<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sci_history</genre><author><first-name>Wolfgang</first-name><last-name>Seidel</last-name></author><book-title>Wann tranken die T�rken ihren Kaffee vor Wien?: Weltgeschichte - alles, was man wissen muss</book-title><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-05-25">25.5.2013</date><id>7D82C344-27F5-4F0C-867C-CD92C37463AA</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>Bastei Luebbe</publisher><year>2012</year></publish-info></description><body><section><title><p>VORWORT</p></title><p>Das r�mische Kaiserreich von Augustus bis Marc Aurel bescherte der Mittelmeerwelt und Europa eine lange Friedenszeit sowie eine wirtschaftliche und kulturelle Bl�te. Welche Dynastie regierte eigentlich in dieser Zeit in China? Und was passierte dort? Gab es schon die Gro�e Mauer und die Seidenstra�e?</p><p>Jeder wei�, dass die Kreuzfahrer gegen Sultan Saladin k�mpften. Aber wie sah die arabisch-islamische Welt des Mittelalters �hinter� den Kreuzfahrerstaaten aus? Und was genau ist ein �Sultan�? Und ein �Kalif�? Wann begannen die Maya, ihre Tempel zu bauen, und woher kamen die Azteken? Was geschah in Russland, als Luther die Reformation ins Rollen brachte, und wie und wann verleibten die Engl�nder Indien ihrem Kolonialreich ein?</p><p>Wir leben heute in einer globalisierten Welt, ja in einem �globalen Dorf�, doch es f�llt uns schwer, einen einzigen chinesischen Kaiser mit Namen zu nennen. Aber die Sache wird anschaulich und �beraus interessant, wenn wir die eigene, deutsche und europ�ische Geschichte betrachten und erfahren, was gleichzeitig �in der Welt los war�. Diesen �berblick m�chte dieses Buch geben.</p><p>Nat�rlich kann man nicht alle Ereignisse der Weltgeschichte auf 440 Seiten zwischen zwei Buchdeckel pressen. Allein �ber C�sar, Bismarck, Richelieu gibt es mehrb�ndige Biografien. Es gibt 120-seitige Werke zur �Geschichte Chinas� (die �ber 5000 Jahre w�hrte), genauso wie es 1000-seitige Werke �ber den Ersten Weltkrieg gibt (der nur vier Jahre lang dauerte).</p><p>Es gab einmal eine Zeit, da waren Geschichtsb�cher mehr oder weniger �Chroniken�. In diesem Buch m�chte ich zwar keineswegs auf die aus der Schule gef�rchteten Jahreszahlen verzichten. Geschichte ist sozusagen von Natur aus chronologisch. Aber Zahlen sind eben sehr abstrakt und dienen immer nur als Ger�st. Ich gehe lieber vom einzelnen Begriff oder Schlagwort aus. Welches konkrete historische Geschehen verbindet sich mit einem Wort wie �Canossa� oder �Gegenreformation� oder �Mogul-Reich�? Seit wann spricht man in Tibet vom �Dalai Lama�? Die Stichworte bilden Themen, die man leicht �berschauen kann. Und wenn es auf der �Zeitachse� in einer anderen Weltgegend interessant wird, wechselt eben der Schauplatz. Weil man es in einem Buch nur auf hintereinander folgenden Seiten darstellen kann, ergeben sich dadurch manchmal kleinere zeitliche Vor- und R�ckspr�nge.</p><p>Gleichwohl l�sst sich die Weltgeschichte auf diese Weise leichter im globalen �berblick erfassen. Und so werden weltgeschichtliche Zusammenh�nge verst�ndlich, die man bisher kaum so gesehen hat. Denn Dschingis Khan richtete mit seinem Mongolensturm weit mehr an, als ein paar polnische und russische Ritter in Aufruhr zu versetzen. Und dass Iran heute ein schiitisch-fundamentalistischer �Gottesstaat� ist, hat weit zur�ckliegende, aber ganz konkrete Gr�nde in der Geschichte Persiens. Und auch die j�ngste, globale Finanzmarktkrise ist nicht vom Himmel gefallen.</p><p>Mein ganz herzlicher Dank gilt an dieser Stelle den kritischen Begleitern dieses Manuskripts, Frau Ilse Koch und Frau Barbara Werner van Benthem, die mit wertvollen Hinweisen unerm�dlich dazu beigetragen haben, die gewaltige Stoffmasse zu z�hmen. Mein Dank geht auch an den Eichborn Verlag, der mich in sehr entgegenkommender Weise bei der Entstehung des Buches unterst�tzt hat.</p><p><emphasis>April 2010</emphasis></p><p>WS</p></section><section><title><p>MIT STEINEN FING ALLES AN</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 2,7 Millionen bis 2600 v.�Chr.</emphasis></p></section><section><subtitle>EISZEIT UND STEINZEIT</subtitle><p>Als der d�nische Historiker Christian J�rgensen Thomsen (1788�1865) die Leitung des Nordischen Museums in Kopenhagen �bernahm und die Sammlungen neu ordnete, fiel ihm etwas auf: Die Fundgegenst�nde waren �berwiegend aus Stein, Bronze und Eisen gefertigt und in genau dieser zeitlichen Abfolge entstanden. Die Einteilung der fr�hen Menschheitsgeschichte (in erster Linie Europas) in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit stammt von Thomsen.</p><p>EISZEIT����Der Gedanke, die Alpengletscher k�nnten fr�her einmal eine viel gr��ere Ausdehnung gehabt haben, entstand um 1820 unter Schweizer Naturgelehrten. Der badische Privatgelehrte Karl Friedrich Schimper (1803�1867) entwickelte daraus um 1835 in seinen M�nchener Vortr�gen �ber <emphasis>Weltsommer und Weltwinter</emphasis> eine Theorie der Klimaschwankungen � damals eine au�erordentlich k�hne Idee.</p><p>Schimper hatte Findlinge, also Gesteinsbrocken, die offensichtlich nicht aus der Gegend stammten, in der sie lagen, sowie Schleifspuren im Schweizer Jura untersucht. 1837 verfasste er eine Ode (!) mit dem Titel <emphasis>�ber die Eiszeit</emphasis>. Dies ist die Taufurkunde des Wortes �Eiszeit�. Schimper schrieb nie ein systematisches Werk �ber seine Entdeckungen und blieb daher weitgehend unbeachtet. Ein befreundeter Kollege, der Schweizer Louis Agassiz, verstand seine Ideen am besten und propagierte sie mit mehr Erfolg.</p><p><emphasis>2,7 Millionen v.�Chr.</emphasis></p><p>PLEISTOZ�N����Die Ursachen jener landschaftspr�genden Vereisungen sind bis heute ungekl�rt. Klar ist nur, dass sie vor etwa 2,7 Millionen Jahren einsetzten und das Klima seitdem in Zeitr�umen von einigen zehntausend bis zu hunderttausend Jahren stark schwankte. Von �der� Eiszeit im Rahmen der fr�hen Erdgeschichte zu sprechen, w�re also irref�hrend, zumal es zwischen den Eiszeiten immer wieder beachtliche W�rmeperioden gab. Diese Periode der Erdgeschichte wird Pleistoz�n genannt. In der letzten Phase, von ca. 100000 bis 10000 v.�Chr., waren die Klimaschwankungen geradezu dramatisch. Vor 20000 Jahren reichte das Eis bis 50 Kilometer s�dlich von Berlin. Nach 5000 Jahren war �Berlin� wieder eisfrei, noch einmal vier- bis f�nftausend Jahre sp�ter auch die Ostseek�ste.</p><p><emphasis>2,5 Millionen v.�Chr.</emphasis></p><p>ALTSTEINZEIT����Die Altsteinzeit datiert man auf etwa 2,5 Millionen Jahre, als fr�he Hominiden wie <emphasis>Homo habilis</emphasis> und <emphasis>Homo ergaster</emphasis> in Afrika erste Steinwerkzeuge herstellten, bis zum Sesshaftwerden der J�ger und Sammler in der Jungsteinzeit vor 10000 bis 12000 Jahren. Sesshaftigkeit ist demnach relativ neu. Die Faustkeile aus Stein sind das charakteristischste Werkzeug jener Hominiden. Oft erkennt der ge�bte Blick des Arch�ologen nur noch daran das Vorkommen von Menschen. Knochenfunde sind eher selten.</p><p><emphasis>500000�30000 v.�Chr.</emphasis></p><p>NEANDERTALER����Der Mensch aus dem Neandertal bei D�sseldorf stammt etwa aus der Zeit um 42000 v.�Chr. Seine Knochenreste entdeckte 1856 der Elberfelder Lehrer Carl Fuhltrott, der ihn sofort als �Urmensch�-Typus erkannte, was die damalige �Fachwelt� jedoch zun�chst nicht akzeptierte.</p><p>Im sogenannten mittleren Pleistoz�n schweiften die Neandertaler durch riesige Gebiete von S�drussland, Ostanatolien und dem Nahen Osten bis nach Portugal. Trotz dieses enormen Verbreitungsgebietes lebten wohl immer nur h�chstens 10000 Neandertaler gleichzeitig. Und sie lebten nat�rlich nur in den s�dlichen Breiten Europas � s�dlich des 50. Breitengrades (Mainlinie). N�rdlich davon war ja alles vergletschert. So ist das Neandertal eine der n�rdlichsten Fundstellen �berhaupt.</p><p>Die �ltesten Funde sind rund 125000 Jahre alt; man sch�tzt das Alter dieses Homo aber wesentlich h�her ein � auf bis zu 500000 Jahre. Neandertaler beherrschten den Umgang mit dem Feuer, sie fertigten Speere und Faustkeile und wechselten h�ufig den Lagerplatz, um die nat�rlichen Ressourcen optimal zu nutzen. Mittlerweile kennt man Hunderte von Neandertaler-Lagerpl�tzen �im Freien�. Die Vorstellung, sie h�tten ebenso wie die ihnen folgenden Cro-Magnon-Menschen in H�hlen gehaust, entstand, weil sich die Fundrelikte in H�hlen wesentlich besser erhalten haben.</p><p>Die Arch�ologie teilt die mittlere Steinzeit in mehrere Perioden, die alle nach Fundorten in S�dwestfrankreich benannt sind. Die �lteste ist das Mousteri�n (ca. 120000�40000). Es f�llt erdgeschichtlich in die letzte, die W�rm-Eiszeit. M�glicherweise gab es in dieser Periode einige tausend Jahre lang ein Nebeneinander von Neandertaler und Cro-Magnon-Mensch. Die Cro-Magnon geh�ren in das Aurignacien (40000�30000 v.�Chr.).</p><p>Seit Neuestem ist durch DNA-Analysen nachgewiesen, dass Neandertaler und Homo sapiens zwischen 110000 und 50000 im Nahen Osten koexistierten und Gene austauschten. Mit anderen Worten: Einzelne dieser Individuen hatten Sex miteinander. Auch in jedem von uns steckt also ein bisschen Neandertaler.</p></section><section><subtitle>DIE STEINZEITMENSCHEN UND IHRE KUNST</subtitle><p>Cro-Magnon ist der Name eines Fundortes in der franz�sischen Dordogne. Hier entdeckten Arch�ologen 1868 in einer H�hle im V�z�re-Tal Siedlungsreste und f�nf Skelette eines etwa 30000 Jahre alten Hominiden-Typs.</p><p><emphasis>40000�30000 v.�Chr.</emphasis></p><p>CRO-MAGNON����Cro-Magnon gilt als fr�her <emphasis>Homo sapiens sapiens</emphasis>. Er lebte zun�chst unter eiszeitlichen Bedingungen in arktischer K�lte in einer weitgehend baumlosen Tundra. Viel zu ernten gab es da nicht, deshalb jagte Cro-Magnon haupts�chlich Tiere. Wie man aus den ber�hmten H�hlenmalereien wei�, spielten dabei allerlei Jagdzauber, also quasi-religi�se Vorstellungen eine Rolle. Cro-Magnon war perfekt an das Klima angepasst und ein hervorragender Handwerker-K�nstler, der Stein, Knochen, Elfenbein, Kleidung und Schmuck bearbeitete, mit Kochsteinen kochte und Nahrungsmittel konservierte. Pfeil und Bogen sowie Tierfallen sind vermutlich Cro-Magnon-Erfindungen.</p><p><emphasis>um 40000 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE UREINWOHNER AUSTRALIENS����In dieselbe Zeit f�llt auch die Besiedlung Australiens. Wegen der starken Vereisungen gab es sehr viel Wasser in Gletschern, und der Meeresspiegel lag tiefer. �Australien� hatte also ganz andere Umrisse und bildete mit Neuguinea eine gr��ere Landmasse, das Sunda-Land. Von den indonesischen Inseln im Indischen Ozean aus war dieser Vorkontinent Australiens �ber schmalere und seichtere Meerwasserstra�en viel leichter zu erreichen als heute.</p><p>Die australischen Ureinwohner verbreiteten sich innerhalb kurzer Zeit �ber den gesamten Kontinent und rotteten den weitaus gr��ten Teil der dort vorhandenen Gro�wildarten aus. Sie befanden sich noch bis zur Entdeckung Australiens durch James Cook 1770 auf der Stufe der J�ger und Sammler.</p><p><emphasis>35000 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE �LTESTEN KUNSTWERKE����Aus der Vogelherdh�hle im Lonetal auf der Schw�bischen Alb wurde 2006 das bislang �lteste bekannte Kunstwerk der Menschheit geborgen, eine 30 Zentimeter gro�e Figur aus Mammut-Elfenbein. Das Alter der leicht verzierten menschlichen Figur mit einem L�wenhaupt sch�tzt man auf ann�hernd 35000 Jahre. Ebenfalls auf der Schw�bischen Alb, bei Blaubeuren, fand sich in der H�hle von Gei�enkl�sterle eine steinzeitliche Lagerst�tte mit Besiedlungsspuren aus der Zeit zwischen 36000 und 32000 v.�Chr. Gei�enkl�sterle ist f�r seine Fl�ten aus Vogelknochen ber�hmt, die als �lteste Musikinstrumente der Welt gelten. In der benachbarten H�hle �Hohle Fels� lag eine �Venus�-Figurine (um 35000 v.�Chr.). Alle Kunstwerke aus den schw�bischen H�hlen sind �lter als die H�hlenmalereien in den s�dfranz�sischen Grotten.</p><p><emphasis>ca. 33000 v.�Chr.</emphasis></p><p>DER �LOUVRE� DER EISZEIT����Eine Sensation war 1994 die Entdeckung einer Grotte im s�dfranz�sischen Ard�che-Tal durch Jean-Marie Chauvet. Sie gilt als �Louvre� oder �Kathedrale� der Eiszeit, denn sie enth�lt eine F�lle von erstaunlich gut erhaltenen, �berraschend naturgetreuen H�hlenmalereien aus der Zeit um 33000 bis 30000 v.�Chr. Auf rund 300 Wandbildern sind mehr als 400 Tiere in der Grotte Chauvet dargestellt. Etwas j�nger sind die Wandmalereien in der Cosquer-H�hle an der Mittelmeerk�ste bei Marseille, die 1991 von Henri Cosquer �ertaucht� wurde, weil sich ihr Eingang heute unterhalb des Meeresspiegels befindet. Hier gibt es auch Darstellungen von Meerestieren und V�geln.</p><p><emphasis>ca. 25000 v.�Chr.</emphasis></p><p>VENUS VON WILLENDORF����Lange galt die weltber�hmte Venus von Willendorf als das �lteste Kunstst�ck der Altsteinzeit. Die 1908 in Willendorf in der �sterreichischen Wachau gefundene elf Zentimeter hohe Frauenstatuette mit breitem Becken und �ppigen Br�sten aus Kalkstein d�rfte 25000 Jahre alt sein. Mittlerweile wurden zwischen Europa und Sibirien rund 200 weitere �hnliche Venusse gefunden, die allerdings nicht so gut erhalten sind. Man kann davon ausgehen, dass die Figur ein kultisches Idol war, vermutlich im Zusammenhang mit einem Fruchtbarkeitsritus. �ber das riesige Gebiet verbreitet gab es also so etwas wie eine einheitliche �religi�se� Vorstellung.</p><p><emphasis>Was danach geschah:</emphasis> Die Venusse stammen aus einer Zeit der Klimaverschlechterung vor dem H�hepunkt der letzten Eiszeit, dem Gravettien. Von damals kennt man Bestattungen in gro�er Zahl, auch mit Grabbeigaben wie Waffen und Schmuck. Spuren der nachfolgenden Solutr�en-Menschen fanden die Arch�ologen vor allem in Spanien. Die K�lte und die Vereisung jener Eiszeit waren so extrem, dass alle <emphasis>Homo sapiens</emphasis> Europa verlie�en � oder ausstarben. Die neuen Besiedler Europas fertigten danach keine Venusse mehr, verbreiteten sich aber in Europa relativ schnell, unter anderem in</p><p><emphasis>ca. 16000 v.�Chr.</emphasis></p><p>ALTAMIRA UND LASCAUX����Die j�ngsten, nach wie vor ber�hmtesten H�hlen mit Steinzeitmalereien sind die von Altamira in den spanischen Pyren�en und Lascaux im V�z�re-Tal (Dordogne). Altamira wurde bereits 1868 entdeckt, die Malereien allerdings erst 1879, als die achtj�hrige Tochter des Grundbesitzers zuf�llig �Rinderbilder� an der H�hlendecke erkannte. Lascaux entdeckte man 1940.</p><p>Die Wandbilder von Lascaux und Altamira werden auf 17000 bis 15000 v.�Chr. datiert und geh�ren zum Magdal�nien (ab 22000 v.�Chr.). Es ist die Bl�tezeit der Gro�wildj�ger. Die � stellenweise immer wieder �bermalten � Tierdarstellungen werden als Ausdruck einer magischen Religion interpretiert, bei der schamanenartige Zauberer die Beute- und Jagdtiere wie Hirsch, Wildpferd und Ren zu beschw�ren versuchten. Die Magdal�niens jagten raffinierter, nutzten zum Beispiel Harpunen mit Widerhaken, kochten in Erdl�chern, fertigten Schmuckgegenst�nde, kannten religi�se Riten und Jenseitsvorstellungen. Es gibt Anzeichen, wonach die Lascaux-Leute bereits �ber astronomisches Wissen verf�gten, da einzelne markante Punkte in der H�hle auf den damaligen Wintersonnenwendepunkt ausgerichtet sind.</p><p><emphasis>ab 13000 v.�Chr.</emphasis></p><p>HOLOZ�N����bedeutet so viel wie �das allerneueste, das j�ngste� Zeitalter und umfasst erdgeschichtlich die auf das Pleistoz�n folgende Periode. Die Erw�rmung war nun so stark, dass es in Europa vor etwa 7000 Jahren �berhaupt kein Eis mehr gab! Die Menschen waren auf der Nordhalbkugel l�ngst sesshaft geworden, in den Flusst�lern Chinas, �gyptens und Mesopotamiens bildeten sich die Anf�nge der ersten Hochkulturen. Gletscher entstanden erst wieder gut 1000 Jahre sp�ter. Auch wir leben im Holoz�n.</p><p><emphasis>ca. 12000/10000 v.�Chr.</emphasis></p><p>J�GER UND SAMMLER����Mit dem Schmelzen des Eises war die Steinzeit keineswegs zu Ende. Die Menschen blieben dieselben, suchten noch immer in H�hlen Zuflucht, bauten sich allenfalls Strohh�tten oder zeltartige Unterschlupfe, bei denen Felle und Tierh�ute zum Schutz gegen die Witterung �ber einige Stangen gelegt wurden, wie bei den indianischen Tipis oder den Jurten sibirischer und mongolischer Nomaden.</p><p>Es gab kleine Verbesserungen der Steinwerkzeuge, erste Boote, Schlitten, T�pferwaren, Haustiere (Hund) sowie erste Anzeichen von vor�bergehender Sesshaftigkeit und Ackerbau. Die Verarbeitung von Metall war aber nach wie vor v�llig unbekannt.</p><p>DIE BESIEDLUNG AMERIKAS����Die sibirischen Verwandten oder Nachbarn der Uraustralier sollen immer weiter nach Nordosten vorgedrungen sein. Auf dem letzten K�lteh�hepunkt der letzten Eiszeit ��berwinterten� sie dann in S�dsibirien, was wiederum ein paar Jahrtausende dauerte. Von dort aus zogen sie noch einmal sehr viel sp�ter in der Jungsteinzeit (um 13000�12000 v.�Chr.) �ber die damals trockene Landmasse �Beringia�, die heute vom Meer �berflutete Beringstra�e. M�glicherweise war dies nur w�hrend eines engen Zeitfensters von 2000 bis 3000 Jahren geschehen, als �Beringia� erstmals eisfrei, aber noch �trocken� war, weil l�ngst nicht alles Eis geschmolzen und der Meeresspiegel noch relativ niedrig war. So besagt es die herk�mmliche Theorie. Andere Besiedlungswege entlang der K�sten sind jedoch durchaus denkbar, auch �ber den Nordatlantik entlang der Gletschergrenze.</p><p><emphasis>Was danach geschah:</emphasis> In den beiden Amerikas endete die Steinzeitphase nicht fl�chendeckend wie in Europa, sondern nur in bestimmten Regionen, mit den ersten sesshaften Ackerbau- und Keramikkulturen um 1000 v.�Chr. (S�den Nordamerikas, Mittelamerika), wobei es den Maisanbau dort schon fr�her gab. Da hatte das Alte �gypten den H�hepunkt seiner Bedeutung schon �berschritten, Alt-Babylon, die Minoer, Mykene und die Hethiter waren untergegangen, die indogermanischen Ackerbaugesellschaften n�rdlich der Alpen l�ngst sesshaft geworden.</p></section><section><subtitle>NEOLITHISCHE REVOLUTION � JUNGSTEINZEIT</subtitle><p>In der Jungsteinzeit ab 11500 v.�Chr. wurden die Menschen sesshaft, bildeten erste dauerhafte Siedlungen und eine rudiment�r arbeitsteilige Gesellschaft. Keine andere Ver�nderung in der �gesellschaftlichen� Verhaltensweise der Menschen ist als so einschneidend betrachtet worden wie dieser �bergang vom J�ger und Sammler zum Bauern und Hirten.</p><p><emphasis>11000 v.�Chr.</emphasis></p><p>FRUCHTBARER HALBMOND����Nat�rlich stiegen die Steinzeitmenschen nicht auf die Barrikaden und riefen unisono die �Neolithische Revolution� aus. Der Begriff wurde erst 1936 von dem australischen Wissenschaftler Vere Gordon Childe nach dem Vorbild der �Industriellen Revolution� gepr�gt. Die Neolithische Revolution vollzog sich in verschiedenen Gegenden zu unterschiedlichen Zeiten. Am fr�hesten �fortschrittlich� war der heute sogenannte Nahe Osten vom Niltal �ber den Jordan bis hinauf zu den Euphrat- und Tigrisquellen und diese beiden Str�me hinunter bis an den Persischen Golf. Auf einer Karte bilden diese groben Umrisslinien in etwa die Form eines Halbmondes. Zur damaligen Zeit (ab ca. 11000 v.�Chr.) war das Gebiet klimatisch au�erordentlich beg�nstigt, insgesamt viel gr�ner und feuchter als jetzt, selbst bis in die Sahara hinein, aber eben auch schon warm � paradiesische Zust�nde. Die Menschen lie�en sich in dauerhaften Siedlungen nieder, betrieben systematisch den Anbau von Wildgr�sern sowie Viehzucht und legten erstmals Vorr�te an. Lehmziegel zum Bau von H�usern waren ebenso neu wie die dadurch m�gliche rechteckige Bauweise. Bis dahin waren alle �H�tten� rund gewesen. Die Verwendung der T�pferscheibe ist ebenfalls eine �Erfindung� aus dieser fr�hen Phase menschlicher Kultur.</p><p><emphasis>ab ca. 9500 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE �LTESTEN ST�DTE����Die �ltesten Stadt- und Tempelanlagen der Welt befinden sich in diesem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes und sie stammen nach neueren Ausgrabungen schon aus der fr�hesten Zeit der Neolithischen Revolution.</p><p>Die Tempelanlage von G�bekli Tepe (um 9500 v.�Chr.) ist 6000 Jahre �lter als die Pyramiden, und diese erstaunlichen Steinbauten waren bereits errichtet, als sich die ersten Siedler in Jericho niederlie�en. Die Bedeutung der Anlage ist erst seit 1994 bekannt. Sie ragt wie ein Monument der �lteren Steinzeit in die Jungsteinzeit hinein. Hier finden sich meterhohe, aus einem St�ck gemei�elte Kalksteinpfeiler mit querliegenden Steinbl�cken obenauf, die teilweise kreisf�rmig angeordnet sind. Davon wurden bisher 40 freigelegt, weitere 150 vermuten die Arch�ologen noch unter dem Ger�llberg G�bekli Tepe. Die Errichtung dieser Anlage setzte eine entsprechende Baustellenorganisation und umfassende Lebensmittelversorgung voraus. Das hatte man J�gern und Sammlern bisher nicht zugetraut.</p><p>In einer anderen Gegend Anatoliens, nahe der Derwisch-Stadt Konya, befindet sich eine weitere, erst in j�ngerer Zeit freigelegte arch�ologische Anlage: �atal H�y�k, die �lteste bekannte Siedlungsanlage der Welt. Sie war seit etwa 7400 v.�Chr. �ber 1000 Jahre lang von bis zu 10000 Menschen bewohnt. Auff�llig ist, dass es kein Tempel- oder Palastzentrum gibt, aber Wandmalereien mit Tierdarstellungen, die offenbar kultischen Zwecken dienten. Auch �atal H�y�k erscheint heute als faszinierende Ausnahme, weil es �ber Jahrtausende danach weit und breit keine vergleichbare stadt�hnliche Siedlungsweise gab. Die Entwicklung von St�dten mit Steinbauten und arbeitsteiliger Struktur, die �ber wirklich lange Zeitr�ume kontinuierlich bewohnt wurden, setzt erst um 5000 v.�Chr. in einer ganz anderen Gegend, im S�den Mesopotamiens ein.</p><p>Das typische Siedlungsbild der Jungsteinzeit in Mesopotamien sind die Tell-Siedlungen der sogenannten Obed-Kultur, auf der die sumerische Kultur im buchst�blichen Sinn aufbaute. Die Tell-Siedlungen beherbergten zwischen 7000 und 4000 v.�Chr. teils Tausende von Menschen, die in gleichf�rmig gebauten H�usern aus Lehmziegeln lebten. Da solche Behausungen nicht ewig hielten, wurden die Siedlungen im Lauf dieser Jahrtausende aus dem Schutt verfallener H�user immer wieder aufgebaut und ausgebaut, bis sie zu regelrechten H�geln wuchsen. Daher die Bezeichung <emphasis>Tell</emphasis> (arabisch: �H�gel�), was sich im Namen �Tel Aviv� wiederfindet. Ein bekanntes Beispiel ist der Tell Halaf im Norden Mesopotamiens, wo die Menschen handwerklich anspruchsvolle, d�nnwandige Keramiken wie Teller und Schalen t�pferten und mit au�erordentlich �sthetischen Mustern verzierten.</p><p>Ab etwa 5300 v.�Chr. dominierten die Obed genannten Tell-Kulturen den ganzen Bereich zwischen Euphrat und Tigris. Ihr bedeutendster Ort war die K�stenstadt Eridu. Nicht nur nach dem babylonischen Mythos gilt der Hafen am Persischen Golf als erste Stadt der Weltgeschichte. Der Befund wurde durch Ausgrabungen best�tigt. In der sumerischen Metropole Eridu fand man einen Tempel, dessen Fundamente bis in die Obed-Zeit zur�ckreichen, vermutlich verbunden mit dem Wasser- und Weisheitsgott Enki. Die St�dte der Sumerer wurden immer um einen Tempel herum gebaut. Eridu ist heute eine Ausgrabungsst�tte. Die �lteste kontinuierlich besiedelte Stadt der Welt aber ist Jericho.</p><p><emphasis>8000/7000 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE MAUERN VON JERICHO����Eine sesshafte Bev�lkerung in �St�dten� � darin sieht man den Beginn menschlichen Kulturlebens. Als �lteste bekannte, ununterbrochen bewohnte und mit Mauern umgebene Siedlungsst�tte gilt Jericho. Die heute mit hebr�ischem Namen <emphasis>j�richo</emphasis> (�duftender Ort�) genannte Stadt war in der � sehr viel sp�teren � Antike bekannt f�r ihre Palmen- und Balsamstauden. In der Jungsteinzeit war das Siedlungsgebiet eine wasserreiche, ausgedehnte Oase. Jericho bl�hte auch deshalb auf, weil es an einem wichtigen Verbindungsweg zwischen dem Niltal und dem Zweistromland lag. Hier entstand um 8000 v.�Chr. der �lteste Steinturm der Welt, um 7000 eine Stadtmauer, die ein 24000 Quadratmeter gro�es Areal umgab. Die ersten neolithischen Siedler hielten bereits domestizierte Tiere wie Ziegen, Schafe, Schweine und schnitten Gr�ser. Sie hatten Steinwerkzeuge und Steingef��e, aber noch keine Keramik.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Nach einer biblischen Legende wurden die Stadtmauern sehr viel sp�ter allein durch Posaunenst��e zum Einsturz gebracht. Damals eroberten die Israeliten die von Jebusitern bewohnte Stadt. Das mag um 1500 v.�Chr. gewesen sein. Waren die Mauern nach mehreren tausend Jahren bauf�llig geworden? Zwischen den arch�ologisch nachgewiesenen ersten und den biblischen Mauern von Jericho liegen 6000 Jahre Geschichte, rund doppelt so viel wie zwischen dem Ereignis und unserer Zeit.</p></section><section><subtitle>KERAMIK UND MEGALITH</subtitle><p>Jungsteinzeitliche Kulturen in Europa werden aufgrund ihrer auff�lligsten arch�ologischen Funde nach gemeinsamen Merkmalen geordnet und datiert. Das sind Keramiken, von Menschen herstellte Gef��e aus Ton, ein besonders haltbares Material. Alles andere, was diese Menschen bearbeiteten, Holz f�r H�user und Boote oder Textilien als Bekleidung, war zu verg�nglich. Steinbauten zum Wohnen hatten sie nicht errichtet. Auch die Metallverarbeitung (Kupfer) kam erst allm�hlich auf und ver�nderte die jungsteinzeitlichen Gesellschaftsstrukturen zun�chst nicht (anders sp�ter die Bronze).</p><p>Die Technik, Ton zu haltbaren Gef��en zu brennen, und der Gedanke, sie vor allem f�r die Aufbewahrung von Nahrungsmitteln zu verwenden, stammt aus der Zeit um 6500 v.�Chr. aus dem Vorderen Orient. Sie verbreitete sich sehr schnell, auch entlang der Donau, n�rdlich der Alpen. Zuerst waren die Keramiken sehr schlicht, doch das �nderte sich ebenfalls rasch. Sie wurden immer formsch�ner und formenreicher. Ihre Formen und Verzierungen erlauben den Fachleuten heute ungef�hre Datierungen und Aussagen �ber die Verbreitung einzelner jungsteinzeitlicher Menschengruppen.</p><p><emphasis>5500 v.�Chr.</emphasis></p><p>BANDKERAMIKER����Mit in den noch weichen Ton eingedr�ckten B�ndern verzierte Tongef��e sind das Charakteristikum der �ltesten sesshaften jungsteinzeitlichen Keramik-Kultur in Europa. Die Anf�nge der Bandkeramiker liegen vor 5000, vermutlich sogar schon um 5500 im Donaubecken des Balkans. Ihre Ausdehnung reicht donauaufw�rts �ber den Main bis an die Oder und die b�hmische Elbe und �ber den Rhein bis ins Pariser Becken, aber sie waren keine K�stenbewohner. Fachleute k�nnen aufgrund von Verzierungsmerkmalen eine Vielzahl kleinerer lokaler Untergruppen der Bandkeramiker identifizieren. Insgesamt gesehen war diese Kultur aber von bemerkenswerter Einheitlichkeit.</p><p>Bedeutende Fundorte gibt es in Niederbayern, Rheinhessen und im Rheinland. Die Bandkeramiker lebten als Bauern und Viehhirten in befestigten D�rfern mit Langh�usern. Die in einem Haus zusammengefasste Gro�familie bildete eine m�glichst autarke wirtschaftliche Einheit, die den urbar gemachten Boden erstmals als �Eigentum� betrachtete. Ausschlaggebend f�r Ansehen und �Reichtum� war, wie viele Arbeitskr�fte eine Sippe mobilisieren konnte.</p><p>Alle bandkeramischen D�rfer haben einen Friedhof, und alle Toten wurden mit angezogenen Beinen in der sogenannten Hockerstellung auf der linken Seite liegend bestattet. Pers�nliche Gegenst�nde, Schmuck, Waffen, Nahrung gab man ihnen f�r die Jenseitsreise mit. Die Bandkeramiker verschwanden dann ohne erkennbaren Grund v�llig von der Bildfl�che. Sie wirken wie ausgestorben.</p><p><emphasis>5000 v.�Chr.</emphasis></p><p>GOSECK����Die Kreisgrabenanlage von Goseck in Sachsen-Anhalt wurde 1991 zuf�llig auf einem Plateau oberhalb der Saale aus der Luft entdeckt. Goseck wurde vermutlich schon von Bandkeramikern errichtet, die mithin �ber Kenntnisse der Gestirne verf�gten, lange bevor die �babylonische� astronomische �berlieferung einsetzte, die f�r unsere Kultur durch die antike und biblische Tradition so pr�gend wurde. Zwei �Tore� sind auf den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang am Tag der Wintersonnenwende um 4800 v.�Chr. ausgerichtet. Die Kreisgrabenanlage ist also 2000 Jahre �lter als Stonehenge, allerdings gab es in Goseck keine Steinbauten, sondern nur Palisadenz�une aus Holz.</p><p><emphasis>ab 4800 v.�Chr.</emphasis></p><p>TRICHTERBECHERKERAMIKER����Die �ltesten �Bauwerke� der Jungsteinzeit im westlichen Mittelmeer und an den K�sten Westeuropas stammen aus der Megalith-Kultur, genauer: aus den Megalith-Kulturen, denn sie waren keineswegs einheitlich. Schon 1867 einigte man sich darauf, unbehauene Steine als Megalithen zu bezeichnen (griechisch <emphasis>megalith,</emphasis> �gro�er Stein�). Die Erbauer der Megalith-Anlagen sind die Trichterbecherkeramiker.</p><p>Die Trichterbecherkulturen entfalteten sich �ber einen langen Zeitraum von etwa 4200 bis 2800 v.�Chr. Sie siedelten an den K�sten von Nord- und Ostsee samt Hinterland, im Alpenbogen und in Osteuropa am Schwarzen Meer.</p><p>Die Trichterbechermenschen waren ebenfalls sesshafte Ackerbauern rund um die Meeresk�sten von Nordsee und Atlantik. Im gesamten west- und nordeurop�ischen Bereich entstanden zwischen 3600 und 3200 v.�Chr. 30000 Megalith-Gr�ber, eine regelrechte Explosion, ein m�chtiger kultureller Impuls. Auf deutschem Boden sind von gesch�tzten 5000 Gr�bern rund 900 erhalten. Sie dienten Kollektivbestattungen, oft �ber lange Zeitr�ume hinweg. Die Trichterbechermenschen begruben die Toten nicht in Hockerstellung, sondern in gestreckter R�ckenlage. Die charakteristischen und namengebenden Trichterbecher waren anscheinend vor allem Grabbeigaben; zum praktischen Gebrauch sind die unten spitz zulaufenden Gef��e eher wenig geeignet.</p><p><emphasis>seit 4500 v.�Chr.</emphasis></p><p>CARNAC UND STONEHENGE����Die Megalith-Anlagen hatten, da ist man sich sicher, einen konkreten Ursprungsort, n�mlich Nordwestfrankreich, heute Bretagne und Normandie. Von hier verbreitete sich die �Kultur� rund um die Nordsee, entlang der ganzen europ�ischen Atlantikk�ste und ins westliche Mittelmeer einschlie�lich Sizilien und Tunesien. Der bretonische Ausgangsort muss ein weit ausstrahlendes rituelles und politisches Zentrum gewesen sein. Funde bis nach Ostwestfalen und Nordhessen sind mit Anlagen in der Normandie direkt vergleichbar.</p><p>Der Zweck all dieser Bauwerke bleibt r�tselhaft. Sicher ist, dass es kultische Orte waren, denn das Aufrichten tonnenschwerer Steine und das Ausrichten in geometrischen Linien geschah nicht zum Zeitvertreib. Der gr��te Menhir wiegt 350 Tonnen. Sehr wahrscheinlich handelte es sich zumindest auch oder seinem Ursprung nach um eine Form von Ahnenkult. Alle Megalith-St�tten sind zudem Begr�bnisorte.</p><p>Die �lteste Anlage ist Carnac mit seinen geraden Steinreihen (ca. 4500 v.�Chr.). In Stonehenge begann die Baugeschichte nach heutigem Kenntnisstand mit einem Erdwall um 3100 v.�Chr., also vor den Pharaonen. Die heute noch sichtbaren Steinkreise entstanden zwischen 2500 und 2000, etwa in der Zeit der gro�en Pyramiden. Die in Norddeutschland und S�dskandinavien ebenfalls sehr verbreiteten H�nengr�ber gab es �ber mehrere Jahrhunderte hinweg zwischen 3500 und 2800 v.�Chr.</p><p><emphasis>3500�2500 v.�Chr.</emphasis></p><p>PFAHLBAUTEN����In der Fr�hzeit der Hochkulturen, als die Sumerer anfingen, mithilfe der Keilschrift die Lagerhaltung zu kontrollieren, die �gypter fr�he Hieroglyphen mei�elten und erste Baupl�ne f�r Pyramiden entwarfen und die �ltesten Trojaner Ost-West-Handel betrieben, siedelten Zeitgenossen der Trichterbecherkeramiker in Pfahlbauten im Alpenraum. Sie alle lebten zur selben Zeit in dem Jahrtausend zwischen 3500 und 2500 v.�Chr.</p><p>Die Pfyner Gruppe im schweizerischen Thurgau (3900�3500 v.�Chr.) und die Mondsee-Gruppe (3600�3300 v.�Chr.) im Salzkammergut z�hlen zu den �ltesten bekannten Pfahlbausiedlungen. In den Alpen war damals die Kupferverarbeitung schon bekannt. Das Kupferbeil, das ��tzi� bei sich trug, �hnelte sehr vergleichbaren St�cken aus Pfyn. Viele dieser Siedlungen wurden irgendwann wieder aufgegeben, aber Pfahlbauten gab es in Europa bis in die Eisenzeit.</p></section><section><subtitle>KERAMIK-KULTUREN IN DER KUPFERZEIT</subtitle><p>Die �ltesten Kupferabbaust�tten in Europa befinden sich auf dem Balkan. Sie stammen aus der Zeit um 4500 v.�Chr. Betreiber der Minen waren vermutlich F�hrungsschichten einer bandkeramischen Kultur des Balkans namens Vinc&#x2C7;a. Man lebte in vergleichsweise dichtbesiedelten D�rfern und betrieb auf ausgesprochen fruchtbaren B�den intensiv Ackerbau. Dazu geh�rte eine differenzierte Sozialstruktur mit einer immer reicher werdenden Oberschicht. Die Grabbeigaben eines Gr�berfeldes am bulgarischen Warnasee enthalten neben hervorragend gearbeiteten Keramiken und Kupfergegenst�nden auch die ersten Goldschmiedearbeiten weltweit, vor allem Schmuck, Beschl�ge und reliefartige Tierfiguren.</p><p>Das fr�heste in Mitteleuropa gefundene Kupferbeil ist dagegen rund 1000 Jahre j�nger (um 3500 v.�Chr.) und stammt aus einer Fundst�tte in der N�he von Altheim bei Landshut in Niederbayern.</p><p><emphasis>3300 v.�Chr.</emphasis></p><p>�TZI����Das relativ leicht zu schmelzende und zu bearbeitende Kupfer kommt in Anatolien um 8000, in Mitteleuropa um 4300 v.�Chr. auf. Gut 1000 Jahre sp�ter trug der mittlerweile bekannteste Vertreter der sp�ten Jungsteinzeit ein Kupferbeil bei sich: Die Gletschermumie �tzi gibt ein anschauliches Bild eines Menschen aus unserem geografischen Raum in der Hoch-Zeit der Keramik-Kulturen. Mit seinen grasgepolsterten Schuhen, seiner Bekleidung, seinen leichten Jagdwaffen und seinem �Rucksack� erinnert er am ehesten an das Bild, das man sich von einem �Indianer� macht. Hier tritt uns ein Mensch aus dem �bergang zwischen Jungsteinzeit und Metallzeit gegen�ber. �tzi ist ein typischer Vertreter der halbwegs sesshaften, Ackerbau und Viehzucht betreibenden vorindogermanischen Siedlerkultur der Keramik-Zeit. Das bisschen Metallverarbeitung, das er und seine Zeitgenossen beherrschten, hat die jungsteinzeitlichen Lebensstrukturen nicht tiefgreifend ver�ndert.</p><p><emphasis>2600 v.�Chr.</emphasis></p><p>GLOCKENBECHERKERAMIKER����Glockenf�rmige Tonbecher sind das �Leitfossil� sonst wenig fassbarer Gruppen, die sich von S�dspanien her haupts�chlich entlang der K�sten bis nach Mitteleuropa ausbreiteten; m�glicherweise kamen sie aber auch aus dem Donauraum und zogen durch ganz Europa. Glockenbecherleute, deren Auftreten um 2600 erstmals belegt ist, kannten bereits die Kupferverarbeitung. Auch ihre Bestattungsrituale waren typisch: Die Toten wurden nach Geschlechtern unterschiedlich, stets immer in Hockerstellung und mit dem Gesicht nach Osten beigesetzt.</p><p><emphasis>2800 v.�Chr.</emphasis></p><p>SCHNURKERAMIKER (STREITAXTLEUTE)����Die Schnurkeramiker verzierten Gef��e durch in den weichen Ton eingedr�ckte Schn�re. Sie �berschneiden sich zeitlich mit den Glockenbecherkeramikern, bestatteten Tote in Hockerstellung, aber immer mit dem Gesicht nach S�den, Frauen linksseitig, M�nner rechtsseitig. Letztere bekamen Waffen und Streit�xte ins Grab gelegt. Diese charakteristischen Streit�xte, nach denen sie auch benannt sind, waren keine Kampfwaffen, sondern Statussymbole.</p><p>Die Schnurkeramiker/Streitaxtleute tauchten vergleichsweise pl�tzlich auf (�wie aus dem Nichts�) und verbreiteten sich sehr schnell. Ob sich hier eine kulturelle �Revolution� abspielte oder eine �Invasion�, ist schwer zu sagen. Die Schnurkeramikkulturen waren von Zentralrussland bis in die Schweiz und nach Holland verbreitet � also �ber ein riesiges Gebiet, in dem die Bestattungsgewohnheiten und die Kunst�normen� der Keramikverzierungen noch einheitlicher waren als bei den Bandkeramikern. Sehr umstritten ist �brigens, ob die Schnurkeramiker/Streitaxtleute bereits die ersten Indoeurop�er waren, also die ersten Gruppen, aus denen in Europa Germanen, Kelten und Slawen hervorgingen.</p><p>Die Schnurkeramiker waren die letzte Jungsteinzeitkultur auf europ�ischem Boden. Diese relativ sesshaften Bauern kannten das Rad und Zugtiere und konnten Kupfer verarbeiten. In der Sp�tphase der Schnurkeramiker und Glockenbecherkeramiker kommt um 2200 die Kenntnis der Bronzeverarbeitung nach Europa.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Knapp 1000 Jahre sp�ter, kurz vor Beginn der Eisenzeit, erscheint eine letzte Neuerung in Europa, die Urnenfelderkultur. Wie der Name sagt, werden in der Urnenfelderkultur die Toten verbrannt und in Urnen bestattet � ein signifikanter, fl�chendeckender Wandel. Von der Urnenfelderkultur geht ab 1200 v.�Chr. der Vorsto� der indoeurop�ischen V�lker nach Italien aus, m�glicherweise auch der Verw�stungszug �ber den Balkan, die �g�is und Anatolien (�Zerst�rung Trojas�). Sp�ter dann auch die keltische Hallstatt-Kultur.</p><p>3761: BEGINN DER J�DISCHEN ZEITRECHNUNG����Auf dieses Jahr legte der j�dische Patriarch Hillel um 360 n.�Chr. die Sch�pfung der Welt fest und begr�ndete so in der Sp�tphase der r�mischen Kaiserzeit die heute g�ltige Zeitrechnung nach dem j�dischen Kalender. Hillel orientierte sich an den �Zeitangaben� im Alten Testament, zum Beispiel an der Lebenszeit der Patriarchen. Demgem�� entspricht das Jahr 2009/2010 unseres Gregorianischen Kalenders dem Jahr 5770 des j�dischen Kalenders. Dieses Weltsch�pfungsdatum hat nichts mit modernen arch�ologischen Datierungen zu tun. Dennoch entsprechen die fast 6000 Jahre seither ungef�hr der menschlichen Geschichte seit dem Ende der Steinzeit.</p></section><section><subtitle>ALTORIENTALISCHE KULTUREN DER BRONZEZEIT</subtitle><p>Im Fruchtbaren Halbmond im Vorderen Orient waren die Menschen als Ackerbauern in Tell-Kulturen fr�her sesshaft geworden (ab 8000 v.�Chr.) als im europ�ischen Raum (ab 5500 v.�Chr.). W�hrend in Europa reetgedeckte Pfahlbaud�rfer der Bandkeramiker und Trichterbecherkeramiker entstanden und man am Warnasee schon sehr h�bsch Gold schmieden konnte, lebten auch die Menschen in den gro�en Flussoasen an Tigris, Euphrat und Nil in d�rflichen Gemeinschaften. Auch sie t�pferten, webten, benutzten Steinwerkzeuge und bearbeiteten Kupfer. Schon vor 3000 v.�Chr. verbreitete sich die neue Technologie der Bronzeherstellung im Alten Orient, ab 2200 dann auch in Europa.</p><p><emphasis>vor 3500 v.�Chr.</emphasis></p><p>SUMERER����Das �lteste Kulturvolk im Orient hat seinen Namen von der unmittelbar nachfolgenden Kultur: Die Akkader nannten sie <emphasis>�umeru</emphasis>.</p><p>Allerdings waren die Sumerer kein semitisches Volk wie die Akkader. Ihre Herkunft ist unbekannt. In der Fr�hzeit ihrer Geschichte siedelten sie in mehreren Dutzend St�dten, die auf H�geln gebaut und von Mauern umgeben waren. Jede fasste nahezu 50000 Einwohner. Einzelne Stadtviertel gruppierten sich um den Tempel einer lokalen Gottheit, der Tempel des wichtigsten Wohnviertels beherbergte die Stadtgottheit. Zun�chst bearbeiteten die Sumerer nur das Land in der Umgebung, selbst die Ackerbaufl�chen der Aristokratie umfassten nur wenige Hektar. Ansonsten lag zwischen den St�dten unwirtliches �dland. Erst die Entwicklung der Bew�sserungstechnik erm�glichte allm�hlich die Ausweitung der Territorien. Wo diese aneinanderstie�en, ergaben sich erbitterte K�mpfe um die Vorherrschaft, ein Hauptzug der sumerischen Geschichte, die im Detail nicht rekonstruierbar ist. Zentren der Sumerer waren St�dte wie Ur, Uruk, Nippur, Lagasch, im S�den des heutigen Irak, nahe des Persischen Golfs. Das alles geschah ungef�hr zu der Zeit, als in Pfahlbausiedlungen am Mondsee und in Pfyn die ersten Kupfergegenst�nde auftauchten.</p><p><emphasis>ca. 3500 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE ST�DTE DER ZIKKURATE: UR UND URUK����Sp�testens ab Mitte des 4. Jahrtausends waren Ur und Uruk neben der urspr�nglichen Obed-Stadt Eridu die �ltesten sumerischen Stadtstaaten. Eine Zeit lang war das damals direkt am Euphrat gelegene Ur die dominierende Metropole. Hauptg�tter der Sumerer waren der Himmelsgott An, f�r den schon vor 3000 v.�Chr. ein hoher Tempel errichtet wurde, sowie die Inanna/Ischtar, die �Venusg�ttin�. Die hoch ragenden Stufentempel (akkadisch <emphasis>Zikkurat</emphasis> = �G�tterberg�) lassen sich seit 3500 v.�Chr. arch�ologisch nachweisen; man kennt ungef�hr 25 davon. Diese bemerkenswerte bautechnische Leistung erscheint auch im Alten Testament der Bibel �chronologisch� fr�h, n�mlich bereits in der Genesis, im ersten Buch Mose im Zusammenhang mit der �Sprachverwirrung� der am Hochbau beteiligten �V�lker�. Mangels exakter historischer Kenntnis der Fr�hgeschichte nannte ihn die Bibel �Turm von Babel�. Die Zikkurat-Tempelpyramiden sind aber sumerischen Ursprungs. Babylon entstand erst sp�ter.</p><p>In der Hochbl�te der sumerischen Kultur mit Keilschrift und Tempelpyramiden entwickelte sich Jahrhunderte sp�ter Uruk zur ersten Gro�stadt der Welt, in der �ber 100000 Menschen wohnten. Uruk ist das biblische Erech. Die Errichtung einer zehn Kilometer langen Stadtmauer um 2500 wird K�nig Gilgamesch zugeschrieben. Die K�nigsdynastien der Sumerer sind erst ab etwa 2500 aus �K�nigslisten� fassbar und geben vage Anhaltspunkte f�r historische Abl�ufe. Die Funde von Waffen und Schmuck aus den K�nigsgr�bern zeugen vom hohen Stand der Metallurgie. Typisch f�r sumerische Menschendarstellungen in Statuen und auf Reliefs sind die Augen mit den �Augenringen�.</p><p><emphasis>3200 v.�Chr.</emphasis></p><p>KEILSCHRIFT����entwickelte sich genau wie die Hieroglyphen und wie unser Alphabet aus der Abstrahierung von Bildzeichen. Die �ltesten Zeichen waren Bilder mit entsprechender Bedeutung: Essschale = Essen; drei Berggipfel = Gebirge. Im Lauf der Zeit wurden komplexere Begriffe aus mehreren Zeichen zusammengesetzt, und der Lautwert spielte eine wichtige Rolle, wie bei der Entwicklung des Alphabets auch. Die Keilschrift wurde nicht mit groben Keilen, sondern mit kleinen Griffeln aus Holz oder Rohr in weichen Ton eingedr�ckt. Wenn der Ton trocknete, blieb die �Schrift� erhalten.</p><p>Gelehrten des 19. Jahrhunderts n.�Chr. ist es gelungen, die �berlieferten Keilschrifttafeln zu entziffern. Dabei stellte sich heraus, dass es sich haupts�chlich um Vorratslisten, Rechnungen und Vertr�ge handelte: Sobald die Gesellschaften arbeitsteiliger wurden, musste man den Warenstrom dokumentieren und die Vorratswirtschaft f�r die Tempel und Pal�ste organisieren: Buchhaltung war die erste Form der �Literatur�, keine mythischen Urworte. Die �ltesten, noch sehr bildhaften Keilschrifttafeln datieren von 3300 v.�Chr., also aus der �tzi-Zeit, doch erst um 2700 entwickelte sich daraus die abstraktere Keilschrift. Diese konnte dann von den Hethitern f�r ihre ganz andere, n�mlich indogermanische Sprache verwendet werden.</p><p>Unsere Kenntnis der Sumerer ist noch recht jung. Weder in der griechisch-r�mischen Antike und nicht einmal in der Goethe-Zeit hatte man einen Begriff und eine Vorstellung von �sumerisch�. Man hielt die Akkader, von denen die Bibel berichtet, f�r das �lteste Volk des Orients.</p><p><emphasis>2700 v.�Chr.</emphasis></p><p>SINTFLUT UND GILGAMESCH����In Eridu im heutigen Irak, der Stadt mit der �ltesten sumerischen Kulttradition (5. bis 4. Jahrhundert v.�Chr.), haben sich K�nigslisten erhalten, die in Abschnitte �vor der Flut� und �nach der Flut� unterteilt sind. �Vor der Flut� werden nur mythische K�nige mit jahrtausendelanger Regierungszeit genannt. M�glicherweise lag dazwischen in vor- oder fr�hsumerischer Zeit eine lang anhaltende Wetterverschlechterung mit verheerenden Regenf�llen und �berschwemmungen, die so einschneidend war, dass sie sich den Menschen tief ins Ged�chtnis gegraben hatte.</p><p>Die Erinnerung an eine �gro�e Flut� findet sich auch im �ltesten bekannten Epos der Menschheit, im sumerisch-akkadischen Gilgamesch. Wie in der Bibel geh�rt dort das Bild einer Arche zur Sintflut. Tontafelfunde berichten von einem K�nig Zi-usudra, der im Zusammenwirken mit dem Weisheitsgott Enki eine Arche baute, um die Flut zu �berstehen.</p><p>Sehr kurz gesagt ist die Gilgamesch-Sage die Geschichte eines legend�ren riesenhaften sumerischen K�nigs, der vielleicht zur Pyramidenzeit lebte und, oftmals in Begleitung seines Freundes und Dieners Enkidu, durch Kriegsz�ge und Abenteuer Ruhm und Unsterblichkeit gewinnen wollte. Das Kraut der Unsterblichkeit konnte er aber nicht erlangen. Gilgamesch verlor seinen geliebten Freund Enkidu wegen des Zorns der Ischtar. Denn die Menschen, so die Kernaussage des Mythos, sind gegen den Willen der G�tter machtlos.</p><p><emphasis>ca. 2500 v.�Chr.</emphasis></p><p>DAS ERSTE WELTREICH: AKKAD����Auf die Sumerer folgten die Akkader, die erstmals �ber andere V�lker als das eigene auf einem gro�en Territorium herrschten. Die alte Geschichtsschreibung sah in diesem ersten akkadischen Territorialreich die Weltherrschaftsidee �alle V�lker unter einem Zepter� verwirklicht. Im Mittelalter spielte diese Vorstellung eine gro�e Rolle.</p><p>Niemand wei�, wo die Hauptstadt Akkad wirklich lag. Jedenfalls nicht im S�den am Persischen Golf wie die sumerischen Stadtstaaten, sondern in Mittelmesopotamien, vermutlich in der Umgebung des sp�teren Babylon. Der Gr�nder von Stadt und Reich der Akkader und deren erfolgreichster Herrscher war Sargon. Die Akkader waren ein semitisches Volk und aus dem sp�ter arabisch genannten Raum zugewandert. Sie �bernahmen wesentliche Teile der sumerischen Kultur, insbesondere die Keilschrift und den G�tterhimmel.</p><p>INANNA, VENUS, MORGENSTERN����Die sumerisch-akkadische G�tterwelt ist genauso vielf�ltig wie die griechisch-r�mische; G�tter gab es wie Sand am Meer � oder wie Sterne am Himmel, denn die altbabylonischen Kulturen verg�ttlichten den Sternenhimmel.</p><p>Inanna alias Ischtar alias Astarte war die Stadtg�ttin von Uruk und die beliebteste aller G�ttinnen. Der ihr zugeordnete Planet war der lieblich leuchtende �Morgen-� bzw. �Abendstern�. Bis in die Gegenwart ist so die Planetenbezeichnung Venus direkt mit Ischtar verbunden. Sie war die gro�e weibliche G�ttin, Liebesg�ttin, Mutter- und Fruchtbarkeitsgottheit, konnte aber auch eine grausame zerst�rerische Kriegsg�ttin sein. Ihr erotischer Aspekt lebt in der griechisch-r�mischen Aphrodite/Venus fort. Inanna ist die sumerische, Ischtar die semitisch-babylonische Namensform. In westsemitischen Kulturen, also mehr zum Mittelmeer hin, lautete die Namensform Astarte oder Aschera. In der fr�hsemitischen G�tter�berlieferung figurierte Aschera sogar noch als G�ttergattin des El, ein fr�her Name f�r den biblischen Jahwe.</p><p><emphasis>ca. 2000 v.�Chr.</emphasis></p><p>ASSUR����Das �lteste assyrische Reich entstand im mesopotamischen Norden und ist nach dem Hauptgott Assur benannt: ein Fruchtbarkeits- und Berggott, kein �Herr im Himmel�. Die Assyrer waren Semiten und sind bis heute die Namensgeber f�r �Syrien�.</p><p>Assur war zun�chst ein Stadtstaat am Oberlauf des Tigris auf der H�he des heutigen Mossul, der von dem lebhaften Handel zwischen dem rohstoffarmen Mesopotamien und Anatolien und dem iranischen Hochland profitierte und sich zum Fl�chenstaat ausdehnte. Hier lag die Keimzelle der sp�teren assyrischen Weltmacht. Zuvor begann in Mesopotamien die ebenso reale wie legend�re Geschichte Babylons.</p></section><section><subtitle>�GYPTEN � DAS ALTE REICH</subtitle><p>�gypten ist �das schwarze Land�. Das griechische Wort <emphasis>aigyptos</emphasis> f�r �dunkel� bezieht sich auf die �schwarze Erde� des Nilschlamms, der allj�hrlich den Boden �berschwemmte und damit die Lebensgrundlage der antiken Hochkultur schuf. Die pharaonischen �gypter selbst nannten ihr Land genauso, nur eben in ihrer Sprache: <emphasis>chem </emphasis>oder <emphasis>keme.</emphasis> Unser Wort �Chemie� geht �brigens darauf zur�ck. Anders als in Mesopotamien gab es keine �Stadtkultur�. �gypten blieb immer l�ndlich. Quasi-st�dtische Zentren entwickelten sich nur um die Pharaonenresidenzen und einige bedeutende Tempel (Memphis, Theben, Heliopolis).</p><p><emphasis>vor 3000 v.�Chr.</emphasis></p><p>SONNENKALENDER����Man kann die Entstehung oder �Erfindung� des �gyptischen Kalenders nicht genau festlegen, doch vermutlich geschah dies am Beginn der �gyptischen Kultur, noch vor den Hieroglyphen. Auch unser heutiges System geht auf den �gyptischen Kalender zur�ck, weil Julius C�sar ihn f�r das R�mische Reich �bernahm. Im Gegensatz zu fast allen anderen alten Kulturen, die Mondkalender hatten, richteten sich die �gypter nach einem Sonnenkalender. Die eigentlich ��gyptische� Erfindung ist das Prinzip der Monatseinteilung zu rund 30 Tagen und der Schalttage, die die �gypter am Jahresende einf�gten. Aufgrund der kulturellen Dominanz der Europ�er in der Kolonialzeit wurde der �ber 5000 Jahre alte �gyptische Kalender der �Weltkalender.�</p><p><emphasis>um 3000 v.�Chr.</emphasis></p><p>HIEROGLYPHEN����entstanden schon vor der 1. Dynastie, also vor 3000 v.�Chr. Das Wort daf�r kommt aus dem Griechischen, denn die Griechen �bersetzten den pharaonischen Ausdruck �Schrift der Gottesworte� mit �heilige Zeichen� aus <emphasis>hieros </emphasis>(�heilig�) und <emphasis>glypho </emphasis>(�in Stein ritzen�). Die Entzifferung der Hieroglyphen gelang 1822 dem Franzosen Fran�ois Champollion nach mehr als zehnj�hriger Arbeit dank des 1799 von napoleonischen Soldaten gefundenen �Steins von Rosette�. Durch diese bahnbrechende Entdeckung erschloss sich die �gyptische Kultur in einzigartiger Weise.</p><p><emphasis>2900 v.�Chr.</emphasis></p><p>PAPYRUS����Auch �Papier� und �Karte� gehen auf alt�gyptische W�rter zur�ck. <emphasis>Per-aa </emphasis>war der alt�gyptische Vorl�ufer des griechischen Wortes f�r �Papyrus�. Es ist eine Zusammensetzung und bedeutet �Besitz des Pharao�, was die enorme praktische und wirtschaftliche Bedeutung des Beschreibmaterials unterstreicht, nicht zuletzt als begehrtes Exportgut in die gesamte Mittelmeerwelt. Alle antiken Schriftrollen waren auf Papyrus geschrieben, das man aus dem St�ngelmark der Papyrusstaude gewann.</p><p><emphasis>Per-aa</emphasis> war bei den �gyptern nur das Wort f�r die Pflanze, nicht f�r das Schreibmaterial. Das uns unbekannte �gyptische Originalwort daf�r nahmen die Griechen als <emphasis>ch�rtos</emphasis> in ihren Wortschatz auf. Daraus wurde zum Beispiel im Deutschen �Karte� und in weiteren Abwandlungen: �Karton�, �Charta�, �chartern�, �Kartell� (eine Vereinbarung, die auf eine Karte geschrieben wird) oder �Skat�. Die erste Papyrusbeschriftung gab es schon am Anfang der �gyptischen Kultur. Wegen der �hnlichkeit von Aussehen und Funktion ging das Wort �Papyrus� sp�ter auf das ganz anders (n�mlich aus Hadern) hergestellte �Papier� �ber.</p><p><emphasis>um 2900 v.�Chr.</emphasis></p><p>PHARAO����In �gyptens Fr�hzeit gab es im Niltal nur eine gro�e Anzahl kleiner St�mme, die in den Jahrhunderten um das Jahr 3000 v.�Chr. zu einem Reich zusammenwuchsen. Der Legende nach unter dem ebenso legend�ren Pharao Menes. Ihr K�nig galt den �gyptern als heilige Person, als Verk�rperung von Gottheiten. Sein Name war tabu, auch ein Wort wie �K�nig� durfte nicht ausgesprochen werden. Deswegen wich man auf einen unverf�nglichen Namen aus: Alt�gyptisch <emphasis>per-o </emphasis>(�gro�es Haus�) meinte den K�nigspalast. Dessen Hauptbewohner war der: Pharao.</p><p><emphasis>um 2600 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE ERSTE PYRAMIDE����Erfinder des �gyptischen Pyramidenbaus ist der Arzt, Architekt, Universalgelehrte und Pharao-Berater Imhotep. Das verb�rgen Inschriften auf der Stufenpyramide Sakkara, die Imhotep um 2650 v.�Chr. f�r Pharao Djoser baute. Sakkara ist der erste Steinbau Alt�gyptens und etwas �ber 60 Meter hoch, gerade mal die H�lfte der Cheops-Pyramide. Djoser war der erste Pharao der 3. Dynastie, mit der die Phase des sogenannten Alten Reiches begann. Imhotep wurde in �gypten nie vergessen und sp�ter sogar als Gott der Heilkunst verehrt. Die Erbauer der gro�en Pyramiden Snofru, Cheops, Chefren und Mykerinos geh�ren der nachfolgenden 4. Dynastie von etwa 2590 bis 2470 v.�Chr. an.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Tempel bauten die �gypter im Alten Reich noch nicht aus Stein, allenfalls kleine Kulth�user aus Ziegeln, Lehm und Matten. Erst ab etwa 1550 v.�Chr. entstanden steinerne Tempel f�r die G�tter � allen voran die riesige Anlage f�r Amun in Karnak.</p><p>PYRAMIDENTEXTE � TOTENB�CHER����In Analogie zur �Nachtfahrt� der Sonne durch die Unterwelt und zum Wachsen und Vergehen des Mondes, was sich t�glich und monatlich wiederholt, glaubten die alten �gypter an eine Wiederauferstehung im Jenseits. Damit verbanden sie die Vorstellung von einem Totengericht: Das Herz, nach �gyptischer Vorstellung Sitz der Lebens- und Willenskraft, wurde auf einer Waage mit der Ma�at, dem Inbegriff der kosmischen Ordnung, abgewogen. Waren sie im Gleichgewicht, hatte der Mensch ein �gottgef�lliges� Leben gef�hrt. Dann konnte der Verstorbene in der Unterwelt in Gesellschaft der G�tter verweilen und wurde selbst verg�ttlicht. Die �gypter stellten sich das Dasein im Jenseits wie ein angenehmes Leben im Diesseits vor, vermehrt um den Vorteil, dass man die G�tter schauen konnte und um ihr Geheimnis wusste. Darauf bezogen sich die Zauberspr�che und Beschw�rungsformeln an den Innenw�nden der Grabkammern. Seit dem Neuen Reich wurden sie auch auf Papyrus geschrieben und den Mumien beigegeben; das sind die sogenannten Totenb�cher. War das Leben verfehlt, durfte der Mensch nicht die erstrebte Unsterblichkeit erlangen, sondern verfiel der Ausl�schung, der Verdammnis in qualvollen H�llenfeuern.</p></section><section><subtitle>KERAMIK-KULTUREN IN ASIEN UND AMERIKA</subtitle><p><emphasis>ca. 3500 v.�Chr.</emphasis></p><p>AMERIKA � VALDIVIA-KULTUR����In den beiden Amerikas bleiben die Menschen sehr viel l�nger J�ger und Sammler. Die �lteste bekannte sesshafte jungsteinzeitliche Bauernkultur findet sich im heutigen Ekuador (ca. 3500�1500). Die Siedler in den Flusst�lern an der K�ste betrieben Getreideanbau und Fischerei. Bemerkenswert sind Venusfigurinen von der Art, wie sie schon in der europ�ischen Altsteinzeit vorkamen.</p><p><emphasis>5000�4000 v.�Chr.</emphasis></p><p>CHINA � HEMUDU����Auf chinesischem Boden finden sich arch�ologische Spuren verschiedener, lokal begrenzter Bauern- und Keramik-Kulturen, die rund 7000 Jahre bis in die Jungsteinzeit zur�ckreichen. Die Menschen lebten an den gro�en Fl�ssen Huangho und Jangtsekiang, kannten Reisanbau, Wasserb�ffel-, Schweine- und Seidenraupenzucht und fertigten neben Tongef��en auch Holzschalen mit Lack�berzug. Datierungen zufolge bestand die Hemudu-Kultur jahrtausendelang mit einem H�hepunkt zwischen 5000 und 4000, also zur Zeit der mesopotamischen Obed-Kultur, der Vorl�uferin der Sumerer. Am Huangho kennt man aus der gleichen Zeit die Yangshao-Kultur.</p><p><emphasis>3200 v.�Chr.</emphasis></p><p>CHINA � LONGSHAN����Aufbauend auf der fr�heren Yangshao-Kultur verwendeten ab 3200 v.�Chr., etwa zur �tzi-Zeit, erstmals die Chinesen der Longshan-Kultur eine T�pferscheibe. Sie stellten Keramiken her, deren W�nde so d�nn wie Eierschalen waren. Besonders charakteristisch f�r die Longshan-Keramik sind Gef��e mit gl�nzender schwarzer oder grauer Oberfl�che und einer �sthetik wie aus einem reinen europ�ischen Klassizismus. Die Kultur ist nach dem �Drachenberg� Longshan benannt, der auch durch die taoistischen H�hlenheiligt�mer aus dem chinesischen Mittelalter ber�hmt ist.</p><p><emphasis>2600�1900 v.�Chr.</emphasis></p><p>INDUS-KULTUREN � HARAPPA UND MOHENJO-DARO����Erst durch arch�ologische Ausgrabungen nach 1922 im Industal hat man �berhaupt eine Kenntnis von der hochstehenden Harappa- oder Indus-Kultur. Ihr Gebiet liegt �berwiegend im heutigen Pakistan, das seinerzeit �ppig bewaldet und sehr viel gr�ner gewesen war als heute. Die Indus-Kultur bl�hte um 2600 v.�Chr. sehr rasch auf. Sie kannte eine Schrift und ein verfeinertes Handwerk. Die erstaunlichste zivilisatorische Leistung war die planvolle, streng geometrische Anlage gro�er St�dte mit Wasserversorgung und Kanalisation. Die Ausgrabungsst�tten von Harappa und Mohenjo-Daro gelten als die bekanntesten.</p><p>Die fl�chenm��ige Ausdehnung der Indus-Kultur war gr��er als die von �gypten und Mesopotamien zusammen. Die Herkunft ihrer Tr�ger ist nicht bekannt. M�glicherweise entstand sie sehr rasch aus der eingesessenen Bev�lkerung. Um 1800 v.�Chr. setzte ein Niedergang ein, der zum vollst�ndigen Verl�schen f�hrte. Obwohl ein gewisser Handelsaustausch mit den sumerischen Stadtstaaten bestand, erhielten sich in Mesopotamien und erst recht in der j�ngeren Antike keinerlei Hinweise oder Erinnerungen an die Indus-Kultur.</p><p><emphasis>2600 v.�Chr.</emphasis></p><p>AMERIKA � CARAL����Die heute als �lteste Stadt Amerikas bezeichnete Siedlung in Peru wurde 1996 entdeckt. In Caral gibt es r�tselhafte Monolithen aus Granit sowie sechs Pyramiden in etwa aus der Zeit der �gyptischen Bauwerke um 2600 v.�Chr. Die h�chste von ihnen ist sogar h�her als die Cheops-Pyramide. Die Bewohner von Caral hatten topografische, mathematische und astronomische Kenntnisse. Die Besiedlung der Stadt dauerte rund 1000 Jahre, wobei ein H�hepunkt in die letzte Phase ab 1800 v.�Chr. f�llt, als die dort bis dahin unbekannte Keramikkunst aufkam.</p></section><section><title><p>METALL VER�NDERT DIE WELT</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 2600 bis 1200 v.�Chr.</emphasis></p></section><section><subtitle>BRONZEZEIT IN DER �G�IS</subtitle><p>Die �ltesten Siedlungsschichten des ber�hmten H�gels von Hisarlik in der Westt�rkei, den man f�r Troja h�lt, stammen aus der Zeit kurz nach 3000 v.�Chr. (�Troja I�). Da es damals noch keine Griechen in Griechenland gab, siedelten dort, wie im ganzen �g�is-Raum, sogenannte altmediterrane V�lker, die keine Indoeurop�er waren. Es waren Ackerbauern und nat�rlich auch Seefahrer, denn ihre Kultur stand im Austausch mit der gleichzeitigen minoischen Kultur auf Kreta. Beispielsweise �hnelten sich die Wandmalereien. In der �g�is spricht man von �Kykladen-Kultur�. Erst durch die Zuwanderung fr�hgriechischer St�mme wurden die altmediterranen V�lker �berlagert. Zu den Fr�hgriechen geh�rten auch die Troer, nach denen fortan die Landschaft Troas an den Dardanellen benannt ist.</p><p><emphasis>ab ca. 2600 v.�Chr.</emphasis></p><p>KYKLADEN-KULTUR����In etwa zur Gilgamesch-Zeit, also ab 2600 v.�Chr., bl�hte in den k�stennahen Landschaften auf der heute t�rkischen wie griechischen Seite der �g�is und insbesondere auf den Kykladen-Inseln die bronzezeitliche Kykladen-Kultur auf, die auch Helladische Kultur genannt wird. Zu den Kykladen z�hlen die beliebten Ferieninseln Naxos, Paros, Mykonos, die wie ein Ring (griechisch: <emphasis>kyklos</emphasis>) rund um die �heilige� Insel Delos liegen. Beeindruckend schlichte, aber dennoch ausdrucksstarke Menschenfiguren, die �Idole�, sind das typische und verbreitetste Kunstwerk der Kykladen-Kultur. Es sind kleine Fig�rchen, keine gro�en Statuen. Aber sie wirken wegen ihrer Schlichtheit gleichwohl monumental. Mit der Zuwanderung fr�hgriechischer St�mme auch auf die Inseln ab 1600 v.�Chr. endete die Anfertigung solcher Idole schlagartig. Durch Herodot sind einige Namen dieser altmediterranen V�lker aus dem Umfeld der Kykladen-Kulturen �berliefert: Pelasger, Leleger oder Karer. Sie sind teilweise bis heute als Landschaftsnamen greifbar, zum Beispiel �Karien� in der Westt�rkei. M�glicherweise sind auch die Etrusker, die sp�ter vermutlich von hier nach Italien auswanderten, solch ein altmediterranes Volk.</p><p><emphasis>vor 2500 v.�Chr.</emphasis></p><p>ALTMEDITERRANE SPRACHEN����Die Griechen nahmen viele W�rter aus den altmediterranen Sprachen auf. Etwa die Pflanzennamen <emphasis>K�mmel, Minze, Narzisse</emphasis> und <emphasis>Zypresse</emphasis>. Auch <emphasis>Athen</emphasis>, <emphasis>Korinth</emphasis>, <emphasis>Larisa</emphasis>, <emphasis>Theben</emphasis> sowie <emphasis>Olymp</emphasis> und <emphasis>Parnass</emphasis> und viele andere Ortsnamen sowohl auf dem Festland wie auf den Inseln wie in Ionien (Westt�rkei) sind keineswegs griechische W�rter. Aus welchen der altmediterranen Idiome sie stammen, verliert sich allerdings im Dunkel der Fr�hgeschichte. Man kann sie zu Gruppen zusammenfassen wie <emphasis>Parnassos, Halikarnassos, Knossos</emphasis>, <emphasis>Kolossos, Narzissos, Zypressos</emphasis> oder <emphasis>Mykene, Priene</emphasis>, <emphasis>Athene, Irene</emphasis> (�Frieden�). Fremdw�rter waren f�r die Griechen <emphasis>m�tallon</emphasis> (�Metall�), <emphasis>s�deros </emphasis>(�Eisen�) und <emphasis>t�rannos</emphasis> (�Tyrann�), was urspr�nglich �Burgherr� bedeutete. Auch die Namen vieler bekannter Sagengestalten sind nicht origin�r griechisch, sondern wurden von den Einheimischen �bernommen: <emphasis>Achilleus, Odysseus, Theseus, Nereus, Aiakos</emphasis> (Ajax) und Frauennamen wie <emphasis>Sapph�</emphasis>. Als ob das nicht schon erstaunlich genug w�re, sind zudem eine lange Reihe bedeutsamer G�tternamen altmittelmeerischen, nicht-griechischen Ursprungs: <emphasis>Apollon, Aphrodite, Artemis, Athene, Hephaistos, Hera, Hermes, Leto</emphasis>.</p></section><section><subtitle>DIE VIER GRO�M�CHTE DER BRONZEZEIT</subtitle><p>W�hrend sich n�rdlich des Alpenbogens die verschiedenen Schnurkeramiker und Glockenbecherkeramiker ausbreiteten, Megalith-Anlagen aufrichteten und das Siedeln in Pfahlbaud�rfern immer noch gang und g�be war, existierten zwischen �g�is und Persischem Golf vier kulturelle und politische Zentren: Babylon und �gypten, die jeweils schon auf eine tausendj�hrige relativ einheitliche kulturelle Tradition zur�ckblickten, die nicht-indoeurop�ische minoische �Seemacht� Kreta und die indogermanischen Hethiter. Neuank�mmlinge im �g�ischen Raum waren die fr�hgriechischen St�mme, vor allem die Ach�er; ihr bekanntestes Zentrum war Mykene.</p><p><emphasis>1800 v.�Chr.</emphasis></p><p>BABYLON/BABEL����ist in unserem geschichtlichen Ged�chtnis�die �lteste Gro�stadt der Welt, Inbegriff einer vielsprachigen Zivilisationsmetropole, Brennpunkt der Geschichte. Weder Rom noch Jerusalem sind so sprichw�rtlich und symboltr�chtig geworden wie der Turmbau zu Babel, die babylonische Sprachverwirrung, die babylonische Gefangenschaft oder das S�ndenbabel.</p><p>Aber Babylon ist nicht gleich Babylon. Im Laufe der Geschichte wurde die strategisch g�nstig am Euphrat gelegene, aber auch nicht weit vom Tigris entfernte Stadt immer wieder zerst�rt und immer wieder aufgebaut. Von hier aus regierten viele verschiedene Dynastien. Die sehr alte �Turmbau�-�berlieferung bezieht sich auf eine ganz andere, n�mlich die sumerische Kultur mit ihren Zikkurats. Rund zweieinhalbtausend Jahre liegen zwischen der Zikkurat-Zeit und der neubabylonischen Glanzzeit unter dem Chald�er Nebukadnezar II. (604�562 v.�Chr.), als das Ischtar-Tor (Pergamon-Museum, Berlin) gebaut und die Juden in die Gefangenschaft verschleppt wurden. Nat�rlich gab es auch unter Nebukadnezar eine hoch ragende Tempelanlage. Wo ist sie geblieben? Schlie�lich stehen die Pyramiden auch noch. Alexander der Gro�e lie� sie abrei�en.</p><p><emphasis>ca. 1750 v.�Chr.</emphasis></p><p>HAMMURAPI����Eines der kleineren Reiche im Stadtstaatenverbund der Sumerer bildeten die Amurriter oder Amoriter, ein semitisches Volk am Euphrat, aus sumerisch-akkadischer Sicht ein unzivilisiertes Kriegervolk. Diese Amoriter gewannen um 1800 v.�Chr. die Vorherrschaft im mittleren Mesopotamien und gelten als die Gr�nder Babylons. Hammurapi war der sechste K�nig ihrer Dynastie und er war der bedeutendste und machtvollste. In seiner �ber vierzigj�hrigen Regierungszeit von etwa 1790 bis 1750 v.�Chr. entwickelte er Babylon vom Stadtstaat zum Fl�chenstaat. Mit ihm beginnt die sehr betr�chtliche Wirkung des �Geschichtsbegriffs Babylon�.</p><p>MARDUK����Der babylonische Hauptgott stammte bereits aus dem sumerischen G�tterhimmel und avancierte in Hammurapis Reich vom lokalen Stadtgott zum Chef des Pantheons. Sein Name bedeutet �junger Stier�. Die Geschichte seiner G�tterkarriere wird im Weltsch�pfungsmythos <emphasis>Enuma elisch</emphasis> erz�hlt, dem bedeutendsten literarischen Werk der babylonischen Literatur. �hnlich wie sp�ter bei den Griechen wurden die aus verschiedenen Kulten hervorgegangenen G�tter in eine �Verwandtschaftsbeziehung� gebracht und zur Gro�familie geordnet. Das <emphasis>Enuma elisch</emphasis> enth�lt � wie die <emphasis>Genesis</emphasis> � Elemente aus dem Gilgamesch-Epos, diente aber haupts�chlich dazu, Marduk als obersten Reichsgott zu etablieren und einen einheitlichen religi�sen Reichskult zu schaffen: Nachdem Marduk im Kampf gegen die Urmutter Tiamat die Welt erschaffen hat, formt er den Menschen aus Lehm.</p><p>CODEX HAMMURAPI����In Keilschrift verfasst ist der �lteste bekannte Gesetzestext aus der Zeit um 1750 v.�Chr. Der Codex Hammurapi war nicht die erste Gesetzessammlung der Alt-Antike, aber er ist der einzige vollst�ndig erhaltene. Die �Erstausgabe�, eine 1902 gefundene Steinstele mit Autorenbild, ist im Louvre zu besichtigen (Kopie im Pergamon-Museum in Berlin).</p><p>Der schwarze Diorit-Block ist 2,25 Meter hoch und enth�lt 282 �Paragraphen� �ber Strafrecht, b�rgerliches Recht und Handelsrecht. Ein Viertel besch�ftigt sich mit der Regelung von Besitzverh�ltnissen, also Grundbesitz, Hauseigentum und bewegliche Sachen. Das ber�hmte �Auge-um-Auge�-Prinzip ist im Codex verankert. Ein Rechtsfortschritt: Vorher zerst�rte man f�r ein verletztes Auge gleich drei oder mehrere andere. Hammurapis Innenpolitik war vergleichsweise �sozial�, denn er wusste, dass eine prosperierende Wirtschaft ohne einen verbindlichen Rechtsrahmen nicht m�glich war. Die Bauern sollten von unn�tigen H�rten verschont und die Veteranen mit Land versorgt werden.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Unter Hammurapis Nachfolgern schwand die Macht seiner Dynastie. Es war das Schicksal Mesopotamiens, von immer neuen V�lkern erobert und innerhalb wechselnder Grenzen beherrscht zu werden � bis in die Gegenwart. Das altbabylonische Reich endete 1530 v.�Chr. mit der kurzzeitigen Eroberung seiner Hauptstadt durch den Hethiterk�nig Murs&#x2C7;ili. Dessen Gro�macht verf�gte zu jener Zeit bereits �ber ein Monopol in der Eisengewinnung und -verarbeitung � und Eisen durchschl�gt Bronze. Unmittelbar darauf herrschten im Gebiet Babylons bis 1160 v.�Chr. die iranischen Kassiten, ein halbnomadisches, kriegerisches Bergvolk, das mangels Zeugnissen keiner Sprachfamilie zuzuordnen ist. Ihre vierhundertj�hrige Herrschaft bedeutete einen kulturellen und wirtschaftlichen R�ckschritt f�r Babylon, auch wenn die Kassiten-K�nige im 14. Jahrhundert v.�Chr. Beziehungen zu �gypten, insbesondere zu Echnaton und Tutenchamun, unterhalten hatten.</p><p>SIEBEN-TAGE-WOCHE����Sumer, Akkad, Assur und Babylon unter Hammurapi werden manchmal etwas pauschal unter der Bezeichnung �Alt-Babylon� zusammengefasst. Die �altbabylonische Zeitrechnung� ist das �lteste nach wie vor lebendige Kulturgut, das uns �berliefert ist. Zu den heute noch pr�senten Kalendervorstellungen der Alt-Babylonier z�hlen etliche Sternbilder, der Tierkreis, die Sieben-Tage-Woche sowie der Sabbat, aus dem in sp�tantiker Zeit der sonnt�gliche Ruhetag wurde.</p><p>Ganz zu Anfang z�hlte man die Woche zu f�nf Tagen nach den Fingern an einer Hand. Dann beobachtete man, dass die auff�lligste rhythmische Erscheinung, der Mondzyklus, sich (ann�hernd) in vier Viertel zu je sieben Tagen unterteilen lie�. Die Altbabylonier, vermutlich schon die Sumerer, verkn�pften die Tage mit den sieben Wandelsternen einschlie�lich Sonne und Mond, die allesamt mit blo�em Auge am Himmel zu sehen sind. Diese �Planeten� wurden f�r G�tter gehalten und mit G�tternamen benannt. Die Wochentage hie�en nach den Planeteng�ttern, ganz wie in dem uns vertrauten Kalender: <emphasis>Sonntag, Montag</emphasis> �</p><p>Bezeichnenderweise steht die Zeitmessung auch am Anfang des biblischen Sch�pfungsberichts: �Es war Abend und es ward Morgen: erster Tag� (Genesis�1, 5). Hier wird die Nacht gez�hlt, was typisch ist f�r �Mondkalender�, die verbreitetste Kalenderform in den alten Kulturen. Das �Sieben-Tage-Werk�, der Bericht von der Sch�pfung der Welt in der Genesis, beruht also auf bereits fest etablierten Kalendervorstellungen, die �berall im Nahen Osten aus Mesopotamien mit seiner gro�en kulturellen Ausstrahlungskraft �bernommen wurden. Der Jahwe oder Elohim der Bibel hat sie nicht erfunden.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Die sonst so schlauen Griechen hatten erstaunlicherweise ein sehr umst�ndliches Kalenderwesen, das nichts zur weiteren Entwicklung beitrug.</p><p>SABBAT����Wort und Brauch <emphasis>Schabbaton</emphasis> sind babylonischen Ursprungs; an diesem �Vollmondtag�, den man f�r einen Ungl�ckstag hielt, sollte die Arbeit ruhen, da sie nicht unter guten �Vorzeichen� stand. Das schwingt noch im englischen <emphasis>Saturday</emphasis> mit, da Saturn ein eher d�sterer Gott der Melancholie war. Im christlichen Zusammenhang ist der Ruhepausentag nat�rlich nicht identisch mit dem j�dischen Sabbat, sondern man nimmt den darauffolgenden als �Tag des Herrn� (franz�sisch <emphasis>dimanche</emphasis>, spanisch <emphasis>domingo</emphasis>). Diese Bezeichnung wird erst im 4. Jahrhundert n.�Chr. im R�mischen Reich offiziell. Das deutsche und englische <emphasis>Sonntag</emphasis> und <emphasis>Sunday</emphasis> (lateinisch <emphasis>sol invictus-Tag</emphasis>) ist schon vorher entstanden.</p><p>HEXAGESIMALSYSTEM����Schon die Babylonier konnten Zahlen mit sehr reduzierten Zeichen schreiben, und sie hatten bereits einen �hnlichen Begriff von deren Stellenwert wie die moderne Mathematik. Allerdings benutzten sie nicht das Dezimalsystem, sondern das Hexagesimalsystem, das auf der Grundlage der Zahl 60 beruht. Unsere Einteilung des Kreises in 360 Grad und die Stundeneinteilung in 60 Minuten zu 60 Sekunden gehen auf dieses babylonische System zur�ck.</p><p>DER BABYLONISCHE TIERKREIS����In enger Analogie zum Monatskreis steht der Tierkreis. Die Babylonier unterteilten die Sonnenbahn in zw�lf etwa gleich lange Abschnitte. Diese belegten sie mit Sternbildernamen. Ob Mythenhelden, G�tter oder Kulttiere, man sah darin immer g�ttliche Wesen. Dieser Himmel war sehr lebendig und voller Bedeutungen. Alle Tierkreiszeichen au�er �Skorpion� und �Fische� haben ein babylonisches Vorbild.</p><p><emphasis>ca. 1800/1700 v.�Chr.</emphasis></p><p>ABRAHAM����F�r Abraham war diese polytheistische Welt mit ihren verg�ttlichten Planeten und Sternbildern, ihren Feld-, Wald-, Wiesen- und Tiergottheiten oder ihren lokalen G�tterstandbildern oberfl�chlich und austauschbar. F�r ihn waren diese G�tter tot. Er postulierte den Glauben an ein einziges, einheitliches g�ttliches Prinzip: an einen Gott, dem der Mensch Gehorsam schuldete.</p><p>Der biblische Urvater Abraham ist nat�rlich keine historische Pers�nlichkeit, genauso wenig wie K�nig Artus, aber als literarische Gestalt l�sst er sich einem bestimmten Umfeld zuordnen. Man sieht ihn in etwa als �Zeitgenossen� Hammurapis. Nach den Schilderungen der Bibel kann man sich ihn als eine Art Nomadenf�rsten oder Scheich vorstellen, der aus Ur stammte und an der Seite seines Vaters nach Haran im heutigen Syrien gekommen war. In sp�ten Jahren wies ihn sein Gott Jahwe an, mit seinem Nomadentross nach Kanaan zu ziehen. Als er nach einem langen Umweg �ber �gypten und den Negev dort eintraf, schloss Jahwe mit Abraham einen Bund und versprach ihm: �Ich will deine Nachkommenschaft zahlreich machen wie den Staub der Erde.� (Genesis 13, 16). Auf dieser Verhei�ung beruht der Name Abraham, was w�rtlich �Vater der Vielen�, �Vater der V�lker� bedeutet. Doch Abraham hatte nur einen Sohn, den Isaak (den er beinahe opferte). Das Versprechen erf�llte sich erst mit seinen Urenkeln, den zw�lf S�hnen Jakobs.</p><p>So wird eine historisch sicher ganz anders verlaufene Geschichte vom Zusammenwachsen mehrerer Nomadenclans zu einem �Volk� als geradlinige Abstammungsgeschichte erz�hlt. Geschichte als Familiengeschichte kann man sich leichter merken. Den Juden gilt Abraham als Urvater. Die von ihm ebenfalls auf Gottes Gehei� vorgenommene Beschneidung der Knaben ist das Zeichen der Zugeh�rigkeit zu seinem Volk.</p><p>Wegen ihrer gemeinsamen �Abstammung� aus der monotheistischen biblischen Tradition werden die drei Religionen Judentum, Christentum und Islam auch �abrahamitische� Religionen genannt. Die Namensversion auf Arabisch lautet �Ibrahim�.</p><p><emphasis>ab ca. 2000 v.�Chr.</emphasis></p><p>HETHITER����Neben Babyloniern, Assyrern, der minoisch-kretischen Kultur und �gypten gab es im Vorderen Orient ab etwa 2000 v.�Chr. noch das Gro�reich der Hethiter. Es umfasste einen Teil der heutigen anatolischen T�rkei. Bereits bei den Griechen der klassischen Antike war das Hethiter-Reich gr�ndlichst in Vergessenheit geraten. Erst im sp�ten 19. Jahrhundert wurde es von Arch�ologen und Sprachforschern wiederentdeckt, und man erkannte sehr schnell, dass es sich um ein Volk mit indoeurop�ischer Sprache handelte.</p><p><emphasis>2000 v.�Chr.</emphasis></p><p>HATTUSA����Die Hethiter nannten ihr Reich �Hatti�. Die �gypter, mit denen sie in diplomatischem und zuweilen auch feindlichem Kontakt standen, nannten sie <emphasis>Ht�</emphasis>, die hebr�ische Version lautet <emphasis>Hittim</emphasis>. Die Hauptstadt Hattusa (gesprochen: <emphasis>hattusch</emphasis>) ist noch immer nicht vollst�ndig ausgegraben. Sie hatte unter anderem ein �L�wentor� und vermutlich auch K�nigsgr�ber.</p><p>Die Hethiter schufen ausgedehnte Steinbauten, besa�en ein hochstehendes Kunsthandwerk und schrieben ihre Sprache in Keilschrift. Haupts�chlich �ber die benachbarten Assyrer trieben sie Handel mit ganz Mesopotamien. Ihr Regierungssystem war eine Art Feudalsystem mit einem K�nig an der Spitze. Sie geh�rten zu den ersten, die Eisen verarbeiten konnten, was ihnen im Konzert der vier Gro�m�chte der Bronzezeit eine herausragende Stellung verlieh. K�nig Mur�ili, pl�nderte Babylon 1530 v.�Chr. und besiegelte damit das Ende der Dynastie Hammurapis. Die ber�hmteste Verbindung aber bestand zu einem Ort, den die Hethiter �Wilusa� nannten. Es k�nnte ein Vasallenstaat, ein bronzezeitliches Kleink�nigtum oder ein Handelspartner gewesen sein. Wom�glich handelte es sich bei diesem �Wilusa� um das griechische <emphasis>Wilios�/�Ilios�/ Ilion</emphasis>, den Namensgeber f�r die <emphasis>Ilias</emphasis>, zu Deutsch: Es handelte sich um Troja.</p><p><emphasis>ca. 2500 v.�Chr.</emphasis></p><p>DER SCHATZ DES PRIAMOS����Auf oder eher in (!) einem H�gel beim heutigen westt�rkischen Hisarlik entdeckte Heinrich Schliemann (1822�1890) auf der Suche nach dem Troja der <emphasis>Ilias</emphasis> eine eindrucksvolle Ruinenstadt. Gleich zu Beginn der Ausgrabungen 1871 war klar: Hier befanden sich mehrere Siedlungsschichten, die von der Antike �ber die Bronzezeit bis hinunter in die Jungsteinzeit �bereinander gelagert waren.</p><p>Die �ltesten f�nf Schichten der Stadt stammen nach den gegenw�rtigen arch�ologischen Befunden aus der Zeit nach 3000 v.�Chr. Der sogenannte �Schatz des Priamos� geh�rt eindeutig zur Schicht Troja II (2600�2300 v.�Chr.). Damit ist er rund 1000 Jahre �lter als die Schicht, die man mit dem legend�ren Untergang der Stadt im Trojanischen Krieg in Verbindung bringt. Diesen ordnet man der von offensichtlich starken Zerst�rungen gekennzeichneten Schicht VIIb zu, also einer wesentlich j�ngeren � falls der homerische Krieg um Troja tats�chlich vor dem Hisarlik-H�gel stattfand.</p><p>Auf jeden Fall aber war Troja II ein fr�hbronzezeitlicher Nachbar von Hattusa. Der aus rund 8000 Edelmetall-St�cken bestehende Schatz ist ein eindrucksvoller Beleg f�r die Bedeutung und den Reichtum der Stadt. Sie lag schon damals strategisch g�nstig an wichtigen Fernhandelswegen genau gegen�ber der Meerenge der Dardanellen. �ber sie sollten noch viele Einwanderungs- und Eroberungswellen hinweggehen.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Der am 31.�Mai 1873 gefundene �Schatz des Priamos� befand sich bis 1945 in Berlin und wurde als Kriegsbeute nach Russland verschleppt. Noch immer befindet er sich in den Gew�lben des Puschkin-Museums in Moskau.</p><p><emphasis>1274�1260 v.�Chr.</emphasis></p><p>DER �LTESTE FRIEDENSVERTRAG: KADESCH����Nach dem fr�hen Tod des sp�ter weltber�hmt gewordenen �gyptischen Pharaos Tutenchamun schickte dessen Witwe eine Gesandtschaft nach Hattusa und machte dem hetithischen K�nig Schuppiluliuma I. einen Vorschlag. Sie wolle einen seiner S�hne heiraten und ihn zum Pharao machen. Die Nachricht �ber den diplomatischen Austausch hat sich erhalten und zeigt, dass sich Hatti und �gypten als gleichrangig betrachteten.</p><p>Schuppiluliuma hatte Nordsyrien erobert. Das �gyptische Gro�reich war bereits seit 100 Jahren im benachbarten Libanon pr�sent. Wenige Generationen sp�ter kam es zur welthistorisch ersten Auseinandersetzung zweier Gro�m�chte: Hatti und �gypten rangen um die Vorherrschaft in der Levante.</p><p>Der hethitische K�nig Muwatalli trat um 1280/1270 v.�Chr. weiteren Expansionsbestrebungen der �gypter unter Ramses II. entgegen. Im heutigen syrisch-libanesischen Grenzgebiet, nahe der Festung Kadesch, boten beide Seiten die f�r damalige Verh�ltnisse ungeheure Anzahl von 20000 K�mpfern f�r eine Schlacht auf. Die pharaonische Propaganda feierte einen gro�en Sieg. Ramses� Tempelbauten, zumal in Abu Simbel, sind bedeckt mit Darstellungen des k�mpfenden Pharao � dabei musste er froh sein, dass die Schlacht unentschieden ausgegangen war und Muwatalli nicht weiter vordrang. Um 1260 v.�Chr. schlossen der neue hethitische K�nig Hattusili III. und Ramses den �ltesten schriftlichen Friedensvertrag der Welt. �Kopien� des �gyptisch-hethitischen Vertrages von Kadesch in akkadischer Keilschrift f�r die Hethiter und als Hieroglyphen-Text vom Tempel in Karnak befinden sich heute im UNO-Geb�ude in New York.</p><p><emphasis>3000/2000 v.�Chr.</emphasis></p><p>KRETA, MINOS UND DIE MINOISCHE KULTUR����Die Anf�nge der kretischen Zivilisation gehen zur�ck bis in die sumerisch-akkadische Zeit und die ersten Dynastien in �gypten um 3000 v.�Chr. Sie ist nicht griechisch und kennt keine Zeus-Religion. Im Mittelpunkt der religi�sen Vorstellungen der Kreter stand offenbar ein Stierkult. Die einzige bekannte Figur ist �K�nig Minos�, der legend�re Erbauer des ebenso legend�ren Labyrinths, in dem der stierk�pfige Minotaurus hauste. �Minos� war aber eher ein K�nigstitel und nicht der Name einer historischen Person. Die �Minosse� kann man etwas gro�z�gig als Zeitgenossen Hammurapis bezeichnen. Sie beendeten irgendwann in der langen Zeitspanne zwischen 3000 und 2000 v.�Chr. im Ostmittelmeer das Piratenwesen und erm�glichten so einen sicheren Handel in der Region. Schon damals bestanden enge Handels- und Kulturkontakte zu den Kykladen, zur hethitisch-ph�nizischen Levante und zu �gypten.</p><p>Um 2000 v.�Chr. begann der Palastbau auf Kreta. Der britische Arch�ologe Sir Arthur Evans (1851�1941) entdeckte und ergrub 1900 bis 1903 die Pal�ste von Knossos (minoisch <emphasis>ku-nu-�a</emphasis>). Er verband sie mit dem aus der Sage bekannten K�nigsnamen und bezeichnete die kretische als �minoische� Kultur.</p><p><emphasis>2100�1700 v.�Chr.</emphasis></p><p>DER PALAST VON KNOSSOS����Etwa gleichzeitig mit Hammurapi und der 12. Dynastie in �gypten setzte die �Palastkultur� in Kreta ein. Wie im Alten Orient und sp�ter in Mykene war ein �Palast� (oder ein Tempel) Herrschafts- und Wirtschaftszentrum zugleich. Knossos stieg zur st�rksten Macht Kretas auf. Sein Palast mag als Vorbild f�r das sagenhafte Labyrinth des Minotaurus gedient haben. In der � griechischen � Sage liegt der Ursprung von Redewendungen wie der vom Ariadnefaden (der sprichw�rtliche �rote Faden�) und vom Flug des Ikarus, bei dem abst�rzt, wer leichtsinnig zu hoch hinaus will. Die Hochbl�te der minoischen Kultur setzte um 2000 v.�Chr. dramatisch schnell ein, da ihr die Bronzeverarbeitung einen enormen technisch-wirtschaftlichen Schub verlieh.</p><p>In den Pal�sten gab es jede denkbare Art von Wohnluxus, komplett mit Toilette, Badewanne, Balkon und K�hlr�umen. H�hepunkte der minoischen Kunst sind Wandmalereien von schlanken jungen M�nnern, die �ber Stiere springen, und jungen Frauen mit bemerkenswert schmaler Taille sowie von Delfinen aus dem ebenfalls zum minoischen Kulturbereich geh�renden Santorin.</p><p>Die h�fische Kultur in den minoischen Pal�sten war die erste urbane Zivilisation auf europ�ischem Boden. Um 1700 v.�Chr. wurde sie durch eine Naturkatastrophe, wom�glich die vulkanische Explosion der Insel Thera (Santorin) oder ein Erdbeben, vor�bergehend zerst�rt.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Der Wiederaufbau erfolgte rasch. In den beiden Jahrhunderten um 1600 v.�Chr. erlebte Kreta eine zweite, noch glanzvollere Bl�tezeit mit diplomatischen Beziehungen zu den Hyksos in �gypten, minoische Handwerker bauten sogar Pal�ste f�r die Hyksos. In einem Erdbeben und nachfolgender Flutwelle ging die Flotte und damit die Vorherrschaft auf See verloren. Diese �bernahmen fortan die griechischsprachigen Ach�er. Tontafelzeugnisse weisen darauf hin, dass seit etwa 1450 v.�Chr. ach�ische Griechen aus Mykene die herrschende Schicht in Kreta bildeten. Beide Kulturen beeinflussten sich gegenseitig, und es entstand eine mykenisch-minoische Mischkultur, kurz bevor die Seev�lker gerade in der �g�is besonders zerst�rerisch wirkten. Mykene, Knossos, Troja � alles ging unter.</p><p><emphasis>1800 v.�Chr.</emphasis></p><p>PH�NIZIER I����Das sp�ter von den Griechen so genannte Ph�nizien (heute: Libanon, Westsyrien, S�dt�rkei) war eine zersplitterte politische Landschaft reiner Stadtstaaten: Tyros, Sidon, Byblos, Ugarit oder das k�rzlich wiederentdeckte Qatna und einige andere. Die �Ph�nizier� kannten kein �Nationalbewusstsein�, sondern identifizierten sich mit ihrer jeweiligen Heimatstadt. Deswegen gab es auch nie ein �ph�nizisches Reich�. Die Stadtstaaten gerieten fortw�hrend in wechselnde Tributabh�ngigkeiten von den umgebenden hethitischen oder �gyptischen Gro�m�chten. Nach der eisenzeitlichen Wanderung wurde das Gebiet politisch meist von den Assyrern dominiert.</p><p>In der klimatisch sehr beg�nstigten Gegend gab es viel Gartenanbau, vielleicht stammt der Wein sogar dorther. Und wegen der zentralen geografischen Lage betrieben die Ph�nizier seit jeher Handel nach allen Richtungen. Von einem ihrer Exportschlager entlehnten sp�ter die Griechen den Namen des Volkes: Mit dem Saft der Purpurschnecke <emphasis>phoinix</emphasis> f�rbten die Ph�nizier ein begehrtes Luxusgut: purpurfarbenes Tuch. Ihr einzigartiges kulturelles Verm�chtnis an die Welt ist die Entwicklung des ph�nizischen Alphabets.</p><p><emphasis>1750 v.�Chr.</emphasis></p><p>ALPHABET I����Um 1750 v.�Chr., kurz bevor die �lteren minoischen Pal�ste durch Erdbeben einst�rzten, begann in der ph�nizischen Welt bis hinunter zum Sinai eine Entwicklung in der Geschichte der Schrift, die etwa 500 Jahre andauerte und an deren Ende das ph�nizische Alphabet stand, dessen direkten Nachfolger der Leser hier unmittelbar vor Augen hat. Das ph�nizische ist die Mutter aller Alphabete. Die hebr�ischen, arabischen, griechischen und die lateinischen Buchstaben sind daraus hervorgegangen, nat�rlich auch die kyrillischen.</p><p>Die durch fruchtbaren Ackerbau und ausgedehnte Handelsbeziehungen im gesamten damaligen Orient vernetzten ph�nizischen Stadtstaaten waren kulturelle Schmelztiegel. Man kannte und beherrschte die Schriftsysteme der Nachbarn (Keilschrift, �gyptische Hieroglyphen, die kretische Hieroglyphenschrift Linear-A). Da muss der Gedanke an Vereinheitlichung und Vereinfachung aufgekommen sein, ebenso wie die geniale Idee, Zeichen nur noch als Symbol f�r einen Laut zu benutzen und nicht l�nger als Chiffre f�r eine Silbe oder ein Wort. Bei den Ph�niziern lehnten sich viele Zeichen in ihrer �u�eren Gestalt an �gyptische und kretische an, doch die Formen der �Buchstaben� wurden im Lauf der Jahrhunderte immer einfacher, damit man immer fl�ssiger schreiben konnte.</p><p>Diese Entwicklung war kein �Sprung� oder Geistesblitz eines Einzelnen, sondern ein Prozess. Im Vergleich mit den vorhergehenden rund anderthalbtausend Jahren, in denen die alten Hochkulturen ihre Schriftsysteme �u�erlich und strukturell viel weniger entwickelt hatten, erscheint es im Nachhinein als beachtlicher Durchbruch. Dabei war das Endprodukt keineswegs aus einem Guss. Gerade in der Anfangsphase gab es viele lokale nordsemitische und s�dsemitische (im Sinaigebiet) Varianten. Die f�r die Weltkultur entscheidende Entwicklung vollzog sich jedoch ab 1750 v.�Chr. im nordpal�stinensisch-syrischen Raum bei den Ph�niziern und war um 1250 v.�Chr. abgeschlossen. Die Griechen �bernahmen dieses Alphabet etwa 100 bis 200 Jahre sp�ter. Bevor es dazu kam, mussten sie aber erst einmal in die �g�is einwandern.</p></section><section><subtitle>DIE ERSTEN GRIECHEN UND IHRE G�TTER</subtitle><p>Hellenen hie�en die Gefolgsleute des Achilleus aus Thessalien, bevor Hesiod um 700 v.�Chr. alle Griechen so nannte. Noch Homer verwendet nur einzelne Stammesnamen: Ach�er, Danaer, Argiver, genauso wie man in der Fr�hzeit der deutschen Geschichte nie von �Deutschland�, sondern von Franken, Sachsen, Baiern sprach. Die Ionier, Ach�er, �olier, Dorer sind die ersten indoeurop�ischen Griechen, die seit 2000 v.�Chr. auf die Halbinsel einwandern, hier endg�ltig sesshaft und die Tr�ger der griechischen Kultur werden. Die Invasion muss sehr gewaltsam verlaufen sein. Bei Ausgrabungen findet sich zwischen der helladischen und der archaischen griechischen Schicht sehr viel Asche.</p><p>ZEUS����ist der Hauptgott, den die hellenischen St�mme mitbringen. Andere wie Apollon, Athene, Artemis sind orientalischen oder altmediterranen Ursprungs.</p><p>Der bei uns gel�ufige indogermanische Name des griechischen Hochgottes ist wortgeschichtlich identisch mit griechisch <emphasis>the�s </emphasis>und lateinisch <emphasis>deus </emphasis>oder <emphasis>Jovis; </emphasis>(�Jupiter� ist eine Zusammensetzung aus <emphasis>jovis </emphasis>und<emphasis> pater</emphasis> und hei�t nichts anderes als �Vater der G�tter�). Die Grundbedeutung von <emphasis>deus </emphasis>ist �der strahlende Himmel�. Das Wort ist eng verwandt mit lateinisch <emphasis>dies</emphasis> f�r �Tag�, womit klar ist, dass Zeus den lichten Tag regiert und im Himmel �wohnt�. Er �erschien� oft in Form einer Wolke und, �hnlich wie der germanische Wotan, mit Blitzen. Die Parallelen zwischen den beiden wichtigsten uns vertrauten indogermanischen Hochg�ttern Zeus und Wotan als Himmelsk�nige verweisen eindeutig auf einen gemeinsamen Ursprung. Nur bei den Germanen wurde der Name <emphasis>the�s</emphasis>/Zeus durch Wotan (�der W�tende�) ersetzt.</p><p><emphasis>um 1600 v.�Chr.</emphasis></p><p>MYKENE����Auf dem Boden einer bis dahin unspektakul�ren fr�hbronzezeitlichen Bauernkultur entstand um 1600 v.�Chr. schnell eine Hochkultur mit eindrucksvollen Palastburgen auf Berggipfeln, �L�wentor�, �Schatzhaus des Atreus�, �Goldmaske des Agamemnon�, Zyklopenmauern und aufwendigen Grabanlagen. Weitere Orte der �mykenischen� Kultur waren etwa Tyrnis und Pylos. Fr�her nahm man als Ursache f�r diesen Kulturaufschwung unbekannte Einwanderer aus dem Norden an. M�glich ist aber auch, dass sich die Oberschicht dieser Fr�hhellenen durch ihre Handelskontakte mit Hochkulturen im Osten (Hethiter, Kreter, �gypter) inspirieren lie�.</p><p>Nach ihrer gr��ten Burganlage wird die neue Kultur �mykenisch� genannt. Anders als viele bekannte griechische Ortsnamen, die vorgriechisch und damit �lter sind (etwa Athen und Korinth), ist �Mykene� ein griechisches Wort. In der Legende wird es mit dem Medusa-Bezwinger Perseus verkn�pft, der an jenem �Pilzort� frisches Wasser in einem Pilzhut sch�pfte. Mykenes erster Ausgr�ber Schliemann und die �ltere Arch�ologie hielten den Agamemnon der <emphasis>Ilias</emphasis> f�r einen mykenischen Herrscher.</p><p>In ihrer Anfangsphase (seit etwa 1600 v.�Chr.) war die Kultur Mykenes von der �berlegenen minoischen Kultur in Kreta abh�ngig. Sp�ter kehrten sich die Verh�ltnisse um und Mykene beherrschte Kreta auch politisch. Mykene wie Kreta gingen um 1200/1100 v.�Chr. unter, wahrscheinlich in den katastrophalen Umw�lzungen der eisenzeitlichen Wanderung. Die Sage vom Trojanischen Krieg h�lt man f�r einen fernen Widerhall dieser r�tselhaften Ereignisse. Kurz vor ihrem Untergang erreichte die mykenische Kultur ihren H�hepunkt.</p><p>DIE TOTENMASKE DES AGAMEMNON����Die mykenischen Schachtgr�ber sind bis zu vier Meter tief in den weichen Fels gegraben. Sie enthielten eine F�lle von kostbaren Grabbeigaben, neben Waffen und Goldschmuck auch Bernstein von der Ostsee und Strau�eneier aus Afrika, was auf weitreichende Handelsbeziehungen schlie�en l�sst. Der bekannteste Fund ist die goldene �Totenmaske des Agamemnon�.</p><p><emphasis>um 1250 v.�Chr.</emphasis></p><p>L�WENTOR UND SCHATZHAUS DES ATREUS����Die beiden ber�hmtesten Baukunstwerke der mykenischen Kultur stammen aus der Sp�tphase um 1250 v.�Chr., kurz nachdem die �gypter und Hethiter den Friedensvertrag von Kadesch schlossen. Das L�wentor, Teil einer Zyklopenmauer um die Burganlage von Mykene, besteht aus vier tonnenschweren Monolithen und zeigt das Relief zweier aufrecht stehender L�wen vor einer S�ule. Die Anlage wurde 1841 n.�Chr. entdeckt und freigelegt.</p><p>Das sogenannte Schatzhaus ist ein K�nigsgrab, das man wegen der reichen Beigaben zun�chst f�r eine Schatzkammer hielt. Es handelt sich um ein Kuppelgrab, dessen Kuppelw�lbung ein Vorbild aus dem minoischen Kreta hat. In solcher Gr��e und Vollendung wurde diese anspruchsvolle Technik erst wieder von den R�mern beim Bau des Pantheon erreicht.</p><p>ATRIDEN����Als <emphasis>Denver Clan</emphasis> der Antike k�nnte man das rein fiktive, fluchbeladene mykenische Herrschergeschlecht der �Atriden� bezeichnen. S�hne des Stammvaters Atreus waren demnach Agamemnon und Menelaos, die die Schwestern Helena und Klytemn�stra ehelichten. Klytemn�stra ermordete ihren Gatten Agamemnon nach der R�ckkehr aus Troja. Ihr Sohn Orest r�chte die Tat und erstach die Mutter, angestiftet von seiner Schwester Elektra, w�hrend Iphigenie, eine weitere Schwester, beinahe vom Vater Agamemnon geopfert worden w�re. Und so weiter und so weiter und so weiter�� Homer, Aischylos, Drama und Oper webten daraus serienweise spannende Dramen.</p></section><section><subtitle>�GYPTEN IM MITTLEREN UND NEUEN REICH</subtitle><p>Nach dem Ende der Pyramidenzeit war die Zentralmacht des Pharaos geschw�cht und die Gauf�rsten waren die eigentlichen � lokalen � Herrscher. Im Grunde versank das Land am Nil um 2200 v.�Chr. im Chaos. Die Bemerkung des ptolem�ischen Historikers Manetho, der sehr viel sp�ter die Einteilung in Dynastien vornahm, in der 7. Dynastie h�tten 70 K�nige in 70 Tagen regiert, l�sst ahnen, wie es zugegangen sein muss. Jene zweihundertj�hrige Periode von etwa 2200 bis 2000 v.�Chr. wird als �Erste Zwischenzeit� bezeichnet. Doch dann, als im S�den der Balkanhalbinsel die ersten Hellenen in das �g�isgebiet einsickerten, auf Kreta die ersten minoischen Palastanlagen entstanden und Mesopotamien von Assur aus regiert wurde, dehnten in �gypten die Herrscher der 11. und 12. Dynastie von Theben (Karnak) ihre Macht �ber das ganze Niltal aus.</p><p>AMUN����Mit dem Beginn des Mittleren Reiches machte die 12. Dynastie um 2000 v.�Chr. ihren Lokalgott Amun (Ammon) zum Hauptgott. Amun, dessen Name �der Unsichtbare, der Verborgene� bedeutet, war bereits aus fr�hen Lokalkulten in sehr verschiedenen Tiergestalten bekannt. In Widdergestalt trat Amun als Fruchtbarkeitsgott auf. Als etablierter Hauptgott wurde er meist in Form eines Phallus dargestellt, auch als blauer Mensch oder als Gans. Amun verschmolz mit dem Sonnengott Re aus dem Alten Reich zum �gyptischen Reichshauptgott Amun-Re. Aufgrund dieser starken Potenz wird er im Nachhinein auch als Sch�pfergott angesehen. Im Grunde blieb also Re, nun in Gestalt des Amun, der Hauptgott. Sein Tempel in Karnak war der reichste und m�chtigste im Lande.</p><p>Am Amuntempel in Karnak bauten auch sp�tere Pharaonen, vor allem im Neuen Reich, immer weiter. Er wurde sozusagen zum Petersdom der �gypter. Der Tempel ist eine Staatsinstitution, es gibt ja keine gesonderte �Kirche�. Der Pharao ist sein h�chster Priester.</p><p>MITTLERES REICH����Das Mittlere Reich war eine Phase der Einigung �gyptens, die rund 350 Jahre anhielt, dann durch die Fremdherrschaft der Hyksos beendet wurde. Auch w�hrend jener Zeit wurden in �gypten noch Pyramiden gebaut, allerdings im Innern nur noch mit einer Art Steinfachwerk aus Lehmziegeln. Sie zerfielen zu heute nur noch unansehnlichen Schutth�geln. Erst im Neuen Reich gaben die �gypter den Pyramidenbau ganz auf und f�hrten die Bestattung von Pharaonen im �Tal der K�nige� ein.</p><p><emphasis>1650 v.�Chr.</emphasis></p><p>PAPYRUS RHIND����Um 1650 v.�Chr. entstand die Kopie eines alt�gyptischen Sammelwerkes, dessen �Papier� nach seinem Entdecker benannt wurde. Der schottische Rechtsanwalt Alexander H. Rhind kaufte es 1858 in einem Basar in Luxor: Der �ber f�nf Meter lange Papyrus Rhind enth�lt unter anderem Tabellen zum Bruchrechnen, eine ann�hernde Berechnung der Zahl &#x3C0; (hier 3,16) sowie Darstellungen zu geometrischen und trigonometrischen Problemen. Heute befindet sich der Papyrus im Britischen Museum in London.</p><p><emphasis>1650�1550 v.�Chr.</emphasis></p><p>HYKSOS����Nach dem Ende der 12. Dynastie war die �gyptische Zentralmacht durch Intrigen und Probleme am Pharaonenhof wieder einmal so geschw�cht, dass das Land seit etwa 1700 v.�Chr. sukzessive und ohne besondere kriegerische Auseinandersetzung an eine von Norden anr�ckende, vermutlich semitische Einwanderungsgruppe fiel, die die �gypter Hyksos nannten. <emphasis>Heka-chasut</emphasis> bedeutete: �F�rsten der Fremdl�nder�.</p><p>Die Hyksos dominierten �gypten von ihrer Hauptstadt Avaris im Nildelta aus, waren aber zun�chst im Land wenig pr�sent. Erst als sie um 1650 v.�Chr. f�r gut 100 Jahre die Herrschaft �ber das Reich der Pharaonen �bernahmen, kam es zu Zerst�rungen.</p><p>Die �gyptische Aristokratie arrangierte sich mit ihnen, und die Hyksos brachten ihnen Pfeil und Bogen, Pferd und Streitwagen. Dann riefen die Pharaonen Kamose und Ahmose zum Unabh�ngigkeitskampf auf, aus dem die �gyptische Armee nicht nur siegreich, sondern auch gest�hlt und motiviert hervorging. Das war die Voraussetzung f�r die nun folgenden Eroberungen und den Aufstieg �gyptens zum Weltreich.</p><p><emphasis>ab 1550 v.�Chr.</emphasis></p><p>NEUES REICH����Der Abzug der Hyksos Richtung Kanaan erinnert in mancher Hinsicht an den biblisch-mythischen Auszug der Israeliten aus �gypten. Seit Ahmose, dem Begr�nder der 18. Dynastie, datiert man die vierhundertj�hrige Epoche des Neuen Reiches von 1550 bis 1070 v.�Chr. Ahmoses� Enkel Thutmosis I. leitete zwischen 1500 und 1485 v.�Chr. mit Eroberungen im nubischen S�den (heute Sudan) und in Syrien und Pal�stina �gyptens Aufstieg zur Gro�macht ein. Er begann mit dem Ausbau des Tempels von Karnak zu einer riesigen Anlage, was Amun als oberstem Reichsgott neue Geltung verschaffte. Eine seiner T�chter war die einzige regierende Pharaonin Hatschepsut. Thutmosis lie� sich als erster Pharao im Tal der K�nige bestatten.</p><p><emphasis>ca. 1460 v.�Chr.</emphasis></p><p>ARMAGEDDON/MEGIDDO����Armageddon ist in der Bibel der Begriff f�r die apokalyptische Endzeitschlacht zwischen Gut und B�se (Offenbarung 16, 16). Der heute in Israel gelegene Ort Meggido wird in der Bibel mehrmals als Kriegsschauplatz erw�hnt. Meggido lag an der uralten Handels- und Kriegsstra�e zwischen �gypten und Mesopotamien. Die wichtigste aller Schlachten von Meggido f�llt in die Fr�hzeit der Herrschaft von Thutmosis III. (ca. 1480�1425). Der Pharao schlug einen Aufstand kanaan�ischer F�rsten und ph�nizischer Stadtstaaten nieder und belagerte deren geschlagene Armee monatelang in der Festung Meggido, wohin sie sich gefl�chtet und verschanzt hatten. Mit diesem Sieg festigte Thutmosis die Vormachtstellung der �gypter im Nahen Osten. W�hrend seiner �ber 50 Jahre w�hrenden Herrschaft errichtete er eine effiziente Reichsverwaltung und die Macht der Aristokratie wurde endg�ltig gebrochen. Gesandtschaften aus Babylon und Hattusa brachten mit Geschenken ihre �diplomatische Anerkennung� zum Ausdruck.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Unter den Pharaonen der 18. Dynastie und besonders unter Amenophis III. erlebte �gypten ein goldenes Zeitalter des Friedens, des Wohlstandes und der wohlgeordneten Verwaltung. Memphis war formell Regierungssitz, Theben die bev�lkerungsreichste Stadt. Bereits Amenophis III. plante eine Entmachtung der Amun-Priesterschaft in Theben. Sein Sohn Amenophis IV., der sich sp�ter Echnaton nannte, setzte diese in aller politischen und spirituellen Radikalit�t um.</p><p><emphasis>ca. 1350�1330 v.�Chr.</emphasis></p><p>ECHNATON����Der Urenkel von Thutmosis III. wurde als Amenophis IV. inthronisiert und regierte in der sogenannten Amarna-Zeit von etwa 1350 bis 1330 v.�Chr. Nach der von ihm durchgesetzten Religionsreform nannte er sich Echnaton, das bedeutet: der dem Gott Aton dient.</p><p>Durch die imperiale Ausdehnung unter Thutmosis I. und Thutmosis III. war �gypten erstmals in intensiven Kontakt mit anderen L�ndern und V�lkern gekommen � und mit ganz anderen Kulten. Darunter gab es auch die eine oder andere Sonnengottheit. Klugen �gyptern mag das zu denken gegeben haben. Dar�ber hinaus wurden die jahrzehntelangen Kriege in Vorderasien von den thutmosischen Soldaten auch von der alten Hauptstadt Memphis im Norden aus gef�hrt, in deren N�he sich das urspr�ngliche Re-Heiligtum der �Sonnenstadt� Heliopolis befand. Im Vergleich zu den d�steren Kammern des �Verborgenen� Amun muteten die Tempel des Re oder Aton licht und luftig an.</p><p>Die Bevorzugung des Sonnenkultes, des Aton-Kultes, war schon von Echnatons Vater und Gro�vater vorbereitet worden, auch als ein politisches Gegengewicht gegen die Amun-Priesterschaft in Theben. Unter ihnen wurde Aton noch in Menschengestalt mit Falkenkopf, manchmal hinterfangen von einer Sonnenscheibe dargestellt. In der Amarna-Kunst war Aton dann die reine Sonnenscheibe, ein abstraktes Symbol. Das l�sst auf eine spirituelle Vertiefung des religi�sen Denkens schlie�en, die mit dem Pharao Echnaton pers�nlich in Verbindung gebracht wird. Die �gestaltlosen� Ausdrucksformen der Aton-Religion verweisen auf die intellektuell anspruchsvolle Verehrung eines einzigen g�ttlichen Grundprinzips wie in der strukturell �hnlichen Jahwe-Religion, die etwa gleichzeitig entstand.</p><p>In der Amarna-Zeit waren die traditionellen Kulte keineswegs verboten, sie wurden nur nicht mehr am Pharaonen-Hof bevorzugt. Das �gyptische Volk aber konnte dem Pharao auf seinen spirituellen H�henfl�gen nicht folgen, sondern tanzte weiter lieber um seine goldenen K�lber, Stiere, Widder und Schakale. Umstritten ist, ob Echnaton als �Ketzerk�nig� jene Andersgl�ubigen verfolgen und die Tempel schlie�en lie�.</p><p>NOFRETETE IN AMARNA����Echnaton strebte nicht nur einen neuen Kult, sondern eine umfassende Reichsreform an, bei der der Erbadel zugunsten eines Dienstadels entmachtet werden sollte. Um dem Einfluss Thebens zu entgehen, lie� er in wenigen Jahren Bauzeit eine riesige Residenzstadt aus dem W�stenboden stampfen. Amarna, heute: Tell-el-Amarna, lag auf halbem Weg zwischen Theben und Memphis. Die Stadt hie� eigentlich <emphasis>Achet-Aton</emphasis> (�Horizont des Aton�).</p><p>Die Amarna-Kunst von Achet-Aton ist weniger statisch-idealisierend als die sonstige �gyptische Kunst. Ber�hmte Reliefs zeigen das Pharaonenpaar in hauchd�nne Gew�nder geh�llt beim Spiel mit den eigenen Kindern. Echnatons Gattin Nofretete (�die Sch�ne ist gekommen�) spielte eine herausragende Rolle in der Regentschaft.</p><p>Nofretetes Kalksteinb�ste wird in Berlin aufbewahrt, seit kurzer Zeit im wiederaufgebauten Neuen Museum. Gefunden wurde die B�ste 1912 bei Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft im Schutt eines Lehmziegelhauses in Amarna. Nicht zuletzt wegen dieser B�ste ist Nofretete eine der ber�hmtesten Frauen der Weltgeschichte � und eine der sch�nsten.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Nach dem Ende der Herrschaft Echnatons und Nofretetes �bernahm die Amun-Priesterschaft wieder das Regiment und verlegte die Hauptstadt zur�ck nach Theben. Jegliche Erinnerung an Echnaton wurde getilgt, sein Name in Inschriften gel�scht. Trotz dieser Zerst�rungen ist Amarna heute eine der besterhaltenen alt�gyptischen St�dte, eben weil sie in Vergessenheit geriet. Sie wurde erst durch die napoleonischen Truppen wiederentdeckt.</p><p><emphasis>1333�1323 v.�Chr.</emphasis></p><p>TUTENCHAMUN����Unter Echnatons Sohn Tutenchamun (er regierte 1333 bis 1323 v.�Chr.) wurde der traditionelle Reichskult des Amun-Re umgehend wiederhergestellt. Sein Name bedeutet: �Lebendes Abbild des Amun�. Eine arch�ologische Sensation � die Auffindung seines beinahe unversehrten Grabes 1922 durch Howard Carter � machte den eigentlich unbedeutenden, jung verstorbenen K�nig zu einer der ber�hmtesten Gestalten der �gyptischen Geschichte. Kurz nach Tutenchamun endete die 18. Dynastie.</p><p><emphasis>ab 1300 v.�Chr.</emphasis></p><p>RAMSESSIDEN����Mit Ramses I. beginnt um 1300 v.�Chr. die 19. Dynastie und damit der letzte H�hepunkt des pharaonischen �gypten. Die meisten Pharaonen tragen nun den Namen Ramses, �gyptisch <emphasis>Ramesesu</emphasis> (�Re hat ihn geboren�). Innenpolitisch sind Ramses I. und Sethos I. vor allem noch damit besch�ftigt, die Erinnerung an Echnaton auszul�schen. In die Herrschaftszeit von Sethos I. f�llt der Bau der gro�en S�ulenhalle im Tempel von Karnak und sein gewaltiger Totentempel in Abydos. Sethos war der Vater von Ramses II. Etwa die H�lfte aller erhaltenen alt�gyptischen Bauwerke stammt aus der Zeit dieser beiden Pharaonen.</p><p>Ramses II. herrschte ungef�hr von 1290 bis 1220 v.�Chr. Gleich zu Beginn seiner langen Regierungszeit bestritt er um 1275 v.�Chr. die Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter, in der die �gypter nur knapp einer Niederlage entgingen. Daraufhin schwenkte Ramses bewusst auf eine Friedenspolitik ein und lie� auf allen gr��eren Tempeln Darstellungen anbringen, wie er die �berm�chtigen Feinde besiegte. �Kadesch� war in �gypten allgegenw�rtig, und Ramses pr�sentierte sich als H�ter und Verteidiger der Weltordnung. Das ber�hmteste Bauwerk jener Epoche ist der Felsentempel von Abu Simbel (alt�gyptisch <emphasis>Ibschek</emphasis>), der in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts wegen des Baus des Assuan-Staudamms 64 Meter h�her gelegt wurde.</p><p>Bereits zur nachfolgenden 20. Dynastie geh�rte Ramses III. (ca. 1190�1150 v.�Chr.). In dessen Regierungszeit fielen die Seev�lker in den gesamten Ostmittelmeerraum ein, was letztlich f�r �gypten den Verlust seiner Gro�machtstellung bedeutete.</p><p><emphasis>um 1200 v.�Chr.</emphasis></p><p>SEEV�LKERSTURM����Die Heimsuchung durch die �Seev�lker� um 1200 v.�Chr. ist das einschneidendste Ereignis der altantiken Geschichte. Auch �gypten ist davon betroffen. Weil man aber nicht wei�, wer diese Seev�lker eigentlich waren, handelt es sich auch um eines der umstrittensten Ereignisse. Klar ist nur, dass s�mtliche K�sten rund um das Ostmittelmeer aufs St�rkste in Mitleidenschaft gezogen wurden: Troja erlebte eine verheerende Zerst�rung. Diese gilt als der �historische Hintergrund� der Sage vom Trojanischen Krieg. Die bronzezeitliche mykenisch-minoische Palastkultur ging v�llig unter, auch auf Kreta. Das Reich der Hethiter wurde ausgel�scht. Assur und �gypten gerieten ins Wanken. Die altorientalische Welt der vier bronzezeitlichen Gro�m�chte zerbrach.</p><p>Nicht nur der Alte Orient, die gesamte vorderasiatisch-europ�ische Welt erlebte nach 1200 v.�Chr. einen Umbruch: Im Ostalpenraum entsteht die indogermanische Urnenfelderkultur, und im Nordbalkan beginnt die Dorische Wanderung, aus der das antike Griechenland hervorgeht.</p><p>Unumstritten ist, dass in jener Zeit der sogenannten eisenzeitlichen Wanderung die indogermanischen, mit Eisenwaffen ger�steten Philister in S�dpal�stina (Gaza) auftauchen und sich dort festsetzen. Auch die israelitischen St�mme wandern unter Gewaltanwendung in Kanaan ein. �gypten verliert seine Vormachtstellung im Nahen Osten. Nur die Invasion der Seev�lker in das Nilland selbst konnte gerade eben abgewendet werden. Ob es sich bei dem Seev�lkerangriff um eine indogermanische Invasion vom Balkan oder gar aus Mitteleuropa, um mykenische Aggression, epidemische Seer�uberei oder eine Kombination dieser Faktoren handelte, ist bis heute ungekl�rt.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Im letzten Jahrtausend vor der Zeitenwende d�mmerte �gypten � geschw�cht, wenngleich �u�erlich unangetastet � nur noch vor sich hin. 662 v.�Chr. eroberten die Neu-Babylonier unter Nebukadnezar kurzzeitig das Land, bevor um 550 v.�Chr. eine letzte Selbstst�ndigkeit und ein reger Austausch mit den Griechen und Ioniern folgte. Die Griechen, damals relative Neuank�mmlinge in der Ostmittelmeerwelt, bewunderten die jahrtausendealte �gyptische Kultur, die aber nicht mehr als eine sterbende H�lle war. 525 v.�Chr. machten die Perser das Nilland zu ihrer Provinz. Persien selbst wurde 333/332 v.�Chr. durch Alexander �berwunden, der im Nildelta Alexandria gr�ndete, den geistigen Mittelpunkt der hellenistischen Welt. Als seine Nachfolger regierten die makedonischen Ptolem�er �gypten noch 300 Jahre lang erfolgreich als �Pharaonen�, mit anderen Worten: Sie passten sich der �gyptischen Kultur an. Die letzte ptolem�ische K�nigin im �alt�gyptischen Stil� war Kleopatra.</p></section><section><subtitle>BRONZEZEIT IM NORDEN</subtitle><p>W�hrend sich in Mesopotamien (Assyrer), �gypten, Anatolien (Hethiter), auf Kreta und rund um die �g�is zwischen 2500 und 1200 die gro�en Kulturen entfalteten, war das Gebiet n�rdlich der Alpen keineswegs eine reine Kulturw�ste. Im Gegensatz zu den orientalischen sind die bronzezeitlichen Kulturen im Norden jedoch alle schriftlos, und es wurden auch keine bleibenden Bauwerke aus Stein errichtet. Sich eine Vorstellung von den Leistungen der Menschen diesseits der Alpen zu machen, f�llt also schwer.</p><p>Bereits aus der Fr�hbronzezeit kennt man gewaltige F�rstengr�ber mit Goldgrabbeigaben (Leubinger F�rstengrab, Th�ringen) oder die Straubinger Kultur, die am Nordrand der Alpen entlang bis in die Schweiz reichte. Mangels Fundst�cken sind diese aber nur schwer abgrenzbar und nicht konkreter bestimmbar. Umso mehr zeigt der sensationelle Fund von Nebra, welches Niveau hier durchaus bestanden hat.</p><p><emphasis>ca. 2000 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE HIMMELSSCHEIBE VON NEBRA����gilt als �lteste bekannte �Sternkarte� �berhaupt. Sie wurde am 4.�Juli 1999 nahe Nebra in Sachsen-Anhalt, rund 20 Kilometer von der gut 2500 bis 3000 Jahre �lteren Kreisanlage von Goseck entdeckt. Das verwendete Metall stammt nachweislich aus den Ostalpen, das Gold vermutlich aus Siebenb�rgen (Rum�nien). Die Scheibe wurde um 1600 v.�Chr. vergraben, sie kann aber mehrere hundert Jahre fr�her gefertigt worden sein. Die Darstellung auf der Himmelsscheibe setzt, ebenso wie die Anlage in Goseck, gefestigte astronomische Kenntnisse voraus.</p><p><emphasis>ab 1940 v.�Chr.</emphasis></p><p>LEUBINGER F�RSTENGRAB����Vermutlich wurde die Nebra-Scheibe von Menschen der sogenannten Aunjetitzer Kultur (ca. 2300�1600 v.�Chr.) verwendet. Sie hatte ihren Schwerpunkt im heutigen B�hmen. Im nahen Erzgebirge konnten sowohl Kupfer als auch Zinn f�r die Bronzeschmelze gewonnen werden. Ihren bemerkenswerten Reichtum verdankten die Aunjetitzer der Salzgewinnung und einem schwunghaften Salzhandel. Sie hatten sogar Kontakt zur kretisch-minoischen Kultur.</p><p>Die Aunjetitzer werden mit dem Leubinger F�rstengrab (bei Erfurt) in Verbindung gebracht. Mit acht Metern ist der gewaltige Grabh�gel um zwei Meter h�her als das 1500 Jahre j�ngere F�rstengrab in Hochdorf � und gilt sozusagen als die Pyramide Th�ringens. Das ziemlich genau auf 1940 v.�Chr. datierbare Grab war kostbar ausgestattet und gibt einen Eindruck von der Bedeutung der F�hrungsschicht jener Zeit, die wie moderne Unternehmer den Abbau von Bodensch�tzen und den Fernhandel organisierte, ganz �hnlich wie die sp�teren Keltenf�rsten in der Hallstatt- und Lat�ne-Zeit. Zu diesen Bodensch�tzen z�hlte auch Salz.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: In der mittleren Bronzezeit ab ca. 1600 v.�Chr. waren solche prunkvollen F�rstengr�ber viel seltener. Vor allem anhand von Frauentrachten l�sst sich eine st�rkere Regionalisierung lokaler Gruppen (�St�mme�) beobachten, was auf einen sozialen Wandel hindeutet.</p><p><emphasis>ca. 1400 v.�Chr.</emphasis></p><p>SONNENWAGEN VON TRUNDHOLM����Mehrere Jahrhunderte j�nger (ca. 1400 v.�Chr.) als die Himmelsscheibe von Nebra ist der Sonnenwagen von Trundholm. Das ber�hmte, 1902 entdeckte Kunstwerk aus der Zeit um 1400 v.�Chr. erforderte eine komplizierte Gusstechnik und beweist die �berragende handwerkliche Qualit�t in Bronzeguss, Bronzeschmiede und Goldschmiedetechnik auch im Norden. Der Sonnenwagen zeigt die erste Darstellung eines Pferdes. Er f�llt in dasselbe Jahrhundert wie der Aton-Kult Echnatons und das Tutenchamun-Grab in �gypten.</p><p><emphasis>um 1300 v.�Chr.</emphasis></p><p>GOLDHUT����Um 1300 v.�Chr. kommen im Bereich der mitteleurop�ischen Urnenfelder-Kultur eindeutig neue religi�se Vorstellungen auf. Kunsthandwerklich �berragend sind die sogenannten Goldh�te, die aus papierd�nnem Goldblech hergestellt wurden und sicherlich zeremonialen Zwecken dienten. Sie sind mit Kreismustern verziert, vielleicht Sonnensymbole. Die systematische Abfolge der Verzierungen ist als eine Art Kalender gedeutet worden. Es gibt drei dieser H�te: den Schifferstadter Hut aus der N�he von Speyer, einen aus Avanton bei Tours in Frankreich und den sogenannten Berliner Hut (seit kurzem im �Neuen Museum� auf der Berliner Museumsinsel), dessen Fundort man nicht kennt. Die Forschung sieht Nebra-Scheibe, Sonnenwagen und Goldh�te allesamt in einem Zusammenhang mit einem Sonnenkult, in dem auch Darstellungen von V�geln und Stieren eine deutlich wahrnehmbare Rolle spielen.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Goldh�te geh�ren in die letzte Phase der �reinen� Bronzezeit-Kulturen, die dann einen vermutlich klimabedingten Niedergang erleben. Nach 1300 v.�Chr. tritt eine Klimaverschlechterung (nass und kalt) ein, die auf jeden Fall zum definitiven Ende der Pfahlbaud�rfer f�hrt, auch zu einem deutlichen R�ckgang des Bergbaus in den Alpen. Gleichwohl entwickelt sich ab 1200 v.�Chr. die Kenntnis der Eisenverh�ttung. Damit beginnt um 1000 v.�Chr. die letzte Phase der vorhistorischen Zeit, die in Mitteleuropa vor allem durch die eisenzeitliche keltische Hallstatt-Kultur repr�sentiert wird.</p><p><emphasis>um 1300 v.�Chr.</emphasis></p><p>URNENFELDER-KULTUR����Um 1300 v.�Chr. ver�ndern sich im bronzezeitlichen Norden einige Dinge radikal. Das wird am deutlichsten fassbar bei den Bestattungssitten. Anders als in den H�gelgr�berkulturen werden bei den Urnenfeldleuten die Toten auf Holzst��en (�Scheiterhaufen�) verbrannt und in Urnen beigesetzt. Das ist das Leitcharakteristikum dieser Kulturen, deren �Heimat� und Zentrum deutlich im Alpen-Donauraum liegt und die sich in einem weiten Umkreis um den gesamten Alpenbogen ausdehnen. Sogar entlang der Rh�ne bis zu den Pyren�en und n�rdlich von der Scheldem�ndung bis an die Oder sind sie zu finden.</p><p>Auch Keramiken werden fortan anders verziert und sind deutlich qualit�tvoller; ebenso die Bronzegegenst�nde. Wie die sp�teren Kelten betrieben die Urnenfeldleute Kupferbergbau und Salzabbau, vor allem in den Alpen (Kitzb�hel, Hallein). Die Urnenfeldleute lernen oder entwickeln in einer etwas sp�teren Phase die Verh�ttung von Eisen. Das macht sie milit�risch �berlegen.</p><p>Es sind indogermanisch sprechende Urnenfeldleute, die nach 1200 v.�Chr. von den Alpen in den S�den ziehen, bis nach Italien (Triest, Pr�neste, Segesta) und nach Pal�stina. In Mitteleuropa geht dann um 800 v.�Chr. die keltische Hallstatt-Kultur direkt daraus hervor.</p></section><section><subtitle>CHINA UND INDIEN</subtitle><p><emphasis>ab ca. 2000 v.�Chr.</emphasis></p><p>DREI DYNASTIEN����Die Kenntnisse �ber die Anf�nge der �f�nftausendj�hrigen�, ��ltesten Kultur der Welt� um 2000 v.�Chr. sind �hnlich �konkret� wie unser �Wissen� �ber die gleichzeitigen Akkader, die Umst�nde, wie die Himmelsscheibe von Nebra entstanden ist, oder die Legenden um die israelitischen K�nige David und Salomo. Die rund 2000 Jahre Fr�hgeschichte, bevor verschiedene Reiche auf chinesischem Territorium 221 v.�Chr. zum Kaiserreich China wurden, ist die Zeit der �Drei Dynastien�. Hsia und Shang herrschten zeitgleich mit den bronzezeitlichen altorientalischen Gro�m�chten. Als in Europa die Kelten, die Griechen und die R�mer ganz allm�hlich ihre Kulturen auspr�gten, herrschte in China die �Chou�-Dynastie.</p><p>Hsia, Shang und Chou sind Namen lokaler Herrschaftsgebiete und ihrer Dynastien. Sie beherrschten im chinesischen Altertum immer nur Teile des heutigen China, vor allem an den Fl�ssen Huangho und Jangtse.</p><p><emphasis>ca. 2000�1600 v.�Chr.</emphasis></p><p>DER GELBE KAISER����Genau wie in anderen pr�historischen Kulturen ist in der Fr�hgeschichte Chinas schwer zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. Obwohl China ohnehin die l�ngste ununterbrochene Tradition aufweist, verl�ngerten auch dort die Chronisten ihre Kaiserlisten gerne nach hinten und f�gten noch ein paar kulturheroische Kaiserfiguren hinzu. Dieses Verfahren der Herrschaftslegitimation durch hohes Alter ist aus den sumerischen K�nigslisten oder den hundertj�hrigen Lebenszeiten der biblischen Patriarchen bekannt, die noch mit neunzig Kinder bekamen. So ist die traditionelle Datierung des Beginns der Hsia-Dynastie auf 2200 v.�Chr. arch�ologisch nicht haltbar. Hsia entwickelte sich zwischen 2000 und 1600 v.�Chr. am Gelben Fluss, dem Huangho, als weit fortgeschrittene neolithische Kultur mit Getreideanbau, Viehhaltung und T�pferwaren. Hsia war das erste chinesische Reichsgebilde.</p><p>Die chinesische Legende stellt den �Gelben Kaiser� Huangdi als Kultursch�pfer an den Anfang der chinesischen Geschichte. Sp�tere Epochen stellen ihn als eine Art Halbgott dar, dessen Mutter von Blitzen geschw�ngert wurde und der von Geburt an sprechen konnte. Huangdi gilt als Stifter der chinesischen Medizin. �hnlich legend�r sind Urkaiser wie Fu-Hi, �Erfinder� von Musik, Fischernetzen und Schn�ren zum Messen von Entfernungen, Shennung, �Erfinder� des Ackerbaus einschlie�lich Teezubereitung und einige andere.</p><p>Wie immer die Hsia-Periode konkret beschaffen war, offenbar bildeten sich damals Grundz�ge der chinesischen Kultur aus, die nicht mehr unterbrochen wurden, weswegen diese Tradition so altehrw�rdig ist.</p><p><emphasis>1600�1045 v.�Chr.</emphasis></p><p>SHANG-DYNASTIE����Die Zeit der Shang-Dynastie ab 1600 v.�Chr. ist �die� Bronzezeit in China. Ebenfalls eine Huangho-Kultur, baut Shang insbesondere auf der jungsteinzeitlichen Longshan-Kultur auf und ist die erste, die gr��ere Gebiete in China umfasst, also �ber jungsteinzeitliche, rein lokale Kulturen hinausgeht. Shang war als eine Art Feudalstaat mit Vasallen organisiert � auch wenn es sich bei dem �Staatsgebiet� nur um einen Bruchteil des sp�teren Reichs der Mitte oder gar der heutigen Volksrepublik handelte. Allerdings blieb die Bronzeherstellung auf Werkst�tten im Umkreis der hauptst�dtischen K�nigsresidenz beschr�nkt. Die praktisch versklavten Bauern lebten in Erdl�chern.</p><p><emphasis>vor 1600 v.�Chr.