<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>prose_history</genre><author><first-name>Sebastian</first-name><last-name>Fleming</last-name></author><book-title>Die Kuppel des Himmels</book-title><annotation><p>Rom gleicht einem Hexenkessel. Kriegerische und luxusversessene P�pste beherrschen die heilige Stadt. Es ist die Zeit der Renaissance. Geld spielt keine Rolle. Als der alte Petersdom zur Ruine wird, sieht Papst Julius II. seine Chance gekommen. Er beauftragt Donato Bramante, eine neue Basilika zu bauen. Gewaltiger als irgendeine je zuvor: das gr��te Geb�ude des Abendlandes. Ein Symbol f�r die Allmacht der Kirche. Doch es gibt erbitterte Gegner, die den Bau verhindern wollen. Sie gehen �ber Leichen. Ohne seine kluge Geliebte, die Kurtisane Imperia, w�re Bramante verloren. Aber sie fordert von ihm ein gro�es Opfer. Und dann ist da noch der gro�e Rivale: der geniale Michelangelo ... </p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-05-31">31.5.2013</date><id>6C7D5D1D-D90E-4A61-8E9D-7FCB345EAE37</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>Bastei Luebbe</publisher><year>2011</year></publish-info></description><body><section><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p>Non vi si pensa quanto sangue costa.</p><empty-line/><p>Dabei denkt niemand, wie viel Blut geflossen.</p><p>Dante Alighieri: Die G�ttliche Kom�die,</p><empty-line/><p>Das Paradies, XXIX. Gesang</p></section><section><empty-line/><p>Prolog</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1564</p><p>Der dampfende Atem des Pferdes kr�uselte sich nur kurz in der Luft, bevor die Februark�lte ihn aufsog. Sein Reiter hatte keinen Blick f�r die Sch�nheit der Stadt Florenz, wie sie tief im Schnee versunken vor ihm lag. Ein krampfhafter Husten sch�ttelte ihn, w�hrend er, den Kopf gesenkt, mit aller Kraft gegen das Sterben anritt. Er spuckte aus. Der Tod war von allen Erfindungen Gottes vielleicht die schlechteste.</p><p>Auch gut anderthalb Jahrtausende nach der Geburt des Herrn, gelobt sei sein Name, war es kein unbeschwertes Vergn�gen, sich allein �ber die Hauptstra�e Italiens von Rom nach Florenz zu begeben. Es grenzte an ein Wunder, dass ihm unterwegs niemand aufgelauert hatte au�er ein paar Stra�enjungen, die sich aus �bermut als Wegelagerer versuchten. Es hatte ihn nur einen kr�ftigen Fluch gekostet, sie zu verscheuchen.</p><p>Wie eine Fliege auf einem wei�en Bogen Papier zog der schwarz gekleidete Reiter auf dem Rappen seine Bahn durch die verschneite Landschaft vor der Stadt. Er hielt auf die m�chtige Porta di San Pietro Gatolini zu, die ihm mit ihren hohen, wuchtigen Eichenholzfl�geln vorkam wie ein riesiger B�r, der mit aufgerissenem Maul darauf wartete, alles zu verschlingen, was sich ihm n�herte. Er z�gelte das Pferd nur wenig und ritt gerade so langsam, wie es n�tig war, um zwischen den Bauern und ihren Karren, die sich vor dem Stadttor dr�ngten, hindurchzukommen. Die Torwachen, die sonst jeden Ank�mmling zu schikanieren wussten, wagten nicht, ihn aufzuhalten. Sein grimmiger Blick lie� sie zur�ckschrecken und Gott wei� wohin schauen, nur nicht mehr zu ihm. Er nahm es kaum zur Kenntnis, sondern eilte weiter.</p><p>Auf der Br�cke �ber den Arno erf�llten die Tritte des Pferdes die eisige Luft mit einem dumpfen Stakkato. Der Reiter sch�ttelte sich, als ihm der scharf-s��liche Gestank von Urin in die Nase drang. Das Miasma ging von den Gerbern aus, die auf der Br�cke ihre H�uschen errichtet hatten und die anr�chige Fl�ssigkeit in rauen Mengen zum Gerben verwandten. Vor einem der kleinen H�user lud ein Mann graue Rinderh�ute von einem Ochsenkarren, stolperte und fiel dem Rappen vor die F��e. Der Reiter konnte das Pferd gerade noch zur Seite rei�en, bevor die Hufe den Mann trafen. Zum Dank rief der Gerber ihm lallend einen Schwall Verw�nschungen nach. Am liebsten h�tte er kehrtgemacht und dem Trunkenbold Manieren beigebracht, aber er durfte sich durch nichts aufhalten lassen. Mess�r Daniele da Volterra hatte ihn beschworen, sich zu eilen � jede Minute z�hle. Schlie�lich ging es um den bedeutendsten K�nstler aller Zeiten.</p><p>Vor dem Dom mit seiner gewaltigen Kuppel, die man auch das Wunder von Florenz nannte, hatten ein paar �berm�tige Bildhauerlehrlinge �berlebensgro�e Figuren aus Schnee geformt. Im tr�ben Licht des sp�ten Winternachmittags stand da sogar eine Nachbildung von Michelangelos David. Der harmlose Anblick versetzte dem Reiter einen Stich ins Herz. War sein verehrter Meister noch am Leben?</p><p>Als Ascanio Romano endlich den Borgo Santa Croce erreichte, fand er ihn menschenleer. Bei der eisigen K�lte verlie� niemand das Haus, der es nicht unbedingt musste. Er atmete erleichtert auf, als ihm ein dickes B�ndel aus schwarzem Stoff entgegent�nzelte, das sich beim N�herkommen als Priester entpuppte.</p><p>�Hochw�rden, wisst Ihr, wo Mess�r Giorgio Vasari wohnt?�</p><p>�Dort vorn, mein Sohn�, sagte der Geistliche und wies mit seinem fleischigen Mittelfinger auf ein schmales Haus.</p><p>Vom Pferd springen, das Tier an einen Eisenring binden und anklopfen waren eins. Ein Diener �ffnete die T�r und starrte den Besucher mit offenem Mund an.</p><p>�Bring mich sofort zu Mess�r Vasari!�, rief Ascanio, vor Ungeduld barscher als beabsichtigt.</p><p>Dazu machte der Diener allerdings keine Anstalten, sondern musterte den Besucher, der etwas heruntergekommen aussah, mit hochgezogenen Augenbrauen. Die beiden Tage im Sattel hatten ihre Spuren hinterlassen.</p><p>�Wen darf ich denn melden?�, fragte er.</p><p>Wut stieg in Ascanio hoch. Er hatte sich doch nicht die Seele aus dem Leib gehetzt, nur damit ein Diener jetzt sein Spielchen mit ihm trieb! Es gab ein hohles Ger�usch, als er derb mit der Faust die T�r aufstie� und das massive Blatt gegen den Kopf des Dieners schlug.</p><p>Aus dem <emphasis>piano nobile</emphasis> drangen heiteres Lautenspiel und die vergn�gten Stimmen von Menschen, die sich pr�chtig unterhielten. Ascanio st�rmte die Treppe hinauf, bog in einen Flur und fand sich gleich darauf in einem Saal wieder, der ihm wie das Paradies vorkam. Im Kamin prasselte ein Feuer, dessen W�rme ihn nach den Tagen drau�en magisch anzog. Er sah sich um und glaubte einen Augenblick lang zu tr�umen. An den W�nden schimmerten im Kerzenlicht herrliche Fresken, die in Allegorien die Geschichte der Kunst erz�hlten. Um einen schweren Tisch sa�en einige M�nner und eine Frau. Vermutlich war es die Hausherrin, denn f�r eine Kurtisane wirkte sie in ihrem hochgeschlossenen Kleid zu z�chtig. Ged�nstetes Gem�se und gebratenes Fleisch boten sich in duftender Vielfalt in silbernen Sch�sseln der kleinen Gesellschaft dar. Ausgehungert, wie er war, sog der Bote die Essensd�fte tief ein. In goldenen Kr�gen stand Wein, in solchen aus Ton Wasser bereit.</p><p>Ein Mann, dessen rundlicher Bauch und rote Nase von seiner Vorliebe f�r Speis und Trank zeugten, gab gerade einen Scherz zum Besten. Das woll�stige Funkeln seiner Schweins�uglein lie� auf eine Zote schlie�en. Als er den Ank�mmling bemerkte, erstarrte er mit gebl�hten Nasenfl�geln und gespitzten Lippen mitten im Satz, was ihn noch schweine�hnlicher aussehen lie�.</p><p>Ascanios Blick wanderte zwischen der Tischrunde und einem Fresko hin und her: Auf der Darstellung erkannte er das Portr�t eines Paares, des Hausherrn und seiner Gemahlin. Der Mann, dessen vorger�cktes Alter an seinem Gesicht, nicht aber an seiner dunklen Lockenpracht zu erkennen war, trug ein kostbares, pelzbes�umtes Gewand und sa� am Ende des Tisches, die Frau zu seiner Rechten. Als der Hausherr die Hand hob, spielte der Schein der Kerzen im Gold der Ringe an seinen Fingern. Die beiden Lautenspieler hatten ihre Instrumente sinken lassen, und Stille erf�llte den Raum. Alle Blicke waren voller Neugier auf den unerwarteten Besucher gerichtet.</p><p>Ascanio trat von einem Fu� auf den anderen und konnte sich vor Ersch�pfung kaum noch auf den Beinen halten. Eine tiefe M�digkeit hatte ihn �berkommen. Zu gern h�tte er sich niedergelegt und ausgiebig geschlafen, aber erst musste er seine Pflicht erf�llen.</p><p>�Mess�r, seid Ihr der Maler und Baumeister Giorgio Vasari?�, brachte er, an den Mann im Pelzmantel gewandt, mit einem Keuchen hervor. Dieser nickte kurz.</p><p>�Mich schickt Mess�r Daniele da Volterra, untert�nigsten Gru� zuvor, Ihr m�gt nicht z�gern noch zaudern, sondern, so schnell es eben geht, nach Rom kommen, denn unser aller Meister Michelangelo Buonarroti liegt im Sterben.�</p><p>�Nein!�, schrie Vasari und sprang auf. �Nicht Michelangelo! Nimm mich, Herr, aber nicht ihn, nicht ihn!�</p><p>Ratlosigkeit, Trauer und Schrecken breiteten sich auf den Gesichtern der Anwesenden aus. Die gute Stimmung war augenblicklich verflogen.</p><p>�Ich breche sofort auf!�, entschied Vasari.</p><p>Seine Frau wollte ihm den Entschluss ausreden, verwies auf die einbrechende Nacht und riet, den neuen Tag f�r die Reise zu nutzen, doch er nahm die Argumente, und waren sie auch noch so vern�nftig, �berhaupt nicht zur Kenntnis. Mit einem Blick auf Ascanio verf�gte er, dass dieser bewirtet werden, zu Kr�ften kommen und ihm anschlie�end folgen solle.</p><p>�Vorerst reicht es aus, wenn mein treuer Giuseppe mich begleitet!�, sagte er, bevor er, nach dem Diener rufend, aus dem Raum st�rzte. Vasaris Frau blickte ihrem Gemahl sorgenvoll nach, besann sich dann aber mit einem Seufzen ihrer Pflichten als Hausherrin. Sie bot Ascanio einen Platz am Tisch, Wein und Essen an. Er sp�rte, dass sie sich dazu �berwinden musste, denn er war ein Bote des Todes, und den mochte niemand. Teufel noch eins, fragte sich Ascanio, wann w�rde das endlich aufh�ren?</p><p>Mit Panik statt Blut in den Adern preschte Giorgio Vasari mit seinem Diener Giuseppe durch die Nacht, durch den Tag und wieder durch die Nacht, getrieben von der Angst um das Leben des Mannes, den er �ber alles in der Welt verehrte. Zwar war Michelangelo �ber drei Jahrzehnte �lter als er � Il Divino z�hlte inzwischen achtzig Jahre �, aber Vasari zweifelte nicht daran, dass der G�ttliche noch Kunstwerke schaffen w�rde, wenn sein K�rper l�ngst im Vermodern begriffen war. Niemand rechnete mehr damit, dass Michelangelo tats�chlich sterben k�nnte. Er schien den Tod besiegt zu haben.</p><p>Der Architekt dachte nicht an die Gefahren der Dunkelheit, nicht an die Strauchdiebe und Wegelagerer, die in den Berggegenden ihrem blutigen Handwerk nachgingen, sondern nur an ihn, seinen Meister, dem er nach seiner �berzeugung alles zu verdanken hatte.</p><p>In einem Flecken, dessen Namen er gleich darauf verga�, wechselten sie die Pferde, und schon ging es weiter. Zur Mittagszeit erreichten sie das Latium. Der Wind hatte aufgefrischt, was die beiden M�nner auf ihrem eiligen Ritt jedoch kaum wahrnahmen. Sie n�herten sich einem kleinen W�ldchen, und Vasari rief seinem Diener zu: �Wir halten kurz an, ich muss mein Wasser abschlagen!�</p><p>Als er wieder aus den B�schen trat und den Fu� in den Steigb�gel setzte, h�rte er Giuseppes Magen so laut knurren wie ein gef�hrliches, w�tendes Tier. Doch er duldete keine l�ngere Pause f�r einen Imbiss. Die Vorstellung, der g�ttliche K�nstler w�rde sterben, weil er, Giorgio Vasari, sich unterwegs den Bauch hatte vollschlagen m�ssen und deshalb nicht rechtzeitig in Rom eingetroffen war, zur Stunde, in der ihn sein Meister brauchte, trieb ihn erbarmungslos voran<emphasis>. Merda!</emphasis>, und nicht einmal der schnellste Renner, den er f�r Geld und gute Worte bekommen konnte, hielt Schritt mit der Angst, die sein Herz versengte.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1564, Anfang Februar</p><p>Am sp�ten Nachmittag erreichten sie endlich die Ewige Stadt. Eilig begaben sie sich zu dem sch�bigen Haus des G�ttlichen in der wilden Gegend zwischen dem Trajansforum und dem Quirinal, die man <emphasis>Macello dei Corvi</emphasis> � Rabennest � nannte. Niemand verstand, weshalb Michelangelo seit Jahrzehnten in dieser h�uslichen Enge und vor allem in der heruntergekommenen Gegend ausharrte. Eines stand fest, am Geld lag es nicht. Aber an der Lust, es auszugeben.</p><p>Vasari sprang vom Pferd und sank innerlich auf die Knie, w�hrend er zur T�r strebte und dabei inbr�nstig betete: �Herr, guter Gott, lass mich nicht zu sp�t kommen. Wir alle sind doch nichts ohne ihn!�</p><p>Dann lachte er �ber seine dumme, kleinliche Angst. Gott konnte Michelangelo doch gar nicht abberufen � nicht, solange er nicht den Petersdom fertiggestellt und mit der Kuppel des Himmels bekr�nt haben w�rde! Niemand au�er ihm k�nnte das Haus des Herrn vollenden. Kein anderer! Nicht einmal ein Narr entlie� einen erprobten Baumeister, wenn sein Haus erst halb fertig war. Und der Allm�chtige war alles andere als einf�ltig.</p><p>Ungeduldig trommelte der Architekt an die morsche T�r, bis Michelangelos treuer Diener Francesco, der den Spitznamen �das Franz�slein� trug, ihm �ffnete. �Endlich! Mess�r Giorgio, es ist ein Segen, dass Ihr da seid.�</p><p>Vasari musste sich zusammennehmen, um den Diener nicht an beiden Schultern zu packen und durchzusch�tteln. �Lebt der Meister noch?�</p><p>�Ja, aber ja. Der Patron ist im Petersdom.�</p><p>�Wie? Was? Im Petersdom? Bei dieser K�lte?�, br�llte Vasari, obwohl er wusste, dass den Diener keine Schuld traf. Niemand auf der Welt vermochte, Michelangelo von etwas abzubringen, das er sich einmal in den Kopf gesetzt hatte, nicht einmal der Papst. Alle f�rchteten sie seine <emphasis>terrebilit�</emphasis>. �Ich denke, er ist todkrank?�</p><p>�War er auch. Wir wollten schon den Priester rufen, da stand er wie von der Tarantel gestochen auf, fluchte auf Arnoldo di Maffeo, von dem er einen Brief erhalten hatte, und st�rmte zum Petersdom. Mess�r Daniele konnte ihn nicht aufhalten, und deshalb ist er dem Meister hinterhergerannt.�</p><p>Noch im Aufsitzen rief Vasari Francesco zu, dass er seinen Diener ordentlich verk�stigen sollte. �Und spar auch nicht am Wein!�, f�gte Giuseppe frech hinzu. Doch Vasari hatte keine Zeit f�r ein Gepl�nkel mit seinem Bediensteten und gab dem m�den Pferd erneut heftig die Sporen, bis dem Tier das Blut aus der wunden Seite drang. Er hatte nicht einmal Augen f�r die Trajanss�ule, der er f�r gew�hnlich bei seinem Eintreffen Verehrung erwies.</p><p>Der Anlass der Aufregung gefiel ihm ganz und gar nicht. Was hatte Arnoldo di Maffeo, dieser dreiste Dieb, in seinem Brief an Michelangelo nur geschrieben, dass der G�ttliche als verantwortlicher Architekt von Sankt Peter dar�ber au�er sich geraten und halb tot zum Dom gerannt war? Nat�rlich, Arnoldo beherrschte nichts besser als die Kunst der Intrige. Diese Schlange! Vasari hasste den durchtriebenen Maurer aus tiefster Seele. Als erfahrener Baumeister kannte er jene Sorte fauler Handwerker, die mit dem Mundwerk flei�iger waren als mit ihren Pranken und mit ihren langen Fingern geschickter als mit den H�nden. Oh, die Faulen waren klug, immer schon!</p><p>Nach langen K�mpfen mit der Baukommission, in der Arnoldo G�nner besa�, hatte Michelangelo ihn vor Monaten endlich von der Baustelle gejagt, weil er unverfroren gutes Material gestohlen und schlechtes geliefert hatte. Sicher unterschied er sich darin nicht von den anderen r�mischen Bauunternehmern, aber Michelangelo hatte an ihm ein Exempel statuieren wollen, weil Arnoldo di Maffeo der Schlimmste von allen war. Michelangelos Plan war einfach: Besiegte er Arnoldo, w�rden die anderen sich aus Angst zuverl�ssiger und gef�giger zeigen.</p><p>Der Schlamm spritzte unter den Hufen des Pferdes auf, als Vasari �ber den von �rmlichen zweigeschossigen H�usern ges�umten Platz vor Michelangelos Haus ritt. Das fahle Grau der D�mmerung erschien ihm wie ein Ausdruck der ganzen Trostlosigkeit dieses Ortes. Von dem Platz aus stie� er direkt auf eine der gro�en Stra�en Roms, �ber die traditionell der in der <emphasis>Capella Sistina</emphasis> gew�hlte und im Petersdom gekr�nte Papst feierlich quer durch Rom zum Lateran zog, um seine Bischofskirche San Giovanni mit einer feierlichen Messe in Besitz zu nehmen.</p><p>Vasari schickte ein kurzes Dankgebet an jene, die diese Stra�e geplant und gebaut hatten � durch die kleinen Gassen von Regola und Parione h�tte er doppelt so viel Zeit gebraucht, um den Petersdom zu erreichen. Schlie�lich passierte er die Piazza Agionale, die sich unmittelbar vor dem Tiber ausbreitete. Dann tauchten die Br�cke und das m�chtige Bollwerk der Engelsburg vor ihm auf, und er �berquerte den Ponte Sant�Angelo. Frostiger Wind fegte in B�en �ber die Br�cke und stach mit tausend Degenspitzen durch seine Kleidung. Es hatte zu regnen begonnen. Endlich langte er an der Vorderfront von Alt Sankt Peter an.</p><p>Der Blick des Architekten streifte das zweigeschossige Geb�ude, das sich majest�tisch �ber den drei Portalen erhob und solide, aber langweilig, wie Vasari fand, gen Himmel strebte. Auf der linken Seite leitete ein dreigeschossiger S�ulenbau mit der Benediktionsloggia des Papstes zum Vatikanpalast �ber. Den gro�en Brunnen, dessen Font�ne die R�mer nur im Fr�hling, Sommer und Herbst mit ihrem Wasserspiel erfreute und erfrischte, hatte er bereits rechts liegen lassen.</p><p>Er sprang vom Pferd, band es hastig an einem Eisenring in der Mauer fest und st�rmte die vier Treppenpodeste mit ihren jeweils sieben Stufen hinauf. Dann durchquerte er im Laufschritt den leeren Vorplatz und eilte durch das mittlere Portal in den ger�umigen Innenhof der alten Basilika, den ein gro�z�giger Kreuzgang umgab. Dieser Ort schlug ihn wie immer in seinen Bann, und einen Atemzug lang gestattete er sich innezuhalten. In der Mitte des Hofes leuchtete wie reines Gold der gro�e Pinienapfel aus Bronze. Rechts erhob sich die steile Fassade des p�pstlichen Palastes, w�hrend sich hinter der Mauer linker Hand die Wohnst�tte der Priester befand. �ber den sechs Portalen der Basilika prangten kunstvolle Fresken, vor allem aber Giottos pr�chtiges Mosaik von der Schifffahrt, die �Navicella�. Die J�nger sa�en im Boot auf dem See Genezareth und �ngstigten sich. Vasari hatte das verehrungsw�rdige Mosaik schon oft gesehen, doch heute schien es ihn mahnen zu wollen. Nach seinem zweit�tigen H�llenritt von Florenz nach Rom war er wohl empf�nglicher f�r Warnungen vor den Gefahren der Reise.</p><p>An der Porta Santa, die selbstverst�ndlich verschlossen war, eilte er unter den B�gen des Kreuzganges durch die Porta Ravenniana, der nach Ravenna schauenden Pforte, in die Ruine der Basilika, die sich wie ein hinf�lliger Greis an die m�chtige Vierung des entstehenden Neubaus lehnte. Es zog erb�rmlich, und die B�en schossen durchs Gem�uer, denn die Fenster waren zerbrochen, in den Mauern klafften L�cken, und es fehlte die eigentliche Kuppel, sodass es hereinregnete. Den Westchor verdeckend, kauerte geradezu ehrf�rchtig zwischen den m�chtigen Kuppelpfeilern das Geb�ude mit dem Tympanon, in dem sich der Altar �ber dem Petrusgrab befand. Vor dem Tegurium, so nannte man die Schutzh�tte �ber dem Grab des Apostels, entdeckte Vasari Michelangelo.</p><p>Wie ein Fels stand er da, imposant, aber verloren in dem riesigen und w�sten Raum des entstehenden Domes, mitten im kalten Regen, ohne Hut. �ber der Hose und dem wei�en Hemd trug er nur einen langen zerschlissenen Mantel. Wie ein gerupfter Moses, dachte Vasari. Neben ihm stand Daniele da Volterra und redete voller Eifer auf ihn ein. Vasari konnte Daniele zwar nicht verstehen, aber es war mehr als deutlich, dass er Michelangelo �berzeugen wollte, nach Hause zur�ckzukehren. Dieser h�rte ihm aber �berhaupt nicht zu, er wirkte aufs H�chste erregt und schien vollkommen au�er sich zu sein. Als Vasari sich den beiden n�herte, konnte er die Worte verstehen.</p><p>�Wo sind sie?�, schrie Michelangelo mit zornbebender Stimme. �Wo ist das Gesindel, das der hoch zu verehrende Herr Papst in seiner �bermenschlichen G�te bezahlt? Kein Mensch ist auf der Baustelle. Oh, diese verfluchten Bauunternehmer! Tagediebe und Spitzbuben allesamt! Dreckshunde! Wollte dieser elende Arnoldo di Maffeo mich nicht sehen? Hat er mich nicht herbestellt? Wo ist der Teufel?�</p><p>Vasari wollte Michelangelo schon begr��en, da drangen drei Gestalten mit gezogenen Rapieren aus dem Allerheiligsten, in dem sie sich offensichtlich verborgen hatten. <emphasis>Bravi</emphasis>, gedungene M�rder, dachte Daniele entsetzt und wich vor Schreck ein paar Schritte zur�ck. Nicht so Michelangelo. Einmal in Fahrt gekommen, ging er mit fuchtelnden Armen auf die Meuchelm�rder zu.</p><p>�<emphasis>Andate al diavolo</emphasis>, packt euch zum Teufel!�, fuhr er sie an. �Was habt ihr auf meiner Baustelle zu suchen? Dies ist das Haus des Herrn, nicht des Satans! Vertreiben will ich euch, wie einst Jesus die Wechsler aus dem Tempel gejagt hat. Wartet, ich werde euch schon Demut lehren!�</p><p>Vasari riss sein Rapier heraus, um den alten Meister zu sch�tzen, hielt aber inne, als ein Priester aus dem Tegurium trat. Mit seinem ebenm��igen Gesicht, der hohen, sch�nen Stirn, dem lockigen schwarzen Haar und dem gepflegten Vollbart fl��te er auf den ersten Blick Vertrauen ein. Der Mann wirkte weder asketisch noch gierig, eher erinnerte er an einen Wissenschaftler, der sich mit der Naturphilosophie auseinandersetzte, mit Mathematik oder Physik, neugierig, arbeitsam, im besten Sinne normal. Es sah nicht aus, als widme er sich metaphysischen Spekulationen.</p><p>�Es ist Gottes Baustelle, nicht die deine, Michelangelo!�, sagte der Geistliche leise, aber bestimmt. Sein Akzent verriet den Neapolitaner.</p><p>�Ah, die heilige Inquisition! Wollt Ihr etwa ein Feuer anz�nden, dass wir uns daran erw�rmen k�nnen bei dem Mistwetter?�, rief Michelangelo.</p><p>�Wir k�nnen es nicht l�nger dulden, dass du Gottes alte und ehrw�rdige Kirche zu einem Ketzertempel erniedrigst�, erwiderte der Inquisitor.</p><p>�Dann ist der hoch zu verehrende Herr Pius auch ein H�retiker, und nur du wei�t die Wahrheit. Geh zum Papst, Santori. Sag ihm ins Gesicht, dass er ein Ketzer ist und statt auf den Stuhl Petri auf den Scheiterhaufen geh�rt. Sag�s ihm!�</p><p>Vasari zitterte am ganzen K�rper, denn Michelangelo hatte in seinem J�hzorn jegliche Vorsicht fahren lassen. Mit Giulio Antonio Santori durfte man nicht spa�en. Noch viel weniger ratsam war es, ihn sich zum Feind zu machen. Sein Ruf als flei�igster Mitarbeiter der <emphasis>Suprema</emphasis>, der Inquisition, eilte dem Aktenmenschen, der �ber alles und jeden Buch f�hrte, weit voraus. Au�erdem �bertraf die Rachsucht des Glaubensw�chters sogar seine Liebe zu Gott. Dieser Mann verga� und vergab nichts, auch wenn er seinen Hass selten zeigte.</p><p>�Ja, es ist eine Schande. Nicht einmal der Papst wagt es, Euch anzur�hren. Warum nur?�, sagte Santori.</p><p>�Weil Seine Heiligkeit Pius IV. etwas von Kunst versteht, von der Architektur, von der Sprache Gottes, du Schwachkopf�, fauchte Michelangelo.</p><p>�Schon f�r diese L�sterung verdient Ihr zu brennen�, erkl�rte Santori so ruhig, als doziere er in einem Seminar. Mit einem leisen Triumph in der Stimme fuhr er fort: �Aber auch wenn der Papst die Hand �ber Euch h�lt, so h�lt er sie doch nicht vor Euch.�</p><p>W�hrend er die Drohung so selbstverst�ndlich aussprach, als habe er eine Beweisf�hrung abgeschlossen, machte er den <emphasis>bravi</emphasis> ein Zeichen. Daniele war immer noch zur Salzs�ule erstarrt, unf�hig, auch nur das Geringste zu unternehmen. Vasari wollte dem G�ttlichen zu Hilfe eilen, doch zwei der Schergen traten ihm in den Weg und hielten ihn mit ihren Klingen in Schach, w�hrend der dritte, der dem unbewaffneten Michelangelo am n�chsten stand, zustach. Kalt, ohne Ehrerbietung, eine b�se Marionette der Macht, wie es so viele gab.</p><p>Michelagniolo di Ludovico di Leonardo di BuonarrotiSimoni brach zusammen, und f�r Vasari st�rzte in diesem Augenblick der Himmel ein. Santori wandte sich mit unbewegter Miene ab und verlie�, gefolgt von seinen Schergen, den Dom.</p><p>Obwohl er vor Entsetzen und Kummer kaum bei Sinnen war, hatte Vasari beobachtet, dass Santori nicht das Kreuz geschlagen und damit Michelangelo den Segen verweigert hatte, den ein Priester nicht einmal dem gr��ten Verbrecher im Angesicht des Todes vorenth�lt. Mit Entsetzen erkannte er das ganze Ausma� des heimlichen Hasses, der Santoris Herz versengte.</p><p>Daniele, der sich endlich aus seiner Schreckensstarre gel�st hatte, kniete neben dem Verwundeten. Michelangelo r�hrte sich und bewegte seine Hand langsam zur Wunde. Erstaunen und Ersch�pfung mischten sich in seinem Blick, als er fl�sternd hervorbrachte: �Blut! Sie haben es wirklich gewagt. Die Inquisition hat es wirklich gewagt. Nun ist niemand mehr sicher vor ihnen � auch nicht der Papst.�</p><p>Rasch zog Daniele sein Hemd aus, das er unter dem Wams trug, riss es in Streifen und verband Michelangelos Wunde notd�rftig. Dann wickelten sie ihn in Vasaris warmen Mantel. Michelangelos Lippen bewegten sich leicht, es war wenig mehr als ein Zittern. Giorgio brachte sein Ohr nah an den Mund des Meisters und glaubte, einen Namen zu verstehen: Bramante. Aber er h�tte es nicht beschw�ren wollen. Aus welchem Grund, so fragte er sich, sollte Michelangelo ausgerechnet jetzt an Bramante denken, mit dem ihn eine lange Feindschaft verband? Er konnte ihn nicht fragen, weil der Verwundete vor Anstrengung eingenickt war. Sie sorgten sich, dass er zu viel Blut verlieren w�rde, wenn sie ihn auf das Pferd legten. Deshalb packte ihn Daniele unter den Armen, w�hrend Vasari dem Meister den R�cken zukehrte und dessen Oberschenkel umfasste. So trugen sie Michelangelo unter Bittgebeten nach Hause.</p><p>�Wenn der Herr nicht das Haus baut,</p><p>w�rden sich die, die es bauen, vergeblich m�hen.</p><p>[�] Sie werden nicht zuschanden werden,</p><p>wenn sie mit ihren Feinden reden</p><p>im Tor.�</p><p>Als sie Michelangelo gemeinsam mit dem fassungslosen Francesco auf sein Lager gebettet hatten, sahen sich Giorgio Vasari und Daniele da Volterra mit Tr�nen in den Augen an. F�r die beiden M�nner war es, als drohe der Weltuntergang. Inst�ndig hofften sie, dass Michelangelos Leben zu retten sei � noch atmete er, noch war ihre Welt nicht versunken.</p></section><section><empty-line/><p>Teil I �</p><p>Auf der Suche</p><empty-line/><p>nach Vollkommenheit</p><empty-line/><empty-line/><p>So schreibe alles, was du gesehen hast,</p><empty-line/><p>in ein Buch und bewahre es am verborgenen Ort;</p><empty-line/><p>und lehre es die Weisen deines Volkes,</p><empty-line/><p>von denen du sicher bist,</p><empty-line/><p>dass ihre Herzen diese Geheimnisse</p><empty-line/><p>fassen und bewahren k�nnen.</p><p><emphasis>IV. Buch Esra, F�nftes Gesicht, Vers 37</emphasis></p></section><section><empty-line/><p>1</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Ravenna, Anno Domini 1492</p><p>Den Tag �ber ritt er wie der Teufel, abends aber rastete er so bequem, wie es irgend ging. Er schlemmte, trank und lie� sich von Dirnen oder Strichjungen, wie es sich gerade traf, den unertr�glichen Druck aus den Samenstr�ngen nehmen, als sei er Dionysos leibhaftig, bocksbeinig, mit roten Wangen, violetter Nasenspitze und einem enormen Schwanz. Der Baumeister Donato d�Angelo, genannt Il Bramante � der Begehrende oder auch der Vielfra� �, h�tte selbst den Himmel entjungfert, wenn der nicht so weit oben gewesen w�re. Einige hielten ihn f�r begnadet, andere f�r ein Tier, was sich nicht unbedingt zu widersprechen brauchte.</p><p>Der Reisespiegel aus Murano zeigte ihm einen Mann von Mitte vierzig, untersetzt, in der animalischen Kraft, die er ausstrahlte, an einen Bullen erinnernd, mit einem gro�en und nur von grau melierten Fransen umkr�nzten Kopf auf dem kr�ftigen, aber kurzen Hals.</p><p>Von Mailand kommend, hatte Bramante das h�gelige Gel�nde der Lombardei und den Norden der Emilia Romagna mit ihrer lieblichen Landschaft aus Feldern und Weinbergen passiert, immer den Duft von bl�hendem Lavendel und Rosmarin in der Nase. Eine gute Woche war er bereits unterwegs gewesen, als er am sp�ten Nachmittag die alte Hafenstadt Ravenna erreichte.</p><p>Als Malergeselle war Bramante vor �ber f�nfzehn Jahren mit ehrgeizigen Pl�nen und einer noch gr��eren Achtung vor seinen Talenten nach Mailand gekommen. Dort hatte er unter dem Schutz des Herzogs seine Leidenschaft f�r die Baukunst entdeckt. Pinsel, Farbe und W�nde gen�gten seinem Schaffensdrang bald nicht mehr. Was er in die Welt zu setzen gedachte, waren gewaltige Geb�ude, Pal�ste und Kathedralen. Und das Gl�ck war ihm gewogen. Der Baumeister Giovanni Antonio Amadeo nahm ihn unter seine Fittiche, unterwies ihn in seiner Kunst, und der Herzog f�rderte ihn. An eine Heirat brauchte Bramante allerdings keinen Gedanken zu verschwenden, denn die H�user der Mail�nder B�rger blieben ihm verschlossen. Umso bereitwilliger �ffneten die Tavernen und Bordelle dem genusss�chtigen Mann ihre Pforten. An Vergn�gungen mangelte es ihm also nicht. Ebenso wenig an anspruchsvollen Freundschaften, denn seit ein paar Jahren lebte auch der Florentiner Leonardo da Vinci in der Stadt, mit dem er einen h�chst eigent�mlichen Umgang pflegte. Die Mail�nder Hofgesellschaft bildete eine viel besprochene Insel im ansonsten recht eint�nigen B�rgerleben der Stadt.</p><p>Das gewaltige Bauwerk, dem sein ganzer Ehrgeiz galt, hatte Bramante aber noch nicht errichtet. Sein solider Erfolg stand seinem � im Vergleich zu Leonardos Ansehen geradezu zwergenhaften � Ruhm unvorteilhaft gegen�ber. Dabei hatte er inzwischen ein Alter erreicht, in dem andere bereits auf ein erf�lltes Leben und Werk zur�ckblickten. Es war also eine gewisse Eile, die ihn in geheimer Mission nach Ravenna trieb, die alte Hafenstadt an der Adria, die einmal die letzte Hauptstadt des R�mischen Reiches gewesen war. Hier wollte er endlich den ersehnten gro�en Ruhm erlangen.</p><p>Die Stadt faszinierte ihn auch, weil sie von einem Nebel uralter mythischer Geschichten umgeben war. Zwischen Mailand und Ravenna bestand schon seit fr�hchristlicher Zeit ein scharfer Gegensatz. Mailand galt als Hauptstadt des Westens, Ravenna als Br�ckenkopf des Ostens, �ber den die arianische Ketzerei von Byzanz nach Italien gedrungen war. Noch heute, so erfuhr Bramante hinter vorgehaltener Hand, konnte man in Ravenna eine arianische Kapelle aufsuchen, mit einem nackten Christus, an dem sogar der Penis zu bewundern war. Er hoffte, dass es ihm gel�nge, das alte Baptisterium und Christi Schwanz pers�nlich in Augenschein zu nehmen. Obwohl er keinerlei Sympathie f�r die H�resie hegte � wie �brigens auch nicht f�r die Orthodoxie �, erregte die Darstellung dieses Genitals die Neugier des Kenners.</p><p>Als Bramante nun durch die engen Gassen von Ravenna ritt, blickte er sich aus Sorge, verfolgt zu werden, mehrmals um. An der Kleidung der Menschen erkannte er aber, dass er weit und breit der einzige Fremde war. In der ockerfarbenen Sonne des sp�ten Nachmittags wirkte alles vollkommen friedlich und harmonisch. Er dachte kurz daran, sich auf einer Bank am Marktplatz niederzulassen und auszuruhen. Doch sein knurrender Magen und der Gedanke an ein �ppiges Mahl trieben ihn weiter, und so fragte er sich zur Herberge �Zum tatkr�ftigen Hiram� durch. Endlich erreichte er das einst�ckige Geb�ude von Girolamos Gasthof. Es verf�gte �ber einen Pferdestall, wo Bramante den Braunen einem alten Pferdeknecht �bergab. Dann betrat er den Gasthof, der einfach, aber reinlich wirkte. �ber dem Eingang des Hauses befand sich eine Rosette. Das Licht, das durch sie in den Raum fiel, malte ein vielfarbiges Muster auf den Boden. Rosetten, dachte Bramante, gibt es doch nur in Kirchen. Verwundert sah er sich um. Die Rosette war nicht gro�, dennoch erstaunlich. Der Wirt, ein kleiner, lebendiger Mann, der ihn schon eine Weile beobachtet hatte, r�usperte sich.</p><p>�Sch�n�, brummte Bramante anerkennend und riss sich vom Anblick der Rosette los.</p><p>�Wie kann ich Euch helfen, Mess�r?�, fragte der Wirt und musterte den Fremden misstrauisch.</p><p>�Ich bin Donato Bramante. Man hat mich angek�ndigt.�</p><p>Die Miene des Wirtes zeigte keine Regung. �Und was hat Euch nach Ravenna verschlagen?�</p><p>Bramante wusste, dass er eine bestimmte Antwort geben musste. �Die Suche nach dem Stein, den die Baumeister verworfen haben�, sagte er und versuchte, ein L�cheln zu verbergen.</p><p>�Wodurch k�nnte der nach so langer Zeit gefunden werden?�, fragte der Wirt.</p><p>�Nur durch Liebe�, entgegnete Bramante und bem�hte sich sehr, seinem Gesicht ein ernstes Aussehen zu verleihen, damit sein Gegen�ber nicht all die k�rperlichen Vorstellungen bemerkte, die ihm bei dem Wort �Liebe� durch den Kopf huschten. Es gelang ihm leidlich.</p><p>Augenblicklich taute der Wirt auf. Er senkte den Kopf und sagte ehrf�rchtig: �Girolamo di Leone. Verf�gt �ber mich, Maestro.�</p><p>Ein <emphasis>Marrano</emphasis>, ein getaufter Jude also, stellte Bramante fest. Der Konvertit nahm ihm das Gep�ck ab, rief seinen Hausdiener herbei und hie� ihn, das Gep�ck des Architekten auf das Zimmer im ersten Stock zu bringen, das bereits f�r ihn hergerichtet war. Derweil f�hrte er den Gast an einen Tisch in der Wirtsstube und erkundigte sich nach den Beschwernissen der Reise. An den anderen Tischen sa�en ein paar M�nner bei der Mahlzeit. Bramante st�hnte, als der appetitliche Duft aus den Tellern und Sch�sseln in seine Nase drang. Girolamo gab ihm zu verstehen, dass von den M�nner keine Gefahr ausging, und lie� seinem sichtlich ersch�pften und hungrigen Gast z�gig ein �ppiges Mahl vorsetzen: Pasta mit Tintenfischen, als Hauptgang <emphasis>bollito misto</emphasis>, hei�, dampfend und fett und schlie�lich ger�ucherten Aal. Dazu servierte eine �ppige junge Frau, deren schwarze Locken unter einem gepunkteten Kopftuch hervorquollen, Bramante einen kr�ftigen Bianco aus der Region, dem er eifrig zusprach. Noch w�hrend der Mahlzeit neigte sich der Wirt verschw�rerisch zu ihm hin�ber und fl�sterte. �Ihr werdet um Mitternacht in der Kirche San Vitale erwartet, Mess�r Bramante.�</p><p>Bramante stopfte sich gleich drei Leberst�cke aus dem dampfenden <emphasis>bollito</emphasis> auf einmal in den Mund und schmatzte vergn�gt, obwohl sie noch so hei� waren, dass sie ihm eigentlich h�tten Zunge und Gaumen verbrennen m�ssen. Aber er hatte in seiner Jugend gelernt, dass f�r denjenigen, der wartete, bis das Essen abgek�hlt war, kein Bissen mehr �brig blieb. Da er die Gesellschaft von unten nach oben durchmessen hatte, kannte er die Menschen und verachtete sie. Niemand war besser, weil er besser lebte als die vielen anderen, und niemand war schlechter als sie, weil er schlechter lebte. Aber auch das Gegenteil, das ein gewisser Savonarola in Florenz verk�ndete, traf nicht zu. Armut war keine Tugend und Reichtum kein Laster. Der arme Mann war nicht besser oder Gott wohlgef�lliger, weil er arm war. Und mochte es dem reichen Mann auch so vorkommen, wenn er sich den Pansen vollschlug, dass er im Himmel logierte, er befand sich immer noch im irdischen Jammertal. Deshalb war und blieb Demut f�r Bramante ein Fremdwort. Er glaubte nicht daran, dass er etwas bekam, weil er auf etwas verzichtete, solche Gedanken geh�rten nicht zu seinem Naturell. Man besa� nur, was man sich nahm. Sp�testens auf dem Abtritt w�rde ihm das wieder zu Bewusstsein kommen, dachte Bramante. Genau genommen ging es doch gar nicht um Reichtum oder Armut, schon gar nicht um Gerechtigkeit. Aber das alles grenzte schon an Philosophie, mit der er sich nicht besch�ftigen wollte, weil sie ihm den Bauch nicht f�llte und keine Frau in sein Bett brachte. Er empfand sich als treuer Ritter der Fortuna und f�rchtete das Ungl�ck wie der Teufel das Weihwasser. Und die Besch�ftigung mit der Philosophie machte den Menschen nun einmal ungl�cklich. Das hatte er oft beobachtet.</p><p>�Ist diese Kirche weit von hier?�, fragte er den Wirt mit vollem Mund. Das fl�ssige Fett des Eintopfs troff ihm aus den Mundwinkeln, brachte Bartstoppeln und Kinn zum Gl�nzen und hinterlie� dunkle Flecken auf seinem wei�en Hemd.</p><p>Girolamo sch�ttelte den Kopf. �Keine zwei Gassen von hier, nicht zu verfehlen.�</p><p>Bramante r�lpste herzhaft und blinzelte dem Wirt verschw�rerisch zu. �K�nnt Ihr ein M�dchen besorgen? So eine Dralle, Ihr wisst schon.� Er warf einen suchenden Blick durch den Gastraum, hob seine gro�en H�nde und f�gte l�chelnd hinzu: �Sie sollen ordentlich zu tun bekommen.�</p><p>�Ruht Euch lieber aus. Es wird anstrengend genug!�, sagte Girolamo, ohne eine Miene zu verziehen.</p><p>Ihre Blicke ma�en sich kurz, dann brummte Bramante vers�hnlich: �Ihr m�gt recht haben. Ein paar Stunden Schlaf tun mir sicher gut, obwohl ich noch gen�gend ausruhen kann, wenn ich erst tot bin und die verdammten W�rmer ein Festmahl an mir halten.�</p><p>Melancholisch betrachtete er den Suppentopf und dachte, dass er im Grunde den Fleischtopf nur f�r die W�rmer vorverdaute. Diese waren die eigentlichen Herren der Welt, nicht die Menschen. Dann schaute er noch einmal mit letzter Hoffnung auf, die er aber sogleich fahren lie�, als er auf den unnachgiebigen Blick Girolamos traf. Was f�r ein Pech! Dies war der erste Wirt, dem er begegnete, der sich als Tugendbold entpuppte, dachte Bramante resigniert. Dann st�hnte er kurz auf und bat den vermeintlichen Asketen, ihn kurz vor Mitternacht zu wecken.</p><p>Als er schnaufend und prustend die Stufen zu seiner Unterkunft erklomm, wunderte er sich �ber sich selbst und das krude Abenteuer, auf das er sich da eingelassen hatte. Mochte es endlich f�r ihn die T�r zum ewigen Ruhm aufsto�en!</p><p>Er wusste immer noch nicht, ob hinter dem Ganzen nur ein Schabernack oder eine ernsthafte Angelegenheit steckte. Vor ein paar Tagen hatte Leonardo ihn bei einer Hofgesellschaft beiseitegenommen und ihm zugefl�stert: �Wenn Ihr zu Gottes Baumeistern z�hlen und in die letzten Geheimnisse der Kunst eingeweiht werden wollt, findet Euch in zwei Tagen im Gasthof �Zum tatkr�ftigen Hiram� in Ravenna ein. Alles Weitere erfahrt Ihr vom Wirt Girolamo. Ihr k�nnt ihm vertrauen, er geh�rt zu uns.�</p><p>Leonardo war es auch, der ihn kurz unterwiesen hatte, was er auf die Frage nach seinem Begehr antworten musste. Bramante war in den ber�hmten Kollegen gedrungen, um N�heres zu erfahren, aber der hatte ihm nur zugeraunt: �Enth�lle es nicht, wenn dir die Freiheit lieb ist, denn mein Angesicht ist der Kerker der Liebe.�</p><p>�ber die geheimnisvollen Worte Leonardos gr�belte Bramante indes nicht weiter nach. Er hatte es bereits zu Anfang ihrer Bekanntschaft aufgegeben, Leonardos st�ndige R�tselspr�che l�sen zu wollen. Dieser Notarsohn aus dem bergigen Vinci war schon ein komischer Kauz, immer au�ergew�hnlich elegant gekleidet und von einem Rudel junger M�nner umgeben, einer sch�ner als der andere. Leonardo trieb einen Aufwand um sein �u�eres wie eine Frau. Ungewaschen oder auch nur mit schmutzigen Fingern�geln hatte ihn noch niemand gesehen, w�hrend sich Bramante nicht daran erinnern konnte, wann er sich das letzte Mal die N�gel ges�ubert hatte. Gr�ndlich gewaschen hatte er sich wohl einmal in den vergangenen Wochen, und er hielt sich deshalb f�r einen au�erordentlich reinlichen Menschen. Ganz abgesehen von den gesundheitlichen Risiken, die man einging, wenn man seinen K�rper zu oft mit Wasser in Ber�hrung brachte.</p><p>Das Zimmer war die erste saubere Unterkunft in einem Gasthof, die er seit seinem Aufbruch aus Mailand vorfand. Auch das Bett wirkte frisch. Bramante begann schon zu hoffen, dass er diesmal von Wanzenstichen verschont bliebe. Mit einiger M�he brachte er die Stiefel von seinen feisten Waden herunter und lie� sich dann ersch�pft angekleidet auf die Schlafst�tte fallen. Sogleich sank er in tiefen Schlaf, selig schnarchend wie ein ges�ttigtes Walross. Er hatte nicht einmal mehr das gequ�lte Knarren vernommen, das der strohbedeckte Bettkasten beim Aufprall seines wuchtigen K�rpers von sich gegeben hatte.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1492</p><p>Zur gleichen Zeit durfte sich Giacomo Kardinal Catalano in seinem Zimmer im Erzpriesterhaus gleich neben der Peterskirche endlich die bleichende Schminke aus dem Gesicht waschen, mit der er seinen braunen Teint aufhellte. Zuvor hatte er die Stiefel ausgezogen und Wams und Hose abgelegt. In dieser weltlichen Reisekleidung, die jetzt noch dazu von einer so dicken Kruste aus Schmutz und Staub �berzogen war, dass die urspr�nglichen Farben kaum noch zu erkennen waren, hatte er sich wie immer fremd gef�hlt. Vor dem Spiegel in seiner Kammer rasierte er sich den Bart und nahm dann ein erfrischendes Bad. Als er die saubere M�nchskutte �ber seinen nackten, makellosen K�rper streifte, stie� er einen tiefen Seufzer aus: Wieder zu Hause, endlich!</p><p>Es tat so gut, das grobe Habit auf der Haut zu sp�ren! Den festen Wollstoff w�rde er gegen keinen Damast, keinen Brokat und keine Seide eintauschen. Die Weite der Kutte, die den Leib nicht wie eine Hose einschn�rte, verlieh ihm schon rein k�rperlich ein Gef�hl der Freiheit. Leider zwang ihn der Dienst des Herrn immer wieder in die Gesellschaft und in die verhasste Alltagskleidung, bei der durch die Hodenkapsel seine m�nnlichen Reize hervorgehoben wurden. Er selbst empfand das als qualvolle Pr�fung, denn solche Eitelkeiten galt es zu unterdr�cken. Je wohlgef�lliger die Augen der Frauen auf ihm ruhten, desto st�rker forderte Gott seine Tugend heraus. Und er hatte keine M�glichkeit, dem Jahrmarkt der Eitelkeit zu entfliehen, ganz im Gegenteil! Oft musste er seine Wirkung auf das weibliche Geschlecht sogar bewusst dazu benutzen, um seine Arbeit im Dienste des Herrn zum Erfolg zu f�hren. Obwohl er sich gegen die Verf�hrung wehrte, stellten die Frauen eine ernsthafte Gefahr f�r ihn dar � ihr Blick, der ihn wie ein pl�tzlicher Rapiersto� direkt ins Herz traf, die leicht ge�ffneten Lippen, das sanft gerundete Dekollet�, das umso mehr enth�llte, zumindest der Fantasie, umso mehr es verbarg, und schlie�lich der Schwung der H�ften, der ihm die Sinne schwinden lie�, weil sie eine paradiesische Frucht verhie�en.</p><p>Er tr�umte davon, weit entfernt vom allzu irdischen Dasein mit seinen Begierden, Geilheiten, Betr�gereien, Gemeinheiten, Drangsalen und Morden in Kontemplation und Andacht zu leben. Aber dazu hatte er nun einmal den falschen Orden gew�hlt, vielmehr hatte es die Vorsehung so entschieden. Dass er, statt die ersehnte zur�ckgezogene Existenz zu f�hren, immer wieder in heiklen Missionen in die profane Welt hinausgetrieben wurde, schrieb er seinen S�nden zu. Er verstand es als Bu�e. Je gr��er die Gefahr f�r Leib und Seele, desto umfassender, so hoffte er, w�re auch die Vergebung, die er eines Tages erlangen w�rde. Angesichts der Schwere seiner Schuld konnte die Absolution allerdings nicht gro� genug ausfallen.</p><p>Es war ein besonderer Tag. Bisher hatte Francesco Todeschini Piccolomini ihm immer nur die Auftr�ge f�r seine geheimen Missionen erteilt. Nun jedoch hatte ihn der Kardinal, nach Ablegung des Schweigegel�bdes, zum ersten Mal zu der geheimen Zusammenkunft in der Krypta der alten Basilika gebeten. Seit drei Jahren schon stand er in den Diensten der Erzbruderschaft, und an diesem Abend sollte er aufgenommen werden.</p><p>In einer Mischung aus Aufregung und feierlicher Ergriffenheit machte er sich auf den Weg. Er konnte es fast mit H�nden greifen, dass sich in dieser Nacht sein Leben ver�ndern w�rde. W�hrend er einen goldenen Ring mit einem schwarzen Stein am Ringfinger seiner linken Hand hin und her drehte, sp�rte er, wie seine H�nde feucht wurden.</p><p>Der junge Predigerbruder Jaume el Catal� oder, wie er sich inzwischen auf Italienisch nannte, Giacomo il Catalano verlie� die Canonica und betrat durch einen Nebeneingang das Atrium der heiligen Basilika. Sein Blick streifte den mannshohen Pinienapfel aus Bronze, der in der Mitte des Vorhofes stand. W�hrend die dem Mond zugewandte Seite warm und hell wie Gottes Licht erstrahlte, h�llte sich die abgewandte Seite in Schatten und verwandelte sich so zu einem kaum merklich vibrierenden Schemen. Helligkeit und Dunkelheit geh�rten zusammen, dachte er. Und Gottes Streiter hatten nicht immer die Wahl, ob sie auf der Tag- oder Nachtseite k�mpfen wollten. Der Allm�chtige konnte doch nicht einfach seine Heerscharen aus der Finsternis zur�ckziehen, auch dorthin musste er sein Licht senden, auch dort durften seine Streiter nicht fehlen. Selbst in die H�lle hatte er seine geheimen K�mpfer zu schicken. Giacomo war dazu bereit. Das Inferno schreckte ihn nicht, es war ihm allgegenw�rtig. Entschlossen lenkte er seine Schritte an der Mauer entlang zu den f�nf Eing�ngen der alten Basilika.</p><empty-line/></section><section><p>2</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Ravenna, Anno Domini 1492</p><p>�Mess�r, es ist so weit!�</p><p>Nur widerstrebend nahm Bramante wahr, dass ihn jemand heftig an der Schulter r�ttelte. Es kam ihm vor, als habe er sich eben erst zum Schlafen niedergelegt. Doch als er blinzelnd die Augen �ffnete, sah er, dass es drau�en dunkel geworden war.</p><p>An seinem Bett stand der Hausdiener mit einer �llampe. Bramante brauchte eine Weile, bis er den Schlaf abgestreift hatte. Dann erinnerte er sich an seine n�chtliche Verabredung und sprang auf, was er sogleich bereute. Alles drehte sich, und er musste sich an der Wand abst�tzen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.</p><p>Nachdem er �chzend und st�hnend die Stiefel angezogen hatte, brachte ihn der Diener wortlos zum Hintereingang des Gasthofes und lie� ihn hinaus. Von einem widerlichen Geschmack im Mund gepeinigt, der wohl von dem ger�ucherten Aal herr�hrte, spuckte Bramante aus und fluchte. Warum hatte er sich nicht mit einem Schluck Wasser oder Wein den Rachen gesp�lt?</p><p>Wolken hatten sich vor die Sterne geschoben und den Mond verdeckt. Es hatte leicht zu nieseln begonnen, oder es war die Feuchtigkeit, die der Wind von der Adria hertrug. Bramante lenkte seine Schritte in die Richtung, die der Wirt ihm gewiesen hatte, und stand schon nach wenigen Minuten vor dem antiken Kuppelbau, der sich d�ster und drohend vor ihm erhob. Er wusste nicht viel �ber San Vitale, au�er, dass die Kirche vor �ber tausend Jahren erbaut worden war und Stilelemente der westlichen und �stlichen Architektur vereinte. Die Ausma�e der alles �berragenden Kuppel konnte er in der Dunkelheit nur erahnen.</p><p>Bramante geh�rte zu jener Sorte Mensch, die im unbegrenzten Vertrauen auf ihre eigene Kraft so rasch nichts ersch�tterte. Doch in diesem Moment sp�rte er ein leises Gef�hl der Verunsicherung, wie er es wohl zuletzt als Knabe empfunden hatte. Er rief sich zur Ordnung, straffte die Schulter und betrat gem�� der Anweisung die Kirche durch eine kleine T�r des Quergeb�udes an der Westseite. Im Mauerwerk n�chst der T�r ahnte er mehr, als dass er es sah, ein kleines steinernes Emblem. Er tastete es mit seinen Fingerkuppen ab und wunderte sich, denn es erinnerte ihn entfernt an eine Rose. Aber vielleicht irrte er sich auch, der Stein war verwittert und abgegriffen.</p><p>Die hohe Kirche lag weitgehend im Dunkeln, nur auf dem Altar im Chor brannten drei dicke runde wei�e Kerzen, die zwei Ellen an H�he ma�en. Tapfer warfen sie ihr flackerndes Licht in die Dunkelheit des riesigen Raumes. Trotz der sp�rlichen Beleuchtung war Bramante vollkommen �berw�ltigt. Die Wucht dieser Bauweise, ihre nach oben gerichtete Gleichm��igkeit, nahm ihm den Atem. Sofort fiel ihm auf, dass die Richtung nicht wie in den gotischen Kathedralen himmelw�rts strebte, sondern dass hier das Oben und das Unten zusammengeh�rten. Hier galt kein Streben, hier war nur Sein, vollkommenes, in sich ruhendes Sein � die in Architektur �bersetzte Harmonie des Kosmos. Oder eines sehr dicken, uners�ttlichen Mannes, wie sich Bramante aus naheliegenden Gr�nden den Weltenraum zuweilen vorstellte.</p><p>Der Architekt stand in einem Zentralbau. Das war etwas Besonderes. Wie er wusste, hatten die meisten Kirchen des Abendlandes die Gestalt einer Basilika, eines Langhauses, weil sich diese Geb�udeform f�r den lateinischen Ritus besonders gut eignete. Ausnahmen bildeten nur San Vitale und die Kirche Karls des Gro�en in Aachen und nat�rlich die kleinen Baptisterien und Grabkapellen.</p><p>Viele Kardin�le, Bisch�fe und Priester sahen im Rundbau ein Werk des Teufels. F�r den Baumeister Bramante war der Zentralbau zwar durch und durch antik, aber ein Symbol f�r die Ordnung der Welt, ob nun christlich oder heidnisch. Deshalb war er von diesem Bautyp begeistert und hatte gemeinsam mit seinem Rivalen Giovanni Antonio Amadeo darauf hingewirkt, dass auch der neue Dom von Pavia als Zentralbau geplant w�rde. Genau genommen, dachte er, ist es gar kein Bautyp, sondern eine Seinsweise, eine Art, zu leben und zu glauben. Wieder einmal nahm er sich vor, so bald wie m�glich nach Rom zu reisen, um das Pantheon anzusehen, das von der gr��ten freitragenden Kuppel gekr�nt war.</p><p>Bramante wandte seinen Blick zur Apsis des Ostchores, von wo ein bartloser, von Engeln umgebener Christus auf ihn niedersah. Unter dem Kyrios befand sich linker Hand der byzantinische Kaiser Justinian, mit einem Heiligenschein versehen, inmitten seiner Berater. Rechter Hand stand seine Frau, vor der Hochzeit angeblich eine Prostituierte wie Maria Magdalena. Dennoch war sie wie ihr Gemahl mit einem Nimbus versehen worden. K�hn, dachte Bramante. W�hrend er �berlegte, welcher von Mailands Huren er einen Heiligenschein verleihen w�rde, flog ein sinnliches L�cheln �ber sein Gesicht, das aber bald dem Ausdruck bedauernden Verzichtes wich. Kurz versp�rte er einen starken Druck in den Lenden, doch dann nahm die Sch�nheit der Kirche ihn wieder gefangen.</p><p>Bramantes Augen schwelgten noch im Gr�n, Gold und Blau des von Kerzen beleuchteten hohen Chores, als er aus den Augenwinkeln wahrnahm, dass sich mehrere Schatten auf ihn zubewegten. Noch bevor er die Gestalten erkennen konnte, st�rzten sie sich schon auf ihn. Wie viele M�nner ihn angriffen, konnte er nicht ausmachen. Gen�gend jedenfalls, um seine kraftvolle Gestalt rasch und m�helos auf den mit kunstvollen Mosaiken bedeckten Kirchboden hinunterzudr�cken. Bramante war weder langsam noch schwach, doch er konnte nichts dagegen tun, dass man ihm die Arme mit einem ins Fleisch schneidenden Lederriemen hinter dem R�cken fesselte und die Augen verband. Zwei kr�ftige Burschen packten ihn an den Oberarmen, stellten ihn wieder auf die Beine und schoben ihn wenig gef�hlvoll vorw�rts. Er leistete keinen Widerstand, weil er sich resigniert eingestehen musste, dass es sinnlos gewesen w�re. Stattdessen sch�rfte er seine Sinne, um f�r den entscheidenden Augenblick ger�stet zu sein.</p><p>War er doch in eine Falle geraten? War der Auftraggeber dieser M�nner vielleicht ein neidischer Konkurrent? W�rde Amadeo sich dazu hinrei�en lassen, einen Mord in Auftrag zu geben? Bramante wusste es nicht, m�glich war alles. Menschen verzichteten nicht auf Vorteile, ganz gleich, was sie kosteten. Und bei Lichte besehen bildete auch er selbst darin keine Ausnahme. Nur befand er sich leider in diesem Fall in der unvorteilhaften Lage, das Opfer abzugeben.</p><p>W�hrend er vorw�rtsstolperte, zermarterte sich Bramante das Hirn. Wenn er wirklich aus dem Weg geschafft werden sollte, so war der Plan ebenso einfach wie genial: Ihn in Mailand abzustechen h�tte viel zu viel Aufsehen erregt, ihn dagegen wegzulocken und in der Fremde zu ermorden, konnte im wahrsten Sinne des Wortes als todsicher gelten. Dennoch wurde er das Gef�hl nicht los, dass an der ganzen Sache etwas nicht stimmte. Weshalb sollte jemand eine solche M�he f�r sein pl�tzliches Ableben aufwenden? Man h�tte ihn auch ohne gro�e Umst�nde unterwegs ermorden und die Tat den R�ubern und Wegelagerern in die Schuhe schieben k�nnen. Warum geschah dieser �berfall erst in Ravenna?</p><p>Bramantes Gedanken �berschlugen sich, und seine Furcht wuchs. War es vielleicht noch schlimmer? Sollte er wom�glich von ein paar Fanatikern in einem schaurigen Ritus geopfert werden? Was wollte man auch schon von einer Religion erwarten, in deren heiligstem Moment es hie�: �Dies ist mein Leib�, und: �Dies ist mein Blut�! Und in der es darum ging, dass die Gemeinde vom Leib eines Gekreuzigten a� und von dessen Blut trank?</p><p>Wenn er mit heiler Haut davonkommen sollte, schwor sich Bramante, w�rde er erstens ein paar handgreifliche Worte mit Mess�r Leonardo wechseln und zweitens seinen Vorsatz, die Bau- und Kunstwerke der Alten zu suchen, zu studieren, zu vermessen und zu beschreiben, in die Tat umsetzen. Zuvor aber musste er erst einmal aus dieser Glaubensgruft entkommen.</p><p>W�hrend die H�scher ihn vorw�rtsdr�ngten und -schoben, versuchte Bramante mit aller Anstrengung, seine H�nde aus den Fesseln zu l�sen. Doch vergebens, der Lederriemen schnitt ihm nur bei jedem R�tteln tiefer und schmerzhafter ins Fleisch.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1492</p><p>Das Dach der Vorhalle der alten Peterskirche ruhte auf zw�lf Arkaden wie auf den zw�lf Aposteln. Die schlanken S�ulen des Vorbaus waren von einer erhabenen Schlichtheit. Im Dunkeln konnte Giacomo die Fresken �ber dem Eingang zur Basilika nat�rlich nicht erkennen, aber das war auch nicht notwendig. Er trug die Bilder in sich � Jesus Christus, die Gottesmutter, Papst Gregor der Gro�e, schlie�lich darunter die Evangelisten und die vierundzwanzig apokalyptischen Greise, daneben symbolisch die St�dte Jerusalem und Bethlehem. Die seit einiger Zeit gef�hrten Diskussionen �ber den k�nstlerischen Wert der Darstellungen erregten den Zorn des jungen Mannes. Nach seiner �berzeugung stand es den Menschen nicht zu, �ber Darstellungen des Glaubens zu urteilen und sie �sthetisch zu bekritteln. Er fand sie wahrhaftig, und das gen�gte vollkommen. Die Fresken waren ein Gegenstand der Wahrheit und nicht der k�nstlerischen Eitelkeit. �berhaupt K�nstler! In ihrer Vermessenheit schwangen sie sich immer mehr zu den Herren des Zeitalters auf und waren doch nichts anderes als im besten Falle eitle, aufgeblasene Strolche, im schlimmsten sogar Ketzer!</p><p>In Giacomos Augen hatten die Menschen ihre Demut verloren. Doch wenn der Mensch sich �berhob, wurde er ungl�cklich, neidzerfressen und b�se. �berall erhob die Ketzerei ihr verdammungsw�rdiges Haupt. In Frankreich � er war gerade aus Narbonne zur�ckgekehrt �, waren es die Waldenser, in B�hmen die Hussiten. Offenbar hatte es nicht viel genutzt, den Ketzer Jan Hus vor gut siebzig Jahren in Konstanz zu verbrennen. Seine Anh�nger lie�en einfach nicht ab von ihrer h�retischen Verstocktheit.</p><p>Innig k�sste er die Indulgenzbulle von Bonifaz VIII., die neben dem Portal als Bronzetafel eingelassen war. Der Papst hatte diese im Heiligen Jahr 1300 kurz vor seinem Tod erlassen und forderte darin die uneingeschr�nkte geistliche und weltliche Macht f�r den Stellvertreter Gottes, der sich jeder Herrscher unterzuordnen hatte. Genau darum ging es, dachte Giacomo, um die Errichtung von Gottes Regiment auf Erden. Aus keinem anderen Grund hetzte er seit drei Jahren im Auftrag der Frommen in der Kurie atemlos durch ganz Europa. Aus keinem anderen Grund dr�ckte er jetzt zu dieser mittern�chtlichen Stunde gegen die schwere Eichent�r der Porta Ravenniana, die sich mit leisem Knarren �ffnete.</p><p>Das Kircheninnere lag im Halbdunkel, nur erleuchtet durch ein paar Kerzen und Andachtsl�mpchen. Streifen von hellem Mondlicht, das durch die kleinen Fenster im Obergaden drang, lagen auf dem mit kostbaren Einlegearbeiten aus verschiedenfarbigem Marmor geschm�ckten Boden des Mittelschiffs. Die vier Seitenschiffe waren in Dunkelheit getaucht. Giacomo ging um einen Steinquader herum, der mitten auf dem Kirchenboden lag, weil er sich vor ein paar Wochen aus dem Mauerverbund gel�st hatte. Es lie� sich nicht leugnen � Gottes Haus wurde immer bauf�lliger. Reparaturen taten dringend not, wenn die Gl�ubigen nicht bei Andacht und Bu�e von herabst�rzenden Ziegeln und Steinen erschlagen werden sollten. Wenn man es recht bedachte, war das ein Skandal bei einer Wallfahrtskirche, die doch dem Seelenheil der Pilger und nicht ihrem raschen Ableben dienen sollte!</p><p>Als er einen schwachen Weihrauchduft wahrnahm, r�mpfte er die Nase. Er hegte eine empfindliche Abneigung gegen alle Ger�che, die ihre Existenz dem Feuer verdankten. Zwar wollte er im Kampf f�r den Glauben kein Mittel von vornherein ausschlie�en, aber er geh�rte nicht zu jenen, die leichtfertig ein Autodaf� forderten. Dazu kannte er den unertr�glich s��lichen Geruch verbrannten Menschenfleisches zu gut. So gut, dass er ihn niemals mehr aus seiner Nase bekommen w�rde, seit er als neunj�hriger Knabe in einem nicht enden wollenden Albtraum durch die Stra�en und Gassen seiner Heimat, der kleinen katalanischen Bischofsstadt Tortosa, geirrt war. �berall loderten damals die reinigenden Feuer der Rechtgl�ubigkeit zum Himmel, und die Schmerzensschreie der <emphasis>Marranos</emphasis>, der zwangsgetauften Juden, hallten immer noch in seinen Ohren wider. Die sich steigernden Oktaven des Schmerzes w�rde er niemals vergessen.</p><p>Das alles war nun gut zehn Jahre her. Damals war er von einem Augenblick auf den anderen mutterseelenallein gewesen, f�r immer getrennt vom Vater, von der Mutter, von seinen Geschwistern. Tagelang war er durch die Stadt geirrt, hatte sich von Abf�llen ern�hrt und sich zum Schlafen gelegt, wo es sich gerade ergab. Schlie�lich hatte er sich, ohne Plan, nur seinem Instinkt folgend, als blinder Passagier an Bord des n�chsten Schiffes geschlichen. Der Knabe hatte nicht die geringste Vorstellung, wohin es ging, aber es trieb ihn mit aller Gewalt weg aus der Stadt des Todes. Wie im Taumel floh er von dem Ort seiner Schuld. Sollte der Heilige Geist entscheiden, wie sein Leben weiterverlaufen w�rde, er selbst vermochte es nicht.</p><p>Die gute Vorsehung hatte ihn auf ein Schiff nach Ostia gef�hrt. Ein mitreisender Predigerbruder erbarmte sich seiner und nahm ihn mit nach Rom in seinen Konvent. Dort nannten sie ihn <emphasis>Il Catalano</emphasis>, den Katalanen, und bildeten den begabten Jungen in allen daf�r notwendigen K�nsten zu einem Glaubensk�mpfer, zu einer scharfen Waffe des Herrn aus. Er liebte den Namen Il Catalano, weil darin, f�r die anderen nicht sichtbar, sein ganzes bisheriges Leben, Vergangenheit und Gegenwart, verborgen lag.</p><p>Giacomo fuhr sich mit der Hand �ber die Stirn, um die qu�lenden Visionen zu verscheuchen. Zuweilen wachte er, von seinen eigenen Schreien geweckt, mitten in der Nacht auf. Um ihn zu martern, bediente sich die Erinnerung furchtbarer Traumbilder, Fleisch, das von den Knochen schmolz, Menschenfett, das in die Feuerzungen tropfte und zischte. Wenn das geschah, suchte Giacomo die n�chste Kapelle auf, warf sich vor dem Altar auf den kalten Boden, um seinen fiebrigen Leib zu k�hlen, breitete die Arme aus, sodass er selbst zum Kreuz wurde, das er anbetete, und flehte den Allerh�chsten an: �<emphasis>Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa</emphasis> � Vergib mir, oh Herr, meine S�nden und erl�se mich von dem B�sen ��</p><p>Niemand h�tte diesem ebenso liebensw�rdigen wie sch�nen jungen Mann solche inneren Qualen zugetraut. Den meisten erschien er wie der wiedergeborene Adonis, schlank und wohlproportioniert. Sein Gesicht zeichnete sich durch einen �u�erst feinen Schnitt aus, den das Leben noch nicht verdorben hatte, obwohl es an Gr�nden daf�r nicht mangelte. Die gro�en blauen Augen unter der hohen Stirn, die noch nichts tr�bte, fl��ten Vertrauen ein und lie�en in ihm einen guten Kameraden vermuten, der das Herz auf dem rechten Fleck trug. Er war ein Kleriker, wie ihn sich junge M�dchen und reife Frauen als Beichtvater nur allzu sehr w�nschten, die einen aus romantischen Gef�hlen, die anderen aus Erfahrung.</p><p>Inzwischen hatte Giacomo das eindrucksvolle Hochaltarziborium erreicht. Rechts und links f�hrten Treppen zum Chor hinauf, von dort aus weiter zur Apsis, in deren Scheitel die Cathedra Petri, der Thron des Papstes, stand. Er kniete vor dem Heiligtum nieder, bekreuzigte sich, betete ein Vaterunser, anschlie�end das Glaubensbekenntnis und bekreuzigte sich erneut. Dann folgte er mit den Augen den vier S�ulen, die vom Altartisch nach oben strebten und ein Geb�lk hielten, das von einem Tympanon und einer Kuppel gekr�nt wurde. Er wandte seinen Blick hoch zu dem Fries des Geb�lks, zu der Darstellung des mit dem Kopf nach unten an das grobe Holz genagelten Petrus. Giacomo verstand ihn nur zu gut. Aus Respekt vor dem Herrn, aus dem Wissen �ber seine S�nden und dem Verrat hatte der Apostel nicht in der gleichen Weise wie der Gottessohn ans Kreuz geschlagen werden wollen, sondern darauf bestanden, dass man seine Qual vermehrte. So wies das Haupt des Petrus auf das Kruzifix auf dem Altartisch hin, aber weiter noch auf die Confessio, auf ein Gitter unter der Altarplatte, das in einen Rundbogen eingelassen war. Es verschloss einen Schacht, der in die Tiefe f�hrte.</p><p>Da unten lag er begraben, Petrus selbst, der Fels, �ber dem sich im wahrsten Sinne des Wortes die Kirche erhob, so wie Jesus es vorausgesagt hatte. Das Grab des ersten Stellvertreters Christi auf Erden war der einzige Grund, weshalb sich die wichtigste Kirche der Christenheit genau an dieser Stelle befand.</p><p>Giacomo erhob sich, ging um die Treppe rechts herum und fand auf der schmalen Seite die T�r offen, hinter der sich enge Stufen in die Tiefe wanden. Wie ihm befohlen worden war, stieg er in die Finsternis hinab. Langsam tastete er sich vorw�rts. Es ging in eine andere Zeit, in die dunklen Jahrhunderte, in denen man die Christen noch verfolgte und ihnen einen qualvollen Tod bereitete.</p><p>Nach und nach drangen aus der Tiefe das Gemurmel von Stimmen und Spuren von Licht zu ihm, auch gew�hnten sich seine Augen immer mehr an das Dunkel. Das warme Gelb von Kerzen wurde mit jedem Schritt in die Tiefe durchdringender. Es kam ihm geradezu entgegen, um ihn abzuholen. Allm�hlich konnte er die Stufen erkennen. Dann betrat er die niedrige Krypta. Sein Herz klopfte wild, als seine F��e den Boden ber�hrten, auf dem auch die ersten Christen gestanden hatten und auf dem Kaiser Konstantin vor �ber tausend Jahren den Bau der Basilika befohlen hatte. Voller Ehrfurcht hob Giacomo den Blick.</p><empty-line/></section><section><p>3</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Ravenna, Anno Domini 1492</p><p>Die Schergen hatten Bramante in die Knie gezwungen. Einer kn�pfte sein Wams auf, dann riss ein Zweiter den Stoff brutal nach hinten herunter, bis das Kleidungsst�ck wie eine zus�tzliche Fessel in Armbeugen und R�cken schnitt. Jemand zerrte auch das Hemd herunter, sodass er mit nackter Brust auf dem Boden kauerte. War das nicht die Art und Weise, fuhr es Bramante durch den Kopf, wie man zum Tode Verurteilte auf ihre Enthauptung vorbereitete?</p><p>Pl�tzlich vernahm er Schritte. Er lauschte angestrengt, es klang, als ob sich Menschen um ihn herum versammelten. Vier oder f�nf, sch�tzte er, es konnten aber auch mehr sein. Der Widerhall der Sohlen deutete darauf hin, dass er es mit vornehmen Personen zu tun hatte, die Stiefel, auf jeden Fall aber Absatzschuhe trugen. Dann h�rte er die Stimme eines Mannes, der zun�chst seine �Br�der� begr��te, bevor er sich an ihn wandte.</p><p>�Ich frage dich, Donato, was bist du von Beruf?�</p><p>Bramante hatte diese Stimme noch nie geh�rt. Sie klang weich und geschmeidig, die Stimme eines gebildeten Mannes, der es gewohnt war zu sprechen, nicht unbedingt zu befehlen, aber immerhin, Reden vor einem gro�en Zuh�rerkreis zu halten.</p><p>�Wer will das wissen?�, gab Bramante barsch zur�ck. Er f�hlte sich gedem�tigt, und trotz seiner Furcht begehrte sein Stolz dagegen auf.</p><p>�Du hast nur Antworten zu geben, nicht aber Fragen zu stellen�, erwiderte der Unbekannte ruhig.</p><p>�Und wenn ich mich weigere?� Bramante war entschlossen, aufs Ganze zu gehen.</p><p>�Dann bist du des Todes�, stellte der andere n�chtern fest. Dann schwieg er und lie� den Satz auf den Baumeister wirken.</p><p>Bramante wusste nicht, was er davon zu halten hatte und wie ernst es den M�nnern war, in deren Gewalt er sich befand. Qu�lend lange zog sich das Schweigen hin, bevor der Unbekannte wieder das Wort ergriff. Er klang eine Spur vers�hnlicher.</p><p>�Das war ein schlechter Anfang. Beginnen wir also noch einmal: Was bist du von Beruf?�</p><p>�Maler und Baumeister.�</p><p>�Bist du bereit, Liebe in die Welt zu bringen?�</p><p>Bramante verstand die Frage nicht, oder besser, es war ihm unerfindlich, weshalb das eine Frage sein konnte. Gegen das lustvolle Spiel des Tieres mit den vier Armen, vier Beinen und zwei R�cken hatte er noch nie etwas einzuwenden gehabt. Doch bevor er antworten konnte, sprach der Fremde eine Warnung aus.</p><p>�Denk gut �ber die Frage nach. Es geht nicht um die geschlechtliche Vereinigung, es geht um das Einswerden der Seele mit Gott.�</p><p>Ach, daher pfiff der Wind, dachte Bramante, und bejahte die Frage dennoch. Es konnte ja nicht schaden, wenn die Seele Gott liebte, solange das nicht die andere Liebe ausschloss. Allm�hlich sch�pfte er wieder Hoffnung. All das erinnerte weniger an ein Opferritual als an eine Aufnahmezeremonie. Doch er w�rde wachsam bleiben m�ssen. Er wartete gespannt darauf, was als N�chstes geschah.</p><p>�Bist du bereit, von den Alten zu lernen, um die Welt durch deine Kunst zu verbessern?�</p><p>Das klang schon besser und vor allem konkreter.</p><p>�Ja, das bin ich.�</p><p>�Bist du bereit, Hiram zu ehren?�</p><p>�Ja, das bin ich!�</p><p>�Und auch Pythagoras?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und auch Platon?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und auch Vitruv?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Bist du bereit, der gotischen Manier und der scholastischen Philosophie abzuschw�ren?�</p><p>�Der ersten mit Freuden, der zweiten, wenn ich w�sste, was das ist�, sagte Bramante und brachte ein entschuldigendes L�cheln zustande.</p><p>�So h�re denn! Nicht P�pste, Kardin�le und F�rsten bessern die Welt und l�utern die Seelen, nur wir Philosophen, K�nstler und Baumeister, die wir einer alten Bruderschaft angeh�ren. Dem Seher Johannes sind wir verpflichtet, denn es hei�t bei ihm: �Und er ma� ihre Mauer: hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenma�, das der Engel gebrauchte. Und ihr Mauerwerk war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas.�</p><p>Gottvater, der h�chste Baumeister, hat die Stadt, die die Welt ist, nach den Gesetzen der Liebe und der verborgenen Weisheit geschaffen. Den Menschen hat er in die Mitte der Welt gesetzt, damit er sich von dort aus bequemer umsehen kann, was es auf Erden gibt. Gott sprach zum Menschen: �Weder haben wir dich himmlisch noch irdisch, weder sterblich noch unsterblich geschaffen, damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender, sch�pferischer Bildhauer, dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigen, zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum H�heren, zum G�ttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es beschlie�t.�</p><p>Deshalb frage ich dich, Donato, willst du das Ma� der Engel erlernen, um die Stadt aus Gold zu bauen, um den Tempel des Allerh�chsten zu errichten, nach seinem Ma�, dem Ma� Gottes? Willst du Mitglied unserer Bruderschaft werden, der <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis>, ein Getreuer der Liebe, ein Bruder Johannes des Sehers, ein treuer Gef�hrte und unerm�dlich Schaffender?�</p><p>Bramante staunte zwar, aber sein Misstrauen war noch nicht vollst�ndig �berwunden. Besonders die letzten Worte klangen so l�sterlich, dass man ihretwegen auch auf dem Scheiterhaufen enden konnte. Er dachte nach, erinnerte sich an Leonardo, der ihn gefragt hatte, ob er dem Bund der Baumeister beizutreten und in die Mysterien des Bauens eingewiesen zu werden w�nschte. Wenn er jetzt aus Feigheit verneinen w�rde, w�re diese T�r f�r immer zugeschlagen. Gab es etwas Verlockenderes, als in Gottes gute Baukunst initiiert zu werden? Er beschloss, es zu wagen.</p><p>�Ja, ich will�, sagte er mit fester Stimme und sp�rte gleich darauf zu seinem Entsetzen die Spitze eines Rapiers oder eines Messers, das langsam in seine Brust drang. Hatte er sich geirrt? Verbarg sich hinter dem Ritual doch eine Falle? Sein Herz, das die Spitze gleich treffen w�rde, schlug zum Zerbersten. Doch pl�tzlich lie� der Druck nach, und es tat noch einmal empfindlich weh, als die Spitze aus der kleinen Wunde gezogen wurde. Man hatte ihn mehr oder weniger nur mit der Klinge geritzt. Bramante �berkam das seltsame Gef�hl, als l�chelten die Menschen um ihn herum, als wiche die Spannung einer freundlichen Gel�stheit.</p><p>Seine H�nde waren durch die Lederfessel taub geworden, sodass er zun�chst gar nicht merkte, dass jemand den Riemen gel�st hatte. Man streifte ihm Hemd und Wams wieder �ber, und mehrere Arme halfen ihm auf die Beine. Deutlich sp�rte Bramante, dass jemand ganz nah vor ihm stand. Der Atem des Mannes strich �ber sein Gesicht. Ungew�hnlich, dachte Bramante, er riecht nicht aus dem Mund. Die Augenbinde wurde gel�st, und er erblickte einen jungen Mann mit schulterlangem, rotblondem Haar, das �ber der Stirn gescheitelt war und in Locken bis auf die Schultern fiel. Die Sch�nheit seines Gesichts mit den blauen mandelf�rmigen Augen und dem au�ergew�hnlich sinnlichen Mund mit strahlend wei�en und ebenm��ig geformten Z�hnen wurde durch eine schmale, spitze Nase nur wenig gemindert. Der Fremde �berragte Bramante um eine halbe Hauptesl�nge. Bekleidet war er mit einem weiten wei�en Hemd, das sich �ber einer schwarzen Hose bauschte.</p><p>�Dann, Bruder, bist du aufgenommen, und das Blut deines Herzens wird unseren Liebesbund besiegeln�, sagte der Mann und umarmte Bramante.</p><p>Starr vor Erstaunen blickte dieser um sich: Vor ihm standen vier M�nner, die ihm bekannt waren, und lachten ihn an. Es waren Leonardo da Vinci, Francesco di Giorgio, ein Baumeister aus Siena, sein Konkurrent Amadeo, Giuliano da Sangallo aus Florenz. Der fremde junge Mann schlie�lich stellte sich als Giovanni Pico della Mirandola vor und richtete Gr��e von den Bundesbr�dern aus, die nicht anwesend sein konnten. Der Dichter Christoforo Landino und der Philosoph Marsilio Ficino waren zu alt f�r die weite Reise und Kardinal Giovanni de Medici zu jung � man h�tte seinen Vater dar�ber in Kenntnis setzen m�ssen. Doch Lorenzo de Medici durfte keinesfalls erfahren, dass sein zweit�ltester Sohn den <emphasis>Fedeli</emphasis> angeh�rte.</p><p>Einen Moment lang leisteten Bramante Leonardo und Amadeo im Stillen Abbitte. Feierlich �berreichte ihm Pico ein Buch, das an den Ecken Goldbeschl�ge trug. Bramante hielt Dantes �G�ttliche Kom�die� mit Landinos Kommentar in den H�nden.</p><p>�Bruder Dante hat das gesamte Wissen �ber den Bau der Welt, �ber das unsere Bruderschaft verf�gt, in dieser Dichtung versteckt. Und Bruder Landino hat es vorz�glich kommentiert. Nimm es hin, bewahre es, und lies es, und suche nach den Geheimnissen, nach den Worten hinter den Worten, den Bedeutungen hinter den Bedeutungen. Doch nimm dir auch die Warnung des G�ttlichen zu Herzen: �Da sah ich einen Punkt, der Licht verstrahlte; wenn es das Auge trifft, muss es sich schlie�en, so stark ersch�ttert es des Glanzes Macht.��</p><p>�Ich habe einen barbarischen Hunger!�, fiel Leonardo da Vinci seinem Bundesbruder ins Wort. �Habt ein Einsehen, Mess�r Giovanni, und lasst uns bei Wein und Wildbret weiter �ber die Geheimnisse der Welt philosophieren.�</p><p>�Ach, Leonardo, Ihr bleibt mir ein R�tsel, mal entr�ckt und dann wieder ganz in der Wirklichkeit!�</p><p>�Mein Verstand steigt auf zu den h�chsten Sph�ren, doch hat man leider vergessen, das meinem Magen mitzuteilen�, meinte Leonardo.</p><p>Pico schmunzelte, w�hrend die anderen in Gel�chter ausbrachen.</p><p>�Was bedeutete das?�, fragte Bramante und wies auf die Buchstaben, die auf der R�ckseite in den Ledereinband des Buches gepr�gt waren.</p><p>��F.S.K.I.P.F.T�?�, fragte Pico. Bramante nickte. �F�r alle, die unserer Bruderschaft nicht angeh�ren, bezeichnet es die Tugenden: <emphasis>fides, spes, caritas, justitia, prudentia, fortitudo, temperantia</emphasis> � Glaube, Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit, M��igung.�</p><p>�Und f�r uns?�, fragte Bramante.</p><p>�F�r uns hat es noch eine tiefere Bedeutung, denn die Worte sind, was sie sind, aber sie sind noch etwas anderes, mehr noch, sie verbergen eine weit tiefere Bedeutung: <emphasis>Fidei Sanctae Kadosh Imperialis Principatus Frater Templarius</emphasis>.�</p><p>�Verzeiht bitte, aber ich verstehe kein Latein.�</p><p>�Es bezeichnet Dantes geheimen Ehrenrang im Orden der Templer.�</p><p>�Dante war Templer?� Bramante war die Verbl�ffung anzusehen.</p><p>�Schlagt das Buch auf, das in Eurer Hand liegt: Purgatorio, Gesang siebenundzwanzig, Vers sechzehn bis neunzehn.�</p><p>Bramante tat wie ihm gehei�en und las: ��Ich beugte mit gerungenen H�nden mich nach vorn und starrt� ins Feuer, und im Geist erblickt ich menschliche Leiber, die ich brennen sah.�� Vom Dichter befeuert, gaukelte seine Fantasie ihm einen Scheiterhaufen vor, auf dem sich Menschen vor Schmerzen wanden. Wie von fern drang Picos Stimme an sein Ohr.</p><p>�Was meint Ihr, an wen Dante hier denkt? An den letzten Gro�meister der Tempelritter, an Jacques de Molay, der 1314 in Paris verbrannt wurde: �� und im Geist erblickt ich menschliche Leiber, die ich brennen sah.��</p><p>�Als der Orden verboten wurde und Papst und K�nig den Gro�meister auf den Scheiterhaufen schickten, war Dante etwas �ber f�nfzig Jahre alt�, erl�uterte Leonardo.</p><p>�Nicht umsonst lautet der letzte Vers dieses Gesanges: �So kr�n� ich dich zu deinem eignen Papst und Kaiser��, zitierte Pico aus dem Kopf. �Der verr�terische Papst und der hinterh�ltige K�nig hatten versagt, von ihnen durfte Dante nichts mehr erwarten au�er Arglist und Verrat. Wie viele Templer, aber auch wie viele <emphasis>Fedeli</emphasis> wurden in dieser Zeit get�tet! Denkt an den gro�en Dichter Guido Cavalcanti, Dantes Freund, an den deutschen Meister Eckhart oder an Marguerite Por�te, die noch vor Jacques de Molay in Paris den Scheiterhaufen bestieg.�</p><p>�Das alles findet sich nur verschl�sselt in seinem Werk wieder, denn er musste seine Beziehung zum Orden nicht nur geheim halten, sondern sie auch vergessen machen�, f�gte Sangallo hinzu, der bis jetzt geschwiegen hatte.</p><p>�Nun aber rasch auf zum tatkr�ftigen Girolamo, mein Magen duldet keinen Aufschub mehr!�, dr�ngte Leonardo.</p><p>Doch Bramante, �berw�ltigt von dem, was er eben erfahren hatte, r�hrte sich nicht von der Stelle und bat: �Ich m�chte mehr dar�ber wissen, schweigt nicht, bitte sprecht weiter!�</p><p>�Sp�ter, Freund�, versprach Pico. �Einstweilen wollen wir es dabei bewenden lassen. Und verschlie�e das Geh�rte in den Tiefen deines Herzens, lass es von dort nie entweichen, denn jedes Wort, das du zu einem Fremden sprichst, bedeutet deinen sicheren Tod. Erinnere dich: Mein Angesicht ist der Kerker der Liebe!�</p><p>Alles Bitten und Str�uben half nicht, die M�nner nahmen ihren neuen Bruder Donato einfach in ihre Mitte und machten sich auf den Weg zu Girolamos Gasthof.</p><p>Unterwegs erfuhr Bramante, dass das Aufnahmeritual der Bruderschaft stets in dieser Kirche stattfand, weil sie ein Zentralbau war, den Dante geliebt hatte und in dem sich auch seine Grabst�tte befand. Dass es eine Kirche der Bruderschaft war, erkannte man an der steinernen Rose am Eingang, die die <emphasis>Fedeli</emphasis> freilich unter geschickt angebrachten Zerst�rungen verborgen hatten.</p><p>W�hrend die M�nner durch die Stra�en Ravennas schritten, sprachen sie �ber die Grundlage ihrer neuen Baukunst: Diese bestand im Ma� der Engel, das der Architekt Hiram in Jerusalem benutzt hatte, um im Auftrag K�nig Salomos den Tempel zu errichten. Dieses Ma� w�rde sich in den antiken Bau- und Kunstwerken finden lassen, es lag � und davon waren sie alle fest �berzeugt � in deren Proportionen verborgen. Denn die Welt bestand f�r sie aus Proportion und Perspektive, aus Ma� und Sichtweise. Das galt f�r die Geb�ude, aber mehr noch f�r den Bau des Staates. Die M�nner beschlossen, Geld zu sammeln. Bramante sollte den Auftrag bekommen, alle antiken Geb�ude und Ruinen von Rom bis Neapel zu vermessen. Zuvor aber sollte er unter Leonardos Anleitung Dantes Weltenbau-Gedicht gr�ndlich studieren sowie Architekturtheoretiker wie Vitruv und Alberti, den er teils schon kannte. Solcherma�en ger�stet, durfte er dann ans Werk gehen.</p><p>Im Wirtshaus �Zum tatkr�ftigen Hiram� angelangt, widmeten sich die <emphasis>Fedeli</emphasis> nur noch der k�stlichen Mahlzeit, die ihnen Girolamo vorsetzte. Mit keinem Wort wurde mehr erw�hnt, was sie in San Vitale besprochen hatten. Bramante nahm sich vor, Leonardo nach all den vielen neuen Namen zu fragen. Wenn er diese �berhaupt schon einmal geh�rt hatte, so verband er mit ihren Tr�gern meist nur eine sehr unzureichende Vorstellung. Die M�nner wirkten wie ausgewechselt, hatten alle h�heren Gedanken abgelegt und fr�nten nur noch ihren Gel�sten. Musiker spielten auf, und die M�dchen, die Bramante bestellt hatte, n�herten sich der Gesellschaft mit ebenso reizendem L�cheln wie zwei sch�ne J�nglinge, die Leonardo allerdings auch aus Mailand mitgebracht haben konnte.</p><p>�Wo zum Henker ist der Graf?�, rief Bramante pl�tzlich und sah sich suchend im Zimmer um.</p><p>�Wisse, mein Freund, Mess�r Giovanni Pico della Mirandola muss nur ein paar Stunden in einer fremden Stadt weilen � bei seinem Aufbruch hinterl�sst er mit Sicherheit eine Liebschaft, die auf ihn wartet und die er besucht, wenn er wieder an den Ort zur�ckkehrt. Ein Sonntagskind, unser Graf. Wei� der Teufel, warum, aber die Frauen lieben ihn!�, erkl�rte Leonardo.</p><p>�Verdammt noch mal, wenn der Satansbraten nur halb so gut mit seinem Schwanz umzugehen wei� wie mit seinen Worten, dann versteh ich es sogar!�, fluchte Bramante und zog eine �ppige Sch�ne auf seinen Scho�. Sie hielt eine Schale mit Kirschen in der Hand, aus der sie sich eben eine Handvoll Fr�chte nahm und in den Mund schob. Sie kaute, schmatzte und spuckte die Kerne aus, w�hrend ihr der Obstsaft rechts und links an den Mundwinkeln herunterlief und auf die vom ge�ffneten Mieder freigegebenen Br�ste tropfte. Rot wie Blut.</p><p>�Lass mir was von den Fr�chtchen �brig�, rief Bramante ausgelassen, packte ihr Kinn, zog ihren Mund zu sich und k�sste sie ungest�m. Weich f�hlten sich ihre Lippen an, und unvergleichlich s�� schmeckten die Fr�chte.</p><empty-line/></section><section><p>4</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1492</p><p>Giacomo z�hlte elf M�nner im M�nchshabit, die sich um einen kleinen Altar versammelt hatten, auf dem drei dicke wei�e Kerzen brannten, rein und klar wie die Feuer in ihren Herzen. Nicht nur Dominikaner, auch Franziskaner in ihren braunen Kutten waren darunter und Augustiner, erkennbar an ihren vorn gekn�pften Umh�ngen, Benediktiner mit ihren gro�en G�rteln und dem Kreuz vor der Brust und schlie�lich Kamaldulenser, unverwechselbar durch das grobe wei�e Obergewand.</p><p>Die Verl�ngerung des Schachts, der senkrecht in die Tiefe zum Grab Petri f�hrte, bildete eine Mauer mit roten Schriftzeichen. Sah man daran herab, fiel der Blick auf eine grob behauene Steinkiste, die zehn Ellen tiefer stand. In ihr ruhten die sterblichen �berreste des ersten Apostels. Dieser �rmliche Sarg rechtfertigte den Machtanspruch der P�pste seit nunmehr drei�ig Generationen. Jeder dieser elf M�nner kannte die Einsetzungsworte des Herrn auswendig: �Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der H�lle sollen sie nicht �berw�ltigen. Ich will dir die Schl�ssel des Himmelreichs geben.� Bevor sie diese Worte verrieten, w�rde jeder von ihnen das Martyrium in Kauf nehmen. Das hatten sie geschworen. Es gab keinen Grund, an der Ernsthaftigkeit ihres Eides zu zweifeln.</p><p>Giacomo wusste das. Und er wusste auch, dass ihr Christentum inzwischen aus der Mode gekommen war, dass Priester, Bisch�fe, selbst Kardin�le und sogar P�pste nicht nur s�ndigten, sondern in ihrer Gier nach Lust, Luxus, Macht und Reichtum selbst vor Tods�nden nicht mehr zur�ckschreckten und sich zuweilen im Ausma� ihrer Missetaten zu �bertreffen suchten. Aus tiefstem Herzen hassten die elf M�nner diese neue Hinneigung zu den Heiden, die in den letzten Jahrzehnten in Mode gekommen war, die neue Liebe zum Altertum, die wie eine Seuche ausgebrochen war und unterschiedslos Kleriker, Theologen, Philosophen und F�rsten befallen hatte. Deshalb nannten sie sich auch die geheime Erzbruderschaft der Perfekten, <emphasis>Archiconfraternita de Perfecti in Segreto</emphasis>. Sie empfanden sich als Kreuzfahrer, und sie strebten den perfekten Glauben an.</p><p>Einmal im Monat streiften sie kurz vor Mitternacht die M�nchskutten �ber, um alle an der Kleidung sichtbaren Rangunterschiede auszul�schen, und betraten heimlich �ber die Seiteneing�nge die alte Basilika, den ehrw�rdigen Kirchenraum, den Konstantin der Gro�e auf dem <emphasis>Mons vaticanus</emphasis> hatte errichten lassen, als Zeichen, dass von nun das Christentum �ber die Welt herrsche.</p><p>�ber Kopf und Gesicht hatten die Glaubensk�mpfer Kapuzen gestreift. Die Schlitze darin gaben nur M�nder und Augen frei. Unheimlich, nahezu gespenstisch nahmen sich die Gestalten in der vom Schein dreier Kerzen erhellten Krypta aus. Meist war es Giacomo gewesen, der die fast immer gef�hrlichen Auftr�ge der Bruderschaft ausf�hrte, und nun sollte er endlich aufgenommen werden. Unzweifelhaft war dies der H�hepunkt seines bisherigen Lebens. So musste die Seligkeit schmecken, dachte er, bitters��. Ein Gl�ck, so gewaltig, dass es Furcht vor seiner Gr��e hervorrief.</p><p>Als Giacomo in die Krypta trat, gab der Prior der Erzbruderschaft, Francesco Todeschini Piccolomini, das Zeichen. Die M�nner schlugen ihre Kapuzen zur�ck und knieten zum Gebet nieder. Giacomo sah in die guten, anst�ndigen Gesichter von M�nnern, die vom Glauben durchdrungen waren. Der Prior stimmte das Glaubensbekenntnis an, und alle fielen ein: �<emphasis>Credo in unum Deum, patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae visibilium omnium et invisibilium �</emphasis> ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allm�chtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.�</p><p>�Amen�, sagten die M�nner im Chor.</p><p>Der Kardinal Piccolomini erhob sich, und alle taten es ihm gleich. �Meine lieben Br�der�, begann er, �schlimme Zeiten sind angebrochen. Jeder darf unsere Mutter Kirche beleidigen, ihr Schimpf antun oder ihr Land rauben wie der K�nig von Neapel. Aber das wisst ihr alles. Auch an den von Ketzern ver�bten Mord an unserem lieben Bruder Pedro Albaruez erinnert ihr euch.</p><p>Aber wir haben einen w�rdigen jungen Mann, der seinen Platz einnehmen wird. Bruder Giacomo, genannt der Katalane, vom Orden des heiligen Dominikus. Spanier wie Bruder Pedro, aber was spielt das f�r eine Rolle? Ein Mann des Glaubens, noch jung an Jahren, aber spricht das gegen seine Entschlossenheit?</p><p>Wir haben dich lange beobachtet, Giacomo, und dir schwierige Aufgaben gestellt. Du hast sie alle vorbildlich erf�llt. Deshalb wollen wir dich nun als Mitglied unserer Bruderschaft willkommen hei�en. Knie nieder, du Kind Gottes!�</p><p>Giacomo folgte der Aufforderung. Stolz und Freude erf�llten sein Herz, und ein heiliger Schauer durchfuhr ihn.</p><p>�Schw�re, dass du niemals den Herrn, deinen Gott, und auch deine Br�der verraten wirst, dass du wie Jesus und Petrus und Paulus und die vielen anderen Zierden des Glaubens eher das Martyrium in Kauf nehmen wirst und dass du in der h�chsten Not dich an Jesus Christus erinnerst, der am Kreuze ausrief: �Mein Vater, ist es m�glich, so gehe dieser Kelch an mir vor�ber; doch nicht, wie ich will, sondern, wie du willst!� Schw�re! Schw�re Treue und Verschwiegenheit im Namen des Herrn!�</p><p>�Ich schw�re es!�</p><p>�Schw�re, dass du alle Auftr�ge unserer heiligen Bruderschaft bedingungslos und mit Liebe im Herzen ausf�hren wirst!�</p><p>�Ich schw�re es, so wahr mir Gott helfe!�</p><p>Die M�nner bekr�ftigten seinen Schwur mit einem gemurmelten Amen. Dann stellte der Prior Giacomo den anderen Mitgliedern der Bruderschaft vor. Einige kannte er bereits pers�nlich, aber nicht einer war unter ihnen, von dem er nicht schon geh�rt h�tte, Kardin�le, Bisch�fe, Erzpriester und Erz�bte. Aus Aquino Robert von Lecce und aus Padua Pietro Barosi, aus Neapel Oliviero Carafa � sie alle, ehrw�rdige und verehrungsw�rdige M�nner, gaben ihm den Bruderkuss. Jetzt geh�rte er zu ihnen. F�r immer. Falls er untreu werden sollte, sich als Verr�ter erwiese oder auch nur von ihnen abzufallen begehrte, so w�rde man ihn t�ten. Nur der Tod konnte seine Mitgliedschaft in der Bruderschaft beenden, auf die eine oder andere Weise.</p><p>Zum Abschluss feierten die Mitglieder der Erzbruderschaft gemeinsam das Abendmahl. Das Aufnahmeritual endete damit, dass Giacomo seinen neuen Br�dern nach gutem, altem Brauch die F��e wusch.</p><p>Nachdem die Neuigkeiten und das weitere Vorgehen besprochen waren, erhielt er einen �beraus gef�hrlichen Auftrag: Es galt, eine geheime Bruderschaft zu bek�mpfen, die ihr Unwesen trieb, allesamt Feinde des Glaubens, neue Heiden.</p><p>�Wie nennen sich die Ketzer, Prior?�, fragte Giacomo, schon ganz auf seine neue Aufgabe konzentriert.</p><p>�Wir kennen ihren Namen nicht, wie wir �berhaupt nur wenig �ber diese H�retiker wissen. Gerade einmal das, was uns verantwortungsvolle Beichtv�ter, die uns nahestehen, berichtet haben. Die Ketzer verlangen danach, mehr zu wissen, als notwendig ist, sie berufen sich dabei auf den biblischen Baumeister Hiram. Sie besch�ftigen sich mit Astrologie und Alchemie und wollen mittels der Baukunst die Welt ver�ndern. Der heidnische Autor Vitruv geh�rt ebenso zu ihren neuen Propheten wie der griechische Heide Platon und der Afterf�rst der Magier, der �gypter Hermes Trismegistos. Sogar mit den Juden machen sie gemeinsame Sache, indem sie in ihren h�retischen B�chern wie der Kabbala lesen. Sie unterwandern die kirchliche Ordnung und werden in diesem todesw�rdigen Frevel von weltlichen Herrschern und sogar von Kirchenf�rsten unterst�tzt, von M�nnern, deren Pflicht es eigentlich ist, die heilige Kirche zu besch�tzen!�</p><p>Ein Raunen unterbrach die leidenschaftliche Rede des Priors. Entr�stung und Hass loderten in den Augen der M�nner auf.</p><p>�In Pavia wollen sie einen Dom als G�tzentempel bauen, einen heidnischen Rundbau!�, emp�rte sich der hagere Robert von Lecce.</p><p>Giacomo erkundigte sich, was an einem Zentralbau verwerflich sei, und f�gte entschuldigend hinzu, er verst�nde nichts von der Baukunst. Alessandro Carafa erkl�rte ihm, die Basilika sei ganz und gar f�r den lateinischen Ritus, f�r ihren geheiligten Gottesdienst geschaffen. Hinter dem Priester versammele sich im Langhaus die Gemeinde, aber der Priester wende sich von der Gemeinde ab und Gott zu. So sei er wahrer Mittler zwischen Gott und den Menschen � weniger als Gott, sicher, aber auch etwas mehr als der Mensch, weil er durch seinen keuschen Lebenswandel Umgang mit den Heiligen pflege.</p><p>�So sollte es zumindest sein�, warf Piero Barosi mit bitterer Stimme ein.</p><p>�Der Rundbau aber ist ein Versammlungsraum des Aberglaubens, f�r Menschen, die sich f�r den Mittelpunkt der Welt halten und sich nicht mehr in Demut vor Gott und seinen Priestern verneigen! Sie sind nach allen Seiten hin offen und f�r alles zug�nglich, sie haben ihre Richtung verloren�, ereiferte sich Carafa.</p><p>�Deshalb sage ich euch�, fuhr der Prior fort, �die Kirche, die sie in Pavia zu bauen begonnen haben, ist des Teufels! �berall versuchen sie, die Gottesh�user in heidnische Tempel zu verwandeln. L�ngst m�sste die Hauptkirche der Christenheit, Sankt Peters Haus, in dem wir dem�tig stehen, restauriert werden, aber es ist nicht ratsam, das jetzt zu tun. Denn wissen wir, ob nicht einer dieser Ketzer aus unserer heiligen Basilika eine Arena des Teufels macht? Zuzutrauen w�re es ihnen!</p><p>Ihr Anf�hrer ist ein junger Graf: Giovanni Pico della Mirandola. Er hat neunhundert Thesen verfasst, in denen er das Heidentum, die Magie und die Kabbala an die Stelle des Christentums setzen will. Er behauptet zwar, dass all dieses im Christentum Platz h�tte, aber, meine lieben Br�der, wenn man das Christentum so hemmungslos erweitert, gleicht es bald einem �bervollen Sack, der platzen muss. Und genau darin besteht das Ziel dieser Unw�rdigen! Deshalb hat der Heilige Vater den Grafen zu Recht als Ketzer verurteilt und exkommuniziert. Doch was n�tzt das, wenn ihn m�chtige Leute wie Lorenzo de Medici sch�tzen.�</p><p>�Vor Gottes Zorn wird er ihn nicht bewahren k�nnen!�, rief Robert von Lecce.</p><p>�Sei ein Werkzeug Gottes, Giacomo!�, sagte der Prior und sah dem jungen Dominikaner fest in die Augen.</p><p>Giacomos Auftrag sah vor, dass er sich das Vertrauen des Grafen Giovanni Pico della Mirandola erschleichen und am besten sein Sekret�r werden sollte. So k�nnte er mehr �ber den Geheimbund der Ketzer in Erfahrung bringen und den Ketzervater eines g�nstigen Tages t�ten. Dabei sollte er bed�chtig und geschickt zu Werke gehen, denn keinesfalls durfte das unerwartete Ableben des jungen Philosophen, der in ganz Europa bestens bekannt war, wie Mord aussehen. Die Tat durfte nicht auf die Kirche zur�ckfallen.</p><p>Ausruhen lie� man Giacomo nicht. Gleich am Morgen sollte er aufbrechen.</p><empty-line/><empty-line/><p>Mailand, Anno Domini 1494</p><p>�Schlaf deinen Rausch ein andermal aus!�</p><p>Donato Bramante fuhr zusammen und richtete sich schlaftrunken im Bett auf, fuhr mit der Hand �ber seinen kahlen Sch�del und r�lpste. �Wie sp�t ist es?�</p><p>�Mittag, aber das spielt keine Rolle�, erkl�rte Leonardo da Vinci unwirsch. K�hl und mitleidlos ruhte sein Blick auf Bramante, der sich in einem bedauernswerten Zustand befand. Den dampfenden Leib des Architekten verh�llte nur d�rftig ein langes, nicht sehr reinliches Hemd. Schuhe, Hose, Wams, Mantel und das Wehrgeh�nge waren �ber den Boden verstreut. Bei dem Versuch, den unverhofften Besucher zu mustern, traf ein Lichtstrahl Bramantes verquollene Augen und lie� ihn zusammenzucken. Er hob einen Zipfel der Bettdecke an, st�hnte und krabbelte schlie�lich b�uchlings wie ein K�fer unter dem schweren Damast �ber die Matratze.</p><p>�Was suchst du?�</p><p>�Eine Frau!�</p><p>�Hier ist keine Frau!�, entgegnete Leonardo spitz.</p><p>�Keine Frau?� Bramante tauchte sichtlich entt�uscht wieder auf und kratzte sich am Kopf. �So, hatte ich keine bei mir? Seltsam, ich h�tte schw�ren k�nnen � hab ich also nur getr�umt, ach, was f�r ein Traum das war! Grundg�tiger, schick mir so ein Weib in Wirklich��</p><p>�Schweig!�, fuhr ihn der Maler zornig an und hob gebieterisch die Hand. Wie gut sich der schwarze Samt seines Handschuhs mit dem wie aus Silberf�den gewirkten Haar machte, dachte Bramante, der ihn mit zusammengekniffenen Augen betrachtete.</p><p>�Oh, mein Kopf�, st�hnte er und versuchte, seinen schweren Sch�del so wenig wie m�glich zu bewegen.</p><p>Der Mann aus Vinci nahm indes keine R�cksicht auf Bramantes Zustand, sondern redete mit der gr��ten Ungeduld auf ihn ein. Er habe verst�rende Nachrichten aus Florenz erhalten. Der Dichter Angelo Poliziano solle in wahnsinniger Raserei elend zugrunde gegangen, die Medici vor dem fanatischen Prediger Savonarola und seinem Anhang geflohen sein, und Graf Mirandola liege, vom Fieber geschlagen, krank darnieder. Von Giuliano da Sangallo konnte man keine Hilfe erwarten, da dieser in Rom weilte und deshalb nicht eingreifen konnte. Landino war zu alt und lebte inzwischen auf seinem Landgut, Gleiches galt f�r Ficino. Und Giovanni de Medici war f�r diese Aufgabe nicht nur zu jung, sondern hatte selbst, um sein Leben zu retten, als M�nch verkleidet fliehen m�ssen. Au�er Pico schien sich keiner der <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> mehr in der Arnostadt aufzuhalten. Ein Bundesbruder m�sse sogleich aufbrechen, um nach ihrem Prior zu sehen, und, falls Pico tats�chlich der Hilfe bedurfte, ihm diese angedeihen lassen.</p><p>Bramante, der den Grafen ins Herz geschlossen hatte, z�gerte keine Sekunde. Aus einer Karaffe, die neben dem Bett stand, goss er sich einen Schluck abgestandenen Weines in den Mund, sch�ttelte sich und rief nach seinem Diener.</p><p>�Giorgio, Lumpenhund, Bastard, elender, hol meine Reisesachen raus, sattle mein Pferd, ich muss weg!�, br�llte er. Hastig zog er Hose, Wams und einen Stiefel an, w�hrend er nach dem zweiten Ausschau hielt. Als Giorgio erschien, erteilte er ihm kurz Anweisungen f�r die Zeit seiner Abwesenheit. Dann suchte er, auf einem Bein h�pfend, weiter nach dem zweiten Stiefel. Schlie�lich legte er sich auf den Bauch, lie� seinen Blick �ber den Boden gleiten und entdeckte ihn unter dem Bett. Weil seine Arme aber nicht lang genug und der Bauch zu dick war, als dass er ihn h�tte erreichen k�nnen, trieb er Giorgio an, seinen Stiefel hervorzuangeln. Als der hagere Diener diesen endlich in der Hand hielt, riss ihm der Architekt das Schuhwerk aus der Hand und schlug ihm damit einmal derb auf den R�cken, weil er so lange gebraucht hatte.</p><p>Zum Abschied nickte Bramante Leonardo zu. Der Freund war wie immer fein herausgeputzt. Nur seine langen Haare, die sonst in elegantem Schwung bis auf die Schulter fielen, hatten sich verwirrt, als h�tte er sich zuvor gerauft, was so gar nicht seiner Natur entsprach.</p><p>Bramante eilte ins n�chste Zimmer, griff seinen Geldbeutel, w�hlte mit Bedacht zwei Dolche und ein Rapier als Bewaffnung aus, verlie� eilig das Haus und schwang sich auf seinen Rappen, dem er h�rter als gewollt die Sporen gab. Auf dem Weg von Mailand nach Florenz kam er nur aus dem Sattel, wenn er unterwegs die Pferde wechselte, die er fast zu Tode hetzte. Er war tief beunruhigt �ber das, was er von Leonardo geh�rt hatte. Diesmal nahm er sich nicht wie sonst die Zeit, um zu rasten, zu trinken, zu schlemmen und zu huren. Auch waren die Umst�nde nicht danach, denn kurz hinter Mailand begann der Krieg. Neben all den wohlvertrauten Gr�ueln wie Mordbrennen, Foltern und Vergewaltigen kam diesmal noch eine Krankheit dazu, die von den Franzosen, wie man ihn eindringlich gewarnt hatte, mit dem Schwanz verbreitet wurde und so vom Mann auf die Frau und von der Frau wieder auf den Mann sprang und an der man elendig und im Wahnsinn zugrunde ging. Die Zeiten waren rau, und der zarte Graf war es nicht. Bramante musste sich also eilen.</p><p>Sobald er die Lombardei verlassen und das Gro�herzogtum Toskana erreicht hatte, schlug ihm unverkennbar der bestialische Gestank des Krieges entgegen. Dreck und Blut, zerst�rte und gepl�nderte Ortschaften, umherliegende Leichen, ein Trupp S�ldner, um den er lieber einen Bogen machte, trieben ihn nur st�rker zur Eile an. Ein ihm unvertrautes Gef�hl der Trauer �berkam ihn, trist wie das Novemberwetter mit seinen Nebelfetzen, seinen k�hlen Regenschauern, seinem Grau. Von der Stra�e aus konnte er die Feldlager der S�ldnerhaufen sehen. Die kl�glichen Feuer vor den Zelten schwelten mehr, als dass sie loderten, weil das Reisig feucht war.</p><empty-line/></section><section><p>5</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1494</p><p>Nach dreieinhalb Tagen scharfen Rittes und kaum Schlaf erreichte Bramante endlich den Arno. K�lte und N�sse waren ihm inzwischen bis in die Knochen gedrungen, und er zweifelte nicht im Geringsten daran, dass er sich das Rheuma oder die Gicht in den Leib geholt hatte. Auf dem Fluss trieb der aufgedunsene Kadaver einer Kuh, der zu platzen drohte. Ein Anblick, der ihn melancholisch stimmte.</p><p>W�hrend er noch im Banne des Saturns weilte, erhob sich vor ihm die Stadtmauer. Das Tor wurde zwar bewacht, aber eher nachl�ssig. Grauschwarz und feucht, wie sie waren, wirkten die hohen Stadtmauern ohnehin schon abweisend genug. Die Besatzung machte nicht den Eindruck, dass sie sich bei einem Angriff zur Wehr zu setzen gedachte.</p><p>Das Leben in der Stadt, auf den Stra�en und Pl�tzen kam Bramante ver�ndert vor. Auf irgendeine Weise ungeordnet, aus dem allt�glichen Rhythmus geraten, als w�rde keine Macht, keine Obrigkeit mehr gelten. Wie Gottes verlassene Welt, dachte er und erschrak sogleich �ber den Gedanken. Geb�ckte Menschen, die in ihren Lumpen wie Aasgeier wirkten, boten Gegenst�nde zum Tausch an, die ihnen wohl kaum geh�rten. Offensichtlich hatten sie die Dinge beim Pl�ndern der H�user der Gefolgsleute der Medici an sich gebracht. In einer der Gassen versperrte ihm ein zerkratzter Tisch mit drei Beinen den Weg. Bramante stie� ihn mit dem Fu� im Steigb�gel zur Seite. Schmutz, Abfall und Scherben bedeckten das Stra�enpflaster wie eine zweite, von Blattern entstellte Haut. Au�er den einfachen Huren wagten sich keine Frauen hinaus, auch nach vornehmen M�nnern hielt er vergeblich Ausschau. Es war die Stunde des Gesindels.</p><p>Eine dumpfe Niedergeschlagenheit senkte sich �ber Bramantes Gem�t. Er achtete nicht auf die Zurufe der Leute, sondern lenkte sein Pferd sogleich zum Dom, in dessen N�he Giovanni Pico della Mirandola wohnte.</p><p>Vor dem kleinen Haus des Grafen sprang er ab, die Dolche griffbereit, und band sein Pferd an einen der drei eisernen Ringe, die in das Mauerwerk eingelassen waren. Dann nahm er das Rapier vom Sattel und steckte es in sein Wehrgeh�nge. Als er an die T�r klopfte, �ffnete sie sich sogleich. Sie war nur angelehnt gewesen. Da ihm niemand entgegenkam, ging er hinein.</p><p>�Herr Graf! Pico!�, rief er mehrmals laut, erhielt aber keine Antwort. Weder im Vestib�l noch in der K�che fand sich ein Mensch, obwohl im Herd noch ein Feuer brannte. Wo zum Teufel trieb sich der Hausdiener herum, wo war der Sekret�r? Pico hatte den jungen Mann doch immer als Muster der Zuverl�ssigkeit gepriesen! Wo steckte denn nun der Hochgelobte?</p><p>Bramante zermarterte sich das Hirn, aber er kam nicht mehr auf den Namen des Sekret�rs. Mit unguten Vorahnungen st�rmte er die Steintreppe zum <emphasis>studiolo</emphasis> hinauf. Wieder klopfte er an, niemand forderte ihn auf einzutreten. Er schob die mit reichen Schnitzereien versehene Eichent�r auf. Picos Arbeitszimmer wirkte d�ster, weil die vielen B�cher in den Regalen und der gro�e Schrank aus Ebenholz linker Hand den Raum kleiner erschienen lie�en, als er tats�chlich war. Bramante stieg der scharf-s�uerliche Geruch von Erbrochenem in die Nase.</p><p>Der Hausherr sa� an seinem Schreibtisch. Kopf und Oberk�rper waren auf die Platte gesunken, so als ob der Graf �ber der Lekt�re eingeschlafen w�re.</p><p>�Bruder Giovan!�, sagte Bramante. Der Graf regte sich nicht. �Bruder Giovan�, rief der Architekt lauter. Dann ging er auf den Schreibtisch zu, schlug einen Bogen um die blassrosa Masse am Boden und ber�hrte den Freund sacht an der Schulter. Picos K�rper sackte in sich zusammen, rutschte vom Stuhl und schlug hart auf dem Boden auf. Leblos wie eine Gliederpuppe, K�rperteil f�r K�rperteil. Bramante b�ckte sich zu dem Freund hinunter und sah entsetzt in seine starren Augen. Sie waren kalt, kalt wie blauer Hyazinth und konnten doch den Irrsinn der Zeit nicht heilen. Nein, diese Augen geh�rten nicht zu Pico, ihnen fehlte die Ironie, der freundliche Spott, die menschliche W�rme, die ihn ausgezeichnet hatte. Es waren die Augen eines anderen, eines Toten. Mit letzter Hoffnung nahm Bramante eine Schreibfeder vom Tisch und hielt sie dem Gelehrten vor den Mund. Nicht einmal der Flaum bewegte sich.</p><p>Ein heftiges Schluchzen sch�ttelte seinen schweren K�rper. Giovanni Pico della Mirandola atmete nicht mehr. Bramante konnte es kaum fassen. Lange starrte er reglos auf den K�rper. Nur m�hsam gelang es ihm, sich von dem Schock zu befreien, in den ihn der Schmerz versetzt hatte. Mit unterdr�ckter Wut machte er sich an die Untersuchung der Leiche. Zeichen �u�erer Gewaltanwendung konnte er nicht feststellen. Eine Krankheit? Oder Gift? Die Farbe des ausgespuckten Mageninhalts lie� ihn zwar Letzteres vermuten, aber er war ja kein Arzt.</p><p>Mit aller Z�rtlichkeit, die ihm zu Gebote stand, dr�ckte er dem Freund die Augen zu, dann betete er unter Tr�nen ein Vaterunser. Es fiel ihm nicht leicht, sich an den vollen Wortlaut des Gebets zu erinnern, obwohl sein Ged�chtnis ger�hmt wurde. Er m�hte sich trotzdem, weil er glaubte, es diesem au�erordentlichen Manne schuldig zu sein. Es schien, als sei Pico einsam gestorben, ohne einen Menschen, der ihm h�tte Trost, ohne einen Priester, der ihm h�tte Beistand leisten k�nnen. Wie traurig das alles doch war. Ausgerechnet er, den die Menschen geliebt hatten, war verreckt wie ein Hund!</p><p>Nach einer Weile wischte sich der Architekt die Tr�nen ab und stand auf, um einen Arzt zu holen. Es dauerte lange, bis er einen Mann gefunden hatte, den er schlie�lich dank einer Mischung aus Geld und handfesten Drohungen �berzeugen konnte, ihn zu Picos Haus zu begleiten.</p><p>W�hrend der Arzt den Toten untersuchte, inspizierte Bramante den Schreibtisch des Grafen. Ein wehm�tiges L�cheln flog �ber sein Gesicht, als er eine kleine Zeichnung fand. Sie zeigt Pico als K�nig Salomo und ihn selbst als dessen Baumeister Hiram. Er hatte sie ein Jahr zuvor f�r den Grafen angefertigt. Schmunzelnd hatte Giovan damals das Bild entgegengenommen und aus der Bibel zitiert: �Und Salomo sandte zu Hiram und lie� ihm sagen: Du wei�t, dass mein Vater David nicht ein Haus bauen konnte dem Namen des Herrn, seines Gottes, um des Krieges willen, der um ihn her war � Siehe, so hab ich gedacht, dem Namen des Herrn, meines Gottes, ein Haus zu bauen, wie der Herr zu meinem Vater David gesagt hat: Dein Sohn, den ich an deiner statt auf deinen Thron setzen werde, der soll meinem Namen das Haus bauen.� Dann hatte er gutm�tig und auch ein wenig sp�ttisch gelacht.</p><p>Bramante waren die Worte nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Sein Blick wurde von einem Kupferstich angezogen, einer Darstellung Jerusalems mit einem runden Tempel, der eine Kuppel trug.</p><p>�Mess�r!�, rief der Arzt. �Den hatte der Tote in der Hand.� Er hielt Bramante einen goldenen Ring hin, auf dem ein kleiner, ebenfalls goldener Aufsatz sa�, den ein schwarzer Stein abschloss. Fasziniert hielt der Architekt den Ring ins Licht und entdeckte ein Monogramm. Geschickt, wie er war, fand er einen versteckten Miniaturmechanismus, mit dem er den Aufsatz �ffnen konnte.</p><p>Das winzige Beh�ltnis enthielt ein Zettelchen. Bramante nahm es heraus und faltete es so vorsichtig, wie es seine gro�en H�nde zulie�en, auseinander. Winzige Zeichen wimmelten auf dem Papier, die der Architekt nicht zu erkennen, geschweige denn zu entziffern vermochte. Da er wusste, dass Pico die Kabbala im Original studiert hatte, nahm er an, dass es sich bei den Zeichen um Hebr�isch handelte. Aber mit blo�em Auge konnte er die Gebilde auf dem Pergamentfetzen nicht unterscheiden. Und sein hilfreicher Beryll lag zu Hause auf dem Schreibtisch. Da lag er gut, fluchte er leise. Allerdings hatte er nicht ahnen k�nnen, dass er ihn hier ben�tigen w�rde.</p><p>Bramante legte das Pergamentchen in sein Geh�use zur�ck, verschloss die Kammer und nahm den Ring an sich. Er wollte sich sp�ter damit besch�ftigen. Nachdenklich murmelte er: �Das Sterben hat mit Angelo Poliziano begonnen, jetzt Giovan, und dabei wird es nicht bleiben!�</p><p>�Wie bitte?�, fragte der Arzt.</p><p>Der Architekt musterte den Arzt mit leerem Blick. Nach einer Weile besann er sich und brummte: �Woran ist er gestorben?�</p><p>�Ein Fieber oder ��</p><p>�Oder?�</p><p>�Gift.�</p><p>�Meiner Treu, also doch!�</p><p>�Nicht unbedingt.�</p><p>�K�nnt Ihr die genaue Todesursache nicht herausfinden?�</p><p>�Zu anderen Zeiten vielleicht, jetzt nicht. Guter Mann, die Franzosen sind in der Stadt. Und Fr� Savonarola, der jetzt das Sagen hat und unter ihrem Schutz steht, verbietet das �ffnen von Leichen.�</p><p>Dann erging sich der Arzt in mannigfaltigen, von Latein durchsetzten Erl�uterungen. Bramante verstand nur so viel, dass er wohl niemanden finden w�rde, der eine Leichen�ffnung zur Feststellung der Todesursache vornehmen w�rde. In dieser einst so stolzen Stadt schienen sich alle vor dem finsteren Prediger Savonarola zu f�rchten. Und nannten das Freiheit. Vom Joch der Medici befreit, hatten sie sich in die Tyrannei des Tugendboldes gefl�chtet. Die Menschen konnten mit Freiheit nichts anfangen, sinnierte Bramante d�ster. Dann schob er seine tr�ben Gedanken beiseite und richtete seine Aufmerksamkeit auf das N�chstliegende. �Wie kann ich f�r seine Beerdigung sorgen?�</p><p>�Geht zu Federico, dem Tischler. Er wohnt in Santa Croce, gegen�ber der Franziskanerkirche. Er kennt alle Priester und alle Friedh�fe. Wenn Euch jemand helfen kann, dann er. Gr��t ihn von mir. Und geizt nicht mit der Bezahlung, wenn Ihr es w�rdig und piet�tvoll w�nscht, denn Euren Geiz w�rde der Tote b��en.�</p><p>Als Bramante auf die Stra�e trat, um den Beerdigungsunternehmer aufzusuchen, stellte er fest, dass es regnete. Doch es war nicht das nasskalte Wetter, das ihn schaudern und unwillk�rlich die Schultern hochziehen lie�, sondern der Frost, der sich in seinem Innern ausbreitete. Pl�tzlich stieg Angst in ihm hoch, Angst, ebenso einsam zu sterben wie sein Freund Pico, der Liebling der G�tter und der Frauen. Die G�tter waren untreu. Und die Frauen? Wenn er N�heres �ber den Tod des Grafen erfahren wollte, musste er den Sekret�r finden. Der aber schien sich in Luft aufgel�st zu haben.</p><p>Giacomo il Catalano, der zwei Jahre lang in der Maske des Sekret�rs Sebastiano f�r Pico t�tig gewesen war, hatte die Stadt gerade hinter sich gelassen, als er den Verlust seines Ringes bemerkte. Rasch wendete er das Pferd und galoppierte zur�ck. Doch er kam zu sp�t. Unt�tig musste er mit ansehen, wie ein stattlicher, grimmig blickender Mann mit wenig Haupthaar, mit dem im Handgemenge sicher nicht zu spa�en w�re, mit einem Arzt das Haus des Grafen betrat. Giacomo wartete ungeduldig. Weshalb hielten sich die beiden M�nner so lange in dem Haus auf? Sollte es ihnen etwa gelungen sein, Picos Leben zu retten? Giacomo machte sich Vorw�rfe, dass er nicht den Tod seines Opfers abgewartet hatte. Da er den Grund f�r die Nachl�ssigkeit kannte, �rgerte er sich nur umso mehr �ber seinen Fehler. Zum ersten Mal hatten ihm banale Gef�hle die Ausf�hrung eines Auftrages erschwert.</p><p>Als der Fremde und der Arzt nach geraumer Zeit endlich wieder aus dem Haus traten und sich im Nieselregen verloren, schlich er sich klopfenden Herzens noch einmal ins <emphasis>studiolo</emphasis>. Den Grafen fand er Gott sei Dank tot vor, was ihn der unangenehmen Pflicht enthob, letzte Hand anzulegen. Doch so seltsam es schien, es war ihm unangenehm, sich mit der Leiche des Ketzers in einem Zimmer zu befinden. Aber es half nichts, er musste den Ring finden. Er bef�hlte die Kleidung des Toten, suchte auf dem Boden und durchw�hlte den Schreibtisch. Den Ring entdeckte er nirgends. Er wagte es kaum zu denken, aber es kam keine andere L�sung in Betracht als die, dass der Fremde den Ring an sich genommen hatte!</p><p>Im gleichen Augenblick, in dem ihn dieser Verdacht durchfuhr, drang der Klang von Schritten und Stimmen an sein Ohr. Er sa� in der Falle und �rgerte sich, weil er als Sekret�r des Grafen au�er einem kleinen Messer keine Waffen bei sich f�hrte. Er kannte das Zimmer zu gut, um nach einem Versteck zu suchen � es gab keines. Nur den Tisch, St�hle, Regale und den schwarzen Schrank, der vollgestopft war mit seltenen Handschriften und Schreibutensilien wie Federn, Tinte und Pergamentb�gen.</p><p>Die Schritte knarrten auf den Dielen vor dem Raum, in dem er sich befand. In weniger als einer Minute w�rden die M�nner vor ihm stehen. Das Einzige, was ihm blieb, war, ihnen an die Gurgel zu gehen, wenn sie das Zimmer betraten, und darauf zu setzen, dass sie zu �berrascht waren, um sich zu wehren. Giacomo sp�rte weder Angst noch Bedauern, empfand er doch sein Leben lediglich als Galgenfrist. Er schickte ein kleines Gebet zum Himmel, besann sich aber pl�tzlich, riss, einer j�hen Eingebung folgend, das Fenster auf und kletterte auf den Sims, wo ihm Wind und Regen wie ein feuchter Lappen ins Gesicht schlugen. Vielleicht konnte die Flucht ja doch noch gl�cken!</p><p>�Da ist der Schurke!�, h�rte er einen Mann hinter sich br�llen. Giacomo il Catalano wagte nicht, sich umzusehen. Er hatte vollauf damit zu tun, nicht von dem feuchten Mauerrand abzurutschen.</p><p>�Bleib stehen, du Schuft!�, schrie der Mann. �Ich krieg dich ja doch!�</p><p>Ein �chzen verriet Giacomo, dass der Bullige hinter ihm aus dem Fenster geklettert war und ihn verfolgte. Als er den Fu� auf die eine Elle breite Mauer setzte, die Picos Hinterhof von dem des linken Nachbarn schied, �berlegte er kurz, ob er zum angrenzenden Grundst�ck hin�berspringen sollte, verwarf den Gedanken aber sogleich. Falls die Begleiter seines Verfolgers ihn vom Fenster aus beobachteten, konnten sie rasch zum Nebenhaus laufen und ihm den Fluchtweg abschneiden. Besser war es, �ber die Mauer in den Hof gegen�ber zu gelangen. Der Weg um das ganze H�userkarree herum w�re zu lang, als dass ihn die Verfolger noch stellen konnten. Das Aufeinandertreffen seiner ledernen Sohlen und des feuchten Mooses, das die Mauer bedeckte, war allerdings eine halsbrecherische Angelegenheit. Giacomo legte sein Geschick in Gottes Hand und setzte behutsam Fu� vor Fu�. Als er das Ende der Mauer erreicht hatte, dankte er seinem Sch�pfer, dass er bei dem riskanten Unternehmen nicht abgerutscht war, und lie� sich erleichtert an einer S�ule herab. Sie kam ihm seltsam deplatziert vor, wie sie da verloren an der r�ckw�rtigen Mauer des Hofes stand, als seien einmal mehrere S�ulen f�r ein kleines Gartenhaus geplant gewesen, das aber nie zur Ausf�hrung gelangt war.</p><p>Giacomo rannte �ber den Hof, riss die Hintert�r des kleinen Hauses auf und st�rmte in den Flur. Rechts von ihm befand sich die Treppe zum <emphasis>piano nobile</emphasis>. Links lagen die Kammern der Dienstboten und die Wirtschaftsr�ume. Durch eine offen stehende T�r sah er, dass in dem Raum Pl�nderer am Werk waren. Sie schraken kurz hoch, als sie ihn erblickten, w�hlten und rafften dann aber weiter, weil er sich nicht um sie k�mmerte.</p><p>Pl�tzlich sp�rte er, wie zwei starke H�nde von hinten seine Schultern umklammerten. Sein Verfolger war schneller, als er gedacht hatte. Nun w�rde es also doch noch zum Kampf kommen. Wenn der Mann sein Antlitz s�he, w�rde er ihn t�ten m�ssen.</p><empty-line/></section><section><p>6</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1494</p><p>Mit einem entschlossenen Sprung hatte Bramante den vermeintlichen M�rder Picos von hinten an den Schultern zu fassen bekommen. Der Unbekannte wirkte grazil, fast feminin, war aber erstaunlich kr�ftig. Ein Engel, ein Todesengel, durchfuhr es Bramante. Das Blut pochte in seinen Adern, und er keuchte vor Anstrengung, als sich der Mann pl�tzlich mit einer j�hen Bewegung seinem Griff entwand. Der Architekt zog seinen Degen.</p><p>�Dreh dich um, du Schuft, sonst spie� ich dich von hinten auf!�, br�llte er w�tend.</p><p>Im n�chsten Moment erhielt er einen derben Schlag auf die Schl�fe und gleich darauf noch einen zweiten. Er wankte und sp�rte, dass ihn der dritte Fausthieb zu Boden werfen w�rde. Ein Komplize! Rasch vollf�hrte er, den Degen vorgestreckt, eine Drehung nach hinten, um Abstand zwischen sich und den Angreifer zu bringen. Er hatte diesen nicht bemerkt, weil er vermutlich von der Seite gekommen war. Verbl�fft starrte der Architekt in ein von Bartstoppeln und str�hnigem Haar bedecktes Gesicht, aus dem ihm ein fast zahnloser Mund entgegengrinste. Ein Pl�nderer, dachte Bramante, als er, erleichtert und �rgerlich zugleich, den zerlumpten Kerl betrachtete.</p><p>F�r einen kurzen Augenblick fiel Licht in den Flur. Gleich darauf schlug die Vordert�r zu. Bramantes Ohren gl�hten, und er sp�rte, wie ma�loser Zorn in ihm aufstieg. Wegen dieses Gesindels w�rde ihm wom�glich Picos M�rder entkommen!</p><p>�Lass dein Geld hier, bevor du Leine ziehst�, grunzte der Pl�nderer, wobei der Adamsapfel an seinem schmutzigen, mageren Hals widerw�rtig auf und ab h�pfte. Mit diesen von einem selbstgef�lligen Grinsen begleiteten Worten hatte er sein Todesurteil unterzeichnet. Bramante hob sein Rapier und stie� es dem Mann bis ins Herz. Das Grinsen erstarb, und zwei gro�e, leere Augen starrten den Architekten an. Mit einer schnellen Bewegung zog er die Klinge aus der Brust des Pl�nderers und nahm verwundert wahr, dass das Blut auf dem Stahl im D�mmer eine schmutzig graue Farbe hatte.</p><p>Im gleichen Moment zerriss ein Aufschrei die Stille. Eine unf�rmige Frau kam aus einem der Wirtschaftsr�ume zeternd auf ihn zugeschwankt.</p><p>�Was hat er dir getan? Was hat er dir getan?�, kreischte sie schrill.</p><p>�Aus dem Weg, oder ich steche dich auch ab!�, br�llte Bramante zur�ck. �Das macht mir nichts aus!�</p><p>Die Dicke blieb stehen, starrte auf sein Rapier, sank auf die Knie und begrub ihren Mann unter ihrem m�chtigen Leib.</p><p>�Trottel, dummer Trottel, was musst du dich auch einmischen, wenn sich die Herren streiten�, h�rte Bramante sie noch jammern, als er bereits auf die Stra�e st�rmte. Doch zu sp�t � er sah nur noch, wie die Schwanzspitze eines Pferdes um die Ecke verschwand. W�tend spuckte er aus und gab die Verfolgung auf. Der M�rder des Grafen war ihm entkommen! Zorn nahm ihm den Atem, und sein Gesicht lief feuerrot an.</p><p>Pl�tzlich schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf: Vielleicht war es ja sogar ratsam, die Verfolgung abzubrechen. Dem durchw�hlten Schreibtisch nach zu urteilen, hatte der M�rder etwas gesucht und offensichtlich nicht gefunden, sonst w�re er ja schon fort gewesen und er h�tte ihn nicht �berrascht. Vielleicht ging es dem Schurken nun darum, ihn von Picos Haus wegzulocken, um dann zur�ckkehren und seine Suche ungest�rt fortsetzen zu k�nnen.</p><p>Die Erkenntnis traf Bramante wie ein Blitz: Er griff in seine Tasche, holte den Ring heraus und betrachtete ihn lange mit einem bitteren L�cheln. Der Ring geh�rte dem Fl�chtenden, nach diesem hatte er gesucht! Er begl�ckw�nschte sich dazu, dass er ihn an sich genommen hatte. Zufrieden warf er das Schmuckst�ck in die Luft und fing es wieder auf. Dieser Ring w�rde ihn zu Picos M�rder f�hren! Fest umschloss er ihn mit seiner Hand. Er besann sich kurz, dann kehrte er in den Hausflur zur�ck.</p><p>Die Frau schaute hoch und warf ihm einen hasserf�llten Blick zu.</p><p>�Ihr hohen Herren seid immer schnell mit dem Degen! Mein Flavio war vielleicht kein besonders guter Mann, aber der beste, den ich bekommen konnte. Kannst du mir vielleicht einen neuen beschaffen?�</p><p>�Was geht�s mich an!�, sagte Bramante kalt. �Er hat einem M�rder zur Flucht verholfen. H�r auf zu jammern. Kannst du das Gesicht des Kerls beschreiben?�</p><p>�Ihr seid doch alle M�rder! Warum sollte ich Euch helfen?�, fauchte die Frau und wischte sich mit einem Zipfel ihres l�chrigen Gewandes �ber das Gesicht.</p><p>�Weil dein Mann die Sache verdorben hat und weil du einen Scudo daf�r bekommst.�</p><p>Sie legte den Kopf auf die Seite und dachte nach. �Einen ganzen Scudo, sagt Ihr?�, fragte sie und rieb ihren breiten Daumen an ihrem dicken Zeigefinger.</p><p>Statt einer Antwort warf Bramante ihr die M�nze zu. Mit �berraschender Geschicklichkeit fing sie diese auf und biss hinein.</p><p>�Ihr sucht einen sch�nen Mann!�, erkl�rte sie, nachdem sie sich von der Echtheit der M�nze �berzeugt hatte.</p><p>�Sch�n? Das bin ich auch�, entgegnete Bramante ungeduldig.</p><p>�Ihr? Verzeiht, aber nur f�r viel Geld w�rd ich Euch sch�n nennen! Der, den ihr sucht, der war jung. Hatte kastanienbraune Haare. Sie gl�nzten. Seine Augen wie der Himmel im Herbst. Das Gesicht gebr�unt. Und sch�n wie ein Engel.�</p><p>Bramante zuckte zusammen. Er hatte das Gleiche gedacht, als er den M�rder verfolgte: ein Engel, ein Todesengel.</p><p>�Mehr nicht?�, fuhr er die Pl�nderin an.</p><p>Die Frau sch�ttelte den Kopf, schloss die Faust um die M�nze und sah ihn trotzig an, fest entschlossen, ihren Lohn nicht wieder herzugeben. Bramante f�hlte, wie sich die Entt�uschung seiner bem�chtigte. Die Frau hatte ihm nicht gerade viel erz�hlt, aber sie hatte den M�rder ja nur einen kurzen Augenblick lang gesehen. Au�erdem hatte sie durch Bramantes Einwirken ihren Mann verloren. Er warf ihr einen zweiten Scudo zu, wandte sich zum Gehen � und blieb wie angewurzelt stehen.</p><p>Gleich hinter der Haust�r lag ein Buch mit goldenen Beschl�gen. Als er ins Haus zur�ckgekommen war, hatte es sich zwischen T�r und Wand geschoben. Bramante hob das Buch auf und wischte mit dem �rmel seines Gewandes den Schmutz ab. Er kannte das Buch. Es war eine Ausgabe von Dantes �G�ttlicher Kom�die� mit Landinos Kommentar, von der er auch ein Exemplar besa�.</p><p>Dann stutzte er, denn dieses Buch f�hlte sich doppelt so dick an wie das seine. Er bl�tterte bis zum letzten Vers der Dichtung und fand seine Vermutung best�tigt. Ein zweites Werk war mit in den Ledereinband gebunden worden, genauso umfangreich wie Dantes Dichtung. Es handelte sich um eine Handschrift mit Symbolen, die er nicht zu deuten wusste und die er f�r Hebr�isch hielt. Zumindest hatte er diese Zeichen schon einmal bei Juden gesehen.</p><p>Unter einem goldenen Schriftzug war ein runder Tempel abgebildet, rechts und links umrahmt von Brandopferalt�ren. Auf weiteren Seiten folgten schematische Darstellungen mit Rauten, Kreisen, Verbindungslinien und unbekannten Schriftzeichen. Mit beiden H�nden konnte Bramante greifen, dass hier ein Geheimnis verborgen lag, aber leider w�rde es ihm nicht gelingen, es zu erkennen, denn er konnte die Zeichen nicht deuten. Dieser missliche Umstand war h�chst bedauerlich, da ihn diese Darstellungen geradezu magisch anzogen, ohne dass er den Grund daf�r zu nennen wusste. Dann aber stie� er auf ein Bild, das ihm auf andere Art naheging.</p><p>Die Erde war mit dem Himmel durch eine riesige Leiter verbunden, auf der die Menschen zu Jesus aufstiegen, der im Himmel wartete. So weit, so tr�stlich. Doch der Aufstieg erschien gef�hrlich, denn schwarze, gefl�gelte Teufel, die wie Schattenrisse wirkten, fesselten die Aufsteigenden und rissen sie brutal von der Leiter herunter. Obwohl die Gesichter der kleinen B�sewichter nicht zu erkennen waren, verriet ihre Haltung den Triumph dar�ber, die armen Seelen als Gefangene mit sich zu f�hren.</p><p>Was Bramante vor sich sah, war eine Darstellung der Jakobsleiter, die den Aufstieg des Menschen zu Gott erm�glichte. Jeder Tempelbau, so hatte ihm Pico vor Kurzem noch erkl�rt, war ein Aufstieg zu Gott, deshalb betrat der Baumeister, wenn er mit dem Werk begann, die Jakobsleiter. Und aus diesem Grund war sie auch ein Symbol und ein Geheimzeichen f�r die g�ttliche Baukunst. Wer nicht mit ganzem Herzen und vollem Einsatz baute und nicht bereit war, f�r die gro�en Projekte notfalls sein Leben in die Waagschale zu werfen, der sollte bei H�tten und Verschl�gen bleiben, der brauchte erst gar nicht zu versuchen, ein Architekt der Welt zu werden. Bauen war wie Krieg, man konnte siegen oder alles verlieren, sterben oder triumphieren. Und wie im Krieg und wie in der Liebe waren auch beim Bauen alle Mittel erlaubt. Es ging um sehr viel Geld, um gro�en Ruhm, um den Sieg �ber die gleichfalls zu allem entschlossenen Konkurrenten � und um die Ewigkeit.</p><p>Enthielt das Buch die Geheimnisse des Bauens? Des Lebens? Des ewigen Lebens gar? Bramante beschloss, einen Juden zu suchen, der ihm diese unbekannten Schriftzeichen �bersetzen w�rde. Vielleicht f�nde er in dem alten Kodex auch das inzwischen verlorene Wissen dar�ber, wie man das Wunder einer so gro�en freitragenden Kuppel, wie sie das Pantheon in Rom �berw�lbte, erschaffen konnte!</p><p>Es stand f�r ihn au�er Zweifel, dass Picos M�rder das Buch verloren hatte, als er sich aus seinem Klammergriff befreite, und dass es zuvor dem Grafen geh�rt hatte. Er ging hinaus zu seinem Pferd und verstaute den Band sorgf�ltig in den Satteltaschen. Dann sa� er auf und warf dem verloren und einsam wirkenden H�uschen des toten Freundes einen letzten Blick zu. Er hatte geschworen, den Schurken zu finden, der ihn ermordet hatte. Und diesen Eid w�rde er nicht brechen.</p><p>W�hrend er noch in einer Mischung aus Wut und Trauer durch die Stra�en von Florenz ritt, reifte in ihm ein weiterer Entschluss: Er w�rde nach Rom gehen, um Picos Verm�chtnis zu erf�llen und die Bauwerke der Antike auf der Suche nach dem g�ttlichen Architekturschl�ssel zu vermessen.</p><empty-line/></section><section><p>7</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>�Beeil dich, Michelangelo! Julius ist der ungeduldigste Mensch, den ich kenne! Und seine Ungeduld kennt nur eine Form, sich zu �u�ern: J�hzorn! Das Alter hat ihn nicht milder gemacht, nicht geduldiger. Im Gegenteil! Alles muss rasch gehen! Schnell! Schnell! Morgen kann es schon zu sp�t sein. Hol der Teufel die Ungeduld!�</p><p>Grob stie� Giuliano da Sangallo seinen Sch�tzling vor sich her aus der T�r. Dann st�rmte er vorneweg, w�hrend der hagere junge Mann widerwillig hinterhertrottete und sich fragte, ob der Papst diese Eile �berhaupt verdiente. Ein paar Schritte vor ihm war Sangallo stehen geblieben und wedelte ungeduldig mit der Hand.</p><p>�Wirst du endlich aufh�ren zu tr�deln, Michelangelo!�, fuhr er ihn an, das Karpfengesicht rot vor Wut. Der junge Bildhauer bef�rchtete schon, der Schlagfluss k�nnte den v�terlichen Freund treffen. Kein Zweifel, Sangallo sonnte sich in der Gunst des Papstes, aber er f�rchtete ihn auch.</p><p>�Nun gut�, brummelte Michelangelo vor sich hin und beschleunigte seine Schritte ein winziges bisschen, �dann tu ich es eben f�r dich, aus reiner Freundschaft.� Er fuhr sich mit dem Handr�cken �ber die plumpe Nase.</p><p>Seinem Florentiner Landsmann, dem Architekten Giuliano da Sangallo, hatte er zu verdanken, dass endlich das Augenmerk des Papstes auf ihn gefallen war, dessen war sich Michelangelo bewusst. Denn obwohl Julius II. ihn nach Rom gerufen hatte und sogar f�r die Reisekosten aufgekommen war, hatte er den hoffnungsvollen jungen Mann vor den Kopf gesto�en, indem er ihn inzwischen schon f�nf lange Wochen warten lie�. Michelangelo erwog bereits, in die Heimat zur�ckzukehren, als der Heilige Vater ihn endlich zu sich rief.</p><p>Der Bildhauer schwankte zwischen Aufregung und Zorn. Einerseits konnte diese Audienz den Anfang seiner Karriere in Rom bedeuten, andererseits hatte ihn der Papst Monate unwiederbringlicher Schaffenszeit beraubt. So jung Michelangelo an Jahren war, so glaubte er doch fest an sein Talent. Nachdem er dem Gl�ck und der Liebe abgeschworen hatte, um sich ganz seiner Berufung zu widmen, f�hlte er wenig Neigung, Respekt vor den hohen Herren dieser Welt zu empfinden, zumal er den einen oder anderen Erlauchten in seiner Heimat pers�nlich kennengelernt hatte. Dazu geh�rten Piero, der ehemalige Herr von Florenz, den alle inzwischen h�hnisch den Pechvogel nannten und der zu allem �berfluss unl�ngst auch noch in einem Rinnsal fern der Heimat ertrunken war, oder der Kardinal Giovanni de Medici, der inzwischen ebenfalls in Rom wohnte. Bei dem Gedanken, dass Giovanni eines Tages Papst werden k�nnte, verzog ein abf�lliges L�cheln Michelangelos Lippen. Er rechnete aber nicht ernsthaft damit � zum Papst fehlte es dem jungen Kardinal, dem alles in die Wiege gelegt worden war, entschieden an Durchsetzungsf�higkeit. In seinen Augen war Giovanni de Medici ein guter Junge mit ein paar voyeuristischen Leidenschaften, und darin ersch�pfte sich seiner Meinung nach die Pers�nlichkeit von Lorenzos zweitem Sohn.</p><p>Nein, der junge Bildhauer hatte keinen Grund, an seinem eigenen Adel zu zweifeln. Die Grafen von Canossa, auf die er seine Sippe zur�ckf�hrte, waren �lter als die Medici, die aus dem Apothekerstand hervorgegangen waren, und als die della Rovere ohnehin, eigentlich ligurische Bauern. Julius, der Papst, hatte als Kind noch Schafe geh�tet.</p><p>Wichtiger als der Adel der Abstammung war ihm der des K�nstlertums. Stand nicht seine Piet� im Petersdom? Ein Werk, das alles bis dahin Geschaffene in den Schatten stellte? Und schm�ckte nicht sein David vor dem Palazzo della Signoria den Hauptplatz der Republik Florenz? Am Vertrauen in sein K�nnen mangelte es ihm nicht. Er w�rde ein noch gr��erer K�nstlerf�rst werden als Leonardo da Vinci, der seine Zeit mit Lustknaben und metaphysischen Hirngespinsten vergeudete.</p><p>Nach zwei vergeblichen Anl�ufen, in Rom sesshaft zu werden, versuchte Michelangelo, befl�gelt vom Erfolg des David, es nun ein drittes Mal. Diesmal sollte es, diesmal musste es gelingen. Seit Giuliano della Rovere als Julius II. die Cathedra Petri bestiegen hatte, verstand es sich von selbst, in Rom zu arbeiten, wenn man in der Kunst etwas gelten wollte. Und hatte er etwa nicht das Zeug dazu, ein Messias der Kunst zu werden? Wer, wenn nicht er?</p><p>So trat Michelangelo in den Iden des M�rz zur Mittagsstunde auf die Terrasse des p�pstlichen Palastes. Der Fr�hling kam noch etwas k�hl daher, und ein kalter Wind aus Nordost fuhr Michelangelo und seinem Begleiter in die Kleider.</p><p>�Schau, da ist Kardinal Alidosi�, sagte Sangallo und wies auf einen kleinen Mann, der sich seit Michelangelos Ankunft in Rom im Hintergrund liebensw�rdig um ihn gek�mmert hatte. Er stand neben dem h�nenhaften Papst und sprach auf ihn ein. F�nf Kardin�le und drei Bisch�fe, die Michelangelo nicht kannte, umgaben die beiden, jederzeit bereit, in das Gespr�ch einzugreifen, so man sie denn gelassen h�tte. Allein, der Papst beachtete die H�flinge nicht.</p><p>Mit einem Mal hatte Michelangelo das Gef�hl, dass ihn jemand beobachtete. Er verfolgte den Blick durch die Gruppe der Kirchenf�rsten hindurch und entdeckte hinter ihnen einen M�nch im Habit der Predigerbr�der, etwa in seinem Alter, der ihn unverhohlen aus gro�en schwarzen Augen anstarrte und seinem Blick standhielt. Das Gesicht mit dem Oliventeint gefiel Michelangelo, die ausdrucksvollen Augen zogen ihn in ihren Bann. Was f�r ein h�bscher M�nch, dachte er. Nach einer Weile jedoch bereitete ihm der Blick des jungen Geistlichen, der ihn ununterbrochen ansah, Unbehagen, wobei er weder den tieferen Grund der Beklemmung noch deren Art zu bestimmen wusste. Verunsicherte ihn das Interesse des Dominikaners an seiner Person, oder irritierte ihn sein eigenes Interesse an dem Predigerbruder?</p><p>Der junge, starke K�rper des Fremden strahlte trotz des M�nchsgewandes, das er zu sprengen schien, obwohl es locker um seinen K�rper hing, eine un�bersehbare Sinnlichkeit aus. Es war die Aura seines Fleisches, die Spannung seiner Muskeln und Sehnen, die Michelangelo empfand. Auf unerkl�rliche Art f�hlte er sich zu dem Fremden hingezogen. Er hatte gro�e Lust, ihn zu malen oder zu skulptieren. Der Dominikaner wirkte durch und durch m�nnlich. Dennoch veredelte ihn ein femininer Zug, wenngleich Michelangelo nicht h�tte sagen k�nnen, worin das fast �therisch M�dchenhafte seiner Erscheinung lag. Ein Engel, dachte er. Aber so ernst, so k�hl � wie ein Todesengel.</p><p>Verwirrt floh sein Blick von der Terrasse aus den H�gel hinauf zum Palazzo Belvedere. Rechter Hand arbeitete eine Gruppe von Maurern an einem Geb�ude, das wie ein Korridor den Vatikanpalast mit dem Palazzetto verbinden sollte, damit der Papst nicht mehr �ber den Hof gehen und dabei die l�stigen Treppen �berwinden musste, sondern direkt von seinen Gem�chern auf gerader Ebene zum kleinen Palazzo hin�bergelangen konnte. Michelangelo wusste, dass der Auftrag Bramante zugeschlagen worden war, der alle wichtigen Bauvorhaben in Rom betreute. F�r Sangallo blieb nur �brig, was der gro�e Baumeister verschm�hte. Doch auch das gen�gte, um einen Mann reich zu machen, wenn man es richtig anstellte. Aber daran konnte bei seinem v�terlichen Freund, der alle Tricks und Kniffe des Bauens beherrschte, kein Zweifel bestehen. Michelangelo neigte sich zu ihm und erkundigte sich fl�sternd nach dem M�nch.</p><p>�Giacomo Kardinal Catalano, der Erzpriester von Sankt Peter. Ein wichtiger Mann�, erkl�rte Sangallo.</p><p>�Hat man so was schon gesehen? Ein Kardinal im schlichten M�nchshabit?� Michelangelo wollte es kaum glauben.</p><p>�Eine Marotte von ihm.�</p><p>�Wie jung er noch ist!�</p><p>�Pius III. hat ihn in seiner kurzen Amtszeit als Kardinal kreiert. Und Julius hat Gefallen an dem Mann gefunden, obwohl er der Anf�hrer der Zelanti ist. Vorsicht, Michelangelo, der Mann ist ein Fanatiker.�</p><p>�Der Fanatismus steht ihm gut�, sagte der Bildhauer mehr zu sich selbst und beobachtete im gleichen Augenblick, dass Alidosi dem Pontifex, dessen kr�ftiges wei�es Haar hell unter der roten Kappe hervorleuchtete, etwas zuraunte. Mit einer geschmeidigen Bewegung wandte sich der Stellvertreter Christi um und musterte Michelangelo mit einem absch�tzenden Blick, bevor er mit weiten Schritten auf ihn zukam, Alidosi im Gefolge. Die H�flinge, die sich verzweifelt bem�hten, mit dem Papst Schritt zu halten, boten in ihren fliegenden Gew�ndern einen ausgesprochen erheiternden Anblick.</p><p>Der Bildhauer wollte sich schon verneigen, doch Julius ergriff sogleich seine Hand. In seinen Bewegungen und Gesten wirkte der �ltere Mann erstaunlich jung. Michelangelo musste zu dem Papst aufblicken, der auch ihn �berragte.</p><p>�Willkommen, alter Freund�, sagte Julius, an Sangallo gewandt, bevor er seine Aufmerksamkeit auf den jungen K�nstler richtete. �Ah, Mess�r Michelangelo. Sch�n, dass du Uns endlich besuchst. Hast du schon eine Unterkunft in Rom gefunden?�</p><p><emphasis>Endlich</emphasis> und <emphasis>schon</emphasis> ist gut, dachte der Bildhauer �rgerlich, antwortete aber f�r seine Verh�ltnisse ausgesprochen zur�ckhaltend: �Ja, Heiliger Vater. Ich wohne hinter der Kirche Santa Caterina.�</p><p>�Ah, bei der Piazza Rusticucci. Ganz in Unserer N�he also.�</p><p>�Vom Passetto k�nntet Ihr direkt in meine bescheidene Werkstatt springen.�</p><p>�Und Uns beide Beine dabei brechen? Besten Dank, Herr Bildhauer. Aber vielleicht lassen Wir Uns eine kleine Fallbr�cke bauen, um dich leichter besuchen zu k�nnen.�</p><p>Michelangelo blickte zu Boden. Die Vorstellung, dass Seine Heiligkeit ohne Vorwarnung, geradezu wie vom Himmel gefallen, pl�tzlich in seiner Werkstatt stehen k�nnte, behagte ihm gar nicht. Aber er hatte seine Lektion gelernt und w�rde k�nftig seinen Humor im Zaum halten, denn dieser Papst war imstande, selbst das absurdeste Scherzwort mit Leben und Tat zu erf�llen, wenn es seine Stimmung traf und seine Vorstellung befl�gelte. Er fasste sich wieder bei dem Gedanken an seine Piet�, die nur wenige Schritte vom Papstpalast entfernt in der Petronillakapelle von Sankt Peter stand. Michelangelo wusste, dass Kardinal Alidosi dem Stellvertreter Christi diese Skulptur gezeigt hatte.</p><p>Als er wieder aufsah, hatte sich die Miene des Papstes ver�ndert. Lauernd sah er den jungen Bildhauer aus leicht zusammengekniffenen Augen an.</p><p>�Wie steht es mit Auftr�gen?�</p><p>�Ich habe mich f�r Euch freigehalten, Heiliger Vater.�</p><p>Auf dem energischen Gesicht von Julius II. erschien ein zufriedenes L�cheln. �Das wirst du nicht umsonst getan haben.� Er legte ihm als Ausdruck seines Wohlwollens die Hand auf die Schulter und fuhr fort: �Die Menschen, mein junger Freund, begreifen nur, was sie sehen. Deshalb m�ssen wir den Glauben und die siegreiche Kirche verbildlichen, alles, was uns wichtig ist, damit die Menschen es empfinden und durch das Empfinden auch verstehen k�nnen. Viele Menschen verm�gen nicht zu lesen, aber Bilder und Skulpturen kann jeder betrachten. Sie sprechen direkt zu den Herzen!�</p><p>Michelangelo schielte aus den Augenwinkeln zu dem M�nch hin�ber. Dieser beobachtete das Geschehen mit einem undurchdringlichen Blick, der keine R�ckschl�sse auf sein Denken oder Empfinden zulie�.</p><p>�Und deshalb, Mess�r Michelangelo, sollst du Uns ein Grabmal bauen!�, rief der Papst und breitete die Arme aus. �Aber rasch muss es gehen, wer wei�, wie lange Wir noch Zeit haben.�</p><p>�Ein Grabmal?�, brachte Michelangelo �berrascht hervor. �Ihr seid bei Kr�ften wie kein Zweiter. Ihr werdet uns alle hier �berleben!�</p><p>�Mag sein oder auch nicht. Wir k�nnen der Vorsehung nicht ins Gewerk schauen! Aber wenn Wir dich, Michelangelo, �berleben sollten, werden Wir kein Grabmal mehr aus deiner Hand erhalten. Und wenn auch Wir eines Tages tot sind, wird irgendein Pfuscher ein grauenvolles Mausoleum oder einen schrecklich geschmacklosen Sarkophag zurechtschustern. Nein, so oder so w�re der Tod, sei es der Unsere oder deiner, ein schlechtes Gesch�ft f�r Uns. Es bleibt dabei, zu Lebzeiten wollen Wir Unsere letzte Ruhest�tte von dir erbaut sehen. Und zwar schnell.�</p><p>�Sehr klug, im Leben noch zu schauen, wo es endet�, warf einer der Bisch�fe eifrig ein und nickte zur Best�tigung seiner unglaublichen Erkenntnis wie ein Specht mit dem Kopf.</p><p>�In jedem Falle endet es im Himmel. Oder zweifelst du daran?�, fragte Julius II., der Schmeicheleien verabscheute � zumindest die, die er durchschaute, weil sie seine Intelligenz beleidigten.</p><p>�Nein, nein, nat�rlich nicht, Euer Heiligkeit! Ihr werdet bei Euren Br�dern im Amte zur Rechten Gottes Platz nehmen�, suchte der Bischoff, der rote Flecken im Gesicht bekommen hatte, den Papst zu beschwichtigen.</p><p>�Ich soll also neben diesem Borgia sitzen, neben diesem Vieh voller Inzest und S�nde?� Julius� Gesicht war vor Zorn rot angelaufen, die Wangen wechselten bereits gef�hrlich in einen violetten Farbton. Kardinal Alidosi, dem der ungeschickte Bischof, der die Augen gen Himmel richtete und verzweifelt �ber die richtige Antwort nachgr�belte, augenscheinlich leidtat, wollte eben mit �ber der Brust gekreuzten H�nden in die Diskussion eingreifen, als Michelangelo ihm zuvorkam.</p><p>�Aber nie und nimmer, Eure Heiligkeit. Alexander VI. wird ebenso in der H�lle schmoren wie Bonifaz VIII. So steht es zumindest bei Dante. Nein Ihr, Ihr werdet nat�rlich neben Eurem teuren Onkel Platz nehmen.�</p><p>Jeder in Rom wusste, dass Julius II. seinen Onkel, der als Papst den Namen Sixtus IV. gef�hrt, die nach ihm benannte Sixtinische Kapelle errichtet und den kaum achtundzwanzigj�hrigen Hungerleider Giuliano della Rovere zum Kardinal gemacht hatte, zutiefst verehrte. Die Gesichtsz�ge des Papstes entspannten sich merklich.</p><p>�Gut, dass du auf Unseren Onkel zu sprechen kommst. Unser Grabmal soll sich n�mlich auf das Seine beziehen, aber nicht, indem es jenes nachahmt, sondern, indem es dieses Monument weiterf�hrt, eine neue, bisher unerreichte Qualit�t erreicht, so wie Unser Pontifikat bei ihm beginnt. Es soll das Gef�hl wecken, von Sixtus sei Gro�es ausgegangen, das Wir verwirklicht haben.�</p><p>�Und das zum Ruhme der Christenheit und der Familie della Rovere himmelw�rts strebt�, f�gte Michelangelo hinzu.</p><p>�Willst du Uns schmeicheln, junger Mann?�, fragte Julius scharf.</p><p>�Nein, denn Menschen zu schmeicheln bedeutet, Gott zu l�stern. Verzeiht, wenn es so klang, aber ich habe nur die k�nstlerische Grundidee Eures Grabmals formuliert, Heiliger Vater.�</p><p>Michelangelo hielt dem pr�fenden Blick des Pontifex stand. Nach einer Weile entspannten sich dessen Z�ge, und sein Gesicht nahm wieder eine gesunde Farbe an.</p><p>�Besser h�tten Wir es nicht sagen k�nnen. Beeil dich, junger Freund. Wir warten darauf, dass du Uns einen Entwurf unterbreitest.�</p><p>Michelangelo verneigte sich zum Abschied. Wie es der Brauch war, hielt ihm der Papst die Hand mit dem Fischerring hin, auf die er einen Kuss dr�ckte. Bevor der junge Bildhauer davoneilen konnte, meldete sich Sangallo zu Wort.</p><p>�Hat Eure Heiligkeit eine Vorstellung von der Gr��e des Grabmals, von der Bauart oder den Motiven f�r die Skulpturen?�</p><p>Beide, der Papst und der K�nstler, schauten den Architekten verwundert an.</p><p>�Nun, was denkst du, Michelangelo�, fragte Julius, �ben�tigst du noch n�here Instruktionen von Uns?�</p><p>�Nein�, erwiderte der Bildhauer mit fester Stimme, �ich kann gar nicht fehlgehen, weil das Grabmal Eurer wahren Gr��e, mein Heiliger Vater, entsprechen wird!�</p><p>Stunden sp�ter, die Nacht war schon hereingebrochen, sa� Michelangelo immer noch im Kerzenschein in der l�nglichen Stube an seinem gro�en Holztisch und skizzierte. Er zweifelte nicht daran, dass es ihm mit Bravour gelingen w�rde, sein Versprechen gegen�ber dem Papst einzul�sen, doch er k�mpfte mit dem Gegenstand. Es wollte nicht einfach werden. Ein Mausoleum in der Form eines Rundbaus nach dem anderen entstand unter seinem Bleigriffel, aber alle wirkten sie nur wie traurige Kopien von Bramantes Tempietto. Es wollte sich noch nicht recht f�gen. Die Formen entsprangen Formen, fremden Formen und nicht Inhalten. Irgendetwas passte nicht! Michelangelo konnte die Unstimmigkeit mit H�nden greifen, er wusste nur noch nicht, wo der Fehler lag.</p><p>Er lehnte sich zur�ck und streckte die verspannten Glieder. Seinen Entw�rfen fehlte das Leben, seine Vorstellungen blieben merkw�rdig allgemein, blutleer und abstrakt. Seit Jahren hatte er die Erinnerung an die Vergangenheit verdr�ngt, an seine Liebe, an seine Freunde. Nur langsam drang ihm die Erkenntnis ins Bewusstsein, dass die schmerzlichen Gef�hle ein Teil seines Schaffens waren, der Tribut, den er der Kunst zu entrichten hatte. Ohne Qual gab es kein k�nstlerisches Denken und Entwerfen, jedes Werk musste Gott unter Schmerzen und Verzicht abgerungen werden �</p><empty-line/></section><section><p>8</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1491</p><p>Begonnen hatte alles mit einem alten Faun im Garten Lorenzos des Pr�chtigen. Der heimliche Herrscher von Florenz stellte dort antike Figuren aus und lie� den alten Bildhauer Bertoldo begabte junge Burschen zu Bildhauern ausbilden. Auch der f�nfzehnj�hrige Michelangelo besuchte t�glich die Ausbildungsst�tte, und Lorenzo de Medici zahlte ihm sogar ein kleines Gehalt daf�r. F�r den Knaben war es das Vestib�l des Paradieses.</p><p>Als Michelangelo an diesem Morgen in den Garten trat, stand der �lteste Lehrling, Pietro Torrigiani, ein sch�ner, wenngleich bereits etwas verdorben wirkender junger Mann, vor einem St�ck Marmor. Die Werkzeuge � Hammer, Mei�el, die verschiedenen Eisen � lagen s�uberlich aufgereiht rechts neben dem Stein. Michelangelo trat hinzu und beobachtete, wie Pietro mit dem Polierzahn die Rundungen der Nase an seiner Plastik nacharbeitete. Nach dem Modell zu schlie�en, das vor ihm stand, m�hte sich Pietro redlich, den Kopf eines Saturns zu schaffen.</p><p>Michelangelo musterte das m��ig gelungene Modell des �lteren und bedachte dessen noch d�rftigere Ausf�hrung in Marmor mit einem sp�ttischen L�cheln. Dann sah er zu seinem eigenen Marmorblock und verharrte einen Moment in stiller Konzentration, als lausche er einem unendlichen d�nnen Stimmchen. Pl�tzlich blitzten seine Augen auf. Beherzt griff er zu Hammer und Spitzmei�el und begann, derart ungest�m auf den Stein einzuschlagen, dass die Splitter nur so absprangen und einige wohl auch Pietros Hand streiften. Dieser lie� von seiner Arbeit ab und beobachtete einen Moment lang den wild mei�elnden Jungen.</p><p>�Ach, Giolo, ohne Modell wird das nie was! Wie schade um den guten Marmor, dass er einem Anf�nger wie dir in die H�nde f�llt�, rief er.</p><p>�Warten wir�s ab, um wessen Marmor es am Ende schade gewesen sein wird�, knurrte Michelangelo zur�ck, ohne in seiner Arbeit innezuhalten.</p><p>Pietro Torrigiani stutzte kurz wegen der Respektlosigkeit des Neulings, der erst seit wenigen Tagen in der Ausbildung war, und lachte ihn dann aus vollem Halse aus.</p><p>�Kommt alle her�, rief er den anderen zu, nachdem er sich wieder beruhigt hatte. Die �brigen Bildhauersch�ler unterbrachen ihre Arbeit und scharten sich neugierig um die beiden Konkurrenten. Durch das Gel�chter und die Rufe aufmerksam geworden, kam auch der alte Bertoldo �chzend herangestapft, um den Anlass f�r den kleinen Auflauf, der sich gebildet hatte, zu erfahren.</p><p>�Dieser Hosenschei�er�, verk�ndete der sch�ne Pietro, �hat es gewagt, mich herauszufordern. Bilden wir ein Gericht: Du, Francesco, du, Jacopo, du, Andrea, und du, Giovan, findet euch dazu bereit! Und Ihr, ehrw�rdiger Bertoldo, �bernehmt bitte den Vorsitz. Wer in vier Tagen zur gleichen Stunde mit seiner Figur nicht fertig geworden ist oder das unvollkommenere Werk geschaffen hat, soll sich in die Mitte des Gartens stellen, sich aufplustern und eine volle halbe Stunde laut wie ein Hahn kr�hen, zur Strafe f�r seine �berheblichkeit.�</p><p>Die vier Tage vergingen wie ein Wimpernschlag. Pietro postierte sich vor dem Kopf seines Saturns, strahlend im Vollgef�hl des Sieges und unb�ndig stolz auf seine Arbeit. Michelangelo arbeitete noch, als Bertoldo ihm freundlich die Hand auf den Arm legte.</p><p>�Die Zeit ist um, mein Sohn.�</p><p>Michelangelo lie� den Bimsstein sinken und trat zur�ck. Wie ein Orkan brannte das Gel�chter aus vielen Kehlen durch den Garten. Keinem der Bildhauersch�ler � und auch Bertoldo nicht � gelang es, sich zu beherrschen. Was sie sahen, war auch zu komisch: Der Kopf eines alten Fauns spottete mit ge�ffnetem Mund �ber seinen Vater, �ber den von Pietro gemei�elten Saturn. Aber noch etwas anderes, wunderbar frech und perfekt, kam hinzu.</p><p>�Das bist ja du, Pietro! Der alte, garstige Faun bist du!�, rief einer der Bildhauersch�ler und brach erneut in br�llendes Gel�chter aus. Die Blicke der anderen wanderten �berrascht von Pietro zum Faun und wieder zur�ck. Tats�chlich hatte Michelangelo in dem zerzausten Faun ein Portr�t von Pietro als altem Mann geschaffen.</p><p>�Ein zweiter Donatello�, murmelte Bertoldo und sch�ttelte mit einem versonnenen L�cheln den Kopf.</p><p>�Kr�hen! Kr�hen! Kr�hen!�, riefen die Lehrlinge, hielten sich die B�uche vor Lachen und zeigten auf Pietro.</p><p>Dieser war so w�tend, dass es ihm kaum M�he machte, eine solche Menge Luft zu holen, dass er einen roten Kopf bekam und zu platzen drohte. Sein zorniges Kr�hen musste weithin zu h�ren sein.</p><p>In diesem Moment betrat Lorenzo de Medici in Begleitung seiner Kinder den Garten. Voller Ehrfurcht starrte Michelangelo ihn an. Er sah ihn zum ersten Mal und fand ihn eindrucksvoll � er war h�sslich und faszinierend zugleich. Der M�zen trug ein Gewand aus Goldbrokat. Seine Z�ge waren wie gemei�elt, und die Nasenspitze ragte umso kr�ftiger aus dem Gesicht, weil die Natur aus einer boshaften Laune heraus den Nasenr�cken so sehr eingedr�ckt hatte, dass Lorenzo, wie allgemein bekannt war, �ber keinen Geruchssinn verf�gte. Widerspenstige schwarze Haare fielen ihm in die niedrige Stirn, und seine schmalen Augen verschwanden fast unter den dichten Brauen. Augen, dachte Michelangelo, in denen Neugier und Wachsamkeit standen. Alles in diesem Gesicht strebte auf den m�chtigen Mund mit dem kraftvollen Kinn darunter zu. Das plumpe Antlitz stand im Widerspruch zu der hohen Intelligenz und k�nstlerischen Sensibilit�t von Lorenzos Wesen.</p><p>Vergn�gt mit seinen Kindern plaudernd, schritt Il Magnifico �ber den Mittelweg auf den Garten der Bildhauer zu.</p><p>�Der Gr��ere ist Piero, und der in dem geistlichen Gewand ist Giovanni�, fl�sterte einer der Bildhauersch�ler und wies auf einen blonden, stupsnasigen J�ngling in Michelangelos Alter. Neben diesem ging ein M�dchen in einem meerblauen Kleid mit roten, geschlitzten �rmeln. Ein allerliebster Knabe mit gro�en dunkelbraunen Augen und ebensolchen Locken sprang fr�hlich um Vater und Geschwister herum.</p><p>Pietro Torrigiani stand mit dem R�cken zum Eingang und bemerkte deshalb, anders als die anderen, die Besucher nicht gleich. So tapfer wie zornig kr�hte er weiter seinen Hahnenschrei heraus. Lorenzo und die Kinder blieben stehen und blickten verwundert auf den jungen Mann, der sich zum Narren machte. Bertoldo winkte ihnen mit einem verschw�rerischen L�cheln zu.</p><p>Michelangelo wusste, dass der Papst Giovanni de Medici bereits zum Kardinal erhoben hatte. Piero, den �lteren der S�hne, mit seinem sch�n geschnittenen Gesicht und den gl�nzenden braunen Haaren hatte er ebenso schon einmal gesehen wie Giuliano, den j�ngsten. Nur das M�dchen kannte er nicht.</p><p>Mit einem freundlichen Gru� trat Lorenzo auf Bertoldo und die jungen Bildhauersch�ler zu. Inzwischen war auch Pietro Torrigiani der hohe Besuch nicht verborgen geblieben. Er erbleichte und verstummte sogleich.</p><p>Wer Lorenzo nicht kannte, der h�tte wohl erwartet, dass die Stimme eines L�wen aus seinem gewaltigen Mund erscholl. Indessen verf�gte das Haupt der Medici nur �ber ein heiseres Stimmchen. Immer sprach er eine Spur zu leise.</p><p>�Ich bitte Euch, Mess�r Bertoldo�, wisperte Lorenzo, �verratet mir und meinen Kindern, ob Ihr hier Bildhauer oder H�hne ausbildet?�</p><p>�Bildhauer, Herr, aber der da hat es sich mit seiner Prahlerei selbst eingebrockt�, gab Bertoldo schmunzelnd zur�ck und erkl�rte, wie es zu Pietros Auftritt gekommen war. Lorenzo wandte sich zu dem Ungl�cklichen um.</p><p>�Warum f�hrst du nicht fort, Junge, wenn das Kr�hen deine Strafe ist?�</p><p>Erneut wechselte Pietros Gesichtsfarbe, diesmal ins Tiefrote, als er wieder zu kr�hen begann.</p><p>�Fehlt nur noch der Mist unter seinen F��en�, rief Lorenzos Tochter.</p><p>�Deinen Spott hat er nicht verdient. Der ist nicht Teil der Strafe!�, wies ihr Vater sie zurecht. Besch�mt schlug das M�dchen die Augen nieder, sodass Michelangelo sie ungest�rt betrachten konnte. Sie war einen halben Kopf kleiner als er, wohl auch etwas j�nger, dreizehn oder vierzehn Jahre alt. Pl�tzlich sah sie wieder auf, und in ihren dunklen Augen blitzte der �bermut. Sie lachte ihm zu, vielleicht lachte sie ihn aber auch aus, er wurde nicht schlau aus ihr. Ihre sch�ne, elegante Gestalt, die strahlenden Augen, die reizenden vollen Lippen verunsicherten ihn.</p><p>Trotz ihrer Jugend war sich Lorenzos Tochter ihrer Wirkung vollkommen bewusst. Es bereitete ihr offenbar Vergn�gen, den jungen Bildhauer zu verwirren. Michelangelo r�usperte sich, als wollte er etwas sagen. Er wusste jedoch nicht, was. Also r�usperte er sich noch einmal, was ihm nur neue sp�ttische Blicke von ihr eintrug.</p><p>Lorenzo der Pr�chtige hatte inzwischen den lachenden Faun n�her in Augenschein genommen. Wie aus weiter Ferne drang seine ged�mpfte Stimme an das Ohr des Bildhauerlehrlings.</p><p>�Komm einmal her, Michelangelo.�</p><p>Der Junge sp�rte eine harte Hand in seinem Nacken, die ihn nach vorn stie�.</p><p>�H�rst du nicht, was der ehrenwerte Lorenzo sagt?�, fauchte Bertoldo ihn an.</p><p>Eilig stolperte Michelangelo zu seinem Werk. Dann blickte er abwechselnd auf den Faun und auf dessen Betrachter.</p><p>�Du solltest wissen, dass die Alten niemals alle Z�hne haben � immer fehlt der eine oder andere�, sagte Lorenzo und legte den Kopf auf die Seite.</p><p>Die Kritik brachte Michelangelo zum Err�ten. Wie stolz war er eben noch auf seinen Sieg und auf den Faunskopf gewesen! Ein Faun, der den Mund ge�ffnet hatte, der seine Z�hne zeigte, der lachte � das hatte es bisher in der Kunst noch nicht gegeben, nicht einmal bei den alten Meistern. Doch der Stolz auf den Einfall hatte ihn nachl�ssig werden lassen. Lorenzo hatte recht, schalt er sich zornig. Er war eitel, hochm�tig, selbstzufrieden gewesen und hatte gepfuscht! Besch�mt schlug er die Augen nieder.</p><p>�Eure Kritik, Herr, trifft zu�, sagte er tapfer. �Nun ist es wahrlich an mir, zu kr�hen, weil ich vorher gegockelt habe.�</p><p>Lorenzos Miene blieb unbewegt, als er sich an Bertoldo wandte.</p><p>�Deine Sch�ler sollten sich besser wieder in der Bildhauerei �ben. Ausgezeichnete H�hne werden sie schon von allein. Dazu hat sie ja bereits die Natur bestimmt.�</p><p>Lorenzo und seine S�hne wandten sich zum Gehen. Ehe sie sich ihnen anschloss, schenkte die Medici-Tochter Michelangelo noch ein freundliches L�cheln.</p><p>�Dein Faun hat meinem Vater gefallen!�, raunte sie ihm zu.</p><p>�Er kann nicht gut sein!�, murmelte er, ohne sie anzusehen, griff nach einem Steinbohrer und machte sich �ber die Z�hne des Faunskopfes her. Das M�dchen zuckte mit den Achseln und lief ein bisschen ungest�mer, als es sich f�r eine Medici geh�rte, dem Vater und den Br�dern nach.</p><p>Die Medici hatten den Garten kaum verlassen, als Bertoldo zu Michelangelo trat und ihn wissen lie�, dass er am n�chsten Abend bei Lorenzo dem Pr�chtigen zum Nachtmahl zu erscheinen habe.</p><empty-line/></section><section><p>9</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1491</p><p>Tapfer und stolz trug Michelangelo seinen Faunskopf unter dem Arm, als er am Abend vom Haus seines Vaters in Richtung des Domes aufbrach, um von dort aus zur Via Larga zu gelangen, in der sich der m�chtige Palazzo di Medici befand. Wenn er Lorenzo schon seine Aufwartung machen sollte, dann wollte er nicht ohne die beanstandete und �berarbeitete Skulptur erscheinen. Nichts schien ihm wichtiger, als seinem M�zen zu beweisen, dass er seinen Einwand verstanden und beherzigt hatte.</p><p>Wenig sp�ter stand der jungen Bildhauer vor dem Palazzo Lorenzos des Pr�chtigen. Rechts und links der Pforte loderten zwei gro�e Fackeln, die in eisernen Sch�ften steckten und goldgl�hende Funken in die Luft warfen.</p><p>Michelangelo holte tief Luft und umfasste seinen Faunskopf fester. Dann trat er entschlossen durch die pr�chtige Eingangspforte und stieg die Treppe zum <emphasis>piano nobile</emphasis> hinauf. Neben der <emphasis>sal� grande</emphasis> befand sich ein kleinerer Seitensaal, in dem der Hausherr mit seiner Familie und den G�sten seiner Tafel zu speisen pflegte.</p><p>Der Blick des jungen Bildhauers glitt �ber nahezu zwanzig Personen, die auf reich verzierten Ebenholzst�hlen mit roten Polstern an einem langen Tisch aus dunklem Mahagoniholz sa�en. Die Pracht der Gew�nder der Anwesenden �bertraf alles, was Michelangelo je gesehen hatte: Seine Augen schwelgten in dem Farbenspiel der auserlesenen Stoffe, die mit Pelzen, Spitzen und B�ndern geschm�ckt waren. Wohin er auch schaute, blinkten Geschmeide aus Gold und Edelsteinen. Sein Herz sank. In seinem Sonntagsstaat, einer schwarzen Hose und einem einfachen wei�en Hemd, �ber dem er ein rotes Wams trug, kam er sich armselig vor. Von dem Erl�s eines dieser pr�chtigen Gew�nder, dachte er trotzig, h�tte ein armer Mann sein ganzes Leben bestreiten und zudem seinen Nachkommen ein h�bsches Erbe hinterlassen k�nnen.</p><p>Doch die Augen des K�nstlers in ihm konnten sich nicht sattsehen. Die Frauen trugen geschlitzte Kleider aus kostbarem Brokat, unter dem an �rmeln und Seiten heller Damast durchschimmerte. Michelangelo sah blitzende Diademe und funkelnde Netze, die das Haar der Damen schm�ckten, pr�chtige Ringe, Armb�nder und Halsketten. Das Geschmeide legte nicht nur Zeugnis ab von der au�ergew�hnlichen Kunstfertigkeit der Florentiner Goldschmiede, sondern auch vom Reichtum der ersten Familien der Stadt.</p><p>Am Kopfende der �ppig gedeckten Tafel sa� Lorenzo de Medici. Als er den jungen Bildhauer sah, erhob er sich mit einem freundlichen L�cheln. Die Gespr�che verstummten, und alle Blicke folgten neugierig oder am�siert dem Hausherrn, der eigens aufgestanden war, um einen �rmlich gekleideten Burschen zu begr��en.</p><p>�Ah, der Sohn des ehrenwerten Lodovico gibt uns die Ehre. Komm und mach uns die Freude, dass du ab heute ein st�ndiger Gast an unserer Tafel sein wirst�, sagte Lorenzo.</p><p>Michelangelo stockte der Atem. Er glaubte, sich verh�rt zu haben, und hoffte, nicht antworten zu m�ssen, da ihm ein Klo� im Halse sa�.</p><p>�Du hast den Faunskopf mitgebracht? Aus welchem Grund? Na, lass sehen.�</p><p>Lorenzo nahm die Plastik in beide H�nde. Zwei M�nner, die in seiner N�he sa�en und auffallend schlichter gekleidet waren als die �brige Gesellschaft, schoben so beh�nde wie behutsam auf der Tafel Kristall und Goldgeschirr beiseite. Lorenzo setzte den Faun auf dem Tisch ab und studierte ihn mit schr�g geneigtem Kopf.</p><p>Michelangelo stand da wie erstarrt. Im Schein der Kerzen und �llampen erstrahlte der Saal in allen Farben der Welt.</p><p>Mit unbewegter Miene wandte sich Lorenzo an einen Mann, dessen Kleidung den Gelehrten verriet. �Was meint Ihr zu dem Faun, Agnolo?�</p><p>�So habe ich ihn mir zwar niemals vorgestellt, aber die Skulptur trifft alles, was ich �ber ihn wei߫, erwiderte der Angesprochene, ein Mann mit einer Hakennase und bis auf die Schulter reichenden Haaren, die sich �ber den abstehenden Ohren teilten. Es war der ber�hmteste Dichter der Stadt, Angelo Poliziano, der Lorenzos S�hne unterrichtete.</p><p>�Ein alter Faun, so wie auch wir bald alt sein werden, Agnolo, erst alt, dann Erde�, seufzte Lorenzo. Doch bevor er weiter Schwerm�tiges �u�ern konnte, hatte sich seine Tochter erhoben und war zu ihm getreten. Sie warf einen Blick auf den Faun, dann wandte sie sich an Michelangelo.</p><p>�Was soll das sein? Ein Aush�ngeschild f�r Barbiere und Z�hnebrecher? Oder willst du lieber Bader statt Bildhauer werden?�, spottete sie, w�hrend ihre blauen Augen schelmisch lachten, Augen, die sie nicht von ihrem Vater, sondern von ihrer Mutter, Clarice Orsini, geerbt hatte. Oh, sie war zu gleichen Teilen Florentinerin und R�merin, welch gef�hrliche Mischung!</p><p>�Contessina, die Skulptur entspricht der Natur�, belehrte sie ihr Vater freundlich.</p><p>Contessina hei�t sie also, dachte Michelangelo.</p><p>�Das mag schon sein, Vater, aber wenn die Natur nicht sch�n ist, will ich sie auch nicht sehen. Mir gefallen die mutwilligen Faune allemal besser als dieser alte, sch�bige Kerl mit seinem traurigen L�cheln und l�ckenhaften Gebiss.�</p><p>Michelangelo kochte vor Wut. �Mit Verlaub, ist es nicht die Aufgabe der Kunst, die Natur nachzuahmen, ihr in allem �hnlich zu werden?�, fuhr er sie ungewollt heftig an. Sie sollte lieber schweigen, als Urteile zu f�llen, die nur gelehrten M�nnern zustanden. Und �berhaupt, was wusste ein M�dchen schon von der Kunst?</p><p>Contessina schienen seine heftigen Worte nicht im Mindesten zu beeindrucken. Ihre Miene konnte die Lust an dem Gepl�nkel kaum verhehlen.</p><p>�H�te dich vor der scharfen Zunge meiner Schwester, Michelangelo�, rief ihm Giovanni de Medici vom anderen Ende der Tafel zu.</p><p>Die Warnung kam zu sp�t, denn Contessina setzte bereits zur Antwort an.</p><p>�Keineswegs, verehrter Z�hnebrecher. Die Kunst soll Sch�nheit schaffen. Und sch�n ist sicherlich nur, was nat�rlich ist. Anderseits ist nicht alles Nat�rliche sch�n. Deshalb m�sst Ihr auf die Wahl Eures Gegenstandes besondere Sorgfalt legen. Verschwendet nicht Euer junges Talent an alte Faune. Das wiederum w�re unnat�rlich!�</p><p>Michelangelo verschlug es die Sprache. Und Contessina lachte �ber das ganze Gesicht. Nat�rlich, weil sie �ber ihn triumphiert hatte. Aber wenn der Sieg ein so himmlisches L�cheln hervorbrachte, dachte Michelangelo, einen so seraphischen Spott, dann w�nschte er, k�nftig nur noch zu unterliegen und verh�hnt zu werden.</p><p>Lorenzo schmunzelte vergn�gt. Offensichtlich liebte er es, wenn sich seine Kinder in den geistigen Wettstreit, den eigentlichen Zweck der Tafelrunde, einmischten und dabei zwischen all den erfahrenen M�nnern, klugen Frauen, Dichtern und Gelehrten eine gute Figur abgaben.</p><p>�Was denkt Ihr �ber den Streit der jungen Leute?�, wandte sich Lorenzo an den Dichter Poliziano.</p><p>�Sie haben beide recht und auch wieder nicht. Kunst muss einerseits der Sch�nheit huldigen und darf anderseits der Natur nicht widersprechen.�</p><p>�Ihr zieht Euch mit einem Paradoxon aus der Aff�re�, rief ein Mann quer �ber die Tafel hinweg. Er war fast so schlicht gekleidet wie Michelangelo, aber um einiges �lter und hatte ein g�tiges Gesicht.</p><p>�Das ist Christoforo Landino, vielleicht der Kl�gste hier unter uns!�, fl�sterte Piero.</p><p>Alles an Landino strahlte einen geistigen Adel aus, das fein geschnittene Antlitz, der schmale, zerbrechlich wirkende Kopf, die Haare aus grauwei�em Samt. Michelangelo ertappte sich dabei, dass er unwillk�rlich den Atem anhielt, um auch ja nichts von der Entgegnung des Dichters zu vers�umen. Er sp�rte, dass es bei diesem Disput um ihn ging.</p><p>�Ganz und gar nicht, verehrter Cristoforo, denn Kunst soll die Natur �bertreffen, ja soll sogar eine zweite, eine neue Natur schaffen � <emphasis>natura naturans</emphasis> �, die Natur des Himmels � <emphasis>natura coelestis</emphasis> �, und nicht die der Erde�, verk�ndete Poliziano mit vortragsgewohnter Stimme.</p><p>�Und das, was uns dazu bef�higt, ist die Sch�nheit?�, warf Michelangelo ungefragt ein, obwohl er weder mit der <emphasis>natura coelestis</emphasis> noch mit der <emphasis>natura naturans</emphasis> etwas anfangen konnte.</p><p>Poliziano blickte ihn nachsichtig l�chelnd an. �Ja, mein Junge, aber vergiss nicht die irdische Natur, <emphasis>natura terrena</emphasis>.�</p><p>Pl�tzlich verstand Michelangelo. Es sprudelte nur so aus ihm heraus. �Erst wenn wir die vollkommene Nachahmung der Natur beherrschen, sind wir frei daf�r, die Sch�nheit zu erschaffen, deren Erkenntnis uns �ber die Natur hinaus zur Kunst erhebt. Etwa so, Mess�r?�</p><p>�Denn alle Kunst ist nur die Erinnerung an die g�ttliche Harmonie. Aber nichts f�hrt zu ihr au�er dem Studium der Natur. <emphasis>Per aspera ad astra �</emphasis> durch das Raue zu den Sternen!� Der Dichter blinzelte zufrieden, w�hrend ihm Lorenzo anerkennend auf die Schulter schlug.