetzung gibt es unweigerlich einen, der beschlossen hat zu siegen, und einen, der darin einwilligt, besiegt zu werden. Das ist nur eine Frage der Rollenaufteilung. Wenn jeder erst einmal seine Wahl getroffen hat, kann der Sieger einen S�urestrahl abfeuern, ohne zu zielen, er wird ins Schwarze treffen; und der Besiegte kann noch so gut mit den Mandibeln zuschnappen, er wird seinen Gegner nicht einmal verletzen. Ein einziger Ratschlag nur: Man mu� den Sieg akzeptieren. Das Ganze ist eine Sache des Kopfes. Man mu� den Sieg akzeptieren, und nichts wird einem widerstehen.</p><p>Zwei Duellanten rempeln die 103 683. Soldatin an. Sie st��t sie kr�ftig zur�ck und geht weiter. Sie sucht das Quartier der S�ldnerinnen, das unterhalb der Kampfarena eingerichtet ist. Da ist der Durchgang.</p><p>Der Saal ist noch gr��er als der Saal der Kriegerinnen. Die S�ldnerinnen leben allerdings st�ndig in ihrem �bungsraum. Sie sind nur f�r den Krieg da. S�mtliche Volksst�mme der Gegend sind dort in enger Ber�hrung, verb�ndete St�mme und unterworfene St�mme: gelbe Ameisen, rote Ameisen, schwarze Ameisen, Leimspuckerinnen, primitive Ameisen mit Giftstachel und sogar Zwergameisen.</p><p>Auch das ging auf die Termiten zur�ck, die Idee n�mlich, fremde Bev�lkerungen zu ern�hren, um sie dazu zu bringen, sich im Falle einer Invasion auf die Seite der Belokanerinnen zu schlagen.</p><p>Was die Ameisenst�dte anging, war es durchaus schon vorgekommen, da� sie sich aufgrund diplomatischer Feinheiten mit den Termiten gegen andere Ameisen verb�ndet hatten.</p><p>Das hatte folgende �berlegung ausgel�st: Warum nicht einfach Ameisenlegionen aufstellen, die sich st�ndig in dem Termitenh�gel aufhielten? Die Idee war revolution�r. Und die �berraschung war gewaltig, als sich die Ameisenheere Schwestern von ihrer eigenen Art gegen�bersahen, die f�r die Termiten k�mpften. In diesem Fall hatte sich die Ameisenzivilisation, die sich so prompt anzupassen wu�te, ein wenig �bernommen.</p><p>Gerne h�tten die Ameisen als Reaktion ihre Feinde kopiert und Termitenlegionen gedungen, die gegen Termiten k�mpfen sollten. Das Vorhaben scheiterte jedoch an einem kapitalen Hindernis: Die Termiten sind absolute Royalisten. Ihre Loyalit�t ist unbedingt, sie sind unf�hig, gegen Artgenossen zu k�mpfen. Einzig die Ameisen, deren politische Systeme ebenso vielf�ltig sind wie ihre Physiologie, sind in der Lage, all die perversen Verwicklungen des S�ldnertums auf sich zu nehmen.</p><p>Dann eben nicht! Die gro�en Ameisenf�derationen hatten sich damit begn�gt, ihr Heer mit zahlreichen Legionen fremder Ameisen zu verst�rken, die samt und sonders unter dem belokanischen Duftbanner vereint waren.</p><p>Nr. 103 683 geht auf die gedungenen Zwergameisen zu. Sie fragt sie, ob sie etwas von der Entwicklung einer Geheimwaffe in Shi-gae-pu geh�rt h�tten, eine Waffe, die f�hig sei, eine ganze Expedition von achtundzwanzig roten Ameisen blitzartig zu vernichten. Sie antworten, eine solch wirksame Waffe h�tten sie noch nie gesehen noch h�tten sie je davon geh�rt.</p><p>Nr. 103 683 befragt andere S�ldnerinnen. Eine gelbe Ameise behauptet, solch ein Wunder habe sie selbst erlebt. Das sei allerdings keine Attacke der Zwerginnen gewesen, sondern ... eine verfaulte Birne, die unvermutet von einem Baum gefallen sei. Alle brechen in ein schallendes Pheromonenlachen aus. Das ist der Humor der gelben Ameisen.</p><p>Nr. 103 683 steigt in einen Saal, wo ihre n�chsten Kolleginnen trainieren. Sie kennt sie allesamt pers�nlich. Man h�rt ihr aufmerksam zu, man vertraut ihr. Die Gruppe �Suche nach der Geheimwaffe der Zwerginnen� umfa�t alsbald mehr als drei�ig entschlossene Kriegerinnen. Ah, wenn Nr. 327 das s�he!</p><p><emphasis>Achtung, eine organisierte Bande versucht alle zu vernichten, die etwas in Erfahrung bringen wollen. Bestimmt rote S�ldnerinnen im Dienst der Zwerginnen. Man kann sie identifizieren, sie riechen alle nach Felsen.</emphasis></p><p>Zur Sicherheit beschlie�en sie, ihre erste Versammlung ganz unten in der Stadt, in einem der tiefsten S�le der f�nfzigsten Etage, abzuhalten. Niemand verirrt sich jemals dorthin. Dort d�rften sie ungest�rt ihre Offensive vorbereiten k�nnen.</p><p>Aber der K�rper von Nr. 103 683 signalisiert eine j�he Beschleunigung der Zeit. Es ist 23�. Sie verabschiedet sich und hastet zu ihrem Treffen mit Nr. 327 und Nr. 56.</p><empty-line/><p><strong>�sthetik: Was gibt es Sch�neres als eine Ameise? Ihre Linien sind geschwungen und edel, ihre Aerodynamik vollkommen. Die gesamte Karosserie des Insekts ist so angelegt, da� jedes Glied perfekt in die dazu vorgesehene Raste pa�t. Jedes Gelenk ist ein mechanisches Wunder. Die Platten f�gen sich ineinander, als w�ren sie von einem computergest�tzten</strong><emphasis>Designer</emphasis><strong>entworfen worden. Da knirscht nichts, da reibt sich nichts. Der dreieckige Kopf zerschneidet die Luft, die langen, elastischen Beine verleihen dem K�rper eine bequeme Spannung unmittelbar �ber dem Boden. Ein italienischer Sportwagen, k�nnte man sagen.</strong></p><p><strong>Die Krallen erm�glichen es ihr, an der Decke zu gehen. Die Augen haben ein Gesichtsfeld von hundertachtzig Grad. Die Antennen erfassen Tausende von Informationen, die f�r uns unsichtbar sind, und ihre Enden k�nnen als Hammer verwendet werden. Der Hinterleib ist voller Taschen, S�cke, F�cher, in denen das Insekt chemische Produkte speichern kann. Die Mandibeln schneiden, kneifen, packen. Ein gro�artiges inneres R�hrensystem erlaubt es, Duftnachrichten zu hinterlassen.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Nicolas wollte nicht schlafen. Er sa� immer noch vor dem Fernseher. Die Nachrichten hatten mit der Mitteilung geendet, da� die Sonde Marco Polo auf dem R�ckweg sei.</p><p>Schlu�folgerung: Es gab nicht das geringste Anzeichen von Leben in den benachbarten Sonnensystemen. S�mtliche Planeten, die die Sonde aufgesucht hatte, boten nur das immergleiche Bild von felsigen W�sten oder fl�ssiger, ammoniakhaltiger Oberfl�chen. Nicht die kleinste Moospflanze, nicht die geringste Am�be, nicht die geringste Mikrobe.</p><p>�Und wenn Papa recht hat?� sagte sich Nicolas. �Wenn wir wirklich die einzige Form intelligenten Lebens im ganzen Weltall w�ren?�</p><p>Sicher, das war entt�uschend, aber es drohte zu stimmen.</p><p>Nach den Nachrichten lief im Rahmen der Serie �Kulturen der Welt� ein gro�er Bericht, der sich mit dem Problem der Kasten in Indien befa�te.</p><p>�Die Hindus geh�ren ihr Leben lang der Kaste an, in der sie geboren sind. Jede Kaste hat ihre eigenen Regeln, einen strengen Kode. Regeln, die niemand �bertreten darf, ohne von seiner urspr�nglichen sowie allen anderen Kasten ge�chtet zu werden. Um ein solches Verhalten zu verstehen, m�ssen wir uns erinnern, was .�</p><p>�Es ist ein Uhr nachts�, schaltete sich Lucie ein.</p><p>Nicolas war mit Bildern �bers�ttigt. Seit dem Problem mit dem Keller hockte er gut vier Stunden pro Tag vor dem Fernseher. Das war sein Weg, nicht mehr zu denken und nicht mehr er selbst zu sein. Die Stimme seiner Mutter rief ihn in die schmerzliche Wirklichkeit zur�ck.</p><p>�Na, bist du noch nicht m�de?�</p><p>�Wo ist Papa?�</p><p>�Er ist noch im Keller. Du mu�t jetzt schlafen.�</p><p>�Ich kann nicht schlafen.�</p><p>�Soll ich dir eine Geschichte erz�hlen?�</p><p>�Au ja, eine Geschichte! Eine sch�ne Geschichte!�</p><p>Lucie brachte ihn in sein Zimmer. Sie setzte sich auf die Bettkante und l�ste ihre langen roten Haare. Sie w�hlte ein altes hebr�isches M�rchen.</p><p>�Es war einmal ein Steinhauer, der war es leid, sich den ganzen Tag damit abzurackern, unter einer hei�en Sonne L�cher in den Berg zu hauen. &gt;Ich hab dieses Leben satt. Steine hauen, immer nur Steine hauen, das ist eine Schinderei ... Und diese Sonne, immer diese Sonne! Ah, wie gern w�re ich an ihrer Stelle, ich w�re da oben, allm�chtig, ganz hei� und k�nnte die ganze Welt mit meinen Strahlen �berflutenc, sagte sich der Steinhauer. Nun, durch ein Wunder wurde sein Rufen geh�rt. Und sogleich verwandelte sich der Steinhauer in die Sonne. Er war gl�cklich, da� sein Wunsch in Erf�llung gegangen war. Aber wie er gen��lich seine Strahlen �berall niedergehen lassen wollte, merkte er, da� sie von den Wolken aufgehalten wurden. &gt;Was habe ich davon, Sonne zu sein, wenn ein paar einfache Wolken meine Strahlen bremsen k�nnen! &lt;�rief er aus. &gt;Wenn die Wolken st�rker sind, bin ich doch lieber eine Wolke statt der Sonne. &lt;�Und er wird zur Wolke. Er fliegt �ber die Welt, zieht dahin, l��t es regnen, aber pl�tzlich kommt Wind auf und verweht die Wolke. &gt;Ah, der Wind schafft es, die Wolken zu verwehen, also ist er st�rker. Ich will der Wind sein&lt;, beschlie�t er.�</p><p>�Und? Wird er der Wind?�</p><p>�Ja, und er bl�st �berall auf der Welt. Er macht St�rme, B�en, Taifune. Aber pl�tzlich merkt er, da� da eine Mauer ist, die ihm den Weg versperrt. Eine sehr hohe und sehr harte Mauer. Ein Berg. &gt;Was habe ich davon, der Wind zu sein, wenn mich ein einfacher Berg aufhalten kann? Er ist der St�rkste!&lt; sagt er.�</p><p>�Dann wird er der Berg!�</p><p>�Genau. Und in diesem Moment sp�rt er etwas, das auf ihn einschl�gt. Etwas, was st�rker ist als er, was ihn von innen aush�hlt. Das ist ... ein kleiner Steinhauer ...�</p><p>�Aaah!�</p><p>�Hat dir die Geschichte gefallen?�</p><p>�Ja. Mama!� �Bist du sicher, da� du im Fernsehen keine sch�nere gesehen hast?�</p><p>�Nein, Mama.�</p><p>Sie lachte und schlo� ihn in ihre Arme.</p><p>�Sag mal, Mama, glaubst du, Papa gr�bt da unten auch?�</p><p>�Vielleicht, wer wei�? Jedenfalls scheint er zu glauben, da� er sich in etwas anderes verwandelt, so oft wie er da runtergeht.�</p><p>�F�hlt er sich hier nicht wohl?�</p><p>�Nein, mein Kind, er sch�mt sich, arbeitslos zu sein. Er glaubt, es ist besser, Sonne zu sein. Eine unterirdische Sonne.�</p><p>�Papa h�lt sich f�r den K�nig der Ameisen.�</p><p>Lucie l�chelte.</p><p>�Das geht vorbei. Wei�t du, er ist auch ein Kind. Und Kinder sind von Ameisenhaufen immer fasziniert. Hast du denn nie mit Ameisen gespielt?�</p><p>�Und ob, Mama!�</p><p>Lucie r�ckte sein Kopfkissen zurecht und k��te ihn.</p><p>�Und jetzt leg dich schlafen. Na komm, gute Nacht.�</p><p>�Gute Nacht, Mama.�</p><p>Lucie sah die Streichh�lzer auf dem Nachttischchen. Er mu�te doch noch versucht haben, die vier Dreiecke zu bilden. Sie ging ins Wohnzimmer zur�ck und griff nach dem Architekturbuch, in dem die Geschichte des Hauses erz�hlt wurde.</p><p>Zahlreiche Wissenschaftler hatten darin gelebt. Protestanten vor allem. Michel Servet zum Beispiel hatte einige Jahre hier gewohnt.</p><p>Eine Passage fesselte ihre Aufmerksamkeit ganz besonders. Angeblich war w�hrend der Religionskriege ein unterirdischer Gang gegraben worden, um den Protestanten die Flucht aus der Stadt zu erm�glichen. Ein ungew�hnlich langer und ungew�hnlich tiefer Stollen ...</p><p>Die drei Insekten stellen sich zu einem Dreieck auf, um eine absolute Kommunikation zu praktizieren. So brauchen sie ihre Abenteuer nicht zu erz�hlen, sie wissen augenblicklich, was ihnen widerfahren ist, als w�ren sie ein einziger K�rper, der sich dreigeteilt hat, um besser ermitteln zu k�nnen.</p><p>Sie vereinigen ihre Antennen. Die Gedanken beginnen zu str�men, zu verschmelzen. Das geht reihum. Jedes Gehirn agiert wie ein Transistor, der die elektrische Nachricht, die er selbst erh�lt, anreichert und weiterleitet. Drei Ameisengeister, die auf die Art vereinigt sind, �bersteigen die schlichte Summe ihrer Talente.</p><p>Aber pl�tzlich ist der Zauber dahin. Nr. 103 683 hat einen schmarotzenden Duft wahrgenommen. Die Mauern haben Antennen. Genauer gesagt zwei Antennen, die durch die �ffnung der Kammer von Nr. 56 hereinlugten. Jemand h�rt ihnen zu .</p><p>Mitternacht. Jonathan war seit genau zwei Tagen in dem Keller verschwunden. Lucie wanderte nerv�s im Wohnzimmer auf und ab. Sie schaute nach Nicolas, der tief schlief, als sich ihr Blick pl�tzlich auf etwas heftete. Die Streichh�lzer. In diesem Moment hatte sie das Gef�hl, in dem R�tsel mit den Streichh�lzern k�nnte der Ansatz zu einer L�sung dieses R�tsels stecken, das der Keller darstellte. Vier gleichseitige Dreiecke mit sechs Streichh�lzern .</p><p>�Man mu� anders denken - wenn man so �berlegt, wie man es gewohnt ist - erreicht man nichts�, hatte Jonathan die Worte seines Onkels wiederholt. Sie nahm die Streichh�lzer und ging ins Wohnzimmer zur�ck, um dort lange mit ihnen zu spielen. Schlie�lich legte sie sich, vor Angst ersch�pft, schlafen.</p><p>In dieser Nacht hatte sie einen seltsamen Traum. Zun�chst sah sie Onkel Edmond oder zumindest eine Person, die der Beschreibung entsprach, die ihr Jonathan von ihm gegeben hatte. Er stand in einer langen Kinoschlange, die sich mitten durch eine Steinw�ste zog. Mexikanische Soldaten umstellten die Schlange und achteten darauf, da� �nichts schiefging�. In der Ferne waren ein Dutzend Galgen zu sehen, an denen die Leute aufgeh�ngt wurden. Wenn sie tot waren, wurden sie abgenommen, und andere nahmen ihre Stelle ein. Und die Schlange r�ckte vor .</p><p>Hinter Edmond standen Jonathan, sie selbst und ein dicker Mann mit einer ganz kleinen Brille. All diese zum Tode Verurteilten plauderten gelassen, als ob nichts w�re.</p><p>Als man ihnen endlich die Schlinge um den Hals legte und sie alle vier nebeneinander aufh�ngte, warteten sie nur unt�tig. Onkel Edmond entschlo� sich als erster zu reden, mit heiserer Stimme fragte er: �Was tun wir hier?�</p><p>�Ich wei� nicht ... Wir leben. Wir sind geboren worden, also leben wir so lange wie m�glich. Aber jetzt, glaube ich, geht es dem Ende entgegen�, antwortete Jonathan.</p><p>�Mein lieber Neffe, du bist ein Pessimist. Sicher, wir sind aufgeh�ngt und von mexikanischen Soldaten umgeben, aber das ist nur ein unliebsamer Zwischenfall, nicht das Ende, nur ein Zwischenfall. Au�erdem hat diese Situation notwendigerweise eine L�sung. Seid ihr alle ganz fest verschn�rt?�</p><p>Sie zappelten in ihren Fesseln.</p><p>�Nein�, sagte der dicke Mann. �Ich kann mich dieser Schn�re entledigen.�</p><p>Und er tat es.</p><p>�Sch�n, dann befreien Sie uns.�</p><p>�Und wie?�</p><p>�Schaukeln Sie, bis Sie meine H�nde erreicht haben.�</p><p>Der Mann wand sich, und er schaffte es, sich in ein lebendes Pendel zu verwandeln. Nachdem er Edmonds Fesseln gel�st hatte, konnten sie alle nach und nach mit der gleichen Technik befreit werden.</p><p>Dann sagte der Onkel: �Macht es wie ich!�, und mit kleinen Spr�ngen seines Halses h�pfte er von Schnur zu Schnur auf den letzten Galgen der Reihe zu. Die anderen taten es ihm nach.</p><p>�Aber weiter kommen wir nicht! Hinter diesem Galgen ist nichts mehr, sie werden uns entdecken.�</p><p>�Seht, da ist ein kleines Loch in dem Galgen. Kommt.�</p><p>Edmond sprang gegen den Galgen, wurde ganz klein und verschwand in dem Loch. Jonathan und der dicke Mann folgten ihm. Lucie sagte sich, da� sie es niemals schaffen werde, dennoch schwang sie sich gegen den Pfahl, und sie drang in das Loch ein.</p><p>Innendrin war eine Wendeltreppe. Sie st�rmten die Stufen hinauf. Schon waren die Schreie der Soldaten zu h�ren, die ihre Flucht bemerkt hatten. <emphasis>Los gringos, los gringos, cuidado!</emphasis> Polternde Stiefel, Gewehrsch�sse. Man machte Jagd auf sie.</p><p>Die Treppe m�ndete in ein modernes Hotelzimmer mit Blick aufs Meer. Sie traten ein und schlossen die T�r. Zimmer 8. Als die T�r zuschlug, verwandelte sich die vertikale 8 in eine horizontale 8, das Zeichen der Unendlichkeit. Das Zimmer war luxuri�s, und man f�hlte sich vor den Berserkern in Sicherheit.</p><p>W�hrend alle noch erleichtert aufatmeten, sprang Lucie pl�tzlich ihrem Mann an die Kehle. �Wir haben Nicolas vergessen�, rief sie. �wir haben Nicolas vergessen!� Sie streckte ihn mit einer antiken Vase nieder, deren Malerei den jungen Herkules zeigte, der die Schlange erw�rgt. Jonathan fiel zu Boden und verwandelte sich in . eine gesch�lte Krabbe, die sich l�cherlich wand.</p><p>Onkel Edmond trat vor.</p><p>�Tut�s euch leid?�</p><p>�Ich verstehe nichts mehr.�</p><p>�Ihr werdet verstehen�, sagte er l�chelnd. �Folgt mir.�</p><p>Er f�hrte sie auf den zum Meer gelegenen Balkon und schnippte mit den Fingern. Sechs brennende Streichh�lzer stiegen aus den Wolken herab und reihten sich �ber seiner Hand auf.</p><p>�H�rt gut zu�, sagte er laut. �man denkt immer gleich. Man erfa�t die Welt immer auf die gleiche banale Weise. So als w�rde man jedes Foto mit einem Weitwinkelobjektiv machen. Das ist eine Sicht der Realit�t, aber nicht die einzige. MAN ... MUSS ... ANDERS ... DENKEN! Schaut her.�</p><p>Die Streichh�lzer wirbelten einen Moment lang durch den Raum, dann vereinigten sie sich auf dem Boden. Sie robbten wie lebende Wesen und bildeten ...</p><p>Am n�chsten Morgen kaufte Lucie ziemlich aufgeregt einen Schwei�brenner. Schlie�lich schaffte sie es, mit dem Schlo� fertigzuwerden. Als sie gerade die Schwelle zum Keller �berschreiten wollte, tauchte Nicolas verschlafen in der K�che auf.</p><p>�Mama! Wohin gehst du?�</p><p>�Ich werde deinen Vater suchen. Er h�lt sich f�r eine Wolke, die �ber die Berge fliegt. Ich will schauen, ob er nicht ein wenig �bertreibt. Ich werd�s dir erz�hlen ...�</p><p>�Nein. Mama, geh nicht, geh nicht ... Ich bin doch dann ganz allein.�</p><p>�Keine Bange, Nicolas, ich komme zur�ck, ich bleibe nicht lange, warte auf mich.�</p><p>Sie leuchtete in den Keller. Der Ort war finster, stockfinster</p><p><emphasis>Wer ist da?</emphasis></p><p>Die beiden Antennen r�cken vor, es folgt ein Kopf, dann ein Thorax und ein Hinterleib. Die kleine Hinkende mit dem Felsengeruch.</p><p>Sie wollen sich auf sie st�rzen, aber hinter ihr zeichnen sich die Mandibeln einer schwer bewaffneten Hundertschaft von Soldatinnen ab. Sie verstr�men alle den gleichen Felsenduft.</p><p><emphasis>Fliehen wir durch den Geheimgang!</emphasis> st��t das 56. Weibchen hervor.</p><p>Sie r�umt den Kieselstein zur Seite und legt ihren Stollen frei. Dann schl�gt sie mit den Fl�geln und erhebt sich fast zur Decke, von wo sie die ersten Eindringlinge mit S�ure beschie�t. Ihre beiden Komplizen fliehen, w�hrend eine brutale Aufforderung aus den Reihen der Kriegerinnen aufsteigt.</p><p><emphasis>T�tet sie!</emphasis></p><p>Nr. 56 springt ihrerseits in das Loch. S�urestrahlen verfehlen sie um Haaresbreite. <emphasis>Schnell! Fangt sie!</emphasis> Hunderte von Beinen machen sich auf die Verfolgung. Diese Spioninnen sind verdammt zahlreich! Sie dr�ngen sich ger�uschvoll in den Engpa�, um das Trio einzuholen.</p><p>Den Bauch auf der Erde, die Antennen zur�ckgelegt, huschen das M�nnchen, das Weibchen und die Soldatin durch den Gang, der nichts Geheimes mehr an sich hat. Sie verlassen die Zone des Jungferngemachs und gelangen in tiefere Stockwerke. Bald schon gabelt sich der Gang. Von dort an h�ufen sich die Kreuzungen, aber Nr. 327 findet sich zurecht und zieht seine Leidensgenossinnen mit sich.</p><p>Pl�tzlich sto�en sie an der Ecke eines Tunnels auf einen Trupp von Soldatinnen, die in ihre Richtung st�rmen. Unglaublich: die Hinkende hat sie bereits eingeholt. Das machia-vellistische Insekt kennt offenbar s�mtliche Abk�rzungen!</p><p>Die drei Fl�chtlinge machen kehrt und nehmen Rei�aus. Als sie sich endlich ein wenig ausruhen k�nnen, bringt Nr. 103 683 vor, da� sie sich besser nicht auf dem Terrain der Spioninnen abschinden, die sich in diesem Gewirr von G�ngen ein wenig zu gut auskennen.</p><p><emphasis>Wenn der Feind st�rker scheint als du, handele so, da� du dich seiner Denkweise entziehst.</emphasis> Dieser alte Satz der ersten K�nigin pa�t hervorragend auf ihre Situation. Nr. 56 hat eine Idee; sie schl�gt vor, sich in einer Wand zu verstecken!</p><p>Noch haben die Kriegerinnen mit dem Felsengeruch sie nicht aufgest�bert, also graben sie sich mit aller Kraft in eine Seitenwand, fallen mit ihren Mandibeln �ber die Erde her, w�hlen sie auf. Ihre Augen, ihre Antennen sind voll davon. Manchmal schlucken sie ganze Brocken, um schneller voranzukommen. Kaum ist der Hohlraum tief genug, schmiegen sie sich hinein, bauen die Mauer wieder auf und warten. Ihre Verfolger kommen, sie rennen vorbei. Aber sie kommen bald wieder zur�ck, und diesmal erheblich langsameren Schritts. Da wird ganz sch�n geschn�ffelt auf der anderen Seite der Wand Nein, sie haben nichts gemerkt. Trotzdem k�nnen die drei hier nicht bleiben. Irgendwann werden die anderen einige ihrer Molek�le aufsp�ren. Also graben sie weiter. Nr. 103 683, die mit den gr��ten Mandibeln ausgestattet ist, w�hlt vorneweg; die beiden anderen r�umen den Sand weg und verstopfen das Loch hinter ihnen.</p><p>Die M�rderinnen haben das Man�ver durchschaut. Sie untersuchen die W�nde, finden ihre Spur und beginnen wie besessen zu graben. Die drei Ameisen nehmen eine absch�ssige Kurve. In dieser schwarzen Melasse ist es ohnehin nicht einfach, sich an irgend etwas zu halten. Alle paar Sekunden kommen drei neue G�nge, und zwei andere versperren einander. Da versuche einer, unter solchen Umst�nden eine verl��liche Karte der Stadt zu zeichnen! Die einzigen Fixpunkte sind die Kuppel und der Baumstumpf.</p><p>Die drei Ameisen dringen langsam in das Fleisch der Stadt ein. Mitunter geraten sie an eine lange Liane. In Wirklichkeit ist das Efeu, das die G�rtnerinnen gepflanzt haben, damit die Stadt nicht einst�rzt, wenn es regnet. Dann wieder wird die Erde h�rter, und sie sto�en mit den Mandibeln gegen Steine, so da� ein Umweg geboten ist.</p><p>Die beiden Fortpflanzungsf�higen nehmen hinter sich keine Ersch�tterungen mehr wahr. Das Trio beschlie�t innezuhalten.</p><p>Sie befinden sich in einer Luftblase im Herzen von Bel-o-kan. Ein undurchdringliches, geruchsloses, allen unbekanntes Oval. Eine verlassene hohle Insel. Wer soll sie in dieser Minih�hle aufst�bern? Sie f�hlen sich hier wie in dem dunklen Oval des Hinterleibs ihrer Erzeugerin.</p><p>Nr. 56 klopft mit den Antennen auf den Sch�del ihres Gegen�bers, eine Aufforderung zur Trophallaxie. Nr. 327 neigt die Antennen zum Zeichen des Einverst�ndnisses, dann dr�ckt er seinen Mund auf den des Weibchens. Er w�rgt ein wenig von dem Honigtau hoch, den ihm die erste Schildwache �berreicht hat. Nr. 56 f�hlt sich augenblicklich gest�rkt. Nr. 103 683 klopft ihr ihrerseits auf den Sch�del. Sie pressen ihre Lippen aufeinander, und Nr. 56 l��t ein wenig von der Nahrung aufsteigen, die sie gerade geschluckt hat. Anschlie�end liebkosen und reiben sich die drei gegenseitig. Ah, was ist es - f�r eine Ameise - angenehm zu geben .</p><p>Wenn sie auch neue Kr�fte gesch�pft haben, wissen sie doch, da� sie hier nicht ewig bleiben k�nnen. Der Sauerstoff wird knapp werden, und selbst wenn die Ameisen recht lange ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne Luft und W�rme �berleben k�nnen, wird sie der Mangel dieser lebenswichtigen Elemente schlie�lich in einen t�dlichen Schlaf sinken lassen.</p><p>Antennenkontakt.</p><p><emphasis>Was tun wir jetzt?</emphasis></p><p><emphasis>Die Gruppe der drei�ig Kriegerinnen, die ich f�r unser Vorhaben gewonnen habe, erwartet uns in einem Saal im f�nfzigsten Untergescho�.</emphasis></p><p><emphasis>Gehen wir.</emphasis></p><p>Sie nehmen ihre Grabungsarbeiten wieder auf, orientieren sich mit ihrem Johnston-Organ, das die irdischen Magnetfelder registriert. Sie sind fest davon �berzeugt, zwischen den Getreidespeichern des 18. UG und den Pilzkulturen des 20. UG zu sein. Doch je tiefer sie gelangen, um so k�lter wird es. Wenn die Nacht hereinbricht, dringt der Frost tief in den Boden. Ihre Bewegungen werden langsamer. Schlie�lich erstarren sie in ihrer grabenden Haltung und schlafen in Erwartung der Erw�rmung ein.</p><p>�Jonathan, Jonathan, ich bin�s, Lucie!�</p><p>Je tiefer sie in dieses Reich der Finsternis hinabsteigt, um so mehr �berkommt sie die Angst. Dieser endlose Abstieg �ber die Stufen dieser gewundenen Treppe hatte sie schlie�lich in einen seltsamen Zustand versetzt, in dem es ihr vorkam, als dr�nge sie tiefer und tiefer in ihr eigenes Inneres ein. Sie versp�rte jetzt einen dumpfen Schmerz im Bauch, nachdem ihr zun�chst eine v�llig trockene Kehle, sp�ter ein be�ngstigender Druck am Solarplexus, gefolgt von heftigen Magenstichen zugesetzt hatten.</p><p>Ihre Knie, ihre F��e bewegten sich mechanisch weiter. W�rden sie auch bald kaputt sein, w�rde sie dort auch Schmerzen haben, w�rde sie aufh�ren, hier runterzugehen?</p><p>Bilder aus ihrer Kindheit tauchten wieder auf. Ihre autorit�re Mutter, die in einem fort Schuldgef�hle in ihr geweckt hatte, die sie tausendfach zugunsten ihrer niedlichen Br�der benachteiligt hatte ... Und ihr Vater, ein erloschener Typ, der vor seiner Frau zitterte, der jeder Diskussion aus dem Weg ging und zu jedem Wunsch der K�nigin Mutter ja und amen sagte. Ihr Vater, der Feigling ...</p><p>Diese unangenehmen Erinnerungen wichen dem Gef�hl, Jonathan gegen�ber ungerecht gewesen zu sein. Tats�chlich hatte sie ihm alles vorgeworfen, was sie an ihren Vater erinnerte. Und gerade weil sie ihn st�ndig mit Vorw�rfen �berh�ufte, sch�chterte sie ihn ein, brach sie ihm das R�ckgrat, so da� er nach und nach ihrem Vater �hnlich wurde. So hatte der Teufelskreis begonnen. Sie hatte, ohne es zu merken, wieder erschaffen, was sie am meisten ha�te: das Paar ihrer Eltern.</p><p>Sie mu�te aus diesem Kreis ausbrechen. Sie machte sich Vorw�rfe wegen all der R�ffel, die sie ihrem Mann erteilt hatte. Sie mu�te alles wiedergutmachen.</p><p>Sie kreiste weiter nach unten. Die Erkenntnis ihrer eigenen Schuld hatte ihren K�rper von seiner Angst und den beklemmenden Schmerzen befreit. Sie kreiste weiter, stieg weiter hinab, bis sie pl�tzlich fast gegen eine T�r geprallt w�re. Eine schlichte T�r, teilweise mit Inschriften versehen, auf deren Lekt�re sie verzichtete. Die T�r hatte eine Klinke, sie �ffnete sich, ohne zu knarren.</p><p>Dahinter f�hrte die Treppe weiter hinab. Der einzige nennenswerte Unterschied waren die eisenhaltigen Gesteinsadern, die an dem Felsen erschienen. Durch den Kontakt mit durchsickerndem Wasser, das vermutlich von einem unterirdischen Bach herr�hrte, hatte das Eisen einen braunroten Farbton angenommen.</p><p>Dennoch hatte sie das Gef�hl, eine neue Etappe in Angriff genommen zu haben. Und pl�tzlich sah sie im Licht ihrer Stablampe Blutflecken vor ihren F��en. Die mu�ten von Ouarzazate stammen. Bis hierhin war der tapfere kleine Pudel also gelaufen ... �berall waren Spritzer, aber es war schwierig, die Blutspuren an den W�nden von den rostfarbenen Eisenadern zu unterscheiden.</p><p>Pl�tzlich vernahm sie ein Ger�usch. Eine Art Prasseln. Es h�rte sich an, als k�men lebende Wesen auf sie zu. Die Schritte waren nerv�s, als seien diese Wesen sch�chtern, als wagten sie nicht n�her zu kommen. Sie blieb stehen, um mit ihrer Stablampe die Dunkelheit zu erforschen. Als sie sah, woher das Ger�usch r�hrte, stie� sie einen unmenschlichen Schrei aus. Aber da, wo sie war, konnte ihn niemand h�ren.</p><p>Der Tag graut f�r s�mtliche Kreaturen der Erde. Sie setzen ihren Abstieg fort. 36. UG. Nr. 103 683 kennt die Gegend recht gut, sie denkt, da� sie sich gefahrlos hinauswagen k�nnen. Bis hierher k�nnen ihnen die Kriegerinnen mit dem Felsengeruch nicht gefolgt sein.</p><p>Sie geraten in einige v�llig ausgestorbene, niedrige G�nge. An einigen Stellen rechts und links sind L�cher zu sehen, alte Getreidespeicher, die seit mindestens zehn Wintern nicht mehr benutzt worden sind. Der Boden ist klebrig. Irgendwie mu� hier Feuchtigkeit eindringen. Das ist auch der Grund, warum sich diese als ungesund angesehene Zone in eines der verrufensten Viertel von Bel-o-kan verwandelt hat.</p><p>Es stinkt.</p><p>Das M�nnchen und das Weibchen sind nicht besonders beruhigt. Sie sp�ren die Gegenwart feindlicher Wesen. Antennen, die sie belauern. Die Gegend mu� mit schmarotzenden und obdachlosen Insekten gespickt sein.</p><p>Sie schreiten mit weit ge�ffneten Mandibeln durch die unheimlichen S�le und Tunnel. Ein schrilles Quietschen l��t sie zusammenzucken. <emphasis>Ritsch, ritsch, ritsch</emphasis> ... Kein Ton unterscheidet sich von dem andern. Sie vereinen sich zu einem hypnotischen Singsang, der durch die schlammigen H�hlen hallt.</p><p>Der Soldatin zufolge handelt es sich um Grillen. Das sei ihr Liebesgesang. Die beiden anderen sind nur halb beruhigt. Es ist schier unglaublich, da� es den Grillen gelingt, die Truppen der F�deration inmitten der Stadt herauszufordern!</p><p>Nr. 103 683 ist nicht �berrascht. Hie� nicht ein Satz der letzten K�nigin: <emphasis>Besser die starken Punkte befestigen, als alles kontrollieren zu wollen.</emphasis> Das ist das Ergebnis ...</p><p>Andere Ger�usche. Als ob jemand sehr schnell gr�bt. Haben die Kriegerinnen mit dem Felsenduft sie wiedergefunden? Nein . Zwei H�nde tauchen vor ihnen auf. Ihre Kanten bilden eine Art Rechen ... Die H�nde packen die Erde und werfen sie nach hinten. Auf diese Art treiben sie einen riesigen schwarzen K�rper an.</p><p>Wenn das blo� kein Maulwurf ist!</p><p>Sie erstarren alle drei, ihre Mandibeln sind weit aufgerissen.</p><p>Es ist ein Maulwurf.</p><p>Sandwirbel. Eine Kugel aus schwarzen Haaren und wei�en Krallen. Das Tier scheint zwischen den Sedimentsschichten zu schwimmen wie ein Frosch in einem Teich. Sie werden geohrfeigt, umger�hrt, unter Lehmklumpen versch�ttet. Aber sie kommen unversehrt davon. Die W�hlmaschine ist fort. Der Maulwurf hat nur W�rmer gesucht. Es ist ihm eine gro�e Freude, in ihre Nervenknoten zu bei�en, um sie zu lahmen und sie dann lebend in seinem Bau zu lagern.</p><p>Die drei Ameisen machen sich wieder auf den Weg, nachdem sie sich einmal mehr methodisch gereinigt und gewaschen haben.</p><p>Sie sind in einen sehr schmalen und sehr hohen Durchgang eingedrungen. Ihre F�hrerin, die Soldatin, st��t einen Warnduft aus und deutet zur Decke. Jene ist in der Tat mit rot-schwarz gefleckten Wanzen �bers�t.</p><p>Das Muster auf dem R�cken dieser drei Kopf (neun Millimeter) langen Insekten scheint einen erbosten Blick darzustellen. Im allgemeinen ern�hren sie sich von dem feuchten Fleisch toter, manchmal auch recht lebendiger Insekten.</p><p>Unversehens l��t sich eine Wanze auf das Trio fallen. Noch bevor sie den Boden erreicht, klemmt Nr. 103 683 den Hinterleib unter ihren Thorax und feuert einen Strahl Ameisens�ure ab. Als die Wanze landet, hat sie sich in hei�en Brei verwandelt.</p><p>Sie fressen sie hastig auf, dann machen sie sich davon, bevor noch eines dieser Unget�me herunterkommt.</p><empty-line/><p><strong>Intelligenz: Mit den eigentlichen Experimenten habe ich im Januar 58 begonnen. Erstes Thema: die Intelligenz. Sind Ameisen intelligent?</strong></p><p><strong>Um es zu erfahren, habe ich einer roten Ameise (formica rufa) mittlerer Gr��e und geschlechtslosen Typs folgendes Problem gestellt: Ich habe ein St�ck harten Honig in ein Loch gesteckt. Dieses Loch habe ich jedoch mit einem schmalen, nicht besonders schweren, aber recht langen Zweig verstopft. Normalerweise vergr��ert die Ameise ein Loch, um hineinzugelangen, aber in diesem Fall war das Gestell aus hartem Kunststoff, den sie nicht durchbohren kann.</strong></p><p><strong>Erster Tag: Die Ameise zerrt an dem Zweig, sie hebt ihn ein wenig an, dann l��t sie ihn los, hebt ihn wieder an.</strong></p><p><strong>Zweiter Tag: Die Ameise macht immer noch dasselbe. Und sie versucht, den Zweig an seinem Ende anzuschneiden. Kein Resultat.</strong></p><p><strong>Dritter Tag: Idem. Es sieht so aus, als h�tte sich die Ameise auf eine falsche �berlegung versteift, die sie weiter verfolgt, weil sie sich keine andere vorstellen kann. Was ein Beweis f�r ihre Nichtintelligenz w�re ...</strong></p><p><strong>Vierter Tag: Idem.</strong></p><p><strong>F�nfter Tag: Idem.</strong></p><p><strong>Sechster Tag: Als ich morgens wach wurde, war der Zweig nicht mehr in dem Loch. Das mu� in der Nacht geschehen sein.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Die folgenden G�nge sind halb verstopft. Die kalte und trockene Erde oben, die von wei�en Wurzeln zur�ckgehalten wird, bildet Klumpen. Zuweilen fallen einige Br�ckchen hinunter. �Innerer Hagel� nennt man das. Das einzige bekannte Mittel, sich davor zu sch�tzen, ist doppelte Wachsamkeit und beim geringsten Duft von Ger�ll zur Seite springen.</p><p>Den Bauch auf den Boden gepre�t, die Antennen nach hinten geknickt, die Beine weit abgespreizt, r�cken die drei Ameisen vor. Nr. 103 683 scheint genau zu wissen, wohin sie sie f�hrt. Der Boden wird wieder feucht. Ein ekelhafter Geruch schwebt dort. Es riecht nach Leben. Nach Tier.</p><p>Nr. 327 bleibt stehen. Er ist nicht ganz sicher, aber ihm war, als h�tte sich eine Wand unmerklich bewegt. Er geht auf die verd�chtige Zone zu; die Wand bebt erneut. Er weicht zur�ck. Eine Ausbeulung zeichnet sich ab, doch zu klein, als da� es ein Maulwurf sein k�nnte. Die Ausbeulung verwandelt sich in eine Spirale, eine Art H�cker w�chst in ihrer Mitte und spritzt hervor, um sich auf ihn zu st�rzen.</p><p>Das M�nnchen st��t einen Duftschrei aus.</p><p>Ein Regenwurm! Nr. 327 zerschneidet ihn mit einem Mandibelbi�. Aber jetzt tropft dieses sich ringelnde Getier ringsum von den W�nden. Bald sind es so viele, da� man glauben k�nnte, in den Eingeweiden eines Vogels zu sein.</p><p>Einer der W�rmer verf�llt darauf, sich um den Thorax des Weibchens zu schlingen. Jenes schnappt mit den Mandibeln zu und schneidet ihn in mehrere St�cke, die sich rechts und links davonschl�ngeln. Andere W�rmer kommen hinzu und winden sich um ihre Beine und K�pfe. Da� die Antennen in Mitleidenschaft gezogen werden, ist besonders unangenehm. Sie legen alle drei gemeinsam an und beschie�en die harmlosen Askariden mit S�ure. Am Ende ist der Boden nur mehr ein Relief aus ockerfarbenem Fleisch, das immer noch h�pft, als wollte es sie herausfordern.</p><p>Sie rennen davon.</p><p>Als sie sich wieder fassen, zeigt ihnen Nr. 103 683 eine weitere Reihe von G�ngen, die sie durchqueren m�ssen. Je weiter sie kommen, um so schlechter riecht es, aber sie gew�hnen sich daran. Man gew�hnt sich an alles. Die Soldatin deutet auf eine Wand und erkl�rt, da� sie dort graben m�ssen.</p><p><emphasis>Das sind die alten sanit�ren Einrichtungen aus Kompost, der Versammlungsort ist unmittelbar daneben. Wir treffen uns gerne hier, da ist man ungest�rt.</emphasis></p><p>Sie spielen W�hlmaus. Auf der anderen Seite gelangen sie in einen gro�en Saal, in dem es nach Exkrementen riecht.</p><p>Die drei�ig Soldatinnen, die sich ihrer Sache angeschlossen haben, warten tats�chlich auf sie. Aber um mit ihnen zu reden, m��te man die Grundbegriffe des Puzzles kennen, denn sie sind in ihre Einzelteile zerlegt. Mancher Kopf weit vom Thorax entfernt .</p><p>Fassungslos inspizieren sie den makabren Saal. Wer mag sie hier get�tet haben, im Keller von Bel-o-kan?</p><p><emphasis>Bestimmt etwas, was von unten kommt,</emphasis> st��t das 327. M�nnchen hervor.</p><p><emphasis>Das glaube ich kaum,</emphasis> erwidert das 56. Weibchen und schl�gt trotz allem vor, den Boden aufzugraben.</p><p>Sie schl�gt die Mandibeln hinein. Schmerz. Darunter ist nackter Fels.</p><p><emphasis>Ein riesiger Granitfelsen,</emphasis> erkl�rt Nr. 103 683 kurz darauf, <emphasis>das ist der Grund, der harte Boden der Stadt. Und der ist dick. Sehr dick. Und breit. Sehr breit. Noch nie ist jemand bis zu seinem Rand vorgedrungen.</emphasis></p><p>Wer wei�, vielleicht ist das sogar der Boden der Welt. Ein merkw�rdiger Geruch breitet sich aus. Etwas, was in den Raum getreten ist. Etwas, was ihnen sofort sympathisch ist. Nein, keine Ameise aus dem Volk, sondern ein Lomechusek�fer.</p><p>Noch als Larve hat Nr. 56 Belo-kiu-kiuni �ber dieses Insekt reden h�ren:</p><p><emphasis>Kein Gef�hl kommt dem gleich, was man bei der Einnahme des Nektars der Lomechuse empfindet, wenn man erst einmal davon gekostet hat. Sie ist die Frucht aller k�rperlichen Begierde, ihr Sekret zerst�rt den unbeugsamsten Willen.</emphasis></p><p>In der Tat unterdr�ckt die Einnahme dieser Substanz den Schmerz, die Angst, die Intelligenz. Die Ameisen, die das Gl�ck haben, ihre Giftlieferantin zu �berleben, verlassen auf der Suche nach neuen Dosen unaufhaltsam die Stadt. Sie essen nicht mehr, ruhen sich nicht mehr aus und wandern bis zur Ersch�pfung. Schlie�lich pressen sie sich an einen Grashalm, wenn sie keine Lomechuse finden, und siechen dahin, gepeinigt von den tausend Martern des Entzugs.</p><p>Die junge Nr. 56 hat eines Tages gefragt, warum man eine solche Gei�el, der Termiten und Bienen schonungslos den Garaus machen, in der Stadt dulde. Belo-kiu-kiuni hat geantwortet, da� es zwei Wege gebe, ein Problem anzugehen: entweder man h�lt es sich vom Leib, oder man l��t sich von ihm durchdringen. Der zweite sei nicht unbedingt der schlechteste. Das Sekret der Lomechuse ist, wohldosiert oder mit anderen Substanzen gemischt, eine hervorragende Medizin.</p><p>Nr. 327 wagt sich als erster vor. Angezogen von der Sch�nheit der D�fte, die von der Lomechuse ausgehen, leckt er die Haare ihres Hinterleibs. Jene sondern einen Halluzinationen hervorrufenden Saft ab. Verwirrender Umstand: Der Hinterleib der Giftmischerin mit seinen beiden langen Haaren hat exakt die gleiche Form wie ein Ameisenkopf mit den beiden Antennen!</p><p>Nr. 56 st�rzt auch herbei, aber sie kommt nicht mehr dazu, sich zu laben. Ein S�urestrahl zischt durch die Luft. Nr. 103 683 hat angelegt und geschossen. Der ver�tzte K�fer windet sich vor Schmerz.</p><p>Wortkarg kommentiert die Soldatin ihr Eingreifen:</p><p><emphasis>Es ist nicht normal, dieses Insekt in einer solchen Tiefe anzutreffen. Die Lomechuses k�nnen sich nicht durch die Erde graben. Jemand hat sie bewu�t hierhergebracht, um uns daran zu hindern, weiterzugehen! Hier ist irgend etwas verborgen.</emphasis></p><p>Die beiden anderen sind betreten, sie k�nnen nicht umhin, den Scharfsinn ihrer Gef�hrtin zu bewundern. Alle drei beginnen zu suchen. Sie suchen lange, verr�cken Kieselsteine, schnuppern in den kleinsten Winkeln des Raumes. Es gibt kaum einen Hinweis. Schlie�lich f�llt ihnen jedoch ein Geruch auf, den sie kennen. Der schwache Felsenduft der M�rderinnen. Kaum wahrnehmbar, h�chstens zwei, drei Molek�le, aber das reicht. Er kommt von dort dr�ben. Genau unter diesem kleinen Felsen. Sie kippen ihn um und legen einen Geheimgang frei. Einer mehr.</p><p>Nur da� dieser hier eine Besonderheit hat: Er ist nicht durch Erde, auch nicht durch Holz gegraben. Er ist geradewegs in den Granitfelsen geschlagen! Keine Mandibel kann ein solches Material ausgeh�hlt haben.</p><p>Der Gang ist ziemlich breit, dennoch steigen sie vorsichtig hinab. Nach einer kurzen Strecke gelangen sie in einen weitl�ufigen Saal, der mit Nahrungsmitteln gef�llt ist. Mehl, Honig, Korn, allerlei Fleisch ... All das in erstaunlichen Mengen, genug, um die Stadt f�nf Winter lang zu ern�hren! Und das Ganze verstr�mt den gleichen Felsengeruch wie die Kriegerinnen, die sie verfolgen.</p><p>Wie ist es m�glich, da� ein so gut gef�llter Speicher heimlich hier eingerichtet worden ist? Obendrein mit einer Lomechuse (??) davor, um den Zugang zu versperren! Diese Information wurde nie unter den Antennen der Meute verbreitet .</p><p>Sie st�rken sich ausgiebig, dann vereinigen sie ihre Antennen, um die Lage zu besprechen. Diese Angelegenheit wird immer r�tselhafter. Die geheime Waffe, mit der die Expedition Nr. 1 vernichtet wurde, die Kriegerinnen mit dem eigenartigen Duft, die sie �berall attackieren, die Lomechuse, ein Nahrungsmittellager unter dem Boden der Stadt ... Dahinter steckt mehr als eine Gruppe von Spionen im Dienst der Zwerginnen. Oder sie sind verdammt gut organisiert!</p><p>Nr. 327 und seine Partnerinnen kommen nicht mehr dazu, ihre Gedanken zu vertiefen. Ein dumpfes Pochen hallt bis zu ihnen herunter. <emphasis>Pongpongpongpong, pongpongpongpong!</emphasis> Oben trommeln die Arbeiterinnen mit dem Ende ihres Hinterleibs auf den Boden. Das ist ernst. Man ist schon bei Alarmstufe zwei. Sie d�rfen diesen Appell nicht ignorieren. Ihre Beine machen automatisch kehrt. Ihre K�rper, getrieben von einer unwiderstehlichen Kraft, sind bereits unterwegs, um sich dem Rest des Volkes anzuschlie�en.</p><p>Die Hinkende, die ihnen in einiger Entfernung gefolgt ist, ist erleichtert. Uff! Sie haben nichts entdeckt ...</p><p>Da weder sein Vater noch seine Mutter aus dem Keller zur�ckkamen, entschlo� sich Nicolas zu guter Letzt, die Polizei zu verst�ndigen. Und so tauchte ein ausgehungertes Kind mit ger�teten Augen im Kommissariat auf, um zu erkl�ren, da� seine Eltern �im Keller verschwunden� seien. Wahrscheinlich seien sie von Ratten oder Ameisen gefressen worden. Zwei verdutzte Polizisten folgen ihm in die Souterrainwohnung in der Rue des Sybarites.</p><empty-line/><p><strong>Intelligenz (Fortsetzung): Das Experiment wird wiederholt, diesmal mit einer Videokamera.</strong></p><p><strong>Versuchsperson: Eine andere Ameise der gleichen Art und aus dem gleichen Nest.</strong></p><p><strong>- ���Erster Tag: Sie zieht, dr�ckt und bei�t den Halm ohne irgendeinen Erfolg.</strong></p><p><strong>- ���Zweiter Tag: Idem.</strong></p><p><strong>- ���Dritter Tag: Geschafft! Sie hat etwas gefunden, sie zieht ein wenig, klemmt den Zweig fest, indem sie ihren Hinterleib in das Loch steckt und ihn anschwellen l��t, dann zieht sie ihre �Beute� heraus und beginnt von vorn. Und so entfernt sie St�ck f�r St�ck den Halm.</strong></p><p><strong>So ging das also ...</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Der Alarm wurde von einem au�ergew�hnlichen Ereignis ausgel�st. La-chola-kan, die westlichste der Tochterst�dte, ist von Einheiten der Zwergameisen angegriffen worden.</p><p>Sie haben also wieder angefangen ...</p><p>Jetzt ist der Krieg unvermeidlich.</p><p>Die �berlebenden, denen es gelungen ist, die Blockade der Shigaepuanerinnen zu durchbrechen, erz�hlen unglaubliche Dinge. Folgendes habe sich abgespielt:</p><p>Um 17�-Zeit habe sich ein langer Akazienzweig dem Haupteingang von La-chola-kan gen�hert. Ein ungew�hnlicher mobiler Zweig. Er sei ruckartig eingedrungen und habe die �ffnung zerst�rt, indem er sich in einem fort drehte!</p><p>Die Schildwachen seien nach drau�en gest�rmt, um dieses unbekannte grabende Objekt anzugreifen, seien jedoch allesamt vernichtet worden. Daraufhin habe sich alle Welt verbarrikadiert und darauf gewartet, da� der Zweig aufh�rt zu w�ten. Aber das habe kein Ende genommen.</p><p>Der Zweig habe in den G�ngen gew�hlt und die ganze Kuppel gesprengt, als w�re sie eine Rosenknospe. Die Soldatinnen h�tten auf Teufel komm raus geschossen, aber die S�ure habe nichts gegen diesen pflanzlichen Zerst�rer vermocht.</p><p>Die Lacholakanerinnen h�tten es vor Entsetzen kaum noch ausgehalten. Irgendwann habe das dann doch aufgeh�rt. Daf�r seien nach einer kurzen Pause die Einheiten der Zwerginnen im Sturmschritt angekommen.</p><p>Die aufgeschlitzte Tochterstadt habe M�he gehabt, ihrer Attacke zu widerstehen. Es habe Zigtausende von Opfern gegeben. Die �berlebenden h�tten sich schlie�lich in ihren Kiefernstumpf zur�ckgezogen, und bislang sei es ihnen gelungen, der Belagerung standzuhalten. Sie k�nnten jedoch nicht mehr lange durchhalten, sie h�tten keinerlei Vorr�te, und der Kampf tobe bereits in den h�lzernen Adern der Verbotenen Stadt.</p><p>Da La-chola-kan zur F�deration geh�rt, m�ssen Bel-o-kan und alle T�chterst�dte zu Hilfe eilen. Das Klarmachen zum Gefecht wird ausgerufen, noch bevor die Antennen das Ende der ersten Berichte empfangen haben. Wer redet noch von Erholung und Wiederaufbau? Der erste Krieg des Fr�hjahrs hat begonnen.</p><p>Das 327. M�nnchen, das 56. Weibchen und die 103 683. Soldatin hasten die Stockwerke hinauf. �berall wimmelt es von Ameisen.</p><p>Die Ammen tragen die Eier, die Larven und die Puppen in das 43. UG. Die Blattlausmelkerinnen verstecken ihr gr�nes Vieh tief unten in der Stadt. Die B�uerinnen bereiten feingehackte Nahrungsvorr�te zu, die als Kampfration dienen k�nnen. In den S�len der milit�rischen Kasten f�llen die Artilleristinnen ihre Hinterleiber randvoll mit Ameisens�ure. Die Fechterinnen sch�rfen ihre Mandibeln. Die S�ldnerinnen schlie�en sich zu kompakten Einheiten zusammen. Die Fortpflanzungsf�higen verkriechen sich in ihren Vierteln.</p><p>Sie k�nnen nicht sofort angreifen, es ist noch zu kalt. Aber morgen mit dem ersten Sonnenstrahl wird der Krieg w�ten.</p><p>Oben auf der Kuppel werden die �ffnungen zur W�rmeregulierung verstopft. Die Stadt Bel-o-kan schlie�t ihre Poren, zieht die Krallen ein und knirscht mit den Z�hnen. Sie ist bereit zuzubei�en.</p><p>Der dickere der beiden Polizisten legte seinen Arm um die Schultern des Jungen.</p><p>�Und du bist ganz sicher? Sie sind da drin?�</p><p>Das Kind machte sich entnervt los, ohne ihn einer Antwort zu w�rdigen. Inspektor Galin beugte sich �ber die Treppe und stie� ein ebenso lautes wie l�cherliches �Hallo!� aus. Nur das Echo antwortete ihm.</p><p>�Das scheint wirklich sehr tief zu sein�, meinte er. �Da kann ich nicht einfach so runtergehen, da braucht man Ausr�stung.�</p><p>Kommissar Bilsheim legte mit besorgter Miene einen fleischigen Finger vor seinen Mund.</p><p>�Nat�rlich. Nat�rlich.�</p><p>�Ich geh die Feuerwehr holen�, sagte Inspektor Galin.</p><p>�In Ordnung, ich vernehme in der Zwischenzeit den Kleinen.�</p><p>Der Kommissar deutete auf das aufgeschwei�te Schlo�.</p><p>�War das deine Mama?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sag mal, die ist aber schlau, deine Mama. Ich kenn nicht viele Frauen, die mit einem Schwei�ger�t umgehen k�nnen und eine gepanzerte T�r knacken . Und ich kenne keine einzige, die ein verstopftes Sp�lbecken frei machen kann.�</p><p>Nicolas war nicht nach Witzen zumute.</p><p>�Sie wollte Papa suchen.�</p><p>�Stimmt, entschuldige ... Seit wann sind sie jetzt da unten?�</p><p>�Seit zwei Tagen.�</p><p>Bilsheim kratzte sich an der Nase.</p><p>�Und warum ist dein Vater runtergegangen, wei�t du das?�</p><p>�Am Anfang, um den Hund zu holen. Warum danach, wissen wir nicht. Er hat jede Menge Metallplatten gekauft und nach unten gebracht. Und dann hat er lauter B�cher �ber Ameisen gekauft.�</p><p>��ber Ameisen? Nat�rlich, nat�rlich.�</p><p>Einigerma�en verwirrt, begn�gte sich Kommissar Bilsheim damit, zu nicken und ein paar weitere �nat�rlich� zu murmeln. Die Sache lie� sich schlecht an. Sie schmeckte ihm nicht. Das war nicht das erste Mal, da� er es mit einem �speziellen� Fall zu tun hatte. Man konnte sogar sagen, da� man ihm systematisch alle miesen Dinger unterjubelte. Das lag wahrscheinlich an einer seiner Haupteigenschaften: Er gab den Verr�ckten das Gef�hl, da� sie in ihm endlich ein offenes Ohr gefunden hatten.</p><p>Das war angeboren. Schon als er ganz klein war, kamen seine Klassenkameraden zu ihm, um ihm ihre Spinnereien anzuvertrauen. Er wackelte dann verst�ndnisvoll mit dem Kopf, fixierte sein Gegen�ber und sagte nur �nat�rlich�. Das klappte immer. Man macht sich das Leben nur unn�tig kompliziert, wenn man schlaues Zeug oder Komplimente von sich gibt, um Eindruck zu schinden oder zu schmeicheln.</p><p>Bilsheim hatte herausgefunden, da� das schlichte Wort �nat�rlich� vollauf reichte. Ein R�tsel mehr der zwischenmenschlichen Kommunikation, das gel�st war.</p><p>Das Ph�nomen war um so kurioser, als der junge Bilsheim, der kaum ein Wort sagte, in der Schule den Ruf eines gro�en Redners erlangt hatte. Man hatte ihn sogar gebeten, die Reden am Ende des Schuljahrs zu halten.</p><p>Bilsheim h�tte Psychiater werden k�nnen, aber die Uniform �bte eine wahre Faszination auf ihn aus. Ein wei�er Kittel konnte da in seinen Augen nicht mithalten. In einer Welt voller Bekloppter waren die Polizei und die Armee letztlich die Fahnentr�ger derjenigen, �die sich nicht gehenlie�en�. Denn wenn er sie auch zu verstehen glaubte, ha�te Bilsheim all diese Leute, die ins Blaue hinein faselten. Hirnlose Gestalten! Auf den Gipfel der Wei�glut brachten ihn die Leute, die mit lauter Stimme in der Metro redeten und dabei eine Schlappe mimten, die sie gerade hatten hinnehmen m�ssen und nun unbedingt anderen vorf�hren wollten.</p><p>Als Bilsheim zur Polizei gegangen war, hatten seine Vorgesetzten sein Talent schnell bemerkt. Man drehte ihm systematisch s�mtliche �unverst�ndlichen� F�lle an. Meistens kl�rte er �berhaupt nichts auf, aber zumindest k�mmerte er sich darum, und das war schon viel.</p><p>�Ach ja, da waren auch noch die Streichh�lzer!�</p><p>�Was ist mit denen?�</p><p>�Man mu� mit sechs Streichh�lzern vier Dreiecke bilden, wenn man die L�sung finden will.�</p><p>�Welche L�sung?�</p><p>�Die &gt;neue Art zu denkenc. Die &gt;andere&lt; Logik, von der Papa geredet hat.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Diesmal begehrte der Junge auf. �Nein, �berhaupt nicht &gt;nat�rlich&lt;! Man mu� die richtige geometrische Form suchen, um die vier Dreiecke zu bilden. Die Ameisen, Onkel Edmond, die Streichh�lzer, das h�ngt alles zusammen.�</p><p>�Onkel Edmond? Wer ist denn Onkel Edmond?�</p><p>�Er hat die <emphasis>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</emphasis> geschrieben. Er ist tot. Vielleicht wegen der Ratten. Die Ratten haben auch Ouarzazate get�tet.�</p><p>Kommissar Bilsheim seufzte. Bedr�ckend! Was w�rde aus diesem Knirps werden, wenn er erst mal vollj�hrig war? Mindestens ein Alkoholiker. Endlich tauchte Inspektor Galin mit den Feuerwehrm�nnern auf. Bilsheim schaute ihn stolz an. Ein As, dieser Galin. Und dazu ein Perverser. Diese Geschichten mit den Irren, die regten ihn an. Je verdrehter das war, um so mehr legte er sich ins Zeug.</p><p>Bilsheim der Verst�ndnisvolle und Galin der Enthusiast bildeten das Zweimannteam der offiziellen Brigade f�r die �F�lle - der - Bekloppten - um - die - sich - niemand -k�mmern - will�. Man hatte sie bereits auf die Sache mit der �kleinen Alten, die von ihren Katzen aufgefressen wurde� angesetzt und auf den der �Prostituierten, die ihre Freier mit ihrer Zunge erstickte�, den �Zerkleinerer der Metzgerk�pfe� nicht zu vergessen.</p><p>�Na sch�n�, sagte Galin, �bleiben Sie hier, Chef, wir springen runter, und dann bringen wir sie Ihnen mit der aufblasbaren Trage rauf.�</p><p>Belo-kiu-kiuni l��t in ihrer Kammer davon ab, weitere Eier zu legen. Sie hebt eine Antenne und bittet darum, allein gelassen zu werden. Ihre Dienerinnen verschwinden.</p><p>Belo-kiu-kiuni, das lebende Geschlecht der Stadt, ist unruhig.</p><p>Nein, sie hat keine Angst vor dem Krieg. Sie hat gut und gerne f�nfzig Kriege gewonnen und verloren. Was sie beunruhigt, ist etwas anderes. Diese Sache mit der Geheimwaffe. Dieser Akazienzweig, der sich dreht und die Kuppel aufrei�t. Und auch den Bericht des 327. M�nnchens hat sie nicht vergessen, die vierundzwanzig Kriegerinnen, die gestorben sind, ohne da� sie sich auch nur in Gefechtsposition begeben konnten ... Kann man das Risiko eingehen, diese au�ergew�hnlichen Umst�nde nicht zu ber�cksichtigen?</p><p>Jetzt nicht mehr.</p><p>Aber was tun?</p><p>Belo-kiu-kiuni erinnert sich, da� sie sich schon einmal mit einer �unbegreiflichen Geheimwaffe� auseinandersetzen mu�te. Das war w�hrend der Kriege gegen die Termitenh�gel des S�dens. Eines sch�nen Tages hatte man ihr mitgeteilt, ein Trupp von hundertzwanzig Kriegerinnen sei zwar nicht vernichtet, aber �v�llig gel�hmt� worden!</p><p>Panik hatte um sich gegriffen. Sie hatten geglaubt, nie wieder w�rden sie die Termiten besiegen k�nnen, da diese einen entscheidenden technologischen Vorsprung gewonnen hatten.</p><p>Sie hatten Spioninnen ausgeschickt. Die Termiten hatten in der Tat eine Kaste von leimschleudernden Artilleristinnen entwickelt. Die Nasutitermen. Sie brachten es fertig, �ber eine Entfernung von zweihundert Kopf einen Stoff zu verschleudern, der die Beine und Kiefer der Soldatinnen verklebte.</p><p>Die F�deration hatte lange nachgedacht, dann hatte man eine Parade gefunden: Sie r�ckten unter dem Schutz welker Bl�tter vor. Das hatte �berdies zu der ber�hmten Schlacht der Welken Bl�tter gef�hrt, die von belokanischen Truppen gewonnen wurde.</p><p>Diesmal jedoch sind die Gegnerinnen keine plumpen Termiten, sondern Zwergameisen, deren Aufgewecktheit und Intelligenz ihnen schon des �fteren zu schaffen gemacht hat. Zudem scheint diese Geheimwaffe besonders zerst�rerisch zu sein.</p><p>Sie bef�hlte nerv�s ihre Antennen.</p><p>Was wu�te sie eigentlich �ber die Zwerginnen?</p><p>Viel und wenig.</p><p>Sie waren vor hundert Jahren in der Gegend aufgetaucht. Am Anfang waren nur einige Kundschafterinnen gekommen. Wegen ihrer geringen Gr��e hatte man ihnen kaum Beachtung geschenkt. Danach waren Karawanen von Zwergameisen erschienen, die ihre Eier und Nahrungsvorr�te mit den Enden ihrer Beine trugen. Ihre erste Nacht hatten sie unter der Wurzel der gro�en Kiefer verbracht.</p><p>Am Morgen hatte ein hungriger Igel ihre Bev�lkerung um die H�lfte reduziert. Die �berlebenden hatten sich gen Norden verzogen und unweit der schwarzen Ameisen ein Biwak errichtet.</p><p>In der F�deration hatte man sich gesagt, das sei �eine Sache zwischen ihnen und den schwarzen Ameisen�. Und es gab sogar welche, die ein schlechtes Gewissen hatten, weil diese zarten Gesch�pfe f�r die schwarzen Ameisen ein gefundenes Fressen waren.</p><p>Doch die Zwergameisen wurden nicht massakriert. Man konnte sie Tag f�r Tag sehen, wie sie kleine Zweige und kleine K�fer transportierten. Wen man daf�r nicht mehr sah, das waren . die schwarzen Ameisen.