</emphasis></p><p>CHINESISCHE SCHRIFTZEICHEN����Weil man aus der Shang-Zeit Hunderttausende von Orakelknochen gefunden hat, kann man ermessen, wie vorzeichengl�ubig diese Gesellschaft war. Rinderschulterbl�tter oder Schildkr�tenbauchplatten wurden erhitzt, und die �Kaiser� deutelten dann anhand der Sprungstellen haupts�chlich gute und schlechte Omen. Die Beherrschung dieser Kunst scheint ihnen viel Autorit�t verliehen zu haben. Die Weissagungen wurden mit Datum auf den Knochen eingeritzt und �zu den Akten gelegt�. Anhand dieser �Dokumente� kann man erkennen, dass die chinesische Schrift schon damals ausgebildet war.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: In der anschlie�enden, sehr bewegten Chou-Zeit (1045�256 v.�Chr.) lebten Konfuzius und Lao-tse. Chou zerfiel dann v�llig in die �Streitenden Reiche�, denen der erste (gesamt-)chinesische Kaiser Ch�in ein Ende bereitete (221 v. Chr).</p><p><emphasis>um 1500 v.�Chr.</emphasis></p><p>ARIER����<emphasis>Arya </emphasis>(�Edle�, �Adlige�) war die Selbstbezeichnung von Reiternomaden, die um 1500 v.�Chr. von Norden her in Indien einbrachen und dank der Streitwagen, �ber die sie verf�gten, den n�rdlichen Teil des Subkontinents rasch unterwerfen konnten. Ob sie zum Untergang der Indus-Kulturen beitrugen, ist nicht gekl�rt.</p><empty-line/><p><emphasis>vor 1500 v.�Chr.</emphasis></p><p>SANSKRIT����war nie eine Volkssprache, sondern die Hoch- und Gelehrtensprache Indiens und dar�ber hinaus eine der �ltesten und wichtigsten indoeurop�ischen Sprachen, verwandt mit dem Lateinischen, Griechischen, Altpersischen und den germanischen Sprachen. Die eingesessene Bev�lkerung Indiens sprach kein Sanskrit, es war die Sprache der heiligen Schriften. Die Inder sprachen � und sprechen bis heute � viele verschiedene Idiome. Eine gemeinsame Sprache �Indisch� gibt es bekanntlich nicht.</p><p><emphasis>vor 1500 v.�Chr.</emphasis></p><p>VEDEN����In die �bergangsperiode von der Bronze- zur Eisenzeit in Europa und im Orient f�llt in Indien die Entstehung der �ltesten religi�sen Texte der Menschheit, der Veden. Das Wort ist eng verwandt mit lateinisch <emphasis>videre </emphasis>(�sehen� im Sinne von �erkennen�, �Wissen�, �Einsicht�). Die Veden, in einer Vorl�uferform des Sanskrit geschrieben, entstanden �ber einen langen Zeitraum hinweg, von etwa 1750 bis 1200 v.�Chr. Ziemlich genau zur selben Zeit entwickelte sich unser Alphabet in Ph�nizien.</p><p>Die Rigveda sind in erster Linie hymnische Liedtexte, in denen bereits von den Kasten (<emphasis>Varna</emphasis>) die Rede ist, die noch heute f�r die indische Gesellschaft eine gro�e Bedeutung haben. Urspr�nglich gab es vier Kasten, die wei�e, die rote, die gelbe und die schwarze. So bedeutet auch <emphasis>Varna</emphasis> so viel wie �Farbe�. Die j�ngsten Veden, die Upanishaden (700�550 v.�Chr.), sind Sammlungen religi�s-philosophischer Schriften des Hinduismus. Hierin spielen Begriffe wie Brahman und Atman eine zentrale Rolle.</p><p>Jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausendelang wurden die Veden nur m�ndlich weitergegeben. Aufgeschrieben wurden sie erstmals um 500 n.�Chr.</p><p><emphasis>nach 1500 v.�Chr.</emphasis></p><p>BRAHMANEN����sind heute die oberste Kaste der Hindugesellschaft in Indien, waren aber urspr�nglich einmal ein Volk am oberen Ganges. Von dort breiteten sie sich fr�h �ber den ganzen Subkontinent aus. Bei den Brahmanen entwickelte sich die auf der vedischen �berlieferung beruhende Religion zum Brahmanismus und daraus wiederum der Hinduismus. Der h�chste Rang in der Brahmanen-Kaste kommt den Gelehrten zu, den Pandit. Sie genie�en unabh�ngig von ihrer finanziellen Situation die gr��te Hochachtung und den h�chsten sozialen Rang. Die niederrangigeren Priester praktizieren Opferhandlungen und Leichenverbrennungen. Viele Brahmanen sind auch als Richter, Beamte, Kaufleute oder Politiker t�tig. (Auch der erste Premierminister nach der Unabh�ngigkeit Jawaharlal Nehru, der das Land von 1947 bis 1964 regierte, stammte aus einer Brahmanenfamilie.) Es schadet einem Brahmanen f�r sein hohes Ansehen nichts, reich zu sein, aber es ist kein Muss.</p></section><section><title><p>DER BEGINN DER GESCHICHTE</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 1200 bis 500 v.�Chr.</emphasis></p></section><section><subtitle>WELT DER ANTIKE</subtitle><p>Durch den Seev�lkersturm um 1200 v.�Chr. war die bronzezeitliche Hochkulturphase im gesamten �stlichen Mittelmeer zu Ende: Das Hethiter-Reich und die inzwischen mykenisch-minoische Mischkultur verschwanden vollst�ndig, in Babylonien gewannen die Assyrer die Vorherrschaft. �gypten blieb intakt, mehr aber nicht. In den Jahrhunderten von 1200 bis 500 v.�Chr. bildete sich dann die Mittelmeerwelt der Antike: �gypter, Griechen, R�mer, Assyrer und Perser, Israel. Mit den ersten gesicherten Daten beginnt nun die bekannte Weltgeschichte.</p><p><emphasis>um 1200/1100 v.�Chr.</emphasis></p><p>DER TROJANISCHE KRIEG����Der gewaltigste Donnerschlag um 1200/1100 v.�Chr. mit un�berh�rbarem Nachhall bis in die Sprache der Gegenwart wird f�r unser historisches Ged�chtnis durch den Untergang Trojas markiert � falls die Annahme stimmt, dass die arch�ologisch gesicherte Zerst�rung von Troja VII den �historischen Hintergrund� f�r Homers <emphasis>Ilias</emphasis> abgibt.</p><p><emphasis>Ilion</emphasis> lautet der Name der sagenhaften Stadt, gegen die die Griechen in der <emphasis>Ilias </emphasis>in einen zehnj�hrigen Krieg ziehen. Die erste epische Dichtung des Abendlandes hat ihren Namen von dieser Bezeichnung f�r �Troja�. Nach der sensationellen Auffindung und Ausgrabung �Trojas� durch Schliemann seit 1871 glaubte man sich gewiss, nun tats�chlich den Ort des Trojanischen Krieges gefunden zu haben. 1873 pr�sentierte Schliemann stolz den �Schatz des Priamos�. Immerhin scheint wenigstens f�r den Hisarlik-H�gel der Name <emphasis>Ilion </emphasis>(hethitisch <emphasis>Wilusa</emphasis>) durch einen Tontafel-Vertrag aus der Zeit um 1300 v.�Chr. gesichert zu sein. M�glicherweise war Wilusa ein vom m�chtigen Hethiter-Reich abh�ngiger Vasallenstaat.</p><p>Doch beim weiteren Forschen und Graben stellte sich schnell heraus, dass es mehrere �Troja� gab. Immer wieder war der strategisch zweifellos g�nstig in Sichtweite der Dardanellen gelegene Siedlungsh�gel erobert, gebrandschatzt, durch Erdbeben zerst�rt oder verlassen und immer wieder neu aufgebaut worden.</p><p>Wilusa muss also nicht �Troja� gewesen sein. Denn es gibt auf dem Hisarlik-H�gel nur eine nachweislich mit starken Zerst�rungen verbundene Schicht VIIb, die auf ungef�hr 1200 v.�Chr. datiert wird. Wer jenes �Troja� VIIb zerst�rt haben k�nnte, ist damit noch nicht gesagt. War es eine panhellenische Streitmacht, waren es brandschatzende eisenzeitliche Indogermanen aus Ostmitteleuropa oder wandernde Volksst�mme vom Balkan oder r�uberische Expeditionen in Wikinger-Manier unbekannter Herkunft? Wer wei�.</p><p><emphasis>ca. 1100 v.�Chr.</emphasis></p><p>DORISCHE WANDERUNG����Seit etwa 1100 v.�Chr. wanderten aus dem n�rdlichen Balkan erneut griechisch sprechende St�mme nach Griechenland ein. Sie werden etwas pauschal als �Dorer� bezeichnet. Das ist die zweite � und letzte � gro�e griechische Einwanderungswelle in die �g�is nach jenen Hellenen, die mehr als 500 Jahre zuvor die �mykenische� Palastkultur aufgebaut hatten. Die etwas herben eisenzeitlichen Dorer sahen allerdings nur noch deren rauchende Tr�mmer.</p><p>Sie verdr�ngten ortsans�ssige Fr�hgriechen aus vielen Regionen auf die Kykladen-Inseln und auf die andere Seite der �g�is, die Westk�ste der heutigen T�rkei. Durch eine dieser Gruppen erh�lt diese K�ste die Bezeichnung �Ionien�.</p><p><emphasis>um 900 v.�Chr.</emphasis></p><p>ETRUSKER I����Die Etrusker erschienen um 900 v.�Chr. in Italien. Ihre Herkunft ist ungekl�rt, obwohl schon die Antike sie als aus Kleinasien stammend bezeichnete. Sie vermittelten eigene sowie Kulturelemente der archaischen Griechen auf italischem Boden, am nachhaltigsten nat�rlich das (west)griechische Alphabet.</p><p><emphasis>1000�900 v.�Chr.</emphasis></p><p>ITALIKER����Zeitgleich mit der riesigen indoeurop�ischen Wanderung am Beginn der Eisenzeit und der Dorischen Wanderung der Griechen �ber den Balkan sickerten die Italiker (Latiner, Falisker, Umbrer, Osker, Samniten) auf die Apennin-Halbinsel ein und stie�en hier auf eine nicht-indoeurop�ische Vorbev�lkerung (Ligurer, Sikanen).</p><p>Die Italiker stammten definitiv aus der nordalpinen Urnenfelderkultur, vermutlich aus mitteleurop�ischen Siedlungsr�umen an Elbe, Oder, Weichsel. Ihre Sprachen, vor allem das sp�ter so wichtige Latein, sind germanischen und m�glicherweise auch keltischen Sprachen n�her verwandt als dem Griechischen. Der Stamm der Latiner drang bis an den Unterlauf des Tiber vor und wurde auf sieben H�geln �ber einer sumpfigen Flusssenke sesshaft. Dort wurden sie Nachbarn eines etruskischen Familienclans, der die Gegend beherrschte. Diese neuen Nachbarn waren die Rumlinna. Von ihnen hat Rom seinen Namen.</p><p><emphasis>900 v.�Chr.</emphasis></p><p>POLIS����Da Griechenland sehr gebirgig ist und keine gro�en zusammenh�ngenden Flusssysteme hat, w�re hier eine Reichsbildung schwierig gewesen, und sie hat bekanntlich auch nicht stattgefunden. Die Hellenen bildeten keine politische, sondern nur eine sprachliche und kulturelle Einheit mit den panhellenischen Zentren in Delphi und Olympia.</p><p>Die neu zugewanderten dorischen Griechen kn�pften in nichts an die Kultur ihrer mykenischen Vorg�nger an. Die Mykener hatten eine Palastkultur, wo der F�rstenpalast eine Art markt- und landbeherrschendes Gro�unternehmen war. Ganz anders die dorischen Griechen. Sie entwickelten schon kurz nach ihrer Einwanderung eine Art Selbstverwaltung der �ffentlichen Angelegenheiten, das Polis-System.</p><p>Es gab Hunderte solcher Landgemeinden, gr��ere oder kleinere, wo die Grundeigent�mer das umliegende Land bebauten und ihre Angelegenheiten selbst regelten. Grundbesitz und ausreichend finanzielle Mittel, um sich wenigstens seine Hopliten-(Soldaten-)Ausr�stung leisten zu k�nnen, waren f�r den <emphasis>demos </emphasis>(die freien Grundbauern) die Voraussetzung, um als Gemeindeb�rger dazuzugeh�ren. Die Landgemeinden waren im Prinzip alle unabh�ngig. Von �Stadtstaaten� kann man bei den meisten nicht sprechen, denn daf�r waren sie einfach zu klein. St�dte mit gr��erem Umland wie Athen und Sparta waren die Ausnahme. Fast jede Polis hatte eine Akropolis und eine Agora. Die gleichberechtigte Teilnahme aller Vollb�rger an der Politik wurde aber erst in der Attischen Demokratie um 500 v.�Chr. verwirklicht.</p><p><emphasis>ca. 1000�900 v.�Chr.</emphasis></p><p>ALPHABET II����Die �lteste bisher gefundene griechische Inschrift findet sich auf einer Vase um 900 v.�Chr. Demnach kannten die Griechen das ph�nizische Alphabet bereits, vielleicht schon seit der Zeit um 1000 v.�Chr. Mit der Welt des Vorderen Orients, zumal mit den Stadtstaaten der Kleinasien am n�chsten gelegenen ph�nizischen K�ste bestand sicher ein Handels- und Kulturaustausch. Die ph�nizischen Stadtstaaten standen seit Jahrhunderten in voller Bl�te; verglichen damit waren die hellenischen Landgemeinden Entwicklungsgebiet. Die Griechen haben sich dieses Kulturimports nie gesch�mt und die altorientalischen Kulturen, auch �gypten, immer mit Hochachtung bewundert.</p><p>Das f�r die Weltkulturgeschichte wichtigste Ergebnis des kulturellen Austauschs ist die �bernahme des Alphabets von den Ph�niziern und die Anpassung der Vokale. Wie bei vielen fr�hen Schriftsystemen wurden im ph�nizischen Alphabet nur Konsonanten wiedergegeben. So war es auch bei den Hieroglyphen, weswegen man zum Beispiel nicht wei�, wie die Pharaonensprache ausgesprochen wurde. Im Ph�nizischen gab es einige Laute, f�r die die Griechen keine Verwendung hatten. (So wie es im Deutschen kein englisches <emphasis>th</emphasis> oder keine franz�sische Nasale gibt). Diese �freien� Zeichen verwendeten die Griechen dazu, Vokallaute darzustellen und vervollst�ndigten damit das Alphabet zu der Form, an die wir heute noch gew�hnt sind.</p><p>Da es weder W�rterb�cher noch Rechtschreibkommissionen gab, waren mehrere voneinander abweichende Varianten in Umlauf. In den Kolonien in Sizilien und Unteritalien war es das westgriechische Alphabet, von dem das lateinische Alphabet abstammt, das Sie gerade lesen. Es wurde durch die nachfolgende geschichtliche Entwicklung (R�misches Reich, r�misch-lateinische Kirche, weltweite Kolonisation der Europ�er) zum wichtigsten und weltweit erfolgreichsten Schriftsystem der Gegenwart.</p></section><section><subtitle>BIBLISCHE GESCHICHTE</subtitle><p>Das alte �gypten hatte im Neuen Reich mit den Ramsessiden den H�hepunkt seiner Macht erreicht. In der Zeit der Seev�lkerwanderung geriet der Nahe Osten in Bewegung. Die Kanaaniter waren hier gewisserma�en die Urbev�lkerung. Ethnisch handelte es sich um niemand anderes als die Handel treibenden, gr��ere und kleinere Stadtstaaten bewohnenden Ph�nizier. Seit 1200 v.�Chr. bestand in Ph�nizien � oder Kanaan � ein Machtvakuum. Das Hethiter-Reich war untergegangen, Assyrien und �gypten geschw�cht. Die ph�nizisch-kanaan�ischen Stadtstaaten, bisher eine Randkultur, bl�hten auf. Die f�r Pal�stina namengebenden Philister waren kurz zuvor eingewandert und dominierten den S�den (heute Gaza-Streifen und Umgebung). Es gab ferner (halb)nomadische St�mme wie Ammon, Edon, Moab und den Stammesverband der Israeliten.</p><p><emphasis>ca. 1200 v.�Chr.</emphasis></p><p>EXODUS UND DIE ZEHN GEBOTE����Mehr als zwei Jahrtausende lang haben gl�ubige Juden und Christen den dramatischen Bericht vom Auszug (lat.: <emphasis>exodus</emphasis>) des Volkes Israel aus �gypten als einen historischen Tatsachenbericht gelesen. Demnach flohen die Israeliten nach d�steren Ank�ndigungen (�Sieben Plagen�) vor den �gyptern durch das Rote Meer und lieferten sich anschlie�end im Sinai mit der �bergabe der Zehn Gebote einerseits und dem �Tanz ums Goldene Kalb� andererseits regelrechte �Glaubensk�mpfe�.</p><p>Problematisch daran ist, dass weder aus der �gyptischen Geschichte noch aus der �gyptischen Kunst irgendein Hinweis, geschweige denn ein Nachweis �ber dieses Ereignis bekannt ist. Ja nicht einmal die (jahrzehntelange? jahrhundertelange?) Anwesenheit der Israeliten in �gypten ist irgendwie belegbar. Auch im Hinblick auf den legend�ren Anf�hrer dieser kleinen V�lkerwanderung, Moses, streiten sich die Gelehrten vieler Sparten, ob er Israelit oder �gypter war, ob er gelebt hat oder nur eine Legendenfigur ist. Unbestritten ist hingegen, dass die (nomadischen) St�mme, die sp�ter das Volk Israel bildeten, um 1200 v.�Chr. in Kanaan einwanderten. Man wei� nur nicht, woher sie kamen. Die erste Erw�hnung des Namens �Israel� findet sich auf der �gyptischen Stele des Merenptah (ca. 1220 v.�Chr.), eines Sohnes von Ramses II.</p><p>Die biblische Geschichte verkn�pft die Begr�ndung der monotheistischen Jahwe-Religion und ihres Kultes aufs engste mit dem angeblichen Auszug aus �gypten und mit Moses. JHWH habe sich ihm als Gott Abrahams offenbart, indem er ihm seinen Namen nannte, habe einen Bund mit seinem �auserw�hlten Volk� geschlossen und ihm die Zehn Gebote gegeben. An ihrem Anfang steht die Forderung, ausschlie�lich den einen Gott zu verehren (�Monotheismus�), dann folgen die Grundregeln f�r das menschliche Zusammenleben, die bis heute eine Grundlage f�r die Rechtsordnungen der abendl�ndischen Kultur bilden. Laut dem Bericht der Bibel hat Moses das von Jahwe dem Volk Israel verhei�ene Land noch von Ferne gesehen, aber nicht mehr selbst betreten.</p><p><emphasis>ca. 1200 v.�Chr.</emphasis></p><p>DAS GELOBTE LAND: KANAAN����Die Ph�nizier oder Kanaaniter verehrten Lokalgottheiten namens Baal, El und Moloch, oft in B�umen, Brunnen, h�lzernen oder steinernen Kults�ulen. Ihr zivilisatorisches Niveau war h�her als das der einwandernden nomadischen Israeliten. Aber durch die �gyptische Herrschaft und die ewigen Kriege zwischen den altorientalischen Gro�m�chten zerm�rbt, leisteten sie diesen kaum Widerstand. Die Israeliten wiederum nahmen Teile der kanaanitischen Kultur auf. Beide Gruppen waren sprachverwandt, auch die durchaus �hnlichen Kulte bestanden nebeneinander. Die Israeliten waren seinerzeit noch keineswegs so streng monotheistisch. Hinweise auf andere G�tter wurden erst bei den viel sp�teren Bibelredaktionen getilgt. Der strenge Monotheismus und die Messias-Vorstellung bildeten sich erst im Zusammenhang mit dem Babylonischen Exil (kurz nach 600 v.�Chr.) heraus.</p><p>DAVID GEGEN GOLIATH����Die Philister waren indogermanische Einwanderer, die zwischen 1200 und 1000 v.�Chr. �ber See ins Land gekommen waren. Der Name Pal�stina (hebr�isch <emphasis>pilishtim</emphasis>) leitet sich direkt von den Philistern ab. H�chstwahrscheinlich stammten sie aus dem Ostseeraum und hatten bei ihrem Zug �ber die Alpen die damals neu entwickelte Eisenverarbeitung kennengelernt. Vermutlich waren sie den bronzezeitlichen ortsans�ssigen Nomadenv�lkern wie den Israeliten r�stungstechnisch �berlegen.</p><p>Sie siedelten im S�den Pal�stinas haupts�chlich in den von F�rsten regierten Stadtstaaten Aschdod, Askalon, Ekron, Akkaron, Gath und Gaza, die einen lockeren Verbund bildeten. Mit dem Niedergang des �gyptischen Einflusses erlangten die Philister f�r rund 200 Jahre die Vormacht in diesem Raum. Sie waren durch ihr Eisenmonopol gut ger�stet und verf�gten �ber Expeditionstrupps, mit denen sie unbotm��ige Nachbarn einsch�chterten. Es ist m�glich, dass die biblische Geschichte von David und Goliath eine Auseinandersetzung mit solch einem Expeditionskorps schildert. In der Erz�hlung vom Kampf des Hirtenjungen David gegen den Riesen Goliath werden die Israeliten als arme kleine Hirten mit Steinschleudern verniedlicht.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: M�glicherweise versuchte der aus der Bibel, aber sonst nicht bekannte K�nig Saul die israelitischen St�mme in Galil�a und um Jerusalem zu einen, um sich gegen die Philister zu behaupten. Bei dieser � m�glichen � ersten Staatenbildung (ca. 1050�1000 v.�Chr.) spielten die aufkommenden Propheten eine wichtige Rolle. Erst K�nig David, dem Anf�hrer des S�dreiches Juda, gelang es, den Einfluss der Philister auf die israelitischen St�mme einzud�mmen. Sp�testens mit der Eroberung aller L�nder an der Ostk�ste des Mittelmeers durch die Assyrer um 730 v.�Chr. verloren die Philister ihre Selbstst�ndigkeit.</p><p><emphasis>ca. 1000 v.�Chr.</emphasis></p><p>K�NIG DAVID����Die Geschichte von David und Goliath fasst die milit�rische Wirksamkeit des vermutlich jungen Anf�hrers und �Steinschleuderers� gegen die Philister legendenhaft zusammen. Vielleicht soll sie zum Ausdruck bringen, dass gegen die Hochr�stung der Philister nur mit Witz und Wagemut etwas auszurichten war. Es ist dieser junge Mann, den Michelangelo in g�ttlicher Nacktheit in einer der ber�hmtesten Marmorstatuen der Welt f�r den Rathausplatz von Florenz gemei�elt hat.</p><p>Nach dieser Heldentat wurde David (�der Geliebte�) keineswegs gleich zum K�nig gemacht, vielmehr musste er sich angesichts der Eifersucht seines �Schwiegervaters� Saul jahrelang verstecken und wurde eine Art Robin Hood. Erst nach Sauls Tod, so die Bibel, stieg David zum K�nig von Juda auf. Er vereinigte Juda (im S�den) mit Israel (im Norden) und machte Jerusalem um das Jahr 1000 v.�Chr. erstmals zur gemeinsamen Hauptstadt.</p><p>Dass David eine historische Gestalt war, ist indes nicht erwiesen. Er k�nnte genauso legend�r sein wie Moses, Agamemnon oder K�nig Artus. Aus assyrischer oder �gyptischer Perspektive w�re er nicht mehr als ein Provinzf�rst gewesen. Jerusalem hatte zu seiner Zeit sch�tzungsweise 1500 Einwohner.</p><p><emphasis>950 v.�Chr.</emphasis></p><p>SALOMONISCHER TEMPEL����Seine Glanzzeit erlebte Jerusalem unter Davids Sohn, dem weisen K�nig Salomon. Dieser erbaute den nach ihm benannten Tempel f�r das Hauptheiligtum der Israeliten, die Bundeslade. Schon David hatte diese aus der alten kanaanitischen K�nigstadt Hebron herbeischaffen lassen. Salomon blieb eigentlich nichts anderes �brig als die Bauaufsicht, denn der Tempel wurde ohnehin nach Jahwes Bauplan errichtet, der in der Bibel ausf�hrlich beschrieben ist.</p><p>Salomon ist wegen mangelnder Trennsch�rfe zwischen Legende und Historie genauso wenig verb�rgt wie David. In der verkl�renden Erinnerung an jene friedliche K�nigs-Epoche eines geeinten Reiches entwickelten die Israeliten sp�testens w�hrend der f�r sie traumatischen Babylonischen Gefangenschaft um 550 v.�Chr. die sehns�chtige Vorstellung von der R�ckkehr eines rettenden gesalbten K�nigs. �Der Gesalbte� hei�t auf Hebr�isch <emphasis>Messias</emphasis>, auf Griechisch <emphasis>Christos</emphasis>. Salomons Name ist direkt verkn�pft mit dem hebr�ischen Wort <emphasis>schalom </emphasis>f�r<emphasis> �</emphasis>Frieden�.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Auf den Bau des Salomonischen Tempels f�hren die Freimaurer ihre Traditionen zur�ck.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Samaria wurde 722 v.�Chr. von den Assyrern erobert, die, wie sie es immer taten, Zehntausende Menschen umsiedelten. Auch Juda war bedroht. Dort wurde 622 v.�Chr. die �Zweite Gesetzgebung� (Deuteronomium) erlassen, die der fromme K�nig Joshua und die Jahwe-Priesterschaft als auf Moses zur�ckgehend ausgaben, insbesondere durch die inszenierte Auffindung eines angeblich alten Gesetzestextes. Dieser erlaubte einzig den Jahwe-Kult im Tempel von Jerusalem, was bei einer monotheistisch angelegten Religion durchaus naheliegt, nach der man Gott nur an einer Stelle verehren kann � oder �berall. Mit dem Untergang Assyriens (625 v.�Chr.) setzten die Neubabylonier deren Gro�machtpolitik in Rivalit�t mit �gypten im Nahen Osten fort. 597 eroberten sie Juda, obwohl das Land von den �gyptern unterst�tzt wurde. Im zweiten Anlauf nahmen sie 586 v.�Chr. Jerusalem ein und verschleppten die Oberschicht nach Babylon.</p><p><emphasis>um 950 v.�Chr.</emphasis></p><p>PH�NIZIER II����Ein Zeitgenosse K�nig Davids und K�nig Salomons war um 950 v.�Chr. K�nig Hiram I. von Tyros, dem nunmehr m�chtigsten der ph�nizischen Stadtstaaten (und Mutterstadt des 150 Jahre sp�ter gegr�ndeten Karthago). Hiram pflegte auch Handelsbeziehungen mit den K�nigen in Jerusalem. Andere bedeutende ph�nizische Zentren waren Byblos, Sidon sowie das nordsyrische Ugarit. Dieses war schon in den Schl�gen des Seev�lkersturms kurz nach 1200 v.�Chr. untergegangen, der arch�ologische Platz ist jedoch wegen der dort gefundenen Keilschrifttafeln f�r die Geschichtsschreibung aufschlussreich. Ugarit war in seiner Bl�tezeit zwar den Hethitern tributpflichtig, ansonsten aber unabh�ngig. Es gab dort ein mykenisches Stadtviertel und die Stadt unterhielt intensive Handelsbeziehungen zu den Hyksos-K�nigen in �gypten und selbstverst�ndlich nach Mesopotamien. Ugarit war das Musterbeispiel einer f�r damalige Zeiten kosmopolitischen Stadt und Handelsdrehscheibe. Bei der allm�hlichen Herausbildung des ph�nizischen Alphabets hatten Ugarit und Byblos eine f�hrende Rolle gespielt. Die kulturelle Eigenst�ndigkeit der Ph�nizier endete mit der Eingliederung der K�stenst�dte in das Reich Alexanders des Gro�en im Jahr 332 v.�Chr. und des Nachfolgestaates der Seleukiden, der dann im R�mischen Reich aufging.</p></section><section><subtitle>DIE LETZTEN BABYLONISCHEN REICHE</subtitle><p>Assur war bereits um 2000 v.�Chr. ein vage definierter eigenst�ndiger Machtbereich am Oberlauf des Tigris. Nach dem Zusammenbruch der hethitischen Gro�macht und dem Ende der Kassiten-Dynastie in Babylon (ca. 1150 v.�Chr.) dominierten die Assyrer ganz Mesopotamien mit beispielloser Brutalit�t. Haupts�chlich durch sie hat sich der Weltgeschichte das Bild vom grausamen orientalischen Despoten eingepr�gt. Unterworfene V�lker wurden verschleppt, die Armee terrorisierte die Nachbarv�lker, die Strafen waren barbarisch, Zwangsarbeit zum Ausbau der Riesenpal�ste und St�dte stand auf der Tagesordnung.</p><p><emphasis>ab 1100 v.�Chr.</emphasis></p><p>ASSYRISCHES REICH����Seit K�nig Tiglatpileser III. (745�727 v.�Chr.) dehnte sich das Assyrische Reich nochmals weit aus, vor allem Richtung Mittelmeer nach Pal�stina und Ph�nizien. Wegen der gro�en kultischen und sicher auch kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt machte Tiglatpileser Babylon wieder zur Hauptstadt. Angesichts dieser Vormacht war es kein Wunder, dass sich die j�dischen V�lker in jenen Jahrhunderten st�ndig von �Babylon� bedroht sahen.</p><p>Drei Nachfolger Tiglatpilesers III. (Sargon II. 721�705 v.�Chr., Sanherib 704�681 v.�Chr., Asharraddon 680�670 v.�Chr.) dehnten das neuassyrische Reich immer weiter aus, das nun vor allem die ph�nizischen Stadtstaaten tributabh�ngig machte sowie Pal�stina beherrschte. Im dortigen S�den ber�hrten sich die Machtsph�ren der �gypter und Assyrer.</p><p><emphasis>um 650 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE BIBLIOTHEK VON NINIVE����Unter Assurbanipal eroberten die Assyrer um 650 v.�Chr. die Pharaonenhauptstadt Theben mit dem Tempel von Karnak f�r etwa zehn Jahre. Dies war die gr��te Ausdehnung des Reiches. Assurbanipal, der letzte neuassyrische Herrscher, war nicht nur ein ge�bter Kriegsherr und Stratege. Er war kein Analphabet, sondern beherrschte die Schreib- und Rechenkunst. Um �berliefertes Wissen zu bewahren, lie� er Keilschrifttafeln sammeln und in Ninive, am Oberlauf des Tigris (heute Nord-Irak), in einer eigens eingerichteten �Bibliothek� aufbewahren. Diese ber�hmte Bibliothek von Ninive ist mit ihren rund 25000 Keilschrifttafeln einer der bedeutendsten Funde der modernen Arch�ologie. Ihr verdankt man ein immenses Wissen �ber die mesopotamische Kultur und Geschichte. Assurbanipal hatte viele Abschriften �lterer �Texte� anfertigen lassen, die ansonsten f�r immer verloren w�ren. Dazu z�hlt auch das <emphasis>Gilgamesch-Epos</emphasis>.</p><p><emphasis>600 v.�Chr.</emphasis></p><p>NEU-BABYLON UND DAS ISCHTAR-TOR����Nabopolassar II. regierte von 604 bis 562 v.�Chr. Der in der Bibel Nebukadnezar genannte K�nig setzte die Gro�machtpolitik dieses nunmehr �neubabylonischen� Reiches unter der Herrschaft der nicht-assyrischen kald�ischen Dynastie fort. Er lie� Babylon weiter ausbauen und den legend�ren Turm von Babel wiedererrichten � h�her denn je. Wie eindrucksvoll die Stadtmauern damals waren, davon hat jeder Besucher des Pergamon-Museums in Berlin eine Vorstellung, wenn er dort die Prozessionsstra�e mit den blau lasierten Ziegeln und symbolischen Tierdarstellungen entlanggeht und das Ischtar-Tor durchschreitet.</p><p><emphasis>nach 600 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE H�NGENDEN G�RTEN DER SEMIRAMIS����Die Kunde von den H�ngenden G�rten geht auf mehrere Autoren der Sp�tantike zur�ck und f�llt je nach Autor etwas anders aus. Es gibt weder zeitgen�ssische Berichte noch eindeutige arch�ologische Funde. Auch in der Bibel, die so viel aus Babylon zu berichten wei�, werden sie nicht erw�hnt. Ob die H�ngenden G�rten in Zusammenhang mit terrassierten Hochbauten stehen, ob die Festungskrone der Stadtmauern bepflanzt war oder ob es sich um einen verschlossenen Parkbezirk innerhalb des K�nigspalastes handelte, l�sst sich nicht verl�sslich sagen. Auch der oft verwendete Zusatz H�ngende G�rten �der Semiramis� erlaubt keine zeitliche oder �rtliche Zuordnung. �ber �hnlich klingende assyrisch-babylonische K�niginnen-Namen wie �ammuramat kann man nur Vermutungen anstellen.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Unter Nebukadnezar wurde auch Jerusalem erobert und die Juden in die Babylonische Gefangenschaft (586�538 v.�Chr.) verschleppt. Die letzte, kald�isch-babylonische Herrschaft fand kurz darauf 539 v.�Chr. durch die Perser ein Ende. Eben jene Perser, die dann 60 Jahre sp�ter 490 v.�Chr. in der griechischen K�stenebene von Marathon auftauchten.</p></section><section><subtitle>CHINA</subtitle><p><emphasis>ca. 800�230 v.�Chr.</emphasis></p><p>CHOU-DYNASTIE����In China kam am Huangho die neue Chou-Dynastie an die Macht. Der Himmel, so hie� es, habe das Herrschermandat an die Chou weitergegeben, weil die vorangehende Shang-Dynastie dekadent und degeneriert sei. Eine solche Geschichte war bei den h�ufigen Dynastiewechseln in China noch �fter zu h�ren. Bei dieser Art von chinesischer <emphasis>Translatio imperii</emphasis> gab es in der Regel keine Br�che in der Kultur oder der Gesellschaft.</p><p>Die ersten drei Chou-K�nige errichteten einen typischen Feudalstaat mit der Vergabe von Lehen an ihre Familienangeh�rigen und enge Gefolgsleute. In konfuzianischer Zeit wurde ihre Herrschaft zum Goldenen Zeitalter verkl�rt.</p><p>Der Aufstand gegen den tyrannisch herrschenden K�nig Li 814 v.�Chr. gilt als erstes gesichertes Datum der chinesischen Geschichte. Eine Generation sp�ter teilte sich Chou in Ost-Chou und West-Chou, danach gewannen einzelne Vasallenstaaten als F�rstent�mer Souver�nit�t. Diese F�rsten verwendeten erstmals systematisch Dienstleute oder �Beamte� zur Verwaltung statt des Kriegeradels. In jener etwas verworrenen Zeit, in der auch Konfuzius lebte, liegt der Ursprung der sp�teren chinesischen Reichsbeamtenschaft der Mandarine.</p></section><section><subtitle>MITTELAMERIKA</subtitle><p><emphasis>ca. 800�400 v.�Chr.</emphasis></p><p>OLMEKEN����Die Olmeken waren die erste Hochkultur in Mittelamerika und damit in Amerika �berhaupt. Das Wort �Olmeken� ist aztekisch, die wissenschaftliche Bezeichnung lautet La-Venta-Kultur nach einem bedeutenden Pyramiden- und Tempelfundort, dessen Bl�tezeit von 800 bis 400 v.�Chr. w�hrte. Besonders charakteristisch sind die tonnenschweren, gedrungenen Kolossalk�pfe, die �k�rperlos� auf einem Steinfundament auf dem Boden sitzen. Manche sind fast drei Meter hoch.</p><p>�ber diese Kultur ist wenig bekannt: Man wei� nichts �ber die Herkunft der Olmeken, wie sie sich nannten, und welche Sprache sie sprachen. Auch ihre Mythen kennt man nicht.</p><p>Dennoch gelten die Olmeken als Mutterkultur der mittelamerikanischen Hochkulturen, insbesondere der Maya. Steinbearbeitung, Schriftgebrauch, Kalender, Tempelpyramidenbau und Ritualballspiel werden auf sie zur�ckgef�hrt. Die Kultur verschwand schlagartig um 400 v.�Chr. Aufgrund von mutwilligen Zerst�rungen an den Gro�k�pfen ihrer Tempelanlagen kann man kriegerische Einwirkungen vermuten. Die f�r Eurasien geltenden Einteilungen in Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit sind auf Amerika nicht �bertragbar. Hier existierten J�ger und Sammler, Ackerbauern und Nomaden bis in die europ�ische Neuzeit parallel. Es gab keine �Neolithische Revolution�, die sich fl�chendeckend ausgebreitet h�tte.</p><p>Die wirtschaftliche Grundlage war der jeweils lokal betriebene Ackerbau. Die pr�kolumbianischen amerikanischen Kulturen kannten kein Rad, keine T�pferscheibe, verarbeiteten au�er Gold und Silber keine Metalle, vor allem keine Bronze und kein Eisen.</p></section><section><subtitle>GR�NDERJAHRE DER ANTIKE IM NORDEN</subtitle><p>W�hrend die Griechen in ihren Polis-St�dten in den Ebenen sesshaft wurden, ihre Vasen im geometrischen Stil bemalten und auch schon das ph�nizische Alphabet gelernt hatten, entfaltete sich in Mittelitalien die etruskische und n�rdlich der Alpen die keltische Hallstatt-Kultur.</p><p><emphasis>ca. 1000 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE �LTESTE FAMILIE IN DEUTSCHLAND����Der Berufsschullehrer Manfred Huchthausen aus F�rste bei Osterrode im Harz ist der direkte Nachfahre von Menschen aus der Bronzezeit, die vor ungef�hr 3000 Jahren ganz in der N�he bei der Lichtenstein-H�hle lebten. Das haben DNA-Tests von Anthropologen ergeben, die dort neben Schmuck- und Kultgegenst�nden auch Knochen von 39 Angeh�rigen eines Familienclans bergen konnten, die sich unter g�nstigen klimatischen Bedingungen gut erhalten hatten. Anschlie�end analysierte man Speichelproben von 300 Menschen aus der Umgebung von Osterrode und stie� in zwei F�llen auf ein sehr seltenes genetisches Muster sowohl in den Bronzezeitknochen wie bei zwei Menschen der Gegenwart. Zwischen Manfred Huchthausen und seinen bronzezeitlichen �Vorfahren� aus der Urnenfelder-Kultur, die Zeitgenossen K�nig Davids und K�nig Salomons aus der Zeit des ersten Tempelbaus in Jerusalem waren und lange vor �Homer� lebten, liegen sch�tzungsweise 120 Generationen. ��tzi� war noch einmal 2500 Jahre oder nochmals 100 Generationen �lter.</p><p><emphasis>900 v.�Chr.</emphasis></p><p>KELTEN�����Die Kelten� waren trotz mancher sprachlicher und kultischer Gemeinsamkeiten alles andere als eine v�llig homogene Kultur oder gar ein einheitliches Volk. Sie bildeten nie und nirgendwo eine Einheit, ein einheitliches Reich, �brigens genauso wenig wie die Germanen, da ihre St�mme stets sehr auf Unabh�ngigkeit bedacht waren. Aber es gab enge Verkn�pfungen mit der griechischen Kultur, sowohl sprachlich als auch wirtschaftlich durch den Handel von Luxusg�tern, im k�nstlerischen Austausch und in den teilweise �hnlichen Gesellschaftsstrukturen.</p><p>Grob gesagt, siedelten die Germanen in der Norddeutschen Tiefebene und an den Nord- und Ostseek�sten, die Kelten s�dlich davon im Mittelgebirgsraum bis in die Alpen und sp�ter weit nach Westeuropa hinein bis an die Atlantik- und �rmelkanalk�ste. Die Kelten waren �ber ganz Westeuropa verbreitet, in Spanien als sogenannte Keltiberer teils unter der Herrschaft der Karthager und sp�ter der R�mer. Auf der britischen Hauptinsel gerieten die Kelten ebenfalls unter r�mische Herrschaft. In Irland ist sogar die moderne Staatssprache G�lisch eine keltische. Gewaltige keltische Menschenmassen wanderten nach Osten, nach B�hmen und ins Donaugebiet. Eine Gruppe stie� bis nach Kleinasien vor und wurde dort als �Galater� ans�ssig, an die der Apostel Paulus Missionsbriefe richtete. In Oberitalien gr�ndeten die Kelten um 600 v.�Chr. Mailand, �bernahmen das etruskische Bologna und das r�tische Verona. Erstmals deutlich fassbar in Mitteleuropa wurde die keltische Zivilisation aber in der</p><p><emphasis>800 v.�Chr.</emphasis></p><p>HALLSTATT-KULTUR����Die Kultur ist benannt nach einem bedeutenden Fundort im �sterreichischen Salzkammergut. 1846 wurde hier ein gro�es Gr�berfeld mit �ber 1000 Gr�bern entdeckt, darin die ersten Eisenwaffen und -werkzeuge Mitteleuropas. (Nat�rlich wurden auch von den Kelten weiterhin Bronzegegenst�nde angefertigt, sie waren sogar gro�e Meister dieser Kunst.) Die Hallstatt-Kultur ging bruchlos aus der Urnenfelder-Kultur hervor, daher reichen die Anf�nge der Kelten auch sicher weiter zur�ck als das �um 800�, was man als Beginn der Hallstatt-Kultur anzugeben pflegt. Nun aber gab es einen wesentlich intensiveren Handels- und Kulturaustausch mit den Griechen der �g�is, vor allem auch mit den Etruskern und den Kolonial-Griechen im Rh�ne-Tal.</p><p>Gleichzeitig mit der Hallstatt-Kultur entfaltet sich die etruskische Kultur.</p><p>F�RSTENSITZE����Die einzelnen keltischen St�mme standen unter der F�hrung von H�uptlingen oder �F�rsten�, in deren H�nden der Abbau von Salz und Erzen und die dazugeh�rigen weitr�umigen Handelskontakte lagen. Anders ist deren Reichtum nicht zu erkl�ren. Anscheinend war die keltische Gesellschaft recht deutlich geschichtet, m�glicherweise bis hin zu einer Art Kastenwesen, weil es keine �sozialen Aufstiegsm�glichkeiten� gab. Die auf einem Bergsporn gelegene Heuneburg in Oberschwaben, den Hohenasperg in W�rttemberg und den Glauberg in der hessischen Wetterau h�lt man f�r Herrschaftszentren derartiger keltischer �F�rsten�.</p><p><emphasis>um 500 v.�Chr.</emphasis></p><p>F�RSTENGR�BER����In der Sp�tphase der Hallstatt-Kultur um 500 v.�Chr., kurz bevor die Griechen den Persern bei Marathon die Stirn boten und den Bau des Parthenons begannen, entstanden die ber�hmten �F�rstengr�ber�. Sie befanden sich stets unter Grabh�geln, deren Aufschichtung einen gewaltigen Aufwand erforderte. Allein das, sowie der Reichtum der Beigaben einiger gl�cklicherweise unberaubter Grabkammern (zum Beispiel im w�rttembergischen Hochdorf), l�sst auf die herausragende Stellung der bestatteten Pers�nlichkeiten schlie�en. Das w�re in den Urnenfelder-Kulturen mit ihren egalit�ren Urnengr�bern ohne nennenswerte Beigaben undenkbar gewesen. Allerdings f�llt die Deutung schwer, ob die aufwendigst gearbeiteten Trinkh�rner, Kessel, Bronzewagen �kultischen� Zwecken dienten oder reine Luxusgegenst�nde waren. Zumindest die Kessel scheinen auch eine religi�se Bedeutung gehabt zu haben. Im Grab der F�rstin von Vix in Burgund (500 v.�Chr.) wurde 1953 der bislang gr��te bekannte Kessel gefunden. Der Krater von Vix, ein �ber 1000 Liter fassendes Bronzeprunkgef��, stammt aus einer s�ditalienischen Werkstatt und wurde von dort an die Seine �exportiert�.</p><p>DRUIDEN����Eine gewisse Einheitlichkeit der keltischen Kulturen ergab sich durch die religi�sen Kulte. Priesterliche Funktionen hatten die recht aristokratischen Druiden, die offenbar umfassend gebildet und ausgebildet wurden und vielleicht eine Klasse f�r sich darstellten, �hnlich den Brahmanen in Indien. Der Weitergabe von Wissen in schriftlicher Form verschloss man sich in diesen Kreisen ausdr�cklich. �Geheimes Wissen� wurde nur m�ndlich tradiert, was der Nachwelt Raum f�r allerlei Spekulationen lie�. C�sar erw�hnte das Schriftverbot ausdr�cklich. Gerade deshalb wei� man aber auch fast nichts Konkretes �ber die Druiden, ihre Kulte und ihre religi�sen Vorstellungen.</p></section><section><subtitle>GR�NDERJAHRE DER ANTIKE</subtitle><p>Nicht nur die Hellenen, auch andere V�lker erschienen nach dem Zusammenbruch des Hethiter-Reiches in Kleinasien und an der �g�is-K�ste. Sie hinterlie�en ihre Spuren im Ged�chtnis der Geschichte und spielten eine wichtige Rolle bei der Vermittlung altorientalischer Kultur nach Europa.</p><p><emphasis>800�500 v.�Chr.</emphasis></p><p>ETRUSKER II����Von den Etruskern, die sich selbst <emphasis>Rasenna</emphasis> nannten, hat die heutige Toskana, ihr Hauptsiedlungsgebiet in Mittelitalien zwischen Arno und Tiber, ihren Namen: <emphasis>Etrusci</emphasis> wurde zun�chst zu <emphasis>Tusci</emphasis> und dann sp�ter zu <emphasis>Toskana</emphasis>.</p><p>Sie sind ein nicht-indoeurop�isches altmediterranes Volk, vermutlich aus dem Umkreis der minoischen Kultur in Westanatolien, die dem Druck der eisenzeitlichen Wanderung auswichen. Wahrscheinlich �berlagerte ein kleiner �etruskischer�, kulturell �berlegener Stamm die eingesessene b�uerliche Villanova-Kultur in Mittelitalien. Die Etrusker waren H�ndler, Seefahrer und Seer�uber mit Handelsbeziehungen in der ganzen Mittelmeerwelt, zu Griechen, ph�nizischen Karthagern und den Hallstatt-Kelten.</p><p>Politisch organisierten sich die Etrusker in unabh�ngigen St�dten, nicht in einem �Reich�. Etruskische Gr�ndungen sind Arezzo, Perugia, Volterra, Cortona, Orvieto und einige andere heute nicht mehr besonders bedeutende, damals aber wichtige Orte wie Vulci oder Veji.</p><p>Oberste Gottheit war ein sp�ter bei den R�mern Vertumnus genannter Vegetationsgott, der ein ziemliches Ungeheuer gewesen sein muss. Die Etrusker f�hlten sich sehr abh�ngig vom Willen ihrer G�tter, deswegen verwendeten sie viel Zeit und M�he darauf, diesen zu erforschen. Die von den Auguren betriebene Eingeweideschau und �hnliche divinatorische Praktiken zur Vorhersage des Schicksals vererbten sie den R�mern.</p><p>Die bedeutendsten erhaltenen Bauwerke der Etrusker befinden sich nicht �ber, sondern unter der Erde. Es sind die ausgedehnten Nekropolen mit ihren verzweigten und geradezu wohnlich ausgestatteten Grabkammern.</p><p><emphasis>800 v.�Chr.</emphasis></p><p>PHRYGIEN UND DER GORDISCHE KNOTEN����Die Phryger waren ein indogermanisches Volk, das im 12. Jahrhundert v.�Chr. auf dem Balkan vermutlich in der Nachbarschaft von hellenischen und makedonischen St�mmen siedelte. Etwa parallel mit den Dorern wanderten sie bis nach Kleinasien ein und waren an der Zerst�rung Trojas beteiligt.</p><p>Um 800 v.�Chr. entsteht ein phrygisches Reich mit der Hauptstadt Gordion. Der mythische Reichsgr�ndungsk�nig Gordios war Herrscher geworden, weil eine phrygische Orakeldelegation auf die Frage, wer Staatschef sein solle, in Delphi die Antwort bekam: Der Erste, der euch bei der Heimkehr auf einem Streitwagen begegnet. Das war Gordios. Joch und Deichsel eines Streitwagens waren mit dem sehr verschlungenen Gordischen Knoten verbunden, der von den G�ttern gekn�pft war. Kein Wunder, dass Gordios den Streitwagen im Zeus-Tempel als Kultobjekt aufstellte. Dort blieb er jahrhundertelang. Bis Alexander der Gro�e kam.</p><p>MIDAS����Gordios und Midas sind durch die Legende personifizierte Figuren. Eigentlich sind es phrygische K�nigsbezeichnungen wie fr�her auf Kreta �Minos� oder in �gypten �Pharao�. Dementsprechend wird Midas immer als �Sohn� des Gordios bezeichnet. Dabei ist er einfach einer seiner Nachfolger � ob Sohn oder nicht. Midas ist ebenso legend�r wie sein �Vater�: Alles, was er anfasste, verwandelte sich in Gold. Die Legende vom Gold-Midas deutet auf den Reichtum des phrygischen Reiches in der heutigen West-T�rkei zwischen �g�is und Schwarzem Meer.</p><p><emphasis>550 v.�Chr.</emphasis></p><p>KR�SUS, DER M�NZERFINDER����Gyges oder Kr�sus, der bekannteste K�nig des benachbarten Lydien, war auch sehr reich. Er regierte von 556 bis 541 v.�Chr. Die Lyder waren keine zugewanderte, sondern eine alteingesessene Bev�lkerung. Deren altindogermanische Sprache war dem Hethitischen viel n�her als dem Griechischen oder Phrygischen.</p><p>Lydien deckte sich territorial teilweise mit dem fr�heren Phrygien. Die ionischen Griechen und die kleinasiatischen Reiche waren sehr eng benachbart. Die lydische Hauptstadt Sardes lag nur einen Tagesritt von Ephesos entfernt. Auch die Lyder befragten das delphische Orakel. Die Festlandgriechen beneideten Kr�sus um die gro�z�gigen Weihegeschenke, die er Delphi stiftete. Gleichwohl lag man im Dauerstreit, weil die Lyder die Griechenst�dte an der K�ste Milet, Ephesos, Smyrna und Magnesia beherrschen wollten. Die Landschaften waren fruchtbar, vor allem in den Flusst�lern. Zu den Fl�ssen geh�rte der wegen seines sehr gewundenen Laufes sprichw�rtlich gewordene M�ander. Weiterer Wohlstand kam aus dem �g�is-Orient-Handel und aus den Goldvorkommen im Fluss Paktolos, die schon den Midas reich gemacht hatten.</p><p>Ein bis zwei Generationen vor Kr�sus kamen die Lyder auf die epochale Idee, kleine Edelmetallst�cke von einem bestimmten Gewicht und daher auch einem bestimmten Wert mit einem K�nigssiegel zu bedrucken. Das war die Erfindung der Geldm�nzen. Bis auf den heutigen Tag erinnert der Name mancher W�hrungen (�Pfund�) an diesen Ursprung des Geldes. Dass die Erfindung gerade in Lydien gemacht wurde, l�sst auf die Intensit�t des Handels in diesem Gebiet schlie�en. M�nzen erleichtern den Warentausch erheblich.</p><p>Da die lydischen M�nzen mit dem K�nigssiegel des Kr�sus schnell in der ganzen damals bekannten Welt in Umlauf kamen, hielt man Kr�sus f�r einen sagenhaft reichen Mann. Die neue Erfindung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Vor allem die benachbarten Griechen erwiesen sich als sehr fix im Geld drucken, zuerst ab 570 v.�Chr. in �gina; Korinth und Athen folgten schnell.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Kr�sus war der letzte lydische K�nig. Er unterwarf noch die griechischen St�dte an der kleinasiatischen �g�is-K�ste au�er Milet und machte sie tributpflichtig. W�hrend seiner Regierungszeit war das babylonische Reich jenseits des Grenzflusses Halys bereits von den Persern unterworfen. Diese gedachte er herauszufordern und befragte deswegen das Orakel von Delphi. Es beschied ihn mit dem ber�hmten doppeldeutigen Spruch: �Wenn du den Halys �berschreitest, wirst du ein gro�es Reich zerst�ren.� Frohgemut setzte er �ber den Fluss � und wurde von den Persern besiegt. Er hatte sein eigenes Reich zerst�rt. Kleinasien wurde daraufhin das Aufmarschgebiet f�r den Vorsto� der Perser nach Griechenland.</p><p><emphasis>750 v.�Chr.</emphasis></p><p>GRIECHISCHE KOLONISATION����Nach der Dorischen Wanderung und der Konsolidierung der griechischen Stadtstaaten rund um die �g�is waren diese um 750 v.�Chr. kraftvoll und ��berbev�lkert� genug: An den K�sten des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres wurden nahezu 150 neue St�dte gegr�ndet � nicht gerechnet die Dunkelziffer der gescheiterten Expeditionen, die hoch gewesen sein muss. Die Anf�hrer dieser Auswanderungsgruppen waren oftmals gescheiterte Existenzen aus Adelsfamilien, die sich bei Handelsgesch�ften verspekuliert hatten, bei Wahlen durchgefallen waren oder sonstwie in ihren Heimatgemeinden nicht mehr auf Ruhm und Reichtum nach alter V�ter Sitte hoffen durften. Gier nach Reichtum war ein wesentliches Antriebselement, wie bei den Condottieri der Renaissance und den Konquistadoren. Sich als S�ldnerf�hrer oder Pirat hervorzutun, galt nicht als anr�chig. Beutemachen war schon ein Zeitvertreib der fr�hen Aristokratie gewesen. Nun schlossen sich ihnen verarmte Bauern und �hnliche Zukurzgekommene an. Fast alle griechischen Landgemeinden, auch auf den Inseln, beteiligten sich an der Kolonisationsbewegung, Sparta und Athen jedoch kaum. Es kam zu neuen Polisgr�ndungen, von denen sich einige als erfolgreicher erwiesen als ihre Mutterst�dte.</p><p>Zu den bekanntesten griechischen Gr�ndungen z�hlen: Cumae (griechisch Kyme) bei Neapel war 734 v.�Chr. die erste griechische Kolonie. Syrakus auf Sizilien wurde 733 gegr�ndet, dessen Mutterstadt war Korinth. Massalia, das heutige Marseille, entstanden um 600 v.�Chr., und Neapolis, �Neustadt�, das heutige Neapel, waren Metropolen der Antike und des Mittelalters. Sie sind bis in die Gegenwart bedeutende Gro�st�dte geblieben. Sybaris, gegr�ndet um 720 v.�Chr. in Unteritalien, wurde wegen seines Reichtums und Luxus zum Inbegriff f�r �bers�ttigtes Wohlleben. Nicht nur die Griechen, auch die Ph�nizier gr�ndeten Kolonien. Die ber�hmteste und erfolgreichste wurde Karthago.</p><p><emphasis>750 v.�Chr.</emphasis></p><p>KARTHAGO����hie� ph�nikisch <emphasis>Qart-hadascht</emphasis> und das bedeutet so viel wie �Neustadt�. Angeblich gab es Karthago schon 814 v.�Chr., aber vermutlich doch erst kurz nach 750 v.�Chr. Die Mutterstadt ist Tyros im heutigen Libanon. Mit seiner Gr�ndung ist die Sage von Dido verkn�pft. Auf der Flucht vor ihrem Bruder gelangte die tyrische Prinzessin Dido an die nordafrikanische K�ste und durfte sich hier so viel Land aneignen, wie eine Kuhhaut umspannte. Dido schnitt die Kuhhaut in d�nne Streifen, legte sie aneinander und gewann dadurch ein gro�es St�ck Land. Laut Vergils <emphasis>Aeneis</emphasis>, dem kaiserzeitlichen Gr�ndungsepos Roms, schaute auch der Trojaner-Prinz �neas bei seiner Flucht aus dem zerst�rten Troja bei Dido vorbei. Sie verliebten sich heftig, �neas w�re gern geblieben, aber er hatte noch einen Termin, denn er sollte auf Gehei� der Venus Rom gr�nden. Der englische Barockkomponist Henry Purcell schrieb dazu die ergreifendste Abschiedsarie der Opernliteratur <emphasis>Remember me</emphasis>.</p><p>W�hrend die Griechen eher Unteritalien und die ligurische und s�dfranz�sische K�ste kolonisierten, waren die Karthager vorzugsweise an der nordafrikanischen K�ste, auf den gro�en Inseln Sardinien und Korsika, den Balearen und im S�den der Iberischen Halbinsel aktiv. Sie gr�ndeten ihrerseits C�diz (<emphasis>Gades</emphasis>), Lissabon (<emphasis>Alis ubbo</emphasis>), Malaga (<emphasis>Malaka</emphasis>) und Barcelona.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Nachdem Tyros 568 v.�Chr. Teil des persischen Reiches geworden war, wurde Karthago vollkommen unabh�ngig und im 4. und 3. Jahrhundert zur reichsten Stadt am Mittelmeer mit rund einer halben Million Einwohnern. Wegen der Rivalit�t um die Vorherrschaft in Sizilien und Sardinien kam es im 3. Jahrhundert v.�Chr. zu Auseinandersetzungen mit dem aufstrebenden Rom, die in den drei Punischen Kriegen m�ndeten. <emphasis>Poeni</emphasis> (deutsch �Punier�) ist das lateinische Wort f�r �Ph�nizier�.</p></section><section><subtitle>GR�NDERJAHRE IN ROM</subtitle><p>Die Latiner geh�rten neben den Umbrern, Oskern, Picenern, Sabinern zu den vielen anderen indoeurop�ischen St�mmen, die nach 1200 v.�Chr. von Norden auf die Apennin-Halbinsel einstr�mten. Das Stammesgebiet dieser kleinen V�lkerschaften war der Ostseeraum zwischen Elbe, Oder, Weichsel. Die Latiner siedelten in der Gegend um das sp�tere Rom, wo um 600 v.�Chr. die Etrusker die Herrschaft erlangten. Diese siedelten haupts�chlich in der Toskana und hatten einen eindeutig h�heren Zivilisationsstandard.</p><p>Um 650 v.�Chr. erwarb die etruskische Familie Rumlenne oder Rumlinna (lateinisch <emphasis>Romilii</emphasis>) den meisten Grundbesitz am Unterlauf des Tibers und organisierte die d�rflichen Siedlungen auf den sieben H�geln �ber dem Tibersumpf zu einer st�dtischen Gemeinde. Fortan war diese Gegend die Romilii-Gegend, kurz: Rom.</p><p>Die Etrusker vermittelten den Latinern auch das (west)griechische Alphabet. Wesentliche Elemente der r�mischen Religion und des r�mischen Staatszeremoniells sind etruskisch.</p><p>AB URBE CONDITA����bedeutet �seit der Gr�ndung der Stadt� und ist der Titel eines Geschichtsbuches von Titus Livius (ca. 60 v.�Chr.�17 n.�Chr.). Dieser geh�rte zum Literatenkreis um Maecenas (dem Ur-M�zen!). Auch Kaiser Augustus sponsorte Livius pers�nlich. Im Rahmen der Reichspropaganda und sicherlich auf �Anregung� des Kaisers ging es Titus Livius darum, <emphasis>Exempla maiorum</emphasis>, die Taten der tugendhaften r�mischen Vorfahren, in Erinnerung zu rufen � als Kontrastprogramm zu den sittlich verlotterten und politisch zerr�tteten Verh�ltnissen nach fast 100 Jahren B�rgerkrieg in Rom.</p><p>Eingef�hrt worden war die Zeitrechnung <emphasis>ab urbe condita</emphasis> erst eine Generation zuvor durch den Universalgelehrten und Staatsmann Varro (116�27 v.�Chr.), eine Art Goethe der ganz fr�hen r�mischen Kaiserzeit. Die fixe Geschichtsidee der R�mer war, von den Trojanern abzustammen: Sie stellten sich vor, die �berlebenden Trojaner seien unter F�hrung des �neas in die Gegend von Rom ausgewandert und h�tten sich hier neu angesiedelt. Wie die meisten R�mer seiner Zeit hielt Varro das Jahr 1193 v.�Chr. f�r das Jahr der Eroberung Trojas. Gem�� den damaligen astrologischen Vorstellungen betrug die Spanne bis zu einer Wiedergeburt 440 Jahre. Daher legte Varro den Zeitpunkt des Beginns der Geschichte Roms auf 753 v.�Chr. fest � also eine rein symbolische Zahl.</p><p>Die historisch auch nicht ganz zuverl�ssige, aber in der r�mischen Republik praktizierte Zeitrechnung war die Liste der j�hrlich wechselnden Konsuln seit dem Sturz der etruskischen Stadtherren angeblich im Jahr 510 v.�Chr. Schon seit pharaonischer und akkadischer Zeit war diese Art von Zeitz�hlung die einzig bekannte: �Im sechsten Jahr der Regierung des K�nigs/Pharao �� Demnach l�ge der Beginn der r�mischen Republik etwa in der Zeit, als in Kleinasien die ionischen St�dte den Aufstand probten und den Marsch der Perser gegen Griechenland provozierten, der 490 und 480 v.�Chr. in Marathon und Salamis endete.</p></section><section><subtitle>DIE JUDEN IN BABYLON</subtitle><p>In den Jahrhunderten der archaischen und homerischen Epoche (ca. 850 bis 650 v.�Chr.) in Griechenland waren die Assyrer mit ihren despotischen Herrschern im Osten die Herren der Welt. Sie hatten sogar um 650 v.�Chr. zeitweise �gypten erobert. Die ph�nizisch-kanaan�ischen, die israelitischen und alle �brigen Gebiete des Nahen Ostens waren seit 720 v.�Chr. fest in assyrischer Hand. Das blieb 100 Jahre lang so. Dann eroberten die s�dmesopotamischen Chald�er 625 v.�Chr. dieses Weltreich, zerst�rten alle assyrischen St�dte, machten Babylon gr��er denn je zur Hauptstadt, komplett mit Ischtar-Tor, neuem Babel-Turm und vielleicht auch mit H�ngenden G�rten.</p><p><emphasis>600 v.�Chr.</emphasis></p><p>CHALD�ER����Die historischen Griechen lernten eigentlich nur diese Chald�er als Bewohner Babyloniens kennen. Da die Geschichtswissenschaft und das Geschichtsbewusstsein damals noch nicht so exakt waren wie heute, nahmen sie einfach an, alles Mesopotamische und Babylonische sei �chald�isch�. Damals versachlichte sich auch die altbabylonische Himmelsbeobachtung. Die �ber lange Zeitr�ume gesammelten empirischen Daten �ber Himmelserscheinungen wie Sonnen- und Mondfinsternisse, Planetenbewegungen und dergleichen dienten nun nicht nur der �berkommenen Wahrsagung, sondern auch pr�zisen Voraussagen. Das fanden die aufgeweckten Griechen nat�rlich sehr faszinierend. Die Voraussage einer Sonnenfinsternis durch den Griechen Thales f�r den 23.�Mai 585 war sicher nur aufgrund der chald�ischen Gelehrsamkeit m�glich.</p><p>Die Griechen haben vom Namen der regierenden Dynastie �Kald�er�, dieser allerletzten babylonischen Dynastie, den Allgemeinbegriff f�r die gelehrten Sternendeuter �Chald�er� abgeleitet. Auch die drei Weisen <emphasis>magoi</emphasis> aus dem Morgenland, die etwa 500 Jahre sp�ter dem Stern von Bethlehem folgten, werden deswegen als �chald�isch� bezeichnet.</p><p><emphasis>587�540 v.�Chr.</emphasis></p><p>BABYLONISCHE GEFANGENSCHAFT����Nebukadnezar II. war von 604 v.�Chr. bis 562 v.�Chr. der bedeutendste Feldherr und Staatsmann seiner Epoche (�brigens der <emphasis>Nabucco</emphasis> der bekannten Verdi-Oper). Sein Herrschaftsbereich umfasste den gesamten Nahen Osten von der Euphrat-M�ndung bis zum Mittelmeer. J�hrliche Feldz�ge in aufst�ndische Regionen waren an der Tagesordnung, um vor allem die Randgebiete unter Kontrolle zu halten. So eroberte Nebukadnezar 587/586 v.�Chr. nach zweij�hriger Belagerung Jerusalem, nachdem der von ihm selbst eingesetzte j�dische Vasallenk�nig Zedekia eine antibabylonische Koalition zu schmieden versucht hatte. Zedekia wurde geblendet und 40 Jahre lang in Gefangenschaft gehalten. Nebukadnezar zerst�rte den Tempel Salomons, raubte die Tempelsch�tze und nahm die Angeh�rigen der j�dischen Oberschicht als Geiseln mit, eine damals g�ngige politische Praxis. Von dieser Babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel berichtet die Bibel ausf�hrlich im �Buch Daniel�.</p><p>Der Verlust des Jahwe-Tempels war f�r die Juden wie das Ausl�schen ihrer Religion. Kein Tempel, kein Kult � ihre Antwort war die Wandlung von der Kultreligion zur Buchreligion. In Babylon begannen sie, die j�dische �berlieferung aufzuschreiben. Daraus entstand in einem jahrhundertelangen Prozess der intellektuellen Verarbeitung und Verinnerlichung das Alte Testament � die Manifestierung des Monotheismus. Bis in die Gegenwart ist das Alte Testament Grundlage f�r Judentum, Christentum und Islam, und damit f�r die rund drei Milliarden Menschen der monotheistischen Religionen.</p><p><emphasis>ca. 540 v.�Chr.</emphasis></p><p>DAS GASTMAHL DES BELSAZAR����Die bekannteste Episode jener Jahre ist die vom Gastmahl des Belsazar. Dabei war der Sohn Nebukadnezars schon so betrunken, dass er befahl, j�dische Kultger�te aus der Tempelbeute herbeizuschaffen, um daraus weiterzutrinken. Die frevelhafte Tat nahm ihren Lauf, da erschien das Menetekel, das ber�hmte Zeichen an der Wand: <emphasis>Mene, mene tekel u-parsim.</emphasis> Keiner der babylonischen Magier und Zauberer vermochte die Worte zu deuten. Nur der j�dische Prophet �bersetzte: �Gez�hlt, gewogen und geteilt.� Heute sagt man: �Gez�hlt, gewogen und zu leicht befunden.� Die Prophezeiung war eindeutig: Die Tage des K�nigs waren gez�hlt. Er wurde gewogen und zu leicht befunden. Belsazars Reich wurde geteilt zwischen den Medern und den Persern � es wird von ihnen erobert.</p><p><emphasis>um 540 v.�Chr.</emphasis></p><p>PERSER����Ungef�hr im Todesjahr Zarathustras hatte Kyros II. (persisch <emphasis>Kurusch</emphasis>; um 585�529 v.�Chr.) die zeitweilige Vorherrschaft der Meder abgesch�ttelt und Persien und Medien vereinigt. 542/541 v.�Chr. eroberte Kyros das kleinasiatische Reich des Kr�sus (�Wenn du den Halys �berschreitest, wirst du ein gro�es Reich zerst�ren�) und stand damit an der ionischen K�ste der �g�is. Wenig sp�ter eroberte der Perserk�nig Babylon und entlie� die Juden in ihre Heimat. (Viele der Geiseln waren allerdings mittlerweile sehr erfolgreiche Kaufleute und kehrten aus ihrer Babylonischen Gefangenschaft gar nicht zur�ck. So blieb Babylon bis ins Mittelalter, also f�r rund 1500 Jahre, ein bl�hendes Zentrum j�discher Kultur.) Der R�ckkehr der Juden in ihre Heimat folgte 515 v.�Chr. der Bau des zweiten Tempels in Jerusalem mit Genehmigung von Kyros� Nachfolger Dareios I. Es war dieser zweite Tempel, den dann die R�mer im Jahr 70 n.�Chr. zerst�rten.</p><p>Die Perser herrschten mit einer v�llig anderen Mentalit�t als die grausamen assyrisch-babylonischen Unterdr�cker, die ganze V�lker verschleppten und Kulte zerst�rten, wobei die Babylonische Gefangenschaft nur das bekannteste Beispiel ist. Kyros nahm nach der Eroberung Babylons sogleich die Stellung und Zeremonien der dortigen K�nige ein und huldigte deren G�ttern. Die unterjochten V�lker erhielten ihre G�tterstatuen zur�ck, die Juden ihre Tempelger�te.</p><p>Wer waren jene Perser? Urspr�nglich bezog sich ihr Name auf einen einzigen indoarischen Stamm aus der Landschaft Persis im iranischen Hochland oberhalb des Persischen Golfes. Etwa um die Zeit, als die Dorer in Griechenland einwanderten, waren die Perser in den assyrischen Raum eingedrungen und hatten zeitweilig unter der Vorherrschaft der Meder gestanden. Kyros und seine Nachfolger, die das erste persische Weltreich beherrschten, geh�rten zur Dynastie der Ach�meniden.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Mit genau diesen Persern mussten sich die Griechen bei Marathon und Salamis 70 Jahre nach der Befreiung der Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft auseinandersetzen.</p></section><section><title><p>DIE GESCHICHTE DER ANTIKE</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 500 v.�Chr. bis 300 n.�Chr.</emphasis></p></section><section><subtitle>NEUES DENKEN</subtitle><p>Wegen des ungef�hr gleichzeitigen Auftretens von Konfuzius, Lao-tse, Buddha und der griechischen Naturphilosophen w�hrend der Jahrhunderte um 500 v.�Chr. sprach der Philosoph Karl Jaspers (1883�1969) in seinem 1949 erschienenen Buch <emphasis>Vom Ursprung und Ziel der Geschichte</emphasis> von einer �Achsenzeit der Weltgeschichte�. Was will er damit sagen?</p><p>ACHSENZEIT����In den bis dahin am weitesten entwickelten vier Kulturkreisen China, Indien, Orient und rund um die �g�is traten die Vordenker auf, die die bis heute g�ltigen geistigen Grundlagen ihrer Kulturkreise formuliert haben. Diese M�nner sorgten daf�r, dass die Menschen das Nachdenken lernten und das religi�se Erleben verinnerlichten. Sie verharrten nicht mehr in einem mythischen und magischen Naturdenken, das sich in Aberglaube, Zauberei, Vielg�tterei und legendenhaften kosmischen Weltentstehungssagen �u�erte. Diese Traumwelt wurde nachhaltig ersch�ttert. Mit Konfuzius, Buddha, Zarathustra, den Vorsokratikern und den biblischen Propheten erlangten die Menschen ein Selbst-Bewusstsein, das es ihnen erm�glichte, Naturerscheinungen zu berechnen, ethische Normen aus der R�cksichtnahme auf andere zu entwickeln, die politische Gemeinschaft nach frei und selbst geschaffenen Gesetzen zu organisieren und das G�ttliche nicht mehr als Teil der diesseitigen materiellen Welt, sondern als jenseitiges, immaterielles Gegen�ber zu begreifen.</p><p>Nat�rlich verwandelte sich die Welt damit nicht schlagartig. Aber in China, Athen, Rom entstanden nun Konzepte, um das Gemeinwesen zu organisieren, mit klaren Zust�ndigkeiten, Machtverteilungen und Machtbegrenzungen. Beamte wurden in Rom und Athen nur noch f�r einen bestimmten Zeitraum gew�hlt, in China mussten sie ihren Amtsbereich nach einer bestimmten Zeit wechseln. Auch wenn diese Gesetze abertausendfach unterlaufen wurden � so etwas hatte es vorher nicht gegeben. Machtfragen hatte man bisher immer nur mit Gewalt gel�st. Und obwohl der Aberglaube bis heute nicht aus unserem Denken verschwunden ist � seit damals gab es eine neue Option.</p><p><emphasis>6. Jahrhundert v.�Chr.</emphasis></p><p>LAO-TSE����Wie der �Gelbe Kaiser� Huang-ti soll Lao-tse von einem Licht- oder Blitzstrahl gezeugt und gleich bei seiner Geburt der Sprache m�chtig gewesen sein. Beide sind legendenhafte Gestalten, keine realen Personen der Geschichte. Lao-tse, der �alte Meister�, gilt als der bedeutendste philosophische Denker des Tao (�Weg�), einer umfassenden, tiefgr�ndigen, weltabgewandten Welterkenntnislehre. Er betrachtete das Tao, eine lebendige Lebenskraft und zugleich eine Art �Urvernunft�, als etwas, das man erfahren muss und nicht beschreiben, geschweige denn in einem Buch festhalten kann. Rechtgeleitetes Handeln in vollendetem Pflichtbewusstsein ohne die eitle Erwartung von Reichtum und Ruhm steht im Mittelpunkt der anspruchsvoll-asketischen Ethik. Erst als Lao-tse gegen sein Lebensende in die Emigration ging, soll er seine Gedanken auf Bitten eines Grenzw�chters in einem Buch in aphoristischer Form niedergelegt haben. Das <emphasis>Tao-te-king</emphasis> ist auch im Westen eines der bekanntesten Werke der chinesischen Literatur und Philosophie. In den folgenden Jahrhunderten nahm der Taoismus in China religi�s-kultische Z�ge an � bis hin zu Aberglaube und Alchimie.</p><p><emphasis>ca. 550�480 v.�Chr.</emphasis></p><p>KONFUZIUS����Kung-fu-tse (�Meister Kung�) ist der bedeutendste praktische Philosoph und Staatsdenker Chinas. Konfuzius ist die latinisierte Form seines Namens. Er stammte aus dem F�rstentum Lu (heute in der Provinz Shandong) am Unterlauf des Gelben Flusses, einem der �ltesten Zentren der chinesischen Kultur. Die Kungs waren ein altes Adelsgeschlecht; Nachfahren der Familie und von Konfuzius selbst leben noch heute. Als junger Mann hatte er niedrige Amtsstellen inne. Wegen politischer Wirren musste Kung zweimal emigrieren. So f�hrte er ein Wanderleben durch eine ganze Reihe von kleineren Feudal-F�rstent�mern. Um 500 machte Konfuzius eine Karriere in hohen Staats�mtern. Sein Lebensende f�llt in die Periode der �Streitenden Reiche� (480�221 v.�Chr.).</p><p>Konfuzius war wenig an metaphysischen Problemen oder abstrakten Ideen interessiert, vielmehr am Verhalten der Menschen. Seine Sch�ler �berlieferten seine Lehre, die ganz auf Harmonie gestimmt ist: Harmonie in der Familie und Harmonie im Staat spiegeln die Harmonie des Weltganzen. Erreicht wird dies durch eine aristokratische Ethik der permanenten Selbsterziehung und Charakterbildung, die den in sich ausgewogenen, human gesinnten, aufrichtigen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dieses Ideal pr�gte die chinesische Kultur. Ethik und Etikette spielten in der zutiefst konfuzianisch gepr�gten chinesischen Gesellschaft, in der das Kollektive vor dem Individualprinzip rangiert, immer eine herausragende Rolle.</p><p><emphasis>vor 221 v.�Chr.</emphasis></p><p>STREITENDE REICHE����Auch damals war das Gesamtgebiet Chinas noch nie wirklich einheitlich regiert worden. Das gro�e, ethnisch sehr vielf�ltige Land kannte nur verschiedene K�nigreiche und F�rstent�mer mit wechselnden Hauptst�dten. Die geschichtliche Epoche von der Zeit nach Konfuzius� Tod bis zur ersten Reichseinigung 221 v.�Chr. nennt man �Streitende Reiche�. Zu Beginn dieser Periode gab es ungef�hr 16 �Reiche�, um 300 v.�Chr. noch sieben. Erst dann einte der erste Kaiser China.</p><p>ALSO SPRACH ZOROASTER����Dem Zoroaster (oder Zarathustra) war der Gott Ahura Mazda, der �weise Herr�, erschienen, der ihm ein heiliges Buch der Weisheit und des Wissens aush�ndigte, das <emphasis>Avesta</emphasis>. Diese Offenbarung erinnert an Moses auf dem Sinai oder an die Erleuchtung Buddhas. Ahura Mazda war ein �guter Gott�, sein Gegenspieler Ahriman der Geist des B�sen und der Finsternis.</p><p>Zoroasters Lehre war historisch die erste, die eine Gottesidee als abstraktes, rein geistiges Prinzip formulierte. Sie stellt dem Menschen frei, zwischen Gut und B�se zu w�hlen. Durch gute Gedanken, gute Worte und gute Taten kann dieser das Paradies erlangen. Zoroaster gelang es, den damaligen Herrscher f�r seine Religion zu gewinnen. Der Zoroastrismus wurde unter den K�nigen Kyros und Dareios I. die persische Staatsreligion.</p><p>Der zoroastrische Gut-B�se-Dualismus hat die j�dische Religion und religi�se Lehren wie den Manich�ismus (gegr�ndet von Mani 241 v.�Chr.) und die Gnosis tief beeinflusst. Diese Lehren wurden zwar von den christlichen Kirchenv�tern erbittert bek�mpft. Aber da der Kirchenvater Augustinus in seiner Jugend selbst stark unter dem Einfluss des Manich�ismus stand, finden sich davon auch Z�ge in der christlichen Religion, zum Beispiel im Verh�ltnis Gott-Satan.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Heute noch lebende und praktizierende Anh�nger des Zoroastrismus sind die Parsen, eine kleine, �berwiegend wohlhabende Minderheit vor allem in Indien. Bekannte Parsen unserer Zeit sind der, inzwischen verstorbene, Leads�nger von Queen, Freddie Mercury, der Dirigent Zubin Metha und der Ehemann von Indira Gandhi.</p><p><emphasis>ca. 560�480 v.�Chr.</emphasis></p><p>BUDDHA����Der legend�re oder historische indische Prinz Siddhartha Gautama (etwa 560�480 v.�Chr.) stiftete eine Erl�sungsreligion, die als einzige in ganz Asien Verbreitung fand, allerdings kaum in Indien.</p><p>Die heute bekannteste Auspr�gung der von Buddha, dem �Erweckten� und �Erleuchteten�, begr�ndeten Lehre ist der tibetische Lamaismus. �hnlich wie bei Jesus gibt es von Buddha weder historische Dokumente seiner Existenz noch verb�rgte direkte �u�erungen oder Berichte von echten zeitgen�ssischen Augenzeugen. Die legendenhafte �berlieferung setzte, �hnlich wie bei den Evangelien, etwas sp�ter ein. Danach war Prinz Gautama, geboren um 560 v.�Chr., der Sohn des Radschas von Kapilavastu, eines kleinen Reiches am Fu�e des Himalaja (heute im indisch-nepalesischen Grenzgebiet). Nachdem ihm die existenzielle Unausweichlichkeit von Alter, Krankheit, Leiden und Tod klar geworden war, wandte sich Gautama vom Luxusleben ab, fastete sich fast zu Tode � und erkannte, dass in der Askese kein Erl�sungsweg aus dem irdischen Leiden liegt. Im Schatten eines Baumes sitzend kam ihm der Gedanke: Der Grund f�r den ewigen Kreislauf des Lebens mit seinen immer neuen Wiedergeburten liegt in der Begierde. Gelingt es, diese zu �berwinden, kann man den Kreislauf durchbrechen, und zwar �ber den achtfachen heiligen Pfad: rechter Glaube, rechtes Denken, rechtes Handeln, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes Sich-versenken. Diese Erkenntnis verk�ndete Gautama f�r den Rest seines Lebens als Wanderprediger in Nordindien.</p><p>In Antike, Mittelalter und Fr�hneuzeit hatte man in Europa keinerlei Kenntnis vom Buddhismus. Die erste Kunde davon kam in der Hochzeit der Entdeckungsgeschichte im 18. Jahrhundert.</p><p><emphasis>ca. 625�525 v.�Chr.</emphasis></p><p>THALES UND DIE IONISCHEN NATURPHILOSOPHEN����Um 600 v.�Chr. waren Milet und Ephesos sowie die anderen Griechenst�dte an der ionischen Westk�ste Kleinasiens schon seit Jahrhunderten in den intensiven Ost-West-Handels- und Kulturaustausch mit dem Orient eingebunden. Im eng benachbarten Lydien regierte der �M�nzerfinder� und Perserherausforderer Kr�sus (555�541 v.�Chr.). Als Thales 30 Jahre alt war, erneuerte Solon den athenischen Staat durch seine neue Verfassung (594 v.�Chr.). Athen erlebte um 550 v.�Chr. eine erste Bl�tezeit unter dem �Tyrannen� (Alleinherrscher) Peisistratos.</p><p>Thales (625�547 v.�Chr.) sagte eine Sonnenfinsternis f�r den 23.�Mai 585 voraus. Dieses Datum ist in zweierlei Hinsicht besonders markant f�r die Kulturgeschichte Europas. Erstens handelt es sich um eines der ganz wenigen zuverl�ssig datierbaren Ereignisse aus der Zeit vor 500. Zweitens wurde ein Naturereignis erstmals nicht mythologisch-religi�s aus g�ttlichen Wirkkr�ften, sondern rational erkl�rt. Thales war auch Mathematiker (Satz des Thales) und berechnete die H�he der Pyramiden anhand von deren Schatten.</p><p>Als Kaufmann der Handelsmetropole Milet war der vielseitige Thales weit gereist; seine mathematischen und astronomischen Kenntnisse hatte er sicher im babylonisch-ph�nizischen �Nahen Osten� erworben. Das Wasser hielt er f�r den Urstoff allen Lebens. Philosophisch daran ist der Versuch, ein Urprinzip, eine grundlegende Erkenntnis oder �Wahrheit� �ber das Leben zu suchen � und zwar in der Natur, nicht in mythischer �berlieferung.</p><p>Thales war nicht der einzige Naturdenker im Ionien jener Zeit. Ebenfalls in Milet lebten seine Sch�ler und Nachfolger Anaximander (610�546) und Anaximenes (575�525 v.�Chr.).</p><p>Anaximander schuf die erste Weltkarte der Griechen, auf der die damals bekannte Welt mit Europa, Asien und Libyen (Afrika) rund um das Mittelmeer angeordnet ist, umflossen vom Ozean. Nach seiner Vorstellung schwebte die Erde frei im Weltraum und der Mond empfing sein Licht von der Sonne. Thales und Anaximander versuchten sich an Erkl�rungen der Weltentstehung und der Grundelemente der Natur ohne g�ttlichen Sch�pfungsakt. Sie starben fast im gleichen Jahr (547/546 v.�Chr.). Noch zu ihren Lebzeiten �berschritt Kr�sus den Halys und verlor sein Reich an den Perser Kyros II. Damit stand die neue Macht unmittelbar vor der Haust�r der Griechen. Die ionischen St�dte wurden tributpflichtig, blieben ansonsten aber noch unabh�ngig.</p><p>Weitere bedeutende Naturdenker der Zeit um 500 gingen vom Mathematiker Pythagoras (580�496 v.�Chr.) aus, der neben seinem ber�hmten Lehrsatz die mathematischen Grundlagen der Musik, die Intervalle, entdeckte und in Unteritalien eine f�r die Antike ungew�hnliche Seelenwanderungslehre verk�ndete. Pythagoras stammte von der unmittelbar vor Ephesos gelegenen Insel Samos und wich nach Unteritalien aus, als die Perser den Druck auf die ionischen St�dte verst�rkten. Die Pythagoreer wussten um die Kugelgestalt der Erde.</p><p><emphasis>544�483 v.�Chr.</emphasis></p><p>HERAKLIT: �ALLES FLIE�T������hnlich bedeutend wie Milet war das benachbarte Ephesos, jahrhundertelang eine Weltstadt der Antike. Aus einer Familie des ephesischen Priesteradels stammte Heraklit (544�483 v.�Chr.), von dem nur Fragmente �berliefert sind. Den politisch-historischen Hintergrund seines Lebens bildete die voll entbrannte griechisch-persische Auseinandersetzung, die in Marathon 490 und Salamis 480 v.�Chr. ihren H�hepunkt erreichte. Von Heraklit stammt der ber�hmte Satz �Der Streit ist der Vater aller Dinge�, was allerdings nicht auf die politische Situation gem�nzt war. Heraklit gilt bis in die Gegenwart als �tiefer� Denker, der ein Urprinzip der Welt im Werden und Vergehen, in den �berall zutage tretenden Gegens�tzen erkennen wollte. �Alles flie�t� � philosophisch und modern gesprochen ein dialektisches Prinzip. Dementsprechend sah er im Feuer ein Urbild des Kosmos<emphasis>.</emphasis> Mythologische Vielg�tterei lehnte er ab<emphasis>.</emphasis></p><p><emphasis>um 450 v.�Chr.</emphasis></p><p>WASSER, ERDE, FEUER, LUFT����Empedokles (495�435 v.�Chr.) aus Agrigent (Sizilien) fasste die verschiedenen Theorien �ber die �Urelemente� zusammen zu der sp�ter so genannten Vier-Elemente-Lehre: Aus Wasser, Erde, Feuer und Luft sollte sich alles zusammensetzen. Der j�ngste der vorsokratischen Naturphilosophen und Universalgelehrten Demokrit (460�371 v.�Chr.) wiederum nahm an, die Materie bestehe aus kleinsten, unteilbaren Teilchen, die schon sein Lehrer Leukipp �Atome� genannt hatte (griechisch <emphasis>atomos,</emphasis> �unteilbar�). Demokrit stellte sich vor, dass auch die Seele aus besonders feinen Seelenatomen bestand. Das ist also schon eine recht �materialistische� Naturanschauung. Die Vier-Elemente-Lehre wurde schlie�lich von Aristoteles �kanonisiert�. Seither begn�gte man sich auch in Europa bis in die Barockzeit mit dieser �Erkl�rung� der Zusammensetzung der materiellen Welt und hielt es nicht weiter f�r n�tig, �ber Erscheinungen der Natur nachzudenken oder sie gar systematisch zu erforschen.</p></section><section><subtitle>ISRAEL NACH DER BABYLONISCHEN GEFANGENSCHAFT</subtitle><p>Das oftmals in Ekstase vorgebrachte Wahrsagen oder Weissagen war im Alten Orient weit verbreitet. Orientalische Sternendeuterei, Orakeltum und dergleichen war aber gerade nicht die Sache der j�dischen Propheten. Sie verk�ndeten und offenbarten JHWH, Sein Wort und Seinen Willen. Seine Gesetze und Seine Gebote waren zu befolgen, damit Sein Heil erlangt wurde. Es ging den Propheten darum, nur IHM und keinen anderen �G�tzen� wie den Baal, El und Moloch der ph�nizisch und babylonisch gepr�gten Umgebung zu folgen. Sie prangerten Fruchtbarkeitskulte und Sexualriten an, aber auch soziale Missst�nde und obrigkeitliche Missbr�uche innerhalb des Judentums.</p><p>PROPHETEN����Im Alten Testament nehmen die �Prophetenb�cher� breiten Raum ein. In ihnen spiegelt sich die Entwicklung der j�dischen Religion in den Jahrhunderten von etwa 800 bis 200 v.�Chr. Bekannte Propheten sind Elias (9.�Jahrhundert im n�rdlichen Nachfolgereich nach Salomon), Jesaja (8.�Jahrhundert, die Zeit der akuten Bedrohung Israels durch die Assyrer unter Tiglatpileser III.), Jeremias (7. Jahrhundert), Ezechiel (6. Jahrhundert, bereits in Babylon). Die biblischen Propheten waren es, die den monotheistischen Glauben bei den Israeliten durchsetzten, die Abkehr von den naturreligi�sen Kulten des Alten Orients. Daher z�hlt man auch sie zu den geistigen Erneuerern der Achsenzeit.</p><p>Nicht alle �Propheten� sind historische Personen und nicht alle ihnen zugeschriebenen Aussagen stammen von ihnen. Es sind eher legend�re Gestalten, �hnlich wie �Homer�. Ihre biblischen Texte wurden teilweise erst Jahrhunderte sp�ter schriftlich fixiert und redigiert. Die Quellenlage ist sehr komplex und in der Wissenschaft teilweise umstritten.</p><p>DIE BIBEL����Die Niederschrift der Bibel begann in der Babylonischen Gefangenschaft und wurde dann jahrhundertelang fortgesetzt. Das von den Christen so genannte Alte Testament war erst gegen 200 v.�Chr. fertig; 100 Jahre nach Alexander dem Gro�en. (Zur Alexanderzeit lagen die Endfassungen der homerischen Epen in Alexandria bereits vor.)</p><p>Die Hebr�ische Bibel der Juden hei�t nat�rlich nicht Altes Testament, sondern <emphasis>Tanach</emphasis>. Das ist ein Akronym aus <emphasis>Tora</emphasis> ( �Lehre�, �F�nf B�cher Mose�), <emphasis>Neviim</emphasis> (�Propheten�), <emphasis>Ketuvim</emphasis> (�Schriften�). Die griechische Bezeichnung f�r <emphasis>Tora</emphasis> ist <emphasis>Pentateuch</emphasis>; das hei�t w�rtlich �f�nf Gef��e�, weil die Schriftrollen in Tongef��en aufbewahrt wurden. Das Fassungsverm�gen der Tonkr�ge bestimmte im �brigen auch den Umfang der Schriftrollen (�B�cher�).</p><p>PHARIS�ER����In den antiken Religionen stand der rituelle Kult als �Gottesdienst� viel st�rker im Vordergrund des religi�sen Lebens als der �Glaube�. Gerade in der monotheistischen Jahwe-Religion bildete der Jerusalemer Tempel mit der Bundeslade den Mittelpunkt: der einzige Ort, wo JHWE gegenw�rtig war. F�r die Juden hatte sich daher nach der Tempelzerst�rung Nebukadnezars 587 v.�Chr. die Frage gestellt, wie die Religion ohne Tempel, also ohne Gottesdienst, weiterexistieren konnte. Die Antwort der Pharis�er lautete: Durch Gehorsam gegen�ber Jahwe und das Einhalten der biblischen Ritualvorschriften, die den j�dischen Alltag au�erhalb des Tempeldienstes regelten. Diese Form von Gottesgehorsam von der Sabbatruhe bis zu den Essensvorschriften konnte jeder Einzelne leisten. Die Pharis�er waren volkst�mliche Fromme und besch�ftigten sich viel mit der heiligen Schrift, daher auch die Bezeichnung �Schriftgelehrte�. Das Wort �Pharis�er� (hebr�isch <emphasis>peruschim</emphasis>) bedeutet �die Abgesonderten�, weil sich diese priesterlichen Schriftgelehrten durch besonders aufmerksame Einhaltung der Ritualvorschriften absonderten.</p><p>Nach dem Ende der Babylonischen Gefangenschaft bauten die Juden ab 515 mit persischer Genehmigung einen neuen Tempel in Jerusalem. Diese Periode in der j�dischen Geschichte bis zu dessen v�lliger Zerst�rung durch die R�mer 70 n.�Chr. ist die Zeit des �Zweiten Tempels�. Der Jahwe-Kult konnte von den Hohepriestern fortgef�hrt werden. Aber auch die Tradition der frommen Pharis�er blieb bestehen. Aus ihren Reihen gingen sp�ter die Rabbis (�Lehrer�) hervor. Jesus von Nazareth regte sich 500 Jahre sp�ter �ber diejenigen Pharis�er auf, die die Religionsgebote nur rein �u�erlich, mit fr�mmlerischem Getue befolgten, aber nichts davon verinnerlicht hatten.</p></section><section><subtitle>WIE ATHEN EINE DEMOKRATIE WURDE</subtitle><p>Sklaverei geh�rte zum Alltag in der Antike. Sklavenhandel war ein normaler Erwerbszweig. Der �Markt� rekrutierte sich seit jeher aus Kriegsgefangenen, Beutesklaven (Piraterie, Pl�nderei) und weitr�umigem Sklavenhandel.</p><p>Ein weiterer verbreiteter Grund f�r das Absinken auf den Status eines Unfreien war die Schuldknechtschaft ehemals freier Bauern. Es war ein permanentes Problem der antiken Wirtschaft, dass kleinb�uerliche Betriebe wegen der fortgesetzten Erbteilung zu klein und damit unrentabel wurden � ganz abgesehen von den Folgen von Misswirtschaft oder Missernte. Weil es keinerlei entwickelte Finanzwirtschaft, also keine �Banken� und kein geordnetes Kreditwesen gab, wurde Geld nur direkt in M�nzen und dann zu Wucherzinsen ausgeliehen. Das wurde fatal, wenn ein Bauer seine Schulden nicht mehr bezahlen konnte. Er war pers�nlich haftbar: Der Gl�ubiger konnte den Schuldner in die Sklaverei verkaufen. Gerade in Attika waren die Dinge so weit gediehen, dass durch diesen Schuldnerverkauf der Kleinbauern sogar der Heeresbestand an Soldaten und damit die Wehrf�higkeit des Gemeinwesens bedroht war. Dies war der soziale und politische Z�ndstoff der Solon-Zeit.</p><p><emphasis>594 v.�Chr.</emphasis></p><p>SOLONS REFORM����Der von allen Seiten als Schlichter anerkannte Staatsweise Solon (640�560 v.�Chr.) verf�gte eine allgemeine Schuldentilgung und die Abschaffung der Schuldknechtschaft. Auf dieser ges�nderen wirtschaftlichen Grundlage gliederte er die B�rgerschaft nach ihren Ernteertr�gen (modern gesprochen: nach ihrem Einkommen) in vier Klassen. Die Staats- und Rechtsreform st�rkte auch die Rechte der Einzelnen im Sinne einer staatsb�rgerlichen Gleichstellung. Selbst die Theten, die einfachen Lohnarbeiter ohne eigene Ernteertr�ge, erhielten nun immerhin das aktive Wahlrecht. Theoretisch stand damit auch einfachen Bauern der Zugang zu politischen �mtern offen, sofern sie denn ausreichende Eink�nfte hatten. Bis dahin war dies ein Privileg der Adelsklasse gewesen.</p><p>Damit nahm Athen eine andere Entwicklung als Sparta, wo eine kleine Oberschicht von den Ertr�gen der Masse der Untertanen, der Heloten, lebte, deren allf�llige Aufst�nde stets im Keim erstickt wurden.</p><p>Solons Gesetze wurden auf Tafeln �ffentlich ausgestellt und jeder B�rger erhielt ein Klagerecht. Die Einklagbarkeit von Rechten wird somit schon fr�h als Teilaspekt des demokratischen Prinzips sichtbar.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Noch zu Lebzeiten Solons riss der Adlige Peisistratos um 560 v.�Chr. unter nicht ganz klar �berlieferten Umst�nden die Alleinherrschaft (<emphasis>tyrannis</emphasis>) �ber Athen an sich. Athen erlebte eine wirtschaftliche und kulturelle Bl�te. Peisistratos f�hrte das M�nzwesen ein (die M�nzen mit Athena und der Eule) und stiftete 566 das Panathen�en-Fest, dessen Umzug auf den ber�hmten Elgin-Reliefs des sp�teren Parthenon dargestellt ist, sowie die Dionysien, aus denen die antike Trag�die hervorging. Seine Regierungszeit galt als Goldenes Zeitalter. Die S�hne Hippias und Hipparch konnten sich 527 bis 510 v.�Chr. als Tyrannen halten.</p><p>Die Tyrannis der Peisistriden fand um 510 v.�Chr. mithilfe Spartas in rochadenreichen Aktionen durch den zweiten gro�en athenischen Reformer Kleisthenes ein Ende. Sogar das delphische Orakel wurde durch Schmiergeld von Kleisthenes in seine Bestrebungen, die Macht in Athen zu gewinnen, verwickelt: Er erwirkte einen Spruch, der dem spartanischen K�nig die Pflicht auferlegte, die Tyrannis in Athen zu st�rzen. Nur zehn Jahre nach der Reform des Kleisthenes (510 v.�Chr.) kam es zum Ionischen Aufstand und danach zu den Perserkriegen. Kleisthenes stammte aus der Aristokratenfamilie der Alkmeoniden. Der sp�tere Staatsmann Perikles war �brigens sein Neffe.</p><p>Etwa zur selben Zeit sch�ttelte Rom die etruskische K�nigsherrschaft ab und wurde Republik.</p><p><emphasis>510 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE ATTISCHE DEMOKRATIE����Nach seiner R�ckkehr aus dem Exil und der Vertreibung des Hippias unterteilte Kleisthenes (ca. 570�507 v.�Chr.) das attische (athenische) Staatsgebiet in Stadtgebiet, K�stenland und Binnenland; diese bestanden aus jeweils zehn Selbstverwaltungsgemeinden. Durch Los wurde jeweils eine der Gemeinden mit zwei anderen aus den anderen beiden Gebieten zu einer �Phyle� zusammengeschlossen. Das ergab zehn Phylen. So wurde die Bev�lkerung staatsrechtlich neu gemischt und alten Oberschichten der Einfluss genommen. Jede Phyle entsandte 50 Abgeordnete in den Rat der 500. Dieser repr�sentierte die B�rgerschaft, den <emphasis>demos</emphasis>. Bei seiner Reform war es Kleisthenes keineswegs um ein idealistisches Verfassungskonzept mit der Leitidee gr��erer B�rgerbeteiligung gegangen. Er suchte lediglich die Unterst�tzung des <emphasis>demos</emphasis>, um selbst mehr Einfluss zu gewinnen. Er verstarb bald nach seiner Reform auf einer Reise.</p></section><section><subtitle>GRIECHEN UND PERSER</subtitle><p>Wie im �Menetekel� vorausgesagt, �berwanden die Perser die babylonischen Kald�er Nebukadnezars und Belsazars. Die Perserarmee war besonders gut im Pfeil- und Bogenschie�en gedrillt, den wichtigsten Fernwaffen der Zeit. Die Gegner gingen im Pfeilhagel unter.</p><p><emphasis>520 v.�Chr.</emphasis></p><p>SATRAPEN����Der Herrscher des persischen Gro�reiches konnte nicht �berall gleichzeitig sein. Daher setzte Dareios I. (ca. 550�486 v.�Chr.) in einer Reichsreform die Satrapen ein.</p><p>Satrapen waren, mittelalterlich gesprochen, V�gte oder, modern gesprochen, Pr�fekten: oberste Verwaltungsbeamte eines bestimmten Distrikts mit relativ gro�er Selbstst�ndigkeit. Wie Landesherren waren sie mit eigenen Truppen und eigenem M�nzrecht ausgestattet, doch letztlich dem Perserk�nig unterworfen. Bei den riesigen Entfernungen des Weltreichs � und weil es damals noch kein Handy gab � mussten die Satrapen zwangsl�ufig einigerma�en unabh�ngig sein.</p><p><emphasis>490/480 v.�Chr.</emphasis></p><p>MARATHON UND SALAMIS����Die griechischen St�dte empfanden die persische Herrschaft zunehmend als unertr�glich und lehnten sich schlie�lich dagegen auf. 499 v.�Chr. wurde der Satrapensitz Sardes, die alte lydische Hauptstadt von Kr�sus, kurzfristig von den Ioniern erobert. Das wiederum konnten sich die Perser nicht gefallen lassen. Sie mussten auf diesen � aus ihrer Sicht � �Zwergenaufstand� reagieren.</p><p>Weil die Athener die ionischen St�dte gegen die Perser unterst�tzten, wollte ihnen der persische Gro�k�nig Dareios eine Lektion erteilen und schickte ein Expeditionsheer. Mithilfe des von Kleisthenes vertriebenen Hippias sollte Athen zu einer persischen Satrapie werden. Das wurde durch den als epochal bewerteten Sieg bei Marathon verhindert.</p><p>Zehn Jahre sp�ter leitete Xerxes, der Sohn des inzwischen verstorbenen Dareios, die persischen Operationen. Dieses Mal sollte es ein Gro�angriff des gesamten Reichsheeres sein. Der griechische Feldherr Themistokles erkannte, dass die Athener dieser �bermacht nicht gewachsen waren. Den delphischen Orakelspruch �Sucht Schutz hinter h�lzernen Mauern� interpretierte er so, dass die Entscheidung diesmal auf dem Wasser fallen musste. Themistokles verstand unter den �h�lzernen Mauern� Schiffsw�nde und lie� eine Flotte bauen, auf der alle M�nner Athens als Ruderer dienen mussten � eine wesentliche Voraussetzung f�r das sp�tere demokratische �Wir-Gef�hl� in Athen. Athen und Attika wurden den Persern preisgegeben, Frauen und Kinder auf die vorgelagerte Insel Salamis evakuiert. Als die persische Flotte in die enge Bucht von Salamis einfahren wollte, konnten sich deren Schiffe wegen Platzmangels nicht richtig entfalten. Sie wurden von den Griechen an den Flanken angegriffen und versenkt. Der Gro�angriff auf ganz Griechenland war gescheitert. Die Perser versuchten es nie wieder.</p><p>WANDERER, KOMMST DU NACH SPARTA����Die Perser waren auch mit einem gewaltigen Landheer �ber eigens gebaute Br�cken �ber den Bosporus gezogen und Richtung Attika vorger�ckt. Ein winziger Trupp von Spartanern nebst Hilfstruppen unter K�nig Leonidas konnte sie an der engsten Stelle, dem Thermopylen-Pass, nur kurz aufhalten. Die Stellung der Spartaner wurde durch Verrat hintergangen, fast alle fielen � und der spartanische Milit�rruhm, niemals von der Stelle zu weichen, war begr�ndet. Eine Gedenktafel erinnert daran (in Friedrich Schillers �bersetzung): �Wanderer, kommst du nach Sparta, so verk�ndige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.�</p><p>Die Spartaner verschafften den Athenern die n�tige Atempause, um ihre Stadt zu evakuieren. Das persische Landheer zerst�rte die Stadt und die Akropolis, die gleich nach den Kriegen im Stil der griechischen Hochklassik wiederaufgebaut wurde. Die Perserkriege bedeuteten einen tiefen Einschnitt in der athenischen Geschichte. Und weil in diesen Jahrzehnten in Athen so ungeheuer viel Neues entstand, was die abendl�ndische Geschichte beeinflusste, ist diese Entwicklung auch welthistorisch bedeutsam.</p><p>Durch die �berm�chtige persische Bedrohung und ihre erfolgreiche Abwehr entwickelten die ewig uneinigen Griechen erstmals eine Art panhellenisches Bewusstsein und, was noch folgenreicher war, das Bewusstsein eines Unterschiedes zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa, zwischen Ost und West.</p><p><emphasis>478 v.�Chr.</emphasis></p><p>DELISCH-ATTISCHER SEEBUND����Ziel des unmittelbar nach Salamis zwischen Athen und einer Vielzahl von Poleis in der �g�is 478 v.�Chr. geschaffenen Bundes war es, die Perser fern, die Spartaner mit ihrem peloponnesischen Festlandsbund in Schach und Athen mit zahlreichen Handelsvorteilen an der Spitze zu halten.</p></section><section><subtitle>KLASSISCHES GRIECHENLAND</subtitle><p>Nach dem Sieg �ber die Perser begannen in Athen die 50 bis 60 Jahre der griechischen Klassik. Es war das Perikleische Zeitalter.</p><p><emphasis>450�430 v.�Chr.</emphasis></p><p>PERIKLES����Der Aristokrat, Offizier und Staatsmann Perikles (ca. 500�429 v.�Chr.) aus der gleichen Familie der Alkmeoniden wie Kleisthenes, wurde seit 443 j�hrlich als Stratege wiedergew�hlt. Dadurch und dank seiner ber�hmten rhetorischen Qualit�ten leitete er 15 Jahre lang die Geschicke Athens, festigte aber auch die demokratischen Institutionen. Die Vormachtstellung im Delisch-Attischen Seebund machte Athen zur reichsten, m�chtigsten und politisch fortschrittlichsten (�demokratischsten�) Stadt Griechenlands.</p><p>W�hrend Perikles� �Regierungszeit� gewann die Athener Akropolis durch den Bau der Propyl�en und des Parthenons wesentlich ihre heutige Gestalt. Bauleiter war der Bildhauer Phidias (500�432 v.�Chr.), der sp�ter die Zeus-Statue in Olympia schuf, eines der sieben Weltwunder. Perikles selbst starb 429 v.�Chr. an der Pest.</p><p><emphasis>431�404 v.�Chr.</emphasis></p><p>PELOPONNESISCHER KRIEG����Noch zu Perikles� Lebzeiten brach 431 v.�Chr. der Peloponnesische Krieg zwischen Athen und Sparta aus. So wie Athen als griechische Vor- und Seemacht dem Delisch-Attischen Bund vorstand, stand Sparta an der Spitze seines Peloponnesischen Bundes, ein Zusammenschluss einiger Landgemeinden auf dem Festland. In den Krieg wurden auch andere griechische, kleinasiatische und unteritalische Staaten verwickelt. Sogar die Perser griffen ein und unterst�tzten Sparta. Hauptfigur war der Offizier und Staatsmann Alkibiades, ebenfalls ein Alkmeonide.</p><p>Das Ergebnis nach einer nahezu drei�igj�hrigen Abfolge von Feldz�gen und Waffenstillst�nden war 404 v.�Chr. die endg�ltige Niederlage der Athener und ein vordergr�ndiger Sieg Spartas. Damit endeten das klassische Zeitalter und die attische Demokratie. Beide Seiten waren regelrecht ausgeblutet, sodass auch Sparta seine neue Vormachtstellung nicht lange halten konnte. Die gegenseitige Schw�chung erm�glichte den Aufstieg des makedonischen K�nigreichs im Norden unter K�nig Philipp II. (ca. 380�336 v.�Chr.). In diese Zeit der Selbstzerfleischung der griechischen Poliswelt f�llt die Bl�te der athenischen Philosophenschulen.</p><p><emphasis>ab ca. 470 v.�Chr.</emphasis></p><p>SOKRATISCHES DENKEN����Sokrates (ca. 470�400 v.�Chr.) betrieb Philosophie, indem er den ganzen Tag �ber auf der Agora umherging und die Leute mit hartn�ckigen Fragen nervte. Der gelernte Steinmetz hielt sich tags�ber auf dem Marktplatz auf, stellte sich unwissend (�Ich wei�, dass ich nichts wei߫) und forderte die Passanten dazu auf, ihm zu erkl�ren, was Tugend, Tapferkeit oder Gerechtigkeit seien. Das waren seine Hauptthemen. Sokrates gab sich nicht mit vorgefertigten Antworten aus der Mythologie zufrieden. Ihm war wichtig, dass der Mensch mit seinem eigenen Verstand Kriterien entwickelt, anhand derer er das Gute erkennt, um sich in jeder Lebenssituation daf�r entscheiden zu k�nnen.</p><p>Kennzeichnend f�r Sokrates� Denkmethode ist daher der Dialog, die Er�rterung des F�r und Wider, die Dialektik. Dies steht deutlich im Gegensatz zu den Monologen, den flammenden Reden der damals beliebten Rhetoriklehrer und Sophisten.</p><p>Die vielen bohrenden Fragen, die er auf der Agora stellte, wurden Sokrates letztlich zum Verh�ngnis. Er ging damit so vielen eitlen Besserwissern auf die Nerven, dass er nach einer Verleumdungskampagne zum Tod durch den Schierlingsbecher verurteilt wurde. Sokrates gilt als das Musterbeispiel eines Philosophen im abendl�ndischen Sinn, eines kritischen Denkers und wortw�rtlichen Hinterfragers.</p><p><emphasis>ab ca. 430 v.�Chr.</emphasis></p><p>IDEALISTISCHES DENKEN����Sokrates� bedeutendster Sch�ler war Platon (ca. 430�350 v.�Chr.). Er verallgemeinerte dessen Fragestellungen und er�rterte das Problem: Wie erlangt man gesichertes Wissen, und wie kann man es von blo�en Meinungen unterscheiden? Nach Platon ist das Denken immer auch von Sinneseindr�cken beeinflusst und nur die reinen Ideen sind absolut real und wahr. Diese h�lt er f�r Urbilder, die zeitlos und ewig existieren. Er meint, der Mensch w�rde �sich strebend stets bem�hen�, deren Kenntnis zu erlangen. Diese Liebe zur Weisheit hei�t auf Griechisch <emphasis>philosophia</emphasis>.</p><p>Beim Tod seines �vielgeliebten� Lehrers Sokrates war Platon Ende zwanzig. Nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges herrschten in Athen b�rgerkriegs�hnliche Zust�nde mit st�ndig wechselnden Regimen. Auch Platon wurde angefeindet. Er hielt es in Athen nicht mehr aus und reiste jahrelang umher. Als er als Mittvierziger nach Athen zur�ckkam, erwarb er um 387 v.�Chr. am nordwestlichen Rand der Stadt ein Grundst�ck in einem Olivenhain, wo man die angebliche Grabst�tte des athenischen Sagenhelden Akademos verehrte. Dort versammelte Platon seine Sch�ler, und damit war die erste Akademie er�ffnet.</p><p><emphasis>ab ca. 384 v.�Chr.</emphasis></p><p>DAS STREBEN NACH GL�CK����Der makedonische K�nig Philipp II. gewann den nordgriechischen Arztsohn Aristoteles (384�322) als Prinzenerzieher f�r seinen dreizehnj�hrigen Sohn Alexander, alsbald Alexander �der Gro�e�. Aristoteles hatte als junger Mann Platons Akademie besucht und verehrte seinen Lehrer, stimmte aber bei Weitem nicht in allem mit ihm �berein. Der Universalgelehrte war viel praktischer orientiert, sah sich auch als Naturforscher und betrieb systematische Tier- und Pflanzenkunde, auch wenn nicht alle seine �Erkenntnisse� korrekt waren. So hielt er einem uralten Vorurteil folgend das Herz f�r das zentrale Geistesorgan des Menschen und nahm an, das Gehirn sei nur zur K�hlung des Blutes da.</p><p>Waren Aristoteles� naturkundliche Theorien also alles andere als korrekt, so waren die philosophischen Folgerungen, die er aus seiner Forschung zog, durchaus interessant. So erkennt er in den Organismen von Pflanzen und Tieren deren Zweckm��igkeit: etwa die Form eines Gebisses, eines Auges, der Fortbewegung, die dem jeweiligen Zweck perfekt angepasst ist. Diese in der Natur zu beobachtende Sinnhaftigkeit sieht er als allgemeing�ltiges �teleologisches� (auf ein Ziel ausgerichtetes) Prinzip, das er auch auf andere Bereiche (Seele, Kunst, Ethik) �bertr�gt. Als Sinn und Zweck des menschlichen Strebens erkl�rt Aristoteles das Erreichen der Gl�ckseligkeit durch Selbstverwirklichung � die Entfaltung dessen, was im Menschen angelegt ist.</p><p>In der Neuzeit wurde dieser aristotelische Gedanke in der Formulierung <emphasis>pursuit of happiness</emphasis> (�Das Streben nach Gl�ck�) in die Pr�ambel der amerikanischen Verfassung als Staatsziel aufgenommen: die freie Entfaltung der Pers�nlichkeit. Aristoteles ging selbstverst�ndlich davon aus, dass das Gute in jedem Menschen angelegt ist und dass er sich bei der Selbstverwirklichung davon leiten l�sst. Der Gedanke, der Mensch sei grunds�tzlich schlecht und verworfen (Erbs�nde) und m�sse von au�en erl�st werden, w�re ihm fremd gewesen.</p><p>Seit dem Eintritt von Aristoteles in die Akademie festigte Philipp II. von Makedonien seine k�nigliche Position gegen�ber dem Adel und dehnte seine Herrschaft in Nordgriechenland aus. In der Schlacht von Chaironeia am 2.�August 338 v.�Chr. besiegte er die griechischen St�dte im S�den. An dieser Schlacht nahm bereits der junge Aristoteles-Sch�ler Alexander als Reiterf�hrer teil. Zwei Jahre danach wurde sein Vater Philipp ermordet.</p></section><section><subtitle>ANTIKES ROM</subtitle><p>Etruskische K�nige, zuletzt aus der Dynastie der Tarquinier, hatten Rom mehrere Generationen lang regiert und der Stadt ihren Stempel aufgedr�ckt. Forum, Senatsgeb�ude (Curia Hostilia), Circus Maximus (damals noch mit Holztrib�nen), Jupitertempel, Janustempel (T�r offen: Krieg, T�r zu: Frieden) Cloaca Maxima, Tiberbr�cke nach Trastevere (auch aus Holz), keusche Vestalinnen zum H�ten der ewigen Flamme, Augurenwesen (Orakelpriester), Gladiatorenk�mpfe � all das stammt noch aus der Zeit der etruskischen Herrscher. Der letzte Tarquinier Lucius mit dem Beinamen Superbus (��berm�tig�, wegen seiner Willk�rherrschaft) wurde vertrieben. Anlass soll der Legende nach die Vergewaltigung der tugendhaften Lukrezia durch Tarquinius� Sohn gewesen sein, die sich lieber selbst t�tete, als mit der Schande zu leben.</p><p>REPUBLIK����Wann genau die R�mer die Tarquinier vertrieben, ist nicht historisch gesichert. R�mischen Geschichtsschreibern folgend wird daf�r die Zeit um 500 v.�Chr. angenommen. Es k�nnte aber auch rund 100 Jahre sp�ter gewesen sein.</p><p>Fortan jedenfalls k�mmerten sich die R�mer selbst um ihre ��ffentlichen Angelegenheiten�, die <emphasis>res publica</emphasis>. Dieser Begriff steht gerade in der Moderne ganz oben auf der politischen Tages- und Grundordnung moderner Staaten. Die offizielle Staatsbezeichnung Roms lautete: SPQR � <emphasis>Senatus populusque Romanorum </emphasis>(�Senat und Volk der R�mer�).</p><p><emphasis>ca. 500�300 v.�Chr.</emphasis></p><p>PATRIZIER/PLEBEJER�����hnlich wie in Sparta gab es im alten Rom im Wesentlichen zwei Klassen von B�rgern: den landbesitzenden, aus alten latinischen Einwandererfamilien gebildeten Adel, sowie die Unterschicht von Kleinbauern und Ureinwohnern. Das war die gro�e Masse des Volkes und so nannte man sie auch: <emphasis>plebs</emphasis> (�die Menge�). Anders als die praktisch wie Sklaven gehaltenen spartanischen Heloten waren die Plebejer jedoch nicht vollkommen rechtlos. Sie durften Steuern zahlen, Soldaten stellen und in der Volksversammlung abstimmen � etwa bei der Wahl der Konsuln, der letztg�ltigen Abstimmung �ber Gesetze und bei der Entscheidung �ber Krieg und Frieden.</p><p>Aber die Plebejer waren nicht zu Staats�mtern zugelassen � genauso wenig wie die attischen Bauern, der <emphasis>demos</emphasis> vor der Kleisthenes-Reform. Rom hatte nie eine derartige �demokratische� Reform. Hier regierte man nach alter V�ter Sitte (<emphasis>mores maiorum</emphasis>) und war stolz darauf. Um die <emphasis>res publica </emphasis>k�mmerten sich die Patrizier, die <emphasis>patres</emphasis> (lateinisch <emphasis>pater,</emphasis> �Vater und Haushaltsvorstand�). Bis zum Auftreten der Tribunen machten diese die Staatsangelegenheiten im alten Rom unter sich aus. Die fr�he r�mische Geschichte von 500 bis 300 v.�Chr. ist haupts�chlich eine Geschichte von Klassenk�mpfen � der immer wieder auflodernden Aufst�nde der Plebejer gegen die Herrschaft der Patrizier.</p><p>SENAT����bedeutet ��ltestenrat� und stammt von dem lateinischen Wort <emphasis>senex</emphasis> f�r �Greis�. Auch �senil� geh�rt zu diesem unmittelbaren Wortumfeld, doch nat�rlich brauchte man nicht senil im heutigen Sinne zu sein, um Senator zu werden. Auch junge Oberh�upter von Patrizierfamilien geh�rten diesem obersten Gremium an. Der Senat war eine Adelsversammlung mit anf�nglich etwa 100, dann 300, in der Kaiserzeit sogar 600 Mitgliedern. Rom war eine Adelsrepublik, in der der Senat die Grundz�ge der Politik bestimmte und die Gesetze erlie�. Nur Senatoren durften die Toga mit dem breiten Purpurstreifen tragen. Bewerber um Staats�mter trugen eine wei�e <emphasis>toga candida</emphasis>, daher das Wort �Kandidat�.</p><p>Auch in der Gegenwart werden bedeutende Verfassungsinstitutionen als Senat bezeichnet: Das Oberhaus in den Parlamenten der USA, Italiens, Frankreichs, in Deutschland der Senat von Berlin, Hamburg, Bremen.</p><p>KONSUL����bedeutet �der, der Rat gibt�. Die Konsuln lenkten die Geschicke der Stadt und des wachsenden Reiches in der Tagespolitik. Sie waren neben einigen anderen sehr angesehenen �mtern (�dilen, Qu�storen, Pr�toren, Auguren, Pontifex Maximus) die obersten Exekutivbeamten, also die gew�hlten K�nige. Die republikanischen R�mer waren, wie die klassischen Athener, sehr skeptisch, einem Einzelnen zu viel Macht zu �berlassen. Deswegen gab es immer zwei Konsuln zur gegenseitigen Kontrolle. Auch die Amtsdauer war, wie in Athen, zeitlich streng begrenzt. In der ungeschriebenen r�mischen Verfassung gab es eine gewisse Machtbalance zwischen Konsuln und Senat. Senator war man auf Lebenszeit, zum Konsul wurde man f�r ein Jahr gew�hlt. Eine unmittelbare Wiederwahl war nicht erlaubt.</p><p><emphasis>ab 494 v.�Chr.</emphasis></p><p>TRIBUN UND TRIBUT����Die Interessen der Plebejer vertraten seit 494 v.�Chr. die (Volks-)Tribunen im Senat. Von alters her war die r�mische B�rgerschaft in <emphasis>tribus</emphasis> (�Stamm, Bezirk�) eingeteilt. Sie bildeten die Grundlage f�r die Besteuerung, den �Tribut� � eine Verm�genssteuer, die nur im Kriegsfall erhoben wurde. Laufende j�hrliche Abgaben kannte man nicht. Wie in Athen und auch sonst in der Antike waren das Konsulat und alle �ffentlichen �mter Ehren�mter ohne Bezahlung. Deswegen konnten es sich nur �die Reichen� leisten, in den Staatsdienst zu gehen. Auch �ffentliche Ausgaben (f�r Tempel oder Wasserleitung) wurden aus dem Privatverm�gen Wohlhabender bezahlt. Heute w�rde man sagen, es waren Stiftungen. Wer nach einem politischen Amt strebte, hielt die plebejischen Massen in der Hauptstadt mit �Brot und Spielen� bei Laune.</p><p><emphasis>ab ca. 490 v.�Chr.</emphasis></p><p>FORUM ROMANUM����Was einer griechischen Polis und insbesondere Athen ihre Agora war, Markt- und Versammlungsplatz der B�rger, war in Rom das Forum, der Mittelpunkt des st�dtischen Lebens. In Rom war das Forum dar�ber hinaus kultisches Zentrum und im sp�teren r�mischen Weltreich so etwas wie der Nabel der Welt. Die sumpfige Talsenke zwischen Kapitolsh�gel und Palatin diente in der Fr�hzeit den Siedlern auf den umliegenden H�geln als Friedhof. In seiner urspr�nglichen Bedeutung bezeichnet <emphasis>forum</emphasis> auch nichts anderes als eine mit Holzplanken oder Z�unen abgeteilte Begr�bnisst�tte.</p><p>Zun�chst entw�sserten die R�mer oder eher die etruskischen Stadtoberh�upter den Sumpf durch die Anlage der Cloaca Maxima. Um 650 wurde das Forum erstmals gepflastert, um 490 entstanden die ersten Tempel f�r eine Vielzahl altlatinischer G�tter wie den Ackergott Saturn, die Ernte- und Fruchtbarkeitsg�ttin Ops Consiva oder die Herdg�ttin Vesta. Die schlichte runde Form des Vesta-Tempels erinnert an die einfachen Behausungen, als die latinischen St�mme noch in H�tten auf den H�geln lebten. Die urspr�ngliche Religion der R�mer war sehr �agrarisch� gepr�gt und viel eigenst�ndiger, als die sp�tere �bernahme des griechischen G�tterhimmels suggeriert.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Erst in den Jahrzehnten vor 300 v.�Chr., w�hrend der Alexanderzeit in Griechenland, wandte sich die r�mische Politik auch nach au�en. Die R�mer unterwarfen die umliegenden St�mme in Mittelitalien. Um 280 v.�Chr. griffen sie erstmals in das Geschehen im griechisch besiedelten Unteritalien ein. Das ist verbunden mit dem Namen Pyrrhus.</p><p>Erst als Rom zur Vormacht in Italien aufgestiegen war, wurden der H�hner-, Fisch- und Gem�sehandel und �hnlich profane Gesch�fte vom Forum verbannt und weitere repr�sentative Bauten hochgezogen. Nat�rlich war das Forum das Zentrum von Politik und Rechtsprechung. Hier hielt Cicero seine gro�en Reden. Hier endeten die Triumphz�ge. Die Triumphb�gen stammen aus der Kaiserzeit. Im Fr�hmittelalter verfiel das Forum Romanum allm�hlich. Die Marmorplatten wurden zum Kalkbrennen verwendet. Das mittelalterliche Rom entstand als eng bebaute Stadt im Tiberbogen. Einige Forumsbauten wurden zu Kirchen umfunktioniert. Die Natur �berwucherte die Ruinenlandschaft, und auf Barockgem�lden sieht man das Forum als idyllisch-romantische Ziegen- und Kuhweide.</p><p>KELTEN � LAT�NE-KULTUR����W�hrend Rom sich noch in altrepublikanischen Verfassungsbr�uchen �bte und sich Griechenland in Rivalit�ten zwischen den Stadtstaaten selbst ruinierte, breitete sich an den Oberl�ufen von Donau und Rhein die keltische Lat�ne-Kultur aus.</p><p>War die Hallstatt-Kultur noch gemischt bronzezeitlich-eisenzeitlich, so sind in der Lat�ne alle Werkzeuge und Waffen aus Eisen. Dies war der H�hepunkt der eisenzeitlichen Kelten-Kultur in ganz Europa.</p><p>In La T�ne, am Neuenburger See in der Westschweiz gelegen, entdeckten Arch�ologen 1857 einen der bis heute reichsten keltischen Fundorte. Man zog dort innerhalb einer Stunde 40 Eisenwaffen aus dem schlammigen Ufergel�nde. Dann tauchten im Zuge einer �Gew�sserkorrektur� Siedlungsreste auf.Der Ort lag im eigentlichen Zentrum der Lat�ne-Kultur im Donau-Oberrhein-Gebiet. Gemeint ist mit dem Begriff aber die gesamte Epoche der sp�ten Kelten-Kultur, die von Spanien und Britannien �ber ganz Frankreich, S�ddeutschland, B�hmen und die Alpenl�nder die Donau entlang bis ans Schwarze Meer reichte. Die Kelten pflegten einen noch viel intensiveren Kulturaustausch mit der Mittelmeerwelt und siedelten auch s�dlich der Alpen in Oberitalien.</p><p>Es war diese europaweite, h�chst lebendige, in viele St�mme zersplitterte, aber vermutlich religi�s einigerma�en einheitliche keltische Kultur, die C�sar in Gallien antraf � und vernichtete.</p><p><emphasis>387 v.�Chr.</emphasis></p><p>VAE VICTIS����Die R�mer bekamen die Kampfeskraft der Kelten schon fr�h zu sp�ren. Sie wurden von ihnen 387 v.�Chr. in der Schlacht an der Allia, nur zehn Kilometer n�rdlich von Rom, besiegt. Anschlie�end nahmen die Kelten unter ihrem Heerf�hrer Brennus die Stadt ein, belagerten sieben Monate lang das Kapitol, wo sich die R�mer verschanzt hatten, und zogen erst nach der Zahlung eines enormen L�segeldes wieder ab. Als sich die R�mer beim Abwiegen des L�segeldes beklagten, die Kelten h�tten nun genug bekommen, soll Brennus mit dem Ruf <emphasis>Vae victis!</emphasis> (�Wehe den Besiegten!�) zus�tzlich sein Schwert in die Waagschale geworfen haben, um noch mehr Beute zu erhalten. Danach musste Rom praktisch neu aufgebaut werden, dieses Mal mit einer Mauer um die sieben H�gel.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Durch die R�mer und Germanen kam es um die Zeitenwende zum v�lligen Zusammenbruch der keltischen Kultur. Auch wenn die Schaupl�tze der Auseinandersetzungen in Gallien lagen, verschwanden die Kelten offenbar auch in S�ddeutschland, B�hmen und M�hren still und lautlos aus der Weltgeschichte. Wir kennen au�er Vercingetorix keinen Namen, keine Herrschergestalt, keine authentischen Ereignisse, es gibt keine Aufzeichnungen, keine literarischen Hinterlassenschaften, keine architektonischen Zeugnisse. Allerdings gilt dies auch f�r die n�rdlich an die Keltenkulturen angrenzenden Germanenkulturen jener vorchristlichen Jahrhunderte.</p></section><section><subtitle>HELLENISMUS</subtitle><p>Alexander gelangte so jung auf den makedonischen Thron, weil sein Vater Philipp mit Mitte f�nfzig Opfer eines Attentats wurde. Vielleicht war daran Alexanders Mutter Olympias beteiligt, um ihrem Sohn die Thronfolge zu sichern. Denn Philipp hatte sich anderen Frauen zugewandt.</p><p>Alexander verwirklichte umgehend den schon vom Vater geplanten Rachefeldzug gegen die Perser. Rache f�r deren Invasion in Griechenland. Alexander wusste immer, was er wollte, handelte schnell und kurzentschlossen. Sein Bild mit dem wilden Haarwirbel auf der Stirn, wie es auf M�nzen und B�sten �berliefert ist, betont sein jugendliches Ungest�m. Auf derart offiziellen Bildmedien wurde nichts dem Zufall �berlassen, sie waren Teil einer wohldurchdachten Propaganda.</p><p><emphasis>356�323 v.�Chr.</emphasis></p><p>ALEXANDER DER GRO�E����Mit 30000 Makedonen �berquerte Alexander 334 v.�Chr. die Dardanellen und schleuderte seinen Speer an den kleinasiatischen Strand zum Zeichen der Besitzergreifung Asiens. Die griechischen St�dte in Ionien und die ph�nizischen St�dte in der Levante begr��ten ihn als Befreier vom persischen Joch. Zwei Schlachten gegen das riesige persische Reichsheer unter F�hrung des Kaisers Dareios II. gewann Alexander als taktisch �berlegener Feldherr. Die Schlacht bei Issos 333 v.�Chr. �ffnete den Weg in die Levante, Gaugamela 334 besiegelte den Untergang der �ber zweihundertj�hrigen persischen Ach�meniden-Dynastie.</p><p>Der Rest, die Besetzung der persischen K�nigsst�dte bis ins Hochland von Iran, war ein Spaziergang. Als Erstes erfolgte in Weihrauchwolken der Einzug in Babylon durch das Ischtar-Tor. Der Palast in Persepolis wurde zu der Ruine niedergebrannt, die sie heute noch ist. Der immense Thronschatz, Tausende von Tonnen Gold und Silber, wurde eingeschmolzen und zu M�nzen � nat�rlich mit Alexanders Profil � gepr�gt. Eine gewaltige Konjunkturspritze, der Beginn einer Weltwirtschaft.</p><p>Wirklich strapazi�s und allein Alexanders Weltherrschaftsidee geschuldet war die Unterwerfung Ostpersiens, der widerspenstigen Berg- und Steppenv�lker am Hindukusch. Erst 326 v.�Chr. wurde �ber Kabul und den Khaiber-Pass das Indus-Tal erreicht. Erst hier bekamen Alexander und seine Makedonen eine Ahnung von Himalaja und Ganges � darauf hatte sie kein griechisches Weltbild vorbereitet. Nach 18000 Kilometern weigerten sich die Soldaten, weiterzuziehen. Alexander kehrte um und starb nach seiner R�ckkehr in seinem 32.�Lebensjahr am 13.�Juni 323 an einer akuten fiebrigen Erkrankung in Babylon.</p><p><emphasis>nach 323 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIADOCHENK�MPFE����Nach dem Tod Alexanders k�mpften mehrere seiner Gener�le in mehreren Kriegen um die Nachfolge und die Alleinherrschaft. �Diadochen� hei�t: �Nachfolger�. Im Ergebnis konnten sich die Ptolem�er in �gypten, die Seleukiden im Nahen Osten sowie in Persien und die Antigoniden in Makedonien behaupten. Vor allem die Ptolem�er und die Seleukiden verschleuderten die gewaltige politische und �konomische Macht des Alexanderreiches in immer neuen Rivalit�tsk�mpfen um die Vorherrschaft in Syrien und Pal�stina � nach dem Muster der �gyptisch-assyrischen Auseinandersetzungen w�hrend des Neuen Reiches, damals, in der Bronzezeit.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Ungef�hr im Jahr 200 v.�Chr. gewannen die Seleukiden von den Ptolem�ern die Oberherrschaft �ber Jud�a, ein von Hohepriestern gelenkter Kleinstaat. Sie versuchten hier, den kulturellen griechischen Einfluss zu verst�rken, wogegen sich die Juden mit einem Aufstand zur Wehr setzten. Das Ptolem�er-Reich am Nil wurde unter der letzten Pharaonenk�nigin Kleopatra (VII.) durch C�sar und Augustus in einem dramatischen (Shakespeare), opernhaften (H�ndel) und filmreifen (Elizabeth Taylor) Finale dem r�mischen Weltreich eingegliedert.</p><p><emphasis>nach 320 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE BIBLIOTHEK VON ALEXANDRIA����Durch den Alexanderzug verbreiteten sich griechisches Denken und griechische Sprache im gesamten Nahen Osten. Berichte und Erkenntnisse str�mten nun zur�ck nach Griechenland und nach Alexandria, wo Kultur und Wissenschaft bl�hten.</p><p>Die Ptolem�er herrschten ganz nach Art der Pharaonen, um in dem Land am Nil als Herrscher akzeptiert zu werden. Sie lie�en �gyptische Tempel bauen, wie etwa den bekannten Isis-Tempel auf der Nil-Insel Philae, und vollzogen die Zeremonien der �gyptischen Kulte. Das reiche Nilland verwalteten sie vorbildlich. Ihre Residenz Alexandria, Weltkultur- und Welthandelshauptstadt wie heute New York, wurde zu einem hochbedeutenden Wissenschaftsstandort ausgebaut. Wegen seiner legend�ren Bibliothek war Alexandria das geistige Zentrum des Hellenismus auch noch Jahrhunderte nach der Zeitenwende.</p><p>Das wichtigste welthistorisch-zivilisatorische Ergebnis des Alexanderzuges war die Verbreitung der griechischen Sprache als Handels- und Gelehrtensprache im gesamten Osten, im �gyptischen Alexandria, im syrischen Antiochia, in Jerusalem (und sp�ter auch in Rom). Das Christentum entstand inmitten dieser hellenistischen, kosmopolitischen Kultur, das Neue Testament wurde auf Griechisch geschrieben. Das griechische Schrifttum pflegten insbesondere die Araber bis weit ins Mittelalter hinein. Auf diesem Umweg gelangte die griechische Gelehrsamkeit im Sp�tmittelalter und in der Renaissance wieder nach Europa zur�ck.</p><p><emphasis>ab 280 v.�Chr.</emphasis></p><p>PERGAMON����in der heutigen Westt�rkei war ein kleines, aber kulturell bedeutendes Reich w�hrend des Hellenismus. Hier entstanden herausragende Kunstwerke wie der Pergamon-Altar (heute in Berlin), die Laokoon-Gruppe (heute im Vatikan), der Sterbende Gallier (heute in Rom) und der Barberinische Faun (heute in M�nchen). In Pergamon befand sich nach der alexandrinischen die zweitgr��te Bibliothek jener Zeit.</p><p>Pergamon wurde von 281 bis 133 v.�Chr. von der Attaliden-Dynastie regiert. Der erste Herrscher Philetairos wurde von dem makedonischen Diadochen Antigonos zum Burghauptmann von Pergamon ernannt, unter seinen Nachfolgern wurde Pergamon immer unabh�ngiger und gr��er und ein verl�sslicher Verb�ndeter Roms, das im 2. Jahrhundert im benachbarten Griechenland Fu� zu fassen begann. Der letzte Herrscher, Attalos III., vererbte sein Reich 133 v.�Chr. testamentarisch an Rom.</p><p><emphasis>um 120 v.�Chr.</emphasis></p><p>SEIDENSTRA�E I����Etwa 140 v.�Chr. nahmen die Parther, ein Teilstamm der Skythen, den Seleukiden das Kerngebiet zwischen Euphrat und Tigris ab. Mithridates I. war der K�nig, dem dies gelang. Er nannte sich sowohl �Freund der Griechen� und lie� sich auf M�nzen in typisch griechischer Haar- und Barttracht abbilden als auch �Schah-in-Schah�, ankn�pfend an die Tradition der persischen Gro�k�nige. Unter dem Partherherrscher Mithridates II. (124�88 v.�Chr.) wurde die schon l�nger bestehende Ost-West-Karawanenroute durch Mittelasien intensiver genutzt als je zuvor. Eine Delegation des chinesischen Han-Kaisers Wu-ti (140�87 v.�Chr.) erschien 120 sogar bei Mithridates. Wu-ti hatte die Hunnen besiegt und deren Blockade der Karawanenstra�e beseitigt. So erweiterte er den chinesischen Einflussbereich nach Westen und machte den Weg frei f�r einen Austausch der Kulturen.</p><p>Seide war schon im Rom jener Zeit bekannt, allerdings hatte man dort keine Vorstellung von ihrer Herkunft. Den Begriff �Seidenstra�e� pr�gte erst der deutsche Geograf und Forscher Ferdinand von Richthofen (1833�1905) nach einer ausgedehnten China-Reise. Die so benannte Route aber verlief schon zu Partherzeiten ungef�hr von der alten chinesischen Hauptstadt Sian auf vielen verschiedenen Wegen n�rdlich um den Himalaja herum, mit Samarkand als wichtiger Etappe. Von dort aus ging es durch das heutige Afghanistan, Persien, den heutigen Irak und Syrien bis ans Mittelmeer.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Auch 300 Jahre sp�ter kamen chinesische Kaiserdelegationen in den Westen, dann sogar bis nach Rom zu Kaiser Marc Aurel. Die Parther blieben bis weit in die r�mische Kaiserzeit die gef�rchtete Gro�macht im Osten. In den fortw�hrenden Auseinandersetzungen mit ihnen verloren die R�mer nach der Zeitenwende wertvolle Ressourcen, die ihnen im Kampf gegen die germanische V�lkerwanderung fehlten.</p></section><section><subtitle>KAISER IN CHINA UND INDIEN</subtitle><p><emphasis>221 v.�Chr.</emphasis></p><p>CHINA � DER SOHN DES HIMMELS����8000 Terrakotta-Krieger bewachen die letzte Ruhest�tte des ersten Kaisers von China. Diese legend�re Armee, die mittlerweile �berall auf der Welt bekannt ist, wurde erst 1974 zuf�llig von Bauern entdeckt. Der eigentliche Mausoleums-H�gel von Kaiser Ch�in ist noch unangetastet.</p><p>Shao Sheng (geboren 259 v.�Chr.) nannte sich als Kaiser Ch�in Shi Huang ti. Der Namensteil Ch�in ist von seinem Herkunftsland Ch�in abgeleitet. Ch�in war eines von den sieben Streitenden Reichen, die damals auf chinesischem Boden existierten, und es war das gr��te und wohlhabendste. Ab 230 v.�Chr. unterwarf Shao Sheng innerhalb von neun Jahren alle Nachbarreiche. 221 v.�Chr. war �alles unter dem Himmel� unter seiner Herrschaft vereint. Dieses erste gesamtchinesische Ch�in-Reich umfasste aber bei Weitem nicht das ganze heutige China, sondern lediglich das n�rdliche Kernland rund um den Huangho und s�dlich etwa bis zum Jangtsekiang. Shao Sheng nahm den Titel �Erster erhabener Gottkaiser von Ch�in� an und regierte bis zu seinem Tod 210 v.�Chr. Mit einem �Mandat des Himmels� legitimierten die chinesischen Kaiser ihre Herrschaft, �hnlich wie die europ�ischen Kaiser und K�nige �von Gottes Gnaden� regierten.</p><p>Den gro�en Mausoleumsbau gab Kaiser Ch�in gleich nach seiner Thronbesteigung in Auftrag, als er selbst erst 40 Jahre alt war. Nat�rlich wurde an der Langen Mauer gearbeitet, alles verbunden mit Zwangsrekrutierungen und Umsiedlungen in den eroberten Gebieten. Ohne Gewaltpolitik w�re eine solche Reichseinigung nicht m�glich gewesen. Dazu geh�rte auch eine gro� angelegte B�cherverbrennung, um einen kulturellen Neuanfang, eine Art Kulturrevolution, zu markieren. Kaiser Ch�in wollte das kulturelle Ged�chtnis der Unterworfenen ausl�schen und sich keine gelehrte Kritik an seiner Herrschaft mit Begr�ndungen aus der Vergangenheit anh�ren.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Ch�in begr�ndete die 2311-j�hrige Kaisertradition in China, die erst mit der Abdankung von Pu Yi, des letzten Kaisers, 1912 endete. Die Chinesen selbst nennen ihr Land allerdings nicht China, sondern <emphasis>Dschung-guo</emphasis>, Reich der Mitte. Seine eigene Dynastie �berdauerte Ch�in nur zehn Jahre lang. Dann bl�hte das Land in der vierhundertj�hrigen Han-Dynastie in Frieden und prosperierender Wirtschaft wie das teilweise gleichzeitige R�mische Reich.</p><p><emphasis>um 250 v.�Chr.</emphasis></p><p>INDIEN � DAS L�WENKAPITELL IM STAATSWAPPEN����In Indien fasste Kaiser Aschoka (300�232 v.�Chr.) erstmals den Subkontinent unter einer Herrschaft zusammen. Der zum Buddhismus bekehrte Kaiser regierte nach seinen Eroberungen ausgesprochen friedfertig und �sozial�. Er schickte Gesandtschaften zu den hellenistischen Nachfolgereichen Alexanders (Seleukiden, Ptolem�er, Antigoniden).