</p><p>�Der vollkommene Lehrer. Ich glaube, Agnolo, du hast unserm kleinen Bildhauer die Augen ge�ffnet.�</p><p>Doch Contessina gab sich immer noch nicht geschlagen.</p><p>�Wenn Ihr, Mess�r Z�hnebrecher, das Studium der Natur bew�ltigt habt, sagt mir Bescheid, dann k�nnen wir uns um die Sch�nheit k�mmern�, sagte sie und schaute Michelangelo dabei in die Augen.</p><p>�Musik!�, rief Lorenzo. �Wir wollen weitertafeln. Und du, junger Buonarroti, setzt dich zwischen meine S�hne Piero und Giovanni, da ist noch ein Platz frei.�</p><p>Michelangelo wollte der Aufforderung schon nachkommen, als Lorenzo ihn zur�ckhielt. �H�te dich vor Piero, wenn er dir Schweinereien ins Ohr fl�stert�, sagte er leise. �Und was du h�rst, gib nicht an Giovanni weiter, er ist n�mlich Kardinal.� Dann lie� er ihn gehen.</p><p>Zwei Musiker begannen ihre Laute zu schlagen, w�hrend ein Fl�tist und zwei Posaunisten in ihre Instrumente bliesen, dass man sich �ngstigen konnte, die M�nner w�rden vor Eifer jeden Augenblick zerplatzen. Endlich entkam Michelangelo der Aufmerksamkeit der Gesellschaft und verf�gte sich an den ihm zugewiesenen Platz.</p><p>Die Pavane mit ihren kr�ftigen Akkorden trug Frohsinn in die Herzen der Anwesenden. Michelangelo schaute zu Contessina, die am anderen Ende der Tafel zwischen ihren Eltern sa�. Nach der kurzen Tanzmelodie zupfte ein Lautist ein Madrigal, zu dem er innig Verse sang, die von Angelo Poliziano stammten:</p><p>�Die Nymphe, der mein Herz entgegeneilte,</p><p>erschien mir dort im reinsten Glanze,</p><p>so wunderhold beim Tanze �</p><p>mir war�s, als wenn ich</p><p>schon im Paradiese weilte ��</p><p>Michelangelo hatte sich kaum zwischen den beiden S�hnen Lorenzos niedergelassen, da stupste ihn Giovanni an.</p><p>�Kannst du auch zeichnen?�, fragte er fl�sternd.</p><p>Michelangelo nickte.</p><p>�Richtig? Ich meine, nach der Natur?�</p><p>�Was immer Ihr wollt, Eminenz.�</p><p>�Gut, gut, sehr gut, ich liebe n�mlich Bildchen. Und lass das �Eminenz� k�nftig weg! Das ist nur f�rs Volk, ach ja, und f�r die T�lpel in Rom!�</p><p>Piero, der das leise Gespr�ch belauscht hatte, brach in lautes Gel�chter aus.</p><p>�Vor allem liebt mein heiliger Bruder die Abbildungen, die nach der �ppigen Natur gemalt sind. L�stere also nicht Gott, indem du ein Detail, das der Allerh�chste mit Liebe an den Frauen geschaffen hat, vernachl�ssigst, einfach wegl�sst oder sogar verkleinerst. Es soll alles in seiner wahren Gr��e oder vielleicht sogar noch etwas gr��er zu sehen sein�, brachte er, von Lachen gesch�ttelt, hervor.</p><p>Michelangelo warf dem �ltesten Medici-Sohn einen fassungslosen Blick zu. Bestimmt hatte er ihn falsch verstanden. Piero st�hnte �ber so viel Naivit�t.</p><p>�Verstehst du? Meinem Bruder, dem Kardinal, reicht die Jungfrau in der Kirche, au�erhalb der heiligen Mauer ist Jungfr�ulichkeit nur hinderlich.�</p><p>�Und du, Piero, was liebst du?�, fragte Michelangelo, bem�ht, das anst��ige Thema zu wechseln.</p><p>�Ach, wei�t du, ich muss nicht den Umweg �ber die Malerei nehmen. Ich liebe die saftigen K�rper, das Geschlecht, das, womit uns Gott begabt hat, ohne uns zu lehren, wie wir den rechten Gebrauch davon machen k�nnen. Deshalb m�ssen wir es selbst erproben, du verstehst schon, all die <emphasis>modi</emphasis> und <emphasis>conjunctiones</emphasis>, bis wir es endlich wissen. Und das braucht sehr viel Zeit und noch mehr Erfahrung. Deshalb d�rfen wir auch nicht im Tun erlahmen.�</p><p>�Bedaure, aber ich versteh kein Latein�, warf Michelangelo vorsichtig ein.</p><p>�Verzeih, ich meine <emphasis>in vulgo</emphasis> die Stellungen und Vereinigungen. Von oben, von unten, von hinten, von vorn, von der rechten Seite, von der linken Seite � Ach, ich liebe einfach Gottes Vielfalt! Schon verr�ckt, was man mit dem kleinen Kerl so alles anstellen kann!�</p><p>Michelangelo war noch dabei, Pieros Antwort zu verdauen, als Giovanni ihn wiederum anstie� und anz�glich grinste.</p><p>�Du malst mir doch die Bildchen, ja? Streng nach Gottes Natur! Auf denen man auch alles h�bsch erkennen kann, wie in der Heiligen Schrift!�</p><p>Prustend schlug Piero dem jungen Bildhauer derb auf den R�cken. �Hast du es endlich kapiert? Mein Bruder finanziert dir deine Studien, er will daf�r nur die Resultate!�</p><p>�Keine Zoten bei Tisch!�, erklang pl�tzlich Lorenzos Stimme in ungew�hnlicher Lautst�rke, der die jungen M�nner am anderen Ende der Tafel nicht einen Augenblick aus den Augen gelassen hatte.</p><p>Ihm entgeht nichts, dachte Michelangelo voller Bewunderung und nahm sich vor, von Lorenzo zu lernen. Piero schlug dem�tig die Augen nieder. �Nein, Vater, nat�rlich nicht. Wir sprachen nur �ber Natur und Kunst!�</p><p>�Ich hoffe nur, dass du die Natur nicht mit der Pornografie verwechselst!�, sagte Lorenzo und blitzte seinen Sohn kurz an, zum Zeichen, dass er ihm nichts vormachen konnte. Dann widmete er sich freundlich und entspannt, so, als ob nichts gewesen w�re, seinen G�sten zur Linken, w�hrend Clarice ihr Geplauder mit jenen zur Rechten wieder aufnahm. Contessina warf ihren Br�dern einen kurzen, schadenfrohen Blick zu und verbarg ihr sp�ttisches L�cheln sogleich hinter vorgehaltener Hand. Einzig den kleinen Giuliano, der links neben seiner Mutter sa�, hatte das Gepl�nkel unbeeindruckt gelassen. Er war vollauf damit besch�ftigt, im Wettstreit mit dem Hofnarren, dem alten Buffaldo, Grimassen zu schneiden.</p><p>Zu seinem Entsetzen entdeckte Michelangelo auf seinem Teller Garnelen. �Wie isst man denn das?�</p><p>�Ich zeige es dir�, beruhigte ihn Piero. �Du musst die Schalen aufbrechen, so, schau her!� Lorenzos Kronprinz nahm das Schalentier in die Hand und brach es auseinander, dass ihm das �l von den H�nden troff. Genie�erisch schloss er die Augen, schob das rosafarbene Fleisch in seinen Mund und kaute mit einem entr�ckten L�cheln. �Nach einem Pfund Garnelen k�nnte ich alle Novizinnen eines Klosters begatten. Einfach so, eine nach der anderen, das sag ich dir!�</p><p>�Und die sind besonders ausgehungert�, f�gte seine Eminenz Giovanni de Medici hinzu.</p><p>�Junger Buonarroti, h�re!� Michelangelo schaute nach rechts, um zu sehen, wer das Wort an ihn gerichtet hatte. �Komm morgen zu mir, ich habe etwas f�r dich!�, fuhr Landino fort.</p><p>�Und was w�re das?�, fragte Michelangelo voller Neugier.</p><p>�Etwas, das du in deinem Leben brauchen wirst wie nichts anderes.�</p><p>Mit seinen im Kerzenlicht gl�henden Augen und dem scharf geschnittenen Gesicht kam er Michelangelo vor wie ein Magier aus alter Zeit. Bevor er nachfragen konnte, hatte sich Landino wieder in seine Unterhaltung mit Angelo Poliziano vertieft. Michelangelo wusste nicht, was er davon zu halten hatte. Fragend blickte er erst Giovanni, dann Piero an. Aus den Blicken der Br�der sprach nichts als Respekt, obwohl dieser wahrlich nicht zu den Disziplinen geh�rte, in denen sie sich �blicherweise hervortaten.</p><p>�Du solltest hingehen�, riet ihm Piero. �Cristoforo prahlt nicht.�</p><p>�Und er l�sst nicht jeden in sein Geh�use. Nur Papa und Contessina. Nicht einmal ich darf ihn besuchen�, n�rgelte Giovanni. �Und dabei bin ich Kardinal.� Schmollend schob er seine volle Unterlippe vor und rollte die Augen.</p><empty-line/></section><section><p>10</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1491</p><p>Verschwitzt und verstaubt von seinem Tag als Bildhauersch�ler machte sich Michelangelo am n�chsten Abend gleich nach dem Unterricht bei Bertoldo auf den Weg zum Palazzo der Medici. Auf seiner Haut lag eine feine Schicht aus wei�em Marmorstaub, sodass er einem B�ckerjungen glich, der in der Backstube zu viel mit Mehl gearbeitet hatte. Ein Diener im Palazzo di Medici wies ihm sogleich den Weg zum Studierzimmer des Philologen. Er atmete auf und wurde zugleich unruhig: Er wurde erwartet!</p><p>Vor der gl�nzend polierten Eichent�r, hinter der sich die R�umlichkeiten des Dichters befanden, fuhr sich Michelangelo noch einmal durchs Haar und hob die Hand, um anzuklopfen. Doch Contessinas zornige Stimme, die an sein Ohr drang, lie� ihn mitten in der Bewegung innehalten.</p><p>�Nein, nein und nochmals nein!�, h�rte er sie ausrufen. �Eine reinere Liebe gibt es nicht, hat es nie gegeben und wird es auch k�nftig nicht geben!�</p><p>Michelangelo vernahm zwar das geschmeidige Brummen von Landinos Stimme, als dieser darauf antwortete, konnte jedoch nicht verstehen, was der Dichter sagte. Von einer brennenden Neugier erfasst, legte er sein Ohr an die T�r und lauschte angestrengt.</p><p>�Mitten ins Paradies m�sste er sie versetzen, anstatt sie zu bestrafen! Aber in die H�lle? Hat man so etwas je geh�rt?�, ereiferte sich Contessina, und wieder entging dem jungen Mann Landinos Erwiderung. Da er ohnehin nur den einen Teil des Streitgespr�chs verstand, lohnte das Lauschen nicht. Er klopfte an.</p><p>�Herein!�, rief Landino mit seiner feinen Baritonstimme.</p><p>Der Raum, den Michelangelo betrat, war in Zwielicht getaucht. Hohe B�cherregale, in denen sich Kodizes und Inkunabeln dr�ngten, bedeckten die W�nde. Staubk�rnchen tanzten in dem Licht, das in einzelnen Strahlen durch die kleinen, durchbrochenen Fenster drang. Ein leichter Duft nach altem Leder und stockigem Papier stieg ihm in die Nase. Vor den Fenstern stand das breiteste Stehpult, das er je gesehen hatte. In der Mitte des Raumes stand ein alter Tisch mit deutlich maltr�tierter Platte und vier einfache Holzst�hle. Dort sa�en Contessina und ihr gegen�ber Landino vor einem aufgeschlagenen Buch.</p><p>Als Michelangelo eintrat, hie� ihn Landinos freundlicher Blick willkommen. Contessina jedoch beachtete ihn nicht weiter, sondern setzte ihre leidenschaftliche Schimpfrede fort.</p><p>�Daf�r, dass er Francesca und Paolo in die H�lle versetzt, w�rde ich diesen Dante am liebsten f�nfmal in die n�chste Jauchegrube tauchen�, rief sie und funkelte Michelangelo an. �Oder was meint Ihr, Z�hnebrecher? Werden die Liebenden zu Recht im zweiten Kreis der H�lle gequ�lt?�</p><p>Michelangelo schlug die Augen nieder, er hatte nicht die geringste Ahnung, wor�ber sie sprachen, und f�hlte sich, als st�nde er barfu� auf einem Rost, unter dem ein Feuer brannte.</p><p>�Meine liebe Contessina�, unterbrach Landino seine Sch�lerin, �wir sollten unseren Gast erst einmal begr��en, bevor wir ihn in unseren kleinen Streit hineinziehen.�</p><p>Das M�dchen verzog unwillig das Gesicht, was ihr in Michelangelos Augen einen zus�tzlichen Reiz verlieh.</p><p>�Ja, gelobt sei Gott, da seid Ihr, Mess�r Z�hnebrecher! Nun seid begr��t, willkommen gehei�en und allerliebst empfangen, verzeiht, dass ich die Fanfarenbl�ser nicht bem�ht habe. Nehmt indessen meine gute Absicht f�r die Tat�, sagte Contessina mit der ihr eigenen sp�ttischen Art. Dann fuhr sie lauter fort: � Aber jetzt antwortet endlich, wenn Ihr nicht als tumber Klotz gelten wollt! Hat Dante die Liebenden zu Recht in die H�lle versetzt, oder irrte der gro�e Dichter?�</p><p>W�hrend sie gesprochen hatte, war sie immer n�her auf ihn zugetreten und sah ihm jetzt forschend in die Augen. Ihr Blick war hart und fordernd, unm�glich, sich ihm zu entziehen. Die Flammen unter Michelangelos F��en z�ngelten immer h�her und strichen nun wie die Zinken eines gl�henden Kamms �ber seine Fu�sohlen. Er w�nschte sich nur fort, ganz gleich, an welchen Ort, nur weg aus dieser f�r ihn mehr als schmachvollen Situation. Er hatte zwar Lesen und Schreiben gelernt, aber dann seine Zeit mit Schnitzen, Zeichnen, sp�ter mit Malen und Bildhauen verbracht. Mit B�chern, die zudem viel Geld kosteten, hatte er sich bislang keine Stunde besch�ftigt.</p><p>Als k�nne sie diese Gedanken in seinen Augen lesen, glitt langsam ein h�misches L�cheln �ber Contessinas Gesicht, das sich schlie�lich zu einem lauten Lachen steigerte.</p><p>�Ihr kennt sie nicht, stimmt�s? Ihr kennt Dantes �G�ttliche Kom�die� nicht! Oder? Ihr kennt sie einfach nicht!� Sie genoss es sichtlich, eine peinliche Bildungsl�cke bei ihm entdeckt zu haben, und lachte ihn triumphierend aus.</p><p>�Verzeiht, Madonna, aber ich beherrsche kein Latein�, sagte er kleinlaut.</p><p>�Gott, wie dumm Ihr seid! Es ist doch nicht in Latein verfasst, sondern in gutem Toskanisch�, lachte sie. Dann hielt sie pl�tzlich inne und musterte Michelangelo nachdenklich. Zum ersten Mal, seit sie sich begegnet waren, nahm ihr Gesicht einen ruhigen Ausdruck an. So hatte er sie noch nicht gesehen. Von einem Augenblick zum anderen schlug sie die Augen nieder und sah zu Boden. Ihre ganze Erscheinung wandelte sich zu einem Bild der Demut. Mein Gott, wie sch�n sie ist, durchfuhr es Michelangelo. Zu seinem Erstaunen verursachte ihm dieser Gedanke einen k�rperlichen Schmerz.</p><p>Contessina strich sich mit ihrer zartgliedrigen Hand �ber die Stirn und neigte leicht den Kopf. �Verzeiht mir, aber ich verga�, dass wir von klein auf mit klugen M�nnern wie Mess�r Christoforo, Mess�r Marsilio und Mess�r Agnolo Umgang hatten. Was nicht unser Verdienst ist, sondern der Gro�z�gigkeit unseres lieben Vaters zu verdanken�, sagte sie leise und deutete einen Knicks an. Das sanfte Rot, das fl�chtig ihre Wangen streifte, bezauberte und verwirrte Michelangelo. Ein Engel, dachte er, wie von Giotto gemalt. Ach, Giotto � gegen Gott, der dieses M�dchen geformt hatte, konnte auch er nur als St�mper gelten, obwohl er der Beste von allen war.</p><p>�Es ist an mir, Madonna, mich f�r meine Unbildung zu entschuldigen. Verzeiht, verzeiht�, brachte er stotternd hervor.</p><p>�Ich habe meine Bildung geschenkt bekommen, lasst sie uns deshalb teilen. Ich bitte Euch darum!�, sagte Contessina.</p><p>�Obwohl ich das Geschenk gern annehmen w�rde, ist es doch zu gro� f�r mich. Ich w�rde auf ewig Euer Schuldner sein.�</p><p>�W�re das so schlimm? Aber Ihr irrt. Erst wenn ich die Gabe teile, wird sie mir ganz geh�ren. Erst dann habe ich sie nicht nur empfangen, sondern auch verdient.�</p><p>Michelangelo wusste nicht, wie er darauf antworten sollte. Zwiesp�ltige Gef�hle �bermannten ihn: Ebenso sehr, wie er ihrer anspruchsvollen Gegenwart zu entfliehen w�nschte, mochte er sie keinen Augenblick missen. Landino trat zu einem der Regale, entnahm ihm ein kostbar eingebundenes Buch und schlug es auf.</p><p>�Schau, dies ist Dantes �G�ttliche Kom�die�, mit meinem Kommentar versehen�, sagte Landino und fuhr mit dem Zeigefinger die Zeilen auf der Titelseite nach, die mit schwarzen, kunstvoll ineinander verflochtenen Rosen geschm�ckt war. Dann schloss er behutsam den Deckel des Buches und �berreichte es Michelangelo.</p><p>�Behalte es. In diesem Buch findest du alles, was du in deinem Leben brauchst.�</p><p>�Nicht in der Bibel?�</p><p>�Ja, nat�rlich, da auch�, sagte Landino mit einem schwer zu deutenden L�cheln.</p><p>Michelangelo musterte das Buch von allen Seiten, dann fuhr er mit seinen Fingerspritzen �ber die hervorstehenden Buchstaben auf der R�ckseite.</p><p>��F.S.K.I.P.F.T�. Was bedeutet das?�</p><p>�Es sind die Initialen der Tugenden: <emphasis>Fides, Spes, Caritas, Justitia, Prudentia, Fortitudo, Temperantia</emphasis> ��</p><p>� � Glaube, Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit, St�rke, M��igung�, �bersetzte Contessina.</p><p>Michelangelo schlug das Buch auf. Beim Anblick der zahlreichen kunstvollen Abbildungen stockte ihm der Atem. Er begann zu ahnen, wie wertvoll dieses Geschenk war.</p><p>�Ist das wirklich nur ein Buch oder das Auge der Medusa? Jedenfalls hat es Euch, so scheint es, versteinert�, spottete Contessina � zum ersten Mal gutm�tig � und riss ihn aus seinen Gedanken. Dann verabschiedete sie sich, um sich f�r die abendliche Mahlzeit umzukleiden.</p><p>�Ein wenig Wasser und ein frisches Hemd w�rden auch Euch, mein lieber Z�hnebrecher, guttun�, rief sie ihm lachend �ber die Schulter zu.</p><p>Michelangelo sah ihr wehm�tig nach. Mit einem Schlag wurde es dunkler, und das Allerheiligste, als das der Raum ihm beim Betreten erschienen war, wirkte nun trist und deprimierend.</p><p>Landino r�usperte sich. �Junger Freund�, sagte er leise, �sie ist ein G�ttergesch�pf, oh ja, und ich glaube auch, dass sie dich mag, aber h�nge nicht dein Herz an sie, sie ist eine Medici.�</p><p>Schamesr�te �berzog Michelangelos Gesicht, weil er sich durchschaut f�hlte. Sein Stolz gab ihm ein, zu protestieren und zu leugnen, aber er wusste, dass der alte Mann recht hatte. Er nahm sich vor, k�nftig mehr Vorsicht walten zu lassen, wenn er Contessina in der �ffentlichkeit begegnete. Aber sein Herz w�rde von nun an wund sein.</p><p>�Eine Waschgelegenheit befindet sich im Nebenraum, und Signora Landino hat bestimmt noch ein sauberes Hemd f�r dich�, sagte der Lehrer und f�gte hinzu: �Wenn du m�chtest, kannst du an unserer t�glichen Dante-Lekt�re teilnehmen. Lass es dir gesagt sein: Auch von dir handelt das gro�e Gedicht.�</p><p>F�r Michelangelo brach die gl�cklichste und aufregendste Zeit seines Lebens an. Lorenzo de Medici hatte mit seinem Vater abgesprochen, dass er im Palazzo de Medici wohnen durfte, um an Landinos Unterricht teilzunehmen.</p><p>Den Tag �ber erlernte er bei Bertoldo die Bildhauerei und versuchte sich in der Arbeit am Material, am sp�ten Nachmittag begab er sich zu Landino und studierte Dante mit ihm � und mit Contessina. Zuweilen neckte ihn die Medici-Tochter mit schelmischem L�cheln, gleich darauf fuhr sie ihn an oder verbarg ihre Gef�hle hinter einem sp�ttischen Scherz.</p><p>Die Sonntagnachmittage verbrachte Michelangelo fast ausnahmslos mit dem Zeichnen nach Modellen, denn ausgerechnet am Tag des Herrn schleppte ihn Piero stets in ein Bordell, damit er f�r Giovanni die �Bildchen� verfertigen konnte. Dann lie� ihn der �lteste Medici-Sohn in einem Verschlag mit Fenster zur�ck und schickte eine �ppige Sch�nheit zu Michelangelo, w�hrend er selbst verschwand, um ihn Stunden sp�ter wieder abzuholen.</p><p>Das zweifelhafte Umfeld, das Gekreische, Gel�chter und Gest�hne, das sich in den G�ngen sammelte, machten ihm indes nichts aus. Sobald er zu skizzieren begann und sich in das Studium des menschlichen K�rpers vertiefte, verga� er alles um sich herum. Die nackten Frauen l�sten bei ihm nur das professionelle Interesse des Malers aus, aber kein k�rperliches Verlangen. Sp�ter engagierte Piero auch zus�tzlich einen Mann, damit Michelangelo die verschiedenen Stellungen abzeichnen konnte. Der entz�ckte Giovanni sammelte die Skizzen und klebte sie in ein Buch, auf das er in gro�en Lettern �Il Modi� geschrieben hatte. Die reinen Aktstudien hingegen kamen in ein Buch mit der Aufschrift �Ignudi�.</p><empty-line/></section><section><p>11</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1492</p><p>Ein paar Monate sp�ter sah Michelangelo eines Abends aus den Augenwinkeln, dass sich Contessina wie an vielen Abenden bei ihrer Mutter entschuldigte und von der Tafel erhob. Unauff�llig zwinkerte sie ihm zu und hob kurz die rechte Hand, als wolle sie nur einmal den Arm ausstrecken. In den goldenen Kn�pfen ihres roten Samtkleides spiegelte sich das Licht der Kerzen. Im Singsang der Gespr�che, dem aufbrandenden Gel�chter und dem fr�hlichen Geklapper der Sch�sseln und Teller, gegen das sich ein Lautenspieler m�hsam durchzusetzen versuchte, bemerkte niemand die geheimen Zeichen. Michelangelo aber sah sie und wusste sie zu deuten: zweiter Stock, rechter Palastfl�gel.</p><p>Bebenden Herzens lie� er eine kleine Weile vergehen, bevor er sich mit gequ�ltem Gesichtsausdruck erhob, als peinige ihn das Essen in Magen und Ged�rmen. Piero de Medici, der das bereits hinl�nglich kannte, warf ihm einen mitleidigen Blick zu.</p><p>�Dass du armer Kerl noch nicht verhungert bist, ist ein wahres Wunder. Kaum dass du sie aufgenommen hast, verl�sst alle Nahrung schon wieder deinen K�rper. Du musst zum Arzt, mein Freund. In deinen Innereien hockt ein furchtbarer Drache!�</p><p>Als Michelangelo aus dem Saal in den luftigen Flur getreten war, h�tte jedermann Zeuge einer Wunderheilung werden k�nnen. Ein L�cheln vertrieb die zur Schau gestellte Leidensmiene, und der eben noch vor Leibschmerzen Gekr�mmte st�rmte die breite Treppe hinauf, bog rechts um die Ecke und lief auf Contessina zu, die seiner in einer dunklen Nische vor dem Arbeitszimmer ihres Vaters harrte.</p><p>�Endlich�, seufzte sie. �Endlich!�</p><p>Sie reichte ihm ihre schmalen H�nde, die er mit seinen H�nden umfing und and�chtig k�sste. Ihre Finger zierten goldene Ringe mit Perlen, Rubinen, Lapislazuli, Karneolen und anderen Schmucksteinen.</p><p>�Dieser ist f�rs Gedenken, dieser f�rs Verschenken, dieser f�rs Bedenken, dieser f�r die Liebe �� Mit einem z�rtlichen L�cheln z�hlte Michelangelo die Ringe ab, als Contessina ihm die rechte Hand vor den Mund legte. Dann zog sie einen Ring mit einer Perle vom Finger, legte ihn in seine Hand und dr�ckte sie zur Faust zusammen.</p><p>�Dieser f�r die Liebe. Dass ich immer bei dir bliebe! Verreime dich nicht, mein lieber Z�hnebrecher!�</p><p>Dann lachte sie auf, als w�re alles nur ein Scherz gewesen. Michelangelo, der nicht wusste, was er denken sollte, hielt ihr den Ring auf der ausgestreckten Hand hin. Contessina schob sie sanft zur�ck und sch�ttelte den Kopf, bis ihr die Locken ins Gesicht fielen.</p><p>�Vater hat es erlaubt!�, sagte sie dann. �Morgen Nachmittag darf ich mir in Begleitung meiner Amme und eines Hausdieners Masaccios Bilder in der Brancacci-Kapelle ansehen.�</p><p>Vor Freude klatschte sie laut in die H�nde. Der Widerhall in dem gro�en, mit Marmor ausgekleideten Flur lie� die beiden jungen Leute zusammenfahren.</p><p>K�hle legte sich wie eine zweite Haut um Michelangelo, als er die Kirche betrat. Seine Schritte hallten in dem hohen Raum wieder. In der Kapelle des Felice Brancacci stie� Michelangelo auf ein paar Bildhauersch�ler aus dem Medici-Garten, die sich im Zeichnen �bten, darunter Pietro Torrigiani. Dieser sah von seinem Karton auf und funkelte Michelangelo mit einem b�sen L�cheln an.</p><p>�Ah, die G�tter steigen zum gew�hnlichen Volk herab�, h�hnte er.</p><p>�Du jedenfalls wirst kein Bildhauer werden, und zeichnen kannst du auch nicht�, gab Michelangelo zur�ck.</p><p>Pietros L�cheln entglitt zu einer Fratze. Er stand auf und sein K�rper straffte sich.</p><p>Michelangelo h�rte Schritte hinter sich und wandte sich um. Zwischen ihrer Amme und einem kr�ftigen Hausburschen, von dessen Kopf ein safranfarbener Schleier bis auf die Schultern fiel, kam Contessina auf ihn zu. Er h�tte sie unter Tausenden erkannt. �ber einem schlichten wei�en Kleid trug sie einen rosafarbenen, mit goldenen Sternen bestickten Mantel.</p><p>�Wollt Ihr so freundlich sein und mir die Bilder Masaccios kommentieren, Mess�r Michelangelo?�, fragte sie, bem�ht, ihre Stimme gelassen klingen zu lassen.</p><p>Bevor Michelangelo antworten konnte, stand Pietro schon neben ihm und stie� ihn so grob zur Seite, dass er ins Stolpern geriet.</p><p>�Vertraut Euch besser mir an, Madonna! Ich glaube, dass es hier keiner mit mir an Erfahrung und Wissen aufnehmen kann!�, sagte Pietro mit einer von einem zweideutigen Grinsen begleitenden Betonung auf dem Wort Erfahrung. Dann blickte er drohend in die Runde, um jeden Widerspruch zu unterbinden, und nahm zufrieden zur Kenntnis, dass sich die anderen Bildhauersch�ler wieder in ihre Zeichnungen vertieften. Er musterte Contessina mit schamlosen Blicken und kniff die Augen zusammen. Das soll wohl verf�hrerisch wirken, dachte Michelangelo, der sich gefangen hatte und die Szene mit wachsendem Unbehagen beobachtete. Er zwang sich jedoch zum Abwarten, denn er durfte nicht riskieren, Contessina durch ein allzu eindeutiges Verhalten ins Gerede zu bringen.</p><p>�Seid Ihr nicht der Signore Hahn von neulich?�, wandte sich das M�dchen mit einem unschuldigen L�cheln an Pietro, der daraufhin feuerrot anlief.</p><p>�Ich erinnere mich immer noch daran, wie gut Ihr zu kr�hen verstandet! Wahrhaftig, an Aufgeblasenheit kann es niemand mit Euch aufnehmen, Mess�r H�hnchen.�</p><p>�Und Ihr, Ihr geh�rt dem Geschlecht der Metze da an, Ihr alle!�, schrie Pietro, von J�hzorn �bermannt, und wies mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Masaccios Gem�lde, das die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies zeigte.</p><p>�Entschuldige dich bei ihr, Hundsfott!�, schrie Michelangelo au�er sich und stie� den �lteren und Gr��eren mit beiden F�usten vor die Brust.</p><p>�Hast du �Hundsfott� gesagt?�, knurrte Pietro.</p><p>�Ja, was sonst?�</p><p>Im selben Augenblick vernahm Michelangelo gef�hrlich nahe an seinen Ohren ein unangenehmes Knirschen, dann sp�rte er ein Feuer mitten im Gesicht, das unmittelbar ins Gehirn schoss. Erst nach und nach brachte er das trockene Ger�usch mit dem Schmerz in Verbindung. Pietro hatte ihm mit einem Faustschlag das Nasenbein gebrochen. Blut str�mte �ber sein Gesicht, und er sank auf den Kirchenboden.</p><p>�Ich kann nicht malen? Pah! Eben habe ich dich so gezeichnet, dass du dich ein Leben lang an meine Handschrift erinnern wirst!�, schrie Pietro �ber ihm, au�er sich vor Wut.</p><p>Michelangelo sp�rte nur noch, wie er zu schweben begann. Dann wurde es dunkel um ihn herum.</p><p>Als er die Augen wieder aufschlug, blickte er in Contessinas besorgtes Gesicht. Im ersten Moment glaubte er, sich im Himmel zu befinden oder zumindest in einem sehr sch�nen Traum, doch dann holte ihn der stechende Schmerz in seinem Kopf unverz�glich in die Wirklichkeit zur�ck. Er st�hnte auf, nicht nur wegen der pochenden Wunde im Gesicht, sondern auch vor Gl�ck. Leises Gemurmel zeigte ihm, dass sich noch andere Personen in dem Raum aufhielten, in dem er lag. Doch f�r ihn z�hlte nur das M�dchen. Contessina liebte ihn, das wusste er nun. Tief und aufrichtig, ebenso wie er sie liebte.</p><p>�K�nnt ihr uns wohl f�r einen Moment allein lassen?�, bat sie freundlich, aber mit der befehlsgewohnten Stimme einer Tochter Lorenzos des Pr�chtigen. Ein Diener, die Amme und der Arzt, ein kahlk�pfiger Mann um die f�nfzig mit m�chtigem Doppelkinn, verlie�en das Zimmer. Michelangelo, der Contessina immerfort ansehen musste, bemerkte, dass zwei der goldenen Sterne auf ihrem Mantel rot eingef�rbt waren, wie �berhaupt das zarte Rosa des Stoffes dunkle Flecke aufwies. War das sein Blut? Hatte sie versucht, ihn aufzufangen, damit er nicht auf dem harten Kirchenboden aufschlug?</p><p>�Der Arzt hat deine Nase geschient�, sagte Contessina, als die T�r sich wieder geschlossen hatte. �Du wirst sie in der n�chsten Zeit nicht �berall hineinstecken k�nnen, weil du vorsichtig sein musst.� Behutsam nahm sie seine Hand, die auf der spitzenbesetzten Bettdecke aus bernsteinfarbenem Samt lag. �Ach, mein Ritter, dieser Schuft hatte recht, er hat dich f�rs ganze Leben gezeichnet, denn die Knorpel werden nicht mehr richtig zusammenwachsen. Deine Nase wird eingedr�ckt und klobig bleiben.�</p><p>�St�rt dich das?�, brachte Michelangelo hervor und sah sie an.</p><p>�Nein, wie k�nnte es?�</p><p>�Dann st�rt es mich auch nicht, dann will ich meine zerschlagene Nase k�nftig wie eine Auszeichnung tragen!�</p><p>In den folgenden Wochen erfanden die beiden Liebenden immer neue Vorw�nde, um sich zu einem heimlichen Stelldichein treffen zu k�nnen. Bis zu dem Tag, an dem sich alles �ndern sollte.</p><p>Es war sp�ter Nachmittag, als Michelangelo den Florentiner Dom betrat, um dort auf Contessina zu warten. In den vergangenen Tagen hatten sie sich bei Landino mit Vitruv besch�ftigt. Contessina hatte Michelangelo aus dem Lateinischen �bersetzt, was der r�mische Architekt zu den Rundtempeln, zu Kuppeln und Gew�lben geschrieben hatte. Nach Vitruv musste der Bau von Gottes H�usern ebenso vollkommen sein wie der Kosmos, und es gab nichts Vollkommeneres als den Kreis. Michelangelo f�hlte sich von diesen Gedanken angezogen, inzwischen glaubte er, dass sich die wahre Form der Kirche in einem Zentralbau unter einer Kuppel widerspiegele, die den Himmel symbolisierte. Landino best�rkte ihn mit der Bemerkung, dass Dante alle neun Himmel des Paradieses konzentrisch angeordnet hatte.</p><p>Am Tag zuvor hatte Michelangelo Contessina erkl�rt, dass Brunelleschis Kuppel einen zwar sch�nen, aber leider unvollkommenen Dom kr�ne, denn um perfekt zu sein, h�tte dessen Grundriss nicht die Form eines lateinischen, sondern die eines griechischen Kreuzes aufweisen m�ssen.</p><p>�Sieh her�, hatte er gesagt und ein griechisches Kreuz auf einem Blatt Papier skizziert. �Wenn ich die Ecken der Kreuzarme verbinde, erhalte ich einen Kreis. Der Kreis wiederum ist das Symbol der Perfektion, der Vollkommenheit. In einem Rundbau verschwindet das Licht n�mlich nicht im Langhaus wie in einem dunklen Loch, sondern dringt von allen Seiten zum Zentrum und bringt so den Raum zum Schweben.�</p><p>Contessina war das alles zu theoretisch gewesen, und so hatte er ihr versprochen, ihr seine Vorstellungen an Ort und Stelle zu erl�utern.</p><p>Nun stand er unter der hohen wei�en Kuppel des Florentiner Doms und wartete auf sie. Als sich endlich das m�chtige bronzene Eingangstor �ffnete und das M�dchen, von einer Aura aus Sonnenlicht umgeben, in die Kirche trat, eilte er voller Freude auf sie zu.</p><p>Doch Contessina wirkte verst�rt. Kaum dass er ihr gegen�berstand, brach es aus ihr heraus. �Es ist vorbei. Ich muss heiraten.�</p><p>�Heiraten? Wen?�</p><p>�Einen Grafen, irgendeinen Ridolfini.�</p><p>�Das kann doch nicht sein, das darf nicht ��, murmelte Michelangelo fassungslos.</p><p>Contessinas wandte ihm ihr tr�nen�berstr�mtes Gesicht zu. �Was haben wir denn gedacht, mein Liebster? Dass mein Vater dich jemals als Schwiegersohn akzeptieren w�rde? Fr�her oder sp�ter musste es so kommen!�</p><p>�Er wird es, er muss!�, presste Michelangelo hervor. �Ich spreche mit ihm.�</p><p>Sie sah ihn traurig an. �Willst du uns noch ungl�cklicher machen, als wir es jetzt schon sind?�</p><p>�Aber warum? Stamme ich denn nicht aus einer edlen Familie? Bin ich ein Niemand?�</p><p>�F�r die Welt bist du niemand, auch wenn du f�r mich alles bist�, sagte Contessina sanft und schmiegte sich an ihn. �Aber mein Vater wird sein Versprechen halten, und dich wird er fortjagen. Ich will nicht, dass dir etwas zust��t. Das w�re das Schlimmste!�</p><p>Michelangelo stie� ein verzweifeltes Knurren aus. Er wusste, dass sie recht hatte.</p><p>�Warum sollte mein Vater mich mit einem Bildhauer verm�hlen?�, fuhr Contessina leise fort, wie um sich selbst zu �berzeugen. �Er liebt die Kunst, ja. Aber �ber der Liebe zur Kunst steht seine Verpflichtung, als Oberhaupt der Medici den <emphasis>stato</emphasis> der Familie zu vergr��ern. Verstehst du? An unserem Ansehen h�ngt unser Leben. Wenn es sinkt, werden unsere vielen Feinde �ber uns herfallen. Wenn sie keine Angst mehr vor uns haben, sind wir des Todes.�</p><p>Wie gern h�tte Michelangelo ihr widersprochen, doch die Stimme versagte ihm. Contessina nahm seine Hand und k�sste sie. Er erschrak � das hatte sie nie zuvor getan.</p><p>�Es war ein sch�ner Traum, mein Z�hnebrecher, mein Herzensbrecher. Auch hinter die sch�nste Geschichte setzt der Herr eines Tages sein Finis. Vielleicht sollten wir uns �ber das freuen, was wir haben durften.�</p><p>Michelangelo h�tte sich am liebsten die Ohren zugehalten, um das, was jetzt kommen musste, nicht zu h�ren.</p><p>�Jetzt, wo ich versprochen bin, d�rfen wir uns nicht mehr sehen�, sagte Contessina mit zitternder Stimme. Sie wandte sich ab und tat ein paar Schritte, dann wandte sie sich noch einmal zu ihm um und sah ihn an. Erst jetzt bemerkte er, dass sie ein schwarzes Kleid trug und keinen Schmuck angelegt hatte.</p><p>�Du hast recht, Michelangelo�, sagte sie ruhig, w�hrend in ihren Augen Tr�nen funkelten. �Die Kuppel h�tte einen Rundbau verdient. So vollkommen wie das Himmelsgew�lbe. Solltest du jemals bauen, dann errichte es, das vollkommenste Bauwerk der Welt, erschaffe es f�r unsere Liebe, denn sie war ein St�ck vom Himmel � f�r mich.�</p><p>Mit diesen Worten wandte sie sich um und eilte so rasch aus dem Dom, als jage sie die Angst, dass die Liebe doch noch �ber die Vernunft siegen k�nnte, dass sie sich dem Vater widersetzen und mit dem Geliebten fliehen w�rde. Mit einem dumpfen Ger�usch schloss sich die schwere T�r des <emphasis>duomo</emphasis> hinter ihr.</p><p>Wie bet�ubt stand Michelangelo im D�mmerlicht der Kathedrale und hob in seiner Verzweiflung den Blick, als w�re von oben Hilfe zu erwarten oder wenigstens Rat. Stattdessen �berfiel ihn die Vorstellung, die Kuppel als Ganzes w�rde auf ihn niederst�rzen und alles unter sich im Staub begraben.</p><p>Solltest du jemals bauen, hatte Contessina gesagt. Noch nie war ihm der Gedanke gekommen, Baumeister zu werden. Er hatte sich immer als Bildhauer gesehen, gelegentlich malte er auch. Aber Architekt? Immer noch starrte er in die wei�e Kuppel hinauf, die nicht eingest�rzt war. Er schwor sich und seiner verlorenen Liebe, eines Tages den Tempel der Liebe zu errichten. Vollkommen w�rde sich dieser �ber einem griechischen Kreuz in die Himmelskuppel erheben � mochte geschehen, was wollte! Das gr��te Bauwerk sollte es werden, das die Welt je gesehen hatte. Denn auch die Liebe in Michelangelos Herz war gr��er als alles, was es je auf Erden gab und geben w�rde.</p><p>Von diesem Tag an sah er Contessina nicht mehr. Seine Dante-Studien betrieb er allein mit Landino, und auch an der Abendtafel nahm Lorenzos Tochter nicht mehr teil. In aller Zur�ckgezogenheit bereitete sie sich auf ihre Hochzeit vor. Dann erreichte Michelangelo an einem Abend der kleine Brief von ihrer Hand.</p><p><emphasis>�Lieber Z�hnebrecher,</emphasis></p><p><emphasis>die Amme wird dich heute Nacht zu mir bringen. Vertrau ihr und folge ihr, aber sprich mit niemandem dar�ber. Das Schweigen sei unsere Zuflucht. Du wei�t, wer diese Zeilen schrieb, eine, die es Dante immer noch ver�belt und bis zum letzten ihrer Tage nicht verzeihen kann, dass er Francesca und Paolo in die H�lle versetzt hat, wo sie doch in den Himmel geh�ren. Muss man mit der Liebe nicht achtsamer umgehen? Aber wenigstens sind sie zusammen, wenn auch im Inferno.</emphasis></p><p><emphasis>Zweifel regt sich in meinem Herzen. Kann denn der Ort wirklich die H�lle sein, wo sie doch einander haben? Und w�ren sie im Paradies, aber getrennt, w�re ihnen der Himmel dann nicht die H�lle? Komm, komm schnell, geliebter Z�hnebrecher!�</emphasis></p><p>Wieder und wieder las er die Zeilen. Contessina wollte ihn sehen. Was hatte sie vor? W�rde sie versuchen, ihn zur gemeinsamen Flucht zu �berreden? Zu einer heimlichen Hochzeit? Voller Unruhe lief er in seinem Zimmer auf und ab. Kurz vor Mitternacht h�rte er endlich ein Klopfen an seiner T�r. Contessinas Amme legte verschw�rerisch den linken Zeigefinger auf die Lippen. In ihrer rechten Hand hielt sie ein kleines Talglicht. Mit klopfendem Herzen folgte er ihr durch die verborgene Welt des Palazzo, die er nicht kannte und die sich ihm auch nicht einpr�gte. Es ging �ber endlose Flure und Aufg�nge, die im Dunklen lagen, kleine verwinkelte Stiegen, zwei, drei Stufen manchmal nur, oder Wendeltreppen. Schlie�lich �ffnete die Amme eine T�r, schob ihn hinein und schloss sie ger�uschlos hinter ihm.</p><p>Michelangelos Blick fiel auf einen kleinen Tisch. Die Kerzen darauf flackerten noch im Luftzug. Hinter dem Tisch stand ein gro�es Eichenbett mit gedrechselten und geschnitzten Pfosten, die einen rotsamtenen Baldachin trugen. Nur von seidenen Schleiern umh�llt, sa� Contessina auf dem Bett. Durch das hauchfeine Gewebe sah Michelangelo, dass sie am ganzen Leib zitterte. Ihre Furcht und ihr Verlangen �bertrugen sich auf ihn. Doch pl�tzlich �berkam ihn der Wunsch, tot in ihren Armen zu liegen, die Sehnsucht nach Ewigkeit.</p><p>�Wenn ich schon diesen Ridolfini nehmen muss�, fl�sterte Contessina �so m�chte ich doch, dass du mein erster Mann bist.� Ein kaum h�rbares �Bitte� vollendete den zwar leise, aber fast trotzig vorgetragenen Entschluss. Dann hob sie die Arme, und die Schleier glitten an ihrem K�rper herunter. Ein leiser Duft nach Zimt und Sandelholz erf�llte den Raum.</p><p>Michelangelo wich einen Schritt zur�ck und blickte zu Boden, weil er nicht wagte, sie anzusehen. Die Nacktheit der Dirnen, die er f�r ihren Bruder Giovanni gezeichnet hatte, war etwas anderes. Sie machte ihm nichts aus, war nur eine andere Art der Bekleidung. Contessina aber wollte er so nicht sehen. Sie war doch keine Hure, sondern eine G�ttin, seine G�ttin! Nicht das blo�e Gef�� seines Samens. Ihm schwindelte. Was verlangte sie da von ihm? Er sollte ihre Liebe entweihen, indem er das Gleiche tat wie jeder K�ter auf der Stra�e? Er sollte sie bespringen wie ein Bock? Abwehrend hob er die H�nde und wandte den Kopf ab. Er wollte etwas sagen, brachte jedoch nur ein R�cheln hervor und wankte aus dem Zimmer. Unendlich lange, wie ihm schien, irrte er benommen durch die Flure des Palazzo.</p><p>Pl�tzlich vernahm er einen lauten L�rm. M�nner drangen in den Palazzo ein, Stiefel hallten in den Fluren wider, Schluchzen drang an sein Ohr, Fackeln loderten auf. Er konnte das Feuer riechen und h�ren. Das Holz krachte beim Brennen, und das Echo der berstenden Balken erf�llte die Luft. Michelangelo hatte nur einen Gedanken: Contessina!</p><p>Seine innere Stimme peinigte ihn mit Vorw�rfen, eine Anschuldigung schrecklicher und widerspr�chlicher als die andere. Wie hatte er nur dem geliebten M�dchen den Abschied und den Wunsch verwehren k�nnen? Aber h�tte er anderseits ihre Liebe entweihen d�rfen? Seine Kehle war wie zugeschn�rt, als er versuchte, den Weg zur�ck zu ihrem Zimmer zu finden. Er verirrte sich hoffnungslos und fand sich schlie�lich auf der gro�en Freitreppe wieder.</p><p>Dort traf er auf Pico della Mirandola, der mit starrem Blick und wirrem Haar die Stufen hinuntertaumelte. Seine Kleidung befand sich in einer Unordnung, wie es wohl noch niemand je an ihm gesehen hatte � den Mantel schief �ber der Schulter, das halb ge�ffnete Hemd hing ihm aus der Hose. Pl�tzlich blieb der Graf stehen und blickte sich um, als suche er jemanden. Obwohl Michelangelo ihm gegen�berstand, schien er ihn nicht wahrzunehmen.</p><p>�So erf�llt sich die Prophezeiung der Kabbala�, stammelte Pico. �Das Jahr 1492 wird das Jahr des Untergangs, wie es die j�dischen Weisen aus dem Buch Hiob errechnet haben.�</p><p>Michelangelo verstand den Grafen nicht und ging ein paar Stufen auf ihn zu.</p><p>�Er ist tot!�, rief Pico mit leeren Augen und versteinerter Miene. �Lorenzo il Magnifico lebt nicht mehr. M�ge sich Gott seiner armen Seele erbarmen. M�ge Gott sich unser erbarmen! Mit seinem Tod, der ihm nichts mehr anhaben kann, beginnen unsere Leiden!� Dann brach er in die Knie, und sein Oberk�rper sank vorn�ber. Er weinte hemmungslos wie ein Kind und breitete die Arme aus, als suche er nach einem Halt.</p><p>Entsetzt sah Michelangelo auf den gebrochenen Mann hinunter, der schluchzend auf den Stufen kauerte. Lorenzo de Medici hatte den vom Papst gebannten und von der Inquisition verfolgten Philosophen besch�tzt. Mit einem Mal begriff Michelangelo, dass es nicht die Angst um das eigene Leben war, die aus Picos heftiger Reaktion sprach, nicht die vor�bergehende Trauer um einen gesch�tzten Menschen. Es war das Wissen, dass sich ihre Welt ver�nderte, dass nun die St�rme �ber sie hereinbrechen w�rden. Lorenzo war f�r sie alle ein Schutzschild gewesen. Was sollte aus ihnen werden, jetzt, da man sie ihres Patrons beraubt hatte?</p><p>Michelangelo h�rte Schritte hinter sich und wandte sich um. Oben auf der Treppe erschien Contessina. In ihren blicklosen Augen sah er keine Tr�ne. Mit unbewegtem Gesicht stand sie da wie eine Statue. Und dann flammte er doch kurz auf in ihren Augen � der Vorwurf.</p><empty-line/></section><section><p>12</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>All die Jahre hatte er Contessinas Blick nicht vergessen k�nnen. Er f�rchtete jene Momente, an denen ihn die Erinnerung an sie und an die Gef�hrten �berkam. Viele der <emphasis>Fedeli</emphasis> waren l�ngst tot, Landino, der Philosoph Ficino, der Dichter Poliziano und sein Freund Pico della Mirandola. Aus Contessina war inzwischen eine Gr�fin Ridolfini, mehrfache Mutter und ehrbare Gattin geworden. Niemand wusste es, aber als er seine Piet� schuf, hatte Michelangelo sein ganzes Leid in den Schmerz auf dem Gesicht der Gottesmutter gegossen. Das Werk war f�r ihn das Mausoleum seiner verlorenen Liebe. Und wie h�tte die-se Liebe ihn beim Schaffen inspirieren k�nnen?</p><p>Er zerkn�llte auch den letzten gerade begonnenen Entwurf f�r das Grabmal des Papstes, als jemand heftig an seine T�r klopfte. Mit einem m�rrischen Laut stand er auf und wollte dem Besucher �ffnen, doch da stand Giuliano da Sangallo bereits im Raum.</p><p>�Nicht einmal dein Haus h�ltst du verschlossen!�, rief er. �Ich mache mir ernsthafte Sorgen um dich, mein Freund.�</p><p>�Und weshalb?�, fragte Michelangelo verbl�fft.</p><p>Der Architekt zog das ausladende schwarze Barett vom Kopf, warf es achtlos auf einen Schemel und schritt erregt in der Kammer auf und ab. Vor Anspannung kniff er den Mund zusammen, wodurch sich das welke Fleisch seiner Wangen ein wenig hob.</p><p>�Weshalb, weshalb, weshalb!� Er riss die Arme in die H�he. �Kannst du dir das nicht denken? Du spielst auf Leben und Tod, Michelangelo. Julius ist j�hzornig. Wenn du seine Vorstellungen nicht triffst, ist deine Karriere in Rom beendet! Dabei hat sie, wenn man es recht betrachtet, noch nicht einmal begonnen. Der kluge Mann sichert sich ab�, setzte Sangallo hinzu und beendete seine Rede mit einem kr�ftigen <emphasis>�Merda!�</emphasis>, wobei seine Gesichtsfarbe ins Rote wechselte und seine Barthaare bedrohlich zitterten.</p><p>Michelangelo stand auf, r�ckte einen Stuhl vor, und Sangallo lie� sich ersch�pft darauf nieder. �Sollte dein Entwurf den Papst gar beleidigen, weil das Grabmal zu klein ist oder ihn an den Borgia oder an Gott wei� wen und was erinnert�, f�gte er etwas leiser hinzu, �dann sind fehlende p�pstliche Auftr�ge noch das geringste �bel, das dir von seiner Seite widerfahren kann, mein David. Unser heiliger Vater ist n�mlich ein gro�er Hasser vor dem Herrn.�</p><p>Michelangelo musste l�cheln, als Sangallo ihn mit David verglich, jenem biblischen Knaben, der Goliath besiegt und dessen Statue er vor Jahresfrist f�r die Florentiner geschaffen hatte.</p><p>�Seiner Heiligkeit w�rde es gar nicht gefallen, mein beunruhigter Freund, dass du ihn mit dem tumben Goliath gleichsetzt�, meinte der Bildhauer.</p><p>�Ach, hol dich doch der Teufel! Und rede verdammt noch mal mit mir nicht wie mit einem H�fling. Verrate mir lieber, was du jetzt zu tun gedenkst!�</p><p>�Zeichnen�, gab Michelangelo barsch zur�ck, wobei sein �rger weniger dem Freund galt als sich selbst, weil alles, was er bisher entworfen hatte, nichts taugte.</p><p>�Ja, aber <emphasis>was</emphasis> willst du zeichnen?�, br�llte Sangallo, den es vor Emp�rung nicht auf dem Stuhl hielt.</p><p>�Den Entwurf des Grabmals�, erwiderte Michelangelo ruhig. �Lieber Freund, es ist doch ganz einfach. Es wird das gr��te und sch�nste Monument, das die Welt je gesehen hat. Es kann ihm nicht missfallen, ganz ausgeschlossen!�</p><p>�Wieso bist du so fest davon �berzeugt?�, fragte Sangallo, der aus Verzweiflung �ber die Selbstsicherheit Michelangelos ganz blass geworden war.</p><p>�Weil ihm das Gr��te und Sch�nste nicht missfallen kann�, war die Antwort.</p><p>Sangallo kniff die Augen zusammen und musterte seinen jungen Sch�tzling. Nein, er wurde nicht verspottet, er blickte in ein sehr ernsthaftes Gesicht. Nicht Hochmut oder �berheblichkeit sprachen aus Michelangelos Worten, nur die Gewissheit des eigenen K�nnens. Dieser setzte sich wieder an den Tisch und sprach seine �berzeugungen aus, w�hrend sein Bleigriffel schon �ber das Papier flog.</p><p>�Es ist das Ende der Kunst, wenn sie nur noch Geschmackssache ist, sodass Krethi und Plethi meinen, sie k�nnten sich ein Urteil dar�ber erlauben. Der Kunst darf es nicht darum gehen, dem Volk zu gefallen � auch den M�chtigen nicht �, sie hat einzig danach zu streben, sich selbst zu gefallen. Denn wer k�nnte h�here Ma�st�be an die Kunst anlegen als die Kunst selbst?�</p><p>Sangallo schwieg eine Weile. Dann stie� er fast tonlos hervor: �So gebe Gott uns immer kunstverst�ndige Herren.�</p><p>�Ja, und Amen�, sagte Michelangelo und nutzte die Gelegenheit, den Zorn, den er auf sich selbst empfand, an anderen auszulassen. �Unter der Herrschaft der Schweine wird die Welt zu einem Schweinestall. Und wer, mein Freund, braucht einen David neben dem Koben und wer eine Gioconda �ber der Suhle? Nein, wir werden immer kunstverst�ndige Herren haben, weil wir durch die Kunst mit Gott reden und Gott mit uns. Die Ma�e der Kunst sind Gottes Ma�e.�</p><p>�Solange wir an Gott glauben�, sagte der Architekt und erschrak sogleich, als er die Konsequenz seiner Worte bedachte. Auch Michelangelo hatte den Bleigriffel sinken lassen. So weit hatte er noch nie gedacht. Eine Welt ohne den Glauben an den Allerh�chsten war ihm schier unvorstellbar � oder genauer, sie musste Dantes �Inferno� entsprechen. Er brauchte einige Zeit, um aus dem Labyrinth des Schreckens herauszufinden. Sangallo hatte sich wieder auf dem Stuhl niedergelassen. Sein rechtes Bein, das er �ber das linke geschlagen hatte, wippte unruhig auf und ab.</p><p>�Wenn wir nicht mehr an Gott glauben, wird es auch keine Kunst mehr geben. Der Teufel ist kein M�zen�, sagte Michelangelo leise.</p><p>In dem langen, bedr�ckenden Schweigen, das nun folgte, �berkam die beiden M�nner ein Fr�steln, als sch�mten sie sich, weil sie leichtfertig etwas Frevlerisches ge�u�ert hatten. Selbst Sangallos Fu� kam in dieser unheimlichen Stille zur Ruhe. Nur einen Moment lang � aber das war ausreichend gewesen, um sie zu verst�ren � hatte sich ihnen eine Welt ohne Ma� gezeigt. Einen Wimpernschlag lang hatten die D�monen die H�lle verlassen und die beiden M�nner ahnen lassen, in welcher Weise sie �ber die Menschen herfallen, Frauen vergewaltigen, Kinder erschlagen, M�nner an den Hoden aufh�ngen w�rden.</p><p>Mit einem Mal sprang Michelangelo auf. Seine Augen blitzten, als er den b�rtigen Freund �berm�tig auf den Mund k�sste. Jetzt wusste er, was er zu zeichnen hatte: Das Grabmal des Papstes musste den Bund gegen die H�lle darstellen, den der Himmel mit der Erde eingegangen war. Darin bestand die Liebe � in der Treue des Bundes! Endlich war die Idee gefunden, nach der er so verzweifelt gesucht hatte. Ein strahlendes L�cheln �berzog sein Gesicht. �In meinem Kopf ist das Grabmal fertig.�</p><p>�Vers�ndige dich nicht!�</p><p>�Nein, wirklich, ich kann es genauso klar und deutlich vor mir sehen wie dich, mein Freund.�</p><p>�Willst du es mir erz�hlen?�</p><p>�Sp�ter, Giuliano, aber du wirst der Erste sein, der es zu sehen bekommt, mein Wort darauf.�</p><p>Sangallo sah seinen Sch�tzling voller Bewunderung an, denn er sp�rte, dass Michelangelo nicht prahlte. Ein ruhiges Gef�hl der Zufriedenheit hatte ihn �berkommen, als er sich erhob.</p><p>�Komm mit!�, rief er, griff nach Michelangelos Arm und zog ihn mit sich. �W�rme, wir brauchen jetzt W�rme!�</p><p>Sie durchquerten den Borgo, lie�en den Petersdom rechts liegen, passierten durch das Tor die Schutzmauer, die dieses Stadtviertel und den Vatikan umgab, und liefen Richtung Trastevere.</p><p>Nach einer guten halben Stunde trafen sie im Kleinstaat der Huren ein und standen vor einem hell erleuchteten dreist�ckigen Geb�ude, aus dem Musik und Gel�chter drangen. Sie wollten das Haus gerade betreten, da stie� eine kr�ftige Frau einen angetrunkenen Mann auf die Stra�e, der ins Straucheln geriet und der L�nge nach hinschlug.</p><p>�Lass dich hier nie wieder mit leerem Beutel blicken�, fauchte sie den Mann an, der sich m�hsam erhob.</p><p>�Was gibt�s, Petronilla? Warst du mit ihm nicht zufrieden?�, rief Sangallo.</p><p>�<emphasis>Den</emphasis> Beutel mein ich nicht. Wenn er kein Geld hat, soll er seine Geilheit an den K�hen und Ziegen am Colosseum auslassen. Mit seinem Schwanz beeindruckt mich kein Mann mehr, nur mit seinen M�nzen!�</p><p>Sangallo lachte und zog Michelangelo hinein in das ber�hmte Bordell der Petronilla da Pecorino.</p><p>Wirkte das Freudenhaus schon von au�en wie ein Palazzo, so verschlug das Innere Michelangelo vollends die Sprache. Eine solche Pracht, einen solchen Luxus, eine solche L�ssigkeit hatte er in keinem �ffentlichen Haus in seiner Heimatstadt Florenz gesehen. Dieser r�mische Tempel der Lust erinnerte in nichts an die sch�bigen H�user, in die ihn Piero damals gef�hrt hatte und deren r�umliche Gestaltung einzig auf die Verrichtung des Aktes abgestimmt war. Hier jedoch fand er sich unversehens in einem �u�erst eleganten Salon wieder. Man konnte beim besten Willen keinen anderen Eindruck gewinnen, als dass die Herren sich an diesem Ort zuallererst zu unterhalten w�nschten.</p><p>Sangallo, dem Michelangelos Verbl�ffung nicht entgangen war, fl�sterte ihm zu: �Du musst das verstehen, mein Freund. Viele M�nner mit gutem Einkommen in Rom sind Priester und m�ssen deshalb auf eine Familie verzichten. Das ist hier eher ihr Wohnzimmer als der Umschlagplatz der k�uflichen Liebe. Petronilla und ihre Kurtisanen gaukeln den M�nnern Privatheit vor, Erholung im Kreis von Freunden, ja sogar Familie. Im �brigen�, f�gte er mit einem vielsagenden L�cheln hinzu, �was ist eine Gesellschaft ohne Frauen, die doch nicht nur jede Zusammenkunft veredeln, sondern auch die M�nner?�</p><p>So ist das also, dachte Michelangelo. In Florenz suchten die verheirateten M�nner Abwechslung, in Rom sehnten sich die Kleriker nach einer Art Ersatzfamilie. In der Arnostadt hofften die M�nner, die mit gebildeten Frauen verm�hlt waren, auf die Erf�llung ihrer sexuellen Fantasien au�erhalb ihrer Pal�ste und H�user, am Tiber hingegen interessierten sich die reichen M�nner f�r gebildete Gespr�chspartnerinnen, die selbstredend auch f�r die Bem�hungen der k�rperlichen Liebe zur Verf�gung standen.</p><p>�Nat�rlich gibt es in Rom auch gew�hnliche Liebesnester � f�r die M�nner aus dem Volk. Aber die kommen ja f�r uns nicht infrage. Hier, mein junger Freund, erholen wir uns und befriedigen unsere Bed�rfnisse. Hier plaudern wir, schlie�en Allianzen, machen Politik und akquirieren Auftr�ge. Wer nicht in den H�usern der gro�en Kurtisanen willkommen ist, der ist in Rom nicht gelitten.� Sangallos Worte best�tigten nur das, was sich Michelangelos Augen ohnehin in reichlichem Ma� darbot.</p><p>Kostbare Tapeten schm�ckten die W�nde der unterschiedlich gro�en S�le im <emphasis>piano nobile</emphasis>. In die oberen Gem�cher gelangte man �ber eine einladende Freitreppe. Michelangelo dachte an die kleinen Verschl�ge, in denen er im Gestank nach ranzigem Schwei� und gestocktem Samen die Zeichnungen f�r Giovanni de Medici angefertigt hatte.</p><p>In einem Florentiner Bordell ging es zu wie auf dem <emphasis>mer-cato vecchio</emphasis>: Nur das Gesch�ft z�hlte, bei Bezahlung erhielt man die Ware. Seit man den Adel vor �ber hundert Jahren aus der Stadt vertrieben hatte, war Florenz eine Stadt der B�rger, vor allem der Kaufleute geworden. L�ngst hatte die Bilanz den Stil ersetzt. In diesem Moment begriff Michelangelo, dass Piero de Medici nicht den Hauch einer Chance gehabt hatte, und leistete ihm innerlich Abbitte. Er hatte ausbaden m�ssen, was sein Vater, Lorenzo il Magnifico, der Stadt vergeblich aufzuzwingen versucht hatte � Stil und Gr��e. Einer Kaufmannsstadt!</p><p>Zwei elfenhafte Wesen, die ihn und den Architekten fr�hlich in Empfang nahmen, hinderten ihn daran, in seinem Zorn �ber die ungl�cklichen Verh�ltnisse seiner Vaterstadt zu versinken.</p><p>�Ah, Mess�r Giuliano�, gurrte eines der M�dchen. �Wen bringt Ihr uns da mit?�</p><p>�Einen Gott in Menschengestalt�, lachte Sangallo.</p><p>�Amor?�, fragte die andere und spitzte die Lippen wie zu einem Kuss.</p><p>Diese Dienerinnen der Venus kannten sich im Gegensatz zu ihren florentinischen Kolleginnen in der Mythologie aus, stellte Michelangelo fest. Angenehm �berrascht war er auch dar�ber, dass sie es unterlie�en, ihre G�ste zur Begr��ung ans Gem�cht zu fassen. Die Huren in Florenz taten das regelm��ig, um ihren Kunden zu versichern, dass sie die Sache im sprichw�rtlichen Griff hatten.</p><p>Michelangelo f�hlte sich von all den reizvollen Eindr�cken wohlig berauscht und beschloss, sich einfach treiben zu lassen. Armer Piero, dachte er noch einmal, das hast du niemals erlebt. Armseliges Florenz!</p><p>Mit ihren reizenden Begleiterinnen betraten die beiden M�nner den ersten Saal des <emphasis>piano nobile.</emphasis> Sch�ne, vornehm gekleidete Frauen lehnten in gedrechselten und mit kostbaren Stoffen bezogenen Sesseln und plauderten galant mit M�nnern jeglichen Alters. �berall wurde gelacht, gescherzt und kokettiert. Das Kerzenlicht spiegelte sich in den tulpenf�rmigen Weingl�sern, die aus geschwungenen Karaffen eifrig nachgef�llt wurden. An den W�nden der S�le hingen kunstvoll gewirkte Teppiche. Darunter reihten sich lange, blumengeschm�ckte Tische, auf denen alle erdenklichen K�stlichkeiten auf die Genie�er warteten. Zwischen Platten mit Fleisch, Fisch und Gefl�gel, gebraten oder gesotten, standen Salzf�sser und Gew�rzsch�lchen, silberne Schalen mit allerlei Gem�se und K�rbe mit Obst oder ger�stetem Brot und goldene Teller mit Marzipan und Datteln. Nein, niemand konnte hier auf den Gedanken kommen, er bef�nde sich in einem Bordell.</p><p>Unter das Gewisper und Gel�chter, das die Eskorte geistvoller Unterhaltungen bildete, mischten sich die Kl�nge von Lauten und Fl�ten. Eben sang ein h�bscher junger Mann mit heiserem Tenor ein Lied von Liebe und Sehnsucht:</p><p>�Vergangene Nacht war mir der Schlaf genommen:</p><p>Der Tag wurde tausend Jahre lang nicht licht,</p><p>bis endlich mit den Tieren ich k�nnt kommen</p><p>zu dir und deinem edlen Angesicht ��</p><p>Freudig �berrascht stie� Michelangelo Sangallo an: �Ein Gru� aus der Heimat�, sagte er, worauf ihn der Architekt fragend ansah.</p><p>�Dieses Lied ist von Lorenzo de Medici, die Zeilen stammen aus �La Nencia da Barberino�.�</p><p>Sangallos Augen wurden feucht. �Ach, zum Teufel mit dem Magnifico. Was hatte er sich da nur f�r eine schreckliche Posse einfallen lassen, so fr�h zu sterben? Alle hat er sie mit in die Gruft gezogen: Poliziano, Pico, Piero, all die guten M�nner und liebenswerten J�nglinge. Piero war gewiss kein schlechter Kerl, aber ein Hei�sporn � und zu jung f�r die Aufgabe.�</p><p>Die eine der beiden Elfen bemerkte die Tr�ne, die �ber Sangallos stoppelige Wange rann, reckte sich und k�sste sie weg.</p><p>�Ihr k�nnt so rasch laufen, wie Ihr wollt, aber den Wind, der gestern �ber die Felder ging, holt Ihr heute nicht mehr ein. Sto�t selbst das Rad der Fortuna an, wenn Ihr w�nscht, dass es sich f�r Euch dreht�, raunte sie in sein Ohr.</p><p>�Hast ja recht, meine Sch�ne.� Sangallo r�usperte sich, um seine R�hrung zu verbergen, und presste das M�dchen so fest an sich, als k�nnte sein alter K�rper Kraft aus ihrer Jugend ziehen.</p><empty-line/></section><section><p>13</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Im zweiten Saal thronte in einem ausladenden Sessel, der mitten im Raum stand, ein untersetzter H�ne, von dessen gl�nzendem Sch�del ein Kranz grauer Haare abstand. Seine m�chtigen Arme, die entspannt auf den Lehnen ruhten, strahlten eine schlummernde, aber gef�hrliche Kraft aus. Er war ganz in das Gepl�nkel mit zwei drallen G�ttinnen vertieft � die eine auf seinem Scho�, die andere zu seinen F��en. Der Anblick dieses ungef�gen Kerls, der mit seinen Gespielinnen schn�belte, entbehrte nicht einer gewissen Komik. Wider Erwarten entging ihm jedoch nichts, am allerwenigsten die Ankunft der beiden K�nstler.</p><p>�Ah, Giuliano, wer ist der junge Rabe neben Euch?�, grunzte er.</p><p>�Mess�r Michelangelo, ehrenwerter Donato.�</p><p>�Ihr scherzt!�</p><p>�Warum?�</p><p>�Dieser H�nfling? Den Sch�pfer des David hab ich mir wahrlich anders vorgestellt. �lter, gewichtiger, nicht so ein schm�chtiger Vogel. Na, macht nichts! Gottes Wege sind ja bekannterma�en unerforschlich.� Bramante r�usperte sich, blickte mit sp�ttischer Feierlichkeit in die Runde und rief: �Meine Lieben, vor euch steht ein Bildhauer von erheblichem Talent. Erweist ihm die Ehre!�</p><p>Dann schob er die Sch�ne von seinem Scho�, die ein leises Quieken von sich gab, weil er sie dabei neckisch gezwickt hatte, erhob sich �chzend aus seinem Sessel, griff nach einem Glas mit Rotwein und reichte es Michelangelo. Ein zweites Glas erhielt Sangallo. Bramante langte nach dem dritten und fragte mit einem breiten Grinsen: �Sagt, Giuliano, was meint eigentlich Eure Frau dazu, dass Ihr alles hier ausgebt und nichts f�r zu Hause �brig lasst?�</p><p>�Meine Verh�ltnisse, Mess�r Donato, sind bestens geordnet. Es bleibt ihr mehr als genug�, gab Sangallo zur�ck.</p><p>Bramante erhob sein Glas. �Ich dachte dabei nicht ans Geld, Giuliano. Zum Wohl!�</p><p>�Auch ich sprach nicht vom Geld, Mess�r Donato. Zum Wohl!�</p><p>Bramante, der Sangallos Antwort nicht abgewartet hatte, sondern schon in vollen Z�gen sein Glas leerte, verschluckte sich vor Lachen.</p><p>�Wohl geantwortet, mein Freund�, prustete er. R�tliche Rinnsale sickerten ihm aus den Mundwinkeln und suchten sich ihren Weg �ber das Kinn. Dann fasste der Baumeister des Papstes Michelangelo scharf ins Auge. �Und was ist mit Euch, mein junger Freund? Habt auch Ihr ein Weib zu versorgen wie unser braver Giuliano?�</p><p>�Gott bewahre!�</p><p>Sangallo klopfte seinem Sch�tzling auf die Schulter. �Der Arme hat schon an seiner habgierigen Familie genug zu tragen. Ich sage Euch, eine Bande echt florentinischer Taugenichtse!�</p><p>W�tend machte sich Michelangelo von seinem lachenden Freund los und funkelte ihn zornig an. �Lass meine Familie aus dem Spiel, Giuliano, wenn dir dein Leben lieb ist!�</p><p>Bramante merkte auf, legte den Zeigefinger auf die Lippen und blinzelte den jungen Mann mit gerunzelter Stirn an. �Ruhig, mein Hei�blut, ruhig! Ehre den �lteren Meister, und lass ab von solch eitlen Drohungen. Sie ziemen sich auch nicht f�r uns K�nstlerpack. Oder bist du etwa von Adel?�</p><p>�Ja, im Gegensatz zu Euch bin ich das!�, sagte Michelangelo fest, w�hrend er �ber den drohenden Unterton nachdachte, den er in Bramantes Beschwichtigung gesp�rt hatte. Eine kleine vergiftete Stille trat ein. Der Baumeister musste Michelangelos Worte � ganz gleich, wie sie gemeint gewesen waren � als Kampfansage verstehen, zumal sie vor allen Anwesenden offen ausgesprochen worden waren.</p><p>Michelangelo f�hlte sich von dem starren Blick des �lteren Mannes wie von einer Lanze durchbohrt. Ihn beschlich das Gef�hl, in einen Machtkampf geraten zu sein. Ein Machtkampf im Bordell? Wie l�cherlich! Andererseits hatte ihn doch Lorenzo gelehrt, dass nichts zuf�llig sei, nichts zu klein und nichts zu unbedeutend, es gehe immer und bei allem um Macht. Erst in diesem Moment erkannte er, wie viel Klugheit und Wissen er seinem M�zen verdankte, der sein eigentlicher Lehrer gewesen war.</p><p>Ohne den Blick von ihm abzuwenden, zog Bramante ganz langsam die Mundwinkel nach unten.</p><p>�Ach, verzeiht mir, ich verga߫, rief er dann mit einem h�hnischen L�cheln. �Ihr seid ja der Graf Einfaltspinsel, der Baron von Hammer und Mei�el. Darf ich vorstellen, liebwerte Madonnen und hochedle Mess�res, der Cavaliere von der h�ngenden Rute!�</p><p>�Ruhig, Michelangelo, ruhig!�, mahnte Sangallo halblaut und umfasste das rechte Handgelenk des Bildhauers. Die Situation drohte sich zu versch�rfen. Die Musik brach mit einem Mal ab, und die Gespr�che versiegten. Eine Atmosph�re lauernden Schweigens breitete sich aus. Alle warteten gespannt, wie Michelangelo auf die Kr�nkung reagieren w�rde. Dieser befreite mit einem Ruck seinen Arm aus Sangallos Griff. Seine Stirnadern schwollen an und traten bl�ulich an den Schl�fen hervor. �Meine Familie stammt von den Grafen von Canossa ab!�</p><p>Die Stimmung vereiste zusehends. Bramante l�chelte, aber es war ein wildes, zorniges L�cheln, das seine Lippen unabl�ssig knetete, als suche er nach der passenden Antwort. Dann vollf�hrte er mit schiefem Grinsen einen vollendeten Kratzfu� und tat erschrocken. �Verzeiht, Mess�r, dass ich in dem zerlumpten Kerl vor meinen Augen nicht den hochedlen Grafen von Canossa erkannt habe. Dabei h�tte es mir gleich auffallen m�ssen, hat doch bereits der Ahnherr Eures Geschlechts Eure Kleider getragen. Ein Wunder, dass sie nicht zerfallen sind, als Ihr sie abgestaubt habt, um hier nicht nackt erscheinen zu m�ssen.�</p><p>�Wollt Ihr mich wegen meiner Armut verspotten?�, entgegnete Michelangelo finster. Nichts in seiner Miene und K�rperhaltung deutete darauf hin, dass er es dabei bewenden lassen w�rde.</p><p>�Keineswegs, Mess�r Michelangelo, eher wegen Eures Reichtums an D�nkel. Es ist ein Kreuz mit Euch, lasst uns deshalb die Klingen kreuzen. Mein Adel ist nicht geringer als der Eurige. Ich leite mich von Hiram her.�</p><p>Michelangelo wollte die Herausforderung annehmen, als pl�tzlich aller Zorn und alle H�rte aus Bramantes Augen verschwanden und einem fast kindlichen Leuchten wichen. Erstaunt wandte sich Michelangelo um.</p><p>In der T�r stand eine junge Frau, nicht gertenschlank, weder mager noch �ppig. Sie trug ein blaues Kleid und dar�ber einen roten Mantel mit geschlitzten �rmeln. Ihre Haare, die in Locken das runde Gesicht umrahmten, hatten im Schein der Kerzen die Farbe von dunklem Kupfer. Der Schein der Kerzen lie� einen feuchten Schimmer in ihren blauen Augen aufgl�nzen, was ihnen etwas Sph�risches verlieh, in dem sich Wissen und Melancholie umfingen. Der helle Elfenbeinton der Haut, zart wie chinesisches Porzellan, schenkte ihr ein edles Aussehen, welches jedoch von der kecken Stupsnase ein wenig geschm�lert wurde. Sie bot einen verwirrenden Anblick, denn man konnte nicht recht entscheiden, ob man es mit einem �therischen Wesen, das nicht ganz von dieser Welt war, zu tun hatte, oder mit einer beherzten jungen Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben stand. Sie war sch�n, oh ja, aber sie beeindruckte Michelangelo nicht. Bramante dagegen war scheinbar vollkommen �berw�ltigt und hatte nur noch Augen f�r die Unbekannte. Der Streit mit dem jungen Bildhauer, ja der junge Mann selbst war, von einem Augenblick auf den anderen vollkommen vergessen.</p><p>�Imperia, endlich!�, rief Bramante leise, als h�tte er sie sehns�chtig erwartet. Die beiden Kurtisanen, mit denen er sich die Zeit vertrieben hatte, erhoben sich und begaben sich auf die Suche nach neuen Kavalieren. Als Bramante auf die junge Frau zuging, wandte er sich zu den drei Musikern in der Ecke und brummte sie an: �Warum habt ihr aufgeh�rt zu spielen?�</p><p>Diese begannen erneut, ihre Instrumente zu traktieren, wild und fr�hlich, als wollten sie durch die Saltarella den unsch�nen Streit vergessen machen.</p><p>Michelangelo sp�rte, dass ihn jemand am �rmel zog. Er blickte in die Augen Petronillas, die ihm l�chelnd, aber unmissverst�ndlich zuraunte: �Und Ihr, Ihr seht zu, dass Ihr aus meinem Haus verschwindet! Und lasst Euch nicht einfallen, Euch hier noch einmal blicken zu lassen!�</p><p>Damit lie� sie ihn stehen. Sangallo zuckte bedauernd mit den Schultern, als wollte er sagen, ich habe versucht, dich zur�ckzuhalten. Aber gegen Petronilla konnte niemand etwas ausrichten. Sie war die F�rstin im eigenen Palazzo. Selbst Kardin�le f�gten sich ihrer Entscheidung.</p><p>Michelangelo drehte sich auf dem Absatz um und st�rmte die Treppen hinunter. Was hatte er hier zu suchen gehabt?, schalt er sich. Es geschah ihm recht. Wie konnte er nur die wenige Zeit, die Gott ihm schenkte, an diesen Ort der Eitelkeit verschwenden? Seit langer Zeit war er im tiefsten Inneren davon �berzeugt, dass er sich im Leben beeilen musste, weil er kein hohes Alter erreichen w�rde. Bald, in nicht allzu ferner Zukunft schon, w�rde ihn der Tod holen. Bei seiner schwachen Gesundheit w�re es ohnehin ein Wunder, wenn er die vierzig erreichen sollte. Mit einem bitteren Geschmack auf der Zunge trat er auf die Stra�e hinaus und lenkte seine Schritte mitten hinein in die Finsternis.</p><p>Er hatte gerade die gegen�berliegende Stra�enseite erreicht, als er hinter sich eine Stimme vernahm: �Wartet, Mess�r Michelangelo, wartet!� Er blieb stehen und wandte sich um.</p><p>Er kannte die Stimme � sie geh�rte dem jungen, heiseren Tenor, der nun in der K�hle der Nacht allein vor dem von Fackeln erleuchteten Palazzo der Petronilla stand. �ber einem Paar trostloser Augen wies eine kr�ftige Nase auf einen kleinen Mund mit verh�ltnism��ig vollen Lippen. Die Wangen gl�hten, entweder hatte er getrunken oder fieberte oder hatte sie nur geschminkt, wie es die Lustknaben gern taten.</p><p>�Nehmt mich mit. Ich will Euch auch nicht zur Last fallen, sondern ehrlich dienen.�</p><p>�Warum mir?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Mein Genius sagt es mir.�</p><p>Michelangelo musterte ihn sp�ttisch. �Soso, dein Genius. Und hat dir dein Genius auch gesagt, dass es bei mir nichts zu holen gibt au�er Hungerbeulen und Schwielen?�</p><p>�Ich habe Eure Piet� gesehen.�</p><p>�Schmeichle mir nicht, du Schuft!�</p><p>�Ich will kein Geld! Nehmt mich auf, ern�hrt mich, und Ihr sollt es nicht bereuen!�</p><p>Michelangelo dachte nach, wurde aber nicht schlau aus dem h�bschen Kerl. �Wie hei�t du?�</p><p>�Man nennt mich das Franz�slein, wegen der schlimmen Krankheit, die ich �berstanden habe.�</p><p>�Und wie soll ich dich nennen?�</p><p>�Franz�slein.�</p><p>�Also gut, Francesco, aber warum?�</p><p>�Weil ich immer daran erinnert werden m�chte, dass Gott mir die Franzosenkrankheit gesandt hat, damit ich dem unsittlichen Lebenswandel entsage!�</p><p>�Und was verhalf dir zu dieser Einsicht?�</p><p>�Eure Piet� eben, Maestro!�</p><p>Michelangelo fuhr zusammen, schlug die Augen nieder und dachte einen Moment lang nach. Wenn es stimmte, was der Junge sagte, dann hatte dieser ihm etwas voraus � er hatte zumindest sein Leben ge�ndert. Dar�ber durfte er nicht gleichg�ltig hinweggehen.</p><p>�Komm�, sagte Michelangelo knapp, drehte sich um und schritt die Stra�e entlang. Ein wenig wunderte er sich doch �ber sich selbst. Es war nur allzu wahrscheinlich, dass hier ein durchtriebener Kerl ihm einen gewaltigen B�ren aufband und seinen Schabernack mit ihm trieb. Andererseits, was riskierte er schon? Einen Diener konnte er in der Tat gebrauchen.</p><p>Rasch eilte der junge Mann ihm nach und schwieg f�r den Rest des Weges.</p><empty-line/></section><section><p>14</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Die Aprilsonne brannte auf Rom nieder wie das Feuer des Leibhaftigen in der H�lle. Wie sollte da erst der Sommer werden, wenn schon der Fr�hling mit solch m�rderischen Temperaturen aufwartete? Man hatte die Fensterl�den geschlossen, um die Hitze aus dem Saal fernzuhalten. So blieb es ertr�glich, wenngleich der Schatten, der wie eine Schicht gerupfter grauer Daunen �ber allem lag, bei vielen der Anwesenden eine gewisse Schl�frigkeit weckte, die von den zwar leidenschaftlich vorgetragenen, aber langatmigen Ausf�hrungen des Architekten Fr� Giovanni Giocondo noch bef�rdert wurde.</p><p>Selbst der Kardinal Catalano k�mpfte mit der M�digkeit. Dabei war er es gewesen, der den Ordensbruder und ber�hmten Architekten, der gerade als Baumeister der Kathedrale Notre-Dame de Paris im Dienste des K�nigs von Frankreich stand, gedr�ngt hatte nach Rom zu kommen, um den Bauzustand des Petersdomes zu untersuchen.</p><p>Ebenso eindringlich wie ausf�hrlich legte der hochgewachsene, feingliedrige Architektenm�nch mit den aristokratischen Gesichtsz�gen der Kommission seine Erkenntnisse dar. Die Kommission bestand aus Bauunternehmern wie Baccio di Biggi und den Klerikern der <emphasis>Fabbrica di San Pietro</emphasis>. Laut Fr� Giocondo war der Petersdom eigentlich eine Ruine, die dringend der Erneuerung bedurfte, wenn sie nicht einst�rzen sollte.</p><p>�Nicht mehr lange�, rief er mit vor Emp�rung bebender Stimme, �und es wird �ber den Altar Petri hereinregnen. Und wenn das Wasser erst seinen Weg gefunden hat, wird es nicht mehr lange dauern, bis die aus dem Lot geratenen W�nde br�ckeln. Es ist eine Schande! Die Gl�ubigen k�nnen sich nur noch auf den Schutz Gottes, nicht mehr auf die Sicherheit des Bauwerks verlassen.�</p><p>Er hatte kaum geendet, als ein Priester des Domes, von seiner Mozetta umflattert, atemlos in den Beratungssaal st�rzte.</p><p>�Schnell, kommt mit mir, Eminenz, ein Ungl�ck, ein furchtbares Ungl�ck!�</p><p>Der Mann war bleich, und der Schrecken stand ihm ins Gesicht geschrieben. Kardinal Catalano erhob sich und folgte dem Priester; die anderen Anwesenden schlossen sich den beiden an. Bereits im Vorhof mussten sie sich durch eine Ansammlung von Menschen k�mpfen. Giacomo, der auch als Kardinal seine schlichte Dominikanerkutte trug, stie� jeden, der ihm den Weg versperrte, unsanft zur Seite.</p><p>In der Mitte des Hofes hatte sich ein Kreis aus heftig diskutierenden Menschen gebildet. Giacomo fuhr zusammen, als sein Blick auf einen d�rren Mann unbestimmbaren Alters fiel, der nur mit einem Lendenschurz bekleidet war. Der schmutzige Kerl war auf seinen geliebten Pinienapfel gestiegen! Die nach oben verdrehten braunen Augen des Mannes gl�nzten, und obwohl seine Stimme wie Ziegengemecker klang, besa� sie doch eine Eindringlichkeit, die die vielen Menschen zwang, ihr zu lauschen.</p><p>�Deshalb rufe ich, ihr Gro�en, Papst, du, und ihr Kardin�le, kehrt um, kehrt um, und tut Bu�e�, ereiferte sich der Mann. �Verachtet die Bilder aus Farben und Stein. Lasst ab von der Fleischeslust. Seid arm wie Christus. Sonst wird der ganze Dom ebenso �ber euren H�uptern zusammenbrechen wie heute die Kapelle! Ein Riss wird vom Dach aus durch die Mauern, durch die Fu�b�den, durch die ganze Erde gehen und sie spalten. Und aus dem Abgrund werden die W�rgeengel des Teufels klettern, um euch zu schlagen, zu st�upen, zu vierteilen. Und es wird kein Frieden sein, und herfallen werden die Menschen �bereinander. Ein jeder wird sich auf Gott berufen, aber den Teufel im Herzen haben. Und es wird keine Ruhe und keinen Frieden mehr geben. S�hne werden ihre V�ter erschlagen und bei ihren M�ttern liegen. M�tter werden ihre Kinder fressen und ihre Liebhaber s�ugen ��</p><p>Angewidert wandte sich Giacomo ab. Ein verr�ckter Volksprediger � von dieser Sorte gab es mehr als genug. Sie zogen durch ganz Italien und redeten sich in Trance. Und den Unfug, der aus ihren M�ndern quoll, hielten sie selbst und viele ihrer Zuh�rer f�r Prophezeiungen. Hin und wieder konnte man einen dieser schmutzigen Wanderprediger verbrennen, wenn er zu weit gegangen war. Doch das schaffte nur wenig Abhilfe, denn schon bald nahm ein anderer, der sich berufen f�hlte, seine Stelle ein. Giacomo nahm ihre ganze zur Schau gestellte Fr�mmigkeit f�r verquere Eitelkeit und empfand die Wanderprediger als Landplage. Sobald sich die Menge verlaufen h�tte, w�rde er Anweisung geben, den Mann zu ergreifen und nach einer ordentlichen Tracht Pr�gel unter Androhung des Todes der Stadt zu verweisen.</p><p>Rasch wandte er seine Schritte zum Dom und stand bald darauf im linken Seitenschiff vor der Gregorkapelle. Dies war nicht nur die letzte Ruhest�tte seines Freundes Francesco Todeschini Piccolomini, Papst Pius III., sowie dessen Onkel Pius II. Hier befand sich im Hauptaltar auch der Tabernakel mit dem Haupt des heiligen Andreas.</p><p>Das Deckengew�lbe, aus dem sich offensichtlich der Schlussstein gel�st hatte, war eingest�rzt und hatte einige Pilger unter seiner steinernen Last begraben. Best�rzt blickte der Kardinal auf den Haufen Schutt und Steine, aus dem staubige Arme, Beine, F��e und K�pfe herausragten. Selbst das ausstr�mende Blut war von einer Staubschicht bedeckt. Der �tzende Geruch trockenen M�rtels drang in seine Nase und reizte ihn zum Niesen.</p><p>Giacomo sank auf die Knie und begann, laut zu beten. Er konnte nicht mehr tun, denn es waren gen�gend Helfer am Werk, die sich m�hten, die Ungl�cklichen zu bergen. Vielleicht gab es ja doch noch Hoffnung, dass einige von ihnen �berlebt hatten. Er sprach eine beeindruckende F�rbitte, in die immer mehr Menschen einfielen. Das vielstimmige Gebet schwang sich hinauf zum Obergaden des Domes.</p><p>Pl�tzlich nahm er wahr, dass die Menschen hinter ihm nacheinander verstummten. Scharrende Tritte und Gemurmel drangen an sein Ohr. Er wandte sich um. Die Pilger waren zur Seite getreten und hatten eine Gasse gebildet, durch die Julius II. auf die Kapelle zuschritt. Die Sonne, die durch die Fenster im Obergaden in das Kircheninnere schien, fiel auf sein sorgenvolles Gesicht und lie� die wei�en Haare um den Pileolus aufleuchten. Kniend wandte sich Giacomo dem Pontifex zu.</p><p>�Erhebe dich, mein Sohn�, sagte Julius. Als sein Blick das ganze Ausma� der Trag�die erfasst hatte, f�gte er tonlos hinzu: �Welch ein Ungl�ck!�</p><p>Die Helfer hatten die Steine beiseitegeschafft. Zwei M�nner und drei Frauen lagen mit zertr�mmerten Sch�deln und Knochen am Boden der Kapelle � niemand hatte �berlebt. Der Papst kniete vor ihnen nieder, und alle Anwesenden folgten seinem Beispiel. Mit fester Stimme sprach Julius II. die get�teten Pilger von ihren S�nden los und segnete sie. Dann erhob er sich.</p><p>�Was sagst du dazu, Erzpriester?�, fragte er Giacomo.</p><p>�Ein Ungl�ck, schlimm. Aber nicht das letzte, wenn wir nicht handeln�, erwiderte der Kardinal. �Ich habe Fr� Giocondo gebeten, ein Gutachten zu erstellen.�</p><p>Freundlich begr��te Julius den M�nch und bat ihn, ihm Bericht zu erstatten. Dieser Aufforderung folgte der Architektenm�nch, wie Giacomo bedauernd feststellte, in seiner gew�hnlichen, unendliche Geduld erheischenden Langatmigkeit. Und wenn Julius eines nicht zu Gebote stand, so war es Langmut. Erst wurde er unruhig, dann unwillig, und schlie�lich unterbrach er den M�nch, der sich noch mitten in der Vorrede befand: �Danke, mein Freund. Schreibe all das f�r Uns auf.�</p><p>Dann wandte er sich an Giacomo und funkelte ihn an. �Wir k�nnten Kosten und M�hen sparen, mein lieber Erzpriester, wenn wir uns k�nftig besser abstimmen. Ich hatte bereits Unseren neuen Architekten, Mess�r Donato, mit einem Gutachten beauftragt.�</p><p>Auf seinen Wink trat Bramante vor. Giacomo hatte M�he, sich sein Erschrecken nicht anmerken zu lassen: Dies war der Mann, mit dem er damals im Haus von Pico della Mirandola gek�mpft hatte. Still richtete er ein Gebet an die Jungfrau Maria, dass ihn Bramante seinerseits nicht erkennen w�rde.</p><p>�Es w�re mir eine Freude, Euch kennenzulernen, Eminenz, wenn nur nicht der Anlass ein so trauriger w�re�, sagte der neue Baumeister und verneigte sich vor ihm.</p><p>�Wahr gesprochen�, entgegnete der Kardinal. Nur langsam wich seine Furcht der Erleichterung. Bramante schien keinen Verdacht zu sch�pfen.</p><p>�Der Artigkeiten sind genug gewechselt. Was hast du herausgefunden?�, fragte Julius dr�ngend.</p><p>�Nun, Heiliger Vater, der Petersdom ist bauf�llig.�</p><p>�Das ist offensichtlich�, warf Fr� Giocondo ein.</p><p>Die beiden Architekten ma�en sich mit feindseligem Blick. Ach, diese eitlen K�nstler, dachte Giacomo, sie k�nnen niemanden neben sich dulden.</p><p>�Das Offensichtliche ist nicht das, was repariert werden muss�, konterte Bramante.</p><p>�Mein lieber Donato, das ist, Ihr wisst es, banal�, parierte der feine M�nch den Schlag.</p><p>�Genug. F�r derlei Detaildiskussionen fehlt uns die Zeit. Der Heilige Vater hat die Besitzt�mer des heiligen Petrus zu verteidigen, in die rei�ende W�lfe eingefallen sind. Fr� Giocondo, reiche dein Gutachten bei uns ein, und du, Donato, erarbeitest einen Plan, in welchem Umfang und in welcher Reihenfolge die Restaurierungsarbeiten vorgenommen werden m�ssen. Schone dabei Unsere Schatulle, die seit der Misswirtschaft dieses Borgia leer ist.�</p><p>Mit diesen Worten wandte sich Julius um und verlie� den Petersdom durch das Spalier der knienden Menschen.</p></section><section><empty-line/><p>Teil II �</p><p>Das Fest der G�tter</p><empty-line/><empty-line/><p>Weder Rom noch Italien</p><empty-line/><p>noch der Erdkreis werden etwas haben,</p><empty-line/><p>was den Neubau �bertrifft,</p><empty-line/><p>sei es an Pracht und Aufwand,</p><empty-line/><p>sei es an Dimension.</p><p><emphasis>Egidio da Viterbo</emphasis></p></section><section><empty-line/><p>15</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Die Mondsichel spiegelte sich im ruhigen Wasser des Tibers, als Bramante sich in der Nacht in seinen Mantel h�llte und auf den Weg nach Trastevere machte.</p><p>�ber einen mehr als verschlungenen Pfad war es ihm endlich gelungen, ein geheimes Treffen mit dem j�dischen Arzt und Gelehrten Bonet de Lates zu vereinbaren, einem Mann, der als ebenso scheu wie weise galt. Man hatte Bramante wissen lassen, dass er sich am 20. Oktober kurz nach Mitternacht in der Synagoge an der Porta Portese einfinden sollte, wenn ihm tats�chlich etwas an einer Begegnung lag, die er nat�rlich geheim halten musste. Zuf�llig fiel die Verabredung mit seinem Geburtstag zusammen � wenn das in diesen unsicheren Tagen kein gutes Omen war! Da er mit einem Bischof zu Abend gespeist hatte, durchquerte er auf dem Weg nach Trastevere den Borgo.</p><p>Eine eigent�mliche Stimmung �berkam ihn, als er durch die meist leeren, dunklen Gassen schritt, die tags�ber von gesch�ftigem Treiben erf�llt waren. Er z�hlte nun neunundf�nfzig Jahre und hatte noch immer nicht das gro�e Werk vollbracht, f�r das er sich ausersehen d�nkte. Die <emphasis>Fedeli</emphasis> waren tot oder in alle Winde zerstreut, der Bund existierte praktisch nicht mehr, und die sterblichen �berreste seines Freundes Pico della Mirandola ruhten nun schon seit fast zehn Jahren im Konvent der Dominikaner von San Marco in Florenz. Auch seine Suche nach dem M�rder, mal mit Eifer, dann wieder nachl�ssig betrieben, war bisher ergebnislos verlaufen.</p><p>So harrten beide Schw�re � Rache zu nehmen und im Geiste Picos einen Bau zu errichten, der alles bis dahin Geschaffene in den Schatten stellte � immer noch ihrer Erf�llung. Hatte der Tod den gro�en gr�flichen Gelehrten daran gehindert, in einer wunderbaren Schau das gesamte Wissen der Menschen zu versammeln, so wollte Bramante dieses Buch sozusagen in Stein schreiben, ein Bauwerk schaffen, das die Architektur des menschlichen Glaubens veranschaulichte, denn das Wissen war nur ein Teil des Glaubens. Manchmal wachte er mitten in der Nacht auf, und die Angst, dass auch ihm der Tod zuvorkommen k�nnte, nahm ihm fast den Atem.</p><p>In der Synagoge an der Porta Portese versammelten sich die alteingesessenen Geschlechter der Juden von Trastevere. In diesem Winkel der Stadt schien sich Bonet sicher zu f�hlen, denn das Viertel hatte mit der �brigen Stadt nicht allzu viel gemein: Es war ein eigener Kosmos mit eigenen Gesetzen, einem eigenen <emphasis>popolo</emphasis> und eigenen Patronen. Wild, archaisch und unbotm��ig.</p><p>Die Gegend, die er nun durchquerte, war ihm noch nie geheuer gewesen. Sein Weg f�hrte vorbei an Ruinen und unbewohnten Grundst�cken, in denen von jeher zwielichtiges Gesindel Unterschlupf fand. Deshalb hatte er sich gut bewaffnet. Angst hatte er nicht � was konnte der Mensch gegen den Spruch der Parzen ausrichten, wenn schon die G�tter sich vor ihnen duckten? F�r Bramante war alles, was eintreffen w�rde, bereits im Himmel aufgezeichnet � auch, dass sein Leben in der Existenz des Architekten vollkommen aufging. Und wenn im Himmel beschlossen war, dass sein Lebensfaden an diesem Tag von der Spindel der allm�chtigen Zeit abgeschnitten w�rde, gab es keinen Ort auf dieser Welt, der ihn vor dieser Bestimmung bewahren, und keine Kraft, die das verhindern konnte. Dem Tod entging man nicht, deshalb half es auch nicht, sich zur Flucht zu wenden. Hin und wieder jedoch war der Tod feige oder faul und wollte einfach den N�chstbesten mitnehmen. Wenn man sich ihm dann beherzt entgegenstellte, konnte es wom�glich geschehen, dass er Rei�aus nahm und man ihm entkam.</p><p>Lauernd wie R�uber und Diebsgesindel duckten sich die H�user in den Schutz der Dunkelheit. Nur dann und wann ragte aus den H�uschen der armen Handwerker oder kleinen H�ndler und aus den Unterk�nften, deren Besitzer wei� Gott welchem Nebenerwerb nachgingen, ein Geschlechterturm wie ein W�chter heraus. Bramante passierte den Turm der Grafen von Anguillara und den der Pierleoni. Dann stand er endlich vor der d�steren Synagoge.</p><p>Der Oktobermond hatte sich hinter einer Wolke verborgen. Bramante schwitzte und st�hnte. Die F��e schmerzten ihn. Sie waren an solch lange Fu�m�rsche nicht gew�hnt und zudem f�r seinen m�chtigen K�rper einfach zu zierlich geraten. Er �ffnete die T�r der Synagoge nur einen Spalt weit und schob sich hinein.</p><p>Der leise Gesang eines vollen Basses drang an sein Ohr. Die W�nde schienen durch den Schall in Vibration zu geraten, als br�chten die gesungenen Silben die Steine zum Tanzen. Bramante f�hrte diesen seltsamen Eindruck auf seine �berreizten Nerven zur�ck. Er verstand nicht, worum es in dem Lied ging, denn der S�nger benutzte jene Sprache, die so geheimnisvoll klang, so fremd und exotisch und die er f�r die Sprache des Alten Testamentes hielt. Auch wenn er nichts verstand, ja, aus den flie�enden Akzentuierungen nicht einmal einzelne Worte zu unterscheiden vermochte, folgte er der Stimme. Sie f�hrte ihn durch einen langen Gang zu einer ge�ffneten T�r. Es roch nach Myrrhe und Weihrauch. Bramante betrat den Saal, den der siebenarmige Leuchter mit seinen sechs Kerzen nicht ganz ausleuchtete.</p><p><emphasis>�� schma jisrael adonai elohenu adonai echad ��</emphasis></p><p>Mit dem R�cken zu ihm stand ein schlanker Mann mit r�tlichen Haaren und einem kupferroten Vollbart. Er wirkte j�nger, als er war, und trug eine Strumpfhose, geschlitzte �berhosen und ein Wams. Seine Kleidung unterschied sich nicht von der Bramantes, au�er dass er eine Art Kappe auf dem Kopf trug, die den Architekten an das Pileolus des Papstes erinnerte.</p><p>Als er ihn entdeckte, verstummte der S�nger. �Bedeckt Euer Haupt!�, sagte er streng. �Ihr seid im Allerheiligsten! Respektiert das � auch wenn es nicht Euer Glaube ist!�</p><p>Bramante zog sein Wams aus und h�ngte es sich �ber den Kopf, sodass es bis zur Schulter hinunterfiel. Dieser Anblick erzeugte bei seinem Gegen�ber ein L�cheln.</p><p>�Mess�r Bonet de Lates?�, fragte Bramante, den belustigten Blick aus den tief liegenden Augen ignorierend.</p><p>�Wer sonst! Folgt mir!� Dem Akzent nach musste dieser Jude aus Frankreich stammen.</p><p>Ohne ein weiteres Wort der Erkl�rung griff der Rabbiner nach einer �llampe, verlie� durch eine T�r den Betraum und f�hrte Bramante einen langen Flur entlang zu einem kleinen Zimmer. Mithilfe der brennenden �llampe entz�ndete er weitere Lichter und Kerzen, sodass der Raum bald hell erstrahlte.</p><p>�Ihr k�nnt Eure Kippa nun absetzen�, sagte der Jude, und Bramante streifte das Wams vom Kopf. �Womit kann ich Euch dienen?�</p><p>Der Architekt zog den Ring ab, den er von einem Juwelier auf den Umfang seines m�chtigen Ringfingers hatte weiten lassen, und legte ihn auf den Tisch. Bonets Augen hefteten sich auf das Schmuckst�ck. Er begann, den Ring sorgf�ltig zu untersuchen, hob ihn gegen das Licht und erkannte das Monogramm in dem blauen Stein. Ein L�cheln huschte �ber seine Lippen.</p><p>�Woher habt Ihr den Ring?�</p><p>�Von einem Toten.�</p><p>�Wisst Ihr, wem er geh�rt hat?�</p><p>�Seinem M�rder.�</p><p>Bonet zuckte zusammen. �Wer ist der Tote?�</p><p>�Graf Giovanni Pico della Mirandola.�</p><p>�Der Princeps Concordiae!� Ein St�hnen entrang sich der Brust des Juden. �Und <emphasis>Ihr</emphasis> kennt seinen M�rder?�</p><p>�Ich hoffe, dass der Ring mich zu dem Schurken f�hrt. Ich will ihm endlich die Kehle durchschneiden f�r das, was er dem armen Grafen angetan hat. Was bedeutet das Monogramm?�</p><p>�Es ist ein Ring, der vom Vater an den Sohn weitergegeben wird. An denjenigen seiner S�hne � so er deren mehrere hat �, den er verantwortlich macht f�r die Erhaltung des Geschlechts. Er beglaubigt damit die Herkunft der Familie aus den gl�cklicheren Tagen in Eretz Israel. Also vor der Vertreibung und Zerstreuung. In diesem Fall leitet sich die Familie vom Stamm Levi her.�</p><p>�Der Mann hei�t also Levi?�</p><p>�Vielleicht, vielleicht auch nicht. Das spielt keine Rolle. Es geht um etwas vollkommen anderes. Ihr wisst, was den Stamm Levi von den �brigen elf St�mmen Israels unterscheidet?�</p><p>Bramante sch�ttelte den Kopf. Er kannte sich mit den Juden nicht aus, hatte sich auch nie daf�r interessiert. Und wollte es verdammt noch mal auch nicht! Pico zumindest schien die-se Besch�ftigung das Leben gekostet zu haben. Hatten ihn etwa die Juden ermordet, obwohl er f�r sie eingetreten war? Es klang widersinnig, gewiss, aber sie hatten ja wohl auch den Heiland, ihren Messias, gekreuzigt. Wer kannte sich schon mit ihnen aus?</p><p>Doch Bonet, den der Ring offensichtlich beeindruckte, lie� ihm keine Zeit zum Nachdenken, sondern sprach bereits weiter. �Gott hatte allen St�mmen, Dan und Simeon, Manasse und Juda und wie sie alle hei�en, Land gegeben, nur dem Stamm Levi nicht. Der sollte die Tempelabgaben erhalten. So wurden seine S�hne zu Priestern. Die Kohanim!�</p><p>�Der, dem der Ring geh�rt, stammt also aus einer Familie von Priestern?�</p><p>�Oder ist zumindest stolz auf seine Zugeh�rigkeit zu den Leviten.�</p><p>Bramante nahm den Ring an sich, �ffnete den kleinen Mechanismus und reichte das Schmuckst�ck vorsichtig dem Rabbiner. Dieser schmunzelte, als h�tte er nichts anderes erwartet, und entnahm dem Fach den Pergamentfetzen.</p><p>�Wahrscheinlich ein Familiensegen, wie �blich. Dann sollten wir den Sippennamen seines Besitzers gleich haben.�</p><p>Bramante �berfuhr ein freudiger Schauer: Endlich w�rde er erfahren, wer seinen Freund auf dem Gewissen hatte. Sorgsam breitete Bonet das Pergamentst�ck auf dem Tisch aus und strich es vorsichtig mit den Handkanten von der Mitte nach au�en glatt.</p><p>�Angenehm, wie eine zweite Haut�, sagte er beif�llig. �Ziegenleder.�</p><p>Er nahm einen schweren, kunstvoll geschliffenen Beryll, um die Schrift zu vergr��ern, und begann mit der Entzifferung der Miniatur. Er schrieb W�rter auf ein St�ck Papier, strich sie durch, notierte andere W�rter oder verbesserte sie. Bramante war kaum in der Lage, seine Unruhe zu z�geln, und stapfte hin und her. Ab und zu zog Bonet B�cher zurate, trommelte beim Nachdenken mit dem Mittelfinger auf die Tischplatte und vertiefte sich erneut in den Text. Die Zeit dehnte sich, und Bramante f�hlte sich von der Neugier wie auf eine Streckbank geflochten. Es kam ihm vor, als habe der Jude ihn vergessen.</p><p>Nach einer halben Ewigkeit faltete Bonet das Pergamentchen endlich wieder sorgsam zusammen, legte es in den Ring zur�ck, verschloss diesen und reichte ihn Bramante.</p><p>�Verzeiht, aber ich werde nicht recht schlau aus dem, was da steht�, sagte er. Der Architekt sp�rte, wie ihn die Entt�uschung �bermannte. �Verfasst ist die Botschaft in Arabisch�, fuhr Bonet fort, �so viel ist sicher. Ich kann es zwar �bersetzen, aber ich verstehe es nicht.�</p><p>�Wie, Ihr versteht es nicht?�</p><p>�Das hei�t, dass der Sinn dieser Worte mir verschlossen bleibt.�</p><p>�Was steht denn nun da?�, fragte Bramante ungeduldig.</p><p>�Etwa das.� Der Gelehrte nahm das Blatt und las im fragenden Tonfall vor: �Betrachte durch mich den Kosmos, wie er vor deinen Augen � man k�nnte es auch �bersetzen mit: den Fenstern deiner Seele � liegt, und begreife genau seine Sch�nheit: Er ist ein unversehrter K�rper, und nichts wird je �lter sein als er, und dennoch steht er in allem in der Bl�te seiner Kraft, ist jung und bl�ht �ber und �ber. Sieh auch die liegenden sieben Welten, deren Ordnung in ewig g�ltiger Weise geregelt ist und die in ihrem unterschiedlichen Lauf den �on ausmachen; alles � ist nun voller Licht geworden, das von oben eine Leuchtkraft bekommt von der Wirkkraft Gottes, des Erzeugers von allem Guten und aller Ordnung der sieben � Welten oder Ordnungen, vielleicht auch �onen, nehme ich an.�</p><p>�K�nnt Ihr mir das geben?�, fragte Bramante und wies auf die Notizen des Gelehrten. Ohne darauf zu antworten, nahm Bonet ein neues Blatt Papier und schrieb seine Krakel noch einmal leserlich ab. Dann reichte er es Bramante, der es faltete und in der Tasche seines Wamses verschwinden lie�.</p><p>�Was bedeutet das alles?�, fragte der Architekt kopfsch�ttelnd.</p><p>�Wie gesagt, ich wei� es nicht. Wirklich nicht. So viel aber ist sicher: Es klingt nach einem alten Text, den ich aber nicht kenne.�</p><p>�Aus der Kabbala?� Bramante kannte das Buch �ber die Weltgeheimnisse nicht, doch er hatte durch Pico von dem Werk erfahren. Er brachte den Titel zur Sprache, wie man einen Stein ins Wasser schleudert, um zu sehen, welche Wellen er schl�gt.</p><p>�Nein! Keinesfalls!�, wehrte Bonet entschieden ab. �Der Text stammt nicht aus dem Umkreis der Kabbala. Vielleicht von fr�hen christlichen Ketzern? Gnostikern? Mani? Valentinus? Bedaure, die Irrt�mer der Christen sind nicht mein Fach!�</p><p>�Ungew�hnlich f�r einen Juden, oder?�</p><p>�Beunruhigend ungew�hnlich, <emphasis>mon ami!</emphasis> Ring und Pergament geh�ren irgendwie nicht zusammen. Aber wer wei� das schon. Jesus war ja auch ein Jude und dann dies ��</p><p>Mit �dies� meinte er vermutlich das Christentum, dachte Bramante leicht belustigt. Doch der Rabbiner verzichtete darauf, seinen gef�hrlichen Gedanken, den die Kirche als Frevel auffassen konnte, zu Ende zu f�hren.</p><p>Bramante griff nach einem Blatt Papier, zeichnete darauf mit der Feder den Ring in vier Ansichten und reichte es dem Gelehrten. �K�nntet Ihr dennoch in den j�dischen Gemeinden Erkundigungen einziehen, ob jemand den Ring kennt?�</p><p>Bonet sah ihn abweisend an.</p><p>�Bitte!�</p><p>Es war zu sehen, wie der Rabbiner mit sich rang.</p><p>�F�r den Princeps Concordiae, der Eurem Volk eine so gro�e Ehrerbietung entgegenbrachte! Sein Tod darf nicht unges�hnt bleiben. Hei�t es nicht bei Mose: �Auge um Auge, Zahn um Zahn�?�</p><p>�Es hei�t bei Mose aber auch: �Du sollst nicht t�ten�, und der Herr spricht: �Mein ist die Rache, ich will vergelten ���, sagte Bonet de Lates. Dann unterbrach er sich und willigte ein: �Also gut. Aber es kann dauern.� Widerwillig nahm er die Zeichnung entgegen.</p><p>Ein erleichtertes L�cheln flog �ber Bramantes Gesicht. Dann zog er das Buch hervor und legte es auf den Tisch. �Ich habe da noch etwas. Leider auch sehr geheimnisvoll.�</p><p>Der Anblick der Titelseite am�sierte den Juden. �Dantes �G�ttliche Kom�die�, vom guten Landino kommentiert. Was ist daran geheimnisvoll, mal abgesehen davon, dass die Dichtung voller Mysterien steckt?�</p><p>�Schaut Euch den hinteren Teil an. Ein zweites Buch wurde mit in den Einband gebunden!�</p><p>Bonet bl�tterte und warf einen neugierigen Blick auf die Handschrift. So rasch sein Interesse aufgeflammt war, erlosch es auch schon wieder.</p><p>�Verschlossen ist das nur f�r den, der nicht lesen kann. Das ist einer der vielen Kommentare zur Kabbala. Nichts Besonderes�, sagte er gelangweilt, ja fast beleidigt.</p><p>Bramante schlug eilig die Seite auf, auf der sich die Zeichnung mit den vielen Kreisen, Linien und Worten befand und hielt das Buch dem Rabbiner unter die Nase.</p><p>�Sieht beeindruckend aus, wenn man kein Hebr�isch versteht, nicht wahr?�, sagte Bonet und grinste sp�ttisch. �Das ist der Etz Chaim, der Lebensbaum der Kabbala, der uns die Wirklichkeiten der Sch�pfung darstellt, wie sie im Sefer Jesira benannt sind. Eine Art Verk�ndigungs-, Abendmahls- und Kreuzigungsbild f�r Juden. Dieses Schema erkl�rt das Dasein und den Weg der Sch�pfung. Was Ihr hier seht, sind die Pforten des Lichts.�</p><p>�Aha�, meinte Bramante trocken. Dann zeigte er fragend auf die drei S�ulen, die scheinbar die Basis oder das Fundament der Sch�pfung darstellten.</p><p>�Rechts und links des salomonischen Tempels und als Basis des Lebensbaumes stehen die beiden S�ulen Jachin und Boas. Boas bedeutet: In Gott ist St�rke, und Jachin verhei�t �die Milde�. Das hei�t, Gott wird die S�ulen der Barmherzigkeit aufrichten. Sie stehen ganz in der Welt des Handelns, der Assia.�</p><p>�Und was bedeutet dieser Kreis hier inmitten der Vierung?�</p><p>�Was Ihr Vierung nennt, symbolisiert die vier Erzengel.�</p><p>�Aber was ist das in der Mitte?�</p><p>�Die Sch�nheit.�</p><p>�Die Sch�nheit?�</p><p>�Ja. Oder der Stellvertreter.�</p><p>Bramante wurde blass. �In der Mitte ist der Stellvertreter?�</p><p>�Ja. Er geh�rt ganz der Welt der Kreation an, der Briah.�</p><p>�Seid Ihr sicher? Seid Ihr wirklich sicher, dass in der Mitte der Stellvertreter steht?� Bramante wollte den Rabbiner schon bei den Schultern packen und durchsch�tteln, konnte sich aber gerade noch beherrschen.</p><p>�Nichts ist gewisser als dies.�</p><p>�Nichts ist gewisser als dies�, wiederholte Bramante nachdenklich und starrte wieder auf die Illustration. �Und die S�ulen hier geh�ren zum Tempel des K�nigs Salomo, den Hiram errichtet hat? Jachin und Boas?�</p><p>�Nat�rlich, was sonst.�</p><p>�Dann kann man den Lebensbaum also auch als Grundriss des perfekten Tempels deuten?�</p><p>Bonet verstand offensichtlich die Begeisterung des Architekten nicht, zumal er nach alter Tradition in Worten und nicht in Bildern, in Geb�uden aus Buchstaben und nicht aus Stein und Zement dachte. Er zuckte nur mit den Schultern. �Ihr k�nnt es halten, wof�r Ihr wollt.�</p><p>Bramante k�mmerte sich nicht mehr um den Juden. Er konnte es mit jeder Faser seines K�rpers f�hlen: Vor ihm lag der g�ttliche Bauplan � das, was die <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis>, allen voran Pico, immer gesucht hatten. Er wunderte sich, mehr noch, er vermochte es kaum zu fassen! Gott war ein Schalk. Das Geheimnis lag so unversch�mt offen da, so vor aller Augen, und doch hatte es keiner vor ihm entdeckt. Nicht einmal Pico, der das Buch besessen und gewiss auch studiert hatte � aber der Philosoph hatte nicht den Blick des Architekten.</p><p>Alles passte zusammen! Bramante war, als g�be der Boden unter ihm nach. Vor ihm lag der Grundriss des perfekten Bauwerks, Gottes Architekturzeichnung, nach der jener biblische Baumeister namens Hiram im Auftrag des K�nigs Salomo den Tempel zu Jerusalem errichtet hatte.</p><p>Geistlich stammten alle Religionen aus dem Alten Testament: das Judentum, das Christentum, der Islam. So hatte es Pico ihn gelehrt und daraus geschlossen, dass die Offenbarungen aller Religionen grunds�tzlich den gleichen Wahrheitswert bes��en. F�r die Architektur bedeutete das aber, dass alle Kirchenbauten aller Religionen sich von diesem Tempel ableiteten, ohne dass irgendeine Kirche, eine Moschee oder Synagoge die Perfektion des salomonischen Tempels zu erreichen vermochte. Das Wissen �ber das perfekte Bauen war versteckt und verborgen worden.</p><p>Die Templer waren es, auch das hatte Bramante von Pico erfahren, die dieses mystische Wissen vom Kreuzzug mit ins Abendland gebracht hatten. Nach der Vernichtung des Ordens der M�nchskrieger gelang es den <emphasis>Fedeli d�Amore,</emphasis> das Wissen zu bewahren � zumindest in Bruchst�cken. Manches ging auch in den Wirren der Verfolgung und des Terrors verloren. Und es fehlte wie ein Schlussstein das entscheidende Element, ohne das es unm�glich blieb, das Wissen zu ordnen und anzuwenden.</p><p>Und nun lag das entscheidende Element vor ihm.</p><p>�Die Sch�nheit oder der Stellvertreter, das hei�t auch, dass die Sch�nheit der Stellvertreter Gottes ist�, brachte Bramante stotternd hervor. Er rang nach Luft.</p><p>Bonet sah den Architekten besorgt an. �Ist Euch nicht gut? Braucht Ihr ein Glas Wasser? Setzt Euch, um Gottes willen!�</p><p>Doch auf dem Gesicht des Architekten breitete sich eine unb�ndige Freude aus. �Nein, nein, es geht schon. Gegen Hiram bin ich ein J�ngling! Sagt, k�nnt Ihr mir das Buch �bersetzen?�</p><p>�Es kostet Zeit.�</p><p>�Was kostet die Zeit?�</p><empty-line/></section><section><p>16</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Als Bramante die Synagoge verlie�, war er so gl�cklich wie schon lange nicht mehr und um f�nf Goldflorine �rmer. Durch seine Adern floss eine neue, fast jugendliche Energie. Wenn er in einem halben Jahr Bonets �bersetzung in der Hand hielt, w�rde er den Bauplan Gottes kennen, davon war er �berzeugt. Anders als Bonet und auch Pico hatte er in dem Etz Chaim eine Architekturskizze erkannt, in der Grundriss und Aufriss ineinander gespiegelt waren. Die Tarnung der Skizze bestand darin, dass sie zwei in einem war. Zudem hatte der Lebensbaum Bramante an den Achtort erinnert, jenen geheimen Konstruktionsschl�ssel, den die deutschen Dombaumeister benutzten. Einige von ihnen hatte er in Mailand kennengelernt, als man sie ins Land gerufen hatte, um beim Bau des Domes zu helfen.</p><p>Perspektive und Proportion kamen zusammen, nichts fehlte, der Lebensbaum zeigte sowohl Form als auch, im Konstruktionsschl�ssel niedergelegt, die Ma�e an. Damit sollte es ihm auch gelingen, das letzte, das gr��te R�tsel zu l�sen: wie man eine solch gro�e freitragende Kuppel errichtete, wie sie die Etrusker vor �ber dreizehnhundert Jahren �ber das Pantheon gew�lbt hatten. Eine Kuppel, die nicht riss, brach oder die sie tragenden W�nde und S�ulen unter ihrem Gewicht einst�rzen lie�. Seit den Etruskern hatte sich niemand mehr gefunden, dem �hnliches gegl�ckt w�re.</p><p>W�hrend Bramante im Morgengrauen die Stadt durchquerte, um zu seinem kleinen Palazzo zu gelangen, �berschlugen sich die Gedanken in seinem Kopf. Es gab ein weiteres Argument daf�r, dass er es mit einem Konstruktionsschl�ssel und einem Bauplan zu tun hatte, das <emphasis>Oben</emphasis> n�mlich. Und dieses <emphasis>Oben</emphasis> konnte, weil der Lebensbaum zweidimensional gezeichnet war, in einer dreidimensionalen Ansicht tats�chlich oben im Sinne von <emphasis>aus der H�he</emphasis> hei�en. Und dass <emphasis>oben</emphasis> das Licht war, entsprach der Grundannahme jedes Architekten. Mit diesem Licht baute er. In der Architektur drehte sich alles um das Licht, denn nicht mit Steinen, wie die Dummk�pfe glaubten, sondern mit Licht schuf man R�ume. Wie hatte Bonet die Skizze auch genannt, die <emphasis>Pforten des Lichts,</emphasis> das Licht, mit dem er bauen und R�ume schaffen wollte.</p><p>Bramante f�hlte, dass ihm dieses Wissen, das sich ihm jetzt erschloss, bis jetzt gefehlt hatte. Das Schicksal selbst hatte ihn zu dem Rabbiner gef�hrt. Deshalb hatte er bis zu dieser Begegnung warten m�ssen, um das gro�e Werk, das gute Bauen, endlich beginnen zu k�nnen. Nun musste sich nur noch der geeignete Auftrag finden, bei dem er seine neuen Erkenntnisse anwenden konnte. Oh, ihr Parzen, dachte er und zog den Mantel enger, was haltet ihr f�r mich bereit?</p><p>Als er eben den Fluss �ber den Ponte Cestio, die Tiberinsel und den Ponte dei Quattro Capi �berquert hatte, traten ihm an der Ecke des d�steren Palazzo Cenci zwei abgerissene Gestalten mit gez�ckten Rapieren in den Weg.</p><p>�Dein Geld, Alter, deine Unschuld kannst du behalten�, raunzte der Kleinere, der eine zerschlissene gelbe Hose trug. Die Hemden der beiden Stra�enr�uber waren vor unvordenklichen Zeiten wohl einmal wei� gewesen � jetzt trugen sie alle Farben des Schmutzes und waren starr wie eine R�stung.</p><p>Bramante schreckte aus seinen Gedanken auf. Da hatte er die gef�hrlichen Winkel in Trastevere unbeschadet passiert, nur um ausgerechnet hier im eigentlichen Stadtgebiet von zwei <emphasis>bravi</emphasis> �berfallen zu werden. Was ihn wirklich emp�rte, war jedoch, dass sie es gewagt hatten, ihn aus seinen Gedanken zu rei�en.</p><p>�Schert euch zum Teufel. Ich habe nichts mehr bei mir!�, fuhr er die beiden Stra�enr�uber an.</p><p>�Dann gib uns eben den Ring!�, sagte der Gr��ere fast gutm�tig, als ginge es um einen Handel, wobei er mit seiner linken Hand an seinem Ziegenbart zupfte.</p><p>�Den Ring? Niemals!�, schnaubte Bramante w�tend.</p><p>Die beiden Stra�enr�uber schauten sich verdutzt an.</p><p>�Aber du musst uns schon was geben!�, beharrte der Kleinere und richtete drohend die Spitze seines Rapiers gegen Bramantes Hals.</p><p>�Den Tod kann ich euch geben!�, br�llte dieser im Zur�cktreten, zog seine Waffe und hieb damit voller Zorn auf die beiden Spitzbuben ein. Nur m�hsam konnten sie sich mit ihren Degen vor dem Hagel der Hiebe, die auf sie niedergingen, sch�tzen. Schlie�lich kamen sie wohl zu der �berzeugung, dass sie es mit einem Verr�ckten zu tun hatten, und gaben eifrig Fersengeld.</p><p>Wieder einmal hatte Bramante recht behalten. Es lohnte sich, nicht feige zu sein, man musste sich dem Tod mutig in den Weg stellen. Offensichtlich ist meine Zeit noch nicht gekommen, dachte er. Er hatte noch eine Aufgabe zu erf�llen. Statt nach Hause lenkte er seine Schritte zum Bordell der Petronilla, um seine au�er Rand und Band geratenen Lebensgeister zu bes�nftigen.</p><p>Donato Bramante erwachte im Wohlgef�hl. Zuerst sah er auf seinen wei�en Bauch, der sich inmitten seines Bettenmeeres beh�big w�lbte wie eine Insel. Er besa� eine sehr breite Schlafst�tte, denn zuweilen vergn�gten sie sich auch zu dritt oder zu viert. Und niemandem sollte es an Platz mangeln, um seine Lust auszuleben. In seinen Bartstoppeln spielten die Sonnenstrahlen Verstecken. Er f�hlte sich wie neugeboren und reckte und streckte sich unter lautem Brummen.</p><p>Ein Blick nach links verriet ihm, dass es kein Traum war. Neben ihm lag Imperia, nackt und sch�n, wie Gott sie erschaffen hatte. Mit wachsendem Vergn�gen lie� er seinen Blick den schwungvollen Bogen ihrer Waden hinaufgleiten, verweilte bei ihrem wohlgeformten Po, folgte der k�hnen R�ckenlinie, um schlie�lich in ihrem Blick zu versinken. Imperia war schon vor ihm aufgewacht und l�chelte ihn z�rtlich an, w�hrend ihre Hand mit der Selbstverst�ndlichkeit eines Pilgers zu ihm hin�berwanderte.</p><p>�Wollen wir ausreiten?�, fragte sie mit einem ansteckenden Schalk in den Augen. �Ich sehe, dass sich deine Decke w�lbt. Es muss die Kuppel des Himmels sein und darunter der Quell so vieler himmlischer Vergn�gen!�</p><p>Bramante sp�rte umgehend, dass sich etwas bei ihm regte. Er schnurrte wie ein gro�er Kater, weil er glaubte, jeden Tropfen zu sp�ren, der seine Schwellk�rper mit warmem, gutem Blut versorgte.</p><p>�Was sollte uns am Ausritt hindern?�, fl�sterte er, und sie schloss ihre Hand so fest um seine Schwanzwurzel, dass er von einem Schmerz aufst�hnte, der ihn zugleich entz�ckte. �Gibt es etwas Sch�neres, womit man den Tag beginnen k�nnte?�</p><p>Imperia l�chelte wie eine Zauberin, die ihm die letzte Seligkeit zu bieten vermochte, nachdem er Gott sei Dank das richtige L�sungswort genannt hatte. Er wollte sich ihr gerade n�hern, als sein Diener in den Raum trat.</p><p>�Herr, Ihr habt Besuch! Er lie� sich nicht abwimmeln.�</p><p>Die Worte trafen Bramante wie ein eiskalter Regenguss. �Welcher Halunke wagt es, so fr�h am Morgen ehrbare Menschen zu bel�stigen?� br�llte er �rgerlich.</p><p>�Wer schon? Ein Jude!�, antwortete der Diener abf�llig.</p><p>�Was sagst du, T�lpel? Ein Jude?� Ungeachtet der Tatsache, dass ihn der Regenguss noch nicht v�llig abgek�hlt hatte, sprang Bramante nackt, wie er war, aus dem Bett. Er griff nach seinem Mantel, warf ihn sich um den Leib und st�rmte mit vor Aufregung hochrotem Kopf aus dem Zimmer.</p><p>Bonet stand im Vestib�l, eine graue Satteltasche aus Wolfsleder �ber der Schulter.</p><p>�Mess�r Bonet!�, rief Bramante, st�rzte auf den Besucher zu und wollte ihn schon aus lauter Begeisterung umarmen. Im letzten Moment hielt er inne, weil das dann doch etwas unschicklich gewesen w�re. Schlie�lich kannten sie einander kaum. Also bat er den Gast in sein Arbeitskabinett.</p><p>Dort entnahm Bonet der Tasche mit einer f�r Bramantes Empfinden unertr�glich langsamen Bewegung zwei B�cher und legte sie behutsam vor ihm auf den Tisch.</p><p>�Voil�, Ihr Buch zur�ck und meine gebundene �bersetzung dazu.�</p><p>Bramante war au�er sich vor Freude, rascher als gedacht an den ersehnten Text zu kommen.</p><p>�Ihr habt Wort gehalten!�, rief er aus.</p><p>Bonet sah keine Notwendigkeit, auf diese Feststellung zu antworten. Es verstand sich von selbst.</p><p>�Ist Euch beim �bersetzen etwas Besonderes aufgefallen?�, fragte Bramante gespannt.</p><p>Der Jude machte nur eine vage Handbewegung. �Nein. Wie bereits vermutet, nur ein Dutzendbuch �ber die Kabbala. So weit nichts Au�ergew�hnliches. Nicht mal besonders gut, nicht besonders konzise. Auch wenn merkw�rdigerweise �berlegungen zur Baukunst angestellt werden, die man in einem Kommentar zur Kabbala eigentlich nicht vermutet. Von dieser Seite an�, sagte er und wies auf eine �berschrift in dem Buch, �findet Ihr speziell Gedanken und Berechnungen zum Kuppelbau. Ich kann selbstverst�ndlich nicht beurteilen, wie originell sie sind. Das ganze Buch wirkt etwas, wie soll ich sagen, verworren. Aber vielleicht hilft es Euch ja weiter.�</p><p>Der Jude verneigte sich leicht, als wollte er sich daf�r entschuldigen, dass er nichts Spektakul�reres gefunden hatte. �Ach, beinahe h�tte ich es vergessen: Am Ende findet Ihr eine Liste, wer dieses Buch wem zu welchem Zeitpunkt �bergeben hat. Wenn man der Aufz�hlung Glauben schenken darf, so ist es ganz h�bsch herumgekommen.�</p><p>Bramante wurde hellh�rig. �Taucht der Name Pico in der Liste auf?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und von wem hat der Princeps Concordiae das Buch bekommen?�</p><p>�Von Landino. Der Liste nach zu urteilen, muss das Buch sehr alt sein.�</p><p>�Wie alt?�</p><p>�Zweitausend Jahre, denn der erste Name lautet ��, erkl�rte Bonet.</p><p>�Lasst mich raten!�, fiel ihm der Architekt aufgeregt ins Wort. �Hiram?�</p><p>�Das ist richtig. Aber offen gesagt, seinem Zustand nach zu urteilen, ist das Buch noch gar nicht so alt.�</p><p>�Es k�nnte sich um eine Abschrift handeln.�</p><p>�Ja, nat�rlich, sicher�, meinte der Rabbiner skeptisch. �Aber andererseits ist die Kabbala so alt nicht. Und der Kommentar m�sste ja seinem Gegenstand zeitlich folgen und nicht umgekehrt.�</p><p>�Und was w�re, wenn es kein Kommentar zur Kabbala ist?�</p><p>Bonet de Lates zuckte mit den Schultern. �Dann wei� ich nicht, was es sonst sein k�nnte. Mir kommt das Ganze eher wie ein Scherz vor. Jemand will die Leute zum Narren halten.�</p><p>�Wie kommt Ihr darauf?�</p><p>�Weil alles nicht recht zueinanderpassen will. Eine Sammlung seltsamer und dann wieder banaler Ideen.�</p><p>Bramante sch�ttelte den Kopf. Pico sollte wegen eines Scherzes gestorben sein? Das wollte ihm nicht in den Kopf. Als Maler und Architekt wusste er, dass alles auf die Perspektive ankam. Aus dem Blickwinkel der Kabbala mochte das alles keinen Sinn ergeben, von der Baukunst aus gesehen, vielleicht schon.</p><p>�Sagt, Mess�r Bonet�, fragte Bramante. �Findet sich in der Liste auch Dante?�</p><p>Der Rabbiner schaute im Buch nach, dann nickte er. Bramante klopfte das Herz. �Und Johannes der Seher?�</p><p>Abermals schaute der Jude in die Liste. �Von einem Seher steht hier nichts.�</p><p>Der Architekt mochte es nicht glauben und beharrte: �Er muss in der Liste stehen.�</p><p>�Ein Johannes ist verzeichnet, aber nur Johannes, ohne Beinamen.�</p><p>Bramante stutzte kurz und schlug sich dann an den Kopf. Nat�rlich, Johannes hatte sich niemals <emphasis>der Seher</emphasis> genannt � er erhielt diesen Beinamen erst sp�ter.</p><p>Er wollte dem Rabbiner danken, doch dieser wehrte ab. �Dank ist nicht notwendig, schlie�lich habt Ihr meine Arbeit bezahlt, aber wenn ich einmal Eure Hilfe ben�tigen sollte, aus welchem Grund auch immer, dann werde ich mich an Euch wenden. Ich verlasse mich darauf, dass Ihr mir dann beisteht � ohne Wenn und Aber.�</p><p>�Seid versichert, das werde ich�, versprach Bramante ernst. Ein seltsamer Kerl, dieser Bonet de Lates. Auf der einen Seite gab er sich direkt und offen, fast schon ein wenig schroff in seinen �u�erungen, die er auf der anderen Seite sogleich wieder mit einem Geheimnis bem�ntelte. Aber es gab Wichtigeres, als �ber den Rabbiner nachzudenken.</p><p>�Konntet Ihr etwas �ber den Eigent�mer des Ringes herausfinden?�, fragte Bramante und zeigte auf seinen linken Ringfinger.</p><p>Das Gesicht des Gelehrten nahm einen nachdenklichen Ausdruck an. Fast z�rtlich strich er dann �ber den in seinen Augen eher mittelm��igen Kabbala-Kommentar, bevor er endlich leise und z�gernd antwortete.</p><p>�Nicht viel. Es deutet auf eine sephardische Arbeit hin. Aber das nutzt Euch nichts, denn die spanischen Juden, die nicht bereit waren, zum Katholizismus zu konvertieren, wurden 1492 aus Spanien vertrieben und sind �ber ganz Europa verstreut.�</p><p>�Mein Mann ist also ein Sepharde?�</p><p>�Oder ein <emphasis>Marrano</emphasis>. Ein zwangsgetaufter Jude.�</p><p>�Spanischer Abstammung jedenfalls?�</p><p>�So ist es. Es sei denn, jemand hat den Ring seinem rechtm��igen Besitzer gestohlen.�</p><p>�Die Vermutung�, sagte Bramante, �dass der Sekret�r Pico ermordet hat, scheint mit die wahrscheinlichste. Deshalb glaube ich weder an einen Dieb noch an einen Raubm�rder. Der Sekret�r muss ein Sepharde oder ein Marran sein!�</p><p>�Wenn Euch der Ring nicht weiterhilft, dann sucht nach dem Motiv�, riet Bonet.</p><p>�Aus welchen Gr�nden t�ten Juden?�</p><p>�Juden t�ten nicht. Und wenn doch, dann aus den gleichen Motiven wie andere Menschen auch: Liebe, Hass, Angst, Verzweiflung, J�hzorn, Eitelkeit oder Habgier. Aber was Monsieur Pico della Mirandola betrifft, sehe ich f�r einen Juden kein Motiv. Im Gegenteil, er war ein Freund unseres Glaubens. Es gibt Ger�chte, die besagen, sein Sekret�r habe ihn aus Entt�uschung dar�ber vergiftet, dass der Graf sich Savonarola ann�herte.�</p><p>Bramante seufzte und machte eine wegwerfende Handbewegung. �Ich f�rchte, ich habe Pico f�r alle Ewigkeit einen B�rendienst erwiesen! Versteht Ihr, ich habe diesen Unsinn damals nur erfunden, um meinem Freund in den schlimmen Tagen einen w�rdigen Begr�bnisplatz in Florenz zu verschaffen. Die Dominikaner von San Marco z�hlten alle zu den Anh�ngern Savonarolas. Also habe ich ihnen weisgemacht, der Graf sei einer der Ihren, was aber nicht stimmte. Seitdem plappert alle Welt diese L�ge nach. Aber was h�tte ich denn damals tun sollen?� Er strich sich �ber die Stirn. Der Verlust des Freundes schmerzte ihn noch immer tief. �Wisst ihr, wie fanatisch diese M�nche waren? Nicht einmal dem jungen Kardinal Giovanni Medici haben sie Asyl gew�hrt, obwohl er um sein Leben rannte. Weil er ein Sohn von Lorenzo war. Stellt Euch vor, direkt vor seiner Nase haben sie das Tor des Klosters zugeschlagen und verriegelt. Und hinter ihm tobte der Plebs und wollte sein Blut flie�en sehen!�</p><p>Bonet de Lates l�chelte bitter und schaute Bramante unverwandt an. �Denkt daran, dass der Messias in diesem Jahr erscheinen wird oder schon unter uns wandelt und wir ihn nur noch nicht erkennen.� Er nickte zum Abschied und wandte sich zum Gehen. Bramantes Blick folgte dem seltsamen Juden noch bis zur T�r.</p><p>Als er dann endlich allein war, hielt ihn nichts mehr. Er lie� sich auf einen der St�hle am Tisch nieder und studierte zuerst die lange und beeindruckende Liste. Viele der Namen waren ihm bekannt, Vitruv zum Beispiel und Cavalcanti und Alberti. Sie alle hatten einmal als Prior der Bruderschaft vorgestanden. Dann schlug er mit klopfendem Herzen die Seite 132 auf.</p><p>Und sp�rte im selben Moment kleine F�uste, die auf seinen R�cken trommelten.</p><p>�F�r ein l�ppisches Buch vergisst du mich schon, du Schuft! Was f�r eine Schmach, welch eine Beleidigung!�</p><p>Bramante schaute �ber die Schulter. Imperias Augen blitzten zornig, als sie auf seinen Scho� sprang. Der Stuhl geriet ins Wanken und kippte um. Bramante landete auf dem R�cken, Imperia sa� rittlings auf ihm und bearbeitete seinen Leib weiter mit ihren F�usten.</p><p>�Verschone mich, Imperia.�, st�hnte Bramante. �Das halte ich nicht aus!�</p><p>�Und wenn schon!�, schimpfte sie unbeeindruckt. �Es m�sste dir doch Vergn�gen bereiten, wenn sie deine Haut abziehen, gerben und zu Pergament verarbeiteten! Allerdings w�rde daraus bei deiner K�rperf�lle kein handliches Oktavb�ndchen, sondern ein dicker Foliant!�</p><p>Bevor eine weitere Kaskade von Schl�gen auf ihn niederprasseln konnte, richtete er sich ein St�ck weit auf und umklammerte ihre Arme mit den seinen wie eine Holzzwinge.</p><p>�Es ist gut, Imperia, es ist ja gut! Es tut mir leid. Aber dieses Buch dort ist kein frommes Brevier, es ist die Schatzkammer des gr��ten Geheimnisses der Welt.�</p><p>�Was k�nnte das schon sein?�, fragte sie und r�mpfte die Nase. �Ist es etwa gr��er als ich?�</p><p>�Nein, das nat�rlich nicht�, gab Bramante lachend zur�ck. �Selbstredend ist es das zweitgr��te Geheimnis der Welt � nach dir!�</p><p>Imperia wurde ruhiger, aus ihrer Miene sprach Neugier, und Bramante lockerte seinen Griff. Pl�tzlich sprang sie auf, griff nach seinem Rapier, das auf einer Truhe lag, und setzte die Spitze an seinen Kehlkopf.</p><p>�Verrate es mir, oder fahr zur H�lle!�</p><p>Bramante breitete die Arme aus, als wollte er sich ergeben. �Alles, Geliebte, alles verrate ich dir.�</p><p>�Fang an.�</p><p>�Um es dir zu erkl�ren, muss ich etwas aufzeichnen.�</p><p>Imperia zog das Rapier zwar zur�ck, hielt es aber weiterhin auf ihn gerichtet. Bramante erhob sich �chzend und setzte sich wieder an den Tisch. Er zog ein Blatt Papier heran und nahm einen Bleigriffel.</p><p>�Schau her, meine Liebste. Du kennst die Kuppel des Pantheons?�</p><p>Imperia nickte, legte das Rapier beiseite und setzte sich neben ihn. Ihre Wangen f�rbten sich rosig vor Neugier und Konzentration.</p><p>�Bis heute wei� niemand, wie sie gebaut ist. Bis heute hat es niemand fertiggebracht, ein solches freitragendes Gew�lbe zu errichten�, erkl�rte Bramante.</p><p>�Ich habe geh�rt, dass auch der Dom zu Florenz eine riesige Kuppel hat. Das sagen zumindest die Florentiner�, wandte Imperia ein.</p><p>�Ach, das sind doch alles L�gner. Aber selbst wenn sie es nicht sind, wissen sie es nicht besser. Dieser Fuchs Brunelleschi hat ihnen zwar eine Kuppel nach Art der Alten verkauft, aber eben nur �u�erlich. Inwendig ist es eine normale gotische Kuppel. Mit einem Gerippe errichtet und daher nicht freitragend.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte Imperia und rieb ihre Wange an Bramantes Schulter.</p><p>�Ich zeige es dir�, sagte er, zeichnete einen gro�en Bogen und schrie pl�tzlich auf, weil ein stechender Schmerz sein rechtes Handgelenk durchfuhr. Er schaute auf seine Hand, die langsam anschwoll und sich rot verf�rbte. Die Schwellung gl�nzte, als habe man sie mit Oliven�l eingerieben.</p><p>�Was ist mit dir?�, fragte Imperia besorgt.</p><p>Bramante wusste, was es war, und er wurde traurig. Er kannte diese heimt�ckische Krankheit. Wie sollte er mit einer kranken Hand zeichnen, und wie sollte er, ohne zeichnen zu k�nnen, Architekt sein? Er st�hnte auf.</p><p>�Was ist? Was ist?�, rief Imperia und nahm sein gro�es Gesicht liebevoll in ihre zarten H�nde.</p><p>�Die Gicht�, murmelte er leise.</p><p>Imperias Blick zeigte so viel Mitgef�hl, dass Bramante sogleich die schreckliche Krankheit verga� � f�r diesen Ausdruck in ihren Augen nahm er die Schmerzen gern in Kauf.</p><p>�Ich bin eben ein alter Mann�, seufzte er.</p><p>�Du und ein alter Mann. Denk an den Papst, der ist ein alter Mann!�</p><p>�Wir sind im gleichen Jahr geboren�, sagte Bramante.</p><p>Imperia lie� sich ihre �berraschung nicht anmerken. �Und? Was macht das schon?�</p><p>�Zieh bei mir ein, und lebe mit mir�, sagte Bramante. Ihr Mitgef�hl hatte ihn k�hn werden lassen.</p><p>�Niemals! Gott ist mein Zeuge, Donato, ich liebe dich, aber keinem Mann werde ich meine Freiheit opfern. Wir haben beide keine Zeit zu verschenken. Du nicht, weil du das gr��te Bauwerk der Welt zu errichten hast, und ich nicht, weil ich gen�gend Geld verdienen muss, um meinen Lebensabend und das Auskommen meiner Tochter abzusichern.�</p><p>�Was mir geh�rt ��, setzte Bramante an, doch Imperia verschloss mit ihrer Hand seinen Mund.</p><p>�Du hast mir nicht zugeh�rt. Von dir nehme ich kein Geld!� Ihr Atem machte ihn wohlig schaudern, als sie sich noch n�her zu ihm neigte und ihm ins Ohr fl�sterte: �Dich liebe ich.�</p><p>Bramante wollte sie an sich ziehen, doch sie wehrte ihn ab, st�tzte das Kinn auf die H�nde und sagte: �So, und jetzt erkl�re mir endlich, was es mit diesem verdammten Pantheon und der Kuppel auf sich hat!�</p><empty-line/></section><section><p>17</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Wenige Tage darauf erschien ein p�pstlicher Bote bei Bramante und teilte ihm mit, dass Julius II. ihn sogleich zu sehen w�nsche. Auf dem Weg zum Vatikan dachte der Architekt unentwegt dar�ber nach, was wohl der Anlass daf�r sein k�nnte.</p><p>Der Papst empfing ihn in der <emphasis>Stanza della Segnatura,</emphasis> die ihm als Bibliothek und Studierzimmer diente. Als Bramante in den Saal trat, beugte sich Julius �ber eine gro�e Zeichnung, die auf einem m�chtigen Holztisch ausgebreitet lag. Neben ihm stand der unversch�mte junge Bildhauer aus Florenz, �ber dessen anma�endes Wesen sich Bramante schon im Bordell der Petronilla ge�rgert hatte. Auf der anderen Seite des Tisches standen Sangallo und Fr� Giacomo, der Erzpriester von Sankt Peter. Bramante hatte ihn bisher nur zwei- oder dreimal fl�chtig gesehen und sogleich eine instinktive Abneigung gegen ihn gefasst. Bisweilen war ihm, als sei er dem Dominikaner auch au�erhalb von Rom schon einmal begegnet, er konnte sich aber nicht an Ort und Stunde des Zusammentreffens erinnern. Jedenfalls war Vorsicht angeraten, dachte Bramante, auch wenn den Erzpriester ein Engelsgesicht zierte.</p><p>Als er eintrat, schaute Julius von der Zeichnung auf. Seine Gesichtsz�ge waren entspannt, und in seinen Augen zeigte sich eine naive, kindliche Freude, die kaum jemand dem kriegerischen Papst zugetraut h�tte. Bramante aber kannte ihn besser. Er wusste, dass sich Giuliano della Rovere bis ins Alter und auch als Papst die F�higkeit bewahrt hatte, sich frei, offen, vorbehaltlos wie ein Kind �ber gewisse Dinge zu freuen, zumeist �ber solche der Kunst.</p><p>Bedauerlicherweise war es nun aber ein Entwurf des jungen Florentiners, der Julius II. begl�ckte, und nicht eine Skizze von Bramante. So gro� die Gunst des Papstes sein konnte, so schnell schwand sie manchmal auch wieder dahin. Denn die Kehrseite der p�pstlichen Freude bestand darin, dass Julius mutwillig mit den K�nstlern spielte wie ein Kind mit Holzfig�rchen, die es achtlos in die Ecke warf, wenn es ihrer �berdr�ssig geworden war und ein anderes Spiel neue und gr��ere Freude verhie�. Bramante musste also auf der Hut sein � ein anderer, j�ngerer Baumeister schien angetreten zu sein, um ihn aus dem Herzen des Papstes zu verdr�ngen.</p><p>Und das jetzt, wo ich alt und gichtbr�chig werde, dachte Bramante mit einem Anflug von Selbstmitleid. Seine rot geschwollene Hand hatte er in einem wei�en Ziegenlederhandschuh versteckt � niemand durfte von dem Gebrechen erfahren. Aber nicht nur daran zeigte sich zu seinem Erschrecken das Alter. Zuweilen versp�rte er keine Lust mehr, sich um Auftr�ge zu balgen und die Rivalen kraft seiner Beredsamkeit und seiner Erfahrung zu verdr�ngen. Daf�r plagte ihn in letzter Zeit immer h�ufiger der schiere �berdruss. Hatte er nicht alles erreicht, was ein Architekt sich nur w�nschen konnte? Er hatte die beiden Korridore erbaut, die vom Vatikanpalast zum Belvedere f�hrten. Zudem leitete er die gr��te st�dtebauliche Ma�nahme in Rom: Haus um Haus lie� er in den verwinkelten Vierteln l�ngs des Tibers niederrei�en, um Platz f�r eine breite Stra�e zu gewinnen, die vom Vatikan zum Lateran f�hren und nach dem p�pstlichen Bauherrn Via Giulia hei�en sollte. Hinzu kam ein Tempel in San Pietro in Montorio, wo Petrus der �berlieferung nach gekreuzigt worden war. Bramante hatte diesen Tempietto als reinen antiken Zentralbau mit Kuppel gerade fertiggestellt. Seit tausend Jahren war in Rom nicht mehr etwas derartig Heidnisches erbaut worden. Er konnte stolz auf sich sein, denn damit hatte er � wenn auch im Kleinen � als erster Baumeister seiner Zeit die Grunds�tze des guten Bauens umgesetzt, wie sie von Vitruv �berliefert und von Leon Battista Alberti wiederentdeckt worden waren. Niemand wusste, dass Bramante den Petrustempel heimlich dem Andenken seines Freundes Pico geweiht und eine Locke vom Haupthaar des Philosophen im Fundament des Altars versenkt hatte. Wer war Petrus schon im Vergleich zu dem g�ttlichen Pico?</p><p>Der Freund war nun schon �ber zehn Jahre tot, doch er fehlte Bramante von Jahr zu Jahr mehr, ebenso wie die Zusammenk�nfte der Bruderschaft, die mit Picos Tod aufgeh�rt hatte zu existieren. Manchmal, wenn er abends mit Sangallo bei einem Glas Wein sa�, lie�en sie die Tage der <emphasis>Fedeli</emphasis> in ihrer Erinnerung noch einmal aufleben und nannten sich gegenseitig scherzhaft Bruder. Und Leonardo? Der f�llte in Mailand einen Karton nach dem anderen mit Zeichnungen und Entw�rfen einer idealen Stadt nach den Grunds�tzen des guten Bauens. Aber es blieb eben bei Karton � wie so vieles bei ihm.</p><p>Ja, Bramante hatte wirklich viel erreicht, aber der Tempietto war eben ein Tempelchen und kein Tempel. Alles in seinem Leben ersch�pfte sich bis jetzt im Vorl�ufigen, im Hinf�hrenden � das ganz gro�e Werk, das ihn in die Ewigkeit einschreiben sollte, stand noch aus. Wenn ihn heute der Tod ereilte, w�rde sein Leben unvollendet bleiben. Er musste sich sputen. Und ausgerechnet jetzt, wo er sp�rte, dass seine Kraft nachlie�, schlich sich dieser gottverdammte Michelangelo ein! Mit aller Selbstdisziplin, zu der er f�hig war, z�gelte Bramante seinen Zorn. Er wusste nur zu gut, dass er weder Schw�che zeigen noch Missstimmung verbreiten durfte � beides mochte der Papst nicht, beides w�rde ihm das Herz des G�nners und Auftraggebers entfremden.</p><p>Es war ihm gelungen, den Florentiner Architekten Sangallo, seinen Vorg�nger in der Gunst des Papstes, klein zu halten und mit ihm dar�ber hinaus noch im besten Einvernehmen zu leben. Mit diesem j�ngeren Konkurrenten jedoch, so wurde Bramante in diesem Moment bewusst, w�rde er auf Leben und Tod k�mpfen m�ssen. Der war aus anderem Holz geschnitzt als der m��ig ehrgeizige Giuliano da Sangallo, der war ihm selbst �hnlich in seiner ungez�gelten Kraft und seinem v�llig vermessenen Anspruch. Es konnte nur einen geben! Wer diese simple Wahrheit nicht begriff, brauchte erst gar nicht anzutreten. Irgendjemand, so erinnerte er sich, hatte ihm hinterbracht, dass der Kardinal Catalano Michelangelos Piet� im Petersdom verabscheute. Das konnte doch ein Anfang sein! Bramante erwog, seine Abneigung zu �berwinden und den M�nch um Absolution zu bitten � was f�r die Huren das Geld, war f�r die Priester die Beichte.</p><p>�Donato, komm zu Uns und schau dir an, was Unser junger Freund hier Au�ergew�hnliches vollbracht hat�, rief ihm Julius entgegen und winkte ihn ungeduldig zu sich. Ja, so war der Papst, immer eilig, immer hastig. Um all das zu verwirklichen, was er sich vorgenommen hatte, h�tte er drei Menschenleben ben�tigt.</p><p>Nun hob auch Michelangelo den Kopf und sah Bramante an, verzog aber keine Miene. Der Architekt trat neben den Papst und betrachtete die R�telzeichnung.</p><p>�Es wird das gr��te und sch�nste Mausoleum, das jemals erbaut wurde!�, verk�ndete Julius mit einem schw�rmerischen Ausdruck in den Augen.</p><p>�Und das jemals erbaut werden wird�, f�gte Michelangelo bar aller Bescheidenheit hinzu.</p><p>Mit einem Blick erfasste Bramante die Zeichnung und erkannte den Angriff. Auch wenn die Abma�e nicht im Einzelnen angegeben waren, so erschloss sich seinem ge�bten Auge allein schon aus den Verh�ltnissen der einzelnen Elemente zueinander ein Eindruck von der Gr��e des Bauwerks. Was er vor sich sah, war in der Tat nichts Geringeres als ein Geb�ude, das die Dimension einer Grablege oder einer Memoria bei Weitem �bertraf.</p><p>Von der Form her erinnerte ihn Michelangelos Entwurf an das antike Mausoleum des Augustus, das er bei seinen Erkundungsreisen zu den r�mischen Altert�mern entdeckt und vermessen hatte. Dieses Grabmal f�r Julius II. �berragte das augusteische um zwei Stockwerke und schien auch wesentlich breiter und l�nger zu sein. Dies war der Plan eines Architekten, nicht der eines Bildhauers!</p><p>Bramante f�hlte sich hin- und hergerissen zwischen heftigem Zorn und tiefer Bewunderung. Dieser dreiste Bursche aus Florenz hatte den Auftrag f�r das Grabmal benutzt, um einfach in seine Dom�ne einzubrechen! Niemand au�er Bramante selbst begriff das.</p><p>�Nun, es ist gro�, sehr gro߫, begann er mit aller Vorsicht. �Wo soll es denn aufgestellt werden?� Die Gestaltung in dem Moment infrage zu stellen, in dem der Papst sich gerade in den Entwurf verliebt hatte, w�re ungemein t�richt gewesen, und Bramante war alles andere als dumm.</p><p>�In Sankt Peter nat�rlich!�, fuhr ihn Julius vorwurfsvoll an, weil er nach dem Selbstverst�ndlichsten fragte. �Auch wenn Fr� Giacomo nicht gerade begeistert davon zu sein scheint.� Julius duldete den jungen Dominikaner in seiner N�he, weil er kein Schmeichler war, sondern seine Meinung kundtat, selbst dann, wenn sie dem Pontifex nicht behagte.</p><p>Deshalb sagte Giacomo unger�hrt: �Es dient der Verherrlichung des Glaubens, wenn in Eurem Grabmal, Heiliger Vater, Moses und Paulus gefeiert werden, der alte und der neue Gesetzgeber. Aber wozu die ganzen heidnischen Verzierungen hier unten? All diese lasterhaften Siegesg�ttinnen und die Nackten zu ihren F��en und an den Pilastern. Die Leute sollen in der Kirche Andacht halten und nicht masturbieren!�</p><p>Bramante musste ein Lachen unterdr�cken. Gar nicht so �bel, wenn das M�nchlein gegen das Mausoleum st�nkerte, auch wenn es vergeblich war. Umso leichter w�re es f�r ihn, sich mit dem Dominikaner zu verb�nden. In seinen Augen war Fr� Giacomo ein wunderbar konsequenter Orthodoxer, einer, der sich sehr gut benutzen lassen w�rde, wenn man auf seiner Klaviatur zu spielen verstand. Menschen mit Grunds�tzen, auch wenn sie dabei dogmatisch und verbohrt waren, mochte Bramante dann leiden, wenn sich ihre Konsequenz mit Intelligenz verband. Nur die Dummen verachtete er, ob mit Grunds�tzen oder ohne.</p><p>Michelangelos Augen funkelten zornig, und Bramante hoffte, dass der sich zu einem Fehler hinrei�en lie�. �Ich verstehe Euch ganz und gar nicht, Fr� Giacomo�, sagte der junge Bildhauer, der sich offensichtlich nur m�hsam beherrschte. ��ffnet die Augen, und seht, was da ist, nicht das, was Ihr sehen wollt. Blickt doch aus Eurer Enge einmal auf zu Gottes herrlicher Vielfalt! Dann werdet Ihr auch den Sinn erkennen: Die Viktorien zeigen den Sieg, den der Heilige Vater �ber den Unglauben errungen hat. Zu ihren F��en liegen die unterworfenen Provinzen in Gestalt der nackten Figuren und der Gefangenen, die Ihr hier am Pilaster gefesselt seht. Und da dieser Sieg zeitlos ist, darf ich die Besiegten nicht mit der Mode einer Zeit beh�ngen. Alles andere w�rde die Majest�t des Stellvertreters Christi mindern. Denn so w�ren seine Siege zeitliche Erfolge, aber keine ewigen Triumphe! Weiter: �ber diesen Sieg nun und �ber das Heidentum erheben sich Paulus und Moses, dar�ber schlie�lich die Jungfrau Maria und der Papst. Die Botschaft ist doch wohl eindeutig.�</p><p>�Ja, und sie erinnert an die wirren Thesen eines Pico della Mirandola, der alles im Christentum unterbringen wollte!�, antwortete der Dominikaner scharf.</p><p>Bramante schrak unmerklich zusammen. Unbewusst ergriff er innerlich Partei f�r Michelangelo. Dennoch hatte der Spanier recht. Wenn man wollte, konnte man das Programm als steingewordene Thesen seines Freundes Pico lesen. Aber hier ging es nicht um das Andenken Picos, sondern um einen Konkurrenzkampf, der mit allen Mitteln gef�hrt werden musste. Bramante sp�rte die Kraft und das Talent seines Gegners und damit die Gefahr, die von ihm ausging.</p><p>�Ich kannte Pico, glaubt mir. Seine Ideen sind insoweit in dem Entwurf enthalten, wie sie die Gedanken eines jeden guten Christen sind. Dar�ber hinaus findet sich nichts in der Zeichnung!�, erwiderte Michelangelo mit einer Herablassung, die zeigte, wie ernst er den Gegner nahm, dessen Argumente er mit diesem rhetorischen Trick zu widerlegen trachtete.</p><p>�Und was meinst du, Donato?�, fragte Julius.</p><p>�Nun, �ber die bildliche Gestaltung l�sst sich sicherlich streiten. Wichtiger aber scheint mir die Frage, wo das Grabmal aufgestellt werden soll. Der Petersdom ist voller Memoriae. F�r ein so gro�es Gebilde wird sich beim besten Willen kein Platz finden lassen. Erlaubt mir, Heiliger Vater, rein praktisch zu sprechen: Man m�sste den Entwurf um die H�lfte verkleinern, wenn Euer Mausoleum tats�chlich in Sankt Peter aufgestellt werden soll. Und an einem anderen Ort k�nnen wir es nicht errichten! Das gebietet uns allein schon die Liebe, die wir f�r Euch empfinden!� Bramante begl�ckw�nschte sich im Stillen, denn der hasserf�llte Blick, den Michelangelo ihm zuwarf, bewies ihm, dass sein Hieb getroffen hatte. Wie er selbst wusste der Bildhauer genau, dass eine Verkleinerung den in seinen Ausma�en perfekten Plan vernichten w�rde.</p><p>�Was k�nnen Wir da tun?�, fragte der Papst ratlos in die Runde.</p><p>�Es ist doch ganz einfach�, platzte Michelangelo heraus. �Papst Nikolaus V. wollte den Dom um einen neuen Westchor erweitern. Der Bau wurde begonnen, die Fundamente sind gelegt, und die Grundmauern haben bereits H�fth�he erreicht. Wenn wir das Werk des heiligen Mannes zu Ende f�hren, haben wir gen�gend Platz f�r Euer Grabmal.�</p><p>Die K�hnheit Michelangelos beeindruckte Bramante im gleichen Ma�, wie ihn dessen atemberaubende Dreistigkeit ver�rgerte. Vor wenigen Minuten war es noch um ein Grabmal von der Gr��e eines kleinen Tempels gegangen � zumindest umschloss es den gleichen Raum wie sein Tempietto �, und jetzt griff dieser Florentiner bereits nach dem Ausbau des Petersdomes. Wo sollte das noch hinf�hren? Dieser junge Mann hielt sich wahrlich nicht mit irgendwelchen Vorreden auf, sondern schlug bei allem ein besorgniserregendes Tempo an. Bramante musste gar nicht erst zu seinem Dienstherrn schauen, um zu wissen, dass die Augen des Papstes nach Michelangelos Vorschlag strahlten. Gro� und imperial gedacht, das gefiel Julius nat�rlich. Auf Giacomos Gesicht dagegen stand Entsetzen geschrieben.</p><p>�Ich wei�, mein teurer Donato�, sagte der Papst, �Wir haben dich mit sehr vielen Auftr�gen traktiert, aber Wir w�nschen, dass du die M�glichkeiten der Chorerweiterung pr�fst und Uns einen Vorschlag unterbreitest, an welchem Platz das Grabmal in Sankt Peter am besten zur Geltung kommt, und zwar so, wie es der Entwurf vorsieht. Wir wollen es n�mlich genau so. Nichts soll ver�ndert werden! <emphasis>Nihil esse innovandum aut mutandum!</emphasis>� Durch seine Haltung gab der Pontifex deutlich zu verstehen, dass er damit die Diskussion als beendet betrachtete.</p><p>�Eine Frage noch, Mess�r Michelangelo!� Bramante kochte innerlich vor Wut. Er sp�rte, dass er einen Fehler beging, denn er hatte das Schlusswort des Papstes ignoriert.</p><p>�Wenn es denn sein muss�, brummte Julius unwillig.</p><p>�Auf den ersten Blick sehe ich um die vierzig, ich denke lebensgro�e, Figuren. Werdet Ihr sie alle eigenh�ndig herstellen?�, fragte Bramante, an den Bildhauer gewandt.</p><p>�Nat�rlich werden sie alle von Michelangelo pers�nlich gehauen. Ich dulde keinen anderen!�, polterte der Pontifex.</p><p>Im Vorgef�hl seines Triumphes unterdr�ckte Bramante ein L�cheln. Vielleicht war es doch kein Fehler gewesen?</p><p>�An Eurem David in Florenz habt Ihr ein Jahr lang gearbeitet. Legt man diese Zeit zugrunde � und von der Qualit�t dieser Skulptur m�ssen doch auch alle Figuren des Mausoleums sein �, dann werdet Ihr die n�chsten vierzig Jahre allein mit der Bildhauerei besch�ftigt sein.�</p><p>�In f�nf Jahren steht das Grabmal in Sankt Peter, eigenh�ndig von mir erbaut. Und jede einzelne Figur wird in ihrer Sch�nheit den David noch �bertreffen�, gab Michelangelo zur�ck und straffte die Schultern.</p><p>�Verzeiht mir altem, einf�ltigem Mann, aber wie wollt Ihr das schaffen?�</p><p>�Schluss jetzt!�, schimpfte der Papst. �Was geht Uns das an, wie er es schafft. Wir sind doch kein Buchhalter! Er hat gesagt, er schafft es, und da er den Papst wohl kaum zu bel�gen wagt, wird er es auch schaffen. K�mmere dich um deinen Auftrag, Donato. Das gen�gt vollauf.� Mit diesen Worten st�rmte Julius aus dem Saal.</p><p>Michelangelos Grinsen brannte wie Salzs�ure auf Bramantes Haut. Diese Niederlage w�rde er dem Konkurrenten nie verzeihen, niemals! Er, der erste Baumeister seiner Zeit, sollte zum Handlanger eines Bildhauers und dann noch dieses Burschen da werden? Auch wenn in seinem Innern der Zorn loderte, so riss er sich dennoch zusammen. Kein Zornesf�ltchen verriet, was er dachte und f�hlte. Aber noch war nicht aller Tage Abend, noch stand das Grabmal nicht, und er, Donato Bramante, w�rde alles tun, dass es auch niemals dazu kommen w�rde. Bevor er die <emphasis>Stanza della Segnatura</emphasis> verlie�, raunte er Giacomo zu: �Darf ich Euch bitten, mir morgen die Beichte abzunehmen?�</p><p>�Kommt zur Vesper in den Nordchor des Domes.�</p><empty-line/></section><section><p>18</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>�Du hast Bramante gedem�tigt, Michelangelo, und ganz gewiss sinnt er auf Rache�, sagte Sangallo, als sie gemeinsam den Vatikanpalast verlie�en, und bot sich an, die Wogen zu gl�tten und zu vermitteln. Michelangelo lachte ihn nur aus. Was ging ihn dieses Wildschwein aus den Marken an! Dass er auf der Hut sein musste, wusste er selbst. Nein, Bramante besch�ftigte ihn nicht weiter. Seine Gedanken drehten sich nur um den jungen Dominikaner. Dass dieser ein Gegner seines Entwurfs war, stimmte ihn traurig, denn er mochte ihn, mehr noch, er sehnte sich nach seiner Gegenwart. Im Stillen nannte er ihn den �Kardinal mit dem Engelsgesicht�.</p><p>Zu Hause angekommen, bat er Francesco, ihm verd�nnten Wein und etwas Brot in die Werkstatt zu bringen und ihn dann nicht mehr zu st�ren. Obwohl er auf ganzer Linie gesiegt hatte, versp�rte Michelangelo kein Bed�rfnis zu feiern. Er trank nur vom Wein, das Brot verga� er. Ganz in Gedanken nahm er ein Blatt Papier und lie� den Griffel dar�bergleiten. �berrascht nahm er wahr, dass sich die Striche mehr und mehr zu den Gesichtsz�gen Fr� Giacomos zusammenf�gten.</p><p>�Mit der Vernunft bin ich im Klagen eins,</p><p>Dass liebend ich ein Gl�ck erhofft von dorten,</p><p>Und sie beweist mir mit den wahrsten Worten</p><p>Die Schande meines Preisgegebenseins.�</p><p>Michelangelo hatte diese Worte vor sich hingefl�stert und erkannte �berrascht, dass es wie eine Strophe aus einem Gedicht klang. W�hrend er die Worte neben der Zeichnung niederschrieb, h�rte er ein Ger�usch und sah auf.</p><p>Francesco stand in der T�r und hob entschuldigend die Schultern. �Ein Herr will Euch sprechen und l�sst sich nicht abweisen!�</p><p>Kurz darauf stand er mitten im Zimmer � der Kardinal mit dem Engelsgesicht. Bevor er sich erhob, um den Gast zu begr��en, drehte er rasch das Blatt mit Giacomos Portr�t um.</p><p>�Eminenz�, sagte er mit einer Verbeugung und wollte ihm die Hand k�ssen, aber der Kardinal winkte ab.</p><p>�Lasst das �Eminenz� ruhig weg, mir liegt nichts dran. Entschuldigt, dass ich Euch st�re, aber wir m�ssen reden!�</p><p>�Nehmt bitte Platz�, sagte Michelangelo, und Giacomo kam der Aufforderung nach. Er lie� sich mit einer solchen Anmut auf dem Lehnstuhl an der Stirnseite des Holztisches nieder, dass Michelangelo ein Schmerz durchfuhr, wie ihn nur der Anblick der Sch�nheit hervorbrachte.</p><p>�Kann ich Euch etwas anbieten?�</p><p>�Zu essen? Nein! Zu trinken? Nein! Dass Ihr zum wahren Glauben kommt? Ja!�</p><p>�Oh, ich glaube so fest und so tief wie kein Zweiter!�, versicherte Michelangelo mit belegter Stimme.</p><p>�Wenn Ihr tats�chlich an Gott, den Allm�chtigen, glaubt, an unseren Herrn Jesus und an den Heiligen Geist�, sagte Giacomo, beugte sich vor und sah Michelangelo mit blitzenden Augen an, �dann entwerft einen dem�tigeren Plan f�r Julius� Grabmal. Und lasst die heidnischen Dinge weg!�</p><p>Wie sch�n er ist in seinem Zorn, dachte Michelangelo und senkte erschrocken den Blick. Das letzte Mal, als er etwas �hnliches f�r einen Menschen empfunden hatte, war, als er sich in Contessina verliebte. Sollte er sich etwa in diesen Mann vernarrt haben? Der Gedanke verunsicherte ihn. Aber ging es wirklich um M�nner oder Frauen? Waren es denn nicht die Menschen an sich, die ihn erregten, und eigentlich auch nicht Menschen, sondern die Sch�nheit? Sch�nheit zu f�hlen oder Sch�nheit zu schaffen, das machte f�r ihn keinen Unterschied. Es war, wie wenn er Gott im Gebet ber�hrte. Erschuf man Gott nicht auch erst in der Andacht und im Lobpreis?</p><p>Michelangelo hob den Kopf und schaute Giacomo unverwandt an. Er betrachtete ihn neugierig und verz�ckt zugleich, mit dem professionellem Blick des bildenden K�nstlers, der seinem Motiv begegnet war.</p><p>�Ich will Euch malen! Darf ich?�, rief er.</p><p>Giacomo stemmte die Handfl�chen gegen den Tisch und schob seinen Stuhl zur�ck. �Nein! Wozu?�, wehrte er barsch ab. Dann fasste er sich wieder, und seine Miene nahm den entschlossenen Ausdruck des Seelsorgers an, der einen S�nder auf den rechten Pfad des Glaubens zur�ckzuf�hren gedachte.</p><p>Selbst die Strenge verunstaltete seine sch�nen Z�ge nicht, dachte Michelangelo, sie macht sie nur plastischer.</p><p>�Wollt Ihr in der Frage des Grabmals von Eurem Hochmut ablassen?�</p><p>Wie sch�n er ist, dachte Michelangelo wieder � und wie verblendet! Zwiesp�ltige Gef�hle bewegten ihn: Durfte er versuchen, dem Dominikaner diesen kalt funkelnden Fanatismus zu nehmen, der scharf wie eine Damaszenerklinge in sein Herz schnitt? W�rde er ihm damit nicht etwas von seiner Grandezza nehmen? Nur die Spanier konnten so sch�n und gleichzeitig so grausam sein!</p><p>�Verzeiht, Bruder, wir sprechen nicht �ber Gott, nicht �ber den Glauben, sondern �ber die Kunst�, brachte er schlie�lich hervor.</p><p>�Ist die Kunst denn kein Werk Gottes?�, fragte Giacomo mit jener Unnahbarkeit, die Glaubensk�mpfern eigen ist.</p><p>Michelangelo l�chelte und sch�ttelte den Kopf. �Ja, nat�rlich. Aber der Mensch ist auch ein Werk Gottes, und wenn er Zahnschmerzen hat, schicken wir nicht nach dem Priester, sondern nach dem Z�hnebrecher.� Bei dem letzten Wort stieg ihm das Blut in den Kopf. Z�hnebrecher, so hatte ihn Contessina genannt. Seitdem hatte er das Wort nicht mehr benutzt, sondern nur vom Bader gesprochen. Was sollte ihm jetzt diese Erinnerung, die ihn vollends verwirrte?</p><p>Giacomo riss ihn aus seinen Gedanken. �Ihr wisst, was im Buch Jesus Sirach steht? �Der Unkluge l�sst sich nicht erziehen; doch es gibt auch Klugheit, die viel Bitterkeit eintr�gt�. Also h�tet Euch vor dieser Klugheit, die danach trachtet, selbst den Heiligen Geist zu �bertrumpfen.�</p><p>�Aber das will ich doch gar nicht!�, seufzte Michelangelo. �Warum versteht Ihr mich nur so falsch? Wenn die Kunst von Gott geschaffen ist, dann ehren wir ihn am besten, wenn wir uns bem�hen, diese so gut, wie wir nur irgend k�nnen, auszu�ben.�</p><p>Giacomo hob ver�rgert die H�nde und lie� sie wieder auf die Tischplatte sinken. Michelangelo stockte der Atem. Die rechte Hand des Besuchers lag auf dem Blatt mit dem Portr�t.</p><p>�Was soll das Geschw�tz �ber Kunstfertigkeit, nat�rlich sollt Ihr Euer Handwerk gut aus�ben�, sagte dieser unwirsch und drehte das Blatt unwillk�rlich um. �Wir reden hier aber nicht �ber Euer handwerkliches Verm�gen, sondern �ber ein ketzerisches Gebilde, das Ihr im Petersdom aufstellen wollt und das die Menschen verwirrt und verleitet. Ihr �� Giacomo stockte, als er die Zeichnung sah, die niemand anderen darstellte als ihn selbst. Mit wachsender Verwirrung las er die Zeilen neben dem Portr�t:</p><p>�Mit der Vernunft bin ich im Klagen eins,</p><p>Dass liebend ich ein Gl�ck erhofft von dorten,</p><p>Und sie beweist mir mit den wahrsten Worten</p><p>Die Schande meines Preisgegebenseins.�</p><p>�Ist das von Euch?�</p><p>Michelangelo err�tete und w�re aus Scham am liebsten im Boden versunken. �Es ist nichts weiter, ein Spiel mit Worten und Strichen, ganz ohne Bedeutung ��</p><p>W�tend zerriss Giacomo das Papier und warf es dem Bildhauer vor die F��e. �Das ist kein Spiel. Das ist unz�chtig! Und dazu noch geradezu widernat�rlich! Nehmt Euch in Acht, nehmt Euch ja in Acht, Michelangelo Buonarroti! Die H�lle greift mit kr�ftigen Pranken nach Euch!� Der Dominikaner war blass geworden. �Ihr seid ein Sohn der S�nde�, stie� er mit blutleeren Lippen hervor, bevor er aufsprang und aus dem Zimmer eilte.</p><p>�Bleibt, Fr� Giacomo, so bleibt doch ��, rief Michelangelo und schaute ihm wie benommen nach. Nach einer Weile kniete er mit Tr�nen in den Augen nieder, sammelte die Papierfetzen vom Boden auf und f�gte das Blatt wieder zusammen. Dann schrieb er weiter:</p><p>�Was kann dir deine Sonne anders bringen</p><p>Als Tod? Und nicht den Tod des Ph�nixlebens.</p><p>Wen �s freut, sein eigenes Fallen zu erzwingen,</p><p>Dem bleibt die beistandvollste Hand vergebens.</p><p>Mein Sinn erkennt, die b�se Wahrheit sieht er,</p><p>Doch hat in mir ein Herz sich eingelassen,</p><p>Das bringt mich um, je mehr ich mich ergebe.</p><p>Bei zweien Toden h�lt sich mein Gebieter;</p><p><emphasis>Den</emphasis> will ich nicht, und <emphasis>den</emphasis> kann ich nicht fassen,</p><p>Und Leib und Seele stirbt in dieser Schwebe.�</p><p>Nachdem er den letzten Punkt gesetzt hatte, verlie� Michelangelo seine Werkstatt. Er musste hinaus, brauchte Luft zum Atmen. Auf der Stra�e kl�ffte ihn ein Hund an, dem er einen heftigen Fu�tritt versetzte. Ziellos durchstreifte er den Borgo. Kurz erwog er, seiner Piet� im Dom einen Besuch abzustatten, sah aber dann doch davon ab. Ein Stra�enjunge � so jung, dass er noch frisch wirkte � bot sich vor Sankt Peter feil und schlich um ihn herum. Sollte er ihn mitnehmen? Eine ungeheure Sehnsucht nach der W�rme eines menschlichen K�rpers lie� ihn erzittern. Pl�tzlich sah er Contessina vor sich, wie sie damals in ihrem Zimmer auf dem Bett gesessen hatte, nur mit Schleiern bekleidet. Und wie damals f�hlte er wieder auf der Treppe ihren kalten Blick auf sich ruhen. Heute verstand er, dass durch seine Ablehnung etwas in ihr zerbrochen war, dass er das M�dchen in ihr get�tet hatte. Er sch�ttelte den Kopf. Der Junge verstand und machte sich auf die Suche nach einem anderen Freier. Er musste nicht lange suchen, denn ein korpulenter Franzose, wie Michelangelo unschwer an der Kleidung erkennen konnte, kam auf ihn zu. Der Dicke fl�sterte dem Jungen etwas zu, der wie ein Schauspieler sogleich seinen unschuldigen Gesichtsausdruck aufgab und ein aufreizendes Lachen von sich gab. Michelangelo ahnte, wohin das f�hren w�rde. Bei seinen Aufenthalten in den Bordellen von Florenz hatten ihm die Huren, die er f�r Giovanni de Medici zeichnete, verraten, dass sie franz�sischen Kunden lieber aus dem Weg gingen. Die Deutschen waren h�flich und die Engl�nder witzig. Die Franzosen jedoch hatten oft nur allzu ausgefallene W�nsche, und das bedeutete Anstrengung und zuweilen auch harte Arbeit. Der Junge tat Michelangelo leid. Warum hatte er ihn nicht mitgenommen, ihm zu essen, zu trinken und schlie�lich Geld gegeben, ohne etwas von ihm zu fordern?</p><p>Warum nicht? Weil er kein Geld zu verschenken hatte. Julius II. hatte ihn f�r den Entwurf gut entlohnt und w�rde f�r das Grabmal sicher eine m�rchenhafte Summe bezahlen. Michelangelo konnte es sich selbst nicht erkl�ren, aber Geld auszugeben, tat ihm k�rperlich weh. Nie wieder in seinem Leben wollte er so arm sein wie in dem Moment, als er Contessina gehen lassen musste, weil er nicht um sie freien durfte. Im Gegenteil, er brauchte Geld, viel Geld, damit seine Familie � er eingeschlossen � wieder den alten Rang einnehmen konnte. Deshalb musste er Geld verdienen und durfte es nicht unn�tig ausgeben. Aber wenn der h�bsche Dominikaner sich ihm anstelle des Jungen angeboten h�tte, fragte er sich, ohne sich eine Antwort zu erlauben, h�tte er f�r Giacomo gezahlt?</p><p>Auf dem Heimweg nach der Audienz beim Papst verging eine ganze Weile, bis Bramante sich wieder beruhigt hatte. Bis dahin folgte ein Wutanfall auf den n�chsten. Zu tief hatte Michelangelo ihn in seinem Stolz verletzt. Nat�rlich konnte er bei Julius nicht direkt gegen ihn vorgehen. Damit w�rde er nur das Gegenteil dessen erreichen, was er bezweckte. Kurz erwog er, f�r ein paar M�nzen einen Meuchelm�rder anzuheuern, um den Florentiner zu den Fischen zu schicken, besann sich dann aber eines Besseren. Bei allem Zorn konnte er einen so begabten Bildhauer nicht einfach t�ten lassen. Das w�re ein Frevel gewesen, den Bramante nicht auf sein Gewissen laden wollte. Es musste andere Wege geben. Nur welche?</p><p>Mit hochrotem Gesicht schritt er so eilig aus, wie es ihm seine Statur und seine F��e erlaubten. Er keuchte laut, denn sein Herz zog sich krampfhaft zusammen. Am meisten sorgte er sich jedoch um seinen Verstand, der ihm zu entgleiten drohte. Die H�user schnitten ihm Fratzen, und Schmach, Schmach, rief es ihm von allen Ecken und Enden der Stadt entgegen.</p><p>Als er endlich wieder zu Hause war, tauchte er seinen Kopf mehrmals in einen kleinen Bottich mit kaltem Wasser, den ihm Giuseppe bereitgestellt hatte. Prustend und schnaufend fand er langsam zu sich zur�ck. Dann machte er sich auf den Weg zu Imperia. Die Geliebte war nicht nur sch�n, sondern auch klug. Gemeinsam w�rde ihnen sicher eine List einfallen, um Michelangelo auszuschalten. Da er sie nicht zu Hause antraf, diktierte er ihrem Diener einen kurzen Brief. Bramante konnte zwar lesen, aber nicht schreiben. Um sich zu tr�sten, versuchte er anschlie�end, mit drei Damen des k�uflichen Gewerbes die Nacht zum Tag zu machen.</p><p>Kaum dass er im Morgengrauen eingenickt war, riss ihn ein h�llisches Gezeter schon wieder aus dem Schlaf. Er blinzelte und l�chelte belustigt, als er begriff, was da vor sich ging. Kreischend und schimpfend streiften sich seine drei Gespielinnen eilig die Kleider �ber und versuchten gleichzeitig, sich mit den H�nden vor einem Besen zu sch�tzen, der erbarmungslos auf ihre Leiber niederfuhr. Das Ganze wurde von den schlimmsten r�mischen Fl�chen begleitet, die selbst Bramante zum Err�ten brachten.</p><p>�Es stinkt hier nach Huren!�, schrie Imperia, w�hrend Bramantes arg gerupfte Gef�hrtinnen der Nacht fluchtartig sein Schlafzimmer verlie�en. Bevor er noch etwas sagen konnte, klatschte ein ordentlicher Guss Wasser auf ihn nieder. Er glaubte zwischen den Laken zu ertrinken und schnappte nach Luft.</p><p>�Halt ein, halt ein!�, kr�chzte er. �Du tust das doch auch!�</p><p>�Nein, tu ich nicht!�, widersprach sie w�tend und stemmte die F�uste in ihre Seiten. Ah, dachte er, sie gibt die R�merin.</p><p>�Willst du mir erz�hlen, dass du eine Nonne bist?�</p><p>Er hatte kaum ausgesprochen, da packte sie ihn fest am Ohr und zog ihn hoch. �H�r mal gut zu, mein Lieber. Ich verdiene mein Geld damit, wohingegen du das deine daf�r ausgibst. Das ist etwas v�llig anderes!� Bramante musste ihr recht geben, so hatte er es noch nicht betrachtet. Aber Imperia war noch nicht fertig. �Meinst du, ich w�rde das tun, wenn meine Mutter eine F�rstin und nicht eine Kurtisane gewesen w�re? Aber ich sage dir etwas, du nichtsnutziger Bock. Im Gegensatz zu denen da�, sie wies mit dem ausgestreckten Finger nach drau�en, �gehe ich nicht mit jedem mit, der mit dem Geldsack winkt, sondern suche mir meine Kundschaft genau aus. Musst du denn dein verdammtes Ding �berall hineinstecken? Du holst uns noch die Franzosenkrankheit! Ach, M�nner!� Sie verdrehte die Augen.</p><p>Wenn sie wie ein Orkan w�tete, liebte Bramante sie am meisten, ihre Kraft und ihre Klugheit, ihre Leidenschaft und ihre Unbedingtheit. In Wahrheit war sie eine F�rstin, und sie machte ihn zum K�nig.</p><p>�Was wolltest du eigentlich von mir?�, fragte sie ein wenig sanfter, lie� sich neben ihm auf das nasse Bett fallen und schmiegte sich an ihn.</p><p>Bramante erz�hlte ihr, was sich bei der p�pstlichen Audienz zugetragen hatte, und sp�rte, wie ihn wieder die Wut auf Michelangelo �berkam.</p><p>�Oje, mein armer gro�er B�r. Das ist ja alles andere als erfreulich�, sagte Imperia und knetete sanft sein Ohr, das von ihrer Misshandlung noch immer schmerzte. Dann richtete sie sich mit einem Ruck auf.</p><p>�Wir m�ssen nachdenken. Und wir brauchen Verb�ndete.�</p><p>�An wen denkst du?�</p><p>�Was ist das Zweitwichtigste in Sachen Kunst?�</p><p>�Die Idee.�</p><p>�Steht und f�llt mit Nummer eins, dem K�nstler?�</p><p>�Dann steht und f�llt mit ihm auch das handwerkliche Geschick. Vielleicht das Verst�ndnis des Auftraggebers?�</p><p>Imperia verdrehte langsam die Augen, was ihr ein unnachahmliches Aussehen h�chster Seelenpein verlieh. �Du entt�uschst mich, Donato. Ich will dir helfen. Wohinter bist du her wie nach nichts sonst auf der Welt?�</p><p>Sein Grinsen geriet nur allzu anz�glich.</p><p>�Und sag mir jetzt nicht, nach Frauen�, drohte sie, und er zog es vor, wieder ernst zu werden.</p><p>�Ruhm?�</p><p>�L�gner.�</p><p>Bramante l�chelte. Endlich hatte er verstanden, worauf sie hinauswollte.</p><p>�Geld!�</p><p>�Richtig. Kunst kostet Geld, und gro�e Kunst kostet gro�es Geld.�</p><p>�Zumindest das, was man daf�r h�lt�, wandte er ein.</p><p>Imperia machte eine wegwerfende Handbewegung, als wollte sie sagen: Halte mich jetzt nicht mit Nebens�chlichkeiten auf. �Wer finanziert den Papst?�</p><p>�Der Bankier Agostino Chigi aus Siena�, antwortete der Architekt brav.</p><p>�Mach mich mit ihm bekannt.�</p><p>Bramante sah sie erschrocken an. Sie legte beschwichtigend ihre Hand auf seinen Oberarm. �Es wird dein Schaden nicht sein.�</p><p>�Nein, niemals�, antwortete er entschlossen. Instinktiv �berkam ihn die Angst, sie zu verlieren. Er kannte Agostino und wusste, dass er kein Mann war, der teilte.</p><empty-line/></section><section><p>19</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Die Vesperzeit sp�lte wie eine gewaltige Flut das Heer der B��er in den Petersdom wie auch in die anderen sechs Wallfahrtskirchen von Rom. Die Angst, f�r ihre S�nden beim J�ngsten Gericht zur ewigen Pein verurteilt zu werden, trieb sie zur Beichte, zur Andacht, zur Reue und zum Erwerb von Abl�ssen. Hier konnten sie vor der r�mischen Nacht, die das schwache Fleisch zu Missetaten hinrei�en w�rde, die Vergebung ihrer Verfehlungen erlangen, der vergangenen wie der k�nftigen � immer zwischen Schuld und S�hne, der Kreislauf der Ewigen Stadt. Das Hauptschiff und die Kapellen von Sankt Peter dampften geradezu von der Andacht der Gl�ubigen.</p><p>Als Giacomo il Catalano durch das rechte Seitenschiff zum Nordarm des Domes strebte, empfand er die unfreiwillige Komik dieses Massenandrangs zur S�ndenvergebung. Mehrere Messen wurden gleichzeitig in Sankt Peter gefeiert. Die verschiedenen Gebete und Ges�nge �berlagerten sich und stiegen in einer wahrend Kakofonie hinauf ins Geb�lk. Vielleicht war die Ketzerei auch entstanden, dachte Giacomo, weil die Menschen den Glauben zu unterschiedlichen Zeiten angenommen und nicht alle zugleich mit dem Kyrie eingesetzt hatten. Vielleicht stimmten deshalb die Rhythmen nicht zusammen. Glauben jedoch bedeutete nach seiner tiefen �berzeugung Zusammenstimmen, Homofonie nicht Polyfonie, Synchronizit�t nicht Asynchronizit�t. Und damit dieser Gleichklang entstehen konnte, bedurfte es der Priester. Sie waren die eigentlichen Kapellmeister des Glaubens.</p><p>Doch was wusste er schon? Giacomo sp�rte, dass seine Gewissheiten ins Wanken geraten waren. Der Besuch bei dem Bildhauer hatte ihn verunsichert. Dass die Frauen ihm sch�ne Augen und eindeutige Angebote machten, war er gewohnt. Noch nie aber hatte ein Mann ihn verliebt angesehen. Wenn seine Keuschheit ernsthaft bedroht wurde, dann nur durch eine Frau. So manches Mal hatte er mit sich selbst einen harten Kampf auszufechten gehabt, um der Verlockung der aufreizenden Blicke, der bebenden Busen, der schwingenden H�ften zu widerstehen. F�r M�nner interessierte er sich in dieser Hinsicht nicht. Im Gegenteil, die Vorstellung ekelte ihn an.</p><p>Und dennoch � der Gedanke an Michelangelo sa� ihm in den Gliedern wie ein hartn�ckiger Infekt. Giacomo sp�rte, dass er einem au�ergew�hnlichen Menschen begegnet war � talentiert, was er von sich nicht behaupten konnte, und ungeborgen, was er nur zu gut nachzuempfinden vermochte, weil er das Gef�hl der Heimatlosigkeit und Verlassenheit kannte. Wie er selbst den Anker im tosenden Sturm des Lebens im Glauben gefunden hatte, so hielt sich Michelangelo an die Kunst. Und wie er die Religion verteidigte, focht jener f�r die Sch�nheit. Langsam begriff Giacomo, dass der Florentiner es nicht auf seinen K�rper abgesehen hatte, sondern � und das wog weit schwerer � auf seine Seele.</p><p>Als er seinen Beichtstuhl erreichte, schloss er einen Moment die Augen und zwang sich zur Ruhe. Dann lie� er in Erwartung des p�pstlichen Baumeisters seine Blicke im Dom hin und her wandern. Durch die Fenster im Obergaden brach das Abendlicht und schwebte dem Schein der Kerzen entgegen, um sich mit ihm zu einer magischen D�mmerung zu vereinen.</p><p>Zu dieser Zeit, wenn das Licht von au�en schw�cher wurde und der Kerzenschein in der Kirche an Helligkeit zunahm, gab es f�r ihn keinen sch�neren Ort auf der Welt. Nachtlicht und Menschenlicht verschmolzen wie die Liebenden im Hohelied: �Wer ist, die da erscheint wie das Morgenrot, wie der Mond so sch�n, strahlend rein wie die Sonne, pr�chtig wie Himmelsbilder?�, sagte er leise vor sich hin. Nur in jenen Stunden �berkam ihn das Gef�hl, dann aber mit ganzer Gewalt, dass Gott hier wohnte. Umso behutsamer musste man mit seiner Wohnst�tte umgehen. Giacomo konnte den Allm�chtigen f�hlen, schmecken, riechen, umarmen. Ihn beherrschte nur noch der Wunsch, die Physis abzustreifen, und dann, so verr�ckt es auch klingen mochte, glaubte er tats�chlich, Gott stofflich wahrnehmen zu k�nnen, genau in dem Moment, in dem er die eigene K�rperlichkeit abzulegen begonnen hatte. Aber es gen�gte nicht, denn mochte seine Seele sich auch auf seine Schultern stellen, so wagte sie es letztlich doch nicht, sich von seinem Schl�sselbein, seiner Leiblichkeit abzusto�en und in den �ther aufzusteigen. Einmal hatte ihn sogar das frivole Gef�hl �bermannt, tanzen zu wollen. Er hatte geh�rt, dass weit hinten im Morgenland, im Herrschaftsgebiet des Sultans, muslimische Mystiker tanzten, um sich Gott zu n�hern. Sie drehten sich immer schneller um die eigene Achse, als schraubten sie sich dadurch aus ihrer K�rperlichkeit hinaus und hoch zum Allm�chtigen. Es reizte ihn, dies auch einmal zu versuchen, doch die Angst, sich in heidnischen Riten zu verlieren, hielt ihn davon ab.</p><p>Nicht die Fallstricke der Frauen f�rchtete Giacomo � die der M�nner schon gar nicht �, aber jene der Mystik umso mehr. Er hasste die Mystik abgrundtief, weil er ahnte, dass er daf�r empf�nglich war. Zeigte sich darin sein verdammtes j�disches Erbteil, das er zu vergessen suchte? �u�erte sich darin seine schwere S�ndhaftigkeit, dass er das k�rperliche Verlangen vertauscht hatte mit den Orgasmen des Geistes?</p><p>�Danke, dass Ihr mir erlaubt, bei Euch zu beichten, Fr� Giacomo, oder soll ich Eminenz sagen?�, h�rte er in seinem R�cken einen Bass erklingen und schrak zusammen.</p><p>Aus irgendeinem Grund hatte er nicht damit gerechnet, dass Bramante tats�chlich erscheinen w�rde. Er hatte ihn nicht vom Eingang her kommen sehen; m�glicherweise hielt der Mann sich schon eine ganze Weile in der Peterskirche auf. Hatte er ihn etwa beobachtet? Seine Gedanken gelesen? Die Vorstellung bereitete ihm Unbehagen. Er rang um Fassung und wandte sich um.</p><p>�Fr� Giacomo ist mir lieber.�</p><p>Vor ihm stand der Architekt, der sich unterw�rfig gab, was so gar nicht zu ihm passen wollte. Du willst etwas von mir, dachte er, sagte aber nur �Bitte� und wies auf die Beichtkabine. Er w�rde vorsichtig sein, denn dieses Beichtkind war ein Feind. Er geh�rte zu den <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis>. Giacomos Vorteil bestand darin, dass der Architekt nicht einmal argw�hnte, dass er dar�ber Bescheid wusste.</p><p>Bramante zw�ngte sich in den Holzverschlag, der eine direkte Verbindung zu Gott besitzen sollte. Das Fu�ende der Gnade. Der Dominikaner setzte sich, wie es vorgesehen war, ihm gegen�ber. Sie konnten einander nicht sehen, denn erstens war es dunkel, und zweitens verwehrte ein Gitter aus engen Holzstreben die Sicht. Als Giacomo das Vaterunser betete, blieb ihm nicht verborgen, dass der Baumeister nicht einmal das einfachste Gebet beherrschte. Deshalb fragte er ihn nach einem k�hlen �Amen� streng, wann er das letzte Mal gebeichtet habe.</p><p>�Lasst uns damit nicht unsere wertvolle Zeit verschwenden.�</p><p>�Ihr werdet in der H�lle dar�ber nachdenken d�rfen, ob eine Beichte eine Zeitverschwendung gewesen w�re.�</p><p>�Meint Ihr nicht, dass es mehr als einer Beichte bedarf, um das Haus des Apostels Petrus vor heidnischem Bildwerk zu bewahren?�</p><p>Heuchler, dachte Giacomo. �Geht es Euch nicht eher darum, einen gef�hrlichen Konkurrenten auszustechen?�, fragte er.</p><p>�Was spielen meine Beweggr�nde f�r eine Rolle, wenn es darum geht, ein Sakrileg zu verhindern?� Bramante musste seinen aufflammenden �rger z�geln.</p><p>�Wenn es nicht zu einem gr��eren Frevel f�hrt, keine!