</p><p>Man wei� immer noch nicht, was sich damals abgespielt hat, jedenfalls wu�ten die belokanischen Kundschafterinnen zu berichten, da� fortan die Zwerginnen das gesamte Nest der schwarzen Ameisen bewohnten. Man nahm das Ereignis schicksalsergeben, ja humorvoll hin. <emphasis>Geschieht den eingebildeten Schwarzen nur recht,</emphasis> hie� es in den G�ngen. Au�erdem w�ren diese mickrigen Ameisen die letzten, die der m�chtigen F�deration Sorgen bereiten k�nnten.</p><p>Nur, nach dem Nest der schwarzen Ameisen wurde als n�chstes einer der Bienenst�cke des wilden Rosenstrauchs von den Zwerginnen eingenommen ... Und dann gerieten der letzte Termitenh�gel des Nordens und das Nest der blutroten Giftameisen unter das Banner der Zwerginnen!</p><p>Die Fl�chtlinge, die nach Bel-o-kan str�mten und das Heer der S�ldnerinnen aufbl�hten, erz�hlten, die Zwerginnen verf�gten �ber geradezu avantgardistische Kampftechniken. So h�tten sie zum Beispiel die Wasserstellen verseucht, indem sie Gift aus ihren raren Blumen hineingaben.</p><p>Dennoch sorgte man sich immer noch nicht ernsthaft. Erst als im letzten Jahr die Stadt Niziu-ni-kan in k�rzester Zeit fiel, erkannte man endlich, da� man mit einem gef�hrlichen Gegner zu tun hatte.</p><p>Die roten Ameisen mochten zwar die Zwerginnen untersch�tzt haben, doch jene hatten die St�rke der roten auch nicht richtig beurteilt. Niziu-ni-kan war zwar eine recht kleine Stadt, aber sie geh�rte der F�deration an. Am Morgen nach ihrem Sieg wurden die Zwerginnen von zweihundert -vierzig Legionen mit jeweils eintausendzweihundert Soldatinnen unsanft aus dem Schlaf gerissen. Der Ausgang des Kampfs war klar, was die Zwerginnen nicht davon abhielt, sich erbittert zu wehren. So da� die f�derierten Truppen einen vollen Tag brauchten, bis sie in die befreite Stadt eindringen konnten.</p><p>Daraufhin entdeckte man, da� die Zwerginnen nicht eine, sondern . zweihundert K�niginnen nach Niziu-ni-kan gebracht hatten. Da war ein Schock.</p><empty-line/><p><strong>offensivkr�fte: Die Ameisen sind die einzigen sozialen Insekten, die eine offensive Armee unterhalten.</strong></p><p><strong>Die Termiten und die Bienen, zwei royalistische und loyale, aber weniger raffinierte Arten, benutzen ihre Soldaten nur zum Schutz der Stadt oder der Arbeiterinnen, die sich weit von ihrem Nest entfernen. Da� ein Termitenh�gel oder Bienenstock einen Feldzug zur Eroberung von Terrain f�hrt, ist relativ selten anzutreffen. Beobachtet hat man es jedoch auch schon.</strong></p><p><strong>Edmond Wells</strong></p><p><emphasis>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</emphasis></p><empty-line/><p>Die gefangenen K�niginnen der Zwergameisen erz�hlten von der Geschichte und den Sitten ihres Volkes. Eine ausgefallene Geschichte.</p><p>Ihnen zufolge hatten die Zwerginnen vor langer Zeit in einem anderen Land gelebt, das Milliarden Kopf entfernt war.</p><p>Dieses Land war ganz anders als die Welt der F�deration. Dort wuchsen riesige, sehr bunte und zuckers��e Fr�chte. Zudem gab es dort keinen Winter und keinen Winterschlaf. In diesem Schlaraffenland hatten die Zwerginnen das �alte� Shi-gae-pu errichtet, ein Staat, der aus einer sehr alten Dynastie hervorgegangen war. Dieses Nest befand sich zu F��en eines Oleanders.</p><p>Nun hatte es sich zugetragen, da� der Oleander und der Sand, der ihn umgab, eines Tages aus dem Boden gerissen und in eine Holzkiste gelegt wurden. Die Zwerginnen hatten versucht, aus der Kiste zu fliehen, aber jene stand inmitten einer gigantischen und sehr harten Struktur. Und als sie an die Grenzen dieser Struktur gelangten, waren sie ins Wasser gefallen. In salziges Wasser, so weit das Auge reichte.</p><p>Viele Zwerginnen waren bei dem Versuch, die Erde ihrer Ahnen zu erreichen, ertrunken. Daraufhin hatte die Mehrheit beschlossen, da� man eben in dieser riesigen, harten, von Salzwasser umgebenen Struktur �berleben m�sse. Das hatte tagelang gedauert.</p><p>Dank ihrer Johnston-Organe hatten sie gemerkt, da� sie sich sehr schnell �ber eine ph�nomenale Distanz fortbewegten.</p><p><emphasis>Wir haben Hunderte von magnetischen Erdfeldern �berquert. Wohin w�rde uns das f�hren? Hierher. Wir wurden mit dem Oleander abgesetzt. Wir haben diese Welt hier entdeckt, ihre exotische Fauna und Flora.</emphasis></p><p>Der Ortswechsel erwies sich als Entt�uschung. Die Fr�chte, die Blumen, die Insekten waren kleiner, nicht so bunt. Sie hatten ein rot-gelb-blaues Land verlassen, um in eine gr�nschwarz-braune Gegend zu geraten. Hatten eine buntschillernde Welt gegen eine farblose eingetauscht.</p><p>Zudem waren sie hier Winter und K�lte ausgesetzt, die alles blockierten. Dort unten hatten sie nicht einmal gewu�t, da� es so etwas wie K�lte gab, das einzige, was einen dazu zwang, sich auszuruhen, war die Hitze!</p><p>Als erstes verfielen die Zwerginnen auf verschiedene L�sungen, um die K�lte zu bek�mpfen. Die beiden wirksamsten Methoden: Sich mit Zucker vollstopfen und sich mit Schneckenschleim einreihen.</p><p>F�r die erste L�sung ernteten sie den Fruchtzucker der Erdbeeren, Brombeeren und Kirschen. F�r die zweite hatten sie fast s�mtliche Schnecken der Gegend ausgerottet.</p><p>�berdies hatten sie einige wahrlich �berraschende Gepflogenheiten: Zum Beispiel kannten sie weder gefl�gelte M�nnchen und Weibchen noch einen Hochzeitsflug. Die Weibchen lie�en sich lieben und legten ihre Eier zu Hause, unter der Erde. So da� jede Stadt nicht nur eine, sondern ein paar hundert Eierlegerinnen hatte. Das hatte einen betr�chtlichen Vorteil: zum einen eine erheblich h�here Geburtenzahl als die roten Ameisen, zum andern eine viel geringere Verwundbarkeit. Denn w�hrend man, um eine Stadt der roten Ameisen zu enthaupten, blo� die K�nigin zu t�ten brauchte, konnte die Zwerginnenstadt wieder aufleben, solange nur ein einziges fortpflanzungsf�higes Exemplar erhalten blieb.</p><p>Und nicht nur das. Die Zwerginnen hatten eine ganz andere Philosophie der territorialen Eroberung. W�hrend die roten Ameisen, beg�nstigt durch die Hochzeitsfl�ge, so weit entfernt wie m�glich landeten, um sich daraufhin �ber Pisten dem zersplitterten Reich der F�deration anzuschlie�en, r�ckten die Zwerginnen Zentimeter f�r Zentimeter von ihren Zentralst�dten aus vor.</p><p>Selbst ihre geringe Gr��e war ein Trumpf. Sie brauchten nur sehr wenig Kalorien, um ein hohes Ma� an geistiger Regsamkeit und k�rperlicher T�tigkeit zu erreichen. Ihre Reaktionsschnelligkeit hatte man bei einem starken Regengu� ermessen k�nnen. W�hrend die roten Ameisen noch dabei waren, m�hselig ihre Blattlausherden und letzten Eier aus den �berfluteten G�ngen zu evakuieren, hatten die Zwerginnen schon seit Stunden ein Nest in einem Ri� in der Rinde der gro�en Kiefer eingerichtet und all ihre Sch�tze dort untergebracht .</p><p>Belo-kiu-kiuni sch�ttelt sich, um ihre d�steren Gedanken zu vertreiben. Sie legt zwei Eier, zwei Kriegerinnen. Die Ammen sind nicht da, um sie in Empfang zu nehmen, und sie hat Hunger. Also verschlingt sie sie gierig. Das sind exzellente Proteine.</p><p>Sie neckt ihre fleischfressende Pflanze. Ihre Sorgen haben bereits wieder die Oberhand gewonnen. Das einzige Mittel, diese Geheimwaffe zu bek�mpfen, best�nde darin, eine andere, noch durchschlagskr�ftigere und entsetzlichere zu erfinden. Die roten Ameisen haben nacheinander die Ameisens�ure, den Schild der welken Bl�tter, die Leimfallen entdeckt. Sie brauchen nur etwas anderes zu erfinden. Eine Waffe, bei der die Zwerginnen wie vor den Kopf geschlagen sind, schlimmer noch als ihr zerst�rerischer Zweig!</p><p>Sie verl��t ihr Gemach, begegnet Soldatinnen und redet zu ihnen. Sie schl�gt vor, Arbeitsgruppen zu dem Thema �eine Geheimwaffe gegen die Geheimwaffe der Zwerginnen finden� zu gr�nden. Das Volk reagiert positiv auf ihren Stimulus. �berall bilden sich kleine Gruppen von drei bis f�nf Soldatinnen, aber auch Arbeiterinnen. Indem sie ihre Antennen zu einem Dreieck oder F�nfeck verbinden, f�hren sie Hunderte von absoluten Kommunikationen durch.</p><p>�Achtung, ich bleibe stehen!� sagte Galin, der wenig Lust versp�rte, von acht dr�ngelnden Feuerwehrleuten umgerannt zu werden.</p><p>�Das ist vielleicht finster hier! Gebt mir mal eine st�rkere Lampe.�</p><p>Er drehte sich um, und man reichte ihm eine gro�e Stablampe. Die Feuerwehrleute wirkten nicht gerade gelassen. Dabei hatten sie immerhin ihre dicken Lederjacken und ihre Helme. Warum hatte er auch nicht daran gedacht, sich etwas anzuziehen, das f�r eine solche Expedition geeigneter war als ein Jackett!</p><p>Sie stiegen vorsichtig hinab. Der Inspektor, das Auge der Gruppe, achtete darauf, jeden Winkel auszuleuchten, bevor er einen Schritt machte. Das war zwar langwierig, aber sicherer.</p><p>Der Strahl der Stablampe strich �ber eine Inschrift, die in Augenh�he in das Gew�lbe graviert war.</p><p>Untersuche dich selbst.</p><p>Hast du dich nicht gewissenhaft gereinigt</p><p>Werden dir die chemischen Verbindungen Schaden zuf�gen.</p><p>Ungl�ck dem, der dort unten zu lange verweilt.</p><p>M�ge, wer zu leicht, davon ablassen.</p><p>Ars Magna</p><p>�Haben Sie gesehen?� fragte einer der Feuerwehrm�nner.</p><p>�Eine alte Inschrift, mehr nicht ...�, beschwichtigte Inspektor Galin.</p><p>�H�rt sich an wie ein Hexenspruch.�</p><p>�Jedenfalls wirkt das verdammt tief.�</p><p>�Der Inhalt des Satzes?�</p><p>�Nein, die Treppe. Sieht aus, als ging das kilometerweit runter.�</p><p>Sie setzten den Abstieg fort. Sie waren sicher schon f�nfhundert Meter unter der Stadt. Und die Wendeltreppe schraubte sich weiter nach unten. Wie eine DNS-Spirale. Sie bekamen fast einen Drehwurm. Tiefer, immer tiefer.</p><p>�Das kann noch ewig so weitergehn�, knurrte einer der M�nner. �Wir sind nicht dazu da, H�hlenforschung zu betreiben.�</p><p>�Ich hab gedacht, wir sollten blo� jemanden aus einem Keller holen�, sagte ein anderer, der die aufblasbare Trage transportierte. �Meine Frau hat mich um acht zum Essen erwartet, jetzt ist es schon zehn!�</p><p>Galin spornte seine Truppe an.</p><p>�H�rt mal, Jungs, wir haben jetzt �ber die H�lfte geschafft, also gebt euch einen kleinen Ruck. Wir werden doch nicht auf halber Strecke aufgeben.�</p><p>Dabei hatten sie noch nicht ein Zehntel des Weges zur�ckgelegt.</p><p>Nach mehreren Stunden Beratschlagung, es herrscht mittlerweile eine Temperatur nahe 15�, entwickelt eine Gruppe gelber S�ldnerinnen einen Vorschlag, der von allen anderen Nervenzentren schon bald als bester anerkannt wird.</p><p>Zuf�llig besitzt Bel-o-kan zahlreiche S�ldnerinnen einer etwas sonderbaren Art: die �Samenkornbei�erinnen�. Ihr Hauptmerkmal ist ein sehr dicker Kopf mit langen, geschliffenen Mandibeln, die es ihnen erm�glichen, sogar sehr harte Samenk�rner zu durchtrennen. Im Kampf sind sie nicht besonders wirksam, da sie zu kurze Beine unter einem zu schweren K�rper haben.</p><p>Wozu sich also m�hsam zum Ort der Auseinandersetzung schleppen, um dort nur wenig Schaden anzurichten? Die roten Ameisen hatten sie schlie�lich vornehmlich mit Haushaltsaufgaben betraut, so dem Zuschneiden von dicken Zweigen.</p><p>Nach Auffassung der gelben Ameisen gibt es jedoch eine M�glichkeit, diese schweren Tolpatsche in Kriegshelden zu verwandeln. Man braucht sie blo� von sechs kleinen und agilen Arbeiterinnen tragen zu lassen!</p><p>So k�nnten sie sich, indem sie ihre �lebenden Beine� mit Duftstoffen lenken, mit gro�er Geschwindigkeit auf ihre Gegnerinnen st�rzen und sie mit ihren langen Mandibeln zerfetzen.</p><p>Einige mit Zucker vollgestopfte Soldatinnen machen im Solarium die ersten Versuche. Sechs Ameisen heben eine Kornbei�erin hoch und laufen los, wobei sie versuchen, ihre Schritte aufeinander abzustimmen. Das scheint sehr gut zu funktionieren.</p><p>Die Stadt Bel-o-kan hat den Panzer erfunden.</p><p>Sie kamen nicht mehr zur�ck.</p><p>Am n�chsten Morgen lautete die Schlagzeile der Zeitungen: �Fontainebleau - Acht Feuerwehrleute und ein Polizeiinspektor auf r�tselhafte Weise in einem Keller verschwunden.�</p><p>In der rotvioletten Morgend�mmerung r�sten die Zwergameisen, die die Verbotene Stadt von La-chola-kan umzingeln, zur Schlacht. Die in ihrem Baumstumpf isolierten roten Ameisen sind ausgehungert und ersch�pft. Sie werden sich nicht mehr lange halten k�nnen.</p><p>Die K�mpfe setzen wieder ein. Nach langen Artillerieduellen erobern die Zwerginnen zwei weitere Kreuzungen. Das von den Strahlen zerfressene Holz speit die Kadaver der belagerten Soldatinnen aus.</p><p>Die letzten roten �berlebenden sind am Ende. Die Zwergameisen dringen in die Verbotene Stadt ein. Die in den Rissen der Decke versteckten Sch�tzen halten sie kaum auf.</p><p>Das k�nigliche Gemach kann nicht mehr weit sein. Drinnen beginnt die K�nigin La-chola-kiuni, ihren Herzschlag zu verlangsamen. Jetzt ist alles vorbei.</p><p>Aber die am weitesten vorger�ckten Truppen der Zwerginnen nehmen pl�tzlich einen Alarmduft wahr. Drau�en geht etwas vor. Sie machen kehrt.</p><p>Oben auf dem H�gel mit den Klatschmohnbl�ten, der die Stadt �berragt, sind inmitten der roten Blumen Tausende von schwarzen Punkten zu sehen.</p><p>Die Belokanerinnen haben sich also endlich zum Angriff entschlossen. Wenn sie unbedingt wollen. Die Zwerginnen schicken winzige S�ldnerinnen los, um die Hauptstadt zu benachrichtigen.</p><p>S�mtliche Abgesandte tragen das gleiche Pheromon:</p><p><emphasis>Sie greifen an. Schickt Verst�rkung von Osten her, um sie in die Zange zu nehmen. Bereitet die Geheimwaffe vor.</emphasis></p><p>Die Hitze des ersten Sonnenstrahls, der durch die Wolken drang, hat den Entschlu� beschleunigt, zum Angriff �berzugehen. Es ist 8.03 Uhr. Die belokanischen Einheiten st�rmen den Hang hinunter, umkurven Gr�ser, h�pfen �ber Steinchen. Es sind Millionen von Soldatinnen, die da mit aufgerissenen Mandibeln losgerannt sind. Das ist ziemlich beeindruckend.</p><p>Aber die Zwerginnen haben keine Angst. Sie hatten diese Taktik vorhergesehen. Am Tag zuvor haben sie versetzt L�cher in den Boden gegraben. Sie zw�ngen sich hinein, lassen nur ihre Mandibeln hinausragen, so da� ihre K�rper von dem Sand gesch�tzt sind.</p><p>Diese Linie bricht auf Anhieb den Ansturm der roten Ameisen. Die F�derierten fechten vergebens gegen diese Gegnerinnen, die ihnen nur ihre starken Punkte zeigen. Keine M�glichkeit, ihnen die Beine abzutrennen oder den Hinterleib auszurei�en.</p><p>Im gleichen Augenblick startet das Gros der shigaepuanischen Infanterie, das in der N�he unter dem Dach eines Rings von Satanspilzen zusammengezogen ist, eine Gegenoffensive, so da� die Roten in die Zange genommen werden.</p><p>Wenn die Belokanerinnen Millionen sind, so z�hlen die Shigaepuanerinnen Dutzende von Millionen. Auf jede rote Soldatin kommen mindestens�f�nf�Zwergameisen,�die Kriegerinnen in ihren L�chern, die alles zerkleinern, was in die Reichweite ihrer Mandibeln kommt, nicht mitgerechnet.</p><p>Der Kampf entwickelt�sich�schnell�zum Nachteil�der zahlenm��ig Unterlegenen. Gelichtet von den Zwerginnen, die von �berall her auftauchen, l�sen sich die Reihen der Roten auf.</p><p>Um 9.36 Uhr treten sie entschieden den R�ckzug an. Die Zwerginnen sto�en bereits Siegesd�fte aus. Ihre Kriegslist hat bestens funktioniert. Es�ist�nicht�einmal n�tig,�die Geheimwaffe einzusetzen! ���Sie verfolgen diese Armee ���von Fl�chtlingen, betrachten die Eroberung von La-chola-kan als erledigt.</p><p>Aber mit ihren kurzen Beinen brauchen die Zwerginnen zehn Schritte, wo die Roten einen Satz machen. Ihnen geht die Puste aus, w�hrend sie den H�gel hinaufklettern. Genau das haben die Strateginnen der F�deration vorgesehen. Denn diese erste Attacke hatte nur einen Zweck: die Truppen der Zwergameisen aus ihrem Kessel hervorzulocken und sie dann auf dem Abhang anzugreifen.</p><p>Die Roten erreichen den Kamm, die Einheiten der Zwerginnen verfolgen sie v�llig ungeordnet weiter. Oben richtet sich mit einemmal ein Wald von Dornen auf. Das sind die riesigen Zangen der Kornbei�erinnen. Sie schwenken sie, lassen sie in der Sonne aufblitzen, dann richten sie sie parallel zum Boden aus und st�rzen sich auf die Zwerginnen, Kernbei�er, Zwergbei�er!</p><p>Der �berraschungseffekt ist durchschlagend. Die Shigaepuanerinnen, benommen, die Antennen starr vor Schreck, werden niedergem�ht wie Gras. In rasantem Tempo, den H�henunterschied ausnutzend, sprengen die Kornbei�erinnen die feindlichen Linien. Die je sechs Arbeiterinnen unter ihnen sind mit Leib und Seele dabei. Sie sind die Raupenketten dieser Kriegsmaschinen. Dank eines perfekt synchronen Antennenkontakts zwischen Drehturm und R�dern fr�st sich dieses Tier mit sechsunddrei�ig Beinen und zwei riesigen Mandibeln m�helos in die feindlichen Massen.</p><p>Die Zwerginnen haben gerade noch Zeit, diese Kolosse wahrzunehmen, die zu Hunderten �ber sie herfallen, ihre Reihen eindr�cken, platt machen, zerquetschen. Die �bergro�en Mandibeln fahren in die Menge nieder, grasen sie ab und schnellen wieder hoch, beladen mit Beinen und blutigen K�pfen, die sie wie Stroh knacken lassen.</p><p>Totale Panik. Die entsetzten Zwerginnen rempeln sich an, kommen nicht vom Fleck, manche t�ten sich gegenseitig.</p><p>Die belokanischen Panzer sind, nachdem sie das Zwergen-fu�volk auf diese Weise �gek�mmt� haben, in ihrem Schwung �ber jenes hinausgeschossen. Stop. Sie wenden und erklimmen, immer noch tadellos in einer Reihe, bereits wieder den Hang, um die Feinde erneut niederzuwalzen. Die �berlebenden w�rden ihnen gerne zuvorkommen, aber oben zeichnet sich eine zweite Front von Panzern ab, die den H�gel hinunterrast!</p><p>Die beiden Kolonnen kreuzen sich wunderbar parallel. Vor jedem Panzer stapeln sich die Kadaver. Das ist ein einziges Blutbad.</p><p>Die Lacholakanerinnen, die von weitem die Schlacht verfolgen, kommen heraus, um ihre Schwestern anzufeuern. Die anf�ngliche �berraschung ist reiner Begeisterung gewichen. Sie sto�en Pheromone der Freude aus. Das ist ein Sieg der Technologie und der Intelligenz! Nie zuvor ist die Genialit�t der F�deration so klar zum Ausdruck gekommen.</p><p>Shi-gae-pu hat jedoch nicht all seine Karten aufgedeckt. Es hat noch seine Geheimwaffe. Normalerweise war diese Waffe nur dazu gedacht, die hartn�ckigen Bewohner von La-chola-kan �auszur�uchern�, aber angesichts der schlimmen Wendung, die der Kampf genommen hat, beschlie�en die Zwergameisen, ihren Trumpf auszuspielen.</p><p>Die Geheimwaffe stellt sich in Form von Sch�deln roter Ameisen dar, die von einer braunen Pflanze durchbohrt sind.</p><p>Einige Tage zuvor haben die Zwerginnen den Kadaver einer Kundschafterin der F�deration entdeckt. Ihr K�rper war unter dem Druck eines parasitischen Pilzes, der <emphasis>alternaria,</emphasis> geplatzt. Die Forscherinnen der Zwergameisen hatten das Ph�nomen untersucht und festgestellt, da� dieser parasitische Pilz fl�chtige Sporen erzeugt. Jene heften sich an den Panzer, zerfressen ihn, dringen in das Tier ein, wo sie wachsen, bis der Rumpf explodiert.</p><p>Was f�r eine Waffe!</p><p>Und dazu von unfehlbarer Sicherheit und garantierter Verwendbarkeit. Denn w�hrend sich die Sporen auf das Chitin der Roten heften, finden sie auf dem der Zwergameisen keinen Halt. Ganz einfach, weil sich letztere - k�lteempfindlich, wie sie sind - mit Schneckenschleim einzureiben pflegen! Und diese Substanz bietet einen Schutz gegen die <emphasis>alternaria.</emphasis></p><p>Die Belokanerinnen haben vielleicht den Panzer erfunden, doch die Shigaepuanerinnen haben die bakteriologischen Waffen entdeckt.</p><p>Ein Infanteriebataillon setzt sich in Bewegung, ausger�stet mit dreihundert verseuchten, im Zuge der ersten Schlacht um La-chola-kan erbeuteten Sch�deln roter Ameisen.</p><p>Sie werfen sie mitten unter die Feindinnen. Die Kornbei�erinnen und ihre Tr�gerinnen beginnen unter dem t�dlichen Staub zu niesen. Als sie sehen, da� ihre Panzer davon befallen werden, verlieren sie den Kopf. Die Tr�gerinnen lassen ihre Last im Stich. Die wieder unbeweglichen Kornbei�erinnen werden von panischer Angst erfa�t und legen sich mit ihren Artgenossinnen an. Alles geht drunter und dr�ber.</p><p>Gegen 10 Uhr trennt ein pl�tzlicher K�lteeinbruch die Streitkr�fte. In eisigen Luftstr�men kann man nicht k�mpfen. Die Truppen der Zwergameisen nutzen die Pause, um sich zu befreien. Die Panzer der Roten erklimmen m�hsam den H�gel.</p><p>In beiden Lagern z�hlt man die Verletzten, sch�tzt das Ausma� der Verluste. Bedr�ckende Zwischenbilanz. Beide Seiten m�chten der Schlacht eine andere Richtung geben.</p><p>Bei den Belokanerinnen hat man die Sporen der <emphasis>alternaria</emphasis> erkannt. Man beschlie�t, s�mtliche Soldaten, die mit dem Pilz in Ber�hrung gekommen sind, zu opfern, um ihnen weitere Qualen zu ersparen.</p><p>Spioninnen kommen angelaufen. Es gibt ein Mittel, sich gegen diese bakteriologische Waffe zu sch�tzen: Man mu� sich mit Schneckenschleim einreiben. Gesagt, getan. Man opfert drei dieser (immer seltener anzutreffenden) Weichtiere, damit sich jeder gegen die Gei�el sch�tzen kann.</p><p>Antennenkontakt. Die roten Strateginnen vertreten die Ansicht, da� man nicht mehr nur mit den Panzern angreifen kann. In der neuen Aufstellung werden sie das Zentrum bilden, aber hundertzwanzig Legionen �blicher Infanterie und sechzig Legionen fremder Infanterie werden auf den Fl�geln aufmarschieren. Man sch�pft neuen Mut.</p><empty-line/><p><strong>argentinische Ameisen: Die argentinischen Ameisen (Iridomyrmex humilis) sind 1920 in Frankreich erschienen. H�chstwahrscheinlich wurden sie in Oleanderk�beln eingeschleppt, die dazu bestimmt waren, die Stra�en der C�te d�Azur zu versch�nern.</strong></p><p><strong>Ihre Existenz wird zum erstenmal 1866 in Buenos Aires gemeldet (daher ihr Beiname). 1891 finden sie sich in den Vereinigten Staaten, in New Orleans.</strong></p><p><strong>In den Strohsch�tten exportierter argentinischer Pferde versteckt, gelangen sie 1908 nach S�dafrika. 1910 nach Chile, 1917 nach Australien und 1920 nach Frankreich.</strong></p><p><strong>Diese Art zeichnet sich nicht nur durch ihre geringe Gr��e aus, die sie, verglichen mit anderen Ameisen, zu Pygm�en macht, sondern auch durch ungew�hnliche Intelligenz und kriegerische Aggressivit�t (�brigens ihre Hauptmerkmale).</strong></p><p><strong>Kaum im S�den Frankreichs ans�ssig, f�hren die argentinischen Ameisen gegen s�mtliche einheimischen Arten Krieg ... und besiegten sie allesamt!</strong></p><p><strong>1960 �berschreiten sie die Pyren�en und ziehen bis Barcelona. 1967 gehen sie �ber die Alpen und ergie�en sich bis Rom. In den 70er Jahren dann beginnen die Iridomyrmex wieder nach Norden zu ziehen. Man glaubt, da� sie in einem hei�en Sommer Ende der 90er Jahre die Loire �berquert haben. Dort sto�en diese Eindringlinge, deren Kampfstrategien denen eines C�sar oder Napoleon in nichts nachstehen, auf zwei etwas hartn�ckigere Arten: die roten Ameisen (im S�den und Osten der Pariser Region) und die Pharaonenameisen (im Norden und Westen von Paris).</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Die Schlacht am Klatschmohnh�gel ist noch nicht entschieden. Um 10.13 Uhr beschlie�t Shi-gae-pu. Verst�rkung zu schicken. Zweihundertvierzig Legionen der Reservearmee ziehen los, um sich den �berlebenden der ersten Angriffswelle anzuschlie�en. Man erkl�rt ihnen die Sache mit den �Panzern�. Die Antennen vereinen sich zur AK. Es mu� ein Mittel geben, mit diesen komischen Maschinen fertigzuwerden ...</p><p>Gegen 10.30 Uhr macht eine Arbeiterin einen Vorschlag:</p><p><emphasis>Die Kornbei�erinnen verdanken ihre Beweglichkeit den sechs Ameisen, die sie tragen. Man braucht blo� diese �lebenden Beine� abzutrennen.</emphasis></p><p>Eine andere Idee steigt auf:</p><p><emphasis>Der Schwachpunkt dieser Maschinen ist, da� sie Schwierigkeiten haben, schnell zu wenden. Dieses Handicap kann man ausnutzen. Wir brauchen uns blo� zu kompakten Bl�cken zu formieren. Wenn die Maschinen angreifen, treten wir zur Seite und lassen sie widerstandslos durch. Dann, wenn sie noch in vollem Schwung sind, greifen wir sie von hinten an. Sie werden keine Zeit haben, sich umzudrehen.</emphasis></p><p>Und ein dritter Gedanke:</p><p><emphasis>Die Beinbewegungen sind durch Antennenkontakt aufeinander abgestimmt, wie wir gesehen haben. Wir brauchen blo� hochzuspringen und den Kornbei�erinnen die Antennen abzuschneiden, dann k�nnen sie ihre Tr�gerinnen nicht mehr dirigieren.</emphasis></p><p>Alle drei Ideen werden festgehalten. Die Zwerginnen machen sich daran, einen Schlachtplan aufzustellen.</p><empty-line/><p><strong>leiden: Sind Ameisen f�hig zu leiden? Auf den ersten Blick nicht. Sie haben kein Nervensystem, das auf diesen Zweck zugeschnitten w�re. Und wo kein Nerv ist, kann es auch keine Schmerzbotschaft geben. Das mag erkl�ren, da� �Ameisenst�cke� mitunter noch recht lange, unabh�ngig vom Rest des K�rpers, �leben� k�nnen.</strong></p><p><strong>Das Fehlen des Schmerzes erschlie�t eine neue Welt der Sciencefiction. Kein Schmerz, das hei�t: keine Angst, vielleicht nicht mal ein Bewu�tsein seiner selbst. Lange haben die Insektenforscher folgender Theorie gehuldigt: Die Ameisen leiden nicht, von daher leitet sich der Zusammenhalt ihrer Gesellschaft ab. Das erkl�rt alles und nichts. Diese Vorstellung hat noch einen weiteren Vorteil: Sie enthebt uns jeglicher Skrupel, sie zu t�ten.</strong></p><p><strong>Ein Tier, das nicht leidet ... Nein, mir w�rde das gro�e Angst machen.</strong></p><p><strong>Aber diese Auffassung ist falsch. Denn die enthauptete Ameise sondert einen speziellen Duft ab. Den Duft des Schmerzes. Es passiert also etwas. Die Ameise hat keine elektrische Nervenleitung, aber sie hat eine chemische Leitung. Sie wei�, da� ihr ein Teil fehlt, und sie leidet. Sie leidet auf ihre Art, die sicher ganz anders ist als unsere, aber sie leidet.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Die Kampfhandlungen setzen um 11.47 Uhr wieder ein. Eine lange, dichte Linie von Zwergameisenkriegerinnen r�ckt langsam zum Sturm auf den Klatschmohnh�gel heran.</p><p>Die Panzer erscheinen zwischen den Blumen. Auf ein Signal hin st�rmen sie den Hang hinab. Die Legionen der roten Ameisen und ihrer S�ldnerinnen t�nzeln an den Flanken, bereit, das Werk der Kolosse zu vollenden.</p><p>Die beiden Armeen sind nur hundert Kopf voneinander entfernt ... F�nfzig ... Zwanzig ... Zehn! Kaum kommt die erste Kornbei�erin mit den Zwerginnen in Ber�hrung, geschieht etwas Unerwartetes. Die dichte Reihe der Shigaepuanerinnen wandelt sich pl�tzlich in eine punktierte Linie. Die Soldatinnen schlie�en sich zu Karrees zusammen.</p><p>Die Panzer sehen, wie sich der Feind in Luft aufl�st, und haben nur noch einen leeren Gang vor sich. Niemand kommt auf die Idee, im Zickzack zu laufen, um mit den Zwergameisen zusammenzuprallen. Die Mandibeln knallen ins Leere, die sechsunddrei�ig Beine rennen d�mmlich weiter.</p><p>Ein herber Duft breitet sich aus:</p><p><emphasis>Schneidet ihnen die Beine ab!</emphasis></p><p>Sogleich springen Zwergameisen unter die Panzer und t�ten die Tr�gerinnen. Sie ziehen sich schleunigst wieder zur�ck, um nicht von der niedersinkenden Masse der Kornbei�erinnen zerquetscht zu werden.</p><p>Andere werfen sich tollk�hn zwischen die Doppelreihe der Tr�gerinnen und schlitzen mit einer Mandibel den schutzlosen Bauch auf. Eine Fl�ssigkeit flie�t heraus, der Lebenssaft der Kornbei�erinnen ergie�t sich auf den Boden.</p><p>Andere klettern auf die Kolosse, schneiden ihnen die Antennen ab und springen wieder in voller Fahrt herunter.</p><p>Einer nach dem andern brechen die Panzer zusammen. Die tr�gerlosen Kornbei�erinnen schleppen sich dahin wie Bettl�gerige, so da� ihnen die Zwergameisen m�helos den Rest geben k�nnen.</p><p>Horror! Einige Kadaver aufgeschlitzter Kornbei�erinnen werden von ihren sechs Tr�gerinnen, die nichts bemerkt haben, l�cherlicherweise weitertransportiert ... Jene Kornbei�erinnen, die ihrer Antennen beraubt sind, m�ssen erleben, da� ihre �R�der� in verschiedene Richtungen rollen und auseinanderbrechen ...</p><p>Dieses Debakel l�utet das Ende der technologischen Neuerung der Panzer sein. Wie viele gro�e Erfindungen sind auf diese Art aus der Geschichte der Ameise verschwunden, weil die Parade zu schnell gefunden wurde!</p><p>Die Einheiten der Roten und ihrer S�ldnerinnen, die die Panzerfront flankierten, stehen pl�tzlich ganz allein da. Sie waren dort aufgestellt, um die �berbleibsel zu erledigen, und nun sind sie zu einem Verzweiflungsangriff verurteilt. Aber die Karrees der Zwergameisen haben sich bereits wieder geschlossen, so hervorragend ist das Massaker an den Kornbei�erinnen abgewickelt worden. Kaum ber�hren die Belokanerinnen den Rand eines dieser Bl�cke, werden sie �angesaugt� und von Tausenden gefr��iger Mandibeln zerlegt.</p><p>Die Roten und ihre S�ldnerinnen k�nnen nur noch zum R�ckzug blasen. Sie schlie�en sich auf dem Kamm wieder zusammen und beobachten die Zwerginnen, die langsam, immer noch in kompakten Bl�cken, zum Sturm ansetzen. Ein be�ngstigender Anblick!</p><p>In der Hoffnung, Zeit zu gewinnen, tragen die kr�ftigsten Soldatinnen Kieselsteine herbei und lassen sie den H�gel hinabrollen. Doch diese Lawine behindert den Vormarsch der Zwerginnen nur unwesentlich. Aufmerksam springen sie zur Seite, wenn die Bl�cke heranrauschen, und nehmen sogleich ihren Platz wieder ein. Nur wenige werden zermalmt.</p><p>Die belokanischen Legionen suchen verzweifelt nach einer L�sung, aus diesem Schlamassel zu kommen. Einige Kriegerinnen schlagen vor, auf die alten Kampftechniken zur�ckzugreifen. Warum nicht ganz einfach die Artillerie einsetzen? Sicher, seit Beginn der Kampfeshandlungen haben sie die S�ure, die in einem Handgemenge ebenso viele Freunde wie Feinde t�tet, kaum verwendet, aber gegen die dichten Bl�cke der Zwerginnen d�rfte man damit gro�en Erfolg haben.</p><p>Die Artilleristinnen gehen schnell in Gefechtsposition: fest verankert auf den vier Hinterbeinen, den Hinterleib nach vorn geknickt. So k�nnen sie nach rechts und links und nach oben und unten schwenken und den besten Schu�winkel ausw�hlen.</p><p>Die Zwergameisen, im Augenblick unmittelbar unter ihnen, sehen Tausende von Hinterleibern, die sich �ber den Kamm schieben, aber sie ziehen nicht sofort den richtigen Schlu�. Sie haben gerade Anlauf genommen, haben beschleunigt, um die letzten Zentimeter des Hangs zu bew�ltigen.</p><p><emphasis>Angriff! In geschlossenen Reihen!</emphasis></p><p>Ein einziger Befehl, ein einziges Wort schallt durch das gegnerische Lager:</p><p><emphasis>Feuer!</emphasis></p><p>Die nach vorn gerichteten B�uche spritzen ihr �tzendes Gift auf die Bl�cke der Zwerginnen. <emphasis>Pfff, pfff, pfff.</emphasis> Die gelben Strahlen zischen durch die Luft, peitschen der ersten Reihe von Angreiferinnen voll entgegen.</p><p>Als erstes schmelzen die Antennen. Sie tr�pfeln auf die Sch�del. Dann verteilt sich das Gift auf den Panzern, l�st sie auf, als w�ren sie aus Plastik.</p><p>Die gemarterten K�rper sinken zusammen und bilden eine schmale Sperre, die die Zwerginnen ins Straucheln bringt. W�tend fassen sie sich, st�rmen erneut auf den Kamm zu.</p><p>Oben hat eine Reihe roter Artilleristinnen den Platz ihrer Vorg�ngerinnen eingenommen.</p><p><emphasis>Feuer!</emphasis></p><p>Die Bl�cke brechen auseinander, aber die Zwerginnen r�cken weiter vor, trampeln �ber die weichen Toten hinweg.</p><p>Eine dritte Artillerie-Reihe. Die Leimspuckerinnen gesellen sich zu ihnen.</p><p><emphasis>Feuer!</emphasis></p><p>Diesmal explodieren die Bl�cke der Zwerginnen f�rmlich. Ganze Gruppen schlagen in den Leimpf�tzen um sich. Die Zwergameisen versuchen zu kontern, indem sie ebenfalls eine Reihe Artilleristinnen aufstellen. Jene bewegen sich r�ckw�rts auf den Gipfel zu und schie�en, ohne zielen zu k�nnen. Auf einem Gef�lle kann man sich nicht festklemmen.</p><p><emphasis>Feuer!</emphasis> sto�en die Zwerginnen hervor.</p><p>Aber ihre kurzen Hinterleiber feuern nur Tr�pfchen von S�ure. Selbst wenn sie ihr Ziel erreichen, k�nnen sie die Panzer der Roten nur reizen, aber nicht durchschlagen.</p><p><emphasis>Feuer!</emphasis></p><p>Die S�uretropfen der beiden Lager kreuzen einander, heben sich bisweilen auf. Angesichts der mageren Resultate verzichten die Shigaepuanerinnen auf den weiteren Einsatz ihrer Artillerie. Sie glauben siegen zu k�nnen, wenn sie die Taktik der kompakten Infanteriebl�cke beibehalten.</p><p><emphasis>Zusammenr�cken!</emphasis></p><p><emphasis>Feuer!</emphasis> antworten die Roten, deren Artillerie immer noch Wunder verrichtet. Eine weitere Salve aus S�ure und Leim.</p><p>Trotz der Anstrengungen der Sch�tzinnen gelingt es den Zwergameisen, den H�gel zu erklimmen. Ihre Gestalten bilden einen schwarzen, nach Rache d�rstenden Fries.</p><p>Angriff. Wut. Verw�stung.</p><p>Von nun an gibt es keine �Tricks� mehr. Die roten Artilleristinnen k�nnen ihre S�ure nicht mehr verspritzen, die Bl�cke der Zwerginnen k�nnen nicht mehr zusammenbleiben.</p><p>Schw�rme. Sturm. Str�me.</p><p>Alles mengt sich, dr�ngt sich, f�ngt sich, l�uft, wendet, flieht, rast davon, stiebt auseinander, formiert sich, greift wieder an, st��t, zieht, springt, bricht zusammen, muntert auf, spuckt, hilft, erhitzt sich. �berall wird der Tod gesucht. Man mi�t sich, ficht, s�belt. L�uft �ber lebende K�rper und solche, die sich nicht mehr bewegen. Jede Rote sieht sich mindestens drei w�tenden Zwerginnen gegen�ber. Aber da die Roten dreimal so gro� sind, sind die Waffen ungef�hr gleich gewichtet.</p><p>Handgemenge. Duftschreie. Schwaden bitterer Pheromone.</p><p>Die Millionen spitzer, gez�hnter, gezackter, s�bel-, zangen-, messerartiger, zweischneidiger, mit giftigem Speichel, mit Leim beschmierter Mandibeln greifen ineinander. Der Boden bebt.</p><p>Handgemenge.</p><p>Die Antennen mit ihren kleinen Pfeilen peitschen durch die Luft, um den Gegner auf Distanz zu halten. Die krallenbewehrten Beine schlagen danach, als handele es sich um kleine, �rgerliche Halme.</p><p>�berfall. �berraschung. T�uschung.</p><p>Eine packt die andere an den Mandibeln, den Antennen, dem Kopf, dem Thorax, dem Hinterleib, den Beinen, den Knien, den Ellbogen, den Gelenkhaaren, einem Loch in seinem Panzer, einer Kerbe in seinem Chitin, einem Auge.</p><p>Die K�rper st�rzen, w�lzen sich in der feuchten Erde. Einige Zwergameisen klettern auf eine tr�ge Blume und lassen sich von dort, Krallen vorweg, auf eine rote Feindin fallen. Sie bohren sich in ihren R�cken, durchl�chern sie bis zum Herzen.</p><p>Handgemenge.</p><p>Die Mandibeln zerkratzen die glatten Panzer.</p><p>Eine rote Ameise benutzt geschickt ihre Antennen wie zwei Lanzen, die sie gleichzeitig vorschnellen l��t. So durchbohrt sie einem Dutzend Widersacherinnen den Kopf, nimmt sich nicht einmal Zeit, ihre von durchsichtigem Blut getr�nkten Stengel zu reinigen.</p><p>Handgemenge. Tod.</p><p>Bald schon ist die Erde so sehr mit abgetrennten Antennen und Beinen �bers�t, da� man �ber einen Teppich aus Kiefernnadeln zu gehen glaubt.</p><p>Als g�be es noch nicht genug Tote, eilen die �berlebenden von La-chola-kan herbei und st�rzen sich in das Gew�hl.</p><p>Angesichts einer Menge winziger Angreiferinnen ger�t eine Rote in Panik. Sie kr�mmt ihren Hinterleib, bespritzt sich mit Ameisens�ure, t�tet ihre Gegnerinnen und sich selbst. Sie schmelzen alle wie Wachs.</p><p>Ein St�ck weiter rei�t eine andere Kriegerin ihrer Gegnerin den Kopf ab und wird im gleichen Augenblick selbst enthauptet.</p><p>Die 103 683. Soldatin hat die erste Welle der Zwerginnen �ber sich ergehen lassen m�ssen. Mit ein paar Dutzend Kolleginnen aus ihrer Unterkaste ist es ihr gelungen, ein Dreieck zu bilden, das Angst und Schrecken zwischen den Klumpen der Zwerginnen verbreitet hat. Das Dreieck ist gesprengt, jetzt mu� sie allein gegen f�nf Shigaepuanerinnen ank�mpfen, die bereits mit dem Blut der geliebten Schwestern verschmiert sind.</p><p>Sie bei�en sie �berall. W�hrend sie es ihnen nach Kr�ften heimzahlt, kommen ihr die Ratschl�ge der alten Kriegerin aus dem �bungssaal in den Sinn:</p><p><emphasis>Es entscheidet sich alles vor dem Zusammenprall. Mandibel oder S�urestrahl best�tigen nur eine �berlegenheit, die bereits vorher von den beiden Streitenden anerkannt wird</emphasis> ... <emphasis>Das ist eine Sache des Kopfes. Man mu� den Sieg akzeptieren, und nichts wird einem widerstehen.</emphasis></p><p>Das funktioniert vielleicht bei einem einzigen Feind. Aber was, wenn es f�nf sind? Sie sp�rt, da sind mindestens zwei, die unbedingt siegen wollen. Die Zwergin, die ihr systematisch das Gelenk des Thorax zerschneidet, und die andere, die sich an ihrem linken Hinterbein zu schaffen macht. Eine Welle von Energie �berschwemmt sie. Sie schl�gt um sich, pflanzt der einen ihre Antenne wie ein Stilett genau unter den Hals und zwingt die andere mit einem Mandibelschlag, ihr Bein loszulassen.</p><p>Inzwischen sind Zwerginnen mit Dutzenden von alternariaverseuchten K�pfen auf dem Schlachtfeld erschienen. Da jedoch alle Welt mit Schneckenschleim gesch�tzt ist, flattern die Sporen nur umher, sie rutschen von den Panzern ab und fallen schlaff auf den fruchtbaren Boden. Nein, heute ist wahrlich kein Tag f�r neue Waffen. Sie haben alle ihre Widerlegung gefunden.</p><p>Um drei Uhr nachmittags erreicht die Schlacht ihren H�hepunkt. Schwaden von Oleins�ure, charakteristische Ausd�nstungen, die von den vertrocknenden Ameisenkadavern ausgehen, erf�llen die Luft. Und noch um halb f�nf metzelt sich alles weiter, Zwerginnen und Rote, was noch auf mindestens zwei Beinen steht. Die K�mpfe enden erst um f�nf Uhr wegen eines Donnerschlags, der einen Regengu� ank�ndigt. Es scheint, als habe der Himmel genug von soviel Gewalt. Wenn es nicht doch nur ein versp�teter M�rzschauer ist ...</p><p>Die �berlebenden und Verwundeten ziehen sich zur�ck: Bilanz: 5 Millionen Tote, davon 4 Millionen Zwergameisen. La-chola-kan ist befreit.</p><p>So weit das Auge reicht, ist der Boden mit zerfetzten Gliedern, geborstenen Panzern und mitunter noch unheimlich zuckenden K�rperst�mpfen �bers�t. �berall durchsichtiges Blut, als w�re die Erde lackiert, �berall Pf�tzen gelber S�ure.</p><p>Ein paar Zwergameisen, noch in einer Lache vom Leim gefangen, schlagen um sich in der Hoffnung, ihre Stadt erreichen zu k�nnen. Die V�gel picken sie schnell auf, bevor der Regen f�llt.</p><p>Blitze erhellen anthrazitfarbene Wolken, in ihrem Licht glitzern einige Panzerwracks, deren Mandibeln immer noch arrogant nach oben gerichtet sind. Als wollten diese dunklen Spitzen den fernen Himmel aufstechen. Kaum sind s�mtliche Akteure verschwunden, reinigt der Regen die Szenerie.</p><p>Sie redete mit vollem Mund.</p><p>�Bilsheim?�</p><p>�Ja?�</p><p>�<emphasis>Grumpf, grumpf</emphasis> ... Wollen Sie mich in die Pfanne hauen, Bilsheim? Haben Sie mal in die Zeitungen geguckt? Dieser Inspektor Galin, der ist doch von Ihnen, oder? Ist das nicht diese kleine Nervens�ge, die mich am Anfang duzen wollte?�</p><p>Solange Doumeng, die Leiterin der Kripo.</p><p>��h, ja, ich glaub schon.�</p><p>�Ich hatte Ihnen gesagt, Sie sollten ihn rausschmei�en, und jetzt find ich ihn als posthumen Jungstar in der Zeitung. Sie haben wohl einen Sprung in der Sch�ssel! Wie k�nnen Sie nur einen solchen Neuling auf einen solch schweren Fall ansetzen?�</p><p>�Galin ist kein Neuling, er ist sogar ein hervorragender Mann. Ich glaube, wir haben den Fall ein wenig untersch�tzt</p><p>...�</p><p>�Gute M�nner sind die, die einen Fall aufkl�ren, schlechte die, die nur Entschuldigungen suchen ...�</p><p>�Es gibt F�lle, bei denen selbst die Besten von uns ...�</p><p>�Es gibt F�lle, bei denen selbst die Schlechtesten von ihnen zum Erfolg verpflichtet sind. Dazu geh�rt zum Beispiel, ein Ehepaar aus dem Keller zu fischen.�</p><p>�Entschuldigen Sie, aber ...�</p><p>�Ihre Entschuldigungen, wissen Sie, wo Sie sich die hinstecken k�nnen, mein Lieber? Sie werden mir die Freude machen, in diesen Keller zu stiefeln und das ganze Volk da rauszuholen. Ihr toller Galin verdient ein christliches Begr�bnis. Und ich will bis zum Ende des Monats einen lobenden Artikel �ber unsere Abteilung sehen.�</p><p>�Und was ...�</p><p>�Und was diese Geschichte angeht ...?! Da halten Sie gef�lligst Ihren Schnabel. Den ganzen Heckmeck mit der Presse k�nnen Sie machen, wenn der Fall ad actas ist. Nehmen Sie sechs Gendarmen mit und neustes Material, wenn sie wollen. Das w�r�s ...�</p><p>�Und wenn ...�</p><p>�Und wenn Sie sich nicht bald r�hren, verlassen Sie sich drauf, dann verderbe ich Ihnen Ihre Pension!�</p><p>Sie legte auf.</p><p>Kommissar Bilsheim wu�te mit Irren umzugehen, nur mit ihr nicht. Er resignierte und machte sich daran, den Abstieg in den Keller zu planen.</p><empty-line/><p><strong>WENN DER MENSCH: Wenn der Mensch Angst hat, gl�cklich ist oder w�tend, produzieren seine endokrinen Dr�sen Hormone, die nur in seinem eigenen K�rper wirksam sind. Sie zirkulieren wie in einem geschlossenen Gef��. Sein Herz schl�gt schneller, er schwitzt, schneidet Grimassen, schreit oder weint. Das ist seine eigene Sache. Die anderen schauen ihn teilnahmslos an. Oder auch mitf�hlend, weil ihr Intellekt es so beschlossen hat .</strong></p><p><strong>Wenn die Ameise Angst hat, gl�cklich ist oder w�tend, zirkulieren die Hormone nicht nur in ihrem K�rper, sie treten aus und dringen in den K�rper der anderen ein. Dank dieser Pherohormone oder auch Pheromone schreien und weinen Millionen von Personen gleichzeitig. Es mu� ein unglaubliches Gef�hl sein, zu sp�ren, da� die anderen die Dinge miterleben, und sie alles sp�ren zu lassen, was man selbst versp�rt .</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>In s�mtlichen St�dten der F�deration herrscht Jubel. Den ersch�pften K�mpferinnen werden reichlich gezuckerte Trophallaxien angeboten. Helden gibt es jedoch nicht. Jeder hat seine Aufgabe erf�llt, unwichtig, ob gut oder schlecht. Nach Beendigung der Mission f�ngt alles wieder bei Null an.</p><p>Die Wunden werden mit gro�en Speicheleinheiten gepflegt. Einige naive Anf�ngerinnen tragen in ihren Mandibeln ein, zwei oder drei Beine, die ihnen im Kampf abgerissen wurden und die sie durch ein Wunder wiedergefunden haben. Man erkl�rt ihnen, da� man die nicht wieder ankleben kann.</p><p>In dem gro�en Kampfsaal des 45. UG stellen Soldatinnen f�r diejenigen, die nicht dabei waren, die einzelnen Abschnitte der Schlacht am Mohnh�gel nach. Eine H�lfte spielt die Zwerginnen, die andere die roten Ameisen.</p><p>Sie f�hren den Angriff auf die Verbotene Stadt von La-chola-kan auf, die Attacke der Roten, den Kampf gegen die eingegrabenen K�pfe, die vorget�uschte Flucht, das Eingreifen der Panzer, ihre v�llige Niederlage gegen die Karrees der Zwerginnen, den Sturm auf den H�gel, die Reihen der Artilleristinnen, das abschlie�ende Get�mmel ...</p><p>Die Arbeiterinnen sind zahlreich erschienen. Sie verstehen jedes Bild dieser R�ckschau. Ein Punkt weckt besonderes Interesse: die Technik der Panzer. Immerhin hat da auch ihre Kaste ihren Anteil. Ihrer Meinung nach sollte man nicht darauf verzichten, man mu� sie nur intelligenter einsetzen, nicht nur bei Frontalangriffen.</p><p>Nr. 103 683 ist gut davongekommen. Sie hat nur ein Bein verloren. Eine Lappalie, wenn einem sechs zur Verf�gung stehen. Das bedarf kaum einer Erw�hnung. Das 56. Weibchen und das 327. M�nnchen, die als fortpflanzungsf�hige Ameisen nicht an dem Krieg teilgenommen haben, ziehen sie zur Seite. Antennenkontakt.</p><p><emphasis>Keine Probleme hier?</emphasis></p><p><emphasis>Nein, die Kriegerinnen mit dem Felsenduft waren alle in der Schlacht. Wir waren in der Verbotenen Stadt eingesperrt, f�r den Fall, da� die Zwerginnen hierherkommen. Und dort? Hast du die Geheimwaffe der Zwerginnen gesehen?</emphasis></p><p><emphasis>Nein.</emphasis></p><p><emphasis>Nein? Es war doch von einem beweglichen Akazienzweig die Rede</emphasis> ...</p><p>Nr. 103 683 erkl�rt, die einzige neuartige Waffe, mit der sie konfrontiert waren, sei die schreckliche <emphasis>alternaria</emphasis> gewesen, sie h�tten jedoch ein Abwehrmittel gefunden.</p><p><emphasis>Das kann es nicht gewesen sein, was die erste Expedition get�tet hat,</emphasis> stellt Nr. 327 fest. Er ist ganz sicher: Keiner der Kadaver, die er untersucht hat, wies die geringste Spur dieser t�dlichen Sporen auf.</p><p><emphasis>Also?</emphasis></p><p>Verunsichert beschlie�en sie, ihre AK zu verl�ngern. Sie w�rden gern klarer sehen. Erneuter Austausch von Gedanken und Meinungen:</p><p>Warum haben die Zwerginnen nicht zu dieser Waffe gegriffen, die die achtundzwanzig Kundschafterinnen so gr�ndlich aufgerieben hat? Sie haben doch nichts unversucht gelassen, um zu siegen. H�tten sie eine solche Waffe in den Klauen gehabt, h�tten sie wohl kaum gez�gert, sie einzusetzen! Und wenn sie sie gar nicht haben? Vielleicht sind sie vorbeigekommen, bevor oder nachdem die Geheimwaffe zugeschlagen hat, vielleicht war das purer Zufall ...</p><p>Diese Hypothese w�rde ganz gut mit dem Angriff auf La-chola-kan �bereinstimmen. Man kann durchaus die Duftmarken der Zwerginnen bei den Kadavern der ersten Expedition hinterlassen haben, um die Belokanerinnen auf eine falsche F�hrte zu locken. Und wer h�tte ein Interesse daran? Wenn die Zwerginnen nicht f�r s�mtliche Anschl�ge verantwortlich zu machen sind, wer dann? Die anderen! Der zweite unerbittliche Widersacher, der Erzfeind: die Termiten!</p><p>Der Verdacht ist nicht abwegig. Seit einiger Zeit �berqueren vereinzelt Soldatinnen aus dem gro�en Termitenh�gel des Ostens den Flu� und fallen immer h�ufiger in die f�derierten Jagdgr�nde ein. Ja, das waren bestimmt die Termiten. Sie haben die Zwerginnen und die roten Ameisen gegeneinander aufgehetzt. Auf diese Weise k�nnen sie sich beider m�helos entledigen. Wenn sich ihre Feindinnen gegenseitig geschw�cht haben, brauchen sie die Ameisenst�dte nur noch einzusammeln.</p><p>Und die Kriegerinnen mit dem Felsenduft? Das w�ren Spioninnen im Sold der Termiten, das ist alles.</p><p>Je mehr ihr gemeinsames Denken durch ihre drei Gehirne kreist, um so mehr verfeinert es sich und um so klarer erscheint es ihnen, da� die Termiten des Ostens im Besitz der �Geheimwaffe� sind.</p><p>Aber sie werden von den allgemeinen D�ften des Volkes gest�rt und aus ihrer Unterhaltung gerissen. Die Stadt hat beschlossen, die Kriegspause auszunutzen und das Fest der Wiedergeburt vorzuverlegen: es wird morgen stattfinden.</p><p><emphasis>S�mtliche Kasten an ihre Pl�tze! Die Weibchen und M�nnchen in die Verpflegungss�le, um sich mit Zucker vollzustopfen! Die Artilleristinnen laden ihre Hinterleiber in den S�len der organischen Chemie auf!</emphasis></p><p>Bevor sie sich von ihren Gef�hrten trennt, scheidet die 103 683. Soldatin ein Pheromon aus:</p><p><emphasis>Paart euch sch�n! Keine Sorge, ich f�hre die Ermittlungen weiter. Wenn ihr im Himmel seid, mache ich mich auf den Weg zu dem gro�en Termitenh�gel des Ostens.</emphasis></p><p>Kaum sind sie aufgebrochen, erscheinen die beiden Killerinnen, die brutale Dicke und die kleine Hinkende. Sie schaben die W�nde ab und bem�chtigen sich der fl�chtigen Pheromone der Unterhaltung, die gerade stattgefunden hat.</p><p>Nachdem Inspektor Galin und die Feuerwehrleute gescheitert waren, wurde Nicolas in ein Waisenhaus gebracht, das nur ein paar hundert Meter von der Rue des Sybarites entfernt war.</p><p>Neben den richtigen Waisen wurden dort auch Kinder zusammengepfercht, die von ihren Eltern versto�en oder geschlagen worden waren. Der Mensch geh�rt n�mlich zu den wenigen Arten auf Erden, die f�hig sind, ihren Nachwuchs zu verlassen oder zu mi�handeln. Die jungen Menschen verbrachten dort schwere Jahre, ihre Erziehung war von zahlreichen Fu�tritten in den Hintern gepr�gt. Sie wurden gr��er, und sie wurden h�rter. Die meisten von ihnen wurden anschlie�end Berufssoldaten.</p><p>Den ersten Tag blieb Nicolas niedergeschlagen auf dem Balkon und betrachtete den Wald. Erst am n�chsten Tag fand er zu der wohltuenden Routine des Fernsehens zur�ck. Das Ger�t stand im Speisesaal, und die Aufpasser, froh, die �Rotznasen� f�r eine Weile los zu sein, lie�en sie dort stundenlang verbl�den. Abends im Schlafsaal fragten ihn Jean und Philippe, zwei andere Waisenkinder:</p><p>�Na, was ist mit dir passiert?�</p><p>�Nichts.�</p><p>�Erz�hl schon. In deinem Alter kommt man nicht einfach so hierher. Wie alt biste �berhaupt?�</p><p>�Ich wei� Bescheid. Sieht aus, als w�r�n seine Eltern von Ameisen gefressen worden.�</p><p>�Wer hat euch denn den Quatsch erz�hlt?�</p><p>�Irgendwer, du Pimpf. Wer, das sagen wir dir, wenn du uns sagst, was mit deinen Eltern passiert ist.�</p><p>�Ihr k�nnt mich mal.�</p><p>Jean, der St�rkere von beiden, packte Nicolas an den Schultern, w�hrend ihm Philippe den Arm auf den R�cken drehte.</p><p>Nicolas ri� sich los und schlug Jean mit der Handkante auf den Hals (das hatte er in einem chinesischen Fernsehfilm gesehen). Jean fing an zu husten. Philippe mischte sich wieder ein und versuchte Nicolas zu w�rgen, doch der stie� ihm den Ellbogen in den Magen. Philippe sank auf die Knie und klappte zusammen. Nachdem er sich von diesem Angreifer befreit hatte, widmete sich Nicolas wieder Jean und spuckte ihm ins Gesicht. Jener tauchte ab und bi� ihm die Wade blutig. Die drei jungen Menschen rollten unter die Betten und pr�gelten sich weiter wie die Kesselflicker. Letztlich war Nicolas der Unterlegene.</p><p>�Sag, was mit deinen Eltern passiert ist, oder wir geben dir Ameisen zu fressen!�</p><p>Das war Jean im Laufe der Keilerei eingefallen. Er fand die Idee nicht �bel. W�hrend er den Neuen auf den Boden pre�te, sammelte Philippe einige Hautfl�gler ein, von denen es an diesem Ort nicht wenige gab, und hielt sie Nicolas vors Gesicht: �Da, das sind ein paar besonders fette!�</p><p>(Als ob die Ameisen, deren K�rper von einem harten Panzer umgeben ist, Fett ansetzen k�nnten!)</p><p>Dann kniff er ihn in die Nase, bis Nicolas den Mund aufsperrte, und warf voller Abscheu drei junge Arbeiterinnen hinein, die wahrlich anderes zu tun hatten. Nicolas machte die �berraschendste Erfahrung seines Lebens. Das schmeckte k�stlich.</p><p>Erstaunt, da� er diese ekelhafte Speise nicht ausspuckte, wollten die anderen ebenfalls probieren.</p><p>Der Saal mit den �Flaschenk�rbissen� ist eine der neuesten Errungenschaften von Bel-o-kan. Tats�chlich wurde die Technik der �Flaschenk�rbisse� von den Ameisen des S�dens �bernommen, die mit der gro�en Hitze in einem fort nach Norden ziehen.</p><p>Selbstverst�ndlich hat die F�deration im Zuge eines siegreich bestrittenen Krieges gegen diese Ameisen deren K�rbissaal entdeckt. Der Krieg ist die beste Quelle und der beste Verteiler von Neuerungen in der Welt der Insekten.</p><p>Im ersten Moment waren die belokanischen Legionen entsetzt, als sie ... was sahen? Arbeiterinnen, die dazu verdammt waren, ihr ganzes Leben an der Decke zu h�ngen, mit dem Kopf nach unten und den Hinterleib derma�en aufgebl�ht, da� er doppelt so gro� war wie der einer K�nigin! Die Ameisen des S�dens erkl�rten, diese �geopferten� Arbeiterinnen seien lebende Feldflaschen, imstande, unglaubliche Mengen von Nektar oder Honigtau zu konservieren.</p><p>Im Grunde hatte man nur die Idee des �Sozialkropfs� auf die Spitze treiben m�ssen, um auf die des �Ameisentanks� zu kommen - und sie in die Tat umzusetzen. Man brauchte blo� das Ende des Hinterleibs dieser lebenden K�hlschr�nke zu kitzeln, die daraufhin tr�pfchenweise oder sogar in Str�men ihren kostbaren Saft abgaben.</p><p>Dank dieses Systems widerstanden die Ameisen des S�dens der gro�en Trockenheit, die die tropischen Regionen immer wieder heimsuchte. Wenn sie auf Wanderschaft gingen, nahmen sie ihre Flaschenk�rbisse mit und waren w�hrend der ganzen Reise bestens versorgt. Wenn man ihnen Glauben schenken konnte, schmeckten diese K�rbisse ebenso k�stlich wie Eier.</p><p>Die Belokanerinnen raubten also die Technik der Flaschenk�rbisse, waren jedoch vor allem daran interessiert, gro�e Nahrungsmengen ungemein hygienisch und wirkungsvoll zu konservieren.</p><p>S�mtliche M�nnchen und s�mtliche Weibchen der Stadt erscheinen in dem Saal, um Zucker und Wasser aufzunehmen. Vor jedem der lebenden Flaschenk�rbisse wartet eine lange Schlange gefl�gelter Ameisen. Nr. 327 und Nr. 56 trinken gemeinsam, dann trennen sie sich.</p><p>Nachdem sich alle M�nnchen und Weibchen und alle Artilleristinnen gest�rkt haben, sind die Ameisentanks leer. Eine Armee von Arbeiterinnen eilt herbei, um sie mit Nektar und Honigtau aufzuf�llen, bis die schlaffen Hinterleiber wieder die Form kleiner schimmernder Ballons angenommen haben.</p><p>Nicolas, Philippe und Jean wurden von einem Aufseher �berrascht und zusammen bestraft. So wurden sie die besten Freunde des ganzen Waisenhauses.</p><p>Oft waren sie gemeinsam vor dem Fernseher im Speisesaal anzutreffen. An diesem Tag sahen sie eine Folge der unersch�pflichen Serie �Au�erirdisch und stolz, es zu sein�.</p><p>Sie kreischten und stie�en sich mit den Ellbogen an, als sie eine Gruppe von Kosmonauten auf einem Planeten landen sahen, der von riesigen Ameisen bewohnt war.</p><p>�Guten Tag, wir kommen von der Erde.�</p><p>�Guten Tag, wir sind die Riesenameisen des Planeten Zg�.�</p><p>Ansonsten war die Handlung relativ banal: Die Riesenameisen hatten telepathische F�higkeiten. Sie �bermittelten den Erdbewohnern die Botschaft, sich gegenseitig umzubringen. Der letzte �berlebende kam jedoch dahinter und setzte die feindliche Stadt in Brand ...</p><p>Zufrieden mit diesem Schlu� beschlossen die Jungen, ein paar zuckers��e Ameisen zu essen. Aber seltsamerweise hatten die, die sie diesmal fingen, einen anderen Geschmack als die ersten. Sie waren kleiner, und sie schmeckten sauer. Wie konzentrierte Zitrone. <emphasis>Brrr!</emphasis></p><p>Alles mu� sich gegen Mittag auf dem h�chsten Punkt der Stadt abspielen.