</p><p>Die ausgesprochen �ethische� Herrschaft Aschokas gilt in Indien bis heute als vorbildlich. Aschoka lie� in seinem ganzen Reich und weit dar�ber hinaus auf S�ulen, Felsen und H�hlenw�nden 33 Edikte einmei�eln zur Umsetzung religi�ser �berzeugungen in die praktische Politik. Sie waren in verschiedenen Sprachen Indiens verfasst, aber auch in Griechisch und Aram�isch, den beiden damaligen Weltsprachen des Vorderen Orients.</p><p>Das Kapitell der Aschoka-S�ule in Sarnath ist heute Hauptbestandteil des Staatswappens von Indien. Sarnath ist der Ort, wo Buddha nach seiner Erleuchtung zum ersten Mal predigte: der Gr�ndungsort des Buddhismus.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Nach Aschokas Tod zerfiel sein Gro�reich bald wieder. �ber die indische Geschichte w�hrend der folgenden f�nfhundert Jahre gibt es kein gesichertes Wissen. Das n�chste bedeutende politische Gebilde auf indischem Boden war dann das Gupta-Reich (ab 320 n.�Chr.) im Ganges-Tal.</p></section><section><subtitle>DER AUFSTIEG ROMS</subtitle><p>Als Alexanders Vater, Philipp von Makedonien, sein Land zur Vormacht in Griechenland f�hrte, griffen auch die R�mer erstmals wirklich in das Geschehen ein, und zwar bei ihren griechischen Nachbarn in Unteritalien. Dadurch kamen sie Karthago in die Quere, der unbestrittenen Seemacht im Mittelmeer.</p><p><emphasis>280 v.�Chr.</emphasis></p><p>PYRRHUSSIEG����Im Jahr 283 v.�Chr. ereilte der Hilferuf einiger D�rfer in der N�he der wohlhabenden griechischen Stadt Tarent, im Stiefelabsatz gelegen, die mittlerweile in Mittelitalien m�chtig und selbstbewusst gewordenen R�mer. Das Gesuch der armen unterdr�ckten Landitaliker um Beistand gegen die griechischen Kolonialherren wurde in Rom gerne vernommen. Endlich hatte man einen Anlass, sich einzumischen.</p><p>Rom war vorbereitet. 282 v.�Chr. blockierte ein Geschwader den Hafen von Tarent. Umgehend baten die Tarenter den K�nig Pyrrhus von Epirus um milit�rische Unterst�tzung. Epirus lag auf der anderen Seite der Adria, ungef�hr im heutigen Albanien. Dort, auf dem Westbalkan, war Pyrrhus bereits ein m�chtiger Herrscher und machte sich Hoffnungen, seinen Einfluss ausdehnen zu k�nnen. In drei Schlachten war sein Sieg jedes Mal zum Greifen nahe.</p><p>Doch in der ersten Schlacht gerieten Pyrrhus� Kriegselefanten in Panik. (Die pomphafte und auf den ersten Blick Furcht einfl��ende Taktik, Elefanten milit�risch einzusetzen, geht auf Alexanders Asienfeldzug zur�ck. Alexanders Nachfolger in Asien, Seleukos, hatte dessen Provinzen am Indus gegen 500 Tiere eingetauscht. Diese Art von �Panzerdivisionen� verbreitete sich schnell im Mittelmeer. Selbst Hannibal f�hrte bekanntlich bei seiner transalpinen Italieninvasion Elefanten mit sich.) In der zweiten Schlacht erlitt Pyrrhus hohe Verluste. Au�erdem fand der erhoffte Aufstand gegen die R�mer in Italien doch nicht statt. Daraufhin soll K�nig Pyrrhus gesagt haben: �Noch so ein Sieg, und ich bin verloren.� Die dritte Schlacht ging unentschieden aus, Pyrrhus musste sich aus Unteritalien zur�ckziehen. Damit war f�r die R�mer der Weg nach S�ditalien frei. Ihr Aufstieg zur Gro�macht begann.</p><p><emphasis>ab 264 v.�Chr.</emphasis></p><p>PUNISCHE KRIEGE����Wieder kam ein �Hilferuf� � diesmal aus Messina. Die gro�en Inseln Sizilien, Sardinien und Korsika geh�rten den ph�nizischen Karthagern. Sp�testens seit der Vorherrschaft der Makedonen in Griechenland war Karthago die maritime Gro�macht im Mittelmeer. Die R�mer forderten die Ph�nizier, die <emphasis>Poeni, </emphasis>heraus (die im Deutschen als �Punier� bezeichnet werden � daher �Punische Kriege�).</p><p>Als Ergebnis des ersten Punischen Krieges (264�241 v.�Chr.) musste Hamilkar Barkas, der Vater von Hannibal, Sizilien, Sardinien und Korsika an Rom abtreten. Im zweiten Punischen Krieg (218�202 v.�Chr.) gelang Hannibal von Spanien her die spektakul�re �berquerung der Alpen mit den Elefanten, und in der Umfassungsschlacht von Cannae (216 v.�Chr.) vernichtete er ein doppelt so starkes r�misches Heer. Als es 212 v.�Chr. darum ging, das verb�ndete Capua zu retten, unternahm Hannibal einen Scheinangriff auf Rom.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Der ber�hmte Ausspruch <emphasis>Hannibal ante portas</emphasis> (�Hannibal vor den Toren�) entstammt aber keineswegs dieser Zeit, sondern dem Munde Ciceros (106�43 v.�Chr.). Cicero hatte erkannt, dass C�sar und Marc Anton darauf aus waren, die Republik abzuschaffen. Deshalb griff er Marc Anton in mehreren Senatsreden massiv an und verglich ihn mit dem r�mischen Erzfeind Hannibal. Daraufhin wurde Marc Anton per Senatsbeschluss zum Staatsfeind erkl�rt. Doch seine H�scher griffen Cicero am 7.�Dezember 43�v.�Chr. in dessen Landhaus auf. Ciceros Kopf und H�nde wurden auf dem Forum Romanum �ffentlich zur Schau gestellt.</p><p><emphasis>149�146 v.�Chr.</emphasis></p><p>CETERUM CENSEO����Trotz des Scheinangriffs auf Rom konnte Hannibal die Stadt Capua nicht retten. Das war die Wende im zweiten Punischen Krieg. Hannibal wurde 202 v.�Chr. auf afrikanischem Boden bei Zama geschlagen. Dabei h�tten die R�mer es bewenden lassen k�nnen.</p><p>Auf die unerbittlichen Mahnungen des erzkonservativen und einflussreichen Senators Cato (234�149 v.�Chr.) hin, der am Schluss jeder seiner Senatsreden, egal zu welchem Thema, jedes Mal sagte <emphasis>�Ceterum censeo Carthaginem esse delendam� </emphasis>� �Und im �brigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerst�rt werden muss�, zogen die R�mer in den dritten Punischen Krieg (149�146 v.�Chr.). Ziel und Ergebnis war die v�llige Zerst�rung der Stadt und die Versklavung der letzten 50000 von einstmals 500000 Bewohnern.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Durch die Niederlage Karthagos �bernahmen die R�mer dessen Vormachtstellung zur See. Mit Hispania und der Provincia transalpina (Provence) gewannen sie ihre ersten Reichsteile au�erhalb Italiens. Nun folgte z�gig die �Osterweiterung� durch die Eroberung Makedoniens und Restgriechenlands. Pergamon und vier Kleink�nigreiche in der heutigen T�rkei fielen testamentarisch an Rom. Fehlten nur noch Syrien, Pal�stina und �gypten.</p></section><section><subtitle>DIE JUDEN UNTER DEN GRIECHEN</subtitle><p>Die Septuaginta, die �bersetzung des Alten Testaments ins Griechische, entstand um 200 v.�Chr. Das lateinische Wort bedeutet �siebzig�, weil die �bersetzung von 70 Gelehrten in 70 Tagen erstellt worden sein soll � nat�rlich im hellenistischen Gelehrtenzentrum Alexandria. Es war die erste �bersetzung der Heiligen Schrift der Israeliten in eine andere Sprache.</p><p><emphasis>166 v.�Chr.</emphasis></p><p>MAKKAB�ER-AUFSTAND����Das Problem der Selbstbehauptung in einer feindlich gesinnten Umwelt versch�rfte sich f�r die Juden erneut, als der unter r�mischer Oberhoheit stehende Seleukidenherrscher Antiochos IV. Jud�a zwangsweise hellenisieren wollte. Strenge Gesetze zwangen die Juden, Opfer nach den Riten der r�mischen Religion zu vollziehen. Im Jahr 167 v.�Chr. nahm Antiochos Jerusalem ein, pl�nderte den Tempelschatz und entweihte den Tempel, indem er darin einen Zeus-Altar errichten lie�.</p><p>Dagegen erhoben sich die Makkab�er von 166 bis 165 v.�Chr. unter der F�hrung von Judas, Spross der Priesterfamilie der Hasmon�er, mit dem Beinamen Makkab�us (aram�isch: �der Hammer�). Antiochos wurde vertrieben.</p><p><emphasis>164 v.�Chr.</emphasis></p><p>CHANUKKA����Zur Erinnerung an die Neueinweihung des Tempels 164 v.�Chr. begehen die Juden das Chanukka-Lichterfest im Dezember. Chanukka bedeutet �Einweihung�. Ein zentraler Kultgegenstand im j�dischen Ritus ist die Menora, der siebenarmige Leuchter, der im Tempel immer brennen muss. Durch die Entweihung war nicht mehr gen�gend �l vorhanden. Die Menge gen�gte eigentlich nur noch f�r einen Tag, zur Herstellung neuen geweihten �les bedurfte es aber acht Tage. Trotzdem reichte das �l in der Menora so lange. Zur Erinnerung an dieses �Lichtwunder� z�nden die Juden jeden Abend zu Hause ein weiteres Licht an dem achtarmigen Chanukka-Leuchter an.</p><p>DIE SCHRIFTROLLEN VON QUMRAN����Chassidim (hebr�isch: �die Frommen�) waren schon in der Zeit des Zweiten Tempels so fromm, dass sie am Sabbat, wo den Juden jegliche Bet�tigung verboten ist, keinerlei Widerstand leisteten, trotz der Repressalien unter den Seleukiden. Lieber zogen die Chassidim in die W�ste, als sich gegen ihren Glauben verbiegen zu lassen.</p><p>Au�erhalb religionsgelehrter Kreise w�rde kaum jemand etwas von der asketischen, strenggl�ubigen j�dischen Sekte der Essener (�die Heiligen�) geh�rt haben, wenn in der N�he ihrer �Kloster�-Siedlung Qumran 1947 nicht antike Schriftrollen gefunden worden w�ren. Sie erregten deswegen so gro�es Aufsehen, weil sie die �ltesten Schriftzeugnisse der j�dischen Bibel sind. Alle anderen �berlieferten Bibeltexte sind sp�tere Abschriften.</p><p>Chassidim und Essener nahmen das religi�se Leben ausgesprochen ernst und lebten in der endzeitlichen Erwartung der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias, wo es darauf ankam, �rein� zu sein.</p></section><section><subtitle>CHINA UNTER DER HAN-DYNASTIE</subtitle><p>Im Ch�in-Reich des ersten Kaisers war die Grenze weit nach Norden vorgeschoben worden, in einige der besten Weidegr�nde der Reiternomaden. Deren Reaktion auf diese Beschneidung ihrer Existenzgrundlage lie� nicht lange auf sich warten.</p><p><emphasis>vor 230 v.�Chr.</emphasis></p><p>DIE HUNNEN����Seit dem 3. Jahrhundert v.�Chr. gibt es in chinesischen Chroniken Berichte �ber Reiternomadenst�mme, die sich im Gebiet der heutigen Mongolei am Fluss Orchon zu einem Gro�reich zusammenschlossen. Das war die hunnische Antwort auf die chinesische Expansion.</p><p>Die �Hunnen� oder chinesisch <emphasis>Hsiung-nu</emphasis> werden auch in der Sp�tantike von dem Geografen Ptolem�us in Alexandria erw�hnt. Man wei� nicht, wer diese �Hunnen� waren, aber man geht davon aus, dass es sich um Turkv�lker (und nicht etwa um Mongolen) handelte. Sie waren auch kein ethnisch einheitliches Volk, sondern wechselnde Zusammenschl�sse verwandter oder benachbarter nomadischer St�mme und V�lkerschaften.</p><p><emphasis>215 v.�Chr.</emphasis></p><p>CHINESISCHE MAUER����Da nun die Hsiung-nu verst�rkt in China einfielen, begann 215 v.�Chr. unter dem ersten chinesischen Kaiser Ch�in der Bau dieses zun�chst antihunnischen, im Mittelalter dann antimongolischen Schutzwalls.</p><p>Die chinesische Bezeichnung lautet <emphasis>Wanli Changcheng,</emphasis> was �zehntausend <emphasis>Li</emphasis> lange Mauer� bedeutet. Im Chinesischen spricht man also von der �Langen Mauer�, im Endausbau fast 9000 Kilometer. Allein die Hauptmauer ist 2500 Kilometer lang, das entspricht der Entfernung von der Ostsee bis Sizilien.</p><p>Die permanente Bedrohung durch die Reiternomadenv�lker aus dem Norden war �die� Konstante der chinesischen Au�enpolitik. Schon knapp 100 Kilometer n�rdlich von Peking ziehen sich wesentliche Teile der Chinesischen Mauer durch die H�gellandschaft, und wiederum n�rdlich davon lagen die Gebiete und Weidegr�nde der Hsiung-nu. Auch die moderne Mongolei grenzt nordwestlich an China. Die erste gro�e Bauphase der Langen Mauer fand unter den Han-Kaisern statt, die daf�r Hunderttausende von Menschen � Soldaten, Bauern, Strafgefangene � rekrutierten. Alle fr�hen Dynastien begn�gten sich mit Erdw�llen und Holzpalisaden. Den imposanten Endausbau in Stein, wie man ihn heute sieht, f�hrten erst die Ming-Kaiser im 15. und 16.�Jahrhundert durch.</p><p><emphasis>ab ca. 206 v.�Chr.</emphasis></p><p>HAN-DYNASTIE I����Die Reichseinigung der Ch�in-Dynastie und die Konsolidierung unter der nachfolgenden Han-Dynastie haben f�r China den Stellenwert, den die Zusammenfassung der Mittelmeerwelt samt Westeuropa unter den r�mischen Kaisern f�r das Abendland bedeutete: lang anhaltender Friede, wirtschaftliche und kulturelle Bl�te, hohes zivilisatorisches Niveau. Han war das erste der Streitenden Reiche gewesen, die Kaiser Ch�in unterworfen hatte. Die 400 Jahre der Han-Herrschaft (206 v.�Chr.-220 n.�Chr.) pr�gten China nachhaltig, vor allem durch den f�r das Land typischen Aufbau eines Beamtenapparates, der auf den Konfuzianismus verpflichtet wurde.</p><p>Noch der erste Han-Kaiser, Kao-tsu, musste den Hunnen j�hrlich Lebensmittel und Stoffe liefern gegen deren Zugest�ndnis, den chinesischen Norden von ihren Pl�nderungen zu verschonen. Doch dann erlebte China unter den Han eine wirtschaftliche und kulturelle Bl�te. In jene Zeit f�llt unter anderem die erste gro�e Gesetzeskodifizierung Chinas, die durch sp�ter beigef�gte Entscheidungen einen kolossalen Umfang von �ber 25000 Paragrafen annahm und im Prinzip bis ins 20. Jahrhundert in Kraft blieb. Auch der Handel auf der Seidenstra�e florierte.</p><p>Ebenfalls in der Han-Zeit kam der Buddhismus mit indischen Fernkaufleuten nach China. Auf ihren jahrelangen Reisen wollten die indischen H�ndler geistlichen Beistand nicht entbehren, aber indische Brahmanenpriester durften ihr Heimatland nicht verlassen. Daher nahmen die indischen Kaufleute buddhistische Priester mit. Das Eindringen des Buddhismus brachte die Chinesen erstmals in Kontakt mit einer �ausl�ndischen�, in ihren Augen �westlichen�, aber ebenfalls hochstehenden Kultur. Bis dahin hatten sie nur Nomadenst�mme kennengelernt und alle anderen au�erhalb ihres Gesichtskreises f�r Barbaren gehalten. Bis heute nennt sich das Staatsvolk der Chinesen �Han-Chinesen�. Dabei sind die Han-Chinesen keine ethnisch v�llig einheitliche Gruppe im modernen Sinn. Ihnen wurden im Lauf der Zeit auch andere V�lker auf dem Gebiet des heutigen China zugerechnet, die sich in Dialekten, Siedlungsformen, Kleidung und Ern�hrungsgewohnheiten unterscheiden.</p></section><section><subtitle>AMERIKA</subtitle><p><emphasis>ca. 200 v.�Chr.�� 600 n.�Chr.</emphasis></p><p>NAZCA-KULTUR����Nazca ist ein Flussname. Die Nazca-Kultur in den Anden auf dem Gebiet der heutigen Staaten Peru und Kolumbien war eine Stammeskultur auf jungsteinzeitlicher Stufe ohne st�dtische Zentren und demzufolge ohne Steinbauten und sichtbare religi�se Zentren. Die Menschen lebten d�rflich in Holz- und Schilfh�tten, die nat�rlich l�ngst vergangen sind, und ern�hrten sich in dem fast w�stentrockenen Gebiet m�hsam von Feldanbau.</p><p>Ber�hmt ist diese Kultur durch riesige Scharrbilder: Kilometerlange Linien, die geometrische und spiralf�rmige Muster, aber auch Menschen- und Tiergestalten ergeben. Sie entstanden durch das Abtragen von dunklem Kies auf der Oberfl�che, sodass der wei�e Untergrund zum Vorschein kam. Die �Bilder� sind riesig, weshalb man sie eigentlich nur aus der Luft erkennen kann. Es gibt ungef�hr 50 dieser Figuren und 1000 Linien. Einige sind 20 Kilometer lang. Ihre Bedeutung ist nicht bekannt.</p></section><section><subtitle>DAS ENDE DER R�MISCHEN REPUBLIK</subtitle><p>Zu viele r�mische Kleinbauern waren nach den Punischen Kriegen den Anforderungen des Milit�rdienstes nicht mehr gewachsen. Die Situation war dramatisch und die Wehrf�higkeit massiv beeintr�chtigt.</p><p><emphasis>133�121 v.�Chr.</emphasis></p><p>AGRARREFORM DER GRACCHEN����Als Soldaten mussten die Bauern ihre Ausr�stung aus eigenen Mitteln aufbringen. Im r�mischen Volksheer gab es keine staatlichen R�stkammern und keinen Sold. Zudem konnten sie w�hrend der Feldz�ge ihre �cker nicht mehr bewirtschaften, w�hrend sich die verm�genden Adligen die inzwischen eroberten Territorien, eigentlich r�mischer Staatsbesitz (<emphasis>ager publicus</emphasis>), durch billigen Kauf unter den Nagel gerissen hatten.</p><p>Zwei Br�der aus der Familie der Gracchen versuchten als Tribunen, durch Agrarreformen und andere Ma�nahmen die Verarmung und Verschuldung der Kleinbauern zu verbessern und ein politisches Gegengewicht zum Senat zu schaffen. Die beiden Gracchen waren Adlige. Ihre ber�hmte Mutter Cornelia stammte direkt aus der Familie der Scipionen, der Hannibal-Bezwinger.</p><p>Die heftigen K�mpfe um die beabsichtigte Reform der Bodenbesitzverh�ltnisse bestanden aus einem Hin und Her von Volksbeschl�ssen, Senatsbeschl�ssen, Antr�gen, Wahlman�vern. Das republikanische Rom geriet in eine Verfassungskrise. Dahinter standen handfeste Machtinteressen Einzelner und das letztlich obsiegende Beharrungsverm�gen des Senats, der die Gro�grundbesitzer- und Finanziersinteressen vorl�ufig wahren konnte.</p><p>Der �ltere Gracche Tiberius wurde 133 v.�Chr. von der Senatsopposition erschlagen, au�erdem ungef�hr 300 seiner Anh�nger. Sein elf Jahre j�ngerer Bruder Gaius, der Tiberius unterst�tzt und nach dessen Tod sein politisches Erbe �bernommen hatte, beging 121 v.�Chr. bei einem Aufruhr in auswegloser Situation Selbstmord.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Probleme konnten mit den Instrumenten der altrepublikanischen Verfassung nicht gel�st werden. Die Gracchen waren den Beharrungskr�ften im Senat buchst�blich zum Opfer gefallen. Das Volk brauchte doch den starken F�hrer. Es setzte zun�chst auf den Heeresreformer Marius. Oder umgekehrt: Dieser setzte auf das Volk, um die Macht zu gewinnen. (C�sar machte es dann genauso.)</p><p><emphasis>107 v.�Chr.</emphasis></p><p>LEGION�R����Gaius Marius (156�86 v.�Chr.) war ein ausgezeichneter Soldat und hatte als Nicht-Adliger eine beispiellose �mterlaufbahn absolviert. Neben seinen milit�rischen Erfolgen war die Heeresreform seine wichtigste politische Unternehmung. Erst durch ihn wurde um 107 v.�Chr. das r�mische Heer von einer Volksarmee in ein Berufsheer umgewandelt, und erst durch diese Professionalisierung erhielten die r�mischen Legionen ihre Schlagkraft, die zum Zusammenhalt des Imperiums notwendig war. Die Legion�re aber waren auf ihre jeweiligen Feldherrn eingeschworen, spielten also als Machtinstrument in der Innenpolitik eine wesentliche Rolle. Das war w�hrend des alsbald anhebenden B�rgerkrieges so und setzte sich bis in die sp�te Kaiserzeit fort, als Heerf�hrer von ihren Truppen zu Kaisern ausgerufen wurden.</p><p><emphasis>113�101 v.�Chr.</emphasis></p><p>FUROR TEUTONICUS����Seit 113 v.�Chr. zitterte Rom angesichts der Nachricht, dass ein r�misches Heer von Kimbern und Teutonen geschlagen worden war, kurz bevor diese italischen Boden erreichten. Die r�mischen Gem�ter beruhigten sich keineswegs, als die Legion�re 105 v.�Chr. bei Arausio (Orange) in der Provence noch eine Niederlage erlitten. Erst Marius schlug die Teutonen 102 bei Aix-en-Provence, die Kimbern 101 v.�Chr. beim norditalischen Vercelli.</p><p>Seit dem Keltenangriff 387 unter F�hrung des Brennus (<emphasis>Vae victis!</emphasis>) fuhr den R�mern bei solchen Invasionsversuchen sofort der Schrecken in die Glieder. Die Kimbern und Teutonen waren vermutlich wegen einer Klima- und Ernteverschlechterung von der Nordsee oderaufw�rts bis an die Alpen gezogen. Sie waren die ersten Germanen, die die R�mer zu Gesicht bekamen.</p><p>Deren blindw�tige, berserkerhafte Kampfweise muss bei den R�mern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Etwa 150 Jahre sp�ter sprach der r�mische Historiker Lukan (39�65 n.�Chr.) in Erinnerung daran vom <emphasis>furor</emphasis>, dem Rasen und W�ten der Teutonen. �Teutonen� ist dabei ganz konkret als Stammesname gemeint. Eine sprachliche Verbindung zu dem Wort �deutsch� gibt es nicht. Diese Begriffsausdehnung fand erst in der Neuzeit statt. Zum gefl�gelten Wort wurde <emphasis>Furor teutonicus</emphasis> aber bereits im Mittelalter wegen der grimmigen Kampfesweise der Ordensritter in den slawischen Gebieten.</p><p><emphasis>um 88 v.�Chr.</emphasis></p><p>R�MISCHER B�RGERKRIEG����Der folgenreiche r�mische B�rgerkrieg hatte einen au�enpolitischen Anlass: Mithridates, K�nig von Pontos am Schwarzen Meer, hatte die in Kleinasien seit jeher siedelnden Griechen aufgewiegelt, Steuer- und Tributzahlungen an die R�mer zu verweigern. Im Jahr 88 v.�Chr. wurden 80000 R�mer gleich welchen Alters oder Geschlechts in Ephesos an einem Tag ermordet. Das war ein gewaltiges Blutbad. Vom Senat (den �Optimaten�) wurde der in seiner Jugend verarmte Adlige Sulla (ca. 138�74 v.�Chr.), der 88 Konsul war, mit dem Oberbefehl �ber die Truppen gegen Mithridates betraut und beinahe gleichzeitig vom Volk (den �Popularen�) der Teutonenbezwinger Marius. Damit offenbarte sich ein innenpolitischer Konflikt zwischen diesen beiden �Parteien�, der �u�erst blutig ausgetragen wurde. Mal hatten die Optimaten, mal die Popularen Oberwasser. Jede Partei r�chte sich grausam an der anderen.</p><p>PROSKRIPTIONSLISTEN����Nach jedem Machtwechsel und bis in die Zeit der ebenfalls b�rgerkriegs�hnlichen Auseinandersetzungen zwischen Octavian (der sp�tere Augustus) und Marc Anton 43 v.�Chr. wurden die K�pfe der prominenten Ermordeten vor den Rednertrib�nen auf dem Forum aufgespie�t, Leichen lagen unbestattet herum, die H�user samt der Hausangestellten wurden gesch�ndet, das Verm�gen eingezogen, die Kinder und Enkel der Ge�chteten ermordet. Insbesondere Sulla bediente sich in den ersten beiden Jahren seiner Diktatur dieser �Reichsacht�. Die Ge�chteten waren nicht nur vogelfrei, sie wurden regelrecht gejagt, weil man Belohnungen f�r sie aussetzte. Das Mittel der Politik war der gegenseitige Totschlag. So wurden die Proskriptionslisten zum Symbol f�r die gnadenlose H�rte des r�mischen B�rgerkrieges. Manche gerieten nur aus Verdacht oder wegen der Habgier ihrer Nachbarn auf die Listen.</p><p>Auch der junge C�sar, der Hocharistokrat, der seine Karriere sp�ter aber auf dem Ticket der Popularen machte, wurde von Sulla verfolgt � aber durch Interventionen Dritter gerettet. Die Trag�die des r�mischen B�rgerkrieges und der geradezu zwangsl�ufige Untergang der Republik bestand darin, dass der Senat, die republikanische Institution schlechthin, zur reinen Interessenvertretung der Aristokratie verkommen war. Der geldgierige Adel verfolgte mithilfe der Staatsinstitutionen nur seine eigenen finanziellen Interessen ohne R�cksicht auf das Volk. Der Versuch der Gracchen, den Kleinbauern nach dem Aderlass der Punischen Kriege eine wirtschaftliche Existenzgrundlage und die politischen Mitwirkungsrechte zu erhalten, war bereits im Vorfeld des B�rgerkrieges gescheitert. Die reformunf�hige, modern gesprochen reaktion�re Partei der Optimaten mobilisierte in der Person Sullas alle Machtmittel der Unterdr�ckung, einschlie�lich Mord und Milit�r. Die senatorische Oberschicht wollte weiterhin nach Willk�r herrschen und ungehindert ihren Reichtum mehren. Die Ironie der Geschichte: Nur zwei skrupellose Hocharistokraten h�chsten staatsm�nnischen Zuschnitts � C�sar und Augustus � waren in der Lage, die Pattsituation als Anf�hrer der Popularen in z�hem Ringen zu �berwinden, damit der Staat die �ffentliche Sicherheit wieder gew�hrleisten konnte.</p><p><emphasis>100/102�44 v.�Chr.</emphasis></p><p>C�SAR����stammte aus verarmtem r�mischem Hochadel. Sein fr�her leicht zu merkendes Geburtsjahr 100 v.�Chr. wurde schon im 19. Jahrhundert auf 102 v.�Chr. korrigiert.</p><p>Mit ihm stand zum ersten Mal in Europa ein einziger Mann an der Spitze eines Weltreiches. Von seinem Namen leitet sich das deutsche Wort �Kaiser� her. C�sar gilt als Realpolitiker par excellence. Er hatte keine politische Vision, au�er, wie er selbst sagte, �der Erste und der Beste zu sein�. Das setzte er konsequent in die Tat um, unter Einsatz aller sich bietenden Machtmittel.</p><p>In Rom war der Staat zu C�sars Zeit nicht nur durch den B�rgerkrieg ersch�ttert, sondern bereits seit l�ngerer Zeit durch und durch korrumpiert. Vor allem die Provinzen, die von den Statthaltern r�cksichtslos ausgepresst wurden, waren eine Beute einiger Adliger und Neureicher, die sich die Pfr�nde gegenseitig zuschoben. Die maximale Bereicherung war das einzige Ziel und erfolgte mit einer Brutalit�t, gegen die die Banker der Finanzkrise von 2008/2009 wie Erdnussfarmer wirken.</p><p>In diesem Milieu bewegte sich C�sar v�llig ungezwungen. Schon bevor er �berhaupt ein Amt innehatte, hatte er sein Privatverm�gen aufgebraucht und Millionenschulden zur �mtergewinnung aufgeh�uft. Seine Gl�ubiger waren ihm nach seinem Konsulat im Jahr 59 v.�Chr. so hart auf den Fersen, dass sie ihn zun�chst nicht nach Spanien zu seiner Statthalterschaft abreisen lassen wollten. Doch als er von dort nach knapp anderthalb Jahren zur�ckkehrte, beglich er seine Millionenschulden, �berwies einen stattlichen Betrag an den Fiskus und machte erneut immense Schulden, um sich auf allen Seiten Wohlwollen zu erkaufen. Im Gallischen Krieg (58�51 v.�Chr.) sanierte sich C�sar � und seine Soldaten � erneut. Die Pl�nderung der keltischen Heiligt�mer f�hrte zu einer geradezu deflation�ren Abwertung des Goldpreises in Italien: Viel zu schnell wurden die Massen goldener Weihegaben eingeschmolzen und im wortw�rtlichen Sinne umgem�nzt.</p><p>In der Schlussphase seiner Machtergreifung am Rubikon setzte sich C�sar �ber alle rechtlichen Bedenken hinweg, um in Rom alleiniger Konsul zu werden � was ihm auch gelang. Seinen letzten Gegner Pompejus verfolgte er im Herbst des Jahres 48 v.�Chr. bis nach �gypten. Anschlie�end genoss er das Zusammensein mit Kleopatra auf Kreuzfahrten mit prunkvollen K�nigsbarken auf dem Nil.</p><p>W�hrend der verbleibenden zwei Jahre seiner Alleinherrschaft in Rom, nach der R�ckkehr aus �gypten, f�hrte Julius C�sar im Jahr 45 v.�Chr. den in manchen Bereichen bis heute g�ltigen Julianischen Kalender ein. Der altr�mische Mondkalender war v�llig durcheinandergeraten und in �gypten hatte er das bessere Modell kennengelernt. C�sar war nun Alleinherrscher (griechisch <emphasis>m�narchos</emphasis>), musste sich aber h�ten, einen dementsprechenden Titel anzunehmen, genauso wie sein Nachfolger Augustus.</p><p><emphasis>63 v.�Chr.� 14 n.�Chr.</emphasis></p><p>AUGUSTUS����Gaius Octavianus, wie er zun�chst hie�, war von eher schm�chtiger Gestalt und vermutlich kaum gr��er als 1,65 Meter. Das Bild, das er der Mit- und Nachwelt von sich �berlieferte, ist aber um vieles gr��er. Octavian/Augustus war ein hervorragender Propagandist und setzte die k�nstlerischen Mittel seiner Zeit, von der Statue bis zu den Dichtungen des Vergil und Horaz, daf�r ein, sich zum Friedensf�rsten zu stilisieren � der er dann auch tats�chlich war. Sein Beiname Augustus (�der Erhabene�) wurde ihm im Jahr 27 v.�Chr. verliehen. Er wurde zum Markenzeichen seiner pers�nlichen Regentschaft.</p><p>Augustus wollte den Frieden; das R�mische Reich erlebte unter ihm als <emphasis>Princeps </emphasis>eine Phase beispielloser �u�erer Sicherheit, wirtschaftlicher und kultureller Bl�te. Die von ihm erdachte Verfassung des r�mischen Staates hatte �ber 200 Jahre Bestand. Seine Person zeigte zwei Gesichter: Das friedensf�rstliche war das eine, die gnadenlose Brutalit�t und H�rte, mit der er 14 Jahre lang als sehr junger Mann um diese Position k�mpfen musste, war das andere.</p><p>Der starke Mann in Rom unmittelbar nach C�sars Tod war zun�chst dessen Mitkonsul des Jahres 44 v.�Chr. Marc Anton. Er konfiszierte C�sars Verm�gen. Augustus setzte als C�sar-Erbe dessen Prestige und ungeheure � geliehene � Bestechungsgelder ein, um C�sars Veteranen f�r sich zu gewinnen. Bevor er wirklich gegen Marc Anton vorgehen konnte, musste er allerdings mit ihm ein Zweckb�ndnis schlie�en, das zweite Triumvirat, um C�sars M�rder auszuschalten, die republikanisch gesinnte Adelspartei im Senat. Augustus musste die pekuni�ren Versprechungen an seine Soldaten einl�sen. Erneut wurden Proskriptionslisten aufgelegt. Willk�rlich und brutal wie einst Marius und Sulla ging er gegen die Senatoren und reichen R�mer vor. 300 Angeh�rige des Senatsadels und 2000 reiche R�mer und Ritter wurden ermordet und ihr Verm�gen konfisziert, selbst das von Kindern, Frauen und Tempeln. Im Jahr 42 v.�Chr. besiegte Marc Anton bei Philippi in Makedonien das noch verbliebene Republikanerheer der C�sar-M�rder Brutus und Cassius.</p><p>Ungef�hr zehn Jahre lang lie� Augustus den Marc Anton darauf im Osten gew�hren. Dort hatte jener inzwischen mit Kleopatra drei Kinder und die �stliche Reichsh�lfte praktisch schon an seine �Dynastie� vergeben. Augustus organisierte einen Feldzug gegen die orientalische �Despotin� und seinen Rivalen. In der Seeschlacht bei Actium vor Alexandria im Jahr 31 v.�Chr. gingen Marc Anton und Kleopatra unter. Sie setzte ihrem Leben in dieser ausweglosen Lage angeblich mit dem ber�hmten Schlangenbiss ein Ende. Damit war �gypten endg�ltig r�mische Provinz und Augustus Alleinherrscher.</p><p>Nach den jahrzehntelangen Turbulenzen, Feindschaften bis aufs Blut und mannigfachen Aderl�ssen war der Senat nicht mehr in der Lage, das r�mische Staatswesen als Adelsrepublik (<emphasis>urbs</emphasis>) mit einem Weltreich (<emphasis>orbs</emphasis>) zu regieren. In diesem noblen Gremium sa�en l�ngst keine noblen Familienoberh�upter mehr, die sich aus der Erfahrung von Generationen mit den ungeschriebenen Gesetzen der Staatskunst auskannten.</p><p>Augustus gelang es, gegen die Neureichen und Neuadligen republikanische �mter und Befugnisse in seiner Person zu b�ndeln, sich ein Interventionsrecht bei nachgeordneten �mtern vorzubehalten, die ansonsten wie gewohnt weiter funktionierten. Nach au�en spielte er diese Machtanh�ufung geschickt herunter und bezeichnete sich selbst lediglich als <emphasis>princeps</emphasis> � als Erster unter Gleichen.</p><p>Die politischen Unsicherheiten und die Willk�r der vergangenen Jahrzehnte, die unermessliche Korruption und die multikultisch-religi�se Desorientierung hatten in Rom wie in anderen Teilen der r�mischen Welt das verbreitete Bed�rfnis nach einer Restauration und nach verl�sslichen Lebensformen entstehen lassen. In der hellenistischen Welt war zu jener Zeit unter orientalischem Einfluss die Vorstellung eines gottbegnadeten Herrschertums, ja eines Weltenrettertums v�llig gel�ufig. All das gab Augustus dem R�mischen Reich mit seiner <emphasis>pax romana</emphasis>.</p></section><section><subtitle>DIE JUDEN UNTER DEN R�MERN</subtitle><p>C�sars Verb�ndeter und sp�terer Rivale Pompejus hatte im Auftrag des Senats im Jahre 67 v.�Chr. innerhalb weniger Monate in einer milit�rischen Polizeiaktion das Seer�uberunwesen im �stlichen Mittelmeer beseitigt. Seither geh�rten Kleinasien und Syrien zum R�mischen Reich. Pompejus setzte 65�v.�Chr. den letzten Seleukidenherrscher ab und eroberte 63 v.�Chr. Jerusalem. Damit war auch Pal�stina ins R�mische Reich eingegliedert. Wie in anderen Provinzen Roms amtierten in Jud�a r�mische Statthalter (Pr�fekten).</p><p><emphasis>37�4 v.�Chr.</emphasis></p><p>HERODES����37 v.�Chr. wurde Herodes der Gro�e von den R�mern als K�nig in ganz Pal�stina (Jud�a, Galil�a, Samaria) eingesetzt: Er rottete die Hasmon�er aus, die den erfolgreichen Makkab�er-Aufstand angef�hrt hatten, und schaffte mit r�mischer Milit�rhilfe ein verh�ltnism��ig selbstst�ndiges Staatsgebilde. Der r�mische Pr�fekt erweiterte den Tempel von Jerusalem so betr�chtlich, dass dieser auch Tempel des Herodes genannt wird. Unter seiner Herrschaft erlebte Jud�a eine glanzvolle Bl�te mit dementsprechenden Dekadenzerscheinungen. Dieser Herodes der Gro�e war ein skrupelloser Gewaltherrscher, von Juden wie sp�ter von den Christen gleicherma�en verabscheut. Aber der angebliche Kindermord im Neuen Testament ist nur im Matth�us-Evangelium erw�hnt, sonst nicht historisch verb�rgt.</p><p>DIE WEISEN AUS DEM MORGENLAND����Die Weisen suchten nach dem Bericht des Evangeliums zun�chst in Jerusalem nach dem �neugeborenen K�nig der Juden�, denn sie hatten eine ungew�hnliche Himmelserscheinung beobachtet. Ob es sich dabei um den Halleyschen Kometen (12/11 v.�Chr.) oder einen in chinesischen Chroniken f�r das Jahr 5/4 v.�Chr. verzeichneten Kometen oder eine Nova oder um die dreimalige enge Jupiter/Saturn-Konstellation des Jahres 7/6 v.�Chr. handelte, wird man kaum mehr exakt ermitteln k�nnen.</p><p>Die orientalischen Gelehrten waren jedenfalls seit Jahrtausenden daran gew�hnt, das Geschick der Welt aus den Sternen zu lesen. In Jerusalem erfuhren sie nun allerdings, dass man dort solche Dinge der prophetischen �berlieferung entnahm: Die heiligen M�nner verk�ndeten bei den Juden die Worte und den Willen des Gottes. Im Beisein des Herodes verwiesen die j�dischen Schriftgelehrten ihre morgenl�ndischen Kollegen daher nach Bethlehem. In der Stadt Davids erwartete man nach der prophetischen �berlieferung die Ankunft des Messias.</p><p>JESUS VON NAZARETH����Jesus von Nazareth hatte, offenbar als erwachsener, ungef�hr drei�igj�hriger Mann, ein religi�ses Erweckungserlebnis im Umfeld eines m�glicherweise entfernt verwandten, etwa gleichaltrigen Wanderpredigers Johannes. Dieser war ein asketischer Reinheitsapostel, der eremitenhaft in der Wildnis am Ufer des Jordan lebte, zu Umkehr und Bu�e aufrief, um die Menschen angesichts der bedr�ckenden, zerr�tteten sozialen und spirituellen Situation ihrer Zeit zu wahrer Gl�ubigkeit und Fr�mmigkeit aufzur�tteln. Ein Mann wie Johannes stand in der langen j�dischen Tradition der Propheten. Viele f�hlten angesichts der haneb�chenen Zust�nde, unter denen sie lebten, das Ende der Welt nahen, eine Idee, die von gewissen Glaubensvorstellungen des Judentums gen�hrt wurde: Ein Retter und Erl�ser w�rde als Gesalbter Gottes (hebr�isch: <emphasis>messias</emphasis>) die vergangene Pracht und Herrlichkeit wiederherstellen. Die Salbung war der zentrale Bestandteil der j�dischen K�nigsweihe. Das Reich jenes K�nigs stellte man sich zun�chst auch ganz irdisch vor; es verfl�chtigte sich aber � erst recht nach der Niederwerfung des J�dischen Aufstandes durch die R�mer im Jahr 70 n.�Chr. � zunehmend ins Jenseits.</p><p>Jesus blieb nicht wie Johannes als Eremit in der W�ste, sondern trug seine Ideen von der Glaubensreinheit unter die Menschen in den D�rfern und Stadtgemeinden.</p><p>Einige d�nne historische Andeutungen belegen in der Tat, dass Jesus, von der j�dischen Priesterschaft als Sektierer, von den R�mern als hochverr�terischer Aufwiegler angesehen, um das Jahr 30 n.�Chr. mit der dem�tigenden, immer als Abschreckung gedachten r�mischen Folterstrafe der Kreuzigung hingerichtet wurde. Von der Hinrichtung des Jesus von Nazareth in dieser ausgesprochenen Unruheprovinz berichten au�er dem Lukas-Evangelium auch Tacitus und Josephus Flavius. Pontius Pilatus war der f�nfte Statthalter Roms in Jud�a. Er amtierte unter Kaiser Tiberius 26 bis 36 n.�Chr. Wenn es so war, handelte es sich zun�chst um ein rein lokales Ereignis, von dem die Welt damals weiter keine Notiz nahm. Die Evangelien bezeugen nicht das Leben, umso mehr aber das Nachleben Jesu. Eine Biografie Jesu h�tte kaum die christliche Religion begr�ndet.</p><p>� SEIT CHRISTI GEBURT�����Jetzt ist die letzte Zeit gekommen, es beginnt von Neuem der Zeiten geordnete Folge. Jetzt kehrt wieder die Jungfrau. Jetzt steigt nieder ein neues Geschlecht aus himmlischen H�hen. Blick auf des Knaben Geburt, welcher der Welt den Anfang der goldenen Zeit bringt, den Frieden.� Was hier ziemlich weihnachtlich t�nt, stammt aus der Feder des r�mischen Staatsdichters Vergil aus dem Jahr 40 vor (!) Christus. Ein anderer r�mischer Poet dichtete: �Ihr meine V�lker freuet euch! Ein goldenes Zeitalter mit Frieden wird wieder geboren. Seht ihr, wie hell schon der Himmel erstrahlet, ein Komet in sanftem Lichte leuchtend sich zeiget? � Ein Gott gab zu singen uns diese Verse. Sie wollen wir k�nden, auf der Hirtenfl�te sie spielen.� Das stammt ungef�hr aus dem Jahr 50 nach Christus, und dieser bukolische Hymnus verherrlichte Kaiser Nero.</p><p>Beide Gedichtzitate, die in ihren literarischen Zutaten an die Weihnachtslegende des Lukas-Evangeliums erinnern, spiegeln etwas von der Friedenssehnsucht jener Epoche wider, nicht nur im unruhigen Pal�stina, sondern generell im R�mischen Reich. Umgekehrt bedienten sich die Evangelisten, gerade auch Lukas, solcher konventioneller literarischer Versatzst�cke, um ihre �Frohe Botschaft� unter das Volk zu bringen.</p><p>Die Auffassung von einer neuen �christlichen �ra� wird erst im Mittelalter bei M�nnern wie dem Friesen-Apostel Willibrord und dem Gelehrten Beda Venerabilis (in seiner <emphasis>Kirchengeschichte</emphasis>) fassbar, die Zeitgenossen von Karl Martell, dem Gro�vater Karls des Gro�en, am Ende des 7. Jahrhunderts waren. Der r�mische M�nch Dionysos Exigius soll den Begriff der �christlichen �ra� auf seiner Ostertafel 532 erstmals in einem kalendarischen Sinne angewandt haben. Diese Gelehrten des fr�hen Mittelalters sehen in Christus den Weltenherrscher, dessen Herrschaft �ber die Menschheit im Jahr seiner Geburt begann und bis zum J�ngsten Tag dauern soll. Erst seit dieser Zeit bildete sich ein Begriff von christlicher Zeitrechnung seit der Geburt Jesu.</p></section><section><subtitle>NEUE KULTUREN IN AFRIKA UND AMERIKA</subtitle><p><emphasis>ca. 0</emphasis></p><p>AFRIKA � BANTU-WANDERUNG����Die Bantu-Sprachfamilie in Afrika hat ihren Ursprung wahrscheinlich im westafrikanischen Hochland (heute Kamerun, Nigeria) und dehnte sich schon im 2. Jahrtausend v.�Chr. aus. In den Jahrhunderten um die Zeitenwende gab es eine zweite, schnellere Verbreitung fast �ber ganz Afrika s�dlich der Sahara. Die Bantu kannten die Eisengewinnung und -verarbeitung seit etwa 1000 v.�Chr. Die Bantusprachen sind die heute verbreitetsten Sprachen, eine Art <emphasis>lingua franca</emphasis> des afrikanischen Kontinents, sofern man sich nicht der europ�ischen Kolonialsprachen bedient. Die bekannteste und mit Abstand bedeutendste Bantusprache ist Suaheli. Aber auch Shona (beide in Rhodesien), Zulu (s�dliches Afrika), Kikuyu (Kenia), Xhosa, Ganda, Ruanda und Rundi sind Bantusprachen und tauchen in manchen L�ndernamen auf.</p><p><emphasis>ca. 0</emphasis></p><p>AMERIKA � ANAZASI����Seit den Jahren oder Jahrzehnten der christlichen Zeitenwende setzt man den Beginn der Anazasi-Kulturtraditionen an. Es waren auf dem nordamerikanischen Kontinent die ersten bekannten sesshaften Kulturen an der heute zu Kalifornien hin gelegenen Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko (die US-Bundesstaaten Arizona, Utah, Colorado, Neu-Mexiko). Die Anazasi-�Indianer� bildeten die Grundlage f�r die Pueblo-Kulturen seit 750.</p></section><section><subtitle>ROM IN DER KAISERZEIT</subtitle><p>Nach dem Jahrhundert des r�mischen B�rgerkrieges vereinigte Augustus die h�chsten Amtsbefugnisse <emphasis>tribucinium</emphasis> und <emphasis>imperium</emphasis> in seiner Hand und hob die �bliche Beschr�nkung der Amtszeit auf ein Jahr auf. Das Bed�rfnis nach Frieden stand obenan, und Augustus bescherte dies der Stadt und ihrem Weltreich. Im Gro�en und Ganzen hielt der Friede Roms, der <emphasis>Pax romana</emphasis>, auch eine Zeit der wirtschaftlichen Prosperit�t und der zivilisatorischen Entwicklung, rund 200 Jahre. Vor allem die durch C�sar eroberten und seitdem romanisierten Gebiete Galliens und Westgermaniens profitierten davon und fanden Anschluss an den Lebensstandard des Mittelmeerraumes.</p><p>ZELOTEN����Einzige politische St�rfaktoren in diesem friedlichen Reich waren der Unruheherd des Judenstaates im Nahen Osten und die aus r�mischer Sicht abgelegenen Provinzen am Rhein. Wegen der ungeschickten r�mischen Besatzungspolitik vor allem im Zusammenhang mit der Durchsetzung des Kaiserkultes formierte sich der Widerstand der j�dischen Glaubenseiferer. Ein griechisches Wort daf�r ist �Zeloten�. Als solche werden sie bereits im 4. Buch Mose erw�hnt. Schon zur Jugendzeit Jesu sch�rten die Zeloten den Aufruhr, vor allem gegen die Verm�genssch�tzung, ver�bten Attentate und terroristische �berf�lle gegen r�mische Amtstr�ger. Damit provozierten sie das harte Durchgreifen der R�mer unter Titus.</p><p>DIASPORA����Der sp�tere Kaiser Titus eroberte im Jahr 70 nach langer Belagerung Jerusalem und 73 die letzte zelotische Widerstandsfestung Masada. Unmittelbar vor der Erst�rmung der schwer einnehmbaren Bergfestung begingen alle 900 j�dischen K�mpfer Selbstmord.</p><p>Titus� Eroberung von Jerusalem ist f�r die j�dische Geschichte ein epochaler Einschnitt. Der letzte Mauerrest des zerst�rten Tempels des Herodes ist heute die Klagemauer. Die �berlebenden Juden zerstreuten sich �ber die ganze Mittelmeerwelt. Viele fl�chteten nach Babylon, wo nach der Befreiung durch die Perser eine gro�e, bl�hende j�dische Gemeinde zur�ckgeblieben war. Gr��ere Gruppen gingen nach Kleinasien, vor allem nach Ephesos, nach Spanien, von wo sie nach der Eroberung Granadas durch die Katholischen K�nige und Kolumbus-Sponsoren Isabella und Ferdinand 1492 erneut vertrieben wurden. Manche siedelten sich auch in den R�merst�dten am Rhein an. Diese Diaspora (griechisch: �Zerstreuung�) ist die Ursache f�r die starken j�dischen Minderheiten in Spanien und Westdeutschland im Mittelalter und in der ganzen Welt bis in die Gegenwart.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Eroberung Jerusalems und die Zerst�rung des Zweiten Tempels bedeutete das endg�ltige Ende des j�dischen Staatswesens, bis unter ganz anderen Voraussetzungen mit einem Mandat der UNO 1948 der moderne Staat Israel in Pal�stina neu begr�ndet wurde. Das aufkommende Christentum war in den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus aus r�mischer Sicht noch kein Thema, die kurzzeitige Christenverfolgung unter Nero, der auch Petrus und Paulus zum Opfer fielen, eher ein stadtr�misches, also lokales Problem.</p><p><emphasis>79</emphasis></p><p>DER AUSBRUCH DES VESUVS����79 n.�Chr. kam es zu einem katastrophalen Ausbruch des Vesuvs. Die wohlhabenden Villenst�dte Pompeij und Herkulaneum wurden binnen k�rzester Zeit versch�ttet und mit einer Asche- und Schlammschicht bedeckt. Um 1750 begann deren Wiederentdeckung und Ausgrabung, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Trotz des tragischen Ereignisses geben uns keine anderen Bauwerke ein authentischeres Bild einer Stadt der antiken r�mischen Zivilisation. Erhalten haben sich neben den Tempeln, Amtsgeb�uden, Theatern und Thermen auch die mit Wandmalereien, Mosaiken und Skulpturen geschm�ckten Villen sowie die Handwerksbetriebe und L�den mit ihren Ger�tschaften bis hin zu den Gemeinschaftslatrinen. Eindrucksvoll und ersch�tternd sind die mit Gips ausgegossenen Gestalten von Mensch und Tier im Augenblick des Untergangs.</p><p><emphasis>ab ca. 80</emphasis></p><p>LIMES����bedeutet �Grenze�. Seit etwa 80 wurde der antigermanische Wall zum Schutz der Rhein-Donau-Grenze errichtet.</p><p>Nach neuen arch�ologischen Funden gab es aber auch jenseits des Limes-Walles schon florierende r�mische Gutsh�fe, und damit schon eine st�rkere Durchmischung mit der eingesessenen keltischen oder germanischen Bev�lkerung. Diese wurde also nicht nur hinter dem Limes �romanisiert�: Die �bernahme der r�misch-mediterranen Zivilisation l�sst sich an einer F�lle entlehnter Alltagsw�rter erkennen, die mit den dementsprechenden Alltagsgegenst�nden in den Norden kamen: �Mauer� (<emphasis>murus</emphasis>; die Germanen kannten keine Steinmauern, nur Holzfachwerk, Palisaden oder Erdw�lle), �Stra�e� (<emphasis>via strata, </emphasis>�gepflasterter Weg�), �M�hle� (<emphasis>molina</emphasis>) und sehr viele W�rter aus dem Obst- und Gem�seanbau: �Pflanze� (<emphasis>planta</emphasis>), �Frucht� (<emphasis>fructum</emphasis>), �Wein� (<emphasis>vinum</emphasis>) und die Namen vieler neu eingef�hrter Pflanzenarten.</p><p><emphasis>um 120</emphasis></p><p>HADRIANSWALL����Die R�mer hatten unter C�sar erstmals englischen Boden betreten, aber erst 100 Jahre sp�ter, unter dem dritten Kaiser Claudius, wurden Teile der Britischen Insel auch Teil des R�mischen Reiches.</p><p>Die historische Trennlinie zwischen England und Schottland wurde um 120 unter Kaiser Hadrian zum Schutz gegen die Pikten errichtet. Diese waren keine Schotten, sondern vermutlich eine vorindogermanische Bev�lkerung, die bis zur Ankunft der R�mer bereits keltisch beeinflusst war. Ihr Name (lateinisch <emphasis>Picti</emphasis> = �Bemalte�) kommt von der verbreiteten Sitte, sich zu t�towieren. Der Hadrianswall war als Steinmauer wesentlich st�rker befestigt als der Limes.</p></section><section><subtitle>DIE FR�HEN CHRISTEN</subtitle><p><emphasis>ca. 40</emphasis></p><p>DAMASKUSERLEBNIS����Saul (lateinisch Saulus) war ein hellenistisch (griechisch) gebildeter Jude aus der kleinasiatischen Stadt Tarsus nahe der Grenze zu Syrien. Als strenggl�ubiger Pharis�er f�hlte er sich dazu berufen, die in seinen Augen vom wahren Judentum abtr�nnige christliche Sekte zu verfolgen. Die sprichw�rtliche Wandlung vom Saulus zum Paulus vollzog sich um 40 n.�Chr. Der Legende in der Apostelgeschichte nach hatte Saul noch kurz zuvor an der Steinigung des Stephanus in Jerusalem �Wohlgefallen gefunden�. Anschlie�end wurde er als offenbar tatkr�ftiger Christenverfolger von den Hohepriestern in �hnlicher Mission nach Damaskus geschickt. Kurz vor Erreichen der Stadt hatte er eine Christus-Vision. Er wurde geblendet, fiel vom Pferd und h�rte eine Stimme, die ihn fragte: �Warum verfolgst du mich?� Seinen inneren Wandel symbolisiert die Namens�nderung.</p><p><emphasis>seit 45</emphasis></p><p>MISSION����Nach diesem Bekehrungserlebnis stellte Paulus sein Leben und seine Arbeit in den Dienst des von ihm als wahr erkannten christlichen Gottes. Er begr�ndete in mehreren Reisen rund um die �g�is zwischen den Jahren 45 bis 64 die christliche Mission und hielt in Briefen Kontakt zu den Gemeinden, die er besucht hatte. In den Weltst�dten wie Korinth, Ephesos und Thessaloniki, in Antiochia in Syrien und Alexandria in �gypten bl�hten schnell christliche Gemeinden auf. Paulus� Briefe aus den Vierziger- und F�nfzigerjahren sind die �lteste christliche Literatur (alle Evangelien sind j�ngeren Datums). Darin legt er die Grundlage der christlichen Theologie und erhebt die j�dische Sekte zur Weltreligion.</p><p>Der Auftrag zur Verbreitung des christlichen Glaubens wird einem Jesuswort nach dessen Auferstehung (Markus, 16, 15) entnommen: �Gehet hin in alle Welt �� Auch viele der unmittelbaren J�nger Christi sollen sich in dieser Weise missionarisch bet�tigt haben.</p><p><emphasis>vor 50</emphasis></p><p>APOSTELKONZIL����Einige Jahre vor 50 (das genaue Datum ist nicht zu ermitteln) reiste Paulus nach Jerusalem, um sich mit Mitgliedern der christlichen Urgemeinde zu treffen. Hierbei wurde die Taufe als Aufnahmeritual beschlossen, der Verzicht auf die (j�dische) Beschneidung sowie die Heidenmission. Dadurch wurde die christliche Urgemeinde aus �berwiegend j�dischen Messiasbekennern f�r Nichtjuden ge�ffnet. Der erste Schritt zur Weltreligion war getan.</p><p>FROHE BOTSCHAFT����ist die exakte deutsche �bersetzung des Wortes �Evangelium�. Verb�rgte Originaltexte des Jesus von Nazareth sind bekanntlich nicht �berliefert. In der Zeit ihrer vermuteten erstmaligen Abfassung, in den Jahrzehnten um 100, waren bei verschiedenen �christlichen� Gruppen und Sekten viele Evangelien in Umlauf. Die vier kanonischen Evangelien des Markus, Lukas, Matth�us und Johannes entstanden in den Jahren zwischen 70 und 110. Die Idee, Berichte �ber das Leben und die Lehre Jesus� von Nazareth aufzuschreiben, scheint von Paulus zu stammen. Sie sollten vor dem Vergessen bewahrt werden und als Grundlage f�r die Verk�ndung des Glaubens in der Mission dienen.</p><p>Bereits um 125 hatte es in Ephesos eine Glaubensversammlung gegeben, die die vier Evangelien als Berichte �ber das Leben und Sterben Jesu zur Grundlage der Religion und des Gottesdienstes machte, vor allem des gemeinsamen Abendmahls (Kommunion). Schon damals n�mlich galt es, h�retische Lehren in Schach zu halten. Die Gemeinde in Ephesos hielt die (auf Griechisch geschriebenen) Evangelien f�r g�ttlich inspirierte Texte, eine Vorstellung, die auf zahllosen Darstellungen der vier Evangelienschreiber im Mittelalter ihren Niederschlag fand. Die kritische moderne Bibel- und Literaturwissenschaft kennt heute die Problematik dieser Urheberfrage.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Das Zentrum der Verk�ndung der Frohen Botschaft in den allerersten Jahrzehnten nach Jesu Tod war nicht Jerusalem. Vielleicht weil f�r die Juden dort der Tempel zu nahe, die Macht der Hohepriester zu gro� war. Jedenfalls wurden die zum Christusglauben konvertierten Juden in Jerusalem niedergehalten, Stephanus gesteinigt, Petrus ins Gef�ngnis geworfen, dem er entkam. Die Jerusalemer Judenchristen verlie�en gr��tenteils die Stadt. Mit deren Zerst�rung durch die R�mer trennten sich die Wege von Judentum und Christentum. Zu dieser Zeit predigten die Apostel bereits in den Metropolen des Nahen Ostens und gelangten bis nach Rom. Den Weg bahnten ihnen die dort ebenfalls bereits vorhandenen j�dischen Gemeinden, verk�ndet wurde die christliche Frohe Botschaft zun�chst in deren Synagogen. Aber dann erfasste diese Botschaft zunehmend die nicht-j�dische �heidnische� Bev�lkerung.</p><p>M�RTYRER����Gem�� der Apostelgeschichte, eines Teils des Neuen Testaments, war Stephanus, ein Mitglied der Jerusalemer Urgemeinde, der erste christliche M�rtyrer. Er wurde gesteinigt, weil er �hnlich wie Johannes der T�ufer und Jesus von Nazareth die Juden zur Umkehr und inneren Einkehr aufrief.</p><p>Das griechische Wort <emphasis>martys </emphasis>bedeutet w�rtlich �Zeuge�; <emphasis>martyrion </emphasis>ist demzufolge �Zeugnis, Beweis�, also im Grunde ein juristischer Begriff. Im antiken und mittelalterlichen Gerichtsverfahren hatten Zeugenbeweise einen ungleich h�heren Stellenwert als heutzutage, wo Sachbeweise und Schriftst�cke im Vordergrund stehen und Zeugenaussagen von Richtern vorsichtig und kritisch beurteilt werden. Fr�her galt das gesprochene und vor allem das beschworene Wort als wahr, fast heilig. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Wort �M�rtyrer� � in der Barockzeit eingedeutscht zu �Blutzeuge� oder �Bekenner� � seine besondere Dimension. Hinzu kommt, dass vor allem in der Fr�hzeit des Christentums das Leiden f�r den Glauben gro�e Anerkennung gerade in den intellektuell anspruchsvollen Schichten fand. Fast alle fr�hen P�pste waren M�rtyrer.</p><p>KATAKOMBEN����Im S�den Roms, in der N�he der <emphasis>Via Appia Antica</emphasis> befindet sich ein Tuffsteingel�nde, das mit dem griechischen Wort <emphasis>kata kymbas</emphasis> (�in den H�hlen�) bezeichnet wurde. In die weichen, aber stabilen Tuffmassen lie�en sich leicht Stollen und Kammern graben. Manche dieser H�hlensysteme sind sehr ausgedehnt und teilweise mit Stuck und Fresken ausgeschm�ckt wie Kirchenr�ume. Von Beginn an wurden diese H�hlen als Grabkammern genutzt, sehr fr�h schon von den ersten r�mischen Christen. Ihren Ruf als Zuflucht verfolgter Christen haben die Katakomben vermutlich, weil im 3. Jahrhundert die Gebeine der Apostel Petrus und Paulus hierher gebracht wurden, um sie vor Entweihung zu sch�tzen.</p><p>Die Katakomben waren aber weniger Zuflucht als regul�re Versammlungsr�ume, in denen sicherlich auch Abendmahlsfeiern stattfanden. Es gab zu jener Zeit n�mlich noch keine einzige Kirche. Trotz der Gr�ber und des fehlenden Tageslichtes haben die H�hlen nichts Schauriges. Auch die mittelalterlichen und barocken Kirchen sind �Friedh�fe�, oft mit einer F�lle von Grabdenkm�lern. Religion besch�ftigt sich eben sehr mit dem Leben �im Jenseits�.</p></section><section><subtitle>CHINESISCHES KAISERREICH</subtitle><p>Bei den Griechen war das naturkundliche Denken zum einen durch den Kontakt mit den f�r sie vollkommen neuen und faszinierenden Wissenssch�tzen des Orients und �gyptens ausgel�st, zum anderen durch die Bed�rfnisse der seefahrenden Kaufleute vorangetrieben worden. Sehr viele �wissenschaftliche Erkenntnisse� bezogen sich auf geografische Dinge im weiteren Sinn. Ganz anders in China, wo in der kulturellen Bl�te der Han-Dynastie (ca. 0�200) ebenfalls Handel und Seefahrt florierten. Als sich auch hier Ans�tze naturwissenschaftlichen Denkens zeigten, wurden diese von dem Beamtenadel unterdr�ckt, �hnlich wie es die christliche Kirche am Anfang der Neuzeit in Europa versuchte. Die Motive waren in beiden F�llen die gleichen: Die unausweichliche Kritik am Althergebrachten und �berlieferten � sowohl des Wissens wie der Gesellschaftsformen � h�tte der herrschenden Schicht die Legitimationsgrundlage entzogen. Durch diese Weichenstellung in der Han-Zeit gab es keine systematische Naturforschung in China und damit auch keinerlei �moderne� Entwicklung. Deswegen und aufgrund seiner nat�rlichen Isolierung, sp�ter der bewussten Abschottung, verharrte das Reich der Mitte in einem konservativen Zustand. Gleichwohl gab es in China eine Menge praktisch-technischer Erfindungen.</p><p><emphasis>um 105</emphasis></p><p>PAPIER����Die Herstellung von Papier aus zerstampften und zerkochten Pflanzenfasern in einem Sieb ist seit dem Beginn der Han-Dynastie im 2. Jahrhundert v.�Chr. nachgewiesen. Das Verfahren oder vielmehr das Rezept wurde aber erst um 105 n.�Chr. von dem Eunuchen und Minister Tsai Lun detailliert aufgeschrieben. Obwohl er sich dabei sicher nicht die langen Fingern�gel abgebrochen hat, gilt der Nicht-Handwerker Tsai Lun als �Erfinder� des Papiers.</p><p>Im Prinzip wird dieses Verfahren bis heute verwendet. Papier und Papierherstellung waren wie Porzellan, Seide und Tee eines der gro�en chinesischen Gesch�ftsgeheimnisse und ein dementsprechender Exportschlager. Chinesische Kriegsgefangene in Samarkand gaben das Geheimnis um 750 an die Perser und Araber weiter. Durch sie verbreitete sich die Kenntnis seit dem Hochmittelalter in Europa. Eine von dem Stauferkaiser Friedrich II. 1228 ausgestellte Urkunde ist hier eines der fr�hesten Papierdokumente. In Europa wurde der Name des alt�gyptischen Beschreibstoffes aus dem Mark der Papyrusstaude, der ganz anders gewonnen wird, aber auf den ersten Blick �hnlich aussieht, auf das neue Beschreibmaterial �bertragen.</p><p><emphasis>um 100�200</emphasis></p><p>PORZELLAN����hei�t auf Chinesisch <emphasis>tzu</emphasis>. Das f�r Chinas Kunsthandwerk charakteristischste Material wurde aller Wahrscheinlichkeit nach w�hrend der Han-Zeit erfunden. Den genauen Zeitpunkt, Ort und Erfinder kennt man nicht � es entstand um 100 bis 200 n.�Chr. im Zuge �hnlichen �alchimistischen� Herumexperimentierens wie sehr viel sp�ter (1707 n.�Chr.) bei der europ�ischen Neuerfindung in Mei�en.</p><p>Ausgangspunkt war die chinesische Stadt Changanshen in der Provinz Kiangsi, s�dlich des Jangtsekiang mit ihrem reichlichen Kaolin-Vorkommen. Kaolin ist eine Tonart, die sich besonders gut zur Porzellanherstellung eignet.</p><p>Bis zur Porzellanerfindung in Mei�en wussten die Chinesen das Geheimnis der Porzellanherstellung zu wahren, und es wurde zu einem der begehrtesten Exportartikel des Reichs der Mitte, im Mittelalter vor allem in die arabischen und persischen L�nder, als Gebrauchsgut nach Asien und als Luxusartikel seit der Renaissance auch nach Europa. Wegen des anderthalbtausendj�hrigen Monopols wurde Porzellan zu einem Leitprodukt chinesischer Kultur, und die Chinesen entwickelten un�bertroffen sch�ne Formen und Dekore.</p><p>HAN-DYNASTIE II����220 dankte der letzte Kaiser der Han-Dynastie ab. Es gab zu gro�e Unterschiede zwischen Arm und Reich, es gab dynastische Probleme (viele Kaiser starben zu jung und hinterlie�en minderj�hrige Thronfolger), und es gab den Druck der wiedererstarkten Hunnen aus dem Norden. Die Reichseinheit zerfiel. Damit ging die von der Geschichtsschreibung sogenannte chinesische Antike zu Ende, ebenso wie sich die griechisch-r�mische Antike und vor allem das westr�mische Reich ihrem Ende zuneigten. Der Grund war in beiden F�llen derselbe: Westrom kollabierte nach der von den turkmongolischen Hunnen angesto�enen V�lkerwanderung. Am anderen Ende Eurasiens stie�en die Hsiung-nu nach China vor; sie bildeten sp�ter eines der Drei Reiche (Wei).</p><p><emphasis>220�265</emphasis></p><p>DREI REICHE����hei�t die Periode, die von 220 bis 265 auf das Ende der Han-Dynastie folgte. Es sind die drei Nachfolge-K�nigreiche Wei (n�rdlich des Jangtsekiang), Wu (s�dlich des Jangtsekiang) und Shu (im alten Kerngebiet der Han). Anschlie�end folgte eine recht verworrene Zeit, in der China haupts�chlich in Nord- und S�dreiche geteilt war. Zu einer Wiedervereinigung kam es erst 560 unter der Sui-Dynastie � also etwa zu der Zeit, als Kaiser Justinian in Konstantinopel die Hagia Sophia einweihte.</p></section><section><subtitle>SP�TZEIT IN ROM</subtitle><p><emphasis>um 250</emphasis></p><p>Wenn die R�mer um 220 nach Osten blickten, ahnten sie nicht, was ihnen aus dem Fernen Osten noch bevorstehen sollte. Viel n�her lag den R�mern die Euphratgrenze zum Partherreich. Dort hatte es 224 einen bedeutenden Dynastiewechsel gegeben, und nun regierten die Sassaniden.</p><p>SASSANIDEN I����Nach einem Aufstand, bei dem der letzte Partherk�nig get�tet wurde, �bernahmen die Sassaniden die parthische Hauptstadt Ktesiphon am Tigris und bauten sie zur pr�chtigen Residenz aus. In vieler Hinsicht �hnelte die neue persische Dynastie der Rittergesellschaft des Hochmittelalters mit einer Vorliebe f�r Turniere und h�fischen Prunk.</p><p>Die Sassaniden, die erst dem Ansturm des Islam erlagen, gaben ihrer Herrschaft ein eigenes, betont neupersisches Gepr�ge, indem sie bewusst an die Ach�meniden, die alten Gegner der Griechen ankn�pften und dem Zoroastrismus als Staatsreligion besondere Geltung verschafften.</p><p>In der sp�ten Kaiserzeit akzeptierten die R�mer dieses neupersische Sassaniden-Reich als ebenb�rtige Zivilisation � im Unterschied zu den germanischen Barbaren an ihrer unruhigen Nordgrenze am Rhein. Die Rivalit�t am Euphrat band erhebliche milit�rische Kr�fte, die den R�mern bald an Rhein und Donau fehlten. Insgesamt wurde die Situation f�r Rom immer bitterer. Die Sassaniden ihrerseits mussten sich an ihrer Nordostgrenze zur Steppe und zum Hindukusch hin w�hrend des 3. und 4. Jahrhunderts gegen die Einf�lle von Reiternomaden ungekl�rter Herkunft wehren.</p><p>Zur Zeit der Macht�bernahme durch die Sassaniden begann um 250 der Druck der germanischen V�lkerwanderung auf die r�mische Nordwestgrenze, zun�chst durch die Alemannen und Goten. Im Vergleich zur hochentwickelten Panzerreiterei der Sassaniden waren die germanischen St�mme aber milit�risch gesehen primitiv und konnten von den R�mern in Schach gehalten werden. Vorl�ufig.</p><p><emphasis>um 250</emphasis></p><p>V�LKERWANDERUNG I � ALEMANNEN UND GOTEN����Weder die Alemannen noch die Goten waren ein einheitliches �Volk� oder ein einheitlicher Stamm, sondern eine Stammesf�deration, die sich erst im Laufe ihrer Wanderung herausbildete.</p><p>Die alemannischen Vorl�ufer sa�en urspr�nglich an der mittleren und unteren Elbe. Diese elbgermanischen Sippen verlie�en ihre angestammten Siedlungspl�tze, formten sich auf ihrem relativ kurzen Weg von Nord- nach S�d�germanien� zur Stammesf�deration der Alemannen, durchbrachen um 250 die Grenzbefestigungen der R�mer im Gebiet des Mains und wurden im Rhein-Neckar-Raum angesiedelt. Die erste zuverl�ssig verb�rgte Erw�hnung der Alemannen datiert auf 289.</p><p>Den Ursprung der Goten lokalisierte man fr�her auf der Ostseeinsel Gotland, was sich aber nicht beweisen l�sst. Die ostgermanischen Goten waren Ostseeanrainer in der Umgebung der Weichselm�ndung (nahe des heutigen Danzig). Sie zogen zun�chst langsam weichselaufw�rts Richtung Karpaten.</p><p><emphasis>seit 300</emphasis></p><p>CHRISTENVERFOLGUNG����In Rom starb 192 Kaiser Marc Aurels Sohn Commodus. Darauf folgten 100 Jahre lang eine Vielzahl von Kaisern und Gegenkaisern, zuerst aus der Dynastie der Severer, dann die sogenannten Soldatenkaiser. Der einzige kraftvolle Herrscher, der vor Konstantin noch einmal alle Autorit�t auf sich vereinigen konnte, war Diokletian. Unter ihm kam es zu den ersten harten Christenverfolgungen.</p><p>In seiner Regierungszeit von 284 bis 305 f�hrte Diokletian eine umfassende Reichsreform durch, auch im Herrschaftssystem: Er ernannte offizielle Mitkaiser, 285/286 f�hrte er einen zweiten Augustus f�r die Westh�lfte des Reiches ein sowie in jedem der beiden Reichsteile noch zwei Caesarii als Stellvertreter. Diese vier waren die <emphasis>Tetrarchen</emphasis>. Einer von ihnen, Galerius im Osten, war stets in Abwehrk�mpfe gegen die Sassaniden verwickelt � und die treibende Kraft hinter den Christenverfolgungen seit 303.</p><p>Erst 272 war der Sonnenkult des <emphasis>Sol Invictus</emphasis> als Staatsreligion in Rom eingef�hrt worden. Es waren dieser Kult und seine Riten, gegen die sich die Christen wandten. Der Kult des �unbesiegbaren Sonnengottes� hatte eine lange Tradition, teils in der altr�mischen Religion, teils im Orient, und wurde nun in der Sp�tphase Roms mit dem Kaiserkult verkn�pft. Die Kaiser lie�en sich schon seit l�ngerer Zeit �verg�ttlichen�. Die Christen verstanden derartig religi�s verbr�mte Bekundungen staatsb�rgerlicher Gesinnung als G�tzendienst.</p><p>Auf seinem Sterbebett erlie� Galerius, inzwischen zum Augustus bef�rdert, 311 das erste Toleranzedikt, das es den Christen erlaubte, sich friedlich zu versammeln.</p></section><section><subtitle>DIE KONSTANTINISCHE WENDE</subtitle><p>Einige Jahre nach Diokletians Tod rangen Konstantin, (Mit-)Kaiser seit 306, und sein Rivale Maxentius, Sohn von Diokletians Mitkaiser Maximian, um die Vorherrschaft im Reich. Dieser Streit wurde im engsten Umfeld der tetrarchischen Herrschaftsspitze ausgetragen. In der Schlacht an der Milvischen Br�cke, der unmittelbar am n�rdlichen Stadteingang von Rom gelegenen Tiberbr�cke, siegte Konstantin 312. Maxentius fiel. Auf dem Marsch zur Br�cke soll dem Kaiser und seinem Heer eine kreuzf�rmige Lichterscheinung aufgefallen sein. Und in der Nacht vor der Schlacht sei Jesus Christus dem Kaiser im Traum erschienen und habe ihm � in bestem Lateinisch � gesagt: �<emphasis>In hoc signo vinces</emphasis>� � �In diesem Zeichen wirst du siegen�. Konstantin vertraute dem Christengott, lautet die Botschaft dieser Legende. Konstantin, nunmehr Alleinherrscher, leitete sogleich eine grundlegende religionspolitische Wende zugunsten des Christentums ein.</p><p><emphasis>313</emphasis></p><p>TOLERANZEDIKT VON MAILAND����Im Jahr darauf best�tigte der Kaiser in Mailand 313 das Toleranzedikt. Dadurch wurden die Christen nicht nur anerkannt und nicht mehr verfolgt, sondern in der gleichen Weise beg�nstigt, wie es seit jeher f�r die heidnischen Priester galt: Der christliche Klerus war nun von Steuerabgaben und vom Milit�rdienst befreit. Konstantin f�rderte aktiv den Aufstieg des Christentums bis hin zum epochalen Konzil von Nik�a 325.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: 380 nahm Kaiser Gratian die Priester au�erdem aus der weltlichen Jurisdiktion heraus und unterstellte sie den bisch�flichen Gerichten. Dank dieser kaiserlichen Ma�nahmen wurde die Kirche reich und unantastbar.</p><p>SONNTAG � WEIHNACHTSTAG����Konstantin bestimmte den bisherigen ersten Wochentag, den �Sonnentag�, zum �Tag des Herrn�. Den Wintersonnenwendtag am 25.�Dezember, den h�chsten Feiertag sowohl des heidnischen Mithras-Kultes wie des Sonnenkultes um den <emphasis>Sol Invictus</emphasis> (die �Wiedergeburt des Lichts�) machte er zum Tag der Geburt des Christengottes. So wurde auch der Kalender �christianisiert�. Praktisch alles, was die Kirche an weltlicher Macht erhielt und sp�ter selbst eroberte, verdankt sie Konstantin, der sich angeblich erst auf dem Sterbebett taufen lie�.</p><p>LATERAN����Sitz des Papstes in Rom war seit der Antike und w�hrend des gesamten Mittelalters nicht der Vatikan mit dem Petersdom, sondern die etwas am Rande des antiken und erst recht des mittelalterlichen Roms gelegene Basilika <emphasis>S. Giovanni in Laterano</emphasis>, St. Johannes im Lateran, kurz �Lateran� genannt. Der Name geht zur�ck auf die urspr�nglichen Eigent�mer, die r�mische Familie der Laterani. Die dort gelegenen Grundst�cke gelangten in den pers�nlichen Besitz der Familie Kaiser Konstantins. 314 stiftete dieser die Lateran-Basilika. St. Johann ist somit die �lteste christliche Basilika und heute noch die Bischofskirche des Bischofs von Rom.</p><p>Da die ebenfalls von Konstantin gestiftete Basilika von St. Peter jenseits des Tibers und au�erhalb der Stadtmauern lag, wurde der Lateran Sitz des Papstes. Der �Umzug� der P�pste in den Vatikan fand erst viel sp�ter nach der R�ckkehr aus Avignon 1377 statt. Noch bis ins 19. Jahrhundert wurden die P�pste im Lateran gekr�nt.</p><p>BASILIKA����Bis zur Zeit Konstantins gab es gar keine �Kirchen� oder �christlichen Basiliken�, ja �berhaupt keine �christliche Architektur� und kaum �christliche Kunst�. Die Lateran-Kirche ist die erste gro�e Basilika der Christenheit. Das Wort leitet sich ab von <emphasis>basilike stoa (</emphasis>�k�nigliche Halle� oder einfach �gro�e Halle�) Der Name ist griechischen Ursprungs, das Baumuster hingegen r�misch. Es geht auf die r�mischen Markt- und Gerichtshallen zur�ck. Diese wiederum waren keine �Hallen� im modernen Sinn, also einr�umig, sondern dreischiffige Geb�ude mit Fenster�ffnungen im Obergaden des Mittelschiffs: das typische Merkmal einer �Basilika�.</p><p><emphasis>325</emphasis></p><p>DAS KONZIL VON NIK�A����Das Glaubensbekenntnis, das heute noch in allen christlichen Kirchen � ob katholisch, protestantisch oder orthodox � gebetet wird, bekennt sich zur Wesenseinheit von Gott Vater und Sohn im Gegensatz zur Wesens�hnlichkeit. Dar�ber war zuvor zwischen den Vertretern der athanasischen und der arianischen Lehre aufs Heftigste gestritten worden. Auf dem ersten �kumenischen Konzil in Nik�a 325 beschlossen und verk�ndeten die Bisch�fe dann das Dogma �eines Wesens mit dem Vater�. Die arianische Lehre wurde fortan als �h�retisch� verdammt. Nik�a, das heutige t�rkische Iznik, liegt nicht weit von Konstantins neu gegr�ndeter Hauptstadt Konstantinopel. Treibende Kraft hinter der Einberufung des Konzils war der Kaiser selbst, und er nahm an dessen Fortgang lebhaften Anteil. Den letztlich ausschlaggebenden Begriff <emphasis>homoousios</emphasis> (�wesensgleich�, �wesenseins�) hatte er selbst vorgeschlagen.</p><p>Ob aus staatspolitischem Kalk�l oder aus pers�nlichen Motiven: Konstantin hatte klar erkannt, dass die Religionen der Antike ihre gemeinschaftsbildende Kraft durch den Kultur- und Kultpluralismus im R�mischen Reich l�ngst verloren hatten. Die antiken Kulte waren zum sinnentleerten Ritual erstarrt und hatten keine Botschaft; sie boten keine Antwort, keinen Trost f�r die Bed�rfnisse der Menschen. Etwas lebendig Religi�ses hatte sich aus all diesen Ans�tzen seit langer, langer Zeit nicht mehr entwickelt. Deshalb war das Ringen um die Einheitlichkeit der Kirche so wichtig. Wenn es nur einen Gott gab, konnte es auch nur einen Glauben, einen Kult geben. Diese Haltung bestimmt seit Nik�a das Handeln der Kirche bis in die Gegenwart.</p><p>H�RETIKER����In Nik�a wurden nicht nur die entscheidenden religi�sen Grundlagen gelegt, hier trat auch erstmals die au�erordentliche Kampfbereitschaft der christlichen Kirche zutage, sich in endlosen ideologischen Konflikten mit anderen Str�mungen und �Lehren� abzugrenzen, durchzusetzen und zu behaupten. In den ersten Jahrhunderten musste sich die Kirche mit Arianern, Gnostikern und Manich�ern auseinandersetzen, die an dem urspr�nglich zoroastrischen Gedanken einer Zweigeteiltheit der Welt in ein Reich des Lichtes und der Finsternis festhielten. Im Mittelalter waren es dann die Katharer und andere �Sekten�.</p><p><emphasis>330</emphasis></p><p>KONSTANTINOPEL, DIE NEUE HAUPTSTADT����Die kleine griechische Siedlung Byzantion lag strategisch g�nstig am Bosporus, am engsten �bergang von Europa nach Asien, von der Donau wie vom Euphrat etwa gleich weit entfernt. Diesen Flecken lie� Konstantin in f�nfj�hriger Planungs- und Bauzeit zur Kaiserresidenz ausbauen. Am 11.�Mai 330 weihte er die neue Hauptstadt ein, deren ostr�mische Kaiserpal�ste sich in unmittelbarer Umgebung des Hippodroms, teilweise auf dem Gel�nde der heutigen Blauen Moschee, befanden. In griechischer Tradition wurde die pr�chtige Metropole nach ihrem Gr�nder und Erbauer benannt: So wie Alexandria nach Alexander hie� nun Konstantinopel nach Konstantin. Die Verlegung der Hauptstadt war praktisch und folgerichtig. Der wirtschaftliche Schwerpunkt des Reiches lag im Osten, auch das Christentum war im gesamten Osten bis nach �gypten und Nordafrika bereits viel st�rker verwurzelt. Alle diese L�nder geh�rten zu Ostrom.</p><empty-line/><p><emphasis>329</emphasis></p><p>THEODOSIANISCHES DEKRET����Theodosius I. war von 379 bis 395 der siebte Nachfolger Konstantins. Er hatte sich keineswegs nach dem Kaiseramt gedr�ngt, aber zu seiner Lebens- und Regierungszeit �berschlugen sich die Ereignisse nach einer verheerenden Niederlage f�r die R�mer durch die Westgoten im Jahr 378. Theodosius (347�395) stammte aus einer Familie hochrangiger Offiziere aus Hispanien und war �berzeugter Katholik. V�llig anders als der ungetaufte Kirchenf�rderer Konstantin am Anfang des Jahrhunderts wuchs Theodosius bereits innerhalb der eigenen Familie in eine gefestigte kirchliche Institution hinein. Schon sein Vater, ebenfalls Offizier, war �berzeugter Nik�aner. Als Kaiser nahm Theodosius erstmals nicht mehr den Titel <emphasis>Pontifex maximus</emphasis> an. Das wurde fortan dem Papst �berlassen.</p><p>392 erlie� Theodosius ein Dekret, das die Aus�bung aller heidnischen Kulte und die Schlie�ung aller Tempel verf�gte. Dazu z�hlten �brigens auch die Olympischen Spiele und die platonische Akademie in Athen. Damit ging die teilweise mehrtausendj�hrige religi�se Tradition der Antike endg�ltig zu Ende. Mithras, Astarte, Zeus, Jupiter, Isis und Osiris wurden s�mtlich in den Ruhestand geschickt. Von Hunderten von Religionen und Kulten, die jahrtausendelang von Menschen ausge�bt worden waren, hat man nie mehr etwas geh�rt. Theodosius war kein Eiferer. Doch sein Dekret markiert den tiefsten Einschnitt in die geistig-kulturelle Welt der Antike, auch wenn es nicht sofort �berall und konsequent umgesetzt wurde.</p></section><section><subtitle>INDIEN</subtitle><p><emphasis>320�470</emphasis></p><p>DAS GOLDENE ZEITALTER DER GUPTA����Etwas kleiner als das Aschoka-Reich, aber immer noch riesig war das Gupta-Reich. Es ging als das Goldene Zeitalter Indiens in die Geschichte ein. Gupta umfasste das ganze Nordindien vom heutigen Burma bis an die Grenze Persiens mit Afghanistan, Pakistan, Nordindien und Bangladesh. Die Vereinigung der vielen kleinen K�nigreiche Nordindiens ging von dem K�nigreich Magadha aus. Magadha lag rund um den Unterlauf des Ganges mit Benares und Kalkutta. Magadha war auch die Heimat Buddhas.</p><p>Unter den Gupta erlebte dieses weit gefasste Nordindien eine wirtschaftliche und kulturelle Bl�tezeit. In wirtschaftlicher Hinsicht kann man von einem weitgehend steuerfreien Liberalismus sprechen, die St�dte genossen eine Art Selbstverwaltung durch Handwerker- und H�ndlergilden wie im europ�ischen Mittelalter, die Kaufleute verdienten exorbitant am Fernhandel zwischen Mittelmeer und China.</p><p>Der Hinduismus erlebte eine Renaissance, indem der Buddhismus selbst aus seinem �Heimatland� zur�ckgedr�ngt wurde. Danach konnte sich der Buddhismus in Indien nie mehr gegen den Hinduismus durchsetzen.</p></section><section><subtitle>AMERIKA</subtitle><p><emphasis>292</emphasis></p><p>MAYA I � TIKAL����Tikal im Hochland von Guatemala ist eine der ersten St�dte am Anfang der Maya-Kultur. Hier wurde die erste zuverl�ssig datierbare Maya-Stele gefunden, die aus dem Jahr 292 n.�Chr. stammt. Damals war die Stadt bereits seit 1000 Jahren ein Siedlungsplatz, nun begann hier auf jungsteinzeitlich-d�rflicher Grundlage die Entwicklung zu einer st�dtischen Struktur mit Tempel- und Palastbauten aus Stein. Bis zum 5. Jahrhundert wurde aus dem Stadtstaat einer der m�chtigsten Fl�chenstaaten der Maya.</p><p>Obwohl die Maya eine ganz andere Sprache sprachen und nur am Rande der Olmeken-Kultur lebten, f�hrten sie einige von deren kulturellen Errungenschaften fort, insbesondere die Schrift.</p><p><emphasis>100�650</emphasis></p><p>TEOTIHUAC�N����Seit Jahrhunderten besiedelt, war die etwa 50 Kilometer n�rdlich von Mexiko City gelegene heutige Ruinenstadt von 100 bis 650 das politische und religi�se Zentrum einer mittelamerikanischen Kultur. Die Gro�bauten der nach einem ausgefeilten, schachbrettartigen Grundriss angelegten Riesenstadt mit ca. 150000 Einwohnern entstanden zwischen dem 3. und dem 7. Jahrhundert. Am bekanntesten ist die aus ca. drei Millionen Tonnen Steinen errichtete, 75 Meter hohe, stufenf�rmige Sonnenpyramide, eines der gr��ten Bauwerke der Erde. Am Tag der Sommersonnenwende geht die Sonne genau auf der Mittelachse der Pyramide unter.</p><p>Teotihuac�n war nicht mit Mauern befestigt. Wie andere St�dte mittelamerikanischer Kulturen auch h�lt man Teotihuac�n f�r ein religi�ses Zentrum, Wohnort der Priesterschaft und der Kriegerkaste. Teotihuac�n bedeutet �Ort, wo man zum Gott wird�, aber das ist nicht der urspr�ngliche Stadtname, sondern eine Bezeichnung in der Nahuatl-Sprache aus sp�terer Zeit. Wer die Erbauer waren, wei� man nicht.</p><p>Die Gr�nde f�r den sp�teren rapiden Untergang der Stadt und ihrer Kultur sind ebenfalls unbekannt. Teotihuac�n war offenbar ein f�r ganz Mittelamerika bedeutendes, �internationales� Kult- und Pilgerzentrum mit gro�er Ausstrahlung, vor allem auf die gleichzeitige Maya-Kultur. Eine der Hauptgottheiten war Quetzalcoatl, dem vermutlich Menschenopfer dargebracht wurden. Eine andere wichtige Gottheit war Tlaloc, der Regengott.</p><p>QUETZALCOATL I����Die �gefiederte Schlange� war f�r mehrere mesoamerikanische Kulturen die Hauptgottheit (<emphasis>coatl</emphasis> = Schlange; <emphasis>quetzalli</emphasis> = gr�ne Feder). Quetzalcoatl ist ein Sch�pfergott, Vegetationsgott (Pflanzen und Ackerbau), der Erde und dem Wasser verbunden, Besch�tzer der Priester und Handwerker, Stifter des Kalenders. Sp�tere Gottk�nige nahmen das Wort als Titel an. Die mythologische Vorstellung, Quetzalcoatl habe sich nach Yucat�n zur�ckgezogen und w�rde als eine Art Erl�ser aus dem Osten zur�ckkehren, soll von den Azteken auf den Konquistador Hern�n Cort�z bezogen worden sein.</p></section><section><title><p>NEUE WELTM�CHTE � NEUE ZEITRECHNUNGEN</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 300 bis 650</emphasis></p></section><section><subtitle>KIRCHE UND KIRCHENV�TER</subtitle><p>W�hrend n�rdlich der Alpen vor allem die �stlich der Elbe ans�ssigen germanischen V�lkerst�mme zu wandern begannen und in den Gebieten sesshaft wurden, die heute noch ihren Namen tragen, bildeten sich im Mittelmeerraum neue Formen des religi�sen Lebens.</p><p><emphasis>ca. 300</emphasis></p><p>EREMITEN UND M�NCHE����Urvater aller M�nche ist der heilige Antonius (ca. 250�356), der fast sein ganzes langes Leben am Rande der �gyptischen W�ste verbrachte. �gypten war in der Sp�tantike eine Hochburg des jungen Christentums. Moralisch anspruchsvolle M�nner wandten sich von den �berfeinerten Zivilisationen ihrer Zeit ab und suchten wie Antonius ihr Heil in einem radikal einfachen Leben, in Askese und Hinwendung zu Gott. Da sie in der �W�ste� (altgriechisch <emphasis>eremos</emphasis>) lebten, hie�en sie �Eremiten�. Da sie allein (griechisch <emphasis>mono</emphasis>) lebten, nannte man sie �M�nche�. Ein �hnlich eremitenhaftes Dasein f�hrten die S�ulenheiligen in Syrien in der Zeit um 450. Sie verbrachten zuweilen Jahrzehnte allein auf einer S�ulenplatte � Sonne, Wind und Regen schutzlos ausgesetzt. Die Volksmassen waren fasziniert von den �heiligen M�nnern�. Man erwartete von ihnen Wunder, (g�ttlichen) Rat und Heilung.</p><p><emphasis>ca. 300</emphasis></p><p>HEILIGE UND M�RTYRER����F�r das Bekenntnis zum Christentum den M�rtyrertod zu sterben, galt und gilt in der Kirche als heilig. Fast alle fr�hen P�pste starben diesen gewaltsamen Tod. Zu den ersten Heiligen, die keine M�rtyrer waren, z�hlen der heilige Nikolaus (um 280�350) und der heilige Martin (um 320�400).</p><p>Der aus wohlhabendem Haus stammende Nikolaus war zun�chst Klosterabt, dann Bischof in Myra an der damals griechisch besiedelten S�dk�ste der heutigen T�rkei. In der bekanntesten der vielen Legenden, die sich um ihn ranken, warf er drei Jungfrauen Goldklumpen durchs offene Fenster zu, damit sie von ihrem Vater nicht mangels Mitgift als Prostituierte oder Sklavinnen verkauft wurden, was in der Antike durchaus �blich war. Nikolaus ersparte den Schwestern dieses Schicksal. (Der Brauch, am Nikolaus-Tag Kinder zu beschenken, geht auf diese Geschichte zur�ck, auch wenn es heute nicht mehr darum geht, sie vor der Sklaverei zu bewahren.)</p><p>Als Offizier im Dienst des r�mischen Heeres durchschnitt Martin seinen Mantelumhang, die <emphasis>cappa</emphasis>, und schenkte ihn aus Barmherzigkeit einem frierenden Bettler. Martin stammte aus Pannonien (Ungarn) und war wegen der K�mpfe gegen die Alemannen nach Gallien gelangt. Er quittierte sp�ter den Milit�rdienst, gr�ndete 361 das erste Kloster Galliens und wurde Bischof von Tours. Die <emphasis>cappa</emphasis> wurde zur bedeutendsten Reliquie des Frankenreiches. Zu ihrer Aufbewahrung lie�en die merowingischen K�nige die erste �Kapelle� bauen.</p><p><emphasis>400</emphasis></p><p>PONTIFEX MAXIMUS����Das Papsttum und die katholische Kirche z�hlen � genauso wie die orthodoxe Kirche � zu den wenigen Institutionen, die eine ununterbrochene, lebendige Kontinuit�t aus der Antike bis in die Gegenwart bewahrt haben. Die Liturgie orientiert sich an r�mischen Staats- und Weihezeremonien, die Messgew�nder der katholischen (und orthodoxen) Priester gleichen den Gew�ndern hoher r�mischer Beamter, der Krummstab der Bisch�fe, der <emphasis>lituus</emphasis>, diente bereits etruskischen Auguren zur Bezeichnung eines <emphasis>templum</emphasis> (�heiliger Bezirk�). Auch die lateinische Sprache f�hrt die r�mische Tradition direkt fort.</p><p><emphasis>Pontifex maximus</emphasis> war ein hohes republikanisches Staatsamt ebenfalls aus etruskischer Zeit f�r den Oberaufseher �ber die Priester (der aber selbst kein �Priester� war!). Auch C�sar und alle Kaiser hatten dieses Amt inne. Erst Kaiser Theodosius �berlie� w�hrend seiner Regierungszeit von 379 bis 395 diesen Titel dem Bischof von Rom.</p><p><emphasis>ca. 400</emphasis></p><p>PAPST����Um 400 besannen sich die Bisch�fe von Rom darauf, dass sie Herren �ber das Grab des Apostels Petrus auf dem Vatikanh�gel waren, den Christus zu seinem Nachfolger eingesetzt hatte. Auf diese direkte, ununterbrochene Apostelnachfolge begr�ndeten die r�mischen Bisch�fe schon damals � und unmissverst�ndlich bis heute � ihre Vorrangstellung gegen�ber anderen Patriarchen (�Erzvater�), beispielsweise in Alexandria, Antiochia, Jerusalem und nat�rlich in Konstantinopel. Siricius war der Erste, der sich <emphasis>papa</emphasis> nannte. Er regierte kurz vor 400.</p><p><emphasis>460</emphasis></p><p>HEILIGER STUHL����Denkbar w�re gewesen, die h�chste Autorit�t in der Kirche einem Konzil zuzuerkennen, in dem der Patriarch von Rom nur der Erste unter Gleichen war. Indes fasste der siebte Nachfolger von Siricius, Leo der Gro�e (440�461), die Sache von der juristischen Seite an. Er fasste Jesu Ernennung des Simon zum <emphasis>Petrus</emphasis> und damit zum �Felsen� seiner Gemeinde als offizielle Stellvertretung auf. Diese Ernennung (Matt. 16, 19) war die �bergabe der Schl�ssel des Himmelreichs. Deswegen sind die Schl�ssel das Symbol Petri und des Papstwappens. Im r�mischen Sachenrecht ist solch eine Schl�sselgewalt mit einer unumschr�nkten Alleinherrschaft verbunden.</p><p>Thron des Papstes ist der Heilige Stuhl direkt �ber dem Petrusgrab, die <emphasis>cathedra Petri</emphasis>. Das Recht zu sitzen, w�hrend alle anderen standen, geb�hrte in der Antike und im Mittelalter nur dem Herrscher. Deswegen ist in Staatsangelegenheiten ein �Stuhl� immer ein Thron. Auch in der bildlichen Darstellung.</p><p>Im �brigen ist der Heilige Stuhl, unabh�ngig vom jeweils regierenden Papst, ein anerkanntes V�lkerrechtssubjekt und ein sehr altehrw�rdiges zumal. Die korrekte Anrede im diplomatischen Verkehr lautet nicht etwa �Benedetto!�, sondern �Heiliger Vater�, eine Anrede, die sich der Papst allerdings mit dem Dalai Lama teilen muss.</p><p><emphasis>ca. 400</emphasis></p><p>KIRCHENV�TER����Zwei Generationen nach dem Konzil von Nik�a 325 tobte noch immer der theologische Abwehrkampf gegen die arianische und manich�ische �H�resie�. Doch gerade in dieser Auseinandersetzung festigte sich in der zweiten H�lfte des Jahrhunderts neben der institutionellen auch die theologische Stellung der Kirche, besonders durch das Wirken der �Kirchenv�ter�. Die herausragendsten jener Zeit sind alle um 350 geboren: Hieronymus, Augustinus, Ambrosius. Hieronymus (347�419) zog sich nach seiner Dienstzeit als Sekret�r von Papst Damasus in ein Kloster in Bethlehem zur�ck und fertigte dort die erste vollst�ndige �bersetzung der Bibel aus dem Griechischen und Hebr�ischen ins Lateinische an. Sie wird �Vulgata� genannt, weil sie sp�ter �allgemein� in Gebrauch kam.</p><p>Augustinus (354�430) wurde nach einer wildbewegten Jugendzeit als Bischof von Hippo in Nordafrika der christliche Fundamentaltheologe schlechthin. In seiner Lehre von der Erbs�nde f�hrte er die Existenz des B�sen und des Todes auf die Fleischeslust zur�ck, die Verf�hrung Evas und die Begierden Adams, nachdem sie entgegen Gottes Gebot am Baum der Erkenntnis genascht hatten. Das war die Urs�nde. Da nach der damaligen Vorstellung alle Menschen von Adam abstammten, hatte sich diese S�nde �vererbt�. Nur durch Gottes Gnade, meint Augustinus, k�nne der Mensch von dieser S�nde erl�st werden. Und die Gnade wiederum erlange man nur durch den unbedingten Gehorsam gegen�ber der Kirche.</p><p>Ambrosius (340�397) war Bischof von Mailand, damals eine Kaiserresidenz. Er gilt als brillanter Redner, als Erfinder des christlichen Hymnengesangs, er taufte Augustinus und hatte erheblichen Einfluss auf Kaiser Theodosius I.</p></section><section><subtitle>EURASISCHES EREIGNIS � DER HUNNENSTURM</subtitle><p>Nach dem Ende der Han-Dynastie um 200 n.�Chr. zerfiel die Einheit Chinas. Im Norden beherrschten die Hunnen einen der Nachfolgestaaten, das Teilreich Wei.</p><p><emphasis>ca. 220</emphasis></p><p>HUNNEN II����Hunne ist nicht gleich Hunne. Die Herkunft und die ethnische Identit�t der Attila-Hunnen ist nicht genau bekannt. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind es nomadische Turkst�mme aus der zentralasiatischen, heute kirgisisch-mongolischen Steppe. Mit den Hunnen in China sind sie nicht identisch, auch wenn dies fr�her angenommen wurde. Anscheinend �bertrugen die Turkv�lker die offenbar prestigetr�chtige Bezeichnung �Hunnen� untereinander weiter. Auch derjenige Stammesverband, der sich � aus unbekannten Gr�nden � um 220 bis 250 gen Westen wandte, war vermutlich solch ein gemischt-ethnischer �hunnischer� Stammesverband.</p><p><emphasis>300</emphasis></p><p>WESTGOTEN����Die �Goten� zogen von ihren Stammsitzen an der Ostsee seit dem ersten Jahrhundert weichselaufw�rts, �stlich am Karpatenbogen vorbei und weiter den Dnjepr hinab Richtung Schwarzes Meer. Dort waren sie seit etwa 250 ans�ssig, bis sie sich um 290 � auf komplizierten Wegen � in Visigothi (�gute� oder �edle� Goten) und Ostrogothi (�gl�nzende Goten�) teilten. Mit Ost und West hatte das nichts zu tun, auch wenn wir heute von Ostgoten und Westgoten sprechen.</p><p>Letztere sickerten um 300 in Dakien, n�rdlich der Donau (Rum�nien) ein. Die Gegend war uraltes Kulturland, landwirtschaftlich fruchtbar und reich an Bodensch�tzen, aber sp�testens seit den Markomannenkriegen im 2. Jahrhundert zu unruhig und zu aufwendig zu verteidigen. Den R�mern war der Boden zu hei� geworden. Sie zogen sich um 270 zur�ck, nicht ohne zuvor die gewaltige Trajansbr�cke, die l�ngste Br�cke der antiken Welt, zu zerst�ren. Sollten die Westgoten doch dort als Puffer dienen � gegen wen auch immer.</p><p><emphasis>ca. 350</emphasis></p><p>WULFILA����<emphasis>attu unsar thu in himina�/�weihnai namo thein</emphasis> � so ist der Beginn des Vaterunsers auf Gotisch in Bischof Wulfilas (311�383) Bibel�bersetzung �berliefert. Wulfila (�kleiner Wolf�) missionierte um 350 als �Apostel der Goten�, die schon fr�h zum christlichen (arianischen) Glauben �bertraten. Ein unsch�tzbar kostbares Exemplar seiner Wulfila-Bibel ist das �lteste erhaltene germanische Sprachdenkmal. Dieser <emphasis>Codex Argenteus</emphasis> (�Siberkodex�) ist auf vollst�ndig mit Purpur eingef�rbten Seiten in goldenen und silbernen Lettern geschrieben. Ein k�nigliches Exemplar. F�r die Sprachforschung ist der Text mit Teilen des Neuen Testaments von ungeheurem Wert. Es befindet sich heute in Uppsala in Schweden.</p><p><emphasis>375</emphasis></p><p>OSTGOTEN����W�hrend Wulfila in Dakien bei den Westgoten missionierte, �berquerten 374 die Hunnen die Wolga. Dem Ostgoten-K�nig Ermanarich gelang es in mehreren Schlachten nicht, die Hunnen aufzuhalten, und er beging Selbstmord. Daraufhin unterwarfen sich die Ostgoten der hunnischen Herrschaft. Der gr��te Teil von ihnen schloss sich dem Zug der Hunnen Richtung Westen an. Der Hunnen-Tross muss um 400 in der Donautiefebene Pannoniens angelangt sein. Zu Ostrom wie zu Westrom unterhielten sie gute diplomatische Beziehungen. Attila muss um diese Zeit geboren worden sein.</p><p><emphasis>376/378</emphasis></p><p>SCHLACHT VON ADRIANOPEL����Mit Genehmigung des ostr�mischen Kaisers Valens sollten die Westgoten 376 die Donau �berschreiten und sich am S�dufer ansiedeln. Es war das erste Mal, dass einer germanischen V�lkergruppe diese Erlaubnis erteilt wurde.</p><p>Die Westgoten, in h�chster Not auf der Flucht vor den Hunnen, �berschritten den Fluss, wurden aber von der v�llig inkompetenten r�mischen Verwaltung nicht wie vorgesehen entwaffnet und ausreichend versorgt. Zehntausende Goten, Frauen und Kinder inbegriffen, wussten sich nicht anders zu helfen, als zu pl�ndern und zu marodieren. Valens pers�nlich r�ckte mit seinen Elitesoldaten aus und traf bei Adrianopel am 9.�August 378 auf die westgotischen Krieger, deren Kampfkraft die R�mer v�llig untersch�tzten. Die Schlacht war f�r die R�mer die schlimmste Niederlage seit Cannae. Das Heer wurde aufgerieben, Valens fiel, und allen Beteiligten war klar: Rom war nicht mehr in der Lage, sich gegen die Germanen zu behaupten. Die Goten erhielten daraufhin einen F�deratenvertrag und ein Ansiedlungsrecht am Westrand des Schwarzen Meeres im heutigen Bulgarien. Im Jahr nach der Schlacht, 379, wurde Theodosius zum Kaiser ernannt, und es gelang ihm, das Reich zu konsolidieren.</p><p><emphasis>395</emphasis></p><p>WESTROM � OSTROM����Nach seinem Tod 395, so hatte es Theodosius bestimmt, wurde das R�mische Reich endg�ltig in Westrom und Ostrom aufgeteilt. Die Grenzlinie begann an der �stlichen Adria etwa zwischen Kroatien und Serbien. Die Aufteilung des Balkans in einen katholisch-lateinischen Kulturkreis mit Kroatien und Slowenien und orthodox gepr�gte L�nder wie Serbien, Bulgarien und Griechenland ist heute noch deutlich sp�rbar.</p><p>Ostrom hielt sich noch gut 1000 Jahre lang in Konstantinopel/Byzanz und bildete ein Bollwerk gegen die islamische, sp�ter t�rkische Expansion, in dessen Schutz sich das fragile Abendland entfalten konnte.</p><p>Westrom ging nicht einmal 100 Jahre nach der Reichsteilung im Hunnensturm unter. Das westr�mische Kaisertum wurde dann unter v�llig anderen Voraussetzungen im Zusammenwirken mit dem Papst von germanisch-fr�nkischen K�nigen erneuert.</p><p><emphasis>um 400</emphasis></p><p>GOTENZUG����Die Westgoten blieben nicht lange am Schwarzen Meer, sondern zogen unter ihrem K�nig Alarich den ganzen Balkan hinunter und an der Adriak�ste wieder hinauf. Bei Theodosius� Tod 395 standen sie noch in Dalmatien. Um 400 erreichten sie schon den Norden Italiens. Das l�ste in Rom Alarm aus. Britannien wurde preisgegeben, die Legionen zur Verst�rkung nach Italien zur�ckgerufen. Auch die Rheingrenze brach zusammen. In der Neujahrsnacht 406/407 �berschritten Wandalen, Sueben und Alanen den zugefrorenen Rhein zwischen Mainz und Worms. Die westr�mische Kaiserresidenz wurde von Mailand in das uneinnehmbare Ravenna verlegt. 408 stand Alarich vor Rom, das die Westgoten 410 eroberten und pl�nderten. Ein tiefer Schock f�r die R�mer: die ewige Stadt in der Hand von Germanen!</p><p><emphasis>413�436</emphasis></p><p>DIE BURGUNDEN UND DIE NIBELUNGENSAGE����Wie die Goten waren die Burgunden ehemals Ostseeanrainer, etwa zwischen Oder und Weichsel. Um 300 drangen sie zum Rhein vor, den sie gut 100 Jahre sp�ter �berschritten. Sie begr�nden um 413 zwischen Mainz und Worms ein kurzlebiges Reich.</p><p>Damals war der Heermeister A�tius (390�454) der f�higste Stratege und m�chtigste Mann im westr�mischen Reich. Als junger Mann war er als Geisel sowohl bei den Westgoten wie bei den Hunnen, wo er offenbar gute Kontakte aufbaute. In der Hochphase des V�lkerwanderungssturms um 430 behauptete er die Stellung des westr�mischen Reiches in Gallien gegen die Franken im Norden und die Westgoten im S�den. Mithilfe seiner hunnischen Freunde zerschlug er 436 das burgundische Reich in Worms. Das ist der historische Kern der Nibelungensage. Attila/Etzel war dabei noch nicht mit von der Partie. Seine welthistorische Stunde schlug kurz darauf, und auch dabei spielte A�tius wieder eine ausschlaggebende Rolle.</p><p><emphasis>um 444</emphasis></p><p>ATTILA, DER HUNNENK�NIG����Nachdem er seinen �lteren Bruder und Mitregenten Bleda im Jahr 444 beseitigt hatte, herrschte Attila �ber ein diffuses Vielv�lkerreich, das von der Wolga bis zu seiner Residenz am Donau-Nebenfluss Thei� reichte. Um sich die Hunnen fernzuhalten, entrichtete Ostrom zun�chst Tribute an sie, stellte die Zahlungen aber um 444 ein. Attila, dessen gotischer Name �V�terchen� bedeutet, pl�nderte daraufhin den Balkan. Dann wandte er sich nach Westen und drang bis nach Gallien vor.</p><p>In aller Eile gelang es angesichts dieser Bedrohung Attilas altem Freund A�tius eine anti-hunnische Koalition aus r�mischen Legionen, Franken, Westgoten, Burgunden und Alanen zu schmieden. Auf den sagenumwobenen Katalaunischen Feldern, vermutlich in der N�he von Troyes in der Champagne, konnte die r�misch-germanische Koalition die Hunnen im Jahr 451 zur�ckschlagen. 453 starb Attila, und sein Hunnenreich zerfiel.</p><p>Das Ende der Hunnen in Europa nahm schlagartig den Druck von Ostrom wie von den Ostgoten. Sie blieben zun�chst unter ostr�mischer Oberherrschaft an der Donau. Der Ostgoten-Prinz Theoderich verbrachte zehn Jahre als Geisel in Konstantinopel und wurde dort am Kaiserhof erzogen.</p><p>In Rom war das Kaisertum inzwischen nur noch ein Spielball intriganter Hofcliquen, die zuletzt den kindhaften Romulus Augustulus als reine Marionette auf den Thron setzten, worauf der r�mische Offizier Odoaker die Dreistigkeit beging, diesen alsbald (476) wieder abzusetzen und die Kaiserinsignien nach Ostrom zu schicken, so ungef�hr mit der Bemerkung, sie w�rden nicht mehr gebraucht. Von seinen Soldaten lie� er sich zum �Rex Italiae� ausrufen.</p><p><emphasis>453�526</emphasis></p><p>THEODERICH DER GRO�E����In Konstantinopel konnte man sich die Absetzung des Westkaisers durch einen x-beliebigen Offizier nat�rlich nicht so ohne Weiteres gefallen lassen. Der ostr�mische Kaiser beauftragte daher den jungen Theoderich (ca. 453�526), mitsamt seinen Ostgoten Richtung Italien zu ziehen. Odoaker verschanzte sich 493 in Ravenna, bis er nach zweieinhalb Jahren Belagerung ausgehungert und ausgeblutet aufgeben musste. Beim �Friedensmahl� ermordete Theoderich den Odoaker eigenh�ndig. Damit war er Alleinherrscher in Italien. Die Oberhoheit des ostr�mischen Kaisers erkannte er formal an.</p><p>Bis zur Ankunft der Langobarden erlebte Italien nun eine Friedenszeit und am Hof des hochkultivierten Theoderich des Gro�en in Ravenna eine letzte kulturelle Sp�tbl�te der Antike. Seinen ber�hmtesten Berater, den Universalgelehrten und Staatsmann Boethius, lie� er allerdings wegen angeblichen Hochverrats hinrichten. Die mosaikgeschm�ckten Kirchen Ravennas zeigen die enge Verkn�pfung mit der sp�tantiken Hochkultur in Byzanz.</p></section><section><subtitle>DIE JUNGEN GERMANISCHEN REICHE</subtitle><p>Zu Theoderichs Zeit um 500 gab es auf ehemals westr�mischem Gebiet fast nur noch germanisch beherrschte Reiche und V�lker: Theoderichs Ostgoten regierten als d�nne Oberschicht ganz Italien bis in die Provence. In Gallien s�dlich der Loire bis weit nach Hispanien waren die Westgoten kurzzeitig eine europ�ische Gro�macht. An der Rh�ne sa�en die Burgunden, zwischen Rh�ne und Oberrhein der lose, aber m�chtige Stammesverband der Alemannen. Diese standen bereits unter Oberherrschaft der Franken, die sich von Rhein, Mosel, Maas und Schelde ausgebreitet hatten. Die n�rdlichen Nachbarn der Franken an der Nordseek�ste waren die Friesen. Zwischen Elbe, Werra und Donau gab es ein kurzlebiges Th�ringisches Reich mit Schwerpunkt an der Saale. Westlich der Th�ringer, zwischen Elbe und Weser, sa�en die Sachsen, n�rdlich von ihnen, meerumschlungen von Nord- und Ostsee, die Angeln, D�nen und J�ten.</p><p><emphasis>ab 450</emphasis></p><p>SACHSEN UND ANGELN����Nach dem Abzug der R�mer um 400 sahen sich die Briten von einer Invasion der Pikten und Skoten aus dem Norden bedroht. Einem britischen Hilferuf folgend zogen die Angeln und Sachsen, germanische Nordseeanrainer, auf die Insel. Das war um 450, also zur Zeit des Hunnensturms in Gallien. Zun�chst fuhren S�ldner, dann kam es zum Familiennachzug. Schlie�lich verdr�ngten die Angeln und Sachsen die eingesessenen keltischen Briten und gr�ndeten eigene Kleink�nigreiche. Der Begriff �angels�chsisch�, Grafschaftsnamen wie �Anglia� f�r Siedlungsgebiete der Angeln, �Wessex�, �Sussex�, �Essex� f�r Siedlungsgebiete der Sachsen erinnern noch heute daran. Auch �England� ist wortgeschichtlich nat�rlich nichts anderes als �Land der Angeln�.</p><p>DIE NEBEL VON AVALON����Die Briten hatten den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben. Statt der gef�rchteten Skoten und Pikten machten sich nun Germanen als Herrscher breit. Der Kampf der keltischen Briten gegen die Angeln und Sachsen bildet den Hintergrund der Artus-Sage. Da Artus die Schlacht nicht gewinnen kann, wird er in das mystische Nebelreich Avalon entr�ckt, von wo er dereinst wiederkehren soll. Um diesen Kern der Artus-Legende rankten sich im Mittelalter weitere Sagenstoffe, vor allem die vom Gral. Die Tafelrunde der Ritter um K�nig Artus war in ganz Europa das glanzvoll verkl�rte Idealbild der h�fischen Kultur der Troubadour-Zeit. Nicht zuf�llig versammelte Artus seine erlesene Ritterschar in Camelot um einen runden Tisch: So lie�en sich Rangstreitigkeiten vermeiden, die in der auf Ehre bedachten Adelsgesellschaft des Mittelalters stets Anlass f�r Unfrieden boten.</p><p><emphasis>ca. 450</emphasis></p><p>DIE LANGHAARIGEN MEROWINGER����An der Nordseek�ste siedelten au�erdem die Friesen und ihre Nachbarn, die Franken. Angesto�en von der Wanderung der Angeln und Sachsen schoben sich die Franken nun entlang der K�ste nach S�den vor. Um 450 �berschritten fr�nkische Siedler Rhein und Schelde.</p><p>Die Nachkommen des legend�ren Merowech bildeten in der Gegend des heutigen Ostbelgien/Nordfrankreich ein germanisches Kleink�nigreich. Merowech, der erste Salfranken-H�uptling, soll aus der Verbindung der K�nigin mit einem stierk�pfigen Seeungeheuer hervorgegangen sein, das sehr an den Minotaurus erinnert. �Merowinger� ist also der Name der fr�nkischen K�nigsdynastie. Sie trugen besonders lange Haare, und diese galten als Ausdruck ihrer �bernat�rlichen K�nigsmacht, berichtet der fr�hmittelalterliche Verfasser der Franken-Chronik Gregor von Tours. Den Herrschaftsschwerpunkt vermutet man zu jener Zeit in der Umgebung von Tournai. Dort wurde 1653 zuf�llig das prunkvoll ausgestattete Grab des K�nigs Childerich gefunden. Auf seinem Siegelring steht <emphasis>Childerici Regis</emphasis>, dem �K�nig Childerich� geh�rend. Er war der Vater von Chlodwig, dem eigentlichen Begr�nder des Abendlandes.</p><p><emphasis>497</emphasis></p><p>�IN DIESEM ZEICHEN WIRST DU SIEGEN�����Chlodwig besiegte den letzten r�mischen Herrscher in Nord- und Mittelgallien, lie� fr�nkische Siedler nachr�cken und konsolidierte so klug seine Herrschaft. Sp�ter wurde sogar die Hauptstadt in dieses Gebiet verlegt: nach Paris.</p><p>Der entscheidende Moment aber war die Schlacht gegen die Alemannen bei Z�lpich in der Eifel (496). Sie wurde f�r Chlodwig zum Schl�sselerlebnis. �In diesem Zeichen wirst du siegen�, prophezeite ihm eine Erscheinung. Der heidnische Heerf�hrer gelobte, dem Christengott zu vertrauen, errang den Sieg und unterwarf die m�chtigen Alemannen. Als Dank f�r den g�ttlichen Beistand lie� sich Chlodwig nach der Schlacht mitsamt seinem Kriegeradel, angeblich 3000 M�nner, in einer in den Chroniken bewegend geschilderten Zeremonie in Reims taufen: Eine Taube flog in letzter Sekunde mit der Salb�l-Ampulle im Schnabel in die Kathedrale ein.</p><p>Das f�r die gesamte weitere Geschichte Entscheidende war die Taufe nach katholischem Ritus. Die anderen Germanenv�lker waren Arianer. Weil Chlodwig Katholik wurde, erhielt der von den Goten bedr�ngte, schwache Papst einen neuen Schutzherrn. Als Gegenleistung salbte und kr�nte er Chlodwig zum K�nig. Die Taufe in Reims war die Geburtsstunde des Abendlandes. Bei dieser Ausrichtung aller westeurop�ischen K�nigreiche auf Rom blieb es. Die Franzosen sehen im �brigen in dieser Zeremonie problemlos den Beginn ihrer Nationalgeschichte � was ein bisschen verfr�ht ist. Bis zu seinem Tod brachte Chlodwig noch das inzwischen von den stammesverwandten ripuarischen Franken besiedelte Gebiet rheinaufw�rts und mainaufw�rts unter seine Herrschaft; �Franken� und �Frankfurt�, das sp�ter auch ein Kerngebiet des karolingischen und deutschen Kaisertums wurde, erinnern daran.</p></section><section><subtitle>AUS OSTROM WIRD BYZANZ</subtitle><p>Nach dem Ende des Ostengotenreiches von Theoderich in Italien machte sich Kaiser Justinian I. sogleich an die R�ckeroberung der Region sowie weiterer Reichsteile. Justinian, der von 527 bis 565 regierte, verlie� Konstantinopel selten, aber dank seiner herausragenden Feldherren gelang ihm eine Wiederherstellung des Ostr�mischen Reiches zumindest im ganzen Mittelmeerraum.</p><p><emphasis>530</emphasis></p><p>R�MISCHES RECHT����Nach der gelungenen milit�rischen Wiederherstellung des R�mischen Reiches unter christlichen Vorzeichen wollte Justinian das Reich auch auf eine gesicherte rechtliche Grundlage stellen. Er veranlasste um 530 die Sammlung des gesamten r�mischen Rechts, das innerhalb weniger Jahre als <emphasis>Corpus iuris civilis </emphasis>zusammengetragen wurde<emphasis>. </emphasis>Dies war der wichtigste fundamentale Beitrag der R�mer zum modernen Europa: Im Hochmittelalter durch Gelehrte vor allem an der Universit�t von Bologna wiederentdeckt, wurde es als sogenanntes �Gemeines Recht� Grundlage der kontinentalen Jurisdiktion und der gro�en Gesetzeswerke vom <emphasis>Code Napoleon</emphasis> (<emphasis>Code civil</emphasis>) in Frankreich bis zum <emphasis>B�rgerlichen Gesetzbuch</emphasis> in Deutschland. So gesehen ist r�misches Recht auch heute geltendes Recht.</p><p><emphasis>537</emphasis></p><p>�SALOMO, ICH HABE DICH �BERTROFFEN!�����Das bedeutendste Bauwerk von Byzanz wurde auf Justinians Veranlassung in nur f�nf Jahren Bauzeit errichtet. Bei der Einweihung 537 soll er ausgerufen haben: �Salomo, ich habe dich �bertroffen!�</p><p>Mit dem zentralen Kuppelbau orientierten sich die Baumeister bewusst am legend�ren Vorbild des Tempels in Jerusalem. Die Hagia Sophia wurde ihrerseits zum Vorbild f�r die gesamte Architektur der griechisch-orthodoxen und russisch-orthodoxen Gottesh�user, ebenso f�r die islamische Baukunst der Moscheen. Jahrhundertelang blickte die benachbarte islamische Welt auf dieses �achte Weltwunder� mit seinen � heute leider �bert�nchten � schimmernden Mosaiken.</p><p><emphasis>ab 531</emphasis></p><p>POLO UND SCHACH � SASSANIDEN II����Justinian und der von 531 bis 579 herrschende Perserk�nig Chosrau I. aus der Dynastie der Sassaniden waren ebenb�rtige Gegenspieler. Chosrau f�hrte den Titel Schah und kn�pfte damit bewusst an die persische Tradition der Ach�meniden an, die 800 Jahre zuvor von Alexander besiegt worden waren. Das sassanidische Perserreich mit seiner (toleranten) zoroastrischen Staatsreligion war eine hochkultivierte Rittergesellschaft, Panzerreiter in Turbanen und Pluderhosen sozusagen. Am m�rchenhaft pr�chtigen Sassanidenhof pflegte man Jagd und Polo. Das �k�nigliche� Schachspiel, vermutlich aus Indien �bernommen, wurde durch sie nach Europa weitervermittelt (�Schach� = persisch <emphasis>Schah</emphasis>).</p><p>Chosrau f�rderte den Ost-West-Austausch. �ber die Seidenstra�e wurde der Fernhandel nach China intensiviert. Er nahm griechische Philosophen nach der Schlie�ung der platonischen Akademie durch Justinian auf, lie� philosophische Texte der Griechen ins Persische �bersetzen ebenso wie indische M�rchen, deren Stoffe sp�ter den Arabern bekannt wurden. Das Sassanidenreich vom Euphrat bis zum Indus ist neben Byzanz das letzte gro�e sp�tantike Reich, bevor der gesamte Nahe und Mittlere Osten unter die Herrschaft des Islam ger�t. Der Sassaniden-Hof wurde zum Vorbild des mittelalterlichen Bagdad. Chosrau selbst wurde zur legend�ren Figur in <emphasis>Tausendundeine Nacht</emphasis>.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Justinian hatte fast 40 Jahre lang regiert (527�565). Unter ihm umfasste das Ostr�mische Reich zum letzten Mal die gesamte �stliche Mittelmeerwelt: Balkan, Kleinasien, �gypten, Nordafrika, Sizilien und ganz Italien. Kurz nach seinem Tod ging als Erstes Italien an die Langobarden verloren.</p><p><emphasis>ca. 630</emphasis></p><p>BYZANZ����In Konstantinopel kam durch Heraklios I. (575�641) eine neue Dynastie auf den Thron, die sich in dramatischen K�mpfen gegen die Sassaniden behaupten musste. 614 eroberten die Sassaniden Jerusalem, entf�hrten das Heilige Kreuz und standen vor den Mauern von Konstantinopel. Als letzten Ausweg startete Heraklios eine Gegenoffensive, drang bis in die Hauptstadt der Perser vor und entriss ihnen 629 die Kreuzesreliquie. Er f�hrte sie im Triumph nach Konstantinopel und brachte sie anschlie�end pers�nlich nach Jerusalem zur�ck. Heraklios verzichtete auf den r�mischen Kaisertitel <emphasis>Imperator</emphasis> und nahm 629 den griechischen Titel <emphasis>Basileus</emphasis> an � ein Symbol f�r den �bergang vom Ostr�mischen Reich zum griechisch-byzantinischen Kaisertum des Mittelalters. Griechisch wurde Amtssprache. In der r�mischen C�sarentradition stand der byzantinische Kaiser hoch �ber allen Menschen und galt als �heilige Person�. In der christlich-orthodoxen Tradition war er �Stellvertreter Gottes� und Oberhaupt der Kirche (und nicht etwa der Patriarch). Derma�en entr�ckt n�herte man sich ihm nur sehr unterw�rfig, was ein kompliziertes Hofzeremoniell hervorbrachte. Im byzantinischen Mittelalter entwickelte sich auch kein Lehensstaat mit �Reichstagen�, sondern es wurde direkt, von der Zentrale aus regiert. Byzanz blieb bis in die Renaissance die mit Abstand kultivierteste und bev�lkerungsreichste Gro�stadt Europas, eine Drehscheibe des Ost-West-Handels. Die Sitte, mit der Gabel zu essen, gelangte im Hochmittelalter durch byzantinische Prinzessinnen nach Europa. Messer hatten die Barbaren seit jeher benutzt.</p><p>Und dennoch konnte Heraklios die nun kommende arabische Expansion nicht aufhalten. �gypten war den Byzantinern bereits gegen die Sassaniden verloren gegangen. Mit der Schlacht am Yarmuk 636, nur sieben Jahre nach dem Triumpf gegen die Sassaniden, wurde der ganze Nahe und Mittlere Osten innerhalb weniger Jahre arabisch-islamisch, nachdem er 1000 Jahre lang kulturell griechisch gepr�gt und �ber 500 Jahre lang politisch Teil des R�mischen Reiches gewesen war. Da die R�mer und nach ihnen die Ostr�mer im Nahen Osten als Fremdherrscher ziemlich autorit�r regiert hatten, wurden die Araber teilweise wie Befreier begr��t.</p></section><section><subtitle>KLOSTER UND KIRCHE</subtitle><p>Monte Cassino wurde zum Ausgangspunkt der f�r das Mittelalter so �beraus pr�genden Kl�ster. Sie waren Mittelpunkt des religi�sen Lebens, aber auch des technischen Fortschritts, durchorganisierte Wirtschaftseinheiten und somit Schrittmacher der Zivilisation im n�rdlichen Europa. Nicht zuletzt waren sie Hort der Gelehrsamkeit, wovon die prachtvollen Klosterbibliotheken zeugen.</p><p><emphasis>ca. 530</emphasis></p><p>ORA ET LABORA�����Bete und arbeite� steht zwar nirgendwo ausdr�cklich in der <emphasis>Regula Benedicti</emphasis>, der Ordensregel, die Benedikt von Nursia (ca. 480�547) der von ihm gegr�ndeten Klostergemeinschaft auf dem Monte Cassino zwischen Neapel und Rom gegeben hat. Aber sie fasst deren Leitgedanken treffend zusammen. �hnlich wie vor ihm der Eremit Antonius in �gypten oder der Kirchenvater Augustinus suchte der junge Gutsbesitzersohn Benedikt alternative Lebensformen und zog sich mit einigen Gef�hrten in die abgeschiedene Bergwelt Kampaniens zur�ck � angewidert vom Lotterleben seiner Zeitgenossen.</p><p>Die Regel verlangt vom M�nch Einfachheit, Schlichtheit, Verzicht. Nat�rlich m�ssen M�nche unverheiratet sein, die Mahlzeiten sind asketisch und karg, die Zeiten f�r Gebet, Lesung, Arbeit und Schlaf genau vorgeschrieben. V�llig neu und ohne Beispiel ist indes Benedikts Forderung an die Br�der, zu arbeiten � in einer Gesellschaft wie der sp�tantiken und der darauffolgenden mittelalterlichen, wo Arbeit ausschlie�lich eine Angelegenheit der Unterschichten war.</p><p><emphasis>540</emphasis></p><p>KLOSTERBIBLIOTHEK����Die Bibliothek, neben Kirche und Kreuzgang das Herzst�ck jedes Klosters und Quelle aller abendl�ndischen Gelehrsamkeit, war eine Erfindung des r�mischen Staatsmannes und Gelehrten Cassiodor, der unter Theoderich wichtige Staats�mter innehatte. Er zog sich 540 in das von ihm gegr�ndete Kloster Vivarium in Kalabrien zur�ck und beauftragte seine M�nche mit dem Sammeln und Abschreiben antiker Manuskripte. Die gro�en ber�hmten Bibliotheken der Sp�tantike waren untergegangen oder zerst�rt worden: Alexandria, Pergamon, Augustus� Palastbibliothek in Rom, die Celsus-Bibliothek in Ephesos. Die Gr�nde daf�r waren vielf�ltig: Brand, Raub, Verrottung von Papyri. Au�erdem s�uberten die Christen in der Kirchenv�ter-Zeit die Bibliotheken besonders gr�ndlich von �heidnischen� Schriften. Sch�tzungsweise hat nur ein, maximal zehn Prozent des gesamten antiken Schrifttums �berlebt.</p><p>Aus der Zeit bis zur Kaiserkr�nung Karls des Gro�en sind etwa 1800 Manuskripte in lateinischer Sprache �berliefert. Auf ihnen beruht ein Gro�teil dessen, was wir �ber das Altertum wissen.</p><p><emphasis>600</emphasis></p><p>KIRCHENSTAAT����Papst Gregor (reg. 590�604) stammte aus altem r�mischen Senatsadel und war der erste M�nch auf dem Papstthron, aber er war zuvor auch schon Stadtpr�fekt (�B�rgermeister�) von Rom gewesen. Der als Intellektueller, Musenfreund, Theologe, Administrator und Herrscher vielseitig begabte Patrizier ordnete die L�ndereien der P�pste v�llig neu und schuf damit die Grundlage des sp�teren Kirchenstaats. Da sich die ostr�mischen Kaiser nicht mehr um die Bev�lkerung Roms k�mmerten, nahm Gregor aus den gestrafft organisierten Ertr�gen der p�pstlichen G�ter die f�r die �rmeren Schichten wichtige Getreideversorgung in die Hand. Schon seit L�ngerem nahmen die P�pste aufgrund solcher und �hnlicher Aufgaben die politische F�hrungsfunktion in der Stadt wahr.</p><p><emphasis>600</emphasis></p><p>GREGORIANISCHER CHORAL����Mittelalterliche Chronisten waren der Meinung, Papst Gregor habe die Chor�le selbst komponiert, und in den Buchmalereien jener Zeit wird er oft so dargestellt. Das tat er eher nicht. Aber er nahm besonderen pers�nlichen Anteil an dieser musikalischen Neuentwicklung in der p�pstlichen Hofkapelle und ordnete eine umfassende Sammlung und Neuordnung an. Die in der katholischen Kirche noch heute h�ufig verwendeten einstimmigen Ges�nge ohne Musikbegleitung entwickelten sich �ber einen Zeitraum von Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, und wurden sp�ter vor allem in den Kl�stern gepflegt.</p></section><section><subtitle>CHINA � WIEDERVEREINIGUNG UNTER DEN SUI</subtitle><p><emphasis>ca. 520</emphasis></p><p>SHAOLIN����Am Fu�e des Berges Shaoshi in der chinesischen Provinz Henan, im alten chinesischen Kernland am Huangho, liegt das urspr�nglich taoistische Kloster Shaolin. Dorthin gelangte um 520 der aus Indien stammende K�nigssohn Bodhidharma (ca. 440�528), eine ebenso halb historische, halb legend�re Gestalt wie Benedikt von Nursia. Bodhidharma gilt als Begr�nder des Zen-Buddhismus. Hauptziel des Zen ist die innere Selbstbefreiung, die Abstinenz von allen �u�erlichen Ablenkungen. In China verschmolz diese geistige �bung mit taoistischen Traditionen. Bodhidharma war auch in der h�fischen Kampfkunst der Brahmanen ausgebildet, die im Shaolin-Kloster weiterentwickelt wurde. Der Zen-Buddhismus wurde die wesentliche geistige Grundlage der mittelalterlich-ritterlichen Samurai-Kultur in Japan bis hin zu Teezeremonie, N�-Theater und Ikebana.</p><p><emphasis>560�618</emphasis></p><p>SUI����Nach jahrhundertelangen Wirren wurde China unter der (t�rkisch-�st�mmigen�) Sui-Dynastie (560�618) wiedervereinigt. Die Sui regierten zwar nicht lange, schufen aber durch Verwaltungsreformen die Grundlage f�r die nachfolgende, sehr bedeutende Tang-Dynastie.</p></section><section><subtitle>EIN NEUER PROPHET</subtitle><p>Mit dem Propheten Mohammed (�der Vielgelobte�) aus Mekka erschien im arabischen Raum eine neue monotheistische Religion, die auch einen neuen Gottesnamen verbreitete: Allah. <emphasis>Alaha </emphasis>war das Wort der syrischen Christen f�r �Gott� und nat�rlich war �Allah� kein �neuer Gott� (wie vielleicht die R�mer in Mithras einen �neuen Gott� kennengelernt hatten). So etwas kann es in einer universalen, monotheistischen Religion n�mlich nicht geben: Gott war schon immer und wird immer sein und ist f�r alle Menschen da, im Christentum wie im Islam.</p><p><emphasis>um 570�632</emphasis></p><p>MOHAMMED����Als j�ngster unter den gro�en Religionsstiftern ist Mohammed (um 570�632) mit Sicherheit eine historische Person. Er stammte aus dem Clan der Koreischiten, die zur Oberschicht der Stadt Mekka z�hlten. Durch seine Heirat mit der 15 Jahre �lteren Kaufmannswitwe Chadidscha wurde er wohlhabend. Als Karawanenunternehmer lernte er die Welt des Nahen Ostens bis hinauf nach Syrien kennen. Mit Chadidscha hatte er eine Tochter, Fatima, die Stammmutter aller Nachfahren des Propheten.</p><p>Mohammed verabscheute die polytheistischen Kulte seiner Heimat, erkannte nur das uralte Kaaba-Heiligtum in Mekka an und verk�ndete die Lehre vom einen einzigen Gott. Nach dem Tod Chadidschas hatte er in Mekka nicht mehr gen�gend einflussreiche Besch�tzer und floh 622 ins benachbarte Medina. Diese �Hedschra� war der Beginn der islamischen Zeitrechnung (nach dem Mondkalender). Aktuell (2010) leben wir im Jahr 1431 des islamischen Kalenders.</p><p>In Medina schwang sich Mohammed zum politischen F�hrer der Stadt auf und nannte sich nun �Prophet� und �Gesandter Gottes�. Als politischer, milit�rischer und geistlicher F�hrer kehrte er 630 nach Mekka zur�ck.</p><p>Die Stadt wurde ohne viel Blutvergie�en erobert. Von hier aus leitete Mohammed als geistliches und weltliches Oberhaupt die Expansion seiner Herrschaft wie seiner Religion. Bei seinem Tod beherrschte er schon Arabien.</p><p>ISLAM����bedeutet �Ergebung in Gottes Willen� und ist das oberste Gebot Gottes, wie es Mohammed offenbart wurde. Konkret bezieht es sich auf Abrahams Gehorsam gegen�ber Gottes Befehl, den Sohn Isaak zu opfern. Mohammed, davon zutiefst beeindruckt, machte es zum Ausgangspunkt seiner Gottesvorstellung.</p><p>Im Gegensatz zum Christentum sieht die islamische Religion den Menschen nicht als von der Erbs�nde belastet und daher von Grund auf verdorben an. Der Mensch bedarf also auch keiner Erl�sung oder eines Aktes der Befreiung von allen S�nden, wie ihn der christliche Gott mit dem Kreuzestod vollzog � das Opfer, an das t�glich in der Messe erinnert wird. Der Islam sieht kein prinzipielles Hindernis f�r den Menschen, in die Seligkeit Gottes einzugehen, sofern er sich an die Gebote des Korans h�lt.</p><p>KORAN����Das urspr�nglich syrische Wort f�r die Heilige Schrift des Islams bedeutet �Lesung, rezitierender Vortrag�. Wie alle Religionsstifter hinterlie� Mohammed keine eigenh�ndigen Schriften. Die Texte sind nach islamischem Glauben Gottesworte, dem Propheten durch den Erzengel Gabriel eingegeben. Sie d�rften aber aus unterschiedlichen Quellen stammen, wurden gesammelt, �redigiert� und ungef�hr 20 Jahre nach Mohammeds Tod unter dem dritten Kalifen Osman in kanonischer Form herausgegeben. Der Koran besteht aus 114 Suren in arabischer Sprache. Er enth�lt historische Teile, Glaubensgrunds�tze, Vorschriften und Rechtsgrunds�tze. Die Suren sind einfach ihrer L�nge nach angeordnet. Die l�ngsten stehen am Anfang, die k�rzesten am Schluss. Deswegen ist der Koran �unsystematisch�.</p><p>SCHARIA����Diejenigen Passagen des Korans, die sich mit den Verhaltensweisen der Menschen besch�ftigen, sind Grundlage der Scharia, des islamischen Rechts. Ausdr�cklich verboten sind: Diebstahl, Unzucht, Unzucht zwischen M�nnern, Verleumdung wegen angeblicher Unzucht und Alkohol. Als g�ttliches Recht ist das islamische Recht unver�nderbar.</p><p>DSCHIHAD����ist ein vieldeutiger Begriff, bedeutet w�rtlich �Anstrengung�, �Kampf� und daher nicht nur �Heiliger Krieg�. Gemeint ist vielmehr das moralische Gebot, Gutes zu tun, und die innere Anstrengung, sich tugendhaft zu verhalten.</p><p>ARABER����Bis zu ihrer Islamisierung hatten die semitischen Beduinen der Arabischen Halbinsel nur eine bescheidene, lokale Rolle gespielt. �Araber� ist verwandt mit dem hebr�ischen Wort <emphasis>ereb</emphasis>, �gemischte Menge�. Die Araber �berrannten und verwandelten die gesamte s�dliche Mittelmeerwelt und den Osten zun�chst bis ins Hochland von Iran. Das Arabische wurde die Handels-, Verwaltungs- und Gelehrtensprache bei Aram�ern, Persern, �gyptern, und es ist nat�rlich die heilige Sprache des Korans. Die Araber verwandelten als erobernde neue Oberschicht zwar das �u�ere Erscheinungsbild der orientalischen Zivilisationen, nicht aber die jahrtausendealten kulturellen Traditionen und die gewachsene, in sich ruhende, hochentwickelte Zivilisation dieser L�nder und V�lker. Da auch keine Zwangsbekehrungen stattfanden, funktionierten diese bruchlos weiter. Treibende Kraft der islamischen Expansion zu einer Gro�macht waren die Nachfolger des Propheten, die sogenannten Kalifen (arabisch <emphasis>kalif</emphasis> = Nachfolger). Der zweite Kalif Omar (592�644) rang den Byzantinern den Nahen Osten ab und brachte das Persische Reich der Sassaniden ganz unter islamischen Einfluss.</p><p>KOREISCHITEN����Mohammed und Abu Bakr (573�634) � er war der erste Kalif, Freund und Schwiegervater des Propheten � geh�rten beide zum Stamm der Koreischiten, einem Clan von Fernh�ndlern, der die Kontrolle �ber die Stadt Mekka und das Kaaba-Heiligtum innehatte. Das waren keine nomadischen Beduinen, sondern st�dtische Aristokraten, die sich in den syrischen, mesopotamischen und persischen Metropolen auch sogleich wie zu Hause f�hlten. Nur ihre Krieger rekrutierten sich aus den W�stennomaden und �bertrafen wie alle Nomadenv�lker die sesshaften Bauernkulturen und gewachsenen Stadtzivilisationen an Kampfgeist.</p><p>Die Zugeh�rigkeit zum Koreischiten-Stamm gilt bis heute in der islamischen Welt als sehr prestigetr�chtig. Dazu geh�ren als Teilzweig beispielsweise auch die Haschemiten, das heutige jordanische K�nigshaus, aber auch der von einem Pakistaner abstammende englische Schriftsteller Hanif Kureishi (<emphasis>Mein wunderbarer Waschsalon</emphasis>). Auch die erste richtige arabische Dynastie, die das Kalifenamt in Familienerbfolge weitergab, die Umaijaden, stammte noch aus diesem Umfeld der mekkanischen Aristokratie und bestand urspr�nglich aus Koreischiten.