� Der Erzpriester f�hlte sich unbehaglich. Es w�re dumm, auf die Unterst�tzung dieses durchtriebenen Gauners zu verzichten, aber er durfte sich nicht hinters Licht f�hren und auch nicht benutzen lassen. Er hasste es, aber er hatte keine Wahl: Er muss-te sich auf das �lteste Spiel der Politik einlassen, auf dieses verfluchte Wer-benutzt-Wen. Er konnte Bramantes Grinsen zwar nicht sehen, daf�r umso deutlicher sp�ren.</p><p>�Fr� Giacomo, keiner von uns beiden will hier den Marmorkoloss mit seinen Nackten. Stellt Euch die vielen sp�rlich oder gar nicht bekleideten M�nnerk�rper vor, die sich herausfordernd um die Pilaster winden. Was meint Ihr, wie lange es dann noch dauern wird, bis Sankt Peter sich zu einem Wallfahrtsort f�r all die mausert, die im Zeichen des Gottes Uranus geboren worden sind?�</p><p>Giacomo sp�rte, wie sich das Grinsen des Architekten zu einem sp�ttischen Feixen steigerte, und begann zu schwitzen. Der Mann war ihm unangenehm, er wollte diese Situation so rasch wie m�glich beenden.</p><p>�Gut m�glich. Was k�nnen wir dagegen tun?�</p><p>�Wenn wir gegen das Grabmal argumentieren, bef�rdern wir nur seine Errichtung�, begann Bramante. �Julius ist klug, aber er ist nicht gebildet. Er kommt wie ich aus kleinen Verh�ltnissen. Und wie ich ist er st�ndig in Sorge, dass ihm einer dieser Gebildeten, dieser Humanisten, mithilfe seiner Bildung eine lange Nase dreht.�</p><p>Giacomo st�hnte leise, Bramante kannte den Papst wirklich gut.</p><p>�Aber�, fuhr der Architekt fort, �ich habe mir den Westchor angesehen. Warum nutzen wir den Ausbau nicht, um notwendige Reparaturen am Dom vorzunehmen, Instandsetzungen, f�r die bisher kein Geld da war?�</p><p>Damit sprach Bramante dem Erzpriester aus der Seele, denn Sankt Peter war in der Tat bauf�llig, manche Mauern waren inzwischen �ber zehn Ellen aus dem Lot geraten und �hnelten eher einem Bogen als einer Wand. Sie bogen sich wie Pappeln im Sturm und konnten jederzeit einst�rzen.</p><p>�Was kann ich dabei tun?�, fragte Giacomo vorsichtig.</p><p>�Zwei Dinge: Schweigt, wenn ich das Mausoleum lobe, und unterst�tzt mich, wenn ich vorbringe, dass wir Reparaturen am Mauerwerk vornehmen m�ssen, wenn wir den Westchor bauen und an den Dom anschlie�en wollen. Dadurch gewinnen wir wertvolle Zeit, bis sich das Vorhaben von selbst erledigt hat, weil der Geist unseres verehrten Papstes sich in ein anderes Projekt verliebt hat.�</p><p>�Welche Sicherheit habe ich, dass Ihr auch meint, was Ihr sagt?�</p><p>�Ihr habt die Wahl: helft oder lasst es. Gott zum Gru�, mein frommer Bruder.�</p><p>Damit stieg Bramante �chzend aus dem Beichtstuhl und lie� einen unschl�ssigen Giacomo zur�ck. Der Dominikaner wusste nicht, was er von dem Angebot dieses Heiden zu halten hatte. Ein Impuls trieb ihn, Bramante zu folgen. Er sah sich nach allen Seiten um, als er durch das Langhaus eilte, entdeckte ihn aber nicht. Dann stie� er die schwere Bronzet�re der Porta Romana auf und trat auf den Innenhof hinaus. Als er im D�mmerlicht neben dem Pinienapfel Bramantes gedrungene Gestalt ausmachte, beschleunigte er seinen Schritt und rief den Namen des Baumeisters. Dieser blieb stehen und wandte sich um. Am liebsten w�re Giacomo gerannt, doch verbot ihm das die W�rde des Ortes. Als er endlich die f�nfzig Fu�, die ihn von Bramante trennten, �berwunden hatte, war seine Entscheidung gefallen.</p><p>�Ich bin einverstanden. Aber wenn Ihr mich hintergeht, dann werdet Ihr das bitter bereuen. Sehr bitter. Jeder Teufel w�rde im Vergleich zu mir barmherzig sein!�</p><p>Den letzten Satz hatte Giacomo sehr ruhig, fast gesch�ftsm��ig ausgesprochen. Fast schien ihm, als sei Bramante unter dem Eindruck seiner Drohung zusammengezuckt. Die beiden M�nner standen allein in der Mitte des von einem Kreuzgang umgebenen Atriums der Peterskirche. Aus den Fenstern der Canonica, dem Palazzo des Erzpriesters, und aus dem Vatikanpalast selbst drang Licht in den Hof.</p><p>Der Baumeister l�chelte breit und legte seine Hand auf den linken Unterarm des Dominikaners, der seine H�nde nach Art der M�nche vor dem K�rper wechselseitig in die �rmel der Kutte geschoben hatte.</p><p>�Mir liegt selbstverst�ndlich nur das Wohl der Kirche am Herzen�, sagte er und gab sich keine M�he, seine Heuchelei zu verbergen. Giacomo stockte der Atem, als sein Blick auf den Ring an Bramantes Hand fiel � es war der Ring seines Vaters! Sein Herz f�hlte sich an, als sei es mit feurigen Lederriemen gefesselt, stumpf und hei�. Er hatte geahnt, wenn nicht gewusst, dass Bramante den Ring damals bei dem Leichnam Pico della Mirandolas gefunden hatte. Aber das Familienheiligtum an dem dicken, behaarten Finger dieses bulligen Heiden zu sehen verletzte ihn dennoch in tiefster Seele.</p><p>�Woher habt Ihr diesen Ring?�, fragte er heiser und so beil�ufig wie m�glich.</p><p>�Von einem, der sich auf dem Weg in den Himmel befand. Aber sein Besitzer war nicht der Sterbende, sondern der, der ihn ermordet hatte�, entgegnete Bramante. �Wisst Ihr etwa, wer es war?�, f�gte er mit dem Anflug von Hoffnung in der Stimme hinzu. �Ich suche schon so lange nach diesem Hundsfott!�</p><p>�Bedaure, ich kenne den Besitzer des Ringes nicht!�, beeilte sich Giacomo zu beteuern. �Wie kommt Ihr darauf, dass ich einen M�rder kenne?�</p><p>Bramante nickte resigniert. ��berlegt einmal, wo Ihr lebt, und dann sagt mir, wie Ihr es fertigbringt, den M�rdern aus dem Weg zu gehen. Ich kann es jedenfalls nicht.� Er lachte laut und bitter auf. �Vielleicht seid Ihr ja der einzige Unschuldige im Vatikan. Ihr � und der Papst nat�rlich.� Damit lie� er den Dominikaner stehen.</p><p>In Gedanken versunken, blickte Giacomo ihm lange nach, selbst dann noch, als Bramante l�ngst durch die Porta den Vorhof der alten Basilika verlassen hatte. Dann wandte er sich langsam um und ging zur�ck in den Petersdom. Der vertraute Anblick der lieben alten Kirche machte ihn wieder etwas ruhiger. Seine Augen hefteten sich auf den von einem Rundbogen gekr�nten Tabernakel, der auf zwei kostbaren S�ulen ruhte. Wie er ihren Papieren entnommen hatte, glaubten die <emphasis>Fedeli d�Amore,</emphasis> dass die S�ulen Boas und Jachin symbolisierten. Welch ein Unfug, brummte er vor sich hin. Dann schaute er auf die vier Evangelisten, die an die Sternseite der Kirche freskiert waren, und verweilte bei der Darstellung des Apostels Johannes. Am Anfang war das Wort, und das Wort wurde Fleisch. Giacomo ertappte sich bei dem Wunsch, dass das Wort besser Wort geblieben w�re, wozu musste es denn unbedingt Fleisch werden? Das ganze Leid, welches die K�rper verursachten, h�tte Gott den Seelen erspart.</p><p>Pl�tzlich erfasste ihn eine Sehnsucht, die wuchs und so stark wurde, dass er nicht dagegen ank�mpfen konnte: Er musste seinen Ring zur�ckhaben, koste es, was es wolle! Mit einem Mal f�hlte er die absurde Hoffnung, dass er dann endlich seinen Seelenfrieden wiederfinden k�nnte. Er musste den Ring wieder an sich bringen, selbst wenn das bedeutete, ihn samt Finger von der fleischigen Hand des toten Architekten zu hacken! Er erschrak, weil er erkannte, dass er selbst dazu imstande sein w�rde. Griff der Wahnsinn nach ihm? Er hatte das Gef�hl, in einen Sog zu geraten, und suchte vergeblich nach einem Halt. Was war schon dabei, einen Menschen zu t�ten?, fragte er sich mit fiebrig gl�nzenden Augen. Er tat doch seiner Seele nichts zuleide, sondern befreite sie nur vom �berfl�ssigen Fleisch, wie der Bildhauer die Skulptur vom Stein. Das Wort konnte wieder Wort werden, wenn es das Fleisch �berwand. Das hatte der Apostel Johannes vergessen zu erw�hnen. Giacomos Gedanken wirbelten schneller und schneller � wie die tanzenden Derwische im Morgenland.</p><p>Ein seltsamer Kerl, dieser junge Erzpriester, dachte Bramante, als er mit gro�en Schritten den Borgo durchquerte. Er ging �ber die Piazza Rusticucci, vorbei an der Kirche Santa Caterina, neben der Michelangelo seine Werkstatt betrieb, wie Bramante inzwischen wusste. Von j�hem Zorn gepackt, spuckte er aus.</p><p>Er befand sich mitten auf der Br�cke, die den Borgo mit dem Rione Ponte verband, als ein leichter, aber k�hler Nieselregen einsetzte und ihm ein kr�ftiges <emphasis>�Merda!�</emphasis> entlockte. Wenn er die gegen�berliegende Piazza Agonale erreichte, w�rde er unmittelbar nach rechts abbiegen und sich in Richtung der Baustelle der deutschen Kirche Santa Maria dell�Anima bewegen, an deren Neubau man seit f�nf Jahren eifrig arbeitete. Hinter der Kirche und dem Hospiz der deutschen Rompilger stand sein kleiner Palazzo.</p><p>Der feine Regen, den der Nordwind vor sich hertrieb, drang ihm allm�hlich durch die Kleidung. Bramante beschleunigte seine Schritte, weil er sich zu all dem Ungemach nicht noch einen Schnupfen holen wollte. In keiner anderen Stadt, nur in Rom, war ihm dieses verbl�ffende Zusammenspiel zwischen dem Wetter, den Menschen und der Architektur aufgefallen. So krank und grau und blass, wie ihm die Menschen in dieser tristen Witterung entgegenkamen, so wirkte auch der Putz der H�user: kalt, feucht und siech, und genauso gebeugt und gedr�ckt wie die Leute schien ihm das Mauerwerk zu sein. Manchmal beschlich ihn in letzter Zeit das unbehagliche Gef�hl, �lter geworden zu sein als die Welt.</p><empty-line/></section><section><p>20</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Als Bramante endlich wieder in seine Werkstatt trat, zerstoben die tr�ben Gedanken wie eine Wolke aus Staub ins Nichts, denn auf seinem Lehnstuhl thronte pr�chtig wie eine Kaiserin Imperia. Sie trug ein tiefblaues Kleid, das ein verschwenderisches Dekollet� offenbarte, in dem au�er ihm auch manch anderer wohl allzu gern versunken w�re. Am liebsten h�tte er sich der Geliebten zu F��en geworfen. Ihr Gesichtsausdruck verriet indessen Unmut und Langeweile. Ja, freilich, sagte er sich, sie hatte auf ihn gewartet. Und das verdross sie. Er zumindest kannte keine Frau, die in der Lage gewesen w�re, sich mit sich selbst zu besch�ftigen. Zum Teufel � auch das liebte er an den Frauen!</p><p>�Ich wollte schon wieder gehen, Donato�, teilte sie ihm in vorwurfsvollem Ton mit, eine Entschuldigung und heftige Zerknirschung erwartend. Bramante ging darauf nicht ein, sondern begann sogleich, ihr von dem Gespr�ch mit dem Dominikaner zu berichten. Und von seiner Idee, die Ausbesserung des Petersdoms in solche Unsummen und lange Zeitr�ume zu treiben, dass sie das Mausoleum mit der Zeit vergessen machten. Imperia h�rte ihm aufmerksam zu, dann bat sie ihn zu schweigen. Sie hatte das Gef�hl, dass in Bramantes Idee noch eine viel gr��ere steckte, und sagte, sie w�nsche das Ganze noch einmal ordentlich zu begr�beln.</p><p>Dar�ber musste er herzlich lachen. �Ja, soll ich denn den ganzen Petersdom wegrei�en und einfach einen neuen bauen?�, rief er �berm�tig und legte ihr die Hand in den Nacken.</p><p>Imperia fiel in seine Heiterkeit nicht ein, sondern schob seine Hand beiseite. �Ja, das sollst du! Das ist es! Das ist das Werk, das auf dich wartet!�, sagte sie ernst.</p><p>Bramante starrte sie sprachlos an, als ob sie den Verstand verloren h�tte. Pl�tzlich wurde ihm himmelangst.</p><p>�Schweig!�, donnerte er. �Wenn das jemand h�rt, landen wir beide auf dem Scheiterhaufen, meine feurige Geliebte�, f�gte er leise und z�rtlich hinzu.</p><p>�Wenn dein Herz nicht hei�er ist, als es das brennende Reisig unter deinen F��en w�re, dann pack dich!�, rief Imperia. �Dann hast du schon jetzt gegen Michelangelo Buonarroti verloren. Bist du ein Baumeister oder ein Flickschuster?�</p><p>Was konnte ihm ein Autodaf� noch anhaben, wenn ihm schon diese Frau so einzuheizen verstand?, dachte Bramante.</p><p>Imperia schenkte ihm ein hintergr�ndiges und selbstzufriedenes L�cheln. �Ich will Wein!�</p><p>�Giuseppe! Wein!�, br�llte Bramante. Kaum dass er seinen Diener angewiesen hatte, standen auch schon zwei Pokale mit bestem Roten aus der Toskana auf seinem Arbeitstisch. Er f�hlte sich innerlich zerrissen. Sein Denken war ein einziger Kampfplatz, auf dem seine Leidenschaft zu bauen und die Liebe zu seinem Leben miteinander fochten. Denn Imperias Idee barg t�dliche Risiken.</p><p>Vor tausendzweihundert Jahren hatte Kaiser Konstantin �ber dem Grab des Apostels Petrus die alte Basilika errichten lassen, als Zeichen daf�r, dass er zum Christentum �bergetreten war und dass dieser neue Glauben von Stund an die Religion des R�mischen Reiches war. Seitdem hatte sich das Christentum, den Staatsk�rper des Imperium Romanum nutzend, �ber die Welt ausgebreitet. Bramante erinnerte sich, dass Jacopo da Veragine �ber den Beginn des Baus zu berichten wusste, der Kaiser habe die Kirche �ber der Begr�bnisstelle Petri errichten lassen und dabei sogar selbst Hand angelegt: �Am achten Tage kam der Kaiser in die Kirche Sankt Peters und bekannte da �ffentlich seine S�nden mit gro�er Klage. Danach ergriff er eine Hacke und tat damit den ersten Schlag in die Erde und an die Stelle, da seine Kirche sollte stehen, und trug auf seinen Schultern selbst zw�lf K�rbe mit Erde daraus.�</p><p>Und nun kam er selbst daher, der Sohn eines Bauern vom Monte Asdrualdo, und wollte das Werk eines Weltenherrschers niederrei�en, um etwas noch Gr��eres und Sch�neres zu errichten? Das war mehr als anma�end!</p><p>Andererseits befand er sich im Vorteil, denn er lebte. Und er w�rde nach seinem Tod in das ewige Ged�chtnis der Menschheit eingehen: Jeder, der die wichtigste Kirche der Christenheit betreten w�rde, k�nnte dies kaum tun, ohne daran erinnert zu werden, dass er es war, Donato di Pascuccio di Antonio, genannt Il Bramante, der den Tempel der Tempel erbaut hatte. Er stie� einen tiefen Seufzer aus. Wie Gott die Welt erschaffen hatte, so w�rde er sein Haus errichten!</p><p>In diesem Augenblick sah er das Bundesbuch der <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> vor sich, den Etz Chaim. Der Kreis in der Mitte symbolisierte die Sch�nheit oder den Stellvertreter, hatte ihm Bonet de Lates erkl�rt. Damals hatte er geglaubt, dass die Sch�nheit der Stellvertreter Gottes w�re. Welch folgenschwerer Irrtum!</p><p>Die Bedeutung war viel konkreter, viel praktischer, mit H�nden zu greifen. �ber dem Stellvertreter erhob sich die Sch�nheit. Und mit dem Stellvertreter war niemand anderes gemeint als der Stellvertreter Christi, n�mlich Petrus. Die Sch�nheit aber wies sowohl auf den Himmel als auch auf die Kuppel hin, und beide waren nur ein Attribut Gottes. Der Gedanke erschien Bramante pl�tzlich so einfach und so unglaublich, dass er nicht mehr verstand, wie er diese Bedeutung damals hatte �bersehen k�nnen.</p><p>�ber dem Grab des Stellvertreters w�rde er seine Kirche errichten, als Verbindung zum Himmel, zu Gott. Auf der Skizze des Etz Chaim umgaben den Stellvertreter vier S�ulen, eine Vierung, die nur eine Kuppel tragen konnten, dazu waren sie ersonnen, eine Kuppel, die zugleich den Himmel darstellen w�rde. Selbst wenn man in den vier S�ulen vier Erzengel sehen wollte, stimmte es, denn die Engel, Helfer Gottes, trugen den Himmel. So lehrte es Dante. Alles hing mit allem zusammen. Beide Interpretationen gingen auf: Vier Erzengel hielten den Himmel wie einen Baldachin �ber der letzten Ruhest�tte des ersten Stellvertreters Christi. Oder vier m�chtige S�ulen erhoben �ber den Mittelpunkt der Kirche Gottes die gr��te Kuppel der Welt.</p><p>Noch vor wenigen Tagen hatte sich Bramante mit dem Buch gequ�lt, darin gelesen, etwas geahnt, anderes versucht zu deuten, aber letztlich nichts verstanden, weil er nach Art der Philosophen versucht hatte, die Texte zu deuten. Doch vor ihm lag kein philosophisches Werk, sondern das �Buch der Baumeister�. Und er war ein Baumeister, also musste er es auch als Baumeister lesen. Von einer dr�ckenden Last befreit, brach er in ein lautes Lachen aus, das seinen K�rper erbeben lie� und ihm Tr�nen in die Augen trieb.</p><p>�Was ist dir, mein kleiner Vielfra�? Ist alles in Ordnung?�, fragte Imperia besorgt.</p><p>�Ja, aber ja�, strahlte er, umarmte sie fest und hob sie hoch, dass ihr H�ren und Sehen verging. Sie strampelte mit den Beinen. �Lass mich runter, du verfluchter Kerl!� Aber er dachte nicht daran.</p><p>�Was war ich nur f�r ein Dummkopf!�, rief er immer wieder, w�hrend er sich mit ihr im Kreise drehte. �Ich hatte die ganze Zeit die L�sung vor mir und habe sie nicht gesehen. Ich h�tte das Buch, das der Jude �bersetzt hat, nur wortw�rtlich lesen und das Gesagte im Wortsinn verstehen m�ssen, statt mir den Kopf dar�ber zu zerbrechen, was es symbolisiert.�</p><p>�Da du das jetzt begriffen hast, kannst du mich ja wieder loslassen!�, keuchte Imperia au�er Atem.</p><p>Er hatte versucht, alles M�gliche in den Text hineinzudeuten, dabei h�tte er nur seinen ersten Gedanken �ber die Vierung und die Kuppel treu bleiben und freilich in dem Stellvertreter nur den Stellvertreter Christi, der unter Sankt Peter begraben lag, erkennen m�ssen. Wie Rom das neue Jerusalem war, so w�rde der Petersdom der neue salomonische Tempel werden. Es mochte vermessen sein, aber begann die Hybris nicht bereits damit, den ersten Schrei in dieser Welt aus Dreck und Blut zu tun? Die Selbst�berhebung begann mit dem Ich. Alles Weitere folgte doch nur aus dieser allerersten Tatsache des Lebens. Sicher verbrachten die meisten ihre Zeit auf Erden nur damit, hinter die ungeheure Anma�ung des ersten Schreis wieder zur�ckzufallen, als w�rden sie sich daf�r entschuldigen. Aber nicht er, nicht Bramante!</p><p>Die vielen Jahre, die er mit Bauen und Studieren, mit dem Vermessen der antiken Ruinen und dem Studium ihrer Bauweise zugebracht hatte � w�rde er all das nicht verleugnen, sich nicht selbst entehren, wenn er in diesem Augenblick zur�ckwich? Durfte er die Umsterblichkeit nun, da sie sich ihm darbot, vorbeiziehen lassen, anstatt ihren fl�chtigen Rockscho� zu ergreifen und nicht mehr loszulassen, bis sie ihn zum ewigen Ged�chtnis emporgetragen h�tte? Die alten R�mer hatten ihre Gr�ber an den Stra�enr�ndern errichtet, um die Passanten und Reisenden zu n�tigen, an sie zu denken. Er hingegen w�rde sich in der Hauptkirche des Abendlandes verewigen!</p><p>Als Bundesbruder der <emphasis>Fedeli,</emphasis> als Nachfolger Dantes und Gef�hrte Pico della Mirandolas war er dazu verpflichtet, dieses Werk der guten Baukunst zu beginnen, um das Verm�chtnis all dieser M�nner zu erf�llen. Das hatte er damals in Ravenna in der alten Kirche San Vitale geschworen. Auch wenn der Bund nicht mehr existierte, so lebten doch seine Ideale in ihm weiter. Es nicht zu wagen, w�rde bedeuten, den gro�en Dichter und den ermordeten Freund zu verraten.</p><p>Ob Bramante jemals den M�rder des Philosophen finden und bestrafen w�rde, blieb dahingestellt, doch diese Frage verblasste vor der Gr��e der Aufgabe, die pl�tzlich vor seinem geistigen Auge erstand. Vermessen und absolut unwiderstehlich zugleich posierte die Idee vor ihm. Ihm schwindelte. Er griff nach dem Weinpokal und leerte ihn in einem Zug.</p><p>�Na, mein Dickerchen, willst du es wagen?�, fragte Imperia gespannt. Ihre Augen gl�nzten, ihr leicht sp�ttisches L�cheln provozierte ihn. �Oder traust du dich nicht?�</p><p>�Metze!�, fluchte er. In diesem Moment liebte und hasste er sie wie niemanden sonst auf der Welt.</p><p>�Ich kann mit der Idee auch zu unserem kleinen Bildhauerengelchen gehen�, sagte Imperia schnippisch und zog die Augenbrauen nach oben.</p><p>Bramante erblasste. �Dann erschlag ich dich!�, entfuhr es ihm.</p><p>�Ach was! Sterben werden wir ohnehin zu fr�h, was willst du dir erst die M�he machen?�</p><p>Bramante h�rte ihr schon nicht mehr zu, denn seine Gedanken kreisten bereits wieder um das Projekt. Entweder stammte die Idee von Gott oder vom Teufel.</p><p>Er sah Sankt Peter vor sich, diese Rumpelkammer des Glaubens, bauf�llig, dunkel, vollkommen wirr durch den Wildwuchs der zahlreichen An- und Umbauten, hoffnungslos �berf�llt mit Reliquien, heiligen Toten und allerlei sakralem Plunder, der der Weihe bedurfte, um angebetet und aufbewahrt zu werden � vom reinen Kunstwert her hatte der Kitsch das nicht verdient. Bramante war sich bewusst, dass er durch diesen Plan mit Hiram konkurrieren w�rde. Es bot sich ihm sogar die M�glichkeit, diesen zu �bertreffen. Mehr war nicht zu wollen auf der Welt! Der Gedanke breitete sich auf h�chst angenehme, selig machende Weise in seinem ganzen K�rper aus. Dieses Werk w�rde ihn zum gr��ten Architekten der Welt erheben, nein, nicht nur zum gr��ten, sondern zum Urbild aller Baumeister, zum Inbegriff der Zunft!</p><p>Er wusste, wenn er diese Gelegenheit ergriff, w�rde er sich K�mpfen stellen m�ssen, die erst mit seinem Tod endeten. Fr�her lie�e ihn das Werk nicht aus der Pflicht. Es konnte ihm auch die letzten Jahre verg�llen oder verk�rzen und Schmach und Schande statt Ruhm bringen. Das eine war, in die Ewigkeit einzugehen � mit welchem Ansehen stand freilich auf einem anderen Blatt. Das Urteil der Kommenden hatte man nicht in der Hand.</p><p>Verflucht, er wollte es wagen, und wenn es ihm dabei an den Kragen ging. Der Preis wog den Einsatz mehr als auf. Bramante konnte nicht mehr anders. Zu sehr zerrte die Aufgabe an all seinen Gliedern und Gedanken.</p><p>Er fasste Imperia an den Schultern und starrte ihr mit wilder Bewunderung in die Augen. �Du kannst einen Mann gro� machen, Imperia!�</p><p>Sie st�hnte leise auf und machte sich von seinem derben Griff frei. �Ich wei�. Aber wir m�ssen klug zu Werke gehen, wenn wir ans Ziel kommen wollen. Denn von dem Tag an, an dem du mit dem Vorschlag herauskommst, wirst du nur noch Feinde haben.�</p><p>�Die habe ich auch so!�</p><p>�T�usche dich nicht, mein Freund. Es wird jedes Ma� �bertreffen, das du kennst. Der Neid ist die st�rkste aller Leidenschaften. Selbst deinen besten Freunden wird er in die Seelen dringen und sie vergiften.�</p><p>�Nichts bekommt man umsonst.�</p><p>�Wohl wahr, alles hat seinen Preis. Das Wenige fordert nur Geringes, aber das Gr��te verlangt alles. Stell mich Chigi vor!�, forderte sie wieder. �Wir brauchen ihn unbedingt als Verb�ndeten! Du kannst dir nicht einmal seine Skepsis leisten, geschweige denn seine Gegnerschaft.�</p><p>�Ich habe f�r ihn gebaut. Er sch�tzt mich. Ich kann mit ihm dar�ber reden!�, wandte Bramante ein.</p><p>Imperias Mundwinkel verzogen sich sp�ttisch, w�hrend ihre Augen einen mitleidigen Ausdruck annahmen. �Nicht so, wie ich mit ihm sprechen werde. Und sei gewiss, das ist die einzige Weise, die ihn dazu verleiten wird, die Messe mitzusingen.�</p><p>Alles in Bramante wehrte sich dagegen. Er liebte Imperia. Wenn er sie schon nicht �berzeugen konnte, ihren Beruf aufzugeben, so wollte er sie doch nicht an Agostino Chigi verlieren. Sie streichelte liebevoll sein Gesicht.</p><p>�Ach, mein Dickerchen, ich liebe dich ja auch, aber es gibt keinen anderen Weg. Du wirst entscheiden m�ssen, was dir das Projekt wert ist!�</p><p>Mit diesen Worten trat sie aus seiner Werkstatt und stieg wie selbstverst�ndlich die Treppe zu seinem Schlafzimmer hoch. Er schaute ihr nachdenklich hinterher. Imperia hatte recht, Chigi w�rde sich nicht auf das riskante Unternehmen einlassen, wenn er ihn fragen w�rde. Man musste den scheuen Bankier anders einfangen, auf eine Weise, wie nur sie es k�nnte. Bramante staunte wieder einmal �ber die Klugheit dieser jungen Frau, die in seinem Schlafzimmer auf ihn wartete. Und die er nicht mehr missen wollte. Dennoch sollte er sie, so schien es, auf dem Altar seiner gro�en Aufgabe opfern. Wie viel war ihm diese also wert? Das Gr��te forderte alles, hatte Imperia gesagt. War er wirklich bereit, alles daf�r zu geben? Auch sie? Seine voraussichtlich letzte Liebe?</p><p>Sein Herz drohte vor Kummer zu zerspringen, als er ihr ins Schlafzimmer folgte. Sie liebten sich so st�rmisch und wild, als feierten sie Abschied.</p><p>Zwei Tage sp�ter machte sich Bramante am Nachmittag auf den Weg zu Imperia. Am Morgen hatte ihn Agostino Chigi zu einem Fest am Abend eingeladen, was die Gelegenheit bot, auf die sie gewartet hatten. Bramante hatte noch keine Entscheidung gef�llt, sondern erging sich in qu�lenden Gr�beleien. Er sah niedergeschlagen aus und f�hlte sich wie ein gepr�gelter Hund. M�hsam rang er sich zu einem Entschluss durch, um ihn gleich darauf zu verwerfen und ihn wenig sp�ter erneut zu fassen. So ging es immer im Kreis herum. Er f�rchtete schon um seinen Verstand. Eine solche Unentschlossenheit kannte er nicht an sich, und sie irritierte ihn. Er war nie ein Mann des Zweifels gewesen, sondern stets einer der Tat. Inzwischen hatte er �ber eine Stunde vergeudet, weil er mehrmals umgekehrt war, um den Weg dann doch wieder fortzusetzen.</p><p>Als er endlich vor Imperias Palazzo unweit des Petersdomes stand, �berfiel ihn wieder ein Staunen �ber das pr�chtige Geb�ude. �ber der gro�en zweifl�geligen Pforte erhob sich ein auf vier S�ulen ruhender Portikus mit einem Architrav, auf dem Instrumente wie Laute, Fl�te und Geige gemalt waren. Der Fries verbreitete Fr�hlichkeit. Bramante hob die Hand, um an der Klingelkette zu ziehen, verharrte dann aber mitten in der Bewegung und hielt die Faust unschl�ssig in die Luft. Seine Blicke wanderten zur Basilika von Sankt Peter mit ihrem hoch aufragenden Dach. Davor standen wie Wacht�rme die beiden Glockent�rme von Santa Maria in Turri, die gemeinsam mit der Benediktionsloggia die Eingangsfront des Atriums bildeten.</p><p>�In drei Teufels Namen�, murmelte Bramante und zog an der Klingelkette, �es soll sein!�</p><empty-line/></section><section><p>21</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Die hellen Klingelt�ne kamen ihm wie ein sp�ttisches Gekicher vor. Ein muskul�ser Mann �ffnete Bramante die T�r von Imperias Palazzo und begleitete ihn ins Vestib�l. Mit dem goldenen Ring im linken Ohr erinnerte er ihn an einen S�ldner; sicher war er auch in der Handhabung von Waffen erfahren. Bramante pries innerlich Imperias Wahl, denn dieser Landsknecht d�rfte ihr als Lakai und als Leibw�chter wertvolle Dienste leisten.</p><p>Der Mann stellte sich als Ascanio vor. Bramante wollte sich ebenfalls vorstellen, doch Ascanio winkte h�flich ab. �Nicht n�tig, Mess�r Donato.� Was hei�en sollte, dass er ihn kannte. Bramante wusste nicht recht, ob ihm das gefiel.</p><p>Vor ihm schwang sich eine gro�e Freitreppe zum <emphasis>piano nobile</emphasis> hinauf. Goldene Kerzenhalter hingen an den W�nden, die mit Tapeten aus kostbarem Damast verkleidet waren. Imperia musste sehr reich sein, dachte Bramante. Dieses Geb�ude h�tte jedem Kardinal Ehre gemacht.</p><p>Helles, unbeschwertes Gel�chter, das eines M�dchens und das einer jungen Frau, drang an sein Ohr. Kurz darauf erschienen Imperia und ihre zehnj�hrige Tochter auf der Treppe. Sie schienen Haschen zu spielen, denn Imperia lief fort, w�hrend die Kleine versuchte, sie einzuholen. Am Treppenansatz gelang es ihr endlich. Lachend fielen sie einander in die Arme. Dann hakte sich das M�dchen bei Imperia ein, und Arm in Arm schritten sie, �berm�tig wie ausgelassene Freundinnen, die Treppe hinab. Imperia sah Bramante fr�hlich an. So frei, gl�cklich und gel�st hatte er sie selbst in ihren sch�nsten Augenblicken nicht gesehen. Der melancholische Schleier, der sonst �ber ihren Augen lag, war verschwunden. Wie sehr g�nnte er ihr dieses Gl�ck! Und wie sehr h�tte er sich gew�nscht, daran teilzuhaben. Die begehrteste Kurtisane von Rom wirkte wie eine keusche Jungfrau, wie die �ltere Schwester des M�dchens. Man h�tte die beiden f�r h�here T�chter aus gutem Hause halten k�nnen.</p><p>�Ah, Donato�, sagte Imperia freundlich, �schau her, das ist meine Tochter Lucrezia.�</p><p>Das M�dchen musterte ihn neugierig mit ihren gro�en taubenblauen Augen. Die Unbefangenheit ihres Blicks verriet ihm, dass Imperia ihrer Tochter noch nie einen ihrer Freunde oder G�nner vorgestellt hatte. Die Ehre und das Vertrauen, das ihm die Geliebte entgegenbrachte, r�hrten ihn. Er schwor sich im Stillen, es niemals zu missbrauchen, als Lucrezia das Wort an ihn richtete.</p><p>�Schade, dass ich zur�ckmuss, sonst k�nntet Ihr mir eine Geschichte erz�hlen.�</p><p>�Lucrezia liebt Geschichten �ber alles. Geschichten, Geschichten und immer mehr Geschichten m�ssen es sein�, erkl�rte die liebende Mutter stolz.</p><p>�Ihr seht aus, als ob Ihr viele Geschichten kennt�, sagte das M�dchen.</p><p>�Wie kommst du darauf, mein Kind?�, fragte Bramante und riss zum Spa� verwundert die Augen auf.</p><p>�Weil Ihr schon so alt seid.�</p><p>Die Worte versetzten Bramante einen Stich ins Herz. Er war wahrlich schon recht alt, im Vergleich zu ihr sogar uralt. Doch Lucrezia lie� ihm keine Zeit zum Nachdenken, sondern fuhr mit heller Stimme fort.</p><p>�Es muss sehr sch�n sein, so alt zu sein und so viele Geschichten zu kennen.�</p><p>Bramante musste unwillk�rlich l�cheln. Sicher, Erfahrung wog viel und begl�ckte und entspannte allemal. So viele Dummheiten im Leben musste man nicht ein zweites Mal begehen. Aber zum einen war dieses Privileg mit nachlassenden Kr�ften teuer erkauft, und andererseits hie� das ja leider nicht, dass man nicht neue Torheiten beging. Jedes Alter kannte seine eigenen Narreteien.</p><p>�Ich f�rchte, mein kleiner Engel, du hast meinen Besuch in eine nachdenkliche Stimmung versetzt�, schalt Imperia l�chelnd ihre Tochter.</p><p>�Nein, nein�, wehrte Bramante ab. �Oder doch, ja. Es war n�mlich sehr gescheit, was du gesagt hast, Kleine. Verrate mir, wer dein Erzieher ist? Er muss ein au�erordentlich kluger Mann sein.�</p><p>�M�nner sind nicht klug, sagt Mama immer. Nein, die g�tigen Nonnen vom Kloster auf dem Campo Marzio haben mich unter ihre Fittiche genommen�, antwortete Lucrezia mit frommem Augenaufschlag. Ein rascher Blick zu Imperia verriet ihm, dass ihr das Zitat ein wenig peinlich war, sie zugleich aber auch am�sierte.</p><p>�Eine vortreffliche Wahl�, sagte Bramante freundlich.</p><p>�Warte oben auf mich, Donato�, bat Imperia. �Ich m�chte mich von meiner Tochter verabschieden.�</p><p>Der Diener f�hrte Bramante die Treppe hinauf zu einem pr�chtig eingerichteten <emphasis>studiolo</emphasis>, bot ihm einen Platz an und brachte ihm ein Glas Wein. Die W�nde des Raumes waren von golddurchwirkten Seidentapeten bedeckt, auf dem Boden lagen kostbare orientalische Teppiche. Auf Schr�nken und Tischchen standen verschieden gro�e Porzellanvasen, die mit chinesischen Motiven bemalt waren. Auf einer mit reichen Schnitzereien verzierten Truhe lag eine wundersch�ne Laute. In einem Schrank entdeckte Bramante B�cher. Er wollte sich gerade erheben, um sie n�her zu besehen, da betrat Imperia das Studierzimmer, das offenbar auch als Empfangsraum diente.</p><p>Sie wirkte ein wenig verwirrt und traurig. Bramante sah eine Tr�ne auf ihrer Wange glitzern, bevor sie sie rasch mit dem Handr�cken wegwischte. Der feine Schleier hatte sich wieder �ber ihre Augen gelegt.</p><p>�Verzeih mir, Donato. Lucrezia und ich, wir haben uns einfach zu selten. Einmal die Woche ein paar Stunden.�</p><p>�Zieht zu mir, ich ��</p><p>�Nein�, fiel sie ihm ins Wort. �Nein!� Sie nahm einen gro�en Schluck aus seinem Weinglas. �Ich muss eine schlechte Mutter sein, um eine gute Mutter sein zu k�nnen. Verstehst du das? Hast du Kinder, Donato?�</p><p>Er merkte, dass sie keine Antwort von ihm erwartete. Dann hatte sie sich offenbar wieder gefangen, denn sie schaute ihn an wie immer, freundlich, liebevoll, mit einer gewissen Distanz. �Hast du dich entschieden?�</p><p>�Warum willst du mir helfen?�</p><p>�Ich will vor allem mir helfen. Die Risiken meines Berufes sind bekanntlich sehr hoch � ein sittenstrenger Papst, ein eifers�chtiger Liebhaber, die Franzosenkrankheit, die teuflische Intrige einer Konkurrentin, das alles k�nnte meinem Reichtum schnell ein Ende setzen. Was w�rde dann aus meiner Tochter? Ich war keine drei Jahre �lter als Lucrezia, als mich meine Mutter f�r diesen Beruf bestimmte, dem sie selbst nachging. Ich will meiner Tochter dieses Schicksal ersparen! Es ist eine einfache Rechnung: Du brauchst einen m�chtigen Verb�ndeten und ich einen Liebhaber, der reich genug ist, um sich eine M�tresse zu halten, damit ich meine Tochter absichern kann.�</p><p>�Aber ich liebe dich, Imperia�, rief Bramante verzweifelt. Es war wie ein Aufbegehren gegen die Verlogenheit und Ungerechtigkeit der Welt, die er nur allzu gut kannte und deren Unzul�nglichkeiten er auszunutzen gelernt hatte.</p><p>�Wir sind beide nicht mit dem goldenen L�ffel im Mund geboren. Deshalb k�nnen wir uns auch beide nicht den Luxus leisten, unsere Liebe zu leben�, sagte Imperia m�de.</p><p>�Aber ich ��</p><p>Sie legte ihre Hand vor seinen Mund und sah ihm mit einem unertr�glich traurigen L�cheln in die Augen. �Ach, Donato, du versprichst mir Sicherheit und bist im gleichen Moment dabei, dich in das gr��te Abenteuer deines Lebens zu st�rzen. Wie passt das zusammen? Ich allein w�rde mich ja darauf einlassen. Aber ich muss an meine Tochter denken. Das ist meine Aufgabe vor Gott!�</p><p>�Ich verzichte auf das Projekt!�, rief Bramante. �Auf diese ganze Eitelkeit.� Er sp�rte selbst, wie wenig �berzeugend er klang.</p><p>�Meinst du, das k�nntest du? Und wenn du es wirklich t�test, w�rdest du mir diesen Verzicht jemals verzeihen? Mir und Lucrezia? Du w�rdest das M�dchen daf�r hassen. Und das, Donato, will ich nicht! Ich will, dass meine Tochter geliebt und geachtet wird! Nicht, dass man sie hasst. Und was die Eitelkeit betrifft, h�hne dieser lieben, guten S�nde nicht, wir leben vortrefflich von ihr!�</p><p>Schweren Herzens gab er ihr innerlich recht. �Du willst also exklusiv arbeiten?�</p><p>�Es ist das Sicherste. Vorausgesetzt, er ist reich genug.�</p><p>�Es gibt keinen, der reicher ist als er�, lachte Bramante bitter. Der Schmerz hatte sich in seinem Inneren eingenistet und tanzte auf seinem Herzen eine Tarantella. Er sollte auf seine Liebe verzichten, nur weil ihre Tochter nicht dem k�uflichen Gewerbe nachgehen sollte. Er f�hlte sich pl�tzlich vom Leben betrogen.</p><p>�Der K�nig der Bankiers und die Kaiserin der Kurtisanen, welch sch�nes Paar�, h�hnte er. Er f�hlte sich hilflos und �rgerte sich �ber seine kindischen Vorhaltungen. Aber er kam nicht an gegen dieses beklemmende Gef�hl der Vergeblichkeit. Nat�rlich reagierte er ungerecht, gemein und verletzt. Er f�hlte sich alt und gichtbr�chig. Und von allen verlassen. <emphasis>Mondo cane</emphasis>, so sah die Welt von der Hundeseite aus. Die Worte hatte er von Leonardo gelernt, der kein Latein konnte, auch wenn er immer so tat. Eine seiner zahllosen Spinnereien; er hatte sich sogar ein italienisch-lateinisches W�rterbuch gebastelt.</p><p>�Wenn ich es ohnehin nicht verhindern kann, dann soll es mir wenigstens n�tzen�, sagte er k�hl und ohne sie anzusehen. �Ich habe f�r heute Abend eine Einladung zu Mess�r Agostino.�</p><p>�Hol mich in drei Stunden mit einer dreisp�nnigen Kutsche ab. Ich will vorfahren wie eine Kaiserin�, sagte Imperia, bem�ht, ihre Stimme ebenfalls sachlich klingen zu lassen.</p><p>Michelangelo wollte gerade einen Brief an seinen Vater versiegeln, als Francesco einen hohen Besucher in seine Werkstatt f�hrte. Mit rotem Barett und einer Mozetta aus rot gef�rbter Seide �ber dem roten Mantel aus Brokat stand Kardinal Francesco Alidosi vor ihm. Die gro�en, ausdrucksvollen Augen in dem schmalen Gesicht, aus dem eine schlanke, gebogene Nase ragte, l�chelten g�tig.</p><p>�Maestro, der Papst schickt mich.�</p><p>Michelangelo bat den Kardinal, Platz zu nehmen, und entschuldigte sich daf�r, dass er in seiner Werkstatt, wie im ganzen Haus, nur �ber einfache Holzst�hle verf�gte.</p><p>�Der Herr liebt die Einfachheit�, antwortete der Kardinal mit geschmeidiger Stimme. Aus dem Mund des Mannes, der in ganz Rom f�r seinen raffinierten Geschmack bekannt war, klangen diese Worte allerdings unfreiwillig komisch. Dieser Eindruck hielt sich nicht, denn Alidosi lie� sich mit einer Grazie auf dem Stuhl nieder, als w�re dieser der kostbarste Sessel der Welt, geschwungen, mit verschwenderisch gepolstertem Sitz und kunstvoll geschnitzter Lehne. Dann er�ffnete er dem Bildhauer, dass er ihn in seiner Funktion als Schatzmeister des Heiligen Vaters aufsuche. Julius II. k�nne kaum erwarten, dass Michelangelo die Arbeit an dem Grabmal aufn�hme, und schicke ihm daher die Anzahlung f�r den ben�tigten Marmor, den Transport und die Fertigstellung der ersten Figuren. Mit diesen Worten reichte er dem Bildhauer einen Wechsel, der auf die Bardi-Bank ausgestellt war.</p><p>Ein Blick auf die stolze Summe verriet Michelangelo, dass er ganz oben in der Achtung angekommen war, denn sie �bertraf seine k�hnsten Vorstellungen bei Weitem � eintausendsechshundert Dukaten betrachtete der Papst als Anzahlung! Daf�r konnte man bei guter Haushaltung zwei Mausoleen errichten und dabei noch vern�nftig leben. Doch er lie� sich weder seine Freude noch seine Genugtuung anmerken.</p><p>�Hochverehrte Eminenz, bitte richtet unserem geliebten Heiligen Vater aus, dass ich ihn nicht entt�uschen werde und mich nun, da die Anzahlung bei mir eingetroffen ist, sogleich ans Werk mache. Er m�chte mich f�r eine Weile entschuldigen, denn ich werde den Marmor pers�nlich in den Steinbr�chen aussuchen.�</p><p>Michelangelo hatte so gelassen geklungen, als w�re die ungew�hnlich hohe Summe das Selbstverst�ndlichste von der Welt. Er brauchte sich bei dieser kleinen Dreistigkeit nicht sonderlich anzustrengen, denn im Grunde seiner Seele glaubte er sich dieser Entlohnung wert. Nur das Wort Anzahlung hatte er nachdr�cklich betont, wor�ber der Kardinal ein wenig l�cheln musste. Als der Schatzmeister des Papstes sich nach einem kleinen belanglosen Gespr�ch verabschiedet hatte, faltete Michelangelo den Brief an den Vater noch einmal auseinander, nahm die Feder und setzte folgende S�tze hinzu: <emphasis>�Vater, ich bitte Euch, sucht ein gutes Landgut in der N�he von Florenz, und kauft es in meinem Namen. Das Geld daf�r bekommt Ihr von der Bardi-Bank in Florenz, der ich einen Wechsel �ber sechshundert Dukaten schicke.�</emphasis></p><p>Dann �berlegte er: F�r sechshundert Dukaten bek�me man ein G�tchen, aber kein Gut. Wenn er geschickt verhandelte und sich einschr�nkte, musste es gehen. Mit Schwung strich er die Zahl durch und setzte daf�r die Summe von tausend Dukaten ein.</p><p>Weil er arm war, hatten die Leute in Florenz auf ihn herabgesehen, weil er arm war, hatte er seine gro�e Liebe verloren, weil er arm war, wurde er nicht seinem Rang gem�� als Abk�mmling der Grafen von Canossa behandelt. Deshalb wollte er nicht arm bleiben, sondern reich werden. Alles, was man seinen Vorfahren genommen hatte, w�rde er zur�ckholen und mehr noch, viel mehr!</p><empty-line/></section><section><p>22</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>In Rom ging man gew�hnlich zu Fu�. Ein paar hei�spornige <emphasis>cavalieri,</emphasis> eilige Boten und forsche Reisende ritten gelegentlich, und Kleriker, die es sich leisten konnten, lie�en sich in einer S�nfte tragen. Nur die wirklich Reichen benutzten manchmal eine Kutsche. Dieser bedienten sie sich jedoch nicht einfach, um von einem Ort zum anderen zu gelangen, sondern sie inszenierten stets eine Ausfahrt, die dazu angetan war, ein Ereignis zu werden. Es ging ausschlie�lich darum, den eigenen Reichtum zur Schau zu stellen und dadurch seinen Stand und sein Ansehen dem staunenden Volke darzubieten. Die Pracht diente als Bannertr�ger der Macht. Ohne sichtbares Banner geriet auch das beste Heer in Gefahr.</p><p>Deshalb gafften die R�mer und R�merinnen nat�rlich der gro�en Kutsche hinterher, die durch den Stra�enkot zum Borgo holperte und von dort wieder �ber die Br�cke bei der Engelsburg zur�ck, die Piazza Agonale �berquerte und rechts in die erste Gasse einbog. In dem kostbaren Gef�hrt, dessen Holz vergoldet worden war, konnte nur ein sehr besonderer Mensch sitzen. Der Papst? Der Kardinal Riario? Der franz�sische Botschafter oder der Gesandte des Kaisers oder vielleicht sogar eine wirklich geheimnisvolle Ber�hmtheit wie der Kaiser von China, der Prinz Dschem, der Bruder des Sultans, oder der Priesterk�nig Johannes, der weit im Osten ein mysteri�ses K�nigreich beherrschte, wie die Fama ging, die man sich hinter vorgehaltener Hand erz�hlte? Wer wusste das schon so genau, die Welt bestand, sah man nur genauer hin, aus Wundern. In ihr gingen nicht wenige Ketzer und Magier, Alchemisten und Astrologen unerm�dlich ihrem verbotenen Tun nach. Einige von ihnen sogar in den H�usern von Kardin�len. Solche Gedanken laut zu �u�ern war allerdings nicht ratsam.</p><p>Von Zeit zu Zeit schaute aus der Kutsche eine huldvoll l�chelnde Dame, die einen kostbaren Schleier aus Seide trug, so fein, als sei er aus Schmetterlingsfl�geln gewebt. Er fiel ihr locker �ber die Schultern und verdeckte zum Teil das Dekollet�. Um den Hals trug sie eine Kette mit goldeingefassten Edelsteinen, in denen sich beim Schaukeln der Kutsche das Licht der Fackeln spiegelte, die vorn und hinten an der Karosse befestigt waren. Aus ihrem Haar leuchtete eine einzelne gro�e Perle. Die Dame trug ein wei�es Gewand mit schwarzen B�ndern unter einem lindblauen �berkleid. Durch die geschlitzten Arme sah man, dass der Innenstoff im gleichen Goldton wie die Borten gehalten war.</p><p>Die pr�chtige Kutsche passte kaum in die enge Gasse, und Bramante, den dieser Auftritt ein Verm�gen kostete, f�rchtete schon, das Gef�hrt k�me derart zwischen den Mauern zu stehen, dass er zum Gesp�tt der anderen G�ste die T�r nicht w�rde �ffnen k�nnen. Imperia schien sich keine Gedanken dar�ber zu machen. Diese Frau, dachte er, w�rde von ihm verlangen, die st�rende Mauer einfach wegrei�en zu lassen. Wozu war er denn Roms gr��ter Baumeister? Doch der Kutscher hielt das Gef�hrt geschickt vor dem Eingang des Hofes an, sodass sich die T�r der Kutsche problemlos �ffnen lie�, was freilich auch bedeutete, dass der Zugang zu dem Bank- und Wohnhaus des Agostino Chigi f�r alle anderen G�ste versperrt war. Sie mussten sich gedulden, bis Imperia ausgestiegen und den Cortile dei Chigi betreten hatte. Seine Geschicklichkeit trug dem Kutscher ein warmes L�cheln der Sch�nen und ein reichliches Trinkgeld des Architekten ein.</p><p>Als Bramante dann umst�ndlich aus der Kutsche kletterte, fiel sein Blick auf die kleine Schlange aus G�sten, die sich inzwischen gebildet hatte. Er konnte nicht verstehen, was sie tuschelten, aber der Tonlage nach war es nichts Erfreuliches. Was w�rde eine Baronin oder ein Bischof auch schon sagen, wenn sie oder er wegen einer Kurtisane warten musste. Bramante kannte diese unversch�mten Leute, die glaubten, dass ihre adlige Geburt sie dazu berechtigte, sich als etwas Besseres zu d�nken. Ihm gefiel dieser ganze Auftritt nicht. Dann kam ihm ein tr�stlicher Gedanke. Im Moment ihres Todes w�ren diese Leute bereits vergessen, w�hrend man von ihm in hundert, in tausend Jahren noch reden w�rde. In diesem Augenblick liebte er Imperia wieder f�r ihren Mut, f�r ihren unbeugsamen Willen. Das war es, was sie verband, dieser unabdingbare Vorsatz, trotz widriger Lebensumst�nde aufzusteigen. Die Welt begann mit ihnen!</p><p>Er trat neben sie und reichte ihr den Arm. Hinter ihnen fuhr die Kutsche ab und machte den Weg frei f�r die anderen G�ste. Bramante und Imperia schritten durch den l�nglichen, von Fackeln erleuchteten Hof. Im Eingang des Hauses stand eine Gruppe Bl�ser, die Weisen von Tromboncino erklingen lie�en. Bei der Frottola kam Bramante der Text in den Sinn: �Wenn ich nun nicht zeigen darf das Feuer meiner bittren Qual �� Wie sinnreich, dachte er.</p><p>Im Erdgeschoss waren die Stallungen und Gesch�ftsr�ume von Chigis Bankenimperium untergebracht. Sie betraten eine gew�lbte Halle, von der eine schmale Treppe zum <emphasis>piano nobile</emphasis>, zum Wohnbereich des Bankiers, hinauff�hrte. Es war bekannt, dass Agostino Chigi nur �ber beengte R�umlichkeiten verf�gte, die sich eigentlich nicht f�r Feiern eigneten, doch daf�r entsch�digte die glanzvolle Gesellschaft reichlich. Die ersten Namen Roms waren versammelt, die wichtigsten Leute aus Klerus, Politik, Diplomatie, Aristokratie, Wissenschaft, Literatur und Kunst. Zudem wurden die Sinne der G�ste von vorz�glichen Musikern, erlesenen Speisen und gro�en Weinen verw�hnt.</p><p>Bramante hatte erfahren, dass es bei diesen R�umlichkeiten nicht bleiben w�rde. Wie ihm seine Informanten zugetragen hatten, hatte Chigi in Trastevere ein Grundst�ck mit einem alten Palazzo erworben, den er demn�chst auszubauen gedachte. Zu Bramantes Leidwesen hatte er einen jungen, noch unbekannten Architekten aus seiner Heimat Siena mit der Planung und Ausf�hrung beauftragt. Baldassare Peruzzi hie� der unerw�nschte Konkurrent. F�r Bramante kam es inzwischen einer Beleidigung gleich und bedeutete zugleich ein Warnsignal, wenn ein Gro�auftrag nicht zuallererst ihm angeboten wurde. Schlie�lich war er es doch, der entschied, ob er einen Auftrag annahm oder ihn an all die Sangallos weitergab. In den gut f�nf Jahren, die er nun in Rom weilte, hatte er sich diese beherrschende Stellung auf dem Baumarkt der Ewigen Stadt mit allen zur Verf�gung stehenden Mitteln hart erk�mpft.</p><p>Der Architekt hatte kaum mit Imperia den ersten Saal des <emphasis>piano nobile</emphasis> betreten, da st�rzte auch schon der dicke Kardinal de Medici auf sie zu. Sein liebensw�rdiges L�cheln machte sein aufgedunsenes Gesicht vergessen.</p><p>�Donato, ich hatte gehofft, Euch hier zu sehen!�</p><p>Bramante und Giovanni de Medici verband das Geheimnis, dass sie beide den <emphasis>Fedeli</emphasis> angeh�rten, auch wenn es den Bund nicht mehr gab.</p><p>�Eminenz�, sagte der Architekt und deutete eine Verbeugung an.</p><p>Doch der Kardinal hatte sich schon Imperia zugewandt. �Seid gegr��t, Madonna Imperia.�</p><p>Bramante staunte immer wieder �ber den Sohn des gro�en Lorenzos. Auf andere Art h�sslich als sein Vater, hatte er doch dessen hinrei�ende Ausstrahlung geerbt. Wenige Worte gen�gten, und man hatte die plumpe Figur des beleibten Mannes vergessen. Dabei z�hlte er noch keine drei�ig Jahre.</p><p>�Verzeiht, Madonna, ich habe nicht vor, Euch zu langweilen, was eine S�nde bedeutete und mir den Fluch und die Maulschellen der Engel einbr�chte, aber ich will mit dem teuren Donato �ber das Bauen sprechen.�</p><p>Wor�ber sonst, dachte der Architekt. Der Kardinal bewohnte einen zwar recht ger�umigen, aber eher etwas unbequemen Palazzo im Rione Sant� Eustachio, in der N�he der Piazza Navona. Er trug sich st�ndig mit Umbaupl�nen, allein, es mangelte ihm am Geld f�r deren Verwirklichung. Seit der Vertreibung seiner Familie aus Florenz war das Oberhaupt des Hauses Medici auf Schritt und Tritt vom Bankrott bedroht. Als Kardinal war er gezwungen, zu repr�sentieren und gro�e Feste zu geben, obwohl ihm die finanziellen Mittel daf�r fehlten. Wollte er seine Familie wieder zu altem Glanz bringen und nach Florenz zur�ckf�hren, kam er nicht umhin, seine Macht st�ndig zu erweitern. Ein unverzichtbares Mittel daf�r bestand f�r ihn in der Prachtentfaltung, also darin, verst�rend sch�ne Feste zu geben, �ber die man sprach, zu denen man sich dr�ngte, eingeladen zu werden, ein verschwenderisches M�zenatentum an den Tag zu legen und regelm��ig dem <emphasis>popolo</emphasis> mit Wohltaten zu schmeicheln, sodass ihm die Herzen des Volks von Rom gewogen blieben. Ein wahrer Teufelskreis: Was ihn ruinierte, sollte den Ruin abwenden, und doch w�re er, so paradox es klang, tats�chlich schon ruiniert gewesen, wenn er sich nicht ruinieren w�rde. Wie oft hatte er das Tafelsilber versetzen m�ssen, von dem seine G�ste doch speisen sollten, nur um das Diner �berhaupt ausrichten zu k�nnen?</p><p>Bramante mochte Giovanni daf�r, dass ihn trotz der bedrohlichen Situation nie die gute Laune verlie�. Der Kardinal Giovanni de Medici war eine wahre Frohnatur, dabei gebildet und an Kunst und Literatur interessiert wie nur wenige seiner Kollegen. Deshalb lie� sich Bramante auch immer auf eine nutzlose Debatte �ber den Umbau des Palazzo mit ihm ein. Er sp�rte, dass ein Gespr�ch dar�ber dem ewig klammen Kirchenf�rsten die Illusion schenkte, mit dem Projekt zu beginnen, endlich in dieser Angelegenheit t�tig zu werden. Au�erdem war er der engste Freund des Lieblingsneffen des Papstes, Galeotto della Rovere. Das durfte der Architekt nicht vergessen � um eine Stimmung am Hofe zu erzeugen, musste man sich vieler Stimmen bedienen.</p><p>�Oh, lasst euch nicht st�ren�, hauchte Imperia den beiden zu und bahnte sich den Weg durch den fast �berf�llten Saal. Wehm�tig schaute Bramante ihr einen Augenblick nach, dann widmete er sich dem Kardinal.</p><p>Es dauerte eine ganze Weile, bis er sich endlich aus dem Gespr�ch zur�ckziehen konnte. Nachdem er mit vielen, denen er nicht auszuweichen vermochte, belanglose, aber wichtige Floskeln gewechselt hatte � die Grundlage seines Gesch�fts bestand ja im Sehen und Gesehenwerden, in einer beeindruckend allgegenw�rtigen Pr�senz �, erreichte er endlich den zweiten Saal, in dem getanzt wurde.</p><p>Imperia hatte in der Tat keine Zeit verloren. Sie tanzte eine Pavane, und zwar mit Agostino Chigi. Bramante sp�rte, wie die Eifersucht ihn durchfuhr. Nicht einmal vorstellen hatte er sie d�rfen. Selbst Chigis Bekanntschaft brachte sie ohne seine Hilfe zuwege!</p><p>Der Bankier galt als vorbildlicher Ehemann. Bramante hatte nicht das kleinste Ger�cht dar�ber vernommen, dass er sich mit anderen Frauen vergn�gte. Und der Architekt gab monatlich sehr viel Geld aus, um �ber alles, auch �ber Aff�ren, in Rom unterrichtet zu sein. Sein Blick fiel auf Margarita Saraceni, Chigis Ehefrau, die auf einem hohen, gepolsterten Lehnstuhl sa� und den Tanz beobachtete, ohne eine Regung zu verraten. Er trat zu ihr.</p><p>�Madonna, darf ich mich zu Euch setzen?�</p><p>Sie blickte auf zu ihm und bot ihm mit leicht zitternder Hand einen Platz auf dem Hocker neben ihr an. Stuhl und Hocker waren die einzigen Sitzgelegenheiten im Raum. Auf einem Podest gegen�ber standen die Musiker und spielten Fl�te, Geige, Laute, Gambe, Tamburin und Posaune.</p><p>�Er tanzt gut�, sagte sie mit Bewunderung in der Stimme.</p><p>�Ich erinnere mich, dass sie eine gro�artige T�nzerin sind, Madonna�, schmeichelte ihr Bramante.</p><p>�War, mein Freund, war.� Sie schaute ihn pr�fend an, dann winkte sie ihn n�her heran.</p><p>�Schw�rt, es niemandem zu sagen, alter Freund!�</p><p>�Bei meinem Leben!�</p><p>�Ich bin krank. Sehr sogar.� Bramante wollte etwas einwenden, aber sie lie� sich nicht unterbrechen. �Manchmal kann ich mich kaum aufrecht halten, dann wieder bewege ich mich so langsam, dass ich dabei einzuschlafen meine, und ich kann weder schnell gehen noch rasch zufassen. Ein Gef�hl, als erstarrte ich wie ein K�fer im dicken Honig.�</p><p>�Was sagen die �rzte?�</p><p>Sie seufzte leise. �Manche meinen, das Mischungsverh�ltnis der S�fte stimme nicht, ich h�tte zu viel schwarze Galle. Sie wollen mich st�ndig zur Ader lassen. Die anderen sind ganz im Gegenteil der Meinung, dass ich zu wenig Blut h�tte. Ich soll mich ihrer Meinung nach nur von Innereien, vor allem von Leber, ern�hren.�</p><p>�Und was denkt Ihr, Madonna Margarita?�, fragte Bramante ehrlich betroffen.</p><p>�Ich denke, dass sie alle unrecht haben.� Sie legte ihre Hand auf seinen Unterarm, schaute ihn aber nicht an. Er sp�rte die �berwindung, die sie die Leichtigkeit kostete, mit der sie weitersprach.</p><p>�Es geht zu Ende, mein Freund, das Leben verl�sst mich in Etappen. Ich sterbe bei lebendigem Leib. St�ck f�r St�ck.� Sie l�chelte ihn ein wenig melancholisch an. �Aber ich hatte doch ein gutes Leben, findet Ihr nicht? Was waren das f�r atemberaubende Jahre, als wir nach Rom kamen und es Agostino gelang, vom Heiligen Vater das Monopol f�r den Alaunabbau zu erhalten.� Sie schlug sanft die H�nde zusammen. �Und dabei beteten wir damals jeden Abend, dass es gelingen m�ge. Wir hatten unser ganzes Geld investiert und Schulden angeh�uft, um alle an der Kurie, einschlie�lich des Papstes und Cesare Borgia, davon zu �berzeugen, dass das Monopol bei uns in den besten H�nden w�re. Und Gott hat es gut mit uns gemeint. Wir erhielten es, und von da an ging es immer bergauf. Be�ngstigend, immer nur bergauf. Es gibt keine gr��ere Stadt, in der unser Bankhaus nicht eine Filiale unterh�lt, in Venedig, in Paris, in London, sogar in Konstantinopel. Es hie�e Gott zu beleidigen, wenn ich klagen w�rde. Er hat mir ein gutes Leben und einen gro�artigen Mann geschenkt, <emphasis>grazie, Dio mio!</emphasis>�</p><p>Bramante schaute zu Imperia und Agostino hin�ber, die eine ausgelassene Gaillarde tanzten. Wie ungerecht, dachte er. Sie folgte seinen Blicken und f�hlte wohl, was in ihm vorging.</p><p>�Mein Mann hat mich nie betrogen, mich immer mit Liebe behandelt. Ich will, dass er gl�cklich ist.� Dann l�chelte sie verschmitzt. �Ihr werdet es nicht glauben, Mess�r Donato. Ich war es. Ich habe sie ihm doch ausgesucht. Ich wollte, dass es die Beste ist, die ihn tr�sten wird�, sagte sie in einem Ton, als w�rde sie ihm einen kleinen Streich beichten. �Darf ich Euch um einen Gefallen bitten, mein Freund?� Er nickte. �Leiht mir Euren Arm, und bringt mich zu meinen Gem�chern. Ich sp�re, dass die Krankheit wiederkommt, und ich m�chte nicht, dass es jemandem auff�llt.�</p><p>Bramante erhob sich und reichte ihr nach einer sehr tiefen Verbeugung formvollendet wie ein Kavalier den Arm. Sie umfasste ihn und zog sich entschlossen hoch. An ihrem festen Griff erkannte er, dass sie Schmerzen hatte, die sie unter-dr�ckte. Ihr Gesicht strahlte Freundlichkeit und Souver�nit�t aus. Langsam, als ob sie tanzten, schritten sie zum Ausgang, der in die K�che und von dort zu einer kleinen Treppe f�hrte, �ber die man das Obergeschoss erreichte. Dort lagen die Schlafr�ume der Familie. Unm�glich h�tte sie sich von einem Diener bringen lassen k�nnen, das w�re aufgefallen.</p><p>�Ich danke Euch, mein Freund.�</p><p>�Es ist an mir, Euch zu danken, Madonna. Ihr seid die tapferste Frau, die ich kenne.�</p><p>�Teurer Donato, Ihr m�sst jetzt nicht feierlich werden, noch bin ich nicht tot.�</p><p>Sie hatten den Saal verlassen und standen nun vor der kleinen, steilen Treppe. Margarita sah hinauf, und ihr Gesicht wurde immer mutloser.</p><p>�Darf ich Euch auf den Arm nehmen?�, fragte Bramante.</p><p>�Es w�re mir eine Ehre, von Euch auf den Arm genommen zu werden.�</p><p>Er fasste beherzt zu und trug sie in die obere Etage. Wie leicht sie war, dachte er. Oben nahm sie ihre Kammerzofe in Empfang.</p><p>�Ich danke Euch, <emphasis>cavaliere mio!</emphasis>�, fl�sterte sie ihm zu.</p><p>Bramante verbeugte sich und kehrte er in den Saal zur�ck. In seiner Brust tobten die Gef�hle. Sie hatte ihrem Mann die Geliebte ausgesucht. Und solange sie lebte, w�rde Agostino die Angelegenheit diskret behandeln � falls Imperia ihn erh�rte. Was f�r eine Frage!</p><p>Er blickte sich suchend um, aber er sah beide nicht mehr. Da f�hlte er, dass jemand leicht von hinten seinen Unterarm ber�hrte, und wandte sich um.</p><p>�Warte nicht auf mich�, sagte Imperia leise. Dann war sie verschwunden. Wie in einem Zauberm�rchen oder verwandelt wie in den �Metamorphosen� des Ovid, nur dass nicht er, sondern Chigi in diesem Fall den Zeus gab. Selten hatte sich Bramante so einsam gef�hlt. Zeilen aus einem Sonett kamen ihm in den Sinn, das er vor vielen Jahren in Mailand gedichtet hatte:</p><p>�So tr�g den Schiffer Nebel, der der Sterne</p><p>Geleit ihm raubt auf See, wie mich getrogen</p><p>Die Maske, die ihr Antlitz mir entzogen ��</p><p>An den Anlass f�r seine poetische Regung konnte er sich nicht erinnern, doch nie h�tte er geglaubt, dass sich die Zeilen f�r ihn in einer solch schmerzhaften Weise erf�llen sollten. Er trat auf die Stra�e hinaus.</p><p>Von fern zeigte sich schmal wie ein Schlitz im Schmutzgrau des D�mmers ein Lichtstreif �ber Rom. Bramante hatte keine Hoffnung, dass die Sonne die Gespenster der Nacht vertreiben w�rde � im Gegenteil, der Verlust der Dunkelheit w�rde sie nur heftiger gegen ihn w�ten lassen. Ruhelos, blicklos, ja auch ohne Gedanken rannte er durch die Stra�en der tagenden Stadt.</p><p>Ihm graute davor, nach Hause zu gehen, doch versp�rte er auch wenig Neigung, in eines der �ffentlichen H�user der Stadt einzukehren, um bei Wein, Weib und Gesang seine Einsamkeit zu vergessen. Er wusste, dass es eine Dummheit war, Imperias Entscheidung auf sich zu beziehen. Dennoch tat er das D�mmste � er nahm ihre Entscheidung pers�nlich. Er f�hlte sich abwechselnd gekr�nkt, beleidigt, gedem�tigt, verh�hnt, zur�ckgesto�en, �bergangen. Eine ganze Heerschar an Verletzungen marschierte in seinem Herzen auf, und das Banner, das ihr voranwehte, war das Banner des Grolls.</p><p>Benommen lief er weiter durch die d�senden Gassen und stand pl�tzlich vor einer kleinen Klosterkirche. Er glaubte sich daran zu erinnern, dass in dem Kloster jene Nonnen des zweiten Ordens lebten, die der heiligen Klara nachfolgten. Die romanische Basilika wirkte trotz des Glockenturms m�chtig und ausgesprochen wehrhaft, als wollte sie der vergehenden Zeit trotzen. Sacht schob er die schwere Eichent�r auf. Das Kirchenschiff schimmerte im Licht der Kerzen. Bramantes Augen wanderten an den hohen W�nden nach oben und folgten der langen Reihe kleiner Bogenfenster unter dem Dach, die in ihrer Trutzhaftigkeit an Schie�scharten erinnerten.</p><p>Ein Detail fesselte seine Aufmerksamkeit und ber�hrte ihn. Vom Fenstergesims stie� sich mit aller Kraft eine schwungvolle Steinwelle ab, die sich dem auf sie st�rzenden Geb�lk mutig entgegenstemmte und dem toten Mauerwerk Leben verlieh. Ihm schien, dass die Basilika ohne die tapferen Gew�ndschw�nge, die sich erfolgreich gegen die Kraft des Himmels und des Schicksals wehrten, unter der Last des Weltalls zusammenbrechen m�sste. Man musste bauen und gegenbauen, nicht nur Kraft abf�hren, sondern Kraft auch Kraft entgegensetzen, dachte er.</p><p>Pl�tzlich drang ein Fl�stern an sein Ohr. Er hielt inne, wandte sich nach rechts und entdeckte in der ersten Kapelle ein M�dchen, das vor einem Kreuz kniete, vor dem sich eine mit Mosaik eingefasste Fenestella befand. Er trat leise n�her. Das M�dchen in dem grauen Umhang kam ihm bekannt vor. Bei n�herem Hinsehen erkannte er Lucrezia, Imperias Tochter. Eine Weile betrachtete er stumm die kniende Gestalt, und allm�hlich, aber unaufhaltsam �bertrugen sich seine feindseligen Gef�hle Imperia gegen�ber auf das M�dchen. Hass �bermannte ihn. Warum sollte er sie nicht aus Rache verf�hren und damit Imperias Hoffnung zunichtemachen, f�r die sie ihn doch verlassen hatte? Warum sollte er sich nicht von der Tochter holen, was ihm die Mutter ihretwegen vorenthielt? Warum sollte er sie nicht aus Rache f�r den Verrat einfach zur Hure machen? Nat�rlich war das grausam, aber � zum Teufel! � das Leben kannte keine R�cksichten. Was man sich nicht nahm, �berlie� man einem anderen, und die H�lle kam sowieso zu fr�h. Man musste sich nur einen Vorrat an Erinnerungen schaffen, an dem man sich in der kalten Ewigkeit w�rmen konnte.</p><p>�Heilige Jungfrau Maria im Himmel, du sitzt zur Rechten deines Sohnes, sch�tze meine gute Mutter. Amen.� Hell klang die Stimme des M�dchens, unschuldig und rein. Wie der Anfang des Lebens.</p><p>Bramante sch�mte sich f�r seine Gedanken. Was konnte Lucrezia f�r den Zustand der Welt? Hatte sie denn Rom geschaffen, die Stadt erfunden, war sie denn Gottes Berater? Mitnichten! So wie sie haben wir alle einmal gehofft, dachte Bramante. Waren wir denn nicht alle einst Kinder, schutzlos und der Anbeginn der Hoffnung? Doch dieses j�mmerliche Leben hat uns schlie�lich verdorben und verroht, dachte er bitter. Was hat es nur aus uns gemacht? Tiere, die den lieben langen Tag nur auf die Befriedigung ihrer Triebe aus sind. Er k�mpfte mit einem Brechreiz. Als Menschen werden wir geboren und enden doch als Vieh.</p><p>Pl�tzlich empfand er Mitleid mit sich, denn er machte darin keine Ausnahme. Der Gedanke an das Kind, das er einmal war, erf�llte ihn mit v�terlicher Liebe zu dem betenden M�dchen. Mit einem Mal f�rchtete er, dass Pico in diesem Augenblick vom Himmel herabsah und Zeuge seines Frevels geworden war, seine Gedanken geh�rt hatte. Er sch�mte sich vor seinem toten Freund, vor dem M�dchen, vor sich und bekreuzigte sich unwillk�rlich � wohl das erste Mal seit Jahrzehnten. Er wollte sich wegschleichen, doch sie hatte ihn bemerkt.</p><p>�Mess�r Donato!�</p><p>Er sah auf das kniende M�dchen, das sich ihm in einer Drehung zuwandte, die er in ihrer Vollendung niemals zu Papier gebracht h�tte. Der Blick, mit dem sie zu ihm aufschaute, ging ihm durch Mark und Bein. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte Bramante die Reinheit gesehen, mit �ber sechzig Jahren, einem Alter, in dem die meisten Menschen, die er gekannt hatte, bereits verstorben waren. Innerlich bat er um Vergebung und schwor so inbr�nstig, als ginge es um sein Seelenheil, das M�dchen, wenn n�tig, zu besch�tzen.</p><p>�Dass Ihr ein guter Mann seid, wusste ich von meiner Mutter, aber dass Ihr auch ein frommer Mann seid, ist mir neu. Kommt.� Einladend streckte ihm Lucrezia ihre kleine Hand entgegen. Ein Engel, der ihn aus dem Sumpf zu ziehen gedachte. Der Architekt err�tete und dankte dem sp�rlichen Licht. Dann tat er alles Denken und sein Leben ab und kniete neben ihr nieder.</p><p>�Beten wir f�r deine Mutter�, h�rte er sich sagen.</p><p>Nachdem sich Lucrezia von ihm verabschiedet hatte und durch eine Nebent�r ins Kloster zur�ckgekehrt war, kniete Bramante noch eine Weile vor der Fenestella, in die eine kostbare Reliquie eingelassen war, der Kopf Johannes des T�ufers. Als er schlie�lich aufstand und sich zum Gehen wandte, fielen die Strahlen der Sonne durch die drei hohen Fenster �ber den Eingang der Basilika und brachten das Gold der Apsis zum Gl�hen. Licht, wie er noch kein Licht gesehen hatte, Erleuchtung. Er wandte sich noch einmal zu der Kapelle um. Warum hier? Warum Johannes? Weil er der T�ufer desjenigen war, der die neue Kirche errichtet hatte? War es das Alter, war es das M�dchen, dass er, Bramante, vom �berguten des Christentums �berw�ltigt worden war? Verwirrt verlie� er die Kirche. In seinem Kopf ert�nte mit der Eindringlichkeit eines Gassenhauers ein Tedeum.</p><p>Zu Hause angekommen, erwartete ihn bereits ein abgerissener Kerl namens Paolo, der f�r ihn Spitzeldienste verrichtete.</p><p>�Herr, der schiefnasige Bildhauer ist aufgebrochen.�</p><p>�Wie, er ist aufgebrochen? Wohin?�</p><p>�Nach Carrara. Er will dort die n�chsten Monate verbringen, um den Marmor f�r das Grabmal des Papstes auszusuchen. Er ist so misstrauisch, dass er sogar die Bergung und den Transport der Steine selbst �berwachen will.�</p><p>Bramante unterdr�ckte einen Aufschrei. Er konnte sein Gl�ck kaum fassen. �Woher wei�t du das alles?�, fuhr er den Spitzel an.</p><p>�Von seinem Diener, von Francesco.�</p><p>Kurz richtete der Baumeister seine Augen zur Decke und dachte: <emphasis>Grazie, Dio mio</emphasis>.</p><p>�Lass dir einen Scudo geben, und dann verschwinde. Wehe, wenn du dich verh�rt hast�, sagte Bramante, der den Mann so schnell wie m�glich loswerden wollte, um seine Gedanken zu ordnen und sich unbeobachtet seiner Freude hinzugeben.</p><p>�Dann k�nnt Ihr meine Ohren den Hunden zum Fra� vorwerfen!�, rief der Mann, hocherfreut �ber den au�ergew�hnlich guten Verdienst, und machte sich rasch aus der T�r, ehe der Herr wom�glich noch seine Freigebigkeit bereute.</p><p>Der Herr aber sprang und tanzte wild in seinem Zimmer herum und sang dabei in allen Melodien, die ihm einfielen: <emphasis>�Deus lo volt! Deus lo volt!�,</emphasis> den alten Kreuzfahrerspruch: Gott will es. Alles passte so vortrefflich zusammen. Ganz au�er Atem lie� er sich schlie�lich in einen Lehnstuhl fallen und schnaufte. Er zweifelte nicht daran, dass er sich mit Gott sehr gut verstehen w�rde. Der Allm�chtige war doch ein zynischer Kerl, unterhaltsam dabei und nicht ohne Witz. Da �berlie� der �berhebliche Florentiner ihm in der entscheidenden Phase in Rom das Feld, um Marmor auszusuchen. D�mmer konnte man nicht sein! Und er, Bramante, w�rde die Zeit der Abwesenheit des Konkurrenten gut zu nutzen wissen. Eiserner als in jeder anderen Stadt galt in Rom der Spruch: aus den Augen, aus dem Sinn. Sollte sich Michelangelo doch in den kalten Bergen vergn�gen bei Signore und Signora Steinebrecher, er hingegen w�rde derweil in der Ewigen Stadt das Feld zu seinen Gunsten bestellen und den Tempel des irdischen Jerusalem errichten, den gr��ten und sch�nsten Tempel der Welt! Denn Gott wollte es ja. Diese Verhei�ung hatte er in den Augen des M�dchens Lucrezia entdeckt. Gott wollte es!</p><empty-line/></section><section><p>23</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Mit struppigem Haar und unordentlichem Kinnb�rtchen stand Agostino Chigi nackt am Fenster und schaute zum Glockenturm von Santa Maria in Turri hin�ber, der Kirche, die sich im Atrium der Peterskirche befand. Imperia, die, in einen Morgenmantel aus Seide geh�llt, auf dem Bett sa�, f�llte einen Kelch mit Rotwein.</p><p>�Dein Haus liegt genau zwischen Sankt Peter und unserem Palazzo am Monte Giordano.�</p><p>�Das passt � erst s�ndigen, dann beichten.�</p><p>�Und auf dem R�ckweg bereuen.�</p><p>�Was?�</p><p>�Die Beichte.� W�hrend er den Wein in kleinen Schlucken genoss, berichtete Chigi Imperia vom Fortgang der Umbauarbeiten an dem kleinen Palazzo, den er unweit des Tibers, zwischen Trastevere und dem Borgo gelegen, erworben hatte. �Ein junger Mann aus meiner Heimat, aus Siena, baut ihn f�r mich aus. Baldassare Peruzzi. Was sagst du dazu?�</p><p>�Ich kenne ihn.�</p><p>Er warf ihr einen misstrauischen Blick zu, bevor er die aufkeimende Eifersucht �berspielte. �Du kennst ihn?�</p><p>Sie blitzte ihn an. �Ich habe dir gesagt, dass es keinen anderen Mann in meinem Leben mehr gibt. Ich halte mein Wort.� Dann f�gte sie ruhiger hinzu: �Ja, Donato hat ihn mir einmal vorgestellt.� Sie nahm ihm den Kelch aus der Hand und trank. �Warum hast du nicht Donato beauftragt?�</p><p>Er erkl�rte ihr, dass Bramante genug zu tun habe und man auch jungen Talenten, zumal wenn es sich um Landsleute handele, eine Chance geben m�sse.</p><p>Sie hatte ihn durchschaut, nat�rlich war er eifers�chtig, rasend eifers�chtig. Wenn Agostino Chigi eines nicht konnte auf der Welt, dann teilen, ganz gleich, worum es sich handelte. Imperias Fingerspitzen fuhren �ber seinen Nacken, dann dr�ckte sie mit Daumen und Zeigefinger zu. Wohlig schloss er die Augen.</p><p>�Unterst�tze Donatos Ideen zum Ausbau der Peterskirche.�</p><p>Er riss die Augen auf. Sein Instinkt riet ihm, wachsam zu sein, denn sie hatte ihn nicht gebeten, sondern eine Forderung aufgestellt.</p><p>�Ich habe dir versprochen, das Auskommen deiner Tochter zu sichern.�</p><p>Sie nickte. �Und daf�r bin ich dir dankbar. Aber hilf Donato. Der Papst muss den Ausbau der ersten Kirche der Christenheit vorantreiben. Sie darf nicht zu klein ausfallen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil eine neue Zeit angebrochen ist, und die Peterskirche ist so eine Art Arche Noah. Sie muss seet�chtig sein, Agostino.�</p><p>Innerlich verneigte sich der Bankier vor der Klugheit der Kurtisane. Aber er sch�tzte es ohnehin, wenn eine Frau Verstand besa�. Seine Gemahlin hat ihm in allen Gesch�ften mit ihrem scharfen Urteilsverm�gen beigestanden. Und so sch�n Imperia war, die Sinnlichkeit ihres K�rpers h�tte ihm kaum den Verstand geraubt, wenn sie nicht einen ebenso faszinierenden Geist besessen h�tte.</p><p>Ein Klopfen an der T�r riss ihn aus seinen Gedanken.</p><p>�Herr, es ist Zeit�, rief sein Diener durch die geschlossene T�r. Bittend und auch ein wenig verzweifelt sah er Imperia an. Er wollte sie nur ungern verlassen.</p><p>�Geh, wir sind es deiner Frau schuldig.�</p><p>�ber ihre Treffen hatten sie Diskretion vereinbart und vor allem, dass er weiterhin zu Hause schlief. Damit sie nicht die Zeit verga�en, war der Diener angewiesen, zur festgesetzten Stunde anzuklopfen.</p><p>Chigi leerte den Kelch, dann zog er sich an.</p><p>�Hilf Donato, es wird sich f�r dich lohnen. Sankt Peter kann f�r uns alle eine Arche werden�, mahnte sie ihn.</p><p>Er eilte durch die r�mische Nacht zu seinem Haus auf die andere Seite des Tibers hin�ber. Lange lag er wach und dachte dar�ber nach, was ihm Imperia �ber den Petersdom gesagt hatte. Er sp�rte, dass sie nicht alles gesagt hatte, was sie wusste. Er nahm sich vor, mit seiner Frau dar�ber zu reden. �ber eine Frau befragt man am besten eine Frau. Doch dazu sollte es nicht kommen, denn eher als gedacht enth�llte ihm Imperia Bramantes ganzen Plan.</p><p>Chigi war kaum eingeschlafen, da vernahm er ein heftiges Pochen an der Haust�r. Als er die Augen aufschlug, h�rte das H�mmern auf und ein anderer L�rm, der an einen �berfall erinnerte, drang ins Haus. Ohne anzuklopfen, st�rzte der Diener in sein Schlafzimmer.</p><p>�Herr, der Heilige Vater�, stammelte er aufgeregt.</p><p>Agostino Chigi richtete sich auf. �Was ist mit dem Papst?� Er konnte nicht glauben, was er vermutete.</p><p>�Er wartet in Eurem Kontor auf Euch!�</p><p>�Warum hast du ihn nicht in die <emphasis>sal� grande</emphasis> gef�hrt, du Schwachkopf?�</p><p>�Er hat darauf bestanden. Er sagte, er sei nicht zum Essen, sondern in Gesch�ften gekommen.�</p><p>Chigis Frau regte sich neben ihm. �Soll ich mitkommen?�</p><p>�Nein, schlaf, Liebes, schlaf dich gesund!� Er wusste, dass sie unheilbar erkrankt war, und sie wusste es, auch wusste er, dass sie wusste, dass er es wusste. Trotz der Dunkelheit sp�rte er ihr dankbares L�cheln, denn sie hatten sich geschworen, nie die Hoffnung aufzugeben. Wenn es einen Gott gab, dann war jederzeit ein Wunder m�glich. Z�rtlich k�sste er ihr Ohrl�ppchen, dann stand er auf und kleidete sich an.</p><p>Mitten in Chigis Kontor sa� Julius II. ungeduldig auf einem alten Lehnstuhl, dessen Lederbezug schon ein wenig abgeschabt wirkte. F�r ein weltumspannendes Unternehmen nahm sich das Kontor geradezu klein, �berraschend sachlich und schlicht aus. An den W�nden standen Regale mit Kontorb�chern. Weiter gab es Stehpulte f�r die drei Schreiber, die Chigi besch�ftigte, den Armlehnstuhl f�r ihn selbst sowie vier Holzschemel f�r Besucher.</p><p>Chigi wollte dem Papst die F��e k�ssen, wie es der Brauch war, doch Julius II. winkte ab.</p><p>�Setz dich, und h�r zu!�, befahl er kurz angebunden. Kaum hatte sich der Bankier auf einem Holzschemel niedergelassen, hob der Papst zu einer Rede an. Was er k�hn mit Worten malte, verj�ngte ihn, weil es das Feuer in seinen Augen entfachte. Chigi staunte, welche Jugendlichkeit und Leidenschaft Julius II. ausstrahlte. Sein ganzes Leben hatte dieser in Erwartung dieses Amtes verbracht. Nie hatte er daran gezweifelt, dass sein Haupt eines Tages die Tiara kr�nen w�rde. Selbst in den bitteren Stunden, als ihn Rodrigo Borgia und Ascanio Sforza ausman�vrierten, Rodrigo als Alexander VI. die Cathedra Petri bestieg und er lange Jahre das harte Brot des Exils essen musste, hatte ihn der Glaube an die Mission der della Rovere nicht verlassen. Und nun, wo er es endlich erreicht hatte, war er ein alter Mann. Was er sich vorgenommen hatte, w�rde er nun nicht mehr alles verwirklichen k�nnen. Obwohl ihn alle Welt als Krieger sah, w�nschte er sich nichts sehnlicher als den Frieden.</p><p>�Aber es muss Gottes Frieden sein, sonst taugt er nichts, sonst ist es keiner. Seit Jahr und Tag fallen die Venezianer in den Kirchenstaat ein und rauben Uns Stadt um Stadt. Wenn Wir einen Friedensvertrag mit ihnen schlie�en, werden sie das f�r Schw�che halten und nur umso r�cksichtsloser in Unsere Lande einfallen. Allein Gottes Frieden hat Bestand. Deshalb m�ssen Wir den Kirchenstaat wiederherstellen, unbotm��ige Vasallen empfindlich an ihre Lehenspflicht erinnern und dem Kaiser, dem franz�sischen und dem englischen K�nig ins Ged�chtnis rufen, dass sie Diener Christi sind, also auch Diener des Stellvertreters Christi, denn sie haben ihre Herrschaft von Gott, also auch durch und von Uns. Sie zu einen, um sie nach Jerusalem zu f�hren, wird die zweite wichtige Aufgabe sein.</p><p>Ein neuer Kreuzzug ist vonn�ten. Wenn Europa befriedet und das Heilige Land befreit sein wird, wenn also Gottes Frieden auf Erden herrscht, dann wird Rom zum zweiten Jerusalem werden, als Stadt des Heils. Und dieses Heil muss den Menschen in die Augen springen. Diese hochheilige Stadt soll das Herz und den Geist der Menschen bilden durch die Werke der Architektur und der Kunst, n�mlich durch Gottes Verherrlichung, die sie mit den Sinnen wahrnehmen werden. Ersch�ttert, gereinigt und gel�utert, wenn sie nach Rom pilgern. Die Mitte von Christi Reich aber, ihr spirituelles Zentrum und zugleich den Fels der Macht bildet die Kirche von Sankt Peter. Von Christus �ber Petrus haben Wir die Aufgabe erhalten, Gottes Statthalter auf Erden zu sein. Das muss und soll die Peterskirche verk�nden als geistlicher und herrschaftlicher Mittelpunkt des neuen Reiches. Und weil Unsere Jahre f�r all das nicht ausreichen werden, wird Unser Neffe Galeotto Unser Werk fortsetzen.�</p><p>Der Papst legte eine kurze Pause ein und lie� seine Worte auf den Bankier wirken. Galeotto della Rovere war von seinem Onkel erst k�rzlich zum Kardinal kreiert worden. Chigi ahnte, worauf das zielte, zumindest, was seine Rolle in dem Ganzen sein w�rde.</p><p>�Deshalb wird das Grabmal Unseres Onkels und Unser eigenes, das der junge Bildhauer begonnen hat, zum Garant f�r den Triumph der Kirche. Und genau deshalb soll es auch in der Mitte der Kirche stehen. Daf�r muss Platz geschaffen, daf�r muss sie ausgebaut werden. Anschlie�end werden Wir auch die Basilika instand setzen lassen. Nur, mein lieber Sohn, Borgia hat ein Loch in den Kassen hinterlassen. F�r all das brauche ich Geld!�</p><p>�Ihr wisst, dass meine Bank Euch immer zur Verf�gung steht!�, sagte Chigi mit einem leichten Nicken.</p><p>Julius II. l�chelte hintersinnig und erhob sich. Auch der Bankier wollte aufstehen, aber der Papst legte ihm seine rechte Hand auf die Schulter.</p><p>�Wir wollen mehr, Agostino. Deshalb sind Wir zu dir gekommen. Im Vatikan haben die W�nde Ohren. Was Wir dir jetzt sagen, soll niemand au�er uns beiden je erfahren. Du wirst Unsere Finanzen �berwachen. Schick einen Kommissar, dem du vertraust und den Wir als M�nch tarnen, in die apostolische K�mmerei, damit er ein Auge auf die Verwaltung hat. Priester k�nnen nicht mit Geld umgehen. Entweder sind sie fromm oder gierig, und keines von beiden ist von Vorteil. Stelle dein Wissen in Unseren Dienst.�</p><p>Chigi war �berrascht, doch dann erkannte er, dass der Papst sich seiner beiden Achillesfersen durchaus bewusst war, dem fortgeschrittenen Alter und der Finanznot. Bei Letzterer konnte er ihm behilflich sein � zum Nutzen des Papstes und zu seinem eigenen Vorteil. Schlie�lich hatte auch er nichts von Krediten, die nicht zur�ckgezahlt wurden, oder von Zinsen, die nicht flossen.</p><p>�Ich bin Euer ergebenster Diener, Heiliger Vater.�</p><p>Der Pontifex segnete den Bankier, erhob sich und verlie� das Kontor.</p><empty-line/><empty-line/><p>Colonnata, Anno Domini 1505</p><p>Im R�cken der beiden Reiter kr�uselten sich die Wellen des Tyrrhenischen Meeres im aufkommenden Abendsturm. Es w�re sicherer gewesen, wenn sie in Carrara den kommenden Tag erwartet h�tten, aber Michelangelo hatte sich in den Kopf gesetzt, noch an diesem Tag Colonnata zu erreichen. Je h�her sie im Gebirge aufstiegen, umso dichter zog sich der Himmel zu. Die Wolkendecke verschlang das Sternenlicht. Als die beiden Reisenden endlich die enge Bergstra�e erreichten, die steil zum D�rfchen anstieg, war die zerkl�ftete Welt der Apuanischen Alpen vor ihnen bereits in das schwarze Loch der Nacht gefallen. Da man kaum die Hand vor den Augen sah, schwebten sie st�ndig in der Gefahr, vom Pfad abzukommen und in die Tiefe zu st�rzen. Der Wind strich wie ein Dieb durch die F�hren und pfiff um die Klippen. Obwohl im S�den bereits der Fr�hling Einzug hielt, war es in den Bergen noch empfindlich k�hl. Die Mitternacht r�ckte n�her, jene Stunde, in der sich, wie viele glaubten, allerlei Kreaturen, die Gottes Licht scheuten, aufmachten, um in der Finsternis ihr Unwesen zu treiben.</p><p>�Herr, was, wenn wir einem Zauberer oder einer Hexe begegnen?�, fragte Francesco.</p><p>�F�r den Fall helfen ein Gebet und die Klingen unserer Rapiere!�</p><p>�Ein Gebet?� Michelangelos Antwort hatte die Angst des Dieners nicht zerstreut.</p><p>�Ja, bist du denn etwa kein guter Christenmensch? Wo Menschen nicht mehr helfen k�nnen, bleibt uns nur die Hoffnung auf den, der alles vermag.�</p><p>Francesco st�hnte, schwieg aber. Sie hofften, endlich anzukommen.</p><p>�Kannst du es sp�ren?�, rief Michelangelo begeistert. Er stand aufrecht in den Steigb�geln und sah auf seinen Diener hinunter, der sich auf dem R�cken seines Pferdes zusammengekauert hatte.</p><p>�Was denn, Herr?�, fragte Francesco verst�ndnislos.</p><p>Der Bildhauer hob die Nase und sog genussvoll die kalte Luft ein, als sei sie voller Gew�rze. �Den Stein!�</p><p>�Welchen Stein?�</p><p>�Den Marmor. Meine Amme war die Frau eines Steinmetzen. Eine feine Schicht des Gesteins bedeckte immer ihre Brust und die Brustwarze. Deshalb werde ich nie Geruch und Geschmack des Marmorstaubs vergessen k�nnen, wenn er in die Nase und auf die Zunge dringt.�</p><p>In den kleinen Steinh�usern von Colonnata, die sich an die Felsen schmiegten und deren Umrisse man eher erahnte denn erkannte, brannte kein Licht, weder �ll�mpchen noch Kerzen. Die Bewohner des Bergnestes schienen bereits zu schlafen. Fast ausnahmslos lebten sie von der harten und gef�hrlichen Arbeit, den Marmor aus dem Felsen zu brechen. Dabei gab es nichts T�ckischeres. Ganz gleich, wo die M�nner arbeiteten, sie waren der Todeskraft des Teufelsgesteins ausgesetzt. Der Staub, der beim Herausschlagen des Marmors aufwirbelte, verschloss mit der Zeit die Atemwege der Arbeiter, sodass ihre Gesichter allm�hlich eine wei�lich gelbe oder grauwei�e Farbe annahmen und sie sich schlie�lich in den Tod husteten. Diejenigen aber, die sich damit besch�ftigten, die Gesteinsbrocken mit der <emphasis>Lizza,</emphasis> dem Transportschlitten aus Holz, oder dem Ochsenkarren zu Tale zu bringen, drohte die Gefahr, von dem unberechenbaren Gewicht des Gesteinsblocks zerquetscht oder erschlagen zu werden. Es gen�gte, wenn ein Hanfseil riss, eine Holzkufe des Schlittens brach oder ein Rad des Karrens und die Unwucht des steinernen Riesen dann wie das blinde Schicksal w�tete. Der verh�ltnism��ig gro�e Friedhof, an dem sie vorbeiritten, legte in aller Stille Zeugnis ab vom Unfalltod der Bewohner, dem sie weit h�ufiger erlagen als dem nat�rlichen.</p><p>Michelangelo z�gelte sein Pferd und sprang ab. Francesco tat es ihm gleich und schrie auf, kaum dass er auf dem Boden gelandet war. Der Bildhauer wandte sich �berrascht um, sah aber nur, dass der Diener auf dem linken Bein h�pfte, w�hrend er den Fu� des angewinkelten rechten Beines mit seinen H�nden umfasst hielt und dabei herzzerrei�ende Laute ausstie�.</p><p>�Du weckst noch die Toten auf!�, fuhr ihn Michelangelo an.</p><p>�Mein Fu� war eingeschlafen, und als ich aufkam, schoss mir ein Schmerz wie Feuer durch Mark und Bein�, brachte Francesco zu seiner Entschuldigung vor.</p><p>Michelangelo �ffnete die T�r der kleinen, aus Felsgestein errichteten Parochialkirche und schritt, von Francesco gefolgt, durch das Schiffchen bis zu dem schlichten Altar, auf dem eine einzelne gro�e Kerze in dem leichten Zugwind flackerte, der durch das Gotteshaus wehte. Sie w�rde bis zum Morgen halten, bis zur Laudes bestimmt.</p><p>Er kniete nieder, senkte den Kopf, verschr�nkte die H�nde und fl�sterte: �Herr, erbarme dich all der guten M�nner, die im Berg den Tod fanden, und segne unser Vorhaben, denn es geschieht nicht anders als zu deinem Lobpreis.� Nachdem er anschlie�end ein Vaterunser gebetet hatte, bekreuzigte sich Michelangelo und stand auf.</p><p>Pl�tzlich wurde die Kirchent�r aufgerissen. Im Eingang stand ein junger Bursche mit blutverschmiertem Gesicht. Die Augen des Jungen traten ihm fast aus den H�hlen. Die Kleidung hing in Fetzen von seinem geschundenen K�rper. Wie eine Wundererscheinung starrte er die beiden M�nner an, dann spie er in die Kirche, drehte sich um und lief davon.</p><p>�Ein sch�ner Empfang�, sagte Michelangelo trocken. �Hoffentlich sind die hier nicht alle so!�</p><p>Francesco zog unwillk�rlich die Schultern hoch. Als sie die kleine Kirche verlie�en, schlugen sie einen gro�en Bogen um das am Boden liegende Sputum, als k�nnten sich daraus pl�tzlich Schlangen erheben und mit ihren Giftz�hnen nach ihnen schlagen.</p><p>Das Dorf machte auf sie einen abweisenden, ja feindseligen Eindruck. Ein wenig ratlos folgten sie der h�geligen Stra�e, die sich zwischen den H�usern aus Felssteinen wand, bis sie auf eine windschiefe Kate stie�en, aus der Licht drang. �ber der T�r hing ein Schild, vermutlich mit einer Aufschrift, die sie aber in der Dunkelheit nicht zu entziffern vermochten. Michelangelo klopfte kr�ftig gegen die T�r.</p><p>�Wer ist da?�, fragte eine raue M�nnerstimme.</p><p>�Michelangelo Buonarroti, Bildhauer im Auftrag des Heiligen Vaters!�</p><p>�Des Heiligen Vaters, soso.� Der Mann hinter der T�r r�usperte sich. �Woher soll ich wissen, dass Ihr die Wahrheit sagt?�</p><p>�Wissen k�nnt Ihr es nicht, Ihr k�nnt es mir nur glauben.�</p><p>�Glauben? Ich glaube, dass die Welt voller Betr�ger ist und dass es nicht Gottes bester Tag war, an dem er die Welt erschuf. Ach, was soll�s, kommt herein! Schlie�lich betreibe ich eine Osteria und kein Nonnenkloster.�</p><p>Wenig sp�ter sa�en sie in der sch�bigen Gaststube, in der nur ein paar Holztische und -st�hle biblischen Alters d�sten. Der hagere Wirt brachte ihnen eine Bohnensuppe und einen sauren Roten. Im Raum roch es nach versch�ttetem Wein und abgestandenem Schwei�.</p><p>Michelangelo wies auf den Platz neben sich, aber der Wirt zog es vor, stehen zu bleiben. Reichlich ungew�hnlich f�r seinen Berufsstand, gab er sich recht wortkarg, sodass Michelangelo eine erhebliche Energie aufbringen musste, um herauszufinden, wo der Steinmetzmeister Fritz il Rosso wohnte.</p><p>�In der Kirche sind wir einem Jungen mit blutigem Gesicht begegnet�, erz�hlte der Bildhauer.</p><p>Der Hausherr wurde blass und bekreuzigte sich. �Das war Giovanni Masciotto.�</p><p>�Lasst Euch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!�</p><p>�Besser man spricht nicht dar�ber!�, wehrte der Wirt ab.</p><p>Michelangelo riss der Geduldsfaden. Er griff nach dem Wehrgeh�nge, das auf dem Tisch lag, zog sein Rapier heraus und hielt es ihm an die Kehle. �Nun redet schon.�</p><p>�Er war der Sohn des Steinebrechers Gasparro.�</p><p>�Wieso war?�</p><p>�Das ist es ja gerade. Er ist tot.� Michelangelo und Francesco sahen sich verbl�fft an.</p><p>�Und woher wisst Ihr, dass er es ist?�, erkundigte sich Michelangelo.</p><p>�Weil ihr nicht die Ersten seid, die ihn gesehen haben. Es ist nicht geheuer!�</p><p>Michelangelo konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Er schob den halb vollen Teller mit der Bohnensuppe zur�ck.</p><p>�Wie kann er tot sein, wo ich ihn gerade gesehen habe?�</p><p>�Beantwortet Euch die Frage selbst. Es bringt Ungl�ck, �ber die Toten zu reden. Und wenn Ihr mich aufspie�t, ich sage nichts mehr dazu!�</p><p>�Dann erkl�rt mir wenigstens, wie er zu Tode gekommen ist.�</p><p>�Ich zeige Euch Euer Nachtlager�, sagte der Wirt und wandte sich zur Treppe.</p><p>Das Nachtlager verdiente seinen Namen nicht. Es bestand aus einem winzigen Verschlag unter dem Dach der Osteria.</p><p>�Herr, haben wir ein Gespenst gesehen?�, fragte Francesco, nachdem der Wirt die T�r hinter sich zugezogen hatte und sie sich notgedrungen das einzige Bett im Zimmer teilten.</p><p>�Bei Gott ist zwar nichts unm�glich, aber mir schien, dass er sich doch sehr irdisch bewegte, wenn ich die Muskelkontraktion, die sich unter seiner Haut abzeichnete, richtig deute. Gespenster ben�tigen zur Bewegung keine Muskelkraft. Mir schien der Junge eher verwirrt zu sein. Man sollte ihn finden, bevor er tats�chlich zu Tode kommt.�</p><p>�Ihr meint, das Ding war lebendig?�</p><p>�Wie du und ich!�</p><p>�Geb�s Gott!� Francesco bekreuzigte sich.</p><p>Michelangelo drehte sich auf die Seite und wandte seinem Diener den R�cken zu. Angekleidet lagen sie nebeneinander auf dem zweifelhaften Stroh. �ber die hauseigenen l�chrigen Decken hatten sie noch ihre M�ntel gebreitet. Dennoch froren sie, denn ein k�hler Wind pfiff durch die Ritzen. Der Bildhauer schloss die Augen und w�rmte sich an seiner Vorfreude auf den Marmor, den er in wenigen Stunden zu sehen bekommen sollte. W�re es nicht so dunkel gewesen, h�tte er sich sofort auf den Weg gemacht. Regen tr�pfelte leise auf das Dach, und sie h�rten das Heulen der W�lfe, gef�hrlich und wehm�tig zugleich.</p><p>�Sie sind hungrig�, murmelte Michelangelo im Halbschlaf und g�hnte.</p><p>�Gut, dass wir hier sind und nicht drau�en in der Wildnis!�, erwiderte Francesco, der noch hellwach war. Aber er bekam keine Antwort.</p><p>�Herr�, begann der Diener von Neuem, �man sagt, hier soll es Werw�lfe geben.�</p><p>�Wo gibt es die nicht? Werw�lfe und Gespenster. Sie bev�lkern die Nachtseite unseres Verstandes. Jetzt schlaf, Francesco, wir m�ssen schon bald wieder aufstehen�, brummte Michelangelo noch, bevor er endg�ltig in den Traum von einer Welt voller Marmor hin�berglitt. Makellos, wei�. Im alten Griechenland soll es eine Bildhauerstadt gegeben haben, Aphrodisias, da w�re er gerne einmal gewesen.</p><empty-line/></section><section><p>24</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Colonnata, Anno Domini 1505</p><p>Die Sonne war kaum aufgegangen, als Michelangelo seinen Diener erbarmungslos weckte. Sie hatten nicht l�nger als drei, vier Stunden geruht.</p><p>�Auf! Der Tag rennt, sputen wir uns, ihn einzuholen!�, rief Michelangelo und eilte in die Wirtsstube hinunter. Zum Fr�hst�ck gab es Brot und <emphasis>Largo di Colonnata,</emphasis> den ber�hmten Speck, der hier hergestellt wurde, und als Getr�nk warmes Wasser mit etwas Honig.</p><p>Francesco hatte sein Mahl noch nicht ganz hinuntergeschlungen, da stand Michelangelo bereits vom Tisch auf, wechselte ein paar Worte mit dem Wirt und eilte aus der T�r. Francesco folgte seinem Herrn, den letzten Bissen Brot im Gehen kauend.</p><p>Kurz bevor sie ein verh�ltnism��ig gro�es Haus am Ende des Dorfes erreichten, schlug Michelangelo sein Wasser an einer Kiefer ab.</p><p>�Tu das auch, nachher haben wir keine Zeit mehr daf�r�, befahl er seinem Diener, der dieser Aufforderung mit deutlichem Widerwillen nachkam. Derweil lie� Michelangelo seinen Blick von dem schwarzgrauen Kampanile, der wie ein Burgturm mit Zinnen bewehrt war, hin�bergleiten zu den Bergen, die er nun das erste Mal im Hellen sah. Ihr Anblick ersch�tterte ihn, denn die Unergr�ndlichkeit der steilen H�nge verhie� eine andere Welt, die Welt der gro�en Mutter, die in ihrem harten Scho� die herrlichsten Steine zur Welt brachte. Wie ein Blitzschlag durchfuhr ihn eine Erkenntnis, die dem Gehirn eines Architekten, nicht dem eines Bildhauers entsprang. Er sah die Kraftlinien, die Wege der Gewalten, die alle Gipfel in den Himmel schoben, ungeachtet der Bruchlinien, die zu T�lern wurden. Michelangelo griff sich mit beiden H�nden an den Kopf. Er erkannte mit einem Mal, dass er Kraft sehen konnte, und diese F�higkeit w�rde er aushalten m�ssen. Die Kr�fte k�mpften gegen das ewige Lasten der Welt an und damit gegen die allgegenw�rtige Tendenz, alles niederzudr�cken. Was hatte Gott angesichts der Sch�pfung zu ertragen gehabt, als er die K�nste in seinem Weltenbau vereinte, die des Baumeisters, des Bildhauers und des Malers! Er hatte allem Gestalt, Form und Farbe gegeben.</p><p>In diesem Moment entdeckte Michelangelo das Geheimnis der Baukunst. Es war so verborgen wie offensichtlich. Fand sich das Mysterium der Bildhauerei in der F�higkeit, die Figur im �berfl�ssigen Stein zu entdecken und sie daraus zu befreien, das der Malerei darin, mithilfe der Zentralperspektive und der Nutzung von Licht und Schatten die dreidimensionale Welt auf dem zweidimensionalen Bildtr�ger zu erschaffen, so ging es in der Architektur einzig darum, die Kraftlinien zu erkennen. Alles andere, Formung und Statik, ergab sich daraus. Aber war das Leben nicht Kraft? Und bestand nicht alle Baumeisterkunst darin, diese Kraft sichtbar zu machen? Und worin verbarg sich nun das Mysterium der Kraft? Ganz einfach � in der Bewegung. Sie erweckte alles, weil das Grundgesetz des Lebens sich in der Ver�nderung offenbarte.</p><p>Michelangelo sank auf die Knie, hob die H�nde zum Himmel und dankte Gott. Bei der Betrachtung des nebelverh�llten Gebirges hatte er die Wahrheit des Lebens erkannt, die das Grundgesetz der Kunst war. Kr�fte, zum Tanzen gebracht, ergaben das Spiel des Lebens. Pl�tzlich begriff er, was er mit seinem Entwurf f�r das Grabmal des Papstes geschaffen hatte: ein Bauwerk als Allegorie auf die Welt. Wenn es auch f�r einen Toten erdacht war, so sollte es doch f�r die Lebenden errichtet werden. Er erhob sich und brachte es doch nicht fertig, seine Augen von den Bergen zu l�sen. Es war wie eine Sucht. Er konnte sich an dem Gebirge einfach nicht sattsehen. Unter den B�umen, Pflanzen und der Erde wuchs der heilige Stein, der Anfang und das Ende von allem. H�hlen in den W�nden, Senken, in denen das nach oben strebende Gebirge neue Kraft sammelte. Durch den Nebel und durch B�ume und Gestr�pp verwischte Konturen verst�rkten in ihm nur das Gef�hl, der gro�en Mutter, dem Alpha und Omega aller Dinge gegen�berzustehen. Im Zentrum war das Gebirge konkav wie eine Vulva.</p><p>Michelangelo f�hlte eine au�erordentliche Erregung. Sein Gef�hl verriet ihm, dass er dort die Steine f�r die Ewigkeit finden w�rde. Gleich hinter dem Dorf, n�her als er vermutet hatte, reckten sich die Marmorfelsen in den Himmel. Ihre Gipfel waren von Nebel umlagert, der sich nun langsam hob, aber noch �ber dem Dorf dr�ute. Feucht und kalt war es, ein Wetter, um sich den Tod in die Knochen zu holen und die Gicht in den K�rper.</p><p>�Liegt da oben Schnee?�, fragte Francesco erstaunt.</p><p>Michelangelo l�chelte. �Nein, das Wei�e dort, das an dem Berg wie ein erkalteter Fluss aus schmutzigem Silber gl�nzt, das ist der Marmor, der uns willkommen hei�t. Wie z�chtig er noch seine Pracht verbirgt, wie ein tugendhaftes Weibsbild seinen K�rper vor dem Geliebten! Die sch�nsten T�chter ehrbarer M�nner verstecken sich oft unter der ungelenken Tracht und dem Schleier einer Alten, du erkennst sie nur an den Bewegungen.� Er riss sich gewaltsam von dem verf�hrerischen Panorama los und beendete den Gedanken nachdr�cklich, indem er mit der Faust gegen die T�r des Hauses schlug, in dem nach Auskunft des Wirtes der Steinmetz Fritz il Rosso wohnte.</p><p>Die T�r wurde aufgerissen, und vor ihnen stand ein st�mmiger Mann mit wilden roten Haaren und einem malerischen Bart, der in der Morgensonne wie aus Kupferspiralen gezwirbelt schien. Seine Augen funkelten nicht eben freundlich.</p><p>�Seid Ihr Fritz il Rosso?�, fragte Michelangelo.</p><p>�Wer will das wissen?�, brummte der Mann feindselig.</p><p>�Michelangelo Buonarroti, Bildhauer im Auftrag des Heiligen Vaters!�</p><p>So schnell, wie die T�r zugeschlagen wurde, konnte der Bildhauer gar nicht schauen.</p><p>Francesco pfiff durch die Z�hne. �Oh, der ist ja regelrecht in unseren guten Julius verliebt.�</p><p>Michelangelo lie� sich nicht verdrie�en und pochte erneut an die T�r. Wieder wurde sie von dem Rothaarigen aufgerissen, doch diesmal hatte er einen riesigen Hammer in der Hand.</p><p>�Was habt Ihr gegen den Papst?�, fragte Michelangelo streng.</p><p>Der Marmorbrecher erhob drohend das Werkzeug. Unter dem groben Hemd zeichneten sich seine beeindruckenden Muskeln ab, die er in der t�glichen Arbeit erworben hatte.</p><p>�Gegen den Papst? Nichts! Aber gegen seine Bildhauer, die mit Abl�ssen statt mit Geld bezahlen. Wie soll ich meine Kinder mit Versprechungen satt bekommen, he?�</p><p>Ein L�cheln breitete sich auf Michelangelos Gesicht aus. �Ich zahle bar und im Voraus.�</p><p>Der Rothaarige lie� den Hammer fallen, der dicht neben seinem Fu� aufschlug, packte den verbl�fften Bildhauer beim Kragen, zog ihn ins Haus und schlug die T�r vor Francescos Nase zu. Bevor dieser noch dar�ber nachdenken konnte, wie er sich verhalten sollte, ging die T�r wieder auf, und ein Bursche, der dem Rothaarigen �hnlich sah � die gleichen struppigen Haare auf Kopf, Wangen und Kinn, nur um einiges j�nger �, ergriff unsanft seinen Arm und zerrte auch ihn ins Haus.</p><p>�Dass Ihr Geld bei Euch habt, solltet Ihr nicht zu laut sagen. Die Steinebrecher sind zwar alles ehrbare Leute, aber es gibt ein paar Spitzbuben im Ort, wie den Wirt, die Gott wei� wohin Beziehungen unterhalten.�</p><p>�Man hat mir gesagt, Ihr seid der Beste!�</p><p>�Wer hat das gesagt?�</p><p>�Francesco Granacci.�</p><p>Zum ersten Mal hellte sich die Miene des Rothaarigen auf. �Seid Ihr Florentiner?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Was soll das Geschw�tz vom Papst? Warum habt Ihr das nicht gleich gesagt! Kommt, fr�hst�ckt mit uns, dann wollen wir alles Weitere besprechen.�</p><p>Es half nicht, dass Michelangelo darauf verwies, dass sie bereits das Morgenmahl eingenommen hatten. Sie traten in die gro�e Stube, die mit ihrer niedrigen Decke eher einer H�hle glich. Am Fenster sa� ein etwa vierzehnj�hriges M�dchen. Sie stickte, sah nicht von ihrer Arbeit auf und sprach kein Wort. Es war, als sei sie gar nicht anwesend. Michelangelo entging nicht, dass ein unerwartet z�rtlicher Blick des Hausherrn zu ihr hin�berhuschte, dann war Fritz wieder ganz bei ihnen und lud sie ein, an dem gro�en, groben Tisch Platz zu nehmen. W�hrend der Zeitverlust den Bildhauer folterte, freute sich Francesco von Herzen �ber die unverhoffte Gelegenheit eines zweiten Fr�hst�cks. Fritz lachte und deutete auf den Jungen.</p><p>�Wenn ich Euren Diener sehe, glaube ich nicht, dass ihr heute schon etwas zwischen die Z�hne bekommen habt. So wie der zulangt!�</p><p>Eine Stunde sp�ter brachen sie endlich auf. Die Frau des Steinmetzen hatte ihnen ein Brot mitgegeben, in das d�nne Speckscheiben und Tomatenst�cke eingebacken waren, dazu zwei Flaschen Wein. Zu f�nft stiegen sie in den Berg � Michelangelo, Francesco und Fritz il Rosso sowie dessen S�hne Guido und Matteo. Der Bildhauer schwieg. Es entsprach seiner Natur, eher weniger als mehr zu reden. Daf�r fragte Francesco Matteo aus.</p><p>�Wie kommt dein Vater zu dem seltsamen Namen Fritz?�</p><p>Matteo lachte. �Es ist ein deutscher Name. Unsere Vorfahren sind aus dem Norden eingewandert.�</p><p>�Familientradition. Der erstgeborene Enkel wird wieder Fritz hei�en�, erg�nzte Guido.</p><p>�Der Gottesmutter sei Dank, dass dieser Enkelfluch, Fritz hei�en zu m�ssen, an uns vor�bergegangen ist�, sagte Matteo und bekreuzigte sich.</p><p>Dann erz�hlte Francesco von der n�chtlichen Erscheinung in der Kirche. Fritzens S�hne wechselten einen schnellen Blick. Zu seiner Verwunderung lag aber weder Schrecken noch Angst darin, sondern wilder, gef�hrlicher Hass.</p><p>�Hand aufs Herz, was meinst du, seid ihr einem Gespenst begegnet oder einem Lebenden?�</p><p>�Mess�r Michelangelo ist sicher, dass der Junge so lebendig war wie ich und ihr.�</p><p>�Dann ist es wahr, das Schwein lebt immer noch�, knurrte Matteo.</p><p>�Was ist? Was hat er getan?�</p><p>�Er hat sich an unserer Schwester vergangen�, stie� Guido hervor.</p><p>�Anna war die Lustigste von uns allen.�</p><p>�Seitdem schweigt sie.�</p><p>�Es bricht einem das Herz!�</p><p>�Vater hat ihn bis ins Gebirge verfolgt, um ihn zur Rede zu stellen. Vor Angst ist der Hundsfott den Berg runtergefallen.�</p><p>�Den Sturz �berlebt keiner.�</p><p>�Nur der, den der Teufel besch�tzt.�</p><p>Dann schwiegen die Br�der. Daf�r arbeitete es in ihren K�pfen umso heftiger, was man an ihrem finsteren Mienenspiel erkannte. Mit dem Jungen w�rde Francesco keinesfalls tauschen wollen, wenn dieser ihnen je in die H�nde fallen sollte.</p><p>Eine knappe Stunde sp�ter sah Michelangelo in ein Tal hinab, als b�cke er sich �ber die Zinnen des Palazzo della Signoria in Florenz.</p><p>�Ab jetzt wird es schwierig. Bleibt dicht hinter mir�, rief Fritz ihnen zu.</p><p>Der Steinmetz hatte nicht �bertrieben, der Abstieg �ber schmale Pfade, die sich dicht an steile W�nde schmiegten, nahm eine halbe Stunde in Anspruch. Francesco, der nicht schwindelfrei war, betete ein Vaterunser nach dem anderen, nur unterbrochen von einem Bittgebet an die Jungfrau Maria und einem Confiteor.</p><p>�Sehr musikalisch, Euer Diener�, spottete Fritz.</p><p>�Er wurde nicht daf�r geschaffen und tut es dennoch, also verh�hnt ihn nicht�, wies der Bildhauer den Steinmetz zurecht.</p><p>Mit jedem Schritt, den sie tiefer hinabkamen, sp�rten sie die feuchte K�hle mehr, denn die Sonne reichte mit ihren Strahlen noch nicht ins Tal. Als sie die Sohle erreichten, gab es f�r Michelangelo kein Halten mehr. Er untersuchte das Gestein.</p><p>�Wie viel Steine braucht Ihr?�, fragte der Steinmetz.</p><p>�Sechzig.�</p><p>�Sechzig?� Fritz glaubte, sich verh�rt zu haben. �Das ist Arbeit f�r ein Jahr.�</p><p>�Dann beschafft Euch Hilfskr�fte. Es muss in einem halben Jahr erledigt sein!�</p><p>�Das wird teuer!�</p><p>�Ist nicht Euer Geld!�</p><p>�Gut, ich hole die Leute aus Colonnata und Misiglia zusammen.�</p><p>Nachdem diese Frage gekl�rt war, begannen sie mit der Auswahl der Steine. Immer wieder schaute und verglich Michelangelo, beriet sich mit Fritz, diskutierte die �derung, denn sie war entscheidend daf�r, ob der herausgel�ste Block sp�ter Risse bekam und unbrauchbar w�rde oder nicht, bevor er eine Stelle markierte. Matteo trat zu ihnen.</p><p>�Vater�, sagte er. �Guido und ich wollen uns ein wenig im Gebirge umschauen. Francesco sagt, der Hundsfott lebt.� Fritz nickte finster.</p><p>Seine S�hne wollten gerade aufbrechen, als er sie noch einmal zu sich rief. Er dr�ckte Matteo sein Messer in die Hand.</p><p>�Seid vorsichtig, und bleibt immer zusammen. Das Schwein ist mit dem Teufel im Bunde, wenn es immer noch Gottes sch�nen Erdboden verdrecken sollte!�</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Die vergangenen Tage hatte Bramante als einen j�hen Wechsel von ungest�mem Schaffensdrang und abgrundtiefer Niedergeschlagenheit erlebt. Immer wieder nahm er den Bleigriffel in die Hand, um zu skizzieren, und musste ihn dann sofort aus der Hand legen, weil er f�rchtete, ihn sich aus Wut und Verzweiflung in die Pulsadern zu treiben. In den seltenen Phasen, in denen er zur Ruhe kam, erschien ihm beides l�cherlich. Sich in seinem Alter so heftig zu verlieben, wie es ihm nicht einmal als J�ngling widerfahren war, und sich dadurch fast in den Wahnsinn treiben zu lassen, war nicht weniger komisch als die Vorstellung, er k�nnte in den wenigen Jahren, die ihm noch blieben, ein solch immenses Bauprojekt vollenden. Bisweilen betrank er sich bis zur Bewusstlosigkeit. Nach den Vergessen schenkenden K�nsten der Dirnen versp�rte er kein Verlangen.</p><p>Eines Morgens, als er verkatert aus seinem Bett kroch, fiel sein Blick auf eine Gestalt, die n�chst seiner Schlafstatt im Lehnstuhl sa�, die Beine, die in einer schwarzen Hose steckten, �bereinandergeschlagen, wobei der rechte Fu� des zuoberst liegenden Beines leicht wippte. Im ersten Moment dachte er: Der Teufel, es ist so weit, er ist gekommen, dich zu holen! Bramante kippte vorn�ber und schlug unsanft auf dem Boden auf. Er st�hnte und versuchte es dann mit einem Gebet.</p><p>Die Gestalt erhob sich, und Bramante starrte auf d�rre Beine, die sich in den engen Strumpfhosen abzeichneten. Wie Spinnenbeine, dachte er.</p><p>�Herr, bitte, bitte!� Die Worte fielen wie Watte aus seinem Mund, w�hrend zwei H�nde ihn packten und hochzogen.</p><p>�Steh auf, Donato, steh auf!� Er kannte die Stimme. Auch Farbe und Form der Augen seines Gegen�bers kamen ihm bekannt vor, sehr sogar. Die bis auf die Schultern fallenden gelockten Haare, das l�ngliche Gesicht, das Kinnb�rtchen. Er schloss die Augen und st�hnte.</p><p>�Komm zu dir, Freund!� Agostino Chigi st�tzte ihn und sagte naser�mpfend: �Du brauchst ein Bad.�</p><p>Bramante stie� auf, und ein s�uerlicher Geschmack breitete sich in seiner trockenen Mundh�hle aus.</p><p>�Verzeiht, ehrenwerter Agostino, verzeiht.�</p><p>Der Bankier lie� ihn los. Bramante riss die Augen auf, bewegte die Gesichtsmuskeln und schnaufte.</p><p>Chigi kam gleich zur Sache. Er wollte sich offensichtlich nicht l�nger als n�tig im Schlafgemach des Architekten aufhalten.</p><p>�Imperia hat mir von deiner Idee erz�hlt, einen neuen Petersdom zum Ruhme Gottes zu errichten. Es sei an der Zeit.�</p><p>�Es ist an der Zeit!�</p><p>�Dann tu es! Meine Unterst�tzung hast du. Aber es wird einen Aufschrei geben, wir m�ssen klug und gewappnet sein.�</p><p>�Und was springt f�r Euch dabei heraus?�</p><p>�Eine gute Frage. Endlich kommst du wieder zu Verstand! Die Finanzierung. Das wird das gr��te Gesch�ft meines Lebens.� Chigi schmunzelte. Es hatte den Anschein, als habe er Kredit und Zinsen schon durchgerechnet und auch die Sicherheiten bedacht, die er sich �berschreiben lassen und gewinnbringend nutzen wollte. Der Bankier wandte sich zum Gehen, blieb jedoch in der T�r stehen und senkte den Blick.</p><p>�Imperia l�sst dich gr��en.�</p><p>Bramante unterdr�ckte ein bitteres Auflachen.</p><p>�Wir werden deinen Anteil an unserem Gl�ck nicht vergessen, mein lieber Donato. Du hast einen Freund gewonnen�, sagte Chigi, der reichste Mann der Welt, der so gesch�ftst�chtig wie gro�z�gig war, und verlie� Bramantes kleinen Palazzo. Alles w�re gut gewesen, wenn die Liebe den Architekten nicht so gequ�lt h�tte.</p><p>Nachdem er wer wei� wie lange auf seinem Bett gesessen und �ber Chigis Worte nachgedacht hatte, die er nicht annehmen wollte, sprang er pl�tzlich wie von der Tarantel gestochen auf und br�llte: �Giuseppe, Kerl, mach Wasser hei�, und bereite mir ein Bad mit Lavendel und Rosmarin.�</p><p>Der Bankier hatte recht, er brauchte wahrlich dringend ein Bad. Kurz darauf stieg er in den dampfenden und duftenden Zuber und schloss die Augen. Der Lavendel beruhigte ihn, w�hrend der Rosmarin sein tr�ges Blut antrieb und, wie er hoffte, die Gicht verjagte, die sich wieder bemerkbar machte. Der Dunst malte Figuren in die Luft, S�ulen, Kuppeln. Ja, er wollte nach den Gesetzen des guten Bauens handeln. Was hielt ihn zur�ck? Das Alter? Die Furcht, den Dom nicht zu vollenden? Aber darauf kam es doch gar nicht an!</p><p>Bramante setzte sich im Zuber auf und wischte sich mit der Hand das Wasser aus dem Gesicht. Um das Vollenden ging es doch gar nicht, auf das Beginnen kam es an! Nur eines war wichtig: genauso anzufangen, dass niemand, auch nach seinem Tode, mehr etwas �ndern konnte. So einfach war es! Das Einzige, wor�ber er sehr genau nachdenken und danach seine Schritte setzen musste, war, vollendete Tatsachen zu schaffen.</p><p>Mit einem Freudenschrei kletterte Bramante aus dem Bad, zog, unbeschadet des Umstandes, dass er noch nass war, Hose, Hemd, Wams und Stiefel an und eilte aus dem Haus zum Pantheon. Er sp�rte nicht, wie der noch k�hle Fr�hlingswind durch seine Kleidung blies. Dann stand er unter der m�chtigen Kuppel des alten Tempels, den man zu einer christlichen Kirche umgewidmet hatte, und schaute nach oben, zu den Kassetten, die sich unterzuhaken schienen. Das Herz des Geb�udes, das Herz des Glaubens, sollte ein Zentralbau werden, den eine Kuppel bedeckte. Etwa so wie das Pantheon, nur viel, viel gr��er. Im Vergleich zu seinem Petersdom sollte das Pantheon wie eine Hundeh�tte wirken!</p><p>Auf dem R�ckweg dachte er an das �Buch der Baumeister�. Zu Hause angekommen, nahm er es hervor, schlug die Seite auf mit dem Etz Chaim, dem Lebensbaum mit den vier Erzengeln in der Mitte, auf dem die Welt ruhte. Die Verbindung des Himmels zur Erde und der Erde zum Himmel hielten die Erzengel aufrecht, weil sie Boten waren, weil sie unabl�ssig zwischen Erde und Himmel unterwegs waren. Vor Bramantes geistigem Auge entstand nicht von au�en, sondern aus dem Inneren heraus, aus dem Mittelpunkt der Kraft heraus, das gigantische Geb�ude als anmutiges Spiel der Engel mit dem Himmel. Sie, die Engel, w�rden die Kuppel des Himmels tragen.</p><p>Sein Entschluss stand fest: Er w�rde die gr��te Kuppel, die je gebaut wurde, auf die Vierung setzen. Das war das Eigentliche, das, wovon auszugehen war, und dann k�me noch etwas Kirche drum herum, und schon w�rde der neue Tempel des neuen Jerusalem dastehen.</p><p>Bramante hatte das Gef�hl, den Verstand zu verlieren. Die Gedanken jagten durch seinen Kopf, aber er hatte mit ihnen nichts zu tun. Sie f�hrten ein v�llig eigenst�ndiges Dasein, sein armer K�rper war nur ihr organischer Tr�ger, die H�lle. Er musste sich setzen. Er sorgte sich um sein Herz, das zu zerspringen drohte, denn jetzt konnte er ihn genau vor sich sehen, den neuen Dom der Christenheit.</p><p>Der Architekt begann zu rechnen und zu skizzieren, benutzte dabei den Verh�ltnisschl�ssel, der der Etz Chaim war, um zu bestimmen, wie stark die Pfeiler sein m�ssten, um eine so gro�e Kuppel tragen zu k�nnen, ohne dass sie unter ihrer Last brechen w�rden. Jetzt hie� es, bis zur R�ckkehr des verhassten Bildhauers aus Carrara vollendete Tatsachen zu schaffen. Und nicht nur f�r diesen, sondern f�r die gesamte, unweigerlich zwergenhafte Nachwelt!</p><empty-line/></section><section><p>25</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Colonnata, Anno Domini 1505</p><p>Die Raben kreisten �ber dem Steinbruch, als Michelangelo und Francesco, nur von Matteo begleitet, fr�h am n�chsten Tag in den Berg stiegen, um Steine auszusuchen. Es war, als warteten die Raben auf die Menschen. Matteo fluchte leise. Er hielt das f�r ein b�ses Omen, doch Michelangelo meinte nur, dass irgendein St�ck Aas im Bruch l�ge, ein Hase, ein Fuchs oder ein Wolf.</p><p>Zur gleichen Zeit waren Fritz und Guido unterwegs, um die Steinmetze und Transporteure f�r das Unternehmen anzuheuern. Die Bef�rderung vom Berg bis zum Hafen wollte Fritz organisieren, von da ab musste Michelangelo sich selbst darum k�mmern. Die Marmorbl�cke sollten mit der <emphasis>Lizzatura</emphasis> und mit Ochsenkarren ins Tal nach Carrara gebracht, im nahe gelegenen Hafen auf Schiffe verfrachtet und dann nach Ostia verschifft werden. Dort angekommen, w�rden sie sogleich auf die bauchigen Tiberschiffe umgeladen und auf dem Fluss nach Rom gebracht werden. Zu diesem Zweck hatte Michelangelo mit einem Reeder aus Lavagna einen Vertrag �ber den Schiffstransport geschlossen.</p><p>Der Bildhauer untersuchte pedantisch genau die �derung des Gesteins an der Sohle des Steinbruchs, der einem umgest�lpten Trichter glich. Er erinnerte Michelangelo an Botticellis Darstellung der H�lle in der Ausgabe der �Divina Commedia�, die er seinerzeit von Landino geschenkt bekommen hatte und in der er fast t�glich las. Nach eingehender Pr�fung malte er schlie�lich mit dem Zeigefinger ein imagin�res Rechteck an die Felswand, um die Gr��e des zu brechenden Brockens darzustellen.</p><p>�Diesen!�, sagte er und wies auf die Stelle.</p><p>W�hrend Francesco und Matteo den Block, der sp�ter herausgebrochen werden sollte, durch eingeschlagene Eisen markierten, kletterte der Bildhauer, die Tasche mit seinen Skizzenutensilien �ber der Schulter, auf einen kleinen Sporn. Nachdem er den Fels Zoll f�r Zoll eingehend betrachtet hatte, liebkoste seine Hand den Marmor, und ein hingerissenes L�cheln zeichnete sich auf seinen Lippen ab. Der Stein war makellos, nicht eine Ader deutete auf Fremdk�rper oder Risse im Gestein hin � es war der sch�nste Marmor, den er je gesehen hatte. Hieraus wollte er seinen Moses f�r das Grabmal hauen! Er dachte dar�ber nach, den Block gleich an Ort und Stelle zu bossieren, sobald er aus dem Felsen gebrochen war, als ihn ein unbestimmbares Ger�usch aus seinen �berlegungen riss.</p><p>Etwa zw�lf Fu� unter ihm stand auf einem winzigen Felsplateau Giovanni, der junge Bursche, den er in der Kirche gesehen hatte. Unwillk�rlich wich die fast nackte Gestalt unter Michelangelos Blick zur�ck bis auf die Spitze des Vorsprungs. Sein verfilztes Haar stand in alle Richtungen ab, und auf seine Stirn hatte der Schmutz dunkle Furchen gezeichnet. Sein Blick war wom�glich noch verwirrter geworden, als verfolgten ihn die rachedurstigen Erinnyen, die in seinem Herzen hausten. Geb�ckt stand der Junge da, die Schultern eingezogen, die rechte Hand in der linken Armbeuge. Mit der linken Hand bedeckte er sein linkes Auge, w�hrend das rechte schreckgeweitet auf den Bildhauer starrte. Die Unterlippe hatte er leicht nach vorn geschoben. Nie hatte Michelangelo einen vollkommeneren Ausdruck des Erschreckens gesehen, in dem sich das Entsetzen �ber das eigene Tun ebenso spiegelte wie die Angst davor, was unweigerlich folgen musste.</p><p>Mit langsamen Bewegungen, als wolle er verhindern, einen scheuen Vogel zu verscheuchen, holte er Skizzenblock und Bleigriffel hervor und begann zu zeichnen. Nur das Kr�chzen der Raben unterbrach von Zeit zu Zeit die vollkommene Ruhe. Wie der Junge dort hingelangt war, was er dort wollte und weshalb er dort wie erstarrt stand, sah man vom Zittern der Lippen ab, interessierte Michelangelo nicht, auch nicht, welchem Zufall er dieses Bild verdankte. Er zeichnete nur und zeichnete.</p><p>Als er die Skizze fertiggestellt hatte, fragte er sanft: �Was ist, mein Junge?� Obwohl der Angesprochene schwieg, sp�rte Michelangelo, dass er ihn verstanden hatte. Nach einer kleinen Ewigkeit bewegten sich die Lippen, aber es kam kein Ton heraus. Lautlos, er sprach lautlos, er schrie lautlos um Hilfe.</p><p>�Ich verstehe dich. Du bereust, was du getan hast.�</p><p>�Gott ist schuld!�, fl�sterte Giovanni.</p><p>�Gott?� Michelangelo fr�stelte.</p><p>�Gott ist der Teufel!�, kr�chzte der Junge nun lauter.</p><p>Was w�rde er noch zu h�ren bekommen? Michelangelos Herz krampfte sich zusammen. Zwar stand es ihm frei, den Jungen schlicht f�r verwirrt zu halten, aber glaubten nicht die alten Griechen, dass aus dem Mund der Wahnsinnigen die Wahrheit kam, freilich als Orakel?</p><p>�Wie konnte er Anna an dem Morgen allein an den Bach stellen? So sch�n! So sch�n im Morgenlicht. Wie konnte er nur als Bock in mich fahren?�, brachte Giovanni heiser hervor.</p><p>�Wer?�</p><p>�Gott!�</p><p>�Du meinst doch sicher den Teufel, mein Sohn.�</p><p>Giovanni sch�ttelte den Kopf. �So sch�n und so rein kann der Teufel nicht sein. Gott hat mich verf�hrt!�</p><p>In diesem Moment erklommen Matteo und Francesco den Sporn und traten neben Michelangelo. Als der Bruder des gesch�ndeten M�dchens den T�ter erblickte, zog er sofort das Messer und kletterte zu ihm hinunter.</p><p>�Nein, nein, tu das nicht, Matteo!�, rief Michelangelo.</p><p>Der Junge jedoch sah Annas Bruder unverwandt an und r�hrte sich nicht. Je n�her ihm Matteo kam, umso z�rtlicher wurde sein Blick und dr�ckte Einverst�ndnis aus. Ergeben und gl�cklich wie ein Hund, dachte Michelangelo und schlug die Augen nieder, weil er den Anblick dessen, was nun geschehen w�rde, nicht ertrug. Es war ein einfaches kurzes Bauernmesser mit einer kr�ftigen Klinge, mit dem Matteo dem gleichaltrigen Jungen die Kehle durchschnitt, aus der sich ein Strahl roten Blutes �ber den gelblich wei�en Marmor ergoss und ihn f�rbte. Dem Marmor tat das nichts, man konnte ihn abschleifen.</p><p>Michelangelo sch�ttelte den Kopf. �Giovanni und du, ihr werdet beide im neunten Kreis der H�lle landen, wie Dante es beschrieben hat!�</p><p>�Das, Herr, liegt nicht in meinem und nicht in Eurem Ermessen, sondern allein an Gottes Richterspruch.� Matteo b�ckte sich fast gesch�ftsm��ig, riss den Fetzen beiseite, der Giovannis Scham bedeckte, trennte ihm mit dem Messer den Penis ab und warf ihn ins Tal. Michelangelo erstarrte, w�hrend Francesco sich �bergeben musste. Mit seiner blutigen Hand reichte der junge Steinebrecher dem Diener die Weinflasche. Francesco w�rgte, ehe er nach der Flasche griff und einen gro�en Schluck nahm und dann noch einen zweiten. Allm�hlich kehrte die Farbe in sein Gesicht zur�ck.</p><p>�Und seine Familie?�, fragte er.</p><p>�Die wei�, dass die Welt jetzt wieder im Gleichgewicht ist. So sind unsere Gesetze.�</p><p>�Was wird mit seiner Leiche?�</p><p>Matteo wies nur mit dem Kopf nach oben, zu den Raben.</p><p>�Keine Sorge, Herr�, wandte er sich dann an Michelangelo, �ich bringe ihn woandershin. Er wird Euch nicht beim Arbeiten st�ren.� Dann b�ckte er sich und lud sich behutsam den Toten auf die Schulter. �Ach, Vano, warum hast du das nur getan?�, murmelte er dabei mit Tr�nen in den Augen. �Du warst mein bester Freund, fast wie ein Bruder!�</p><p>In der Nacht plagten Michelangelo f�rchterliche Traumbilder. Engel, die in die Posaunen der Vergeltung bliesen, der heilige Bartholom�us, der in der rechten Hand ein Messer hielt, das dem Matteos �hnelte und von dem Blut tropfte. In der linken Hand hielt der Heilige eine abgezogene Menschenhaut mit dem Gesicht des Bildhauers. Die Welt war bereits ein einziges Gericht. Michelangelo sah im Traum, wie alle Menschen zum Himmel strebten. Die meisten jedoch wurden ein Opfer der Teufel, die sie in die H�lle rissen. Er schrie so laut im Schlaf auf, dass jedermann im Haus hochschreckte. Zuerst war Francesco bei ihm, der in der Kammer neben ihm schlief.</p><p>�Was ist mit Euch, Herr?�, fragte er und beugte sich besorgt �ber ihn.</p><p>Durch seinen eigenen Schrei geweckt, blickte sich Michelangelo verwirrt um, dann fasste er sich.</p><p>�Nichts, nichts�, stammelte er.</p><p>�Aber Ihr schwitzt ja.� Francesco wischte ihm mit einem Tuch den Schwei� ab und legte die Hand auf seine Stirn. �Euer Kopf gl�ht!�</p><p>In der offenen T�r der niedrigen Kammer erschien die m�chtige Gestalt des Steinmetzen. Er musste Kopf und Schultern einziehen, damit er nicht anstie�.</p><p>�Den Herrn verbrennt das Fieber!�, rief ihm Francesco mit angsterf�llter Stimme entgegen.</p><p>�Ich sage meiner Frau, sie soll kalte Wadenwickel vorbereiten�, entschied Fritz und begab sich hinunter, um das Notwendige anzuordnen.</p><p>Eine Woche ging ins Land, in der Michelangelo nur trockenes Brot und moussierenden Wein bei sich behielt. Anna k�mmerte sich r�hrend um ihn, aber sie sprach dabei kein einziges Wort. Und sie l�chelte nicht. Der Bildhauer f�hlte sich schwach, und jede Faser im Leib schmerzte ihn. Noch immer schrie er, gepeinigt von den Schreckbildern im Schlaf, h�ufig auf. Man musste um sein Leben f�rchten. Sie hatten einen Arzt aus Carrara zurate gezogen, der empfahl, den Kranken mehrmals kr�ftig zur Ader zu lassen. Fritz behagte das nicht, und so schickte er nach der alten Annunziata, einem vertrockneten Weiblein, das sich in allerlei Dingen des menschlichen K�rpers auskannte. Sie riet, den Kranken vor Zugluft zu sch�tzen, warm zu halten und recht viel zum Schwitzen zu bringen, damit der b�se Geist, der in ihm hauste und die b�sen Tr�ume machte, vertrieben w�rde. Einmal am Tag solle er hei�en Rotwein, mit Grappa, Ei und Honig versetzt, trinken, in den getrocknete Kr�uter, Ringelblume, Salbei und Kamille gegeben wurden. Dazu t�glich mindestens zwei Liter von einem Tee aus Zitronenmelisse, Johanniskraut und Tausendg�ldenkraut.</p><p>Michelangelo, dem man ein Bett in der gro�en Wohnstube gerichtet hatte, f�rchtete sich inzwischen vor dem Schlaf, der den Albdruck brachte. Er tat alles, um seine Augen, die immer glasiger und gr��er wurden, offen zu halten, und vergeudete damit seine letzte Kraft.</p><p>Francesco und die Familie des Steinmetzen gaben alle Hoffnung auf und wollten schon nach dem Pfarrer schicken, als Anna sich mit unbewegtem Gesicht zu dem Kranken setzte und ihm einfache, schlichte Weisen vorsang. Es waren Bauern- und Steinmetzlieder, die von Feldern und W�lfen, von den Steinen, von gierigen Pfarrern und gewitzten Bauern, vor allem aber von der Liebe handelten. Michelangelo nahm die Bilder der Lieder mit in den Schlaf, wo sie wie mutige kleine Ritter die Fratzen des B�sen vertrieben. Zum Erstaunen und zur Erleichterung aller fand er allm�hlich wieder zur Ruhe. Vielleicht begannen auch die Kr�uter zu wirken.</p><p>Zwei Wochen sp�ter erhob sich der Bildhauer von seinem Krankenlager, bat um eine Fleischbr�he und verk�ndete, er wolle zur Kirche gehen. Nachdem er die heilige Messe geh�rt hatte, w�nschte er, seine Arbeit fortzusetzen. Es verlangte ihn danach, das M�dchen Anna zu malen, aber sie lie� es nicht zu. Liebend gern h�tte er die Unschuld gezeichnet, aber sie war zu rein und unschuldig, als dass sie dies erlaubt h�tte. Schlie�lich gab er es auf, in sie zu dringen. Er widmete sich wieder seiner Arbeit und ging vollkommen darin auf. Wie gut tat es, wieder im Steinbruch zu sein!</p><p>Eine Frage qu�lte ihn indes noch immer. Aus welchem Grund hatte Giovanni geglaubt, dass Gott ihn verf�hrt habe und nicht der Teufel? So viel und so oft Michelangelo auch dar�ber nachsann, er konnte nicht ergr�nden, was den Jungen auf diesen Gedanken gebracht hatte. Andererseits gelang es ihm auch nicht, das Ganze als Geplapper eines Verr�ckten abzutun. Gott ist schuld � wie ein Stachel im Fleisch verhakte sich dieser Satz in seinem Denken.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Den ganzen Tag, die ganze Nacht und auch den n�chsten Tag und die darauffolgende Nacht hatte Bramante mit Blei- und R�telstiften Skizzen auf ein gro�es Pergament gezeichnet. Es gelang ihm nur selten, zwischendurch ein wenig Schlaf zu erhaschen, denn sein Gehirn gab keine Ruhe. Selbst wenn ihm die Augen zufielen, vermochte er sie nicht geschlossen zu halten. W�hrend der Arbeit plagte ihn immer wieder die Gicht. Manchmal, wenn er freih�ndig oder mit dem Lineal eine Linie zog, schrie er vor Schmerzen auf. Zuweilen sah er sich gezwungen, die gesunde linke Hand zu Hilfe zu nehmen, um mit der gichtigen Hand, so gut es ging, die Linie zu halten. Auf diese Weise hatte er inzwischen den halben Vierungsraum mit dem Westchor und den ebenfalls halben Kreuzarmen entworfen.</p><p>Er lehnte sich zur�ck und betrachtete eine Weile die unfertige Zeichnung. Er w�rde sie nicht vollenden, fuhr es ihm durch den Kopf. Nicht Zeitgr�nde waren es, die ihn zu diesem Entschluss brachten. Nein, es war das Zwingende, vor allem Bezwingende, das von dieser halb fertigen Skizze ausging. Sie schrie f�rmlich nach Fertigstellung, nicht nur auf dem Papier, sondern als Bauwerk in der Welt. Konnte er etwas Besseres bei Julius II. hervorrufen als diese Sehnsucht?</p><p>Bramantes Augen blitzten auf, als er seinen Gedanken weiterspann, und sein Gesicht nahm den Ausdruck diebischer Freude an. Das Fragment hatte noch einen ausgesprochen vorteilhaften Nebeneffekt, indem es die Frage der alten Basilika weitgehend offenlie�. W�rde er die andere H�lfte des Entwurfs in gleicher Weise wie die bereits fertiggestellte ausf�hren, dann w�rde der Plan seine Absicht verraten. So aber konnte er lange argumentieren, dass der Zentralbau in den Langbau der alten Kirche m�nden solle. Und w�hrend die Diskussion dar�ber andauerte, konnte er vollendete Tatsachen schaffen.</p><p>Das Allerwichtigste aber war, dass dieses Fragment Gr��e ausstrahlte. Mit Speck f�ngt man M�use und mit imperialen Ideen den Papst, sagte sich der Baumeister, als er den Plan verpackte und sich auf den Weg zum Vatikanpalast machte.</p><p>Mit einer gro�en Rolle unter dem Arm, zwei Ellen lang, ging er eilig in Richtung Petersdom, fast lief er. Als er auf dem Vorplatz der Basilika ankam, umfasste sein Blick triumphierend das alte, heruntergekommene Gem�uer. F�r ihn war es bereits Geschichte. Bald schon w�rde er diese wild gewachsenen Mauern niederlegen und einen neuen, gr��eren und sch�neren Dom errichten.</p><p>Nicht einen Augenblick lang tat es ihm leid um das alte Bauwerk, das in seiner Geschichte schon so vieles gesehen hatte: Andacht, Kr�nung, Pl�nderung und Krieg, Heilige und Teufel und sogar den stinkenden Leichnam eines Papstes, den man aus dem Grab gerissen und in das Ornat gekleidet hatte, um �ber den Verwesenden Gericht zu halten, S�nde und Tugend, g�ttliche und menschliche Liebe. Ganz gleich, dieses Gem�uer war alt, es war bauf�llig, und es hatte ausgedient, und vor allem war es schlecht gebaut! Wer einen bildhaften Eindruck davon gewinnen wollte, wie ein muffiges Christentum die heitere und sch�ne Welt der Alten erstickt hatte, so fand Bramante, musste sich nur dieses Unget�m anschauen, dem es an der Grazie der Formen und dem Humor des Lebens gebrach. Eine Architektur des schlechten Gewissens, des Verdruckstseins, nicht des Frohsinns.</p><p>Zudem entsprach es in seinem wilden Durcheinander der Proportionen und Stile in keiner Weise den Regeln der guten Baukunst. Wenn man �berhaupt von Proportionen und Stilen reden konnte. Bramante f�hlte sich mit einem Mal wie ein junger Ritter, der den alten Drachen aus Stein erlegen w�rde. Er lachte so heftig �ber den albernen Vergleich, dass es ihm die Tr�nen in die Augen trieb und sich die Leute auf der Stra�e nach ihm umdrehten. Ein Verr�ckter, ein Narr in Christo, mochten sie denken. Aber es gelang ihm einfach nicht, seiner Heiterkeit Z�gel anzulegen. Der Cavaliere Donato Bramante sa� jetzt auf einem sehr hohen Ross, und er wusste und genoss es. So jung, so gut, so kraftvoll hatte er sich lange nicht mehr gef�hlt!</p><p>Mit dem guten Christengott hatte das alles, was er plante, herzlich wenig zu tun. Vielmehr mit einer Wiederkehr der gro�en alten Zeit unter einem neuen Julius, zwar nicht C�sar, sondern della Rovere, der aber ebenso kriegerisch, kraftvoll und klug war. Der zweite Julius w�rde das R�mische Reich wiederaufrichten und die Muslime aus Byzanz und Jerusalem vertreiben. Das Genie Gaius Julius C�sars war in der Person dieses Papstes zur�ckgekehrt, wenngleich dieser alt war und sich sputen musste. Julius� Pl�ne lieferten sich auf der Kampfbahn der Zeit ein gnadenloses Rennen mit seinem Alter. Doch nie hatte es einen Stellvertreter Christi gegeben, der dem Titel eines Pontifex maximus, des gr��ten Br�ckenbauers, gerechter wurde als Giuliano della Rovere, der in der Tat eine Br�cke schlug vom Altertum �ber die dunkle mittlere, die gotische Zeit hinweg bis zur Gegenwart.</p><p>Bramante und Julius II., Baumeister und Herrscher, Hiram und K�nig Salomon, auf diesem Paar ruhte die Geschichte der Menschen. Er, Bramante, w�rde den Tempel f�r die R�ckkehr des Weltenherrschers, des C�sars Julius, erschaffen. Der Sohn eines Bauern aus Monte Asdrualdo in der N�he von Urbino konnte die Ewigkeit, in die er eingehen w�rde, bereits mit den H�nden f�hlen. Wenn er nur einen Bruchteil seiner Begeisterung im Papst erwecken k�nnte, dann w�re das Projekt gewonnen. Er ermahnte sich streng, einen k�hlen Kopf zu bewahren. Jetzt nur keinen Fehler machen! Nicht zu hastig sein!</p><p>In der <emphasis>Stanza della Segnatura</emphasis> wurde Bramante bereits vom Papst erwartet. In seiner Gesellschaft befanden sich der Augustiner-Eremit Egidio da Viterbo, der Erzpriester des Petersdomes, Fr� Giacomo, der Architekt Giuliano da Sangallo und � zur gro�en Freude des Baumeisters � der Bankier Agostino Chigi. Bramante hatte ihm eine Nachricht geschickt, und er war tats�chlich gekommen.</p><p>�Na, mein Sohn, so guter Laune?�, fragte der Papst.</p><p>�Oh ja�, sagte Bramante noch ein wenig au�er Atem. �Verzeiht mir altem, s�ndigem Mann, dass ich lache, dass ich mich freue, dass ich tanzen m�chte, wo ich Gott auf Knien danken m�sste, still und in aller Demut. Denn hier�, verk�ndete er und hielt die Rolle mit dem Entwurf wie eine Troph�e in die H�he, �hier habe ich die L�sung f�r alle Probleme, die mit der Aufstellung des Grabmals verbunden sind!�</p><p>Als Julius sich fragend im Kreis umsah, nutzte Bramante die Gelegenheit, Fr� Giacomo verschw�rerisch zuzuzwinkern.</p><p>�Dann zeig sie Uns endlich!�, forderte der Papst. �Oder willst du Schabernack mit Uns treiben?�</p><p>Mit vor Aufregung zitternden H�nden breitete Bramante den Plan auf dem gro�en Tisch im Studierzimmer des Papstes aus. Man konnte die Erregung f�rmlich sp�ren, die von Julius II. Besitz ergriff, als er sich �ber den Entwurf beugte.</p><p>�Es ist nur halb ausgef�hrt, aber das macht nichts, das macht gar nichts. Wir k�nnen alles klar erkennen. Das ist der Plan einer Kirche. Hast du vergessen, Donato, dass Wir bereits eine haben?�</p><p>Bramante frohlockte innerlich, Julius war gleich zum Wesentlichen gekommen. Er verbeugte sich h�flich vor dem Papst und wandte sich an Fr� Giacomo. �Sankt Peter ist bauf�llig, Eminenz. Ist das richtig?�</p><p>�Ja�, antwortete der Dominikaner mehr gezwungen als freiwillig, jedenfalls mit deutlicher Reserve. Er misstraute Bramante.</p><p>�Steine l�sen sich aus dem Verbund, an einigen Stellen regnet es sogar durch?�, fuhr dieser unbeeindruckt fort.</p><p>Giacomo nickte.</p><p>�Das ist alles behebbar, sicher�, Bramante geriet in Fahrt. �Bedenklicher ist es da schon, dass ganze W�nde aus dem Lot geraten sind. Da ist es mit kleineren Reparaturen nicht getan.�</p><p>Julius II. schmunzelte. �Und da hast du gedacht, du baust gleich mal eine neue Kirche? So ganz nebenbei?�</p><p>�Heiliger Vater, das neue Jerusalem ben�tigt einen neuen Tempel!�, verk�ndete der Baumeister mit Inbrunst.</p><p>�Einen neuen Tempel f�r das neue Jerusalem!�, wiederholte der Papst nachdenklich.</p><p>Dass der Papst Rom zu einem neuen Jerusalem zu machen gedachte, hatte Bramante von Agostino Chigi erfahren. Ganz bewusst hatte er deshalb mit unschuldigem Blick diesen Begriff in die Diskussion gebracht, in dem sich die Ziele des Heiligen Vaters b�ndelten.</p><p>�Und warum nicht einfach ausbessern, Herr Baumeister?�, erkundigte sich Fr� Giacomo mit gerunzelten Brauen.</p><p>F�r diese Frage h�tte Bramante den Erzpriester umarmen k�nnen! Auch wenn sie anders gemeint war, spielte sie ihm dennoch in die H�nde.</p><p>�F�r das Grabmal m�ssen wir erweitern. Dazu bietet sich, wie Mess�r Michelangelo sehr richtig vorgeschlagen hat, die Erweiterung des Westchores an, die bereits unter Nikolaus V. begonnen wurde. Aber wenn wir das tun, bekommen wir Probleme mit der Statik�, erl�uterte Bramante eifrig.</p><p>�Du meinst, der Anbau k�nnte Alt Sankt Peter ins Wanken bringen?�, fragte der Papst, worauf der Architekt eifrig nickte.</p><p>�Was denkst du?�, fragte Julius, an den Baumeister Giuliano da Sangallo gewandt.</p><p>�M�glich�, erwiderte dieser und wog nachdenklich den Kopf. Der alte Fuchs, dachte Bramante, er h�lt sich alle T�ren offen.</p><p>�Gut, dass du da bist, Agostino.� Der Papst sah Chigi an. �Hypothetisch gefragt: L�sst sich so etwas denn �berhaupt finanzieren?�</p><p>�Finanzieren l�sst sich alles, was sinnvoll ist�, sagte der Bankier l�chelnd.</p><p>�Es ist aber nicht sinnvoll!�, rief Giacomo mit ungewohnter Heftigkeit. �Der Petersdom ist das steingewordene, unverg�ngliche Ged�chtnis der Christenheit!� Die Augen des jungen Kardinals blitzten vor �rger, und seine Wangen gl�hten.</p><p>�Das ist ja gerade der Vorteil meines Planes, lieber Bruder�, erkl�rte Bramante dem Dominikaner so freundlich, als habe er nur dessen Wohlergehen im Sinn. ��ber dem Grab des Apostelf�rsten wird sich wie Gottes beh�tende H�nde die Kuppel des Himmels erheben.�</p><p>Agostino Chigi sprang ihm zur Seite:</p><p>�Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.</p><p>Und die Erde war w�st und leer,</p><p>und es war finster auf der Tiefe;</p><p>und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.</p><p>Und Gott sprach: Es werde Licht!</p><p>Und es ward Licht.</p><p>Und Gott sah, dass das Licht gut war.</p><p>Da schied Gott das Licht von der Finsternis</p><p>und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.</p><p>Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.�</p><p>Erstaunlich bibelfest, dachte Bramante und fuhr mit leidenschaftlicher Stimme fort: �Denn die m�chtige Vierung mit den Fenstern im Geb�lk und den Fenstern in der Kuppel wird f�r Gottes Licht in der Kirche sorgen. Lieber, guter Heiliger Vater, mit der ewigen Dunkelheit in Sankt Peter wird es ein Ende haben!�</p><p>Wer wollte da widersprechen? Aus Bramantes Mund klang das alles wie eine Verhei�ung, mehr noch, wie eine g�ttliche Vision. Und Visionen Gottes zog man nicht in den Zweifel.</p><p>�Ein neuer Tempel�, sagte Julius nachdenklich und sah dabei den Augustiner-Eremiten an. Egidio erwiderte den Blick, kniete vor dem Papst nieder und breitete die Arme aus.</p><p>�Erlaubt, Heiliger Vater, dass ich spreche. Ich sehe es deutlich vor meinen Augen!�</p><p>Bramante hoffte auf den Beistand des Augustiner-Eremiten. Nach allem, was er �ber ihn geh�rt hatte, galt Egidio da Viterbo als einer der gr��ten Prediger und der kl�gsten und gebildetsten K�pfe nicht nur seines Ordens, sondern der Kirche �berhaupt. Seine Sprachgewalt w�rde dem Projekt entweder den gew�nschten Auftrieb verleihen oder es unter vernichtenden Satzkaskaden begraben. Wohl und Wehe lagen im Mund des knienden Mannes.</p><p>Julius II. nickte. �Nun denn, mein kluger Freund.�</p><p>Egidio reckte seine Arme zum Himmel und lie� seine predigterprobte Stimme durch den Raum hallen.</p><p>�Dies sagt der Herr, der Allherrscher: Ordnet eure Herzen auf euren Wegen! Steigt auf zum Gebirge hin und schlagt Holz und baut das Haus, dann werde ich dran Wohlgefallen haben und ich werde verherrlicht werden. Ihr blicktet auf vieles hin, und es wurde weniges: Und nach Hause wurde etwas hineingebracht, und ich habe es weggeblasen. Weil mein Haus w�st ist, ihr aber jeder nach eurem Haus strebt, deswegen wird der Himmel Tau zur�ckhalten, und die Erde wird ihr Gew�chs verweigern. Und ich werde herbeif�hren ein Schwert gegen die Erde und gegen die Berge und gegen das Getreide und gegen den Wein und gegen das Oliven�l und was die Erde wachsen l�sst und gegen die Menschen und gegen das Vieh und gegen alle Fr�chte ihrer H�nde.�</p><p>Egidio erhob sich und lie� seine Arme sinken. �Ja, Heiliger Vater, ich stimme diesem Mann zu. Bauen wir das Haus unseres Herrn, das zerfallen ist, neu! Dann wird Gott alle unsere Unternehmungen segnen, so wie es der Prophet Haggai verhei�t.�</p><p>Stille breitete sich aus. Keiner wagte zu sprechen. Bramante hatte pl�tzlich das Gef�hl, dass der Heilige Geist unter ihnen weilte. Sollte er auf seine alten Tage etwa noch fromm werden? Dieser Egidio ist ein gef�hrlicher Mann, dachte er, seine Worte ersetzen einen ganzen Heerhaufen.</p><p>Nach einer endlosen Weile, in der man einen Federkiel h�tte zu Boden fallen h�ren k�nnen, r�usperte sich Julius schlie�lich. Dann sagte er leise, wie zu sich selbst: �Wohl gesprochen, mein Sohn. Rom als Mittelpunkt eines neuen Imperium Romanum und als neues Jerusalem braucht einen neuen Tempel.�</p><p>In diesem Moment wusste Bramante, dass der Papst von dieser Idee fasziniert war. Sie enthielt alles, was er sch�tzte: Sie war gro�, sie war eines C�sar w�rdig. Sie begann, seine Idee zu werden.</p><p>�Der Entwurf ist von gro�er Sch�nheit�, lie� sich Sangallo vernehmen.</p><p>�Und an diesen neuen Tempel schlie�en wir den alten einfach an�, schloss Bramante und bem�hte sich um einen gelassenen Ton, w�hrend der Triumph ihn innerlich erzittern lie�. �Vergangenheit und Zukunft des Christentums in einem!�</p><p>�Also unsere Gegenwart! Denn sind wir Christen, so sind wir es im Heute, das f�r uns Vergangenheit und Zukunft in einem ist.� Mit diesen Worten beendete der gelehrte Egidio die Diskussion.</p><p>Dagegen konnte selbst Giacomo nichts einwenden. Nur Sangallo verzog das Gesicht. Bramante kannte seinen alten Bundesbruder aus den Tagen der <emphasis>Fedeli</emphasis> gut genug, um zu wissen, dass ihm die Vorstellung, die k�hne Idee w�rde durch den Kompromiss, den der Anschluss an die alte Basilika bedeutete, verdorben, Unbehagen bereitete. Aber vorerst konnte er keinen Krieg mit dem m�chtigen Dominikaner gebrauchen. Ach, der gute alte Sangallo! Sein Talent in Gesellschaft eines listigen Geistes h�tte ihm durchaus Konkurrenz machen k�nnen. Aber Giuliano war zu gutm�tig oder einf�ltig, je nachdem wie man es nennen mochte.</p><p>Der Papst sah sie einen nach dem anderen kurz an und sagte dann: �Lasst mich allein. Ich will nachdenken!� Er konnte seine Besucher offensichtlich nicht schnell genug loswerden. Zum Schein griff Bramante nach dem Plan, um ihn mitzunehmen.</p><p>�Das bleibt hier!�, fuhr ihn Julius an. �Und nun hinaus mit euch allen!�</p><p>Giacomo passte Bramante auf der Treppe ab und fragte ihn mit zornfunkelnden Augen, wie er denn auf diese Weise das heidnische Mausoleum verhindern wolle. Der Architekt l�chelte vielsagend und erwiderte ruhig: �Genau auf diese Weise. Lasst das nur getrost meine Sorge sein. Der gr��te Teil von Alt Sankt Peter bleibt erhalten. Und das Grabmal des Bildhauers wird niemals in Sankt Peter errichtet werden. Das Projekt ist heute gestorben, darauf mein Wort, Fr� Giacomo!�</p><empty-line/></section><section><p>26</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Colonnata, Anno Domini 1505</p><p>Michelangelo g�nnte sich keine Ruhe. Den Tag �ber suchte er im Steinbruch nach den besten Steinen, abends arbeitete er weiter an den Entw�rfen f�r das p�pstliche Mausoleum, und vor dem Einschlafen las er in Landinos Ausgabe von Dantes �Divina Commedia�. Zuweilen fragte er sich, was ihn an diesem Buch so sehr begeisterte, dass er es immer und immer wieder las.</p><p>Eines Morgen dann, als ein Stein mit der <emphasis>Lizzatura</emphasis> zu Tal gelassen wurde und das Seil riss, begriff er es auf schreckliche Weise. Der schwere Block rutschte geschmeidig wie eine Knochenkufe auf dem Eis vom Steinschlitten, sprang �ber einen Felsvorsprung, �nderte dadurch die Richtung und traf auf Matteo, der im Tal stand, um das Verladen des Brockens auf einen Ochsenkarren zu �berwachen. Er konnte nicht einmal mehr schreien, so schnell ging es. Durch das Get�se, das der Stein verursacht hatte, gingen die Ochsen durch, und der Kutscher hatte M�he, hinterherzukommen und sie zum Halten zu bringen. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er Ochsen wie Pferde fliehen, was eigentlich nicht ihrer Natur entsprach.</p><p>�Unter Gottes Latschen geraten!�, meinte ein Arbeiter n�chtern. Andere st�hnten oder wandten den Blick ab. Michelangelo eilte hinunter zu Matteo, der ihn mit gro�en Augen unverwandt ansah. Eigentlich h�tte er sie vor Schmerz verdrehen m�ssen, doch er lag ganz entspannt da, als geh�re sein zerschmetterter Unterleib nicht zu seinem K�rper. So war es sicher auch, dachte Michelangelo, als er sich an seine Sektionen des menschlichen K�rpers erinnerte. Die Nervenbahnen, die den Schmerz leiten, hatte der Block getrennt oder zumindest abgedr�ckt, wie ein Druckverband, der ein Verbluten verhindert, wenn eine Pulsader getroffen war.</p><p>�Maestro�, fl�sterte der Junge, �es ist, wie ich Euch gesagt habe, die Welt muss zur�ck ins Gleichgewicht finden. Gott hat das Seil gekappt. Jetzt kommt alles wieder in Ordnung. Alle Schulden sind beglichen � Giovanni hat f�r meine Schwester mit dem Leben bezahlt, und meine Schuld an ihm ist nun ebenfalls bereinigt. Keiner hat mehr Schulden bei keinem.�</p><p>Der Bildhauer kniete neben Matteo nieder. Seine Kehle war wie zugeschn�rt, er brachte nicht ein einziges Wort hervor. Dann pl�tzlich flammte Furcht in den Augen des Jungen auf.</p><p>�Die H�lle?�, fragte er mit schwacher Stimme, mit dem letzten Ausatmen, das seine Lungen hergaben. �Die H�l�� Sein Mund blieb ge�ffnet, sein Atem versiegte, und die Augen erkalteten wie unter einer unsichtbaren Eisschicht. Es war der Tod, der Michelangelo aus den erstarrten Augen des Jungen fragend ansah.</p><p>Alles, dachte Michelangelo bek�mmert, alles stand in Dantes Buch. Es ging um Schuld und Unschuld, um die Ungerechtigkeit der Bestrafung der schuldig gewordenen Unschuld, um die Chancenlosigkeit des Menschen in der Welt und um das Unfasslichste, was es auf Erden gab � um die Gnade. Die �G�ttliche Kom�die� brachte einen Menschen dazu, an Gott zu zweifeln, aber auch, an ihn zu glauben. Michelangelo sp�rte es: Hier lag der tiefere Grund, weshalb er von dieser Dichtung nicht loskam, sondern sie immer wieder aufs Neue las.</p><p>Der Anblick des unter dem Block begrabenen Jungen, das Bild wei�en Marmors und roten Blutes, von Stein und Seele, w�hlte ihn so sehr auf, dass es sich in seine Erinnerung einbrannte und seltsamerweise wie eine Zeichnung aus der Kom�die des G�ttlichen wirkte. Stein und Seele � dieser Frage sah sich der Bildhauer best�ndig gegen�ber. Wie konnte er das tote Material beleben? Wie bekam er das Blut in die Adern seiner Plastiken?</p><p>Neben ihm kniete Fritz nieder. Er knautschte seine M�tze in der linken Hand, mit der rechten schloss er seinem Sohn die Lider, auf denen seine Hand eine d�nne wei�e Staubschicht hinterlie�.</p><p>�Es ist nicht recht, wenn die S�hne vor den V�tern gehen�, sagte er tonlos, bevor er in ein langes Schweigen verfiel. Keine Tr�ne, keine Klagen. Michelangelo beobachtete den Steinmetz dabei, wie tief in seinem Innern die Trauer ihren Vernichtungsfeldzug f�hrte.</p><p>Und noch etwas geschah, das Michelangelo ber�hrte. Am Grab ihres Bruders kehrte das Leben in Anna zur�ck. Tr�nen rannen aus ihren Augen. Als ob ein Bann gebrochen w�re. H�tte er noch einmal seine Piet� zu erschaffen, dachte der Bildhauer, dann w�rde er der Jungfrau Maria das Antlitz dieses M�dchens aus Colonnata verleihen.</p><p>Als sie auf dem gro�en Friedhof des kleinen Dorfes standen und der Sarg Matteos in den Felsenboden gelassen wurde, nahm er Anna voller Mitleid in die Arme. Sie krallte ihre H�nde schmerzhaft in seine Seiten, aber sie lie� seine Umarmung geschehen.</p><p>�Die Sonne scheint weiter am Tag�, fl�sterte er ihr ins Ohr, �und nachts leuchten weiter die Sterne, und du wirst von Tag zu Tag sch�ner. Lebe, denn auf Erden gibt es keine Gerechtigkeit.�</p><p>�Nie?�, fragte sie leise und wandte ihm ihr tr�nen�berstr�mtes Gesicht zu. Hatte er sich das eingebildet? Niemals zuvor hatte er ihre Stimme vernommen. Ihr Blick verriet ihm, dass es keine T�uschung war.</p><p>�Erst beim J�ngsten Gericht.�</p><p>�Da wird dann Gerechtigkeit sein?�, fl�sterte sie.</p><p>Was wusste er denn? �Ich hoffe es, ja.�</p><p>Deshalb las er immer und immer wieder Dantes Werk, weil es ihn zu wissen verlangte, ob am J�ngsten Tag tats�chlich Gerechtigkeit walten w�rde. So gro� wie seine Hoffnung war indes sein Zweifel.</p><p>Das Leben nahm seinen gewohnten Lauf. Michelangelo k�mmerte sich nicht weiter um Anna, nahm aber erleichtert zur Kenntnis, dass sie wieder zu reden begann und allm�hlich ins Leben zur�ckfand. Eine unerkl�rliche Unruhe erf�llte ihn und trieb ihn an.</p><p>Eines Morgens trat er fr�her als gew�hnlich aus dem Haus. Das M�dchen stand vor ihm und beobachtete zwei Zeisige, die sich um eine Mandel stritten. Pl�tzlich begann sie zu kichern, wie nur M�dchen zu kichern verstehen, vergn�gt und verhalten, wild und zur�ckhaltend, frei und froh. Er konnte sich kaum an ihrer Freude sattsehen, rief sich aber bald zur Ordnung und machte sich auf den Weg zu den Steinbr�chen.</p><p>Er hatte es nun eilig, denn zum Jahreswechsel wollte er wieder in Rom sein und mit dem Grabmal beginnen. Nachts arbeitete er an der Skizze eines sitzenden Mannes f�r seine Figur des Moses und staunte, als das Gesicht des biblischen Propheten immer mehr die Z�ge des Steinmetzen Fritz il Rosso annahm. Nicht lange darauf begann er, den Marmorblock zu bossieren, den er f�r den sitzenden Moses vorgesehen hatte. Es war derselbe Stein, vor dem Matteo den ungl�cklichen Giovanni get�tet hatte, derselbe Stein, von dem er schlie�lich erschlagen wurde.</p><p>Nach der Auswahl der Steine musste Michelangelo nun auch den Bruch des Marmors �berwachen. Um die Bl�cke aus dem Felsen zu schlagen, trieben die Arbeiter Holzkeile in den Berg, die sie immer wieder ordentlich w�sserten. Durch die Spannungen des arbeitenden Holzes wurde der Block regelrecht aus dem Gestein herausgesprengt. Der Bildhauer kontrollierte, ob dadurch Risse entstanden waren. Einen besch�digten Stein, der sich sp�ter als unbrauchbar erweisen w�rde, nach Rom zu schaffen, w�re reine Geldverschwendung gewesen. Und ein Mann wie Michelangelo, dem an sich schon jegliche Ausgabe verhasst war, konnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als Geld f�r nichts und wieder nichts auszugeben. Kr�ftig dr�ckte er die L�hne der Arbeiter im Steinbruch und die Preise f�r den Transport und die Verschiffung des Marmors. Er wusste, dass er auf seine Steine wie auf kleine Kinder aufpassen musste. Bis sie endlich in Rom angekommen sein w�rden, bedeutete jede Station auf der Reise eine Gefahr.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Wenn die Abendsonne ihre langen Strahlen freundlich vom Westen her �ber das Forum Romanum schickte, zog es die Bauern mit ihren Kuhherden nach Hause. Sie wussten nicht, dass sie ihr Vieh auf dem einstigen Mittelpunkt der Welt weideten und nannten den Ort daher nur <emphasis>Campo Vaccino,</emphasis> Viehweide. Doch unbelebt war der w�ste Ort nicht. Es wechselte nur die Klientel.</p><p>P�nktlich mit Einbruch der Dunkelheit lie� sich beim Triumphbogen des Titus in der N�he des Kolosseums allerlei lichtscheues Gesindel nieder, M�rder, Diebe, Falschspieler, Dirnen und Strichjungen. Sie lagerten um ein gro�es Feuer, das ein Loch aus Licht in die wolkenverhangene Nacht riss. Zu ihnen trat ein Mann, der in einen schwarzen Mantel geh�llt war. Sein schmuckloses Barett hatte er tief in die Stirn gezogen. Unter dem Mantelsaum lugte die Spitze eines Rapiers hervor � wer sich um diese Zeit in diese Gegend wagte, trug besser Waffen. So gewandet sah Giacomo il Catalano aus wie ein spanischer Edelmann und nicht wie ein Dominikaner.</p><p>�Ah, der ist etwas f�r mich�, schnurrte eine zahnlose Alte und grinste ihn frech an.</p><p>�Hast genug M�nner im Leben verbraucht! F�r dich ist keiner mehr dabei�, fuhr sie ein Spitzbube mit kr�ftiger Statur an und stand auf. Er tippte seinen Nachbarn an, der sich ebenfalls erhob und mit dem Kr�ftigen auf Giacomo zutrat. Obwohl sie unter freiem Himmel kampierten, stank es nach billigem Fusel, abgestandenem Schwei� und Urin. Nach der Abfuhr, die sie sich geholt hatte, ging die Alte dazu �ber, sich den Grind vom Finger zu kratzen, und schnitt dabei unabl�ssig widerw�rtige Grimassen. Aus den Augenwinkeln nahm der Kardinal mit Abscheu ein Menschenkn�uel wahr, das sich ungeniert in aller �ffentlichkeit vergn�gte. Ihre Laute der Lust erinnerten ihn an das Quieken von Ferkeln.</p><p>�Die Himmelfahrt des kleinen Mannes ��, sagte der Kr�ftige mit rauer Stimme und stie� seinen Kumpan grinsend mit dem Ellenbogen in die Seite. �Ver�belt es ihnen nicht, Herr.�</p><p>Giacomo verzichtete darauf, den Mann zurechtzuweisen, dessen Gesch�ft im Auftragsmord und nicht in der Aufrechterhaltung der allgemeinen Tugend bestand. All jene, die um das Feuer kauerten, lebten auf Erden ja bereits in der H�lle. Erl�sung kam f�r sie nicht infrage, sie w�rden lediglich von einer H�lle in die n�chste wechseln. Giacomo wandte sich um und hielt zielstrebig auf das Kolosseum zu, das er, gefolgt von den beiden <emphasis>bravi</emphasis>, schlie�lich durch den eingefallenen Haupteingang betrat.</p><p>Aus dem einst so stolzen Ort der Spiele, der r�mischsten aller r�mischen Religionen, dem Heiligtum der Heiden, wie er ver�chtlich dachte, war eine Art Steinbruch geworden, aus dem sich jeder Bauherr den Marmor und auch die S�ulen f�r seinen Bau holte. Recht geschieht ihm, dachte er ver�chtlich. Dennoch wirkte die Ruine, die zum Teil �ber vier m�chtige Etagen weit in den Himmel ragte, stolz und trotzig, immer noch wie ein Stachel im Fleisch des christlichen Rom. Auch deshalb bestand Giacomo als Leiter der Dombauh�tte darauf, dass man das Material zur Ausbesserung der Basilika von Sankt Peter aus dem steinernen Fleisch des heidnischen Monuments schnitt.</p><p>Unter der ehemaligen Kaisertrib�ne blieb er stehen und schaute auf die schwarze Arena. Sie wirkte wie ein unheilvoller Schlund. Hier war Blut geflossen, von Menschen und von Tieren, Abend f�r Abend, zur Unterhaltung der R�mer. Das hatte sich tief in das Ged�chtnis der <emphasis>Romano di Roma</emphasis> eingebrannt. Noch heute liebten sie blutige Schauspiele wie �ffentliche Hinrichtungen �ber alles. Aus diesem Grund gerieten auch die allj�hrlichen Passionsspiele recht naturalistisch, starb Christus jedes Jahr in Rom unter Anteilnahme des <emphasis>popolo</emphasis> im Kolosseum.</p><p>�Womit k�nnen wir Eurer Hoheit diesmal zu Diensten sein?�, fragte der mit der kr�ftigen Statur und der rauen Stimme. Der Kleinere mit dem viereckigen Sch�del schwieg.</p><p>�Ihr kennt den Architekten Bramante?�, begann Giacomo.</p><p>�Kennen, nein. Aber gesehen haben wir ihn schon. Ein richtiger Stier!� Die grauen, unter buschigen Augenbrauen fast verborgenen Augen blitzten anerkennend auf.</p><p>�Er tr�gt einen goldenen Ring mit einem schwarzen Aufsatz, den ein blauer Stein abschlie�t, an seinem rechten Ringfinger�, fuhr Giacomo fort.</p><p>Der Auftragsm�rder mit der kr�ftigen Gestalt nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte, der andere zeigte keine Reaktion.</p><p>�Nehmt ihm den Ring ab. Wie, ist mir egal! Und wenn ihr dabei den Finger mit abschneiden m�sst!�</p><p>�Der Ring ist bereits Euer, Herr!�</p><p>�Aber t�tet ihn nicht�, ermahnte Giacomo die beiden <emphasis>bravi</emphasis>. Noch schreckte er davor zur�ck, den Tod des gro�en, aber leider heidnischen Baumeisters in Kauf zu nehmen.</p><p>Giacomo hatte mit den Br�dern der <emphasis>Archiconfraternita</emphasis> �ber Bramante gesprochen. Dieser wollte wie er selbst verhindern, dass Michelangelos heidnischer Entwurf zur Ausf�hrung gelangte. Und dagegen, dass die Basilika vergr��ert und saniert werden w�rde, hatte er ebenso wenig einzuwenden wie gegen den Anbau eines Kuppelgeb�udes. Nur durfte nicht anstelle eines Langhauses ein Zentralbau errichtet werden, der die Erinnerungen der letzten zw�lfhundert Jahre tilgte und ein zweites Pantheon entstehen lie�, was f�r den Dominikaner den sp�ten, heimt�ckischen Sieg des Heidentums bedeutet h�tte. Und Giacomo traute Bramante nicht. Die Mitglieder der Erzbruderschaft hatten beschlossen, dem Architekten sehr genau auf die Finger zu sehen, denn schlie�lich geh�rte er zu den <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis>.</p><p>Fast w�nschten sich die Br�der das Pontifikat des Borgia-Papstes zur�ck. Wie einfach waren doch die Zeiten unter Alexander VI. gewesen! Damals hatte es zumindest klare Fronten gegeben � auf dem Stuhl Petri sa� der Antichrist. Heute war das anders. Sosehr man Julius II. wegen seiner Vorliebe f�r die Antike verabscheute, so sehr stimmte man mit ihm �berein, dass der Kirchenstaat erweitert und konsolidiert werden musste. Es war nicht hinzunehmen, dass sich mittlere M�chte wie die Neapolitaner oder die Venezianer am Reich des Papstes vergingen, p�pstliche St�dte in ihren Besitz brachten und die Gro�m�chte wie der Kaiser, der franz�sische und der spanische K�nig ihren Kampf um die Vormacht im Abendland in Italien ausfochten. Allen ging es nur um Macht, niemandem um Christus, ganz gleich, ob sie sich �Allerchristlichster K�nig� oder �Katholischer K�nig� nannten. Nur der deutsche K�nig und r�mische Kaiser Maximilian tr�umte davon, Kaiser und Papst in einem zu sein. Die Vorstellung eines Wahnsinnigen!</p><p>Dass die weltlichen Gro�en nichts anderes waren als Lehnsherren des Stellvertreters Christi, hatten sie gr�ndlich vergessen. In dieser Auffassung waren sich die Br�der mit dem Papst einig. Auch gefiel ihnen die Aussicht, durch einen neuen Kreuzzug das Heilige Land und Byzanz zu befreien. Es lag ja erst ein Menschenalter zur�ck, dass Sultan Mehmed II. mit seinen muslimischen Horden Konstantinopel �berrannt und dem einst so stolzen Ostrom, das allerdings schon seit geraumer Zeit ins Taumeln geraten war, den Todessto� versetzt hatte. Die Erinnerung an den bittersten aller Tage, an dem die Schwester des Petersdoms, die Hagia Sophia, gepl�ndert und in Brand gesteckt worden war, steckte allen noch in den Knochen � den ganz Alten aus eigenem Erleben, den J�ngeren durch die Schreckensberichte der �lteren.</p><p>Alles in allem hatte die Erzbruderschaft ein zwiesp�ltiges Verh�ltnis zu Julius II.: Die Br�der verachteten die heidnischen Gel�ste des Kriegerpapstes, stimmten jedoch mit seinen kirchenpolitischen Zielen �berein. Dieses Dilemma fra� an ihnen. Sie konnten nicht v�llig f�r ihn sein, sie durften nicht gegen ihn sein. �hnlich verhielt es sich mit dem G�nstling des Papstes, dem Architekten Donato Bramante. Im Grunde verabscheuten sie ihn, aber vielleicht konnten sie ihn f�r ihre Zwecke benutzen, eher noch als den jungen Bildhauer aus Florenz.</p><p>Giacomo ging es in erster Linie um den Ring, doch das war seine Privatangelegenheit, von der die Br�der nichts zu wissen brauchten. Es war das Einzige, was ihm von seinem Vater geblieben war, den er einst ans Messer geliefert hatte. Es waren schwere Zeiten damals, und er war noch ein Kind gewesen. Ach, h�tte er doch beichten k�nnen � aber wem? Er hatte das Richtige und das Falsche zugleich getan, eine gro�e S�nde begangen, um eine andere gro�e nicht zu begehen. Wie sollte er je aus diesem Teufelskreis herausfinden? Gott pr�fte ihn hart und grausam. Er sp�rte instinktiv, dass es dabei nicht um Vergebung ging, sondern dass ihm die ewige Verdammnis bevorstand.</p><p>�In zwei Tagen werde ich wieder hier sein, und dann will ich den Ring haben. Habt ihr mich verstanden?�</p><empty-line/></section><section><p>27</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Auf den Tisch hatte Bramante ein gro�es Pergament gespannt und zeichnete darauf seine Vision der neuen Peterskirche. Schon seit einer Woche hatte er unabl�ssig wie im Rausch daran gearbeitet. Immer wieder unterbrach er sich und bl�tterte in der �bersetzung des �Buches der Baumeister�. Dann rechnete er wieder. Wie hoch durfte er die Pfeiler der Vierung treiben? Und vor allem: Welche Fl�che konnte eine Kuppel maximal �berspannen, ohne einzubrechen? Mit einem Wort: Welche Ausma�e w�rde sein Himmel einnehmen? Ihn zu gering zu denken verbot sich von allein. Also, welchen Durchmesser sollte er ansetzen? F�nfzehn Fu�? F�nfundzwanzig? F�nfzig? Dann w�rde sein Himmel die Breite des Tibers �bertreffen.</p><p>Er rechnete nach, setzte die Zahlen zueinander ins Verh�ltnis und erkannte, dass er nicht nur eine riesige Vierung mit gigantischen Segmenten brauchen w�rde, um die Kr�fte der Kuppel aufzufangen. Es blieb auch fraglich, ob die Kuppel selbst die ungeheuren Kr�fte in ihrem Innern ableiten konnte und nicht einfach barst. Die Kuppel des Pantheons ma� nahezu f�nfzehn Fu�, die des Domes von Florenz kam auf �hnliche Ma�e, war zweischalig und mit geringer W�lbung, aber stattdessen mit vielen Streben versehen, im Grunde gotisch. Also z�hlte sie nicht. Auch wenn seine Berechnungen etwas anderes ergaben, reizte es ihn, die Flussbreite des Tibers an der Schleife nahe Sankt Peter, dort, wo die Engelsburg stand, als Ma� f�r den Durchmesser der Kuppel des neuen Petersdomes zu nehmen. Er warf sich in seinen Stuhl, sodass das ausgetrocknete Holz unter seinem Gewicht �chzte, verschr�nkte die Arme hinter dem Kopf und dachte nach.</p><p>Es w�rde gen�gend Neider geben, die ihm vor- und nachrechnen w�rden, dass sein Plan undurchf�hrbar war. Er beschloss, von der Gr��e der Kuppel des Pantheons auszugehen. Sie in ihrer flachen Eleganz als Himmel auf den neuen Dom zu heben, w�rde ihm gen�gend Ehre einbringen. W�hrend er zeichnete, kam ihm eine vage Idee, die sich seiner nach und nach vollkommen bem�chtigte. Schlie�lich lie� er die Skizze ruhen, denn es trieb ihn zum Vatikan. Drei Tage verbrachte er dort mit Vermessungsarbeiten. Obwohl er darin ge�bt war, probierte er eine neue Methode aus, die <emphasis>bussola,</emphasis> bei der er den Magnetkompass dazu benutzte, �ber mathematische Proportionen L�ngen zu berechnen.</p><p>Das Gel�nde unterhalb des S�darmes der Basilika, wo sich die beiden ber�hmten Kapellen, die Capella Santa Maria della Febrella und die Kapelle der heiligen Petronilla, befanden, erregte sein besonderes Interesse. Vor Santa Maria della Febrella erhob sich eine uralte r�mische S�ule, in deren Kugel unterhalb der Spitze sich die Asche des Julius C�sar befand. Einst hatte sie im Zircus des Kaisers Nero gestanden, den inzwischen der Staub und der Schutt der Zeit bedeckten. Die S�ule brachte Bramante auf eine k�hne Idee, so k�hn, dass es ihm selbst die Sprache verschlug. Die Vermessungen sollten nun zeigen, ob sie aufging. Zur Verneigung vor seiner eigenen Genialit�t war es noch zu fr�h, erst wollte er seine Vision durch genaue Messungen absichern.</p><p>Er pr�fte die Lage des Petrusgrabes und des Grabmals von Julius� Onkel, Papst Sixtus IV. Nun musste er die gewonnenen Daten nur noch auf die Skizze �bertragen. Der Plan ging auf, wie von Gott gewirkt. Bramantes Augen begannen zu leuchten. Seine Idee war elegant, gro� und in ihrer Einfachheit genial. Durch die Zeichnung hindurch sah er die Gestalt des neuen Petersdomes. Und es war das Sch�nste, was er in seinem ganzen Leben gesehen hatte � er wollte, er musste es in der Realit�t sehen. Nichts und niemand durfte es wagen, ihn daran zu hindern!</p><p>�Mess�r Donato, Mess�r Donato!�, sprach ihn jemand leise an.</p><p>Der Architekt sah von seiner Zeichnung auf. Vor ihm stand der Kammerdiener des Papstes, der mit der ganzen bewunderungsw�rdigen Zur�ckhaltung eines obersten Domestiken auf sich aufmerksam machte, nachdr�cklich, aber nicht aufdringlich.</p><p>�Ja, bitte?�</p><p>�Seine Heiligkeit erwartet Euch nach dem Komplet in ihren Privatgem�chern.�</p><p>�Richte dem Heiligen Vater aus, es sei mir eine Ehre.�</p><p>Kaum war er wieder allein, rief Bramante nach seinem Hausdiener. �Giorgio, elender Lumpenhund, wo steckst du schon wieder?� Als er sich rufend und fluchend umwandte, stand der Gesuchte seelenruhig vor ihm.</p><p>�Sag doch, dass du hinter mir stehst! Elender Schleicher! Richte mir ein Bad, spare aber nicht mit Lavendel und Rosenbl�ten. Und ruf den Barbier. Das Kraut muss ab!� Mit Daumen und Zeigefinger umfasste er den Vollbart, der ihm in der Woche gewachsen war. Seit die Haare auf dem Kopf ausblieben, sprossen sie an Kinn und Wangen � und leider auch aus der Nase � nur umso williger.</p><p>Eine Woche hatte Julius II. ihn warten lassen. Sicher, der Papst konnte sich nicht ausschlie�lich mit dem Bauprojekt besch�ftigen, ihn plagten gr��ere Sorgen. Auch hatte Bramante die Zeit gebraucht und gut genutzt. In diesen Tagen drehte Fortuna ihr Rad nur f�r ihn. Er w�re ein Narr gewesen, wenn er das nicht ausgenutzt h�tte. Im Grunde war es ein Wunder, dachte Bramante, dass der alte Mann im Vatikan trotz all seiner politischen Projekte noch Zeit und Kraft fand, um sich um Kunst und Architektur zu k�mmern. Doch der Heilige Vater war eben klug genug, um zu wissen, dass beides zusammengeh�rte: die Macht und die Architektur der Macht. Nicht nur die gro�en Feldherren, auch die Baumeister w�rden Rom wieder zur Welthauptstadt und zum neuen Jerusalem machen. Die einen nicht ohne die anderen.</p><p>Bramante beschloss, nach dem Bad ein einfaches Abendessen zu sich zu nehmen und dann aufzubrechen. An diesem Tag sollte es entschieden werden. Seine Idee war fertig ausgearbeitet, �berdies g�ttlich und einfach unwiderstehlich. Er wies seinen Diener an, zur Feier des Tages um Mitternacht ein ausgiebiges Festmahl zu richten und au�er Musikern ein paar Damen dazuzuladen, von der Art, wie der Hausherr sie mochte. Zu dieser Stunde, sch�tzte er, w�rde er von der Audienz zur�ck sein. Sobald er Julius von seinem Projekt �berzeugt h�tte, woran er nicht zweifelte, wollte er nur noch feiern.</p><p>Gott, wie lange hatte er sich nicht mehr in das warme Fell einer Frau gebohrt! Er und alt? Unfug! Bramante verstand nicht mehr, weshalb er die letzten Wochen in Trauer und Verzweiflung, Skepsis und Kraftlosigkeit zugebracht hatte. Als sei er verhext und ein anderer gewesen. Der Verlust Imperias hatte ihn tief getroffen, gut. Aber lag es nicht in der Ordnung der Welt, dass die Frauen kamen und gingen? Nichts hatte Bestand, nur der Wechsel. Immer neue Generationen w�rden sich in den gleichen ebenso l�cherlichen wie Lust spendenden Verrenkungen ergehen.</p><p>Nach dem Bad und dem Imbiss, bei dem er mehr trank als a�, zog er ein wei�es Damasthemd �ber und eine rote, geschlitzte Hose, die den noblen schwarzen Unterstoff sehen lie�. Zum Schluss schl�pfte er in ein samtenes Wams in der Farbe der Hose. Ein m�chtiger Federhut vollendete seinen Aufzug. In seiner beschwingten Stimmung, die auch auf den sizilianischen Nero d�Avola beim Abendessen zur�ckzuf�hren war, bemerkte er nicht, dass er etwas zu auff�llig f�r sein Vorhaben gekleidet war. Seine Idee war st�rker als alle Reize der Welt, verf�hrerischer als Frauen, berauschender als Wein und unwiderstehlicher als die feinste Speise. Bramante verneigte sich in tiefer, ehrlicher Bewunderung vor seinem Spiegelbild und verlie� das Haus.</p><p>Vor seinem geistigen Auge erschien pl�tzlich Pico, und er kniete innerlich nieder vor dem Philosophen, denn nun w�rde er dessen Verm�chtnis erf�llen, Rom und die Welt w�rde er erobern. Getrieben von dem Vorsatz, das zu verwirklichen, was er einst in San Vitale in Ravenna gelobt und an Picos Leiche geschworen hatte, st�rmte er durch die n�chtlichen Gassen und Stra�en zum Vatikan.</p><p>Vor der Petersbasilika blieb er stehen und sagte laut: �Nicht mehr lange, bis du armseliger Steinhaufen einer wirklichen Architektur weichen musst!