</p><p>Mit den ersten warmen Strahlen der Morgensonne haben Artilleristinnen die Schutznischen bezogen, die sich wie eine Krone um den Gipfel ziehen. Den Anus gen Himmel gerichtet, bilden sie eine Art Flakbatterie gegen die V�gel, die unweigerlich aufkreuzen werden. Einige klemmen ihren Hinterleib zwischen die Zweige, um den R�cksto� abzuschw�chen. So hoffen sie zwei, drei Salven abfeuern zu k�nnen, ohne allzusehr abzuweichen.</p><p>Nr. 56 ist in ihrer Kammer. Geschlechtslose Dienerinnen reiben ihre Fl�gel mit sch�tzendem Speichel ein. <emphasis>Wart ihr schon mal in der Gro�en Au�enwelt?</emphasis> Die Arbeiterinnen antworten nicht. Nat�rlich waren sie schon drau�en, aber was bringt es, ihr zu sagen, da� drau�en lauter B�ume und Gr�ser sind? In ein paar Minuten kann sich die potentielle K�nigin selbst �berzeugen. Per Antennenkontakt erfahren zu wollen, wie die Welt geschaffen ist, die typische Laune eines Weibchens!</p><p>Die Arbeiterinnen h�tscheln sie deshalb nicht weniger. Sie ziehen an ihren Beinen, um sie zu lockern. Sie zwingen sie zu Verrenkungen, um die Gelenke ihres Thorax und ihres Hinterleibs knacken zu lassen. Sie �berpr�fen, ob ihr Sozialkropf bis obenhin mit Honigtau gef�llt ist, indem sie ihn pressen, um ihm einen Tropfen zu entlocken. Mit diesem Sirup sollte sie mehrere Stunden ununterbrochenen Flugs durchhalten.</p><p>So, Nr. 56 ist fertig. Die n�chste bitte.</p><p>Die Prinzessin, herausgeputzt und in dem Wohlgeruch all ihrer D�fte, verl��t das Jungferngemach. Das 327. M�nnchen hat sich nicht get�uscht, sie ist wirklich eine Sch�nheit.</p><p>Sie kann ihre Fl�gel heben. Wahnsinn, wie schnell sie in den letzten Tagen gewachsen sind. Sie sind so lang und so schwer geworden, da� sie �ber den Boden schleifen ... Wie ein Hochzeitsschleier.</p><p>Weitere Weibchen erscheinen an den Ausg�ngen. Nr. 56 bewegt sich in Gesellschaft von Hunderten dieser Jungfrauen bereits in den Zweigen der Kuppel. Einige sind so aufgeregt, da� sie an den kleinen Zweigen h�ngenbleiben; ihre vier Fl�gel werden zerkratzt, durchbohrt oder gar abgerissen. Die �rmsten kommen nicht mehr h�her, sie k�nnten ohnehin nicht zum Flug ansetzen. Entt�uscht gehen sie in die 5. Etage zur�ck. Wie die Prinzessinnen der Zwergameisen werden sie den Liebesflug nicht kennenlernen. Sie werden sich schlicht in einem geschlossenen Raum auf dem Boden fortpflanzen.</p><p>Nr. 56 ist noch unversehrt. Sie h�pft von Zweig zu Zweig und achtet darauf, da� sie nicht f�llt und ihre zarten Fl�gel besch�digt.</p><p>Eine Schwester, die an ihrer Seite wandelt, w�nscht einen Antennenkontakt. Sie fragt sich, wer diese ber�hmten M�nnchen sind. So etwas wie Drohnen oder Fliegen?</p><p>Nr. 56 gibt keine Antwort. Sie denkt an Nr. 327, an das R�tsel der �Geheimwaffe�. Es ist alles vorbei. Keine Arbeitszelle mehr. Jedenfalls nicht f�r die beiden. Die ganze Sache ist k�nftig Nr. 103 683 �berlassen.</p><p>Sie erinnert sich wehm�tig der Ereignisse.</p><p>Das fl�chtige M�nnchen, das in ihrer Kammer aufkreuzt ... Ohne �Pa�!�</p><p>Ihre erste absolute Kommunikation!</p><p>Ihre Begegnung mit Nr. 103 683.</p><p>Die Killerinnen mit dem Felsenduft.</p><p>Ihr Abstieg in die Niederungen der Stadt.</p><p>Das Versteck mit den Kadavern derjenigen, die ihre �Legion� h�tten werden k�nnen.</p><p>Die Lomechuse.</p><p>Der Geheimgang in dem Granitfelsen ...</p><p>Sie schwelgt in ihren Erinnerungen und f�hlt sich privilegiert. Keine ihrer Schwestern hat solche Abenteuer erlebt, noch bevor sie die Stadt verlassen hat.</p><p>Die Killerinnen mit dem Felsenduft ... Die Lomechuse ... Der Geheimgang in dem Granitfelsen ...</p><p>Mit Verr�cktheit ist das nicht zu erkl�ren, handelt es sich doch um zu viele Individuen. S�ldnerinnen, die f�r die Termiten spionieren? Nein, das haut nicht hin, ganz und gar nicht, dann w�ren es nicht so viele, w�ren sie nicht so gut organisiert.</p><p>Ohnehin bleibt ein Punkt, der zu nichts pa�t: Wozu dienen diese Nahrungsvorr�te unter dem Boden der Stadt? Um die Spioninnen zu ern�hren? Nein, da ist genug, um Millionen von Personen zu m�sten ... Und Millionen sind sie nun doch nicht.</p><p>Und diese erstaunliche Lomechuse. Das ist ein Tier, das an der Oberfl�che lebt. Es ist unm�glich, da� sie aus eigener Kraft in das 50. UG gelangt ist. Man hat sie also dorthin transportiert. Aber sobald man sich diesem Insekt n�hert, wird man von seinem Duft gefangen. Dazu geh�rt schon eine ziemlich starke Gruppe, dieses Ungeheuer in weiche Bl�tter zu h�llen und heimlich nach unten zu schaffen.</p><p>Je mehr sie dar�ber nachdenkt, um so klarer wird ihr, da� das betr�chtliche Mittel voraussetzt. Und in der Tat, wenn man den Dingen ins Gesicht sieht, l�uft alles so ab, als habe ein Teil des Volkes ein Geheimnis, das z�h gegen die eigenen Schwestern verteidigt wird.</p><p>Unbekannte Kontakte bohren sich in ihren Kopf. Sie bleibt stehen. Ihre Artgenossen glauben, ihr schw�nden vor Aufregung ob des Hochzeitsflugs die Kr�fte. Das passiert zuweilen, die Weibchen sind so sensibel. Sie f�hrt ihre Antennen vor ihren Mund. Sie geht rasch noch einmal durch: die Expedition Nr. 1 vernichtet, die Geheimwaffe, die drei�ig Legion�rinnen get�tet, die Lomechuse, der Geheimgang in dem Granitfelsen, die Nahrungsreserven ...</p><p>Das ist es, gro�e G�te, sie hat es verstanden! Sie st�rmt gegen den Strom ihrer Schwestern los. Wenn es blo� nicht zu sp�t ist!</p><empty-line/><p><strong>ERZIEHUNG: Die Erziehung der Ameisen vollzieht sich in folgenden Etappen:</strong></p><p><strong>- ���Vom ersten bis zum zehnten Tag k�mmern sich die meisten der Jungen um die eierlegende K�nigin. Sie pflegen sie, belecken sie, streicheln sie. Daf�r salbt jene sie mit ihrem nahrhaften und desinfizierenden Speichel.</strong></p><p><strong>- ���Vom elften bis zum zwanzigsten Tag haben die Arbeiterinnen das</strong></p><p><strong>Recht, die Kokons zu pflegen.</strong></p><p><strong>- ���Vom einundzwanzigsten bis zum drei�igsten Tag beaufsichtigen und ern�hren sie die jungen Larven.</strong></p><p><strong>- ���Vom einunddrei�igsten bis zum vierzigsten Tag gehen sie h�uslichen Pflichten und der Abfallbeseitigung nach, wobei sie auch die K�nigin und die Nymphen weiter pflegen.</strong></p><p><strong>- ���Der vierzigste Tag ist ein wichtiges Datum. Sie gelten nun als erfahren genug und erhalten das Recht, die Stadt zu verlassen.</strong></p><p><strong>- ���Vom einundvierzigsten bis zum f�nfzigsten Tag arbeiten sie als W�chterinnen oder Blattlausmelkerinnen.</strong></p><p><strong>- ���Vom einundf�nfzigsten bis zum letzten Tag ihres Lebens k�nnen sie zu der f�r eine Stadtameise interessantesten Besch�ftigung vordringen: der Jagd und der Erkundung unbekannter Zentren.</strong></p><p><strong>Anmerkung: Vom elften Tag an sind die fortpflanzungsf�higen Ameisen von der Arbeit befreit. Sie sind die meiste Zeit �ber unt�tig und stehen bis zum Tag des Hochzeitsflugs in ihren Vierteln unter �Arrest�.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Nr. 327 bereitet sich ebenfalls vor. In dem gesamten Feld seiner Antennen reden die M�nnchen von nichts anderem als von Weibchen. Sehr wenige nur haben eines gesehen. Und wenn, war das nur ein fl�chtiger Blick in den G�ngen der Verbotenen Stadt. Viele geraten ins Phantasieren. Sie stellen sie sich mit berauschenden D�ften vor, glauben, sie seien von umwerfender Erotik.</p><p>Einer der Prinzen behauptet, er habe von einem Weibchen eine Trophallaxie erhalten. Ihr Honigtau habe geschmeckt wie Birkensaft, und ihre Sexualhormone verstr�mten einen Duft wie abgeschnittene Osterglocken.</p><p>Die anderen beneiden ihn schweigend.</p><p>Nr. 327, der wirklich den Honigtau eines Weibchens gekostet hat (und was f�r eines Weibchens), wei�, da� sich jener in nichts von dem Honigtau der Arbeiterinnen oder K�rbisse unterscheidet. Gleichwohl mischt er sich nicht in die Unterhaltung ein.</p><p>Daf�r geht ihm eine schelmische Idee durch den Sinn. Er w�rde gern das 56. Weibchen mit den f�r die Errichtung ihrer zuk�nftigen Stadt erforderlichen Spermien versorgen. Wenn er sie findet ... Schade, da� sie nicht daran gedacht, ein Erkennungspheromon auszumachen, um sich in der Menge treffen zu k�nnen.</p><p>Als Nr. 56 in den Saal der M�nnchen eindringt, herrscht allgemeine Verwunderung. Hierherzukommen ist gegen alle Regeln des Volkes. M�nnchen und Weibchen d�rfen sich beim Hochzeitsflug zum erstenmal sehen. Man ist doch hier nicht bei den Zwerginnen. Man paart sich doch nicht in den G�ngen.</p><p>Die Prinzen, die so sehr wissen wollten, wie solch ein Weibchen ist, erstarren. Sie senden alle zugleich feindselige D�fte aus, die ihr bedeuten sollen, da� sie nicht in diesem Raum bleiben darf.</p><p>Sie l��t sich jedoch nicht davon abhalten, sich mitten in diesen Tumult der Vorbereitungen zu zw�ngen. Sie st��t alle Welt um, st��t verzweifelt ihre Pheromone in die Runde.</p><p><emphasis>327! 327! Wo bist du, 327?</emphasis></p><p>Die Prinzen haben keine Hemmungen, ihr zu sagen, da� man sich so seinen Begatter nicht aussucht! Sie mu� sich gedulden, auf den Zufall vertrauen. Ein bi�chen Anstand ...</p><p>Schlie�lich findet Nr. 56 ihren Begleiter. Er ist tot. Sein Kopf wurde mit einem Mandibelbi� abgetrennt.</p><empty-line/><p><strong>TOTALITARISMUS: Die Menschen interessieren sich f�r die Ameisen, weil sie glauben, da� es jenen gegl�ckt ist, ein funktionierendes totalit�res System zu schaffen. Es trifft auch zu, da� man von au�en den Eindruck hat, jeder arbeite in einem Ameisenhaufen, jeder gehorche, jeder sei bereit, sich zu opfern, alle seien gleich. Und da einstweilen die totalit�ren Systeme der Menschen samt und sonders gescheitert sind ...</strong></p><p><strong>Also glaubt man das soziale Insekt kopieren zu m�ssen (war nicht auch die Biene das Attribut Napoleons?). Die Pheromone, die den Ameisenhaufen als globale Informationen durchfluten, entsprechen dem weltweiten Fernsehen von heute. Der Mensch glaubt, da� er eines Tages zu einer vollkommenen Menschheit gelangt, wenn er allen anbietet, was er f�r das Beste erachtet.</strong></p><p><strong>Das ist nicht der Sinn der Dinge.</strong></p><p><strong>Die Natur, ob es Herrn Darwin gef�llt oder nicht, entwickelt sich nicht auf die Vorherrschaft der Besten hin (nach welchen Kriterien auch?).</strong></p><p><strong>Die Natur sch�pft ihre Kraft aus der Verschiedenheit. Sie braucht Gute, B�se, Verr�ckte, Verzweifelte, Sportliche, Bettl�gerige, Bucklige, Hasenf��e, Lustige, Traurige, Intelligente, Schwachsinnige, Egoisten. Freigebige, Kleine, Gro�e. Schwarze, Gelbe, Rote, Wei�e ... Es bedarf dazu s�mtlicher Religionen, s�mtlicher Philosophien, aller Formen von Fanatismus, aller Formen von Weisheit ... Die einzige Gefahr besteht darin, da� eine dieser Arten von einer anderen eliminiert wird.</strong></p><p><strong>Man hat gesehen, da� die von den Menschen k�nstlich angelegten Maisfelder, die sich aus Zwillingen der besten Kolben zusammensetzten (der Mais, der am wenigsten Wasser braucht; der, der am besten dem Frost widersteht; der, der die sch�nsten K�rner hervorbringt), allesamt bei der geringsten Krankheit pl�tzlich eingingen. Wohingegen die Felder mit wildem Mais, die sich aus mehreren St�mmen zusammensetzten, die alle ihre Besonderheit, ihre Schw�chen, ihre Anomalien hatten, stets eine Parade gegen irgendwelche Epidemien fanden.</strong></p><p><strong>Die Natur ha�t die Gleichf�rmigkeit, sie liebt die Verschiedenheit. Vielleicht liegt darin ihr Genie.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des absoluten und relativen Wissens</strong></p><empty-line/><p>Sie hastet mit kurzen, m�hsamen Schritten in die Kuppel zur�ck. In einem Gang in der N�he des Frauengemachs erkennt sie mit ihren Infrarot-Ozellen zwei Gestalten. Die M�rderinnen mit dem Felsenduft! Die Dicke und die kleine Hinkende!</p><p>Sie kommen auf sie zu. Nr. 56 l��t ihre Fl�gel surren und springt der Hinkenden an den Hals. Sie haben sie jedoch schnell �berw�ltigt. Anstatt sie aber umzubringen, zwingen sie ihr einen Antennenkontakt auf.</p><p>Nr. 56 ist w�tend. Sie fragt, weshalb sie das 327. M�nnchen get�tet haben, wo es doch bei dem Flug ohnehin gestorben w�re. Warum haben sie es ermordet?!</p><p>Die beiden Killerinnen reden ihr gut zu. Gewisse Dinge k�nnen ihnen zufolge nicht warten. Ganz gleich, was es kostet. Es gibt Aufgaben, die verp�nt sind. Taten, die schlecht beurteilt werden, aber dennoch ausgef�hrt werden m�ssen, damit das Volk normal weiterlebt. Man darf nicht so naiv sein ... Die Einheit von Bel-o-kan, die ist einiges wert. Und wenn�s n�tig ist, mu� man halt was tun!</p><p>Ja, sind sie denn keine Spioninnen?</p><p>Nein, sie sind keine Spioninnen. Sie behaupten sogar ., die ma�gebenden W�chterinnen der Sicherheit und des Wohls des Volkes zu sein.</p><p>Die Prinzessin st��t wutentbrannte Pheromone aus. Als ob Nr. 327 eine Gefahr f�r die Sicherheit des Volkes gewesen sei! Doch, antworten die beiden Killerinnen. Eines Tages wird sie es verstehen, im Moment ist sie noch zu jung ...</p><p>Verstehen? Was wird sie verstehen? Da� es M�rderinnen im Herzen der Stadt gibt, die obendrein behaupten, zu deren Wohl zu handeln, wenn sie M�nnchen umbringen, die Dinge gesehen haben, �die entscheidend sind f�r das �berleben des Volks�?</p><p>Die Hinkende bequemt sich zu einer Erkl�rung. Aus ihrer Rede geht hervor, die Kriegerinnen mit dem Felsenduft seien �Antistre�-Soldatinnen�. Es gebe einen guten Stre�, der dazu f�hrt, da� das Volk Fortschritte macht und k�mpft. Aber es gebe auch einen schlechten Stre�, der dazu f�hrt, da� sich das Volk selbst zerst�rt ...</p><p>Nicht alle Informationen seien sinnvoll. Einige w�rden �metaphysische� �ngste erzeugen, f�r die es noch keine L�sung gibt. Also w�rde sich das Volk beunruhigen, aber es sei gehemmt, unf�hig zu reagieren ...</p><p>Das sei ganz schlecht f�r alle. Das Volk beginne Toxine zu produzieren, die es vergiften. Das �langfristige� �berleben des Volkes sei wichtiger als die �kurzfristige� Kenntnis der Wirklichkeit. Wenn ein Auge etwas sieht, von dem das Hirn wei�, da� es dem Rest des Organismus gef�hrlich ist, sei es besser, wenn das dieses Auge ausrei�t ...</p><p>Die Dicke stimmt ein, um die Rede der Hinkenden mit kunstvollen Worten zusammenzufassen:</p><poem><stanza><v>Das Auge haben wir ausgerissen,</v><v>Den nervlichen Stimulus haben wir zerschnitten.</v><v>Die Angst haben wir beendet.</v></stanza></poem><p>Die Antennen lassen nicht locker, verdeutlichen, da� alle Organismen mit dieser Art Sicherung ausgestattet seien. Jene, die dergleichen nicht haben, st�rben vor Angst oder br�chten sich um, um sich nicht der be�ngstigenden Wirklichkeit stellen zu m�ssen.</p><p>Nr. 56 ist ziemlich �berrascht, aber sie l��t sich nicht aus der Fassung bringen. Ein feines Pheromon, wahrhaftig! Wenn sie das Vorhandensein der Geheimwaffe verheimlichen wollen, ist es ohnehin zu sp�t. Alle Welt wei�, da� La-chola-kan das erste Opfer war, auch wenn das R�tsel in technologischer Hinsicht weiterhin ungel�st ist ...</p><p>Die beiden Soldatinnen bleiben gelassen, lockern ihren Griff jedoch nicht. La-chola-kan, das hat doch jeder schon vergessen, der Sieg hat die Neugier abflauen lassen. Im �brigen reicht es, in den G�ngen zu schn�ffeln, es gibt nicht den geringsten Geruch von Toxinen. Das ganze Volk ist unbesorgt bei diesem Fest der Wiedergeburt.</p><p>Was wollen sie dann von ihr? Warum klemmen sie ihren Kopf so ein?</p><p>W�hrend der Hetzjagd durch die unteren Stockwerke hat die Hinkende eine dritte Ameise geortet. Eine Soldatin. Wie lautet ihre Identifikationsnummer?</p><p>Deshalb haben sie sie also nicht sofort get�tet! Statt einer Antwort st��t das Weibchen die Spitzen seiner Antennen tief in die Augen der Dicken. Da� diese von Geburt an blind ist, bedeutet nicht, da� sie nicht gro�e Schmerzen hat. Die Hinkende lockert verbl�fft ihren Griff.</p><p>Nr. 56 l�uft los, fliegt, um schneller voranzukommen. Ihre Fl�gel wirbeln eine Staubwolke auf, die ihre Verfolgerinnen verwirrt. Schnell, sie mu� die Kuppel erreichen.</p><p>Sie ist haarscharf dem Tod entgangen. Jetzt wird f�r sie ein anderes Leben beginnen.</p><p>Auszug aus der Petitionsrede gegen die Spielzeugameisenhaufen, gehalten von Edmond Wells vor der Untersuchungskommission der Nationalversammlung:</p><p>�Gestern habe ich in den L�den dieses neue Spielzeug gesehen, das die Kinder zu Weihnachten geschenkt bekommen. Es handelt sich um durchsichtige, mit Erde gef�llte Plastikschachteln, in denen sich sechshundert Ameisen, darunter garantiert eine fruchtbare K�nigin, befinden.</p><p>Man sieht sie arbeiten, w�hlen, laufen.</p><p>F�r ein Kind ist das faszinierend. Das ist, als schenke man ihm eine Stadt. Nur da� die Einwohner winzig klein sind. Gleichsam Hunderte von kleinen, beweglichen und autonomen Puppen.</p><p>Ich mu� gestehen, ich besitze selbst �hnliche Ameisenhaufen. Weil ich sie im Rahmen meiner Arbeit als Biologe schlicht und einfach studieren mu�. Ich habe sie in Aquarien untergebracht, deren W�nde ich mit luftdurchl�ssigem Karton ausgef�llt habe.</p><p>Und doch, jedesmal wenn ich vor einem meiner Ameisenhaufen stehe, habe ich ein seltsames Gef�hl. Als w�re ich allm�chtig in ihrer Welt. Als w�re ich ihr Gott.</p><p>Wenn mir danach ist, ihnen ihre Nahrung wegzunehmen, werden sie alle sterben; wenn mich die Lust anwandelt, Regen zu erzeugen, mu� ich lediglich mit der Gie�kanne den Inhalt eines Glases Wasser �ber ihre Stadt rieseln lassen; wenn ich beschlie�e, ihre Raumtemperatur zu erh�hen, brauche ich sie blo� auf den Radiator zu stellen; wenn ich eine entf�hren will, um sie unter dem Mikroskop zu betrachten, nehme ich einfach meine Pinzetten und fahre damit in das Aquarium; und wenn es mich �berk�me, welche zu t�ten, stie�e ich auf keinerlei Widerstand. Sie w�rden nicht einmal verstehen, was ihnen widerfahren ist.</p><p>Ich sage Ihnen, meine Herren, uns ist eine ma�lose Macht �ber diese Gesch�pfe gegeben. Einzig und allein, weil sie von kleinerer Gestalt sind.</p><p>Aber ich mi�brauche diese Macht nicht. Aber ich stelle mir vor, ein Kind ... Auch ein Kind kann ihnen alles antun.</p><p>Manchmal kommt mir ein dummer Gedanke. Ich sehe ihre St�dte aus Sand, und ich sage mir: Und wenn das unsere w�ren? Wenn wir ebenfalls in irgendeinem Aquarium gefangen w�ren und �berwacht von einer anderen riesigen Art?</p><p>Wenn Adam und Eva zwei Versuchskaninchen waren, die in einer k�nstlichen Landschaft ausgesetzt wurden, um &gt;zu sehen, was das gibt&lt;?</p><p>Wenn die Vertreibung aus dem Paradies, von der die Bibel spricht, nur der Umzug in ein anderes Aquarium war?</p><p>Wenn die Sintflut letztlich nur ein Glas Wasser war, das von einem nachl�ssigen oder neugierigen Gott umgesto�en wurde?</p><p>Unm�glich, sagen Sie? Nun ja ... Der einzige Unterschied k�nnte sein, da� meine Ameisen von gl�sernen W�nden umgeben sind, w�hrend wir durch eine physische Kraft gefangengehalten werden: die Gravitation!</p><p>Gleichwohl gl�ckt es meinen Ameisen mitunter, den Karton zu zerschneiden, mehrere sind schon entkommen. Und uns gelingt es. Raketen abzuschie�en, welche die Schwerkraft �berwinden.</p><p>Kommen wir auf die Aquariumst�dte zur�ck. Wie ich Ihnen vorhin sagte: Ich bin ein gro�m�tiger, barmherziger und sogar ein wenig abergl�ubischer Gott. Also lasse ich meine Versuchstiere niemals leiden. Was ich nicht will, da� man mir tut, f�g ich auch ihnen nicht zu.</p><p>Aber die zigtausend Ameisenhaufen, die Weihnachten verkauft werden, machen die Kinder ebenfalls zu kleinen G�ttern. Werden sie genauso gro�m�tig und barmherzig sein wie ich?</p><p>Sicher, die meisten werden begreifen, da� sie f�r eine Stadt verantwortlich sind und da� ihnen daraus nicht nur g�ttliche Rechte, sondern auch Pflichten erwachsen: die Pflicht, sie zu ern�hren, sie in der richtigen Temperatur zu halten, sie nicht aus Spa� zu t�ten.</p><p>Kinder, und ich denke vor allem an die ganz kleinen, die noch nicht verantwortlich sind. Kinder haben allerlei Unannehmlichkeiten: schulische Mi�erfolge, streitende Eltern. Keilereien mit Freunden. In einem Wutanfall k�nnen sie durchaus ihre Pflicht als &gt;junger Gott&lt; vergessen, und dann wage ich mir das Schicksal ihrer &gt;B�rger&lt; nicht auszumalen ...</p><p>Ich fordere Sie nicht etwa aus Mitleid f�r die Ameisen oder aufgrund ihrer Rechte als Tiere auf, f�r das Verbot der Spielzeugameisenhaufen zu stimmen. Tiere haben keine Rechte; sie werden in Batterien gez�chtet und f�r unseren Konsum geschlachtet. Ich fordere Sie auf, f�r dieses Gesetz zu stimmen, indem Sie sich vorstellen, da� wir selbst vielleicht Versuchskaninchen und Gefangene einer riesigen Struktur sind. F�nden Sie es w�nschenswert, wenn eines Tages die Erde einem jungen, unverantwortlichen Gott als Spielzeug zu Weihnachten geschenkt w�rde?�</p><p>Die Sonne steht auf ihrem h�chsten Punkt.</p><p>Die Sp�tank�mmlinge. M�nnchen wie Weibchen, dr�ngen sich durch die Adern, die zur Haut der Stadt f�hren. Arbeiterinnen schieben sie an, belecken sie, muntern sie auf.</p><p>Nr. 56 ist mittlerweile in dieser jubelnden Menge untergetaucht, in der sich s�mtliche pers�nlichen Ger�che vermengen. Hier wird es niemandem gelingen, ihre D�fte zu identifizieren. Sie l��t sich von dem Strom ihrer Schwestern tragen und gelangt immer h�her in bislang unbekannte Viertel.</p><p>Pl�tzlich, am Ende eines Gangs, erblickt sie etwas, was sie noch nie gesehen hat. Das Tageslicht. Das ist zun�chst nur ein Lichtschein an den W�nden, doch schon bald verwandelt sich das in blendende Helligkeit. Endlich sieht sie diese mysteri�se Kraft, die ihr die Ammen geschildert haben. Das warme, sanfte, sch�ne Eicht. Die Verlockung einer neuen, m�rchenhaften Welt.</p><p>Sie f�hlt sich regelrecht berauscht durch die Aufnahme all dieser rohen Photonen in ihren Augenh�hlen. Als h�tte sie zuviel von dem vergorenen Honigtau in der 32. Etage zu sich genommen.</p><p>Die 56. Prinzessin geht weiter. Der Boden ist mit Flecken von einem grellen Wei� gesprenkelt. Sie watet durch die warmen Photonen. F�r jemand, der seine Kindheit unter der Erde verbracht hat, ist der Unterschied gewaltig.</p><p>Eine weitere Biegung. Ein B�ndel klaren Lichts schie�t hinein, dehnt sich zu einem flimmernden Kreis, dann zu einem silbernen Schleier aus. Das Bombardement des Lichts l��t sie zur�ckprallen. Sie sp�rt die Funken, die in ihre Augen treten, ihre Sehnerven versengen, ihre drei Gehirne martern. Drei Gehirne ... Ein altes Erbe ihrer Vorfahren, der W�rmer, die einen Nervenknoten pro K�rperring hatten, ein Nervensystem f�r jeden Teil des K�rpers.</p><p>Sie k�mpft wieder gegen den Photonenwind an. In der Ferne erkennt sie die Gestalten ihrer Schwestern, die von dem Tagesgestirn erhascht werden. Sie sehen aus wie Phantome.</p><p>Sie geht weiter. Ihr Panzer wird lauwarm. Dieses Licht, das man ihr tausendmal zu schildern versucht hat, ist mit Worten nicht zu erfassen, man mu� es erleben! Sie mu� an die Arbeiterinnen aus der Unterkaste der �Pf�rtnerinnen� denken, die zeitlebens in der Stadt eingeschlossen bleiben und niemals erfahren, wie die Au�enwelt und die Sonne sind.</p><p>Sie dringt in die Mauer aus Licht ein und gelangt auf die andere Seite au�erhalb der Stadt. Ihre Facettenaugen passen sich nach und nach an, w�hrend sie das Stechen der wilden Luft wahrnimmt. Eine kalte Luft, beweglich und duftend, ganz anders als die gez�hmte Atmosph�re der Welt, in der sie gelebt hat.</p><p>Ihre Antennen wirbeln umher. Sie hat M�he, sie kontrolliert auszurichten. Ein noch schnellerer Windsto� pre�t sie ihr vors Gesicht. Ihre Fl�gel knattern.</p><p>Oben auf der Spitze der Kuppel wird sie von Arbeiterinnen in Empfang genommen. Sie ergreifen sie an den Beinen, ziehen sie hoch, sto�en sie nach vorn in ein Gew�hl von M�nnchen und Weibchen, die sich zu Hunderten auf einer schmalen Fl�che dr�ngen und stapeln. Die 56. Prinzessin erfa�t, da� sie auf der Startbahn des Hochzeitsflugs steht, da� sie jedoch noch warten m�ssen, bis das Wetter besser ist.</p><p>W�hrend der Wind weiter seinen Schabernack treibt, hat ein Dutzend Spatzen die M�nnchen und Weibchen erblickt. Angelockt von diesem unverhofften Fressen flattern sie immer n�her heran. Als sie zu nahe kommen, decken die kronenf�rmig um die Spitze plazierten Artilleristinnen sie mit ihren S�urestrahlen ein.</p><p>Jetzt gerade versucht einer dieser V�gel sein Gl�ck, er st�rzt auf die Menge hinab, pickt drei Weibchen und steigt wieder hoch! Bevor der dreiste R�uber genug H�he gewonnen hat, wird er von den Artilleristinnen abgeschossen; er w�lzt sich, den Schnabel noch voll, kl�glich im Gras, um das Gift von seinen Fl�geln zu wischen.</p><p>Das soll ihnen eine Lehre sein! Und in der Tat, die Spatzen haben sich ein wenig zur�ckgezogen ... Aber niemand l��t sich dadurch t�uschen. Sie werden bald wiederkommen, die Luftabwehr einem erneuten Test unterziehen.</p><empty-line/><p><strong>raubtiere: Was w�re unsere menschliche Zivilisation, wenn sie sich nicht der gef�hrlichsten Raubtiere entledigt h�tte, der W�lfe, L�wen, B�ren und Hy�nen?</strong></p><p><strong>Sicher eine �ngstliche, st�ndig in Frage gestellte Zivilisation.</strong></p><p><strong>Die R�mer lie�en, um sich inmitten ihrer Zechgelage Angst einzujagen, eine Leiche herbeischaffen. So wurden alle daran erinnert, da� nichts gewonnen ist und da� der Tod jeden Augenblick eintreten kann.</strong></p><p><strong>Heute jedoch hat der Mensch s�mtliche Arten, die f�hig sind, ihn zu fressen, umgebracht, ausgerottet, ins Museum gesteckt. So da� die Mikroben und vielleicht die Ameisen die einzigen sind, die ihn noch schrecken k�nnen.</strong></p><p><strong>Die Zivilisation der Ameisen hingegen hat sich entwickelt, ohne da� es ihr gelungen ist, die haupts�chlichen R�uber auszuschalten. Resultat: Dieses Insekt lebt in st�ndiger Gefahr. Es wei�, da� es erst die H�lfte des Wegs zur�ckgelegt hat, wenn selbst das d�mmste Tier mit einem Tatzenhieb die Frucht tausendj�hrigen, wohldurchdachten Experimentierens zunichte machen kann.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Der Wind hat nachgelassen, die Luftstr�me werden seltener, die Temperatur steigt. Um 22�-Zeit beschlie�t die Stadt, ihre Kinder loszuschicken.</p><p>Die Weibchen lassen ihre vier Fl�gel surren. Sie sind bereit, nur zu bereit. All diese D�fte reifer M�nnchen haben ihr sexuelles Verlangen auf die Spitze getrieben.</p><p>Die ersten Jungfrauen heben anmutig ab. Sie schwingen sich auf eine H�he von hundert Kopf und ... werden von den Spatzen hinweggerafft. Keine kommt durch.</p><p>Unten herrscht Best�rzung, aber deshalb wird man nicht aufgeben. Eine zweite Welle hebt ab. Vier Weibchen von hundert schaffen es, diese Sperre aus Federn und Schn�beln zu durchbrechen. Die M�nnchen machen sich in einem dichten Geschwader auf die Verfolgung. Sie werden durchgelassen, sie sind zu schm�chtig, als da� sich die Spatzen f�r sie interessieren w�rden.</p><p>Eine dritte Welle von Weibchen schwingt sich zum Sturm auf die Wolken empor. �ber f�nfzig V�gel sind auf ihrem Weg. Es folgt ein einziges Gemetzel. Die V�gel werden immer zahlreicher, als h�tten sie sich abgesprochen. Spatzen sind dort. Rotkehlchen. Buchfinken. Tauben ... Sie zwitschern lauthals. Auch f�r sie ist das ein Festtag!</p><p>Eine vierte Welle hebt ab. Auch diesmal kommt keines der Weibchen durch. Die V�gel streiten sich untereinander um die besten St�cke.</p><p>Die Artilleristinnen werden nerv�s. Sie schie�en vertikal mit aller Kraft ihrer S�uredr�sen. Aber die R�uber fliegen zu hoch. Die t�dlichen Tropfen fallen auf die Stadt zur�ck und verursachen zahlreiche Sch�den und Verletzungen.</p><p>Einige Weibchen geben erschreckt auf. Sie sind der Ansicht, da� es unm�glich ist, durchzukommen, und ziehen es vor, wieder nach unten zu gehen und wie die anderen fl�gellahmen Prinzessinnen in den S�len die Paarung zu vollziehen.</p><p>Die f�nfte Welle schwingt sich empor, zum h�chsten Opfer bereit. Sie m�ssen unbedingt diese Mauer aus Schn�beln durchbrechen! Siebzehn Weibchen kommen durch, unmittelbar gefolgt von dreiundvierzig M�nnchen.</p><p>Sechste Welle: Zw�lf Weibchen durchgekommen!</p><p>Siebte Welle: Vierunddrei�ig!</p><p>Nr. 56 bewegt ihre Fl�gel. Sie wagt es noch nicht, loszufliegen. Gerade ist der Kopf einer Schwester vor ihre F��e gefallen, gefolgt von einer schlaffen, unheilverk�ndenden Flaumfeder. Sie wollte wissen, wie die gro�e Au�enwelt beschaffen ist? Ah, jetzt wei� sie Bescheid!</p><p>Wird sie mit der achten Welle abheben? Nein ... Und sie tut gut daran, denn jene wird vollst�ndig vernichtet.</p><p>Die Prinzessin hat Lampenfieber. Erneut l��t sie ihre Fl�gel surren und steigt ein wenig auf. Sch�n, wenigstens das klappt, kein Problem, das ist nur ihr Kopf, der ... Angst ergreift sie. Sie mu� einen klaren Kopf bewahren. Die Aussichten, da� sie es schafft, sind sehr gering ...</p><p>Nr. 56 unterbricht ihr Flattern: Dreiundsiebzig Weibchen der neunten Welle sind durchgekommen. Die Arbeiterinnen sto�en aufmunternde Pheromone aus. Neue Zuversicht erwacht. Wird sie mit der zehnten Welle losfliegen?</p><p>Als sie noch z�gert, erblickt sie pl�tzlich ein St�ck weiter die kleine Hinkende und die dicke Killerin mit den auf ewig erloschenen Augen. Mehr bedarf es nicht, um ihr einen Ruck zu geben. Sie fliegt blitzschnell los. Die Mandibeln schlie�en sich in der Luft. Sie haben Nr. 56 nur knapp verfehlt.</p><p>Sie h�lt sich einen Moment auf halber H�he zwischen der Stadt und dem Vogelschwarm. Dann wird sie von dem Sog der zehnten Welle erfa�t. Sie l��t sich mitrei�en, schwingt sich ebenfalls geradewegs auf den Schlund der L�fte zu. Ihre beiden Nachbarinnen lassen sich erhaschen, sie selbst entkommt unverhofft den riesigen F�ngen einer Meise.</p><p>Reine Gl�ckssache.</p><p>Nun, vierzehn von ihnen sind unversehrt durchgekommen. Aber Nr. 56 macht sich keine Illusionen. Sie hat nur die erste Pr�fung �berstanden. Das Schlimmste liegt noch vor ihr. Sie kennt die Zahlen. In der Regel erreichen von eintausendf�nfhundert Prinzessinnen ungef�hr zehn ohne Zwischenfall den Boden. G�nstigstenfalls vier K�niginnen gelingt es, ihre Stadt zu gr�nden.</p><empty-line/><p><strong>manchmal, wenn: Manchmal, wenn ich im Sommer spazierengehe, bemerke ich, da� ich fast auf eine Art Fliege getreten w�re (??). Ich schaue genauer hin: eine Ameisenk�nigin. Wenn eine da ist, sind Tausende da. Sie winden sich auf der Erde. Sie werden von den Schuhen der Leute zertreten oder prallen gegen die Windschutzscheibe der Fahrzeuge. Sie sind ersch�pft, k�nnen ihren Flug nicht mehr kontrollieren. Wie viele St�dte wurden auf diese Art zerst�rt, durch einen simplen Scheibenwischer auf einer sommerlichen Stra�e?</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>W�hrend Nr. 56 ihre vier langen Fl�gel schwingt, nimmt sie wahr, wie sich hinter ihr die gefiederte Mauer �ber der elften und zw�lften Welle schlie�t. Die �rmsten! Noch f�nf Wellen, dann hat die Stadt all ihre Hoffnungen verpulvert.</p><p>Sie denkt schon nicht mehr daran, sie wird von dem unendlichen Azur angezogen. Alles ist blau, so blau! Es ist phantastisch, durch die L�fte zu schie�en, wenn man bislang nur das Leben unter der Erde gekannt hat. Ihr ist, als bewegte sie sich in einer anderen Welt. Sie hat die schmalen G�nge gegen einen schwindelerregenden Raum eingetauscht, in dem alles in drei Dimensionen explodiert.</p><p>Intuitiv entdeckt sie s�mtliche Flugvarianten. Wenn sie ihr Gewicht auf diesen Fl�gel verlagert, fliegt sie nach rechts. Wenn sie den Anstellwinkel ihres Fl�gelschlags �ndert, steigt sie empor. Oder sie sinkt tiefer. Oder wird schneller ... Sie stellt fest, da� sie, um eine perfekte Kurve hinzulegen, die Spitzen ihrer Fl�gel in eine imagin�re Achse bringen mu� und nicht davor zur�ckschrecken darf, ihren K�rper in einem Winkel von �ber f�nfundvierzig Grad abzuknicken.</p><p>Das 56. Weibchen entdeckt, da� der Himmel keineswegs leer ist. Im Gegenteil. Er ist voller Str�mungen. Einige, die �Pumpen�, lassen sie aufsteigen. Die Luftl�cher hingegen kosten sie H�he. Man kannte nur erkennen und sich darauf einstellen, wenn man die Bewegungen der Insekten weiter vorn beobachtet.</p><p>Sie friert. Es ist kalt hier oben. Manchmal kommen Luftwirbel, laue oder eisige Windst��e, die sie herumschleudern wie einen Kreisel.</p><p>Eine Gruppe von M�nnchen hat sich auf die Verfolgung gemacht. Nr. 56 beschleunigt, um nur von den schnellsten und hartn�ckigsten eingeholt zu werden. Das ist die erste genetische Selektion ...</p><p>Sie sp�rt etwas. Ein M�nnchen hat sich an ihrem Hinterleib festgemacht, klettert an ihr hoch, steigt auf sie hinauf. Es ist ziemlich klein, aber da es aufgeh�rt hat, mit den Fl�geln zu schlagen, erscheint ihr sein Gewicht betr�chtlich.</p><p>Sie verliert ein wenig an H�he. Oben windet sich ihr Begleiter, um nicht von den Fl�geln behindert zu werden. Vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht, verbiegt er seinen Hinterleib, um mit seinem Stachel das weibliche Geschlecht zu erreichen.</p><p>Sie harrt neugierig der Empfindungen. Ein k�stliches Kribbeln steigt in ihr auf. Das bringt sie auf eine Idee. Ohne Vorwarnung kippt sie nach vorn und geht in den Sturzflug. Der helle Wahn! Die gro�e Ekstase! Geschwindigkeit und Sex vereinen sich zu ihrem ersten gro�en cocktail der Wonne.</p><p>Das Bild des 327. M�nnchens geht ihr kurz durch den Sinn. Der Wind pfeift durch die H�rchen zwischen ihren Augen. Ein w�rziger Saft l��t ihre Antennen erzittern. Einige ihrer Sinne verwandeln sich in eine bewegte See. Sonderbare Fl�ssigkeiten quellen aus all ihren Dr�sen hervor. Sie vermischen sich zu einer sch�umenden Suppe, die sich in ihr Gehirn ergie�t.</p><p>In H�he der Gr�ser angekommen, nimmt sie all ihre Kraft zusammen und schl�gt wieder mit den Fl�geln. Jetzt schie�t sie wie ein Pfeil nach oben. Als sie sich wieder beruhigt, f�hlt sich das M�nnchen gar nicht mehr gut. Seine Beine schlottern, seine Mandibeln h�ren nicht auf, sich grundlos zu �ffnen und zu schlie�en. Herzstillstand. Und freier Fall ...</p><p>Bei den meisten Insekten sind die M�nnchen darauf programmiert, bei ihrem ersten Liebesakt zu sterben. Ihnen steht nur ein einziger coup zu, der richtige. Wenn die Spermien den K�rper verlassen, nehmen sie das Leben ihres Besitzers mit sich.</p><p>Bei den Ameisen t�tet die Ejakulation das M�nnchen. Bei anderen Arten ermordet das Weibchen, gerade erst begl�ckt, seinen Wohlt�ter. Einfach, weil die Erregung Appetit gemacht hat.</p><p>Man mu� sich den Tatsachen beugen: Die Welt der Insekten ist im Ganzen eine Welt der Weibchen, genauer gesagt der Witwen. Die M�nnchen haben darin nur vor�bergehend Platz.</p><p>Aber schon klammert sich ein zweiter Erzeuger an sie. Kaum ist der eine gegangen, wird er schon ersetzt! Es folgt ein dritter, dann noch viele andere. Nr. 56 z�hlt sie nicht mehr. Mindestens siebzehn oder achtzehn l�sen einander ab, um ihre Spermathek mit frischen Keimzellen zu f�llen.</p><p>Sie sp�rt die lebende Fl�ssigkeit, die in ihrem Hinterleib brodelt. Das ist der Vorrat ihrer zuk�nftigen Stadt. Millionen von m�nnlichen Fortpflanzungszellen, die es ihr erm�glichen werden, f�nfzehn Jahre lang t�glich Eier zu legen.</p><p>Rings um sie werden ihre Schwestern von den gleichen Empfindungen erf�llt. Der Himmel ist voll von fliegenden Weibchen, die von einem oder sogar mehreren M�nnchen bestiegen werden, die sich gemeinsam mit dem gleichen Weibchen paaren. Liebeskarawanen, die in den Wolken h�ngen. Diese Damen sind trunken vor M�digkeit und Gl�ck. Sie sind keine Prinzessinnen mehr, sie sind K�niginnen. Ihre wiederholte Wonne hat sie ganz benommen gemacht, und es f�llt ihnen recht schwer, ihren Kurs zu halten.</p><p>Diesen Augenblick haben vier majest�tische Schwalben ausgesucht, um aus einem bl�henden Kirschbaum aufzutauchen. Sie fliegen nicht, sie gleiten mit einer Unbewegtheit zwischen den Schichten des Himmels, die einen erstarren l��t ... Sie st�rzen sich mit weit offenem Schnabel auf die Ameisen und verschlingen sie eine nach der andern. Auch Nr. 56 wird von ihnen gejagt.</p><p>Nr. 103 683 befindet sich im Saal der Kundschafterinnen. Eigentlich hatte sie vor, die Ermittlungen allein weiterzuf�hren und sich in den Termitenh�gel des Ostens zu schleichen, aber man hat sie aufgefordert, sich einer Gruppe von Kundschafterinnen anzuschlie�en und mit ihnen die �Jagd auf den Drachen� aufzunehmen. Tats�chlich ist in der N�he der Weidefl�che der Stadt Zubi-zubi-kan, die �ber den gr��ten Viehbestand der ganzen F�deration verf�gt (9 Millionen Tiere, die zu melken sind), eine Eidechse gesichtet worden. Und die Anwesenheit eines dieser Saurier kann die Arbeit der Hirten empfindlich st�ren.</p><p>Zum Gl�ck liegt Zubi-zubi-kan an der �stlichen Grenze der F�deration, genau auf halbem Weg zwischen der Termitenstadt und Bel-o-kan. Nr. 103 683 hat also eingewilligt, an dieser Expedition teilzunehmen. So kann sie unbemerkt nach Osten aufbrechen.</p><p>Ringsum bereiten sich die Kundschafterinnen sorgf�ltig vor. Sie f�llen ihren Sozialkropf bis zum Rand mit s��en Energiereserven und erg�nzen ihre S�urevorr�te. Danach reiben sie sich mit Schneckenschleim ein, um sich gegen die K�lte und auch (jetzt wissen sie Bescheid) die Sporen der <emphasis>alternaria</emphasis> zu sch�tzen.</p><p>Sie reden �ber die Jagd auf die Eidechse. Einige vergleichen sie mit dem Salamander oder den Fr�schen, aber die Mehrheit der zweiunddrei�ig Kundschafterinnen ist sich einig, ihr den ersten Rang zuzugestehen, was die Schwierigkeiten der Jagd betrifft.</p><p>Eine alte Kriegerin behauptet, die Eidechsen seien imstande, ihren Schwanz nachwachsen zu lassen, wenn er ihnen abgetrennt w�rde! Man macht sich �ber sie lustig ... Eine andere behauptet, sie habe gesehen, da� eines dieser Unget�me 10� lang reglos wie ein Stein verharrt habe. Alle rufen sich die Berichte der ersten Belokanerinnen in Erinnerung, die mit blo�en Mandibeln gegen diese Monster vorgegangen seien -damals war die Verwendung der Ameisens�ure noch nicht so verbreitet.</p><p>Nr. 103 683 l�uft es kalt den R�cken hinunter. Sie hat noch nie eine Eidechse gesehen, und die Aussicht, eine mit blo�en Mandibeln oder auch mit dem S�urestrahl anzugreifen, ist alles andere als beruhigend. Sie sagt sich, da� sie sich bei der erstbesten Gelegenheit verdr�cken wird. Schlie�lich ist ihre Suche nach der �Geheimwaffe� wichtiger f�r das �berleben der Stadt als irgendein Jagdausflug.</p><p>Die Kundschafterinnen sind bereit. Sie steigen durch die G�nge des �u�eren G�rtels nach oben, dann treten sie durch den Ausgang Nr. 7, den sogenannten �Ostausgang�, ins Freie.</p><p>Zun�chst m�ssen sie sich durch die Randgebiete der Stadt k�mpfen. Das ist gar nicht so einfach. In der gesamten Umgebung von Bel-o-kan wimmelt es von Arbeiterinnen und Soldatinnen, und eine hat es da eiliger als die andere.</p><p>Es gibt mehrere Str�me. Zahlreiche Ameisen sind mit Bl�ttern. Fr�chten. Samenk�rnern oder Pilzen beladen. Andere transportieren Zweige und Sternchen, die als Baumaterial verwendet werden. Wieder andere f�hren Wildbret mit sich ... Ein heilloses Durcheinander von Ger�chen.</p><p>Die J�gerinnen bahnen sich einen Weg durch die Stauungen. Dann wird der Verkehr fl�ssiger. Die gro�e Allee verengt sich zu einer Stra�e von erst drei Kopf (neun Millimeter), dann zwei, sp�ter einem Kopf Breite. Sie m�ssen bereits weit von der Stadt entfernt sein, da sie deren Kollektivbotschaften nicht mehr empfangen. Die Gruppe hat die olfaktorische Nabelschnur durchtrennt und konstituiert sich zu einer autonomen Einheit. Sie w�hlt die Formation �Spaziergang�, bei der die Ameisen in Zweierreihen vorr�cken.</p><p>Schon bald begegnet die Einheit einer anderen Gruppe von Kundschafterinnen. Sie m�ssen Schlimmes erlebt haben. Nur eine einzige Ameise der kleinen Truppe ist unverletzt. Ansonsten lauter Verst�mmelte. Einige haben nur noch ein Bein und schleppen sich kl�glich vorw�rts. Denen, die keine Antennen oder keinen Hinterleib mehr haben, geht es nicht besser.</p><p>Nr. 103 683 hat seit dem Krieg am Klatschmohnh�gel keine Soldatinnen mehr gesehen, die so �bel zugerichtet waren. Sie m�ssen etwas Grauenvolles erlebt haben ... Vielleicht die Geheimwaffe?</p><p>Nr. 103 683 m�chte mit einer gro�en Kriegerin, deren lange Mandibeln zerbrochen sind, einen Dialog aufnehmen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Waren es die Termiten?</p><p>Die andere geht langsamer und wendet ihr, ohne zu antworten, ihr Gesicht zu. Schrecklich, ihre Augenh�hlen sind leer! Und der Sch�del ist vom Mund bis zum Halsgelenk gespalten.</p><p>Sie entfernt sich. Nr. 103 683 blickt ihr nach. Ein St�ckchen weiter bricht sie zusammen und erhebt sich nicht mehr. Sie findet noch die Kraft, zur Seite zu kriechen, damit ihr Kadaver nicht den Weg versperrt.</p><p>Nr. 56 versucht der Schwalbe mit einem Sturzflug zu entgehen, aber jene ist zehnmal schneller. Schon senkt sich der Schatten eines gro�en Schnabels auf ihre Antennen. Der Schnabel holt sie ein, erfa�t ihren Hinterleib, ihren Thorax, ihren Kopf. Der Kontakt mit dem Gaumen ist unertr�glich. Dann schlie�t sich der Schnabel. Es ist alles aus.</p><empty-line/><p><strong>OPFER: Wenn man die Ameisen beobachtet, k�nnte man meinen, ihr Handeln sei von einem Streben diktiert, das nichts mit ihrer eigenen Existenz zu tun hat. Ein abgetrennter Kopf versucht sich noch n�tzlich zu machen, indem er gegnerische Beine bei�t, ein Samenkorn abschneidet; ein Thorax schleppt sich voran, um den Feinden den Eingang zu versperren.</strong></p><p><strong>Selbstverleugnung? Fanatismus im Dienste der Stadt? Verdummung aufgrund von Kollektivismus?</strong></p><p><strong>Nein, die Ameise kann auch allein leben. Sie braucht ihr Volk nicht, sie kann sogar aufbegehren.</strong></p><p><strong>Warum opfert sie sich dann?</strong></p><p><strong>Bei dem jetzigen Stand meiner Arbeiten w�rde ich sagen: aus Bescheidenheit. Anscheinend ist f�r sie der Tod kein Ereignis, das wichtig genug w�re, sie von der Arbeit abzulenken, die sie in den Sekunden zuvor verrichtet hat.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Die Kundschafterinnen kurven um B�ume. Erdh�gel, dornige B�sche herum, schl�ngeln sich weiter in Richtung unheilvollen Osten.</p><p>Der Weg ist schmaler geworden, aber immer noch sind Einheiten zur Stra�enreinigung unterwegs. Die Verkehrswege zwischen den einzelnen St�dten werden niemals vernachl�ssigt. Stra�enw�rterinnen rei�en das Moos aus, entfernen Zweige, die den Weg versperren, setzen Duftzeichen.</p><p>Die Arbeiterinnen, die der Gruppe entgegenkommen, werden immer seltener. Mitunter finden sich auf dem Boden Pheromonenhinweise: �Bei Kreuzung 29 einen Umweg durch den Hagedorn machen!� Vielleicht ist man dort auf die j�ngste Spur eines Hinterhalts feindlicher Insekten gesto�en.</p><p>Nr. 103 683 erwartet eine �berraschung nach der andern. Sie ist noch nie in dieser Gegend gewesen. Es gibt hier Satanspilze von achtzig Kopf H�he! Dabei ist diese Sorte charakteristisch f�r die Gebiete im Osten.</p><p>Und sie entdeckt allerlei seltsame Pflanzen: den wilden Hanf, dessen Bl�ten den Morgentau so gut festhalten, den wunderbaren und beunruhigenden Frauenschuh. Katzenpf�tchen mit langen Stengeln ...</p><p>Sie geht auf ein Springkraut zu, dessen Bl�ten Bienen �hneln, und ist so unvorsichtig, es zu ber�hren. Sogleich platzen ihr die reifen Fr�chte ins Gesicht, bedecken sie mit klebrigen gelben Samenk�rnern. Ein Gl�ck, da� das keine <emphasis>alternaria</emphasis> ist ...</p><p>Keineswegs entmutigt, klettert sie auf ein Hasenkraut, um sich den Himmel n�her anzusehen. Dort oben sieht sie Bienen, die Achten beschreiben, um ihren Schwestern den Standort der Bl�tenpollen anzugeben.</p><p>Die Landschaft wird immer wilder. R�tselhafte D�fte erf�llen die Luft. Hunderte von kleinen, nicht zu identifizierenden Wesen fliehen in alle Richtungen. Man bemerkt sie nur an dem Knacken der trockenen Bl�tter.</p><p>Ihr Kopf kribbelt noch, als sich Nr. 103 683 wieder der Truppe anschlie�t. Und so gelangen sie ruhigen Schritts in die Umgebung der f�derierten Stadt Zubi-zubi-kan. Ein Geh�lz wie jedes andere auch, w�rde man von weitem sagen. W�ren da nicht der Geruch und der �ausgeschilderte� Weg, w�rde niemand eine Stadt hier vermuten. In Wirklichkeit ist Zubi-zubi-kan eine klassische �rote� Stadt mit einem Baumstumpf, einer Kuppel aus Zweigen und Deponien. Aber alles ist unter Str�uchern verborgen.</p><p>Die Eing�nge befinden sich noch oben, fast am h�chsten Punkt der Kuppel. Man erreicht sie �ber eine Gruppe von Farn und wilden Rosen. Was die Kundschafterinnen auch tun.</p><p>Drinnen wimmelt es von Leben. Die Pflanzenl�use sind nicht leicht zu erkennen, sie haben die gleiche Farbe wie die Bl�tter. Eine kundige Antenne und ein kundiges Auge machen jedoch m�helos Tausende von kleinen gr�nen Warzen aus, die langsam - in dem Ma�e, wie sie den Saft �abgrasen� -wachsen.</p><p>Vor langer Zeit wurde zwischen den Ameisen und den Pflanzenl�usen ein Abkommen geschlossen. Letztere ern�hren die Ameisen, die sie als Gegenleistung sch�tzen. Tats�chlich stutzen manche St�dte ihren �Milchk�hen� die Fl�gel und geben ihnen ihre eigenen Identifizierungsd�fte. So lassen sich die Herden bequemer h�ten ...</p><p>Auch Zubi-zubi-kan �bt sich in dieser miesen Technik. Als Wiedergutmachung, oder vielleicht aus purem Modernismus, hat die Stadt auf ihrer zweiten Etage grandiose St�lle gebaut, die mit allem f�r das Wohlergehen der Pflanzenl�use erforderlichen Komfort ausger�stet sind. Die Ameisenammen pflegen dort die Eier ihrer L�use mit der gleichen Konzentration wie die ihrer Artgenossinnen. Das erkl�rt auch die au�ergew�hnliche Bedeutung und das feine Aussehen des dortigen Viehbestands.</p><p>Nr. 103 683 und ihre Begleiterinnen n�hern sich einer Herde, die damit besch�ftigt ist, dem Zweig eines Rosenstrauchs das Blut auszusaugen. Sie stellen zwei, drei Fragen, aber die L�use lassen ihren R�ssel in dem pflanzlichen Fleisch, ohne sie im geringsten zu beachten. Au�erdem, vielleicht beherrschen sie die Duftsprache der Ameisen �berhaupt nicht ... Die Kundschafterinnen suchen mit ihren Antennen nach der Hirtin. Doch sie entdecken keine.</p><p>Dann geschieht etwas Erschreckendes. Drei Marienk�fer lassen sich mitten unter die Herde fallen. Diese gef�hrlichen Raubtiere s�en Panik unter den armen L�usen, die mit ihren gestutzten Fl�geln nicht fliehen k�nnen.</p><p>Doch die W�lfe rufen die Hirtinnen auf den Plan. Zwei zubizubikanische Ameisen springen hinter einem Blatt hervor. Denn dort haben sie sich versteckt, um die roten R�uber mit den schwarzen Punkten �berraschen zu k�nnen. Sie legen auf sie an und erlegen sie mit ihren pr�zisen S�urestrahlen.</p><p>Dann laufen sie herbei und beruhigen die noch v�llig ver�ngstigten Herden. Sie melken sie, trommeln auf ihren Hinterleib, streicheln ihre Antennen. Daraufhin geben die Pflanzenl�use eine gro�e Blase durchsichtigen Zuckers von sich. Den kostbaren Honigtau. W�hrend sie sich mit diesem Lik�r s�ttigen, nehmen die zubizubikanischen Hirtinnen die belokanischen Kundschafterinnen wahr.</p><p>Sie begr��en sie. Antennenkontakt.</p><p><emphasis>Wir sind gekommen, um die Eidechse zu jagen,</emphasis> sendet eine der Belokanerinnen.</p><p><emphasis>Dann m��t ihr weiter nach Osten gehen. Man hat eines dieser Unget�me in der N�he des Postens Guayei-Tyolot gesichtet.</emphasis></p><p>Statt ihnen die �bliche Trophallexie anzubieten, fordern die Hirtinnen sie auf, sich direkt an den Tieren zu laben. Die Kundschafterinnen lassen sich das nicht zweimal sagen. Jede w�hlt sich eine Pflanzenlaus und klopft ihr auf den Hinterleib, um den k�stlichen Honigtau hervorzulocken.</p><p>Das ist schwarz, �lig im Innern des Rachens, und es stinkt. Nr. 56, g�nzlich mit Sabber beschmiert, rutscht in den Schlund des Raubvogels. Da jener keine Z�hne hat, hat er sie nicht zerkaut, sie ist noch unversehrt. Kommt nicht in Frage, sich aufzugeben, mit ihr w�rde eine ganze Stadt untergehen.</p><p>Mit �u�erster Anstrengung pflanzt sie ihre Mandibeln in das glatte Fleisch der Speiser�hre. Dieser Reflex rettet sie. Der Schwalbe wird �bel, sie hustet und speit die widerspenstige Nahrung weit von sich. Geblendet versucht Nr. 56 zu fliegen, aber ihre klebrigen Fl�gel sind viel zu schwer. Sie f�llt mitten in einen Flu�.</p><p>Ringsum zappeln M�nnchen in ihrem Todeskampf. Sie registriert den unrhythmischen Flug von rund zwanzig ihrer Schwestern hoch oben, die den Schwalben entkommen sind. Ersch�pft verlieren sie an H�he.</p><p>Eine von ihnen landet auf einer Teichrose, wo zwei Salamander unverz�glich Jagd auf sie machen. Sie holen sie ein und zerfetzen sie. Die anderen K�niginnen werden eine nach der andern von den Tauben, den Kr�ten, den Maulw�rfen, den Schlangen, den Flederm�usen, den Igeln, den H�hnern und den K�ken aus dem Spiel des Lebens gerissen ... Letzten Endes haben von den eintausendf�nfhundert Weibchen, die losgeflogen sind, nur sechs �berlebt.</p><p>Nr. 56 geh�rt dazu. Wie durch ein Wunder. Sie mu� leben. Sie mu� ihre eigene Stadt gr�nden und das R�tsel der Geheimwaffe aufkl�ren. Sie wei�, da� sie dazu Hilfe braucht, da� sie auf die Menge z�hlen kann, die bereits ihren Bauch bev�lkert. Sie braucht sie nur daraus zu entlassen ...</p><p>Aber als erstes mu� sie sehen, da� sie hier wegkommt ...</p><p>Indem sie den Winkel der Sonnenstrahlen berechnet, findet sie heraus, wo sie gelandet ist. Auf dem Flu� des Westens. Kein sehr empfehlenswerter Ort, denn wenn es auch auf s�mtlichen Inseln der Welt Ameisen gibt, wei� man doch nicht, wie sie es als Nichtschwimmer angestellt haben, dorthin zu gelangen.</p><p>Ein Blatt treibt an ihr vor�ber, sie h�lt sich mit aller Kraft ihrer Mandibeln daran fest. Sie strampelt wie besessen mit den Hinterbeinen, aber dieser Antrieb hat nur m��igen Erfolg. Sie h�lt sich schon eine ganze Weile auf diese Art �ber Wasser, als sich ein gigantischer Schatten abzeichnet. Eine Kaulquappe? Nein, das ist tausendmal gr��er als eine Kaulquappe. Nr. 56 erkennt eine spitz zulaufende Form mit einer glatten und getigerten Haut. Das ist f�r sie eine ganz neue Erscheinung. Eine Forelle!</p><p>Die kleinen Krebse. H�pferlinge und Wasserfl�he fliehen vor dem Ungeheuer. Jenes taucht ab, dann steigt es auf, direkt auf die K�nigin zu, die sich entsetzt an ihr Blatt klammert.</p><p>Die Forelle schie�t mit aller Kraft ihrer Flossen nach oben und zerteilt die Oberfl�che. Eine gro�e Welle setzt der Ameise schwer zu. Die Forelle scheint in der Luft zu schweben, sie �ffnet ein mit feinen Z�hnen bewehrtes Maul und verschlingt eine kleine M�cke, die gerade vorbeiflattert. Dann windet sie sich mit einem Schlag ihrer Schwanzflosse und f�llt in ihr kristallklares Reich zur�ck ... Womit sie eine Flutwelle ausl�st, die die Ameise �berschwemmt.</p><p>Schon haben sich einige Fr�sche ausgestreckt und h�pfen los, um sich um diese K�nigin und ihren Kaviar zu zanken. Jener gelingt es, wieder aufzutauchen, aber ein Strudel zieht sie erneut in unwirkliche Tiefen. Die Fr�sche verfolgen sie. Die K�lte l��t sie erstarren. Sie verliert das Bewu�tsein.</p><p>Nicolas schaute mit seinen beiden neuen Freunden Jean und Philippe im Speisesaal Fernsehen. Sie waren nicht allein, andere Waisenkinder lie�en sich mit rosigen Wangen durch die st�ndige Abfolge von Bildern einlullen.</p><p>Die Handlung des Films drang mit einer Geschwindigkeit von 500 Stundenkilometern durch ihre Augen und Ohren in den Speicher ihres Gehirns ein. Das menschliche Gehirn kann bis zu sechzig Milliarden Informationen speichern. Aber wenn dieser Speicher voll ist, wird automatisch aussortiert: Die weniger interessanten Informationen werden vergessen. Es bleiben dann nur die traumatischen Erinnerungen und die Sehnsucht nach vergangenen Freuden.</p><p>An diesem Tag folgte im Anschlu� an die Nachrichten eine Diskussion �ber Insekten. Die meisten der jungen Leute zerstreuten sich, f�r dieses wissenschaftliche Blabla hatten sie nichts �brig.</p><p>�Professor Leduc, Sie gelten, zusammen mit Professor Rosenfeld, als der gr��te europ�ische Ameisenspezialist. Was hat Sie veranla�t, sich der Ameisenforschung zu widmen?�</p><p>�Ich habe eines Tages meinen K�chenschrank ge�ffnet und bin an eine Kolonne dieser Insekten geraten. Ich habe ihnen stundenlang bei der Arbeit zugesehen. Das war f�r mich eine Lektion in puncto Leben und Demut. Ich habe mehr dar�ber in Erfahrung bringen wollen ... Das ist alles.�</p><p>(Er lachte.)</p><p>�Was unterscheidet Sie von Professor Rosenfeld, dem anderen hervorragenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet?�</p><p>�Ach, der Professor Rosenfeld? Ist er noch nicht in Rente gegangen? (Er lachte erneut.) Aber im Ernst, wir geh�ren nicht zu der gleichen Clique. Wissen Sie, es gibt mehrere Auffassungen, diese Insekten zu &gt;verstehen&lt; ... Fr�her dachte man, s�mtliche sozialen Arten (Termiten. Bienen. Ameisen) seine royalistisch. Das war einfach, aber es war falsch. Man hat festgestellt, da� bei den Ameisen die K�nigin in der Tat �ber keinerlei Macht verf�gt, au�er da� sie geb�rt. Es gibt unter den Ameisen sogar eine Vielfalt von Regierungsformen: Monarchie, Oligarchie. Kriegerinnenrat, Demokratie. Anarchie usw. Manchmal, wenn die B�rger mit ihrer Regierung nicht zufrieden sind, begehren sie auf, und dann kommt es innerhalb der St�dte zu &gt;B�rgerkriegen&lt;.�</p><p>�Unglaublich!