</p><p><emphasis>634</emphasis></p><p>ARABISCHE EXPANSION����Abu Bakrs Nachfolger war der Koreischite Omar, der von 634 bis 644 regierte. Omar hatte das Kriegshandwerk gelernt und war ein erfahrener Kaufmann. Unter Omars F�hrung und der seiner Gef�hrten, alles Freunde des Propheten aus dem Stamm der Koreischiten, eroberten die Araber 634 Pal�stina, 635 Syrien, 636 Irak, 638 Jerusalem und 639 bis 642 �gypten. Die persischen Sassaniden wurden 642 endg�ltig bezwungen. Die Expansion wurde aber nicht immer durch Kriege und Schlachten erreicht, sondern auch durch Verhandlungen und Vertr�ge.</p><p>Die arabische Expansion verlief auch deswegen so schnell und relativ unblutig, weil die Araber in den von ihnen eroberten Gebieten nicht, wie die Byzantiner oder die Sassaniden, als Fremdherrscher empfunden wurden. Die Araber erwiesen sich als religi�s tolerant. Sie zwangen den V�lkern den Islam nicht auf, allerdings wurde den Menschen der �bertritt durch das Steuersystem erleichtert: Nicht-Muslime mussten eine Kopfsteuer entrichten, Muslime nicht. Ansonsten lie� man die Andersgl�ubigen in Ruhe. Omar war es, der die heute g�ltige islamische Zeitrechnung im Jahr der Hedschra 622 beginnen lie�. Er wurde 644 ermordet.</p><p><emphasis>656</emphasis></p><p>SCHIITEN����Die Zeit des dritten Kalifen, des Koreischiten Osman von 644 bis 656, war von Streitigkeiten innerhalb des arabischen F�hrungskerns gekennzeichnet, an denen sich auch Aischa, die zweite Frau und Witwe des Propheten beteiligte. Es ging um die Verteilung der Beute, um Statthalter- und Heerf�hrerposten. 24 Jahre nach Mohammeds Tod kam es zur Spaltung des Islams. Osman wurde von seinen Gegnern ermordet.</p><p>Schon bei dessen Wahl hatte sich Ali, der Schwiegersohn des Propheten, �bergangen gef�hlt. Er hatte Fatima, die Tochter Mohammeds, geheiratet und war �berhaupt der treueste aller Gef�hrten. Es ist nicht klar, ob Ali an dem Mordkomplott gegen Osman beteiligt war, nun aber wurde er zum vierten Kalifen gew�hlt.</p><p>Ali nahm den Titel nicht an, sondern nannte sich nur �Emir� (�Anf�hrer�, �Befehlshaber� der Gl�ubigen). Noch im selben Jahr 656 kam es zur Kamelschlacht bei Basra (einem der Hauptkampforte im letzten Golfkrieg der Amerikaner im Irak). Ali siegte, wurde aber dennoch nicht vom koreischitischen Wortf�hrer Muawiya anerkannt. Noch einmal spaltete sich eine Glaubensgruppe ab (die Charidschiten). Diejenigen, die Ali als einzigen wahren Nachfolger des Propheten akzeptieren, werden <emphasis>Shi�at Ali</emphasis> genannt, Anh�nger Alis, oder �Schiiten�.</p><p>Ali wurde 661 von einem Charidschiten ermordet, sein Grab wird in Nadschaf im Irak verehrt und ist bis heute ein Wallfahrtsort der Schiiten.</p><p>Nun wurde Muawiya f�nfter Kalif und vereinbarte mit dem �lteren Sohn Alis, Hassan, einen Verzicht auf dessen Anspr�che. Doch weil Muawiya entgegen der Vereinbarung seinen eigenen Sohn Yazid zum Nachfolger machen wollte, nahm der j�ngere Sohn Alis, Hussein, den Kampf wieder auf. Die Br�der Hassan und Hussein waren durch ihre Mutter Fatima immerhin Enkel des Propheten. Hussein wurde 680 in der Schlacht bei Kerbala von Yazid get�tet. Er gilt den Schiiten als M�rtyrer. Sein Grab wird in Kerbala verehrt, wo die Schiiten das allj�hrliche Gedenken beim Aschura-Fest mit Prozessionen, Bu�ritualen und Selbstgei�elungen begehen<emphasis>. </emphasis>Aufgrund dieser Tradition sind Iran und Teile des Irak traditionell schiitisch.</p><p><emphasis>660</emphasis></p><p>OMAIJADEN����Muawiya hatte als junger Mann dem Propheten als Sekret�r gedient. Im Zuge der arabischen Expansion war er Statthalter in Syrien mit Sitz in Damaskus geworden und der Anf�hrer des omaijadischen Familienzweigs der Koreischiten. Ali erkannte er nicht an, weil er ihn f�r mitbeteiligt an der Ermordung Osmans hielt. Durch Muawiyas Wahl zum f�nften Kalifen wurde Damaskus nun das Zentrum der islamischen Welt, und das Kalifenamt wurde fortan bis 750 innerhalb der Omaijaden-Familie weitergegeben. Sie bildeten also eine Dynastie.</p><p>Der sechste Omaijaden-Kalif al-Walid regierte von 705 bis 715. Er errichtete den gr��ten und bedeutendsten fr�hislamischen Sakralbau, die Moschee in Damaskus � nach dem Vorbild der Hagia Sophia. Al-Walid trieb auch die zweite gro�e Expansionswelle voran, diesmal nach Westen bis nach <emphasis>al-Andalus</emphasis>.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Omaijaden werden 750 von den Abbasiden abgel�st, die umgehend Bagdad gr�nden. Ein Omaijaden-Spross errichtet das Emirat von C�rdoba. Beide St�dte werden die bl�henden Zentren der arabischen Gelehrsamkeit im Mittelalter.</p></section><section><subtitle>CHINA</subtitle><p><emphasis>618�907</emphasis></p><p>TANG DYNASTIE����Trotz b�rgerkriegs�hnlicher Wirren und des regelm��ig wiederkehrenden Zerfalls in einzelne Staaten wurden die Dynastiewechsel in China erstaunlich oft sozusagen ordnungsgem�� durchgef�hrt. Dies war auch so beim �bergang von der Sui- zur Tang-Dynastie, obwohl es sich um einen Umsturz handelte und der vorletzte Sui-Kaiser Yangdi von seinen eigenen Beamten erdrosselt worden war. Dessen Enkel bot dem Begr�nder der Tang-Dynastie nach altem Ritual dreimal die Herrscherinsignien an, die dieser stets ablehnte, bevor er annahm. Dann wartete man noch sechs Tage einen neuen Mondzyklus ab, bevor der erste Tang-Kaiser den Thron bestieg. Unter den Tang erreichte das alte China seine gr��te Ausdehnung.</p><p>Gegen die sich rasch ausbreitende Macht der Araber fiel China die Stellung einer Schutz- und Gro�macht in Zentralasien zu. Sowohl eine Gesandtschaft aus Byzanz (643) wie eine des Kalifen Osman (651) sind in den Hofannalen vermerkt. Es gab regen Handelsaustausch zwischen S�dchina und dem Persischen Golf sowohl auf chinesischen Dschunken wie auf arabischen Dhaus. Auf dem Landweg gelangten Missionare persischer Christen (Nestorianer) und iranische Manich�er ins Reich der Mitte. Den gr��ten dauerhaften Einfluss gewann der Islam. Heute gibt es 20 bis 30 Millionen chinesische Muslime.</p><p>Trotz der zwischenzeitlichen �Schreckensherrschaft� der Kaiserin Wu (660�705) und trotz blutiger Palastintrigen und Aufst�nde erlebte China eine kulturelle Hochbl�te und eine Phase �u�erer Expansion: bis zu einer entscheidenden Konfrontation mit den Arabern am Talas (751)<emphasis>.</emphasis></p></section><section><subtitle>AMERIKA</subtitle><p><emphasis>600�900</emphasis></p><p>MAYA II����Selbst in ihrer Hochkulturphase von etwa 600 bis 900 bildeten die Maya nie ein �Reich� unter einer Dynastie. Die Maya-Kultur glich immer einem Commonwealth unabh�ngiger Stadtstaaten mit jeweils eigenen Herrschern. Einige ihrer St�dte, die teilweise durch Prozessionsstra�en miteinander verbunden waren, hatten bis zu 10000 Einwohner: Tikal, Cop�n, Palenque im Tiefland der Halbinsel Yucat�n. Politisch waren sie und einige andere teils Rivalen, teils Verb�ndete. Nach 700 war Tikal f�hrend, eine Stadt mit �ber Tausenden von Tempelanlagen und Pal�sten, Opferschreinen, Observatorien, Ballspielpl�tzen und Wohngeb�uden.</p><p>MAYA-KALENDER����Die Maya haben ihren ber�hmten, sehr genauen Sonnenkalender nicht selbst erfunden, sondern von der Olmeken-Kultur �bernommen. Dieser Kalender ist deswegen ber�hmt, weil die meisten alten Gesellschaften, au�er den �gyptern, mit dem Mondkalender hantierten. Die Maya teilten die 365 Tage des Sonnenjahrs in 18 Abschnitte zu je 20 Tagen ein. Die �berz�hligen f�nf wurden angeh�ngt. So astronomisch ausgefeilt der Maya-Kalender und einige damit im Zusammenhang stehende, kompliziert zu berechnende Zyklen waren, praktischen Zwecken diente er kaum, sondern lediglich kultischen Zwecken wie dem Bestimmen eines g�nstigen Tages f�r Kriegsz�ge. Daher lag das Kalenderwissen in den H�nden der Maya-Priesterschaft.</p><p>Nach 900 ging die Maya-Kultur binnen kurzer Zeit in einem Teufelskreis von Raubbau, �berbev�lkerung, Hunger, damit einhergehendem Kontrollverlust und Anarchie unter. Die genauen Gr�nde sind nicht bekannt. Denkbar sind �u�ere Einfl�sse, eventuell durch die Tolteken.</p></section><section><title><p>ST�NDE UND REICHE</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 650 bis 1300</emphasis></p></section><section><subtitle>MEROWINGER UND KAROLINGER</subtitle><p>Um 500 gab es in Westeuropa zwei Gro�m�chte: Das Gotenreich Theoderichs und das Frankenreich des Merowingers Chlodwig. Nach Theoderichs Tod verfiel das Ostgotenreich, und ab 560 r�ckten in Italien die Langobarden ein. Nun gab es nur noch eine Gro�macht: die Merowinger.</p><p>Chlodwig hatte Paris zur Hauptstadt des Frankenreiches bestimmt. Die wichtigsten Reichsteile wurden damals �Neustrien� (Champagne, Paris, Westfrankreich), �Austrien� (Belgien, Lothringen, Rhein- und Maingebiet) und �Aquitanien� (S�dwestfrankreich) genannt. Nach salfr�nkischem Erbrecht fiel jeglicher Besitz immer zu gleichen Teilen an die S�hne. Und zwar nur an die S�hne, nicht an die T�chter. (Das hatte sogar noch Auswirkungen bei der Thronfolge Maria Theresias!) Dieser germanische Rechtsgrundsatz galt nat�rlich auch bei der Thronfolge der Merowinger: Weil die S�hne nach salischem Gesetz zu gleichen Teilen erbten, kam es immer wieder zu Reichsteilungen und mannigfachem Zwist, wobei man vor Intrigen und Verwandtenmorden nicht zur�ckschreckte.</p><p>Das so entstehende Machtvakuum erm�glichte den Aufstieg der �Hausmeier� und f�hrte im 7. Jahrhundert die direkten Vorfahren Karls des Gro�en an die Spitze des Frankenreiches. Karls Vorfahren, der �ltere Pippin und Bischof Arnulf von Metz, waren die einflussreichsten M�nner im Umkreis des letzten bedeutenden Merowingers Dagobert I., Pippin bereits als Hausmeier oder �Haushofmeister�, was einem Regierungschef gleichkam.</p><p><emphasis>613</emphasis></p><p>FEUDALISMUS����Einen H�hepunkt innermerowingischer Auseinandersetzungen bildeten die Reichsteilungen nach dem Tod K�nig Chlotars I. im Jahr 561. Um das Frankenreich nach jahrzehntelangem B�rger- und Bruderkrieg wiederzuvereinigen, machte Chlotar II. etliche Zugest�ndnisse. Im <emphasis>Edictum Chlotarii</emphasis> verzichtete der K�nig auf das Recht, Grafen nach seinem Gutd�nken mal da, mal dort einzusetzen. Sie mussten von nun an aus der Region stammen, in der sie amtierten. Das war eine wesentliche Grundlage f�r die Entstehung des mittelalterlichen Feudalismus. Jetzt konnten die Adligen eine Hausmacht aufbauen, Besitz anh�ufen und ihre politische Stellung innerhalb der Familie weitergeben. Wesentliche Autoren dieses Edikts waren Pippin und Arnulf.</p><p>Im Mittelalter sprach man nicht von �Feudalismus�. Das ist ein neuzeitlicher Begriff, den Karl Marx zwar nicht erfunden, aber in Umlauf gebracht hat. Im Mittelalter sprach man von �Vasall�, dem Gefolgsmann, der ein Treuegel�bde abgelegt hatte. Dieses pers�nliche Schutz- und Trutzversprechen zwischen Herr und Vasall bildete den Kern der mittelalterlichen Herrschaftssysteme.</p><p>Seit karolingischer Zeit erhielten die Vasallen ein Lehen (urspr�nglich etwas �Geliehenes�). Diese G�ter, meist Grundbesitz, wurden erblich und als Hoheitsgebiete auch mit Hoheitsrechten verbunden. So entstand das feudale Herrschaftssystem.</p><p><emphasis>ab 650</emphasis></p><p>�SCHOTTISCH�-IRISCHE MISSION����Bis in die Jahre 650/700 war das rechtsrheinische Austrien noch stockheidnisch. Zust�nde wie in Gallien, wo sich das Christentum schon seit 250 ausbreitete und ein r�mischer Offizier wie der heilige Martin 372 Bischof von Tours wurde, waren dort undenkbar. Nun kamen aus England und Irland, wo das Christentum tiefe Wurzeln geschlagen hatte, Wanderprediger ins Fr�nkische Reich.</p><p>Columban gr�ndete um 590 ein Kloster in den Vogesen. Sein Gef�hrte Gallus missionierte im Bodenseeraum. Der Westfranke Emmeram wurde erster Bischof in Regensburg. Im Auftrag von Karl Martell, dem Gro�vater Karls des Gro�en, wanderte der Ire oder Westfranke Pirmin durch Bodenseeraum, Schwarzwald und Elsass, w�hrend Willibrord (ca. 660�739) als �Friesenapostel� schon vor Bonifatius bei den wirklich widerspenstigen Friesen missionierte.</p><p>Obwohl kein einziges dieser Kl�ster von einem Schotten gegr�ndet wurde, fasst man sie unter dem Begriff �Schottenkl�ster� zusammen, denn Irland hie� im Mittelalter auf Lateinisch <emphasis>Scotia maior</emphasis>. Die Iren waren also dem Namen nach �Schotten�. Die Wanderm�nche hegten �brigens die Vorstellung, je weiter sie sich von ihrer lieblichen irischen oder westfr�nkischen Heimat in damals unbekannte und fremde germanische Territorien vorwagten, desto n�her seien sie dem Himmelreich. Ihre Erwartung erf�llte sich: Fast alle endeten als M�rtyrer.</p><p><emphasis>ca. 720�750</emphasis></p><p>APOSTEL DER DEUTSCHEN����Der bekannteste Wanderm�nch war weder �Schotte� noch Ire, sondern ein Angelsachse aus Wessex: Bonifatius (ca. 675�754). Er predigte seit 716 zun�chst vergeblich in Friesland. 719 pilgerte er nach Rom und erhielt vom Papst pers�nlich seinen Ehrennamen Bonifatius (�der Wohlt�ter�) zusammen mit dem Auftrag, bei den christlich noch ungefestigten Mainfranken, Th�ringern und Baiern zu missionieren. Ber�hmt ist die Episode, wie Bonifatius eine von den Chatten als heilig verehrte Eiche f�llte (�Donar-Eiche�) und nach diesem �Frevel� nicht sogleich vom Blitz des Donnergottes erschlagen wurde. Fortan glaubten auch die Chatten an den m�chtigeren Zauber des Christengottes.</p><p>722 vom Papst zum Bischof ernannt, gr�ndete oder reorganisierte Bonifatius die Bist�mer Passau, Salzburg, Freising, Regensburg, Eichst�tt, W�rzburg, Erfurt, Fritzlar. Seine wichtigste Klostergr�ndung ist Fulda. Von dort brach er im hohen Alter zu seiner letzten Mission bei den Friesen auf, wo er erschlagen wurde.</p><p><emphasis>740/750</emphasis></p><p>KARL MARTELL����Der bekannteste Hausmeier aller Zeiten ist Karl Martell (688�741), der Gro�vater Karls des Gro�en. Karl Martells epochale Leistung ist der Sieg in der siebent�gigen Schlacht bei Poitiers in S�dwestfrankreich. Hier gelang es ihm, die von Spanien aus bis dorthin vorgedrungenen Araber endg�ltig zu stoppen. Karl Martell regierte bereits ohne jede R�cksichtnahme auf den merowingischen K�nig. Sein Beiname �Martell� (altfranz�sich) bedeutet: �der Hammer�. Unter ihm erlebte das Frankenreich den Aufstieg zur einzigen europ�ischen Gro�macht. Martells Sohn, Pippin III., verbannte schlie�lich den letzten Merowinger Childerich III. ins Kloster und lie� sich an dessen Stelle 751, in der sp�ten Bonifatius-Zeit, zum K�nig w�hlen und salben. Die Salbung erfolgte aber nicht, wie manche Legenden behaupten, durch Bonifatius, sondern durch den damaligen Papst. Und dies, wie immer, nicht ohne Gegenleistung.</p><p><emphasis>754</emphasis></p><p>PIPPINSCHE SCHENKUNG����754 �bereignete Pippin III. das von ihm kurz zuvor eroberte Exarchat Ravenna dem Papst. Bis dahin war Ravenna die letzte Bastion von Byzanz auf der italienischen Halbinsel gewesen und Ostrom die Schutzmacht des Papsttums. Der Heilige Stuhl hatte wenig eigenen Landbesitz und keine eigenen Divisionen. Die P�pste f�hlten sich von den m�chtigen Langobarden umzingelt und bedroht. Deshalb gew�hrte man dem aufstrebenden Pippin die K�nigssalbung und damit die �diplomatische Anerkennung�. Dieser revanchierte sich mit der �berlassung Ravennas.</p><p>Um Pippin zu dieser Geste zu motivieren, war um 750 am p�pstlichen Hof eine Urkunde gef�lscht worden. Die sogenannte �Konstantinische Schenkung� sollte nachweisen, dass dem Papst bereits vom ersten r�misch-christlichen Kaiser Konstantin ein Gebiet rund um Rom �berlassen worden war. Pippin war geb�hrend beeindruckt und fand es nur ziemlich, es als angehender fr�nkischer K�nig dem gro�en r�mischen Kaiser nachzutun. Das Exarchat bildete nun den Kern des sp�teren Kirchenstaats. Praktischerweise schob sich das Territorium von der Adria bis ans Tyrrhenische Meer bei Ostia wie ein Riegel quer �ber Mittelitalien und trennte so die langobardischen Besitzungen.</p><p>VON GOTTES GNADEN����Karl der Gro�e (747�814) war der Enkel von Karl Martell. Seit seinem Vater Pippin waren die nach ihm benannten Karolinger als neue fr�nkische Dynastie K�nige aus eigenem Recht. Von 768 bis zu seinem Tod konsolidierte und erweiterte Karl dieses Reich erheblich. Zuerst nahm er die S�derweiterung ins Visier � den Angriff auf das Reich der Langobarden.</p><p>Diese hatten sich zwar um 600 zum katholischen Glauben bekehrt, ihre st�ndige Bedrohung des Papsttums beendete aber erst der Frankenk�nig in den Jahren 773/774. Damit erwarb Karl die Eiserne Krone, in die ein Nagel vom Kreuz Christi geschmiedet sein soll. Diese �italienische� Krone geh�rte fortan zum Bestand des deutsch-r�mischen Kaisertums und ist der Grund f�r die Herrschaft deutscher Kaiser in Italien im Mittelalter. Seit dem Erwerb der Eisernen Krone geh�rt (lateinisch) <emphasis>gratia Dei</emphasis> zur Titulatur europ�ischer Herrscher; in Europa sehen sich alle Herrscher als �von Gottes Gnaden� eingesetzt, aber immerhin nicht als �Stellvertreter Gottes� wie in Byzanz.</p><p><emphasis>800</emphasis></p><p>KAISERKR�NUNG I����Wieder einmal ben�tigte ein Papst dringend fr�nkischen Beistand. Bei einer Prozession im April 799 wurde Leo III. von stadtr�mischen Adelscliquen �berfallen. Sie warfen ihm Ehebruch vor, wollten ihn blenden und ihm die Zunge herausschneiden. Leo entkam nur mit knapper Not, floh zu Karl nach Paderborn und bat ihn um Hilfe. Dieser marschierte nach Rom und sch�chterte die Stadtadelspartei mit Todesurteilen wegen Majest�tsbeleidigung ein (sie wurden nicht vollstreckt). Am Weihnachtsabend 800 belohnte Leo den Frankenk�nig mit der r�mischen Kaiserkrone. Begreiflicherweise verweigerte die in Byzanz regierende Kaiserin Irene die diplomatische Anerkennung, aber ihr Nachfolger gew�hrte sie dann.</p><p>KAROLINGISCHE RENAISSANCE����Um 800 war die gesamte lateinische Christenheit (bis auf die Britischen Inseln) unter fr�nkischer Herrschaft vereint. Dies ist bis heute das leuchtende Vorbild f�r das Europa-Projekt: eine Vereinigung und Friedensordnung f�r die westliche Zivilisation. Karl war sehr wohl bewusst, dass das, was er mit dem Schwert erreicht hatte, durch Bildung und geistige F�rsorge vertieft werden musste. Die mangelnde Akzeptanz des Europa-Projektes in der Gegenwart beruht ja gerade auf dem Fehlen eines gemeinsamen kulturellen Bewusstseins.</p><p>Karl schob ein gro�es Kulturprogramm an, das sich unter seinen Nachfolgern, vor allem unter Kaiser Ludwig dem Frommen, voll entfalten sollte. Die karolingische Renaissance erreichte ihren H�hepunkt, als das Reich durch die Erbteilung nach dem salischen Gesetz schon wieder zerbrach. In Aachen entstanden die Pfalzkapelle nach dem Vorbild von S. Vitale in Ravenna. Leiter der Aachener Hofschule war seit 782 der Angelsachse Alkuin, ein Gelehrter, dessen Interessen von der Theologie bis zur Astronomie reichten. Die M�nner um Alkuin kn�pften bewusst an die r�misch-antike Tradition an, unter ihnen Hrabanus Maurus, sp�ter Abt von Fulda, im Alter noch Erzbischof von Mainz und Vertrauter des Karls-Sohnes Kaiser Ludwig des Frommen.</p><p>In den Kl�stern schrieb man antike Texte auf Pergament. Nur durch sie ist der winzige Bruchteil dessen, was wir von der Antike �berhaupt noch kennen, erhalten. Mit der karolingischen Minuskel wurde eine sehr leicht lesbare, vereinfachte Schrift entwickelt, aus der unsere Kleinbuchstaben entstanden. Es war die Bl�tezeit der karolingischen Buchmalerei.</p><p><emphasis>ca. 800</emphasis></p><p>BILDERSTREIT����In Byzanz wurde derweil der seit etwa 730 heftig tobende Bilderstreit um die Verehrung von Ikonen zugunsten der Bilder entschieden. Der Streit hatte sich entz�ndet, als der byzantinische Kaiser Leo III. eine Christus-Ikone am Tor seines Palastes abnehmen lie�, wogegen das Volk Sturm lief. Leo meinte, im Sinne des biblischen Gebotes zu handeln, wonach sich die Gl�ubigen von Gott kein Bild machen d�rfen.</p><p>Wegen der damals noch bestehenden Einheit der Kirche betraf das Thema auch den Westen. 794 befasste sich eine von Karl einberufene Synode damit. Die Entscheidung �f�r die Bilder� sowohl am byzantinischen wie am fr�nkischen Kaiserhof um 800 ist eine oft �bersehene fundamentale Weichenstellung in der abendl�ndischen Kunst zugunsten der Personendarstellung und der realistischen Naturwiedergabe, wie sie in der Antike bestand und wie sie dann in der Renaissancekunst ihren ersten H�hepunkt erreichte. W�re die Entscheidung damals anders ausgefallen, h�tte sich auch in Europa nur eine Ornamentalkunst �hnlich der j�dischen und islamischen entwickelt.</p><p><emphasis>842</emphasis></p><p>STRA�BURGER EIDE����Die Stra�burger Eide vom 14.�Februar 842 sind kurz, bestehen lediglich aus der feierlich formulierten Aussage, sich gegenseitig beizustehen und keine B�ndnisse gegen den anderen zu schlie�en � aber sie haben enorme politische wie sprachgeschichtliche Bedeutung. Beschworen wurden sie von Karls Enkeln Karl aus Westfranken und Ludwig aus Ostfranken.</p><p>Karl sprach seinen Eid vor Ludwigs Vasallen in althochdeutsch-rheinfr�nkischer Sprache und Ludwig �der Deutsche� leistete ihn vor Karls Vasallen auf Altfranz�sisch. Die erhaltenen Eidestexte sind die �ltesten Dokumente in beiden Volkssprachen und der erste Beleg f�r das kulturelle Auseinanderdriften der beiden Reichsteile Austrien und Neustrien.</p><p>Die Eide besiegelten eine Erbauseinandersetzung, in der sich Karl und Ludwig gegen ihren �ltesten Bruder Lothar verb�ndet hatten. In einer Schlacht kurz vor den Stra�burger Eiden war Lothar besiegt worden. Dieser erhielt aber dann doch ein Jahr sp�ter, im Vertrag von Verdun 843, den mittleren Reichsteil von der Nordsee, Rhein und Rh�ne entlang bis in die Provence und Italien.</p><p><emphasis>um 800</emphasis></p><p>ASTURIEN UND KASTILIEN����An der s�dlichen Peripherie des karolingischen Frankenreiches entstanden um 800 die ersten spanischen K�nigreiche. Asturien (seit 739), Leon (seit 925) und Kastilien (als Abspaltung von Leon) waren christliche Nachfolgestaaten des Westgotenreiches, das durch die muslimische Expansion zusammengebrochen war. Die Pyren�en wurden zum R�ckzugsgebiet des ritterlichen westgotischen Adels. Dazu geh�rte auch das von Basken gebildete K�nigreich Navarra.</p><p>Als Grenzverteidigung gegen die Araber hatte Karl der Gro�e 801 rund um Barcelona die Spanische Mark begr�ndet, damals �Goth-Alania� genannt, die Keimzelle des sp�teren Katalonien.</p><p><emphasis>828</emphasis></p><p>MARKUSREPUBLIK����Die <emphasis>Serenissima Republica di San Marco</emphasis>, die �Erlauchteste Republik des Heiligen Markus�, entstand in der V�lkerwanderungszeit aus sehr bescheidenen Fischerd�rfern auf nordadriatischen Laguneninseln. Seit etwa 700 w�hlten dort die Veneter einen Dogen (lateinisch <emphasis>dux,</emphasis> �F�hrer�, �Herzog�) als Oberhaupt ihrer (Adels-)Republik. Venedig ist von dieser Staatsform nie abgewichen.</p><p>In ihrer Fr�hzeit stand die Lagunenstadt unter dem Einfluss von Byzanz. Der vielfach �berkuppelte Markusdom ist daf�r ein besonders gut erhaltenes Beispiel. 828 raubten venezianische Kaufleute die Reliquien des heiligen Markus, des Evangelisten, aus Alexandria und brachten sie in die Stadtrepublik, die sich seither �Markusrepublik� nannte.</p><p><emphasis>843</emphasis></p><p>SKOTEN����Am anderen Ende Europas, im Norden der britischen Hauptinsel, vereinigte der skotische Kleink�nig Kenneth Mac Alpin 843 die keltischen Skoten und die vermutlich vorindoeurop�ischen Pikten erstmals unter einer Herrschaft und begr�ndete damit eine schottische K�nigsdynastie. Sein Nachfolger war sein Bruder Donald I. Diese Alpin-Dynastie war alsbald haupts�chlich damit besch�ftigt, die Wikinger abzuwehren.</p></section><section><subtitle>RELIGION UND STAAT IN ASIEN</subtitle><p><emphasis>nach 610</emphasis></p><p>CHINA � MANDARIN����Schon seit der Han-Zeit gab es kaiserliche Beamte, f�r die nach dem konfuzianischen Wertekanon der Erhalt von Harmonie in Staat und Gesellschaft das oberste Gebot war. Das mussten sie in einem ausgiebigen literarisch-philosophischen Gelehrtenstudium verinnerlichen. Unter den Tang-Kaisern wurde 601 f�r die Beamtenlaufbahn eine einheitliche �literarische� Pr�fung vorgeschrieben, die im Prinzip allen M�nnern ohne Klassenunterschiede offenstand. Taizong, von 626 bis 649 der zweite Tang-Kaiser und einer der bedeutendsten Chinas, brachte das Pr�fungssystem in seine verbindliche, bis 1905 bestehende Form. F�r das Jahr 657 ist eine Zahl von �ber 13000 Mandarinen �berliefert, bei einer Gesamtbev�lkerung von ungef�hr 50 Millionen.</p><p>In der Praxis wurde das Gleichheitsprinzip aber immer wieder unterlaufen, da vor allem der Landadel stets bestrebt war, die Beamtenstellen mit �seinen eigenen Leuten� zu besetzen und nach M�glichkeit sogar zu �vererben�. Au�erdem galt in der chinesischen Staatspraxis die Regel: War der Kaiser stark, konnte er sich seiner Beamtenschaft wirkungsvoll bedienen. War der Kaiser schwach, war er das Werkzeug der Mandarine, Eunuchen und Hofcliquen. Meistens waren die Kaiser schwach.</p><p>�brigens hei�en die Beamten auf Chinesisch nicht �Mandarin�, sondern <emphasis>guan</emphasis>. �ber die Entstehung des in den europ�ischen Sprachen verbreiteten Worts gibt es sehr verschiedene Theorien. Sehr wahrscheinlich steht das Wort f�r die kleine Zitrusfrucht mit der Farbe der Amtstracht der Mandarine in Verbindung.</p><p><emphasis>ab 617</emphasis></p><p>TIBET � SONGTSEN GAMPO����In Tibet, damals noch nicht buddhistisch, etablierte sich ab 617 ein kraftvolles K�nigtum durch Songtsen Gampo (617�649), das in Zentralasien ein wichtiger Rivale des Tang-Reiches wurde. Nach einem Feldzug gegen China stimmte Kaiser Taizong einer Heirat Songtsen Gampos mit einer chinesischen Prinzessin zu, um den Frieden zu erhalten. Songtsen Gampo hatte bereits eine nepalesische und eine westtibetische Prinzessin geheiratet � das war Teil seiner Gro�machtpolitik. Bis dahin gab es in Tibet, traditionell ein Nomadenvolk, keine feste Residenz, aber nun wurde f�r ihn und seine Gemahlinnen die Stadt Lhasa gegr�ndet. Diese K�nigsresidenz bildete dann den Kern des Potala-Palastes, der im 17.�Jahrhundert ausgebaut wurde. Durch die chinesischen und nepalesischen Gemahlinnen des Herrschers wurde der Buddhismus in Tibet bekannt und vom ihm gef�rdert.</p><p><emphasis>770/780</emphasis></p><p>TIBET � PADMASAMBHAVA����Sehr heilig ist den Tibetern bis heute der �Lotusgeborene�: Padmasambhava, auch Guru Rinpoche genannt. Diese historisch wenig gesicherte, legend�re Gestalt soll auf einem Lotus in einem See erschienen sein (selbst eine Jungfrauengeburt w�re noch als zu �menschlich� erschienen). Er soll �bernat�rliche Kr�fte besessen haben und eine Art Buddha-Inkarnation gewesen sein. Jedenfalls stammte er nicht aus Tibet, auch nicht aus Indien, war aber von dort zugewandert. Auf seinen Einfluss wird die Errichtung des ersten buddhistischen Klosters Samye um 770 durch den tibetischen K�nig Trisong Detsen zur�ckgef�hrt. Dieser veranlasste auch die ersten �bersetzungen buddhistischer Schriften aus dem Sanskrit ins Tibetische. Tibetisch und Chinesisch geh�ren zur gleichen Sprachfamilie, sind aber sehr verschieden und werden in vollkommen unterschiedlichen Schriften geschrieben.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Das erste tibetische K�nigtum blockierte f�r lange Zeit den Zugang Chinas zur Seidenstra�e und seine Ausdehnung im S�dwesten. Es endete mit der Ermordung des antibuddhistischen K�nigs Glang-dar-ma 842.</p><p><emphasis>ca. 730�750</emphasis></p><p>JAPAN � NARA����In dieser Periode in der Geschichte Japans (710�794) orientierte sich das Inselreich unter dem Tenno Shomu (reg. ca. 725�750) kulturell sehr intensiv an China. Die neue Hauptstadt Nara wurde nach dem Muster der chinesischen Hauptstadt Changsha angelegt. Die Japaner �bernahmen die chinesischen Schriftzeichen und passten sie der japanischen Sprache an. Diese chinesisch-japanische Schrift hei�t <emphasis>Kanji</emphasis>. Kaiser Shomu war selbst tiefgl�ubig und f�rderte die Verbreitung des Buddhismus, der in Japan als Zen-Buddhismus von noch gr��erer Bedeutung wurde als in China.</p></section><section><subtitle>DAS GOLDENE ZEITALTER DES ISLAMS</subtitle><p>Um 800 waren die chinesische Hauptstadt Changsha, die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel und die neue Hauptstadt des Kalifenreiches Bagdad die mit Abstand bev�lkerungsreichsten Metropolen auf dem eurasischen Kontinent. Wenn man auf die gleichzeitigen karolingischen Pfalzen blickt, die Landstadt Rom, innerhalb deren Mauern Ackerbau betrieben wurde, oder auf die auf Pf�hlen errichtete Wassersiedlung am Rialto, wird klar, wie entwicklungsbed�rftig Europa damals war und wie sehr es buchst�blich am Anfang stand. Derweil kam es im Jahr 750, zur selben Zeit als Pippin III. im Frankenreich den letzten Merowingerk�nig absetzte, zu einem Dynastiewechsel im islamischen Kalifenreich.</p><p><emphasis>750</emphasis></p><p>ABBASIDEN����Marwan II. war von 746 bis 750 der 14. Kalif und letzte Herrscher der Omaijaden. Bei den Persern, die sich innerhalb des Vielv�lkerreichs der Kalifen zweitklassig behandelt f�hlten, formierte sich der Widerstand. Sie warfen den Omaijaden Geldverschwendung und Verweltlichung vor. Thronstreitigkeiten innerhalb der Dynastie und die Ermordung des elften Kalifen 744 setzten deren Ansehen binnen k�rzester Zeit rapide herab.</p><p>Abu Muslim, heute noch in Persien als Nationalheld verehrt, f�hrte seit 747 die abbasidische Widerstandsbewegung. 749 wurde Abu al-Abbas zum Kalifen ausgerufen; er stammte aus einer Seitenlinie der Familie des Propheten. Abbas besiegte die Omaijaden und rottete sie mit bestialischer Grausamkeit aus (bis auf den zuf�llig nicht anwesenden Omaijaden-Prinzen Abd ar-Rahman, den Begr�nder des Emirats von C�rdoba). Als es zwischen dem neuen Kalifen und Abu Muslim zu Spannungen kam, wurde dieser vor den Augen von Kalif Abbas ermordet.</p><p>Da Abbas bald darauf � eines nat�rlichen Todes � starb, �bernahm sein Bruder Al-Mansur von 754 bis 775 das Kalifat. Dieser gr�ndete die neue Hauptstadt der Abbasiden: Bagdad. Das persische Wort bedeutet: �Von Gott gegeben�, �Geschenk Gottes�.</p><p><emphasis>756</emphasis></p><p>EMIRAT VON C�RDOBA����Die Araber hatten seit 711 die iberische Halbinsel weitgehend erobert und das Westgotenreich zerst�rt, sich aber in den rund 40 Jahren seither untereinander stark zerstritten. Nach dem Omaijaden-Massaker gelang Prinz Abd ar-Rahman (731�788) eine mehrj�hrige, abenteuerliche Flucht durch Syrien und quer durch Nordafrika bis ins heutige Marokko. �ber m�tterliche berberische Verwandte kam er als Offizier nach al-Andalus, st�rzte mithilfe seiner Truppen den dortigen Statthalter und begr�ndete 756 das Emirat von C�rdoba. Hier entstand nach der V�lkerwanderung die erste und eine der gl�nzendsten Kulturen Europas mit einer einzigartigen Symbiose muslimischer, j�discher und christlicher Traditionen. Der arabische Bev�lkerungsanteil betrug etwa zehn Prozent. Die Araber herrschten fast 300 Jahre lang �ber fast ganz Spanien. Nur in den Pyren�en hielten sich kleine christliche K�nigreiche wie Asturien und Leon. Abd ar-Rahman begann auch mit dem Bau der Gro�en Moschee in C�rdoba, der Mezquita. 929 nahm Abd ar-Rahman III. den Kalifentitel an, seitdem hie� das Staatswesen Kalifat von C�rdoba.</p><p><emphasis>755/830</emphasis></p><p>BAGDAD � M�RCHEN AUS TAUSENDUNDEINER NACHT����Al-Mansurs Sohn Al Mahdi f�rderte die K�nste und die Wissenschaften. Da die Abbasiden persischer Herkunft waren, �bernahmen sie die persische Art der �ppigen Hofhaltung nach dem Vorbild der Sassaniden. Al Mahdi designierte neben seinem erstgeborenen Sohn auch seinen Sohn von einer Nebenfrau namens Harun ar-Raschid zum f�nften abbasidischen Kalifen. Harun ermordete seinen Vorg�nger alsbald.</p><p>Harun ar-Raschid, der von 786 bis 809 regierte, wurde in Europa durch die M�rchen aus <emphasis>Tausendundeiner Nacht</emphasis> unvergesslich. <emphasis>Tausendundeine Nacht</emphasis>, arabisch <emphasis>alf waila wa-laila, </emphasis>entstand aber erst mehr als 200 Jahre sp�ter. Mit seinem Zeitgenossen Karl dem Gro�en tauschte Harun mehrmals Gesandtschaften aus, unter anderem schenkte er ihm einen indischen Elefanten, im ganzen Orient ein Zeichen von Macht, Wertsch�tzung und Reichtum. Auch mit China unter den Tang-Kaisern wurden Gesandtschaften getauscht, nur gegen Byzanz f�hrte Harun mehrmals Krieg.</p><p>Unter Haruns Sohn Al Ma�mum erlebte Bagdad seit 813 den Beginn einer lang anhaltenden kulturellen Bl�tezeit. 830 gr�ndete er das �Haus der Weisheit�, eine Akademie f�r die f�hrenden Gelehrten der arabischen Welt. S�mtliche erreichbaren Schriften aus dem antiken Griechenland, von den �rzten Hippokrates und Galen �ber die Philosophen Platon und Aristoteles bis zu den Mathematikern Euklid und Archimedes wurden hier gesammelt und �bersetzt. Von hier aus gelangte das antike Wissen dann im Sp�tmittelalter und in der Renaissance durch R�ck�bersetzung aus dem Arabischen ins Lateinische wieder nach Europa. �hnliche Akademien entstanden in C�rdoba und Sevilla, um 1000 in Kairo und als seldschukische Neugr�ndung 1067 die Medrese Nisamija des Seldschuken-Wesirs Nisam.</p><p><emphasis>755/830</emphasis></p><p>ARABISCHE ZAHLEN����Das Rechnen mit den sogenannten arabischen Zahlen, das einzige Rechensystem, das sich weltweit durchgesetzt hat, verdankt die Welt dem arabischen Gelehrten Khwarizmi, arabisch Al-Chwarizmi (ca. 780�840). Er war einer der herausragenden Gelehrten Bagdads. Das Rechensystem und die Zahl Null (arabisch <emphasis>sifr</emphasis>) waren durch den regen Handelsaustausch von Indien nach Bagdad gelangt, wo Al-Chwarizmi es in seinem Lehrbuch <emphasis>�ber das Rechnen mit indischen Zahlen</emphasis> (825) in schl�ssiger Weise so systematisch darstellte, dass es lange als seine Erfindung galt. Deshalb spricht man heute von den �arabischen Zahlen�.</p><p>Al-Chwarizmi gilt als �Vater der Algebra�, denn eines seiner weiteren Werke tr�gt den langen Titel <emphasis>Al kitab al muchtsar fi hisab al-jabr wa-l-muquabala </emphasis>(�Das umfassende Buch vom Rechnen durch Erg�nzung und Ausgleich�). Es enth�lt 800 Beispiele dieser Rechenkunst. Im Hochmittelalter wurde es von Gerhard von Cremona (1114�1187) in Toledo ins Lateinische �bersetzt und bis ins 17.�Jahrhundert an den europ�ischen Universit�ten als Grundlehrbuch der Mathematik verwendet. Der lateinische Titel lautet <emphasis>Ludus Algebrae Almucgrabalaeque</emphasis>.</p><p>PAPIER(-HERSTELLUNG)����W�hrend die Araber unter den Abbasiden-Kalifen nach Osten expandierten, dehnten die Tang-Kaiser gleichzeitig ihr chinesisches Reich nach Westen hin aus. 751 stie�en die Armeen in Zentralasien, im landschaftlich sch�nen Flusstal des Talas am Fu�e des Pamir-Gebirges zu einer Schlacht zusammen. Da die Araber die Oberhand behielten, liefen auf chinesischer Seite k�mpfende Krieger aus Turkv�lkern zu den Arabern �ber.</p><p>Trotz des etwas abgelegenen Schauplatzes im heutigen Kirgistan hatte die Schlacht zwei kulturgeschichtlich sehr bedeutsame Konsequenzen: In der Folge nahmen die Turkv�lker den islamischen Glauben an. Seither sind die Turkv�lker Zentralasiens und somit auch die sp�ter nach Anatolien vorgesto�enen �T�rken� muslimisch. China dehnte sich seither auch nie mehr weiter nach Westen aus.</p><p>Au�erdem verbreitete sich durch chinesische Kriegsgefangene und in Samarkand ans�ssige Handwerker die bereits jahrhundertealte chinesische Erfindung der Papierherstellung. In Bagdad wurde eine Papierm�hle errichtet. Rund 100 Papierh�ndler betrieben alsbald ihre Gesch�fte in einem eigenen Suk. Diese kann man sich als fr�he Form von Verlagen vorstellen, denn manche H�ndler waren Schriftsteller und Gelehrte aus dem Haus der Weisheit.</p><p>Der Wert von Papier erh�ht sich eben, wenn es beschrieben oder bedruckt wird: als Buch, besser noch als Banknote. Auf die Idee mit dem Papiergeld waren die Chinesen auch bereits gekommen, sie hat sich aber erst sp�ter durchgesetzt.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Abbasiden herrschten �ber ein riesiges Weltreich vom Indus bis zum Atlantik, mit Iran, Irak, Syrien, Pal�stina, �gypten und Nordafrika bis Marokko. Es war das einzige Weltreich seiner Zeit neben dem byzantinischen und das sehr viel dynamischere. In der Zeit Haruns und seiner unmittelbaren Nachfolger gab es einen Wirtschafts-, Handels-, Bank- und Bauboom ohnegleichen. Die Verst�dterung nahm zu, gleichzeitig wurde die Landwirtschaft durch den Ausbau der Bew�sserungssysteme enorm intensiviert und durch den Anbau besonders rentierlicher Produkte wie Baumwolle, Zuckerrohr und Orangen buchst�blich bereichert. Das Abbasiden-Reich wurde extrem zentralistisch regiert. Alles wurde in Bagdad entschieden. Unter schw�cheren Kalifen brach es daher seit etwa 900 auseinander, lokale Machthaber und Dynastien erkannten den Kalifen nur noch formell an. Die politische Einheit der islamischen Welt drohte ein f�r allemal zu zerbrechen. In dieser Situation tauchte am Rand der islamischen Welt das Nomadenvolk der Ogusen auf, angef�hrt von Seldschuk.</p></section><section><subtitle>GR�NDERJAHRE IM NORDEN UND OSTEN</subtitle><p>Im 9. Jahrhundert destabilisierte sich Europa wieder. Die zerstrittenen und geschw�chten karolingischen Nachfolgereiche vermochten das r�uberische Vordringen der Wikinger im Norden und der Ungarn im S�dosten nicht aufzuhalten.</p><p><emphasis>793</emphasis></p><p>WIKINGER����Etwa zu der Zeit, als sich in Bagdad und C�rdoba die islamische Hochkultur entfaltete, machten sich am Nordrand Europas die Wikinger unangenehm bemerkbar. Ihre r�cksichtslose Grausamkeit, Raub-, Brand- und Mordlust waren gef�rchtet. Sie galten als unglaublich kampfstark. Ihr Terror zog sich von Friesland �ber Flandern bis nach Frankreich. Der �berfall auf die Klosterinsel Lindisfarne vor England 793 war das erste Schreckensfanal.</p><p>Der Name leitet sich ab von dem altnordischen Wort <emphasis>vikingen</emphasis> f�r die Raub- und Pl�nderungsz�ge, die die <emphasis>vikingr,</emphasis> die �Seer�uber�, von den skandinavischen Nordseek�sten ihrer Heimat aus unternahmen. Es handelt sich demnach nicht um eine ethnische oder geografische Bezeichnung, sondern um eine soziale � im Grunde sind mit <emphasis>vikingr</emphasis> nur die Schiffsbesatzungen der ber�hmten, f�r die damalige Zeit �berragend seet�chtigen Drachenboote gemeint, die in erster Linie gerudert wurden. Die Mannschaften rekrutierten sich aus j�ngeren Angeh�rigen der b�uerlichen Aristokratie, f�r die die <emphasis>vikingen</emphasis> eine Lebensphase gesellschaftlicher Bew�hrung darstellten, in der man Ruhm und Reichtum erwarb.</p><p><emphasis>nach 814</emphasis></p><p>NORMANNEN����Zeitgen�ssische Berichte sprachen allerdings von �Normannen� oder �D�nen�. Die Bezeichnung �Nordmanni� ist durch Einhard, den Biografen Karls des Gro�en, �berliefert (bis heute sehr pr�sent in �Normandie�).</p><p>Seit Lindisfarne erlitten die Nordseek�sten allj�hrlich <emphasis>vikingen</emphasis>, und nach dem Tod Karls des Gro�en (814) wagten sich die Normannen auch ins Innere des fr�nkischen Reiches. Sie zerst�rten K�ln, Bonn, Trier und pl�nderten 856/857 Paris. 881 eroberten sie Aachen und missbrauchten die Pfalzkapelle als Pferdestall.</p><p>�berall, wo sie hinkamen, durchliefen die Wikinger/Normannen eine Entwicklung von Pl�nderern, die Beute nahmen, zu Kaufherren, die ans�ssig wurden, und, um ihren Handel zu sch�tzen, Reiche gr�ndeten, etwa in Russland, der Normandie, England oder im mittelalterlichen Sizilien. Die Normannen in der Normandie traten 912 zum Christentum �ber. Die Christianisierung Skandinaviens ging erst um 1000 von Hamburg und Bremen aus.</p><p><emphasis>ab 750</emphasis></p><p>WAR�GER����Die Wikinger waren nicht nur in der Nordsee unterwegs. Von Schweden drangen sie gleichzeitig �ber das Baltische Meer (Ostsee) in den ostslawisch-finnischen (sp�ter �russischen�) Raum vor, von wo aus sie als �War�ger� �ber die gro�en Flusssysteme, namentlich des Dnjepr, Richtung Byzanz zogen. Der Glanz und Reichtum dieser einzigen wahren europ�ischen Metropole ihrer Zeit hatte eine magische Anziehungskraft. Der ordnenden Hand der war�gischen Oberschicht verdankte das sp�tere Russland seinen Namen und seine ersten Herrschaftsgebilde, insbesondere die �Kiewer Rus� im S�den in der heutigen Ukraine und die St�dtegr�ndungen der war�gischen Kaufleute wie Nowgorod im Norden. Die Bezeichnung �War�ger� (altnordisch <emphasis>Vaeringjar</emphasis>) kommt vermutlich von altnordisch <emphasis>varar</emphasis> (�Eid�) und meint eine Gruppe von Handelskaufleuten, die sich gegenseitig Hilfe schworen � analog und mit gleicher Wortbedeutung wie bei �Hanse�.</p><p><emphasis>862</emphasis></p><p>KYRILLISCHES ALPHABET����Kyrill war einer der beiden hochgebildeten Offizierss�hne Kyrill und Method (820�885), die als �Slawenapostel� in die Geschichte eingingen. Ihr Missionsgebiet war das damalige Gro�m�hren. Nachdem Karl der Gro�e die Awaren dort in den Jahren 791 bis 796 besiegt hatte, wollten die Slawen das alte Joch weder gegen die fr�nkische Oberherrschaft noch gegen den Einfluss der aggressiv missionierenden Bisch�fe von Passau eintauschen. Also wandte sich der m�hrische F�rst Rastislaw an den Kaiser in Byzanz, der ihm die beiden Br�der Kyrill und Method sandte. Deren Mission war wohlvorbereitet. Die Entwicklung der glagolitischen Schrift und die �bersetzung der liturgischen Texte durch Kyrill vor 862 geh�rte dazu.</p><p>Der eigentliche Urheber der kyrillischen Schrift ist nicht bekannt, man vermutet einen Sch�ler des Kyrill; Kyrill von Thessaloniki (826�869) war aber so bedeutend, dass die Schrift nach ihm benannt wurde, auch wenn sie eine ganz andere war als jene �lteste slawische Schrift, die Glagoliza. Das Kyrillische ist n�mlich aus Gro�buchstaben des griechischen Alphabets entwickelt worden, mit einigen Anleihen aus der Glagoliza. Deswegen ist sie der griechischen auch viel �hnlicher.</p><p><emphasis>ca. 900</emphasis></p><p>KIEWER RUS����Kiew in der heutigen Ukraine gilt als Mutter aller russischen St�dte. Hier ergriffen die War�ger die Herrschaftsinitiative und vereinten Kiew mit Nowgorod im Norden � auch wenn es in der Nestorchronik, der russischen Staatsgr�ndungslegende, in bewegenden Szenen umgekehrt dargestellt wird. Demzufolge reiste ein Regent aus Nowgorod mit einem kleinen War�ger-Prinzen den Dnjpr hinab bis Smolensk und pr�sentierte den Jungen dort auf Kiewer Gebiet dem Volk als neuen F�rsten. Kiew war aber wegen seiner relativen N�he zu Byzanz sicherlich die bedeutendere War�ger-Residenz und die Initiative ging von dort aus.</p><p>Allem Anschein nach bezeichneten die finno-ugrischen V�lker, die damals am Nordrand des Baltischen Meeres bis tief ins Landesinnere siedelten, die War�ger als <emphasis>Rus</emphasis> oder <emphasis>Rhos</emphasis>. Die War�ger selbst nannten sich auch so, daher �Kiewer Rus�. Nach ihrer Bekehrung zum Christentum �bernahmen sie die ostslawische Sprache, behielten aber diese Bezeichnung bei. Der neue Name ging auf die von ihnen beherrschten slawischen St�mme �ber. �Russen� und �Russ(land)� sind daher keine slawischen W�rter. Altrussland hatte keine Herrscher slawischen Ursprungs; die F�rsten waren alle War�ger aus der f�hrenden Dynastie der Rurikiden, benannt nach dem Wikinger Rurik. Der letzte Rurikide regierte bis 1598; er war der Nachfolger Iwans des Schrecklichen.</p><p><emphasis>988</emphasis></p><p>DIE TAUFE RUSSLANDS����W�hrend der ersten Jahrzehnte ihrer Herrschaft in Kiew festigten die War�ger-F�rsten ihre Stellung. Sie griffen Byzanz immer wieder an, aber Byzanz war zu stark.</p><p>F�rst Wladimir (960�1015) regierte mit harter Hand und war ein ausgesprochener G�tzendiener. Der gemeinsame Feind der Byzantiner und der �Rus� waren die auf dem Balkan m�chtig gewordenen Bulgaren. Wladimir und Kaiser Basileus II. wurden nun sogar Verb�ndete: Wladimir sollte sich (und die Rus) taufen lassen und erhielt daf�r im Gegenzug die Hand der Kaiserschwester Anna. Eine <emphasis>Porphyrogenneta</emphasis>, eine �purpurgeborene Prinzessin�, heiraten zu d�rfen, war die h�chste diplomatische Anerkennung, die Byzanz zu vergeben hatte. (Dem deutschen Kaiser Otto II. wurde in dieser Zeit die gleiche Ehre nicht zuteil. Er bekam nur eine Nichte � Theophanu.)</p><p>Wladimirs Taufe wurde in Kiew mit gro�em Pomp inszeniert, einschlie�lich Zerschlagen der G�tzenbilder und Massentaufe im Dnjepr. Dann musste er die Zwangsbekehrung der Slawen mit Feuer und Schwert durchsetzen. Damit waren die Kiewer Rus endg�ltig konsolidiert.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Kiew blieb bis ins Hochmittelalter der bedeutendste Ort Russlands. Um 1125 stieg Susdal unter F�rst Jurij Dolgoruki zur neuen Vormacht auf. In einem Sumpfgebiet am Rande seines Herrschaftsgebietes lie� dieser 1156 eine Festung (russisch <emphasis>Kreml</emphasis>) errichten. Der Fluss, der durch dieses Sumpfgebiet flie�t, hei�t Moskwa.</p><p><emphasis>ab ca. 880</emphasis></p><p>DANELAG UND NORMANDIE����Seit etwa 880 waren die �D�nen� (Normannen) auch im Westen der britischen Hauptinsel dauerhaft pr�sent. Zeitweilig wurden sie von dem ersten bedeutenden angels�chsischen K�nig Alfred dem Gro�en (ca. 848�899) beherrscht, der erstmals �ganz England� vereinigte. Mit Danelag wurde im Mittelalter das vom wikingischen Heer besetzte Nordwestengland bezeichnet. Die �D�nen� besetzten das Gebiet nicht nur milit�risch, sondern besiedelten es auch. Orte mit Namen wie Derby und Selby, wovon es Hunderte gibt, oder mit Endungen wie -ton, -thorpe und -ey sind normannische Gr�ndungen. Die letzte normannische <emphasis>vikingr</emphasis>-Gruppe, die 911 unter ihrem Anf�hrer Rollo Frankreich heimsuchte, kehrte nicht mehr in die Heimat zur�ck, sondern blieb in dem Gebiet um die Seine-M�ndung. Rollo konvertierte zum Christentum, unterstellte sich 911/912 formell dem karolingischen Westfrankenk�nig Karl und erlangte so die Anerkennung der normannischen Eroberung; sie wurde unter seinen Nachfolgern das Herzogtum Normandie. Hauptstadt war Rouen. Sein direkter Nachfahre in der siebten Generation war Wilhelm, der Eroberer Englands. In den 150 Jahren dieser sieben Generationen �bernahmen die Normannen v�llig die �berlegene fr�nkische Kultur und die franz�sische Sprache.</p></section><section><subtitle>ASIEN UND AMERIKA</subtitle><p><emphasis>nach 980</emphasis></p><p>AMERIKA � DIE ERSTE ENTDECKUNG����Unter den klimatisch g�nstigen Bedingungen eines zeitweiligen Klimaoptimums erreichten normannische Auswanderer nach 980 unter F�hrung von Leif dem Roten Gr�nland, wo sie sich f�r einige Jahrhunderte ansiedelten. Von dort aus gelangten die Normannen noch vor der Jahrtausendwende sogar auf das gar nicht mehr so weit entfernt gelegene nordamerikanische Festland.</p><p><emphasis>ab 960</emphasis></p><p>CHINA � SONG-DYNASTIE����In etwa parallel zum Niedergang der Karolinger zerbrach die Macht der Tang-Dynastie in China. Um 880 bestand diese nur noch dem Namen nach. Es folgten die Epochen der sogenannten �F�nf Dynastien� und �Zehn K�nigreiche�. Dies sollte die letzte Phase der politischen Zersplitterung im Reich der Mitte sein.</p><p>960 vertrieb der General Zhao Kuangyin den gegenw�rtigen siebenj�hrigen Kaiser vom Thron, rief den Beginn der Song-Dynastie aus und regierte selbst unter dem Kaisernamen Song Taizu bis 976. In Feldz�gen fasste er das Land wieder zu einem einheitlichen Reich zusammen, das Milit�r wurde entmachtet, die Verkehrsinfrastruktur verbessert, der Binnenhandel nahm erheblich zu, ebenso Bildung, Wissen, Verst�dterung und technische Innovationen wie Buchdruck, Papiergeld und Schie�pulver. Das Wirtschaftsleben und das Denken waren geradezu aufkl�rerisch und rational.</p><p>Die Kaiser und hohen Beamten legten sich Kunstsammlungen zu (Bilder, Drucke, B�cher, alle Arten von Antiquit�ten) und erfassten sie in Katalogen. Philosophie und Literatur standen in Bl�te. Die chinesische Kunst fand zwischen 1000 und 1200 ihren Ausdruck und Stil und hat sich seitdem nicht mehr wesentlich ver�ndert, weil sich auch Staat und Gesellschaft in China in den folgenden rund 1000 Jahren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr wesentlich ver�ndert haben.</p><p><emphasis>nach 800</emphasis></p><p>MITTELAMERIKA � TOLTEKEN����Noch um 900 waren die Tolteken J�ger und Sammler in den nordmexikanischen Steppen. Vermutlich wegen der allgemeinen Erderw�rmung zwischen 800 und 1200 � die dem mittelalterlichen Europa ein Klimaoptimum bescherte und das nordmexikanische Gebiet versteppen lie� � wanderten seit dieser Zeit immer wieder Volksst�mme weiter nach S�den. Die erste Hauptstadt der Tolteken war Tollan, heute eine Ruinenst�tte bei Tula im mexikanischen Hochland. <emphasis>Tolteken</emphasis> bedeutet in ihrer Nahuatl-Sprache �Volk von Tollan�. Die Stadtkultur von Teotihuac�n war inzwischen untergegangen, aber die Tolteken stie�en noch auf das Volk, das diese Kultur getragen hatte. Von diesen Bauern �bernahmen sie landwirtschaftliche Technik und Kunst sowie deren religi�se Vorstellungen.</p><p><emphasis>900</emphasis></p><p>MITTELAMERIKA � QUETZALCOATL II����Quetzalcoatl wurde durch die Tolteken ein mesoamerikanischer Hauptgott. Kern der mit ihm als Sch�pfergott verbundenen Vorstellung war, er und andere G�tter h�tten den Menschen aus Mais geformt und ihnen ihren Lebenssaft (Blut) geschenkt. Um die G�tter f�r diese Tat zu vers�hnen und ihrerseits �am Leben zu erhalten�, musste also viel Blut geopfert werden. Daf�r nahm man in erster Linie Kriegsgefangene. Es wurden sogar Ritualkriege gef�hrt, um an �Kriegsgefangene� zu kommen � und diese wussten, was ihnen bevorstand. Sie lebten mit denselben Glaubensvorstellungen. Die Blutopfer wurden als Ehre aufgefasst, �hnlich wie bei den M�rtyrern, und nur diejenigen, die sich dem Opfer hingaben, hatten Aussicht, nach dem Tod nicht in der Unterwelt zu verl�schen, sondern �erl�st� zu werden. Dieser religi�sen Grundstruktur lagen auch die Herzopfer der Azteken zugrunde. Bei gro�en Ritualen wurde Hunderten, wenn nicht Tausenden von Menschen bei lebendigem Leib die Brust ge�ffnet, die Herzen herausgerissen und die K�rper die Stufenpyramiden hinabgeworfen.</p><p><emphasis>1000</emphasis></p><p>MITTELAMERIKA � CHICH�N ITZ�����Um 1000 bl�hte im Norden von Yucat�n unter dem Einfluss der Tolteken noch einmal eine maya-toltekische Mischkultur auf, vor allem in Chich�n Itz�. Der Name der Stadt bedeutet �Mund der Brunnen der Itza�. Gemeint sind damit Brunnenl�cher, die mit einem verzweigten H�hlensystem in Verbindung stehen, von denen eines zweifellos ein hochbedeutendes Heiligtum war angesichts der Masse von Wertgegenst�nden und Knochen von Menschenopfern, die darin gefunden wurden. Chich�n Itz� war eine reine Residenzstadt, die etwa 500 Jahre bis kurz vor der Ankunft der Spanier bestand. Hier befindet sich neben einer F�lle eindrucksvoller Tempelruinen die bekannteste Stufenpyramide Mittelamerikas, das Observatorium und einer der besterhaltenen von den �ber 500 Ballspielpl�tzen der Maya. Das Ballspiel diente kultischen Zwecken. Vielleicht war es eine Art Ritualkrieg.</p></section><section><subtitle>NEUE KAISER UND K�NIGE IN EUROPA</subtitle><p>In den letzten Jahren vor 900, als die Wikinger/Normannen die Seine hinauf ruderten und sich dann ziemlich dauerhaft an der Seine-M�ndung in der Normandie festsetzten, fielen im Osten die Ungarn im Donautiefland ein.</p><p><emphasis>919</emphasis></p><p>OTTONEN����Weil die ersten drei deutschen Kaiser des Mittelalters alle Otto hie�en, spricht man von dieser Reichsgr�ndungsepoche als der ottonischen. Dabei lautete der Familienname ihres s�chsischen Adelsgeschlechtes: Liudolfinger. Mit �s�chsisch� sind in jener Zeit Gebiete gemeint, die man heute als �nieders�chsisch� bezeichnet. Damals war die Elbe die Reichsgrenze; erst allm�hlich schob sie sich nach Osten in die Marken (Grenzl�nder) bis nach Mei�en, Zeitz und in die Lausitz vor.</p><p>Der Sage nach befand sich Heinrich Liudolfing, Vater Ottos I. und erster deutscher K�nig, mit seinen Kindern auf der Entenjagd, als man ihm 919 die Nachricht seiner K�nigswahl �berbrachte. Bemerkenswert an seiner Wahl zum � damals noch: ostfr�nkischen (!) � K�nig war, dass sie auf einen Sachsen fiel. Denn sie waren erst knapp 100 Jahre zuvor von Karl dem Gro�en gewaltsam christianisiert worden. Nun �bernahmen sie die F�hrung in einem Reich, das sich unter ihrer Herrschaft zum �Deutschen Reich� entwickelte � ein Begriff, der in der Zeit, als es existierte, nie verwendet wurde.</p><p><emphasis>936�955</emphasis></p><p>SCHLACHT AUF DEM LECHFELD����Der erste deutsche Kaiser, Otto I. (912�973), war den F�rsten des Reiches schon 930 in Aachen als Thronfolger vorgestellt worden. Otto war erst achtzehn Jahre alt. Die Liudolfinger wollten unter allen Umst�nden verhindern, dass das ostfr�nkische Reich wieder geteilt wurde, und �nderten in diesem Punkt das salische Gesetz: Nur der �lteste Sohn sollte erben. Eine Zersplitterung der K�nigsmacht sollte es nicht mehr geben.</p><p>Derweil suchten die Ungarn die Bayern heim, vor allem die Stadt Augsburg war wegen der h�ufigen Ungarneinf�lle durch ihren Bischof, den heiligen Ulrich, stark befestigt. An Ulrich und an Augsburg bissen sich die Ungarn die Z�hne aus, bis Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld vom 8. bis 10.�August 955 ein so nachhaltiger Sieg �ber die Ungarn gelang, dass sie nie mehr nach Deutschland vordrangen und sogar 50 Jahre sp�ter mit ottonischer Hilfe christianisiert wurden. Auf diese Ruhmestat gr�ndet Otto seine Erneuerung des nunmehr mittelalterlichen r�misch-deutschen Kaisertums.</p><p><emphasis>962</emphasis></p><p>KAISERKR�NUNG II����Aber selbst diese Schlacht machte f�r Otto den Weg nach Rom noch nicht frei, obwohl er seit 951 durch seine Heirat mit der langobardischen K�niginwitwe Adelheid Tr�ger der Eisernen Krone und damit �K�nig von Italien� war. Erst als der Statthalter Ottos in Italien, Berengar, den Kirchenstaat eigenm�chtig in die Zange nahm, rief Papst Johannes XII. den deutschen K�nig zu Hilfe und stellte daf�r die Kaiserkr�nung in Aussicht.</p><p>Otto bereitete alles gut vor und lie� zun�chst in Aachen seinen �ltesten Sohn als Otto II. zum Mitregenten w�hlen, damit im Fall des Falles die Kontinuit�t des Herrscherhauses gesichert war. Dann zog Otto nach Italien und wurde � gemeinsam mit seiner Gattin Adelheid � am 2.�Februar 962 zum Kaiser gesalbt und gekr�nt.</p><p><emphasis>um 930</emphasis></p><p>WENZELSKRONE UND STEPHANSKRONE����Zur Zeit der Ottonen stand die Christianisierung der westslawischen V�lker der Polen und B�hmen sowie der Magyaren noch am Anfang. Der b�hmische Nationalheilige Herzog Wenzel (tschechisch: <emphasis>V�clav</emphasis>) war durch seine Gro�mutter Ludmilla mit dem Christentum vertraut; Ludmilla hatte die Taufe von den Slawenaposteln Kyrill und Method empfangen. Politisch lehnten sich die b�hmischen F�rsten aber an das Reich an. Noch zur Zeit der Ungarneinf�lle unterstellte sich Wenzel um 930 der Oberherrschaft des ersten Liudolfingers K�nig Heinrich. Das Bistum Prag geh�rte bis zum Sp�tmittelalter zum Erzbistum Mainz. Der von seinem Bruder erschlagene Wenzel ist der Nationalheilige Tschechiens, der gr��te Platz in Prag ist der Wenzelsplatz.</p><p>Zwei Generationen sp�ter wurde der heilige Adalbert von Prag die zentrale Figur der christlichen Mission in allen drei L�ndern. Dieser F�rstensohn hatte schon bei den Ungarn missioniert, wurde 982 Bischof in Prag und sollte ab 996 auf Bitten des polnischen Herzogs Boleslaw bei den Pruzzen im Norden des Landes das Evangelium verbreiten. Boleslaw und sein Vater Miesko hatten in der Zeit der ersten Ottonen das erste polnische Herrschaftsgebilde geschaffen, Polen war durch Miesko seit 966 katholisch; die Herz�ge strebten nach Anerkennung durch das Reich. Seit gemeinsamen Tagen in Rom waren der heilige Adalbert und der junge deutsche Kaiser Otto III. enge Freunde. Nachdem Adalbert bei seiner Pruzzen-Mission erschlagen worden war, pilgerte Otto im Jahr 1000 ins polnische Gnesen und betete barfu� und in Tr�nen aufgel�st am Grab seines erschlagenen Freundes. Er erhob Boleslaw zum K�nig, Gnesen wurde das erste Erzbistum Polens. Der Erzbischof ist bis heute Primas von Polen.</p><p>Im gleichen Jahr 1000 wurde auch Ungarn ein christliches K�nigreich. Keine 50 Jahre nach der Schlacht auf dem Lechfeld lie� sich der bereits christlich erzogene Arpadenf�rst Stephan (Istvan) von Adalbert von Prag katholisch taufen und erhielt daf�r im Einverst�ndnis mit Kaiser Otto III., dem Enkel des Lechfeld-Siegers, von Papst Silvester II. die K�nigskrone (Stephanskrone). Papst Silvester, einer der gelehrtesten M�nner seiner Zeit, war, wie der heilige Adalbert, ein Ratgeber und enger Freund Kaiser Ottos.</p><p>Stephan hatte zuvor die Herzogstochter Gisela aus der Familie der Liudolfinger geheiratet, also eine Verwandte Ottos III. Gisela, eine vom heiligen Wolfgang, Bischof von Regensburg, ausgebildete F�rstin, setzte sich tatkr�ftig f�r die Christianisierung Ungarns ein � trotz einiger R�ckschl�ge. Die Ottonen betrieben also eine sehr auf Ausgleich bedachte Politik, und die jungen Dynastien in Ungarn, B�hmen und Polen strebten ihrerseits nach Anerkennung durch das m�chtige Reich. So traten diese V�lker um 1000 in den Kreis der lateinischen Christenheit und orientierten sich nach Westen � eine Art hochmittelalterliche Osterweiterung Europas.</p><p>�brigens sind die Kronen nicht die damaligen Originale. Das urspr�nglich von Papst Silvester an Stephan �bersandte Diadem ging 1074 verloren. Das heute ber�hmte Exemplar mit dem schr�gen Kreuz war urspr�nglich eine byzantinische Frauenkrone, die im Hochmittelalter in mehreren Etappen umgearbeitet wurde. Sie wurde von 1555 bis 1918 immer von einem Habsburger getragen.</p><p>Die Wenzelskrone wurde erst 1347 im Auftrag von Kaiser Karl IV. f�r dessen Kr�nung geschaffen. Karl residierte in Prag. B�hmen wurde in staufischer Zeit ein erbliches K�nigtum im Heiligen R�mischen Reich. Das Land war wegen seines Reichtums und seiner kulturellen Ausstrahlung sozusagen das Juwel in der deutschen Kaiserkrone, der K�nig von B�hmen ebenfalls sp�testens seit der Zeit Karls IV. der vornehmste unter den weltlichen Kurf�rsten. Seit 1526 trugen die Habsburger auch die Wenzelskrone, bis 1918.</p><p><emphasis>987</emphasis></p><p>DIE KAPETINGER IN FRANKREICH�����hnlich wie im Ostfrankenreich (nunmehr Deutschland) kam es 987 im Westfrankenreich (nunmehr Frankreich) zu einem Dynastiewechsel. Bis dahin hatten hier ebenfalls Nachfahren Karls des Gro�en regiert. Nun griff Hugo Capet nach der Macht, indem er den vorletzten Karolinger ermordete und dessen Sohn, den letzten Karolinger, beerbte, als dieser kurz darauf in jungen Jahren starb. Seinen Beinamen <emphasis>Capet</emphasis> verdankte er seinem Amt als Laienabt des Klosters des heiligen Martin in Tours, des wichtigsten franz�sischen Nationalheiligtums. Dort wird der halbe Kapuzenmantel (<emphasis>capet</emphasis>) aufbewahrt, den der Heilige Martin mit dem Bettler teilte. <emphasis>S</emphasis>eit Hugo waren alle franz�sischen K�nige Kapetinger, bis zum letzten K�nig Ludwig, dem der Kopf w�hrend der Franz�sischen Revolution mit der Guillotine abgetrennt wurde.</p><p><emphasis>1066</emphasis></p><p>DIE SCHLACHT BEI HASTINGS����Seit der Eroberung des Klosters Lindisfarne durch die Wikinger war die ohnehin nur aus kleinen K�nigreichen bestehende britische Insel ein Schlachtfeld. Erst mit dem angels�chsischen K�nig von Wessex, Alfred dem Gro�en, kehrte eine gewisse Ruhe ein. Alfred eroberte 886 London und machte es zum Zentrum des englischen K�nigreiches. Der letzte Angelsachse auf dem englischen Thron war Eduard der Bekenner von 1042 bis 1066. Durch seine Mutter war er ein halber Normanne, und dieser Umstand bestimmte den weiteren Verlauf der Geschichte Britanniens.</p><p>Als Eduard im Januar 1066 kinderlos starb, gab es mehrere Anw�rter auf den englischen Thron, darunter der Normannenherzog Wilhelm in der Normandie. Er sammelte Rittertruppen aus ganz Frankreich und setzte mit einer Flotte �ber. Bei Hastings kam es zur letzten entscheidenden Schlacht zwischen ihm und seinem einzig noch verbliebenen Gegner, dem angels�chsischen K�nig Harald. Am Weihnachtstag wurde �Wilhelm der Eroberer� in Westminster Abbey gekr�nt, wie nach ihm alle englischen K�nige. William befahl den Bau des Tower of London � um seine Normannen vor den Londonern und diese wiederum vor den Normannen zu sch�tzen. Verewigt ist die Schlacht bei Hastings auf dem fast 70 Meter langen bestickten Teppich von Bayeux.</p><p><emphasis>1060/1130</emphasis></p><p>SIZILIEN����Auch in Unteritalien und Sizilien bildeten die Normannen eigene Reiche, 1060 formal als p�pstliche Lehen. Der sizilische Herrscher Roger II. vereinigte die verschiedenen normannischen Staaten und wurde 1130 K�nig. Sein Enkel, der Stauferkaiser Friedrich II., sollte sehr viel sp�ter das sizilische K�nigreich erben.</p><p><emphasis>1035</emphasis></p><p>SPANISCHE K�NIGREICHE����Im Spannungsfeld zwischen C�rdoba und dem Karolingerreich existierte ab 826 das K�nigreich Navarra mit der Hauptstadt Pamplona. K�nig Sancho III. von Navarra vereinte um das Jahr 1000 Navarra mit den �brigen christlichen K�nigreichen auf der iberischen Halbinsel. Nach seinem Tod 1035 entstanden aus dessen Erbe Navarra, Kastilien und Arag�n. Sie gewannen allm�hlich die Kraft zur Reconquista, deren Beginn den Kreuzz�gen zeitlich etwas vorausgeht.</p></section><section><subtitle>BYZANZ UNTER DER DYNASTIE DER�MAKEDONEN</subtitle><p>Einige Zeit nach den Wirren des Bildersturms war in Byzanz Kaiser Michael III. der letzte Kaiser der sogenannten phrygischen Dynastie. Michael war es, der die Slawenapostel Kyrill und Method um 860 mit ihrer Mission beauftragt hatte. Michael III. wurde von seinem fr�heren Stallknecht, dem Makedonen Basileios 867 ermordet. Mit diesem Basileios I. �bernahm eine neue Dynastie die Herrschaft in Byzanz. Die Makedonen-Herrscher f�hrten das Reich zu hoher Bl�te.</p><p><emphasis>976�1025</emphasis></p><p>DER BULGARENT�TER����Kaiser Basileos II. (976�1025) war der bedeutendste Feldherr auf dem byzantinischen Kaiserthron. �ber das Hauptziel seiner au�enpolitischen Aktivit�ten sagt sein Beiname alles. Basileos ging f�nfzehn Jahre lang Jahr f�r Jahr mit seinen Soldaten ins Feld gegen die Bulgaren, die sich in einem Partisanenkrieg in den Bergen nicht so einfach wie in einer offenen Schlacht besiegen lie�en. Mithilfe von S�ldnertruppen gelang es Basileos erfolgreicher gegen die Bulgaren vorzugehen und sie in einer Einkesselungsschlacht 1014 zu besiegen. Angeblich lie� er 14000 Gefangene blenden, nur jeder Hundertste behielt ein Auge, damit er eine Hunderter-Gruppe heimf�hren konnte. Beim Anblick seiner r�ckkehrenden Soldaten soll den bulgarischen Zar der Schlag getroffen haben. Basileos dehnte durch diesen Sieg das Territorium von Byzanz im Nordwesten noch einmal erheblich aus. Es sollte die letzte Expansion des byzantinischen Reiches sein. Auch im Osten war die Grenze im syrisch-pal�stinensischen Raum gesichert, sodass Byzanz wieder eine Ausdehnung wie unter Kaiser Heraklios hatte. Wegen dieser milit�rischen Erfolge und seiner Rolle als Geburtshelfer Russlands, das so viel von der byzantinischen Kultur �bernahm, gilt der Bulgarent�ter als einer der bedeutendsten Herrscher Ostroms.</p><p><emphasis>ca. 1000�1050</emphasis></p><p>MAKEDONISCHE RENAISSANCE����Das mittelalterliche Byzantinische Reich erlebte nach der Vernichtung des Bulgarenreiches unter Kaiser Basileios II (976�1025) den H�hepunkt seiner Macht. Das s�chsische Kaiserhaus der Ottonen und das byzantinische Kaiserhaus waren dynastisch miteinander verbunden, denn Otto II. hatte eine byzantinische Prinzessin geheiratet: Theophanu war nach dem fr�hen Tod ihres Gatten eine kraftvolle Regentin f�r ihren unm�ndigen Sohn Otto III. Eine noch st�rkere Verbindung bestand zu den Kiewer Rus. Byzanz hat die russische Kultur bis heute deutlich sichtbar gepr�gt.</p><p>Als M�zene der �Makedonischen Renaissance� standen das Kaiserhaus und der Hof im Kulturleben von Byzanz an vorderster Stelle. Lehrst�hle wurden neu besetzt und die Professoren besser besoldet, Stipendien vergeben. Das vorhandene Wissen enzyklop�disch zu erfassen und dabei neu zu bearbeiten, war eine der wesentlichen Aufgaben. Darstellungen mit mythologischen Szenen aus der Antike, etwa die Entf�hrung der Europa oder von Nymphen- und Nereidenreigen, waren wieder sehr beliebt und wurden gemalt oder in Elfenbein geschnitzt. Die Bew�ltigung technisch-gestalterischer Probleme wie die Darstellung von bildhaften Szenen in Gew�lbemosaiken musste � nach Bilderstreit und Bilderverbot � erst neu gelernt werden.</p></section><section><subtitle>ANKUNFT DER T�RKEN</subtitle><p>Etwa zur Zeit der Kaiserkr�nung Ottos I. eroberten die Ogusen unter der F�hrung der F�rsten-Dynastie der Seldschuken die alte Seidenstra�enmetropole Buchara, s�d�stlich des Aralsees, damals am Rand der persischen Zivilisation gelegen. Die Ogusen waren ein Stammesverband von Turkv�lkern aus der kasachischen Steppe, Seldschuk war um das Jahr 1000 der H�uptling eines ogusischen Stammes.</p><p><emphasis>um 1000</emphasis></p><p>SELDSCHUKEN����Ebenfalls um 1000 traten Seldschuk und seine Krieger zum Islam �ber. Sie l�sten sich aus dem Stammesverband und drangen von Buchara aus schnell nach S�den und Westen vor. Seit der Eroberung der nordpersischen Provinz Chorasan 1034 und Bagdads 1055 beherrschten die Seldschuken die gesamte persisch-arabische islamische Welt. W�ren die Seldschuken nicht aufgetaucht, w�re die islamische Welt in Kleinstaaterei zerfallen und der Islam h�tte niemals die Rolle gespielt, die er damals (die Kreuzz�ge standen unmittelbar bevor) und bis heute einnimmt.</p><p>SULTAN I����Der formal weiter amtierende abbasidische Kalif in Bagdad �bertrug dem Enkel Seldschuks den Sultanstitel. Die Seldschuken z�hlten zu den Ersten, die diesen Titel trugen. Das arabische Wort bedeutet �Herrscher� und die Seldschuken fassten die vom Zerfall bedrohte islamische Zivilisation wieder unter einer einheitlichen politischen F�hrung zusammen.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Sultane und Sultanate gab es im Verlauf der Geschichte der islamischen Reiche von Afrika �ber den Nahen und Mittleren Osten bis hin nach Indien und Indonesien sehr viele. Heute tragen noch zwei Souver�ne diesen Titel: der Sultan von Brunei und der Sultan von Oman.</p><p>Nach der Eroberung Bagdads dehnten die Seldschuken ihren Machtbereich bis nach Armenien aus und wurden so stark, dass sich Byzanz vom zweiten Seldschuken-Sultan Alp Arslan, einem Neffen des ersten, bedroht f�hlte. Kaiser Romanos zog den T�rken entgegen und nach einigen Vorgepl�nkeln kam es zur</p><p><emphasis>1071</emphasis></p><p>SCHLACHT BEI MANTZIKERT����Der Sieg der T�rken unter Alp Arslan am 26.�August 1071 war vollkommen. Kaiser Romanos IV. geriet in Gefangenschaft, der Weg zur sehr schnellen t�rkischen Besiedlung Anatoliens war geebnet. Tausend Jahre lang war das griechisch gepr�gte Kleinasien Teil des R�mischen beziehungsweise Ostr�mischen Reiches gewesen. Nach Mantzikert konnte Byzanz nur noch kleinasiatische K�stenregionen an der �g�is halten. Anatolien ging f�r immer verloren. Es war eine weltgeschichtliche Wende, denn ohne diesen seldschukischen Sieg bei Mantzikert g�be es keine T�rken in der T�rkei und auch keine osmanische Eroberung von Konstantinopel 400 Jahre sp�ter. Byzanz �berdauerte diese Zeitspanne noch bis zum Ende seines Daseins.</p><p>Nach seiner Freilassung gegen L�segeld wurde Romanos von der gegnerischen Dukas-Familie gefangen genommen und mit gl�hendem Eisen geblendet. Wenige Tage sp�ter starb er an den Verletzungen.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Alp Arslan starb im Jahr darauf, sein Sohn Malik Schah vollendete die Eroberung Anatoliens und erweiterte den seldschukischen Machtbereich um Syrien und Pal�stina. Er regierte seit 1072, bis ihn seine Ehefrau 1092 vergiftete. Nun zerfiel die Seldschuken-Herrschaft in untereinander zerstrittene Nachfolgereiche. Das war ein Hauptgrund f�r den Erfolg des Ersten Kreuzzugs. Im Jahre 1300 begann dann von t�rkisch-anatolischem Boden aus der Aufstieg des kleinen F�rstentums Osman zum Weltreich. Auch die moderne T�rkei ist ethnisch, sprachlich und kulturell Erbe der urspr�nglich seldschukisch regierten Ogusen.</p></section><section><subtitle>PAPST UND KAISER</subtitle><p>Die Cluniazensische Reform war das gro�e abendl�ndische Projekt um die Jahrtausendwende. Von Cluny, der gr��ten Kirche der Christenheit im Mittelalter, ist nichts geblieben, was man heute noch besichtigen k�nnte. W�hrend der Franz�sischen Revolution wurde die um 1090 im romanischen Stil erbaute Kirche gesprengt und wie ein Steinbruch f�r den Bau eines Pferdegest�ts abgetragen. Im Mittelalter aber war Cluny eine geistige und wirtschaftliche Gro�macht, ein effizient verwaltetes M�nchsimperium.</p><p><emphasis>ab 910</emphasis></p><p>CLUNIAZENSISCHE REFORM����Das Benediktinerkloster war 910 in Burgund gegr�ndet worden, 100 Jahre nach dem Tod Karls des Gro�en und einige Jahrzehnte bevor in Frankreich die Kapetinger und in Deutschland die Ottonen die Throne bestiegen. Trotz aller kulturellen Bl�te mit ihrer kl�sterlichen Gelehrsamkeit und herrlichen Buchmalereien aus den Schreibstuben der Benediktiner war die sp�te Karolingerzeit eine Verfallszeit. Kl�ster und Pfarreien waren k�uflich, die Geistlichen zu den sprichw�rtlichen �Pfaffen� herabgesunken. Cluny trat nun an, eine Bresche f�r eine Reform zu schlagen und zum strengen Klosterleben gem�� dem benediktinischen <emphasis>Ora et labora </emphasis>zur�ckzufinden.</p><p>Sein Stifter Herzog Wilhelm III. von Aquitanien machte das Kloster unabh�ngig von jeglichen weltlichen Einfl�ssen; Cluny wurde direkt dem Papst unterstellt und stieg zur geistlichen Weltmacht Europas auf.</p><p>Cluny gr�ndete unz�hlige Tochterkl�ster, andere schlossen sich der Reformbewegung an. Schlie�lich geh�rten 1000 Kl�ster mit �ber 20000 M�nchen zum Imperium. Cluny unterst�tzte die Kreuzz�ge und die spanische Reconquista sowie die Anspr�che von Wilhelm dem Eroberer auf den englischen Thron. Man war hervorragend organisiert und vernetzt; die auf Reform und Steigerung ihrer Macht gegen�ber den weltlichen Herren gesinnten P�pste holten sich Fachleute aus Cluny.</p><p>Cluny setzte auch Herrschern neue Ziele, indem es Befriedung, Schutz der Armen, allgemeine Wohlfahrt und die Verbreitung des Evangeliums propagierte. Im Bereich des Klosterlebens intensivierte Cluny die Fr�mmigkeit der M�nche durch ausgiebige Psalmengebete, lange Gottesdienste und neue, besonders feierliche liturgische Formen wie prachtvolle Prozessionen, Chorumg�nge, liturgische Ges�nge. Auf diesen Grundlagen konnte die Kirche im nunmehr beginnenden Hochmittelalter ihre bedeutende Stellung in Europa festigen und ausbauen. Nur zehn Kilometer entfernt von Cluny liegt heute das Zentrum des �kumenischen M�nnerordens von Taiz�.</p><p>Z�LIBAT����Priesterkonkubinen und -bastarde waren weder in der Bibel verboten worden noch Gegenstand der kirchlichen Dogmatik. Im orthodoxen Bereich ist die Priesterehe allt�glich. Doch nun besch�digten Ausw�chse das Ansehen der Kirche. Verheiratete Kleriker vergriffen sich an Kircheng�tern und vererbten diese an ihre Kinder weiter<emphasis>. </emphasis>Das alles war den strengen cluniazensischen Klerikern ein Dorn im Auge. Die Kirchendiener sollten sich dem Z�libat unterwerfen, rein und unbefleckt vor den Altar treten.</p><p><emphasis>1046</emphasis></p><p>SYNODE VON SUTRI����Um 1045 war das cluniazensische Denken aber noch nicht bis nach Rom vorgedrungen. Seit 15 Jahren war Papst Benedikt IX. im Amt, ein bei seiner Wahl minderj�hriger r�mischer Adelsspross, der wegen seines ausschweifenden Lebenswandels und seiner Gewaltt�tigkeit selbst bei den R�mern verhasst war. Deswegen wurde 1045 mit Silvester III. das Mitglied einer konkurrierenden Adelsfamilie auf den Stuhl Petri gesetzt, gleichzeitig verkaufte Benedikt sein Amt an einen gewissen Pierleoni (Preis: 1000 Pfund Silber), der als Gregor VI. zu amtieren versuchte. Derartige Possen besch�digten das Ansehen des Papsttums zutiefst. Seit karolingischer Zeit war der Papstthron in dieser oder �hnlicher Weise ein Spielball italienischer Feudalherren.</p><p>Herbeigerufen wurde der deutsche K�nig, um dem Spuk ein Ende zu bereiten, und er erschien in der Person des Saliers Heinrichs III. Dieser setzte auf einem Konzil im mittelitalienischen Sutri die drei Pr�tendenten ab. Neuer Papst wurde f�r knapp zwei Jahre der Deutsche Suitger von Bamberg als Clemens II. Er kr�nte sogleich Heinrich III. und dessen Gemahlin Agnes zu Kaiser und Kaiserin. Agnes von Poitou stammte aus der Familie des Cluny-Gr�nders Wilhelm. Das Kaiserpaar war streng religi�s im Sinne der Reform. Auch die drei unmittelbaren Nachfolger Clemens� auf dem Papstthron waren Deutsche, die den cluniazensischen Reformgeist in Rom umsetzten. Der bedeutendste unter ihnen war der els�ssische Adelssohn Bruno von Egisheim, ein Verwandter des salischen Kaiserhauses. Als Leo IX. regierte er von 1049 bis 1054. Er war derjenige, der die Orthodoxen exkommunizierte, und das f�hrte zum</p><p><emphasis>1054</emphasis></p><p>SCHISMA����1054 �spaltete� sich die bis dahin noch einheitliche Christenheit auf. Die Westkirche (in Rom) und die Ostkirche (in Konstantinopel) �trennten� sich (griechisch <emphasis>schize�n</emphasis>). Das war das sogenannte �Morgenl�ndische Schisma� � der H�hepunkt eines jahrhundertelangen Prozesses, in dessen Verlauf sich die (lateinisch sprechende, abendl�ndische) Westkirche und die (griechisch sprechende, morgenl�ndische) Ostkirche immer weiter entfremdet hatten.</p><p>Der Anlass war vergleichsweise banal. Wegen einer eher tagespolitischen Streitfrage um theologische Gepflogenheiten im neuerdings von den Normannen eroberten, ehemals byzantinischen Unteritalien wurde eine p�pstliche Gesandtschaft nach Konstantinopel geschickt. In einem Anfall von Zorn legte der hitzige Kardinal Humbert, der die Verhandlungen provozierend f�hrte, auf dem Altar der Hagia Sophia eine vom Papst unterzeichnete Urkunde nieder, in der dieser den Patriarchen exkommunizierte. Der Patriarch exkommunizierte seinerseits den Kardinal, der von der Bev�lkerung beinahe gelyncht worden w�re. Damit war der Bruch zwischen Rom und Byzanz vollzogen.</p><p><emphasis>1059</emphasis></p><p>PAPSTWAHL����Erst durch die von Cluny angesto�ene Reform wird die Wahl des Papstes durch die Kardin�le eingef�hrt. Bis dahin war das eher eine Angelegenheit des r�mischen Stadtadels. Formell ausschlaggebend war ein Dekret von Papst Nikolaus II. (1058�1061) im Zusammenhang mit dem Dritten Laterankonzil von 1059. Das Konzil �bertrug die Prinzipien der Cluniazensischen Reform auf die Kirche insgesamt: Verbot der Laieninvestitur, Einf�hrung des Z�libats f�r alle Priester und eben der Beschluss zur Papstwahl durch die Kardin�le.</p><p><emphasis>1075</emphasis></p><p>INVESTITURSTREIT����Im Mittelalter gab es keine Trennung von Kirche und Staat wie in der Moderne. Im Gegenteil � geistliche und weltliche Herrschaft waren machtpolitisch und institutionell aufs Engste miteinander verzahnt. Die Besetzung geistlicher �mter wie Bisch�fe und �bte war als Machtfaktor f�r die K�nige von allergr��tem Interesse, weil diese wieder an die Krone zur�ckfielen, da sie nicht vererbbar waren. Die Reichsbisch�fe und Reichs�bte waren ihrerseits bedeutende weltliche Herren mit oftmals gro�em Besitz und Rechtsprechungsbefugnissen. Es kam zu Missbr�uchen durch Kauf, Tausch, Vererbung von Kirchen�mtern: zur Simonie. Deren Bek�mpfung stand ganz oben auf der Agenda der cluniazensischen Reform. Die sch�rfste Kampfansage formulierte Papst Gregor VII. 1075 in seinem <emphasis>Dictatus Papae</emphasis>.</p><p>Der toskanische Adlige und ehemalige M�nch Hildebrand Aldobrandeschi, der sich von 1073 bis 1085 Papst Gregor VII. nannte, ist die Symbolfigur f�r den unbeugsamen Machtwillen der P�pste im Hochmittelalter. Er war ein gl�hender Anh�nger der cluniazensischen Reform. Das ber�hmte Dokument besteht aus einem einzigen Blatt Papier mit genau 27 S�tzen, die in aller Deutlichkeit den universalen Herrschaftsanspruch des Papstes zum Ausdruck bringen: �Dass alle F�rsten nur des Papstes F��e k�ssen�, dass nur er Bisch�fe und �bte einsetzen darf, dass es nur ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen, dass nur er exkommunizieren darf, dass nur er kanonisches Recht setzt, dass er unfehlbar ist. Jeder europ�ische F�rst musste dies als Kampfansage an seine herrscherlichen Rechte verstehen.</p><p>Anl�sslich der Neubesetzung des Erzbischofssitzes von Mailand entbrannte 1075 dann ein Streit zwischen dem deutschen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor. Heinrich hatte f�r den Mail�nder Stuhl einen anderen Kandidaten als der Papst. Beide wurden eingesetzt: Erzbischof und Gegenerzbischof.</p><p>Von einem Reichstag in Worms sandte Heinrich IV. einen Brief an Gregor, in dem er ihn �nicht mehr Papst, sondern falscher M�nch� nannte und im Befehlston aufforderte: �Verlasse den apostolischen Stuhl!� �Steige herab, steige herab!�</p><p>Umgehend setzte Gregor seinerseits den Kaiser ab, belegte ihn mit dem Kirchenbann und exkommunizierte ihn. Die deutschen F�rsten gerieten ins Wanken und drohten Heinrich ebenfalls, ihn abzusetzen, falls er sich nicht mit dem Papst auss�hnte. Diesem blieb nichts anderes �brig, als den ber�hmt gewordenen Gang nach Canossa anzutreten.</p><p><emphasis>1076</emphasis></p><p>CANOSSA����war eine der Stammburgen der Markgr�fin Mathilde von Toskana, die eine wichtige Vermittlerrolle bei der Auss�hnung zwischen Kaiser und Papst spielte. Mathilde hatte Gregor auf ihre Burg eingeladen, um dort den Kaiser zu erwarten. Sie war eine hochgebildete, einflussreiche F�rstin, die �ber gro�e Teile der Toskana und bis hinauf in die Po-Ebene herrschte. Canossa befindet sich am Nordrand des Appenin, unweit von Parma. Als Markgr�fin der Toskana war die papsttreue Mathilde allerdings auch Reichsf�rstin. Ebenfalls anwesend war der Abt von Cluny. Hugo war ein bedeutender Vollstrecker der cluniazensischen Reformen, denen auch Papst Gregor so gl�hend anhing. Andererseits war Hugo Taufpate von Kaiser Heinrich und damit ebenfalls f�r die Vermittlung pr�destiniert.</p><p>Durch seinen Gang nach Canossa rettete Heinrich zwar seinen Thron im <emphasis>Regnum teutonicorum</emphasis>, wie der Papst zu sagen pflegte, verspielte aber durch die dem�tigenden Umst�nde das Ansehen des deutschen Kaisertums. Der Gang nach Canossa wurde in Italien, aber auch in anderen Teilen Europas als so etwas Ersch�tterndes angesehen wie in der Moderne die Schlacht von Waterloo oder in unserer Zeit der 11.�September 2001.</p><p>Der Investiturstreit schwelte weiter. Der inzwischen bei den R�mern verhasste Papst wurde gegen Ende seiner Amtszeit von Heinrich in der Engelsburg belagert. Nur mithilfe der Normannen konnte Gregor aus Rom entkommen. Erst Heinrichs Sohn und Nachfolger erzielte einen Kompromiss mit dem Papsttum, das Wormser Konkordat. Darin verzichtete Kaiser Heinrich V. 1122 auf die Investitur mit Ring und Stab. Der Papst gestand ihm nur das Recht zu, den erw�hlten Bischof oder Abt gesondert mit weltlichen Rechten zu belehnen. So blieb es im Prinzip bis zum Ende des Reiches 1806.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Im �brigen traf die Kirche rund 100 Jahre sp�ter �hnliche Regelungen mit den englischen und franz�sischen K�nigen, die ebenfalls auf die geistliche Investitur verzichteten. Ein gewaltiger Machtzuwachs f�r die katholische Kirche im Mittelalter. Allerdings holten sich Engl�nder und Franzosen nach 1500 ihr Recht wieder zur�ck: Heinrich VIII. 1534, indem er sich selbst zum Oberhaupt der Kirche in England machte, und Franz I., der 1516 im Konkordat von Bologna das Recht erhielt, die franz�sischen Kleriker selbst einzusetzen. Die P�pste und staufischen Kaiser rieben sich bis 1250 gegenseitig auf. Unterhalb dieser Machtebene vollzog sich in den aufstrebenden St�dten die Bildung eines sich immer mehr emanzipierenden, selbst verwaltenden B�rgertums, die erste Umwandlung Europas zur Moderne.</p></section><section><subtitle>M�NCHE UND RITTER</subtitle><p>In Europa breitete sich eine religi�se Unruhestimmung aus. Bu�prediger und die Armutsbewegung kamen auf, was in der Gr�ndung gro�er Bettelorden und asketischer Kl�ster und Orden kulminierte wie Grande Chartreuse (1084) oder Citeaux, dem Mutterkloster der Zisterzienser (1098). Die Reconquista, das Vorbild f�r die Kreuzz�ge, nahm an Fahrt auf, und nicht zuletzt die �Ketzerbewegungen�.</p><p><emphasis>seit ca. 930</emphasis></p><p>JAKOBSWEG����Das an einem �u�ersten Zipfel des s�dwestlichen Europa v�llig entlegene Santiago de Compostela entwickelte sich im Hochmittelalter als eine Art Ersatz-Jerusalem zur wichtigsten Pilgerst�tte der Christenheit nach Rom und Jerusalem. Jerusalem war durch die islamische und mittlerweile auch seldschukische Expansion nur noch schwer zug�nglich.</p><p>Schon bald nach 800, kurz nachdem die Araber Spanien erobert hatten, glaubte man, in Nordspanien den �wahren Jakob� gefunden zu haben. Der Leichnam des Apostels Jakobus, Oberhaupt der allerersten Jerusalemer Christengemeinde, sollte auf wundersame Weise in dem gebirgigen, nur schwer zug�nglichen christlichen R�ckzugsgebiet in einem Boot an der galizischen K�ste angeschwemmt worden sein.</p><p>Die Jakobspilgerschaft war mit Kl�stern, Herbergen, Hospit�lern und Kirchen bestens organisiert, die Pilgerwege durchzogen wie ein Spinnennetz ganz Europa. Auf dem Weg dorthin oder als Sammelpunkte entstanden bedeutende Wallfahrtszentren wie V�zelay in Frankreich. Eine Pilgerwanderschaft von K�ln nach Santiago dauerte bei einer Strecke von rund 1500 Kilometern mindestens zweieinhalb Monate. Wollte man an Ostern dort sein, musste man im Winter aufbrechen. Im Sp�tmittelalter kamen etwa eine halbe Million Menschen pro Jahr nach Santiago.</p><p><emphasis>1085</emphasis></p><p>RECONQUISTA I����Mit Reconquista ist Wiedereroberung gemeint, genauer gesagt, die R�ckeroberung des seit 711 von den Arabern (�Mauren�) gr��tenteils eroberten Spaniens durch die christlichen K�nigreiche von Norden her. 1085 wurde Toledo durch K�nig Alfons VI. von Leon und Kastilien erobert, ein bedeutender Zwischenschritt. Toledo war schon unmittelbar vor der maurischen Eroberung fast 200 Jahre lang Hauptstadt des christlichen Reiches der Westgoten gewesen. Alfons machte es umgehend wieder zu seiner Residenz. Durch die Eroberung Toledos erwarb sich Alfons den Beinamen �Spaniens Schild�.</p><p><emphasis>1095</emphasis></p><p>�GOTT WILL ES!�����Schon der �Canossa�-Papst Gregor VII. hatte 1074 einen Kriegszug zur Befreiung des Heiligen Grabes in Jerusalem geplant, war aber dann durch den Investiturstreit zu sehr in Anspruch genommen. Nun predigte Urban II., wie Gregor ein f�hrender Exponent der Cluny-Reform, den Kreuzzug. Ausl�ser war ein Hilferuf des byzantinischen Kaisers, der sich von den Seldschuken bedroht sah. Kaiser Alexios I. Komnenos machte sich Hoffnungen auf die R�ckeroberung des durch die Schlacht von Mantzikert 1071 verlorenen Kleinasiens/Anatoliens. Daf�r bat Byzanz um die Hilfe der �Franken�, wie in der Kreuzzugszeit alle abendl�ndischen Ritter pauschal genannt wurden.</p><p>Urban hielt seine Kreuzzugspredigt am 27.�November 1095 vor den Toren von Clermont-Ferrand. Alles war sorgf�ltig vorbereitet: Urban schilderte dramatisch die Leiden der Christen im von Muslimen besetzten Jerusalem und die Zerst�rung der Grabeskirche 1009. Wie verabredet, fiel der Bischof des benachbarten Le Puy auf die Knie und bat, ziehen zu d�rfen. An diesem Tag fiel auch schon die oft wiederholte Losung der Kreuzz�ge. Die Volksmassen reagierten fanatisiert: �<emphasis>Deus lo vult</emphasis>!� �<emphasis>Dieu le veut</emphasis>!� �Gott will es!�. Von nun an erfasste der Wille, �das Kreuz zu nehmen�, um Jerusalem zu befreien, 200 Jahre lang die europ�ische Ritterschaft bis hinauf zu Kaisern und K�nigen.</p><p>Mit dem von Papst und Kirche sorgf�ltig geplanten Kreuzzugsprojekt wurden viele politische Ziele gleichzeitig verfolgt. In Spanien ging es um die Eind�mmung der islamischen Expansion. Urban verfolgte den Plan einer Wiedervereinigung mit der Ostkirche in Konstantinopel. Aus r�mischer Sicht sollten die Kreuzz�ge das politisch zersplitterte Europa auf ein gro�es gemeinsames Ziel einschw�ren, nat�rlich unter der F�hrung des Papsttums. Nicht zuletzt gaben die Kreuzz�ge dem vagabundierenden europ�ischen Jungadel � die zweiten, dritten Ritters�hne, die nicht geerbt hatten und �berall die Gegend unsicher machten � eine sinnvolle Aufgabe.</p><p><emphasis>1098</emphasis></p><p>ZISTERZIENSER����Einigen strengen M�nchen war selbst die cluniazensische Reform zu ��ppig� geraten, denn auch Cluny war inzwischen nicht nur in geistlicher und politischer Hinsicht machtvoll, sondern auch sehr reich. Sie gr�ndeten 1098 in einer abgelegenen Gegend von Burgund in Citeaux ein neues Kloster, wo sie strikt nach der Ordensregel des heiligen Benedikt beten und arbeiten wollten. Von Citeaux ist der Ordensname �Zisterzienser� abgeleitet.</p><p>Europaweite Bedeutung erlangte die neue Fr�mmigkeit durch Bernhard von Clairvaux (1090�1153), der Citeaux im Jahre 1112 beitrat und zwei Jahre sp�ter erster Abt des Tochterklosters Clairvaux in der Champagne wurde. Clairvaux wurde der eigentliche Ausgangspunkt des Zisterzienserordens. Die M�nche duldeten beispielsweise in ihrer Architektur, f�r die es genaue Vorschriften gab, keinerlei �Verzierungen�.</p><p>Bernhard war eine der geistig und politisch einflussreichsten Pers�nlichkeiten seiner Zeit. Er predigte au�erordentlich erfolgreich den Zweiten Kreuzzug und f�rderte den Gedanken der christlichen Ritterschaft, der Ordensritter. Scharenweise nahm der Adel Frankreichs, Flanderns und aus dem Rheinland das Kreuz.</p><p>Auch f�r das eigentliche M�nchsleben im Kloster hatten die Zisterzienser enormen Zulauf, gerade aus dem Adel. Sie waren f�hrend bei der zivilisatorischen Erschlie�ung Europas, siedelten vorzugsweise in abgeschiedenen Gegenden und entwickelten ihre Kl�ster zu agrarischen und handwerklichen Musterbetrieben. Benediktinerkl�ster waren gro�e Wirtschaftseinheiten, aber erst recht die Zisterzienserkl�ster. Sie sind in ihrer �weltlichen� T�tigkeit fast schon Prototypen moderner Unternehmen, sogar mit �internationalen� Verbindungen. Bekannteste Beispiele in Deutschland sind das Kloster Eberbach im Rheingau (heute Staatsweingut des Landes Hessen) oder das Kloster Maulbronn.</p><p><emphasis>1099�1291</emphasis></p><p>KREUZFAHRERSTAATEN����Sehr zur �berraschung von Kaiser Alexios tauchten die Kreuzfahrer schon im Jahr nach der Predigt von Papst Urban unter der F�hrung etlicher westeurop�ischer Grafen 1096 vor Konstantinopel auf. Wegen innenpolitischer Probleme waren die Seldschuken nur bedingt abwehrbereit. Deshalb gelang den Kreuzfahrern 1099 tats�chlich die Eroberung von Jerusalem. Sie errichteten in der Levante vier Kreuzfahrerstaaten, darunter das �K�nigreich Jerusalem�.</p><p>Da die Kreuzfahrerstaaten ab 1144 durch �gypten in Bedr�ngnis gerieten, predigte insbesondere Bernhard von Clairvaux den Zweiten � erfolglosen � Kreuzzug.</p><p>Seit 1171 war der kurdischst�mmige Salah ad-Din oder Saladin (1138�1193) Sultan von �gypten und vereinigte es 1174 mit Syrien. Damit waren die Kreuzfahrerstaaten eingekreist. 1187 eroberte er nach 88 Jahren fr�nkisch-christlicher Herrschaft Jerusalem. Die Befreiung der Heiligen Stadt war damit wiederum das Hauptziel des Dritten Kreuzzugs (1189�1192), an dem unter anderem K�nig Philipp II. von Frankreich, Richard I. L�wenherz und Friedrich Barbarossa teilnahmen. Richard L�wenherz eroberte Akkon 1191 und schloss Frieden mit Saladin, der den christlichen Pilgern den Zugang nach Jerusalem sicherte. Aus der Bruderschaft deutscher Kreuzritter in Akkon ging 1198 der Deutsche Orden hervor. Saladin ist in Europa mehr noch als in der muslimischen Welt eine der ber�hmtesten und am meisten respektierten Gestalten der Geschichte. Sein �ritterliches� Verh�ltnis zu seinem Gegner Richard L�wenherz ist legend�r. Lessing machte ihn in Nathan der Weise zur Symbolfigur f�r tolerantes Denken.</p><p><emphasis>1204�1261</emphasis></p><p>LATEINISCHES KAISERREICH����Der Vierte Kreuzzug endete 1204 auf halber Strecke nach dem Zug �ber den Balkan mit der Eroberung von Konstantinopel durch die �Franken�. Zwar hatte Papst Innozenz III. den Krieg gegen Byzanz und die Belagerung der Hauptstadt zweimal ausdr�cklich verboten. Aber den Venezianern, Ausr�ster der Kreuzfahrer und wirtschaftliche Rivalen des griechisch-byzantinischen Kaiserreichs, gelang es geschickt, das Heer nach Konstantinopel umzulenken. Die byzantinische Kaiserstadt wurde grausam gepl�ndert, die Venezianer schafften die urspr�nglich aus Rom stammende Quadriga aus dem Hippodrom von Konstantinopel nach Venedig und platzierten sie �ber dem Hauptportal des Markusdoms. Balduin, Graf von Flandern (1172�1205), wurde erster Kaiser eines nunmehr, im Gegensatz zu den griechischen Byzantinern, so genannten �Lateinischen Kaiserreichs�.</p><p>Im Jahre 1261 eroberte Kaiser Michael VIII. Konstantinopel im Handstreich und mit der Unterst�tzung der Genueser zur�ck. Die neue Palaiologen-Dynastie war die letzte in Byzanz, das sich von dem Schlag der Franken nicht mehr erholte.</p><p><emphasis>1230�1250</emphasis></p><p>RECONQUISTA II����Ferdinand III. der Heilige (1199�1252), K�nig von Kastilien, vereinigte 1230 durch Erbanfall Kastilien und Leon. Dadurch legte er die Grundlage zum Aufstieg Kastiliens zur Vormacht in Spanien und zur n�chsten Phase der Reconquista: 1235 wurden den Arabern die Balearen abgenommen, 1236 C�rdoba, 1246 Ja�n, 1248 Valencia und Sevilla, 1250 C�diz. Seitdem hielt sich von der einstigen arabischen Herrschaft in Andalusien nur noch Granada.</p><p>Portugal hatte bereits 1248 die Algarve erobert, damit die Reconquista f�r sich abgeschlossen und damit auch als erster europ�ischer Staat seine bis heute g�ltigen Grenzen erreicht. Die Kreuzz�ge hatten Europa einen intensiven Kulturkontakt mit dem �Morgenland� gebracht, aber politisch nichts erreicht. In zivilisatorischer Hinsicht wie in seiner politischen Dynamik war der Orient dem damals noch geistig schwerf�lligen Okzident haushoch �berlegen. Genau das sollte sich durch die �Horizonterweiterung�, die die Kreuzz�ge den Abendl�ndern bescherte, allm�hlich �ndern. Fast genau 200 Jahre nach dem Fall von Akkon (1291) setzten Europ�er und eben nicht die Araber oder T�rken den Fu� in die Neue Welt (1492).</p><p><emphasis>um 1150</emphasis></p><p>DIE TANZENDEN DERWISCHE����Seit ihrem kriegerischen Aufbruch von der Arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert hatten sich den Arabern neue Horizonte erschlossen; sie hatten Reiche und Dynastien gegr�ndet und in der hochkultivierten Welt des Vorderen Orients eine ganz neue Stufe des Wohlstandes erreicht. Die religi�se Zucht pflegt unter solchen Umst�nden zu leiden. Wie im christlichen Bereich gab es daher auch in der islamischen Welt das Bed�rfnis frommer M�nner, sich aus dem weltlichen Treiben in die Askese zur�ckzuziehen.</p><p>Das gel�ufige und vereinfachende Bild der Sufi sind die �tanzenden Derwische�, die einen wesentlichen Zug des Sufismus verdeutlichen: Die unmittelbare Gotteserfahrung durch Ekstase, durch Musikh�ren, Fasten, litaneiartiges Beten, Einsamkeit, Schlafentzug oder den Wirbeltanz, war ihnen weit wichtiger als die rituelle Befolgung des Korans.</p><p>Der erste Sufi-Orden wurde um 1150 in Bagdad gegr�ndet. Seine Mitglieder trafen sich einmal w�chentlich. Sie waren verheiratet, geh�rten zu den Handwerkern und H�ndlern und waren weit entfernt vom intellektuellen Gelehrtentum der arabischen Wissenschaft des Mittelalters. �berhaupt nahmen die arabischen Volksmassen nie am intellektuellen Diskurs der Gelehrtenzirkel teil. Dementsprechend verbreitet waren und sind im muslimischen Kulturkreis Aberglaube, Wunderglaube und Heiligenverehrung, gerade bei den Sufi.</p><p><emphasis>um 1150</emphasis></p><p>DAS ELIXIER DER GL�CKSELIGKEIT����lautet der Titel eines Werkes des islamischen Theologen Al-Ghazzali (auch Algazel, 1058�1111). Er ist der Erneuerer des Islams und in der islamischen Welt so bekannt und bedeutsam wie Luther f�r Europa. Nach einer Zeit als Sufi entwickelte Al-Ghazzali in seinem Hauptwerk <emphasis>Die Wiederbelebung der Wissenschaften von der Religion</emphasis> aus der Verschmelzung mystischer Religionserfahrung und intellektueller Durchdringung der Lehren des Korans eine ethisch tiefgr�ndige Auffassung seiner Religion. Er vertrat eine strikte Korangl�ubigkeit im Sinne eines vollkommenen Gottvertrauens. Nat�rlich geh�ren die �Pfeiler des Islams� (Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten, Almosen, Mekka-Pilgerschaft) zum gottgef�lligen Leben.</p><p>Als Gro�wesir und Kanzler des Seldschuken-Sultans Alp Arslan, des Siegers von Mantzikert gegen Byzanz, stand der wie Al-Ghazzali aus dem nordostiranischen Tus stammende Nisam ul-Mulk (1018�1092) im Zentrum der seldschukischen Macht in Bagdad. Nizam wurde 1063 Wesir. Er war ein ausgesprochen umsichtiger Staatsmann. Die von ihm gegr�ndete Madrasa in Bagdad wurde binnen kurzer Zeit zu einer der bedeutendsten Hochschulen �berhaupt. Nisams <emphasis>Buch �ber die Staatskunst</emphasis> (<emphasis>Siyasat-name</emphasis>) hat einen Stellenwert wie <emphasis>Der F�rst</emphasis> von Macchiavelli. Nisam wurde von Assassinen ermordet, einer islamischen Sekte, die er in seiner Politik und seinem Buch bek�mpfte.</p></section><section><subtitle>EUROP�ISCHER MACHTKAMPF IM HOCHMITTELALTER � STAUFER, WELFEN, PLANTAGENETS</subtitle><p>Der Zeit der Salier in Deutschland entsprach in England in etwa die Zeit der normannischen K�nige. Knapp 100 Jahre hatten die S�hne und Enkel Wilhelms des Eroberers geherrscht. Fast gleichzeitig mit dem Beginn der Staufer bekam auch England mit Heinrich II. 1154 nicht nur einen neuen K�nig, sondern eine neue Dynastie. Die Tochter des letzten Normannenk�nigs hatte 1128 in zweiter Ehe den Grafen von Anjou geheiratet; und Mathilde gelang es, die Thronfolge f�r ihren Sohn Heinrich aus dieser Ehe zu sichern. Der Graf von Anjou pflegte einen Ginsterzweig (lateinisch <emphasis>planta genista</emphasis>, englisch <emphasis>plantagenet</emphasis>) als Helmzier zu tragen. Die Plantagenets waren �die� englische K�nigsdynastie des Mittelalters.</p><p>In seiner Jugend war Heinrich nicht nur englischer Thronanw�rter, sondern auch Herzog der Normandie in Frankreich. Kurz vor seiner englischen Thronbesteigung heiratete er im zarten Alter von 19 Jahren seine wesentlich �ltere franz�sische Nachbarin Eleonore von Aquitanien. Diese ber�hmteste Frau des Mittelalters war die Erbin des reichen und kulturell strahlenden Troubadour-Herzogtums Aquitanien. Damit war Heinrich auch Herr �ber das heutige Westfrankreich, denn die Territorien Normandie, Anjou und Aquitanien geh�rten nun zusammen. Dieser englische Kronbesitz auf franz�sischem Boden, das �Angevinische Reich�, war der Zankapfel zwischen Frankreich und England � jetzt und im Hundertj�hrigen Krieg ab 1340.</p><p><emphasis>ab 1160</emphasis></p><p>STAUFER UND WELFEN����Unter der Herrschaft der Staufer traten die deutschen Kaiser in Italien wieder st�rker in Erscheinung: Friedrich Barbarossa regierte fast 40 Jahre von 1152 bis 1190 und versuchte in z�hem Kampf gegen die selbstbewussten St�dte der Lombardei, die alten Reichsrechte wieder durchzusetzen. Viele St�dte, die sich nicht f�gen wollten, schlossen sich zur Lombardischen Liga zusammen, allen voran Mailand, unterst�tzt von Papst Alexander III. Als Friedrich die Reichsrechte mit Waffengewalt durchsetzen wollte, versagte ihm sein m�chtigster Vasall, der Welfenherzog Heinrich der L�we, die Gefolgschaft. Staufer und Welfen war sich in alter Rivalit�t verbunden. Auf einem Reichstag in W�rzburg 1180 wurde die Reichsacht �ber Heinrich verh�ngt und seine beiden Herzogt�mer Sachsen und Bayern eingezogen. Damals wurden die Wittelsbacher Herz�ge in Bayern. Heinrich ging ins Exil zu seinen englischen Verwandten, denn seine Gattin Mathilde war eine Schwester von Richard L�wenherz und Tochter des englischen K�nigs Heinrich II. Die bittere Auseinandersetzung zwischen Staufern und Welfen �bertrug sich nach Italien. Siena, Pisa, Arezzo und Spoleto hielten stets zum Kaiser. Sie waren �Ghibellinen�, benannt nach der kleinen staufischen Stammburg Waiblingen. Bologna, Genua, Mantua geh�rten zur Partei der Welfen, italienisch: Guelfen. St�dte wie Mailand, Florenz und Verona wechselten ihre �Parteizugeh�rigkeit� mehrmals. Auch die P�pste waren meist �Guelfen�, sprich: Anti-Kaiser.</p><p><emphasis>ab 1190</emphasis></p><p>STAUFISCH-WELFISCHE THRONWIRREN����Barbarossa ertrank 1190 auf dem Zweiten Kreuzzug in Kleinasien im Alter von 65 Jahren in dem Fluss Saleph. Sein Sohn Heinrich VI. verstarb fr�h 1197, im Alter von 33 Jahren. Nun w�hlten im Reich zwei Fraktionen unter den F�rsten zwei deutsche K�nige: Die einen entschieden sich f�r den Staufer Philipp, den Bruder Heinrichs VI. Der eigentliche staufische Thronfolger, Heinrichs Sohn, der sp�tere Kaiser Friedrich II., war erst vier Jahre alt. Die anderen w�hlten Otto, den Sohn des Welfen-Herzogs Heinrichs des L�wen. Das war der H�hepunkt der staufisch-welfischen Feindschaft und eine Art Teilung in Deutschland. Fast zehn Jahre lang konnte sich keiner von beiden gegen den anderen durchsetzen, dann wurde der Staufer Philipp 1208 in Bamberg ermordet und Otto im Jahr darauf zwar zum Kaiser gekr�nt. Doch als er mit der Eroberung von Unteritalien und Sizilien begann, w�hlten deutsche F�rsten auf Betreiben des Papstes 1211 den f�nfzehnj�hrigen, soeben vollj�hrig gewordenen Friedrich zum Kaiser. Die Verwirrung war komplett.</p><p>Otto war w�hrend des Exils seines Vaters in der Normandie geboren worden und am englischen Hof aufgewachsen. Richard L�wenherz und Johann Ohneland waren Ottos Jugendfreunde und nur wenig �ltere Onkel. In der nun unmittelbar bevorstehenden europ�ischen Auseinandersetzung standen die Welfen auf der Seite der Engl�nder.</p><p><emphasis>1214</emphasis></p><p>DER SONNTAG VON BOUVINES����Der franz�sische K�nig Philipp II. wollte das Angevinische Reich zerschlagen, aber das gelang ihm nicht, solange Richard L�wenherz K�nig von England und Herr in seinen L�ndern in Westfrankreich war. Nach Richards fr�hem Tod 1199 im Alter von 41 Jahren �bernahm dessen schw�cherer Bruder Johann den englischen Thron und das Angevinische Reich. Philipp hatte schon die Normandie besetzt, der aquitanische Adel wechselte auf die franz�sische Seite.</p><p>Im Sommer 1214 hielt sich Johann in seinen franz�sischen Kronl�ndern auf, um Verb�ndete gegen Philipp II. zu sammeln. Er finanzierte nicht nur seine eigenen englischen Truppen, sondern auch flandrische Grafen, die sich Unabh�ngigkeit von Frankreich erhofften, und den deutschen Kaiser Otto, seinen Neffen und Freund aus Kindertagen. Ottos Herrschaft in Deutschland war angez�hlt, er selbst exkommuniziert, weil er in Italien Papst Innozenz III. in die Quere gekommen war. Der junge Stauferkaiser Friedrich II. zog erstmals triumphal durch Deutschland. Friedrich hielt in alter staufischer Tradition zum Kapetinger Philipp.</p><p>An der Ritterschlacht bei dem flandrischen �rtchen Bouvines am 27.�Juli 1214, einem Sonntag, nahm Johann nicht selbst teil. Kaiser Otto IV. f�hrte Johanns Koalitionstruppen. Er wurde von Philipps Reitern so hart bedr�ngt, dass ihm schlie�lich nichts anderes �brig blieb, als den R�ckzug anzutreten oder zu fliehen � je nach Interpretationsstandpunkt. Nach Anzahl der Gefallenen, Gefl�chteten und Gefangenen war die Niederlage Ottos und Johanns vollst�ndig. Philipp sandte die auf dem Feld zur�ckgebliebene Standarte des Reiches an Friedrich.</p><p>Der Ausgang der Schlacht stellte die Weichen f�r Jahrhunderte europ�ischer Geschichte: Die Staufer behaupteten sich im Reich gegen die Welfen, da Otto nun seinen letzten R�ckhalt verlor. Der Thronfolgestreit war damit entschieden. Die deutschen F�rsten best�tigten Friedrich, der ihnen allerdings erhebliche Zugest�ndnisse machen musste. Damit war im Reich der Grundstein zur Ausbildung relativ selbstst�ndiger F�rstent�mer gelegt. Deutschland wurde fortan nie mehr zentral regiert (bis 1871 nat�rlich).</p><p>Fast der ganze Westen Frankreichs fiel an die franz�sische Krone, und Frankreich wurde zur Vormacht in Europa. Genau im Gegensatz zu Deutschland entwickelte sich hier ein starkes dynastisches Zentrum mit der einen Hauptstadt Paris. Philipp wurde zum bedeutendsten franz�sischen Herrscher des Hochmittelalters; der Sieg von Bouvines brachte ihm den Beinamen <emphasis>Augustus</emphasis> ein.</p><p>Johann musste Philipps Bedingungen zur vollst�ndigen R�ckgabe seiner L�nder akzeptieren und kehrte �ohne Land� nach England zur�ck. Auch das hatte erhebliche Folgen.</p><p><emphasis>1214/1215</emphasis></p><p>MAGNA CHARTA����Johann kehrte gedem�tigt nach England heim. Damit er sich dort auf dem Thron halten konnte, trotzten ihm die englischen Barone die <emphasis>Magna Charta libertatum </emphasis>ab (�Der gro�e Freiheitsbrief�).</p><p>In der in ganz Europa und der westlichen Welt als erste Freiheits- und Verfassungsurkunde betrachteten Magna Charta lie�en sich die englischen Adligen althergebrachte Lehensrechte best�tigen und gegen willk�rliche �bergriffe der Krone sichern. Sie betraf aber auch den Bauernschutz, Handelsfreiheiten mit ausw�rtigen Kaufleuten und ein Widerstandsrecht gegen unrechtm��ige Akte der Krone. Erst als Johann die Magna Charta am 15.�Juni 1215 unterschrieben hatte, erneuerten die Barone am 19.�Juni ihren Treueid. Noch die Verfassung der Vereinigten Staaten (1787) bezieht sich auf dieses Dokument.</p></section><section><subtitle>KIRCHE UND KETZER</subtitle><p>Im Jahr der Magna Charta hielt Papst Innozenz III. das Vierte Laterankonzil ab. Kurz zuvor waren im S�den Frankreichs die Katharerkriege entbrannt, angef�hrt von den franz�sischen K�nigen Philipp II. und seinem Sohn Ludwig VIII. als Kreuzzug gegen die �Ketzer�. Das war der gro�e Auftakt zur Ketzerverfolgung im Sp�tmittelalter.</p><p><emphasis>1215</emphasis></p><p>VIERTES LATERANKONZIL����Sitz des Papstes in Rom war seit der Antike und w�hrend des gesamten Mittelalters nicht der Vatikan, sondern die am Rande des antiken und erst recht des mittelalterlichen Roms gelegene Basilika S. Giovanni in Laterano, St. Johannes im Lateran, kurz �Lateran�.</p><p>Dort wurden mehrere Konzilien abgehalten, das bedeutendste war das vierte Laterankonzil 1215 unter Innozenz III. Viele seiner Beschl�sse haben heute noch Wirkung. Das Konzil war mit 1200 �bten und Bisch�fen stark besucht, und Innozenz III., gelernter Kirchenrechtler, war bestens vorbereitet. Siebzig Dekrete und Dogmen lagen fertig formuliert bereit zum Abnicken. Die Zahl der Sakramente wurde auf sieben festgelegt; die Heiligen- und Reliquienverehrung bedurfte jetzt der p�pstlichen Kanonisation; die Ehe wurde zum Sakrament erkl�rt. Vor allem aber gab es nun ein verbindlich formuliertes Glaubensbekenntnis � eine wichtige Voraussetzung zur Feststellung der Abtr�nnigkeit.</p><p><emphasis>1208�1229</emphasis></p><p>KATHARER����Der Katharerglaube war ein asketisches, ethisch strenges Christentum: Die Welt galt ihnen als �b�se�, weil vom Teufel beherrscht. Nur durch gutes Verhalten und Reinheit l�sst sich das Gottesreich gewinnen; griechisch <emphasis>katharos</emphasis> bedeutet �die Reinen�. Von �Katharer� ist das Wort �Ketzer� abgeleitet. Die Aufnahme in die katharische Kirche, die sich durch presbyterhafte Z�ge mit flachen Hierarchien auszeichnete, erfolgte durch Handauflegen, die sogenannte Geisttaufe. Bei ihnen verband sich eine als h�retisch angesehene Praxis erstmals mit einer Volksbewegung.</p><p>Der s�dfranz�sische Adel stand gegen K�nig Philipp und hinter den Katharern. Philipp und sein Sohn Ludwig VIII. f�hrten die Kriege mit gro�er Grausamkeit. In B�ziers wurde die Bev�lkerung 1209 massakriert. Mit der dramatischen Belagerung der letzten katharischen Bergfestung Monts�gur und der Ausrottung der Katharer war S�dfrankreich dann fest in franz�sischer Hand und die katharische Ketzerei f�r die Kirche beseitigt.</p><p><emphasis>ca. 1230</emphasis></p><p>INQUISITION����Nat�rlich waren von der Kirche erfahrene Prediger, vor allem aus dem Zisterzienserorden, zur Bekehrung der Abtr�nnigen entsandt worden. Unter ihnen auch der junge Dominikus, der Begr�nder des Dominikanerordens, in dessen H�nden von da an die Inquisition lag.</p><p>Ein Konzil in Toulouse regelte 1229 im Wesentlichen das Verfahren der <emphasis>inquisitio haereticorum</emphasis>, der �Untersuchung der H�retiker�. Die Beschuldigten hatten durchaus Rechte im Verfahren, das auf Verh�r und Zeugenbefragungen hinauslief. Es gab sogar �Freispr�che�, falls die h�retische Gesinnung nicht erwiesen werden konnte. Man war nicht darauf aus, alle Ketzer auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, meistens gen�gten den Inquisitoren Bu��bungen. Die Mitwirkung des �weltlichen Arms� bei der Ketzerverfolgung hatte der junge Kaiser Friedrich II. schon 1220 genehmigt und die Verbrennung als Todesstrafe f�r hartn�ckige Ketzer verf�gt. Die Folter wurde im Inquisitionsprozess erst 1352 durch Papst Innozenz VI. genehmigt. Die besonders krassen Autodaf�s (Ketzerverbrennungen) in Spanien und der Gro�inquisitor wurden erst 1478 eingef�hrt. In Deutschland spielte die Inquisition bis zum Beginn der Hexenprozesse um 1450 kaum eine Rolle.</p><p>Die Inquisition erscheint heute so gewaltsam, weil Strafprozesse �ber Glaubensfragen gef�hrt wurden; das ist wegen der Religionsfreiheit mittlerweile undenkbar. Auch die Anwendung der Folter ist nat�rlich nicht mehr erlaubt. Andererseits war sie prozessrechtlich gesehen insofern �modern�, weil erstmals Protokolle gef�hrt und die Untersuchungsrichter sich an ein vorgeschriebenes Verfahren (�Prozess�) halten mussten. Erstmals wurde �von Amts wegen� ermittelt. Bisher hatte das mittelalterliche Prinzip gegolten: Gab es keinen Kl�ger, dann gab es auch keinen Richter � selbst bei schweren Verbrechen.</p><p><emphasis>um 1204</emphasis></p><p>BETTELORDEN����Um das Jahr 1000 begannen die St�dte rapide zu wachsen. K�nige und F�rsten f�rderten dies durch die Verleihung von (Steuer-)Privilegien und �Freiheiten�. Innerhalb dieser f�r das Mittelalter vergleichsweise gro�en Volksmassen entstanden die Bettelorden als Alternativbewegung gegen die Oberschicht. Die beiden ersten, Franziskaner und Dominikaner, sind nach ihren Gr�ndern, Franziskus von Assisi (1182�1226) und Dominikus (1170�1221), benannt. Giovanni Bernadone, genannt Francesco, war ein reicher Tuchh�ndlersohn aus Assisi mit guter Ausbildung, in seiner Jugend ein ausgesprochener Partyl�we. Eine einj�hrige Kriegsgefangenschaft um 1204 legte den Grundstein f�r seine innere Umkehr. Weil er zu viel f�r wohlt�tige Zwecke spendete und Baumaterial f�r eine Kirchenrenovierung sammelte, klagte sein Vater ihn vor Gericht an. Der Legende nach zog sich Francesco w�hrend des Prozesses nackt aus und machte damit seinen Protest gegen seinen Vater und die �unchristlichen Sitten� seiner Zeit deutlich. Fortan zog er als Wanderprediger in der Nachfolge Christi durch die Toskana. Eine typische Protestbewegung gegen das Gebaren der Kirche, H�fe und St�dte.</p><p>Der rasche Erfolg solcher Erweckungsbewegungen wie der franziskanischen zeigt, wie grotesk die Verweltlichung des Klerus empfunden wurde. Innerhalb weniger Jahre breiteten sie sich als Volksbewegungen in ganz Europa aus. Auch die Armen- und Krankenpflege der heiligen Elisabeth von Th�ringen (1207�1231) ist ein typisch �franziskanischer� Vorgang. Anders als bei der katharischen Ketzerei gelang der Kirche hier die Integration � sowohl spirituell als auch organisatorisch. Schlie�lich be�ugte sie alles sehr skeptisch, was mit Glaubensdingen zu tun hatte, was sie aber nicht direkt kontrollieren konnte. Francesco war nahe daran, als Ketzer angeklagt zu werden.</p></section><section><subtitle>AU�ERHALB EUROPAS</subtitle><p><emphasis>vor 1100</emphasis></p><p>S�DSEE � RAPA NUI����Die r�umlich am weitesten von allen umgebenden Kulturen entfernte Gesellschaft entstand vor 1100 auf der in der s�dlichen S�dsee zwischen Australien und Chile gelegenen Osterinsel. 1947 wollte der norwegische V�lkerkundler Thor Heyerdahl mit seiner Kon-Tiki-Expedition zeigen, dass die Inseln von S�damerika her besiedelt wurden. Aber alles deutet darauf hin, dass die am Ostertag 1722 von einem Holl�nder entdeckte Insel <emphasis>Rapa Nui </emphasis>zum polynesischen Kulturkreis geh�rt.</p><p>Weltbekannt sind die bis zu zehn Meter hohen, sorgf�ltig bearbeiteten Megalith-Figuren ohne Beine mit den im Vergleich zum K�rper �bergro�en K�pfen. Sie wirkten durch mit farbigem Kalk ausgef�llte Augen und eventuell auch durch Bemalung urspr�nglich sicherlich lebendiger. Obwohl sie auf den ersten Blick gleichf�rmig zu sein scheinen, sind sie individuell gearbeitet, stellen also bestimmte Personen dar. Mit gro�er Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Ahnenfiguren von Stammesh�uptlingen. Die �Moai� genannten Figuren �bewachen� Grabst�tten und dienten als Bindeglied zur Jenseitswelt. Bei ihrer Entdeckung war die Osterinsel bereits entv�lkert. Ab dem 13. Jahrhundert setzte ein Teufelskreis aus �berbev�lkerung, Entwaldung, landwirtschaftlicher �bernutzung, Bodenerosion, Zunahme von Stammeskriegen und Dezimierung der Bev�lkerung ein.</p><p><emphasis>1150</emphasis></p><p>HINTERINDIEN � ANGKOR WAT����Unbehelligt vom gro�en chinesischen Nachbarn im Norden konnte sich in der Zeit der Ottonen und fr�hen Kapetinger auf dem Subkontinent Hinterindiens das Khmer-Reich der K�nige von Angkor entfalten. Angkor war die Hauptstadt, und �Angkor� bedeutet in der Khmer-Sprache als ein vom Sanskrit abgeleitetes Wort nichts anderes als �Stadt�. Der Bau von Bew�sserungsanlagen f�r den Reisanbau, was mehrmalige Ernten im Jahr erm�glichte, schuf die wirtschaftliche Grundlage f�r die Ausdehnung des Khmer-Reiches <emphasis>Kambuja </emphasis>(eingedeutscht: Kambodscha).</p><p>Kultur und Religion waren von Indien her zun�chst hinduistisch, dann buddhistisch beeinflusst. Angkor Wat wurde als Vishnu-Tempel errichtet. Es handelt sich um die gr��te sakrale Anlage der Welt und das zweitgr��te Bauwerk der Erde nach der Chinesischen Mauer. Erbauer war der Khmer-Herrscher Suryavarman, der die Anlage in 37 Jahren Bauzeit errichten und, so ein chinesischer Gesandter, die T�rme mit Gold �berziehen lie�. Suryavarman regierte �ber ganz S�dindochina.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Das Khmer-Reich erlag ab ungef�hr 1200 der Invasion der Thai-V�lker, die es mit eigenen Staatenbildungen �berlagerten. Die Thai-V�lker kamen aus dem gebirgigen Norden Indochinas und wichen in einer Art hinterindischer V�lkerwanderung dem Druck der Chinesen und Vietnamesen aus. Sie �bernahmen im S�den weitgehend die Kultur der Khmer. Seit etwa 1500 wurden die Tempelanlagen von Angkor nicht mehr genutzt und vom Dschungel �berwuchert. In Europa wurden sie erst durch die Entdeckungsreisen des Franzosen Henri Mouhot (1826�1861) bekannt.</p><p><emphasis>1206�1398</emphasis></p><p>INDIEN � SULTANAT VON DELHI����Nach dem goldenen Zeitalter des Gupta-Reiches wurde Nordindien von Hunneninvasionen heimgesucht. Sie hinterlie�en verbrannte Erde und ein zersplittertes, stagnierendes Land. Kein einziger der vielen regionalen Herrscher konnte sich durchsetzen, die Bauern wurden ausgepresst. Seit 1000 stand Nordindien unter der lockeren Oberherrschaft einer t�rkischen Dynastie, der Ghasnawiden. Im europ�ischen Hochmittelalter, w�hrend der Staufer-Zeit, brach deren Herrschaft unter seldschukischem Druck auseinander.</p><p>Das Sultanat war die erste dauerhafte islamische Staatsbildung auf indischem Boden. Einer der Gener�le aus dem Umfeld der Ghasnawiden, der an der Eroberung Nordindiens beteiligt war, machte sich in Delhi als unabh�ngiger Herrscher selbstst�ndig. Sein Sultanat bestand rund 200 Jahre, bis es von Timur Lenk vernichtet wurde. Wegen der Herkunft der t�rkischst�mmigen Herrscher aus Gebieten jenseits des Hindukusch war im Sultanat von Dehli der Pandschab, das uralte Kulturland am Indus (heute Pakistan), der Schwerpunkt. Trotz einer einzigen Abfolge von Thronk�mpfen und Dynastie-Wechseln expandierte das Sultanat erfolgreich, sodass es im 14. Jahrhundert praktisch den gesamten Subkontinent beherrschte.</p><p>JAPAN � HEIAN����war das riesige Kaiserpalast-Areal in Kyoto, das in der Heian-Zeit (794�1185) Hauptstadt wurde und es bis 1868 blieb. Es war die klassische Kulturperiode Japans. Zwei Hofdamen der Kaiserin verfassten um 1000 japanische Werke der Weltliteratur, das <emphasis>Kopfkissenbuch</emphasis>, eine Art Tagebuch, und den Roman <emphasis>Die Geschichte des Prinzen Genji</emphasis>. So kultiviert der Hof aber auch war, so schwach waren die Kaiser, die sich st�ndige Machtk�mpfe mit rivalisierenden Adelsclans und nicht erbberechtigten Nachkommen, den �Genji�, lieferten. Ein Angeh�riger solch eines Genji, des Clans der Minamoto, wurde der erste Shogun.</p><p><emphasis>1192</emphasis></p><p>JAPAN � SHOGUN����Minatomo Yoritomo war nach �ber zehnj�hrigen verwickelten K�mpfen zwischen Adelscliquen letztendlich als Sieger �brig geblieben. Er vertrieb den herrschenden Tenno und setzte einen neuen ein. Dieser ernannte Yoritomo zum ersten �kaiserlichen Feldherrn�. Yoritomo war von 1192 bis 1199 der erste Shogun. Noch in der Heian-Zeit hatte das Milit�r dem Tenno gedient. Jetzt war das Machtverh�ltnis umgekehrt. Von nun an regierten die Shogune 800 Jahre lang in mehreren Dynastien unter den nur noch bei zeremoniellen Anl�ssen agierenden, machtlosen Kaisern das japanische Inselreich bis 1868. Das Shogunat war nichts anderes als eine Milit�rregierung, wenn nicht eine Milit�rdiktatur. Die erste Shogunat-Periode war das Kamakura-Shogunat (1185�1333).</p><p>JAPAN � SAMURAI����Ihre Macht st�tzten die Shogune auf die Samurai, den Kriegeradel Japans, der sich w�hrend der Heian-Zeit aus Palastwachen des Kaisers und der Genji gebildet hatte. Aus dieser Leibgarde entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte eine erbliche Adelsklasse, entfernt vergleichbar den europ�ischen Rittern. Der Samurai war in der Regel von einem Lehnsherrn (<emphasis>daimyo</emphasis>) materiell abh�ngig und kein unabh�ngiger Vasall mit eigenem Lehen wie in Europa. Fiel der Samurai in Ungnade oder starb der <emphasis>daimyo</emphasis>, waren der Samurai und seine Familie von wirtschaftlichem Abstieg bedroht. Es gab etwa 260 dieser <emphasis>daimyo</emphasis> genannten Kleinstf�rsten. Da sie meistens nicht viel zu verteilen hatten, f�hrten die Samurai eine eher bescheidene Existenz. Sie wurden nicht nur zum Kampf ausgebildet, sondern erhielten auch eine h�fische, musische Bildung (Schreibkunst, Dichtung, Musik). Der Buddhismus war f�r viele Samurai ein spirituelles Gegengewicht zu dem rauen, asketischen, auf strengen Ehrbegriffen und Pflichterf�llung ausgerichteten Alltag. Viele Samurai zogen sich gegen Ende ihres Lebens in die Stille buddhistischer Kl�ster zur�ck.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: In der langen Friedenszeit des Tokugawa-Shogunats ab 1603 gab es keine K�mpfe mehr. Aus den Krieger-Samurai wurden die t�chtigen und unbestechlichen Tr�ger der lokalen Verwaltung. An ihren Vorrechten zwei Schwerter zu tragen, zu Pferd zu reiten und besondere Kleidung zu tragen, hielten sie eisern fest. Auf der Stra�e durften sie gegen�ber Nicht-Samurai den Vortritt erzwingen.