�</p><p>Als er in das kleine Lesezimmer des Papstes im Borgia-Turm trat, erwarteten ihn neben Julius II. bereits Kardinal Catalano, Egidio da Viterbo und Giuliano da Sangallo. Agostino Chigi lie� sich entschuldigen, seiner Frau ging es nicht gut.</p><p>�Die arme Margarita Saraceni, sie hat doch sehr viel zu leiden und ist dennoch immer froh gelaunt. Ein Vorbild, ein Vorbild f�r uns alle, die Pr�fungen zu ertragen, die der Herr uns auferlegt�, sagte der Papst nachdenklich. Dann sprach er die erl�senden Worte. �Wir haben Uns entschlossen, den Neubau von Sankt Peter zu wagen. Setze Uns deinen Plan n�her auseinander, Donato.�</p><p>Bramante entfuhr ein erleichterter Seufzer. Dann beeilte er sich, seinen Entwurf auszubreiten. Der Papst erblickte einen Zentralbau.</p><p>�Heiliger Vater, es ist so einfach wie folgerichtig. An dieser Stelle errichten wir den Tempel. Und schaut, hier im Nordarm w�rde Euer Mausoleum stehen, und wenn man Richtung S�den geht, k�me hier die Memoria des Apostels Petrus, und in gerader Linie folgt das Grabmal Eures teuren Onkels, des Papstes Sixtus IV.�</p><p>Julius� Augen begannen zu strahlen. Dann l�chelte er listig. �Aber ich sehe noch etwas auf der Geraden!�</p><p>�Ja�, erkl�rte Bramante, �wir verlegen den Haupteingang von der Ost- zur S�dseite. Dadurch er�ffnet die S�ule mit der Asche des Julius C�sar die Verbindungslinie vom Grabmal Eures Onkels �ber das Grab Petri zu Eurem Mausoleum. Stellt Euch das vor, Heiliger Vater: Von den gro�en Taten des Julius C�sar vor der Zeit Christi und seiner Kirche kommend, betreten wir den Dom und verneigen uns vor dem gro�en Sixtus, knien dann vor Petrus, dem Apostelf�rsten, um schlie�lich bei Euch, Eurer Heiligkeit, zu verweilen. Zum Ruhme der Kirche. Und zum Ruhm der della Rovere!�</p><p>Stille trat ein. Alle betrachteten die Zeichnung.</p><p>�Ihr setzt also den Papst �ber Petrus?�, bemerkte Giacomo spitz.</p><p>�In welcher Weise?�</p><p>�Weil man die Linie von Julius C�sar �ber Petrus zum Heiligen Vater auch als aufsteigend betrachten kann.�</p><p>Bramante begriff, dass in diesen Worten der Vorwurf der Ketzerei lauerte. Egidio da Viterbo trat zu dem Dominikaner und legte ihm beschwichtigend den Arm auf die Schulter, bevor er ihm ausgesprochen weitschweifig erl�uterte, dass man die Gerade nicht als aufsteigend betrachten, sondern in der Kirche als gleichzeitig, als Tableau, begreifen m�sse. Dennoch hatte der Einwurf den Papst nachdenklich gestimmt.</p><p>Giacomo hatte sich von Egidios Belehrungen nicht beirren lassen und fuhr mit feiner Ironie fort: �Wenn ich Eure Zeichnung richtig verstehe, dann nutzt Ihr die Fundamente und die mannshohe Mauer des Westchores nicht, die Nikolaus V. und Pius II. haben errichten lassen, sondern verschiebt die Kirche einfach nach Osten?� Bramante nickte. �Wenn Ihr diese Konstellation erhalten wollt und der Apostelf�rst direkt in der Mitte, unter der Laterne der Kuppel, ruhen soll, dann m�sst Ihr wohl das Grab des Apostels Petrus verlegen?�, erkundigte sich der Dominikaner mit allerunschuldigstem Gesichtsausdruck.</p><p>�Ist das wahr?�, fragte der Papst schroff.</p><p>Bramante begriff, dass Giacomo il Catalano den einzigen schwachen Punkt in seiner Planung erkannt und herausgefischt hatte. �Es ist wahr, wir w�rden den Apostelf�rsten umbetten.�</p><p>�Es ist klug von Mess�r Donato, die Kirche nicht in Richtung des Westchores und der vorhandenen Mauern zu erweitern, weil es nur Kosten und Ungemach verursacht�, sprang ihm Sangallo bei.</p><p>�Und weshalb?�, erkundigte sich der Papst.</p><p>�Weil der Boden dort aufgesch�ttet wurde und m�glicherweise ins Rutschen kommt. Wollten wir die Fundamente f�r einen so gro�en Bau nutzen, m�ssten wir den Abhang unterf�ttern und befestigen.�</p><p>�Aber es w�re m�glich?� Julius war noch nicht �berzeugt.</p><p>�Ja, nun, m�glich ist viel.�</p><p>�Ist es m�glich?�</p><p>Bramante vermochte seinen Zorn kaum zu b�ndigen. Religi�ses Geschw�tz und Kleingeisterei standen auf, um seine g�ttliche Idee zu zerst�ren. Das durfte nicht geschehen!</p><p>�Heiliger Vater, lasst den Gedanken einmal in Euch wirken. Stellt Euch vor, dass der Tempel, den Ihr, ein weitaus gr��erer C�sar, aufrichten werdet, das majest�tische Denkmal des ersten Julius gleichsam im Vorhof haben wird. Wie wird dieser gewaltige Obelisk die Seelen der Christen ersch�ttern und dadurch noch empf�nglicher machen f�r die Gr��e Christi, die sie im Dom erwartet! Sorgt Euch doch nicht um das Grab unseres geliebten Apostels, es wird dabei nicht zu Schaden kommen. Mit meinen eigenen H�nden werde ich es verlegen!�, beteuerte Bramante und hob beschw�rend die Arme. �W�re Petrus unter uns, er w�re der Erste, der seine Zustimmung erteilte, weil es um die Gr��e der Kirche geht, die Christus auf Petrus gr�ndete.�</p><p>�Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der H�lle sollen sie nicht �berw�ltigen. Ich will dir die Schl�ssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden l�sen wirst, soll auch im Himmel gel�st sein�, zitierte Egidio zustimmend.</p><p>�Aber es steht nicht geschrieben, dass man den Felsen beliebig verschieben darf. Es ist S�nde, sich aus Eitelkeit am Grab des Apostelf�rsten zu vergehen�, rief Giacomo mit erhobenem Zeigefinger. �Und viele, viele werden es so sehen!�</p><p>�Was werden sie sehen, mein Sohn?�, fragte der Papst lauernd.</p><p>�Dass dem Heiden C�sar zuliebe Petrus weichen muss!�</p><p>�Unser Sohn Giacomo hat recht�, entschied Julius II. Dann erhob er seine Stimme und verk�ndete: �Wir wollen, dass der Neubau erfolgt, aber die Lage der alten Basilika darf nicht ber�hrt werden. Der Apostel Petrus bleibt, wo er ist. Das heilige Grab des ersten Papstes darf nicht anger�hrt werden. Schaff Uns einen Entwurf, der das ber�cksichtigt, Donato. Wie du es mit dem Obelisken h�ltst, ist deine Angelegenheit. Aber merke dir: Immer werden Wir das Christliche dem Heidnischen, die Religion der Pracht und die Piet�t dem Schmuck vorziehen, die Wahrheit der prunkenden �u�erlichkeit.�</p><p>Bramante wollte etwas erwidern, hielt sich dann aber doch zur�ck. Wenn er auch mit seinem Plan Schiffbruch erlitten hatte, so lag er weiterhin gut im Rennen, mehr noch, er war derjenige, der vom Papst beauftragt worden war.</p><p>�Da es nun einmal beschlossene Sache ist, Sankt Peter zu erweitern und zu erneuern, wollen wir nicht einen kleinen Wettbewerb der Ideen veranstalten?�, schlug Giacomo vor.</p><p>�An wen denkst du?�, fragte der Papst.</p><p>�An Fr� Giocondo.�</p><p>�An den Architektenm�nch? Aber ist der nicht in Frankreich?�</p><p>�Nein, gerade eben nach Venedig zur�ckgekehrt.�</p><p>Eines musste Bramante dem Dominikaner lassen, er hatte sich gr�ndlich vorbereitet.</p><p>�Eine sch�ne Idee, mein Sohn! Und auch du, Giuliano, denke mit!�, schloss der Papst die Audienz. �F�r das Haus Petri bed�rfen Wir des Rates aller guten Meister der Baukunst.�</p><p>Hatte Bramante gerade eben noch den Auftrag sicher gehabt, so w�rde er jetzt um ihn k�mpfen m�ssen. Er beschloss, sich mit Giuliano da Sangallo abzustimmen. Sie durften sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Der Erzpriester, den er benutzen wollte, hatte ihm soeben ein Schnippchen geschlagen. Das durfte sich nicht wiederholen. Er f�hlte sich herausgefordert. Man wollte, dass er k�mpfte. Nun gut, dann w�rde er sich eben schlagen. Der Petersdom war sein Projekt, die Aufgabe, die das Leben f�r ihn bereithielt. Und f�r niemanden sonst!</p><p>Die Dunkelheit seines Herzens ergoss sich �ber Regola, als Bramante, laut �ber den l�stigen Dominikaner fluchend, durch die Stra�en schritt. In seinem Alter wurde Zeit von Tag zu Tag wertvoller als Gold. Als er von der Via del Bianchi mit seiner in Ziegenleder eingerollten Skizze unter dem Arm in eine Gasse bog, die direkt zu seinem kleinen Palazzo in der N�he der deutschen Kirche f�hrte, sprang eine kr�ftige Gestalt aus einem Hauseingang und versperrte ihm den Weg. In der Hand hielt der Angreifer einen Degen. Bramante wandte sich ruckartig um und entdeckte einen zweiten, ebenfalls bewaffneten Spitzbuben, der einen Kopf kleiner war als sein Komplize. Er sa� in der Falle.</p><p>Wie dumm, ausgerechnet jetzt, da er das H�chste erreichen wollte und darum zu k�mpfen hatte, trat ihm das Schicksal plump entgegen! In seiner Eitelkeit und guten Stimmung hatte er zwar an den Federhut, nicht aber an sein Rapier gedacht.</p><p>�Ich habe keine Zeit. Ich gebe euch alles Geld, was ihr wollt, aber lasst mich gehen�, bat er in der Hoffnung, sich loskaufen zu k�nnen, und wusste schon im selben Moment, indem er das Angebot unterbreitete, dass er einen Fehler beging. Denn diesem Pack gegen�ber dufte man keine Schw�che zeigen.</p><p>�Dein Geld interessiert uns nicht�, sagte der Gr��ere mit rauer Stimme. Der Architekt presste sich mit dem R�cken an eine Hauswand, um nicht r�cklings erstochen zu werden. �Ruhig, mein Alter, wir tun dir nichts. Wir wollen nur den Ring von deiner Hand. Ehrenwort!�</p><p>�Auf welche Ehre hin kannst du denn ein Wort geben?�, knurrte Bramante.</p><p>�Quatsch nicht so lange�, sagte der Wortf�hrer und spuckte aus. �Gib uns den Ring freiwillig oder stirb! Wir bekommen ihn sowieso. Ob von einem toten oder einem lebendigen Mann, ist uns egal!�</p><p>Bramante fiel auf, dass der Zweite kein Wort gesagt hatte, vielleicht war er ja stumm. Er tastete sich an der Wand entlang und hoffte inst�ndig, in seinem R�cken einen offenen Hauseingang zu finden. Doch pl�tzlich war da keine Mauer mehr! Er tat einen gro�en Schritt r�ckw�rts und stie� gegen eine Holzt�r. Rasch drehte er sich um und stemmte sich dagegen. Die T�r r�hrte sich nicht.</p><p>Entt�uschung drang in seine Adern wie fl�ssiges Blei. Konnten die G�tter so grausam sein? Jetzt, wo er kurz vor der Erf�llung des gr��ten Ziels in seinem Leben stand, sollte er das Zufallsopfer zweier abgerissener Stra�enr�uber werden? Ach, Fortuna, was war sie nur f�r eine Metze? Hatte sie aus �berdruss sein Rad pl�tzlich angehalten, nachdem sie ihm zuvor noch einen so kr�ftigen Schwung verliehen hatte?</p><p>Harte H�nde griffen von hinten nach ihm und rissen ihn zu Boden. Das Ziegenlederfutteral mit der Skizze von Neu Sankt Peter rollte wegen des Gef�lles ein paar Schritte weiter an den gegen�berliegenden Stra�enrand. W�hrend der Stumme auf Bramantes Armen kniete und dadurch dessen Oberk�rper am Boden fixierte, zog sein Kumpan ein kleines, krummes Messer mit breiter und stabiler Klinge aus der Tasche. Bramante sp�rte, wie �belkeit in ihm hochstieg. Das Pack machte wirklich nicht viele Umst�nde und w�rde ihm den Ring mitsamt dem Finger abschneiden, den er doch zum Malen und Zeichnen brauchte. Wie am Spie� br�llte er um Hilfe und wusste doch, dass es vergebens sein w�rde, denn niemand wollte sich �rger einhandeln. Wusste man denn, wer da mit wem rang? Ehe man sich versah, hatte man eine Klinge zwischen den Rippen oder den Zorn eines m�chtigen Mannes erregt, was nicht weniger gef�hrlich sein konnte.</p><p>Einer so j�hen wie hilflosen Eingebung folgend, zog Bramante den Rotz hoch und spie dem auf ihm hockenden Mann ins Auge, der f�r einen verschwindend kurzen Moment aus �berraschung etwas lockerer lie�. Dieser Augenblick aber gen�gte dem Architekten, um sich aufzub�umen und nach rechts zu winden. Dadurch bekam er den linken Arm frei und stie� nun mit Zeige- und Ringfinger kraftvoll in die Augen des Stummen. Es glitschte unangenehm und knirschte, als h�tte er die Schale eines ausgeblasenen Eis durchsto�en. Er sp�rte eine unangenehme N�sse an den Fingerkuppen. Der Stumme br�llte vor Schmerz wie ein Tier und sprang auf. Dann riss er die H�nde vor die Augen und rannte schreiend im Kreis herum. Diesen Moment nutzte Bramante, um die Hand des anderen Stra�enr�ubers mitsamt dem Messer zu packen, umzudrehen und an seinen Hals zu f�hren. Als Bramante ihm mit der Klinge �ber die Kehle strich, spritzte Blut auf sein Samtwams, auf die �rmel und auch auf das Kragenb�ndchen des wei�en Hemdes, wie er mit Bedauern feststellte. Vor Schreck lie� der Kr�ftige das Messer fallen. Bramante hob es rasch auf und vertiefte mit Schwung den Schnitt in die Kehle des Mannes. Nun spritzte das Blut nicht mehr, sondern floss im breiten Strom aus dem Hals. Die Augen des Sterbenden weiteten sich. Er r�chelte erbarmungsw�rdig.</p><p>�Mein Bruder, was wird �?� In seinen Augen wetteiferten Sorge und Z�rtlichkeit f�r den Bruder miteinander.</p><p>�Was schon! Ger�dert und gevierteilt wird er!�, stie� Bramante in seinem Zorn umbarmherzig hervor. In einer letzten verzweifelten Anstrengung versuchte der Kr�ftige, sich noch einmal aufzurichten, um Bramante zu t�ten und den Bruder vor der Hinrichtung zu bewahren. Dann sackte der gro�e K�rper wie ein gef�llter Baum auf die Stra�e und r�hrte sich nicht mehr.</p><p>Der Stumme stach blind und schluchzend mit dem Rapier nach dem Architekten. Der Stich traf ihn in die Seite, ging durch die Rippen hindurch und verfehlte um Haaresbreite das Herz. Bramante b�ckte sich nach dem Rapier des Toten, als ihn ein zweiter Hieb des Stummen traf. Doch er sp�rte keinen Schmerz und keine Angst, sondern nur einen so unb�ndigen J�hzorn, dass er vor Wut schielte. Mit einer Volte schlug er dem Mann den Degen aus der Hand. Und w�hrend er wie im Rausch auf seinen Gegner eindrosch, br�llte er ihn immer wieder an, er solle endlich seinen Auftraggeber nennen. Er hatte ganz und gar vergessen, dass der Kerl nicht sprechen konnte. Im Gegenteil, das hilflose Stammeln und Jammern, die tierischen Laute der Angst und der Qual, die die Natur in ihrer Grausamkeit dem Mann als Einziges zur Verf�gung stellte, versetzten Bramante noch st�rker in Raserei, weil er sie als Weigerung auffasste.</p><p>Irgendwann sp�rte er nur noch Erlahmen und M�digkeit. Er lie� den roten Stahl sinken und blickte zu Boden. Er stand in einer Blutlache. Der stumme <emphasis>bravo</emphasis> war wohl schon seit geraumer Zeit tot. Vor ihm lag nur noch ein schmutziges B�ndel zerhauenen Fleisches, bei dem man nicht mehr zwischen Blut, Fleisch und Kleidung unterscheiden konnte. Der Architekt wankte, hinter ihm lag der Kr�ftige, ebenfalls tot. Seine Augen waren auf ihn gerichtet, gro� und kalt wie die eines Fisches, aber noch im Ausdruck des Schmerzes gefangen, der sich im Tod in die Pupillen eingebrannt hatte, als der Blick stehen blieb und die Seele entwich, wohin auch immer.</p><p>Bramantes Blick fiel auf die Rolle mit der Zeichnung. Er kramte in seiner Tasche und fand einen R�telstift. Er musste sich setzen, weil sich alles um ihn herum zu drehen begann. Mit Bedacht lie� er sich neben der am Boden liegenden Skizze nieder. Er fischte sie mit seinen roten, nassen Fingern aus der Rolle, wobei er zahllose blutige Fingerabdr�cke hinterlie�. Auf seine Skizze des Petersdomes zeichnete er das Gesicht des �lteren der beiden Br�der, denn er wollte �berall nach ihm fragen. Die beiden <emphasis>bravi</emphasis> hatten von dem Ring gewusst und versucht, ihm diesen zu stehlen. Gewiss waren sie im Auftrag von Picos M�rder unterwegs gewesen, den er nur den Sekret�r nannte. Endlich war Bewegung in die Sache gekommen. Der M�rder jagte ihn. Oder genauer: den Ring.</p><p>Bramante sp�rte, wie ihn die F�higkeit verlie�, klar zu denken. Alles verschwamm vor seinen Augen. Er sah an sich herab und dachte noch, dass er so nicht mehr auf seiner Feier erscheinen konnte. Was w�rden die Huren sagen? �Bramante hat sich l�chern lassen�, w�rden sie spotten. Dar�ber musste er pl�tzlich kichern. Bramante hat sich l�chern lassen � hat sich l�chern lassen � Ihn �berkam das Gef�hl, den Wahnsinn der Welt zu umarmen � hat sich l�chern lassen �</p><empty-line/></section><section><p>28</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>Ein Cavaliere, der von einem Bankett kam, hatte Bramante wiedererkannt und dem nicht weit vom Ort des �berfalls entfernt wohnenden Agostino Chigi Bescheid gegeben. Dieser schickte unter F�hrung eines alten Dieners ein paar handfeste Gesellen. Sie schafften die Leichen der beiden <emphasis>bravi</emphasis> fort und warfen sie kurzerhand in den Tiber. Es gelang ihnen aber nicht, sich dem Architekten zu n�hern, denn der schlug, auf der Stra�e sitzend, ungest�m mit seinem Rapier um sich, weil er die Diener des Bankiers f�r neue Angreifer hielt.</p><p>Man beriet sich und schickte schlie�lich trotz der sp�ten Stunde nach Imperia. Als sie Bramante erblickte, wie er da in einer Blutlache sa�, zornige Blicke um sich warf und wild fuchtelnd mit der Rapierklinge L�cher in die Luft stach, brach es ihr fast das Herz.</p><p>�Donato, Lieber, ich bin es!� Er drehte sein Ohr in die Richtung, aus der er die geliebte Stimme vermutete, als ob er erblindet w�re. �Deine Imperia, mein Freund.�</p><p>�Imperia?� Ein befreites L�cheln breitete sich auf seinem blutverschmierten Gesicht aus. Sie band die �rmelschn�re ihres blauen Brokatkleides auf und riss wie selbstverst�ndlich den �rmel ihres Unterkleides ab. Dann hockte sie sich zu ihm und tupfte ihm mit dem Stofflappen das Blut vom Gesicht. Erstaunt und gl�cklich blickte er sie an. �Bin ich im Himmel?�</p><p>�Meinst du, im Himmel sieht es aus wie in Regola? Schau dich einmal um!� Imperia legte seinen rechten Arm um ihre Schulter und hielt dabei mit ihrer Hand die seine fest. So gelang es ihr mit einiger M�he und der Unterst�tzung von Chigis Dienern, den schweren Mann auf die F��e zu stellen. �Komm, es geht nach Hause.�</p><p>�Nach Hause�, murmelte Bramante.</p><p>Einer der Gesellen trug ihm seine Skizze hinterher. Von dem �berfall zeugten nur noch das Blut, das allm�hlich eintrocknete und die Farbe der Erde annahm, sowie Bramantes zerbrochener R�telstift. Niemanden k�mmerte es, dass zwei Meuchelm�rder ihr Leben verloren hatten. Man w�rde ihre Leichen wohl an der Tiberinsel oder beim Ripa Grande bergen, wenn sie nicht vorher den Tiberfischern aufgefallen sein sollten.</p><p>Als sie Bramantes kleinen Palazzo erreichten, verscheuchte Imperia kopfsch�ttelnd die Musiker und Dirnen, die seit geraumer Zeit auf den Architekten warteten und inzwischen gelangweilt vor sich hin d�sten. Sie zahlte ihnen das versprochene Sal�r aus; diese Leute konnten ja nichts daf�r, dass ihr Auftraggeber verhindert gewesen war. Dann wusch sie Bramante mit Wasser, das der Diener ein wenig erw�rmt hatte, und versorgte seine Wunden. Giorgio half ihm zu seiner Bettstatt, und Imperia setzte sich zu ihm. Sie streichelte seine Stirn und sang ihm z�rtlich mit halblauter Stimme ein altes r�misches Schlaflied vor. Der m�tterliche Klang beruhigte ihn, und wenig sp�ter schnarchte er wohlig mit entspannten Gesichtsz�gen. Bevor sie ihn verlie�, befahl Imperia seinem Diener, sie zu benachrichtigen, wenn er ausgeschlafen hatte.</p><p>Bramante schlief einen vollen Tag und erwachte erst am Morgen des �bern�chsten Tages. Er rieb sich die Augen und verlangte nach einem gebratenen Huhn. Als er gerade seine fettigen Finger an einem Tuch abwischte, trat Imperia in sein Schlafzimmer. Er prostete ihr mit einem Glas Wei�wein zu und lie� es sich munden.</p><p>�Ah, von den Toten auferstanden!�, rief sie ihm sp�ttisch zu.</p><p>�Ich hoffe, nur ich.�</p><p>�Ja, die <emphasis>bravi</emphasis> sind bei den Fischen.�</p><p>Bramante schlug die Bettdecke zur�ck. In seinem wei�en Hemd lag er da wie ein alternder Adonis.</p><p>Imperia l�chelte. �Die Einladung muss ich leider ablehnen. Ich bin Agostino treu. Aber ich setze mich zu dir.�</p><p>W�hrend sie seine Verb�nde wechselte, erz�hlte ihr der Architekt die Geschichte von Picos Tod, von dem Ring und dem Buch. Als er geendet hatte, sah sie ihn besorgt an.</p><p>�Ich schicke dir einen Leibw�chter. Einer von euch beiden wird sterben, du oder der Sekret�r!�</p><p>Kurz nachdem sie ihn verlassen hatte, erschien Giuliano da Sangallo, nach dem Bramante geschickt hatte. Er sp�rte, dass Sangallos Mitgef�hl echt war � dabei hatte er den alten Bundesbruder nicht immer freundlich, oft auch ein wenig herablassend behandelt. Aber Sangallo war eben nicht nachtragend. Er geh�rte zu jener seltenen Spezies Mensch, die mit sich und ihrem Leben vollkommen im Einklang lebten. �ber das, was Bramante widerfahren war, sch�ttelte er nur den Kopf.</p><p>�Wir sind keine F�rsten, keine Politiker, keine Kardin�le oder Bisch�fe und auch keine Spitzbuben, also wer will dir da blo� ans Leben?�</p><p>�Picos M�rder nat�rlich!�, sagte Bramante.</p><p>In diesem Moment �ffnete sich die T�r, und herein trat ein unangemeldeter Besucher. Die verwegene Gestalt mit einem goldenen Ring im Ohr war von Kopf bis Fu� in braunes Leder gekleidet. In den hellblauen Augen des Mannes, dessen Gesicht von wilden schwarzen Locken umrahmt war, schien ein sp�ttisches Lachen f�r immer Quartier bezogen zu haben.</p><p>Bramante richtete sich auf. �Hier geht es ja zu wie auf dem Marktplatz! Woher kenne ich Euch? Was wollt Ihr von mir?�, fuhr er den Fremden an. Dunkel erinnerte er sich an die Gestalt, konnte sie aber noch nicht recht einordnen. Er sp�rte nur, dass der Zusammenhang nicht unangenehm war. Mit der rechten Hand zog der Mann den Federhut vom Kopf, malte mit diesem drei Ellipsen in die Luft und verneigte sich dabei ausgesprochen elegant.</p><p>�Ascanio Romano, Fechtlehrer, Fechter f�r alle F�lle, aber nur f�r die F�lle der Guten und immer bereit, gegen das B�se die Klinge zu kreuzen. Madonna Imperia schickt mich. Und ich will eher sterben, als die hohe Dame zu entt�uschen�, br�llte er, als w�rde er von der Benediktionsloggia vor der Petersbasilika zu einer Menge von mindestens tausend Menschen sprechen.</p><p>�Wenn Ihr von Madonna Imperia kommt, seid Ihr mir mehr als willkommen, mein Freund! Aber ich bitte Euch, d�mpft Eure Stimme ein wenig�, sagte Bramante und fasste sich an den Kopf. Noch w�hrend er Ascanio begr��te, entsann er sich, dass dieser ihm damals die T�r von Imperias Palazzo ge�ffnet hatte.</p><p>�Dann suche ich mir im Vorraum einen Platz. Ruft nach mir, wenn Ihr mich braucht�, schrie Ascanio, vergeblich bem�ht, dem Wunsch des Hausherrn nachzukommen. Bramante warf Sangallo einen schicksalsergebenen Blick zu. Sein Schutzengel musste doch nicht gleich die Mauern von Jericho zu Fall bringen!</p><p>�Lasst Euch von Giorgio einen Platz zuweisen und etwas zu essen geben.�</p><p>Nach einer nicht weniger aufwendigen Verbeugung als bei seiner Ankunft verlie� Bramantes neuer Leibw�chter den Raum. Der Architekt sah ihm mit einem L�cheln nach.</p><p>�Er muss lange in Frankreich gedient haben�, sagte er, auf die Verneigung anspielend. Ein warmes Gef�hl der Dankbarkeit f�r Imperia erf�llte ihn. Gab es denn einen gr��eren Liebesbeweis? Er verscheuchte die Gedanken an die Herrin seines Herzens, setzte sich auf die Bettkante und wandte sich wieder seinem Besuch zu. Ihm war noch immer ein wenig schwindelig, aber das wollte er nicht zulassen und ging dagegen an. Aus dem langen wei�en Hemd baumelten seine behaarten, bogenf�rmigen Beine mit den gro�en Plattf��en.</p><p>�Giuliano, alter Freund, ich bedarf deiner Hilfe und deiner Dienste. Bist du bereit, dich f�r die Ziele unserer Bruderschaft einzusetzen?�</p><p>Sangallos Robbenschnauzbart begann zu zittern, R�hrung trat in seine Augen. �Unsere gute Bruderschaft, wie oft denke ich daran ��, seufzte er, und Bramante meinte sogar, eine kleine Tr�ne in seinem Augenwinkel auszumachen.</p><p>�Der Neubau von Sankt Peter muss der Tempel der <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> werden! Mein Plan ist der: Du legst einen Entwurf f�r den Neubau des Petersdomes vor, konsequent als Zentralbau gedacht. Fr� Giocondo wird sicher mit der Skizze eines Langhauses kommen, so wie ich den gotischen Langweiler kenne. Und wenn der Streit dar�ber seinen H�hepunkt erreicht, werde ich einen Vorschlag mit einer m�chtigen Vierung vorlegen, lasse aber die Frage nach Zentralbau oder Langhaus offen. Denn diese werden wir dann praktisch beim Bauen beantworten!�</p><p>Sangallos Augen leuchteten. �Donato, du alter Spitzbube, du willst einfach vollendete Tatsachen schaffen?�</p><p>�Kennst du eine andere Definition f�r das Bauen, als vollendete Tatsachen zu schaffen? Sollen wir etwa mit Laien, mit Theologen vielleicht noch, �ber die Kunst der Architektur streiten? Ich bitte dich, Giuliano! Die sollen zahlen, aber den Rest uns �berlassen!�</p><p>Aus Sangallos Blick sprach Bewunderung f�r die Frechheit und Konsequenz von Bramantes Plan. Beide Eigenschaften, Dreistigkeit und R�cksichtslosigkeit, lagen nicht in seinem Wesen, deshalb, und damit hatte er sich l�ngst abgefunden, w�rde er immer der Zweite, niemals der Erste sein.</p><p>�Um noch eines muss ich dich leider bitten, mein Freund. Schweig aber dar�ber.� Bramante hob seine schmerzende rechte Hand, die rot und geschwollen war.</p><p>Sangallo erkannte die unheilbare Krankheit. �Die Handgicht!�</p><p>�Ja, das Entwerfen f�llt mir zunehmend schwerer. Bald werde ich nicht mehr dazu in der Lage sein. Aber niemand darf davon erfahren, meine Feinde w�rden dieses Wissen gegen mich benutzen. Ein Architekt, der nicht mehr zeichnen kann!�</p><p>�Als ob es auf das eigenh�ndige Entwerfen ankommt�, warf Sangallo ein.</p><p>�Ein technischer Vorgang, aber wer wei� das schon.�</p><p>Giuliano da Sangallo st�tzte das Kinn in die Hand und �berlegte einen Moment. Praktisch veranlagt, wie er war, suchte er sogleich nach einer L�sung f�r Bramantes Problem und fand einen eleganten Ausweg.</p><p>�Nimm meinen Neffen Antonio zu dir in die Lehre, bilde ihn zum Meister aus! Er ist ein ausgezeichneter Zeichner, er wird deine Ideen zu Papier bringen und dein Geheimnis wahren.�</p><p>Bramante erhob sich und umarmte Sangallo ebenso erleichtert wie bewegt.</p><p>Kurz vor Einbruch der Dunkelheit begab sich Bramante mit dem Portr�t des Meuchelm�rders zum Kolosseum. Er hatte die Skizze, die er bei dem �berfall auf den Entwurf gezeichnet hatte, auf ein sauberes Blatt �bertragen. Hinter ihm hielt sich in diskreter Entfernung Ascanio. Der Architekt war zwar noch etwas blass um die Nase, steckte aber schon wieder voller Tatendrang und Kampfeswillen. Endlich w�rde es dem verfluchten M�rder von Pico an den Kragen gehen! Bramante war aufgeregt wie ein Knabe vor der Kommunion, auch wenn es um eine Totenmesse ging.</p><p>Sie durchstreiften zuerst die an verwilderte H�hlen erinnernden Ruinen der Thermen des Caracalla, inzwischen ein Unterschlupf f�r all jene, die entweder keine Wohnung hatten oder sich verstecken mussten. Wie H�llenschlunde wirkten die Loggien, aus denen B�ume und Gestr�pp wucherten. Die Tonnengew�lbe der Decken waren gr��tenteils eingest�rzt, und nur die breiten B�gen, die die Eckpfeiler verbanden, boten Schutz vor Regen und Schnee. Aber noch hielt der Sommer in Rom Hof, und niemand mochte an die kalten und feuchten Jahreszeiten denken.</p><p>Verlebte, magere Frauen, verschlagen blickende Diebe, allerlei zwielichtige Gestalten sch�ttelten teils energisch, teils l�ssig den Kopf, wenn Bramante ihnen die Zeichnung zeigte. Noch war das Konterfei im letzten Sonnenlicht gut zu sehen, aber niemand erkannte den Mann oder wollte ihn identifizieren. Erst als der Architekt einem jungen Falschspieler einen Scudo bot und ihm versicherte, dass der Portr�tierte ebenso wie sein Bruder l�ngst bei den Fischen ruhte, riet ihm dieser, am Triumphbogen des Titus unweit des Kolosseums nachzufragen. Dort habe er den Mann ein paar Mal gesehen. Bramante dr�ckte dem jungen Mann ohne Dank das Geld in die Hand und eilte, von Ascanio gefolgt, zum Titusbogen.</p><p>Eine Gruppe von Gestalten, die sich dunkel gegen den Nachthimmel abzeichneten, war gerade dabei, ein Feuer zu entz�nden. Zwei untersetzte M�nner, auf deren Gesichtern sich ein freudiges Grinsen abzeichnete, rollten ein Fass mit Wein oder Branntwein heran. Bramante hielt einer zerlumpten Frau das Bild vor die Augen, doch die bekreuzigte sich blo� und wandte sich wortlos ab. Der Architekt kletterte auf einen bemoosten Granitquader, der irgendwann in den letzten tausend Jahren aus dem Bogen gebrochen war.</p><p>�H�rt mich an�, rief er in die Runde und hob das Portr�t hoch. �Dieser Mann hier auf dem Bild ist tot. Sein Bruder auch! Ihr habt nichts zu bef�rchten, k�nnt euch aber etwas verdienen. Ich suche ihre Auftraggeber. Kennt jemand von euch den Mann?�</p><p>Das Feuer zog Kraft aus dem Holz und warf seine gelben Flammen mutwillig in den Himmel. Der Schein lie� die armen Teufel, die sich hier versammelt hatten, gef�hrlicher, aber zugleich auch bedauernswerter aussehen. Lag das Leben der Menschen in Gottes Hand, so balancierte das ihre auf seiner Fingerkuppe. Niemand sagte etwas, sie beachteten Bramante gar nicht, es war, als ob er Luft sei.</p><p>Voller �rger und Entt�uschung wollte sich der Architekt schon auf den R�ckweg machen, als Ascanio ihn am �rmel zog. Bramante sah ihn fragend an.</p><p>�Nicht so eilig, Mess�r Donato. Diese Leute wissen etwas�, fl�sterte ihm der Leibw�chter mit einem zufriedenen L�cheln zu. �Die Gleichg�ltigkeit von denen, die nichts wissen, und von denen, die nichts wissen wollen, sieht �hnlich aus, ist aber nicht die gleiche.�</p><p>�So rede schon!�, dr�ngte Bramante ungeduldig.</p><p>�Ganz einfach, die einen sind vollkommen teilnahmslos in ihrer Gleichg�ltigkeit und die anderen sind nerv�s. Und die Leute am Feuer hatten M�he, ihrer Aufregung Herr zu werden.�</p><p>�Aus welchem Grund? Die <emphasis>bravi</emphasis> sind tot!�</p><p>�Aber ihr Auftraggeber nicht!�</p><p>�Du meinst, sie haben mehr Angst vor dem Auftraggeber als vor den Kerlen?�</p><p>Ascanio nickte. Seine Nasenfl�gel bewegten sich vor Jagdfieber wie ein Segel im Wind. �Er wird hierherkommen, da bin ich mir sicher.�</p><p>�Aber warum?�</p><p>�Habt Ihr den Ring noch?�, fragte Ascanio mit einem wissenden L�cheln.</p><p>Bramante dankte dem Schicksal f�r die feine Auffassungsgabe seines Leibw�chters. Sie suchten sich ein Versteck in einem gro�en Geb�sch und hielten die ganze Nacht Wache. Ohne Erfolg. In der darauffolgenden Nacht begaben sie sich wieder in das Versteck. Nichts. Doch Bramante vertraute auf Ascanio, weil dessen Sicherheit seine immer wieder aufkommenden Zweifel besiegte.</p><p>In der dritten Nacht endlich betrat ein vornehm gekleideter Mann, der aussah wie ein Spanier, den Platz. Bramante wusste vom ersten Augenblick an, dass es der Gesuchte war. Als er die schwarz gekleidete Gestalt im glei�enden Mondlicht sah, fuhr ihm durch den Kopf: Da ist er, der Engel des Todes. Den gleichen Gedanken hatte er damals in Florenz in jenem Hausflur gehabt!</p><p>Er verlie� das Versteck im Geb�sch hinter der Ruine und trat ans Feuer. Ein vierschr�tiger Kerl machte nun die schwarze Gestalt auf den Architekten aufmerksam.</p><p>�Herr, da ist einer, der Euch sprechen will. Alfaron und Bruno sind �brigens tot.�</p><p>Mit einer j�hen Bewegung wandte sich der Mann zu Bramante um. Der Schein des Feuers modellierte die harten Gesichtsz�ge des Mannes, der ohne Zweifel vor �ber einem Jahrzehnt den Grafen Pico della Mirandola vergiftet hatte.</p><p>�Giacomo Kardinal Catalano!�, entfuhr es Bramante. �Ihr, Eminenz? Ihr seid der Sekret�r, Ihr habt meinen Freund ermordet?�</p><p>�Ja, ich! Irgendwann musstet Ihr ja drauf kommen. Aber es wird Euch nichts mehr n�tzen, denn niemand wird es wagen, Euch Glauben zu schenken.�</p><p>Die beiden M�nner ma�en sich einige Augenblicke in stummer Feindschaft. Der Kardinal wies mit dem Zeigefinger auf die rechte Hand des Baumeisters.</p><p>�Ihr habt da etwas, was mir geh�rt.�</p><p>�Ihr auch!�</p><p>�Und was sollte das sein?�, fragte der Kardinal kalt.</p><p>�Euer Leben.�</p><p>Giacomo hatte sein Rapier noch nicht ganz gezogen, als Ascanio schon mit gez�cktem Degen neben dem Architekten stand.</p><p>�Was hat Euch der Princeps Concordiae getan, dass Ihr ihn vergiftet habt?�, fragte Bramante bitter.</p><p>�Pico della Mirandola war ein schlimmer Ketzer, ein Verf�hrer.�</p><p>�Er war der kl�gste Mensch, den ich in meinem langen Leben kennengelernt habe.�</p><p>�Darin finde ich keinen Widerspruch zu dem, was ich gesagt habe. Im Gegenteil, seine Klugheit machte ihn so gef�hrlich. Mit seinem Tod zerfiel Euer Ketzerbund. Und jetzt gebt mir meinen Ring zur�ck!�</p><p>�Was ist so Besonderes daran?�</p><p>�Das werdet Ihr niemals erfahren!�</p><p>Der Baumeister wog den Kopf, als d�chte er nach, dann zog auch er sein Rapier.</p><p>�Gebt mir vorher Euer Leben, dann will ich den Ring mit Euch beerdigen. Das schw�re ich bei allen G�ttern Roms.� Mit dem Schwur bei den heidnischen G�ttern bezweckte Bramante, Giacomo zu provozieren. �Zu den Fischen mit Euch, zu den Fischen. Das wird eine nasse Sache werden, in der ich meine kranke Seele baden und heilen werde.� Verliebt betrachtete er die kalte Klinge seines Degens und beneidete sie darum, im K�rper des Erzschurken das t�dliche Vernichtungswerk ausf�hren zu d�rfen. Wie gern h�tte er selbst in den Eingeweiden dieses Giftm�rders gew�tet und ihm mit eigenen H�nden die Organe herausgerissen!</p><p>Pl�tzlich trat einer der M�nner aus der Gruppe, die um das Feuer sa�, zwischen den Architekten und den Kardinal. Die beiden Herren, so bat er inst�ndig, sollten ihren Streit doch an einem anderen Ort austragen. Hier k�nne man keine Scherereien gebrauchen. Bramante und Giacomo starrten �berrascht auf den verlumpten Mann, der mit ausgestreckten Armen und nach oben gedrehten Handfl�chen zwischen ihnen stand, bittend, ein Friedensstifter. Recht hatte er, den Tod des Kardinals oder des Baumeisters w�rde man diesen Leuten in die Schuhe schieben. Aus Sicht der Obrigkeit gaben sie die idealen S�ndenb�cke ab, denn niemand w�rde f�r den Mord an dem Kardinal den Baumeister des Papstes verantwortlich machen oder das gewaltsame Ableben des Kardinals mit dem Architekten in Verbindung bringen. Giacomo musterte erst Bramante, dann seinen Begleiter. Ein verzerrtes L�cheln erschien auf seinem Gesicht.</p><p>�Die beiden <emphasis>bravi</emphasis> waren angewiesen, Euer Leben zu schonen. An diese R�cksichtnahme f�hle ich mich nicht mehr gebunden.�</p><p>Bramante spuckte aus.</p><p>�Und du�, wandte sich Giacomo mit scharfer Stimme an Ascanio, ��berlege gut, ob du einem H�retiker helfen willst. Wenn du dich gegen mich stellst, wird es ein schlimmes Ende mit dir nehmen.�</p><p>Bramantes Leibw�chter verzog nur ver�chtlich den Mund und hob drohend sein Rapier. �Der Degensto�, der mich ins Jenseits bef�rdern wird, ist bereits im Himmel beschlossen. Daran k�nnt nicht einmal Ihr als Kardinal etwas �ndern. Wir k�nnen den Tod weder suchen noch ihm entfliehen, er findet uns.�</p><p>�Was macht dich so sicher, dass es kein Scheiterhaufen sein wird?� Giacomo wollte Ascanio einsch�chtern, aber dieser l�chelte nur und schwieg.</p><p>�Ihr seid des Todes, Donato, und du auch, Mess�r Schlagetot! So oder so.� Giacomo steckte den Degen ein und verschwand in der Dunkelheit.</p><p>Bramante wollte ihm hinterherst�rzen, diese Gelegenheit konnte er sich unm�glich entgehen lassen, da schlug er der L�nge nach hin. Im gleichen Moment landete Ascanios Faust im Gesicht des Friedenstifters, der Bramante ein Bein gestellt hatte. Der Mann wankte, dann sagte er mit leiser, aber fester Stimme: �Verzeiht, gn�diger Herr, aber ich sagte, nicht hier!�</p><p>Bramante erhob sich �chzend und wollte seine Wut an dem Lumpenmann auslassen, doch Ascanio hielt ihn zur�ck.</p><p>�Der Mann hat recht, Mess�r Donato!�</p><p>Der Baumeister steckte den Degen ein. Wenigstens kannte er nun den M�rder des Grafen. Der Weg zur Rache war offen, er w�rde sich Zeit lassen. Zuerst wollte er den Dom errichten, um zu zeigen, dass die <emphasis>Fedeli</emphasis> noch lebten, auch wenn ihr Haupt deshalb ermordet worden war. Im Stillen schmiedete Bramante den Plan f�r sein Vernichtungswerk: Erst w�rde er den Kardinal t�ten, dann den Menschen. Manchmal war es gut, wenn die Karten offen auf dem Tisch lagen. Und er machte sich keinerlei Illusionen dar�ber, wie sich der Dominikaner verhalten w�rde. Giacomo il Catalano konnte nicht dulden, dass es Menschen gab, die wussten, dass er der M�rder des Grafen Giovanni Pico della Mirandola war, des gr��ten Philosophen seiner Zeit.</p></section><section><empty-line/><p>29</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Carrara, Anno Domini 1505</p><p>Der Regen walkte die Haut des Marmors, die R�cken der Arbeiter und die Gesichter der Seeleute unbarmherzig durch und scheuerte die Planken der kleinen <emphasis>caracca</emphasis>, die auf den Hafenwellen schaukelte. Das Schiff konnte sein Alter kaum verbergen, die Planken wirkten t�chtig seegegerbt. Michelangelo hatte nat�rlich den Reeder gew�hlt, der den geringsten Preis f�r den Transport verlangt hatte. Es war ihm gelungen, den Abbruch und Transport der Steine f�r f�nfhundertf�nfzig Dukaten zu erlangen.</p><p>Von den restlichen tausend Dukaten aus der p�pstlichen Anzahlung hatte Michelangelos Vater ein sch�nes Landgut erworben. Dieses sollte der Grundstock des Imperiums aus Grundst�cken und Geb�uden werden, das Michelangelo zu errichten gedachte, um f�r sich und seine Familie den angestammten Platz in der Gesellschaft zur�ckzuerobern. Nie hatte er vergessen, weshalb er sich von Contessina trennen musste, nie den Schmerz �ber die Deklassierung �berwunden.</p><p>Deshalb hatte er mit der gut einhundertf�nfzig Jahre alten <emphasis>caracca</emphasis> vorliebgenommen. Obwohl es l�ngst auf Mittag zuging, blieb es unter der schwarzen Wolkendecke dunkel. Seit Tagen hatten sie kein Sonnenlicht gesehen. Die gro�en Steine wurden mithilfe eines aus Balken errichteten Kranes verladen, an dessen schwenkbarem Arm eine Seilwinde hing, in der Taue zusammenliefen. Der Kran, der einem nackten Baum glich, schwankte ein wenig unter dem Gewicht des Quaders, w�hrend sie die wertvolle Last vorsichtig in den Bauch des Dreimasters hinunterlie�en. Nun lag nur noch ein Quader am Verladeplatz, ein riesiger Block. Langsam zogen die Arbeiter den Koloss mittels der Winde hoch. Je h�her sie ihn hievten, umso bedenklicher �chzte und wankte der Kran. Auf dem Achterkastell stand der Steuermann und sah dem Verladevorgang mit unbewegter Miene zu. Der Kapit�n, der mit dem R�cken am Gro�mast lehnte, br�llte: �Langsam, langsam, langsam, ihr Hundes�hne! Wenn der Brocken aus den Seilen gleitet, zerschl�gt er mir den Steven und die Planken. Langsam, hab ich gesagt! Ihr kommt noch fr�h genug auf eure Frauen!�</p><p>Wie von Geisterhand getragen schwebte der Block in den Schiffsraum. Sie mussten verhindern, dass er zu pendeln begann, denn dann w�rde er au�er Kontrolle geraten. Michelangelo ging �ber einen abgewetzten Laufsteg an Bord und trat neben den Kapit�n, einen rothaarigen Kerl mit einer bl�ulichen Knollennase, untersetzt und muskul�s.</p><p>Hingerissen betrachtete der Bildhauer die vierzehn Steine, einer sch�ner als der andere, die ersten, die er auf ihrem Weg nach Rom begleiten w�rde. Die anderen k�men bald schon nach. Aus ihnen w�rde er die Siegesg�ttinnen mei�eln. Man konnte es ahnen, denn er hatte sie bereits im Steinbruch vor dem Transport bossiert. Den Abschluss bildete der Koloss, aus dem er den Moses erschaffen wollte. Langsam senkte sich der vorbearbeitete Marmor hinab, verfolgt von Michelangelos z�rtlichem Blick.</p><p>Er sah nicht den Quader, er sah bereits die fertige Figur, die er bald schon aus dem Stein befreien w�rde. Der erste Gesetzgeber. Mehr noch, der erste Mensch, der Gott wirklich begegnet war auf dem Berge Sinai. Mensch und Gott, was f�r eine atemberaubende Situation. Es musste ihn ver�ndert haben. Und so wollte Michelangelo ihn erschaffen, sitzend, in der Ruhe des Mannes, der alles schon erlebt hat und der nicht mehr zweifelt und nichts mehr f�rchtet, der die gro�e und verzehrende Menschenangst vor dem Tod hinter sich gelassen hat, weil Gott in ihm lebt. Wonach Mystiker seit vielen Jahrhunderten strebten und ihr ganzes Leben daf�r gaben � Gott pers�nlich gegen�berzustehen, ihn zu schauen, sich mit ihm zu vereinen �, das war ihm gelungen. Was hatte Gott auf die Frage, wer er sei, geantwortet? Ich bin, der ich bin. Genauso w�rde der Bildhauer seinen Moses erwecken, als denjenigen, der ist, wer er ist. Michelangelo l�chelte. War es nicht das, was die Philosophen und die Theologen das Wesen oder die Substanz nannten: das zu sein, was es ist. Er konnte es in der Tat kaum erwarten, in Rom einzutreffen und endlich anfangen zu d�rfen. Manchmal ertappte er sich dabei, dass sich seine H�nde r�hrten, als hielten sie Hammer und Mei�el und w�rden nun die Skulptur aus der Luft schlagen.</p><p>�Wir h�tten ihn zuunterst legen sollen, weil er der gr��te ist�, brummte der Kapit�n.</p><p>�Damit er von den anderen Steinen gedr�ckt oder vielleicht angebrochen wird? Nein, aus dem da wird eine Figur, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.�</p><p>Der Seemann spuckte aus und schwieg.</p><p>Francesco, der eine panische Angst vor dem Meer hatte, lie� sich von einem starken Arbeiter an Bord tragen. Um nichts in der Welt w�re er �ber das schmale Brett balanciert. Michelangelo rechnete es seinem Diener, der trotz der seltenen Entlohnung freiwillig bei ihm blieb, hoch an, dass er all das Ungemach �ber sich ergehen lie�. Im Grunde war der kleine Francesco der mutigste Mensch, den er kannte, weil er seine vielen �ngste st�ndig �berwand.</p><p>�Mess�r Michelangelo, lasst uns morgen auslaufen. Ich f�rchte, wir geraten in einen furchtbaren Sturm�, sagte der Kapit�n nachdenklich mit Blick auf die schwarze Wand, die sich seew�rts aufbaute. �Es sind die Herbstst�rme.�</p><p>�Morgen werdet Ihr mir �bermorgen sagen und �bermorgen vielleicht � ach, lassen wir das. Ist das Schiff denn im Hafen sicher?�</p><p>�Das wei� niemand, aber wenigstens wir sind sicher.�</p><p>�Sicher sind wir nur in Gott. Wir stechen in See, ich muss nach Rom zur�ck! Ich kann nicht l�nger warten.�</p><p>Der Kapit�n brummte einen unverst�ndlichen Fluch, dann br�llte er: �Alles klarmachen zum Ablegen.�</p><p>�Alles klar, <emphasis>capitano</emphasis>�, echote der Bootsmann vom Hafenpier.</p><p>Der Bootsmann und die Matrosen, die an Land beim Verladen geholfen hatten, kehrten auf das Schiff zur�ck. Ein Junge von vielleicht sechzehn Jahren holte den Steg ein, wobei ihm der Bootsmann im Vorbeigehen gutm�tig �ber den zerzausten Kopf strich.</p><p>�In drei Teufels Namen, Leinen los!�, befahl der Kapit�n.</p><p>�Leinen los!�, rief der Bootsmann. Zwei M�nner l�sten die Seemannsknoten der Taue. Zwanzig Matrosen standen an der Reling und stie�en das Schiff mit langen Stangen von der Hafenwand ab. Gem�chlich drehte sich der Dreimaster Richtung Meer. Der Kapit�n lie� das Sprietsegel setzen. Sogleich bauschte der Wind das kleine Segel auf. Langsam kam die <emphasis>caracca</emphasis> in Fahrt. Der Steuermann musste kreuzen, um den Wind im Segel zu behalten.</p><p>�Lateinersegel setzen�, befahl der Kapit�n. Das dreieckige Segel am Besanmast, der sich hinter dem Gro�mast in den dunklen Himmel erhob, fing den Seitenwind besser auf. Die gro�en Rahsegel zu setzen wagte er noch nicht, erst wollte er sehen, wie es auf offener See sein w�rde. Sie segelten in die schwarze Wand aus hartem Regen wie in die H�lle. Und dabei war es erst Mittag. Francescos Nase nahm eine gr�ne Farbe an. Er kauerte sich an den Fu� der Treppe am Achterkastell, die zur Br�cke f�hrte, und betete unabl�ssig.</p><p>�Du wirst nicht sterben�, fuhr ihn der Bildhauer an.</p><p>�Woher wisst Ihr das?�</p><p>�Weil es da oben steht�, sagte Michelangelo und wies zum Himmel.</p><p>�Ach, und Ihr k�nnt das lesen�, entgegnete ihm Francesco skeptisch.</p><p>An der ligurischen K�ste hatten sie die Steine geladen, nun segelten sie durch das Tyrrhenische Meer Richtung S�den nach Ostia. Der Kapit�n fuhr wegen des Sturmes weiter als gew�hnlich aufs Meer hinaus, weil er f�rchtete, vom Sturm an die K�ste oder gegen die Klippen gedr�ckt zu werden, die er wegen der schlechten Sicht zu sp�t wahrnehmen w�rde. Der Wind blies so kr�ftig, dass er weiterhin auf die Rahsegel verzichtete. Die Ladung der Steine und ihre Vert�uung hatte er pers�nlich �berwacht. Es gen�gte, wenn ein einzelner Block ins Rutschen k�me. Dann w�re es um Mann und Maus geschehen, denn der schwere Brocken konnte das Schiff entweder zum Kentern bringen oder die Holzplanken durchschlagen. So oder so w�rden sie sich am Meeresgrund wiederfinden.</p><p>Michelangelo wusste, dass es gegen alle Vernunft gewesen war, den Rat des erfahrenen Seemannes auszuschlagen, aber ihn hatte die Geduld verlassen. B�se Vorahnungen trieben ihn zur�ck nach Rom. Der Sturm nahm immer mehr an Kraft zu. Michelangelo gesellte sich zu dem Kapit�n auf die Galerie. Jetzt, wo es entschieden war, dass sie sich in Gottes Hand und in den Sturm bewegten, wirkte dieser ruhiger.</p><p>�Lateinersegel reffen!�, befahl er. Die Welt versank in Finsternis, und Himmel, Horizont und Wasser waren nicht mehr zu unterscheiden. Sie bewegten sich in einem ununterscheidbaren Schwarzgrau, das nur aus feiner N�sse bestand. Und als sei das noch nicht Furcht einfl��end genug, stimmte der Sturm ein Geheul an, das allen durch Mark und Bein drang.</p><p>�Das sind die Seelen der Verdammten, der s�ndigen Seeleute, die hier drau�en ihr Leben gelassen haben. Haben keine Erl�sung gefunden, die armen Kerle. Br�llen seitdem, als brate man sie am Spie�. Wie ist es mit Euch, Mess�r Michelangelo, bereut Ihr jetzt Euren Entschluss?�</p><p>�Nein! Und was die Seelen betrifft, schlie�e ich sie in mein Gebet ein�, antwortete der K�nstler trocken.</p><p>Der Kapit�n schaute den Bildhauer erstaunt an. Ein harter Knochen! Die Wogen ergriffen das Schiff und spielten mit ihm. Michelangelo sah, dass der erfahrene Seemann neben ihm blass wurde. �Die See kabbelt.�</p><p>�Was hei�t das?�</p><p>�Dass wir in Gottes Hand sind. Mal kommt eine Welle von vorn, mal von der rechten, mal von der linken Seite, weil die Windrichtung st�ndig wechselt. Das ist wirklich schlimm. Ich kann keinen Kurs einschlagen, jeder Kurs kann der falsche sein.�</p><p>Der Kapit�n hatte kaum ausgesprochen, als eine Welle ihr Wasser �ber ihnen aussch�ttete. Das Schiff sprang hin und her. Manchmal kr�ngte es, dann raste es wieder in ein Wellental.</p><p>Francesco hatte inzwischen seinen ganzen Mageninhalt auf die Planken gespien, der vom Wasser ins Meer gewischt wurde, jetzt kam nur noch Galle.</p><p>Trotz des br�llenden Sturmes fuhren alle bei dem Knall zusammen, dem ein stampfendes und reibendes Ger�usch folgte. Das Schiff neigte sich zur Seite.</p><p>�Der Marmor!�, br�llte der Kapit�n.</p><p>Michelangelo folgte ihm die Treppen hinunter zum Laderaum. W�hrend der Kapit�n die Klappe �ffnete, neigte sich das Boot immer mehr nach links. Zwei Seile waren gerissen und der durch sie fixierte Block rutschte immer weiter auf die linke Schiffsseite.</p><p>�Wer an seinem Leben h�ngt, zu mir!�, br�llte der Kapit�n. Rasch kletterte Michelangelo zu ihm in den Laderaum, gefolgt von vier Matrosen. �Nehmt euch Bohlen! Und beeilt euch! Die n�chste Welle von rechts bringt uns zum Kentern!�</p><p>Die Matrosen bewaffneten sich mit Holzbalken, die sie als Hebel benutzten, um den Quader �ber die von den unteren Marmorbl�cken gebildete schiefe Ebene nach oben zu schieben. Auch Michelangelo packte mit an. Nur das Gl�ck konnte noch helfen, keine Woge durfte von rechts kommen und die anderen Steine nicht in Bewegung geraten. Beides h�tte bedeutet, dass das Boot kenterte. Immer wieder stemmten sich die M�nner mit ganzer Kraft gegen den Stein, aus dem nach dem Willen des Bildhauers einmal der Moses entstehen sollte. Es gelang ihnen zwar, den Block etwas zu bewegen, aber sie vermochten ihn nicht zu halten. Schon rutschte er in die alte Lage zur�ck. Wenigstens verhinderten sie, dass er weiter nach links sackte.</p><p>�Haltet den Teufelsstein in dieser Position�, befahl der Kapit�n.</p><p>Michelangelo verzog unwillig das Gesicht. Teuflisch war nicht der Stein, sondern das gerissene Tau. Wer wei�, wie alt es schon war und was es alles bereits gehalten hatte. Aber was wollte er verlangen? Schlie�lich hatte er wenig gezahlt und diesen Seelenverk�ufer mit Blick auf den unschlagbaren Preis angemietet.</p><p>Der Kapit�n kletterte aus dem Laderaum und rief die anderen Matrosen, einschlie�lich des Steuermanns, herbei. Gemeinsam schafften sie es Zug um Zug, den Stein zur�ckzuschieben. Sie benutzten Holzkeile, um ihn zu fixieren. Nun mussten sie ihn nur noch mit Seilen festbinden. Da traf sie eine Woge von rechts mit voller Wucht. Die Keile brachen wie Halme, und der Stein setzte sich erneut in Bewegung. Geistesgegenw�rtig stellte der Kapit�n seine Bohle gegen einen Stein und legte sie mit der anderen Seite an die Oberkante des Laderaumes, zwei Matrosen taten es ihm gleich. So krachte der Fels gegen die Balken, die �chzten, aber noch standhielten. Wieder dr�ckten sie mit Balken den Brocken in seine alte Lage zur�ck. Diesmal gelang es, ihn zu fixieren und zu vert�uen. Obwohl sie v�llig ausgelaugt und ersch�pft waren, dachte keiner an Ausruhen. Den Kampf gegen die Gewalten hatten sie keineswegs gewonnen. Keine Minute zu fr�h kletterte der Steuermann aus dem Laderaum, um zu seinem Steuer zur�ckzukommen. Das Schiff raste auf die Insel Gorgona zu.</p><p>�Wenn ich auch nur einen Mann verloren h�tte�, raunte der Kapit�n Michelangelo mit versteinerter Miene zu, �ich h�tte Euch erschlagen!�</p><p>�Der Versuch w�re Euer sicherer Tod gewesen!�, gab der Bildhauer ruhig zur�ck.</p><p>Von der Insel sahen sie kaum etwas, und im Tosen des Sturmes ging auch das Ger�usch der Wellen unter, die an den Klippen der Felseninsel zerbrachen.</p><p>Erst in der Nacht legte sich das Unwetter endlich. Michelangelo und Francesco fanden nach dem Abendessen, das aus Wein und Zwieback mit etwas K�se bestand, auf den Francesco verzichtet hatte, in ihrer Kaj�te im Bauch des Achterkastells ein wenig Ruhe. W�hrend der Bildhauer nach einem kurzen Gebet sofort einschlief, flehte der Diener die Muttergottes an und setzte mit den Bu�psalmen fort, bis auch ihn irgendwann der Schlaf einfing.</p><p>Der n�chste Morgen konnte zwar nicht sonnig und sch�n genannt werden, aber wenigstens hatte der Sturm nachgelassen und es regnete nur. Nichts erinnerte mehr an die schwarze Wand, und obschon man die Sonne nicht sah, konnte man ihre Anwesenheit im diffusen Licht erahnen. Der Kapit�n hatte die Rahsegel an Fock- und Gro�mast setzen lassen, ebenfalls das Lateiner- und das Sprietsegel. Das Schiff nahm Fahrt auf und jagte �ber die Wellen dahin. Michelangelo gesellte sich wieder zu dem Kapit�n auf die Br�cke.</p><p>�Wenn das Wetter nicht schlechter wird, sind wir morgen in Ostia�, sagte der Seemann, ohne seinen Blick vom Wasser zu wenden. Er erwartete keine Antwort, und Michelangelo war auch nicht zu einem Gespr�ch aufgelegt. In diesen Momenten des Schweigens waren sich die M�nner nahe, denn nicht best�ndig reden zu m�ssen empfanden beide als Geschenk. Sie hassten das st�ndige Geschw�tz, das die Stille der Welt zerst�rte. Die Menschen redeten, obwohl sie nichts mitzuteilen hatten, sie redeten aus Langeweile, weil sie einen betr�gen oder aushorchen wollten oder im schlimmsten Fall aus Angst. Wenn ein Zauberer Michelangelo angeboten h�tte, seinen Figuren eine Stimme zu verleihen, h�tte er dies br�sk abgelehnt � seine Figuren sprachen ja, aber sie schwatzten nicht.</p><p>�Nimmt Marmor eigentlich Wasser auf?�, fragte nach einer guten Weile der Kapit�n.</p><p>�Er saugt sich voll.�</p><p>�Dann kann es passieren, wenn es weiter so regnet, dass wir uns von einem Block trennen m�ssen, weil wir zu schwer werden.�</p><p>�Eher geht Ihr zu den Fischen als einer von meinen Steinen�, erwiderte der Bildhauer d�ster. Auch wenn er diese Drohung wohl kaum in die Tat umsetzen konnte, w�rde er alles daf�r tun. Der Kapit�n f�hlte wenig Neigung, das auszuprobieren, und betete, dass der Regen nachlassen w�rde. Der Mann neben ihm war in seinen Augen ein Verr�ckter.</p><p>Am n�chsten Tag tauchte um die Mittagszeit der Hafen von Ostia vor ihnen auf, und wenig sp�ter begann bereits das Verladen der Bl�cke auf die Tiberschiffe. F�nf Barken wurden ben�tigt: Auf vier von ihnen fanden jeweils drei Marmorbl�cke Platz, der Moses brauchte ein eigenes Gef�hrt.</p><p>In den sp�ten Abendstunden legte die kleine Marmorflotte in Rom im Ripetta-Hafen an. Die Schiffer und Transportleute weigerten sich, die Boote noch in der Nacht zu entladen, sondern vert�uten sie nur gut am Ufer. Michelangelo war au�er sich vor Zorn, konnte aber nichts dagegen ausrichten. Er entschloss sich, die Nacht bei seinen Steinen zu verbringen, um auf sie aufzupassen. Francesco schickte er aus, um einen kleinen Imbiss zu besorgen. Nachdem sie sich gest�rkt hatten, durfte sich Francesco auf den Heimweg machen, w�hrend Michelangelo am Ufer auf und ab schritt.</p><p>Die Kunde von seiner Ankunft machte in Rom schneller die Runde, als er ahnen konnte. Fast zur gleichen Stunde erfuhren der Kardinal Catalano und Donato Bramante von Michelangelos R�ckkehr.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>In der Stunde zwischen Hund und Katz, als sich der Morgen kalt in die schlafende Stadt schlich und die wohlige Nacht vertrieb, marschierten f�nf vermummte Gestalten zum Hafen. Als der frierende und �berm�dete Michelangelo sie entdeckte, standen sie schon fast vor ihm. Er zog sein Rapier, aber einer der finsteren Gesellen schlug ihm mit seinem Degen die Waffe aus der Hand. Niemand hatte den Bildhauer im Fechten ausgebildet. Ohne etwas zu sagen, packten sie ihn derb, dann fesselten und knebelten sie ihn. Anschlie�end lichteten sie die Anker der Schiffe und schlugen L�cher in die Schiffsflanken. Dann verschwanden sie wieder so schnell, wie sie erschienen waren.</p><p>Michelangelo b�umte sich w�tend auf und r�ttelte an den Stricken, die ihm schmerzhaft in die Haut schnitten. Der Knebel hinderte ihn daran, um Hilfe zu rufen. Er erstickte fast an seinen Schreien, denn er musste fassungslos zusehen, wie die Barken mit seinem geliebten Marmor auf den Fluss hinaustrieben. M�hsam w�lzte er sich auf den Bauch, dann st�tzte er sich mit dem Kopf vom staubigen Boden ab und zog die Beine an. Mit Haupt und Schulter gegendr�ckend, winkelte er das rechte Bein an und stellte es auf, mit dem linken folgend gelang es ihm, in die Hocke und von dort in den Stand zu gelangen.</p><p>Er rannte zum Zollamt am Einganstor zum Hafen. Dort entz�ndete ein Mann gerade eine Kerze und schaute aus dem Fenster hinunter zum Hafen. Michelangelo versuchte, ihn auf sich aufmerksam zu machen. Er sprang hoch, st�rzte aber und landete unsanft auf den Steinen. Er fluchte und k�mpfte verbissen, um wieder auf die F��e zu kommen. Da trat der Z�llner, ein kleiner, rundlicher Kerl mit schwarzen Bartstoppeln am Doppelkinn, ins Freie. Er rieb sich die Augen und streckte sich gem�chlich. Dann entdeckte er den Baumeister, griff ihm unter die Arme und half ihm hoch. Er starrte Michelangelo eine Weile verbl�fft an, bevor er ihm endlich den Knebel aus dem Mund zog. Michelangelo empfand zwar Ekel vor den schmutzigen Fingern in seinem Mund, aber endlich konnte er wieder sprechen!</p><p>�Binde mich sofort los!�, fuhr er den dicken Z�llner mit heiserer Stimme an. �Ich bin �berfallen worden!�</p><p>W�hrend der Mann ungeschickt an den Fesseln zerrte, schaute Michelangelo wieder zum Tiber. Die Barken begannen zu sinken! Tr�nen traten ihm in die Augen.</p><p>�Schnell, hol die Schiffer!�</p><p>Der Z�llner rannte los, so schnell ihn seine kurzen Beine trugen. Michelangelo entdeckte ein kleines Boot, stieg hinein und ruderte zu der Barke mit dem Stein f�r den Moses. Fieberhaft �berlegte er, was er tun sollte. Schlie�lich begann er, das Wasser auszusch�pfen. Nach kurzer Zeit kamen die Schiffseigner herbeigeeilt. Man sah ihnen an, dass sie aus den Betten gesprungen waren, ohne sich um eine passende Kleidung zu k�mmern. Was hier im Begriff stand, unwiederbringlich in den gelbgr�nen Wogen des Flusses zu versinken, war ihre Existenz! Sie st�rzten sich in Boote oder gleich ins kalte Wasser und ruderten oder schwammen zu ihren Barken. Inzwischen f�llte sich der Hafen mit Arbeitern, die sich sogleich an der Rettung der Schiffe beteiligten. Zwei Schiffe mit sechs Bl�cken wurden in den Hafen gebracht, zwei Barken versanken mitten im Tiber. Am sp�ten Nachmittag gelang es mit viel M�he, die Steine, die sie an Bord hatten, aus dem flachen Gew�sser zu heben. Am Abend lagen der Stein f�r den Moses, der ebenfalls hatte geborgen werden k�nnen, und zehn weitere Steine f�r die Siegesg�ttinnen auf dem Hafengel�nde. Insgesamt hatte Michelangelo vier Marmorbl�cke verloren � es h�tte bei Weitem schlimmer kommen k�nnen! F�r den finanziellen Verlust musste der Papst aufkommen, beschloss er, ohne dabei zu bedenken, dass er selbst bereits den gr��eren Teil der Summe f�r seine privaten Zwecke abgezweigt hatte. Das Gewissen des Bildhauers war rein. Schlie�lich hatte er gut gewirtschaftet. Und es war ganz und gar nicht seine Schuld, dass die p�pstlichen Beh�rden solches Lumpenpack, wie es ihn �berfallen hatte, noch nicht aus der Stadt vertrieben hatten, obwohl die Stadt, wie er zugeben musste, seit den Tagen des unseligen Borgia viel sicherer geworden war. Noch heute wollte er sich beim Papst beschweren und Anzeige erstatten. Wer sich an Steinen verging, machte auch vor Menschen nicht halt! �berdies hatte er den ganzen Marmor ja bereits zugehauen, um so wenig wie m�glich an �berfl�ssigem Stein mit auf den beschwerlichen Weg nach Rom zu nehmen.</p><empty-line/></section><section><p>30</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505</p><p>F�r Bramante begann die faszinierendste Zeit seines Lebens. Er f�hlte sich, als seien die Tage der <emphasis>Fedeli</emphasis> zur�ckgekehrt. Dank seines Leibw�chters und einer gewissen Vorsicht blieb er von Nachstellungen und Anschl�gen des Kardinals verschont. Er rechnete immer wieder die Proportionen und L�ngen nach und lie� Antonio zeichnen, bis er eines Tages zum Papst gerufen wurde.</p><p>Er hatte kaum die <emphasis>Stanza della Segnatura</emphasis> betreten, als ihn der triumphierende Blick des Erzpriesters von Sankt Peter traf. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Fast trotzig hielt er Giacomo den Ring entgegen, den er am Finger trug. Augenblicklich verschwand der Triumph aus den Augen des Dominikaners, und sein Gesicht verd�sterte sich. Bramante l�chelte boshaft und beugte sich zum Boden, um dem Papst die F��e zu k�ssen. Inzwischen war es Julius jedoch zur Gewohnheit geworden, seinen Baumeister daran zu hindern, indem er ihm die Hand mit dem Fischerring hinhielt. Bramante richtete sich also wieder auf, k�sste den Ring des Papstes. Dann begr��te er mit einem freundschaftlichen Nicken Giuliano da Sangallo, der eine schwarze Mappe in der Hand hielt und in einen grasgr�nen Mantel gekleidet war. Einzig der Samt machte die Farbe des Mantels ertr�glich. Bramante �berlegte kurz, ob der alte Schweren�ter wohl eine neue Geliebte hatte. Dann wandte er sich Michelangelo zu.</p><p>�Ah, Mess�r Michelangelo, mit Best�rzung habe ich von dem furchtbaren Anschlag erfahren. Gottlob, Ihr seid am Leben!�, rief er und blickte dabei kurz zu Giacomo hin�ber, um ihm zu zeigen, dass er wusste, wer hinter dem �berfall steckte. Der Kardinal erwiderte den Blick kalt und ohne jede Regung. Er hielt ihn f�r einen Heuchler, und damit hatte er zumindest in diesem Fall recht, wie sich Bramante im Stillen eingestehen musste. Sein etwas zu dick aufgetragenes Mitgef�hl hatte allerdings eine andere, unbeabsichtigte Wirkung. Michelangelo ma� ihn mit einem durchdringenden Blick, so als hielte er ihn f�r den Auftraggeber des �berfalls.</p><p>�Ich wei� Euer Mitgef�hl zu sch�tzen, aber der Heilige Vater hat meinen Verlust geheilt und mich in einer so gro�z�gigen Weise getr�stet, wie es ein armer Mann wie ich nicht einmal zu hoffen wagen durfte.�</p><p>�Mit einer �ppigen Zuwendung aus dem Schatz der Kirche, nicht wahr, Bruder Alidosi�, f�gte Giacomo mit einem selbstgef�lligen L�cheln hinzu. Offenbar wollte er Bramante treffen, indem er seinen Neid anstachelte. Der elegante Kardinal Alidosi zuckte zusammen, weil er es nicht sch�tzte, von seinem Kollegen in der schlichten Dominikanerkutte vertraulich als Bruder angesprochen zu werden.</p><p>Bramante kaute auf seiner Unterlippe und sagte dann: �Wisst Ihr, Fr� Giacomo, das Geld ist vortrefflich angelegt, denn es wird den Schatz der Kirche mehren.�</p><p>�Genug, wir sind hier keine Kr�mer auf dem Markt!�, rief der Papst ungeduldig und erteilte dem Erzpriester von Sankt Peter das Wort. Giacomo Kardinal Catalano breitete auf dem schweren Ebenholztisch einen Grundriss aus. Bramante erkannte mit einem Blick, dass dies nur der Entwurf Fr� Giocondos sein konnte, den der Architektenm�nch aus Venedig gesandt hatte. Er zeigte eine f�nfschiffige Kirche in rechteckiger Form, abgeschlossen von einem Chorbogen. Julius II. studierte, nicht eben begeistert, den Plan.</p><p>�Was soll das sein? Ein alter Mann, der, von Gicht geplagt, schmerzhaft den Kopf zwischen seinen Schultern einzieht?�, spottete Bramante.</p><p>�Der Entwurf l�sst unsere heilige Basilika unangetastet und schl�gt vor, sie einfach zu umbauen. Das ist genial�, erkl�rte der Erzpriester.</p><p>Bramante lachte auf. �H�re ich recht? Ihr wollt die Basilika in einem Sack aus Mauerwerk verstecken?�</p><p>Der �tzende Hohn in diesen Worten lie� Giacomo zusammenzucken. Dass eine Bezeichnung wie �Sack aus Mauerwerk� f�r den Vorschlag seines Ordensbruders t�dlich war, ging selbst dem Theologen auf, der in Fragen der Baukunst trotz der vielen Jahre, der er bereits der Dombauh�tte von Sankt Peter vorstand, ein Laie geblieben war. Julius w�rdigte den Entwurf mit keinem Wort, sondern forderte Giuliano da Sangallo auf, seinen Plan zu pr�sentieren.</p><p>Bramantes Anspannung stieg. Er wusste ja bereits, was kommen w�rde, denn er kannte Sangallos Plan. Doch die Reaktion des Papstes w�rde seine eigene Strategie festlegen. Ihm kam es nur drauf an, einen antiken Tempel von schwindelerregender H�he zu errichten. Ob sich zu dessen F��en noch ein Langhaus duckte oder nicht, war ihm letztlich gleichg�ltig.</p><p>Sangallos Entwurf stand im vollkommenen Gegensatz zum Vorschlag des Architektenm�nches. Er hatte einen Zentralbau �ber der Grundfl�che eines griechischen Kreuzes errichtet, also ein Quadrat, �ber dem sich an den vier Ecken m�chtige Vierungspfeiler in den Himmel erhoben, als S�ulen der Erde f�r die Kuppel des Himmels. Bramantes und Michelangelos Blicke trafen sich. Selten waren sie sich so nah gewesen wie in diesem Augenblick. Jeder las in den Augen des anderen die Bewunderung f�r Sangallos Entwurf, dessen Radikalit�t eine gro�e Verneigung vor der guten Baukunst der Alten war.</p><p>�Dieser Tempel wird Euer Grabmal in idealer Weise aufnehmen, Heiliger Vater�, rief Michelangelo entz�ckt.</p><p>Doch Julius II. hielt sich mit seiner Meinung zur�ck und forderte den Erzpriester auf, sich zu �u�ern.</p><p>�Das ist H�resie!� Giacomo geriet au�er sich vor Emp�rung. �Seht Euch vor, Sangallo, Ihr wollt im Herzen der Christenheit einen heidnischen Tempel errichten!� Er warf sich dem Papst zu F��en und fuhr nahezu beschw�rerisch fort: �Eure Heiligkeit, wenn es Euer Wille ist, dass unsere gute alte, von Konstantin errichtete und vom heiligen Papst Sylvester geweihte Basilika geschleift und an ihrer Stelle als ein Zeichen des Sieges des Heidentums �ber das Christentum ein Tempel errichtet wird, so will und kann ich dem nicht widersprechen. Aber dann entbindet mich von meinen Aufgaben und schickt mich weit fort, ins Morgenland zur Mission oder zu den Pest- und Cholerakranken, um sie zu heilen. Lieber will ich im Dienste Christi sterben als Zeuge dieses Frevels werden!�</p><p>Da der Kardinal nicht als Schw�tzer galt, verschlug dieser Gef�hlsausbruch allen im Saal die Sprache. Betretenes Schweigen breitete sich aus. Der Papst reichte Giacomo die Hand und half ihm, sich wieder zu erheben.</p><p>�Giulianos Vorschlag ist zwar sehr interessant, aber er schie�t leider �ber das Ziel hinaus. Wir wollen einen w�rdigen Platz f�r Unser Grabmal, und Wir wollen ihn bald. Die Idee von Fr� Giocondo, Alt Sankt Peter zu umbauen, scheint Uns gut zu sein, aber der Entwurf �berzeugt Uns in architektonischer Hinsicht nicht. Du kennst deine Aufgabe, ehrenwerter Donato?�</p><p>�Gewiss, Heiliger Vater�, sagte Bramante, der nur m�hsam ein triumphierendes L�cheln verbarg, und verneigte sich.</p><p>Dann griff er nach dem Plan, der auf dem Tisch lag, und holte aus seinem schwarzen Mantel eine kleine Holzkiste mit Bleistiften hervor. Er hielt den Entwurf umgekehrt gegen das Licht und pauste die Vierungsarme durch. Anschlie�end legte er die Skizze mit der Vorderseite auf den Tischr�cken. Alle sahen ihm verbl�fft zu. Wenn ihn jetzt blo� nicht die Handgicht packen w�rde, betete er inst�ndig. Er sp�rte zwar einen Schmerz in der rechten Hand, �ber die er, wie in letzter Zeit so h�ufig, einen Handschuh aus wei�em Ziegenleder gestreift hatte, doch er biss die Z�hne zusammen und skizzierte tapfer weiter. Mit schnellen Strichen verband er die Vierungspfeiler zu einem Quadrat, zur perfekten Vierung, dann umgab er sie mit m�chtigen B�gen, mit drei Chorumg�ngen, die er gen Osten zum Langhaus hin �ffnete.</p><p>�Majest�t und W�rde�, sagte er schlie�lich. �Hier das Grab Petri, �ber dem sich die Kuppel des Himmels erhebt. Als Ziel, als Mittelpunkt der Welt, als heilige Majest�t, dem sich die Menschen durch die w�rdevolle Basilika n�hern.�</p><p>Der Papst nickte wohlwollend, dem Dominikaner war das Staunen regelrecht anzusehen, und Sangallo grinste vergn�gt wie ein Schuljunge. Der Architekt genoss seinen Triumph, bis zu dem Augenblick, als auch Michelangelo seine Idee lobte. Das machte ihn misstrauisch. Er brauchte nicht lange zu warten, bis der Pferdefu� des Lobes deutlich wurde. Der Bildhauer bat n�mlich darum, an den Planungsarbeiten des Architekten teilnehmen zu d�rfen. Nicht dass der gro�e Bramante seiner Hilfe bed�rfe, f�hrte Michelangelo aus, doch er k�nne ihn vielleicht dabei unterst�tzen, den Standort des Grabmals f�r den Heiligen Vater in die Planung einzubeziehen.</p><p>Bramante war davon ausgegangen, dass Michelangelo durch den Neubau aus dem Rennen war. Nun aber zeigte sich, dass dieser �ber den Umweg des Grabmals auf die Planung von Neu Sankt Peter Einfluss zu nehmen versuchte. Er, Donato Bramante, erster Baumeister des Papstes, sollte sich einen Bildhauer vorsetzen lassen, schlimmer noch, zum Diener und Ausf�hrungsgehilfen dieses dreisten Florentiners werden? Das konnte er nicht hinnehmen. Z�hneknirschend �berlegte er, was er dagegen einwenden k�nnte, als der Papst wieder das Wort ergriff.</p><p>�So soll es sein!�, entschied Julius II. �Donato, erneure den Dom. Michelangelo wird in die Planung einbezogen, denn er wei� am besten, welchen Platz mein Grabmal ben�tigt. Spute dich, mein teurer Donato, Ostern n�chsten Jahres will ich den Grundstein legen!�</p><p>Einige Wochen sp�ter kehrte Bramante unter dem Schutz Ascanios sp�t in der Nacht verdrossen von einem Gastmahl bei Agostino Chigi heim. Er hatte die Einladung nur angenommen, um den Bankier nicht zu ver�rgern � und um Imperia zu sehen. Unter den misstrauischen Blicken Chigis hatte er jedoch gerade mal zwei Worte mit ihr wechseln k�nnen. Bramante fluchte. Sie fehlte ihm von Woche zu Woche, von Tag zu Tag mehr, auch wenn er es sich ungern eingestand.</p><p>Die beiden M�nner hatten gerade die Via del Bianchi verlassen, als vor ihnen ein Mann auftauchte. Er war von Kopf bis Fu� in schwarzes Leder gekleidet, und an seinem Ohr blitzte ein silberner Ring.</p><p>�Giuseppe di Avignon�, raunte Ascanio ehrf�rchtig. Er hatte blankgezogen und mit einem schnellen Schritt zu Bramante aufgeschlossen. �Ah, Ascanio Romano! Dann werden wir also fechten m�ssen, Mess�r?�</p><p>Der Leibw�chter nickte. �Giuseppe di Avignon ist der beste Fechter, den ich kenne�, erkl�rte er dem Architekten.</p><p>�Irgendwann musste es ja so kommen, dass wir uns im Kampf gegen�berstehen�, sagte der Angreifer mit einer gewissen Wehmut. Sie verneigten sich voreinander, dann begann das Duell. Bramante konnte die Hiebe kaum verfolgen, so rasch kreuzten die beiden Fechtmeister ihre Klingen in einem eleganten Wechsel von Angreifen und Parieren, gew�rzt von klugen Finten und entschlossenen St��en. Schlie�lich gelang es Giuseppe durch eine Sforza, Ascanio die Waffe aus der Hand zu schlagen. Geistesgegenw�rtig warf Bramante seinem Leibw�chter sein eigenes Rapier zu. Dieser fing es auf, vollf�hrte eine blitzschnelle Parade, die er mit einer Riposte verband, bei der er seine Klinge entlang des Degens von Giuseppe f�hrte, sie zur Seite dr�ckte und zustie�. Als Ascanio das Rapier zur�ckzog, griff sich Giuseppe ans Herz und blickte verbl�fft auf das Blut in seiner Hand. <emphasis>�Mon coeur!�,</emphasis> fl�sterte er, bevor er tot zu Boden sank.</p><p>�Schade um ihn, er war ein guter Mann. Aber irgendwann ereilt es jeden von uns�, sagte Ascanio.</p><p>�Dann setz dich nur rechtzeitig zur Ruhe�, riet der Baumeister betroffen.</p><p>Ascanio lachte bitter und tauschte mit Bramante das Rapier. �Und wovon soll ich leben?�</p><p>�Bleib bei mir, und es soll dein Schaden nicht sein!�</p><p>�Solange Ihr solch entschlossene Feinde habt, werdet Ihr meine Dienste wahrlich brauchen. Der Kardinal muss Euch sehr hassen, wenn er einen so teuren Mann wie Giuseppe di Avignon angemietet hat.�</p><p>�Nicht weniger als ich ihn! Aber ich habe keine Zeit, mich mit Mordkomplotten zu besch�ftigen, ich muss den Tempel der Tempel errichten. Was ist im Vergleich dazu schon ein kleiner Kardinal?�</p><p>Es wurde Zeit, dass er dem Dominikaner einen Schuss vor den Bug setzte, dachte der Baumeister ver�rgert. Glaubte der etwa, Donato Bramante lie�e sich aufhalten?</p><p>Der Papst hatte Bramante zum Essen und zu einem Glas Wein eingeladen, weil er mit ihm sein neues Projekt besprechen wollte. Er w�nschte sich n�mlich eine breite Stra�e, die den Petersdom mit der Lateranbasilika, der p�pstlichen Bischofskirche, verband. Viele Prozessionen f�hrten von Sankt Peter zu San Giovanni in Laterano, und immer mussten sich die Menschen durch die engen Gassen und un�bersichtlichen Viertel von Ponte, Regola, Sant�Angelo und Sant�Eustachio qu�len. Bramante hatte vorgeschlagen, diese neue Stra�e am Tiber entlangzuf�hren, dann zum Kapitol zu schwenken, den ber�hmten H�gel links liegen zu lassen, um in gerader Linie weiter zum Lateran zu ziehen. Hei�en sollte diese Stra�e Via Giulia, nach ihrem Erbauer, dem Papst. Um dieses Projekt zu verwirklichen, hatte Bramante erkl�rt, m�sse er viele H�user abrei�en, was zu seinem Erstaunen durchaus in der Absicht des Papstes lag. Wenn er n�mlich das st�dtische Labyrinth beseitigte, wurde gleichzeitig der Sumpf trockengelegt, aus dem der rebellische r�mische Adel seine Widerstandskraft bezog. Mit der st�dtebaulichen Ver�nderung verfolgte Julius II. von Anfang an zwei Ziele � Repr�sentation und Machterweiterung.</p><p>Auch der Entwurf f�r Sankt Peter kam zur Sprache. Der Papst erinnerte Bramante wieder einmal daran, dass Michelangelo in die Planung einbezogen werden sollte, und der Architekt versprach, dem nachzukommen, wenn es an der Zeit w�re. Doch er nutzte auch die Gelegenheit, um dem Stellvertreter Christi seinen Verdacht mitzuteilen, dass der Kardinal Catalano hinter dem Anschlag auf Michelangelo steckte.</p><p>�Wie kommst du darauf?�, fragte Julius II. entr�stet.</p><p>�Mein Diener hat einen der M�nner gestellt, der mit von der Partie war. Und der hat als seinen Auftraggeber den Kardinal angegeben.�</p><p>Eine Zornesfalte teilte die Stirn des Kirchenoberhauptes. Der Papst lie� ein unwilliges R�uspern h�ren, bevor er drohend seinen rechten Zeigefinger erhob. �Dir ist bewusst, dass diese Anschuldigung l�cherlich ist? Ich werde dennoch mit dem Erzpriester reden. Er soll sich keinen Verd�chtigungen aussetzen, das schadet der W�rde des Priesters. Wenn dein Diener wieder einen dieser Kerle trifft, soll er ihn in der Engelsburg abliefern, damit er seiner gerechten Bestrafung zugef�hrt wird.�</p><p>Nach der wie immer sehr �berschaubaren Mahlzeit hatte der Papst Bramante ermahnt, zuerst den Westchor zu errichten, in dem das Grabmal aufgestellt werden sollte. Mit dem Papst zu streiten war ein aussichtsloses Unterfangen, deshalb hatte Bramante zum Abschied nur genickt.</p><empty-line/></section><section><p>31</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1505, im November</p><p>In seinen Mantel geh�llt, verlie� er den Vatikanpalast. Ascanio, der drau�en auf Bramante gewartet hatte, bemerkte sofort die tr�be Stimmung seines Herrn und schloss sich ihm wortlos an. Obwohl es November war und Dunkelheit sich auf die Ewige Stadt gesenkt hatte, wehte ein warmer Wind. In den unbeheizten Geb�uden war es durch die Feuchtigkeit inzwischen k�lter als drau�en. Bramante genoss die W�rme. Als w�rde er von einem Menschen, den er liebte, angehaucht. Mitten auf der Engelsbr�cke traf ihn die Sehnsucht wie ein Blitz. Imperia fehlte ihm. Er wunderte sich �ber sich selbst, denn das Verlangen war nicht sexueller Natur. Ihre Stimme, ihr Lachen, ihren Anblick vermisste er. Eine tiefe Traurigkeit �berfiel ihn, denn er konnte nicht zu ihr gehen. Das war Teil der Vereinbarung. Er hatte seine Liebe geopfert, damit der m�chtige Chigi ihm half, sein ertr�umtes Bauwerk zu errichten. Warum nur war ihm das so viel wert? Ganz einfach, weil sein ganzes Leben auf diesen Auftrag zulief.</p><p>Er dachte kurz daran, ein Bordell aufzusuchen oder einen Freund zu besuchen. Dann rang er sich dazu durch, nach Hause zu gehen. In der Gesellschaft von Menschen w�rde er sich nur noch einsamer f�hlen, weil Imperia nicht unter ihnen war. Er beschied Ascanio, sich schlafen zu legen, denn er hatte nicht die Absicht, noch einmal auszugehen.</p><p>In seinem Schlafzimmer z�ndete Bramante ein paar Kerzen auf einem Leuchter an und stellte ihn neben sein Bett. Er zog die Stiefel aus, seinen langen schwarzen Mantel, die schwarze �berhose, die Strumpfhose. Nur bekleidet mit seinem wei�en Hemd, das ihm bis zu den Kniekehlen reichte, stand er da und schaute melancholisch auf sein Bett. Die Erinnerung daran, was Imperia und er dort getan und besprochen hatten, zauberte f�r einen kurzen Moment ein gen�ssliches L�cheln auf seine Lippen. Ihm war, als h�re er ihr Lachen, ihren Spott, ihre Stimme, wie sie ihm Z�rtlichkeiten ins Ohr fl�sterte. Dann sah er ihre kleinen, aber kr�ftigen H�nde vor sich, die seine M�nnlichkeit umfasst hielten, und ihre festen Br�ste. Mehrmals rieb er sich mit den Handfl�chen �ber das Gesicht, als wolle er die Bilder abwaschen. Dann griff er nach dem Leuchter und stieg in seine Werkstatt hinab.</p><p>Auf dem Arbeitstisch lag der Entwurf des neuen Petersdoms, an dem Antonio da Sangallo tags�ber arbeitete. Daneben fand sich seine fl�chtige Skizze, die er w�hrend der Audienz auf die R�ckseite von Sangallos Plan gezeichnet hatte, den Antonio ins Reine �bertrug und ausarbeitete. War es das wirklich wert, dieser Idee die Liebe zu opfern? �ber sich selbst verwundert nahm er eine Bibel aus einem kleinen Regal an der r�ckw�rtigen Wand. Es war eine �bersetzung der Heiligen Schrift ins Italienische. Bramante besa� nicht eben viele B�cher, und einige hielt er unter Verschluss. Er wusste, warum.</p><p>Er nahm die Bibel und den Leuchter mit hinauf in sein Schlafzimmer, schob die Kissen zurecht und setzte sich ins Bett. Dann schlug er im Alten Testament die Seite mit dem Hohelied Salomos auf. Er hatte es nie gelesen. Er erinnerte sich lediglich daran, dass so unterschiedliche M�nner wie Leonardo, Pico, Ficino oder Poliziano von diesem Buch des Buchs der B�cher geschw�rmt hatten � allerdings auch der schwarze M�nch. Unstrittig war nur, dass es in diesem Text um die Liebe ging, und dann begann schon der Zwist: Die einen meinten, es spr�che �ber die Liebe des Menschen zu Gott, die anderen sahen in ihm Gott und die Kirche dargestellt, wieder andere Kirche und Mensch. Manche aber schoben all die Spekulationen beiseite und behaupteten k�hn, das Hohelied handele von der Liebe eines Mannes und einer Frau.</p><p>Bramante las und las bis zum Morgengrauen und mochte und konnte nicht mehr aufh�ren. Die Worte �berfielen ihn wie R�uber, die es auf seine Sinne abgesehen hatten. Zweimal musste er neue Kerzen entz�nden. Aber das st�rte ihn nicht, er sp�rte keine M�digkeit, das Herz klopfte heftig in seiner Brust, w�hrend er laut las:</p><p>�Du hast mir das Herz genommen, meine Schwester,</p><p>liebe Braut,</p><p>du hast mir das Herz genommen mit einem einzigen Blick</p><p>deiner Augen, mit einer einzigen Kette an deinem Hals.</p><p>Wie sch�n ist deine Liebe, meine Schwester, liebe Braut!</p><p>Deine Liebe ist lieblicher als Wein,</p><p>und der Geruch deiner Salben �bertrifft alle Gew�rze.</p><p>Meine Schwester, liebe Braut, du bist</p><p>ein verschlossener Garten,</p><p>eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born.</p><p>Du bist gewachsen wie ein Lustgarten von Granat�pfeln</p><p>mit edlen Fr�chten, Zyperblumen mit Narden ��</p><p>Bramante schloss die Augen und lehnte sich zur�ck.</p><p>Nach einer Weile fuhr er fort:</p><p>�Dein Scho� ist wie ein runder Becher,</p><p>dem nimmer Getr�nk mangelt.</p><p>Dein Wuchs ist hoch wie ein Palmbaum,</p><p>deine Br�ste gleichen den Weintrauben ��</p><p>In der Fr�he erhob er sich, zog sich an und trat aus dem Haus. Nichts hielt ihn zur�ck. Es kam ihm seltsam vor, doch konnte er sich nicht dagegen wehren. Ascanio schien einen leichten Schlaf zu haben, denn er hatte ihn geh�rt und folgte ihm nun wieder in leichtem Abstand. Als Bramante die Klosterkirche von San Silvestro in Capite betrat, fiel sein Blick sofort auf Lucrezia, die wieder vor der Reliquie des heiligen Johannes ihre Andacht verrichtete. Ascanio blieb in der N�he des Eingangs stehen. Nur ein kleines St�ck hinter dem M�dchen lie� sich Bramante auf die Knie nieder und begann zu beten. Anfangs ging es holprig, doch dann gelang es immer besser. Tr�nen rannen ihm aus den Augen. Es waren Tr�nen der Ersch�tterung, denn er hatte das Gef�hl, dass Gott ihm zuh�rte. Als er aufblickte, sah er Imperias Tochter, die sich auf einer Bank niedergelassen und ihm zugeschaut hatte. Ihre Blicke kreuzten sich.</p><p>�Verzeiht, Mess�r Donato, dass ich Euch beobachtet habe!�, sagte sie leise und err�tete.</p><p>�Es ist schon gut. Nenne mich einfach Donato�, erwiderte er sanft, stand auf und setzte sich zu ihr.</p><p>�Entweder seid Ihr sehr religi�s, oder Ihr habt schon lange nicht mehr gebetet.�</p><p>Der Architekt staunte �ber die Menschenkenntnis des jungen M�dchens. �Letzteres ist der Fall�, r�umte er ein.</p><p>Sie fuhr ihm tr�stend �bers Haar. �Das ist nicht schlimm. Es hei�t, im Himmel ist mehr Freude �ber einen reuigen S�nder als �ber tausend Gerechte.�</p><p>Sie schwiegen, und es tat ihm gut, mit ihr zu schweigen und dabei nur ihre Gegenwart zu sp�ren. Er f�hlte, dass er Lucrezia zu lieben begann, nicht wie Imperia, nicht wie eine Frau, sondern wie die Tochter, die er nie gehabt hatte.</p><p>�An der T�r steht ein junger Mann, der uns die ganze Zeit beobachtet!�, raunte sie ihm zu.</p><p>�Mein Leibw�chter.�</p><p>�Seid Ihr etwa in Gefahr?�</p><p>�Mit ihm an meiner Seite nicht. Darf ich wiederkommen?�, bat Bramante.</p><p>�Gern. Es ist sch�n, mit Euch zu reden, Donato.�</p><p>�Sag du!�</p><p>�Es ist sch�n, mit dir zu reden.� Lucrezia schenkte ihm ein L�cheln, bevor sie wie ein Fr�hlingshauch entschwand.</p><p>Von nun an begab sich Bramante jeden Tag zur Morgenandacht in die Klosterkirche und unterhielt sich danach noch ein halbes St�ndchen mit Lucrezia, tauschte mit ihr Geschichten aus, lachte und erz�hlte komische Begebenheiten. Manchmal fragte sie ihn um Rat, wenn sie Streit mit einem anderen M�dchen hatte.</p><p>Eines Tages, als er sich verabschieden wollte, stand Imperia vor ihm. Es war ihm unangenehm. Er f�hlte sich ertappt und f�rchtete, dass die Gespr�che mit ihrer Tochter, die ihm inzwischen so viel bedeuteten, ein j�hes Ende finden k�nnten. In der Tat hatte er sich inzwischen der Illusion hingegeben, dass sie wirklich seine Tochter w�re. Pl�tzlich verstand er, dass Kinder ein Mittel gegen die Angst vor der Ewigkeit waren, eine Angst, die ihn in letzter Zeit immer �fter befiel. Lucrezia war ihm mehr und mehr vertraut geworden, und nun f�rchtete er, dass Imperia die Situation missverstehen k�nnte. Lucrezia k�sste ihre Mutter, verabschiedete sich mit dem unschuldigsten L�cheln und lie� Bramante und Imperia allein.</p><p>�Wei�t du, ich rede so gern mit ihr. Es ist nicht, was du denkst, ich, ich habe doch keine Tochter und h�tte sie so gern gehabt�, stammelte Bramante.</p><p>�Das f�llt dir ja wahrlich fr�h ein�, spottete Imperia sch�rfer als gewohnt.</p><p>�Ich wei� selbst, dass es daf�r l�ngst zu sp�t ist. Meinen ganzen Ehrgeiz habe ich in den Beruf gesteckt, ihm alles untergeordnet, aber inzwischen wei� ich nicht mehr, ob das richtig war.�</p><p>�Was hat meine Tochter mit deinen Selbstvorw�rfen zu tun?�</p><p>Bramante schlug die Augen nieder. �Nichts.�</p><p>�W�rdest du denn f�r sie da sein, wenn mir etwas zustie�e?�, fragte Imperia und sah ihm pr�fend ins Gesicht.</p><p>�Aber ja, nat�rlich.�</p><p>�Und w�re sie f�r dich immer deine Tochter und niemals eine Frau?�</p><p>�Sie hat mich das Beten gelehrt. Niemals w�rde ich sie als Frau, aber immer als Tochter sehen. Das schw�re ich bei Gott�, beteuerte Bramante und schaute sie an. Sein Blick prallte an ihrer Unnahbarkeit ab, und er wandte sich mit h�ngenden Schultern zum Gehen. Es war ein Traum gewesen, was sonst?</p><p>�Donato�, rief Imperia mit unerwartet warmer Stimme. Er hatte sich kaum umgewandt, da fiel sie ihm bereits um den Hals und umarmte ihn so heftig, dass sie ihn zerdr�ckt h�tte, wenn er nicht so ein kr�ftiger Kerl gewesen w�re. Er verstand die Welt nicht mehr.</p><p>�Ich wei� doch l�ngst, dass ihr euch trefft. Lucrezia hat es mir erz�hlt�, fl�sterte sie ihm z�rtlich und mit warmer, feuchter Stimme ins Ohr. �Verzeih, dass ich dich pr�fen musste, du Lieber!�</p><p>�Ich liebe dich, Imperia.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Es ist verr�ckt, aber mir ist, als sei sie unsere Tochter.�</p><p>�Vergiss das niemals. Ich bin froh, dass du das so siehst. Sie soll ehrbar bleiben und gl�cklich werden.�</p><p>�Bist du denn nicht gl�cklich mit Agostino?�</p><p>�Es geht mir nicht schlecht mit ihm�, antwortete sie ausweichend. Dann k�sste sie ihn noch einmal lang und innig, bevor sie wie ein �ber den ersten Kuss erschrockenes junges M�dchen davoneilte. Bramante sah ihr lange nach. Er war auf merkw�rdige Art und Weise Vater geworden und hatte damit die Endlichkeit �berwunden. An diesem Tag setzte er sein Testament auf und bestimmte Lucrezia zu seiner Alleinerbin.</p><p>Nichts ging �ber ein Mittagessen im Hause des Giuliano da Sangallo, der wie immer einen liebensw�rdigen Gastgeber abgab. Er sa� an der Stirnseite eines zw�lf Ellen langen, rechteckigen Tisches. Schon die freundliche Heiterkeit des kleinen Saals hob die Stimmung der Anwesenden. Die G�ste und der Hausherr, der unter einem leichten, schwarzen Mantel ein wei�es Leinenhemd trug, wirkten, als seien sie gerade den Fresken an den W�nden entstiegen. Auf den Gem�lden und Zeichnungen rekelten sich antike G�tter beim Tafeln. Freiz�gig wurden die Unsterblichen beim Scherzen und beim Lieben gezeigt. Sangallo und seine zahlreichen K�nstlerfreunde hatten mit Bedacht oder mutwillig nach so manch �ppigen Male die frivolen Bildnisse an die Wand gebracht. Der Wein hatte Sangallo die Wangen ger�tet und seine Stirn unter Schwei� gesetzt. Als er sich prustend �ber einen deftigen Witz am�sierte, �hnelte er mehr denn je dem bocksgesichtigen Weingott Dionysos, der als Personifikation der leiblichen Gen�sse von der Wand neben der T�r schaute.</p><p>Nur einer kaute lustlos und mit verschlossenem Gesicht. Die Kr�ge mit gutem Wein und die dampfenden Sch�sseln, unter denen sich der lange Pinienholztisch bog, beeindruckten Michelangelo wenig. Er verd�nnte den Wein und nahm nur ein paar Nudeln mit H�hnerfleisch. Mit seiner d�steren Stimmung und seiner abgetragenen Kleidung wirkte er wie ein Fremdk�rper in der scherzenden Gesellschaft der Freunde und Gesellen Sangallos.</p><p>�Ich wei� ja, dass die Melancholie ein Zeichen von k�nstlerischem Genie ist ��, rief ihm der Hausherr mit vollem Mund quer �ber den Tisch zu, wobei ihm ein paar Nudeln aus dem Mund fielen.</p><p>�Dann d�rftet Ihr, Mess�r Giuliano, bei Eurem Frohsinn der unbegabteste Mensch auf Gottes Erdboden sein�, unterbrach ihn der junge Baumeister Baldassare Peruzzi, der gerade aus Siena nach Rom gekommen war und von Agostino Chigi den lukrativen Auftrag erhalten hatte, einen Palazzo am gegen�berliegenden Tiberufer auszubauen. Aus seinen lustigen Augen �ber der gro�en, zeltartigen Nase blitzte der Schalk, als er Michelangelo ansah und mit gekr�uselten Lippen hinzuf�gte: �Und Ihr, Mess�r Michelangelo, m�sstet folglich ein noch gr��erer Sch�pfer als Gott sein, denn der Allerh�chste soll Humor besitzen:</p><p>Nun denn ihr Herren, Gott zum Gru�</p><p>Nicht nur der Teufel hat �nen Pferdefu�.�</p><p>Die M�nner am Tisch lachten, und Baldassare fuhr fort:</p><p>��Die Engel m�ssen ihn verstecken,</p><p>um keinen Argwohn zu erwecken.</p><p>Auch Gott das Ding geh�rig kennt,</p><p>man ihn zu Recht den Vater nennt.</p><p>Kein Feuer, sagt man, ohne Rauch und Ru�</p><p>Und keine Lust auf Erden ohne Pferdefu�.�</p><p>Nein, wirklich, ich stelle mir Gott immer ein wenig wie unseren Giuliano vor! Er kennt alle Gen�sse und verzichtet auf keinen einzigen!�</p><p>Auf Michelangelos Stirn erschien eine tiefe Zornesfalte. Er mochte es ganz und gar nicht, wenn gel�stert wurde. �Ihr k�nntet auch ungeschminkt und ohne Maske als Possenrei�er gehen!�, fuhr er den jungen Architekten heftig an. Peruzzi stutzte. Er hatte in seinem Scherz sowohl Gott als auch Michelangelo beleidigt, und jedes f�r sich genommen war schon unverzeihlich genug. Aber die harsche Reaktion des Bildhauers hatte ihn dennoch nicht eingesch�chtert.</p><p>�Wenn Ihr den Pantalone gebt?�, gab er mit gewinnender Stimme und sprach munter weiter:</p><p>�Warum reimt sich auf Gott nur Spott?</p><p>warum auf Sohn nur Hohn und Inquisition?</p><p>Obwohl es an dieser Stelle holpert,</p><p>weil mein Vers zum Scheiterhaufen stolpert.</p><p>Die Aussicht, auf dem Grill zu landen,</p><p>macht die beste Poesie zuschanden.�</p><p>�Ist das alles, was Ihr bei Mess�r Donato gelernt habt?�, fragte Michelangelo mit verkniffenem Gesicht, denn er wusste, dass der junge Mann aus Siena inzwischen auch Bramante nahestand.</p><p>�Nach der Natur zu malen, zu bauen und zu dichten, ja, das habe ich mir bei Mess�r Donato abgeschaut.�</p><p>Niemand konnte Peruzzi etwas ver�beln, wenn er mit seinem jungenhaften Charme �ber das ganze Gesicht lachte, niemand au�er Michelangelo, der ihn jetzt grob belehrte.</p><p>�Es w�re besser, Ihr w�rdet nach Gott malen, bauen und dichten lernen. Und wenn Ihr nichts vom Sch�pfer aller Dinge wissen solltet, dann versucht Euch an einem Sonett, und Ihr werdet Gott begegnen.�</p><p>�Was qu�lt dich, mein Freund?�, versuchte Sangallo den reizbaren Bildhauer zu beschwichtigen. Der lie� sich nicht lange bitten und stimmte sofort mit herzerweichendem Tremolo eine Klage an, als w�re er der Prophet Jeremias pers�nlich, dass er dringend Geld ben�tige, denn der Papst hielte ihn kurz und die Kosten explodierten. Die Schiffer hatten die Preise erh�ht, weil die wiederholten Anschl�ge auf seine Steine ihre Barken und ihr Leben in Gefahr brachten. �Ein Teufel verfolgt mich!�, schloss Michelangelo finster seine Litanei und dachte bei sich, dass dieser Donato Bramante hie�.</p><p>�Das mag ja alles sein, Angiolo, aber Julius hat dir doch nicht gerade wenig gezahlt!� Sangallo sch�ttelte sein m�chtiges Haupt mit den langen mattschwarzen Locken, die von ersten grauen Str�hnen durchzogen waren. Dass der Bildhauer f�r das Grabmal eine au�ergew�hnlich hohe Anzahlung bekommen hatte, die allein schon gen�gt h�tte, das ganze Mausoleum zu finanzieren, war in Rom ein offenes, von interessierter Seite verbreitetes Geheimnis. Neider gab es deshalb zuhauf.</p><p>�Ich wei�, was geredet wird. Aber glaubt mir, gemessen an den Kosten war es zu wenig. Ich werde den Heiligen Vater um Geld bitten m�ssen!�</p><p>Vergeblich versuchte Sangallo, den Freund davon abzubringen. Ihm war bekannt, dass sich Julius II. inzwischen �ber die st�ndigen finanziellen Forderungen des K�nstlers �rgerte. Dabei hatte der Papst noch nicht eine einzige Statue zu Gesicht bekommen, nicht einmal die bossierten Marmorbl�cke. Alle Nachfragen tat Michelangelo mit Ausreden ab. Sangallo sp�rte, dass sich eine Auseinandersetzung anbahnte. �Angiolo, bitte verzichte darauf, �berspann das Band nicht!�</p><p>Michelangelo f�hlte sich unverstanden und lachte bitter �ber den Rat des v�terlichen Freundes. D�ster sah er in die Runde, als erwartete er, dass die M�nner sogleich eine Sammlung f�r ihn veranstalteten. Dann sprang er w�tend auf. �Glotzt mich nicht so an! Ich bin ein armer Mann, das Elend nagt an mir. Wie soll ich da Kunstwerke schaffen? Ihr haut euch den Wanst voll und redet �ber das Bild des armen Lazarus, w�hrend euch das Fett aus den Mundwinkeln tropft!�</p><p>Er hatte sie alle so gr�ndlich satt, diese ganze selbstzufriedene Bande. Nat�rlich hatte er viel Geld erhalten, aber f�r ihn viel zu wenig. Lebte er denn wie ein Verschwender? Seine Einrichtung bestand nur aus einem schmalen Bett, einem alten Tisch und zwei Holzst�hlen, ungepolstert. Er ging nicht ins Bordell und a� wie die armen Handwerker das billige Graubrot mit Gem�se und Salat, selten Fleisch und trank einen Wei�wein, den er verd�nnte und dem �berdies die Bezeichnung Essig schon eine ungeahnte S��e verliehen h�tte. Wenigstens zwei Landg�ter musste die Arbeit abwerfen. Besser noch drei. Tagt�glich vom fr�hen Morgen bis zum sp�ten Abend plagte er sich mit einer H�rte, die keine Bezahlung aufwiegen konnte. Und war es denn seine Schuld, dass er fast alles allein machen musste, weil niemandem zu trauen war?</p><p>Er ertrug diese biederen, langweiligen, gen�gsamen Gesichter nicht l�nger, f�r die alles leicht, zu leicht war, sprang auf und wandte sich abrupt zum Gehen.</p><empty-line/></section><section><p>32</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506, im Januar</p><p>Das Ger�usch eiliger Schritte drang von der Treppe her in Sangallos Esszimmer. Kurz darauf stand ein Herold des Papstes in der T�r, der an dem grauen �berwurf mit dem gelben Wappen, der Tiara �ber den gekreuzten Schl�sseln, zu erkennen war.</p><p>�Mess�r Giuliano, der Heilige Vater befiehlt, dass Ihr Euch unverz�glich, so schnell Ihr k�nnt, zum Monte Oppio begebt, zum Weinberg des Felice de Fredi. Man hat dort eine Entdeckung von h�chster Wichtigkeit gemacht, die Ihr begutachten sollt.� Dann sah er Michelangelo an. �Und Euch, Mess�r, befiehlt seine Heiligkeit dasselbe!� Man sah dem Mann an, dass er froh war, sich einen Weg sparen zu k�nnen.</p><p>�Richtet Seiner Heiligkeit aus, dass wir schon unterwegs sind�, entgegnete Sangallo knapp.</p><p>Die beiden M�nner verst�ndigten sich kurz mit Blicken, dann verlie�en sie, gefolgt von der gesamten Tischgesellschaft, den Saal, lie�en sich von Sangallos Diener ihre M�ntel reichen und stapften durch einen z�hen Brei aus Wasser, Dreck und Kot in Richtung des Forum Romanum. Die nasse K�lte drang ihnen durch die Kleidung und lie� die Temperaturen niedriger erscheinen, als sie tats�chlich waren. Wenigstens regnete es nicht, wenngleich der eisige Wind unangenehm blies. Dann riss die graue Wolkendecke auf, und ein zartes Hellblau kam zum Vorschein, so als h�tte es ein Maler mit ganzer Liebe hingetupft und mit einem gl�nzenden Firnis �berzogen. Die Sonne warf ihr wohltuendes Licht �ber die vielen Geschlechtert�rme der r�mischen Adligen, an denen sie vorbeikamen.</p><p>Von der Neugier getrieben, schritten Michelangelo und Sangallo kr�ftig aus. Wenn Julius, dem antike Funde gemeldet werden mussten, sie derart dringend zu einem Platz beorderte, stand dort Bedeutendes zu erwarten. Linker Hand erhob sich das Kapitol mit dem wuchtigen Palazzo des Senats, der r�mischen Stadtregierung, die aber vollkommen von der Kurie abh�ngig war. Sie schritten bergab. Vor ihnen �ffnete sich mit seinen sp�rlichen Ruinen das Forum Boarium, der alte Fleischmarkt der R�mer. Sie wandten sich nach links. Das matte Gr�n von Gras ragte auf Wiesenr�cken aus dem Grau des Matsches. Trotz des Wetters hatten einige Bauern ihre K�he, Schafe oder Ziegen hierher getrieben, in der Hoffnung, dass sie doch noch gen�gend Nahrung finden w�rden. Die Bauern trugen knielange Leinenhosen, die mit dicken Str�mpfen zusammenstie�en. Die meisten von ihnen waren in derbe Schaffellm�ntel geh�llt.</p><p>Nachdem Michelangelo und Sangallo den wuchtigen, quaderf�rmigen Bogen des Septimus Severus, die Curia Julia und die Basilika Emilia hinter sich gelassen hatten, erhob sich vor ihnen die S�ulenreihe des Tempels des Antoninus Pius und der Faustina. In die Cela des Tempels hatte man die Kirche von San Lorenzo di Miranda gezw�ngt. Michelangelo mochte die S�ulenreihe in ihrer korinthischen Sorglosigkeit, die der Kirche vorgelagert war. Sie w�hlten den Weg, der zwischen San Lorenzo und dem Tempel des Romulus entlangf�hrte. Hinter der Rotunde beherrschte die Kirche Santi Cosma e Damiano das Terrain, die den antiken Bau als Vorhalle benutzte.</p><p>�Man hat sie geschlossen�, rief Sangallo dem Bildhauer zu, der bis jetzt beharrlich geschwiegen hatte.</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Der Tempel des Romulus war eine Bibliothek. Vielleicht suchen sie nach heidnischen B�chern. Es hei�t, der Erzpriester von Sankt Peter habe es veranlasst.�</p><p>Michelangelo sch�ttelte verwundert den Kopf. �Wie unterschiedlich die beiden Kirchen doch sind, wie verschieden sie mit dem Erbe der Alten umgehen! W�hrend hier links der alte Tempel die Kirche geradezu im Zwinggriff h�lt, beherrscht rechter Hand die Kirche den alten Bau und erniedrigt ihn zum buckligen T�rsteher. Einmal herrscht das Alte �ber das Neue und dann wieder das Neue �ber das Alte. Das Leben ist ein h�chst unsicherer Patron. Man kann sich auf nichts verlassen.�</p><p>Sangallo schmunzelte. �Und da sage jemand, du h�ttest keinen Humor!�</p><p>�Ich habe nur Liebe, aber keinen Humor�, erwiderte der Bildhauer.</p><p>Vor ihnen erhoben sich Weinberge. Sie hielten sich rechts, Richtung Kolosseum, schritten dann, die Maxentius-Basilika im R�cken, die wie ein B�r auf der Lauer wirkte, zielstrebig auf die Thermen des Titus und Trajan zu. Neben den Ruinen der Thermen erhob sich der Monte Oppio mit seinem B�rstenschnitt von Weinst�cken.</p><p>Sie mussten nicht lange suchen, denn auf dem Areal von Felice de Fredi hatte sich bereits eine kleine Menschenansammlung gebildet. Der Winzer, in gelbe Leinenhosen und einen dunkelgr�nen Mantel geh�llt, kam ihnen aufgeregt entgegen. Sein langer rotgrauer Bart schwankte und schaukelte beim Gehen. Noch auf halbem Weg rief er fragend: �Seid Ihr Mess�r Giuliano Sangallo?�</p><p>�Das bin ich, in Begleitung von Mess�r Michelangelo und den G�sten meiner Tafel�, erkl�rte der Architekt die fr�hliche Gesellschaft.</p><p>�Kommt, ehrenwerte Mess�res, tretet n�her, und schaut euch an, worauf meine Leute bei ihren Arbeiten im Weinberg gesto�en sind!�</p><p>Zwischen den Weinst�cken klaffte ein Loch und gab den Blick in einen Hohlraum aus altem Mauerwerk frei. Wie bei einem Menschen, den man bis zum Hals eingegraben hatte, ragten ein l�wenm�hniges Haupt mit einem wilden Bart und ein Arm aus der Erde. Michelangelo und Sangallo lie�en sich vorsichtig in die fast acht Fu� tiefe Grube hinab. Michelangelo zog seinen schwarzen Mantel aus und begann vorsichtig, die Plastik zu s�ubern. Kr�ftige Finger kamen unter dem Staub und Schutt der vergangenen Anderthalbjahrtausende zum Vorschein, die etwas Rundes umfasst hielten. Bei der S�uberung des Armes erwies sich das Runde als Schwanz einer riesigen Schlange, die sich scheinbar um den K�rper des Leichnams wickelte. Das Gesicht war von Schmerz gezeichnet. Sie begannen, die Skulptur auszugraben.</p><p>�Laokoon?�, fl�sterte Michelangelo mit gebrochener Stimme, wobei ihm ein eiskalter Schauer �ber den R�cken lief. Laokoon hatte seinen eigenen Untergang erlebt und war, als gen�ge das nicht, noch zum hilflosen Zeugen des Todes seiner geliebten S�hne geworden. Die G�tter hatten gegen ihn und gegen sein Geschlecht gew�tet.</p><p>�Ich habe die �bersetzung der Worte des Plinius w�rtlich im Ohr. Der Mann, die Schlange, der Schmerz, alles deutet darauf hin!�, best�tigte Sangallo atemlos.</p><p>�Arm und Kopfhaltung weisen auf eine kraftvolle Drehung des K�rpers hin.�</p><p>�Als winde er sich!�</p><p>�Machen wir vorsichtig weiter.�</p><p>Sie ben�tigten zwei Stunden, um die Skulptur zu bergen. Und in der Tat war es der Laokoon, in gemeinschaftlicher Arbeit erschaffen von den antiken Bildhauern Hagesandros, Polydoros und Athenadoros. Einst hatte die Statue den Palast des Titus geziert. Der Vater lehnte sich in einer letzten Drehung seines K�rpers gegen das Schicksal auf, wissend, dass er den Kampf nicht gewinnen konnte. Er hatte sich gegen die G�tter gestellt, gegen ihren Ratschluss aufbegehrt, als er die Trojaner davor warnte, das h�lzerne Pferd in die Mauern der Stadt zu ziehen. Dass er ein Priester war und dadurch den G�ttern doppelt zum Gehorsam verpflichtet, hatte diese nur umso st�rker erbost. Gegen die Unsterblichen konnte der Mensch nicht siegen.</p><p>Nachdem die Figur aus dem Hohlraum gehoben worden war, stand sie nun da, mitten im Weinberg.</p><p>�Das widerf�hrt dem, der sich gegen Gott auflehnt�, raunte Michelangelo Baldassare Peruzzi zu, bevor er sich in die Betrachtung der Skulptur versenkte. Sie ber�hrte ihn. Wie aus einer fernen Zeit gr��ten ihn K�nstler, die nichts anderes darstellen wollten als er, n�mlich den Menschen, dessen Denken, F�hlen, Handeln, Hoffen und F�rchten in den Gesten seines K�rpers zum Ausdruck kam. Die Leiber in ihren Drehungen und Verstrickungen, in ihrem Aufbegehren und Sich-ducken, erz�hlten ihm die Geschichte der Welt, die Gottes Geschichte war und in den Schicksalen zum Ausdruck kam. Deshalb existierte f�r ihn nur das Schicksal, und es gab keinen freien Willen. Was man freien Willen nannte, war nur Hoffart, milde gesprochen, eine Illusion. Der Mensch konnte nur tun, was er tun konnte, wie Michelangelo nur Bildnisse erschaffen wollte gegen den Ansturm der Sinnlosigkeit, der sich mit der gleichen Notwendigkeit erhob wie ein Orkan, weil die Welt den Sinn, der ihr aufgezwungen wurde, nur sehr schwer ertrug und bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder ins Chaos fl�chtete.</p><p>Der bestirnte Himmel w�lbte sich �ber ihm wie die sch�tzenden H�nde eines Vaters. Obwohl ihm der Magen knurrte und sein Gaumen sich nach der belebenden Wirkung des Weines, des begl�ckenden Spiels der Aromen sehnte, verlie� Bramante dennoch im Hochgef�hl den Vatikan. Julius hatte seine Pl�ne gebilligt und das Datum der Grundsteinlegung festgelegt. Zu Ostern. Christi Leiden, Kreuzigung und Auferstehung sollte er mit dem alle Dimensionen sprengenden Bauvorhaben beginnen, genauer am 18. April 1506. Nicht einmal Michelagniolo di Ludovico di Lionardo di Buonarroti-Simoni, der stets querulierte und mit dem er inzwischen in einem ernsthaften Kampf um die Gunst des Papstes stand, hatte etwas eingewandt.</p><p>Bramante musste sich nun sputen. Bis zur Grundsteinlegung blieb nicht mehr viel Zeit, und es galt, die Baupl�ne zu pr�zisieren, die r�mischen Bauunternehmer auszuw�hlen und die Baut�tigkeit in Etappen zu gliedern, mit denen dann die Maurermeister beauftragt wurden. Als Wermutstropfen seines Triumphes blieb nur, dass ihn Giacomo auf der gro�en Freitreppe eingeholt und aufgefordert hatte, zugunsten von Fr� Giocondo zur�ckzutreten. Andernfalls hatte der Dominikaner ihm schlimme Konsequenzen angedroht. Was hatte der Kardinal gesagt? Es w�rde dem Architekten sehr leidtun, wenn er seinen gut gemeinten Rat in den Wind schl�ge. Siegestrunken, wie er war, hatte Bramante ihn jedoch nur ausgelacht und gespottet, dass er es lediglich bereuen w�rde, den Dom nicht zu bauen. Das schale Gef�hl, den der hasserf�llte Blick des Dominikaners in ihm zur�cklie�, hatte er weggelacht und verdr�ngt. Er redete sich ein, er habe souver�n reagiert. Hunde, die bellten, bissen schlie�lich nicht. Allerdings hatte der Erzpriester schon bewiesen, dass er es nicht bei leeren Drohungen belie� und in der Tat zuzuschlagen verstand. Doch Bramante hatte kein Bed�rfnis, weiter dar�ber nachzudenken. Er wollte endlich in einem rauschenden Fest seinen Triumph auskosten. Er verlie� den Borgo durch die trutzige Porta Santo Spirito und schritt den Tiber entlang in Richtung Trastevere.</p><p>Eine gute halbe Stunde sp�ter stand er vor dem hell erleuchteten Palazzo der Petronilla da Pecorino. Warm strahlte das Licht aus allen Fenstern und wirkte umso einladender auf ihn, weil es auf der Stra�e bereits empfindlich kalt geworden war. Musik drang verhei�ungsvoll aus der ge�ffneten T�r, die aufreizenden Kl�nge der Laute. Und wie Saite um Saite zum T�nen, so sollten heute Abend auch K�rper um K�rper zum St�hnen gezwungen werden, w�hrend Fl�ten und Posaunen das Blut durch die Adern treiben w�rden.</p><p>Petronilla machte gro�e Augen und kam ihm mit ausgebreiteten Armen durch das Vestib�l entgegen.</p><p>�Bist du es wirklich? Bis du es, Donato?�, rief sie und blinzelte, als erkenne sie ihren alten Bekannten nicht recht. �Ich habe dich so lange nicht mehr gesehen!�</p><p>�Du wei�t doch, das Gute ist rar!�, grinste Bramante.</p><p>�Was kann ich arme Bordellbesitzerin dem Guten schon bieten?�</p><p>�Alten Wein und neue M�dchen!�</p><p>Petronillas Pupillen verbogen sich fast vor Heiterkeit. �Je �lter die M�nner werden, umso mehr M�dchen m�ssen es sein.�</p><p>�Wir werden mit den Jahren eben immer besser! Wie der Wein.�</p><p>�Ach, mein Freund, ich glaube eher, dass ihr im Alter die Vielzahl der Projekte braucht, um euch dar�ber hinwegzut�uschen, dass ihr nicht einmal mehr eines zu Ende bringt.� Bevor der Architekt noch etwas erwidern konnte, hakte sie ihn freundschaftlich unter. Sie neigte sich zu ihm, stie� ihre Zunge kurz in sein Ohr und fl�sterte: �Glaubt mir, denn ich bin erfahren: Nicht der St�nder macht den Mann! Eine Kurtisane, die das glaubt, hat den Beruf verfehlt.�</p><p>�Was ist es dann?�</p><p>�Geist, Ausstrahlung, Kampfeswillen und Gl�ck. Und, mein lieber Donato, die Welt mag vielleicht die Sieger lieben, aber glaube mir, gegen die K�uflichkeit der Welt sind meine M�dchen ehrbare Jungfrauen. Wer den Kampf nicht scheut und mit Gr��e gewinnt oder mit Gr��e verliert, nur der ist ein wirklicher Mann. Die ganzen verdrucksten Beamten mit ihrer Lebensstellung in der Kurie � von denen ich allerdings lebe �, h�ngen mir, unter uns gesagt, zum Halse heraus.�</p><p>�Du h�ttest Philosophin werden sollen�, sagte Bramante und dr�ckte sie fest an sich.</p><p>�Du hast es erfasst, das ist mein Gewerbe. Das ewige Auf und Ab. Ein Kunde hat mir einmal erz�hlt, ein alter Philosoph h�tte gesagt, man k�nnte nicht zweimal im selben Fluss baden. Der Mann hat unrecht. Glaub mir, man badet immer im selben Fluss.� Sie winkte zwei rothaarige M�dchen herbei, die eine mit blauen Augen, die andere mit braunen. Griffig waren sie, so wie es Bramante liebte, mit allerliebsten, festen Rundungen, die bald schon erschlaffen w�rden. Aber so war der Lauf der Welt, wer wusste das besser als er? Alles kam aus der Form. Manchmal wachte er nachts auf, weil ihm der Geruch nach fauliger Erde nicht aus der Nase ging. Auch die Zeiten, in denen er auf seine Erektion wetten konnte, waren l�ngst dahin.</p><p>Petronilla wand sich aus seinem Arm und schob sacht die beiden M�dchen zu ihm. �Er ist ein guter Mann, er hat es verdient, verw�hnt zu werden�, gab sie den beiden zu verstehen.</p><p>Bramante warf ihr einen dankbaren Blick zu, den sie kurz erwiderte, bevor sie sich l�chelnd einem Geheimschreiber des Papstes zuwandte, einen von diesen abgesicherten Kurialen, und ihn mit s�uselnder Stimme umgarnte. Sie f�hrte ihn zu einem Sofa, auf dem er sich niederlie� und einem jungen Lautenspieler mit schwarzen Locken und verlebten Augen schmachtende Blicke zuwarf. Als Bramante die beiden Grazien �ber die Treppe in das obere Stockwerk entf�hrte, nahm er aus den Augenwinkeln wahr, wie sich der kleine Lautenspieler unter den Blicken des Geheimschreibers anz�glich mit der Zunge �ber die Lippen fuhr. Aber war er selbst denn etwas Besseres als der Pr�lat, er, der zwei blutjunge M�dchen im Arm hielt, die seine T�chter h�tten sein k�nnen? Pl�tzlich musste er daran denken, dass Imperia auch einmal so angefangen hatte.</p><p>�Wein, ich will Wein�, rief er.</p><p>�Salvatore, bring uns frische Austern und einen Krug Greco di Ancona!�, wies das M�dchen mit den braunen Augen einen jungen Mann an. Dann traten die drei in einen mittelgro�en Raum mit einem rot gepolsterten Sofa mit elegant geschwungenen Beinen. Davor stand ein runder Tisch mit verschwenderischen Intarsienarbeiten, die ein orientalisches Motiv zeigten, Frauen, einen Sultan und V�gel. Vor dem Tisch standen drei Armlehnst�hle und ein Hocker. An der rechten Wand stand ein breites Bett.</p><p>�Wof�r ist der Hocker?�, fragte Bramante. Die blau�ugige junge Frau l�chelte vielsagend.</p><p>�Musik?�, fragte die andere. Bramante brummte zustimmend. Es klopfte an der T�r, und Salvatore servierte Wein, gesottenes Rindfleisch, Brot und Austern.</p><p>�Ach, der Erl�ser�, scherzte Bramante. Die beiden M�dchen schauten sich kurz irritiert an. Er dachte, dass es nun wirklich nicht darauf ankam, dass sie diesen Scherz begriffen, wenn sie nur das andere gut genug verstanden.</p><p>�Schick uns Lautaro!�, sagte das eine M�dchen zu Salvatore.</p><p>�Wie hei�t ihr eigentlich?�, fragte Bramante.</p><p>�Evangelista.�</p><p>�Und ich bin Ecclesia.�</p><p>Bramante konnte sich vor Lachen kaum halten. �Das ist die ewige Seligkeit, wenn ich es mit der guten Botschaft und der heiligen Kirche zugleich treibe.� Er verschluckte sich in seiner Heiterkeit und musste husten. Evangelista hielt ihm einen Becher Wein hin, den er in einem Zuge leerte.</p><p>Wenig sp�ter erschien Lautaro mit der Laute im Zimmer. Er trug eine Art wei�en Kittel und hielt sein Musikinstrument in der Hand. Ecclesia l�ste in seinem Nacken das B�ndchen, sodass der Kittel zu Boden fiel und der J�ngling nackt dastand. Wie Adonis.</p><p>�Und jetzt spiel!�, befahl Evangelista.</p><p>�Mit oder ohne Gesang?�</p><p>�Wenn es in deinen Liedern nicht um die Enthaltsamkeit geht, dann sing, mein kleiner Zeisig, sing!�, ermunterte ihn Bramante, der nicht mehr verstand, weshalb er dieses Etablissement so lange gemieden hatte. Weil er glaubte, die Liebe seines Lebens gefunden und diese Liebe f�r das Projekt seines Lebens geopfert zu haben? In den letzten Wochen und Monaten hatte er freiwillig wie ein M�nch gelebt. Er k�sste Evangelista und lie� seine H�nde �ber ihre Schultern gleiten, nahm dabei die �rmel ihres Kleides mit und zog es herunter. Sie wehrte ihn sanft mit der rechten Hand ab, stand auf und zog das Kleid aus, unter dem sie nichts trug. �So steht Gottes Wort nackt vor Euch.�</p><p>�Und die Kirche?�</p><p>Ecclesia folgte seiner Aufforderung und setzte sich rittlings auf seinen Scho�, w�hrend ihn Evangelista mit gesottenem Rindfleisch f�tterte. Bramante grunzte vor Wohlbehagen und nahm einen Schluck vom Greco. Die Auferstehung des Fleisches und das Leben. Als er in Ecclesia eindrang, dachte er, dass er die gr��te Kirche der Christenheit errichten w�rde. Sie bewegte sich �ber ihm, w�hrend der Lautenspieler sang: � � Hoffnung ist seltsam f�r den, der im Wind herumtollt.� Bramante schloss die Augen und sah den Himmel offen wie der heilige Stephanus. In diesem Moment begriff er, dass die Kuppel des Himmels, die er auf die gr��te Kirche der Welt setzen wollte, nicht aus Steinen, sondern aus den Hoffnungen der Menschen erbaut werden musste, leicht, luftig und unzerst�rbar. Es w�re der letzte Tag der Menschheit, dachte er, wenn sie die Hoffnung auf Erl�sung verlie�e und wenn es an M�nnern und Frauen fehlen w�rde, die f�r diese Hoffnung eintreten w�rden, ungeachtet der drohenden Konsequenzen. Und dann �berraschte ihn ein Wunder, unauff�llig, fast wie nebenbei. Er konnte sich nicht daran erinnern, in den letzten zehn Jahren eine solch lange Erektion gehabt zu haben. Als er die Augen wieder aufschlug, sa� Ecclesia auf ihm und lie� ihr Becken kreisen, w�hrend Evangelista ihn k�sste und dabei aus ihrem Mund eine Auster in den seinen gleiten lie�. Sie war wie das Leben. Frisch, salzig und nicht zu halten.</p><empty-line/></section><section><p>33</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>Als Bramante wieder zu sich kam, lag er zu Hause in seinem Bett, und Imperia r�ttelte ihn heftig an den Schultern. Er schlug die Augen auf und blinzelte zum Fenster. Der Himmel hatte sein sch�nstes Blau angezogen, und der Helligkeit nach zu urteilen, stand die Sonne im Mittag. Bramante wunderte sich und versuchte m�hsam, sich daran zu erinnern, wie und wann er in seinen Palazzo zur�ckgekehrt war.</p><p>�Wo ist Lucrezia?�, schrie Imperia mit angstverzerrtem Gesicht. Bramante rieb sich die Augen und bem�hte sich, einen klaren Kopf zu bekommen. Wovon sprach sie? Die Bilder des letzten Abends und der Nacht zogen an seinem inneren Auge vor�ber, der Triumph und die Gen�sse. Ascanio hatte ihn in einer S�nfte nach Hause gebracht, ihn bis aufs Hemd ausgezogen und ins Bett gelegt. Der Architekt hatte sich in jeder erdenklichen Weise verausgabt. Sein K�rper f�hlte sich an wie durchgepr�gelt und ausgesogen. Beinahe w�re er wieder eingeschlafen, doch Imperia wusste das zu verhindern, indem sie ihm eine kr�ftige Ohrfeige gab.</p><p>�Verdammter Kerl, sag mir endlich, wo meine Tochter ist!�, schrie sie au�er sich. Langsam begriff Bramante, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste. Eine dr�ckende Unruhe breitete sich in ihm aus. Er setzte sich im Bett auf und rieb sich mit seinen schweren F�usten die Schl�fen. �Was ist mit Lucrezia?�</p><p>�Als ich sie heute Morgen im Kloster besuchen wollte, sagte man mir, dein Diener habe sie abgeholt, um sie zu dir zu bringen.�</p><p>�Mein Diener?� Bramante sch�ttelte fassungslos den Kopf. �Giorgio!�, br�llte er so laut, dass man es bis auf die Stra�e h�ren konnte. Schon im n�chsten Moment kam dieser ins Zimmer gestolpert.</p><p>�Ja, Herr?�, sagte er mit hochgezogenen Schultern und trat �ngstlich von einem Fu� auf den anderen.</p><p>�Warst du heute Morgen im Kloster San Silvestro?�, fragte Bramante stirnrunzelnd.</p><p>�Weder in San Silvestro noch in einem anderen Kloster, Herr�, stotterte Giorgio und schaute dabei so �berrascht, dass sich jeder Zweifel an seiner Aussage er�brigte.</p><p>Imperia sank wie eine Marionette auf das Bett. �Dann ist sie entf�hrt worden! Aber aus welchem Grund?�, sagte sie kraftlos. Wer konnte es auf ihr kleines M�dchen abgesehen haben und warum? Lucrezia hatte doch niemandem etwas getan.</p><p>In einem Anfall von �belkeit sprang Bramante auf, rannte zum Fenster, riss es auf und erbrach sich auf die Stra�e. Er spuckte und spuckte, bis nach dem Gemisch aus Rindfleisch, Austern und Wein nur noch Galle kam. Dann wischte er sich den Mund mit dem �rmel seines Hemdes ab und wandte sich mit kreidebleichem Gesicht um, ohne Imperia anzusehen. Sein Herz raste und drohte zu zerspringen. Millionen kleiner hei�er Nadeln stachen in seinen K�rper. Wenn es bei diesem Verbrechen nun um ihn ging? Wenn Lucrezia in Gefahr war, weil man ihn treffen wollte, wenn er schuld an dem war, was man dem M�dchen antun w�rde? Er ballte die F�uste und schaute zum Himmel. �Das sieht dir �hnlich, Gott, dich an Unschuldigen zu vergreifen!�, murmelte er finster.</p><p>�Hundsfott, bring mir sofort meine Sachen und mein Rapier, und vergiss die beiden Dolche nicht�, br�llte er den armen Giorgio an. Eine Wut, wie er sie noch nie in seinem Leben gef�hlt hatte, drang ihm in die Adern. W�hrend er seine Kleidung achtlos �ber das beschmutzte Hemd streifte, schwoll sein Kopf rot an, und die Ohren �berzog ein tiefes Lila.</p><p>�Ich komme entweder mit Lucrezia zur�ck oder nie wieder!� Damit st�rzte er aus dem Zimmer. Im Flur trat Ascanio an seine Seite.</p><p>�Du musst nicht mitkommen�, sagte er kurz. Was er vorhatte, fiel nicht unter die Verpflichtung des Leibw�chters.</p><p>�Doch�, sagte Ascanio l�chelnd und legte den Kopf zur Seite.</p><p>�Damit hast du wirklich nichts zu tun!�</p><p>�Meine Klinge hat mit allen H�ndeln der Welt etwas zu tun.�</p><p>�Gut, aber wenn es schiefgeht, finden wir uns auf dem Rad oder in der H�lle wieder�, warnte Bramante.</p><p>�Dann befinde ich mich wenigstens in guter Gesellschaft�, gab Ascanio zur�ck. Es war Zeit, eine alte Rechnung zu begleichen.</p><p>Schweigend und staunend schritt der Papst einige Male um die Laokoon-Gruppe herum, die in der <emphasis>Stanza della Segnatura</emphasis> auf dem gro�en Eichenholztisch stand. In Julius� Augen glomm ein stilles, aber intensives Feuer. Der Heilige Vater trug nur einen wei�en Mantel und den wei�en Pileolus, die Mozetta hatte er weggelassen. So bekam die Audienz etwas Inoffizielles, ja fast Privates.</p><p>�Ohne Laokoon w�ren wir nicht hier�, sagte er schlie�lich ergriffen. �Die G�tter hatten die Vernichtung Trojas beschlossen. Der Priester Laokoon warnte die Trojaner, doch sie h�rten nicht auf ihn. Weil er aber gegen den Willen der G�tter rebelliert hatte, lie�en Zorn und Rache der Gewaltigen nicht auf sich warten. Sie schickten die todbringenden Schlangen. Als �neas sah, wie Laokoon und dessen S�hne qualvoll starben, wusste er, dass Troja dem Untergang geweiht war. Dieses Bild, das die Sch�pfer der Skulptur festgehalten und verewigt hatten, stand �neas vor Augen, mehr noch, er wurde Zeuge dieser grausamen Szene. Danach schiffte er sich mit den Seinen ein und verlie� das dem Untergang geweihte Ilion. Er landete weiter s�dlich von ihr bei Ostia und sein Sohn Julus gr�ndete das Geschlecht der Julier.�</p><p>Bei diesen Worten l�chelte der Papst feinsinnig, als w�rde er seines Ahnherrn gedenken, und seine blauen, tief liegenden Augen begannen zu gl�nzen. Wie jung dieser alte Mann wirken konnte, dachte Michelangelo staunend.</p><p>�Deshalb habe ich die Skulptur erworben, weil ich das allergr��te Interesse an ihr habe�, erkl�rte Julius II.</p><p>Dann fasste er die beiden K�nstler ins Auge und bat sie, ihm alles zu erz�hlen, was sie �ber die Plastik herausgefunden hatten. Michelangelo zeigte auf der R�ckseite auf zwei kaum erkennbare N�hte. �Hier und hier hat man das Ensemble zusammengef�gt.�</p><p>�Also hat Plinius unrecht, wenn er behauptet, dass die Skulptur in einem St�ck gefertigt wurde?�, fragte Julius nachdenklich und besah sich genauer die Stellen, auf die der Bildhauer gezeigt hatte.</p><p>Michelangelo hob die H�nde. �Heiliger Vater, man kann das dem gro�en Gelehrten nicht vorwerfen, denn die N�hte sind so gut verborgen, dass auch Giuliano und ich M�he hatten, sie zu entdecken.�</p><p>�Das kann man mit vollem Recht behaupten. Meine alten Augen sehen sie jedenfalls nicht mehr�, sagte der Papst m�rrisch. Sein Kammerdiener betrat den Raum und verneigte sich. Als der Papst ihn zu sich winkte, folgte er der Aufforderung mit schnellen Schritten. Julius bot ihm das Ohr, und der Domestik fl�sterte ihm etwas zu. Das Gesicht des Stellvertreters Christi verd�sterte sich.</p><p>�Du musst zum Hafen, mein Sohn. Rasch!� Er legte Michelangelo die Hand auf die Schulter und schaute wie ein Vater auf ihn hinab. Der Bildhauer erstarrte. Was hatte man ihm nun wieder angetan? Er f�hlte sich verfolgt. Jemand behinderte ihn auf Schritt und Tritt und f�gte ihm gezielt und ausdauernd Schaden zu, um ihn zum Aufgeben zu bringen.</p><p>�Folg mir zum Hafen�, sagte er mit unheilverk�ndender Miene zu Francesco, der drau�en auf ihn gewartet hatte. Auf dem Vorplatz des Petersdomes, in der N�he der Kirche Santa Caterina, trafen sie auf Bramante, gefolgt von einer verwegenen Gestalt. Dieser Schurke kam nach vollbrachter Schandtat vom Ripetta-Hafen, durchfuhr es Michelangelo. Er trat dem Architekten in den Weg, um ihn zur Rede zu stellen. Bramante starrte ihn verst�ndnislos und, wie Michelangelo glaubte, feindselig an.</p><p>�Was habt Ihr mit meinem Marmor gemacht?�, fragte der Bildhauer barsch.</p><p>�Was geht mich Euer Marmor an?�, knurrte Bramante und wollte schon an dem Florentiner vorbeigehen. H�tte es f�r Michelangelo eines Beweises bedurft, dann w�re es die Eile gewesen, mit der Bramante versuchte, ihm aus den Augen zu kommen. Das konnte doch nur das schlechte Gewissen sein. Er packte den Baumeister am Arm. �Hiergeblieben, ich bin noch nicht fertig mit Euch!�</p><p>�Ich aber mit Euch�, schrie Bramante und riss sich mit j�hem Ruck los. Bevor Michelangelo erneut zufassen konnte, schob ihn Ascanio zur Seite.</p><p>�Besser, Ihr lasst meinen Herrn zufrieden. Er hat Wichtigeres zu tun. Noch einmal werde ich nicht so r�cksichtsvoll zu Euch sein.� Der Bildhauer sah in das finstere Gesicht des Leibw�chters. Er kannte ihn nicht und wusste deshalb auch nicht, dass Ascanio immer ein L�cheln und eine gewisse Leichtfertigkeit zur Schau trug, sonst h�tte ihn der wilde Ausdruck seines Gesichts wohl noch st�rker eingesch�chtert. Francesco hatte sich ohnehin ein wenig abseitsgehalten und blickte nun �ngstlich auf seinen Herrn. Widerwillig trat Michelangelo zur Seite und eilte, gefolgt von seinem Diener, zum Hafen. Unterwegs stie� er laute Racheschw�re aus.</p><p>Als sie am Tiber eintrafen, kamen ihm unwillk�rlich die Tr�nen. Die verfluchten Kerle hatten so viele Marmorbl�cke, wie sie konnten, in den Fluss geschoben � auch den riesigen bossierten Stein, aus dem er den Moses zu hauen gedachte. Michelangelo trug Francesco auf, Fuhrwerke und Kutscher zu besorgen, w�hrend die Hafenarbeiter unter seiner beherzten Anleitung die nassen Quader aus dem Wasser zogen. Er beschloss, den Marmor auf dem Petersplatz vor der Kirche Santa Caterina zu lagern. Eine Stra�e weiter befand sich seine Werkstatt. Unter seinen Augen und denen des Papstes w�rde sicher niemand wagen, sich an dem Material zu vergehen!</p><p>Drau�en hatte der Regen wieder eingesetzt. In der Basilika wurde es dadurch schlagartig dunkel, weil sich dicke Wolken vor die Sonne geschoben hatten und deshalb nur noch wenig Licht auf die kleinen Fenster im Obergaden traf. Dunkel wie der Glaube, dachte Bramante zornig. Aber das wollte er ja alles besser machen. Einen gro�en, sch�nen, hellen Tempel als Mittelpunkt der Welt, dessen Heiterkeit und Ebenma� �berallhin ausstrahlen w�rde, hatte er entworfen. Nach dem Vorbild der Antike. Unter seiner Himmelskuppel w�rde eine neue Zeit anbrechen. Das war der Grund, weshalb sich der Dominikaner so sehr dagegen stemmte: weil er die alte, die dumpfe, die dunkle Kirche erhalten wollte!</p><p>Der Geruch des Weihrauchs, der in der Basilika waberte, schlug ihm wie eine bittere Speise auf den Magen. Viele Pilger beichteten ihre S�nden und beteten zu Gott in der Hoffnung auf Ablass und F�rsprache. Bramante hielt auf den Beichtstuhl im Nordwestbereich der Kirche zu, in dem er damals mit dem Kardinal gesessen und versucht hatte, mit ihm ein Komplott gegen Michelangelos Grabmal zu schmieden. Auf der Suche nach Giacomo rannte er von Beichtstuhl zu Beichtstuhl, riss den Vorhang zur Seite oder r�cksichtslos die T�r auf. Er handelte sich daf�r �berraschte oder zornige Blicke der Priester und Beichtenden ein, aber den Dominikaner fand er nicht. Dennoch sagte ihm sein Gef�hl, dass sich dieser in der Peterskirche aufhielt. Doch wo, �berlegte er fieberhaft. Pl�tzlich erfasste ihn eine Ahnung. Nat�rlich, dass er daran nicht von Anfang gedacht hatte! Im Herzen der Basilika musste er sein. Unterhalb der Confessio, am Grab Petri.</p><p>�Komm, ich wei�, wo der Teufel steckt�, rief er Ascanio zu. Sie eilten zum Hochaltar, �ffneten die kleine schmiedeeiserne T�r und st�rzten die schmalen Treppen hinunter.</p><p>Dann sahen sie sie. Lucrezia. Sie sa� vor dem Grab des Apostelf�rsten, die H�nde hinter dem R�cken gefesselt. Die Augen verbunden, geknebelt. Bramante konnte sp�ren, wie ihr junger K�rper vor Angst zitterte, und wollte auf sie zust�rzen, als sich ihm zwei Bewaffnete in den Weg stellten. Ascanio zog sein Rapier.</p><p>�Versucht es erst gar nicht, Donato�, sagte Giacomo il Catalano, der aus dem Halbdunkel erschien. Er schnippte mit den Fingern, und weitere zehn bewaffnete M�nner traten hervor. Ihrem Aussehen nach zu urteilen, waren es erfahrene Haudegen.</p><p>�Hier hat Gott meiner Kunst ein Ende gesetzt!�, raunte Ascanio dem Architekten mit erschreckender N�chternheit zu.</p><p>�Sie ist ein unschuldiges Kind! Ist das christlich? Ist das Gott wohlgef�llig?�, rief Bramante wutentbrannt.</p><p>Lucrezia wandte den Kopf in seine Richtung.</p><p>�Stillgehalten, sonst gibt�s eins in die Fresse!�, fuhr sie einer der Bewacher grob an.</p><p>�Sei vorsichtig, Narbengesicht!�, drohte Bramante. In seiner Stimme schwang ein gef�hrliches Grollen. Der Kerl grinste schmierig, und der Kardinal verzog keine Miene, als ginge ihn das Gepl�nkel nichts an.</p><p>�Kommen wir zu dem Grund, weshalb wir uns hier mehr oder weniger freiwillig versammelt haben�, sagte er k�hl. �Der Zweck heiligt die Mittel und das Amt seinen Tr�ger! Ihr wisst, was ich will. Geht zum Papst, erkl�rt Euren R�cktritt und schlagt Fr� Giocondo als leitenden Architekten f�r den Neubau des Petersdomes vor � dann wird dem M�dchen kein Haar gekr�mmt. Sobald mein Ordensbruder vom Heiligen Vater als Baumeister berufen ist, bekommt Ihr die Kleine unversehrt zur�ck.�</p><p>�Warum sollte ich Euch trauen?�, fragte Bramante. Seine Augen hatten sich zu Schlitzen verengt.</p><p>�Weil ich bei Gott schw�re, dass ich mich an diese Abmachung halten werde. Ebenso gelobe ich beim Allerh�chsten, dass ich das M�dchen andernfalls zehn Tage lang diesen zehn M�nnern � jedem einen Tag zum freien Vergn�gen � �berlasse, bevor ich ihr h�chstselbst die Kehle durchschneide. Ihr habt die Wahl.�</p><p>Bramante gefror das Herz. Weit oben �ber dem Grab wollte er die Kuppel des Himmels errichten und fand sich nun in der Grube der H�lle wieder. In dem Augenblick, in dem er zu explodieren drohte, sp�rte er Ascanios Hand auf seiner Schulter. Diese Geste bewirkte, dass sein rationales Denken wieder die Oberhand gewann, und er warf seinem Leibw�chter einen dankbaren Blick zu. Unbedachtsamkeit oder J�hzorn w�rde Lucrezia t�ten.</p><p>�Gut�, brachte er z�hneknirschend hervor. �Morgen fr�h werde ich um eine dringende Audienz beim Papst nachsuchen.�</p><p>�Bem�ht Euch nicht. Ich habe den Heiligen Vater bereits dar�ber informiert, dass wir etwas Wichtiges zu bereden haben. Die Audienz findet heute nach der Vesper statt. Ihr wollt die Kleine doch schnell wiederhaben, also seid p�nktlich. Ihr wisst, was geschieht, wenn Ihr unp�nktlich seid oder mich zu t�uschen versucht�, f�gte er leise, aber drohend hinzu. �Ihr solltet mich inzwischen gut genug kennen, um zu wissen, dass ich keine Nachsicht �ben werde. Alles � Leben oder Tod, Gl�ck oder Ungl�ck � liegt in Eurer Hand!�</p><p>Niemals im Leben hatte sich Bramante so ausgeliefert und hilflos gef�hlt. Aber er hatte keine Wahl.</p><p>�Einverstanden�, murmelte er mit bitterer Stimme und trat zu Lucrezia. Der Narbengesichtige zog sein Rapier und zielte mit der Spitze auf seine Brust.</p><p>�Lass ihn�, befahl ihm der Kardinal.</p><p>Bramante kniete sich zu dem M�dchen, umarmte sie und fl�sterte ihr ins Ohr: �Ich hole dich hier heraus, Lucrezia. Dir wird nichts geschehen. Hab Mut, und �ngstige dich nicht. Vertrau mir!� Dann erhob er sich.</p><p>�Wenn ihr auch nur ein Haar gekr�mmt wird, wird meine Rache f�r jeden Einzelnen von euch furchtbar und qualvoll sein! Selbst wenn ihr mich t�ten solltet, werdet ihr keine Ruhe finden. Meine Rache wird mich �berleben.� Bramante hatte so ruhig und sachlich gesprochen, als ginge es um eine Bauanweisung, und dabei jeden der Entf�hrer der Reihe nach angesehen. Zum Schluss blickte er Giacomo an. In seinen Augen loderte die gleiche unvers�hnliche Feindseligkeit wie in denen des Kardinals. Er wandte sich zum Gehen.</p><p>�Einen Augenblick, Donato�, sagte Giacomo. �Ihr habt noch etwas, das mir geh�rt. Seid so g�tig, und lasst es hier!�</p><p>Bramante zog den Ring vom Finger und warf ihn hin�ber zur Grabstelle des Apostels. Entsetzt sprang Giacomo auf den Altar zu, konnte den Ring aber nicht mehr abfangen. Er flog durch das Gitter unterhalb des Altars und fiel klirrend in die Tiefe. Der Dominikaner durchbohrte Bramante mit Blicken, aus denen abgrundtiefer Hass sprach.</p><p>�Tut mir leid�, knurrte der Baumeister grimmig und stieg, gefolgt von Ascanio, die Treppen zum Kirchenschiff hinauf. Er k�mpfte verbissen gegen die Last auf seinen Schultern an, die mit jedem Schritt gr��er wurde. Ihm war, als dr�ckte der gesamte Petersdom auf ihn.</p><p>Auf dem Heimweg schossen Bramante tausend Gedanken wild durch den Kopf. Sein Denken drehte sich im Kreis. Sollte er aufgeben? Was konnte er anderes tun, als die Forderungen des Dominikaners zu erf�llen? Er zweifelte nicht daran, dass der Erzpriester seine Drohung wahr machen w�rde, skrupellos genug war er. Ascanio bat seinen Herrn, ihn f�r eine Stunde zu entschuldigen. Bramante nickte verwirrt.</p><p>In seinem kleinen Palazzo erwarteten ihn Imperia und Agostino Chigi. Nachdem er seinen Bericht beendet hatte, fragte Imperia mit angsterf�llter Miene, was er zu tun gedenke.</p><p>�Der Forderung des Dominikaners nachkommen nat�rlich!�, rief Chigi. Der sonst so beherrschte Bankier hieb mit seiner schlanken Faust so heftig auf den Tisch, dass seine langen Haare kurz zu Berge standen. �Teuflisch fein gesponnen! Wir k�nnten den Papst informieren, aber wir haben keine Beweise. Aussage st�nde gegen Aussage.�</p><p>�Er wird diese M�glichkeit in seine �berlegungen einbezogen haben�, sagte Bramante m�de. �Und ich glaube nicht, dass er Lucrezia noch lange in der Basilika verstecken wird, jedenfalls nicht dort, wo wir sie gefunden haben.� Er seufzte resigniert. �Ohne den geringsten Beweis wird uns Julius nicht glauben, und wenn wir einen Beweis h�tten, w�rde er es vertuschen. Der Papst zieht einen Kardinal nur zur Rechenschaft, wenn er ihn bestiehlt oder ein Komplott gegen ihn pers�nlich geschmiedet hat.�</p><p>�Aber nicht wegen der Tochter einer Kurtisane�, sagte Imperia bitter.</p><p>�Wegen keines Mannes und keiner Frau Tochter oder Sohn�, versuchte der Bankier seine Geliebte zu tr�sten. Doch sie h�rte ihn gar nicht, sondern begann, an ihren Fingern�geln zu kauen. �Wird der Kardinal Wort halten?�, fragte sie zitternd.</p><p>�Vermutlich�, erwiderte Bramante und senkte den Kopf. Er wollte es zumindest hoffen.</p><p>�Dann tu es, Donato, geh auf seine Forderungen ein! Du wolltest schon einmal f�r mich auf dieses Projekt verzichten, dann tu es jetzt f�r Lucrezia und f�r mich!�</p><p>Bramante nickte traurig. In diesem Moment st�rmte Ascanio ins Zimmer, blickte noch einmal pr�fend auf den Gang und zog die T�r hinter sich zu. Der Leibw�chter wirkte verschwitzt, und seine Kleidung war in Unordnung geraten. Offenbar hatte er sich sehr beeilt. Sein Gesichtsausdruck verriet eine gro�e Anspannung. Mit wenigen Schritten war er bei Bramante und fl�sterte ihm etwas ins Ohr. Der Baumeister riss die Augen auf und sah Ascanio ungl�ubig an. Der Leibw�chter nickte.</p><p>�Giorgio!� Bramante hatte kaum nach seinem Diener gerufen, als dieser schon erschien. Ascanio schloss die T�r, legte den Riegel vor und zog sein Rapier aus der Scheide. Der Hausdiener drehte sich erschrocken um. Angst schlich in sein dickes Gesicht und straffte sein Doppelkinn.</p><p>�Wir haben zu reden�, sagte Ascanio trocken. �Wage es nicht, zu l�gen oder nach Ausfl�chten zu suchen. Das w�rde schmerzhaft f�r dich ausgehen. Was hat dir Ranuccio, das Narbengesicht, f�r deine Spitzeldienste geboten?�</p><p>Giorgios Augen blickten panisch hin und her. Einen Moment schien er zu �berlegen, ob er leugnen sollte, warf sich aber dann Bramante zu F��en. �Gnade, Herr, Gnade, ich habe Euch all die vielen Jahre treu gedient.�</p><p>�Das ist es ja gerade!�, sagte Bramante entt�uscht und traurig. Der Verrat traf ihn tief. Drei�ig Jahre schon stand der Mail�nder inzwischen in seinen Diensten.</p><p>Giorgio brachte zu seiner Entschuldigung vor, dass ihn Ranuccio erpresst habe, weil er in einer der billigen Tavernen von Regola im Streit um eine Frau einen M�nch erschlagen hatte.</p><p>�Warum hast du mir das nicht gesagt?�, fragte Bramante.</p><p>�Weil ich schon im Kerker von Tor di Nona war und seine Eminenz, Kardinal Catalano, mir die Instrumente zeigen lie�. Niemand w�rde mir helfen k�nnen, hat er gesagt. Auch Ihr nicht, nur er.�</p><p>Bramante lie� den Kopf h�ngen. Nun war ihm klar, auf welche Art und Weise der Erzpriester seinen schwachen Punkt herausgefunden hatte. Ein schrecklicher Gedanke kam ihm.</p><p>�Hast du Lucrezia aus dem Kloster abgeholt?�, fragte er den Diener, der betreten nickte. Ascanios und Bramantes Blicke trafen sich.</p><p>�Er hat sich vor Lucrezia nicht verborgen�, stellte der Leibw�chter fest.</p><p>�Triffst du dieses Pack noch einmal?�, hakte der Architekt nach.</p><p>�Ja. Heute Abend soll ich am Kolosseum meinen Lohn abholen.�</p><p>�Sie werden dir die Kehle durchschneiden�, sagte Bramante trocken. �Als Lohn f�r deinen Verrat.�</p><p>Eine b�se, heimt�ckische Stille breitete sich aus. F�r alle bis auf Giorgio nahm der Plan des Erzpriesters seine furchtbaren Konturen an.</p><p>Chigi rollte mit den Augen. �Sobald du zur�ckgetreten bist, Donato, wird dir Julius seine Gunst entziehen. Er wird es als Verrat auffassen, dass du ihn mit dem gro�en Projekt im Stich l�sst.�</p><p>�Ich habe es ihm schlie�lich eingeredet.�</p><p>�Eben. Einem Kardinal kannst du dann nicht mehr gef�hrlich werden.�</p><p>�Er wird uns auch Lucrezia nicht lebend zur�ckgeben!�, sagte Ascanio leise. �F�r das Verbrechen gibt es keine Zeugen mehr, und der Einzige, der Anklage erheben k�nnte, steht selbst als Verr�ter da.�</p><p>Es war ein teuflisches Netz, das der Dominikaner gekn�pft hatte. Ausweglos f�r die, die sich in ihm verfangen hatten. Voller Schmerz schrie Imperia auf und brach in Schluchzen aus.</p><empty-line/></section><section><p>34</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>Noch nie in seinem Leben hatte Bramante etwas versprochen, wenn er nicht garantieren konnte, dass er auch imstande w�re, sein Wort zu halten. Das einzig Tr�stliche war, dass nur der Tod ihn daran hindern konnte, seinen Plan auszuf�hren. Alle hatte er davon �berzeugt, selbst Imperia. Doch in Wahrheit gab es auch keine Alternative. N�chtern betrachtet hatten sie nur zwei Vorteile. Zum einen wusste Giacomo nicht, dass sie ihn durchschaut und den verr�terischen Diener festgesetzt hatten, zum anderen war ihm unbekannt, dass Ascanio sehr gute Verbindungen zur r�mischen Halb- und Unterwelt unterhielt. Bramante blieb nicht viel Zeit, eine gr�ndliche Vorbereitung war ausgeschlossen. Er musste improvisieren und auf sein Gl�ck vertrauen. Das war nichts Neues, denn sein Leben bestand aus der Kombination von Klugheit, Kampferfahrung und Gl�ck.</p><p>Sie hatten sich darauf geeinigt, dass Bramante p�nktlich nach der Vesper beim Pontifex erscheinen w�rde. Dann kam es darauf an, dass die Audienz in die L�nge gezogen wurde, bevor der Architekt seinen R�cktritt erkl�rte. Da Giacomo aber sofort Verdacht sch�pfen w�rde, wenn Bramante versuchte, Zeit zu schinden, weihten sie Egidio da Viterbo ein. Dieser hatte jederzeit freien Zugang zum Papst und war ebenso ber�hmt wie ber�chtigt f�r seine langen, blumigen Vortr�ge und Predigten. Giacomo w�rde die Suada des Augustiners �ber sich ergehen lassen, ohne Argwohn zu sch�pfen.</p><p>Ascanio wusste, dass ihm nur wenig Zeit zur Verf�gung stand. Um sich vor Verrat zu sch�tzen, bat er drei Freunde um Hilfe, die er schon sehr lange kannte und auf die er sich verlassen konnte. Er kannte sie aus der verfluchten Zeit, als sie gemeinsam bei Cesare Borgia in Sold und Brot gestanden hatten.</p><p>Die erste und wichtigste Aufgabe bestand darin herauszufinden, wo die Entf�hrer Lucrezia versteckt hielten. Die Chancen, das M�dchen lebend zu befreien, standen schlecht. Zum einen durfte Ascanio bei seiner Suche nicht das geringste Aufsehen erregen, und zum anderen hatte er f�r dieses Meisterst�ck keine f�nf Stunden mehr zur Verf�gung.</p><p>Wie oft hatte er in den vergangenen Wochen den Architekten bei seinen Gespr�chen mit dem M�dchen nach der Morgenandacht in der Klosterkirche San Silvestro in Capite beobachtet, wie oft hatte ihn dieses Bild � der alternde Mann im gel�sten Gespr�ch mit dem anmutigen M�dchen � ger�hrt. Sie wirkten wie Tochter und Vater. Ohne es zu merken, hatte der S�ldner Lucrezia allm�hlich ins Herz geschlossen. Und nun trachtete ein Mann, dessen H�nde nicht Blut vergie�en, sondern Segen spenden sollten, nach ihrem Leben. Zur Gen�ge hatte Ascanio die Gewalt erlebt in den Jahren, als er mit seinem Rapier unterwegs gewesen war und sich als Landsknecht, dann wieder als Leibw�chter verdingt hatte. Die Gewalt, die von den M�chtigen und Starken ausging und die die Machtlosen und Schwachen nur aus dem einen Grund traf � weil sie schutzlos waren und ein Leben so herzlich wenig galt. In seinem Beruf konnte er nicht damit rechnen, ein gesegnetes Alter zu erreichen. Doch nachdem er im Gefolge von Cesare Borgia Zeuge der Pl�nderungen und Grausamkeiten geworden war, hatte er beschlossen, mit seinem Degen k�nftig die Menschen vor den �bergriffen der gro�en Herren zu sch�tzen. Zwar hatte er nichts anderes als das Waffenhandwerk gelernt, aber das wollte er gegen die Willk�r einsetzen. Vielleicht schlug hier das Erbteil seines Vaters durch, den er nie kennengelernt hatte. Er sollte ein Priester gewesen sein und � bis auf den Fehltritt, dem Ascanio sein Leben verdankte � ein fast heiliger Mann.</p><p>Nachdem Ascanio und seine Freunde ausgeschw�rmt waren und sich in der r�mischen Unterwelt umgeh�rt hatten, trafen sie sich wie ausgemacht auf der Tiberinsel wieder. Viel hatten sie nicht in Erfahrung gebracht, nur dass das Narbengesicht bei einer Dirne in Trastevere, in der N�he der Via Portuense wohnte. Um nicht aufzufallen, erwarben sie bei einem j�dischen Tr�dler in der N�he des Fischmarktes im Rione Sant�Angelo bei dem Portico der Ottavia einige Lumpen und versteckten unter den weiten Stoffen ihre Dolche und Degen. Schlie�lich rieben sie sich Gesicht und H�nde mit Stra�enschmutz ein, was ihnen zudem einen unverkennbaren Geruch verlieh.</p><p>Als sie das niedrige, zweigeschossige Haus erreichten, das sich schief an das Nebenhaus anlehnte, sah sich Ascanio vorsichtig um. Niemand verfolgte sie, und es standen auch keine Sp�her vor dem Haus. Zwei seiner Freunde, Baccio und Eugenio, postierten sich in einigem Abstand, w�hrend Ascanio und Gustavo, ein ellenlanger Kerl aus Pisa und Feind aller Florentiner, schnell und unauff�llig durch die niedrige Eingangst�r schl�pften. Der dunkle Flur f�hrte auf einen Hof. Links ging eine schmale und dunkle Treppe in den ersten Stock ab. So leise wie m�glich stiegen die beiden M�nner die Stufen hinauf. Dann standen sie vor einer sch�bigen T�r, deren Bretter unten und oben m�rbe und zerfallen waren. Es roch modrig. Die W�nde gl�nzten feucht und schwarz. Mit einem kurzen, harten Tritt sprengte Gustavo die T�r auf. Drinnen riss eine Frau, vermutlich die Geliebte des Narbengesichts, erschrocken die H�nde an den Kopf. Ascanio schob sie unsanft beiseite und trat in das Zimmer, in dem eine junge Frau mit langem, fettigem Haar in einer undefinierbaren Farbe auf einem Schemel hockte und Knoblauch schnitt. Gut m�glich, dass nicht die Alte, sondern die Junge das Liebchen des Entf�hrers war. Ganz gleich, er w�rde beide befragen.</p><p>�Wenn ihr vern�nftig seid, passiert euch nichts�, fuhr er sie barsch an und zog seinen Dolch. Die Augen der Frauen weiteten sich. Die �ltere schielte zu einem gro�en Kessel auf der steinernen Kochstelle.</p><p>Ascanio konnte bequem dem langsamen Gang ihrer Gedanken folgen. �Daran w�rde ich an deiner Stelle nicht einmal im Traum denken�, raunzte er sie an. �Wo ist das Narbengesicht?�</p><p>Die beiden Frauen warfen sich einen �ngstlichen Blick zu. �Ich kenne kein Narbengesicht. Ihr m�sst mich verwechseln, Herr!�, beteuerte die �ltere.</p><p>Ascanio ging unger�hrt zum Herd, schaute in den Kessel, in dem Nudeln kochten, zog mit einem lauten Ger�usch den Schleim hoch und spuckte kr�ftig hinein. Die beiden Frauen reagierten nicht. Das Essen schien ohnehin nicht f�r sie bestimmt zu sein. �F�r wen kochst du so viel Pasta?�, fragte Ascanio freundlich.</p><p>�Ich betreibe eine K�che f�r die Schiffer.�</p><p>Ascanio lachte so laut, als h�tte er den besten Witz seines Lebens geh�rt. Dann versteinerte sich sein Gesicht. �Das Narbengesicht ist so gut wie tot. Rettet wenigstens euer Leben. Ich habe kein Interesse daran, euch abzustechen. Mit euch habe ich keinen Streit.�</p><p>Wieder schauten sich die beiden Frauen an. Diesmal antwortete die J�ngere, die mit dem langen, fettigen Haar. �Warum sollten wir Euch trauen?�</p><p>�Weil ich das, was ich wissen will, auf die eine oder andere Art sowieso erfahre�, erkl�rte Ascanio. �Die Frage ist nur, ob ihr unbeschadet und mit einem kleinen Lohn aus der Geschichte geht oder ob ihr mich zwingt, euch zu foltern und zu t�ten. Das wird nach der peinlichen Befragung keine gro�e Sache mehr sein. Die Entscheidung liegt ganz bei euch.�</p><p>Die ruhige Gelassenheit, die Ascanio ausstrahlte, gab den Frauen das Gef�hl, dass er ihnen nichts vormachte, sondern so handeln w�rde, wie er es angek�ndigt hatte. Ihr Umgang mit Spitzbuben hatte sie zu unterscheiden gelehrt, wann sie einen Fachmann und keinen Schw�tzer vor sich hatten. Die �ltere nickte dem M�dchen zu.</p><p>�Was haben wir davon, wenn ich dir meinen Mann ausliefere?�, fragte die Junge.</p><p>�Zwei Goldscudi!� Ein schiefes L�cheln erschien auf ihrem schmutzigen Gesicht. So viel Geld hatte sie in ihrem Leben noch nicht gesehen! Doch der Preis f�r den Verrat an ihrem Mann ging in Ordnung � er betrug das Zehnfache von dem, was ein Auftragsmord f�r gew�hnlich kostete.</p><p>�Gut, wir kochen f�r die M�nner.�</p><p>�Wo sollt ihr das Essen hinbringen?�</p><p>�In die Kirche Santi Cosma e Damiano.�</p><p>�Die auf dem Forum?�, fragte Ascanio. Die beiden Frauen schauten den Fremden wie bl�de an, sie wussten offensichtlich nicht, was er meinte. �Auf dem <emphasis>Campo Vaccino�</emphasis>, verbesserte er sich.</p><p>�Genau die Kirche! Die, welche geschlossen ist!�, kr�hte die Alte.</p><p>�Und wer soll das Essen hinbringen?�</p><p>�Wir beide.� Ascanio und Gustavo musterten die beiden Frauen skeptisch. �Wir wollten uns ein paar junge Burschen mieten, die tragen helfen.�</p><p>�Ihr habt die Burschen gefunden�, sagte Ascanio und grinste Gustavo an. �Wir werden dicht hinter euch sein. Eine falsche Bewegung, und ihr macht zum ersten und zum letzten Mal Bekanntschaft mit meinem Dolch.�</p><p>Nicht lange darauf n�herte sich eine kleine Gruppe der Kirche, die den beiden heiligen �rzten aus Byzanz geweiht war. Es war eine seltsame Prozession: Vorn schritten die beiden Frauen, gleich dahinter ging Ascanio mit einem Korb mit Graubrot unter dem Arm. In der anderen hielt er den Dolch im �rmel. Er trug einen schwarzen Verband �ber einem Auge und hatte einen sch�bigen Federhut tief ins Gesicht gezogen. Ansonsten trug er eine Kniehose und einen Umhang aus braunem Sackleinen. Ihm folgten Baccio und Eugenio, die beide eine Filzkappe auf den Kopf gest�lpt hatten und einen dicken Holzkn�ppel trugen, an dem zwischen ihnen der schwere eiserne Kessel mit der Pasta schaukelte. Den Schluss bildete der baumlange Gustavo, der in einer geflochtenen Kiepe auf dem R�cken Kr�ge mit verd�nntem Wein schleppte.</p><p>Ascanio bemerkte, dass sie aus dem Fenster eines Anbaues beobachtet wurden, der sich rechts an den Tempel lehnte. �Jetzt kommt f�r euch alles darauf an, dass ihr keine Dummheiten macht�, raunte er den Frauen zu. �Ja, Herr�, antworteten beide wie aus einem Mund. Man konnte die Angst in ihren Stimmen h�ren. Ascanio schaute zur Sonne, die er hinter einem Wolkenband links von sich ahnte. Sie hatten nicht mehr viel Zeit. Die Sonne stand bereits sehr tief.</p><p>Vor Giacomo il Catalano auf dem Wandtisch stand ein Holzbottich mit Wasser. Nachdem er sich das Gesicht, den Oberk�rper, die Achseln gewaschen hatte, betrachtete er sein Spiegelbild. Ein markantes Gesicht mit gebr�untem Teint, gro�en schwarzen ausdrucksvollen Augen. Weder hingen die Wangen, noch zeigten sich Ans�tze eines Doppelkinns, alles wirkte straff und jung. Nur in einzelnen Silberf�den im ebenholzfarbenen Haar hielt das Alter Einzug. Es verlieh ihm einen eigenen, einen neuen Reiz. Am Oberk�rper selbst kein Gramm Fett zu viel. In seine Augen hatte sich in der letzten Zeit eine gewisse Traurigkeit eingeschlichen. Oder war das, was er f�r Melancholie hielt, am Ende nur K�lte? Hatte der Tod, den er so vielen Menschen gegeben hatte, sich in seinen Augen eingenistet?</p><p>An der Wand hinter ihm hing der Entwurf f�r den Neubau von Sankt Peter seines Ordensbruders, des Architekten Fr� Giocondo. Kurz schaute er darauf, dann tauchte er sein Gesicht in das kalte Wasser, zwang sich, die Augen aufzuschlagen, und blickte auf den Grund des Bottichs. Die Fl�ssigkeit dr�ckte auf seine Netzhaut. Der Grund kam ihm nah und zugleich weit entfernt vor. Die Abst�nde verschwammen unter der Oberfl�che.</p><p>Pl�tzlich ertappte sich Giacomo dabei, wie sehr er sich danach sehnte, dass eine Hand gebieterisch in seinen Nacken griff, ihn unter Wasser hielt und ihn selbst dann daran hinderte aufzutauchen, wenn er bereits keine Luft mehr hatte und wieder atmen musste. Ertrinken w�re wohl nicht das Schlechteste, dachte er, wenn man ein Alter erreicht hatte, in dem es gen�gend Erinnerungen gab, die einen in den nassen Tod wiegen w�rden. Denn Sehnsucht war nur ein anderer Name f�r Erinnerung. Nat�rlich wusste der Mensch, was er suchte, auch wenn er es nicht zu benennen verstand. Die Menschen verwechselten das nur. Weil sie keine Bezeichnungen daf�r hatten, glaubten sie, es nicht zu kennen. Das machte aber nichts. Manchmal versteckte sich die Sehnsucht hinter einem Geruch oder in einem Klang.</p><p>Nicht so f�r Giacomo. In den Tiefen seines Ged�chtnisses schlummerte ein unscharfes Bild, so als ob er es am Grund des Wassers sah. Ein Tisch, um den herum Menschen sa�en, ein Mann mit einem schwarzen Bart, einem markanten Gesicht und einer hohen Stirn, ihm nicht un�hnlich, ein Junge, ein M�dchen, eine Frau mit gro�en blauen Augen und einem sp�ttischen und zugleich g�tigen L�cheln, was sich eigentlich ausschloss, nicht aber bei ihr. Der Mann begann, mit wohlklingender Stimme zu singen:</p><p>�Ich freute mich �ber die, die mir sagten:</p><p>Lasset uns ziehen zum Hause des Herrn!</p><p>Nun stehen unsere F��e in deinen Toren, Jeruschalajim.</p><p>Jeruschalajim ist gebaut als eine Stadt,</p><p>in der man zusammenkommen soll,</p><p>wohin die St�mme hinaufziehen,</p><p>die St�mme des Herrn,</p><p>wie es geboten ist dem Volke Israel,</p><p>zu preisen den Namen des Herrn.</p><p>Denn dort stehen die Throne zum Gericht,</p><p>die Throne des Hauses David.</p><p>W�nschet Jeruschalajim Gl�ck!</p><p>Es m�ge wohlgehen denen, die dich lieben!</p><p>Es m�ge Friede sein in deinen Mauern</p><p>und Gl�ck in deinen Pal�sten!</p><p>Um meiner Br�der und Freunde Willen</p><p>will ich dir Frieden w�nschen.</p><p>Um des Hauses des Herrn Willen,</p><p>unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.�</p><p>Giacomos K�rper wollte, dass sein Kopf auftauchte � sein Geist wollte tiefer in den Bottich hinein. Seine H�nde umkrampften den Rand des Holzgef��es. Er machte den Nacken steif und dr�ckte das Gesicht tiefer, n�her zum Grund. Mit aller Kraft. Es war ein stiller, verbissener Kampf zwischen Geist und Leib, der in seinem K�rper tobte. Dann sp�rte er, wie Wasser in seinen Mund drang und ihm schwarz vor Augen wurde. Die Instinkte schleuderten seinen Kopf nach oben. Er wankte, hustete und spuckte. Sein ganzer Oberk�rper, der von den Attacken ergriffen und gesch�ttelt wurde, wehrte sich gegen das Wasser, das in ihn eingedrungen war. Es dauerte eine Weile, bis er sich beruhigte.</p><p>Dann sah er im Spiegel sein bleiches, gehetztes Gesicht. War er das? Er nahm ein Handtuch und trocknete sich Gesicht und Oberk�rper ab. Er war es. Ein S�ldner Gottes. Vielleicht sogar Gottes Teufel. Aber die L�mmer brauchen den Wolf. Ohne ihn w�rde der �bermut in ihnen die Oberhand gewinnen und die Ordnung, die sie zum Leben ben�tigen, zerst�ren. Er war der, den niemand wollte, den aber alle brauchten. F�r den wahren Glauben hatte er gek�mpft und gelitten � ja, das alles �, aber letztlich hatte er auch viel erreicht. Gleich w�rde er den letzten, den t�dlichen Schlag gegen die <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> f�hren und gegen das wiedererstarkte Heidentum, das drohte, Christi Kirche von innen heraus zu zerst�ren. Seine Mission h�tte sich erf�llt, wenn die Priester zur�ckgekehrt w�ren zu christlicher Demut, zu Reinheit und Fr�mmigkeit und der S�nde in Worten und in Taten entsagten.</p><p>Giacomo streifte die M�nchskutte �ber und machte sich auf den Weg zur Audienz beim Papst. Fr� Giacomo, der Diener Gottes und Kardinal der R�mischen Kirche, war zufrieden mit seiner List. Genau genommen ging es ihm gar nicht um Fr� Giocondo, sondern einzig und allein um Donato Bramante, den er vernichten wollte. Mit seinem R�cktritt w�rde der Architekt Julius dem�tigen, und das konnte der Papst ihm niemals vergeben. Wenn der h�retische Baumeister erst aus dem Weg war, wollte sich Giacomo in Ruhe dem aufm�pfigen Bildhauer widmen. Im Gegensatz zu Bramante war Michelangelo kein Ketzer. In dem K�nstler steckte ein echter Glauben, auch wenn ihn die Kunst verdreht und verkehrt hatte. Der Florentiner konnte nur zur wahren Fr�mmigkeit kommen, wenn er dem Hochmut der Kunst entsagte, und dazu w�rde Fr� Giacomo ihn zwingen. Aber alles h�bsch der Reihe nach. Zun�chst musste er den K�nstler irre an sich selbst werden lassen, bevor er ihn in seine Arme schlie�en durfte. Im Augenblick k�mpfte der Bildhauer sich m�de und verbrauchte die Geduld des Papstes, weil Giacomo ihn durch fortw�hrende Anschl�ge nerv�s, ja hysterisch machte.</p><empty-line/></section><section><p>35</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>Mit raschen Schritten �berquerte der Kardinal den Vorhof der Basilika zum �bergang von der Peterskirche zum Vatikanpalast. Wie immer str�mten ablasshungrige Pilger in die Kirche und andere ablasssatte aus dem Gotteshaus heraus. Das junge M�dchen, das sich in seiner Gewalt befand, hatte nichts damit zu tun. Sie tat ihm leid, denn sie hatte keine Schuld und keine S�nde auf sich geladen � dennoch w�rde sie sterben m�ssen. Und da sie unschuldig in den Himmel aufstieg, h�tte ihr Tod den Rang eines Martyriums und sie w�rde von Gott als Heilige empfangen. Der Kardinal w�rde ihr die Beichte abnehmen, sie von ihren S�nden freisprechen und ihr die Sterbesakramente spenden. Dann w�rde er sie eigenh�ndig t�ten, um ihr unn�tige Leiden zu ersparen, schnell und schmerzarm. Mit einem Stich mitten ins Herz. Er kannte die Stelle. Das war alles, was er f�r sie tun konnte. Dank seiner w�rde sie als Engel in den Himmel aufsteigen. Und vielleicht tat er ihr damit sogar einen Gefallen. Bei ihrer Herkunft war es nur allzu wahrscheinlich, dass sie, �lter geworden, schuldig werden und ihre ewige Seligkeit verspielen w�rde.</p><p>Der Dominikaner sp�rte die Anspannung, die sich seiner bem�chtigte. Ein ketzerischer Baumeister, das Haupt der neuen Heiden, w�rde st�rzen und seinen Anhang mit sich ziehen. Und ein unschuldiges M�dchen w�rde noch an diesem Tag als Engel in den Himmel auffahren. Giacomos Blick schweifte hin�ber zu den gegenl�ufigen Str�men der Pilger. Was wussten sie schon davon, mit welch zweifelhaften Methoden und wie hart das Gute erk�mpft war, das ihnen hier geboten wurde?</p><p>Die kleine Prozession hatte die Kirche erreicht. Sogleich wurde die T�r ge�ffnet, und ein beleibter, kr�ftiger Zwerg winkte sie herein. �Bringt ihr endlich was zu fressen?�, fuhr er die Ank�mmlinge mit kratziger Stimme an.</p><p>Dann traten sie in die Rotunde des Romulus mit ihren glatten, schmucklosen W�nden. Die Fresken hatte man scheinbar abgekratzt. Ascanio blieb dicht hinter den beiden Frauen. Er hielt die Augen auf den Boden geheftet und erblickte die Reste eines kostbaren Mosaiks. Er schielte unauff�llig um sich. Rechts und links standen zwei kleinere Alt�re mit einfachen Kreuzen. Geradeaus war der Eingang zur Kirche mit einem T�rfl�gel zur H�lfte ge�ffnet.</p><p>�Stellt den Fra� hier ab und dann verschwindet�, knurrte der Dicke. Die M�nner folgten der Aufforderung. Sie unterlie�en es, sich mit Blicken zu verst�ndigen, sondern blickten tumb und einf�ltig zu Boden, wie es ihren Rollen entsprach. Sie kannten sich so gut, dass sie keinen Blickkontakt brauchten, weil sie ihre Instinkte gegenseitig sp�rten.</p><p>�Darf ich meinen Mann sehen?�, fragte die Junge. Der Zwerg blickte sich um.</p><p>�Heh, Ranuccio, Lust auf deine Alte?�</p><p>Das Narbengesicht trat aus der T�r. Die Anspannung der M�nner stieg. Sie wussten, dass alles sehr schnell gehen musste. Ranuccio n�herte sich den beiden Frauen mit einem breiten Grinsen, das seine Narbe noch st�rker hervortreten lie�. Als er vielleicht noch zehn Fu� entfernt war, bemerkte Ascanio, dass die junge Frau vor ihm fast unmerklich den Kopf sch�ttelte und ihrem Mann scheinbar Zeichen mit den Augen gab. Als dieser daraufhin grimmig blickend stehen blieb, stie� Ascanio seinen Dolch von hinten in das Herz der Frau. Die �ltere der beiden Frauen brach schreiend zusammen. Rasch zog Ascanio den Dolch wieder aus dem R�cken der jungen, warf ihn kurz in die Luft, fing den Schaft mit der blutigen Klinge auf und schleuderte den Dolch gegen Ranuccio. Der versuchte zur Seite auszuweichen, aber die Klinge verletzte ihn noch am Ohr, bevor der Dolch klirrend auf den Steinboden fiel. Ranuccio heulte vor Schmerz auf und griff sich an den Kopf. Im gleichen Moment durchbohrte Baccio den Zwerg mit seinem Rapier. Gustavo und Eugenio erstachen einen zu Hilfe eilenden Spitzbuben und sicherten die T�r, sodass sie niemand von innen schlie�en konnte. Das Narbengesicht zog seinen Degen.</p><p>�Zahltag�, sagte Gustavo und ging auf den Mann zu, w�hrend er im Vorbeigehen Ascanio zuraunte. �Hol du das M�dchen heraus, ich schicke in der Zwischenzeit den Hundsfott zu den Fischen.� Dann griff er Ranuccio an, der sich verbissen verteidigte.</p><p>Ascanio st�rmte in die Kirche. Ihm gegen�ber vor der Apsis hatte der apokalyptische Christus vor einem tiefblauen Hintergrund weit die Arme ge�ffnet. Unter ihr, eigentlich unter dem Schutz des Gottessohnes, stand Lucrezia, bedroht von einem Glatzk�pfigen, der ihr sein Messer an den Hals hielt. Rechts und links von den beiden hatten sich sechs Spitzbuben mit gez�ckten Degen unter den Fresken der Heiligen Petrus, Paulus, Cosmas und Damian, Theodor und dem Stifter der Kirche, Papst Felix IV., aufgereiht. Welch merkw�rdiger Gegensatz, fuhr es Ascanio durch den Kopf. Neben der T�r hauchte einer, den Baccio bei dem Versuch, die Kirchent�r zu schlie�en, erschlagen hatte, r�chelnd sein Leben aus.</p><p>�Keinen Schritt weiter oder die ist tot!�, br�llte der Glatzk�pfige.</p><p>�Lass sie laufen, Coltellino�, rief ihm Ascanio zu. �Und dann lass uns k�mpfen wie M�nner. Es ist Zeit.� Aus seinen Landsknechtstagen kannte er diesen Mann, der sich nicht im Kampf hervorgetan hatte, sondern dann, wenn es ums Pl�ndern, Metzeln und Vergewaltigen ging. �Wenn du ihr nur ein einziges Haar kr�mmst�, f�gte er mit Eisesk�lte in der Stimme hinzu, �dann schneide ich dich bei lebendigem Leib in Streifen! Du kannst nicht entkommen!�</p><p>Die Drohung wirkte. Der Glatzk�pfige blickte ratlos zu seinen Spie�gesellen. Doch dann fasste er wieder Mut. �Die sind viel weniger als wir, greift sie an!�</p><p>Die sechs M�nner bewegten sich auf die drei Eindringlinge zu. Coltellino hatte wohl gehofft, durch einen Seitenausgang verschwinden zu k�nnen, w�hrend die anderen aufs K�mpfen konzentriert waren. Doch er hatte die Rechnung ohne Ascanio gemacht. Eugenio und Baccio besch�ftigten mit ihren rasenden Klingen die sechs Angreifer und machten einen nach dem anderen nieder. Ascanio lief zu dem Glatzk�pfigen, riss ihn von Lucrezia fort und entwand ihm das Messer. Dann setzte er es an Coltellinos Kehle.</p><p>�Glaub mir, du Schuft�, sagte er ruhig. �Auf diesen Moment warte ich seit dem Tag, an dem du in der kleinen Stadt, die wir eingenommen hatten, den Priester an den Hoden aufgeh�ngt und die beiden Nonnen vergewaltigt hast.�</p><p>Todesangst w�sserte den Blick des M�rders. Er schwitzte und stank bestialisch. �Bitte, bitte, ich bereue mein Leben, Ascanio�, stammelte er. Doch der Stahl, der jetzt unbarmherzig in seine Kehle drang, lie� sein Flehen in ein R�cheln �bergehen. Dickes, beinahe schwarzes Blut schwappte aus der Wunde. Ascanio trat zur�ck. Der Oberk�rper des Glatzk�pfigen sank auf die Knie, aus seinem Hals ragte das Heft des Messers. Der Tote fiel vorn�ber und blieb in seinem Blut, in seinem Kot und in seinem Urin liegen. Bessere M�nner als er selbst, dachte Ascanio, sollten die Welt zum Guten f�hren. Ihm blieb die Aufgabe, die B�sen aus dem Weg zu r�umen. Eilig wischte er sich die blutigen H�nde ab, dann nahm er das verschreckte M�dchen in den Arm.</p><p>�Es ist vorbei, Lucrezia, du bist in Sicherheit�, fl�sterte er und strich ihr tr�stend �ber den Kopf. �Es ist vorbei.�</p><p>Als sie das Kirchenschiff durchquerten, warf Ascanio seinen Freunden einen dankbaren Blick zu. Eugenio und Baccio hatten ganze Arbeit geleistet. Vor der T�r sah er sich noch einmal um. Zu Christus, der immer noch die Arme ge�ffnet hatte, auf die beiden heiligen �rzte, Cosma und Damian, und dann auf die <emphasis>bravi</emphasis>, die vor dem Altar und im Schiff lagen. Ihnen w�rden nicht einmal mehr die Wunder�rzte helfen k�nnen. Die �ltere der beiden Frauen kniete schluchzend neben der Leiche von Ranuccios Angetrauter. Als er den Blick wieder nach vorn wandte, gefror ihm das Blut in den Adern. Vor ihm stand Ranuccio und warf einen Dolch nach Lucrezia. Instinktiv schob sich Ascanio vor das M�dchen. Ein Schmerz durchzuckte ihn. Er hatte mit seinem Leib das Messer aufgefangen. Er griff sich an die rechte Schulter und zog es heraus. Dann legte er das Heft des Rapiers in seine linke, das Heft des Dolches in seine rechte Hand. Die Verletzung w�rde die Kraft in seinem rechten Arm schw�chen, aber er k�mpfte mit der Rechten so gut wie mit der Linken. Damit hatte er schon so manchen Gegner b�se �berrascht.</p><p>�Vielleicht will der Lange dir noch was sagen, bevor er verreckt�, h�hnte das Narbengesicht und warf ihm etwas vor die F��e. Gustavos Zunge. Der Tod des Waffengef�hrten so vieler Jahre, so vieler K�mpfe traf Ascanio mitten ins Herz. Wie oft hatten sie in ausweglosen Situationen einander beigestanden und sich gegenseitig das Leben gerettet? Gustavo w�re gern Arzt geworden. Im Grunde seines Herzens wollte er nicht Menschen t�ten, sondern Menschen helfen. Doch es hatte nicht sein sollen. Er wurde unter einem anderen Stern geboren � nicht Merkur, sondern Mars stand an seiner Wiege.</p><p>Ascanio hatte zu viele K�mpfe erlebt und vor allem �berstanden, um seine Sinne von Trauer oder Wut tr�ben zu lassen. Die Zeit daf�r w�rde noch kommen. Er ging auf Ranuccio zu.</p><p>�Verzeih, aber ich brauche deine Narbe. Ich will sie dem Kardinal schicken�, sagte er, als w�rde er den Mann um eine Haarstr�hne bitten.</p><p>�Nur zu, dann hol sie dir�, gab Ranuccio gelassen zur�ck. �Aber winsele nicht wie dein Freund, wenn es anders kommt.�</p><p>Wenn man den beiden M�nnern zuh�rte, die nun mit gez�ckten Rapieren aufeinander losgingen, h�tte man meinen k�nnen, das Ganze sei ein Spiel. Der helle Klang der aufeinandertreffenden Klingen hallte in der Kirche wider. Baccio legte seinen Arm um die zitternde Lucrezia. Sie vergrub ihr Gesicht in seiner Brust.</p><p>�Mach�s kurz, Ascanio. Das arme M�dchen hat genug gelitten�, rief Baccio quer durch das Schiff. Doch Ranuccio trieb ihn mit kr�ftigen Hieben zur�ck, und Ascanio wirkte alles andere als �berlegen. Im Gegenteil, das Narbengesicht focht besser. Der mit Macht vorgetragene Angriff des kampferfahrenen Spitzbuben schien ihn zu beeindrucken und zu verunsichern.