�</p><p>�F�r mich und f�r die sogenannte &gt;deutsche&lt; Schule, zu der ich mich bekenne, basiert die Organisation der Ameisenwelt in erster Linie auf einer Hierarchie von Kasten und auf der �berlegenheit von Alphaindividuen, die �berdurchschnittlich begabt sind und Gruppen von Arbeiterinnen leiten ... F�r Rosenfeld, der der sogenannten &gt;italienischen&lt; Schule angeh�rt, sind die Ameisen allesamt durch und durch anarchistisch, es gibt keine Alphaindividuen, die begabter sind als der Rest. Und nur bei der L�sung praktischer Probleme kommt es mitunter spontan zu F�hrern. Dies ist jedoch vor�bergehend.�</p><p>�Ich kann Ihnen nicht so recht folgen.�</p><p>�Sagen wir so: Die italienische Schule glaubt, da� jede Ameise Chef werden kann, sobald sie eine originelle Idee hat, die die anderen interessiert. Die deutsche Schule glaubt dagegen, da� immer bestimmte Ameisen mit &gt;Chefeigen-schaften&lt; die Dinge in die Hand nehmen.�</p><p>�Unterscheiden sich die beiden Schulen denn so sehr?�</p><p>�Immerhin ist es auf einigen internationalen Kongressen bereits zu Schl�gereien gekommen, wenn Sie darauf hinauswollen.�</p><p>�Das ist immer noch die gleiche alte Rivalit�t zwischen dem s�chsischen und dem lateinischen Geist, nicht wahr?�</p><p>�Nein. Diese Auseinandersetzung ist eher mit dem Streit zwischen den Anh�ngern des &gt;Angeborenen&lt; und denen des &gt;Erworbenen&lt; zu vergleichen. Kommt man dumm zur Welt oder wird man es erst? Das ist �berdies eine der Fragen, auf die wir eine Antwort suchen, wenn wir die Ameisengesellschaften studieren!�</p><p>�Und warum machen Sie Ihre Experimente nicht mit Karnickeln oder M�usen?�</p><p>�Die Ameisen geben uns die gro�artige Gelegenheit, zu sehen, wie eine Gesellschaft funktioniert, eine Gesellschaft, die sich aus mehreren Millionen Individuen zusammensetzt. Das ist, als beobachte man eine Welt. Es gibt meines Wissens keine St�dte von mehreren Millionen Karnickeln oder M�usen ...�</p><p>Ellbogenst��e.</p><p>�Haste mitgekriegt. Nicolas?�</p><p>Aber Nicolas h�rte nicht zu. Dieses Gesicht, diese gelben Augen, die hatte er schon gesehen. Aber wo? Wann? Er strengte sein Ged�chtnis an. Genau, jetzt erinnerte er sich. Das war der Mann von der Buchbinderei. Er hatte sich Gougne genannt, aber der Buchbinder und dieser Leduc, der da im Fernsehen schwafelte, waren ein und dieselbe Person.</p><p>Seine Entdeckung st�rzte Nicolas in tiefes Nachdenken. Wenn der Professor gelogen hatte, dann sicher, um sich die Enzyklop�die anzueignen. Ihr Inhalt mu�te bedeutend sein f�r die Ameisenforschung. Sie mu�te da unten sein. Ja, sie war bestimmt in diesem Keller. Und sie waren alle hinter ihr her, Papa. Mama und dieser Leduc. Er mu�te sie finden, diese verdammte Enzyklop�die, dann w�rde sich alles aufkl�ren.</p><p>Er stand auf.</p><p>�Wo willst du hin?�</p><p>Er gab keine Antwort.</p><p>�Ich dachte, die interessieren dich, die Ameisen ...?�</p><p>Er ging zur T�r, dann lief er auf sein Zimmer. Er w�rde nicht viel brauchen. Nur seine geliebte Lederjacke, sein Taschenmesser und die dicken Schuhe mit den Kreppsohlen.</p><p>Die Aufpasser beachteten ihn nicht einmal, als er durch die gro�e Halle ging.</p><p>Er floh aus dem Waisenhaus.</p><p>Von weitem wirkt Guayei-Tyolot wie ein runder Krater. Eine Art Maulwurfsh�gel. Der �Vorposten� ist ein MiniAmeisenhaufen, der von einer Hundertschaft gehalten wird. Er ist nur von April bis Oktober besetzt und bleibt den Herbst und den Winter �ber leer, Wie bei den primitiven Ameisen gibt es dort keine K�nigin, keine Arbeiterinnen, keine Soldatinnen. Alle sind alles zugleich. Deshalb schreckt man auch nicht davor zur�ck, die Fieberhaftigkeit der riesigen St�dte zu kritisieren. Man spottet �ber die Verkehrsstauungen, die einst�rzenden G�nge, die geheimen Tunnel, die eine Stadt in einen wurmstichigen Apfel verwandeln, �ber die hyperspezialisierten Arbeiterinnen, die nicht mehr jagen k�nnen, �ber die blinden Pf�rtnerinnen, die zeitlebens in ihrem Engpa� eingemauert sind.</p><p>Nr. 103 683 inspiziert den Posten. Guayei-Tyolot besteht aus einem Dachboden und einem weitl�ufigen Hauptsaal. Dieser Raum verf�gt �ber eine Art Deckenlampe, eine �ffnung, durch die zwei Sonnenstrahlen eindringen und Dutzende von Jagdtroph�en anstrahlen, leere H�utchen, die an den W�nden h�ngen und im Luftzug pfeifen.</p><p>Nr. 103 683 tritt auf diese bunten Kadaver zu. Eine Einheimische streicht ihr �ber die Antennen. Sie zeigt ihr diese gro�artigen Gesch�pfe, die allen m�glichen Ameisenlisten zum Opfer gefallen sind. Die Tiere sind mit Ameisens�ure bestrichen, eine Substanz, die nicht nur t�tet, sondern auch Kadaver erh�lt.</p><p>Es gibt dort, sorgf�ltig aufgereiht, alle Arten von Schmetterlingen und Insekten unterschiedlichster Gr��e, Form und Farbe. Und doch fehlt ein wohlbekanntes Tier in der Sammlung: die Termitenk�nigin.</p><p>Nr. 103 683 fragt, ob sie Probleme mit den benachbarten Termiten haben. Die Einheimische hebt die Antennen, um ihre Verwunderung zum Ausdruck zu bringen. Sie h�rt auf, zwischen ihren Mandibeln zu kauen. Es folgt ein bedr�ckendes olfaktorisches Schweigen.</p><p><emphasis>Termiten?</emphasis></p><p>Ihre Antennen senken sich. Sie hat nichts mehr zu sagen. Au�erdem hat sie zu tun, eine Beute mu� zerlegt werden. Sie hat genug Zeit verloren. Auf Wiedersehen. Sie dreht sich um, will verschwinden. Nr. 103 683 l��t nicht locker.</p><p>Die andere wirkt jetzt v�llig ver�ngstigt. Ihre Antennen zittern ein wenig. Offenbar erinnert sie das Wort Termiten an etwas Schreckliches. Dar�ber zu sprechen, scheint �ber ihre Kr�fte zu gehen. Sie rennt auf eine Gruppe von Arbeiterinnen zu, die mitten in einem Zechgelage sind.</p><p>Letztere lecken einander in einer langen, geschlossenen Kette den Hinterleib, nachdem sie ihren Sozialkropf mit dem Alkohol aus Bl�tenhonig gef�llt haben.</p><p>F�nf J�gerinnen des Vorpostens treten ger�uschvoll ein. Sie schieben eine Raupe vor sich her.</p><p><emphasis>Die haben wir gefunden. Das Beste ist, die produziert Honig!</emphasis></p><p>Die Ameise, die diese Neuigkeit verk�ndet hat, tippt der Gefangenen mit der Spitze ihrer Antennen auf den Kopf. Dann legt sie ein Blatt auf den Boden, und kaum beginnt die Raupe zu fressen, springt sie ihr auf den R�cken. Die Raupe b�umt sich auf, aber vergebens. Die Ameise schl�gt ihr ihre Krallen in die Seiten, vergewissert sich ihres Griffs, dreht sich um und leckt ihr �ber das letzte Glied, bis ein Lik�r hervorquellt.</p><p>Alle gratulieren ihr. Man reicht sich diesen bislang unbekannten Honigtau der Pflanzenl�use. Er ist �liger und hat einen ausgepr�gten Nachgeschmack von Saft. W�hrend Nr. 103 683 diesen exotischen Lik�r kostet, streicht eine Antenne �ber ihren Sch�del.</p><p><emphasis>Ich habe geh�rt, du willst dich nach den Termiten erkundigen.</emphasis></p><p>Die Ameise, die dieses Pheromon ausgesto�en hat, scheint sehr, sehr alt zu sein. Ihr ganzer Panzer ist von Mandibelbissen verschrammt. Nr. 103 683 legt ihre Antennen zum Zeichen der Zustimmung zur�ck.</p><p><emphasis>Komm mit!</emphasis></p><p>Sie ist die 4000. Kriegerin. Ihr Kopf ist flach wie ein Blatt. Ihre Augen sind winzig. Wenn sie sendet, riechen ihre Ausd�nstungen schwach nach Alkohol. Vielleicht hat sie sich deshalb in eine winzige, so gut wie geschlossene H�hle zur�ckziehen wollen.</p><p><emphasis>Keine Bange, hier k�nnen wir reden, dieses Loch ist meine Kammer.</emphasis></p><p>Nr. 103 683 fragt, was sie �ber den Termitenh�gel des Ostens wei�. Die andere spreizt ihre Antennen.</p><p><emphasis>Warum interessierst du dich daf�r? Du bist nicht nur wegen der Eidechse gekommen, nicht wahr?</emphasis></p><p>Nr. 103 683 beschlie�t, dieser alten Geschlechtslosen gegen�ber mit offenen Karten zu spielen. Sie erz�hlt ihr, da� eine geheime und unerkl�rliche Waffe gegen die Soldatinnen von La-chola-kan eingesetzt worden sei. Anfangs habe man geglaubt, es handele sich um einen Anschlag der Zwerginnen, aber sie seien es nicht gewesen. Also sei der Verdacht logischerweise auf die Termiten des Ostens gefallen, den zweiten gro�en Feind ...</p><p>Die Alte biegt ihre Antennen, um ihre �berraschung zu zeigen. Von dieser Geschichte hat sie noch nie geh�rt. Sie mustert Nr. 103 683 und fragt:</p><p><emphasis>Und diese Geheimwaffe hat dir auch dein f�nftes Bein ausgerissen?</emphasis></p><p>Nr. 103 683 verneint. Das habe sie in der Schlacht am Klatschmohnh�gel verloren, bei der Befreiung von La-chola-kan. Nr. 4000 ist sogleich begeistert. Da war sie auch!</p><p><emphasis>Welche Einheit?</emphasis></p><p><emphasis>F�nfzehnte. Und du?</emphasis></p><p><emphasis>Dritte!</emphasis></p><p>W�hrend der letzten Attacke hat die eine auf der rechten, die andere auf der linken Flanke gek�mpft. Sie tauschen einige Erinnerungen aus. Aus einer Schlacht sind stets viele Lehren zu ziehen. So ist Nr. 4000 zum Beispiel ganz zu Beginn der K�mpfe der Einsatz kleiner M�cken als Botschafter aufgefallen. Ihrer Meinung nach ist diese Methode der Kommunikation �ber gro�e Entfernungen den traditionellen �L�uferinnen� weit �berlegen.</p><p>Die belokanische Soldatin, die nichts davon bemerkt hat, stimmt ihr bereitwillig zu. Dann kommt sie schnell auf ihr Thema zur�ck.</p><p><emphasis>Warum will mir niemand etwas �ber die Termiten erz�hlen?</emphasis></p><p>Die alte Kriegerin tritt n�her. Ihre K�pfe ber�hren sich.</p><p><emphasis>Auch hier gehen sehr merkw�rdige Dinge vor</emphasis> ...</p><p>Ihre D�fte suggerieren R�tselhaftes. <emphasis>Sehr merkw�rdige Dinge, sehr merkw�rdige Dinge</emphasis> ... Der Satz prallt als olfaktorisches Echo von den W�nden ab.</p><p>Dann erkl�rt Nr. 4000, da� man seit einiger Zeit keine einzige Termite aus der Stadt des Ostens mehr gesehen habe. Fr�her h�tten sie die Passage bei Satei benutzt, um Spioninnen �ber den Flu� zu schicken. Man habe davon gewu�t und sie, so gut es ging, kontrolliert. Jetzt gebe es nicht einmal mehr Spioninnen. Nichts mehr.</p><p>Ein Feind, der angreift, das ist beunruhigend, aber ein Feind, der verschwindet, das ist noch viel verwirrender. Da es nicht mehr das geringste Gepl�nkel mit den Termitenkundschafterinnen gab, h�tten die Ameisen des Postens Guayei-Tyolot beschlossen, ihrerseits Spioninnen auszuschicken.</p><p>Ein erster Schwarm von Kundschafterinnen sei aufgebrochen. Man habe nie mehr etwas von ihm geh�rt. Darauf sei eine zweite Gruppe ausger�ckt und auf die gleiche Weise verschwunden. Man habe an die Eidechse oder einen besonders gefr��igen Igel gedacht. Andererseits, bei einem Angriff eines Raubtiers gebe es stets eine �berlebende, wenn sie auch verletzt ist. Aber das hier, das war, als h�tten sich die Soldatinnen wie von Zauberhand in Luft aufgel�st.</p><p><emphasis>Das erinnert mich an etwas ...,</emphasis> setzt Nr. 103 683 an.</p><p>Aber die Alte hat nicht vor, sich in ihrem Bericht unterbrechen zu lassen. Sie f�hrt fort:</p><p>Nach dem Fehlschlag der beiden ersten Expeditionen h�tten die Kriegerinnen von Guayei-Tyolot beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen. Sie h�tten eine Mini-Legion von f�nfhundert schwer bewaffneten Soldatinnen losgeschickt. Diesmal habe es eine �berlebende gegeben. Sie habe sich �ber mehrere tausend Kopf geschleppt und sei unter grauenvollen Qualen bei ihrem Eintreffen im Nest gestorben.</p><p>Man habe den Kadaver untersucht, der nicht die geringste Verletzung aufwies. Und ihre Antennen h�tten keinerlei Kampfspuren aufgezeigt. Als ob sich der Tod aus heiterem Himmel �ber sie hergemacht habe.</p><p><emphasis>Verstehst du jetzt, warum niemand mit dir �ber den Termitenh�gel des Ostens reden will?</emphasis></p><p>Nr. 103 683 versteht. Sie ist vor allem froh, da� sie die richtige Spur gefunden hat. Wenn das R�tsel der Geheimwaffe gel�st werden kann, dann sicher �ber den Termitenh�gel des Ostens.</p><empty-line/><p><strong>holographie: Was das menschliche Gehirn und der Ameisenhaufen gemeinsam haben, kann am besten mit einem holographischen Bild verglichen werden.</strong></p><p><strong>Was ist Holographie? Ein �bereinanderlegen von Streifen, in die etwas eingraviert wurde und die, wenn sie vereinigt und in einem bestimmten Winkel angestrahlt werden, den Eindruck eines plastischen Bildes hervorrufen.</strong></p><p><strong>Tats�chlich existiert jenes �berall und nirgends zugleich.</strong></p><p><strong>Aus der Vereinigung der Streifen entsteht etwas anderes, eine dritte Dimension: die Illusion einer Tiefenwirkung.</strong></p><p><strong>Jedes Neuron unseres Gehirns, jedes Individuum des Ameisenhaufens besitzt die gesamte Information. Aber die Kollektivit�t ist erforderlich, damit das Bewu�tsein hervorkommt, das �plastische Denken�.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Denkens</strong></p><empty-line/><p>Als Nr. 56, seit kurzem K�nigin, das Bewu�tsein wiedererlangt, liegt sie auf einem breiten Strand von Kieselsteinen. Wahrscheinlich ist sie den Fr�schen nur dank einer schnellen Str�mung entkommen. Sie w�rde gern weiterfliegen, aber ihre Fl�gel sind noch na�. Also warten ...</p><p>Sie reinigt systematisch ihre Antennen, dann saugt sie die Luft ein. Wo ist sie? Hoffentlich ist sie nicht auf der falschen Seite des Flusses gestrandet!</p><p>Sie bewegt ihre Antennen mit 8000 Schwingungen/Sekunde. Sie nimmt Spuren bekannter Ger�che wahr. Gl�ck gehabt, sie ist am Westufer des Flusses. Allerdings gibt es hier nicht die geringste Pheromonenpiste. Sie mu� ein wenig n�her an die Hauptstadt heran, wenn sie ihre zuk�nftige Stadt an die F�deration anbinden will.</p><p>Endlich kann sie abheben. Richtung Westen. Sehr weit wird sie vorerst nicht kommen. Die Muskeln ihrer Fl�gel sind ersch�pft, und so bleibt sie im Tiefflug.</p><p>Sie kehren in den Hauptsaal von Guayei-Tyolot zur�ck. Seit sich Nr. 103 683 nach den Termiten des Ostens erkundigt hat, meidet man sie, als w�re sie alternaria-infiziert. Sie murrt nicht, konzentriert sich ganz auf ihre Mission.</p><p>Ringsum tauschen die Belokanerinnen mit den Guayeityolotinnen Nahrung aus, lassen sie die neueste Ernte von Lamellenpilzen probieren, kosten ihrerseits den aus wilden Raupen gewonnenen Honigtau.</p><p>Dann, nach den verschiedensten D�ften, verlagert sich das Gespr�ch auf die Eidechsenjagd. Die Einheimischen erz�hlen, da� man k�rzlich drei Eidechsen gesichtet habe, die die Blattlausherden von Zubi-zubi-kan terrorisiert hatten. Sie sollen zwei Herden von tausend Tieren und s�mtliche Hirtinnen get�tet haben .</p><p>Eine Zeitlang habe Panik geherrscht. Die Hirtinnen h�tten ihr Vieh nur noch durch die gesicherten, in das Fleisch der Zweige gegrabenen G�nge getrieben. Doch dank der S�ure-Artillerie sei es gelungen, diese drei Drachen zu vertreiben. Zwei h�tten sich weit fort verzogen. Die dritte habe sich verletzt auf einem Stein f�nftausend Kopf von hier niedergelassen.</p><p>Die zubizubikanischen Einheiten haben ihr bereits den Schwanz abgetrennt. Man m�sse die Gelegenheit nutzen und dem Tier schnell den Rest geben, bevor es neue Kr�fte sch�pfe.</p><p><emphasis>Stimmt es, da� der Schwanz der Eidechsen nachw�chst?</emphasis> erkundigt sich eine Kundschafterin. Man bejaht ihre Frage.</p><p><emphasis>Der Schwanz, der nachw�chst, ist aber anders als vorher. Wie Mutter sagt: Man findet nie genau das wieder, was man verloren hat. Der zweite Schwanz hat keine Wirbel, er ist viel weicher.</emphasis></p><p>Eine Guayeityolotin f�gt weitere Informationen hinzu. Die Eidechsen sind sehr temperaturempfindlich, mehr noch als die Ameisen. Wenn sie viel Sonnenenergie getankt haben, ist ihre Reaktionszeit phantastisch, wenn es jedoch kalt ist, sind ihre Bewegungen erheblich langsamer. Die Einheimische meint, man m�sse den morgigen Angriff auf diesem Ph�nomen aufbauen. Das Beste w�re, den Saurier im Morgengrauen zu attackieren. Dann habe ihn die Nacht abgek�hlt und er sei lethargisch.</p><p><emphasis>Aber wir werden auch abgek�hlt sein!</emphasis> mischt sich eine Belokanerin energisch ein.</p><p><emphasis>Nicht, wenn wir die Technik der Zwerginnen zur K�lteabwehr anwenden,</emphasis> erwidert eine J�gerin. <emphasis>Wir werden uns mit Zucker und Alkohol vollstopfen und unsere Panzer mit Schneckenschleim einreihen, damit die Kalorien nicht zu schnell aus unserem K�rper entweichen.</emphasis></p><p>Nr. 103 683 vernimmt diese S�tze mit zerstreuter Antenne. Sie denkt an das R�tsel des Termitenh�gels, an das unerkl�rliche Verschwinden der Kundschafterinnen, von dem die alte Kriegerin berichtet hat.</p><p>Die erste Guayeityolotin, jene, die ihr die Troph�en gezeigt hat, kommt auf sie zu.</p><p><emphasis>Hast du mit Nr. 4000 geredet?</emphasis></p><p><emphasis>Ja.</emphasis></p><p><emphasis>Nimm nicht f�r bare M�nze, was sie dir gesagt hat. Das ist, als ob du mit einem Kadaver gesprochen h�ttest. Sie ist vor einigen Tagen von einer Schlupfwespe gestochen worden.</emphasis></p><p>Eine Schlupfwespe! Nr. 103 683 graust es vor Entsetzen. Die Schlupfwespe verf�gt �ber einen langen Saugr�ssel, mit dem sie nachts die Ameisennester durchl�chert, bis sie auf einen wannen K�rper st��t. Sie durchbohrt ihn und legt dort ihre Eier.</p><p>Das ist einer der gr��ten Alptr�ume der Ameisenlarven: eine Spritze, die oben an der Decke auftaucht und alles auf der Suche nach weichem Fleisch abtastet, um ihre Jungen darin abzusetzen. Letztere wachsen seelenruhig in dem Organismus heran, der sie aufgenommen hat, bis sie sich in gefr��ige Larven verwandeln, die das lebende Tier von innen anknabbern.</p><p>Das verfehlt nicht seine Wirkung: Diese Nacht tr�umt Nr. 103 683 von einem f�rchterlichen R�ssel, der sie verfolgt, um ihr seine fleischfressenden Kinder zu �bertragen.</p><p>Der Kode an der Haust�r war noch derselbe. Nicolas hatte seine Schl�ssel behalten, er brauchte, um die Wohnung zu betreten, nur die Siegel durchzurei�en, die von der Polizei angebracht worden waren. Seit dem Verschwinden der Feuerwehrleute hatte man alles unver�ndert gelassen. Die Kellert�r stand sogar sperrangelweit offen.</p><p>Da er keine Taschenlampe hatte, machte er sich mir nichts, dir nichts daran, eine Fackel herzustellen. Er schaffte es, ein Tischbein abzubrechen, und umwickelte es mit einer dicken Krone aus zerknittertem Papier, das er dann ansteckte. Das Holz entz�ndete sich problemlos, eine kleine, aber ruhige, anhaltende Flamme, die auch dem Luftzug widerstand.</p><p>Er st�rzte sich unverz�glich auf die Wendeltreppe, in der einen Hand die Fackel, in der andern sein Taschenmesser. Wild entschlossen, die Kiefer zusammengepre�t, f�hlte er sich wie ein richtiger Held.</p><p>Er lief hinab, tiefer, immer tiefer ... Das h�rte �berhaupt nicht auf, es ging immer weiter und immer im Kreis, so lange, bis es ihm vorkam, als w�re er Stunden unterwegs. Er hatte Hunger, ihm war kalt, aber es trieb ihn weiter.</p><p>Er lief noch schneller, flog beinahe, und begann unter dem unverputzten Gew�lbe zu br�llen, ein Br�llen, in dem sich Rufe nach seinen Eltern und vibrierendes Kriegsgeschrei abwechselten. Sein Schritt hatte inzwischen eine au�ergew�hnliche Sicherheit, er nahm rasant Stufe um Stufe, ohne sich dessen bewu�t zu sein.</p><p>Pl�tzlich stand er vor einer T�r. Er stie� sie auf. Zwei Rattensippen, die einander bek�mpften, flohen vor dieser heulenden und funkenumringten Gestalt.</p><p>Die �lteren Ratten machten sich Sorgen. Seit einiger Zeit h�uften sich die Besuche dieser �Gro�en�. Was hatte das zu bedeuten? Wenn der da blo� nicht die Verstecke der schwangeren Weibchen in Brand steckte!</p><p>Nicolas setzte seinen Abstieg fort, er rannte so schnell, da� er die Ratten nicht einmal bemerkt hatte ... Stufen, immer nur Stufen, und seltsame Inschriften, die er diesmal bestimmt nicht lesen w�rde. Pl�tzlich ein Ger�usch <emphasis>(flap, flap).</emphasis> Er sp�rte etwas. Eine Fledermaus klammerte sich an seine Haare. Er versuchte sich loszumachen, aber das Tier schien mit seinem Sch�del verwachsen zu sein. Er wollte es mit seiner Fackel verscheuchen, versenkte sich aber nur ein paar Haarstr�hnen. Er schrie und lief weiter. Die Fledermaus sa� wie ein Hut auf seinem Kopf. Sie flatterte erst davon, nachdem sie ihm ein wenig Blut abgenommen hatte.</p><p>Nicolas sp�rte seine M�digkeit nicht mehr. Keuchend, Herz und Schl�fen pochend, da� sie fast platzten, rannte er pl�tzlich gegen eine Mauer. Er st�rzte, rappelte sich sofort wieder hoch. Seine Fackel brannte noch. Er richtete die Flamme auf die Mauer.</p><p>Das war wirklich eine Mauer. Besser noch: Nicolas erkannte die Beton- und Stahlplatten, die sein Vater mit sich geschleppt hatte. Und die Zementfugen waren noch frisch.</p><p>�Papa, Mama, antwortet mir, wenn ihr da seid!�</p><p>Aber nein, nichts, nur das nervt�tende Echo. Diese Mauer, er h�tte schw�ren k�nnen, da� die sich �ffnete, denn so war das in den Filmen, und au�erdem war da keine T�r.</p><p>Was steckte hinter dieser Mauer? Schlie�lich fand er eine Inschrift:</p><p>Wie bildet man vier gleichseitige Dreiecke mit sechs Streichh�lzern?</p><p>Und genau darunter war ein kleiner Bildschirm mit Tasten angebracht. Die Tastatur enthielt keine Zahlen, sondern Buchstaben. Vierundzwanzig Buchstaben, mit denen man das L�sungswort oder den L�sungssatz eingeben konnte.</p><p>�Man mu� anders denken�, sagte er laut. Er war selbst verdutzt, denn der Satz war ganz von selbst gekommen. Er �berlegte lang, ohne es zu wagen, die Tastatur zu ber�hren. Es folgte ein inneres Schweigen, ein v�lliges Schweigen, das jegliches Denken verhinderte. Das ihn jedoch unerkl�rlicherweise dazu brachte, eine Folge von acht Buchstaben einzugeben.</p><p>Das leise Surren eines Mechanismus war zu vernehmen, und dann ... dann schwenkte die Mauer herum! Aufgeregt, zu allem bereit, schritt Nicolas voran. Aber kurz darauf schlug die Mauer wieder zu; der Luftzug, der dabei entstand, l�schte den Fackelstummel, der ihm noch verblieben war.</p><p>V�llig verwirrt, von tiefster Finsternis umgeben, machte Nicolas kehrt. Aber auf dieser Seite der Mauer gab es keine Tastatur. Keine R�ckkehr m�glich. Er brach sich die N�gel an den Beton- und Stahlplatten ab. Sein Vater hatte gute Arbeit geleistet, er war nicht umsonst Schlosser.</p><empty-line/><p><strong>Sauberkeit: Gibt es etwas Saubereres als eine Fliege? Sie putzt sich st�ndig, weil das f�r sie keine Pflicht, sondern ein Bed�rfnis ist. Wenn ihre Antennen und Facettenaugen nicht makellos sauber sind, erkennt sie die ferne Nahrung nicht und sieht niemals die Hand, die hinuntersaust, um sie zu zerquetschen. Die Sauberkeit ist ein wesentliches Moment des �berlebens bei den Insekten.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen lauteten die Schlagzeilen der Boulevardpresse:</p><p>�Der unheimliche Keller in Fontainebleau hat wieder zugeschlagen! Ein weiterer Vermi�ter: der einzige Sohn der Familie Wells. Was macht die Polizei?�</p><p>Die Spinne blickt vom Gipfel ihres Farns hinab. Er ist sehr hoch. Sie schwitzt einen Tropfen fl�ssiger Seide aus, klebt ihn an das Blatt, bewegt sich zum Rand des Zweiges vor und springt ins Leere. Ihr Fall dauert eine Weile. Der Faden dehnt sich und dehnt sich, dann trocknet er, verh�rtet sich und f�ngt sie auf, kurz bevor sie den Boden erreicht. Fast w�re sie zerquetscht worden wie eine reife Beere. Viele ihrer Schwestern haben sich wegen einer unerwarteten K�lte, die die Verh�rtung der Seide verz�gert, bereits zu Tode gest�rzt.</p><p>Die Spinne bewegt ihre acht Beine, um das Gleichgewicht zu erlangen, dann streckt sie sie aus, und es gelingt ihr, sich auf ein Blatt zu schwingen. Das wird der zweite Verankerungspunkt ihres Netzes sein. Sie klebt das Ende ihres Fadens fest. Aber mit nur einer Schnur kommt man nicht weit. Sie erblickt einen Baumstamm zu ihrer Linken, l�uft auf ihn zu. Noch ein paar �ste und ein paar Spr�nge, dann hat sie es geschafft, sie hat ihre Tr�gerf�den befestigt, die dazu dienen, den Druck des Windes und der Beute abzufangen. Das Ganze bildet ein Achteck.</p><p>Die Seide der Spinne besteht aus einem faserigen Protein, dem Fibroin, dessen Haltbarkeit und Undurchl�ssigkeit un�bertroffen ist. Einige Spinnen sind, wenn sie gut gefressen haben, in der Lage, siebenhundert Meter Seide mit einem Durchmesser von zwei Mikron zu produzieren, eine Seide, deren Haltbarkeit proportional der des Nylons gleichkommt, die jedoch dreimal elastischer ist.</p><p>Und obendrein verf�gen sie �ber sieben Dr�sen, die jeweils einen unterschiedlichen Faden produzieren: eine Seide f�r die �Tr�gerseile�; eine f�r die F�den zum Abseilen; eine f�r die F�den in der Mitte des Netzes; eine, die mit Klebstoff �berzogen ist, f�r einen raschen Fang; eine, um sich einen Schutz zu bauen; eine, um die Beute einzuwickeln ...</p><p>In Wirklichkeit ist diese Seide der faserige Fortsatz der Spinnenhormone, so wie die Pheromone der fl�chtige Fortsatz der Ameisenhormone sind.</p><p>Die Spinne spinnt also ihre Tr�gerf�den, dann macht sie sich daran fest. Beim geringsten Alarm l��t sie sich fallen, entgeht so ohne gro�en Kraftaufwand der Gefahr. Wie oft ist sie auf diese Art mit dem Leben davongekommen?</p><p>Anschlie�end verflechtet sie vier F�den in der Mitte ihres Achtecks. Immer das gleiche Tun, seit Millionen von Jahren ... Allm�hlich nimmt die Sache Gestalt an. Heute hat sie beschlossen, ein Netz aus trockener Seide zu machen. Die Netze aus mit Klebstoff versehener Seide sind effektiver, aber zu anf�llig. Jedes Staub k�rnchen, jeder vertrocknete Pflanzenstengel verf�ngt sich darin. Die trockene Seide ist weniger beutetr�chtig, aber sie h�lt mindestens bis zur Nacht.</p><p>Kaum hoch oben in ihren �Tr�gerbalken� plaziert, f�gt die Spinne ein Dutzend Querverstrebungen hinzu und vollendet ihr Werk mit der zentralen Spirale. Das ist das Angenehmste. Sie geht von einem Ast aus, an dem sie ihren trockenen Faden befestigt hat, und springt von Speiche zu Speiche. Dabei n�hert sie sich, immer in Richtung der Erdrotation, so langsam wie m�glich der Mitte.</p><p>Sie macht das auf ihre eigene Art. Es gibt auf der Welt keine zwei Spinngewebe, die einander gleichen. Sie sind wie die Fingerabdr�cke des Menschen.</p><p>Sie mu� die Maschen zusammenziehen. In der Mitte angelangt, betrachtet sie ihr Gewebe, um dessen Haltbarkeit abzusch�tzen. Sie schreitet jede Speiche ab, sch�ttelt sie mit ihren acht Beinen. Sie halten.</p><p>Die meisten Spinnen der Region bauen Netze von 75:12. F�nfundsiebzig spiralf�rmig gewundene F�den auf zw�lf Speichen. Sie, sie zieht ein Verh�ltnis von 95:10 vor, ein besonders feines Flechtwerk.</p><p>Das f�llt vielleicht eher auf, aber es ist haltbarer. Und da sie trockene Seide verwendet, braucht sie mit den F�den nicht zu knausern. Sonst w�rden ihr die Insekten nur einen kurzen Besuch abstatten ...</p><p>Dennoch ist sie von dieser langwierigen Arbeit ersch�pft. Sie mu� unbedingt etwas in den Magen bekommen. Das ist ein ewiges Karussell. Sie ist hungrig, weil sie ihr Netz gebaut hat, aber ebendieses Netz gibt ihr die M�glichkeit, etwas zu fressen.</p><p>Unter einem Blatt versteckt, die vierundzwanzig Krallen auf die Haupttr�ger gedr�ckt, wartet sie. Ohne sich eines ihrer acht Augen bedienen zu m�ssen, sp�rt sie den Raum und erfa�t mit ihren Beinen den geringsten Luftzug, und zwar dank ihres Netzes, das auf alles mit der Empfindlichkeit der Membran eines Mikrophons reagiert.</p><p>Diese winzige Schwingung da, das ist eine Biene, die in zweihundert Kopf Entfernung Achten beschreibt, um den Mitbewohnern ihres Stocks die Lage eines Blumenfelds mitzuteilen.</p><p>Und dieses leichte Zucken, das mu� eine Libelle sein. Sehr schmackhaft, die Libelle. Aber die da fliegt in der falschen Richtung und kann nicht als Mittagessen herhalten.</p><p>Schwere Ersch�tterung. Jemand ist auf das Netz gesprungen. Eine Spinne, die sich die Arbeit von jemand anders zunutze machen m�chte. Diebin! Die erste verscheucht sie schleunigst, bevor eine Beute auftaucht.</p><p>Im n�chsten Moment sp�rt sie in ihrem linken Hinterbein, da� sich von Osten her eine Art Fliege n�hert. Sie scheint nicht besonders schnell unterwegs zu sein. Wenn sie den Kurs nicht</p><p>�ndert, m��te sie geradewegs in die Falle gehen.</p><p>Klatsch! Treffer.</p><p>Eine gefl�gelte Ameise ...</p><p>Die Spinne - die keinen Namen hat, denn die einsam lebenden Wesen brauchen sich untereinander nicht zu benennen - wartet gelassen ab. Als sie j�nger war, hat sie sich oft in ihrer Begeisterung hinrei�en lassen und auf diese Art allerlei Beute verloren. Sie hat geglaubt, jedes Insekt, das ihr ins Netz geht, sei zum Tode verurteilt. Dabei ist das nur zu f�nfzig Prozent der Fall. Der Zeitfaktor ist ausschlaggebend.</p><p>Man mu� Geduld haben, das zu Tode erschrockene Opfer verheddert sich ganz von allein. Denn so lautet die ausgekl�gelte Philosophie der Spinnen: <emphasis>Es gibt keine bessere Kampftechnik, als darauf zu warten, da� sich dein Opfer selbst zerst�rt</emphasis> ...</p><p>Nach einigen Minuten kommt sie n�her, um ihre Beute genauer zu betrachten. Eine K�nigin. Eine rote K�nigin aus dem Reich des Westens. Aus Bel-o-kan.</p><p>Sie hat bereits von diesem hochentwickelten Reich geh�rt. Seine Millionen von Bewohnern sind angeblich so sehr voneinander abh�ngig, da� sie sich nicht einmal allein ern�hren k�nnen! Was hat das f�r einen Sinn, worin besteht da der Fortschritt?</p><p>Eine ihrer K�niginnen ... Ihr ist also ein betr�chtlicher Teil der Zukunft dieser unverbesserlichen Eindringlinge in die Klauen geraten. Sie mag die Ameisen nicht. Sie hat gesehen, wie ihre Mutter von einer Horde roter Wanderameisen gejagt wurde ...</p><p>Sie schielt ihr Opfer an, das sich verzweifelt wehrt. Dumme Insekten, nie kapieren sie, da� ihr schlimmster Feind die Panik ist. Mit jedem Versuch, sich loszumachen, verwickelt sich die gefl�gelte Ameise nur noch mehr in der Seide ... Und verursacht dabei Sch�den, die die Spinne �rgert.</p><p>Bei Nr. 56 weicht die Wut der Niedergeschlagenheit. Sie kann sich praktisch nicht mehr r�hren. Ihr ganzer K�rper ist von der Seide umwickelt, und jede Bewegung l��t ihre Verpackung noch dicker werden. Sie kann es nicht fassen, so dumm zu scheitern, nachdem sie so viele Pr�fungen �berstanden hat.</p><p>In einem wei�en Kokon wurde sie geboren, in einem wei�en Kokon wird sie sterben.</p><p>Die Spinne r�ckt noch n�her, schaut sich dabei die besch�digten F�den an. So kann Nr. 56 aus n�chster N�he ein pr�chtiges orangeschwarzes Tier sehen, das mit acht gr�nen Augen ausgestattet ist, die wie eine Krone auf dem Kopf verteilt sind. Solche hat sie schon gegessen. Jeder ist mal an der Reihe, zum Fr�hst�ck verzehrt zu werden . Und die da, die h�rt nicht auf, noch mehr Seide auf sie draufzuspucken!</p><p>Man kann seine Beute nie gut genug verschn�ren, sagt sich die Spinne ihrerseits. Danach stellt sie zwei beunruhigende Giftz�hne zur Schau. Doch in Wirklichkeit t�ten die Arachniden nicht, jedenfalls nicht sofort. Da sie lieber zuckendes Fleisch verzehren, t�ten sie ihr Opfer nicht, sondern bet�uben es mit einem einschl�fernden Gift und wecken es nur, um ein wenig daran zu knabbern. Auf diese Art haben sie ganz nach Belieben frisches, unter der seidenen Verpackung gut gesch�tztes Fleisch. Ein solches Mahl kann eine Woche dauern.</p><p>Nr. 56 hat von dieser Gepflogenheit geh�rt. Sie erzittert. Das ist schlimmer als der Tod. Nach und nach alle Gliedma�en amputiert bekommen ... Bei jedem Aufwachen wird einem etwas abgerissen, und dann wird man wieder eingeschl�fert. Jedesmal bleibt ein bi�chen weniger �brig, bis zur Stunde der letzten Verst�mmelung, wenn die lebenswichtigen Organe abgerissen werden und man endlich den befreienden Schlaf findet.</p><p>Lieber sich selbst zerst�ren! Sie meidet den schrecklichen Anblick der allzu nahen Gifthaken und schickt sich an, ihren Herzschlag zu verlangsamen.</p><p>In diesem Moment prallt eine Eintagsfliege mit solchem Schwung gegen das Netz, da� die seidenen Kanten sie sogleich umschlie�en, fest verpacken ... Vor wenigen Minuten erst ist sie zur Welt gekommen, und in wenigen Stunden w�re sie vor Altersschw�che gestorben. Ein Leben von einem Tag, das Leben einer Eintagsfliege. Sie mu�te schnell handeln, ohne nur den Bruchteil einer Sekunde zu verschenken. Wie w�rde man wohl sein Leben ausf�llen, wenn man w��te, da� man am Morgen geboren wird, um noch am gleichen Abend zu sterben?</p><p>Ihrem zweij�hrigen Larvendasein kaum entronnen, macht sich die Eintagsfliege auf die Suche nach einem Weibchen, um sich fortzupflanzen. Die vergebliche Suche nach Unsterblichkeit durch Nachkommenschaft. Dieser eine Tag, den die Eintagsfliege zu leben hat, wird nur von dieser Suche bestimmt. Sie denkt nicht an Essen, nicht an Ruhe, nicht daran, w�hlerisch zu sein. Ihr Hauptgegner ist die Zeit. Jede Sekunde ist f�r sie ein Widersacher. Und neben der Zeit ist selbst die f�rchterliche Spinne nur ein retardierendes Moment und kein spezieller Feind.</p><p>Sie sp�rt, da� das Alter mit gro�en Schritten in ihrem K�rper fortschreitet. In einigen Stunden wird sie senil sein. Sie ist erledigt. Sie ist umsonst geboren. Welch unertr�gliches Scheitern ...</p><p>Die Eintagsfliege wehrt sich. Das ist das Problem mit den Spinnweben: Wenn man sich bewegt, ist man erst recht dran, doch wenn man sich nicht bewegt, kommt man auch nicht davon ...</p><p>Die Spinne eilt herbei und verpa�t ihr ein paar Extraf�den. Damit h�tte sie also eine doppelt fette Beute, die ihr die n�tigen Proteine liefern wird, um gleich morgen ein zweites Netz zu spinnen. Aber als sie sich erneut anschickt, ihr Opfer einzuschl�fern, nimmt sie ein ganz anderes Vibrieren wahr. Ein ... intelligentes Vibrieren. <emphasis>Tip tip tiptiptip, tip tip tiptip.</emphasis> Ein Weibchen! Es bewegt sich auf einem Faden, und es klopft darauf, um ein Signal zu geben: <emphasis>Ich bin dein, ich komme nicht, um deine Nahrung zu stehlen.</emphasis></p><p>Das M�nnchen hat noch nie etwas so Erotisches versp�rt wie dieses Vibrieren. <emphasis>Tip tip tiptiptip.</emphasis> Ah, es h�lt es nicht mehr aus, es l�uft auf sein Liebchen zu (ein blutjunges Ding, das sich erst viermal geh�utet hat, w�hrend es das M�nnchen auf zw�lfmal bringt). Es ist dreimal so gro� wie das M�nnchen, aber das ist jenem gerade recht, er liebt die Dicken. Er deutet auf die beiden Opfer, mit denen sie sp�ter neue Kr�fte sch�pfen k�nnen.</p><p>Dann begeben sie sich in Position, um sich zu paaren. Das ist bei der Spinne recht kompliziert. Das M�nnchen hat keinen Penis, sondern eine Art doppeltes Genitalgesch�tz. In aller Eile errichtet es eine Zielscheibe, ein Mininetz, und bespritzt es mit seinen Keimzellen. Es befeuchtet eines seiner Beine daran und steckt es in das Rezeptakulum des Weibchens. Das macht es mehrmals in starker Erregung. Die junge Sch�nheit hat sich ihrerseits in eine solche Selbstvergessenheit gesteigert, da� sie sich pl�tzlich nicht mehr beherrschen kann, sie packt den Kopf des M�nnchens und zerbei�t ihn.</p><p>Da w�re es dumm, nicht auch den Rest zu verzehren. Nun gut, kaum fertig, hat sie immer noch Hunger. Sie st�rzt sich auf die Eintagsfliege und macht deren Leben noch k�rzer. Dann wendet sie sich der Ameisenk�nigin zu, die angesichts der n�chsten Spritze in Panik ger�t und anf�ngt zu zappeln.</p><p>Kein Zweifel. Nr. 56 hat Gl�ck, denn der Auftritt einer weiteren Figur, die ger�uschvoll am Horizont her auftaucht, kehrt alles um. Es handelt sich wieder um eines dieser Tiere aus dem S�den, die sich k�rzlich nach Norden ausgebreitet haben. Ein recht dickes Tier, ehrlich gesagt, ein einh�rniger Maik�fer oder auch Coleopterus rhinoceros. Er rauscht mitten in das Netz, dehnt es, als w�re es Leim ., und zerrei�t es. Ein Netz von 95:10, das h�lt gut, solange man nicht �bertreibt. Das sch�ne Seidendeckchen zerplatzt in wehende Str�hnen und Fetzen.</p><p>Das Spinnenweibchen hat sich bereits an seinem Faden abgeseilt. Die Ameisenk�nigin, von ihrer wei�en Zwangsjacke befreit, krabbelt unauff�llig �ber den Boden, unf�hig, wieder abzuheben.</p><p>Aber die Spinne ist mit den Gedanken woanders. Sie klettert einen Ast hinauf, um dort eine seidene Krippe zu bauen, in der sie ihre Eier legen wird. Wenn ihre Dutzende von Jungen schl�pfen, werden sie nichts Eiligeres zu tun haben, als ihre Mutter aufzufressen. So ist das bei den Spinnen, da kennt man kein Dankesch�n.</p><p>�Bilsheim!�</p><p>Er ri� den H�rer zur Seite, als w�re er von einem Tier gestochen worden. Seine Chefin ... Solange Doumeng.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich hatte Ihnen Anweisungen erteilt, und Sie haben noch nichts getan. Was treiben Sie? Wollen Sie warten, bis die ganze Stadt in diesem Keller verschwunden ist? Ich kenne Sie, Bilsheim, Sie denken nur daran, sich auszuruhen! Ich kann Faulpelze nicht ausstehen! Und ich verlange, da� Sie diese Angelegenheit binnen achtundvierzig Stunden kl�ren!�</p><p>�Aber, Madame ...�</p><p>�Nichts da, kein &gt;aber Madamec! Ihre Leute haben Anweisung von mir erhalten, Sie brauchen blo� morgen fr�h mit ihnen da runterzugehen, das n�tige Ger�t ist an Ort und Stelle. Also, bewegen Sie Ihr faules Hinterteil, verdammt noch mal!�</p><p>Er f�hlte sich pl�tzlich gestre�t. Seine H�nde zitterten. Er war kein freier Mann. Warum mu�te er gehorchen? Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, um nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein. Der einzige Weg, wie er sich jetzt und hier seine Freiheit vorstellen konnte, bestand darin, sich als Clochard zu pr�sentieren, und daf�r f�hlte er sich noch nicht bereit. Sein Ordnungssinn und seine Sozialisation gerieten in Fehde mit seinem Wunsch, sich nicht dem Willen anderer zu beugen. Und auf dem Schlachtfeld, das hei�t in seinem Magen, bildete sich ein Geschw�r. Sein Ordnungssinn siegte �ber die Lust auf Freiheit. Er gehorchte.</p><p>Der Trupp der J�gerinnen h�lt sich hinter einem Felsen versteckt und beobachtet die Eidechse. Sie mi�t gut sechzig Kopf (achtzehn Zentimeter). Ihr steinharter, gr�ngelb schimmernder und mit schwarzen Flecken �bers�ter Panzer erzeugt Angst und Abscheu. Nr. 103 683 hat den Eindruck, da� diese Flecken die Blutspritzer all der Opfer dieses Sauriers sind.</p><p>Wie vorhergesehen, wird das Tier steif vor K�lte. Es schreitet voran, aber wie in Zeitlupe; man k�nnte meinen, es z�gere, bevor es den Fu� irgendwo aufsetzt.</p><p>Kurz bevor die Sonne erscheint, wird ein Pheromon losgelassen.</p><p id="_bookmark2"><emphasis>Angriff!</emphasis></p><p>Die Eidechse sieht sich von einer ganzen Armee kleiner schwarzer Wesen �berfallen, die sich �ber sie ergie�en. Sie richtet sich schwerf�llig auf, �ffnet ein rosiges Maul, in dem eine flinke Zunge tanzt, die die Ameisen peitscht, die sich am weitesten vorgewagt haben. Dann macht sie einen kleinen R�lpser und verschwindet blitzschnell.</p><p>Die J�gerinnen, um drei�ig der Ihren dezimiert, bleiben verdutzt, wie benommen zur�ck. Daf�r, da� es bereits von der K�lte bet�ubt war, hatte das Tier noch einiges an Reserven!</p><p>Nr. 103 683, die man wahrlich nicht der Feigheit bezichtigen kann, sagt als eine der ersten, da� ein Angriff auf ein solches Tier Selbstmord ist. Die Festung scheint uneinnehmbar. Die Haut der Eidechse ist ein Panzer, dem man weder mit Mandibeln noch mit S�ure etwas anhaben kann. Und ihre Gr��e, ihre Flinkheit selbst bei geringen Temperaturen verleihen ihr eine nur schwer auszugleichende �berlegenheit.</p><p>Dennoch geben die Ameisen nicht auf. Wie eine Meute winziger W�lfe st�rzen sie sich auf die F�hrte des Unget�ms. Sie huschen unter den Farnpflanzen umher und geben drohende, den Geruch des Todes verstr�mende Pheromone von sich. Das erschreckt im Augenblick nur die Nacktschnecken, hilft den Ameisen jedoch, sich furchterregend und unverwundbar zu f�hlen. Ein paar tausend Kopfweiter finden sie die Eidechse wieder, sie klebt an der Rinde einer Fichte, vermutlich damit besch�ftigt, ihr Fr�hst�ck zu verdauen.</p><p>Sie m�ssen handeln! Je l�nger sie warten, um so mehr Energie gewinnt sie! Wenn sie schon in der K�lte so schnell ist, wird sie schier �berm�chtig sein, wenn sie erst einmal mit Sonnenkalorien vollgestopft ist. Antennenberatung. Es gilt, einen Angriff zu improvisieren. Eine Taktik wird ausgearbeitet.</p><p>Eine Schar Kriegerinnen l��t sich von einem Ast auf den Kopf des Tieres fallen. Sie versuchen es zu blenden, indem sie in seine Lider bei�en, und beginnen, seine Nasenl�cher anzubohren. Aber dieses erste Unternehmen schl�gt fehl. Die Eidechse wischt sich mit einem w�tenden Bein das Gesicht ab und verschlingt die Nachz�gler.</p><p>Die zweite Angriffswelle l�uft bereits. Fast in Reichweite der Zunge schlagen sie einen weiten und �berraschenden Bogen ..., um sich j�h auf den Stumpf des Eidechsenschwanzes zu st�rzen. Wie sagt die K�nigin: <emphasis>Jeder Gegner hat seinen Schwachpunkt. Finde ihn, und dann greife nur diese Schw�che an.</emphasis></p><p>Sie �ffnen die Narbe, indem sie sie mit S�ure ver�tzen, und str�men in das Innere des Sauriers, fallen in seine Ged�rme ein.</p><p>Er rollt sich auf den R�cken, strampelt mit den Hinterbeinen, reibt sich den Bauch mit den Vorderbeinen. Schmerzen wie von tausend Geschw�ren martern ihn.</p><p>Im n�chsten Moment verschafft sich eine andere Gruppe endlich Zugang zu den Nasenl�chern, die sogleich mit br�hhei�en Strahlen geweitet und ausgeh�hlt werden.</p><p>Knapp dar�ber greifen andere die Augen an. Sie bringen diese weichen Kugeln zum Platzen, aber die H�hlen erweisen sich als Sackgassen. Das Loch des Sehnervs ist zu schmal, als da� man auf diesem Weg das Gehirn erreichen k�nnte. Also schlie�t man sich den Truppen an, die bereits weit in die Nasenl�cher vorgedrungen sind .</p><p>Die Eidechse kr�mmt sich, schiebt ein Bein in ihr Maul, um die Ameisen zu zerquetschen, die ihren Schlund durchbohren. Zu sp�t.</p><p>In einem Winkel der Lunge trifft Nr. 4000 ihre junge Kollegin Nr. 103 683 wieder. Es ist finster darin, und sie sehen nichts, denn die Geschlechtslosen haben keine Infrarot-Ozellen. Sie f�hren die Spitzen ihrer Antennen zusammen.</p><p><emphasis>Komm, brechen wir zu dem Termitenh�gel im Osten auf, solange unsere Schwestern besch�ftigt sind. Sie werden glauben, wir seien im Kampf gefallen.</emphasis></p><p>Sie nehmen den gleichen Weg, auf dem sie gekommen sind, durch den mittlerweile stark blutenden Schwanzstumpf.</p><p>Morgen wird der Saurier in Tausende von schmackhaften Happen zerlegt. Einige werden mit Sand bedeckt und nach Zubi-zubi-kan transportiert werden, andere werden sogar nach Bel-o-kan gelangen, und man wird einen Bericht von epischer Breite erfinden, um diese Jagd zu schildern. Die Zivilisation der Ameisen ist darauf angewiesen, sich in ihrer St�rke zu best�tigen. Eine Eidechse zu besiegen ist eine Errungenschaft, die sie ganz besonders beruhigt.</p><empty-line/><p><strong>Kreuzung: Es w�re ein Fehler, zu glauben, die Nester seien f�r Fremde unzug�nglich. Sicher, jedes Insekt tr�gt den Geruchsstempel seiner Stadt, ist jedoch nicht in dem Sinne �xenophob�, was man bei den Menschen darunter versteht.</strong></p><p><strong>Wenn man zum Beispiel in einem mit Erde gef�llten Aquarium hundert Ameisen</strong><emphasis>formica rufa</emphasis><strong>mit hundert Ameisen</strong><emphasis>lazius niger</emphasis><strong>zusammenbringt - unter denen jeweils eine fruchtbare K�nigin ist -, stellt man fest, da� die beiden Arten nach einigem Gepl�nkel ohne Tote und langen Antennendiskussionen dazu �bergehen, gemeinsam ihren Ameisenhaufen zu bauen.</strong></p><p><strong>Einige G�nge sind der Gr��e der roten, andere der Gr��e der schwarzen Ameisen angeglichen, aber sie kreuzen einander und verschlingen sich, so da� als bewiesen gelten darf: Es gibt keine dominierende Art, die versuchen w�rde, die andere in ein bestimmtes Viertel der Stadt, in ein Ghetto zu sperren.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Der Weg, der in die Gebiete des Ostens f�hrt, ist noch nicht ges�ubert. Die Kriege mit den Termiten verhindern jeden Ansatz von Befriedung in der Region.</p><p>Nr. 4000 und Nr. 103 683 laufen �ber einen Pfad, auf dem etliche Scharm�tzel stattgefunden haben. Pr�chtige Giftschmetterlinge kreisen �ber ihren Antennen, was nicht dazu angetan ist, sie zu beruhigen.</p><p>Ein St�ck weiter sp�rt Nr. 103 683 etwas, was sie unter ihrem rechten Bein kitzelt. Sie identifiziert dieses Etwas als Milben, winzigste Lebewesen, die mit Stacheln und F�hlern, mit Haaren und Haken ausgestattet sind und in Herden wandern, st�ndig auf der Suche nach sch�n staubigen Nischen. Nr. 103 683 erheitert dieser Anblick. Da� es auf ein und demselben Planeten so kleine Lebewesen gibt wie die Milben und so gro�e wie die Ameisen.</p><p>Nr. 4000 bleibt vor einer Blume stehen. Sie hat pl�tzlich gro�e Schmerzen. In ihrem alten K�rper, der heute schon allerlei durchgemacht hat, sind die jungen Ichneumonlarven wach geworden. Wahrscheinlich sitzen sie gerade zu Tisch, fuhrwerken mit Messer und Gabel in den inneren Organen der armen Ameise herum.</p><p>Um ihr zu helfen, entnimmt Nr. 103 683 ihrem Sozialkropf einige Koleopter-Honigtaumolek�le. Im Verlauf des harten Kampfs in den Tiefen von Bel-o-kan hat sie eine winzige Menge davon zur Schmerzbet�ubung gesammelt. Sie ist �u�erst vorsichtig damit umgegangen und hat sich nicht von diesem wohlschmeckenden Gift abh�ngig gemacht.</p><p>Die Schmerzen von Nr. 4000 lassen unmittelbar nach der Einnahme des Lik�rs nach. Dennoch verlangt sie nach mehr. Nr. 103 683 will ihr gut zureden, aber Nr. 4000 besteht darauf, sie ist zum Kampf bereit, um den Eingeweiden ihrer Gef�hrtin den letzten Rest der k�stlichen Droge zu entziehen. Als sie gerade losspringen und zuschlagen will, gleitet sie in eine Art sandigen Krater. Die Falle eines Ameisenl�wen!</p><p>Letzterer, oder genauer gesagt: seine Larve, besitzt einen schaufelartigen Kopf, der es ihm erm�glicht, derlei Krater zu fertigen. Anschlie�end gr�bt er sich darin ein und braucht nur noch auf Besuch zu warten.</p><p>Nr. 4000 begreift, wenn auch ein wenig sp�t, was passiert ist. Jede Ameise ist im Grunde leicht genug, um sich aus dieser Klemme zu befreien. Bevor sie sich jedoch an den Aufstieg machen kann, tauchen zwei lange, mit Stacheln versehene Mandibeln am Ende des Kessels auf und besprengen sie mit Sand.</p><p id="_bookmark3"><emphasis>Hilfe!</emphasis></p><p>Sie vergi�t dar�ber den von ihren ungebetenen G�sten verursachten Schmerz und die auf den Koleopterlik�r zur�ckzuf�hrenden Entzugserscheinungen. Sie hat Angst, sie will so nicht sterben.</p><p>Sie wehrt sich mit aller Kraft. Aber die Falle des Ameisenl�wen ist wie das Spinnennetz so angelegt, da� sie die Panik der Opfer ausnutzt. Je mehr Nr. 4000 strampelt, um aus dem Krater herauszuklettern, um so mehr st�rzt der Hang ein und rei�t sie in die Tiefe ... Wo der Ameisenl�we sie weiterhin mit feinem Sand besprengt.</p><p>Nr. 103 683 hat schnell erfa�t, da� sie, wenn sie sich �ber den Rand beugt, um hilfreich ein Bein auszustrecken, nur Gefahr l�uft, ebenfalls abzust�rzen. Sie eilt fort, um sich auf die Suche nach einem langen und haltbaren Grashalm zu machen.</p><p>Die alte Ameise findet, da� die Zeit lang wird. Sie st��t einen stark duftenden Schrei aus und radelt noch heftiger durch den fast fl�ssigen Sand. Dadurch rutscht sie nur noch schneller ab. Sie ist nur noch f�nf Kopf von den Scheren entfernt, die, aus der N�he betrachtet, wirklich furchterregend sind. Jede Mandibel ist mit Hunderten von kleinen, messerscharfen Z�hnen bewehrt, die wiederum durch lange, gebogene Stachel unterteilt sind. Das �u�erste Ende bildet eine Art Pfriem, der imstande ist, m�helos jedweden Ameisenpanzer zu durchschlagen.</p><p>Endlich erscheint Nr. 103 683 am Rand des Kessels und h�lt ihrer Gef�hrtin ein G�nsebl�mchen hin. Schnell! Diese richtet die Beine auf, um den Stengel zu packen. Aber der Ameisenl�we hat nicht vor, auf seine Beute zu verzichten. Wie besessen bespritzt er die beiden Ameisen mit Sand. Sie sehen und h�ren nichts mehr. Jetzt wirft der Ameisenl�we mit kleinen Steinchen, die mit einem unheimlichen Ger�usch von dem Chitin abprallen. Halb versch�ttet, gleitet Nr. 4000 weiter ab.</p><p>Nr. 103 683 stemmt, den Stengel fest zwischen ihre Mandibeln geklemmt, die Beine in den Boden. Sie wartet vergeblich auf einen Ruck. Genau in dem Moment, als sie aufgeben will, schnellt ein Bein aus dem Sand ... Gerettet! Nr. 4000 h�pft endlich aus diesem Loch des Todes.</p><p>Unten schlagen die Scheren vor Wut und Entt�uschung zusammen. Der Ameisenl�we braucht Proteine, um sich in eine ausgewachsene Ameisenjungfer zu verwandeln. Wie lange wird er warten m�ssen, bis eine neue Beute zu ihm herabrutscht?</p><p>Nr. 4000 und Nr. 103 683 reinigen sich und nehmen eine intensive Trophallaxie vor. Diesmal steht kein Koleopter-Honigtau auf dem Speiseplan.</p><p>�Tag, Bilsheim!�</p><p>Sie reichte ihm eine schlaffe Hand.</p><p>�Jaja, ich wei�, Sie sind �berrascht, mich hier zu sehen. Aber da sich diese Angelegenheit endlos in die L�nge dehnt und der Pr�fekt pers�nlich sein Interesse an einem guten Ausgang bekundet hat und bald wohl auch der Minister, habe ich beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen ... Kommen Sie, machen Sie nicht so ein Gesicht, ich zieh Sie doch nur auf, Bilsheim. Wo ist Ihr Sinn f�r Humor geblieben?�</p><p>Der alte Kommissar wu�te nicht, was er antworten sollte. Seit f�nfzehn Jahren ging das so. Bei ihr hatte sich noch kein �aber sicher� verfangen. Er wollte ihr in die Augen schauen, aber ihr Blick war hinter einer langen Str�hne verborgen. Rothaarig, gef�rbt. Die gro�e Mode. Im B�ro hie� es, sie versuche allen weiszumachen, da� sie rote Haare habe, um den starken Geruch, der von ihr ausging, zu erkl�ren.</p><p>Solange Doumeng. Sie wurde immer s�uerlicher, seit sie in die Wechseljahre gekommen war. Eigentlich h�tte sie, um das auszugleichen, weibliche Hormone nehmen m�ssen, aber sie hatte viel zuviel Angst, dicker zu werden. Hormone, da staut sich das Wasser, das wei� jeder, also bi� sie die Z�hne zusammen und lie� die Schwierigkeiten, die ihr das Altern machte, an ihrer Umgebung aus.</p><p>�Weshalb sind Sie hier? Wollen Sie selbst da runter?� fragte der Kommissar.</p><p>�Das ist doch nicht Ihr Ernst, alter Freund! Nein, Sie gehen da runter, niemand anders als Sie. Ich bleibe hier, ich habe alles mitgebracht, eine Thermosflasche voll Tee und mein Walkie-talkie.�</p><p>�Und wenn ich in Schwulit�ten gerate?�</p><p>�Sind Sie ein solcher Angsthase, da� Sie direkt das Schlimmste bef�rchten? Wie gesagt, wir stehen in Funkverbindung. Sobald Ihnen die geringste Gefahr droht, verst�ndigen Sie mich, und ich werde die notwendigen Ma�nahmen ergreifen. Au�erdem sind Sie verdammt gut ausger�stet, alter Freund, Sie gehen mit dem allerneusten Ger�t da runter. Schauen Sie: Sie haben ein Kletterseil. Gewehre. Ganz zu schweigen von den sechs Jungs.�</p><p>Sie deutete auf die Gendarmen, die sogleich Haltung annahmen. Bilsheim brummte:��Galin ist mit acht Feuerwehrm�nnern runtergegangen, das hat ihm auch nicht viel gen�tzt ...�</p><p>�Aber die hatten weder Waffen noch Funkverbindung! Kommen Sie, schauen Sie nicht so betreten drein, Bilsheim.�</p><p>Er hatte keine Lust, dagegen anzuk�mpfen. Dieses st�ndige Spielchen um Macht und Einsch�chterung ging ihm auf die Nerven. Gegen Solange anzuk�mpfen hie�, selbst zu Doumeng zu werden. Sie war da wie Unkraut im Garten. Man mu�te versuchen, selbst zu sprie�en, ohne sich anstecken zu lassen.</p><p>Bilsheim, der ern�chterte Kommissar, schl�pfte in einen H�hlenanzug, schn�rte sich das Kletterseil um die Taille und h�ngte sich das Walkie-talkie um.</p><p>�Sollte ich nie wieder raufkommen, m�chte ich, da� meine ganze Habe den Waisen der Polizei zugute kommt.�</p><p>�Schlu� mit dem Quatsch, mein lieber Bilsheim. Sie werden wieder raufkommen, und zur Feier des Tages werden wir zusammen ins Restaurant essen gehen.�</p><p>�F�r den Fall, da� ich nicht wieder raufkomme, m�chte ich Ihnen etwas sagen .�</p><p>Sie runzelte die Stirn.</p><p>�Na, na, h�ren Sie auf mit Ihren Kindereien, Bilsheim!�</p><p>�Ich m�chte Ihnen sagen ... Eines Tages m�ssen wir alle f�r unsere schlechten Taten b��en.�</p><p>�Jetzt wird er noch zum Mystiker! Nein. Bilsheim. Sie irren sich, man b��t nicht f�r seine schlechten Taten! Mag sein, da� es einen &gt;lieben Gott&lt; gibt, wie Sie sagen, aber wenn, dann pfeift er auf uns! Und wenn Sie zu Lebzeiten nichts genossen haben, werden Sie es nach dem Tod auch nicht mehr!�</p><p>Sie lachte kurz und h�misch, dann trat sie ganz nah an ihren Untergebenen heran. Der hielt den Atem an. �ble Ger�che w�rde er in diesem Keller noch zur Gen�ge in die Nase bekommen .</p><p>�Aber so schnell werden Sie nicht sterben. Sie werden mir diese Sache kl�ren. Ihr Tod w�rde keinem nutzen.�</p><p>Vor Ver�rgerung wurde der Kommissar wieder zum Kind, er war nur noch der kleine Junge, dem man seine Schaufel weggenommen hat und der - wohlwissend, da� er sie nie wiederbekommen wird - einige schwache Beleidigungen ausst��t.</p><p>�Klar, mein Tod w�re das Scheitern Ihrer &gt;pers�nlichen&lt; Ermittlungen. Dann sieht man, was dabei herauskommt, wenn Sie, wie Sie sagten, &gt;die Sache selbst in die Hand nehmen&lt;.�</p><p>Sie trat noch n�her, als wollte sie ihn auf den Mund k�ssen. Statt dessen raunte sie ihm bed�chtig-feucht ins Gesicht: �Sie m�gen mich nicht, was, Bilsheim? Niemand mag mich, und das ist mir schnurz, au�erdem mag ich Sie auch nicht. Und ich habe auch nicht das geringste Interesse, beliebt zu sein. Ich will nur, da� man mich f�rchtet. Eins sollten Sie trotzdem wissen: Wenn Sie da unten draufgehen, st�rt mich das keineswegs, ich werde einen dritten Trupp losschicken. Wenn Sie mir wirklich schaden wollen, dann kommen Sie siegreich und lebend zur�ck, dann w�re ich Ihnen zu Dank verpflichtet.�</p><p>Er gab keine Antwort. Er starrte auf die wei�en Haarwurzeln der Modefrisur, das erleichterte ihn.</p><p>�Wir sind soweit!� sagte einer der Gendarmen und hob sein Gewehr.