</p><p><emphasis>ca. 1100�1500</emphasis></p><p>AFRIKA � GANA, MALI, BENIN����Im Inneren Westafrikas, in der s�dwestlichen Sahara-Zone, gibt es m�chtige Fl�sse. Vor allem im Bereich des Bogenscheitels des Nigers bestanden w�hrend des gesamten Mittelalters afrikanische Reiche. Von 500 bis nach 1000 kontrollierte eine afrikanische Herrscherdynastie die Territorien und den Handel im sogenannten Reich von Gana (das nichts mit dem modernen Staat Ghana zu tun hat). Es wurde 1076 von muslimischen Berbern zerst�rt, die von Mauretanien und Marokko aus nicht nur die ganze Westsahara nach der Art von Reiternomaden unter ihre Herrschaft brachten, sondern auch das s�dspanische Al-Andalus. Ohne Verwaltungsunterbau war die almoravidische Macht in Westafrika aber nicht von Dauer. Hier entstand ab etwa 1300 das Mali-Reich in der gesamten S�dwest-Sahara, dessen ethnisch afrikanische Herrscher bereits Muslime waren. Zentren waren Timbuktu und Djenn�.</p><p>Am Unterlauf des Nigers bestand ann�hernd 1500 Jahre lang das von verschiedenen Dynastien regierte schwarzafrikanische K�nigreich Benin, das durch sein hochstehendes Kunsthandwerk ber�hmt ist. Benin wurde von seinen K�nigen mit starker Hand sozusagen absolutistisch regiert und entwickelte sich nach 1500 zu einem der Hauptumschlagpl�tze f�r den Sklavenhandel.</p></section><section><subtitle>HANDEL UND WANDEL</subtitle><p>Unterhalb der machtpolitischen Ebene der staufisch-welfisch-englisch-franz�sischen und p�pstlichen Politik bildete sich als v�llig neue Gesellschaftsschicht in Europa das B�rgertum in den aufstrebenden und rasch nach Selbstverwaltung strebenden St�dten. Die Bildung und die Ausbildung einer internationalen europ�ischen Wissenselite verlagerte sich von den Klosterschulen auf dem Lande in die Kathedralschulen der St�dte, und ab der Mitte des 12. Jahrhunderts bildeten sich dort auch die ersten unabh�ngigen Universit�ten. Die Geldwirtschaft kam auf, Banken wurden gegr�ndet. Der Kaufmann trat als neuer Prototyp der europ�ischen Gesellschaft erstmals in Erscheinung.</p><p><emphasis>ca. 1000</emphasis></p><p>BURGI����Vor der Jahrtausendwende lebten die Europ�er fast ausschlie�lich unter grundherrlichen Rechtsverh�ltnissen auf dem Land. Elementare handwerkliche T�tigkeiten (Schmieden, Weben, T�pfern, Gerben) waren eng mit der jeweiligen Gutsherrschaft verkn�pft. Seit der sp�tkarolingischen Zeit jedoch siedelten sich zunehmend Handwerker und auch der eine oder andere H�ndler nahe einer befestigten Grafenburg, eines Klosters oder in den eventuell noch bestehenden <emphasis>civitates</emphasis> aus der R�merzeit an. Diese Landgemeinden muss man sich in ihren Anf�ngen denkbar klein vorstellen. In Deutschland verstand man bis weit ins Mittelalter hinein unter solch einer <emphasis>burg</emphasis> in erster Linie die dazugeh�rige Handwerkersiedlung und nicht die befestigte Residenz eines Stadtherren, sei es der Bischof, ein Graf oder sonst ein F�rst. So ist die Namensgebung von Hamburg, Magdeburg, Naumburg, W�rzburg, Regensburg oder Freiburg zu verstehen: Gemeint ist die Siedlung. Im Deutschen wie im Franz�sischen erinnert �B�rger� oder <emphasis>bourgeois</emphasis> an diesen Zusammenhang.</p><p><emphasis>ab 1050</emphasis></p><p>STADTLUFT MACHT FREI�����Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag� war ein Rechtsgrundsatz des Mittelalters, wonach Leibeigene, die sich ein Jahr in einer Stadt aufhielten, ohne von ihrem Grundherren zur�ckgefordert zu werden, die Freiheit erlangten. Die Bauern unterstanden dem �Landrecht� des Grundherrn, manchmal bis hin zum Leibeigentum. Die Stadt mit ihrem Stadtrecht war eine Rechtszone, die davon befreit war. K�nige, F�rsten, Stadtherren f�rderten die urbane Entwicklung und statteten die <emphasis>burgi</emphasis> mit allerlei Privilegien, Rechten, Freiheiten aus. Marktrechte, Stapelrechte, Zollrechte wurden verliehen, damit sich der Handel entfalten konnte. Auch f�r den Einzelnen gab es konkrete Freiheiten, etwa beim Erbrecht oder Ver�u�erungsrecht (von Grundst�cken, H�usern). Im grundherrlichen Landrecht war so etwas zustimmungspflichtig; die Stadtb�rger waren davon �befreit�. Zur autonomen Rechtspflege wurden eigene Gerichtsbarkeiten und Selbstverwaltungsorgane gew�hrt.</p><p><emphasis>ab 1150</emphasis></p><p>FREIE REICHSSTADT����Eine Freie Reichsstadt war �reichsunmittelbar�, sie unterstand nur dem Kaiser, nicht dem Landesf�rsten, in dessen Territorium sie lag. Machtpolitisch schufen die Kaiser damit bewusst von ihnen direkt abh�ngige �reichsunmittelbare� Bereiche wie Inseln innerhalb der Grundherrschaften des Feudaladels. Die meisten Reichsst�dte hatten auch etwas Landbesitz in ihrer unmittelbaren Umgebung, haupts�chlich f�r die Nahversorgung der Bev�lkerung mit Lebensmitteln. Das Reichsstadtterritorium endete also nicht an der Stadtmauer. Die Reichsstadt mit dem gr��ten eigenen Territorium war Bern. In den Stadtrepubliken des Hoch- und Sp�tmittelalters, sowohl in den italienischen Kommunen wie in den freien Reichsst�dten im Reich, geh�rten dann Steuerhoheit, M�nzhoheit, Gerichtshoheit, ein eigenes Heeresaufgebot, also ein gro�es Ma� an �Souver�nit�t�, dazu. Andererseits mussten die reichsunmittelbaren St�dte Heerfolge leisten.</p><p>Die Staufer gr�ndeten besonders eifrig St�dte, wie Memmingen, Ravensburg, Wimpfen, Dinkelsb�hl oder Schw�bisch Hall. Geriet der Kaiser (oder ein gro�er F�rst) in Finanznot, konnte es passieren, dass er eine ganze Stadt an den jeweiligen Territorialherrn verpf�ndete; wenn er seine Schulden nicht bezahlen konnte, fiel die Stadt an den Landesherrn. So geschehen in Eger (an B�hmen 1322).</p><p>Dem Z�hringer Gr�ndungseifer verdanken Freiburg, Offenburg, Bern und das schweizerische Freiburg ihre Existenz. M�nchen wurde 1175 durch den Welfen Heinrich den L�wen gegr�ndet, um dem Bischof von Freising, der den einzigen Isar-�bergang weit und breit besa�, eins auszuwischen. Heinrich lie� kurzerhand eine eigene Isarbr�cke errichten (heute unmittelbar vor dem Deutschen Museum), gr�ndete die Stadt �bei den M�nchen� von St. Peter zu deren Schutz und lie� den Br�ckenzoll entfallen. Dank dieses geldwerten Vorteils lief der Salzhandel zwischen Salzburg und Augsburg nun �ber �die Br�cke bei den M�nchen�: M�nchen.</p><p>In Italien entwickelten viele Kommunen eine teilweise noch gr��ere Autonomie als Stadtrepubliken (Mailand, Florenz, Siena, aber auch viele kleinere). Innerhalb des Reiches entwickelten sich die Freien Reichsst�dte zu einem eigenen �Stand� neben den Kurf�rsten und den Reichsf�rsten im Reichstag. Nach dem Ende des Alten Reiches 1803 blieben als souver�ne Stadtstaaten noch Bremen, Hamburg, L�beck und Frankfurt.</p><p><emphasis>ab 1100</emphasis></p><p>WECHSELKURS����Wenn ein italienischer Kaufmann von Genua zur Messe nach Frankfurt reiste, war es unpraktisch, einen Sack voll Geldm�nzen mit sich zu f�hren. Er konnte unterwegs ausgeraubt werden. Deswegen stellte der Italiener dem H�ndler in Frankfurt eine Urkunde aus: Sie enthielt die Anweisung des Genuesers an seine Bank, dem Frankfurter die Summe bar auszuzahlen oder dessen Konto gutzuschreiben. So ein Wechsel war so gut wie Bargeld; er konnte weiter zur Zahlung verwendet werden, wenn ein dritter Kaufmann die �Bonit�t� anerkannte, weil er wusste, dass die Genueser Bank ihn einl�sen w�rde.</p><p>Der Wechsel war die wichtigste Finanzinnovation des Mittelalters, die Erfindung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Daraus entstanden sp�ter die Schecks und die Idee f�r die Banknote. Um die Wechsel in der zunehmenden Komplexit�t miteinander austauschen zu k�nnen, entwickelten sich �Wechselkurse� dort, wo viele Wechsel getauscht wurden � an den B�rsen.</p><p>Ein kleines Risiko, dass der Wechsel nicht in Genua eingel�st w�rde, musste man einkalkulieren. Deswegen zahlte man beim Wechseltausch nicht die ganze Geldsumme aus, sondern nahm einen gewissen Abschlag vor, den Diskont. Wie sicher das Gesch�ft im Gro�en und Ganzen lief, zeigt sich daran, dass noch im 19. Jahrhundert ganze Banken ihr Gesch�ftsmodell auf dem Einbehalten des Diskonts aufbauten (sie hie�en �Disconto-� oder �Wechselbanken�) und damit reich wurden.</p><p><emphasis>ab 1100</emphasis></p><p>BANKROTT����Wegen der f�hrenden Stellung der Lombardei im internationalen Warenhandel wurde <emphasis>lombardi</emphasis> ein europaweiter Begriff f�r den Geldwechsler, den Bankier. Verf�gte der <emphasis>banchiere</emphasis> (nach <emphasis>banca</emphasis>, dem Tisch f�r die Geldwechsler) �ber viel Geld, war es sinnvoll, einen Teil davon als Kredit zu verleihen. Grundz�ge und Grundfunktionen des modernen Bankenwesens haben sich seit 1100 in den oberitalienischen St�dten entwickelt. Die vielen noch heute gel�ufigen italienischen Begriffe zeugen davon: Konto, Giro oder Skonto.</p><p>Konnte ein Geldwechsler seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, wurde sein Tisch zerschlagen (italienisch: <emphasis>banca rottare</emphasis>). Der erste historisch bedeutende Bankrott der Buonsignori 1298 bedeutete das Ende der Vorherrschaft sienesischer Bankh�user. Danach vollzog sich der Aufstieg der Florentiner Banken wie Bardi oder Peruzzi und von Florenz zur absolut dominierenden Kulturhauptstadt Europas.</p><p><emphasis>1139</emphasis></p><p>WUCHERVERBOT����Wie entwickelt das Finanzsystem in Europa schon vor 1140 gewesen sein muss, zeigt das 1139 auf dem zweiten Laterankonzil als kirchenrechtliche Ma�nahme erlassene Wucherverbot. Mit �Wucher� war damals allgemein Zins gemeint, der nach christlicher Auffassung nicht erhoben werden durfte. Nicht nur die Bibel, auch der Koran spricht sich dagegen aus.</p><p>Die Juden waren vom Zinsverbot sp�testens seit 1179 durch Papst Alexander III. ausdr�cklich ausgenommen. So wuchsen sie in diese Branche hinein, seit dem Mittelalter verst�rkt durch die Regelungen der Z�nfte, die ihnen den Zugang zu anderen Berufen und Gewerben untersagten. Sehr oft waren die Juden die Geldverleiher f�r die kleinen Leute, die Handwerker und Bauern. Die Gro�kaufleute und ihre Bankiers hatten sich untereinander bereits etabliert.</p><p><emphasis>1137</emphasis></p><p>GOTIK����Nur selten kommt es in der Architektur vor, dass etwas wirklich vollkommen Neues entsteht und noch dazu wie hier aus einem Guss: Weg von dem Aufschichten von Steinen in der Horizontale, daf�r das Aufstreben in die Vertikale. Abt Suger (1084�1151), ein vielseitiger Mann, verwirklichte den neuen �gotischen� Stil zuerst im Chorneubau von St. Denis n�rdlich von Paris, dessen Abt er war. St. Denis war nicht irgendein Kloster. Es ist die Grablege fast aller franz�sischen K�nige. Baubeginn war 1137, Chorweihe am 11.�Juni 1144.</p><p>Die Gotik ist ein ausgesprochen st�dtischer Stil, man findet ihn anfangs ausschlie�lich in den Bischofskirchen der aufstrebenden St�dte. Die vorhergehende Romanik findet man dagegen �berall, auch in zum Teil �abgelegenen� l�ndlichen Gegenden mit ihren gleichwohl bedeutenden Kl�stern.</p><p>Die Kathedralen l�sten die Kl�ster als Leitarchitektur ab; die Kathedralschulen bestimmten fortan das geistige Leben. Es gab eine regelrechte Bildungsexplosion.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Die Bezeichnung �gotischer Stil� stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern aus der Renaissance. Der florentinische Kunstschriftsteller Vasari (1511�1574) hielt ihn angesichts des Antiken-Ideals seiner Epoche f�r barbarisch, und im Geschichtsbewusstsein seiner Zeit waren die Goten Barbaren. Die ersten gotischen Bauten auf deutschem Boden entstanden in Magdeburg (1209), Trier (Liebfrauenkirche, 1230) und Marburg (Elisabethkirche, 1235). Baubeginn des Chors des K�lner Doms war 1248.</p><p>DIE �LTESTE �UNIVERSIT�T�: BOLOGNA����Die Rechtsschule in Bologna war um 1070/80 nach der Auffindung einer kompletten Digesten-Handschrift ins Leben gerufen worden. Die Digesten sind das <emphasis>Corpus iuris civiles</emphasis>, die Rechtssammlung des ostr�mischen Kaisers Justinian aus der Sp�tantike. Auf dieser <emphasis>Littera Florentina</emphasis>, einem Pergamentkodex von 907 Bl�ttern Umfang, beruht im Wesentlichen unsere Kenntnis des R�mischen Rechts und darauf aufbauend unser heutiges Rechtssystem. Studenten aus ganz Europa kamen nach Bologna, das durch Kaiser Friedrich Barbarossa das Scholarenprivileg erhalten hatte. Dies war die erste Universit�tsgr�ndung in Europa.</p><p><emphasis>ab 1157</emphasis></p><p>HANSE����Seit der Zeit um 950 pendelten die ersten Kaufleute als Wanderh�ndler in Karawanen zwischen den St�dten. Ganz zu Beginn waren diese �Hansen� einfach Fahrgemeinschaften, zu denen man sich f�r die Reise zusammenschloss, dann auch Schutzgemeinschaften vor Ort. <emphasis>Hansa</emphasis> war ein ansonsten untergegangenes, althochdeutsches Wort f�r �Bund, (Krieger-)Schar�. Als Beginn der Kaufmannshanse gilt der Erwerb des Stalhofes am Nordufer der Themse durch k�lnische Kaufleute. Hauptexportgut der K�lner nach London war zun�chst Wein. Die K�lner erhielten 1157 vom englischen K�nig Heinrich II. Privilegien und Schutzbriefe, um Handel treiben zu d�rfen. In den sp�teren Hochzeiten der Hanse waren im Stalhof auch andere, etwa s�chsische, livische oder preu�ische Kaufleute vertreten. Das Portr�t des Danziger Kaufmanns Georg Giese in seinem Kontor von 1532 durch Hans Holbein ist der Inbegriff eines solchen �Hanseaten�.</p><p>Aus diesen Kaufmannshansen entwickelte sich die St�dtehanse. Bis in die Zeit um 1250 standen die Kaufleute zumindest formal unter dem Schutz des Kaisers. Als dieser nach dem faktischen Ende des staufischen Kaisertums nicht mehr gegeben war, begannen die St�dte, die Sicherung der Handelswege und Privilegien selbst zu organisieren. Daraus entwickelte sich eine dauerhafte Zusammenarbeit, die beispielsweise durch einen Vertrag zwischen Hamburg und L�beck 1241 zu einem sogenannten St�dtebund wurde. Dem folgte der Wendische St�dtebund (L�beck, Kiel, Wismar, Rostock, Stralsund), eine Keimzelle der St�dtehanse, die 1294 in L�beck gegr�ndet wurde. L�beck blieb auch das Zentrum der Hanse w�hrend ihrer Bl�tezeit bis etwa 1400. Von London bis Nowgorod entwickelte sich eine regelrechte Handelsgro�macht, die �ber ihre �konomischen Interessen auch politischen Einfluss nahm.</p><p><emphasis>ca. 1225</emphasis></p><p>SACHSENSPIEGEL����Um einer sich abzeichnenden Rechtszersplitterung entgegenzuwirken, fasste der s�chsische Ministeriale Eike von Repgow um 1225 das bis dahin nur m�ndlich �berlieferte Gewohnheitsrecht der Sachsen in einer Art Handbuch zusammen. Es handelte sich also nicht um kodifiziertes Recht, sondern war als Orientierungshilfe f�r die vielen Laienrichter und Sch�ffen gedacht. Einen akademisch ausgebildeten Richterstand gab es damals nicht. Deswegen ist der <emphasis>Sachsenspiegel</emphasis> auch auf Deutsch abgefasst � und eines der fr�hesten deutschen Sprachdenkm�ler. Die Sprache ist knapp und klar: �Wer ouch erst zu der mulen (M�hle) kumt, der sal erst malen� lautet der wohl bekannteste Satz. Der <emphasis>Sachsenspiegel</emphasis> behandelt alle Rechtsgebiete vom Privatrecht (Familie, Erbschaft, Nachbarschaft, Kauf) �ber das Strafrecht bis zum Lehensrecht (das damalige �Verfassungsrecht�) und das K�nigswahlrecht: �Die Dudischen (Deutschen) sollen durch Recht den K�nig kiesen (w�hlen). Wenn er geweiht wird von den Bisch�fen, die dazu gesetzt sind und auf den Stuhl von Aken (Aachen) kommt, so hat er k�niglichen Namen. Wenn ihn der babis (Papst) weiht, so hat er kaiserlichen Namen.�</p></section><section><subtitle>MONGOLEN IN CHINA UND EUROPA</subtitle><p><emphasis>um 1206</emphasis></p><p>DSCHINGIS KHAN����Nach einem romanhaft abenteuerlichen Leben einigte der Clanf�hrersohn Tem�dschin seit 1190 mit geschickter Diplomatie die mongolischen Nomadensippen. Durch eine Art Heeresreform ersetzte er die bisherige Struktur von Stammes- oder Clanverb�nden samt ihrer adligen � intriganten � F�hrungsschicht durch einen auf milit�rische Disziplin gegr�ndeten Absolutismus. Im Grunde schuf er dadurch erst das �Volk� der Mongolen. Im Alter von etwa 45 Jahren � 1206, mitten in der Zeit der staufisch-welfischen Thronwirren � wurde er zum Gro�khan der Mongolen mit dem Titel �Ozeangleicher Herrscher�, mongolisch <emphasis>Dschingis Khan,</emphasis> gew�hlt.</p><p>Dschingis Khan, sein Sohn �dogei und seine Enkel Kublai Khan und Batu Khan schufen innerhalb von 30 Jahren das fl�chenm��ig mit Abstand gr��te und bev�lkerungsreichste Weltreich. Zun�chst unterwarf Dschingis benachbarte Steppenv�lker, insbesondere die turksprachigen Tataren. 1215 eroberte er Peking. Gegen die Mongolen hatten die chinesischen Abwehrw�lle also nicht standgehalten. In Peking war damit der Boden f�r die baldige Abl�sung der dort herrschenden Chin-Dynastie durch die mongolische Y�an-Dynastie mit �dogei und Kublai auf dem Himmelsthron 1234 bereitet. Um 1260 wurde die Mongolenresidenz aus der Steppenhauptstadt Karakorum s�dlich des Baikalsees nach Peking verlegt. An der Westeroberung der Mongolen nahm Dschingis Khan nicht teil. Sie begann erst nach seinem Tod 1227 unter seinem Enkel Batu Khan.</p><p><emphasis>1234�1368</emphasis></p><p>KUBLAI KHAN����Der Dschingis-Sohn �dogei wurde 1229 Gro�khan der Mongolen. Zwischen 1231 und 1234 f�hrte er erneut eine mongolische Armee nach Peking und war seitdem auch Kaiser von China, jedenfalls im Norden. Sein Sohn und Nachfolger Kublai Khan, der von 1260 bis 1294 regierte, �berw�ltigte dann die noch im S�den regierenden Sung und vereinigte auf diese Weise ganz China. Dies gilt den Chinesen als wichtiges Ereignis in ihrer Geschichte, und sie sehen Kublai als bedeutenden Herrscher. Kublai selbst sah sich eher als chinesischen Kaiser denn als mongolischen Gro�khan. Wie sein Gro�vater Dschingis Khan zeichnete er sich durch religi�se Toleranz und Aufgeschlossenheit f�r �Wissenschaften� und Gelehrsamkeit gleich welchen Ursprungs aus. In China konvertierten die Mongolen von ihrem angestammten Schamanismus zum buddhistisch-tibetischen Lamaismus. Kublai fand, die buddhistischen Priester mit ihren pomp�sen Liturgien bes��en mehr Zauberkraft als alle anderen Schamanen und Priester.</p><p><emphasis>1274/1281</emphasis></p><p>KAMIKAZE����ist ein japanisches Wort, das erst Jahrhunderte sp�ter zum Weltbegriff wurde. Es bedeutet �G�ttlicher Wind�. Kublai Khan versuchte zweimal, 1274 und 1281, das japanische Inselreich zu erobern, scheiterte aber beide Male am Kamikaze, an dem vom Wind aufgepeitschten st�rmischen Meer. Die Japaner verstanden das als g�ttliche Vorsehung. Japan wurde in der Tat nie von Chinesen erobert, allerdings von der chinesischen Kultur tief beeinflusst.</p><p>Seitdem war Japan nie mehr von einer Invasion bedroht. Die japanischen Kamikaze-Piloten, die w�hrend des Zweiten Weltkrieges mit ihren Flugzeugen amerikanische Schiffe angriffen, gaben sich in Erinnerung an die gescheiterte chinesisch-mongolische Bedrohung diese Bezeichnung.</p><p>CHATEY UND ZIPANGO����Es ist diese mongolisch-chinesische Y�an-Dynastie, �ber deren Glanz am Hofe Kublai Khans der venezianische Chinareisende Marco Polo am Ende des Jahrhunderts mit seinem Bericht <emphasis>Il milione</emphasis> (1298) die europ�ische �ffentlichkeit in Erstaunen versetzte. China wurde im Sp�tmittelalter und noch lange danach in den auf rein legend�ren Vorstellungen beruhenden Kartenwerken �Chatey� genannt. Das noch legend�rere Japan hie� �Zipango�.</p><p>Marco Polo hielt sich nach eigenen Angaben von 1275 bis 1291 am Hof und im Reich des mongolischen Gro�khans und Kaisers Kublai Khan auf, nachdem bereits sein Vater und Onkel auf einer Reise 1266 bis 1269 dorthin gelangt waren. Sein Bericht � ob wahr, teilweise wahr oder unwahr � d�rfte der ber�hmteste Reisebericht der Welt sein. Jahrhundertelang pr�gte er die Vorstellungen, die man sich in Europa vom Fernen Osten machte. Die von angeblich mit Gold und Edelsteinen gepflasterten Stra�en angeregte europ�ische Fantasie war so nachhaltig ber�hrt, dass noch Christoph Kolumbus 200 Jahre sp�ter sich von tiefem Verlangen nach den Sch�tzen Chateys getrieben in westlicher Richtung auf den unbekannten Ozean hinauswagte. Marco Polos Buch f�hrte er auf der <emphasis>Santa Maria</emphasis> mit sich.</p><p>SEIDENSTRA�E II����Die Tatsache, dass sowohl Marco Polos Vater wie auch er selbst und kurz zuvor bereits zwei Franziskanermissionare wohlbehalten in die Mongolei und nach China und wieder zur�ck reisen konnten, verdankt sich der <emphasis>Pax mongolica</emphasis>. Die Mongolen hielten die Seidenstra�e offen. Aufgrund der stabilen politischen Verh�ltnisse und geringer Z�lle w�hrend der eurasischen Herrschaft der Mongolen vom Chinesischen Meer bis zum Schwarzen Meer, also bis vor die Tore von Konstantinopel und Europas, florierte die Seidenstra�e wie nie zuvor. Mit dieser Ber�hrung und den ersten tastenden Versuchen, Kenntnisse �ber den Fernen Osten zu erlangen, begann die systematische Erforschung der Erde. Nichts hatte die Europ�er darauf vorbereitet. Es gab keinerlei �Vorkenntnisse� aus der Antike. Die Neugier, ferne L�nder, V�lker und Reicht�mer zu erkunden, war auch getrieben von der Absicht, das Wissen wirtschaftlich nutzbar zu machen. Die Europ�er verf�gten mittlerweile �ber gen�gend Unternehmungsgeist, Expansionsstreben, geistige und r�umliche Mobilit�t, diese Herausforderung anzunehmen. Das war der Beginn der Globalisierung.</p><p><emphasis>1238�1242</emphasis></p><p>MONGOLENSTURM����F�r die mongolischen Reiterkrieger war die Aussicht auf reiche Beute das m�chtigste Motiv. Dschingis Khan wandte sich nach der Eroberung Pekings nach Westen. Von 1219 bis 1223, innerhalb von nur vier Jahren, bewegte er sich durch das heute afghanische, pakistanische und iranische Hochland. Die Seidenstra�en-St�dte Buchara und Samarkand wurden zerst�rt. In der heutigen Ukraine kam es zu einer ersten milit�rischen Auseinandersetzung mit den Russen, die diese trotz dreifacher zahlenm��iger �berlegenheit verloren. Doch die Mongolen zogen sich zun�chst wieder zur�ck. Dschingis Khan starb 1227 an den Folgen eines Reitunfalls.</p><p>Die Ursache f�r die unglaublich rasche und erfolgreiche Ausdehnung der Mongolen war neben Disziplin, Schnelligkeit, Ausdauer und meisterhafter Logistik die Schw�che und Zerstrittenheit aller sie umgebenden F�rsten- und K�nigt�mer und der sesshaften und tr�gen Ackerbaugesellschaften von China �ber Iran bis Russland und Polen. �berall trafen die Mongolen auf ein Machtvakuum und veraltete Milit�rstrategien. Dabei folgte Dschingis Khan keinem Welteroberungsplan, sondern reagierte meist auf lokale Herausforderungen, selbst bei der Eroberung Pekings.</p><p><emphasis>ab 1235</emphasis></p><p>GOLDENE HORDE����Mit Dschingis Khans Tod war der Mongolensturm f�r Europa nicht vorbei. Er setzte eigentlich jetzt erst ein. 1235 wurde in der von Dschingis gegr�ndeten Hauptstadt Karakorum der Westfeldzug der Goldenen Horde beschlossen. Deren Anf�hrer war der Dschingis-Enkel Batu Khan (1205�1255). �Goldene Horde� ist der Name von Batus mongolischem Teilreich in der s�drussischen Steppe mit Schwerpunkt an der Wolga und bedeutet im Mongolischen so viel wie �Palast des Herrschers�, wobei mit �Palast� kein Geb�ude, sondern ein prunkvolles Palastzelt gemeint ist.</p><p>1237 wurde Moskau erobert. Die Goldene Horde stand 1241/1242 vor Breslau und Krakau. Die Mongolen schlugen ein polnisches Ritterheer bei Liegnitz. Sie standen vor Wien und erreichten die Adria, kehrten aber wegen des Todes ihres Gro�khans, Batus Onkel �dogei, um. Die meisten Krieger Batu Khans waren indessen keine Mongolen mehr, sondern rekrutierten sich aus den benachbarten, ebenfalls nomadischen Turkv�lkern. So gerieten die russischen Teilf�rstent�mer nun fast 250 Jahre lang von 1240 bis 1480 unter die tributpflichtige Oberherrschaft der �Tataren� der Goldenen Horde.</p><p>Urspr�nglich der Name eines mongolischen Stammes, war <emphasis>Ta-ta</emphasis> bei den Chinesen ein Pauschalbegriff f�r �die Mongolen�. Die Russen empfanden die mongolische Oberhoheit als bittere Fremdherrschaft, als �Tatarenjoch�. Diese verlangten das �bliche: Steuern, Tribute, Truppen, Zersplitterung in kleinere Herrschaften. Parierten die russischen F�rsten nicht, wurden sie von kriegerischen Horden gez�chtigt. Durch die Fixierung auf die Mongolen verlor Russland den Anschluss an die europ�ische Entwicklung im Sp�tmittelalter. Die von den B�rgern getragene Entfaltung der st�dtischen Gesellschaften und des Bildungswesens fand hier nicht statt.</p><p>BAGDADS ENDE����Seit 1251 regierte der Dschingis-Enkel M�ngke als vierter Gro�khan. Er beauftragte seinen Bruder H�leg� mit der S�derweiterung des Mongolenreichs, die dieser mit schrecklicher Durchschlagskraft ausf�hrte. Zuerst beendete H�leg� die Herrschaft der Seldschuken in Anatolien. Seine Absicht, die syrisch-pal�stinensische Levante zu erobern, vereitelten die Mameluken aus �gypten. Sie konnten Syrien halten (und beherrschten den Nahen Osten anschlie�end jahrhundertelang). H�leg� wandte sich daraufhin nach Osten und nahm im Handstreich die �uneinnehmbare� persische Assassinen-Festung Alamut ein.</p><p>Das wirtschaftlich und innenpolitisch l�ngst geschw�chte Bagdad war wehrlos, aber der Abbasiden-Kalif verweigerte hochm�tig die Unterwerfung. So wurde das mittelalterliche Bagdad, neben Konstantinopel die zweitgr��te Stadt der alten Welt, 1258 durch den Mongolensturm v�llig zerst�rt, ja entv�lkert. H�leg�s Truppen erschlugen 250000 Menschen, die Bibliothek des Hauses der Weisheit wurde in den Tigris geworfen. Die Mongolen vernichteten das jahrtausendealte Bew�sserungssystem im Zweistromland. Dies war der Beginn der Ver-W�stung Mesopotamiens. Auch unter den Osmanen war Bagdad ab 1534 nie mehr als eine Provinzhauptstadt. Ein gewisser Aufschwung kam erst wieder im 19. Jahrhundert<emphasis>.</emphasis></p><p>Unter der Oberhoheit des Gro�khans errichtete H�leg� in den von ihm eroberten Gebieten das Reich der Ilchane (1256�1335). Obwohl das Ilchan-Reich politisch schnell instabil wurde, bl�hten im persischen Kernland Wirtschaft, Fernhandel, Kunsthandwerk (Architektur, Buchmalerei) und Kultur.</p><p><emphasis>1250</emphasis></p><p>MAMELUKEN����Urspr�nglich waren Mameluken gekaufte Sklaven. Schon seit der Zeit der Abbasiden wurden sie in Bagdad als Elitesoldaten eingesetzt. Auch Saladins Leibgarde bestand aus Mameluken. Saladins Familie, die kurdischen Ajjubiden, beherrschte seit der Zeit des Zweiten Kreuzzugs �gypten und den Nahen Osten. Nach dem Tod des letzten Ajjubiden-Sultans heiratete der Mameluken-General Aybak dessen Witwe und �bernahm die Macht in �gypten. Nach der Eroberung Bagdads durch H�leg� 1258 zog der nunmehr machtlose Abbasiden-Kalif nach Kairo um � ein betr�chtlicher Prestigegewinn f�r die Mameluken in der islamischen Welt.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Von den Ajjubiden Saladins �bernahmen die Mameluken also die Herrschaft in �gypten und die Vorherrschaft in Pal�stina und Syrien. Sie verb�ndeten sich sogar mit den Kreuzfahrern, um Syrien gegen die Mongolen zu behaupten. 1517 mussten sich die Mameluken der osmanischen Oberherrschaft beugen, de facto aber regierten sie in ihrem angestammten Gebiet weiter. Um 1680 sch�ttelten die Mameluken die Osmanen wieder ab und regierten �gypten und den Nahen Osten � w�hrend der europ�ischen Barock- und Aufkl�rungszeit sogar Irak � bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. Im Grunde also verharrt seit dem Sp�tmittelalter der heute so explosive Nahe Osten spannungslos, friedlich und selbstzufrieden im orientalischen Gleichma� seiner Tage unter der mamelukischen oder osmanischen Glocke, allerdings auch ohne sich seither in irgendeiner Weise zu entwickeln.</p></section><section><subtitle>AFRIKA � GRO�-SIMBABWE</subtitle><p>Die Mauern von Gro�-Simbabwe sind nach den �gyptischen Pyramiden der gr��te Steinbau Alt-Afrikas und die �lteste bekannte Ruinenst�tte s�dlich der Sahara. Die sogenannte Gro�e Mauer besteht aus exakt behauenen Granitbl�cken, die ohne M�rtel verfugt sind; sie ist fast 250 Meter lang.</p><p>Die gro�e Einfriedung wurde vermutlich von einem Bantu-Volk um 1250 errichtet. Ob als heiliger Bezirk oder als �Stadt�, ist nicht klar. Die Grundlinien der Mauern erinnern sehr an einen Kraal. Gro�-Simbabwe geh�rte vermutlich zu dem Munhumutapa oder auch Karanga genannten Reich. Hauptquelle des Wohlstands war der Metallhandel. Als die Portugiesen im 16. Jahrhundert als erste Europ�er hier ankamen, trafen sie noch auf Zerfallsherrschaften dieses Reiches.</p><p>Simbabwe ist der Namensgeber f�r den modernen Staat, das ehemalige S�d-Rhodesien, seit 1980 regiert von dem sozialistischen Diktator Robert Mugabe, der das einst bl�hende Kolonialland zu einem Armenhaus heruntergewirtschaftet hat.</p></section><section><title><p>WELT IM UMBRUCH</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 1300 bis 1650</emphasis></p></section><section><subtitle>MODERNES UND ALTES EUROPA</subtitle><p>Die Kreuzz�ge bringen einen Kulturtransfer vom Orient nach Europa mit sich, angefangen bei den indisch-arabischen Zahlen und den Windm�hlen, die man erstmals in Syrien sah, �ber die verfeinerte Textil- und Waffenverarbeitung bis hin zu Reisanbau und neuen Fr�chten. In der islamischen Welt ist die Einheitlichkeit des Kalifats durch den Mongolensturm zersplittert. Im gleichen Jahrzehnt (1300�1310), in dem der Papst nach Avignon umzieht und Frankreich das f�hrende K�nigreich in Europa wird, beginnt der Aufstieg der t�rkischen Osmanen. Die Mongolen auf dem chinesischen Kaiserthron werden bald wieder von einer einheimischen Dynastie, den Ming, ersetzt. Mit seinem Reisebericht rei�t Marco Polo den Horizont der Europ�er bis nach China auf, wenn auch vorerst nur sehr vage.</p><p>Italien wird der kulturelle Impulsgeber Nummer eins in Europa: Literatur, Malerei, Architektur, Bildhauerei und nicht zuletzt Musik. Noch Mozart schreibt �italienische Opern�.</p><p><emphasis>1298/1299</emphasis></p><p>MARCO POLO: IL MILIONE����Auch wenn viele Details aus dem Leben des Venezianers Marco Polo (1254�1324) nicht gesichert sind, steht doch fest, dass er 1271 nach China aufbrach, dort die Gunst des Kaisers Kublai Khan gewann, etwa 20 Jahre in China blieb und 1295 nach Venedig zur�ckkehrte. Als Marco Polo sich 1298/1299 in genuesischer Gefangenschaft befand, entstand seine Reiseerz�hlung <emphasis>Le livre des merveilles du monde (�</emphasis>Das Buch von den Wundern der Welt<emphasis>�),</emphasis> bekannt als <emphasis>Il milione</emphasis>, ein Spitzname, der sich zun�chst auf Marco Polo selbst bezog, da er in Venedig dauernd von den �Millionen� des Gro�khans sprach.</p><p>Bald wurde das Buch ins Italienische und Lateinische, dann auch in andere Sprachen �bersetzt, ungef�hr 150 Abschriften sind erhalten (eine ungeheure Wirkung � damals gab es noch keinen Buchdruck). Der Reisebericht des Venezianers ver�nderte das Weltbild der Europ�er tiefgreifend. Die Schilderungen der sagenhaften Reicht�mer �Catheys� (China) und �Zipangos� (ein nicht genau lokalisiertes �Japan�) regten die Fantasie an. Die gesamte �Indienfahrerei� rund 200 Jahre sp�ter hat hier ihren sozusagen literarischen Ursprung.</p><p><emphasis>ca. 1305</emphasis></p><p>GIOTTO DI BONDONE: DIE ARENA-KAPELLE����Die Arena-Kapelle in Padua ist ein �u�erlich schlichtes Geb�ude auf dem Gel�nde eines ehemaligen, �Arena� genannten r�mischen Amphitheaters. Sie war Teil eines Wohnpalastes, den der Bankier Scrovegni ab 1300 hier am Stadtrand von Padua errichten lie�. Mit der kompletten Ausmalung s�mtlicher Innenw�nde beauftragte er den Freskenmaler Giotto (1266�1337) aus Bondone bei Florenz. In �ber 100 Einzeldarstellungen schuf Giotto Szenen aus dem Leben von Maria, Jesus Christus und der Passion von einer bis dahin nie gesehenen Nat�rlichkeit, Lebendigkeit und dramatischen Bewegtheit. Diese Malerei wirkte v�llig anders als die schematischen Figuren der am byzantinischen Ikonenstil orientierten Kunst seiner Zeit. Giotto stellte die biblischen Szenen erstmals vor den Hintergrund nat�rlich gemalter Landschaften und Stadtansichten. Die plastische Modellierung seiner Gestalten durch Licht und Schatten bestimmte die gesamte Malkunst bis Picasso.</p><p>Sowohl Dante als auch Boccaccio erw�hnen den K�nstler in ihren Werken. Petrarca besa� ein von Giotto gemaltes Bild.</p><p><emphasis>ca. 1310</emphasis></p><p>DANTE ALIGHIERI: DIE KOM�DIE����Den gel�ufigen Titel <emphasis>Die g�ttliche Kom�die</emphasis> gab ihr erst der Dante-Bewunderer Giovanni Boccaccio; er meinte damit eine �hervorragende Kom�die�, so wie man heute auch sagt: ein g�ttlicher Genuss. Dante verwendete den schlichten Titel <emphasis>La Comedia</emphasis> so, wie man das Wort damals in Italien (und heute noch in Hollywood) verstand: Geschichte mit Happy End. Es ist aber keine Seifenoper, sondern ein hochgelehrtes Werk �ber die Wanderung des Dichters durch die drei Jenseitsreiche H�lle, Fegefeuer und Paradies.</p><p>�ber Dantes (1265�1321) Leben ist wenig bekannt. 1302 wurde er aus seiner Heimatstadt Florenz verbannt, <emphasis>Die Kom�die </emphasis>entstand im Exil ab 1307 auf Italienisch. F�r die Italiener ist die <emphasis>Kom�die </emphasis>Gr�ndungs- und Hauptwerk ihrer Literatur und wegen der damaligen Vorreiterrolle Italiens auch der modernen europ�ischen Literatur.</p><p><emphasis>ca. 1345</emphasis></p><p>FRANCESCO PETRARCA: CANZONIERE����Weil sein Vater Petracco ein papsttreuer Florentiner Notar war, kam Francesco Petrarca (1304�1374) im Alter von sieben Jahren nach Avignon. (Petrarca ist eine latinisierte Form des Vaternamens.) Er wohnte sp�ter in einem Haus in Vaucluse und bestieg 1336 den nahe gelegenen Mont Ventoux, den Paul C�zanne um 1900 so oft malen wird. Nur zum Vergn�gen einen Berg zu besteigen und seine Naturempfindungen in einem Brief auszudr�cken, war etwas v�llig Neues. Jeder mittelalterliche Mensch h�tte dar�ber den Kopf gesch�ttelt.</p><p>Petrarca reiste durch ganz Europa, nach Paris, in die Niederlande, an den Rhein, sp�ter wieder nach Italien, als Gesandter auch nach Prag. Er war stets auf der Suche nach antiken Manuskripten, die Besch�ftigung mit der Antike war der Hauptlebensinhalt des Gelehrten. Hierin fand er �alternative� Lebensformen zu denjenigen seiner eigenen Zeit. Sein Hauptwerk sind Gedichte, die meist als <emphasis>Canzoniere </emphasis>(�Lieder�) herausgegeben werden. Auch er schrieb in der �Volkssprache� Italienisch.</p><p><emphasis>ca. 1350</emphasis></p><p>GIOVANNI BOCCACCIO: DAS DEKAMERON����besteht aus jeweils zehn Novellen, die sich die Mitglieder einer Reisegesellschaft an zehn Tagen zu ihrer Unterhaltung gegenseitig erz�hlen. Diese Herrschaften (sieben Damen, drei Herren) sind auf der Flucht vor der Pest von Florenz aufs Land gereist. Das Dekameron (�Das Hundert-Werk�) entstand um 1350, nach dem Pestjahr 1348 in Florenz. Mit all seinen Schw�nken und Abenteuern ist es auch heute noch sehr vergn�glich zu lesen. Boccaccio (1313�1375) bewunderte Dante und war mit Petrarca befreundet. Auch er und andere Intellektuelle ihres Freundeskreises forschten in Bibliotheken nach Texten aus der Antike.</p><p>Es war diese Mentalit�t, die bewusste Suche nach neuen geistigen Inhalten, neuen geistigen und k�nstlerischen Ausdrucksformen und nach neuen Lebensformen, die die �Renaissance�, die �Wiedergeburt� der Antike einleitete.</p><p><emphasis>1300</emphasis></p><p>ABLASSHANDEL UND JUBELJAHR � ERSTES �HEILIGES JAHR�����Um der Kirche eine neue Einnahmequelle zu erschlie�en, verk�ndete Papst Bonifaz VIII. 1300 erstmals ein �Heiliges Jahr�: Allen Christen wurde ein S�ndenablass in Aussicht gestellt, wenn sie nach Rom pilgerten. Der Erfolg war �berw�ltigend. Das Gedr�nge auf der Engelsbr�cke von der Altstadt zum Vatikan war so gro�, dass man Linksverkehr einf�hren musste. Der schwunghafte Ablasshandel verbesserte nachhaltig die Lage der p�pstlichen Finanzkassen. Schon im alten Israel hatte es die Tradition gegeben, in jedem f�nfzigsten Jahr einen Schuldenerlass durchzuf�hren, angek�ndigt durch das Blasen des Schofars, eines Kultinstrumentes aus Widderhorn. �Widderhorn� hei�t auf Hebr�isch <emphasis>jovel</emphasis>. Die Verbindung von Jubel und Ablass ist also seit biblischen Zeiten sehr eng. Mit dem Ablasshandel betrieb die Kirche in den folgenden 200 Jahren einen derartigen Missbrauch, dass Martin Luther, davon angewidert, �ber Ma�nahmen zu einer tiefgreifenden Reform der Kirche nachsann. Nachdem er sie per Thesenanschlag ver�ffentlicht hatte, entwickelte sich daraus die Reformation.</p><p><emphasis>1302</emphasis></p><p>UNAM SANCTAM����ist der Titel einer der ber�hmtesten Papstbullen. 1302 verk�ndete Bonifaz VIII. die Doktrin von der �bergeordneten Stellung des Papsttums �ber alle weltlichen Gewalten. Anlass war ein jahrelanger Streit um eine Kleriker-Steuer mit dem franz�sischen K�nig Philipp IV., genannt der Sch�ne, der von 1285 bis 1314 regierte. Philipp IV. verhinderte den Transfer des Geldes nach Rom. Daraufhin exkommunizierte Bonifaz den K�nig.</p><p>Aus dem triumphalen Veranstaltungserfolg des Heiligen Jahres folgerte Bonifaz, die ganze Christenheit l�ge ihm zu F��en. Er hatte sich versch�tzt. Die Bulle diente dazu, die Exkommunikation Philipps und seine Vorladung nach Rom theoretisch zu untermauern. Aus Bibelstellen wird sodann der weltliche Machtanspruch der Kirche mit dem Hinweis begr�ndet, dass alle Menschen S�nder seien, auch die K�nige, und folglich der Papst �ber allen stehe und alle ihm zu Gehorsam verpflichtet sind.</p><p>Mit dieser Auffassung hatte noch Papst Gregor VII. den deutschen Kaiser Heinrich IV. in Canossa auf die Knie zwingen k�nnen, mittlerweile wurde das als eine Einschr�nkung der Souver�nit�t des franz�sischen K�nigs empfunden. Philipp berief, erstmals in der Geschichte Frankreichs, im April 1302 eine Nationalversammlung ein, die �allgemeine Versammlung der St�nde� (<emphasis>Etats g�n�raux). </emphasis>Dadurch versicherte sich erstmals ein Monarch der Unterst�tzung der �ffentlichen Meinung. Philipps pers�nliche Fr�mmigkeit war �ber jeden Zweifel erhaben. Im Canossa-Konflikt war noch der Papst der moralisch St�rkere gewesen.</p><p>Im Jahr darauf lie� Philipp IV. den Papst seine tats�chliche Macht sp�ren. Franz�sische S�ldner pl�nderten den Papstpalast. Der Achtzigj�hrige bekam drei Tage lang nichts zu essen und zu trinken. Guillaume de Nogaret, der franz�sische Gesandte, ohrfeigte den Papst und verlangte dessen Abdankung. Bonifaz weigerte sich. Da die Franzosen den Papst nicht t�ten wollten, zogen sie nach drei Tagen wieder ab. Bonifaz starb nach diesem Schock im folgenden Monat.</p></section><section><subtitle>ENGLAND UND FRANKREICH</subtitle><p>Der unmittelbare Nachfolger von Bonifaz war nach kurzem Pontifikat verstorben. Nun beugte sich das Konklave dem Willen des damals m�chtigsten Herrschers in Europa und w�hlte 1305 dessen verl�ngerten Arm in Rom, den franz�sischen Kardinal de Got als Clemens V. zum Papst.</p><p><emphasis>1309</emphasis></p><p>�BABYLONISCHE GEFANGENSCHAFT� DER P�PSTE����Clemens verlegte 1309 den Sitz des Papstes nach Avignon. Avignon war damals zwar p�pstlicher Besitz, aber ringsherum von franz�sischem Territorium umgeben. Die P�pste waren dort praktisch Gefangene des franz�sischen K�nigs. Damit war der universelle Anspruch des Papsttums den nationalen Interessen eines Monarchen untergeordnet, ein herber Ansehensverlust und ein Signal f�r das Ende des Mittelalters. Die P�pste blieben fast 80 Jahre, bis 1376, in der provenzalischen Stadt. Clemens beg�nstigte in schamloser Weise seine Verwandten und franz�sischen Freunde, indem er sie zu Kardin�len ernannte. Avignon wurde in ganz Europa ein Inbegriff des Luxus, des Lasters und der Verschwendung, der Papsthof als �klementinischer Jahrmarkt� verspottet. Das Sp�tmittelalter schwankt extrem zwischen tiefster Fr�mmigkeit und Abgr�nden der Dekadenz.</p><p><emphasis>1307�1314</emphasis></p><p>DER SCHATZ DER TEMPLER����Papst Clemens erwies sich auch als willf�hriges Instrument bei der Zerschlagung des Templerordens. Der Finanzbedarf, man kann auch sagen die Geldgier des franz�sischen K�nigs, war ungeheuer. Er manipulierte nicht nur die W�hrung durch M�nzverschlechterung und belastete die Juden au�erordentlich, sondern besteuerte auch den Klerus, was bis dahin im Mittelalter noch nie vorgekommen war. Der Templerorden � von Steuern befreit � hatte ein gro�es Verm�gen angeh�uft. Seine Zentrale, der Temple von Paris, war so etwas wie eine Bank, wo bedeutende Verm�genstransaktionen abgewickelt wurden, auch f�r die franz�sische Krone. In dieser stark befestigten Burg wurde ein Teil des franz�sischen Kronschatzes verwahrt, neben den Geldern der Templer. Zumindest das war der Schatz der Templer. Philipp befand sich in einer gewissen Abh�ngigkeit vom Templer-Orden, der in Frankreich so etwas wie einen Staat im Staate bildete.</p><p>Die Vorw�rfe gegen die Templer lauteten auf Teufelsanbetung und �Sodomie� (damals meinte man damit Homosexualit�t). Obwohl ein Konzil 1311 festgestellt hatte, dass die Vorw�rfe der Ketzerei unhaltbar seien, hob Clemens V. den Orden auf. Guillaume de Nogaret sorgte f�r die erbarmungslose Verfolgung der Tempelritter. Sein bester Komplize muss Papst Clemens gewesen sein. Mit seinen letzten Worten auf dem Scheiterhaufen verfluchte Jacques de Molnay, der letzte Gro�meister des Ordens, �Papst Clemens! Ritter Guillaume de Nogaret! K�nig Philipp! � bis ins dreizehnte Glied!�</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: In Frankreich wurde im 13. Jahrhundert das Territorium erweitert und die Zentralmacht des K�nigtums gest�rkt: durch den Sieger von Bouvines, Philipp II., seinen Sohn Ludwig VIII., der den �Kreuzzug� gegen die Katharer beendete, Ludwig IX., den �Friedensf�rsten�, der dem K�nigtum einen beinahe sakralen Nimbus verlieh und den Papst-Bezwinger und Templer-Vernichter Philipp IV. Gleichzeitig vollzog sich in England im Anschluss an die Magna Charta eine andere Entwicklung des K�nigtums. Hier traten Vorformen des Parlaments neben den K�nig.</p><p><emphasis>1237</emphasis></p><p>PARLAMENT����Erstmals im Jahr 1237 ist in England von einem <emphasis>parliamentum</emphasis> die Rede, damals eine Art Adelsversammlung aus Bisch�fen und Grafen um K�nig Heinrich III., Sohn von Johann Ohneland. Mehrmals musste er die Magna Charta best�tigen und dem Adel weitere Rechte einr�umen. Einer Vereinbarung von 1258 zufolge sollten die Entscheidungen des K�nigs fortan von einem kleineren Kronrat gebilligt und dem <emphasis>parliamentum</emphasis> vorgelegt werden, das dreimal im Jahr tagte. Als Heinrich sich weigerte, war die Opposition gegen ihn so stark, dass es 1264 bei Lewes zu einer Schlacht kam, bei der die k�nigliche Familie in Gefangenschaft geriet.</p><p><emphasis>1264</emphasis></p><p>HOUSE OF COMMONS����Um sein K�nigsamt weiter aus�ben zu k�nnen, musste Heinrich erneut Zugest�ndnisse machen. 1264 und 1265 wurden erstmals Abgeordnete aus dem einfachen Ritteradel und B�rger aus den St�dten zu den <emphasis>parliamentum</emphasis>-Versammlungen zugelassen. Diese Gruppe bezeichnete man als <emphasis>Commons</emphasis> (�die gew�hnlichen, die einfachen Leute�). 1295 konstituierten sich die <emphasis>Commons</emphasis> als �dritter Stand� im englischen K�nigreich. Das war kein Parlament im Sinn der Neuzeit, aber hier liegen die Anf�nge daf�r.</p><p><emphasis>1295</emphasis></p><p>WESTMINSTER����In einer sumpfigen Gegend nahe der Themse und westlich der City of London gab es schon seit angels�chsischer Zeit, also noch vor den Normannen, eine K�nigsresidenz. K�nig Heinrich lie� diesen Palast im gotischen Stil ausbauen. 1295 tagte in der gr��ten Versammlungshalle, in Westminster Hall, das <emphasis>Model Parliament</emphasis>, was man als Beginn der Parlamentsgeschichte in England bezeichnet. Im prachtvollen gotischen Neubau von Westminster wurden aber auch eine Hofkanzlei, Schatzamt und K�nigsgericht eingerichtet. Allm�hlich bildete sich aus diesen Verwaltungsinstitutionen �die Krone�, also K�rperschaften, die unabh�ngig vom jeweiligen K�nig immer funktionierten. Das Amt konnte nun �berdauern, auch wenn die Person des K�nigs schwach war.</p><p>Im selben Jahr kam in Frankreich der dritte Sohn Philipps des Sch�nen zur Welt, der letzte Kapetinger. Karl IV. von Frankreich regierte 1322 bis 1328. Dann starb er im Alter von 33 Jahren ohne m�nnlichen Erben.</p><p><emphasis>ab 1328</emphasis></p><p>HERBST DES MITTELALTERS � DIE VALOIS����Die Valois gelten als neue K�nigsdynastie in Frankreich ab 1328. Die sich aus dem salischen Recht, das nur die m�nnliche Erbfolge zulie�, ergebenden dynastischen Fragen waren kompliziert. Frankreichs Adel entschloss sich f�r Philipp VI., einen Cousin Karls IV. aus der Nebenlinie Valois. Die Krone blieb also irgendwie in der Familie.</p><p>Die Valois regierten Frankreich in seiner glanzvoll dekadenten Zeit des Sp�tmittelalters, teilweise in starker Konkurrenz zu ihren Vettern, den reichen und m�chtigen Herz�gen von Burgund. Dieser <emphasis>Herbst des Mittelalters</emphasis>, so ein ber�hmter Buchtitel des niederl�ndischen Kulturhistorikers Johan Huizinga von 1919, war eine kulturelle und zivilisatorische Glanzphase mit zahllosen Kunstwerken, die heute zu den bedeutendsten der Weltmuseen z�hlen.</p></section><section><subtitle>PEST-ZEIT</subtitle><p>Mitte des 14. Jahrhunderts w�tete in Europa die Pest. Der Begriff �Schwarzer Tod� wurde damals nicht verwendet; er entstand erst um 1830. In Deutschland sprach man eher von �Pestilenz�, damit eng verkn�pft ist der sprichw�rtliche �pestilenzialische Gestank�. Dessen Bek�mpfung mit R�ucherwerk war denn auch eine der typischen hilflosen ��rztlichen� Ma�nahmen der Zeit.</p><p>Die Pest wurde aus Asien wahrscheinlich mit Schiffen �ber das Schwarze Meer eingeschleppt. Konstantinopel mit seinen katastrophalen hygienischen Verh�ltnissen blieb einer der Hauptherde. Entlang der Schifffahrtsrouten breitete sich die Seuche demzufolge am schnellsten und am intensivsten aus. Teile Italiens und S�dfrankreichs sowie Norddeutschland waren daher immer wieder st�rker betroffen. In Florenz, wo die Pest besonders heftig w�tete, starben mehr als drei Viertel der Bewohner. Insgesamt t�tete die Pest ein Drittel der europ�ischen Bev�lkerung, rund 20 bis 25 Millionen Menschen, in Deutschland sch�tzungsweise zehn Prozent.</p><p><emphasis>ca. 1350</emphasis></p><p>TOTENTANZ � GEI�LERZ�GE � BRUNNENVERGIFTER����Begleiterscheinung der Pest war ein �bersteigertes B��er- und Gei�lertum, in der Kunst dargestellt als �Totentanz�, in Frankreich als <emphasis>Danse macabre</emphasis>. Die Gei�ler- oder Flagellantenz�ge hatten sich, ausgehend von Italien, blitzartig in ganz Europa verbreitet. Bis ins 19. Jahrhundert hielt man Krankheiten oft f�r eine �Strafe Gottes�, so kam es zu dieser �religi�sen� Bek�mpfung der Seuche. Eine andere Begleiterscheinung waren teilweise massive Pogrome gegen Juden. In Deutschland fielen ihnen Tausende zum Opfer, noch mehr wurden vertrieben. Die Beschuldigung lautete meistens, Juden h�tten Gift in die Brunnen getr�ufelt. Papst Clemens VI., der so willf�hrig nach Avignon �bergesiedelt war, sah allerdings keinen Zusammenhang, da die Pest auch dort w�tete, wo keine Juden lebten, und besch�tzte sie in seinem Machtbereich.</p><p><emphasis>1356</emphasis></p><p>GOLDENE BULLE����Prag war einer der Orte, der von der gro�en Pestepidemie verschont blieb. Der sp�tere Kaiser Karl IV. aus dem Hause Luxemburg wurde 1316 hier geboren und urspr�nglich auf den b�hmischen Namen Wenzel getauft. Er wuchs am franz�sischen Hof auf und war als junger Mann lange durch Italien gereist; der sehr gebildete junge Prinz sprach f�nf Sprachen. In der Nachfolge seines Vaters wurde Wenzel als Karl IV. 1347 b�hmischer K�nig und 1349 deutscher Kaiser. Kurz nach seinem Regierungsantritt gr�ndete er 1348 in Prag die erste Universit�t n�rdlich der Alpen. Er machte Prag zu einem Zentrum der sp�tmittelalterlichen Kultur. Mit der Goldenen Bulle erlie� er eines der wichtigsten Grundgesetze f�r das Heilige R�mische Reich.</p><p>Bullen waren die aus Wachs oder Blei bestehenden Siegel, mit denen man die Echtheit wichtiger Urkunden verbriefte. Sie sind der Vorl�ufer des Amtsstempels auf F�hrerschein, Baugenehmigung und dergleichen. Man bezeichnete aber auch das gesamte Dokument � haupts�chlich die Urkunden der P�pste � als Bulle. Im deutschsprachigen Raum bezieht sich �Goldene Bulle� eigentlich immer nur auf die von Karl IV. erlassene Bulle von 1356. Sie blieb bis zum Ende des Heiligen R�mischen Reiches (1806) in Kraft, regelte endg�ltig die Wahl des �r�mischen� Kaisers und best�tigte vor allem die sieben Kurf�rsten, die sich bis dahin herausgebildet hatten, in ihrem (alleinigen) Wahlrecht.</p><p>Die Goldene Bulle schuf im Wesentlichen kein neues Recht, sondern schrieb eine �berkommene Praxis f�r die Zukunft fest. Neu war allerdings, dass die Berechtigung zum F�hren des Kaisertitels nicht mehr von der Zustimmung des Papstes abhing. Endg�ltig seit der Goldenen Bulle war damit der deutsche K�nig auch automatisch �r�mischer Kaiser�. Dementsprechend verloren die Papstkr�nungen an Bedeutung. Der letzte deutsche K�nig, der von einem Papst gekr�nt wurde, war Karl V.</p><p>HEILIGES R�MISCHES REICH DEUTSCHER NATION����Bis in die Zeit der Ottonen sprach man nur vom <emphasis>Regnum Francorum</emphasis> oder vom <emphasis>Regnum Teutonicum</emphasis>. W�hrend der Zeit der Salier wird erstmals die Bezeichnung <emphasis>Imperium Romanum</emphasis> aktenkundig (1034). Im Zusammenhang mit den um das Jahr 1000 umlaufenden apokalyptischen Weltuntergangsszenarien gab es eine mittelalterliche Geschichts�theorie�, die auf einer Bibelstelle im Buch Daniel beruhte und eine Abfolge von Weltreichen: Babylon-Perser-Alexander-Rom postulierte. Durch die �bertragung der Kaiserw�rde an Karl den Gro�en sei die r�mische Kaiserw�rde bei den fr�nkischen Herrschern und letztlich bei den Deutschen angekommen. So wurde das <emphasis>Regnum Francorum</emphasis> begrifflich gesehen zum <emphasis>Imperium Romanum</emphasis>.</p><p>Als sich Friedrich Barbarossa in Italien in der Auseinandersetzung mit dem Lombardischen Bund und der <emphasis>Sancta Ecclesia</emphasis> des Papstes zu behaupten versuchte, �berh�hte sein Kanzler das <emphasis>Imperium Romanum</emphasis> zum <emphasis>Sacrum Imperium Romanum </emphasis>(Heiliges R�misches Reich). Wesentlicher Bestandteil dieses Propagandafeldzuges war �brigens die �bertragung der Reliquien der Heiligen Drei K�nige (K�nige!) aus dem besiegten Mailand nach K�ln. F�r deren Aufbewahrung wurde der pr�chtige Dreik�nigsschrein in Auftrag gegeben. Au�erdem veranlasste die Reichskanzlei die Heiligsprechung Karls des Gro�en einschlie�lich einer feierlichen Umbettung von dessen Gebeinen. Bei dieser Zeremonie spielte Barbarossa die zentrale Rolle. So wurde das Kaisertum sakralisiert, �heilig� gemacht. Unter Karl IV. trat bei der Ausfertigung der Goldenen Bulle ausdr�cklich der Zusatz hinzu, dass es �deutsche Nationen�, deutschsprachige F�rsten waren, die den �r�mischen� Kaiser w�hlten: das Heilige R�mische Reich Deutscher Nation.</p><p><emphasis>1378�1417</emphasis></p><p>ABENDL�NDISCHES SCHISMA����Wegen des Exils der P�pste in Avignon war Italien in Anarchie versunken. Die heilige Katharina von Siena reiste daher in die Provence und bewog 1376 Papst Gregor XI. zur R�ckkehr.</p><p>Gregor XI. starb 1378. Nachfolger wurden Urban VI. auf der einen (r�mischen) Seite und Clemens VII. auf der Seite Avignons. Die R�mer wollten keinen franz�sischst�mmigen Papst mehr, Urban war Italiener. Die Mehrheit der Kardin�le war aber franz�sisch. Beiden fehlten Macht und Wille, die b�rgerkriegs�hnlichen Zust�nde in Italien zu beenden � im Gegenteil, man sch�rte sie teilweise noch. Das Schisma spaltete ganz Europa. Die Gegenp�pste aus Avignon hatten nat�rlich kein Interesse, es zu beenden. Der Papst aus Avignon wurde von den iberischen K�nigreichen Kastilien, Arag�n, Portugal und von Neapel-Sizilien anerkannt. Hinter dem r�mischen Papst standen das Reich, England, Ungarn und Polen. Das Abendl�ndische Schisma wurde erst auf dem Konzil von Konstanz (1414�1418) beigelegt. Inzwischen hatte man auch in Frankreich eingesehen, dass die Spaltung des Papsttums auf die Dauer nicht aufrechterhalten werden konnte, und den deutschen K�nig und sp�teren Kaiser Karl IV. um Vermittlung gebeten. Dessen Bruder, K�nig Sigismund, war auf dem Konzil die treibende Kraft zum Ausgleich. Im Konstanzer �Konzilsgeb�ude� wurde 1417 Martin V. als von allen anerkannter Papst gew�hlt. Der einigte sich 1429 mit dem letzten Gegenpapst �ber dessen R�cktritt.</p><p><emphasis>ca. 1415</emphasis></p><p>HUSSITEN����In Konstanz wurden auch die als ketzerisch verurteilten Lehren des Engl�nders John Wyclif (der bereits gestorben war) und des B�hmen Jan Hus verurteilt. Hus (1370�1415) hatte in seinen Schriften Wyclif ausgiebig zitiert. Auch kritisierte er, was sp�ter Luther gegen die Amtstr�ger der Kirche aufbrachte: �Die Priester predigen wohl gegen unsere Unzucht und unsere Laster, aber von den ihrigen sagen sie nichts.� Priester und M�nche galten als Inbegriff der Heuchelei. In B�hmen war Hus sehr popul�r, er predigte auf Tschechisch und befl�gelte das Nationalbewusstsein der Tschechen, die sich von der deutschen Oberschicht diskriminiert f�hlten. (Prag war damals Residenz der Kaiser.) Hus war 1415 gegen die Zusage von freiem Geleit nach Konstanz gekommen, wurde aber festgenommen und als Ketzer verbrannt. Nach seinem Tod wurde die Hussiten-Bewegung eine b�rgerkriegs�hnliche Bedrohung von Brandenburg �ber Sachsen, B�hmen und Bayern bis Ungarn und Polen. Das Zentrum der hussitischen �Ketzer� blieb B�hmen. Die Truppen von Kaiser Sigismund wurden bei ihren �Kreuzz�gen� regelm��ig von den hussitischen geschlagen, bis sich die Hussiten spalteten. Die Mischung aus �Religionskrieg� und tschechischem Nationalaufstand war ein Vorspiel des Drei�igj�hrigen Krieges.</p><p><emphasis>ca. 1450</emphasis></p><p>BUCHDRUCK����Nach den schlimmsten Wellen der Pest, im auslaufenden Sp�tmittelalter und fast schon an der Schwelle zur Renaissance auch n�rdlich der Alpen, gelingt Johannes Gutenberg (ca. 1397�1468) zun�chst in etwas m�hsamer handwerklicher Erfinderarbeit, aber letztlich erfolgreich die epochale Innovation des Buchdrucks. Jahrhundertelang hatte es keinen vergleichbaren technischen Fortschritt gegeben und es sollte lange dauern, bis eine ebenb�rtige Neuerung folgte. Die kulturellen Folgen dieser technischen Erfindung k�nnen gar nicht �bersch�tzt werden. 1962 pr�gte der einflussreiche kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan, der auch das Schlagwort �Globales Dorf� erfunden hat, das Wort von der Gutenberg-Galaxis f�r das seither in schriftlicher Form leicht zu vervielf�ltigende Weltwissen.</p><p>Die gesamte Technik des Buchdrucks besteht nicht nur aus dem einzigen Vorgang des Pressens, deshalb ist die oft anzutreffende Bezeichnung Johannes Gutenbergs als �Erfinder der Druckerpresse� nicht besonders genau. Das Druckverfahren besteht aus mehreren Einzelschritten vom Herstellen bzw. Gie�en der Lettern �ber das Einschw�rzen mit Druckerfarbe bis zum Pressen. Gutenberg hat f�r alle Produktionsstufen entscheidende Verbesserungen vorgenommen. Bis dahin wurde auch schon gedruckt � Holzschnitte zum Beispiel �, aber auf umgebauten Most- oder Weinpressen. Das Entscheidende war die Kombination von in beliebiger Anzahl herstellbaren, �beweglichen� Lettern, die mit der Presse in einen Winkelrahmen �gesetzt� wurden.</p><p>Das Verfahren hatte unglaublichen Erfolg. Zwischen 1470 und 1490 erh�hte sich die Zahl der Druckorte in Europa von 17 auf 204. Die wichtigsten Druckwerke waren zun�chst Ablassbriefe und Kalender. Man hat die schnelle Verbreitung der Reformation mit dem �neuen Medium� in Verbindung gebracht. Auch die Alphabetisierung der Bev�lkerung in den nachfolgenden Jahrhunderten w�re ohne massenweise gedruckte B�cher nicht denkbar. Der Buchdruck ist das erste �industrielle� Herstellungsverfahren eines Produkts, das mehrmals vervielf�ltigt wird.</p><p>Mit seinem Hauptwerk, der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel, einer lateinischen Bibelausgabe schuf der �u�erst sorgf�ltige Handwerker und Buchk�nstler Gutenberg in Mainz nach Meinung vieler Kenner nicht nur das erste bedeutende gedruckte Buch, sondern auf Anhieb das bis heute sch�nste � oder wenigstens eines der sch�nsten.</p></section><section><subtitle>CHINA UNTER DEN MING-KAISERN</subtitle><p><emphasis>1368</emphasis></p><p>MING-DYNASTIE����Erst unter der Ming-Dynastie, die seit 1368 bis 1644 die chinesischen Kaiser stellte, wurde die Gro�e Mauer als das imposante Steinbauwerk vollendet, wie man sie heute fotografieren kann. Nach der �Fremdherrschaft� der Mongolen (Y�an-Dynastie) mobilisierten die Ming-Kaiser erhebliche Ressourcen, um mit dem Blut, Schwei� und Tr�nen zwangsverpflichteter Bauern dieses Bollwerk zu errichten. Die Bedrohung aus den n�rdlichen Steppen, dieses jahrhundertealte Dauerthema der chinesischen Au�enpolitik, sollte ein f�r allemal gebannt werden.</p><p>Wie so oft, gingen die wichtigsten Impulse und Weichenstellungen von dem ersten Kaiser und Dynastie-Begr�nder, dem Heerf�hrer Chu Y�an-chang (1328�1398) aus. Nach dem Tod von Kublai Khan war den Mongolen-Kaisern die Herrschaft zunehmend entglitten. Aufgrund sozialer Missst�nde, Korruption der Beamten und tibetischer M�nche drohte das Reich der Mitte wieder zu zerfallen. Dem Bauernsohn und ehemaligen M�nch Chu Y�an-chang gelang es, sich zum Heerf�hrer aufzuschwingen und sich gegen seine Rivalen durchzusetzen. 1359 besetzte er Nanking, 1368 Peking. 1368 proklamierte er sich selbst zum Kaiser unter dem Namen Hongwu. Der anschlie�ende Reform- und Konsolidierungsprozess dauerte jahrzehntelang.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Ming-Dynastie regierte 276 Jahre bis 1644. W�hrend der europ�ischen Reformationszeit und der anschlie�enden Religionskriege schwelgte China im Luxus eines unangefochtenen Reiches und einer selbstgewissen, jahrtausendealten Kultur, verbunden mit dem dekadenten �bermut der herrschenden Schichten. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts kapselte sich China durch die Zerst�rung seiner Hochseeflotte und den Bau der Mauer zunehmend von der Au�enwelt ab. Den chinesischen Porzellanexport besorgten die holl�ndischen und englischen Kolonialgesellschaften. Als in Europa der Drei�igj�hrige Krieg zu Ende ging, wurde die reformunf�hige und geschw�chte Ming-Regierung von der nicht-chinesischen Mandschu-Dynastie aus dem Norden �berw�ltigt, die bis 1911 regierte.</p><p>VERBOTENE STADT UND HIMMELSTEMPEL�����Verbotene Stadt� ist die allgemein g�ngige Bezeichnung f�r den chinesischen Kaiserpalast mitten in Peking. Diese gr��te Palastanlage der Welt wurde 1407 bis 1420 erbaut (Gesamtfl�che: 740000 Quadratmeter, bebaute Fl�che 150000 Quadratmeter, 9999 R�ume). Herzst�ck ist die �Halle der H�chsten Harmonie� (<emphasis>Tai He Dian</emphasis>).</p><p>1403 hatte der dritte Ming-Kaiser Yongle die Hauptstadt von Nanking ins weiter n�rdlich gelegene Peking verlegt, haupts�chlich weil die Abwehrk�mpfe gegen die Mongolen von dort aus leichter zu koordinieren waren. Yongle war einer der bedeutendsten Kaiser von China �berhaupt. Auf seinen Befehl wurde in Peking auch der Himmelstempel erbaut. Die ausgedehnte Anlage mit dem kreisrunden Tempel entstand ab 1420, musste aber nach einem Brand 1890 neu errichtet werden. Der Himmelstempel war das zentrale Heiligtum der Song,-, Ming- und Ching-Dynastien. Hier fand die allj�hrliche kaiserliche Zeremonie zur Wintersonnenwende statt. Die gesamte Anlage hat eine strenge Nord-S�d-Ausrichtung, wie �brigens bei allen chinesischen Tempeln die Eingangsfront nach S�den zeigt. So ist man beim Betreten gezwungen, nach Norden zu blicken, zum unver�nderlichen Polarstern, dem Zentrum der himmlischen Harmonie.</p><p>MING-VASE����W�hrend der Ming-Zeit entsteht das blau-wei�e Dekor des chinesischen Porzellans, das ein Inbegriff f�r dieses �u�erst begehrte Exportgut in Europa ist und dort vielfach �nachgeahmt� wird (Delfter Ware). Chinesisches Porzellan war nicht nur in Europa, sondern auch am sp�teren Mogul-Hof in Indien sehr begehrt.</p></section><section><subtitle>AZTEKEN UND INKA</subtitle><p><emphasis>ca. 1350</emphasis></p><p>AZTEKEN����Die Azteken nannten sich selbst <emphasis>Mexica</emphasis>. Das ist die Bezeichnung eines ihrer drei wichtigsten Siedlungspl�tze in der Senke einer rund 2000 Meter hoch gelegenen Ebene in Mittelamerika. Das Wort <emphasis>aztecatl</emphasis> verweist auf ihren mythischen Herkunftsort Aztl�n (�Silberreiherland�).</p><p>Die Azteken, urspr�nglich ein kleiner nomadischer Stamm, wurden um 1200 im heutigen Mexiko sesshaft. Hauptg�tter waren Qu�tzalcoatl (die gefiederte Schlange, Sch�pfung und Vegetation), Huitzlipochtlichi (Krieg), Tlaloc (Regen), Cihuacoatl (Muttergottheit), Tezcatlipoca (Musik und Tanz). Blut galt als Symbol des Lebens, deswegen der Kult der bei lebendigem Leib herausgerissenen Herzen, denn dieses vergossene Blut stellte den Einklang mit den G�ttern und den Rhythmen des Universums her.</p><p>Die beste Zuflucht vor Feinden boten den Azteken die Inseln im Texcocosee. Aus den dortigen Siedlungen entwickelten sich vor 1350 die St�dte der Azteken. Das aztekische Reich war kein straff organisierter Fl�chenstaat, sondern die umliegenden V�lker waren tributpflichtig. Die Tribute bestanden aus Nahrungsmitteln und Gebrauchsg�tern, denn die Azteken bauten selbst nichts an. In der Azteken-Hauptstadt Tenochtitl�n, auf einer Insel im Texcocosee erbaut, lebten ungef�hr 250000 Menschen. In Europa hatten zu der Zeit nur Konstantinopel und Neapel mehr Einwohner. Tenochtitl�n befand sich am Ort des heutigen Mexiko-City. Das aztekische Gro�reich wird auf dem H�hepunkt seiner Entfaltung rund 150 Jahre sp�ter von dem spanischen Konquistador Hern�n Cort�s vernichtet<emphasis>.</emphasis></p><p><emphasis>ca. 1350</emphasis></p><p>INKA����Inka Ruq�a war der sechste Herrscher der Stadt Cusco und der erste, der seit etwa 1350 den Herrschertitel �Inka� in dem sich ausdehnenden Andenstaat f�hrte. �Inka� war ein Stammesname von Indianern, die aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Amazonasgebiet �ber die Anden zuwanderten. Ihr Hauptort war Cusco, wo sie ihre Herrschaft �ber eine jahrtausendealte Bauernkultur begr�ndeten und ihre Staatssprache Quechua durchsetzten. Aus dem Kleinstaat entwickelte der nur aus wenigen Familien bestehende Inka-Stamm ein Imperium. Sie unterwarfen die ans�ssigen Bauern, l�schten ihre als barbarisch erachteten Kulturen systematisch aus und eroberten 1350 bis 1430 nach und nach die umliegenden Gebiete im heutigen Peru, Ecuador und Chile.</p><p>Die Inka leiteten ihre Herkunft von dem Sonnengott Inti ab; ihre Religion war ein Sonnenkult. Die entlegene Felsenstadt Machu Picchu, um 1900 wiederentdeckt, wurde erst um 1450 erbaut, zu Beginn der Bl�tezeit des Inka-Reiches, in dem es ein exzellentes Stra�ennetz gab. F�r eine Hochgebirgsregion war das Reich bemerkenswert dicht bev�lkert, ein straff zentralistischer, streng monarchisch ausgerichteter Staat auf vorbronzezeitlicher Entwicklungsstufe. Man kannte weder Rad noch T�pferscheibe, keine Wagen oder Gespanne, keine technischen Hilfsmittel wie Blasebalg oder Zange und keine geschriebene Schrift, aber die weltweit einzigartige �Knotenschrift� � eher eine Art Rechensystem. Nachdem die Inka ihre gr��te Ausdehnung erreicht hatten, blieben nur rund 100 Jahre bis zur Eroberung durch den Spanier Francisco Pizarro.</p><p><emphasis>1200�1540</emphasis></p><p>MUISCA � DIE HEIMAT DES ELDORADO����Aller Wahrscheinlichkeit nach ist diese auch Chibcha genannte Hochkultur im Hochland von Bogot� (1200�1540) der historische Ort der Vorstellung vom Eldorado. Die Muisca-Kultur �hnelte in mancher Hinsicht der der Inka. Die H�uptlinge regierten �ber mehrere kleine V�lker. Bei dem Hauptvolk der Chibcha wurde ein neuer K�nig mit Fett eingerieben und sein K�rper v�llig mit feinem Goldstaub bedeckt. Auch der Muisca-F�rst galt, wie der Inka, als Sohn der Sonne. Dann wurde er auf einen heiligen See hinausgerudert und sprang ins Wasser, wodurch der Goldstaub abgewaschen wurde. Das ber�hmteste Kunstwerk der Muisca, die Goldbarke, zeigt vermutlich diesen Vorgang. Die Muisca schufen hervorragende Goldschmiedekunst und Keramiken.</p></section><section><subtitle>DER HUNDERTJ�HRIGE KRIEG</subtitle><p>In diesem Krieg bildet sich neben der englisch-franz�sischen Erbfeindschaft erstmals durch die �enge Gegnerschaft� auch ein nationales Bewusstsein bei beiden staatlich einigerma�en gefestigten Nationen aus. Diese Erbfeindschaft war jahrhundertelang eine verl�ssliche Konstante der europ�ischen Politik. Sie endete erst mit der <emphasis>Entente cordiale</emphasis> um 1900, als man sich gegen einen gemeinsamen Gegner wandte: Deutschland.</p><p><emphasis>ab 1337</emphasis></p><p>ERBFEINDSCHAFT����Der englische K�nig Johann Ohneland hatte bei Bouvines die Normandie und Anjou, den Stammbesitz der Familie Plantagenet, verloren und musste die Magna Charta unterschreiben. Ihm folgte Heinrich III., der gezwungen war, das <emphasis>parliamentum</emphasis> anzuerkennen, dann folgten drei Eduarde. Frankreich hatte seit 1340 zwei K�nige: den franz�sischen K�nig Philipp VI. aus dem Haus Valois und den dritten Eduard aus England. Edward III. hatte gute dynastische Argumente f�r seinen Anspruch auf die franz�sische Krone. Die Engl�nder hofften auch auf eine Revanche f�r Bouvines und die R�ckeroberung ihrer 1214 verloren gegangenen franz�sischen Gebiete. Es w�re ihnen beinahe gegl�ckt.</p><p>1337 schickte Edward die ersten englischen Truppen nach Frankreich, er und seine unmittelbaren Nachfolger behaupteten ihre Stellung fast 100 Jahre lang erfolgreich. Ber�hmte Schlachten waren Cr�cy (1346) und Azincourt (1415); in beiden waren die Engl�nder gegen die Ritterheere Frankreichs zahlenm��ig glatt unterlegen, gewannen aber wegen ihrer �modernen� Fernwirkungswaffen, den Langbogensch�tzen. 1356 geriet ein franz�sischer K�nig (Johann II.) in englische Gefangenschaft und kam nur gegen ein hohes L�segeld wieder frei: 3 Millionen Goldst�cke plus (!) die Provinzen Gascogne, Limousin, Calais. Der englischen Krone geh�rte zeitweise mehr als halb Frankreich.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: 1428 war die Lage f�r den jungen franz�sischen K�nig Karl VII. verzweifelt. Er war nicht gekr�nt, denn die Engl�nder hatten den Norden einschlie�lich Paris bis zur Loire besetzt. Nur Orl�ans, direkt am Nordufer der Loire gelegen, war noch in franz�sischer Hand. Diese Festung mussten die Engl�nder knacken, dann war f�r sie der Weg �ber die Loire auch nach S�den frei. Doch die entscheidende Wende im Hundertj�hrigen Krieg zugunsten der Franzosen nahte in Gestalt der beinahe �berirdischen Erscheinung von Jeanne d�Arc.</p><p><emphasis>ca. 1412�1431</emphasis></p><p>JEANNE D�ARC, DIE �JUNGFRAU VON ORL�ANS�����Die um 1412 geborene Jehanne war die Tochter des Bauern Jacques Darc und konnte weder schreiben noch lesen. Mit dreizehn Jahren will sie Engels- und Heiligenvisionen gehabt haben: Sie sollte Frankreich von den Engl�ndern befreien und den Dauphin zur Kr�nung nach Reims geleiten. Im M�rz 1429 erschien Jehanne vor dem Dauphin in Ch�teau Chinon. Wie sie Karl VII. von ihrer Mission �berzeugen konnte, ist nicht bekannt, aber sie erhielt eine R�stung und konnte mit einer kleinen Expeditionseinheit in das eingeschlossene Orl�ans vordringen. Die franz�sischen Truppen wagten unter ihrer Leitung im Mai einen Ausfall gegen die Stellung der Engl�nder. Diese traten umgehend den R�ckzug an. Im Juli geleitete Jehanne den Dauphin nach Reims. Am 17.�Juli stand sie neben dem Altar, als Karl VII. in der Kathedrale gekr�nt wurde. Gegen den Willen des K�nigs gelang ihr anschlie�end noch die Befreiung von Paris.</p><p>Im Mai 1430 wurde Jehanne von burgundischen Soldaten gefangen genommen. Die Burgunder lieferten sie an die verb�ndeten Engl�nder aus, die ihr wegen angeblicher Ketzerei den Prozess machten. Am 30.�Mai 1431 wurde Jeanne d�Arc in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Nach 1435 gaben die Burgunder ihr B�ndnis mit England auf, und die Franzosen begannen etappenweise mit der R�ckeroberung. Diese war 1453 mit der Einnahme von Bordeaux abgeschlossen. Der Hundertj�hrige Krieg war beendet. Mehr oder weniger direkt mit ihm im Zusammenhang stehen die englischen</p><p><emphasis>1455�1485</emphasis></p><p>ROSENKRIEGE����Wappen werden oft von symbolischen Tieren geziert. Auch Pflanzen k�nnen solche Wappenzier sein. Im Falle des englisch-franz�sischen Adelshauses der Plantagenet ist der Ginster (<emphasis>planta genista</emphasis>) sogar namensgebend f�r die Dynastie. Die Plantagenets waren von Heinrich II. bis zu dem dekadenten Richard II., also von 1154 bis 1399, K�nige von England.</p><p>Nach der Absetzung des kinderlosen Richards II. stritten zwei Seitenlinien der Dynastie, York und Lancaster, um die Thronanspr�che. Die Anw�rter waren also verwandt, da sie von zweiten oder dritten S�hnen Edwards III. abstammten. Jede dieser beiden Seitenlinien f�hrte eine Rose im Wappenschild: York eine wei�e und Lancaster eine rote Rose.</p><p>Zun�chst regierten zwei Lancaster, Heinrich IV. und sein Sohn Heinrich V., von 1413 bis 1422 und f�hrten den Hundertj�hrigen Krieg gegen Frankreich fort. Aber unter Heinrich VI. wendete sich das Blatt auf dem franz�sischen Kriegsschauplatz, und die Engl�nder gerieten in die Defensive. F�r den geistesschwachen Heinrich VI. f�hrten Regenten die Herrschaft, und angesichts der sich verschlechternden Situation erhob nun Richard von York seine Thronanspr�che. In der Folge entwickelte sich ein Intrigantenstadel mit Mord und Totschlag und Einkerkerungen im Tower, an dem sich auch K�niginnen und K�niginm�tter beteiligten. Seit 1455 wurde der Familienstreit auch milit�risch ausgetragen. Praktisch der gesamte Hochadel hielt entweder zur einen (Hofpartei) oder zur anderen Seite (Adelspartei). Wegen der vielen Schlachten mit ihren vielen Gefallenen in diesem Adelsb�rgerkrieg war am Ende die englische Hocharistokratie v�llig ausgeblutet.</p><p>Lachender Dritter war ein Verwandter der �roten Rose� der Lancasters, Heinrich Tudor, der den letzten Vertreter der �wei�en Rose� der Yorks, Richard III. besiegte, aber eine Erbin Yorks heiratete. Er bestieg als Heinrich VII. den Thron und konnte mangels ernst zu nehmender Gegner aus dem Adel fast schon absolutistisch regieren.</p></section><section><subtitle>DIE T�RKEN IN EUROPA</subtitle><p><emphasis>ab 1330</emphasis></p><p>OSMANISCHES REICH����Nach dem Mongoleneinfall war die relativ einheitliche Herrschaft der Seldschuken in viele Kleinf�rstent�mer oder �Horden� zerbrochen, um das turkmongolische Wort zu verwenden. Osman (1258�1326) war einer dieser Hordenf�hrer im Westen Kleinasiens, ungef�hr dort, wo einstmals Troja und Pergamon waren. Zu Beginn seiner Karriere als Herrscher begann Osman, sein Territorium auszudehnen. Bei seinen Gebietserweiterungen achtete er stets darauf, die Christen zu besch�tzen. Kleinasien war seit der Antike griechisch besiedelt � und dies blieb so bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Griechen waren nat�rlich orthodoxe Christen. Diese Toleranz wird als einer der Gr�nde f�r die schnelle Erweiterung des Osmanenreiches gesehen. Neu eroberte Gebiete �bergab Osman in Statthalterschaft an Verwandte und enge Vertraute, begr�ndete damit eine Art Feudalsystem und machte sein halbnomadisches Volk auf diese Weise sesshaft.</p><p>Das F�rstentum, das Osmans Sohn Orhan erbte, war etwa so gro� wie Bayern. Orhan nahm den Sultan-Titel an und begr�ndete die Janitscharen. Er setzte als erster T�rken-Herrscher mit der Eroberung der Festung Gallipoli an den Dardanellen 1354 seinen Fu� auf europ�ischen Boden. Bei seinem Tod (ca. 1362) war das Osmanische Reich schon so gro� wie das heutige Ungarn.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: 150 Jahre sp�ter erobern die Osmanen Konstantinopel und beherrschen jahrhundertelang den Balkan sowie den gesamten Nahen Osten, zeitweise auch �gypten und Nordafrika. Die moderne T�rkei geht nach dem Ersten Weltkrieg aus den Resten dieses Osmanischen Reiches hervor.</p><p><emphasis>1330 </emphasis></p><p>JANITSCHAREN����Orhan war auch der Gr�nder der als grausam gef�rchteten Janitscharen, einer Elitetruppe der Osmanen und Leibwache des Sultans. �Janitscharen� geht auf das t�rkische Wort <emphasis>Yeni�eri </emphasis>(�neue Truppe�) zur�ck. Sie wurden schon als Knaben zwangsrekrutiert, lebten z�libat�r und streng erzogen m�glichst abgeschottet in eigenen Kasernen. Formell gesehen waren sie Sklaven. Die Janitscharen durften keine Vollb�rte tragen, sondern nur Schnurrb�rte. Wegen ihrer anerzogenen Loyalit�t konnten sie in hohe �mter der osmanischen Reichsverwaltung aufsteigen. Einer der bekanntesten Janitscharen war der Architekt Sinan (ca. 1490�1588), der Erbauer zahlloser hochbedeutender Geb�ude des Osmanischen Reiches. Sinans Moscheen pr�gen heute noch das Stadtbild von Istanbul.</p><p>Selbstbewusst geworden, erlangten die Janitscharen ab dem 16. Jahrhundert zunehmend Einfluss im Staatsapparat, widersetzten sich Reformbestrebungen, revoltierten gegen einzelne Sultane und ermordeten sogar einige. 1826 wurde die Janitscharen-Truppe aufgel�st.</p><p><emphasis>1398</emphasis></p><p>DIE SCHLACHT AUF DEM AMSELFELD����Nach ihrer Landung in Europa dr�ngen die Osmanen Byzanz praktisch nur noch auf das Gebiet der Hauptstadt zusammen und wenden sich erobernd gegen die christlichen V�lker auf dem Balkan. Den erbittertsten Widerstand leisten die Serben, aber auch sie werden am 15.�Juni 1398 in der Schlacht auf dem Amselfeld nahe Pri�tina besiegt.</p><p>Auf beiden Seiten waren gro�e Ritterheere versammelt. Der serbische F�rst Lazar hatte rund 25000 Mann aufgeboten, der t�rkische Sultan Murad 40000. Beide starben in der Schlacht. F�r die Serben ist �das Amselfeld� ein ungeheurer Mythos, ein epischer Kampf zwischen Gut und B�se, ritterlicher Tugend und Verrat, durchzogen von geradezu m�rchenhaften Legenden. In der serbisch-orthodoxen Kirche gilt Lazar als Heiliger.</p><p>Gerade das Opfer der Niederlage bewirkte aus serbischer Sicht, dass sich die Serben trotz anschlie�ender jahrhundertelanger, als grausam empfundener osmanischer Fremdherrschaft ihren orthodoxen Glauben und ihre serbische Identit�t bewahrten.</p><p><emphasis>1402</emphasis></p><p>TIMUR LENK����Seit 1240 hielten die Goldene Horde beziehungsweise ihre Nachfolge-Khanate Russland in Schach. In Peking waren die mongolischen Khane und Kaiser um 1360 von den Chinesen vertrieben worden. Dort regierte nun die Ming-Dynastie.</p><p>Wie ein Komet erschien in der zweiten H�lfte des 14. Jahrhunderts der turkmongolische, aus Usbekistan stammende Eroberer Timur Lenk (1336�1405). Er hatte in die Familie von Dschingis-Khan eingeheiratet und schuf in k�rzester Zeit wie dieser ein eigenes Weltreich. Es umfasste ganz Mittelasien mit den heutigen L�ndern Afghanistan, Pakistan, Iran und Irak. Timur Lenk fiel 1398 in Indien ein und pl�nderte Delhi. Dies war auch das Ende des Sultanats von Delhi. Sein Urenkel Babur begr�ndete dort 1526 das glanzvolle Mogul-Reich. Dann bedrohte Timur in buchst�blich lebensgef�hrlicher Weise die Osmanen in Anatolien. Sein Beiname Lenk bedeutet �der Lahme�, weil er Knochenverwachsungen auf der rechten K�rperseite hatte. Timur Lenks Grausamkeit ist legend�r; bei seinen Eroberungen wurden die Menschen zu Hunderttausenden abgeschlachtet. Er herrschte �berwiegend von Samarkand aus. Die Stadt lie� er im persisch-islamischen Stil prachtvoll ausbauen. Wie bei Alexander �berdauerte sein Reich aber kaum sein eigenes Leben.</p><p>Timur wurde im damaligen Europa schlagartig ber�hmt, nachdem er 1402 den Osmanen-Sultan Bajazid bei Ankara geschlagen hatte und dieser nach einigen Monaten Gefangenschaft starb. Damit war das Osmanische Reich vor�bergehend staatsrechtlich ausgel�scht. Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Unter Sultan Bajazid hatte das Osmanische Reich soeben, nach der Schlacht auf dem Amselfeld, seine bisher gr��te Ausdehnung erreicht, und Bajazid hatte gerade mit der Belagerung von Konstantinopel begonnen. Wegen des Erscheinens von Timur Lenk musste der Sultan diese Belagerung abbrechen, um sich ihm entgegenzustemmen, verlor aber seine Armee und sein Leben. Ausgerechnet durch einen anderen turkmongolischen Eroberer schien das Abendland vor der T�rkengefahr gerettet. Trotz des vernichtenden Sieges �ber die Osmanen zog Timur Lenk aus unbekannten Gr�nden wieder aus Anatolien ab. Sonst h�tte vielleicht er statt der Osmanen Byzanz erobert.</p><p><emphasis>1453</emphasis></p><p>FALL VON KONSTANTINOPEL����Sultan Mehmet II. (1432�1481), der Urenkel Bajazids, war entschlossen, die Stadt mit allen Mitteln zu erobern. Die ultimative Belagerungsphase begann im April 1453. Extra gegossene Riesenkanonen, Tunnel unter den Mauern, eine Verlagerung der t�rkischen Kriegsschiffe �ber Land vom Marmarameer in das durch eine Kette abgesperrte Goldene Horn � nichts wurde unversucht gelassen.</p><p>Nach einer letzten ergebnislosen Verhandlung zwischen dem Sultan und dem byzantinischen Kaiser Konstantin XI. zur �bergabe der v�llig eingeschlossenen Stadt befahl Mehmet den Generalangriff in den fr�hen Morgenstunden des 29.�Mai. Nach mehrmaligem vergeblichem Anrennen soll eine kleine, unverschlossene Pforte den Janitscharen den Zutritt zur Stadt erm�glicht haben. Sie �ffneten rasch die Tore und die �berm�chtige osmanische Armee str�mte in die Stadt. Bereits am Vormittag war Konstantinopel v�llig in der Hand der T�rken. Mehmet tr�gt den t�rkischen Beinamen <emphasis>Fatih:</emphasis> �der Eroberer�.</p><p>Damit endete das tausendj�hrige Byzantinische Reich. Dieser direkte Nachfolger Ostroms hatte unter christlichen Vorzeichen vieles von der sp�tantiken und sogar der antiken Kultur das ganze Mittelalter hindurch bewahrt. Byzanz war w�hrend des gesamten Mittelalters das Bollwerk des Abendlandes gegen die Ausbreitung der Araber und der T�rken. Welche m�chtige Schutzfunktion die Stadt hatte, zeigt sich daran, dass die T�rken nur gut 70 Jahre nach der Eroberung Konstantinopels bereits vor den Toren Wiens standen.</p><p><emphasis>1454</emphasis></p><p>ABENDLAND � DAS EUROP�ISCHE HAUS����Der Begriff und das Bewusstsein vom �Abendland� im Sinne eines gemeinsamen, christlichen Europas tauchen erstmals im Zusammenhang mit der akuten t�rkischen Bedrohung auf. Noch vor seinem Pontifikat als Renaissance-Papst Pius II. formulierte Enea Silvio Piccolomini, ein hochgelehrter Humanist, 1454 auf einem Reichstag in Frankfurt: �Wenn wir die Wahrheit gestehen wollen, hat die Christenheit seit vielen Jahrhunderten keine gr��ere Schmach erlebt als jetzt. Denn in fr�heren Zeiten sind wir nur in Asien und Afrika, also in fremden L�ndern geschlagen worden, jetzt aber wurden wir in Europa, also in unserem Vaterland, in unserem eigenen Haus, an unserem eigenen Wohnsitz aufs Schwerste getroffen.� Piccolomini verwendet erstmals wieder das Wort Europa, das im Horizont der mittelalterlichen Reiche seit den Zeiten Karls des Gro�en aus dem Blickfeld geraten war, verbindet es mit der Christenheit und nennt es Vaterland und Europ�isches Haus.</p><p>Der zweite Beleg f�r dieses Bewusstsein findet sich als �die Abendl�nder� 1529 bei dem Reformator Kaspar Hedio, der es auf Deutsch f�r das bis dahin gebr�uchliche �Okzident� verwendet; auch er meint damit die �christlichen Abendl�nder�. 1529 war das Jahr der kurzen, bald wieder abgebrochenen ersten Belagerung Wiens durch die T�rken unter S�leiman I. Dieses Ereignis fand europaweit Beachtung. Auch Luther schrieb dar�ber zwei Traktate und bezeichnete die T�rken als �Gottesplage�.</p><p><emphasis>1462</emphasis></p><p>DRACULA����Nach seiner epochalen Tat legte Mehmet nicht die H�nde in den Scho�. Er eroberte unter anderem noch das Kaiserreich Trapezunt am kleinasiatischen S�drand des Schwarzen Meeres sowie gro�e Territorien auf dem Balkan, in Griechenland, Serbien, Bosnien und in der Walachei des Dracula-Vorbildes Vlad III. Vlad tr�gt den Beinamen Tepes, �der Pf�hler�. Dieser T�rkenhasser lie� Zehntausende t�rkischer Kriegsgefangener, aber auch eigene Untertanen pf�hlen; eine besonders grausame T�tungsart. Seinen Beinamen �Dracula� (�kleiner Drache�) erhielt er schon fr�her, weil sein Vater, F�rst Vlad II., Mitglied des von Kaiser Sigismund gegr�ndeten katholischen Drachenordens war und sich Vlad Dracul nannte. Dracula ist die Verkleinerungsform.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Mehmet war ein kultivierter Mann und f�higer Herrscher. Er baute die t�rkische Flotte aus, straffte die Verwaltung und erlie� eine Gesetzessammlung. Gleich nach der Eroberung von Byzanz begann er mit dem Bau des Topkapi-Palastes und veranlasste die Errichtung Hunderter von Moscheen, Medresen und B�dern. Die verbliebenen byzantinischen Adligen lie� er allerdings samt ihren Familien k�pfen.</p><p>1453 war ein weltgeschichtliches Wendejahr in Eurasien, das sich nur mit 490/480 v.�Chr. (Marathon/Salamis), 622 v.�Chr. (Mohammeds Flucht), 1492 (Entdeckung Amerikas), 1789 (Franz�sische Revolution) und 1989 (Mauerfall und Ende des Kalten Krieges) vergleichen l�sst. In Europa war ein Bewusstsein von Abendland entstanden, durch den Fall von Konstantinopel war der internationale Fernhandel zwischen dem Mittelmeer und Asien unterbrochen. F�r Venedig, Genua und all die anderen gab es nichts mehr zu verdienen. In Portugal hatte man sich schon angew�hnt, den Blick nach Westen zu wenden, auf den Atlantik und entlang der afrikanischen K�ste.</p></section><section><subtitle>RENAISSANCE IN ITALIEN</subtitle><p>Durch die Medici und andere G�nner, F�rderer und Sponsoren, die den Kultur- und Kunstbetrieb in Florenz und anderen italienischen St�dten teils aus pers�nlichem Interesse, teils aus Prestigegr�nden f�rderten, wurde die Toskana ein einzigartiger Hotspot der �Renaissance�, des zivilisatorischen Fortschritts, der das europ�ische wirtschaftlich frei handelnde und selbstbestimmte Individuum hervorbrachte. Cosimo de Medici stiftete das Kloster San Marco und die Biblioteca Laurenziana in Florenz und gab den Palazzo Medici in Auftrag, f�rderte Brunelleschi, Donatello, Fra Angelico und den einflussreichen �neuplatonischen� Philosophen Marsilio Ficino. Cosimos Sohn Piero war von 1464 bis 1469 praktisch Alleinherrscher von Florenz. Dessen Sohn Lorenzo, genannt il Magnifico (�der Pr�chtige�), holte den jungen Michelangelo nach Florenz und machte Botticelli zu seinem �Hofmaler�.</p><p><emphasis>1393/1397</emphasis></p><p>MEDICI-BANK����Eigentlich waren um 1300 die gro�en Marktanteile in der Finanzbranche in Europa bereits vergeben. Bankh�user in Siena oder die florentinischen Bardi besa�en Filialen zum Beispiel in Br�gge. Newcomer hatten wenig Chancen.</p><p>Nach 1345 kam es zum Zusammenbruch zahlreicher �lterer Bankh�user, weil der englische K�nig Edward III. hohe Schulden aus dem Hundertj�hrigen Krieg nicht beglich � praktisch ein englischer Staatsbankrott. Die Medici waren durch Tuchfabrikation und Grundbesitz wohlhabend. In die Finanzbranche stiegen sie kurz vor 1400 ein. Durch pers�nliche Beziehungen wurde die Medici-Bank mitten in den letzten Wirren des Abendl�ndischen Schismas 1413 Bankhaus des Papstes. Unter Cosimo de Medici (1389�1464) war seine Bank um 1450 das f�hrende Geldhaus in Florenz. Durch die Vergabe von Krediten f�rderte Cosimo seine Freunde und ruinierte seine Feinde. Denn er spielte auch in der Regierung der Stadtrepublik eine f�hrende Rolle. Das alles endete abrupt 1490 im Ruin, weil sich die Medici mit den Kreditvergaben �bernommen hatten. 1494 folgte ihre Vertreibung aus Florenz durch den politisch einflussreichen Bu�prediger Savonarola.</p><p><emphasis>1439</emphasis></p><p>KONZIL VON FLORENZ����Nach der Beilegung des Abendl�ndischen Schismas in Konstanz mit der Wahl des von allen Seiten anerkannten Papstes Martin V. w�re es beinahe auch zur Beilegung des Morgenl�ndischen Schismas mit Byzanz gekommen. Nach Konstanz kam es zu einem Gepl�nkel von Konzilien und Gegenkonzilien in Basel, Lausanne, Ferrara und Florenz. Das Konzil in Florenz nahm eine unerwartete Wendung, als dort 1439 der byzantinische Kaiser Johannes VIII. angesichts der unmittelbar bevorstehenden Eroberung von Konstantinopel in h�chster Not die Unterordnung der orthodoxen Kirche unter den Primat von Rom und damit das Ende des Schismas anbot. Dar�ber wurde zwar in den Verhandlungen Einigkeit erzielt, aber die orthodoxen Bisch�fe erkannten das nicht an. Sie konnten die Schmach der Eroberung und Sch�ndung durch die �fr�nkischen� Kreuzritter im Vierten Kreuzzug nicht verwinden. Die Kirchenunion kam nicht zustande.</p><p>Viel wesentlicher f�r die Renaissance-Geschichte aber war die befl�gelnde Wirkung dieses �Staatsbesuchs�, weil im Gefolge von Kaiser Johannes viele griechische Gelehrte anwesend waren.</p><p><emphasis>ca. 1440</emphasis></p><p>RENAISSANCE����Die Attraktion dieser griechischen Delegation muss der rund achtzigj�hrige Philosoph und Kaiserberater Georgios Gemistos gewesen sein, bekannt unter dem Namen Plethon (ca. 1360�1452). Plethon hielt nicht viel von Christentum oder Islam, sondern trat mit der Erl�uterung zu chald�ischen Orakeln auf und propagierte ein ethisches Neuheidentum und einen neuen Platonismus. Damit elektrisierte er die Zuh�rer, darunter Cosimo de Medici und Marsilio Ficino. Sein Auftritt f�hrte zur Gr�ndung der platonischen Akademie in Florenz.</p><p>Weniger spektakul�r, aber fast noch nachhaltiger wirkte der Erwerb von 238 griechischen Kodizes durch den S�ditaliener Giovanni Aurispa (1376�1459). Dieser hatte seit 1421 zwei Jahre lang in Konstantinopel beste Kontakte zum Kaiserhof gekn�pft. Er brachte griechische Texte mit, Abschriften der <emphasis>Ilias</emphasis> und der <emphasis>Odyssee</emphasis>, von Thukydides, Herodot, Aristoteles und Platon. Das waren die Anf�nge der griechischen Antikenbesch�ftigung in Italien. Nach dem Fall von Konstantinopel verst�rkte sich diese Tendenz kolossal, weil viele Gelehrte vor den T�rken aus Konstantinopel nach Italien flohen und ihr Wissen und ihre B�cher mitbrachten. Der Besuch der griechischen Delegation traf den Nerv der Zeit, denn schon Petrarca und Boccaccio suchten systematisch nach antiken Manuskripten und lasen diese Autoren auf der Suche nach alternativen Denk- und Lebensformen im Kontrast zur sp�tmittelalterlich erstarrten geistigen und k�nstlerischen Welt, in der sie lebten. Das � unter anderem � bedeutete �Renaissance� (�Wiedergeburt�) der Antike.</p><p>RENAISSANCE-KUNST����Ein weiterer wichtiger Ansto� war die Wiederauffindung der <emphasis>Zehn B�cher �ber die Architektur</emphasis> des r�mischen Architekten Vitruv (1. Jahrhundert n.�Chr.) im Jahr 1414. Es ist das einzige erhaltene architekturtheoretische Werk der Antike und wurde zur �Bibel� von Generationen von Architekten � bis in die Gegenwart.</p><p>Filippo Brunelleschi (1377�1446) � Erfinder der Renaissancearchitektur, Erbauer der Domkuppel von Florenz und der Pazzi-Kapelle � verma� r�mische Ruinen, um Erkenntnisse �ber antike Bauweisen und Bautechniken zu gewinnen. Mit seiner ingenieurhaften Vorgehensweise gilt er auch als Erfinder der Zentralperspektive, die ja mathematisch konstruiert werden muss. Der Maler Masaccio (1401�1428) �bertrug diese Erfindung auf die Malerei. Der H�hepunkt der Antikenbegeisterung war 1506 erreicht, als man in Weinbergen auf dem Esquilin, nahe den Ruinen des Sommerpalastes des Kaisers Nero, eine Skulpturengruppe dreier ineinander verschlungener, von Schlangen umwundener Gestalten fand, die bis dahin nur aus der Literatur bekannt war. Papst Julius II. schickte Michelangelo und den Architekten Sangallo los, die best�tigten: �Das ist der Laokoon, den Plinius erw�hnt.� Der antike Schriftsteller Plinius, der 79 beim Ausbruch des Vesuvs umgekommen war, erw�hnte das Kunstwerk in seiner <emphasis>Naturalis historia.</emphasis> Es stammt aus �hnlichen Werkst�tten wie der Pergamonaltar in Berlin. Irgendein sp�tantiker Kunstkenner muss die Marmorgruppe in der V�lkerwanderungszeit zum Schutz vor anr�ckenden Barbarenhorden in den gruft�hnlichen Raum gebracht haben, wo sie bis zu ihrer Wiederentdeckung die Zeiten �berdauerte. Sangallo erkannte das Kunstwerk, das er nat�rlich nie gesehen hatte, sofort nach der Beschreibung des Plinius. So war die Bildung in der Renaissance.</p><p>NEPOTISMUS����Bereits w�hrend ihrer �Babylonischen Gefangenschaft� in Avignon (1306�1367) pflegten die P�pste eine Hofhaltung, die viel Geld verschlang. Die �Finanzierungsmittel�: Ablass, �mterverkauf, Nepotismus.</p><p>Nach der R�ckkehr nach Rom wurde der Nepotismus, die �Neffen-� oder Vetternwirtschaft, geradezu zu einer Institution. Zu den �Nepoten� (lat. <emphasis>nepos</emphasis> = Neffe) z�hlten mitunter auch die unehelichen S�hne der P�pste. Die meisten bedeutenden Adelsfamilien in Italien gerieten in dieses System, und viele verdankten ihm ihren Aufstieg. Der bekannteste und ber�chtigste Fall ist Cesare Borgia. Die P�pste waren eben seit dem Ende der Antike mit der �bernahme so vieler imperialer Elemente des R�mischen Reiches und mit ihrem mittelalterlichen Machtanspruch immer eine Art inoffizieller K�nige von Italien geblieben, mit allem, was �dazugeh�rt�. Diese Verweltlichung der Kirche erreichte ihren H�hepunkt in der Zeit der Renaissancep�pste.</p><p><emphasis>1497</emphasis></p><p>DAS FEGEFEUER DER EITELKEITEN����Wie anst��ig das Treiben der weltlichen wie der geistlichen Oberschicht beim einfachen Volk selbst der nicht uneitlen Italiener wahrgenommen wurde, zeigt sich an dem Zulauf, den der Dominikanerm�nch und Bu�prediger Girolamo Savonarola (1452�1498) verzeichnete. Als er 1492 das Sterbedatum von Papst Innozenz korrekt voraussagte, waren alle D�mme gebrochen. Die Woge der Volksbegeisterung f�r sein Wettern gegen die Reichen und M�chtigen trug ihn an die Spitze des florentinischen Stadtstaates (von 1494 bis 1498). Weder den Medici noch einem Machtpolitiker vom Kaliber Papst Alexanders VI. Borgia gelang es, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Die Medici vertrieb Savonarola 1494.</p><p>1497 stiftete Savonarola jugendliche Banden dazu an, �nutzlosen Tand� zu beschlagnahmen. Teure Kleider und M�bel, Musikinstrumente, Spielkarten, Schmuck, Kosmetika, Spiegel, B�cher und Kunstwerke wurden gesammelt und auf einem riesigen Scheiterhaufen auf der Piazza della Signoria verbrannt. Botticelli, der Hofmaler der Medici, warf eigene Gem�lde in die Flammen. 1498 schlug die Stimmung aus politischen Gr�nden und auf p�pstlichen Druck hin um. Der Bu�prediger wurde aus seinem Kloster gezerrt und vor der riesigen Volksmenge an derselben Stelle, wo er im Jahr zuvor sein �Feuer der Eitelkeiten� veranstaltet hatte, verbrannt.</p><p>Sp�testens nach diesen Ereignissen ging der inoffizielle Titel der Kulturhauptstadt der Renaissance von Florenz auf Rom �ber.</p><p><emphasis>1527</emphasis></p><p>SACCO DI ROMA����In der Periode der Hochrenaissance, als im bl�henden und wohlhabenden Rom Michelangelo die Decke der Sixtinischen Kapelle bemalte (1508�1512) und Raffael den Petersdom baute, war in Deutschland die Reformation ausgebrochen (1517) und der junge Habsburger Karl V. zum r�misch-deutschen Kaiser gekr�nt worden (1520). Sofort f�hrte Karl mit seinem europ�ischen Rivalen K�nig Franz I. von Frankreich Krieg um die Vorherrschaft im reichen Oberitalien.</p><p>Wegen eines zeitweiligen Kriegsstillstandes zogen die �u�erst mangelhaft verpflegten und schlecht entlohnten deutschen und spanischen Landsknechtss�ldner Karls nach Rom und eroberten die Stadt. Der Papst konnte sich im letzten Moment in der Engelsburg in Sicherheit bringen. Die S�ldner des Kaisers brandschatzten, vergewaltigten und t�teten die H�lfte der r�mischen Bev�lkerung, erpressten die Reichen um enorme L�segelder und raubten aus den Kirchen und Pal�sten fast alle Kunstsch�tze. Mit dieser Pl�nderung, dem <emphasis>Sacco di Roma,</emphasis> endete die Renaissance in Italien.</p></section><section><subtitle>ENTDECKER UND SEEFAHRER</subtitle><p>Die europ�ische Hochseeschifffahrt, die zum Zeitalter der Entdeckungen f�hrte, ist nicht denkbar ohne die technische Entwicklung eines neuen Schiffstyps, der Karavelle. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung durch den gro�en Administrator der portugiesischen Seefahrt, Prinz Heinrich der Seefahrer (1394�1460). Portugal wurde zur f�hrenden Seefahrtnation der europ�ischen Renaissance.</p><p><emphasis>1341</emphasis></p><p>WIEDERENTDECKUNG DER KANAREN����Seit der Antike waren die Kanarischen Inseln aus dem Horizont der Europ�er verschwunden, 1341 wurden sie wiederentdeckt. Das ist der Beginn des Zeitalters der Entdeckungen. 1419 und 1427 wurden die bereits den Ph�niziern bekannten Inseln Madeira und die Azoren wiederentdeckt. Seit 1415 unternahmen die Portugiesen auf Heinrichs Initiative systematische Entdeckungsfahrten entlang der afrikanischen K�ste. Sie befuhren den Senegal- und Gambia-Fluss und entdeckten 1456 die Kapverden.</p><p>SINDBAD DER SEEFAHRER����Anfang des 15. Jahrhunderts lie� der Ming-Kaiser Yongle gro�e Flotten ausr�sten, die unter Admiral Cheng Ho (1371�1433), einem zwei Meter gro�en Eunuchen des kaiserlichen Hofes, erstmals �ber das S�dchinesische Meer hinaus in den Indischen Ozean fuhren. Die erste von Cheng Hos sieben Expeditionsreisen stach 1405 mit 62 Schiffen und 28000 Mann Besatzung in See. Man vermutet, dass Cheng Ho muslimischer Herkunft war, er k�nnte das Vorbild f�r den legend�ren Sindbad aus den <emphasis>M�rchen aus Tausendundeiner Nacht</emphasis> sein. Seine Schiffe waren beladen mit Seide, Porzellan und anderem kostbaren Handelsgut. Die Flotte gelangte nach Indien, Arabien und bis an die Ostk�ste Afrikas.</p><p>China hatte bislang so gut wie nie Kontakt nach au�en gehabt. Das Reich der Mitte hielt sich in der Tat f�r den Mittelpunkt der Welt. Cheng Hos Expedition erregte denn auch bald den Argwohn konservativer Hofkreise. Die Kosten der allein �staatlich� finanzierten Flotte erschienen zu hoch, die �Ertr�ge� mager. Der �berseehandel und die Expeditionen wurden schnell wieder eingestellt, der k�hne Vorsto� des chinesischen Admirals blieb eine Episode. 1551 wurden in China aufgrund kaiserlicher Verf�gung alle Dschunken mit mehr als drei Masten zerst�rt � der Beginn einer erneuten au�enpolitischen Isolierung des Reiches.</p><p><emphasis>1471</emphasis></p><p>GOLDK�STE����Das Gold f�r die noch bis ins 19. Jahrhundert im Umlauf befindliche wichtigste Goldm�nze Englands, die �Guinea�, stammt von der afrikanischen Westk�ste (aus Guinea). Hier errichteten die Portugiesen 1471 eine starke Festung � die erste der Europ�er in Afrika. Die Portugiesen strebten danach, den westafrikanischen Goldhandel zu kontrollieren. Dies war der erste moderne koloniale Griff eines europ�ischen Landes nach einem anderen Kontinent. Durch p�pstliche Bullen hatte sich Portugal bereits um 1450 das Monopol auf diesen Handel � nebst dem Sklavenhandel � sichern lassen. Die Engl�nder pr�gten ihre M�nzen aus Guinea-Gold seit 1663.</p><p><emphasis>1487/1488</emphasis></p><p>KAP DER GUTEN HOFFNUNG���� Die S�dspitze Afrikas wurde von dem portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Diaz 1488 umrundet. Auf dem Weg nach Indien zwang ihn eine Meuterei vor der ostafrikanischen K�ste zur Umkehr. Da entdeckte er die s�dwestlichste Spitze Afrikas und nannte sie <emphasis>Cabo das Tormentas</emphasis> (Sturmkap). Der au�enpolitisch ebenfalls sehr an der �Entdeckungspolitik� interessierte portugiesische K�nig Johann II. gab ihr nach Diaz� R�ckkehr den Namen Kap der Guten Hoffnung (<emphasis>Cabo de Boa Esperan�a</emphasis>). Die Hoffnung war darauf gerichtet, bald auf dem Seeweg um Afrika herum Indien zu erreichen.</p><p><emphasis>1450�1506</emphasis></p><p>KOLUMBUS����Die Gesch�ftsidee, auf �direktem� Weg ohne Umschiffung Afrikas nach Indien zu gelangen, hatte Christoph Kolumbus (1450�1506) dem portugiesischen K�nig Johann II. zweimal vorgetragen, 1484 und 1488. Jedes Mal war er abschl�gig beschieden worden. Dass die Erde rund war, dar�ber herrschte l�ngst Einigkeit. Umstritten war die Ausdehnung der Erde, die Gr��e der Kugel. Kolumbus ging � f�lschlicherweise � von einer kleineren Kugel aus und berechnete die Fahrtdauer auf zehn bis zw�lf Tage. Die portugiesischen Geografen, die ihren K�nig berieten, gingen � richtigerweise � von einer viel gr��eren Erdkugel aus und erkl�rten das Vorhaben f�r undurchf�hrbar. Johann II. setzte auf Diaz und die Afrika-Route. Es war eine Ironie der Geschichte, dass die Portugiesen nicht an das Kolumbus-Projekt glaubten und der Ruhm und Reichtum der Neuen Welt haupts�chlich den Spaniern zufiel.</p><p>Zu der Zeit, als der Genueser Kolumbus am portugiesischen Hof antichambrierte, arbeitete er in Lissabon als Kartenzeichner und hatte bereits 1482/1483 als Kapit�n auf portugiesischen Afrika-Schiffen nautische Erfahrungen sammeln k�nnen. Aber auch von den spanischen Majest�ten Isabella I. und Ferdinand II., bei denen er ebenfalls mehrmals vorsprach (1486, 1491), konnte er sich nicht die gew�nschte Unterst�tzung sichern. Trotz lebhaften Interesses vertr�stete man ihn auf die Zeit nach der Eroberung von Granada.</p><p>Die Hartn�ckigkeit, mit der Kolumbus seine atlantische Indienfahrt betrieb, ist charakteristisch f�r ihn. Auch alle Schwierigkeiten der Seefahrt hat er so gemeistert: die Meutereien, die Probleme mit den havarierten Schiffen, das Navigieren in den unbekannten Gew�ssern der Karibik. Angesichts der epochalen Bedeutung seiner Ersttat, die erst sp�ter erkannt wurde, wird oft vergessen, dass er auf seinen weiteren drei Reisen praktisch auch die ganze �brige Karibik und Mittelamerika entdeckt (und erstmals kartografiert) hat. Seine gr��te F�higkeit und Leistung ist die eines Navigators, und die eigentliche nautische Leistung von Kolumbus bestand in der sicheren R�ckkehr nach Spanien. W�re ihm das nicht gelungen, w�re ein verschollener Kolumbus sicher nur eine Fu�note der Geschichte.</p><p>In seinem ersten Vertrag mit der spanischen Krone lie� er sich klingende Titel garantieren: �Admiral des Weltmeers�, �Vizek�nig� und den L�wenanteil an den erhofften Eink�nften. Kolumbus hatte wenig zu verlieren und viel zu gewinnen. Als junger Kapit�n hatte er in Westafrika gesehen, wie bereitwillig die dortigen Eingeborenen ihre wertvollsten G�ter, auch Gold, buchst�blich gegen billige Glasperlen eintauschten, die man extra zu diesem Zweck mitgenommen hatte. So stellte er sich auch Indien vor. Die westindische Wirklichkeit, das Desaster des Scheiterns der ersten Kolonie La Isabela, das T�ten und Versklaven sowie der wirtschaftliche Misserfolg sahen anders aus.</p><p><emphasis>12.�Oktober 1492</emphasis></p><p>ENTDECKUNG AMERIKAS����Abfahrt war am 3.�August 1492 von Palos an der spanischen Atlantikk�ste mit drei Schiffen. Nach drei Tagen musste wegen Ruderbruchs der Pinta ein einmonatiger Reparaturaufenthalt auf den Kanaren in Kauf genommen werden. Die Weiterfahrt begann am 6.�September. Von da an waren die Schiffe 33 Tage unterwegs � statt der von Kolumbus vorausgesagten zehn bis zw�lf. Unterwegs hatte er mit Rebellion und Abweichung der Kompassnadel am �quator zu k�mpfen.</p><p>Dann kam Land in Sicht, und am 12.�Oktober war die Ankunft auf einer Bahamas-Insel, von den Einheimischen Guanahani, von Kolumbus San Salvador genannt.</p><p>Bei der Weiterfahrt wurden Kuba und Hispaniola (heute Dominikanische Republik und Haiti) entdeckt, bald die Hauptorte der ersten spanischen Besiedlung. Die Santa Maria strandete am 25.�Dezember in Hispaniola. Die R�ckfahrt mit Ni�a und Pinta begann am 16.�Januar 1493, teilweise in f�rchterlichen Atlantikst�rmen. Ankunft in Palos war am 15.�M�rz. Kolumbus zog im Triumphzug durch Spanien nach Barcelona zum K�nigspaar. Er erhielt die Best�tigung seiner Privilegien und den Auftrag f�r eine zweite Reise noch im gleichen Jahr (1493�1496). Die zweite Flotte bestand aus 17 Schiffen und 1500 Mann � Seeleute, Soldaten, Siedler und nat�rlich Missionare. Auf dieser Fahrt das Ziel ohne besondere Probleme wiederzufinden, zeugt von Kolumbus� nautischem K�nnen. 1496 wurde an der S�dk�ste der Insel Hispaniola die erste europ�ische Siedlung in Amerika mit Namen La Isabela begr�ndet, 1498 umbenannt in Santo Domingo.</p><p><emphasis>1492</emphasis></p><p>NEUE WELT����Ganz zu Anfang, als man wirklich noch glaubte, in Indien gelandet zu sein, sprach man von Las Indias, dann von <emphasis>Nuovo Mondo</emphasis>. Immerhin haben die Ureinwohner davon bis heute ihre Bezeichnung �Indianer� beziehungsweise �Indios�. Der erste schriftliche Beleg f�r �Neue Welt� findet sich in dem Wappen, das K�nig Ferdinand II. von Kastilien und Leon dem von seiner ersten Entdeckungsfahrt soeben heimgekehrten Kolumbus in Barcelona verlieh. Das Motto lautet: <emphasis>Por Castilla y por Leon�/�Nuebo mundo all� Colon</emphasis> (�F�r Kastilien und Leon fand Kolumbus eine neue Welt�). Spanien erreichte umgehend die Anerkennung seiner Anspr�che durch Papst Alexander VI. Borgia, der im Jahr darauf auch die Teilung der Welt zwischen Spaniern und Portugiesen im Vertrag von Tordesillas vornahm. Spanier und Portugiesen einigten sich 1494 in Tordesillas auf eine Demarkationslinie 370 spanische Meilen (ca. 1170 Kilometer) westlich der Kapverden, die der Papst denn auch auf einer Karte mit einem Federstrich eintrug. Es war der erste derartige Federstrich auf einer Landkarte, der Welten teilte. Die Einigung besagte: Alle Gebiete �stlich der Linie sind portugiesischer Einflussbereich, die Gebiete westlich davon stehen den Spaniern zu. Weil die Linie durch das damals noch unentdeckte Brasilien ging, fiel dieser Teil des s�damerikanischen Kontinents an Portugal, alles andere wurde spanisch. Auch Nordamerika war jahrhundertelang spanischer Besitz.</p><p><emphasis>1498</emphasis></p><p>DER SEEWEG NACH INDIEN����Vasco da Gama segelte wie Kolumbus ebenfalls mit drei Schiffen Anfang Juli 1497 von Lissabon ab. An Bord befanden sich die erfahrensten portugiesischen Seeleute in den afrikanisch-atlantischen Gew�ssern. Die kleine Flotte erreichte im April 1498 Mombasa, den damals arabisch dominierten Hafen am Indischen Ozean im heutigen Kenia. Die Araber waren alles andere als begeistert. Aber der Sultan der benachbarten Mombasa-Konkurrentin Malindi stellte da Gama einen Lotsen f�r die �berquerung des Indischen Ozeans zur Verf�gung. Am 20.�Mai 1498 landete der Portugiese nahe Kalikut im heutigen s�dindischen Bundesstaat Kerala. Kalikut war l�ngst ein Hauptzentrum des chinesisch-indisch-arabischen Handels und eine kosmopolitische Metropole an der Malabark�ste, der Pfefferk�ste, geworden.</p><p>Da Gama belud seine Schiffe mit Pfeffer, Zimt, Ingwer, Tamarinde, Teak- und Sandelholz. Im Herbst 1499 wurde ihm in Lissabon ein triumphaler Empfang bereitet. Ab 1502 durfte er sich �Admiral des Indischen Meeres� nennen. Eine zweite Reise Da Gamas nach Indien mit 21 schwer bewaffneten Schiffen folgte in diesem Jahr. Die Portugiesen brachen den Widerstand der Araber und lokaler indischer F�rsten, bauten ein Fort und sicherten sich �ber 100 Jahre lang das Monopol auf den Gew�rzhandel und die Seemacht in diesem Bereich. Die Kenntnis des Seewegs nach Indien war sorgsam geh�tetes Know-how der Portugiesen. Erst die Niederl�nder brachen mit milit�rischen Mitteln das Wissens- und Handelsmonopol.</p><p><emphasis>Was danach geschah: </emphasis>Es schien nicht nur so: Die Portugiesen hatten den Wettlauf nach Indien doch gewonnen. Allerdings konnte man in diesen Jahren um 1500 noch nicht ermessen, was Kolumbus gewonnen hatte. Im Jahr 1500 entdeckte die zweite portugiesische Indienflotte unter dem Kommando von Pedro �lvares Cabral Brasilien. Cabral hielt das Land zuerst f�r eine Insel. Auf der Weiterfahrt durch den S�datlantik gingen einige Karavellen im S�datlantik im Sturm unter. Dabei starb auch der Entdecker des Kaps der Guten Hoffnung, Bartolomeu Diaz. 1502 bis 1504 fuhr Kolumbus zum vierten und letzten Mal nach �Indien�.</p><p><emphasis>1507</emphasis></p><p>AMERIKA����Die Waldseem�ller-Karte von 1507 zeigt erstmals Umrisse des amerikanischen Kontinents � soweit damals bekannt. Es handelt sich um K�stenlinien Mittelamerikas und S�damerikas und einen ziemlich stumpfen Stummel von Florida. Der Florentiner Amerigo Vespucci, der sich in der damals �blichen Gelehrtensprache Latein <emphasis>Americus</emphasis> nannte, hatte von 1499 bis 1502 an mehreren Erkundungsreisen in das von Kolumbus entdeckte Seegebiet teilgenommen und erkannt, dass es sich bei den karibischen Inseln und dem umgebenden Festland am Golf von Mexiko um einen ganzen bisher unbekannten Kontinent handelt. Deshalb trugen Matthias Ringmann und Martin Waldseem�ller 1507 in Lothringen Americus� Namen auf der ber�hmten �Waldseem�ller-Karte� ein. Sie gilt als die Taufurkunde Amerikas.</p><p>KANADA����Nicht in die Karibik, sondern �ber den Nordatlantik fuhr der erste franz�sische Amerika-Entdecker Jacques Cartier (1491�1557). Er reiste mit zwei Schiffen auf Anweisung von K�nig Franz I. und erkundete 1534 bis 1536 den St.-Lorenz-Strom. Dort traf er auf Irokesen, die ihn in ihr <emphasis>canada</emphasis> f�hrten. In der Irokesen-Sprache ist damit ihr Dorf, ihre Siedlung gemeint. Cartier �bertrug das Wort auf das gesamte Gebiet n�rdlich des St. Lorenz, und unter dieser Bezeichnung taucht es in der folgenden Zeit gro�fl�chig auf Landkarten auf.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Entdeckung Amerikas war f�r alle Beteiligten auf beiden Seiten des Atlantiks ein umw�lzendes Ereignis. Den Europ�ern brachte sie eine radikale Ver�nderung ihres geografischen Weltbildes. Aber nicht nur die Weltkarten wurden neu gezeichnet. Die Europ�er wandten sich von nun an verst�rkt allen �realen� Dingen dieser Welt zu. Das schlagartig einsetzende koloniale Zeitalter ist zugleich das erste wirklich globale Zeitalter. Die Verkehrsverdichtung auf den Seehandelsstra�en hatte eine ganz andere Qualit�t als auf der Seidenstra�e oder sonstigen Handelswegen in Afrika, Asien und Europa. Weltweit wanderten wieder einmal ganze V�lker � oder jedenfalls Bev�lkerungsgruppen: zuerst die Sklaven aus Afrika, dann Auswanderer aus Europa auf alle Kontinente. Die Entdeckung Amerikas hatte aber auch aus amerikanisch-indianischer Sicht epochale Folgen: Ihre Kulturen und einige ihrer bl�hendsten Reiche wurden binnen k�rzester Frist ausgel�scht. Der Sturm, der �ber sie hinwegfegte, war viel k�rzer und sicherlich um ein Vielfaches heftiger als die germanische V�lkerwanderung in der Sp�tantike und l�sst sich wohl nur mit der eisenzeitlichen Wanderung um 1200 v.�Chr. vergleichen, die Kulturen wie die Minoer, Mykener und Hethiter ebenfalls ausl�schte und die altorientalischen Reiche der �gypter und Altbabylonier in den Grundfesten ersch�tterte.</p></section><section><subtitle>DIE NEUEN HERREN DES ORIENTS</subtitle><p>Weltreich wird genannt, wenn ein Reich auf mindestens zwei Kontinenten vertreten ist. Das war bei den alten �gyptern der Fall, bei Alexander, den R�mern und den Mongolen. Nach 1500 herrschten die Osmanen gleich auf drei Kontinenten: Europa, Asien und Afrika.</p><p><emphasis>ab ca. 1500</emphasis></p><p>DER SCHAH VON PERSIEN����Dass der schiitische Islam die vorherrschende Religion in Persien ist, geht auf die Safawiden-Dynastie zur�ck, die unter Ismail I. (1484�1524) die Macht �bernahm. Von Anfang an waren S�d-Irak und Iran Hochburgen der Schiiten. Innerhalb der islamischen Welt bestand auch stets ein gewisser Gegensatz zwischen � grob gesprochen � semitischen und sunnitischen Arabern und indoeurop�ischen, schiitischen Persern. Seit den Safawiden behaupteten sich die Perser auch wieder machtpolitisch gegen�ber der osmanischen und sunnitischen Vormacht. Die Safawiden erhoben den Schiismus zur Staatsreligion. Die neue Dynastie ging aus einer Familie kurdischer Scheichs hervor, die seit dem 14. Jahrhundert dem Sufismus nahestand. Ismail gelang die Eroberung von Persien und Teilen des Irak bis 1507. Die Safawiden waren kurdischer, also indoeurop�ischer Abstammung und kn�pften bewusst an die seit den Ach�meniden bestehende persische Tradition von Gro�k�nigen (<emphasis>Schah-in-Schah</emphasis>) an. In der Regierungszeit Abbas I. von 1588 bis 1629 wurde Persien zur Gro�macht im Mittleren Osten und erlebte eine gro�e kulturelle Bl�tezeit.</p><p><emphasis>ab 1512</emphasis></p><p>OSMANISCHES WELTREICH����Das Osmanische Weltreich schuf Sultan Selim I. von 1512 bis 1520, nachdem er seinen Vater mithilfe der Janitscharen entmachtet und s�mtliche Br�der und Neffen in bester osmanischer Familientradition beseitigt hatte. Dieser institutionalisierte Brudermord war bei den Osmanen �blich, um die Einheit des Reiches nicht zu gef�hrden. Es handelt sich um eine politische Tradition, nichts Pers�nliches.</p><p>Die Janitscharen hatten auf den richtigen Mann gesetzt. Nach ersten f�r ihn erfolgreichen Auseinandersetzungen mit den persisch-schiitischen Safawiden 1514 eroberten die Osmanen unter Selims F�hrung 1516/1517 Syrien und Pal�stina und beendeten die beinahe seit Saladins Zeiten bestehende Mamelukenherrschaft in �gypten. Mit der anschlie�enden Eroberung der gesamten arabischen Halbinsel wurde Selim auch zum Schutzherrn �ber die heiligen St�tten in Mekka und Medina. Er nahm den Kalifen-Titel an und lie� sich das Schwert und den gr�nen Umhang des Propheten �bergeben. Die osmanischen Sultane behielten den Titel bis zum Ende des Osmanischen Reiches 1922 und der Abschaffung des Kalifats 1924. Das Kalifat und die (Schutz-)Herrschaft �ber Mekka und Medina waren nat�rlich gleichbedeutend mit der absoluten Vorrangstellung in der islamischen Welt. Gleichzeitig mit dem Osmanischen Weltreich rund um das �stliche Mittelmeer entstand das Spanische Weltreich unter Karl V. und Philipp II. auf beiden Seiten des Atlantiks. T�rken und Habsburger prallten auch alsbald aufeinander: auf dem Balkan, vor Wien (1529) und im Mittelmeer (Lepanto 1571).</p><p>SULTAN II����Der t�rkische Sultan war, wie der arabische Kalif, weltliches und geistliches Oberhaupt zugleich. In den islamischen Reichen gab es keine st�ndisch-feudale Ebene erblicher Lehen oder kommunaler Freiheiten, die mit eigenen Rechten ein Gegengewicht zur Oberherrschaft der Dynastie h�tten bilden k�nnen, und daher auch keine Machtzersplitterungen, die f�r die mittelalterliche und fr�hneuzeitliche Geschichte Europas so kennzeichnend sind. Die weltliche Macht der Sultane gr�ndete auf Steuerstatthalterschaften, die nicht erblich waren, auf den Serail-Beamten und auf der milit�rischen Verf�gungsgewalt �ber die Janitscharen. Religionsaus�bung, Erziehung und Rechtswesen oblagen dem islamischen Klerus, dessen Oberhaupt eben auch der Sultan war. Das Fehlen einer Adelsschicht erm�glichte eine gro�e soziale Durchl�ssigkeit in der Verwaltung. Auch Untertanen aus einfachsten Verh�ltnissen konnten in hohe �mter aufsteigen.</p><p><emphasis>ab 1520</emphasis></p><p>S�LEIMAN DER PR�CHTIGE����Zu seinem Gl�ck war S�leiman I. (1520�1566) der einzige legitime Sohn Selims. Es blieb ihm daher erspart, etwaige Br�der umbringen zu m�ssen. Er gilt als der bedeutendste osmanische Herrscher und war derjenige mit der l�ngsten Regierungszeit von 46 Jahren. S�leiman � Beiname �der Pr�chtige� � vergr��erte das Reich noch einmal, unter anderem mit der Einnahme Bagdads 1534.</p><p>Er war ein herausragender Bauherr und pr�gte das Stadtbild von <emphasis>Konstatiniyyie</emphasis>, wie die Stadt unter t�rkischer Herrschaft hie�. Die nach ihm benannte riesige S�leimanije-Camii (ab 1550) und die R�stem-Pascha-Camii (1561) sind zwei der bedeutendsten Moscheen der Stadt. Architekt war der Janitschare Sinan (ca. 1490�1588), der �Michelangelo der Osmanen�. Sinan errichtete Hunderte von Bauwerken, davon allein �ber 100 gro�e Freitagsmoscheen � nat�rlich nicht nur in Istanbul. In seiner langen und vielf�ltigen Architektenkarriere pr�gte Sinan den klassischen osmanischen Baustil, das Vorbild f�r seine gro�en Moscheen war die Hagia Sophia.</p><p>S�leiman der Pr�chtige war der Gatte jener auch im Westen bekannten Ruthenierin Roxelane. Ihr Geburtsname war Alexandra Lisowska. Bei einem Raubzug von Krimtataren wurde sie entf�hrt, als Sklavin in den Sultansharem von Istanbul verkauft, von S�leiman freigelassen, geheiratet und zu seiner Lieblingsfrau erkl�rt. Sie verblieb entgegen der Haremspraxis auch nach der Geburt des Thronfolgers im Palast und beteiligte sich auch an der Politik.</p><p><emphasis>1526 und 1529</emphasis></p><p>T�RKENBELAGERUNG����Gleich am Anfang seiner langen Regierungszeit besiegte S�leiman nach der Eroberung von Belgrad im gleichen Jahr 1526 die Ungarn in der Schlacht bei Moh�cs. Zum einen begr�ndete sie die fast zweihundertj�hrige Vorherrschaft der T�rken auf dem Balkan, zum anderen fiel in der Schlacht der erst zwanzigj�hrige ungarische K�nig Lajos II., der nat�rlich noch keinen Erben hinterlassen konnte. Aufgrund eines Erbvertrages fiel die ungarische Krone an das Haus Habsburg � auch wenn die �sterreicher im Moment nicht viel davon hatten, weil die T�rken in der Folge den gr��ten Teil des Landes besetzten.</p><p>Drei Jahre sp�ter, 1529, r�ckte S�leiman zur ersten T�rkenbelagerung Wiens an und schloss die Stadt ein. Die T�rken kamen bis auf Sichtweite an die Stadtmauern heran und sprengten zwei Breschen in die Mauern. In einem dramatischen Abwehrkampf gelang es den Wienern, den T�rken schwere Verluste zuzuf�gen. S�leiman brach die Belagerung, auch wegen anhaltend schlechten Wetters, nach 19 Tagen ab. Die Auseinandersetzung mit den T�rken war zweihundert Jahre lang ein Dauerthema f�r die �sterreichischen Habsburger und T�rkengr�uel ein Dauerthema der einschl�gigen Propaganda. 1683 standen die T�rken erneut vor Wien.</p><p><emphasis>1571</emphasis></p><p>LEPANTO����Der strahlende Sieger von Lepanto war ein attraktiver junger Mann und Sohn des alten Kaisers � und der sch�nen Blechschmiedstochter Barbara Blomberg aus Regensburg. Karl V. hatte Don Juan d�Austria (1547�1578) als seinen Sohn anerkannt und in Spanien erziehen lassen. Sein Halbbruder K�nig Philipp II. von Spanien f�hrte ihn bei Hofe ein. Don Juan wurde Offizier und f�hrte als f�nfundzwanzigj�hriger Oberbefehlshaber einer spanisch-italienischen Flotte zusammen mit dem r�mischen Admiral Colonna und Sebastiano Venier, dem Dogen von Venedig, einen entscheidenden Seesieg gegen die T�rken herbei. In der Meerenge bei Korinth wurde die t�rkische Flotte vor Lepanto innerhalb von drei Stunden vernichtend geschlagen. Die T�rken hatten unter dem S�leiman-Nachfolger Selim II. (1524�1574) Zypern erobert und mussten gestellt werden. Der Sieg von Lepanto wurde in Europa sogleich wie eine Erl�sung gefeiert. Die t�rkische Expansion war gestoppt, und sie galten nicht mehr als unbesiegbar.</p><p>Lepanto �ffnete zwar wieder die orientalischen Handelswege. Aber auch wenn die Gew�rzstra�e, die Weihrauchstra�e und die Seidenstra�e durchaus noch florierten, verlagerte sich der Welthandel durch die portugiesische Entdeckung des Seeweges nach Indien aus dem Mittelmeer auf den Atlantik. Das Mittelmeer verlor seine Stellung als Drehscheibe des eurasischen Welthandels. Mit dem wirtschaftlichen ging der politische Bedeutungsverlust der Mittelmeerstaaten Venedig, Genua, des K�nigreichs Neapel und selbst Spaniens einher. Alsbald wurden neue Handelsnationen in globalem Ma�stab aktiv: England und die Niederlande.</p><p><emphasis>1526</emphasis></p><p>MOGUL-REICH����Im Jahr der t�rkisch-ungarischen Schlacht bei Moh�cs begann in Indien eine v�llig neue � und wie sich herausstellen sollte: glanzvolle � Phase seiner Geschichte. Der erste Gro�mogul Babur (der �Biber�) drang vom Hindukusch auf den Subkontinent vor, besiegte 1526 den letzten Sultan von Delhi und �bernahm die Herrschaft � vorerst in Nordindien, im Ganges-Tal. <emphasis>Mogul</emphasis> ist die persische Version des Wortes �Mongole�, und genau das waren die turkmongolischen Mogul-Herrscher: Nachfahren Timur Lenks.