</p><p>�Gleich habe ich dich, dann werde ich dir das Herz rausschneiden und der da vor die F��e legen, bevor ich ihren jungen K�rper genie�en werde�, rief Ranuccio mit einem h�mischen Grinsen und hieb wieder zu. Ascanio musste erneut zur�ckweichen, kam ins Stolpern und st�rzte mit einem schmerzhaften Aufschrei auf den R�cken. Das Messer fiel aus seiner Hand. Ranuccio grinste siegessicher und zielte mit seinem Rapier auf Ascanios Herz. Doch der rollte sich blitzschnell zur Seite, sprang auf, zertr�mmerte mit der Spitze seines Degens die Schl�fe seines Gegners. Tiefer und tiefer trieb er die Klinge in dessen Sch�del, bis sie auf der anderen Seite wieder aus dem Kopf austrat. Mit einem Ruck zog er den Degen heraus, Blut und Hirn folgten. Ranuccio drehte sich Ascanio zu und schaute ihn starr an. Seine weit aufgerissenen Augen erkalteten zusehends. Als die Leiche hart auf dem Boden aufschlug, war Ascanio schon nach drau�en geeilt und kniete neben dem in seinem Blut liegenden Gustavo. Der Freund blickte ihn aus halb geschlossenen Augen an. Sie gl�nzten feucht und unendlich traurig. Gustavo h�tte ihm so gern noch etwas gesagt zum Abschied, aber sein Mund war voller Blut und die Zunge nur noch ein Stumpf. Bedauernd blinzelte er Ascanio zu, dann l�chelten seine Augen noch einmal, als wollte er sagen, siehst du, wir haben es wieder einmal geschafft. Doch die Reise, die nun folgte, w�rde er allein antreten m�ssen. Gustavo legte seine gro�e, kraftlose Pranke in die Hand seines Waffengef�hrten und verstarb leise und unspektakul�r. Sein Kampf war ausgefochten. Das resignierte L�cheln auf den Lippen des Freundes trieb Ascanio die Tr�nen in die Augen. Er hatte nicht gewusst, dass er �berhaupt noch weinen konnte. Dann sprach er das Totengebet, das er in den vielen Jahren, in denen er von seinem gef�hrlichen Handwerk lebte, so oft f�r gute M�nner gesprochen hatte:</p><p>�Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, h�re meine Stimme!</p><p>Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen!</p><p>W�rdest du, Herr, unsere S�nden beachten, Herr, wer k�nnte bestehen?</p><p>Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient.</p><p>Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.</p><p>Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die W�chter auf den Morgen.</p><p>Mehr als die W�chter auf den Morgen soll Israel harren auf den Herrn.</p><p>Denn beim Herrn ist die Huld, bei ihm ist Erl�sung in F�lle.</p><p>Ja, er wird Israel erl�sen von all seinen S�nden.�</p><p>So h�tte Gustavo es gewollt. Leise f�gte Ascanio hinzu: �Herr, nimm ihn zu dir. Er war ein guter Mann. Amen.� Dann bekreuzigte er sich, stand auf und wischte sich die Tr�nen aus den Augen. Nach einem R�uspern sagte er: �Baccio, lass uns erst Lucrezia zu Mess�r Chigi bringen. Aber danach k�mmern wir uns um ein anst�ndiges Begr�bnis f�r unseren Freund. Er war der Beste von uns.�</p><p>Betreten stimmten ihm Eugenio und Baccio zu, w�hrend Lucrezia neben dem Toten niederkniete und ihn auf die Stirn k�sste. Sie nahm ihr Kreuz vom Hals und band es Gustavo um. Die M�nner beobachteten die Geste, die sie r�hrte. Durch die ge�ffnete T�r der Rotunde und durch die Seitenfenster brach das Licht der Abendsonne durch die Wolken, die sich vor ihrer Kraft aufl�sten und zur�ckzogen. Ja, jetzt kam der Fr�hling und vertrieb die dunklen Tage! Ascanio schien es, als h�tte Gott die Strahlen eigens geschickt, um Gustavos Seele abzuholen und ihr ein sicheres Geleit in den Himmel zu geben. Er atmete tief ein, dann sprach er weiter: �Und du, Eugenio, schneide dem Vieh da die Wange mit der Narbe ab, und bring sie dem Kardinal Catalano. Aber sei vorsichtig. Wir hatten schon mehr Verluste als genug.�</p><empty-line/></section><section><p>36</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>Der Kardinal sa� ungeduldig auf einem Lehnstuhl und konnte es kaum erwarten, dass der redselige Augustiner-Eremit endlich seinen langatmigen Vortrag beendete. Selbst den Papst, der den brillanten Prediger sch�tzte, �berkam langsam, aber offensichtlich eine Unruhe. Giacomo indes wollte nur eines h�ren: dass Bramante zur�cktrat. Nach zwei l�ngeren Einsch�ben kam Egidio endlich zum Ende.</p><p>�Verehrter Egidio, heute hast du dich in der Eleganz deines Vortrags selbst �bertroffen�, sagte Julius II., und Giacomo meinte, ihn dabei innerlich aufatmen zu h�ren. �Was gibt es �ber den Fortgang der Vorbereitungen zum Neubau Unserer Kirche zu berichten, Donato?�</p><p>Giacomos Augen klebten f�rmlich am Gesicht des Architekten. Bramante erhob sich langsam, sehr langsam. Der Kardinal konnte sehen, wie schwer es ihm fiel.</p><p>�Die Planungen selbst kommen gut voran, Heiliger Vater�, begann der Architekt. �Einer Grundsteinlegung am 18. April steht eigentlich nichts im Wege ��</p><p>Der Papst nickte zufrieden. Bramantes Blick und der des Kardinals kreuzten sich wie scharfe Klingen.</p><p>�� aber�, sagte Giacomo.</p><p>�Aber ��, sagte der Architekt.</p><p>�Aber?�, fragte Julius ungeduldig. Er verabscheute das Wort, wenn es jemand im Gespr�ch mit ihm gebrauchte. �Was aber?�</p><p>�Nun ja ��, Bramante versuchte verzweifelt, Zeit zu gewinnen. �Da w�re noch ein wichtiges Thema zu besprechen, das keinen Aufschub duldet, ein Thema, das in aller Demut und im Wissen der Nichtigkeit meiner Person vor Gott und nat�rlich auch vor Euch, Heiliger Vater, und vor Seiner Eminenz Egidio von den ehrenwerten Augustinern und nat�rlich auch vor Euch, Fr� Giacomo, unbedingt besprochen werden muss, weil es, wie soll ich sagen, sich eben nicht mehr aufschieben l�sst, denn es w�re eine S�nde, es weiter aufzuschieben, auch wenn ich mir hinwiederum bewusst bin, damit vielleicht Eure erlauchten Ohren zu beleidigen. Aber wie kann die Wahrheit sie beleidigen, und vielmals bitte ich auch daf�r um Entschuldigung, dass ich Euch m�glicherweise damit beleidigt habe, geglaubt zu haben, Euch mit dem, was ich jetzt zu sagen habe, zu beleidigen. Das Notwendige jetzt nicht zu besprechen w�re abgrundtief falsch, sozusagen ein Abgrund von Falschheit, verwerflich und falsch, ja falsch, also, aus all diesen Gr�nden es deshalb jetzt nicht zu besprechen, versteht mich nicht falsch, Heiliger Vater. Aber ich stamme von Bauern ab, mein Vater und �brigens auch mein Gro�vater, die am lieblichen Monte Asdrualdo, wisst und versteht, ebendort, wo Asdrualdo ��</p><p>�Bis jetzt verstehe ich gar nichts, mein Sohn. Ist dir nicht gut, Donato?�, fragte der Pontifex schroff und besorgt zugleich. Dabei musterte er den Architekten scharf.</p><p>Schritte an der T�r lenkten die Aufmerksamkeit der Anwesenden zum Eingang des Saals. In feierliches Schwarz gekleidet trat Agostino Chigi ein, verneigte sich vor dem Papst, fiel auf die Knie und k�sste ihm die Pantoffeln.</p><p>�Steh auf, mein Sohn�, sagte er. �Du kommst gerade recht, Unser Sohn Donato scheint ein wenig verr�ckt geworden zu sein.�</p><p>�Irrsinn habe auch ich zu vermelden�, sagte der m�chtige Bankier mit unheilvoller Miene. Giacomo sp�rte, dass irgendetwas schiefgelaufen war.</p><p>�Was gibt es, Agostino?�, fragte Julius II. stirnrunzelnd.</p><p>�Heiliger Vater, ich habe ein frommes M�dchen adoptiert, Lucrezia, die Tochter der von uns allen gesch�tzten Imperia. Nun, sie wurde entf�hrt!�</p><p>Augenblicklich verf�rbte sich das Gesicht des Stellvertreters Christi. �Wer wagt diese Gewalttat unter Unseren Augen?�, rief er voller Emp�rung.</p><p>�Wei� man schon, wer hinter der abscheulichen Tat steckt?�, fragte Giacomo. Chigi wandte sich ihm zu und durchbohrte den Dominikaner mit Blicken, w�hrend er antwortete. �T�chtige M�nner konnten das M�dchen befreien, gottlob!�</p><p>�Gepriesen sei Gott�, seufzte der Erzpriester heuchlerisch. Er f�hlte sich elend. Sein Plan war an der Dummheit der gedungenen Kerle gescheitert. Er hatte am falschen Ende gespart und w�rde jetzt sehr auf der Hut sein m�ssen, damit die Intrige nicht auf ihn zur�ckfiel.</p><p>�Du hast die Frage Fr� Giacomos nicht beantwortet, lieber Agostino. Wei�t du, wer hinter der Entf�hrung steckt?�, hakte der Papst nach.</p><p>�Ein Bischof oder ein Kardinal�, antwortete Chigi und sah dabei erneut zu dem Erzpriester hin�ber. Dieser hielt dem Blick stand und hatte eine undurchdringliche Miene aufgesetzt. Wie immer, wenn Gefahr drohte, arbeitete Giacomos Gehirn kalt und pr�zise.</p><p>Der Papst hieb so fest mit der Faust auf den Tisch, dass die G�nsefedern aus dem Tintenfass sprangen und Tinte versch�ttet wurde. �Das ist unerh�rt. Schafft das Gesindel in die Engelsburg, damit es peinlich nach den Auftraggebern befragt wird.�</p><p>Chigi verzog das Gesicht und erkl�rte, dass leider alle bei der Befreiung get�tet worden seien. Der Dominikaner atmete auf und dankte im Stillen Gott. Er hatte zwar verloren, aber er war nicht verloren. Eine Niederlage in der Schlacht bedeutete l�ngst nicht, dass der Krieg nicht doch noch zu gewinnen war. Am Ende w�re derjenige der Sieger, der den l�ngeren Atem hatte.</p><p>�K�nnen Wir etwas f�r Unsere Tochter tun?�, fragte der Papst.</p><p>Chigi kniete nieder und senkte den Kopf. �Heiliger Vater, ich erbitte Euren Schutz f�r meine Tochter Lucrezia.� An Giacomo gewandt fuhr er fort: �Und auch Eure Protektion, hochverehrte Eminenz.� Der Erzpriester stand da wie zur Salzs�ule erstarrt. �Schw�rt bei Gott, dass Ihr sie immer sch�tzen werdet!�</p><p>In Giacomos Ohren klang der letzte Satz wie eine Erpressung. Sie schienen doch etwas in der Hand zu haben � nicht genug, um ihn zu vernichten, ausreichend aber, um ihm zu schaden. Es war nicht klug, das jetzt vor dem Papst auszuloten.</p><p>�Also, meinen Schutz soll die tapfere junge Person genie�en�, verk�ndete der Stellvertreter Christi. �Was sagst du, Giacomo?�</p><p>�Ich schw�re bei Gott und allem, was mir heilig ist, dass ich sie vor allem Unbill bewahren will und sie von heute bis zu meinem letzten Tag auf Erden unter meinem Schutz steht!�, antwortete Giacomo feierlich.</p><p>Chigi l�chelte zufrieden.</p><p>�Was ist jetzt mit dem Aber? Was wolltest du Uns vorhin mitteilen, Donato? Wor�ber muss nun gesprochen werden?� Alle schauten den Papst verbl�fft an.</p><p>�Wir m�ssen �ber die Finanzierung sprechen, Heiliger Vater�, hob Bramante an, der nur m�hsam den Faden wiederaufnehmen konnte, so erleichtert war er.</p><p>Das Gesicht des Papstes wurde zu einem einzigen Fragezeichen. Man konnte ihm ansehen, dass er das verworrene Geschw�tz des Architekten mit dessen Antwort nicht in Zusammenhang zu bringen vermochte. Bevor er aber nachfragte, sprang Chigi dem Baumeister zur Seite. �Der ehrenwerte Donato hat recht, denn Grabmal und Dom � beides k�nnen wir uns nicht leisten.�</p><p>�Au�erdem � Eure Heiligkeit, erlaubt Ihr, dass ich offen rede?�, fragte Bramante.</p><p>�Nur zu!�, ermunterte ihn der Papst.</p><p>�Das Volk sagt, es bringt Ungl�ck, wenn man zu Lebzeiten bereits sein Mausoleum errichtet.�</p><p>Julius sah seinen Baumeister skeptisch an, w�hrend der Kardinal innerlich vor Wut kochte. �Was sagst du, Giacomo?�</p><p>�Mess�r Donato hat recht.�</p><p>Der Papst wog unschl�ssig sein L�wenhaupt. �Deine Meinung, Egidio?�</p><p>�Es ist unwichtig, ob es so ist oder nicht. Das Volk glaubt es. Und f�r das Volk beschw�rt Ihr damit das Ungl�ck auf Euer Haupt. In einer schwierigen Situation, in der wir das Volk vielleicht ben�tigen, wird es uns deshalb abspenstig. Ich rate ab.�</p><p>�Wie immer weise, mein Freund�, sagte der Papst und nickte.</p><p>�Hinsichtlich der Finanzierung habe ich einen Plan�, verk�ndete Chigi.</p><p>�Lass ihn Uns h�ren!�, forderte Julius ihn auf.</p><p>Der Bankier wandte sich direkt an den Dominikaner. �W�ren Eure Br�der vom Predigerorden in der Lage, den Ablasshandel fl�chendeckend und professionell zu organisieren?�</p><p>Die Schmach brannte in Giacomos Seele wie Schwefel. Sie wollten ihn einbeziehen, dadurch unsch�dlich machen und zum Geldbeschaffer erniedrigen!</p><p>�Gern werden meine Br�der und ich eine solch ehrenvolle Aufgabe �bernehmen.�</p><p>Seine Eminenz Giacomo Kardinal Catalano, der Kirchenf�rst im Ordenshabit, der Asket, der Anh�nger der Zelanti, der Tiefreligi�se hatte in seinem ganzen Leben keine schlimmere Niederlage hinnehmen m�ssen. Was wollte ihm Gott damit zu verstehen geben? Warum schenkte er den Heiden den Sieg und nicht ihm, seinen treuen Sohn? Aber er erlaubte sich keinen Zweifel am Allm�chtigen, nur an seinem eigenen, kleinen Menschenverstand, der den Willen des Herrn offenbar nur unzureichend zu deuten wusste.</p><p>Die Abendsonne tauchte das Atrium der Basilika in ein warmes Licht. Zeisige und Rotkehlchen sangen. In der Bronze des Pinienapfels badete der W�rme schenkende Stern. Der Erzpriester nahm all diese Gottesgaben nicht wahr, als er den Vorhof durchquerte. Zu tief war er in seine Gedanken versunken. Er hatte gerade seinen Palazzo erreicht, wo er Andacht zu halten und sich zu gei�eln gedachte, als ihm ein abenteuerlich aussehender Mann in den Weg trat.</p><p>�Ich soll Euch etwas von wohlmeinenden Freunden �bergeben, Eminenz�, sagte Eugenio mit einer Verneigung und dr�ckte dem Kirchenf�rsten ein feuchtes St�ck Leinen in die Hand. Nach einer erneuten Verbeugung entschwand er durch den Kreuzgang und lie� den verbl�fften Giacomo mit dem kleinen B�ndel in der Hand stehen. Es roch nicht gut. Als er das Tuch auseinanderschlug, fuhr er zur�ck. Eine w�rgende �belkeit �berkam ihn. Auf dem schmutzigen St�ck Leinen lag die blutverkrustete Wange eines Menschen. Die Wange durchzog eine wulstige Narbe. Der Kardinal wusste, zu wem dieses St�ck Fleisch einmal geh�rt hatte, und hegte keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Warnung.</p><p>Die folgenden Tage vergingen f�r Bramante wie im Rausch. Eben hatte er noch vor den Tr�mmern seiner Existenz gestanden und nicht einmal mehr zu hoffen gewagt, dass sein Leben sich noch einmal zum Guten wenden w�rde. Durch seine Sucht nach Ruhm hatte er Menschen, die er liebte, in Lebensgefahr gebracht, und von dem Projekt seines Lebens, dem er seine Liebe geopfert hatte, h�tte er um ein Haar zur�cktreten m�ssen, weil er sich in einem Netz aus Intrigen verfangen hatte. Doch nun war das klug gewebte Gespinst zerrissen � durch eine entschlossene Tat und Fortunas Beistand. Bramante l�chelte grimmig. Zuweilen ruhte das Gl�ck des Menschen auf dem trefflichen Degenstreich eines guten Fechters! Welch ein Fehler zu glauben, dass Kunst und Kultur durch Sch�nheit und Moral �berzeugten, und dabei zu vergessen, dass sie des Schutzes der Fechter bedurften, denn ihre Gegner bevorzugten nicht den freien Disput, sondern die Sprache der Schwerter, nicht das Argument, sondern den Faustschlag. Aber all das war erst einmal vor�ber.</p><p>Bramante h�tte es nicht besser gehen k�nnen. Seinen Feind hatte er gezwungen, ihn zu unterst�tzen. Der Papst schien keinen Tag mehr ohne ihn auszukommen und �berh�ufte ihn mit Auftr�gen. Stra�en waren anzulegen, Kirchen zu erneuern, Wasserleitungen zu errichten. Und alles sollte, nein, alles muss-te der Architekt beaufsichtigen. Von Tag zu Tag mehr verwandelte er sich praktisch zum p�pstlichen Bauminister. Obwohl Giacomo alles getan hatte, um Bramantes Untergang herbeizuf�hren, hatte er ihn in einer seltsamen Verkehrung seiner Absichten nur erh�ht.</p><p>Und damit nicht genug: Wenn der Baumeister nur ein wenig zu tr�umen wagte, hatte er sogar eine Tochter. Lucrezia lebte inzwischen bei ihm, da es im Kloster zu gef�hrlich f�r sie war. Der Erzpriester war zwar niedergerungen, aber nicht besiegt. Dar�ber machte sich Bramante keinerlei Illusionen. Und obwohl Agostino Chigi das M�dchen in der Stunde der Gefahr adoptiert hatte, konnte sie mit R�cksicht auf seine sterbende Frau noch nicht zu ihm ziehen. Nicht dass es Margarita Saraceni etwas ausgemacht h�tte, vielleicht h�tte sie es sogar begr��t. Doch Chigi wollte das boshafte Gerede der vielen Missg�nstigen vermeiden. Was mancher gro�e Herr im Rausch der Eitelkeit der Macht str�flich untersch�tzte, blieb ihm, der sich hochgearbeitet hatte, bestens vertraut. So zahnlos die �ffentliche Meinung auch war, im Moment der Krise konnte sie zum Verh�ngnis werden. Deshalb verhielt sich Chigi klug, indem er darauf achtete, sie nicht herauszufordern.</p><p>Bramante hingegen war die �ffentliche Meinung gleichg�ltig. Er genoss es, wenn er in seiner Werkstatt mit dem jungen, eifrigen Antonio da Sangallo schon in die Arbeit vertieft war und sie Lucrezia pl�tzlich mit glockenheller Stimme zum Fr�hst�ck rief. Das erste Mal in seinem Leben a� er morgens regelm��ig, und das bekam ihm gut. Er liebte diese kostbare Stunde am Morgen und wollte sie um nichts in der Welt mehr missen.</p><p>Dabei gaben sie schon eine reichlich eigenartige Familie ab, wenn sie sich um den ovalen Pinientisch im Esszimmer versammelten: Bramante, sein Sch�ler Antonio, Ascanio und nat�rlich Lucrezia. Es erheiterte ihn, wenn der junge Mann und der Krieger in den besten Jahren um die Gunst des M�dchens wetteiferten. Dabei geh�rte ihre Liebe nur ihm, sie sah immer mehr den Vater in ihm. Manchmal dachte Bramante voller Trauer, wie sinnvoll sein Leben h�tte sein k�nnen, wenn er nicht all die Jahre atemlos dem Ruhm hinterhergelaufen w�re, sondern beizeiten eine Familie gegr�ndet h�tte. Nun gut, sein Leben hatte sich anders gestaltet.</p><p>Dennoch hatte ihm Gott am Abend seines Lebens eine Tochter geschenkt, was ihn mit tiefer Dankbarkeit erf�llte. Das Zusammenleben mit Lucrezia, die beinahe wegen seines Ehrgeizes gestorben w�re, ver�nderte unmerklich und langsam sein Leben und auch sein Denken. Er lebte nicht mehr in einem leeren Haus, in einem Taubenschlag, in dem K�nstler und Huren aus und ein gingen, sondern in einem gutb�rgerlichen Heim. Weil er nicht einen strafenden oder betr�bten Blick von ihr riskieren wollte, h�tete er sich vor derben Worten und Gottesl�sterungen, was ihm reichlich schwerfiel. Doch die Anstrengung lohnte sich. Freude, Frohsinn, unschuldige Ausgelassenheit erf�llten sein Haus, das ihm heller und reiner vorkam als fr�her.</p><p>Lucrezia war auch ein Grund f�r ihn gewesen, religi�s zu werden. Die Morgenandacht hielt er immer noch im Kloster San Silvestro gemeinsam mit Lucrezia und Ascanio. Zuweilen, wenn sein Blick sich l�nger in ihren reinen Augen verfing, begann er sich sogar f�r manches zu sch�men, was er getan hatte. Dann suchte er allein eine kleine Kirche auf, wo ihn keiner kannte und niemand ihn beobachtete, und bat Gott inst�ndig um die Vergebung seiner S�nden, die sich nicht ungeschehen machen lie�en.</p><p>Bramante wunderte sich �ber sich selbst. War es das Alter, das ihn weicher und sentimental machte, oder war das die Einsicht, die vielen verschlossen blieb? Die Konfrontation mit dem Leben, mit der wahren Liebe schenkte ihm den Glauben, weil er das erste Mal in seinem Leben Verantwortung empfand. Fr�her h�tte er die Verantwortung wom�glich als Fessel empfunden, doch jetzt befreite sie ihn. Sein Leben lang war er ein Gefangener seiner Gier und seiner Leidenschaften gewesen, getrieben, sie auszuleben. Aber das war nicht Freiheit, nur Verwahrlosung und die Herrschaft des Leibes �ber den Geist. Er begann zu ahnen, was der Seher Johannes gemeint hatte, als er in der Offenbarung vom Tier sprach. Was er fr�her wie viele andere f�r Freiheit gehalten hatte, stellte sich ihm jetzt als Herrschaft des Tieres dar.</p><p>Bramante begann, in der Bibel zu lesen, und erinnerte sich an die Worte, die auf dem Pergamentchen in Giacomos Ring geschrieben waren: �Betrachte durch mich den Kosmos, wie er vor den Fenstern deiner Seele liegt, und begreife genau seine Sch�nheit: Er ist ein unversehrter K�rper, und nichts wird je �lter sein als er, und dennoch steht er in allem in der Bl�te seiner Kraft, ist jung und bl�ht �ber und �ber. Sieh auch die liegenden sieben Welten, deren Ordnung in ewig g�ltiger Weise geregelt ist und die in ihrem unterschiedlichem Lauf den �on ausmachen; alles � ist nun voller Licht geworden, das von oben eine Leuchtkraft bekommt von der Wirkkraft Gottes, des Erzeugers von allem Guten und aller Ordnung der sieben ��</p><p>Lange dachte Bramante dar�ber nach, wie er den Neubau beginnen sollte. Fr�her hatte er fest daran geglaubt, dass ihn, wenn er einmal angefangen h�tte, nichts w�rde hindern k�nnen, den Neubau von Sankt Peter auch zu vollenden. Alles kam darauf an, die Arbeiten aufzunehmen, das galt noch immer. Doch die Ereignisse der letzten Wochen und die Erfahrung der Liebe hatten den Architekten dem�tiger werden und eine realistische Einsch�tzung des Projektes in ihm reifen lassen. Nat�rlich w�rde er nicht ewig leben, und die Dinge ben�tigten Zeit.</p><empty-line/></section><section><p>37</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>Und dann fing er an. In Trastevere und Sant�Angelo suchte Bramante die Maurer- und Steinmetzmeister aus. Die Verhandlungen �berlie� er seinem Sch�ler und beobachtete ihn dabei. Antonio da Sangallo, der aus einer Familie von Architekten und Bauunternehmern stammte und seine Kindheit mehr oder weniger auf Baustellen zugebracht hatte, wurde ihm bei der Auswahl zu einer gro�en Hilfe.</p><p>Schlie�lich f�hrte sie die Suche nach Maurern in den Rione Regola, der am Tiber lag. Sie passierten den letzten der f�nf wuchtigen B�gen des mittelalterlichen Hauses in der Via di San Bartolomeo und kamen auf den Vicolo del Melangolo, auf dem sich bereits einige Maurermeister versammelt hatten. Auf einem Stein sa�, frech die M�tze auf den Hinterkopf geschoben, ein Bursche mit struppigen, aschblonden Haaren, vielleicht in Antonios Alter, und kaute an einem Grashalm.</p><p>�Wenn Ihr einen t�chtigen Meister braucht, nehmt mich�, rief der junge Mann ihnen forsch zu. Die �lteren Meister knurrten oder drohten mit der Faust. Sie empfanden es als unerh�rt, dass sich der junge Kerl einfach vordr�ngte.</p><p>�Ich brauche erfahrene Meister und keine halben Kinder. Wisch dir die Ohren ab, sie sind noch feucht von den Eierschalen�, wies ihn Bramante zurecht.</p><p>�Ah, ich verstehe, Ihr baut nicht an der Peterskirche, sondern an einem Friedhof!� Der Maurermeister sprang von dem Stein, auf dem er sa�, steckte die H�nde in die Taschen seiner knielangen, sandfarbenen Hose und lachte sie aus strahlenden blauen Augen an. Er �berragte den eher klein gewachsenen Bramante nicht. Trotz seiner schmalen Gestalt sah er so aus, als k�nne er kr�ftig zupacken.</p><p>�Wie hei�t du?�, fragte Antonio. Das Interesse seines Sch�lers machte Donato neugierig.</p><p>�Maffeo Maffei, Mess�res!� Er spuckte den Grashalm aus und stellte sich breitbeinig vor die beiden Baumeister.</p><p>�Wie viele Leute kannst du beibringen?�, erkundigte sich Antonio weiter.</p><p>�F�nfzig�, gab der junge Mann gelassen zur Antwort.</p><p>�Der l�gt, der Aufschneider!�, rief einer der �lteren Meister.</p><p>Maffeo zog seelenruhig sein Messer und ging auf den Konkurrenten zu. �Sag noch einmal, dass ich l�ge, und ich schicke dich zu den Fischen.� Dann sah er in die Runde. �Nur weil ich jung bin, bin ich nicht schlechter als ihr!� Kalt und mit einer Spur Verachtung schaute er in die Runde. All diese M�nner waren erfahrene Maurer, die ihr Leben mit den rauen Sitten auf den Baustellen zugebracht hatten, gewiss keine L�mmer. Sie kannten diese Verr�cktheit, die zuweilen ehrgeizige Maurer �berfiel, die nach H�herem strebten. Die meisten von ihnen st�rzten vom Ger�st oder in eine Baugrube und waren nicht mehr gesehen. So w�rde es auch diesem jungen Spund ergehen, und manche der M�nner schmiedeten im Stillen schon Pl�ne daf�r. In diesem Moment aber wagte es keiner, sich gegen ihn zu stellen. Wenn sie ihm widersprachen, das wussten sie, w�rde er einen von ihnen abstechen m�ssen, um sich Respekt zu verschaffen. Sein Ansehen stand auf dem Spiel.</p><p>�F�nfzig, sagst du?�, fragte Bramante und kratzte sich am Kinn.</p><p>�F�nfzig und keinen weniger!�, sagte der aufstrebende Unternehmer und wandte sich den beiden Architekten zu. In seinen Augen funkelten Klugheit und Unbedingtheit. Bramante gefiel das selbstbewusste Auftreten des jungen Mannes, der keinerlei Zweifel hegte, sich in dem rauen Gewerbe durchsetzen zu k�nnen. Er erinnerte ihn an seine eigene Jugend.</p><p>�Was denkst du, Antonio?�</p><p>�Ich meine, wir sollten es mit ihm versuchen.�</p><p>�Gut. Komme morgen mit deinen f�nfzig Arbeitern zu mir, ich habe eine besondere Aufgabe f�r dich�, sagte Bramante.</p><p>�Sehr wohl, Mess�r�, antwortete Maffeo, ohne eine Miene zu verziehen. Antonio l�chelte ihm zu, als sie sich verabschiedeten. Dem alten Architekten gefiel es, dass sich die jungen Leute verstanden.</p><p>Etwas sp�ter stand Bramante mit Antonio auf dem Glockenturm von Santa Maria in Turri und blickte auf das Atrium mit der bronzenen Pinie, auf den Narthex der alten Basilika, auf das bauf�llige Dach.</p><p>�Dieser ganze scheu�liche Kasten muss weg. Hell muss es werden, eine Architektur aus Licht, aus Gottes Licht. Verstehst du, Antonio?� Der Sch�ler nickte. Dann schw�rmte Bramante davon, wie er mit dem Neubau Gr��e sichtbar machen wollte, und zeigte auf einen Platz hinter den linken Seitenkapellen, Santa Petronilla und Santa Maria della Febrella. �Dort werde ich den Grundstein legen.�</p><p>Antonio blickte �berrascht zu seinem Meister. �Ihr wollt nicht mit dem Chor beginnen, wie der Heilige Vater es w�nscht?�</p><p>�Wir werden zur gleichen Zeit mit der Errichtung des Westchores anfangen, wo Julius sein Grabmal aufstellen will. Nat�rlich. Aber den Grundstein legen wir am s�dwestlichen Vierungspfeiler. Au�erhalb der Basilika. Ihn und den nordwestlichen Pfeiler werden wir mit Hochdruck vorantreiben!�</p><p>�Aber warum? Hat das nicht Zeit?�</p><p>Bramante legte seinem Sch�ler den Arm um die Schulter. �Sieh mich an. Ich bin alt. Ich werde die Fertigstellung nicht mehr erleben. Vielleicht baust du es zu Ende. Aber mit den vier Pfeilern der Vierung gebe ich die Gr��e der neuen Kirche vor und fege die gesamte alte Basilika hinweg. Meine Vierung wird das Herz der neuen Kirche, das sich seinen K�rper erzwingen wird. Fleisch muss wachsen, wo der Geist es will!�</p><p>In Bramantes Vorstellung erhoben sich die m�chtigen vier Pfeiler, die die Pendentifs verbinden w�rden, als hakten sich m�chtige Arme unter, um auf ihren Schultern den Tambour zu tragen, �ber dem sich die gr��te Kuppel w�lben w�rde, die man jemals auf Erden gesehen hatte. Er war bei seiner Planung bis an die Grenze der physikalischen Belastbarkeit von Steinen gegangen. Er hatte den statischen Spielraum ausgereizt. Ob sich im Osten an die Vierung ein Langbau anschloss oder es am Ende bei dem griechischen Kreuz blieb, war ihm inzwischen gleichg�ltig. Er w�rde es ohnehin nicht mehr erleben. Durch diese Vierung aber w�rde er f�r jetzt und alle Zeit den Dom mit der alles beherrschenden Kuppel pr�gen. Nur darauf kam es an. Das w�rde ihm niemand mehr nehmen k�nnen. Das musste er erreichen, dann war genug getan.</p><p>Michelangelo f�hlte sich gehetzt. Zwar hatte er den Marmor in der N�he seines Hauses sicher gelagert, und der Verlust an Steinen hielt sich in schmerzlichen, aber ertr�glichen Grenzen. Die Schiffer, Kutscher und Transportarbeiter jedoch verlangten ihren Lohn, Geld, das er nicht mehr hatte, weil es in den Erwerb von Landg�tern und Villen geflossen war. Und der Papst wollte endlich Skulpturen sehen. Genug bezahlt hatte er ja inzwischen, wie sich Michelangelo im Stillen eingestehen musste. Zudem war Bramantes Stern wieder im Steigen begriffen. Der Architekt baute am Belvedere, an der Via Giulia, an Pal�sten und Wasserleitungen und warb bereits die Maurermeister samt Gesellen, Lehrlingen und Hilfsarbeiter f�r den Neubau des Petersdomes an. Bramante war der umjubelte Mittelpunkt rauschender Feste und eintr�glicher Baustellen, ein Zaubermeister, dem alles zu gelingen schien, ein neuer K�nig Midas, dem alles unter der Hand zu Gold wurde. Und er selbst? Er schien gescheitert zu sein, war verarmt und wurde verfolgt. In seiner Verzweiflung rang sich Michelangelo schlie�lich dazu durch, den Papst noch einmal um Geld zu bitten. Vor sich selbst rechtfertigte er diese Dreistigkeit mit der Feststellung, dass man bei einem K�nstler wie ihm nicht aufs Geld schauen durfte, denn er wurde so oder so unterbezahlt.</p><p>Als er im Vatikan vorsprach, entlie� ihn Julius II. schon wieder, noch bevor er sein Anliegen hatte vorbringen k�nnen. Der Bildhauer m�ge am n�chsten Tag wiederkommen, da ihn selbst dringende Staatsgesch�fte riefen. Diese Ausrede hatte Julius noch nie vorgeschoben. Mit einem unguten Gef�hl kehrte Michelangelo in seine Werkstatt zur�ck und arbeitete f�r den Rest des Tages an der ersten Figur f�r das Grabmal, einem der Gefangenen. In den sp�ten Morgenstunden des folgenden Tages erschien er wie verabredet im Borgia-Turm vor den Gem�chern des Papstes.</p><p>�Seine Heiligkeit ist besch�ftigt�, lie� ihn der Chef der Wache, ein kantiger Schweizer mit harter Aussprache, kurz und knapp wissen und verwehrte ihm den Zutritt.</p><p>�Aber wir sind verabredet!�, rief Michelangelo �berrascht.</p><p>�Davon wei� ich nichts, ich wei� nur, dass Ihr heute keine Audienz beim Heiligen Vater habt. Kommt morgen wieder.�</p><p>In einer Mischung aus �rger und Sorge verlie� Michelangelo den Vatikan. Diese Entwicklung beunruhigte ihn. Er versuchte zu arbeiten, aber er konnte sich nicht konzentrieren, also las er in der �G�ttlichen Kom�die�. Am n�chsten Tag wurde ihm erneut der Zutritt verwehrt. �Kommt morgen wieder!� Und so ging es weiter und weiter und weiter. Am siebten Tag wurde Giacomo il Catalano Zeuge der Abweisung und Dem�tigung des Bildhauers.</p><p>�Wei�t du nicht, wer Mess�r Michelangelo ist?�, fuhr er den Chef der Wache an.</p><p>Der Offizier zuckte mit den Achseln. �Gewiss wei� ich es, aber mein Dienst ist, auszuf�hren, was mir befohlen wird, und nicht weiter nachzudenken, warum!�</p><p>Michelangelo schluckte, doch der Kardinal fragte weiter. �Willst du damit sagen, mein Sohn, dass der Papst dir pers�nlich befohlen hat, Mess�r Michelangelo abzuweisen?�</p><p>�Genauso ist es, Eminenz.�</p><p>Im Grunde hatte es Michelangelo schon am Ende der letzten Audienz beim Papst gewusst, aber er hatte nicht glauben wollen, dass ihn Julius II., der ihn so sehr gef�rdert hatte, pl�tzlich fallen lie�.</p><p>�Warte hier, ich rede mit Seiner Heiligkeit.�</p><p>Damit lie� der Kardinal Michelangelo stehen, der unschl�ssig verharrte. Angst stieg in ihm auf, aber auch Zorn. Weshalb sprang der Papst so mit ihm um? Er war vom Pech verfolgt, gut, aber darunter hatte doch seine k�nstlerische Qualit�t nicht gelitten. Er hatte versprochen � und er w�rde es auch halten �, f�r Julius II. das sch�nste Mausoleum zu errichten, das je erbaut wurde. Wenn der Pontifex so sehr am Geld hing, sollte er sich doch in einer Schatztruhe und nicht in einem Grabmal von Michelangelo beisetzen lassen, dachte er ver�rgert. Als er gerade gehen wollte, kehrte der Kardinal zur�ck.</p><p>�Kommt mit, wir nehmen mit dem Heiligen Vater das Mittagsmahl ein. Er will aber bei Tisch nicht �ber Geld reden�, sagte der Dominikaner und f�hrte ihn in ein kleines Esszimmer. Um einen runden Tisch sa�en der Juwelier Crivelli, der Baumeister Bramante, Giuliano da Sangallo und nat�rlich der Papst. Er hob den Kopf.</p><p>�Sch�n, dass du mit Uns speist. Setz dich da hin�, sagte Julius II. mit bem�hter Freundlichkeit. Michelangelo hatte das Gef�hl, als stecke hinter der Schroffheit des Papstes ein schlechtes Gewissen, konnte sich aber diesen Eindruck nicht erkl�ren. Er lie� sich zwischen Bramante und Crivelli nieder. Ein Diener sch�pfte klare Rinderbr�he in die Teller vor den beiden Nachz�glern.</p><p>Bramante nahm das unterbrochene Gespr�ch �ber den Ablauf der Grundsteinlegung wieder auf. Michelangelo traute seinen Ohren nicht. Der Baumeister wollte den Grundstein nicht im Chorbereich legen, nicht dort, wo bereits die Fundamente und W�nde des Ausbaus von Nikolaus V. standen und wo das Mausoleum aufgestellt werden sollte, sondern weit entfernt, au�erhalb der Kirche! Diese Idee verwirrte ihn, sie war so absurd, dass er Schlimmes dahinter vermutete. Wenn die Arbeiten bei der Vierung begannen, dann w�rde sein Grabmal eher fertig werden als der Platz, wo es aufgestellt werden sollte. Mit dem Tod des Papstes entfiele auch der Zwang, es wirklich dort zu errichten, wo es geplant worden war. Ob sich der neue Papst dann den W�nschen seines Vorg�ngers verpflichtet f�hlen w�rde, war h�chst fraglich. Michelangelo begriff, worauf Bramante aus war: Er wollte Fakten schaffen und sein � Michelangelos � Mausoleum aus dem neuen Petersdom heraushalten. Darum ging es also! Hatte dieser verfluchte Kerl ihn nicht immer, wo er konnte, durch Anschl�ge und Sabotage behindert? Seit ihrer ersten Begegnung k�mpfte der alte Fuchs mit allen Mitteln gegen ihn. Michelangelo hatte seinen Gegner untersch�tzt. Warum nur hasste er ihn so gnadenlos, so unerbittlich? Aber wen interessierten schon die Gr�nde? Auf die Tatsachen kam es an.</p><p>�Weshalb legt Ihr den Grundstein nicht beim Nikolauschor?�, fragte der Bildhauer betont freundlich.</p><p>Der Architekt l�chelte breit. �Kommt mich besuchen, mein Freund, wenn es Euch interessiert, dann will ich es Euch erkl�ren. Ich glaube nicht, dass wir die wertvolle Zeit des Heiligen Vaters mit der Er�rterung langweiliger Details der Bauplanung vergeuden d�rfen.�</p><p>In dem nun eintretenden Schweigen f�hlte der Juwelier Crivelli seine Stunde gekommen. �Verehrter Heiliger Vater, wie w�re es, wenn wir zur Feier der Grundsteinlegung der Tiara einige Edelsteine, nennen wir sie Peterssteine, hinzuf�gten? Ich habe da ��</p><p>�Nein!�, entgegnete der Papst unerwartet heftig. �Wir werden kein weiteres Geld ausgeben, weder f�r kleine noch f�r gro�e Steine.�</p><p>Michelangelo war es, als h�tte Julius� Blick bei den letzten Worten kalt auf ihm geruht, bevor er sich wieder liebensw�rdig dem Architekten zuwandte.</p><p>�Wie lange werdet Ihr ben�tigen, um Unsere Wohnung im Vatikanpalast fertigzustellen?�, fragte er. Es war allgemein bekannt, dass es f�r den Papst eine Qual und die Quelle t�glichen Zornes bedeutete, in den Gem�chern seines Vorg�ngers und Todfeindes Rodrigo Borgia zu leben, der sich Papst Alexander VI. genannt hatte.</p><p>Michelangelo h�rte nicht mehr zu. Ein Abgrund hatte sich aufgetan, der ihn zu verschlingen drohte. Im �brigen fiel es auch niemandem auf, dass er fortan schwieg. Es war, als g�be es ihn nicht mehr. Er lernte das Gef�hl kennen, in Ungnade gefallen zu sein. Noch geduldet, aber nicht mehr geliebt. Er hatte sich in Luft verwandelt. Am liebsten w�re er aufgestanden, aber das w�re ein Affront gewesen. Noch konnte er sich zwingen, kein �l ins Feuer zu gie�en, doch sein J�hzorn, seine <emphasis>terrebilit�</emphasis>, verbrannte die Fesseln seines Verstandes. Er drohte zu explodieren. Ihm wurde hei�, sehr hei�. Sangallo hatte ihn gelehrt, dass man sich nichts anmerken lassen und niemandem zeigen durfte, was man dachte. Der Gedanke an diese Lektion bereitete ihm innerliche Schmerzen.</p><p>Endlich hob der Papst die Tafel auf, und die G�ste verabschiedeten sich.</p><p>�Tragt es mit Fassung�, raunte Bramante dem Bildhauer gut gelaunt zu. �Das Rad der Fortuna dreht sich st�ndig, und es wird sich auch wieder f�r Euch drehen. Wichtig ist, dass man bei Tische bleibt.�</p><p>F�r Michelangelo waren die Worte des Mannes, den er f�r die Ursache all seiner Misshelligkeiten hielt, nichts als blanker Hohn.</p><p>Vom Papst h�rte der Bildhauer fortan nichts mehr. Seine Gl�ubiger drohten, vor Gericht zu gehen. Eines Nachts wurde er in seiner Werkstatt �berfallen und verpr�gelt. Nur Francesco, der eilig Hilfe holte, war es zu verdanken, dass er im wahrsten Sinne des Wortes mit einem blauen Auge davonkam. Nun stand es f�r Michelangelo fest, dass ihm Bramante sogar nach dem Leben trachtete. In seiner Not suchte er den Kardinal Catalano auf, nach dessen N�he er sich doch immer gesehnt hatte. In seiner Gegenwart hoffte er, Kraft sch�pfen und Trost finden zu k�nnen, so absurd das auch war, denn der Erzpriester hatte ihn seine Verachtung f�hlen lassen.</p><p>Michelangelo traf den Kardinal im Studierzimmer in der Canonica an. Giacomo h�rte ihm mit ernster Miene zu.</p><p>��ffne dein Herz ganz Gott, dann wird alles gut. Stelle Gott �ber die Kunst, und du wirst zur wahren Kunst finden. Werde dem�tig, Michelangelo.�</p><p>�Ich will Euch immer noch malen.�</p><p>Giacomo l�chelte fein. �Kommt Zeit, kommt vielleicht auch das.�</p><p>�Ich wollte mich von Euch verabschieden. Wenn ich in Rom bleibe, steht zuerst mein Grabmal und dann erst das des Papstes. Ich muss fort.�</p><p>Der Kardinal hielt ihm die Hand hin, die er lange und z�rtlich k�sste. Giacomo lie� es geschehen. Es war ein Abschied.</p><p>Auf dem Heimweg f�hlte sich Michelangelo von einer Angst getrieben, die ihm nicht unbekannt war. Es war wie damals, als er aus Florenz geflohen war, weil es nach Lorenzos Tod den Medici an den Kragen gehen sollte. Und? Hatte er nicht auch da recht behalten? Keine Woche sp�ter waren die Medici tats�chlich gest�rzt, Piero, Giovanni und Giuliano geflohen. Wer wei�, wie es ihm als Gefolgsmann der Medici zu dieser Zeit ergangen w�re! Nun f�hlte er das erste Mal nach �ber zehn Jahren die gleiche Angst. Er konnte die groben H�nde sp�ren, die sich um seinen Hals legten und zudr�ckten, die Kn�ppel, die ihn zu Tode pr�geln w�rden, oder den Dolch, der seine Kehle durchschneiden w�rde. Ein Wunder, dass er den n�chtlichen �berfall �berlebt hatte. Auf ein zweites Mirakel wollte er nicht angewiesen sein. Eilig trat er in seine Werkstatt.</p><p>�Francesco, es geht nach Hause, es geht nach Florenz�, rief er.</p><p>Mit ungl�ubigem Blick kam der Diener aus der K�che. Er konnte keine Frage stellen, denn sein Mund war voller Essen, das er so schnell wie m�glich hinunterzuschlucken bem�ht war, wobei er sich die fettigen H�nde an seiner blauen Hose abwischte.</p><p>�Verkauf die Werkstatt und alles, was uns geh�rt, und dann komm mit dem Geld nach.�</p><p>�Und Ihr, Maestro?�</p><p>Der Bildhauer f�hlte sich todm�de, doch die Panik dr�ngte ihn vorw�rts �Ich reite sofort los, um mich in Sicherheit zu bringen. Jede Minute l�nger kann f�r mich den Tod bedeuten.�</p><p>�Was ist mit dem Papst?�</p><p>�Wenn Julius mich in Zukunft brauchen sollte, muss er suchen, wo ich zu finden bin.� Mit diesen Worten zog Michelangelo seinen schwarzen Mantel �ber, setzte einen runden Hut auf und begab sich zur n�chsten Poststation an der Porta Santo Spirito. Dort mietete er ein Pferd, schwang sich auf den R�cken des Schimmels und verlie� die Stadt Rom.</p><p>Pl�tzlich empfand er unb�ndige Freude. Er w�rde Florenz wiedersehen, seinen Vater und seine Br�der, vor allem seinen Lieblingsbruder Buonarroto wieder in die Arme schlie�en! Er verstand nicht mehr, wie er es so lange in Rom, dieser von Grund auf verdorbenen Stadt, hatte aushalten k�nnen. Nun, wo er sich auf dem Weg Richtung Norden befand, versp�rte er ein heftiges Heimweh und gleichzeitig das begl�ckende Gef�hl, dass es nun nicht mehr lange dauern w�rde, bis er seine Heimatstadt wiedersah. � Es war Karfreitag, der 17. April 1506.</p><empty-line/></section><section><p>38</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>Und pl�tzlich endete der Winter. Der Fr�hling verw�hnte die R�mer mit fast sommerlichen Temperaturen. Fast gleichzeitig mit den Schneegl�ckchen sprossen Krokusse und sogar vereinzelt Maigl�ckchen auf dem freien Feld, das sich etwa siebzig Fu� weit zwischen der kleinen Gruppe aus M�nnern und der Kapelle der heiligen Petronilla, hinter der sich die Petersbasilika erhob, erstreckte. Es war, als h�tte die Natur schon ungeduldig auf die ersten warmen Strahlen gewartet, um sich vom Todesschlaf der eisigen Jahreszeit zu befreien und Auferstehung zu feiern.</p><p>Ein leichter Wind umspielte Bramantes inzwischen vollkommen ergraute Haare. Seine rechte Hand schmerzte wieder unter den Attacken der Gicht. Unheilvoll gl�nzte sie in tiefem Rot. Er verbarg die Krankheit nicht mehr unter Handschuhen, weil er es nicht mehr n�tig hatte. Niemand konnte derzeit seine Stellung ersch�ttern.</p><p>Bramante sp�rte, wie ihn eine geradezu jugendliche Erregung �berfiel und fast wehrlos machte. Keine Meile von der Petersbasilika w�rde der erste der vier m�chtigen Pfeiler in den Himmel wachsen, die eines nicht sehr fernen Tages diesen steingewordenen Spuk der Vergangenheit wegfegen w�rden. Beide Aussichten erf�llten ihn mit unb�ndiger Lust � Aufbau und Abriss. Sein Neubau w�rde sich von hier aus Meile f�r Meile in den Altbau bohren und ihn schlie�lich sprengen.</p><p>Der junge Bauunternehmer Maffeo Maffei, Antonio da Sangallo, den er als Gehilfen inzwischen nicht mehr missen wollte, dessen Onkel Giuliano und drei Maurergesellen von Maffei standen um ihn herum. Noch nie in seinem Leben hatte Bramante seinen alten Bundesbruder Sangallo so blass gesehen. Fast schien es ihm, als setzte sich die Bleiche bis in seine Bartspitzen fort.</p><p>�F�hlst du es, Donato?�, raunte ihm der alte Baumeister zu. �Die Hand Gottes, die durch uns hindurch wirkt?�</p><p>Einer pl�tzlichen Eingebung folgend, umarmte Bramante den Freund und Konkurrenten heftig. �Sag es keinem weiter, aber es ist meine Pranke, die hier wirkt. M�gen die andern es f�r Gottes Hand halten. Jedem seinen Aberglauben.� Der Architekt l�chelte �ber das ganze Gesicht, und seine Augen blitzten sp�ttisch.</p><p>�Vers�ndige dich nicht!�, warnte Sangallo.</p><p>�Bauen zu wollen ist S�nde, mein alter Giuliano, aber mit Bauen zu beginnen heilt die S�nde. Keine einzige Kirche wurde von Heiligen errichtet. H�tten sie es gewagt, h�tten ihre elenden Steinhaufen kein Tedeum �berstanden.�</p><p>Sangallo l�ste sich aus der Umarmung und bekreuzigte sich verstohlen. Der leitende Architekt von Sankt Peter aber beschloss, sich nicht von der weihevollen und ehrf�rchtigen Stimmung anstecken zu lassen. Davor sollten ihn sein Spott und seine L�sterungen sch�tzen. Unter allen Umst�nden musste er einen k�hlen Kopf bewahren, sonst w�re er ein schlechter Baumeister und w�rde Fehler begehen. Demonstrativ schaute er nach unten. Mitten im Boden klaffte ein breites, f�nfundzwanzig Fu� tiefes Loch, in das eine Leiter hinabf�hrte.</p><p>Bramante wandte sich um. Ein paar Schritte neben ihm standen Ascanio, Lucrezia, Imperia und Agostino Chigi sowie die Bauarbeiter. Hinter ihnen fiel sein Blick auf ein un�berschaubares Gewimmel von Schaulustigen, die ungeduldig auf den Beginn der Zeremonie warteten. Maffeo Maffei hatte Wort gehalten und es trotz der �chtung der altgedienten Meister geschafft, f�nfzig Bauleute zusammenzurufen. Aus einer S�nfte, die vier Diener neben dem Bankier abgesetzt hatten, schaute die tapfere Margarita Saraceni heraus. Sie hatte trotz ihrer stark angegriffenen Gesundheit darauf bestanden, der Grundsteinlegung f�r die Kirche des Apostelf�rsten beizuwohnen. Bramante warf ihr einen freundlichen Blick zu, und sie schenkte ihm ein sanftes L�cheln.</p><p>Pl�tzlich drang zwar noch von fern, aber deutlich ein vielkehliges Kyrie an sein Ohr, das von Sekunde zu Sekunde immer lauter wurde. <emphasis>�Christe eleison�</emphasis>. Als w�ren die V�gel �bereingekommen, sich dem Gesang anzuschlie�en, vernahm er in den Pausen das Gezwitscher der Rotkehlchen und Zeisige, die immer fr�hlicher und lauter tirilierten. Noch n�her und n�her erklang das Kyrie, und kurz darauf entdeckte Bramante das mannshohe Mahagonikreuz hinter der Petronillakapelle, getragen von Giacomo Kardinal Catalano, dahinter die hochgewachsene Gestalt des Papstes, gefolgt von den Zwergen des Hofstaates und von Adligen der gro�en Geschlechter der Ewigen Stadt, der Orsini und Colonna und Conti. Es folgten die Kaufleute aus dem Borgo, R�mer aus allen Schichten der Bev�lkerung, auch Pilger, die just in dem Moment, in dem sie die Kirche verlie�en oder betreten wollten, die Prozession entdeckt und sich ihr angeschlossen hatten. Links und rechts des Stellvertreters Christi schritten zwei Kardinaldiakone und hielten Palmwedel �ber sein Haupt.</p><p><emphasis>�Gloria in excelsis Deo</emphasis></p><p><emphasis>et in terra pax</emphasis></p><p><emphasis>hominibus bonae voluntatis ��</emphasis></p><p>War er ein Mensch guten Willens?, fragte sich Bramante. Hinter dem Papst erkannte er den Medailleur Cardosso, der ein irdenes Gef�� vor dem K�rper hielt. Langsam und feierlich n�herte sich die Prozession.</p><p><emphasis>�Quoniam tu solus Sanctus,</emphasis></p><p><emphasis>tu solus Dominius,</emphasis></p><p><emphasis>tu solus Altissimus,</emphasis></p><p><emphasis>Jesu Christe,</emphasis></p><p><emphasis>cum Sancto Spiritu,</emphasis></p><p><emphasis>in gloria Dei Patris. Amen.�</emphasis></p><p>Er allein ist der Heilige � In Gedanken hing Bramante dem Gloria nach. Ruhm geb�hrte allein dem Vater, dem Sch�pfer des Himmels und der Erde und auch dem Baumeister des Tempels, also auch ihm. Und nat�rlich diesem kraftvollen, kriegerischen Pontifex, der in seinem goldgewirkten Messgewand �ber der wei�en Soutane und dem im Sonnenschein leuchtenden Silber der Haare und der m�chtigen dreifachen Tiara wie ein neuer C�sar, ein neuer Augustus wirkte. Zu Recht trug Julius II. die dreifache Krone, das Zeichen der dreifachen Herrschaft, dachte Bramante beim Anblick des Papstes, denn dreifache Gewalt war ihm gegeben als Vater der K�nige, als Herrscher der Welt und als Stellvertreter Christi.</p><p>An der Baugrube angelangt, kniete der Papst nieder und mit ihm alle Menschen, die sich hier versammelt hatten, Bramante eingeschlossen. Gemeinsam legten sie das Glaubensbekenntnis ab, so wie es die Kirchenv�ter auf dem Konzil von Chalcedon geformt hatten:</p><p><emphasis>�Credo in unum Deum,</emphasis></p><p><emphasis>patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae �</emphasis></p><p><emphasis>et exspecto resurrectionem mortuorum,</emphasis></p><p><emphasis>et vitam venturi saeculi. Amen.�</emphasis></p><p>Und aus vielen Kehlen erscholl das ergriffene Amen als Antwort auf das �So sei es!� des Heiligen Vaters.</p><p>Bramante wollte, dass die Peterskirche wiederauferstehen w�rde, Stein f�r Stein: <emphasis>vitam venturi saeculi</emphasis>, als Auferstehung des Lebens. Der Papst bat Gott um Beistand bei dem gro�en Vorhaben, das sie nun beginnen wollten. Dann stieg er mit zwei Kardinaldiakonen beh�nde die Leiter hinab, der Priester mit dem Weihwasser allerdings unter sichtlichen M�hen. Cardosso, Maffei und zuletzt Bramante folgten dem Pontifex in die Tiefe des H�gels. Nie zuvor hatte der Architekt einen solch gro�en Abstand zwischen sich und Julius II. gef�hlt wie in dieser engen Baugrube. Zwar konnten sie sich fast ber�hren, doch ganz Priester, ganz Stellvertreter Christi im Ritus, vertieft ins Gespr�ch mit Gott, sah der Papst Bramante weder an, noch nahm er ihn wahr. Dieser Mann, durchschoss es Bramante, war mehr als der Mensch, er war wirklich Gottes Vikar auf Erden, mit der Gewalt begabt, zu l�sen und zu binden. Diese Aura umgab ihn.</p><p>In das Fundament war bereits der Grundstein eingelassen, ein etwas �ber eine Elle langer, fast eine Elle breiter und drei Finger dicker, wei�er Marmor. In den Marmor waren die Worte graviert: <emphasis>Papst Julius II. aus Ligurien hat 1506 im dritten Jahre seiner Regierung diese sehr verfallene Basilika wiederherstellen lassen</emphasis>. Julius segnete den Stein, und einer der beiden Kardinaldiakone besprengte ihn mit Weihwasser. Dann lie� der Goldschmied das Gef�� mit den M�nzen in das vorbereitete Loch im Grundstein ein. Die M�nzen enthielten auf der Vorderseite das Portr�t des Papstes und auf der R�ckseite ein Bild davon, wie der fertige Neubau dereinst aussehen sollte � eine von zwei schlanken Glockent�rmen eingerahmte Kuppel, die einen antik anmutenden Tempel beherrschte. Nachdem Julius der Grube entstiegen war, segnete er die Menschen, die immer noch knieten, und erteilte ihnen vollkommenen Ablass von ihren S�nden.</p><p><emphasis>�Sanctus, sanctus, sanctus</emphasis></p><p><emphasis>Dominus Deus Sabaoth</emphasis></p><p><emphasis>Pleni sunt coeli et terra gloria tua</emphasis></p><p><emphasis>Hosanna in excelsis.�</emphasis></p><p>Danach betete der Papst erneut vor dem Kreuz und erhob sich anschlie�end. Getragen von einer wunderbaren Leichtigkeit, wie Bramante schien, begab sich der Papst singend zur�ck in den Vatikan:</p><p><emphasis>�Benedictus qui venit in nomine Domini.</emphasis></p><p><emphasis>Hosanna in excelsis.�</emphasis></p><p>Mit Tr�nen in den Augen schaute der Baumeister dem Pontifex nach. Wie oft hatte er schon daran gezweifelt, diesen Tag wirklich zu erleben! Kurz bevor Julius II. an der m�chtigen S�ule vorbeikam, in deren Kugel auf der Spitze sich unter dem Kreuz die Asche seines heidnischen Namenvetters, des Weltenherrschers Julius C�sar, befand, stimmte die Prozession mit ihm das Agnus Dei an.</p><p><emphasis>�Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.</emphasis></p><p><emphasis>Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.</emphasis></p><p><emphasis>Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis pacem.�</emphasis></p><p>Gib uns Frieden. Und gen�gend Kraft gegen den Hass, den ein so gro�es Werk notwendigerweise hervorrufen muss, dachte Bramante. Vielleicht hatte er dem alten Herrn im Himmel ja Unrecht getan. Denn letztlich hatte er doch gut f�r ihn gesorgt, obwohl er sich nicht an Gottes Gebote hielt und keine Zur�ckhaltung im L�stern kannte � zumindest bis Lucrezia in sein Leben getreten war. Vielleicht hatte Sangallo recht, und nicht er baute, sondern Gott durch ihn. Die feierliche Stimmung, die der Papst erzeugt hatte, w�rde er nun vertiefen, denn die R�mer liebten es, sich in erhabenen Gef�hlen zu wiegen wie in einem guten Rausch. Bed�chtig wandte er sich den Besuchern, den Maurern und den Schaulustigen zu. Er hob den Arm, und sogleich wurde es leise. Das Herz tat ihm vor Freude weh, als er nach einem R�uspern seine Rede begann.</p><p>�Freunde, R�mer, Christen. Das Schwerste ist vollbracht. Der Heilige Vater kann nicht mehr zur�ck. Und er will es auch gar nicht. Weil hier Gottes und sein Wille Gestalt annehmen. F�r seine Nachfolger werden wir andere Gr�nde schaffen, damit der Bau fortgef�hrt und eines Tages uns und unser Leben ver�ndert haben wird. Gott will es! So gut, wie wir bauen, werden wir leben. Hier und heute beginnt eine neue Zeit. Das himmlische Jerusalem lebt auf in Rom. Die julianische Epoche hat begonnen!�</p><p>Wie ein geschickter Schauspieler blickte Bramante in die Runde und rieb sich dann in gespielter �berraschung die Augen. �Sehe ich recht, oder t�uschen mich meine Augen? Was steht ihr Bauleute, ihr Helden dieser neuen Zeit, noch so bl�de herum? Krempelt endlich die �rmel auf, spuckt in die H�nde, jetzt wird abgerissen und gebaut. Das Ewige Rom entsteht!�</p><p>Jubel brandete auf, und Bramante sp�rte die Liebe in Imperias Blick, der auf ihm ruhte. Das versetzte ihm einen Stich in seiner Brust, denn das Gl�ck, mit ihr zu leben, hatte er gleichfalls im Fundament des Petersdomes versenkt. Mit einem schmerzlichen L�cheln erkannte er pl�tzlich die Vorsehung, die daf�r gesorgt hatte, dass auch die Liebe im Grundstein des neuen Tempels der Tempel nicht fehlte. Es war seine Liebe, und er hatte sie geopfert.</p><p>Rom �chzte unter der Hitze der Sonne, die den stahlblauen Himmel so �berlegen beherrschte wie Donato Bramante die Baustellen der Ewigen Stadt. An Tagen wie diesen glaubte niemand, dass es noch einmal regnen oder gar kalt werden k�nnte. Schon gar nicht Bramante, der von der Au�enwelt ohnehin kaum noch etwas mitbekam, weil er sich inzwischen in einem komplett eigenen Kosmos bewegte. Bauen war so, als ob sich die Berge auftaten und der Mensch den Himmel in den H�nden hielt. Ein existenzielles Abenteuer.</p><p>Der Architekt genoss sein neues, altes Leben aus vollem Herzen und mit ganzer Seele. Atemlos pendelte er zwischen den zahllosen Baupl�tzen hin und her. So viele Menschen, die ihn um Rat fragten, die auf seine Anweisungen warteten oder ihn um eine Stelle, F�rsprache oder Verg�nstigung baten. Von der Via Giulia ging es zum Petersdom, von dort weiter zum Vatikanpalast, der v�llig ver�ndert werden sollte, dann weiter zum Belvedere und schlie�lich zum neuen Palazzo des Kardinals Riario, der sich Stockwerk f�r Stockwerk in der N�he des Tibers erhob. Dann waren noch die Arbeiten an einer Wasserleitung, die dringend erneuert werden musste, zu inspizieren.</p><p>Abends vers�umte Bramante keines der Feste, die Kardin�le und Bisch�fe in ihren Palazzi gaben. Er hatte ein Alter erreicht, nach dem nur noch der Tod folgen konnte. Sogar die Orsini, Conti, Colonna und die anderen gro�en r�mischen Adeligen luden ihn liebensw�rdig zu Mahl und Fest ein. So entwickelte er eine geradezu be�ngstigende Allgegenwart.</p><p>Er hatte noch ein erfrischendes Bad genommen, obwohl er den Schwei� des Architekten f�r ein Aphrodisiakum hielt, und sich teuer gewandet, bevor er sich zum Palazzo des Kardinals Giovanni de Medici in Sant�Eustachio begab, der keine Viertelstunde von seinem Anwesen entfernt lag.</p><p>Bramantes Haus hatte sich in den letzten Wochen in den Weltgeneralstab des Bauens verwandelt. Obwohl sich Ascanio zu einem t�chtigen Haushofmeister und Zerberus entwickelt hatte, der den Besucherandrang streng regulierte, platzte das Haus fast den ganzen Tag lang aus allen N�hten. Seine ein wenig seltsame <emphasis>famiglia</emphasis> war dagegen �berschaubar, und er liebte sie genau so, wie sie war. Antonio wuchs wie von selbst in die Funktion eines Stellvertreters und Chefs der Kanzlei hinein. Und Lucrezia mauserte sich allm�hlich zur Dame des Hauses. Dazu kamen noch f�nf Diener und eine K�chin, ein paar Zeichner und Schreiber. Im Grunde dr�ngten ihn nur die �u�eren Umst�nde dazu, �ber den Umzug in einen gr��eren Palazzo nachzudenken. Die Absurdit�t offenbarte sich von Tag zu Tag mehr: Er errichtete den gr��ten Tempel der Welt und lebte selbst in einer besseren Hundeh�tte. Doch er kam einfach nicht dazu, sich umzusehen und die n�tigen Vorkehrungen zu treffen. So sagte er wenigstens. Insgeheim nutzte er die Vielzahl der Arbeiten, um sich dahinter zu verstecken. Es war zwar eine leise, aber durchdringende Stimme in seinem Innern, die ihn davor warnte, in ein pomp�seres Geb�ude umzuziehen. Fortuna anzubeten oder ihr blind zu vertrauen, waren zwei v�llig verschiedene Dinge. Das Erste war notwendig, das Z weite leichtsinnig.</p><p>Der vom Zirpen der Zikaden erf�llte Abend schenkte den R�mern eine leichte Abk�hlung und deshalb eine kleine Erleichterung. Die Luft war schwer und vom Tage ges�ttigt. Menschen lie�en sich vor ihren H�usern oder vor den Tavernen und Osterien nieder, tranken, a�en, erz�hlten, sangen und tanzten. Die entspannte Ausgelassenheit des Abends umfing sie alle. Musiker mit Lauten und Blasinstrumenten zogen einzeln oder in kleinen Gruppen von Gastwirtschaft zu zuf�llig entstandenen kleinen Gesellschaften, um ihre Dienste feilzubieten. Und wenn ihre Lieder ausreichend frech und die Tanzmelodien beschwingt genug waren, wurden sie gern in Anspruch genommen. Narren und Gecken wetteiferten mit den Frauen in der Gewagtheit der T�nze. Nach einem sengenden Tag wollte sich jedermann nur vergn�gen und das Leben genie�en, das erst in diesen Stunden zu beginnen schien.</p><empty-line/></section><section><p>39</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>Den alten Palazzo des Medici-Kardinals illuminierten bereits Fackeln, obwohl die Sonne noch hell genug schien. Das Flackern und die stimmungsvollen Schatten, die das Feuer warf, das mit seinem lauten Prasseln die Sonne vergessen machte, verliehen dem Geb�ude eine trotzige Gem�tlichkeit, dachte Bramante. Am Eingang hatten sich neben einem gro�en Bronzekessel, in dem Holzkohle brannte, ein paar Musikanten postiert, die kleine, freche Lieder tr�llerten und die Laune der Eintretenden hoben.</p><p>Im Vestib�l traf er auf Imperia. Sein Blick fiel auf das wei�e Seidenunterkleid, das am Busen aus dem leicht ge�ffneten Dekollet� plusterte, als wollte sich der warme, sinnliche K�rper aus der Kleidung winden. Wie gern h�tte er ihre Br�ste gek�sst. �rgerlich stellte er fest, dass sie ihn immer noch erregte. Er bezwang sich und verneigte sich artig. �Wo ist Agostino?�, fragte er m�glichst sachlich.</p><p>�Wir treffen uns oben. Du wei�t doch, dass wir nicht gemeinsam eintreffen, solange �, ach, m�gen wir noch lange getrennt zu Festen gehen!�, seufzte Imperia.</p><p>Bramante wusste, welche R�cksicht der Bankier seiner todkranken Gemahlin angedeihen lie�. Er hatte boshaft darauf angespielt und war von Imperia zurechtgewiesen worden. �Margarita Saraceni ist eine gro�artige Frau�, sagte er rasch.</p><p>�Oh ja, das ist sie. Und eine gro�z�gige obendrein.� Imperia musterte ihn von Kopf bis Fu� und begann zu schmunzeln. Ihr Blick glitt �ber seinen rosafarbenen Mantel mit dem Goldsaum. Die Samthosen waren wie das wei�e, mit Edelsteinen bestickte Wams aus Atlas mit einem Silberstoff gef�ttert. Auf dem Kopf trug er ein Barett mit einer gro�en Feder. �Du bist gekleidet wie ein Geck, aber es steht dir�, sagte Imperia l�chelnd. Bevor er etwas erwidern konnte, schlug sie sittsam die Augen nieder. �W�rdest du eine Dame ins <emphasis>piano nobile</emphasis> begleiten?�</p><p>Bramante bot ihr seinen Arm an, und sie legte ihre Hand so leicht darauf, dass er meinte, eine Feder auf dem Unterarm zu balancieren. Eine gro�e Freitreppe f�hrte in die obere Etage. Auch auf dem Treppenabsatz standen drei Musiker, die f�r Unterhaltung sorgten.</p><p>An ihnen vorbei st�rmte nun ein kleiner, runder Mann in Wams und Kniebundhose aus bunten Flecken mit einer Zipfelm�tze auf dem Kopf, deren Enden mit kleinen Gl�ckchen versehen waren. In dem runden, weichen Gesicht standen graue Bartstoppeln, und eine riesige Knollennase verwischte den unangenehmen Eindruck der winzigen, boshaften Augen.</p><p>Gonella war der Spa�macher des Kardinals. Er schlug sich beim Laufen best�ndig an den Kopf und br�llte dabei laut: �Grundg�tiger Himmel, wo hast du das ganze verfressene Pack in Rom nur aufgetrieben? Lasst mich zu meinen T�pfen, lasst mich zu meinen T�pfen, bevor sie leer gefressen sind!� Die derben Scherze Gonellas waren beliebt, man lachte gern �ber ihn. In der Schnelligkeit des Essens und in den Mengen, die er vertilgte, konnte es in der Tat niemand mit ihm aufnehmen. Wenn er ganze H�hnchen in seinen riesigen Mund steckte, hatte man den Eindruck, dass gleich darunter der Magen begann und der Narr sich nicht mit Z�hnen und Speiser�hre aufhielt.</p><p>�Gib Ruhe, du alter Weinschlauch!�, rief ihm Bramante lachend nach.</p><p>Gonella, der bereits drei Stufen an ihm vorbei war, blieb wie vom Donner ger�hrt stehen, drehte sich um, fasste ihn scharf ins Auge und pumpte sich mit Luft auf. �In den Staub mit dir, ich bin <emphasis>divino!</emphasis>�</p><p>Der Architekt lachte laut auf. �Du? Du und g�ttlich? Da hast du alter Weinschlauch etwas verwechselt, du bist <emphasis>di vino</emphasis>.�</p><p>�Was bist du doch f�r ein Narr!�, schnarrte Gonella mitleidig. �Ob <emphasis>divino</emphasis> oder <emphasis>di vino</emphasis>, das ist doch dasselbe, wo mein Vater Bacchus war.�</p><p>Um sie hatte sich ein Kreis neugieriger G�ste gebildet, die �ber Gonellas Antwort lachen mussten. Er lie� Bramante keine Zeit zur Erwiderung, sondern bedachte ihn weiter mit seinem scherzhaften Spott. �Aber du, du kommst vom heiligen Petrus und hast doch keinen Schl�ssel zur Weisheit abbekommen.� Damit lie� er den Architekten stehen und st�rmte weiter die Treppen hinauf, G�ste unsanft zur Seite schiebend und dabei rufend: �Ja, ja, meine lieben kleinen Fleischt�pfe, h�rt auf zu jammern, Papa Gonella kommt mit seinem lieben, gro�en Maul gleich zu euch!�</p><p>�Nur ein Narr streitet sich mit einem Narren�, sagte Imperia.</p><p>�Und ein verliebter Narr?� Bramante versuchte ein unschuldiges L�cheln, das recht z�rtlich geriet.</p><p>�Steckt sein bestes St�ck am besten in Eiswasser, um wieder klar denken zu k�nnen�, sagte Imperia streng. �Mich musst du nicht beeindrucken, Donato!�</p><p>Sie erreichten das <emphasis>piano nobile</emphasis> und traten in den gro�en, mit kostbaren Intarsien geschm�ckten Saal. Vor ihren Augen wogte ein Menschenmeer, durch das Imperia Bramante mit dem leichten Druck ihres Armes dirigierte. So k�mpften sie sich zur Mitte des Saales durch. Dort befand sich ein Podest, auf dem sich zur Freude der Zuschauer zwei Dichter in einem Wettstreit im Stegreifdichten ma�en. Als Bramante sich gerade �ber eines dieser Gedichte am�sierte, sp�rte er, dass Imperia ihren Arm aus dem seinen l�ste. Gleichzeitig vernahm er die Stimme Agostino Chigis.</p><p>�Du erlaubst, mein Freund, dass ich dir die sch�ne Dame entf�hre!� Der Bankier wartete nicht auf eine Antwort, sondern verschwand mit seiner Geliebten im Menschenmeer. Bramante schloss kurz die Augen.</p><p>�Wollt Ihr mir bitte folgen, Mess�r�, fl�sterte ihm ein livrierter Diener zu. �Seine Eminenz erwartet Euch!�</p><p>Er f�hrte den Architekten zu einer Wand des Saales und �ffnete eine kaum wahrnehmbare Tapetent�r. Durch einen schmalen, dunklen Gang erreichten sie ein gem�tliches <emphasis>studiolo</emphasis>. An den W�nden hingen Bildchen unz�chtigen Inhalts, aber sehr kunstfertig gezeichnet.</p><p>Kardinal Giovanni de Medici thronte auf einem roten Lehnstuhl. Vor ihm stand ein kleiner Tisch, auf dem eine wertvolle Handschrift und ein Leseglas lagen. Neben dem Kirchenf�rsten stand Giuliano da Sangallo. In der �u�ersten Ecke des Zimmerchens entdeckte Bramante einen hageren Bischof mit einem langen Gesicht. Er wirkte skrupellos und durchsetzungsf�hig. Ansonsten sah man ihm an, dass er nicht an der Unterhaltung teilnehmen sollte, sondern nur als Zuh�rer geladen war. Dieser Zaungast beunruhigte Bramante. Doch zun�chst verneigte er sich vor dem Kardinal und k�sste den Ring mit dem diamantenen Kreuz, den der Kirchenf�rst am rechten Ringfinger trug.</p><p>�Wenn du magst, nimm dir einen Wein.� Giovanni de Medici wies mit dem Kopf auf ein schmales Regal an der Wand, auf dem ein Krug und ein paar Becher standen. Der Baumeister lehnte dankend ab und erkundigte sich freundlich, womit er ihm dienen k�nne. �ber Giovannis dickes, unsch�nes Gesicht flog ein freundliches L�cheln, das die H�sslichkeit der Z�ge sofort vergessen machte. Obwohl er den Kardinal oft traf, wunderte sich Bramante jedes Mal, wie wunderbar es der Medici verstand, durch sein liebensw�rdiges Wesen die Nachteile seines �u�eren auszul�schen.</p><p>�Ich liebe Feste! Aber ich feiere sie nicht wahllos. Sie haben immer einen verborgenen Anlass.�</p><p>Gern h�tte sich der Architekt nach dem fremden Mann in der Ecke erkundigt, aber ihn vorzustellen lag allein im Ermessen des Hausherrn.</p><p>�Seid so g�tig, und nennt mir den Grund f�r das Fest. Ich werde schweigen!�, sagte Bramante.</p><p>�Schw�rt!�</p><p>�Ich schw�re!�</p><p>�Bei den <emphasis>Fedeli d�Amore!</emphasis>�</p><p>Bramante stutzte. Was wusste der Kardinal �ber den alten Geheimbund? Dunkel erinnerte er sich, dass Pico einmal erw�hnt hatte, dass der Sohn Lorenzos des Pr�chtigen dem Bund angeh�rte. Sein Blick wanderte unwillk�rlich zu dem schweigenden Mann in der Zimmerecke. Giovanni de Medici wiederholte seine Aufforderung. Der unheimliche Gast lie� keine Regung erkennen. Er erinnerte Donato an einen Inquisitor.</p><p>�Bei den <emphasis>Fedeli d�Amore!</emphasis>�, schwor der Baumeister mit zitternder Stimme.</p><p>�Wei�t du wirklich nicht, was heute f�r ein Tag ist?�, fragte der Kardinal mit einem feinen L�cheln. �Das w�rde mich entt�uschen.�</p><p>Die Antwort schien auf der Hand zu liegen und mit den Gef�hrten der Liebe zusammenzuh�ngen. Bramante dachte nach, und pl�tzlich fiel ihm die L�sung ein. Sie war so offensichtlich, dass er von allein nicht darauf gekommen war. �Dantes Geburtstag!�</p><p>�Na bitte, es geht doch. Dantes Geburtstag, ja!� Giovanni de Medici erhob sich umst�ndlich aus dem Sessel. Mit einem fl�chtigen Blick erkannte Bramante, dass es sich bei der Handschrift auf dem Tisch um eine Ausgabe von Dantes �Convivio� handelte.</p><p>�Mein lieber Bruder, der Princeps Concordiae hat mich damals in den Orden eingeweiht�, sagte Giovanni fast fl�sternd. �Ich bin zu keinen Zusammenk�nften erschienen, da ich daf�r noch zu jung und auch schon Kardinal war. Und ein Kirchenf�rst als Gef�hrte der Liebe schickt sich nicht. Auch mein guter Vater h�tte meine Mitgliedschaft missbilligt, denn ein Medici mag vieles unterst�tzen, aber sich an nichts binden. Kurzum, ich will, dass der Orden seine Arbeit wieder aufnimmt!�</p><p>Dann erfuhr Bramante, dass Giovanni de Medici den Neubau des Petersdomes als Zentralbau unter einer m�chtigen Kuppel begr��te. Da aber niemand wusste, wie lange Julius oder Bramante noch lebten, m�ssten Vorkehrungen getroffen werden, damit das Werk in der richtigen Weise auch zu Ende gef�hrt w�rde. Der Architekt trat zu dem Regal und goss sich Rotwein in einen Becher. Die vielen Neuigkeiten hatten seine Kehle ausgetrocknet.</p><p>�Aus der Heimat�, bemerkte Giovanni de Medici mit einem Blick auf den Weinkrug. �Wen wollen wir aufnehmen?�</p><p>Der Baumeister schlug Peruzzi und Antonio da Sangallo vor. Giuliano da Sangallo brachte Michelangelo ins Spiel.</p><p>�Nein, nein, auf keinen Fall�, widersprach Bramante heftig und leerte den Becher in einem Zug. Der Kardinal und Sangallo sahen ihn �berrascht an.</p><p>�Michelangelo ist ein guter Bildhauer�, sagte Sangallo.</p><p>�Und ein begabter Maler�, erg�nzte Giovanni de Medici und wies auf die obsz�nen Bilder an den W�nden. �Die sind von ihm.�</p><p>Donnerwetter, dachte Bramante, das h�tte er dem Moralapostel gar nicht zugetraut.</p><p>�Und auch ein guter Maler, ja�, sagte er. �Aber er kennt nur sich, denkt nur an sich. Ich kenne keinen Menschen auf der Erde, Eminenz, der f�r einen geheimen Orden ungeeigneter ist als Michelangelo.�</p><p>Der Kardinal nickte zustimmend. �Leider, leider! Er kennt keine Treue. Im Stich hat er Piero und mich gelassen und ist eine Woche vor unserem Sturz klammheimlich aus der Stadt verschwunden.�</p><p>�Da k�nnten wir genauso gut den Erzpriester der Peterskirche fragen�, sagte der Architekt lachend.</p><p>�Aber der steht schon einer geheimen Bruderschaft vor, der <emphasis>Archiconfraternia in segreto</emphasis>, die sich das Ziel gesetzt hat, die wahre Lehre der Kirche zu verteidigen.�</p><p>Bramante staunte. �Woher wisst Ihr das?�</p><p>�Ach, man hat so seine Quellen.�</p><p>�Dann wisst Ihr auch, dass Giacomo Kardinal Catalano den Grafen Pico della Mirandola get�tet hat?�</p><p>Der Kirchenf�rst erbleichte. �Hast du Beweise?� Bramante sch�ttelte den Kopf. �Aber du bist sicher?�</p><p>�Ich h�tte ihn in Florenz beinahe auf frischer Tat ertappt�, sagte Bramante. �Au�erdem hat er es mir gestanden.�</p><p>F�r den Bruchteil einer Sekunde verd�stert sich das Gesicht des Kardinals, dann wirkte es wieder ausdruckslos. Der Sohn Lorenzos hatte von seinem Vater die F�higkeit geerbt, niemanden merken zu lassen, was er dachte, f�hlte und plante. Giovannis eigentliche Ziele blieben allen verborgen, selbst seinen besten Freunden.</p><p>�Dann hat der Katalane auch das Bundesbuch.�</p><p>�Nein, das habe ich�, verk�ndete Bramante stolz.</p><p>�Gut, dann bereitet alles f�r die Aufnahme von Antonio und Baldassare vor. Wie ich h�re, gibt es in Florenz einen jungen begabten Mann aus Urbino. Einen Landsmann von dir, Donato, Raffael mit Namen. Schau ihn dir an, und pr�fe ihn. Nach der Initiation kommt das Buch zu mir. �ber die Angelegenheiten des Bundes werdet ihr nicht direkt mit mir in Verbindung stehen, sondern mit meinem Vertrauten.� Der Kardinal wandte sich zu dem Bischof, der noch immer wie eine Statue in der Ecke des Zimmers stand. �Bernardo Dovizzi da Bibbiena.� Der Angesprochene verneigte sich leicht. ��ber meine Mitgliedschaft haltet strengstes Stillschweigen, wenn euch euer Leben lieb ist!�, f�gte Giovanni de Medici hinzu.</p><p>Noch nie hatte der Architekt den weichlichen, beleibten Mann eine Drohung aussto�en h�ren. Sie wog deshalb doppelt schwer.</p><p>Gleich am n�chsten Morgen wurde Bramante von einem Entschluss des Papstes �berrascht, der den Pl�nen zum Wiederaufbau des Geheimbundes eine eigene Dynamik verlieh. Die Baglioni in Perugia und die Bentivoglio in Bologna beabsichtigten, sich von der Oberherrschaft des Papstes loszusagen und ihre St�dte aus dem Kirchenstaat zu brechen. Nun wollte Julius II. sich an die Spitze der p�pstlichen Truppen stellen und die �rtlichen Tyrannen vertreiben. �ber den Feldzug munkelte man in der Kurie bereits seit L�ngerem und hatte daf�r einige diplomatische Initiativen gestartet. Diese hatten aber nicht zu den erw�nschten Ergebnissen gef�hrt, weil weder der franz�sische K�nig noch der Kaiser ein Interesse daran hatten, den Papst zu st�rken. �berdies war ihre Politik von den gegenseitigen Eifers�chteleien im Kampf um die Vormachtstellung in Europa beherrscht. Eines Tages dann war dem tatkr�ftigen Pontifex der sprichw�rtliche Geduldsfaden gerissen. Nicht nur beim Kirchenbau lief ihm die Zeit davon, sondern auch bei der Wiedererrichtung des Kirchenstaates zu alter Gr��e.</p><p>�Wenn Wir das Heilige Land befreien wollen, dann m�ssen Wir zuerst den Kirchenstaat wieder aufrichten und die R�uber aus Unseren Landen jagen!�, hatte Julius II. kurz und b�ndig erkl�rt. Und Bramante als oberstem Architekten des Papstes und demzufolge auch Festungsbaumeister wurde befohlen, den Heiligen Vater auf dem Feldzug zu begleiten.</p><p>Selbst in Begleitung des Stellvertreters Christi war ein Feldzug ein riskantes Unternehmen. Bramante musste also dringend und so schnell wie m�glich seine Angelegenheiten ordnen. Er wies Antonio an, mit dem zweiten Vierungspfeiler im Nordwesten zu beginnen und erteilte ihm alle Vollmachten f�r die Bauleitung. Aber was w�rde ein Antonio da Sangallo gegen einen gerissenen Kardinal wie Giacomo il Catalano ausrichten k�nnen? Bramante beschloss, sich in zweifacher Hinsicht abzusichern. Er sprach mit Egidio da Viterbo offen �ber seine Bef�rchtungen. Der Augustiner-Eremit wusste Rat. Er �berzeugte Julius II. von der Klugheit der Anweisung, dass alle Kardin�le � bis auf jene, die zu alt oder siech waren � den Papst auf dem Feldzug zu begleiten h�tten. F�r die Zeit seiner Abwesenheit setzte Bramante Ascanio zum Hausherrn ein, eine Position, die dieser nur ungern einnahm. Der Leibw�chter h�tte es vorgezogen, Bramante zu begleiten, statt in Rom zur�ckzubleiben. W�hrend Giuliano da Sangallo mit Baldassare Peruzzi ein vertrauliches Gespr�ch in Sachen <emphasis>Fedeli</emphasis> f�hrte, sprach der Architekt in gleich diskreter Weise mit Antonio. So brach der 25. August 1506 an.</p><empty-line/></section><section><p>40</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506, 25. August</p><p>Am Morgen begleitete Bramante Lucrezia zur Andacht. Lange beteten sie in San Silvestro in Capite vor der Reliquie mit dem Haupt Johannes des T�ufers. In geb�hrender Entfernung stand Ascanio. Als Leibw�chter hatte er auch die Umgebung im Blick zu halten, doch seine Augen kehrten immer wieder zu Lucrezia zur�ck, die von Tag zu Tag sch�ner wurde. In ihrem Gesicht stand ein Wissen geschrieben, das sie noch nicht ganz erfassen konnte. Unter dem wei�en �bergewand mit der hellblauen Schleppe zeichneten sich ihre festen, jungen Br�ste ab.</p><p>�Der gute Gott soll dich besch�tzen, Donato�, fl�sterte sie, nachdem sie ihr Gebet beendet hatte.</p><p>�Da du so darum bittest, wird er mir Legionen von Schutzengeln mitgeben.�</p><p>�L�stere nicht�, wies sie ihn sanft zurecht.</p><p>Der Architekt schaute sie z�rtlich an und entdeckte eine Tr�ne in ihren gro�en Augen. Ger�hrt fuhr er �ber ihr feines Haar. �Keine Angst, ich bin in Begleitung des Papstes.�</p><p>Lucrezia rang sich ein L�cheln ab. �Darf ich dich, wenn wir allein sind, Vater nennen?�, fl�sterte sie.</p><p>Es war, als sprengte diese Frage die Fesseln um das Herz des alternden Mannes. �Ja und tausendmal ja!�</p><p>Als sie Arm in Arm zu Bramantes Palazzo zur�ckgingen, fragte Lucrezia pl�tzlich: �Hast du meine Mutter je gefragt, ob sie dich heiraten will?�</p><p>Was sollte der Architekt darauf antworten? Die Wahrheit, sicher. Nur war sie sehr verworren. �Ja, aber meine Verh�ltnisse waren ihr zu unsicher. Au�erdem haben wir uns damals in das gro�e Abenteuer gest�rzt, den Dom zu bauen.�</p><p>�Gibt es denn ein gr��eres Abenteuer als die Liebe?�, fragte Lucrezia ernst.</p><p>Bramante blickte sie irritiert an. Das M�dchen merkte es und lachte. �Vater, ich bin kein Kind mehr. Ich meine nicht das K�rperliche, sondern die Liebe, wie sie im Hohelied steht. Die Liebe, die von Gott kommt und uns zu Gott zur�ckf�hrt.�</p><p>Er wollte sie schon fragen, was sie so sicher machte, dass es im Hohelied nicht auch um die Freuden der Geschlechtlichkeit ging. Doch er hatte berechtigte Zweifel, ob sie f�r diese Diskussion schon alt genug w�re.</p><p>�Mama liebt dich�, fuhr Lucrezia mit der sch�nsten Selbstverst�ndlichkeit fort, �aber sie liebt auch Agostino.�</p><p>�Mehr als mich?�, fragte er erschrocken. Er hatte Imperia immer geglaubt, wenn sie beteuerte, dass es bei ihrem Verh�ltnis zu dem Bankier um Lucrezias Absicherung ging, dass sie niemals tiefere Gef�hle f�r Chigi empfinden k�nnte.</p><p>�Anders als dich�, antwortete Lucrezia ausweichend und dr�ckte ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann tat sie pl�tzlich gesch�ftig: �Ich muss das Fr�hst�ck anrichten, f�r meinen Vater und meine M�nner!�</p><p>�Deine M�nner?�, fragte Bramante verbl�fft.</p><p>�Mess�r Ascanio und Antonio. Oder soll ich sie etwa Br�der nennen?�, fragte sie und warf lachend den Kopf in den Nacken.</p><p>Nach einem reichlichen Fr�hst�ck, das aus Brot, Eiern, Schinken und Speck bestand, besichtigte der Architekt mit seinem Gehilfen den ganzen Tag �ber die Baustellen. Am Abend versammelten sich Giuliano und Antonio da Sangallo sowie Baldassare Peruzzi in Bramantes Werkstatt. Die Fensterl�den waren geschlossen, nur Kerzen erleuchteten den Raum, der dadurch etwas Feierliches bekam. Auf dem Tisch standen ein Weinkrug und sieben Weinbecher aus rotem Ton. Auf einer Schale lagen Brotst�cke mit eingebackenem Speck. Antonio und Baldassare war die Aufregung anzusehen. Sie traten von einem Fu� auf den anderen und warfen sich immer wieder angespannte Blicke zu. Endlich r�usperte sich Bramante.</p><p>Dann erz�hlte er, wie es war, als er vor f�nfzehn Jahren in den Bund des Grafen Giovanni Pico della Mirandola aufgenommen wurde. Er entschuldigte sich bei den beiden jungen M�nnern, dass ihre Initiation schmucklos und prosaisch verlaufen w�rde. Aber es fehle die Zeit, um nach Ravenna zu reisen und sich um Mitternacht in San Vitale zu versammeln. Letztlich spiele das jedoch keine Rolle, denn es ginge nicht um Zeremonien, auch nicht um die Feierlichkeit der Aufnahme, nicht um Erinnerung und auch nicht um die Liebe zur Vergangenheit, sondern einzig und allein um die Gegenwart und die Zukunft der <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis>.</p><p>An diesem Punkt wurde Bramante doch melancholisch zumute. Er erinnerte sich an San Vitale und an die verdammten Aufnahmerituale, an die Angst, die er ausgestanden hatte, dass er sich beinahe in die Hose gemacht h�tte. Er dachte an Pico mit seinen gro�en blauen Augen, dem er in der Kirche zum ersten Mal begegnet war und den er sogleich in sein ansonsten treuloses Herz geschlossen hatte. Bis heute vermisste er ihn, den gr��ten Denker, dem er je im Leben begegnet war. Auch an die dralle Sch�ne, die er in seinem Zimmer im Gasthaus �Zum tatkr�ftigen Hiram� in Ravenna bis zur Ersch�pfung geliebt hatte, als er noch ein Stier war und nicht der traurige Ritter von der h�ngenden Rute. Damals, ja damals hatte er �ber viel Kraft und wenig Wissen verf�gt, doch er war immer er selbst gewesen. Und heute? Nun, er war erfolgreich. Er fragte sich, wie sich die beiden jungen M�nner entwickeln w�rden, die vor ihm standen. W�rden sie leidenschaftlich und wild sein, nicht blo� frech und mit einer aufgesetzten Weltsicht, wie es in diesen Tagen zum guten Ton geh�rte? W�rden sie es wirklich wagen, ihre �berzeugungen allen gegen�ber zu vertreten? Bramante konnte es nur hoffen � alle diese Opportunisten, die nichts verantworteten, die nichts konnten, diese mittleren Talente, die inzwischen �berall das Sagen hatten, hingen ihm seit Langem zum Hals heraus. Im Vergleich zu diesen Leuten kamen ihm Schurken wie Giacomo Catalano regelrecht sympathisch vor, weil sie ein pers�nliches Risiko eingingen. Sicher, er w�rde sich bis ans Lebensende mit dem Kardinal bekriegen. Keiner von beiden w�rde aufgeben, bis der andere tot w�re. Aber genau das mochte Bramante an Giacomo � dass er nicht aufgeben, sondern sich treu bleiben w�rde. Nur dekadente, lendenschwache Idioten, geistige Strichjungen glaubten, dass man alles f�r den Frieden tun m�sse. Der Krieg war der Vater aller Dinge, und nur wer bereit war zu k�mpfen, w�rde den Frieden erleben! Deshalb w�rde er, Donato Bramante, bis zu seinem letzten Tage auf Erden k�mpfen, er w�rde daf�r k�mpfen, dass sich �ber dieser kleinlichen und verschissenen Welt die Kuppel des Himmels erheben w�rde! In einer j�hen Gef�hlsaufwallung zog er die beiden jungen Architekten in seine kr�ftigen Arme und presste sie an seine Brust.</p><p>�Gebt nie auf zu k�mpfen!�, br�llte er ihnen ins Ohr. �Wir sind die Gef�hrten der Liebe, deshalb kennen wir auch den Hass! Versteht ihr mich? Die Welt beruht auf dem Prinzip des Kampfes der Gegens�tze. Post und Kontrapost, Stand- und Spielbein, die Spannung der Gegens�tze. Nur wer die Spannung beherrscht, ist ein Architekt, weil Spannung das Grundprinzip der Baukunst ist. Was ist eine Kuppel?�</p><p>�Eine W�lbung?�</p><p>�Falsch! Reine und richtig berechnete Spannung! Deshalb ist die Kuppel der reinste und erhabenste Ausdruck der Baukunst. Alles ist in Spannung. Selbst die Oberfl�che des ruhigen Wassers bedarf ihrer, denn ohne Spannung w�rde das Wasser einfallen. Aber wodurch entstehen Spannungen, was ist die Ursache?�</p><p>Antonios Gesicht wirkte durchscheinend, so tief sann er �ber die Antwort nach. Pl�tzlich l�chelte er, weil er glaubte, seinen Meister verstanden zu haben. �Durch die Kraft. Ich meine die Kr�fte, die gegeneinander wirken.�</p><p>�Wirken ist zu wenig, mein Sohn. Das ergibt Gef�lligkeitsarchitektur. Wahre Baukunst entsteht dort, wo die Kr�fte, bis aufs �u�erste getrieben, gegeneinander anrennen.� Bramante zog einen Zettel hervor und las laut: �Betrachte durch mich den Kosmos, wie er vor deinen Augen liegt, und begreife genau seine Sch�nheit: Er ist ein unversehrter K�rper und nichts wird je �lter sein als er, und dennoch steht er in allem in der Bl�te seiner Kraft, ist jung und bl�ht �ber und �ber. Sieh auch die liegenden sieben Welten, deren Ordnung in ewig g�ltiger Weise geregelt ist und die in ihrem unterschiedlichen Lauf den �on ausmachen; alles � ist nun voller Licht geworden, das von oben eine Leuchtkraft bekommt von der Wirkkraft Gottes, des Erzeugers von allem Guten und aller Ordnung der sieben Welten.�</p><p>�Was bedeutet das, Meister?� Der spottlustige Baldassare war mit einem Mal vollkommen ernst geworden.</p><p>�Dass ihr niemals denken d�rft, H�user, Pal�ste oder Kirchen zu bauen. Wer einen Palazzo baut, baut eine Hundeh�tte, wer eine Kirche baut, baut eine Scheune. Das ist zu wenig. Welten m�sst ihr bauen! Dann gelingen euch auch H�user, Pal�ste und Kirchen.�</p><p>�Ich verstehe. Und Welten baut man mit Licht, mit Gottes Licht, dem sich die Baustoffe unterordnen�, sagte Baldassare nachdenklich. Bramante seufzte leise, weil der Gedanke nicht von seinem Sch�ler Antonio da Sangallo gekommen war.</p><p>�H�uft niemals Beton auf Beton, Steine auf Steine, sondern balanciert sie aus im Licht, schafft Welten!�, rief Bramante.</p><p>�Menschen leben, Tiere leben, Pflanzen leben, also sollen auch die Bauwerke leben, in denen sie sind�, sagte Baldassare langsam, und Antonio sah ihn voller Bewunderung an. Bramante aber war betr�bt, weil er in diesem Augenblick erkannte, dass sein inzwischen geliebter Sch�ler nur �ber ein begrenztes Talent verf�gte. Antonio w�rde ein sehr guter Architekt werden � er war flei�ig und begabt. Die letzten Weihen jedoch, dachte Bramante, das, was den wirklichen K�nstler vom begnadeten Handwerker trennte, w�rde er nie erreichen. Sei�s drum. Er musste die Zeremonie zu Ende f�hren.</p><p>�Wisst ihr, wann der Kampf der Gegens�tze, der Krieg, der das Leben hervorbringt, endet?� Die beiden Novizen sch�ttelten den Kopf. �Im Tod. In der Anh�ufung toten Gesteins sind wir tot, auch wenn wir unser Dasein Leben nennen w�rden wie die meisten Menschen auf der Welt, die l�ngst tot sind, aber es nicht merken, weil sie immer schon tot waren und nie gelebt haben. Gebt niemals auf zu suchen, lasst euch auf keinen Frieden ein, k�mpft, schickt k�hn Kr�fte gegeneinander, weil nur so die wahre Spannung entsteht, die das Leben ist. Denn glaubt mir, wie in der Architektur ist es in den belebten und unbelebten K�rpern vorgegeben, und die st�rkste Spannung, die wir erleben, ist die zwischen Geburt und Tod. Zwischen diesen beiden Polen spannt sich wie die Oberfl�che des Wassers das Leben aus, st�ndig bedroht, st�ndig in Bewegung und bis zum letzten unserer Erdentage in Balance. Das Gleichgewicht ist kein Ruhepunkt, sondern der Moment der �u�ersten Anspannung gleich starker Kr�fte.�</p><p>Er gab ihnen auf, in seiner Abwesenheit eifrig Dante zu studieren, sich die Illustrationen Botticellis dazu anzusehen und Landinos Kommentare zurate zu ziehen. Dann nahm er ihnen den Schwur ab, dem Bund stets treu zu dienen und Stillschweigen �ber seine Existenz und seine Mitglieder zu wahren. Er ritzte ihre Haut �ber der Brust und umarmte sie, wie ihn einst Pico umarmt hatte. Dann tranken sie und a�en. Und sprachen �ber das Bauen.</p><p>Sp�ter am Abend standen Ascanio und Antonio, Lucrezia zwischen sich, vor Bramantes kleinem Palazzo. Aus der ge�ffneten Eingangst�r drang Kerzenlicht und umgab die Gestalten mit einem warmen Schimmer. Zum ersten Mal in seinem Leben fiel Bramante der Abschied schwer. Immer hatte er sich als Reisender empfunden, der sich nur unterwegs zu Hause f�hlte, ein Nomade seiner Ruhmsucht, seines Schaffensdranges. Doch diese drei Menschen, die ihm nachwinkten, hatten dieses Geb�ude in sein Heim und seine Heimat verwandelt. Sein Herz schlug im traurigen Takt der Pferdehufe. Hinter ihm ritt sein Diener, der einen Esel mit ihrem Gep�ck an einem Seil mit sich f�hrte.</p><p>Bei der vor dem Aufbruch des Papstes in der Sixtinischen Kapelle abgehaltenen Messe sa� der Architekt weit hinten. Zwischen Julius II. und ihm beteten die Kardin�le und einige Bisch�fe. Die Messe las Egidio da Viterbo, und Bramante hatte M�he zu folgen. Sein Blick fiel auf das Fresko zu seiner Rechten. Es zeigte Christus, der Petrus die Schl�ssel �bergab. Im Hintergrund erhob sich ein Tempel �ber dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, der von einer goldenen Kuppel gekr�nt wurde. Sie wirkte wie eine Sonne vor dem lindblauen Himmel. Rechts und links verherrlichten zwei Triumphb�gen Papst Sixtus IV. und den weisen K�nig Salomo.</p><p>Doch Papst und K�nig wurden gepriesen als Erbauer der Kirche! In diesem Moment begriff Bramante, dass dieses Bild vom Bauen sprach. In der N�he von Petrus entdeckte er zwei Architekten, der eine ein Winkelma�, der andere einen Zirkel in der Hand. Und dann vernahm er Egidios Stimme: �Und so hei�t es bei Petrus: �So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle �ble Nachrede, und seid begierig nach der vern�nftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil, da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserw�hlt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgef�llig sind durch Jesus Christus.� Darum hei�t es in der Schrift: �Siehe, ich lege in Zion einen auserw�hlten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.� F�r euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; f�r die Ungl�ubigen aber ist er �der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Ansto�es und ein Fels des �rgernisses�; sie sto�en sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind. Ihr aber seid das auserw�hlte Geschlecht, die k�nigliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verk�ndigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst �nicht ein Volk� wart, nun aber �Gottes Volk� seid und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.</p><p>Und Origenes sagt: Beide, der Tempel und der Leib Jesu, scheinen mir nach den Auslegungsm�glichkeiten jeweils ein Bild der Kirche zu sein. Sie ist ja aus lebendigen Steinen erbaut, zu einem geistigen Geb�ude, zu einer heiligen Priesterschaft, gebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, und der Schlussstein ist Christus Jesus selbst.�</p><p>Unbewusst zuckte Bramante bei dem Wort Schlussstein zusammen, denn sein Blick fiel auf den Schl�ssel, den Jesus Petrus �bergab, den Schl�ssel zur Kirche, den Schl�ssel zum Himmelreich, denn beide Worte hatten offensichtlich den gleichen Ursprung: <emphasis>chiave</emphasis>, der Schl�ssel, und <emphasis>chiave di volta</emphasis>, der Schlussstein.</p><p>Aber schon sprach Egidio weiter: �Streiten wir f�r diese lebendige Kirche, denn aus der <emphasis>ecclesia militans</emphasis> geht die <emphasis>ecclesia triumphans</emphasis> hervor. Ziehen wir also mit Christi Stellvertreter heute aus, um f�r die Kirche zu k�mpfen, seien wir lebendige Steine, die sich zu einer neuen Kirche f�gen!�</p><p>Aus lebendigen Steinen w�rde die Kirche errichtet. Kurz schaute Bramante zur Decke, die aus einem Himmel gemalter Sterne bestand, der einfach, ja fast primitiv wirkte im Vergleich zu den kunstvollen Wandfresken. Als er wieder nach vorn sah, traf sein Blick auf den des Kardinals Catalano. Auch er w�rde dank Egidio den Papst begleiten m�ssen und deshalb Bramantes Abwesenheit nicht f�r seine Zwecke nutzen k�nnen. Als er aus der Kapelle trat, dachte der Architekt, dass die Fresken an den W�nden ein Gegenst�ck an der Decke ben�tigten. Aber wer k�nnte es malen? Der junge Maler aus Urbino? Er w�rde sich seine Werke in Florenz anschauen m�ssen.</p><p>Vor dem Vatikanpalast sa� die Streitschar auf, angef�hrt von dem zweiundsechzigj�hrigen Papst h�chstpers�nlich. Hinter ihm ritten neun Kardin�le und f�nfhundert schwer bewaffnete Reiter, dahinter folgte der Tross. Der Zug setzte sich in Bewegung. An der Porta Flaminia verabschiedete sich der Heilige Vater vom r�mischen Volk, das den Zug bis hierher begleitet hatte, und segnete es. Dann verlie� der Heerbann die Stadt. Nicht wenige sollten es sp�ter als anst��ig empfinden, dass der Stellvertreter Christi pers�nlich die Krieger angef�hrt hatte, doch Julius II. interessierte das herzlich wenig. K�hn und ausdauernd ritt er in die Dunkelheit.</p><empty-line/></section><section><p>41</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1506, im November</p><p>Er hieb so heftig mit dem Eisen auf den Stein ein, dass selbst die Luft zu kr�meln begann. Michelangelo war unzufrieden mit sich und der Welt. Eigentlich h�tte er an den Figuren der Gefangenen f�r das p�pstliche Grabmal arbeiten sollen, stattdessen begann er, die zw�lf Apostel f�r den Florentiner Dom zu hauen. Wie aus dem Dunkel der Geschichte schien sich seine Figur aus dem Stein zu drehen. Der Schmerz des Matth�us, der vom Gesehenen Zeugnis ablegte, �bertrug sich auf die gequ�lte Bewegung des K�rpers. Christus litt am Kreuz und Matth�us unter der Augenzeugenschaft. Weil sich Michelangelo zu dieser Arbeit zwang, kam sie ihm fremd vor, falsch, nicht das, was er eigentlich tun sollte. Und so konnte sich der Rausch des Schaffens nicht einstellen, nur seine eiserne Disziplin hielt ihn am Marmor. Da er aber dem Papst trotzte, durfte er es sich nicht gleichzeitig mit seinen Florentinern Auftraggebern verderben. Ungew�hnlich genug, hatte der Pontifex durch handschriftliche Breven und die Vermittlung der Florentiner Stadtregierung versucht, den aufm�pfigen Bildhauer zur R�ckkehr zu bewegen. Vergebung und die eigene Sicherheit wurden ihm garantiert. Dennoch hielt ihn eine letzte Furcht zur�ck.</p><p>Schlie�lich hatte er den Papst herausgefordert. Er konnte und wollte nicht glauben, dass es damit sein Bewenden haben w�rde. Zudem wusste er nicht, was sein Rivale Bramante gegen ihn zu unternehmen plante. Pl�tzlich sp�rte er, dass er nicht mehr allein in seiner Werkstatt war. Wer wagte es, ihn zu st�ren?, dachte er m�rrisch. Doch seine angespannte Stimmung verflog in dem Augenblick, als er in dem Besucher seinen alten Freund Giuliano da Sangallo erkannte. Die beiden M�nner umarmten einander herzlich. Dann berichtete Sangallo, dass der Papst Perugia befreit und Bologna eingenommen habe. Nun residiere er in der zweitgr��ten Stadt des Kirchenstaates. Und Julius II. befehle Michelangelo, sich dort einzufinden. Der Bildhauer verzog verdrossen das Gesicht.</p><p>�Angiolo, komm mit!�, beschwor Sangallo den Freund. �Julius ist dir weiter entgegengekommen, als du erwarten durftest. Er hegt keinen Argwohn gegen dich. Der Heilige Vater will nur, dass du deine Arbeit in Rom wiederaufnimmst. Wenn du ihm diesmal trotzt, hast du es mit ihm f�r immer verdorben. Trau mir! Wenn er wollte, k�nnte er deiner Freiheit oder deinem Leben auch in Florenz ein Ende setzen. Was riskierst du?�</p><p>�Gut, ich komme mit, aber nur mit dem Riemen um den Hals�, knurrte der Bildhauer.</p><empty-line/><empty-line/><p>Bologna, Anno Domini 1506</p><p>Zwei Tage darauf traf Michelangelo in Bologna ein. Es war kalt, und Regen peitschte den Stra�enkot hoch. Den ganzen Tag hatte die Sonne nicht geschienen. Der November machte seinem tristen Ruf alle Ehre. Bevor er sich beim Papst melden lassen wollte, zog es den Bildhauer zur Kirche von San Petronio, der Hauptkirche der Stadt, um ein Gebet an den Schutzheiligen der Basilika und der Stadt zu richten. Er brauchte ein wenig F�rsprache, denn er f�rchtete sich vor der Begegnung mit dem m�chtigen Papst, den er so schwer gekr�nkt hatte. In der Ferne war es leicht, Mut zu beweisen. Michelangelo wusste nur zu gut, dass er eine Grenze �berschritten hatte.</p><p>Nach dem Willen der Bologneser hatte San Petronio noch gr��er gebaut werden sollen als Sankt Peter, doch der Papst als Oberherr der Stadt hatte das der <emphasis>Signoria</emphasis>, dem Stadtrat, damals verboten. Dennoch war San Petronio ein Gotteshaus von beeindruckender Gr��e. Durch die bunten Glasfenster brach trotz der dunklen Novemberstimmung vielfarbiges, verspieltes Licht, als ob die Farben eine eigene Leuchtkraft besa�en, die das sp�rliche Tageslicht verst�rkten. In dem hohen gotischen Kirchenraum empfand Michelangelo die Nichtigkeit des Menschen vor Gott mit aller Macht. Anmutig strebten die rot gehaltenen Rippen des Mauerwerks, die sich schwungvoll von den wei�en W�nden abstie�en, in den Himmel. Der Bildhauer f�hlte den Sog der ungeheuren Bewegung nach oben und h�tte sich ihm gern hingegeben, doch blieb sein Blick an dem von Giovanni da Modena freskierten J�ngsten Gericht h�ngen. Und das Leid der Verdammten fand Widerhall in seiner Seele.</p><p>Michelangelo stand fassungslos vor dem Werk eines gro�en, eher unbekannten Malers. Wer mochte dieser Giovanni wohl gewesen sein, was mochte er gesehen haben, wenn ihm eine solche Darstellung der menschlichen Not gelang? Er kannte nur Darstellungen des J�ngsten Gerichts, in denen es um die g�ttliche Gerechtigkeit ging. Der unbekannte Maler aber interessierte sich nicht f�r das Recht, sondern f�r das menschliche Leid. Und dieses J�ngste Gericht war deshalb grausamer als alle anderen, die Michelangelo je gesehen hatte, weil die Pein so grundlos war.</p><p>Pl�tzlich tippte ihm jemand auf die Schulter, und er wandte sich um. Vor ihm standen ein Hauptmann und zwei Soldaten, wei� und gelb gewandet. �Michelangelo Buonarroti?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich soll Euch sofort zu seiner Heiligkeit f�hren.�</p><p>Papst Julius II. sa� an dem Tisch im gro�en Saal im Palazzo der <emphasis>Signoria</emphasis> von Bologna und speiste zu Mittag. Er l�ste gerade das Fleisch von einem H�hnerbein, als der Hauptmann Michelangelo hereinf�hrte. Der Pontifex schaute ihn an, ohne dass sein Gesicht eine Regung verriet. Nur seine Augen wirkten lauernd. Er legte das Keulchen ab und wischte sich die Finger an einem Tuch ab.</p><p>�Du hast also so lange gewartet, bis Wir selbst gekommen sind, um dich aufzusuchen!� Da Bologna sehr viel n�her an Florenz lag als an Rom, hatte diese Feststellung eine gewisse Berechtigung.</p><p>Aber der Papst war ja nicht seinetwegen hierher gezogen, dachte Michelangelo, sondern wegen der aufm�pfigen Geschlechter der Baglioni und Bentivoglio. Und vielleicht auch wegen ihm, denn wie diese Stadttyrannen hatte auch er sich rebellisch dem Papst gegen�ber verhalten. Ihm war die unterdr�ckte Wut in Julius� Stimme nicht entgangen, und er wusste, dass �u�erste Vorsicht angebracht war. Ein falsches Wort, und der J�hzorn des Papstes konnte ihn trotz aller Zusicherungen und Garantien vernichten. So wenig, wie es mit vollst�ndiger Unterwerfung getan war, so wenig half Trotz.</p><p>�Heiliger Vater, verzeiht einem s�ndigen Menschen, wie ich einer bin�, sagte Michelangelo, w�hrend er langsam und stolz vor dem Stellvertreter Christi niederkniete. �Glaubt mir, ich wollte Euch weder kr�nken noch beleidigen. Ich bin schweren Herzens gegangen. Aber was blieb mir �brig, nachdem ich beleidigt, verh�hnt und verjagt worden war?� Das war mehr als k�hn. In der Geste demutsvoll, trotzte er mit Worten, denn er gab Julius II. die Schuld f�r seine Flucht nach Florenz.</p><p>Das Kirchenoberhaupt schaute finster vor sich hin. Zorn verzerrte seine energischen Z�ge, sein Gesicht lief rot an, ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. In diesem Moment ergriff mit schmeichelnder Stimme ein Bischof, den Michelangelo nicht kannte, das Wort.</p><p>�Heiliger Vater, verzeiht diesem Handwerker seinen Fehlgriff. Es ist nicht seine Schuld. Es ist der Mangel an Bildung und Kultur. Ihr wisst doch, wie der Kunstp�bel ist. Menschen ohne Erziehung, die nur zu reden verstehen, wenn man sich mit ihnen �ber ihre Werke unterh�lt. Ansonsten ist ihre Rede nur eitel, bl�de und voller Fehler.�</p><p>Julius II. hob den Kopf und fixierte den kleinen Bischof, der wohlig und weich, vor allem aber gut aufgehoben in seinem Fett stand, mit einem eisigen Blick. Dann erhob er sich und blieb so kurz vor dem Bischof stehen, dass dessen Nasenspitze sich fast in die p�pstliche Brust bohrte.</p><p>�Was erlaubst du dir?�, br�llte Julius II. au�er sich. �Du wagst es, diesem Manne Dinge zu sagen, die Wir ihm selbst nicht gesagt haben w�rden? Du selber bist ein Mensch ohne Erziehung, du bist ein elender Kerl, nicht er. Aus Unseren Augen mit deinem Ungeschick!�</p><p>Innerlich atmete Michelangelo auf � der Papst hatte einen Weg gefunden, seinen Zorn auf eine Weise zu entladen, die nicht ihn traf. Der arme Bischof stand da wie vom Donner ger�hrt. �rgerlich wedelte der Papst mit der Hand und winkte zwei Diener herbei, die den erstarrten Geistlichen aus dem Saal zogen.</p><p>Dann richtete Julius seinen ausgestreckten Zeigefinger auf Michelangelo. �Und du�, befahl er ihm, �du machst dich umgehend daran, Uns ein Reiterstandbild zu errichten. Es soll gro� sein, sehr gro� und furchterregend. Wir wollen es vor San Petronio aufstellen, damit diese rebellische Stadt niemals mehr vergisst, wer ihr Herr ist � und du auch nicht.�</p><p>Das war zwar nicht das, was sich Michelangelo gew�nscht h�tte, aber er war glimpflich davongekommen und wollte sich gleich an die Arbeit machen. Verzeihung hatte er nicht erlangt, womit auch nicht zu rechnen war, aber Bew�hrung.</p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1506</p><p>Zur gleichen Zeit sah sich Bramante in Florenz in der komfortablen Werkstatt im Stadtteil Santa Croce die Werke eines jungen Malers an und war ergriffen. Weder Sangallo noch sein alter Freund Leonardo in seinen Briefen hatten �bertrieben, als sie das Talent des jungen Mannes priesen. Diesem Raffael aus Urbino hatten die G�tter alles geschenkt, was sie zu geben vermochten: Sch�nheit, Anmut, Intelligenz und Talent. Dieser junge Meister w�rde eines Tages Bramantes Stellung in der Bruderschaft einnehmen. Er hatte seinen Nachfolger gefunden! Hinzu kam, dass er das ganze Gegenteil von diesem schrecklichen Michelangelo war. Der Architekt beschloss, sich darum zu k�mmern, dass Raffael den Auftrag bekam, die Decke der Sixtinischen Kapelle auszumalen. Und nicht nur das! Bramante f�hlte sich von einem tiefen Gl�ck durchstr�mt. Vor seinem inneren Auge erstand das Ewige Rom, <emphasis>roma aeterna</emphasis>, und alles geschah nach seinen Pl�nen, von den Stra�en und Wasserleitungen der Stadt �ber Pal�ste und Kirchen bis hin zum Vatikan und dem neuen Petersdom. Julius war ein neuer Salomo, er ein neuer Hiram, das neue Jerusalem nahm Gestalt an. Und dieser junge Mann besa� die malerische Begabung, die Bramante fehlte. Durch ihn w�rde er Michelangelo fernhalten k�nnen, und Raffael w�rde das schaffen, was seinem Talent und dem K�nnen seiner Freunde und Mitarbeiter versagt blieb. Und als ob das alles noch nicht gen�gte, waren sie obendrein noch Landsleute. Sie w�rden sich also pr�chtig verstehen!</p><p>�Beendet in Ruhe Eure Arbeiten, nehmt aber nichts Neues mehr an. Bald bedarf man Eurer in Rom�, sagte er beim Abschied. Dann ritt er nach Bologna zum Papst zur�ck.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>T�ren wurden aufgerissen und schlugen zu, Diener riefen etwas oder schimpften, Lucrezia lachte hell, die allt�glichen Ger�usche des Morgens brandeten an Antonios Ohr und brachten ihm schlagartig zu Bewusstsein, dass er als Letzter aufwachte und einfach verschlafen hatte. Schnell griff er nach der grauen Kniebundhose, die auf dem Holzschemel neben seinem Bett lag, stopfte das wei�e Hemd hinein, in dem er geschlafen hatte, schl�pfte in die Lederschuhe und streifte noch im Verlassen des Raumes ein blaues Wams �ber. Die florentinische Kappe aus rotem Filz zog er �ber den Kopf, w�hrend er die Treppe hinunterrannte.</p><p>Im Flur stand Ascanio und hielt Lucrezia die T�r auf. Wundersch�n sah sie aus in dem schlichten schwarzen Samtkleid, das sie f�r die Morgenandacht in San Silvestro angelegt hatte. Antonio seufzte erleichtert. Er w�rde sie noch erreichen, bevor sie das Haus verlie�. Auf der letzten Treppenstufe geriet er ins Stolpern und fiel Lucrezia vor die F��e. Er schlug hart mit der Stirn auf, rieb sich fluchend die schmerzende Stelle und erhob sich mit hochrotem Kopf. Ascanio zog sein Messer und trat auf ihn zu, worauf Antonio verbl�fft zur�ckschreckte. Dann presste der Leibw�chter ihm die flache Klinge an die Stirn. Wohltuend k�hlte der Stahl die geschundene Stelle und verhinderte, dass sie zur Beule anschwoll.</p><p>�Falschen Eifer bestraft der liebe Gott sofort�, sagte Lucrezia schmunzelnd. Mit einem sp�ttischen L�cheln nahm sie seine in ihrer Zusammenstellung etwas abenteuerlich anmutende Kleidung zur Kenntnis. �F�r den Karneval ist es noch ein bisschen zu fr�h, lieber Antonio!�</p><p>�Karneval? Ich will dich zur Morgenandacht begleiten!� Aus den Augenwinkeln nahm der junge Architekt wahr, dass Ascanio �rgerlich das Gesicht verzog. Schon seit einiger Zeit hatte er bemerkt, dass der Kriegsmann dem jungen M�dchen den Hof machte, was Antonio als v�llig unangebracht empfand.</p><p>�Dass ich bei deinem gottesf�rchtigen Aufzug nicht gleich darauf gekommen bin!�, lachte Lucrezia und sch�ttelte ihren von einem Schleier verh�llten Kopf.</p><p>�Ist es gute Christentat, jemanden zu verspotten, den die Einsicht zum Gebet treibt?�</p><p>�Die Einsicht? Die Einsicht!� Sie lachte laut auf. �Dann kommt, frommer Mess�r, und lasst uns Christus und unserer Seele gedenken. Aber wehe, Antonio, du sprichst von etwas anderem als von Gott!�</p><p>Von diesem Tag an begleitete Antonio Lucrezia morgens zur Kirche, obwohl er, der bis sp�t in die Nacht arbeitete, daf�r sehr fr�h aufstehen musste. Aber schlafen konnte er noch genug im Leben. Er genoss jede Minute mit ihr. Die Andacht und das anschlie�ende Fr�hst�ck waren f�r ihn die H�hepunkte des Tages. Anschlie�end begab er sich zu den Baustellen, kontrollierte die Arbeiten, besprach mit den Meistern der Steinmetze und der Maurer, was gebraucht wurde, verhandelte mit den Zimmerleuten, Schreinern und Schlossern �ber die Errichtung von Kr�nen, Bauger�sten und Verschalungen und machte sich Notizen �ber dringend ben�tigte Baustoffe. Die Beschaffung von Marmor, Kalk, Puzzolanerde, Holz lag zumeist in den H�nden der Bauunternehmer. Maffeo Maffei zog mit seinen Leuten den S�dwestpfeiler hoch, w�hrend ein alter Maurermeister, den alle nur den einarmigen Baggio nannten, weil ihm vor vielen Jahren ein herabst�rzender Block den linken Unterarm zerquetscht hatte, mit seinen Leuten den dazugeh�rigen Konterpfeiler errichtete.</p><p>Als Antonio auf der Baustelle ankam, waren die Gesellen gerade dabei, den Beton zwischen das Mauerwerk zu gie�en. Er schaute auf die hellgraue Masse zwischen dem Mauerwerk und fuhr kurz mit der Hand hinein. Seine Miene verfinsterte sich.</p><p>�Sofort aufh�ren!�, befahl er.</p><p>Die Maurer schauten den jungen Mann verwundert an. Der einarmige Baggio, von einem Gesellen gerufen, kam vom Mischplatz herbeigerannt. Auch Maffeo trat neugierig hinzu.</p><p>�Wer wagt es, auf meiner Baustelle Befehle zu erteilen?�, br�llte Baggio und wischte sich mit einer zornigen Handbewegung die grauen Str�hnen aus der niedrigen Stirn. Antonio wartete, bis er neben ihm stand. �Erstens ist es nicht Eure Baustelle, sondern die des Papstes und des Baumeisters Bramante, dessen Stellvertreter ich in seiner Abwesenheit bin. Und zweitens erkl�rt mir, was das sein soll.�</p><p>�Kennt Ihr das etwa nicht? Das <emphasis>Opus caementitium</emphasis>?� Antonio nickte. Baggio streckte sich und schaute ihn �berheblich an. �Ihr erkennt ja nicht mal besten Guss aus Puzzolanasche und Kalksteinen, mit Ziegenmehl vermengt, wenn Ihr es vor Augen und an den H�nden habt!�</p><p>Der junge Architekt griff mit der rechten Hand in die Masse, hob etwas hoch und lie� es wieder in die dickfl�ssige Masse zur�ckgleiten. �Was immer das auch sein mag, darin ist weder Ziegenmehl noch Puzzolanerde!�</p><p>Nach diesen Worten riss Baggio einem Arbeiter die Schaufel aus den H�nden, hob sie in die Luft, um das Blatt l�ngs auf Antonios Sch�del niedersausen zu lassen. Geistesgegenw�rtig griff Maffeo, der hinter Baggio stand, mit beiden H�nden das Blatt und zog es kr�ftig mit einem Ruck nach hinten. So aus dem Gleichgewicht gebracht, setzte sich der Maurermeister auf den Hosenboden. Antonio warf Maffeo einen dankbaren Blick zu, bevor er sich an Baggio wandte.</p><p>�Sammle deine Leute und dein Werkzeug ein, und dann verschwinde von der Baustelle!�</p><p>Baggio erhob sich. �Ich werde mich bei der Bauh�tte beschweren. Kommt mit, und ich zeige Euch, welch guten Guss meine Leute herstellen!�</p><p>Der Einarmige stapfte vornweg, gefolgt von Antonio und Maffeo. Auf dem Mischplatz lagen gro�e Haufen von Puzzolan und Steinen. Diese grauschwarze Gussmasse allerdings unterschied sich deutlich von der, die zwischen das Mauerwerk gef�llt wurde. Antonio warf Maffeo einen ratlosen Blick zu. Er konnte sich keinen Reim darauf machen. Dieser wies ihn mit seinen Augen zu einer Bauh�tte. Er verstand und lief nun auf die Holzh�tte zu. Als er die T�r �ffnete, entdeckte er Arbeiter, die Steine, Erde und Sand mischten. Der Architekt wandte sich um und sah in Baggios unger�hrtes Gesicht.</p><p>�Ich verstehe, eine Fuhre Puzzolanguss und zwei oder drei Ladungen Dreck. Ein eintr�gliches Gesch�ft!�, knirschte er.</p><p>�Wie viel willst du?� Antonio verstand die Frage nicht. Baggio l�chelte schmierig. �Du bist ja ein ganz Ausgekochter. Tu blo� nicht so, ihr nehmt doch alle Geld!�</p><p>�Verschwinde!�, rief der Baumeister zornig, worauf ihn der Bauunternehmer verwundert ansah. �Du bist entlassen!�, f�gte Antonio deutlicher hinzu.</p><p>�Dir k�nnte eines Tages so ganz aus Zufall ein Stein auf den Kopf fallen�, sagte der einarmige Baggio und spuckte ver�chtlich aus. �Willst du das wirklich riskieren? �berleg es dir gut. Reich und gesund oder arm und tot!�</p><p>Antonio wurde blass vor Zorn. Seine Stimme zitterte. �Von heute ab bete, Baggio. Bete f�r meine Gesundheit. Sollte mir etwas passieren, wirst du auf dem Campo dei Fiori gevierteilt, denn ich werde deine Drohung aktenkundig machen. Bete f�r meine Sicherheit! Und jetzt pack dich!�</p><p>Der Bauunternehmer lachte h�hnisch, wobei er die schwarzen Zahnstummel in seinem von Bartstoppeln umstandenen Mund sehen lie�. �Bramante wird dich durchpr�geln, wenn er erf�hrt, dass du die erfahrenen Bauleute vertreibst! Wie willst du so das Werk schaffen? Du verstehst einfach nichts vom Bauen! Dabei ist dein Onkel ein gro�er Baumeister.�</p><p>�Pfuschen nennst du also bauen?�</p><p>�Geschw�tz von gr�nen Jungen! Wir haben es immer so gehalten. Ich kenne keinen Baumeister, der sich f�r die Steine oder das <emphasis>Opus incertum</emphasis> oder das <emphasis>Opus caementitium</emphasis> interessiert. Warum wohl? Du musst noch viel lernen, Schwachkopf! Sehr viel.� Baggio rief seinen Altgesellen Jacopo herbei und gab ihm Anweisungen. Seine M�nner sollten das Werkzeug einsammeln und die Baustelle verlassen. Die Bauh�tte sollte abgebrochen und die Puzzolanasche, die Steine, der Sand und das Ziegenmehl verladen werden. �Denk an meine Worte! Du wirst noch auf Knien angerutscht kommen und mich bitten zur�ckzukehren!� Mit einem unheilverk�ndenden Blick verlie� er den Bauplatz.</p><p>Beim Abendessen in Bramantes kleinem Palazzo gab sich Antonio einsilbig. Obwohl es Pasta mit Speck und frischen Kr�utern gab, was er sehr mochte, bekam er kaum einen Bissen herunter. Angst hatte ihn gepackt. Denn Baggio war ein alter Hase, was das Bauen betraf. Und wer sich so lange in diesem rauen Gewerbe gehalten hatte, den sollte man sich nicht zum Feind machen. Der Einarmige kannte alle Schliche und besa� eine geh�rige Portion Skrupellosigkeit. Weder seinen Onkel noch Bramante konnte Antonio um Rat fragen, denn der eine baute in der Toskana und der andere leistete noch immer dem Papst in Bologna Gesellschaft.</p><p>�Entschuldige, Antonio, dass ich so schlecht gekocht habe�, brachte Lucrezia schlie�lich hervor. Sie konnte nicht mehr mit ansehen, wie er missmutig im Essen herumstocherte.</p><p>�Am Essen liegt es nicht�, sagte er, ohne den Blick zu heben.</p><p>�Woran dann?�</p><p>Er wich ihrem Blick aus und starrte auf seinen Teller.</p><p>�Es geh�rt sich, dass du antwortest, wenn sie dich etwas fragt!�, wies ihn Ascanio zurecht. Das war zu viel. Jetzt wagte auch noch der Leibw�chter ihn zu belehren! Antonio sprang auf und wollte den Tisch verlassen. Doch Ascanio stellte sich ihm in den Weg und dr�ckte den jungen Mann, der im Vergleich zu ihm ein H�nfling war, auf den Stuhl zur�ck. �Wir geh�ren alle zu Mess�r Donatos <emphasis>famiglia</emphasis>. Ob wir beide uns m�gen oder nicht, ist nicht von Belang. Das Einzige, was z�hlt, ist, dass man in einer <emphasis>famiglia</emphasis> gegen die anderen zusammenh�lt. Was ist geschehen?�</p><p>Antonio schaute missmutig drein, doch dann begann er, stockend und widerwillig zu erz�hlen.</p><p>�Ob es klug war, den Kampf anzufangen, wei� ich nicht. Aber da es nun einmal so ist, musst du ihn auch gewinnen�, stellte Ascanio n�chtern fest, als Antonio geendet hatte.</p><p>�Du schaffst das auch ohne Donatos Hilfe�, sagte Lucrezia eindringlich. �Du schaffst es, Antonio!� Bei ihren Worten durchstr�mte ihn ein warmes Gef�hl. Sie glaubte an ihn, und das bedeutete ihm sehr viel.</p><p>Ascanio riet ihm, sich die Konkurrenz unter den Maurermeistern zunutze zu machen, besonders die zwischen den Alten, die sich etabliert hatten, und den Jungen, die ihr Unternehmen erst durchsetzen wollten. �H�r nicht auf die, die etwas zu verlieren haben, sondern verb�nde dich mit denen, die etwas gewinnen wollen! Die einen stehen f�r das Gestern, die anderen f�r das Morgen. Du bist jung, also entscheide dich auch f�r die Zukunft. Angriff ist die beste Verteidigung!�</p><empty-line/></section><section><p>42</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1506</p><p>Als Antonio am n�chsten Morgen auf die Baustelle kam, traute er seinen Augen nicht. Am Nordwestpfeiler arbeitete niemand, kein Maurer war am Westchor t�tig, und am Konterpfeiler des S�dwestpfeilers wurde auch nicht mehr gemauert. Die Steinmetze standen unt�tig herum, weil sie nicht wussten, f�r wen sie die Steine zurechtschlagen oder die Ziegel brennen sollten. Auch den drei riesigen Kalk�fen, die sich wie kleine, gemauerte Vulkane in den Himmel erhoben, drohte das Feuer auszugehen. Nur Maffeos Leute waren wie gewohnt am S�dwestpfeiler t�tig.</p><p>Antonio erkannte sofort, was das zu bedeuten hatte. Baggio hatte seine vier Kollegen, die in seinem Alter waren, davon �berzeugt, ebenfalls die Baustelle zu verlassen. Er wollte ihm eine Lektion erteilen, ihn blo�stellen, ihn gef�gig machen. Der Einarmige spekulierte darauf, dass entweder Antonio in der Tat �auf Knien angerutscht� k�me oder Bramante zur�ckkehren und Antonio da Sangallo davonjagen w�rde. Und selbst wenn er so weit nicht ginge, bek�me der junge Architekt einen D�mpfer, von dem er sich lange nicht erholen w�rde. Angesichts dieser d�steren Aussichten sank Antonio der Mut. Ratlosigkeit erfasste ihn. Sein Kopf war auf einmal wie leer gefegt, und es gelang ihm nicht, einen klaren Gedanken zu fassen.</p><p>Er ging hin�ber zu Maffeo, der die Schalung �berpr�fte. Lucrezias Worte kamen ihm wieder in den Sinn. Ihren Glauben an ihn durfte er nicht entt�uschen. Und vererinnerte sich an die Worte von Ascanio.</p><p>�Tut mir leid, Mess�r Antonio�, sagte Maffeo und warf ihm einen mitf�hlenden Blick zu.</p><p>�Sch�n, dass wenigstens du noch da bist!�, erwiderte Antonio.</p><p>�Ich g�nne dem alten Spitzbuben den Triumph nicht. Aber ich wei� auch nicht, wie lange ich das noch durchhalte.� Antonio schaute Maffeo an und entdeckte jetzt ein Veilchen, das auf dessen linkem Auge bl�hte. �Meine Leute werden von den anderen Meistern und ihren Gesellen bedroht und bel�stigt. Auch verpr�gelt. Von meinen hundertf�nfzig Arbeitern sind heute siebzig der Arbeit ferngeblieben. Wie viele morgen noch kommen, dar�ber m�chte ich lieber nicht nachdenken.�</p><p>Antonio da Sangallo begriff, dass er schnell handeln musste. Bisher hatte er eine von Bramante geliehene Autorit�t besessen. Jetzt musste er sich selbst Respekt verschaffen. �Du bist doch nicht der einzige junge Meister in der Stadt?�</p><p>�Nein, Paolo, Bindo, Clemente und Michele kenne ich gut. Sie arbeiten an dem <emphasis>Palazzo</emphasis> von Agostino Chigi an der Via Giulia und am Korridor von Belvedere.�</p><p>Der Architekt beauftragte Maffeo, so viele M�nner anzuwerben, wie er nur konnte. Um dieses schwierige Unterfangen zu erleichtern, versprach er, die L�hnung zu verdoppeln. Ob ihn Bramante wegen der zus�tzlichen Ausgaben zur Rechenschaft ziehen w�rde, war ihm im Moment gleichg�ltig. Jetzt galt es, in einem Kampf zu siegen, der �ber seine Zukunft als Baumeister in Rom entschied. Er hatte einen Krieg vom Zaun gebrochen, den er unter allen Umst�nden gewinnen wollte.</p><p>Nachdem er mit Maffeo alle Einzelheiten besprochen hatte, eilte er nach Hause. Er war erleichtert, als er Lucrezia und Ascanio dort antraf. W�hrend das M�dchen stickte, las Ascanio in einem Buch. Ihre Blicke wandten sich ihm sofort zu. Antonio hielt sich nicht bei der Vorrede auf, sondern kam gleich zur Sache.</p><p>�Kannst du ein paar zuverl�ssige K�mpfer auftreiben, Ascanio?�</p><p>�Nichts leichter als das!�</p><p>�Gut. Der Bauunternehmer Maffeo Maffei braucht einen Leibw�chter, auch die anderen Meister, die ich zu gewinnen hoffe.�</p><p>Ascanio wollte schon davoneilen, doch der Architekt hielt ihn noch zur�ck. �Vorher begleite Lucrezia bitte zu ihrer Mutter.�</p><p>�Was m�chtest du, das ich ihr sage?�, fragte das M�dchen.</p><p>�Deine Mutter soll Agostino Chigi darum bitten, dass er den Maurermeister Paolo mit seinen Leuten f�r ein paar Tage oder Wochen am Petersdom aushelfen l�sst und keinen anderen Meister einstellt. Ich rede mit Baldassare Peruzzi, dem verantwortlichen Architekten.�</p><p>Lucrezia willigte ein, und gemeinsam verlie�en sie das Haus. W�hrend Ascanio und Lucrezia zum Borgo gingen, um Imperia aufzusuchen, richtete Antonio da Sangallo seine Schritte zur Via Giulia. Wolken zogen herauf. Es sah so aus, als w�rde es Regen geben, was f�r den November nicht ungew�hnlich war. Schlechtes Wetter w�rde ihm sogar helfen. Wie in jedem Jahr waren die Maurergesellen und Arbeiter gezwungen, noch vor dem Einbruch des Winters, bevor der einsetzende Frost die Arbeiten zum Erliegen brachten, so viel Geld zu verdienen, wie sie nur konnten. Deshalb hielten sie den Meistern nicht ewig die Treue � diese w�rden ihre Familien nicht durch den Winter bringen. Die Aussicht auf eine doppelte L�hnung w�rde das Ihrige tun.</p><p>Antonio fand den Maurermeister Paolo vor einem kleinen Haus, das seine Leute wegrissen, weil es der Verbreiterung der Stra�e im Wege stand, und rief ihn beim Namen.</p><p>�Mess�r Antonio?�, begr��te ihn Paolo erstaunt.</p><p>�Ihr werdet morgen mit Euren Leuten am Petersdom arbeiten!�</p><p>Paolo verzog das Gesicht. �Und mich daf�r mit Baggio anlegen? Nein!�</p><p>�Ich zahle f�r jeden den doppelten Lohn�, sagte Antonio so laut, dass alle Umstehenden es h�ren konnten. Leiser und nur f�r den Meister h�rbar f�gte er hinzu: �Du bekommst einen Leibw�chter! Dir wird nichts passieren.�</p><p>Paolo runzelte unschl�ssig die Stirn und �berlegte.</p><p>�Entscheide dich!�, sagte Antonio. �Aber bedenke, dass ich keine Gnade kennen werde, wenn du mich im Stich l�sst!� Ohne ein weiteres Wort lie� er den Maurermeister stehen und machte sich wieder auf den Weg. Doch auch auf den Baustellen beim Vatikan und dem Belvedere konnte er die anderen aufstrebenden Bauunternehmer nicht �berzeugen. Sie blieben unentschlossen. Entmutigt kehrte Antonio nach Hause zur�ck.</p><p>Beim Abendessen brachte Lucrezia die frohe Kunde, dass der Bankier einverstanden war. Auf Antonios Bericht reagierte Ascanio mit Stirnrunzeln. Er rang sich zu einem Entschluss durch.</p><p>�Wir m�ssen eine Botschaft schicken. Verlasst das Haus nicht, und verbarrikadiert die T�r. Lasst niemanden herein, und bewaffnet die Diener�, sagte er und erhob sich.</p><p>�Wo willst du hin?�, fragte Lucrezia. Der Architekt ahnte es.</p><p>�Das willst du nicht wissen�, beschied sie Ascanio kurz und verlie� das Zimmer.</p><p>Sp�t in der Nacht h�rte Antonio, der nicht schlafen konnte, wie der Leibw�chter zur�ckkehrte.</p><p>Am anderen Morgen verzichtete er auf die Andacht und das Fr�hst�ck. Er begab sich sogleich zur Baustelle, die noch im Dunkeln lag. Antonio atmete den feuchten Duft und die K�lte ein und zog den Mantel fester um sich. Sobald die Sonne aufgegangen war, w�rde sich der Kampf entscheiden. Durch einen Riss in der Wolkenwand drang vom Osten her, vom Tiber, von Bramantes Haus ein heller gelber Streifen Sonnenlicht. Antonio schien es, als w�rde das Licht wie ein Hebel den Spalt vergr��ern. Und mit dem Licht � er rieb sich die Augen und konnte es kaum glauben � trafen von Osten her die jungen Maurermeister ein. Paolo und Bindo, Clemente und Michele und schlie�lich, in Begleitung des Fechters Eugenio, Maffeo Maffei. Ihnen folgten die Gesellen, Arbeiter und Lehrlinge. Wie eine Armee. Hunderte von arbeitswilligen M�nnern. Das Gef�hl tiefer Erleichterung durchstr�mte Antonio, und ein L�cheln machte sich auf seinem Gesicht breit, als ihn die Meister umringten.</p><p>�Der Bann ist gebrochen, Mess�r Antonio. Darf ich die Arbeit am S�dwestpfeiler fortsetzen?�, fragte Maffeo mit einer Verbeugung.</p><p>�Ja, Maffeo. Paolo und Bindo, geht mit euren Leuten zum Westchor, und du, Clemente, und du, Michele, ihr macht am Nordwestpfeiler weiter. An die Arbeit M�nner, es gibt viel zu tun! Der Heilige Vater richtet den Kirchenstaat wieder auf. Da wollen wir in unserem Tun doch nicht nachstehen. Zeigen wir ihm bei seiner R�ckkehr, dass auch wir unseren Beitrag geleistet haben!�</p><p>Zufrieden und stolz beobachtete Antonio, wie sich die Arbeiter auf die verschiedenen Pl�tze der Baustelle verteilten und ihre Arbeit wiederaufnahmen. Er glaubte zu tr�umen, denn er hatte das Gef�hl, dass ihm der Sieg wie ein reifer Apfel in den Scho� gefallen war. Mit einem triumphierenden L�cheln nahm er wahr, dass nun auch die abtr�nnigen Maurermeister in dem�tiger K�rperhaltung herangeschlichen kamen. Ein Grauhaariger mit stahlblauen Augen und einem Gesicht wie brauner Marmor r�usperte sich und begann zu sprechen, ungelenk, nach Worten suchend.</p><p>�Verzeiht, Mess�r. Wir m�chten gern unsere Arbeit wiederaufnehmen.�</p><p>Antonio lie� seine Blicke schweifen. Er vermisste jemanden. �Wo ist Baggio?�</p><p>Die Bauunternehmer wechselten �berraschte Blicke. �Macht ihr Witze, Mess�r Antonio? Baggio ist gestern Abend im Tiber ertrunken�, antwortete der Grauhaarige vorwurfsvoll.</p><p>�Man geht auch nicht schwimmen, wenn man nur einen Arm hat�, lie� ein anderer verlauten.</p><p>Ascanio! Wie dankbar war er ihm! Die Botschaft, die er geschickt hatte, war angekommen. Der Leibw�chter hatte der Hydra den Kopf abgeschlagen, nun fiel der K�rper des Aufruhrs leblos in sich zusammen. Aber auch die Abtr�nnigen mussten b��en, dachte Antonio, sie mussten so gr�ndlich gedem�tigt und bestraft werden, dass es sich herumsprechen und niemals jemand wieder wagen w�rde, sich ihm auf einer Baustelle zu widersetzen.</p><p>�Die Ehre, an Sankt Peter zu arbeiten, habt ihr durch euren Hochmut verspielt. Ihr d�rft aber an der Via Giulia, am Vatikanpalast und am Belvedere arbeiten. F�r die H�lfte des Geldes!�</p><p>Eisige Stille folgte auf Antonios Worte. Die Maurer sahen ihn unverwandt an, und er erwiderte ihren Blick ohne eine Regung. Dann hob er, einer pl�tzlichen Eingebung folgend, langsam seine rechte Hand mit dem goldenen Ring und streckte sie nach vorn. Dabei senkte er den Blick zu Boden und wartete. Die M�nner begriffen sofort, dass er ihre Unterwerfung forderte, weil er k�nftig der Patron sein w�rde. Der Grauhaarige kniete nieder und k�sste die Hand des Baumeisters.</p><p>�Ich nehme dich wieder in meine Dienste�, sagte Antonio laut. Die anderen f�nf Bauunternehmer folgten dem Beispiel des Grauhaarigen � keiner von ihnen wollte tot im Fluss schwimmen. Dann nahm Antonio Paolo beiseite und lie� ihn wissen, dass er am n�chsten Tag mit seinen Leuten wieder bei Agostino Chigi arbeiten k�nne. Und er st�nde von nun an in seiner Gunst.</p><p>Auch der Winter schien sich Antonio zu beugen, denn er verlief so mild, dass die Bauarbeiten ohne Unterbrechung fortgesetzt werden konnten. Bald �berragten die Vierungspfeiler an H�he zwei M�nner und waren einger�stet. Zwei Kr�ne bef�rderten die schweren K�bel mit dem Puzzolanguss in die H�he, aber auch Steine und M�rtel f�r das Mauerwerk. Durch die K�mpfe, die er bestanden, und die H�rte, die er gezeigt hatte, war aus dem J�ngling Antonio da Sangallo ein Mann geworden. Nur in einer Beziehung blieb er zur�ckhaltend, ja fast sch�chtern, n�mlich in seinem Verhalten Lucrezia gegen�ber, die er von Tag zu Tag mehr liebte. Er begann, sich nach ihrer Z�rtlichkeit zu sehnen. Wenn ihn Baldassare Peruzzi mit in ein Bordell nehmen wollte oder zu einem amour�sen Abenteuer einlud, lehnte Antonio entschieden ab, denn er hatte das Gef�hl, sich zu beschmutzen und Lucrezias unw�rdig zu werden. Unterdessen genoss er es, wenn sich ihre H�nde wie zuf�llig ber�hrten, weil sie ihre Finger nach demselben Teller oder demselben Becher bei Tisch oder nach der T�r ausstreckten. In diesen Momenten flog ein kleines L�cheln �ber Lucrezias Lippen, und sie err�tete bezaubernd. Ascanio hingegen wurde immer einsilbiger. Man merkte wohl, dass er litt. Aber f�r dieses Leiden h�tte niemand eine Abhilfe gewusst.</p><empty-line/></section><section><p>43</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1507</p><p>Der Fr�hling kam fr�h in diesem Jahr und mit gro�er W�rme. Zeitiger als sonst trug der Oleander seine sch�nen l�nglichen Bl�ten an den schlanken �sten und hatte die Stra�en in Alleen aus Rot, Rosa und Wei� verwandelt, als eine Nachricht ganz Rom in Aufregung und emsige T�tigkeit versetzte. Selbst die Bauarbeiten am Petersdom wurden unterbrochen, weil man die Arbeiter f�r das Herausputzen der Stadt ben�tigte.</p><p>In den fr�hen Morgenstunden des 27. M�rz begaben sich Antonio, Lucrezia und Ascanio in Begleitung von Baldassare Peruzzi zum Ponte Mollo. Sie hatten den Campo Marzio kaum erreicht, da fanden sie sich auch schon in einer dichten Menschenmenge wieder, die auf dasselbe zustrebte wie sie selbst. Und dann erschien er: Julius II., der Triumphator, der als zweiter C�sar siegreich in Rom einzog, von allen R�mern �berschw�nglich begr��t. Hinter dem Papst ritten die Kardin�le, deren rote Mozetten sich im leichten Fr�hlingswind bauschten. Julius II. war wie ein Engel des Friedens ganz in Wei� geh�llt. Es war ein herrlicher Anblick!</p><p>Lucrezia balancierte auf den Zehenspitzen, und als sie endlich Bramante zwischen den vielen Reitern im Zug entdeckte, stie� sie einen kleinen freudigen Schrei aus. Im Gedr�nge der jubelnden Menschen wurde sie nah an Antonio geschoben, dem der sanfte Druck ihres jungen K�rpers fast den Atem nahm. Auch ihr schien es zu gefallen. Er wagte nicht, ihr in die Augen zu schauen, doch heimlich und schnell fanden sich ihre H�nde. Ihre Finger streichelten sich und k�mpften miteinander, bis Lucrezia seine Hand schlie�lich loslie�, ihn k�sste und ihm ins Ohr fl�sterte: �Betr�ge mich niemals!�</p><p>�Niemals�, hauchte er, �berw�ltigt vor Gl�ck. Dann umarmten sie sich kurz. Als die Menge das Laudate anstimmte, streifte Antonios Blick das d�stere Gesicht Ascanios. Doch dann war er wieder bei Lucrezia. Vor der Sch�nheit ihres L�chelns zerstob alles andere im Staub der Bedeutungslosigkeit. Ich muss sie vor dem Schmutz der Welt besch�tzen, dachte er und schwor sich, das immer zu tun.</p><p>Sp�t in der Nacht und vollkommen aufgew�hlt kehrten Lucrezia, Antonio und Ascanio nach Hause zur�ck. Aber an Schlaf war nicht zu denken, denn kurz nach ihnen kehrte auch Bramante heim. Sie begr��en einander st�rmisch. Lucrezia fiel ihrem �Vater� wohl tausendmal um den Hals und rief, wie froh sie sei, dass er gesund zur�ckgekehrt war. Der Architekt dr�ckte seinen Stellvertreter Antonio fest an die Brust und lachte Ascanio voller Dankbarkeit an, weil er sein Haus gut geh�tet hatte. Die Diener wurden geweckt und angewiesen, Brot, Schinken, Gem�se, gebratenes Fleisch und Wein aufzutischen. Alle hatten gro�en Appetit und vor allem eine unb�ndige Freude daran, nach der langen Trennung ausgiebig miteinander zu reden. Im Flur stie� Antonio mit Ascanio zusammen.</p><p>�Wir lieben sie wohl beide�, sagte er. Ascanio antwortete nicht und wollte weiter, doch der Baumeister hielt ihn fest. �Wer auch immer sie von uns beiden bekommt, wir wollen sie doch ohne Groll aufeinander besch�tzen wie eine kleine Schwester.� Der Leibw�chter schaute ihm einen Moment lang pr�fend in die Augen und sagte dann mit belegter Stimme: �Wahr ist, dass ich sie in mein Herz geschlossen habe. Wahr ist auch, dass man sie vor dem Dreck der Welt bewahren muss. Aber besser ist es, dass du sie gl�cklich machst. Was soll ein Kriegsmann wie ich mit einem jungen M�dchen? Irgendwann wird mich die Spitze eines Rapiers treffen oder ein Schwertstreich niederstrecken. Aber du, du kannst ihr ein gl�ckliches Leben bieten, weil du ein gro�es Haus f�hren wirst. Weshalb habe ich dir wohl geholfen?�</p><p>Antonio sah ihn erst �berrascht, dann dankbar an, bevor sie beide in den kleinen Saal zur�ckkehrten, in dem inzwischen aufgedeckt worden war. W�hrend des Mahles lie� sich Bramante haarklein alles berichten, was in seiner Abwesenheit geschehen war.</p><p>Am n�chsten Tag begaben sich Antonio und Bramante direkt zur Baustelle bei der Peterskirche. Ascanio und Lucrezia beschlossen, sich den Triumphzug des Papstes, der in dem Kloster bei Santa Maria del Poppolo �bernachtet hatte, anzusehen. Die Stadt war auf eine geradezu heidnisch anmutende Weise herausgeputzt. �berall hatte man aus Holz Triumphb�gen errichtet, auf dem das Motto C�sars stand: <emphasis>veni, vidi, vici</emphasis> � ich kam, ich sah, ich siegte.</p><p>Als Bramante und Antonio den Ponte Sant�Angelo bereits halb �berquert hatten, wies der Architekt seinen Assistenten auf einen Triumphwagen vor der Engelsburg hin, der mit vier wei�en Rossen bespannt war. Auf dem Wagen standen zehn als Genien verkleidete junge Frauen, die den Papst mit Palmenzweigen gr��ten. Vorn an der Spitze des Wagens thronte ein Erdball, �ber dem sich eine Eiche mit goldenen Fr�chten in den Himmel erhob. Die Eiche galt als Sinnbild der della Rovere, der Familie, aus der der Papst stammte.</p><p>Bald darauf standen Bramante und Antonio im Petersdom in der N�he des Durchgangs zur Kapelle der heiligen Petronilla. Von achtundzwanzig Kardin�len gefolgt, betrat Julius II. die Basilika und schritt feierlich zum Hauptaltar. Vor dem Grab des Apostelf�rsten kniete er nieder. Alle Anwesenden sanken auf die Knie. Der Papst f�hrte ein langes Zwiegespr�ch mit Gott. Dann erhob er sich und wandte sich um.</p><p>�Nun, nachdem Wir unversehrt zur�ckgekehrt sind, haben Wir alle Ursache, das Tedeum anzustimmen�, rief er und begann zu singen: <emphasis>�Te Deum laudamus. Te Dominum confitemur. Te aeternum patrem omnis terra veneratur ��</emphasis></p><p>Der Gesang aus vielen Hundert Kehlen schwang sich �ber die K�pfe hinweg bis zum Dach der alten Kirche. Der ganze Raum schien nur noch aus Klang zu bestehen. Bramante zog Antonio an sich und schrie ihm, gegen den Gesang ank�mpfend, ins Ohr: �Und nun werden wir die anderen beiden Vierungspfeiler setzen!�</p><p>�Aber dazu m�ssen wir die Kirche abbrechen!�, gab Antonio zur�ck und riss erstaunt die Augen auf.</p><p>�Genau das werden wir tun � dieses alte Gem�uer niederlegen, um einen wirklichen Tempel zu errichten!� Bramante war au�er sich vor Freude. �Das soll mein Tedeum sein.�</p><p>Keinen Monat sp�ter erlebte Antonio die Grundsteinlegung f�r die beiden �stlichen Vierungspfeiler. Am darauffolgenden Tag beauftragte er die Bauunternehmer Clemente und Maffeo mit dem Abriss der W�nde des �stlichen Querhauses und des westlichen Langhausjoches. Bramante hatte Anweisung gegeben, dass die Arbeiten schnell und schonungslos vonstattengehen sollten. Er verzichtete von vornherein und ohne dar�ber nachzudenken, darauf, die gro�en S�ulen, die Konstantin zum Bau der Basilika vor �ber zw�lfhundert Jahren vom Mausoleum des Hadrian genommen hatte, wiederzuverwenden. Sie mochten brechen oder zerschlagen werden, um anschlie�end als Schutt f�r das Fundament oder den Guss benutzt zu werden. Gewaltsam, wie ein siegreicher Imperator, wollte er Platz schaffen f�r sein Bauwerk und den ganzen alten Plunder hinwegfegen.</p><p>An einem sp�ten Vormittag besuchte Bramante die Baustelle, als auch der Kardinal Catalano dort erschien. Die Maurermeister z�gerten. �Nur zu!�, rief Antonio da Sangallo, und wohl hundert M�nner begannen, an den langen Seilen zu ziehen, die um die kostbaren S�ulen geschlungen worden waren, die Papst Nikolaus V. in den Chor von Sankt Peter hatte �berf�hren lassen. Sie erhoben sich �ber zweihundert Fu� hoch bis in das Geb�lk. Zuvor hatte man die S�ulen allerdings miniert.</p><p>�Nein!�, schrie der Kardinal erschrocken auf, als ihm bewusst wurde, was im n�chsten Moment geschehen w�rde. �Sofort aufh�ren!�</p><p>�Weitermachen!�, befahl Bramante unger�hrt. Schlie�lich war das seine Baustelle.</p><p>Unter ohrenbet�ubendem L�rm st�rzte der erste Pfeiler und zerbrach in f�nf Teile. Dem Kardinal rannen die Tr�nen �ber die Wangen. Es war f�r ihn, als ob Gott st�rbe oder eine tausendj�hrige Eiche fiele. Der Sturz der S�ulen, auf denen f�r ihn das Himmelreich ruhte, ersch�tterte die Erde. Alle M�nner auf der Baustelle waren ergriffen, doch Bramante lie� keine Besinnung zu, sondern trieb die Arbeiter an. �Weiter! Weiter! Weiter!�, br�llte er.</p><p>Wieder zogen die Bauleute, und die zweite S�ule st�rzte unter gro�em Get�se. Das Geb�lk gab nach, und ein Teil des Daches fiel hinterher. Sonnenlicht drang durch das Loch in der Decke und durch den Staub, der sich nur sehr langsam legte. Ein gro�er Stein brach aus dem sich neigenden Obergaden aus, schlug auf den Altar und zertr�mmerte ihn.</p><p>Giacomo stand mit weit aufgerissenen Augen wie versteinert da. Schlie�lich l�ste er sich aus seiner Erstarrung und kniete neben der zerborstenen Memoria des Apostelf�rsten nieder. Z�rtlich strich er �ber die Bruchst�cke, w�hlte mit beiden H�nden im Staub und fuhr sich dann langsam �ber das Gesicht. Die grauschwarze Schicht auf Stirn, Wangen, Nase und Kinn verlieh ihm den Ausdruck von Trauer, doch aus seinen Augen sprach der blanke Hass. Ohne ein Wort verlie� er die Baustelle, das Herz gef�hllos wie Eis.</p><p>Bramante hatte voller Befriedigung zugesehen, wie der Kardinal litt. Ein triumphierendes L�cheln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Noch durfte er nicht die ganze alte Basilika abrei�en, aber was er niederlegte an Mauerwerk und S�ulen, tat er so, dass es endg�ltig und unumkehrbar war. Dabei hatte er die endg�ltige Gestalt des neuen Doms noch keineswegs klar vor Augen. Bisher dachte er nur an den Zentralbau, dessen Herzst�ck die Vierung darstellte. Dar�ber, wie es dann weitergehen sollte, ob sich der Zentralbau zum Langhaus �ffnen sollte, hatte er noch keine Entscheidung getroffen. Dringende Anfragen der Dombauh�tte wies er mit dem Hinweis auf eine dreischiffige Basilika ab, die er im Gegensatz zu der jetzt noch bestehenden f�nfschiffigen Anlage zu errichten ged�chte. Zu gegebener Zeit w�rde er die konkreten Entw�rfe vorlegen. Bramante baute, um sich Baufreiheit zu verschaffen, er zerst�rte, um Neues zu errichten. Mit der riesigen Vierung schuf er Fakten, an denen niemand mehr vorbeikam. Nur das z�hlte.</p><p>Julius II. w�nschte sich den Westchor auf den Mauern der von Nikolaus V. begonnenen Tribuna. Also lie� Bramante sie aufmauern, wusste aber zugleich, dass sie dem r�umlichen Druck seiner m�chtigen Vierungspfeiler nach Westen nicht w�rden standhalten k�nnen, so wie die Basilika es nach Osten auch nicht vermocht hatte. Beide, Chor und Basilika, w�rden eines Tages fallen m�ssen, weil die Kuppelvierung alles, was kleiner gedacht war als sie, hinwegfegen w�rde. Es war, als zeuge Bramante einen Riesen in der Retorte, einen Golem, der irgendwann ausbrechen musste, wenn er gro� genug sein w�rde. Antonio bewunderte den alten Architekten f�r seinen Mut, f�r seine Unbek�mmertheit und auch f�r seine Brutalit�t.</p><p>Jeden Morgen auf dem Weg zur Andacht berichtete Antonio Lucrezia begeistert von den Fortschritten auf der gigantischen Baustelle, auf der inzwischen zweieinhalbtausend Menschen t�tig waren. Und da Bramante sich nicht allzu oft sehen lie�, war es eigentlich er, Antonio da Sangallo, der den Bau leitete, was ihn mit Stolz und mit Demut erf�llte. Lucrezia nahm regen Anteil, fragte nach Details und interessierte sich f�r die verwickelten Fragen der Statik. Einmal hielt er mitten in der Erkl�rung inne und staunte �ber ihr konzentriertes Gesicht.</p><p>�Was ist?�, fragte sie verunsichert.</p><p>�Nichts. Ich dachte nur, dass du eine gro�artige Frau f�r einen Architekten abgeben w�rdest.�</p><p>�Warum nicht einen gro�artigen Architekten?� Antonio verschluckte sich, und Lucrezia lachte �ber sein verdutztes Gesicht. �Ich wei�, dass ich mich als Frau auf dem Bau nicht gegen die Maurer durchsetzen k�nnte. Aber im Ernst, lehre mich alles, was du �ber das Bauen wei�t.�</p><p>�W�rdest du denn dann noch meine Frau werden wollen?�, fragte er mit bangem Blick.</p><p>�Ich will es ja gerade wissen, weil ich deine Frau werden will.� Sprach�s und k�sste ihn auf die Stirn.</p><p>Es tat Bramante gut, Imperias Arm auf dem seinen zu sp�ren, auch wenn der Anlass ein trauriger war. Sie trug schlichtes Schwarz, ein dunkler Schleier verh�llte ihr Gesicht. Niemand sollte in der trauernden Frau Imperia, eine, vielleicht die gr��te Kurtisane Roms, vermuten. Mochten die anderen, die zur Beerdigung von Margarita Saraceni Chigi erschienen waren, den Anlass nutzen, um zu repr�sentieren � Imperia wollte nur m�glichst unerkannt der Ehefrau ihres Geliebten das letzte Geleit geben.</p><p>In den letzten Stunden hatten Agostino und sie abwechselnd der Sterbenden beigestanden, die gro�e Qualen litt. Selbst der Papst war an Margaritas Krankenbett erschienen und hatte ihr den letzten Segen erteilt, so wie er gerade die Totenmesse gelesen hatte, ernst und eindrucksvoll. Er hatte sie als gro�e Christin und als tugendhafte Frau gepriesen.</p><p>Nun schritt der un�berschaubar lange Trauerzug zu der Gruft, die Agostino Chigi f�r seine Frau auf dem Campo Santo hatte errichten lassen. Nachdem der Leichnam in den Sarkophag gebettet worden war und der Papst ihn gesegnet hatte, schritt der Zug all derer, die aus den verschiedensten Gr�nden dem reichen und dadurch m�chtigen Mann ihre Anteilnahme bekunden wollten, an dem trauernden Witwer vor�ber.</p><p>Es w�rde noch eine Weile dauern, bis Bramante und Imperia an der Reihe waren. Er sp�rte, wie ersch�ttert die geliebte Frau war.</p><p>�Was h�tte ich daf�r gegeben, wenn Margarita Saraceni nicht nur die Grundsteinlegung f�r Neu Sankt Peter, sondern auch die Vollendung erlebt h�tte�, sagte Imperia leise. Bramante dr�ckte ihre Hand. Kein Au�enstehender konnte das besondere Verh�ltnis verstehen, dass Ehefrau und Geliebte verbunden hatte. Es war vollkommen un�blich, aber dennoch wirklich, weil Margarita Saraceni eine au�ergew�hnliche Frau gewesen war, die �ber ihren eigenen Tod hinaus Vorkehrungen f�r das Wohlergehen ihres Mannes getroffen hatte. Imperia wusste das ebenso wie Bramante.</p><p>�Seien wir realistisch, die Fertigstellung des neuen Domes werden wir wohl alle nicht mehr erleben�, sagte er mit einem schmerzlichen L�cheln, worauf ihm Imperia einen erschrockenen Blick zuwarf. �Es sei denn, wir werden so alt wie Methusalem.�</p><p>�Ich m�chte nicht alt werden, ich m�chte leben!�, gab Imperia zur�ck.</p><p>�Wirst du ihn heiraten?�</p><p>Imperia zog ihren Arm zur�ck. Sie wollte schneller gehen, durfte aber auch nicht aus der Reihe tanzen. �Ich werde zu ihm ziehen, Donato, in ein paar Wochen.�</p><p>Bramante dachte an den Palazzo, an die <emphasis>villa suburbana</emphasis> vor den Toren Roms, zwischen dem Borgo und Trastevere gelegen, die Baldassare Peruzzi f�r Chigi errichtete. Wie praktisch, dachte Bramante, der, uners�ttlich, wie er war, Peruzzi um diesen lukrativen Auftrag beneidete. So blieb es Imperia und Agostino erspart, in den R�umen zu leben, in denen er zuvor mit seiner Frau gewohnt hatte. Sie konnten neu anfangen, ohne auf Schritt und Tritt mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden. �Du hast mir nicht geantwortet. Wirst du ihn heiraten?�, drang er in sie.</p><p>�Warum suchst du dir nicht eine Frau, Donato?�</p><p>Die Frage verletzte ihn. Weshalb sollte er heiraten? Eine, die er nicht liebte und mit der er ein paar sch�ne Stunden verbringen konnte, fand er auch im Etablissement der Petronilla.</p><p>�Du gibst eine gute Partie ab, und ein bisschen Ruhe in deinem Leben w�rde auch nicht schaden�, setzte Imperia hinzu.</p><p>�Warum willst du mich unbedingt verehelichen?�, fragte er �rgerlich. Aus welchem Grund qu�lte sie ihn? Sie wusste doch, dass er nur sie liebte.</p><p>�Weil jemand auf dich aufpassen muss, damit du besser mit deinen Kr�ften wirtschaftest.�</p><p>�Hast du etwa Angst um mich?� Wieder sp�rte er ihren Arm auf dem seinen.</p><p>�Nein, nur um unser Projekt, um Neu Sankt Peter.�</p><p>Er unterdr�ckte ein Lachen, das angesichts der Umst�nde nur falsch h�tte verstanden werden k�nnen. Denn so bescheiden Imperia auch auftrat, so dezent sie sich im Hintergrund hielt und so verschleiert sie war � die r�mischen Klatschproduzenten hatten sie doch unter den Trauernden entdeckt und w�rden bald gen�sslich die Nachricht verbreiten, dass Chigis Geliebte die Frechheit besessen hatte, zum Begr�bnis seiner Frau zu erscheinen.</p><p>�Darum sorge dich nicht, Imperia. Antonio da Sangallo wird mein Erbe antreten und das gro�e Werk beenden�, antwortete er unwillig. Dann standen sie vor dem Grabmal und vor Agostino Chigi. Beide wussten, dass sie mit Argusaugen beobachtet wurden, nicht das geringste Detail w�rde den Spionen der �ffentlichkeit entgehen. Auf Bramantes Arm gest�tzt, trat Imperia zu ihrem Geliebten.</p><p>�Mein herzliches Beileid, Mess�r Chigi. Der gute Gott und die Jungfrau Maria werden Eure Frau im Himmel pers�nlich willkommen hei�en. Der Himmel ist nun reicher, die Erde �rmer.� Sie deutete einen Knicks an.</p><p>Tief bewegt dankte der Bankier ihr und seinem treuen Freund Donato Bramante. Und dann sagte er leise zu Imperia gewandt: �Der Himmel sorgt f�r uns.�</p><empty-line/></section><section><p>44</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1507</p><p>Ausgelassen tollten Mutter und Tochter durch den Palazzo, der im Rohbau stand. Von der Treppe der Loggia aus zeigte Imperia auf den Vorplatz. �Hier wird ein Park sein, der sich bis zum Tiber hinunter erstreckt. Mit einem gro�en Brunnen und einem Gartenhaus. Was werden wir f�r Sommerfeste feiern!� Wie gl�cklich sie aussieht, dachte Lucrezia. So fr�hlich hatte sie ihre Mutter lange nicht mehr gesehen. �Und hier�, fuhr Imperia fort und drehte sich auf der Stelle, wobei sie mit ausgestreckter Hand auf die W�nde und die Decke der Loggia zeigte, �hier werden heitere Fresken entstehen, die von den Gefahren, aber vor allem von den Freuden der Liebe erz�hlen.�</p><p>�Woran freut man sich in der Liebe am meisten?�, fragte Lucrezia ernst. Imperia schaute sie ebenso verwundert wie irritiert an.</p><p>�Warum willst du das wissen? In deinem Alter hat es mit der Liebe noch Zeit�, sagte sie streng und ging zur�ck ins Vestib�l. Dort wurde sie schon von Baldassare Peruzzi erwartet, der wie immer bester Stimmung war.</p><p>�Gott zum Gru�e, sch�ne Damen. Man hat mir gesagt, dass ich sie hier antreffe.�</p><p>Imperia begr��te den Baumeister freundlich, verwies aber darauf, dass Agostino in Gesch�ften unterwegs sei.</p><p>�Das macht nichts. Mess�r Agostino sagte, ich k�nne mich in allen Fragen, die die Ausstattung des Palazzo betreffen, auch an die Hausherrin wenden.�</p><p>Lucrezia beobachtete, dass die Augen der Mutter aufleuchteten. Verbarg sich hinter der Bezeichnung, die der Bankier verwendet hatte, ein Heiratsantrag? In diesem Augenblick ahnte Lucrezia, wie sehr sich Imperia w�nschte, Agostinos rechtm��ige Frau zu werden. �Schau dich ruhig noch ein bisschen um, Lucrezia�, rief die Mutter ihr zu, bevor sie Baldassare in die Loggia folgte. Es ging um die Orte der Fresken.</p><p>Die Neugier trieb Lucrezia die Treppe hinauf. Die T�r zu einem der Zimmer stand offen. Sie trat hinein und betrachtete die Farben und die Bottiche mit Pinseln, die auf dem Boden standen. Die Maler mussten gerade mit den Fresken fertig geworden sein. Ihr Blick fiel auf ein gemaltes goldenes Bett, auf dem eine blonde Frau sa�. Sie trug ein durchsichtiges Hemd und nur noch einen Schuh. Ein goldgelbes Tuch bedeckte ihre Scham. Engel entkleideten die Sch�nheit. Eine schwarze Dienerin, die den Bettpfosten umarmte und den roten Vorhang zur�ckhielt, schaute mit einem l�sternen Blick auf die junge Frau hinunter. Bei n�herem Hinsehen kamen Lucrezia jedoch Zweifel, ob die schwarze Figur wirklich eine Frau und nicht einen Mann darstellen sollte. Es blieb ein Rest von Uneindeutigkeit. Vor dem Bett hielt ein junger Mann der Frau eine Krone hin, als b�te er ihr zum Lohn f�r ihre Unschuld die Herrschaft �ber ihn an. Die Frau aber schaute den gut aussehenden Mann nicht an. Ihre Miene zeigte weder Freude noch Abscheu, sondern dr�ckte Traurigkeit aus, ein Gef�hl des Abschiednehmens. Eine leichte R�te erschien auf Lucrezias Gesicht. Sie f�hlte eine Hitze in sich aufsteigen, die aus ihrer Mitte kam. Die Frau w�rde die Krone bekommen und der Mann ihre Unschuld. Vor aller Augen. Sie sp�rte, wie sie diese Vorstellung erregte und gleichzeitig abstie�.</p><p>�Gef�llt es Euch?� Das M�dchen f�hlte sich ertappt und blickte zu Boden. Sie sp�rte, wie derjenige, der sie angesprochen hatte, sich ihr n�herte. Sie nahm allen Mut zusammen und wandte sich um. Vor ihr stand ein schlaksiger Kerl in einem wei�en Hemd. Seine Hose hatte die Farbe seiner Augen � ein tiefes Blau. Schwarzes, m�dchenhaft gelocktes Haar fiel ihm bis auf die Schulter. Doch die gro�e, fleischige Nase und die Stoppeln um Mund und Kinn verwischten den Eindruck des Femininen. Misstrauen � in diesem Wort b�ndelten sich die Empfindungen, die sein Anblick in Lucrezia hervorrief. Am meisten verwirrten sie seine Augen, die feucht und leblos wirkten.</p><p>�Erregt es Euch?�, fragte er weiter, den ausdruckslosen Blick auf sie geheftet. �Schaut, sie will ja ihre Unschuld verlieren!� Er zeigte auf die linke Hand der gemalten Sch�nen, die gerade dabei war, das goldgelbe Tuch wegzuziehen und ihre Scham blo�zulegen. �Alles m�ssen die Engel bewerkstelligen. Sie schaut den Mann, mit dem sie gleich schlafen wird, nicht einmal an, aber das Entscheidende tut sie selbst.� Er stand nun nah vor Lucrezia. Sie konnte sein Begehren riechen. �Weil sie es will, weil es sie danach verlangt, weil sie der Hitze erliegt, die aus ihrem Innern kommt.�</p><p>Panik erfasste Lucrezia und hinderte sie, daran zu denken. Sie wollte weglaufen, aber sie f�hlte sich gebannt, von den ausdruckslosen, toten Augen behext.</p><p>�Du kennst die W�rme. Aber du leidest unter ihr. Lass los. Genie�e sie. Sie ist wie eine Mutter, sie nimmt dich auf.� Der Mann lie� sie nicht aus den Augen, und Lucrezia k�mpfte mit sich, ob sie seinem Blick entkommen oder folgen wollte. �Wei�t du, warum Roxane auf dem Bild nach unten blickt? Weil sie ihm das Gef�hl vermittelt, dass er der erste Mann ist. Dabei h�lt sie doch das gr��te Geschenk bereit, das ein M�dchen einem Mann machen kann � sie hat Erfahrung. Unter der Maske der Unschuld wird sie ihn verw�hnen und gl�cklich machen. Der Gegensatz zwischen dem Griff der linken Hand und dem Gesicht verr�t dir, dass sie nur die Maske der Unschuld tr�gt�, fl�sterte er heiser. �Liebst du, kleine Roxane? Und willst du den Mann gl�cklich machen, dann geh jetzt bei mir in die Lehre. Hab keine Angst � ich zeige dir den Weg zu einem langen Gl�ck �� W�hrend er mit seinem toten Blick weiter in ihre Augen drang, ber�hrten seine H�nde ihr Kleid in der H�he ihres Bauches. Sie schrak zusammen und schloss die Augen. �Vertrau deinem Blut, denn daher kommt die Hitze, die gute, die wundervolle Hitze ��</p><p>�Nimm die H�nde weg von meiner Tochter!�, donnerte Imperias Stimme wie die Trompeten von Jericho vom Eingang her. Noch nie hatte Lucrezia diese Urgewalt in der Stimme ihrer Mutter vernommen. Erschrocken riss sie die Augen auf und wich zur�ck. Zum ersten Mal sah sie eine Regung in den Augen des Fremden. �rger und Wut. Ihr wurde �bel. Der Ausdruck von Gef�hlen nahm dem Mann seinen ganzen Zauber, er wirkte unbedeutend, schmutzig, gerissen und vor allem uninteressant. Das M�dchen verstand nicht, wie sie auf diesen dreisten Kerl hereinfallen konnte.</p><p>�Wer bist du?�, fragte Imperia zornig.</p><p>�Der Maler Sodoma!�</p><p>�Ein passender Name f�r einen wie dich. Pack dich, ich will dich hier nie wieder sehen!�</p><p>Sodoma grinste frech. �Rom liebt Kom�dien. Die Hurenmutter als Tugendw�chterin!� Er hatte kaum ausgesprochen, als ihn auch schon Imperias Faust traf, die mit unvermuteter Kraft zugeschlagen hatte. Sodoma taumelte, dann spuckte er Blut und einen Zahn aus. Er griff nach einem Farbeimer, setzte ihn aber unter dem harten Blick Imperias wieder ab. �Und jetzt verschwinde, wenn dir dein Leben lieb ist!�</p><p>Augenscheinlich widerstrebte es dem Maler, vor der Kurtisane klein beizugeben, doch er rang sich schlie�lich mit dem letzten Rest Vernunft, den er in sich fand, dazu durch zu gehen.</p><p>Imperia wandte sich an Peruzzi: �Lasst mich raten. Er stammt aus Siena wie Agostino und Ihr.�</p><p>Peruzzi nickte. �Er ist ein guter Maler, Madonna. Seht Euch das Bild an.�</p><p>�Und ein Schwein�, sagte Imperia und sah ihre Tochter an, die ihre Arme um sich geschlungen hatte, als ob sie friere. Sie ging zu ihr und fl�sterte ihr ins Ohr. �Wenn mich Agostino erst geheiratet hat, werden all diese Beleidigungen aufh�ren. Dann werden wir eine ehrbare Familie sein. Niemand wird es dann mehr wagen, mir solche Sachen zu sagen und dir gegen�ber so unversch�mt aufzutreten!� Sie nahm Lucrezia in die Arme und dr�ckte sie fest an sich. �Aber ich glaube, dass wir reden m�ssen.�</p><p>�Wor�ber?�</p><p>��ber M�nner und Frauen. So naiv darf nicht einmal die Tochter einer Kurtisane sein�, scherzte sie grimmig.</p><p>Widerwillig war Bramante seinem Gehilfen zur Probegrabung gefolgt. Nun starrte er in das Loch in der N�he des Nordwestpfeilers und erblickte, was er erwartet hatte. Sie hatten es mehrere Fu� tief in den Boden getrieben. Maffeo Maffei stand in der Grube und zeigte auf die Schichten. Dass der Boden hier absch�ssig war, hatten sie gewusst, aber die Schichtung wies auf lockeres Gestein und Sand hin.</p><p>�Eigentlich ist das kein Baugrund�, gab Maffeo zu bedenken. Antonio schlug vor, die Fundamente zu verst�rken. Bramante �berraschte das Ergebnis nicht, doch er wollte keine Zeit verlieren, sich nicht mit Nachbesserungen aufhalten, die, sah man vom Geld ab, zudem gut und gern ein ganzes Jahr an Verz�gerung bringen konnten. Seine Gichtanf�lle h�uften sich, manchmal erwachte er in der Nacht und konnte nicht mehr einschlafen, gepeinigt vom Herzrasen. Nein, er hatte keine Zeit zu verlieren! Er musste den Bau vorantreiben. Nachbessern sollten andere, sp�ter. Die Pfeiler schienen ihm nicht akut bedroht zu sein.</p><p>�Haltet euch nicht mit Nebens�chlichkeiten auf! Ich brauche jeden Mann auf der Baustelle�, verk�ndete er entschlossen.</p><p>Antonio kam nicht mehr dazu, etwas einzuwenden, denn ein alter Maurer kam mit lautem Rufen �ber den Bauplatz gerannt. In seiner Aufregung sprang er wie ein Vogel. Maffeo kletterte rasch aus seiner Grube.</p><p>�Es ist ein Junge, ein gesunder Junge!�, schrie der Alte hustend, aber mit leuchtenden Augen. Er konnte selbst kaum fassen, was er da zu verk�nden hatte. �Ein Sohn, mein lieber Sohn.� Der freche Maffeo bekam kein einziges Wort heraus. Versch�mt wischte er sich die Augen. Schmutz blieb an der feuchten Wange haften.</p><p>�Wie wird dein Erstgeborener hei�en?�, fragte Antonio.</p><p>�Arnoldo, nach seinem Gro�vater�, stammelte Maffeo und umarmte den Alten. Bramante legte ihm die Hand auf die Schulter.</p><p>�Geh nach Hause zu deiner Frau und deinem Sohn, mein Freund. Deine Vorarbeiter werden auch ohne dich die Arbeiten vorantreiben k�nnen. Heute feiere, aber morgen sei wieder hier.�</p><p>�Mess�r Donato und Mess�r Antonio, darf ich euch um etwas bitten?�, fragte Maffeo.</p><p>�Nur heraus mit der Sprache!�, ermutigte ihn der Architekt.</p><p>�Werdet ihr f�r meinen Sohn Pate stehen?� Feierlich und ein wenig scheu blickte Maffeo die beiden Baumeister an.</p><p>�Ja, mein Freund�, antwortete Bramante f�r beide. Er f�hlte sich ein wenig stolz, dass Maffeo ihn gefragt hatte, aber er dachte auch wehm�tig, dass an ihn selbst dereinst Bauwerke und keine Menschen erinnern w�rden. Sah man von Lucrezia ab, ja, sah man von Lucrezia ab.</p><p>Donato Bramante hatte daf�r gesorgt, dass die Taufe des Sohnes von Maffeo in der neuen Kirche Santa Maria della Pace stattfand, weil deren Kreuzgang seine erste Arbeit in Rom gewesen war. Antonio hielt den nackten S�ugling, der in eine Decke geh�llt war, �ber das Taufbecken. Neben ihm stand Bramante, vor ihnen der Priester. Angst und Stolz erf�llten Antonio, Angst, dass er diesen kleinen, zerbrechlichen Menschen fallen lassen oder zu derb anfassen konnte, und Stolz, weil er Pate eines Menschen war, der nun in Christo seinen Lebensweg beginnen sollte. Er blickte in das kleine Gesicht, das sich zu einem Weinen verzog.</p><p>�Arnoldo di Maffeo, widersagst du dem Satan?�, fragte der Priester, und Bramante antwortete f�r den T�ufling: �Ich widersage!�</p><p>�Arnoldo di Maffeo, widersagst du all seiner Bosheit?�</p><p>�Ich widersage�, murmelte Antonio befangen.</p><p>�Arnoldo di Maffeo, widersagst du all seinen Verlockungen?�</p><p>�Ich widersage!�, erwiderte Bramante.</p><p>Der Priester sprach ein Gebet, dann fragte er erneut: �Arnoldo di Maffeo, glaubst du an Gott, den allm�chtigen Vater?�</p><p>�Ich glaube.� Auf Antonios Bekenntnis im Namen des Kindes in seinen Armen taufte der Priester das erste Mal.</p><p>�Arnoldo di Maffeo, glaubst du an Christus Jesus, den Sohn Gottes, der geboren ist ��</p><p>Zur gleichen Zeit, als der kleine Arnoldo di Maffeo im Namen Gottes die Taufe erhielt, kniete der Papst verzweifelt am Bett eines j�ngeren Mannes. Er schaute zu dem Arzt Bonet de Lates auf. �Gibt es denn keine Rettung mehr?�</p><p>Der Arzt sch�ttelte den Kopf. �Das Fieber verbrennt ihn.�</p><p>�Aber woher kommt das Fieber?�</p><p>�Das ist es ja gerade! Ich wei� es nicht.� Man sah es dem Juden an, dass es ihn traurig stimmte, mit seiner Weisheit am Ende zu sein.</p><p>�Gift?�, fragte der Papst.</p><p>�Das kann man nie ausschlie�en. Aber ich halte es nicht f�r wahrscheinlich. Eher eine Infektion, die sich entz�ndet hat. Wir k�nnen den Brandherd nicht l�schen, weil wir nicht wissen, wo er sitzt.�</p><p>Julius II. vernahm neben sich ein Schluchzen und sah in ein gro�es, rundes Gesicht mit blauen Augen, die voller Tr�nen standen. Die Trauer war echt, nicht gespielt. Die beiden waren in der Tat unzertrennliche Freunde, Galeotto della Rovere, der im Sterben lag, und der Kardinal Giovanni di Medici, Liebhaber der Kunst und der Literatur.</p><p>Der Sterbende regte sich, kaum wahrnehmbar bewegten sich seine Lippen: �Ach, Onkel ��, hauchte er. Dann versiegte sein Atem.</p><p>Julius konnte sich nicht erinnern, wann er je einen so �berm�chtigen Schmerz gef�hlt hatte. Galeotto war sein Neffe gewesen, der Sohn seiner Schwester. Wie einen eigenen Sohn hatte er ihn geliebt, ihn ausbilden lassen, seine Karriere gef�rdert, ihn schlie�lich zum Kardinal kreiert. Galeotto h�tte sein Werk vollenden, das neue Jerusalem in Rom errichten sollen als Metropole des heiligen Reiches in Christo. Und nun hatte ihm Gott diese Hoffnung genommen. Was war denn so falsch daran gewesen, dass er ihn verherrlichen wollte? Wof�r strafte ihn Gott so hart? Julius war, als br�che eine Welt in ihm zusammen. Das durfte er nicht zulassen. Wollte ihm Gott zu verstehen geben, dass er nicht ruhen, nicht rasten durfte, bis er sein Ziel erreicht hatte, dass er sich nicht auf andere verlassen durfte, sondern nur auf sich selbst?</p><p>M�hsam erhob er sich. Giovanni de Medici, der an Galeottos Bett kniete und hemmungslos weinte, schaute zu ihm auf. Julius legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte: �Du musst jetzt sehr stark sein, mein Sohn!� Dann segnet er ihn und verlie� den Raum. Auf dem Flur verf�gte er, seinen Neffen in der Sixtinischen Kapelle aufzubahren. Eine gr��ere Ehre konnte man niemandem erweisen.</p><p>In Santa Maria della Pace fragte der Priester am Ende der Taufe: �Glaubst du an den Heiligen Geist, an die heilige Kirche und an die Auferstehung des Fleisches?�</p><p>Und f�r den T�ufling sprach Antonio: �Ich glaube.�</p><p>Nachdem der Papst in der Sixtina die Totenmesse f�r seinen Neffen gelesen hatte, teilte er Bramante mit, dass er die Decke nun endlich ausmalen lassen wolle. Zum Ruhme des Hauses della Rovere, zum Andenken an Galeotto und zur Verherrlichung Gottes. Dann neigte er sich zu dem Architekten und fragte ihn fl�sternd: �F�llt dir ein geeigneter Maler daf�r ein?�</p><p>�Ich k�nnte ��, setzte Bramante z�gernd an, doch der Pontifex unterbrach ihn schroff.</p><p>�Du bring lieber den Petersdom zu Ende!�</p><p>�Verzeiht, Heiliger Vater, ich meine, ich k�nnte mir einen jungen Maler vorstellen, dem ganz Florenz zu F��en liegt!�</p><p>Julius sah ihn kurz an, dann entschied er: �Gut, lass ihn kommen. Wir wollen ihn Uns ansehen!�</p><empty-line/></section><section><p>45</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1508</p><p>Mit einer Kutsche kehrten Michelangelo und Francesco nach Rom zur�ck. Die Stadt empfing sie mit einem verschwenderischen Bl�tenmeer. Der Fr�hling hatte sich inzwischen als Sommer verkleidet. Nach zwei Jahren Abwesenheit, die mit einer Flucht begonnen hatte, freute sich Michelangelo darauf, seine Arbeit in der Ewigen Stadt wieder aufzunehmen, denn eines hatte ihm seine Heimatstadt Florenz drastisch vor Augen gef�hrt: Nur in Rom konnte er der gr��te K�nstler der Welt werden. Und sehr viel Geld verdienen, weil im Vatikan ausschlie�lich fremdes Geld ausgegeben wurde, das als Abgaben aus der ganzen Welt hier eintraf, und man mit fremden Finanzen spendabler umging als mit eigenen. Die Stadt am Arno blieb hinter der rasanten Entwicklung der Tibermetropole merklich zur�ck. Florenz sank im gleichen Ma�e, in dem Rom zum Mittelpunkt der Welt aufstieg, zur Provinz herab.</p><p>Sicher, f�r Michelangelo war noch nicht alles eitel Sonnenschein. Er musste sich seinen alten Stand erst noch zur�ckerobern, den er durch seine trotzige Flucht eingeb��t hatte. Doch er w�rde sich hier, im Zentrum, durchsetzen m�ssen und nicht an der Peripherie. Zwar hatte Michelangelo f�r den Papst ein riesiges Reiterstandbild aus Bronze geschaffen, das die aufr�hrerische Stadt Bologna immer daran erinnern sollte, wer ihr Herr war, aber er wusste nur zu gut, dass er noch unter Bew�hrung stand. Durch seine �berst�rzte Flucht hatte er den Papst herausgefordert, und Julius hatte nicht nur darauf verzichtet, ihn zu vernichten, sondern ihn in Gnade wieder aufgenommen und ihm Auftr�ge erteilt. Das war bei Weitem mehr, als er w�nschen und hoffen durfte.</p><p>Als Erstes musste Michelangelo ein Haus finden, das gro� genug war, um auch seine Werkstatt aufzunehmen, und das zudem so gut wie nichts kostete. Selbst spottbillige H�uschen in Regola, Sant�Angelo oder Trastevere hatte er abgelehnt. Gl�cklicherweise fand er im Hause des noch als Legat in Bologna weilenden Kardinals Alidosi Unterkunft, w�hrend er weiter auf der Suche nach einer neuen Bleibe war. Francesco taten die Beine weh von den vielen Besichtigungen, und ihm schwirrte der Kopf von den diversen Verhandlungen, die sie mit den Hauseigent�mern gef�hrt hatten. Der Diener hatte schon die Hoffnung aufgegeben, dass sie bei Michelangelos Preisvorstellungen ein Haus finden w�rden, als Michelangelo ihn vergn�gt aufforderte zu packen. Ein ger�umiges Haus mit einer Werkstatt w�rde auf sie warten, erkl�rte er.</p><p>Das ger�umige Haus erwies sich indes als eine �rmliche, zweigeschossige H�tte in der wilden Gegend zwischen dem Trajansforum und dem Quirinal, die man <emphasis>Macello dei Corvi</emphasis> � Rabennest � nannte und inmitten der Altert�mer aus dem antiken Rom lag, der Ruinen des Kolosseums, der Triumphb�gen, der zerfallenen und wie St�mpfe aus der Erde ragenden Tempel � stumme Mahnungen der Verg�nglichkeit. Allerlei zwielichtiges Gesindel, Auftragsm�rder, Zuh�lter, Diebe, Falschspieler hausten in der Nacht dort, wo am Tage die Bauern ihre Ziegen, Schafe und K�he weideten.</p><p>Michelangelos kleines Haus zw�ngte sich zwischen die Mauerreste des alten Forums. Francesco hielt sich die Nase zu, denn es stank entsetzlich. Die Metzger, die hier zahlreich ans�ssig waren, warfen die Abf�lle einfach auf die Stra�e, aber auch modernde Fischk�pfe und faulige Kohlstr�nke fanden sich reichlich auf der Gasse. Sie betraten das d�stere Haus, Francesco beklommen, Michelangelo frohen Mutes. Im Erdgeschoss wollte er seine Werkstatt einrichten und unmittelbar dar�ber die Wohnr�ume. So w�rde er, auch wenn er sich nicht in der Werkstatt, sondern in seinen Privatr�umen aufhielt oder schlief, immer mitten im L�rm der Kunst leben. Er w�rde stets in der N�he sein, wenn seine Gesellen Farben anr�hrten und die Mitarbeiter Skulpturen fertigstellten, die er selbst begonnen und in ihrer Ausf�hrung vorgegeben hatte. Michelangelo konnte es seinem Diener an der Nasenspitze ansehen, wie sehr dieser sich nach der alten Wohnung im Borgo zur�cksehnte. Der K�nstler t�tschelte seinem treuen Begleiter die Schulter und sagte ihm aufmunternd, dass es vielleicht kein Palazzo sei, aber immerhin eine ganz ordentliche Unterkunft.</p><p>Pers�nlich �berwachte er die Einrichtung der Werkstatt und den Transport des Marmors. Francesco wiederum k�mmerte sich um die Gestaltung des Wohnbereiches � so gut es eben ging, bei dem wenigen Geld, das ihn Michelangelo daf�r zur Verf�gung stellte. Er konnte noch so sparsam wirtschaften, sein Meister nannte ihn dennoch einen Verschwender, aber daran war er inzwischen gew�hnt.</p><p>Seit seiner R�ckkehr nach Rom konnte es Michelangelo kaum erwarten, die Arbeit an dem Grabmal f�r Julius II. fortzusetzen. Als ihn an einem Morgen ein Bote dringend zum Papst rief, machte er sich sogleich auf den Weg. Er bestieg den Maulesel, den er sich zugelegt hatte, und ritt zum Campo dei Fiori, weiter nach Nordwesten zum Tiber, �berquerte den Ponte Sisto, und trabte die Stra�e entlang, die zwischen G�rten und kleinen Sommervillen von Trastevere zum Borgo f�hrte. Neugierig warf er einen Blick auf den gro�en Palazzo, der linker Hand zum Tiber hin entstand, und erreichte eine halbe Stunde sp�ter den Vatikan. Es wunderte ihn nicht wenig, dass man ihn sogleich in die Sixtinische Kapelle f�hrte.</p><p>Von Egidio da Viterbo, Giacomo Catalano und Bramante umringt, stand der Papst mitten in der Kapelle. Als er den Bildhauer sah, winkte er ihn zu sich und zeigte mit den Fingern zur Decke. �Gef�llt sie dir?�</p><p>�Nein�, antwortete Michelangelo. �Der Sternenhimmel ist nichtssagend. Au�erdem wird er von den vorgenommenen Reparaturen noch zus�tzlich verunstaltet.