</p><p>Sie hatten sich untereinander angeseilt.</p><p>�Okay, gehn wir.�</p><p>Sie gaben den drei Polizisten, die mit ihnen in Verbindung bleiben w�rden, ein Zeichen, dann stiegen sie in den Keller hinab.</p><p>Solange Doumeng setzte sich an einen Schreibtisch, auf den sie ihr Funkger�t gestellt hatte.</p><p>�Viel Gl�ck, kommen Sie schnell zur�ck!�</p></section><section><title><p><strong>3</strong></p><p><strong>Drei Odysseen</strong></p></title><p>Endlich hat Nr. 56 den idealen Platz gefunden, um ihre Stadt zu bauen. Ein runder H�gel. Sie klettert hinauf. Von oben erkennt sie die weiter �stlich gelegenen St�dte: Zubi-zubikan und Glubi-diu-kan. Normalerweise d�rfte die Verbindung mit dem Rest der F�deration keine Probleme geben.</p><p>Sie untersucht die Gegend. Die Erde ist ein wenig hart, und sie hat eine graue Farbe. Die neue K�nigin sucht eine Stelle, wo der Boden weicher ist, aber das ist �berall dasselbe. Als sie - in der Absicht, ihr erstes Geburtsgemach zu graben -entschlossen ihre Mandibeln einsetzt, versp�rt sie eine seltsame Ersch�tterung. Wie ein Erdbeben, aber viel zu lokalisiert, als da� es wirklich eines sein k�nnte. Sie piekst erneut in den Boden. Schon wieder, schlimmer noch: der H�gel hebt sich und rutscht nach links.</p><p>Soweit das Ameisenged�chtnis zur�ckreicht, hat man schon viel erlebt, aber einen lebenden H�gel noch nie! Der hier r�ckt mit flottem Tempo voran, zerteilt die Gr�ser, tritt Zweige nieder.</p><p>Nr. 56 hat sich noch nicht von ihrer �berraschung erholt, als sie einen zweiten H�gel sieht, der n�her r�ckt. Was f�r ein Zauber ist das? Bevor sie dazu kommt, wieder herabzusteigen, wird sie auf eine Art Rodeo verschleppt, in Wirklichkeit ein Liebestanz zweier H�gel. Die sich jetzt schamlos betatschen ... Zu allem �berflu� ist der H�gel, auf dem Nr. 56 sitzt, weiblich. Und der andere macht sich daran, langsam auf ihn draufzuklettern. Nach und nach erscheint ein steinerner Kopf, ein f�rchterlicher Wasserspeier, der den Mund aufmacht.</p><p>Das ist zuviel! Die junge K�nigin verzichtet darauf, ihre Stadt in dieser Gegend zu gr�nden. Als sie sich von diesem Gebirge herabrollen l��t, erkennt sie, welcher Gefahr sie entronnen ist. Die H�gel haben nicht nur K�pfe, sondern obendrein vier krallenbewehrte F��e und kleine dreieckige Schw�nze.</p><p>Das ist das erste Mal, da� Nr. 56 Schildkr�ten zu sehen bekommt.</p><empty-line/><p><strong>zeit der Verschw�rer: ���Unter den Menschen ist folgendes</strong></p><p><strong>Organisationsprinzip am meisten verbreitet: Eine komplexe Hierarchie von �Verwaltenden� (M�nnern und Frauen, die an der Macht sind) betreut oder vielmehr leitet die eher beschr�nkte Gruppe der �Kreativen�, deren Arbeit sich anschlie�end, unter der Flagge der Distribution, die �H�ndler� bem�chtigen ... Verwaltende, Kreative. H�ndler. Das sind die drei Kasten, die heutzutage den Arbeiterinnen, Soldatinnen und geschlechtlich Differenzierten bei den Ameisen entsprechen.</strong></p><p><strong>Der Kampf zwischen Stalin und Trotzki, den beiden russischen F�hrern zu Beginn des 20. Jahrhunderts, illustriert trefflich den �bergang von einem System, das die Kreativen beg�nstigt, zu einem System, das die Verwaltung beg�nstigt. Trotzki, der Mathematiker, Gr�nder der Roten Armee, wird n�mlich von Stalin ausgeschaltet, dem Meister des Komplotts. Eine neue �ra beginnt.</strong></p><p><strong>Man kommt in den jeweiligen Gesellschaftsschichten besser und schneller voran, wenn man zu verf�hren, Killer zu versammeln, zu desinformieren wei�, als wenn man imstande ist, Konzepte oder neue Gegenst�nde zu schaffen.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Nr. 4000 und Nr. 103 683 haben sich wieder auf die durch Duftnoten gekennzeichnete Piste begeben, die zu dem Termitenh�gel des Ostens f�hrt. Sie begegnen Skarab�en, die damit besch�ftigt sind. Humuskugeln zu rollen. Ameisenkundschafterinnen von einer Gattung, die so klein ist, da� man sie nur mit M�he erkennt, anderen, die so gro� sind, da� die beiden Soldatinnen kaum gesehen werden ...</p><p>Tats�chlich gibt es �ber zw�lftausend Arten von Ameisen, und jede hat ihre eigene Morphologie. Die kleinsten messen nur ein paar hundert Mikron, die gr��ten k�nnen bis zu sieben Zentimeter erreichen. Die roten Ameisen befinden sich in der Mitte.</p><p>Nr. 4000 scheint sich endlich zurechtzufinden. Sie m�ssen noch diesen gr�nen Moosfleck �berqueren, diesen Akazienstrauch hinaufklettern, unter diesen Narzissen herkrabbeln, und normalerweise m��te das dann hinter diesem Baumstumpf sein.</p><p>Und in der Tat, kaum haben sie den Baumstumpf hinter sich gelassen, erscheinen hinter Quellern und Sanddornen der Flu� des Ostens und der Hafen von Satei.</p><p>�Hallo, hallo, Bilsheim, k�nnen Sie mich h�ren?�</p><p>�Klar und deutlich.�</p><p>�Alles in Ordnung?�</p><p>�Keine Probleme.�</p><p>�Die L�nge des abgerollten Seils gibt an, da� Sie 480 Meter hinter sich haben.�</p><p>�Wunderbar.�</p><p>�Haben Sie etwas gesehen?�</p><p>�Nichts von Belang. Blo� ein paar in den Stein geritzte Inschriften.�</p><p>�Was f�r Inschriften?�</p><p>�Esoterisches Zeug. Soll ich Ihnen eine vorlesen?�</p><p>�Nein, ich glaube Ihnen aufs Wort ...�</p><p>Der Bauch von Nr. 56 ist in hellem Aufruhr. Im Inneren zerrt es, st��t es, rumpelt es. S�mtliche Bewohner ihrer k�nftigen</p><p>Stadt werden allm�hlich ungeduldig.</p><p>Also verzichtet sie auf gro�e Anspr�che. Sie w�hlt einen Kessel aus ockerfarbener bis schwarzer Erde und beschlie�t, dort ihre Stadt zu gr�nden.</p><p>Der Ort ist keine schlechte Wahl. Es gibt in der Umgebung keine Duftnoten von Zwergameisen, Termiten oder Wespen. Es gibt sogar einige Pheromonenpisten, die darauf hinweisen, da� sich schon Belokanerinnen bis hierher vorgewagt haben.</p><p>Sie kostet die Erde. Der Boden ist reich an Spurenelementen, nicht zu trocken, aber auch nicht allzu feucht. Sogar ein kleiner Busch ragt �ber den Kessel.</p><p>Sie reinigt eine kreisrunde Fl�che von dreihundert Kopf Durchmesser, was den optimalen Grundri� ihrer Stadt darstellt.</p><p>Mit den Kr�ften am Ende, w�rgt sie mehrmals, um Nahrung aus ihrem Sozialkropf nach oben zu bef�rdern, aber der ist schon lange leer. Sie hat keine Energiereserven mehr. Also rei�t sie mit einem Ruck ihre Fl�gel ab und verzehrt gierig die muskul�sen Wurzeln.</p><p>Mit diesem Kalorienschub m��te sie einige Tage auskommen.</p><p>Dann vergr�bt sie sich bis zum Rand der Antennen. Niemand darf sie sehen w�hrend dieser Zeit, in der sie eine wehrlose Beute abgibt.</p><p>Sie wartet. Die in ihrem K�rper versteckte Stadt wird langsam wach. Wie wird sie sie nennen?</p><p>Als erstes mu� sie sich den Namen einer K�nigin ausdenken. Einen Namen zu haben hei�t, bei den Ameisen als autonomes Wesen zu existieren. Die Arbeiterinnen. Soldatinnen. �Jungfrauen� werden einzig nach der Nummer der Geburtsreihenfolge benannt. Die fruchtbaren Weibchen hingegen d�rfen einen Namen annehmen.</p><p>Hmm ... Sie ist, als sie aufbrach, von den Kriegerinnen mit dem Felsengeruch gejagt worden, also braucht sie sich nur �die verfolgte K�nigin� zu nennen. Oder nein, sie ist verfolgt worden, weil sie versucht hat, das R�tsel der geheimen Waffe zu l�sen. Nicht, da� sie das vergi�t. Also ist sie �die aus dem Geheimnis hervorgegangene K�nigin�.</p><p>Und sie beschlie�t, ihrer Stadt den Namen �Stadt der aus dem Geheimnis hervorgegangenen K�nigin� zu geben. Was sich in der Duftsprache der Ameisen so anh�rt: Chli-Pu-Kan.</p><p>Zwei Stunden sp�ter. Erneuter Kontakt.</p><p>�Alles klar, Bilsheim?�</p><p>�Wir sind vor einer T�r. Eine ganz normale T�r mit einer langen Inschrift. In altert�mlichen Lettern.�</p><p>�Was besagt die?�</p><p>�Soll ich es Ihnen diesmal vorlesen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Der Kommissar richtete seine Taschenlampe darauf und begann, da er den Text Wort f�r Wort entziffern mu�te, langsam und mit feierlicher Stimme zu lesen:</p><p>Im Augenblick des Todes bef�llt die Seele die gleiche Empfindung wie jene, die in das gro�e Mysterium eingeweiht werden.</p><p>Zun�chst ist alles eine Reise mit beschwerlichen Umwegen, eine beunruhigende, endlose Fahrt durch die Finsternis. Dann, kurz vor dem Ende, ist der Schrecken am gr��ten. Schaudern. Zittern, kalter Schwei�. Entsetzen.</p><p>Dieser Phase folgt fast unmittelbar ein Aufstieg zum Licht, eine j�he Erleuchtung.</p><p>Ein wundervolles Licht zieht den Blick auf sich, man durchquert Pl�tze und Weiden von un�bertroffener Reinheit, auf denen Stimmen und Musik erklingen.</p><p>Heilige Worte fl��en religi�sen Respekt ein. Der vollkommene und eingeweihte Mensch wird frei, und er feiert das Mysterium.</p><p>Einer der Gendarmen erschauderte.</p><p>�Und was ist hinter dieser T�r?� klang es aus dem Walkie-talkie.</p><p>�Na sch�n, ich mache sie auf ... Kommt mit, Jungs.�</p><p>Langes Schweigen.</p><p>�Hallo, Bilsheim! Hallo, Bilsheim! Antworten Sie, verdammt, was sehen Sie?�</p><p>Es ert�nte ein Schu�. Dann erneut Schweigen.</p><p>�Hallo, Bilsheim, antworten Sie, alter Freund!�</p><p>�Ja, hier Bilsheim.�</p><p>�Reden Sie schon, was ist passiert?�</p><p>�Ratten. Tausende von Ratten. Sie sind �ber uns hergefallen, aber wir haben sie verjagt.�</p><p>�Deshalb der Schu�?�</p><p>�Ja. Jetzt sind sie in Deckung gegangen.�</p><p>�Beschreiben Sie, was Sie sehen!�</p><p>�Es ist alles rot hier. An den W�nden sind Spuren eisenhaltigen Gesteins, und auf dem Boden ... auf dem Boden ist Blut! Wir gehen weiter ...�</p><p>�Halten Sie Funkkontakt! Warum schalten Sie ab?�</p><p>�Ich handele lieber auf meine Art, bevor ich Ihren Ratschl�gen aus der Ferne folge, wenn Sie gestatten, Madame!�</p><p>�Aber Bilsheim ...�</p><p>Klick. Er hatte die Verbindung unterbrochen.</p><p>Satei ist eigentlich kein Hafen, es ist auch kein Vorposten. Auf jeden Fall ist es der meistbenutzte Ort der belokanischen Expeditionen, die �ber den Flu� f�hren.</p><p>Einst, als die ersten Ameisen aus der Ni-Dynastie vor diesem Flu�arm standen, erkannten sie schnell, da� es nicht einfach sein w�rde, ihn zu �berqueren. Die Ameise gibt jedoch nie auf.</p><p>Sie wird, wenn es sein mu�, f�nfzehntausendmal und auf f�nfzehntausend verschiedene Arten mit dem Kopf gegen das gleiche Hindernis rennen, bis sie stirbt oder das Hindernis �berwunden ist.</p><p>Eine solche Vorgehensweise erscheint unlogisch. Sie hat die Ameisenzivilisation gewi� viele Opfer und viel Zeit gekostet, aber sie hat sich bezahlt gemacht. Letztlich, wenn auch um den Preis ungeheurer Anstrengungen, ist es den Ameisen stets gelungen, Schwierigkeiten zu meistern.</p><p>In Satei hatten die zur Erforschung ausgesandten Ameisen als erstes versucht, den Flu� auf eigenen Beinen zu �berqueren. Die Haut des Wassers war widerstandsf�hig genug, um ihr Gewicht zu tragen, bot jedoch leider keinen Halt f�r die Krallen. Die Ameisen schlingerten am Ufer entlang wie auf einer Eisbahn. Zwei Schritte nach vorn, drei zur Seite und ... <emphasis>schlurf!</emphasis> wurden sie von den Fr�schen gefressen.</p><p>Nach hundert erfolglosen Anl�ufen und ein paar tausend Opfern versuchten die Ameisen etwas anderes. Arbeiterinnen bildeten, indem sie sich an den Beinen und Antennen hielten, eine Kette, die lang genug war, das andere Ufer zu erreichen. Das Unterfangen h�tte gelingen k�nnen, w�re der Flu� nicht so breit gewesen und voller Strudel. Zweihundertvierzigtausend Tote. Aber die Ameisen gaben nicht auf. Auf Anregung ihrer damaligen K�nigin Biu-pa-ni versuchten sie, eine Br�cke aus Bl�ttern zu bauen, dann eine aus kleinen Zweigen, dann eine aus Maik�ferkadavern, dann eine aus Steinchen ... Diese vier Experimente kosteten ungef�hr sechshundertsiebzigtausend Arbeiterinnen das Leben. Biu-pa-ni hatte mit ihrer utopischen Br�cke bereits mehr ihrer Untertanen in den Tod geschickt, als s�mtliche Territorialkriege unter ihrem Regime an Opfern gefordert hatten!</p><p>Dennoch gab sie nicht auf. Man mu�te den Zugang zu den Gebieten des Ostens finden. Nach den Br�cken kam sie auf die Idee, dem Flu� bis zu seiner Quelle im Norden zu folgen und ihn so zu umgehen. Keine dieser Expeditionen kehrte jemals zur�ck. 8000 Tote. Dann sagte sie sich, da� die Ameisen das Schwimmen erlernen m��ten. 15 000 Tote. Dann, da� sie versuchen m��ten, die Fr�sche zu z�hmen. 68 000 Tote. Bl�tter nehmen und auf ihnen von einem hohen Baum aus hin�bersegeln? 52 Tote. Die Beine mit hartem Honig beschweren und unter Wasser gehen? 27 Tote. In der Legende hei�t es, sie habe auf die Meldung, da� nur noch ein Dutzend unversehrte Arbeiterinnen in der Stadt seien, mit der Sentenz reagiert:</p><p><emphasis>Schade, ich war noch voller Ideen</emphasis> ...</p><p>Zu guter Letzt fanden die Ameisen der F�deration doch noch eine befriedigende L�sung. Dreihunderttausend Jahre sp�ter schlug die K�nigin Lifug-ryu-ni ihren T�chtern vor, einen Tunnel unter dem Flu� zu graben. Das war so einfach, da� niemand vorher daran gedacht hatte.</p><p>Seitdem kann man problemlos von Satei aus auf die andere Seite des Flusses gelangen.</p><p>Nr. 103 683 und Nr. 4000 krabbeln schon seit einer Weile durch diesen Tunnel. Es ist feucht, aber noch gibt es keine Wassereinbr�che. Die Termitenstadt liegt am anderen Ufer. Die Termiten benutzen diesen unterirdischen Gang ebenfalls f�r ihre Streifz�ge durch f�deriertes Territorium. Bislang hat eine stillschweigende �bereinkunft gegolten. Man bek�mpft sich nicht in dem Tunnel, jeder kann ihn frei durchqueren, ob Ameise oder Termite. Aber es ist klar: Sobald eine der beiden Parteien Besitzanspr�che anmeldet, wird die andere versuchen, den Stollen zu verstopfen oder zu �berschwemmen. Sie gehen endlos durch den langen Gang. Einziges Problem: Die fl�ssige Masse �ber ihnen ist eiskalt, und der Untergrund ist noch k�lter. Sie verlieren jedes Gef�hl in den Beinen. Jeder Schritt f�llt schwer. Wenn sie da unten einschlafen, hei�t das Winterschlaf f�r alle Zeiten. Sie kriechen langsam nach oben, um den Ausgang zu erreichen. Das kostet sie ihre letzten Reserven an Proteinen und Zucker. Ihre Muskeln sind ganz steif. Endlich, der Ausgang ... Als sie ins Freie treten, haben sich Nr. 103 683 und Nr. 4000 so sehr abgek�hlt, da� sie mitten auf dem Weg einschlummern.</p><p>Sich im G�nsemarsch durch diesen finsteren Schlauch zu qu�len, brachte ihn ins Gr�beln. Hier gab es nichts nachzudenken, man mu�te einfach weitergehen, immer weiter bis zum Ende. In der Hoffnung, da� es ein Ende gab ...</p><p>Hinter ihm sagte keiner mehr einen Ton. Bilsheim h�rte das heisere Atmen der sechs Gendarmen und sagte sich, da� er wirklich ungerecht behandelt wurde.</p><p>Normalerweise h�tte er l�ngst Hauptkommissar sein und ein vern�nftiges Gehalt beziehen m�ssen. Er leistete gute Arbeit, seine �berstunden lagen weit �ber dem Durchschnitt, er hatte schon ein gutes Dutzend F�lle aufgekl�rt. Nur war da leider diese Doumeng, die seine Bef�rderung verhinderte.</p><p>Pl�tzlich erschien ihm diese Situation unertr�glich.</p><p>�Ach, Schei�e!�</p><p>Alle blieben stehen.</p><p>�Alles klar, Kommissar?�</p><p>�Jaja, schon gut, geht weiter!�</p><p>Der Gipfel der Schmach: Jetzt redete er schon mit sich selbst. Er bi� sich auf die Lippen, nahm sich fest vor, sich besser im Griff zu haben.</p><p>Er hatte nichts gegen Frauen, aber er hatte etwas gegen Inkompetenz. �Die alte Ziege kann kaum lesen und schreiben, sie hat noch keine einzige Untersuchung durchgef�hrt, und dann steht sie mit einemmal an der Spitze der ganzen Abteilung, hat einhundertachtzig Polizisten unter sich! Und sie verdient viermal soviel wie ich! Geht zur Polizei, sagen sie doch immer! Die Doumeng, die ist von ihrem Vorg�nger zur Nachfolgerin auserkoren worden. Garantiert eine Bettgeschichte. Au�erdem l��t sie einen nie in Frieden, eine richtige Nervens�ge. Sie hetzt die Leute gegeneinander auf, sie sabotiert ihre eigene Abteilung, indem sie sich �berall als unentbehrlich aufspielt ...�</p><p>W�hrend seiner Gr�belei erinnerte sich Bilsheim pl�tzlich an einen Dokumentarfilm �ber Kr�ten. Jene sind in Liebeszeiten derma�en erregt, da� sie auf alles springen, was ihnen in die Quere kommt: Weibchen, aber auch M�nnchen und sogar Steine. Sie dr�cken auf den Bauch ihres Partners, um die Eier hervorzulocken, die sie dann befruchten. Wer auf den Bauch eines Weibchens dr�ckt, wird f�r seine Anstrengungen belohnt. Wer auf den Bauch eines M�nnchens dr�ckt, erh�lt nichts und wechselt den Partner. Wer auf einen Stein dr�ckt, tut sich die Arme weh und gibt auf.</p><p>Aber es gibt einen Sonderfall: die, die auf die Erdschollen dr�cken. Die Erdscholle ist genauso weich wie der Bauch eines Kr�ten Weibchens. Also h�ren sie nicht auf zu pressen. Tagelang k�nnen sie diese unfruchtbaren Versuche wiederholen. Und sie glauben, da� es nichts Besseres zu tun gibt.</p><p>Der Kommissar l�chelte. Vielleicht brauchte man der guten Solange nur zu erkl�ren, da� es auch andere, durchaus wirksamere Verhaltensweisen gab, als alles zu blockieren und Untergebene zu triezen. Aber er glaubte nicht daran. Er sagte sich, wenn jemand in dieser verflixten Abteilung fehl am Platz war, dann war er es.</p><p>Die anderen hinter ihm waren ebenfalls in d�stere Gedanken versunken. Dieser lautlose Abstieg ging allen auf die Nerven. Seit f�nf Stunden gingen sie ohne Pause immer weiter. Die meisten dachten an die Zulage, die sie nach diesem Abenteuer fordern m��ten; andere dachten an ihre Frau, an ihre Kinder, an ihren Wagen oder an eine Dose Bier ...</p><empty-line/><p><strong>nichts: Was gibt es Angenehmeres, als das Denken einzustellen? Endlich dieser �bersprudelnden Flut von mehr oder weniger n�tzlichen und mehr oder weniger wichtigen Gedanken ein Ende zu machen. Aufh�ren zu denken! Als w�re man tot und k�nnte wieder lebendig werden. Leer sein. Zum �u�ersten Ursprung zur�ckkehren. Nichts sein. Das nenne ich ein nobles Streben.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Die K�rper der beiden Soldatinnen, die reglos die ganze Nacht auf dem schlammigen Ufer gelegen haben, werden durch die ersten Sonnenstrahlen wiederbelebt.</p><p>Eine nach der andern reaktivieren sich die Facetten der Augen von Nr. 103 683 und �bermitteln ihrem Gehirn die neue Umgebung. Eine Umgebung, die einzig und allein aus einem riesigen Auge direkt �ber ihr besteht, das sie aufmerksam anstarrt.</p><p>Die junge Geschlechtslose st��t einen Pheromonenschrei des Entsetzens aus, der ihr die Antennen versengt. Das Auge bekommt ebenfalls Angst, es weicht hastig zur�ck und mit ihm das lange H�rn, von dem es getragen wird. Die beiden verstecken sich unter einer Art rundem Kieselstein. Eine Schnecke!</p><p>Ringsum sind noch mehr, f�nf insgesamt, die sich unter ihrem Geh�use verstecken. Die beiden Ameisen n�hern sich ihnen, streichen um sie umher. Sie versuchen sie zu bei�en, aber sie wissen nicht, wo sie ansetzen sollen. Dieses wandelnde Nest ist eine uneinnehmbare Festung.</p><p>Eine Sentenz der K�nigin kommt ihnen in den Sinn: <emphasis>Die Sicherheit ist mein �rgster Feind, sie lullt meine Reflexe und meine Entschlu�kraft ein.</emphasis></p><p>Nr. 103 683 sagt sich, da� diese hinter ihrem Geh�use verschanzten Viecher ein leichtes Leben haben. Sie fressen reglose Gr�ser, brauchen nie zu k�mpfen, zu locken, zu jagen, zu fliehen. Nie m�ssen sie dem Leben die Stirn bieten. Sie haben sich also nie entwickelt.</p><p>Sie packt die Lust, sie dazu zu zwingen, ihr Geh�use zu verlassen, ihnen zu beweisen, da� sie nicht unverwundbar sind. Im gleichen Moment sch�tzen zwei oder f�nf Schnecken, da� die Gefahr vor�ber ist. Sie entlassen ihren K�rper aus seinem Unterschlupf, um ihre nervliche Anspannung abzureagieren.</p><p>Sie schieben sich aufeinander zu, pressen sich Bauch an Bauch. Schleim an Schleim, vereinigen sie sich in einem klebrigen Ku�, der ihren ganzen K�rper erfa�t. Ihre Geschlechtsteile ber�hren sich.</p><p>Es passiert etwas zwischen ihnen.</p><p>Das ist sehr langsam.</p><p>Die Schnecke rechts hat ihren aus einer kalkigen Spitze geformten Penis in die mit Eiern gef�llte Vagina der Schnecke links geschoben. Letztere, ganz weg vor Liebe, bringt ihrerseits einen erigierten Penis zum Vorschein und steckt ihn in den Partner.</p><p>Beide schwelgen in der Lust, einzudringen und zugleich durchdrungen zu werden. Ausgestattet mit einer Vagina und einem Penis dar�ber, k�nnen sie parallel die Empfindungen beider Geschlechter erleben.</p><p>Die Schnecke rechts hat als erste ihren m�nnlichen Orgasmus. Sie windet sich au�erordentlich und spannt sich, ihr ganzer K�rper ist wie elektrisiert. Die vier Okularf�hler der Hermaphroditen umschlingen sich. Der Schleim verwandelt sich in Schaum, dann in Bl�schen. Das ist ein sehr enger Tanz, dessen Sinnlichkeit durch die langsamen Bewegungen noch gesteigert wird.</p><p>Die Schnecke links richtet ihre F�hler auf. Sie erreicht ebenfalls einen m�nnlichen Orgasmus. Aber kaum hat sie aufgeh�rt zu ejakulieren, wird ihr K�rper von einer zweiten, diesmal vaginalen Welle gesch�ttelt. Die Schnecke rechts erlebt ihrerseits die weibliche Wonne.</p><p>Ihre F�hler sinken, ihre Liebespfeile ziehen sich zur�ck, ihre Vaginen schlie�en sich . Nach diesem vollkommenen Akt verwandeln sich die Liebhaber in gleichgepolte Magneten. Absto�ung. Ein Ph�nomen, so alt wie die Welt. Die beiden Maschinen zum Schenken und Empfangen der Lust trennen sich langsam, die Eier von den Spermien des Partners befruchtet.</p><p>W�hrend Nr. 103 683 verdutzt, noch ganz unter dem Eindruck der Sch�nheit des Spektakels, verharrt, st�rzt sich Nr. 4000 auf eine der beiden Schnecken. Sie will die postamour�se Ersch�pfung ausnutzen, um dem gr��eren der beiden Tiere den Bauch aufzuschlitzen. Zu sp�t, sie haben sich wieder in ihre Geh�use verkrochen.</p><p>Die alte Kundschafterin gibt nicht auf, sie wei�, da� sie irgendwann wieder hervorkommen werden. Sie belagert sie lange. Schlie�lich zw�ngen sich erst ein zaghaftes Auge, dann ein ganzer F�hler aus dem Geh�use. Der Gastropode schaut nach, wie die Welt rings um sein kleines Leben aussieht.</p><p>Als der zweite F�hler erscheint, schnellt Nr. 4000 vor und bei�t mit aller Kraft ihrer Mandibeln in das Auge. Sie will es heraustrennen. Aber das Weichtier zieht sich zusammen, rei�t dabei die Kundschafterin mit in die Spiralen ihres Geh�uses.</p><p><emphasis>Flupp!</emphasis></p><p>Wie kann man sie retten?</p><p>Nr. 103 683 �berlegt, schon steigt eine Idee aus einem ihrer drei Gehirne auf. Sie ergreift einen Stein mit ihren Mandibeln und beginnt mit aller Kraft auf das Geh�use zu schlagen. Damit hat sie zwar den Hammer erfunden, aber das Schneckenhaus ist nicht aus Balsaholz. Das Klopfen ist Musik, sonst nichts. Sie mu� sich etwas anderes ausdenken.</p><p>Das ist ein Gl�ckstag, denn diesmal entdeckt die Ameise den Hebel. Sie packt einen kr�ftigen Zweig, ein kleiner Stein dient ihr als Achse dabei, dann benutzt sie ihr ganzes Gewicht, um das schwere Tier umzuwerfen. Sie mu� es mehrmals versuchen. Schlie�lich schwankt das Geh�use hin und her, dann kippt es um. Die �ffnung zeigt nach oben. Geschafft!</p><p>Nr. 103 683 erklimmt die Spiralen, beugt sich �ber das hohle Geh�use und l��t sich auf das Weichtier fallen. Nach einer langen Rutschpartie landet sie auf einer braunen, gallertartigen Masse. Angewidert von dem fetten Schleim, in dem sie watet, beginnt sie das weiche Gewebe zu zerschneiden. Ihre S�ure kann sie nicht einsetzen, da sie Gefahr liefe, selbst ver�tzt zu werden.</p><p>Eine neue Fl�ssigkeit mischt sich alsbald mit dem Schleim: das durchsichtige Blut der Schnecke. Das zu Tode erschrockene Tier wird von einem Krampf gesch�ttelt, der die beiden Ameisen aus dem Geh�use schleudert.</p><p>Unversehrt streicheln sie einander ausgiebig die Antennen.</p><p>Die t�dlich verwundete Schnecke m�chte fliehen, aber sie verliert auf dem Weg ihre Eingeweide. Die beiden Ameisen holen sie und haben keine M�he, ihr den Rest zu geben. Erschrocken verkriechen sich die vier anderen Gasteropoden, die ihre F�hleraugen ausgefahren haben, um die Szene zu beobachten, tief in ihre Geh�use, um sich den Rest des Tages nicht mehr zu r�hren.</p><p>An diesem Morgen stopfen sich Nr. 103 683 und Nr. 4000 mit Schneckenfleisch voll. Sie zerschneiden es in Scheiben und verzehren es als lauwarmes, im eigenen Schleim schwimmendes Steak. Sie finden sogar den mit Eiern gef�llten vaginalen Beutel. Schneckenkaviar! Eine der Lieblingsspeisen der roten Ameisen, eine wertvolle Quelle von Vitaminen, Fett, Zucker und Proteinen .</p><p>Den Sozialkropf bis zum Rand gef�llt und mit Sonnenenergie aufgeladen, machen sie sich festen Schritts wieder auf den Weg nach S�dosten.</p><empty-line/><p><strong>analyse der Pheromonen (34. Experiment): Es ist mir mittels eines Massenspektrometers und eines Chromatographen gelungen, einige der Kommunikationsmolek�le der Ameisen zu identifizieren. Infolgedessen konnte ich eine chemische Analyse einer um 10 Uhr abends �abgeh�rten� Kommunikation zwischen einem M�nnchen und einer Arbeiterin vornehmen. Das M�nnchen hat ein St�ck Toastbrot entdeckt. Hier die Analyse dessen, was es von sich gegeben hat:</strong></p><p><strong>- ���Methyl-6</strong></p><p><strong>- ���Methyl-4 Hexanon-3 (2 Ausst��e)</strong></p><p><strong>- ���Keton</strong></p><p><strong>- ���Oktanon-3</strong></p><p><strong>Dann erneut:</strong></p><p><strong>- ���Keton</strong></p><p><strong>- ���Oktanon-3 (2 Ausst��e)</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Unterwegs begegnen sie weiteren Schnecken. Sie verstecken sich allesamt, als h�tten sie einander zugefl�stert: �Diese Ameisen sind gef�hrlich.� Eine jedoch versteckt sich nicht. Sie zeigt sich sogar unverh�llt.</p><p>Neugierig krabbeln die beiden Ameisen auf sie zu. Das Tier ist von etwas Schwerem zermalmt worden. Sein Geh�use ist zertr�mmert. Sein K�rper ist geplatzt und weit im Umkreis verteilt. Nr. 103 683 mu� sogleich an die geheime Waffe der Termiten denken. Sie m�ssen ganz in der N�he der feindlichen Stadt sein. Sie schaut sich den Kadaver genauer an. Der Schlag war umfassend, kurz und �u�erst heftig. Kein Wunder, da� es ihnen mit einer solchen Waffe gelungen ist, den Posten von La-chola-kan zu zerfetzen!</p><p>Nr. 103 683 ist fest entschlossen. Sie m�ssen in die Termitenstadt eindringen und diese Waffe verstecken, besser noch stehlen. Sonst l�uft die ganze F�deration Gefahr, vernichtet zu werden!</p><p>Aber pl�tzlich kommt starker Wind auf. Sie kommen nicht mehr dazu, sich mit ihren Krallen an der Erde festzuhalten. Der Sturm tr�gt sie gen Himmel. Nr. 103 683 und Nr. 4000 haben keine Fl�gel . Dennoch fliegen sie.</p><p>Einige Stunden sp�ter - der Trupp oben d�ste selig vor sich hin - begann das Walkie-talkie wieder zu rauschen.</p><p>�Hallo, Madame Doumeng! Es ist soweit, wir sind unten angekommen.�</p><p>�Und? Was sehen Sie?�</p><p>�Das ist eine Sackgasse. Wir stehen vor einer Mauer aus Beton und Stahl, die erst k�rzlich errichtet worden ist. Man k�nnte meinen, hier w�re Schlu� ... Da ist noch eine Inschrift.�</p><p>�Lesen Sie vor!�</p><p>�Wie bildet man vier gleichseitige Dreiecke mit sechs Streichh�lzern?�</p><p>�Das ist alles?�</p><p>�Nein, da sind noch Tasten mit Buchstaben. Die sind bestimmt dazu da, die Antwort einzugeben.�</p><p>�Gibt es keine Seiteng�nge?�</p><p>�Nichts.�</p><p>�Und die Leichen der anderen sind auch nicht zu sehen?�</p><p>�Nein, nichts ... Hmm ... Aber da sind Fu�spuren. Als h�tten jede Menge Leute genau vor dieser Mauer auf den Boden gestampft.�</p><p>�Was jetzt?� wisperte einer der Gendarmen. �Gehen wir zur�ck?�</p><p>Bilsheim untersuchte aufmerksam das Hindernis. Hinter all diesen Symbolen, all diesen Stahl- und Betonplatten verbarg sich ein Mechanismus. Und au�erdem, wo waren all die anderen abgeblieben?</p><p>Hinter ihm setzten sich die Gendarmen auf die Stufen. Er konzentrierte sich auf die Tasten. Kein Zweifel, man mu�te all diese Buchstaben in einer bestimmten Reihenfolge eingeben. Jonathan Wells war Schlosser, er hatte bestimmt die Sicherheitssysteme der Haust�ren angewandt. Man mu�te das Kodewort finden.</p><p>Er wandte sich um.</p><p>�Habt ihr Streichh�lzer, Jungs?�</p><p>Das Walkie-talkie wurde ungeduldig.</p><p>�Hallo, Kommissar Bilsheim, was machen Sie?�</p><p>�Wenn Sie uns wirklich helfen wollen: Versuchen Sie, vier Dreiecke mit sechs Streichh�lzern zu bilden. Wenn Sie die L�sung haben, sagen Sie mir Bescheid.�</p><p>�Wollen Sie mich auf den Arm nehmen. Bilsheim?�</p><p>Der Sturm flaut endlich ab. Innerhalb weniger Sekunden l��t der Wind von seinem Tanz ab. Bl�tter, Staub, Insekten sind wieder den Gesetzen der Schwerkraft unterworfen und st�rzen, ganz nach ihrem jeweiligen Gewicht, nach unten.</p><p>Nr. 103 683 und Nr. 4000 landen einige Dutzend K�pfe voneinander entfernt auf dem Boden. Unversehrt finden sie einander wieder und untersuchen die Umgebung: eine steinige Gegend, die in nichts der Landschaft �hnelt, die sie verlassen haben. Kein einziger Baum, nur ein paar wildwachsende Gr�ser, die von den Launen des Winds zerstreut wurden. Sie wissen nicht, wo sie sind ...</p><p>Als sie, so gut es geht, ihre Kr�fte sammeln, um diesen d�steren Ort zu verlassen, beschlie�t der Himmel, erneut seine Macht zu zeigen. Wolken ballen sich zusammen, werden schwarz. Ein Blitz zerschneidet die Luft und entl�dt die gesamte elektrische Spannung, die sich angestaut hat.</p><p>S�mtliche Tiere haben diese Nachricht der Natur verstanden.</p><p>Die Fr�sche h�pfen davon, die Fliegen verstecken sich unter den Steinen, die V�gel fliegen tief.</p><p>Die ersten Regentropfen fallen. Die beiden Ameisen m�ssen schleunigst einen Unterschlupf finden. Jeder Tropfen kann t�dlich sein. Sie eilen auf ein vorstehendes Gebilde zu, das sich in der Ferne abhebt, ein Baum oder Fels.</p><p>Nach und nach zeichnet sich das Gebilde durch den dichten Regen und den kriechenden Dunst deutlicher ab. Das ist kein Fels, auch kein Strauch. Das ist eine wahre Kathedrale aus Erde, und die Spitzen ihrer zahlreichen T�rme verschwinden in den Wolken. Entsetzen.</p><p>Ein Termitenh�gel! Der Termitenh�gel des Ostens!</p><p>Nr. 103 683 und Nr. 4000 sind zwischen dem schrecklichen Gewitterregen und der feindlichen Stadt eingeklemmt. Sicher hatten sie vor, sie aufzusuchen, aber nicht unter solchen Bedingungen! Millionen Jahre voll Ha� und Rivalit�t halten sie zur�ck.</p><p>Aber nicht lange. Schlie�lich sind sie hierhergekommen, um den Termitenh�gel auszuspionieren. Also halten sie zitternd auf einen dunklen Eingang am Fu�e des Geb�udes zu. Die Antennen aufgerichtet. Mandibeln gespreizt, die Beine leicht durchgebogen, sind sie entschlossen, ihr Leben teuer zu verkaufen. Wider Erwarten befindet sich jedoch keine Wache am Eingang des Termitenh�gels.</p><p>Das ist �berhaupt nicht �blich. Was geht hier vor?</p><p>Die beiden Geschlechtslosen dringen in das Innere der riesigen Stadt vor. Vor Neugier lassen sie es fast an der elementarsten Vorsicht fehlen.</p><p>Man mu� sagen, da� die R�umlichkeiten in nichts einem Termitenh�gel gleichen. Die W�nde sind aus einem viel weniger br�ckeligen Material als Erde, ein Zement, hart wie Holz. Die G�nge sind mit Feuchtigkeit ges�ttigt. Es weht nicht das geringste L�ftchen. Und die Atmosph�re ist auff�llig reich an Kohlendioxid.</p><p>Jetzt r�cken sie schon eine ganze Weile da drinnen vor, ohne auch nur einer Wache begegnet zu sein! Das ist ganz und gar au�ergew�hnlich ... Die beiden Ameisen bleiben stehen, ber�hren sich mit den Antennen, um zu beratschlagen. Der Entschlu� ist schnell gefa�t: Weiter!</p><p>Aber in ihrem Vorw�rtsdrang haben sie sich vollkommen verlaufen. Diese seltsame Stadt ist ein Labyrinth, schlimmer noch als ihre Geburtsstadt. Selbst die Markierungsduftstoffe ihrer Dr�sen finden keinerlei Halt an den W�nden. Sie wissen nicht mehr, ob sie �ber oder unter der Erde sind!</p><p>Sie versuchen kehrtzumachen, was ihnen auch nicht weiterhilft. Unentwegt entdecken sie neue, seltsam geformte G�nge. Sie haben sich rettungslos verirrt.</p><p>Da erblickt Nr. 103 683 ein ungew�hnliches Ph�nomen: ein Licht! Die beiden Soldatinnen k�nnen es nicht fassen. Dieses Licht inmitten einer verlassenen Termitenstadt, das ist einfach verr�ckt. Sie halten auf die Lichtquelle zu.</p><p>Es handelt sich um ein gelboranges Licht, das mitunter in Gr�n oder Blau umschl�gt. Nach einem etwas kr�ftigeren Aufblitzen erlischt die Lichtquelle. Danach leuchtet sie wieder auf und beginnt zu blinken, ihr Schein spiegelt sich in dem Panzer der Ameisen.</p><p>Wie hypnotisiert rennen Nr. 103 683 und Nr. 4000 auf diesen unterirdischen Leuchtturm zu.</p><p>Bilsheim begann vor Aufregung zu t�nzeln: er hatte es begriffen! Er zeigte den Gendarmen, wie die Streichh�lzer anzuordnen sind, damit sich vier Dreiecke ergeben. Verbl�ffte Mienen, danach ein begeistertes Br�llen.</p><p>Solange Doumeng, die ebenfalls Geschmack an der Sache gefunden hatte, stie� hervor: �Haben Sie�s raus? Haben Sie�s raus? Sagen Sie�s mir!�</p><p>Aber niemand gehorchte ihr, sie h�rte nur noch ein Stimmengewirr, durchsetzt von mechanischen Ger�uschen. Danach kehrte Schweigen ein.</p><p>�Was ist los, Bilsheim? Sagen Sie schon!�</p><p>Das Walkie-talkie begann f�rchterlich zu rauschen.</p><p>�Hallo! Hallo!�</p><p>�Ja <emphasis>(Rauschen),</emphasis> wir haben den Durchgang ge�ffnet. Dahinter ist ein <emphasis>(Rauschen)</emphasis> Gang. Er f�hrt nach <emphasis>(Rauschen)</emphasis> rechts. Wir gehen weiter!�</p><p>�Warten Sie! Wie haben Sie das mit den vier Dreiecken angestellt?�</p><p>Aber Bilsheim und seine Leute konnten die Mitteilungen von der Oberfl�che nicht mehr vernehmen. Der Lautsprecher ihres Ger�ts funktionierte nicht mehr, wahrscheinlich ein Kurzschlu�. Sie empfingen nichts mehr, konnten aber noch senden.</p><p>�Ah! Das ist unglaublich. Je weiter man vorst��t, um so besser konstruiert wirkt das. Da ist ein Gew�lbe, und in der Feme ein Licht. Wir gehen hin.�</p><p>�Warten Sie, was sagen Sie da? Ein Licht da unten?�</p><p>�Da sind sie!�</p><p>�Wer ist da? Herrgott! Die Leichen? Antworten Sie!�</p><p>�Achtung .�</p><p>Man h�rte eine Reihe kr�ftiger Detonationen. Schreie, dann brach die Verbindung ab.</p><p>Das Seil wickelte sich nicht mehr ab, dennoch blieb es gespannt. In der Annahme, es habe sich verklemmt, griffen die Polizisten oben in der Wohnung danach und zerrten daran. Sie versuchten es zu dritt ... Zu f�nft. Pl�tzlich gab es nach.</p><p>Sie zogen das Seil hoch und rollten es auf, und nicht in der K�che, sondern im E�zimmer, ein solch riesiges Kn�uel kam dabei heraus. Endlich hatten sie das abgerissene Ende in der Hand, es war v�llig ausgefranst, als h�tten Z�hne daran genagt.</p><p>�Was machen wir jetzt, Madame?� murmelte einer der Polizisten.</p><p>�Nichts, rein gar nichts. Nichts mehr. Kein Wort an die Presse, kein Wort an wen auch immer, und im �brigen mauern Sie mir diesen Keller so schnell wie m�glich zu. Die Untersuchung ist beendet. Ich schlie�e die Akten, und wehe, mich spricht noch jemand auf diesen Teufelskeller an! Los, beeilen Sie sich, beschaffen Sie sich Ziegelsteine und Zement. Und regeln Sie das Problem mit den Witwen der Gendarmen.�</p><p>Am sp�ten Nachmittag, als die Polizisten gerade die letzten Steine einf�gen wollten, h�rten sie ein dumpfes Ger�usch. Jemand kam zur�ck! Sie schufen eine �ffnung. Ein Kopf tauchte aus der Finsternis auf, dann der ganze K�rper des �berlebenden. Ein Gendarm. Endlich w�rde man erfahren, was da unten vorging. Sein Gesicht war eine einzige Fratze der Angst. Einige Gesichtsmuskeln waren gel�hmt, wie nach einem Schlaganfall. Ein richtiger Zombie. Seine Nasenspitze war abgerissen und blutete stark. Er zitterte, seine Augen waren verdreht.</p><p>�Gebegeeeege�, stammelte er.</p><p>Speichel rann aus seinem Mundwinkel. Er fuhr sich mit einer Hand voll tiefer Wunden, die seine Kollegen an Messerstiche denken lie�en, �ber das Gesicht.</p><p>�Was ist passiert? Sind Sie angegriffen worden?�</p><p>�G����beg��!�</p><p>�Gibt es noch mehr �berlebende da unten?�</p><p>�B�g�geebebeggebee!�</p><p>Da er unf�hig war, mehr hervorzubringen, verbanden sie seine Wunden. Man sperrte ihn in eine psychiatrische Anstalt und mauerte die Kellert�r zu.</p><p>Jedes noch so feine Scharren der Beine auf dem Boden bewirkt eine Ver�nderung in der Helligkeit des Lichts. Es flackert, als h�rte es sie kommen, als w�re es lebendig.</p><p>Die Ameisen bleiben stehen, um sich Gewi�heit zu verschaffen. Das Licht breitet sich sogleich aus, bis es sogar die kleinsten Ritzen der G�nge erhellt. Die beiden Spioninnen verstecken sich schleunigst, um nicht von dem seltsamen Scheinwerfer erfa�t zu werden. Dann nutzen sie einen pl�tzlichen Abfall der Helligkeit und hasten zu der Lichtquelle.</p><p>Sieh an, es handelt sich um einen phosphoreszierenden K�fer. Ein br�nstiges Gl�hw�rmchen. Kaum hat es die Eindringlinge geortet, erlischt es vollst�ndig ... Aber da nichts geschieht, gl�ht es allm�hlich schwachgr�n, sozusagen vorsichtig, auf Sparflamme, wieder auf.</p><p>Nr. 103 683 gibt Duftstoffe von sich, die eine friedliche Absicht bekunden. Obwohl alle K�fer diese Sprache verstehen, antwortet das Gl�hw�rmchen nicht. Das gr�ne Licht wird tr�ber, wechselt ins Gelb, um nach und nach r�tlich anzulaufen. Die Ameisen vermuten, da� diese neue Farbe eine Frage bedeutet.</p><p><emphasis>Wir haben uns in diesem Termitenh�gel verlaufen,</emphasis> sendet die alte Kundschafterin.</p><p>Zun�chst erhalten sie keine Antwort. Nach einigen weiteren Farbabstufungen beginnt das Gl�hw�rmchen zu blinken, was sowohl Freude wie Ver�rgerung hei�en kann. Unschl�ssig warten die Ameisen ab. Pl�tzlich biegt das Gl�hw�rmchen, schneller und schneller blinkend, in einen Seitengang ein. Man k�nnte meinen, es wollte ihnen etwas zeigen. Sie folgen ihm.</p><p>Sie kommen in einen noch k�lteren und feuchteren Bereich. Irgendwoher dringt ein trauriges Jaulen zu ihnen her�ber. Verzweiflungsschreie, die sich in Form von Ger�chen und T�nen verbreiten.</p><p>Die beiden Ameisen beraten sich. Nun, wenn das Insekt auch nicht zu ihnen spricht, verstehen tut es bestens. Und als wollte es ihre Frage beantworten, leuchtet es in langen Abst�nden auf und erlischt wieder, ganz so, als wollte es ihnen bedeuten: <emphasis>Habt keine Angst, folgt mir.</emphasis></p><p>Alle drei dringen immer tiefer in den fremden Untergrund ein und gelangen in eine sehr kalte Zone, in der die G�nge viel breiter sind.</p><p>Das Jaulen setzt nur noch st�rker wieder ein.</p><p><emphasis>Achtung!</emphasis> st��t Nr. 4000 pl�tzlich aus.</p><p>Nr. 103 683 dreht sich um. Das Gl�hw�rmchen beleuchtet eine Art Monster, das sich n�hert, das Gesicht zerknittert wie ein Greis, den K�rper in ein transparentes wei�es Leichentuch geh�llt. Die Soldatin bricht in einen intensiven Duft des Entsetzens aus, der ihren beiden Begleitern den Atem nimmt. Die Mumie kommt immer n�her, sie scheint sich sogar vorzubeugen, als wollte sie zu ihnen sprechen. In Wirklichkeit f�llt sie vorn�ber. Sie schl�gt der L�nge nach auf den Boden. Die Schale �ffnet sich. Und der grauenhafte Greis verwandelt sich in ein Neugeborenes ...</p><p>Eine Termitenpuppe!</p><p>Normalerweise m��te sie liegend in einer Ecke verharren. Aufgeschlitzt windet sich die Mumie weiter und st��t ein trauriges Jaulen aus. Daher r�hrten also diese Schreie!</p><p>Und es sind noch mehr Mumien da. Die drei Insekten halten sich n�mlich in einer Art Krippe auf. Hunderte von Termitenpuppen lehnen aufrecht nebeneinander an den W�nden. Nr. 4000 mustert sie und stellt fest, da� einige aus Mangel an Pflege verendet sind. Die �berlebenden sto�en verzweifelte D�fte aus, um die Ammen zu rufen. Sie sind schon eine ganze Weile nicht mehr ern�hrt worden, sie werden alle vor Hunger umkommen.</p><p>Das ist verr�ckt. Niemals, und sei es nur f�r kurze Zeit, w�rde ein mit der F�rsorge betrautes Insekt seine Brut verlassen. Oder aber ... Der gleiche Gedanke durchzuckt die beiden Ameisen. Oder aber ... alle Arbeiterinnen sind tot und es sind nur noch die Puppen �briggeblieben!</p><p>Das Gl�hw�rmchen blinkt erneut, fordert sie auf, ihm durch weitere G�nge zu folgen. Ein merkw�rdiger Geruch erf�llt die Luft. Die Soldatin tritt auf etwas Hartes. Sie hat keine Infrarot-Ozellen und kann im Dunkeln nichts erkennen. Das lebende Licht kommt n�her und beleuchtet die Beine von Nr. 103 683. Der Kadaver eines Termitensoldaten! Er sieht einer Ameise sehr �hnlich, nur da� er ganz wei� ist und keinen gesonderten Hinterleib hat ...</p><p>Hunderte von wei�en Kadavern bedecken den Boden. Was f�r ein Massaker! Und das Seltsamste: S�mtliche K�rper sind unversehrt. Es hat kein Kampf stattgefunden! Der Tod mu� urpl�tzlich eingetreten sein. Die Bewohner sind in der Haltung ihrer allt�glichen Arbeit erstarrt. Einige scheinen noch ein Gespr�ch zu f�hren oder mit ihren Mandibeln Holz zu schneiden. Was mag eine solche Katastrophe herbeigef�hrt haben?</p><p>Nr. 4000 untersucht diese morbiden Statuen. Sie verstr�men einen stechenden Geruch. Ein Schauder �berl�uft die beiden Ameisen. Giftgas! Das erkl�rt alles: das Verschwinden der ersten gegen den Termitenstaat ausgesandten Expedition, der letzte �berlebende der zweiten Expedition, der ohne irgendeine Verletzung stirbt.</p><p>Und wenn sie selbst nichts merken, dann nur, weil sich das Gas seitdem verfl�chtigt hat. Nur, warum haben dann die Puppen �berlebt? Die alte Kundschafterin bringt eine Hypothese vor: Sie haben ein spezielles Immunsystem, vielleicht hat sie ihr Kokon gerettet ... Jetzt m��ten sie gegen das Gift geimpft sein. Das ist der ber�hmte Mithridatismus, der es den Insekten erm�glicht, mutierte Generationen zu zeugen und so s�mtlichen Insektiziden zu widerstehen.</p><p>Aber wer hat dieses t�dliche Gas verspr�ht? Ein einziges R�tsel. Einmal mehr ist Nr. 103 683 auf ihrer Suche nach der geheimen Waffe an �andere�, ebenso unverst�ndliche Dinge geraten.</p><p>Nr. 4000 m�chte hinaus. Das Gl�hw�rmchen blinkt Zustimmung. Die Ameisen verabreichen den Larven, die gerettet werden k�nnen, einige St�cke Zellulose, dann machen sie sich auf die Suche nach dem Ausgang. Das Gl�hw�rmchen folgt ihnen. Je weiter sie vorankommen, um so mehr weichen die Kadaver der Termitensoldaten den Kadavern von Arbeiterinnen, die mit der Pflege der K�nigin betraut sind. Einige haben noch Eier in ihren Mandibeln!</p><p>Die Architektur wird immer komplizierter. In die G�nge von dreieckigem Schnitt sind Zeichen eingeritzt. Das Gl�hw�rmchen wechselt die Farbe und verbreitet nun ein bl�uliches Licht. Es mu� etwas wahrgenommen haben. Tats�chlich l��t sich am Ende des Gangs ein Keuchen vernehmen.</p><p>Das Trio gelangt vor eine Art Sanktuarium, das von f�nf riesigen Posten bewacht wird. Alle tot. Und der Eingang ist durch die leblosen K�rper gut zwanzig kleiner Arbeiterinnen versperrt. Die Ameisen r�umen sie zur Seite, indem sie sie sich von Bein zu Bein reichen.</p><p>Auf diese Art legen sie eine beinahe perfekt kugelf�rmige H�hle frei. Das k�nigliche Gemach der Termiten. Von dort stammt das Ger�usch.</p><p>Das Gl�hw�rmchen verbreitet ein sch�nes wei�es Licht, das auf eine Art seltsame Nacktschnecke in der Mitte des Raumes f�llt. Das ist die Termitenk�nigin. Die Karikatur einer Ameisenk�nigin. Ihr kleiner Kopf und der k�mmerliche Oberk�rper m�nden in einen phantastischen Hinterleib von fast f�nfzig Kopf L�nge. Dieser �berm��ig entwickelte Fortsatz wird regelm��ig von Kr�mpfen gesch�ttelt.</p><p>Der kleine Kopf zuckt vor Schmerz, er st��t ein akustisches und olfaktorisches Heulen aus. Die Kadaver der Arbeiterinnen haben die �ffnung des Eingangs so gut verstopft, da� das Gas nicht hat eindringen k�nnen. Dennoch liegt die K�nigin im Sterben, da sie nicht verpflegt worden ist.</p><p><emphasis>Schau dir ihren Hinterleib an! Die Jungen dr�ngen von innen, und sie schafft es nicht, sie allein zur Welt zu bringen.</emphasis></p><p>Das Gl�hw�rmchen klettert an die Decke und erzeugt in aller Unschuld ein orangefarbenes Licht, jenem �hnlich, in das die Gem�lde von Georges de la Tour getaucht sind.</p><p>Dank der gemeinsamen Anstrengungen der Ameisen beginnen die Eier aus dem riesigen Zeugungssack zu str�men. Das ist ein wahrer Lebenshahn. Die K�nigin scheint erleichtert, sie hat aufgeh�rt zu schreien.</p><p>Sie fragt in der schlichten universellen Duftsprache, wer sie gerettet hat. ���Sie ist �berrascht, D�fte von Ameisen</p><p>wahrzunehmen. Sind sie maskierte Ameisen?</p><p>Die maskierten Ameisen, schwarze Insekten von gro�er Statur, die im Nordosten leben, sind eine in organischer Chemie �u�erst begabte Art. Sie verm�gen k�nstlich jedwedes Pheromon (Kennwort, Piste, Kommunikation ...) zu erzeugen, indem sie kundig S�fte, Pollen und Speichel mischen.</p><p>Haben sie diese Tarnung erst einmal ausgeschieden, gelingt es ihnen beispielsweise, in eine Termitenstadt einzudringen, ohne entdeckt zu werden. Sie pl�ndern und t�ten, ohne da� irgendeines ihrer Opfer sie identifizieren k�nnte!</p><p><emphasis>Nein, wir sind keine maskierten Ameisen.</emphasis></p><p>Die Termitenk�nigin fragt, ob es �berlebende in ihrer Stadt gebe. Nein, antworten die Ameisen. Sie �u�ert den Wunsch, da� man sie t�te, da� man ihre Leiden abk�rze. Aber vorher m�chte sie ihnen noch etwas verraten.</p><p>Ja, sie wei�, warum ihr Staat zerst�rt worden ist. Die Termiten haben vor kurzem das �stliche Ende der Welt entdeckt. Das Ende des Planeten. Ein glattes, schwarzes Land, in dem alles Leben vernichtet ist.</p><p><emphasis>Dort leben seltsame, sehr schnelle und sehr wilde Tiere. Das sind die W�chter des Endes der Welt. Sie sind mit schwarzen Platten bewaffnet, die alles zerquetschen. Und jetzt verwenden sie auch noch Giftgas!</emphasis></p><p>Das erinnert an den alten Traum der K�nigin Bi-stin-ga. Das Ende der Welt zu erreichen. Sollte das wirklich m�glich sein? Die beiden Ameisen sind v�llig verdutzt.</p><p>Sie hatten bislang geglaubt, die Erde sei so gro�, da� es nicht m�glich ist, ihren Rand zu erreichen. Und nun gibt diese Termitenk�nigin zu verstehen, das Ende der Welt sei ganz in der N�he! Und von Unget�men bewacht ... Sollte der Traum der K�nigin Bi-stin-ga erf�llbar sein?</p><p>Die ganze Sache kommt ihnen so ungeheuerlich vor, da� sie nicht wissen, mit welcher Frage sie beginnen sollen.</p><p><emphasis>Aber warum sind diese �W�chter des Endes der Welt� bis hierher vorgedrungen? Wollen sie die St�dte des Westens �berfallen?</emphasis></p><p>Die gro�e K�nigin wei� es auch nicht. Sie will jetzt sterben. Sie besteht darauf. Sie hat es nicht gelernt, ihr Herz anzuhalten. Man mu� sie t�ten.</p><p>Also enthaupten die Ameisen die Termitenk�nigin, nachdem sie ihnen den Weg zum Ausgang beschrieben hat. Danach verzehren sie einige kleine Eier und verlassen das imposante Geb�ude, das nur noch eine Phantomstadt ist. Am Eingang hinterlassen sie ein Pheromon, das die Schilderung des Dramas dieses Ortes enth�lt. Denn als Kundschafterinnen der F�deration m�ssen sie all ihren Verpflichtungen nachkommen.</p><p>Das Gl�hw�rmchen verabschiedet sich. Wahrscheinlich hat es sich auf der Flucht vor dem Regen auch in den Termitenh�gel verirrt. Jetzt, wo es wieder sch�n ist, wird es seinen gewohnten Trott wiederaufnehmen: Essen, Licht ausstrahlen, um Weibchen anzulocken, sich fortpflanzen, essen, Licht ausstrahlen, um Weibchen anzulocken, sich fortpflanzen ... Das Leben eines Gl�hw�rmchens eben.</p><p>Sie richten ihren Blick und ihre Antennen nach Osten. Von hier erkennen sie nicht viel, trotzdem, sie wissen: Das Ende der Welt ist nicht fern. Es liegt dort in der Gegend.</p><empty-line/><p><strong>zivilisationsschock: Der Kontakt zweier Zivilisationen ist stets ein heikler Augenblick. Zu den dunkelsten Augenblicken, die die Menschheit erlebt hat, z�hlt die Versklavung der afrikanischen Schwarzen im 18. Jahrhundert.</strong></p><p><strong>Die meisten V�lker, die als Sklaven verschleppt wurden, lebten im Landesinneren, im Flachland und in den W�ldern. Sie hatten noch nie das Meer gesehen. Pl�tzlich erkl�rte ihnen ohne erkennbaren Grund ein benachbarter K�nig den Krieg, und statt sie zu t�ten, nahm er sie gefangen, fesselte sie und lie� sie in Richtung Meer marschieren.</strong></p><p><strong>Am Ende ihrer Reise entdeckten sie zwei unbegreifliche Dinge: 1) das unendlich weite Meer. 2) die hellh�utigen Europ�er. Nun, das Meer, selbst wenn sie es noch nie gesehen hatten, war ihnen aufgrund von Erz�hlungen als das Reich der Toten bekannt. Die Wei�en hingegen waren f�r sie so etwas wie Au�erirdische, sie hatten einen seltsamen Geruch, sie hatten eine seltsame Hautfarbe, sie trugen seltsame Kleider.</strong></p><p><strong>Viele starben vor Angst, andere sprangen wie von Sinnen von den Schiffen und wurden von Haien gefressen. Die �berlebenden erwartete eine �berraschung nach der anderen. Was sahen sie? Zum Beispiel, da� die Wei�en Wein tranken. Und sie waren sicher, da� es Blut sei, das Blut der Ihren.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Das Weibchen Nr. 56 ist hungrig. Und nicht nur ihr K�rper, sondern ein ganzes Volk verlangt nach seiner Ration. Wie soll sie die Meute ern�hren, die sie in ihrem Scho� beherbergt? Sie entschlie�t sich, aus ihrem Loch, in dem sie legen wollte, herauszukriechen, schleppt sich �ber eine Strecke von ein paar hundert Kopf und kehrt mit drei Kiefernnadeln zur�ck, an denen sie gierig leckt und kaut.</p><p>Das reicht nicht. Sie w�re gern auf die Jagd gegangen, doch sie hat keine Kraft mehr. Und sie selbst droht ein gefundenes Fressen f�r Tausende von R�ubern zu werden, die in der Umgebung lauern. Also zw�ngt sie sich in ihr Loch, um auf den Tod zu warten.</p><p>Statt dessen kommt ein Ei zum Vorschein. Ihr erster Chlipukaner! Sie hat ihn kaum bemerkt. Sie hat ihre tauben Beine gesch�ttelt und mit aller Kraft auf ihre D�rme gepre�t. Das mu� einfach gehen, sonst ist alles vorbei. Das Ei kullert heraus. Es ist klein, dunkelgrau, fast schwarz.</p><p>Wenn sie ihn ausschl�pfen l��t, wird sie eine tote Ameise geb�ren. Zudem ... Sie w�re nicht einmal in der Lage, ihn bis zum Ausschl�pfen zu ern�hren. Also fri�t sie ihren ersten Spr��ling.</p><p>Das versetzt ihr sogleich einen Energieschub. In ihrem Hinterleib ist ein Ei weniger, in ihrem Magen eins mehr. Dieses Opfer verleiht ihr die Kraft, ein zweites, ebenso dunkles Ei, ebenso kleines Ei zu legen.</p><p>Sie verzehrt es genie�erisch. Und f�hlt sich noch besser. Das dritte Ei ist kaum heller. Sie verzehrt es dennoch.</p><p>Erst beim zehnten Ei �ndert die K�nigin ihre Strategie. Ihre Eier sind grau geworden, sie haben die Gr��e ihrer Aug�pfel. Chli-pu-ni legt drei dieser grauen Eier, eines fri�t sie, die anderen beiden l��t sie leben, w�rmt sie unter ihrem K�rper.</p><p>W�hrend sie weiterhin ein Ei nach dem anderen legt, verwandeln sich die beiden Gl�ckspilze in lange Larven, deren Gesichter in einer seltsamen Fratze erstarrt sind. Und sie beginnen zu wimmern, verlangen nach Nahrung. Die Arithmetik wird komplizierter. Von drei gelegten Eiern brauchte sie nun eines f�r sich und die beiden anderen f�r die Larven.</p><p>Und so, in einem geschlossenen Kreis, gelingt es, aus nichts etwas zu erschaffen. Wenn eine Larve gro� genug ist, gibt sie ihr eine andere Larve zu essen ... Das ist die einzige M�glichkeit, ihr die Proteine zu verschaffen, die zu ihrer Umwandlung in eine richtige Ameise erforderlich sind.</p><p>Aber die �berlebende Larve ist immer noch hungrig. Sie windet sich, schreit. Der Schmaus, das Opfer ihrer Schwestern, hat sie nicht s�ttigen k�nnen. Schlie�lich fri�t Chli-pu-ni diesen ersten Versuch, ein Kind zur Welt zu bringen.</p><p><emphasis>Ich mu� es schaffen, ich mu� es schaffen,</emphasis> trichtert sie sich ein. Sie denkt an das M�nnchen Nr. 327 und legt f�nf hellere Eier auf einmal. Zwei davon verschlingt sie, die anderen drei l��t sie wachsen.</p><p>Auf diese Weise, ein Staffellauf zwischen Kindesmord und Geb�ren, entsteht Leben. Drei Schritte vor, zwei zur�ck. Eine grausame �bung, die schlie�lich in den ersten Prototyp einer kompletten Ameise m�ndet.</p><p>Das Insekt ist winzig und recht schw�chlich, da unterern�hrt. Aber sie hat ihren ersten Chlipukaner zustande gebracht! Der durch Kannibalismus gepr�gte Weg zur Gr�ndung ihrer Stadt ist zur H�lfte geschafft. Diese degenerierte Arbeiterin kann sich in der Tat bewegen und Lebensmittel aus der Umgebung herbeischaffen: Insektenkadaver, K�rner, Bl�tter, Pilze ... Was sie auch tut.</p><p>Chli-pu-ni, endlich normal gen�hrt, bringt nun viel hellere, viel festere Eier zur Welt. Die harten Schalen sch�tzen die Eier vor der K�lte. Die Larven haben eine vern�nftige Gr��e. Diese neue Generation von Nachk�mmlingen ist gro� und stark. Sie wird die Grundlage der Bev�lkerung von Chli-pu-kan bilden.</p><p>Die erste, unterentwickelte Arbeiterin, die ihre K�nigin ern�hrt hat, wird schon bald von ihren Schwestern umgebracht und verzehrt. Danach sind alle Morde, alle Schmerzen, die der Gr�ndung des Staates vorausgegangen sind, vergessen.</p><p>Chli-pu-kan ist geboren.</p><empty-line/><p><strong>M�CKEN: Die M�cke ist das Insekt, das sich am liebsten mit dem Menschen duelliert. Jeder von uns hat bereits irgendwann im Pyjama auf dem Bett gestanden, einen Pantoffel in der Hand, den Blick lauernd auf die makellos wei�e Wand gerichtet.</strong></p><p><strong>Unverst�ndnis. Was da juckt, ist nur der desinfizierende Speichel ihres Saugr�ssels. Ohne diesen Speichel w�rde sich jeder Stich infizieren. Zudem ist die M�cke so r�cksichtsvoll, immer nur zwischen zwei Schmerzrezeptoren zu stechen.