</p><p>Babur (1483�1530) war ein Urenkel Timurs. Seine Kleinf�rstenfamilie hatte ihre Machtbasis zwar in Samarkand, Babur war aber nach Kabul vertrieben worden und regierte dort. Er richtete seinen Blick vom Hindukusch �ber den Khaiber-Pass und �berw�ltigte das delhische Sultanat nach osmanischem Vorbild mithilfe von Kanonen und Gewehren, was f�r diese Gegend und f�r die damalige Zeit eine ziemlich fortschrittliche Milit�rtechnik war. Die Hofsprache bei den Moguln war und blieb �brigens Persisch. (Der letzte, allerdings l�ngst nur noch formell regierende Gro�mogul wurde erst 1858 von den Briten abgesetzt.)</p></section><section><subtitle>DIE LETZTEN RITTER</subtitle><p>Das nahezu unversehrt erhalten gebliebene sp�tmittelalterliche Gepr�ge der reichen Handelsstadt Br�gge und die weltbekannten Kalenderbilder aus dem <emphasis>Stundenbuch des Herzogs von Berry</emphasis> geben einen lebendigen Eindruck von der ausgesprochen kultivierten Adels- und B�rgerwelt Burgunds. �Burgund� reichte damals von der Nordsee bis an die Savoyer Alpen und umfasste die gesamten Niederlande, Flandern, Brabant (Belgien), Luxemburg, Lothringen und das heutige Burgund. Es war neben Italien das fortschrittlichste und wohlhabendste Gebiet Europas.</p><p><emphasis>1477</emphasis></p><p>KARL DER K�HNE UND KAISER MAXIMILIAN����Burgunds letzter Herzog war Karl der K�hne, der letzte einer Reihe von �vier gro�en Herz�gen�, die in der europ�ischen Politik ein wichtiges Wort mitzureden hatten. Sie agierten wie souver�ne F�rsten. Im Hundertj�hrigen Krieg zwischen England und Frankreich paktierten sie mit beiden Seiten und spielten so das Z�nglein an der Waage.</p><p>In jenem �Herbst des Mittelalters� stilisierte man das Hof- und Milit�rleben noch nach den Vorgaben eines idealisierten Rittertums von Fairness, Zweikampf, Ruhm und Tapferkeit, gerade in Burgund. So bestand Karl der K�hne darauf, dass an bestimmten Tagen jeder Bittsteller sein Anliegen direkt beim Herzog vortragen k�nne und zwar in Anwesenheit des gesamten Hofes � wie man es sich von mittelalterlichen Herrschern vorstellte. Karl hielt sich viel auf seine pers�nliche Tapferkeit zugute.</p><p>Seine einzige Tochter und Erbin war Maria von Burgund, angeblich eine der sch�nsten Frauen der damaligen Zeit und zweifellos die beste Partie in Europa. Da nur Maria Burgund erben konnte, war die Wahl ihres Ehemannes entscheidend f�r die Zukunft des Herzogtums. Karl der K�hne wollte durch eine Verbindung mit den Habsburgern verhindern, dass Burgund an Frankreich fiel. Dazu hatte er sich schon 1473 mit Kaiser Friedrich III. in Trier getroffen und die Verheiratung von Maria mit Friedrichs Sohn Maximilian verabredet.</p><p>Nachdem Karl der K�hne Anfang des Jahres 1477 bei Nancy gefallen war, wurde im August die Trauung Marias mit Maximilian in Gent vollzogen. Nach allen Berichten der Zeit soll es eine Liebesheirat gewesen sein. Auch der Renaissancef�rst Maximilian stellte sich noch in die ritterliche Tradition, beispielsweise in Schau-Turnierk�mpfen, die er gl�nzend bestand. 1482 hatte Maria einen Reitunfall und erlitt drei Wochen sp�ter eine Fehlgeburt, an der sie starb. Burgund fiel an die Habsburger.</p><p><emphasis>1479 und 1494</emphasis></p><p>DIE KATHOLISCHEN K�NIGE����Nat�rlich gab es seit dem Merowinger Chlodwig (Taufe in Reims 492) nur noch katholische K�nige in Westeuropa, aber es gibt nur ein K�nigspaar, das als �Katholische K�nige� bezeichnet wird: Isabella von Kastilien (1451�1504) und Ferdinand von Arag�n (1492�1516). Nach etlichen Versuchen, die jugendliche Isabella zu verehelichen, suchte sie sich als erwachsene Frau ihren Gatten selbst aus und ihre Wahl fiel auf Ferdinand von Arag�n, einen Mann mit ritterlichen Tugenden.</p><p>Sie heirateten 1469 und vereinigten 1479 ihre beiden Reiche zu einem spanischen K�nigreich und zum ersten Nationalstaat im modernen Sinn, den sie gemeinsam regierten. Ihre Tochter Johanna erbte das vereinigte spanische K�nigreich und daraufhin deren Sohn Karl V.</p><p>Der Ehrentitel �Katholische K�nige� wurde ihnen 1494 wegen der endg�ltigen Vertreibung der Mauren aus Spanien von dem spanisch-st�mmigen Papst Alexander VI. (Borgia) verliehen.</p><p><emphasis>1472</emphasis></p><p>SPANISCHE INQUISITION����Sp�testens seit der Vertreibung der Juden aus Pal�stina nach der Zerst�rung des Zweiten Tempels im Jahr 70 gab es in Spanien und Portugal gro�e j�dische Gemeinden. Die spanischen Juden werden Sephardim genannt. Legend�r ist die muslimisch-j�disch-christliche Symbiose in Toledo und in C�rdoba. Die christlichen K�nigreiche waren weniger tolerant. Die Juden wurden dort nur geduldet, wenn sie sich bekehren lie�en.</p><p>1472 wurde die Spanische Inquisition mit dem Ziel begr�ndet, die vielen zwangsbekehrten Juden in Spanien, die angeblich weiterhin heimlich ihrem Glauben anhingen, ausfindig zu machen und auf den Scheiterhaufen zu bringen. Treibende Kraft war der Dominikaner Tom�s de Torquemada (1420�1498), der erste Gro�inquisitor und Beichtvater der K�nigin Isabella.</p><p><emphasis>1492</emphasis></p><p>RECONQUISTA III � DER FALL VON GRANADA����Nach der Eroberung von Sevilla (1236) und C�rdoba (1248) sowie einiger anderer Orte haupts�chlich im andalusischen S�den bis 1250 war die Reconquista zum Stillstand gekommen. Von der einstigen muslimischen Pracht und Herrlichkeit war nur noch das Emirat von Granada als letzter muslimischer Kleinstaat auf spanischem Boden �brig geblieben. Isabella und Ferdinand gingen nun mit neuer Energie und Sch�rfe daran, die letzten Muslime � und die Juden � von spanischem Boden zu vertreiben.</p><p>Die Spanier konnten 1487 M�laga und 1489 Almer�a einnehmen. Dann folgte 1491 die Belagerung von Granada, die gut ein halbes Jahr dauerte. Gegen die Zusicherung von freiem Geleit f�r sich und sein Volk kapitulierte im November des Jahres der letzte Nasriden-Herrscher Mohammed XII., genannt Boabdil. Mit einem Abschiedsblick und seinem ber�hmten �letzten Seufzer des Mauren� �bergab er am 2.�Januar 1492 die Schl�ssel der Alhambra an Isabella und Ferdinand. Damit war die siebenhundertj�hrige Herrschaft der Araber, die Al-Andalus in einen Garten Eden verwandelt hatten, beendet. Isabella und Ferdinand triumphierten.</p><p><emphasis>1496</emphasis></p><p>�DU GL�CKLICHES �STERREICH HEIRATE�����Auch die Heirat des �ltesten Sohnes von Maximilian und Maria, Philipp, war wohl eine Liebesheirat: Philipp lie� angeblich schon nach dem ersten Blick auf Johanna sogleich einen Priester kommen, der die beiden traute, woraufhin sie im Schlafzimmer verschwanden. Wie auch immer: Es war keine arrangierte Hochzeit, wie sonst in F�rstenh�usern �blich. Politisch gesehen waren die Brautleute die Erben von �sterreich + Ungarn + B�hmen + Burgund auf der Seite des Br�utigams sowie Spaniens auf der Seite der Braut. Johanna war die Tochter von Isabella und Ferdinand. Und unter dieser Krone wurde soeben eine ganz neue Welt erobert. Dies alles erbten Philipps und Johannas S�hne Karl und Ferdinand: Kaiser Karl V. und nach dessen Abdankung sein Bruder Ferdinand I.</p><p>�M�gen andere Kriege f�hren, Du gl�ckliches �sterreich heirate� � Der Matthias Corvinus zugeschriebene Spottvers war das Motto der Habsburger-Dynastie. So brachten es die Habsburger innerhalb von vier Generationen von ostmitteleurop�ischen Herz�gen zu Kaisern von konkurrenzlos europ�ischem Rang und Weltherrschern, in deren �Reich die Sonne nie unterging�. Zwar verga�en die Habsburger in den darauffolgenden Jahrhunderten das Kriegshandwerk keineswegs und wehrten beispielsweise zweimal (1527 und 1683) den Angriff der T�rken auf Wien ab, aber sie betrieben auch erfolgreich Heiratspolitik, vor allem zuletzt die Kaiserin Maria Theresia.</p></section><section><subtitle>EINIGUNG RUSSLANDS</subtitle><p>1380 schlug der Moskauer Gro�f�rst Dimitri Donskoi erstmals die Mongolen in einer Schlacht. Das war der Anfang vom Ende der �Tatarenherrschaft� der Goldenen Horde �ber Russland. Die Goldene Horde zerfiel in die drei Khanate Kasan, Krim und Astrachan.</p><p><emphasis>1480</emphasis></p><p>DAS DRITTE ROM����Iwan III. regierte sein Gro�herzogtum Moskau 43 Jahre lang von 1462 bis 1505, so lange wie kein anderer russischer Herrscher. Er vergr��erte sein F�rstentum, indem er 1475 das F�rstentum Twer und 1478 Nowgorod annektierte. 1476 verweigerte er die Zahlung des j�hrlichen Tributs an die Goldene Horde. Tributverweigerungen hatten die Mongolen immer mit Strafexpeditionen beantwortet. Da der Mongolen-Khan zu jener Zeit noch mit K�mpfen gegen das Krim-Khanat besch�ftigt war, ging er erst 1480 gegen Moskau vor. Im Herbst des Jahres standen sich die beiden Heere am Fluss Ugra gegen�ber. Die Goldene Horde zog nach einigem bedeutungslosen Gepl�nkel kampflos ab. Das war�s. Die Mongolenherrschaft �ber Russland war zu Ende.</p><p>Nach dem Fall von Konstantinopel waren viele orthodoxe Priester und M�nche nach Russland emigriert, das ja bereits im Mittelalter von Byzanz aus christianisiert worden war. Iwan heiratete 1472 die Nichte des letzten byzantinischen Kaisers Konstantin XI., Sofia Palaiologos. Moskau betrachtete sich nun als das �Dritte Rom�, Iwan nahm 1478 den Kaisertitel an und kr�nte sich selbst zum Zaren. Schon im 9. Jahrhundert hatten sich bulgarische Herrscher als �Zar� bezeichnet, in Russland ist der Zarentitel erst seit Iwan III. in Gebrauch � und blieb es bis 1917.</p><p><emphasis>1480</emphasis></p><p>KREML����Jede altrussische Stadt hatte einen <emphasis>Kreml</emphasis> (�Burg�), so wie jede antike griechische Stadt eine <emphasis>Akropolis</emphasis> (�Burgberg�) hatte und im Deutschen im Mittelalter mit <emphasis>burg </emphasis>immer auch �Stadt� gemeint war. Aber nur der Moskauer Kreml ist weltweit zum Begriff geworden. Im Sp�tmittelalter sah der Kreml aus wie jede mittelalterliche Stadt, denn das Gel�nde entspricht deren Gr��e. Sein heutiges Aussehen erhielt er haupts�chlich durch Iwan III. Da Iwan als �neuer byzantinischer Kaiser� eine ansehnliche Residenz w�nschte, lud er � ganz auf der H�he seiner Zeit � zahlreiche italienische Renaissance-Architekten zum Bau der Kirchen und Pal�ste ein. Auch die gewaltige Kremlmauer aus r�tlichem Ziegelstein (ein Novum in Russland) wurde 1485 bis 1499 hochgezogen und steht seitdem im Wesentlichen unver�ndert.</p><p><emphasis>1530�1584</emphasis></p><p>IWAN DER SCHRECKLICHE����Iwan IV. Grosnyi (eigentlich �der Gestrenge�), der Enkel von Iwan III., war einer der gebildetsten Russen seiner Zeit und st�rkte die Moskauer Herrschaft durch Verwaltungs- und Gesetzesreformen. Wie bereits sein Vater Wassili II. konsolidierte er sein Reich durch territoriale Expansion. �berhaupt setzt unter diesen drei Herrschern die Ausdehnung Russlands ein, die es bis heute zum gr��ten Fl�chenstaat der Welt macht. Iwan IV., der von 1533 bis 1584 regierte, eroberte die Khanate Kasan (1552) und Astrachan. Zur Erinnerung an den Sieg �ber Kasan lie� er die ber�hmte vielfarbige Basilius-Kathedrale am S�dende des Roten Platzes au�erhalb der Kremlmauern errichten. Iwan war misstrauisch bis zum Verfolgungswahn und extrem cholerisch. Sein Vater war fr�h verstorben, und seine Mutter, die f�r ihren jungen Sohn Iwan die Regentschaft f�hren sollte, sah sich mit den Bojaren konfrontiert. Diese niederen Adligen bildeten in den einzelnen F�rstent�mern ein machtpolitisches Gegengewicht zu den regierenden F�rsten. Manche waren beinahe unabh�ngige Lords mit Privatarmeen und eigener Rechtsprechung. Um die Zarensouver�nit�t zu st�rken, f�hrte Iwan IV. einen erbarmungslosen, regelrechten Terrorkrieg gegen die Bojaren. Daf�r hatte er eine eigene, ihm bedingungslos ergebene Terrortruppe, die Opritschniki, geschaffen. Die Massenexekutionen der Opritschniki, aber auch un�bertroffen sadistische Strafen an Hunderten von vermeintlichen und tats�chlichen Gegnern, die Iwan sich selbst ausgedacht hatte, verschafften ihm schon zu Lebzeiten auch au�erhalb Russlands seinen Ruf als besonders grausamer Gewaltherrscher. Seinen eigenen Sohn, den Zarewitsch, erschlug er aus nichtigem Anlass im J�hzorn.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Iwans IV. schwachsinniger Sohn Fjodor stand unter der Vormundschaft von Regenten, insbesondere des durch ein Drama Puschkins und einer darauf basierenden Oper von Modest Mussorgski bekannten Boris Gudonow, der sich 1598 selbst zum Zaren machte. Russland hatte danach nur schwache und bedeutungslose Herrscher, bis mit Michael I. 1613 der erste Romanow den Thron bestieg. Auch Russland ist eine Kolonialmacht, und die Kolonisierung setzte etwa zur gleichen Zeit ein wie die der westeurop�ischen Seem�chte, ausgel�st durch die Eroberungen und Gebietserweiterungen der beiden Iwane. Nur war es eine Kolonialisierung zu Lande � haupts�chlich Sibiriens.</p></section><section><subtitle>DIE KONQUISTADOREN IN AMERIKA UND ASIEN</subtitle><p>Die Konquistadoren waren in der Regel verarmte Adlige. Die Erwerbs- und Aufstiegsm�glichkeiten in der Feudalgesellschaft im Renaissance-Spanien waren gering, die Strukturen im Heimatland zu verkrustet, der Besitz verteilt. Die Kolonien hingegen waren ein <emphasis>New Market</emphasis>. Die Wagemutigen st�rzten sich (gold-)gierig darauf. Alle Beteiligten waren Abenteurer und handelten sehr entschlossen, sonst h�tten sie ihre extrem strapazi�sen und brutalen Eroberungsleistungen nicht vollbringen k�nnen.</p><p>1503 wurden in Sevilla die <emphasis>Casa de Contrataci�n</emphasis> und in Lissabon die <emphasis>Casa de India</emphasis> gegr�ndet. Durch sie sollte der Kolonialhandel im Sinne eines k�niglichen Monopols, das �Privilegien� an Konquistadoren und H�ndler vergab, organisiert und kontrolliert werden. <emphasis>Conquistador</emphasis> wurde man in Spanien durch Abschluss eines Vertrages mit dieser <emphasis>Casa de Contratati�n</emphasis>, in dem sich der Konquistador zur Abgabe eines F�nftels seiner Einnahmen sowie zur Bekehrung der heidnischen Eingeborenen verpflichtete. Im Gegenzug erhielt er relativ freie Hand innerhalb �seiner Provinz�. Die spanische Kolonialverwaltung war einer der ersten Versuche der Krone, Staatsverwaltung nicht mehr durch Lehensvergabe, sondern durch eine b�rokratische Verwaltung zu organisieren.</p><p><emphasis>1505</emphasis></p><p>SKLAVENHANDEL����Die ersten Begegnungen von Kolumbus mit dem Ackerbauernvolk der Taino auf Hispaniola waren zwar friedlich und erfreulich verlaufen, aber nach der Ankunft der ersten Siedler auf Kolumbus� zweiter Reise �nderte sich das Bild rasch. Der Kampf um Grund und Boden f�hrte zu Feindseligkeiten. Entgegen den ausdr�cklichen Vorgaben der spanischen K�nige versklavte Kolumbus weit �ber 1000 Taino. Erste afrikanische Sklaven gab es auf Kuba seit 1505.</p><p>Der M�nch und Bischof Bartolom� de Las Casas (1484�1566) nahm ebenfalls an der zweiten Reise teil und 1512 an der Eroberung Kubas. Dort erwarb er Grund, Minenrechte und Sklaven, die er allerdings so menschlich behandelte, dass er bald als Heiliger galt. Las Casas erreichte bei der spanischen Krone eine Untersuchung der Misshandlungen und der Zwangsarbeit durch viele der Konquistadoren. Die Untersuchung verlief im Sande.</p><p>1520 machte Las Casas bei einer Audienz vor Kaiser Karl V. den gut gemeinten Vorschlag, statt der empfindlichen Indianer robustere schwarze Sklaven aus Afrika f�r die Arbeit auf den westindischen Plantagen und in den Erzgruben heranzuziehen. Wiederum auf seine Initiative erlie� die spanische Krone 1542 Schutzgesetze f�r die eingeborene Bev�lkerung, die aber nicht durchgesetzt werden konnten.</p><p><emphasis>1510</emphasis></p><p>WO DER PFEFFER W�CHST����1509/1510 gelang es den Portugiesen, die arabische Seeherrschaft zwischen dem Horn von Afrika, dem S�den der Arabischen Halbinsel und der Westk�ste Indiens zu brechen. Damit war f�r die Portugiesen der Weg zu den �Molukken� genannten Gew�rzinseln (Sumatra, Borneo, Java) frei. 1510 errichteten sie ihre Herrschaft �ber das indische Goa, die sie bis 1961 (!) behielten.</p><p>Der zweite Gouverneur von Goa, Afonso de Albuquerque (ca. 1450�1515), ein portugiesischer Hocharistokrat, der seit 1510 sehr erfolgreich das indische Kolonialreich organisierte, hatte begriffen, dass das bev�lkerungsarme Portugal keine gro�en Territorien erobern und halten konnte, sondern nur St�tzpunkte f�r die Seemacht. 1511 eroberte Albuquerque das strategisch wichtige Malakka auf der Halbinsel Malaysia vom dortigen Sultan Mahmud. Bis etwa 1520 erkundeten und entdeckten die Portugiesen das ganze westpazifische Gebiet einschlie�lich der chinesischen K�ste und Japan. Malakka (und Malaysia) blieb bis 1641 portugiesisch. Dann wurden die Portugiesen von den Holl�ndern verdr�ngt.</p><p><emphasis>1519</emphasis></p><p>PANAMA����war die erste richtige Stadt der Neuen Welt. Sie wurde 1519 von Pedro de Avila (1440�1531) gegr�ndet, einem Konquistador, der zuvor Gouverneur im nahe gelegenen Dari�n war. Avilas Vorg�nger in Dari�n war N�n&#x303;ez de Balbao. N��ez hatte 1513 in einer ber�hmten Expedition als erster Europ�er den Pazifik erblickt und den Ozean <emphasis>Mar del Sur</emphasis> (�S�dsee�) genannt. Der grausame, intrigante Avila sorgte daf�r, dass N��ez 1519 aufgrund falscher Anschuldigungen enthauptet wurde. Solche Intrigen waren unter all den Konquistadoren und spanischen Kronbeamten an der Tagesordnung. Die Gegend des heutigen Staates Panama war die erste auf dem zentralamerikanischen Festland, wo die Spanier Fu� fassten. Die neue Siedlung Panama wurde der Hauptumschlagspunkt f�r die begehrtesten Kolonialg�ter Gold und Silber. Wegen der g�nstigen Lage an der engsten Stelle der Kontinente kamen hier die Transporte aus dem Innern S�damerikas an und wurden auf die Schiffe verladen, die nach Spanien abgingen.</p><p><emphasis>1519�1521</emphasis></p><p>DAS GOLD DER AZTEKEN����Hern�n Cort�s (1485�1547) hielt sich schon seit 1504 in der Karibik auf und hatte als Verwaltungsbeamter und Richter in Kuba ein Verm�gen verdient. Um sich von seinen Vorgesetzten unabh�ngig zu machen, plante er sein eigenes Eroberungsprojekt. Auf eigene Kosten und unter Aufnahme immenser Schulden r�stete er einige Schiffe aus. Nach seiner Landung an der mittelamerikanischen K�ste lie� er die gesamte Flottille versenken. Cort�s setzte alles auf eine Karte, schnitt sich und seinen M�nnern bewusst jede R�ckzugsm�glichkeit ab.</p><p>Moctezuma II., in jungen Jahren Hohepriester und seit 1502 <emphasis>tlatoani</emphasis> (�F�rst�, �K�nig�) der Azteken, war seit der Ankunft der Spanier genau �ber deren Bewegungen informiert. Seine Kalenderorakelpriester konnten aber nicht entschl�sseln, was die Neuank�mmlinge mit ihren Furcht einfl��enden Gewehren und Pferden beabsichtigten. Schlie�lich empfing Moctezuma II. Hern�n Cort�s in Tenochtitl�n und unterwarf sich. Er quartierte ihn im Palast ein, wo die Spanier zuf�llig auf eine Schatzkammer stie�en. Sie nahmen Moctezuma als Geisel, der sich den Spaniern gegen�ber so willf�hrig zeigte, dass die Azteken den Aufstand wagten. Moctezuma wurde mit Steinw�rfen von seinen Leuten get�tet. Bei seinem Ausbruch aus Tenochtitl�n in der darauffolgenden Nacht zum 1.�Juli 1520 verlor Cort�s fast zwei Drittel seiner 1200 Spanier.</p><p>Dennoch gelang es Cort�s im darauffolgenden Jahr, Mexiko zu erobern. Er regierte als Statthalter bis 1528. Des Kaisers F�nftel-Anteil am Schatz der Azteken �bersandte er pflichtgem�� an Karl V. Cort�s� Eroberung Mexikos verdankt Karl V. die eigentliche Begr�ndung seines �berseeischen Weltreichs. Mithilfe des aztekischen Goldes und Silbers konnte Karl � damals noch am Beginn seiner kaiserlichen Laufbahn � seine teuren europ�ischen Kriege finanzieren.</p><p><emphasis>1519�1522</emphasis></p><p>WELTUMSEGELUNG����Im gleichen Jahr, als Karl V. in Frankfurt zum r�misch-deutschen K�nig und sp�teren Kaiser gew�hlt wurde, segelten im September 1519 f�nf spanische Schiffe von Sevilla aus den Guadalquivir hinab. Kommandant der Flotte, die nicht weniger zum Ziel hatte als die erste Weltumrundung, war der Portugiese Ferdinand Magellan (1480�1521). Er sollte die Expedition nicht �berleben.</p><p>Magellan kannte sein Ziel bereits, denn er hatte schon als Mittzwanziger von Indien aus an der wichtigen Eroberung Malakkas teilgenommen. Dann fiel er in Portugal in Ungnade und wechselte 1517 in spanische Dienste. Eine Nachricht �ber eine angebliche Durchfahrt in S�damerika zum Pazifik erschien vielversprechend genug, alle Risiken auf sich zu nehmen.</p><p>Weder in der Bucht des Rio de Janeiro im Dezember 1519 noch in der Bucht des Rio de la Plata im Januar 1520 wurde die erhoffte Meerenge gefunden. Das Kundschaften entlang der v�llig unbekannten K�sten erforderte viel Zeit und Geduld. Magellan verlor zwei Schiffe, eines durch Schiffbruch und eines durch Meuterei � es war nicht die erste. Zwischen Ende Oktober und Ende November durchquerten die verbliebenen drei Schiffe die st�rmische Meerenge ganz im S�den. Sie hei�t heute Magellan-Stra�e. Am 28.�November wurde der neue Ozean erreicht. Die St�rme flauten ab. Magellan nannte ihn <emphasis>Mar Pacifico</emphasis>: Stiller Ozean, heute allgemein: Pazifik.</p><p>Die Fahrt durch den riesigen, fast insellosen Ozean nahm fast vier Monate in Anspruch. Schiffsratten wurden zur begehrten Delikatesse. Im M�rz 1521 erreichte die kleine Flotte die Marianen und die Philippinen. Die Begegnungen mit lokalen islamischen Herrschern verliefen friedlich, aber nach einem gewaltsamen Bekehrungsversuch wurde Magellan beim R�ckzugsgefecht zu den Schiffen t�dlich verwundet.</p><p>Der Baske Juan de Elcano �bernahm das Kommando f�r die lange R�ckreise um Afrika mit zuletzt nur noch einem Schiff. Nur 18 M�nner � und 26 Tonnen Gew�rze � kehrten im September 1522 nach Spanien zur�ck. Der endg�ltige Beweis der Kugelgestalt der Erde war erbracht.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Portugiesen konzentrierten sich auf den indisch-molukkischen Gew�rzhandel und dessen milit�rische Absicherung an den K�sten und auf See. Die Erschlie�ung des s�damerikanischen Kontinents war Sache der Spanier. Auch Florida und die Karibikk�sten Nordamerikas wurden von den Konquistadoren heimgesucht. Kleinere Goldfunde stachelten die Gier der Europ�er immer wieder an, aber in der Nordkaribik blieb der gro�e Reichtum aus. Die nach Mexiko bedeutendste Entdeckung und Eroberung war das Werk von Francisco Pizarro (ca. 1477�1541), der in die pazifischen Andenl�nder S�damerikas vordrang. Verglichen mit der blutigen Niederringung der Azteken durch Cort�s war seine Expedition ein Spaziergang. Seine Schwierigkeiten begannen erst danach.</p><p><emphasis>1531�1533</emphasis></p><p>DAS GOLD DES INKA����Pizarro verb�ndete sich mit dem Konquistador Diego de Almagro. Nach fast zehnj�hriger Vorbereitungszeit, inklusive einer R�ckreise nach Spanien, wo K�nig Karl das peruanische Projekt 1529 abnickte, erschienen Pizarro und Almagro 1531 in Peru.</p><p>In einem blutigen B�rgerkrieg hatte der etwa drei�igj�hrige Inka Atahualpa seinen Bruder vom Thron gesto�en und war erst seit Kurzem der alleinige Herrscher. Da erreicht ihn die Nachricht vom Vormarsch wei�h�utiger M�nner entlang der Pazifikk�ste. Mehr als 1000 Kilometer n�rdlich der Hauptstadt erwartet Atahualpa die gut 150 Spanier unter Francisco Pizarro mit Zehntausenden seiner Krieger, die r�tselhafterweise unbewaffnet erscheinen. Als Pizarro den Inka unter einem Vorwand gefangen nehmen l�sst, sind dessen Krieger fassungslos angesichts des Sakrilegs an ihrem gottgleichen Herrscher und werden in einem �berraschungsangriff niedergemetzelt. Ohne einen ausdr�cklichen Befehl zum Angriff unternehmen die ihres Oberhauptes beraubten Inka nichts. Waffentechnisch w�ren sie auch hoffnungslos unterlegen. Sie haben nur Speere, Lanzen und Steinkeulen. Mit einigen Donnerschl�gen aus seinen mitgef�hrten kleinen Kanonen richtet Pizarro heillose Verwirrung unter den Inkas an.</p><p>Durch einen Zufall erf�hrt Atahualpa, dass er sich mit einem L�segeld freikaufen k�nne, und bietet Pizarro an, den Raum, in dem er gefangen gehalten wird, mit Gold und einen angrenzenden Nebenraum zweimal mit Silber zu f�llen. Monatelang transportieren Lamakarawanen die Tempelsch�tze, Kultgegenst�nde und Schmuck. Es sind Tonnen von Gold und Silber. Pizarro l�sst Atahualpa trotzdem erdrosseln. M�helos erreicht Pizarro 1533 sein Ziel, die Inka-Hauptstadt Cuzco.</p><p>Dann aber kam es zwischen Pizarro und Almagro zum Streit �ber die Beute und die Teilung der Herrschaft in dem gro�en �Neukastilien�. Almagro machte sich Hoffnungen auf ein eigenes Gouvernement im s�dlich gelegenen Chile, das er bei einer eigenen Kampagne (1536�1537) als erster Europ�er erkundete. Aber statt einer Hochkultur fand er nur armselige Bauernd�rfer. Nach seiner R�ckkehr lieferten sich seine und Pizarros Anh�nger 1538 eine Schlacht, die Almagro verlor. Er wurde von Pizarros Bruder des Hochverrats beschuldigt, verurteilt und sofort hingerichtet. Almagros Anh�nger r�chten sich und ermordeten Pizarro.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: 1554 gr�ndeten portugiesische Missionare S�o Paolo. 1557 erhielten die Portugiesen vom chinesischen Kaiser die Erlaubnis, sich in Macao an der s�dchinesischen K�ste niederzulassen. Es wurde erst 1999 an China zur�ckgegeben. In der M�ndung des Januar-Flusses wurde 1565 Rio de Janeiro gegr�ndet, von 1763 bis 1960 Hauptstadt von Brasilien. Magellan hatte die philippinische Inselgruppe 1521 bei seiner Weltumsegelung entdeckt und formell f�r die spanische Krone in Besitz genommen. 1565 bis 1571 reklamierte und eroberte die spanische Krone die Philippinen f�r sich. Diese waren seit etwa 1380 von den benachbarten indonesischen und malaysischen Inseln aus islamisiert. Manila war 1530 als <emphasis>May Nilad</emphasis> vom Radscha von Brunei gegr�ndet worden.</p></section><section><subtitle>DIE REFORMATION IN DEUTSCHLAND</subtitle><p>1516 wird der in Gent im Jahr 1500 geborene und in Spanien aufgewachsene spanisch-burgundische Thronfolger aus dem Haus Habsburg, Karl, im Alter von 16 Jahren als Carlos I. K�nig von Spanien.</p><p>Nach dem pl�tzlichen Tod seines Gro�vaters Kaiser Maximilian 1519 l�sst er sich zum r�misch-deutschen K�nig und Kaiser Karl V. w�hlen. Franz I. � der bedeutende franz�sische Renaissance-K�nig und europ�ische Widersacher Karls � hatte sich �brigens ebenfalls um diese deutsche Amtsstelle beworben. F�r seine Wahl hatte der sehr junge Karl bei den Fuggern und anderen Banken erhebliche Schulden aufgenommen, um hohe Bestechungsgelder an die deutschen Kurf�rsten bezahlen zu k�nnen.</p><p>Karl ist spanischer K�nig, Herr �ber den riesigen habsburgischen Hausbesitz und der m�chtigste Mann in Europa. Seine Herrschaft h�tte im Umfeld der italienischen und europ�ischen Renaissance sowie des kolonial sensationell expandierenden Spanien �u�erst glanzvoll sein k�nnen � h�tte es nicht in Deutschland die Reformation gegeben.</p><p><emphasis>1517</emphasis></p><p>THESENANSCHLAG����Nach ihrer Lehre gew�hrt die Kirche im Namen Jesu Christi dem bu�fertigen Gl�ubigen den Nachlass irdischer S�nden. Zeichen der Reue kann auch eine Geldspende sein. Im Sp�tmittelalter hatte die Kirche den Wert solcher Geldbu�en als Finanzierungsinstrument entdeckt und verbriefte sie quasi als Wertpapiere: Die Ablassbriefe wurden gegen klingende M�nze verkauft. W�hrend der Hochrenaissance wurde dieser Gesch�ftszweig unter dem Prunk liebenden Papst Leo X. Medici auf die Spitze getrieben.</p><p>Der aggressivste Ablassh�ndler in Deutschland war Johann Tetzel (ca. 1465�1519), sein Werbeslogan: �Sobald der Gulden im Becken klingt, im hui die Seel im Himmel springt�. 1516 bekam Martin Luther die von Tetzels Auftraggeber verfasste �Instruktion� zu Gesicht, wonach die eine H�lfte der Einnahmen f�r die Finanzierung des Neubaus von St. Peter in Rom, die andere f�r die Tilgung der Schulden gedacht war, die Kardinal Albrecht bei den Fuggern hatte. (Der Hohenzollern-Spross Albrecht hatte sich von dem Geld sowohl den Erzbischofsstuhl von Magdeburg 1513 wie den von Mainz 1514 erkauft.)</p><p>�ber diese �Instruktion� war der Wittenberger Universit�tsprofessor Luther zutiefst emp�rt und wollte eine akademische <emphasis>Disputatio </emphasis>�ber den Ablasshandel in Gang bringen. Ob der damals 34-J�hrige dann am 31.�Oktober 1517 tats�chlich 95 Thesen per Anschlag an dem Portal der Schlosskirche in Wittenberg bekannt machte oder nur Handzettel verteilte, ist historisch nicht verb�rgt.</p><p>Inhalt der �Thesen� sind 95 auf Latein geschriebene S�tze, in denen Luther seinen Standpunkt f�r die Disputatio begr�ndet. Seiner Auffassung nach hat �jeder Christ, der wirklich bereut, Anspruch auf v�lligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief� und er stellt fest, dass �ein Gro�teil des Volkes durch jenes in Bausch und Bogen und gro�sprecherisch gegebene Versprechen des Straferlasses get�uscht wird�. Die Resonanz war ungeheuer und h�lt in ihren weltgeschichtlichen Konsequenzen bis heute an. Zuerst nat�rlich in Deutschland verwandelte sich Luthers Auffassung zur Bu�e in Verbindung mit seiner Gnadenlehre zur theologischen Grundlage der Reformation. Auf der politischen Ebene verquickten sich religi�se Motive mit handfesten Machtinteressen � meist im Sinne des Unabh�ngigkeitsstrebens der F�rsten.</p><p><emphasis>1521</emphasis></p><p>HIER STEHE ICH, ICH KANN NICHT ANDERS����Kardinal Albrecht zeigte Luther umgehend in Rom an. Doch Kurf�rst Friedrich der Weise von Sachsen hielt seine sch�tzende Hand �ber den Reformator. Dieser vollzog 1521 mit der �ffentlichen Verbrennung der p�pstlichen Bulle in Wittenberg, welche seine Thesen verdammte, den Bruch mit Rom. Luther wurde exkommuniziert. Die gesamte Reichsleitung war inzwischen involviert. Auf einem Reichstag in Worms Mitte April 1521 in Anwesenheit des frisch gew�hlten Kaisers Karl V. lehnte Luther die Forderung nach einem Widerruf in einer auf Latein gehaltenen Ansprache sinngem�� mit den legend�ren Worten ab: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Vor dem Vollzug der daraufhin ausgesprochenen Reichsacht bewahrte ihn Kurf�rst Friedrich, indem er Luther in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf die Wartburg bringen lie�.</p><p>Auf der Wartburg entstand im Herbst 1521 innerhalb von knapp drei Monaten Luthers �bersetzung des Neuen Testaments direkt aus dem Griechischen, also nicht, wie fr�here Bibel�bersetzungen, aus der lateinischen Bibelausgabe, der Vulgata. Der sprachm�chtige Luther fand einen neuen, volksnahen Ton. Durch die enorme Verbreitung seiner �bersetzung wurde die Lutherbibel zu einer der ma�geblichen Grundlagen des Neuhochdeutschen.</p><p>In Luthers theologischer Auffassung spielt gerade im Zusammenhang mit der Frage der Bu�e die Gewissensfreiheit eine zentrale Rolle. Wenn dem Menschen Gottes Gnade pers�nlich zuteil wird, ohne Vermittlung der Kirche, dann muss er sich mit seinem Gewissen pers�nlich vor Gott verantworten und pers�nlich Gottes Willen erforschen. Das kann er nur, wenn er Gottes Wort pers�nlich kennt. Jeder Gl�ubige soll in der Lage sein, die Bibel zu lesen, und nur das, was in der Bibel geschrieben steht (<emphasis>sola scriptura</emphasis>), gilt.</p><p><emphasis>1524/1526</emphasis></p><p>CUIUS REGIO, EIUS RELIGIO����Seit 1522 wurde die Reformation zu einer Volksbewegung. Luther kehrte nach Wittenberg zur�ck, reformierte die Gottesdienstordnung und versuchte, Tumulte und Exzesse wie den Bildersturm zu m��igen. In Sachsen verlie�en M�nche und Nonnen die Kl�ster. Luther heiratete 1525 Katharina von Bora, eine ehemalige Nonne.</p><p>Die Bauern interpretierten die lutherische �Freiheit� in ihrem Sinn und rebellierten gegen Willk�r, Zwang und Abgaben der Standesherren und �Pfaffen� � auch Kirche und Kl�ster waren gro�e Grundbesitzer. Die sozialen Unruhen gingen vom Bodenseegebiet aus und verbreiteten sich bis nach Th�ringen. Ein primitiv ausger�stetes Bauernheer wurde dort 1525 in der N�he des Kyffh�users aufgerieben. Nahezu 100000 Bauern kamen bei der Niederschlagung der Aufst�nde ums Leben.</p><p>Das Ende der Bauernunruhen war ein Erfolg f�r die F�rsten. Diejenigen unter ihnen, die der Reformation anhingen, wollten die Reichsacht gegen Luther weiterhin nicht vollziehen, allen voran der Kurf�rst von Sachsen. Auf einem Reichstag in N�rnberg 1524 entstand die Idee, dass jeder Landesherr f�r sein Territorium (<emphasis>regio</emphasis>) entscheiden solle, welche Religion dort gelte: <emphasis>Cuius regio, eius religio</emphasis>. Diese Kompromissformel wurde 1526 auf dem Reichstag in Speyer verabschiedet und 1555 Grundlage f�r den Augsburger Religionsfrieden.</p><p><emphasis>1529</emphasis></p><p>PROTESTANTEN����Karl V., der auf diesem und dem nachfolgenden Reichstag nicht anwesend war, akzeptierte die Formel nicht und hob den Beschluss wieder auf. Sein Bruder Ferdinand, der ihn vertrat, forderte beim zweiten Speyerer Reichstag 1529 nochmals den Vollzug der Acht gegen Luther. Die Mehrheit billigte Karls Entscheidung am 19.�April. Daraufhin verlie�en die evangelischen Reichsst�nde den Saal. Das waren sechs F�rsten (Sachsen, Ansbach, Hessen, Anhalt, L�neburg und Braunschweig) sowie 14 Reichsst�dte (�berwiegend aus dem deutschen S�dwesten). Am 20.�April �berreichten sie eine �Protestationsschrift�. So wurden die Anh�nger der reformatorischen Bewegung �Protestanten�.</p><p><emphasis>1530/1555</emphasis></p><p>AUGSBURGER BEKENNTNIS UND AUGSBURGER RELIGIONSFRIEDE����Waren bisher Worms und Speyer die Hauptschaupl�tze der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und F�rsten, so wurde nun Augsburg zweimal der ma�gebliche Tagungsort.</p><p>F�r den Reichstag von 1530 verfasste Philipp Melanchthon (1497�1560) im Auftrag von Kurf�rst Johann von Sachsen das �Augsburger Bekenntnis�, in dem er die reformatorische Lehre darlegte. Luther billigte Melanchthons Erkl�rung, und die meisten protestantischen Reichsst�nde bekannten sich dazu. Kaiser Karl V. war dieses Mal anwesend, nahm die <emphasis>Confessio Augustana</emphasis> immerhin zur Kenntnis, best�tigte dann aber das Wormser Edikt von 1521, mit dem Luther zum Ketzer erkl�rt worden war. Dem wollten sich die protestantischen F�rsten und Reichsst�dte nun nicht unterwerfen und schlossen sich 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Dieser wurde in den Drei�igerjahren des Jahrhunderts sehr m�chtig, und die Protestanten konsolidierten ihre Positionen. Doch die entscheidende milit�rische Auseinandersetzung gewann Karl V. 1547 in der Schlacht bei M�hlberg an der Elbe. Es war der erste Religionskrieg in Europa zwischen Protestanten und Katholiken.</p><p>Trotz des Sieges bei M�hlberg �nderten sich bald darauf die deutschen Machtverh�ltnisse. Karl V. wollte seinen Sohn Philipp II. von Spanien als deutschen Kaiser durchsetzen, das wollten nun viele deutsche F�rsten nicht und wechselten die Seite. Karls Bruder Ferdinand handelte 1555 wiederum in Augsburg den Kompromiss auf der Grundlage des <emphasis>Cuius regio, eius religio</emphasis> aus. Sie erlaubte dem Landesherrn � nicht seinen Untertanen � die Religion zu w�hlen und eigene Landeskirchen zu errichten. Mit diesem Reichsgrundgesetz wurde das Prinzip der Religionsfreiheit in Europa sozusagen verfassungsrechtlich anerkannt, auch wenn es nicht die individuelle Religionsfreiheit im modernen Sinn war. Au�erdem wurden dadurch die protestantischen Reichsst�nde als gleichberechtigt anerkannt. Durch den Augsburger Friedensschluss wurde einerseits die konfessionelle Spaltung Deutschlands besiegelt, andererseits die Einheit des Reiches gewahrt. Der Erfolg der Reformation war auch �au�enpolitisch� bedingt. Die beiden Habsburger waren zu stark in Konflikten au�erhalb des Reiches involviert: Karl V. in seinen Auseinandersetzungen mit Franz I. und Ferdinand mit den T�rken, die in Ungarn standen.</p><p>1555 verfasste Karl V. seine Abdankungserkl�rung und stellte sie 1556 den deutschen Kurf�rsten zu. Dann zog er sich in das spanische Kloster San Yuste zur�ck, wo er 1558 starb.</p><p>EMIGRATION����ist als geschichtliches Ph�nomen eine Folge der Reformation, und das Wort wird erst seit dieser Zeit gebraucht. Bereits die Vertreibung der Mauren und Juden aus Spanien am Ende der Reconquista war eine Form der Zwangsemigration aus religi�sen Gr�nden. Sp�ter emigrierten auch viele protestantische Hugenotten aus Frankreich in die Niederlande, die Schweiz oder nach Preu�en, und Puritaner nach Amerika.</p></section><section><subtitle>DIE REFORMATION IN EUROPA</subtitle><p>Im ohnehin zersplitterten Reich wird die Religionsfrage mit dem politischen Tauziehen um die Macht zwischen F�rsten und Kaiser verquickt. Die nach dem Hundertj�hrigen Krieg gerade wieder gefestigten Monarchien Frankreich und England werden durch die Glaubensspaltung erneut destabilisiert. In den skandinavischen L�ndern wird die Reformation vergleichsweise problemlos eingef�hrt; in Schweden 1527, in D�nemark 1536. Italien, Spanien und Portugal bleiben von der Reformation unber�hrt.</p><p><emphasis>1534</emphasis></p><p>ANGLIKANISCHE KIRCHE����Nach dem Ende der Rosenkriege war Tudor Heinrich VII. seit 1485 neuer K�nig und begr�ndete damit eine neue Dynastie. Um England gegen Frankreich au�enpolitisch zu st�rken, ging Heinrich VII. ein B�ndnis mit Spanien ein. Es sollte durch eine Heirat zwischen dem englischen Thronfolger Arthur und der spanischen Prinzessin Katharina von Arag�n besiegelt werden. Doch Arthur starb. Heinrichs VII. zweiter Sohn, der sp�tere Heinrich VIII., �bernahm die Stelle des Prince of Wales und auch die Ehefrau seines Bruders.</p><p>Doch Katharina gebar keinen Sohn. Bet�rt von deren ehemaliger Zofe Anne Boleyn wollte Heinrich seit etwa 1530 nun diese heiraten. Der K�nig war mittlerweile 40 und betrieb die Scheidung per Dispens, den der Papst nicht gew�hrte. Der Erzbischof und Lordkanzler Thomas Wolsey hielt zum Papst. Die meisten englischen Bisch�fe erkl�rten schon 1531, dass sie den Papst nicht l�nger als Oberhaupt anerkennen wollten; dies zielte auch auf ihr Bekenntnis zur Reformation. Anne war 1533 schwanger, und Heinrich heiratete sie in der Hoffnung auf den Thronerben. Wolsey und der Erzbischof von Canterbury wurden ausgewechselt. Die Nachfolger erkl�rten die Ehe mit Anne f�r g�ltig und annullierten die bis dahin (!) noch bestehende Ehe mit Katharina. Hier ist schon eine englische Kirchengerichtsbarkeit zust�ndig. Im September gebar Anne eine Tochter, Elisabeth, die sp�tere K�nigin.</p><p>Im November 1534 lie� Heinrich vom Parlament den <emphasis>Act of Supremacy </emphasis>verabschieden. Per Gesetz wurde der englische K�nig damit �Oberhaupt� der englischen Kirche. Die englische Kirche wurde als anglikanische Staatskirche neu begr�ndet und der r�misch-katholischen Kirche v�llig entzogen. Alle Geistlichen und Beamten mussten Heinrich einen Treueeid leisten. Im Zuge dessen wurden auch die Kl�ster aufgehoben und ihr (Grund-)Besitz eingezogen oder ver�u�ert. Deswegen gibt es in England so viele Klosterruinen.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: In England wurde mit der Thronbesteigung von Elisabeth I. 1558 die Reformation wieder aufgenommen, nach einer kurzen katholischen Reaktion unter K�nigin Mary Tudor (1553�1558). Die �Bloody Mary� war die �lteste Tochter Heinrichs VIII. und seiner ersten, streng katholischen Frau Katharina von Arag�n. Mary hatte 300 Protestanten hinrichten lassen.</p><p><emphasis>1540</emphasis></p><p>DAS PROTESTANTISCHE ROM����Heute sind etwa 150 Millionen Menschen Calvinisten, vor allem in der Schweiz, den Niederlanden, Schottland und den USA. Der haupts�chlich in Genf wirkende Jean Calvin (1509�1564) geh�rt zu den einflussreichsten Denkern �berhaupt. Auf der Basis der reformatorischen Lehre entwickelte Calvin eine eigene Variante, die Gott in jeder Hinsicht absolut setzte. Er wandte sich schroff gegen alles Kirchliche und Kultische wie liturgischen Gottesdienst, Sakramente, Reliquien und nat�rlich den Ablass. In dieser Verabsolutierung ging er so weit zu behaupten, dass Gott das Schicksal jedes Menschen zur Erl�sung oder zur Verdammnis vorherbestimmt habe � die sogenannte Pr�destination. Da Gottes Wille in Bezug auf den Einzelnen aber nicht zu erkennen sei, m�sse sich jeder eines �u�erst tugendhaften Lebenswandels beflei�igen. F�r Calvin hie� das: keine Zeitvergeudung, sondern lernen, beten und arbeiten, kein Luxus, keine Laster.</p><p>Seit 1540 setzte Calvin seine Ansichten �ber Kirchen- und Glaubenszucht in Genf mit fanatischer H�rte durch. In seinem Eiferertum und der unnachgiebigen Strenge stand Calvin seinem Zeitgenossen und indirekten katholischen Widersacher Ignatius von Loyola, dem Gr�nder des Jesuitenordens, in nichts nach.</p><p>Calvins dauerhafteste institutionelle Leistung war 1559 die Gr�ndung der Genfer Hochschule, an der Generationen von protestantischen Theologen und deutschen F�rstens�hnen ausgebildet wurden. Haupts�chlich wegen dieser Akademie und weil in der Stadtrepublik ein besonders strenger protestantischer Geist vorherrschte, wurde Genf als das �protestantische Rom� apostrophiert.</p><p><emphasis>1572</emphasis></p><p>BARTHOLOM�USNACHT����Als Calvin um 1525 in Paris studierte, war der franz�sische Protestantismus eher eine Art Untergrundbewegung. Franz I. unterdr�ckte die Hugenotten aus R�cksicht auf den Papst, den er wegen der Auseinandersetzungen mit Karl V. nicht ver�rgern wollte. Franz I. starb 1547. Sein Sohn Heinrich II. heiratete Katharina von Medici (1519�1589). Nach dessen qualvollem Tod durch einen Lanzensplitter im Auge lenkte Katharina als K�niginmutter f�r ihre drei regierungsschwachen S�hne die franz�sische Politik. Die Protestanten wurden weiter verfolgt, und seit 1562 kam es zu drei franz�sischen Hugenottenkriegen. Auch in Frankreich waren die Religionskriege ein Machtkampf zwischen Krone und Adel bis aufs Blut. In Frankreich griff die m�chtige lothringische Herzogsfamilie Guise mit ihren Verb�ndeten gegen die schwachen Valois nach der Krone. Die Guise waren die Anf�hrer der katholischen Fraktion und bekriegten die Hugenotten zehn Jahre lang in einem komplizierten Wechselspiel von Feldz�gen, Gemetzeln, Attentaten und kurzlebigen Friedensschl�ssen. Katharina von Medici lavierte zwischen den Parteien.</p><p>Oberhaupt der Hugenotten war neben dem Kriegshelden Admiral Coligny der junge protestantische K�nig Heinrich aus dem s�dfranz�sischen Navarra (Regierungszeit 1589�1610). Nach zehnj�hrigem B�rgerkrieg sollten die unhaltbaren Zust�nde in Frankreich beendet werden. Die Verm�hlung des neunzehnj�hrigen Heinrichs mit der Valois-Prinzessin Margarete, der Schwester des franz�sischen K�nigs, sollte Ausdruck der nationalen Vers�hnung sein.</p><p>Anl�sslich der Hochzeit von Heinrich und Margarete am 18.�August 1572 in der Kathedrale von Notre-Dame waren Tausende von Protestanten nach Paris gekommen. Die Feierlichkeiten dauerten tagelang. Im Einverst�ndnis zwischen den Guise und Katharina von Medici wurden in der Nacht zum 24.�August 1572 Coligny und die Hugenottenf�hrer sowie rund 3000 Protestanten in Paris und anschlie�end Tausende weiterer Hugenotten in ganz Frankreich ermordet. Hier entlud sich nach Jahren h�chster innenpolitischer Anspannung die Wut gegen die Protestanten. Heinrich von Navarra entkam dem Gemetzel nur mit knapper Not. Der 24.�August ist nach dem Heiligenkalender dem heiligen Bartholom�us geweiht.</p><p><emphasis>1593</emphasis></p><p>PARIS IST EINE MESSE WERT����Solange der letzte Sohn der Katharina von Medici, K�nig Heinrich III., noch lebte, setzten sich die Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken fort. Sie waren immer durch massive Einflussnahme von au�en begleitet. Die Katholiken wurden nat�rlich von Philipp II. von Spanien unterst�tzt, die Protestanten � ebenso nat�rlich � von K�nigin Elisabeth I. von England. Insofern waren die Hugenottenkriege auch ein europ�ischer Religionskrieg und ein Machtkampf um Einflusszonen.</p><p>Am 1.�August 1589 wurde Heinrich III., der letzte Valois, ermordet. Heinrich von Navarra wurde als Heinrich IV. sein Nachfolger und konvertierte 1593 zum Katholizismus. Sein pers�nlicher Verzicht auf das protestantische Bekenntnis, das ihm stets als politische Klugheit angerechnet worden ist, kommentierte er angeblich mit dem ber�hmten Satz: <emphasis>Paris vaut bien une messe.</emphasis> �Paris ist eine Messe wert.� Durch sein Toleranzedikt von Nantes 1598 sicherte er den Hugenotten die freie Religionsaus�bung. In Deutschland ist er als <emphasis>Henri Quatre</emphasis> durch den Romanzyklus von Heinrich Mann bekannt.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Heinrich IV. war der erste Bourbone auf dem franz�sischen Thron. Diese Dynastie regierte Frankreich fast 200 Jahre lang bis zur Revolution. 1599 annullierte der Papst die Ehe mit Margarete von Valois, und Heinrich heiratete Maria von Medici. 1610 wurde er von einem Attent�ter in Paris ermordet. Maria �bernahm als K�niginmutter die Regentschaft f�r den neunj�hrigen Thronfolger Ludwig XIII. Dessen Nachfolger Ludwig XIV., der Sonnenk�nig, hob das Toleranzedikt 1685 auf. Daraufhin emigrierten die meisten Hugenotten.</p><p><emphasis>1588</emphasis></p><p>ARMADA����England unter K�nigin Elisabeth I. (1533�1603) und Spanien unter K�nig Philipp II. (1527�1598) waren erbitterte Konkurrenten � auf den Weltmeeren und konfessionell. Englische Piraten wie (Sir) Francis Drake lieferten sich Gefechte mit spanischen Schiffen. In der Karibik st�rte die aufstrebende Seemacht England die etablierte Seemacht Spanien. Die protestantischen Engl�nder f�hlten sich durch von Spanien unterst�tzte �Papisten� unterwandert. Das Pikante daran ist, dass Philipp als junger Mann mit der Schwester und Vorg�ngerin Elisabeths, der katholischen �Bloody� Maria Tudor, verheiratet und durch sie K�nig von England gewesen war. Die Ehe blieb kinderlos, und Elisabeth kam auf den Thron. Auch ihr hatte Philipp einen Heiratsantrag gemacht. Erst danach wurden England und Spanien Feinde. Die Enthauptung der katholischen schottischen K�nigin Maria Stuart 1587 war dann f�r Philipp der Anlass, eine Flotte von 130 Schiffen, die <emphasis>Grande y Felic�sima Armada,</emphasis> gen England zu schicken. Die Armada scheiterte 1588 im �rmelkanal an den wendigeren englischen Schiffen und am schlechten Wetter. Sie ging unter.</p><p><emphasis>ca. 1580</emphasis></p><p>ELISABETHANISCHES ZEITALTER����Elisabeth I. regierte 45 Jahre lang (1558�1603). Nach ihr ist die glanzvolle Epoche der englischen Renaissance-Kultur als �Elisabethanisches Zeitalter� benannt. Die bedeutendsten Schriftsteller, allen voran William Shakespeare, Christopher Marlowe und der Staatsphilosoph und Universalgelehrte Francis Bacon (�Wissen ist Macht�) waren ihre Zeitgenossen. Ebenso �berragende Komponisten wie Henry Purcell und John Dowland. Nach dem Sieg �ber die Armada begann Englands Aufstieg zur Seemacht. Schon die Weltumsegelung von Francis Drake 1577 bis 1580 war ein Symbol f�r die maritime Machtergreifung. Englands Zukunft lag auf dem Wasser. Das nach dem Hundertj�hrigen Krieg und den Rosenkriegen ausgeblutete Land erholte sich wirtschaftlich unter Elisabeths stabiler Regierung. Vor allem die Handels- und Kulturstadt London prosperierte. Zu Elisabeths Zeit war London eine Stadt mit 200000 Einwohnern.</p><p><emphasis>1541</emphasis></p><p>IRLAND����Seit dem Hochmittelalter war Irland wie England von der normannischen Oberschicht regiert worden. Da die Iren wie die Normannen streng katholisch waren, gab es keinen Anlass f�r Glaubenskonflikte. Dann schuf Heinrich VIII. ein K�nigreich Irland, machte sich nat�rlich selbst zu dessen Herrscher, regierte es straffer und s�kularisierte � wie in England, den katholischen Kirchen- und Klosterbesitz. Seit dieser Zeit wurden systematisch englisch-anglikanische, etwas sp�ter protestantische schottische Siedler in Irland �eingepflanzt� (so der damals gebr�uchliche Ausdruck). Der nordirische B�rgerkrieg im 20. Jahrhundert geht direkt auf diese englische Machtpolitik mit konfessionellem Anstrich zur�ck.</p><p><emphasis>1605</emphasis></p><p>PULVERVERSCHW�RUNG����Nachfolger der letzten Tudor-K�nigin Elisabeth I. von England, die als �jungfr�uliche K�nigin� keinen eigenen Erben hatte, wurde der Sohn der hingerichteten Maria Stuart, Jakob (James) I. James war schottisch, protestantisch � und in Personalunion der erste K�nig von Schottland und England. Um die gesamte K�nigsfamilie und gleichzeitig das Parlament samt anglikanischen Bisch�fen und anglikanischem Hochadel zu beseitigen, planten fanatische Katholiken f�r den Tag der Parlamentser�ffnung am 5.�November 1605, das Parlamentsgeb�ude von Westminster in die Luft zu sprengen. Hauptattent�ter war der Offizier und Sprengstoffexperte Guy Fawkes, dem es gelang, 36 F�sser Schie�pulver in den Kellerr�umen zu deponieren. Die Menge w�re mehr als ausreichend gewesen, den gew�nschten Zweck zu erreichen. Die Verschw�rung wurde am Morgen vor der Parlamentser�ffnung nach Eingang eines Warnschreibens bei einer Kellerinspektion entdeckt. Diese Inspektion geh�rt bis heute zum Ritual der allj�hrlichen Parlamentser�ffnung. Der sogenannte <emphasis>Guy Fawkes Day</emphasis> ist in England eine Art karnevalistischer Feiertag mit Fackelumz�gen, brennenden Scheiterhaufen (heute f�r Sperrm�ll) und der Verbrennung von Guy-Fawkes-Strohpuppen. Die Pulververschw�rung diskreditierte den Katholizismus in England ein f�r alle Mal.</p><empty-line/><p><emphasis>seit 1535</emphasis></p><p>GEGENREFORMATION����Die Kirche in Rom reagierte auf die Reformation nicht nur mit Inquisition und Unterst�tzung der katholischen M�chte auf politischer Ebene, sondern auch mit innerer Erneuerung. Eine treibende Kraft waren die Jesuiten.</p><p>Diese als �Societas Jesu� 1534 gegr�ndete Ordensgemeinschaft geht auf den baskischen Adelsspross Ignatius von Loyola (1491�1556) zur�ck, der als junger Mann Offizier gewesen war. Nach einer schweren Verwundung legte er am Altar einer Klosterkirche seine Waffen nieder, f�hrte fortan ein asketisches Leben und vertiefte seinen Glauben mit strengen Bu��bungen. Der Jesuitenorden hat einige milit�rische Z�ge: Er ist straff hierarchisch organisiert, an der Spitze steht der �Ordensgeneral�, die Jesuiten sind dem Papst direkt unterstellt und zu absolutem Gehorsam verpflichtet, dem sogenannten Kadavergehorsam, ein Wort, das auf Ignatius selbst zur�ckgeht. Ihr urspr�ngliches Ziel einer Missionierung im Heiligen Land lie� sich wegen der t�rkischen Expansion nicht verwirklichen, daher �bernahmen sie die Aufgabe der Rekatholisierung in den protestantisch gewordenen L�ndern. Hauptwaffe dieser Elitesoldaten Christi waren Bildung und geistliches Theater, von dem die Passionsspiele in Oberammergau oder der �Jedermann� bei den Salzburger Festspielen heute noch eine Ahnung vermitteln. Sie gr�ndeten viele Gymnasien und Hochschulen, aus denen manche unserer heutigen Universit�ten hervorgingen.</p><p><emphasis>1545�1563</emphasis></p><p>TRIDENTINISCHES KONZIL����Ein Meilenstein der katholischen Gegenreform war das Tridentinische Konzil, das auf Einladung von Papst Paul III. von 1545 bis 1563 in der oberitalienischen Stadt Trient tagte. <emphasis>Tridentum</emphasis> ist der lateinische Name von Trient. Der Pfr�ndenmissbrauch wurde eingestellt; der Ablass gegen Geldzahlungen abgeschafft. Das f�r die Gl�ubigen sichtbarste Ergebnis des Konzils ist die Messe nach dem tridentinischen Ritus, wie sie bis heute im Wesentlichen gefeiert wird. Beichtstuhl, Hochaltar und Abschaffung des Lettners, der im Mittelalter in gro�en Kirchen den Hochchor von den Gl�ubigen trennte, gehen ebenfalls auf tridentinische Beschl�sse zur�ck. Nach dem Tridentinum wurde die aufbl�hende kirchliche Barockkunst ganz in den Dienst der Glaubenspropaganda gestellt. Architektur, Malerei und Skulptur verk�ndeten in nie gesehener Lebendigkeit und k�nstlerischer Vollendung die christlichen Glaubensinhalte. Die Barockkirchen in Italien, Spanien, S�ddeutschland, �sterreich, Ungarn und Polen verdanken diesem Impuls ihre Entstehung � allen voran der Petersdom.</p><p><emphasis>1582</emphasis></p><p>GREGORIANISCHE KALENDERREFORM����Quasi ein Nebenprodukt der katholischen Reformen war die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. Bis 1582 galt der von Julius C�sar eingef�hrte Julianische Kalender. Die julianische Schaltjahrregelung hatte sich im Lauf der Jahrhunderte als etwas zu grob erwiesen. F�r das christliche Kalenderbewusstsein war der Ostertermin, der vom Fr�hlingsanfang abhing, schon immer von besonderer Bedeutung. 1582 fiel der julianische Fr�hlingsanfang schon auf den 11.�M�rz und nicht auf den astronomischen Fr�hlingsanfang am 21.�M�rz. Ein Dekret Gregors beseitigte dies und schaffte die g�ltige Schaltjahrregelung. Die damalige Differenz von zehn Tagen wurde im Jahr der Einf�hrung einfach �bergangen: auf den 4.�Oktober folgte sofort der 15.�Oktober.</p></section><section><subtitle>DIE KAISER IM OSTEN</subtitle><p>W�hrend Europa einerseits Kolonien in Asien und Amerika gr�ndete und gleichzeitig seine Kr�fte in Religionsb�rgerkriegen verschliss, f�hrten bedeutende Herrscher im Osten ihre Reiche zu hoher wirtschaftlicher und kultureller Bl�te. Gro�mogul Akbar und Schah Abbas von Persien lebten und regierten um 1600 zeitweise parallel.</p><p><emphasis>1556�1605</emphasis></p><p>INDIEN: GRO�MOGUL AKBAR DER GRO�E����Der Urururenkel von Timur Lenk weitete in den ersten 25 Jahren seiner Herrschaft (1556�1605) das Herrschaftsgebiet seines Mogul-Reiches �ber ganz Nordindien aus. Die Inder waren und sind gr��tenteils Hindus und nicht alle waren von den neuen muslimischen Herren angetan. Akbar, ein bedeutender theologischer Denker und Prediger, gew�hrte religi�se Toleranz und versuchte nicht, seine Untertanen zum Islam zu bekehren. Er erlaubte Hindu-Riten an seinem Hof, Hindus selbst aus einfachsten Verh�ltnissen konnten hohe Staats�mter erreichen.</p><p><emphasis>1587�1629</emphasis></p><p>SCHAH ABBAS DER GROSSE����Unmittelbarer Nachbar von Akbar an der gemeinsamen Indus-Grenze war der Safawiden-Schah Abbas I. der Gro�e von Persien. Ihm gelang w�hrend seiner Regierungszeit (1587�1629) die Konsolidierung und Wiedergewinnung der schiitischen Wallfahrtsorte Nadschaf und Kerbala westlich des Euphrat. Er betrieb eine geschickte Wirtschaftspolitik, f�hrte sein Reich zu Wohlstand, baute die Hauptstadt Isfahan aus und f�rderte die Ausbildung einer spezifisch persischen Kultur. Vor allem in Isfahan bl�hten die Buchkunst mit Miniaturmalerei und Kalligrafie, Teppichweben, Architektur. Teppiche und Textilien aus Indien und Persien wurden �ber die Seidenstra�e gehandelt. Hauptabnehmer waren Engl�nder und Niederl�nder. Schah Abbas I. war zugleich religi�ses Oberhaupt, das Safawiden-Reich hatte also durchaus theokratische Z�ge (wie die heutige �Islamische Republik� auch).</p><p><emphasis>ab 1623</emphasis></p><p>OSMANISCHES REICH: SULTAN MURAD IV.����Er war nach S�leimans Tod von 1623 bis 1640 der einzige kraftvolle Herrscher der Osmanen, aber auch sehr streng. Kaffee, Wein, Opium und Tabakgenuss waren bei Todesstrafe verboten. Mehrere Osmanen-Herrscher vor ihm waren schwach, verr�ckt oder standen unter der Fuchtel der Sultansm�tter. Schon nach Lepanto und erst recht unter der Haremsherrschaft hatte sich eine gro�e Schw�che des Osmanischen Reiches gezeigt: Es entwickelte sich nicht weiter. Der Buchdruck wurde vollkommen untersagt. Die Osmanen vollzogen die geistige, technische und wirtschaftliche Entwicklung Europas nicht mit und gerieten in einen R�ckstand, den sie nicht mehr aufholten.</p><p><emphasis>1572�1629</emphasis></p><p>CHINA: KAISER WAN-LI����Ihm war in der letzten Phase der Ming-Dynastie eine vergleichsweise lange Regierungszeit von 48 Jahren (1572�1620) beschieden. Kaiser Wan-li regierte despotisch und verschwendungss�chtig auf Kosten der Bauern. Andererseits war Wan-li �au�enpolitisch� erfolgreich, befriedete die Mandschurei (1583), vertrieb die Japaner aus Korea (1592), eroberte Annam (Vietnam), Burma und Siam (Thailand). Au�erdem erlaubte er eine vorsichtige �ffnung zum Westen: 1601 begann der Jesuitenpater Matteo Ricci mit kaiserlicher Erlaubnis die christliche Mission in China. Ricci pflegte freundschaftliche Kontakte mit konfuzianischen Gelehrten und Dichtern (und bekehrte einige). Dank seiner �berlegenen mathematischen, geografischen und astronomischen Kenntnisse beeindruckte Ricci auch den chinesischen Kaiserhof. F�r Wan-li fertigte er die erste Weltkarte, auf der auch Amerika verzeichnet ist.</p><p><emphasis>1603�1616</emphasis></p><p>JAPAN: TAIKUN � DAS TOKUGAWA-SHOGUNAT����Nach dem ersten Shogunat Kamakura (bis 1333) hatte es in Japan nur noch regionale F�rsten gegeben. Diese <emphasis>daimyo</emphasis> befehdeten sich untereinander, bis in den letzten drei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts drei Feldherren zuerst mit Waffengewalt, dann auch mit Verwaltungsma�nahmen immer mehr <emphasis>daimyo</emphasis> und unabh�ngige Kl�ster mit eigenem Grundbesitz und eigenen S�ldnern unter ihre Kontrolle brachten. Tokugawa Ieyasu (1543�1616) war der Letzte in dieser Reihe. Er wurde schlie�lich zum Alleinherrscher Japans und begr�ndete 1603 das Tokugawa-Shogunat. Ieyasu wurde Taikun genannt (�Gro�er Gebieter�), wovon sich das weltweit verbreitete Wort <emphasis>Tycoon</emphasis> ableitet.</p><p>Tokugawa brachte Japan eine 250-j�hrige Friedenszeit, aber auch eine v�llige Isolation nach au�en. Der kleine Fischereihafen Edo (das heutige Tokyo) wurde zur Herrschaftszentrale. Danach wird das Shogunat auch Edo-Zeit genannt. Die Bev�lkerung wurde streng kontrolliert. Das neue Herrschaftssystem war letztlich ein Polizeistaat, der in radikaler, stark zentralisierter Form dem etwa gleichzeitigen Absolutismus in Europa entsprach.</p><p>TIBET � DALAI LAMA����S�nam Gyatsho (1543�1588) war der erste Gro�-Lama, ein Abt des Gelbm�tzen-Ordens lamaistisch-tibetischer M�nche, dem dieser Ehrentitel von einem Gro�khan der Mongolen verliehen wurde. S�nam Gyatsho z�hlt als dritter Dalai Lama. Der Dalai Lama gilt als Reinkarnation eines Bodhisattwa, der nach dem Tod eines Dalai Lamas bei einem zeitgleich geborenen Knaben von den M�nchen nach festgelegten Riten �gefunden� und zum neuen Dalai Lama (�Ozean des Wissens�) proklamiert wird. Der gegenw�rtige Dalai Lama Tendzin Gyatsho ist der 14. Dalai Lama. Die korrekte Anrede lautet �Heiliger Vater� (wie beim Papst) oder im Tibetischen <emphasis>Kund�n</emphasis> (�Verehrungsw�rdige Anwesenheit�).</p></section><section><subtitle>DIE NIEDERL�NDER UND ENGL�NDER IN IHREN KOLONIEN</subtitle><p>F�r den Ehrgeiz des spanischen K�nigs Philipp II., m�glichst gleichzeitig alle Protestanten in Europa und die T�rken zu bek�mpfen, reichte alles Gold und Silber aus den Kolonien nicht aus. Das meiste hatte sowieso bereits sein Vater Karl V. f�r kostspielige Kriege in Italien gegen K�nig Franz von Frankreich sowie gegen die deutschen Protestanten ausgegeben. Philipp belegte nun Spanien selbst mit Steuern, Zwangsanleihen und M�nzverschlechterung, verkaufte �mter und unterdr�ckte in seinem Land despotisch jegliche Opposition. Gleichwohl musste er 1557 den Staatsbankrott Spaniens erkl�ren, der erste im modernen Europa.</p><p><emphasis>1531</emphasis></p><p>B�RSE����Schon 1409 hatte in der flandrischen Handelsstadt Br�gge die Kaufmannsfamilie Burse ein Haus eigens f�r den Abschluss von Handelsgesch�ften er�ffnet. Im benachbarten Antwerpen an der Scheldem�ndung begann nach der Verleihung der Stadtrechte 1291 wegen des florierenden Tuchhandels und der Lage der Stadt im Zentrum der westeurop�ischen Handelsstr�me eine Bl�tezeit. Im Jahr 1531 entstand hier die erste europ�ische B�rse im modernen Sinn f�r den Handel mit Wertpapieren. 1556 wurde das zum Habsburgerreich geh�rende Antwerpen zwar im Zuge der Reformation protestantisch, doch als die Stadt 1585 von den Spaniern erobert wurde, emigrierten viele Protestanten in den Norden. Von nun an war Amsterdam der f�hrende B�rsen- und Bankenplatz in Europa.</p><p><emphasis>1602</emphasis></p><p>AKTIENGESELLSCHAFT����<emphasis>Andeel </emphasis>ist das niederl�ndische Wort, unter dem das, was wir bis heute unter Aktie verstehen, erstmals in der Geschichte auftaucht. Nach der Afrikaumsegelung Vasco da Gamas im 16. Jahrhundert hatten die Portugiesen den lukrativen �Ostindienhandel� mit seinem Hauptprofitbringer Gew�rze monopolisiert. Sie hielten die Kenntnisse von den Seewegen um Afrika herum und im Indischen Ozean geheim. Ein holl�ndischer Sekret�r in portugiesischen Diensten in Goa kopierte heimlich die Karten, brachte sie 1592 nach Holland und ver�ffentlichte anschlie�end einen �Reisebericht� mit den ausf�hrlichen Informationen.</p><p>Holl�ndische Seekaufleute gr�ndeten nun Kaufmanns-�Compagnien�, die Bau oder Kauf und Ausr�stung von Schiffen finanzierten. Die ersten vier Schiffe kehrten 1597 nach Amsterdam zur�ck. Nach jeder Reise wurde Kasse gemacht und die jeweilige Compagnie wieder liquidiert. Innerhalb weniger Jahre wurden so 65 Schiffe zu 15 Flotten ausgesandt, von denen immerhin erstaunliche 50 beladen wieder zur�ckkamen. Das Gesch�ft war hochriskant. Im Indischen Ozean und im Atlantik erwartete die Schiffe das Sperrfeuer der Spanier, Portugiesen und Araber, Wetter und Piraten taten ein �briges und �berdies bekriegten sich die �Compagnien� untereinander. Unter diesem Druck schlossen sich 1602 die �Vorkompanien� zu einer gro�en nationalen Gesellschaft unter dem Namen �Vereinigte Ostindische Compagnie� (VOC) zusammen. Sie wurde bald darauf die gr��te Handelsgesellschaft der Welt. Die VOC und die kurz zuvor gegr�ndete britische <emphasis>East India Company</emphasis> waren die ersten multinationalen Konzerne der Welt.</p><p>Entscheidend f�r den Erfolg der Kapitalbeschaffung war der Beschluss der Gr�nder, die Kapitalzeichnung f�r das breite Publikum zu �ffnen. Entsprechend wurden (Aktien-)Anteile (<emphasis>Andeel</emphasis>) meist zu einem Nennwert von 3000 Gulden z�gig platziert. Jeder Holl�nder konnte sie kaufen und auch wieder verkaufen. Auf diese Weise kam ein Aktienkapital von sage und schreibe 6424588 Gulden zusammen, eine ungeheure Summe f�r die damalige Zeit. In den Grundz�gen funktionieren Aktiengesellschaften auf diese Weise bis heute.</p><p>Ausgestattet mit staatlichen Privilegien und Hoheitsrechten trat die VOC an den Palmenstr�nden der asiatischen Insel- und K�stenwelt mit allen Attributen einer Kolonialmacht auf, man kannte keinerlei Skrupel. Daheim in Holland brach das <emphasis>Gouden Eeuw</emphasis> (das �Goldene Zeitalter�) an, welches das Bild der alten holl�ndischen St�dte und ihrer musealen Schatzkammern bis heute pr�gt. In den Niederlanden selbst war die VOC eine Art �Staat im Staat�. �ber 100 Jahre lang stieg deren Aktienkurs unaufhaltsam bis zu seinem H�hepunkt bei 1200 Prozent im Jahr 1720. Die Dividenden waren �ppig im zweistelligen Bereich. Innerhalb eines solchen halbstaatlichen Trusts und <emphasis>Global Players </emphasis>kommt es irgendwann unweigerlich zur Misswirtschaft und Redlichkeitsdefiziten der �leitenden Angestellten�. Per 31. 12. 1799 wurde die Gesellschaft aufgel�st. Der niederl�ndische Staat �bernahm 110 Millionen Gulden Schulden. In Holland buchstabierte man VOC fortan: <emphasis>V(ergaan) O(nder) C(orruptie)</emphasis>.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Der Aufstieg der VOC war die eigentliche Begr�ndung des niederl�ndischen Kolonialreiches in S�dostasien. Die bis dahin dominierenden Portugiesen wurden in mehreren Seeschlachten nach und nach verdr�ngt. Schlie�lich nahmen die Niederl�nder den Portugiesen auch noch den Handel mit China und Japan ab. Vertreter der VOC waren seit 1641 die Einzigen, die auf einer kleinen Hafeninsel vor Nagasaki mit dem hermetisch abgeriegelten Japan Handel treiben durften. Noch im 19. Jahrhundert war dies nur einzelnen Holl�ndern erlaubt. 1600 war die Britische Ostindien-Kompanie durch einen Freibrief von K�nigin Elisabeth I. gegr�ndet worden; sie war aber keine Aktiengesellschaft. Die East India Company spielte die wesentliche Vorreiterrolle bei der britischen Kolonisierung Indiens; nach 1700 gewann sie erheblichen politischen Einfluss im Mogul-Reich. Die der Company einger�umten Rechte gingen im 19. Jahrhundert auf die englische Krone �ber, Indien wurde Kronkolonie und K�nigin Victoria sp�ter �Kaiserin von Indien�.</p><p><emphasis>1610</emphasis></p><p>VIRGINIA-TABAK����Mit dem stillschweigenden Einverst�ndnis der englischen K�nigin unternahm Walter Raleigh (ca. 1553�1618) Kaperfahrten auf dem Atlantik, die sich gegen spanische Schiffe richteten. 1585 gr�ndete er die erste englische Siedlung Roanoke auf dem nordamerikanischen Kontinent, die aber bald wieder aufgegeben wurde. Sie befand sich an einer K�ste, die Raleigh <emphasis>Virginia</emphasis> nannte, zu Ehren der �jungfr�ulichen� K�nigin.</p><p>Die erste dauerhafte englische Siedlung war dort seit 1607 Jamestown. Hier landeten englische Siedler, darunter der Farmer John Rolfe. Seinen Zuchtbem�hungen verdankt Virginia eine auf den englischen Geschmack abgestimmte Tabaksorte, die sich zum gr��ten Exportschlager entwickelte. Genau dieser John Rolfe war auch der Ehegatte der anmutigen indianischen H�uptlingstochter Pocahontas, die als �Indianer-Prinzessin� 1616 sogar in London bei Hofe empfangen wurde. 1619 kamen erste afrikanische Sklaven in Jamestown an.</p><p><emphasis>1620</emphasis></p><p>PILGERV�TER����Eine Gruppe strenggl�ubiger Puritaner, denen der Reformationseifer der anglikanischen Kirche nicht weit genug ging und die als �Separatisten� in England nicht wohlgelitten waren, segelte mit Frauen und Kindern vom s�denglischen Hafen Plymouth 1620 mit dem Schiff <emphasis>Mayflower </emphasis>in die Neue Welt.</p><p>Erster Landeplatz der <emphasis>Mayflower</emphasis> war die �u�erste Spitze von Cape Cod, der Ort Provincetown, im Indianergebiet der Masschusett � heute ein sehr beliebter Badeort. Als die Pilgerv�ter merkten, dass man in dieser sandigen Gegend nichts zu essen anbauen konnte, siedelten sie sich weiter landeinw�rts an. Zun�chst hie� die Siedlung <emphasis>God�s Own Country </emphasis>� etwas frei �bersetzt: Gottesstaat. Auch heute ist diese Bezeichnung bei patriotischen Amerikanern � ironisch oder ernst gemeint � ein v�llig g�ngiger Begriff. Die Pilgerv�ter sind die Prototypen jener wei�en, angels�chsischen, protestantischen Amerikaner, die als wirtschaftlich, politisch und kulturell f�hrende Oberschicht die sp�teren USA entscheidend pr�gten.</p><p><emphasis>1626</emphasis></p><p>MANHATTAN����1621 war in den Niederlanden f�r den Seehandel auf dem Atlantik mit Afrika und Amerika die Niederl�ndische Westindien Compagnie (WIC) gegr�ndet worden. Nur wenige Jahre nach der Ankunft der Pilgerv�ter in Cape Cod gr�ndete die WIC zwischen 1624 und 1626 eine ganze Reihe von Siedlungen, darunter Breukelen (Brooklyn) und Hoboken und an der S�dspitze einer Granitfelsenhalbinsel den wichtigen Hafen <emphasis>Nieuw Amsterdam</emphasis>. Den Namen der Halbinsel �bernahm man von der indianischen Ortsbezeichnung <emphasis>Manna-hata</emphasis>. <emphasis>Manna-hata </emphasis>wurde den Indianern f�r Naturalien im Gegenwert von 60 Gulden abgekauft.</p><p>Die WIC beanspruchte ein gro�es Gebiet vom St.-Lorenz-Strom bis in die H�he des sp�teren Washington, das heute neun amerikanische Bundesstaaten umfasst, als Kolonie <emphasis>Nieuw Nederland</emphasis>. Wichtigstes Handelsprodukt waren zuerst Pelze, dann auch Tabak. 1647 kam der Friese Peter Stuyvesant als Generaldirektor der WIC und Gouverneur der Kolonie nach <emphasis>Nieuw Amsterdam</emphasis>. Er hatte zuvor die WIC-Kolonien Cura�ao, Aruba und Bonaire in der Karibik geleitet und machte sich auf seinem neuen Posten durch herrisches Auftreten unbeliebt.</p><p>Inzwischen betrieben auch die Engl�nder eine aktive, bei anderer Wortwahl aggressive Kolonialpolitik. Zuerst annektierten sie 1664 das neuniederl�ndische Gebiet in Nordamerika per Regierungsdekret: Karl II. �bertrug den Landbesitz einfach seinem Bruder James. Im gleichen Jahr erschienen englische Kriegsschiffe im Hafen von <emphasis>Nieuw Amsterdam</emphasis>. Die Niederl�nder wollten nicht f�r sich und ihren unbeliebten Gouverneur zu den Waffen greifen. Peter Stuyvesant trat <emphasis>Nieuw Nederland</emphasis> kampflos an die Engl�nder ab. <emphasis>Nieuw Amsterdam</emphasis> wurde nun nach dem neuen Landesherrn benannt. James trug zu der Zeit den Titel Herzog von York.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Nach 1647 konzentrierte sich die WIC auf die karibischen Antillen (Cura�ao, Aruba). Haupts�chlicher Gesch�ftszweck war der Sklavenhandel zwischen Afrika und Amerika, ein streng reglementiertes Transportgewerbe, f�r das ann�hernd 400 Schiffe im Einsatz waren. Die schwarzen Arbeitskr�fte wurden auf den Zuckerrohrplantagen ben�tigt. Gr��ere Sklavenschiffe konnten gut 500 Sklaven transportieren. Auf der R�ckfahrt brachten sie den Zucker in die Niederlande.</p><p><emphasis>1652</emphasis></p><p>BUREN����Eher durch Zufall, weil ein Schiff der Vereinigten Ostindischen Compagnie vor dem s�dafrikanischen Kap gekentert war, wurden 1652 von Niederl�ndern Kap-Stadt und die Kapkolonie gegr�ndet. Sie wurde von niederl�ndischen, aber auch deutschen und hugenottischen Auswanderern aus Frankreich besiedelt. Die Hugenotten brachten den Weinanbau ans Kap. Der Begriff �Buren� entstand erst sp�ter, leitet sich aber von dem niederl�ndischen Wort <emphasis>boer</emphasis> (�Bauer�) ab. Ihre niederl�ndische Sprache entwickelte sich durch die Isolierung vom Mutterland zu einer eigenst�ndigen Sprache, dem Afrikaans. Die Buren waren haupts�chlich Viehz�chter und zogen mit ihren Herden immer weiter ins Landesinnere.</p><p>Die mit den Viehtrieben einhergehende territoriale Ausdehnung f�hrte unweigerlich zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Bantu-V�lkern im s�dlichen Afrika, den sogenannten Kaffernkriegen ab 1780. �Kaffer� (arabisch <emphasis>Kafir</emphasis>: �Ungl�ubiger�) ist ein abwertendes Buren-Wort f�r die Bantu, insbesondere die Xhosa, ihre Hauptgegner.</p></section><section><subtitle>DER DREI�IGJ�HRIGE KRIEG</subtitle><p>W�hrend die atlantischen Seem�chte z�gig global expandierten, trieben die Habsburger mit prunkvoller Kunst und jesuitischer Bildung, aber auch mit Macht und Gewalt die Gegenreformation voran.</p><p>REKATHOLISIERUNG����Die Bev�lkerung des Reiches war ganz �berwiegend protestantisch geworden. Das Herrscherhaus der Habsburger aber war streng katholisch, und die Habsburger machten sich nun daran, ihre L�nder zu rekatholisieren. B�hmen war ein Brennpunkt. Das ausgesprochen wohlhabende B�hmen war einerseits ein Juwel in der habsburgischen Krone, andererseits schon seit den Hussiten eine Hochburg reformatorischer Gesinnung, und das hie� zugleich: national-tschechisch und anti-habsburgisch. Auf dem Hradschin in Prag residierte der in Spanien erzogene Kaiser Rudolf II. von 1576 bis 1612, ein gl�hender Gegenreformator. Rekatholisierung hie�: Schlie�ung von reformatorischen Schulen und Kirchen, Verbot von Gottesdiensten, Enteignung, Verfolgung und Schikanierung f�hrender Protestanten. Man schickte die Bev�lkerung zwangsweise in die Messe; wer das nicht wollte, konnte ja auswandern. Als einziges von allen habsburgischen L�ndern verf�gte B�hmen noch �ber eine St�ndeversammlung; um sie kristallisierte sich der Widerstand.</p><p><emphasis>23.�Mai 1618</emphasis></p><p>PRAGER FENSTERSTURZ����1618 war Rudolfs Neffe Ferdinand II. schon seit einem Jahr K�nig von B�hmen. Der strenge Katholik und Jesuitensch�ler Ferdinand residierte in Wien. In Prag hielten hochrangige katholische Regierungsbeamte die Stellung.</p><p>Am Mittwoch, dem 23.�Mai 1618, marschierte eine Abordnung der b�hmischen St�ndeversammlung auf die Prager Burg. Sie hielten eine Art improvisierte Gerichtsverhandlung �ber die vier anwesenden K�nigsstatthalter, unter diesen Jaroslav Graf von Martinitz und Wilhelm Slawata, ab. Gegenstand der Verhandlung war ein sogenannter Majest�tsbrief Rudolfs II. von 1609, den ihm die b�hmischen St�nde in einer Situation der Schw�che abgetrotzt hatten; darin hatte er ihnen Religionsfreiheit zugestanden. Diese sahen die Standesmitglieder durch erneute Repressalien aus Wien verletzt. Anlass der b�hmischen Aufgeregtheiten war die Schlie�ung einer evangelischen Kirche in Braunau im Jahr zuvor. Dagegen hatten die B�hmen im M�rz 1618 protestiert und sich nachdr�cklich auf den Majest�tsbrief berufen. Die Reaktion aus Wien war ein Verbot von St�ndeversammlungen. Das brachte das Fass zum �berlaufen.</p><p>W�hrend des erbittert gef�hrten Streitgespr�chs wurde es den B�hmen zu bunt. Einige adlige Herren packten die beiden Statthalter, zerrten sie zum Fenster und warfen sie aus dem Wladislaw-Saal der Prager Burg hinaus. Doch die Au�enmauer ist an dieser Stelle nicht gerade, sondern rampenartig schr�g, und die weiten M�ntel der Statthalter bl�hten sich wie Fallschirme. Sie gelangten, wenn auch etwas unsanft, so doch wohlbehalten zu Boden. Unter Sch�ssen von oben fl�chteten Martinitz und Slawata ins Palais der erzkatholischen Adelsfamilie Lobcowicz. Der Fenstersturz gilt als Ausl�ser f�r den Drei�igj�hrigen Krieg, dem ersten gro�en gesamteurop�ischen Weltkrieg.</p><p><emphasis>1619</emphasis></p><p>WINTERK�NIG����Ende August 1619 versammelten sich die B�hmen abermals und erkl�rten den habsburgischen K�nig Ferdinand II. f�r abgesetzt. Zwei Tage darauf, am 28.�August, w�hlten die St�nde den jungen calvinistischen Kurf�rsten Friedrich V. von der Pfalz aus dem Geschlecht der Wittelsbacher zu ihrem K�nig. Der neu gew�hlte und im November 1619 gekr�nte b�hmische K�nig war ein politisches Leichtgewicht, das sich auf Hofb�llen verlustierte. Er war der Winterk�nig, denn seine Herrschaft sollte nur ein Jahr dauern. Indessen r�stete die katholische Seite zum Krieg, allen voran der mittlerweile auch zum Kaiser avancierte Ferdinand II. und das Oberhaupt der Katholischen Liga, der Bayern-Herzog Maximilian. Schon 1608 hatte sich eine protestantische �Union� �berwiegend norddeutscher F�rstent�mer und Reichsst�nde unter F�hrung der Pfalz gebildet, wogegen sich 1609 eine �Liga� katholischer F�rstent�mer, vor allem Bayern, habsburgische F�rsten und die geistlichen F�rstbist�mer, erkl�rte. Dies waren die beiden Machtbl�cke, die sich gegen�berstanden. Der Anlass f�r eine Auseinandersetzung war gegeben. Gleichwohl schlugen beide Seiten nicht sofort los, sondern taktierten vorsichtig. Die katholische Seite wollte nicht das ganze protestantische Deutschland gegen sich aufbringen und die protestantische Union dachte nicht daran, den leichtfertigen Friedrich zu unterst�tzen. So verst�ndigte man sich im Sommer 1620 darauf, dass die protestantische Union sich in die �innerb�hmischen Angelegenheiten nicht einmischen wolle�. Damit hatte die Katholische Liga unter ihrem Feldherrn, dem streng katholischen Grafen Tilly, freie Hand in B�hmen. In der Schlacht am Wei�en Berg bei Prag am 8.�November 1620 wurde der Winterk�nig vernichtend geschlagen.</p><p><emphasis>1618�1648</emphasis></p><p>TILLY UND WALLENSTEIN����Der Drei�igj�hrige Krieg hei�t so, weil er vom Jahr des Prager Fenstersturzes (1618) bis zum Westf�lischen Frieden (1848) gez�hlt wird. Die eigentlichen Kriegshandlungen hielten sich anfangs jedoch in Grenzen. Tilly schwenkte nach seinem Sieg am Wei�en Berg rasch in die protestantische Pfalz und trieb dort gemeinsam mit dem habsburgisch-spanischen General Spinola, der aus den Niederlanden herbeigeeilt war, die Rekatholisierung mit Morden und Brandschatzen voran.</p><p>1623 sah es so aus, als sei der Krieg zu Ende. Der Winterk�nig wurde vom Kaiser abgesetzt, seine pf�lzische Kurw�rde eingezogen und als � lang ersehnte � Belohnung vom katholischen Kaiser an den erzkatholischen Herzog von Bayern neu vergeben. Da Kaiser Ferdinand II. wenig Gefallen daran fand, sich dem bayerischen Herzog und neuen Kurf�rsten des Heiligen R�mischen Reiches Maximilian I. unterzuordnen � der nun als Haupt der Liga milit�risch auf katholischer Seite f�hrend war �, heuerte er den b�hmischen Kleinadligen und Gesch�ftemacher Wallenstein an, damit dieser eine kaiserliche Armee aufstellte.</p><p>Aber auch Wallenstein machte Krieg eher auf eigene Faust gegen die Protestanten und verw�stete Norddeutschland. 1630 musste Kaiser Ferdinand II. seinen Generalissimus auf Druck der Kurf�rsten wieder entlassen. Da landete der junge schwedische K�nig Gustav II. Adolf 1630 im pommerschen Usedom, um den Protestanten zu Hilfe zu eilen. Kardinal Richelieu hatte dieses Eingreifen diplomatisch vorbereitet. Der katholische <emphasis>Premier Ministre</emphasis> Frankreichs paktierte auch mit den Protestanten � Hauptsache, es ging gegen Habsburg.</p><p>Tilly, nunmehr oberster Feldherr der Kaiserlichen und der Katholischen Liga, zog Gustav Adolf entgegen. Die grausame Belagerung und Zerst�rung Magdeburgs durch Tilly brachte alle Protestanten auf die Seite des Schwedenk�nigs. Der vernichtete 1631 die katholischen Heere bei Leipzig; Tilly konnte fliehen. Gustav Adolf zog durch Mitteldeutschland an den Rhein. Bei der Gelegenheit wurde die bedeutende Heidelberger Universit�tsbibliothek, die Palatina, nach Schweden verfrachtet. Dann ging es weiter nach S�ddeutschland, wo Tilly an der Donau fiel. Gustav Adolf zog kampflos in M�nchen ein. Der Kaiser musste Wallenstein knief�llig anflehen, wieder die Armeef�hrung zu �bernehmen. Der lie� sich lange bitten, rekrutierte dann aber binnen k�rzester Zeit 50000 Mann und lockte Gustav Adolf nach Sachsen. Am 16.�November 1632 fiel der Schwedenk�nig in der Schlacht bei L�tzen. Zwar gewannen die Schweden dennoch die Schlacht und Wallenstein musste sich nach B�hmen zur�ckziehen, aber die protestantische Seite fand nie mehr zu einem kraftvollen Einsatz zur�ck. Wallenstein wurde am 25.�Februar 1634 in Eger auf Veranlassung des Kaisers ermordet. Dieses zw�lfj�hrige verheerende Kriegsgeschehen geriet nach L�tzen v�llig au�er Kontrolle und splitterte sich in zahllose Scharm�tzel, Nebenkriegsschaupl�tze und umherziehende Heerhaufen auf, deren W�ten die gesamte Bev�lkerung nachhaltig in Mitleidenschaft zog. Seit 1641 gab es ernsthafte Absichten, das Kriegsgeschehen zu beenden, 1644 machten sich die kaiserlichen Gesandten auf den Weg nach M�nster und Osnabr�ck. Vier Jahre lang wurde verhandelt, bis der Westf�lische Friede zustande kam, der eine neue Staatenordnung f�r Europa bedeutete.</p><p><emphasis>1648</emphasis></p><p>WESTF�LISCHER FRIEDE����Die Kriegsparteien hatten sich bereits 1641 in Hamburg auf die Orte geeinigt und wie die Beteiligten zu verteilen waren. Es wollte n�mlich durchaus nicht jeder mit jedem reden. Deswegen hatte man zwei benachbarte westf�lische St�dte gew�hlt: das katholische M�nster und das protestantische Osnabr�ck. Man vermied damit, dass Frankreich und Schweden sich in Fragen der Etikette und des Vorrangs ins Gehege kamen. Ungef�hr drei Jahre lang verhandelten die Gesandten: in Osnabr�ck der Kaiser und das Reich mit den Schweden, in M�nster die kaiserlichen Gesandten mit Frankreich. Au�erdem wurde in M�nster das Verh�ltnis zwischen Spanien und den Niederlanden gekl�rt.</p><p>Der �Westf�lische Friede� ist nicht ein einziges Dokument, sondern ein B�ndel mehrerer Vertr�ge. Durch die Anwesenheit von Kaiser und Reichsst�nden in Osnabr�ck wurde auch die �Verfassung� des Reiches ge�ndert: Die Territorien (F�rsten, Reichsst�dte) erhielten die volle Souver�nit�t (Steuern, Gesetzgebung, Rechtsprechung, sogar Bewaffnung und B�ndnisrecht). Damit wurden die vielen deutschen F�rstent�mer unabh�ngige kleine Staaten. Spanien und die anderen europ�ischen Staaten erkannten die Unabh�ngigkeit der Niederlande an. Die Niederlande wurden ein vollkommen souver�ner Staat. Ebenso die Schweizer Eidgenossenschaft. Frankreich erhielt das Elsass einschlie�lich Breisach und die lothringischen Bist�mer Metz, Toul und Verdun und war der gro�e territoriale Gewinner des Drei�igj�hrigen Krieges.</p></section><section><title><p>NACH DEN RELIGIONSKRIEGEN UND VOR DER REVOLUTION: ABSOLUTISMUS IN EUROPA</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 1650 bis 1800</emphasis></p></section><section><subtitle>MONARCHEN UND PARLAMENTE IN EUROPA</subtitle><p>Die nunmehr souver�nen deutschen Einzelstaaten waren konfessionell verschieden und folgten auch in der Au�enpolitik ihren eigenen Interessen. So gab es keine M�glichkeit mehr, dass Deutschland zu einem einheitlichen Nationalstaat zusammenwuchs, wie es ringsherum ansonsten in Europa der Fall war. Die Oberhoheit des Kaisers bestand nur noch formell, Deutschland blieb ein Commonwealth der F�rstent�mer und St�dte, die alsbald einen bedeutenden kulturellen Aufschwung in unglaublicher Vielfalt erlebten.</p><p><emphasis>1603</emphasis></p><p>VEREINIGTES K�NIGREICH I����Als K�nigin Elisabeth I. 1603 kinderlos starb, folgte ihr Jakob (James) I. auf den Thron. Seit der Hinrichtung seiner Mutter Maria Stuart war er bereits K�nig von Schottland. Er erbte und vereinigte in Personalunion die Kronen von Schottland und England, zu der seit Heinrich VIII. auch Irland geh�rte. Damit begann in Gro�britannien die Stuart-Zeit. Die staatsrechtliche Vereinigung der drei Reiche erfolgte 1707.</p><p>ABSOLUTISMUS����Anl�sslich der Vollj�hrigkeit (mit vierzehn!) des franz�sischen Thronfolgers Ludwig XIII. (Sohn von Henri Quatre) wurden in Frankreich letztmalig vor der Franz�sischen Revolution die Generalst�nde einberufen. Das franz�sische K�nigtum war damit auf dem Weg zum Absolutismus, was im Kern bedeutet, dass der Monarch �losgel�st von den Gesetzen� (lateinisch <emphasis>legibus solutus</emphasis>) und nat�rlich auch losgel�st von etwaigen gesetzgebenden K�rperschaften regiert, absolut eben. Ludwigs Nachfolger Ludwig XIV. vollendete diesen Absolutismus in Reinkultur und Ma�st�be setzend f�r ganz Europa.</p><p><emphasis>1642</emphasis></p><p>PURITANER����Die Puritaner wollten sich nicht von �Papisten� bevormunden lassen, sondern die Kirche aus der Reinheit (lateinisch <emphasis>puritas</emphasis>) von Gottes Wort begr�nden. Dazu ben�tigten sie eine Bibel in der Landessprache, weswegen James I. die Herausgabe einer englischsprachigen Bibel veranlasste, die nach ihm benannte <emphasis>King James Bible</emphasis>. Diese calvinistisch gepr�gten, b�rgerlichen Puritaner waren n�chterne Leute, die wenig auf royalistischen und katholischen Klimbim und viel auf praktische Arbeit gaben. Charakteristisch f�r das puritanische England war die strenge Sabbat-Heiligung (Sonntagsruhe) ohne Wein, Weib, Gesang und Tanz. Davon war und ist die englische Gesellschaft (�ffnungszeiten f�r Pubs) tief gepr�gt. �Puritaner� war keine Eigenbezeichnung dieser Leute, sondern ein Spottname. Politisch gerieten die b�rgerlichen, im Parlament verankerten Puritaner in Gegensatz zum absolutistischen K�nigtum der Stuarts.</p><p><emphasis>1640</emphasis></p><p>COMMONWEALTH����Der auf James Stuart von 1625 bis 1649 folgende K�nig Karl I. Stuart versuchte erst ohne, dann gegen das Parlament zu regieren. Er berief es elf Jahre lang nicht ein. Nach einer ergebnislosen, nur dreiw�chigen Sitzung des Kurzen Parlaments im April/Mai 1640 trat es im November desselben Jahres erneut zusammen, da Karl Geld zur Niederschlagung eines Aufstandes in Schottland ben�tigte. Das alleinige Recht zur Steuerbewilligung hatten die <emphasis>Commons</emphasis>, das Unterhaus, der Krone schon 1407 w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges abgetrotzt. Nun wurde die Umlagefinanzierung von Karls Milit�rausgaben zwar bewilligt, allerdings gegen die Zusage, das Parlament nicht mehr ohne seine eigene Zustimmung aufzul�sen. Damit war es als zweite Regierungsmacht etabliert. Trotz des anschlie�enden englischen B�rgerkriegs wurde es formal bis 1660 nicht aufgel�st und hei�t daher Langes Parlament.</p><p>W�hrend einer der Auseinandersetzungen, die K�nig Karl I. mit den Parlamentariern hatte, betrat er 1642 einmal das <emphasis>House of Commons</emphasis> in Begleitung seiner Leibgarde, um eine Verhaftung vorzunehmen. Das werteten die Parlamentarier als Staatstreichversuch gegen das Parlament. Karl musste aus London fliehen. Es war der Beginn des englischen B�rgerkriegs des K�nigs gegen die Puritaner, die vor allem in London sa�en; die k�nigliche Armee wurde 1645 von der �Parlamentsarmee� unter F�hrung von Oliver Cromwell entscheidend geschlagen. Die bis dahin undenkbare Hinrichtung eines K�nigs �durch sein Volk� erfolgte 1649: Karl wurde enthauptet. Seither regierte Oliver Cromwell als <emphasis>Lord Protector</emphasis> fanatisch, intolerant und mit den Mitteln einer Milit�rdiktatur das als <emphasis>Commonwealth </emphasis>bezeichnete, nunmehr republikanische England. Das puritanische Commonwealth war den Engl�ndern auf die Dauer dann aber doch zu reaktion�r. Die Monarchie wurde 1660 wieder eingef�hrt (�restauriert�): Karl II. bestieg den Thron und regierte von 1660 bis 1685. Er war in seinem Hof- und Regierungsstil das englische Pendant zu Ludwig XIV.</p><p><emphasis>1648�1653</emphasis></p><p>FRONDE����Der als �Sonnenk�nig� bezeichnete Ludwig XIV. hatte 72 Jahre lang von 1643 bis 1715 den franz�sischen Thron inne. Er wurde im Alter von vier Jahren Nachfolger seines Vaters Ludwig XIII. Solange Ludwig minderj�hrig war, f�hrte seine Mutter Anne, eine geb�rtige spanische Habsburgerin, gemeinsam mit ihrem <emphasis>Premier Ministre</emphasis> Kardinal Mazarin die Gesch�fte. In dieser Zeit kam es zum letzten Mal vor der gro�en Revolution zu einem blutigen Aufstand von Adligen und Pariser B�rgern gegen die Krone. Diese Fronde von 1648 bis 1653 scheint Ludwig zutiefst traumatisiert zu haben. Unmittelbar nach dem Tod Mazarins erkl�rte er im Alter von 22 Jahren, zur �berraschung des Hofes und zum Entsetzen seiner Mutter, dass er keinen <emphasis>Premier Ministre</emphasis> mehr ernennen wolle, und begann seine Alleinherrschaft.</p><p><emphasis>1655</emphasis></p><p>L��TAT C�EST MOI����Die vollkommene Verk�rperung der Staatsidee des absolutistischen Monarchismus bildete dann Ludwig selbst. Ludwig fesselte den Adel an seinen Hof in Versailles und kontrollierte ihn �ber ein ausgekl�geltes Zeremoniell. Auch das Schloss selbst mit dem k�niglichen Schlafzimmer im Zentrum � und nicht etwa dem Thronsaal � ist Ausdruck von Ludwigs Absolutismus: Im Mittelpunkt der gesamten Anlage und damit des K�nigreichs steht die Person der Majest�t.</p><p>Nichts charakterisiert die Herrschaft Ludwigs XIV. besser als der ber�hmte Satz, den der junge K�nig bei einer Ansprache 1655 ge�u�ert haben soll: <emphasis>L��tat c�est moi.</emphasis> �Der Staat bin ich.� Die Kernaussage lautet: Die gesamte Staatsmacht liegt beim K�nig, alle Rechte sind von ihm abgeleitet. Der K�nig erl�sst die Gesetze und �berwacht ihre Ausf�hrung. Auch die parlamentarischen Republiken und konstitutionellen Monarchien der Gegenwart bestehen um eines Gewaltmonopols willen, teilen die Macht aber auf verschiedene Staatsorgane auf (Parlament, Regierung, Gerichte). Diese moderne Staatsidee, zu der eine von geschulten Beamten getragene Verwaltung und ein geregelter Staatshaushalt geh�ren und keine lokale Verwaltung durch ortsans�ssige, adlige Grundherren, war eine Reaktion auf die Zerr�ttung der K�nigreiche und F�rstent�mer in den Religions- und B�rgerkriegen des 16. und der ersten H�lfte des 17. Jahrhunderts. Vorbild waren kleine, effizient gef�hrte F�rstent�mer im Italien der Sp�trenaissance und der Kirchenstaat. Von Staat im modernen Sinn kann man deswegen erst seit dieser Zeit sprechen. Praktisch alle K�nigreiche Europas, auch die deutschen F�rstent�mer nach dem Drei�igj�hrigen Krieg, orientierten sich am franz�sischen Vorbild.</p><p><emphasis>1628/1679</emphasis></p><p>HABEAS CORPUS�����<emphasis>Habeas corpus ad subjieciendum.</emphasis>� �Du sollst diesen K�rper (diese Person) festhalten, damit Anklage gegen ihn erhoben werden kann.� So lautete im mittelalterlichen England die Eingangsformel f�r Haftbefehle. Der absolutistisch regierende, sp�ter durch Parlamentsbeschluss gek�pfte englische K�nig Karl I. hatte zu seiner Regierungszeit wohlhabenden B�rgern damit gedroht, sie einsperren zu lassen, falls sie seine Kriegsanleihen nicht kauften. Unter anderem gegen solche Willk�rakte wandte sich das Parlament 1628 mit der <emphasis>Petition of Rights.</emphasis></p><p>Der Sohn und Nachfolger Karl II., 1660 vom Parlament als K�nig installiert, musste in einer Schw�chephase seiner Regierung 1679 den auf der <emphasis>Petition</emphasis> beruhenden <emphasis>Habeas Corpus Act</emphasis> akzeptieren. Das Gesetz sch�tzt vor willk�rlichen Verhaftungen, indem es bestimmt, dass Inhaftierte innerhalb von drei Tagen einem Richter vorzuf�hren seien. Es schr�nkt das vorher unbegrenzte Verhaftungsrecht des K�nigs ein und ist Teil aller rechtsstaatlichen Verfassungen geworden. Genau hier liegt der Ursprung der in jeder Krimiserie bei Verhaftungen �blichen Formel: �Sie haben das Recht auf einen Anwalt ��</p><p><emphasis>1688</emphasis></p><p>GLORIOUS REVOLUTION����Ohne Blutvergie�en beendeten die Engl�nder die Herrschaft des vierten, katholischen Stuart James II., der unter anderem England dadurch zu rekatholisieren gedachte, dass er penetrant Stellen mit Katholiken besetzte. Seine einzige Tochter Maria, eine Protestantin, war mit Wilhelm von Oranien, dem Herrscher (�Statthalter�) der Niederlande verheiratet. Die Lage eskalierte, als 1688 unverhofft ein m�nnlicher Kronprinz geboren wurde. James sah seine katholische Dynastie gerettet und forcierte den antiprotestantischen Kurs. Die Protestanten im Parlament bef�rchteten genau das.</p><p>Eine adlige protestantische Delegation bat nun den niederl�ndischen Ehemann Marias um milit�rische Intervention. Wilhelm von Oranien z�gerte nicht lange. Die niederl�ndischen Truppen wurden bei ihrer Landung wie Befreier begr��t, k�nigliche Offiziere liefen zu Wilhelm �ber. Bei seiner Flucht aus London warf James das Staatssiegel in die Themse. Das interpretierte man als Abdankung. Von dem neuen Herrscherpaar erwartete man eine �glorreiche� Erneuerung des protestantischen K�nigtums in Gro�britannien.</p><p><emphasis>1689</emphasis></p><p>BILL OF RIGHTS����Schon im Vorfeld hatte die inoffizielle britische Parlamentsdelegation klargemacht, dass das neue Herrscherpaar die Rechte des Parlaments anerkennen m�sse, was Wilhelm bei seiner Kr�nung beschwor. Diese wurden in Gesetzesform gegossen, als <emphasis>Bill of Rights</emphasis> im Oktober 1689 vom Parlament verabschiedet und von K�nig und K�nigin anerkannt. Es handelt sich also um ein Verfassungsgesetz, da es die Beziehungen zwischen Krone und Parlament regelt. Es ist das erste konstitutionelle Gesetz �berhaupt.</p><p>Die k�nigliche Regierung darf seitdem nur noch mit Parlamentszustimmung Steuern erheben und im Frieden ein stehendes Heer unterhalten. Die <emphasis>Bill</emphasis> verankerte das freie Rederecht der Abgeordneten, also deren parlamentarische Immunit�t. Kein K�nig konnte von nun an mehr die Abgeordneten wegen ihrer (kritischen) �u�erungen gerichtlich verfolgen. Das war zusammen mit der endg�ltigen Zementierung des Prinzips, dass wichtige politische Entscheidungen der parlamentarischen Zustimmung bed�rfen, der entscheidende erste Schritt zum Parlamentarismus in Europa, vorbildlich zuerst f�r die USA und Frankreich, in der Folge dann f�r die gesamte konstitutionelle Bewegung im 19. und 20. Jahrhundert.</p><p><emphasis>1707</emphasis></p><p>VEREINIGTES K�NIGREICH II � GRO�BRITANNIEN����Maria war 1694 an den Pocken gestorben. Wilhelm hatte bis 1702 allein regiert. Nun gelangte Marias Schwester Queen Anne als letzte Stuart-K�nigin auf den Thron. F�nf Jahre nach ihrem Regierungsantritt 1707 beschloss das schottische Parlament auf Druck aus England die Vereinigung der englischen mit der schottischen zur britischen Krone. Der <emphasis>Act of Union</emphasis>, das formelle Vereinigungsgesetz, regelt neben rechtlichen auch wirtschaftliche Fragen (Ma�e, Gewichte, Steuersystem, W�hrung), schuf also einen gemeinsamem Markt. So entstand Gro�britannien. Queen Anne war die erste �britische� K�nigin.</p><p>10, DOWNING STREET����Anne hatte keine Kinder. Nach ihrem Tod 1714 bestieg der hannoversche Kurf�rst Georg als George I. den � nunmehr � britischen Thron. Dieser Dynastiewechsel zu den Hannoveranern (Welfen) war eine etwas wacklige Angelegenheit. Das englische Parlament wollte unbedingt einen protestantischen Thronfolger und hatte ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. 57 katholische Anw�rter auf den britischen K�nigsthron, die �bessere� Rechte gehabt h�tten, wurden dadurch �bergangen. Trotzdem ging der Thronwechsel relativ reibungslos vonstatten, auch wenn George kaum Englisch sprach.</p><p>Dem britischen Premierminister Robert Walpole gelang es w�hrend seiner langen und sehr bewegten Regierungszeit (1721�1742), die Herrschaft der Hannoveraner durchzusetzen. George II. �bergab ihm das Stadtpalais in der Downing Street als Residenz.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Das Haus Hannover regiert in Gro�britannien bis heute. K�nigin Elisabeth II. ist eine direkte Nachfahrin des ersten hannoveranisch-britischen K�nigs George I<emphasis>.</emphasis></p></section><section><subtitle>DIE LETZTEN DYNASTIEN IN INDIEN UND CHINA</subtitle><p><emphasis>1631�1648</emphasis></p><p>TADSCH MAHAL����Das sch�nste Bauwerk der Welt wurde von Gro�mogul Shah Jahan in Agra am Ufer des Yamuna errichtet. Es ist das Grabmal seiner Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, die 1631 bei der Geburt ihres vierzehnten Kindes starb. Shah Jahan wurde 1658 von seinem dritten Sohn Aurangzeb abgesetzt. Unter Mohammed Aurangzeb Alamgir erreichte das Mogul-Reich bis 1707 seine gr��te Ausdehnung. Er eroberte auch S�dindien, konnte seine Herrschaft aber nicht wirklich durchsetzen. Aurangzeb war strenggl�ubiger Muslim. Er wich von der bisherigen toleranten Religionspolitik der Mogul-Herrscher ab und verfolgte sowohl die Hindus wie muslimische Sekten. Auf diesen Mogul-Herrscher bezieht sich die ber�hmte Goldschmiedearbeit <emphasis>Der Hofstaat zu Delhi</emphasis> im Gr�nen Gew�lbe in Dresden.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Oberherrschaft der Moguln blieb bis 1858 formell bestehen. Bei den Indern selbst wurde im 18. Jahrhundert die Dynastie der Marathen eine Art Gro�macht. Sie herrschten �ber ein ganzes Konglomerat von Kleink�nigt�mern und F�rstent�mern. Durch die Marathen kam in Indien der Hinduismus wieder st�rker zum Tragen. Staats- und Verwaltungssprache blieb in Indien aber bis zur �bernahme der Regierung durch die Engl�nder das von den Moguln mitgebrachte Persisch. Den Mogul tasteten die Marathen nicht an, sie regierten quasi in seinem Namen. W�hrend der Marathen-Zeit dehnten die Engl�nder durch die Ostindien-Gesellschaft ihre Macht immer weiter aus. Der Offizier und Staatsmann Robert Clive zementierte dann um 1760 die britische Vormacht in Bengalen (Kalkutta). Aus britischer Sicht gilt er als �Napoleon Indiens�.</p><p><emphasis>1644</emphasis></p><p>MANDSCHU-DYNASTIE����Das Volk der Mandschu ist f�r China ungef�hr das, was die Makedonen Alexanders f�r die Hellenen waren: Sie lebten im Norden, waren kulturell vergleichsweise r�ckst�ndig, holten aber begierig auf, als sie die Macht �bernommen hatten.</p><p>Die Mandschu nannten sich seit 1636 Ching, weil das chinesische Schriftzeichen �Ching� gegen�ber dem Zeichen �Ming�, dem Namen der bisherigen Dynastie, als �berlegen gilt. Die Ming hatten es vers�umt, die unter ihrer Herrschaft reich gewordenen Kaufmannsschichten in den bl�henden St�dten angemessen in das Steuersystem einzubeziehen. Diese Last trugen nach wie vor die Bauern. Das Ungleichgewicht destabilisierte die Ming-Herrschaft im Innern. Angesichts von Bauernaufst�nden und leerer Kassen konnten sie den Mandschu nicht viel entgegensetzen, als diese von Norden her auf Peking vorr�ckten. Die Ming wurden regelrecht vertrieben.</p><p>Unter den Mandschu-Kaisern erfreute sich China im 17. und 18. Jahrhundert einer gro�en wirtschaftlichen und kulturellen Bl�te und zeitgem��en Fortschritts in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion und des vorindustriell, manufakturartig betriebenen Handwerks (Porzellan, Papier, Seide). Das befriedete Staatswesen und der allgemeine Wohlstand f�hrten in der Sp�tphase der Mandschu zwischen 1750 und 1850 zu einer ann�hernden Verdreifachung der Bev�lkerung (von ca. 143 Millionen auf ca. 430 Millionen).</p><p>In der 2. H�lfte des 17. Jahrhunderts gab es intensive Kontakte mit Missionaren, vor allem Jesuiten. Durch sie drangen Nachrichten aus Europa ins Reich der Mitte. In Europa wiederum wurde China in der Barockzeit mit sehr viel Respekt als philosophisch weise geordnetes Staatswesen betrachtet. Vor allem das Mandarin-System der Vergabe �ffentlicher �mter nach einer Staatspr�fung faszinierte die b�rgerlichen Schichten, die nach Alternativen zum sp�tfeudalen Modell Europas suchten.</p><p>Die Nachfrage nach den exklusiven chinesischen Luxusprodukten Porzellan, Seide und Tee auf dem Weltmarkt war ungeheuer. Dem entsprachen die Mandschu im 17. Jahrhundert mit einer betr�chtlichen �ffnung Chinas. Die Herstellung von Porzellan war in Europa nach wie vor unbekannt. Vor allem niederl�ndische H�ndler verschifften es in gro�en Mengen nach Europa. Seide wurde in Shanghai nach europ�ischem Geschmack (symmetrische Muster) hergestellt. In England und den Niederlanden waren die chinesischen Seidenstoffe Statussymbole wie heute Kleider von Prada oder Handtaschen von Louis Vuitton. So floss weltwirtschaftlich gesehen sehr viel Geld, das die Europ�er in ihren amerikanischen Kolonien verdienten, via Europa nach China. Auch kulturell fand der boomende chinesische Markt in Europa seinen Niederschlag. Im 17. Jahrhundert wurden im niederl�ndischen Delft Fayencen hergestellt, die � da man noch kein wei�es Porzellan herstellen konnte � mit wei�er Zinnglasur grundiert und mit Mustern nach chinesischem Vorbild blau bemalt wurden. Bekannte Architekturbeispiele f�r den orientalisierenden Stil sind Schloss Pillnitz bei Dresden, das Chinesische Teehaus im Schlosspark von Sanssouci, der Chinesische Turm im M�nchner Englischen Garten oder die Pagodenburg im Nymphenburger Schlosspark.</p></section><section><subtitle>DIE EUROP�ISCHEN GRO�M�CHTE DER BAROCKZEIT</subtitle><p>T�RKENKRIEGE����Seit der Schlacht von Moh�cs 1526, bei der Ungarn verloren ging, und der ersten Belagerung Wiens 1529, die vom Osmanen-Sultan wegen schlechten Wetters abgebrochen wurde, standen die Habsburger gegen das Osmanische Reich in Europa in vorderster Front. Nur der nordwestliche Zipfel Ungarns konnte gehalten werden. 1551 bis 1555 und 1566 bis 1568 war es zu erneuten Zusammenst��en gekommen. Venedig war im Ostmittelmeer ebenfalls an der T�rkenfront engagiert und hatte 1571 Zypern verloren; 1671 musste die Lagunenstadt auch Kreta aufgeben. Und 1683 standen die T�rken erneut vor Wien.</p><p>Die Stadtbefestigung war nach der ersten T�rkenbelagerung 1529 mithilfe italienischer Festungsbaumeister auf den neuesten Stand gebracht worden. Die Osmanen versuchten, sie zu unterminieren, indem sie Tunnel in die Stadt gruben. In den Wiener H�usern musste immer jemand im Keller stehen und horchen, ob gegraben oder geklopft wurde.</p><p>Die Osmanen waren 1683 drei Monate lang unter der milit�rischen F�hrung des Gro�wesirs Kara Mustafa Pascha �ber den Balkan anger�ckt. Sie schlossen Wien von drei Seiten ein. Am 14.�Juli begann die Belagerung. Kaiser Leopold I. hatte die Stadt verlassen, was keinen guten Eindruck hinterlie�. Der Wiener Stadtkommandant Graf Starhemberg stand mit rund 20000 Mann den T�rken gegen�ber. Eine Mitte Juli geforderte Kapitulation lehnte er im Vertrauen auf die baldige Ankunft des Entsatzheeres von Kaiser Leopold ab. Die Wiener mussten zwei Monate ausharren, bis es am 11.�September eintraf.</p><p>Am 12.�September kam es zur Schlacht am Kahlenberg oberhalb von Wien. Die Abwehrkoalition war auf Initiative von Papst Innozenz XI. zwischen Kaiser Leopold und dem polnischen K�nig Johann III. Sobieski zustandegekommen, wobei der Papst erheblich zur Finanzierung des Feldzuges beitrug. Den entscheidenden Beitrag lieferte aber der polnische K�nig. Das eingeschlossene Wien h�tte nicht mehr lange durchhalten k�nnen, als er in letzter Minute erschien. Er �bernahm die F�hrung im Feld. Die Schlacht am Kahlenberg war sein Sieg. Der t�rkische Feldherr Kara Mustafa Pascha wurde sp�ter auf Befehl des Sultans erdrosselt � mit einem Seidenband.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Angeblich hatten die T�rken bei ihrem �berst�rzten Abzug etliche S�cke mit braunen Bohnen hinterlassen. Ihre zweckentsprechende Verwendung und Darreichung begr�ndete seit jenen Jahren die Kaffeehaus-Kultur in Wien. Erste Kaffeeh�user in Europa hatten allerdings bereits um 1650 in Venedig, Paris, Oxford und London er�ffnet. Auch in Hamburg gab es schon vor der Schlacht am Kahlenberg ein Kaffeehaus. Richtig ist, dass das erste Wiener Kaffeehaus 1685 von dem Griechen Johannes Theodat er�ffnet wurde. Die Kaffees�cke-Belohnung f�r den Kundschafter Kolschitzky ist eher eine Legende. Neu an der in ganz Europa seither aufbl�henden Kaffeehaus-Kultur war, dass sie von Angeh�rigen aller St�nde �gleichberechtigt� besucht wurden�� bis weit ins 19. Jahrhundert hinein allerdings nur von M�nnern.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Vier Jahre sp�ter, 1687, erteilte K�nig Leopold den Auftrag f�r den Bau von Schloss Sch�nbrunn nach dem Vorbild von Versailles. Nachfolger Johanns III. auf dem polnischen Thron war 1697 der s�chsische Kurf�rst August der Starke.</p><p>Die erfolgreiche Abwehr der Wiener Belagerung brachte f�r Europa die Wende im Verh�ltnis zu den T�rken. Gro�e Teile des Balkans wurden relativ z�gig zur�ckerobert. Zuerst Ungarn durch den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden (�T�rkenlouis�) und den Prinzen Eugen von Savoyen. Das Osmanische Reich geriet zunehmend in die Defensive. Beginnend mit Peter dem Gro�en f�hrte seit 1710 auch Russland T�rkenkriege bis hin zum Krimkrieg (1853�1856). Vor allem dem sp�teren Expansionsdruck aus Russland hatte das immer kraftlosere Osmanische Reich immer weniger entgegenzusetzen. Mit der Wende 1683 begann auch die gro�e kulturelle Ausstrahlung �sterreichs auf den Balkan und den ganzen s�dosteurop�ischen Raum. F�r diese Gebiete wurde Wien das, was Paris und Versailles f�r Westeuropa waren.</p><p><emphasis>1688�1748</emphasis></p><p>ERBFOLGEKRIEGE����In der Hochzeit der europ�ischen Monarchien waren dynastische Fragen politisch hochbrisant, vor allem, wenn es keinen direkten Thronerben gab. Aufgrund der komplizierten Verwandtschaftsverh�ltnisse der Adelsh�user machten dann �ausw�rtige� F�rsten Anspr�che geltend. Alle gro�en Erbfolgekriege zwischen 1690 und 1750 bestimmten die europ�ische Politik in der Hochphase des Absolutismus, als die Feldherren in pr�chtigen Barockroben, mit wallenden Per�cken, blitzenden Degen und kostbaren Zelten in den Krieg zogen. Wie der Drei�igj�hrige Krieg waren es europ�ische Weltkriege, in die stets sehr viele Nationen in komplizierten B�ndnissen und Koalitionen involviert wurden.</p><p>Vor dem Pf�lzischen Erbfolgekrieg (1688�1697) hatte die pf�lzische Kurf�rstentochter Charlotte (Liselotte von der Pfalz) den Bruder von Ludwig XIV. geheiratet. Nach dem kinderlosen Tod des Bruders von Liselotte lie� Ludwig�XIV. die Pfalz besetzen. Sie wurde von den Franzosen grausam verw�stet, das Heidelberger Schloss zerst�rt. Danach geh�rten Stra�burg und das Elsass zu Frankreich.</p><p>Der Spanische Erbfolgekrieg (1701�1714) nach dem Tod des letzten Habsburgers in Spanien fand auf zahllosen Haupt- und Nebenschaupl�tzen in ganz Europa statt. Das Frankreich Ludwigs XIV. wurde unterst�tzt von Bayern, Savoyen, Kurk�ln. Die Wiener Habsburger waren mit Gro�britannien verb�ndet. Am Ende kannte der Krieg fast nur Gewinner. Ludwig konnte seinen Enkel Philipp von Bourbon auf dem spanischen Thron durchsetzen. Auch der heutige spanische K�nig Juan Carlos ist Bourbone. Allerdings hatten sich durch die hohen Kriegskosten die Staatsschulden Frankreichs verzwanzigfacht.</p><p>Der �sterreichische Erbfolgekrieg (1740�1748) ergab sich, weil einige europ�ische M�chte die Thronfolge der Habsburgerin Maria Theresia nicht anerkannten. Friedrich II. von Preu�en marschierte in die reiche �sterreichische Provinz Schlesien ein, die er sp�ter behalten konnte. Maria Theresia musste Besitzt�mer in Italien abtreten, blieb aber auf dem Thron.</p><p><emphasis>1714�1748</emphasis></p><p>GLEICHGEWICHT DER M�CHTE����Die Expansions- und Hegemonialpl�ne Ludwigs XIV. waren durch das Eingreifen Gro�britanniens im Spanischen Erbfolgekrieg gestoppt. Insofern hatte Ludwig in diesem Krieg seine Ziele nicht erreicht. Der Sieger der wichtigen Schlacht von H�chst�dt bei Ulm (in England Schlacht von Blenheim), John Churchill, Herzog von Marlborough, erhielt zum Dank von Queen Anne Grund, Boden und Mittel zum Bau von Blenheim Palace, dem gr��ten und bedeutendsten Barockschloss Englands. (Hier wurde sp�ter Winston Churchill geboren.) �sterreich hatte durch seine Erfolge in den T�rkenkriegen nach der Befreiung Wiens (1683) und der anschlie�enden Eroberung Ungarns erheblich an Gewicht gewonnen und war ebenfalls seit dem Spanischen Erbfolgekrieg als europ�ische Gro�macht etabliert.</p><p>Damit ergab sich aus den Erbfolgekriegen in Europa ein Gleichgewicht der M�chte England, Frankreich, �sterreich. Auf dem Kontinent hielten sich �sterreich und Frankreich gegenseitig in Schach. Assistiert wurde England von der kleinen, aber reichen und ebenfalls protestantischen Niederl�ndischen Republik, nach der Frankreich gern den Arm ausstreckte. Fast gleichzeitig trat im Osten erstmals Russland durch Zar Peter den Gro�en in diesen Kreis, eine Generation danach der Aufsteiger Brandenburg-Preu�en. Bei dieser Konstellation blieb es bis zum Ende des Ersten Weltkrieges.</p><p><emphasis>1682</emphasis></p><p>ZAR UND ZIMMERMANN����Zar Peter regierte von 1682 bis 1721 als dritter Romanow. Nach seinem Milit�rdienst als einfacher Soldat und anschlie�enden Reisen nach Westeuropa hatte sich der junge Zar ein Bild von der R�ckst�ndigkeit Russlands und der Fortschrittlichkeit der seefahrenden Nationen des Westens gemacht. In den Niederlanden absolvierte er 1697 sogar eine Ausbildung zum Schiffszimmermann.</p><p>Zar Peter reformierte Russland umfassend nach westlichem Muster. Die altrussischen B�rte mussten abrasiert werden, die Kittelhemden wurden verboten. Im Jahr 1700 f�hrte Peter den Gregorianischen Kalender ein. Seit dem Drei�igj�hrigen Krieg hielt Schweden die russische Ostseek�ste besetzt. Peter f�hrte einen l�ngeren Krieg gegen die Ostsee-Gro�macht, bis Schweden in der Schlacht von Poltawa in der Ukraine 1709 vernichtend geschlagen wurde. Damit war f�r Russland der Zugang zur Ostsee frei. 1703 gr�ndete der Zar die neue Hauptstadt Sankt Petersburg. �Sankt� deswegen, weil der Zar die Stadt keineswegs nach sich selbst, sondern nach dem Apostel Petrus benannte. Wesentlich gepr�gt wurde das Stadtbild aber erst unter Zarin Katharina II. (1762�1792) im italienischen Barockstil.</p><p><emphasis>1716</emphasis></p><p>�SELBSTHERRSCHER ALLER REU�EN������Seine Majest�t ist ein selbstherrschender Monarch, der niemandem auf der Welt �ber seine Handlungen Rechenschaft abzulegen hat, sondern die Macht und Gewalt besitzt, seine Staaten und L�nder als christlicher Herrscher nach seinem eigenen Wohlwollen und Gutd�nken zu regieren�, lautet die wohl eindeutigste Formulierung absolutistischen Herrscherverst�ndnisses im �Milit�rstatut�, das Zar Peter 1716 erlie�. Den Titel �Selbstherrscher aller Reu�en� f�hrten die russischen Zare seit 1470. Das Statut war gegen das orthodoxe Patriarchat gerichtet, die letzte Instanz in Russland, die noch kurz zuvor eigene Rechte artikulieren zu k�nnen meinte, indem sie sich darauf berief, nur Gott und Gottes Gesetz als h�chste Instanz anzuerkennen. Trotz seiner proklamierten Allmacht konnten weder Zar Peter noch die ebenso absolutistische wie aufgekl�rte Zarin Katharina auf religi�se Weihen verzichten.</p><p><emphasis>1756�1763</emphasis></p><p>SIEBENJ�HRIGER KRIEG����Im �sterreichischen Erbfolgekrieg (1740�1748) hatte der 1740 ebenfalls frisch inthronisierte Friedrich II. von Preu�en die von seinem Vater gedrillte Armee unverz�glich und ohne Skrupel eingesetzt, um angesichts der noch ungefestigten Stellung Maria Theresias in Schlesien einzumarschieren. In den Siebenj�hrigen Krieg waren nochmals fast alle europ�ischen M�chte verwickelt, auch im Hinblick auf ihre �berseeischen Besitzungen. Insbesondere in Nordamerika bekriegten sich England und Frankreich. Die neue Gro�macht Russland nahm ebenfalls daran teil � mit ausschlaggebenden Folgen. Der Krieg war im Verlauf der sieben Jahre von wechselnden Koalitionen, zahlreichen Schlachten und wechselndem Gl�ck im Felde gekennzeichnet. Seinen Beinamen �der Gro�e� erhielt Friedrich nach seinem Sieg in der Schlacht bei Ro�bach im heutigen Sachsen-Anhalt 1757, einer der vielen Schlachten des Siebenj�hrigen Krieges. Sie dauerte nur wenige Stunden. Der Sieg war f�r Friedrich, wie er selbst bekannte, �ein Spaziergang�. Gegner waren in erster Linie die Franzosen. Seit Ludwig XIV. war die franz�sische Armee die st�rkste in Europa und in jeder Hinsicht vorbildlich. Bis Ro�bach galt sie als beinahe unbezwingbar. Als bekannt wurde, dass eine gro�e franz�sische Armee von m�rkischen und pommerschen Bauerns�hnen besiegt worden war, rief die M�tresse des franz�sischen K�nigs Ludwig XV., Madame de Pompadour (1721�1764): <emphasis>Apr�s nous le d�luge!</emphasis> (�Nach uns die Sintflut!�)</p><p><emphasis>1757</emphasis></p><p>FRITZISCH GESINNT����Der damals achtj�hrige Johann Wolfgang von Goethe (geboren 1749) war, wie er in <emphasis>Dichtung und Wahrheit</emphasis> sagt, �fritzisch gesinnt� und stritt sich deswegen durchaus mit seinem Vater, der als Staatsrat des Reiches eher dem Kaiser oder der Kaiserin in Wien gegen�ber loyal war. Nach dem Sieg von Ro�bach ging erstmals eine Welle �nationaler Begeisterung� durch Deutschland. Man sah in Friedrich den Vork�mpfer der protestantischen Sache; viele protestantische Sachsen und W�rttemberger liefen aus der mit den Franzosen verb�ndeten Reichsarmee zu den Preu�en �ber. Au�erdem stand der damals selbst erst 37 Jahre alte Friedrich, der sich gegen�ber �sterreich und damit gegen�ber dem Reich zu behaupten versuchte, f�r das Neue, eine gesamtdeutsche Mentalit�t, wie sie sich unter preu�ischer F�hrung letztlich durchsetzen sollte.</p><p><emphasis>1759/1762</emphasis></p><p>MIRAKEL DES HAUSES BRANDENBURG����Im nunmehr vierten Kriegsjahr des Siebenj�hrigen Krieges waren alle beteiligten M�chte finanziell angeschlagen und die Regimenter ausgeblutet. Preu�en war eingekreist, Friedrich musste sein Kernland verteidigen. 1759 vereinigten sich russische und �sterreichische Heere bei Kunersdorf in der N�he von Frankfurt an der Oder und brachten Friedrich dem Gro�en seine gr��te Niederlage bei. Der Weg nach Berlin stand offen. Ersch�ttert �bergab Friedrich das Oberkommando seinem Bruder Heinrich. Aber aus Uneinigkeit nutzten die �sterreicher die Gelegenheit nicht, sondern zogen sich zur�ck. In einem Brief an Heinrich schrieb Friedrich: �Ich verk�ndige Ihnen das Mirakel des Hauses Brandenburg.� Statt nach Berlin sei �der Feind nach M�llrose und Lieberose� im Spreewald marschiert.</p><p>Friedrichs Formulierung wird oftmals f�lschlich auf ein anderes Ereignis 1762 bezogen. Seit 1761 war die Lage f�r Friedrich denkbar ung�nstig. Die �sterreicher und die Russen hielten Ostpreu�en, Sachsen und Schlesien besetzt, und Friedrich hatte keine ausreichenden Kr�fte mehr f�r Angriffe. Da starb am 5.�Januar 1762 unerwartet Zarin Elisabeth, eine Tochter Peters des Gro�en. Die ausgesprochen gottesf�rchtige, aber durchaus aufgekl�rt und fortschrittlich regierende und sehr antipreu�ische Zarin hatte keine eigenen Kinder. Nachfolger wurde ihr Neffe Peter III., der einen deutschen Herzog (von Holstein) zum Vater hatte und ausgesprochen fritzisch gesinnt war. Er korrespondierte eifrig mit dem gl�hend Verehrten. In seiner ersten Amtshandlung schloss er einen Separatfrieden mit Preu�en und stellte Friedrich Truppen zur Verf�gung. Die von den Gener�len der Zarin eroberten Gebiete Preu�ens gab er zur�ck.</p><p>Nach dieser ebenfalls �wunderbaren� Entlastung konnte Friedrich die �sterreicher aus Schlesien (und Sachsen) verdr�ngen. Schlesien geh�rte sp�ter auch zum Deutschen Reich und blieb bis 1945 bei Preu�en.</p><p>POTEMKINSCHE D�RFER����Zar Peter III. �berlebte sein erstes Regierungsjahr nicht, sondern wurde von Adligen, die unter Elisabeth sehr viel Einfluss hatten und wie sie sehr �russisch� gesinnt waren, zum R�cktritt gezwungen und anschlie�end ermordet. Nachfolgerin wurde seine Gattin, die anhaltinische Prinzessin Katharina, von 1762 bis 1796 als Zarin Katharina II. die einzige Herrscherin weltweit mit dem Beinamen �die Gro�e�.</p><p>Die kolossale S�derweiterung Russlands w�hrend ihrer Herrschaft auf Kosten des Osmanischen Reiches und der Krimtataren war im Wesentlichen das Werk ihres sehr, sehr engen Vertrauten, des nachmaligen F�rsten Potemkin. Seine Karriere vom Wachtmeister zum Oberkommandierenden und Minister verdankte Potemkin seinem guten Aussehen, seiner T�chtigkeit und nat�rlich der Gunst der Zarin. Bei Inspektionsreisen im neu eroberten S�den pflegte er der Herrscherin pr�chtig herausgeputzte D�rfer vorzuf�hren, die beim neidischen Petersburger Adel verschrienen Potemkinschen D�rfer.</p><p>ANCIEN R�GIME����Durch den Spanischen Erbfolgekrieg hatten sich f�r Frankreich die Staatsschulden verzwanzigfacht. Dies trieb das Land in den Ruin und geradewegs in die Revolution. Denn als wegen des bevorstehenden Staatsbankrotts � zu sp�t � die Generalversammlung einberufen wurde, am 5.�Mai 1789, erkl�rte sich der Dritte Stand am 17.�Juni zur Nationalversammlung und st�rzte mit dieser Verfassungs�nderung das �alte Regime�, das <emphasis>Ancien r�gime</emphasis>.</p><p>Auch die anderen Kriege des 18. Jahrhunderts waren f�r Frankreich nat�rlich extrem kostspielig, vor allem der �indianische Krieg� in Nordamerika gegen England und der Siebenj�hrige Krieg, der auch Preu�en an den Rand der finanziellen und staatlichen Existenz brachte. Aber Frankreich stand meist auf der Verliererseite. Das Land verf�gte nicht �ber eine mit England vergleichbare Wirtschaftsdynamik, wodurch man die Kosten h�tte auffangen k�nnen. Das Steuersystem wurde nicht reformiert, die Steuerprivilegien des Adels und des Klerus blieben unangetastet. Den Adligen war der Gelderwerb �standesgem�߫ nicht erlaubt, sie lebten auf Kosten der Gemeinschaft. Welches gewaltige Potenzial hier brachlag, zeigte sich alsbald an der ungeheuren Dynamik, mit der die Revolution und Napoleon die in der Agonie des <emphasis>Ancien r�gime</emphasis> vor sich hin d�mmernde Nation zur Hegemonialmacht in Europa katapultierte.</p><p><emphasis>1741�1790</emphasis></p><p>JOSEPHINISMUS � AUFGEKL�RTER ABSOLUTISMUS����Maria Theresias Sohn und Nachfolger Kaiser Joseph II. (1741�1790) war ein Bewunderer Friedrichs, der sich ebenso wie dieser als �erster Diener seines Staates� und �aufgekl�rter Absolutist� verstand. Joseph war ein so radikaler Exponent der Aufkl�rung, dass sein Name zum Begriff f�r eine ganze Reihe beispielhaft aufkl�rerischer Ma�nahmen wurde. Er lie� rund 700 Kl�ster aufl�sen und gew�hrte den Juden Religionsfreiheit, schaffte Leibeigenschaft und Todesstrafe ab, gr�ndete das Allgemeine Krankenhaus in Wien sowie das Josephinum (als Ausbildungsst�tte f�r Milit�r�rzte), f�hrte eine Grundsteuer f�r den Adel ein und etliches mehr. Joseph beauftragte �brigens auch den jungen Mozart mit dem ausdr�cklich so gew�nschten �deutschen Singspiel� <emphasis>Die Entf�hrung aus dem Serail</emphasis>. Den bis dahin gesperrten Prater gab er zur allgemeinen Benutzung frei. Trotzdem und wohl vor allem wegen seiner antiklerikalen Politik war Joseph beim Volk verhasst und wurde bei seinem Tod nicht besonders beweint.