�</p><p>�So ist es�, sagte Julius II. und nickte. �Und deshalb sollst du die Decke ausmalen!�</p><p>�Aber Mess�r Michelangelo ist Bildhauer, kein Maler! Er hat keine Erfahrung im Freskieren�, protestierte Bramante, dem man die Best�rzung ansah. Offensichtlich hatte der Architekt etwas anderes mit dem Papst besprochen und war nun von Julius �berrumpelt worden, dachte Michelangelo nicht ohne Schadenfreude.</p><p>�Wer sollte es deiner Meinung nach dann machen?�, erkundigte sich Julius.</p><p>�Ich habe in Florenz die Arbeiten eines jungen Malers gesehen, der trotz seiner gro�en Jugend �ber gr��ere Erfahrung in der Wandmalerei verf�gt.�</p><p>�Und wirst du Uns den Namen des Wunderkindes verraten?�</p><p>�Raffael aus Urbino.�</p><p>Der Stellvertreter Christi legte die Hand an die Wange und dachte nach. Michelangelo wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Er f�hlte sich hin- und hergerissen. Einerseits w�nschte er sich nichts sehnlicher, als das Mausoleum fortzusetzen, und in der Tat verf�gte er �ber wenig Erfahrung in der Wandmalerei � da musste er dem Rivalen leider recht geben. Doch wenn er den Wunsch des Papstes ausschl�ge, w�rde er sich die Gunst des m�chtigen Mannes wom�glich endg�ltig verscherzen. Andererseits durfte er auch Bramante nicht gew�hren lassen, der versuchte, den Vorschlag des Papstes zu zerpfl�cken.</p><p>Auch wenn sich Bramantes Interessen in diesem Ausnahmefall mit den seinen deckten, versp�rte er alles andere als das Bed�rfnis, sich mit diesem Kerl zu verb�nden, der ihn nicht nur mit Intrigen �berzogen hatte, sondern auch absolut r�cksichtslos mit der alten Basilika von Sankt Peter umging. Gleich nach seiner Ankunft in Rom hatte er sich die Abrissarbeiten angesehen. Sie hatten ihn angewidert, wenngleich er dem gigantischen Bau der Vierung Respekt zollen musste, vor allem dem Mut, der dahintersteckte.</p><p>�Und, was sagst du dazu?�, fragte Julius den Bildhauer ungeduldig.</p><p>Michelangelo richtete seinen Blick noch einmal zur Decke des Gew�lbes und vernahm pl�tzlich die Stimme Contessinas, die ihn bat, die Kuppel des Himmels f�r sie zu errichten. Als sei es gestern gewesen, sah er sie wieder vor sich, ihren Abschied im Florentiner Dom, den Abschied von ihrer Liebe. Eine Kuppel w�rde er ihr nicht bauen k�nnen � die schuf gerade sein Feind Bramante �, aber einen Himmel konnte er f�r seine Liebe hervorbringen!</p><p>Seit der Architekt die alte Kirche im Bereich des Petrusgrabes abrei�en lie�, wurden die Hoch�mter nicht mehr dort, sondern in der Sixtinischen Kapelle gefeiert. Von Sixtus IV., dem hochverehrten Onkel des Papstes, errichtet, war die Sixtina zum Hauptandachtsort von Julius II. geworden. Michelangelo wurde bewusst, dass er mitten im geistigen und mystischen Zentrum der Macht des Stellvertreters Christi stand. Er sank unwillk�rlich so rasch vor dem Papst auf die Knie, dass ihm das schwarze Haar ins Gesicht fiel. �Wenn Ihr mit dem Mausoleum warten k�nnt, Heiliger Vater, dann nehme ich Euren Auftrag dankbar an!�</p><p>Der Papst klatschte vor Freude in die H�nde.</p><p>�Und Raffael? Heiliger Vater, Ihr solltet Euch dieses Talent nicht entgehen lassen!�, warf Bramante resigniert ein.</p><p>�Das haben Wir auch nicht vor. Er soll die neuen Gem�cher im Palazzo ausmalen.�</p><p>Michelangelo sp�rte die Absicht und den Seitenhieb. Zwar bekam er den prestigetr�chtigen Auftrag, doch hatte Julius ihm einen gef�hrlichen Konkurrenten in den Nacken gesetzt. Wenn sie beide gleichzeitig im Vatikan arbeiteten, lief das auf einen Wettkampf zwischen beiden K�nstlern hinaus, der erbittert gef�hrt werden w�rde.</p><p>�Was werdet Ihr denn malen, wenn ich fragen darf?� Bramante kniff listig die Augen zusammen.</p><p>�Die Liebe.�</p><p>�Die Liebe?�</p><p>�Die Liebe, die von Gott kommt und die wir die Sch�pfung nennen�, antwortete Michelangelo feierlich. Der skeptische Blick des Papstes und das Grinsen des Architekten zeigten ihm, dass er in seiner Arglosigkeit einen Fehler gemacht hatte. Er sp�rte, dass er seinen Einfall verteidigen musste, unterlie� es aber in Ermangelung einer Idee.</p><p>�Gro�artig! Einfach gro�artig! Michelangelo, Ihr seid g�ttlich!�, rief zum Erstaunen aller Egidio da Viterbo aus. Er breitete theatralisch die Arme aus und wartete, bis er die Aufmerksamkeit der Anwesenden genoss. �Hei�t es nicht, der Papst sei ein Kriegspapst, hei�t es nicht, Heiliger Vater, Euch fehle zu einer w�rdigen Amtsf�hrung die Liebe? Ja, die Liebe, die Macht der Liebe, wie sie sich in der Sch�pfung ausdr�ckt, die Ihr, Eure Heiligkeit, als Nachfolger Petri und Stellvertreter Christi zu besch�tzen habt.�</p><p>Michelangelo staunte �ber die Klugheit des Augustiner-Eremiten. Bramantes langem Gesicht sah er an, dass er ihm nicht zu widersprechen wagte. Wie h�tte der Bildhauer auch ahnen k�nnen, dass Egidio dem Architekten in h�chster Not beistand? �Heiliger Vater�, fuhr Egidio fort, �ich erinnere Euch an die Predigt, die Euer gro�er Onkel Sixtus IV. noch als Francesco della Rovere, als junger Franziskanerbruder, dem Bischof von Padua, Fantino Dandolo, 1448 geschrieben hat. Es ging dabei um das Buch �ber die �Concordia Novi ac Veteris Testamenti�.�</p><p>Das Gesicht des Papstes entspannte sich. Seine Z�ge wurden wieder weicher, und seine Augen blickten fast z�rtlich. �Wurde das Werk des Abtes Joachim von Fiore nicht vom vierten Laterankonzil wegen seiner falschen Dreifaltigkeitslehre verurteilt und als h�retisch eingestuft?�, warf Giacomo, der bis jetzt geschwiegen hatte, in scharfem Ton ein.</p><p>�Geh, Giacomo, raus mit dir! Ich kann dich nicht mehr sehen! Ich habe dich satt! Deine st�ndigen Angriffe, deine Verd�chtigungen. Manchmal frage ich mich, ob du ein Christ bist. Mir aus den Augen! Aus den Augen!�, schrie Julius II., der hochrot im Gesicht angelaufen war. Es fehlte nicht viel, und er h�tte den M�nch geschlagen. Seinen Onkel mit einer H�resie in Verbindung zu bringen, das ging entschieden zu weit, das empfand er als Angriff auf sich selbst. Der Dominikaner, wahrlich kein feiger Mann, zog in seiner �berraschung den Kopf ein und wollte die Hand des Papstes k�ssen, der sie ihm aber nicht reichte, sondern ihn nur noch einmal anfunkelte. Betroffen fiel er auf die Knie, k�sste die Pantoffeln des Papstes und verlie�, r�ckw�rtsgehend und sich vor dem Pontifex verneigend, die Kapelle. So sah es das Protokoll vor, doch Julius II. verzichtete zumeist darauf, weil die Zeremonie ihm zu viel Zeit raubte.</p><p>Ein kurzes Schweigen folgte. Michelangelo tat Giacomo leid, weil seine hohen Prinzipien ihm einen j�hen Sturz eingetragen hatten. Aber es war t�richt gewesen, den geliebten Onkel des Papstes in den Verdacht der Ketzerei zu bringen. Egidio k�mpfte damit, seine Freude zu verbergen, w�hrend Bramante ihr, seiner Miene nach zu urteilen, freien Lauf lie�.</p><p>�Jeder, der die Geschichte kennt�, hob der Augustiner-Eremit erneut an, �der wei�, dass die Verurteilung auf einem Missverst�ndnis beruhte. Im �brigen steht jenes Buch, das von Jesu Vorfahren, also auch von Euren Vorfahren, Heiliger Vater, handelt, au�erhalb jeden Verdachts. Die Herrlichkeit von Gottes Sch�pfung wollen wir in dem gro�en Bild entfalten!�, schloss er ergriffen.</p><p>�Tut das. Du wirst auf der Grundlage der Predigt Unseres lieben Onkels und der weisen Schrift des Joachim von Fiore gemeinsam mit Michelangelo das Bildprogramm entwerfen und Uns vorlegen. Wenn es Uns gut d�nkt, wird Michelangelo es umsetzen.�</p><p>Ein knappes Jahr sp�ter waren die von Michelangelo und Egidio erarbeiteten Vorschl�ge genehmigt, alle Vorbereitungen abgeschlossen, die Vorlagekartons hergestellt und die Ger�ste f�r das Malen unter der Decke errichtet.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1510</p><p>Ein weiteres Jahr der Vorbereitungen verging, dann begann Michelangelo endlich mit den Arbeiten an der Decke der Sixtinischen Kapelle. Er hatte Maler aus Florenz kommen lassen, darunter auch alte Freunde wie Francesco Granacci. Doch bald schon st�rten sie ihn. Sie arbeiteten nicht schnell genug, nicht gut genug und verlangten f�r seine Begriffe obendrein zu viel Geld. Der Maler hatte angewiesen, dass niemand, auch der Papst nicht, sich die entstehenden Bilder ansehen d�rfe, bevor sie fertig w�ren.</p><p>Eines Abends, als er noch einmal in die Kapelle kam, ertappte er ein paar Kardin�le, die auf den Leitern standen und die entstehenden Fresken begutachteten. Offenbar hatten sich die Gesellen bestechen lassen und diese Besichtigung erm�glicht. Als h�tte das nicht ausgereicht, um seinen ma�losen Zorn zu wecken, erschrak Michelangelo bis ins Mark, als er den Zustand der Bilder sah. Sie bl�hten. Die W�nde bl�hten! Durch die Feuchtigkeit und die K�lte trat Kalk aus dem Mauerwerk, der seine Arbeit vernichtete. In seiner Wut r�ttelte er an den Leitern, in dem Bestreben, sie samt der Kirchenf�rsten umzust�rzen. Beh�nde wie K�fer kletterten die Pr�laten herunter und flohen aus der Kapelle, angetrieben von den Brettern, die der Maler nach ihnen warf. Dann pr�gelte er die Gesellen hinaus und entlie� sie auf der Stelle. Wut hatte ihn erfasst, die ihn nicht zum Nachdenken kommen lie�.</p><p>W�rde er scheitern, wie Bramante es vorausgesagt hatte und erwartete? Ein Blick auf den mitleiderregenden Zustand der Arbeit lie� nur eine Antwort zu. Doch er wollte und konnte nicht aufgeben und seine Niederlage eingestehen. Er kniete vor dem Altar nieder und versank in ein langes, inbr�nstiges Gebet. Der Morgen brach schon zaghaft durch die hohen Fenster im Obergaden, als er sich mit steifen Gliedern wieder erhob und begann, in einer wilden Entschlossenheit den Putz von der Decke zu schlagen. Offenbar taugte die Florentiner Mischung f�r den Putz nicht, �berlegte er, als er wieder ein wenig ruhiger geworden war; die Puzzolanerde in Rom besa� anscheinend andere Eigenschaften.</p><p>In den n�chsten Tagen erkundigte er sich bei Giuliano da Sangallo, der wieder in der Stadt weilte, fragte bei Malern und Bauleuten nach, bis er die richtige Mischung f�r den feuchten Putz gefunden hatte, auf den er die Grundierung und die Bilder zu bringen gedachte. Bis auf zwei Gehilfen, die peinlich genau nach seinen Angaben die Farben anr�hrten, durfte niemand mehr die Kapelle betreten.</p><p>Auf dem R�cken liegend, den Pinsel in der nach oben gestreckten Hand �ber dem Kopf f�hrend, malte und malte Michelangelo, w�hrend ihm die Farben und der Kalk ins Gesicht tropften. Bald schon brannten seine Augen von der �tzenden Fl�ssigkeit und entz�ndeten sich. St�ndig arbeitete er im Windzug, im Winter in K�lte und N�sse, im Sommer in einer unertr�glichen Hitze. Ob ihm das Werk gelingen w�rde, wusste er nicht. Was um ihn herum vorging, sah er nicht. Vollkommen im Rausch der Arbeit malte er zw�lf, vierzehn Stunden am Tag und a� nur nebenbei und unregelm��ig. Wenn er abends ersch�pft ins Bett fiel und sogleich einschlief, wurde er von Tr�umen gepeinigt, die seine Motive � Gott, die Erschaffung Adams, die Ahnen Christi und die Sibyllen � in grotesker Weise verzerrten. Manchmal drohte er im Traum irrezuwerden, doch dann erschien ihm wie durch ein Wunder Contessina und l�chelte seine d�steren Visionen fort. Zuweilen jedoch sah er in den n�chtlichen Trugbildern auch Giacomo vor sich, die Lippen zum Kuss gespitzt, mit geschminkten Wangen und frivolem Blick, in der aufreizenden K�rperhaltung, die einst sein trunkener Bacchus eingenommen hatte. Dann bekam er eine Erektion, erwachte und sch�mte sich daf�r. Nach solchen Tr�umen malte er am n�chsten Tag besonders lange, als wolle er sich f�r seine s�ndigen Gedanken kasteien.</p><p>Ein andermal �hnelte Giacomo dem Adam, den Michelangelo gerade an die Decke der Kapelle bannte. Entspannt lag er in der w�sten leeren Welt und streckte seine Hand Gott entgegen, ein Liebender, ein Wartender, hoffend und zugleich seiner selbst sicher. Aber Gott s�umte nicht. Der Allm�chtige schien nicht frei zu sein in seinem Sch�pfungswerk, denn in seiner bet�renden Sch�nheit erzwang Adam geradezu Gottes Tat. Mit den Engeln, umgeben von Leben, gest�tzt auf eine seraphische Erscheinung, kam der Sch�pfer und ber�hrte Adams Zeigefinger mit dem seinen, um ihn dadurch zum Leben zu erwecken, ihm g�ttliche Energie zu verleihen, wie man das Leben auch nennen konnte.</p><p>Gott erschuf. Doch so, wie Michelangelo Adam gemalt hatte, erzwang dieser zugleich die Sch�pfung. Beide, der Allm�chtige und der Mensch, erz�hlten in ihrer Bewegung zueinander von einer Liebe, die in der Ber�hrung ihren H�hepunkt fand. Ersch�ttert blickte Michelangelo auf das, was er gemalt hatte, w�hrend ihm das Kalkwasser auf das Gesicht und in die Augen tropfte. Es konnte kein Zufall sein: Gott st�tzte sich bei seinem Werk auf eine Engelsgestalt mit blondem Haar. Die gro�en skeptischen Augen, die Michelangelo portr�tiert hatte, kannte er, er kannte sie gut, es waren Contessinas Augen. Gott war ein K�nstler, der durch einen Fingerzeig alles zum Leben erweckte.</p><p>Was der Maler in seiner Einsamkeit erschuf, war nicht weniger als das Evangelium nach Michelangelo, denn am Anfang standen weder das Wort noch die Tat, sondern die Geste. Das Leben war eine Geste Gottes. Michelangelo konnte nicht wissen, dass zur gleichen Zeit ein Augustinerm�nch aus dem deutschen Wittenberg nach Rom gekommen war, um Ablass zu erringen, und nun, in die Heimat zur�ckgekehrt, �hnliche Fragen stellte wie er und die gleiche Antwort fand. Nur nannte der Augustiner den Grund des Lebens nicht eine Geste Gottes, sondern die Gnade Gottes. Gottes Gnade, die sich in der Geste ausdr�ckte, belebte die Welt und erschuf den Menschen.</p><p>Die gro�e Allegorie des Lebens, die Michelangelo Glied f�r Glied, K�rper f�r K�rper an die W�nde brachte, rang er Gott ab. Zuweilen beschlich ihn das Gef�hl, dass er statt in Worten und in Versen in K�rpern und in Farben ein Kompendium des Daseins schuf, wie es Dante in seiner �G�ttlichen Kom�die� gegl�ckt war. Allm�hlich wurde ihm bewusst, dass es dieses Werk war, dessentwegen er auf die Liebe verzichtet hatte. Und je klarer er das begriff, umso verbissener und leidenschaftlicher arbeitete er. Bei allen Leiden, bei allem Sichschinden war er Gott, wie er in der Sixtinischen Kapelle die Welt erschuf.</p><p>Umgang pflegte Michelangelo in dieser Zeit nur mit den Gesch�pfen seiner Kunst. Selbst Francesco nahm er kaum noch wahr. So rang er mit der Einsamkeit und mit Gott, w�hrend Raffael in der <emphasis>Stanza della Segnatura</emphasis> mit gr��ter Fr�hlichkeit die �Disputa del Sacramento� malte und Bramantes Vierungspfeiler f�r die neue Peterskirche zusehends wie vier m�chtige Arme in den Himmel griffen, als wollten sie gleich das Firmament st�tzen. Bei all der Feindschaft und Konkurrenz, die zwischen den K�nstlern herrschte, musste Julius doch den Eindruck gewinnen, als entst�nde um ihn herum tats�chlich das neue Jerusalem.</p><empty-line/></section><section><p>46</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1510</p><p>Fernab von der Herrschaft der K�nstler und der Schlachten, die sie unter mehr oder weniger gro�em Get�se mit Farben und Steinen schlugen und dabei immer mehr das Leben ihrer Sch�pferkraft untertan machten als die eigentlichen Herren der Ewigen Stadt, begann der Kardinal Catalano, zur Gegenwehr zu r�sten. Er hatte eine herbe Niederlage erlitten. Der Papst empfing ihn seit seiner Entgleisung nur, wenn es sich nicht vermeiden lie�. Es glich schon einem Wunder, dass Julius ihm nicht die Erzpriesterschaft von Sankt Peter entzogen und sie stattdessen dem Freigeist Francesco Alidosi verliehen hatte. Giacomo war klug genug, sich ruhig zu verhalten und nicht gegen Bramante zu opponieren, um den Papst nicht zu reizen.</p><p>Der Kardinal hoffte, dass die Zeit f�r ihn arbeiten w�rde. Die <emphasis>Archiconfraternita</emphasis> musste sich ver�ndern, wieder schlagkr�ftig werden. Seit die Memoria des Apostelf�rsten unter freiem Himmel inmitten der Ruinen stand und es dort von Bauleuten und allem m�glichen Gesindel nur so wimmelte, verbot sich jede Zusammenkunft an diesem Ort. Giacomo hatte seine Br�der an einem anderen, sicheren Ort zusammengerufen.</p><p>Die Stadt lag wohlig unter der warmen, dunklen Glocke der Nacht. Sterne leuchteten vom Himmel, und es roch nach verbranntem Gras und wildem Anis. Hin und wieder h�rte man den Gesang torkelnder, betrunkener Menschen und das hohe Kreischen von Frauen. Giacomo trug eine schwarze Samthose und dar�ber ein Lederwams in der gleichen Farbe. Ein dunkles Barett bedeckte sein Haupt. Er wollte nicht auffallen, deshalb hatte er auf das Dominikanerhabit verzichtet. Mit schnellen Schritten passierte er das Pantheon und hielt auf den Eingang des Dominikanerklosters zu, das neben der Kirche Santa Maria sopra Minerva lag. Unter dem Schutz seines Ordens befanden sie sich in sicherer Diskretion.</p><p>Die M�nner wollten sich in einem Saal neben der Bibliothek versammeln. Mit Trauer dachte Giacomo an die zusammengeschmolzene Schar. Die <emphasis>Archiconfraternita</emphasis> z�hlte nicht mehr zw�lf Mitglieder, wie man es nach der Zahl der Apostel festgelegt hatte, sondern nur noch vier � den Prediger Prieras, die Kardin�le Oliviero Carafa und Alessandro Farnese sowie Giacomo selbst. Nacheinander betraten sie mit Kapuzen �ber dem Kopf den Saal, auf dessen gro�em, rundem Tisch zwei Kandelaber mit Kerzen standen und den Raum erhellten. Nach einem gemeinsamen Gebet legten die Br�der ihre Kapuzen ab und setzten sich um den Tisch.</p><p>�Wenige sind wir�, begann Giacomo. �Viele ausgezeichnete Br�der sind in den letzten Jahren gestorben. Mit Trauer denke ich immer noch an Papst Pius III. zur�ck, an den herrlichen Robert von Lecce und an all die anderen ausgezeichneten M�nner.�</p><p>�Wahrlich sind wir wenige geworden�, unterbrach ihn Kardinal Farnese, der sein Amt einer Liaison seiner Schwester Giulia mit Papst Alexander VI. verdankte, das er durch fromme Gesinnung vergessen zu machen trachtete. Seine kleinen, aber �beraus beweglichen Augen in dem schmalen Gesicht, aus dem eine spitze Nase ragte, verliehen ihm etwas Listiges. �Wir brauchen fromme Leute!�</p><p>Einstimmig beschlossen sie, den Bischof von Chieti, Olivieros Neffen Gian Pietro Carafa, in die Bruderschaft aufzunehmen, und baten den auf dem Flur wartenden asketischen Priester herein. Seine funkelnden Augen verrieten einen gewissen Fanatismus. Als Giacomo die Initiation des Gleichaltrigen vornahm, erinnerte er sich an seine eigene Aufnahme in die Bruderschaft vor �ber f�nfzehn Jahren. Nach Schwur und Fu�waschung sprach er dar�ber, wie n�tig es sei, die Rechtgl�ubigkeit in all dem erstarkenden Heidentum, der H�resie und Unzucht selbst h�chster Priester zu verteidigen. �Sie f�hren sich auf wie Heideng�tter, die ein ewiges Fest feiern, um unseren Herrn zu verh�hnen�, schimpfte er, dann fragte er den neuen Bruder, Gian Pietro Carafa, nach seiner Meinung.</p><p>�So wie dein Orden Inquisitionsprozesse in den Provinzen durchf�hrt, ben�tigen wir im Mittelpunkt unserer Kirche, am Sitze von Petri Nachfolger, eine Zentralbeh�rde. Unser Bruder Tom�s de Torquemada hat durch die konsequente Arbeit der Inquisitionsbeh�rden, die er gest�rkt und zentralisiert hat, sch�ne Erfolge erzielt�, antwortete der Bischof von Chieti.</p><p>�Richtig! Wir brauchen eine universelle Inquisition, aber nicht nur f�r eine Di�zese, nicht nur f�r eine Provinz, nicht nur f�r ein Land, sondern f�r alle L�nder, zentral f�r die gesamte Christenheit�, forderte Kardinal Farnese.</p><p>�Auch um diese widerspenstige, heidnische Stadt zur Vernunft zu bringen!�, verk�ndete der beleibte Dominikaner Sylvester Mazzolini, den man nach seinem Heimatort Prieras nannte.</p><p>�Um eine solche Beh�rde zu schaffen, brauchen wir einen Papst aus unseren Reihen!�, gab Kardinal Farnese zu bedenken.</p><p>�W�rdest du als Papst die Institution schaffen, Fr� Alessandro?�, fragte Giacomo ernst.</p><p>�Warum willst du es nicht werden, Fr� Giacomo?�, fragte dieser zur�ck.</p><p>�Weil ich als Spanier keine Chance habe, das wei�t du. Du dagegen stammst aus bestem r�mischen Adel, dich k�nnten wir durchbringen!�</p><p>Sie brauchten dringend einen Papst aus ihren Reihen, um das gro�e Feuer der Reinigung entz�nden zu k�nnen, dachte der Erzpriester. Nach Giacomos Ansicht war Alessandro Farnese der Mann, dem es gelingen konnte, nach dem Ableben von Julius II. den Stuhl Petri zu besteigen.</p><p>Unauff�llig und sehr zur�ckhaltend w�rden sie vorgehen, um die Erzbruderschaft als Vorl�uferin und Muster einer k�nftigen allgemeinen und universellen Inquisition auszubauen. Bis zum Tod des jetzigen Papstes, der nicht mehr fern schien, bis zu der Stunde, in der ihr Tag anbrechen sollte, wollten sie nicht unt�tig bleiben, sondern jede Minute nutzen.</p><p>Imperia stand in der Loggia und blickte in den Park hinaus. Ein milder Wind strich vom Fluss herauf. Seit ein paar Tagen sprudelte die Font�ne in dem Brunnen, der aus zwei unterschiedlich gro�en Wasserschalen bestand. Eigentlich h�tte sie gl�cklich sein k�nnen. Sie lebte mit dem begehrtesten Mann Roms in einem der sch�nsten Pal�ste der Welt. Sie waren fast verheiratet und nach der Trauung w�rde sie ihre Tochter zu sich nehmen. Mit der Zeit w�rde auch Gras dar�ber wachsen, dass sie einmal die begehrteste Kurtisane Roms gewesen war. Fast hatte sie ihr Ziel erreicht, eine richtige r�mische Donna zu sein. Wenn nur dieses verfluchte �fast� nicht w�re. Das kleine W�rtchen �Ja� vor dem Traualtar fehlte ihr entschieden zum Gl�ck. Imperia seufzte tief, bevor sie ein fr�hliches Gesicht aufsetzte, weil sie Chigi und den Maler Raffael vom Tiberufer durch den Garten zum Haus kommen sah. Aus der Entfernung wirkten sie wie zwei Br�der, die mit ausgelassenen Gesten nebeneinander hergingen. Ohne den Blick von den beiden M�nnern zu lassen, wies Imperia den Diener an, Erdbeersaft zu servieren.</p><p>Alle Welt schw�rmte von dem jungen Maler aus Urbino. Mit seinem schwarz gl�nzenden Haar, den glutvollen dunklen Augen unter der hohen Stirn, dem vollen Kinn und dem ausdrucksvollen Mund war er so liebensw�rdig, so formvollendet und so sch�n wie seine Bilder. In der Tat sah Raffael aus, wie von Raffael gemalt. Nicht ohne Stolz dachte Imperia, dass ihr Mann auch neben diesem Adonis eine gute Figur abgab. Die beiden hatten die H�he des Springbrunnens erreicht und winkten ihr zu. Sie erwiderte ihren Gru�. Dann setzte sie sich in einen der Lehnst�hle, die in der Loggia standen. Die beiden M�nner kamen die Stufen herauf.</p><p>�Raffael hat eine wunderbare Idee f�r die Ausmalung der Loggia. Gewagt, aber sch�n�, rief ihr Chigi entgegen.</p><p>�Etwas anderes habe ich auch nicht erwartet. Jetzt spannt mich aber nicht l�nger auf die Folter�, sagte Imperia.</p><p>Raffael stellte sich vor sie und breitete ebenso theatralisch wie anmutig die Arme aus. �An die W�nde kommt nichts�, erkl�rte er. �Au�er ein paar Verzierungen nat�rlich. Aber in die Zwickel und Kappen und an die Decke malen ein paar Freunde und ich Bilder, die in einem lichten, hoffnungsvollen Blau gehalten sind. Die Bilder haben nur ein Thema: Amor und Psyche.�</p><p>�Die Geschichte der Liebe also�, sagte Imperia. Die Idee gefiel ihr.</p><p>�Ja, aber die Geschichte der irdischen Liebe, der Liebe zwischen Frau und Mann!�, rief Chigi fr�hlich und warf Imperia einen Luftkuss zu.</p><p>Weiter schlug der Maler vor, auch die W�nde und Fu�b�den in den verschiedenen Facetten von Blau leuchten zu lassen.</p><p>�In der Loggia wird man zu schweben glauben�, schw�rmte Chigi.</p><p>�Wie im Gl�ck der Liebe�, f�gte Imperia leise hinzu. Sie strahlte von innen heraus, ganz das irdische, das gute und sch�ne Menschengl�ck. Weder Agostino Chigi noch Raffael konnten sich in diesem Moment an ihrem Anblick sattsehen.</p><p>In der Nacht liebten sich Imperia und Agostino ruhig und ausgiebig. Am Morgen fl�sterte sie ihm ins Ohr, dass sie davon tr�ume, ihre Tochter zu sich zu nehmen.</p><p>�Dann tu es�, sagte er mit einem L�cheln.</p><p>�Wirklich?�</p><p>Er nickte. Imperia konnte sich vor Freude kaum fassen. Alles, alles, was sie jemals ertr�umt hatte, w�rde in Erf�llung gehen. Sie k�sste ihn aufs Ohrl�ppchen, nahm es dann zwischen ihre Lippen und biss mit ihren spitzen Z�hnen einmal lustvoll und schmerzhaft zugleich zu. Er schrie kurz auf. Imperia erhob sich und drehte sich vor ihm wie eine K�nigin vor dem Spiegel. Dann trat sie ans Fenster und schaute hinaus.</p><p>�Ich m�chte im sp�ten Fr�hling oder im Sp�tsommer heiraten. Dann k�nnen wir unten am Tiber die Festtafel aufstellen und im Freien feiern. Und wenn der Dompfaff singt, dann werden wir uns diskret zur Hochzeitsnacht zur�ckziehen. Du, mein lieber Agostino, wirst so tun, als ob ich noch Jungfrau w�re, und ich werde so tun, als h�tte ich �berhaupt keine Erfahrung. Dann wirst du mein erster Mann sein, und die Welt w�re wieder in Ordnung.�</p><p>Agostino stand auf und trat zu ihr. Sie nahm sein Gesicht in ihre H�nde und versuchte, in seinen Augen zu lesen. Sie fand Nachdenklichkeit.</p><p>�Willst du das nicht?�</p><p>�Hol deine Tochter zu uns.�</p><p>�Nach unserer Hochzeit. Ich will ihr eine richtige Familie bieten.�</p><p>�Mit der Hochzeit warte noch. Ich bin noch nicht so weit�, sagte er, l�ste sich von ihr und ging zur T�r. �Komm, lass uns fr�hst�cken.� Und dann lachte er dieses freundliche, leutselige Lachen, das Imperia hasste, weil es ein gesch�ftsm��iges Lachen war.</p><p>Bramante erlebte den pomp�sen Einzug Imperias in Chigis Palazzo nur aus der Entfernung. Obwohl sie nicht verheiratet waren, galten sie als das erste Paar Roms, als Traumpaar. Sagenhafter Reichtum und m�rchenhafte Sch�nheit hatten sich miteinander verm�hlt, der K�nig der Bankiers und die K�nigin der Kurtisanen. Sie gaben prunkende Feste und adelten jedes Fest durch ihre Anwesenheit. Man wetteiferte f�rmlich darum, ihnen gef�llig zu sein und das Paar im eigenen Haus begr��en zu d�rfen. Bramante hielt sich fern und dr�ckte sich immer h�ufiger darum, auf diesen Festen zu erscheinen. Er liebte seinen kleinen Haushalt, doch Imperia fehlte ihm. Auch noch nach all den Jahren. Er vermisste sie und ihre Z�rtlichkeiten, die er von keiner anderen Frau mehr entgegennehmen wollte. Er wurde von Tag zu Tag nachdenklicher und, w�hrend er Lucrezia zur Frau heranwachsen sah, auch gl�ubiger und demutsvoller. Immer h�ufiger stellte er sich die Frage, in welcher Welt seine Wahltochter leben w�rde. In Bezug auf die Architektur hegte er keine Zweifel � er war fest davon �berzeugt, dass die Bauwerke, die er schuf, und die Ver�nderungen in der Stadt, die er vorantrieb, das Leben besser machen w�rden. Doch wie stand es um die Werte? Bramante machte es sich zur Gewohnheit, vor dem Einschlafen in einer italienischen Ausgabe der Bibel zu lesen. Vor allem die zehn Gebote, aber auch das Wahrheitsbuch und den Seher Johannes nat�rlich, der ihn nicht mehr zur Ruhe kommen lie�, studierte er immer von Neuem.</p><p>Schlie�lich bot ihm Julius II. das Amt des Siegelbewahrers, des <emphasis>Pombatore</emphasis>, an. Dazu musste man nach altem Brauch dem Zisterzienserorden angeh�ren. F�r die �berschaubare Amtspflicht, die Bullen des Papstes zu siegeln, stand ihm ein eintr�gliches Sal�r von achthundert Scudi im Jahr zu, auf das er verzichtete. Es war die geistige N�he zu dem Schwesterorden der Templer, den Zisterziensern, die ihn reizte. Die <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> hatten bis zur Aufl�sung des Ritterordens enge Beziehungen zu diesem unterhalten, denn die Templer hatten schlie�lich ihr Haus auf den Ruinen des salomonischen Tempels in Jerusalem errichtet. Und die Gef�hrten der Liebe f�hrten sich auf Salomo und Hiram zur�ck, den Baumeister des Tempels. Der ber�hmte Zisterzienser und Heilige Bernhard von Clairvaux war als Protektor der Templer hervorgetreten.</p><p>Diese Gr�nde waren es, die Bramante bewogen, dem Orden der Zisterzienser beizutreten und fortan das grobe, wei�e Habit der wei�en Br�der zu tragen. Die einen hielten das f�r eine Marotte, eine Extravaganz des eigensinnigen K�nstlers, den man seit der Niederlegung der S�ulen der Petersbasilika hinter seinem R�cken nur noch Il Ruinante nannte. Andere spotteten, dass er offensichtlich zu geizig war, sich anst�ndige Kleider zu kaufen. Wenn ihm solches Gerede zu Ohren kam, lachte Bramante nur. Er f�hlte sich als M�nch der Baukunst. Die Arbeiten am Cortile di Damaso im Vatikan, am Palazzo dei Tribunali, am Chor von Santa Maria del Popolo und der Wiederaufbau der Kirche von Santi Celso e Giuliano in Banchi waren zur Arbeit an der Via Giulia, am Belvedere und am Petersdom hinzugekommen. Zudem stand er mit dem p�pstlichen Protonotar Adriano Caprini in Verhandlungen �ber den Bau eines Palazzo im Borgo. Und das waren nur die gr��eren Projekte. Die Zeit, die ihm blieb, widmete er Lucrezia.</p><p>Sp�t kehrte er an einem sch�nen Sommertag von einem Gespr�ch mit Raffael zur�ck. Der Maler hatte ihm gezeigt, was er von den �Disputa� bereits fertiggestellt hatte, und Bramante war �berw�ltigt gewesen. Raffael hatte es verstanden, instinktiv das Denken der <emphasis>Fedeli</emphasis> zu treffen, Picos Idee vom Zusammenfallen der heidnischen Weisheit und der christlichen Offenbarung. Rechts im Hintergrund stand ein heller, freundlicher Tempel, w�hrend auf der linken Seite eine Kirche errichtet wurde. Auf dem Fresko konnte Bramante schon Dante und Bernhard von Clairvaux und schlie�lich zu seiner gro�en �berraschung auch sich selbst erkennen. Ganz vorn links lehnte er �ber eine Balustrade und erkl�rte einem jungen, engelsgleichen Wesen, das Lucrezias Gesichtsz�ge trug, etwas aus einem Buch. Aber der Engel in Blau und Gold wies nur leicht auf die geheiligte Monstranz hin, auf das Symbol des Wunders der Liebe.</p><p>Bramante war so tief ber�hrt von dem Bild, dass er Raffael von den <emphasis>Fedeli</emphasis> erz�hlte. Er wollte ihn gern in den Geheimbund aufnehmen. Der Maler war �berrascht und erkl�rte, er f�hle sich geehrt. Als sie auseinandergingen, hatten sie besprochen, dass die Weihe innerhalb der n�chsten vierzehn Tage erfolgen solle.</p><p>Den ganzen Heimweg �ber befand sich Bramante in einer freudigen Hochstimmung. Als er ins Haus trat, versp�rte er sogleich eine seltsame Spannung. Er vernahm undeutliche Ger�usche und lustvolles Gefl�ster. Er schlich durch den Durchgang in den kleinen Garten, einen h�bschen <emphasis>giardino segreto</emphasis>, den er hatte anlegen lassen. Auf der Marmorbank unter dem m�chtigen Sternenzelt entdeckte er einen gro�en Schatten, der sich bei genauerem Hinsehen als zwei Menschen entpuppte, die sich k�ssten und miteinander fl�sterten. Bei aller Z�rtlichkeit wirkten sie unschuldig, suchend und sich behutsam n�hernd. Nicht auf die wilde Art, nicht so, wie er Frauen genommen hatte. Das r�hrte ihn, und er trat vorsichtig n�her, um den Diener und eine Magd, wie er vermutete, zu belauschen. Doch dann erkannte er Lucrezia und Antonio. Zornentflammt und auch voller Trauer trat er aus den B�schen. Die beiden jungen Leute stoben erschrocken auseinander. Bramante war sprachlos vor Wut. Lucrezia schlug die Augen nieder, und Antonio erhob sich.</p><p>�Ich m�chte Lucrezia heiraten, Mess�r Donato!�, sagte er mit fester Stimme.</p><p>�Sie ist nicht f�r dich!�, br�llte der Architekt. �Sie ist f�r einen reichen Mann bestimmt oder f�r einen Adligen, nicht f�r einen simplen Baumeister!�</p><p>�Aber habt Ihr nicht immer davon gesprochen, dass wir Architekten die Herren der Welt seien?�, hielt Antonio tapfer da4gegen, ohne sich vom Gebr�ll seines Meisters beeindrucken zu lassen. Nur fachte er damit Bramantes Zorn noch weiter an.</p><p>�Dass du in diesem Haus nicht mehr leben kannst, wirst du wohl einsehen. Geh zur�ck zu deinem Onkel Giuliano!�</p><p>�Maestro ��</p><p>�Geh!�, sagte Bramante kalt und wies mit der ausgestreckten Hand zum Haus. �Sofort!�</p><p>Lucrezia wollte protestieren, doch er befahl ihr, auf ihr Zimmer zu gehen. Ascanio wies er an, jeglichen Kontakt zwischen ihr und Antonio zu unterbinden.</p></section><section><empty-line/><p>Teil III �</p><p>Der Sturz der G�tter</p><empty-line/><empty-line/><p>Ihr Reichtum erf�llte alle Welt,</p><empty-line/><p>und ihr Ruhm drang bis ans Ende der Erde.</p><empty-line/><p>Sie stiegen hinauf bis zu den Sternen,</p><empty-line/><p>dachten, sie k�nnten nicht zu Fall kommen.</p><empty-line/><p>Sie wurden �berm�tig in ihrem Gl�ck</p><empty-line/><p>und konnten es nicht ertragen �</p><empty-line/><p>In seinem �bermut st�rzte der S�nder mit dem Widder</p><empty-line/><p>feste Mauern,</p><empty-line/><p>und du hinderst es nicht.</p><empty-line/><p>Fremde Heiden bestiegen deinen Altar,</p><empty-line/><p>betraten ihn �berm�tig in ihren Schuhen,</p><empty-line/><p>daf�r, dass die S�hne Jerusalems das Heiligtum</p><empty-line/><p>des Herrn entweihten,</p><empty-line/><p>die Opfer Gottes in Gottlosigkeit sch�ndeten.</p><empty-line/><p>Darum sprach er: Tut sie weit weg von mir,</p><empty-line/><p>ich habe keinen Gefallen an ihnen!</p><empty-line/><p>Ihre herrliche Sch�nheit war nichts vor Gott,</p><empty-line/><p>entehrt aufs �u�erste.</p><empty-line/><p>Die S�hne und T�chter in schimpflicher Gefangenschaft,</p><empty-line/><p>im Verschluss ihr Hals, blo�gestellt unter den Heiden.</p><p><emphasis>Die Psalmen Salomos, 2, 1 � 6</emphasis></p></section><section><empty-line/><p>47</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1512</p><p>Imperia litt. Seit einem halben Jahr sp�rte sie, dass sich Agostino immer mehr von ihr zur�ckzog. Er hielt sich seltener zu Hause auf und weilte oft au�erhalb Roms. Auch hatte er aufgeh�rt, sie darin zu best�rken, Lucrezia zu sich zu nehmen. Schmerzhaft empfand sie seine innere Zerrissenheit. Zuweilen f�hlte sie sich von ihm beobachtet, mit einem kalten Blick gemustert. Gleich darauf war er dann wieder liebevoll, ja geradezu �berschw�nglich z�rtlich zu ihr, als bereue er sein distanziertes Verhalten. Dabei kam sie mit der K�lte fast besser zurecht als mit dem �berschwang, denn die Distanziertheit war echt, die Z�rtlichkeit aufgesetzt. Wie Mitleid, dachte sie eines Tages. Dieser Gedanke tr�ufelte Gift in ihre Seele. Sie gr�belte dar�ber nach, weshalb Agostino Mitleid mit ihr empfinden k�nnte, als ob sie an einer unheilbaren Krankheit erkrankt w�re.</p><p>Immer h�ufiger begab er sich auf Reisen oder �bernachtete im Kontor und sch�tzte Arbeit vor. Imperia hatte �ber Petronilla diskrete Erkundigungen einziehen lassen. So war sie zumindest sicher, dass er sich nicht mit anderen Frauen vergn�gte, zumindest nicht aus dem Gewerbe. Von einer heimlichen Geliebten wusste auch niemand etwas, und in Rom lie� sich eine Liebschaft, ging man auch noch so vorsichtig zu Werke, nicht geheim halten. Mehr als einmal stand sie kurz davor, sich ihrem alten Freund Donato zu offenbaren, doch im letzten Moment war es ihr Stolz, der sie davon abhielt. Es war ihr unertr�glich, dem alten Baumeister, den sie auf andere Art liebte, ihr Scheitern einzugestehen. Bramante und sie hatten zugunsten ihrer Ziele aufeinander verzichtet � sie wollte Chigis Frau werden und er den Petersdom bauen. Nun, wenigstens er kam voran.</p><p>Eines Tages sa� Imperia wieder einmal, in tr�be Gedanken versunken, in ihrem Zimmer, als der Diener ihr eine Besucherin meldete. Der Bankier befand sich gerade auf einer Reise nach Venedig � zumindest hatte er dies gesagt.</p><p>�F�hre sie in die Loggia�, sagte sie. Sie stand auf und warf einen Blick in den Spiegel. Mit der Hand strich sie sich eine Locke aus dem Gesicht, schloss kurz die Augen und holte einmal tief Luft. Dann schritt sie gefasst hinunter in die Loggia. Sie wollte sich nichts anmerken lassen. Wie gro� war ihre �berraschung, als der Diener Donna Lucrezia d�Este hereinf�hrte, eine Dame aus dem italienischen Hochadel. Was mochte die Gr�fin von ihr wollen?</p><p>Wie sie selbst hatte Donna Lucrezia ein bewegtes Vorleben. Sie war die Tochter der Kurtisane Vanozza de� Cattanei, der Geliebten Papst Alexanders VI., Rodrigo Borgia, und Schwester von Cesare Borgia. Dieser Papst hatte jedoch die bewunderungsw�rdige Dreistigkeit besessen, seine Kinder nicht versch�mt Neffen und Nichten zu nennen, sondern offiziell anzuerkennen. Aus diesem Grund lautete ihr Geburtsname Lucrezia Borgia.</p><p>�Es ist sch�n, Madonna, dass Ihr mich besucht. Aber was verschafft mir die hohe Ehre?�, erkundigte sich Imperia, nachdem sie sich begr��t und auf den Sesseln in der Loggia Platz genommen hatten.</p><p>Die Gr�fin wirkte sehr zart, fast durchscheinend. Sie hatte es geschafft, dachte Imperia nicht ohne Neid. Obwohl man sich �ber ihre Jugend die schlimmsten Dinge erz�hlte � vom Giftmord bis zum Inzest sollte sie angeblich nichts ausgelassen haben �, sprach die Tugend, der sie sich inzwischen beflei�igte und ihre Hingabe als Mutter immer lauter und vernehmlicher f�r sie.</p><p>�Ihr sollt wissen, dass ich die gr��te Achtung f�r Euch empfinde�, begann die Gr�fin behutsam. �Aber manchmal m�ssen wir Verzicht leisten, auch auf das, was wir lieben.� Imperia f�hlte, wie alle Instinkte in ihr anschlugen, und starrte Lucrezia an. �Agostino liebt Euch und ihr ihn. Aber er ist einer der reichsten M�nner der Welt. Sein <emphasis>stato</emphasis> verpflichtet ihn dazu, dem Unternehmen eine solide famili�re Grundlage zu geben. Und nichts, meine Liebe, ist solider als die Verbindung von Geld und Adel.� Imperia gefror das Blut in den Adern. Noch bevor ihr Besuch weitersprach, ahnte sie, worauf das Ganze hinauslief. �Kurz und gut, Ihr m�sst auf Agostino verzichten, voll und ganz, damit er Margarita, die Tochter des Grafen Gonzaga, heiraten kann.�</p><p>Die Gr�fin schwieg und lie� Imperia Zeit, sich zu fassen. Imperia st�tzte die Ellbogen auf die Sessellehnen und verbarg ihr Gesicht in den H�nden. Vor ihrem inneren Auge st�rzte mit einem Mal das ganze Geb�ude ihrer Hoffnungen in sich zusammen, das nichts anderes gewesen war als ein Kartenhaus der Illusionen. Margarita war die Tochter des Herrn von Mantua und geh�rte dem Hochadel an. Nat�rlich verpflichtete Agostinos Stellung ihn dazu, eine Dynastie zu gr�nden, sein Unternehmen famili�r abzusichern. Sie selbst hatte Margarita Saraceni auf dem Sterbebett geschworen, Agostino nie zu schaden und ihn in allen seinen gesch�ftlichen Unternehmungen zu unterst�tzen. Und diese Heirat sollte nicht aus Liebe geschehen, sondern aus gesch�ftlichen Erw�gungen heraus. Was z�hlte schon das Gl�ck einer Kurtisane gegen das Geschick des gr��ten und reichsten Unternehmens der Welt? Nur die Fugger n�rdlich der Alpen konnten sich mit Agostino Chigi messen. Nichts, nat�rlich nichts.</p><p>Genau deshalb w�rde sie immer eine Kurtisane bleiben, durchfuhr es Imperia. Sie konnte noch so klug vorgehen � im entscheidenden Augenblick w�rden sie doch die Gef�hle einholen. Wie hatte sie jemals hoffen k�nnen, ihrer Vergangenheit entfliehen zu k�nnen?</p><p>Sie hob den Kopf. �Ich sehe das ein�, sagte sie gefasst. �aber warum sagt er mir das alles nicht selbst?� Das verletzte sie am meisten.</p><p>Lucrezia d�Este ergriff ihre Hand. �Ach, meine Liebe! Ihr wisst doch: M�nner sind so feige, vor allem dann, wenn sie lieben.�</p><p>Zuerst f�hlte sich Imperia getr�stet, dass Lucrezia ihre Hand hielt, und wollte sich diesem Gef�hl schon unter den mitf�hlenden Augen der Gr�fin hingeben. Doch sie war eine Kurtisane und hatte nicht umsonst ihr Gewerbe von klein auf gelernt � bei der besten Lehrmeisterin der Welt, bei ihrer Mutter. Sie sp�rte pl�tzlich die Falle. Warum sollte eine Gr�fin so freundlich mit einer Hure umgehen, auch wenn ihre Vergangenheit selbst sehr zweifelhaft war? Im Gegenteil, in diesem Fall gab es sogar noch mehr, was dagegen sprach. Sacht zog sie ihre Hand zur�ck, lie� sich aber nichts anmerken.</p><p>�Was kann ich f�r Agostino tun?�, fragte Imperia einsichtsvoll.</p><p>�Ihr m�sst aus seinem Leben gehen.�</p><p>�Aus seinem Leben gehen? Gut. Und was tut Agostino f�r mich?�</p><p>�Verlangt, was Ihr wollt. Er ist gro�z�gig. Einen Palazzo. Eine lebenslange Rente. Was immer Ihr wollt.�</p><p>�Was ich will?�</p><p>Die Gr�fin nickte. Imperias Gesicht nahm einen harten Ausdruck an. In ihr reifte ein Entschluss, der ihr immer besser gefiel, je l�nger sie dar�ber nachdachte. Damit w�re allen geholfen.</p><p>�Ich werde Agostino niemals wiedersehen�, sagte sie tonlos und sachlich. �Ich schw�re es. Ihr werdet einen unwiderlegbaren und unbezweifelbaren Beweis daf�r erhalten. Daf�r wird Agostino meine Tochter Lucrezia rechtm��ig adoptieren. Und er wird ihr einen standesgem��en Mann geben, mit dem auch Lucrezia einverstanden ist. Zwanzigtausend Dukaten werden f�r meine Tochter beim Bankhaus der Fugger hinterlegt. Treuh�nder in allen Angelegenheiten ist Mess�r Donato Bramante, Baumeister zu Rom. Der Handel gilt, wenn meine Bedingungen erf�llt sind.�</p><p>Die Gr�fin musterte sie eine Weile erstaunt und stimmte dann zu. Imperia kam es so vor, als ob Lucrezia d�Este die Dimension des Handels erahnte. Diese gab ihr zum Abschied einen Kuss auf die Wange und fl�sterte ihr ins Ohr: �Ich bewundere Euch, es ist wirklich das Beste. Alles wird so geschehen, wie Ihr es wollt. Auf mein Wort als Mutter!�</p><p>Eine Woche sp�ter wurden im Bankhaus der Fugger in Rom zwanzigtausend Golddukaten f�r Lucrezia, Tochter der Imperia, deponiert. Kurz darauf bezeugte und beurkundete der Papst h�chstpers�nlich die Adoption der Lucrezia durch Agostino Chigi. Ausgenommen von der Adoption blieb die Verf�gungsgewalt �ber das Eigentum der Lucrezia, und ausdr�cklich wurde ihr zugestanden, dass eine eventuelle Verheiratung durch ihren Adoptivvater von ihrer Zustimmung abh�ngig war. Vorerst wohnte sie weiter bei Bramante.</p><p>Einige Tage sp�ter stand Imperia in der Loggia und blickte auf die Dompfaffen und Zeisige, die sich in dem Springbrunnen tummelten, den sie so sehr liebte. Die Nachmittagssonne tauchte den Garten in ein goldenes Licht. Kein L�ftchen bewegte sich, und es duftete nach trockenem Gras. Sie nahm einen gro�en Schluck aus dem Glas mit Rotwein, das sie in der rechten Hand hielt, die linke st�tzte sie auf die Balustrade. Eine tiefe Gelassenheit lag in ihren Augen. Ihr ganzes Gesicht dr�ckte fast so etwas wie Zufriedenheit mit ihrem letzten Gesch�ft aus. Sie kannte ihren Ruf als die g�ttliche Het�re, als die am meisten umworbene und die teuerste Kurtisane von Rom. Das sollte ihr niemand mehr nehmen k�nnen.</p><p>Mitten in der Nacht h�rte Bramante, wie jemand heftig an die T�r seines Hauses pochte. Er legte die Bibel beiseite. Beim Abendessen hatte er versucht, mit Lucrezia zu sprechen, doch sie war f�r seine vern�nftigen Argumente nicht zug�nglich gewesen. Er war immer noch schlecht gelaunt wegen dieses Streits und sprang aus dem Bett. Mit einem unwirschen Knurren warf er sich einen Mantel �ber. Auf der Treppe stie� er mit Ascanio zusammen, der sein Schwert in den H�nden hielt. Im Vestib�l stand Imperias Kammerdiener. Er war v�llig au�er Atem und wirkte ersch�ttert.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte Bramante. Sein Herz zog sich vor Angst zusammen.</p><p>�Kommt, kommt schnell, Madonna Imperia liegt im Sterben!�</p><p>Die Nachricht traf Bramante wie ein Beil. Nach einer Schrecksekunde packte er den Boten an der Schulter und r�ttelte ihn kr�ftig. �Wie, im Sterben? Sag endlich, was geschehen ist, du Schuft!�</p><p>�Mess�r, sie hat Gift getrunken, Mess�r Donato!�</p><p>�Gift? Bist du sicher, dass sie nicht vergiftet worden ist, sondern Gift getrunken hat?�</p><p>�Vollkommen!�</p><p>�Aber warum? Warum ist sie nicht zu mir gekommen? War sie denn nicht gl�cklich?� Er blickte zu Ascanio und rief ihm zu. �Wecke Lucrezia, rasch! Und dann komm mit ihr zu Chigis Palazzo!� Dann st�rmte er aus dem Haus.</p><p>B�iger Wind kam auf. Als Bramante durch die Stra�en eilte, pfiff er heulend um die Giebel der H�user. Tiefschwarze Wolken ballten sich in atemberaubender Geschwindigkeit �ber der Ewigen Stadt zusammen. Eine halbe Stunde sp�ter hastete er bereits die elegante Freitreppe in den ersten Stock in Chigis Palazzo hinauf, in dem das Schlafzimmer lag. Vor der offenen T�r stand Agostino Chigi im Korridor. Er wirkte wie ein Schatten seiner selbst, und aus seinen Augen sprach eine Verzweiflung, die an Wahnsinn grenzte. Er sah Bramante an, aber er erkannte ihn nicht. Aus Imperias Schlafzimmer trat Bonet de Lates. Er nickte dem Architekten kurz zu, dann wandte er sich an den Bankier. �Ihr m�sst jetzt sehr stark sein. Vor dem starken Gift versagt meine Kunst. Ich kann nichts mehr f�r sie tun.�</p><p>�Und wenn wir sie zum Erbrechen bringen?�</p><p>�Zu sp�t. Das Gift w�tet schon in den purpurnen Fl�ssen unter der Haut und frisst ihr Herz.�</p><p>�Nicht das Gift, mein Verrat hat sie get�tet�, murmelte Chigi und sackte noch mehr in sich zusammen.</p><p>�Geht hinein! Sie will euch beide sehen!�</p><p>Nach Chigi, der wie ein gepr�gelter Hund die Schultern eingezogen hatte, betrat Bramante das Schlafzimmer. Das Fresco Sodomas mit der fast nackten Roxane wirkte in diesem Augenblick eigenartig fehl am Platze. Blass und durchscheinend lag Imperia auf dem Bett. Noch nicht ganz fort, aber auch schon nicht mehr von dieser Welt. Bramantes Herz schmerzte so heftig, dass er glaubte, es w�rde ganz wund davon und k�nnte stehen bleiben.</p><p>�Meine beiden M�nner!�, fl�sterte Imperia mit einem z�rtlichen L�cheln. Mit ihrer langen, zarten Hand wies sie auf ihre Bettkante. Verunsichert wollte jeder der beiden dem anderen den Vortritt lassen, Bramante, weil er wusste, dass Chigi Imperias inoffizieller Ehemann war, und Agostino Bramante aus Schuldgef�hl ihm gegen�ber.</p><p>�F�r F�rmlichkeiten haben wir keine Zeit�, sagte der Architekt schlie�lich und setzte sich ihr zur Linken, der Bankier ihr zur Rechten. Sie legte den Finger an die Lippen und forderte die beiden M�nner sanft und nachdr�cklich zum Schweigen auf.</p><p>�Schw�rt, dass ihr alles, was in eurer Macht steht, f�r Lucrezia tun werdet. Schw�rt bei Gott! Bei eurer ewigen Seligkeit!� Die beiden M�nner hoben die Hand und leisteten den Eid. �Gr�me dich nicht, Agostino, und heirate die Gr�fin. Wir hatten eine gute Zeit. Ich hatte viel Gl�ck. Viel Gl�ck!� Schmerzen verzerrten Imperias Gesichtsz�ge, aber sie k�mpfte tapfer dagegen an. �Wisst ihr denn nicht, dass man gehen soll, bevor die Neige ausgetrunken ist?� Sie blickte zur T�r, und ein L�cheln stahl sich auf ihre Lippen. �Lasst uns allein�, hauchte sie.</p><p>In der T�r stand Lucrezia, kalkwei� und mit schreckgeweiteten Augen. Schweigend verlie�en die beiden M�nner das Zimmer. Vor der T�r sahen sie sich stumm an. Bramante befand sich in einem heftigen Zwiespalt, ob er den Bankier umarmen oder verpr�geln sollte. Er h�tte beides gern getan. Aus dem Zimmer klang ab und zu leises Gewisper. Wie zwei junge M�dchen, die miteinander alberten. Bramante f�rchtete, den Verstand zu verlieren. Dann zerriss der schrille Schrei Lucrezias die Stille.</p><p>Im gleichen Augenblick erklomm niemand Geringeres als Papst Julius II. die Treppe und ging an den beiden M�nnern vorbei ins Schlafzimmer. Mit wenigen gro�en Schritten hatte er das Bett erreicht. Er schloss Imperias Augen und machte mit dem Daumen das Kreuzeszeichen auf ihre Lider. Dann nahm er Lucrezias Hand. �Komm, mein M�dchen, lass uns beten!� Sie knieten nieder, Hand in Hand, ein f�nfzehnj�hriges M�dchen und der neunundsechzigj�hrige Stellvertreter Christi. Sie knieten nieder, um f�r eine Kurtisane zu beten. Nie war der Papst seinem Gott n�her gewesen, der auch Maria Magdalena verziehen hatte.</p><p>In dieser Nacht entlud sich ein furchtbares Unwetter aus Gewitter und Hagel �ber Rom. Die Hagelk�rner hatten die Gr��e von Taubeneiern. Zwei Tage sp�ter machte ein Epigramm des Dichters Gian Francesco Vitale in der Stadt die Runde. Agostino Chigi hatte es in Auftrag gegeben: �Die Alten verloren ein Weltreich, wir aber, wir haben unser Herz verloren� � die Worte spielten geistvoll mit den Worten Imperium und Imperia.</p><p>Agostino Chigi trug Trauer. Er richtete Imperia ein pomp�ses Begr�bnis aus und lie� sie in Santa Maria del Popolo begraben. Auch erwarb er in dieser Kirche eine Kapelle, in der er selbst dereinst beigesetzt werden wollte, in der N�he der geliebten Frau. Die Ehe mit Margarita Gonzaga kam nicht mehr zustande. Man wahrte die Form und lie� verlauten, Margarita habe sich in letzter Minute anders entschlossen.</p><p>Kurze Zeit nach Imperias Tod bat Bramante Antonio, wieder bei ihm einzuziehen und mitzuhelfen, Lucrezia zu tr�sten. Zuvor nahm er ihm den Schwur ab, sie nicht zu verf�hren und zu entehren. Allerdings musste Antonio mit einer Kammer unter dem Dach vorliebnehmen, w�hrend sich Lucrezias Zimmer neben Bramantes Schlafgemach befand. Der Architekt vertraute seinem Gehilfen blind, nicht aber den Kr�ften seines K�rpers.</p><p>Antonio t�glich � wenn auch nur kurz � zu sehen, schenkte Lucrezia ein wenig Trost. Vierzehn und mehr Stunden am Tag hielt ihn der Bau des Petersdomes in Atem, denn nach dem Willen des Papstes musste er den Westchor so schnell wie m�glich hochziehen. Jenen Westchor, den Bramante und er f�r �berfl�ssig hielten. Dadurch kamen die Arbeiten an der Vierung zum Erliegen, was Antonio �rgerte, Bramante aber so deprimierte, dass er jedes Interesse am Fortgang des Baugeschehens verlor und sich lieber auf den anderen Baustellen herumtrieb. So lag die ganze Last der Baustelle am Petersdom auf Antonios jungen Schultern. Die Zeit, die �brig blieb, verbrachte er mit Lucrezia. Das war sch�n und schwierig zugleich, denn ihre Liebe wuchs von Tag zu Tag, und das Versprechen der Enthaltsamkeit empfanden die beiden jungen Menschen als Folter.</p><empty-line/></section><section><p>48</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1512</p><p>Zur Er�ffnung der Sixtinischen Kapelle erschien alles, was in Rom Rang und Namen hatte, um das Wunder aus Gestalt und Farbe zu bestaunen. Michelangelo stand nur am Rand und schaute missmutig vor sich hin. Was gingen ihn die Leute an! Er f�hlte sich leer und m�de. Alles, was er vermochte, hatte er an die Decke gebracht. Und war nun ersch�pft wie Gott am siebenten Tag und sehnte sich wie dieser danach, endlich auszuruhen. Giovanni de Medici kam mit strahlenden Augen auf ihn zu. �Du hast dich selbst �bertroffen, Michelangelo!�</p><p>�Ergebensten Dank�, antwortete der K�nstler k�hl und hoffte, dass Giovanni nicht bemerken w�rde, dass der Engel, um dessen Nacken Gottes linker Arm lag, Contessinas Z�ge trug, ihn also aus den Augen seiner Schwester anblickte.</p><p>Der Kardinal l�chelte hintersinnig, dann beugte er sich kumpelhaft zu Michelangelo. �Wenn ich all diese sch�nen K�rper in ihrer Perfektion sehe, dann habe ich das Gef�hl, dass wir Pieros gedenken und ihm danken sollten.�</p><p>�Wieso Piero?� Der Maler verstand die Anspielung nicht. Giovanni am�sierte sich k�stlich dar�ber, dass er Michelangelo gefoppt hatte.</p><p>�Ganz einfach! Erkl�re mir einmal, wie du �berhaupt imstande gewesen w�rest, diese vielen sch�nen, nackten K�rper so lebendig zu malen, wenn du mir nicht die Bildchen angefertigt h�ttest und Piero dich zu diesem Zweck nicht zum Malen in die einschl�gigen Etablissements geschleppt h�tte? Gott ist gro�, und er ist �berall�, lachte Giovanni de Medici und lie� Michelangelo stehen, weil er Kardinal Petrucci entdeckt hatte, mit dem er unbedingt ein paar Worte wechseln wollte.</p><p>Michelangelo kochte innerlich. Wie konnte es dieser Medici wagen, seine Sch�pfung in den Schmutz zu ziehen, Gott und die Menschen, die Propheten und Sibyllen mit den Huren und den k�uflichen J�nglingen in den Florentiner Bordellen zu vergleichen? Er f�hlte, dass er die Beherrschung zu verlieren drohte, als eine wohlbekannte Stimme an sein Ohr drang.</p><p>�Ist dir nicht wohl, mein Sohn?�, fragte Julius II.</p><p>Der Maler rang um Fassung. �Doch, Heiliger Vater, es ist alles, wie es sein soll.�</p><p>�Das Werk ist dir gelungen, Michelangelo, du hast das Leben gestaltet, das wahre, das wirkliche Leben. Nachdem das vollbracht ist, geht es nun aber endlich an Unser Grabmal!�</p><p>�Ich dachte, Ihr h�ttet diesen Plan verworfen�, sagte Michelangelo erstaunt.</p><p>�Nat�rlich nicht. Aber erst musste dieses Werk hier fertiggestellt werden. Und nun beeile dich, mein Sohn.�</p><p>�Kommt Mess�r Donato denn ordentlich voran, oder wird Euer Grabmal im Freien stehen m�ssen?� Michelangelo ergriff die M�glichkeit beim Schopf, seinen Zorn �ber Giovanni de Medicis Boshaftigkeit an dem ungeliebten Konkurrenten auszulassen.</p><p>�Wir haben ihn angewiesen, von der Vierung abzulassen und zun�chst den Westchor fertigzustellen. Nun s�ume aber auch du nicht! Du wei�t, Wir haben keine Zeit, keine Zeit. Die Uhr zeigt f�nf vor zw�lf!�</p><p>Michelangelo wollte etwas einwenden, aber der Papst winkte ab. Er wollte keine Lobhudeleien auf seine Gesundheit h�ren � zu sehr sp�rte er, wie es k�rperlich mit ihm bergab ging.</p><p>Michelangelo h�tte warten sollen, doch er nahm noch am selben Abend die Arbeit am Mausoleum Julius II. wieder auf. Den Triumph, im fertigen Westchor zu stehen und laut und vernehmlich nach dem Grabmal zu fragen, g�nnte er Bramante nicht. Aber er kam nicht voran. Die Bildhauerei reizte ihn nicht mehr, sie inspirierte ihn nicht, sondern langweilte ihn nur noch. Nach dem Deckenfresko f�r die Sixtina kam es ihm wie ein Witz vor, wieder an diesem Grabmal zu arbeiten. Gern h�tte er einen anderen Auftrag angenommen, Anfragen flatterten zuhauf in sein Haus, eine verlockender als die andere. Doch er durfte sich nicht gegen den Willen des Papstes stellen, denn das Grabmal war dessen letzter Auftrag, den er auch ausgef�hrt wissen wollte. So arbeitete Michelangelo bis zur Ersch�pfung und f�hlte sich, als sei er in der H�lle angekommen, denn Handwerk und Erfahrung mussten die Inspiration ersetzen, die sich nicht einstellen wollte. Er sp�rte, wie ihn die Arbeit aussaugte. Lange w�rde er das nicht mehr durchhalten k�nnen.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1513</p><p>Am Abend des 20. Februar 1513 wurde Kardinal Giovanni de Medici dringend in den Vatikanpalast gerufen. In Begleitung von Bibbiena und zwei Fechtern begab er sich zu Fu� zum Borgo. Er wusste, dass der Papst im Sterben lag.</p><p>Als er das Schlafzimmer betrat, hatten sich die anderen Kardin�le bereits dort versammelt. Julius schaute ihn scharf an. �Es ist gut, dass du auch da bist, mein Sohn Giovanni!�, sagte er auf Italienisch, dann setzte er auf Lateinisch fort: �<emphasis>Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa</emphasis>. Betet f�r mich, denn ich war der gr��te S�nder von allen, weil ich das hohe Amt, das Gott mir verliehen hat, nicht so gef�hrt habe, wie ich es h�tte aus�ben sollen. Zu wenig Frieden herrschte. Zu viel Politik habe ich getrieben und das Heilige Land dennoch oder vielleicht gerade deshalb nicht befreit! Ihr aber h�tet euch vor dem Hochmut und vor der Tr�gheit im Glauben. Betet eifrig und beachtet streng die Gebote. F�rchtet nur Gott, aber ihn f�rchtet auch! F�r die Wahl des neuen Stellvertreters Christi folgt meiner Bulle, und haltet euch von �mterkauf und Bestechlichkeit fern. Lasst euch einzig vom Heiligen Geist leiten. Ruft alle Kardin�le zum Konklave zusammen � nicht das Konzil, sondern das Konklave w�hlt den Papst. Ausgeschlossen sind nur die schismatischen Kardin�le. Obwohl ich ihnen als Mensch von Herzen vergebe, d�rfen Wir es als Papst nicht. Denn als Vicarius Petri haben Wir streng das Kirchenrecht zu beachten!� Fest und klar hatte er gesprochen. Dann wurden seine Gesichtsz�ge weicher, und er bat auf Italienisch darum, seinem Neffen, dem Herzog von Urbino, das Vikariat von Pesaro auf Lebenszeit zu �bertragen. Danach lie� er sich ermattet zur�cksinken und murmelte kaum h�rbar:</p><p>�<emphasis>Locutus est Dominus ad Mosen dicens loquere Aaron et filiis eius sic benedicetis filiis Israhel et dicetis eis benedicat �</emphasis> Der Herr segne dich und beh�te dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten �ber dir und sei dir gn�dig; der Herr hebe sein Angesicht �ber dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.�</p><p>Nachdem er die Kardin�le gesegnet hatte, gab ihm sein Diener einen Trank mit fl�ssigem Gold zu trinken. Sein Leibarzt erhoffte sich von dieser Medizin eine Verbesserung seines k�rperlichen Zustandes. Allein, die Kraft, die ihn zeitlebens begleitet hatte, verlie� ihn nun. Die Kardin�le wachten an seinem Sterbebett, und Giovanni de Medici dachte im Stillen �ber die Launen des Schicksals nach.</p><p>Beim Tod seines Vaters, der sein Leben und das seiner Familie, ja auch der Freunde und das der guten Stadt Florenz so sehr ver�ndert hatte, war er nicht zugegen gewesen. Es war ihm versagt geblieben, von Lorenzo dem Pr�chtigen Abschied zu nehmen. Mit niemandem, nicht einmal mit Piero, seinem geliebten �lteren Bruder, hatte er dar�ber gesprochen, aber er litt darunter, bis auf den heutigen Tag. Dieses letzte Gespr�ch, das nicht stattgefunden hatte, h�tte sein Leben ver�ndert. Das sp�rte er. Und was ihm bei seinem leiblichen Vater versagt geblieben war, wurde ihm nun bei diesem fremden Mann, den sie alle den Heiligen Vater nannten, abverlangt. Er hatte Julius gesch�tzt, auch gef�rchtet, aber er hatte ihn weder bewundert noch geliebt. Bewundert und geliebt hatte Giovanni de Medici, der Mann mit dem runden, pausb�ckigen Knabengesicht, nur Lorenzo, den man Il Magnifico nannte. Nein, dieses verlorene Gespr�ch brannte auf seiner Seele. Der einzige Trost, den er empfand, bestand darin, dass er auch ohne Gespr�ch das Verm�chtnis seines Vaters kannte: F�hre die Medici wieder nach Florenz zur�ck und mache sie wieder zu den Herren der Stadt. Denn die Medici konnten nicht ohne Florenz und Florenz konnte nicht ohne die Medici sein. Das hatte der Niedergang der Stadt unter Savonarola und dem Galfoniere Piero Soderini gezeigt. Es gab nur einen Weg zur Erf�llung des Verm�chtnisses, und der f�hrte �ber die Cathedra Petri. Dar�ber dachte Giovanni nach, als er mit den anderen Kardin�len dem sterbenden Pontifex das Geleit gab.</p><p>Kurz nach Mitternacht hauchte Julius seine Seele aus. Klein und zerbrechlich wirkte der Mann, der allen immer als ein H�ne erschienen war. Am anderen Morgen bahrte man seine Leiche in der kalten und zugigen Petersbasilika auf, an einer Stelle, wo es nicht hineinregnete. Das Volk dr�ngte sich in die Basilika und zog gesenkten Hauptes und mit Tr�nen in den Augen an Giuliano della Rovere vorbei, der in ihren Augen ein gro�er Papst und ein gro�er Herrscher gewesen war.</p><p>Nach der Totenwache nahm Giovanni de Medici den Erzpriester des Petersdomes, Kardinal Catalano, zur Seite. �F�r wen werdet Ihr im Konklave stimmen?�</p><p>�Das werdet Ihr im Konklave sehen!�</p><p>Giovanni de Medici l�chelte und wiegte den Kopf. �F�r unseren lieben Bruder Alessandro Farnese werdet Ihr stimmen. Und er hat es mit Sicherheit verdient, vortrefflich, wie er ist. Allerdings w�nschen die j�ngeren Kardin�le, dass <emphasis>ich</emphasis> auf unseren teuren Julius folge. Ein Wunsch, dem ich mich aus christlicher N�chstenliebe nur schwer entziehen kann. Und wie die jungen, f�hlen auch ein paar �ltere Br�der dieses Verlangen. Ihr solltet Euch dieser Klugheit nicht verschlie�en.�</p><p>Der Dominikaner sah den Medici erstaunt an. �Warum sollte ich Euch w�hlen?�</p><p>�Weil Ihr damit die Schuld s�hnen k�nnt, die Ihr am Ableben des Grafen Giovanni Pico della Mirandola tragt. Ihr m�sst wissen, der Princeps Concordiae war einer meiner Lehrer, den ich verehrt und sehr geliebt habe.�</p><p>Fassungslos starrte der Erzpriester den Kardinal an, aber der sprach unger�hrt weiter. �Glaubt mir, ich w�rde es nicht glauben und Euch selbst verteidigen gegen jedermann, wenn nicht stichhaltige Beweise mir das Ausma� Eurer S�ndhaftigkeit und Fehlbarkeit vor Augen gef�hrt h�tten.�</p><p>Giacomo musterte den Medici, dann dachte er lange nach. Schlie�lich presste er hervor: �Wenn Ihr Fr� Giocondo zum verantwortlichen Architekten von Sankt Peter macht, werde ich Euch w�hlen.�</p><p>�Nach Donatos Tod.�</p><p>�Selbstverst�ndlich nach dem Tod Bramantes!�</p><p>Geschickt hatte der Sohn Lorenzos des Pr�chtigen die Forderung des Erzpriesters in eine offene Wette verwandelt. Fr� Giocondo war mindestens so alt wie Bramante. Niemand wusste, wer von den beiden zuerst das Zeitliche segnen w�rde.</p><p>Als Lucrezia in Begleitung von Antonio auf dem Petersplatz ankam, hatte sich dort bereits eine un�berschaubare Menschenmenge eingefunden, in der sie darauf achten mussten, nicht totgetreten zu werden.</p><p>Zur gleichen Zeit nahm Ascanio Abschied von Bramante. Es gab f�r den Leibw�chter nichts mehr zu tun, und es dr�ngte ihn zu neuen Abenteuern hinaus in die Welt, bevor er tr�ge und alt w�rde. Zudem hatte er mit Erschrecken festgestellt, dass seine Liebe zu Lucrezia von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat gr��er wurde. Er f�rchtete sich davor, etwas Unbedachtes zu tun, und zog lieber in die Ferne. Ascanio hatte diesen Augenblick gew�hlt, weil Lucrezia au�er Haus war und er nicht wusste, ob er es �ber das Herz br�chte, ihr Lebewohl zu sagen. Die beiden M�nner, die so viele Gefahren miteinander �berstanden hatten, umarmten sich herzlich und nahmen Abschied voneinander, wohl f�r immer, wie sie d�nkte.</p><p>Lucrezia und Antonio hatten gerade einen guten Platz gefunden, als Kardinal Alessandro Farnese mit undurchsichtigem Gesicht verk�ndete, dass sie einen neuen Papst h�tten, den hoch zu verehrenden Kardinal Giovanni de Medici, der sich Leo X. nannte. Das Volk jubelte, denn Giovanni de Medici war wegen seiner Freigebigkeit und seines heiteren Wesens allseits beliebt. Schon auf dem R�ckweg zu Bramantes Palazzo h�rten sie ein Epigramm, das wie ein Lauffeuer Verbreitung fand: �Einst hatte Venus geherrscht, dann kam an die Reihe der Kriegsgott. Nun beginnt der Tag, hehre Minerva, f�r dich.� Damit spielte der Dichter auf die Amouren des Borgia-Papstes Alexanders VI. an und auf die Feldz�ge des kriegerischen Papstes Julius II. Von dem Pontifikat Leos X. erwarteten die R�mer vor allem Geschick, Friedensliebe und Weisheit. Als Motto w�hlte er den Psalm 119,1: �Zu dem Herrn rufe ich, wenn ich in Tr�bsal bin, und er erh�rt mich.�</p><p>Doch die Freude der beiden jungen Leute war wie weggeblasen, als sie bei ihrer Heimkehr erfuhren, dass Ascanio sie verlassen hatte. Selbst Antonio schmerzte es, den fr�heren Rivalen um die Gunst Lucrezias verloren zu haben, dem er so viel verdankte.</p><p>Es gelang Lucrezia und Antonio, Bramante davon zu �berzeugen, sie zur Prozession zu begleiten, mit der der neue Papst traditionsgem�� durch Rom vom Vatikan zur Lateranbasilika zog, die seit Konstantins Tagen als Bischofskirche der P�pste diente, um sie feierlich in Besitz zu nehmen. Und dieser Zug stellte alles, was sie bisher gesehen hatten, in den Schatten. Unter einem makellos blauen Himmel und einer gl�ckstrahlenden Sonne f�hrten zweihundert Lanzenreiter die Prozession an. Es folgten die Musiker in ihren Livreen, die in den Farben Wei�, Rot und Gr�n gehalten waren. Prachtvoll leuchteten die Banner der dreizehn Vorsteher der Stadtbezirke Roms und die Fahne der Universit�t, auf der ein Engel in feurigen Farben prangte, wie das Wissen, das von Gott kam, um mit ganzer Gr��e und Gewalt die Erde zu erobern. Die Stadt schwamm f�rmlich in Farben, denn diesem Banner schloss sich die Fahne Roms an, auf deren rotem Untergrund die goldenen Buchstaben �S.P.Q.R.� leuchteten, die f�r <emphasis>Senatus Populusque Romanum</emphasis> standen, gefolgt von der wei�en Flagge mit dem schwarzen Kreuz des deutschen Ritterordens. Rotseiden mit wei�em Kreuz erschienen dahinter die Johanniter. Farbenpr�chtig setzte sich die Prozession fort. Wie Tr�nen der Engel funkelten die Edelsteine, mit denen die pr�chtigen Gew�nder der Oberh�upter der gro�en Familien aus Florenz und Rom besetzt waren, der Farnese, Medici, Conti, Orsini, Colonna, Santa Croce, Strozzi und Pucci.</p><p>Auf dem Petersplatz fand auch der Architekt mit seiner Tochter und seinem Gehilfen in der Menschenmenge Platz. Schlie�lich folgten der engere Hofstaat des Papstes und die geistlichen Herren. Zweihundertf�nfzig �bte, Bisch�fe und Erzbisch�fe ritten in ihrem feierlichen Priesterornat vor den Kardin�len her. Die Aprilsonne warf blendende Lichtreflexe auf die blanken R�stungen der Schweizergarde.</p><p>Dann endlich kam unter einem Baldachin, der von r�mischen B�rgern getragen wurde und den Thronhimmel symbolisierte, der Papst selbst auf einem t�rkischen Schimmel geritten. Sein Haupt zierte die edelsteinbesetzte Tiara, die dreifache Krone. Der <emphasis>Camerlengo</emphasis>, der Kardinalk�mmerer, und einige weitere Kammerherren folgten Leo X. und warfen M�nzen unter das r�mische Volk. Den Abschluss bildeten vierhundert Reiter. Nicht nur wegen des verteilten Geldes, sondern vor allem, um an der unendlichen Pracht teilzuhaben, versammelte sich das Volk von Rom rechts und links der Stra�e oder lag in den Fenstern der Wohnh�user.</p><p>Zehn Jahren zuvor war Rom noch ein einziges verwinkeltes Labyrinth von H�usern und Ruinen gewesen, durch das sich un�bersehbar die Stra�en der Stadt schl�ngelten. Wild wuchsen H�user aus H�usern heraus, w�hrend andere allm�hlich zerfielen und zu dem Schutt wurden, auf dem sich die Stadt seit �ber zweitausend Jahren erhob. Drohend hatten sich aus dem Gewirr der Stadt die Wehrt�rme der festungsartigen Pal�ste der stadtr�mischen Adeligen emporgereckt, die dadurch ihren Anspruch auf Reichtum und Herrschaft dokumentierten. Diese Stadtfestungen des Adels wirkten auf ihre eigene Art wie Raubrittersitze. Jeder k�mpfte mit jedem, alle misstrauten allen. Mit ihren wehrhaften Stadtsitzen als Inseln der Macht inmitten des eng bebauten, winkligen Durcheinanders kontrollierten die m�chtigen Familien die r�mischen Bezirke, bis zu dem Tag, an dem Julius II. seinem Architekten Donato Bramante befahl, diese Quartiere zu schleifen. Und der Architekt, assistiert von Antonio da Sangallo, hatte ganze Arbeit geleistet, wie er stolz feststellte.</p><p>Auf der Via Papale bewegte sich der p�pstliche Zug nun von Alt Sankt Peter quer durch die Stadt zur Lateranbasilika. Und die Menschen, die am Rand die Prozession verfolgten, jubelten und riefen, wenn sie den neuen Papst erkannten: <emphasis>�Pale, Pale�,</emphasis> womit sie auf das Wappen und das Erkennungswort der Medici anspielten. Wer <emphasis>Pale,</emphasis> K�gelchen, rief, bekannte sich als Anh�nger der Medici. Die K�gelchen im Wappen wiesen auf die Herkunft der m�chtigen Florentiner Familie aus dem Stand der Apotheker hin.</p><p>F�r Bramante k�ndigte die Inthronisation des Medici eine Zeitenwende an. Zwar erfreute er sich des Wohlwollens des neuen Papstes, aber Julius II. fehlte ihm sehr. So verlor er langsam die Lust an allem. Antonio begann, ihn auf den Baustellen, die er immer weniger aufsuchte, zu vermissen. Der ehemals uners�ttliche Architekt lehnte sogar schon den einen oder anderen Auftrag ab. Immer h�ufiger traf Antonio ihn im Gebet oder bei der Lekt�re an. Auch hatte Bramante wieder angefangen, Sonette zu verfassen. Dabei konnte er zufrieden sein. Kein Konkurrent wagte sich gegen ihn heraus, und Papst Leo X. empfing ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sein Sch�tzling Raffael stieg im Wettstreit mit Michelangelo zu Roms ber�hmtestem Maler auf und verneigte sich in Achtung vor dem alten Meister.</p><p>Schlie�lich lud Bramante Antonio an einem Sonntag nach der Messe zu einem Spaziergang ein. Der Architekt er�ffnete seinem Gehilfen, dass er sich trotz der Gunst des Papstes und seines Ruhms einsam und m�de f�hle. Der Tod Imperias und kurz darauf des gleichaltrigen Papstes Julius hatten die tragenden S�ulen seines Lebens einst�rzen lassen. Er sehnte sich nach nichts anderem mehr, als Giovanni Pico della Mirandola und Julius und Imperia wiederzusehen � vorausgesetzt, f�gte er mit schmerzlichem L�cheln hinzu, dass Gott ihn nicht in die H�lle stie�e. Verdient h�tte er es. Nicht einmal die Besuche seines alten Freundes Leonardo, der sich in Rom aufhielt, vermochten, ihn aufzuheitern. Er legte den Arm um Antonios Schulter.</p><p>�Wei�t du, woran man merkt, dass das Ende naht, mein Sohn? Wenn man eine st�rkere Sehnsucht nach den Verstorbenen als nach den Lebenden f�hlt. Sie warten auf mich. Sie rufen nach mir. Ich kann sie h�ren.� Die Worte des Meisters taten ihm weh, deshalb wollte Antonio etwas erwidern, die Traurigkeit des alten Mannes zerstreuen, doch der lie� ihn nicht zu Wort kommen. �Glaub mir, alles ist gut. Nur eines nicht. Das muss ich noch in Ordnung bringen. Ich habe mich mit Agostino Chigi und mit dem Papst verst�ndigt. Du wirst nach meinem Tod Baumeister von Sankt Peter. Zusammen mit Fr� Giocondo, falls der Alte dann noch lebt. Man kann mit ihm auskommen. Rede niemals dar�ber, aber wisse, der Papst geh�rt unserem Bund an, den <emphasis>Fedeli</emphasis>. Du musst das wissen, weil du mir als Prior der Gef�hrten der Liebe folgen wirst. Auftr�ge wirst du nicht zu knapp erhalten. Damit bist du ein gestandener Mann, der eine Familie gr�nden kann.�</p><p>�Auch wenn Ihr mir das alles nehmt, Mess�r Donato, werde ich niemanden au�er Lucrezia heiraten!�</p><p>�Und Lucrezia sollst du auch heiraten! Wenn du sie nicht gl�cklich machen oder betr�gen solltest, werde ich pers�nlich aus dem Jenseits zur�ckkehren und dich geh�rig durchpr�geln, mein Sohn, dass du w�nschen wirst, niemals geboren worden zu sein!�</p><empty-line/></section><section><p>49</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1514</p><p>Im M�rz fand die Hochzeit statt, eine prachtvolle Hochzeit, und im April legte sich Donato Bramante mit einem seligen L�cheln auf den Lippen, ersch�pft vom Leben, zum Sterben nieder. Antonio ahnte, dass es nicht nur die Freude �ber ihr Gl�ck war, die seinem Meister in seinen letzten Atemz�gen den gl�cklichen Ausdruck auf das Gesicht zauberte. Die Freude auf dem Antlitz des alten Baumeisters, der das Leben mit allen Fasern seines Herzens geliebt und genossen hatte, vermochte der Sch�ler nicht zu deuten. Sie blieb ihm ein Geheimnis, das wahre Mysterium der letzten Dinge.</p><p>Bramante h�rte n�mlich nicht mehr die Worte des Priesters, nicht mehr Agostino, der sich tief ersch�ttert von ihm verabschiedete, nicht Raffael, der tr�nen�berstr�mt an seinem Bett kniete und sich nicht zu tr�sten vermochte, als l�ge sein eigener Vater im Sterben, den er fr�h verloren hatte. Er vernahm nicht einmal mehr die Worte Lucrezias, des einzigen Menschen, den er im Diesseits noch liebte. Die Welt b��te f�r ihn mit jedem schw�cher werdenden Atemzug ihre Bedeutung ein. Er sah bereits durch die Zeiten und Welten auf der anderen Seite eine kleine Gruppe von Menschen, die ihm wie einem lange Erwarteten fr�hlich, geradezu �berm�tig zuwinkte. Imperia lachte hell, und ihre sch�nen Augen strahlten vor Gl�ck, Pico schlug einen Purzelbaum, und Julius, ja, glaubte man es denn, Giuliano della Rovere, der harte Mann und Kriegspapst, sa� vergn�gt auf einer Schaukel und lachte vor Freude wie ein Kind.</p><p>Lucrezia nahm seine Hand in die ihre. Als er die weiche Haut der jungen Frau f�hlte, den festen Griff, glaubte er, dass Imperia ihm die Hand gereicht h�tte. Er h�rte schon, wie sie ihm vorwurfsvoll an den Kopf warf: �Du Bummelant!� Dann zog sie ihn mit einem kr�ftigen Ruck auf ihre Seite der Welt.</p><p>Am 11. April 1514 starb in Rom Donato Bramante, der Bauernsohn vom Monte Asdrualdo, der seinen Nachfolgern, n�mlich Fr� Giocondo, Raffael, Baldassare Peruzzi und Antonio da Sangallo, die gr��te Baustelle der Welt hinterlie�. Die St�tzpfeiler f�r die Kuppel hatte er in die H�he getrieben, ohne das Firmament �ber der Vierung errichten zu k�nnen. Am Ende hatten ihn die beiden M�chte, denen er zeitlebens entkommen war, doch noch eingeholt � der Tod und die Liebe.</p><p>Es goss schon den ganzen Vormittag in Str�men. Antonio machte sich dennoch auf einen Rundgang �ber die Baustelle, mehr um sich zu beruhigen, als in der Gewissheit, dort gebraucht zu werden. Er merkte bald, dass es ein Fehler gewesen war, den er h�tte voraussehen k�nnen. Bereits auf halbem Wege zwischen S�dwestpfeiler und Westchor kam ihm Maffeo entgegen.</p><p>�Mess�r Antonio�, rief er, �wir haben die Schutzh�tte f�r das Grab Petri fertig.� Das klang nicht nach Freude oder Erfolgsmeldung, sondern nach einem handfesten Vorwurf.</p><p>�Gut�, sagte Antonio abwartend.</p><p>�Daran ist nichts gut, wenn ich mir wieder mit den anderen Unternehmern die Arbeit am Westchor teilen muss!� Antonio verstand Maffeo nicht. Der breitete verzweifelt die Arme aus. �Ich muss dann die H�lfte meiner Leute entlassen.�</p><p>Nun endlich begriff er das Dilemma seines treuesten Meisters. Als Maffeo immer neue Bauleute angeheuert und in kritischen Zeiten sogar dank Antonio den doppelten Lohn gezahlt hatte, war er zum K�nig der Bauunternehmer aufgestiegen. In den gef�hrlichen Tagen, als sie gemeinsam mit Ascanio das Kartell der alteingesessenen Unternehmen aufgebrochen hatten, war aus Maffeos kleiner, aufstrebender Firma die wichtigste Bauunternehmung Roms geworden. Dass sie in dieser gef�hrlichen Zeit einander vertrauten, wurde zum Fundament ihres Erfolges. Doch nun kamen sie wieder in schwere See. Antonio verstand. Wer Maurer entlassen musste, weil er nicht gen�gend Arbeit beschaffte, verlor als Bauunternehmer an Reputation. Maffeos Firma expandierte zwar, aber sie war noch keineswegs so gefestigt, dass sie den Verlust an Ansehen unbeschadet hinnehmen konnte. Bauen war und blieb Krieg, ein Krieg, in dem wie in der Liebe alle Mittel als erlaubt galten.</p><p>�Du musst vorerst keinen deiner Leute entlassen. Ein paar Tage halten wir das schon durch. Ich warte t�glich darauf, den Heiligen Vater zu sprechen�, sagte Antonio und legte Maffeo beschwichtigend die Hand auf die Schulter. Dem Maurermeister schien ein Stein vom Herzen zu fallen. Antonio wandte sich zum Gehen, warf aber voller Unruhe noch einmal einen Blick zur�ck.</p><p>Was sich seinen Augen bot, sah wild und chaotisch aus. Zum einen stand die alte Peterskirche von der Benediktionsloggia �ber den Innenhof bis zur halben Basilika erhaben wie seit �ber tausend Jahren so unbeeindruckt da, als sei in den letzten sieben Jahren nichts geschehen. Doch dann brach das alte Gem�uer wie mit einem scharfen Schwert gespalten ab, und es g�hnte eine L�cke von mehreren Fu�, bis sich vollkommen unvermittelt als gewaltiger Turm der Kubus der Vierung in den Himmel erhob und anschickte, den Glockenturm von Santa Maria in Turri zu �berragen. Die vier Pfeiler verbanden Pendentifs und St�tzb�gen, sodass man sie auch f�r Riesen halten konnte, die sich gegenseitig die Arme um die Schulter gelegt hatten, als w�rden sie sich aufeinander einschw�ren, bevor sie in den Kampf zogen. Ihnen folgten die Konterpfeiler, von denen aber noch keiner seine endg�ltige H�he erreicht hatte, die aber gebraucht wurden, um das Gewicht der m�chtigen Kuppel abzufangen. Doch an die Kuppel zu denken verbot sich, bevor nicht die Konterpfeiler hochgemauert und der Tambour auf die Pfeiler und die sie verbindenden Pendentifs gesetzt worden waren.</p><p>Seit Bramantes Tod hatten sich die Verh�ltnisse auf der Baustelle un�bersichtlich entwickelt. Zwar hatte der Architekt vor seinem Tod noch den Maler Raffael als neuen leitenden Baumeister durchgesetzt, aber der Maler lie� sich weder bei Antonio noch auf der Baustelle sehen. Wie alle anderen wartete auch er auf die R�ckkehr des Papstes von der Jagd in der Campagna, um sich mit ihm zu besprechen, bevor er seine T�tigkeit aufzunehmen gedachte. Dass Bramante nicht seinen Gehilfen zu seinem Nachfolger gemacht hatte, der weiterhin nur Gehilfe blieb, hatte Antonio verletzt. Bramante hatte ihm zur Geduld geraten � seine Zeit w�rde noch kommen. �Nach meinem Tod wird das Hauen und Stechen losgehen. Da musst du nicht zwischen die Fronten geraten.� Obwohl die Erkl�rung seines v�terlichen Freundes und F�rderers durchaus einleuchtend klang, f�hlte Antonio sich dennoch zur�ckgesto�en und �bergangen. Und das fra� an ihm.</p><p>Zu Hause angekommen, setzte er sich mit einem m�rrischen Gesicht zum Essen. Lucrezia schob den Teller, den sie gerade vor ihn gestellt hatte, beiseite, nahm seine H�nde in die ihren und blickte ihm forschend in die Augen: �Welche Laus ist dir denn �ber die Leber gekrochen?�</p><p>�Es ist nichts!�, presste er durch die Z�hne hervor und wollte seine H�nde zur�ckziehen, doch sie hielt sie erstaunlich fest.</p><p>�Nat�rlich nicht. Deshalb bist du ja auch von einer geradezu ansteckenden Fr�hlichkeit�, sagte sie ernst. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, jeden �rger von ihr fernzuhalten und sie nicht zu beunruhigen, aber er mochte sie weder bel�gen, noch konnte er sich ihren Fragen entziehen. Letztlich war er ein viel zu schlechter Schauspieler, um ihr etwas vorzumachen. Lucrezia war zu klug oder sensibel oder beides, um seine r�hrend hilflosen Ablenkungsman�ver nicht zu durchschauen. Und dann flossen die Worte, der ganze �rger und alle Sorgen nur so aus ihm heraus, dass Raffael sich nicht um die Baustelle k�mmerte und dass er bisher noch keine Gelegenheit bekommen hatte, mit dem neuen Papst �ber den Fortgang der Arbeiten zu sprechen.</p><p>�Ist der Heilige Vater nicht dein Bundesbruder?�</p><p>�Schweig!�, fuhr er sie heftig an, weil es ihn erschreckte, wie selbstverst�ndlich sie das gro�e Geheimnis aussprach, wenn auch nur ihm gegen�ber. Dann sch�mte er sich, dass er so heftig geworden war. �Ja, auch Raffael ist es. Aber der Bund existiert nicht mehr. Es gibt keine Zusammenk�nfte, keine gemeinsamen Ziele. Leonardo, Pico della Mirandola, Ficino, Landino, Donato, Giuliano und die anderen Baumeister hatten gemeinsame Ziele. Aber was sollte den Papst, Raffael, Peruzzi, meinen Onkel und mich verbinden?�</p><p>�Der Bau des Petersdomes�, versetzte sie.</p><p>Er senkte nachdenklich den Kopf. Theoretisch hatte sie recht, aber in der Wirklichkeit gestalteten sich die Verh�ltnisse doch weit schwieriger. Raffael war in der Hauptsache Maler, Baldassare Peruzzi schwamm als Architekt in Auftr�gen, Giuliano da Sangallo dr�ckte das Alter so sehr, dass er nur noch seine Projekte zu Ende bringen wollte. Und Leo X.? Giovanni de Medici war eigentlich nur durch eine Laune des Schicksals in den Bund geraten, weil es sein Erzieher damals so wollte. Doch auch Angelo Poliziano hatte nicht vorausgesehen, dass aus dem kleinen Dickerchen Giovanni einmal Leo X. w�rde. Zudem war der Papst zuallererst ein Medici und f�hlte sich an nichts und niemand, nur an den <emphasis>stato</emphasis> seiner Familie gebunden, der er seit Pieros Tod als Oberhaupt vorstand.</p><p>�Warum willst du unbedingt etwas vorantreiben? Lass es, bis du mit dem Papst gesprochen hast, auf der Baustelle so laufen, wie es eben l�uft. Raffael tr�gt doch formal die Oberverantwortung, nicht du.�</p><p>Ein L�cheln flog �ber Antonios Gesicht. Er liebte seine junge Frau und bewunderte ihre Klugheit. Auch wenn es ihm schwerfiel, das zu akzeptieren, denn es war seit so vielen Jahren vor allem seine Baustelle, hatte sie in diesem Fall recht. Er trug in der Tat keine offizielle Verantwortung.</p><p>�Und was soll ich so lange tun?�, fragte er ratlos, wobei er auf seine H�nde starrte, als seien sie pl�tzlich gel�hmt. Lucrezia brach in ein schallendes Gel�chter aus. �Das ist es also. Dein ganzer �rger r�hrt aus der Angst vor Langeweile. Oh, da wei� ich etwas Sch�nes. Bau unser Haus um!�</p><p>�Ich?�</p><p>�Ja, bist du nun ein Baumeister oder nicht?�</p><p>�Aber warum sollten wir das Haus ver�ndern?�</p><p>�Warum?� Gespielter Zorn funkelte in ihren Augen, als h�tte er sich etwas zuschulden kommen lassen. Er wusste nur nicht, welches Vergehen ihm vorgeworfen wurde. Sie lie� ihn ein wenig zappeln, wobei sie ihn weiter anblitzte, bevor sie sich zu einer Antwort herablie�, die eigentlich �berfl�ssig war: �Warum? Ich will dir sagen, warum! Weil dieser Palazzo, der wohl f�r einen lebenslustigen, unverheirateten Mann getaugt hat, wohl kaum die passende Umgebung f�r ein Kind, f�r eine Familie abgibt.�</p><p>Er war wie vom Donner ger�hrt. �Soll das hei�en, du bekommst ein Kind?�</p><p>�Siehst du nicht, wie meine Augen strahlen? Ich bin schwanger, Antonio.�</p><p>Er sprang so ungest�m auf, dass sein Schemel nach hinten �berkippte. Aber das k�mmerte ihn nicht, er hob Lucrezia hoch und wirbelte sie vor Gl�ck im Kreis herum. Dann hielt er pl�tzlich schuldbewusst inne und setzte sie behutsam wieder ab. �Entschuldige, ich ��</p><p>�Dem Kind ist nichts passiert, Antonio�, lachte sie. �Im Gegenteil, es hat zum ersten Mal die Freude seines Vaters gesp�rt. Es wei� nun, dass es willkommen ist.�</p><p>Nachdem Lucrezia eingeschlafen war, stand er mitten in der Nacht leise wieder auf, begab sich in sein Atelier im Erdgeschoss und begann zu skizzieren, wie das Haus, das Lucrezia von Bramante geerbt hatte, zum Palazzo der Familie Antonio da Sangallos umgebaut werden sollte. Als die Sonne durch die Fenster brach, hatte er nicht nur die Pl�ne fertig, sondern auch die Reihenfolge der Arbeiten festgelegt. Dabei leitete ihn der Grundsatz, dass seine schwangere Frau so wenig wie m�glich von den Arbeiten behelligt werden sollte.</p><p>Als Lucrezia am Morgen verschlafen ins Atelier trat und sich die Augen rieb, pr�sentierte er ihr m�de, aber gl�cklich die Vorstellung, wie ihr Zuhause bald aussehen w�rde. Das Erdgeschoss sollte ausschlie�lich f�r die Arbeit genutzt werden, f�r Atelier und Kontor, au�erdem k�men noch die K�che, der Vorratsraum und die Zimmer der Dienerschaft dazu. Im <emphasis>piano nobile</emphasis> war der gro�e Saal f�r Feste vorgesehen und der kleine Saal f�r die t�glichen Mahlzeiten und das Zusammensein der Familie. Im neu zu schaffenden zweiten Obergeschoss sollten sich die Schlafzimmer befinden, ihres und die der Kinder.</p><p>�Kinder?�, fragte sie verdutzt.</p><p>�Wir wissen doch jetzt, wie es geht�, neckte er sie gutm�tig. �Oder soll ich den alten Kasten immer, wenn du guter Hoffnung bist, wieder umbauen?�</p><p>Lachend wehrte sie ab. Nat�rlich nicht! Dann blieb ihr Blick an einem Detail h�ngen, das sie sich nicht zu erkl�ren vermochte. Antonio l�chelte stolz �ber das ganze Gesicht. �Das werden Kamine. Ich habe als Kind im Winter, Sp�therbst und fr�hem Fr�hjahr immer gefroren, wenn die Feuchtigkeit ins Mauerwerk gedrungen war und von dort nur N�sse und K�lte gegen die Bewohner geschickt hatte.� Dann machte er sie noch darauf aufmerksam, dass er die Decken heben und einen Baderaum einbauen wollte.</p><p>�Einen Baderaum?� Erst riss sie vor Staunen die Augen auf, dann schaute sie ihn an, als ob er von Sinnen sei.</p><p>�Genau!�, best�tigte er, wobei er sie sanft umarmte. �Wie ihn Raffael dem Bischof Bibbiena im Vatikanpalast einbauen soll. Eine <emphasis>Stuffetta</emphasis>.�</p><p>Zwei Tage sp�ter bekam Antonio Besuch von Maffeo, den er sogleich ins Atelier f�hrte. Der Bauunternehmer schien schlechter Stimmung zu sein. Wie es so gar nicht seiner Art entsprach, begann er etwas umst�ndlich. Er wisse ja zu sch�tzen, dass er keinen Maurer entlassen m�sste, aber die Zust�nde auf der Baustelle seien unhaltbar, weil sich die M�nner am Westchor gegenseitig auf die F��e tr�ten, und dass bereits b�ses Blut entst�nde zwischen den Firmen und ihren Maurern, weil man zu dicht beieinander arbeitete. �Wir wissen doch alle, dass diese Situation nicht lange andauern wird, und dann werden zwei oder drei Mauermeister ihre Auftr�ge verlieren. Lass uns an den Konterpfeilern weiterarbeiten!�, schloss Maffeo.</p><p>�Donato hat aber im Auftrag des Papstes befohlen, den Westchor so schnell wie m�glich hochzuziehen!�, wandte Antonio ein.</p><p>�Donato lebt nicht mehr, und der Papst auch nicht. <emphasis>Du</emphasis> musst die Entscheidung treffen.�</p><p>Das stellte sich Maffeo bei Weitem einfacher vor, als es in Wirklichkeit war, denn Bramante hatte mit Bedacht die Planung des Baus nicht �ber die Vierung hinausgetrieben. Nicht einmal die Konstruktion der Kuppel lag in einer fertigen Version vor. Das konnte Antonio dem Bauunternehmer jedoch nicht sagen. Wenn bekannt w�rde, dass sie ohne Plan, sondern eher nach Eingebung und Einfall gearbeitet hatten, w�re ihr Ruf dahin. Bramante konnte das gleich sein, doch Antonios Karriere w�rde es vernichten. Unter allen Umst�nden musste er den Eindruck aufrechterhalten, dass sie nach einem festen Plan gebaut hatten.</p><p>Leider waren sie jetzt am Ende der Planungen angekommen. Die Gestalt der Kuppel musste entschieden und die entscheidende Frage gekl�rt werden, ob sich an die Vierung im Osten, zur Stadt hin, nun ein Langbau anschlie�en oder ob die neue Peterskirche ein Zentralbau werden sollte. Das w�rde sich zumindest auf den nord�stlichen und den s�d�stlichen Pfeiler und die dazugeh�rigen Konterpfeiler auswirken. Er steckte in einem Dilemma.</p><p>�Ich bin nicht Donato!�, gab er schroff zur�ck. Sollten sie ihn eben f�r kleinm�tig halten, f�r den ewigen Gehilfen, der sich nicht traute, in die Schuhe des Meisters zu schl�pfen. Besser sie glaubten, dass er feige w�re, als dass sie die Wahrheit erfuhren � dass sie all die Jahre nach Gutd�nken gewerkelt hatten.</p><p>Maffeo hieb w�tend auf den Tisch. �Doch, f�r uns bist du Donato!� Dabei fiel sein Blick auf die Zeichnungen f�r den Umbau des Hauses.</p><p>�Gib mir noch etwas Zeit, Maffeo. Ich muss erst mit dem Papst reden.�</p><p>�Du scheinst ja anderweitig besch�ftigt zu sein�, knurrte Maffeo b�se.</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>Der Bauunternehmer deutete auf die Zeichnungen. �Hast einen neuen Auftraggeber gefunden. Nur schade, dass du deine Freunde nicht daran beteiligst.�</p><p>�Wenn du eine Zeichnung lesen k�nntest, w�sstest du, worum es geht�, sagte Antonio, der sich �ber die Unterstellung �rgerte.</p><p>�Und?�, fragte Maffeo, der sich schon zum Gehen gewandt hatte. �Worum geht es denn?� In der Frage lag die Drohung, dass sich Antonio ja nicht einfallen lassen sollte, ihn zum Narren zu halten, nur weil er in der Tat keine Bauzeichnungen zu lesen vermochte. Er konnte auch sonst nichts lesen. Welcher Bauunternehmer hatte schon schreiben und lesen gelernt? Jeder hatte sich wie sein Vater aus dem Maurerstand emporgearbeitet.</p><p>�Der Bauherr und Auftraggeber bin ich! Ich will diesen Palazzo umbauen.�</p><p>Maffeo grinste. �Lucrezia ist schwanger?�</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Du w�rest wohl kaum auf die Idee gekommen, das Haus umzubauen, wenn ihr nicht Zuwachs erwarten w�rdet. Wenn es �berhaupt deine Idee war�, meinte Maffeo mit einem verschw�rerischen Schmunzeln und beugte sich interessiert �ber die Zeichnung, auch wenn er mehr ahnte, als er verstand. �Bau lieber gleich richtig. Ich habe jetzt f�nf Kinder und dreimal umgebaut.�</p><p>�Nichts anderes habe ich vor�, erkl�rte Antonio und erl�uterte ihm den Plan f�r den Umbau. Maffeo hatte den einen oder anderen Einwand, zumeist sehr praktischer Natur, aber ansonsten gefiel ihm der Entwurf. Er stie� Antonio vergn�gt an und tippte mit dem Zeigefinger auf die Zeichnung.</p><p>�Da liegt auch die L�sung f�r unser Problem. Ich habe doch ohnehin zu viele Leute auf der Baustelle. Ich schicke dir meine besten und vertrauensw�rdigsten M�nner. Wir m�ssen es ja nicht an die gro�e Glocke h�ngen.�</p><p>�Wie komme ich m�glichst billig an Material?�</p><p>�Das bringen meine M�nner von der Baustelle mit.�</p><p>�Das geht nicht!�</p><p>�Machen doch alle so. Solange das im Rahmen bleibt, ist es in Ordnung. Man darf es nur nicht �bertreiben, so wie fr�her.�</p><p>�Ich werde alles bezahlen.�</p><p>�Tu, was du nicht lassen kannst. Aber jetzt lass uns anfangen. Meine M�nner arbeiten im Wettstreit mit deinem Kind. Es soll doch alles fertig sein, wenn es zur Welt kommt!�, lachte Maffeo.</p><p>�Oh ja, das soll es�, seufzte Antonio erleichtert.</p><p>Gleich nachdem Maffeo gegangen war, eilte er zu Lucrezia, die in der K�che den Dienern Anweisungen f�r den Tag gab. Er zog sie mit sich ins Atelier und verk�ndete ihr, dass am n�chsten Tag mit dem Umbau begonnen w�rde. Er war gl�cklich und mit der L�sung sehr zufrieden. Lucrezia riet ihm, nicht allzu laut zu verk�nden, dass er alles bezahlen w�rde, bevor er nicht alle Kosten kennen w�rde. Zwischen Ehrlichkeit und Dummheit best�nde ein gro�er Unterschied, das hatte sie zumindest bei Donato gelernt.</p><p>�Warst du beim Papst?�, fragte sie ihn.</p><p>�Nein, er ist immer noch nicht zur�ck.�</p><p>�Dann musst du mit Raffael sprechen!�</p><p>Er zuckte �rgerlich zur�ck. Musste sie ausgerechnet jetzt den Schorf von seinen Wunden rei�en?</p><p>�Was soll ich denn mit Raffael besprechen?�</p><p>�Er ist der leitende Architekt.� Antonio verdrehte die Augen. �Ich wei�, es tut weh, dass Donato ihn dir vorgezogen hat. Aber vielleicht ist es gut so. Donato wusste, was er tat.�</p><p>�Ja, weil er es mir nicht zugetraut hat. Traust du mir das auch nicht zu?�</p><p>Lucrezia st�hnte. Wie oft hatten sie dar�ber schon gesprochen! Dann umarmte sie ihn. �Vielleicht solltest du Abstand nehmen von der Baustelle bei Sankt Peter und dir langsam, aber sicher andere Auftr�ge suchen.�</p><p>�Es ist meine Baustelle!�</p><p>�Tonio, es ist nicht deine Baustelle, es ist die Baustelle des Papstes. Hat sich denn Baldassare Peruzzi als Architekt f�r den Petersdom beworben?�</p><p>�Nein, aber der hat ohnehin mehr Auftr�ge, als er schaffen kann!�</p><p>Sie l�chelte. �Er wei�, warum er einen gro�en Bogen um dieses Projekt macht. Und Raffael? Hat der sich in die Arbeit gest�rzt?�</p><p>Antonio sch�ttelte betreten den Kopf. Nicht ein einziges Mal hatte sich der Maler aus Urbino auf der Baustelle blicken lassen. Im tiefsten Inneren seines Herzens ver�belte ihm Antonio, dass er weder zu ihm gekommen noch nach ihm geschickt hatte, um sich mit ihm �ber den Fortgang der Arbeiten zu beraten.</p><p>�Es hei�t, Raffael arbeite f�r Agostino. Er malt ein Fresko in dessen Palazzo und besch�ftigt sich mit Pl�nen f�r die Gestaltung seiner Kapelle in Santa Maria del Popolo.�</p><p>�Wo deine Mutter beigesetzt ist?�</p><p>Als sie nickte, verschleierte Trauer ihren Blick.</p><p>�Es hat beiden genutzt�, meinte Antonio nachdenklich und wollte sie in den Arm nehmen. Lucrezia wich zur�ck. �Er lebt aber noch.� Dann schaute sie ihn fordernd an. �Geh zu Raffael!�</p><empty-line/></section><section><p>50</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1514</p><p>Die Sonne stand hoch am Himmel, als Antonio sich auf den Weg zum Petersdom machte. Aus den H�usern drangen Essensd�fte, und das Gewirr aus den hohen und tieferen Stimmen der Menschen, die zu Tisch sa�en, hallte in den Gassen wider. Nat�rlich konnte er es nicht lassen, zur Baustelle zu gehen, mochte es auch ein Fehler sein. Das Gef�hl, verantwortlich zu sein, zog ihn mit tausend Stricken dorthin. Auch wenn Maffeo guter Laune war, weil die H�lfte seiner Leute inzwischen an Antonios Palazzo baute, lie� sich die allgemeine Missstimmung mit H�nden greifen. Alle sp�rten die Unentschiedenheit, wie es mit dem Petersdom weitergehen w�rde. Also arbeiteten die meisten langsam, wenn sie nicht damit besch�ftigt waren, Steine und Puzzolanerde verschwinden zu lassen und anderswo zu verkaufen. Er konnte dagegen nichts sagen, denn er verhielt sich ja im Augenblick �hnlich, auch wenn er das Material sp�ter bezahlen wollte. Es fehlte der Ansporn, der nach vorn weisende, mitrei�ende Geist. Alle M�nner, die auf der Baustelle arbeiteten, f�hlten sich inzwischen wie auf Abruf.</p><p>In seiner Not hatte Antonio angewiesen, dass die offene Querseite der alten Basilika zugemauert wurde. Wusste man denn, ob man diesen Teil der alten Kirche sp�ter mit dem Neubau verbinden w�rde? Nichts wusste man, gar nichts! Seine Unentschlossenheit �bertrug sich auf die Bauleute. Die Erfahrenen unter ihnen sp�rten, dass die Vermauerung der hinteren Seite des alten Bauk�rpers nur eine Verlegenheitsarbeit darstellte, etwas, das man immer machen konnte, weil es zu nichts f�hrte. Diese Entt�uschung, das Gef�hl auf verlorenem Posten zu stehen, sah er in ihren Augen, wenn sie ihn teils ver�chtlich, teils mitleidig anschauten. Der Autorit�tsverlust war mit H�nden zu greifen. Nun, wo sein Meister im Grab lag, sah man, was der Gehilfe taugte. Antonio ging, nein, er floh von der Baustelle, weil er diese Blicke nicht mehr ertrug. Etwas musste geschehen.</p><p>Endlich rang er sich dazu durch, Raffael in Agostino Chigis Palazzo aufzusuchen. Der Maler stand in der �stlichen Loggia auf einem Ger�st und zeichnete den Kopf der Galathea. Antonio ahnte die Sch�nheit und genoss es, dem Maler zuzusehen, der mit einer faszinierenden Leichtigkeit den Pinsel f�hrte. Er hatte den Besucher bereits aus den Augenwinkeln wahrgenommen.</p><p>�Ihr m�sst noch etwas warten, bis ich das Pensum geschafft habe�, rief er Antonio zu.</p><p>Beim Freskieren wurde die Fl�che, die man in drei bis vier Stunden bemalen konnte, mit feuchtem M�rtel �berzogen, auf dem gemalt wurde und der beim Trocknen die aufgetragenen Farben mit abband. Deshalb musste sich Antonio eine Weile gedulden. Aber da es weder am Petersdom noch auf seiner h�uslichen Baustelle etwas f�r ihn zu tun gab, konnte er genauso gut Raffael zusehen, zumal es ihm Freude bereitete, den Meister bei seinen eleganten und leichten, ja fast spielerischen Pinselstrichen zu beobachten. Eigentlich sah es weniger nach Malen aus als nach Zaubern. Wie sehr w�nschte sich Antonio dieses Talent! Auch Bramante hatte sich nicht r�hmen k�nnen, Raffael in der Malerei ebenb�rtig zu sein.</p><p>Antonio war so versunken in die Betrachtung des Malers, dass er nicht h�tte sagen k�nnen, wie lange er ihm zugesehen hatte, als Raffael vom Ger�st stieg. In seinen ovalen, schwarzen Augen unter der hohen Stirn stand ein liebensw�rdiges L�cheln. Er trug eine dunkle Hose, dar�ber einen gelben Malerkittel.</p><p>�Mess�r Antonio! Was verschafft mir die Freude Eures Besuches?�, sagte der Maler. Er legte Antonio freundschaftlich den Arm um die Schulter und f�hrte ihn in den Garten. Das fr�hliche Gezwitscher der V�gel umspielte ihr Ohr, w�hrend in der Luft ein Duft von wildem Fenchel lag.</p><p>�Der Petersdom.�</p><p>Raffael zuckte mit den Achseln. �Bedaure, es ist zu fr�h, dar�ber zu reden.�</p><p>�Ich besch�ftige die Leute mit Verlegenheitsarbeiten. Der Fortgang der Arbeiten muss endlich entschieden werden.�</p><p>�Was sagen denn die Pl�ne?�</p><p>�Die Pl�ne? Nichts. Mess�r Donato hat sozusagen von Schritt zu Schritt geplant.�</p><p>Raffael lachte. �Das sieht ihm �hnlich, meinem guten alten Donato. Er wollte sich von niemandem in die Karten sehen lassen. Aber das wollen wir doch lieber niemandem erz�hlen.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, versicherte Antonio rasch. �Aber es muss doch etwas geschehen. Und Ihr seid der leitende Architekt.�</p><p>Raffael hob abwehrend die H�nde. �Noch nicht. Ich bin zwar benannt, aber noch nicht beauftragt und berufen.�</p><p>�Was sollen wir denn tun?�</p><p>�Nichts. Wir m�ssen warten, bis der Papst zur�ck ist.� Er stie� den Baumeister freundschaftlich an. �Der Petersdom l�uft uns nicht davon. Er steht ja schon �ber tausend Jahre da.�</p><p>�Ja, aber jetzt sieht er aus wie eine Ruine�, begehrte Antonio auf. Ihn �rgerte die l�ssige Art, mit der sich Raffael aus der Verantwortung stahl. Inzwischen bereute er es, dass er �berhaupt hierhergekommen war. �ber den Gartenweg kam ihnen ein Geselle entgegen.</p><p>�Meister, wir haben den M�rtel angebracht�, meldete er ihm mit einer Stimme, die der Branntwein angeraut hatte. Raffael nickte, dann hob er bedauernd die H�nde.</p><p>�Die Arbeit ruft! Aber ich gebe Euch einen Rat. Treibt alles voran, was Euch au�er dem Dom wichtig ist. Sucht Euch ein paar Auftr�ge, und beschwert Euch weder im Gewissen noch im Denken mit Sankt Peter, bevor der Heilige Vater zur�ck ist.� Damit lie� ihn Raffael mitten im Park stehen und eilte in die Loggia.</p><p>Zu Hause fand Lucrezia tr�stende Worte. Raffaels Ratschlag schien ihr gut. Wenn Antonio �bersch�ssige Energien habe, solle er Auftr�ge hereinholen. Er m�sse endlich aus Bramantes Schatten treten, was ihm aber am Petersdom nicht gelingen werde. Was Lucrezia nicht wusste, war, dass es mit Bauauftr�gen f�r Antonio nicht gut aussah. Wenn sie nicht schon vergeben waren, lud man lieber Baldassare Peruzzi noch eine Arbeit auf, als sie Bramantes Gehilfen anzuvertrauen. Dass er ein sehr guter Assistent war, wussten alle � ob er aber auch ein guter Baumeister war, konnte niemand sagen. So lief sich Antonio erfolglos die F��e wund.</p><p>Und dann kam das b�se Erwachen. Einmal im halben Jahr holte er Geld f�r die Baustelle, f�r die L�hne und Baumaterialien. Doch in der apostolischen Kammer beschied man ihn diesmal k�hl, dass er kein Geld bek�me. Er habe es zwar immer in Empfang genommen, aber nur im Auftrag des leitenden Architekten Donato Bramantes. Da dieser aber nun verstorben sei, bed�rfe es einer neuen Verf�gung. Antonio raufte sich die Haare; alle Schilderungen der Situation, dass die Leute bezahlt werden m�ssten, halfen nichts. Zwar sah man den Notstand ein, aber es brauchte eine neue Verf�gung des Papstes. Unverrichteter Dinge verlie� Antonio die apostolische Kammer.</p><p>Obwohl das Wetter sch�n und die Atmosph�re heiter war, glaubte er sich im Orkan seines Lebens zu befinden. Ihm wurde abwechselnd siedend hei�, dann wieder fr�stelte ihn. Auch wenn er nicht der leitende Architekt war, w�rden sich die Bauunternehmer an ihn halten. Und diese Leute waren nicht zimperlich, warum sollten sie auch. Das Leben ihrer Familien hing von diesen Zahlungen ab. Als er wieder einen klaren Gedanken zu fassen vermochte, dachte er als Erstes daran, dass er Lucrezia in Sicherheit bringen musste. Dann fiel ihm ein, dass auch er �ber keinerlei Geld mehr verf�gte, denn auch ihn hatte Donato als seinen Gehilfen bezahlt. Nicht nur den Maurern, auch ihm selbst wurde der Lohn verweigert. Mechanisch setzte Antonio einen Fu� vor den anderen. Er hatte das Gef�hl, als w�rde alle Lebenskraft aus ihm herausflie�en. Niemals im Leben hatte er sich solch existenziellen Schwierigkeiten gegen�bergesehen, und ausgerechnet jetzt, da er Verantwortung trug und Vater wurde, wusste er nicht ein noch aus. Er �berlegte, ob er noch einmal zu Raffael gehen sollte. Der Maler w�rde sich wieder als noch nicht zust�ndig bezeichnen und ihm allenfalls ein paar Scudi f�r sich und seine Familie anbieten. Doch es war ihm zuwider, Raffael um Geld zu bitten. Agostino Chigi, den er h�tte fragen k�nnen, weilte in Venedig, und sein Onkel Giuliano baute wieder einmal in der Toskana. Im Grunde traute er sich noch nicht einmal nach Hause, weil er Lucrezia nicht beunruhigen wollte. Er musste eine L�sung finden!</p><p>Schweren Herzens begab er sich in die Canonica von Sankt Peter, in der Giacomo Kardinal Catalano wohnte. Er hatte Gl�ck, der Erzpriester von Sankt Peter empfing ihn. Antonio hasste diesen Mann f�r alles, was er Lucrezia angetan hatte, doch der Kardinal war als Leiter der <emphasis>Fabbrica di San Pietro</emphasis> f�r die Baustelle mitverantwortlich. Bramante war es seinerzeit gelungen, die Baukommission und mithin den Kardinal aus allen Entscheidungen herauszuhalten. Und nun blieb Antonio nichts anderes �brig, als den Kardinal um Hilfe zu bitten und ihm damit wieder einen Einfluss auf die Leitung und Planung der Bauarbeiten zu erm�glichen. Es war ein gro�er Fehler, das wusste Antonio. Aber er hatte keine andere Wahl.</p><p>Der Dominikaner reichte ihm die Hand mit dem Ring, die er k�sste. Dann wies Giacomo mit unbewegter Miene auf einen mit rotem Samt gepolsterten Lehnstuhl, auf dem sich Antonio niederlie�. Der Erzpriester dachte nicht freundlicher �ber den Architekten als dieser �ber ihn. Nach einem kurzen Schweigen forderte der Kardinal Antonio auf, frei und ohne Umschweife zu reden.</p><p>Mit knappen Worten skizzierte Antonio die Situation auf der Baustelle. Er erw�hnte nicht, dass keine Pl�ne Bramantes f�r die Fortsetzung der Bauarbeiten existierten, was in diesem Zusammenhang auch keine Rolle spielte. Die H�nde vor der Brust zu einem Dreieck zusammengelegt, h�rte der Kardinal zu, ohne ihn zu unterbrechen. Ab und zu erschien ein fl�chtiges L�cheln auf dem Gesicht des Erzpriesters, und Antonio wurde schlagartig bewusst, dass er einen weit gr��eren Fehler beging, als er angenommen hatte.</p><p>�Ich werde sehen, was ich f�r dich tun kann, aber bevor der Papst zur�ck ist, sind auch mir die H�nde gebunden. Ich bete f�r dich, mein Sohn�, sagte Giacomo freundlich, was ihm bei der inneren Genugtuung, die er empfand, nicht schwerfiel. Dann schlug er segnend das Kreuz �ber Antonio und verabschiedete sich. Unverrichteter Dinge verlie� dieser den dank seiner Einfalt wohlunterrichteten Kardinal.</p><p>Am Abend ging er Lucrezia aus dem Weg. Als sie sich zu Bett gelegt hatten, stellte er sich schlafend und lag doch die ganze Nacht wach. Gegen Morgen kam ihm der rettende Einfall. Mit aufgesetzter Fr�hlichkeit nahm er gemeinsam mit Lucrezia das Fr�hst�ck ein und begab sich dann zu Chigis Bankhaus. Dort nahm er eine Anleihe auf seinen Palazzo auf. Damit konnte er zumindest die Arbeiter bezahlen, und es blieb auch f�r ihn noch etwas Geld �brig. Lange w�rde es jedoch nicht reichen.</p><p>Wenige Tage darauf stand er mit seiner Frau in dem soeben fertig gewordenen Kinderzimmer. �Dort�, sagte Lucrezia und zeigte auf eine Stelle an der Wand gegen�ber dem Fenster, �kommt die Wiege hin. Und die W�nde w�nsche ich mir hellblau.� Antonio k�sste sie. Sie nahm seine Hand und legte sie auf ihren Bauch. Erstaunt und ber�hrt sp�rte er den Bewegungen seines Kindes nach. Sein begl�cktes L�cheln erstarb, als er von der Treppe her schwere, laute Schritte vernahm. Dann standen die Bewaffneten auch schon im Zimmer.</p><p>�Mess�r Antonio da Sangallo? Begleitet mich auf die Engelsburg�, sagte einer der vier ungeschlachten Gesellen barsch.</p><p>�Wer hat das befohlen?�</p><p>�Seine Eminenz Kardinal Catalano.�</p><p>Lucrezia schrie auf und presste sich an Antonio. Er l�ste sich sanft von ihr, k�sste sie wortlos und folgte dann den M�nnern. Er f�hlte sich elend, so elend wie noch nie in seinem Leben. Die Frau, die er liebte und die sein Kind trug, hatte er sch�tzen wollen und damit in h�chste Gefahr gebracht. Dabei wusste Lucrezia noch nicht einmal, dass ihr Palazzo verpf�ndet war und sie nur Schulden hatten.</p><p>Lucrezia war au�er sich vor Angst und Sorge. Sie lag die ganze Nacht wach und gr�belte verzweifelt nach. Doch sosehr sie sich auch den Kopf zerbrach, sie fand sie keinen Anhaltspunkt daf�r, was man Antonio vorwerfen konnte. Oh, dieser verfluchte Bau! Alle machten einen gro�en Bogen darum � Raffael, Baldassare Peruzzi, Giuliano da Sangallo, selbst der neue Papst schien sich der Angelegenheit nicht allzu rasch annehmen zu wollen.</p><p>Nur Antonio tat so, als w�re er f�r alles und jeden dort verantwortlich und bot sich damit f�r alles M�gliche als S�ndenbock an, dachte Lucrezia, als sie pl�tzlich ein heftiges Ziehen im Unterleib sp�rte. Heftige Angst um ihr Kind stieg in ihr hoch, und sie legte beide H�nde sch�tzend auf ihren Leib. Sie rief ihre Dienerin herbei und lie� sich von ihr kalte Umschl�ge auflegen. So gelang es ihr allm�hlich, ihrer Panik Herr zu werden.</p><p>Als das Morgenlicht durch die Fensterscheiben ins Zimmer drang, hatte sie sich wieder gefasst und begann, mit klarem Kopf nachzudenken. Sie stand auf und zog einen Hausmantel �ber. Dann setzte sie sich an den Arbeitstisch, der w�hrend der Bauarbeiten in der unteren Etage in ihrem gro�en Schlafzimmer stand, und nahm Papier und Feder. Sie schrieb zwei Briefe, einen an Agostino Chigi, den anderen an Giuliano da Sangallo. So gut sie dar�ber Bescheid wusste, schilderte sie den beiden M�nnern ihre Situation und bat sie um Rat und Hilfe. W�hrend ihre Feder �ber das Papier glitt, vernahm sie Ger�usche, die von den Bauarbeiten unter ihr herr�hrten. Die ersten Maurer hatten mit ihrer Arbeit begonnen. Auf dem Flur riefen sich die Diener etwas zu. Diese Allt�glichkeiten verliehen ihr Kraft und Zuversicht � das Leben ging weiter.</p><p>Als die Briefe fertig waren, schickte sie zwei Boten los, einen nach Venedig, den anderen nach Siena. Pl�tzlich versp�rte sie einen heftigen Appetit auf H�hnerbr�he mit Erdbeeren und verspeiste mit gro�em Genuss zwei Teller mit dieser seltsam zusammengestellten Suppe. Danach kleidete sie sich an und begab sich in Begleitung einer Dienerin und des Hausburschen zu Raffael, der in einem kleinen Palazzo im Borgo wohnte, den �brigens Bramante als einer der ersten Auftr�ge in Rom errichtet hatte.</p><p>Der Maler schlief noch. Lucrezia wurde in einen kleinen Saal im <emphasis>piano nobile</emphasis> gef�hrt, wo sie auf ihn wartete. Die Bilder der vielen Zweige und V�gel auf den W�nden gaben ihr das Gef�hl, sie s��e in einem Vogelk�fig. Als Raffael den Raum betrat, wunderte sie sich, dass die V�gel an den W�nden nicht aufflatterten und wegflogen. Mit wenigen Worten entschuldigte sie sich, ihn so fr�h zu st�ren, und schilderte ihm dann, was geschehen war. Raffael blickte sie aus seinen leuchtenden Augen voller Mitleid an.</p><p>�Madonna, ich bin untr�stlich. Aber ich f�rchte, ich kann Euch nicht helfen. Ich kenne den Erzpriester kaum.�</p><p>�Es tut mir leid, dass ich Eure Zeit verschwendet habe. Donato wird es Euch im Himmel sicher vergelten�, sagte Lucrezia k�hl und erhob sich. Sie hatte kaum ausgesprochen, da beobachtete sie etwas, was noch niemand bei Raffael gesehen hatte: Sein stets heiterer Gesichtsausdruck verd�sterte sich f�r den Bruchteil einer Sekunde.</p><p>�Verzeiht, Madonna Lucrezia, aber ich hatte Eurem Mann geraten, einen gro�en Bogen um die Baustelle zu machen, solange der Papst nicht die Richtung befohlen hat, in die es weitergehen soll.�</p><p>�Was ist schlecht daran, dass er Verantwortung �bernommen hat, f�r die vielen Leute, die von dieser Baustelle leben, f�r die M�nner, f�r ihre Frauen und Kinder?�, fragte sie. Weder war sie laut geworden, noch hatte ein Vorwurf in ihrer Stimme gelegen.</p><p>�Schlecht war nichts daran, nur unvorsichtig und naiv. Ihr seht ja selbst, was daraus geworden ist.� Der Maler schwieg und dachte nach. Man sah ihm an, wie ungern er sich in die unangenehme Angelegenheit hineinziehen lie�. �Ich werde einen Brief an den Bischof Bibbiena schicken und ihn bitten, sich daf�r einzusetzen, dass Euer Mann unverz�glich auf freien Fu� gesetzt wird.� Als er ihren entt�uschten Blick sah, f�gte er hinzu: �Der Bischof ist die rechte Hand des Papstes.�</p><p>Jetzt konnte sie nur noch beten, dachte Lucrezia und kehrte nach Hause zur�ck. Dort erwartete sie indes eine �berraschung. Im gro�en Saal sa� Giacomo Catalano. Lucrezia blieb wie angewurzelt stehen. Der Erzpriester l�chelte und bot ihr dann in ihrem eigenen Haus einen Platz an. Sie nahm die Absurdit�t gar nicht wahr, sondern setzte sich.</p><p>�Du tr�gst ein sch�nes Kleid, meine Tochter!�</p><p>�Habt Ihr Euch deshalb herbem�ht, Eminenz, um mir Komplimente zu machen?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Gesegnet sei die Frucht deines Leibes�, sagte Giacomo und spielte unverhohlen auf ihre Schwangerschaft an.</p><p>�Gesegnet sei auch der, der den Vater des Kindes, das in meinem Leib w�chst, besch�tzt�, erwiderte sie schroff.</p><p>Der Dominikaner setzte eine Leidensmiene auf. Was f�r ein schlechter Schauspieler, dachte sie. �Ich will offen mit dir sein. Fr� Giocondo hat auf meine Bitte hin die ausgef�hrten Bauten untersucht. Der s�dwestliche und der nordwestliche St�tzpfeiler sind vom Einsturz bedroht, weil sich die Fundamente aufl�sen. Ich verstehe nicht allzu viel davon, aber die Fachleute versichern mir, dass schlechtes Material benutzt wurde. Entweder hat ein Ketzer den heiligen Bau hintertrieben, um Christus und der Kirche zu schaden, oder gutes Material wurde verkauft und schlechtes verwendet. Entweder handelt es sich um H�resie oder um Unterschlagung. Allerdings kommt Raub an diesem Bauplatz der Ketzerei gleich.�</p><p>Lucrezia wurde blass, aber sie durfte jetzt nicht hysterisch werden, sondern musste einen klaren Kopf behalten. Das war noch nicht alles. Nur um ihr das mitzuteilen, h�tte er kaum diesen Weg unternommen. Er wollte etwas von ihr, so viel stand fest.</p><p>�Kommen wir zur Sache�, entgegnete sie k�hl.</p><p>Ihr gesch�ftsm��iger Ton verunsicherte den Kardinal f�r einen kurzen Moment. Dann breitete er die Arme aus. �Es ist ganz einfach. Du musst nur mit deinem Mann sprechen, damit er daf�r eintritt, dass Fr� Giocondo der leitende Architekt von Sankt Peter wird. Au�erdem soll Antonio schw�ren, von nun an alles zu tun, dass die Vierung in einen Langbau ausl�uft, und eine gut katholische Basilika entsteht, und die Zentralbaupl�ne Bramantes zu vernichten!�</p><p>Lucrezia musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen, denn von Donato gab es ja keine weiteren Pl�ne. Der alte Gauner hatte sie alle hinters Licht gef�hrt. Alle waren davon ausgegangen, dass der Baumeister den Dom bis zu Ende projektiert hatte, doch in Wirklichkeit gab es keine weiteren Ausf�hrungspl�ne. Vielleicht hatte Neu Sankt Peter fix und fertig in seinem Kopf gestanden � das konnte sie nicht beurteilen �, doch dar�ber hatte er weder mit Antonio gesprochen, noch ahtte er etwas Derartiges zu Papier gebracht.</p><p>�Ich schw�re bei der heiligen Jungfrau Maria, dass mein Mann sich f�r Fr� Giocondo einsetzen wird und dass er alle Langhauspl�ne unterst�tzt. Donatos Pl�ne werden wir vernichten. Daf�r will ich meinen Mann zur�ckhaben.�</p><p>Der Kardinal schlug ein Kreuz, dann stand er auf. Als Lucrezia sich ebenfalls erheben wollte, legte er ihr die Hand auf die Schulter. �Ruhe dich aus, meine Tochter. Du erinnerst dich doch, dass ich einmal geschworen habe, dich zu besch�tzen.� Lucrezia schauderte.</p><p>Am Nachmittag kehrte Antonio nach Hause zur�ck. Er war erleichtert, aber der Schreck sa� ihm in den Knochen. Niemals, fl�sterte er seiner Frau ins Ohr, obwohl sie sich allein im Zimmer befanden, w�rde er gegen den Willen des Kardinals Catalano versto�en. Man hatte ihm die Instrumente gezeigt.</p><p>Einen Monat sp�ter kehrte auch der Papst von seinem Jagdaufenthalt zur�ck. Nachdem er R�cksprache mit Giuliano da Sangallo und Raffael gehalten hatte, ernannte er Fr� Giocondo zum zweiten Baumeister von Sankt Peter. Lucrezia machte ihrem Mann bittere Vorw�rfe, weil er ihren Palazzo beliehen hatte, konnte aber durch ein Gespr�ch mit ihrem Adoptivvater Agostino Chigi die R�cknahme der Vereinbarung erreichen. Die apostolische Kammer ersetzte die Auslagen, die Antonio da Sangallo gehabt hatte. Durch Vermittlung seines Onkels bekam Antonio seine ersten Auftr�ge, n�mlich die Kirche in Santa Maria in Loreto, die ihn immer wieder zum Reisen zwang, obwohl er nicht von der Seite seiner schwangeren Frau weichen wollte, und schlie�lich einen Kirchenbau auf dem Trajansforum.</p><p>Fr� Giocondo k�mmerte sich bis zu seinem Tod im Jahr 1516 um die Nachbesserung der in der Tat aufgel�sten Fundamente der beiden westlichen Vierungspfeiler, w�hrend Raffael im Auftrag Leos X. und Agostino Chigis baute und malte, immer mehr Sch�ler einstellte, um einigerma�en der Vielzahl der Auftr�ge nachzukommen. Vollkommen ersch�pft starb ber�hmt, jung und sch�n Raffael aus Urbino f�nf Tage vor seinem M�zen Agostino Chigi und anderthalb Jahre vor seinem F�rderer Leo X. im Jahr 1521 in Rom.</p><p>Nach dem Tod Fr� Giocondos hatte der Papst Antonio da Sangallo doch noch zum Architekten von Sankt Peter bestimmt, und niemand freute sich dar�ber mehr als Maffeo Maffei, an dessen Seite h�ufig sein Sohn Arnoldo zu finden war, wenn der nicht gerade in der Lateinschule hockte. Maffeo hatte beschlossen, dass sein Sohn lesen und schreiben lernen sollte. Sowohl Antonio als auch Maffeo blickten stolz auf ihre wachsenden Familien, wobei Maffeo mit seinen sechs Kindern im Vergleich zu den vier Kindern Antonios in F�hrung lag.</p><p>Mehr allerdings, als die Fundamente zu verst�rken und die Konterpfeiler zu errichten, gelang den Architekten in der Zeit Leos X. nicht, denn obwohl dieser Papst den Ablasshandel in die H�he trieb, floss immer weniger Geld in der Baukasse des Petersdomes, weil der lebenslustige Giovanni de Medici, der Dichter und Gelehrte finanziell gro�z�gig unterst�tzte, das Geld schneller ausgab, als es hereinkam. Die Kerzen zu seiner Aufbahrung mussten geborgt werden. Die Kassen der apostolischen Kammer waren leer. Viele wurden reich, die Kirche aber arm.</p><p>Und noch eines hinterlie� Leo X. seinen Erben: �berall sagten sich Christen vom Papst los, ein gewisser Calvin in Genf, ein Zwingli in Z�rich und, der Schlimmste von allen, ein gewisser Luther in Wittenberg versprachen den Menschen das wahre Christentum. Schnell sammelten die Ketzer Abtr�nnige um sich, unter ihnen sogar F�rsten, ganze Kirchenprovinzen fielen von Rom ab. Besonders gern verwiesen diese Ketzer auf den unvollendeten Petersdom, auf die unfertig in den Himmel ragende Vierung, die einem Turm glich, dem Turm von Babylon. So wurde ihnen die Baustelle von Sankt Peter, der nur langsam vorangehende Neubau, zum Gleichnis f�r die Verderbtheit des Papstes, den einige sogar wagten, den Antichrist zu nennen.</p><p>Antonio hatte zu viel zu tun, als dass er diese Vorg�nge zur Kenntnis nahm, geschweige denn sich damit besch�ftigte. Er nahm so viele Auftr�ge an, wie es irgend ging. Politik, Philosophie und Theologie stie�en ihn ab, denn er kannte sich darin nicht nur nicht aus, sie schienen ihm auch allzu gef�hrlich. Vom Bauen verstand er etwas, das war sein Handwerk, nichts anderes.</p><p>Gel�hmt von den Forderungen Giacomo Catalanos war er inzwischen der Arbeit an Sankt Peter �berdr�ssig geworden. Raffael und er steigerten sich in immer neue, immer k�hnere Entw�rfe f�r Sankt Peter hinein, ohne dass je etwas davon auf der Baustelle umgesetzt wurde. Sie zeichneten, um nicht bauen zu m�ssen.</p><p>Und so gingen die Jahre dahin. Antonio war ein gefragter Architekt, liebender Familienvater und beliebter Gastgeber geworden, der auch seinen finanziellen Nutzen aus der Baustelle von Sankt Peter zu ziehen verstand. Er hatte aus der Krise gelernt, als er mit seiner Blau�ugigkeit und Unbedachtsamkeit sich und seine Familie beinahe ins Ungl�ck gest�rzt hatte. Es waren gute Zeiten, doch im Norden zogen bereits die dunklen Wolken des Unheils herauf.</p><empty-line/></section><section><p>51</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Governolo bei M antua, Anno Domini 1526, im November</p><p>Das heisere Kr�chzen der Raben, die auf kahlen �sten hockten, erf�llte die Luft. Nass und kalt und ungeheuer schrundig lag die nackte Erde irgendwo zwischen Ferrara und Mantua wie aufgekratzter Grind vor Ascanio. Durch alle �ffnungen seines K�rpers kroch die Novemberk�lte in seine Knochen. Er f�rchtete sich vor dem Rheuma. Deshalb trug er unter Harnisch und Wams ein dickes Wollhemd, das er in die schwarzen Hosen gesteckt hatte. Dieser Feldzug, schwor er sich, sollte sein letzter werden. Von seinem Hut hingen traurig die schwarzen B�nder, die ihn als einen der M�nner des gro�en Condottiere Giovanni delle Bande Nere auswiesen. Er war nun vierzig Jahre alt, entschieden zu alt f�r einen Landsknecht.</p><p>�He, Ascanio, komm mit. Wir wollen uns den Feind ansehen. Der alte Teufel Frundsberg hat es tats�chlich geschafft, die gesperrten Alpenp�sse zu umgehen�, rief ihm der junge Condottiere gut gelaunt zu. Obwohl der Landsknechtsf�hrer erst achtundzwanzig Jahre z�hlte, hatten seine K�hnheit und sein Erfolg ihn mit der Aura einer Legende bekleidet. Ascanio mochte den Medici mit dem dichten, dunklen Haar und dem wilden Blick, der so manchen Mann aus seiner Familie auszeichnete. Vom H�gel aus schauten sie in die Senke, in der es von zumeist deutschen Landsknechten wimmelte. Ein bunter, abenteuerlich gekleideter Haufen, der sich um die hoch aufragenden Fahnen sammelte. Giovanni zeigte auf den gegen�berliegenden H�gel.</p><p>�Frundsberg hat dort seine Kanonen aufgebaut. Dadurch wird uns die Senke zur Falle.� Ascanio beobachtete, wie der Condottiere in Nachdenken versunken, ein paar Schritte nach vorn ging. Im gleichen Augenblick sah er eine Kanonenkugel durch die Luft rumpeln wie ein betrunkener S�ldner. Der deutsche Landsknechtsf�hrer hatte anscheinend einen Probeschuss abfeuern lassen. Er wollte Giovanni warnen, doch zu sp�t. Die unf�rmige Eisenkugel traf den Condottiere und riss ihm ein Bein weg. Mit wenigen Schritten war Ascanio bei ihm. Der Verwundete sah fast aus wie eine Puppe, der ein Kind ein Bein abgerissen hatte. Doch aus dem Stumpf quoll Blut statt Wolle. Der junge Medici schrie vor Schmerzen in seinen Augen stand schon der Tod. Sterbend richtete er sich noch einmal auf und stimmte mit wilden Blicken ein Landsknechtslied an, das von Liebe, Ehre und fr�hem Tod handelte. Mitten im Refrain: � � mag morgen tot sein, wer da will und muss, lebt heute noch dem Teufel zum Verdruss ��, erstarb der Gesang. Der Condottiere war tot.</p><p>Der Gegner, Georg von Frundsberg, wurde benachrichtigt, und die legend�re Truppe l�ste sich auf. Die trauernden Landsknechte legten ihre schwarzen B�nder ab und zogen zu dem S�ldnerf�hrer, der ihnen am genehmsten schien.</p><p>Ascanio betete an der Stelle, an der vier Tage zuvor Giovanni delle Bande Nere gefallen war, als seine Freunde Baccio und Eugenio zu ihm traten. Eugenio ber�hrte ihn sacht an der Schulter, w�hrend Baccio zu ihm sprach. �Wohin gehen wir nun?�</p><p>Eigentlich hatte Ascanio beschlossen, dass dies sein letzter Feldzug und Giovanni sein letzter Anf�hrer sein w�rde, doch wohin sollte er sich wenden? Er hatte kein Zuhause, keine Familie. Seine Heimat war der Krieg. Die Spanier mochte er nicht, sie waren ihm zu grausam und zu arrogant. Zu den Franzosen zog es ihn nicht. Die Deutschen waren zwar tumb und versoffen, aber ihr Anf�hrer, Frundsberg, war ein alter, erfahrener Haudegen. Man nannte ihn nicht umsonst den Vater der Landsknechte, denn er sorgte stets daf�r, dass seine Leute ihren Schnitt in dem Gesch�ft, das Krieg hie�, machten, und er achtete darauf, sie nicht unn�tig der Gefahr auszusetzen. Geld konnte man vergeuden, aber nicht Blut. Also stieg Ascanio, begleitet von seinen beiden Freunden, den H�gel hinab, durchquerte die Senke, in der das Schlachten h�tte stattfinden sollen, das durch einen einzigen Probeschuss vereitelt wurde, und trat in Frundsbergs Dienste.</p><empty-line/><empty-line/><p>Norditalien, Anno Domini 1527, im Fr�hjahr</p><p>Ein halbes Jahr zogen sie durch Norditalien, ohne gro�e Schlachten zu schlagen. Dem Kaiser, in dessen Dienst er stand, ging das Geld aus. Inzwischen hatte Giulio de Medici, der Cousin Leos X., der als Clemens VII. auf der Cathedra Petri sa�, alle Gro�m�chte gegen sich aufgebracht. Zuerst hatte Clemens VII. sich mit den Franzosen gegen den Kaiser verb�ndet, aber dann durch Winkelz�ge den franz�sischen K�nig ver�rgert. So stand er ohne Schutz da. Karl V. legte umgehend die Kriegskosten auf den schwachen Papst in Rom um. Sollte der doch seine Landsknechte bezahlen! Doch der Geiz des Papstes siegte �ber alle Vernunft, denn er verweigerte die Zahlung.</p><p>Die S�ldner wurden immer unruhiger, auch Ascanio. Da sie nicht nur ihre Waffen und ihre Kleidung unterhalten, sondern sich auch auf eigene Kosten ern�hren mussten, waren die finanziellen Reserven der Landsknechte aufgebraucht. Der Krieg galt als Handwerk und Gewerbe wie Handel und Ackerbau. Jeder Soldat war ein Kleinunternehmer. Sie alle hatten ihre Haut zu Markte getragen, nun sahen sie dem Hungertod ins Auge, weil die gro�en Herren den Vertrag mit ihnen brachen und nicht zahlen wollten. Durch den Krieg und den einsetzenden Winter waren die Lebensmittel knapper und teurer geworden, doch auch das Fr�hjahr brachte keine Erl�sung. Viele Landsknechte starben an Diphtherie, Ruhr oder Typhus. Selbst Frundsberg, ein Riese von einem Mann, schien von Schw�cheanf�llen gepeinigt zu werden. Man munkelte, dass sich ihm immer wieder f�r kurze Zeit das Bewusstsein eintr�be.</p><p>Eines Tages, sie lagerten inzwischen bei Bologna, wankte Eugenio hohlwangig ins Zelt. Mit fiebrigen Augen schaute er auf Ascanio, der nur vor sich hinstarrte. �Ich bin blank. Und ich habe Hunger�, br�llte Eugenio.</p><p>�So eine verfluchte Pleite habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt�, lie� sich Baggio vernehmen, der mit seinem Messer spielte.</p><p>�Lass uns gehen, Ascanio�, schlug Eugenio vor und fasste den Freund an der Schulter.</p><p>�Und unser Geld dem Kaiser oder dem Frundsberg schenken?�, rief Baccio aufgebracht.</p><p>�Geld wirst du hier ohnehin nicht sehen�, gab Eugenio zur�ck.</p><p>�H�rt auf zu streiten. Das hilft uns nicht weiter�, fuhr Ascanio die beiden Freunde an. Doch was sollte er ihnen sagen? Er war genauso ratlos wie sie. Ein Landsknecht steckte seinen Kopf ins Zelt und forderte die drei auf mitzukommen, sie wollten die Hauptleute totschlagen, die ihnen ihr Geld schuldig blieben.</p><p>Ascanio sprang auf. Er hatte die Meuterei kommen sehen, es hatte nur des ber�hmten Funkens bedurft. Genauso gut wusste er, dass sie nichts bringen w�rde. Der ohnm�chtige Zorn der Landsknechte w�rde sich �ber den Hauptleuten entladen, denen es in ihren Augen besser ging als ihnen und die sie angeblich in die ausweglose Lage gef�hrt hatten. Ascanio eilte den von Zelten ges�umten Weg zum Hauptplatz des Lagers entlang und fand sich in einer Menschenmasse wieder, denn von allen Seiten und aus allen Zelten str�mten die M�nner herbei. Auf einem improvisierten Podest stand ein rotb�rtiger Mann. Er trug eine blaue, geschlitzte Plunderhose und ein weites, gelbes Wams. Das m�chtige Schwert hielt er drohend in der Hand.</p><p>�Die Schinder, sag ich, geh�r�n gest�upt. Lasst sie Jauche trinken. Soll�n sich bedanken daf�r. Besser als fauliges Wasser.� Einige lauschten nur mit finsterer Miene, die meisten aber stimmten dem Mann mit grimmigen Rufen zu. In Ascanios Ohren klangen die deutschen Laute wie das Bellen hungriger W�lfe. Wie alle Landsknechte verstand und sprach er leidlich Deutsch, Franz�sisch und Spanisch, gerade so viel, wie man in langen Dienstjahren aufschnappt. Pl�tzlich brachte ein Schrei alle zum Verstummen.</p><p>�Der Vadder kumt, der Vadder! Platz da, Hundsf�tte!�</p><p>Die M�nner bildeten eine Gasse, durch die sich der riesige und ungemein st�mmige Landsknechtsf�hrer mit ausgreifenden Schritten n�herte. In seinem Wehrgeh�nge klapperte sein Beidh�nder mit dem goldenen Knauf, auf dem die Fr�hlingssonne glitzerte. Kettenhemd, ein K�rass, �ber dem sich malerisch eine Art Halbmandel wand, und Kettenhosen zeigten ihn zum Kampf ger�stet. Die kr�ftigen H�nde sch�tzten Eisenhandschuhe. �ber seinem breiten Gesicht mit ernstem Ausdruck prunkte ein ma�gefertigter Helm mit m�chtigem roten Federbusch und hochgeklapptem Visier. Frundsbergs Vollbart wurde t�glich grauer, doch die M�nner achteten ihn auch deshalb, weil sie wussten, dass er sich in vielen Jahren von unten hochgedient hatte.</p><p>Als Frundsberg auf das Podest kletterte, verlie� es der Rotb�rtige so rasch, als fege ihn dessen Aura herunter. Kurz hielt sich der massige S�ldnerf�hrer an einem Fahnenmast fest, bevor er zu reden begann.</p><p>�M�nner!�, erscholl sein tiefer Bass. �Ich verlange nicht, dass ihr f�r mich sammeln geht. Meine Kasse ist so leer wie die eure. Aber�, rief er und machte eine Pause, in der er seinen entschlossenen Blick durch die Reihen seiner M�nner wandern lie�, �jeden, der es jetzt wagen sollte, nur einen Laut von sich zu geben, werde ich eigenh�ndig erschlagen.� Sie alle, die hier standen, wussten, dass er nicht scherzte. Der Alte war ein B�r, ein Raubtier. �Wer jetzt aufgibt, hat sein Todesurteil gef�llt. Der Feind belauert uns. Sobald ihr die Hauptleute erschlagen habt, wird er �ber euch herfallen und eure Kadaver ausweiden. Wollt ihr das? Wer das will, soll sich melden, damit ich ihn fragen kann, wie viel Geld der Franzose dem Judas geboten hat f�r den Verrat an seinen Kameraden. Warum wollt ihr auf das viele Gold verzichten, auf den m�rchenhaften Reichtum, der zum Greifen nahe liegt, ihr Trottel? Ihr Hurens�hne, ihr Dummk�pfe, Gottes Abschaum, der ihr seid und ich bin, warum greifen wir nicht zu? Warum holen wir ihn uns nicht einfach?�</p><p>Es war so still, dass man h�tte meinen k�nnen, selbst die V�gel in den B�umen h�tten aufgeh�rt zu zwitschern. Wieder schaute Frundsberg in die Runde.</p><p>Der Rothaarige fiel auf die Knie. �Herr, wo finden wir den Reichtum?�</p><p>Es hatte den Anschein, als flackere ein grimmiges L�cheln in Frundsbergs Augen auf: �In Rom!�</p><p>Ascanio wurde schwarz vor Augen. Er wusste, was das hie� � diese ganze Versammlung der Spitzbuben Europas w�rde wie ein riesiges Rudel hungriger W�lfe �ber die Ewige Stadt herfallen. Dass eine Stadt gepl�ndert und gebrandschatzt wurde, bedeutete zwar unvorstellbare Qualen f�r die Bewohner, aber es geh�rte nun einmal zum Krieg und war offenbar in Gottes Weltordnung vorgesehen. Aber Rom? Seine Stadt? Das konnte Er nicht wollen. Frundsberg hatte in seiner Not, vom Kaiser im Stich gelassen, keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als die Wut der Landsknechte auf Rom zu lenken.</p><p>�Geld! Geld! Geld!�, riefen die Landsknechte und drangen gegen ihre Anf�hrer vor. Sie lie�en sich nicht auf einen fernen Ort vertr�sten. Sie waren m�de, sie waren hungrig, sie wollten ihre L�hnung jetzt. Als Frundsberg sah, dass seine Worte nichts ausrichteten, traten ihm in einem Wutanfall die Augen weit aus den H�hlen. Erst schwankte er bedrohlich, dann fiel er um wie ein gef�llter Baum.</p><p>Der Schreck fuhr den M�nnern in die Glieder. Hatten sie ihren Vater verloren? Der Rothaarige beugte sich zu ihm. �Der Schlagfluss. Er lebt, aber er kann nicht sprechen.� Sechs Hauptleute packten den schweren Mann und schleppten ihn zu seinem Zelt. Verwirrt schauten sich die Landsknechte an. Das hatten sie nicht gewollt, denn sie achteten den S�ldnerf�hrer. Einer der Hauptleute, ein k�hner Mann namens Seidensticker, kletterte nun auf das Podest.</p><p>�Seht euch an, was ihr angerichtet habt! Haut auch eure Hauptleute in St�cke, und dann befehlt eure Seele Gott. Denn der Franzose wird euch die Haut vom Leib schneiden! Wie ist es denn? Mal vertragen sich Kaiser, Papst und K�nige, mal f�hren sie Krieg gegeneinander. Egal was, es kostet immer unser Blut. Ich bin es m�de, ich bin es leid, f�r die gro�en Herren auf die Fleischbank gelegt zu werden. Wenn ich heil nach Hause komme, war dies mein letzter Feldzug. Und daf�r brauche ich Gold, Gold, Gold, um nie wieder k�mpfen zu m�ssen! Und in Rom, wo der Papst von goldenen Tellern speist und auf einem goldenen Abtritt schei�t, gibt es Gold im �berfluss, weil aller Reichtum der Christenheit dorthin flie�t!�</p><p>�Frundsberg wird sterben, wir m�ssen an uns denken!�, br�llte der Rothaarige in die Runde. �Lasst uns nach Rom ziehen und uns das Gold holen!�</p><p>Ascanio sa� der Schrecken tief in den Gliedern, und er betete inst�ndig zu Gott, dass der Kaiser oder der Papst zahlen und damit die Katastrophe verhindern w�rde. Sollte er mitziehen und mitmachen, Handelnder in einem unvorstellbaren Blutbad werden? Das Beste w�re, das Heer zu verlassen. In seiner Vorstellung sah er bereits, wie sich der Zug der ausgehungerten und betrogenen Landsknechte auf die Ewige Stadt zubewegte, in der die einzigen Menschen auf der Welt lebten, die er liebte. Von Bramantes Tod hatte er erfahren. Was aber war mit Lucrezia? Was mit Antonio da Sangallo? Hatte der inzwischen eine Familie? In diesem Augenblick erkannte Ascanio, es war Gottes Wille, dass er sich hier bei diesem Landsknechtshaufen befand. Er hatte nie wirklich daran gezweifelt, sein Entschluss stand fest. Er w�rde mit nach Rom ziehen, um Lucrezia und Antonio beizustehen. Auch wenn es sein letztes Gefecht werden sollte, er war l�ngst alt genug, um zu sterben. Das Rad der Fortuna drehte sich unaufh�rlich weiter und hielt f�r alle �berraschungen bereit.</p><p>Am anderen Morgen schon setzte sich das Heer in Richtung S�den in Bewegung. Aber niemand zahlte. Wie durch ein Wunder blieb Florenz von dem pl�ndernden Heerhaufen verschont, obwohl die S�ldner vor Hunger bereits die Rinde von den B�umen schnitten und unreife Mandeln a�en.</p><p>Inzwischen f�hrte Charles, der Conn�table von Bourbon, die Truppen. Er war zwar Heerf�hrer des franz�sischen K�nigs, aber heillos mit diesem zerstritten und deshalb zum Kaiser �bergelaufen. Aufhalten oder verhindern konnte er nichts, lediglich als erfahrener Kommandeur die Truppen zum Angriff auf Rom f�hren.</p><p>Ascanio entdeckte die Unsicherheit in den Augen des erfahrenen Generals, der nicht zimperlich war. Wie jeder Hauptmann und jeder S�ldner war er nur ein Getriebener. Sie alle befanden sich in einem Sog, dem sich keiner entziehen konnte.</p><p>Sorgf�ltig wie eine Kurtisane, die einen reichen und m�chtigen Kunden zu erobern trachtet, streifte die Campagna das Kleid der Nacht �ber. So hatte sich Ascanio seine R�ckkehr nicht einmal in seinen schlimmsten Albtr�umen vorgestellt, in einer Gesellschaft, die nichts mehr zu verlieren hatte, deren Feldzug zu einem einzigen Debakel geworden war. Viele waren im Vertrauen auf Frundsberg zum kaiserlichen Heer gesto�en, doch der S�ldnerf�hrer lag in Ferrara im Sterben. Fortuna hatte alle taktischen Spielchen vom Tisch gefegt und nur eine Alternative f�r sie aufgeboten: Gold oder Tod.</p><p>In den allzu rasch herannahenden Morgenstunden sollte der Sturm auf den Borgo vom S�den und Westen erfolgen. Der Conn�table verzichtete mit seinen ersch�pften Truppen wohlweislich darauf, die hohen aurelanischen Mauern �berwinden zu wollen. Die Spanier w�rden die dem Petersplatz gegen�berliegende Porta Pertusa berennen, w�hrend die Deutschen die ber�hmte Porta Santo Spirito angreifen w�rden, die vom Borgo den Weg nach Trastevere er�ffnete.</p><p>Ascanio geh�rte mit seinen beiden Freunden zum F�hnlein des Klaus Seidensticker.</p><p>�Was ist, Bruder?�, fragte ihn Seidensticker. �Angst?�</p><p>�Ich habe lange in der Stadt gelebt.�</p><p>Seidensticker zuckte nur mit den Achseln. �Wenn es Gott gef�llt, wird er uns die Stadt schenken. Wenn nicht, werden wir hier sterben.�</p><p>�Gottes Stellvertreter sitzt hier. Er wird es nicht zulassen.� Ascanio glaubte nicht einmal selbst daran, was er zu seiner Beruhigung hervorbrachte.</p><p>Seidensticker spuckte aus. �Unser Herr Luther hat uns gesagt, dass in der Stadt nicht Gottes Stellvertreter, sondern Gottes Widersacher sitzt.�</p><p>�Du bist ein Lutherischer?�</p><p>�Und du? Ein Papist.�</p><p>�Die meisten von euch Deutschen sind Lutheraner, die Spanier an der Porta Pertusa Papisten. Und doch k�mpft ihr gemeinsam gegen den Papst.� Ascanio sch�ttelte den Kopf. Ein einziger Irrsinn.</p><p>�Und du?�, grinste der Hauptmann.</p><p>Ja, was war er eigentlich? �Ich bin Italiener�, antwortete er nach einer langen Pause.</p><p>�Dann ist nat�rlich alles klar�, lachte Seidensticker.</p><empty-line/></section><section><p>52</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1527</p><p>Der Morgen des 6. Mai brachte dichten Nebel mit sich. Zumindest stand er auf der Seite der Angreifer, denn er hinderte die Soldaten auf den Zinnen der Engelsburg zun�chst daran, auf die Truppen des Kaisers zu schie�en. Wie die anderen Hauptleute r�ckte auch Seidensticker mit seinem Trupp vor. In der bunten Kleidung, die um ihre K�rper wehte, wirkten die Landsknechte noch gr��er und gef�hrlicher. Sie trugen Kurzschwerter und Hellebarden, Hauptleute wie Seidensticker einen riesigen Beidh�nder. Nur Ascanio verzichtete auf die Hellebarde und trug im Wehrgeh�nge das Kurzschwert und in der Hand das gro�e Kampfschwert. Neben und hinter ihm schritten Eugenio und Baccio.</p><p>Dann hagelten die Geschosse aus Arkebusen und Feldschlangen von der Mauer auf die Angreifer nieder. Die Kugeln trafen immer ein paar Ungl�ckliche, erzielten aber letztlich keine gro�e Wirkung. Als direkt vor ihnen eine Sturmleiter an die Mauer gelehnt wurde, bekreuzigte sich Ascanio und bat Gott, ihn wenigstens so lange am Leben zu erhalten, bis er Lucrezia in Sicherheit wusste. Geistesgegenw�rtig sprang er zur Seite, als die Leiter von den Verteidigern mit Stangen und Haken, aber auch mit H�nden von der Mauer weggesto�en wurde und krachend auf die anr�ckenden S�ldner fiel. Sie bissen sich an dieser Pforte die Z�hne aus. Auch der zweite Angriff misslang. Als Ascanio um sich schaute und die Entt�uschung in den Augen der S�ldner sah, wusste er nicht, ob er sich freuen oder �rgern sollte. Er hoffte so sehr, dass sich die Ewige Stadt w�rde halten k�nnen.</p><p>�Teufel auch!�, fluchte Seidensticker.</p><p>Und dann geschah etwas, was Ascanio zutiefst ersch�tterte und ihm eine h�llische Angst einjagte. Ein junger S�ldner mit einer Narbe, die quer �ber seine Stirn lief, und Augen in einem kr�ftigen Blau, wie es nur der Himmel des Nordens hervorbrachte, nahm seinen Helm ab. Sein langes, blondes Haar umrahmte sein Gesicht und lie� es aufleuchten. Entschlossen hob er den Beidh�nder eines sterbenden Kameraden auf und hielt ihn hoch. Der Engel des Krieges, durchfuhr es Ascanio. Pl�tzlich begann der Junge, in seiner barbarischen Sprache zu singen.</p><p>�Ein feste Burg ist unser Gott,</p><p>ein gute Wehr und Waffen ��</p><p>Nach und nach fielen andere Landsknechte ein, bis dieser Gesang, der aus der Not und der Verzweiflung der M�nner emporstieg, sich erhob und gegen die vatikanischen Mauern brandete.</p><p>�Er hilft uns frei aus aller Not,</p><p>die uns jetzt hat betroffen ��</p><p>Alle Landsknechte, die sich ohne Hoffnung auf dem Boden niedergelassen hatten, erhoben sich. Alle, die ihr F�hnlein hatten verlassen wollen, traten wieder an ihren Platz. Alle, die eben noch verzweifelt schienen, fassten neuen Mut. Was sind das nur f�r Leute, diese Deutschen?, fragte sich Ascanio schaudernd. Die Trupps nahmen erneut Aufstellung und immer lauter und immer trotziger wurde ihr Gesang.</p><p>�Der altb�se Feind, mit Ernst er�s jetzt meint;</p><p>gro� Macht und viel List sein grausam R�stung ist,</p><p>auf Erd ist nicht seinsgleichen.�</p><p>Seidensticker lachte in wilder Freude. �Da k�nnt ihr noch was lernen�, rief er Ascanio und seinen beiden Freunden zu. Ascanio wurde schwer ums Herz bei dem Gedanken, was �ber die Stadt hereinbrechen w�rde. H�tten der Papst und die R�mer doch gezahlt! Oder wenigstens die Tore ge�ffnet und auf Gegenwehr verzichtet. Dann fiel auch der Hauptmann in den Gesang ein.</p><p>�Und wenn die Welt voll Teufel w�r</p><p>und wollt uns gar verschlingen,</p><p>so f�rchten wir uns nicht so sehr,</p><p>es soll uns doch gelingen ��</p><p>Nun hatten die Kolonnen Aufstellung genommen, und der blonde Junge schritt voran.</p><p>�Der F�rst dieser Welt,</p><p>wie sau�r er sich stellt,</p><p>tut er uns doch nicht;</p><p>das macht, er ist gericht�:</p><p>Ein W�rtlein kann ihn f�llen.�</p><p>In diesem Augenblick �berholte sie der Conn�table de Bourbone mit finsterer Miene, um sich an die Spitze des Angriffs zu stellen. Der erfahrene General sp�rte, dass es jetzt oder niemals gelingen w�rde, die Stadtmauer zu �berwinden. Ascanio h�rte, wie er im Vorbeigehen fluchend durch die Z�hne presste<emphasis>: �Diables protestantes!�</emphasis> Er beherrschte die Sprache der M�nner nicht, die er befehligte, und das bereitete ihm Unbehagen. Der Nebel lichtete sich, und die Arkebusen feuerten.</p><p>�Kommt, als Italiener sollt ihr als Erste dabei sein�, rief Seidensticker, und Ascanio, Eugenio und Baccio folgten ihm. Sie liefen an den M�nnern mit den langen Sturmleitern vorbei, stiegen �ber Verletzte, Sterbende und Tote, die von Kugeln oder Pfeilen getroffen worden waren und deren Schreie im Gesang untergingen. Kaum in der ersten Reihe angekommen, entdeckten sie zwischen dem Fahnentr�ger und dem blonden Jungen ihren Feldherrn, der pl�tzlich zusammensackte. Der Fahnentr�ger hielt an. Das war f�r den Heerhaufen das Signal, stehen zu bleiben.</p><p>Mit seinen beiden Freunden und Hauptmann Seidensticker eilte Ascanio zu dem General, der in seinem Blut lag.</p><p>�<emphasis>Mon Dieu</emphasis>, eine Kugel hat mir die H�fte durchschlagen. Deckt mich ab. Der Feind darf nicht merken, dass ich verrecke!�</p><p>Seidensticker riss seinen gelben Mantel vom Lederpanzer und breitete ihn fast liebevoll �ber den Franzosen, der einst bei seinem K�nig in Ungnade gefallen war, weil er sich geweigert hatte, des K�nigs Mutter zu heiraten. Was f�r eine schmutzige Geschichte, dachte Ascanio.</p><p>�Eugenio und Baccio tragen den Kommandanten zum Feldscher�, befahl Seidensticker.</p><p>�Tut mir das nicht an, ich brauche meine Freunde in der Stadt!�, rief Ascanio.</p><p>�Teufel auch, weil Ihr es seid, Ascanio.� Der Hauptmann bestimmte zwei andere S�ldner.</p><p>Auf der Mauerkrone war unterdessen Jubel ausgebrochen. Die Verteidiger der Stadt hatten offensichtlich bemerkt, dass der General Karls V. gefallen war. Aber sie mochten jubeln und sich gerettet w�hnen � Seidensticker hatte sein Schwert erhoben und auch der blonde Junge. Sie marschierten los. Die Fahne setzte sich wieder in Bewegung als Zeichen f�r alle, dass es weiterging. Der hohle Klang der Holzleitern, die gegen das Mauerwerk stie�en, er�ffnete das Kampfgeschrei der M�nner, die jetzt beh�nde �ber die Sprossen nach oben kletterten. Es gelang den Verteidigern, zwei Sturmleitern zur�ckzusto�en. Das Triumphgeheul von oben l�ste als Echo jedoch nur noch w�tenderes Sturmgeschrei aus.</p><p>Ascanio kletterte hinter Seidensticker die Sturmleiter hinauf. Der Hauptmann erreichte die Zinne und durchbohrte mit seinem langen Schwert einen p�pstlichen Soldaten, der ihn mit seinem Spie� erstechen wollte. Im selben Moment stand Seidensticker auf der Mauer. Ascanio sah, wie der gro�e Deutsche mit seinem m�chtigen Kampfschwert Ernte hielt. Wie der leibhaftige Sensenmann spaltete er Sch�del, schlug er K�pfe ab, erstach diesen, w�hrend er im n�chsten Augenblick jenem das Schl�sselbein durchschlug. Der gro�e Mann tanzte f�rmlich mit dem Schwert. Ein tanzender Tod, dachte Ascanio, w�hrend auch er sein Schwert schwang und ebenso wie die anderen jeden t�tete, der ihm in den Weg trat. Zu F��en der K�mpfer bildeten sich schmutzige rote Pf�tzen. Es war, als w�rde es Blut regnen.</p><p>�Die Spanier!�, rief ihm Eugenio atemlos zu. Jetzt sah er sie auch. Sie hatten offensichtlich die Porta Portusa genommen. Zwischen ihnen und der Petersbasilika stand nur noch ein Trupp der Schweizergarde, der sich tapfer zur Wehr setzte. Sp�ter sollte Ascanio erfahren, dass die Spanier durch eine Werkstatt in die Stadt eingedrungen waren, die ein Handwerker unweit der Porta Torrione in die Verteidigungsmauer gebaut hatte. Als die Spanier in das Haus kamen, entdeckten sie ein Fenster, das eher schlecht als recht mit ein paar Latten vernagelt war. Sie rissen die Bretter ab, dann schl�pften sie durch das Loch in der Mauer und befanden sich gleich im Borgo, genauer im Garten des Kardinals Cesi.</p><p>�Richtet die Feldschlangen gegen das Hauptquartier des Teufels!�, rief Seidensticker seinen Leuten zu, nachdem die Deutschen die P�pstlichen von der Mauerkrone vertrieben hatten. In diesem Moment st�rmten drei S�ldner der Schweizergarde auf den Wehrgang. Ein wilder Kerl hieb auf den blonden Jungen ein und spaltete ihm den Kopf. Das Gold seiner Haare f�rbte sich rot. Ascanio sah noch den Schmerz in Seidenstickers Augen, dann musste er sich selbst seiner Haut wehren. Niemanden f�rchteten die Landsknechte mehr als die Schweizer. Der Hauptmann dr�ngte den Angreifer zur�ck, w�hrend Ascanio kurz in die Augen seines Gegners schaute. Ein junger Kerl, der hier war, weil es Matth�us Kardinal Schiner so gewollt hatte. Und deshalb w�rde er auch hier sterben. Mit einer Parade schlug Ascanio das Schwert des Gegners nach links, fasste blitzschnell um, sodass der Knauf nun zu seinem Herzen zeigte, und stie� ihm den Stahl in den Hals. Die Waffe zur�ckziehen und erheben war eins, dann sauste sie schon auf jenen Schweizer nieder, der Seidensticker in Bedr�ngnis gebracht hatte. Der Hauptmann nickte ihm kurz dankbar zu, dann br�llte er. �So, und jetzt feuert die Feldschlangen ab!�</p><p>Die Kanonenkugel schlug kurz vor dem Tegurium ein, der Schutzh�tte, die noch Donato Bramante �ber der letzten Ruhest�tte des Apostelf�rsten hatte errichten lassen. Der Papst, der seit dem Vorabend eine Etage tiefer in der Krypta unabl�ssig betete, fuhr erschrocken zusammen, verharrte unschl�ssig einen Moment, um dann sein Gebet noch inbr�nstiger fortzusetzen. Hinter ihm kniete Giacomo Catalano, der ver�chtlich auf Clemens VII. starrte. Er h�tte besser beizeiten gehandelt, als sich jetzt in F�rbitten zu ergehen, dachte der Erzpriester b�se. Der Dominikaner vertraute auf Gottes Beistand, aber er hatte in seinem Leben auch die tiefere Weisheit des Satzes �Hilf dir selbst, so hilft dir Gott� verstanden. Man musste dem Herrn zuarbeiten, ihm einen Anlass zum Eingreifen geben.</p><p>Giacomo hasste die Medici, die sich auch dann noch als Kinder des Gl�cks f�hlten, wenn sie das Pech t�chtig einseifte. Er hasste sie, weil sie der Kirche in seinen Augen nur geschadet hatten. Den Anfang gemacht hatte der Magnifico. Lorenzo de Medici hatte die <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> unterst�tzt und sein Sohn Giovanni als Papst Leo X. in seiner Prunksucht das Verm�gen der Kirche verschleudert. Der Neubau von Sankt Peter kam nicht voran, und die ruinierte alte Basilika zerfiel zusehends. Raffael hatte auch aus Geldmangel nur Pl�ne, aber wenig Baut�tigkeit produziert. Hier und da wurde an den B�gen der Vierung gewerkelt oder eine St�tzmauer f�r die Kuppelpfeiler errichtet, aber seit Bramantes Tod fehlte das vorw�rtstreibende Genie. Raffael hatte sich in zu vielen Auftr�gen ersch�pft, bevor er vor sieben Jahren entkr�ftet noch jung an Jahren �berraschend verstorben war. Und auch Bramantes Sch�ler Antonio da Sangallo waren keine nennenswerten Fortschritte gegl�ckt. All das war kein Zufall, denn so, wie die Kirche verkam, brach auch die Christenheit auseinander. Leo X. war nicht der Mann gewesen, dem Erzketzer Luther zu wehren.</p><p>Lorenzos Neffe Giulio nun, der jetzt vor ihm Gott um Rettung anflehte, hatte nicht wie sein Cousin durch seine Verschwendungssucht Ungemach hervorgerufen, sondern im Gegenteil durch seinen exzessiven Geiz die Tore der H�lle ge�ffnet. Wohin man bei den Medici auch sah, entdeckte man nichts als Tods�nden. Lorenzo hatte der <emphasis>superbia</emphasis>, dem Hochmut, der Eitelkeit, dem Stolz und der Selbst�berhebung, gefr�nt, in Giovanni wetteiferten <emphasis>luxuria</emphasis>, die Ausschweifung, mit <emphasis>gula</emphasis>, der V�llerei und Ma�losigkeit, w�hrend Giulio ganz als Galan der <emphasis>avaritia</emphasis>, der Habgier und des Geizes, auftrat. Nein, Giacomo hasste die Medici, diese m�chtig gewordenen Apotheker aus Florenz, aus tiefstem Herzen.</p><p>Pl�tzlich vernahm er schnelle Schritte, so als ob jemand die Treppe hinunterliefe. Er wandte sich um. War es so weit, w�rden jetzt die Landsknechtshorden ins Allerheiligste einfallen, pl�ndern und morden und freveln, wie man es von den lutherischen Ketzern nicht anders erwarten konnte? Der Hauptmann der Schweizergarde, Herkules G�ldli, stand in der Krypta.</p><p>�Heiliger Vater�, rief er gehetzt. Der Papst sah sich �rgerlich um. Man sah ihm an, dass er sich im Gebet gest�rt f�hlte.</p><p>�Es ist alles verloren! Der Feind steht im Borgo. In wenigen Minuten wird er die Peterskirche erst�rmen. Kommt, wir m�ssen uns in die Engelsburg zur�ckziehen. Beeilt Euch, Heiliger Vater. Hier ist keine Rettung mehr!�</p><p>�Wir haben Unser Leben in Gottes Hand gegeben�, antwortete Clemens VII. mild. Giacomo ertrug diesen Mann nicht l�nger, der, vor eine Alternative gestellt, sich immer f�r das Falsche entschied. Er konnte nicht anders, als den Papst anzuherrschen.</p><p>�Eure Heiligkeit, wenn die Ketzer erst hier sind, habt Ihr Euer Leben nicht Gott, sondern dem Teufel anvertraut. Ihr d�rft den H�retikern nicht Gelegenheit bieten, Spott mit dem unantastbaren K�rper des Stellvertreters Christi zu treiben!�</p><p>�Seine Eminenz hat recht, wir haben keine Zeit mehr!�, dr�ngte Hauptmann G�ldli. �Noch k�nnen wir �ber den Passetto in die Engelsburg fliehen. Der Kommandant Kaspar R�ist k�mpft heldenhaft mit hundert M�nnern am Obelisken, um uns Zeit zu verschaffen. Lange wird er sich gegen die �bermacht nicht mehr halten k�nnen! Kommt!�</p><p>Clemens VII. verharrte weiterhin unschl�ssig mitten in der Krypta. Fast grob schob ihn Giacomo zu G�ldli hin�ber. �Geht! Tut es f�r die Kirche! Tut es f�r Gott.� Niemand merkte, wie viel �berwindung der n�chste Satz den Erzpriester kostete. �Ihr seid der Nachfolger des Apostels. Begreift doch, Ihr selbst seid Petrus, Heiliger Vater! Geht. Euer Leib tr�gt jetzt die Kirche!�</p><p>Der Papst nickte betroffen. Was h�tte Giacomo anderes sagen k�nnen? Zwar hasste er Giulio de Medici, aber er liebte die Kirche, und die beruhte nun einmal auf der ununterbrochenen Sukzession im Petrusamt. Giacomo folgte dem Kommandanten und dem Papst ins Tegurium und von dort in den unbedachten Innenraum der Vierung. Dort standen knapp achtzig Gardisten. Au�erdem hatten sich vielleicht zweihundert Menschen aus dem Borgo in ihrer Angst hierher gefl�chtet, zumeist Kleriker und ein paar Pilger, die von der Invasion �berrascht worden waren. Nur wenige Frauen und Kinder waren darunter � die Familien wohnten in Trastevere und in den eigentlichen Stadtvierteln auf der anderen Seite des Tibers.</p><p>�Bitte gebt mir Euer Schwert und Euren Harnisch�, bat der Kardinal den Hauptmann der Schweizergarde.</p><p>�Was habt Ihr vor, Eminenz?�</p><p>�Meine Kirche zu sch�tzen!�</p><p>�Gib ihm, was er verlangt. Gott segne dich, mein Sohn�, sagte der Papst und seufzte tief.</p><p>G�ldli reichte dem Mann in der einfachen Kutte der Dominikaner das gro�e Kampfschwert und den Panzer. W�hrend sich Giacomo Catalano den Harnisch �ber sein schwarz-wei�es Habit zog, fragte der Hauptmann seine Leute, wer von ihnen sich dem Kardinal zur Verteidigung des Petrusgrabes anschlie�en wolle. Als sich fast alle meldeten, w�hlte er vierzig Gardisten aus, die ihn und den Papst begleiten sollten, und lie� die anderen vierzig Gardisten bei Giacomo zur�ck.</p><p>Als der Papst die Zur�ckbleibenden segnete, schlug mit lautem Krachen eine Kanonenkugel in eine St�tzmauer ein und besch�digte sie. Herkules G�ldli zog kurzerhand den Stellvertreter Christi mit sich fort. Giacomo wusste, dass sich die kleine Gruppe, sobald sie aus der Basilika trat, nach links wenden w�rde, um in den Vatikanpalast zu gelangen und von dort �ber den Geheimgang in die Engelsburg zu fliehen. Er hoffte inst�ndig, dass es daf�r noch nicht zu sp�t war. Mit Giulio de Medici sollte Gott rechten, nicht aber die lutherischen Landsknechte. Er wusste nicht, ob der tapfere Kaspar R�ist und sein H�uflein dem Ansturm noch Widerstand zu leisten vermochten oder ob sie l�ngst get�tet worden waren. Er konnte nicht wissen, dass die Spanier zu ebendieser Stunde den schwer verletzten Mann im Beisein seiner Frau barbarisch massakrierten.</p><p>W�hrend dies geschah, wies Giacomo die Schutzsuchenden an, ins Tegurium zu gehen, sich in der Krypta zu verstecken und zu beten. Dann schaute er in die Gesichter der jungen Schweizer. Gute Jungen aus den Bergen. Er fragte jeden nach seinem Namen, seiner Herkunft.</p><p>�Johann, Eminenz. Aus Wallis�, antwortete der Erste, ein lustiger, pausb�ckiger junger Mann.</p><p>�Lass das Eminenz weg. Das spielt jetzt keine Rolle mehr. Ich bin euer Bruder in Christo, Fr� Giacomo.� Dann schaute er den N�chsten an.</p><p>�Kaspar, Emi� �h, Fr� Giacomo. Auch aus Wallis.�</p><p>�Heinrich aus dem Kanton Uri.�</p><p>�Mathias aus Z�rich.�</p><p>�Huldrych aus Bern.�</p><p>�Balthasar aus Genf.�</p><p>�J�rg aus Sankt Gallen.�</p><p>�Joseph aus Waadt.�</p><p>Giacomo bem�hte sich, sich die Namen seiner vierzig Mitstreiter einzupr�gen. Dann trat er vor die Gardisten und sprach: <emphasis>�Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine patris et filii et spiritus sancti�,</emphasis> schlug das Kreuz �ber ihnen, breitete anschlie�end die Arme �ber ihnen aus und fuhr fort: �Der Herr segne euch und beh�te euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten �ber euch und sei euch gn�dig. Der Herr hebe sein Angesicht �ber euch und gebe euch Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.� Vielleicht lie� Gott ja ein Wunder geschehen, und es w�rde ihnen gelingen, die Basilika zu verteidigen.</p><p>Bedingt durch den Abriss, war es inzwischen unm�glich geworden, sich wie fr�her in dem Gem�uer zu verschanzen. Der Feind konnte praktisch von allen Seiten kommen. Deshalb postierte Giacomo die M�nner vor dem Eingang der Schutzh�tte. Er musste nicht lange warten.</p><p>Zu seiner gro�en �berraschung waren es keine deutschen Ketzer, die in den Kirchenraum drangen, sondern seine Landsleute, rechtgl�ubige Spanier. An dem Druck auf seine Ohren sp�rte er den Fall, es war ihm, als fiele er in ungewisse Tiefe. Es h�tte ihn getr�stet, wenn es Ketzer gewesen w�ren, die sich gegen das Allerheiligste wandten. Das h�tte in der Ordnung gelegen. Dass sich aber Gottes Volk gegen Gott wandte, das war der Anfang vom Ende, das verhie� den Untergang der Welt. Giacomo verlor jede Hoffnung. Nun war er zu allem entschlossen. Sch�n wie der Erzengel Michael trat er den Eindringlingen mit dem Schwert entgegen und befahl ihnen mit kr�ftiger Stimme auf Spanisch: �Kniet nieder! Betet! Bereut eure S�nden!�</p><p>Die Landsknechte lachten ihn aus und boten ihm h�hnend an, in ihre Dienste zu treten. �Wir brauchen jemanden, der sich hier auskennt und uns zeigt, wo das Gold ist. Darfst daf�r auch unser Feldkaplan sein!�</p><p>�Ich schlie�e euch aus der Gemeinschaft mit Gott und den Gl�ubigen aus. Ihr seid verflucht jetzt und alle Zeit. Alle H�llenstrafen sollt ihr erleiden, und niemand soll euch davon erl�sen k�nnen! Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.� Er hatte der Eile halber und, weil er unbedingt von den Landsknechten verstanden werden wollte, die Verdammnis auf Spanisch und nicht lateinisch gesprochen. Die Schweizer nahmen mit Hellebarden, Spie�en und Schwertern neben ihm Aufstellung.</p><p>�Das Pf�fflein will k�mpfen!�, rief ein S�ldner und hielt sich den Bauch vor Lachen.</p><p>�Nimm sofort die Exkommunikation zur�ck!�, verlangte ein Zweiter zornig:</p><p>�Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht! <emphasis>Mar�na tha</emphasis> � Unser Herr, komm!�, sagte er nun auf Aram�isch, denn es interessierte ihn nicht mehr, ob sie ihn verstanden. Er sp�rte, dass sein letzter Tag gekommen war und er bald schon f�r seine S�nden b��en w�rde, wie diese Kriegsknechte eines Tages f�r die ihren. Dann st�rzte er sich in den Kampf.</p><p>Zwei Stunden dauerte das Metzeln, dann hatte die spanische �bermacht die wie L�wen k�mpfenden Schweizer niedergemacht. Giacomo Kardinal Catalano geriet mit einer Fleischwunde lebend in die H�nde der S�ldner. �Nimm das Anathema zur�ck und du sollst einen schnellen Tod haben!�, forderten sie abermals. Doch Giacomo schwieg. Er wollte keinen schnellen Tod, sondern die von Gott verh�ngte Strafe erdulden. Er hatte als Priester f�r Gott gelogen, betrogen, gestohlen, verleumdet, entf�hrt, gefoltert und gemordet. Sogar einen Papst vergiftet. Er war in die H�lle hinabgestiegen, um Ihm und Seiner Kirche zu dienen. Er wusste, was er tat, und er wusste auch, dass ihn eines Tages daf�r die gerechte Strafe ereilen w�rde.</p><p>In ihrer Wut zogen die Landsknechte ihm den Panzer aus. Sein Habit leuchtete feucht und rot, von eigenem und fremdem Blut. Sie rissen ihm die Kutte herunter. Vollkommen nackt stand er vor den S�ldnern. Wie das Lamm, das zur Schlachtbank gef�hrt wurde. <emphasis>Agnus Dei</emphasis>, betete er stumm. Die Landsknechte schauten sich um, dann entdeckten sie ein riesiges Kreuz, doppelt so hoch wie sie. Sie schlugen mit einer Hellebarde die Holzplastik des leidenden Erl�sers vom Kreuz, dann pressten sie Giacomos K�rper darauf. Ein Schmerz durchfuhr ihn und wieder einer und wieder und wieder einer. Sie hatten ihn mit Armbrustgeschossen ans Kreuz geschlagen. Er dachte noch, flehte noch, bitte kreuzigt mich mit dem Kopf nach unten! Ich bin es nicht wert, wie unser Herr Jesus zu sterben. Dann schwanden ihm die Sinne, blutige Tr�nen traten ihm aus den Augen und rannen ihm �ber die Wangen.</p><p>�Na, sprichst du uns nun von unseren S�nden frei und nimmst das Anathema zur�ck?� Es war zu sp�t. Sein Geist weilte l�ngst nicht mehr bei ihnen. Wie hatte Ignatius von Antiochia gesagt: �Versucht nicht, den Menschen zu gefallen, sondern Gott � Ich jedenfalls werde nie wieder eine solche Chance haben, zu Gott zu gelangen.� Jetzt endlich verstand Giacomo sein Leben. Jetzt, wo er seinen Frieden mit seiner Existenz machte. Das Martyrium w�rde ihn reinigen.</p><p>�Was ist nun? Wenn wir dich nicht bald vom Kreuz abnehmen, bist du hin�ber!�, br�llte einer der Landsknechte. Die Schreie der Qual und des Sterbens der Menschen, die sich ins Tegurium gefl�chtet hatten, drangen an sein Ohr. Giacomo wiederholte das Anathema, dann betete er das Schuldbekenntnis.</p><p><emphasis>�Confiteor Deo omnipotenti</emphasis></p><p><emphasis>et vobis, fratres,</emphasis></p><p><emphasis>quia peccavi</emphasis></p><p><emphasis>nimis cogitatione, verbo, opere et omissione:</emphasis></p><p><emphasis>mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa ��</emphasis></p><p>�Lasst ihn verrecken�, befahl der S�ldner. Wieder brandete der Schmerz wie tausend Feuer in Giacomo auf. Jemand zog ein paar Mal, wie um ihn zu necken, von unten an seinen Beinen. Dann lie�en sie ihn allein. Ihm schwanden die Sinne.</p><p>�Jaume�, h�rte er die Stimme einer Frau, die wie durch Watte hindurch auf Katalanisch zu ihm sprach. Er kannte die Stimme. Sie wurde immer deutlicher. Er kannte ihren Klang sehr gut, obwohl es ein ganzes Leben zur�cklag, dass er sie zum letzten Mal geh�rt hatte. Er war damals noch ein Kind gewesen, zw�lf Jahre alt.</p><p>�Jaume, komm, dein Vater will dich sprechen.�</p><p>Giacomo sah seine Mutter vor sich: Nach all den vielen Jahren, in denen er ihr Gesicht vergessen hatte, und sie sich nicht einmal mehr im Traum vorzustellen vermochte, erblickte er sie so deutlich, als st�nde sie vor ihm. Ihre gro�en, dunklen Augen in dem schmalen Gesicht. Ihre schlanke Figur, die langen H�nde, die ihn oft streichelten. Die vollen Lippen, aus denen der heilende Atem kam, wenn er gefallen war oder sich gesto�en hatte. Er folgte ihr in den Garten, hinter das Haus. Unter Pinien sa� sein Vater, ein Arzt und Gelehrter, mit dem R�cken zum Eingang und las in einem Buch. Inmitten von Rosen sa� er. Jaume ben�tigte einen Augenblick, bis er begriff, was an ihm so anders wirkte. Seinen Hinterkopf bedeckten nur Haare; die Kippa, die er st�ndig trug, fehlte.</p><p>�Dein Sohn, Jordi!� Und auch das Gesicht seines Vaters sah er das erste Mal seit damals wieder deutlich vor sich. Er hatte einen dunklen Teint, aber blaue Augen. Wenn er, wie jetzt, l�chelte, nahm die Iris die Farbe des freundlichen Himmels an. Der Vater breitete die Arme aus. Es roch nach den reifenden Pinien, s��. Jaume rannte los, der Vater stand auf, b�ckte sich, griff seinem Sohn unter die Arme und hob ihn hoch in die Luft. Dann stellte er ihn wieder behutsam auf die Fliesen, mit denen der Weg zwischen den Blumen hindurch zum Rasenrondell gepflastert war. �Setz dich, ich habe mit dir zu reden!�</p><p>�Wo ist deine Kippa, Vater?�</p><p>�Darum geht es ja gerade.� Die Verspieltheit der Font�ne in dem runden Brunnen passte nicht zu dem ernsten Gesicht des Vaters. �H�re, mein Sohn. Pr�ge es dir ein. Der K�nig will es nicht l�nger dulden, dass wir der Religion unserer V�ter nachgehen. Wir haben in der Gemeinde beraten und beschlossen, dass wir uns zu Jeschua bekennen, den sie Jesus, den Christus, nennen.� Jaume wollte etwas sagen, fragen, es kam ihm so ungeheuerlich vor, doch der Vater gebot ihm mit einer Handbewegung zu schweigen. �Wenn du gr��er bist, dann werde ich dir das alles erkl�ren, aber jetzt, jetzt wirst du mit uns getauft und zu dem Priester Ignazio zum Unterricht gehen.�</p><p>Und so geschah es. Jaume wurde getauft und erhielt von einem freundlichen, jungen Priester in der Domschule von Tortosa Unterricht. Die neuen Geschichten von Jesus und seinen J�ngern, von Petrus und Paulus gefielen ihm bald so gut, dass er die alten zu vergessen begann. Mit gro�em Eifer widmete er sich seinen Studien. Aber statt dass der Vater ihn daf�r lobte � schlie�lich wollte er ja, dass sein Sohn diese Schule besuchte �, bedachte er ihn nur mit einem schmerzlichen Blick. Als beleidige er den Vater mit seinem Eifer. Je mehr Erfolge Jaume im Unterricht vorzuweisen hatte, desto mehr zog sich sein Vater von ihm zur�ck und sprach weniger mit ihm. Dem Jungen kam es vor, als h�tte sein Vater Geheimnisse vor ihm und misstraute seinem Sohn. Das verletzte ihn und entfremdete ihn immer mehr von dem einst geliebten Vater.</p><p>Eines Tages forderte der Priester bei der Beichte Jaume auf, von seinem Vater zu erz�hlen, in welchen B�chern dieser las und wen er traf. Der Junge tat, wie ihm gehei�en, dachte sich nichts dabei und wurde wie immer von seinen S�nden losgesprochen.