</strong></p><p><strong>Dem Menschen gegen�ber hat sich die Strategie der M�cke weiterentwickelt. Sie ist schneller geworden, unauff�lliger, flinker beim Abheben. Es wird immer schwieriger, sie zu entdecken. Einige ganz kecke der letzten Generation z�gern nicht, sich unter dem Kopfkissen ihres Opfers zu verstecken. Sie haben das Prinzip des �Entwendeten Briefs� von Edgar Allen Poe entdeckt: Das beste Versteck ist jenes, das in die Augen springt, da man stets in der Ferne sucht, was ganz nah ist.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Gro�mutter Augusta betrachtete ihre bereits gepackten Koffer. Morgen w�rde sie in die Rue des Sybarites ziehen. Das mochte unglaublich erscheinen, aber Edmond hatte Jonathans Verschwinden vorhergesehen und in seinem Testament geschrieben: �Wenn Jonathan stirbt oder verschwindet und wenn er selbst kein Testament verfa�t hat, w�nsche ich, da� Augusta Wells, meine Mutter, meine Wohnung bezieht. Wenn auch sie verschwindet oder wenn sie dieses Verm�chtnis ablehnt, w�nsche ich, da� Pierre Rosenfeld die R�umlichkeiten erbt. Wenn er es ebenfalls ablehnt oder verschwindet, k�nnte Jason Bragel dort einziehen ...� Man mu�te zugeben, da� im Lichte der j�ngsten Ereignisse Edmond allen Anla� gehabt hatte, mindestens vier Erben einzusetzen. Aber Augusta war nicht abergl�ubisch, zudem war sie der Auffassung, da� Edmond, so menschenfeindlich er auch war, keinerlei Grund gehabt h�tte, seinen Neffen und seine Mutter in den Tod zu schicken. Und Jason Bragel war sein bester Freund gewesen!</p><p>Ein seltsamer Gedanke ging ihr durch den Kopf. Man hatte den Eindruck, Edmond habe danach getrachtet, die Zukunft vorauszuplanen, so als ... beg�nne alles nach seinem Tod.</p><p>Seit Tagen schon ziehen sie in Richtung Sonnenaufgang. Die Gesundheit von Nr. 4000 verschlechtert sich mehr und mehr, aber die alte Kriegerin wandert weiter, ohne zu klagen. Ihr Mut und ihr Wissensdurst sind wirklich vorbildlich.</p><p>Eines Sp�tnachmittags, sie klettern gerade den Stamm eines Haselnu�strauchs empor, werden sie pl�tzlich von blutroten Wanderameisen umzingelt. Wieder Tiere aus dem S�den, die sich das Land ansehen wollen. Ihr l�nglicher K�rper ist mit einem Giftstachel versehen, der bei der geringsten Ber�hrung, wie jeder wei�, sofort den Tod herbeif�hrt. Die beiden w�ren lieber woanders.</p><p>Von einigen degenerierten S�ldnern abgesehen, hat Nr. 103 683 in dem gro�en weiten Land noch nie blutrote Ameisen zu Gesicht bekommen. Wahrhaftig, es lohnt sich, die Gebiete des Ostens zu entdecken ...</p><p><emphasis>Ihr habt nicht den richtigen Pheromonenpa�. Raus hier! Das ist unser Gebiet!</emphasis></p><p>Antennenkontakt. Die blutroten Ameisen wissen sich in der Sprache der Belokanerinnen zu verst�ndigen.</p><p>Die beiden antworten, da� sie nur auf der Durchreise sind, da� sie zum Ende der �stlichen Welt gehen wollen. Die blutroten Ameisen beraten sich.</p><p>Sie haben die beiden anderen Mitglieder der F�deration der roten Ameisen erkannt. Die ist zwar weit entfernt, aber m�chtig (64 St�dte nach der letzten Schwarmzeit), und der Ruf ihrer Armeen ist �ber den Flu� des Westens hinausgelangt. Vielleicht ist es besser, keinen Konflikt zu provozieren. Eines Tages werden die Blutroten, die ja zu den Wanderameisen geh�ren, unweigerlich gezwungen sein, die vereinigten Gebiete der Roten zu durchqueren.</p><p>Der Antennenaufruhr l��t allm�hlich nach. Es ist Zeit f�r die Schlu�folgerung. Eine blutrote Ameise �bermittelt die Meinung der Gruppe: <emphasis>Ihr k�nnt hier eine Nacht bleiben. Wir sind bereit, euch den Weg zum Ende der Welt zu zeigen und euch sogar dorthin zu begleiten. Als Gegenleistung �berla�t ihr uns einige eurer Identifikationspheromone.</emphasis></p><p>Der Handel geht in Ordnung. Nr. 103 683 und Nr. 4000 wissen, da� sie mit der �bergabe ihrer Pheromone den blutroten Ameisen einen wertvollen Passierschein f�r das gesamte Gebiet der F�deration �berlassen. Aber ans Ende der Welt zu gelangen und von dort zur�ckzukehren, daf�r ist kein Preis zu hoch ...</p><p>Ihre Gastgeber f�hren sie zu dem einige Zweige h�her gelegenen Lagerplatz. Das hat keinerlei �hnlichkeit mit allem, was sie kennen. Die blutroten Ameisen, die sich aufs Weben und N�hen verstehen, haben ihr provisorisches Nest errichtet, indem sie die R�nder dreier gro�er Bl�tter des Haselnu�strauchs zusammengen�ht haben. Eines dient als Boden, die beiden anderen als Seitenw�nde.</p><p>Nr. 103 683 und Nr. 4000 beobachten eine Gruppe von Weberinnen, die damit besch�ftigt sind, das �Dach� vor Einbruch der Dunkelheit zu schlie�en. Sie w�hlen ein Blatt aus, das als Deckel dienen wird. Um dieses Blatt mit den drei anderen zu verbinden, bilden sie eine lebende Leiter. Dutzende von Arbeiterinnen stapeln sich �bereinander, bis sie einen kleinen Berg ergeben, von dem aus man das oberste Blatt erreichen kann.</p><p>Der Stapel bricht mehrmals zusammen. Er ist zu hoch.</p><p>Darauf wenden die blutroten Ameisen eine andere Methode an. Eine Gruppe von Arbeiterinnen schwingt sich auf das Blatt, das als Decke dienen soll, bildet eine Kette, die sich festklammert und am �u�ersten Rand des Blattes h�ngt. Die Kette l��t sich herab, l��t sich weiter herab, um sich mit der lebenden Leiter zu verbinden, die unten wartet. Das ist immer noch zu weit, also wird die Kette an ihrem Ende von einer Traube blutroter Ameisen beschwert.</p><p>Fast reicht es, der Stengel des Blattes hat sich durchgebogen. Es fehlen mir noch ein paar Zentimeter auf der rechten Seite. Die Ameisen der Kette nehmen eine Pendelbewegung vor, um den Zwischenraum zu �berbr�cken. Bei jedem Schwingen dehnt sich die Kette, sie scheint zu rei�en, aber sie h�lt. Endlich vereinigen sich die Mandibeln der Akrobaten oben und jener unten: <emphasis>Klack!</emphasis></p><p>Zweiter Schritt: Die Kette schrumpft zusammen. Die Arbeiterinnen in der Mitte verlassen mit �u�erster Vorsicht ihren Platz, steigen auf die Schultern ihrer Kolleginnen, und alle ziehen, um die beiden Bl�tter zusammenzubringen. Das obere Blatt sinkt St�ck f�r St�ck tiefer, verteilt seinen Schatten �ber das Dorf.</p><p>Sicher, die Kiste hat ihren Deckel, doch jetzt gilt es, sie zu verschwei�en. Eine alte blutrote Ameise st�rzt in das Innere eines Hauses. Als sie wieder hervorkommt, schwenkt sie eine gro�e Larve. Das ist das Webger�t.</p><p>Die R�nder werden genau zusammengef�gt, man achtet darauf, da� keine L�cher entstehen. Dann wird die frische Larve herbeigebracht. Die �rmste war gerade im Begriff, ihren Kokon zu fertigen, um in aller Ruhe heranzuwachsen. Man l��t sie nicht mehr dazu kommen. Eine Arbeiterin greift einen Faden aus diesem Kn�uel und beginnt es abzuwickeln. Mit ein wenig Speichel klebt sie das Ende an ein Blatt und reicht den Kokon ihrer Nachbarin weiter.</p><p>Die Larve sp�rt, da� man ihr ihren Faden entrei�t, und produziert einen neuen, um den Verlust auszugleichen. Je mehr man sie entbl��t, um so k�lter wird ihr und um so mehr Seide scheidet sie aus.</p><p>Die Arbeiterinnen reichen sich dieses lebende Webschiffchen von Mandibel zu Mandibel weiter und sparen dabei nicht an Garn. Wenn ihr Kind vor Ersch�pfung stirbt, nehmen sie ein anderes. Zw�lf Larven werden allein bei dieser Arbeit geopfert.</p><p>Nach einer Weile ist auch der zweite Rand der Decke verschlossen. Das Dorf bietet jetzt den Anblick einer gr�nen Kiste mit wei�en Kanten. Nr. 103 683, die fast wie zu Hause darin herumwandert, fallen einige schwarze Ameisen inmitten der Menge der blutroten auf. Sie kann es sich nicht verkneifen, Fragen zu stellen.</p><p><emphasis>Sind das S�ldner?</emphasis></p><p><emphasis>Nein, das sind Sklaven.</emphasis></p><p>Die blutroten Ameisen sind doch gar nicht als Sklavenhalter bekannt ... Eine von ihnen erkl�rt, da� sie k�rzlich einer Horde von sklavenhaltenden Ameisen begegnet seien, die auf dem Weg nach Westen waren, und da� sie eine Anzahl Eier von schwarzen Ameisen gegen ein tragbares gewebtes Netz eingetauscht h�tten.</p><p>Nr. 103 683 l��t so schnell nicht locker und fragt ihre Gespr�chspartnerin, ob die Begegnung danach nicht in einen Kampf umgeschlagen sei. Nein, antwortet die andere, die f�rchterlichen Ameisen seien bereits ges�ttigt gewesen, sie hatten schon viel zu viele Sklaven, au�erdem h�tten sie Angst vor dem t�dlichen Stachel der blutroten gehabt.</p><p>Die aus den eingetauschten Eiern hervorgegangenen schwarzen Ameisen hatten die Duftausweise ihrer Gastgeber angenommen und dienten ihnen, als handelte es sich um ihre Eltern. Woher h�tten sie auch wissen sollen, da� sie durch ihr genetisches Erbe eigentlich Raubameisen und keine Sklaven waren? Sie wissen nichts von der Welt au�er dem, was ihnen die blutroten Ameisen zu erz�hlen bereit waren.</p><p><emphasis>Habt ihr keine Angst, da� sie aufm�pfig werden?</emphasis></p><p>Sicher, ein paarmal h�tten sie schon aufgemuckt. Im allgemeinen schlossen die Blutroten derlei Vorf�lle aus, indem sie die St�renfriede eliminierten. Solange die Schwarzen nicht wissen, da� sie aus einem Nest geraubt worden sind, da� sie zu einer anderen Art geh�ren, mangelt es ihnen an der rechten Motivation ...</p><p>Die Nacht und die K�lte senken sich �ber den Haselnu�strauch. Man weist den beiden Kundschafterinnen eine Ecke an, in der sie ihren n�chtlichen Miniwinterschlaf halten k�nnen.</p><p>Chli-pu-kan w�chst nach und nach. Zuerst hat man die Verbotene Stadt angelegt. Sie wurde nicht in einem Baumstumpf errichtet, sondern in einem merkw�rdigen Ding, das dort vergraben war, einer verrosteten Konservenb�chse, die einst drei Kilo Kompott enthielt, ein Relikt aus einem nahe gelegenen Waisenhaus.</p><p>In diesem neuen Palast legt Chli-pu-ni wie eine Besessene, w�hrend man sie mit Zucker, Fett und Vitaminen vollstopft.</p><p>Die ersten T�chter haben unmittelbar unter der Verbotenen Stadt eine Krippe errichtet, die mit sich zersetzendem Humus beheizt wird. Das ist am praktischsten, solange die Kuppel aus Zweigen und das Solarium, die das Ende der Bauarbeiten markieren werden, nicht fertiggestellt sind.</p><p>Chli-pu-ni will, da� ihre Stadt alle bekannten technologischen Errungenschaften ausnutzt:�Pilzkulturen,�Flaschenk�rbisse, Herden von Blattl�usen, Efeust�tzen, S�le zur G�rung von Honigtau, S�le zur Produktion von Getreidemehl, S�le f�r S�ldnerinnen und Spioninnen, S�le f�r organische Chemie usw.</p><p>Und in allen Ecken herrscht ein reges Treiben. Die junge K�nigin hat es verstanden, ihren Enthusiasmus und ihre Hoffnungen zu �bertragen. Sie will nicht, da� Chli-pu-kan eine f�derierte Stadt wie alle anderen wird. Sie strebt danach, sie zu einem avantgardistischen Zentrum zu machen, zur Speerspitze der Ameisenzivilisation. Sie spr�ht vor Ideen.</p><p>So hat man zum Beispiel in der Umgebung des 12. UG einen unterirdischen Flu� entdeckt. Ihrer Meinung nach ist das Wasser ein Element, das nur unzureichend erforscht worden ist. Man mu� ein Mittel finden, dar�ber hinwegzugehen.</p><p>Als erstes wird eine Einheit beauftragt, die Insekten zu studieren, die im S��wasser leben: ���Schwimmk�fer,</p><p>H�pferlinge, Wasserfl�he ... Sind sie e�bar? Kann man eines Tages welche in unbewachten Lachen auf ziehen?</p><p>Ihre erste ber�hmte Rede h�lt sie �ber das Thema der Pflanzenl�use:</p><p><emphasis>Wir gehen auf eine Epoche kriegerischer Wirren zu. Die Waffen werden immer ausgekl�gelter. Wir werden da nicht immer mithalten k�nnen. Eines Tages wird die Jagd drau�en vielleicht Gl�ckssache sein. Wir m�ssen das Schlimmste ins Auge fassen. Unsere Stadt mu� sich so weit wie m�glich in die Tiefe ausdehnen. Und wir m�ssen die Aufzucht der Pflanzenl�use intensiver betreiben als jede andere Form der Lieferung von lebenswichtigem Zucker. Dieses Vieh mu� in St�llen in den untersten Stockwerken untergebracht werden.</emphasis></p><p>Drei�ig ihrer T�chter ziehen aus und kehren mit zwei Pflanzenl�usen zur�ck, die kurz davor sind, ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Nach einigen Stunden sind sie im Besitz von gut hundert kleinen Pflanzenl�usen, denen sie die Fl�gel stutzen. Sie bringen diesen Grundstock des k�nftigen Viehbestands in das 23. UG, wo er vor den Marienk�fern in Sicherheit ist, und versorgt ihn reichlich mit frischen Bl�ttern und saftigen Stengeln.</p><p>Chli-pu-ni sendet Kundschafterinnen in alle Himmelsrichtungen. Einige bringen Lamellenpilzsporen mit, die sogleich in den Pilzkulturen eingepflanzt werden. Die entdeckungsfreudige K�nigin beschlie�t sogar, den Traum ihrer Mutter zu verwirklichen: Sie l��t an der Ostgrenze eine Reihe von Samenk�rnern fleischfressender Pflanzen auss�en. Auf diese Weise hofft sie einen eventuellen Angriff der Termiten und ihrer Geheimwaffe aufzuhalten.</p><p>Denn das R�tsel der Geheimwaffe, die Ermordung des 327. Prinzen und die unter dem Granitfelsen versteckten Nahrungsvorr�te hat sie keineswegs vergessen.</p><p>Sie schickt eine Gruppe von Abgesandten nach Bel-o-kan. Offiziell haben sie den Auftrag, der K�nigin die Gr�ndung der f�nfundsechzigsten Stadt und ihren Anschlu� an die F�deration zu melden. Inoffiziell jedoch sollen sie versuchen, die Ermittlungen im 50. UG von Bel-o-kan fortzusetzen.</p><p>Es klingelte an der T�r, als Augusta gerade ihre kostbaren, leicht br�unlichen Fotos an die Wand nadelte. Sie vergewisserte sich, da� die Sicherheitskette eingehakt war, und �ffnete die T�r einen Spaltbreit.</p><p>Vor ihr stand ein adretter Herr mittleren Alters: selbst das Revers seines Jacketts war frei von Schuppen.</p><p>�Guten Tag, Madame Wells. Darf ich mich vorstellen: Professor Leduc, ein Kollege Ihres Sohnes Edmond. Ich will nicht lange drum herum reden. Ich wei�, da� Sie bereits Ihren Enkel und Ihren Urenkel in dem Keller verloren haben. Und da� acht Feuerwehrleute, sechs Gendarmen und zwei Kriminalbeamte ebenfalls darin verschwunden sind. Dennoch, Madame ... Ich w�rde gern dort hinuntergehen.�</p><p>Augusta war nicht sicher, ob sie recht geh�rt hatte. Sie stellte ihr H�rger�t auf maximale Lautst�rke.</p><p>�Sie sind Professor Rosenfeld?�</p><p>�Nein. Leduc. Professor Leduc. Wie ich sehe, haben Sie schon von Rosenfeld geh�rt. Rosenfeld, Edmond und ich, wir sind alle drei Insektenforscher. Wir haben ein gemeinsames Spezialgebiet: die Ameisenforschung. Aber Edmond war uns um einiges voraus. Es w�re schade, wenn die Menschheit nicht davon profitieren k�nnte . Ich w�rde gern in Ihren Keller gehen.�</p><p>Wenn man schlecht h�rt, schaut man um so besser hin. Sie musterte die Ohren dieses Leduc. Das menschliche Wesen hat die Besonderheit, seinen urspr�nglichen Zustand in sich zu bewahren: In diesem Sinne stellt das Ohr den F�tus dar. Das Ohrl�ppchen entspricht dem Kopf, die Gr�te der Ohrmuschel der Wirbels�ule usw. Dieser Leduc mu�te ein magerer F�tus gewesen sein, und f�r magere F�ten hatte Augusta nicht viel �brig.</p><p>�Und was hoffen Sie in diesem Keller zu finden?�</p><p>�Ein Buch. Eine Enzyklop�die, in der er systematisch all seine Arbeiten notiert hat. Edmond war ein Geheimniskr�mer.</p><p>Er hat vermutlich alles da unten vergraben und Fallen gestellt, um die Banausen zu t�ten oder abzuschrecken. Ich hingegen gehe als Sachkundiger hinunter, und ein Sachkundiger ...�</p><p>�. kann genausogut ums Leben kommen!� erg�nzte Augusta.</p><p>�Geben Sie mir eine Chance.�</p><p>�Treten Sie ein, Monsieur ...?�</p><p>�Leduc. Professor Leduc vom Laboratorium 352 des Nationalen Forschungszentrums.�</p><p>Sie f�hrte ihn zur Kellert�r. Auf der Mauer, die die Polizei errichtet hatte, prangte in breiten roten Buchstaben eine Inschrift:</p><p>NIE WIEDER DARF JEMAND DIESEN VERDAMMTEN KELLER BETRETEN</p><p>Augusta deutete mit dem Kinn darauf.</p><p>�Wissen Sie, was die Leute in diesem Haus sagen, Monsieur Leduc? Sie sagen, das sei der Eingang zur H�lle. Sie sagen, dieser Keller sei wie eine fleischfressende Pflanze, die die Menschen verschlingt, die ihren Schlund kitzeln ... Einige sind sogar daf�r, den Keller zuzubetonieren.�</p><p>Sie betrachtete ihn von oben bis unten.</p><p>�Haben Sie keine Angst zu sterben, Monsieur Leduc?�</p><p>�Doch�, sagte er sp�ttisch l�chelnd. �Doch, ich habe Angst, idiotisch zu sterben, ohne zu wissen, was auf dem Grund dieses Kellers ist.�</p><p>Nr. 103 683 und Nr. 4000 haben das Nest der Weberinnen verlassen. Zwei Kriegerinnen mit spitzem Stachel begleiten sie. Gemeinsam ziehen sie �ber durch kaum wahrnehmbare Pheromone markierte Duftpisten. Sie sind bereits ein paar tausend Kopf von dem in den Zweigen des Haselstrauches gewebten Nest entfernt. Allen m�glichen exotischen Tieren, deren Namen sie nicht einmal kennen, sind sie begegnet. Sicherheitshalber gehen sie ihnen aus dem Weg.</p><p>Wenn die Nacht hereinbricht, w�hlen sie sich so tief wie m�glich in den Boden, um sich der wohligen W�rme und dem Schutz der N�hrmutter Erde anzuvertrauen.</p><p>Heute haben die beiden Weberinnen sie auf den h�chsten Punkt eines H�gels gef�hrt.</p><p><emphasis>Ist das Ende der Welt noch weit?</emphasis></p><p><emphasis>Das ist da lang.</emphasis></p><p>Von der H�he aus sehen die beiden roten Ameisen, so weit das Auge reicht, ein einziges Universum von dunklem Gestr�pp. Die Weberinnen erkl�ren ihnen, da� ihre Mission hier ende, da� sie ihnen nicht weiter folgen. Es gebe gewisse Orte, an denen ihr Duft nicht gut gelitten sei.</p><p>Die Belokanerinnen m��ten weiter geradeaus gehen bis zu den Feldern der Schnitterinnen. Jene lebten st�ndig in der N�he des �Randes der Welt�; sie k�nnten ihnen bestimmt Auskunft geben.</p><p>Bevor sie sich von ihren F�hrerinnen trennen, �bergeben sie ihnen die kostbaren Identifizierungspheromone der F�deration, den vereinbarten Preis der Durchreise. Dann eilen sie den H�gel hinunter auf die Felder zu, die von den erw�hnten Schnitterinnen bestellt werden.</p><empty-line/><p><strong>SKELETT: Ist es besser, sein Skelett innerhalb oder au�erhalb des K�rpers zu haben?</strong></p><p><strong>Wenn das Skelett au�en ist, bildet es eine sch�tzende Karosserie. Das Fleisch ist vor �u�eren Gefahren gesch�tzt, doch daf�r wird es schlaff, beinahe fl�ssig. Und wenn trotz des ganzen Panzers eine Spitze nach innen dringt, sind die Sch�den irreparabel.</strong></p><p><strong>Wenn das Skelett nur eine schmale und unbewegliche Stange im Innern der Masse bildet, ist das zuckende Fleisch allen m�glichen Angriffen ausgesetzt. Die Verletzungen sind vielfach und dauerhaft. Aber gerade diese scheinbare Schw�che zwingt den Muskel und seine Fasern, h�rter und widerstandsf�higer zu werden.</strong></p><p><strong>Ich habe Menschen gesehen, die sich dank ihres Verstands �intellektuelle� R�stungen geschmiedet hatten, die sie vor Unannehmlichkeiten sch�tzten. Sie wirkten st�rker als andere. Sie sagten: �Da pfeif ich drauf� und lachten �ber alles. Aber wenn ein Problem ihren Panzer durchschlug, waren die Sch�den f�rchterlich.</strong></p><p><strong>Ich habe Menschen gesehen, die bei der geringsten Kleinigkeit, bei der leichtesten Ber�hrung litten, Schmerzen hatten, aber ihr Verstand verschlo� sich deshalb nicht, sie blieben sensibel, f�r alles empf�nglich, und sie lernten aus jeder Aggression.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p><emphasis>Die Sklavenhalterinnen greifen an!</emphasis></p><p>Panik in Chli-pu-kan. Ersch�pfte Kundschafterinnen verbreiten die Nachricht in der jungen Stadt.</p><p><emphasis>Die Sklavenhalterinnen! Die Sklavenhalterinnen!</emphasis></p><p>Ihr f�rchterlicher Ruf eilt ihnen voraus. So wie manche Ameisen diese oder jene Variante der Entwicklung gew�hlt haben - Erziehung und Aufzucht, Horten von Vorr�ten, Pilzzucht oder Chemie -, haben sich die Sklavenhalterinnen einzig auf die Dom�ne des Kriegs spezialisiert.</p><p>Sie k�nnen nichts anderes, aber das praktizieren sie als absolute Kunst. Und ihr ganzer K�rper hat sich dem angepa�t. Jedes ihrer Gelenke m�ndet in einem Widerhaken, ihr Chitin ist doppelt so dick wie das der roten Ameisen. An ihrem schmalen und vollkommen dreieckigen Kopf findet man keinen Halt. Ihre Mandibeln, die aussehen wie umgedrehte Elefantensto�z�hne, sind geschwungene S�bel, die sie mit furchteinfl��endem Geschick handhaben.</p><p>Ihre Gepflogenheit, sich Sklaven zu halten, entspringt ihrer au�ergew�hnlichen Spezialisierung. Es h�tte nicht viel gefehlt, und die Art w�re verschwunden, ausgerottet durch ihr eigenes Machtstreben. Vor lauter Kriegf�hren k�nnen diese Ameisen nicht einmal mehr ein Nest bauen, ihre Kleinen aufziehen oder gar ... sich ern�hren. Ihre s�belartigen Mandibeln, im Krieg ungemein wirksam, erweisen sich als unpraktisch, um sich normal zu ern�hren. Dennoch, so kriegslustig sie auch sein m�gen, sind die Sklavenhalterinnen nicht dumm. Was soll�s, wenn sie nicht imstande sind, die f�r das t�gliche �berleben h�uslichen Aufgaben zu �bernehmen ... Andere werden sich an ihrer Statt darum k�mmern.</p><p>Die Sklavenhalterinnen vergreifen sich mit Vorliebe an den kleinen und mittelgro�en Nestern der schwarzen, wei�en oder gelben Ameisen, alles Arten, die weder einen Stachel noch eine S�uredr�se haben. Als erstes umzingeln sie die Stadt, auf die sie ein Auge geworfen haben. Wenn die Belagerten dann feststellen, da� all ihre ausw�rtigen Arbeiterinnen umgebracht worden sind, beschlie�en sie, die Ausg�nge zu verstopfen. Das ist der Augenblick, in dem die Sklavenhalterinnen ihren ersten Angriff starten. Sie durchbrechen m�helos die Verteidigungslinien, schlagen Breschen in die Stadt, verbreiten Panik in den G�ngen.</p><p>Daraufhin versuchen die ver�ngstigten Arbeiterinnen einen Ausfall, um die Eier in Sicherheit zu bringen. Genau das haben die Sklavenhalterinnen vorausgesehen. Sie sickern durch die Eing�nge und zwingen die Arbeiterinnen, ihre kostbare Last abzugeben. Sie t�ten nur diejenigen, die um keinen Preis gehorchen wollen; bei den Ameisen t�tet man nie grundlos.</p><p>Nach dem Ende des Kampfs umstellen die Sklavenhalterinnen das Nest und fordern die �berlebenden Arbeiterinnen auf, die Eier wieder an ihren Platz zu bringen und sie weiterzupflegen. Wenn die Puppen schl�pfen, werden sie dazu erzogen, den Eindringlingen zu dienen, und da sie nichts von der Vergangenheit wissen, denken sie, es sei der gerechte und normale Weg, diesen gro�en Ameisen zu gehorchen.</p><p>W�hrend der Beutez�ge bleiben die langfristigen Sklaven im Gras versteckt zur�ck und warten, bis ihre Herrinnen in der Gegend aufger�umt haben. Ist die Schlacht gewonnen, lassen sie sich als gute Hausfrauen in den �rtlichkeiten nieder, f�gen die frisch erbeuteten Eier zu dem alten Vorrat hinzu, erziehen die Gefangenen und ihren Nachwuchs. So �berlagern sich die Generationen der Gekidnappten je nach den Wanderungen ihrer Entf�hrer.</p><p>In der Regel kommen auf jede dieser R�uberinnen drei Sklavinnen. Eine, um sie zu ern�hren, sprich zu f�ttern (sie kann nur vorverdaute Nahrung fressen), eine, um sie zu waschen (ihre Speicheldr�sen sind verk�mmert), und eine, um die Exkremente zu beseitigen, die sich ansonsten um den Panzer herum auft�rmen und ihn ver�tzen w�rden.</p><p>Das Schlimmste, was diesen absoluten Soldatinnen passieren kann, ist nat�rlich, von ihren Dienerinnen verlassen zu werden. Dann st�rzen sie fluchtartig aus dem gekaperten Nest und machen sich auf, um eine neue Stadt zu erobern. Finden sie diese nicht vor Einbruch der Nacht, k�nnen sie vor Hunger und K�lte sterben. Der l�cherlichste Tod f�r diese gro�artigen Kriegerinnen.</p><p>Chli-pu-ni hat zahlreiche Legenden �ber die Sklavenhalterinnen geh�rt. Es hei�t, es habe bereits Aufst�nde von Sklavinnen gegeben, und jene Sklavinnen, die ihre Herrinnen gut kannten, w�ren ihnen nicht unbedingt unterlegen. Es wird auch erz�hlt, da� manche Sklavenhalterinnen sich eine Kollektion von Eiern zulegen, um welche in allen Gr��en und aller Arten zu haben.</p><p>Sie stellt sich einen solchen Saal vor, der bis oben hin mit Eiern in allen Gr��en und Farben gef�llt ist. Und unter jeder dieser wei�en H�lle ... ist eine spezifische Ameisenkultur, bereit, wach zu werden und diesen primitiven Rohlingen zu dienen.</p><p>Sie rei�t sich aus ihren unangenehmen Gedanken. Als erstes mu� man dar�ber nachdenken, wie man ihnen die Stirn bietet. Die Horde der Sklavenhalterinnen ist aus Osten kommend gemeldet worden. Sie sind durch den unterirdischen Gang bei Satei gekommen. Und sind anscheinend ziemlich �gereizt�, denn sie hatten urspr�nglich ein �Wandernest� bei sich, von dem sie sich hatten trennen m�ssen, um den Tunnel zu durchqueren. Sie haben also keine Wohnung mehr, und wenn sie Chli-pu-kan nicht einnehmen, m�ssen sie die Nacht drau�en verbringen!</p><p>Die junge K�nigin versucht so ruhig wie m�glich nachzudenken: <emphasis>Wenn sie mit ihrem Wanderne st so gl�cklich waren, warum haben sie sich dann verpflichtet gef�hlt, den Flu� zu �berqueren?</emphasis> Aber sie kennt die Antwort.</p><p>Die Sklavenhalterinnen hegen gegen�ber den St�dten einen ebenso abgr�ndigen wie unverst�ndlichen Ha�. Jede einzelne stellt f�r sie eine Drohung und eine Herausforderung dar, die ewige Rivalit�t zwischen den Leuten vom Land und denen in der Stadt. Die Sklavenhalterinnen wissen, da� es auf der anderen Seite des Flusses Hunderte von Ameisenst�dten gibt, eine reicher und raffinierter als die andere.</p><p>Chli-pu-kan ist leider noch nicht soweit, einem solchen Ansturm standzuhalten. Sicher, seit einigen Tagen hat die Stadt gut eine Million Einwohner; sicher, sie haben an der Ostgrenze eine Mauer aus fleischfressenden Pflanzen errichtet ... Aber das wird niemals reichen. Chli-pu-ni wei�, da� ihre Stadt zu jung ist, zu unerfahren. Obendrein hat sie immer noch keine Nachricht von den Abgesandten, die sie nach Belo-kan geschickt hat, um ihre Zugeh�rigkeit zur F�deration zu verk�nden. Sie kann also nicht auf die Solidarit�t der Nachbarst�dte z�hlen. Selbst Guayei-Tyolot ist ein paar tausend Kopf entfernt. Es ist unm�glich, die Kriegerinnen dieses Sommernests zu benachrichtigen ...</p><p>Was h�tte Belo-kiu-kiuni in einer solchen Situation getan?</p><p>Chli-pu-ni beschlie�t, einige ihrer besten J�gerinnen (sie hatten noch keine Gelegenheit, zu beweisen, da� sie Kriegerinnen sind) zu einer absoluten Kommunikation zusammenzurufen. Es ist h�chste Zeit, eine Strategie auszuarbeiten.</p><p>Sie sind noch in der Verbotenen Stadt versammelt, als die in dem Strauch oberhalb der Stadt postierten Wachen verk�nden, da� sie die D�fte einer herbeieilenden Armee wahrnehmen.</p><p>Alle bereiten sich vor. Es konnte keine Strategie abgesprochen werden. Man wird improvisieren. Das Klarmachen zum Gefecht wird ausgerufen, die Einheiten versammeln sich, so gut es geht (sie kennen noch keine der Formationen, die so teuer im Kampf mit den Zwerginnen erworben wurden). Tats�chlich setzen die meisten Soldatinnen ihre Hoffnungen lieber auf die Mauer der fleischfressenden Pflanzen.</p><empty-line/><p><strong>im mali: Der Stamm der Dogonen im Mali ist davon �berzeugt, da� bei der urspr�nglichen Verm�hlung von Himmel und Erde ein Ameisenhaufen das Geschlecht der Erde war.</strong></p><p><strong>Als die aus dieser Vereinigung hervorgegangene Welt fertig war, wurde die Vulva zu einem Mund, dem Worte entwichen, Worte, in denen die Ameisen dem Menschen die Technik des Webens �bermittelten.</strong></p><p><strong>Noch heute sind die Fruchtbarkeitsriten mit der Ameise verbunden. Die unfruchtbaren Frauen setzen sich auf einen Ameisenhaufen, um die G�ttin Amma zu bitten, sie fruchtbar zu machen.</strong></p><p><strong>Aber die Ameisen taten noch mehr f�r die Menschen, sie zeigten ihnen auch, wie sie ihre H�user bauen mu�ten. Und schlie�lich zeigten sie ihnen die Quellen. Denn die Dogonen begriffen, da� sie unter den Ameisenhaufen graben mu�ten, um Wasser zu finden.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Heuschrecken h�pfen in alle Richtungen. Das ist ein Zeichen. Unmittelbar dahinter erkennen die Ameisen mit den besten Augen bereits eine Staubwolke.</p><p>�ber die Sklavenhalterinnen zu reden ist sch�n und gut, sie angreifen zu sehen ist etwas ganz anderes. Sie haben keine Kavallerie, sie sind die Kavallerie. Ihr ganzer K�rper ist kr�ftig und geschmeidig, ihre Beine sind dick und muskul�s, ihr feiner und spitzer Kopf endet in beweglichen H�rnern, die in Wirklichkeit ihre Mandibeln sind.</p><p>Sie sind so aerodynamisch, da� keinerlei Pfeifen ihren Sch�del begleitet, wenn er, von der Geschwindigkeit der Beine mitgerissen, die L�fte zerteilt.</p><p>Das Gras legt sich nieder, wenn sie vorbeirauschen, die Erde bebt, der Sand wogt. Ihre nach vorne gerichteten Antennen sto�en derart schneidende Pheromone aus, da� man an ein Br�llen glauben k�nnte.</p><p>Soll man sich einschlie�en und der Belagerung standhalten oder hinausziehen und k�mpfen? Chli-pu-ni z�gert, sie hat solche Angst, da� sie nicht einmal einen Vorschlag riskiert. Darauf machen die roten Soldatinnen nat�rlich genau das, was sie nicht tun sollten. Sie teilen sich. Eine H�lfte verl��t die Stadt, um dem Feind auf offenem Feld zu trotzen; die andere H�lfte verschanzt sich als Reserve- und Widerstandsheer im Fall einer Belagerung.</p><p>Chli-pu-ni versucht sich an die Schlacht am Klatschmohnh�gel zu erinnern, die einzige, die sie kennt. Dort hat, so scheint es ihr, die Artillerie den gr��ten Schaden in den gegnerischen Truppen angerichtet. Also befiehlt sie, da� in vorderster Front drei Reihen von Artilleristinnen postiert werden.</p><p>Die Einheiten der Sklavenhalterinnen st�rmen mittlerweile auf die Mauer der fleischfressenden Pflanzen zu. Die pflanzlichen Raubtiere senken sich, als sie vorbei st�rzen, angezogen von dem Geruch warmen Fleischs. Aber sie sind viel zu langsam, und die feindlichen Kriegerinnen kommen durch, bevor es einer Dionaea gelingt, wenigstens eine von ihnen zu erwischen.</p><p>Belo-kiu-kiuni hat sich get�uscht.</p><p>Als die Angriffswelle auf sie zurollt, feuert die erste chlipukanische Reihe eine ungenau gezielte Salve ab, die h�chstens zwanzig Angreiferinnen t�tet. Die zweite Reihe kommt nicht einmal dazu, sich aufzustellen, die Artilleristinnen werden allesamt an der Kehle gepackt und enthauptet, bevor sie einen Tropfen S�ure abschie�en k�nnen.</p><p>Das ist die gro�e Spezialit�t der Sklavenhalterinnen, nur den Kopf anzugreifen. Und das machen sie sehr gut. Die Sch�del der jungen Chlipukanerinnen fliegen auf. Mitunter k�mpfen die kopflosen K�rper blindlings weiter oder nehmen zum Schrecken der �berlebenden Rei�aus.</p><p>Nach zw�lf Minuten ist von den roten Truppen nicht mehr viel �brig. Die zweite H�lfte verstopft die Eing�nge. Da Chli-pu-kan noch keine Kuppel hat, erscheint die Stadt von oben wie ein Dutzend kleiner, von zermalmten Steinchen umgebener Krater.</p><p>Alle sind wie bet�ubt. Da hat man sich solche M�he gegeben, eine moderne Stadt zu bauen, und dann mu� man erleben, da� sie einer Bande von Barbaren ausgeliefert ist, die so primitiv sind, da� sie sich nicht einmal selbst ern�hren k�nnen!</p><p>Chli-pu-ni kann noch so viele AK abhalten, sie findet keinen Weg, den Sklavenhalterinnen zu widerstehen. Die Bruchsteine in den Eing�ngen werden bestenfalls einige Sekunden halten. Und f�r den Kampf in den G�ngen sind die Chlipukanerinnen nicht besser ger�stet als f�r den Kampf auf freiem Feld.</p><p>Drau�en k�mpfen die letzten roten Soldaten wie Teufel. Einige haben sich noch zur�ckziehen k�nnen, aber die meisten mu�ten miterleben, wie die Eing�nge direkt hinter ihnen verrammelt wurden. F�r sie ist alles vorbei. Sie wehren sich um so wirkungsvoller, als sie nichts mehr zu verlieren haben und denken, da� die Pfropfen in den Eing�ngen verst�rkt werden k�nnen, wenn sie die Eindringlinge aufhalten.</p><p>Die letzte Chlipukanerin wird enthauptet, und in einem Reflex stellt sich ihr K�rper vor einen der Eing�nge und schl�gt dort seine Krallen hinein. Ein l�cherlicher Schutzwall.</p><p>Im Innern von Chli-pu-kan wartet man.</p><p>Man wartet mit schwerm�tiger Resignation auf die Sklavenhalterinnen. Die physische Kraft hat immer noch eine Wirksamkeit, die von der Technik nicht �bertroffen wird ...</p><p>Aber die Sklavenhalterinnen greifen nicht an. Wie Hannibal vor Rom z�gern sie. Das Ganze erscheint zu einfach. Das mu� eine Falle sein. Zwar eilt ihnen ihr Ruf als M�rderinnen �berall voraus, doch auch die Roten haben ihr Renommee. Im Lager der Sklavenhalterinnen h�lt man sie f�r f�hig, subtile Fallen aufzubauen. Man behauptet, da� sie sich mit S�ldnertruppen zu verb�nden wissen, die gerade dann auftauchen, wenn man am wenigsten damit rechnet. Man sagt auch, da� sie wilde Tiere z�hmen und Geheimwaffen herstellen k�nnen, die unertr�gliche Schmerzen zuf�gen. Zudem, so wohl sich die Sklavenhalterinnen im Freien f�hlen, so ungern sind sie von Mauern umgeben.</p><p>Jedenfalls sprengen sie die Barrikaden an den Eing�ngen nicht. Sie warten ab. Sie haben genug Zeit. Schlie�lich wird die Nacht erst in ungef�hr f�nfzehn Stunden hereinbrechen.</p><p>In dem Ameisenhaufen wundert man sich. Warum greifen sie nicht an? Chli-pu-ni gef�llt das nicht. Es beunruhigt sie, da� sich der Gegner ihrer Denkweise entzieht. Er hat es gar nicht n�tig zu warten, da er st�rker ist. Einige ihrer T�chter �u�ern sch�chtern die Meinung, da� man vielleicht versucht, sie auszuhungern. Eine solche Aussicht kann den roten Ameisen nur neuen Mut machen: dank ihrer St�lle im Keller, ihrer Pilzkulturen, den mit Honigtau vollgestopften Ameisentanks sind sie in der Lage, eine Belagerung von gut zwei Monaten auszuhalten.</p><p>Aber Chli-pu-ni glaubt nicht an eine Belagerung. Was die Ameisen da oben suchen, ist ein Nest f�r die Nacht. Sie denkt an Belo-kiu-kiunis ber�hmten Ausspruch: <emphasis>Wenn der Feind st�rker ist, dann handele so, da� du dich seiner Denkweise entziehst.</emphasis> Ja, gegen diese Rohlinge hilft nur modernste Technik, das w�re die Rettung.</p><p>Die f�nfhunderttausend Chlipukanerinnen halten eine AK nach der andern ab. Endlich entsteht eine interessante Debatte. Eine kleine Arbeiterin st��t hervor:</p><p><emphasis>Der Irrtum war, da� wir Waffen oder Strategien nachahmen wollten, die bereits von unseren Vorfahren in Bel-o-kan angewendet wurden. Wir d�rfen nicht kopieren, wir m�ssen unsere eigenen L�sungen finden, um unsere eigenen Probleme zu l�sen.</emphasis></p><p>Kaum geht dieses Pheromon um, verschwindet die geistige Sperre. Rasch wird ein Entschlu� gefa�t. Alle machen sich an die Arbeit.</p><empty-line/><p><strong>JANITSCHAREN: Im 14. Jahrhundert schuf Sultan Murad I. ein</strong></p><p><strong>ETWAS EIGENARTIGES ARMEECORPS. DAS MAN DIE �JANITSCHAREN� TAUFTE (AUS DEM T�RKISCHEN YENI TCHERIE, NEUE MILIZ). DIE ARMEE DER JANITSCHAREN HATTE EINE BESONDERHEIT. SIE WURDE NUR VON</strong></p><p><strong>Waisen gebildet. Tats�chlich entf�hrten die t�rkischen</strong></p><p><strong>SOLDATEN, WENN SIE EIN ARMENISCHES ODER SLAWISCHES DORF PL�NDERTEN, GANZ JUNGE KINDER UND SPERRTEN SIE IN EINE MILIT�RISCHE SPEZIALSCHULE, VON DER AUS SIE NICHTS VOM REST DER</strong></p><p><strong>Welt mitbekamen. Einzig in der Kunst des Kampfes erzogen,</strong></p><p><strong>ERWIESEN SICH DIESE KINDER ALS DIE BESTEN K�MPFER DES GANZEN OTTOMANISCHEN REICHS UND VERHEERTEN SCHONUNGSLOS DIE D�RFER, IN DENEN IHRE WAHREN FAMILIEN WOHNTEN. NIE KAMEN DIE JANITSCHAREN AUF DEN GEDANKEN, AN DER SEITE IHRER ELTERN GEGEN</strong></p><p><strong>ihre Kidnapper zu k�mpfen. Ihre Macht nahm st�ndig zu, was SCHLIE�LICH Sultan Mahmut II. beunruhigte, der sie massakrieren LIE� UND IHRE SCHULE 1826 IN BRAND STECKTE.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Professor Leduc hatte zwei gro�e Koffer mitgebracht. Aus dem einen holte er ein verbl�ffendes Modell eines benzingetriebenen Pre�lufthammers hervor. Er machte sich unverz�glich daran, die von den Polizisten errichtete Mauer zu bearbeiten, bis er ein kreisrundes Loch gebohrt hatte, gro� genug, um hindurchzuklettern.</p><p>Als das H�mmern ein Ende hatte, bot ihm Gro�mutter Augusta einen Kr�utertee an, aber Leduc lehnte ab mit der Erkl�rung, da� er dann Gefahr liefe, im Keller Wasser lassen zu m�ssen. Er kn�pfte sich den zweiten Koffer vor und entnahm ihm eine komplette Spel�ologenausr�stung.</p><p>�Meinen Sie, das geht so tief hinunter?�</p><p>�Um ehrlich zu sein, Madame: Ich habe, bevor ich gekommen bin, Erkundigungen �ber dieses Geb�ude eingezogen. Es wurde in der Renaissance von protestantischen Wissenschaftlern bewohnt, die einen Geheimgang angelegt haben. Ich bin fast sicher, da� dieser Gang in den Wald von Fontainebleau f�hrt. Auf diesem Weg entkamen diese Protestanten ihren Verfolgern.�</p><p>�Aber wenn all die Leute, die jetzt hinuntergestiegen sind, in den Wald gelangt sind, verstehe ich nicht, weshalb sie sich nicht mehr melden. Mein Enkel, seine Frau, mein Urenkel, dazu ein gutes Dutzend Feuerwehrleute und Gendarmen, lauter Personen, die keinen Grund haben, sich zu verstecken. Sie haben Familie, Freunde. Sie sind keine Protestanten, und Religionskriege gibt es auch nicht mehr.�</p><p>�Sind Sie da so sicher, Madame?�</p><p>Er schaute sie merkw�rdig an.</p><p>�Die Religionen tragen heute andere Namen, sie nennen sich gro�spurig Philosophien und ... Wissenschaften. Aber sie sind nicht weniger dogmatisch.�</p><p>Er ging ins Nebenzimmer, um seine H�hlenkleidung anzuziehen. Als er in seinem engsitzenden Anzug wieder auftauchte, den Kopf in einen knallroten, mit einer Stirnlampe versehenen Helm gezw�ngt, h�tte Augusta am liebsten laut gelacht.</p><p>Er fuhr fort, als ob nichts w�re:</p><p>�Nach den Protestanten sind Sekten aller Schattierungen hier eingezogen. Einige widmeten sich alten heidnischen Br�uchen, andere verehrten die Zwiebel, den schwarzen Rettich und was wei� ich ...�</p><p>�Zwiebel und Rettich sind gut f�r die Gesundheit. Ich kann verstehen, da� man daf�r schw�rmt. Die Gesundheit ist das Allerwichtigste ... Schauen Sie, ich bin schwerh�rig, bald senil, und ich sterbe jeden Tag ein wenig mehr.�</p><p>Er glaubte sie tr�sten zu m�ssen.</p><p>�Seien Sie doch nicht so pessimistisch, Sie sehen noch kerngesund aus.�</p><p>�Ach nein! Wie alt sch�tzen Sie mich?�</p><p>�Ich wei� nicht ... Vielleicht sechzig, siebzig Jahre.�</p><p>�Hundert bin ich, Monsieur! Ich bin vor einer Woche hundert Jahre alt geworden, und ich bin am ganzen K�rper krank, und das Leben wird mir von Tag zu Tag unertr�glicher, vor allem, seit ich alle verloren habe, die mir teuer waren.�</p><p>�Ich verstehe Sie, Madame, das Alter ist eine schwere Pr�fung.�</p><p>�Haben Sie noch mehr solch treffende S�tze auf Lager?�</p><p>�Aber Madame ...�</p><p>�Kommen Sie, beeilen Sie sich. Wenn Sie bis morgen nicht zur�ck sind, werde ich die Polizei benachrichtigen, und die wird dann bestimmt eine dicke Mauer bauen, durch die niemand mehr hindurchkommt .�</p><p>Nr. 4000 wird unabl�ssig von den Schlupfwespenlarven gequ�lt, selbst in den k�ltesten N�chten findet sie keinen Schlaf mehr.</p><p>Also wartet sie ruhig auf den Tod und widmet sich dabei spannenden und riskanten Aktivit�ten, f�r die sie unter anderen Umst�nden niemals den Mut aufgebracht h�tte. Beispielsweise den Rand der Welt zu entdecken.</p><p>Sie sind noch auf dem Weg zu den Schnitterinnen. Nr. 103 683 nutzt die Zeit, um sich einige Lektionen ihrer Ammen ins Ged�chtnis zu rufen. Sie haben ihr erkl�rt, die Erde sei ein W�rfel und Leben gebe es nur auf seiner oberen Seite.</p><p>Was wird sie sehen, wenn sie endlich das Ende, den �u�ersten Rand der Welt erreicht? Wasser? Die Leere eines anderen Himmels? Ihre Begleiterin auf Abruf und sie selbst werden mehr wissen als alle Kundschafterinnen, als alle roten Ameisen seit Anbeginn der Zeiten!</p><p>Ihre Gef�hrtin sieht erstaunt, wie sich der Schritt von Nr. 103 683 in einen entschlossenen Marsch verwandelt.</p><p>Als sich die Sklavenhalterinnen am Nachmittag dazu entschlie�en, die Eing�nge zu st�rmen, sind sie �berrascht, auf keinerlei Widerstand zu sto�en. Dabei wissen sie genau, da� sie nicht die gesamte Armee der Roten vernichtet haben, selbst wenn man die geringe Gr��e der Stadt ber�cksichtigt. Also, auf der Hut sein ...</p><p>Sie r�cken um so vorsichtiger vor, als sie, die normalerweise im Freien leben, wo sie sich eines ausgezeichneten Sehverm�gens erfreuen, unter der Erde v�llig blind sind. Die roten Geschlechtslosen sehen dort auch nicht mehr, aber sie sind wenigstens daran gew�hnt, sich in den Eingeweiden dieser finsteren Welt zu bewegen.</p><p>Die Sklavenhalterinnen erreichen die Verbotene Stadt. Sie ist vollkommen verlassen. Auf dem Boden liegen jede Menge Nahrungsmittel, alle in einwandfreiem Zustand! Sie gehen tiefer. Die Speicher sind prall gef�llt, und vor kurzem waren noch Personen in diesen S�len, kein Zweifel.</p><p>Im 5. UG finden sie frische Pheromone. Sie versuchen die Gespr�che zu entschl�sseln, die dort gef�hrt wurden, aber die Roten haben einen Thymianzweig hinterlegt, dessen Geruch s�mtliche D�fte unkenntlich macht.</p><p>6. UG. Es gef�llt ihnen nicht, da� sie so �unter Tage� eingeschlossen sind. Stockfinster ist es in dieser Stadt! Wie k�nnen es Ameisen nur ertragen, st�ndig in diesem engen Raum eingepfercht zu sein, der dunkel ist wie der Tod?</p><p>Im 8. UG entdecken sie noch frischere Pheromone. Sie beschleunigen den Schritt, die Roten k�nnen nicht mehr weit sein.</p><p>Im 10. UG �berraschen sie eine Gruppe von Arbeiterinnen, die Eier schwenken und vor den Eindringlingen Rei�aus nehmen. Das ist es also! Endlich geht ihnen ein Licht auf, die ganze Stadt hat sich in die tiefsten Stockwerke zur�ckgezogen und hofft auf diese Weise ihre kostbare Brut zu retten.</p><p>Jetzt, da alles ersichtlich geworden ist, lassen die Sklavenhalterinnen jede Vorsicht fahren und st�rmen mit ihrem ber�hmten Pheromonenkriegsgeschrei durch die G�nge. Die chlipukanischen Arbeiterinnen schaffen es nicht, sie abzusch�tteln, und dabei sind sie schon im 13. UG.</p><p>Pl�tzlich sind die eiertragenden Fl�chtlinge auf r�tselhafte Weise verschwunden. Der Gang, durch den sie liefen, m�ndet in einen ungeheuer gro�en Saal, dessen Boden mit Lachen von Honigtau �bers�t ist. Die ersten Sklavenhalterinnen st�rzen instinktiv vor, um den kostbaren Lik�r zu schlecken, bevor er von der Erde aufgesogen wird.</p><p>Hinter ihnen dr�ngeln die anderen Kriegerinnen, aber der Saal ist wirklich riesig, es ist genug Platz und Honigtau f�r alle da. S�� ist er, zuckers��! Das ist bestimmt einer dieser S�le mit den Ameisentanks, eine Sklavenhalterin hat davon geh�rt: <emphasis>Eine angeblich moderne Technik, die darin besteht, eine arme Arbeiterin dazu zu zwingen, ihr Leben lang mit dem Kopf nach unten und extrem gedehntem Hinterleib an der Decke zu h�ngen.</emphasis></p><p>Sie machen sich einmal mehr �ber diese St�dterinnen lustig, w�hrend sie sich an deren Honigtau laben. Aber pl�tzlich erregt ein Detail die Aufmerksamkeit einer Kriegerin. Es ist �berraschend, da� ein solch wichtiger Saal nur einen einzigen Eingang hat ...</p><p>Sie kommt nicht dazu, weiter dar�ber nachzudenken. Die Roten haben aufgeh�rt zu graben. Eine Wasserflut spritzt aus der Decke. Die Sklavenhalterinnen versuchen durch den Gang zu fliehen, aber dieser ist jetzt durch einen gro�en Felsen versperrt. Und das Wasser steigt. Diejenigen, die nicht bereits durch den Aufprall des Wassers niedergestreckt wurden, wehren sich mit aller Kraft.</p><p>Die Idee zu dieser Falle ist der roten Kriegerin gekommen, die darauf hingewiesen hat, da� man nicht die Vorfahren kopieren d�rfe. Anschlie�end hat sie die Frage gestellt: <emphasis>Was ist die Besonderheit unserer Stadt?</emphasis> Als Antwort nur ein einziges Pheromon: <emphasis>Der unterirdische Bach im 12. UG.</emphasis></p><p>Also haben sie eine Rinne gegraben, den Boden mit dicken, wasserundurchl�ssigen Bl�ttern abgedeckt und so eine Art Kanal geschaffen. Der Rest hing eher mit der Technik der Zisternen zusammen. Sie haben ein gro�es Becken in einer Kammer eingerichtet und dessen Zentrum mit einem Zweig angebohrt. Das Schwierigste war, den Bohrzweig �ber der Wasseroberfl�che zu halten. Dieses heikle Unterfangen wurde von an der Decke h�ngenden Ameisen erfolgreich bew�ltigt.</p><p>Die Sklavenhalterinnen unten zappeln und strampeln. Die meisten sind bereits ertrunken, aber als sich das gesamte Wasser in den unteren Saal ergossen hat, steht es so hoch, da� es einigen Kriegerinnen gelingt, durch das Loch in der Decke zu steigen. Die Roten haben keine M�he, sie mit S�urestrahlen zu erledigen.</p><p>Eine Stunde sp�ter r�hrt sich keine der Sklavenhalterinnen mehr. Die K�nigin Chli-pu-ni hat gesiegt. Sie gibt ihre erste historische Sentenz von sich: <emphasis>Je h�her das Hindernis, um so gr��er die Verpflichtung, �ber uns hinauszuwachsen.</emphasis></p><p>Ein dumpfes und regelm��iges Klopfen lie� Augusta in die K�che eilen, wo sich Professor Leduc gerade durch das Loch in der Mauer zw�ngte. Also so was, nach achtundvierzig Stunden! Endlich kommt mal jemand zur�ck, und dann mu� es ausgerechnet dieser Fiesling sein, dessen Verschwinden ihr ganz egal gewesen w�re!</p><p>Sein H�hlenanzug war zerfetzt, aber er selbst war unversehrt. Er hatte ebenfalls nichts erreicht, das sah man ihm an der Nase an.</p><p>�Und?�</p><p>�Was, und?�</p><p>�Haben Sie sie gefunden?�</p><p>�Nein .�</p><p>Augusta war aufgew�hlt. Zum erstenmal kehrte jemand lebend und nicht verr�ckt aus diesem Loch zur�ck. Es war also m�glich, dieses Abenteuer zu bestehen!</p><p>�Ja, was ist denn nun da unten? F�hrt das in den Wald von Fontainebleau, wie Sie meinten?�</p><p>Er sch�lte sich aus seinem Helm.</p><p>�Geben Sie mir bitte erst etwas zu trinken. Ich habe all meine Vorr�te aufgebraucht, und ich habe seit gestern mittag nichts mehr getrunken.�</p><p>Sie brachte ihm eine Tasse Kr�utertee, den sie in einer Thermosflasche warm hielt.</p><p>�Soll ich Ihnen sagen, was da unten ist? Da ist eine Wendeltreppe, die �ber mehrere hundert Meter steil nach unten f�hrt. Dann kommt eine T�r, dahinter ein rot schimmernder Gang voller Ratten und ganz am Ende eine Mauer, die Ihr Enkel Jonathan gebaut haben mu�. Eine sehr starke Mauer, ich habe vergeblich versucht, mit dem Pre�lufthammer ein Loch zu bohren. Vermutlich verschiebt oder dreht sie sich, sie ist n�mlich mit einer Tastatur f�r ein Kodewort versehen.�</p><p>�Eine Tastatur f�r ein Kodewort?�</p><p>�Ja, wahrscheinlich mu� man darauf das L�sungswort der Frage eintippen.�</p><p>�Was f�r eine Frage?�</p><p><emphasis>�Wie bildet man vier gleichseitige Dreiecke mit sechs Streichh�lzern?�</emphasis></p><p>Augusta konnte nicht umhin, laut aufzulachen. Was den Wissenschaftler profund �rgerte.</p><p>�Sie kennen die L�sung!�</p><p>Prustend stie� sie hervor:</p><p>�Nein! O nein! Ich kenn die L�sung nicht! Aber die Frage, die kenn ich!�</p><p>Und sie lachte, lachte. Professor Leduc brummelte:</p><p>�Ich habe stundenlang danach gesucht. Sicher, mit Dreiecken, die V-f�rmig verschachtelt sind, kommt man zu einem Ergebnis, aber die sind nicht gleichseitig.�</p><p>Er packte seine Sachen ein.</p><p>�Wenn Sie einverstanden sind, werde ich einen befreundeten Mathematiker fragen und noch einmal zur�ckkommen.�</p><p>�Nein!�</p><p>�Wie? Nein?�</p><p>�Ich habe Ihnen eine Chance gegeben, das war die einzige! Wenn Sie sie nicht nutzen konnten, dann ist es jetzt zu sp�t. Schaffen Sie diese beiden Koffer hier raus. Auf Wiedersehen, Monsieur!�</p><p>Sie rief ihm nicht einmal ein Taxi. Ihre Abneigung hatte die Oberhand gewonnen. Er hatte etwas an sich, das sie entschieden nicht riechen konnte.</p><p>Sie setzte sich in die K�che, vor die besch�digte Mauer. Jetzt hatte sich die Sachlage ge�ndert. Sie entschlo� sich, Jason Bragel und diesen Rosenfeld anzurufen. Sie hatte sich entschieden, sich vor ihrem Tod noch ein wenig zu am�sieren.</p><empty-line/><p><strong>MENSCHLICHE PHEROMONE: ���Wie die Insekten, die �ber D�fte</strong></p><p><strong>kommunizieren, verf�gt auch der Mensch �ber eine olfaktorische Sprache, in der er sich unbewu�t mit seinesgleichen unterh�lt.</strong></p><p><strong>Da wir keine Antennen als Sender haben, scheiden wir unsere Pheromone durch Achselh�hlen, Br�ste, Kopfhaut und Geschlechtsteile aus.</strong></p><p><strong>Diese Botschaften werden unbewu�t wahrgenommen, sind deshalb aber nicht weniger wirkungsvoll. Der Mensch hat f�nfzig Millionen olfaktorischer Nervenenden, f�nfzig Millionen Zellen, die imstande sind. Millionen von Ger�chen zu identifizieren, obwohl unsere Sprache nur vier Ger�che kennt.</strong></p><p><strong>Wie nutzen wir diese Form der Kommunikation?</strong></p><p><strong>Zun�chst einmal als sexuellen Appell. Ein Mann kann sich sehr gut zu einer Frau hingezogen f�hlen, weil er ihren nat�rlichen Duft sch�tzt (der �berdies viel zu oft von k�nstlichen D�ften �berlagert wird!) Ebenso kann er eine andere absto�end finden, deren Pheromone ihn nicht �ansprechen�.</strong></p><p><strong>Der Vorgang ist recht subtil. Die beiden Wesen bemerken das olfaktorische Gespr�ch, das sie miteinander gef�hrt haben, nicht einmal. Man k�nnte zu Recht sagen, �die Liebe ist blind�.</strong></p><p><strong>Der Einflu� der menschlichen Pheromone kann auch in puncto Aggression zutage treten. Wie bei den Hunden wird ein Mensch, der den Geruch mit der Botschaft �Angst� auf seiten seines Widersachers wahrnimmt, ganz nat�rlich Lust haben, jenen anzugreifen.</strong></p><p><strong>Zu guter Letzt: Eine der erstaunlichsten Folgen der Auswirkung menschlicher Pheromone ist wohl die Synchronisierung der Menstruationszyklen. Man hat in der Tat beobachtet, da� Frauen, die zusammenleben, Ger�che absondern, die den jeweiligen Organismus dahingehend beeinflussen, da� sie gleichzeitig ihre Regel bekommen.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Sie erblicken die ersten Schnitterinnen inmitten gelber Felder. Eigentlich sollte man eher von Holzf�llerinnen sprechen, denn ihr Getreide ist erheblich gr��er als sie, und sie m�ssen die Stengel ganz unten anschneiden, damit die nahrhaften K�rner zu Boden fallen.</p><p>Daneben besteht ihre Hauptt�tigkeit darin, s�mtliche Pflanzen zu vernichten, die um ihre Felder herum wachsen. Dazu benutzen sie ein Vertilgungsmittel eigener Produktion: die Indolessigs�ure, die sie mit einer Hinterleibsdr�se verspr�hen.</p><p>Die Schnitterinnen schenken Nr. 103 683 und Nr. 4000 bei deren Eintreffen kaum Beachtung. Sie haben noch nie rote Ameisen gesehen, und f�r sie sind diese beiden Insekten bestenfalls entflohene Sklavinnen oder zwei Ameisen, die auf der Suche nach der Lomechuse-Droge (??) sind. Kurzum, Landstreicherinnen oder Drogenabh�ngige.</p><p>Schlie�lich jedoch identifiziert eine der Schnitterinnen ein Molek�l des Duftes der blutroten Ameisen. Gefolgt von einer Kameradin, verl��t sie ihren Arbeitsplatz und kommt n�her.</p><p><emphasis>Ihr habt die Blutroten getroffen? Wo sind sie?</emphasis></p><p>Die Belokanerinnen erfahren im Laufe des Gespr�chs, da� die Blutroten vor einigen Wochen das Nest der Schnitterinnen angegriffen haben. Sie haben mit ihren Giftstacheln �ber hundert Arbeiterinnen und M�nnchen wie Weibchen get�tet, danach haben sie den gesamten Vorrat an Getreidemehl geraubt. Die Armee der Schnitterinnen hat nach ihrer R�ckkehr von einem Feldzug in den S�den, wo sie neue Samenk�rner gesucht haben, nur die Sch�den konstatieren k�nnen.</p><p>Die beiden r�umen ein, da� sie die Blutroten tats�chlich getroffen haben. Sie geben die Richtung an, in welcher jene zu finden sind. Man fragt sie aus, und sie berichten von ihrer eigenen Odyssee.</p><p><emphasis>Ihr seid auf der Suche nach dem Rand der Welt?</emphasis></p><p><emphasis>Ja.</emphasis></p><p>Die Schnitterinnen brechen in ein schallendes Pheromonenlachen aus. Warum lachen sie? Sollte es den Rand der Welt nicht geben?</p><p><emphasis>Doch, es gibt ihn, und ihr habt ihn erreicht! Abgesehen von der Ernte ist es unser Hauptstreben, den Rand der Welt zu �berschreiten.</emphasis></p><p>Die Schnitterinnen bieten an, die beiden �Touristinnen� am n�chsten Morgen zu diesem metaphysischen Ort zu f�hren. Der Abend vergeht mit Gespr�chen im Schutz des kleinen Nests, das die Schnitterinnen in der Rinde einer Buche eingerichtet haben.</p><p><emphasis>Und die W�chterinnen des Randes der Welt?</emphasis> fragt Nr. 103 683.</p><p><emphasis>Keine Sorge, die bekommt ihr fr�h genug zu sehen.</emphasis></p><p><emphasis>Stimmt es, da� sie eine Waffe haben, die eine ganze Armee auf einen Schlag vernichten kann?</emphasis></p><p>Die Schnitterinnen sind �berrascht, da� die beiden Fremden derlei Einzelheiten kennen.</p><p><emphasis>Das ist richtig.</emphasis></p><p>Nr. 103 683 wird also die L�sung des R�tsels der geheimen Waffe erfahren!</p><p>In dieser Nacht hat sie einen Traum. Sie sieht die Erde, die rechtwinklig endet, und eine Wand aus Wasser, die bis zum Himmel reicht, und aus dieser Wand kommen blaue Ameisen mit �u�erst zerst�rerischen Akazienzweigen. Und das Ende eines dieser Zauberzweige braucht etwas nur zu ber�hren, einerlei was, schon ist es vernichtet.</p></section><section><title><p><strong>4</strong></p><p><strong>Das Ende des Wegs</strong></p></title><p>Augusta sa� den ganzen Tag vor sechs Streichh�lzern. Die Mauer war eher psychologisch als real, soviel hatte sie begriffen. Edmonds ber�hmtes �Man mu� anders denken!� ... Ihr Sohn hatte etwas entdeckt, das war gewi�, und er versteckte es mit seiner Intelligenz.</p><p>Sie rief sich die Schlupfwinkel seiner Kindheit ins Ged�chtnis, seine �H�hlen�. Er hatte versucht - vielleicht weil man sie ihm samt und sonders zerst�rt hatte -, eine zu bauen, die v�llig unzug�nglich war, eine Stelle, wo ihn niemand st�ren w�rde ... Etwas wie ein innerer Ort, der seinen Frieden nach au�en projizierte, seinen Frieden und ... seine Unsichtbarkeit.</p><p>Augusta sch�ttelte die Schlaffheit ab, die sie befiel. Eine Begebenheit aus ihrer eigenen Jugend fiel ihr wieder ein. Das war in einer Winternacht, sie war noch ganz klein, und sie hatte begriffen, da� es Zahlen unter Null geben konnte ... 