</p><p>Im Gegensatz zu Frankreich, dessen K�nige Ludwig XV. und Ludwig XVI. im 18. Jahrhundert starr am traditionellen Absolutismus festhielten, der l�ngst zu einem korrupten Privilegiensystem entartet war, gab es in den deutschen Staaten neben Friedrich und Joseph eine gro�e Anzahl �aufgekl�rter F�rsten�, die lebhaften Anteil am kulturellen und wissenschaftlichen Geistesleben nahmen, so etwa Leopold III. von Anhalt-Dessau, der Initiator des W�rlitzer Parks, Goethes Landesherr Carl August von Sachsen-Weimar, Karl-Friedrich von Baden, Max III. Joseph von Bayern sowie Karl Theodor, Kurf�rst von der Pfalz und sp�ter auch Herzog von Bayern, unter dem Mannheim seine Bl�tezeit erlebte und der in M�nchen den Englischen Garten anlegen lie�.</p></section><section><subtitle>AMERIKA MACHT SICH UNABH�NGIG</subtitle><p>Es war keineswegs ausgemacht, dass Gro�britannien um 1760 die gr��te Macht auf dem amerikanischen Kontinent sein w�rde. Die Spanier waren viel fr�her da und hatten seit der Konquistadorenzeit den Kontinent vom Golf von Mexiko aus von Florida bis Kalifornien in Besitz genommen und teilweise kolonialisiert. Davon zeugen bis heute Ortsnamen wie San Francisco, Los Angeles, San Diego, Colorado oder Orlando in Florida. Auch den Franzosen geh�rten gro�e Teile des Landes. Gro�britannien �besa߫ als Kolonien �nur� die 13 sogenannten Neuengland-Staaten an der Ostk�ste von Massachusetts im Norden bis Georgia im S�den. Das war vergleichsweise wenig.</p><p><emphasis>um 1760</emphasis></p><p>DER LETZTE MOHIKANER����Seit den Tagen von Jacques Cartier, der noch von K�nig Franz I. 1535 zum kanadischen St.-Lorenz-Strom geschickt worden war, hatten die Franzosen von dort �ber die Gro�en Seen und entlang des Missouri und Mississippi ein riesiges Gebiet erworben und erobert. Dieser franz�sische Kolonialbesitz, praktisch der gesamte Mittlere Westen einschlie�lich des Ostens von Kanada hie� nach Ludwig XIV. �Louisiana�. <emphasis>Nouvelle Orl�ans </emphasis>(New Orleans) an der Mississippi-M�ndung war 1718 gegr�ndet worden.</p><p>W�hrend des Siebenj�hrigen Krieges von 1756 bis 1763 bek�mpften sich die Briten und die Franzosen auch auf dem nordamerikanischen Kontinent. Anfangs entz�ndete sich der Krieg vor allem um den Besitz des Ohio-Tales. Frankreich verlor 1763 die Gebiete bis zum Mississippi an Gro�britannien. Dieser �indianische� Kolonialkrieg bildet den Hintergrund f�r den ber�hmten Roman von James Fenimore Cooper. Einen Indianerstamm der Mohikaner gab es allerdings nicht. Cooper bildete das Wort aus den Namen zweier tats�chlicher Indianerst�mme, den <emphasis>Mohegan</emphasis> und den <emphasis>Mahican</emphasis>.</p><p><emphasis>1773</emphasis></p><p>NO TAXATION WITHOUT REPRESENTATION����Auf dem Thron in London sa� seit 1760 George III. Er sah sich lieber als absolutistischen Herrscher alten Zuschnitts denn als konstitutionellen Monarchen und versuchte, die Rechte des Parlaments zu beschneiden. In den Kolonien erhob die englische Regierung Steuern, um wenigstens teilweise die Kosten zu decken, die die zum Schutz der Kolonisten vorhandene Armee verursachte (Stempelsteuer, Zuckersteuer, sp�ter ein Teeimportzoll). Den keineswegs an Steuern gew�hnten Kolonisten war das schon zu viel. Wegen des Teezolls kam es am 16.�Dezember 1773 zur <emphasis>Boston Tea Party, </emphasis>bei der ungef�hr 50 als Indianer verkleidete Wei�e drei im Hafen von Boston liegende Schiffe enterten und deren Teeladung, etwa 40 Tonnen, als Zeichen des Protests ins Hafenbecken kippten. Das Kernproblem lautete: <emphasis>No taxation without representation � </emphasis>�Keine Besteuerung ohne Vertretung im Parlament�. Darauf reagierte die englische Regierung im Sommer 1774 mit der Schlie�ung des Hafens von Boston und weiteren Einschr�nkungen f�r die Kolonien. Die amerikanische Reaktion wiederum war der erste Kontinentalkongress im Herbst 1774 in Philadelphia, der formelle Beginn der Los-von-England-Bewegung.</p><p>Der Kongress stellte eine Kontinentalarmee auf. Zu den ersten Gefechten mit den Briten kam es im April 1775 bei Lexington und Concord in Massachusetts. Ab Mai 1775 tagte der zweite Kontinentalkongress an wechselnden Orten und f�hrte bereits eine eigene W�hrung ein. Der amerikanische Unabh�ngigkeitskampf war ins Rollen gekommen.</p><p><emphasis>1776</emphasis></p><p>VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA����Der erste, der vorschlug, die abtr�nnigen Kolonien �Vereinigte Staaten von Amerika� zu nennen, war Thomas Paine. Der geb�rtige Engl�nder war erst 1774 nach Amerika gekommen und ver�ffentlichte im Januar 1776 eine Schrift mit dem Titel <emphasis>Common Sense</emphasis>. Darin formulierte Paine klar die Mission Amerikas, unabh�ngig zu werden und ein demokratisches und auf dem Prinzip der Menschenrechte gegr�ndetes Regierungssystem einzuf�hren. Die Schrift hatte eine geradezu z�ndende Wirkung auf Thomas Jefferson, den ma�geblichen Verfasser der amerikanischen Unabh�ngigkeitserkl�rung.</p><p><emphasis>1776</emphasis></p><p>UNABH�NGIGKEITSERKL�RUNG����Das Dokument wird mit dem ber�hmten Satz von den unver�u�erlichen Menschenrechten auf Leben, Freiheit und die freie Entfaltung der Pers�nlichkeit eingeleitet. Dann werden die Missetaten des �Tyrannen� George III. aufgez�hlt. Zum Schluss folgt in einem kurzen Absatz die �feierliche Erkl�rung�, dass die Kolonien sich nunmehr als frei und unabh�ngig und alle Bindungen zum �britischen Reich� als gel�st ansehen. Am 4.�Juli 1776 wurde die amerikanische Unabh�ngigkeitserkl�rung verabschiedet und unterzeichnet. Diesen <emphasis>Independence Day </emphasis>feiern die Amerikaner j�hrlich als Geburtstag ihrer Nation.</p><p>Die Unabh�ngigkeitserkl�rung wurde 1782 von Gro�britannien anerkannt. Ihr Verfasser war Thomas Jefferson. Eine Kommission des Kontinentalkongresses bestehend aus John Adams, Benjamin Franklin, Robert Livingston und Roger Sherman nahm kaum �nderungen daran vor. Die Genannten gelten als die Gr�nderv�ter der USA, weil sie nat�rlich alle schon im bisherigen Unabh�ngigkeitsprozess hervorgetreten waren. Thomas Jefferson war als Universalgelehrter, S�dstaaten-Gentleman und Staatsmann (1743�1826) so etwas wie der Goethe Amerikas. Er wurde 1801 der dritte Pr�sident der USA. Wie viele f�hrende M�nner der Anfangsjahre der USA, etwa auch der erste Pr�sident George Washington, stammte Jefferson aus der aristokratischen Plantagenbesitzerschicht des alten S�dens, die damals in den Kolonien tonangebend war. Die Vorherrschaft der Industrie und damit des Nordens und Nordostens der Vereinigten Staaten entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert. Bisher erstreckte sich die Besiedlung der englischsprachigen Wei�en ja gerade erst einmal von der Atlantikk�ste bis an den Rand der Appalachen.</p><p><emphasis>1787/1789</emphasis></p><p>VERFASSUNG����Erst zehn Jahre nach der Unabh�ngigkeit wurde die Verfassung der Vereinigten Staaten 1787 wiederum in Philadelphia verabschiedet. (Washington wurde erst sp�ter gebaut). Sie trat 1789 in Kraft und ist die erste Staatsverfassung im modernen Sinn, mittlerweile die �lteste der auf einer formellen Urkunde beruhenden Konstitutionen. (Auch England hat eine alte Verfassung, aber nichts Schriftliches.)</p><p>Die Verfassung der USA umfasst vier Seiten einschlie�lich der Unterschriften der Abgeordneten. Sie legt musterg�ltig die von Montesquieu entwickelte Gewaltenteilung fest: Artikel 1 behandelt die gesetzgebende Gewalt, den Kongress, Artikel 2 die vollziehende Gewalt, den Pr�sidenten, Artikel 3 die rechtsprechende Gewalt, die Rechtsprechung des Bundes und die Einrichtung des <emphasis>Supreme Court</emphasis>, Artikel 4 die Verh�ltnisse der Bundesstaaten untereinander und zum Bund, also die f�derale Struktur. Der erste Kongress erweiterte die Verfassung um einen Grundrechtekatalog, der in den ersten Zusatzartikeln festgelegt ist. Er wurde in starker Anlehnung an die englische <emphasis>Bill of Rights</emphasis> (1698) entwickelt.</p><p><emphasis>1803</emphasis></p><p>LOUISIANA PURCHASE����Das seit 1763 �britische Louisiana� bis zum Mississippi hatten die jungen USA nach dem Unabh�ngigkeitskrieg vom Mutterland �bernommen. Die West-Mississippi-Gebiete, immer noch sehr viel Territorium, hatte Frankreich 1763 an die verwandte spanische Bourbonen-Dynastie in Obhut gegeben, eine formale Abtretung, um sie dem englischen Zugriff zu entziehen. Die Spanier hatten die Territorien indessen an Frankreich zur�ckgereicht, was ja der Plan war. 1803 machte sich der gerade in finanziellen Schwierigkeiten befindliche Napoleon keine Hoffnungen, dieses Kolonialreich wiederzubeleben. Als eine amerikanische Delegation 1803 zu ihm kam, die eigentlich nur New Orleans kaufen wollte, bot Napoleon das ganze Gebiet Louisiana an � zum Preis von 22 Millionen Dollar. Ohne R�ckfrage in den USA zu halten, akzeptierten die Unterh�ndler das Angebot. Es war der gr��te Grundst�cksdeal der Geschichte und f�r die USA der absolut g�nstigste. Ihre Fl�che verdoppelte sich mit einem Schlag. Dieses �Louisiana� umfasste den gesamten �Mittleren Westen�, die heutigen Bundesstaaten Montana, Wyoming, North Dakota, South Dakota, Colorado, Nebraska, Iowa, Kansas, Missouri, Oklahoma, Arkansas und ganz im S�den den heutigen armen kleinen Bundesstaat Louisiana rund um New Orleans.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p>REVOLUTION UND B�RGERLICHKEIT</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>ca. 1800 bis 1900</emphasis></p></section><section><subtitle>PHILOSOPHIE DER AUFKL�RUNG</subtitle><p>F�r ein Fest auf der Themse, bei dem der Hofstaat auf Barken nach Chelsea schipperte, komponierte Georg Friedrich H�ndel (1685�1759) im Jahr 1717 die <emphasis>Wassermusik</emphasis>. H�ndel war, wie viele andere auch, ein Hofk�nstler, der vom K�nig und vom Adel protegiert und besoldet wurde. Aber er war auch ein r�hriger Opern- und Konzertunternehmer. Anders waren die �berteuerten Star-Gagen f�r die Kastraten und Primadonnen auch nicht aufzubringen. Im harten Musikgesch�ft in London gingen H�ndels Firmen meist wieder bankrott. Solche Unternehmungen w�ren in Frankreich, wo alles vom Hof alimentiert wurde, undenkbar gewesen. H�ndels Zeitalter ist das Zeitalter der englischen Aufkl�rung.</p><p>ENGLISCHE AUFKL�RUNG����Die n�chternen, puritanisch gepr�gten Engl�nder gaben wenig auf philosophische Spekulation und viel auf realistische Erfahrungswerte. Ein ber�hmter Zeitgenosse H�ndels war Isaac Newton (1643�1727). Der legte wesentliche Grundlagen f�r die modernen Naturwissenschaften, insbesondere f�r den Gedanken, dass jede physikalische Wirkung eine berechenbare Ursache hat. M�nner wie Thomas Hobbes und John Locke hegten �hnliche philosophische Vorstellungen. Locke (1632�1707) machte sich wie der Franzose Ren� Descartes (�Ich denke, also bin ich�) Gedanken �ber das menschliche Erkenntnisverm�gen. Seine Schlussfolgerung lautete: Es gibt keine angeborenen (g�ttlichen) Ideen, sondern nur durch das Geistesleben (kulturell) gepr�gte Begriffe. Locke war der Meinung, es g�be unver�u�erliche Naturrechte des Menschen auf Leben, Freiheit und Eigentum und die Regierung bed�rfe der Zustimmung der Regierten. Mit diesem Argument lie�en sich die Privilegien von Monarchen, Adel und Klerus hinterfragen, die ja bisher auf �g�ttliches Recht� bauten.</p><p>Nach dem Tod Ludwigs XIV. (1715) begannen einige Franzosen, sich f�r das fortschrittliche Gesellschaftsmodell und die naturwissenschaftlichen, philosophischen und staatspolitischen Erkenntnisse ihres Nachbarvolkes zu interessieren.</p><p><emphasis>ab 1748</emphasis></p><p>GEWALTENTEILUNG����Auch Baron de la Br�de et de Montesquieu (1689�1755) hatte sich drei Jahre in England aufgehalten und erkannt, dass dort innerhalb des parlamentarischen Regierungssystems die individuelle und die politische Freiheit am weitesten gediehen waren. Er besch�ftigte sich auch mit den antiken Republiken Rom und Athen. In seiner Schrift <emphasis>De l�esprit des lois</emphasis> (��ber den Geist der Gesetze�) pr�gte er den Begriff der �Trennung der staatlichen Gewalten�, die sich gegenseitig ausbalancieren und kontrollieren sollten, um die gr��tm�gliche konkrete Freiheit der Staatsb�rger zu gew�hrleisten. Die Schriften und Gedanken dieses fern vom Hof und vom Staatsgetriebe lebenden Mannes fanden schnell Verbreitung. Noch im Erscheinungsjahr (1748) folgten 22 Auflagen sowie die deutsche �bersetzung. Montesquieus Prinzipien wurden zuerst in der amerikanischen Verfassung (1787) und danach in der franz�sischen Verfassung von 1791 verwirklicht. Sinn der Gewaltenteilung wie Montesquieu sie postulierte, war und ist es, den Einzelnen vor willk�rlichen �bergriffen der Amtstr�ger zu sch�tzen.</p><p><emphasis>ab 1751</emphasis></p><p>FRANZ�SISCHE AUFKL�RUNG����Sehr wirkungsvoll war die von Denis Diderot gemeinsam mit einer Vielzahl bedeutender franz�sischer Autoren seiner Zeit in Angriff genommene <emphasis>Encyclop�die</emphasis>. Sie erschien in 28 B�nden zwischen 1751 und 1780 und spiegelte das Weltwissen der Zeit. Vor allem das b�rgerliche, intellektuelle Publikum konnte sich mit dem darin zum Ausdruck kommenden aufkl�rerischen Gedankengut identifizieren. Zustande gekommen war Diderots Enzyklop�die zun�chst als Auftrag eines Pariser Verlegers, eine zweib�ndige englische <emphasis>Cyclopedia of Arts and Sciences</emphasis> zu �bersetzen. Diderot beschloss, das Werk wesentlich zu erweitern. Obwohl es von der Kirche immer wieder indiziert wurde, gelang es einflussreichen Hofkreisen um Madame de Pompadour, das Projekt immer wieder voranzubringen. Auch die russische Zarin Katharina geh�rte zu den F�rderern Diderots. Die <emphasis>Encyclop�die</emphasis> war das Sammelbecken all jener franz�sischen Schriftsteller und Intellektuellen, die daran glaubten, es bed�rfe nur der Vermittlung von Wissen und Aufkl�rung, um der Vernunft und damit auch der allgemeinen Humanit�t zum Durchbruch zu verhelfen. Diderot selbst verfasste �ber 1000 Artikel.</p><p>TOLERANZ����Einer der bedeutendsten Enzyklop�die-Autoren war der Schriftsteller Fran�ois Marie Arouet, genannt Voltaire. Voltaire hatte wie Montesquieu ebenfalls einige Zeit in England verbracht und wie dieser gegen das verkrustete <emphasis>Ancien R�gime</emphasis> Frankreichs polemisiert. Voltaire hatte man allerdings wegen seiner ungez�gelten Spottlust nahegelegt, f�r einige Zeit Frankreich zu verlassen. Neben der Enzyklop�die war er der haupts�chliche Verbreiter des aufkl�rerischen Gedankenguts. Voltaire war eine geistige und geistreiche Gro�macht, ber�hmt in ganz Europa, zwei Jahre lang Dauergast Friedrichs des Gro�en in Sanssouci, im Briefkontakt mit K�nigen bis hin zur russischen Zarin Katharina. Voltaire war einer der ersten, der die Bedeutung der Kulturen Arabiens, Persiens, Indiens und Chinas erfasste. Vor allem aber wird ihm die Propagierung des Grundsatzes zugeschrieben: �Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen� � die oft zitierte �Meinungsfreiheit�.</p><p><emphasis>1760</emphasis></p><p>VOLONT� G�N�RALE����V�llig kontr�r zum herrschenden Absolutismus waren die Theorien des Genfer B�rgers und Uhrmachersohns Jean-Jacques Rousseau (1712�1778). Rousseau entwickelte eine sozialromantische Vorstellung vom Menschen als eines im nat�rlichen, �wilden� Urzustand guten Wesens, das erst durch Bildung, Gesellschaft und Kultur verdorben wird. Wie konnten die �edlen Wilden� sich in ihrer unver�u�erlichen Freiheit zu einer (staatlichen) Gemeinschaft zusammentun? Sie schlossen einen Gesellschaftsvertrag (<emphasis>Contrat social</emphasis>) miteinander. Die Ordnung und Gesetze dieser staatlichen Gemeinschaft, durch (Mehrheits-) Abstimmungen festgestellt, repr�sentieren die <emphasis>Volont� g�n�rale</emphasis>, den �allgemeinen Willen�, dem sich jeder Einzelne zu unterwerfen hat � auch wenn er pers�nlich anderer Meinung ist.</p><p>Diese nicht besonders realit�tsnahe Konstruktion wurde durch die Franz�sische Revolution als Prinzip der Volkssouver�nit�t zur Grundlage der Legitimation staatlicher Herrschaft in den westlichen Demokratien.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Heute hei�t es im Artikel 20 Absatz 2 des deutschen Grundgesetzes: �Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausge�bt.� Die Ideen Montesquieus von der Gewaltenteilung und die Rousseausche Volkssouver�nit�t sind hier b�ndig zusammengefasst. Sie bildeten die gedankliche Grundlage f�r die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika von 1787/1789. Durch den revolution�ren Akt der franz�sischen Nationalversammlung im Jahr 1789 wurde auch in Europa der Weg daf�r frei gemacht.</p></section><section><subtitle>FRANZ�SISCHE REVOLUTION</subtitle><p>�Revolution� war urspr�nglich �berhaupt kein revolution�rer Begriff und hatte nichts mit Politik zu tun. In der Astronomie bezeichnete man damit seit der Zeit von Kopernikus, Kepler und Galilei die Umlaufbewegung der Planeten um die Sonne � nachdem man gerade erst entdeckt hatte, dass es eine solche Umlaufbewegung gab und auch die Erde auf solche Weise �revolucionierte�. Der Titel von Kopernikus� wahrhaft revolution�rem Buch lautete: <emphasis>De revolutionibus orbium caelestium</emphasis> (��ber die Uml�ufe der Himmelsk�rper�). Sp�ter wurde daraus ein Alltagsbegriff (�Revolution des Geschmacks�) und erst danach ein politischer Begriff. Die Franz�sische Revolution hatte viele Ursachen, aber vor allem zwei Anl�sse: die schlechten Ernten der Vorjahre, die 1789 zu einem H�chststand der Getreidepreise f�hrten, und die exorbitanten Staatsschulden.</p><p>Am 5.�Mai 1789 versammelten sich die Generalst�nde in Versailles. Der Finanzminister wollte zur �berbr�ckung des Staatsdefizits eine 80-Millionen-Anleihe. Strittig zwischen Adel und Klerus auf der einen und (b�rgerlichem) Dritten Stand auf der anderen Seite war der Abstimmungsmodus. Stimmte man nach St�nden ab, h�tten Adel und Klerus die Mehrheit. Bei einer Abstimmung nach K�pfen war eine b�rgerliche Mehrheit denkbar. Dar�ber wurde bis Mitte Juni keine Einigung erzielt. Der Moment der Revolution war gekommen, als sich am 17.�Juni 1789 der Dritte Stand zur alleinigen Nationalversammlung erkl�rte. Mit dieser Erkl�rung, nicht mehr Vertreter eines Standes, sondern der gesamten Nation zu sein, war die �Verfassung� mit einem Schlag grundlegend ver�ndert. Frankreich hatte einen neuen Souver�n.</p><p><emphasis>20.�Juni 1789</emphasis></p><p>BALLHAUSSCHWUR����K�nig Ludwig XVI. wollte weitere Zusammenk�nfte des zur �Nationalversammlung� mutierten Dritten Standes verhindern, indem er den Versammlungssaal in Versailles sperren lie�. Die Abgeordneten trafen sich daraufhin im benachbarten Jeu de Paume. Die ger�umige Mehrzweckhalle diente normalerweise dem Ballsport, n�mlich der <emphasis>Jeu de Paume</emphasis> genannten Vorl�uferform des Tennis. In diesem �Ballhaus� schworen die Deputierten, nicht mehr auseinanderzugehen, bis der Staat eine neue Verfassung hatte.</p><p><emphasis>14.�Juli 1789</emphasis></p><p>DER STURM AUF DIE BASTILLE����K�nig Ludwig XVI. gibt zun�chst nach und befiehlt Adel und Klerus, mit der Nationalversammlung zu kooperieren, doch am 11.�Juli entl�sst er den beim Volk beliebten Finanzminister Necker und zieht Truppen in Versailles zusammen. Als die Nachricht am 12.�Juli das �berbev�lkerte Paris erreicht, f�rchtet die hungernde Menge eine Gegenrevolution der Aristokraten. Drei Tage lang wogt die Volksmasse zwischen H�tel de Ville und H�tel des Invalides hin und her, auf der Suche nach Waffen. Auch in der Bastille soll es Waffen und Schie�pulver geben. Das zinnenbewehrte Festungsbauwerk am Ostrand der Stadt, mitten im Arme-Leute-Viertel Faubourg St. Antoine, wurde im Hundertj�hrigen Krieg als Bollwerk gegen die Engl�nder errichtet und sp�ter als Gef�ngnis genutzt. Am Nachmittag des 14.�Juli kann der Kommandant das Geb�ude mit einer kleinen Garnison von Invaliden und 30 Schweizern kaum noch verteidigen. Eine Schie�erei fordert ungef�hr 100 Opfer, dann wird die Bastille von der aufgebrachten Menge zerst�rt. Der abgeschlagene Kopf des Kommandanten wird kurz darauf auf einem langen Spie� durch die Stadt getragen. Der Sturm auf die Bastille gilt als Rettung der Revolution durch das Volk von Paris; der ereignisreiche Tag ist der franz�sische Nationalfeiertag.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Beschl�sse zur Abschaffung des Adels und der feudalen Standesrechte, zur Einziehung der Kircheng�ter und der Einteilung Frankreichs in 83 Departements folgten im Sommer und Herbst. Die Erkl�rung der Menschen- und B�rgerrechte wurde am 28.�August verk�ndet, die formelle schriftliche Verfassung 1790 verabschiedet. Die Revolution pflanzte sich auch in der Provinz fort, die Aristokraten verlie�en scharenweise Frankreich. Die Staatsverfassung, zun�chst als konstitutionelle Monarchie geplant, wurde nach der vereitelten Flucht der k�niglichen Familie von 1791 im Jahr darauf in eine Republik umgewandelt. Ludwig XVI. war abgesetzt. Er und seine Frau Marie Antoinette wurden noch im gleichen Jahr 1792 zum Tod verurteilt und 1793 mit der Guillotine hingerichtet.</p><p><emphasis>1792</emphasis></p><p>JAKOBINER UND GIRONDISTEN����Die Entscheidung im franz�sischen Nationalkonvent von 1792, die Jakobiner aus der Sicht der Rednertrib�ne links und die Girondisten rechts zu platzieren, ergab in den Staaten mit parlamentarischen Demokratien eine nachhaltige und wirksame M�glichkeit zur politischen Orientierung. Die Girondisten, die �Rechten�, repr�sentierten die gem��igten Republikaner, die Jakobiner, die �Linken�, hingegen die Radikaldemokraten, die in der Folgezeit (1793�1794) die Schreckensherrschaft in Frankreich errichteten. Der �politische Klub� der Jakobiner, der die Interessen der kleinen Leute vertrat, hie� nach seinem Versammlungsort, dem ehemaligen Kloster St. Jacques in Paris. Der Kern der gem��igten Girondisten stammte aus der Gegend von Bordeaux (Gironde).</p><p>Die heute weit verbreitete Anordnung der Abgeordnetensitzpl�tze wie in einem Amphitheater hat historische, symbolische und praktische Gr�nde. Das erste moderne republikanische Parlament, der franz�sische Nationalkonvent, tagte im Theatersaal des (1882 abgebrochenen) Tuilerien-Palastes in Paris. Das Parlament sollte die Einheit der Nation und des Volkes, das es repr�sentierte, zum Ausdruck bringen, was in der Halbkreisform besser deutlich wird, als wenn sich die Abgeordneten gegen�bersitzen wie in England. Dort versammelten sich die Abgeordneten in der Fr�hzeit in einer Kirche und wurden im Chorgest�hl platziert. Als Symbol der Einheit der Nation fungiert in England der Monarch auf seinem Thron und die Abgeordneten sprechen nicht von einem Rednerpult, sondern von ihrem Platz aus.</p><p><emphasis>1792/1793</emphasis></p><p>TERROR����Schon 1792 wurden Gem��igte, Unabh�ngige oder Gegner der Revolution als �Royalisten� und �Volksfeinde� von jakobinischen Politikern wie Jean-Paul Marat und Georges Danton gebrandmarkt und von aufgepeitschten Volksmassen hingerichtet. Pierre V. Vergniaud sprach unmittelbar vor seiner Hinrichtung Ende Oktober 1793 die ber�hmten Worte: �Die Revolution, wie Saturn, frisst ihre Kinder.� Marat wurde im Juli 1973 in der Badewanne ermordet, Danton 1974 von dem neuen jakobinischen Anf�hrer Maximilien de Robespierre entmachtet und im April hingerichtet.</p><p>Robespierre, seit Juli 1973 Mitglied des �Wohlfahrtsausschusses� des Nationalkonvents, exekutierte die denunziatorische und radikale jakobinische Politik mit gnadenloser H�rte. Er war von der Idee besessen, der �tugendhaften� Rousseauschen <emphasis>Volont� g�n�rale</emphasis> zum Durchbruch zu verhelfen. Robespierres Schreckensherrschaft war eine reine Willk�rherrschaft. Jeder konnte denunziert � und gek�pft � werden. Im Juli schlossen sich seine Gegner und Rivalen zusammen, Robespierre wurde verhaftet und am 28.�Juli 1794 seinerseits guillotiniert. Damit war der Terror beendet. Insgesamt sind den verschiedenen Hinrichtungswellen der Franz�sischen Revolution etwa 20000 Menschen zum Opfer gefallen.</p><p><emphasis>1799</emphasis></p><p>VIVE L�EMPEREUR!����Wegen der Franz�sischen Revolution befand sich Frankreich seit 1792 im Krieg mit ganz Europa. Erfolgreichster General auf franz�sischer Seite war der Korse Napoleon Bonaparte (1769�1821), der sich auf den italienischen Schlachtfeldern gegen �sterreich auszeichnete.</p><p>Die Revolution hatte binnen k�rzester Frist eine neureiche Klasse von Spekulanten, Armeelieferanten, Kanonengie�ern und Finanziers hervorgebracht, die sich bereits wieder auf luxuri�sen B�llen vergn�gte und mit einigen versprengten Adligen ins Bett gingen. Die Finanziers erhielten f�r ihre dringend ben�tigten Kredite Staatsverm�gen, was ihnen enorme Gewinne bescherte.</p><p>Bekanntester Repr�sentant dieser Parven�-Schicht war Napoleon. Als das jakobinische, sozialrevolution�re Element in der franz�sischen Politik wieder st�rker hervortrat, machte sich Napoleon in einem Staatsstreich am 18. Brumaire im Jahre VIII des franz�sischen Revolutionskalenders (9.�November 1799) zum �Ersten Konsul�. Seitdem regierte er Frankreich faktisch alleine, schuf dessen straffes, zentralistisches Verwaltungssystem und mit dem <emphasis>Code civil</emphasis> das erste B�rgerliche Gesetzbuch. Am 2.�Dezember 1804 kr�nte er sich zum Kaiser.</p><p><emphasis>1805�1815</emphasis></p><p>AUSTERLITZ � TRAFALGAR � LEIPZIG � WATERLOO����Nach seiner Kaiserkr�nung begann Napoleon mit der z�gigen Eroberung Europas, die ihm auf dem gesamten Kontinent f�r rund zehn Jahre die Vorherrschaft brachte und dessen Landkarte umw�lzte. Diese Epoche wird haupts�chlich markiert von den Namen dreier Schlachtorte: Austerlitz (1805), Trafalgar (1805) und Waterloo (1815). Austerlitz wurde als Ort der �Dreikaiserschlacht� ber�hmt, auch wenn nur Zar Alexander I. (Regierungszeit 1801�1825) und Napoleon selbst anwesend waren. Die Schlacht fand auf dem Territorium des mit dem Zaren verb�ndeten �sterreichischen Kaisers Franz II. statt. Preu�en war nicht beteiligt, wurde aber im Jahr darauf bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen. Am 26.�Juni 1806 zog Napoleon durch das Brandenburger Tor in Berlin ein und war nun der Herr Europas.</p><p>Ganz Europas? Nein, ein Inselvolk im �u�ersten Westen leistete hartn�ckigen Widerstand. Napoleon plante auch eine Invasion Englands. Nach einer Verfolgungsfahrt quer �ber den Atlantik in die Karibik und wieder zur�ck stellte eine englische Flotte unter dem Kommando von Admiral Nelson die Franzosen vor Trafalgar beim s�dspanischen C�diz. Nelson starb in dieser Schlacht, aber die Engl�nder versenkten die franz�sische Flotte, ohne selbst ein einziges Schiff zu verlieren. Seit Trafalgar hatte Gro�britannien keinen Gegner mehr auf See. Damit begann der Aufstieg des Vereinigten K�nigreichs zur Weltmacht des 19. Jahrhunderts.</p><p>�ber England verh�ngte Napoleon anschlie�end eine Handelsblockade, die Kontinentalsperre. Beim Marsch seiner <emphasis>Grande Arm�e</emphasis> (fast 700000 Mann) auf Moskau im Sommer 1812 erlitt er dann eine seiner verlustreichsten Schlachten. Als Napoleon endlich in Moskau einzog, steckten die Moskauer ihre Stadt selbst in Brand. Der Zar bot keine Verhandlungen an, der Kaiser musste den R�ckzug antreten. Nur noch 18000 Franzosen �berschritten im Dezember 1812 die preu�ische Grenze an der Memel.</p><p>Preu�en schmiedete nun eine Koalition, um eine erneute Invasion Napoleons in Deutschland abzuwehren. In der dreit�gigen V�lkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19.�Oktober 1813 wurde er gestoppt. Die Uniformfarben des L�tzowschen Freikorps Schwarz, Rot und Gold wurden sp�ter die Symbolfarben der nationalen, republikanischen und demokratischen Bewegung in Deutschland und die Nationalfarben der drei deutschen Republiken.</p><p>Nach Leipzig verlor Napoleon den R�ckhalt seiner Armee, dankte 1814 ab und wurde nach Elba verbannt. Von dort kehrte er noch einmal f�r 100 Tage nach Frankreich zur�ck, und es gelang ihm noch einmal, eine Armee zusammenzustellen. Die bereits in Wien zum Kongress versammelten europ�ischen Gro�m�chte beschlossen sogleich den milit�rischen Widerstand. Bei Waterloo griff Napoleon eine englische Armee unter Feldmarschall Wellington an, der die Stellung halten konnte, bis die Preu�en unter Bl�cher auf dem Kampfplatz erschienen. (Wellington: �Ich wollte, es w�re Nacht oder die Preu�en k�men.�) Danach war Napoleon endg�ltig besiegt und wurde nach St. Helena im S�datlantik verbannt, wo er 1821 starb.</p></section><section><subtitle>REFORM UND RESTAURATION</subtitle><p>Nach der Niederlage von Jena und Auerstedt war Preu�en im Frieden von Tilsit 1807 nur knapp der Liquidation durch Napoleon entgangen. Als Reaktion darauf kam es zu l�ngst �berf�lligen, umfassenden Reformen.</p><p><emphasis>ab 1807</emphasis></p><p>STEIN-HARDENBERGISCHE REFORMEN����Karl Freiherr vom Stein (1757�1831) konnte diese Reformen nur ein gutes Jahr lang leiten, dann verlangte Napoleon seinen R�cktritt. Karl August F�rst von Hardenberg (1750�1822) setzte sie aber in Steins Sinne fort. Sp�testens nach dem Tod Friedrichs II. (1790) war Preu�en gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch in sp�tabsolutistische Starre verfallen. Hier hielt sich das <emphasis>Ancien R�gime</emphasis> anscheinend unbeeindruckt von den Ereignissen in Frankreich, w�hrend die Franzosen sich selbst trotz aller Turbulenzen inzwischen als souver�nes Volk und m�ndige Staatsb�rger begriffen.</p><p>Der alte preu�ische St�ndestaat wurde nun abgeschafft. Die wichtigsten Ergebnisse der Reformen waren: die Aufhebung der Leibeigenschaft der Gutsbauern (1807), Gewerbefreiheit ohne Zunftzwang (1810), kommunale Selbstverwaltung (1808), die Gr�ndung der heutigen Humboldt-Universit�t. An der damals �Berliner Universit�t� genannten Hochschule verwirklichte ihr Gr�nder Wilhelm von Humboldt sein Ideal einer <emphasis>universitas litterarum</emphasis>, nach der alle Wissenschaften sowie Forschung und Lehre unter einem Dach vereint sein sollten. Seit dem Mittelalter hatten die Professoren nur reines B�cherwissen an ihre Studenten weitergegeben. Das Kleben an �berkommenen Lehrmeinungen blockierte den wissenschaftlichen Fortschritt. Die Humboldtsche Reformuniversit�t legte den Grundstein f�r Deutschlands f�hrende Stellung in den Wissenschaften, bis in das 20. Jahrhundert hinein.</p><p>Eine Heeresreform durch den sp�teren General Gerhard von Scharnhorst (1755�1813) f�hrte zur Bildung eines Volksheeres statt eines S�ldnerheeres mit einer relativ kurzen, aber intensiven Ausbildungszeit f�r die Rekruten. Offiziere mussten sich nun f�r ihre Laufbahn fachlich qualifizieren, was in dem Adelsheer bisherigen Zuschnitts keineswegs selbstverst�ndlich gewesen war.</p><p>Auch in anderen deutschen Staaten wurden Reformen durchgef�hrt. In Bayern schuf Graf Montgelas (1759�1838) ein modernes Beamtenrecht, stellte Protestanten und Katholiken gleich und verbesserte die Stellung der Juden. Bayern erhielt 1808 eine erste Verfassung und 1813 ein ultramodernes, von Anselm Feuerbach entworfenes Strafgesetzbuch einschlie�lich Abschaffung der Folter. Das Gro�herzogtum Baden hatte seit 1818 eine sehr liberale Verfassung, ebenso das K�nigreich W�rttemberg.</p><p><emphasis>1815</emphasis></p><p>DER KONGRESS TANZT����F�hrender Kopf der Restauration in der nachnapoleonischen Zeit war der �sterreichische Au�enminister F�rst von Metternich (1773�1859). Metternich leitete die bedeutendste europ�ische Gipfelkonferenz, die es je gab. Staatsoberh�upter und hochkar�tige Gesandte (Au�enminister) aus Dutzenden europ�ischer Staaten waren vertreten. Da sich die Verhandlungen hinzogen, bemerkte der belgische Diplomat de Ligne: <emphasis>Le congr�s danse beaucoup, mais il ne marche pas.</emphasis> �Auf dem Kongress wird viel getanzt, aber man kommt nicht voran.� Der Kongress tanzte oder tagte von September 1814 bis Juni 1815.</p><p>Politisch ging es teils um eine Wiederherstellung Europas vor Napoleon, teils um eine Neuordnung unter Wahrung des Gleichgewichts der M�chte. Frankreich konnte dank der geschickten Diplomatie Talleyrands seine Grenzen von 1789 wahren, �sterreich erhielt gro�e Gebiete in Norditalien. Bayern, das durch Napoleon um Franken sehr stark vergr��ert worden war, verlor Salzburg und das bis zum Gardasee reichende Tirol an �sterreich. Die wichtigste Folge des Wiener Kongresses f�r Deutschland insgesamt war die Gr�ndung des Deutschen Bundes. Dieser eher lose Staatenbund war der Nachfolger des untergegangenen Reiches. Sitz des Bundestags war die damals immer noch Freie Reichsstadt Frankfurt. Tagungsort war dort das Palais Thurn und Taxis.</p><p><emphasis>1817</emphasis></p><p>EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT����Die Restauration der Monarchien war nicht das, was sich die national und liberal gesinnten Anh�nger der Befreiungsbewegung in Deutschland erhofft hatten. Ihnen war die deutsche Kleinstaaterei ein Gr�uel � sie wollten �Einigkeit und Recht und Freiheit� f�r das deutsche Vaterland, wie Hoffmann von Fallersleben (1798�1874) auf Helgoland 1841 in seinem <emphasis>Lied der Deutschen</emphasis> dichtete. Die junge Burschenschafter-Generation artikulierte auf dem Wartburgfest 1817 gleichzeitig mit dem Wunsch nach einem Zusammenschluss zu einem Nationalstaat den nach einer Verfassung. Nach dem Vorbild der Franz�sischen Revolution verlangten sie die Gleichstellung aller B�rger, Freiheitsrechte, Abschaffung der Zensur und der Rechtswillk�r. Als Symbol der F�rstenwillk�r wurden die f�r das <emphasis>Ancien R�gime</emphasis> typischen Z�pfe der Zopfper�cken der Soldaten abgeschnitten oder die Per�cken gleich ins Feuer geworfen. Seit der Franz�sischen Revolution trug man die Haare n�mlich �offen�.</p><p><emphasis>1819</emphasis></p><p>KARLSBADER BESCHL�SSE����Derlei Forderungen und �Umtriebe� erschreckten die gerade erst restaurierten Dynasten zutiefst. Die Ermordung des Schriftstellers Kotzebue, der sich in Zeitschriften �ber die Burschenschafter lustig gemacht hatte, durch den Studenten Karl Ludwig Sand, lieferte 1819 den willkommenen Vorwand: Metternich organisierte in Geheimkonferenzen im August in Karlsbad die Repression aller �demagogischen Umtriebe� durch rigorose Pressezensur, Verbote und �berwachungsma�nahmen. Damals kam der Begriff �Polizeistaat� auf. Nat�rlich wurden die Burschenschaften verboten, die Universit�ten �berwacht. Insbesondere Preu�en tat sich bei der �Demagogenverfolgung� hervor. Preu�en setzte die Karlsbader Beschl�sse im Deutschen Bund durch, sie blieben 20 Jahre lang bis 1848 bestehen. �hnlich war die Situation in Frankreich. Hier f�hrten seit der endg�ltigen Abdankung Napoleons die aus dem Exil heimgekehrten Br�der des gek�pften Ludwigs XVI. � n�mlich Ludwig XVIII. (bis 1824) und Karl X. (bis 1830) � die Regierung. Vor allem Karl X. betrieb eine ultrareaktion�re royalistische und klerikale Politik, die es dem neureichen Gro�b�rgertum erm�glichte, sich noch mehr zu bereichern. Russland schwenkte nach dem gescheiterten Dekabristenaufstand junger, westlich und konstitutionell gesinnter Aristokraten und Offiziere zur Jahreswende 1825/26 unter Nikolaus I. ebenfalls auf einen radikal polizeistaatlichen Unterdr�ckungskurs ein. Nur die russische Literatur entfaltete sich in dieser Zeit, obwohl der Sch�pfer der russischen Literatursprache, Alexander Puschkin (1799�1837), der pers�nlichen Zensur Nikolaus I. unterstand. Vor Puschkin hatte man in Russland nur auf Franz�sisch geschrieben (und in der Oberschicht auch gesprochen).</p><p>BIEDERMEIER����Die politische Aktivit�t des B�rgertums erlahmte in der scheinbar so beschaulichen Idylle des Biedermeier. Gleichzeitig aber vollzog sich die Industrialisierung gerade auch in Deutschland, �sterreich und der Schweiz in gro�em Ma�stab. �berall begannen die Schlote zu rauchen. Noch vor der Eisenbahn revolutionierte das erste Dampfschiff Savannah auf seiner 26-t�gigen Fahrt von den USA nach Europa 1819 die Schifffahrt und machte sie unabh�ngig von Wind und Wetter. Justus Liebig erkannte die Bedeutung des Stickstoffs f�r die D�ngung und revolutionierte ab 1840 die Landwirtschaft. 1826 gelang den Franzosen Ni�pce und Daguerre die erste best�ndige fotografische Aufnahme, 1828 gelang Friedrich W�hler die erste chemische Synthese im Reagenzglas. Darwin war auf der <emphasis>Beagle</emphasis> unterwegs im Pazifik, w�hrend Morse den ersten Schreibtelegrafen in Betrieb nahm. Es ging Schlag auf Schlag. 1844 zeigten dann die schlesischen Weberaufst�nde die Schattenseiten des biedermeierlichen Industrieaufschwungs: Massenarmut.</p><p><emphasis>1830/1848</emphasis></p><p>JULIREVOLUTION � FEBRUARREVOLUTION � M�RZREVOLUTION����Eug�ne Delacroix� riesenformatiges Gem�lde <emphasis>Die Freiheit f�hrt das Volk</emphasis> entstand anl�sslich der Julirevolution 1830 in Paris. Als der erzreaktion�re Bourbone Karl X. die Pressefreiheit aufheben und das Wahlrecht einschr�nken wollte, ging das Volk auf die Barrikaden. Sein Nachfolger Louis Philippe legte einen Eid auf die Verfassung ab und wurde �B�rgerk�nig� genannt. Im Laufe�seiner Regentschaft geriet sein Kopf immer birnenf�rmiger, was in einer der ber�hmtesten Karikaturserien des 19. Jahrhunderts �berliefert ist. Er regierte bis 1848.</p><p>Die Revolution befl�gelte die freiheitlichen Bestrebungen in ganz Europa. Belgien errang seine Unabh�ngigkeit von den Niederlanden. Ende Mai 1832 schwenkten die deutschen Burschenschafter auf dem Hambacher Fest die schwarz-rot-goldenen Fahnen, forderten die Einheit Deutschlands, die Anerkennung der Volkssouver�nit�t, Versammlungs-, Presse- und Meinungsfreiheit. Das Treffen war bewusst als Volksfest organisiert, da politische Kundgebungen nicht erlaubt waren.</p><p>In Frankreich regierte der B�rgerk�nig nach liberalen Anf�ngen immer reaktion�rer. W�hrend sich das Gro�b�rgertum schamlos bereicherte, wurde die soziale Lage der Arbeiter v�llig ignoriert. Am 21.�Februar 1848 erschien das Kommunistische Manifest von Karl Marx, das die Zust�nde des Proletariats wiedergab � am gleichen Tag, an dem in Paris die Unruhen ausbrachen, die drei Tage sp�ter zum Sturz des B�rgerk�nigs f�hrten. In Frankreich wurde die Zweite Republik ausgerufen. Auch dieses Mal sprang der Funke sofort nach Europa �ber. Ende Februar begann in Mannheim die Badische Revolution, Mitte April wurde dort die Republik proklamiert. Im M�rz trat Metternich in Wien zur�ck und floh nach London. Die Ungarn erhoben sich gegen �sterreich, seitdem hie� die Monarchie der Habsburger ��sterreich-Ungarn�. In Berlin wurden Barrikaden errichtet, und die Aufst�ndischen lieferten sich Stra�enschlachten mit der k�niglichen Kavallerie.</p><p><emphasis>18.�Mai 1848</emphasis></p><p>PAULSKIRCHE����Am 18.�Mai trat in der Frankfurter Paulskirche das erste deutsche Parlament zusammen. Die Versammlung arbeitete unter ihrem Parlamentspr�sidenten Heinrich von Gagern (1799�1880) eine Verfassung f�r das damals schon so genannte �Deutsche Reich� aus. Sie enthielt einen ausf�hrlichen Grundrechtskatalog, der zum Vorbild f�r die Weimarer Verfassung und das Bonner Grundgesetz wurde. Dieses Deutsche Reich sollte eine konstitutionelle Monarchie und ein Bundesstaat sein mit einem aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden Parlament. �sterreich, traditionell die Vormacht im Deutschen Bund, wurde nicht einbezogen. Diese sogenannte kleindeutsche L�sung hatte sich bereits abgezeichnet. Allerdings nahm der als Monarch vorgesehene preu�ische K�nig Friedrich Wilhelm IV. die ihm angetragene Kaiserw�rde eines konstitutionellen Monarchen �aus den H�nden des Volkes� denn doch nicht entgegen. Damit war der Versuch, einen einheitlichen deutschen Nationalstaat auf der Grundlage einer freiheitlichen, demokratischen Verfassung zu schaffen, gescheitert. Es blieb also vorl�ufig beim Deutschen Bund und bei den souver�nen deutschen Einzelstaaten. Dieser zerbrach 1866 im deutsch-�sterreichischen Krieg. Unmittelbar danach schuf Bismarck den Norddeutschen Bund, dem die s�ddeutschen L�nder nach dem Krieg gegen Frankreich 1870/71 beitraten.</p></section><section><subtitle>DAS ENDE DER SKLAVEREI</subtitle><p>Emanzipation war ein Zentralbegriff des aufkl�rerischen Denkens, der bis in die Gegenwart wirkt. Im Zusammenhang mit der Franz�sischen Revolution sprach man von der Emanzipation des Dritten Standes. Sp�ter fand das Wort Verwendung im Zusammenhang mit der Juden-Emanzipation, Sklaven-Emanzipation, Arbeiter-Emanzipation und Frauen-Emanzipation. Der r�mische Rechtsbegriff (Ende eines Vormundschaftsverh�ltnisses) war zum politischen Begriff geworden. Es ging dabei immer um politische (und rechtliche) Gleichstellung.</p><p><emphasis>ab 1807</emphasis></p><p>ABOLITIONISMUS����In der Zeit von 1520 bis 1850 waren zwischen acht und zehn Millionen Afrikaner nach Amerika verfrachtet worden. Der erste Staat, der die Sklaverei abschaffte, war Portugal 1761, allerdings noch nicht in seinen afrikanischen Kolonien. Auch die Franz�sische Revolution schaffte die Sklaverei zun�chst ab, Napoleon legalisierte sie aber wieder. Als erster Schritt des Abolitionismus im engeren Sinn wurde in Gro�britannien und USA 1807 der Handel mit afrikanischen Sklaven auf englischen Schiffen verboten. 1834 wurden alle Sklaven im britischen Kolonialreich f�r frei erkl�rt und 1838 jegliche Sklaverei im Empire verboten. Frankreich folgte 1848. Die Niederlande 1863. Auch die Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland 1861 ist in diesem Zusammenhang zu sehen.</p><p>Eine organisierte Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei gab es in England seit 1787. Man sammelte Geld zur Unterst�tzung geflohener Sklaven, unterschrieb Petitionen oder kaufte keinen karibischen Zucker. (Die heutige Fair-Trade-Bewegung steht ganz in der Tradition des Abolitionismus.) F�r die Engl�nder war die Abolitionismus-Bewegung so etwas wie die britische humanit�re Antwort auf die franz�sische Erkl�rung der Menschenrechte. Einer ihrer f�hrenden K�pfe war der englische Parlamentsabgeordnete William Wilberforce (1759�1833).</p><p><emphasis>1835</emphasis></p><p>DER GRO�E TRECK����Seit ihrer Gr�ndung durch gestrandete niederl�ndische Kolonisten 1652 war die s�dafrikanische Kapprovinz im Besitz der Niederl�ndischen Ostindien-Kompanie VOC. Nach einigem Hin und Her in den Napoleonischen Kriegen besetzten die Engl�nder 1806 die f�r den internationalen Seehandel strategisch wichtige S�dspitze Afrikas. Sie blieb bis 1910 britische Kolonie.</p><p>Seit 1820 str�mten massenhaft englische Siedler ins Land. Sie bildeten gegen�ber den �wei�en Afrikanern�, den Buren, als ma�gebliches �Staatsvolk� zunehmend die tonangebende Schicht. Nun kam es zwischen 1818 und 1828 zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit dem Namen des Zulu-H�uptlings Shaka (ca. 1790�1828) verbunden sind. Folgenreicher war die Abschaffung der Sklaverei im Empire, mit der sich die Buren in der Kapprovinz nicht abfinden wollten. Sie wanderten in einem Gro�en Treck von 1836 bis 1840 ins Landesinnere und gr�ndeten die Burenrepubliken Oranje, Transvaal und Natal. Sie verdr�ngten die einheimische afrikanische Bev�lkerung und schw�chten auch das junge Zulu-Reich.</p><p><emphasis>1851</emphasis></p><p>ONKEL TOMS H�TTE����Der 1851 erschienene Roman von Harriet Beecher-Stowe trug viel zum Ausl�sen des Amerikanischen B�rgerkrieges bei. Sie erz�hlt darin die Geschichte eines Negersklaven, der erst verkauft, dann freigelassen werden soll, dann aber in die H�nde eines Plantagenbesitzers ger�t, der ihn zu Tode qu�lt. Auf Reisen mit ihrem Ehemann hatte sich die aus Connecticut, also aus einem der Neuengland-Staaten, stammende Pfarrerstochter ein Bild von den Lebensbedingungen auf den Plantagen und auf den �Neger-M�rkten� gemacht. Das Buch war von Anfang an ein Bestseller in Amerika wie in Europa. Als Abraham Lincoln Harriet Beecher-Stowe 1862 begegnete, soll er gesagt haben: �Das ist also die kleine Dame, die diesen gro�en Krieg begonnen hat.�</p><p><emphasis>1861</emphasis></p><p>S�DSTAATEN-SEZESSION����In den USA schafften die meisten Nordstaaten die Sklaverei sukzessive bis etwa 1830 ab. In den S�dstaaten hingegen hatte die Abolitionismus-Bewegung keine Chance. Die Sklaven waren in den reinen Agrarstaaten die Grundlage der Plantagenwirtschaft, vor allem des weitverbreiteten Baumwollanbaus. Die USA waren vom wirtschaftlich reicheren S�den und seiner Pflanzer-Aristokratie gepr�gt worden. Fr�he Pr�sidenten und Gr�nderv�ter wie George Washington und Thomas Jefferson waren Plantagenbesitzer und Sklavenhalter. Seit etwa 1850 war das Gleichgewicht zwischen den Sklavenhalter- und den sklavenfreien Bundesstaaten prek�r, weil sich die Mehrheitsverh�ltnisse im Kongress ver�nderten, wenn neue Staaten in die Union aufgenommen wurden. Man neigte dazu, die Regelung der Sklavenfrage jedem Bundesstaat zu �berlassen. Auch Abraham Lincoln war kein gl�hender Abolitionist, trat aber als Sklavereigegner �ffentlich auf. Nach seiner Wahl 1860 traten elf amerikanische Bundesstaaten, die sogenannten S�dstaaten, aus der Union aus und begr�ndeten eine Konf�deration.</p><p>AMERIKANISCHER B�RGERKRIEG����Um der Einheit der Nation willen musste Lincoln den Amerikanischen B�rgerkrieg (1861�1865) f�hren, dessen Kernkonflikt die Sklaverei war. Der Sezessionskrieg war ein erbittert gef�hrtes Ringen, das sich wegen der Unf�higkeit der Nordstaatenarmee, ihre milit�rische �berlegenheit effizient einzusetzen, in die L�nge zog. Die Wende kam 1863 durch die Niederlagen der Konf�derierten bei Gettysburg und Vicksburg. Teil der Kriegf�hrung war eine Milit�rpolitik der verbrannten Erde, die den S�den zerst�rt zur�cklie�. �ber 600000 amerikanische Soldaten fielen. Der Nachwelt wird die Erinnerung daran in zahlreichen Werken der Literatur und der Filmkunst wie <emphasis>Vom Winde verweht </emphasis>wachgehalten<emphasis>.</emphasis></p><p>Der 13. Verfassungszusatz von 1865 schaffte die Sklaverei ab. Lincoln wurde kurz nach seiner Wiederwahl von einem S�dstaaten-Fanatiker ermordet.</p></section><section><subtitle>DIE INDUSTRIELLE REVOLUTION</subtitle><p>Der Begriff �Industrielle Revolution� selbst kam in den Drei�igerjahren des 19. Jahrhunderts in bewusster Analogie zur Franz�sischen Revolution auf. Friedrich Engels verwendete ihn 1845.</p><p>MANCHESTER-KAPITALISMUS����Die Textilherstellung war seit Jahrhunderten �die� Leitindustrie in Europa und die englische Stadt Manchester ein Zentrum der �industriellen� Verarbeitung. Die 1769 erfundene und mit Wasserkraft betriebene Waterframe-Spinnmaschine ersetzte das Handspinnen. Dank der Erfindung der Dampfmaschine expandierte auch die Baumwollverarbeitung. Keineswegs zuf�llig wurde die erste englische Personen-Eisenbahn 1830 vom wichtigsten �berseehafen Liverpool nach Manchester gebaut.</p><p>Alle negativen Begleiterscheinungen eines ungez�gelten Wirtschaftsliberalismus zeigten sich hier fr�h und drastisch: die Herabw�rdigung von Arbeitern zu mit Hungerl�hnen abgespeisten Hilfsarbeitern, Frauen- und Kinderarbeit, keine Vorsorge gegen Unfall, Krankheit, Alter, die willk�rliche Behandlung durch die Industrieherren. Zur begrifflichen Identifizierung Manchesters mit �Ausbeuter-Kapitalismus� hat sicherlich auch beigetragen, dass Friedrich Engels, der Mitverfasser des <emphasis>Kommunistischen Manifests,</emphasis> �ber 20 Jahre dort lebte und aufgrund seiner Beobachtungen und Erfahrungen sein einflussreiches Buch <emphasis>Die Lage der arbeitenden Klasse in England</emphasis> verfasste. Manchester galt als Inbegriff der h�sslichen, lauten, stinkenden, mit Fabriken planlos zugebauten Industriestadt.</p><p><emphasis>1735/1760</emphasis></p><p>EISEN UND STAHL����Die Verwendung von Steinkohle statt Holzkohle zur Eisenverh�ttung und die Umwandlung von Steinkohle zu Koks gelang dem englischen Eisenwarenfabrikanten Abraham Darby (1711�1763)aus Coalbrookedale. Um 1760 entwickelte er auch den Kokshochofen f�r die Eisenschmelze. Diese Erfindungen machten den Kohleabbau �berhaupt erst sinnvoll und lohnend. Coalbrookedale gilt als die Wiege der Industriellen Revolution schlechthin. In der N�he entstand 1779 die erste Eisenbr�cke der Welt, die <emphasis>Ironbridge</emphasis> �ber den Fluss Severn; sie ist heute ein Weltkulturerbe. Die Umsetzung von Watts wesentlicher Verbesserung der Nutzung der Dampfkraft in eine industriell einsetzbare Dampfmaschine gelang 1776 in der Eisenfabrik von John Wilkinson.</p><p><emphasis>1884/1893</emphasis></p><p>EISENBAHN UND ZEITZONEN����Der Eisenbahnbau war von Anfang an ein St�ck Weltgeschichte, weil er schon in der Biedermeierzeit in allen entwickelten Industriel�ndern betrieben wurde, den nordamerikanischen Kontinent erschloss und durch die Einrichtung der Zeitzonen eine neue globale Zeitwahrnehmung hervorbrachte. Wegen der Beteiligung vor allem europ�ischer Investoren am Eisenbahnbau in Amerika, Indien, im Osmanischen Reich, China oder Brasilien war die Finanzierung ebenfalls ein grenz�berschreitendes Ph�nomen.</p><p>Im Bergbau wurden Transportw�gelchen in den Stollen seit 1767 auf Eisenschienen geschoben oder von Pferden gezogen. Hier wurden auch die allerersten Lokomotiven eingesetzt, was George Stephenson (1781�1848), der Erfinder der Dampflok (1814), der als Kind in einer Kohlengrube arbeiten musste, vollkommen vor Augen hatte. Die erste Eisenbahnstrecke entstand in England 1825 (Stockton-Darlington; nur f�r G�ter), in Deutschland 1835 (N�rnberg-F�rth), inzwischen auch schon zur Personenbef�rderung.</p><p>Noch lange nach dem Aufkommen der Eisenbahnen gab es �berall in der Welt nur Lokalzeiten. Die Notwendigkeit, �gleiche� Abfahrts- und Ankunftszeiten f�r den grenz�berschreitenden Eisenbahnverkehr anzugeben, f�hrte zur Einf�hrung der Zeitzonen. Auf der �Internationalen Meridiankonferenz� 1884 wurde eine von dem kanadischen Eisenbahningenieur Sandford Fleming vorgeschlagene Einteilung in 24 Zeitzonen rund um den Globus zu je 15 L�ngengraden angenommen, was jeweils etwa einer Stunde Differenz entsprach. In Deutschland wurden die Lokalzeiten 1893 abgeschafft und die Mitteleurop�ische Zeit (Greenwich plus eine Stunde) f�r das gesamte Reichsgebiet eingef�hrt.</p></section><section><subtitle>GEWERKSCHAFTEN UND SOZIALISMUS</subtitle><p>England war das am fr�hesten und tiefgreifendsten industrialisierte Land, und hier bildeten sich auch die ersten Gewerkschaften. Der englische Begriff <emphasis>Trade Union</emphasis> erinnert daran, dass sich schon vor 1800 Handwerkervereinigungen bildeten. England hatte (wie das revolution�re Frankreich) gemeinsame Interessenvertretungen lohnabh�ngiger Arbeiter kurz vor 1800 verboten. Mit der Aufhebung dieses Verbots 1825 begann die Gewerkschaftsbewegung. In England schlossen sich 1868 �ber 100 Gewerkschaften zu einem Gewerkschaftsbund (<emphasis>Trade Union Congress</emphasis>) zusammen.</p><p>ARBEITERBEWEGUNG����Der Waliser Robert Owen hatte sich aus armen Verh�ltnissen zum Unternehmer emporgearbeitet (1799). In seiner Spinnerei in Schottland reduzierte er die Arbeitszeit, schaffte Kinderarbeit ab, sorgte f�r saubere Arbeitspl�tze und angemessene Wohnungen f�r die Arbeiter sowie f�r Sozialversicherungen. Damit hob er auch die Produktivit�t, was bis dahin von den Verfechtern einer 14-Stunden-Woche bestritten worden war. Owens Musterbetrieb wurde europaweit ber�hmt.</p><p>Die Revolution 1848 mit ihren Barrikadenk�mpfen zog auch einen Aufschwung der Arbeiterbewegung nach sich. 1863 gr�ndete Ferdinand Lasalle (1825�1864) in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Lasalles Ideal war es, die L�hne nicht zu erh�hen und die Arbeiter daf�r am Unternehmensgewinn zu beteiligen. Die Sozialdemokraten glaubten an die Reformierbarkeit des Staates. 1869 folgte durch August Bebel und Karl Liebknecht in Eisenach die Gr�ndung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Lasalles Arbeiterverein und Bebels Partei wurden 1875 vereinigt (Sozialistische Arbeiterpartei) und als �Sozialisten� von Bismarck vehement bek�mpft. Der Verlust der Kontrolle �ber die in sozialistischen oder kommunistischen Parteien organisierten Arbeitermassen war von jeher das Schreckgespenst aller monarchischen oder b�rgerlich-republikanischen Regierungen. Bismarcks Sozialistengesetze verboten nicht die Partei selbst, aber jegliche politische Bet�tigung au�erhalb des Reichstages. Die SPD ging 1892 unmittelbar aus der Sozialistischen Arbeiterpartei SADP hervor.</p><p><emphasis>1848</emphasis></p><p>�PROLETARIER ALLER L�NDER VEREINIGT EUCH!�����Wodurch sich der Trierer Journalist Karl Marx (1818�1883) von den meisten sozialistischen Philosophen seiner Zeit unterschied, war sein internationaler Bezug. Er wandte sich an die Proletarier aller L�nder. Mit dem sozialdemokratischen Reformismus Lasalles und Bebels konnte er wenig anfangen. Reformen lassen sich ja immer nur im Rahmen eines bestehenden � nationalen � Systems umsetzen und stellen den bestehenden Staat nicht infrage. Marx hingegen dachte und agierte global. Die Erste Internationale stand wesentlich unter seinem Einfluss, und der weitere Verlauf der Geschichte hat seinen Marxismus zum Weltbegriff gemacht, sogar zu einer Art von politischer Realit�t. F�r diesen universalen Rahmen hat Marx in seinen Werken die geistige Grundlage gelegt, denn er hat die Gesetze vom Ablauf der Weltgeschichte als einer Abfolge von Klassenk�mpfen, in denen sich die Besitzlosen gegen die Besitzenden auflehnen, glasklar erkannt.</p><p>Marx wusste auch, wie eine wahre kommunistisch-sozialistische Weltordnung aussehen sollte: Enteignung des Grundeigentums, Abschaffung des Erbrechts, Verstaatlichung der Produktionsmittel und des Transportwesens, �industrielle Armeen, besonders f�r den Ackerbau�, unentgeltliche Schulerziehung. Am Schluss des von ihm und seinem Freund und Sponsor Friedrich Engels verfassten <emphasis>Kommunistischen Manifests </emphasis>folgt der Aufruf zum gewaltsamen Umsturz, denn �die Proletarier haben nichts zu verlieren au�er ihren Ketten�.</p><p><emphasis>1871</emphasis></p><p>�V�LKER H�RT DIE SIGNALE����auf zum letzen Gefecht/die Internationale erk�mpft das Menschenrecht.� Das Kampflied der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung entstand 1871. Die Erste Internationale wurde aber kurz danach aufgel�st. Englische Gewerkschafter und franz�sische Emigranten hatten sie 1864 gegr�ndet, sie war von Marx, der in London im Exil lebte, programmatisch bestimmt. Hier flossen die verschiedenen sozialistischen Str�mungen zusammen. Einer ihrer Hauptakteure war der erprobte anarchistische Revolution�r Michail Bakunin, der aus einer adligen russischen Familie stammte. Schon 1848 hatte er gemeinsam mit seinen Freunden Richard Wagner und Gottfried Semper, dem Opernhaus-Architekten, auf den Dresdner Barrikaden gestanden. Nach Gefangenschaft, Haft und einem unfreiwilligen Umweg �ber Sibirien kehrte Bakunin nach Europa zur�ck und zettelte noch allerlei revolution�re Umtriebe an, gelangte aber zu der Ansicht, dass es mit Regimewechseln allein nicht getan sei. Bakunin lehnte jede Form von Herrschaft ab, auch die des Proletariats, die Marx forderte. Am Gegensatz dieser beiden Positionen zerbrach die Erste Internationale. Die Zweite Internationale, gegr�ndet 1889 in Paris, war dann eher eine lockere Dachorganisation mittlerweile etablierter sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien. Sie machte den 1.�Mai zum internationalen Kampftag der Arbeiterschaft.</p><p>SOZIALISTENGESETZE UND SOZIALGESETZGEBUNG����Nach zwei Attentaten auf Kaiser Wilhelm I. (Regierungszeit 1871�1888), die Bismarck propagandistisch, aber zu Unrecht, mit der Sozialdemokratie in Verbindung brachte, gelang es ihm 1878, im Reichstag ein Gesetz ausdr�cklich �gegen die gemeingef�hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie� durchzubringen. Seinerzeit wurde zwischen sozialistisch und sozialdemokratisch kein Unterschied gemacht. Die Sozialdemokratie wurde nicht verboten, es gab weiterhin Reichstagsabgeordnete der SPD, aber ihre Wirkungsm�glichkeiten (Verbreitung von Druckschriften, Abhalten von Versammlungen) waren k�nftig eingeschr�nkt.</p><p>Gleichzeitig war Bismarck klar, dass die soziale Lage der Arbeiter verbessert werden musste. Er f�hrte eine Sozialgesetzgebung ein, auf der das gegenw�rtige Sozialsystem der Bundesrepublik beruht: Krankenversicherung (1883), Unfallversicherung (1884), Alters- und Invalidenversicherung (1889). Sie wurde auch im Ausland zum Vorbild.</p></section><section><subtitle>UNABH�NGIGKEITSBEWEGUNGEN</subtitle><p>Mit der Griechischen Revolution, dem Aufstand der Griechen gegen die t�rkischen Osmanen seit 1821, beginnt die Geschichte der modernen Freiheitsbewegungen. Bei derartigen �Revolutionen� handelt es sich immer um Nationalrevolutionen oder Nationalbewegungen gegen eine �fremde� Vormacht oder Kolonialmacht. Der Freiheitskampf der Griechen, begonnen noch zu Lebzeiten Goethes und Beethovens, war eine europ�ische Angelegenheit. Durch ganz Europa ging eine Welle des Philhellenismus: Der antikenbegeisterte bayerische K�nig Ludwig I. spendete reichlich, der romantische englische Dichter Lord Byron eilte nach Griechenland, nahm an den K�mpfen teil und starb dort im Alter von 32 Jahren, Alexander Puschkin war Mitglied der zivilen Befreiungsorganisation. Der Unabh�ngigkeitskrieg wurde durch eine europ�ische milit�rische Intervention entschieden und 1830 ein territorial kleines Griechenland als konstitutionelle Monarchie mit dem Wittelsbacher Prinzen Otto als erstem K�nig errichtet. Die neue Hauptstadt Athen war damals mit 2000 bettelarmen Einwohnern nicht gr��er als ein Dorf. Als n�chster europ�ischer Staat erreichte Belgien 1830 seine Unabh�ngigkeit von den Niederlanden. Der neue belgische K�nig Leopold aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha war ein Verwandter der englischen K�nigin Victoria.</p><p><emphasis>1821</emphasis></p><p>SIM�N BOL�VAR����Die heutigen Staaten Venezuela, Kolumbien, Panama, Ekuador, Peru und das nach ihm benannte Bolivien verdanken dem gro�en F�hrer der s�damerikanischen Unabh�ngigkeitsbewegung von der spanischen Herrschaft ihre Existenz. Der aristokratische Bol�var (1783�1830) f�hrte den Befreiungskampf, der ohne dramatische Gemetzel ablief, zuerst milit�risch und begr�ndete einen Staat Gro�kolumbien (1821�1830), der nach seinem Tod in die Staaten Venezuela, Kolumbien, Panama und Ecuador zerfiel. Bol�vars Versuch, auch das heutige Peru samt dem �oberperuanischen� Bolivien anzugliedern, scheiterten. Sim�n Bol�var orientierte sich an der Amerikanischen Revolution und ihren Prinzipien. Ihm schwebte eine Art Vereinigte Staaten von Lateinamerika vor. Treibende Kraft hinter der s�damerikanischen Unabh�ngigkeitsbewegung war die kreolische Oberschicht, der Simon Bol�var selbst entstammte. Das waren die Nachfahren der Konquistadoren beziehungsweise der mit ihnen eingewanderten spanischst�mmigen Siedler, die bereits seit Langem Herren �ber Grund und Boden waren und sich von der Herrschaft des Mutterlandes befreien wollten wie die Nordamerikaner auch. An der Befreiung der unterdr�ckten, eingeborenen Bev�lkerung hatten sie kein Interesse und nat�rlich auch nicht an der Befreiung der Sklaven.</p><p><emphasis>1847/1857</emphasis></p><p>RISORGIMENTO����<emphasis>Va pensiero, sull ali dorate</emphasis> � �Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen� sangen die italienischen Patrioten 1842 nach der triumphalen Urauff�hrung von Verdis <emphasis>Nabucco</emphasis> sogleich als Befreiungslied und tr�umten wie das von Nebukadnezar (<emphasis>Nabucco</emphasis>) geknechtete j�dische Volk von der Befreiung aus der � �sterreichischen � Fremdherrschaft. Das inbr�nstige <emphasis>Va pensiero</emphasis> ist bis heute eine Art inoffizielle Nationalhymne der Italiener.</p><p><emphasis>Risorgimento</emphasis>, der historische Begriff f�r die Einigungs- und Unabh�ngigkeitsbewegung in Italien, war der Titel einer seit 1847 in Turin erscheinenden Zeitschrift des piemontesischen Grafen Cavour (1810�1861), Architekt der Einheit Italiens und Ministerpr�sident des norditalienischen K�nigreichs Sardinien-Piemont, das sich an die Spitze der liberalen nationalen Bewegung stellte. <emphasis>Risorgimento</emphasis> bedeutet: Wiederauferstehung.</p><p>In gro�en Teilen Norditaliens (Lombardei, Venetien, Toskana) herrschte �sterreich. 1848 wurde eine unabh�ngige Republik Venedig ausgerufen, und die Lombardei schloss sich an das unmittelbar benachbarte Sardinien-Piemont an. Diesen �Aufstand� lie� der soeben gekr�nte �sterreichische Kaiser Franz-Joseph I. (der Ehegatte von �Sissi�) von Feldmarschall Radetzky niederschlagen. In den F�nfzigerjahren gewann Cavour die Unterst�tzung Napoleons III. Dank franz�sischer Milit�rhilfe gelang ihm 1859 die Vertreibung der �sterreicher nach der Schlacht von Solferino. Gleichzeitig rollte der Freisch�rlerf�hrer Garibaldi (1807�1882) die ohnehin schwache spanische Bourbonen-Herrschaft im K�nigreich Neapel mit einer Freiwilligenarmee von S�den her auf. Im M�rz 1861 wurde das K�nigreich Italien unter Viktor Emmanuel II. als konstitutionelle Monarchie proklamiert, mit Florenz als Hauptstadt. 1866 gelang die Eroberung Venetiens mit preu�ischer Hilfe und ohne preu�ische Hilfe 1870 die Einnahme des Kirchenstaates und damit die Vollendung der Einheit Italiens. Nach Florenz wird Rom 1871 Hauptstadt.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: In anderer Hinsicht epochemachend war die seit Waterloo blutigste Schlacht von Solferino bei Mantua. Hier besuchte der Schweizer Gesch�ftsmann Henri Dunant den franz�sischen Kaiser Napoleon III. an der Front, weil er mit ihm �ber ein Bew�sserungsprojekt in Algerien sprechen wollte. Angesichts des Leids der vielen Verwundeten ergriff Dunant spontan Hilfsma�nahmen; unter dem bleibenden Eindruck von Solferino gr�ndete er 1876 das Rote Kreuz.</p></section><section><subtitle>NEUE WELTM�CHTE</subtitle><p>K�nigin Victoria regierte von 1837 bis 1901. Ihr Name wurde zum Epochenbegriff. Das viktorianische England war dank seines ausgedehnten Kolonialreiches, seiner Wirtschaftskraft, innovativer Technik und gut ausgebildeter F�hrungskr�fte die alleinige Weltmacht zur See und eine Gro�macht in Europa.</p><p><emphasis>1840</emphasis></p><p>OPIUMKRIEG����Tee und Seide, lange Zeit auch Porzellan, waren jahrhundertelang die begehrtesten Export- und Luxusartikel, die die Europ�er bei den Chinesen einkauften. Umgekehrt ben�tigten die Chinesen fast nichts aus Europa, und das Reich der Mitte erlaubte den Au�enhandel ohnedies nur �ber Kanton, �berwachte ihn streng und lie� au�erhalb der kleinen, abgeschotteten europ�ischen Kolonie sowieso keine Ausl�nder ins Land. F�r die Bezahlung der von ihnen gelieferten Waren verlangte die kaiserliche Regierung Silbertaels. Weil die Europ�er das Silber allm�hlich nicht mehr aufbringen konnten, sann insbesondere die bereits im Niedergang befindliche und mit Bargeld chronisch knappe britische <emphasis>East India Company</emphasis> auf Abhilfe. Man schmuggelte Opium in das Land und die Chinesen wurden s�chtig. Zwischen 1820 und 1840 verf�nffachte sich der �Absatz�. Trotz Gegenma�nahmen (Beschlagnahme, Verhaftungen) gelang es der chinesischen Regierung nicht, das Problem in den Griff zu bekommen. Eine Internierung der Ausl�nder in Kanton und die Vernichtung von weit �ber 1000 Tonnen Opium lieferte Gro�britannien den Vorwand, eine Kriegsflotte zu entsenden, die bis nach Nanking vordrang. So wurde mit Gewalt die �ffnung Chinas erzwungen. Das von den Briten besetzte Hongkong an der M�ndung des Perl-Flusses mussten die Chinesen 1841 abtreten. An den daraufhin abgeschlossenen �Ungleichen Vertr�gen� beteiligten sich auch Frankreich, Russland, die USA, um 1900 auch Deutschland und Japan. Im Zweiten Opiumkrieg (1856�1860) eroberten die Europ�er sogar Peking, pl�nderten die Pal�ste und erzwangen die Legalisierung der Opiumeinfuhren.</p><p>KANONENBOOTPOLITIK � DIE �FFNUNG JAPANS����Diese Art der Durchsetzung staatlicher Interessen mit kleinen, schwer bewaffneten Kriegsschiffen war schon zu Anfang des Jahrhunderts aufgekommen. Ein besonders eklatanter Fall war die von den Amerikanern erzwungene �ffnung des hermetisch abgeriegelten Japan 1853/1854 durch amerikanische Schiffe, die dort das Ende des Shogunats der Tokugawa einl�utete. Ab 1868 reformierte und modernisierte sich Japan dann sehr schnell in der Meiji-Zeit nach westlichem Vorbild.</p><p>Auch in der Gegenwart wird mit dem Aufkreuzen von Flugzeugtr�gern mindestens als Drohgeb�rde nach wie vor Kanonenbootpolitik praktiziert.</p><p><emphasis>1851</emphasis></p><p>WELTAUSSTELLUNG � WELTHAUPTSTADT����Die erste Weltausstellung 1851 war eine Idee des Prinzgemahls Albert der englischen K�nigin Victoria. 1851 war Britannien auf dem Gipfel seiner internationalen Geltung Gastgeber der Welt f�r alles, was als innovativ und fortschrittlich galt. Den mit Abstand wichtigsten Beitrag lieferte Gro�britannien selbst mit dem Bau des daf�r eigens im Hyde Park errichteten Ausstellungsgeb�udes, dem Kristallpalast von Joseph Paxton (1803�1865). Noch nie hatte man ein derart riesiges Geb�ude (Grundfl�che 93000 Quadratmeter) nur aus Gusseisenteilen und Glasscheiben zusammengesetzt. Das revolution�re Modulverfahren war nur durch die entwickelte Eisenfertigungsindustrie jener Zeit �berhaupt erst m�glich. Der Kristallpalast ist der Vorl�ufer der modernen Stahl-Glas-Hochhausarchitektur. Nach der Weltausstellung begannen in London �brigens die Planungen f�r den U-Bahn-Bau. Die erste Linie wurde 1863 er�ffnet.</p><p><emphasis>1857/1877</emphasis></p><p>KAISERIN VON INDIEN����Die wahren Herren in Indien waren mittlerweile die Abgesandten der Britischen Ostindien-Kompanie. Sie organisierten eine Art Zivilverwaltung, erhielten zur Unterst�tzung Truppen aus dem Mutterland und verf�gten �ber Truppenkontingente aus einheimischen Indern.</p><p>Diese <emphasis>Sepoy</emphasis> meuterten 1857 gegen ihre britischen Offiziere. Der Aufstand war Ausdruck einer schon l�nger bestehenden Unzufriedenheit mit der De-facto-Kolonialherrschaft der Briten. Er wurde von den Briten innerhalb eines halben Jahres mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Sie scheuten vor keiner Art von Kriegsverbrechen zur�ck und richteten gefangene �Rebellen� hin, indem sie sie vor Kanonen banden, die dann abgefeuert wurden und die Leiber zerrissen. Der letzte Gro�mogul wurde abgesetzt und in die Verbannung geschickt, die Ostindien-Kompanie per Gesetz aufgel�st und Indien gleichzeitig in eine Kronkolonie umgewandelt. K�nigin Victoria nahm 1877 den vakant gewordenen Titel des Kaisers von Indien an.</p><p>Das indische Kolonialreich umfasste damals den gesamten Subkontinent, also die heutigen Staaten Indien, Pakistan, Bangladesh und Myanmar (Birma), und es erschien den Europ�ern m�rchenhaft reich. Indien galt als das Juwel in der britischen Krone und Victorias Erhebung zur Kaiserin (<emphasis>Empress</emphasis>) markiert den Beginn des Zeitalters des Imperialismus.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Alle europ�ischen M�chte, auch Russland, die USA und Japan strebten nun in einem regelrechten Wettlauf danach, noch nicht beherrschte Territorien auf dem Globus zu besetzen. Dies betraf einige Teile Asiens, vor allem aber das bisher weitgehend unbekannte Afrika. Auch die verbissenen Wettl�ufe zu Nord- und S�dpol geh�ren in diesen Zusammenhang. Die globalen Hauptkonkurrenten aber waren Gro�britannien und Frankreich auf dem dunklen Erdteil.</p><p><emphasis>1872</emphasis></p><p>DR. LIVINGSTONE, I PRESUME?����Nach eigener Darstellung erreichte den amerikanischen Journalisten und Kriegsberichterstatter f�r den <emphasis>New York Herald</emphasis> Henry M. Stanley (1841�1904) am 16.�Oktober 1869 ein Telegramm seines Zeitungsverlegers mit der Aufforderung: �Finden Sie Livingstone!� Das spurlose Verschwinden des schottischen Missionars im Herzen Afrikas war eine <emphasis>Cause c�l�bre </emphasis>in Europa und Amerika. Viele hielten den Forscher, der als erster Innerafrika von Westen nach Osten durchquerte, f�r tot. Stanley organisierte einen Tross von arabischen F�hrern und fast 200 afrikanischen Proviant-Tr�gern. Am 10.�November 1871 fand er Livingstone tats�chlich einigerma�en wohlbehalten in einem kleinen Ort am Tanganjikasee. Nach einem dreimonatigen entbehrungsreichen Marsch durch unwegsamstes Gel�nde in das schw�rzeste Afrika, wo es in Tausenden von Kilometern Umkreis nicht einen Wei�en gab, begr��te Stanley den Doktor, als ob er sich einem entfernten Bekannten in einem New Yorker Club vorstellte: <emphasis>� </emphasis>�Sie m�ssen Dr. Livingstone sein!�</p><p><emphasis>1859�1869</emphasis></p><p>SUESKANAL����Das strategisch bedeutendste Bauwerk aller Zeiten, der 190 Kilometer lange Sueskanal, wurde von etwa anderthalb Millionen Menschen unter ungeheuren Anstrengungen und Opfern gebaut. Der Wegfall der zeitraubenden Umfahrung Afrikas im Schiffsverkehr zwischen Europa und Fernost bedeutete f�r die damaligen Dampfschiffe eine Ersparnis von etwa einem Monat. Der Gro�teil des erforderlichen Kapitals war von einer britisch-franz�sisch-�sterreichisch-�gyptischen Aktiengesellschaft aufgebracht worden, der <emphasis>Compagnie de Sues</emphasis>. Organisator des Jahrhundertprojektes war der franz�sische Ingenieur Ferdinand de Lesseps (1805�1894), vormals franz�sischer Konsul in Kairo und Alexandria. Die pomp�sen Er�ffnungsfeierlichkeiten in Anwesenheit von Kaiser Napoleon III. fanden im November 1869 statt.</p><p>Zur Sicherung des Seeweges nach Indien und weil �gypten wegen der anfangs geringen Einnahmen aus dem Kanal kurz vor dem Staatsbankrott stand, erwarb Gro�britannien die �gyptischen Anteile an der Compagnie de Sues und besetzte 1882 das Land. Sp�testens damit war Britannien uneingeschr�nkte globale Seemacht.</p><p>RUSSLAND����Seit Peter dem Gro�en expandierte Russland und wurde eine Kolonialmacht, allerdings zu Lande. Katharina die Gro�e hatte vor allem die russische S�derweiterung auf Kosten des immer schw�cher werdenden Osmanischen Reiches vorangetrieben und das Schwarze Meer erreicht (1774). Zar Alexander I. konnte eine kleine Norderweiterung verzeichnen (Finnland 1809) und war als �Befreier Europas� von Napoleon einer der bedeutendsten Herrscher auf dem Wiener Kongress. Sein Nachfolger, sein Bruder Nikolaus�I. erwarb im Krieg gegen Persien Armenien und die Seeherrschaft im Kaspischen Meer. 1828/1829 nahm er den T�rken die Ostk�ste des Schwarzen Meeres ab (Georgien), sicherte sich freie Fahrt auf der Donau, im Schwarzen Meer und im Mittelmeer. Auch er hatte die gegen die t�rkische Oberherrschaft erfolgreiche griechische Unabh�ngigkeitsbewegung unterst�tzt. Seitdem es 1683 vor Wien zur�ckgeschlagen worden war, befand sich das Osmanische Reich wirklich nur noch in der Defensive. Vom nunmehr russischen Nordufer des Schwarzen Meeres ist es nicht weit bis zum Bosporus am S�dufer.</p><p><emphasis>1853</emphasis></p><p>DER KRANKE MANN AM BOSPORUS����1852 sagte Zar Nikolaus I. in einem Gespr�ch mit dem britischen Botschafter: �Wir haben einen kranken Mann auf den Armen. Es w�re ein Ungl�ck, wenn er uns eines Tages entfallen sollte.� Eigentlich gedachte Nikolaus diese Schw�che zu n�tzen und das Osmanische Reich zu zerschlagen. Er wusste allerdings, dass dies nur mit dem Einverst�ndnis Gro�britanniens m�glich war. Gro�britannien wollte kein Machtvakuum in dem immer noch gro�en Gebiet des Osmanenreiches, aber es wollte auch nicht Russland dort sehen.</p><p>KRIMKRIEG����Nikolaus provozierte im Jahr darauf den t�rkischen Sultan Abd�lhamid I. mit politischen Forderungen derma�en, dass das Osmanische Reich Russland den Krieg erkl�rte. Russland stand aber im Krimkrieg allein gegen das Osmanische Reich, das von Gro�britannien, Frankreich und �sterreich unterst�tzt wurde, die weitere russische Expansionen Richtung Mittelmeer aufhalten wollten. Mangels Eisenbahnen in den S�den konnten die Russen den Nachschub nicht schnell und effizient genug organisieren. Der Krimkrieg war verlustreich und wirkte wie ein Vorspiel zum Ersten Weltkrieg, weil auch hier die meisten europ�ischen M�chte involviert waren und weil hier erstmals die Soldaten in eingegrabenen Stellungen k�mpften. In den englischen Lazaretten half Florence Nightingale, die �Dame mit der Lampe�.</p><p><emphasis>1856</emphasis></p><p>SPLENDID ISOLATION����Durch den Krimkrieg wurden die beiden konservativsten Monarchien, �sterreich und Russland, politische Gegner. Eine weitere Folge auf englischer Seite war die <emphasis>Splendid Isolation. </emphasis>Gro�britannien mischte sich nicht mehr in kontinentale Angelegenheiten ein, vermied B�ndnisse und wahrte nach M�glichkeit seine Unabh�ngigkeit. Seit den Zeiten der Koalitionskriege hatten die Briten stets versucht, das Gleichgewicht der M�chte auf dem Kontinent zu erhalten, und in wechselnden Situationen und Koalitionen mal diese, mal jene Gro�macht in Europa unterst�tzt. Fortan suchte man sich aus Koalitionen herauszuhalten. Das endete 1902 mit einer ersten �bereinkunft mit Japan und 1904 mit der Verst�ndigung mit Frankreich hinsichtlich der jeweiligen �berseeischen Besitzungen, der <emphasis>Entente cordiale</emphasis>.</p></section><section><subtitle>GOLD UND DIAMANTEN</subtitle><p><emphasis>1848</emphasis></p><p>GOLDRAUSCH����Im Januar 1848 fand der Amerikaner J.W. Marshall beim Bau einer S�gem�hle nahe der sp�teren kalifornischen Hauptstadt Sacramento ein paar Goldnuggets in einer Wasserleitung. Kalifornien war zu der Zeit echter Wilder Westen, nur durch Indianergebiet und die �berwindung der Rocky Mountains und der Sierra Nevada zu erreichen. Wer es bequemer haben wollte, um auf die Nachricht von den Goldfunden nach Kalifornien zu gelangen, musste den Seeweg um Kap Hoorn, die S�dspitze S�damerikas auf sich nehmen. Auch das taten viele. Goldw�scherei an Fl�ssen war nicht lohnenswert. Vielmehr wurde der Goldabbau schon ab 1850 bergwerksm��ig betrieben. Die Einwohnerzahl Kaliforniens stieg sprunghaft von 14000 im Jahr 1848 auf 230000 im Jahr 1852. Bereits 1850 war Kalifornien der 31. Bundesstaat der USA geworden. Weil damals Sacramento wegen des Goldes die bedeutendste Stadt war, wurde sie auch Hauptstadt.</p><p>Man konnte aber nicht nur mit Gold reich werden. Dem aus F�rth stammenden Tuchh�ndler Levi Strauss fiel auf, wie schnell die Hosen der Bergarbeiter zerschlissen. Er kaufte alles erreichbare Segel- und Zelttuch auf, f�rbte es blau ein und f�hrte den Stoff einer neuen Verwendung zu.</p><p><emphasis>1866</emphasis></p><p>DIAMANTENFIEBER����1866 wurden auf einer Farm der Br�der de Beers erstmals Diamanten in S�dafrika entdeckt. Angesichts des Ansturms verkauften die de Beers das Gel�nde, aber das Graben in der Tiefe erwies sich als so schwierig, dass die Diamantensch�rfer nach einigen Jahren aufgaben. Deren Anteile erwarb in erster Linie der Engl�nder Cecil Rhodes (1853�1902). Rhodes gr�ndete 1880 die Firma De Beers, die er mit R�ckendeckung der britischen Regierung zum Monopolisten der Diamantengewinnung in S�dafrika ausbaute.</p><p>1885 entdeckte man am Witwatersrand bei Johannesburg au�erdem noch Gold. Auch hier beteiligte sich Rhodes. Siedler lockte er durch Landverk�ufe in das nach ihm benannte Rhodesien, heute Sambia und Simbabwe. 1890 wurde er, inzwischen einer der reichsten M�nner der Welt, Premierminister der britischen Kapkolonie. Rhodes war ein Erzimperialist. Seine Vision war ein gro�fl�chig unter britischer Vorherrschaft vereinigtes S�dafrika. Vorl�ufig bestanden aber noch die Buren-Republiken. Sie wurden durch die von Diamantenfieber und Goldrausch verst�rkte europ�ische Einwanderung zunehmend destabilisiert.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: 1902 kam ein aus Friedberg in Hessen geb�rtiger Angestellter der Diamantenh�ndler-Firma Dinkelsbuhler &amp; Co. nach S�dafrika. Ernst Oppenheimer gr�ndete 1917 die Anglo-American, die in den 1920er Jahren De Beers �bernahm. Bis heute leitet immer ein Mitglied der Familie Oppenheimer die Firma De Beers. Ihr Werbeslogan: �Ein Diamant ist unverg�nglich.�</p><p><emphasis>1899�1902</emphasis></p><p>BURENKRIEG����Bereits Cecil Rhodes hatte versucht, die Buren-Republiken zu vereinnahmen. Den hartn�ckigsten Widerstand leistete Transvaal unter seinem Pr�sidenten Paul (Ohm) Kruger. (Nach ihm ist der Kruger-Nationalpark benannt). 1899 begannen die Kampfhandlungen.</p><p>Der zun�chst f�r die Buren erfolgreiche Kriegsverlauf �nderte sich, als der englische General Kitchener in das Geschehen eingriff. Auf den Guerilla-Krieg der Buren antworteten die Engl�nder mit dem Niederbrennen von Farmen, Abschlachten von Vieh und der Errichtung von Konzentrationslagern, in denen burische Frauen und Kinder interniert wurden; ein Viertel starb angesichts der katastrophalen hygienischen Verh�ltnisse in den Lagern. Es waren die ersten Konzentrationslager �berhaupt. Die Engl�nder gewannen den Krieg 1902 dank ihrer erdr�ckenden �bermacht. Britannien setzte Hunderttausende von Soldaten gegen 30000 bis 40000 burische K�mpfer ein. Beide Seiten f�hrten den Krieg, bei dem es letztlich um das Gold und die Diamanten in Transvaal ging, mit gro�er Grausamkeit.</p><p>Winston Churchill (1874�1965) begann seine politische Laufbahn als Kriegsberichterstatter im Burenkrieg und Gandhi nahm im Sanit�tsdienst daran teil.</p><p>FRONTIER����Die USA in ihrer heutigen territorialen Gestalt sind nicht mit der Proklamation der Unabh�ngigkeit 1776 entstanden, sondern in einem langwierigen Prozess. Der Mythos der <emphasis>frontier </emphasis>(�Grenzland�) ist die Auseinandersetzung mit den amerikanischen Ureinwohnern. Ihre Verdr�ngung setzt erst nach 1800 ein. Ein erster trauriger H�hepunkt war der �Pfad der Tr�nen�, die gewaltsame Umsiedlung der Cherokee-Kultur aus ihren Stammsitzen im fruchtbaren Gebiet der s�dlichen Appalachen in das vergleichsweise karge Oklahoma. Faktisch vollendet war die Erschlie�ung des Westens mit dem Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnverbindung 1869 durch die <emphasis>Central Pacific Railroad</emphasis> und die <emphasis>Union Pacific</emphasis>, die die Strecke von Westen und Osten aufeinander zu gebaut hatten. 1890 wurde in den USA das letzte Indianer-Territorium in Oklahoma aufgel�st und damit sozusagen offiziell das Ende des Wilden Westens proklamiert.</p><p><emphasis>1896</emphasis></p><p>KLONDIKE����Nach dem Versiegen des Goldrausches von 1848 verlegten die Goldsucher ihre Aktivit�ten hoch in den Norden in das Grenzgebiet von Alaska und Kanada am Fluss Yukon, wo Tausende immer wieder kleine Funde machten. Neben dem Pelzhandel hatte sich die Goldsuche dort als Gewerbezweig mit einer etwas rauen, aber immerhin funktionierenden Infrastruktur etabliert. Am 16.�August 1896 gelang am Klondike, einem Nebenfluss des Yukon, der entscheidende Fund. �Klondike� wurde in der englischen Sprache zu einem Inbegriff von schnellem Reichtum. Von Jack London �ber Charlie Chaplins <emphasis>Goldrausch</emphasis> bis zu Dagobert Duck ist �Klondike� in der amerikanischen Kultur verewigt. Aus allen Gegenden der Welt str�mten Goldsucher in die unwirtliche Gegend knapp unterhalb des Polarkreises. Bis 1898 waren trotz beschwerlichster Anreise aus einigen Tausend 40000 geworden. Hier wurde der Goldabbau bis 1966 betrieben.</p><p><emphasis>1839�1937</emphasis></p><p>ROCKEFELLER����John D. Rockefeller, der sein Verm�gen mit Erd�l machte, wurde weltweit ein Inbegriff f�r den neureichen Industriemagnaten. Die Familie stammte urspr�nglich aus dem Ort Rockenfeld (gemeint ist: Roggenfeld) bei Neuwied am Rhein. Vor 1860 war John D. als Buchhalter in einer Speditionsfirma t�tig. Dann stieg er in das ganz junge Erd�lgesch�ft ein.</p><p>Am 27. August 1859 war der Kolumbus der Erd�lf�rderung, der Amerikaner Edwin L. Drake, in Pennsylvania auf eine ergiebige Erd�lquelle gesto�en. Er hatte diese Quelle nach vielen R�ckschl�gen erstmals mit einer Bohrung angezapft � nicht mit Sch�rfen oder �hnlichem. Und das gerade rechtzeitig. Der Bodenschatz Erd�l wurde noch wichtiger als alles Gold und alle Diamanten. �Petroleum�, eine seit dem Altertum bekannte Substanz, erfreute sich aber erstmals jetzt einer gewissen Nachfrage, weil das aus Walen gewonnene Tran�l f�r die Lampen anfing, teuer zu werden. (Wegen des Tran�ls war der riskante Walfang jene legend�re Gro�industrie des 19. Jahrhunderts).</p><p>Das Erd�l wurde damals in F�ssern (amerikanisch: <emphasis>barrel</emphasis>) transportiert. Zur Verwendung muss es weiterverarbeitet, �raffiniert� werden. Zun�chst ging es haupts�chlich um Beleuchtungsmittel. 1863 gr�ndete Rockefeller mit zwei Partnern eine kleine Erd�lraffinerie, die er 1870 in Cleveland zur Standard Oil umorganisierte. (Standard Oil = S.O., Abk�rzung ausgeschrieben: Esso). Rockefellers ungeheuer wachsender Konzern stand jahrzehntelang im Zentrum eines Kampfes um Macht und Monopole mit der amerikanischen Regierung. Die Anti-Trust-Gesetze wurden seit 1890 in immer neuen Anl�ufen erlassen, um Standard Oil Einhalt zu gebieten. Rockefeller sah sowohl die Bedeutung der Benzin- und Kerosinproduktion f�r Automobil- und Flugzeugmotoren voraus wie die der Pipelines f�r den Transport (er wollte die Frachtgeb�hren der Eisenbahnen umgehen).</p></section><section><subtitle>DEUTSCHLAND UND FRANKREICH</subtitle><p>Die Gr�nderzeit l�st in Deutschland, �sterreich und der Schweiz definitiv nach 1848 das Biedermeier ab und ist eine Phase gro�en wirtschaftlichen Aufschwungs � nicht nur bei Kohle, Stahl und Eisenbahn.</p><p><emphasis>ab 1848</emphasis></p><p>GR�NDERZEIT����Als br�uchte man nur ein Unternehmen zu gr�nden, um reich zu werden. Die Palette reichte vom Kanonengie�en (Krupp) bis zum Kaffeer�sten (Meinl). �Gr�nderzeit� verweist nicht nur auf Unternehmensgr�ndungen, sondern auf die Vielzahl der Vereinsgr�ndungen. Es gab kaum eine Art von menschlicher Bet�tigung, die nicht im Verein betrieben wurde: Gesang, Sport, Kaninchenz�chten, auch zu Bildungszwecken bildeten sich Vereine, denn die Bildungsbeflissenheit war eines der Hauptcharakteristika des 19. Jahrhunderts. Besonders fortschrittlich war die Schweiz, die wirtschaftlich prosperierte und sich 1848 eine liberale Bundesverfassung gab. Daher wurde die Schweiz ein wichtiger Zufluchts- und Asylort f�r deutsche Revolution�re, die teilweise steckbrieflich gesucht wurden. Zu ihnen z�hlte neben Richard Wagner auch der badische Revolution�r Friedrich Hecker.</p><p>Die Prosperit�t der Gr�nderzeit verdeutlicht besonders eindrucksvoll das Wachstum der �sterreichischen Hauptstadt Wien: Entlang der Ringstra�e entstanden dort seit ca. 1860 zahlreiche repr�sentative Geb�ude in historisierenden Baustilen.</p><p><emphasis>1852</emphasis></p><p>SECOND EMPIRE����Frankreich hatte zum zweiten Mal einen Kaiser, Napoleon III. Bonaparte, den Neffen von Napoleon. Er war am Ende des Revolutionsjahres 1848 mit gro�er Mehrheit zum Pr�sidenten der (zweiten) Republik gew�hlt worden, suspendierte 1851 die Verfassung und lie� sich umfassende Vollmachten erteilen. Dies und seine Proklamation zum Kaiser wurden 1852 in einer Volksabstimmung best�tigt. Anfangs regierte er autorit�r, brachte Frankreich aber durch seine Beteiligung am Krimkrieg, seine Unterst�tzung des italienischen Risorgimento und den Umbau von Paris zu hohem Ansehen. 1863 f�llte er pers�nlich die Entscheidung, die vom offiziellen <emphasis>Salon </emphasis>zur�ckgewiesenen K�nstler im <emphasis>Salon des Refus�s</emphasis> auszustellen: Manet, Whistler, Courbet, Pissarro, C�zanne. Aus dieser Gruppe von K�nstlerin entwickelte sich alsbald der Impressionismus.</p><p>Preu�ischer Gesandter in Paris war im Jahr zuvor, 1862, der altm�rkische Junker Otto von Bismarck (1815�1898).</p><p><emphasis>1862</emphasis></p><p>DER EISERNE KANZLER����Noch in diesem Pariser Gesandtenjahr 1862 wurde Bismarck vom preu�ischen K�nig Wilhelm I. zum Ministerpr�sidenten ernannt.</p><p>Wilhelm und sein Heeresminister Roon wollten das Heer vergr��ern, um gegen revolution�re Umtriebe gewappnet zu sein, aber die liberale Mehrheit im Parlament verweigerte die Zustimmung. Roon telegrafierte nach Paris: �Gefahr im Verzug. Beeilen Sie sich.� Bismarcks Ernennung erfolgte drei Tage sp�ter, nachdem er dem K�nig versichert hatte, die gew�nschte Reform durchzusetzen. Denn Bismarck war der Ansicht, dass �nicht durch Reden und Majorit�tsbeschl�sse die gro�en Fragen der Zeit entschieden werden, sondern nur durch Eisen und Blut�. Wenn ihm innenpolitische Gegner das Leben schwer machten, hielt er sie f�r �b�sartige Reptilien, die man bis in ihre H�hlen verfolgen m�sse, um zu sehen, was sie treiben�. Der Zwei-Meter-Mann mit der Fistelstimme war nicht nur der Erfinder markiger Spr�che, sondern auch einer der bedeutendsten deutschen Politiker. Seine Hauptaufgabe und sein Hauptwerk waren die erste deutsche Einheit.</p><p><emphasis>1866</emphasis></p><p>RACHE F�R SADOWA����Seit den Befreiungskriegen wurden zwei politische Forderungen erhoben. Erstens die nationale: Einheit des �Vaterlandes�. Zweitens die liberale: eine Verfassung. Zur L�sung der nationalen Frage provozierte Bismarck 1866 �sterreich, sodass es zu einem Feldzug der beiden deutschsprachigen Gro�m�chte kam, den �sterreich bei K�niggr�tz (Sadowa) in B�hmen verlor, weil sich die Schlacht zum Erstaunen der �sterreichischen Heeresleitung nicht so entfaltete, wie man das in den Kaiserman�vern so sch�n geprobt hatte. Au�erdem hatte der deutsche Feldherr Helmuth von Moltke (�Getrennt marschieren � vereint schlagen�) erstmals die Eisenbahn f�r seinen zeitlich exakt geplanten Aufmarsch verwendet.</p><p>Daraufhin l�ste Bismarck den Deutschen Bund auf und annektierte neben Schleswig und Holstein noch Hannover, Kurhessen (Nordhessen), Nassau und Frankfurt, das bis dahin Freie Reichsstadt war. Diese Gebiete bildeten ab 1867 den Norddeutschen Bund, also praktisch ganz Deutschland n�rdlich der Mainlinie von der Maas bis an die Memel. Ein derartiges Erstarken Preu�ens und das Entstehen einer neuen Gro�macht in der gewohnt zersplitterten Mitte Europas konnte Frankreich nur mit gr��ter Sorge und Skepsis betrachten. Daher entstand in Frankreich, nicht in �sterreich, der Ruf nach �Rache f�r Sadowa!� Es sollte anders kommen.</p><p><emphasis>1870/1871</emphasis></p><p>PREU�ENS GLORIA����Um die Einheit Deutschlands ohne �sterreich zu vollenden, musste der Widerstand in den s�ddeutschen Monarchien Bayern, W�rttemberg, Baden und Hessen-Darmstadt beseitigt werden. Dazu bedurfte es einer gro�en nationalen Begeisterung, gen�hrt durch eine Bedrohung von au�en. Bismarck provozierte Napoleon III. zu einer Kriegserkl�rung an Deutschland, indem er einen Depeschenbericht �ber eine Begegnung des franz�sischen Botschafters mit Kaiser Wilhelm in dem Kurort Bad Ems in verk�rzter und dadurch versch�rfter Form an die Presse gab (Emser Depesche). Nun galt Napoleon in der �ffentlichen Meinung als Friedensbrecher. Die s�ddeutschen Staaten hatten keine Wahl: Sie mussten sich mit Preu�en solidarisieren und am Krieg gegen Frankreich teilnehmen.</p><p>Schon bei der ersten gro�en Schlacht im nordfranz�sischen Sedan am 2.�September 1870 geriet der franz�sische Kaiser in deutsche Gefangenschaft. Das war praktisch das Ende des <emphasis>Second Empire</emphasis>. Nachdem die Deutschen Paris erobert hatten, wurde am 18.�Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles durch Bismarck mit Zustimmung der s�ddeutschen L�nder ein national geeintes Deutsches Reich proklamiert und Wilhelm I. zum deutschen Kaiser ausgerufen. Verfassungsrechtlich gesehen war es der Beitritt der s�ddeutschen Monarchien zum Norddeutschen Bund. Die Verfassung des Norddeutschen Bundes wurde am 16.�April 1871 durch die neue, von Bismarck entworfene Verfassung des Deutschen Reiches abgel�st.</p><p><emphasis>1873</emphasis></p><p>WELTWIRTSCHAFTSKRISE I����1873 fand in Wien die f�nfte Weltausstellung statt, und ausgerechnet von der Wiener B�rse ging bereits eine Woche nach der Er�ffnung am 9.�Mai, einem Freitag, die erste moderne globale Weltwirtschaftskrise aus. Ausl�ser war eine Immobilien- und Spekulationsblase, leichtfertig vergebene Kredite, eine �berraschend hohe Zahl von Insolvenzen, auch einer Wiener Bank, der ganze Teufelskreis. Gelder wurden schlagartig abgezogen, die Zinsen stiegen, was wiederum viele Unternehmen in Bedr�ngnis brachte, darunter Eisenbahnunternehmen in den USA. Am 19.�September wurde die New Yorker B�rse erstmals geschlossen. Die Krise erfasste fast alle gr��eren L�nder Europas, griff bis nach S�damerika und Australien aus. �berall fielen die Kurse um 30 bis 50 Prozent. Danach folgte eine jahrelange Depression. Der Glaube und das Vertrauen des 19. Jahrhunderts in den unaufhaltsamen Fortschritt waren nachhaltig ersch�ttert.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Die Staaten griffen durch restriktive Ma�nahmen wie Schutzz�lle wieder verst�rkt in das zuvor sehr liberal gehandhabte Wirtschaftsleben ein. Immerhin blieb bis 1914 der Goldstandard erhalten: Seit der Jahrhundertmitte waren alle W�hrungen frei konvertierbar, weil ein US-Golddollar genauso viel wert war wie das Gold-Pfund, der Gold-Franc, die Gold-Mark oder der Gold-Rubel. In ganz Europa konnte man beliebig reisen (es gab �brigens auch keine P�sse) und mit seinem einheimischen Geld �berall bezahlen; eine einmalige W�hrungsstabilit�t. Der Goldstandard wurde 1914 aufgehoben und � angesichts der Kriegsfeindschaften � auch die Passkontrollen eingef�hrt. Erst das Schengen-Abkommen von 1985 und die Euro-Einf�hrung 1999/2002 haben diesen Zustand f�r Teile Europas wieder r�ckg�ngig gemacht.</p></section><section><subtitle>FIN DE SI�CLE</subtitle><p>Der Titel einer in Vergessenheit geratenen franz�sischen Kom�die von 1888 wurde zum Epochenbegriff der Zeit von 1890 bis 1914. Relativ lang anhaltender Friede in Europa und vergleichsweise gesicherte materielle Verh�ltnisse f�r die b�rgerlichen Schichten f�hrten zu Dekadenzerscheinungen der �Belle Epoque�. Das Erstarren in Konventionen provozierte andererseits eine Aufbruchstimmung, die in der Kunst in �Sezession� und �Jugendstil�, in der Gesellschaft in �Lebensreform�, �Wandervogel� oder �Olympischen Spielen der Neuzeit� (erstmals 1896) zum Ausdruck kam. �berall suchte man Neuans�tze, der Begriff �Moderne� wurde erstmals bewusst gebraucht. In Naturwissenschaft und Technik gab es solche bahnbrechenden Neuans�tze tats�chlich, als 1895 die R�ntgenstrahlen und die drahtlose Telegrafie (Funk) sowie 1898 die Radioaktivit�t und die Gl�hbirne entdeckt wurden. Im Jahr 1900 stieg der erste Zeppelin auf, Planck formulierte die Quantentheorie und Freuds <emphasis>Traumdeutung</emphasis> erschien. 1909 �berquerte der Franzose Bl�roit als erster Mensch in einem Flugzeug den �rmelkanal, 1912 sank die <emphasis>Titanic.</emphasis></p><p><emphasis>1881</emphasis></p><p>POGROM����Zar Alexander II. (reg. 1855�81), Sohn von Nikolaus I., beendete 1856 den von seinen Vater begonnenen Krimkrieg gegen die Osmanen, den Russland gegen das restliche Europa sowieso nicht gewinnen konnte, hob 1861 die Leibeigenschaft auf, f�hrte eine umfassende liberale Reformpolitik in dem v�llig verkrusteten Polizeistaat durch und �berlebte mehrere Attentate, aber nicht das letzte Sprengstoffattentat auf ihn 1881. Traumatisiert kehrten die letzten beiden Zaren zu einer reaktion�ren Politik zur�ck.</p><p>Alexanders Enkel, der damals zw�lfj�hrige, sp�tere Nikolaus II. hatte mit angesehen, wie seinem Gro�vater bei dem Attentat beide Beine abgerissen wurden. Unter Alexander III. begann in Russland eine massive, gesetzlich verordnete Judenverfolgung. �Pogrom� ist ein russisches Wort und bedeutet �Zerst�rung, Demolierung�. Diese Judenverfolgungen waren weder die ersten noch die letzten in Russland. Sei f�hrten zu einem massiven Exodus der Ostjuden, die zun�chst nach Deutschland kamen. Von hier wanderten viele weiter in die USA und nach Pal�stina.</p><p>Die starke j�dische Minderheit in den USA datiert aus jener Zeit. Sie wurde durch weitere russische Pogrome um 1905 verst�rkt.</p><p><emphasis>1894</emphasis></p><p>J�ACCUSE����Nach einem aufsehenerregenden Prozess wurde am 22.�Dezember 1894 in Paris der aus dem Elsass stammende franz�sische Hauptmann Alfred Dreyfus (1859�1935) wegen angeblicher Spionage zur Degradierung und lebenslanger Verbannung auf die Teufelsinsel verurteilt. Dem war eine � eindeutig antisemitisch motivierte � Vorverurteilung in der �ffentlichkeit vorausgegangen. Die Aff�re spaltete das ganze Land bis in die Familien hinein. Alle konservativen Gruppen hielten Dreyfus f�r schuldig. Die �ffentliche Erregung wuchs, als der Schriftsteller Emile Zola in der Zeitung <emphasis>L�Aurore</emphasis> unter der dicken Balken�berschrift <emphasis>J�accuse </emphasis>(�Ich klage an�) einen offenen Brief an den Pr�sidenten der Republik ver�ffentlichte, in dem er sich f�r Dreyfus einsetzte. Dreyfus wurde nach langer Leidenszeit rehabilitiert. Hinter dem politisch engagierten Zola standen politisch die Republikaner, die Sozialisten und � dies war ein neuer Begriff � <emphasis>les intellectuelles</emphasis>: die Intellektuellen. In diesem Zusammenhang entstand der Begriff, �brigens zuerst im konservativen Lager der Dreyfus-Gegner, die ihn ausgesprochen absch�tzig gebrauchten.</p><p><emphasis>1896</emphasis></p><p>ZIONISMUS����Einer der Berichterstatter des Dreyfus-Prozesses war der Publizist Theodor Herzl (1860�1904). Er war von dem Geschehen in Frankreich schockiert und sich nat�rlich des vehementen Antisemitismus in Wien und �sterreich bewusst. Unter dem Einfluss dieser Erlebnisse verfasste er sein Buch <emphasis>Der Judenstaat</emphasis>, das 1896 erschien. Damit wurde er zu einem der wesentlichen Begr�nder des Zionismus. Zur <emphasis>L�sung der Judenfrage</emphasis> (so der Untertitel des Buches) schl�gt Herzl einen eigenen Staat f�r die in alle Welt verstreuten Juden vor. Da damals kaum ein Jude Hebr�isch konnte und die meisten Juden in Herzls Umfeld Deutsch oder wenigstens Jiddisch sprachen, schlug er als Staatssprache �brigens Deutsch vor.</p><p>1897 veranstaltete Herzl den 1. Zionistischen Weltkongress in Basel. Seit dem Ersten Weltkrieg unterst�tzte die britische Regierung die Forderung nach einer �nationalen Heimst�tte f�r das j�dische Volk� (Balfour-Deklaration), die dann nach dem Zweiten Weltkrieg realisiert wurde.</p><p><emphasis>1885�1910</emphasis></p><p>DAS HERZ DER FINSTERNIS����Die Belgier wollten das ihnen auf der Kongokonferenz 1885 zugesprochene Kongobecken gar nicht haben, daher vereinnahmte ihr K�nig Leopold II. das erstmals von dem Livingstone-Entdecker Stanley erforschte zentralafrikanische Gebiet als Privatbesitz. Er lie� das riesige, rohstoffreiche Land auf dem H�hepunkt des Kautschukbooms in menschenverachtender Weise ausbeuten. Seine Angestellten forcierten die Zwangsarbeit durch H�nde abhacken, Auspeitschungen, Vergewaltigungen, D�rfer niederbrennen und Mord an sch�tzungsweise zehn Millionen Schwarzen. Der polnisch-englische Schriftsteller Joseph Conrad beschrieb den Wahnsinn dieses Systems in seiner Novelle <emphasis>Das Herz der Finsternis</emphasis> schon 1899, noch bevor es 1906 zu den Gr�ueln kam.</p><p><emphasis>1908</emphasis></p><p>JUNGT�RKEN I����Auf einem Kongress in Berlin 1878 waren unter Vermittlung Bismarcks die Grenzen auf dem Balkan neu gezogen worden. Der Kongress brachte Serbien, Montenegro und Rum�nien die Unabh�ngigkeit, Bulgarien wurde ein autonomes F�rstentum unter osmanischer Oberhoheit. �sterreich durfte Bosnien-Herzegowina mit seiner Hauptstadt Sarajewo okkupieren, ein kleiner Vielv�lkerstaat aus orthodoxen Serben, katholischen Kroaten und Muslimen. Die Neuordnung des Balkans war nach Aufst�nden in diesen L�ndern notwendig geworden, die von Russland unterst�tzt wurden. Die Gebietsverluste des Berliner Kongresses mussten im Osmanischen Reich unter seinem vorletzten Sultan Abd�lhamid II., der von 1876 bis 1909 regierte, erst einmal verkraftet werden. Es geriet dar�ber in seine finale Krise.</p><p>Abd�lhamid zeigte sich nach innen anfangs liberal, regierte dann aber zunehmend absolutistisch. Die Armenier, die ihnen zugestandene Rechte einforderten, wurden mit Massakern �berzogen. Gegen Abd�lhamids autokratische Regierung rebellierten 1908 junge Offiziere und hohe Beamter, die unter F�hrung von Enver Pascha mit Erfolg eine Liberalisierung und die Einsetzung der 1876 suspendierten Verfassung forderten. 1909 wurde Abd�lhamid von den Jungt�rken abgesetzt. Mehmed VI. war dann von 1918 bis 1922 der letzte t�rkische Sultan sozusagen unter Enver Pascha.</p><p>In zwei Balkankriegen 1912 und 1913 gegen die unabh�ngig gewordenen Balkanstaaten verlor das Osmanische Reich dann auch noch seinen letzten europ�ischen Besitz, Makedonien. Es blieben nur noch Edirne und Konstantinopel selbst � nebst Anatolien und dem Nahen Osten nat�rlich.</p><p>Als fortschrittlich galt unter den Jungt�rken eine stramme national-t�rkische Gesinnung, was gegen den multikulturellen Charakter des osmanischen Vielv�lkerreiches gerichtet war. Dementsprechend stark war der Druck auf Minderheiten wie Kurden, Griechen, Juden und vor allem auf die christlichen Armenier.</p><p><emphasis>1898</emphasis></p><p>FASCHODA-KRISE����Durch die Weltwirtschaftskrise von 1873 stagnierte Europa wirtschaftlich am Rand der Depression. Nun entdeckte man das noch praktisch unerschlossene Afrika als <emphasis>new market</emphasis>. Imperialisten wie Cecil Rhodes schwebte f�r Gro�britannien eine Nord-S�dachse vom �gyptischen Sueskanal �ber den Sudan und das innerafrikanische Seengebiet bis nach Rhodesien und S�dafrika vor. Frankreich war seit 1830 in Algerien, besetzte 1881 Tunesien und brachte in der Folge seinen Einfluss in Westafrika rund um die Sahara zur Geltung.</p><p>Als Folge einer Begegnung englischer und franz�sischer Truppen am s�dsudanesischen Fort Faschoda am Wei�en Nil 1898, die angesichts der Stimmungsmache in der europ�ischen Presse leicht h�tte eskalieren k�nnen, grenzten die britische und die franz�sische Regierung ihre Einflusssph�ren in Afrika ab: Frankreich dominierte in Westafrika, Gro�britannien im ganzen Osten Afrikas. Dies war eine wichtige Voraussetzung f�r die</p><p><emphasis>1904</emphasis></p><p>ENTENTE CORDIALE����Zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab England seinen au�enpolitischen Grundsatz der <emphasis>Splendid Isolation</emphasis> auf und suchte Kontakt auf dem Kontinent. Das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm II. und dem Milit�r- und Politmanagement des Admirals Tirpitz war gerade dabei, auf seinen Werften eine schlagkr�ftige, schimmernde Wehr zur See zu bauen, was der Seeweltmacht England nicht behagen konnte.</p><p>Auf dem Umweg �ber ein Flottenabkommen mit Japan gelangte England in Kontakt mit Frankreich. Man verst�ndigte sich herzlich (franz�sisch s<emphasis>�entender</emphasis> �sich verst�ndigen�, <emphasis>cordial</emphasis> �herzlich�) �ber den Status quo in Afrika. Vor allem �gypten sollte im englischen, Marokko im franz�sischen Einflussbereich bleiben.</p><p>In Berlin beobachtete man diese Ann�herung argw�hnisch, ma� ihr aber nicht die Bedeutung bei, die sie bekommen sollte: Die britisch-franz�sische �Erbfeindschaft� war �ber Jahrhunderte eine der verl�sslichsten Konstanten der europ�ischen Politik. Zehn Jahre darauf waren Engl�nder und Franzosen im Ersten Weltkrieg Waffenbr�der gegen den gemeinsamen deutschen Feind. Die generelle Verst�ndigung wurde 1907 noch um Russland zur Triple Entente erweitert. Damit stand die ma�gebliche B�ndnis-Konstellation des Ersten Weltkriegs bereits fest: Frankreich, Gro�britannien und Russland gegen Deutschland und �sterreich-Ungarn.</p><p><emphasis>ab 1898</emphasis></p><p>GELBE GEFAHR����Japan hatte sich nach seiner erzwungenen �ffnung, anders als China, im 19. Jahrhundert reformiert, industrialisiert und modernisiert, alles nach westlichem Muster. Diese extrem reformerische Periode ist die Meiji-�ra (1868�1912), in der der Tenno seit dem ersten Shogunat im Mittelalter erstmals wieder aktiv die f�hrende politische Rolle spielte. Den Japanern kam es darauf an, sich in die vordere Reihe der �zivilisierten Nationen� einzuordnen, wof�r in jener Zeit der Westen eindeutig der Ma�stab war. Die Chinesen hielten sie f�r engstirnig und provinziell.</p><p>Das Schlagwort von der �Gelben Gefahr� bezog sich auf Japan, nachdem das Land im Chinesisch-Japanischen Krieg 1894/1895 und im Russisch-Japanischen Krieg 1904/1905 gesiegt sowie Taiwan und Korea annektiert hatte. Es spiegelte europ�ische �ngste vor einer fern�stlichen Allianz unter japanischer F�hrung wider. Damals war man in Europa noch daran gew�hnt, in kolonialer Selbstherrlichkeit schalten und walten zu k�nnen � ohne selbstbewusste asiatische M�chte.</p><p><emphasis>1899</emphasis></p><p>BOXERAUFSTAND����Durch die Ungleichen Vertr�ge hatten sich seit 1842 alle europ�ischen M�chte und mittlerweile auch Japan und die USA ohne Gegenleistung Vorrechte in China gesichert, die die geschw�chte Mandschu-Regierung hinnehmen musste. Das Volk verarmte und sah sich angesichts des Auftretens der Europ�er gedem�tigt und ausgebeutet. 1897 wurden China auch noch �Pachtvertr�ge� aufgezwungen, die den fremden M�chten Territorialbesitz sowie Bergbau- und Eisenbahnrechte einr�umten. Der Kaiserhof unter der Herrschaft der reaktion�ren Kaiserinwitwe Tse Hsi, die f�r zwei minderj�hrige Kaiser von 1875 bis 1908 die Regentschaft f�hrte, erwies sich als reformunf�hig. Tse Hsi hatte die Verbotene Stadt nat�rlich nie verlassen und entschied v�llig realit�tsfern.</p><p>Seit 1899 ver�bten Mitglieder von Geheimgesellschaften, die ihren R�ckhalt in Kampfsportschulen hatten, die von den Engl�ndern �Boxer� genannt wurden, Anschl�ge auf ausl�ndische Gesandtschaften, gegen Bahnlinien und christianisierte Chinesen. Als die ausl�ndischen M�chte ein Expeditionskorps nach China schickten, kam es zu regelrechten Kriegshandlungen mit Beteiligung der chinesisch-kaiserlichen Armee. Bei der Verabschiedung eines zweiten Korps hielt Kaiser Wilhelm II. seine ber�hmte Hunnenrede. Darin hie� es unter anderem: �Pardon wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem K�nig Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der �berlieferung gewaltig erscheinen l�sst, so m�ge der Name Deutschlands in China in einer Weise bekannt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.� Dieser deftigen Rhetorik verdankten die Deutschen im Ersten Weltkrieg bei den Briten ihre Bezeichnung als �die Hunnen�.</p><p>Der Aufstand wurde niedergeschlagen, Peking erobert, die Kaiserinwitwe floh. China musste hohe Reparationszahlungen leisten und wurde v�llig unter Kuratel gestellt. Der vorletzte Kaiser musste nach Berlin reisen, um sich pers�nlich zu entschuldigen. Da sich auch die USA und Japan an der Expedition gegen die Boxer beteiligt hatten, geh�rten sie seitdem zum Kreis der internationalen Gro�m�chte � und China verlor f�r Jahrzehnte seine Vormachtstellung in Ostasien.</p><p><emphasis>1908�1912</emphasis></p><p>DER LETZTE KAISER����Pu Yi war noch auf Veranlassung der Tse-Hsi im Alter von zwei Jahren auf den Drachenthron gelangt. Bereits 1895 hatte sich der in Hawaii geborene Sohn eines Kuli Sun Ya-tsen (ca. 1870�1925), der in Hongkong Medizin studierte hatte, an einem Aufstand beteiligt und musste ins westliche Ausland fliehen. Von dort organisierte er die nationalchinesische Kuomintang-Bewegung, die den erfolgreichen Aufstand zum Sturz der Monarchie organisierte. Er brach im Oktober 1911 aus; binnen kurzer Zeit erkl�rten sich viele Provinzen f�r unabh�ngig von der Mandschu-Dynastie. Ziel der Revolution war die Erneuerung Chinas und die R�ckgewinnung seiner Unabh�ngigkeit. Pu Yi wurde in einem �Wohlwollenden Vertrag� h�flich mit einer Apanage versehen, erteilte seine Zustimmung zur Errichtung einer Republik und schied am 12.�Februar 1912 aus dem Staatsdienst aus.</p><p>Damit endete die zweitausendj�hrige Geschichte des chinesischen Kaiserreiches. Auch in Europa sollte es mit den Kaiserreichen alsbald zu Ende gehen.</p><p><emphasis>1909</emphasis></p><p>NIBELUNGENTREUE����In einer Reichstagsrede vom 29.�M�rz 1909 gebrauchte Reichkanzler B�low das Schlagwort von der Nibelungentreue, um die unbedingte B�ndnistreue des Deutschen Reiches zu �sterreich zu charakterisieren. Darin schwang die Vorstellung jener Zeit mit, die sagenhaften Nibelungenk�nige h�tten auch angesichts des drohenden Untergangs treu zu ihrem Vasallen gestanden. Kriemhild hatte Hagens Auslieferung gefordert. �sterreich hatte 1909 Bosnien annektiert, was nicht jeder in Europa als rechtm��igen Vorgang betrachtete.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Aufgrund der damaligen B�ndnissysteme trat das Deutsche Reich an der Seite �sterreichs einen Monat nach dem Attentat auf den �sterreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo (28.�Juni 1914) in den Krieg ein. In diesem Weltkrieg verloren rund zehn Millionen Menschen ihr Leben, 20 Millionen wurden verwundet. In vier Kaiserreichen (Deutschland, �sterreich-Ungarn, Russland, Osmanisches Reich) wurde die Staatsform der Monarchie ein f�r alle Mal beendet. In Deutschland verloren s�mtliche Dynastien ihre Throne. In den Stahlgewittern dieses Krieges ging die auf eine Person konzentrierte Regierungsform, die �ber 1000 Jahre in Europa in den unterschiedlichsten Schattierungen vorherrschend war, endg�ltig zugrunde.</p></section><section><empty-line/><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p>MODERNE</p></title><p><image l:href="#1"/></p><p><emphasis>20. und 21. Jahrhundert</emphasis></p></section><section><subtitle>DIE REVOLUTIONEN IN RUSSLAND</subtitle><p>Der zweite Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands fand nicht in Russland, sondern 1903 in London statt. Wladimir I. Uljanow (1870�1924), Deckname: Lenin, forderte auf dieser Versammlung den Sturz des zaristischen Regimes, kurz: einen Staatsstreich und keine sozialdemokratischen Reformen.</p><p><emphasis>1903</emphasis></p><p>BOLSCHEWIKI����Lenin erhielt f�r seine radikale Forderung nach einer Revolution auf dem Parteitag eine Mehrheit (russisch: <emphasis>bolschinstwo</emphasis>). Die Bolschewiki sind also �die Mehrheit� im Gegensatz zu den lediglich reformerisch gesinnten Menschewiki (die �Minderheitler�). Aus der Bolschewiki-Fraktion der russischen Sozialdemokraten ging die Kommunistische Partei Russlands hervor, eine straff gef�hrte Kaderpartei. Lenin und die Bolschewiki bekannten sich zur �Diktatur des Proletariats�, wie Karl Marx sie gefordert hatte. Demokratie, Liberalismus, Pluralismus und Gewaltenteilung lehnten sie ausdr�cklich ab.</p><p><emphasis>1905</emphasis></p><p>PANZERKREUZER POTEMKIN����Nach dem Beginn des Krieges zwischen Russland und Japan im Winter 1905 fanden in ganz Russland Demonstrationen, Streiks, vor allem der Eisenbahner, aber auch Meutereien statt. Der Unmut richtete sich gegen Armut, Hunger und die allgegenw�rtige Unterdr�ckung durch Zar Nikolaus II. (1868�1918). Die Unruhen wurden gewaltsam beendet, etwa beim Petersburger Blutsonntag 1905 mit Hunderten von Toten. Auch die Meuterei auf dem �Panzerkreuzer� (eigentlich war es ein Schlachtschiff) <emphasis>Potemkin</emphasis> im Schwarzmeerhafen Odessa wurde blutig unterdr�ckt. Das Ereignis war die Vorlage f�r den ber�hmten Stummfilm aus dem Jahr 1925. Diese �Russische Revolution� hatte keinerlei revolution�res Ergebnis. Der Zar machte kleinere Zugest�ndnisse und blieb � weiterhin ohne Machteinschr�nkungen durch eine Verfassung � noch zw�lf Jahre lang auf dem Thron, auch wenn eine Duma (Volksvertretung) eingerichtet wurde.</p><p>Lenin befand sich damals in Russland, floh aber vor der Geheimpolizei zuerst nach Finnland, dann in die Schweiz.</p><p><emphasis>1917</emphasis></p><p>FEBRUARREVOLUTION � OKTOBERREVOLUTION����Das Zarenregime unter Nikolaus II., innerlich zerrissen zwischen Machterhalt und Reform, hielt den Belastungen des Ersten Weltkriegs nicht stand. Es mangelte schlie�lich an allem, Brennstoff, Nahrung, dazu kamen die milit�rischen R�ckschl�ge. Die im Februar 1917 ausgebrochenen Unruhen streikender Soldaten- und Arbeiterfrauen wurden von den Gardisten nicht niedergeschlagen. Die Generalit�t zwang den Zar am 15.�M�rz zur Abdankung. Nach dem julianischen Kalender trugen sich die Ereignisse haupts�chlich im Februar zu. Zwei b�rgerliche Regierungen konnten die Probleme aber auch nicht l�sen.</p><p>Gleich nach der Februarrevolution schleuste die deutsche Heeresleitung Lenin im plombierten Eisenbahnwaggon von seinem Schweizer Exil quer durch Deutschland nach Russland, in der Hoffnung auf eine weitere Destabilisierung der dortigen Lage durch revolution�re Umtriebe. Am 25.�Oktober (julianischer Kalender) verhafteten Lenin und der Vorsitzende des Petrograder Sowjets, Leo Trotzki, im Winterpalais in Sankt Petersburg handstreichartig die Mitglieder der amtierenden Regierung. Die Oktoberrevolution (nach gregorianischem Kalender schon am 7.�November) war also kein Massenaufstand auf Barrikaden, sondern ein Staatsstreich im Palast. Au�er dem Platzpatronenschuss aus der Kanone des Panzerkreuzers <emphasis>Aurora</emphasis>, der einigen Truppeneinheiten das Signal gab, strategisch wichtige Punkte der Stadt zu besetzen, gab es keine �ffentlichen Schie�ereien.</p><p><emphasis>ab 1920</emphasis></p><p>LUBJANKA����B�rgerliche, Zaristen, Sozialdemokraten, die Geistlichkeit, andere vermutete Oppositionelle und Konterrevolution�re und vor allem die Kulaken, die wohlhabenden Bauern, wurden durch die sowjetische Staatssicherheitspolizei Tscheka systematisch terrorisiert, in Lager interniert oder ermordet. Als Hauptquartier diente der Tscheka ein ehemaliges Versicherungsgeb�ude am Lubjanka-Platz in Moskau. Es wurde mit seinem ber�chtigten Gef�ngnis und den Folterkellern zum Inbegriff der sowjetischen Willk�rherrschaft. Alle sp�teren sowjetischen Geheimdienste, GPU, NKWD, KGB, hatten hier ihre Zentrale.</p><p><emphasis>1919</emphasis></p><p>KOMINTERN����Die 1889 gegr�ndete Sozialistische Internationale, auch Zweite Internationale genannt, war eine lockere Vereinigung sozialistischer/sozialdemokratischer Parteien gewesen. Ganz anders die Dritte, nunmehr Kommunistische Internationale (Komintern), ein Zusammenschluss kommunistischer Parteien, deren erkl�rtes Ziel die Ausbreitung der Weltrevolution war. Lenin hielt eine proletarische Revolution in den Industriel�ndern f�r konsequent und w�nschenswert. Russland aber war viel mehr ein Bauern- als ein Arbeiterstaat. Die Unruhen nach Kriegsende im industrialisierten Deutschland schienen die Weltrevolution in Reichweite zu r�cken. Die KPD war die bedeutendste kommunistische Partei au�erhalb Sowjetrusslands. Zur Unterst�tzung der Kommunisten in den verschiedenen europ�ischen L�ndern war die Komintern gedacht.</p><p>Bis zu Lenins Tod machte sich die Komintern mit gescheiterten Umsturzversuchen in Hamburg, Estland und Bulgarien l�cherlich. Unter Stalins Einfluss wurde sie zu einem Instrument der sowjetischen Au�enpolitik.</p></section><section><subtitle>DER ERSTE WELTKRIEG UND SEINE FOLGEN</subtitle><p>Im Ersten Weltkrieg waren erstmals L�nder und Kriegsteilnehmer praktisch aller Kontinente in das Geschehen miteinbezogen: Der Hauptschauplatz war Europa, aber auch in den Kolonien Afrikas wurde gek�mpft. Indische, australische und kanadische Truppen standen in Europa, die Engl�nder bek�mpften das Osmanische Reich im Nahen Osten, der Kriegseintritt der USA 1917 wirkte sich entscheidend aus, Japan f�hrte gleichzeitig einen Krieg im pazifischen Raum. So schrecklich jeder einzelne Krieg der Weltgeschichte bisher war � im Vergleich damit blieben sie regional �berschaubar. Die umfassende Technisierung und Industrialisierung, der Weltverkehr und die globalen Interessen der Kolonialm�chte hatten im 19. Jahrhundert die Voraussetzungen f�r diesen weltweiten Krieg geschaffen.</p><p><emphasis>1914</emphasis></p><p>ATTENTAT VON SARAJEWO����Ausl�sendes Moment f�r den Ersten Weltkrieg war die Ermordung des �sterreichisch-ungarischen Thronfolgerpaares am 28.�Juni 1914 durch einen serbischen Nationalisten in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo. Die Serben strebten nach einem s�dslawischen Gro�staat auf dem Balkan, wurden darin vom damals noch zaristischen Russland unterst�tzt und damit auch von der Triple Entente (Russland, Gro�britannien, Frankreich). �sterreich auf der anderen Seite hatte die Unterst�tzung des Deutschen Reichs. Nach der Kriegserkl�rung �sterreichs an Serbien am 28.�Juli 1914 traten aufgrund der damaligen B�ndnissysteme die bereits mobilisierten europ�ischen M�chte binnen weniger Tage in den Krieg ein. Die �sterreichisch-serbische Lokalkrise wurde in k�rzester Zeit zum Gro�krieg.</p><p>MATERIALSCHLACHT����Die Unmengen an herangef�hrtem Material, neuer Kriegstechnik (Panzer, Luftwaffe, U-Boot, Maschinengewehr, Gas) und Menschenmassen (�ber 70 Millionen Mobilisierte) stellten eine v�llig neue Dimension der Kriegf�hrung dar. Begriffe wie �Materialschlacht�, �Grabenk�mpfe�, �Stellungskrieg�, �Trommelfeuer� charakterisieren den Kriegsverlauf, der ungeheure Gelder in allen L�ndern verschlang. Der Krieg war eine einzige Katastrophe ohne irgendein �positives� Ergebnis, eine ungeheure gegenseitige Zerm�rbung auf allen Seiten mit kolossalen Menschenverlusten (ca. 15 Millionen Soldaten und Zivilisten). Praktisch die gesamte junge Generation Europas verblutete auf den Schlachtfeldern.</p><p><emphasis>1916�1917</emphasis></p><p>VERDUN UND ISONZO����Trotz eines gigantischen Einsatzes an Soldaten und Material kam es im Ersten Weltkrieg so gut wie nie zu einer milit�rischen Entscheidung oder zu einem �Durchbruch�. Das ist eines der Hauptkennzeichen dieses europ�ischen V�lkermordens. Die deutschen Armeen drangen zu Kriegsbeginn nach Flandern und Nordfrankreich vor. Dort verharrte die Front trotz vieler verlustreicher Gefechte jahrelang in den sprichw�rtlichen Grabenk�mpfen. 1916 versuchte die deutsche wie die franz�sische Seite von Ende Februar bis Dezember fast ein Jahr lang, bei Verdun eine Entscheidung herbeizuf�hren � ohne Ergebnis. �ber 300000 Soldaten auf beiden Seiten verloren dabei ihr Leben, ganz zu schweigen von den Verwundeten und Verst�mmelten. �Verdun� wurde zum Inbegriff sinnlosen Schlachtens. Gleichfalls ohne Ergebnis verlief der anschlie�ende britisch-franz�sische Gro�angriff an der Somme.</p><p>Im S�den k�mpfte �sterreich-Ungarn ebenfalls jahrelang haupts�chlich gegen Italien in S�dtirol und im Friaul. Zwischen 1915 und 1917 wurden in der Gegend des Flusses Isonzo im heutigen Slowenien zw�lf gr��ere Schlachten ausgetragen. Die Umst�nde und die Ergebnisse der gegenseitigen Abn�tzung und Ersch�pfung waren �hnlich wie in Flandern.</p><p>Nur im Osten gelang es dem damaligen Generaloberst Hindenburg, die russischen Angriffe auf Ostpreu�en schon zu Kriegsbeginn in drei Schlachten 1914 und 1915 abzuwehren. Als �Sieger von Tannenberg� erwarb Hindenburg einen Nimbus, der ihn 1925 in das Amt des Reichspr�sidenten der Weimarer Republik trug.</p><p>ZUSAMMENBRUCH����Als Folge der russischen Februarrevolution hatte Zar Nikolaus II. am 15.�M�rz 1917 abgedankt. Das Zarenregime konnte sich angesichts der Not und der aussichtslosen milit�rischen Lage nicht mehr halten. Nach der anschlie�enden Oktoberrevolution 1917 akzeptierte Lenin Anfang M�rz den f�r Sowjetrussland dem�tigenden Frieden von Brest-Litowsk, der die K�mpfe an der Ostfront beendete.</p><p>Zwar konnte die deutsche Heeresleitung die dadurch frei gewordenen Kr�fte im Fr�hjahr 1918 f�r eine neue Offensive im Westen nutzen. Sie traf aber auf Seiten der Westalliierten auf entschlossenen und milit�risch unter General Foch gut organisierten Widerstand, dieses Mal unterst�tzt von den USA, die 1917 in den Krieg eingetreten waren.</p><p>Ende Oktober 1918 �berwanden die Briten endg�ltig das Osmanische Reich in Pal�stina, gleichzeitig durchbrachen die Alliierten die Isonzo-Front. Am 3.�November bat die Regierung in Wien um Waffenstillstand.</p><p>Nach ersten Sondierungen der deutschen Reichsregierung wegen eines Waffenstillstandes im Oktober f�hrte die Revolution in Deutschland Anfang Oktober ganz �hnlich wie in Russland zur erzwungenen Abdankung des Kaisers und zur Ausrufung der Republik am 9.�November sowie zum Waffenstillstand am 11.�November 1918.