</p><p>Jaume hatte die Beichte l�ngst vergessen und begann, mit dem Gedanken zu lieb�ugeln, in ein Kloster zu gehen, zu den Dominikanern, um ganz dem Herrn zu dienen. Da fand er eines Tages, als er von seinen Exerzitien nach Hause kam, T�ren und Fenster offen vor. Mit klopfendem Herzen lief er durch alle R�ume, fand aber weder Vater noch Mutter und sein Zuhause verw�stet vor. Der Junge fand keine Erkl�rung daf�r, sp�rte jedoch eine dunkle Bedrohung. Er rannte auf die Stra�e zur�ck. Aufgebrachte Menschen zogen zum Bischofspalast. Er lie� sich mitrei�en. Aus den Gespr�chen und Wortfetzen, die an sein Ohr drangen, reimte sich der aufgeweckte Junge zusammen, dass die getauften Juden weiter heimlich ihrer Religion anhingen, Ketzerei und Zauberei betrieben. Deshalb w�rden jetzt die <emphasis>marranos</emphasis> dem reinigenden Feuer �bergeben.</p><p>Was der Knabe h�rte, �berstieg seine Vorstellungskraft bei Weitem. Es verschlug ihm den Atem. Einerseits traute er das seinem Vater nicht zu, anderseits erhielt dieser nachts immer wieder Besuch von fremden M�nnern. Die Eltern glaubten, dass Jaume schliefe, doch er bekam die heimlichen Besuche mit und dass sie dann hebr�isch sprachen und in einer Sprache, die dem Hebr�ischen �hnlich klang, die er aber nicht verstand. Manchmal brachen Vater und Mutter das Gespr�ch ab, wenn er ins Zimmer kam. Das verletzte ihn. Offensichtlich hatten sie kein Vertrauen zu ihm, schlimmer noch, sie liebten ihn nicht mehr.</p><p>Vor dem Bischofspalast ragten aus gro�en Scheiterhaufen Pf�hle, an denen Menschen festgebunden waren. Die Schmerzensschreie drangen spitz und schmerzhaft in sein Ohr. Das Kind hasste in diesem Moment die Menschen f�r ihre unw�rdigen Laute der Qual. Christliche M�rtyrer, so hatte er gelesen, starben anders, w�rdevoller, durch ihr Gottvertrauen. In dem Bewusstsein, aus dem Jammertal erl�st zu werden und gleich dem Herrn zu begegnen, beendeten sie ihr Leben irgendwie heiter.</p><p>Durch das lodernde Feuer erkannte er, dass die brennenden Leiber in wei�e Kittel geh�llt waren und spitze gelbe H�te trugen. Der s��liche Geruch verbrannten Menschenfleisches stieg ihm in die Nase, verklebte ihm die Geruchsnerven und schlug ihm auf den Magen. Er hatte nichts gegessen, sonst h�tte er sich �bergeben, so aber sp�rte er nur den Brechreiz und spuckte Galle. Dann klopfte ihm das Herz schmerzhaft bis zum Hals. Ob auch Vater und Mutter dort verbrannten? Er kam nicht durch den dichten Kreis der Schaulustigen, die Witze rissen �ber die Leiden der Menschen auf den Scheiterhaufen.</p><p>Langsam verhungerten die Flammen, und der Abend senkte sich �ber die Stadt. Die Menschen tanzten, sangen und feierten auf dem Platz, weil der Bischof ihnen verk�ndet hatte, dass ihnen nun, da man die Knechte und M�gde des Teufels verbrannt hatte, keine Gefahr mehr drohe.</p><p>Jaume war noch einmal nach Hause gelaufen, wo er voller Angst beobachtete, wie fremde Menschen in sein Haus eindrangen und M�bel und Kleider herausschleppten. Auch seine Bibel und sein altes Schaukelpferd. Papas guter Mantel und Mamas Festkleid. Wie sch�n sie darin gewesen war. Wie eine Prinzessin aus dem Morgenland. Wie hatte sie der Vater immer genannt, wenn sie dieses Kleid trug? Sulamith.</p><p>Diese fremden Menschen stahlen sein Leben. Niemand sch�tzte ihn. Niemand w�rde es ihm zur�ckgeben. Der Knabe irrte durch die Stra�en, bis er, wie, vermochte er nicht zu sagen, wieder auf dem Platz vor dem Bischofspalast anlangte. Die Wachen, die jene noch glimmenden Scheiterhaufen bewachten, waren l�ngst abgezogen. Er n�herte sich den schmutzig grauschwarzen Haufen aus Ru� und Asche. Eine j�he Sehnsucht nach seinen Eltern erfasste ihn. Er wollte nicht glauben, dass seine sch�ne Mutter und sein starker, kluger Vater sich in eines dieser unansehnlichen H�ufchen verwandelt hatten.</p><p>Da nahm er pl�tzlich im Sternenlicht ein Funkeln wahr. Auf Zehenspitzen, um auf nichts zu treten, was einmal Mensch war, balancierte er dorthin und b�ckte sich. Aus Asche und Steinen fischte er vorsichtig mit den Fingerspitzen einen goldenen Ring mit einem ebenfalls goldenen Aufsatz, den ein schwarzer Stein abschloss. Er wagte es kaum, aber er musste Gewissheit gewinnen, so schrecklich sie auch sein mochte, und hob den Ring gegen das Licht. Das Monogramm seines Vaters, das verriet, dass er ein Levit war, ein Priester, leuchtete dunkel auf. Tr�nen traten ihm in die Augen, begleitet von einem so heftigen Schluchzen, dass er daran zu ersticken drohte. Den Ring steckte er in seine Hosentasche, dann b�ckte er sich erneut und streichelte die Asche und die Knochen. Lange tat er das, bis zum Morgengrauen. Dann vertrieb ihn eine Patrouille der Soldaten des Bischofs. Tagelang irrte er durch die Stadt, schlief, wo es sich traf, a�, was er fand. Der Knabe hatte jegliches Gef�hl f�r die Zeit verloren. In ihm k�mpften heftig der Schmerz um den Verlust und die Erkenntnis, dass seine geliebten Eltern Ketzer gewesen waren. Aus dem Labyrinth der Wahrheiten und der Pein fand er keinen Ausweg. Gott, der Instinkt oder der �berlebenswille trieb ihn auf ein Schiff, denn in Tortosa w�rde er am Schmerz ersticken.</p><p>Sp�ter begriff er, dass er seine Eltern verraten und get�tet hatte. Doch auch sie hatten ihn im Stich gelassen, weil sie verstockte Ketzer geblieben waren, statt sich f�r Gottes Botschaft zu �ffnen.</p><p>Pl�tzlich sah Giacomo Licht, und das Licht fiel auf die Ruine der alten Basilika, die er vor sich sah. Dann wurde es erneut dunkel, und er entdeckte wieder seine Eltern. Diesmal aber war er noch sehr klein. Er lernte gerade laufen, indem er zwischen den ge�ffneten Armen von Mutter und Vater hin- und herstolperte. Sie fingen ihn immer wieder rechtzeitig auf, sodass er nicht hinst�rzte. Er f�hlte sich sicher, sicher in ihren starken Armen, die ihn hielten, so wie die vier m�chtigen Arme der Vierung eines Tages den Himmel tragen w�rden.</p><p>Ohrenbet�ubend leise, w�hrend er ganz in die Arme seiner Mutter zur�ckfand, begann er zu singen: �<emphasis>Jitgadal vejitkadasch sch�mei rabah. B�allma di v�ra chir�usei v�jamlich malchusei, b�chjeichon, uv�jomeichon ,uv�chjei dechol beit Jisroel, ba�agal u�vizman kariv, v�imru: Amein.</emphasis> Sein gro�er Name sei gepriesen in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten. Gepriesen und ger�hmt, verherrlicht, erhoben, erh�ht, gefeiert, hocherhoben und gepriesen sei der Name des Heiligen, gelobt sei er, hoch �ber jedem Lob und Gesang, Verherrlichung und Trostverhei�ung, die je in der Welt gesprochen wurde, sprechet Amein.�</p><p>Aus den Tiefen seines Geistes, der sich von seinem K�rper l�ste, kamen ihm die hebr�ischen Worte des Kaddisch als die einzigen Worte, die er noch zu sprechen vermochte, als r�umten das Spanische, Italienische und das Latein dem Hebr�ischen den einzig legitimen Platz. Was machte es schon, dass er dieses Gebet nur in Gegenwart eines Minjan, von zehn j�dischen M�nnern, verrichten durfte? Waren sie denn nicht alle da: sein herrlicher Vater, seine beiden w�rdevollen Gro�v�ter, seine vier Onkel, der kluge Rabbiner, der lustige B�cker, der strenge Koschermetzger? Reichten sie ihm nicht hilfsbereit die Hand, wo er sich gerade von seinem K�rper und seiner irdischen Last befreite? Nahmen sie ihn trotz seines Verrates auf im himmlischen Jeruschalaijm? Sprecht Amein.</p><empty-line/></section><section><p>53</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1527</p><p>Um ihn herum wurde gepl�ndert. Landsknechte drangen in die Kirchen, Pal�ste und Wohnh�user ein und raubten, was sie an Edelsteinen, Gold und Silber fanden. Ascanio lie� seinen beiden Freunden freie Hand. Er verstand sie ja nur zu gut. Und eigentlich sollte er handeln wie sie. Schlie�lich m�sste auch er f�r das Alter zusammenraffen, was sich ihm bot. Im Elend w�rde er verrecken, ohne dass sich jemand um ihn k�mmern w�rde, wenn er zu alt war f�rs K�mpfen oder in einem Gefecht zum Kr�ppel geschlagen w�re. Es sei denn, er h�tte den Notgroschen zusammengeraubt.</p><p>Die Gelegenheit, die reichste Stadt der Welt auszurauben, w�rde sich ihm nie wieder bieten. Doch auf dem Petersplatz �berfielen ihn sogleich Erinnerungen, die ihn l�hmten. Vor fast zwanzig Jahren war er mit Bramante in die Krypta der Basilika gegangen und hatte das gefesselte M�dchen gesehen und sich mit verhaltenem Zorn den Forderungen des katalanischen Kardinals gebeugt. Der Anblick der gefesselten Unschuld hatte ihm fast das Herz zerrissen. Je mehr er von der Gewalt sah, umso st�rker stie� sie ihn ab.</p><p>Bed�chtig ging er die Stufen zur Kirche hinauf. Er stieg �ber gesch�ndete Menschenleiber, die meisten Kleriker und Bedienstete, aber Frauen und Kinder. Manche offensichtlich vergewaltigt. Er kannte den Blutwahn nur zu gut, der sich einstellte, wenn man �ber Stunden gemordet, sein Leben verteidigt und dabei die Kameraden fallen gesehen hatte. Alle Reflexe des Menschen gehorchten nur einer einfachen Rechnung: t�ten oder get�tet werden. Wer so weit war, konnte nicht mehr aufh�ren, bevor er vor Ersch�pfung zusammenbrach. Er bekam nicht genug vom Blut, das er vergoss, nicht genug von den Schreien, die er h�rte, weil er sie verursachte. Weil Ascanio diesen Rausch kannte, wusste er, wie er ihm entkommen konnte.</p><p>Nun trat er durch die Pforte in das Atrium. Die gr�ne Wiese war rot. Insekten hielten einen Festschmaus. Keinen der Toten sah er an, er wusste nur zu gut, dass er das Leid weit von sich halten musste. Wenn die Opfer Pers�nlichkeit bekamen, w�rde er wahnsinnig werden. Sie mussten unter allen Umst�nden abstrakt bleiben. Pl�tzlich fesselte ihn eine Beobachtung. Aus der Porta Ravenniana floh eine halb nackte Frau mit einem kleinen Kind auf dem Arm. Ein Landsknecht mit vor Gier aus den H�hlen quellenden, w�ssrigen Augen folgte ihr und rief: �Ich will nichts von dir, aber gib mir das Balg!�</p><p>Ascanio hatte sich in den vielen Jahren, in denen er schon das Gesch�ft des Krieges betrieb, angew�hnt, sich niemals einzumischen. Und das hatte sich als weise und klug erwiesen. Man musste nicht zum Vieh werden wie die Kameraden, aber man durfte ihnen im Augenblicke des Blutrausches auch nicht in den Arm fallen. Ihre sexuellen Triebe, die befriedigt sein wollten, waren nur eine andere Form des Blutrausches, des Mordtriebes.</p><p>�Ist doch ein Junge! Lass dich auch am Leben�, rief der Landsknecht. In den Augen der Frau sah Ascanio die Angst um ihr Kind. Und niemand war da, der ihr beistand, ihr Mann war wahrscheinlich schon in der ersten Kirche der Christenheit niedergemetzelt worden. Nicht bittend sah sie ihn an, sondern mit dem vernichtenden Ausdruck der Hoffnungslosigkeit. In diesem Moment fr�stelte er bis in die Eingeweide. Er zog sein Messer und stellte sich dem S�ldner in den Weg. Der zuckte zur�ck.</p><p>�Was willst du? Was geht dich das Balg an?�</p><p>�Bist du an B�lgern interessiert?�, fragte ihn Ascanio kalt.</p><p>�Nur! Probier es. Es gibt nichts Sch�neres. Es ist alles noch so unschuldig und so frisch. Und das Beste ist, du holst dir nicht mal die Franzosenkrankheit!�</p><p>Ascanios Augen verengten sich. Seltsam ruhig wurde er, bevor seine Faust im Gesicht dieses Kindersch�nders landete, der zu Boden ging. Mit schnellen Griffen hatte er ihm den Brustharnisch gel�st und zur Seite geworfen. Dann kniete er auf den Beinen des Kerls. Dieser kam wieder zu sich und versuchte sich zu wehren. Mit zwei kurzen Schnitten seines Dolches durchtrennte Ascanio ihm die Sehnen an den Oberarmen, sodass der Landsknecht seine Arme nicht mehr benutzen konnte. Sie baumelten an seinem K�rper wie bei einer Marionette, bei der man die Dr�hte gekappt hatte. Er schrie vor Schmerzen wie ein Schwein, die Augen vor Angst weit aufgerissen. Aber das erreichte Ascanio nicht mehr. Mit einem tiefen Schnitt hatte er die Bauchdecke ge�ffnet und zog die D�rme heraus. S�ldner, die aus der Kirche kamen, blieben verwirrt stehen. Er blickte kurz hoch, und als sie das Tier in seinen Augen erkannten, gingen sie rasch weiter, ohne sich einzumischen. Nachdem er den widerlichen Kerl ausgeweidet hatte, erhob er sich und merkte, dass Eugenio und Baccio neben ihm standen. Meine guten Freunde, dachte er wie benommen, gute M�nner.</p><p>�Bringt diese Frau und ihr Kind in Sicherheit und gebt ihr Geld!�, bat er sie. Die Frau wollte etwas sagen, ihm danken, aber er hob nur abwehrend seine blutige Hand und setzte seinen Weg zum Petersdom fort. Dort schwelten Feuer, und �berall lagen Leichen, gesch�ndete Reliquien, gepl�nderte Heiligt�mer. Der ganze Ort wirkte, als h�tten ihn die Heerscharen des Satans verw�stet. Und dann fesselte ein Bild seine Aufmerksamkeit.</p><p>Vor ihm hing an einem gro�en Kreuz ein nackter Mann. Giacomo Kardinal Catalano. Unweit von ihm lagen Schwert und K�rass. Er hatte ihn gehasst, aber alles deutete darauf hin, dass er heldenhaft gek�mpft hatte. Dann sah er die Verkl�rung in den toten Augen, das eingefrorene selige Kinderl�cheln. Er nahm ihn vom Kreuz ab und bedeckte die Leiche des Erzpriesters mit seinem Mantel. Er kniete nieder und betete f�r den Mann, den er verabscheut hatte, doch die Umst�nde seines Todes fl��ten ihm Respekt ein. Nachdem er das Vaterunser gesprochen hatte, erhob er sich und wandte sich zum Ausgang. Vier Spanier kamen ihm mit blanken Schwertern entgegen.</p><p>Ascanio legte den Kopf auf die Seite und bedachte sie mit einem mitleidigen L�cheln. Wenn sie den Kampf wollten, sollten sie ihn haben. Die M�nner traten zur�ck. Einer, der eine taubeneigro�e Beule auf der Stirn trug, zischte ihn an. �F�hl dich nur nicht so sicher. Wir kriegen dich noch. Du hast meinen Bruder auf dem Gewissen.�</p><p>Ascanio schaute ihn gelassen an. �Such mich, wenn du deinen Tod finden willst.�</p><p>Dann verlie� er die gepl�nderte, gebrandschatzte und verw�stete Peterskirche. Auf dem Vorplatz stie� er auf Klaus Seidensticker.</p><p>�Komm, wir sammeln uns, um Trastevere einzunehmen�, rief ihm der Hauptmann zu und winkte.</p><p>�Wer hat das Kommando?�</p><p>�Philibert de Chalon.�</p><p>�Der Prinz von Oranien? Das Kind?�</p><p>�Ja, ist kein anderer da. Der Conn�table ist tot.�</p><p>�Schade um ihn wie um Frundsberg. Waren gute M�nner.�</p><p>�Wei�t doch, die Guten sterben.�</p><p>�Und die Schlechten muss man totmachen. Ja, ich wei߫, antwortete Ascanio m�de. Dann erinnerte er sich an die Frau und dachte an Lucrezia. �Ich will in der ersten Reihe fechten!�, verlangte er.</p><p>�Gleich neben mir, du Hundsfott!�, lachte Seidensticker.</p><p>Als sie auf dem Weg vom Borgo nach Trastevere an Agostino Chigis <emphasis>villa suburbana</emphasis> vorbeikamen, bat Ascanio den Hauptmann, einen Augenblick zu warten. Er wollte kurz in den Palazzo schauen, denn ihm war zu Ohren gekommen, dass Imperia in der Villa gelebt hatte. Aber au�er pl�ndernden Landsknechten fand er niemanden in dem Anwesen. Aus den Augenwinkeln sah er, dass ein Deutscher auf Peruzzis Fresko seine Krakel schrieb und h�rte, wie er beim Schreiben sprach: �Was soll ich, der ich schreib, nit lachen, wir haben den Papst laufen machen.�</p><p>Ascanio verlie� eilig das Haus und ging mit Seidensticker weiter. Er hatte kein Ohr f�r das Zwitschern der aufgeregten V�gel. In der Luft hing der bet�ubende Gestank des Todes. Und nun ging alles schnell. Trastevere ergab sich. Der Heerhaufen blieb jedoch noch zusammen, denn nun st�rmten die Landsknechte �ber die Tiberbr�cken in die eigentlichen <emphasis>Rioni</emphasis> der Stadt � Regola, Sant�Angelo, Sant�Eustachio, Parione, Pigna, Ponte und wie sie alle hie�en. Der Senat von Rom ergab sich und bat um Schonung. Die Senatoren h�tten sich diese Worte auch sparen k�nnen, sie waren wie nicht gesprochen. Landsknechte fielen in die H�user ein, folterten die Bewohner, um ihnen ihren gesamten, auch den versteckten Besitz abzupressen. Es hie�, dass der Papst sich in der Engelsburg verschanzt habe.</p><p>Ascanio blutete das Herz, er erkannte die stolze Stadt nicht wieder, in der er einst gelebt hatte. Br�nde verd�sterten den Himmel. Doch er trieb sich und seine Freunde an, so schnell wie m�glich Ponte zu erreichen. Dann standen sie vor Bramantes Palazzo, in dem er Lucrezia vermutete. Die T�rfl�gel waren sperrangelweit ge�ffnet. Wie vergewaltigt, dachte Ascanio, dem die Panik das Denken abschn�rte. Im Erdgeschoss, das er vollkommen verw�stet vorfand, entdeckte er niemanden. Aber es roch nach Schwei�, genauer nach Angstschwei�, der f�r alle Landsknechte wie eine Droge wirkte, die sie nur zu noch gr��erer Grausamkeit anstachelte. Wer Angst zeigte, hatte schon verloren. Als er das Atelier betrat, in dem Bramante gearbeitet hatte, �berfiel ihn ein heftiger Schmerz angesichts der zerrissenen und teils im Kamin verbrannten Skizzen. Die Erinnerungen trafen ihn wie ein Beil, unerwartet, hart und kalt. Es dauerte einen Moment, bis er begriff, dass sich hier etwas ver�ndert hatte. Er hatte das Atelier kleiner und mit geringerer Deckenh�he in Erinnerung.</p><p>�Jemand hat den alten Kasten umgebaut�, raunte er Eugenio und Baccio zu, bevor er mit ihnen die Treppe hinauf ins <emphasis>piano nobile</emphasis> hastete.</p><p>�Nein!� Der schrille Angstschrei einer Frau zeriss die Stille. Nach all den Jahren, selbst in dieser grauenvollen Verfremdung, erkannte er diese Stimme wieder. Lucrezia. Ascanio zog das Schwert und trieb sich zu gr��erer Eile an. Die Ver�nderungen im ersten Obergeschoss nahm er gar nicht wahr, er st�rmte in den Saal, aus dem der Schrei gekommen war.</p><p>Der Anblick, der sich ihm bot, versteinerte sein Herz. Vier Kinder zwischen drei und vierzehn Jahren sa�en mit schreckgeweiteten Augen gefesselt auf dem Boden. Halb nackt kniete Antonio mit auf dem R�cken verbundenen H�nden vor einem S�ldner. Nur Lucrezia, die ein Kleinkind im Arm hielt, stand in der rechten Ecke des Raumes. Sie war nicht gefesselt. Es war auch nicht n�tig, sie w�rde nicht fliehen und ihre Kinder und ihren Mann zur�cklassen. Ein Familienbild, nur ganz und gar nicht idyllisch. Der Landsknecht mit der gro�en Beule auf der Stirn hielt seinen Dolch auf das rechte Auge Antonios gerichtet.</p><p>Er erkannte Ascanio sofort, und diesem war bewusst, dass er dem Bruder des Mannes gegen�berstand, den er in der Peterskirche ausgeweidet hatte. Der Spanier starrte ihn mit schmierigem L�cheln an. Rechts und links von ihm standen jeweils zwei seiner Spie�gesellen. Da die spanischen Haufen �ber die Br�cke unterhalb der Engelsburg vorgesto�en waren und nicht wie die deutschen Landsknechte �ber Trastevere, waren sie nat�rlich schneller hierher gelangt.</p><p>Ascanio schoss ein Gedanke durch den Kopf. Er musste unter allen Umst�nden verhindern, dass Lucrezia oder Antonio verlauten lie�en, dass sie ihn kannten. Die Spanier h�tten sie schon get�tet, bevor er noch sein Schwert bewegen konnte.</p><p>�Ich kenne diese Leute nicht�, rief er laut. �Aber ich m�chte sie gern kennenlernen.�</p><p>Er sp�rte, wie ihn Lucrezia und Antonio erstaunt ansahen.</p><p>�Aber ��, begann Antonio vollkommen verunsichert, wurde aber sofort barsch von seiner Frau unterbrochen, die Ascanio offensichtlich verstanden hatte. �Du wirst dich doch nicht diesem Unbekannten andienen! Meinst du, er ist besser als die hier?�</p><p>�Was soll das Geschw�tz! Hier pl�ndere ich. Sieh zu, dass du Fersengeld gibst!�, br�llte der Spanier. W�hrend Eugenio und Baccio einen Schritt nach rechts machten, ging Ascanio auf den S�ldner zu.</p><p>�Meinst du, dass hier nicht genug f�r uns alle zu holen ist?�, fragte er leutselig und l�chelte den Spanier, der den Dolch auf Antonio gerichtet hielt, an, als w�ren sie die besten Freunde. Doch dann schlug er ihm, kaum dass er ausgesprochen hatte, mit seinem Schwert den Kopf ab, der dumpf auf dem Boden aufschlug, jedoch infolge des giebelartig spitz nach oben zulaufenden Helms im Kreise drehte und nicht wegrollte. Gleichzeitig hatten sich Eugenio und Baccio sch�tzend vor Lucrezia und die Kinder gestellt, die jetzt zu wimmern begannen. W�tend spuckte einer der Spanier aus.</p><p>�Was soll das jetzt wieder? Meinst du, wir lassen dir das auch noch durchgehen?� Er hob sein Schwert, w�hrend ein anderer wegrannte, um Verst�rkung zu holen. Noch stand es drei gegen drei. Ascanio wusste, dass sie keine Zeit zu verlieren hatten. Bald w�rde es hier nur so von ihren Landsknechten wimmeln. Kurz entschlossen warf er sich auf den Spanier, der ihm am n�chsten stand, packte ihn und warf ihn durch das geschlossene Fenster. Es knirschte und �chzte, dann gaben Rahmen und Scheiben nach und st�rzten unter dem Druck des K�rpers samt diesem auf das Pflaster vor dem Haus. Wie bet�ubt lag der Landsknecht da, bevor er erwachte und das Weite suchte. Nachdem sich die Situation so vollst�ndig ge�ndert hatte, suchten auch die beiden Pl�nderer, die noch im Saal standen, rasch das Weite.</p><p>Ascanio l�ste Antonios Fesseln und Baccio die der Kinder. Den Dreij�hrigen nahm er auf den Arm. Antonio hob seine j�ngste Tochter hoch, die Lucrezia wie aus dem Gesicht geschnitten war.</p><p>�Kommt, wir haben keine Zeit zu verlieren�, sagte Ascanio und versuchte, sich seine Anspannung nicht anmerken zu lassen. Antonio und er �bernahmen die F�hrung. Es folgten Lucrezia, die Kinder, Eugenio und Baccio. Schnell hatten sie die Treppen passiert und entkamen in letzter Minute durch den Hintereingang, bevor die Verst�rkung der S�ldner ins Haus drang. Sie durchquerten den Garten, um schlie�lich durch ein kleines Tor hinten rechts in der Mauer die Gasse zu erreichen.</p><p>Um sie herum gab es nur Tod, Folter, Brandschatzung und Pl�nderung, aber niemanden, der dem Einhalt gebot. Vor einem Handwerkerhaus rief ein Spanier Ascanio zu, er solle ihm die Gefangenen �berlassen. Aber Ascanio knurrte nur zur�ck, er m�ge sich um seine eigenen Angelegenheiten k�mmern. Sie vermieden gro�e Stra�en und Pl�tze und k�mpften sich durch kleine Gassen bis in den Norden der Stadt durch. Wo sie auch vorbeikamen, �berall bot sich ihnen das gleiche Bild; f�nfzigtausend R�mer waren der Brutalit�t einer f�hrerlosen Soldateska schutzlos ausgeliefert.</p><p>In der Abendd�mmerung erreichten sie schlie�lich vollkommen ersch�pft die Porta Flaminia, die auf die Stra�e nach Florenz f�hrte. Unweit des Tores lagerten sie in der Ruine eines Handwerkerhauses. Ascanio riet allen, ein wenig auszuruhen und zu schlafen. Antonio wollte ihm danken, aber er wehrte ab. �G�nn dir auch etwas Ruhe, Antonio, wir m�ssen schon sehr bald weiter.�</p><p>Dann besprach er sich mit Eugenio und Baccio. Sie beschlossen, dass Eugenio versuchen sollte, ein Pferd und ein Fuhrwerk aufzutreiben. Falls er aber bis Mitternacht nicht zur�ckkehrte, w�rden sie ohne ihn und zu Fu� aufbrechen. Baccio sollte in der Zeit ein wenig Reiseproviant besorgen.</p><p>Ascanio warf einen verstohlenen Blick auf Lucrezia, die sich an Antonios Schulter lehnte und ihren j�ngsten Sohn stillte, umgeben von ihren Kindern, die bis auf den Vierzehnj�hrigen ersch�pft eingeschlafen waren. Der Anblick versetzte ihm einen Stich. Wie sehr beneidete er Antonio darum, eine Familie zu haben, eine Heimat, Menschen, die ihn liebten. Wie viel h�tte er darum geben, dass ihm ein solches Gl�ck verg�nnt gewesen w�re. Zum ersten Mal schmeckte er die bittere Erkenntnis, sein Leben falsch gelebt, vergeudet zu haben. Er sp�rte, wie ihm die Augen feucht wurden. Damit es niemand merkte, r�usperte er sich und brummte, er wolle kurz die Gegend erkunden.</p><p>Als er aus der Ruine trat, w�lbte sich �ber ihm der r�mische Abendhimmel, der in allen Rott�nen leuchtete. Jetzt war er allein, jetzt durfte er seinen Tr�nen �ber sein verpfuschtes Leben freien Lauf geben. Er setzte sich auf einen Feldstein und weinte. Es tat ihm wider Erwarten gut. Und pl�tzlich konnte er es kaum erwarten, im Himmel zu sein, um seine guten Eltern wiederzusehen. Wie sch�n w�re es, wieder Kind zu sein, sich wieder in ihrer Obhut zu befinden! Er bem�hte sich, bei diesem fr�hen Gl�ck zu verharren und nicht an jenen Tag zu denken, an dem das Gl�ck zerschlagen wurde.</p><p>Das Wiehern von Pferden riss ihn aus seinen Gedanken. Er blickte auf. Eugenio, diesem Teufelsbraten, war es gelungen, eine Kutsche mit vier Pferden aufzutreiben. Fast gleichzeitig erschien Baccio, der einen gut gef�llten Sack �ber der Schulter trug. Ascanio weckte Antonio, Lucrezia und den �ltesten Knaben. �Es ist so weit.� Behutsam trugen sie die anderen Kinder in die Kutsche und verlie�en Rom schlie�lich eine Stunde vor Mitternacht, erleichtert, der H�lle entronnen zu sein.</p><p>F�nf Tage sp�ter trafen sie in Florenz ein und kamen bei Verwandten in der N�he der Porta San Gallo unter, nach der sich die Familie Sangallo benannt hatte.</p><p>Am Ende hatte der ungl�ckliche Clemens VII. doch noch ein L�segeld gezahlt, und am 17. Februar 1528 verlie�en die demoralisierten Truppen, die �ber ein halbes Jahr lang die R�mer terrorisiert hatten, die Ewige Stadt. Im April kehrte Antonio in Begleitung von Eugenio zur�ck. Zuerst inspizierte er den verw�steten Palazzo und dachte dankbar, dass seine Familie und er dem Tod entronnen waren. Und was den Palazzo betraf: Nichts war zerst�rt worden, was sich nicht wieder reparieren oder erneuern lie�. Dann begab sich Antonio zur Peterskirche.</p><p>Der Neubau und die alte Basilika �hnelten sich auf furchtbare Weise: Die Landsknechte hatten Fenster zerschlagen, Alt�re zerst�rt, Reliquien aus ihren Beh�ltnissen gestohlen oder aus den Reliquiaren Edelsteine herausgebrochen. Am schlimmsten sah es im Tegurium aus. Der Altar �ber der Memoria des Apostelf�rsten Petrus war vollkommen zerst�rt, das Ziborium ein skurriles Gerippe, aus dem man alles Wertvolle herausgeschlagen oder herausges�gt hatte. Der Architekt wagte nicht, in die Gruft hinunterzusteigen, weil er nicht sehen wollte, was sie mit dem Grab des Apostels angestellt hatten. Er entz�ndete �ber der Memoria eine Kerze, die er mitgebracht hatte, und dankte Gott in einem langen Gebet, dass er ihn errettet hatte. Eines erkannte er sofort: Bevor sie mit dem Bauen fortfahren konnten, war eine Menge Aufr�um- und Reparaturarbeit zu leisten.</p><p>Antonios n�chster Weg f�hrte ihn nach Regola ins Haus seines Freundes Maffeo Maffei. Unterwegs zeigte sich ihm eine geschundene Stadt. Die Palazzi der Reichen hatten die Landsknechte genauso gepl�ndert und verw�stet wie die H�tten der Armen. Sie hatten mitgenommen, was sie zu fassen bekamen, ob viel oder wenig. Holzleisten und Gestelle, die fr�her einmal M�bel waren, Scherben von Geschirr und Kr�gen, Fensterkreuze, T�rfl�gel und Schl�sser, Kleidung, immer wieder zerfetzte T�cher und Papier, Rechnungen, Zeichnungen, Briefe und B�cher bedeckten die Stra�en. Wind pfiff durch die Gem�uer, die oft t�r- und fensterlos der Witterung schutzlos ausgeliefert waren. In die Augen der Menschen hatte sich Misstrauen geschlichen. Wo waren nur das Selbstbewusstsein und die Frechheit des <emphasis>Popolo</emphasis> geblieben?, fragte er sich. Dann stand er vor dem dreist�ckigen Haus von Maffeo. Nachdem damals die Umbauarbeiten an seinem Palazzo beendet worden waren, hatten sie sich sogleich an die Vergr��erung von Maffeos Anwesen gemacht. Selbstverst�ndlich auf Kosten der Baustelle am Petersdom und mit den Baumaterialien von dort. Seit Antonio aus der Engelsburg entlassen worden war und er den Preis f�r seine Rettung kannte, hatte er jede Hemmung verloren. Er begann, die gr��te Baustelle der Christenheit zu hassen.</p><p>Antonio schaute durch die T�r und entdeckte Arnoldo, Maffeos �ltesten Sohn. Er musste inzwischen etwa zwanzig Jahre alt sein, ein gro�er und sch�ner junger Mann. Er war gerade dabei, neue Fenster einzusetzen, wobei ihm zwei seiner j�ngeren Br�der zur Hand gingen. Antonio fiel ein Stein vom Herzen, dass die Familie des Bauunternehmers die schreckliche Zeit offenbar gut �berstanden hatte.</p><p>�Arnoldo, wo ist dein Vater?�, rief er beim Eintreten.</p><p>Arnoldo schaute ihn erst an, dann begr��te er ihn ernst. �Die Landsknechte haben ihn gefoltert, um an unser Geld zu kommen. Wir hatten es n�mlich vergraben. Er hat geschwiegen, bis in den Tod. Der Sturkopf!� In den Augen stritten Liebe, Trauer und Missbilligung.</p><p>Antonio senkte den Kopf. Den Freund und Gef�hrten tot zu wissen stimmte ihn unsagbar traurig.</p><p>�Sie haben Mutter gedroht, dass sie den Leichnam meines Vaters in kleine Streifen schneiden und an die Bluthunde verf�ttern w�rden, da hat sie ihnen das Geld gegeben.�</p><p>�Wo ist deine Mutter?�</p><p>�Vor Gram gestorben.�</p><p>�Und deine Geschwister?�</p><p>�Fressen mir die Haare vom Kopf. Nein, Gott sei Dank, sie leben. Aber ich wei� nicht, wie ich sie durchbringen soll.�</p><p>�Mit dem Gesch�ft deines Vaters nat�rlich!�</p><p>Arnoldo sah den Architekten lange an. �Wollt ihr Euch �ber mich lustig machen? Vater hat mich auf die Lateinschule geschickt. Anschlie�end hat er mich zwar ins Maurerhandwerk eingewiesen, aber ich bin kein Meister.�</p><p>Antonio legte seinen Arm um die Schulter des jungen Mannes. �Ach, wei�t du, mein Sohn � denn das sollst du von jetzt ab sein �, ich will versuchen, so gut ich kann, dir deinen Vater zu ersetzen. Als ich deinen Vater kennenlernte, hat er zwar behauptet, dass er ein Meister w�re, aber er war keiner. Ein Unternehmer war er, ein kluger, ein ausgefuchster, mit Mut, mit sehr viel Mut.� Arnoldo st�hnte leise. �Und ich denke doch, dass sein Blut in deinen Adern flie�t.�</p><p>Der Architekt half dem jungen Mann, der in der Tat die Begabung seines Vaters f�r das Baugewerbe geerbt hatte, das Familienunternehmen wieder aufzubauen. W�hrend Arnoldo und seine Maurer die Zerst�rungen an Antonios Palazzo beseitigten, konnte dieser den jungen Mann bei der F�hrung seiner M�nner beobachten und ihm Ratschl�ge erteilen. Nur das Atelier wollte Antonio allein renovieren.</p><p>Den ganzen Tag �ber hatte er die W�nde verspachtelt, die Spuren von Hellebarden- und Schwerthieben aufwiesen. Sicher hatten die S�ldner ihre Wut am Mobiliar und den W�nden ausgelassen, nachdem der fl�chtige Spanier Hilfe geholt und den Palazzo leer vorgefunden hatte. An einer Stelle entdeckte er ein kleines Loch in der Wand. Er fasste mit dem Zeigefinger hinein und erf�hlte, dass dahinter ein Hohlraum lag. Mit einem Stemmeisen und einem Hammer schlug er den Putz ab, der die Vertiefung verschloss. Vor ihm �ffnete sich eine Nische, etwa zwei Handbreit tief und etwas �ber zwei Fu� hoch, in der zwei B�cher lagen. Antonio nahm sie heraus und ging mit ihnen zum Fenster, um zu sehen, worum es sich handelte. Entt�uscht stellte er fest, dass es sich bei dem einen Buch um ein Exemplar von Dantes �G�ttlicher Kom�die� handelte.</p><p>Weshalb hatte Donato es versteckt? Das Werk genoss doch den besten Ruf. Antonio begann, darin zu bl�ttern. Schlie�lich stie� er auf den zweiten Teil, auf ein Buch, das in einer Sprache verfasst war, die er nicht kannte. Rasch wurde ihm klar, dass der zweite, nur halb so dicke Band die �bersetzung des ersten enthielt. Ihm stockte der Atem. Vor ihm lag das �Buch der Baumeister�, das Bundesbuch der <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis>. Die Liste der Priore des Bundes am Ende des Originals beeindruckte ihn. Dann versenkte er sich in die Lekt�re der �bersetzung. Als die Dunkelheit ins Zimmer floss, holte er sich einen Krug mit Wein und ein paar Kerzen. Niemand trieb ihn, er studierte das Buch. War er nicht der letzte Prior der Gef�hrten der Liebe? Hatte ihn nicht Donato kurz vor seinem Tod eingesetzt? Nur war er nicht mehr dazu gekommen, ihm zu verraten, wo er das Buch versteckt hatte.</p><p>F�r einen kurzen Moment erwog Antonio den Gedanken, den Bund wiederzubeleben. Doch wozu? Es gab nur noch zwei <emphasis>Fedeli</emphasis> � ihn selbst und Baldassare Peruzzi. Beide hatten sie kein Interesse an Politik. Und auch nicht an philosophischen und theologischen Spekulationen. Das verdarb das Gesch�ft und brachte einen nur in Schwierigkeiten. Zudem hatte der <emphasis>Sacco di Roma</emphasis> alle hochgespannten Vorstellungen von der G�ttlichkeit und Ewigkeit der Kunst der grausamen L�cherlichkeit preisgegeben. Selbst wenn er daran zweifeln wollte, musste er nur durch Rom gehen und sich die gesch�ndeten Kirchen, die zerst�rten Kunstwerke anschauen, um zu erkennen, dass sich die <emphasis>Fedeli</emphasis> gr�ndlich geirrt hatten. Liebe war nur Trug und die Kunst so verletzlich wie der Mensch. Nicht die Philosophen, nicht die K�nstler und Dichter beherrschen die Welt, nicht ihre Ideen und Kunstwerke, sondern schlicht und einfach die Gewalt und der Zufall.</p><p>Antonio da Sangallo hatte seine Lektion gelernt. Es ging nur darum, dass man sich in der Welt behauptete, um sich und den Seinen ein gutes Auskommen zu sichern. Es war an der Zeit, dass die Familie Sangallo das Baugeschehen in Rom beherrschte. Auftr�ge und Arbeit gab es nach dem Sacco zur Gen�ge. Dennoch las er mit der gr��ten Neugier im �Buch der Baumeister�, denn er wusste, dass Bramante ihm noch immer weit �berlegen war. Bis zu diesem Tag verstand er nicht alle Ideen seines Meisters. Aber wenn er das geheime Wissen studiert hatte, w�rde er vielleicht endlich auf einer Stufe mit ihm stehen.</p><p>So verging eine gute Woche. Am Ende war Antonio erm�det von den vielen theoretischen Spekulationen und dankbar f�r ein paar neue Berechnungsarten, in die ihn das Buch einf�hrte. Nie w�rde er, der ein versierter Architekt war, erfahren im Umgang mit den Bauunternehmern, von denen ihm keiner etwas vormachen konnte, was die L�sung praktischer Probleme betraf, Donato Bramante verstehen k�nnen. Zwischen Flei� und Inspiration hat Gott eine Grenze gesetzt, und Antonio war zwar sehr flei�ig und auch begabt, aber nicht inspiriert. So stellte er beide B�cher nach der Lekt�re auf das kleine B�cherregal in seinem Atelier. Nein, w�ren sie nicht gestorben, dann h�tte der <emphasis>Sacco di Roma</emphasis> den Gef�hrten der Liebe den Garaus gemacht.</p><p>Im fr�hen Herbst, noch bevor die Bl�tter fielen und es k�hl wurde, brachte Ascanio Lucrezia und die Kinder zur�ck nach Rom. Nur Eugenio, der in Florenz eine Witwe gefunden und sie geheiratet hatte, blieb in der Arnostadt zur�ck. Die beiden S�ldner hatten so tief bewegt voneinander Abschied genommen, als seien sie sicher, sich nicht mehr wiederzusehen.</p><p>Antonio hatte inzwischen den Palazzo vollkommen instand gesetzt und seine Arbeit am Petersdom wiederaufgenommen. Der Tod des Kardinals Catalano hatte eine Last von seinen Schultern genommen. Er war von dem Versprechen, das ihm die Lust am Bauen genommen hatte, erl�st. Nun endlich wollte er wieder dort anschlie�en, wo Donato geendet hatte. Zur�ck zum Zentralbau!</p><p>Doch der Geldmangel behinderte die Wiederaufnahme der Bauarbeiten im gro�en Stil, und der gedem�tigte und ruinierte Papst Clemens VII. vermochte sich zu keinen gro�en Entscheidungen mehr aufzuraffen. Antonio war es recht, er verdiente viel Geld mit anderen Projekten � hier ein Palazzo, da eine Kirche � und konnte in Ruhe am Konzept f�r den Petersdom arbeiten. Eines schwor er sich: Niemals w�rde er so leichtsinnig vorgehen wie Bramante. Er wollte detaillierte Pl�ne und ein exaktes Holzmodell erarbeiten, damit der Fortgang der Bauarbeiten eindeutig festgelegt wurde. Und w�hrend er daran arbeitete, wuchsen in seinem Herzen die Vorw�rfe, die er seinem einstigen Lehrmeister machte, in dem er immer mehr den Schuldigen f�r die Misere ausmachte. Mit einer ordentlichen Planung st�nde Neu Sankt Peter bereits, dachte er. Auch als endlich wieder Geld floss, baute Antonio nicht weiter. Die �blichen Verlegenheitsarbeiten � dort ein Fundament ausbessern, da eine Wand hochziehen � verschleierten die Wahrheit. Es ging nicht voran, und das hatte einen Grund.</p><p>Antonio wagte sich nicht an die Kuppel. Er mochte sich noch so sehr schinden, die Berechnung gelang ihm einfach nicht. Und das alte Konzept, an dem er sogar mitgearbeitet hatte, zweifelte er inzwischen an. Seine tiefe Skepsis entsprang nur einem einzigen Grund, den er sich aber nicht einzugestehen wagte � es mangelte ihm an Mut. Wenn er die Kuppel setzen w�rde und sie zerbr�che oder die Pfeiler hielten ihrem Gewicht nicht stand, w�rde sie ihn und seine Familie unter sich begraben. Davor hatte er Angst. Und dar�ber musste er sich hinwegt�uschen.</p><p>Der Tod von Baldassare Peruzzi lie� ihn als Architekt vollends vereinsamen. Hatte sich Baldassare auch vorher nicht viel um den Bau gek�mmert, so fehlte er ihm dennoch. Der Papst sah keinerlei Notwendigkeit, einen zweiten Architekten zu beauftragen. Und Antonio selbst konnte ja schlecht darum bitten. Es h�tte wie ein Eingest�ndnis ausgesehen, dass er �berfordert sei. Von Jahr zu Jahr mehr empfand er das Projekt als ein abgrundtiefes schwarzes Loch, das ihn zu verschlingen drohte oder als eine gro�e Eisenkugel am Bein, die ihn langsam und unerbittlich auf den Grund des Tibers zog, w�hrend er nach Luft schnappend und mit den H�nden rudernd versuchte, sich an der Wasseroberfl�che zu halten.</p></section><section><empty-line/><p>Teil IV �</p><p>Die Feuer der Inquisition</p><empty-line/><empty-line/><p>Selbst wenn mein eigener Vater ein H�retiker w�re, w�rde ich das Holz f�r seinen Scheiterhaufen sammeln, um ihn zu verbrennen.</p><p><emphasis>Gian Pietro Carafa, Gro�inquisitor, sp�ter Papst Paul IV.</emphasis></p></section><section><empty-line/><p>54</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1533</p><p>Die Stadt lag vor ihm wie eine untreue Geliebte, von der er doch nicht lassen konnte, aus Gewohnheit und weil niemand mehr zu bieten hatte als sie. Als Rom gepl�ndert und gequ�lt worden war, hatte Michelangelo sich gottlob am Arno aufgehalten und dar�ber gestaunt, dass die Prophezeiung des als Ketzer verschrienen Abtes Joachim von Fiore, die dieser einst in seinem �Liber de Concordia Novi ac Veteris Testamenti� formuliert hatte, tats�chlich eintraf. Eines Tages, hatte der Abt aus Kalabrien geschrieben, w�rde Rom, das neue Babylon, f�r seinen Hochmut gez�chtigt werden. Und so war es schlie�lich gekommen. Sie alle � die P�pste, die Humanisten und die K�nstler � hatten in ihrem Hochmut und ihrer Eitelkeit daran geglaubt, sich in ihren Werken zu verewigen. Doch ihre Skulpturen waren von den Landsknechten zerschlagen, ihre Bilder und B�cher von den S�ldnern verbrannt worden und ihre Palazzi fielen den Geschossen der Feldschlangen zum Opfer.</p><p>Auch er hatte diesem selbstgerechten Glauben gefr�nt, den die rauen Winde der Wirklichkeit erbarmungslos vor sich hergetrieben und schlie�lich zum Zerstieben gebracht hatten. Nichts auf der Welt war ewig � nur Gott. Das hatte Michelangelo einsehen m�ssen. Die ihn zutiefst verst�rende Erkenntnis lautete, dass selbst die Kunst so verg�nglich war wie der Mensch. Die Ewigkeit geh�rte Gott allein, und er lie� sich kein Gran davon abhandeln.</p><p>Einst hatte Michelangelo dem Hof Leos X. stolz den R�cken gekehrt und sich der Republik Florenz zur Verf�gung gestellt, erst als K�nstler und sp�ter, als Clemens VII. die Stadt erneut den Medici unterwerfen wollte, als Festungsbaumeister, weil er meinte, die republikanische Ordnung verteidigen zu m�ssen. Doch dann hatte sich Kaiser Karl V. nach der grausamen Pl�nderung Roms durch seine unbezahlten Truppen mit dem Papst vers�hnt und diesem die stolze Arnostadt sozusagen geschenkt. Die Republikaner wurden vertrieben oder flohen.</p><p>In den Wirren des Umbruchs bangte Michelangelo als Parteig�nger und Vertreter der Republik um sein Leben und versteckte sich in der Kirche Santa Maria del Carmine. Dort hatte ihm ein halbes Jahrhundert zuvor, als er mit Contessina die Fresken Masaccios betrachten wollte, ein mittelm��iger Bildhauersch�ler die Nase gebrochen. Ach, Torrigiani! Auch er lebte schon lange nicht mehr; er war vor vielen Jahren in Spanien im Kerker der Inquisition verreckt, wie er von irgendjemand geh�rt hatte. Wie seltsam das Leben doch war.</p><p>Nun versteckten ihn die guten Franziskaner vor der Rache der Medici, und er k�mpfte dagegen an, von der Erinnerung an seine erste Liebe �bermannt zu werden. �Wenn du einmal Baumeister werden solltest, Michelangelo, dann schaff sie f�r mich, die Kuppel des Himmels. Als Erinnerung an unsere Liebe�, hatte Contessina ihm damals zum Abschied gesagt, als sie im Florentiner Dom unter Brunelleschis Kuppel standen und meinten, sterben zu m�ssen. Kurz darauf war er aus Florenz geflohen, aus panischer Angst, f�r einen Anh�nger der Medici und Feind der Republikaner gehalten zu werden. Und nun verkroch er sich, weil er f�rchtete, dass man ihn f�r einen Gegner der Medici, f�r einen Republikaner hielt. Die Welt fieberte in den Kr�mpfen des Irrsinns, dachte Michelangelo. Was Cosimo und Lorenzo niemals erreicht hatten, das gelang nun Alessandro de Medici: Er wurde Herzog der Republik Florenz und somit Alleinherrscher. Es sollte noch absurder kommen.</p><p>Nach ein paar ungem�tlichen Tagen in den Gr�ften der alten Kirche erreichte Michelangelo die Nachricht des MediciPapstes Clemens VII., dass er dem K�nstler nichts nachtr�ge und ihn gern wieder in seine Dienste n�hme. Sie trafen sich im September 1533 in San Miniato al Tedesco auf dem Gebiet der Stadt Siena, weil sich der Papst weigerte, das treulose Florenz zu betreten. Am Ende ihres langen Gespr�chs beauftragte ihn der Pontifex damit, die Altarwand der Sixtinischen Kapelle mit einem riesigen Fresko zu schm�cken, n�mlich mit dem J�ngsten Gericht. Nach den Erfahrungen, die Clemens VII. pers�nlich bei dem <emphasis>Sacco di Roma</emphasis> gemacht hatte � erst als Belagerter in der Engelsburg, dann als Gefangener der Landsknechte, schlie�lich als Emigrant �, musste ihm der Furor der S�ldner als wahres J�ngstes Gericht, als Bestrafung der Ewigen Stadt und des Stellvertreters Christi f�r ihre S�ndhaftigkeit und ihren Hochmut vorgekommen sein. Nichts lag also n�her, als den K�nstler, der die Sch�pfungsgeschichte an die Decke gebannt hatte, mit der Freskierung des Strafgerichts an der Altarwand zu beauftragen.</p><p>Michelangelo schob diesen Auftrag unwillig vor sich her, denn er mochte sich dieser gewaltigen Anstrengung nicht mehr unterziehen � er war inzwischen fast sechzig Jahre alt. Anderseits konnte er den Auftrag des Papstes, der ihn in Gnade wiederaufgenommen hatte, nicht ablehnen. Also reiste der K�nstler unschl�ssig zwischen der Arnostadt und der Tibermetropole hin und her, bis der Tod des Papstes endlich Alessandro Farnese, der sich Paul III. nannte, mit der Tiara schm�ckte. Die <emphasis>Archiconfraternita</emphasis> hatte f�r den Kardinal Farnese geworben, besonders der Bischof Gian Pietro Caraffa und die zu den Zelanti geh�renden Kardin�le hatten schlie�lich die Entscheidung im Konklave bewirkt.</p><p>Damit waren auch f�r Michelangelo die W�rfel gefallen. In Florenz herrschten zum ersten Mal unbeschr�nkt die Medici, w�hrend der letzte Papst aus ihrer Familie verstorben und an seine Stelle ein Pontifex ger�ckt war, der Michelangelo heftig umwarb. Hinzu kam, dass sein Vater in diesem Jahr verstorben und damit das letzte Tau gekappt war, das ihn noch an die Stadt band. Fast befreit verlie� er die Arnometropole, die eine schw�rende Wunde in seinem Herzen blieb und in die er doch niemals mehr zur�ckkehren sollte. Und als ob sie das wusste, peinigte sie ihn, als er durch die Porta di San Pietro Gatolini ritt, wie eine liebende Mutter in einem letzten verzweifelten Versuch, ihn zu halten, mit den Bildern der Erinnerung an seine fr�hen Jahre. Er sah sich wieder an der Tafel Lorenzos des Pr�chtigen, als sie noch alle junge Burschen waren � Piero, Giovanni, Giuliano, der nachmalige Herzog von Nemours und der Liebensw�rdigste von allen, sowie ihr Cousin Giulio. Keiner von ihnen war mehr am Leben, auch Ficino nicht, auch Poliziano nicht und auch nicht Landino, der ihn in Dantes �G�ttliche Kom�die� eingef�hrt hatte.</p><p>Michelangelo zog mit Francesco wieder in den Macello dei Corvi und begann sogleich mit den Entw�rfen, w�hrend seine Gehilfen die Ger�ste in der Sixtina vor der Altarwand errichteten. Anfangs macht er sich widerwillig an die Ausf�hrung, doch die Arbeit zog ihn allm�hlich mit sanfter, aber unwiderstehlicher Gewalt immer st�rker in ihren Bann. In einer Eruption aus Farben spie er seine Ratlosigkeit in die Welt. Im Mittelpunkt stand ein jugendlicher Christus, der eher an den heidnischen Apollon als an den christlichen Jesus erinnerte. So kraftvoll f�hrte Michelangelo die Geste der Verdammung aus, die in ihrer halbkreisf�rmigen Bewegung alle Figuren in Aktivit�t versetzte, dass sich selbst Maria, die Gottesmutter, von ihrem Sohn abwandte, weil sie das Leid und den Schmerz der Verurteilten nicht mit ansehen konnte.</p><p>All die Menschen, die Michelangelo malte � Gerechte und S�nder �, versuchten sich so schnell in den Himmel wie in eine sichere Burg zu fl�chten, als nahe eine feindliche Streitmacht. Ja, wenn man sie nur lie�e, konnten sie gerettet werden! Aber viele lie� man eben nicht. Teufel packten sie und schleppten sie in die H�lle. Und als ob das nicht an sich schon gen�gte, schlugen die Engel mit den F�usten auf sie ein und traten mit ihren kr�ftigen F��en nach ihnen, um ihnen unter Einsatz der rohesten Gewalt den Eintritt zu verwehren. Er war nicht Raffael, von seinen Engeln ging keine Sanftheit aus, weil er die Lieblichkeit nicht kannte, nur den Ausdruck der geschundenen Welt, wie er sich in der Bewegung der K�rper und der wilden Kontraktion der Muskeln offenbarte.</p><p>Wenn er in den sp�ten Nachtstunden, vor M�digkeit beinahe zusammenbrechend, sein Tagwerk betrachtete, erkannte er immer mehr, dass es Dante war, der ihm den Pinsel f�hrte. Wie im Rausch malte sich Michelangelo die Bilder von der Seele, die ihn schreckten und bedr�ckten. Schmerz, Zorn und Angst �berwogen, Freude gab es auch im Himmel nicht. Das ganze Bild handelte von Spannungen, Ruhe fand man nicht einmal im Paradies. Auch dort herrschte nur unertr�gliche Aufgeregtheit. All die Seligen und Heiligen bildeten letztlich einen verschreckten Menschenhaufen, unsicher dar�ber, ob das Gericht nicht auch nach ihnen, die �ber jeden Zweifel erhaben schienen, greifen w�rde. Und es ging um alles, n�mlich um die Ewigkeit. Das J�ngste Gericht war zugleich auch das letzte Gericht. Zahltag. Gott kannte keine Revision, weil er unfehlbar war. Daf�r hatte der K�nstler auf Augenh�he der Betrachter die H�lle gemalt, sodass ihnen die Strafen gleich in den Blick fielen.</p><p>Eines Tages, als Michelangelo nach einem langen Arbeitstag wieder einmal kaum noch zu laufen, geschweige denn zu denken vermochte, sondern nur noch f�rchtete, verr�ckt zu werden in der Flut der Visionen, erinnerte er sich an die Piet�, die er fast vierzig Jahre zuvor geschaffen hatte. Sie stand immer noch im Petersdom und hatte wie durch ein Wunder den Vandalismus der Landsknechte �berlebt. W�hrend der alte Esel, auf dem er sa�, wie von selbst durch die dunkle r�mische Nacht nach Hause trottete, erschien sie pl�tzlich vor seinem inneren Auge. Auf ihrem Scho� barg Maria den gleichaltrigen toten Christus. Was er sich damals aus dem Herzen gemei�elt hatte, war nichts anderes als die Piet� seiner Liebe zu Contessina. Er hatte gelernt, dass man die irdische Liebe �berwinden musste, wenn man die himmlische Liebe gewinnen wollte, die Gott einzig in der Sch�nheit offenbarte.</p><p>Auch auf dem Fresko in der Sixtina gerieten ihm Christus und Maria wieder gleichaltrig. Doch der auferstandene Christus war der strafende Christus � nicht l�nger derjenige, der die S�nden der Welt auf sich nahm, sondern derjenige, der die Menschen hart und gnadenlos richtete. Ob es an seinen durch das �berma� an Arbeit �berreizten Nerven lag oder einer handfesten Lebenskrise, war Michelangelo gleich. Er wusste auf einmal nicht mehr, was er glauben sollte. Wie konnte Gott das B�se zulassen? Wenn es seinem Plan oder seinem Phlegma entsprach und der Allm�chtige dadurch eine Mitschuld trug, wie konnte er dann das B�se bestrafen? Dann fragte er sich wiederum, warum ihn ausgerechnet diese Gedanken qu�lten? Hatte Gott ihn verlassen oder er etwa Gott?</p><p>Wie stand es denn um ihn? Hielt ihn nur die Angst vor den ewigen H�llenstrafen, wie er sie gemalt hatte, von den S�nden ab oder die Liebe zu Gott? War es Eigenliebe oder Glaube, panische Angst oder bewusste Entscheidung? Der tote Christus der Piet� in der Peterskirche, den Maria auf ihrem Scho� hielt, und der streng richtende Gott des J�ngsten Gerichts in der Sixtina unterschieden sich so stark voneinander, dass er die Bilder nicht mehr zusammenbringen konnte.</p><p>Michelangelo glaubte den Verstand zu verlieren. Er ertrug sein eigenes Fresko nicht mehr, weil es ihn selbst infrage stellte, sein ganzes Leben und Denken. Was blieb denn noch, wenn die Gewissheit seiner selbst vor den eigenen, fassungslos aufgerissenen Augen zerfiel? Der Blick durch die Kunst hindurch auf sich selbst zur�ck konnte t�dlich sein!</p><p>Er f�hrte den Esel in den Stall. Dann begab er sich, ungeachtet seiner M�digkeit, nacheinander in die sieben Wallfahrtskirchen Roms und betete vor den Reliquien. Auf den Knien bat er den Herrn in verzweifelten Gebeten um Erleuchtung. Zeitlebens war er ein gl�ubiger Christ gewesen, und nun wusste er pl�tzlich nicht mehr, was er tun konnte, um den Strafen zu entgehen. Denn auch nach ihm w�rden die Engel treten. In das nicht zugehaltene Auge des Jungen, der dem Burschen glich, dessen Tod er damals in den Marmorbr�chen von Colonnata beobachtet hatte, und der wissend und sehend langsam in die H�lle sank, malte er seinen eigenen Schrecken.</p><p>Am Morgen stand er dann vor dem Tegurium inmitten der Vierung des Petersdoms. Die Kreuzarme nahmen Form an, und Antonio da Sangallos Arbeiter schalten im Ostarm die W�nde ein, um das Gew�lbe zu gie�en. Die erste Kirche der Christenheit war eine Baustelle, so wie sein Glaube eine Baustelle war � oder besser noch eine Ruine. Der Hochmut der Jahre unter Julius II., mit dem alles m�glich und alles beherrschbar schien, hatte die Kirche und seine Gewissheiten ruiniert. Handelte Michelangelo denn als K�nstler noch als Gottes Werkzeug, wie er immer gedacht und Giacomo Catalano gegen�ber nur allzu selbstsicher behauptet hatte? Oder war er l�ngst des Teufels?</p><p>�Wollt Ihr Eure Piet� besuchen, Mess�r Michelangelo?�, rief ihm Arnoldo di Maffeo zu. Michelangelo schaute sich um und sah einen jungen Mann vor sich, der mit schwarzen Hosen und einem blauen Wams, aus dessen Kragen die Spitzen eines gelben Hemdes stachen, etwas zu fein f�r die Baustelle gekleidet war. Mit seinem Kinnb�rtchen sah er aus wie ein Cavaliere. Der K�nstler blickte den Unbekannten �rgerlich an.</p><p>�Was geht�s dich an?�, brummte er und verlie� fluchtartig den Ort. Er wollte mit niemandem reden. Lange streifte er ziellos durch Rom, bis er im Rione Colonna vor der Klosterkirche San Silvestro in Capite anhielt. Er betrat die Basilika, in der das Licht einen bed�chtigen Tanz auff�hrte. Er stand wie verzaubert und beobachtete die schwebenden Staubk�rnchen, die das Licht reflektierten. Gab es einen anderen Ausdruck f�r Gottes Liebe als die tanzende Materie in den Energien der Engel? Er erschrak. Vor der Fenestella des Johannes kniete eine Frau. Die Innigkeit ihres gefl�sterten Gebets r�hrte ihn an. Wie lange er sie beobachtete, wusste er nicht. Schlie�lich erhob sie sich. Als sie ihn sah, musterte sie ihn neugierig.</p><p>�Warum habt Ihr nicht mitgebetet, Mess�r?�, fragte sie ihn mit sanfter, klangvoller Stimme. Sie war nicht sch�n, alles an ihr wirkte rund, matronenhaft, ohne aber im Mindesten den Eindruck der Korpulenz aufkommen zu lassen. Und doch war sie sch�n, auf eine Weise, die ihn verwirrte. Es hatte nichts mehr mit M�nnern und Frauen und dem ewigen Begehren zu tun. Die Liebe hatte ihren eigenen K�rper geschaffen. Ihre Stimme umfing ihn und wiegte ihn in Vertrauen. Deshalb wagte er es und lie� seinem Gef�hl freien Lauf. Er wunderte sich, dass ein so misstrauischer Mensch wie er einer Fremden gegen�ber bereitwillig seine sorgsam verborgenen Gedanken enth�llte, die so geheim waren, dass er sie bis jetzt nicht einmal sich selbst eingestanden hatte.</p><p>�Weil ich nicht mehr beten kann.� Seine Worte erschreckten ihn.</p><p>�Ich kenne das. Ihr fragt Euch, zu wem Ihr eigentlich die H�nde erhebt.�</p><p>�Woher wisst Ihr das?� Michelangelo zog es fort, doch seine F��e waren wie angewurzelt.</p><p>�Ist Gott gerecht oder ungerecht? Ist er der liebende, der verzeihende oder der strafende Weltenherrscher? Durch welche Werke erlange ich seine Liebe und die ewige Seligkeit?�</p><p>Michelangelo wankte. Sie sprach aus, was er nicht einmal zu denken wagte. �Wer seid Ihr?�</p><p>Sie l�chelte sp�ttisch. �Braucht Ihr einen Namen f�r den Gedanken, eine Adresse?�</p><p>Michelangelo schaute verlegen auf seine verf�rbten H�nde, auf das Blau und das Rot, das Gr�n und Krokusgelb, das auch die Altarwand bedeckte.</p><p>�Habt Ihr Euch in Eurer Piet� nicht bereits selbst die Antwort gegeben, Mess�r Michelangelo?�, fragte die Frau.</p><p>�Die Liebe?�, fragte er verunsichert.</p><p>�Wir glauben, weil er uns liebt, lebten wir nicht aus unseren Verdiensten heraus, sondern aus seiner Gnade. Gott ist kein H�ndler, sondern ein Schenkender. Es ist an uns, das Geschenk anzunehmen.�</p><p>�Ihr meint, auf den Glauben allein kommt es an?�</p><p>�Wir m�ssen ihn endlich wie ein teures Gut sch�tzen lernen, denn wir gehen nicht gut mit ihm um. Glauben zu k�nnen ist auch eine Gnade, ein Geschenk des Allm�chtigen.�</p><p>Allm�hlich begriff Michelangelo, was er gemalt hatte. Die Geste der Verdammung hatte noch eine zweite Bedeutung: Sie verwarf auch das falsche Denken, die falsche Vorstellung vom Glauben. Die Unruhe in den Heiligen und den M�rtyrern, die fast verzweifelt ihre Werke vorzeigten, die Zeugnisse ihrer Qualen, die sie f�r den Glauben auf sich genommen hatten, entstand deshalb, weil Christus sie verwarf. Er blieb auch im Himmel der Prediger in der W�ste. Es war, als sagte er: �Kommt mir nicht mit dem, was ihr um meinetwillen gelitten habt, kommt mir mit eurem reinen, mit eurem kindlichen Glauben. Das gen�gt. Es ist wenig und doch so viel.�</p><p>�Ich bin Vittoria Colonna�, unterbrach sie den Sturm an Gedanken und Assoziationen, der durch sein Gehirn brauste. Er staunte, denn er hatte schon viel von ihr geh�rt. �Die Marchesa di Pescara!� er wusste, dass sie eine Dichterin war und der Mittelpunkt eines Kreises von Kirchenf�rsten, die den katholischen Glauben reformieren wollten und auf die Wiedervereinigung mit den Protestanten hinarbeiteten. Einflussreiche M�nner wie die Kardin�le Morone, Contarini und Pole standen in engem Kontakt mit ihr. Die Theoretiker des Kreises wie Juan de Valdes, Bernardino Orchino oder Pietro Martire Vermigli wurden <emphasis>Spirituali</emphasis> genannt, weil sie einen derart verinnerlichten Glauben lebten, dass es dem der Ketzer im Norden gef�hrlich nahekam.</p><p>Vittoria l�chelte ihn mit g�tiger Freundlichkeit an. �Ich wohne oben in unserem Palazzo, halte mich aber auch oft hier im Kloster auf, wenn ich meditieren will. Oder in San Silvestro al Quirinale. Kommt mich besuchen, sooft Ihr wollt.� Sie verf�gte �ber eine schriftliche Genehmigung des Papstes, dank der sie in den Kl�stern �bernachten durfte, auch wenn sie nicht zur Nonne geweiht war.</p><p>Michelangelo verneigte sich vor der Marchesa. Nachdem sie die Kirche verlassen hatte, kniete er nieder und dankte Gott f�r die Erleuchtung, f�r die Frau, die er ihm gesandt hatte.</p><empty-line/></section><section><p>55</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1533</p><p>Nicht nur Michelangelo verstand die tiefere Botschaft seines Freskos � die beunruhigende Vision einer verzweifelten Kirche, die sich neu finden musste. Verwerfen und beginnen, darin lag der Schl�ssel. Auch ein hagerer, fast glatzk�pfiger Kleriker mit fanatischen Augen sah diesen Zusammenhang. Sein Gesicht wirkte durch den nach unten spitz zulaufenden Vollbart noch l�nger, als es ohnehin schon war. Die Lippen fest aufeinandergepresst, eilte er in gro�en Schritten die Treppe im vatikanischen Palast hinauf, um ins Studierzimmer des Papstes zu gelangen. Er wurde gleich vorgelassen. Da sie allein waren, verzichtete Papst Paul III. auf die �blichen Devotionsgesten.</p><p>�Nimm Platz, Gian Pietro.� Er wies ihm einen Platz auf dem geschwungenen Sofa zu und setzte sich neben ihn, den Oberk�rper in die Ecke gelehnt und ihm zugewandt. �Was hat dich nur so aufgebracht, mein alter Freund?�</p><p>�Heiliger Vater, es ist H�resie!�</p><p>�Wovon sprichst du?�</p><p>�Das Fresko, das dieser Michelangelo an die Altarwand der Sixtinischen Kapelle gepinselt hat.�</p><p>�Wie kommst du darauf, dass das Ketzerei ist?�, fragte der Papst entr�stet.</p><p>�Die Heiligen und M�rtyrer sind dargestellt als eine Bande von finsteren und kleinlichen Rechthabern. Und noch dazu sind sie alle nackt!� Das Entsetzen stand dem Kardinal ins Gesicht geschrieben.</p><p>Paul III. l�chelte d�nn. Seine Hakennase stach spitzer denn je aus seinem Gesicht. �Wir haben das Fresko gesehen, und Wir k�nnen keine H�resie darin entdecken. Die Nacktheit symbolisiert die Ewigkeit. Und die Heiligen haben doch ein ewiges Leben, Gian Pietro. Oder?�</p><p>Carafa sp�rte, dass er so nicht weiterkam. Er kannte Alessandro Farnese seit dem Tag, als ihn Giacomo Catalano, der sp�ter in der Peterskirche den M�rtyrertod gestorben war, in die Erzbruderschaft aufgenommen hatte. Er wusste nur zu gut, dass sich in dem r�mischen Adligen Kunstsinn und Rechtgl�ubigkeit die Waage hielten. Bei aller Glaubensstrenge fehlte dem R�mer doch die wahre Glaubenstiefe des S�ditalieners, eines Neapolitaners wie ihm.</p><p>��berall regt sich das Gez�cht der H�resie. In ganz Italien! Sogar in Neapel!�, rief der Kardinal leidenschaftlich. �Ketzer wie Vermigli und Orchino durchstreifen unsere L�nder wie W�lfe und rei�en unsere L�mmer.�</p><p>�Dann tu etwas dagegen!�</p><p>�Aber was, Heiliger Vater? Bisch�fe wie Morone lassen sie in ihren Di�zesen gew�hren. Und die Inquisition untersteht den Ortsbisch�fen.�</p><p>�Und die Erzbruderschaft?�</p><p>�Ach, die Erzbruderschaft ist eine Vereinigung von gestern. Wir sind alle inzwischen Kardin�le. Warum sollten wir uns wie fr�her heimlich in den Katakomben treffen, wenn einer der Unseren sogar Papst ist. Das w�re doch mehr als albern!�</p><p>An dem listigen L�cheln in den Augen des Papstes erkannte Carafa, dass dieser ihn durchschaute.</p><p>�Nur zu!�, sagte Paul III. wohlwollend.</p><p>�Wir sollten aus der geheimen Erzbruderschaft eine �ffentliche Einrichtung schaffen, ein scharfes Schwert f�r den Glaubenskampf!�</p><p>�Was schwebt dir vor?� Die Frage war rhetorisch, denn der Vorschlag sollte vom Kardinal kommen, damit der Stellvertreter Christi die Sache wohlwollend bedenken konnte.</p><p>�Eine universelle und allgemeine Inquisition als Zentralbeh�rde in Rom, die f�r alle Di�zesen zust�ndig ist und �ber den Bisch�fen steht, die bedingungslos die Lehrautorit�t des Heiligen Vaters gegen die vielen Ketzer in unserer Kirche durchsetzt.�</p><p>�Eine Kardinalskongregation?�</p><p>Carafas ganzes s�ditalienisches Temperament schoss aus seinen Augen. �Und die verl�sslichen Mitglieder des heiligen Kollegiums kennt Ihr, Euer Heiligkeit, es sind die Br�der der <emphasis>Archiconfraternita de Perfecti in Segreto</emphasis>!�</p><p>Paul III. legte nachdenklich die Hand an die Wange. �Ich will es mir durch den Kopf gehen lassen, Gian Pietro. Aber Michelangelos Fresko ist �ber jeden Zweifel erhaben! Er war, ist und wird immer ein guter katholischer K�nstler sein. Denk dar�ber nach, was es f�r ein furchtbarer Fehler w�re, den gr��ten K�nstler unserer Zeit in die Arme der Ketzer zu treiben oder ihn zu einem M�rtyrer der Protestanten zu machen! Gott m�ge uns davor bewahren.�</p><p>Im Grunde hatte Gian Pietro Carafa erreicht, was er wollte. Der Papst hatte ihn beauftragt, �ber die Befugnisse und die Struktur der Inquisition nachzudenken und ihm einen Vorschlag zu unterbreiten. Und was Michelangelo betraf, so hielt er ihn weiterhin f�r einen verkappten Ketzer. Doch Alessandro Farneses Ansichten hatte er nicht ver�ndern k�nnen, und es w�re unklug gewesen, es sich wegen eines K�nstlers mit dem Papst zu verscherzen.</p><p>Arnoldo di Maffeo und die anderen Bauleute, die Maurer, Steinmetzen und Meister, hielten in ihrer Arbeit inne und staunten. Im fertiggestellten Westchor hielten die Tischler Einzug. Sie stellten einen riesigen Arbeitstisch f�r Antonio da Sangallo auf, an dem er seine Entw�rfe zeichnen und zugleich die Meister der Maurer, Steinmetzen, Tischler und Maler anweisen wollte, wie seine Pl�ne sowohl im Modell als auch auf der Baustelle umzusetzen seien. Nat�rlich ging die Arbeit am Modell rascher voran, obwohl es riesige Ausma�e annahm, vierzehn Ellen lang und begehbar war, sodass man eine sinnliche Vorstellung von dem Projekt bekam, das hier verwirklicht wurde. All die Verzweiflung, die Antonio befallen hatte, war wie weggeblasen.</p><p>Es hatte nur einer Audienz beim Papst bedurft, und der Druck, der auf ihm gelastet hatte, war wie ein schlechter Traum verflogen. Paul III. hatte ihn ger�gt, weil er nicht vorankam. Die Baustelle der wichtigsten Kirche der rechtgl�ubigen Christenheit geriete zum Skandal und b�te den Lutheranern die M�glichkeit zu wohlfeilem Spott. Dem m�sse endlich Einhalt geboten werden. Der Pontifex hatte dem Baumeister zugesagt, ihm die notwendigen finanziellen Mittel zur Verf�gung zu stellen. Im Gegenzug m�sse er mit den Bauarbeiten z�gig vorankommen.</p><p>�Heiliger Vater�, hatte Antonio dem�tig vorgebracht, �die beste und schnellste M�glichkeit w�re, einen Zentralbau zu errichten!�</p><p>�Dann errichte ihn, mein Sohn�, hatte der Papst erwidert.</p><p>Damit war auch der letzte Schatten des Giacomo Catalano getilgt, der noch auf Antonio gelastet hatte. In seinem Kopf mischten sich Bramantes Ideen mit denen Raffaels und seinen eigenen. Heraus kam eine riesige Kirche als Zentralbau, deren Herz die Vierung mit der Kuppel darstellte. Dazu hatte er einen Vorbau entworfen, der von zwei gotischen Kircht�rmen flankiert wurde, die wie W�chter der Kuppel wirkten.</p><p>Vor der Errichtung von Bramantes Kuppel scheute er noch immer zur�ck. Schlie�lich kam er auf den rettenden Einfall: Er w�rde die eigentliche Kuppel verkleinern. Auf die Vierung wollte er einen Umgang mit S�ulenreihen setzen und auf diesen einen kleineren Umgang. Dank des doppelgeschossigen Tambours, der sich nach oben verj�ngte, gelang es ihm, den Durchmesser der eigentlichen Kuppel merklich zu vermindern. Die gro�e Laterne, die er auf die Kuppel setzen wollte, befreite ihn von der Notwendigkeit, diese ganz zu w�lben. Auf diese Weise verringerte er die Fl�che der W�lbungen und minderte die Spannung und das Gewicht, eben das, wovor er sich zu Recht f�rchtete.</p><p>Antonio sp�rte, wie ihm neue Kr�fte wuchsen. Auch Lucrezia und die Kinder, jeder auf der Baustelle beobachtete voller Freude, wie der Gram der letzten Jahre von ihm abfiel und er wieder zu dem fr�hlichen, lebenslustigen Burschen wurde, der er fr�her gewesen war. Arnoldo fragte den Architekten, weshalb die Zeichnungen nicht gen�gten und was den kleinen Parallelbau n�tig mache. Dabei untertrieb Arnoldo mit dem W�rtchen klein, denn von dem Geld, dass das Modell inzwischen kostete, h�tte sich bereits eine kleine Kirche bauen lassen k�nnen. Freundlich legte Antonio seinen Arm um Arnoldos Schulter. Dabei achtete er darauf, dass auch seine beiden S�hne, Giuliano und Bartolomeo, jedes Wort seiner Antwort verstanden.</p><p>�Es ist ganz einfach, Arnoldo. Niemand wei�, wie lange ich noch lebe. Wir alle aber sind uns doch im Klaren dar�ber, dass der Bau sich noch ein Weilchen hinziehen wird, und er soll ja noch m�glichst lange unsere Familien ern�hren!�, sagte er schmunzelnd. �Als Donato starb, hatte ich keine Vorstellung davon, wie es weitergehen sollte. Ihr alle aber k�nnt nach meinem Tod immer wieder im Modell Belehrung finden, was als N�chstes zu errichten ist und in welcher Art.� Antonio strahlte �ber das ganze Gesicht, und die kindliche Freude stand in einem seltsamen Gegensatz zu seinem inzwischen ergrauten Haar. �Der Petersdom ist fertig, ihr m�sst ihn nur noch St�ck f�r St�ck im gr��eren Ma�stab umsetzen � aber h�bsch bed�chtig.�</p><p>Dass selbst der glaubensstrenge Kardinal Carafa das Modell lobte, freute Antonio. Der Neapolitaner kam erst gar nicht darauf, Kritik am Zentralbau zu �u�ern, denn der gotisch wirkende Vorbau mit den Kathedralt�rmen trieb dem n�chternen Kirchenf�rsten fast die Tr�nen der R�hrung in die Augen.</p><p>�Ja!�, rief Carafa, als er vor dem Modell stand. �Genau so muss unsere Kirche wieder werden: stolz und streng zu Gott in die H�he strebend!�</p><p>Antonio befand sich auf dem H�hepunkt seines Lebens. Die gr��te Baustelle der Christenheit barg keine Risiken und Schwierigkeiten mehr. Er hatte es geschafft, alles vorauszuplanen; Stein f�r Stein, Mauer f�r Mauer wurde nach seinen Pl�nen gesetzt. Wie ein Mantel wuchs Umgang f�r Umgang um die Apsiden der Kreuzarme.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1542, im Fr�hjahr</p><p>Die Mandelb�ume spendeten an diesem sonnendurchfluteten Nachmittag ein wenig Schatten, und die kleinen Brunnen im Klostergarten von San Silvestro al Quirinale schenkten K�hlung. Die kleine Gesellschaft hatte sich auf dem Rasen unter dem gr�nen Dach der kleinen B�ume niedergelassen und wirkte wie ein Kreis junger und vertrauter Gef�hrten. Dabei trennten sie Jahre von der s��en Zeit der Jugend, denn mit seinen zweiundvierzig Jahren war der J�ngste in der Runde der englische Kardinal Reginald Pole. In seiner Heimat erwarteten ihn Tod und Folter, seit sein Cousin, K�nig Heinrich VIII., das br�nstige Schwein, seine Mutter, Margarete Pole, die achte Countess of Salisbury, knapp ein Jahr zuvor hatte hinrichten lassen.</p><p>Auf einem wei�en Leinentuch standen ein Korb mit Brot, ein paar Gl�ser und eine Karaffe mit verd�nntem Wei�wein. An diesem heiteren Sommernachmittag dachte niemand an Drangsal und Verfolgung. Die Gesellschaft schwelgte im Nachdenken �ber die Liebe Gottes. Sie beugten sich �ber eine Skizze Michelangelos mit einer Piet�, die sie begeisterte, weil sie in menschlicher Weise vom Leiden und gleichzeitig von der �berwindung irdischer Pein sprach. Und somit vom Erhabensten, was Gott den Menschen geschenkt hatte, dem Geist, der allein f�hig war zur wahren Freiheit, frei von den Zumutungen der M�chtigen und den eigenen Eitelkeiten.</p><p>W�hrend alle auf den leidenden Gottessohn blickten, der ohne Pathos gesiegt hatte, sagte Michelangelo mit gro�em Ernst: �Nach meinem Urteil ist diejenige Malerei die vorz�glichste und gleichsam g�ttlich, die ein Werk des Ewigen am getreuesten nachbildet, sei es seine Menschengestalt, ein fremdl�ndisches wildes Tier, ein einfacher, leicht darzustellender Fisch, einen der V�gel unter dem Himmel. Und das alles weder mit Gold noch mit Silber oder sehr feinen Farben, sondern einzig und allein mit Feder oder Stift gezeichnet oder mit dem Pinsel schwarz-wei� getuscht. Ein jedes dieser Dinge vollkommen in seiner Art nachzuschaffen, bedeutet in meinen Augen nichts Geringeres, als das Sch�pfertum des unsterblichen Gottes zu wiederholen.� Er senkte den Kopf und blickte aus den Augenwinkeln zu Vittoria hin�ber, deren Einverst�ndnis ihm viel bedeutete. Er konnte beruhigt sein, sie l�chelte feinsinnig.</p><p>�Und doch muss es unvollkommen bleiben�, warf Contarini ein, w�hrend er bed�chtig seinen langen Bart streichelte. Weiter kam er nicht mit seiner �berlegung, denn die Aufmerksamkeit aller richtete sich auf einen Mann in einem auff�llig neuen Kardinalsmantel, der �ber die Wiese gelaufen kam. Unruhe, mehr noch Ungemach f�hrte er in seinem Gefolge. Michelangelo musste nur die fast eingefrorene Falte des Unwillens in dem langen Gesicht des noch jungen Kardinals sehen. Er z�hlte noch keine dreiunddrei�ig Jahre. Der Schalk, der sonst immer in seinen Augen stand, die der liebe Gott ein wenig schief angeordnet hatte, war verschwunden. Gott konnte sich keinen eindrucksvolleren Boten des Unheils aussuchen als diesen immer zu einem Scherz aufgelegten Sanguiniker.</p><p>�Ah, der Doktor Morone�, rief Pole sp�ttisch, um die schlechte Stimmung zu verscheuchen, die von dem erst vor einem Monat zum Kardinal erhobenen Mann ausging.</p><p>�Komm zu uns, Giovanni�, lud ihn Contarini ein. Die Aufforderung war absurd, denn es bestand kein Zweifel, dass Morone hierhergekommen war, um sie zu treffen.</p><p>Michelangelo entdeckte sofort die Furcht in den Augen des Kardinals. �Was ist geschehen?�, fragte er.</p><p>�Was geschehen ist?�, keuchte Morone. Er musste erst ein paar Mal tief durchatmen, um sich zu beruhigen. �Der Heilige Vater hat die <emphasis>Sacra Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis</emphasis> als Kardinalkommission gegr�ndet, an deren Spitze Carafa steht und der alle seine Spie�gesellen angeh�ren.�</p><p>�Carafa als oberster Glaubensw�chter! Das ist, als ob man den Wolf zum Hirten der Schafe einsetzt�, emp�rte sich Contarini.</p><p>�Jetzt haben auch wir einen Heinrich!�, st�hnte Pole.</p><p>�Aber warum macht Alessandro das?�, fragte Vittoria Colonna konsterniert, die wie Paul III. aus einem der gro�en r�mischen Adelsgeschlechter stammte. Man kannte sich.</p><p>�Weil er Angst hat, die Lutheraner w�rden Italien erobern und die Kirche hinwegfegen�, antwortete Morone.</p><p>�Aber wir k�nnen uns mit den Protestanten einigen, so viel trennt uns nicht. Im Gegenteil, sie stehen uns in manchem n�her als �� Pole machte eine vage Handbewegung, weil er keine Namen nennen wollte.</p><p>�Pst, Reginald, sag das nicht zu laut, ab heute sind diese Gedanken lebensgef�hrlich�, warnte Morone.</p><p>�Was sollen wir blo� tun?�, fragte Vittoria und rang die H�nde.</p><p>Michelangelo w�nschte sich sehnlich eine Wand mit nassem Putz oder einen Marmorblock herbei, denn das Gespr�ch hatte eine ung�nstige Wendung genommen. Weder lagen diese Dinge in seinem Interesse, noch konnte er etwas zur Diskussion beisteuern. Er war kein Theologe und auch kein Politiker, nur K�nstler � und nicht mehr, aber auch nicht weniger wollte er sein. Im Gegenteil, es gab keinen Beruf, in dem man Gott n�herkommen konnte. Was sollten ihm also diese �berfl�ssigen und vor allem zeitraubenden Machtk�mpfe?</p><p>�Wie dem auch sei, wir m�ssen vorsichtig sein, sehr vorsichtig. Brandgeruch liegt in der Luft. Carafa will Menschen brennen sehen!�, warnte Contarini.</p><p>Michelangelo zog den Umhang fester um die Schultern, weil ihn pl�tzlich fr�stelte. Giovanni Morone trank zwei Gl�ser verd�nnten Wei�weins gleich hintereinander. Seine Hand zitterte beim Einschenken, nicht wegen des Alkohols, denn er trank m��ig. �Wir brauchen einen Papst�, verk�ndete er fest, nachdem er das Glas geleert hatte. Alle schauten ihn verbl�fft an. �Paul III. wird die Mitte wahren, aber Carafa darf niemals die Cathedra Petri besteigen. Das w�re unser Ende � und das Ende der Kirche! Nicht mehr ein Ort der N�chstenliebe, sondern des Verh�rs und der Folter, nicht mehr ein Quell des Glaubens, sondern ein vergifteter Brunnen der Denunziation! Wie auch immer wir es anstellen, aber der n�chste Papst muss aus unseren Reihen kommen!�</p><p>Contarini fuhr entsetzt zur�ck und legte die Handbeuge wie eine Schlinge an seine Kehle. �Ich kann das nicht. Ich bin Theologe!�</p><p>Morone musste l�cheln. �Von dir erwartet das auch keiner. Ich kann es nicht werden, ich bin zu jung und besitze zu wenige seelsorgerische Meriten. Nein, es gibt nur einen unter uns, der die Autorit�t und das Format besitzt: Reginald!�</p><p>Michelangelo sah Giovanni Morone bewundernd an. Der vollkommene Politiker, allerdings mit Gewissen und �berzeugungen.</p><p>�Heilige Jungfrau Maria!�, rief Pole aus, dem bei Morones Worten alles Blut aus dem Gesicht gewichen war. �Wenn es m�glich ist, lasst diesen Kelch an mir vor�bergehen!�</p><p>Giovanni Morone bekreuzigte sich, bevor er sprach. �Es ist nicht m�glich, Reginald. Im Ernst, ich sehe den n�chsten Papst vor mir. Du bist geehrt, geachtet. Du besitzt Charisma, und du wei�t, dass Charisma eine Gottesgabe ist. Deine Familie und auch du pers�nlich, ihr habt Opfer, Blutopfer f�r unsere gute katholische Sache gebracht. Ein Licht des Martyriums deiner Mutter f�llt auf dich. Hinzu kommt, dass du ein begnadeter Prediger bist und ein exzellenter Theologe. Du bist unser Papst!�</p><p>�Giovanni hat recht�, pflichtete ihm Vittoria bei.</p><p>�Wir m�ssen vorsichtig sein und f�r das n�chste Konklave Reginald den Boden bereiten�, sagte Contarini und maltr�tierte wieder seinen langen Bart, wie er es nur allzu gerne tat.</p><p>Zur gleichen Zeit, als die Reformer im Garten des Kloster San Silvestro al Quirinale �ber die Zukunft der Kirche sprachen, begab sich Ascanio zu seiner Geliebten, einer Wirtin in Trastevere. Er war gerade im Begriff, das Haus zu betreten, als er sich von mehreren Bewaffneten umstellt sah, die ihm aufgelauert hatten.</p><p>�Ascanio Romano?�, herrschte ihn ein stattlicher Mann mit einem schwarzen Bart an.</p><p>�Wer will das wissen?�</p><p>�Die R�mische Inquisition. Ihr m�sst uns begleiten. Kardinal Carafa w�nscht Euch zu sprechen.�</p><p>Ascanio runzelte die Stirn. Zu Glaubensfragen hatte er sich nie ge�u�ert. Was wollte man also von ihm? �Bin ich verhaftet?�</p><p>Der B�rtige l�chelte breit. �Zu einem Gespr�ch eingeladen.�</p><p>Gegenwehr h�tte nur ein schlechtes Gewissen einger�umt, und dazu hatte Ascanio keinen Grund. Au�erdem geh�rte der Kardinal zu den Freunden des Hauses. Wortlos marschierte er mit den Bewaffneten zum Borgo. Vor ihnen lag die Baustelle des Petersdomes. Links die Vierung, die in den Himmel ragte, dann ein leerer Zwischenraum, bevor sich die im Vergleich niedrige alte Basilika anschloss, seltsam verloren angesichts des vor ihr wachsenden Neubaus, der sich gef�hrlich zu ihr hinfra�, als St�tze hinter sich nur das Atrium, das die Canonica verdeckte, und schlie�lich der Glockenturm von Santa Maria in Turri und davor die Benediktionsloggia. Vor der Canonica hatte man einen wehrhaften Palast erbaut, der Selbstbewusstsein und Uneinnehmbarkeit ausstrahlte. Wie an diesem Tag bekannt wurde, hatte ihn Gian Pietro Carafa in weiser Voraussicht als Sitz der R�mischen Inquisition errichten lassen.</p><p>Die Bewaffneten f�hrten Ascanio durch ein eisenbewehrtes, zweifl�geliges Tor in einen heiteren Innenhof. Vier Wege schnitten zentral durch die Rasenfl�chen und liefen in der Mitte des Hofes zusammen, wo ein zweischaliger Springbrunnen stand. Sie hielten sich rechts und betraten das Geb�ude. Zu beiden Seiten verliefen helle G�nge mit hohen Fenstern. W�re Ascanio dem Gang gefolgt und h�tte sich weiter rechts gehalten, w�re er zu einem noch in der Fertigstellung befindlichen Vorbau gelangt, in dem kleine Fenster nur wenig Licht hereinlie�en und in dem die Zellen der Ketzer untergebracht werden sollten. Einstweilen wurden die H�retiker noch in der Engelsburg eingekerkert. Die Zellen im Erdgeschoss des Inquisitionspalastes waren ohnehin nur als Untersuchungsgef�ngnis gedacht und als Todeszellen, denn eine Verurteilung zum Feuertod zog die rasche Vollstreckung des Urteils nach sich.</p><p>Der B�rtige f�hrte Ascanio nun allein �ber die Freitreppe hinauf ins erste Obergeschoss, wo die Versammlungs- und Arbeitsr�ume der Inquisitoren lagen; dar�ber befanden sich Wohnr�ume. In einem mit roten Samttapeten eindrucksvoll ausgestatteten Audienzsaal lie� er sich von Ascanio die Waffen aush�ndigen und begab sich in den Vorraum. Dieser musste nicht lange warten. Durch eine kleine T�r an der gegen�berliegenden Seite trat Kardinal Carafa ein und ging auf Ascanio zu, der sich verbeugte. Der Kirchenf�rst hielt ihm den goldenen Ring hin, in den ein Kreuz aus Ultramarin eingearbeitet war.</p><p>�Erhebe dich, mein Sohn�, sagte der Kardinal und bot ihm einen Platz auf einem Lehnstuhl an. Er selbst lie� sich auf einer kleinen Chaiselongue mit rotem Samtpolster nieder. Ascanio schwieg abwartend und machte dabei ein gleichg�ltiges Gesicht.</p><p>�Du fragst dich sicher, mein Sohn, was die Inquisition von dir will? Und es wird dir die eine oder andere S�nde einfallen�, begann der Kardinal.</p><p>�S�nde schon, aber nur von der Art, dass sie nach einer Beichte und nicht nach einem Verh�r ruft�, r�umte Ascanio ein. Er sp�rte, dass es dem Gro�inquisitor um etwas anderes ging.</p><p>�Du bist dir also keiner Schuld bewusst?�</p><p>�Mein Gewissen ist rein, Eminenz.�</p><p>Gian Pietro Carafa nickte mit undurchdringlicher Miene. Ascanio hatte zu viel in seinem Leben erlebt, um sich einsch�chtern zu lassen. Wie hatte Bramante immer gesagt? Alles, was geschieht, steht schon im Himmel verzeichnet.</p><p>�Dann tu alles daf�r, dass es so bleibt, mein Sohn�, fuhr der Glaubensk�mpfer fort. �Wir geben dir Gelegenheit dazu, denn wir brauchen deine Hilfe. Und wir bitten dich nicht darum, sondern wir befehlen dir im Namen Gottes, uns zu unterst�tzen in unserem aufopferungsvollen Kampf. Unsere Kirche ist bedroht. Schlimmer als die Ketzer von au�en sind die H�retiker im Innern, die unter dem Deckmantel der Reform innerhalb der Kirche die Herrschaft des Satans errichten wollen, Christi und der Menschen Feinde. Gegen sie zu k�mpfen, ist die heilige Pflicht jedes rechtgl�ubigen Menschen. Ein Mann hat nur einen Grund, sich zu weigern, n�mlich den, dass er selbst ein Ketzer ist. Du verstehst, mein Sohn, was ich dir damit sagen will?�</p><p>Ascanio wunderte sich, wie Antonio mit diesem Fanatiker, der nach Feuer und Folter roch, auf vertrautem Fu� stehen konnte.</p><p>�Verstehst du mich?�, hakte der Kardinal nach.</p><p>�Aber ja, vollkommen, Eminenz.�</p><p>�Gut. Bei Strafe der Exkommunikation verbiete ich dir, �ber alles, was du nun h�ren wirst, zu sprechen. Ein W�rtchen zu einem Dritten, und du findest dich erst auf dem Scheiterhaufen und anschlie�end in der H�lle wieder. Schw�re bei Gott und bei deinem Seelenheil, dass du �ber alles, was ich dir sagen werde, strengstes Stillschweigen bewahren wirst!�</p><p>�Ich schw�re bei Gott und meinem Seelenheil.�</p><p>�In Ewigkeit. Amen. Soviel ich wei�, hast du als Landsknecht bei dem Condottiere Ferrante Francesco d�Avalos, Marchese di Pescara gedient.�</p><p>�Ein guter Mann, ja. Und wie alle guten M�nner hat ihn der Herr zu fr�h abberufen.� Ascanio konnte sich dieser Spitze gegen Carafa nicht enthalten, denn der Kardinal war zehn Jahre �lter als der S�ldnerf�hrer, der bereits 1525 einer Verletzung erlegen war. Ascanio erinnerte sich, dass damals auch von Gift gemunkelt wurde.</p><p>Der Gro�inquisitor lie� nicht erkennen, ob er den Seitenhieb bemerkt hatte, sondern fuhr unger�hrt fort. �Lass das nur getrost die Sorge des Herrn sein, wann er wen abberuft. Soviel ich wei�, hast du f�r den Marchese eine Weile als Liebesbote fungiert und die Briefe des Marchese an die Marchesa und ihre Antworten bef�rdert.�</p><p>Ascanio zuckte innerlich zusammen. Der Inquisitor war erstaunlich gut unterrichtet. Verr�ter und Zutr�ger gab es immer.</p><p>�Du bist also der Marchesa wohlbekannt. Geh zu ihr! Sag, dass du eine Arbeit brauchst und in ihre Dienste treten m�chtest. Die eitle Frau wird es dir nicht versagen. Christi schlimmste Feinde hat sie um sich versammelt: Pole, Morone, Contarini, und soviel ich wei�, verkehrt in ihrem Haus auch dieser teuflische Maler, der wie zum Hohn Michelangelo hei�t. Richtiger hie�e er Michel Diavolo.�</p><p>�Verzeiht, Eminenz, ich bin nur ein schlichtes Landsknechtsgem�t. Ich wei� nicht, was Ihr von mir wollt!�</p><p>Ascanio hatte den Kardinal nur zu gut verstanden, er sollte zum Verr�ter werden, zum Zutr�ger, zum Denunzianten, zum Spitzel. Lieber wollte er sterben. Niemals!</p><p>�F�r ein schlichtes Landsknechtsgem�t hast du dem heiligm��igen Kardinal Catalano beachtliche Schwierigkeiten bereitet, der nur den Glauben und die Kirche sch�tzen wollte. T�usche dich nicht, mein Sohn! Ich bitte dich nicht! Du wirst tun, was ich dir sage! Eine Untersuchung deiner Rechtgl�ubigkeit w�rde auch dein Umfeld mit einbeziehen m�ssen. Die ganze Familie Sangallo: Lucrezia, Antonio, die Kinder.� Der Kardinal lie� die unverhohlene Erpressung eine Weile auf Ascanio wirken und fuhr dann fort: �Manfredo hast du ja schon kennengelernt. Einmal im Monat erstattest du ihm Bericht, was die Teufel im Hause Colonna so alles aushecken. In dringenden F�llen wartest du nicht, sondern wendest dich gleich an ihn. Wage nicht, mir etwas zu verschweigen. Ich habe noch andere Augen und Ohren!� Der Kardinal erhob sich. �Nun geh und tu, was ich dir gesagt habe.� Seine Augen funkelten. Ohne Ascanio zu segnen, strebte er dem Ausgang zu.</p><p>Zu seiner Geliebten zog es Ascanio nach dem Gespr�ch mit dem Gro�inquisitor nicht mehr. Er musste nachdenken. Ein Gro�teil seines Lebens hatte er diese Familie besch�tzt, erst Imperia, dann Lucrezia, schlie�lich hatte er sie vor den Landsknechten w�hrend des <emphasis>Sacco di Roma</emphasis> gerettet. Er durfte sie nicht in Gefahr bringen. Andererseits konnte er auch nicht die Marchesa ausspionieren, das w�rde Verrat an ihrem toten Mann bedeuten. Er musste einen Ausweg finden!</p><p>Als er in den Palazzo der Familie Sangallo zur�ckkehrte, �berfiel ihn gleich das gesch�ftige Treiben, das turbulenter als sonst das Geb�ude erf�llte, denn man bereitete die Hochzeit von Bartolomeo vor, Lucrezias j�ngstem Sohn. Er sollte Esmeralda heiraten, die j�ngste Schwester Arnoldo di Maffeos. Ascanio bat Lucrezia, mit ihm einen Spaziergang zu unternehmen.</p><p>Sie gingen in Richtung der Piazza del Popolo, wo auch die Kirche Santa Maria lag. Raffael hatte dort die Kapelle gleich neben Imperias letzter Ruhest�tte gestaltet, in der Agostino Chigi beigesetzt war. Schweigend h�rte sich Lucrezia Ascanios Schilderung bis zum Ende an. Er konnte sp�ren, dass sie angestrengt nachdachte.</p><p>�Die Familie muss besch�tzt werden!�, sagte sie schlie�lich. �Das ist das Erste und das Letzte. Darum bitte ich dich, Ascanio, bringe kein Unheil �ber unsere Familie. Das Opfer meiner Mutter w�re sonst vergeblich gewesen.� Tr�nen traten ihr in die Augen.</p><p>�Nein, nat�rlich nicht!� Er liebte diese Frau noch immer, niemals k�nnte er ihr schaden.</p><p>�Wenn du dich von Antonio verabschiedest, sag ihm nicht den wahren Grund. Er bringt es fertig und beschwert sich beim Papst. M�nner und ihre Ehrbegriffe!�, seufzte sie ein wenig bitter und verdrehte die Augen. �Er ist ein guter Baumeister, aber er ist kein Genie wie Bramante, Raffael oder dieser d�stere Michelangelo. Und wei�t du, ich bin froh dar�ber, denn es lebt sich mit einem Menschen angenehmer als mit einem Genie. Aber weil er kein Genie ist, ben�tigt er Protektion, auch Carafas Wohlwollen!�</p><p>Ascanio hatte verstanden. Er wurde bei Vittoria Colonna vorstellig, erinnerte sie an die alten Zeiten, an ihren Gemahl, den sie in Gedichten besungen und dem sie bis zu diesem Tag die Treue gehalten hatte, denn sie war Witwe geblieben. Nachdem sie eine Weile �ber die ferne Vergangenheit gesprochen hatten, bat Ascanio, in ihre Dienste treten zu d�rfen. Sie nahm ihn gern auf, schon weil er sie an ihren Mann erinnerte.</p><p>Ascanio feierte noch Bartolomeos Hochzeit mit, dann nahm er schweren Herzens Abschied von Antonio und den Seinen. Der Architekt verstand zwar den alten Haudegen nicht, musste sich aber dessen Entschluss f�gen. Wer kannte sich mit den Fechtern schon aus? Es waren doch recht seltsame Leute, die ihr Leben auf der Degenspitze balancierten.</p><p>Ascanio konnte sich Vittoria nicht anvertrauen, denn er wusste nicht, wie sie reagieren w�rde. Deshalb beschloss er, Manfredo hinzuhalten, indem er ihn mit Banalit�ten und Finten abspeiste, um herauszufinden, wer von den Hausangestellten f�r die Inquisition arbeitete. Vor allem wollte er Zeit gewinnen. Je l�nger er in Vittorias Diensten stand, desto schwieriger w�rde es f�r Carafa, die Familie Sangallo in ein Verfahren gegen ihn mit hineinzuziehen. Au�erdem war der Kardinal nicht mehr der J�ngste � irgendwann musste ihn ja der Teufel holen.</p><p>Das Spiel fand auf Messers Schneide statt. Ascanio durfte nicht so wenig liefern, dass es auffiel, und dennoch musste das Material letztlich f�r die Inquisitoren nutzlos sein. Es gelang ihm, zwei Zutr�ger unter Vittorias Hauspersonal herauszufinden. Nun wurde es Zeit, mit der Marchesa dar�ber zu reden. Vittoria dankte ihm, informierte ihre Freunde, auch Michelangelo, dass die Inquisition gegen sie ermittelte, und sprach mit dem Papst. Paul III. bestellte Gian Pietro Carafa ein. Er lobte seinen Eifer in der Bek�mpfung der Ketzer, doch kurz vor dem Ende der Audienz wich pl�tzlich alle Freundlichkeit aus seinem Gesicht, und er drohte dem Gro�inquisitor: �Halte dich daran, Gian Pietro, unber�hrbar sind die Marchesa di Pescara, die Kardin�le Morone, Pole und Contarini, schlie�lich Michelangelo!�</p><p>Carafa musste mit dem heiligen Eid schw�ren, nicht gegen die Genannten zu ermitteln. Von diesem Tag an nahm Manfredo keinen Kontakt mehr zu Ascanio auf. Der Gro�inquisitor setzte die Untersuchungen zwar fort, aber wesentlich vorsichtiger. Er konzentrierte sich nun auf das Umfeld des Kreises der Vittoria Colonna, die er wirklich f�r eine Teufelin hielt. Manchmal tr�umte Gian Pietro Carafa, dass Gott ihn mit gl�henden Ruten z�chtigte, weil er zu wenig Ketzer fing.</p><empty-line/></section><section><p>56</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1546</p><p>Die Engel hatten f�r das Wetter gesorgt � es war warm, ohne hei� zu sein. In Santa Maria del Popolo hatte die Gro�familie Sangallo die Taufe ihres j�ngsten Sprosses gefeiert. Esmeralda, Bartolomeo da Sangallos Frau, hatte eine Tochter zur Welt gebracht, die den Namen Isabella erhielt. Der stolzen Gro�mutter Lucrezia war es gelungen, den m�chtigen Kardinal Carafa als Paten f�r ihre Enkelin zu gewinnen und die Taufmesse zu zelebrieren. Bei der anschlie�enden Feier platzte der Palazzo aus allen N�hten. Es war ein Treffen der r�mischen Bauzunft. Alle Mitglieder der Familie da Sangallo kamen, die Barozi, Arnoldo di Maffeo mit seinen Geschwistern, Kindern und Enkeln, Nanni di Baggio Bicci mit seinem Anhang. All die Bauunternehmer und Steinmetzmeister, die etwas auf sich hielten, brachten Geschenke. Andersherum geh�rten diejenigen, die nicht eingeladen waren, nicht zu den gro�en Meistern der Z�nfte.</p><p>Stolz schaute Lucrezia auf ihre Familie. Auf ihre Macht. Auf ihre B�rgerlichkeit. Dann sp�rte sie Traurigkeit in sich aufsteigen, weil ihre Mutter das alles nicht mehr hatte erleben d�rfen. Wie gl�cklich w�re Imperia gewesen, wie froh und wie stolz zugleich! Antonios Hand entf�hrte sie aus der Wehmut in einen furiosen Springtanz, eine Saltarella. Verliebt wie ein junges M�dchen strahlte sie ihn an. Sein Haupt mochte ergraut sein, aber Spr�nge bekam er noch hin, um die ihn jeder junge Mann beneidete. Er legte seine H�nde um ihre H�ften und hob sie hoch, drehte sie im Kreise und setzte sie wieder ab.</p><p>�Nicht so wild, Antonio�, rief sie ganz au�er Atem.</p><p>�Wild?�, lachte er. �Wild? Noch bin ich zahm. Warte erst, bis ich wild werde!� Dann lie� er sich auf die Knie fallen. Unverz�glich bildete sich ein Kreis um sie. Antonio breitete die Arme aus. �Ich bin immer noch wild nach dieser jungen Frau dort. Es ist nur schade, dass ich sie nicht vom Fleck weg heiraten kann, da wir leider schon verheiratet sind.� Dann sprang er auf, vollf�hrte zwei Spr�nge. �He�, rief er den M�nnern zu. �Wollt ihr euch wohl um eure eigenen Frauen k�mmern! Diese hier ist schon vergeben, und wer anderes denkt, bekommt meine Faust zu schmecken!�</p><p>Alle lachten �ber Antonios Sp��e und tanzten weiter. Lucrezia dankte im Stillen Gott, bevor sie sich dem wilden Rhythmus der Musik hingab. Als sie wieder zu Antonio schaute, sank er erneut in die Knie.</p><p>�Antonio, es reicht�, schalt sie ihn, denn allm�hlich begann er zu �bertreiben. Aber er antwortete nicht, sondern schlug mit dem ganzen K�rper auf. Kalt griff die Angst nach ihr. �Antonio! H�r auf mit diesen Scherzen!� Sie beugte sich zu ihm. Seine Augen starrten sie an. Die Freude �ber die Sch�nheit der Welt hatte sich in der K�lte des Todes erhalten und ihn besiegt, denn Antonio da Sangallo war im wahrsten Sinne des Wortes im Gl�ck gestorben.</p><p>�H�rt auf und helft mir!�, schrie Lucrezia wie von Sinnen, als g�be es noch ein Mittel, ihn wieder zur�ckzuholen, wenn man nur schnell handelte. Die G�ste hielten nach und nach im Tanzen inne, die Musik brach ab. Antonios �ltester Sohn trug den toten Vater auf seinen Armen ins Haus.</p><p>Lucrezia konnte es nicht fassen. Fast ihr ganzes Leben hatte sie mit ihm verbracht, in guten wie in schlechten Zeiten. Wie konnte er gehen und sie allein zur�cklassen, der Verr�ter? Da drang ein hohes Kr�hen an ihr Ohr. Sie blickte in die Wiege. Da lag sie, ihre Enkelin Isabella.</p><p>�Was ist mit dir? Beschwerst du dich, weil man dir zu wenig Beachtung schenkt?�, sagte Lucrezia in einer Mischung aus Missbilligung und R�hrung. Die Welt h�rt nicht mit uns auf, dachte sie, sie geht mit jedem Kind, das geboren wird, weiter. Wenn wir wollen, dass die Welt besser wird, m�ssen wir es f�r die Kinder gut machen. Lucrezia nahm ihre Enkelin aus der Wiege und ging mit ihr ins Haus. Bartolomeo trat zu ihr.</p><p>�So klein warst du auch mal�, sagte sie schluchzend und �bergab die Kleine ihrer Mutter Esmeralda, weil sie sp�rte, dass ihre Knie nachgaben. Sie sank auf einen Stuhl und versuchte sich zu fassen. Sie hatte Angst davor, das Zimmer zu betreten, in dem man Antonio aufgebahrt hatte. Das Leben bestand aus Endg�ltigkeiten, an denen man vorbeiging. Es gab keinen Weg zur�ck. Jemand bot ihr seinen Arm. Sie schaute nicht, wer es war, sondern begab sich in ihr Zimmer und zog sich um. Schwarz gekleidet und mit einem dunklen Schleier vor dem Gesicht, nahm sie Abschied von ihrem Mann.</p><p>Sie war nun eine Witwe.</p><p>Zwei Monate sp�ter zog sie nach Florenz, in die N�he des Tores von San Gallo, wo die Familie da Sangallo ihren Ausgang genommen hatte, zu ihrem zweit�ltesten Sohn, der in der Arnostadt ein erfolgreicher Architekt geworden war. Die Zeit ihrer Ehe mit Antonio, die Zeit in Rom lag hinter ihr. Nun w�rde sie die Jahre, die Gott ihr noch gew�hrte, in Florenz verbringen, der Stadt, die sie als Ort ihrer Witwenschaft erkoren hatte. Sie h�tte es nicht ertragen, in Rom zu bleiben, das sich mit einem Schlage f�r sie zu einer einzigen, sie t�glich verletzenden Ansammlung von Erinnerungen verwandelt hatte.</p><p>Sie sollte ihren Mann zehn Jahre �berleben, Rom sah sie nicht mehr wieder. Ihr Leichnam jedoch wurde in die Ewige Stadt �berf�hrt, um ihn neben Antonio beizusetzen.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1546, im Januar</p><p>Der Winter hatte Rom im nasskalten Griff. Die Arbeiten auf der Baustelle beschr�nkten sich seit dem Tod des Baumeisters Antonio da Sangallo auf die Fortsetzung der verteilten Arbeiten. Neues wurde nicht in Angriff genommen. Gian Pietro Carafa hatte vergeblich versucht, Antonios j�ngsten Sohn Bartolomeo als neuen leitenden Architekten der <emphasis>Fabbrica di San Pietro</emphasis> durchzusetzen.</p><p>Michelangelo bekam von all den Vorg�ngen herzlich wenig mit, denn er lag schwer krank danieder und wurde von Francesco und den Freunden aufopferungsvoll gepflegt. Einmal am Tag kam der j�dische Arzt Isaac di Bonet de Lates und sah nach ihm. R�hrend k�mmerte sich auch der aus Arezzo stammende und in Florenz lebende Maler und Architekt Giorgio Vasari um ihn, mit dem er sich vor Kurzem angefreundet hatte. Vasari hatte Papst Paul III. versprochen, den gro�en Saal, die <emphasis>Cancelleria</emphasis>, in nur hundert Tagen auszumalen. Obwohl er Tag und Nacht zu tun hatte, um sein vollmundiges Versprechen zu halten, besuchte er Michelangelo regelm��ig. Er mochte den etwa halb so alten K�nstler, der aber �lter wirkte, weil er immer �berlegt und gesetzt auftrat. Und Vasari verg�tterte Michelangelo auf eine angenehme, nicht kriecherische Art. Auch Vittoria Colonna besuchte ihn, aber er bat sie, davon Abstand zu nehmen und sich selbst zu pflegen, denn er sp�rte, dass auch ihre Gesundheit angegriffen war. Sie hustete viel und hatte dunkle R�nder unter den Augen. Ihr Gesicht hatte seine gesunde Frische und F�lle eingeb��t. Es wirkte nur hart, spitz und knochig. Wie ein Totensch�del, bis aufs Gerippe abgemagert, dachte er erschrocken. �Im Fr�hjahr wird uns neues Leben durchstr�men, und wir werden wie die Natur auferstehen�, hatte er ihr noch zum Abschied gesagt, bevor er wieder in die Fiebertr�ume glitt.</p><p>Kaum hatte er sich vom Krankenbett erhoben, wurde er zum Papst gerufen. Er wunderte sich, dass er nicht in den Vatikan, sondern in den Palazzo della Cancelleria beordert wurde. In einem gro�en Saal im <emphasis>piano nobile</emphasis> fand er den Papst in Begleitung der Kardin�le Giovanni Morone und Gian Pietro Carafa. Giorgio Vasari, der tats�chlich Wort gehalten hatte, erl�uterte sein Bild, auf dem Paul III. dargestellt war, wie er die Vollendung des Petersdomes befahl. Der trostlose Zustand der Baustelle und die Energie des Papstes standen in einem hoffnungserheischenden Gegensatz. Die Aussage auf dem Fresko erreichte eine geradezu propagandistische Qualit�t: Neu Sankt Peter w�rde entstehen dank Pauls III.</p><p>Als Michelangelo eintrat, leuchteten Vasaris Augen auf. Diese Reaktion veranlasste den Stellvertreter Christ: sich umzuschauen.</p><p>�Ah, Michelangelo, komm her zu Uns�, sagte er. Auch Morone mit seinem freundlich lachenden Gesicht und Carafa, der wie immer aussah, als h�tte er in eine Zitrone gebissen, wandten sich zu ihm um.</p><p>Die ergrauenden Haare ungek�mmt, mit verwildertem Bart, schwarzer Hose, schwarzer Jacke und wei�em Hemd, wie er es immer trug, kniete Michelangelo vor dem Papst nieder. Paul III. hielt ihm die rechte Hand mit dem Fischerring hin, die der K�nstler k�sste. Dann erhob er sich. Vasari, dachte er mit einem Blick auf das Bild, war zwar kein gro�er K�nstler, aber ein ganz brauchbarer und handwerklich versierter Maler. Flei� ersetzte bei ihm die Intuition. Daf�r vermochte er etwas, was nur wenigen gegeben war � er konnte Kunst sehen.</p><p>�Was h�ltst du von dem Bild?�, fragte der Papst.</p><p>�Gelungen�, sagte Michelangelo, der Vasari einerseits nicht zu nahe treten, anderseits nicht l�gen wollte.</p><p>�Das sehen Wir auch�, entgegnete Paul III. Obwohl es wie eine Zurechtweisung klang, sp�rte Michelangelo, dass der kluge Farnese-Papst ein Spiel trieb. �Und was h�ltst du von der Baustelle, die Uns t�glich nur den Spott der Ketzer einbringt?�</p><p>�Bramante h�tte es zu Ende bringen m�ssen.� Zwar war sein alter Gegner seit �ber drei�ig Jahren tot, aber er hasste ihn noch immer.</p><p>�Wahr, aber nicht zu �ndern. Dennoch muss es zu Ende gef�hrt werden. Von anderen! Und zwar von dir, Michelangelo!� Kaum hatte der Papst die Worte gesprochen, stimmten das einzige Mal in ihrem Leben Michelangelo und der Gro�inquisitor Carafa im Stillen �berein. Nein, dachten sie beide. Nicht ich! Nicht er!</p><p>�Ich bin zu alt daf�r, Heiliger Vater!�</p><p>�Er ist wirklich zu alt daf�r�, sekundierte Carafa.</p><p>�Au�erdem bin ich kein Architekt�</p><p>�Er ist in der Tat kein Architekt.�</p><p>�Sucht einen J�ngeren!�</p><p>�Lasst uns nicht die letzten Lebensjahre dieses verdienstvollen Mannes verd�stern und ihn vielleicht noch vorzeitig ins Grab bringen.�</p><p>�Fertig?�, fragte Paul III. kurz angebunden, wobei seine Augen aber in diebischem Vergn�gen strahlten. �Ich bin es n�mlich auch. Michelangelo wird zum alleinigen leitenden Architekten der <emphasis>Fabbrica di San Pietro</emphasis> ernannt. Wollt Ihr Uns in den Palast begleiten?�, fragte er l�chelnd den Kardinal Morone, der zum Zeichen seiner Zustimmung nickte. Papst und Kardinal verlie�en den Saal. Der Gro�inquisitor warf Michelangelo einen w�tenden Blick zu, bevor auch er den Raum verlie�.</p><p>Michelangelo aber sank in die Knie und hob die H�nde zum Himmel. �Warum, Gott, tust du mir das an?�</p><p>Vasari eilte zu dem alten K�nstler und half ihm auf. �Weil Ihr der Einzige seid, der das kann.�</p><p>Auf Vasari gest�tzt, gelangte Michelangelo nach Hause. Er f�hlte sich am Boden zerst�rt. Nachdem er die Capella Paolina ausgemalt hatte � mit einem alten, zweifelnden Paulus �, wollte er sich von der Welt zur�ckziehen und Gott suchen, indem er zeichnete und skulptierte. Nichts war ihm willkommener als die Einsamkeit, nichts verhasster als das laute Getriebe der Welt. Um seinen Standort in der Kunst musste er sich nicht mehr sorgen, er hatte genug geschaffen, und Leute wie dieser junge Vasari w�rden seinen Ruhm verbreiten. Nun brach die Zeit an, in der er sich um seine Stellung in der Ewigkeit zu k�mmern, in der er seine Verh�ltnisse mit Gott zu ordnen hatte. Und dabei konnte ihm Vasari nicht helfen, niemand, au�er Vittoria vielleicht.</p><p>Oft sprachen sie miteinander, tauschten Briefe und Sonette aus; er schenkte ihr die kleinen Zeichnungen, die ihm immer mehr zum Wichtigsten auf der Welt wurden. Ohne dass er es bemerkte, hatte er sie zu lieben begonnen, tief und innig. Doch der Fr�hling wollte und wollte nicht kommen. Wie sehnte er ihn herbei, tr�umte davon, wieder mit ihr im Klostergarten zu sitzen und zu reden. Dann traf ein Bote bei ihm ein, am 25. Februar. Er hatte nur eine kurze Nachricht f�r ihn. Vittoria Colonna hatte eine Stunde zuvor das Zeitliche gesegnet. Mit einem stummen Aufschrei blickte Michelangelo nach oben, zu Gott, unf�hig, etwas zu sagen oder zu denken. Stunden sp�ter schrieb er und schrieb, Tinte statt Tr�nen vergie�end, und sein Gesicht war so hart wie Stein und so weich, als h�tte er es selbst behauen.</p><p>�Als sie, der Grund von meinen Seufzern allen,</p><p>der Welt, sich selbst und meinem Blick entschwand,</p><p>stand die Natur voll Scham, die sie gesandt,</p><p>und wer sie sah, f�hlt hei�e Tr�nen fallen.</p><p>Doch soll der Tod sich nicht darin gefallen,</p><p>dass er der Sonnen Sonne uns entwand;</p><p>die Liebe siegte, die sie lebend fand</p><p>hier und im Himmel bei den Heil�gen allen.</p><p>Der Tod erhoffte ruchlos, dass zunichte</p><p>der Ruhm sei, der sie weit und breit umgeben,</p><p>dass ihre Seele wen�ger sch�n erschein�.</p><p>Das Gegenteil bewirkten die Gedichte:</p><p>Sie ist lebendiger als einst im Leben;</p><p>durch Tod ging sie ins ew�ge Leben ein.�</p><p>Es war nicht das einzige Gedicht, das er schrieb, um ihren Tod zu verstehen. Er konnte nicht verstummen. Ihm schien, solange er schrieb, blieb sie bei ihm. Mit den ersten warmen Strahlen des Fr�hlings, den Vittoria herbeigesehnt, aber nicht mehr erlebt hatte, traf aus dem Norden ein Bote mit einem kleinen Paket ein. Der Absender �berraschte ihn: Lucrezia da Sangallo. Er gab dem Boten ein so bescheidenes Trinkgeld, dass dieser ihn beim Verlassen des Hauses laut verw�nschte. Dann �ffnete er das Paket, das zwei B�cher und einen Brief enthielt. Sein Blick fiel auf die sch�ne, ebenm��ige, weibliche Handschrift. Bei den Nonnen wird sie es gelernt haben, dachte er. Aus einem unbestimmten Grund zweifelte er nicht daran, dass sie ihn eigenh�ndig geschrieben hatte. Er vertiefte sich in die wenigen Zeilen.</p><p><emphasis>Mess�r Michelangelo,</emphasis></p><p><emphasis>ich musste erfahren, dass Ihr die Nachfolge meines geliebten Mannes in Fabbrica di San Pietro antretet. Ich will die Wahrheit sagen. Mir w�re es lieber gewesen, der Papst h�tte meinen Sohn, den hervorragenden Baumeister Bartolomeo da Sangallo, mit der Aufgabe betraut. Allein, es ist anders gekommen.</emphasis></p><p><emphasis>So bitte ich Euch, handelt nicht wie schlechte Bauleiter und nehmt meiner Familie die Auftr�ge nicht, sondern findet die Gr��e, zu achten und zu respektieren, was in den letzten drei�ig Jahren unter gro�en K�mpfen und Aufopferung entstanden ist. Ich hatte das Gl�ck, Donato, den alle Bramante nannten, meinen Vater nennen zu d�rfen und den vortrefflichen Antonio da Sangallo meinen Mann. Wisset daher, dass mein ganzes Leben mit diesem Bau verbunden war. Leid und Freude spendete er, Gefahr und Gl�ck.</emphasis></p><p><emphasis>Nun, ich bin eine alte Frau und genie�e jeden Tag, den Gott mir verg�nnt, um mich an meinen Enkeln zu erfreuen, und sehne mich doch danach, bald schon meinen Mann im Himmel wiederzusehen. Wie t�richt unser Wollen doch ist, wie es doch mit sich selbst im Streit liegt. In der Hoffnung, in Euch einen gerechten Mann und einen w�rdigen Fortsetzer des Werkes von Donato und Antonio zu finden, sende ich Euch das Buch nebst �bersetzung, das beiden so viel bedeutet hatte.</emphasis></p><p><emphasis>Florenz, im Fr�hling 1547</emphasis></p><p><emphasis>Lucrezia di Imperia da Sangallo</emphasis></p><p>Er las den Brief mehrmals, weil er ihn beeindruckte und nicht loslie�. Michelangelo konnte sich nicht erinnern, diese Frau jemals gesehen zu haben. Er bl�tterte in den beiden B�chern und stellte fest, dass das eine zur H�lfte eine sch�ne Ausgabe von Dantes �G�ttlicher Kom�die� war, zum anderen das �Buch der Baumeister�, dessen �bersetzung danebenlag. Aus dem Buch erfuhr Michelangelo von einem alten Geheimbund, dem neben Dante auch sein Lehrer Landino, Angelo Poliziano, Pico della Mirandola und sogar Giovanni de Medici � das dicke Kind, das ihn dadurch �berraschte, dass es Papst geworden war � angeh�rt hatten. Immer wieder hatte er mit Mitgliedern der <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> zu tun gehabt, ohne dass er jemals davon erfuhr. Und auch nicht von der Erzbruderschaft, f�r die der sch�ne Kardinal Giacomo Catalano stritt. Von alledem hatte er nichts gewusst, aber das hatte auch keine Bedeutung mehr. Viel wichtiger waren die Dinge, die in dem Buch �ber die Baukunst standen. Schon die ersten Seiten, die eine Analogie des menschlichen K�rpers zur Architektur herstellten, beeindruckten ihn. Das dachte auch er � der Bau des K�rpers entsprach der Architektur der Geb�ude, der Kirchen und Pal�ste. Der verr�ckte Leonardo hatte es gezeichnet. Michelangelo verga� seinen Kummer, er verga� zu essen, nahm nur etwas Wein mit Honig zu sich.</p><p>Pl�tzlich durchfuhr ihn eine irrsinnige Ahnung. Nur mit Hemd und Hose bekleidet, eilte er zum Petersdom. Es regnete heftig, doch er sp�rte kaum die N�sse und den Wind, der �ber den Ponte Sisto blies. W�hrend er parallel zum Tiber auf der Stra�e zum Borgo auf die Porta Santo Spirito zuschritt, hatte er die m�chtig ragende Vierung im Blick. Der Weg zog sich endlos hin. F�r jede Meile, die er zur�cklegte, zw�ngten sich zwischen ihn und das Ziel zwei neue. Fast lief er, es konnte ihm nicht schnell genug gehen. Wenn sich sein Verdacht best�tigte, dann stand er vor dem gr��ten und tragischsten Missverst�ndnis, von dem die Welt je geh�rt hatte.</p><p>Als er sich der Baustelle n�herte, erzeugte er dadurch eine ungeheure Betriebsamkeit. Maurer, die zusammenhockten und den Weinkrug kreisen lie�en, sprangen wie von der Tarantel gestochen auf und begannen zu schuften. Gesellen rannten los, um ihre abwesenden Meister zu holen. Aber das k�mmerte ihn nicht. Nicht um ihretwillen war er hier. Mit schnellen Schritten durchquerte er die Vierung und gelangte in den Westchor, die Capella Julia, wie sie auch genannt wurde, dort, wo einst sein Grabmal f�r Julius II. stehen sollte, das er nun in einer deutlich reduzierteren Form in San Pietro in Vincoli vor einem Jahr aufgestellt hatte.</p><p>Vielleicht, dachte Michelangelo, lag das Geheimnis wirklicher Kunst in der Reduktion, in der Besinnung auf das Wirkliche, das Gott war, die Kraft, die Ursache, nicht den Schein, sondern das Sein? Deshalb liebte er, der riesige Decken, gro�e W�nde mit farbgewaltigen Fresken geschm�ckt hatte, mehr noch sie mit einer Unzahl von Personen bev�lkert hatte � allein in seinem �J�ngsten Gericht� wurden von Bewunderern f�nfhundertzwanzig Figuren gez�hlt �, inzwischen die einfache Zeichnung. Die Gr��e fand sich einzig in der Intensit�t.</p><p>Vor ihm erhob sich das begehbare Modell des Petersdoms, das ihn um das Doppelte �berragte und das Antonio da Sangallo in einer Art Ewigkeitsangst in sieben Jahren minuti�ser Kleinarbeit detailversessen hatte errichten lassen. Und was war es, dieses Modell? Ein Witz! Der grausame Spott Gottes �ber einen Mann, der sich zeitlebens redlich bem�ht, aber das Wesentliche nicht verstanden hatte. Michelangelo fiel auf die Knie. Die Meister liefen herbei, sie mussten ihren neuen leitenden Architekten f�r verr�ckt halten. Obwohl es viel zu kalt daf�r war, kauerte er, nur mit Hose und Hemd bekleidet, vor Sangallos Modell und sch�ttelte immerfort den Kopf. In der Tat hatte Gott nie �tzender und boshafter �ber einen Menschen gespottet als �ber den Baumeister Antonio da Sangallo. Bei Bramante, den Michelangelo nicht mochte � der aber ein Genie gewesen war, wie er jetzt eingestand �, hatte Antonio gelernt, sein ganzes Leben hatte er Bramantes Werk fortsetzen wollen und am Petersdom gearbeitet. Und dabei hatte er seinen Lehrmeister nicht verstanden. Es hatte ihm das Organ gefehlt, mit dem er Bramantes Gedanken h�tte begreifen k�nnen. Er, der ihm im Leben am n�chsten gestanden hatte, war ihm im Geist der Fernste geblieben.</p><p>�Oh Antonio, Antonio, Antonio�, rief Michelangelo in einer Mischung aus Mitleid und Bitternis kopfsch�ttelnd aus. �Armer Antonio! Wie konntest du das Offensichtliche nur �bersehen?�</p><p>�Was ist hier los?�, br�llte Arnoldo di Maffeo, der, von seinem Gesellen benachrichtigt, herbeigeeilt war. In feinste Stoffe geh�llt, fuhr er den wie ein Bettler gewandeten leitenden Architekten von Sankt Peter an. Michelangelo erhob sich, dann wandte er sich Arnoldo zu und sch�ttelte fassungslos den Kopf �ber das Ausma� an Dilettantismus, das sich ihm enth�llte.</p><p>�Seht Ihr es nicht? Schafft diesen ganzen aus Holz gebastelten Unfug heraus, diese l�cherliche Kinderei!�</p><p>Arnoldos Adern traten an den Schl�fen hervor. �Seht Euch vor, Maestro. Was Ihr Kinderei nennt, ist das Modell, nach dem wir das Haus Gottes bauen!�</p><p>Michelangelo sch�ttelte sich vor Lachen. �Das Haus Gottes, Mess�r Kleiderst�nder, ist ein Bordell, eine �ltliche Hure, die sich aufwendig drapiert hat und hofft, noch einen zahlenden Galan zu finden.�</p><p>�Was erlaubt Ihr Euch?�, rief Arnoldo au�er sich.</p><p>�Schaut es Euch doch an! Unmassen von Stein, die aufeinandersitzen und neuen Stein geb�ren. �berall dunkle G�nge und finstere Ecken, wo man eher der fleischlichen Lust fr�nt als Andacht h�lt! Aber reden wir nicht vom Inneren, von au�en sehen wir ein Elementchen und noch ein Elementchen, die in der Sehnsucht nach Struktur nur Chaos schaffen. Was Ihr da habt, ist, um es mit einem Wort zu sagen, Herr Maurer, viele Federn, aber kein Vogel. Was sollen diese d�mlichen T�rme hier vorn, diese l�cherliche Entschuldigung f�r den Zentralbau und dieser schlaffe Penis, der quer liegt wie in der Hose, der Riegel, der die beiden T�rmchen verbinden soll? Es ist Gestaltung, aber nicht Gestalt. Und wisst Ihr, was das Schlimmste ist: Es ist Flei� ohne Idee. Daran geht unsere Welt zugrunde, an den vielen Flei�igen, die skrupellos sind, weil sie zu dumm sind, Skrupel zu empfinden, die es nur gibt, weil sie eine Familie, eine Bande, eine Sekte, ja eine Sekte, Sangallos Sekte bilden. Ihr seid alle entlassen!�</p><p>Finster fixierte ihn Arnoldo, dann erkl�rte er mit drohendem Unterton: �Seht Euch vor, Mess�r Michelangelo. Das Modell, das Ihr schm�ht, ist eine fette Wiese, auf der wir alle weiden k�nnen.�</p><p>�Oh ja, das stimmt, eine fette Weide f�r Ochsen und Schafe, die nichts vom Bauen und nichts von der Kunst verstehen! Aber ich werde sie von diesen Weiden und aus dem Tempel vertreiben!�, schrie Michelangelo.</p><p>Nicht wenige, die diesen eher kleinen Mann mit den flammenden Augen in seiner d�rftigen Kleidung sahen, erschraken. Er erschien ihnen wie ein alttestamentarischer Prophet oder ein Bu�prediger.</p><p>Als er im �Buch der Baumeister� gelesen hatte, hatte Michelangelo verstanden, was Bramantes Grundidee gewesen war. Nichts Kleinteiliges, nichts Zusammengesetztes � gro�e, klare Formen hatte der erste Architekt von Sankt Peter damals angestrebt. Eine Vierung wie die S�ulen der Erde und eine Kuppel, die dem Himmel glich � der Rest war Beiwerk. Und dieser unselige Sangallo hatte das Beiwerk zur Hauptsache erhoben und sich vollkommen in den Nebens�chlichkeiten verloren. Es war ganz einfach, man musste nur zu Bramantes Idee zur�ckkehren. Jedes Kind konnte das, dachte Michelangelo w�tend. Er hatte Bramante immer gehasst, und er w�rde auch seine Meinung �ber ihn nicht �ndern, aber er erkannte den ebenb�rtigen Geist.</p><p>Trauer und Zorn �berkamen ihn, weil Bramante ihn nie eingeweiht hatte in die <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis>. Sie mochten sich gehasst und bek�mpft haben, mit all dem Neid und der Hinterh�ltigkeit, zu der K�nstler f�hig waren, aber eines hatte sie verbunden und zu Gef�hrten gemacht: die Liebe zu ihrem Handwerk und der Geist der Kunst, der sich �ber dem Handwerk erhob. Vor vierunddrei�ig Jahren war Bramante gestorben, und dennoch f�hlte sich Michelangelo von seinem jugendfrischen Geist umweht. Niemand hatte Bramante verstanden in den vielen Jahren, die seit seinem Tod vergangen war. Niemand au�er ihm, Michelangelo. In diesem Moment wurde die Baustelle zu seiner Baustelle, in diesem Moment begriff er die Aufgabe als eine ihm von Gott gestellte. Wieder kamen ihm Contessinas Abschiedsworte in den Sinn: �Wenn du einmal Baumeister werden solltest, Michelangelo, dann schaff sie f�r mich, die Kuppel des Himmels. Als Erinnerung an unsere Liebe.�</p><empty-line/></section><section><p>57</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1547</p><p>Gian Pietro Carafa klopfte freudig das Herz im Leib, denn er hatte endlich Beweise in der Hand. Ein Priester aus Morones Di�zese hatte sich selbst der Inquisition ausgeliefert und von geheimen Zusammenk�nften von Ordensleuten und Priestern in Modena und Lucca gesprochen, die der Kardinal Morone deckte. Das musste er umgehend dem Papst berichten!</p><p>Er traf Paul III. in der Capella Paolina an. In Gedanken versunken stand der Papst vor Michelangelos Bild, das die Bekehrung des Saulus zeigte.</p><p>�Es stimmt nicht�, rief Carafa, w�hrend er auf ihn zueilte. �Paulus war viel j�nger, als er das Damaskuserlebnis hatte!� Paul III. wandte sich ihm zu.</p><p>�Ach, Gian Pietro. Darum geht es doch gar nicht! Ist es nicht sch�n zu sehen, dass auch ein alter Mann noch umkehren und seine Irrt�mer erkennen kann? Es stimmt mich fr�hlich, und wei�t du auch, warum?� Der Papst sah seinen Gro�inquisitor schmunzelnd an und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Schl�fe. �Es zeigt, dass diese wunderbare Maschine bis zum Ende funktioniert. Wir sind nicht dazu verdammt, dass uns der Altersschwachsinn �berkommt. Bis zum Ende verm�gen wir Gottes Willen zu erkunden. Bis zum Ende, Gian Pietro.�</p><p>�Heiliger Vater, ich habe hier das Gest�ndnis eines Ketzers, dass sich die Lutheraner in Morones Di�zese unter seinem Schutz zusammenrotten!�</p><p>Der Papst ma� seinen Mitarbeiter mit einem langen Blick. �Wir danken dir, Gian Pietro. Du bist ein braver Soldat Christi. Verhafte die H�retiker, und wer sich nicht bekehren will oder sich schon einmal bekehrt hat und r�ckf�llig geworden ist, den verbrenne! Aber, Gian Pietro, Giovanni Morone r�hrst du nicht an! Er ist ein gottesf�rchtiger Mann.� Er wies mit den Augen auf Saulus, der zum Paulus wurde. �Er ist auf dem gef�hrlichen Weg der Wahrheit. Ihm kann Erleuchtung zuteilwerden. Also vers�ndige dich nicht!�</p><p>Kardinal Carafa erkannte, dass er sich trotz allem nicht umsonst gefreut hatte: Er durfte mit Feuer und Schwert gegen die Ketzerei in Lucca und Modena vorgehen, und Morone durfte ihn nicht daran hindern. Auch wenn der Papst seinen verhassten Amtskollegen noch sch�tzte, kam er doch viel n�her an ihn heran. Eines Tages, ja eines Tages � Ein L�rm, der vom Eingang herkam, riss ihn aus seinen Gedanken.</p><p>�Was ist da los?�, fragte der Pontifex stirnrunzelnd. Der Kammerdiener erschien und meldete ihm, dass der Maler Michelangelo ihn sprechen wolle und sich nicht abweisen lasse. Mit einem Wink bedeutete Paul III., den K�nstler hereinzubitten. Kardinal Carafa blickte den Stellvertreter Christi forschend an, konnte aber keine Regung in dessen Gesicht entdecken.</p><p>Zornig, erregt und in � wie Carafa fand � skandal�s nachl�ssiger Kleidung st�rmte Michelangelo in die Kapelle. Nach einer knappen Verbeugung begann er zu sprechen, noch bevor er vom Papst dazu aufgefordert worden war. �Heiliger Vater! Zu meinem Bedauern muss ich meine Arbeit als Architekt niederlegen!�</p><p>�Aus welchem Grund?�</p><p>�Weil ich kein Knecht der Baukommission bin. Die Deputierten der <emphasis>Fabbrica di San Pietro</emphasis> glauben, mir alles vorschreiben zu k�nnen. So kann ich nicht bauen!�</p><p>Paul III. gab die Anweisung, so schnell wie m�glich Vertreter der Baukommission herbeizuschaffen. W�hrend sie warteten, unterhielt er sich mit dem Maler �ber die Bekehrung des Saulus, des gelehrten Mannes und Christenverfolgers, der in Michelangelos Version das grundst�rzende Erlebnis, Christus zu sehen, als alter Mann hatte. Das hohe Ross, auf dem er sa�, warf ihn ab, und erst da, am Boden liegend, wurde ihm die Erkenntnis zuteil. Inzwischen waren Bartolomeo da Sangallo und der Bauunternehmer Arnoldo di Maffeo als Vertreter der Baukommission eingetroffen.</p><p>�Was ist gegen diesen Mann vorzubringen?�, fragte der Papst ruhig und wies auf Michelangelo. Bartolomeo verneigte sich tief, bevor er begann: �Heiliger Vater, mein Vater Antonio hat in dem Modell, das Euch so gut gef�llt, f�r jetzt und alle Zeit den Fortgang des Baus festgelegt.�</p><p>�Und alle Zeit wird es brauchen, das Monstrum zu errichten!�, rief Michelangelo dazwischen.</p><p>�Da h�rt Ihr es ja selbst, Eure Heiligkeit. Das Modell soll aus dem Petersdom gebracht werden. Und dann soll nach den Grillen dieses Mannes, der nicht einmal ein Architekt ist, gebaut werden!�, schimpfte Bartolomeo.</p><p>Paul III. schaute gespannt zu Michelangelo. Auch der Gro�inquisitor fixierte den K�nstler voller Neugier, welche Argumente dieser vorbringen w�rde. Wenn er ihn auch nicht mochte und ihm misstraute, so empfand er doch Achtung gegen�ber seinem Sachverstand.</p><p>Michelangelo sch�ttelte den Kopf. �Es ist ganz einfach, wir m�ssen zu Bramantes Ideen zur�ckkehren und den Grundriss des neuen Domes verkleinern. Nur dann k�nnen wir ihn auch fertigstellen. Wir sparen ein Jahrzehnt und mindestens dreihunderttausend Dukaten. Kehren wir zu Mess�r Donatos heiligem Entwurf zur�ck, zu einer Kuppel, die so sch�n gew�lbt und so klar gef�hrt ist, dass sie den Himmel symbolisiert. Gro�e, klare Formen � nicht diese be�ngstigenden kleinteiligen Steinmassen, Steine, die immer neue Steine geb�ren. Im Tambour Fenster, Fenster in der Kuppel, �ber der Kuppel ein Oculus, Gottes Auge, die Seitenw�nde mit durchgehenden Pilastern verkleidet und wiederum gro�en Fenstern, dass Gottes Licht in seiner Sch�nheit und Klarheit ungehindert in sein Haus dringen kann. Und wenn es stimmt, was die Heiligen sagen, dass Gott Licht ist, dann geht es darum, dass wir ihn selbst in sein Haus bitten und ihn nicht durch kleine L�cher, die niemand, der bei Verstande ist, Fenster nennen kann, aussperren. Im Innern ein einziger gro�er Raum mit vier Kreuzarmen, nicht diese vielen kleinen, dunklen Kapellen, in denen die Huren unentdeckt ihr schm�hliches Handwerk aus�ben k�nnen. Und schlie�lich, was sollen diese Umg�nge? Und diese T�rmchen und der l�cherliche Riegel vor Gottes Haus?</p><p>Das Modell verschwindet von meiner Baustelle, die Juliuskapelle wird abgerissen, und ich baue nach Donatos und meinen Vorstellungen in kleinerem Ma�stab die Kirche. Wer auf meiner Baustelle arbeitet, bleibt mir �berlassen. Niemand hat mir in k�nstlerischen Fragen hereinzureden. Die Baukommission ist einzig und allein dazu da, das Geld zu beschaffen, das ich ben�tige�, schloss Michelangelo atemlos. �Das sind meine Forderungen, wenn ich die Verantwortung �bernehmen und Gottes Haus zu Ende bauen soll!�</p><p>Gian Pietro Carafa gestand sich widerwillig ein, dass die Forderungen und Vorstellungen des K�nstlers k�hn, aber nicht von der Hand zu weisen waren.</p><p>�So wie es Michelangelo gesagt hat, soll es sein�, entschied Paul III. mit einem freundlichen L�cheln. �Wir werden es in einem <emphasis>Motu Proprio</emphasis> festhalten f�r jetzt und alle Zeit. Eines kommt aber noch hinzu: Michelangelo ist f�r auftretende Sch�den rechtlich nicht haftbar zu machen!� Mit diesem Zusatz schob der Papst jeder M�glichkeit, dem K�nstler durch Anschl�ge zu schaden, einen Riegel vor.</p><p>�Und du, Arnoldo di Maffeo, bist entlassen. Nimm deine Leute und geh!�, sagte Michelangelo ruhig. F�r ihn war der Ausgang dieser Audienz kein Triumph, sondern eine Selbstverst�ndlichkeit.</p><p>Michelangelo hatte alles erreicht, was er wollte, dennoch f�hrte er weiter auf der Baustelle einen Kleinkrieg gegen die offenen und versteckten Anh�nger von Antonio da Sangallo und Arnoldo di Maffeo. Zwar gab es einen Baumeister, dem er vertraute, doch dieser wurde gefangen gesetzt, weil er einen Wirt erschlagen hatte, mit dessen Frau er ein Verh�ltnis unterhielt. W�hrend sich Michelangelo nach einem neuen Vertrauten umsah, wurde er das Gef�hl nicht los, dass jenes verh�ngnisvolle Eifersuchtsdrama von Arnoldo eingef�delt worden war.</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1549</p><p>Und dann kam der Tag, an dem Paul III. starb. Es war der 10. November. Noch als Kardinal hatte Alessandro Farnese mit seiner Geliebten Silvia Ruffini eine Tochter und zwei S�hne gezeugt, die er als Papst legitimieren lie�, damit die Farnese nicht ausstarben. Zun�chst war Michelangelo guter Dinge, weil es so aussah, als w�rde Reginald Pole, den Paul III. auf seinem Totenbett ausdr�cklich empfohlen hatte, seine Nachfolge antreten. Ihm fehlten noch zwei Stimmen. Vor dem entscheidenden Wahlgang aber pr�sentierte Gian Pietro Carafa dem Kardinalskollegium Akten, die angeblich bewiesen, das Reginald Pole in seiner Residenz in Viterbo nicht nur Ketzer besch�tzte, sondern auch selbst einer war, ein verkappter Lutheraner. Man einigte sich schlie�lich auf Giovanni Maria Ciocchi del Monte, einen Verwaltungsfachmann, der als Julius III. den Papstthron bestieg und Wachs in Carafas H�nden war. Nach dessen Tod 1555 � und einem kurzen Zwischenauftritt von Marcellus II. �wurde Gian Pietro Carafa dann selbst zum Stellvertreter Christi gew�hlt. Nun konnte er frei und ohne R�cksichten zu nehmen die Ketzer verfolgen. Er regierte nicht mit dem Kardinalskollegium, sondern mit der Inquisition, die er selbst geschaffen hatte. Aus einer unerkl�rlichen Sentimentalit�t heraus w�hlte er im Gedenken an Alessandro Farnese, den Gef�hrten aus den Tagen der <emphasis>Archiconfraternita</emphasis>, den Papstnamen Paul IV.</p><p>Die Nachricht erreichte Michelangelo auf der Baustelle, wo ihm Ascanio schilderte, was sich ereignet hatte. Nach dem Tod der Vittoria Colonna war Ascanio in Michelangelos Dienste getreten. Seinen Lohn erhielt er von Freunden Michelangelos, die wussten, wie gef�hrdet das Leben des Architekten war. Atemlos berichtete der alte Fechter ihm, dass Giovanni Kardinal Morone von der R�mischen Inquisition gefangen genommen und in den tiefsten Kerker der Engelsburg mit Namen Morocco geworfen worden war. Michelangelo zitterte am ganzen Leib. Er lie� sich nach Hause geleiten und legte sich, von Fieberanf�llen gesch�ttelt, auf sein Lager. Wenn er nicht vor Ersch�pfung schlief, betete er. Nun war niemand mehr sicher.</p><p>Kurze Zeit sp�ter, als sich Michelangelo gerade wieder erholt hatte, k�rzte ihm Paul IV. in beleidigender Weise die Bez�ge, um ihm zu zeigen, was er von ihm hielt. Mehr geschah jedoch nicht. Bei allem Widerwillen, den Carafa gegen Michelangelo empfand, sagte ihm offensichtlich ein Rest von Vernunft, dass jener der Einzige war, der den Petersdom fertigstellen konnte. Und das �rgernis der ewigen Baustelle musste so schnell als m�glich beseitigt werden, denn sie blieb ein Quell von Ungemach.</p><p>Als Michelangelo wieder einen Baumeister gefunden hatte, dem er vertraute, wurden die Arbeiten an der Halbschale der Apsis durch Intrigen derart unsachgem�� ausgef�hrt, dass alles wieder abgebrochen werden musste. F�r den Architekten war das eine Katastrophe � es warf ihn um ein Jahr zur�ck. Und in seinem Alter � er z�hlte inzwischen zweiundachtzig Jahre � wog ein Jahr f�r zehn Jahre. Es wurde ihm alles viel zu viel, doch Michelangelo konnte nicht von dieser Arbeit lassen. Der Bau an Sankt Peter war ihm inzwischen zum Gottesdienst geworden, und die Kuppel des Himmels zu errichten, verstand er als ein Werk der Liebe. Selbst als Paul IV. ihm ausrichten lie�, er ertrage die vielen Nackten, die Genitale der Heiligen in der Sixtina nicht l�nger, nahm der K�nstler die Dem�tigung hin und bat seinen Freund und Gehilfen Daniele da Volterra, die anst��igen Stellen so zu �bermalen, als seien sie mit Stoff bedeckt. Daniele kam Michelangelos Bitte mit blutendem Herzen nach und wurde daf�r schon bald als �H�schenmaler� verschrien. Aber wie hatte Michelangelo zu ihm gesagt? �Daniele, mein Sohn, es ist besser, wir machen es selbst, als wenn jemand daran herumpfuscht, der unsere Kunst hasst.�</p><p>Jeden Morgen, den Gott werden lie�, ob die Sonne schien, ob es regnete, ob es schneite, holte Francesco den alten Esel aus dem Stall. Michelangelo sa� auf und ritt langsam los, �ber den Ponte Sisto und die lange Stra�e von Trastevere bis zum Borgo, die Flanke seiner Baustelle im Auge. So langsam, wie der Esel dahertrottete, und so m�de, wie er selbst war, ben�tigte er eine Stunde vom <emphasis>Macello dei Corvi</emphasis> bis zum Petersdom. Aber seine Ausdauer lohnte sich. Er stellte den S�darm fertig, der Nordarm kam voran und die Grundmauern des Westarmes wuchsen. Die Sockelringe f�r den Tambour waren angebracht, und endlich, endlich konnte er mit dem Tambour selbst beginnen, auf den er dann die Kuppel aufmauern und w�lben lassen wollte.</p><p>An manchen Tagen kehrte Michelangelo schon nachmittags nach Hause zur�ck. Dann arbeitete er bis in die sp�ten Nachtstunden an einer neuen Plastik, die ihn selbst als Nikodemus darstellte, der den toten Christus hielt, oder an einer Zeichnung. Oft las er noch in Dantes �G�ttlicher Kom�die� oder in der Bibel und schlief dann einen kurzen, aber bilderreichen Schlaf. H�ufig tr�umte er davon, wie er in jugendlicher Erscheinung die Kuppel w�lbte und endlich das Oculus als oberen Abschluss der sich konkav untenhin verbreitenden Kuppel setzte. Dazu las ihm die junge Contessina Dantes Worte aus dem �Paradies� vor:</p><p>�So mahnt mich mein Ged�chtnis dran, dass ich</p><p>das gleich tat, und blickte in die Augen,</p><p>aus denen Amor mir die Schlinge drehte.</p><p>Als ich mich wandte, traf die meinen schon</p><p>das alles, was in jenem Kreis erscheint,</p><p>wenn immer man�s mit scharfem Blick betrachtet.</p><p>Da sah ich einen Punkt, der Licht verstrahlte;</p><p>wenn er das Auge trifft, muss es sich schlie�en,</p><p>so stark ersch�ttert es des Glanzes Macht.</p><p>Und welcher Stern auch hier am kleinsten scheint,</p><p>es w�re wie ein Mond ihm beigestellt,</p><p>so wie am Himmel Stern steht neben Stern.</p><p>So weit wohl wie der Lichthof, der umg�rtet</p><p>den Stern, der ihn mit Farben �bergie�t</p><p>dann, wenn der Dunst um ihn am dichtesten,</p><p>So weit entfernt umkreist� ein Feuerkranz</p><p>den Punkt so rasch, dass er noch �bertraf</p><p>den schnellsten Kreis, von dem die Welt umschlungen,</p><p>Und diesen Kreis umschloss ein andrer noch,</p><p>diesen ein dritter, vierter und ein f�nfter,</p><p>ein sechster folgt� noch auf den f�nften</p><p>� wie die Reife der W�lbung dachte er, ihr Gerippe �</p><p>Dar�ber folgt� der siebte, schon so breit</p><p>in seiner Weite, dass der Juno Bote,</p><p>selbst wenn er voll, ihn nicht mehr fassen k�nnte.</p><p>Dann noch der achte und der neunte, und ein jeder</p><p>bewegt sich z�gernder, je ob dem Lichtpunkt</p><p>er n�her oder ferner sich befand.</p><p>Und jener strahlte mit der hellsten Flamme,</p><p>der ganz zun�chst dem reinen Lichtpunkt war,</p><p>wohl, dass aus ihm er tiefste Wahrheit sch�pfte.</p><p>Und meine Herrin, die mich sah im Zweifel</p><p>ganz tief versunken, sprach: �Von jenem Punkt</p><p>h�ngt ab der Himmel und die ganze Sch�pfung ���</p><p>Oft erwachte Michelangelo mit den Worten, die Contessina am Ende seines Traumes sprach: �Von jenem Punkt h�ngt ab der Himmel und die ganze Sch�pfung.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1559</p><p>In diesen Tagen begann Papst Paul IV., sein Verm�chtnis f�r den Glaubenskampf zu ordnen. Pers�nlich nahm er sich der Erziehung seines Patenkindes Isabella an, der Tochter von Bartolomeo da Sangallo und Esmeralda di Maffeo, die im Kloster San Silvestro in Capite ihre Ausbildung erhielt. Er unterwies sie pers�nlich im rechten Glauben. In seinen letzten Tagen zog er noch Giulio Antonio Santorio in die Inquisition, einen jungen Priester, der sich in Neapel vor den Lutheranern hatte verstecken m�ssen und diese deshalb hasste. In dem fanatischen jungen Mann erkannte er sich selbst wieder. Sein Ziehkind Isabella machte er beizeiten mit dem jungen Priester bekannt.</p><p>Der Tod des Papstes am 18. August 1559 rettete Giovanni Kardinal Morone das Leben und brachte einen venezianischen Medici an die Macht, der sich Pius IV. nannte und Michelangelo wieder die alte Liebe angedeihen lie�, die der K�nstler von den P�psten gewohnt war. Und der alte K�nstler konzentrierte seine gesamte Energie in einem Ziel, die Kuppel des Himmels zu vollenden. Mochten nach ihm andere das Bauwerk fertigstellen, daran lag ihm in Ansehung seines hohen Alters nicht mehr, einzig die Kuppel wollte er als letztes Werk der Nachwelt hinterlassen. F�r Contessina, f�r Vittoria, f�r Gott und f�r sich, f�r seinen Seelenfrieden.</p><empty-line/></section><section><p>58</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1564, im Februar</p><p>Michelangelo war nicht bei Besinnung. Nachdem ihn einer der Schergen des Inquisitors Giulio Antonio Santori im Petersdom niedergestochen hatte, str�mte das Leben aus ihm heraus. Giorgio Vasari und Daniele da Volterra wuschen die Stichwunde und schickten den alten Francesco zu dem Arzt Isaac di Bonet de Lates. Er war zwar ein Jude, doch der Sohn des ber�hmten Bonet de Lates und ein Kenner des menschlichen K�rpers, wie Gott keinen zweiten auf die Erde gesandt hatte.</p><p>Nachdem Isaac Michelangelo untersucht hatte, schickte er Francesco mit einer Liste, auf der Kr�uter, Salben und Tinkturen aufgef�hrt waren, zu seiner Tochter. Dann trat er mit den beiden M�nnern auf den Flur und schloss die T�r hinter sich. Mit der rechten Hand fuhr er sich durch seinen langen grauen Bart. Die Furchen auf seiner Stirn vertieften sich, und in seinen Augen stand Betroffenheit.</p><p>�Gro�e Hoffnung kann ich euch nicht machen. Er hat zu viel Blut verloren. Auch glaube ich, dass die inneren Verletzungen erheblich sind. W�re er ein Jude, w�rde ich jetzt das Kaddisch beten.� Isaac hatte aufgeh�rt, sich durch den Bart zu streichen, und blickte zu Boden. Vasari sah ihm an, dass er mit der Endlichkeit seiner Kunst haderte.</p><p>�Wo seid ihr? Kommt zu mir! Kommt!�, rief Michelangelo mit schwacher Stimme, die sich immer noch um einen energischen Ton bem�hte. Die beiden M�nner eilten ins Zimmer. �Macht nicht so ein Gesicht. Ich wei�, dass es so weit ist. Daniele, mein lieber Freund, hol den Kardinal, und du, Giorgino, setz dich her zu mir.�</p><p>Beide wussten sie, dass mit dem Kardinal Giovanni Morone gemeint war, der Held des Konzils von Trient und ein enger Freund Michelangelos. Sieben Jahre zuvor hatte diese Freundschaft den K�nstler in ernsthafte Gefahr gebracht, als Papst Paul IV. Giovanni Morone in der Engelsburg einkerkern lie� und seinen Tod w�nschte. Nur das Ableben des Papstes hatte Morone damals gerettet. Daniele eilte aus dem Zimmer, w�hrend Vasari sich auf das Bett des G�ttlichen setzte. Michelangelo griff nach seiner Hand.</p><p>�Narren sind schon eine Plage, aber wenn sie an Gott glauben, dann werden sie zur Pest! Jetzt hindern sie mich doch noch daran, den Dom zu Seinem Ruhme zu vollenden. H�re, mein Freund, erst wenn die Kuppel des Himmels gesetzt ist, ist das Wesentliche vollbracht. Schw�re, dass du das Werk vollenden wirst! Schw�re es! Sonst finde ich keine Ruhe!�</p><p>�Aber Ihr habt doch so viel geschaffen! So viel, wie es niemandem vor Euch gegl�ckt ist und wie es niemandem mehr nach Euch verg�nnt sein wird. Warum qu�lt Ihr Euch so?�</p><p>�Weil die Kuppel des Himmels meine S�hne ist. Das, womit ich Gott f�r meine S�nden vor dem J�ngsten Gericht um Verzeihung bitte. Giorgino, meine ganze Seligkeit liegt nun in deiner Hand. Nur du kannst mich vor der ewigen Verdammnis bewahren! Ich hatte es doch Gott geschworen � und nun werde ich meinen Eid nicht mehr erf�llen k�nnen, wenn du es nicht an meiner Stelle tust �� Der Schmerz nahm ihm fast die Stimme und trieb ihm die Tr�nen in die Augen. �Meine S�nden, oh, meine S�nden ��</p><p>�Aber wo habt Ihr ges�ndigt, Maestro?�</p><p>�Was wei�t du schon, Giorgino? Der da oben wei� es, und ich wei� es. Mess�r Dante hat beschrieben, was die armen S�nder zu leiden haben, die der alte Feind in den Kreisen der H�lle schindet.� Michelangelo schloss kurz die Augen. Dann versuchte er, sich noch einmal aufzurichten, doch er war schon zu schwach daf�r. Einen Moment lang k�mpfte er gegen die Schwerkraft des Todes an, bevor er aufgab und sich wieder auf das Bett sinken lie�.</p><p>�Erf�lle meinen Eid, Giorgino. Tu es f�r mein Seelenheil! Ich flehe dich an!� Die nur noch gehauchten Worte riefen Vasari die vor uns�glichem Schrecken weit aufgerissenen Augen der armen Seelen ins Ged�chtnis, die der Weltenrichter zur ewigen Qual in der Unterwelt verurteilt hatte. Er sah Michelangelos Fresko des J�ngsten Gerichts vor sich, das der G�ttliche an die Altarwand der Sixtinischen Kapelle gemalt hatte. Wie die Menschen hofften und einige von ihnen auch k�mpften, doch noch in die Seligkeit vordringen zu k�nnen, aber von D�monen, die an ihren Beinen zogen, ihre Knie umklammerten, in die Waden bissen, daran gehindert wurden. Und damit nicht genug: Die Teufel zogen sie in die Tiefe, von oben traten die Engel nach ihnen und trommelten mit den F�usten auf ihre K�pfe, um ihnen den Weg in den Himmel zu verwehren. Eine wilder, doch vergeblicher Kampf um die Erl�sung. Der g�ttliche Richterspruch lautete: Sie waren verdammt! Christus hatte sie zur ewigen Pein verurteilt.</p><p>Der furchtsame Gesichtsausdruck des sterbenden K�nstlers erinnerte Vasari an den heiligen Bartholom�us, der seine abgezogene Haut in den H�nden hielt. Auf der Gesichtshaut hatte Michelangelo die Z�ge eines leidenden Menschen verewigt, n�mlich seine eigenen. Das war alles, was dereinst von ihm bleiben w�rde: seine Angst. Erst in diesem Moment verstand Vasari das ganze Ausma� der Furcht, die der G�ttliche damals auf die Altarwand gemalt, die ihn gejagt und gehetzt hatte. Er erschrak, denn er musste Santori recht geben: Das war Ketzerei! In der Sixtinischen Kapelle, in der die P�pste gew�hlt und der Heilige Vater Hoch�mter abhielt, hatte Michelangelo ein Fresko geschaffen, das von der Verdammnis der Menschen, von ihren �ngsten und ihren Leiden und von der Grausamkeit der Engel und der K�lte der Heiligen sprach. N�chstenliebe suchte man in ihren selbstgerechten Mienen vergebens. Sie verwiesen wie Kr�mer auf ihre Verdienste und k�mmerten sich nicht um die Menschen. Es ging ihnen einzig um den Nachweis der eigenen Heiligkeit. Selbst vor dem Weltenrichter war sich jeder selbst der N�chste. In seinen Gedanken versuchte Vasari, die ganze Botschaft des Bildes zu erfassen. Aus seiner Erinnerung tauchte das Bild jenes jungen Mannes auf dem Fresko auf, dem die Posaunen des J�ngsten Gerichtes fast ins Ohr bliesen und den gleich zwei Teufel, seine Knie und F��e umfassend, in die Tiefe rissen, w�hrend ein gr�ner, gelbgesichtiger D�mon in seinen Oberschenkel biss. Der arme Kerl hatte vor Grauen die Schultern zusammengezogen, seine rechte Hand griff zur linken Schulter. Den linken Unterarm hatte er angewinkelt und hielt die Hand vor das linke Auge, um es vor dem zu sch�tzen, was er zu sehen bekommen w�rde. Sein rechtes Auge starrte schreckgeweitet auf das Unfassbare, unf�hig, sich davon zu l�sen.</p><p>Dieser junge Mann sah voraus, was ihn erwartete, er war ganz von der Angst erfasst, wie Michelangelo selbst, da es ans Sterben ging. Vasari wusste, wer dieser Junge war. Francesco hatte ihm erz�hlt, was sich einst in den Steinbr�chen von Carrara abgespielt hatte. Genauso hatte der Junge, in Reue erstarrt, auf einem Felsvorsprung gestanden, bevor ihn ein anderer Bursche, im gleichen Alter und vormals sein bester Freund, aus Rache f�r seine gesch�ndete Schwester get�tet hatte.</p><p>Konnten die Menschen denn nicht leben, ohne schuldig zu werden?, dachte Vasari. Ein ewiger Kreislauf von Verbrechen und Strafen, von der ersten S�nde, der Erbs�nde, in Gang gesetzt. Und nur Gnade, sagten die Ketzer und sagte auch Michelangelo, konnte den Menschen aus dem ewigen Reigen des Verbrechens erl�sen. Keine Verdienste, keine Werke, nur Gnade allein. Wie konnte Vasari anders, als seinem Meister zu antworten: �Ich werde tun, was in meiner Macht steht�?</p><p>�Mehr, tu mehr! Wenn du mich je geliebt hast, Giorgino ��, flehte Michelangelo und hielt Vasaris Hand umklammert. Mitten im Satz verstummte er, sein Griff lockerte sich, und seine Augen richteten sich auf einen Punkt hinter Vasari. Dieser wandte sich um und entdeckte auf dem Fenstersims einen kleinen Vogel. Unaufhaltsam atmete Michelangelo das Leben aus. Als sich seine Lippen bewegten, beugte sich Vasari zu ihm und hielt sein Ohr ganz nah an den Mund des Meisters.</p><p>�Gib mir ein Blatt Papier, Giorgino, rasch, und einen Stift�, fl�sterte Michelangelo. �Ich will die Unschuld malen. Bei keinem Menschen, nicht einmal bei der Jungfrau Maria oder bei unserem Herrn �� Er st�hnte auf. Dann fuhr er leise und stockend fort: �Nicht einmal bei Gott ist es mir gelungen, den Ausdruck der Unschuld zu treffen, obwohl ich es so oft versucht habe. In Colonnata h�tte es gelingen k�nnen � die Tochter von Fritz il Rosso � sie wollte nicht. Aber sie war die Unschuld, eine befleckte vielleicht, aber rein � Beeil dich, ich kann es � das erste Mal in meinem Leben �� Der Vogel am Fenster flatterte pl�tzlich auf. �Stell die Kirche fertig � mit der Kuppel des Himmels, dann wird meine Seele Ruhe finden �� Michelangelo zog seine Hand aus der Vasaris. Dann ballte er seine H�nde zu F�usten, und seine Miene zeigte noch einmal eine schmerzliche Anspannung. Tr�nen rannen �ber sein faltiges Gesicht, das in der Furcht geradezu kindlich wirkte. Er sah aus wie ein Knabe, der Angst hat vor der finsteren H�lle oder dem dunklen Keller oder einem gro�en Hund. �Verzeih mir! <emphasis>Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa</emphasis>, verzeih deinem armseligen Knecht!�, rief er mit letzter Kraft. Dann war er tot, der Meister war tot. Man schrieb den 18. Februar 1564.</p><p>Vasari wusste nicht, wie lange er wie bet�ubt am Bett des G�ttlichen verharrt hatte. F�r ihn hatte Michelangelos gro�e Seele sich Gott empfohlen und auf Erden nur Finsternis hinterlassen. Ob ihn Dante am Himmelstor empfangen und freundlich zu ihm sagen w�rde: �Komm Michelangelo, komm, mein Lieber, der Herr erwartet dich. Es ist Zeit heimzukommen!� Zu gern wollte Vasari das glauben. Wenn Michelangelo keine Gnade f�nde, dann niemand, dann waren alle verdammt.</p><p>Hinter sich h�rte er das Klirren von zerbrechendem Glas. Als er sich umwandte, sah er Francesco, der reglos auf seinen Herrn starrte. Sein ganzes Leben hatte er mit ihm verbracht, seit er ihn �ber f�nfzig Jahre zuvor als J�ngling um Aufnahme gebeten hatte. Der Korb mit den Arzneien war dem Diener zu Boden geglitten, und die Phiolen und Gl�ser lagen teils zerbrochen, teils noch heil zu seinen F��en. St�rkende Fl�ssigkeiten, die dem G�ttlichen die Lebenskraft hatten zur�ckgeben sollen, sickerten in den schmutzigen Fu�boden.</p><p>�Zu sp�t, Francesco�, sagte Vasari. �Aber tr�ste dich, es war schon zu sp�t, als du losgegangen bist.�</p><p>Vasari und Francesco knieten am Sterbebett des K�nstlers, als Daniele da Volterra mit Giovanni Kardinal Morone zur�ckkehrte.</p><p>�Lasst mich mit ihm allein. Ich will ihm den letzten Segen erteilen, obwohl er ihn nicht n�tig hat, denn er ist in der Gnade�, sagte der Kardinal. Die M�nner verlie�en das Zimmer, w�hrend der Kirchenf�rst zu beten begann.</p><p>Giorgio Vasari, Daniele und Francesco begaben sich in die K�che. Dort knieten sie nieder und beteten lange f�r ihren Herrn und Meister. Bis zur Ersch�pfung beteten sie und sangen Psalmen. Nach einer Weile fand sich der Kardinal ein und kurz darauf der Arzt. Gemeinsam leerten sie einen Becher Wein und schwiegen.</p><p>�Er ist zu Hause gestorben. Und alt genug war er�, brachte Daniele schlie�lich hervor.</p><p>�Willst du die M�rder davonkommen lassen?�, fragte Vasari entsetzt.</p><p>�Wenn jemand erf�hrt, dass die Inquisition ihn ermordet hat, sind wir des Todes. Sie w�rden uns den Mord in die Schuhe schieben.�</p><p>�Aber wir beide, Daniele, haben Santori und seine <emphasis>bravi</emphasis> gesehen!�</p><p>�W�rdest du auch unter der Folter darauf bestehen?�</p><p>�Mess�r Giorgio hat recht�, warf Morone ein, der am eigenen Leib leidvolle Erfahrung mit dem Wirken der Inquisition gemacht hatte. �Gegen Santori kommt ihr nicht an. Wartet noch einen Tag, dann schickt nach Isaac.� Er sah den Arzt an. �Ihr werdet den Tod feststellen und best�tigen, dass Michelangelo Buonarroti an Altersschw�che gestorben ist. Daniele holt die anderen Freunde in Rom herbei, ich komme, um die Letzte �lung vorzunehmen, und ihr verbreitet das Ger�cht, dass Michelangelo krank daniederliegt und niemanden zu sehen w�nscht. Ihr aber, Giorgio, begebt Euch zu Eurer eigenen Sicherheit zur�ck nach Florenz, und erwartet dort die Nachricht vom Tod des Meisters. Und vergesst nicht, Ihr m�sst sein Verm�chtnis erf�llen!�</p><p>Auf dem R�ckweg nach Florenz kam ihm auf der Landstra�e kurz hinter Aquapendente Ascanio entgegen. Schon von Weitem erkannte Vasari den Ungl�cksboten, der ihn zu Michelangelo gerufen hatte. Offenbar hatte er es in seinem Haus in Florenz nicht l�nger als eine Nacht ausgehalten, es schien ihn unweigerlich zur�ck nach Rom gezogen zu haben. Kurz darauf standen sie voreinander und schauten sich stumm an.</p><p>Ein Blick in Vasaris Augen verriet dem alten Fechtmeister, dass sein Herr tot war. Aber er hatte schon zu viele Menschen sterben sehen, als dass er eine Regung zu zeigen vermocht h�tte. Er zuckte mit den Achseln, nicht aber aus Gleichg�ltigkeit, sondern aus Einsicht in den unver�nderlichen Lauf der Welt.</p><p>�Auch f�r mich ist es l�ngst Zeit�, sagte der ergraute K�mpe ohne Selbstmitleid, k�hl und sachlich.</p><p>�Was willst du jetzt tun?�, fragte ihn Giorgio Vasari.</p><p>�Ich bin des Lebens �berdr�ssig. Ins Kloster w�rde ich ja gehen, aber da wird mich kaum eine Degenspitze ins Jenseits bef�rdern, und ein anderer Tod w�re irgendwie f�r mich nicht richtig. Versteht Ihr, was ich meine, Mess�r Giorgio? Fast alle meine Freunde sind durch Rapier oder Kugel, durch das verfluchte Eisen gestorben � kaum einer im Bett!�</p><p>Vasari verstand nur zu gut, was der alt gewordene Fechtmeister empfand. R�stig war er noch, in der Tat. �Tritt in meine Dienste�, sagte er. �Wenn ich nicht male oder baue, schreibe ich B�cher �ber die gro�en Maler und Bildhauer. Ihre Kunstwerke, ob in Neapel oder in Mailand, muss ich mir dazu anschauen. Deshalb bin ich oft unterwegs. Ich brauche einen wehrhaften Begleiter f�r meine vielen Reisen. Hast du Lust? Hast du Wagemut?�</p><p>Ascanio konnte sich nicht zur Ruhe setzen. Er wollte nicht, dass ihn der Tod, wenn es einmal an der Zeit war, in einem Bett antraf, wehrlos und winselnd. Im Gegenteil, nicht der Tod sollte <emphasis>ihn</emphasis>, sondern <emphasis>er</emphasis> wollte den Tod finden, ihm tollk�hn und unbeeindruckt ins kalte Auge starren. Nur der war frei, der auch �ber seinen Tod zu entscheiden vermochte. Das hatte er gelernt bei dem vielen Sterben, das er im Laufe seines Lebens hatte mit ansehen m�ssen.</p><p>�Verf�gt �ber mich, Mess�r.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1574</p><p>Zwei Baumeister hatten sich mit m��igem Erfolg bem�ht, den Petersdom zu vollenden. Die Idee des Oculus, mit dem die Kuppel abschlie�en sollte, hatten sie nicht verstanden. Doch nun hatte Gregor XIII. den Architekten Giorgio Vasari 1573 zum Baumeister ernannt. Endlich konnte er darangehen, Michelangelos Verm�chtnis zu erf�llen.</p><p>Der Abend brachte �berraschend den Geruch des Schnees nach Rom. Wie nasse, k�hle Watte f�hlte sich die Luft an. Um seine Nervosit�t zu beschwichtigen, hatte er einen ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt unternommen. Bei dem Gedanken, dass er sich in seinem Alter wie ein J�ngling auff�hrte, der zum ersten Mal Erfahrungen mit der Liebe machte, huschte ein L�cheln �ber seine von einem dichten schwarzen Bart umstellten Lippen.</p><p>Fackeln und �ll�mpchen warfen verstohlen ihr Licht durch Fenster und T�rritzen auf die Pl�tze und Gassen, die entv�lkert vor sich hin d�sten. Daf�r platzten die Tavernen, Kaschemmen und Bordelle aus allen N�hten. In einer dieser Schankstuben w�rden sich auch seine Gesellen vergn�gen, dachte Vasari. Am n�chsten Tag w�rden sie sich wieder vor Eifer �berbieten, weil sie Schulden gemacht hatten, und ihn um einen Vorschuss anbetteln. Sollten sie! Er war nicht kleinlich, sch�ttelte aber doch den Kopf. Der Karneval war gerade vor�ber, aber der Hunger des <emphasis>popolo</emphasis> auf Vergn�gungen l�ngst nicht ges�ttigt. Die Ewige Stadt glich wie immer einem Hexenkessel, in dem sich alle in Bewegung befanden, niemand aber vorankam, weil sich Hoffnungen und Handlungen der Menschen von jeher um den Vatikan drehten. Davon konnte er ein Lied singen, das von Dur in Moll und dann wieder zur�ck in Dur wechselte, um vielleicht als Scherzo oder als Requiem zu enden.</p><p>Nun fiel in dicken, schweren Flocken doch noch der Schnee, der in Rom ein eher seltener Gast war. In all den Jahren hatte er als Florentiner erfahren m�ssen, dass die R�mer allen Ernstes glaubten, Gott selbst h�tte ihre Stadt in den Mittelpunkt der Erde und somit des Weltalls gestellt. Und wie die Sonne um die Erde kreiste, so drehten sich die Bewohner Roms um den Papst in Sankt Peter, dessen halb fertiger Neubau sich �ber dem Grab des Apostels Petrus in den Abendhimmel streckte, ohne das Firmament auch nur zu ber�hren. Der Hauptbau mit den Vierungspfeilern, die einst die Kuppel tragen sollten, erinnerte in seiner unfertigen Rundheit leider nicht nur die boshaften Lutheraner an den Turmbau zu Babel. Vor dem Ehrgeiz, die gr��te Kirche der Christenheit zu errichten, duckte sich wie ein gepr�gelter Greis die alte Basilika, die Kaiser Konstantin vor �ber zw�lfhundert Jahren gebaut hatte.</p><p>Giorgio Vasari, der leitende Architekt von Sankt Peter, kehrte erfrischt, aber nicht beruhigt von seinem Spaziergang ins Belvedere zur�ck und klopfte sich den Schnee vom Pelz.</p><p>�Es hat geschneit, Mess�r Giorgio. Seht! Nur f�r Euch. Welch ein Wunder�, sagte Ascanio, als er ihm aus dem Mantel half.</p><p>�Zu viel der Ehre f�r mich. Ich bin nur ein armer Junge aus Arezzo.�</p><p>Der Architekt setzte sich auf einen Holzschemel und lie� sich von seinem Diener die schweren Lammfellstiefel ausziehen. Dann befahl er ihm, in der ganzen Villa Fackeln, Kerzen und �ll�mpchen zu entz�nden. Wie eine Sommersonne sollte sein Quartier in die Dunkelheit des Winters hinausleuchten.</p><p>Er warf einen Blick aus dem Fenster. Im Mondlicht glitzerte der Schnee, als best�nde er aus getriebenem Wei�gold, das der Kunstschmied zu allem �berfluss noch mit unz�hligen kleinen Brillanten bestreut hatte, sch�n und erhaben, aber auch kalt und tot. Doch Vasaris Knochen sehnten sich nach Sonne, nach W�rme, nach Leben und nach der Liebe. Aufgeregt wie ein J�ngling vor dem ersten Stelldichein, legte er seine Malutensilien in Erwartung ihres Besuchs zurecht.</p><p>Die Villa, die ihm Papst Gregor XIII. als Unterkunft zur Verf�gung gestellt hatte, stand dem Borgia-Turm innerhalb der vatikanischen Mauern gegen�ber und schloss den sogenannten Belvederehof ab, in dem zuweilen Vorf�hrungen und Turniere stattfanden. Deshalb nannte man den lang gezogenen Rechteckhof auch <emphasis>teatro</emphasis>.</p><p>W�hrend er in seiner Werkstatt bed�chtig den Bleigriffel und die R�telstifte ausw�hlte, eilten seine Gedanken immer wieder zu ihr. Nur die besten Stifte kamen f�r die Zeichnung infrage, die schlie�lich als Vorlage f�r ihr Portr�t dienen sollte. Als erfahrener K�nstler wusste er, welches Wagnis er damit einging, sie zu malen. Wenn es ihm misslingen sollte, ihre Sch�nheit zu treffen, w�rde er die geliebte Frau mit dem Bildnis beleidigen und sich vor aller Welt f�r immer blamieren. Sein Ruf war inzwischen so gro�, er selbst eine Institution geworden, dass die vielen Neider nur auf eine Chance warteten, um ihn zu schm�hen. Wieder f�hlte er sich wie ein Geselle, der sein Meisterst�ck noch abzuliefern hatte. Sollte diese Unruhe denn nie aufh�ren?</p><p>Mit dem Messer spitzte er die R�telstifte an. Sie rochen ein wenig nach nasser Erde. Er liebte ihren Duft. Wie s�chtig er danach war, in den Geruch der Farben einzutauchen, weil er ihn an eine andere, eine bessere, eine von ihm geschaffene Welt erinnerte. W�hrend er die Spitzen der Stifte pr�fend gegen das Licht hielt, trat sie wie ein Trugbild der Sinne vor seine Augen. Er glaubte pl�tzlich, das Fl�stern ihrer Stimme zu h�ren und ihren bet�renden Duft in der Nase auszumachen.</p><p>Lag es wirklich erst eine Woche zur�ck, dass sie sich zum ersten Mal begegnet waren? Er hatte das Gef�hl, sie schon ewig zu kennen, obwohl sie ihn immer wieder von Neuem �berraschte. Die letzten Tage waren wie im Rausch vergangen und hatten die �ngste verdr�ngt, die ihn jagten. Es war wie ein Wunder. Er glaubte tats�chlich, dass ein neues Leben begann. Ohne sich zu verabreden, sahen sie sich t�glich, als f�hrte eine geheimnisvolle Kraft immer wieder ihre Wege zueinander. Als ob Amor die Enden eines Hufeisens zueinanderbog. Stand der Sohn der Venus im Dienst des Schicksals oder der Fortuna, die ihr Rad best�ndig drehte, sodass nichts Bestand haben konnte? Aber weil Fortunas Rad niemals stillstand, musste man doch greifen, was zu greifen, erhaschen, was zu erhaschen war, denn im n�chsten Moment hatte es sich unerbittlich weitergedreht, und was es gew�hrte, nahm es gleich wieder, um es einem anderen zu schenken.</p><p>Und dabei h�tte Vasari um ein Haar die Gunst der Gl�cksg�ttin ausgeschlagen! Wenn er daran zur�ckdachte, konnte er nur noch den Kopf sch�tteln. Er hatte keine Lust versp�rt, der Einladung des Kardinals Morone zu folgen und dessen Abendgesellschaft zu besuchen, sich aber schlie�lich doch dazu durchgerungen, weil der Kirchenf�rst im hohen Ansehen der K�nstler und Intellektuellen der Ewigen Stadt stand. Es war ganz einfach. Wer zu dieser Abendgesellschaft eingeladen war, geh�rte zur guten Gesellschaft Roms. W�re er nicht erschienen, h�tte er wie die Missg�nstigen gemutma�t, er sei in Ungnade gefallen. Aus seinem freiwilligen Fernbleiben h�tten sie ein erzwungenes gemacht und gen�sslich verbreitet, dass sein Stern im Sinken begriffen sei. Oh, in dieser Stadt fr�nten die Menschen dem Schlechtreden wie einer Leidenschaft. Und an keinem anderen Ort der Welt wurde so rasch aus Reden Wirklichkeit. Schlechte Fama konnte er sich nicht leisten. Sein Gesch�ft beruhte auf seinem untadeligen Ruf. Am eifrigsten h�tten �brigens die getuschelt, die sich eine Einladung erschlichen hatten. Also hatte sich Vasari wohl oder �bel dazu gezwungen, die Einladung anzunehmen. Au�erdem ging es nicht an, einem Mann wie Giovanni Morone mit Missachtung zu begegnen.</p><p>Wie immer hatte der Kirchenf�rst die beiden mittleren S�le im <emphasis>piano nobile</emphasis> seines Palazzos ebenso zur�ckhaltend wie festlich schm�cken lassen. Im ersten Saal war das Buffet angerichtet. Dort standen St�hle und Sessel nebst kleinen Tischchen. Hierhin konnte man sich zu einem vertrauten Gespr�ch zur�ckziehen und nebenbei an einer Fasanenkeule knabbern oder ein paar Sardinen naschen. Der zweite Saal war den Darbietungen von S�ngern, T�nzern, Schauspielern und Musikern vorbehalten, aber wenn es einen der illustren G�ste danach gel�stete, ein Gedicht vorzutragen oder eine kleine Predigt zu halten, so durfte er sich gern hier in Szene setzen. Das feingeistige Publikum dankte es ihm mit Aufmerksamkeit und apartem Applaus.</p><p>Den Mittelpunkt der Gesellschaft bildete unangefochten der Held des Tridentinischen Konzils selbst, der Hausherr Giovanni Morone. W�hrend ein junger Dichter seine Madrigale zur Laute sang, sp�rte der Architekt pl�tzlich neben sich die eindrucksvolle Aura einer Frau. Ihr Duft nach Rosen, Zimt und gebrannten Mandeln, eingefasst wie ein Diamant in einen Hauch von Moschus, stieg ihm in die Nase und erregte ihn sofort. Animalische Zartheit, dachte er. Er wagte kaum, sie anzuschauen. Mit einer ironisch hochgezogenen Braue erwiderte sie seinen Blick.</p><p>�Geschickt, aber schlecht�, sagte sie, wobei sie mit dem Kopf in Richtung des S�ngers nickte.</p><p>�Er beherrscht die Form vortrefflich�, nahm Vasari den jungen Mann in Schutz.</p><p>�Was n�tzt das, wo er uns doch nichts zu sagen hat. W�rde er die Worte weglassen, k�nnten wir uns wenigstens an der Melodie erfreuen. So �rgern wir uns �ber den Strau� welker Banalit�ten!�</p><p>Er wandte sich der Unbekannten ganz zu. Das Leuchten ihrer dunkelbraunen Augen deutete Abgr�nde an, in denen sich ein Mann verlieren konnte. Die hohen Wangenknochen, die feine Nase und der zierliche Mund unter geschwungenen Brauen verliehen ihr ein edles Aussehen. Die hohe Stirn f�gte dem aristokratischen Antlitz noch eine beunruhigend kluge Note hinzu. Das rehbraune Haar hatte sie scharf gescheitelt und vermutlich im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden. Doch wurde ihre Frisur von einem Seidentuch in der Farbe schimmernder Perlen verborgen, das nach hinten gefaltet war und auf die Schultern und in den Nacken fiel.</p><p>�Ich glaube, wir sind einander noch nicht vorgestellt worden�, sagte Vasari und fuhr nach einem R�uspern fort. �Cavaliere Giorgio Vasari.�</p><p>�Cavaliere? Es gibt so viele davon. Darf ich Euch Mess�r Giorgio nennen?� Ihr L�cheln wog die kleine Ohrfeige, die sie seiner Eitelkeit versetzt hatte, bei Weitem auf.</p><p>�Ihr d�rft, Madonna ��</p><p>Ein leichtes Rot belebte ihren vornehmen Teint. �Oh, ich bin keine Madonna. Marchesa Isabella di Vignola. Aber nennt mich ruhig Isabella, es gibt auch so viele Marchesas, Mess�r Giorgio.�</p><p>�Es ist mir eine Ehre, Isabella�, sagte Vasari mit einer Verbeugung.</p><p>�Lasst es Euch lieber eine Freude sein. Die Freude ist menschlicher als die Ehre.�</p><p>Er hatte sich Hals �ber Kopf in sie verliebt, obwohl er l�ngst kein hei�bl�tiger J�ngling mehr war, und sie schien sein Gef�hl zu erwidern. Vasari konnte sein Gl�ck kaum fassen, denn in seinem Alter fand man zwar Huren die Menge, der Verm�gende auch Kurtisanen, die einem alles vorlogen, was man h�ren wollte, alles machten, was man sich w�nschte, und st�hnten, hoch oder tief, schnell oder langsam, mit kleinen spitzen Schreien gew�rzt oder von schwerem Schnaufen grundiert, wie man es bevorzugte. Aber man traf keine junge Frau mehr, die einen wirklich um seiner selbst willen liebte, weil der eigene Atem inzwischen schon so nach Tod und Verwesung stank, dass einem selbst schlecht davon wurde. Doch ihm, Giorgio Vasari, war sie begegnet, eine wirkliche Dame, die zwar drei�ig Jahre j�nger war als er, aber weder sein Geld noch seine Protektion ben�tigte, sondern nur ihn begehrte, ihn, den kleinw�chsigen Maler.</p><p>Am Abend zuvor beim Spaziergang hatte sie ihn unvermittelt gefragt, ob er sie portr�tieren wolle. Seine Freude und sein Erschrecken dar�ber hielten sich die Waage. Gro�e Fresken, Massenbilder f�r Pal�ste und Alt�re hatte er angefertigt, Geb�ude errichtet, Staatsfeste und Volksumz�ge ausgestattet, aber Portr�ts geh�rten nicht zu seinen Spezialit�ten.</p><p>Wie bei jedem neuen Gem�lde wollte er zun�chst eine Skizze anfertigen, bevor er ihr Bildnis auf einer Buchenholztafel in �l bannen w�rde. F�r den Entwurf hatte er lange zwischen Papier und Karton geschwankt, schlie�lich sich doch f�r Letzteres entschieden. Es geh�rte eigentlich zu den Aufgaben der Gesellen, den Karton herzustellen und zu grundieren, aber diesmal hatte er es sich selbst vorbehalten, den Karton zu leimen und das Knochenmehl darauf zu verstreuen, mit Speichel haftbar zu machen und mit einer Hasenpfote zu verputzen, bis die Oberfl�che glatt genug war, um m�helos die Striche aufzunehmen und zu konservieren. Wenn er mit den Fingerspitzen �ber den grundierten Karton fuhr, auf dem die gelben, wei�en und roten Lichter der Kerzen auf dem schneewei�en Untergrund tanzten, glaubte er, ihre glatte Haut zu ber�hren.</p><p>�berall in seinem Haus hatte er Kandelaber aufstellen lassen, aus Silber, aus Gold, neue und alte, so viel er finden konnte. Dann hatte er Ascanio losgeschickt, um f�r ein kleines Verm�gen Kerzen zu erwerben. Taghell sollte es sein, wenn Mess�r Giorgio die Dame seines Herzens malen w�rde. Das Portr�tieren w�rde ein intimes Stelldichein von Amor und Psyche stiften, jubelte es in ihm. Dass sich der alternde Mann mit dem jungen Liebesgott verglich, entbehrte nicht einer gewissen Komik, der sich Vasari durchaus bewusst war. Seine F�higkeit zur Selbstironie verfeinerte sein �ppiges Selbstbewusstsein. Aber wenn die Liebe die Schwerkraft bezwingen konnte, sagte er sich, dann auch das Alter. <emphasis>Amor vincit</emphasis> � alles besiegt der Gott der Liebe. Au�erdem alterten die G�tter nicht, warum also er?</p><p>Die Zeichnung � <emphasis>disegno �</emphasis>, die dem Gem�lde immer vorausging, betrachtete er als die eigentliche Arbeit des K�nstlers, die Farbe � <emphasis>colore �</emphasis> hingegen nur noch als deren Umsetzung durch den geschickten Handwerker. Beim Skizzieren schuf der Geist sein Gebilde. So schrien es seine Schriften seit Jahren in alle Welt hinaus. Mit bei�endem Spott hatte er die Venezianer, allen voran die Meister der Portr�tkunst, Sebastiano und Giorgione, �berzogen, weil sie wie Kinder mit Farben herumprobierten, anstatt die Bildidee vorab g�ltig in einer Zeichnung zu erschaffen. Und nun?</p><p>Nun blieb auch ihm nichts weiter �brig, als ebenso zu st�mpern wie sie. Keine Idee hielt seiner Kritik stand. Das hatte er in den f�nfzig Jahren, in denen er nun schon malte, noch nicht erlebt. Wenn er an Isabella dachte, verlor er alle Sicherheit. Nicht ein Einfall schien ihm gut genug f�r ihr Bildnis. Sollte er sie in einem geschlossenen Raum portr�tieren oder an einem ge�ffneten Fenster? Vor einer imagin�ren Berglandschaft oder in einem <emphasis>giardino segreto</emphasis>, einem geheimen Garten? Oder vielleicht mit einem Tier, wie einem kleinen Hund in der Hand? Er verwarf den Gedanken wieder, nichts sollte von ihr ablenken. Wie stellte man reine Sch�nheit dar? Nicht durch Ebenma�, so viel stand fest. Es konnte nur gelingen, wenn er das Verborgene des Menschen erfasste, das sich immer von Neuem entzog, weil das Leben nur durch die nimmer ruhende Bewegung existierte.</p><p>Wie zum Teufel sollte er ihren Charme einfangen? Sie war ihm vertraut und gleichzeitig fremd. Wie konnte er �berhaupt wagen, auch nur daran zu denken, sie zu malen, wenn er nicht einmal wusste, wer sie wirklich war? Er liebte sie, aber er liebte ein Geheimnis. Wie malte man ein Geheimnis? Er hatte Menschen in der Anbetung des Mysteriums portr�tiert, aber niemals das Verborgene selbst. Der feinste Pinselstrich d�nkte ihn noch zu grob daf�r.</p><p>Vasari stellte gerade die Sepiatinte, die er eigentlich nicht benutzen wollte, neben den Karton, der auf dem Tisch lag, als Ascanio Isabella di Vignola anmeldete. Kurz darauf betrat sie ernst und feierlich das Arbeitszimmer, so als habe sie sich zu einem gro�en Schritt entschlossen, zu einem Opfer. Wie stets hob sie zur Begr��ung die linke Augenbraue. Dann sah sie ihm fest in die Augen, als wollte sie ihn stumm darum bitten, ihr Vertrauen nicht zu missbrauchen.</p><p>Sie trug denselben Aufzug wie vor einer Woche beim Bischof von Ostia: einen schweren Mantel mit Hermelinfellbesatz, ein schwarzes Kleid, dessen Dekollet� ein feiner Schleier in der Farbe des zur�ckgeschlagenen Kopftuches verbarg, um deshalb nur st�rker die Blicke auf sich zu ziehen. Die schlanke Taille umspielte eine goldene Kordel.</p><p>�Ich bin begl�ckt, dass Ihr mir unw�rdigem Diener Eure kostbare Zeit opfert�, sagte Vasari und verneigte sich galant. Isabella legte den breitkrempigen Hut, den eine Fasanenfeder zierte, auf einem Holzstuhl ab. Eine Haarstr�hne befreite sich und fiel in die Schl�fe.</p><p>�Sorgt daf�r, dass wir ungest�rt bleiben, Mess�r Giorgio�, bat sie. Vasaris Blick verriet Verwunderung.</p><p>�Ihr wolltet mich doch malen, oder?�</p><p>�Ja, aber ja�, versicherte er rasch. Dann eilte er zur T�r und rief Ascanio herbei. Er sch�rfte ihm ein, dass er unter keinen Umst�nden behelligt zu werden w�nschte. Danach schloss er die T�r, wandte sich ihr zu und blieb wie angewurzelt stehen.