3, 2, 1, 0 und dann - 1, - 2, - 3 ... Zahlen, die verkehrt herum waren. Als w�rde man einen Handschuh umkrempeln. Die Null war also nicht das Ende oder der Anfang von allem. Es gab eine andere unendliche Welt auf der anderen Seite. Das war, als h�tte man die Mauer der �Null� gesprengt.</p><p>Sie mu�te damals sieben oder acht Jahre alt gewesen sein, aber ihre Entdeckung hatte sie aufgew�hlt, und sie hatte die ganze Nacht nicht geschlafen.</p><p>Umgekehrte Zahlen ... Das war eine andere Dimension, die sich da er�ffnete. Die dritte Dimension. Der Raum!</p><p>Herrgott!</p><p>Ihre H�nde zittern vor Aufregung, sie weint, aber sie schafft es, die Streichh�lzer zu packen. Sie legt drei zu einem Dreieck zusammen, dann h�lt sie die drei anderen jeweils an eine Ecke und richtet sie auf, so da� sie in einer Spitze zusammentreffen.</p><p>Das ergibt eine Pyramide. Eine Pyramide und vier gleichseitige Dreiecke.</p><p>Da ist es, das �stliche Ende der Erde. Ein verbl�ffender Ort. Nichts Nat�rliches, nichts Irdisches. Ganz anders, als ihn sich Nr. 103 683 vorgestellt hat. Der Rand der Welt ist schwarz, nie zuvor hat sie etwas derart Schwarzes gesehen! Das ist hart, glatt, lauwarm und riecht nach Mineral�l.</p><p>Statt eines vertikalen Ozeans finden sie Luftstr�mungen von unglaublicher Heftigkeit vor.</p><p>Lange versuchen sie zu verstehen, was hier vorgeht. Von Zeit zu Zeit ist ein Vibrieren zu sp�ren. Seine Intensit�t nimmt exponentiell zu. Dann pl�tzlich erzittert der ganze Boden, ein starker Wind hebt ihre Antennen an, ein H�llenl�rm l��t die Trommelfelle ihrer Schienen klappern. Ein heftiges Gewitter, m�chte man meinen, aber kaum tritt das Ph�nomen deutlich zutage, da hat es bereits aufgeh�rt. Lediglich einige Staubspiralen sinken noch auf die Erde.</p><p>Nicht wenige Kundschafter der Schnitterinnen haben diese Grenze �berschreiten wollen, aber die W�chter passen auf. Denn dieser L�rm, dieser Wind, dieses Vibrieren, das sind sie, die W�chter des Randes der Welt, die alles erschlagen, was auf die schwarze Erde vorzudringen versucht.</p><p>Ob sie diese W�chter bereits gesehen haben? Noch bevor die Roten eine Antwort erhalten, ert�nt erneut ein lautes Get�se, das sich nach einer Weile wieder legt. Eine der sechs Schnitterinnen, die sie begleiten, behauptet, da� es bislang noch niemand geschafft habe, �ber dieses �verwunschene St�ck Erde� zu gehen und lebend zur�ckzukommen. Die W�chter vernichten alles.</p><p>Die W�chter ... Niemand anders als sie k�nnen La-chola-kan und die Expedition mit dem M�nnchen Nr. 327 angegriffen haben. Aber weshalb haben sie das Ende der Welt verlassen und sind nach Westen gezogen? Wollen sie die Welt �berfallen?</p><p>Die Schnitterinnen wissen auch nicht mehr als die Roten. K�nnen sie sie wenigstens beschreiben? Nein, sie wissen nur, da� alle, die sich den W�chtern gen�hert haben, vernichtet worden sind. Sie wissen nicht einmal, welcher Kategorie von Lebewesen jene zuzuordnen sind: Sind das riesige Insekten? V�gel? Pflanzen? Die Schnitterinnen wissen nur, da� sie immens schnell, immens stark sind. Eine Kraft, die schier unbegreiflich ist, die alles �bersteigt, was man kennt ...</p><p>In diesem Augenblick ergreift Nr. 4000 ebenso pl�tzlich wie unvorhergesehen die Initiative. Sie verl��t die Gruppe und wagt sich auf das verbotene Terrain vor. Wenn sie schon sterben mu�, dann will sie wenigstens versuchen, den Rand der Welt zu �berschreiten, einfach so, dreist und frech. Die anderen schauen ihr best�rzt nach.</p><p>Sie r�ckt langsam vor, lauert auf das geringste Vibrieren, auf den geringsten todesverhei�enden Duft in den empfindlichen Enden ihrer Beine. Nun ... F�nfzig Kopf hat sie hinter sich, hundert, zweihundert, vierhundert, sechshundert, achthundert. Nichts. Unverletzt, heil.</p><p>Hinten jubelt man ihr zu. Von ihrem Platz aus sieht sie unregelm��ige wei�e Streifen, die nach rechts und links verlaufen. Auf der schwarzen Erde ist alles tot; nicht das geringste Insekt, keine einzige Pflanze. Und der Boden ist derma�en schwarz ... Das ist gar keine richtige Erde.</p><p>Sie erkennt Pflanzen, weit vorn. K�nnte es sein, da� es eine Welt hinter dem Ende der Welt gibt? Sie sendet einige Pheromone in Richtung ihrer am sicheren Ufer gebliebenen Kolleginnen, um ihnen von all dem zu erz�hlen, aber auf eine solch gro�e Entfernung ist es schwierig. Dialoge zu f�hren.</p><p>Sie macht kehrt, doch im gleichen Augenblick brechen erneut das Beben und dieser ungeheure L�rm los. Die W�chter kehren zur�ck! Sie rennt mit aller Kraft, um ihre Gef�hrtinnen zu erreichen.</p><p>Die sind wie versteinert f�r den Bruchteil einer Sekunde, in dem mit einem enormen Dr�hnen eine best�rzende Masse am Himmel vorbeifliegt. Die W�chter sind vor�bergezogen, der Geruch nach Mineral�l hat sich verst�rkt. Und Nr. 4000 ist verschwunden.</p><p>Die Ameisen r�cken n�her an den Rand und sehen, was passiert ist. Nr. 4000 ist zermalmt worden, und zwar derart, da� ihr K�rper nur noch einen Zehntelkopf dick ist, als w�re er in den schwarzen Boden eingedr�ckt!</p><p>Von der alten belokanischen Kundschafterin ist nichts mehr �brig. Gleichzeitig nehmen die von den Schlupfwespeneiern verursachten Qualen ein Ende. Man kann erkennen, da� eine Larve dieser Wespe ihren R�cken durchbohrt hat, kaum mehr als ein wei�er Punkt mitten auf dem platten roten K�rper ...</p><p>So schlagen die W�chter des Randes der Welt also zu. Man h�rt einen L�rm, nimmt einen Luftzug wahr, und im n�chsten Moment ist alles zerst�rt, pulverisiert, vernichtet. Nr. 103 683 hat das Ph�nomen noch nicht ganz analysiert, als eine erneute Verpuffung zu h�ren ist. Der Tod schl�gt also auch dann zu, wenn niemand seine Schwelle �berschreitet. Wieder f�llt Staub zur Erde.</p><p>Nr. 103 683 m�chte dennoch nicht auf die �berquerung verzichten. Sie denkt an Satei. Das Problem ist �hnlich gelagert. Wenn man oben nicht durchkommt, mu� man unten durch. Man mu� diese schwarze Erde wie einen Flu� sehen, und das beste Mittel, einen Flu� zu passieren, besteht darin, einen Tunnel zu graben.</p><p>Sie redet dar�ber mit den sechs Schnitterinnen, die sogleich hellauf begeistert sind. Das ist so einleuchtend, da� sie nicht begreifen, weshalb sie nicht l�ngst darauf gekommen sind! Und so machen sie sich daran, mit aller Kraft ihrer Mandibeln zu schaufeln.</p><p>Jason Bragel und Professor Rosenfeld waren nie begeisterte Kr�uterteetrinker, doch jetzt waren sie im Begriff, es zu werden. Augusta erz�hlte ihnen alles haarklein. Sie teilte ihnen mit, da� sie von ihrem Sohn nach ihr als n�chste Erben der Wohnung bestimmt worden seien. Wahrscheinlich w�ren sie, wie sie selbst, eines Tages versucht, den Untergrund zu erforschen. Da w�re es doch sinnvoller, wenn sie mit vereinten Kr�ften vorgingen.</p><p>Nach dieser Einleitung redeten sie alle drei sehr wenig. Sie verstanden sich wortlos. Ein Blick, ein L�cheln ... Keiner von ihnen hatte je eine solch spontane geistige Osmose erlebt. Das ging �ber den reinen Intellekt hinaus; man h�tte meinen k�nnen, sie seien geboren, um einander zu erg�nzen, als w�rden ihre genetischen Programme ineinandergreifen und verschmelzen. Das war Zauberei. Augusta war steinalt, und doch fanden die beiden anderen, sie sei wundersch�n ...</p><p>Sie kamen auf Edmond zu sprechen; ihre Zuneigung zu dem Verstorbenen, die frei von jedem Hintergedanken war, erstaunte sie selbst. Jason Bragel redete nicht von seiner Familie, Daniel Rosenfeld redete nicht von seiner Arbeit, Augusta redete nicht von ihrer Krankheit. Sie beschlossen, noch am gleichen Abend hinabzusteigen. Sie wu�te, das war das einzige, was sie zu tun hatten, hier und jetzt.</p><empty-line/><p><strong>lange hat man: Lange hat man geglaubt, die Informatik im allgemeinen und speziell die Programme k�nstlicher Intelligenz w�rden die menschlichen Begriffe vermischen und unter neuen Blickwinkeln pr�sentieren. Kurzum, man erwartete von der Elektronik eine neue Philosophie. Aber selbst wenn man sie anders pr�sentiert, bleibt die urspr�ngliche Materie ein und dieselbe: Gedanken, die von der menschlichen Vorstellungskraft hervorgebracht wurden. Das ist eine Sackgasse.</strong></p><p><strong>Der beste Weg, das Denken zu erneuern, besteht darin, aus der</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des absoluten und relativen Wissens</strong></p><empty-line/><p>Chli-pu-kan gedeiht an Gr��e und Intelligenz, ist jetzt eine �erwachsene� Stadt. Unter Anwendung der Wassertechnologien hat man ein ganzes Netz von Kan�len unterhalb des 12. UG geschaffen. Diese Wasserarme erm�glichen einen raschen Nahrungstransport von einem Ende der Stadt zum andern.</p><p>Die Chlipukanerinnen hatten Zeit genug, die Techniken des Transports auf dem Wasserweg weiterzuentwickeln. Das Nonplusultra stellt ein treibendes Heidelbeerblatt dar. Man braucht blo� die richtige Str�mung zu w�hlen und kann in aller Ruhe �ber eine betr�chtliche Entfernung reisen. Von den Pilzkulturen im Osten zu den Stallungen im Westen zum Beispiel.</p><p>Die Ameisen hoffen, da� es ihnen eines Tages gelingt. Schwimmk�fer abzurichten. Diese gro�en, mit Lufts�cken unter den Deckfl�geln ausgestatteten Unterwasserk�fer schwimmen in der Tat sehr schnell. Wenn man sie dazu bringen k�nnte, die Bl�tter anzuschieben, verf�gten diese Fl��e �ber einen Antrieb, der weniger zuf�llig w�re als die Str�mungen.</p><p>Chli-pu-ni bringt eine weitere futuristische Idee vor. Sie erinnert sich des Nashornk�fers, der sie aus dem Spinnennetz befreit hat. Welch vollkommene Kriegsmaschine! Diese K�fer haben nicht nur ein gro�es H�rn und einen undurchdringlichen Panzer, zudem fliegen sie mit hoher Geschwindigkeit. Chli-pu-ni denkt unverbl�mt an eine ganze Legion dieser Tiere, eine ganze Legion mit zehn Artilleristinnen auf dem Kopf jedes einzelnen. Sie sieht bereits, wie diese quasi unverwundbaren Besatzungen �ber die feindlichen Truppen herfallen und sie mit S�ure �berschwemmen ...</p><p>Einziges Hindernis: Wie alle K�fer erweisen sich auch die Nashornk�fer als �u�erst schwierig zu z�hmen, da es nicht einmal gelingt, ihre Sprache zu verstehen! Also sind zehn Arbeiterinnen st�ndig damit besch�ftigt, deren Duftemissionen zu entschl�sseln und zu versuchen, ihnen die Pheromonensprache der Ameisen beizubringen.</p><p>Wenn die Ergebnisse vorerst auch m��ig sind, schaffen es die Chlipukanerinnen doch, ihr Vertrauen zu gewinnen, indem sie sie mit Honigtau vollstopfen. Die Nahrung ist schlie�lich die am weitesten verbreitete Insektensprache.</p><p>Dieser kollektiven Dynamik zum Trotz ist Chli-pu-ni besorgt. Drei Trupps von Abgesandten hat sie in Richtung F�deration losgeschickt, um Chli-pu-kan als f�nfundsechzigste Stadt anerkennen zu lassen, und sie hat immer noch keine Antwort. Sollte Belo-kiu-kiuni das B�ndnis ablehnen?</p><p>Je mehr sie dar�ber nachdenkt, um so mehr ist Chli-pu-ni davon �berzeugt, da� ihre abgesandten Spioninnen Fehler begangen haben, da� sie sich von den Kriegerinnen mit dem Felsengeruch haben abfangen lassen. Sofern sie nicht der halluzinierenden Droge im 50. UG erlegen sind ... Oder gab es noch andere M�glichkeiten?</p><p>Sie m�chte Gewi�heit haben. Sie will weder auf die Anerkennung durch die F�deration noch auf die Fortf�hrung der Untersuchung verzichten! Sie beschlie�t, Nr. 801 loszuschicken, ihre beste und scharfsinnigste Kriegerin. Um der jungen Soldatin s�mtliche Tr�mpfe in die Hand zu geben, nimmt die K�nigin einen Gedankenaustausch mit ihr vor, so da� jene ebensoviel �ber das Geheimnis wei� wie sie selbst. Nr. 801 wird:</p><p>Chli-pu-kans Auge, das sieht Chli-pu-kans Antenne, die f�hlt Chli-pu-kans Kralle, die zuschl�gt.</p><p>Die alte Dame hatte einen Rucksack bis zum Rand mit Lebensmitteln und Getr�nken, darunter drei Thermosflaschen mit hei�em Kr�utertee, vollgestopft. Blo� nicht den gleichen Fehler machen wie dieser Fiesling Leduc, der schnell wieder zur�ckkommen mu�te, weil er den Faktor Nahrung vernachl�ssigt hat ... Andererseits, h�tte er jemals das Kodewort erraten? Augusta hatte ihre Zweifel.</p><p>Jason Bragel hatte unter anderem eine Tr�nengasgranate, ein dickes Modell, und drei Gasmasken besorgt; Daniel Rosenfeld hatte seinerseits einen Fotoapparat mit Blitzlicht mitgenommen, das Neueste, was es auf dem Markt gab.</p><p>Inzwischen kreisten sie durch das steinerne Karussell. Wie all ihre Vorg�nger rief der Abstieg auch in ihnen Erinnerungen, fast vergessene Gedanken wach. Kindheit, erster Schmerz. Fehler und Irrt�mer, entt�uschte Liebe, Egoismus, Stolz, Gewissensbisse ...</p><p>Ihre K�rper bewegten sich mechanisch, fern jeder M�digkeit. Sie drangen in das Fleisch des Planeten, in ihre Vergangenheit vor. Ah, wie lang war das Leben, und wie vernichtend konnte es sein, viel eher vernichtend als sch�pferisch ...</p><p>Endlich gelangten sie an eine T�r. Eine T�r mit einer Inschrift:</p><p><emphasis>Im Augenblick des Todes bef�llt die Seele die gleiche Empfindung wie jene, die in das gro�e Mysterium eingeweiht sind.</emphasis></p><p><emphasis>Zun�chst ist alles eine beschwerliche Reise, eine beunruhigende, endlose Fahrt durch die Finsternis.</emphasis></p><p><emphasis>Dann, kurz vor dem Ende, ist der Schrecken am gr��ten. Schaudern, Zittern, kalter Schwei�, Entsetzen.</emphasis></p><p><emphasis>Dieser Phase folgt fast unmittelbar ein Aufstieg zum Licht, eine j�he Erleuchtung.</emphasis></p><p><emphasis>Ein wundervoller Lichtschein zieht den Blick auf sich, man durchquert Pl�tze und Weiden von un�bertroffener Reinheit, auf denen Stimmen und Musik erklingen.</emphasis></p><p><emphasis>Heilige Worte fl��en religi�sen Respekt ein. Der vollkommene und eingeweihte Mensch wird frei, und er feiert das Mysterium.</emphasis></p><p>Daniel macht ein Foto.</p><p>�Ich kenne diesen Text�, behauptet Jason. �Er ist von Plutarch.�</p><p>�Ein h�bscher Text, wahrhaftig.�</p><p>�Jagt Ihnen das keine Angst ein?� fragt Augusta.</p><p>�Doch, aber das ist Absicht. Au�erdem hei�t es, da� auf den Schrecken die Erleuchtung folgt. Also, gehen wir schrittweise vor. Wenn ein wenig Schrecken vonn�ten ist, lassen wir uns eben erschrecken.�</p><p>�Genau, die Ratten ...�</p><p>Es war, als h�tte es gereicht, sie zu erw�hnen. Sie waren da. Die drei Forscher sp�rten ihre unauff�llige Gegenwart, sp�rten sie an dem Leder ihrer Schaftstiefel. Daniel dr�ckte erneut auf den Ausl�ser. Das Blitzlicht offenbarte das absto�ende Bild eines ganzen Teppichs aus grauen Kugeln und schwarzen Ohren. Jason verteilte hastig die Masken, bevor er gro�z�gig sein Tr�nengas verspr�hte. Die Nager brauchten keine zweite Aufforderung .</p><p>Der Abstieg ging weiter, und zwar noch lange.</p><p>�Wie w�re es mit einem kleinen Picknick, meine Herren?� schlug Augusta vor.</p><p>Also picknickten sie. Der Zwischenfall mit den Ratten schien vergessen, alle drei waren bester Laune. Da es ein wenig kalt war, beendeten sie ihren Imbi� mit einem t�chtigen Schluck Schnaps und einem guten br�hwarmen Kaffee. Kr�utertee gab es normalerweise nur am Nachmittag.</p><p>Sie m�ssen lange graben, bis sie in eine Zone gelangen, wo die Erde locker ist. Endlich dringt, einem Sehrohr gleich, ein Antennenpaar an die Oberfl�che; unbekannte Ger�che �berschwemmen es.</p><p>Die Luft ist rein. Sie sind auf der anderen Seite des Randes der Welt. Immer noch keine Mauer aus Wasser. Aber eine Welt, die wahrlich in nichts der anderen gleicht. Im Vordergrund sind noch einige B�ume und Grasflecken zu erkennen, aber dahinter erstreckt sich eine graue, harte, glatte W�ste. Kein einziger Ameisen- oder Termitenh�gel in Sicht.</p><p>Sie riskieren einige Schritte. Aber um sie herum prasseln riesige schwarze Dinge auf den Boden. Ein wenig wie die W�chter, nur da� diese Dinge hier mehr aufs Geratewohl niedergehen.</p><p>Und das ist nicht alles. In der Ferne erhebt sich ein gigantischer Monolith, so hoch, da� ihre Antennen seine Spitze nicht wahrnehmen. Er verdunkelt den Himmel, er erdr�ckt die Erde.</p><p><emphasis>Das mu� die Mauer des Endes der Welt sein, und dahinter ist das Wasser,</emphasis> denkt Nr. 103 683.</p><p>Sie r�cken noch ein wenig weiter vor, um pl�tzlich und unverhofft einer Gruppe von Schaben gegen�berzustehen, die sich an einer Stelle zusammendr�ngen. Durch ihren durchsichtigen Panzer sind s�mtliche Eingeweide, s�mtliche Organe und sogar das Blut zu erkennen, das durch die Adern str�mt! Grauenhaft! Drei der Blattschneiderinnen treten den R�ckzug an und werden von einem herab st�rzenden Teil erschlagen.</p><p>Nr. 103 683 und ihre drei letzten Gef�hrtinnen beschlie�en trotz allem, weiterzugehen. An por�sen kleinen Mauern vorbei halten sie weiter auf den unendlich hohen Monolithen zu. Pl�tzlich geraten sie in eine noch verwirrendere Gegend. Der Boden ist rot und hat eine k�rnige Oberfl�che wie eine Erdbeere. Sie entdecken eine Art Brunnen und wollen gerade hinabsteigen, um ein wenig Schatten zu finden, als pl�tzlich eine schwere wei�e Kugel von mindestens zehn Kopf Durchmesser am Himmel auftaucht, auf dem Boden aufprallt und sie verfolgt. Sie werfen sich in den Brunnen ... und haben gerade noch Zeit, sich gegen die Wand zu dr�cken, bevor die Kugel auf den Grund prallt.</p><p>Zu Tode erschrocken steigen sie wieder hinaus und laufen los. Der Boden ringsum ist blau, gr�n oder gelb, und �berall sind diese Brunnen und diese wei�en Kugeln, die einen verfolgen. Diesmal haben sie genug, jeder noch so gro�e Mut hat seine Grenzen. Diese Welt ist viel zu anders, als da� man sie ertragen k�nnte.</p><p>Und so fliehen sie Hals �ber Kopf, st�rzen in den unterirdischen Gang und kehren schleunigst in die normale Welt zur�ck.</p><empty-line/><p><strong>Zivilisation (Fortsetzung): Ein anderer gro�er Aufeinanderprall von Zivilisationen: die Begegnung von Okzident und Orient.</strong></p><p><strong>Die Annalen des Chinesischen Reichs berichten (um das Jahr 115 unserer Zeitrechnung) von der Ankunft eines Schiffes wahrscheinlich r�mischen Ursprungs, das vom Sturm gebeutelt worden war und nach tagelangem Herumtreiben an der chinesischen K�ste strandete.</strong></p><p><strong>Nun, die Passagiere waren Akrobaten und Gaukler, die, kaum auf festem Boden, das Wohlwollen der Bewohner dieses unbekannten Landes gewinnen wollten, indem sie ihnen eine Vorstellung gaben. Die Chinesen sperrten Mund und Augen auf, als sie diese Fremden mit den langen Nasen sahen, die Feuer spien, ihre Gliedma�en verknoteten, Fr�sche in Schlangen verwandelten usw.</strong></p><p><strong>Mit Fug und Recht schlossen sie daraus, da� der Westen mit Clowns und Feuerschluckern bev�lkert war. Und es vergingen Jahrhunderte, bis sich die Gelegenheit bot, diesen Irrtum aufzukl�ren.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des absoluten und relativen Wissens</strong></p><empty-line/><p>Endlich standen sie vor Jonathans Mauer. <emphasis>Wie bildet man vier Dreiecke aus sechs Streichh�lzern?</emphasis> Daniel vers�umte nicht, ein Foto zu schie�en. Augusta tippte das Wort �Pyramide�, und die Mauer glitt langsam zur Seite. Augusta war stolz auf ihren Enkel.</p><p>Sie gingen hindurch, und bald darauf h�rten sie, da� sich die Mauer wieder zur�ckschob. Jason beleuchtete die W�nde; �berall Felsen, aber nicht mehr derselbe wie vorhin. Vor der Mauer war er rot, jetzt gelb, schwefelge�dert.</p><p>Die Luft jedoch blieb ertr�glich. Sie glaubten sogar einen leichten Luftzug zu sp�ren. Hatte Professor Leduc recht? M�ndete dieser Tunnel in den Wald von Fontainebleau?</p><p>Pl�tzlich stie�en sie auf eine weitere Horde von Ratten, die viel aggressiver waren als die, denen sie zuvor begegnet waren. Jason verstand, was da vorging, hatte jedoch keine Zeit, es den anderen zu erkl�ren: Sie mu�ten die Masken wieder aufsetzen und Gas verspr�hen. Jedesmal, wenn sich die Mauer �ffnete, was sicher nicht oft vorgekommen war, wechselten Ratten auf Nahrungssuche aus der �roten� in die �gelbe Zone� �ber. Aber w�hrend die in der roten Zone noch einigerma�en zurechtkamen, hatten die anderen - die Auswanderer - nichts Nahrhaftes gefunden und begonnen, sich gegenseitig aufzufressen.</p><p>Und Jason und seine Freunde waren nun an die �berlebenden geraten, mit anderen Worten, an die Wildesten. Bei ihnen erwies sich das Tr�nengas glattweg als unwirksam. Sie griffen an! Sie sprangen hoch, versuchten, sich an die Arme zu krallen.</p><p>Daniel, am Rande der Hysterie, scho� eine grelle Blitzlichtsalve ab, doch diese grausigen Biester wogen mehrere Kilo und hatten keine Angst vor Menschen. Die ersten Verletzungen waren zu sehen. Jason zog sein Fahrtenmesser, erstach zwei Ratten und warf sie den anderen zum Fra� vor. Augusta feuerte mehrere Sch�sse mit einem kleinen Revolver ab ... Auf diese Weise gelang es ihnen, Rei�aus zu nehmen. Gerade noch rechtzeitig!</p><empty-line/><p><strong>als ich klein war: Als ich klein war, blieb ich stundenlang auf der Erde liegen und betrachtete die Ameisenhaufen. Das erschien mir �wirklicher� als das Fernsehen.</strong></p><p><strong>Zu den R�tseln, die mir ein Ameisenhaufen bot, geh�rte jenes: Warum brachten sie nach den Verw�stungen, die ich anrichtete, manche der Verletzten zur�ck und lie�en die anderen sterben? Alle waren von der gleichen Gr��e ... Nach welchen Auswahlkriterien wurde ein Individuum f�r interessant erachtet und ein anderes f�r belanglos?</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Sie liefen durch den gelbge�derten Tunnel.</p><p>Schlie�lich gelangten sie vor ein Stahlgitter. Eine �ffnung in der Mitte verlieh ihm eine gewisse �hnlichkeit mit einer Reuse. Das Ganze bildete einen Kegel, der sich so sehr verengte, da� ein mittelschwerer menschlicher K�rper hindurchpa�te, ohne jedoch, aufgrund der Spitzen am Ende des Kegels, wieder umkehren zu k�nnen.</p><p>�Das ist eine neuere Arbeit ...�</p><p>�Hmm, sieht aus, als w�nschten diejenigen, die diese T�r und diesen Trichter angefertigt haben, nicht, da� jemand zur�ckkehrt .�</p><p>Augusta erkannte erneut das Werk Jonathans, des Meisters der T�ren und Metalle.</p><p>�Sehen Sie!�</p><p>Daniel richtete seine Lampe auf eine Inschrift:</p><p>Hier endet das Bewu�tsein</p><p>Wollen Sie in das Unbewu�te zur�ckkehren?</p><p>Sie standen mit offenem Mund da.</p><p>�Was sollen wir tun?�</p><p>Alle dachten dasselbe.</p><p>�Jetzt sind wir schon so weit gelangt, da w�re es schade aufzugeben. Ich schlage vor, wir machen weiter!�</p><p>�Ich gehe als erster�, meinte Daniel und schob seinen Pferdeschwanz in seinen Kragen, damit er nicht h�ngenblieb.</p><p>Einer nach dem andern krochen sie durch die st�hlerne Reuse.</p><p>�Komisch�, sagte Augusta. �ich hab das Gef�hl, als h�tte ich eine solche Erfahrung schon einmal gehabt.�</p><p>�Sie waren schon einmal in einer engen Reuse, die einem die M�glichkeit nimmt, wieder umzukehren?�</p><p>�Ja. Das ist sehr lange her.�</p><p>�Was hei�t f�r Sie lange her ...?�</p><p>�Oh, ich war noch jung, ich glaube, ich war ... ein, zwei Sekunden alt.�</p><p>Wieder zur�ck in ihrer Stadt, erz�hlen die Blattschneiderinnen von ihren Abenteuern auf der anderen Seite der Welt, dem Land der Ungeheuer und unerkl�rlichen Erscheinungen. Die Schaben, die schwarzen Platten, der gigantische Monolith, der Brunnen, die wei�en Kugeln ... Das ist zuviel! Unm�glich, in einer derart grotesken Welt eine Ansiedlung zu gr�nden.</p><p>Nr. 103 683 bleibt in einer Ecke, um neue Kraft zu sammeln. Sie �berlegt. Wenn ihre Schwestern ihren Bericht vernehmen, werden sie s�mtliche Karten �ndern und die Grundlagen ihrer Planetologie �berdenken m�ssen. Sie sagt sich, da� es an der Zeit ist, zur F�deration zur�ckzukehren.</p><p>Seit der Reuse hatten sie bestimmt gut zehn Kilometer zur�ckgelegt ... Nun ja, woher sollte man das genau wissen, und au�erdem machte sich allm�hlich die M�digkeit bemerkbar.</p><p>Sie kamen zu einem winzigen Bach, der quer durch den Tunnel verlief und dessen Wasser ungew�hnlich warm und schwefelhaltig war.</p><p>Daniel blieb abrupt stehen. Ihm war, als h�tte er Ameisen gesehen, die sich, Fl��ern gleich, auf einem Blatt von der Str�mung treiben lie�en! Er nahm sich zusammen; wahrscheinlich die Ausd�nstungen des Schwefelstaubs, die ihm �Hirngespinste� einjagten ...</p><p>Ein paar hundert Meter weiter trat Jason auf einen knackenden Gegenstand. Er richtete seine Lampe darauf. Der Brustkorb eines Skeletts! Er stie� einen gellenden Schrei aus. Daniel und Augusta lie�en ihre Taschenlampen umherschweifen und entdeckten zwei weitere Skelette, eines davon hatte die Gr��e eines Kindes. Konnte es sein, da� das Jonathan und seine Familie waren?</p><p>Sie machten sich wieder auf den Weg, und schon bald waren sie gezwungen zu rennen: Ein lautes Rascheln verriet, da� sich die Ratten wieder n�herten. Das Gelb der W�nde schlug in Wei� um. Kalk. Ersch�pft gelangten sie endlich ans Ende des Tunnels. An eine Wendeltreppe, die nach oben f�hrte!</p><p>Augusta feuerte ihre beiden letzten Kugeln auf die Ratten ab, dann st�rmten sie die Treppe hinauf. Jason war noch geistesgegenw�rtig genug, um zu bemerken, da� sie andersherum gebaut war als die erste, das hei�t, da� Auf- und Abstieg jeweils im Uhrzeigersinn verliefen.</p><p>Die Nachricht erregt Aufsehen. Eine Belokanerin ist in der Stadt aufgekreuzt. Ringsum hei�t es nur, das m�sse eine Abgesandte der F�deration sein, die gekommen ist, um den offiziellen Anschlu� von Chli-pu-kan als f�nfundsechzigste Stadt zu verk�nden.</p><p>Chli-pu-ni ist nicht so optimistisch wie ihre T�chter. Sie mi�traut dieser Besucherin. Wenn es nun eine der Kriegerinnen mit dem Felsenduft ist, von Bel-o-kan ausgesandt, um die Stadt der aufr�hrerischen K�nigin zu infiltrieren?</p><p><emphasis>Wie ist sie?</emphasis></p><p><emphasis>Sie ist vor allem sehr m�de! Sie mu� von Bel-o-kan aus in einem fort gelaufen sein, um die Strecke in mehreren Tagen zu schaffen.</emphasis></p><p>Hirtinnen h�tten sie entdeckt, als sie ersch�pft durch die Gegend irrte. Sie habe bislang noch nichts ge�u�ert, man habe sie direkt in den Saal der nahrungsspeichernden Ameisen gef�hrt, damit sie wieder zu Kr�ften komme.</p><p><emphasis>Bringt sie her, ich werde allein mit ihr sprechen, aber ich will, da� Wachen am Eingang des k�niglichen Gemachs bleiben, um auf ein Zeichen von mir einzugreifen.</emphasis></p><p>Chli-pu-ni hat sich immer gew�nscht. Nachrichten aus ihrer Geburtsstadt zu erhalten, aber jetzt, da eine Repr�sentantin von dort auftaucht, geht ihr als erstes durch den Kopf, diese als Spionin zu betrachten und zu t�ten. Sie will abwarten, bis sie sie vor sich hat, aber wenn die Abgesandte nur das geringste Molek�l von Felsengeruch aufweist, wird sie sie ohne Z�gern umbringen lassen.</p><p>Die Belokanerin wird hereingef�hrt. Kaum erkennen die beiden einander, springen sie mit weitge�ffneten Mandibeln aufeinander zu und nehmen ... eine h�chst intensive Trophallaxie vor. Ihre Erregung ist so stark, da� es ihnen nicht sofort gelingt, sich zu �u�ern.</p><p>Chli-pu-ni st��t das erste Pheromon aus.</p><p><emphasis>Wie weit ist die Untersuchung gediehen? Sind es die Termiten?</emphasis></p><p>Nr. 103 683 erz�hlt, da� sie den Flu� des Ostens �berquert und die Termitenstadt besucht hat, da� jene zerst�rt wurde und es keine �berlebenden gegeben hat.</p><p><emphasis>Und? Wer steckt hinter all dem?</emphasis></p><p>Die wahren Urheber all dieser unbegreiflichen Ereignisse sind nach Meinung der Kriegerin die W�chter des �stlichen Randes der Welt. �u�erst seltsame Tiere, die man weder sieht noch riecht. Sie tauchen urpl�tzlich am Himmel auf, und alles stirbt!</p><p>Chli-pu-ni h�rt aufmerksam zu. Eines jedoch, f�gt Nr. 103 683 hinzu, bleibt unerkl�rlich: Wie haben es die W�chter des Randes der Welt geschafft, die Soldatinnen mit dem Felsengeruch f�r ihre Zwecke einzuspannen?</p><p>Chli-pu-ni hat da ihre eigene Vorstellung. Sie erz�hlt, da� die Soldatinnen mit dem Felsengeruch weder Spioninnen noch S�ldnerinnen seien, sondern eine geheime Einheit mit dem Auftrag, das Stre�niveau des Staatswesens zu �berwachen. Sie unterdr�cken jedwede Information, die die Stadt �ngstigen k�nnte ... Sie berichtet, wie diese Killerinnen Nr. 327 ermordet und den Versuch unternommen haben, auch sie selbst zu t�ten.</p><p><emphasis>Und die Nahrungsvorr�te unten dem Felsen? Und der Gang in dem Granit?</emphasis></p><p>Darauf wei� Chli-pu-ni keine Antwort. Sie hat eben aus diesem Grund Spioninnen ausgesandt, die versuchen werden, dieses doppelte R�tsel zu l�sen.</p><p>Die junge K�nigin schl�gt ihrer Freundin eine Stadtbesichtigung vor. Unterwegs erkl�rt sie ihr, welch ungeheure M�glichkeiten das Wasser bietet. Der Flu� des Ostens zum Beispiel werde seit jeher als t�dlich angesehen, dabei sei das nur Wasser, sie selbst sei hineingefallen und keineswegs daran gestorben. Vielleicht k�nne man diesen Flu� eines Tages auf Bl�tterfl��en hinabfahren und so den n�rdlichen Rand der Welt entdecken . Chli-pu-ni ger�t ins Schw�rmen: Sicher gebe es auch am n�rdlichen Ende W�chter, und vielleicht k�nnte man sie dazu anstacheln, gegen die des �stlichen Endes zu k�mpfen.</p><p>Nr. 103 683 merkt, da� Chli-pu-ni vor k�hnen Projekten strotzt. Nicht alle scheinen realisierbar, aber was bereits in die Tat umgesetzt wurde, ist beeindruckend: Noch nie hat die Soldatin so weite Pilzkulturen oder Stallungen gesehen, noch nie hat sie Fl��e gesehen, die auf unterirdischen Kan�len treiben ...</p><p>Aber am meisten �berrascht sie das letzte Pheromon der K�nigin.</p><p>Wenn ihre Abgesandten binnen vierzehn Tagen nicht zur�ck seien, beteuert sie, werde sie Bel-o-kan den Krieg erkl�ren. Sie glaubt, da� ihre Geburtsstadt dieser Welt nicht mehr angepa�t ist. Die blo�e Existenz der Kriegerinnen mit dem Felsenduft zeigt, da� Bel-o-kan eine Stadt ist, die sich der Wirklichkeit nicht mehr offen stellt. Eine fr�stelnde Stadt, wie eine Schnecke. Einst war sie revolution�r, jetzt ist sie �berholt. Sie mu� abgel�st werden. Chli-pu-ni ist der Ansicht, da� sich die F�deration rasch entwickeln wird, wenn sie sich an die Spitze setzt. Gemeinsam mit den anderen vierundsechzig St�dten m��ten ihre Initiativen betr�chtliche Ergebnisse zeitigen. Sie gedenkt bereits, die Wasserl�ufe zu erobern und eine fliegende Legion aufzustellen, die sich der Nashornk�fer bedient.</p><p>Nr. 103 683 z�gert. Sie hatte vor. Bel-o-kan aufzusuchen und dort �ber ihre Odyssee zu berichten, aber Chli-pu-ni bittet sie, auf ihr Vorhaben zu verzichten.</p><p><emphasis>Bel-o-kan hat eine Armee aufgestellt, �um nichts zu erfahren�. Zwinge die Stadt nicht dazu, etwas zu erkennen, was sie nicht erkennen will.</emphasis></p><p>Das obere Ende der Wendeltreppe ist durch einige Stufen aus Aluminium verl�ngert. Die stammen bestimmt nicht aus der Renaissance! Die drei gelangen zu einer wei�en T�r. Wieder</p><empty-line/><p><emphasis>Und ich kam zu einer Mauer, die aus Kristallen bestand und von Feuerzungen umgeben war. Und das machte mir langsam angst.</emphasis></p><p><emphasis>Dann schritt ich durch die Feuerzungen bis zu einem gro�en Haus, das aus Kristallen errichtet war.</emphasis></p><p><emphasis>Und die Mauern des Hauses waren wie eine Flut von schachbrettartigen Kristallen, und seine Fundamente waren aus Kristall.</emphasis></p><p><emphasis>Seine Decke war wie die Bahn der Sterne.</emphasis></p><p><emphasis>Und zwischen ihnen waren Feuersymbole.</emphasis></p><p><emphasis>Und der Himmel war klar wie Wasser. (Enoch, I)</emphasis></p><empty-line/><p>Sie sto�en die T�r auf, steigen einen sehr steilen Gang hinauf. Pl�tzlich gibt der Boden unter ihren F��en nach - eine Fallt�r! Ihr Fall ist lang, so lang ... da� sie die Angst verlieren, sie haben das Gef�hl zu fliegen. Sie fliegen!</p><p>Ihr Sturz wird von einem Trapezk�nstlernetz aufgefangen, ein riesiges Netz mit engen Maschen. Auf allen vieren tasten sie durch die Dunkelheit. Jason Bragel ortet eine weitere T�r -diesmal jedoch nicht mit einem Kode, sondern mit einer schlichten Klinke. Leise ruft er seine Begleiter. Dann �ffnet er.</p><empty-line/><p><strong>greis: In Afrika betrauert man eher den Tod eines alten Mannes als den eines Neugeborenen. Der Greis bedeutete eine Menge von Erfahrungen, von denen der Rest des Stammes profitieren konnte, w�hrend das Neugeborene, das nicht gelebt hat, sich seines Todes nicht einmal bewu�t ist.</strong></p><p><strong>In Europa trauert man um das Neugeborene, weil man sich sagt, da� es bestimmt wunderbare Dinge h�tte vollbringen k�nnen, wenn es gelebt</strong></p><p><strong>h�tte. Dem Tod eines Greises hingegen schenkt man wenig Aufmerksamkeit. Er hat auf jeden Fall sein Leben gelebt.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Der Ort ist in ein bl�uliches Licht getaucht.</p><p>Eine Kirche, eine Art Tempel ohne ein einziges Bild, ohne eine einzige Statue. Augusta mu� an die Worte von Professor Leduc denken. Bestimmt haben sich die Protestanten fr�her hierher zur�ckgezogen, wenn die Verfolgungen zu gnadenlos wurden.</p><p>Der Saal unter dem steinernen Gew�lbe ist quadratisch, ger�umig, wundersch�n. In der Mitte steht als einziges dekoratives Element eine alte Orgel. Davor ein Notenpult, auf dem ein dicker Aktendeckel liegt.</p><p>Die W�nde sind voller Inschriften, von denen viele, selbst f�r den Blick eines Laien, eher der Schwarzen als der Wei�en Magie nahezustehen scheinen. Leduc hatte recht, die Sekten m�ssen in diesem unterirdischen Schlupfwinkel einander abgel�st haben. Und fr�her d�rfte es hier keine verschiebbare Wand, keinen Trichter und keine Fallt�r mit Netz gegeben haben.</p><p>Sie h�ren ein Pl�tschern wie von flie�endem Wasser. Die Ursache sehen sie nicht sofort. Das bl�uliche Licht kommt von rechts. Dort befindet sich eine Art Laboratorium mit Computern und Reagenzgl�sern. S�mtliche Ger�te sind eingeschaltet, und die Bildschirme der Computer erzeugen diesen bl�ulichen Schimmer, der den Tempel erhellt.</p><p>�Das macht euch stutzig, was?�</p><p>Sie schauen sich an. Keiner von ihnen hat ein Wort gesagt. Oben an der Decke leuchtet eine Lampe auf.</p><p>Sie drehen sich um. Jonathan Wells kommt in einem wei�en Bademantel auf sie zu. Er ist durch eine T�r hinter dem Laboratorium in den Tempel eingetreten.</p><p>�Guten Tag. Gro�mutter Augusta! Guten Tag, Jason Bragel! Guten Tag. Daniel Rosenfeld!�</p><p>Keiner Antwort f�hig, sperren die drei Augen und Ohren auf. Er ist also nicht tot! Er hat hier unten gelebt! Wie kann man hier leben? Sie wissen nicht, was sie zuerst fragen sollen ...</p><p>�Willkommen in unserer kleinen Gemeinschaft!�</p><p>�Wo sind wir?�</p><p>�Ihr seid hier in einer zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Androuet Du Cerceau gebauten protestantischen Kirche. Androuet ist durch den Bau des Hotel Sully in der Rue Saint-Antoine in Paris ber�hmt geworden, aber ich finde, diese unterirdische Kirche ist sein Meisterwerk. Kilometerlange, in den Stein gehauene Tunnel. Ihr habt bemerkt, auf der ganzen Strecke ist gen�gend Luft zum Atmen. Er mu� Luftsch�chte angebracht haben, oder er hat es verstanden, die Luftansammlungen in den nat�rlichen Stollen zu nutzen. Wir sind nicht einmal in der Lage, zu verstehen, wie er das angestellt hat. Sicher sind euch auch die B�che aufgefallen, die einige Abschnitte des Tunnels durchlaufen. Seht mal, einer davon kommt genau hier heraus.�</p><p>Er deutet auf die Ursache des unentwegten Pl�tscherns, einen mit Skulpturen verzierten Springbrunnen hinter der Orgel.</p><p>�Im Laufe der Zeit haben sich viele Leute hierher zur�ckgezogen, um den Frieden und die Ausgeglichenheit f�r so manche Dinge zu finden, die ... sagen wir: viel Aufmerksamkeit erforderten. Onkel Edmond hat in einem alten obskuren Schriftst�ck von der Existenz dieses Schlupfwinkels erfahren, und genau hier hat er gearbeitet.�</p><p>Jonathan tritt noch n�her; eine seltene Sanftmut und Unbek�mmertheit gehen von ihm aus. Augusta ist v�llig baff.</p><p>�Aber ihr seid sicher ersch�pft. Folgt mir.�</p><p>Er st��t die T�r auf, durch die er erschienen ist, und f�hrt sie in einen Raum, in dem mehrere Liegesofas kreisf�rmig angeordnet sind.</p><p>�Lucie�, ruft er, �wir haben Besuch!�</p><p>�Lucie? Ist sie auch hier?� ruft Augusta erfreut aus.</p><p>�Hmm, wie viele seid ihr denn hier?� fragt Daniel.</p><p>�Bislang waren wir achtzehn: Lucie, Nicolas, die acht Feuerwehrleute, der Inspektor, die f�nf Gendarmen, der Kommissar und ich. Kurzum, s�mtliche Leute, die sich die M�he gemacht haben, hinabzusteigen. Ihr werdet sie bald sehen. Entschuldigt, aber f�r unsere Gemeinschaft ist es jetzt vier Uhr morgens, und da schlafen alle. Ich bin der einzige, der von eurer Ankunft geweckt wurde. Was habt ihr nur f�r einen Radau in den G�ngen veranstaltet, sagt mal ...�</p><p>Lucie erscheint, ebenfalls in einen Bademantel geh�llt.</p><p>�Guten Tag!�</p><p>Sie tritt l�chelnd n�her und k��t sie alle drei. Hinter ihr schieben Gestalten im Pyjama den Kopf durch die �ffnung einer T�r, um die �Neuank�mmlinge� zu betrachten.</p><p>Jonathan holt Gl�ser und eine gro�e Karaffe, die er mit dem Wasser aus dem Brunnen f�llt.</p><p>�Wir lassen euch einen Moment allein, um uns anzuziehen und alles vorzubereiten. Wir empfangen n�mlich alle Neuen mit einer kleinen Feier, aber da� ihr mitten in der Nacht auftauchen w�rdet, wu�ten wir nicht ... Bis gleich!�</p><p>Augusta, Jason und Daniel r�hren sich nicht. Das Ganze ist einfach unglaublich. Daniel kneift sich pl�tzlich in den Unterarm. Augusta und Jason finden diese Idee ausgezeichnet und machen es ihm nach. Aber nein, die Wirklichkeit �bertrifft den Traum manchmal um L�ngen. K�stlich verwirrt, schauen sie sich an und beginnen zu l�cheln.</p><p>Einige Minuten sp�ter sind alle versammelt. Sie sitzen auf den Sofas. Augusta, Jason und Daniel haben inzwischen ihre Fassung wiedergewonnen und sind jetzt vor allem neugierig.</p><p>�Ihr habt vorhin von Luftsch�chten gesprochen. Sind wir hier tief unter der Erde?�</p><p>�Nein, h�chstens drei, vier Meter.�</p><p>�Dann k�nnen wir also von hier aus wieder ins Freie gelangen?�</p><p>�Nein, nein. Jean Androuet Du Cerceau hat seine Kirche genau unter einem flachen Felsen von absoluter H�rte gebaut -unter einem Granitblock!�</p><p>�Der jedoch ein Loch von der Gr��e eines Arms hat�, erg�nzt Lucie. �Diese �ffnung diente ebenfalls zur Ventilation.�</p><p>�Diente?�</p><p>�Ja, jetzt wird dieser Durchbruch zu anderen Zwecken genutzt. Das ist nicht weiter schlimm, es gibt andere, seitliche Luftsch�chte. Ihr merkt, man erstickt hier keineswegs ...�</p><p>�Man kommt also nicht heraus?�</p><p>�Nein. Jedenfalls nicht nach oben.�</p><p>Jason wirkt ziemlich besorgt.</p><p>�Aber Jonathan, weshalb hast du dann diese Mauer, diese Reuse, diese Fallt�r, dieses Netz angebracht . ? Wir sitzen hier ja vollkommen fest!�</p><p>�Eben, das ist so beabsichtigt. Das hat mich einiges an Zeit und Aufwand gekostet. Aber es war unumg�nglich. Als ich zum erstenmal in diese Kirche kam, habe ich dieses Notenpult entdeckt. Au�er der <emphasis>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</emphasis> fand ich darauf einen Brief meines Onkels an mich. Hier ist er.�</p><p>Lieber Jonathan,</p><p>Du hast dich trotz meiner Warnungen entschlossen, in den Keller hinabzusteigen. Du bist also mutiger, als ich dachte. Bravo. Die Aussicht, da� du es schaffen w�rdest, war meines Erachtens nicht gr��er als eins zu f�nf. Deine Mutter hat mir von deiner krankhaften Angst vor der Dunkelheit erz�hlt.</p><p>Wenn du jetzt hier bist, dann hei�t das, da� es dir (unter anderem) gelungen ist, dieses Hindernis zu �berwinden, und da� deine Willenskraft st�rker geworden ist. Wir werden sie brauchen.</p><p>Du findest in diesem Aktendeckel die <emphasis>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens,</emphasis> die an dem Tag, da ich diese Worte schreibe, genau 288 Kapital umfa�t, in denen von meiner Arbeit die Rede ist. Ich m�chte, da� du sie fortf�hrst, es lohnt sich.</p><p>Den Schwerpunkt dieser Forschungen bildet die Ameisenzivilisation. Nun, du wirst es lesen und wirst es verstehen. Aber vorab habe ich eine sehr wichtige Bitte an dich. Da� du jetzt diesen Brief liest, bedeutet auch, da� ich keine Zeit hatte. Vorrichtungen anzubringen, um mein Geheimnis zu sch�tzen (w�re ich dazu gekommen, h�ttest du einen anderen Brief vorgefunden).</p><p>Ich bitte dich, sie zu konstruieren. Ich habe bereits ein paar Skizzen angefertigt, aber ich denke, du wirst diese Anregungen aufgrund deiner eigenen Kenntnisse verbessern k�nnen. Das Ziel dieser Vorrichtungen ist einfach. Es geht darum, da� man einerseits nicht so leicht in meine H�hle vordringen kann, andererseits jedoch diejenigen, denen es gelingt, nie wieder zur�ckkehren, um zu erz�hlen, was sie entdeckt haben.</p><p>Ich hoffe, du bringst das zustande, und ich hoffe auch, da� dir dieser Ort den gleichen �Reichtum� verschaffen wird, den er mir gegeben hat.</p><p>Edmond</p><p>�Jonathan hat sich darauf eingelassen�, erkl�rt Lucie. �Er hat s�mtliche Fallen gebaut, die Edmond geplant hat, und Sie haben feststellen k�nnen, da� sie zuschnappen.�</p><p>�Und die Leichen? Sind das Leute, die sich von den Ratten haben erwischen lassen?�</p><p>�Nein.� Jonathan l�chelt. �Ich kann euch versichern, da� es in diesen unterirdischen G�ngen keine Toten mehr gegeben hat, seit sich Edmond hier niedergelassen hat. Die Leichen, die ihr gesehen habt, liegen mindestens f�nfzig Jahre dort. Wer wei�, welche Dramen sich fr�her hier abgespielt haben. Irgendeine Sekte ...�</p><p>�Dann kommen wir hier also nie mehr raus?� erkundigte sich Jason beunruhigt.</p><p>�Nie mehr.�</p><p>�Man m��te das Loch oberhalb des Netzes erreichen (in acht Meter H�he!), die Reuse in umgekehrter Richtung passieren, was unm�glich ist (und irgendwelches Ger�t, um sie einzuschmelzen, haben wir nicht), zudem die Mauer �berwinden, wobei Jonathan auf dieser Seite keinerlei Vorrichtung angebracht hat, sie zu �ffnen ...�</p><p>�Von den Ratten ganz zu schweigen .�</p><p>�Wie hast du es geschafft, da unten Ratten anzusiedeln?� fragte Daniel.</p><p>�Das war Edmonds Idee. Er hat ein besonders dickes und aggressives Paar <emphasis>rattus norvegicus</emphasis> in einem Felsspalt ausgesetzt und einen gro�en Nahrungsvorrat hinterlassen. Er wu�te, da� das eine Zeitbombe war. Ratten vermehren sich, wenn sie wohlgen�hrt sind, mit rasender Geschwindigkeit. Sechs Junge pro Monat, die ihrerseits nach zwei Wochen zeugungsf�hig sind ... Um sich vor ihnen zu sch�tzen, benutzte er ein Spray mit einem aggressiven Pheromon, das diese Nager abschreckt.�</p><p>�Dann haben also die Ratten Ouarzazate get�tet?� fragte Augusta.</p><p>�Ja, leider. Und Jonathan hatte nicht vorausgesehen, da� die Ratten, die auf die andere Seite der &gt;Pyramiden-Mauer&lt; gelangen, noch wilder wurden.�</p><p>�Ein Kollege von uns, der schon immer eine f�rchterliche Angst vor Ratten hatte, ist v�llig ausgerastet, als ihm eines dieser dicken Viecher ins Gesicht sprang und ihm ein St�ck von der Nase abgebissen hat. Er ist auf der Stelle zur�ckgelaufen, noch ehe die Mauer wieder zuging. Haben Sie oben etwas von ihm geh�rt?�</p><p>�Ich habe munkeln h�ren, er sei verr�ckt geworden und sitze inzwischen in einer geschlossenen Anstalt�, antwortete Augusta, �aber das sind Ger�chte.�</p><p>Sie steht auf, um sich ein Glas Wasser zu holen, bemerkt jedoch, da� der Tisch voller Ameisen ist. Sie st��t einen Schrei aus und fegt sie unwillk�rlich mit dem Handr�cken zur Seite. Jonathan springt auf und packt sie am Handgelenk. Sein harter Blick pa�t nicht zu der ausgepr�gten Heiterkeit, die bislang in der Gruppe geherrscht hat; und das nerv�se Zucken seines Mundes, das geheilt schien, ist wieder da.</p><p>�Mach das ... nie ... wieder!�</p><p>Belo-kiu-kiuni ist allein in ihrer Loge. Geistesabwesend verschlingt sie einige ihrer Eier, ihr Lieblingsessen.</p><p>Sie wei�, da� diese sogenannte Nr. 801 keine Botschafterin der neuen Stadt ist. Nr. 56, oder auch K�nigin Chli-pu-ni, wie sie sich jetzt nennt, hat sie ausgesandt, um weitere Nachforschungen anzustellen.</p><p>Sie braucht sich keine Sorgen zu machen, ihre Kriegerinnen mit dem Felsenduft d�rften problemlos mit ihr fertigwerden. Die Hinkende vor allem ist ungemein begabt darin, andere von der Last des Lebens zu erl�sen - eine wahre K�nstlerin!</p><p>Dennoch, das ist schon das vierte Mal, da� ihr Chli-pu-ni Abgesandte schickt, die ein wenig neugierig sind. Die ersten wurden get�tet, noch bevor sie den Saal mit der Droge fanden. Die zweite und die dritte Gruppe sind den Halluzinationen hervorrufenden Substanzen des vergifteten Koleopters zum Opfer gefallen.</p><p>Diese Nr. 801 nun ist offenbar unmittelbar nach ihrer Unterredung mit ihr, der K�nigin, hinabgestiegen. Wahrhaftig, sie haben es immer eiliger, zu sterben! Andererseits dringen sie mit jedem Mal tiefer in die Stadt ein. Und wenn eine von ihnen trotz allem den Weg findet? Wenn sie das Geheimnis entdeckt? Und wom�glich den Duft davon verbreitet .?</p><p>Eine der Kriegerinnen mit dem Felsengeruch st�rmt hinein. <emphasis>Die Spionin hat es geschafft, an der Droge vorbeizukommen! Sie ist unten!</emphasis></p><p>Nun denn, das mu�te ja so kommen .</p><empty-line/><p><strong>666 ist der Name des Tieres (Die Offenbarung des Johannes). Aber wer ist f�r wen das Tier?</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Jonathan l��t das Handgelenk seiner Gro�mutter los. Damit keine Verlegenheit aufkommt, schl�gt Daniel ein anderes Thema an.</p><p>�Und dieses Labor am Eingang, wozu dient das?�</p><p>�Das ist der Stein des Weisen! All unsere Anstrengungen dienen nur dem einen Ziel: mit ihnen in Verbindung zu stehen!�</p><p>�Mit ihnen .? Mit wem?�</p><p>�Mit ihnen: den Ameisen. Folgt mir.�</p><p>Sie verlassen den Raum in Richtung Laboratorium. Jonathan, der sich in seiner Rolle als Nachfolger Edmonds sichtlich wohl f�hlt, nimmt ein mit Ameisen gef�lltes Reagenzglas vom Labortisch und h�lt es in Augenh�he.</p><p>�Schaut her, das sind Gesch�pfe. Und zwar vollwertige Gesch�pfe, keine kleinen, unbedeutenden Insekten. Und das, das hat mein Onkel sofort begriffen ... Die Ameisen bilden die zweite gro�e Zivilisation auf der Erde. Und Edmond ist eine Art Kolumbus, der zwischen unseren Zehen einen anderen Kontinent entdeckt hat. Er hat als erster erfa�t, da� man, bevor man au�erirdische Wesen in den letzten Winkeln des Weltalls sucht, erst einmal Kontakt mit den ... innerirdischen aufnehmen sollte.�</p><p>Niemand sagt einen Ton. Augusta erinnert sich. Eines Tages. Jonathan war noch gar nicht auf der Welt, ist sie durch den Wald von Fontainebleau spaziert, und pl�tzlich hat sie gesp�rt, wie unter ihren Sohlen Scharen von winzig kleinen Tierchen knackten. Sie war auf eine Gruppe von Ameisen getreten. Sie hatte sich hinabgebeugt. Sie waren allesamt tot, aber eines blieb r�tselhaft. Sie hatten sich so ausgerichtet, da� sie einen Pfeil mit nach innen gekehrter Spitze bildeten ...</p><p>Jonathan hat das Reagenzglas abgestellt. Er nimmt seine Rede wieder auf: �Nach seiner R�ckkehr aus Afrika hat Edmond dieses Geb�ude, den Keller, schlie�lich die Kirche entdeckt. Das war der ideale Ort, hier hat er sein Labor eingerichtet ... Der erste Schritt seiner Forschungen bestand darin, die Pheromonensprache der Ameisen zu entschl�sseln. Diese Maschine hier ist ein Massenspektrometer. Wie der Name sagt, zeigt es ein Spektrum einer Masse, es zerlegt jede Materie, indem es die Atome aufz�hlt, aus denen sie zusammengesetzt ist ... Ich habe die Aufzeichnungen meines Onkels gelesen. Am Anfang setzte er seine Versuchstierchen unter eine Glasglocke, die �ber ein Saugrohr mit dem Massenspektrometer verbunden war. Dann brachte er eine Ameise mit einem St�ck Apfel in Ber�hrung, diese traf eine andere Ameise und teilte ihr unweigerlich mit &gt;Da dr�ben gibt es Apfelc. Nun ja, das war die Ausgangshypothese. Er saugte die ausgeschiedenen Pheromone an, entschl�sselte sie und gelangte zu einer chemischen Formel ... &gt;Im Norden gibt es Apfel&lt; hei�t zum Beispiel: ���&gt;Methyl<sub>4</sub> Methylpyrrol<sub>2 </sub>Carboxylatc. Die Mengen sind verschwindend gering, in der Gr��enordnung von 2 bis 3 Pikogramm (10-12 g) pro Satz ... Aber das reichte. Auf diese Weise wu�te er &gt;Apfel&lt; und &gt;im Norden&lt; zu sagen. Er setzte das Experiment mit einer Vielzahl von Gegenst�nden, Lebensmitteln oder Situationen fort. So erhielt er ein richtiges W�rterbuch der Ameisensprache. Nachdem er zun�chst nur den Namen von gut hundert Fr�chten, rund drei�ig Blumen und einem Dutzend Richtungsangaben erkannt hatte, schaffte er es schlie�lich, die Pheromone f�r Alarm, Freude, Vorschlag, Beschreibung und so weiter herauszufinden, und er ist sogar fortpflanzungsf�higen Ameisen begegnet, die ihm beigebracht haben, wie man die &gt;abstrakten Emotionen&lt; des siebten Antennensegments ausdr�ckt ... Ihnen nur &gt;zuzuh�ren&lt; reichte jedoch nicht. Er wollte mit ihnen reden, einen richtigen Dialog aufnehmen.�</p><p>�Sagenhaft!� entfuhr es Professor Daniel Rosenfeld.</p><p>�Er hat angefangen, f�r jede chemische Formel eine bestimmte akustische Entsprechung in Form von Silben zu finden. Methyl<sub>4</sub> Methylpyrrol<sub>2</sub> Carboxylat hie� beispielsweise MT<sub>4</sub>MTP<sub>2</sub>CX, dann Miticamitipidicixu. Schlie�lich hat er in den Speicher des Computers eingegeben: Miticamitipi = Apfel; und: dicixu = befindet sich im Norden. Der Computer �bersetzt in beide Richtungen. Wenn er &gt;dicixu&lt; erkennt, �bersetzt er es zu &gt;befindet sich im Norden&lt;. Und wenn man &gt;befindet sich im Norden&lt; eintippt, formt er diesen Satz in &gt;dicixu&lt; um, was einen Aussto� von Carbolyxat durch eine Art Sprechger�t ausl�st ...�</p><p>�Ein Sprechger�t?�</p><p>�Ja, dieser Apparat hier.�</p><p>Er deutete auf eine Art Vitrine, die sich aus Tausenden von kleinen Phiolen zusammensetzte, die jeweils in einem kleinen R�hrchen endeten, das wiederum an eine elektrische Pumpe angeschlossen war.</p><p>�Die in den Phiolen enthaltenen Atome werden von dieser Pumpe angesaugt, dann in diesen Apparat bef�rdert, der sie sichtet und genau nach der von dem elektronischen W�rterbuch angegebenen Dosierung sortiert.�</p><p>�Sagenhaft�, wiederholt Daniel ���Rosenfeld, �einfach sagenhaft. Ist�es ihm�wirklich gelungen,�Kontakt aufzunehmen?�</p><p>�Hmm ... Ich glaube, da lese ich Ihnen am besten seine Aufzeichnungen in der <emphasis>Enzyklop�die</emphasis> vor.�</p><empty-line/><p><strong>gespr�chsfetzen: Auszug der ersten Unterhaltung mit einer formica ruf a vom Typ Kriegerin.</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Empfangen Sie mich?</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Ich sende, empfangen Sie mich?</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>krrrnrrrkrrrkrrrnkrrr. Hilfe.</strong></p><p><strong>(Anm.: Die Dosierung wurde mehrfach ge�ndert. Vor allem war der Aussto� viel zu stark, er hat das Versuchsobjekt erstickt. Der Emissionsschalter mu� auf 1 gestellt werden. Der Schalter f�r den Empfang hingegen mu� auf 10 hochgedreht werden, damit kein Molek�l verlorengeht.)</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Empfangen Sie mich?</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Bugu.</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Ich sende, empfangen Sie mich?</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Sgugnu. Hilfe. Ich bin eingeschlossen.</strong></p><p><strong>Auszug der dritten Unterhaltung.</strong></p><p><strong>(Anm.: Das Vokabular ist diesmal auf achtzig W�rter ausgedehnt worden. Der Aussto� war immer noch zu stark. Neue Einstellung, der Knopf mu� fast auf Null gestellt werden.)</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Was?</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Was sagen Sie?</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Ich verstehe nichts. Hilfe!</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Reden wir langsamer!</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Sie senden zu stark! Meine Antennen sind �bers�ttigt. Hilfe! Ich bin eingeschlossen.</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Und jetzt, geht es so?</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Nein, wissen Sie denn nicht, wie man sich unterh�lt?</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Na ja ...</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Wer sind Sie?</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Ich bin ein gro�es Tier. Ich hei�e ED-MOND.</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Was sagen Sie? Ich verstehe nichts. Hilfe! Zu Hilfe! Ich bin eingeschlossen .!</strong></p><p><strong>(Anm.: F�nf Sekunden nach diesem Dialog ist das Versuchsobjekt gestorben. War der Aussto� immer noch zu stark? Hatte es Angst?)</strong></p><empty-line/><p>Jonathan unterbricht seine Lekt�re.</p><p>�Ihr seht, das ist gar nicht so einfach! Es reicht nicht. Vokabeln zu sammeln, um mit ihnen zu reden. Au�erdem funktioniert die Ameisensprache nicht so wie unsere. Es werden nicht nur die eigentlichen Gespr�chsemissionen wahrgenommen, sondern auch die Emissionen, die von den anderen elf Antennensegmenten ausgehen. Jene geben die Identit�t des Individuums an, seine Sorgen, seine Psyche . So etwas wie ein Gesamtbild der geistigen Verfassung, das f�r das interindividuelle Verst�ndnis unerl��lich ist. Deshalb hat Edmond aufgeben m�ssen. Ich lese euch seine Notizen vor.</p><empty-line/><p><strong>WAS BIN ICH DUMM: Was bin ich dumm!</strong></p><p><strong>Selbst wenn es Au�erirdische gibt, w�ren wir nicht in der Lage, sie zu verstehen. Unsere Zeichen w�ren mit Sicherheit nicht identisch. Wir w�rden auf sie zugehen und ihnen die Hand reichen, was f�r sie vielleicht eine Drohgeb�rde w�re.