</p><p><emphasis>1919�1920</emphasis></p><p>PARISER VORORTVERTR�GE����Die Verhandlungen �ber die Kriegsfolgen wurden in Paris gef�hrt. Den Verlierern (Deutschland, �sterreich, Osmanisches Reich) legten die Siegerm�chte Frankreich, Gro�britannien und USA ohne deren Beteiligung an den Verhandlungen im Sommer und Herbst 1919 und 1920 Vertr�ge vor, die sie akzeptieren mussten. Die Vertr�ge wurden in Pal�sten in verschiedenen Vororten von Paris unterzeichnet.</p><p>Als v�llig neue Staaten entstanden: Tschechoslowakei und Jugoslawien. Ungarn wurde unabh�ngig, verlor aber zwei Drittel seines Territoriums, vor allem Siebenb�rgen ging an Rum�nien (Vertrag von Trianon). S�dtirol ging an Italien (Vertrag von St. Germain-en-Laye). All das geh�rte vorher zur Monarchie der Habsburger. Der franz�sische Ministerpr�sident Georges Clemenceau sagte: �<emphasis>L�Autriche c�est ce qui reste</emphasis>� (��sterreich ist das, was �brig bleibt�).</p><p>F�r Deutschland galt der Versailler Vertrag: Elsass-Lothringen fiel an Frankreich, Ostpreu�en wurde vom Reichsgebiet abgetrennt. Die Reichswehr wurde drastisch reduziert, das Reich musste hohe Reparationen zahlen. Im Vertrag von S�vres verlor die T�rkei den gesamten Nahen Osten. Teils unter britischer, teils unter franz�sischer Mandatshoheit zeichnete sich dort die Entstehung der modernen Staaten Syrien, Libanon, Irak, Pal�stina (sp�ter aufgeteilt in (Trans-)Jordanien und Israel) und �gypten ab.</p><p>Auf ehemals russischem Boden entstanden Finnland, Estland, Lettland und Litauen. Au�erdem wurde durch den Versailler Vertrag das gegen Kriegsende neu begr�ndete Polen anerkannt. Ein polnischer Staat hatte von 1795 bis 1918 nicht existiert.</p><p>WEIMARER REPUBLIK UND WEIMARER VERFASSUNG����Schon vor dem Waffenstillstand hatten sich Anfang November deutsche Matrosen geweigert, noch zu Kriegseins�tzen auszulaufen. Von dieser Meuterei sprang ein revolution�rer Funke auf das ganze Land �ber; schwerwiegende Unruhen waren zu bef�rchten. Um Schlimmeres zu verh�ten, forderte die Reichsregierung den Kaiser auf zur�ckzutreten, was Wilhelm II. aber nicht tat. Daraufhin verk�ndete Reichskanzler Max von Baden am 9.�November Wilhelms Abdankung. Die Situation war angespannt. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief gegen Mittag vom Reichstag ziemlich eigenm�chtig die Republik aus und proklamierte Friedrich Ebert als Reichskanzler. Es galt, etwaigen Umsturzversuchen der �u�ersten Linken zuvorzukommen.</p><p>Von da an herrschten teilweise b�rgerkriegs�hnliche Zust�nde, weil die extreme Linke vielerorts doch noch versuchte, die Macht an sich zu rei�en und R�terepubliken zu bilden. Ein H�hepunkt dieser Ereignisse war der Spartakusaufstand in Berlin, ein massiver Streik Mitte Januar, in dessen Verlauf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet wurden. Angesichts dieser Zust�nde wich der am 19.�Januar 1919 neu gew�hlte Reichstag zu seiner konstituierenden Sitzung nach Weimar aus. Im Nationaltheater Schillers und Goethes traten die Abgeordneten am 6.�Februar erstmals zusammen und beauftragten den linksliberalen Verfassungsrechtler Hugo Preu� mit der Ausarbeitung einer Verfassung, die am 31.�Juli ebenfalls in Weimar verabschiedet wurde und am 11.�August in Kraft trat.</p><p>DIKTATFRIEDEN����In Deutschland wie in �sterreich wurden die Pariser Vorortvertr�ge als �Diktat� bezeichnet. Schon im Jahr darauf galten die deutschen Unterzeichner und die von ihnen vertretenen Parteien, besonders die SPD, als �Novemberverbrecher�, die b�rgerlichen Parteien, die die Bedingungen des Versailler Vertrages nach M�glichkeit erf�llen wollten, sp�ter als �Erf�llungspolitiker�. Alsbald machte die �Dolchsto�legende� die Runde, wonach die deutsche Armee, �im Felde unbesiegt�, durch �rote Aufr�hrer�, Republikaner und die �Zivilbev�lkerung� �von hinten erdolcht� worden sei. Diese Begriffe waren in aller Munde, nicht zuletzt wegen der nationalkonservativen und nationalsozialistischen Propaganda. Die deutsche Au�enpolitik erzielte unter Gustav Stresemann (1923�1929) Erfolge in der Revision des Versailler Vertrages.</p><p>JUNGT�RKEN II����Die Anf�hrer der t�rkisch-nationalistischen Reformpartei der Jungt�rken besetzten in der letzten Phase des Osmanischen Reiches wichtige Ministerien. Enver Pascha war von 1914 bis 1918 Kriegsminister, Talat Pascha Innenminister und zuletzt Gro�wesir.</p><p>Angesichts des drohenden Kriegsverlustes initiierten beide den Terror gegen die Armenier und andere Minderheiten und zwangen insbesondere die Armenier 1915 zu einer verheerenden Deportation von Hunderttausenden M�nnern, Frauen und Kindern in die syrische W�ste mit dem erkl�rten Ziel, sie unterwegs oder sp�testens dort umkommen zu lassen. Diese gro�e Deportation eines ganzen Volkes fand w�hrend des Ersten Weltkrieges im Sommer 1915 statt. Franz Werfel hat der Trag�die mit seinem Roman <emphasis>Die vierzig Tage des Musa Dagh</emphasis> ein literarisches Denkmal gesetzt.</p><p>Kemal Atat�rk, der mit seiner Nationalbewegung teilweise �hnliche Ziele verfolgte wie die Jungt�rken, distanzierte sich nach dem Ersten Weltkrieg gerade wegen der Armeniergr�uel entschieden von den Jungt�rken und schaltete sie politisch aus.</p><p><emphasis>1922</emphasis></p><p>KEMAL ATAT�RK � DER VATER DER T�RKISCHEN REPUBLIK����Kaum jemand hat einen Staat so tiefgehend ver�ndert wie Mustafa Kemal (1881�1938) die aus den Tr�mmern des Osmanischen Reiches hervorgegangene Republik T�rkei. Das Osmanische Reich geh�rte als Verb�ndeter des Deutschen Reichs und �sterreich-Ungarns zu den Verlierern des Ersten Weltkrieges. Das verbliebene Gebiet (haupts�chlich Anatolien) sollte teilweise an Griechenland, Italien und Armenien gehen. Danach w�re die T�rkische Republik nur etwa halb so gro� geblieben wie der heutige Staat. Kemal f�hrte gegen diese Pl�ne einen regelrechten Befreiungskrieg. Er endete 1922 mit der Einnahme der mehrheitlich von Griechen bewohnten uralten kosmopolitischen Metropole Smyrna (Izmir) in der �g�is. Aufgrund des Vertrages von Lausanne verlie�en anderthalb Millionen Griechen die T�rkei und eine halbe Million T�rken wanderte aus dem griechischen Thessalien, Makedonien und von den Inseln in die T�rkei. Das ging nicht friedlich vonstatten. Damit endeten auf traumatische Weise 3000 Jahre griechische Kultur in Kleinasien.</p><p>1922 wurde das Sultanat abgeschafft, 1924 das Kalifat durch einen Beschluss der Nationalversammlung. Die Familie Osman musste das Land verlassen, das sie �ber 600 Jahre lang regiert hatte. Atat�rk wandelte die t�rkische Gesellschaft nach westlichem Vorbild um. Das Tragen von Fes, Pluderhosen, Schleier und Kopftuch wurde verboten. Die allgemeine staatliche Schulpflicht wurde eingef�hrt, die Religionsschulen abgeschafft. Mann und Frau wurden gleichgestellt, ein modernes Scheidungsrecht eingef�hrt und Frauen erhielten Zugang zu den Universit�ten und das Wahlrecht. Atat�rk �bernahm das schweizerische Familien- und Erbrecht, das deutsche Handelsrecht und das italienische Strafrecht. Die Einf�hrung der lateinischen Schrift sowie die Einf�hrung von Nachnamen bedeutete eine grundlegende kulturelle Ver�nderung f�r die t�rkische Gesellschaft. Mustafa Kemal erhielt per Gesetzesbeschluss den Nachnamen Atat�rk (�Vater der T�rken�).</p><p><emphasis>1926/1931</emphasis></p><p>COMMONWEALTH����Auf der London-Konferenz von 1926 erhielten die britischen �bersee-Dominions praktisch die Unabh�ngigkeit. Damit wurde aus dem Britischen Empire das �Commonwealth�. Der Begriff findet sich erstmals in der Schlussakte dieser Konferenz, die auch als zweite Balfour-Deklaration bezeichnet wird. Dieser Beschluss wurde 1931 durch ein Gesetz des Parlamentes in Westminster vollzogen. Dadurch erhielten Kanada, Australien, S�dafrika, Neuseeland, Irland und Neufundland die eigene gesetzgeberische Unabh�ngigkeit.</p></section><section><subtitle>WELTKRISE</subtitle><p>Die krisenhafte Weltwirtschaft destabilisierte die ohnehin in Umw�lzung begriffenen politischen Systeme. Globale Verunsicherung und Radikalisierung waren die Folge.</p><p><emphasis>1922</emphasis></p><p>FASCHISMUS����Vom 27. bis 31.�Oktober 1922 inszenierte der ehemalige norditalienische Grundschullehrer und Journalist Benito Mussolini (1883�1945) einen propagandawirksamen Marsch auf Rom, drohte dem italienischen K�nig Viktor Emanuel III. mit einem Putsch und wurde daraufhin zum Ministerpr�sidenten ernannt. So erschienen die Faschisten auf der europ�ischen politischen Landkarte der Nachkriegszeit.</p><p><emphasis>Fascio</emphasis> bedeutet im Italienischen auch �Bund�. Derartige Vereinigungen hatten sich in Italien schon vor dem Ersten Weltkrieg gebildet, Mussolini schwang sich zu ihrem erfolgreichsten Anf�hrer (italienisch: <emphasis>Duce</emphasis>) auf. Ihre gesellschaftliche Basis fanden die italienischen Faschisten beim Kleinb�rgertum und bei den Gutsbesitzern. Sie propagierten eine antidemokratische und antirepublikanische Gesinnung. Ausschlaggebendes Moment f�r den europ�ischen und sp�ter den internationalen Faschismus war �berall der Kampf gegen die tats�chliche oder vermeintliche kommunistische Gefahr.</p><p>Das faschistische System Mussolinis wurde vorbildlich f�r viele �Bewegungen� und Regime, allen voran die Nationalsozialisten in Deutschland und die Falangisten Francos in Spanien, aber auch in Portugal, auf dem Balkan und in Lateinamerika. Mussolini regierte seit 1926 diktatorisch unter Ausschaltung jeglicher Opposition mit polizeistaatlichen Mitteln und �u�erstenfalls der physischen Vernichtung des politischen Gegners.</p><p>Diktaturen wurden weltweit zum Kennzeichen der Politik der Extreme, bis weit in die Nachkriegszeit und dann auch sehr verbreitet in der Dritten Welt.</p><p>STALINISMUS����Eine der monstr�sesten Diktaturen etablierte der aus Georgien stammende sowjetische Parteif�hrer Josef Stalin, der von 1924 bis zu seinem Tod 1953 regierte. Eine �Diktatur des Proletariats� war durch die Formulierung von Marx im Kommunismus ideologisch angelegt, Lenin hatte sie im Bolschewismus auf den Machtanspruch einer Kaderpartei verengt und Stalin konzentrierte sie einzig auf seine Person (Personenkult), nachdem er seinen wichtigsten politischen Rivalen Leo Trotzki ausgeschaltet hatte. Seinen Machtanspruch setzte er ab 1935 in �S�uberungen� und Schauprozessen gegen alle echten und vermeintlichen Gegner radikal durch. Opfer der ersten S�uberungen waren vor allem Altbolschewiken, viele hohe Parteifunktion�re und sehr viele ranghohe Gener�le. Folter war die �bliche Methode, um �Gest�ndnisse� zu erpressen. Die Betroffenen wurden anschlie�end hingerichtet, zu Gef�ngnis oder Zwangsarbeit in den Lagern des �Gulag� verurteilt. Das Gulag-System (<emphasis>Glawnoje Uprawlenije Isprwitelno-trudowych Lagereij</emphasis> � �Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager�) f�hrte Stalin 1929 ein. Millionen von Menschen wurden Opfer des Staats- und Parteiterrors.</p><p><emphasis>1929</emphasis></p><p>WELTWIRTSCHAFTSKRISE II����Ende der Zwanzigerjahre stagnierte die Weltwirtschaft. Einzig in die USA floss Anlagekapital noch in gro�en Mengen und l�ste dort einen B�rsenanstieg aus, der wiederum von reinen Spekulationshoffnungen gen�hrt wurde. Anfang September 1929 erreichte die New Yorker B�rse ihren bis dahin h�chsten Kursstand. Dann setzte ein dramatischer Kursverfall ein. Am �Schwarzen Donnerstag�, dem 24.�Oktober, erreichten die B�rsenums�tze ein nie gekanntes Volumen von 12,9 Millionen Aktien. Am Montag gab es noch einmal einen massiven Einbruch, und am �Schwarzen Dienstag�, dem 29.�Oktober, wechselten 16,4 Millionen Aktien panikartig den Besitzer. Im Verlauf von nur einer Woche vom 24. bis 29.�Oktober waren die Kurse um 30 Prozent gefallen. Auf den �Schwarzen Donnerstag� in Amerika folgte der �Schwarze Freitag� an den europ�ischen B�rsen.</p><p>Dem B�rsenkrach war eine Kette von wirtschaftlichen Verschlechterungen vorausgegangen und er zog eine Kette von Verschlechterungen nach sich. Das Wirtschaftswachstum setzte international komplett aus und traf das exportabh�ngige Deutschland mit voller Wucht.</p><p>Schon 1929 betrug die Zahl der Arbeitslosen fast zwei Millionen. Im Februar 1931 waren es f�nf Millionen, reihenweise gingen Firmen und Betriebe in Konkurs.</p><p>NOTVERORDNUNG����In Deutschland war die Arbeitslosenversicherung 1927 gerade erst eingef�hrt worden. Angesichts der sprunghaften Zunahme von Arbeitslosen wurden einerseits die Beitr�ge erh�ht, andererseits die Leistungen bis an den Rand des Existenzminimums gek�rzt. Im M�rz 1930 zerbrach die letzte parlamentarische Mehrheit der Weimarer Republik, die aus einer gro�en Koalition von f�nf Parteien bestand, an der Frage der Deckung des Defizits der Arbeitslosenversicherung. Die folgenden Regierungen Br�ning, von Papen und Schleicher konnten seit 1930 nur mit Notverordnungen regieren, ohne Mehrheit im Parlament: Artikel 48 der Weimarer Verfassung r�umte dem vom Volk gew�hlten und folglich mit einer starken Stellung versehenen Reichspr�sidenten das Recht ein, im Notfall ohne die Zustimmung des Parlaments Gesetze erlassen zu k�nnen.</p><p>Angesichts dieser wirtschaftlichen und politischen Situation radikalisierte sich die Arbeiterschaft. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) profitierten davon.</p><p><emphasis>1933</emphasis></p><p>MACHTERGREIFUNG����Am 30.�Januar 1933 wurde Adolf Hitler (1889�1945), der F�hrer der NSDAP, durch Reichspr�sident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Einen Monat sp�ter, am 27.�Februar, brannte das Reichstagsgeb�ude; als Brandstifter beschuldigte man einen Niederl�nder und ehemaligen Kommunisten, Marinus van der Lubbe. Hindenburg setzte die Grundrechte der Presse- und Versammlungsfreiheit au�er Kraft. SA und SS terrorisierten die politischen Gegner der Nationalsozialisten. In der Reichstagswahl am 5.�M�rz erzielte die NSDAP eine knappe Mehrheit mit den Konservativen. Die konstituierende Sitzung des neuen Reichstags fand am 21.�M�rz 1933 in Potsdam statt. Bei dieser vom neu ernannten Propagandaminister Joseph Goebbels wirkungsvoll inszenierten Veranstaltung sollte durch einen Handschlag zwischen Hindenburg und Hitler den b�rgerlichen Schichten suggeriert werden, dass die Nationalsozialisten an die Tradition Preu�ens ankn�pften. Tags zuvor war das erste Konzentrationslager in Dachau errichtet worden.</p><p>Zwei Tage sp�ter, am 23.�M�rz, beschloss der Reichstag (ohne die inzwischen ermordeten oder festgenommenen) Abgeordneten der KPD und gegen die Stimmen der SPD das �Erm�chtigungsgesetz�: Die Reichsregierung konnte nun Gesetze ohne Zustimmung des Reichstags erlassen � eine Diktatur unter dem Schein der Legalit�t. Am 31.�M�rz und am 7.�April folgte per Gesetz die �Gleichschaltung� der L�nder und Landesregierungen. Am 7.�April wurde das ber�chtigte �Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums� erlassen, aufgrund dessen die Nazis �nichtarische� und politisch missliebige Beamte entlie�en. Die Abfolge all dieser �gesetzlichen� Ma�nahmen zeigt, wie schnell und wie gut vorbereitet sich die Nazis des Staatsapparates bem�chtigten. Sie brauchten nicht einmal drei Monate, um die Macht vollst�ndig an sich zu rei�en.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Nach dem Tod Hindenburgs am 2.�August 1934 lie� Hitler die Reichswehr auf sich pers�nlich vereidigen. Im September 1935 wurden schlie�lich die infamen antisemitischen N�rnberger Rassengesetze verk�ndet. Diesen entstammen Begriffe wie �Volljude� und �Mischling�. Wesentlicher Zweck war ein Verbot der Eheschlie�ung und des sexuellen Kontakts zwischen Juden und �Deutschbl�tigen�. Nach statistischen Erhebungen gab es 1933 im Reich ca. 500000 bekennende Juden und insgesamt etwa 800000 Menschen j�discher Abstammung.</p><p><emphasis>ab 1932</emphasis></p><p>GRO�E DEPRESSION UND NEW DEAL����Auch die USA litten unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise, auch hier st�rkte das soziale Elend die politischen Extremisten. Die Arbeitslosigkeit erreichte 1932 einen Rekordstand von 15 Millionen; versch�rft wurde das Problem durch das Fehlen jeglicher Sozialversicherungen. Bei den Farmern des Mittleren Westens und des S�dens herrschten Hunger und blanke Armut. Seit seiner Nominierung zum Pr�sidentschaftskandidaten f�r die Wahl im Herbst 1932 sprach Franklin Delano Roosevelt (1882�1945) von einem �New Deal�. Gemeint waren einschneidende Wirtschafts- und Sozialreformen: staatlich finanzierte Investitionsprogramme, Arbeitsbeschaffungsma�nahmen vom Staudammbau bis zur Aufforstung von W�ldern. Es wurde ein Sozialversicherungssystem nach europ�ischem Vorbild eingef�hrt samt einer staatlichen Rente. Aber erst die gesteigerte Industrieproduktion im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg beendete die Folgen der schweren Wirtschaftskrise, die als Gro�e Depression in die Geschichte einging.</p><p><emphasis>1934/1935</emphasis></p><p>LANGER MARSCH����Zur ersten milit�rischen Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und einer b�rgerlichen Regierung in einem lang anhaltenden B�rgerkrieg kam es in China. Nach dem Ende des Kaiserreichs stellte die b�rgerliche Chinesische Nationalpartei (Kuomintang) die Regierung. 1920/1921 hatte Mao Tse-tung (1893�1976) die Kommunistische Partei unter Einfluss der Komintern mitbegr�ndet.</p><p>1927 wandte sich der neue Kuomintang-F�hrer Tschiang Kai-schek definitiv gegen die Kommunisten, lie� die Partei verbieten und verfolgen, vor allem durch ein Massaker in Shanghai 1927. Tschiang wollte die Kommunisten ausl�schen und bek�mpfte sie mit einer 500000-Mann-Armee jahrelang milit�risch, indem er die kommunistische Machtbasis im S�den Chinas systematisch einzukreisen suchte. Auch die Kommunisten verf�gten �ber eine �Rote� Armee von ann�hernd 100000 Mann, aber angesichts einer drohenden Niederlage mussten sie sich unter Maos F�hrung in die Provinz Shansi im Norden zur�ckziehen. Das war der sogenannte Lange Marsch 1934 bis 1935. Er w�hrte �ber ein Jahr, �ber 10000 Kilometer durch unwegsamstes Gel�nde waren zur�ckzulegen und nur zehn Prozent der Rotarmisten kamen in Shansi an.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Seit 1937 f�hrten Kuomintang und Kommunisten einen Verteidigungskrieg gegen Japan, das seit 1931 versuchte, in China einzufallen. Im pazifischen Raum ist dieser Krieg bereits der Beginn des Zweiten Weltkriegs.</p><p><emphasis>1936�1939</emphasis></p><p>SPANISCHER B�RGERKRIEG����Faschisten gegen Kommunisten, Rechte gegen Linke lautete auch die Frontstellung im Spanischen B�rgerkrieg. 1931 endete in Spanien die Monarchie, 1936 kamen in Frankreich wie in Spanien durch demokratische Wahlen linke Koalitionsb�ndnisse (Volksfrontregierungen) an die Macht. Diese Regierungen trieben soziale Reformen wie Jahresurlaub und Arbeitszeitbeschr�nkung voran, im Falle Spaniens auch eine Landreform, die den Bauern mehr Rechte und Eigentum bringen sollte; au�erdem waren sie nat�rlich antiklerikal eingestellt. Hinter den spanischen Faschisten, der konservativen Opposition, standen die Gro�grundbesitzer und die Kirche. Politische Attentate, Streiks und Stra�enk�mpfe destabilisierten die Lage. Ein knappes halbes Jahr nach dem Wahlsieg der Volksfront im Februar 1936 leitete Franco im Juli von Marokko aus seinen Putsch ein. Die Putschisten konnten in Andalusien schnell Fu� fassen. Gro�e Teile der regul�ren Armee liefen zu Franco �ber, so dass die Regierung ohne Milit�r zur Gegenwehr dastand. Franco bildete am 1.�Oktober 1936 eine Gegenregierung in Burgos.</p><p><emphasis>1936</emphasis></p><p>INTERNATIONALE BRIGADEN����Der Spanische B�rgerkrieg von 1936 bis 1939 gilt als �Vorspiel� zum Zweiten Weltkrieg auf europ�ischem Boden. Beide B�rgerkriegsparteien wurden vom Ausland unterst�tzt. Die Francisten erhielten Milit�rhilfe aus dem faschistischen Italien Mussolinis und aus Hitler-Deutschland. Bekannt ist der Einsatz der deutschen �Legion Condor�, die mit ihren Flugzeugen 1937 die baskische Stadt Guernica zerst�rte. Pablo Picasso schuf zum Gedenken daran sein ber�hmtes Monumentalgem�lde <emphasis>Guernica</emphasis>. Zur Unterst�tzung der Volksfrontregierung kamen aus ganz Europa und den USA freiwillige K�mpfer, darunter K�nstler und Intellektuelle wie Ernest Hemingway, George Orwell, Egon Erwin Kisch. Die Internationalen Brigaden waren von der Kommunistischen Internationale (Komintern) aufgestellt worden und unterlagen sogar stalinistischen S�uberungen. Ernest Hemingway schuf mit seinem Roman <emphasis>Wem die Stunde schl�gt</emphasis> das bekannteste literarische Denkmal des Spanischen B�rgerkrieges, der mit gro�er Grausamkeit gef�hrt wurde.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: General Franco (1892�1975) regierte das Land diktatorisch bis zu seinem Tod und verwandelte es 1946 zur�ck in eine Monarchie ohne K�nig. Einen K�nig gab es aber erst wieder nach Francos Tod mit dem jetzt regierenden Juan Carlos I. Dieser ist ein Enkel K�nig Alfons XIII., der 1931 abgedankt hatte. Juan Carlos unterst�tzt entschlossen die demokratische Entwicklung Spaniens. Eine parallele Entwicklung nahm das Nachbarland Portugal, wo Antonio Salazar das Land � ohne Putsch � von 1932 bis 1968 diktatorisch regierte. Dessen Nachfolger Caetano wurde am 24. April 1974 in der unblutigen �Nelkenrevolution� von linksliberalen Offizieren gest�rzt, die die Demokratisierung einleiteten. Die Nelkenrevolution war der Anfang vom Ende der rechtsgerichteten Diktatoren in S�deuropa.</p></section><section><subtitle>DER ZWEITE WELTKRIEG</subtitle><p>�blicherweise betrachtet man als Zeitraum des Zweiten Weltkriegs die Phase vom 1.�September 1939 (deutscher �berfall auf Polen) bis zum 8.�Mai 1945 (deutsche Kapitulation) beziehungsweise 2.�September 1945 (japanische Kapitulation nach den Atombombenabw�rfen auf Hiroshima und Nagasaki). Auf dem fern�stlichen Kriegsschauplatz begann der Krieg allerdings bereits 1937 mit der japanischen Invasion Chinas. Ein entscheidendes Zwischendatum ist der Kriegseintritt der USA am 8.�Dezember 1941 nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor.</p><p><emphasis>1931/1937</emphasis></p><p>MANDSCHU-KUO����Bereits 1931 hatte Japan die rohstoffreiche nordchinesische Mandschurei besetzt und dort einen Mandschu-Kuo genannten Staat errichtet. 1937 besetzten die Japaner Teile Chinas, darunter Nanking mit einem T�tungs- und Vergewaltigungsmassaker mit weit �ber 200000 Opfern, ein gigantisches Kriegsverbrechen. Trotz des gemeinsamen Abwehrkampfes von b�rgerlicher Kuomintang und Kommunisten konnte keine Seite die Oberhand gewinnen. 1940/41 zerbrach die chinesische Einheitsfront wieder. Nach Abschluss eines Nichtangriffspakts zwischen Japan und der Sowjetunion eroberten die Japaner in einer Art Blitzkrieg binnen weniger Monate den gesamten pazifischen Raum einschlie�lich der Philippinen, Indochina und Indonesien. Damit vertrieben sie � vorl�ufig � die Kolonialm�chte, insbesondere die Holl�nder und die Franzosen. Wegen dieser japanischen Expansionspolitik wurde der Pazifik zum zweiten gro�en Kriegsschauplatz. Den n�chsten Schlag f�hrten die Japaner dann direkt gegen die USA in Pearl Harbor.</p><p><emphasis>1938/1939</emphasis></p><p>ANSCHLUSS����Die erste Ver�nderung auf der Landkarte Europas vollzog Hitler durch den �Anschluss� �meiner Heimat an das Deutsche Reich�, wie er am 15.�M�rz 1938 einer jubelnden Menge auf dem Heldenplatz in Wien verk�ndete. Vom 12. bis 15.�M�rz war eine Armee der deutschen Wehrmacht gewaltfrei in �sterreich einmarschiert, was durch den Versailler Vertrag ausdr�cklich verboten war. Selbstverst�ndlich wurde �sterreich umgehend �gleichgeschaltet�.</p><p>Im Herbst 1938 vereinnahmte Hitler die deutschsprachigen (sudentendeutschen) Gebiete in der Tschechoslowakei auf der Grundlage des M�nchner Abkommens vom 29.�September. F�r die Sicherheit und Integrit�t des Vielv�lkerstaats Tschechoslowakei, ein Produkt der Friedenskunst der Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg, garantierten Frankreich und Gro�britannien. Unter Vermittlung Mussolinis gestatteten die Premierminister �douard Daladier und Neville Chamberlain auf einer Konferenz in M�nchen Hitler die Besetzung des Sudetenlandes. Sie gaben Hitlers Forderungen nach und meinten, mit ihrem <emphasis>Appeasement</emphasis> (�Beschwichtigung�) den Bestand der restlichen Tschechoslowakei gesichert und <emphasis>peace for our time</emphasis> gesichert zu haben. Wiederum ein halbes Jahr sp�ter besetzten Hitlers Truppen am 15.�M�rz 1939 die �Rest-Tschechei� � ohne dass Frankreich oder Gro�britannien intervenierten. Tags darauf wurde das �Protektorat B�hmen und M�hren� errichtet.</p><p><emphasis>1939�1940</emphasis></p><p>BLITZKRIEG����Seit dem 1.�September 1939 �berfiel die deutsche Wehrmacht nacheinander Polen, D�nemark, Norwegen, die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Nordfrankreich. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris Mitte Juni 1940 war Hitler auf dem H�hepunkt seiner Macht und Zustimmung in Deutschland.</p><p>In diesem Moment, als man in Gro�britannien erkannte, dass die Engl�nder nunmehr als einzige und letzte der nationalsozialistischen Expansion gegen�berstanden, hielt der englische Premierminister Winston Churchill am 13.�Mai 1940 vor dem Unterhaus seine ber�hmte Blut-Schwei�-und-Tr�nen-Rede. (�<emphasis>I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat</emphasis>� � �Ich kann nichts bieten au�er Blut, M�hsal, Tr�nen und Schwei�.�) Es folgte die etwa einj�hrige �Luftschlacht um England�, der Versuch der deutschen Luftwaffe, die Briten durch die Bombardements gro�er St�dte zu demoralisieren und eventuell sogar eine Invasion vorzubereiten. Weil die Briten das gerade erst erfundene Radar effektiv einsetzten und durch die Entzifferung des Enigma-Codes den deutschen Funkverkehr entschl�sseln konnten, erlitt die Luftwaffe hohe Verluste.</p><p><emphasis>ab 1941</emphasis></p><p>OSTFRONT����Die Eroberungen von Hitlers Wehrmacht schienen 1941 kein Ende zu nehmen. Au�er dem Kriegsgegner Gro�britannien und den neutralen Staaten Schweden, Irland, Portugal, Spanien und die Schweiz hielten die beiden Achsenm�chte, das Deutsche Reich und Italien, ganz Europa bis weit in den Osten besetzt oder in Abh�ngigkeit, wie die Slowakei, Rum�nien und der nicht besetzte Rest Frankreichs s�dlich der Loire unter der von Hitler anerkannten Vichy-Regierung. Als Mussolinis Vorsto� auf dem Balkan scheiterte, �bernahm die deutsche Wehrmacht auch hier das Kommando. Unter General Erwin Rommel griff ein deutsches Korps in Nordafrika in den dortigen Krieg gegen die Briten ein.</p><p>Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion, das �Unternehmen Barbarossa�, begann am 22.�Juni 1941. Erst an diesem Tag entstand die �Ostfront�. Der deutschen Besetzung Polens 1939 hatte die Sowjetunion aufgrund eines unmittelbar vor Kriegsbeginn geschlossenen Nichtangriffspaktes (�Hitler-Stalin-Pakt�) tatenlos zugesehen und sich mit Lettland, Estland, Finnland und Ostpolen ihren �Anteil� gesichert. �Barbarossa� war ein glatter Bruch dieses Vertrags. 1941 und 1942 reichte die Ostfront von der Ostseek�ste bis etwa 50 Kilometer an Moskau heran und am Schwarzen Meer bis zur Halbinsel Krim. Das war ein riesiges Territorium, das Wei�russland und die Ukraine einschloss.</p><p><emphasis>Juni 1941�Mai 1945</emphasis></p><p>GRO�ER VATERL�NDISCHER KRIEG����In der Sowjetunion sprach man vom �Gro�en Vaterl�ndischen Krieg� gegen Hitler-Deutschland. Das Land erlitt die st�rksten Verluste an Menschen im gesamten Zweiten Weltkrieg. Zun�chst war die Rote Armee nicht auf den �berfall durch die rasch vordringende Wehrmacht vorbereitet. Leningrad wurde seit Herbst 1941 von deutschen Truppen blockiert, konnte aber � trotz der Hungerkatastrophe in der Stadt � nie erobert werden. Der deutsche Vormarsch auf Moskau erlahmte im Herbst zuerst im Schlamm und anschlie�end im eisigen Winter. Die deutschen Truppen waren f�r Temperaturen bis minus 35 Grad nicht ausger�stet.</p><p>Nach ihren schweren Verlusten in der Anfangsphase mobilisierten die Sowjets alle Kr�fte. Schon im Winter 1942 wurde der deutsche Angriff auf Moskau zur�ckgeschlagen. Ein Jahr sp�ter, ebenfalls im Winter, kam die Kriegswende mit der von beiden Seiten verbissen gef�hrten Schlacht um das noch weiter �stlich an der Wolga gelegene Stalingrad. Am 31.�Januar 1943 begab sich der dortige Generalfeldmarschall Paulus mit den Resten seiner 6. Armee in sowjetische Gefangenschaft. Hitler-Deutschland geriet von nun an in die Defensive.</p><p><emphasis>ab Februar 1943</emphasis></p><p>TOTALER KRIEG����Eine unmittelbare Reaktion auf die katastrophale Niederlage bei Stalingrad war die Rede des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast am 18.�Februar 1943, in der er die von ihm erhobene Forderung nach Mobilisierung aller Reserven von Staat, Volk und Wirtschaft in die Frage kleidete: �Wollt ihr den totalen Krieg?�. Der Begriff geht auf den f�hrenden General des Ersten Weltkriegs, Erich Ludendorff, zur�ck. Er wurde zum Symbol f�r einen der gr��ten, allumfassendsten und verlustreichsten Aggressionskriege der Weltgeschichte. Die systematische Zerst�rung ziviler Ziele war von Anfang an ein Charakteristikum des Zweiten Weltkriegs. Die Deutschen flogen Luftangriffe unter anderem auf Warschau, Rotterdam (ab Mai 1940) und Coventry als erster englischer Stadt ab November 1940. 1942 begannen die Alliierten mit Fl�chenbombardements in Schw�rmen von teilweise �ber 1000 Flugzeugen. Diese Luftkriegf�hrung war ganz bewusst gegen die deutsche Zivilbev�lkerung gerichtet. Die nahezu komplette Zerst�rung ganzer St�dte trug sich erst in den allerletzten Kriegsmonaten 1945 zu. Den traurigen Auftakt bildeten die Angriffe auf N�rnberg (2.�Januar), Dresden (13./14.�Februar) und Pforzheim (23.�Februar).</p><p><emphasis>1941�1945</emphasis></p><p>DIE �ENDL�SUNG DER JUDENFRAGE�����Am 13.�Dezember 1941 notierte Joseph Goebbels in seinem Tagebuch nach einer Besprechung in den Privatr�umen Hitlers: �Der Weltkrieg ist da, die Vernichtung des Judentums muss die notwendige Folge sein.�</p><p>Am 20.�Januar 1942 trafen sich unter dem Vorsitz des SS-Obergruppenf�hrers Reinhard Heydrich 15 hochrangige NS-Partei- und Beh�rdenvertreter, um �ber die Verschleppung und Vernichtung der j�dischen Bev�lkerung Europas zu beraten. Bereits seit Sommer 1941 war Heydrich auf Anordnung Hermann G�rings mit der �Endl�sung� befasst, wie G�ring es formulierte. Es ging also nicht um Vertreibung, sondern um b�rokratisch geplanten und durchgef�hrten V�lkermord in den Vernichtungslagern, f�r die der Ortsname Auschwitz der Inbegriff geworden ist.</p><p>Man kann keine Menschenleben gegeneinander aufrechnen, aber trotz der 55 bis 60 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges, wobei die Sowjetunion und China die h�chsten Verluste erlitten, �berschatten diese Nazi-Gr�uel alle anderen Grausamkeiten, weil man es einfach nicht fassen kann, dass eine derartige Ausrottung kaltbl�tig geplant und jahrelang durchgef�hrt wurde.</p><p><emphasis>Juni 1944</emphasis></p><p>D-DAY����In Afrika hatte die Schlacht von El-Alamein Ende Oktober und Anfang November 1942 gegen die Briten die Wende des Kriegsgeschehens im Mittelmeerraum gebracht. Bereits am 10.�Juli 1943 begann mit der Landung der Alliierten in Sizilien die R�ckeroberung Europas gegen die Nazis von S�den aus. Mussolini wurde noch im gleichen Monat abgesetzt und nach einer gescheiterten Republikgr�ndung in Norditalien bei Kriegsende auf der Flucht in die Schweiz erschossen.</p><p>Am 6.�Juni 1944 landete die amerikanische und englische Hauptgruppe der Alliierten mit Fallschirmspringern und Unmengen von Booten an mehreren Strandabschnitten in der Normandie. Im Englischen hei�t dieser Tag <emphasis>D-Day</emphasis> (was ungef�hr �Stichtag� bedeutet), die Operation trug den Decknamen <emphasis>Overlord</emphasis>. Oberkommandierender der Invasion war der General und sp�tere amerikanische Pr�sident Eisenhower. Bereits am 25.�August wurde Paris befreit. Von da an dauerte es noch ein Dreivierteljahr, bis die alliierten Truppen durch die Ardennen Anfang M�rz 1945 den Rhein erreichten und am 25.�April mit den sowjetischen Truppen an der Elbe zusammentrafen. Deutschland befand sich im Zweifrontenkrieg, den es nicht gewinnen konnte.</p><p><emphasis>1939�1944</emphasis></p><p>WIDERSTAND����gegen das Hitler-Regime regte sich �berall in Europa und Deutschland. In allen besetzten Gebieten, von Holland �ber Polen, Russland und den Balkan, f�hrten Partisanen einen riskanten Sabotage- und Untergrundkrieg. Sehr prominent war die R�sistance in Frankreich. Deren f�hrender Kopf war der ehemalige Pr�fekt Jean Moulin; bereits 1943 von der Gestapo verhaftet und von Klaus Barbie sadistisch verh�rt, starb Moulin auf dem Weg ins KZ. Au�erhalb Frankreichs sch�rte der im britischen Exil lebende General Charles de Gaulle im Namen des �Freien Frankreich� den Widerstand und nahm sp�ter mit eigenen Truppen an der alliierten Besetzung teil. De Gaulle wurde von 1959 bis 1969 franz�sischer Staatspr�sident und initiierte zusammen mit dem deutschen Bundeskanzler Adenauer ma�geblich die deutsch-franz�sische Auss�hnung.</p><p>Der deutsche Widerstand war einerseits durchaus bedeutend, andererseits v�llig uneinheitlich. Widerstand war vorhanden bei Sozialdemokraten und Kommunisten, es gab Widerstand in b�rgerlichen und kirchlichen Kreisen. Es gab die Aktionen von Einzelnen wie das B�rgerbr�u-Attentat von Georg Elser 1939, es gab die Aktionen von Gruppen wie der �Wei�en Rose� mit den Geschwistern Hans und Sophie Scholl.</p><p>Der von Helmuth James Graf von Moltke und Peter Yorck Graf von Wartenburg gef�hrte Kreisauer Kreises war eng verkn�pft mit der Gruppe von Offizieren, die unter der F�hrung von Claus Schenk Graf von Stauffenberg das Attentat auf Hitler vom 20.�Juli 1944 plante, dem ein Staatstreich unter dem Decknamen �Operation Walk�re� folgen sollte. Nach dem Scheitern von Attentat und Umsturz wurden Stauffenberg und der engste Kreis seiner Mitverschw�rer noch in der Nacht in Berlin erschossen und anschlie�end rund 200 weitere Mitwisser hingerichtet.</p><p><emphasis>1941</emphasis></p><p>PEARL HARBOR����ist wie �Waterloo� oder �Stalingrad� der sprichw�rtliche Inbegriff einer Niederlage. �ber Nacht weltweit bekannt wurde der amerikanische Marinest�tzpunkt auf der Hawaii-Insel Oahu, als die Japaner bei einem Luftangriff teilweise mit Kamikaze-Eins�tzen am Morgen des 7.�Dezember 1941 den St�tzpunkt vollkommen zerst�rten und f�nf Schlachtschiffe sowie eine Vielzahl anderer Schiffe und Flugzeuge besch�digten. �ber 2000 Amerikaner fanden bei diesem �berraschungsangriff den Tod.</p><p>Am 8.�Dezember erkl�rte Pr�sident Roosevelt Japan den Krieg. Wiederum einen Tag sp�ter erkl�rte Hitler als Verb�ndeter Japans seinerseits den USA den Krieg. Aus dem deutschen und japanischen Eroberungskrieg war ein Weltkrieg geworden.</p><p><emphasis>1941�1945</emphasis></p><p>ASIEN DEN ASIATEN����Der Krieg im Pazifik verlief milit�risch gesehen unabh�ngig vom Geschehen in Europa, war aber nicht weniger verlustreich. Unter der propagandistischen Parole �Asien den Asiaten� hatte die nationalistische Milit�rdiktatur Japans nach dem �berfall auf Pearl Harbor 1941 im Herbst innerhalb von vier Monaten den gesamten pazifischen Raum unter ihre Kontrolle gebracht, ein riesiges Gebiet mit 450 Millionen Menschen. Seit der Schlacht um die Midway-Inseln �stlich von Hawaii Anfang Juni 1942 gelang es dann den USA, die Japaner zur�ckzudr�ngen. In Midway verloren die Japaner einen bedeutenden Teil ihrer Flotte; in der Schlacht von Leyte auf den Philippinen Ende Oktober 1944 ging ihre restliche Seestreitkraft unter. Die Kamikaze-Flieger brachten den Japanern nicht die erhofften Erfolge bei der Zerst�rung amerikanischer Schiffe, aber der Begriff veranschaulicht, wie verlustreich und verbissen auf beiden Seiten zweieinhalb Jahre lang um jede einzelne Insel gerungen wurde.</p><p><emphasis>1945</emphasis></p><p>HIROSHIMA����Am 6.�August und am 9.�August 1945 detonierten �ber den japanischen St�dten Hiroshima und Nagasaki die ersten Atombomben der Weltgeschichte. Schlagartig wurde durch jeweils einen einzigen milit�rischen Einsatz eine ganze Stadt zerst�rt und auf Jahrzehnte hin verstrahlt. Einschlie�lich der Sp�tfolgen fanden �ber 200000 Menschen den Tod. Der Krieg hatte eine neue Dimension gewonnen.</p><p>Nach der deutschen Kapitulation am 7.�Mai 1945 in Reims f�r die Westfront und am 8.�Mai in Berlin-Karlshorst gegen�ber der Sowjetunion nahm der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkr�fte, der amerikanische Feldmarschall Douglas MacArthur, am 2.�September 1945 die Kapitulation Japans auf dem US-Schiff <emphasis>Missouri </emphasis>entgegen. Am 9.�September kapitulierte auch die japanische China-Armee mit einer Million Mann gegen�ber dem chinesischen Kuomintang-F�hrer Tschiang Kai-schek.</p></section><section><subtitle>DIE FOLGEN DES ZWEITEN WELTKRIEGES</subtitle><p>Der nach dem Ersten Weltkrieg in Genf eingerichtete V�lkerbund war eine Art Vorl�uferorganisation der UNO und existierte bis 1946. Die Idee war, etwaige politische Konflikte durch neutrale Vermittlung zu l�sen. Seine wichtigste v�lkerrechtliche Funktion war die Vergabe und Kontrolle sogenannter Mandate. Damit war die administrative Herrschaftsaus�bung in den ehemaligen Kolonien des Deutschen Reiches und in gro�en Teilen des ehemaligen Osmanischen Reiches im Nahen Osten gemeint. Das im Nachhinein wichtigste Mandat war das britische Mandat f�r Pal�stina, das bis 1920 osmanisch war, dann unter britische Oberhoheit geriet und nach dem Zweiten Weltkrieg in �Transjordanien� und Israel aufgeteilt wurde. Die benachbarten Mandate Libanon und Syrien gingen an Frankreich, der heutige Irak ebenfalls an die Briten.</p><p><emphasis>1947/1948</emphasis></p><p>ISRAEL����In der nach ihm benannten Balfour-Deklaration hatte der damalige britische Au�enminister Arthur James Balfour 1917 im Namen seiner Regierung empfohlen, �die Errichtung einer nationalen Heimst�tte f�r das j�dische Volk� mit Wohlwollen zu betrachten und sich f�r deren Erreichung einzusetzen. Nach 1880 und nochmals zwischen 1904 und 1914 waren als Folge der Judenpogrome in Russland vorwiegend osteurop�ische Juden in das d�nn besiedelte Pal�stina gekommen. Bedeutendste j�dische Stadtneugr�ndung aus dieser Zeit ist Tel Aviv (1909). Gleich nach der �bernahme des V�lkerbund-Mandats teilten die Briten das Gebiet in zwei Bezirke, der Jordan war die Grenze. �stlich davon entstand Transjordanien, der sp�tere Staat Jordanien. Die Juden durften nur in Westpal�stina siedeln. W�hrend der Zwanziger- und erst recht der Drei�igerjahre str�mten durch die Nazi-Verfolgung immer mehr j�dische Immigranten in das westpal�stinische Gebiet. Im Westjordanland lebte eine arabische Mehrheit (heute eine Minderheit: 20 Prozent). Die Spannungen wuchsen, antij�discher und antibritischer Aufruhr musste mit massivem Truppeneinsatz niedergeschlagen werden. Zwischen 1937 und 1939 gab es Tausende von toten, verwundeten, geflohenen, inhaftierten ausgewiesenen Arabern. Die Briten waren der Lage nicht mehr gewachsen.</p><p>1947 wurde von der UNO ein Plan verabschiedet, der das gesamte Westpal�stina in Gebiete mit �berwiegend j�discher und �berwiegend arabischer Bev�lkerung teilte. Dieser bildete die Grundlage f�r die Grenzen des neuen Staates Israel und den eigenartigen Grenzverlauf mit der langgestreckten �Taille� in der Mitte.</p><p>An dem Abend, als das britische Mandat ablief, am 14.�Mai 1948, verk�ndete David Ben Gurion (1886�1973) die Unabh�ngigkeit Israels. Er wurde der erste Ministerpr�sident des Landes. Die USA erkannten Israel sofort an (elf Minuten sp�ter), die Sowjetunion drei Tage darauf. Noch in der gleichen Nacht erkl�rten alle umliegenden arabischen Staaten Israel den Krieg (bis 1949).</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Das schwierige Verh�ltnis zwischen Israelis und Arabern war und ist bis heute extrem komplex und wurde durch mehrere Kriege im Nahen Osten immer komplizierter. Allein nach der Aufl�sung der Sowjetunion wanderten zwischen 1990 und 2000 noch einmal �ber eine Million Juden aus Russland ein. Heute leben etwa sechs Millionen Israelis und ungef�hr anderthalb Millionen Pal�stinenser in dem Staat. Es gibt weitere acht Millionen Pal�stinenser. F�nf Millionen von ihnen leben im Westjordanland und im Gazastreifen sowie in Jordanien und drei Millionen in anderen L�ndern der arabischen Welt oder in weiteren Staaten, beispielsweise in Griechenland, aber auch in den USA.</p><p><emphasis>1945</emphasis></p><p>VEREINTE NATIONEN����Der amerikanische Pr�sident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill bem�hten sich bereits seit 1941 und unmittelbar unter dem Schock des deutschen �berfalls auf die Sowjetunion um die Errichtung einer internationalen Weltstaatenorganisation als Nachfolger f�r den nicht sehr wirksamen V�lkerbund. An diesen Pl�nen beteiligten sich seit 1943 auch die Sowjetunion und China. Die Charta der Vereinten Nationen wurde auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 verabschiedet und am 26.�Juni 1945 von 50 Gr�ndungsnationen in San Francisco unterzeichnet. Dieser Tag gilt als Gr�ndungstag der UNO, die ihren Hauptsitz in New York hat. Die Vereinten Nationen sind ein souver�nes V�lkerrechtssubjekt.</p><p>Hauptziele sind die Friedenssicherung, die Einhaltung des V�lkerrechts und der Schutz der Menschenrechte. Die UNO verf�gt �ber eigene Truppen (�Blauhelme�).</p><p>FLUCHT UND VERTREIBUNG����Die bedeutendsten territorialen Ver�nderungen nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa betrafen Deutschland und Polen. Sie beruhten auf Beschl�ssen der Konferenz von Jalta Anfang Februar 1945 und wurden auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 definiert. Die Oder-Nei�e-Linie wurde Westgrenze Polens, das daf�r Gebiete im Osten an die Sowjetunion abtreten musste. Diejenigen (Ost-)Preu�en, Pommern und Schlesier, die nicht schon w�hrend des Krieges vor der heranr�ckenden Roten Armee geflohen waren, sollten nach Deutschland umgesiedelt werden. Gewaltsam und nahezu vollst�ndig vertrieben wurden die Deutschen aus der Tschechoslowakei und etlichen deutschen Siedlungsgebieten auf dem Balkan. Sofern sie den Krieg �berlebt hatten, verloren die aus Polen und der Tschechoslowakei geflohenen und vertriebenen Deutschen dadurch ihre Existenzgrundlage.</p><p>BESATZUNGSZONEN����Deutschland, Berlin und auch �sterreich wurden in jeweils vier Besatzungszonen aufgeteilt. Deutschland als Ganzes hatte durch die bedingungslose Kapitulation seine Souver�nit�t verloren, das Deutsche Reich aufgeh�rt zu existieren. Diese Souver�nit�t und die damit verbundene Verantwortung nahmen nun die Besatzungsm�chte wahr. Deswegen musste beispielsweise der Westteil Berlins w�hrend der Berliner Blockade 1948/1949 aus der Luft versorgt werden und die Sowjetunion h�tte Ende der Achtzigerjahre die kurz vor dem Zusammenbruch stehende DDR �durchf�ttern� m�ssen. Erst durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990/1991 (zwischen BRD, DDR und den fr�heren Besatzungsm�chten Frankreich, Gro�britannien, USA und � damals noch � Sowjetunion) im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde das Besatzungsstatut beendet, und Deutschland gewann seine volle Souver�nit�t zur�ck. �sterreich hatte seine Souver�nit�t bereits durch den Staatsvertrag von 1955 wiedererlangt.</p><p><emphasis>1946</emphasis></p><p>EISERNER VORHANG����Auf ihrer Konferenz in Jalta 1945 hatten sich die angehenden Siegerm�chte USA, Sowjetunion und Gro�britannien, insbesondere Churchill und Stalin, auf ihre jeweilige Einflusszone in Europa geeinigt. Schon bald nach Kriegsende riegelte der �Ostblock�, also alle von der Sowjetunion abh�ngigen Staaten, seine Grenzen durch Sperren und Kontrollen gegen den Westen rigoros ab. Das hatte man bei den Konferenzen in Jalta und Potsdam so nicht vorausgesehen. Winston Churchill formulierte 1946 bei einer Rede an einem amerikanischen College den Satz <emphasis>An iron curtain has descended across the continent</emphasis> (�Ein Eiserner Vorhang hat sich �ber den Kontinent gesenkt�).</p><p><emphasis>1947</emphasis></p><p>KALTER KRIEG����Marshall-Plan, Kalter Krieg und die Truman-Doktrin stehen in einem direkten Zusammenhang. Der erfahrene amerikanische Diplomat George F. Kennan (1904�2005) war unter Au�enminister George C. Marshall Planungschef im amerikanischen Au�enministerium und formulierte das Prinzip des <emphasis>containment, </emphasis>der �Eind�mmung� der sowjetischen Expansion. Dies wird in der von Pr�sident Harry S. Truman im M�rz 1947 verk�ndeten Truman-Doktrin als amerikanische �Unterst�tzung f�r alle in ihrer Freiheit bedrohten V�lker� formuliert. In Trumans Ansprache ist auch von der �wirtschaftlichen und finanziellen Hilfe� f�r die freiheitlich-demokratische �Lebensform� die Rede, die alsbald im Marschall-Plan f�r Europa realisiert wurde. In diesen Formulierungen zeichnet sich deutlich die Sichtweise von der in zwei gro�e Bl�cke gespaltenen Nachkriegswelt ab. Die Formel vom �Kalten Krieg� verbreitete sich durch den Titel des Buches <emphasis>Cold War. A Study in US Foreign Policy</emphasis> des Journalisten Walter Lippmann, das 1947 erschien. Sie war kurz zuvor von einem amerikanischen Pr�sidentenberater erstmals formuliert worden.</p><p><emphasis>1948</emphasis></p><p>MARSHALL-PLAN����Nach dem Krieg waren auch Frankreich und England wirtschaftlich am Boden. Das zerst�rte Deutschland sowieso; hinzu kamen zwei extrem kalte Winter 1946 und 1947, sodass die humanit�re Lage in Deutschland katastrophal war. Das nach dem damaligen Au�enminister George C. Marshall (1880�1959) benannte Wiederaufbauprogramm f�r Westeuropa sollte Abhilfe schaffen. Neben konkreter humanit�rer Hilfe erhielten die europ�ischen Staaten vor allem Geld zum Wiederaufbau, aber nicht geschenkt, sondern in Form von Krediten. In Deutschland steht die Gr�ndung der Kreditanstalt f�r Wiederaufbau 1948 damit in direktem Zusammenhang. Man lieh den Mitsiegern wie den Besiegten Geld, damit sie Rohstoffe und Investitionsg�ter kaufen konnten � nat�rlich in Amerika. Eine gute Kapitalanlage. Den gr��ten Anteil erhielten Frankreich (3,1 Milliarden Dollar) und Gro�britannien (3,6 Milliarden Dollar), wo die Lebensmittelrationierung erst in den F�nfzigerjahren aufgehoben werden konnte. Auch in Italien war die Situation nach dem Krieg prek�r, die Kommunisten hatten gro�en Zulauf. Italien erhielt 1,6 Milliarden, Deutschland 1,4 Milliarden, die Niederlande, Griechenland und �sterreich alle etwas unter 1 Milliarde, auch alle anderen bekamen etwas, auch die skandinavischen Staaten, selbst die Schweiz.</p><p><emphasis>1949</emphasis></p><p>NATO����Eine weitere Folge der <emphasis>Containment</emphasis>-Politik war die Gr�ndung der NATO (Nordatlantik-Pakt-Organisation) am 4.�April 1949. Auf westatlantischer Seite geh�ren zu dem B�ndnis die USA und Kanada, auf europ�ischer Seite die meisten westeurop�ischen Staaten (au�er den Neutralen: Schweden, Schweiz, �sterreich und Irland) und die T�rkei. Die Bundesrepublik Deutschland trat am 9.�Mai 1955 bei. Einer oft zitierten Formel zufolge ist Sinn und Zweck der NATO <emphasis>to keep the Russians out, the Americans in and the Germans down</emphasis> (�die Russen aus Westeuropa rauszuhalten, die Amerikaner an der Seite der Westeurop�er zu halten und die Deutschen am Boden zu halten�).</p><p>Das galt jedenfalls bis zur Wende. Die Antwort des Ostblocks auf die NATO war die Gr�ndung des Warschauer Pakts. Dies geschah 1955, eine Woche nach dem Beitritt der BRD zur Nato. Der Warschauer Pakt l�ste sich nach der Wende am 1.�Juli 1991 auf.</p></section><section><subtitle>DIE UNABH�NGIGKEITSBEWEGUNGEN</subtitle><p>An der Gr�ndung der Vereinten Nationen 1945 nahmen 51 Staaten teil, von � wie �gypten bis V wie Venezuela. Heute hat die UNO 192 Mitgliedsl�nder. Bis zum Beitritt der ersten afrikanischen Staaten (Ghana und Guinea) 1960 war die Mitgliederzahl auf rund 80 gewachsen. Einen Staatenvermehrungsschub gab es in den Sechzigerjahren durch die Unabh�ngigkeit vieler ehemaliger Kolonien in Afrika und Asien sowie in den Neunzigern nach dem Zerfall der Sowjetunion und Jugoslawiens.</p><p>INDISCHER NATIONALKONGRESS����Bereits 1885 war in Bombay der Indische Nationalkongress (INC) gemeinsam durch Hindus und Muslime gegr�ndet worden. Beteiligt war daran auch Motilal Nehru, Vater von Jawaharlal Nehru und Gro�vater von Indira Gandhi.</p><p>Mahatma Gandhi (1869�1948) hatte noch vor den Burenkriegen in S�dafrika erste politische Widerstandsaktivit�ten entfaltet, weil er dort von 1893 bis 1896 als junger, in England ausgebildeter Anwalt (und aus einer hohen Kaste stammend) schikaniert worden war. Auf englischer Seite nahm Gandhi 1899 als Sanit�ter am Burenkrieg teil. 1914 kehrte er endg�ltig nach Indien zur�ck und baute seinen Ashram auf. Nach dem Massaker von Amritsar am 13.�April 1919, bei dem die Briten bei einer gewaltfreien Demonstration des INC Tausende von Menschen get�tet und verletzt hatten, �bernahm er 1920 dessen F�hrung.</p><p>Durch Gandhi wurde der INC zur Massenbewegung. Gandhi forderte die Inder auf, sich nicht mehr an der britischen Verwaltung Indiens zu beteiligen, britische Waren zu boykottieren und gewaltfreien, zivilen Ungehorsam zu �ben. Schulen, B�ros, Fabriken, Gesch�fte, Verkehr, Polizei, Milit�r � alles wurde bestreikt und lahmgelegt. Die 100000 Briten in Indien waren schockiert. Ihnen standen 300 Millionen Inder gegen�ber. Mit dem spektakul�ren Salzmarsch, angef�hrt von Gandhi, sollte 1930 das britische Salzmonopol durchbrochen werden: Inder durften kein Salz herstellen oder verkaufen und mussten auf das britische Salz Steuern zahlen. Millionen Inder gewannen aus dem Meer ihr eigenes Salz, und Zehntausende lie�en sich verhaften. Erst danach signalisierten die Briten ein gewisses Entgegenkommen. 1935 wurden Wahlen zu Provinzparlamenten abgehalten und Birma 1937 zur unabh�ngigen Kronkolonie erhoben.</p><p>INDIEN UND PAKISTAN����Indien k�mpfte im Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Alliierten � gegen die Zusicherung, anschlie�end in die Unabh�ngigkeit entlassen zu werden. Gandhi begann dies im Sommer 1942 einzufordern und wurde im Alter von 73 Jahren � ein weiteres Mal � f�r zwei Jahre ins Gef�ngnis gesteckt, was die Unterst�tzung f�r ihn nur vergr��erte. Auch sein bedeutendster Mitstreiter Jawaharlal Nehru (1889�1964) wurde bis 1945 von den Briten gefangen gehalten. Danach verhandelten Gandhi und Nehru sowie der F�hrer der Muslimliga Ali Jinnah mit dem letzten indischen Vizek�nig Lord Mountbatten nur noch �ber die Modalit�ten der Unabh�ngigkeit. Mountbatten war ein enger Verwandter der englischen K�nigsfamilie.</p><p>Als gr��ter je in die Unabh�ngigkeit entlassene Staat erhielt Indien am 15.�August 1947 seine Souver�nit�t. Gleichzeitig wurde Pakistan abgespalten. Da die indischen Muslime f�rchteten, innerhalb der Unabh�ngigkeitsbewegung von der Mehrheit der Hindus verdr�ngt und �berstimmt zu werden, hatten sie bereits 1906 eine eigene Muslimliga gegr�ndet. Dies veranlasste die Briten, im Zuge der Entlassung in die Unabh�ngigkeit ihr indisches Kolonialreich in zwei Staaten aufzuteilen: die Indische Union und das muslimische Pakistan.</p><p>Durch die Teilung Indiens kam es zur gr��ten V�lkerwanderung in �Friedenszeiten�. Zehn Millionen Hindus und Sikhs wurden aus Pakistan und sieben Millionen Muslime aus Indien unter menschenunw�rdigen Umst�nden vertrieben; bis zu einer Million Menschen kamen auf den entbehrungsreichen M�rschen und aufgrund nackter Gewalt um.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Gandhi starb 1948 durch den Mordanschlag eines fanatischen Hindus. Nehru wurde von 1947 bis 1964 der erste Ministerpr�sident Indiens und einer der am meisten respektierten Politiker seiner Zeit. Seine Tochter Indira Gandhi bekleidete dieses Amt von 1966 bis 1977 und erneut von 1980 bis 1984. Sie wurde von zwei ihrer Leibw�chter ermordet und dabei von Kugeln regelrecht durchsiebt. Indira Gandhi regierte ausgesprochen autorit�r, gab dem Land ein staatssozialistisches Gepr�ge und betrieb au�enpolitisch einen antiwestlichen Kurs. Um 1970 lehnte sich die Bev�lkerung Ostpakistans gegen die Zentralregierung Pakistans auf und erlangte mit indischer Hilfe 1971 die Unabh�ngigkeit als Bangladesch. Die Provinz Kaschmir bleibt zwischen Indien und Pakistan umstritten.</p><p>DEKOLONISATION����Als zweites bedeutendes Land in Asien wurde Indonesien 1949 als vormals niederl�ndische Kolonie in die Unabh�ngigkeit entlassen, nachdem der sp�tere erste Staatspr�sident Sukarno bereits 1945 die Unabh�ngigkeit proklamierte hatte. In den F�nfzigerjahren begann die Dekolonisation in Afrika. Als erstes afrikanisches Land wurde Ghana (1957) unabh�ngig, die alte �Goldk�ste� Westafrikas und zuletzt eine britische Kolonie. Die letzten waren die portugiesischen Kolonien Mosambik (Juni 1975) und Angola (November 1975).</p><p><emphasis>1946</emphasis></p><p>VIETNAMKRIEG I����Seit 1863 war Frankreich Kolonialmacht in Indochina (Laos, Kambodscha, Vietnam) gewesen. Eine Widerstandsbewegung gegen die Franzosen unter dem jungen Gelehrten Ho Chih Minh gab es seit den Drei�igerjahren. Er gr�ndete auch die dortige Kommunistische Partei. In den Turbulenzen des Zweiten Weltkrieges verdr�ngten die Japaner f�r kurze Zeit die Franzosen aus Indochina. 1945 rief Ho Chih Minh eine Republik aus.</p><p>F�r die Franzosen war Indochina doch recht profitabel gewesen. Sie kehrten zur�ck, w�hrend Ho Chih Minhs �Liga f�r die Unabh�ngigkeit Vietnams�, die Viet Minh, in den Untergrund ging. Bald konnten die Franzosen ihren Indochina-Krieg nicht mehr allein finanzieren. 1954 trugen die Amerikaner bereits 80 Prozent der Kosten. Die USA sahen ihre Interessen in Asien gef�hrdet, weil die Viet Minh massiv von der kommunistischen Sowjetunion unterst�tzt wurden.</p><p>In Dien Bien Phu an der Nordwestgrenze zu Laos hatten die Franzosen eine strategisch wichtige, aber schwer zu verteidigende Milit�rbasis errichtet. Sie war von bewaldeten Bergflanken umgeben. Die Franzosen nahmen an, dass man hier keine Gesch�tze in Stellung bringen k�nne. Aber genau das taten die Viet Minh unter General Giap, der sp�ter auch Operationen in Nordvietnam gegen die Amerikaner leitete.</p><p>Die Franzosen wurden von der Er�ffnung des Feuers Mitte M�rz 1954 vollkommen �berrascht. Nach fast zweimonatigem verzweifeltem und verbissenem Abwehrkampf mussten sie sich ergeben. Auf der Indochina-Konferenz 1954 stimmten die geschlagenen Franzosen der Teilung des Landes am 17. Breitengrad zu. So entwickelte sich ein kommunistischer Norden unter der Regierung der Kommunistischen Partei Ho Chih Minhs (Volksrepublik). Im S�den entstand eine prowestliche Republik Vietnam unter dem Pr�sidenten und sich zunehmend als Diktator gerierenden Ngo Diem.</p><p><emphasis>1963�1975</emphasis></p><p>VIETNAMKRIEG II����In der damaligen antikommunistischen Hysterie wollten die Amerikaner nach der von ihnen propagierten Domino-Theorie verhindern, dass die Nachbarstaaten ebenfalls �den Kommunisten in die H�nde fielen�.</p><p>1963 spitzte sich die Lage in S�dvietnam zu, wo Pr�sident Diem, ein gl�hender Antikommunist katholischen Glaubens, zun�chst als Hoffnungstr�ger der USA galt. Dann aber eskalierte die Lage nach spektakul�ren Selbstverbrennungen buddhistischer M�nche, die sich zunehmend von dem korrupten und diktatorischen Herrscher unterdr�ckt f�hlten. Im November 1964 st�rzte das ungeliebte Regime Diems. Von nun an f�hrten die Amerikaner den Krieg mit eigenen Truppen gegen die Vietcong (die Nationale Front f�r die Befreiung S�dvietnams). Ber�chtigt waren der Einsatz des �tzenden Brandmittels Napalm und des giftigen Entlaubungsmittels Agent Orange. Die Zahl der vietnamesischen Opfer (Milit�r und Zivilisten) geht in die Millionen. Die Amerikaner verloren in diesen zehn Jahren 170 Milliarden Dollar, sechs Millionen Tonnen Sprengstoff und 58000 Soldaten, ganz zu schweigen von den Verwundeten und Vermissten. 1975 mussten die letzten Amerikaner und vietnamesischen Helfershelfer gedem�tigt mit Hubschraubern �ber das Dach der amerikanischen Botschaft in Saigon evakuiert werden.</p><p>Eine ganze Generation junger Leute in den USA war traumatisiert. Dieser milit�rische Aufwand war nicht nur dort, sondern in der gesamten westlichen Welt umstritten. In vielen L�ndern kam es zu antiamerikanischen Demonstrationen.</p><p><emphasis>ab 1949</emphasis></p><p>DER GRO�E VORSITZENDE����Mao Tse-tung war seit der zweiten H�lfte der Zwanzigerjahre der ma�gebliche Anf�hrer der kommunistischen Revolution in China, jahrzehntelang der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas und 1949 Gr�nder der Volksrepublik China. Er f�hrte das v�llig verarmte und zerr�ttete, von europ�ischen Kolonialm�chten und Japan gedem�tigte Land zu weltpolitischer Bedeutung. Wegen seiner �berragenden historischen Bedeutung und jahrzehntelangen Herrschaft mit der offiziellen Bezeichnung �Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas� ist er das historische Vorbild des zum Allgemeinbegriff gewordenen �Gro�en Vorsitzenden�. Um seine Person entfachte Mao einen regelrechten Kult. Seine unbestrittenen historischen Verdienste erwarb Mao allerdings auch, indem er im B�rgerkrieg wie in innerparteilichen S�uberungswellen viele Millionen Menschen in den Tod trieb. Er war einer der brutalsten Gewaltherrscher des 20. Jahrhunderts, neben Hitler und Stalin.</p><p><emphasis>1949</emphasis></p><p>PERMANENTE REVOLUTION����Am 1.�Oktober 1949 wurde nach dem Sieg der Kommunisten �ber die Kuomintang die gr��te aller �Volksrepubliken�, China, durch Mao Tse-tung begr�ndet. Tschiang Kai-schek, der F�hrer der Kuomintang, gr�ndete die �Republik China�, sp�ter als asiatischer �Tigerstaat� bekannt f�r �Made in Taiwan�.</p><p>Einer der wichtigsten Gedanken des �Gro�en Vorsitzenden� ist der von der permanenten Revolution: Die Revolution m�sse immer weiter vorangetrieben werden und d�rfe nicht bei einem einmal erreichten Status quo enden � wie in der Sowjetunion, f�gte Mao vielleicht im Stillen hinzu. Immerhin war der Bruch mit Moskau 1960 eine seiner wichtigsten au�enpolitischen Entscheidungen. Im Innern versuchte er mit immer neuen Kampagnen, den revolution�ren Eifer neu zu entfachen und sich nebenbei Widersachern in der Partei zu entledigen. Um 1960 sollte mit dem �Gro�en Sprung nach vorn� der �bergang vom Agrarstaat zum Industriestaat geschafft werden. Resultat: Die Arbeitskr�fte fehlten in der Landwirtschaft, die Folge war eine Hungersnot mit 20 Millionen Toten. Am bekanntesten und geradezu sprichw�rtlich wurde die zehnj�hrige Kulturrevolution seit 1966 mit ihren aufgehetzten jugendlichen Roten Garden, die Eltern, Lehrer, Akademiker, Beamte und Betriebsleiter als �Rechtsabweichler� t�teten, schlugen, verletzten und dem�tigten. Kulturg�ter wurden massenhaft vernichtet und Kulturwissen einfach versch�ttet. Die ber�chtigte �Viererbande� um Maos Ehefrau leistete jeder Art von Gewaltexzessen Vorschub. Erst Maos Tod 1976 setzte dem Treiben ein Ende. Die Viererbande wurde sofort verhaftet.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Unter Deng Xiaoping (1904�1997) begann nun die innere Modernisierung Chinas. Deng war bereits vor dem Langen Marsch Funktion�r der Partei und hatte alle R�ckschlage und S�uberungen �berlebt. Er begann eine Wirtschaftsreform und machte schrittweise die Kollektivierung der Landwirtschaft r�ckg�ngig. Dann folgte eine Liberalisierung durch Abschaffung der staatlich vorgeschriebenen Preise und die Privatisierung von Staatsunternehmen. Diesen Weg hin zur �sozialistischen Marktwirtschaft� sind seine Nachfolger weiter gegangen. Da China als Exportland unglaublich hohe Handels�bersch�sse erzielt, besitzt es mittlerweile einige der gr��ten Staatsfonds weltweit. Die Volksrepublik China ist heute einer der gr��ten Global Player und gr��ter Gl�ubiger der USA, ganz zu schweigen von den politischen Aktivit�ten und Abh�ngigkeiten, die es sich in den vergangenen 30 Jahren in der Dritten Welt geschaffen hat. 2008 wurden Olympische (!) Spiele in Peking ausgetragen, und das Land nimmt am Formel-1-Weltzirkus teil. Das h�tten sich sicherlich weder Kaiser Ch�in noch Kaiser Pu Yi oder auch Mao jemals tr�umen lassen.</p></section><section><subtitle>DIE DRITTE WELT UND DIE SCHWELLENL�NDER</subtitle><p><emphasis>The Emerging Markets Century ist der Titel eines Buches des amerikanischen Fondsmanagers und Buchautors Antoine van Agtmael. Damit pr�gte er 1981 den Begriff �Schwellenland� als bewusste Unterscheidung zu den eher undifferenzierten und oft abwertend verstandenen Begriffen �Dritte Welt� oder �Entwicklungsl�nder�.</emphasis></p><p><emphasis>1948</emphasis></p><p>APARTHEID����Apartheid in S�dafrika bedeutete: Als Schwarzer nicht in bestimmten Bussen fahren zu d�rfen, an der K�ste nur an bestimmte Str�nde gehen zu d�rfen, sich von wei�en Buren anrempeln lassen zu m�ssen, in bestimmten Stadtvierteln wohnen zu m�ssen, nur bestimmte Schulen mit einem von Wei�en bestimmten Lehrprogramm (auf Afrikaans) besuchen zu d�rfen. Sexuelle Kontakte und Mischehen waren verboten. Die Diskriminierung war bis ins kleinste Detail des Alltags b�rokratisch organisiert und wurde mit gro�em Verwaltungsaufwand �berwacht. Zehn Prozent wei�er Bev�lkerung standen 90 Prozent schwarzer Bev�lkerung gegen�ber.</p><p>�Apartheid� bedeutet: (Rassen-)Trennung, das System war aber eine eindeutige Diskriminierung und Unterdr�ckung. 1910 hatte die britische Regierung ihre Kapkolonie mit den Burenrepubliken (Transvaal, Oranje und Natal) zur S�dafrikanischen Union zusammengeschlossen, wie Kanada oder Australien ein souver�ner Staat im Rahmen des Commonwealth. Die Regierung wurde nur von Wei�en gebildet. Schwarze hatten kein Wahlrecht. Von Anfang an wurde die Rassentrennung praktiziert. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dominierten die englischsprachigen Bev�lkerungsgruppen innerhalb der wei�en Schicht, ab 1948 versch�rften die von der burischen Nationalen Partei getragenen Regierungen die Apartheid. Die Nationale Partei blieb bis 1994 an der Macht.</p><p>Als Widerstandsbewegung war bereits 1912 der allen Rassen offenstehende ANC (Afrikanischer Nationalkongress) gegr�ndet worden. Er organisierte Streiks, Boykotte und das Verbrennen von Ausweisen. Der ANC und andere militantere Organisationen wurden 1960 verboten und gingen in den Untergrund. Der ANC-F�hrer Nelson Mandela (geboren 1918) wurde 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt.</p><p><emphasis>1970</emphasis></p><p>SCHWARZER SEPTEMBER����Der Sechs-Tage-Krieg vom 5. bis 10.�Juni 1967 ver�nderte die territoriale Situation im Nahen Osten tiefgreifend � bis zur Gegenwart. Um einem bevorstehenden �gyptisch-syrisch-jordanischen Angriff zuvorzukommen, besetzten israelische Truppen in einem Pr�ventivschlag den Sinai, den Gazastreifen, die Golanh�hen, das Westjordanland und Ost-Jerusalem mit der Altstadt.</p><p>Nach diesem Blitzkrieg erhielt die Pal�stinensische Befreiungsfront PLO unter Jassir Arafat verst�rkt Zulauf. Die meisten Pal�stinenser lebten im nunmehr besetzten Westjordanland sowie weitere 800000 in Lagern in Jordanien. Den Jordaniern gelang es nicht, die sich wie ein selbstst�ndiger Staat geb�rdende PLO zu entwaffnen. Nachdem von Pal�stinensern ein Attentat auf ihn ver�bt worden war, lie� K�nig Hussein sie im September 1970 mit milit�rischer Gewalt vertreiben. Arafat floh nach Kairo. Das war der Schwarze September f�r die Pal�stinenser. Eine Terrorgruppe gleichen Namens ver�bte 1972 den Anschlag auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in M�nchen.</p><p>ARAMCO����Die heutige Saudi Aramco ist aus der 1933 gegr�ndeten Arabian-American Oil Company hervorgegangen. Es handelt sich um die gr��te Erd�lf�rdergesellschaft und das wertvollste Unternehmen der Welt (Wert ca. 800 Milliarden Dollar). Erst ein Jahr vor der Aramco-Gr�ndung war 1932 der saudi-arabische Staat gegr�ndet worden. Die alte beduinische Dynastie der Saud hatte in der arabischen Welt Bedeutung erlangt, als sie 1924 die Haschemiten nach kurzem Kampf als Scherifen von Mekka verdr�ngten. Die aus dem Verwandtschaftsclan des Propheten stammenden Haschemiten waren seit dem Hochmittelalter die lokalen Herrscher von Mekka und Umgebung gewesen (und regieren heute noch in Jordanien). Durch die 1938 beginnende �lf�rderung wurden die Saud m�chtig und auch unermesslich reich.</p><p>Saudi-Arabien verf�gt nach wie vor �ber die mit Abstand gr��ten Erd�lreserven: doppelt so viel wie der Iran. Dann folgen Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Venezuela. Zu k�nstlich erzeugten Lieferengp�ssen kam es w�hrend der</p><p>�LKRISE����Diese wiederum stand im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt. Am Jom-Kippur-Tag des Jahres 1973 (6.�Oktober), einem hohen j�dischen Feiertag, wurde Israel von �gyptischen und syrischen Streitkr�ften �berraschend angegriffen, konnte sich unter seinem Verteidigungsminister Moshe Dajan aber behaupten. Gleichzeitig drosselte die Organisation Erd�l exportierender L�nder (OPEC) die Produktion als Boykottma�nahme gegen�ber dem Westen. Die Erd�lpreise stiegen drastisch um 70 Prozent von drei auf f�nf Dollar pro Fass. Die europ�ischen Regierungen verh�ngten Geschwindigkeitsbegrenzungen, autofreie Tage (�sterreich) oder Sonntage (BRD), an denen man mit Fahrr�dern auf den Autobahnen fahren konnte.</p><p><emphasis>1976</emphasis></p><p>SOWETO����Die Sch�ler- und Studentenproteste im Township Soweto im Sommer 1976 entz�ndeten sich an der Entscheidung der s�dafrikanischen Regierung, Afrikaans statt Englisch als Unterrichtssprache einzuf�hren. Bei der Niederschlagung dieses Aufruhrs kamen �ber 200 junge Menschen ums Leben. Der Name Soweto ist ein Akronym aus <emphasis>South Western Townships</emphasis> (�S�dwestliche Townships�) f�r eine Agglomeration schwarzer Wohnghettos in der N�he von Johannesburg. Im Grunde ist es eine riesige Millionenstadt.</p><p>Die Proteste gegen das Apartheidregime der s�dafrikanischen Regierung wurden seit 1976 immer lauter. Auch unter Pieter Willem Botha lockerte sich die Apartheid kaum, obwohl es erste Kontakte zwischen der Regierung und dem ANC gab. W�hrend Bothas Regierungszeit von 1978 bis 1984 (und bis 1989 als Staatspr�sident) nahm der Druck von au�en st�ndig zu. Viele Staaten boykottierten S�dafrika mit wirtschaftlichen Ma�nahmen, die UNO verh�ngte ein Waffenembargo, die S�ngerin Miriam Makeba erinnerte immer wieder an die Zust�nde in ihrem Heimatland. Das Schicksal des B�rgerrechtlers Steve Biko, der in einem s�dafrikanischen Gef�ngnis an schweren Kopfverletzungen starb, war Gegenstand eines aufsehenerregenden Buches von Donald Woods � der mit Biko befreundet war � und dem darauf basierenden Film <emphasis>Cry Freedom </emphasis>(1987, mit Kevin Kline und Denzel Washington). Am 11.�Februar 1990 wurde Nelson Mandela nach 27 Jahren aus der Haft entlassen. Der neue Ministerpr�sident Frederik de Klerk baute das Apartheidssystem ab, sodass 1994 freie Wahlen f�r alle Volksgruppen stattfinden konnten. Mandela wurde 1994 bis 1999 der erste schwarze Pr�sident des Landes und betrieb eine sehr vers�hnliche Politik. Er und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis.</p><p><emphasis>1987/2000</emphasis></p><p>INTIFADA����M�glicherweise wuchs nach dem Jom-Kippur-Krieg die Einsicht der arabischen Staaten, gegen Israel nicht milit�risch erfolgreich sein zu k�nnen. Durch das von US-Pr�sident Jimmy Carter vermittelte Abkommen von Camp David 1978 und dem anschlie�enden Friedensvertrag zwischen �gypten und Israel 1979 hatten sich beide L�nder gegenseitig anerkannt und �gypten erhielt den im Sechs-Tage-Krieg eroberten Sinai zur�ck. Daf�r bekamen der �gyptische Pr�sident Anwar as-Sadat und der israelische Ministerpr�sident Menachem Begin 1978 den Friedensnobelpreis.</p><p>An der Situation der Pal�stinenser �nderte sich aber nichts. Sie reagierten seit 1987 mit passivem Widerstand in Gaza, im Westjordanland und in Ost-Jerusalem, dar�ber hinaus allerdings auch mit Steinen, Kleinterror, Anschl�gen und Mord. Die Widerstandsbewegung (Intifada) dauerte bis zum Abschluss des Oslo-Friedensprozesses, der 1993 die Welt �berraschte. Israel und die Pal�stinenser hatten unter norwegischer Vermittlung sehr geheim verhandelt. Die Israelis erkannten die PLO an und stimmten einer pal�stinensischen Selbstverwaltung im Westjordanland und im Gazastreifen zu.</p><p>Nach dem Besuch des israelischen Ministerpr�sidenten Scharon auf dem Jerusalemer Tempelberg im Jahr 2000 begann die zweite, ebenfalls f�nfj�hrige Intifada. Die Pal�stinenser versuchen � vermehrt durch Selbstmordattentate � die israelischen Polizeikr�fte zu provozieren und zu zerm�rben. Die Zahl der Anschl�ge, �berf�lle und Raketenangriffe geht in die Abertausende. 2003 r�umten die Israelis den von der radikalislamischen Hamas beherrschten Gaza-Streifen.</p><p>Im Nahost-Konflikt bleiben die Dinge bis heute sehr im Fluss. Wie es aussieht, kann jeder Tag eine �berraschende Wendung bringen.</p><p><emphasis>1979</emphasis></p><p>AYATOLLAH����Seit 1941 regierte mit Mohammed Reza Pahlewi (1919�1980) der zweite Schah aus der Familie Pahlewi in Iran. Sein Vater war 1925 durch Parlamentsbeschluss als konstitutioneller Monarch auf den persischen Thron gelangt. Beide waren westlich orientiert und versuchten, das Land zu modernisieren und zu industrialisieren. Das Tragen des Schleiers wurde 1935 verboten. Ende der Zwanzigerjahre hatte man reiche �lvorkommen entdeckt, von denen Iran seit der Gr�ndung der OPEC 1960 so stark profitierte wie nie zuvor. Der Schah legte ein �Wei�e Revolution� genanntes Reformprogramm auf (Landreform, Frauenwahlrecht, Gewinnbeteiligung an Unternehmen f�r Arbeiter und Angestellte, Kampf gegen das Analphabetentum, Ausbau des Gesundheitswesens). Es wurde von den Gro�grundbesitzern, vor allem aber von der schiitischen Geistlichkeit und allen voran von Ruhollah Chomeini (1902�1989) als antiislamisch erbittert bek�mpft. Chomeini musste 1964 ins Exil gehen.</p><p>1979 gelang es dem Ayatollah Chomeini noch von seinem Pariser Exil aus, den Schah zu st�rzen. Er kehrte nach Teheran zur�ck und begr�ndete die Islamische Republik als Gottesstaat. In Iran herrscht seitdem die schiitische Geistlichkeit. <emphasis>Ayatollah</emphasis> (�Hochgelehrter�) ist ein Titel, den es nur im schiitischen Islam gibt. Schon vor seinem Exil war Chomeini Anf�hrer einer starken Opposition gegen den Schah gewesen. Dessen Reformpolitik ertrug die vormoderne iranische Gesellschaft einfach nicht. Und der Schah, hinter dem die Amerikaner standen, unterdr�ckte jegliche Opposition gewaltsam mithilfe seines brutalen Geheimdienstes SAVAK und �bernahm sich mit Gro�machtambitionen im Mittleren Osten. Wie verhasst er weltweit war, zeigten die Studentenkrawalle anl�sslich seines Staatsbesuchs in der Bundesrepublik 1967. Der Tod des Studenten Benno Ohnesorg bei diesen Krawallen wurde Ausl�ser f�r die Radikalisierung der Studentenbewegung.</p><p>Chomeini islamisierte den Iran wieder (Verschleierung der Frauen) und unterdr�ckte seinerseits die Opposition durch menschenvernichtenden Terror. Seine �Revolutionsw�chter� genannten Garden inszenierten �ffentliche Massenhinrichtungen, es gab Tausende von Toten und Zehntausende von gefolterten politischen Gefangenen. Irak unter Saddam Hussein versuchte, die noch instabile Lage durch eine Invasion zu n�tzen (Erster Golfkrieg 1980�1988). Es war ein verlustreicher Krieg f�r beide L�nder. Damals erhielt Saddam noch Unterst�tzung seitens der Amerikaner.</p><p>Nach dem Tod Chomeinis (1989) geb�rdete sich Iran mit Blick auf das Ausland zun�chst moderater; der gegenw�rtige Staatspr�sident Mahmud Ahmadinedschad orientiert sich seit 2005 in seiner Politik wieder st�rker an Chomeini; wie bei Chomeini ist seine Au�enpolitik dezidiert antiisraelisch.</p><p><emphasis>ab 1980</emphasis></p><p>SCHWELLENL�NDER����In den Siebziger- und Achtzigerjahren entwickelten S�dkorea, Taiwan, Singapur und Hongkong eine Wirtschaftsdynamik, die sie weit �ber den bei Entwicklungsl�ndern �blichen Standard hinausf�hrte. Sie bauten Fertigungsindustrien f�r rohstoffarme Produkte auf (Textil, Unterhaltungselektronik), die dank niedriger L�hne auf dem Weltmarkt konkurrenzlos preiswert waren. So gelangten diese damals �Tigerstaaten� genannten kleinen asiatischen L�nder an die Schwelle zu Industriel�ndern. Dieses Gesch�ftsmodell war damals neu und wurde in vielen anderen L�ndern der Dritten Welt nachgeahmt, nicht zuletzt von China.</p><p>Mit einer durchgreifenden Wirtschaftsliberalisierung erreichte auch Indien seit den Neunzigern eine ungeahnte Dynamik. Treibende Kraft ist Premierminister Manmohan Singh (seit 2004). Er setzte die Wirtschaftsreformen bereits 1992 als Finanzminister in Gang. Indien erlangte vor allem f�r die Computerindustrie weltweite Bedeutung.</p><p>Schwellenl�nder haben innerhalb der Dritten Welt mittlerweile einen recht hohen Industrialisierungsgrad erreicht und verf�gen aufgrund eigener Exporte (nicht nur von Rohstoffen, sondern eben auch von Industrieprodukten) �ber bedeutende Devisenreserven. Vor allem Letzteres ist ein wichtiger Unterschied zum �klassischen Entwicklungsland� mit seinem chronischen Zahlungsbilanzdefizit. Zu den Schwellenl�ndern z�hlen Brasilien, China, Indien, Malaysia, Mexiko, Russland, Philippinen, S�dafrika, Thailand, T�rkei.</p></section><section><subtitle>DIE EUROP�ISCHE EINIGUNG</subtitle><p>Der erste Tr�ger des Aachener Karlspreises, der allj�hrlich f�r Verdienste um die europ�ische Einigung vergeben wird, war 1950 der �sterreichische Adlige Richard N. Coudenhove-Kalergi (1894�1972), ein Mann mit internationalem famili�rem Hintergrund. 1922 hatte er die Paneuropa-Union gegr�ndet, im Gegensatz zum krassen Nationalismus seiner Zeit. Unterst�tzt wurde er dabei von Pers�nlichkeiten wie Albert Einstein, Thomas Mann, Artistide Briand (dem franz�sischen Politiker und Friedensnobelpreistr�ger von 1926) oder auch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlug Winston Churchill bei einer Rede in Z�rich 1946 die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa vor. 1949 wurde der Europarat gegr�ndet und im Zusammenhang damit der Europ�ische Gerichtshof f�r Menschenrechte geschaffen.</p><p><emphasis>1957</emphasis></p><p>R�MISCHE VERTR�GE����1950 entwickelte der franz�sische Unternehmer und Regierungsberater Jean Monnet einen vom franz�sischen Au�enminister Robert Schuman auf der politischen Ebene vertretenen Plan, die Montanindustrien (Kohle und Stahl) Frankreichs und Deutschlands zusammenzuschlie�en, dem sich die Beneluxstaaten und Italien anschlossen. Diese Gemeinschaft, die 1952 ins Leben gerufen wurde, war im Kern eine Zollgemeinschaft, innerhalb derer die nationalen Z�lle f�r Kohle- und Stahlprodukte entfielen. Es entstand also ein �gemeinsamer Markt�. �hnliche Regelungen f�r die Atomindustrie brachte die Gr�ndung der Europ�ischen Atomgemeinschaft (Euratom).</p><p>Auf dieser Basis handelten die Politiker seit Sommer 1955 Vertr�ge f�r eine umfassende wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa aus. Diese Vertr�ge wurden im M�rz 1957 in der italienischen Hauptstadt Rom unterzeichnet und traten am 1.�Januar 1958 in Kraft. So entstand die Europ�ische Wirtschaftsgemeinschaft EWG. Die politische Leitidee war, nach den traumatischen Ereignissen zweier Weltkriege durch einen gemeinsamen Markt und die zunehmende Verflechtung der wirtschaftlichen und politischen Interessen den Frieden in Europa zu sichern sowie sich zwischen dem Ostblock auf der einen und den USA auf der anderen Seite zu behaupten.</p><p><emphasis>ab 1953</emphasis></p><p>VOLKSAUFST�NDE����W�hrend sich in Westeuropa immer mehr Staaten immer enger zusammenschlossen, waren die osteurop�ischen Staaten bereits ein straffer Verbund. Hinter dem Eisernen Vorhang kam es zu Volksaufst�nden in Ungarn, Polen, der DDR und der Tschechoslowakei gegen die diktatorischen kommunistischen Regime, die am engen G�ngelband Moskaus und unter dem milit�rischen Schirm des Warschauer Paktes gef�hrt wurden. Regelm��ig rollten die Panzer der Sowjetarmee und teilweise die der �Bruderstaaten� durch die Hauptst�dte der Ostblockl�nder, so in Berlin beim Arbeiteraufstand des 17.�Juni 1953, mehrmals in Polen (1956, 1970, 1980), beim Ungarn-Aufstand 1956 sowie zur Beendigung des Prager Fr�hlings 1968. Die Forderungen nach Meinungs- und Reisefreiheit und einem �Sozialismus mit menschlichem Antlitz�, wie sie Imre Nagy 1956 in Ungarn oder Alexander Dubc&#x2C7;ek 1968 in Prag erhoben, wurden regelm��ig durch die Truppen des Warschauer Paktes niedergeschlagen. Schlie�lich formulierte man in Moskau die Breschnew-Doktrin, wonach die kommunistischen Bruderstaaten nur �ber eine eingeschr�nkte Souver�nit�t verf�gten.</p><p>Stets waren im Westen die Aufregung und die Anteilnahme gro�, eine milit�rische Unterst�tzung wurde aber nicht geleistet. Die Furcht vor der Entfesselung eines neuen Weltkrieges, hinter der immer auch die Drohung eines Atomkrieges der beiden Gro�m�chte stand, war vermutlich zu gro�.</p><p><emphasis>1973�2009</emphasis></p><p>NORD-, S�D-, WEST-, OSTERWEITERUNG����Auf der anderen Seite des �Eisernen Vorhangs� wurde die europ�ische Integration weiter vorangetrieben: Beim Zusammenschluss von EWG, Montanunion und Euratom zu den Europ�ischen Gemeinschaften (EG) 1967 entstand die Europ�ische Kommission, sozusagen als europ�ische Regierungszentrale. 1992 schuf der Vertrag von Maastricht die Europ�ische Union (EU) und die Voraussetzungen f�r die Einf�hrung einer gemeinsamen W�hrung. Sie wurde 1999 und 2002 als �Euro� realisiert. 1995 trat das in dem luxemburgischen Winzerdorf Schengen geschlossene Abkommen zur Beseitigung der Grenzen und Grenzkontrollen innerhalb Europas in Kraft. Diese beiden Ma�nahmen sind die im Alltag sichtbarsten Zeichen der Europ�isierung.</p><p>Mittlerweile geh�ren die meisten L�nder von Finnland bis nach Zypern zur EU, auch wenn die Aufnahme nicht immer reibungslos verlief. Einen bereits 1961 gestellten Antrag des Vereinigten K�nigreichs blockierte zum Beispiel der franz�sische Staatspr�sident Charles de Gaulle fast zehn Jahre lang mit der Begr�ndung, die Briten seien nicht �europareif�. Deren Beitritt war dann Teil der Westerweiterung 1973 zusammen mit D�nemark und Irland. Den geplanten und fertig ausgehandelten Beitritt Norwegens lehnte die dortige Bev�lkerung in Referenden ab. Auch als bei der Norderweiterung Schweden, Finnland und �sterreich 1995 beitraten, stimmten die Norweger erneut gegen den Beitritt. Nachdem die Griechen, Spanier und Portugiesen in den Siebzigerjahren ihre faschistischen Diktaturen abgesch�ttelt hatten, gelangten sie �ber die S�derweiterung Anfang und Mitte der Achtziger in die EU, wobei insbesondere Spanien die �ppigen EU-Gelder sinnvoll verwendete, wohingegen Griechenland sp�ter � aufgrund gef�lschter Statistiken � in die Euro-Zone aufgenommen wurde und nach wie vor Schuldenberge bis nahe an den Staatsbankrott aufh�uft. Die Osterweiterungen 2004 und 2009 brachten leider nicht den erhofften massenweisen Zuzug attraktiver Klempner nach Westeuropa.</p><p>Die verstolperte Ratifizierung des urspr�nglich als europ�ische Verfassung geplanten Vertrages von Lissabon scheiterte in den Jahren 2008 und 2009 beinahe an der Unleserlichkeit des Kleingedruckten f�r die EU-B�rger und an der mangelnden kulturellen und demokratischen Integration, ein Fehler, der Karl dem Gro�en nicht unterlaufen war. Nur ein kleines Bergvolk in der Mitte Europas leistet hartn�ckigen Widerstand und weigert sich beharrlich, �berhaupt einen Antrag auf Aufnahme in die EU zu stellen �</p></section><section><subtitle>DER WEG ZUR WENDE</subtitle><p>Das strategische Konzept, welches unter den Bedingungen des Kalten Krieges die gro�fl�chige weltpolitische Stabilit�t wahrte, wurde im Amerikanischen <emphasis>Mutual Assured Destruction </emphasis>(<emphasis>MAD</emphasis>) genannt und in den USA in erster Linie von Robert McNamara vertreten, der von 1961 bis 1968 Verteidigungsminister war. W�rtlich �bersetzt bedeutet die Formel: gegenseitig garantierte Zerst�rung. Es galt das Prinzip der Abschreckung, das die beiden in etwa gleich starken und jeweils mit einem gro�en Atomwaffenarsenal ausger�steten Superm�chte davon abhalten sollte, diese Waffen auch einzusetzen. Dies war das �Gleichgewicht des Schreckens� � das in der Kuba-Krise 1962 w�hrend der Regierung von Pr�sident John F. Kennedy und dem sowjetischen Ministerpr�sidenten Nikita Chruschtschow fast zum Weltkrieg eskalierte, als die Amerikaner mit einer Seeblockade auf bis dahin geheime russische Raketenstationierungen reagierten. Die atomaren Sprengk�pfe waren von Kuba aus direkt auf die USA gerichtet, die Amerikaner stellten ein Ultimatum. Das war die gef�hrlichste Konfrontation w�hrend des Kalten Krieges und �keiner von uns begriff damals, wie nah wir am Rand einer Katastrophe standen�, sagte der seinerzeit unmittelbar beteiligte McNamara. Zur direkten Verst�ndigung der beiden Superm�chte wurde eine eigene Fernschreibverbindung zwischen Kreml und Wei�em Haus eingerichtet, der �hei�e Draht� � auf deutsch: eine Hotline.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: In den Siebziger- und Achtzigerjahren setzte sich die R�stungsspirale fort, angesichts der fortschreitenden technischen Entwicklung beider Waffensysteme. Dies war zugleich der Beginn der Friedensbewegung: Massive Proteste gegen den Vietnamkrieg hatte es nicht nur in den USA, sondern auch in Europa gegeben. Nun machte die Parole �Frieden schaffen ohne Waffen� die Runde, brachte neue Parteien und neue Formen des Protests hervor.</p><p><emphasis>ab 1970</emphasis></p><p>OSTPOLITIK�����Wandel durch Ann�herung� lautete die Formel des au�enpolitischen Beraters Egon Bahr von Bundeskanzler Willy Brandt. Erstmals stellte die SPD seit 1969 in der Bundesrepublik den Kanzler. Brandts �Politik der kleinen Schritte� zielte auf eine Entspannung des im Kalten Krieg verkrampften Verh�ltnisses zum Ostblock. Bei einem Besuch in Warschau im Dezember 1970 lie� sich Brandt am Mahnmal des Aufstandes im Warschauer Ghetto auf die Knie fallen � ein symbolischer Akt als Bitte um Vergebung f�r die Gr�ueltaten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg und ein Zeichen f�r die Suche nach Verst�ndigung. Am gleichen Tag wurde der Warschauer Vertrag unterzeichnet. Hierin erkannte die Bundesrepublik die Oder-Nei�e-Linie als Westgrenze Polens an. Das war, wie die gesamte Ostpolitik, in der BRD sehr umstritten.</p><p>Ein Transitabkommen erleichterte 1971 den Personen- und G�terverkehr zwischen der Bundesrepublik und Westberlin. Es war das erste direkte Abkommen zwischen den beiden deutschen Staaten. 1972/1973 erm�glichte der Grundlagenvertrag zwischen BRD und DDR den Austausch St�ndiger Vertreter, eine gegenseitige Anerkennung knapp unterhalb der v�lkerrechtlichen Anerkennung.</p><p>Das deutsche Wort �Ostpolitik� wurde auch in den anderen europ�ischen Sprachen in der Originalversion der Inbegriff f�r Entspannungspolitik.</p><p><emphasis>1975</emphasis></p><p>KSZE����Seit 1973 beriet eine �Konferenz �ber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa� (KSZE) aller europ�ischen Staaten einschlie�lich den USA und Kanada in Helsinki. Die Konferenz brachte dem Ostblock die Anerkennung der Nachkriegsgrenzen durch den Westen und damit eine Art Bestandsgarantie des sowjetischen Imperiums, das wirtschaftlich schwach war. Im Gegenzug mussten die Ostblockstaaten Zugest�ndnisse bei den Menschenrechten machen. Damit schuf die KSZE eine wesentliche Grundlage f�r die B�rgerrechtsbewegungen der Achtzigerjahre in den osteurop�ischen L�ndern. Die Schlussakte von Helsinki markiert 1975 den H�hepunkt der Entspannungspolitik zwischen Ost und West vor dem Fall der Mauer.</p><p><emphasis>1980</emphasis></p><p>SOLIDARNOS�C�����Am 16.�Oktober 1978 bestieg mit Karol Wojtyla der erste polnische Papst und der erste Nicht-Italiener seit Hadrian VI. (Amtsantritt 1522) als Johannes Paul II. den Stuhl Petri. Sozusagen unter seiner Schirmherrschaft konnte sich die polnische Gewerkschaftsbewegung entfalten.</p><p>Im Sommer 1980 sollten in Polen die Fleischpreise erh�ht werden, wogegen sich Proteste erhoben. Sie f�hrten zu einer Streikwelle im ganzen Land, hinzu kam auf der Lenin-Werft in Danzig ein Streik gegen die Entlassung der Kranf�hrerin Anna Walentynowicz. (Die Symbolfigur der Solidarnos�c�-Bewegung kam bei dem verheerenden Absturz auf dem Flug nach Katyn am 10.�April 2010 in der polnischen Pr�sidenten-Maschine ums Leben.) Der Streik wurde unter der F�hrung des Elektromonteurs Lech Walesa organisiert und nicht nach Zugest�ndnissen der Betriebsleitung wie fr�her in Polen schnell beendet. Die Streikenden erhielten Unterst�tzung seitens der Kirche, von Intellektuellen sowie aus dem Ausland. Es entstand eine regelrechte Volksbewegung. Die kommunistische Regierung erkannte Solidarnos�c� schlie�lich als unabh�ngige Gewerkschaft an, ein Novum im Ostblock.</p><p>Ende 1981 verh�ngte dann der neue Regierungschef General Jaruzelski das Kriegsrecht. Gewerkschaftsf�hrer wurden inhaftiert und Solidarnos�c� verboten. 1983 erhielt Walesa den Friedensnobelpreis. Erst 1988/1989 f�hrte die Wendestimmung dazu, dass Solidarnos�c� wieder zugelassen wurde. Walesa war von 1990 bis 1995 Staatspr�sident Polens.</p><p><emphasis>ca. 1985</emphasis></p><p>STAR WARS����Dem seit 1981 amtierenden amerikanischen Pr�sidenten Ronald Reagan gefiel es, die Sowjetunion als �Reich des B�sen� zu bezeichnen. Nachdem sich die Lage in Europa dank des Helsinki-Prozesses entspannt hatte, verlagerte er den Kalten Krieg in so wichtige weltpolitische Brennpunkte wie Nicaragua und Grenada. Mit dem 1983 angek�ndigten, aber nicht verwirklichten SDI-Programm zur Abwehr von Interkontinental-Raketen im Weltraum wurde gegen�ber der Sowjetunion eine neuerliche Drohkulisse aufgebaut. Im Falle der Verwirklichung h�tte sich eine wesentliche Verschiebung des Gleichgewichts des Schreckens zugunsten der USA ergeben. Die Amerikaner steckten fast 30 Milliarden Dollar in die Forschungsarbeiten, Summen, die die damals schon taumelnde Sowjetunion f�r vergleichbare Anstrengungen nie h�tte aufbringen k�nnen.</p><p>In seiner zweiten Amtszeit traf sich Reagan mehrmals mit dem sowjetischen Generalsekret�r Michail Gorbatschow (Regierungszeit 1985�1991) zu den START (<emphasis>Strategic Arms Limitation Talks</emphasis>) Abr�stungsgespr�chen, die in ein Abkommen zur Abschaffung der Mittelstreckenraketen in Europa m�ndeten (1987). Im gleichen Jahr forderte er Gorbatschow vor dem Brandenburger Tor auf, die Mauer niederzurei�en.</p><p><emphasis>�brigens</emphasis>: Ein weiteres START-Abkommen schlossen der amerikanische Pr�sident Obama und der russische Pr�sident Dmitri Medwedjew am 8.�April 2010 in Prag.</p><p><emphasis>1985</emphasis></p><p>GLASNOST UND PERESTROIKA����Am 11.�M�rz 1985 ernannte die sowjetische F�hrung Michail Gorbatschow zum neuen Generalsekret�r der Kommunistischen Partei. Der F�hrungszirkel im Kreml entschied sich damit f�r einen Reformer. Man war sich dar�ber im Klaren, dass die Sowjetunion in der �ra des Parteichefs Leonid Breschnew von 1964 bis 1982 erstarrt war und durchgreifend erneuert werden musste, um im Systemwettbewerb mit den USA nicht noch weiter ins Hintertreffen zu geraten. Der neue Mann mit dem �Biss aus Stahl� sollte den Umbau bew�ltigen. Gorbatschow setzte <emphasis>Uskorenije</emphasis>, <emphasis>Perestroika</emphasis> und <emphasis>Glasnost</emphasis> auf die politische Agenda. Von <emphasis>Uskorenije</emphasis>, der Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung, hat man seitdem nichts mehr geh�rt. Die ungeheuren Ressourcen, die das Wettr�sten verschlang, fehlten bei der Versorgung der Bev�lkerung. Gorbatschow wollte die Planwirtschaft dezentralisieren und den Betriebsleitern mehr Entscheidungsbefugnisse einr�umen. Das war mit <emphasis>Perestroika</emphasis> (�Umbau�) gemeint. Begleitet werden sollte der Prozess im Innern von einer Lockerung der Zensur. <emphasis>Glas</emphasis> bedeutet �Stimme, Sprechen�, gemeint war mit <emphasis>Glasnost</emphasis> die �Transparenz�, die Rede- und Meinungsfreiheit.</p><p><emphasis>Was danach geschah</emphasis>: Im Anschluss an den KSZE-Prozess und wegen der wirtschaftlichen Schw�che der Sowjetunion verzichtete Gorbatschow in der Au�enpolitik stillschweigend auf die Anwendung der Breschnew-Doktrin und verst�ndigte sich mit den USA �ber einen Gewaltverzicht in Mitteleuropa. Dieser Gewaltverzicht und die Einsicht, dass die Sowjetunion niemals in der Lage gewesen w�re, eine bankrotte DDR durchzuf�ttern, bildete den Hintergrund f�r die � aus sowjetischer Sicht � �Preisgabe� der DDR, als dort der Wunsch nach Wiedervereinigung un�berh�rbar laut wurde � und f�r den friedlichen Verlauf dieser deutschen Revolution im Herbst 1989.</p><p><emphasis>August 1989</emphasis></p><p>PANEUROP�ISCHES PICKNICK����Die von Coudenhove-Kalergi gegr�ndete Paneuropa-Union veranstaltete nahe der ungarischen Stadt Sopron am 19.�August 1989 ein Treffen, bei dem vom ungarischen Au�enminister Gyula Horn und dem �sterreichischen Au�enminister Alois Mock der Stacheldrahtzaun zwischen der Grenze durchschnitten wurde, was vielen B�rgern der DDR die gefahrlose Ausreise in den Westen erm�glichte. Das Paneurop�ische Picknick bildete den Auftakt zu den Ereignissen, die am 9.�November des gleichen Jahres im Mauerfall in Berlin ihren historischen H�hepunkt erreichten.</p><p>Ebenfalls seit dem 19.�August kampierten 120 DDR-B�rger auf dem Gel�nde der westdeutschen Botschaft in Prag, t�glich kletterten dort Dutzende weitere �ber den Zaun. Seit September blieb die Grenze von �sterreich und Ungarn dauerhaft offen. Auf diesem Weg flohen viele DDR-B�rger in den Westen.</p><p><emphasis>November 1989</emphasis></p><p>MAUERFALL����Vom Picknick bis zur Epochenwende des Mauerfalls vergingen nicht einmal drei Monate. Die Montagsdemonstrationen in Leipzig begannen am 4.�September. Der massive Exodus von Sopron und Prag verst�rkte den Druck derma�en, dass der deutsche Au�enminister Hans-Dietrich Genscher am 30.�September die Ausreise der mittlerweile �ber 5000 Menschen in der Prager Botschaft verk�nden konnte. Nun wurden die Montagsdemonstrationen zu Gro�veranstaltungen, die live in der westdeutschen Tagesschau �bertragen wurden. �Wir sind das Volk!� und �Keine Gewalt!� waren die wichtigsten Losungen einer der erfolgreichsten und friedlichsten Revolutionen aller Zeiten.</p><p>Bei den Feiern zum 40. Jahrestag der DDR am 7.�Oktober sagte Michail Gorbatschow zu Erich Honecker auf Russisch in etwa: �Schwierigkeiten lauern auf den, der nicht auf das Leben reagiert�, was auf Deutsch mit �Wer zu sp�t kommt, den bestraft das Leben� �bersetzt wurde. Honecker wurde am 18.�Oktober von seinem eigenen Politb�ro zum R�cktritt gezwungen. Am gleichen Tag verk�ndete sein Nachfolger Egon Krenz eine �Wende�, um �die politische und ideologische Offensive wiederzuerlangen�. Aber die Wende kam bald anders, als von ihm gedacht. Am Abend des 9.�November verhaspelte sich der schlecht informierte ZK-Pressesprecher G�nter Schabowski bei der Bekanntgabe �ber Vorbereitungen zu einem neuen Reisegesetz der DDR vor der internationalen Presse: �Das tritt nach meiner Kenntnis � ist das sofort, unverz�glich.�</p><p>Der Rest ist Geschichte.</p><p>WIEDERVEREINIGUNG UND ZERFALL����Aus der demokratischen Forderung nach politischer Mitsprache �Wir sind das Volk!� wurde nun die nationale Forderung nach Vereinigung der beiden deutschen Staaten: �Wir sind ein Volk!� Um die Aufbruch- und Wendestimmung f�r die notwendigen internationalen Verhandlungen nutzen zu k�nnen, handelte die Regierung der Bundesrepublik dementsprechend. Anl�sslich der Einf�hrung der Wirtschafts-, W�hrungs- und Sozialunion am 1.�Juli 1990 versprach Kanzler Helmut Kohl die �bl�henden Landschaften�. Nach internationalen Verhandlungen erlangte Deutschland die Zustimmung der ehemaligen Alliierten f�r den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes am 3.�Oktober 1991: Das waren die Einheit und die volle Souver�nit�t. Mindestens genauso gravierend wie f�r Deutschland waren die Folgen der Wende auch in Ost- und S�dosteuropa, bis nach Zentralasien. Die Sowjetunion h�rte am 21.�Dezember 1991 auf zu existieren. Ebenso der Warschauer Pakt (1.�Juli 1991). Sozusagen als Ersatz war die Gemeinschaft Unabh�ngiger Staaten (GUS) gegr�ndet worden, die aber rasch an Bedeutung verlor. Viele ihrer Mitgliedsl�nder von Armenien bis Ukraine und Usbekistan gingen eigene Wege und suchten sich der Dominanz Moskaus zu entziehen. In Georgien f�hrte die Rosenrevolution von 2003 zur Abl�sung von Pr�sident Eduard Schewardnadse, zu einer �hnlichen Ver�nderung kam es durch die Tulpenrevolution in Kirgisistan 2004 und durch die Orangene Revolution 2004 in der Ukraine. 2010 wurde der damals von Wladimir Juschtschenko � auf den der russische Geheimdienst kurz vor seiner Wahl ein Giftattentat ausgef�hrt hatte � und Julia Timoschenko abgel�ste Regierungschef Janukowytsch erneut gew�hlt.</p><p>Fast v�llig ger�uschlos entstanden auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei durch Parlamentsbeschluss zum Ende des Jahres 1992 zwei unabh�ngige Staaten: die Tschechische Republik und die Slowakische Republik � eine sp�te Revision der englisch-franz�sischen Friedenskunst von Versailles. Umso ger�uschvoller vollzog sich ab 1991 der Zerfall Jugoslawiens.</p></section><section><subtitle>SCHLACHTFELDER DER GEGENWART</subtitle><p>Nach dem Tod Titos 1980, der Jugoslawien 35 Jahre lang regiert hatte, blieb das Land trotz einiger Unruhe noch geeint. Seit 1987 zeichnete sich dann Slobodan Milo�evic� als neuer starker Mann ab, der 1988 Pr�sident einer Teilrepublik Serbien wurde und nach der Vereinigung Serbiens mit Montenegro als jugoslawischer Bundespr�sident amtierte. Milo�evic� f�hrte die gewaltsame Kriegs-, Terror- und Vertreibungspolitik der Serben gegen die anderen V�lker des ehemaligen Jugoslawien, vor allem gegen Kroaten, Bosnier und Kosovo-Albaner. All diese V�lker waren miteinander verfeindet, lebten und leben in teilweise enger r�umlicher Nachbarschaft. Und alle sind sehr gewaltbereit.</p><p><emphasis>1991�1999</emphasis></p><p>BALKANKRIEGE����Im Juni 1991 proklamierten die Teilrepubliken Slowenien und Kroatien als erste jugoslawische Nachfolgestaaten ihre Unabh�ngigkeit. Zwischen Serben und Kroaten begann 1991 ein lang anhaltender Krieg, zun�chst mit K�mpfen um Vukovar und Dubrovnik. Seit 1992 war auch die UNO involviert. Trotz vielseitiger internationaler Anerkennung Kroatiens zog sich der Krieg bis Dezember 1995 (Abkommen von Dayton). Auf beiden Seiten flohen Hunderttausende von Kroaten und Serben oder sie wurden vertrieben.</p><p>Anfang 1992 entbrannte der Kampf um Bosnien, ein Vielv�lkerstaat im Vielv�lkerstaat. Hier proklamierten die Serben im Januar eine Serbische Republik Bosnien-Herzegowina, im M�rz verk�ndeten die bosnischen Kroaten und die (muslimischen) Bosniaken ein unabh�ngiges Bosnien-Herzegowina. Heftig umk�mpft war in diesem von April 1992 bis Dezember 1995 dauernden Teilkrieg des jugoslawischen Nachfolgekrieges die bosnische Hauptstadt Sarajewo, die von bosnischen Serben fast 1500 Tage lang belagert wurde. Im Juli 1995 schlachteten die serbischen Truppen von Pr�sident Radovan Karad�ic� in Srebrenica bis zu 8000 Bosniaken ab.</p><p>Bereits 1989 hatte das serbisch dominierte Parlament in Belgrad die bis dahin laut jugoslawischer Bundesverfassung bestehende Autonomie des �berwiegend von Albanern bewohnten Kosovo (Amselfeld) aufgehoben. Seit Mitte der Neunzigerjahre f�hrte die Befreiungsarmee des Kosovo U�K Krieg gegen die serbisch-jugoslawische Armee und Polizei. Die serbische Regierung unter Pr�sident Milo�evic� bekriegte die U�K und die albanische Zivilbev�lkerung mit so brutaler Gewalt, dass die NATO unter F�hrung der USA (Regierung Clinton) und mit deutscher Beteiligung (Regierung Schr�der/Fischer) von Ende M�rz bis Anfang Juni 1999 gegen die Serben vorging, zum Schluss mit weit �ber 1000 Kampfflugzeugen. Anschlie�end sicherten internationale KFOR (Kosovo-Force)-Truppen mit einem Mandat der UNO das Kosovo. Es erkl�rte sich 2008 f�r unabh�ngig. Die w�hrend des Balkankrieges begangenen Massaker sind heute Gegenstand des Haager Kriegsverbrechertribunals.</p><p><emphasis>1991</emphasis></p><p>DIE MUTTER ALLER SCHLACHTEN����1990 besetzte der irakische Diktator Saddam Hussein (Regierungszeit 1979�2003) das benachbarte �lscheichtum Kuwait und drohte den USA in einer Radioansprache f�r den Fall einer milit�rischen Gegenaktion zur Befreiung Kuwaits mit der �Mutter aller Schlachten�. Er verstand seine Gegenwehr als Beginn epochaler Auseinandersetzungen zwischen dem Islam und dem Westen. Die USA begannen unbeeindruckt davon am 17.�Januar 1991 mit einer Teilinvasion Iraks im Zweiten Golfkrieg (Operation W�stensturm). Nach einem Monat war Kuwait befreit, und Irak willigte in einen Waffenstillstand ein. So endete vorl�ufig die �Mutter aller Schlachten� � bis 2003 der Dritte Golfkrieg mit Unterst�tzung der �Koalition der Willigen� vom Zaun gebrochen wurde.</p><p>Zu den �Willigen� z�hlten die nach dem Mauerfall neu in die NATO aufgenommenen baltischen und osteurop�ischen Staaten, die vom amerikanischen Verteidigungsminister Rumsfeld als das �neue Europa� gelobt wurden. L�nder aus dem �alten Europa� wie Frankreich und Deutschland nahmen an dem unter vorgeschobenen Gr�nden vom Zaun gebrochenen neuen Krieg nicht teil. Um das milit�rische Eingreifen zu rechtfertigen, behauptete US-Au�enminister Colin Powell am 5.�Februar in einer Rede vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen: �Alles, was ich heute sage, ist von Quellen gedeckt, soliden Quellen.� Das bezog sich vor allem auf die Behauptung, Saddam Hussein verf�ge �ber biologische und chemische Massenvernichtungswaffen � eine reine Erfindung der CIA. Die amerikanische Regierung glaubte � oder lie� jedenfalls verbreiten �, die Iraker w�rden die Soldaten und ihre Alliierten wie Befreier begr��en. �Befreit� wurde lediglich Saddam Hussein, der sich in einem Erdloch versteckte. Er wurde 2006 von einem Kriegsverbrechertribunal in Bagdad verurteilt und geh�ngt.</p><p>11. SEPTEMBER 2001����Einzig die �lokalen� Konflikte am Persischen Golf und auf dem Balkan tr�bten die vergleichsweise euphorische Weltstimmung der Neunzigerjahre, als man nach dem Ende des Kalten Krieges schon das �Ende der Geschichte� nahe w�hnte, selbst ehemalige erzkommunistische und erzsozialistische Staaten wie China und Indien mit ihrer st�ndig steigenden Nachfrage die Weltwirtschaft belebten und extrem liberalisierte Finanzm�rkte in London und New York anscheinend unbemerkt von Aufsichtsbeh�rden und Medien ein immer gr��eres Rad der gegenseitigen Verschuldung drehten.</p><p>Dann fiel der entsetzliche Schatten zweier Flugzeuge auf die T�rme des World Trade Centers, die innerhalb weniger Stunden zerbarsten und �ber 3000 Opfer unter sich begruben. Der scheinbare Sieger des Kalten Krieges war aus buchst�blich heiterem Himmel ins Herz getroffen. Seitdem herrscht ein neuer �asymmetrischer� Weltkrieg, der jedermann zu jeder Zeit an jedem Ort treffen kann, wie kurz vor der Fertigstellung dieses Buches der Anschlag vom 29.�M�rz 2010 auf die Moskauer U-Bahn an den Haltestellen Lubjanka und Kulturpark gezeigt hat.</p><p>9/11 machte das Schlagwort vom �Asymmetrischen Krieg� zum gel�ufigen politischen Begriff: Asymmetrie von oben durch das Einsetzen �berlegener milit�rischer Mittel der Gro�m�chte gegen von vornherein unterlegene Staaten oder V�lker. Asymmetrie von unten durch �terroristische Gegenanschl�ge�.</p><p><emphasis>1978</emphasis></p><p>MUDSCHAHEDDIN�����Afghanistan� wird erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Staatsbezeichnung verwendet. Das Land am Hindukusch war immer Randzone Persiens, Indiens und Zentralasiens, Durchgangsland am Khaiber-Pass von Ost nach West oder f�r turkmongolische Invasoren von Nord nach S�d, seit jeher Schauplatz der Interessen der Gro�m�chte. Dementsprechend gro� ist seine strategische Bedeutung und es stand fast immer unter Fremdherrschaft. Die wichtigsten Stammesgruppen, die Paschtunen, vermochten zwar durch Aufst�nde die jeweils Herrschenden in Atem zu halten, konsolidierten aber kein autonomes Machtzentrum. Daran war auch nicht zu denken, als im 19. Jahrhundert und bis zum Ende des Ersten Weltkrieges hier im <emphasis>Great Game</emphasis> die Interessensph�ren des Zarenreiches und des Britischen Empires aufeinanderstie�en: Russland dr�ngte zum Indischen Ozean, Gro�britannien wollte genau dies verhindern. Durch die Oktoberrevolution von 1917 schied Russland aus diesem gro�en geostrategischen Machtspiel vorl�ufig aus. Seit 1919 gab es ein paschtunisches (konstitutionelles) K�nigreich von britischen Gnaden als Puffer zu Russland. Noch in den 1970er Jahren konnten unternehmungslustige Hippies aus Westeuropa �ber den malerischen Khaiber-Pass zu ihren Gurus nach Indien pilgern und sich unterwegs mit preiswertem �Afghan� eindecken.</p><p>Der letzte Paschtunen-K�nig Sahir Schah wurde 1973 in Afghanistan gest�rzt (und kehrte erst nach der Zerschlagung des Taliban-Regimes in hohem Alter aus dem Exil zur�ck). 1978 �bernahm die Kommunistische Partei die Macht. Sie versuchte �hnliche weltliche und soziale Reformen durchzusetzen wie seinerzeit der Schah in Persien. Dagegen wehrte sich die einheimische Bev�lkerung in lose organisierten Mudschaheddin-Kampfgruppen. Das Wort �Mudschaheddin� h�ngt zusammen mit �Dschihad�. Diese �heiligen Krieger� f�hrten gegen die 1979 einmarschierten sowjetischen Truppen einen zehnj�hrigen verlustreichen Guerillakrieg. Wegen dieses Einmarsches wurden die Olympischen Spiele in Moskau 1980 von vielen Staaten boykottiert. Die Mudschaheddin wurden �ber Pakistan von den USA und Saudi-Arabien mit Waffen unterst�tzt und ausgebildet. Erst Michail Gorbatschow leitete den Abzug der sowjetischen Truppen ein, die 1989 ein zerst�rtes, innerlich verfeindetes Land im Chaos hinterlie�en.</p><p>TALIBAN����hei�t: �Sch�ler�. Gemeint sind Sch�ler von Koranschulen (Madrassas), die von paschtunischen Stammesangeh�rigen im afghanischen Kandahar-Gebiet besucht wurden. Zun�chst wurden diese Gruppen im pakistanischen und amerikanischen Interesse eingesetzt, um die Sicherheit auf den Stra�en in Afghanistan zu gew�hrleisten. Seit der Zeit des Abwehrkampfes gegen die Sowjets herrschte wegen des Treibens von Banditen und Stammesh�uptlingen weitgehend Anarchie in Afghanistan. Nach dem Abzug der Sowjets folgte ein B�rgerkrieg zwischen den verschiedenen Mudschaheddin-Gruppen, aus denen Mitte der Neunziger die Taliban als Sieger hervorgingen, die seit 1996 auch Kabul kontrollierten. Unter ihrem Anf�hrer Mohammed (�Mullah�) Omar errichteten sie das Islamische Emirat Afghanistan und kontrollierten den gr��ten Teil des Landes. Sie werden vor allem von den armen Bev�lkerungsschichten unterst�tzt und h�ngen einem strenggl�ubigen Wahabismus an, einer fundamentalistischen islamischen Glaubensrichtung, die sich auf den Wortlaut des Korans beruft. Mullah Omar bot wohl auch dem al-Qaida-F�hrer Osama bin Laden �Asyl�. Nach den Terroranschl�gen vom 11.�September 2001 griffen die USA auf der Grundlage einer UN-Resolution noch im Herbst des gleichen Jahres milit�risch in Afghanistan ein und vertrieben die Taliban. Auch Deutschland beteiligt sich heute neben anderen NATO-Staaten an dem Einsatz der <emphasis>International Security Assistance Force</emphasis> (ISAF, �Internationale Unterst�tzungstruppe zur Gew�hrleistung der Sicherheit�). Seitdem wird auch die Sicherheit Deutschlands, wie 2004 der damalige deutsche Verteidigungsminister Peter Struck sagte, �nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt�. Bisher sind bei diesem Einsatz 1267 Soldaten gefallen, davon 751 Amerikaner und 43 Deutsche (18.�April 2010). Deren Zahl erh�ht sich laufend.</p></section><section><subtitle>WELTWIRTSCHAFTSUNORDNUNG</subtitle><p>Ronald Reagan f�hrte w�hrend seiner Amtszeit (1981�1989) in der Wirtschaftspolitik eine weitgehende Liberalisierung der Wirtschaft durch. Die �Reaganomics� (Steuersenkungen, Steuervereinfachungen, Sozialabbau und R�stungsausgaben) sollten die Wirtschaft ankurbeln in der Hoffnung, der Wohlstand werde auch zu den �rmeren �durchsickern�. Moralisch und praktisch wurde Reagan von seiner Freundin und Kollegin Margaret Thatcher (britische Premierministerin 1979�1990) unterst�tzt. Das ist der Hintergrund f�r die allm�hliche buchst�bliche Entfesselung der Finanzm�rkte (von �l�stigen� Vorschriften und Kontrollen) und f�r den Geld- und Immobilienboom jener Jahre, der mit der <emphasis>New Economy</emphasis> in den Neunzigern einen weiteren H�hepunkt erreichte.</p><p><emphasis>1993</emphasis></p><p>WORLD WIDE WEB����Im M�rz 1989 er�ffnete der englische Physiker Tim Berners-Lee, ein Physiker am Europ�ischen Kernforschungszentrum CERN in Genf das World Wide Web (www) f�r den Datenaustausch zwischen Rechnern von Forschungseinrichtungen und ver�ffentlichte 1991 das daf�r notwendige Protokoll HTTP (<emphasis>Hypertext Transfer Protocol</emphasis>) unter Verzicht auf Patentierung und Kommerzialisierung. Dank des von dem amerikanischen Studenten Marc Andreessen erfundenen ersten Browsers (�Herumst�berer�) Mosaic hat seit 1993 im Prinzip jedermann Zugang zu diesem �Internet�. 1994 gab es rund 100000 Nutzer. Heute ist das Internet die globalste allgemein zug�ngliche technische Vernetzung seit der Erfindung des Telegrafen. Es brachte ganz neue Modelle der Kommunikation, des Wissensmanagements und auch neue Gesch�ftszweige hervor. Ein �hnlicher globaler und technischer Sprung vollzog sich durch die massenhafte Nutzung und Verbreitung der Funktechnik nach der allgemeinen Einf�hrung der Mobilfunktechnologie sowie der Satellitennavigation GPS (<emphasis>Global Positioning System</emphasis>), die seit 2000 auch zivil genutzt werden kann.</p><p><emphasis>ab 1975</emphasis></p><p>SILICON VALLEY����ist ein Inbegriff f�r die Computerindustrie, die als innovative Technik die zweite H�lfte des 20. Jahrhunderts so stark pr�gt wie keine andere. Die aus Silizium gefertigten Chips sind die materielle Basis der Branche, die in rasantem Tempo immer mikrofeinere Hardware produziert. Die eigentlichen Innovationen liegen allerdings schon l�ngst im Bereich der Software.</p><p>Das Silicon Valley befindet sich unmittelbar s�dlich der kalifornischen Stadt San Francisco. Es handelt sich nat�rlich nicht um einen alten geografischen Begriff, sondern um eine moderne Bezeichnung f�r einen etwa 80 Kilometer langen K�stenstreifen. In mehreren dort unmittelbar aneinandergrenzenden kalifornischen Gemeinden befinden sich die Sitze wichtiger IT-Firmen und Forschungsinstitute: Redwood City (Oracle), Stanford (Stanford University), Palo Alto (Stanford Research Park, Facebook; in Palo Alto befindet sich auch die Garage, in der Hewlett-Packard, das erste IT-Unternehmen, 1939 gegr�ndet wurde), Mountain View (Google), Sunnyvale (AMD, Intel), Cupertino (Apple), Santa Clara (Fairchild Semiconductors). Microsoft, gegr�ndet 1975, sitzt nicht im Silicon Valley, sondern in Seattle im Bundesstaat Washington.</p><p><emphasis>M�rz 2000</emphasis></p><p>NEW ECONOMY����Computertechnik, Mobiltelefonie, Internet, Biochemie und Mikrotechnologie waren und sind die Hoffnungstr�ger einer Expansion der Weltwirtschaft in �neue M�rkte�. In den sp�ten Neunzigerjahren wurden sie als hoffnungsvolle <emphasis>New Economy</emphasis> den traditionellen Gro�branchen (Agrarindustrie, Rohstoffverarbeitung, Chemie, Masseng�terproduktion am Flie�band) geradezu ironisch-polemisch gegen�bergestellt, die man als �schmutzig� und �veraltet� (<emphasis>Old Economy</emphasis>) brandmarkte. Die neuen Hoffnungstr�ger wurden an der B�rse in einer Art Goldrausch hoch bewertet und zum Schluss einfach �berbewertet. Bis zum M�rz 2000 erreichten die wichtigsten Weltb�rsen neue Aktienh�chstst�nde, dann platzte die Spekulationsblase. Viele Gesch�ftsmodelle erwiesen sich sehr schnell als substanzlos. Die Investoren, darunter auch viele Kleinanleger, verloren Geld und Verm�gen.</p><p><emphasis>2007/2008</emphasis></p><p>SUBPRIME UND DERIVATE����Der Subprime-Markt ist ein Teilmarkt des Hypothekenmarktes und bezieht sich auf diejenigen Hypotheken, die keine erstklassigen Wertanlagen darstellen, sondern zweitklassige (<emphasis>subprime</emphasis>).</p><p>Die Regierung des amerikanischen Pr�sidenten Bush (2001�2009) ermunterte die Banken, Kredite zum Bau oder Kauf von Eigenheimen auch an Darlehensnehmer zu vergeben, deren Bonit�t nicht gesichert war, sprich: an arme Leute. Auch ihre Immobilien waren nicht so viel wert, wie ein dadurch spekulativ �berhitzter Immobilienmarkt vermuten lie�. Die Niedrigzins-Politik der amerikanischen Notenbank unter ihrem Gouverneur Alan Greenspan (1987�2006) gaukelte den Leuten zudem vor: �Kredite kosten nichts�.</p><p>Die Banken b�ndelten ihre mehr schlecht als recht besicherten Darlehensforderungen in einer Art Fonds, aus dem sie wiederum Wertpapiere bildeten. Damit hatten die Forderungen eine andere �Struktur� und konnten als Geldanlage weiterverkauft werden. So entstand ein �Derivat�, ein �strukturiertes Finanzprodukt�. Deren �Wert� wurde durch positive �Ratings� darauf spezialisierter Agenturen verst�rkt, w�hrenddessen diese �Finanzinstrumente� immer komplexer und undurchschaubarer wurden.</p><p><emphasis>2008</emphasis></p><p>FINANZMARKTKRISE����Als die Zinsen in den USA wieder stiegen und gleichzeitig die Einkommen sanken, konnten viele Amerikaner die Hypotheken f�r H�user nicht mehr bezahlen. Nun zerplatzte die Subprime-Blase. Das setzte eine Abw�rtsspirale der Finanzm�rkte von ungeheurem weltweiten Ausma� in Gang. Die Regierung Bush sah sich gezwungen, die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac zu verstaatlichen. Vielen Immobilienbesitzern blieb nichts anderes �brig, als Eigenheime und Wohnungen zu verkaufen, aber da so viele Objekte gleichzeitig auf den Markt kamen, verloren sie drastisch an Wert. Und weil so viele Banken so viele Subprime-Derivate in ihren Depots hatten, verloren auch sie an Wert.</p><p>Das gesamte amerikanische und in der Folge auch das eng verkn�pfte weltweite Finanzsystem steht am Abgrund. Banken wie Lehman Brothers und Versicherungen (der gr��te Versicherungskonzern AIG muss im vierten Quartal 2008 einen Bilanzverlust von 61,7 Milliarden Dollar hinnehmen) gehen in Konkurs. Island ger�t im Oktober 2008 nach dem Kollaps seiner Banken an den Rand des Staatsbankrotts. In Deutschland muss vor allem eine bis dahin wenig bekannte Gro�bank namens Hypo Real Estate mit staatlichen Garantiezusagen in H�he von rund 100 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Weltweit werden die Kredite knapp, eine existentielle Bedrohung f�r die Realwirtschaft. Die gro�en amerikanischen Autokonzerne betteln im November 2008 in einer gemeinsamen Aktion ihre Regierung um �berbr�ckungskredite an. Die Staaten intervenieren mit Garantien, um wenigstens die Funktionsf�higkeit des Systems zu erhalten. Der Internationale W�hrungsfonds sch�tzt den Gesamtschaden auf 12000 Milliarden Dollar.</p><p><emphasis>November 2008/2009</emphasis></p><p>YES, WE CAN����Am 20.�Januar 2009 wurde Barack Obama als 44. und erster afroamerikanischer Pr�sident der Vereinigten Staaten vereidigt. Die Mehrheit von 53 Prozent der W�hlerstimmen f�r Obama gegen�ber seinem wei�en republikanischen Gegenkandidaten war angesichts einer solch historischen Wahl �berzeugend. 75 Prozent der Amerikaner sind Wei�e mit europ�ischen Vorfahren, nur 13 Prozent sind Afroamerikaner, die restlichen zw�lf Prozent sind �berwiegend lateinamerikanischer Herkunft und Asiaten.</p><p>Offenbar suchten die Amerikaner nach einer Art Neuanfang f�r ihr Land � nicht nur wegen der Fehlgriffe der Bush-Administration (Dritter Golfkrieg, Finanzkrise). Die neue Landkarte in Europa, die Schwellenl�nder, der 11.�September, das Internet � mit etwas Zeitverz�gerung bemerkte auch die Masse der Amerikaner, dass es eine Zukunft gibt, die nach neuen Kriterien und Denkmustern gestaltet werden sollte. Dies war Obamas Versprechen im Wahlkampf.</p><p><emphasis>Yes, we can</emphasis> war ein Hip-Hop-Song, der einerseits von einer Wahlkampfrede Obamas Anfang 2008 inspiriert wurde, andererseits unabh�ngig von dessen Kampagne �ber das Internet verbreitet auf sie zur�ckwirkte. Auch f�r die Politik bedarf es jetzt des Online-Marketings.</p></section><section><subtitle>ENDE DER GESCHICHTE?</subtitle><p>Das erste Stichwort dieses Buches besch�ftigte sich mit der �Eiszeit�, jener viele Zehntausende von Jahren zur�ckliegenden Epochen (es gab mehrere!), in der die ersten modernen Menschen durch Europa schweiften. Damals hatte die Gletscherschmelze das �berleben von Menschen, das Entstehen von Kulturen und damit das Entstehen von �Geschichte� �berhaupt erst erm�glicht. Heute besch�ftigt sich der Klimarat IPCC (<emphasis>Intergovernmental Panel on Climate Change</emphasis>) mit den Gefahren der Erderw�rmung und einer neuerlichen Gletscherschmelze. 2007 hat der IPCC zusammen mit dem ehemaligen US-Vizepr�sidenten Al Gore durch die Verleihung des Friedensnobelpreises h�chste internationale Anerkennung erfahren �f�r die Anstrengungen, ein breiteres Wissen �ber den menschengemachten Klimawandel zu schaffen und zu verbreiten�. Ursachen und Folgen des Klimawandels r�cken in den Vordergrund der Debatte. Dass �die Gletscher des Himalaja bis zum Jahr 2035 abschmelzen k�nnten�, erwies sich allerdings als eine Falschmeldung des IPCC. Noch ein bisschen �lter als die Eiszeit ist der Urknall. Nach �ber zehnj�hriger Bauzeit und zweij�hriger Vorbereitungszeit des Experiments gelang den Physikern am Europ�ischen Kernforschungszentrum CERN in Genf am 30.�M�rz 2010 in einem riesigen unterirdischen Teilchenbeschleuniger erstmals dessen Simulation. Die Welt ist dabei nicht in einem Schwarzen Loch kollabiert, wie manche bef�rchtet hatten.</p><p>Durch den Zusammenbruch des Ostblocks ist die Landkarte Europas teilweise neu gezeichnet worden, ein unerwartet tiefgreifender Wandel auf dem alten Kontinent. Europa konsolidiert sich im Rahmen der EU in einem komplizierten gegenseitigen Geflecht. In den rund 20 Jahren seit der europ�ischen Wende sind die asiatischen Gro�staaten China und Indien ebenfalls unerwartet zu neuer wirtschaftlicher und weltpolitischer Potenz aufgestiegen. Auch Lateinamerika hat aufs Ganze gesehen zu wirtschaftlicher Prosperit�t und politischer Stabilit�t gefunden. In Afrika mit seinen bisher katastrophalen Netzstrukturen (Transport und Telekommunikation) sorgt derzeit das Handy f�r einen erstaunlichen Umbruch � zumindest der Wirtschaft.</p><p>Die v�llig uneinheitliche islamische Welt ist teils sehr reich, teils sehr arm. Ihren Eliten ist es noch nicht gelungen, an die eigene �berreiche kulturelle Tradition anzukn�pfen, sich selbstbewusst neu zu orientieren und den Anschluss an die Entwicklung der Welt zu finden, die eben doch irgendwie �modern� ist.</p><p>Bald nach dem Ende des Kalten Krieges hatte der amerikanische Politologe Francis Fukuyama 1992 das �Ende der Geschichte� ausgerufen, was � 18 Jahre sp�ter betrachtet � ein bisschen voreilig war. Die Weltgeschichte richtet sich eben nicht nach den Vorgaben hegelscher oder marxistischer �Gesetzm��igkeiten� und sie l�uft auch nicht zwangsl�ufig auf Republiken mit allgemeinem Wahlrecht, verfassungsrechtlich gesch�tzten Grundrechten und einer freien Marktwirtschaft hinaus. Auch das �westliche Modell� ist zu einer ganz bestimmten Zeit unter ganz konkreten Umst�nden und in langen K�mpfen historisch gewachsen und nicht einfach vom Himmel gefallen. Das kann man aus der Geschichte lernen. Und aus der Weltgeschichte kann man lernen, dass es zu anderen Zeiten und bei anderen V�lkern auch andere Modelle gab.</p><p>Die einzige Konstante ist die Ver�nderung: Die Geschichte bleibt spannend.</p></section></body><binary id="cover" 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