</strong></p><p><strong>Wir verm�gen nicht einmal die Japaner mit ihrem rituellen Selbstmord zu verstehen oder die Inder mit ihren Kasten. Wir schaffen es nicht einmal, uns unter Menschen zu verst�ndigen ... Wie konnte ich mir nur einbilden, die Ameisen zu verstehen!</strong></p><empty-line/><p>Der Hinterleib von Nr. 801 ist nur noch ein Stumpf. Auch wenn es ihr rechtzeitig gelungen ist, den Drogenk�fer zu t�ten: der Kampf gegen die Kriegerinnen mit dem Felsenduft hat sie verdammt schrumpfen lassen. Was soll�s, um so besser: Ohne Hinterleib ist sie leichter.</p><p>Sie biegt in den breiten Gang ein, der sich durch das Granit zieht. Wie haben Mandibeln einen solchen Tunnel schaffen k�nnen?</p><p>Weiter unten entdeckt sie, was ihr Chli-pu-ni geschildert hat: einen Saal mit Unmengen von Nahrungsmitteln. Kaum hat sie einige Schritte durch diesen Saal getan, findet sie einen anderen Ausgang. Sie geht hindurch und befindet sich auf einmal in einer Stadt, einer ganzen Stadt mit Felsengeruch! Eine Stadt unter der Stadt.</p><p>�Er ist also gescheitert?�</p><p>�Er hatte in der Tat lange an diesem Fehlschlag zu knabbern. Er dachte, es gebe keinen Ausweg, seine Ethnozentrik habe ihn verblendet. Doch dann haben ihn die Scherereien, die er mit anderen hatte, zur R�son gerufen. Ausl�ser war sein alter Menschenha� gewesen.�</p><p>�Was ist passiert?�</p><p>�Sie erinnern sich, Professor. Sie selbst haben mir einmal gesagt, da� er f�r eine Gesellschaft gearbeitet hat, die sich &gt;�Sweetmilk Corporation&lt; nennt, und da� er dort mit seinen Kollegen aneinandergeraten ist.�</p><p>�In der Tat!�</p><p>�Einer seiner Vorgesetzten hatte sein B�ro durchsucht. Und dieser Vorgesetzte war niemand anders als Marc Leduc, der Bruder von Professor Laurent Leduc!�</p><p>�Dem Insektenforscher?�</p><p>�H�chstpers�nlich.�</p><p>�Das ist unglaublich ... Er ist bei mir vorbeigekommen, hat sich als Edmonds Freund ausgegeben und ist in den Keller hinabgestiegen.�</p><p>�Er war in dem Keller?�</p><p>�Ja, aber mach dir keine Sorgen, er ist nicht weit gekommen. Er hat das Kodewort f�r die Mauer nicht gefunden, daraufhin ist er umgekehrt.�</p><p>�Hm, er hat auch bei Nicolas vorbeigeschaut, um die <emphasis>Enzyklop�die</emphasis> an sich zu bringen. Na sch�n ... Marc Leduc war n�mlich aufgefallen, da� Edmond wie besessen an dem Entwurf einer Maschine arbeitete. Es ist ihm gelungen, Edmonds B�roschrank zu �ffnen, und dabei ist ihm ein Aktendeckel, die <emphasis>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens,</emphasis> in die H�nde gefallen. Als er den Sinn dieses Apparats erfa�t hat - und es gab genug Anmerkungen, um den Sinn zu begreifen -, hat er seinem Bruder davon erz�hlt. Der hat sich nat�rlich sehr daf�r interessiert und hat ihn sogleich gebeten, die Dokumente zu stehlen ... Aber Edmond hatte bemerkt, da� man seine Sachen durchw�hlt hatte, und um sie vor weiteren Zugriffen zu sch�tzen, hat er vier Schlupfwespen in der Schublade plaziert. Als sich Marc Leduc dann wieder ans Werk gemacht hat, ist er von diesen Insekten gestochen worden, die zudem die unangenehme Eigenschaft haben, ihre gefr��igen Larven in dem K�rper zur�ckzulassen, in den sie ihren Stachel geschlagen haben. Am n�chsten Tag hat Edmond die Spuren der Stiche entdeckt und den Schuldigen �ffentlich entlarven wollen. Die Fortsetzung kennen Sie, er selbst ist gefeuert worden.�</p><p>�Und die Br�der Leduc?�</p><p>�Marc Leduc hat seine Strafe bekommen! Die Wespenlarven haben ihn von innen zerfressen. Das hat sehr lange gedauert, mehrere Jahre, wie es scheint. Da die Larven nicht aus diesem riesigen K�rper entweichen konnten, um sich in Wespen zu verwandeln, haben sie sich auf der Suche nach einem Ausgang kreuz und quer gegraben. Am Ende waren die Schmerzen so unertr�glich, da� er sich vor einen U-Bahn-Zug geworfen hat. Das habe ich zuf�llig in der Zeitung gelesen.�</p><p>�Und Laurent Leduc?�</p><p>�Er hat alles versucht, um an den Apparat zu gelangen.�</p><p>�Sie sagten, Edmond habe dar�ber wieder Lust bekommen, seine Arbeit fortzusetzen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen alten Geschichten und seinen Forschungen?�</p><p>�In der Folge hat sich Laurent Leduc direkt an Edmond gewandt. Er hat ihm gestanden, da� er �ber seine &gt;Maschine, die mit den Ameisen redet&lt; im Bilde sei. Er gab vor, er sei daran interessiert, mit ihm zusammenzuarbeiten. Edmond stand einem solchen Vorschlag nicht unbedingt ablehnend gegen�ber, er selbst kam ja nicht so recht vom Fleck, und so �berlegte er, ob ihm fremde Hilfe nicht willkommen war. &gt;Es kommt die Zeit, da kann man allein nicht weiter&lt;, hei�t es in der Bibel. Edmond war bereit, Leduc in seinen Schlupfwinkel zu f�hren, aber erst wollte er ihn besser kennenlernen. Als Laurent dann anfing, die Ordnung und die Disziplin der Ameisen zu r�hmen, und hervorhob, da� ein Dialog mit ihnen es dem Menschen bestimmt erm�glichen w�rde, sie zu imitieren, hat Edmond rot gesehen. Er hat einen Anfall bekommen und Leduc aufgefordert, sich nie wieder bei ihm blicken zu lassen.�</p><p>�Puuuh, das wundert mich nicht�, seufzt Daniel. �Leduc geh�rt zu einer Sippe von Insektenforschern, einer der schlimmsten innerhalb der deutschen Schule, die die Menschheit dadurch �ndern will, da� man in gewisser Hinsicht die Lebensweise der Tiere imitiert. Der Sinn f�r das eigene Territorium, die Disziplin der Ameisen ... da ger�t man schnell ins Schw�rmen.�</p><p>�Und so hatte Edmond einen Vorwand, um sich wieder ans Werk zu machen. Er w�rde den Dialog mit den Ameisen aus einer ... politischen Sicht aufnehmen. Er glaubte, da� sie einem anarchistischen System gem�� lebten, und wollte sich dies von ihnen best�tigen lassen.�</p><p>�Nat�rlich!� murmelte Bilsheim.</p><p>�Das war eine gro�e Herausforderung. Mein Onkel hat lange nachgedacht, dann kam er zu dem Schlu�, das beste Mittel, mit ihnen in Verbindung zu treten, sei, einen &gt;Ameisenroboter&lt; zu konstruieren.�</p><p>Jonathan schwenkte einen Sto� von Bl�ttern voller Zeichnungen.</p><p>�Das sind die Pl�ne dazu. Edmond hat ihn &gt;Doktor Livingstonec getauft. Er ist aus Plastik. Ich brauche nicht zu betonen, welche Uhrmacherkunst die Anfertigung dieses kleinen Meisterwerks erforderte! Nicht nur, da� s�mtliche Gelenke originalgetreu nachgebaut sind und von mikroskopisch kleinen Elektromotoren bewegt werden, die an eine Batterie im Hinterleib angeschlossen sind, auch die Antenne besteht tats�chlich aus elf Segmenten, die in der Lage sind, gleichzeitig elf verschiedene Pheromone auszusto�en .! Der einzige Unterschied zwischen Doktor Livingstone und einer echten Ameise: er ist mit elf feinen Schl�uchen von der Gr��e eines Haares verbunden, die wiederum in einer Art Nabelschnur von der Gr��e eines Bindfadens zusammenlaufen.�</p><p>�Gro�artig! Einfach gro�artig!� ruft Jason hingerissen.</p><p>�Aber wo ist dieser Doktor Livingstone?� fragt Augusta.</p><p>Eine Horde von Kriegerinnen mit dem Felsenduft verfolgt sie. Nr. 801 nimmt Rei�aus. Pl�tzlich entdeckt sie einen sehr breiten Gang und st�rzt darauf zu. Sie kommt in einen riesigen Saal, in dem eine merkw�rdige Ameise von weit �berdurchschnittlicher Gr��e zu sehen ist.</p><p>Nr. 801 n�hert sich ihr vorsichtig. Die D�fte dieser sonderbaren Ameise stimmen nur zur H�lfte. Ihre Augen leuchten nicht, ihre Haut wirkt wie mit einer schwarzen Tinktur gef�rbt ... Die junge Chlipukanerin w�rde gern wissen, was das bedeutet. Wie kann man so wenig Ameise sein?</p><p>Aber schon haben die Soldatinnen sie aufgest�bert. Die Hinkende tritt allein vor, um sie zum Duell zu fordern. Sie springt ihr an die Antennen und verbei�t sich darin. Die beiden w�lzen sich �ber den Boden.</p><p>Nr. 801 erinnert sich des Ratschlags ihrer Mutter: <emphasis>Achte darauf, wo dein Gegner mit Vorliebe zuschl�gt, das ist oft sein eigener schwacher Punkt</emphasis> ... Und in der Tat, kaum bekommt sie die Antennen der Hinkenden zu fassen, windet sich diese wie von Sinnen. Die �rmste, sie mu� hypersensible Antennen haben! Nr. 801 hackt sie ihr j�h ab, und es gelingt ihr, zu fliehen. Aber jetzt hat sie eine Meute von �ber f�nfzig Killerinnen auf den Fersen.</p><p>�Ihr wollt wissen, wo sich Doktor Livingstone aufh�lt? Schaut euch die Leitungen an, die von dem Massenspektrometer ausgehen .�</p><p>Tats�chlich erkennen sie eine Art durchsichtige R�hre, die dem Labortisch entlang zur Wand verl�uft, von dort zur Decke steigt und schlie�lich in einer Holzkiste m�ndet, die in der Mitte der Kirche h�ngt, hoch �ber der Orgel. Diese Kiste ist wahrscheinlich mit Erde gef�llt. Die Neuank�mmlinge renken sich den Hals aus, um sie genauer in Augenschein zu nehmen.</p><p>�Ihr habt doch gesagt, �ber unseren K�pfen sei ein unzerst�rbarer Felsen�, bemerkt Augusta.</p><p>�Ja, aber ich habe auch gesagt, da� es einen Luftschacht gibt, den wir nicht mehr benutzen ...�</p><p>�Und da� wir ihn nicht mehr benutzen�, erg�nzt Inspektor Galin, �liegt nicht daran, da� wir ihn verstopft haben!� �Wenn ihr es nicht wart ...�</p><p>�. dann, weil sie es waren!�</p><p>�Die Ameisen?�</p><p>�Richtig! �ber dieser Felsenplatte befindet sich ein gegantische Stadt, die von roten Waldameisen errichtet worden ist, ihr wi�t schon, das sind diese Insekten, die diese gro�en Haufen aus kleinen Zweigen in den W�ldern bauen ...�</p><p>�Nach Edmonds Sch�tzungen sind es �ber zehn Millionen!�</p><p>�Zehn Millionen? Die k�nnten uns ja allesamt umbringen!�</p><p>�Nein, keine Bange, wir haben nichts zu bef�rchten. Zum einen reden sie mit uns und kennen uns. Zum anderen wissen nicht alle Ameisen der Stadt von unserer Existenz.�</p><p>W�hrend Jonathan noch spricht, f�llt eine Ameise aus der Kiste an der Decke und landet auf Lucies Stirn. Lucie versucht sie aufzulesen, aber Nr. 801 ger�t in Panik und irrt durch ihren roten Haarschopf, krabbelt �ber ihr Ohrl�ppchen, st�rzt den Nacken hinab in ihre Bluse, umkurvt den Bauchnabel, huscht �ber die weiche Haut der Oberschenkel, f�llt auf den Kn�chel und springt von dort auf den Boden. Einen Moment lang sucht sie die Orientierung ... dann rennt sie auf einen der seitlichen Luftsch�chte zu.</p><p>�Was hat sie?�</p><p>�Wer wei�. Jedenfalls hat sie die frische Luft des Schachts angezogen, sie d�rfte keine Probleme haben, hinauszufinden.�</p><p>�Aber da findet sie doch ihre Stadt nicht wieder, sie wird weit im Osten der F�deration landen, oder nicht?�</p><p><emphasis>Die Spionin ist entflohen! Wenn das so weitergeht, m�ssen wir die sogenannte f�nfundsechzigste Stadt angreifen</emphasis> ...</p><p>Die Soldatinnen mit dem Felsenduft haben mit gesenkten Antennen Bericht erstattet. Nachdem sie sich zur�ckgezogen haben, sinnt Belo-kiu-kiuni eine Weile �ber diesen schweren Fehlschlag ihrer Geheimhaltungspolitik nach. M�de, sehr m�de, denkt sie zur�ck, wie alles angefangen hat.</p><p>Als sie noch ganz jung war, ist auch sie mit einem dieser grauenhaften Ph�nomene konfrontiert worden, welche die Existenz riesiger Wesen vermuten lassen. Das war kurz nach ihrer Schwarmzeit; sie hat gesehen, wie eine gro�e schwarze Platte mehrere fruchtbare K�niginnen zerquetscht hat, ohne sie �berhaupt verspeisen zu wollen. Sp�ter, nachdem sie ihre Stadt gegr�ndet hat, war es ihr gelungen, eine Versammlung zu diesem Thema zu organisieren, bei der die meisten K�niginnen - M�tter und T�chter - zugegen waren.</p><p>Sie erinnert sich. Als erste hat Zubi-zubi-kan geredet. Sie hat erz�hlt, da� mehrere ihrer Expeditionen einem Regen von rosaroten Kugeln ausgesetzt gewesen seien, der �ber hundert Todesopfer gefordert habe.</p><p>Die anderen Schwestern hatten sie �berboten. Jede hatte ihre Liste von Toten und Versehrten aufgestellt, die den rosaroten Kugeln und den schwarzen Platten zum Opfer gefallen waren.</p><p>Cholb-gahi-ni, eine alte Mutter, hat bemerkt, da� Zeugenaussagen zufolge die rosaroten Kugeln sich anscheinend nur in F�nfertrupps bewegten.</p><p>Eine andere Schwester, Rubg-fayli-ni, hatte eine reglose rosarote Kugel ungef�hr dreihundert Kopf unter der Erde gefunden. Die Kugel sei von einer weichen Substanz mit einem sehr starken Geruch umschlossen gewesen. Man habe sie mit den Mandibeln angebohrt und sei schlie�lich auf harte wei�e Stengel gesto�en ... So als h�tten diese Tiere ihre Panzer nicht au�en, sondern in ihrem Innern.</p><p>Am Ende der Versammlung waren die K�niginnen �bereingekommen, da� derlei Erscheinungen jegliches Verst�ndnis �berstiegen, und sie hatten beschlossen, absolutes Stillschweigen zu bewahren, um keine Panik in den Ameisenst�dten aufkommen zu lassen.</p><p>Sie selbst. Belo-kiu-kiuni, hat schon bald ihre eigene �Geheimpolizei� aufgestellt, eine Arbeitsgruppe, die damals f�nfzigtausend Soldatinnen umfa�te. Ihre Aufgabe: s�mtliche Zeugen der beiden Ph�nomene der rosaroten Kugeln und der schwarzen Platten eliminieren, um keine Panik in der Stadt aufkommen zu lassen.</p><p>Eines Tages jedoch hatte sich etwas Unglaubliches ereignet.</p><p>Eine Arbeiterin aus einer unbekannten Stadt war von den Kriegerinnen mit dem Felsenduft festgenommen worden. Belo-kiu-kiuni hatte sie schonend behandelt, denn was diese Arbeiterin erz�hlte, war noch ungew�hnlicher als alles, was man jemals geh�rt hatte.</p><p>Sie behauptete, von den rosaroten Kugeln entf�hrt worden zu sein! Diese h�tten sie, zusammen mit ein paar hundert anderen Ameisen, in ein durchsichtiges Gef�ngnis geworfen. Dort habe man alle m�glichen Experimente mit ihnen vorgenommen. Am h�ufigsten habe man sie unter eine Glocke gesteckt, wo sie sehr konzentrierten D�ften ausgesetzt waren. Anfangs sei das sehr schmerzhaft gewesen, dann seien die D�fte nach und nach schw�cher geworden, und am Ende h�tten sie sich in Worte verwandelt!</p><p>Zu guter Letzt h�tten die rosaroten Kugeln durch die Vermittlung dieser Ger�che und Glocken mit ihnen geredet und sich als riesige Tiere vorgestellt, die sich selbst �Menschen� nannten. Sie h�tten erkl�rt, da� es in dem Granit unterhalb der Stadt einen Durchbruch gebe und da� sie mit der K�nigin reden wollten. Sie k�nne sicher sein, da� ihr nichts zusto�en werde.</p><p>Danach war alles sehr schnell gegangen. Belo-kiu-kiuni hatte die �Ameisenbotschafterin� getroffen, Dok-tor Li-ving-stone, eine seltsame Ameise mit einem durchsichtigen Darmfortsatz. Aber man konnte mit ihr reden.</p><p>Sie hatten sich lange unterhalten. Am Anfang hatten sie einander �berhaupt nicht verstanden. Aber beide waren von der gleichen Begeisterung erf�llt. Und hatten sich offenbar so vieles zu sagen ...</p><p>In der Folge hatten die Menschen die mit Erde gef�llte Kiste am Ausgang des Schachts angebracht. Und Belo-kiu-kiuni hatte diese neue Stadt mit Eiern versehen. Insgeheim, ohne da� ihre anderen Kinder davon erfahren hatten.</p><p>Aber Bel-o-kan 2 war mehr als die Stadt der Kriegerinnen mit dem Felsenduft. Sie war die Verbindung zwischen der Welt der Ameisen und der Welt der Menschen. Sie war der st�ndige Aufenthaltsort von <emphasis>Dok-tor Li-ving-stone</emphasis> (ein ziemlich l�cherlicher Name, wenn man es sich �berlegt).</p><empty-line/><p><strong>Gespr�ch (Ausz�ge): Ausz�ge aus dem achtzehnten Gespr�ch mit der K�nigin Belo-kiu-kiuni:</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Das Rad? Unglaublich, da� wir nicht auf den Gedanken gekommen sind, das Rad zu verwenden. Wenn ich bedenke, da� wir alle sehen konnten, wie diese Mistk�fer ihre Kugeln rollen ... Da� niemand von uns daraus das Rad hergeleitet hat.</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Wie gedenkst du diese Information zu verwerten?</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Das wei� ich im Moment noch nicht.</strong></p><p><strong>Auszug aus dem sechsundf�nfzigsten Gespr�ch mit der K�nigin Belo-kiu-kiuni:</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Du wirkst traurig.</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Das mu� an einem Fehler meiner Duftorgel liegen. Seit ich die effektive Sprache hinzugef�gt habe, hat die Maschine anscheinend Aussetzer.</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Du wirkst traurig.</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>...</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Sagst du nichts mehr?</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Ich glaube, das ist reiner Zufall. Aber ich bin tats�chlich traurig.</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>Was ist los?</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Ich hatte ein Weibchen. Bei uns leben die M�nnchen sehr lange, also leben wir in Paaren, ein M�nnchen je Weibchen. Ich hatte ein</strong></p><p><strong>Weibchen, und ich habe es vor einigen Jahren verloren. Und ich habe es geliebt, ich kann es nicht vergessen.</strong></p><p><emphasis>Ameise:</emphasis><strong>�Lieben�, was hei�t das?</strong></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis><strong>Vielleicht, da� wir die gleichen Ger�che hatten .?</strong></p><empty-line/><p>Belo-kiu-kiuni erinnert sich an das Ende des <emphasis>Men-schen Edmond.</emphasis> Das war w�hrend des ersten Krieges gegen die Zwergameisen. Edmond hatte ihnen helfen wollen. Er hatte seinen Untergrund verlassen. Aber durch die st�ndige Verwendung der Pheromone war er damit regelrecht impr�gniert. So sehr, da� er, ohne es zu wissen, im Wald f�r ... eine rote Ameise der F�deration gehalten wurde. Und als die Tannenwespen (mit denen sie sich zu jener Zeit im Krieg befanden) seine Identit�tsd�fte wahrnahmen, fielen sie geschlossen �ber ihn her.</p><p>Sie t�teten ihn, weil sie ihn f�r einen Belokaner hielten. Er mu� gl�cklich gestorben sein.</p><p>Sp�ter hatten dieser Jonathan und seine Gemeinschaft die Verbindung wiederaufgenommen ...</p><p>Er gie�t noch ein wenig Met in das Glas der drei Neuen, die nicht aufh�ren, ihn mit Fragen zu best�rmen.</p><p>�Dann ist Doktor Livingstone also imstande, unsere Worte da oben zu �bertragen?�</p><p>�Ja, und wir, ihre Worte zu h�ren. Ihre Antworten erscheinen auf diesem Bildschirm. Edmond hat es tats�chlich geschafft!�</p><p>�Aber was erz�hlen sie? Was erz�hlt er ihnen?�</p><p>�Hmm ... Nachdem die Sache gelungen war, werden Edmonds Aufzeichnungen ein wenig diffus. Es sieht so aus, als h�tte er keinen Wert darauf gelegt, alles zu notieren. Nehmen wir an, da� sie zun�chst einander beschrieben haben. Einer hat dem andern seine Welt geschildert. Daher wissen wir, da� ihre Stadt Bel-o-kan hei�t, da� sie der Dreh- und Angelpunkt einer F�deration von ein paar hundert Millionen Ameisen ist.�</p><p>�Unglaublich!�</p><p>�Im weiteren waren beide Seiten der Auffassung, da� es zu fr�h sei, die Information unter ihrer jeweiligen Bev�lkerung zu verbreiten. Deshalb haben sie die Vereinbarung getroffen, absolutes Stillschweigen �ber ihren &gt;Kontakt&lt; zu bewahren.�</p><p>�Aus diesem Grund hat Edmond auch so sehr darauf bestanden, da� Jonathan all diese technischen Spielereien durchf�hrt�, mischt sich einer der Feuerwehrm�nner ein. �Er wollte auf keinen Fall, da� die Leute zu fr�h davon erfahren. Ihm graute vor dem ganzen Tohuwabohu, das der Rundfunk, das Fernsehen, die Zeitungen bei einer solchen Nachricht veranstalten w�rden. Die Ameisen w�ren die gro�e Mode! Er sah es schon kommen, die Werbespots. Schl�sselanh�nger, TShirts, die Auftritte der Rockstars . der ganze Krampf, der auf eine solche Entdeckung folgen w�rde.�</p><p>�Belo-kiu-kiuni, ihre K�nigin, glaubte ihrerseits, da� ihre T�chter sogleich gegen diese gef�hrlichen Fremden w�rden k�mpfen wollen�, f�gt Lucie hinzu.</p><p>�Nein, die beiden Zivilisationen sind noch nicht reif, sich kennenzulernen und - h�ren wir auf zu phantasieren - einander zu verstehen ... Die Ameisen sind weder faschistisch noch anarchistisch, noch royalistisch ... Sie sind Ameisen, und alles, was ihre Welt betrifft, unterscheidet sich von unserer. Das macht �berdies ihren Reichtum aus.�</p><p>Diese leidenschaftliche Erkl�rung stammt von Kommissar Bilsheim; er hat sich entschieden ge�ndert, seit er die Erdoberfl�che verlassen hat - wie seine Chefin, Solange Doumeng.</p><p>�Die deutsche Schule und die italienische Schule irren sich�, sagt Jonathan, �weil sie versuchen, die Ameisen in ein durch ein &gt;menschliches&lt; Begriffsverm�gen gepr�gtes System zu zw�ngen. Eine solche Analyse ist zwangsl�ufig plump. Das ist, als w�rden sie versuchen, unser Leben zu verstehen, indem sie es mit ihrem vergleichen. Gewisserma�en ein Myrmeco-morphismus ... Dabei ist jede ihrer Eigenarten, und sei sie noch so unbedeutend, faszinierend. Wir verstehen die Japaner, Tibetaner oder die Hindus nicht, aber ihre Kultur, ihre Philosophie sind aufregend, selbst wenn sie durch unseren westlichen Geist verzerrt werden! Und die Zukunft unserer Erde geh�rt der Mischrasse, das ist so klar wie nur etwas.�</p><p>�Aber was k�nnen uns die Ameisen in puncto Kultur geben?� wundert sich Augusta.</p><p>Jonathan gibt Lucie wortlos ein Zeichen; sie verschwindet f�r einige Sekunden und kehrt mit etwas zur�ck, das wie ein Marmeladentopf aussieht.</p><p>�Seht her, schon allein das hier ist ein Schatz! Honigtau von Blattl�usen. Los, probiert mal!�</p><p>Augusta tunkt vorsichtig den Zeigefinger hinein.</p><p>�Hmmmm, das ist sehr s�� ... aber ungeheuer lecker! Das schmeckt ganz anders als Bienenhonig.�</p><p>�Siehst du! Hast du dich denn nicht gefragt, wie wir uns hier in dieser doppelten unterirdischen Sackgasse ern�hren?�</p><p>�Ja, doch ...�</p><p>�Die Ameisen ern�hren uns mit ihrem Honigtau und ihrem Mehl. Sie legen da oben Vorr�te f�r uns an. Aber das ist nicht alles, wir haben auch ihre landwirtschaftlichen Techniken kopiert, um Lamellenpilze anzubauen.�</p><p>Er hebt den Deckel eines gro�en h�lzernen Kastens an. Darunter sind wei�e Pilze zu sehen, die auf einem Bett aus vergorenen Bl�ttern wachsen.</p><p>�Galin ist unser gro�er Pilzexperte.�</p><p>Letzterer l�chelt bescheiden.</p><p>�Ich mu� noch viel lernen.�</p><p>�Nun gut, Pilze, Honig ... Ihr m��t ja an Eiwei�mangel leiden.�</p><p>�F�r die Proteine ist Max zust�ndig.�</p><p>Einer der Feuerwehrm�nner deutet zur Decke.</p><p>�Ich sammele s�mtliche Insekten ein, die die Ameisen in den kleinen Kasten neben der gro�en Kiste legen. Wir kochen sie, damit sich die H�utchen l�sen. Was �brigbleibt, ist wie klitzekleine Garnelen, �berdies schmeckt es genauso und sieht auch so aus.�</p><p>�Wir sind in der Tat wie Kosmonauten, die st�ndig in einer Weltraum station leben und zuweilen mit au�erirdischen Nachbarn in Kontakt stehen.�</p><p>Alle lachen. Eine Ladung guter Laune kitzelt das R�ckenmark. Jonathan schl�gt vor, in den Salon zur�ckzugehen.</p><p>�Wi�t ihr, ich habe lange nach einem Weg gesucht, mit meinen Freunden friedlich zusammenzuleben. Ich habe es mit Kommunen, Squatts, Gemeinschaften nach dem Vorbild Fouriers versucht. Am Ende habe ich geglaubt, ich sei nur ein Traumt�nzer, um nicht zu sagen ein Trottel. Aber hier ... hier passiert etwas. Wir sind schlicht gezwungen, zusammenzuleben, uns zu erg�nzen, gemeinsam zu denken. Wir haben keine Wahl: Wenn wir uns nicht verstehen, werden wir sterben. Es ist keine Flucht m�glich. Nun, ich wei� nicht, ob das an der Entdeckung meines Onkels liegt oder an dem, was uns die Ameisen durch ihre blo�e Existenz hier �ber unseren K�pfen lehren, aber bislang funktioniert unsere Gemeinschaft wie geschmiert!�</p><p>�Das klappt, und zwar ganz von selbst ...�</p><p>�Manchmal haben wir das Gef�hl, wir produzieren eine gemeinsame Energie, aus der jeder beliebig sch�pfen kann. Das ist ganz seltsam.�</p><p>�Davon habe ich schon im Zusammenhang mit den Rosenkreuzem und einigen Freimaurergruppen geh�rt�, sagt Jason. �Sie nennen das <emphasis>Egregor:</emphasis> das geistige Kapital der &gt;Herde&lt;. Eine Art Becken, in das jeder seine Kraft entleert, damit eine Suppe entsteht, die jedem nutzt ... Im allgemeinen gibt es immer einen Dieb, der sich der Energie anderer zu pers�nlichen Zwecken bedient.�</p><p>�Hier haben wir dieses Problem nicht. Man kann keine pers�nlichen Ambitionen haben, wenn man in einer kleinen Gruppe unter der Erde lebt ...�</p><p>Schweigen.</p><p>�Zudem reden wir immer weniger, wir brauchen das nicht mehr, um einander zu verstehen.�</p><p>�Ja, hier passiert etwas. Aber wir verstehen es noch nicht und haben auch noch keine Kontrolle dar�ber. Wir sind l�ngst nicht am Ziel, wir sind noch auf halbem Weg.�</p><p>Erneutes Schweigen.</p><p>�Kurz und gut, ich hoffe, es wird euch in unserer kleinen Gemeinschaft gefallen.�</p><p>Nr. 801 kommt ersch�pft in ihrer Geburtsstadt an. Geschafft! Sie hat es geschafft.</p><p>Chli-pu-ni nimmt sofort einen Gedankenaustausch vor, um zu erfahren, was geschehen ist. Was sie h�rt, best�tigt sie in ihren schlimmsten Bef�rchtungen hinsichtlich des unter der Granitplatte verborgenen Geheimnisses.</p><p>Sie beschlie�t. Bel-o-kan unverz�glich milit�risch anzugreifen. Die ganze Nacht �ber r�sten sich ihre Soldatinnen aus. Die ultramoderne fliegende Legion ist fertig.</p><p>Nr. 103 683 macht einen Vorschlag. W�hrend ein Teil der Armee von vorne angreift, k�nnten zw�lf Legionen heimlich einen Bogen um die Stadt schlagen, um einen Sturm auf den Stumpf mit dem k�niglichen Gemach zu unternehmen.</p><empty-line/><p><strong>DAS UNIVERSUM STREBT: Das Universum geht in Richtung Komplexit�t. Vom Wasserstoff zum Helium, vom Helium zum Kohlenstoff. Immer komplexer, immer ausgekl�gelter, so die Entwicklung, die die Dinge nehmen.</strong></p><p><strong>Von allen bekannten Planeten ist die Erde der komplizierteste. Sie befindet sich in einer Zone, in der ihre Temperatur schwanken kann. Ihre Oberfl�che besteht aus Meeren und Bergen. Doch wenn ihr Spektrum an Lebensformen auch praktisch unbegrenzt ist, so gibt es doch zwei, die durch ihre Intelligenz �ber die anderen hinausragen. Die Ameisen und die Menschen.</strong></p><p><strong>Man k�nnte meinen, Gott habe den Planeten Erde ausgesucht, um ein Experiment anzustellen. Er hat zwei Gattungen mit zwei v�llig kontr�ren Philosophien auf den Weg des Bewu�tseins geschickt, um zu sehen, welche schneller vorankommt.</strong></p><p><strong>Das Ziel ist vermutlich, zu einem kollektiven planetarischen Bewu�tsein zu gelangen: der Zusammenschlu� s�mtlicher Hirne der Gattung. Das ist meines Erachtens die n�chste Phase des Abenteuers des Bewu�tseins. Die n�chste Stufe der Kompliziertheit.</strong></p><p><strong>Die beiden f�hrenden Gattungen haben indes getrennte Wege beschritten:</strong></p><p><strong>Um intelligenter zu werden, hat der Mensch sein Hirn aufgebl�ht, bis es eine geradezu monstr�se Gr��e hatte. Eine Art dicker Blumenkohl.</strong></p><p><strong>Um zu dem gleichen Ergebnis zu gelangen, haben die Ameisen statt dessen Tausende von kleinen Hirnen verwandt, die durch sehr subtile Kommunikationssysteme miteinander verbunden waren.</strong></p><p><strong>Unter dem Strich erbringt diese Masse von kleinen Br�ckchen ebensoviel Materie und Intelligenz wie der menschliche Blumenkohl. Der Kampf geschieht mit ebenb�rtigen Waffen.</strong></p><p><strong>Aber was w�re, wenn diese beiden Formen von Intelligenz, statt getrennte Wege zu gehen, kooperierten ...?</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Jean und Philippe interessieren sich f�r nichts als f�rs Fernsehen, h�chstens noch f�r den Flipper. Selbst der nagelneue, k�rzlich erst mit hohem Kostenaufwand angelegte Minigolfplatz interessiert sie nicht mehr. Und erst die Spazierg�nge durch den Wald ... F�r sie gibt es nichts Schlimmeres, als wenn ihnen der Aufpasser befiehlt, frische Luft zu schnappen.</p><p>Sicher, letzte Woche, als sie die Fr�sche aufgeblasen haben, das war schon am�sant, aber das Vergn�gen war ein wenig kurz.</p><p>Heute jedoch scheint Jean eine Bet�tigung eingefallen zu sein, die Interesse verdient. Er zieht seinen Freund aus der Gruppe von Waisenkindern, die d�mlicherweise welke Bl�tter sammelt, um noch d�mlichere Bilder damit zu machen, und zeigt ihm eine Art Zementkegel. Ein Termitenh�gel.</p><p>Sie z�gern nicht, ihn mit den F��en zu zertrampeln, aber es kommt nichts raus, der H�gel ist leer. Philippe beugt sich herab und schn�ffelt.</p><p>�Die hat der Stra�enw�rter abgemurkst. Riech mal, das stinkt nach Vertilgungsmittel, die sind da drinnen alle krepiert.�</p><p>Entt�uscht wollen sie sich gerade wieder zu den anderen gesellen, als Jean auf der anderen Seite des kleine Bachs, unter einem Strauch halb verdeckt, eine Pyramide erblickt.</p><p>Volltreffer! Ein beeindruckender Ameisenhaufen, ein richtiger Dom, mindestens einen Meter hoch! Lange Kolonnen von Ameisen gehen ein und aus, Hunderte, Tausende von Arbeiterinnen, Soldatinnen, Kundschafterinnen. Hierhin ist das DDT noch nicht gekommen.</p><p>Jean h�pft vor Aufregung von einem Bein aufs andere.</p><p>�He, hast du so was schon mal gesehn?�</p><p>�O nein, du willst doch nicht schon wieder Ameisen fressen ... Die letzten haben �tzend geschmeckt ...�</p><p>�Wer redet denn von fressen? Du hast �ne richtige Stadt vor dir, so was wie New York oder Mexiko. Wei�t du nicht mehr, was die im Fernsehen gesagt haben? In so �nem Ding wimmelt es von Viechern. Guck dir diese Bekloppten an, die ackern wie bl�d!�</p><p>�Na ja ... Hast du vergessen, da� sich Nicolas so lange f�r Ameisen interessiert hat, bis er verschwunden war? Ich bin sicher, er hatte Ameisen im Keller, und die haben ihn aufgefressen. Ich hab keine Lust, neben diesem Ding rumzustehn. Das gef�llt mir nicht! Schei�ameisen, gestern hab ich welche gesehn, die krochen aus �nem Loch auf dem Minigolfplatz, vielleicht wollten die da ihr Nest bauen ... Verdammte Drecksameisen!�</p><p>Jean r�ttelt ihn an der Schulter.</p><p>�Na eben! Du magst keine Ameisen, und ich auch nicht. Wir bringen sie um! Wir r�chen unseren Kumpel Nicolas!�</p><p>Der Vorschlag weckt Philippes Interesse.</p><p>�Sie umbringen?�</p><p>�Na klar, warum nicht? Wir stecken diese Stadt an! Stell dir vor, ganz Mexiko in Flammen, weil es uns so pa�t!�</p><p>�Okay, wir stecken sie an. Ja. F�r Nicolas ...�</p><p>�Warte, ich hab noch �ne bessere Idee: Wir blasen da Unkrautmittel rein, das gibt �n richtiges Feuerwerk.�</p><p>�Genial ...�</p><p>�Pa� auf, wir haben elf Uhr, in zwei Stunden treffen wir uns hier wieder. Dann geht uns der Aufpasser nicht auf den Keks, und alle anderen sind in der Mensa. Ich besorg das Unkrautmittel. Du siehst zu, da� du �ne Schachtel Streichh�lzer auftreibst, das ist besser als �n Feuerzeug.�</p><p>�Alles klaro!�</p><p>Die Infanterieeinheiten r�cken rasch vor. Wenn die anderen f�derierten St�dte fragen, wohin sie ziehen, antworten die Chlipukanerinnen, da� im Westen eine Eidechse gesichtet worden ist und da� die Hauptstadt sie um Unterst�tzung gebeten hat.</p><p>�ber ihnen summen die Nashornk�fer, in ihrem Schwung kaum gebremst durch das Gewicht der Artilleristinnen, die auf 13 Uhr. In Bel-o-kan herrscht buntes Treiben. Man nutzt die Hitze, um die Eier, die Puppen und die Pflanzenl�use im Solarium anzuh�ufen.</p><p>�Ich hab Brennspiritus mitgebracht, damit das noch besser hochgeht�, erkl�rt Philippe.</p><p>�Bestens�, sagt Jean. �Ich hab Unkrautmittel gekauft. Zwanzig Francs die Dose, diese Geldschr�pfer!�</p><p>Belo-kiu-kiuni spielt mit ihren fleischfressenden Pflanzen. Seit sie da sind, fragt sie sich, warum sie eigentlich nie einen Schutzwall daraus gemacht hat, wie sie es urspr�nglich vorhatte.</p><p>Dann denkt sie wieder an das Rad. Wie kann man diese geniale Idee verwerten? Vielleicht k�nnte man eine gro�e Zementkugel anfertigen, sie mit den Fu�spitzen ins Rollen bringen und damit die Feinde zerquetschen. Sie sollte den Plan aufs Tapet bringen.</p><p>�Okay, ich hab alles drauf gesch�ttet, den Spiritus und das Unkrautmittel.�</p><p>W�hrend Jean spricht, klettert eine Ameisenkundschafterin an ihm hoch. Sie klopft mit den Antennen gegen den Stoff seiner Hose.</p><p><emphasis>Sie scheinen eine riesige lebende Struktur zu sein. K�nnen Sie mir Ihre Identifikationsd�fte geben?</emphasis></p><p>Er nimmt sie und zerquetscht sie zwischen Daumen und Zeigefinger. Der gelbe und schwarze Saft l�uft �ber seine Finger.</p><p>�Die hat�s jetzt schon erwischt�, erkl�rt er. �Na sch�n, mach Platz, hier fliegen gleich die Fetzen!�</p><p>�Supergyros gibt das!� ruft Philippe.</p><p>�Die reinste Apokalypse!� kichert Jean.</p><p>�Was sch�tzt du, wie viele sind da drin?�</p><p>�Bestimmt Millionen. Angeblich haben letztes Jahr Ameisen hier in der Gegend �ne Villa �berfallen.�</p><p>�Die werden wir auch r�chen�, sagte Jean. �Los, duck dich hinter den Baum da.�</p><p>Belo-kiu-kiuni denkt an die Menschen. Ihnen beim n�chstenmal weitere Fragen stellen. Wie setzen sie das Rad ein?</p><p>Jean l��t ein Streichholz aufflammen und wirft es auf die Kuppel aus Zweigen und Kiefernnadeln. Dann l�uft er los, um keinen Splitter abzubekommen.</p><p>Da ist sie, die chlipukanische Armee erblickt die Hauptstadt. Wie gro� sie ist!</p><p>Belo-kiu-kiuni beschlie�t, unverz�glich mit ihnen zu sprechen. Sie mu� ihnen auch sagen, da� sie ihnen problemlos mehr Honigtau liefern kann; die Produktion l��t sich dieses Jahr gut an.</p><p>Das Streichholz f�llt auf die Zweige der Kuppel.</p><p>Die chlipukanische Armee ist nah genug. Sie r�stet zum Angriff.</p><p>Jean springt hinter die gro�e Kiefer, wo Philippe bereits in Deckung gegangen ist.</p><p>Das Streichholz f�llt auf eine Stelle, die weder mit Spiritus noch mit Unkrautvertilgungsmittel getr�nkt ist. Es geht aus.</p><p>Die Jungen richten sich auf.</p><p>�Verdammter Mist!�</p><p>�Ich wei�, was wir machen. Wir legen �n St�ck Papier drauf, dann haben wir �ne gro�e Flamme, die garantiert bis zu dem Spiritus kommt.�</p><p>�Hast du Papier dabei?�</p><p>��h ... blo� �ne Metrofahrkarte.�</p><p>�Gib her.�</p><p>Eine Schildwache oben auf der Kuppel entdeckt etwas Mysteri�ses: Nicht nur, da� mehrere Viertel seit einer Weile nach Alkohol riechen, jetzt steckt auch noch mitten auf der Spitze ein gelbes St�ck Holz. Sie setzt sich sogleich mit einer Arbeitszelle in Verbindung, damit dieser Alkohol abgewaschen und der gelbe Balken entfernt wird.</p><p>Eine andere Schildwache kommt zur T�r Nr. 5 gelaufen. <emphasis>Alarm! Alarm! Eine Armee roter Ameisen greift uns an!</emphasis></p><p>Die Fahrkarte brennt. Die beiden Jungen gehen erneut hinter der Kiefer in Deckung.</p><p>Eine dritte Schildwache sieht eine gro�e Flamme am Ende des gelben Holzst�cks auflodern.</p><p>Die Chlipukanerinnen r�cken im Sturmschritt vor, wie sie es bei den Sklavenhalterinnen gesehen haben.</p><p>Erste Explosion.</p><p>Die gesamte Kuppel f�ngt Feuer.</p><p>Verpuffungen, Funken.</p><p>Trotz der sich ausbreitenden Hitze versuchen Jean und Philippe die Augen offenzuhalten. Das Spektakel entt�uscht sie nicht. Das trockene Holz brennt wie Zunder. Als die Flammen das Desinfektionsmittel erreichen, fliegt alles in die Luft. Weitere Detonationen. Gr�ne, rote, braune Funkengarben spritzen aus der �Stadt der verirrten Ameise�.</p><p>Die chlipukanische Armee h�lt inne. Das Solarium mit allen Eiern, dem gesamten Vieh flammt als erstes auf, dann greift das Feuer auf die gesamte Kuppel �ber.</p><p>Die Verbotene Stadt wird gleich in den ersten Sekunden der Katastrophe erfa�t. Die Ammen sind regelrecht zerplatzt. Kriegerinnen rennen herbei, um die K�nigin, die einzige Eierlegerin, herauszuholen. Zu sp�t, sie ist an den giftigen Gasen erstickt.</p><p>Der Alarm verbreitet sich im Nu. Alarmstufe 1: aufstachelnde Pheromone werden ausgesto�en; Alarmstufe 2: unheilverk�ndendes Trommeln dr�hnt durch s�mtliche G�nge; Alarmstufe 3: �Verr�ckte� rennen durch die Tunnel und geben ihre Panik weiter; Alarmstufe 4: alles Wertvolle (Eier, Fortpflanzungsf�hige, Vieh, Nahrung ...) wird in die Tiefe transportiert, w�hrend in Gegenrichtung die Soldatinnen nach oben eilen, um sich dem Kampf zu stellen.</p><p>Oben in der Kuppel sucht man nach L�sungen. Artillerieeinheiten gelingt es, einige Bereiche zu l�schen, indem sie schwach konzentrierte Ameisens�ure einsetzen. Als diese improvisierte Feuerwehr den Erfolg ihrer Bem�hungen sieht, bespritzt sie als n�chstes die Verbotene Stadt. Vielleicht kann man das k�nigliche Gemach retten, wenn man es befeuchtet.</p><p>Aber das Feuer siegt. Die eingeschlossenen Ameisen ersticken an den giftigen D�mpfen. Wei�gl�hende Br�ckenb�gen st�rzen auf die entsetzten Massen. Die Panzer schmelzen und verbiegen sich wie Plastik in einer hei�en Pfanne.</p><p>Nichts widersteht dem Ansturm dieser ungeheuren Hitze.</p><empty-line/><p><strong>episode: Ich habe mich geirrt. Wir sind nicht ebenb�rtig, wir sind keine Konkurrenten. Die Anwesenheit der Menschen ist nur eine kurze �Episode� in ihrer unbestrittenen Herrschaft auf Erden.</strong></p><p><strong>Sie sind viel, viel zahlreicher als wir. Sie haben mehr St�dte, sie bewohnen viel mehr �kologische Nischen. Sie leben in trockenen, eisigen, hei�en oder feuchten Zonen, in denen kein Mensch �berleben k�nnte. Wohin unser Blick auch f�llt, �berall gibt es Ameisen.</strong></p><p><strong>Sie waren hundert Millionen Jahre vor uns da, und danach zu urteilen, da� sie einer der wenigen Organismen waren, die der Atombombe</strong></p><p><strong>widerstanden haben, werden sie sicher noch hundert Millionen Jahre nach uns da sein. Wir sind nur ein Zwischenspiel von drei Millionen Jahren in ihrer Geschichte. Im �brigen, wenn eines Tages au�erirdische Wesen auf unserem Planeten landen, werden sie sich da nicht t�uschen. Sie werden sich zweifelsohne mit ihnen unterhalten. Mit ihnen: den wahren Herren der Erde.</strong></p><p><emphasis>Edmond Wells</emphasis></p><p><strong>Enzyklop�die des relativen und absoluten Wissens</strong></p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen ist die Kuppel g�nzlich verschwunden. Der schwarze Stumpf steht vollkommen kahl in der Mitte der Stadt.</p><p>F�nf Millionen B�rgerinnen sind tot. S�mtliche Ameisen, die sich in der Kuppel und seiner unmittelbaren Umgebung befanden.</p><p>All jene, die so geistesgegenw�rtig waren, nach unten zu gehen, sind unversehrt.</p><p>Die Menschen, die unter der Stadt leben, haben nichts bemerkt. Die riesige Granitplatte hat sie abgeschirmt. Und das Ganze hat sich w�hrend einer ihrer k�nstlichen N�chte abgespielt.</p><p>Belo-kiu-kiunis Tod stellt den gr��ten Verlust dar. Ohne ihre Eierlegerin ist das Volk ernstlich bedroht.</p><p>Die chlipukanische Armee indes hat sich an der Bek�mpfung des Feuers beteiligt. Kaum erfahren die Kriegerinnen von Belo-kiu-kiunis Tod, entsenden sie Boten zu ihrer Stadt. Einige Stunden sp�ter erscheint, getragen von einem Nashornk�fer, Chli-pu-ni pers�nlich, um sich die Sch�den anzusehen.</p><p>Als sie zu der Verbotenen Stadt kommt, ist die Feuerwehr noch im Begriff, die Asche zu begie�en. Es gibt nichts mehr zu bek�mpfen. Sie erkundigt sich, und man erz�hlt ihr, wie sich die unbegreifliche Katastrophe abgespielt hat.</p><p>Da es keine fruchtbaren K�niginnen mehr gibt, wird sie selbstverst�ndlich die neue Belo-kiu-kiuni und bezieht das k�nigliche Gemach der Hauptstadt.</p><p>Jonathan wacht als erster auf. Er ist �berrascht, den Drucker des Computers rattern zu h�ren.</p><p>Auf dem Bildschirm steht ein Wort.</p><p><emphasis>Warum?</emphasis></p><p>Sie haben also w�hrend der Nacht gesendet. Sie wollen sich unterhalten. Er tippt den �blichen Satz, der jedem Dialog vorausgeht.</p><p><emphasis>Mensch:</emphasis> Guten Tag, ich bin Jonathan.</p><p><emphasis>Ameise: Ich bin die neue Belo-kiu-kiuni. Warum?</emphasis></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis> Die neue Belo-kiu-kiuni? Wo ist die alte?</p><p><emphasis>Ameise: Ihr habt sie get�tet. Ich bin die neue Belo-kiu-kiuni. Warum?</emphasis></p><p><emphasis>Mensch:</emphasis> Was ist passiert?</p><p><emphasis>Ameise: Warum?</emphasis></p><p>Damit bricht die Verbindung ab.</p><p>Jetzt wei� sie alles.</p><p>Sie, die Menschen, haben das getan.</p><p>Mutter kannte sie.</p><p>Sie hat sie immer schon gekannt.</p><p>Sie hat die Nachricht geheimgehalten.</p><p>Sie hat die Hinrichtung all derer befohlen, die den geringsten Hinweis h�tten geben k�nnen.</p><p>Sie hat ihnen, den Menschen, sogar gegen ihr eigenes Volk geholfen.</p><p>Die neue Belo-kiu-kiuni betrachtet ihre leblose Mutter. Als die Wachen kommen, um den K�rper abzuholen und auf die Deponie zu werfen, schreckt sie hoch.</p><p>Nein, dieser Kadaver wird nicht weggeschafft.</p><p>Sie untersucht die alte Belo-kiu-kiuni, die bereits die Ger�che des Todes verstr�mt.</p><p>Sie regt an, da� die abgerissenen Glieder mit Harz wieder angeklebt werden. Da� man dem K�rper seine Weichteile entnimmt und durch Sand ersetzt.</p><p>Sie will ihn in ihrer Loge aufbewahren.</p><p>Chli-pu-ni, die neue Belo-kiu-kiuni, versammelt einige Kriegerinnen. Sie schl�gt vor, die Hauptstadt nach modernen Gesichtspunkten wieder aufzubauen. Ihrer Meinung nach waren die Kuppel und der Stamm viel zu verwundbar. Und man mu� sich auch auf die Suche nach unterirdischen Fl�ssen machen, ja sogar �berlegen, ob man nicht Kan�le bohrt, die alle St�dte der F�deration miteinander verbinden. F�r sie liegt darin die Zukunft, in der Z�hmung des Wassers. Auf diese Weise kann man sich besser vor Br�nden sch�tzen, aber auch schneller und gefahrlos reisen.</p><p><emphasis>Und was ist mit den Menschen?</emphasis></p><p>Sie antwortet ausweichend:</p><p><emphasis>Die sind nicht besonders interessant.</emphasis></p><p>Die Kriegerin l��t nicht locker:</p><p><emphasis>Und wenn sie uns wieder mit ihrem Feuer angreifen?</emphasis></p><p><emphasis>Je st�rker der Feind ist, um so mehr sind wir verpflichtet, �ber uns hinauszuwachsen.</emphasis></p><p><emphasis>Und die, die unter dem gro�en Felsen leben?</emphasis></p><p>Belo-kiu-kiuni gibt keine Antwort. Sie bittet darum, allein gelassen zu werden, dann wendet sie sich dem Kadaver der alten Belo-kiu-kiuni zu.</p><p>Die neue K�nigin neigt behutsam den Kopf und senkt ihre Antennen auf die Stirn ihrer Mutter. Und so verharrt sie sehr lange, reglos, wie in einen ewigen Gedankenaustausch versunken.</p></section><section><title><p id="_bookmark4">G<strong>lossar</strong></p></title><p>ABSOLUTE KOMMUNIKATION (AK): Vollst�ndiger Austausch von Gedanken durch Antennenkontakt</p><p>ALKOHOL: Die Ameisen sind in der Lage, eine G�rung des Honigtaus der Blattl�use und des Getreidesafts herbeizuf�hren.</p><p>alter DER geschlechtslosen: Eine Arbeiterin oder Soldatin der roten Ameisen wird in der Regel drei Jahre alt.</p><p>ALTER DER K�NIGIN: Eine K�nigin der roten Ameisen wird durchschnittlich f�nfzehn Jahre alt.</p><p>Ameisens�ure: Waffe in Form von Strahlen. Gr��te �tzwirkung bei einer Konzentration von vierzig Prozent.</p><p>AUGEN: Gesamtheit der Facetten auf dem Augapfel. Jede Facette hat zwei Linsen, eine gro�e �u�ere und eine kleine innere. Jede Zelle ist direkt mit dem Gehirn verbunden. Die Ameisen sehen nur nahe Objekte, aber auf gro�e Entfernung k�nnen sie trotz allem die geringste Bewegung wahrnehmen.</p><p>Ausrichtung der STADT: Die roten Ameisen bauen ihre St�dte so, da� der breitere Teil nach S�dosten zeigt, um zu Beginn des Tages eine starke Sonneneinstrahlung zu erhalten.</p><p>bel-o-kan: Hauptstadt der roten F�deration.</p><p>BELO-KIU-KIUNI: K�nigin von Bel-o-kan.</p><p>BERGFRIED: Nebenturm auf der Kuppel, eher auf Termitenh�geln als Ameisenhaufen zu finden.</p><p>Bev�lkerungsdichte: In Europa z�hlt man durchschnittlich (alle Arten zusammengenommen) 80 000 Ameisen pro Quadratmeter.</p><p>BROT: K�gelchen aus gehacktem und zerstampftem Getreide.</p><p>CHITIN: Stoff, aus dem die Ameisenpanzer bestehen.</p><p>CHU-PU-NI: Tochter von Belo-kiu-kiuni.</p><p>chli-pu-kan: Ultramoderne, von Chli-pu-ni gegr�ndete Stadt.</p><p>DEPONIE: Kleine Anh�he am Eingang der Ameisenhaufen, auf die die Insekten ihre Abf�lle und Kadaver kippen.</p><p>DIONAEA: H�ufig vorkommendes pflanzliches Raubtier in der Umgebung von Bel-o-kan. Gefahr.</p><p>dodekalsystem: Z�hlweise der Ameisen. Die Ameisen z�hlen im Zw�lfersystem, weil sie zw�lf Krallen haben (zwei pro Bein).</p><p>DOGMA der K�niginnen: B�ndel wertvoller Informationen, die von der K�nigin auf die Tochterk�nigin via Antennenkontakt weitergegeben wird.</p><p>dufour-dr�se: ���Dr�se, ���um die Pheromonenpisten zu verschlie�en.</p><p>DUNKELHEIT: Die St�dterinnen lieben es, im Dunkeln zu leben.</p><p>DYNASTIE: Folge von K�niginnent�chtern auf dem gleichen Gebiet.</p><p>EI: Sehr junge Ameise.</p><p>EIDECHSE: Drachen in der Ameisenzivilisation. Gefahr.</p><p>EINTAGSFLIEGE: Eine Art kleine Libelle mit gespaltenem Schwanz. Die Larve lebt drei Jahre, das Insekt, das daraus schl�pft, zwischen 3 und 48 Stunden. E�bar.</p><p>ERDBEERKHIEG: Krieg, in dem sich im Jahr 9 999 986 die gelben und roten Ameisen gegen�berstanden.</p><p>ERDE: W�rfelf�rmiger Planet.</p><p>ERN�HRUNG: �blicher Ern�hrungsplan einer roten Ameise: 43 % Blattlaushonigtau, 41 % Insektenfleisch, 7 % Saft von B�umen, 5 % Pilze, 4 % geschrotene Samenk�rner.</p><p>EXKREMENT: Das Exkrement einer Ameise ist tausendmal leichter als ihr K�rper.</p><p>FASTENZEIT: Eine Ameise kann w�hrend des Winterschlafs 6 Monate leben, ohne zu fressen.</p><p>FEST DER WIEDERGEBURT: Hochzeitsflug der M�nnchen und Weibchen, der gew�hnlich in den ersten warmen Tagen stattfindet.</p><p>FEUER: Tabuisierte Waffe.</p><p>Fledermaus: Fliegendes Monster, das in H�hlen lebt. Gefahr.</p><p>fleischfressende pflanzen: Fettkraut, Venusfliegenfalle, Sonnentau. Gefahr.</p><p>FLIEGENDE BOTSCHAFTER: ���Technik der Zwergameisen,</p><p>Nachrichten durch kleine Fliegen zu �bermitteln. E�bar.</p><p>F�deration: Zusammenschlu� von St�dten der gleichen Art. Eine F�deration roter Ameisen umfa�t durchschnittlich neunzig Nester auf 6 Hektar, 7,5 Kilometer getrampelter Pisten und 40 Kilometer Duftpisten.</p><p>GEBURTSKAMMER: Raum, in dem die K�nigin ihre Eier legt.</p><p>GESCHWINDIGKEIT: Bei 10� bewegt sich eine rote Ameise mit 18 m/h fort. Bei 15� geht sie mit 54 m/h. Bei 20� schafft sie 126 m/h.</p><p>gewicht. Das Gewicht einer Ameise schwankt zwischen 1 und 150 Milligramm.</p><p>GIFTDR�SE: Blase, in der Ameisens�ure gespeichert wird. Spezielle Muskeln k�nnen sie mit sehr hohem Druck aussto�en.</p><p>GIFTIGE PFLANZEN: Herbstzeitlose, Glyzinie, Oleander, Efeu. Gefahr.</p><p>GOTTESANBETERIN: Insekt, das unm��ig Liebe und Fressen betreibt. Gefahr.</p><p>GRAD: Ma�einheit von Zeittemperatur und Zeitablauf. Je w�rmer es wird, um so kleiner werden die Zeitgrade; je k�lter es wird, um so mehr dehnen sie sich aus.</p><p>GR�SSE: Die roten Ameisen messen durchschnittlich 2 Kopf.</p><p>guayei-tyolot: Kleines Fr�hjahrsnest.</p><p>herz: Drei birnenf�rmige, verschachtelte Taschen. Befindet sich im R�cken.</p><p>H�HE: Je h�her ein Nest ist, um so mehr strebt die Stadt nach einer gro�en, von der Sonne beschienenen Oberfl�che. In hei�en Zonen liegen die Ameisenhaufen ganz unter der Erde.</p><p>Indolessigs�ure : Unkrautvertilgungsmittel.</p><p>INFRAROT-OZELLEN: Drei kleine Augen, die in Dreiecksform auf der Stirn der Fortpflanzungsf�higen angeordnet sind und diese bef�higen, in v�lliger Dunkelheit zu sehen.</p><p>KADAVER: Leere Cuticula.</p><p>K�LTE: Universelles Beruhigungsmittel in der Welt der Insekten.</p><p>KARTOFFELK�FER: ���K�fer ���mit orangefarbenen, von f�nf schwarzen L�ngslinien durchzogenen Deckfl�geln. Ern�hrt sich generell von Kartoffeln. Sein Saft ist ein t�dliches Gift.</p><p>KASTE: In der Regel finden sich drei Kasten: Fortpflanzungsf�hige, Soldatinnen, Arbeiterinnen. Jede Kaste ist in Unterkasten unterteilt: Ammen, Artilleristinnen usw.</p><p>Klimatisierung: W�rmeregulation in gro�en St�dten durch Solarien, Exkremente und Luftl�chern in der Kuppel.</p><p>KOPF: L�ngenma� der Ameisen. Entspricht 3 Millimeter.</p><p>kraft: Eine rote Ameise kann das Sechzigfache ihres Gewichts schleppen. Sie erzeugt also 3,2 x 10<sup>6</sup> Pferdest�rken.</p><p>KRANKHEITEN: Die h�ufigsten Krankheiten der Ameisen sind die Konidie (hervorgerufen durch einen parasit�ren Pilz), die Aegeritelle (??) (eine Art F�ule des Panzers), der Hirnwurm (ein parasit�rer Wurm, der sich in H�he der Ganglien unterhalb der Speiser�hre einnistet), die Hypertrophie der labialen Dr�sen (eine anormale Schwellung des Thorax, die bereits im Larvenstadium auftritt) und die alternaria (t�dliche Sporen).</p><p>la-chola-kan: Westliche Stadt der F�deration.</p><p>LARVE des Ameisenl�wen: Fleischfressender beweglicher Sand. Gefahr.</p><p>LEGION: Menge von Soldatinnen, die in der Lage sind, simultan zu man�vrieren.</p><p>LOMECHUSE (??): K�fer, Lieferant einer t�dlichen Droge. Gefahr.</p><p>MANDIBELKAMPF: Ameisensport.</p><p>M�nnchen: Insekten aus unbefruchteten Eiern.</p><p>MARIENK�FER: Viehr�uber. E�bar.</p><p>maskierte AMEISE: In organischer Chemie hochbegabte Art.</p><p>MENSCHEN: Gigantische Unget�me, die in einigen modernen Sagen vorkommen. Man kennt vor allem ihre gez�hmten rosigen Tiere: die Finger. Gefahr.</p><p>METAMORPHOSE: �bergang in eine zweite Lebensform, bei den meisten Insekten anzutreffen.</p><p>MISTK�FER: Kugelschieber. E�bar.</p><p>mithridisation: F�higkeit der sozialen Arten, sich an ein t�dliches Gift zu gew�hnen. Geht so weit, da� sie Eier legen, die genetisch gegen die Gefahr immun sind.</p><p>M�CKE: Die M�nnchen schlecken den Saft der Pflanzen. Wovon sich die Weibchen ern�hren, ist unbekannt. E�bar.</p><p>MUSIK: Ton oder Ultraschall, hervorgerufen durch Grillen und Zikaden, die ihre Fl�gel aneinander reiben. Die pilzz�chtenden Ameisen k�nnen mit ihren Hinterleibsgelenken ebenfalls Musik erzeugen.</p><p>NASHORNK�FER: K�fer, der mit einem gro�en H�rn auf der Stirn ausger�stet ist.</p><p>NI: Dynastie von belokanischen K�niginnen.</p><p>NR. 56: M�dchenname von Chli-pu-ni.</p><p>NR. 327: Junges belokanisches M�nnchen.</p><p>NR. 801: Tochter von Chli-pu-ni, als Spionin eingesetzt.</p><p>NR. 4000: J�gerin, lebt in Guayei-Tyolot.</p><p>NR. 103 683: Belokanische Soldatin.</p><p>OLEINS�URE: Ausd�nstungen von Ameisenkadavern.</p><p>PANZER: Kampftechnik, die darin besteht, da� sechs kleine, bewegliche Arbeiterinnen eine Arbeiterin mit gro�en Mandibeln tragen.</p><p>PASS: Geruch des Geburtsnests (oder Adoptivnests bei den S�ldnerinnen).</p><p>pflanzenl�use: Vieh. E�bar.</p><p>Pf�rtnerinnen: Unterkaste mit rundein, flachen Kopf. Beauftragt, strategisch wichtige G�nge zu blockieren.</p><p>PHEROMON: Fl�ssiges Wort oder fl�ssiger Satz.</p><p>regen: T�dliches Wetter.</p><p>riechen: Die Geschlechtslosen besitzen 6500 sensorische Zellen pro Antenne, M�nnchen und Weibchen 300 000.</p><p>Salamander: Gefahr.</p><p>SAMENKORN: Die roten Ameisen lieben das Elajosom (??) der Samenk�rner, mit anderen Worten, das �lhaltigste Teil. Ein durchschnittliches Nest erntet 70 000 Samenk�rner pro Saison.</p><p>SANIT�RE EINRICHTUNGEN: Becken, das die Exkremente der St�dterinnen aufnimmt.</p><p>schabe: Vorfahr der Termiten. Erstes Insekt auf Erden.</p><p>SCHLACHT AM Klatschmohnh�gel: Erster F�derationskrieg im Jahr 10 000 066, bei dem sich bakteriologische Waffen und Panzer gegen�berstehen.</p><p>SCHLANGE: Gefahr.</p><p>SCHLUPFWESPE: Wespe, die ihre hungrigen Eier in anderen K�rpern ablegt. Gefahr.</p><p>SCHNECKE: Fundgrube von Proteinen. E�bar.</p><p>Schnitterinnen: B�uerliche Ameisen des Ostens.</p><p>Schwimmk�fer: Wasser- und Unterwasserk�fer. E�bar.</p><p>sehen: Die Ameisen sehen wie durch ein Gitter. M�nnchen und Weibchen k�nnen Farben sehen, aber s�mtliche Farbt�ne tendieren zum Ultraviolett.</p><p>shi-gae-pu: Stadt der Zwergameisen im Nordwesten.</p><p>SKLAVENHALTERINNEN: Kriegerische Art, kann nur mit Hilfe von Dienerinnen �berleben.</p><p>S�LDNERINNEN: ���Einzelg�nger, die im Austausch gegen Nahrung und eine neue Identit�t f�r ein anderes Nest k�mpfen.</p><p>Sozialkropf: Organ der Freigebigkeit.</p><p>spinne: Unget�m, das ihre Opfer st�ckchenweise verzehrt und sie nach jedem Happen wieder bet�ubt. Gefahr.</p><p>TEMPERATUR: Die roten Ameisen k�nnen sich erst ab einer Temperatur von mindestens 8� bewegen. Die M�nnchen und Weibchen wachen mitunter ein wenig fr�her auf, bei 6�. Temperatur des Nests: Eine Stadt der roten Ameisen ist so w�rmereguliert, da� je nach Etage stets eine Temperatur von 20� bis 30� herrscht.</p><p>TERMITEN: Rivalen der Ameisen.</p><p>TRANSPORT: Um eine andere zu transportieren, packt die Ameise sie mit den Mandibeln. Die andere rollt sich zusammen, um m�glichst wenig �ber den Boden zu scheuern.</p><p>TROPHALLAXIE: ���Austausch von Nahrung zwischen zwei Ameisen.</p><p>VERBOTENE STADT: Festung zum Schutz der Geburtskammer. Besteht aus Holz, Zement oder sogar hohlem Gestein.</p><p>V�GEL: Fliegende Unget�me. Gefahr.</p><p>WAFFEN der AMEISEN: Mandibeln als S�bel. Giftstachel, zerst�ubter Klebstoff, Ameisens�urestrahlen, Krallen.</p><p>weben: Arbeit, die mit einer Larve ausgef�hrt wird.</p><p>WEBERINNEN: Wanderameisen des Ostens, die ihre eigene Larve als Weberschiffchen benutzen.</p><p>wellen: Der kleinste gemeinsame Nenner, der in dieser oder jener Form von allen Wesen oder beweglichen Objekten ausgesto�en wird.</p><p>WESPEN: Primitive und giftige Kusinen der Ameisen. Gefahr.</p><p>wind: Hebt einen vom Boden hoch, um einen irgendwo wieder abzusetzen.</p><p>WINTERSCHLAF: Gro�er Schlaf von November bis M�rz.</p><p>ZUCHT: Hochentwickelte Kunst einiger Arten, Pflanzenl�use und Schildl�use zu z�hmen und deren anale Sekretionen aufzufangen. Im Sommer liefert eine Pflanzenlaus drei�ig Tropfen Honigtau pro Stunde.</p><p>ZISTERNE: Honigtaureservoir.</p><p>zubi-zubi-kan: Stadt des Ostens, ber�hmt f�r ihren gro�en Viehbestand.</p><p>Zwerginnen: Hauptfeindinnen der roten Ameisen.</p><empty-line/><image l:href="#1"/></section></body><binary id="cover" 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