</p><empty-line/></section><section><p>59</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Rom, Anno Domini 1574, im Februar</p><p>Ihm bot sich der nackte Anblick ihrer Schultern, des R�ckens, des runden Popos, der langen Beine. Eine kleine Weile verharrte Vasari in Betrachtung ihrer Kniekehlen. Wie gern w�re er niedergesunken, um sie dem�tig zu k�ssen. Zu ihren F��en lag das Kleid samt dem Unterkleid, daneben der Mantel. Wie sie dort inmitten der kostbaren Stoffe stand, erinnerte sie ihn an Botticellis Venus, die nackt und dennoch keusch einer Muschel entsteigt. Isabellas wei�e makellose Haut erregte Vasari. Die Huren, die er kannte, hatten ihre Haut achtlos der Sonne ausgesetzt. Und den M�nnern nat�rlich. Braunes, gegerbtes Leder! Wie primitiv!</p><p>Isabella wirkte von hinten fast knabenhaft, wenn die runden Pobacken und die etwas weichere Taille nicht gewesen w�ren. Ihr edler, makellos wei�er Teint brachte ihn um den Verstand. Ihm schwindelte. Wie lebendiges Porzellan, dachte er atemlos. Er war nicht naiv, er wusste, dass die feinen Damen �ber Rezepte verf�gten, die Haut zu bleichen, aber Isabella schien auf diese plumpen Hilfsmittel verzichten zu k�nnen. Nur langsam gewann er seine Selbstbeherrschung zur�ck.</p><p>�Fangt an, Mess�r Giorgio, ich friere schnell�, befahl sie.</p><p>Vasari hatte oft nach Modellen gezeichnet, auch nach nackten, M�nner, Frauen und Knaben. Selbst Leichen mit abgezogener Haut hatte er skizziert, um die Funktionsweise der Muskeln zu studieren. Ohne das Studium der Anatomie gab es keine Malerei. Leonardo hatte das eingef�hrt, seitdem tat es jeder, der eine hohe Meinung von seinem eigenen Talent hatte.</p><p>Das alles war nichts Besonderes f�r ihn, dennoch zitterten ihm die H�nde. Er schlich um Isabella herum, bem�ht, sie nicht anzustarren. Dann schaute er noch einmal auf den Karton, fuhr mit der Hand dar�ber, als liebkoste er ihre Haut und nahm den Bleigriffel. Jetzt erst erlaubte er seinen Augen, sie von vorn zu betrachten.</p><p>Nie hatte er sch�nere Br�ste gesehen, nur etwas gr��er als seine H�nde, der Schwerkraft Paroli bietend, unber�hrt und nicht abgegriffen wie die der Huren. Das Delta der Venus trieb ihm den Schwei� aus allen Poren.</p><p>�Wie sch�n Ihr seid!�, stie� er hervor.</p><p>�Ich habe ein Bild bestellt, Mess�r Giorgio, kein Madrigal!�, entgegnete sie so k�hl, dass er sich auf einmal nackt vor ihr f�hlte. �Malt mich, wie ich bin, malt mich als Triumph �ber die Zeit, die alles welken l�sst.�</p><p>Das also war es, was sie von ihm wollte, Ewigkeit erlangen. Und das konnten au�er Gott nur die K�nstler und Dichter vollbringen. Deshalb bezahlten die Herren der Welt sie und buhlten um die Gunst der Besten unter ihnen, weil nur die Poeten und Maler Ewigkeit zu schenken vermochten, weil sie den Ruhm den nachfolgenden Geschlechtern �bermittelten. Der beste Mann blieb tot, wenn nicht ein Gem�lde oder ein Gedicht, eine Chronik oder Allegorie von seinen Taten k�ndete.</p><p>Nur zu gern kam Vasari Isabellas Wunsch nach. Ihre Sch�nheit sollte bis ans Ende aller Tage die Menschen zum Staunen bringen. Die Vermessenheit der Aufgabe spornte ihn an. Sch�ner als Leonardos Gioconda und sinnlicher als Raffaels Fonarina sollte sie werden, dabei aber noch unschuldiger als Botticellis Venus.</p><p>War es der Spott oder die Auszeichnung des Schicksals, dass sein gr��tes Werk nicht die Fresken in der Sala Regia oder im Saal der F�nfhundert im Palazzo della Signoria in Florenz sein w�rden, sondern ein vielleicht zwei mal drei Ellen gro�es Portr�tbild der freilich sch�nsten Frau, die er je auf Bildern und im Leben gesehen hatte? Vasari stand an der Schwelle zur Ewigkeit.</p><p>Seine Augen ber�hrten ihren K�rper, tasteten jede Rundung und jedes Hautf�ltchen ab. Mit jedem Blick, mit jeder Linie, die er ihrem K�rper abnahm, ergriff er Besitz von ihr. So hatte er noch keine Frau geliebt wie jetzt Isabella, indem er sie zeichnete. Er versank in einen Rausch, schneller und immer schneller trieb er den Bleigriffel, dessen Kratzen ihm wie lustvolles St�hnen in den Ohren klang, �ber den jungfr�ulich wei�en Karton. Der l�ngliche Kopf, die Schulter, die wohlgeformten Br�ste, die fast jungenhafte Figur lebte auf, K�rperpartie f�r K�rperpartie, als dr�ngte sie durch die wei�e Haut des Kartons in die Wirklichkeit. Zum ersten Mal in seinem Leben ahnte Vasari, dass der Maler nicht der Sch�pfer des Kunstwerkes ist, sondern nur das Medium zu seiner Erschaffung. Ja, Isabella hatte recht: Im Kampf gegen die Zeit sekundierte er dem Augenblick, den er mit seinen geschickten H�nden zur Ewigkeit formte.</p><p>Gepolter, Gebr�ll, das Bersten eines Riegels, Splittern von Holz, Schreie � eine einzige Welle von L�rm n�herte sich wie eine Flutwelle unaufhaltsam und riss ihn gewaltsam aus dem Rausch des Schaffens. Schon sprang unter ihrer Gewalt die T�r auf, und vier bewaffnete M�nner st�rmten mit gezogenen Degen herein. Rasch streifte Isabella ihre Kleider �ber. Zwei der M�nner packten sie derb. Sie wehrte sich nicht, sondern lie� es mit W�rde und Verachtung f�r die gedungenen Schurken geschehen. Sollte sie sich denn wie eine Stra�endirne balgen? Vasari verstand nicht, was vor sich ging, und f�hlte sich wie gel�hmt. Als die beiden M�nner sie unter anz�glichem Gel�chter aus dem Atelierraum schleppten, begegneten Isabellas Augen noch einmal denen Vasaris. Ihr Blick traf ihn wie ein Pfeil. Es ist vorbei, mein Freund, schienen ihre Augen zu sagen. Alles an ihr war ein Geheimnis, wie sie in sein Leben getreten war und wie sie ihm jetzt geraubt wurde. Vasari wollte ihr folgen, sie befreien, doch daran hinderten ihn zwei Degenspitzen, die auf seine Brust gerichtet waren.</p><p>�Aus dem Weg!�, schrie er die beiden verbliebenen Eindringlinge an, die ihn unbeeindruckt musterten. Drohend schwenkte er den Bleigriffel, den er immer noch in der Hand hielt, und begriff im selben Moment, wie l�cherlich und vergeblich das war.</p><p>�Mach deinen Frieden mit Gott!�, riet ihm der eine fast gelangweilt.</p><p>�Wagt es nicht! Die Rache des Papstes wird euch treffen! �ffentlich wird man euch auf dem Campo dei Fiori bei lebendigem Leib vierteilen!� Vasaris Stimme �berschlug sich.</p><p>�Der Papst?�, grunzte der andere h�hnisch. �Du machst mir Spa�! Der Papst?� Der Meuchelm�rder konnte sich vor Heiterkeit gar nicht mehr fassen, als h�tte Vasari den besten Witz gerissen, den er je geh�rt hatte. Auf einmal f�hlte der Architekt die Angst, die in ihm aufloderte und jeden Gedanken verbrannte. Er faltete die H�nde wie zum Gebet. �Schont mein Leben! Ich gebe euch, was ihr wollt!�</p><p>�Was kannst du uns schon geben?�, winkte der eine ab.</p><p>�Es ist Zeit, f�r neue Menschen Platz zu machen�, sagte der andere.</p><p>Der Maler wollte seine Seele schon dem Allerh�chsten empfehlen, als Ascanio, den man offensichtlich niedergeschlagen hatte, mit blutigem Gesicht und einem Rapier in der Hand ins Zimmer taumelte. �Verrat! Flieht, Mess�r Giorgio! Flieht!� Dann st�rzte sich der alte K�mpfer mit einem verzweifelten Schrei auf einen der beiden M�nner und wurde gleich darauf von dessen Rapier aufgespie�t. Fr�her, als er noch j�nger und ein ausgezeichneter Fechter gewesen war, h�tten ihn die <emphasis>bravi</emphasis> nicht so einfach erstechen k�nnen, er h�tte sie zum Teufel geschickt, dachte Vasari. Doch ihm blieb keine Zeit, um Ascanio zu betrauern. Von Todesangst getrieben, hastete er ins benachbarte Zimmer. Dort riss er eine Tapetent�r auf und lief die Stiege hinunter. Er glaubte, im Nacken den Atem seiner Verfolger zu sp�ren. Er hatte dergleichen Abenteuer noch nie gesch�tzt, und inzwischen war er auch eindeutig zu alt daf�r. Am Fu�e der Treppe gelangte er in ein kleines Vestib�l, das er durch eine Fl�gelt�r wieder verlie�. Er beschloss, �ber den Hof zu den Gem�chern des Papstes zu laufen, aber ausgerechnet von dort kamen ihm zwei Bewaffnete entgegen, die ganz und gar nicht vertrauenerweckend wirkten. Zwei weitere riegelten den Korridor links und rechts des Hofes ab.</p><p>Was hatte das zu bedeuten? Weit und breit konnte er keinen Legion�r der Schweizergarde entdecken, die f�r gew�hnlich hier patrouillierte. Vasari begriff, dass er seinen M�rdern vollkommen ausgeliefert war. Er brauchte erst gar nicht dar�ber nachzudenken, wie er den Vatikanpalast lebend erreichen k�nnte. Die gedungenen Schurken w�rden ihn im Belvedere, in dem auch Turniere und Jagdspiele zur Belustigung des p�pstlichen Hofes stattfanden, einfach niederstechen.</p><p>Die M�rder traten gem�chlich aus der T�r der Villa. Sie hatten es jetzt nicht mehr eilig. Wozu auch? Ihre Kumpane schnitten Vasari vom Hof und von den Korridoren aus den Fluchtweg ab. Sie konnten sich Zeit lassen. Ihr Opfer sa� in der Falle.</p><p>Wie Daunen sanken die Schneeflocken zur Erde und bedeckten den Boden mit einem wei�en Flaum. Die K�lte drang durch Vasaris nur f�r das Atelier bestimmten Umhang aus gelb gef�rbtem Leinen. Doch der Frost biss ihn nicht, er wiegte sich nur wohlig in den Knochen und stimmte Vasari schl�frig. Alles h�tte so friedlich sein k�nnen. Vasari empfand es als zutiefst deprimierend, dass sein Leben auf eine solch kl�gliche Weise enden sollte. Er f�hlte Mitleid mit sich und sp�rte, wie die Kraft, sich gegen das Unvermeidliche aufzulehnen, dahinschwand. Wenn es schon ans Sterben ging, dann wollte er es rasch und ohne Qualen hinter sich bringen. Ein heftiger Schmerz durchfuhr ihn bei dem Gedanken, dass er das wichtigste Bild seines Lebens nicht mehr malen konnte. Wie ungerecht die Welt doch war!</p><p>Ein letztes Mal wollte er den Schnee in den H�nden halten. Er b�ckte sich. Guter, trockener Pulverschnee, nicht dieses nasse, harsche Zeug, das f�r gew�hnlich diesseits der Alpen lag, wenn es �berhaupt einmal schneite. Beide H�nde grub er z�rtlich in die Wehe und erwartete den t�dlichen Sto�, der von oben kommen, den Atlas durchschlagen und ins Herz dringen w�rde. Noch blieb er aus. Vasari erhob sich langsam und nahm Abschied vom Schnee. Er warf ihn in die Luft und beobachtete mit einem resignierten L�cheln, wie sich die Flocken t�nzelnd in die Nacht begaben. W�rde seine Seele auch so leicht sein, schwerelos vielleicht wie die Schneekristalle? Gleich w�rde er es wissen.</p><p>Der hohle Klang von Pferdehufen auf Marmor riss ihn aus seinen Gedanken. Rechts von ihm am Anfang der ausgedehnten p�pstlichen Gartenanlage tauchte im Dunst pl�tzlich ein Schimmel auf, als sei er aus Schnee gemacht, die Beine, der Leib, der Kopf, die aufgestellten Ohren, der Dampf des Atems, nur die dunkle M�hne und den Schwanz steuerte die Nacht bei. Was er sah, kam ihm zun�chst so unwirklich vor wie ein Gaukelspiel seiner ver�ngstigten Sinne. Wie um zu bekr�ftigen, dass es tats�chlich vor ihm stand, wieherte das Tier. Vasari riss sich aus seiner Erstarrung, hastete zu dem Pferd, schwang sich keuchend in den Sattel und galoppierte entlang der Innenmauer davon. Von der Anstrengung lief er rot an und musste husten. Nur m�hsam konnte er sich w�hrend des Anfalls, der ihn durchsch�ttelte, im Sattel halten. Die Meuchelm�rder st�rmten ihm nach, doch er h�ngte sie dank des Pferdes sogleich ab. �Teufel auch!� und <emphasis>�Merda!�,</emphasis> h�rte er sie noch fluchen.</p><p>Links von ihm erstreckten sich die geometrisch im franz�sischen Stil gestalteten Gartenanlagen mit B�umen, Str�uchern und Rasenfl�chen. Dort lag auch der Palazzo Pius� V. mit der Font�ne und den Fischbecken. Schwei� bedeckte seine Stirn, und dank der kalten Luft kam er bald wieder leichter zu Atem. Die Gardisten, die an der entlegenen Porta di Belvedere Wache hielten, erkannten Vasari und �ffneten ihm bereitwillig das Tor. Sie mochten sich wundern �ber seinen f�r einen Ausritt unpassenden Aufzug und dar�ber, dass er den Ausgang in die r�mische Landschaft und nicht den zur Stadt hin gew�hlt hatte. Anderseits durfte er nicht erwarten, dass sie sich �ber das Benehmen der gro�en Herren den Kopf zerbrachen. Einen Moment lang erwog er, sich unter ihren Schutz zu stellen und zum Papst bringen zu lassen. Er verzichtete jedoch darauf, denn er kannte das Ausma� der Intrige gegen ihn nicht und zog es deshalb vor, nichts zu riskieren. Denn �ber die Macht seines unbekannten Feindes, der es vermocht hatte, ihm sogar im Vatikan eine t�dliche Falle zu stellen, gab er sich keinen Illusionen hin. Sein heimlicher Widersacher konnte nur in den h�chsten �mtern der Kurie zu finden sein. F�r einen Augenblick stieg in ihm sogar der Verdacht auf, dass der Papst selbst hinter dem Anschlag stecken k�nnte. Doch dann sch�ttelte er den schrecklichen Gedanken ab � es w�rde sein sicheres Ende bedeuten, wenn der Heilige Vater seinen Tod beschlossen h�tte. Au�erdem gab es keinen Anlass daf�r. Vasari war Gregor XIII. in allem zu Willen und von h�chstem Nutzen. Niemals hatte er �ber ihn gespottet oder ihn betrogen.</p><p>Er wandte sich nach links und hielt sich an die leoninische Mauer. Auf der rechten Seite begrenzte ein Abhang den Weg, von dessen Fu� aus die Weinberge sich in die Campagna erstreckten. Die Dunkelheit erlaubte ihm nur, zwischen Schritt und Trab zu wechseln. Galopp, wie es seiner Stimmung entsprochen h�tte, verbot sich von selbst.</p><p>Entkommen, dachte er dankbar. Doch dann fiel ihm ein, dass er das Buch zur�ckgelassen hatte, das �Buch der Baumeister�. Er fluchte, aber er konnte es nicht wagen, zu seinem Palazzo zur�ckzukehren. An dem Buch klebte Blut. Vasari versp�rte keine Neigung, seines hinzuzuf�gen.</p><p>Je mehr er wieder zu klaren Gedanken kam, desto heftiger qu�lte ihn die Ungewissheit �ber Isabellas Schicksal. Aber solange er selbst in Lebensgefahr schwebte, durfte er nicht einmal daran denken, nach ihr zu suchen. Vasari redete sich ein, dass ihr nicht damit gedient sein konnte, wenn man ihn bei dem Versuch, sie zu befreien, ermordete. Wenn sie �berhaupt noch lebte. Aber diesen Gedanken verwarf er sofort wieder. Und �berhaupt! Wo sollte er denn mit der Suche beginnen? Ihm fehlten s�mtliche Anhaltspunkte. Er begegnete seinen Schuldgef�hlen mit den Argumenten der Vernunft und mit dem Schwur, so schnell wie m�glich ein Heer von Spionen auszuschicken, um sie zu finden. Wie immer in heiklen Situationen seines Lebens zog es Vasari vor, andere f�r sich handeln zu lassen. Und auch nach dem Buch wollte er suchen lassen. Vielleicht war es der Grund f�r den n�chtlichen �berfall, weil etwas darin stand, was er h�tte niemals erfahren sollen. Sein Instinkt sagte ihm, dass er bei der Suche nach dem �Buch der Baumeister� noch viel bed�chtiger vorgehen musste als bei der Suche nach der geliebten Frau.</p><p>Eine knappe halbe Stunde sp�ter umrundete er den Petersdom. Die Vierungspfeiler erhoben sich �ber der gr��ten Baustelle des Abendlandes und erinnerten in ihrer Einsamkeit an vergessene Riesenkinder. Wenigstens war es ihm als Architekten noch gelungen, den Tambour f�r die Kuppel auf die Vierung zu setzen. Ein Silberring aus Schnee verzierte jetzt den n�chternen Rohbau und verlieh ihm etwas Verspieltes. Wie der Zauber des Neuschnees doch die Formen der Welt bes�nftigte, weil er die harten Konturen milderte.</p><p>Der leitende Architekt der <emphasis>Fabbrica di San Pietro</emphasis> wusste nicht, ob er noch einmal nach Rom zur�ckkehren und es ihm verg�nnt sein w�rde, die Vierung zumindest mit Michelangelos Kuppel zu kr�nen. Die sechs gr��ten Architekten der letzten sechzig Jahre waren bereits �ber den Bauarbeiten hinweggestorben, und ein jeder hatte nur noch mehr Chaos hinterlassen. Wie eine heftige �belkeit breitete sich vom Magen her in Vasari das Gef�hl der Vergeblichkeit aus. Auf seiner Zunge schmeckte er kurz darauf das bittere Aroma des Scheiterns.</p><p>Ja, er war entkommen, nicht aber gerettet! Er begann, erb�rmlich zu frieren. Wenn er nicht bald ein warmes Pl�tzchen f�nde, zudem noch Winterkleidung bek�me, dann w�rde der Frost das erledigen, was den gedungenen M�rdern nicht gegl�ckt war. Doch er konnte nicht lange nach einem Ofen suchen � keinen Wimpernschlag hielt es ihn l�nger in der Stadt, in der er niemandem mehr trauen konnte. Kardinal Morone vielleicht, sicher war sich Vasari indessen nicht. Und selbst wenn Morone der war, f�r den er ihn hielt, durfte er ihn keinesfalls kompromittieren. Sein Heil lag in der Flucht. Vasari beschloss, nach Florenz zu reiten und sich unter den Schutz Francescos I., des Gro�herzogs von Toskana, zu stellen. Was er immer bef�rchtet hatte, seit er das Geheimnis kannte, war nun eingetreten. Seine unfreiwillige Mitwisserschaft war einem m�chtigen Mann, der es nicht dulden konnte oder wollte, dass jemand sein Geheimnis teilte, nicht verborgen geblieben.</p><p>Vasari hatte die Uferstra�e, die den Borgo mit Trastevere verband, erreicht, passierte die Kasematten der Engelsburg, �berquerte die Br�cke �ber den Tiber und wandte sich schlie�lich dem Campo Marzio zu. Auf dem Pflaster hallten die Hufe seines Pferdes verloren wider. Zwei zerlumpte Gestalten wollten sich ihm in den Weg stellen, verzichteten jedoch darauf aus Angst, unter die Hufe des kr�ftigen, rasch dahintrabenden Schimmels zu geraten. Wer sein Leben liebte, vermied es, um diese Zeit Roms Stra�en zu benutzen, denn sie geh�rten in der Nacht den Dieben, M�rdern und Perversen. Ihre Opfer fischte man f�r gew�hnlich am n�chsten Tag aus dem Tiber. Ihm blieb nur �brig, um Gottes Beistand zu bitten, sein Pferd anzutreiben und sich warme Gedanken zu machen.</p><p>Giorgio Vasari, Ritter vom Goldenen Sporn, verlie� im Februar 1574 zu sp�ter Stunde Rom durch die Porta del Popolo und wandte sich nach Norden. In Ronciglione klopfte er halb erfroren und mehr tot als lebendig den Wirt eines Gasthauses aus den Federn und lie� sich eine fette H�hnerbr�he und einen Gl�hwein servieren, bevor er versuchte, ein paar Stunden zu schlafen.</p><p>Das Zimmer war klein. Die Fensterl�cher hatte man wegen der K�lte mit Holzbrettern verschlossen, weshalb es in dem Raum nach abgestandenem Schwei� und nach anderem, was man besser nicht genauer wissen wollte, stank. Die Decken, die auf der Schlafstatt lagen, starrten vor Dreck und rochen muffig. Doch Vasari hatte keine Wahl. Unruhig w�lzte er sich in dem schmalen Holzbett hin und her. Kaum eingeschlafen, wachte er mit dem Gef�hl, von Wanzen gestochen zu werden, wieder auf. Schlie�lich weckte er abermals den Wirt, kaufte ihm ein Rapier und einen Fellmantel ab, der seinen modischen Anspr�chen nicht im Mindesten entsprach, lie� sein Pferd vorf�hren und ritt in die D�mmerung des anbrechenden Tages.</p><p>Es h�rte auf zu schneien, und der einsetzende Frost lie� die Schneekristalle verharschen. Wind kam auf. Nicht die Nacht, sondern der fr�he Morgen brachte die k�ltesten Stunden, wenn die letzte W�rme des Vortages aufgebraucht war. W�hrend die Sterne langsam verblassten, erfroren die Menschen.</p><p>Die eisigen Temperaturen hatten Vasari fest im Griff, weil sein �beranstrengter K�rper zu wenig W�rme erzeugen konnte. Es ist schon zu viel Tod in mir, dachte er bitter. Wenn er Florenz lebend erreichen sollte, nahm er sich vor, als Erstes ein warmes Bad mit Lavendel, Kardamom, Melisse und Latschenkiefern�l zu nehmen.</p><empty-line/></section><section><p>60</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Auf der Stra�e zwischen Rom und Florenz</p><empty-line/><p>Anno Domini 1574</p><p>Am Morgen erreichte Vasari die Stadt Viterbo. Er nahm ein �ppiges Fr�hst�ck ein und trank viel hei�en Wein mit Honig und Nelken. Danach lie� er sich in der kleinen Filiale des Bankhauses Bardi Geld aush�ndigen, kaufte anst�ndige, warme Kleidung, tauschte das Pferd und machte sich wieder auf den Weg. Reichlich benebelt, wie er feststellte, aber auch das erste Mal seit seiner Flucht ohne zu frieren. Eine Weile jedenfalls.</p><p>Gegen Mittag traf er in Montefiascone ein, wechselte erneut das Pferd und galoppierte weiter. Fr�her hatte er immer auf dem Weg zwischen Rom und Florenz am Lago di Bolsena Station gemacht und die Aussicht auf das Wasser und die umliegenden Berge genossen, aber dazu fehlte ihm diesmal die Ruhe. Er war vorsichtig, und die Vorsicht verbot, sich in dem naiven Glauben zu wiegen, dass seine Verfolger aufgegeben h�tten � auch wenn ihm niemand aufgefallen war, der ihm an den Fersen hing.</p><p>Seine n�chste Station war San Lorenzo. Von einer inneren Unruhe getrieben, lie� er sich auch hier nur ein neues Reittier geben und setzte die Reise am sp�ten Nachmittag fort. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, noch an diesem Tag Acquapendente und damit die Grenze des Kirchenstaates zu erreichen. Doch bis in die Toskana w�rde er es nicht in einem Ritt schaffen, denn er wollte nicht das Gebirge bei Nacht und Dunkelheit durchqueren. Nicht nur wegen der R�uber, auch wegen der b�sen Geister, die dort hausten. Er hatte in seinem Leben gen�gend Geschichten von bemitleidenswerten Reisenden geh�rt und auch erlebt, die den Untoten und Wiederg�ngern zum Opfer gefallen waren. So war einmal der K�rper eines seiner Gesellen, den er mit Briefen nach Florenz gesandt hatte, tags darauf mit abgerissenem Kopf an einem Berghang gefunden worden. Das Haupt des Bedauernswerten tauchte nie wieder auf. Deshalb mied Vasari nachts das Gebirge. Jeder wusste doch, dass um Mitternacht die H�lle ihre Pforten �ffnete, und ihre Zug�nge befanden sich nun einmal in den Bergen. Im Wald, wie der g�ttliche Dante geschrieben hatte. Er kannte die Verse auswendig:</p><p>�Ich wandelte dahin durch finstre B�ume</p><p>Da ich die rechte Stra�e aufgegeben.</p><p>Wie schwer ist reden �ber diese R�ume</p><p>Und diesen Wald, den wilden herben ��</p><p>Langsam lie� der Schock nach, und Vasari begann, in Ruhe �ber die Ereignisse der letzten Stunden und Tage nachzudenken, um einen Sinn in dem Ausbruch der Gewalt zu entdecken. Au�er durch Bestechung oder auf allerh�chste Anordnung konnten die Meuchelm�rder nicht in den gut bewachten Palazzo eingedrungen sein und vor allem keine freie Hand gehabt haben. Andererseits verwies das gesattelte Pferd darauf, dass man ihm eine Chance zur Flucht einzur�umen gedacht hatte. Aus welchem Grund? Wollte man ihm wirklich ans Leben, oder war der �berfall nur eine deutliche, mit Blut bekr�ftigte Warnung? Steckten wom�glich hinter dem Anschlag und der Rettung dieselben Personen? Oder k�mpften nur Rivalen auf einem Kriegsschauplatz gegeneinander, der dummerweise seine physische Existenz darstellte? Wer war der Auftraggeber f�r dieses dreiste Attentat, das seinem guten, alten Ascanio den Tod gebracht hatte? Die Erinnerung an den alten Fechter stimmte ihn melancholisch. Ascanio hatte allerdings immer gewusst, dass er nicht im Bett, sondern durch einen Degen sterben w�rde, dachte Vasari, bevor sich wieder die Sorge um Isabella in den Vordergrund dr�ngte. Lebte sie noch? Wurde sie gefangen gehalten, oder hatte man sie inzwischen als l�stige Mitwisserin get�tet?</p><p>Pl�tzlich schoss ihm eine Idee durch den Kopf. Die ganze Zeit �ber war er davon ausgegangen, dass er selbst das Ziel des Komplotts gewesen war. Oder das Buch. Aber vielleicht irrte er sich auch. F�r einen Augenblick erwog er, ob hinter dem �berfall ein eifers�chtiger Liebhaber steckte. Wenn dem tats�chlich so war, dann kamen allerdings nur der Kardinal Gro�inquisitor, der Vizekanzler der Kirche, der Datar, der Vikar von Rom, der Generalkapit�n oder der Papst selbst als Galan infrage. Doch f�r eine simple Eifersuchtsgeschichte war der Einsatz letztlich doch zu gro�. Das h�tte man einfacher regeln k�nnen.</p><p>In anderer Hinsicht verhielt sich die Angelegenheit weitaus schlimmer. Als Cavaliere w�re Vasari verpflichtet gewesen, f�r die Dame seines Herzens zu k�mpfen, auch wenn es sein Leben gekostet h�tte. So sah es die Ehre vor. Aber er hatte nur feige die Flucht ergriffen und sie ihrem Schicksal �berlassen, einem Schicksal, dessen Ursache auch noch bei ihm lag. Er z�gelte abrupt das Pferd, sprang ab und �bergab sich. Dann hustete er und fasste sich an die Brust. Ihm wurde schwarz vor Augen, und er setzte sich auf den Boden, um nicht zu st�rzen. Nach einer Weile schwand die �belkeit, und er erhob sich langsam. Noch immer sp�rte er einen leichten Schwindel. Er zwang sich, diesen zu verdr�ngen. Nichts als Hirngespinste! Die Zeit der Ritter und der Ritterlichkeit war l�ngst vergangen. Sie existierte nicht einmal mehr in der Dichtung, wie noch zu seiner Jugend, sagte er sich, um sich zu beruhigen.</p><p>Ja, er bewunderte mutige M�nner wie Giovanni Morone. Allein, diese K�hnheit stand ihm nicht zu Gebote. W�hrend er sich den Mund abwischte, fasste Vasari den Entschluss, den Kardinal um Hilfe zu bitten. Dann sa� er wieder auf, gab dem Pferd die Sporen und redete sich f�r eine Weile ein, dass er selbstverst�ndlich und liebend gern f�r Isabella die Klinge gekreuzt h�tte, wenn er nur im rechten Moment ein Rapier statt eines Bleigriffels zur Hand gehabt h�tte. Es blieb ihm indes nichts weiter �brig, als sich an den Geschmack in seinem Mund zu gew�hnen, weil die S�uernis nicht weichen wollte und er nichts hatte, um sie hinunterzusp�len.</p><p>Der Halbmond hing wie eine besch�digte Laterne �ber dem Weg. Er war langsamer vorangekommen, als er gehofft hatte. Um diese Zeit hatte er schon in Aquapendente sein wollen. So ging er schlie�lich doch noch abends ins Gebirge. Vasari bekreuzigte sich und bat den Herrn inst�ndig um Beistand. Rechts und links s�umten kahle Pappeln den ansteigenden Buckelweg. Ohne Laub wirkten die B�ume wie Ruten, erstarrt, zerbrechlich und vor allem tot, so als w�rden niemals wieder Bl�tter und Fr�chte aus dem tauben Holz sprie�en. Je</p><empty-line/><p>st�rker die frostige Luft ihm durch Mantel, Hose und seinen Malerumhang drang, umso mehr dr�ckte bleiern die M�digkeit auf seine Lider. Was vermochte er dem Schlaf schon entgegenzusetzen? Je weiter er sich von Rom entfernte, desto schmerzhafter wurden die Gewissensbisse. Von Isabellas Gestalt zu tr�umen half ihm zum Gl�ck dabei, die Schuldgef�hle zu verdr�ngen, die er ihretwegen empfand. Wenige Stunden zuvor hatte sie im Atelier vor ihm gestanden. Die Erinnerung an den Anblick ihres nackten Leibes im Kerzenlicht erregte ihn. In der K�lte und der Dunkelheit, die ihn umgab, genoss er die langsame Erektion, weil sie ihm eine Ahnung von W�rme vorgaukelte. Sich jetzt wohlig in einen warmen Leib w�hlen zu k�nnen � Vasari stellte sich die begabte Kurtisane Pippa dabei vor, wie sie � Sein Hengst b�umte sich pl�tzlich auf und wieherte, dass es durch Mark und Bein ging. H�tte sich Vasari nicht, einem Impuls folgend, an den Leib des Schimmels gepresst, w�re er zu Boden gest�rzt. Mit einem Mal war er wieder hellwach.</p><p>Im Silberreif des Mondlichts stand auf dem von B�umen eingefassten Hohlweg wie in einem Tunnel ein Wolf. Starr, fast wie eine Statue. Das Raubtier musterte ihn nur aus seinen unbewegten gelben Augen. Seiner Reglosigkeit haftete etwas Trauriges an. Ein Prachtexemplar, ein fast vier Ellen gro�es, nur aus Muskeln und Knochen bestehendes Wesen. Als Maler hatte Vasari einen Blick f�r die Anatomie der K�rper. Er konnte Kraft sehen. Wollte ihn das Raubtier anfallen? Bed�chtig zog er blank. Er hatte nicht vor, den Grauen zu reizen, aber er bevorzugte es, f�r einen Angriff ger�stet zu sein. Wie ein Blitz durchfuhr ihn der Gedanke, dass im Dickicht links und rechts des Weges die anderen W�lfe des Rudels auf den passenden Moment warteten, um �ber ihn herzufallen. Nichts im Tierreich jagte kl�ger als ein Wolfsrudel. Doch aus dem dunklen Gestr�uch leuchtete nicht das hungrige Gelb ihrer Augen hervor. Scheinbar hatte er einen einsamen J�ger vor sich.</p><p>Vasaris Frau, die nicht einmal ahnte, dass er auf dem Weg zu ihr war, w�rde ihm einen begeisterten Empfang bereiten. Er dachte mit �berdruss an sie und wusste zugleich, wie ungerecht das war. Doch sein Herz hatte er in Rom zur�ckgelassen. In der Tat hatte er erst vor wenigen Tagen erfahren, dass er �berhaupt noch ein Herz besa�, das f�hig war zu lieben. Er hatte die Liebe gefunden und gleich wieder verloren. Wie auch seine Sehnsucht, seine Hoffnung und den Tod. Aber er konnte noch so schnell vor seinen M�rdern fliehen, der Sensenmann w�rde ihn am Ende aller Tage doch erwarten wie der Wolf vor ihm. Vasari widerstrebte es, ihn zu t�ten � in dieser Stunde empfand er wegen der Einsamkeit, die sie verband, fast so etwas wie Liebe zu dem Tier.</p><p>�Wo ist dein Rudel?�, fragte er halblaut. Der Wolf knurrte leise, freundschaftlich. Pl�tzlich vernahm der Architekt Pferdegetrappel, das sich in seinem R�cken n�herte. Der Wolf hob den Kopf. Er konnte es ihm ansehen, dass der erfahrene J�ger die Gefahr witterte. Als er sich umblickte, sah er zwei in Lumpen geh�llte M�nner, die ihre Degen zogen. Vasaris Blick flog zwischen dem Wolf und den beiden Meuchelm�rdern hin und her. Das Pferd begann unruhig zu t�nzeln. Es sp�rte die Unentschlossenheit seines Herrn.</p><p>Ihm schien, dass es nicht dieselben M�nner waren, die ihn in seinem Atelier in der Villa del Belvedere �berfallen hatten. Vasari f�hlte sich gekr�nkt, denn an der Kleidung der Verfolger erkannte er, dass seine Feinde nur zwei ordin�re Strauchdiebe angeheuert hatten, um ihn auf der Flucht abzuschlachten. Diese Schurken w�rden in wenigen Tagen sein Leben durch ihre Kehle laufen lassen. War er so wenig wert?</p><p>Wer war gef�hrlicher, auf wen sollte er sich zuerst st�rzen? Wem er den R�cken bot, der w�rde ihn anfallen. Aber nicht Vasari entschied, sondern der Wolf. Das Raubtier rannte auf ihn zu und setzte zum Sprung an. Der Schreck l�hmte den Architekten, und die gleichg�ltigen Augen des Tieres lie�en ihm das Blut in den Adern gefrieren. In diesem Augenblick begriff er, dass auf der Stra�e nicht irgendein gef�hrliches Tier gelauert hatte, sondern tats�chlich der Tod. Nur der ewige Schnitter konnte so unbeteiligt sein Handwerk aus�ben. Er empfahl seine Seele Gott. �<emphasis>Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa �</emphasis> Herr, erl�se mich von dem �bel, das ich selber bin und verzeih, dass ich dein Haus nicht zu Ende gebaut habe ��</p><p>Als er sich aus seiner Erstarrung l�ste, wurde Vasari bewusst, dass er nicht seinem Tod, sondern dem seiner Verfolger begegnet war. Der Wolf war an ihm vorbeigeflogen und st�rzte sich nun auf die beiden <emphasis>bravi</emphasis>. Zur gleichen Zeit brachen aus dem Dickicht die anderen Tiere des Rudels hervor. Er gab seinem Pferd die Sporen, das sich aufb�umte und im gestreckten Galopp losschoss. Vasari hatte sich geirrt, der Wolf war doch nicht allein gewesen. Wie hatte er nur vermocht, ihm Einsamkeit vorzut�uschen?</p><p>Hinter sich h�rte er die Schmerzensschreie der M�nner, das schaurige Wiehern der Pferde, die von den W�lfen zerfleischt wurden, und das Ger�usch der scharfen Z�hne, die Knochen knackten. Pferde, Menschen, W�lfe, Schweine � im Sterben klangen die Abschiedslaute vom Leben immer gleich, dachte er bitter und auch wieder mit einer befreienden Leichtigkeit.</p><p>Vasari z�gelte den Schimmel und wechselte in den Trab, weil es lebensgef�hrlich gewesen w�re, auf dem dunklen Gebirgsweg zu galoppieren. Weit entfernt h�rte er die W�lfe im Rausch heulen. Er sah die von Blut triefenden Schnauzen der Tiere vor sich. Ihn jedoch hatten sie verschont. Wieder einmal hatte ihn jemand in letzter Sekunde dem Tod von der Schippe gesto�en. Doch wer? Gott? Weit bessere als ihn wie seinen Lehrer Michelangelo hatten Verrat und Hinterlist zur Strecke gebracht!</p><p>Sicher, dachte Vasari, man kannte ihn als Baumeister von Sankt Peter, als Architekten, als Maler und als Schriftsteller. Als Berater des Gro�herzogs von Toskana. Aber war er nicht eigentlich ein Vieh, ein Ehebrecher und Verr�ter? Er war ein verheirateter Mann, der es auf seinen h�ufigen Reisen mit Huren und M�gden getrieben hatte. Nicht mehr, eher weniger als andere auch. Das war normal, ein k�rperliches Bed�rfnis, wie Atmen, Essen, Trinken und auf den Abtritt gehen. Fast ein ganzes Leben hatte er gebraucht, um endlich der Liebe zu begegnen. Ein Gef�hl, das den erfahrenen Mann zum ersten Mal in seinem Leben in einen Knaben verwandelte, denn er hatte nie Kind sein d�rfen. Fr�h verwaist, hatte die Sorge f�r seine Geschwister auf seinen noch schwachen Schultern gelegen. Seit Giorgio Vasari denken konnte, z�hlten f�r ihn nur Klugheit und Ehrgeiz. Die Geschwister durchbringen, selbst durchkommen � nur darum war es gegangen.</p><p>Doch pl�tzlich galt ihm sein enormer Flei� nichts mehr. War es das Alter oder die �ber ihn hereinbrechende Leidenschaft, die seine Tatkraft l�hmte? Dieses alberne Gef�hl, das man Liebe nannte, hatte ihn verunsichert, und gleichzeitig genoss er es in vollen Z�gen. Weder Ironie noch Berechnung hatten davor Bestand. Noch einmal von vorn anfangen k�nnen! In diesem Moment schmerzten Vasari die sinnlos verbrachten Jahre auf der Jagd nach Ruhm und Reichtum. Der Wolf hatte ihn doch verletzt � er hatte ihn mit der Krankheit des Todes infiziert! Wenn man liebt, stirbt man auch ein St�ck weit. Gott hatte ihm in seiner Gnade die Liebe geschickt, sp�t, aber immerhin. Und er, was hatte er mit diesem gro�en Geschenk angefangen? Es gab Momente im Leben, wo �bereiltes, t�richtes Handeln mehr z�hlte als jede �berlegung und jede Ma�gabe des abw�genden Verstandes. Zum ersten Mal, seit er denken konnte, empfand Giorgio Vasari keinen Respekt mehr vor sich selbst. Am liebsten w�re er vom Pferd gesprungen und h�tte sich in seine Degenspitze gest�rzt.</p><p>Am Nachmittag des darauffolgenden Tages erblickte er endlich am Horizont die Silhouette von Florenz, die sich in ein ausladendes Tal schmiegte. Diese Stadt, dachte er, war der einzige Ort auf der Welt, an dem ihm nichts B�ses widerfahren konnte, denn nur zu seinem Schutze ragten die starken Mauern der Republik in den Himmel. Vasari atmete auf. Er liebte dieses einzigartige Panorama, das seine Stimmung ein wenig aufzuhellen vermochte, obwohl er sich wie durchgepr�gelt f�hlte. Er z�gelte sein Pferd und sog das Bild der Stadt f�rmlich in sich ein. Als seine Blicke in dem steinernen Meer badeten, f�hlte er sich erfrischt und endlich zu Hause angekommen.</p><p>Wie von einem Hofstaat aus Palazzi, reichen H�usern und Kirchen umgeben, ragte der majest�tische <emphasis>Duomo</emphasis> mit der Kuppel des Architekten Filippo Brunelleschi aus dem Stadtbild heraus. In der Pose des Herolds postierte sich vor Vasari der mit schwarzem und wei�em Marmor verkleidete Kampanile. Trotz des tr�ben Wetters leuchteten die roten Ziegel der Kuppel von Santa Maria del Fiore, die von wei�en Streben unterteilt wurden. Diese Rippen leiteten den Blick des Betrachters zur Laterne weiter, die wie ein Pfeil auf die goldene Erdkugel verwies, �ber die sich weithin sichtbar das Kreuz erhob. So endete alles in Gott, der �ber die Menschen und die Welt herrschte. Die Kuppel erinnerte Vasari daran, dass er dem Gro�herzog versprochen hatte, Brunelleschis wei� belassenen Innenraum mit Fresken zu schm�cken. Nun sollte er endlich dazu kommen, die Entw�rfe zu vervollst�ndigen, und dann w�rde er z�gig mit den Gesellen und Lehrlingen seiner Werkstatt an die Ausf�hrung gehen.</p><p>Kurz darauf ritt er durch die m�chtige Porta di San Pietro Gatolini, die mit ihren wuchtigen, eisenbewehrten Eichenholzfl�geln an einen aufrecht stehenden B�ren erinnerte. Auf seinen vielen Reisen war Vasari durch kein Stadttor gekommen, das nicht von einem gesch�ftigen Treiben erf�llt war. H�ndler kamen an, entrichteten Zoll, Bauern zogen mit ihren Waren in die Stadt, Reisende aller Art passierten die Pforte. Einige besonders dreiste Huren versuchten gleich am Stadttor, die Kundschaft abzupassen. Tr�ge und verschlafene Stadtsoldaten taten so, als ob sie auf alles, was geschah, ein Auge hatten. Ein grobknochiger Kerl m�hte sich redlich, die H�hner wieder einzufangen, die ein Spa�vogel in dem Moment aus dem K�fig gelassen hatte, als er mit den Wachsoldaten verhandelt hatte. Es gackerte und raschelte, begleitet vom lauten Fluchen des geplagten Landmannes und dem Lachen der schadenfrohen Beobachter, schrill, tief, spitz oder breit, je nachdem, sodass die Kakofonie des Lebens zum Himmel aufstieg. Ein Wunder, dass Gott dar�ber nicht ertaubte, dachte Vasari.</p><p>Dann fiel sein Blick auf ein Haus, das sich in der Form eines Quaders �ber drei Etagen erstreckte und in seiner Wuchtigkeit an einen gut zu verteidigenden Palazzo erinnerte. Aus dem Fenster beobachtete eine Magd das Treiben vor der Pforte. Unter ihr auf der Stra�e stand ein gesatteltes und mit reich verziertem Zaumzeug versehenes Pferd, dessen Z�gel an einen der rostigen Eisenringe am Geb�ude gebunden war. Der Diener f�llte die Satteltasche mit Proviant, w�hrend der Patron in rotem Mantel und mit einem runden schwarzen Hut auf dem Kopf sich liebevoll zu seiner kleinen Tochter hinunterbeugte und ihr zum Abschied einen Kuss gab. Ihre Hand lag auf seiner Schulter, w�hrend die Mutter tr�stend mit den Fingerspitzen den Hinterkopf des M�dchens ber�hrte.</p><p>Die kleine Szene, deren ungebetener und zuf�lliger Zeuge er geworden war, entfachte in Vasari erneut den Schmerz �ber seine Kinderlosigkeit. W�re seine Ehe mit S�hnen und T�chtern gesegnet gewesen, so h�tte sein Leben sicher einen anderen Verlauf genommen, dachte er bitter. Jetzt erst nahm er den gew�lbten Bauch der Frau wahr. Sie war schwanger. Ihm entging nicht die Sorge, die sich in ihrem Gesicht widerspiegelte. Niemand wusste besser als er, den die Auftr�ge und die Recherchen f�r die Biografien der bedeutenden K�nstler seiner Zeit atemlos durchs Land getrieben hatten, dass jede Reise ein Wagnis darstellte. Wer sich in die Welt hinausbegab, vertraute sein Leben unmittelbar Gott an. R�uber, �berm�tige Adelige, Betr�ger und missg�nstige B�rger waren nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel, um ihren Vorteil durchzusetzen. Nach so viel Krieg, Pl�nderung und Verheerung gab es keine moralischen Autorit�ten mehr, nur noch das Recht des St�rkeren und die List des Skrupellosen.</p><p>Vasari wollte nicht weiter dar�ber nachdenken, obwohl ihn der Abschied eines Vaters von seiner Tochter daran erinnert hatte, aber die Welt, in der er lebte, war nicht mehr die seine. Er trieb sein Pferd an. Wie Rosen und Veilchen kam ihm nun der herbe Duft nach Fleisch und Urin vor, der ihm entgegenschlug, als er sich dem Ponte Vecchio n�herte. In den winzigen H�usern auf der Br�cke hatten die Gerber und Metzger ihre Quartiere aufgeschlagen. Die Abf�lle entsorgten sie kurzerhand in den Arno.</p><p>Nach der Br�cke hielt er sich rechts am Ufer, warf im Vorbeireiten einen gr�blerischen und dennoch stolzen Blick auf die von ihm erbauten Uffizien, um dann links abzubiegen und schlie�lich rechts in den Borgo Santa Croce zu gelangen. Zur Stra�e hin geizte sein Haus mit den Ausma�en der Fassadenfront. Nur drei Rundfenster fanden gerade nebeneinander Platz. Daf�r bot das Gem�uer ungeahnt viel Raum in der Tiefe und umschloss einen heiteren Innenhof, den er �ber alles liebte. Er sprang vom Pferd und rief nach Giuseppe. Der Hausdiener erschien wenig sp�ter auf der Stra�e. Er machte gro�e Augen.</p><p>�Mess�r Giorgio! Wir haben Euch gar nicht erwartet!�</p><p>Gleich darauf h�rte Vasari im Vestib�l das Rascheln eines Kleides.</p><p>�Giorgio?� Seine Gemahlin schien es kaum glauben zu k�nnen, so unsicher klang ihr Ruf. Nicht ein einziges Mal in den fast f�nfundzwanzig Jahren ihrer Ehe war es vorgekommen, dass er ohne Vorank�ndigung heimgekehrt war. Sie strahlte wie ein kleines M�dchen, das man aufs Sch�nste �berrascht hatte.</p><p>Niccolosa, die er z�rtlich Cosina nannte, ein Kosename, in dem leider auch die Vorstellung eines Kleinen und Nebens�chlichen mitschwang, war eine kraftvolle, aber anmutige Frau, die ihn ein wenig �berragte. Ihre schwarzen Augen hatten etwas Durchdringendes. Mit den Jahren hatte sich jedoch eine leise Trauer eingeschlichen und war zum st�ndigen Gast ihres Blicks geworden. Vasari wusste nur zu gut, was er ihr zumutete. Nie hielt er es lange zu Hause aus. Immer trieb es ihn zu Projekten, zu den Freunden, zu Kunstwerken, die er mit eigenen Augen ansehen wollte, so als g�be es kein Morgen, sondern nur diesen einzigen, heutigen Tag. So f�hrte Cosina die l�ngste Zeit des Jahres das einsame Leben einer Witwe. Doch sie plagte ihn nicht mit Vorw�rfen. Es waren seine Gewissensbisse ihr gegen�ber, die mit der Zeit die Gef�hle vergifteten, die er f�r sie hegte.</p><p>�Giorgio!�, rief Cosina wieder und fiel ihm um den Hals. Er lie� es �ber sich ergehen, dann befreite er sich sacht von ihr. �Ich brauche ein Bad.�</p><p>�Was stehst du noch herum, der Herr braucht ein Bad!�, fuhr sie in einer Mischung aus Scherz und Ernst den Diener an.</p><p>�Eines, das die K�lte aus den Knochen treibt und die Lebensgeister weckt�, f�gte Vasari m�de hinzu.</p><p>Cosina schaute sich suchend um. �Wo ist Ascanio?�</p><p>�Tot�, gab er einsilbig zur�ck.</p><p>�Tot?� Ihr immer noch sch�nes, rundes Gesicht verd�sterte sich. �Nun ja, das Alter ��</p><p>�Wir wurden �berfallen. Er hat mir das Leben gerettet�, sagte Vasari barsch. Dann tat es ihm leid, dass er sie so angefahren hatte. �Ach, Cosina, lass mich erst einmal ankommen. Ich erz�hle dir sp�ter alles. Jetzt brauche ich ein Bad, wenn ich mir nicht mit Ascanio ein Wettrennen liefern soll, wer zuerst im Himmel ankommt. Auch wenn seine Seele einen kleinen Vorsprung hat, kann ich ihn immer noch einholen.�</p><empty-line/></section><section><p>61</p><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><empty-line/><p>Florenz, Anno Domini 1574</p><p>�Giorgio?� �berraschter noch als Cosina reagierte Vasaris Freund Vincenzo Borghini auf seine R�ckkehr nach Florenz, obwohl er der einzige Mensch auf der Welt war, der immer mit ziemlicher Sicherheit Auskunft geben konnte, wo sich Mess�r Vasari gerade aufhielt. Borghini war es auch, der die Bildideen und Motive f�r die gro�en Fresken ersann, die der K�nstler dann entwarf und malte. Der Prior des Findelhauses Ospedale degli Innocenti, das gegen�ber der Kirche Santissima Annunziata lag, starrte Vasari, der in der T�r stehen geblieben war, wie einen Geist an. Er hatte gerade an einem Schriftst�ck gearbeitet.</p><p>�Ich muss dich dringend sprechen�, begann der Architekt.</p><p>�Was um alles in der Welt ist geschehen, mein Freund?� Borghini erhob sich, umarmte ihn, dann lud er ihn ein, Platz zu nehmen.</p><p>�Nein, nicht hier�, wehrte Vasari ab. Er hatte es eilig und wandte sich zum Flur. Borghini nahm einen Mantel und setzte ein Barett auf, dann folgte er dem Freund auf den Gang.</p><p>Aus einem Raum drangen glockenhelle Knabenstimmen, die sich in dem Kyrie aus der �Missa de Beata Virgine� von Josquin zu �bertreffen trachteten.</p><p>Kurz darauf schritten die beiden M�nner �ber den Platz. Ein leichter Nieselregen hatte eingesetzt, was ihnen jedoch nichts auszumachen schien. F�r Au�enstehende wirkten die beiden b�rtigen M�nner wie Gelehrte, die ins Gespr�ch �ber eine philosophische Fragestellung vertieft waren. Doch je mehr er von den Geschicken des Freundes erfuhr, desto entsetzter wurde die Miene des Geistlichen. Schlie�lich blieb er, die Kirche des Servitenklosters im R�cken, stehen und sch�ttelte bek�mmert den Kopf.</p><p>�Soll denn unsere neue Kirche nur Lug, Trug, Blut und S�nde zum Fundament bekommen?� Vasari konnte den Schmerz des Freundes k�rperlich f�hlen. Pl�tzlich lachte der Prior laut und bitter auf. �Die Lutheraner haben es leicht. Sie f�hren Gott im Herzen und brauchen keine Kirchen.� Unstet schweifte sein Blick �ber den Platz. �Die Ketzer haben ja auch keine Kirche!�, f�gte er hinzu. Dann packte er Vasari bei den Schultern, wie um sich selbst zur Ordnung zu rufen. �Du musst das alles aufschreiben, Giorgio. So wie du �ber Michelangelo und Raffael und Leonardo und �ber all die anderen, �ber die Maler und Bildhauer, Goldschmiede und Baumeister geschrieben hast. Schreib das Buch �ber den Bau des Petersdomes.�</p><p>Vasari blickte seinen gelehrten Freund verst�ndnislos an. �Wem sollte das n�tzen?�</p><p>�Den Rechtgl�ubigen und dir. Ersteren, weil wir nur so das Konzil von Trient umsetzen k�nnen, denn der Boden der Kirche muss rechtschaffen sein. Und dir, weil dich niemand verfolgen und zu t�ten versuchen wird, wenn das, was du wei�t, alle wissen. Warum soll man dich zum Schweigen bringen wollen, wenn du bereits gesprochen hast?�</p><p>�Und Isabella? Ich muss sie retten!�</p><p>�Hast du schon deinen Kopf verloren, so verliere nicht noch dein Leben! Ich habe einen t�chtigen Mann in Rom, der mir noch etwas schuldig ist. Er wird nach ihr suchen. Au�erdem nutze ich die Zeit, um zu erkunden, wie die Stimmung f�r dich beim Papst ist. Du aber schreib. Schreib um dein Leben, mein Freund!�</p><p>Von dem Buch, das in Rom zur�ckgeblieben war und das er unbedingt wiederhaben wollte, vom �Buch der Baumeister�, hatte Vasari nichts erz�hlt. Er wusste nicht warum. Aber eine innere Stimme hielt ihn ab davon.</p><p>Nachdem er den Gro�herzog aufgesucht und sich seines Schutzes versichert hatte, begab sich Vasari nach Hause, log seiner Frau eine vage Geschichte von einem �berfall vor, denn Isabellas Existenz musste er ihr verschweigen. Wenn er sie schon betrog, wollte er sie nicht auch noch verletzen. Das tat er schon genug dadurch, dass er nicht mehr mit ihr schlief. Sie fragte nicht weiter nach, obwohl sie zu f�hlen schien, dass wesentliche Details seiner Erz�hlung fehlten.</p><p>Doch in dieser Nacht fl�chtete er das erste Mal wieder seit zehn Jahren in ihre starken Arme. Es war nicht die Lust, die ihn trieb, sondern die Sucht nach Leben. Er schloss die Augen, denn er wollte sie dabei nicht sehen, weder ihr Gesicht noch ihren K�rper, sondern nur im Akt Vergessen finden. Der Beischlaf begl�ckte ihn nicht, er war das, was er einen nassen Frosch nannte. Nach der Vereinigung sind alle Tiere ungl�cklich, soll Aristoteles gesagt haben, dachte Vasari, als er am Morgen bedr�ckt erwachte.</p><p>Vasari f�rchtete sich vor dem Tod, dessen Fratze er gesehen hatte. An den Papst schickte er vorsichtshalber einen Entschuldigungsbrief, weil er so �berst�rzt abgereist war. Er schob alles aufs Alter.</p><p><emphasis>�Dieses Mal, Heiliger Vater, bin ich ernstlich ausgelaugt. Ich bin jetzt mehr als sechzig Jahre alt und ertrage die enormen Strapazen und Schwierigkeiten, denen man im Laufe dieser so schweren und widerw�rtigen Arbeiten begegnet, nicht mehr.�</emphasis></p><p>Sollte ihn der Papst doch f�r eine Mimose halten, f�r einen schwierigen K�nstler � solange er nicht den wahren Grund f�r seine Flucht erfuhr. Aber er schrieb auch noch einen zweiten Brief, w�hlte den zuverl�ssigsten seiner Gesellen aus und versprach ihm eine reiche Belohnung, wenn er die Epistel pers�nlich dem Kardinal Morone �bergeben w�rde.</p><p><emphasis>�Eminenz, viel h�tte ich zu beichten und w�rde es mit gr��ter Freude und tiefstem Verlangen bei Euch nachholen. Doch Umst�nde, f�r die ich nichts kann und die ich auch nicht verstehe, zwingen mich, Rom zu meiden und bei meinem guten Herrn Francesco I. zu verweilen. Euch muss ich nichts erkl�ren, Ihr wisst aus eigener Erfahrung, Eminenz, wie schnell sich Fortunas Rad dreht und man sich pl�tzlich verkannt und verfolgt f�hlen kann, wie uns Gott in dem Moment pr�ft, in dem wir es am wenigsten von ihm erwarten. Doch genug von mir!</emphasis></p><p><emphasis>In Eurem Hause habe ich Madonna Isabella di Vignola kennengelernt. Sie suchte mich auf, dass ich sie male. Ich bin ein Ehrenmann, und sie hat sich wei� Gott nichts zuschulden kommen lassen, was sie zu beichten h�tte. Ich schw�re es bei der Heiligen Jungfrau Maria! Aber mein Atelier in der Villa de Belvedere wurde �berfallen und Madonna Isabella entf�hrt. Wenn Ihr etwas von der tadellosen Frau geh�rt habt, so teilt es bitte dem �berbringer des Briefes mit. Seid aber vorsichtig, denn bedenkt, man schreckte vor der Gewalttat nicht einmal innerhalb der heiligen Mauern zur�ck. Mehr m�chte ich nicht schreiben, Ihr wisst selbst gut genug, was das hei�t. Ich empfehle mich Eurem Wohlwollen, Eminenz.</emphasis></p><p><emphasis>In tieferBewunderung</emphasis></p><p><emphasis>Cavaliere Giorgio Vasari.�</emphasis></p><p>Obwohl er es bei Andeutungen belassen hatte, hatte er dem Briefbogen dennoch mehr anvertraut, als es klug gewesen w�re. Dem Gesellen sch�rfte er ein, auf Antwort zu warten und w�hrenddessen Vasaris in Rom zur�ckgelassene Gehilfen zusammenzurufen. Gemeinsam mit ihnen sollte er die Sachen des Architekten aus dem Belvedere holen und den ganzen Palazzo nach einem Buch absuchen, dem �Buch der Baumeister�. Da der Geselle weder lesen noch schreiben konnte, malte der Architekt ihm die Schriftzeichen auf, sodass er sie mit dem Titel des Buches vergleichen konnte. Er beschwor ihn, zu seiner eigenen Sicherheit niemandem zu sagen, dass er dieses Werk suche oder bei sich trage und es auch niemandem zu zeigen, wenn ihm sein Leben lieb sei. Mit bangen Hoffnungen schaute er dem Gesellen nach, bis er l�ngst hinter der n�chsten Stra�enecke verschwunden war. Giorgio Vasari starrte ins Leere.</p><p>�Ist alles in Ordnung mit dir?�, fragte Cosina beunruhigt.</p><p>�Wie? Ach so. Ja, ja�, sagte er wenig �berzeugend. Dann sah er sie traurig und hilflos an. �Ach, Cosina, h�tte ich doch niemals die Aufgabe angenommen, am Haus unseres Herrn Petrus zu arbeiten. Es wird meine Gruft�, setzte er finster hinzu.</p><p>Cosina bekreuzigte sich erschrocken, doch all ihre Versuche, mehr von ihm zu erfahren, scheiterten. Er wollte sie nicht einweihen.</p><p>�Besser, du wei�t nichts. Sorge dich nicht. Dir passiert nichts. Der gute Herr Francesco wird dich und vielleicht auch mich sch�tzen.�</p><p>Seit der Geselle sich auf den Weg gemacht hatte, fieberte Vasari seiner R�ckkehr entgegen. Indes vergeblich. Er blieb ebenso aus wie die Antwort des Kardinals. Es trieb Vasari dazu, einen zweiten Brief zu verfassen, aber er wagte es nicht. Stattdessen begann er, Fechtunterricht zu nehmen.</p><p>Nach den allmorgendlichen Fechtstunden bestieg Vasari das Ger�st in der Kuppel des Domes und arbeitete wie ein Wahnsinniger, um die Laterne mit Heiligen, Propheten, mit K�nigen und den vier Evangelisten zu bev�lkern. Unerbittlich trieb er sich und auch die Gesellen und Lehrlinge an. Seine Arbeit hatte etwas Verbissenes und Trostloses, denn ihn verfolgten die misstrauischen und auch feindseligen Blicke vieler Florentiner, die es als Sakrileg empfanden, dass er die erhabene Wirkung von Brunelleschis wei�em Kuppelinnenraum durch Farben zerst�rte. Er wies den Gedanken zwar weit von sich, wusste aber tief in seinem Inneren nur zu gut, dass die Leute recht hatten.</p><p>Sich in die Arbeit zu fl�chten und die unangenehme Wirklichkeit zu verdr�ngen, gelang ihm diesmal nicht. Das Ungl�ck blieb Vasari auf den Fersen, ganz gleich, wohin er ging und was er unternahm. Es lauerte selbst in der Arbeit, bereit, ihn jederzeit zu t�ten. Zum ersten Mal in seinem Leben jubelten ihm die Menschen nicht zu, sondern empfanden das, was er tat, als Frevel, als Anschlag auf Filippo Brunelleschi pers�nlich. Er hatte das Gef�hl, dass ihm alles misslang und er sich nur fester in den Fu�angeln der Gefahr verfing. Sein Gl�ck hatte ihn verlassen, Fortuna sich verabschiedet, ihr Rad sich grausam weitergedreht.</p><p>Nirgendwo gelang es ihm, einen Funken Hoffnung auf Rettung auszumachen. Wenn, ja, wenn � Wenn er nur gewusst h�tte, ob der geheime Bund der <emphasis>Fedeli d�Amore,</emphasis> dem einst Dante und sp�ter Leonardo angeh�rt hatten, noch existierte! Dann w�rde er sich an die Br�der wenden, die ihm mit Sicherheit helfen w�rden, wenn sie noch im Verborgenen wirkten. So viel er inzwischen auch �ber sie hatte herausfinden k�nnen, er hatte doch keinen Bundesbruder je pers�nlich kennengelernt. Es schien, als sei ihre Macht zerbrochen und die diskrete Vereinigung l�ngst zerst�rt.</p><p>So blieb Vasari nur �brig, sich t�glich bei Borghini zu erkundigen, ob er etwas �ber Isabella in Erfahrung gebracht hatte. Eilte er nach Feierabend mit einer fast aberwitzigen Hoffnung zu dem Freund, schlich er deprimiert wieder fort. Isabella di Vignola blieb wie vom Erdboden verschluckt. Er f�hlte sich schuldig gegen�ber der jungen Frau, die Teil seines Ungl�cks geworden war. Er kehrte m�rrisch heim, a� stumm mit Cosina, trank etwas Wein, zog sich in sein Atelier zur�ck und griff zu Feder und Papier, um an seinem Buch zu arbeiten.</p><p>Am ersten Abend hatte er sich gefragt, womit er beginnen sollte. Mit zwei M�nnern, die auf dem Tempelberg in Jerusalem standen und auf eine gro�e Baustelle hinuntersahen? Mit einem gro�en K�nig und seinem legend�ren Architekten, denen von Moses die Geheimnisse des guten Bauens mitgeteilt worden waren, die der Prophet pers�nlich von Gott erhalten hatte? Denn es war doch einfach kindisch zu glauben, dass Gott ganze vierzig Tage ben�tigt hatte, um Moses auf dem Berg Sinai die zehn Gebote zu diktieren. Nein, mehr, viel mehr hatte er ihm offenbart, die ganze Architektur der Welt, samt ihren Prinzipien. Die <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> glaubten oder wussten, dass Moses den geheimen Teil des Wissens, den Gott ihm auch verk�ndet hatte, in der Bibel, in den Apokryphen und in den inzwischen verschollenen oder f�r h�retisch erkl�rten Texten verborgen hatte. Wie die <emphasis>Fedeli</emphasis> suchten viele nach den letzten Geheimnissen � die Alchemisten, die Astrologen und die Kabbalisten.</p><p>Aber Giorgio Vasari war weder Theologe noch Historiker noch Philosoph. Die Auswertung und Entzifferung von Quellen und die Wege der Spekulation blieben ihm verschlossen. Er vermochte lediglich zu berichten, was er gesehen und geh�rt hatte, und auch das nur in den Kategorien der Kunst. Von allen Sprachen Gottes verstand er nur diese, daf�r aber beherrschte er die Sprache der Kunst vollkommen.</p><p>Als er sich nach vielen fruchtlosen �berlegungen auf sein Metier besann, wusste er es pl�tzlich, was er zu berichten, worauf er sich zu konzentrieren hatte. Er w�rde �ber alle schreiben, die der Wahnsinn befallen hatte, diese Kirche zu bauen, �ber all jene, die von ihren Leidenschaften und Eitelkeiten immer wieder zu diesem Teufelsloch, zu dieser Baustelle getrieben worden waren. Denn eines stand f�r ihn inzwischen fest, dass an diesem Ort Engel und Teufel ihren Schabernack und ihre ewigen K�mpfe austrugen mit den Menschen als Marionetten. Er war es jenen schuldig, die ihr Leben f�r dieses gro�e Unternehmen hingegeben hatten: dem armen Bramante, dem gro�en Michelangelo, dem Princeps Concordiae, der sch�nen Imperia und nat�rlich auch dem bemitleidenswerten Giacomo il Catalano.</p><p>Vom fr�hen Abend aber bis in die tiefe Nacht hinein stand er an seinem Schreibpult, tauchte die Feder in die Tinte, trieb wie besessen Buchstaben f�r Buchstaben �ber das Pergament, als ob jedes Wort, das er vollendete, sein Leben verl�ngern, Vergessen und Vergebung bringen w�rde. Am Morgen versteckte er stets das Geschriebene vom Vortage in einer verdeckten R�hre der Kuppel des Domes Santa Maria del Fiore, in dem Fresko des J�ngsten Gerichtes zu F��en der Jungfrau Maria, die er als Himmelsk�nigin gemalt hatte. Zwei Engel mit Palmwedeln standen links und recht von der Stelle, wo Vasari hinter einem lockeren Stein das Manuskript in einer Nische verbarg. Auf der ersten Seite hielt er den Titel seiner Geschichte des Petersdomes fest:</p><p><emphasis>�Die wahre und t�dliche Geschichte des Petersdomes, erz�hlt nach den Quellen, den Zeugnissen des g�ttlichen Michelangelo und dem eignen Erleben von Mess�r Giorgio Vasari, Ritter vom Goldenen Sporn, Architekt des Petersdomes und Maler aus Arezzo, der in Florenz unter der guten Regierung des Francesco I. de Medici lebt und viele Jahre in Rom zugebracht hat, dargestellt nicht f�r jedermann, aber in Liebe zu Gott, in Furcht vor der heiligen Inquisition, den Fedeli d�Amore zum Gedenken.�</emphasis></p><p>Giorgio Vasari legte die Feder aus der Hand. Er f�hlte sich m�de. Hatte er sich �berlebt, war er �lter als die Zeit? Was konnte er noch schreiben? Vor ihm lag das Bundesbuch der <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis>, das durch so viele H�nde gegangen war. Er schlug es auf und bl�tterte darin, bis zu der Seite der Priore. Da standen sie mit Namen: Meister Eckhart, Dante, Boccaccio, Brunelleschi, Pico della Mirandola, Bramante, Raffael, Antonio da Sangallo. Als er an Michelangelos Gegner dachte, �ffnete sich die T�r zu seinem Arbeitszimmer.</p><p>�Ich bin es wirklich�, sagte Isabella. Vasari rieb sich die Augen, dann bat er sie herein.</p><p>�Ihr habt da etwas, das mir geh�rt. Ich m�chte es zur�ckhaben!� Ihr Blick wies auf das Bundesbuch der Gef�hrten der Liebe. Sie legte den Mantel ab. Jetzt erst fiel ihm auf, dass sie M�nnerkleider trug, Hose, Hemd und Wams, dazu Stiefel. Sie nahm die florentinische M�tze ab, die so praktisch war, wenn man bei kaltem und nassem Wetter weite Strecken ritt.</p><p>�M�chtet Ihr etwas essen, etwas trinken?� Er bot ihr einen Stuhl an. Sie sch�ttelte den Kopf und setzte sich.</p><p>�Ich bin Euch eine Erkl�rung schuldig. Erz�hlt es niemandem, Mess�r Giorgio.� Und dann berichtete Isabella, w�hrend er in ihre Augen eintauchte wie in den Tod. Ihr Gro�vater war Antonio da Sangallo, der Lucrezia geheiratet hatte. Bartolomeo da Sangallo hie� ihr Vater, zu ihrem Paten aber wurde der Kardinal Carafa. Sie begann, f�r die Inquisition zu arbeiten. �Gib mir das �Buch der Baumeister�. Du wirst einsehen, dass es vernichtet werden muss, so wie alle Erinnerungen an die <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> auszul�schen ist, f�r jetzt und alle Zeit.�</p><p>Vasari reichte ihr das Buch. Wie h�tte ein alter Mann wie er sich wehren k�nnen, ohne das Augenmerk der Inquisition auf sich und seine Frau zu lenken? Isabella steckte das Buch in eine Ledertasche und verlie� ihn.</p><p>Giorgio Vasari sa� da wie gel�hmt. Ihm war, als str�me alle Lebenskraft aus ihm heraus. Sein Trost und seine Freude war die Gewissheit, dass die Geschichte der <emphasis>Fedeli</emphasis> �berleben w�rde, in dem Manuskript, das in seinem Stehpult lag und von dem Isabella nichts wusste. Die n�chsten Tage schlief er lange, ging spazieren, las, unterhielt sich mit Cosina, mied aber die Arbeit. Sieben Tage sp�ter �berkamen ihn �belkeit und Schwindelgef�hle. Er musste sich abst�tzen, um nicht zu st�rzen. Gegen Mittag legte er sich zu Bett. Cosina wollte den Arzt rufen, doch er winkte ab. �Niemand kann das Leben halten�, sagte er, dann schloss er die Augen. �Hol einen Priester!�</p><p>Cosina schickte nach Vincenzo Borghini. Nachdem ihm der alte Freund die Beichte abgenommen hatte, erteilte er ihm die Sterbesakramente.</p><p>In seinen letzten Stunden dachte Vasari an Michelangelo. Bald w�rde er ihm gegen�bertreten und eingestehen m�ssen, dass es auch ihm nicht gelungen war, den Dom, geschweige denn die Kuppel fertigzustellen. Nach seiner tiefen �berzeugung w�rde er in den Himmel gelangen, dorthin, wo Michelangelo und Raffael bereits waren. Bei Bramante und Leonardo war er sich nicht so ganz sicher.</p><p>Am 27. Juni 1574 starb an Entkr�ftung der Maler und Architekt Giorgio Vasari. Es hei�t, er habe gel�chelt.</p><empty-line/></section><section><p>Epilog</p><p><image l:href="#1"/></p><p>Im Mai 1590, sechzehn Jahre nach dem Tod Vasaris, setzte sein Nachfolger Giacomo della Porta den Schlussstein f�r die Kuppel des Himmels. Allerdings ohne das Oculus. Niemand verstand mehr Michelangelos eigenartige Idee, die Kuppel in einem gro�en Lichtloch wie die Speichen eines Rades in der Leere der Nabe zusammenlaufen zu lassen. Die Ideen des G�ttlichen �ber die Lichtf�hrung, �ber Gottes direkte Schau auf sein Volk im Dom begriff ohnehin niemand mehr. L�ngst hatten die Baumeister die Gedanken von Dante und Ficino, Pico und Landino vergessen, auch Leonardo, auch Bramante und auch Michelangelo.</p><p>Schlie�lich behaupteten sich die Gegner des Zentralbaus gegen Bramantes und Michelangelos Pl�ne. Unter Papst Paul VI. wurde der Architekt Carlo Maderno angewiesen, vor dem Zentralbau einen Langbau zu errichten. Im Jahre 1612 wurde schlie�lich die Fassade des Langhauses vollendet, das man dem Zentralbau voranstellte. Die Kuppel des Himmels aber wurde von der neuen Basilika des Petrus in Gefangenschaft genommen.</p><p>Ob der Bildhauer und Architekt Gianlorenzo Bernini den <emphasis>Fedeli d�Amore</emphasis> angeh�rte, ob der Bund zu dem Zeitpunkt, als er den Petersplatz mit den antiken S�ulenreihen, den Kolonnaden, der Welt �ffnete, noch existierte oder mit ihrem letzten bekannten Prior Giordano Bruno im Jahre 1600 verbrannt worden war, l�sst sich indes nicht mehr kl�ren.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><p>�ber den Autor</p><p><image l:href="#1"/></p><p>Sebastian Fleming studierte Germanistik und Geschichte. Er schrieb f�r das Theater, den Rundfunk, das Fernsehen und B�cher zu historischen Themen. In der Verlagsgruppe L�bbe ist von ihm erschienen <emphasis>Arminius</emphasis>.</p></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAN9AlgDASIAAhEBAxEB/8QAHQAAAAcBAQEAAAAAAAAAAAAAAQIDBAUGBwAICf/EAGYQAAEDAwEEBgQICgcEBgcAEwECAwQABRESBhMhMQcUIjJBUSNCUmEVM2JxcoGCkQgkQ1OSoaKxssEWNGPC0eHwRHPS8RclVLPi8mR0dYOTlaMYNThFtAkmJzY3VZQoZYXDRlaE/8QAGwEAAgMBAQEAAAAAAAAAAAAAAgMAAQQFBgf/xABCEQACAgEEAQMDAgMECAUCBwAAAQIRAwQSITETBSJBMlFhFEIjUnEGgZGhM2JyscHR4fAVJCVDojREU4KSstLi8f/aAAwDAQACEQMRAD8A8itRlKRrdOE+B86BlSFO6Hhhkep7VGmsvsxIzisbtQ7Ip3boADJkvv7lXq6edKs01ZcI21l7Oz0SDZ4UWCxHc+OQdBUfDJ8acTtr9rn7RIh3W5y3U8DqWd40kfPVQgWe6SIyGyjSlTnZC18RjxHgKUuDUq1SjATcTIWriUNq9Fx8D76z+KNm1Z57aL1sAdoZRfei24Pstf1mc4ezH9pVK7d2+4bN3dLUiSC8Y29DY1avSd3Ur1VGqPYrzcbfHliESy1JRuZC2z6tTUW7fCkllq+TiYn5QyNT+5+7ifmrHLE1KzZF7kTtn2rutrvIucpmJGekjd/jevu/TT4d2tFh7dbWx7xabeNmoL86YWd071n+sdlWlSVcldmsiul82dZlMM2ffPpHiltX3do5rR4F0T8MW+9WVQehwwPRE6zH1J7TraVdpPnj5NZdTjqnQ3Trvk9JdGu0T992fefnwxHucVbrEhgnkUnlVZveLEw+YwO9vBQ21/vVdp+qu3tubVNC7fAb+D+r7+TP8ZTqlJ1KHn81aMkp2gtQksEPxJPHd9nexez6v+FeVyqWLtcM1+OMZ7kUTpT2WlbYWZ2TKvUK1hmSgWveflNPZ0q8E/PVg2R2ZVZOjxdkt8eDqKV+md/KcNSl6fpchT6Ns7NPUvTXF+IJOtcMjSlf08+FKypioV8MaaCmGiRgejVw1J7qPd40cs7cVBdLkXSTs81QNib9OfX1156WdRIkNrVrCQRltKeQ41btlILo2mEGbPuPWh6Dd9Y7C+ycpUPmV+1V627ZXs1BdQlTkh+WjSJGvdqRu1Z9XzrF7aqeztSypM9p4znN45rKtbykq4p/zrc8z1D29G6OJbN6Lv0p7Ws2Ocdmo34qIoTy+NQpfa06vDzqkbHQX7q03OfYmGJJPpJDkj1k/J91WzpU2fFwhi/MwHotx3n4wUdvup7vkfnpp0RPC1ydM/8AGnFcI8fvfGJ0r7PnUjkjDFcewlje7kv/AEavzo40meJls6xhxuT/ALLq7ulX8qY7SdDKtqdqPhKz7SfB0UO6Q2dXpD3jpx6oq1StnpFk2ZfZjSWJ0hTuYoEX2e0lP6P66dRLXtFO2Whv795h/eKfbca7W41akq1J8RXJxauGLKsmF7qF5aaS3UQll2okCQYl2j6p0cPW+S2z+V8l6va1VZ9h7RNt9ueI4OOoS5Ib/tFatSf0dNVvZXYS62uY6+ufLeeMjfj2FuK0nU758RnFX1BfYjOwmXt9MJU4XPm9aqy5XaYOXZ9MSGv91vttt1xuEezsPxWFktazgr8AB5VG2y9Xu47hN4YtllKkDslZKh4ghP8AjV6u9wiPxhb0Np0FGouAZQk+IPkaoM+4Wy3qWSyJLkhSU+icC3APEk+XzUW7YrQGn93EhzA2ru0KXMem2pkw2ju2pI1cfpJFWsybyzaXrq201P1Nl4MN6tRT4Yz9dUW1mxP2OK9amHhvDxbO89r2lcKkmL09aXinVLDpGA36i/k6T+zQqdxVlajHc/YhgLjPNzeWwHmXXexu22+18pKVerVhtKtrOquyAoFntejcKaoD0+S1ZFNKupBjk7zq448e6rz/APLUzsizKi7MNdXuMR5o8d7Ikq7fayplSfVpUHboflxcXYttXATNjMSmWOp3cai3Ja9R/wCUn5+9TGRPfnWQRb/IZanA/GR+6/2c6fn8a6MZEjap603afuGo0f0Q9R9KvWSrlqBqubaPvQnZKPQ/CDaAw3Jc8h3U/wC9wrn8qj20i4x5ouBck2O4xprSWG1pA1OY1JLR9U/fVztG0tgudyVLtl1ZU8EhgtlGcgc0/NWZ7W3NFvaj7PyXR1l1pLS5Ce6j6vrpbZlyHaULSwUjdvdp9KOJGMc/nqt8oS5FZtNuRpd4hPTJSHWrTHcdbTweUrSUZ46R7qYW+H/160iZJbW8SSpKE6inywarje3CYCDFSrVKfcLgccJOU/y4UjsXc7m9tYqK3cEOxpKk6HAnGE+IzUUYzlYCUscdpbY6TO2uDUfedTb8/FXtUvfWpJvtucf3fVUO4dz4j2aLKhXBUC5m0bvrKZJ3Ojy8aWRNh3O4sJX8c1oWW/Wzp8aCMfiXy7/6f5CXP+X7UWYW6G0Q60001n1+6nTSlwaYMfqeRg+p8mobaMqdADLRG69Mj1vW/XXQ2FP3N24TpGGd1uw3+19+a7XmV0kYdrfbIt207q4yojW93TZS5HR+Z8OyPKr5YH0tQm2nVN7xFVu6zTGSp1hPXHl91tB7aqah9Rt+6MJQlO6cobx7VI0eoWnzSyRXYWXHLLGmXqa800M5HyaqV/YcmttwgMpkL3ivlU6mFuHbd01nLf5xztf50ayTWpBStQGpCNI+TXQ1uf8AUZP07VJmbFiWNbkN4UVhVvxDbAbxpKRzFVK/RY6bk+wWAsqbAI8D5VY3PhK0zd7BZLrSkalg8lE86j7nFSGG35SVIeec7I8UpNczUR/hUbMOT3CuyTElmI7KWoIS5hKE+KVCn81hbzRVICXdDocCfNPjmonZ6+R4zklpxBefbVobHgT4VKKjvIhv7/LUmUNWnPd+akyklgI/9IO3Gkoc3DcjQFDU2DyI8aRMNqMrCksR3FglLwHgfCmVxnKiyy26G1hKctkcSB4Ck3Lo9KgqYdQCokFs48a0+SK4ASYvKMWK2hUlxT5VngBVJuyHUuLkhBBdUQwn2B5VZJGp7trUTgYHuphJiuvTY7ScKBUDw86x6imuDZi9hAl9UAQ+oDB3nFv893tSlKoytw/KZJjfCUw//BbV3fmxUkI8t+5OsHGOsaKPtJCaIYgWp1xp1GWW9HjnGc1jhLdYzeVS/wBs2pkSU9UuECC2nOW0IaV2fHgedQzX9IEXRx2ad3oxrZ0aceSvrGPuq6StjbgInXp0lrfjycUrs+z8qoViPMZYLz+9lOo7CN5T3KadPr4GRyX8E5srstNnWzr8iSywy79L7Xuom0qZuz0YzGZEJ4u6RHDjatf0vmqGDkp5TMASJoaabzjtblHe9b1s0/TcbRHiuXO/QX7xcc4/3fq86ZuxOLQtPNFphLDKvD1rNwhMWuYfGN2usdn2Uq50ladsNr7hMZdZt8QW5qa03NXhXoGlfzol2m2ht1z4PceZeC/RqV63vSocf0qmNh7lCbs78OTIZeefcJcdPr+5ShwpEJ7HVhStjnpXsFpNiu63IG/61HzI3X5TSnU2pX6NQO0u1AZ2MjxIH4pMMaJHjt9n0Kldn9VXbYEputgkWi4fGx3C3x8uaVfy+zVH2u6Prh1x1fJsHctON/m0p7OpNbLcvfHoDDNf6LJ2hO39HBj3ZDVyvvWN2629KgeftdpXe9XNO+laPtK9KcwQNn2i02I8dzterlSvmPhRbmzfUWKXPmXZ2ZMEcNtOdlKUfRTUzaWDe9lRBv8AP9NIG83jen432dPyQmgeSLtIj3qpTGETZ+0W+0OPljwU/IcR9LvU/GIGyzWJH9acT1Z2R+T1dr9QqobSbTx7spi2tMuojxMtvLTw14wkZ/RNWfZp2LNsq2rhnch4bzHd92Kz1tLIcWi3XeZLjyJDsx9r4yQ47+1+1TCLs6/b9s0jZOR1R/49wfkkp9lXz/3qiVq+Dr+3fGGi6lonejPfa1dlKvaq8bMz7Tdri3tJEJbloawxGd4d3s975Q/lTMaUbtElJ/BM7W7OsXlNtnSCxbblusSJPrI+jp73FVVWJGn7HTeoPXbrkSXDVIaf7XhwKuPFNEttwud3v95hPvGVFbjp6r6nZ1d5Pv8Af8mmsnZjbK736E7Nny5YHYWvdp1IHq8eVOU4y+OQIxnH59pa9mrfv+kS5X570TrsaO3u/pNp1K9/dxQ9Idwu8AssWCAzMf6u+/Ic/MNJ+urTGjCzQnp8+QwSGsL3fqJSn9qqM/tEiPapN1MphiZJCw22fy3ZHZUVeH/FV3SpgJ7p7oFbse0e1m0cV1TUew21iKNzIkTX1aS7p1J+vunFQsDal7aK5vWdFwszDo0ttuubz413V3U1T422sGFrVtDdN8C6S3Gab4J0p48OX10tD2n6MZ9nuHXbIXrg9F3jLzJ3r0cqV7PDtDnw8K6mH07T034x2TK1XJOnYRJ6x1i/JMne9Wda6gr5WntJVz7KuXyaxHaSRcbdOnWSRGhERJfxva7/AKulXu0/xVJz5VzCmZFtvdwZdy0hwGV7OpXe93PjUBeL0Xzi4x98+46tzfNu9/V4/SHq13NPg2t/Jjy5W+yTmObVPyWWGWRHYcH4v1ptpGvT8r1vnqvv3lOQm6wEbzJT1hkaSr3/AD10GO1tD1x1/aRqM+O6J5+O+1x7VNbxZLjapShJfYeabOQ7HVvEf8q6EIRXDMOXLJ8xOtt7UyqMw80l1hiQVIU5x+quqNn6oig7EUND6e0jTkp+qupvgjLkyPV5FwIzZSH2mWEBW6aHAGloTaJb7SFSOrpJx2jU/aIEcWrrIt7zx5/F6/W7vyU/rqNEd653JyW51RjW5qWPVGfk+VXvRccdDu8sXa2IbSZrMyI5y6uvy9rxFI7OOxolzakSLeuUwF9uNqzvM07f2PvTCVTI0dUlps+kXGOpOPHHnTWA2I+hxptbelfZOeIPvNL8kXEdtlGVF1vVjtNvRDlMRpHUn5JJ4L1sJV3Uq1d3dK+/VVYXGfjxi/GGWIrvVg556u1q0+z5GrTZtobhID1uvKJt7Y8PxlSO8nvaU96n05byUtQLfZoIT6Inrbfrp7u70qzp7XOsSyuPDNjjuM/6i6wxwI3287ftdpPdrQOj/YZ6/Wh67ouLVq6r/WJLvYQf92pPe4eBqJciqSG55slreMsfGbx/2u1p+bs1oGyW194tmwtttpCS88T1ZmNF/q/a06tXLjV58zrgDFj55GMI7Z2/aD4EfEFckHq/WXNSR3ez6RKeRTWkdG+01yiyPg/4BmxX3H1Zb6vra73eSrOaz/Y6LtXcLt8JqeMSLJm6t6V+g3iVafHma3PaW5ObKbJyFMzBJvBaDKXdHHUe6frArz2sp1HizrY7+C7bEbRuyMs3mEYLrf6J+ai7c3HZ/LR+F4TTw/JuSE9tPtVkdi2+1WKJaZE3Fzb/ANoPr+srtU0v+xCr3LYkJU1vpzf4xx73yk/P2a5WKa5iDLRKGXyvgfdK1jf2nsbMiJcQptrvhop+K9r5x5VnOxjFhtNzdYuzLVvuLPYfkuyPa9mta2e6LX7fF/GrwYg3nKIfk/K4Ua59FXR7M/GJ5mb5z8o5I51rwSSTUnwzSs8YOoKyIcvVhXbWYy72zIYHeYCU5/RxVRu0ZLUhh+1bxtbjAwVaRu1BSscDy8a0pHRpsWwW5jUV4PP9306sffimqtlLSZXUYT7zL7fn8Vp+irvVj2bejVHPCRE7HG8XAwYNwv3VYeVHed136OofzrfXCiHZvxMh3dt9lPnWLq2Uu1viNKD7PDen/h+jUbsxtXd4zBekE7kejkRzq73tJz6uKkVSVmHU4P1D9rNSk30shDrjDpbc8kavs5qNN6uiraX4FpEMcsyNW9Wr6Kaidktr4Crn1EsehldgZ/iqT2ht75kb+1z90l3T1dvu+l9r66TGK7jKyp4fHKpRI2xWG8XWX1uTO4KKw1p7IdH0fH66fTtmYrrGpplxnQMlaWwjB+aoWybRXG0XBxMuBLCYytCAlOvjy1E1OXO7TlF+KhbLktSUrAKSUkc8ZHKmqMYw5Zc1lWWkiqiRpPwBGY3jUlxSHP8A0ntdpSVVIdQhD+vB7LjiW2ge38V33Ar+GmW/kC+B82+HDlhz5SlfK0/PQS7+etaeob0/nOscvZT5etmkPg00LbQu29MVqA8n0zrnxu6V9lsZ72B9mom0x76xbJkeDHBcklR9ZKl+zpUOdLS0vv3OGZ02ZjwEgJ7HZ73z1aOj9JVGKWS8d128/SV3aGMd7ByvxKylX20SA+Lhdriy68B6OM076Vvs9356rkyLIub7S9+866OPpdKvW72PdWkbY7DdUjmSxIZJLucOavW7ytQ8aZ7PJDEbq79n651bUN7u9WhXs/RPuprVS5QeLNuVxKNfeuXudbH3UhCEw0SJD3MAjkn5+FXSHZ37rHwGRuUtB9XawEn+dKW22W92eIUiOpER99TSWicDV4Y9wqf2chLtjVyjLUdSCUoTzSpseIqZc0cqoHJm9xDRbU0tveP29TiQ0QXGk8EYOM5+akW3lWN2NOkW/W2uR6M5wcY4D9VXy0WaaI5jOrS5HltcEpVhSSfHFMJ9pZVYnrTIdMgsOjchYw4nyPzUuWF4oXEz/qYynQ92fuxm2KJfIA3jUklcpry9qmmyDBfukya+N42iR6D6Pgab2WNIs0kR2JHoD+S/151ZrSQ1ehhkNNO/xeNaNO3JRsy5HtlJkzNtHX4ayHd2ahpOzl6e5TmmWuz7Suz41c0aMeVCkJz8biu5n9J0+bbvXZy1rcuO6GNmsEWMlt+QvrEhP5RVTSGGEdtCQFeYpBJz45Aozq8J48h5V1MDw4FUUZcrnkfMgk+PHeTpW2lzPMmqzcbQhsuPRHSnzAqfedbykpJJI5Go6W6oOBtzCUq8E1m1jhk5NGDdFcEUJUplsgLCm88SajluvvEkOalaskHnintwKQS0ngkio90JYYOkaXMZJPOuDljtOhFEZEDQvfxvHrH0tCfHH7NWSZIWqSdXhySeY+eoOO8liQ0/w3v6WvyqX2aHXZMqYd7/AHdRrLDHaoPL3YznOsMT1PPKSRJUA0kDJB8qSKlF3G7UM8sjFS86CuTeG0BpOEnUTjugeNJuwjJvEi4B9TqU4SWRwAFHmwyBU0Rs4PMst60n0g7o8T50TZpxCHnZZCwGAUpCh95qYuyOtvNQWihtWM58UpphdAwqYiMy46w2gBBUkcFqrLJNBxnv4I5tbbFzkSCEpWpe9UM54edNZEB+fM1xLgG20kuJSAM58qW2gkrXJYgW2Gla317t2QBjT7qQTap7ErDLDqnCd2pQcOB76WnXA5BVGYlndSZCvRnO9JPOpK2bmIpXwlERJJb1JTjJIpk+iYy2+5JgKVoTpCSkEGko7rrzDDqX9DzidLbhOPq+qnYs+1klHcOpVvYYHWHg8GW3FfS3Sk/y51Xbrbgyklx7UkyU7z1Vd3suJqxdYeEl5ieXZnBPo/4uzTZ5l2ehiPEQy22DpCGTzHkarI9xSe0q4t/XltMBl3n3Pb91LXzY24QJb0iJOZLjQ3jraUBDgHnhXZJqUkOzbQpydBkdcltHBjdnt6v4aJtbf4jyZKJEaQQ32GUPNlLbh8wo8xSp7Nr3DFuclQxhSr6iIJDCgHA6rJ3qesI+SpP+NWv+k15etW9NuiPnGN+fH2dPtfVVZ2T2QkdaC75OKWP6x1Yd95wflnVeXurQIqQ8/wBfwAxFaUiO32cavardjiomfN8FZmNPGwtSjaxEl7vLlv8AYV8nw99Y0dur/M2wmQAC5hz+sBr4vs6U54cDV56S7zcJxeatD5Z3Lfr92Vq9X5hUB0YWzavaWS6J9oFsYPxk7CVZ/s+HFR/u0WPBjeOU8iujQpKK5GaZ0x1YekvCU5uOONOpfe73vxWhvSNmpFqjsfC7MOLw9HvE932VU5k7CbJMDcPvvPP+Lo9RP0U0J2P2QFtIZPWt3p8U51CsOSD4siyqXRRNs1WgSnGLccsf7Q5vPyvyfk1EXvaWcwNbr+OGI7Yjp/Vw4VpVx2T2Lh20PzXnjEP5Qdnd6vWVUff+i5JbEnZq4CYsLU5u5PeWNPdSrxrTii/kp6iKH+wz6RY4hnThLVHbTo3YTkJ8EjTUpd73d7btH1KBsz1oFr0UwudrT49n1qyzZfrNjuwciSMFOp9wHtJX7SdP2a19FyTtRYdbHopbPxGPUfT6v+vaqY4bG75YGbmv5TMdoLptPtJe4SetM7kc4ZKWGd8nup9pX11Rtutmr7tg6648pi0sxDpkuOOq3P1KT2nk97uithv9mgbTuvS2JzlpvLIT6drTqQfZd8x89Zur4U2au5j3yOVu75nqpb5MfR1dlxKu1xrdg1GyTklyHF3HazKukjYSXsXd2LSbsXHjFU7GLQJZKuz3dXmnVUVs0iXJujDHU4dtO8WJTu6V6H+0Un2R++tu6QukGfc5ibfAbgPQA13init7VpUlKldpOFerUPAenwIr9xDiVMjnOxp9N2lJHdxx/V2q7Mdc3GmuTJ4GnyVcpski1MxJ7Ez4Q1YcU05290rVpT9fifAJqI2ysdl2a2a+D3okibe33cyJ70VSG22f7PV63d4062vmxrleI5jWf4KfZ3rjrsU/GPK7X2fKoTbnaiZdISocqdc5bjfEJfGQ0fMeVP00XfAWWqtmYSUJQvsnhU5bo0idAkPPSEtM4BCFr4nh4VCPtLBwckmnwtN1EJD6mHUtrKUtBQ5/NXfdVyzz63XxEGwx0zLpHhKWEocdAypXAfPXU7hMTbBJjyFsIWsLSpQWnOPnrqTOVvhj4wn/ACk3s5DvLIIUsREn4jLif0fOkHixbpMg5hSPP0Sva9VVLf0Rvs1QdeMb0rn5zs973cvGns/o52iib1WRGib/AHPxme17/wDGkeSDn2alHJHFzEU2d22uNutL3wNIEN8+jdaPcc1esn2ezwp47GF2KZod6o7J/rEfGr0vrOe4Kp7svsJDfjhydOaDzbigvcdr1ezq8h76tTPRdNibzq+0LCSeWiT/AJVhz6iCfBsxYJvsNs7sbMZlC5JuLCGEDjkcPPh91K3HYdUqLJeRIQ8Fnme99X3UVzYzbSGGurbWsJT5OSf8qdf0Y25x/wDp1C3XZ9H1hv8AwrlbPncbvxQ8hztk7kmBE2jnsx5sOLut60yqN6FPqqSrs6vHUKmdjIGwvXJbrD5lW6EPTzJLiQ0hX96qnJ2Jvd1VmRtHCe3fxn4w38ntcvqqUibBSA28kXeHg9wbxPok6h2f2aXmcK7JHBk+w9uu2ligyOrwI70tiNMTr3Y9FpHHs/Xp4/JqT2geZ2guLE21TOtfiDGsa+zvjy+4Gq1G6P7qZCmBfGCz560+7s8qsts2Mu1qs3UoV2ZaadRzb0pTq/zrLllFJbezTiSi/cVG4sQkwXJ3KZFV+MbtvVozw7PzhNa50YXZifDk3znpfEdeezjz7NVZGw0/Du/fhu5+IxI9b5VP9nUz9i5LkcJDzLup+R64+Sr66x5pLJGl2E4tmmbaz2TFZYQ+1vvj+HrteNUiXOnT33mXnt4G9OG/+H3YqUG0OvG/jxIjWFdYcbGsvdr4tPs019NOlvGBHCWm2/R7z+JWqkbkZceJwVMiIxVBVnr8x5oR1ei3n31IQrq/cL5bHnY72I3CQfWR3SlNKRdl5z0WZ+Pw99J/tNXralf86ktlrd8AkkzmS878Y32ltf5H303fGn9yTfRcbszrQ1CTufSj9nTWd3OzOSkEFhvfJGHnm+QA9UCrsLs8qOhqAy0CsY1IGrFRVotM9LOtUltainCleIPnii8joRinsZTV211uLvWGW2ltK3jGgYORVx61DZslthtB15DbDR3n0eCv7xpeXZ5rrYacmxg8tYTrAxke6mSrVMHDftcPU7v30tzUVZreXyNIlwLddBvsB2V4+k7Xd7Ok12LMyHXm3d2fH1Vaah0QiFOYe49r6OrzqYRAlvW+SN9F618ydKKpTszSVETKiwb9dN+9NIaab3be7Gj1fa5+zSI2OaRvNcvve23qx+upabZ7wCHG7q0Eo56Qn/Cmrtou+neou7mV88af8KTOLfaGxzRXUiOetTLBa63Nek6PdpqUhv6SGICXWIf5SR+VWr2qcJs85234M/U4n+GkUWye5GzvsuJ/hpVbSnKxO7XgyBLjdQaax+Uc/vVFCPdurYgSGBvefe73q9k1M/BUx74qX8Z6/wDOuTs6+N47nv6vyn86Y583RIvbGiI+BrtHuXWJDDvq+yvu95XDzCqW+EHwuINx1vB1o3nhq7vz1N/9cCQzH9C8OXyvpaqbKtbouHGI12+/6T1tVHLH9iLP/MSybqz1cPPTOMf8mKjFemvkeXncB3PHzx6lStmjQ5baXuoEOM9gBXjSJjswd9BkfE9pyMfW+UmnNt9mZNR6FpNrdeYJjOYdPxaz6pqtx35Frl4Vvicqz6qWUp4fco1bNmJjqlOsv8Us+fMU52ltHXI3XIXxvr8O+n/w03Hp9y3RBefb9QNsvEx1vKVZ9x51JxZ7xV6VZPuFUyK6YhGFFR86kkXRKAFKOF+Q5Gulj1jXb5FywRl0i6xsZOXEqBpSS40hHPJ91Vpi5IcTkBSfnpdMlxxskHs+YrpLWY3HhGCWBpij0vSV6wSUnsk+AqMkSwX061EpX3RmgcmoSXA7hTnIA+IqGfkF6UlOlIQjlg8q5WfMrN2HE6JF4b0YPI8jUetOpSkKGpPIipVvSllo8Dw4e6o6YhMc74KJUs8RWbIm3SDVJWyNMUOyUtRGihajpyfWFXaKwi12pDKTpS0NTh99JbP21KMTZAypQ9GD6lLyMyVuNJwtlJ7Z8zT8WlWJbjNkzeTgYtoVEty5TixvHjlSSOZpuWgyFrXLLbi06tIHKpFKOuO4cJLaePzUzuLgyWU4C88CR4UjPHaFGRHPpEob9rOcbnPjjxxS6LVOcGUspQB3lKPE0aOtlo4bHp9XPwz44pdz4RdI1KUvHdUk8DWaOJS7HbpfA13QHHP2d0Ka9YOfim/v0q7tOnYZBSMlIzwFIptj2ASNKivgaDwZI/AakhLfH0rTz29iu/aUyqkI9lS6+3Kcek4Gr6NSSbaoI3KeDaedLph4a6ul8hKqn6RPtk8rj0RUbZ5kyt/1l/J+j3fZSr9dPokFVqdLzbgWgjSWy3gk+0KXjQHGANLzhI5E+FJFDxkbkvO739Hs/wCNUtPlXUSnJMQfhbNRWHlAaFI49/x9kU5M222qIHilKpjresNEZVRGoQigtNs53j3Mr9Y1HqtJ6zx9L3vSetx9amNuHSBWNPt0KR7il+S8y+xhqS1w+knvJp2pwDY4uQx+Qwj1udMY9oPJrQ4v8893qdiHMZ9EJXo+0nRWfE+w5meSbQ6kFC1YZwcM+Vam02xbbdFiqIZjMspbTgetVel2pTzy3HSQVpOU+VSrEn8V3EoFxeO38qg02Px3XyFn99Gf7Y7Qv2W5SHrUvepkDdaMd3d8FfyqAkXtmbLS1GaKpT7O9UvkE44p/Vir1dIDMiTGzHa9Bp0cPuVUdKszGSy9b8NeY9f/AFz+1VW0a4lQulxu/wABO2uFPZSxIZcb3aufZVqXg+YHhWo7LT2ZGz8YWvnugEbz+y7Or9mqXFt0cHc9Ve621/VnHApTP0lcO9Vqhz/g+IMW91rHxm67f8Io4yd3QOWO5UU/pWsLTW07smM3+MPjfoWPDPZKfr0/qpHonYks3SZBafe6odJ+QvHBX3dmpialV8ubs2VlGjkhxChlvTjyoXbLOaMF6NP6pu+e6JBPZ+amubdfgFRpUVUy/wCjJ2uubB3874Q6s1Fd/wBo1bvTp9r1j89EHSvs3LL9t2miPQWcMiL1qLye9ZSfZ/8ANUtP2IkPGLJYuGDuynMn8YRnVq8Rxqo3fYePtIwuZPu0Le7xIQ+w4rVqSkauyrzrVjyxb9w3xWSMsdHhmKZlPvcOKOqTvQrQpO8bU2lWdSjp00xZumw1ybVYdjJhjMXL4/W04uQSjlnPZHM86jtnOjt+yB4xCxNeccTjMhKtDQ4esPpU7Y2HdLEjqG0rUB3X6ZlqOEj6iB5/fWzdFJtOwFHnkqZ6L2OuvXC33R8sZ/KlOtHe72r6PD6VRvSNsVIVbUdUjTFvNjd6WBkqHmfarSImxbvwGWpl5b1lzi+++pJ+rh51HwdkLjbVEK2veYfz6JkupX6qe024rz/4qPBr8jnz8FTw49rpGC2tMWyw5yVJefvfxbTRa+I9GreK1e0DwxUTFkqBZ6wyX/fJKvR6e92U+rWn7dbOvvbSS30m3b1zUwSHPk976RNVeXsVdVOtpantLWjSNe85qPhXpMWshLlnOyaLIuiKXIhSC11R/i3/AFh8sBKfkpSnNdTO67LXC37zeLbITq5Hnp511aFGL6Yj+J/KbzcoNhFutj0Fl1LzTH4w23I1b7/X86VkXC1LvC4TLBiwg2N43oy6876+VeX/AA1Bi229ZZa3zy3JHywrdKqcjW+Obj1CHOdJwp70jae9px95rjdmmwmxqYIuN+uYeZEWEN821I7WU+rpP2udM7nd+vMtYZKco5j2vZ01MWzZJkx23usY0c95q73rJVU3F2Y6lI4Pw5edXxnr9n1VVcnG7LjYwtFjN2iuwnn+PV1Ob9wp1aU+Pz07i7Lvv2p58MEiKNeflJ4/dVhsOzBajE+i3pb/ADnrafZ/RqWMefBsRhMCXxj+k7vd9bhWRzvo0Io0WzuyIUWezEWob7dIPgrz1e+nwbWw4uOuO4p9lztA80+VWiGxNg2yEX48xoNu7z0ensez2ad3yPvy7Pf+Od7cdvd/xUmXLBj7RjYou5j9Xajbre+n4jvqV3lf69mlerkncM82z8X8nl9n1as9sS886JhcaHVwnvjT81R0oH4UL+Gg72va9NqpbVsLy/gaqt78eJqS4khLiisDnxpNjdJiKZcWrKWydOOI91TkOQ2hOjqalnUAt08h7qZ3eI0HpEzrCWkE7tCsVTjfDF7iDucZZWh6O4GtKQpTg/fTqK271cmQnUFnIz41aLFCirsqx1XrDxRjJ5JpqIbUpC2lubsMY7Q9Wh/BPKRiGQU5CdI+epCF1ZlsKxlJ8SeVBGQlJ3SVZcK+CSnuipaZGabdPogpKkcEhPeNVV8AyYys6FL3qUYKCcj30+abW0onOB4ihhQtK45SdOscffUi+xphKdXyUrQB40aiIbIlRKJSWsAN9/X401uDQfdyhWoKOTUwbbrBUtWChONXhUcuA462pCFYTnAx41KQcZBG22h6RCUpcA46jzo8NeWlKS6C/niRyTXOtGPM3C2nSUDipSe8aehpTbCT2U6zyCeVU4WFuAkA7or06lEg6T5+NCTu3kNNo1BQxoPLHjTlTS9KQ6OHMEUZUdtW6G+z4DHOi2i91jd8mLEDCdJCOA+vlRVOP8dRB4DOPOnpiEKDaikk8/npsiI6X0rzlg5S589FJe4BSQUlCsFOcc+HlThLK91lROM10ZppAUnicHhTpDZICVE5xnFRR9xJSQwkMsvMOl38ny7ydahUcLW3M/HJZI/3f31YlshKNKqaod0IcQgf86HLg3fISyuPQxZTLgONPF3ftHtqCalpUSPc4wSU9g90+VJBb/fx+zTuNqa7fgeaaX+ksp5SvqCmG1tP+hkDk6OTlT2zdxddgR3JWKNNgRZ8Tdu9xfc9WhcdgRAGstox6lKhiePIpX0SUlONIC52Jmfl1hQaf8sdk1VbjbZTKyy+ks48QOdXeNcIz4w24n6Ip2kNPDS62lY+UK2LFjy9diFny4u2Z+088lspaWkhXmeNSkF5zdd1Q4YINTrmzFrW6HEJKCniNJoHLBz0SQAeWRS1oNTjfI56nFIrF1UlMfUpvD3gryFRcUnXqc/51cZOzKn0gOTAAPBIpaBsxDYKSsqe8tXhSc3p+bKxi1eOKIeG2t7CWmlHVyPgKnINpbb/ABiWkOOjup8BUu0yy2j0LIbHiBTOfMjMu6XXgMDu10o6ZYo8mJ53k6I+fIdkuJix8pR+VVjGPmom9CgYEZHEd9XhinKpkJ1OEupyfKipU0yk7tvVnwHNdZHJuQxKgZTiI0cAaSAKYIY6wC8s5R5UqYgkLUpwkHPKl206UlHICnQw2+Qt1LgayGG1uM6AdKeYNHbaSheWxjJ8aduIUcciKJpGeNH+n2yspS+4ksDI18CBwoVqUSkcBxocoLykqOOzwpvIdDDJd451Yq9/yC+RytzxTgjNJjmXOagOVBELbyAscQTQvaUEjPMcKl/uICp5zvIxjVy8qbzGnXFgE9knPz0Yr0pShzs+7zo7oUkN5OpOc/NQN2HEALJy0RqSPHypNK0nKCedc8o8uQJzmm8HdPFTqVailWM+VLnKgto+wlts6E5IGa5TqinUgFBUNRrnCrulPHjypJTrm5bSAMHNMsEbocccdGEjxOaJvQ0EgEZVkEmuUHBnA0BByTTGSh5UoNE6kBWrIpU3QaVilxYV1lL8bAQNKT/jTSW8l6QkJewoZSf8acela/3na/RpcMj0R4et9Gk9hdDWPGR1Xq6k+j9VOr9VRMu4MWgsssjdh3V+U+JV7SvdVmfQssaEpG89VWn9dQ9x2damsOtPcGz+x9fyqY+SRkl2Ny8uYfSaW2ncFtSfDzp8luSoqWHEELThTfzcjTRNuVb46GiSQk6ePiPCnEUOBJjqjqCGwSt3PPHMUpPikMZGuwpDRcUcSErUNCPBJ5mqtebRAkyZLTkTqzivWH5THKtCaDEqK0iMvDfHUfEHlUbNbZ3zalI3yRxDnsDxoHGnZcZUZZmU2JDE+KeyPSgdj7SVcuKVfxZqLY2wZdt5eTLuVuixS2qRDcWlaS2dWnSrn7P0a0G9CTHvDEl5KTBd9G474SPZ7Pqu95J8Kr0y1t4kRp8UQnrlJecDTo/K6dKt2pPyUp+etiaXYy2yt75+4Sok3fEp+Pb3bnrauyrT8n1vo00vt/tir1+Nsl4tDcP621JT3j2uPzfo1PutsQLXGSy9guNpV6Mcmu0lXz8U1n8ApamtmJupnHjvHOzqTqwl3zChp40zElKy5EPPYfYmvncPGO7pLjrX53vJTp8/vpvbbq8SUgOmAG3fTr1Z9+r3pP76sO3QgW+MAJDxkTG962yOTbXZ1aVJ9Yfr7VUyIp8X5+QSywFjk38S/wB3T9/96t+LlWZ37WSLDF1kWR46chzTu/Rel7p7v0uzq+quqVtt9Si3mYZ0lyKs43fqjPeSfd/lXUr9RNfAzwwJKNdWEympz4alRI2pe73fxOPV+erGZDF3jw75YrV1T85vD6XV3U1F/wBEhc5HWN+AzJ47vednVp/Xxq47MWKAzY2hCVI6zoVq3p4eGMVpycUKjbJi1KgM2vqM60vEkK+R6Xx7VPotu6xbWX/g8siK76Tvet/pNGFmZmbovKdawhO849/5qm4rktj0vW3Sz3GQvu+YVXOs0IFMSI26lUR1S147YbGABTh6Gl+OtkyHEtq4lChj6qd2xJ3r8hlxtCFDtICeZoiG5Dq9yopBUewrOePnVIqUmIRbe/1bG/ee73pPyXe9ql7zBehsRHt7n8561Sb53FuADX+/peO711PLe8Pi+7/o1TQjcGtTzMmYUtsO7rHM8qkkQ46jgtshQPAgcaiYEibDUsJZStGfCnrcp19KluI3QHikca0qKES3C70SO2gjdIwT2sjnTOZDguRlCOx6M94E0s8/vkBG7dXw8fGmjTrrfYSxoJPJZoaTLjuGcOHHYQ7GDakrJ7O55UaRa4zEdzS6EoI9JnnT2SlpK23kN4J8+dFVvpLxaQogH2uVBSC3S+4xNrSxJ3m+IcUBjtU7MSS+56WRrCSMdinyENraOClbiQOOdVKxYziCVqXjUR4ZodpPKRTTO+T6RSwpB8KfNBSIqkgleo8M0vKa7RaiupznjwowjkMlsuhWeePOjeKS7B3CLzalRdytvsY8PGmzELTkPtJUMdjjyp6EvJCgrPDu++jrTjSVAqJH3VW2PyVYzYa0vrSpltORyUc0RUaQsZ0JShJ9Wn6GdThK28K+elA3xKCMiosMS91DF1l04OnAPnSzDCkAZSfnFPcaQjKSQKWWrta1NqKMcqZDBFC/KMw1xKi3mg3KdJ1App6h1Zz6LSKIle9ygY+6meJIq5DKIzoO/wAcU0uPSv8ApWfSf6xT9OAO1ozRHM57WjFXDFYLYxkpQp8JWnGPEUZUdplkhC9RPGnqEBQOUjj40IZCRnSDVrFZNwxiMqS0pxQGDRdPDHKpJxoaBiihpIPdFWtOTykZhRyEDjUeLe0AFOAklepVWYNt54ACuMZkpOQDQz0fk4Cjn2FXkwXmnA7GOGtQNWOOjCG1KPeGTTlyLHEPcrOFKHZpNbYyyyTgpGKr9F4OQZajeLrKUJSvHChQrUAc0kspUwpKjy5Uk2SBxNHLnoXt4HThTz1AUk2sOOK0K4eJps8rsGloOBHASnnQqU2+C3FUKT3g0x2VYOKqat46vCkFWVc6nLow6+kFDunFIW5t0NlLgCsHnWbKnmlQ/DUFuI5VpW4SrUQM8hTyPGS24NBVkDxqRSlbTmU+PgaVUFKUnLY4+VPxaZY2DLO5O0R8kPZBBwa5GpfDOT408VHLo54oqIunOg5NFHFN9g7hANlGMGiltSpIJ4inRZJFAWnG1g8xUlh+5Nw1cYXgqSRjPjSTkdeR6TOoYxT4tOFwqVx9woFJJWOGMUEsVl7mMWYLsNgDgSo5rtwVZznVjxp/KS4pYIykJrll0oOWwU57woFiSL3MjDDC97KLnaxoGPAUV0Kix06TqJ7uryqQA1MlCm8AnOaTU33cjIH6qW8Re4aCOXkK1ZweIxTSJaER0upbVp3itQbV51LpTw7PH+VDuyeOeXjVeIYslDdSFMBpKjgHu+ZpGekJbBKSkFWMedSrwQUtnnhPOmzjKl4UoAoIx780UsYtSGJS0W1NacpHHhSMY7p59CWdSCnsqxxpxDt7jMdxEhetWvIzzApVIKeA4+VLcBm4ZJbWt5IIAQric+NKSGg2jdAAHmBmnrbbgSA+wQOQxRHGWF+kKFqWnspNF4itw1KwhAQ2AlWMqHuoiwTzzT8MoALhZO9PCiSWXX4yXGAEuJ4aPOq2l7iOTCU61kgcD6/7VciK+7vA2gDA5p/ZqTZa0tZUkqPlSjWQXEBBayPCp4ieUp3wSUynmc+hk/mz+V1d77v4qEhh+SUME5cGC2432dXdSmpwxGusc/8AzUkq1EyC7ud13e33VL+us8sW75D8v4KouCyxGMMsPboFLLjbnh7Xa+aq7f2DPUw9AfZU6k/Ht6S6wrtJSrV6uQcKBrRZcF5lg5H97/nUHZ7XCtsiWIttd4+mcznT/rjUqjRGRUb6h642mXc47LB6ovdSS1+dT9Hvd7H2vdWbJsL8O3XK7Mx4hy5uDLzp7Q/svVPd/SrWWITNpkyILNvebalOekfjuafjVK9Np8aom0FvftB64GXi5Jd/q+8+O9yv30WL5GmZbUvzFvNPW58R5UZ/sR2PjWfBTX186bdH9qN6TeIUllsS1gv8fk9zT5aasUqxzRtH1gwfSSZHWNfyU+r+ujRXbr/SYzE2pnqqo7rfV+4prHHgr9GurvM20pl1skR2zNusEta0JXI4/wB3l2tPOuqzmxXtvLO44HUex2e8ru/V/OuoPJNdMPxw+xskHZzZ6bGKTcJqCUdhBbGBT21WGzRIrbDb81xCCe04jGDT3ZmdbpVqHVEtkauAU2dSaWSLoJjqgG5DY9UIICaXKo8Bxch/Ztm2ZbbrgmOJSPHBp7ebazBsyI5mrKicjSFZNBGnNpa3UlfVHyOBSFBJFSDcuG/IYhmUy9w7JGrJNJ4BlKRFWiJumQlyQrBHEngcedSCbdlRKHMI8zzqxWezxWACXAs5yreAH6qeTbWw6sKSUtgezyNOjAzy1CM/2iudo2bhNz79eY8dB9EwyOLzyvIJHE1Df9K+yEFKRcRfbZHz6N6bankJP16airUbdP8AwpL5BvRSqRBgJZtLbvJJ0pUrT8ohSjWybS2CHftmZtpmpSpiWwWlJKc4PifqrT4qEeUZw2i+lt1C8ocG+B8wrh+6qvfOkHZDZ+b1LaC7G1yCVaEvxHhvMeydHGrzaYCGoLLGs5aAZH2RisO/DOjp+BdmiQCevP6D9lNXGIPlLonpa6OGsPO7SR91/uF/4VbNkdobLtda1XWyyzMhb1TSXd2U5KefOpuFDiKgsaozBBbTn0Y8qa7MbOQdn7c7b7ekNR3Jb0kIA7KC4rUEgeVH4WuwN5E7V7T2bZqPvb847Ga/PiI7p+8DAqto6Udh1xRITtCssHV6URHv2lYqz9NccO9Ee1KCAcWx4jPzVV/wYh1roRtyVhKsyHwQRwxvanhr5KWQtuyd7st6gmVYZkWfBHN5jtEK9lVSiENA7tOrtVhuyFhe2V/Cmm2yxreYssuMqRKYC/RcU6kjT7j41u7j2JGpBThPuoHGg9wk22ka93qRlXlUVJulmG1UXZ55/F1ksKmMMf2Y4E1M9cKgktFJGrjwrypt5tLfj0psdK8LLlng3dVsjn22mR2/snU7QbbL3P5PUu63Z+z9mgXFJ4700eFP600xJhBp1p4BzX8lSdQp8gOn8gKraVuIe4uxYcNc+fKREjxkFbr7vAAVTj0q7HsJMhHw7IieE1m0PqZB886agfwjpzKNp9hrVdiRYJVwUu4ezpTpxq93E1trQa3CQ2EFrSMADgRTY4fyDuK3srfrNtTZ03exTetw1OKbDmgp7SefOoXarpH2I2bvhsN9vSoUxLSXSksKUMHlyqw7NWWFYo8qHCADUie5K3eO5vuOkUWDs9aWr3cbyYTLs6esF151GpSUpAASnyHCj/hfcHkqv/S70cITlW1UVKfMtrH92lG+lzo4UAU7VRMHiCG3P+Goz8J5phnobuakx2kpL8fUUoAPxyasXQxFjL6KNlyY7JJt4yXUDNVRNwbZXpA2W2quMq12K7ouUuO3vlhMdQTp1Y5qFS9/2ggWCF169OPswx3nkRXFpb+lhPCuh7NWiJtWdooLLLEpUPqb27bSA4MpOo48eFLbWDVsveARkfBz/wBFfojVbSrIXZXpB2X2pkrYsNzNwUnxZjOaU/SOnAqz6yfVIrFPwOkOJ2FvBCsn4QHHz9EmtvSHyntYFTaWF3h0jKSaZTLxb4d3g2p90ImXDe7hsDnp51JJCtONQrzd0t3i+Sdq5W2trkYgbJTmoGj21JG8UryVqPD7qtRKPRxVg8qFTnZpvYblHvFmg3WIoLjzGEvNK80qTkU9UdXqUYFDK5XWJa7audLcKI6NOok505OKGO+zIbS+06lbKwFIWk5Ch51Vem6RuOi2+Phrilts/S9KKyfo62yvHRxtarZDbzdt2eTiRBdRxTGSe7p/s+19mqasNcHofSr2qh9q9q7Ls62HbvIkRWdOovCI6pAT7yBwqbbLbiEuIWFJUMgg8CKitt2Ur2Iv6VgKSbXJ7JGc+iVUWICxpsntZYNqG99YZbktgd54xXUt/UpSdJqeUfKqB+DvgdCOzW8Z3X4ueXj6ZVaElINW8ZYmlJUPSr4eVdpbbSXEjOPClOyD2kcaOEp7yaCOGBNxSLl0p7CWyaiHdbyqBJUnVupMZ5CsfME0i50w9GjY7e1DQ/8AcPf4VnvTcmKj8IbYJYIVIWGcJUOB9N3jW9riRFApXFjqSrgoFsU5pEIzZa+WzaW0M3azvqfhPFQbdLZTqwrT41H7Sba7NbME/DMx2KPznVHVIUrGeCgMVKbL2OLs/ZmrVB7MVpbym047up1SsftVnv4VAB6GLgQ1rPWWOPl26DaVZeNm9qbNtGxv7NIdks/n+ruJaV8yinjUwvB9aqh0JR930R7MgjSRATkVbkBs+NBYxDC8XeJaGOty+s7v+xZW994SmqwnpW6PFMF5O0iCBzwws4/VV7QAVJBwRWBfgtx2htHtoyttS9MlONQBZ+Md7tRxIaLA6Sdip91iWqDd1yp0spDLbcZw5z78cquHL7XdplcbBbZ8y2zJTCDIt0jfx1pGMHBH86fFHHNVtKIi93i22ydbYs2XuHbi/wBWjp9t7BVj9mpE+VYt+FOqU0NmHWBISGH3JRdZ5tqTpwT+utI6PL5H2t2Lt20DCuMlGHk+TieB/cKU4hE6GytGk/8AKmt5lRrRa5NymvBuLGaU684eSUjnUtuxoyBWI/hT7Tqg7NO7M254l6RH6xOx+TY1YTq+c1SwF7jX4j8eVDjSY5y2+yl1P0TypYnCSfIVAdHCVvdHGzTq07tZtjGW/Z7AqwNNr3Xy6qUSyozekjY2BJTAm3R6NMcONw9EdS4fojTxqzRnmJkZp9je/jHttqSr6weIrH+kK3uP/hGbNuvvJ6q3HY6uHF/lN8oqx7+zWzFvicfSq3Egw2jv9r2dt0Sde5AiMOyWo6FHiC4o4BqRkgKIWh5SilXa+as4/CEimZ0etMDipV0jY7ejB1HtZ8Mc/qqs9GW2dy2Zu7OwO28giYTu4bzrvpvdvPV3J8DR1YJtLp0DHEgjNQW0W2Fi2Yyu/SHYjGPjxHWpv9JKcUv16X8INQ5bLmnta3Bq72rlUD05pSrod2n3aQf+rjzX5KFKcQrJvZ7auy7SQOu2aQ5JY9RwxnUB36JWkaqd9fd/rO5qB6LmN70d7LYGvd22Po/+EKg+nLbN/YfZIGAd7ebk71aE36od/OfV/FiluNhx4Jy/7abH7PFDl6vEeI+ruxyFF1XzJT2jUJJ6W9m+r73qO0mPb+B5Gn79NI7A7AJ2TtTdwuSOvbRzBvZ8+SN8sOHmAfAVa0pdfiuwJEwY3no3MdyqftG7SrROmTo5mNL1X1aHknAZkR1NKJ+urNJiuSn0EZRjmMVW+lfYW27UWZCo1tjpuTJDkOSBhZ0qT2Ve0CNVWmPKfTan5L44pSQfleVKyq6CVjM2qE0+66X/AErn+hVQ2wsZatxmsvZPaR8nTp4/qq1RSXutHx7PylKSeIV91Qe23wl8HyWN7u2nPX7qaXGQ9GIbUSIYctrCeuhto65Dnea96frqRQLUzc2JsycWmS2rX8h1Xd/iqRvtvj3TrTLKXWluQ/SONjgy61pV9/ZqHQma/JYRKZ3XVsPW89X9EUnPZUr2iPPyrUpELJHs0GQ09Kadk6lZaWF9lKiPEE11LSWt/awxCUAp2Rxaz2Rp7zytX2a6k7xu0tezezTtht3XIT4mMyPLvcKf29p527eO7c05+TWc7AXm72khhUk7j4vdn8t/n2q1ZD6Th6Hj1c/SrS5yn9TBSH1wsDN4t70dKt3uzrbJ8KhbFb2rO/v47upSkkY9451YLtd2YkhDCDgKbSp7HgFcvvqDgShEnsodZ1kOq1A/s/dWZ0VBzZeoz0aXHW1xB1aXqcjwaB/TTUDcbnvY7Utkbr5bfs+zXMXV57dMxP8A4h9r2a0rgwtWZ7+EJ0XzZ8hrbjZMlF5iJ9NHa4Kfx67fk57/ABpt0JdN39IH2dlNqgIl8aO5RIcGBIx6ix4PfJ8a1MTTM9KHt43+kngrtVhv4UWwTDVlc29s0cQrjEdaMxbX5dKlYS986Tp41pirFbfk9EOuOfk/2qwb8Mtak7PbNnGSLg9gf+6FaxsHLkXTYWwXeUSX5tvZcez7egZ/lWWfhoNabBsz4f8AWDv/AHQo1EH4LrH266QW4TZHQ9dylLYwW7ixxAHs1c+je/TdqNiLftDcYKIMiYXFGOlWd2kLUAD7+FT1vITAYAVn0Sc/cKZ+hhR+pwg0012j7Ke9/nUqhT5Ibpldx0RbVKz/APex/wDdWU/g+3TbC2dDcH4L2YgXZjevbn/rXcPL9J2uypP86u3SyJUjYPahTp9ELc7ufuqH/BlJ/wCiO1IUMrEp7P8A8Sq8t/ASiQ/RbtdAjbeXNvbaO9Ztr7o7wTJ+J3Q7jbX+u1WxlvKyR99Yz+F3YgvZW17RBkCRFnbjI56SkqT2vcU1sGwsxdx2Isc9/wCPk29hx36RQKvxJ9jFKiv9LN8Tsr0e3S8d6RudzEHLU872U/4/VVeu3RvHX+DmdlDuxNYtyZCe0Pjx6RX71Cu6VoR216Sdltgx6W0xNVwu4B9XT2E/69qrJJ6LOj98aXLASOX9be/4qZFbRVkH+C3tM3fOjSPbHXdUuznqqvlN821fccfZrVHHEp7IrzVsEf8Aox/CKmbJqOLPddKIe81d1XaY7XyTqar0atxCSVGlydBlM6Y9io3SBsq5a3JPVJTeVxHvZc8M+7zrH9gOka89Gl2Z2L28ZfVDjlLYdKFfiafVVq/Kt/w16MblsOvLYQsLdQkKUjxSDy/caq3SPsRb9tLM6iRG3VyZSTDkfmlDw+UKq9xZa4kiNMhszIchEhh5OtC0HIUjzHnTjKfUTqrGfwSrtJunR9Lt0ouEWq5Fpgr56CnOn5gdVbPlWeyNNDRRl/4Tjik9DNyBax+NR/8AvBVk6GGlHoo2ZKnsqFvb1Hzqs/hXOJR0M3H0n+1R/wDvBU90Hvp/6HtmNKSpIt40k+PGjsr5LuhDQ9U0y2l//R+5YGfxF/8A7tVOFPOj1BUdtKso2auhPBPUn8//AAlUNgbTK/wQ3X17GXxUlrdum593y9Gmtpy35caw38EB15zYO7KeWVvG5nKvP0aa2zJ8qNyG7SH6QdoWdldjbnf3dGmGwVjV+c8P14qjbK7FImfg+u7NykkzrvHcnPbxY1dYdw6nP16aL00q/pBtHs30eMu4+FJHW548o7Xq/a7X6NWZjow2EaecDdiIDwwr8Zc/xq7KZSvwUL+/I2RkbIzzpuNidOG/Jhzin7jq++tnUdJ71ebFx2eiT8Iy3ssPvRrFdtLeg/FNNO8OfudT+uvSB4rJxQsopHT1q/6JNoX0vaQIw/70Uz2o2EtPSH0Z2yDOG6lNQGFwpY7zSt0nPzpPDI8cClfwhCB0I7UZGCmKP+9TVk6O3OsbAbPO471sj/8AdporIYZ0L7e3TYTaNXRpt5rjtxnBHhSXe4znknPi0r1VeFb3tYdWy96QDkG3yOI/3aqqnTX0bW3b+whLYEW9Q0HqkhfAceaHD5Hy8KoPRLt5eYVouvR7t1iPNYjSI0R55z0znDTpV/JXjV9gF6/BzyehTZjP/Z3f+9VV/wCPlVB/B1GOhbZkeTDv/eqq/wD2qBjEJgHNKoUc0GRQJPGhjz2WYB+EGp9npy2Jnxo5lSmQyWY6ebx3/dFX279IO10GI/Ie6LLuGoo9IfhFhfZ+iOJqh9Ob5a/CD2D3jX5nl6n4x4VvywFhQUMhXA++mplNDLZW5P3fZi1XKU0hp+TDbdUhHIahn+dU78IgIX0WzGnO45JjpV2scN6mr1DjMRIrcaO2G2mkhDaRySkchWb/AISy2m+h+4OOtocAlM4SvkeJoLKLR0NuD/ot2fQnspTbxhK+Y4+tVswPJNUvomMr/o02cMrdiR1FnXuMaVj3Yq2H5iKqy1EWbOVpFea+hGVfbBtrtwbVs09fnTJP4vHkpa3HpHVJ73tV6QbVhaT5Vgn4M8iTI232+nPva8zE4/8AiO1IshoVq232kmbV2uyXTYeZYxOLuHpL6XAUobKjjT48udXnehPxiSaKWmVlp9XFxjVoPkTR8nHdzQyKRlG1sZi7/hC7O22SnfxhZpQcb5gBQVnh9dVPoPelbAdKV76N7q84Y0p1TtvKgdOQcpwfDLePuq3WN12V+Ete8oGmFZW2m1Y5FWnVx+uoz8JqzTE2iFtxAmutv2p30rbfPGpOlX2T/FQphGzqcKGnnFKAABPGsNuNtm37os6QNtbhHDMy8JzFT3vxdgp3ac/K08/D31KbV7Uq6QNhNnbHYpRalbU465j/AGeM1/We16vlWgbUQI69hrjYITO702x2JHjo8fR4SBR3tBbILoAkyJXRhZzJidVcaU80GtOMJDisfqIq+Laa89NZr+DswqDsI9aZJLT0aSrsFzUplKkpOkq/SH2a0VY8jrqs0ui0Y3txuv8A7JXZtOY2Oqs9tfe1FTowPqrZFtNNE4eV8qsG6SJbf/2TeyTeD1htDCs+1ne9mt94HirT8qqaospHS/Gal7F5ck4UqYzu8pz2sn7vnpl02dGMLbmzlyLumL5FIMaQDgOf2bh9n91M/wAJJEdXRkTIddZQLlE7aPD0grQ/StspWgFScAjwzUTKoyLoY22faks7B7bP4vjJUIyneCkafyLqlePsn1k1c+mljPRbtQOHG3O/Yqu9L3R3/Te3GdbQYV7Y0lsq4Jf08kn5SfVNVO09If8ASHYG/wCy205ejX2DangC81oVJw33Vf2tW+SzXOjdoo6O9mE6hhFqjf8AcisY6dpG/wDwiOj6A+fxNpxhz7SpH/hTW2dHLQX0c7OjPE2uN/3Saxb8Liwzoj9g22tmSu3ncKPsKCt6hX36hUSIbrcd44ojwzq1+rTA74POnHAD6Kvo/PTXY7aCDtrspBvcJQU3IAWrB+Je9ZKvompWQwyN7l53/XGsklQ6MjOr90oWGzyBFl3VUeTo1BuRHcR9WdJq4bJ3r4atvwjGT6JzuKLCk9n2uNYX+FMgPXrYw70ZdlPNnh6u8a/4q9FRYIjRcJw4Mj0Y+aqSuKl9x0pc0NkJis5MRhtB5E48PKqTtu69GebW5GeeClpSsYxpz4++tAn7lllve/l6r20rHXbe51R70rf8J5Vmk9oWF80Z9Mnvi2FlNm9FK7DnBXq8NX7NQMsPzbJEHUdLrR5t6lKGnT3vqq33SNdmEh5id9W77ntfUdKqSiW6cbFcn+vYzH/NavWrRFGkoESe26l3f29Ul1qQ6HF+s81+drqWkPzoMnqT01l1ouJ9Itry1BOr59WPs11VYYvaY7DVkCQXZao0lS3HF93u58q0LZW1MtWoqEj026zjtatPtKrH7VIfhWzHWMyndOfVV3u97tXarWrSrqMVnjxMZO8Hd1pUn2qmX20TsVt8J+YTMdm7vHf7Gr3cPOpmzBlz0zzvWd3380Oz+DFLD+53O79H3t72u14cqWjWSa4zw7bbnrr9nwTQQiLchyZof3Q3G6Df8XhR4u8EtLyxhCccFUAt0preNOcexp+j76kmoiktoK++rTwVWmJmdfJley20O1eyMu5Wm/bFX65QzNffhTbc31j0SnlHSpP2qdbXtbTdKbMfZyPYLlYdm1uhy4zLjpRIfSntbtpH/FWsRUJQrBJpWXJjsAZ507cIOt0diBAjQoyNDEdsNtpzySE4A+6sR/Citm1e3LtrtmzOzNymNW11xyRI7KEHITp05PGtgTIedcc3itOFcqcR2VOth5OUYVzqeX8AbTPrN0i7YtWiO1O6LNojKQ0G3Cw+2oLUlOMjjU70dyb/AHl64zb9bpVq377aIsF/vNtNJ731lR+6raIih2knhmnTSwFKA72KJKyLgp/SvBuEzYa52i02mZcX5zG7bLWnsHV45Iqi9EMvbPYjZgWG8dHl5fDT6nG5EMtL4L48QTW2qc4ceHvpBaS5kpJHuzzq2qB7M32vsd66S1Qod+g/AthiSt+Y+8S7IlFPLOnggc/vq93Of8FwUpi2eZM0jAjQm06u72eZATTnlpT3FUO9I1JHaXQPN+CbTKeiGJtSjpE2n2n2q2cuMF+7rS1HOEqSw2PVUrI8k+HhWuLd4qA4q86SZLvJ0/KoyHWsKDQynzqb7IomM/hJbG3/AGimWS7bNWyTKukIlOtjCVJT3knJ9k/vrQNhrzc7jbGV3+wXC2XVLWHy5hTC1e4g1aEkufG8KN8WPRVCjNNq7htns90jfC9q2Zl3iwSrc0xJEPT1hl1KldpKfrpeZtrtJeoj0PZvYu/sy3hpMm6tpisMavW+VV6QXc9o4pVJJFTcFtK/0YbJwthtlmrNFWqS6XS/IkOd51xXeUfLhwqyHef6VQCjiqi7BMs/CLg33abY7+jNhsEy5POyGnHHOylCEp+Vnn3aluhU3WBsNbrDfbDcrbLgR9x6TTuuCuzpUDV8UU+VckpI4poyUHGPOq/0hTJbWyVxj22zT7nKlR3GGGWMcFKSU8cngKmuNCCc8KvopmJ/g4WrarYqBPsl+2WuyRKktuMSGwlSB2cK1ceFbJd5pgRd6IkyavluoqQp0/PqKadkkeJNJK557tW2QyDYFjayd023Ha3abZK5RGXI/VLb8UpDDWpPewfFP8VbLkZooJouaFloyz8JPYmbtZYbfIs0N+Vd4T/4ulrHxSsas58OAq19Ht62klWxiLtLs/cLfdGRh5/sqYd0+tkH1qs4zmjg01FFD6dG7zeOj+52CzbPz7nKuCG0+jwlOnVniSfdT7okeu7Oxtqtd4ss+1zoURLL2/06eHDskGrevJFE4jnVEHB5Vm/TB0YQdvLWqSjdQ7/GbzGkj8p/Yu+7+GtC113eNUpEaKp0QWibYOjOyWa5M7iZFYUl5vyO+VVtKaDlQ6qJEEgeNHSONFxxoyeBpTf2LMD6X7DtleOlKz7S2TZK5PQ7WWPzadeh7KvGtytswzYweMSbCOrizJRpV/FTtRPnRU++jk6KSFEmsw/CAY2jveyx2d2X2fnS5Tj7TxkYSllKU5yNRPOtNSaDJ86BFsyTovvW2my2zFv2au+wF4mOwWs9bjONKQQVZ08+Y1fqqwW697TbQ7V2th3ZS6WG1xyqS+/Ox21BJAawPedVXsHHKhyT41ZQzu05VuimSiDJnKHAMsJyo1gHRXbNuuj69Xi4Sdh7lckXJRK0suoyntasjjx5nyr0QojPGiLJxxPChuizO7/tTtTeI0azWPYi+W8zXUtSpk1AQmO0VJ1KSQrnjNaHLk9WbVIQ2+9pAO6aRqUaHkkYoAhKmxq4caW5EMs2IO00fpZ2jvl12TuTVtumkRnPR6m+162D5AVp10h226W+VapzIdiymlNOoVxCknmK6SstIKuKtIxQOOfw0E8gW0zHoO6OZ+xd1vNwnjfelMG2jecoerVq+v8Au1qEuOw8y+CyoqcaKTk4ycUAWUUu09kUPl3fBe0yjowkdINgkSYW1WyUx6EpLfVnYW5VudIx2uParVo7++jhS23WdQ8RgilDk8UZFELuTpWzrp8nYBhO21u6QJ/S7btpoOzFxetEQsDQ4Gda9KjqVjPyq2WNKkSI28LEhklWncuthKqkS2e0pDpT7qIXc6UrVp99Z8sgomZdOMS7bR7OJ2dt9huUwrlNOuON6d1pa9XVlJzV92Zuj8y3sfCdtmW+UhhAcafwcK48iOdSO5a8xmiNN8cn0ns0cWToPKaS544rLOmjovG0sZ67270F3b54/wBqwnuq+V761ZTiF8q743+L2acCQGxTT9s2NssR/wBGY8Bllxv1kKAA01I3mLAvtqk2u5wmX4klpTTraxwUk86GTDc3WtgadfjTMxHA2XH5OvR4UhuhijZjEDo16Q+jK6Pz+j6e1eLPIcy5bJJ0rUP3E/KGlVWD/pG2lY4Xboy2viv+UaOl9o/arQWJh3gcSsnTTmRPZWgb5wt6eOnzqvLfwE1R5721tu2vSftJaFNbIyrLEtrhcLk9xKNWSk8vs1v1rWX21KL3o1ED6KvGnSoiFKUrRggYb+aisx2mW1BLmAnifnqdjLGdzD3V8NO5ca7i/n/50wjTmXvQFobs9glfZ5eGKlJUvcutun1wqsm2kll6OX4G+aeEneNr7vrd7+I/JrNlgl2zRp8TydFsvZDO9aGDu/D1vnqvWy7pD5j9YdxKDuj7PFSf4v0aEvnqvXlKJlyYyVmOez7XZ/4azXaDfgZtbzzMoSHdHpO/qSFffhVHixXfIxxJvauAFW0z4G9LWU5+yoFKh+1XVC7G7TqtJMG8MtN2idH1oLnmnvfrrqPxgbrInZR3K3HVB13inmj1a1xpq0F9DzNwQxoQC44tzgBjuoFZbsnGut2v7j0EDqZP4x7WkcFKSn7NadtDYrIzqQ42tWlolLoTgJPs486PUPodFEtHvsGIhHVcIb0jVIC86uPIipq2Xt8sfjUwnu4wOz99UrZqAwy8wliMp5g57K05VnHLFXuwMMx2Du0hGjuDX76TtAyR6J22zGpDBBHpAcHPM1MLejMsgqWk4HEeIqJSYkbK1BKXiM4FQ8x6ROnICB6PPHB4mjTilwY3Hd2WGbNCUJMTQM+OeNRrLyn5RafwVp4hXMinkK1RVt9plefPPEVJwbY1FdKkp4q8SMmix4ZydgNqIjDtrSFF0glSqkU6GilJAOfHyoXVbvlTNpxS85GOPjWuO2PYnsdb1IWVajjljzps+lTkgZGAOIFK44jA4UR1ZbkDWNQ91DLOibTnApLKeGSPCi7zUdIax54rlh5x9SlKCUHkKFB0nSk599LlKywyUDd+lAIHIVxKTjdjHuoOzkqUdVJOulRw0OIqJqJBUtM6wX+8fAUUONtakNDQk1HxXHirVJVpc8jTtOlWdQ50CyOZbiKJUrV2uNG1nOFDIohGBkURThAyniakiCwJC9WkAVyleKcCkiSU5NEQC4PICjUiUOE6/DjXKB1YUDQNuJSnAWOFGW8yfyozRIEMkUKlYTwTqpMLCu6omlN08pOeAFMKAa17vtgV2ONHCUp5nJoArhwFQgUqPLGaIQc8qWIdUOCNNBuXR3iKogRIVjyoSlAHacBNKbhI7zlcWo+eOarsgnqHhxoQoDmk0rlod2u3gHqCjslCe8PgmgJJ5po5dHgmu3qvZFV0QHWfJv7qINVG3jnkPuqPnXZ2LJWxuu5Cdl/d4VVlWSHaou8P5s0LDu9jx3fbCTRy5RWQT1DyodSPGj7weKKDU2rmirolhSWvA0Q8eVK6Y/jwod00ruuYqmQT444IoFavFOKOtlQ7juaT3b2eJzVEO4+FGCscxReKeaTQa2iO1kVRdhVkE8K4HPhiiuBQ+K4/PSaQ/qyvj81UQcnlSbhIHZ41xUeWk0KuI8qDoITTxA86M4oYA4UmsnWeQrj7xSmWgAe2TjhQndlGs6hppBail0AD56UA3iFDiKFSDHBewQgdkBNFS7gDV2sUkvHM1yyDxTwwmr3T3g7RyssurGgkH30VYQVJG6CwOdIAZUO1QsKUlZKe0AeNVdlbRZGh5Wto6R5GnKuAAPD5qbtuMuZ09ilFLAAHhRxa+oHkbymQXApB40phbTWo/qoH0gK1IXj3UiJSdJbdOnyzQt7XuLQsJaUYCxnjXOrZdBQscVDgabusF8JUDjKqZzJMiJu9LW8QDxNSeo+4cV/KBPhbtYcRg5HECopYd1OMOjRqHZB45Hvp5NuCN+OKghZwUq4YrpcQvFpxDgDgPEDjw99ZsyUujRH2nQpsoECSNSFd5J8T41MJUypjKQBnwHhVeMV+IGY7jvWFMjOv2jSfXXIqA84ssqWrtA8vdWeOV4/kksakSN3YeUiO6zwajg/S+qs5mWDNuaaB9M06kyHPzzSlavv8K0puXGlRnmpDQwRjicioQwEvxn8+hHZ3e7+l/jqp0sil2hmDK4KkVyVFeUnrjqQ0zutQX9FXe01m21sedazGOMtHJzjs8Fd2tikx3OquiKwXAGVFKRw4E1D3G0shhImt8XG8uKVxwSOFNWdRNEXZ59WyzPs0yG087uh+c8HcatX3cK6rdMsBgmY11f0DrmR7Xou0rP7VdW1ZvwK2Gg9GuyFpt8VueJ7sstOa4+7+Unu/PnxqySm2JKNNzZJcxqW2O1xqudHnWBbGNxkD8o53u17On5qvsxuEwsXGU6C3nUtR7PCufkjaQcvY6K3bYLfWPxMENOavpf6xU2NxDjgb/du7z9PyzSSp8aRJaYt92hb3822P9aqgWWJ78kstMlt1tzn3uzz1H6/3UTzfgrst6GmHXEpW6ouY73nT63WyOwoyAhRWDzJpHZ+O61EAlAvrz38cqm3lBLISUhIp+LAn7jHllt4FGnyE40pTjxod+oHVq158qj30urcSoAhtYxnyp3GaLOMnKffWn9RXtQjY+2LKUTmiuBsDVxyBwPvoqnsKTpTqT5+dH3RcOVK5ccUlveUhuOvcBwKDz86dJLKAlJGVK8TQZIXkHJ5UQOsoWojtK8SfCo1GJYu6hOcg4+em7iuOEJGfOiqy4SoZ0+IowbSE54ii7RQgvXqwnGaQhvOqfWlxsZTyNOVgDtYPCmzg3qwWyUCku7GIWcUw9IIAyseNKJBSjPOmraStZSE4V4mnThUwzxwvgcDPM0SooRLh14HKgyCvs86yfol6R3rxtFdLBtOosXByUepIc4aB+Y+dNaslpGVaR9VUi3GhycFOM4zUZHs0ZBJXJmu/7x8mpFDUfCS4d78ih8eX6NWgdwWHbojSVBptoCnAZipBTuEk+6uTHITrWcCl0qZSOGSaY1tKcgAzgdhOKHcPEd7H10Yuu48D76AkKHaWR7hR2LBSGUq4kk0JX4JQMUQ48q4HtUZYYuLxzopKlc11wAcPHhQFGnkc1KKB4eNASM8BmhQrNGOMcBVqJBNRJPBsCjpCiOQoOPnSjdH0QTIUOdVXb/bey7FQGnbm8669I4sR2O87/gKk9ptprTY0tC5OualJ1EMtKcUE+0QBwT76xTpAg2nbbpRtAkXjFmnQ93b5EftanfzfyeNLyOqDxxuy6bF9NFj2guse3y7fKtXW17uK8+pJacV7OoHgqrXti7pe1e1AkN/wViz+yFvbnTNjLfsfePhVFxYMW4u/EBA/2rV3U59n6NbM2lN8vFxxk2+OyqC27+ceI9KU/R0pH0s1FyW+B5tTtLatldnlXa7PbtlCQlKUjKnFeqkCqFb+nS0O3XqFzs862oUAN68tKsfOByom3I+G4liuFwtkieNnpRF6tzXxmrTp3qU+sn1h7lVRL5sts4rZCdto/Fu9hUXnmo6Jfb6zqVqCldnUnPdoW6LUV8npNCkyG0rSQUqGQfk0bt1mmwm2VmsWx1ntN7nrNxYiDrDDCFPKjgctekcOGPurSGnmXobT0d0OtOp1IWnkRTU7AkqDnGaE4xXJwRQpxmrqwRMjB4GuG88FUdfLlRQaFogIcdT3kg1wdaI7bYrlfOaSUcHlS3wQVWWjwHCi7hR4troo044iuGPVUaBOwgF75PBSNXvopOfdSgW6Djwo+WyO2MVGQbLbKkgZSaIcggKHKnZY1pBaUMU0W0sSe3yFLl0XEZuu4fPZPClkvJ0pwDx50ZaEbztJPGjrYUhOpA41nS5GhDugmgacaBpKfMiRLXImTpDcaPHQVuOLOAAKznop20n7U7Y3xrduqsqUoXFB5MFKsHJ9540yiq4o1BtkYByCcUVLQQCRnBPGlyNQ4cKbu5CkgLOPGrZArrpaCeCcnypVMjCwFAEe+kSY6lgAEmiuNIdWA5nA8qXKT3e0lDpamnT2FAKFNHNKnx1kAoHjRXmwgamgeHiKSTKbd7DqdRoHKn7iKItJdkRG234qwtkHtp86T3+t9x5csLaWPivZpw2yltOps6kr5p8qYOMsSesM7ncOjuq9qhlwMiEno32pBQkcchWKYtvbp1LillQBwfDI91SiwpppAfRkY7w45+eo/DEqUphwDW2M/OPdWbc12GuR+FR5CEuA6kEcMHkaRk25MxlMZQ1tKOSvxB8Kh2kvNyGURV+j0kqT7/GpWyvS+yVHTlfFJ8fKjw+HL8hyuBCNPPWuehgtO4cXjR9fH99JLuEJgtsb8vcU/S06vaq4Xi2xJcfPiv8ASqg9Wet93dJfG5dPxff7WnSnSk/61UOWLhQzHJT6LNHnNuwlhjmnKQT4mqzeHnlt6316E4SggccjPE05kykwJHoFMneOcW8/SUrs+13uNVrpAvPX7E6zAZG93fcHe+19SqrlsPGiuTNroM2W9BZeEtqNH3f+GmurOpD5Ykl+Ow1vezlD7f6ShjwzXV0lg/JLPUdtsQgRu7umvjNe/wDW9nFVXa2zbQ38+gP4qPyCzp7NXuVMD6C0652ByTSMKL1xfZewock5rE3YtZn8lI2P2OvLFyaee/FQPynZUpOeaQP2a1uNEaa8BlXupONGS0MlXL766TMS1w1/410MGFY3ZlzZXkdseuFCGMhQHHkKZS0h0g5wB4U2SrfFSgvT45NNlXRjIwCV90q/wqZNVftQqOEkNXDBXgDlXKbU68lQcVuscR7VIsBpatbq1JPqnzp228nUWjzxSoxTfIXMQEx228boFKie8KOhoaDqAylerPnSCHkN+jQVKWTxxyFKNqysgczTItIDkKt4kZPZAPhRUKS6ELBCh4DxoFpU28lPHTnteVGJS3h1ttJ4HFBLlhCudLQSpXKgUrIBHIUk06pTRLiM+VLhOlIAHOmx7BGrZUt1RLmlA8KEoByaM6EoVwFCNSwM4TSqphmd7Y9LWzezrj0RG+nTme8y0nAHzk4xWYbXbY2/bdxuXL2pu+zxjHUlgMBxtpzw0ls5Nb5f9mtn7/HcYu9vZmJXzUpOFJ+Y1QNt9jNorYlj/o4sdgEXxL0X07Xy9Tnq0W2woyMtmOqviG1TZNuvklHBFwYQ9HlZ8NQxg/aq3bO9Je0lgDMC6sC5MD8pIPV3R9rkqoVF1nSL0xY4t2um2d58dzIVFtzX6OFPJT7XAVrezXRtaGmGpO0TTFznlIK0oQUsIPkAe99dBT+A+H2hrb+k1KWk3O5WV6NZXvQR5EaQmQpTviChPa/ZqY/6UtmPybd1/wDlb3/DU1a9l9mrNLXIg2SHEfe06lNNAAVMFRHd4U2MRLKaelDZX8r8L/8Ayt7/AIaKelDZD1fhf/5W9/w1cwkatRpRaBp1AUcUwaiURPSxsqrgr4XA/wDZT/8Aw0A6VNkQr/78/wDyp/8A4avOojxxQocUTzFN4+CuCmI6VNlCP/vvj/2U/wD8NEPSnslr/wDvwP8A+lP/APDV3Gc5BoyXFBXE1Pd8FcFI/wClTZUL7abx/wDLH/8ACjK6U9kwMpF5H/8AS3/8KvRIIz40VzUU8DR7ZIloon/Stsl4i9/Van/8KMnpX2SIxpvn/wApe/wq6JUQrGaWSVe0fvqck4KBJ6TNn1I/E13BKv7S1vqFNv8ApJYH+1KA8jY5R/vVf5sdMprS64+kf2bykH9RqPXYIB5yrqM+AuL38jUassxjaK7uXi9C4u7a3KLjQN3H2beTwSrIGdX1UaVD6KZER0hO0UFbju9BiRJHf89Kk9mpvpBt93sd5YMTanapqDzxrflb3tdprs8Uq06cZ++oeZtr0nKlwLDHhxrHNubuIrelTj8eLq0pdf1Z0/vpUkH8ElbdqbO20It12w2zuEEcmfgl5tavpOgaj+lVojdJOxsZpLDAuzcdsANtptTwCf2ajbNeHId2/o8elFy7X7O6LUqH+L6/YylPZV9daFYbg3cGHA/HRHkx17t9jgVIV5/R9k0QplAu22WxtweMyM5tDCuPLrMa2vBRT7KhjCh89VG4u7L3y5x5W021O110ZjH0Mf4OU2hP6IrS9qNqUtQ5Eti5pstojPblyctnK5DnsMjx+eqBedodorbav6XbI7au360h7dTGZcPttfZSkfyoWqDiRNwY2LaBGyc282LMnrDzptsp9bi/V7Xs9rPz1admNuDZrWzbnbwmWxHQEMg7PSEFKR8x41BXjaHbW/pY6/MmWFojeRJ9pTJWxNZUnl2c+l1aefzVp2yuzT7Nihm63S+PXAx2jI3lwd+M08U8KtFsh4/SbBz6aS/j+zssin6elLZQeref/lb3/DVni2mOzo0SLgdHd1zHDj9dSTiqMByKKrpT2T5n4Y/+WP8A+FFT0pbJk8rv/wDLH/8Ahq8FXDgaMgkpJqe4nBRf+lTZbXqzd8f+zH/8KT/6UtlckYu/H/8Alj3/AA1enVHTwoiVKyMUuW5lqimp6TNlgnim7Z/9mPf4U0k9KmyqHMFF4PzWx7/CtAW6vlxFIrUQeeahfBRU9LGy3IC8f/LHv8KcNdJ+yyk5Um7Ef+zHv8KuXhmgC1+qTSi7RUF9KGyw/wD2x/8AK3v+Ghb6VNlh4Xf/AOVvf8NXFTxz5Vy3Tp+MxQ0wfaUeR0p7JHgGrvqPIdQWn9Z7Iqr3/pUuljBYl2JhuWe21/1k2v0Wrs6tOe1Wsqwch1vI9451Xl7C7HSC6V7N2w9Y8dz6x+VS5DImG3XaK/7XqzfC8YZ/2Fr8Xj/aPaKqY3edEXaRBf2sttlgj/YLdDkKP2jw1K+c1f8AbjYV/ZqMbtYo7022NfGxusKTIYT7TSxzHz5qs2SZf73HxshtCu+HOHrTdmELfa+UlSuDiflUl8mjcSOzvTPAs0Zi3H4YvrI4OTZO7Q6PZSlPj9ZrVdkdpbPtUyt2zyVO6O+FNqGP1VFQNgLI7HiP7R7PWZVzYGVqiM6G1H3jxq4Q2IseMGIbDTTBHBttOAaZ2KcgEoIUVIdyk8ONEadWl0R+OM9404RoSTkYz4Ug8tIUFg+NA+ATpAKm1JJz76YKawhQLpIDfAGnzoUVpTxCVDJpHdp60pSzlOjAFAwkLIw02DjkM5pB5Rl4CClK1jivxpTIQhTOdTmOCfKmElxTRC91gYxgcwaS3KPYcYjqbllOFu6QpASoq8R5UyTZxFfM+K9pOntsjk976cxnUusJEsBaieBPKlFa21IWwgLbGQePdHjVJRl2XbQxYSicppleqJJypQB5pT50+TZ2jOamKw2pLWDnxHnXNORhKDq2yp5Q0JX7vKnTj7iBqXgg9ke4UenWx8gyk/gbTXVNP6kOaWie0RzVwqozLcqZDaflPrZkJWvdrHiPAip7aZUhCEltSe0M5HIiqpdE3CPa1L6yXpOd7FR4Nj2TQuW/LyasFV7ShXiFdYCbzqbJlOeny2f0u15adRzVDRtBPZMFhBddi9XIiZ7O+SEqwrV441Y/ZrW9hVWq7RpMG4neqIT6Qnt/P2qzfb/ZFliAZtvZePVZKVe0hH/Ps0/HPmjbJ2rRGWbcT2WocN78clMaJEc+0MHs+Wa6qsJEq2S35UiQRPiymS1FxzZ7WpPnwrq6NP4MvHyeg9moV0mstP3PaCW7rYT6BvCUrUOeqtCitMx42+3f5Pz7nyRVfQGYnoojo9XX6uqom9Xx/wCJh5x2tHyletisEElFP7hSi5dGiWi9BxndH9fapGfMzObO+9r0NUG1zX3t0Tn0fc/151KRnn5twc+Dc9/x7SflUGXLOdWxXggizmVIXGVHYAWSePmKNCQhhhAWneOa+fs0m021BhOsEkvgdsjmKPaG1PRkIceCW0kqPtGqjHimJZILWF4U07pAVxcP7hQOzV6QlDiUdrCz6xqKlSS4kNpdSGg72AOdO0toUleoAE94nnR739KB2jmI8Gzug6cauJA409YcS4E4WUnWcE8zTFpwalOuJTp1cdFKR3i8rCEhATxBVVxsCVD7VvSWgogp8fOlSzkdsZwfA0kzw0KTxHrKFKnO9JBOKehYZIBSccK4rUoFKeKh40KyltKeOUmgSp13sNI058aIoQccT3FA6vOlG2lLQBqIxTox2mkBTpBVSO9Dy1BA0gUMvbIq7FG0sIJ04Uc+NC4d4VJVkpUMEHliiNhoLGO0cePKlCcnjRqP8xRTNg9g7Psdc71OgYUqa5lg4/q7P5r76tZc9Ju/tUpw7XnRf9e+ib4oi5FUqCuySa4JoEq46cjNKkZHGmRQIkOB40sgjlwxSS0D1s0VIQBg5oygy2lA5NFOPKnJ4ppEiqZDkkYowzRU8Tyo+n31cSgU86MrjXJGBmgzTWQKpNHQeFBjNcngaWy0GWONFxQqVxrqZZRwACskZrBenZN/2c29Z20tDzzbMqP1TeAZ3ak+qr563pXEUi8wy+l2O+0h1sjBChkGlyVl4ntdnmWwbS3Ta1hOz7FptT0+5XFtwvtM+kb3felKKfW/8Vb3em+oXGTcoZ9M/bXGlfO1p0H9pVS1utNtt2eoW6FD1d7q7CWwfuqL2x9K8poeFqlOfw0KVBSlZTOl6NcLBadmb7Bgddh7PyMyY2MjJTjefV2v0qxyXtrtRMlz7XZHISY9zL2WYDCfx/eq73nq09mvWcVQehtLWkEKbBIPjkU1hWa0QpCpMO0wYzqua48dKVVcsVkWVR7I3o4tEmwbCWW1Twnfxo6Q6PZOM4qw5oedBR7QOzkjh9dA/wAT9VKJHZFJr4kVbdkEiOVK5wjT50UJyaFZyr5hQN0QIe8aBPA6vKg58aHkkigLA1Z50CwMUOnhRVNnFLosL4UPq0TSaMAahYUpUQONLJSNOo8hQNJS4cE4xzoxBAOO7VJ7WQQcypRPnREtgns0dRzwRzoyApPDHE86V3IPpANrChpUMpPAiqfsT0eWjZjaK9bQRDl2a4rcf+jtnjpH11dNO7T2u9SO+7WE96qoEcqdSv0biPrpNTCUjUj6hRUgYypeaPnHbQc1HvKGb2V43wIVjvCkG0A548qfBxLoSlwhSlDPCm0thaEbwYHDkKzy4GoKrUQBkHyrlqS00SvtGihLTgRh3Ssp5U0kajlCnPHwqbgqF1BTaVPJToTjBz3jTUtPPqW8pGlI79OIuUo3alFWfPwoZPYykKIBT2vfSpXIMbLaO5SUDIBps2880+6OKdIyR4fNSweGA2hwltKePuFNXtDrq2EukqIzkcjWaUkg1yP0to1IlbwK0gEo8RTxqXGWktuBwZ8hVbjo6nIWsySNSiQFe7wp5HuUeeFjQ426E60kclHypkM3wVLGOJ705laR1dDsVaSdQ5pFQ6/xqLJS08y8CcYPNI8qeybmqNp1pU0Vq3eFcjmqrMta4JmTbRcENvPZUrecgfKlZ18j8USPns2GW8hmMzuJoaTvHG/pd36Wazq27TSl2+Yh6OkKSdWD3VHOnjV+ulvZhomBni8VtPo9V1Hyv8/k1nG11ml2+VELbCgjOvgeysd7tU7A+zZtJza/ZaBeH0zmHg0S04esAdllO57qlfq+6upKxX9/8UjM4aDunIc044q9X9Hte1XV0fG18i96fwWWFf0zT+LJUpJ9bFTNqgEpcUspSgoKuPNHvNQditkeKtp1AWG9GF4HBB8hUkwZl2eU0ptUWI2dO9H5U+zWDLN3SCoViSzMeLERPV4zCil90esfNNSUaaywUR4LxabBBW4rI1fN76YOIdct64sWGURm15JHAqFTXVm2IbUmUltTiAFNMHh9aqkfarFSZLQ2EssuSJDqnNZylB4U0VOG9BcTo4HA8MUaLJ60lslbvc4lxOBypNuHIeWtCFsqb0jBB5ULzNsT2LxpLLRTqwjrC06AUaqkmlhSFFZGonHZHv8AKq+hl/fsBaXAWCNLiSMfdT3rrbCklR1O4yTnGTmmoWyWJZEfHj/r/WKWgbx39n/WKj3mnS9vnTvR2tAX2Vavcac21h8emL39Y+j+jToiiajjAOnzpwNAUeGpeOfhTZGvc4xg07QGWhqUrtY7lOESBQwpfaJAHvpUuhA0tjPvpAKLpBXlPzUZxwJb0pQc+dHRQZSUadbhyaQU8cnDXZ86Lkke+uAVgauFUQEHB7XEUq24XDgcB50VLeo4JwaU3O7OAez40xbigCCE58K7BKc+NKacjHhRMEHSedXtBB4CjIVQqb4UVKcGnLklihGRRCmlU8qHd5q9tFdiack1zjZzQ6SDQrJxUSshwGE0AFdk0dI4UVEoTVmhwrhRyRjhRSo4oqBAUKFOc1wOaDJ1VKCB04FdmjHlRMVZAU8aAjjQooTxNVRAGx2KbvRmnFZca7zRa+yrmKdNjsUXR+hUoCwoGAAOQrqOE12KlECo5qrqNyzQJ71WEcnmaIaUA7JohqUC2ckUChj66Og8Pnorn7qUw0J4opB8qWxjn412RnlVF2Ik8aFGSaVAB5CiLCgaCqIEUkhXCioDuvhS2OGTQhQA4ULRYRek8B4UQqyNPgaHgPmod2e8fHlUf5KEQnSeP1UqVFsDHFRoDhPE86SIVnOeBpbVdBJ2dqP2dVAAnPZGKPo4fJ1UDA3p+h3/AFe1/r1qkfayBw2Cc8zRHXSFbvBKvMeFLqQQv0Y4eJNAFoHDA95q2mQQeaA7XIiky860NJ7aRx+qmb8W4/D2++EW/gnq266rue0p0+uTTjww39qseWFjLFHGWZHFpQTgnhUe+ytojhxI407De7UCFczkilgpL6cLGKXyT6SOU2tDQdHEA4NJPBqQ49rOsrSAU+4U6Wy62khKtSSQce4Uk+0hTpdZGheCfrpSY6hq0k90skJS4RqKufCmrrKRhxp1OEj0hV4nNOkLLUgheSCOAzwpOaUqZSlIA4gg+FA4JqxkZWNFEOuuDUhaU9riOINJKDyEpxhQWSABjI99FW7qwlSNKyFFS8cCKMgZZB0jJGM1lu3QweANTHvT/k9Oj+VVvaC4fjQgwo/pes6PRt6PtfxVL791k7r+wV+qmSXGXyXn2tLfZXvPzKgoY+/j91XuDjwR+0EB5+VKfhb1qY5HA3Z9dP8AzqqbVR2ZKAHy111pe76s39FX801Z5bU96+6stYac9Hx5+smq5td+PF5+Ex1S5A+j3f5Ts6ldqrXyzVi/lM5VCfjqLD5wW+MeRu1K7Xs/N3q6pqJPhXy9sR5EEiX2m3G/zna7PzeddW/f9wtl9FtTITcWkx3EKjwm3cpUjm6f8KlLfe0APRTHKWWUlKT7GeSvnqAlJKlsJZWymM0MLWCcBXs/PUlPdiWwC6voAfVgJj+BOPW/fVJpLkon7fdF25iOqZKQXcEpaA7pPLNJyb5ITKQ/ICHmUpOoeOKpcS8G+XNxxTZWsY1bvxT5irAxC6w24lTi0hPEefzUrpi/F8lwjXFkRlOKbYc4dhQOk4+alYz0eWgNB09riUg4IqrxUPOIU22FcCQCpHhipG0NOtpYcSBqwkEo4miSRnmixM22OkL3SM+RWSaabpTsltpDQSeIz51IRX3VHSykqc5cBTlUVQW2pKSpWePhinxM4jH6vEJQWCfL56kIjDrjiXHhjyPgkUtDhpJUpSgQO8o07Rh5SWWhhod75VMjEVKQfsozuxrJ5mkPijvj+jSfU+pvynmS6XJGn2vDyHhSvxvoT+lT3i5F2G32o4pbSdOc8KR3aWhzCqWQolFNrgERKQTkZzSiQeRFAQrPDhRhvNHAilpckBScLxzpVQBGCePgKRCSOCedC2CFZ5mtEbBYhcJgiSLcz6P8aeU0e0E4wgn+VPQpn863o+qs12/6NhtIjSJ8GC/Jm62nI0Q8Oyr1s8c+tXnXbyxXrYm/u2u4zH16W0uocjSSAtBPP6qVkzzhbcOPvZ2fS/ScPqLUIZ6l/LR7YQAOGoUJQkHvDNeQujXZi+baxZk9m9PWu2w+DsiQ8tRHZ1cgo+HGtt2e2DmR7ZbTdn45TFj5zHZKZa/Z1qUTk+6n4nJ9xoy6/wBOx6LL4vNb/wBk1EtpTx18ffSjY18Mj7xWQ9IvRzbLrZn75b9pJ8Z4Df63JSlNdnvBXimvNU1m8qm6Ysu5yHsoGGnl47VTJlnCW2gtF6WtXilkWXr/AFT3RdZTVvt8ma6ctsNKcPEchSoyU5JBTjI5V59sfQnelWNdx2l2glxXC2D1JtZXo+Sok/qrUrfshFtdxiSUtQnm0YGsMFp5A8wQcK+6ig537o0Zc+nwQjePLuf9C3YUVYyn7xShTgccVj/TL0Z25qwy79s2H4dxi6pDm6fOh4d5epOefjWGWaVcNp7tBtkG5STIW+lpSd8vgD486HNkknVf5mrR+nYtVDd5K/8Ay/8AU9oJW2pWlKwTQY41WdjNhLRso22YzapEkI0qlPkqWvz+arVjjT+Wvccue2LrG7QnjtUPo847OfpUbHaqkbcbGR5cSVNtgVFngKe9GVdtXM5FDK1zQWNQnKnKi7I0q8U/fXHSDhJSSfAGvKkg36fcIkaHPeT1lxLYOfE+Feh9kNkbVYGmXUKU9PI4ypBVq+VjyFI0+eWoW6EeDf6l6atFw58ssieB41y1NeDqKb3e2wbtb3IFxjJkx3O8hXKsB6Xdhf6LSYcuySpsaDJcLa2usqKWj4adRp828cd1WZ9BpoavL4nPaz0OpaPzgoUKSeGsGvPXRN0cxdrIEmZcb3dW3I7+6QWHin1c5q6SeiBtpJVadprtHcHi+rXn7iD+ulRySnFSjGx2o0el0+V4Hn5/2TUCVI4JoO1zNYRb9pds9irq5BuzL1wYz3XF6sj2kLratn7nFvVqZuUQndO+B5pPkavDljN7emL1fp+XSqM/qjL5HoI9oZ8qFJGdRIqubS7E2a7Oqkhpcaav/aW1HOfeORrzzLlXL+kTtnmvrAMrq6/S/K01Ms3jZel0kdSu/wDI9UqOeS0/pCiggHjx+Y1msjoT2edQlfwvekuEcw+P8Kr946P9o9kiLhYdo5M2GPjG3TpWj5WnkqmT3RV0Bi0+DJLasn+RtzieH0aROBxJwPM1luwHS3FuO0DezF/G6nPcGJfdTIV7PuNajMhxpkZ6LIZQ4w8nStBHAigjOGSO6DA1GlzaTJ486oUcDZ/KA/MoURSUY7Kx99Yt0rbFRdm4Hw5YZElhBcSxIjl0kdrkpPlUN0VWBe1ky6NP3OU0IqGiNJznVqzz+alSlKGTxtcnRw+m4c2k/VQze3+hv4SPaH30cBPLWnP0qyw9CcJRyvae9K/96BTGX0HAAv2/ad4zB4SQf4hVPyfEf8zMsGk+c3/xNgCUqzpUD8xoEI/SrMugxp+Mu+x5i17+NIajupUc6Sc/41pyxlKh7vWoocpSfBm1MPFOWJPcMZDyEThES2S+Wysce9jHD9dPGv7Rac/PWYbW9HU6WYnwRc49ueShb+lthSM4xw7/AC48/wBVYVfEbYxZcy3uyZ4mRj+MekP2dKs8QaXOez4OlovTsesinDN/8T2GpKVHugn3GiuI4dpIxWD9EWyu2k8OyHdoZsRlrscXFez6qc/KrZBa5sGKMqbuDg595Kv3q41cG2r20Y82mhgnt8u4lUNjvZHChU4OdNY/VpTG8zhHy0FKvmo2NH2PlVBAqt9JTgGkValca4sqPBJBFLJDTSe1kmltSZAu7xkUktIABzqpfiBknOfCiLSEqAI01UokGhZUkHjnPEKomVZ7XActVOHVEgnyHdoqW97qIOBnunwpDipDKDsejb3bn8NIzGG1krQ4lSu1wBrGOmfplYgRX7Nsi6ZFy+LdmDilj2tPmqvP+zO3N6sF+bu6ZsovIfCnUlw+nye0kjxzReBzdY+aOrpvSc2aG+XB7YbhlwOB3sqAGKYzIxbKYwDhbUTn3VYS0zNjJcwpJX2ikDiKj5iBuC2rJ48DWLLBpHPhK2QqAdLbOnWpsY4+zTF2XIaU6wGkKUE6krzwA8qlHNLRHAkkcTRXW0OwnSAEpBBrIlTNN8FYj3E5a37HH8oPs6dSvk96m0q4jq70DLLI7Lnxie8lX8I7NWWVb478jf7hne7rR/xJV+lUWbfCfy/8Dsund9X/APddpPjSVEcmRkOS/dZMyEcM4b9G52dWk+sny71MNqE9QjJmnfKDWpfo9PHUnglX+vVoFM9Wub8JLH9ZjJ9GvV3U4Hzp9bl7VVObtP1dTcCe+DEyndhGrUznUlXe8RWhRoekEvzPwr1M2phlidBkdYO79Vrs41e7Ck866oqVKkC6smIWdO9e4u/lFafiEq9bOr5+zXVrollutbUG32KJ1+FgjV1dv886r1lZ8e8aj70/IuLjDhWhwLzhDffUrhgp91OpD4nT95ut6ttfY9btBP8AnUtb4TRLZLPo22/s0reTaQ+zbTLMgFmJ1b8+ju6fk/qqwreypSkcOJ1UwFsyvLPFrP0ffqFSsSF1y4DjhpvVo9ZXv1eRyKBTslE9bGcoWlf5QHT+jTuBGUzEZbRxSo5P/OuisbmOGWfSuuUvtDCvD1uTDsE2LFuZ+MfeY36Wva4edNi7MkmS8NPVjvGkpBUMEqOP11XpnShsDZ5JjXHaq3F5PfSlSlY+tINER0Y2WXupW0sy531/xMiUoIz8llGABVot9itFvj7i3Wq3wo3kxGSB+6teJyUqYmfif08lWPTDsa7ksybm618i3PKT9XCmzHTfsAnibhOZHsORVf4VoSuw12SNXsgCkVQLZLaUxMgw5CVcFNOMJIIpsd6+V/gUsmm/kf8A+r/oQNm6Rdib2d1bdpIIc/MOL3Kj82edWwJIyFYHZzwOaz3a3ob2F2mJeVbU2uYO6/BToz845VVpdh6UejneybNcf6R2aO1/VpbuopA9kcwfmzT/AHJe5BrT4M7rDkqX2f8AzNsTp0cNFKJ17vgEVU+jnbuxba24PwlhElpOZMdZwpo/zHvq5ii4mrXRizY54peOa2yGVvZuDT8pyZLS804cx2w1pLI8ifGlc+rTlXFukVN5TQ7aFWckFJyDRskDI50RSdPaB4Uq2UqTTERiMn+sQf8Af/8A9k1hP4VcNLu0NmlnHxDn7J/zr0AWx6D5C9VZf+ELsu3fIsCY80S3GV545mpnj5Mcl9zd6PqP02sjkKt+Dll/YZMfI/GtpPSfQTH3un9hNb+t5KG3FyeCUjOcVhHQXCcb6NL8+hTMd233dMyPvdKE4SEHSo+9OofapptL0m3PpJ2lb2Q2EZeMVZ9K+scFjx1HwQP10cMqhgin2x+fQ5dZrMziqjH6n9ifu7rG39zfsuz6n0wpLqXpPH2e98yT2asuyOxFt2dvbUUIDu5SiRv1jipxOpP97NO+jzZ+DsqqWtrstRY+4dkucN8vVqWoe4cBUxEdVOUL3pw24rCQeHofVV/OrWJN7pfUZJ6mUYPDif8ACH9542qXu+PoD/DTkZLaeHgKQlEFpRHLSaXbcBA+atHRhb4G19Qh2w3FhY+MiOpH6JryH+DVBaHS9Y96z4O/ssqr2Dcv/tbL/wDV1/uryz+Djj/pPg8vi3f0tNZcj2zh/U6/pqvBn/oerlqHhSSnPCjqAApJQHhWiaORE4E0pjsE+OKAYoxGRVxKbPKfRpNfldLVmadaKQiarz8zXq5deW+jl1hfTLbUtqHCYr96q9SKrF6d/opf1PR/2n41MP8AZC1l34StuuE/YaOLZ8eiajP0dKs1p6jxqpdKssRLAy5rwrrA0J9s4PCteTppnF0Tcc6mvgqv4LLShsxd0q0gi4HkrPqJrWzVB6C9y7Z7k6MDM3kPmFX5WONVgb2RsL1OTepy2UHpogNO7MpuhHaiKB+onB/lVZ6B7k4L5cYCfiHGS8j5xx/mauHTM8kdH0tHi6pKB9Sv8qo/QTGUvad9xv4uPFwr36jw/cazOKjq0/k26dzl6a4fBtvPFeXNtdyelKU3qXqTegU8P7QV6jPMV5q2ukwT0nvtFaN8m6An/wCImi189sF/UP8As/i35m/9U9LL4OY8OFH0J0kEAg8DQqxnPzUB5VtOAuzxh02RRYulR+2sHddXO9bIPdycivWmx9x+Fdlrbcf+0xwr6/GvJ34Sc1qR0z3PRHafLCGWFHOniEV6g6IokmD0Z7PRZvCQiEjeJ8icn+dYsCrNNI9b66/J6dpZy7I3pxQV9F11HrBbOP8A4qapX4NBdF12iQ+QSGI4H6Tn+NXXp5eTF6LLy+vilJYP/wBVNZ9+CnNbnXTaZ5Cs4bjD+L/Ggyr/AMzBfj/mZdNH/wBJzy/1v/4m84FJcjShBzSE2QzEYXKkkJjspLjivICtT4OC+RjCtkOHcp89hvQ/PUFPnwKgnSP1VI4yOHCofYu6rvmzUC5uNhtUlreaQeAFTR4jjQr7hTi4vayPO6+Gmt1xdbjufZypuqHtBZE3fpNdOBwbRvW/s41fw1e96P6SRWcc4ris/aArNtudroGyvSU8/IzxaY3n8P8AezWfO40t33Oh6asm+XjXO01SFCjRWt2y3oSPClFlIPLs1DbC7TQtqdmo95twe6s6VITvefZJFTKio8k9mtDOc41wR0jAnNjwf1fpDH+P6qVSkjkNI8xzom530/e+DH8R5/upZbgSeyMfPSdo0AOhC17s+45oG9BB1K40hHUy+X8Ek7zFLFsjOgZxQfUQMEBOSk8TXZVpwrtEcq5vXoJU3g5oEunjqGcGqlGgexu+5jw+Ur5VZ70m3m6XOW1sLYDurlcG0vSpI7sSL6ylfKPJNaBdZ0O3W2RdZz6EMR21OOKXwCQONUboitj67bK2wuiM3XaRzriyfyUc53DI9yU/vpcrft+/+41aaUI/xa66/qP9iOjrZnZKJuYsZiQ+eJkutJWtw/y+apOZsfss5JEteztpMrXr33U0atXnyqwhBU2WieHMU3WA2ojGfKrcUlwDLNPJK5vkTLSR22x2vGhWUORySoKd8RRluZfSg9klPEUg42EpSUHDhVx+aszjRRHtvtu6j1fscik80++hlNJ6nhIDiRxJqSUlD6t2Wgh0/tCo6c0phwstJVuT3s+dZnGhsZbuyNlPlgPPvR9018X9nT3uzVH+Hxb7rM6y9NC3d1HhN7pXbcVnV9EjnWjneOhsf/GX6tRV2j26dH9PHEsjS5n6KuzSGrNOKVWV+XHUyh6RFZ3hbClsE6d6tXax83Csm2x3KmRGEZl1Rb3m9ci/HnSrV9HO7rYrpPHwbM34/qu63Xe7GrupVjvd39qs1uryrvfApSeqh30GiGO0ynjpUpPyT5UOHizXj+Ssty0qsszZ249Xj/jO7Zd8nvz6vZxqT9ddS+09sYjRH4vwayy/vfjnf9pZc0p7On+1Tqx8qurckRkz0fkkzH8tNNf2nZ7KfW+vVVgVeA7J3EIYH5T6R/u4qixLh8EXPcE+lcbUfi/W9Zn6hpqyonwZsll57sn5f5pWn+aazTjQ+PJZI5GG5cbsMBI1o8APKncJtO/cMZWN66F5HLHs1Ebl9qU0hheplzkPVPvq2WyI1EQ6zGG+dUnUryQaT57FS9pIMbxzKIYKV44r9mp22NBmOgv5154/KpnbWU26HrkvAKxwHt0eG89KfS+sgMpPCtCVcGDM93I+S0/Ikl5x3LST2R5VLuqDLIeU2Dw4JppCdZcUVFOADwHnR5i3y+EKaO5I4Gt+H2mN+7gbMHBf0cNXH6/OniFqV3Ej2aTZDQ3fCl3GEvD8XcI9anoGQsnBXpzXnhN4v+2f4QrdrEk/BVvluoYjNH8x3lK9okitl25vjOy2xs7aBRwI8YjPZ1KcVwH6zWffgs7LvxNmVbXXAYnXMktuO8w0Vd76zxpkk5SUf8Tdo3DBgy6mvxH+oj0xbDf0cuDPSVsmhUSYw/qlNMnsKHrLUn9ShWr9Hu0kfa3ZSLfI5A3o0ut/m1jmKmXww6yttwBxCgQpJHA1g34M18Kuk3bfZiPB3MBEl2W2jtdghzdafmxRQhU218/BJ53qtHWXvF8/6v2Np2rvkPZrZu4X+4JcVEhMFxYQOJ8qLs3eo20mz1vvkMOCPKYS82Fp0qx76gelrbhGx1uiNNWkXaZcXtwzEIzr5Z/eB9dT98vFp2esibvdUCDFbQMI9+O4lKfGir4Ob43tUmu+h+WsL1K50dvKlYPKs36I+keXt3fLsy7A3EKLu+rujJzq9VXvrTDQwanHdHoPU4ZYMniyfUFZznt4qk9Mt/jWi0FLz/pcJ4Ofxe/6qt1xe3Mi3sj41yR+zujWK/hKsda2htUZTjiG1w3tWlenPaFFlbhj4D0GFZtRFMzexbIbWbfwbnM2YlKXAacJc30lQVLf7w7PLkpPOq/sBtgvY7aJaJwuUB+M5upMeMNC3O12h89egfwSYxgdGM0qHEXF4/clNQHSh0USds7I1tpbBi+vkvuxx+XaPJKfIhGn56W9O5wjlj9XZ6qHqeLT6nNoc/8AovpLzYJsaZZ4N0t1tu1+gnij8bSvdfZ1DtfrrQI0huSwFIOoY4nl+rwryX0R7av7EbTO29Eh92Kv+sMnwSnvK+Sofrr1ZBnwbjAZuVveQ8y+OafdTcElOH5PPer6Gek1H+q+jpEQ5zFe3bfsd5P1UuhJFC+4lmK66rwTwpQjs591HRytw2uxKrVNSOaozn8JryJ+DPcmB0rWyK/wfcS5/wB0qvYDre8ZWj2mlD9mvE3Reh6wdMez8+dwcRce0PkE6T/EKXltTg/yd/0av0+oiv5f+Z7dJ8KSc7HGllAJOfOiuAEca0s4AVNKL+LPzUimunOpZhvvLOAhtSv1UMeC12eYei+1/wD50LVN/wD5ir96q9SeJryz0L9cV0n2Rl57erLzz6/qCjXqesmg+n+87n9o/bqIr8BVCs76f3G2tjY28/7aP3KrRVVmf4Run+hUYq/7Yn+FVaM69kjnen3+rxUQPRLtXZbBEdZlMPblx/Wh0DOOzyq/SOkfZEDede1+4MnVVQ/BxjtStlLo3IjsvDrfccGR3BWinZXZ0K1fANsz/wCrilYvLHGtkl/ga/UJab9VJZIytfkyHaW73rpBuTUC0xlCO38Xw/8AqKVyFab0Z7Ks7LWXqhOZTnbcc+V/gKsDDDLCN2yy22j2UJwKUbq8UEpbpcszanWSni8OOO2IsTkivD3SbJnwemu+SU5eDV617r5CVJOlNe3knjXnLaWzwVdKEyeWEl34THE89W9FVq/pX9Tof2cyvHmn/smhw+nTYFaUJusx61P4GWJDasp+sUw2w6c9nI8NyPswpy53BSfRHQUtpPmc8/mrRr3sts3d1pcutgtM1YHfdipKvvpO27L7L2leu22C1Q1+01FAV99OksvSkjm48uji1J4pP8Weeuibon2h2mvJ2i20C2oW/wCsBt34ySe8OHqjNenW8JACRgBGBReAHYoUL86mDBDF1/8A6F6j6jm9RnvydLpfYz/8I8lvobve5GCks8P/AHqawDoShdIyZ16e2AdgxG3N11jrKEq1d7TjP116S6ZIqZnRpdmFALCyzwP+9TVH/BsidTm7QNJb0I3LGn9JVKn7s8Ua9Jl8Xp2V1fK/4AR//sit5+NN7PlOPU0aqqm3THTFOjbnaPeM2b/aOrOI0/a0erXpNzOaSkx2ZLDjL7YW2tKgQfI0MtNu/c/8ROD1LxO/FF/3FY6LBjo6s3/qwqzKzuzjnjhUdsvZ0WXZ+JZ2n1utxW92la+ZFSQHZxT4xcYoxZ80cmWTj9ymTGNtPheJh+z73qzvxerONSO7nhqrHOlC2vydt+pMx7k891dO9M3vdrve7T83Zr0LIZ//ACzt/wDZxJH72azjpDkR/wDpAe37LuepJH3dr+9Sc0U40/ubtBmlDLa+wfoQs0+DsYAzOehu9df3jXfQvGNKtPq/VWnNofI9I9j/AHY01HbCtj+jrZHDnU0O5qo4x9qMmpl/GkNVdlGlHCkt7vR+NNbtz+JNOso17vV6Tnpx6tNLyPxAOtfkzvv2v8KGgEDCb1b8Hhl3H6k05xhPyabQnA45M0kYTIxw+imnXq/JqkRhe99GhwBw9WlBVS2228sGyuWJkjeT1cWobffUPPHgKLiHNlwi5vaolb6aHFXiZs/sJHODeJmqXjwisq1K/SKdNaOqOENoQkYbwAB5AVnPRKt7a3aa57cSGAB2YMZtQyptI4qwftU+6WekaNssj4Lt+6kXc821fkU+0r/CkuUa8hqlp8jnHAl7kXjGkjjzoiuOAodo022ZmKuNht1xlN6HZUVp4pHqkjNVXpW24/ovbR1eP1y5StTcaP2u96ylfpUEqXJmjCUntRalsPjsjuq4qpJag52B3jwTVY6KdrX9r9mxdJcUxpEeS5HWjCgns45Zqyni/wC3o+zSB7i49gFzfKZ0pVvQO95UuG0vhLL7vfNEjNKMlnU4BgcceNLT2ntBSlIz4EeFLeLcLsg7pCLMhvcvFr+Hy+uq5LZnR1ad0zuXdPpGz8rUrsmrpJYdmRsPPbqUPX/yqlTbTi5F9pT/AFoac8fZUlXd99czIjXhl2RN/kPMW14NMNPOlz8X73qq9b/Gq+maY90Za0uhErUskBOltvtalfX2amtoXpECLFml/J6z2HO/oad9r9Jo/ZqCdveQ0C+yDuSN80z6GRq1JTp7PZTQbbOhEjtqCm5fjHWh1eG78buvy2ns9r7Ss/RzXVUL1Kat2z8iM/IhPwXzneD882lOlKvZynUNXjXV0Yt10C5CiITz8APyxon5U19mnr7xj7hL7BdmdY9G23+0n/OoezXeRbI7nXQ7uosnBbWeJXp+K+ar9YbrAlRGr66hmXcTG3bTLY9KpXdLyvr8KW5pDEKwppK0tKZW6tSsBQ/fV/2baYtdmD8pRBDuQRzX7hVT2YhSWYolT9EYMKy8ojl8kVYE3Y3ZlLrcPcRmV+hUocB7zWOTS+kHNUuyxyny/LIUv0LY4e+nUJ1sICnGOwg5T76Z2ILubwdU2EMgd3xNSkuJunm0BRGo8B5Vtw4FD2mGUvgkLbFaUdLfxdPpK2Y6QjWhKT7RxTZg/B1p58aybpV6NHNvbgiejaydCUjuR9CnYyT7QTwIPvrpWorkzQjHJP3OkbKkpUxoS2D8lVGfdixoS5dwkNsstpKlLWcJA+evN1s6NumbZKE8u0bZC5k8mkyFZ+oO8KgmJPSrbrm3ddr9k7ttI1n0caTqUhHykpTwz84pqk1La0/+Bqj6TDJi8sc0X/vNZ2hty+lW7sxw+Y+xMM7wrIV/1i78j+yHnWnxY0eHAahRWEMstJCUJSMAAeFZHH6a7k1ITBufRbtPHk8mUxWFLB+9KatEHavpAuqg2x0dm2sk4Dt1uSWyPfoQlRNM3Rb/AD/eZs2DM4qPUV+V/wBssW1l/jbN2N+5S1hDbQzpPNZ8Ej3mqN+D9sRc7Eq6bV7Rs7q7Xp0uKY/MNqVq0q9+VVbYmx8eTeGb3tG+LvcI6tUXUjSzF/3aM8/eok1N7Sx7lI2euTVqc3c1URzqyvJzHZoknusR5YwxeOHz2zMlpY286cGHoXprTsuDvHPzkhSu796f1VW9vtrDtX00RLdCs83aGDZVneQo47K3vDVns+HjUR0K3za7ZfZDaG2wNjbg9cm1qWuQ92dPDA7OCVEc+GanuhpG2arPItNvtXwWqXJL8m8zG1a+PyDzV+zWVS9yq+XfX+R38uDxKa9tY47Y8/4se9A9kLu2V/vHwtFjyW3fxizQl6kMas6Uuq5ah2uArbUJFV3YDZWFshaFQIa1vqeeU9JedwVPuHxNT6M58q0RqMTganPLLnsSuMltiTAQR235AaT9xP8AKsd/CK4bRWk+UZX76lOkfpAd2dfCmFwJnVpvBtpLq191SeKdP7jWc7R3m9X0fCE5mVLdd+L/ABU8Pop09mk6nLHa4fJ1/SNFljljqK9pr3QeBI6PXkDA37z37SRVx2UfS9s/F0kAtJ3Kk+ypHZI/VXnDou2r2qs9z6nCsl2lQ5Livxd2KQPpavVr0FZ48godefjswnpQ3kgR9X8XtYpmmyqVRX9DH6npp4s7lP8Ad7jHumnYSLMulx23s0bjD/rm69dWntOJT7tSdVQPR10oOW6OFPyHnWRp3gwn1ffW17ZbS/0T2dkJgbPP3N1LRBjxxnP/ADryPFt+0TnWVHZO7Qt+Xi23Giq0aVK1aRSc8dkt2Pt9nY9J/wDO4Xi1PMY9HsJram17Q7FP3ewviSjqx0jx1eRT4VZwcp4868K7P3PbrZKZJeiRLu2w4wGH95F9Dp0+Kf516t6OdtGNpVbyZHfiTerNZbcbUne8+0NXHHz1qhLfV9nJ9S9L/Rt7JboovqeHOvL/AEq2YWLpDkOkM/jBVMje1x/zr0+TVQ6RtiLZtrbUsTgGpEdSlxJCB2mlfzB8vCgz4PJCl2J9K1y0mfdL6WSux17b2h2ahXRs8XEAOJ9lY5ipgDHaV41j2x9v2j6P47yZLJXCz4d37PsqqzXHpZ2NtYHwpLeiH/1dSuz9VXhyymuVyDqPT8kX/B90fwXzTgYT41QOnba2LszsHIDigJU/8WYH0uavqFV+7dPuzAV1bZ6DcLzOVwQ220UJKvLJGf1VUoOwm2nSjtCL7tqHrRbEnIYPeKfZQn1fnNXmy74uOLl/7jZoNA8GaGfXe3GufzIdfgrWEuSZW0sjO6QVx4hPtKPaUn91eg1GmFot0K021m3W5hMaKyN022gYCU07UaLFHx41Ax+oa167Uyzv5D6Kyr8JtwN7Ew//AF4fwqrSLzdI1otjs6WopaRzUEFWPqHGsB6aNorlthIiQLRZbp1OL6TeOQVdtXLspxyoc0k8bX3G+k6fJLUxmuolz/Boc17P3b/1wfwJrWzx7deZ+hzaa77GXORDu2zV4TBl6St3qjnolD1saeIr0LZLnFvEFEyEXC0pWO22UKH1GpgSWJRfZfq+OX6uWWPMWPfCjIPCk88aDJBxRpHMFkcEVgl9x/TqY9n/AO+I/irTtrttbfZUvREwbhPuDY4MMRHVer2e1jTWLqF1mudelWO4tSX1bxf4upWhRVms+te5JI7vokXGbnI9ME86ITxqp7LbZxbhGiRZkKbEnLO7UFRV6Sr58VaM8K03u5OHKDxvawVHjSg0+tSKjwpKdLjwYapcpZQwyMrUElWB58KilQO0hOlV5trYiYR4qQP11Qvwf7m09tXd2AUDMVGOPPCuP76Q6W9sJF4tJtFhs16LJcS45J6k56vdSlOOVZrZp21llnxJ1i2eum9jc95CV6T2kq4cqw5ZpZoyXSPR6DRyyaDLil7XI9cnlRCaxhrpg2kbjtrldG11kkd/cBY/ZIqNunTrtKpl1ETo1u8YjuF6M45+oJFbnmhHtnJh6bqZS2xiadtHtWxZdrLDs6GhLmXh9zI7u5ZQkkrP8NWrICfdXmjoARtFtX0xXLaPahqS3KZhZCnoxQBlQCUpz3eGrhXpN4lLZx4DxqRnvjuF63TLTZVi+fkRk/8A26ifnerufo6hXlXp1vK43TvcnOtnq0RDXoc+voH/ADq9dKXSpd9nZNtnwIVnuTxbkRx1aUt5I7SO8nSPZrz1dpt5vt9eu8xifLuTo1vrMY/d2e6msmpzRcdq7uz1P9m/TMqyyyfG3b/mex+g+5/DGwTT2d5+MrSj6IqzRZzaLvJtjo0vtgPAZ77R9YefHhivMnQ50pX7ZCw/AcbY+ZdilzeIKCWR2u8kDB1VJ3/pwn3lszBsDd48iLwbkx5J1M/a3eOPka0QzwaUr5Zydb6LqceqyRa4PTZbb51l/wCEXtcnZfo5mNx3gi4TRuY4HM+1+rNY4z0+dKKbeWRsxElvAYD/AFR/PzlKeFZ/c7ltBtZe2rntS7OckOuBJX1c4ZRnupGnsihzZsexr7mv0r0DPk1EZ5X7Ys9a9BzEw9GlqeuBJlPoLzmflkq/nV6SfZqu7AXa13KFKatjyXERXizgDGABgfuNT4PlVx6OBqpuWaUmQO3W1cHZCxKuEpK3nXVbqIw3xW++QcBP3VjG2mxDFj2HnbYbVz3n9q7vIa3Y3nZYzySlPrYGqn3TnMusLpX2QkvbPzb1Z4ja32W43eW9q4fdpRUDtTtJfp/S7s9K6QNn5VrtsL0sS3Mjfq+Srs95WrTnypOeW5yvvr/qdbRYvAseRPhrc/vx+3/matZ3R0edCkd6YcTGovaR/buHVhX6X6qysiTO6P50m6WtmO/OuG8dvlwHYA9Xdet7XKp/pou9/vEe1R0bL3PqW9Ejq4ClKf7XZSrT3eGrh8qrU1svfdtG4L+2QFrtkR9D8ayx+1r093fq/kKOv2/CVCN21eX90pbiz9HltbtWxluiNXZy7I3e8RKX6yTyx5p8h41WulqOlV12TupALrdy6v8APq+T9ms5mbZbX2PpEuLyGbg7HE1TYjBPoXmk91KfZ4eIrStnGX9sblD2mvNvfhMwNXUop/Oq/KK/u1nlkjN7I9k/S5NIlnyfSW9LbTZUGmUpHMYGKaKK9+Bu+Hj81SD5OhQQ2dXh89NmUPKUAW+Pj89Lkv5DFH8kfJlrZLAbQSD2jwqWhTg6zulo7a/fTJ2O4UAqWDg4o5ZDRMrgdAxilJ5F8jZUxrMUt24FpRDakp4q8zTDcKcb0TEhrCuf5wVKpjNqfS8cqVp7INRt2dLjYbCSXQrunwrFnw1LzL6hsZ3wVx6Ai2T31LbU7DkpWS2o8Wj2cVnG3qjbI1tdhyNLLSmlOspOd2kae1Wu3uU1PiKgltoOq4cD2jw/yrJNr7cqJcPg6MGXGA2kLU4rtKIPdrPiUXl5Ojg3uJmLgEnaRkwJD3VyesnPbYPeSlKU+yeXu7VdUht6YMCSIW53BbGiO233dSlJUlXDw7w+1XV2PJ+AdtFrvUKPJtL/AMLwWd+mRgKQrGo6e/8APU/sXbwjqclodT1tq0I9VDXtKpqLeq/3P4WSxiHG0oDfe3/5v/GpK/l1i2C0I9LLd/rDjTnJX5uufKVDhYX5u8TgzDaLsNpzSM8nPlGry0IDmILWDHSkKcA5LPkKzzZ2IiPF+D2ho19p7HNJ8hVlt4fR2tWEp4YocOncF7hOZNltZcVFkqSjIKE8McqlbO69OSHXsEpPH3VU7dMcmy0xUq7CuIV4mrqGkwobbccYcc4E1vxJ/UYMvHIlPdMp/H5MftUvEZwlK0M+HOmsGG61kypXWPl6N3qV81SUbgQEPcMd2mIzyOOoK4c6cx94kEq0n56brU9gJSts0ujAABSSa0xkxUhRTiiMA0QBRV41xKTwGRR0jPIkUzcwRZJ7I91KLc7PA8aQJVg4TypLfcBkUzcibeB4hWE8gPOjZ7XCk2+0OVCRgZFXbYv5COjy4UROrxpYlJ5iuA9nj7quhljOWymU7FWojXHf3wwkceypP96n4AoukUBHvo4iu+xQp94+6igY8TRVE+ZogJJxmrJwKFeDgfurt4RyI+6gIwOJNJ8zzq7JwFurbsu1yIzZQ244kpT2QpKaBuMlcxcrSkOqYSzwHqg5/nSiq5NUSgFdk11DjUM0A4HjQJlnKAAxgEe+mM6yWmb2pVqtr6/NyMFU+XxooPhTLInt6EINvt9vx1KDCj/7lhKP3U8pKhpb/BHz9QbV7qKo+6uAx4UYjhyoygEKOMHiPfQ7w55gfVQJOPCi5BVyqEoWWpWOefqpMEZ4nFGI4c6IsYGahQCT2qMocc0QcKUxkUKYQYEBOfGiJUc5z+qhUezwoEEURVgqKjzNF4DxNKY4URQ8s1GRAnBFAMAY8PKg8KBOSqgRYsknwxRtavMUA4DlRTzzimIoNvFHko/dRgtWOefqovhQHHnV9AvkEkrOeAPuFcOFEUoJ4Ami5x4mhL6BWw0uQ08UJ1NpWB2R62n/AIf10slIByAn7hSaVUoFVZYpkjlwoh8q4HHjQEg+NTcUkl8ADhyok5hl5ndOeaXPuOaMe7RD3KjZK+4RttCN5oISFnWcDHGiqCzx7w8qN4UKAonPdPlSkMOR2sZAGOVc402pWpTSFEesRxpZI8EjPvNFWkJ5nPuq6oGwqAkEaO0ffR1ozxPA+6kVuBHd4UClqxkZHz0LZSDYSlJyATjPKm7jiQnIyDRy7q44HLFNXiRkJ0kHNJkOQiuVlY0qUFnPGksqOopUrUTxpdxtOE4Qns+NJtpB1HgOPCs88VjEMXnSlQCePGnMOQN6ppzVu1DPKjaGUgZHHGKZJdbMd1GsBbavOs8sTXyMqxzMXund5ghJptcY2qEH1k748dQ8BUuENymt6lQIT7qauurKS3oHDmn2quUfbz2DGRUb3ElFImxoqNQfG/SB204B41W9orRBu0WS8UYUlshRHf4EnNXK5GawHnmi6lIUovLI58Dwqkzn34DcSbHS67qb1OpI73E5FcfVVjyWjqaeU6MV6RGDNjxIFzYaauEZxO6m+YPq8OKu9XVoe3Vmj3HZhqTBw2+fSMH8x2uyz9VdXX0d5sSk+Asyi53ZaIr71gsJSywy698Xbm/+L9qmsaA0zHafMf8AGJWpxC/JPrK/ipd6Qxe5qrq2pLMfQO3qwSB4YqYtjseS+ZRQhR3R7RVgEedcqErC6ErdY2Wo+eufjR9Mv1U6vCp+Dbn0RktOFpwLHHjT5ENlxIQoBwK4jFOvg8KSUNjChWuPuM0sn4OsNjjFIlCPuXeZHnTi7MOOyUuBxSUBPBAqXSl1qJhJGvT2aYpD/BRWNfvre4OKOfu3EcHHWEpK3FEHwNO47zhAdQ0kKPn40Z95AT2kJc8/dR0btSM6TgD7qCFphiiQFHUMYx4inCVqCeBOMeFJtIDicrK8EePClkIQAeORWhJL5FsK0pKgrOcjzpYcMY8aIhtRByAR7qVQDyIxRKvuCyOu1/slpfDNyu8aOsjKUuEgkVCWzbbZly2l2TtDbQoSX+0p1Gd2HlBPD5hU+5bG5cnfrnyExvzDJ3fa9oq5/VWQ9KfQxYZ1ouW0lrdeZuDW/fcW+5qQvTqUpKs8u7zpst9XGmaNJDSznszylE0J/pQ6O2Dpc2ws4X5dYFMpvSRs7cZVuYsW0VvWnryetYezlnB1fyrxRBZdud2hxG0ApkSdwp3HgpWK9hWXoj2W2XRaX2mZD0sSWkCRvlJ8DnATy5VSnklVf3nW9T9I0GgaTlKT+OjQ4l3t8rV1Wcw/j2VUqqYwBvDJGPPPGiR4jkU6W3FOtnwVxWPomnTrbzvYCyPfnhRnnyBTtfs+yXWZlxjtSEuqTpJPdzwpX+lezGjX8PQtI7x18qZL2Rs8zeuvx9cnUpOvI5aqwXb+PLtt7msQhwiufGf+HzpWTNOKt0dDT6HTameyLlZu1+2z2bNjmuW7aK371tk6FocSrSrOe7T+2bVbK3BxLcK9xJKiezunCcn+dZR0a9E9muezQ2muzz3W5TG8Q3vOCNOdKle0a2FuydTlIdjz5SmuAWy+repI92eIP10+DySVyRm1WLS4p7MUnwJ3fafZ22y0Qrld48SW56Rtpw4KhTWRtlskw0p2RtFbW0I5lUgDFTk2FFnNFl6My+hXBQcQDw8q8fdM+zZ/6RbjYxIeTbop3m7HsqTqqs85YlxyjR6ZocGrl45NpnpqF0ibEyx6DaW2OHOMIfCqteRo1e7NUHoU2JtGzGyFvchRUJkS4zb77xTlaypOefurQcDHvpsVNr3GDOsOObWEqjnSBsQ28tpzaq0IWjvIVKSlQ+okUdO3uxEx9qKxtRaXHHNLWjrIV2jyo22mxWzG11uVEvdpYfKeLT6Rh5tXmFc68k9J0aPsltG7aCgOux3MNP8AdxgZzj2vfmgm5wfxR1fTvTsHqKkotpr+h7bIGOHEUmoY41WOiLapvbHo/tV7ScvusBMkeTqeCvvxn66tKxTX2caUXByiwvOjUXu0EuRHixXZMk6WmWy64rySOdVEH8ELdds9lIU1UCfe4MeY3jUy47pIzTV/pC2IZIDu1VoHuTKSa8X7R7TruO0l3vjo7U6UpwJ9lOcJ/ZxXsPop2PsFh2Wtz0S3sKkvR231vqSCpWpOedIUpZJe07Wt9MwaHCnlbv7FwhyY0yIxJjPBxp8JdaUPWSeVM7/d7TYYgmXe4x4Ucndbx5WkZp8Bg5xQuoStOlSUkeSk5rRycaNfJWUdIOxO77O1Noc//wCtIp/s5tLs/tH1n4Fu0S49WxvRHc1ac8qyr8InosscvYm57R2NDMG4xkKedAHYe8+HgffWY/gzXFzZXbeI68cRLr+KOgnkfUV+l++szzTjkUJ1ydePpun1OjlqNPKW5Hrw4xSR50dQ40VSa07aOMGVSMmSxBimTKdS0y0N4tajgAUqqs6/CEvPwbsY3b0n0tyXuvsDif5UM/amw9Pic5rGi0HbTZJzi3frePnkUra9p9n7pK6pbrxClyD+TZdCjXnPomsduv8AtpDttxTv46G3XltnkrHq16ct9viQWUNRI7LDaOCUtoCcCk4XKatmvVYMOnltQ504qrXXbOxRJjUU3uEwtMrD+8VgBISrIyfqq25qhdJmyFovse3Q7o5cHo0q4gFkSiE91SuXuxwrRK64M+nUN38Qkz0lbBJVu1bWWYL/APWk0sekLYYI7W1lm/8A3pNeQunXYJnYnbFm2QHHnbbKY38ffj5WFJVp/wBdqr30D7B7L7QQ7vcNo0OzIsAJ3UbeK0et5cz2aUs09+ylZ2M3penjg86lLab4ekjYTw2usun/ANcFAekjo9//ANvs2f8A1tNVPZ/oL2JZD0i6WRLzrzm8Effr3UUeq2nj4eZpS4/g/wDRdMBxYXo5PizMcT/eq6zvuv8AMy16avplL/4kxcukvYwmGLftNb5K3ZrLJS25qVpUrjw+YVZ7VfLPdzJ+Cp7UtMZWh0o9U5zXlWy7GS+j/wDCHsez7CAYapTZjyCMqW0dX7XMV7A1ZVxSMHnwosTbuwfUdJj0qg8ct25WVVHSBsYVEJ2lteR3gp/GKAdIexJ//wAotP8A+8pqB6eNkrdd9gbtMEVKZ8NhT0V9Iwrhx0+/hmvM/Qls2dreki2Qp7AEUanlt+2lAzp+/FLnKcZqJr0Ppuk1WnnmlKUdp7C2d2v2Y2ilPRLHfIdwfZTqWlhzVgVMOE+dJxIEWG0lmHHZjtIThCG2wABSugHxozivsAZNCB2qVS2AedDgA8qjjRW4aSZ0SLwkSozCfAOOAVHubV7MMKw7tBa0g+JlIH86gOkHbWJslDmSZUdLzo0ojR1Dvuqb1fdXmt9vbnpfvYlXB134Obk7tDDSd2neHuttD1jjiSeSU6lUiWRJ7I/V9jq6P0p6iPmyvbi/mPVUzbnZOItKX9o7QnX3fxtHGl4u0NjfaK497tbvuTJSazKP+D5s4qGOsz5ofx+QKdIPyeHGs/vGwl16OZxKVxrmyTvBIMft7pKuLmn3HTq+lq7uaByzp3KKr+pphofT5xccOZ7v9ns9MMzYsiC5IZc1Acjii9ZbcZ9G5rRq09lXrVTuii+jaLZx153db1pe5X7PGr2GQGcABdHHKmlJHJzYnim8UhFCFDnkCuCFgkinIC8ZOPdRVg6cqcGfKqlF0ApDV9lKjrUQkGk4zSVrwojCeRo7oaUSFkkCgQptrBAODWaqY0LIbj5AzpFMHGI4WVKeyFU+klkOJXjh5nxpOWWC1lDQ7Pq+dDlXtokWLQRoBYSRoXx4U3uTWhRdHMcOA40Zh1pLu7Sh5JAzwo8jTKYyhxY1HHAcanZX0kHc+sSnEx1JywvtEnjmqZtfHfS+QkshiSv0nd4O+tzq8S8BpUdbupS+yyR2aq20EeQsMiSw25lGFcMZT51z8nPBv075szezq+BmW2XzvmpEjxPZrqbrg9fYegMnBiyd438vT2k9r1q6sqw1xZ1bLXb7lFaSi1wWmWkqSsdtGdQ86tOz1tgQLYmNvQtJZzvlDIIPMVilrmXWPdd+pbTw36mGBueOHFf4VqGz94hR4oYVIdLfpd6253mW/Vonhr5MmXktEH0S+xIOkjLWfKpezu72SCh8r44+c1T5N6D1vcYhM8OyjefZzVp2Qa6radR5o7OitWEy5Y0rJmVNCpJBJCUp7Jou/K9JyNWKhX5jC5vVmySs+HlUiI7iEEAHingqnqcpGbaogrRoSlWoFRPEU6YcZKtyQouHmkU0RH1MJ9NhfjRks4WnD+hZ4FflV+5FEzpzwPEeVGUlIGAMGoxLUpp8BL+oAeNHfM0KwhxIJ91aFlX2FUOsOtOalPHB5JApw26pR48MVFuR5G9S4qQSvy8KAuTUrIATqz4mrjkX2JROf8NQm0bPWdjb1H/OQpSf2VUnLvTNqLPwncGYhkK0pDqgNf6+FQyNs7BHss8G82viqRzeHrFVaFng+mSGDI3xE8hbAw0x9pIKlPndCW36M/TFe6b2hxbtv3besCQkn3dk14YtF0jovEN1LOGjLQd59sV7FXt/s2Vkf0ltHokn/bGfKlwktp6j+1SlPPjpdbi1HIBK6JCd3zCTvA59LnVZd2ugBkrF6ti9Xd0SUnNNrVt1s0zmDOv1naea0o4SEp1+slSaJZEeV/TzXwXVg53gDZT9LlXnjpaW3H2lntOuFeVlfHujPnW4wtqbNIKRHvFsXr5aZIOawbp2uaJ97mMx9O5IUxvGvaTpV2v2v0qmoaeNnT9Dc4aq6Nn2MeZa6LLa8Pi/g1P0atLbu9QlzwwPpVQNmL9ZIfRLamBdLcXmrchst79OoYHaTVuTtHZVSGYabtb1SHANDaXwSafGSpf0OZqIzeSTr9zJUcq8v/hAwf8A85V0dR3pDbOfqb016b11526bk/8A5xZLiuIU2jH1DNBrnWI6v9m43q/7je9lBp2ataPKEz/AKktNMbH/APaS3/8AqiP3JpxvTWmMjhT4bQugcT5mvJPSnsk7tdtp0iT4JKplpS26035aTpcT9yVH7Nes0rxpNY30BITK6Q+k6ariH54aP3roc0VNxi/++Dq+laielhmzR+0f/wByM+/BG2r+DNpJeyEtWGpo38bP50J7SfrH8Nep1CvFe39pmdH3SzNLIw5DlNTLe5/Zd4J/lXsPZO8sbQ7NW++RMGPMYS6Dqzg+sPqNL0zko+OXaNX9oPDm1H6vD9M/94+01lf4UO06rD0avQY/9buqxFQBz0Hiv7xw+utY58qwvaOOnpC/CFh2k+lt+zSN655b1PaP7WkfZpuTmDiu3wcv0xJalZsn0x9xhPSrsirZO6Q7U6MOOWtqU+T+dI4pr2H0Xu9b6Ndm5Xt2xj9QxWFfhkWxT+09mmt8CYBSPqX/AOKtW/B0kuSOh+xtuf7Oy6x9zqv8KVhjtzSh8fB1fVtStX6fgz/u/caARQChJomaeefZUumkD/otvny2Uo+8ivNe1mzr9oRZJKC+xDmw2ZAP9t4p1fr+1W//AIRMvddFksD8vIZa/apvt3sc3e+iK3xwD1m2x2ZTP2UjV+rNZsuHe396O56ZrP0mJfyuRb+j6+p2h2UhT1H04bCHvc6P8ef11O5rB+gHaYQtpXrDIOGJ3BvPg6n/ABFbzop2GayRtM5mu009NmcXE7GeFYRtwy/tx0tXK1sE9RskFf21JSr+/wDw1sG2t3bsGylxvCyMx2SUp9pXgPvxVI/B+tDytiXr3cBiZe1KPHmEdoJ+86jUl7ntL0tYoPN89Gd9BscsdJUGTvBoWh5GPq/yr0l3q80dHbL1s2+tW+/J3Es/rxXpU9nNJ0fEGvybPWuc8ZV+0FRptPYD70AqAO4kb39kj+dLE8RSMx7q642O1vZG6/Wf8K0s5Bm/4QMNLxtL40FxpDyu9jslSageggFq0XtSjpaalQyo/J3qiakPwiLghp+2pTKaOGXUqa054FSaY/g/Nwl2naOFdJkVtiQphtKS7oPNRFYv/uT0ibj6L/39zd3OI4U3ZVKTHzJLIc7XxJ7PuqvWDaqGlJt92uEETmOBc6ynD45JcT9XeHqqom1O0exotijebjbn4wOcCSM592k1tckeejhyfYiNuLDGn7e7M3jI31rc48fzqkhOr9qtBQMJBVWc7FLtO0Gzzs4RzhU7ATrz5eP11dbTb4VvbcagxwyFL3hAPM0GP5Y7UP6YfMRp0gJzsRe/L4Of4fYNeaPwVyhzpQT2SFIgPDHhzTXpjbs//kReyTwTbnzj7Bry7+ChKcc6XiAkBrqEjh+jS82Pdnxv7HW9Kz+P07Ux+569VypKlFnhSRNOkcCIYK40dC+PKkUc6VRwNRchUeX/AMJu9sSOkn4NJ/q8Rs4+fj+7TWl/g5u2m47FW1ULCXYO8S6jxDi3FZV9YSn7NZ7+E1sBPn3y87W23JVEcY6wBxO6UyO19RT+usl6Jdtr70e3pc22vKkRZGOtMPcUujy9x99Zsa8Wf3fn/M9c4/8AiHpWKGF/Qe8pLzPIfG9n2vGoTay3iW3BkhnWY0tKle9Jy0pP1gn7qiej/pEsm1sRtTeuFLITrjvcFDIzw86sb7qVSCxkEjicHOFedOaTV2eU8eTHLa1yZhsFs5O2RtO0gHdU07Ije12Cvsn9mtNZedUygkcSkE/SpcxRudB9ig3O6GPa7VZlhcUlE0Z9R5Z75diSn1EgE8aBQAGVcSaBQax2e0TyrtZQ3koyRS5NoXwEwlXEggUkSlKvPyo63tQIGMGkAkZCirj5UtTkEDKIKAFjUr2R4UluwGSoE9rxPhQvpO8BBpNb5JUlZ4oGaU5+6i6OP5P9H6NL23gVs+K+GffTCz3KJd4KJTXpI6+H2dVSETs6TycTw+r2qOrIxlcohBqBvrLXXozXHe4+knT831Va7u5jkKr0p6O/xLzzLw3rfL1lf6zWbLiqh+BuuTK5dvIU/dhkdVLvs97T7/dqrquEoQH4r0eQPivSfOnu/ceddWQ6fkMpw2JTr2D+K8v4ftGi3Kfqksshg70/GI3ik9rVUy66JzpS66A2pSj/AMVRuzsfrF7CmnctMpI/4a1/UXRerBbZHVYu/cJj6uXiQOVXma6WremO06lBUcnPOq7cN2erW1l8trZZJWfI+FO48N2Tb4zyZIeUAR7+XGsWbI9pnyPcSMeO31iO6EJWtaQCfEY8asVwcUZDLaF6UBJKgPHyquwnEi4tPbxKkmPp0jwINTbJLyxI1IKMgEeNOwTe0yZLFopWhBaIyOdKNpJUADgGjp5nB1/N5UCQW0qVWxKhHyPGm8J86MoYoEPYYCsV2ouIJAxWmKSYsKlIK+BpZSUoRkU3PHiOBpVCVLWArlij4u0URF12ffuF6auCLzOglKNKm4qwkOfSJ1fuqrvWKbFsNzucZ1y69mVmBLWOGlSuLPglXrcR91aJjdHh6iNSvWphCWXdmrmccdMpB+9VFjSl2Ws0o/SeA7OBcJMJLweAkyBHwPW1H99ekLb+DJa3kJclbRzWcjPVw2OHznzqudGmxsAXO3lUFnda25EdxH53Pa1eBPZSMj2q9USXG2WC46SlCRxIGaLDjjkVyR6H1T1bUaaSjppbTAH+gVuygOW28S3YfN8bgF0e9Pn81EsfQJCm35+eq9zOptj0b5bT6Z3VxUE+z7/WrfJSyqO5jnypOzoDMdUcd1B00fijJ1JWjkS9U1bjv38mVJ6D40YPmLtM9lxvhvG0/Z5HOKwnbi13ey302l6EVcfSOZVp7PZV2h4V7YaUlzOkcjjiK84dNIgf0jmDUyy8JH4xn3p0+dBqsEY4/Yb/AEPV5dTqNuolZctiLFLk7Dwp0hKbcyLe1huMO3K/36uX1Yz8qr6rZ/TPjTRLU8WznRJTrSPeMYwr3/qpPYDcu9Htr/NLtzf8FWEelSFcq0xxUji58z3uwhAVXmbp+izU9Ik+TGltlrq7HZx7q9LkFNeaOneaiJ0lzyS4UGOwNOn3UjWusRv9D/8Aqz0Rs0CNn7bn/sbH7k0+prs/j+j1tI8Ybf8ACmnXnWh/ScqX1MBPAE+VZX+DMw0Yu1VxznrN2UD86R/nWn3B3dQZD3sME/cmsw/Bccbe2Clym+T90dd/WKX/AO5Ff1NmBVpMz/2Rn+FVsobns/F2nQzly19h0j8wr/BX76jPwUNotMOXsjMVwH45E4+B76f3GtwvMKPdbTLtsxG8YlMlpafkmvJzKJewfSG07G7K7bK3bny2c9pP1hVI1DeDNGa6fZ1PScUddosunl9UeYnqjau7tbP7NXG+LI/FI6lhPteQ+/FZf+C1ZZrGyVy2uuoIm3+WXhnnoCv5nJpr+EjdkXq27NbB2N/020rrTxwfyPh+v91bHZoEaz2uHa4o9BEYDKPmArUvdqPwv95y5ReDQ/62V/5L/wDsYX+GO2lFv2ZuC0nKHXmSfnSlX8qnPwS7gbj0cyELWCIlxcGPcpIVQfhcxRL6MWH9OTHuLZB8gpKk1WPwMHVMwNpreVEgPMvAfOlQ/u0r/wC7/uOi8W/0T+kj0GRSWONLgcKLitTZ58yv8J57c7BW8f8Aabkj9xNarBSExG0KGQGwD91Yx+E66XIuxtu/P3tP6sD+9W0jvHHLA/dSou8j/uNmW1pca/2jyN0pwLpsP0mOsQgdylwSYB8ME5R9xyK9QbE3iNtLslbr7FVhMplIKfEL8R+lms2/Ck2aem7JR9pYg9PbVEOkc9yef3KxUN+CvtVvmZGzclWlSyZUVOeRPxgH1jIpGD+BmeOuF0dnVR/X+lx1O73Y/qLb08w3doIlu2Thu/jEiQ2t0A6VJGrh/NX2a0aDDYt1vjQYydDLDSWkJ8gE1nXR5dztft9er5jMS3nq0Zfnn/Lj9qtJJyafipq0cPPuglhl8Hmu8ynrZt3N/wDRLof+8zXpDe6kZ88GsL6YNlpzG0c+/sf1Nwg+t8b9XKtosznWbNCkeK2Glfs1nwx2zkjdr836jBiyWPknNQV02ednQQwL9dGXOsb1LqXUhTauOdPZqaSeNKbv9lWqtSVnLTo89fhAR5FkTY4Kt0olDvpWxgvdpPaX5mozom6P4W08Oc9KnKj/AAcU6wlBVqBTqzzq1/hSWx55uy3Bp/O5DiS3u1E8SnyqM/BemQ5drukViQQXbmxvN637LandP7NYFp71NyPXQ18oekfwZc/9QI3QSu4XUq+GJMOG74uJG++SnySTzx4Cnd36An7fBekWS7rkygOxHkICQftCt/yMZAHaV2qjbmw7OW1ibOjaD+QICT7jmnS0enf7Tix9e1/7cpkPQ/b7jF2ZaiyWXUtC9sPoczhWU6dSFCtuK+PlUUITEcO+HbSv7XtU/h+kZzvNfs6qdjVKjDqJeSfkIfpBWBsDtD/7MkfwGvLn4H62x0oNJb59Qfz96a9SdIYR/QDaHhw+DZH8Cq8ufgkBhPS22locfg14/rTVZpVtOz6VH/0/Unr/AFDPaFFS4nVnlSikE8hxpHdq15VyopORwEgVutUPWW8I3nfXSa0IpN3dtMF91YShIyVHkB89KsMhrgiZMuT8W2zBFXL09afIThlpKdPZ+Uffyqk7YdDGyzsXNr3kV/8AN9/f/KVnu/PWmROrq60Y5Zdz3yO12h6tGTCbODnx7VU6m6asdi1GTA7xy2nlzavYLaLY49ZiFRaHH0UlX6KvZqM2A6V7tbtqW0ofUYwHFqVjSznvK4D/ADr14Y8JW8Sphk9k8+9pxWF9KHRda5OwZ2mtUUMXeDBS+4Gx/WkAdrUnz08c0h4pR5xna0/qmHOvHqo8/gvPR50oWnayC6ylsRrgwzvVxe9lOO8j3Vd0rCmAc93vfJrxNYb4bVtbDvVuXrW24NSB3Q0rsqT9Yr2CEBtpKdBGopNLWee38i/WfSo6LJHb1LokVIAdKlA4PjihJ7GfCouY0/nSlTo+3SMcuNoU0pTg4eKqHynK2kstlk9pRycZwKBQw6FY4eVMmwdI3alAnzNGnuutsFIOCKGciKIEgpc3bqA6VDtnt0ycddfKidLYzkajnJpAuvhIQBjCRkkcxSEdMpLjxLo0LWFNdjOBWJya9xoSQ+tjO4kehZHpP/opFOZstpqQN51nPr9jUnTTNkqZUUqB1Dga4PTGz+SOjV3+ynV4U5SBaJ190PIyBo4K+ziqVtXf48CO0BHll6UUhs9X1q9lXD3HTVmtr7xG6O69aoi+QWdw4X+YcS838rHGry+5A4u6KptAX2QwQwySdTe89Xu91Xyq6nW0T7DIZe5+jU+2G2/yvqqrqwZPqOtg+gyJIYZlOJE7OT3+1q7Xrfxfo1p2xGy/wZKW9vG3N+Aex3U48P11kIeV1p7Aaz2d3wUns/y72a3TZC7xoeyrL9wkanEtDfP4wlR8605HaoFyrkQEB1U6fPckMqwdOnxp1MuCoJjxUNtJXu/A+JFMLEyidckNJc1NLLizx4q8RTRyP1yS88hKyhK+B8QFHH6qROK2i75LFb344iIAaSNGcKzxPHjU3HcLcVDaEoUF5JOeI8qq1jt4cdLQWrSzxVnyAqeQylptScKSBzPvHGjwtRiKzUSMJ/jrUdOeGBTxzLulnOBnifdUTb21ZCknKPM1KoGle9V29QwBT4T4MslyOhhTQ8RilQFbrTjAxSVvcLcUNuJyrFPd4Et8UjBTW5UomdjPQpSgRkAU7bT2h4HFIMPgnSU48qdb3iDpxwp2JrsGQoioVx1ETZa6yMhIaEpS8+PFVMtpPhT4THwWb0PQ/wCyoZUwrtcsL5H31ie2+zvS9tC3MEREqRb0TH+rtlxlHaD3FWAeedVSeRxXVmvQaGOpmryqK/J2xk22tzbczMuG5Db7e89J5HVq+avRlynRYcFcySspYQnJUBmvJcjos6S1w2GE7POamZPWCpyS3pfUn2uPtVYrXC6abfa3bVc4EgWJKmd7v3W1kJ7OrdqznveFK005Y47ZRf8Agdv1bQ4dRPy4s0f8T0q8RuzjzokI9nI88GoWK88V72VBuzy88A6llCR7wAqnkvutu9Tnh3+w0pV9rjg1t6PK1Y9tcnrsNMlCdIJORnlgkfyryb06J63t7dZjp9F1v0aw4nTWtXeN0kSIxj2/ffBpK/i93r7yu8qqBcOizbh0E/AzpVkkFT6DjP2qx6rJkni2Qieo9Dw6XT6h5s2VGx9ENwDnQnYHwc7uFoP1KxV7cK9Q5YIrytsnsZ0y7J9ZdablxrM4odYj9Zbe1+CtKFHnW6RjcH7zD+EWtolthQ075DSWwrw1bsg1rxZW0k1T4ON6hpIQnKWOScXur5LkhSgnSeOK8ufhKuBe2Umbn+rJayj6q33a+97TwgWNntmPhR7d8HOtobTq8jnjXne/dFvS1f7zLuk+0xluyVlxQM5HM0nVuUoVFNmr0NY4ZXlyyS/vPTOxkhMrY+zSUHsuwWVj6201KmsZ6LX+lPZuyNWa87Fi4xI/ZYfYuLKVoSPApJ44rYNSmm9YZLisZ3frKPs1piuLOTlwKEnG7IDpQnC2dHF8mH8nAe/SKcCqf+CodXQ9EKP+1SP4qg+luP0u7bWo2S17MsWuA6Uqkb+aypS8KzpJz83Km/Q1aOlTYCC7apezTFwtql7xKGZ7epCjzIHjn6qW5fxNyT+3Ruw4E9G8blHdd9m/DlXmz8LKwP22/W7aqA3pZlILEk+bg7pPzpP6q9ExHXHYzTrrJZUtAUWyclJPhVY6VtnBtdsRcbURqe0FyPw4haeIx7/D66LUx342l2K9Jz/p9XGUvp+TF/wYbZKvO1/w/cHlSmbLEESMpQ4JUriAPopz99elyRVB6DtnF7MbBRWJUYMTJSlvvo8UE90H6sVeAolJIGSBwFFp044al2X6tnjn1UpYvpXBnn4Sje86Gb0vPxKmXfudTWR/gr3Zhjbp+Bv/AOvQFFA+UFZ/4qvfSu10k7a7OO7PW7Y5dugvuBT70mezvHADkJACjgVmNr6HulKzX2BebRHZbmQlpWhfW0Kyr2T7qXmvzRnFHU0KjD0/Lp8rXP5PWquXGiHFVXZG9bW3KQGNptjXbOQ2rMhuc08wVfRzq41IbV3K7W6GldksPwtJVn0ZkpZAx5qVTnI88ofBl/T6+w90kbBQj4TEv/toA/dW2MHKAT4pry5tX0f9L21u0ydoLnBYZkg5jBuaj0GlWpKRW47GXnbN1bEfafZgwHAMLlsS0KY1fN3hqpWGXvlaas6muxJabEoyi9v5LXeoEe7WyRbpiN5HkMKZWjzSRjFeHbk2/sTte/AQ+/DuNudeaC2/EHs4+sKr3MSTWP8ASf0aJ2g6TrJd0Qg5EkEJuJA5bviCfpDs1eeO/rsX6XqVp2437S0dBWzn9F+ja3QnEYkSk9bf+k52sfUMCrynyNEUqmN6my4cXXBti7g8TgIS6lGPeSqmJKMeDnynLLO5fJSul+4sxYzsMlr8Yb04LmlS/Zx91TXRRdE3bYK3yVI3byNTLqc8lJUR/Ksl6Qtjuk7bG/PTH7NDiM9kMI64hXZHLNOei+y9KuwbrsRzZtq626Q4XFtontpLSvNPOscckvLTTo7c9Fhlo04Tju+1m8Us3yqLskybOtrcifbZNtfVzjPLSpSfrTwNUrbeftrByLD11556Ru4/XG4/V0d7taknP31qk65ONDA8jpsbdP8AJSzEjMtth0htXo81U/wdGkIg7QuIbDkyPcGJyUD1spOpP6INV3aXYzpn2hdLlwgNqcc/L79lP86a7D7A9N+ydzeesNubjB2OhDnFh7eI+0ayxnKeXdtZ6v8ASYseheLzxv8AqenWLxb2XWkl/DMw6orpHZX7ifa91Pn3GmY7j77gbbQCpRVyArzjdLf0+guMpsaHYk3+sMZYU0O15Hz91Mrpsd07Trd1J6RPdh9j8W+EW/0eedNP87/lZw//AAyP/wCPH/EvPSZ0mW+0WXeBWX7gvLbYPaYYHdUpPq554+VWt7OKCdnoCXfjCw2ftaa8oyOjbbBNzt6Lxs28WlymesOGcyveZV8/aNeprFMeksuJctVwgbg4Af3XpsD1cFVLwb3JuQ31XDg0+HHHDLcNOk15Efo52jdWvTi2v4/QNeUPwYrhDtXSzanZT+gvR3IpB9RRHD9YraelM9Ke11jf2etmyCLbBkE752RPaUpafLSDwFZBH6B+k9kJUmNCS4g5QpE5KcVWaU5e2ETqejw08NHlx58sY7/9ZHshRyKSUCawGyMfhL2oNMOu26eyPXlPtKV9/ZNSsqb+EI8wQ3a7VGPitktK/eqnPNf7WcD/AMP+2WP+Jb+knbU7Ov2Wy256Ou9Xme1HjMhOrDalp3qyPLTVzcYTJbVHewpuQC2tPmCK86dHHRnt8Olu3bS7WxAoRnC+uQuSl1Q7Kt0nn516Jucp6KhCm7fKmLPhHCeH6RFDCTkraJrcMcEowxyUvyed9lOlpOyG1Mix3aKXofXy3IdP5DvJ+vGlP6RraNn9sLRdr5IhR5kRYWlK460yEneg8wn5q8pdOuz85zpalQ4NvnGfc9D8eOAnUoq72dJPDOqpvZ/Y3pds0LCdklSuxp3T7jai3x1akHVlKs+81kjknFOLt8/Y9FqPTNPqUssJRi2vl/8AM9Zb+PP/ABdj/wB457HydXnVf6U9oImy+xF0mLxvFRjHj/SUnSE/69msi2W6Suln4H6unZWzqkNcN5Jkojq+01kcarlxs3Sv0kynnbiwNw26pBWxpVHQP7FIPaV7/wBqnSz+323bOXi9GlDP/HlHbF/cybYy2S5u03wRbcrSvCyjHHdJOpSvqFe8lMtr3fa8KyXZfZSLsnZJ8O1bMX565SIbhM2RGb9nu8+yPdWhWa6P3O3R5QgTLc4BgszGgHf2dVL27Vyhvq+v/WzjT4RNra4ZyKbFkNkKSdXHjinB9GsYyUkUmpWFAJPM8c0ujjoRXvCkkdlQ5Z8qScaU82eRPhTl3Ufn91IxwHZJSrISOXhxpchgxlEjRwKAE6ePjRUEaNJPDlSs9akOBBSFA8fmoGA2sHUBgHA+escq+kahRcSM9H+XppoQ1Gew6HENo0+vUkllbUcnGVaaYl4P9Vd3Lh/1/dpmWHQKkJZ6mpouvtNNE+xRtpMKQ41vhjH2qgTIkX+BebcywWXYxcSNf5XT3VfaxSuyb8+dax8IMemDnBv6KlJVqrNFDaojXo0+Nam3Wt1KdEg6G1N6VafDFdU5tIMAPMDdOOacet2uParqb4w/L+DJbfEgpvgZlry8+kkpA4AVcr/AjL2RjRYQwTqc3ShxA8KrGy8CK9tNMYW6FyWSNLmeBT4Yqx7QTlxLk1GSlXY3beM9o5P7qUpWbZi2yj6okbKykPKw2gJGM4HA0Filvxt7HfKktl4g5V3iTyqP2rekDaCAm3qS21HGpwDzzSt1iTVvJkpyEOOFfd4ZxwIqSVin7jR4rIEXIHpHFfRoIDzDkIk96maXnodlDxezlvsfIVy5U4s7TW71cxWndUVExWG3jKFhhBUEKVnBp+l1C3BggY4caKIpWtOGSHEnnThLDmoHdJGDx99MjGX7hMpRDMLSoDscPKlVrJScJwCeVGbBSsNF1GvHLFKaRgaljNaYoXY1QgNhRSDkmnbefLwrgGVKwV9rNHGEgjJpsQZSABxyRSbDTbXAe2p37RpZO608F1yMZ4Lp0WCG50yvMRq5WmRb1vKQh9OkqA4jjjhTns+3Q9j26a2LXAVZBV4YxSa1ZyKVwAMdmgU0PdVlhYhSwzp4c80oXQc5pMt++iLGDwqqkCKOoQ419Kgc1450meVFq3Iuw3bocmibxVDvB41CBgs5oFqOKIlVDnJqkyzkE+NGzQchXZqyg5PCihWKDVQGiRQYrFcTSfChChVkDg0bNJ0OaploFRzXCi11QjByaO3g540VJABzXNkalcPCrKOBOTxoCrlXJU3g+dFV7qrogCjXA0TNDmhIGKq7Joo50ORUIGzw50k+006I63fyLu9R9L/Ro1AahbYu25nnSurxpklRBpYL4c6IjHId8zQKcFNyqjZyKHdRVEZtNs/GvUm1SJEmRHXbLgmcxoXzcAI0nzHGpkuZ5mkQNXGgUc8KgV80OFEZzXBVJpVwowVVtgpByRXJOKIVeNFU5gUEnYYrqwNWKAukjiOFIb5QRpPeFFL2e0TypO6w6GcO0sRr7Ou6QlTsvdZyninHvqZRkoTpOKZ7z0VAlxwoTqOKrdtLdy6HLzcbfb2THYcc+U2lSvvoEqSOAAA91Jnj8mk9RSndK7I86pyIkKbtDra21Z0L58aBEdltCUoT3OVDHVkHgQBRy4hPaINS2igoSyMrydNFUlsjCFcFc6Isha8jg3QIylRGRpPKlSbfYQKmeHYdFF3QSAAsFR50U8DikSo8SEn3UEpJBoRuDIxvf/D2qZ28pB7T4G8Pj3uHup6Xmix5/s6ag9ooZmWiUzBbjCV+QL3d3nz+FY5R3MbHhUWFQcKHWmnd3II+lVdtnWbQosScvbs/i+79lXqq1eOa7YZ6d8DOm8y94/Hfcjerp4cOFFvV/hxpnVXfjwCnvEgu6chOKbllaRdU2iZTueO8YwXfygptG3TLqnWlBShqb5c1K4k8ffmkLNNeeZiyz+XY5d3VwprtPKZTCdkBt5ncqTjI5k8AeHys0uUqJFC90mpFmZCGUHJ1owrOCOGP311VveFWz+/7Dgbf0qC1ZwRxx++upDz0alhtC0OyQWb7Jnto3MySMqaI7II8qYyou62mcmzsGOoBJ1jtZHdqc3KnCGtys8QEva/A8lCpByOw3CS3PUmTlRG9I4nyFJRfmopVwgyXldeRHQ8+X+KWz6p5Zq33K3vPWyM24osbrSSAa7cCJJbYjJ0JCBhwDn5Zp+ykraSl4KKQ5rSFef8AhRxTYEswMb4M+DWs8e98ru+dKWi4jceiZ4dqisRWWQRuXe/vv0udcYjTJjkf1f8AzrQoyX1IzkgzPUXACCErPZzThch0pHAagr76iXGnnXt+nISlWEJqRjJf1ZdwK0Q3fuFSURyFknJHGhWSOBooOTXHJOTWiO0WwMZNKhQxkHjRVNqIyKBLZHDNMvb0CG1K04TwzREKUArV4Uru8ngaKpvAOTzo+iCSXA4kkHlR9eMcaKlpKEYzzo27GBVxIDqV4VxWrFAdPtZrsDzphQktx8d0ZoUuu+two5T76DRnxq0Aw2+91cHEnwpPc/Krt2oURQrlJoCEn1qTKVDwopBqFh8EUCQc0TWaOgkioQUNcKTUo5owJxVoEE1xIotDirRAeGKTJ40c8qKRxqyBhQmg5UI41RZwrq411WUcru8KNHzlWfKi+FFQ4yjVrdSjh4nFQh3AGgJ4UXIJyk5BHMUB5ChsgNdQGhqEA40CiaNQE0DdFgUaurqIgBUK5BJNAqhGRQlihHGjpHCksnNDqOKtckFcK86Hd55mi5V512ffUKDAHzo2OHOks5rhnPOqbLFwns86IoDzopWRwzSawSeBoaDFFBIVy41xTlWjhxondPaXkUUHJ58KAIWQns1yU8aR/wBfJpnFvdtdk9UVMaEkK07reAk/N50EiiTyN0NZpUIyBimr0VL6VJUeyrmPOnYGBqHrVSICBgZOOFAUhfEY91FVkccZ86KXAeQx5UVooK40opwvAFIqDeRgE6aV1AqIWTigB3ecDOaRO7GROSUFJWUK40TgpGkZSaWQ44eCkjFctwZ1FI4VEk1yQjriyM4axg880wixCQSpKtKalJDTMgqK2nUJIyFCjxmUtpIQ4pwJPdrL4L+gPdXZHNM6EPgDGe9WfuszmLmomAzMc+M3ndd1cBq7XjWkyOznA596qhL/AB6ZuD6Djr3bjff0/K/13qy6hdGnA+DtlZ5fLSSHg0Pzmn2vWo21txYt1nfdRDVJW0529fiqmsr/AKvDxjjff+89pWn9VDb33Z9leYcCd4pzsh31lUCyDtpH2k/DFg9AMZ9JvPk6uyr/AF7VdSVhkNWhgwITGYhKdHyO9qT9WqupA7YWlp5hyelpt3wyUez40pe3FFMQtOgEq+9J5f65VHRHc3vSIwALed554qTu0dlcqIhPAKRwHkOf7/qq4/Jn+naNY+/Zy9n/AF/nSzD6mmGzxdb/AGfKhiMRJkhrdZ+n3dPz/o1JBgekGPRf3vGn4PdDcLlIdQC+4wlThGCMYpfdhZOk58PmoIzWplITqSkHhQNtoQgpU8chWTiuhzt5M5yW2WgdayMnmPOnQAOCCTmmjUhguaG2yRnjqpYOy+sp4p3Q5Yq4NJAscIB04S0ke81x7JOpQ+qkkqUpJ44PlR91qTk8KfTAElkEcXXCM+FcUN6grKj89K7k4AGaNulauJ4VWwuwiCEcAilt6CMFNFUg6eBzSSgc8KbFUAKa/KiFxeOVHQABqIoC6gjBRTkyhPeEV2vUaF5sAZFBHIxxFS2SgysnkKA6h4UYuceAoqnT5VYBxV7q4LPgKKXMjlQBz3VZBQqyKJnFBq41yjVIgYqoc8KSGaOOVGQ411cOdGXjFQoKDQjjSfjR00RKDYoDRieFJknNQlClCmiZoyTUICqgBrjxrgKhKAPKs36TdjNo9qrk2W1wk2+Ox6DfHCt4eea0OTJajvILrgSPfTG+bTWllkpXKwaBkiiP2Bauds2ebtt8ea61H9CxufzY5fXU9VCvu1VvyCJfxdXGyzfhK2sTPzzWqqiWx5mh8K4ChPKjQIFdQgUBqqLOzQGuoRyqFhTXJoTXJoGQEHzoySM0UDzriPKrRBZBHjQkjNJA4FH05GRVIoMSK7J86InjRwkedRlg5GONckIrt3nxrt0R41RYbCTQbtNdg0ICqFhWH3TZGDqFQLWzcSPtdHuUBnqaG4ykrS1wS7k1PalCu3qhS6sm6XyGA4nCqEAgaa4E+Qourj2hiiXBOxJQd3mAKEgk9pJpZONecmi5wTlVD2WIL56aKvlproj8eWkqjLbWB39J5UqcpoXwQQzu+4im011qMVyc9xNLvc92Ptaqrm2rVz6gGoNt6+PXTvNKuCs4/VSMuXrgZEmZMt5g5cwU45gU1TcVLLgWNKdPAp8aRgSJCoLIea7fIhQ4Um4v0SghsDjmsk57l9Q9Rtj2LNwCkFaePEmoy7zIbmVyWkrGeyTzHvohwHCnUrGMk1DXZboU06wNYJOUq5EVmk5xXEhsMSch7LjsdV38d/e/61fr01AB6Fa5DomvmI6fTyN59JWn7tVLpuEj8t8V7u58dpRSF1diyY7zMjeN/wBr3e1q7tZnkxx+t0a1H7ET1h9m6amH/QNx3T9nUntV1O9th8H2APwI++Lsb8n/AHff/nXVbaQzeXO0xmHH33krOB2RUheYcAyowdkutnSlOhPEkCqfYoTkPaKU315xxSlJQV54HPuqaE9Sr5Kyn4nhlXEE1pi/wY5Yr/cWWLEaQ0CpzRnl4Z+rwpZGRxQMD1qirQ/v9HHPrVNSClqPlXA+tXSxOOSNoxP2nLOiUfSdgJ5edMXQUuLTrw1jVmlF7xSklRA08CKFoJU1kgKJOD7qVmaukSIjEJIU5kEk4AqTSyO8teBjwpFppKQoADjTloDdYNMwJ2DJhklniUjV76Fx1YGAkfPRAMKGMD3UqtSdXHAAHKtfcRYklw4GXcGucKjwOaUAZcAUgcQaRlP5cCE1JcRsgdB9HRG+KqXbTiPzFItjiahQC86iAaKkDkTSmDxpPSeJokQORqRRG/EUds+jNFQedMsFcBeRNEUa5Ryo4rg2o1ZZw4jnRfWo4ZPicVwQEnic1GDdgEca4gk0YrT5UUKyeVWiHUOaHTQYoiHYNceVco1wNQgVPOjUFdREDjjQ6aKk4o2rhUIEHOjigFdUIHrqAUNQopXSqzMNj+EIYOYnaeA/NedZCq7tvM9ZJ7Hl61ekFFKgUkAny86yHpU2JsfVXbhbyLc8DxbDmAs/R8KVmj0PxPijNnZL064NxImXZEgpaaZ9o16U2YtzlosEC2r4vMMJBV5nxrPugu1wWoEp02tk3Bpz+tlepSkny8q1OrxxKyy5o7FAaNRTTGJo7woPGh8KChIcaAUJNceVVZADXDnQUIqiwRQ8xwrhw50ZOPCrogCUHxo+DjhXCgyQajjRAW80J+egA99CQPOgaICn56Eq99FAxXAVRA/ao6QccaKnFCSKsgXjnhSqRwyuipGTwo6+0NNWGDlrVlINFXkqBA4UVOQkihQols5FKosHJ1V3vNFRnVR1qKeHCqIUSfapyekuJME11y3zd4txgcAzuUjGSOfE1bZRcTyNOX3WS3y45pMpZW4ePhSWHuGTLpXkOoK8Dn50Kw2olQcdHHgKdLZXjS2QcDmPGm0klklStTnHtAUmSmg+BAocQ3rwlTRXnSTxxUW/Mw+W1x92CcJI8aNIdUt5KslISClJzwNILcyNKgV45HyrmZXB9I0RTsVQwXFakrChyUnHKoi6RFrCGytSOJKvk+VTqCw8o4C2V6e0fBRqJvZuDKmC2WpTeCkDxcFLlG49DYv3FRlMMQS8xl48fSekUns+t9GoQPmHvkgks9Z9HvPlKzq9/rVcr+WFRnH9wGifjB2Uq7yUp/u1C3OM/CtUt/cQzLOMN+r3u1/DScsjdil2P9q2X1bPsQRyMZSN43+12vKupndZJZ2A6wzzi6va9r+ddUm4r6hNErYFb6ctCEjIUjKgefOnLD4Xd58RJHbd0P5T4AAVEbLahMcS4FsKY3YOn1jUrBjyFXt+SpLKmy+sr48TypsVwVJe4nrIz8Gq3P8AYfRSrtd6p1TYLSg6ahW3Ncxh3d69+j7tPD+VTVvy8taXq6+nW6zn5OORWG0kN4KQSeVIPx3w+Hm0jyxRXkuNP40qCeWadsqJQUKHDwNVV8CuhBp8KKnFo04OFD3VJIUFNDhyqMUsB0NrSBnvfyp/GWQk4HA07G64AbFTleCBxoVKIOk8KTbUQ6SDwzXSHMZOM1pbW0EIVBlDoznPjTXKVKyDxor5UlGrj2vCkNOpaCMoJrJbGRiiaaGGeNIpUAsg8KW0lLXaNNX0eIzWmT2sBCpyVZSeFEUFE8DQxnEpTgjNHS43kjTR/UgQHBobwKSaUM8aF1RPA0RSeHCispix3Y44pNTvHsigAoQPdVp2UFKlKNAAfGjg4PKiqcAPKoigUgDnXZSKKSpVdp4casgJVXDJoFgUKeVRMhxFAKHNAaNEANCmg5ihFEQHNcRXYowqEAFDmhOKIahBRJoaImjFVRAsg9rtqLTsvHYfujjoDzgbZDaMnNZ/0tbafA7EZlFtadbube/Q87wdH00+Bq87f2eHebIlmS1rcS+2WfcrUM/qzWcdMLDEu7pQ6yMtRyB++lyY3Fy6G/R9tSxZosy+zmTuJOnHV29St77Kq1vZe+wdobIi7QF5ZVkLT6ySOYNYXCt4VsKzjukucvzqVZrb9ioMO27MwIcFrdshhKz8pSuJP66mP5CyLomM+VAaDPGjDlRyEgV1dXUJYU5zXV1CeVUkQAUOK5NGOKsoKQSaHBSaFORSgGRk1OywgXg8aU1JNEWkEcKJgpqyCumuwaJqIo6FA86qyDW5XODbYwk3GQiKzqS3rXyyahdidool5XcI7UgyXmJCuXFKW/V4/fU9NiRZrBjy2G5DB5tuDUk1GIsDLF7F1gYiOr4SUJ4B4e+lsNE4BRxRAqjA1dgCjBwqml7lyIVtky40NUtxlpTgaSrBVjwzS6DhdKkZGojINDLqgys7FbYW3axneROD7fx8dz8j/iKsyPGvNO1F8jbKdK8m5WJKmksP6JDGMfTT8x5/XW97G387TWJq7N22TCju/Fb4pysefZoIyCcSYWoAjBxSUp4DgDlVGcbKlDjypqpvK1HOPfSssiRBUkuI3Z8K5tkJWcHgFUoggGkpbpQghPMqpUl+6Q0aSZ620ndqK8ikBNfPqhSSn9dKLKEp9JgYOMUmEx1t7jilQVqz7qyubkMjsGtzRvmI4ByysjUFDGeNNDlK3IyEICElOAlX6qfzWsJxxwOXGo8NJDbr2SClYyAOOcc6wS7HIVa9KUR84aPM548jTHXunnCXClLQxhQyD2eVScRQVI1rRzHDhyGKibhuGEvPOvBDY5hw9731d2g4kffxZ5LLceQ2226ph5EYteJSnjj7xTKVvhChx3hnrI/rHq/Ur+VKPxIkp18SIslAYfKEpe+intJ+Sfa91HbQ0hxtot6kqGc55KVyP1frq29w+PAyUnr2xhjeG91uf69auoIzxj219gvF1re6G3PU+z/hXUNGgR2KhuN3aRvFkFTjWlJ454mreiOWpe7Ct24qSoqOfAiqb0aSGpVxk7sPJEd1KSXVZPjVnuEhiNeHny4FJEnBKhnyo5LbEz5fqJNhplmAcq4xj7He1csGhgy+qu61vyFdrVha81A3e4kWt98H+s8u76vq082ZmiZZg9MH412df91VNx5+aozSxcXZcVvJkkLJPEcBRkODdgEkFPCmsZ0hsPMpBCv1GuS609JSkHTjx99blytxkoWKgVE6dRzTqGpxR0lHKmiylt3SDxNP4pSD8aSAMLNXi7sGSDH40kchRSo4OeVClletRUrgfGgmOBqKoJTqI8ac7oEBpIUCVDIzij7tkOgYBwOVMGjILZSfnxQNPO9aGvgFcKW8qSDpkxLcGngKagkjJpR8qAAyKLxIwmtM+xKYkMgmjpSo8aUwAO0eNAHAB7qKPRApwqgUEgc6BZApLOrlTKIDvONDknxoqG/GhyAKlkOAVmjYHjQA+VcQTzqwGG7PnRSqg0DPOjafKqIEOc0bwrqLUIcDxo1ABQq5UaIdQGuTzoVCrIBmjJNAOVdREBzmuNBXGoQHNAaAUbhihIRF3YWq8w5Kpu7jssu5jnuuuHSEk/Nk/fVI20tEG/3QTSw9vd6qOhxtz1dPa/vVeJwzOjg/FNgvfQ7OB+uq0lDUSyQUvOdtx1ThVj1SoDP6qBsYivRLezZ7XMgRd6IkO4oUc+ypNXXo/LzVulRHpnWtw+osf2TJ5J/fUZLhNTb/AH+F6VMZ2KhY+klPOu2BmBCozG+wJDOPtJqii8Yoa6uNEmAAK41wrjV2UBXGuoeZqizkihoRQHnVWQDUSKMlzAwaKrHhXJ58alkDZJ5UIPtV2sck0Hz0VkBVg0XBFDyoc0DIcngaUBBopTmiHIoiC/CoPbu6uWXZp+4tHuEDWvup1Kxq+zUtxprdbVbLsW/hKGmSG0qSlKuIwrnwpbKh0O4T7cqKy+wVqQ6nKFKTjUmnaHCO9UZYrYi0x+qR5D7rCP6u26rUGx5Z8qklYHeqxhQOkXo6s+0Dk+7MIDVyMYo4cnXPVV845Uh+D7cXpWw3UHs/iElTKfm5/wA60MjPLhUXs9Z7dYmZDNujhpL76nl48VHnS/gIl9JOSDTZbZJKFcAfGnSVDKUHxozjI4nNA47iWR6y207oQgpI4Cm8xwFW73enHEKFSAATkLGr301kbrJI4A0jNGgokPvvT7l3if4ePCgYd/8Aedvt/JqsMX9atu5GIDzUJ1pLG9kDSNTRVqCfflVWeM/mSWByLe83e79r1tVc18GgCTzdeee/FfD6uaqb8HhwP6HaSqlHrcXIhj70nU12FLGc/wDhpDZu3qt8R+3yn+sPoVpDvtpoVi3fIdjiB/Xt39FP6qaXNjrf4nhr0+rv+z4/yqfixXkKypgHUNI9yabFgdZO+/J/xe0K0Rw18g+QpG0gZTIsTEiRuWnF8Y7f0dLfZ+1Uu7bwxYIrW/dLvV+bbf2qcXW3wJ0wPyNy6R6DHe7Pe/u0x2ig6dn5rdpMzfJCXG47bivVVqGnPq0Eh6kRdsCXtmGusY+N9J3u6lSuz9Kupza0m67BxJm4aD8g787vuj/X8VdQ7R3l/Ajs9ZvgaK7d7g/iXK/Jtt+tq1drTSN234unXy+y7bTq9H3k931vmqx3KR1+zTnZCwlhKAAj1g36tQki3yGIFsU+31hAWCVesPZpUkVF7huhr4Qjts7pD0Uo4KTyUrwNSEZJihCmUoVuSMIPNSfHPzU7tMNuEtmGlvSyBlvSfPln5qYTllMh6Q5u0tNHTIIPNPmPeaJYldkUt3BOtPzS04tPd1ApI9mo9N5zOClNOALe3TYH6x81QMbaMJnCNHcdznShKxwIpRyDPeksOGcABJx2BwA8T81aPLSongUeS/LejhkvS16HieFPIjpDailzWFDhVekXRhmfuH+Pb7Hrbrs0HXSWHWWTxR8X9Gg8pl8X5LB8It+kabz2P4qVxlO58dPOqXYmblDYDN4uYlZkPL1j1G1K7Kfs1eAn0AA5ae9WnDlsXlhSGy3G2niFpP8AjRlJLul5LYTp5Z8aFxkFCytRXju0G/0bptwcTUuvqAHq9IdwrirFFU5pPAfdSYWHUg8hRgUADScqrUmIo7WVEaqUCvAURLeTkmj8AOyOPnTkyBCgZ48qLp0nhyoVODGPGiEkiiSKBURzFcO381FPlSgwUcOFEkQDATxFFUvNHA4caTUBmrsANk45UZKuFECwBg0IGeIq6ICeIooVihUcCiJGaMgoFZrudAOFBxzUKDDjQ8qLyoedQs7lXE0I40ChREOzXA0U8BRC4kEArSCffQkAead3ze6lbtvX2/RatVKHhSNwf6nGcf3UmTu/UZxqpjb7qLnBYkGK7HD/ABSlwY7PtfN76hBO4lkW+V6b0sl9LLftI/12qYbVBj/qyOOOOfq/Kpe7HrBaftDMJ5mKhOh1xxX0Rp9r1qj3rgxPvbLDcyI680n04Z5BScUEiDy6JiN7Q21xPNUYavliot+3w2b/ADIA4AkPsfINLbQT5D5hGB8D9cCPSNubzXp1adWoHGO7T+/mNphTZ6mBeW+Hoz8Z8lOaoMnYbgfjIdTyIpfwqnxLjPg3RmD8ETN0858Z1lvdVaJ8uPBYVIlyGWGE/lHFYFEwBehFNbfcINxj9YgSmZDWrTqb8VU441SIGUc0KRwoEp412TqqmQHODQ96uIzRM6TVogtgZooSMk13MZpLUQTRkDpwCa5XLjXJ4JzQHiKW+SAhWngKEaTxNAMYoh51dEFQgij7wJwCQCeVItuKBweNZRdtqGp3TG0xIuzMO22cqzvF4BOntf4UDdBpWa4O1Rx2aaQZDEqMmVFWpxmQnUFEY1CnbfyP0aJoAFJzxFDk5waLnJAFCoEKzQsMV7PgcHyomCpHaGkDxpEpUp0O5p0hZKRlOoe+hposTJOM+HnQ69PLxrlcchvjx5UR7lq5KA5UJAS6lQAUnHvpme2C1o4FWQfKlFOcEBR4g8B503U8rXwPrcR5Vky5qDjEYXYCXEeadSMrBK3G29Wjs/vqE2Cuz0+AqNIt7zT1vQ2OPYLmrilSU+Axpq4+gHYd8OVMRDZZuzl2DvAs7r5POkpB7hd7eFTSkEghPxfyfnoszCFBxpgBWU/Sozz4Ede7cCkjgn5qSkPJSzvEAqPZwfAVakWGS5jHPgMK48j5UlI9NvSfX7ntLxTKK7mU4zv8OxsLI82zUVt7ezZ7ay6lzDjsgI3Xm2ary38B7SdEKPveubpnefPqV7k1F3kx07PzjDkY4djR2u0n2fmNGhrjkAlXEjk2U6PpfSFM9oGGnGHWHAC3KjqaSM4CdXI5rJvGRiVCNtD8ER7bGfLLVtucfW24Ozh35Xnn+Kuprdtj2GtjYcecS3LZjyFhzmpCjq0q9/dTXUDcka7LptsdMfIYIeB/F2x8StpP8u1RYcgm0u7/ANF1nl9r1U/NSgkdf65YZ7++uQ1br/dfST41TNq7hPgXWFHglluH8+lKOzpUnT4edFLuwcUbjX2NGs8LrMItyEnsYR2Dx0Hmc1B3uBElJnxI6iylLqUpWfyp88e6pKwTHnIbKmIjiXOCXWyeSfEj5qVu1r3ritKi0sOhxSjzV7vmNM6EqW1mdzNkb0/e07t4BhSSlx0czgd4GpWK7MisRWGXg8rBZSojy8PeTT6bfJEK9dXUkF0nO79RKfKjXkOPybfo3SW0ArwgcQPAj30pyTNie5D2JAL9xzIY9N/d1fqqPmvXd65xOriGB1jduN9r1ez2vqpe6SJ/WmSCWWey5n5Xs6aNFfdmHdb4A9o/tUDe0WO7PaHIlz3sleoZH0ePOroh8YxUBbQlxrWpZUePPu8eVPELIHOtmF1Ziy+6h6W3ENlSHQoHnTJSSXwcFVO4uHo6V5AQrlXK0he7DZ1jlitE+fpFAF5xOEuIGmnKFhSQUI+s0wfwFZ3hUaWhOOOp0ngnzq1O2BIdpc8DXKJxwoiUjGDRs+FaoiwwSkDJ50UODOCKFzirhRSATxp9FAkBXFNAk8cGuHZOBXKICuNWCctRBx4UU8eFGUCeVcAB3qhQVLZPA8qFXDspoVKJ4CgSMc6shyE550Kjp5UBVjlXDjzo0Q4HNcSAa5XDlSRBzUKFdVdqpKgZb3bWj+9mgLF+NDQcqKpVGUN7yua1DU9AjsynQPinndCf3VByGohMOddYMXfZTwB/R01YJu83B3Z7f8NVWXcOpRWmOr9Ye6yn0m80o1avaqELRMfDA0BpbiyO6kZqk3PadmxsS7f8Hvv3JBVhvHot12ez83aqTmSJFwukQW/rkR8aeH0u/wA6hZd+j2mXIjzprKLn+ckDXufZ08KF8DEKbLy7pdQ9HVbWLPBiB7n6P1tKf71VK6XbaSPen2XI7O9jL0b1ppKt41vQO981WvZV1W1wfDz5dZjDnulcXVd3xqozdp37Tdjap44wfQfi8dOmlyCiyW2Mdul5iXBU2XFjMtIb6vlGnV3lfuSmqzctoL9IlhN0tcV5yMXXgQ3p7ue0lX2U8quWxW52mTNed4NRhoa3kdPxve9Wqjcr/Ki3B23zmYyJEU6F7hjsmhCRaxJu52KZu+QGmnFf74JHznlU/sxfnpWyjU1SfhQH4xZCU7vtetVLisT79src32GXgwNO7bb1anvb0pouye1EGz7NfA0AYfJ1uLm939EVLKovplyHLHHMO6s2taCUaFN6s4qy28FyA1mV1w/nu7vffiqPcJMB+xJ+FZ7ERQkKOBz1Vd7RLE2A1ICkLygAKT400Ac54V3DFceFEJ41QAoDgUVQ1CgCs8K7ODUIAFEcK44IoVUkSQqrRA4J5GjqHZ4UQnNGSdPOqIcCMUZIB4mhASviKDummEM66c496/ovEu1pflNO29/evBgqCtJHe4ezVD/6ONpnYtt2nGbjLlaZEhvs69XeT2T3q9BkBwYIyPKuc4DA4Y8qTJBxyqPZllj6RrzHnpjX23OqSngpbbWl1P2f8609hwOsIfQcpWMpNH3ac5UEk/NSgWgDGjIqJURsFtwA8aPqyM0moJUnNAQQnhUasBs5w6QCkaqItxeBx+qjlaSvOdB8qKkIdVlXZPnSZSYw7eOIaLnh5UdDiVoJJ8OVJusEgpUrgORFARpjEgAY8aDbJhWgExx1dRSsrA5HxBpF5CdBwpCjjKtXMUp1kNp+MGrxA86MpsOrCtbbazxVq8RSW4JbUGrGDJSd8ThxQxjV5UDmQ2sHiEnAx7NOnUBl9zehKV+qfAppoXCheCnATw1DkRWdxp0hiE/Sjd9b3Wvs9v8Atj5U9WQWtZWApPgKYmay9ll4O8NP5Pz5YokR/G9cdRuEI56qC6Coq6nbpaekm4y5zTqLRLbG7eQjV6Qd395qclCBLjCeQyplrUveOdzuq7X1dqlpu/uKTuJDLTP5zdpX9Hs+Xeqq2uPdrFM6hO/HrXLKfSN9ncOqUrUnTz0nVQLkInEsWrg/uDuXfi3Gvo/zFddMGUxg+hH6L3yVfN2TUtcmBo3LPohjct6KqKpBFzdsMKOXUtN/jEk/nVdrSfHiKX4tvyOTse3YatywyN13v+JX39r9KupTrAjxHSrG+a+l8V7Pz4rqog4sL46y+/1dnONx1nd/w+7spqgbXQDCZamzWctxp6X3N4U/FKTpT9WatsbaC0SJD0eBwDen/wAOmq3eWlNXTEltt9ghL2tbmo7pJGRj3ZFU3aodijtdl12Sajw4cNTxaalEO/dq1U32gkSCt7/rB2I276NtxvT63s/5042fMAp6mx+b3mT4J5J/XUSph+ZeSNy24GvtUTYuKCm0PLljLK3FFPpXTyWrFS+y0GDFt/pEqdd1YIPIAnu0K7hHTA1JeXuWAC64OYPgabW6ayyCkLJKkh1SvHj40EWgpSk4jy67sSiCgYCC3jwGaZ2WCWm94vQl5C1Jad8NPiMUdu5tPFJynQCRrPNQzzp9GStdwBCUJaCu0k8xw4GihSkL90Yjwbrq25HElz/4SaVibsg6+PyaScfQ3IQyyOJCtSvBNIwZrLT7jLXbeWU5A5USludCdtKxwThLaHFcjgJpyy+HUrKWg2f30hLYVqD3PzFLw2wE6jwHLFaMXt9gDV8ioazxA4mnIDTbYbAz40RaiElKfmoiNQc48QBitCjbEyFY6itRBGMVyuLhIrkK0uDHChcCscK0Y3yAw5HCklZzRkrJGlXOilKgcVpBBSSTQOqycGhSCDxpNw9rFQlCoXgYoFcedFR5UccOdWAclOBmgUc1yleArkDByaiICEgUCj5VwUSaEjFMRTCgedAr3UcnNDjhQt0UIIznjR0+VCqgA40RAcYoBkmuUTqxXcfCoQb3Vph63PIfOEY49oj91VNpMePsgyLK8ZcsqS4XDq+pPuqQ23eeZYZew71X122O88r5R8BUK/GnTo+/miYw07/Vo7XdY+yn95oWEiWakmxvuyHtxFed/KTJOXf0U1VJgtMjaeZOVOZfelfGbuEr5uzqq3nZ61WO1i4XcPrba77nP9JIoNnIDF4km5Y0h/Tux1dKVaaoIo9tkXeHdBHtM65paK94tpLaBrHnwBoykQZ9wfkP7My5DpXlbzi8az9QrR9o27va2GnbLBiT5J4FDytPD2qZW2EW4+X2PTHn3vtUDjYW6inWuQ9bxN6hYJjHd9G3JV+lyqDlJgzy9Om2e57934xwf51pW0UK5w4++sttiypJ+MQ/q7vuotuYD8b8eY3T3kjKU6vGptLsoVgvxs8UsMPTWGP7SMlXa9aq78Ewnr719ie06N51hzedhXe1K51otySmDJbh/Bc66dd8dfZZpretnWXY++ZYiufs0NEsru1BEm5Wy5pgutCQfxh/skLT6vGtgtGPgmLpWHRo+MCcaqw6XDftQdfhSWVMj4xre68fZ8fnrUOiZ5+ZsqXlMlptxz0GV6k+/HkM5qItlxoqgDXNqyKKonNMEgd2ol+/W4bWN7M5/HVxlO/Jx5VL41VhN6nPs9Prb2f6vLbZ+yQBp/XQt0HGNm7kYHCgPEUZHLjQHgaIASGdVLZBGKKoCgHDjVUQ4ZBzSwII40mkhQoFZAoqILYwM0mnJVQhfYwa5ojNTsgZSuVASSOHKiqPE+VcCcjHKo0QcM+tSRHmaUaPepq+2qWw42eCVApFA+BkSn7cX3qW2NhtG/6szv8AfvueqlPL/GrbZbk1coJltb3qyyoMbzs60hXeHurH7tsftNdpkxT753sQp3Uc/K1d1VaFsPc5kqILXc2NMmKE40eslPDl51kTGNFucJHEdoU2eC1HOcjyooU6kZQfqNCgqVx5KqpPeVH2iBS4FHIAozuQ5nPhiltaXQdScHlSckbtvKhrHu50mk4h/Ikh5C94nVvA3xxSDqHVLS6y4VsKPaQeddlsv62CEKx2kmjx3eJCuYrPJvpDEMpTD3WYrzPxX5f2tOk03VvjIIPEFz/y/wDOpmU2lxCnEnC9OCPM0wSy28VBQ0vobSD78UrIhikMI7EiBKaLDGYh9G43+Z9ZKtNN1PPwbrEfOTCd7B/9YUrsp0+XvqQVJKX93IZU2klIBTTjdofdU0VDSoKx76KCLsF/OHD9ntVETWVOhMZfdKQSPaqcmrSlg6MKBaOkHjqViq/dUSFxCvt74lKUlvk0FHjUzIHEhCJIgXa1TGNxj8Ydj+k9fSrtKTXU2223EXZbf7ncfi6uLfyv73ZrqqhtGaQ7hI2Yv4+HGM249/DfPV62r1scqs9puAvN0w7aHtLXDefS7Sfv/u1TFPwpNyMee+X3mpCertt6vQesr6/8qu+xW/t6vQ7rErt+k7+r5XvpeRdHQY7TeNxMuMCDaH07r0bhc7rylJ73z++pg3GPb0NMMJlvP4TvX+19mjXaORcesb/jKa+Trynu/VUNao781h4HfOy3Dxc+f2f3UqU6M+3cOXLhHfixfQPRA64nLfsO9rvJpaK/v4+Oru+iOHHHNPcUmkbnGuEeSMx2tz47z2f9eNSjfU9wN89Fz2vR/wANCi2ICEzbY4PpS0X0/YVUrElqcfw2jLJ5fKpSRjfB3wx2B++iR9676X4sdr5OmmCpOxO5XFlwBhrsLxp95/5V1kVHi3OPBUPTL7WTzT/zpNgMuzstuZcGrParpLD78oHhEeDrXpN3+S1dlP8Aru1eN82LfVFkfWwy4ppZUp39VIMPDUQVknmKWmFbgSVJSgjiB4mmypDbasFsKV4keGa3RXBnHm+wA4OIVxFKtrChnwPGmzDqOqgY48hXIcPLFPsWLbwlecU6ScpBJpgpatenHLnTlClKI0eFFil7gJBnFdujbwjmKKBqOaHGTjFa4sWzi4SeFAE8c0OnCuFCo6eVMQDZ2QDjxpPKiv3UU5KqWAAHvq6IAMauNCo5OBSa85o6OA99SiAkYoM5ricmgPCiRAx4ca7VmiFWeFGA4VZRyvdXKOBXJxigPaqEoFODxNdntUCuymiOOBtGpXCoQidrNaraG0RHpOpYylrmKTet4xHf6/MDo1ei3nf+Uqkr3fGoiJTaRkR++Rq1fXjlUbszdpNxtq5rUEIQrgVOPpCcfPQFl2uE6PEiAPYVw+L50xtrodnOSV8F94YqoXgw2Yr6jdmmvxbR+L6vs9rjVV2b27ZiSXY14elHOkN7jTq1VcmGlZrVyvjEXelnefi/oe5UdAmBRXxzVeks6/RC0Xo54/1hKazbbbaF+23jqdtal2tyP8egyNStX1e6lthJWb7dLtFhMnJ46h3P4qhId1izLjKGfyg4L/irP9i5D+01sL/UXpfVdO8c66r437qcbQSGtmIpnTbQ9n851ntdqpZNpprMZmTkuEf8NQUt2Fh5iJNadcbX8X62qst2T22ucy5bmXNe3LmrDG4ClKqxSkwhJ6xvZrDv5zCv/FVbiVQebYmWLY/8F2ovTHXOOY/tf3avPR6+p7ZSKlSWUlnLWGhgcKon9MCm5MwGJDVx3n5SPp1/R1UvA2nv1nuTxuSfxd1z8uP4dNDZe01WhUc0wsd0avNs69FxwXx7erjT1JzRiSB292l/ots4u89U61peaaDYXpySfOsC2pv7U7akbTQbfMhdaO8a3vLep7ykq9bu16NvVshXi1v224MB6O8MKSf9c6p/ShsSm7bGRWbOzu3LSPxVgeI8RQtWMTosexkifNsEa43GUxIfloDp3KcNIz6tTQOscayT8Hy9PrNw2clkh1r8YZB8E8lJ++tZJ7eBVpFNcoPjTXKTqFG74zQA44UxgCY7Jo+rNFIyM0XOKjIAoHPCjsKwrjQpwRRCnByKtsguU8Tp4iihKsjPAURt3AGOVcXCrPlQNhi5PZ0jlSjZARk92mjZUpWPClC6EK3SuVA3ZOg0o5wfCm6WmlSUPclj1qMXA4MeAoD3QcYrLe6dsZHoWU8l1SgeC88VUg6yS8COBxxNJnIyTzNOYzydOhw8cc6XJwfDC6Eo5BSG1rOT63lQvvCKlRdQVJyPSCheZ0pyDnPjTaUl51nSl4JbKgFKPI0nlOggq2w+lEptvAUTy8aPG3e+PAFQTxNdHbWy3u0LO5yck0qndA4jIJcWjveAqQpS5INJDikrKlHGhzCR504UG3wVJ7LxWQn30wuGeXj/AHfGkBnqO5D32/8AD31mfA2qHqy6VFhISh1Kuah36awnEKkpQygqBcIe+T81R8KRPN0mQZxzvXPxZ37Pd+emMV6fabm+9PfaLKpGI/q6PV7vvqpSGLH+Swmez1fSh1tT4BRhIzutI400wXVBtl5W7DoUSocxmo6NJmwC+yqOxLDbmUek9N2vV+fFOrDeDIEjgwzGHxfeTrb7X/L5PGjvcRLaUXp1vBYtsO0D4qVI+M+j3v8AXya6q50hYu8u3sB/8aBd9rvahnTXVqDceS97KWW0G5TJ79vHXOzvG952l/K8vfT+UxHEtlkPMh1oq3f97l7qGVHFvO4373xfHu971u16tV+/6o8t1QD3VOrc+1/F5/8ADXNkqHxW4tF3dcchQ5DQGplwnOM5yaNImMmUIrLejUtK3XGxpBGe9Q7OOquVhQFZS5uyUjgBnzxUOtcRmxyU8HTHUQtKV9pSSeWfnoHdbgXD3bCy3vEqKqQFO7pLSwpgnIXk+H76j40JhuKJD4JfaaCWyOGU+80bYN5b0Yb5DiSFKO6cPHPgM+WKa7TblmdGQtDo1kqyFdnA8MUbjcdwCdT2fAuHixHbEpDkh48RpPhRp0t8wAEKTqScgAd0+GaBsoL2T2ikdg0tHiOrcQ4paS2o6VDFK5YXBH2xmQxv89oOJST7+FSjbC1mA0klI3iXSfeDxFSjTDCPDGOFJF1IlobSjsb4I+iPA/XTYYEhcsu4ASHni+hQ+LVoa93yqOiG009vS96Tve12vKileFPLA5jSfdTh10OBf7Pz0/FPbKxAohCdQxxaB407S0kcU8B4UzhDKlBR4Y7tPVpOWkDio8/dW7H7kIkJpbKnuyc+ZpySGlbpIwVDiaABKFEp4EeHnSJWXXwPKmxjTAsPg6uFKIPIUKAcaAPrpJasHArTHkFijihxApI8TQE54UKRjvUZQflXFdAsjHCioSSeNXYAOrHGh1BVA4geFECSOVWiCo4caKpWo0Y92k0pOaMgfGDQk4oij4Uc8qhRyuBrkjxoCc0KuCKhAg4qzVN23vEiNKafnf8A2tH+wt/Gv+y8pXqpzVzQNKc1Wdq7eyRcpDwaO9jcN58lXe490YoWWhmlmZdNkHX2Q1a4TsfeIjMN5KvtVmvR8yt/pGZS+pXUoxd6w1nh3fZrXdnmZcnZ6EzbtyGHY27ce3md19msu2XE5PSjb2Hhym7hxxv8v2ldrTSpDY8Gm7WT7MqwTYEaOM/F53fZHs/fWCw7dur8kyvyDo1e1wNejbrZbcxZbtpZyZm9L2TmsBihpmSlx130etI/XQZPgvD8mxXDaC7sbRx4ItzJdkpV+c+ypVY90ismVtlNdLW7d/LI+VXoxpkG/oewPiR+6sA6VpTUTbudvN45xH7qmXomD6iwdGnWbfsrNfisb3dObyR/wp+rTSW3EidP2FZfnwNz1o8M6u8lXs+/yqxdDa2pGw9ycb/7eP8Auk0HTatuPsnb1uf9qH7jU/aX/wC7ZlPR+xu9ohKdd+I8PW1eAFaxN2lYU7Nt7ycGOz6TglSaoHRk0Fbc27xB1aPuNaftbBhC33Z8MNdacgOek9bs1UXwXm+oxbYSIyq+mNcPikO6cjs6qu+2K5FihR3rLMccbfe3W5kHeJT76rfRVH67tC2y98X8ctHtfP7qltrIBtTFtYyXnZUl3G7b7Xe9X6qXFhy6JfoqvKrTdGbV6bey3Pxhtz5XrJrXjwrOuj+Cy/tV8Jvpw7bo6Y27+V7RrRXedPTEyBIyK48U6aKhXHFcThVMFEWmx2hN7+GxBQm4hJSX0nClZ9rzqSyn66E+7lRDj1edRohyTlXCjujs8KHCU0VWo1CHJVj56BacHUOdFGRz50fOqoQTT7+dLpII99JKTxzQEkCqZAFJOrh9dGRhX1UKSFjHjQFHHI4YqTYaFkk6NVNHjqJV4jlTpKx9XjQOMcdQ5Ulx3EQVsA4IozhBRpFFT2GgBz5UGkNZ1HV40EgxM4CdPOuJSMFQ40orSpB4acjNAy0ShK1cQeFIkGmAgOsuYUoltXNHlTdTu9S4FJy0FhJCTzpWUCrCUqyCOeeYpNpncgJSBpPGkSsYgqpaPhMtaCVAAgk8qdOI3S0lCjo1al+8003KSoFABIOCugkhW8SpK8BpXLPBRob2l0Fn+mZcdHH9lSeNM3mnOAz7OipE+jG8bqPlMvGO28zut78vs+tx+bhSJcjIjFTQjyHlwsEgOlzLqvsqSn9KmDr7F9ixI7XoXhupeT9JJUnz9r9GnxgE7/0PPx7v2f5VARGH40x4v75xk6flaNPaT2T6tZ3KjQlZJWt83W6vHq+5ZB3HtOr7ulWry71J3dQi3HcwWdymRq47vuO6e1q+ftVLWyYGbdPew0M6v4azG63mRJ66zuXuqGQlDf0muOpKj9GnouMSrbQPl6XMms81yfyf0R2v2eXya6lphg/AbRZ83d63+V7Xre7hXVqIzZxIYk/jDzGXvRbz6Ps6ffTDayfOftb3/V7IZ7jbnqr06vVpW2DqMf4Ph+neLnxkfV9lSvm7VF2slMJxBJddait5kbtvUru+qn56xxe4pIh9gpLypLzAbSCyxvEuqVjIPOpqdbW4UhLz6G2wt0JUpfAZPHOPEVVLbOWzc2bhpbZZdwl9pXNxvyx4Yq47banrKLiFHShPadSnV6PwwKqdNWMy8SFIMksymXX32GxlYGlOd417RHhT+4QmZMZCEIacjuK0pdSclrhzFVySVPQWnUr4K09rlhOOVTFofFsbUEpdkxlKynCcqUkDirFSMtyoVKNcjsQURozKkspUlHEkml1vttoAHaSeLfD/AFyoshxbc+PAShLyHEEgk/dTVrqymsbxw6XChIV4e1iqaUBXMh71hK0vLA5DgPfRMl5UVScJCjrJ9ryH1U2bRuFul1WELWMe4Yo74EURcK1JGAkeWTxo4tlbRxPODyzwxSMAnWWF8yNI+elUlS1LCgCknh81JRSvUqQO8hWTQyVFD23pUuVw5+BqQU5oe0DiBzNM23kpBSBp0+NJ9ZJc1Dic8vOt2PLXBnl7h8SXDwPGjISOCeSgeKqRZChqSg9pXFQ8qPqKVaE8f51pg75FtDlbukdmkVHPGkAs50qPGlkcOJp8ZAsFKfE0KiOeaDUBxJ+qiHirNHZVCg50opQCOFI8QqllY0UUUBITBJrkqweNADihBBNEQ4kg4o5IpNznmigkirsgdPFWaFR8K7kmi8zVpkFEcDxricqxQqGE5oiOeaIgdRAPnQobZdDgW1nhSYPGl4fEr4+FQhAdGLLTOyymWv8At8v/AL2s7tytPTI1/wC0q0zYj0Vqk/8AtF/99ZpFRjpka/8AaNIl2Nj9LNanqUq0SSryVXl2+LDjzaStQ/GWuXz16im5Nqkj3K/dXmS9gJcb7aQesteHvoMwzT8Hp1Sibsgf2Z/dXnXpgGOkK4/7pqvRBV/16B/Zn91eeumX/wDWBPx+aZqZl7QcH1F66Exp2Bn/APtJX8Ion4QKdXR7EP8Abo/nS/Q2jGwE7/2ir+EUn09pz0cRj/bp/nUusZf/ALpQuhgrO3VpB5aVfwmtg2jUPgy8A+MV7H6KqyLoU47Z2rPPQr/uzWubQBLkC5J/9Gdz9xocapF5fqMu6FyHNoifER1fuq0ba8bnsyfET3f3Cqx0LpA2kexyDFWfbIKNz2YUOXXXP3VaKZf9nmGR1mWB6RzT+r/nUsnuYqN2f+Jc+lUmnvYp9ChPkaOrCk0RQ4VyD4VZAW1ZGlVcfRcRRXBhdFcVnAoSApG8VlVHzpOBQDsprgPGpQAYAEnNJryg5FGPE5FFc5YNWQOFZFFVzxREKwcUckYyKEgVJKDS/eTqHOkFHjk0ZKj4VLDBx4j66WZcyMHkaTPmn66KOBKh3TypbIxdSADkcaKvSQdQoI7oKTmjPJISk4zmhq0WmNlK3pDaRjFLkFLaUpPKuQkAZ5Uip5CQ4rOcVnkuQjllDbnEZpvLUrdhSXA1k+WfqpRgpcSStQIK86fHNEkvIQNOhZWlWUAjnQOmNiNoC33lhC1AhZzpAxj30tLZOnHv404jnSC4tKsgd4Cirdaltb1tY3Z4avOgSDUhow7jh7f7qUncSHR8Xo7fyqRkehf+J/1yH76He7reOH4v16zSVFoayX8yh6dnc7tSPW9X6PuUqom/iCYoCfjzw9b4rUrUqpJMcMF3fvg9aPo/V7PeSn+GutzG/u5deZ+KCvk+NZPHfyaIuiJuxYt9o6k8/wClLXD9H/y1UWI+4tkQbjLrvpHPtfz91SnSFI38y2wg/lls63P7HSrTq+VSF0f4gMcd638lG57KdP8ADWpKh0TI9vn5ECUersNekcT7Sk/67VdVsv8AaHX41xyR/wCkfa9n666tm8W0atb2I1otTE6XKlvOEp0b5BDhUoYGT5cajdoJDUye+7NisMNhQSBq1b5JOCAfDGfvqdtMz8Rt4fU7KYcLOhxxAKtKlY4p8wab3wsN3SSwhbDD5UAlTqDuyrngj5X76wxilj24ylNqdlMXb350Yw2Ju5d7g3o7mlOE/wCvlVY7B16Rsq0h86nRpb+gr2U0S5PvSFPQBHYzF7kkav0aDZ1TEeWGFSN207veDfZQj5X8VCzTJ2N7odxHRbwDqfUClA4AFIqTtQADKjvHNburq6jkBeOBoL223J/G0taA2pSgseRPAU1s5LcuAYpLocJQ4HVYIJ8aHroCXRP24tsR3A4jdPulxKW18NJzkmmlwZfceZcZUtxSlhTIzkJxTy89mIhbQCiXQhXirIHhTODqQCworKE4WlxRxhfigUnI2xUVyCXnvjic7z8h7CtPnRpL+Y7TPjrT8nlSwYg9XdZZ59r8or6X96kJ/Uxjz7P6X/KtG2ihxNdU5GCAAFnCSff40aUhLJS2FAFaAnHkPGlVtIS2lLmnnvCr3HwpJYShG8UkLAVu8+OTyNHSQscpyptGhYx4n+VLNDdMhLfeJ4q8qLEBaitoLPaHD5/fSzmlts5SCVc8HnToraJkO2nmwkAAascVedNlOJPpEpHA8vKm0UBwoJBGkns550+Q0FnAwBWrGrEPgDGo6qXSexg0kMA4TyFApeVYPACnR7BDHKlfNRwcDjzrsjTkUkAoHUriKd8FCqsnjQpUTwouqu5cRRJlNBlCgSK7UTXBWOdECCvjwoUjBoo4rzSi+AqygFnNcgdnBoE8a5R45FQgYjkKMedJpVxzQheSavshxGONLRDhTnzUiriKXiDtqHuo7IRWxoxbnwv/ALbI+/NZm0f/AM77H/tEVp+yqdEV4OggdekOfVmqHGsYkdI799fdESJGkpkN5Pf+TWeTsbE0iZn4PlAe+vL97d3jg9z6f316MmbQWxCJbBk6l7ou4QM9nHOsbsVvtk3atovx35UXepcjt7pSkr9bSpQ5VWX3OwsfFm8PYF7a8PRq/dXn7pS49Jkv8r6FmtVum1D6XylNoeckDgPxdzCj5aqoHSCw+raeHOVaNy8Y3per6fa7NDk5Ji9rsuHRZrVsJM9EB+NK/lUd06lxHR5CG7H9ZT/OldnpVwj2FpmPaGnYjWon1tf0eNI3i4SLxaX48/ZnLIa/N6dH0ePOrXRH9Vme9Cb6/wCn9tzyDR/dWu3t9Hwfd9QP9SdrKejhj4Juxf6hM32j8Xb7X7Svmq9y77BVa3476JsQyxuD1h9P2uYqoBZfcUvoYe3t9Uf/AEU1c9rsdd2b/wDaDv7qp2wbEKzbQPqanNORO43vf7yatV/ULhLsz0cgstSVLkONlPrJqIj6NAsKsoe4+NSxJwKidnwzunilWRmpRRTgYNH0JD8Sk0nwSTQpVQOVTZYY9pINJY0ro7Z4AUV7gavsgurBSPdSfZOaBDiSMUGlJ8auwKOGRw8KB0jlQuuAHApEErVjwq2FQcIJTwrknHZNKIWANJoryeIIoCUcOPCuPDhSTSjyPOjqBPjV2WAklKs47NLDTkHFIE9n3UtHcGnSrnS5OyI7BbJVjNLNvBxnSOGeJooJAV7J5GkUAg5pUpJFi7qm932SADwz4mmhcV3VaSPCukjGDp+agwrUAWgM+FZ5SUg4izQR3kjIJwqjrSN4lCk6gP1CkMpTgZ0g8h76K46rBcCsEcFUTlQQ9cI3CkM8EFOKipGYvoYsT0f6P3U5beO+Qg8EFWKU+M+Xo7NA5WXHgZR2XndeJDSlJ73HlSj6tNvkqZiF1YTgYV3/AJ6VfSVJCGwUkL7eCO1RH3A20840kkgcRngaWGRC3G0zS62ttQKwVJKfi3Cjgfmp0wlMLZkSlFtTrzRQ85pPa48fqpC1tGdc23Q2oJUEqcTw5FPI1LXBLLsZUAoIbUgowPKkwhTGSftoyC6dYnTHcsNbreO7v0nyeyn3d1JosoPu4mwn8RMelDva9Lp8/dyTUjdYk+O51zTw0JDa8fZSrV548/ZprtNasJCgXdx2mUY+V2lJ1faVRo6FFLvTxRDdfCisqc5KPq/511R+2bhaltOq7cUucQn2f8q6o50wTbJ7twtM5KtxGccbUlQGvG7IcBV94/XUu/chOlpZmWxhSVkjdK4vFIxpIPnUbtNJMhC3rhKTGaacUVqLeXVDHDSPEZH31K2ppyXGZeSwJERQVhKkgPEnhnPhy++lRg45NsDNKlG2VeZZ3rDc+sdeeK5XHG87Wrh+lSUg/i7r8FnLzUd1xG8jq7HyU/pc6s64zMkHU96aK276N0f7P7WrwV76gbEy+wtpMM76GXE/jBQr9HSrjyqZY1Q2OSyYgyGnLbGflMFYUlKnW1cifAj3Um3Y9zcXXFuNhqQUOp0KwoHPJNTlwt6RBVu9JUR6E8glA9Woy1MyFy3VKaQ660reM8c7vSOVDtoVusPcCxGt0rQ6UhCeGvtEL93volsaUJKGFtBSHwktqUcAK08VVGTGnLbd1yEPhSJRLq2XvAk8cVMtjdg4GsIKdBPvonTJYwl4YUQC7nPh6/yffSEjc/CDPpd53dY/mfuqQvludcmNOsfiznFetn2h3s/UTUdghTW+Z9HvE8fv4ULjQyMrJGbJCHWY24KlvLxj2aRbUUnD6FAJXgDzpWRGRMeSFPllLJ1l7zFObbGS6VuySSgKyyPaNE05me9o9ijdJRv3SpZ7yfL3Ug7q1EpSSgchmivOPmS4QwdKE8F+fvpaI40vOg61Y45rTD8imHhNqKgQMGn4UlJ3ZHzmmiVKbBKRk5wBXBZCcAkknia0QdCJCqzq4I4ChCQoYV4UDYyONCVZOEcxTkCACScZwBQpOeJ5UVYGQc4NcSSAOVM3WUHyDRtQpDjXJBJoiDgHhQc6EABNAk4phQogDFAs5+quCsJoqDnIqCwyOAzXZ8KAnwoqDldWixVKezRQMZoO/SO6luzm2v8AZvy3yvIf68qiZAFTWg+uMzl59LO93aeeKU3slDG8+Ic/aTT9tsJGBgCo66PwY2vrEptJV4A5V91QgxkQXpn9cmTw12uxHf7PdplYtn7I1JkYhIXlPFx08afxrzkYSxLI/wB3p/fQsquzcMtR4DelfDeu1QYZbMFhiQmE002C1gkDNQFudIvcUkADe/3VVI9RvDaStyXDYUvh2iMUzNs3I1Ozmfn9/KgshYr660zbnH1Y+eqHtJJaN5Qs7tSC0AOSvapXaph/4O3Hwx+a9H9rtdmmbq9lowAduCt5/uF0LYUSybEPtpgIbXu9SnF6e6nxpzeSy1AdMU+0moKN8Cngxc3ex6/Hs/NR1Wxrft24vy94W9bLHa1afaFXRRWrE+4L40oaNKiavarezLS07paJQCeIqjmVssxIIN4LKkHHLtA0/wDhUOQNzbdp2nP94tPd+6hQcjp1viyLwrrsNp1KynwxT1WzVuajvKjxyykBXdGaYS5s9YRJVMhyQkjgeFStvvkplK1vWxh5tQ/JvVXZXQ9scKZbIDjVvmt7xz4nf93V76m1SJLc9bD0NYZCNSXh631VDxdrrK0oCYHYp/8AS2+z947NWELYlMb2DIZMb22ylaV0ZRzTySAUEKHuNLKGagI8M228h5kltmRqU+x7Tn532s+rU4heahQKeBo6sKGaIvgpVCxxSQapEEFdlRNclRxwoXk8xXIwCKsgIGqjKUlAwKDllIpMgjnRVRQZa+FC06SNKuVNnCVK4cqHPCltli7xwvhRkHIyTRUKS6nOONBnB93jUfBA5Azkcq7gOXOgBzyHZoFBaTnHHwpbnZBylWoBKuR5VzqCMI8fD303QSkZUc4/VToOb1ACRlxPdoG2GJYzlPP5VIL4EYJPh89HWE6VKSSF+sPAURWAgJLagkcQfGlMOIky6kr1Htaefz04ebynITnPHFN4zACic4I4kedOV5U1pKtKlc/cKFjKODWfsfs/PRnXd25uBgk8h7KaZxWH/wAa9Nz/AO7/AMaCTD3L+/Bz+R/8X2aSyCzzu7UUD76bHiyW+5r7KlU237zp3O59IO/r/i99SjDW8G7Prq/RpN2F0MrNEXBSpJSQuU7pCyocAByoJzwZmbzI0vMK05UeypIp/PWsxEFtGpS3MpRw7uOJ+eoDaNhb1yaEVJUhyOpHj6IY5/PTpe1BR5lRFTdojCedZfaceCWQ6CU4HlioTatuOq2C4GTuWjp3jUc+i7Kfjkp9rFF2nL025BkkPBchW4x6/Z0js/aUarN1jtPxHkNE+stDmfV9lOORzx+zSpM2Rxfkp1+nWp+VES9OamNSZGiOG9W+ba1ZWp1Pnw7PyU11Vi9xuq3d4QJGJzJ/rJ/M7pXeVy4V1a/F+Re49OTJzb0x5a22ty3qQ4lprOpXiCamdk5jBYcWllKEtHA05AVw8airMtTa0xn2hqkAh9zkre+1jyp+wiRbryWFxXltuEYXyT81Jg+bRMzTjQ+uU1aZ7i2NBSpgJDnIJJ58fmqPtUVuY6h1TBUNat2vUNTSB4ffUpeLeq4RFBxLRITpDSRjHHnUbZLfJjSFtynmQUgpaSpsjeD56qVt8iYpbaLDDZUuMpiSQpJWVNlPDAzypq8wIJ1tNKDT+dRHHGRT5lxPaKSMc8UdlsTGUhepGk5wPGi8e4TuUSr3WM/JO/6u9vYrfo3N33+z2alrYzuozRf54+ilSvGpAsvf+6b1fZT83yaT5+h3Ps/691DHHQTy2NpKMtrQniQsPZFQ85C3Fp4Z0KyMVZdyG5K1nhqygpqFWttht3QnU4tWOPOgyprkvFLgO0kPTFsOcY6WMrJ5cfCuly2orLDLCOAOMjyppNU+xF3IJW46kBRHMmmz++0o1DC0q5e6lxYdbmSDRC1lSiok+dLQ1tpO9xgA4pnbUILytC3Dq56uQ+al47RClJz6JLmR760QkKkOi4pDpdVwyewKKgkpQs80qyffRFOBb/HlmgyQcA8M03cLJBKwoZTRHOfkaJEUOIHPypR4EpJrWnuiJqgjQWcpUr30YHGc0ictuAlXhRycsEE8akeygyjhVGQfGkkZUQKVVw4U2LICrwFHHPRRGzlRUfCjKOBnzokUApQJo6CAM+dJDJPKj8cY8qMj5FFcsedETwPOuHaGfKgKfHNAyxSk5F0Zhf2rrncj+18r5qUZ9ItKdKxn3VD38QLSXpz0h6Q+78VGa+O7Pqp/SpiKErpcQZbTE+8dTac7kZrs/wCf7qNHnwDvWLJb9+9+dd7P6VV+JsRdrzfRf7ufg5j4wRvyq/Z3qvVq9KbjxGEJRFbUWxhLeOVL7INnJE5KCpb7EJkNepWR27afaC6S5scyH3WOs+j/APD81aBc4F3uys3Zh0Qs+jj+sv6SvVT7u9TxFlYTjEZkNdz0en7KU+6qfIUeCiixS7xdIYZbWyPU7Hresr5qv4s0Lq7BJLtugf7P+fkJ9ZVS0SMxbxvwPTSvxf8A3dI32YbbbS458XEbwv3mrqgbM42r38/bFqFbxwH9dc8tXdTTZi3uvsShvHCW/d8qrxY4CLVYFSJGPhGX+OSHXdPAaf5JqIsN/wBmmpRgs3aHxKUHeBX6KVYpVBlfYs7tvu1tnrXqbBS4sY72Dgitanwkq3E8bzexx6ne+jUabWzuM8N2NSR3e2k86nLV/UNCvBOinJANmQ9L+ygNzYu9vdDTMtz8Z4flfa01VEbEXgyHd5uvR8sN+r7XvFb7c4LM2zSoe4yR/wA9VMrbB/Fmhwbd+12aVLH+Rkcn4KTsBYI9qk9XvMEl17T6Q/E1YrxsBalAqtKnrd4/i57X2fBXzGm+1V5gWhemcWdz/ad3e+tp8aktktomJHoOsMvQ/wAn/Z/SVUiDIyDatG11hJdnRolzhf8AaOrfsq9lXuptstJuU8detUJ+I4PCG5pV+j4j9KvRUuAiSggpBTj4v8984qpMbLM2gmTaPxRR/wBmc7iO1+zVvH+QvJ+Cv7P7XyBcmbTtAk71z+ryS3o7XsqHgavEb9hVN8W+7R2mbtb2A8NPH+1T2tSVVIPQn0tDdkL+TQtghF90DypFBwqjq4gauGqiLyn6qJMoVWQcnzFNQdJxypRtWcikXCcgnhiqZBwpQIyKIojHOgQoK7IPOklkpOmiu0QEH30mtRzSmcDJNIuq4eGTSZS+AkhZlzSoKA+qlnOKdY5HnTILyo4SaXjFSRpc7quPzGhcy9oqh0BQCuCDwIpQkOHck9oePupuvHGuacUcE8Fo/WKnlK2jlOVBQPZPlSjKw0cnjimysKU27kgHhzoynNQwBxzzoG7Vljh7KjrSnIJ4+6mMhSkhXZz2uBA507hklayFZSocRmirb3JDROQo54nlS2r5CiFLraAhoc1DAohyt7QeYppOQ6C28juBXH3VJWtKFhTq+KvD30EeRlUrHaOEcE8dAx89RUl5Lkgs4OkDJ91P1LG4Og5K1dr5NNlob1B4DjnT89TIuKBX3GshnL7fyB9nV4V1unFhlprHWeLjPyuHOnDikpDb3ie72uVLJZZEd2U7zXSYLdKhgxuslMfDxZdd3g/Jnsjte19r9mq1tDJ6h1ORCy8xu3c/SUqo+7KkZ69qeAy6w3x/i/fSE12VFiMMuyUqaeI0KAykjz0+VBdm7Hhr5IXfw1F67w32mi27+LxvYTz7SagNs7gyWGGGPxNveZd3Wn41XJP88VOyuui1yTbosVqQ2QtKez2vW08fZ1ZqKtIZ2luLryk5aS4rK+rJQrJ7ylK+yml1fA4bXDZaDdbQ71wdbuLq9e8X3vFOnUn/AF91dVwjB1Mb0DDrX/o/sfJ+uurftEUixWrRMn62mmSgDSCHjlQ8frq1pSp9otIWjsrGQ4rVp86rNhy3c3I0uSErQvspQkZOOZq3a4DnbDiyFDC3NOARSdO+ORGe91HMR3Rb1trQEOauSjnA8D9YqGuLcvrbakpRgJ3aSc9hJ9bFTyD1tQDa8+8DnUdMuEQuTUltW8bG7yT3j5CnZUqtCcV7qEIDj6X24rOlYW2pxTo8CPCp2362h6Y95ZJz4VVm7ymGyC4wNTiMt44ZzipKdJeetxkkqShRyoJ4+XCgx5ki8uIsstsD0gqLnPMaEqKlAKHAtJoLfMdejOB0/wDElNNvxM8Xc/mfpKp8su74ERVDhTbzzTYcVoVjII54qKfShDy3lJyoJwgnzqStDynY4Q4cEOFCc+I86bXaKFOaBklIwEjkr30jLTxWNitroaOPtlOnIBZ4qPiKjFvpfUplBw8TkE880rLSVuPYI0OAKKfPHhQRGWQA8rOQNQPzVjTuI5+3kWjuKa3baGlhRGFZp2pYRmOOZHFVRuopU24pxfb48actPbxBITqzy8xTEmBJCoIK9KeOBxoywQArFJ29ZUlS8ZVnn509UDuE8OOa0YoWJlwFiqJUHUpxnwpye7w403BW25wHAUunmSk5JHCtmJU6FsRVh0KB4EcqKezgcwKLkhX10dZGoFPKgTplUKpGEqVRCrK04+uuUrCQKK1yKqPdyDY4RzPlQKVk4rjwbx40jnJp6lwUOEUJoG21L9GnipXKjhreu+wiiIFbbJVgc/CniGEgAuqSM8+OE0clhkNAkbz9r66zi+w5e0e0WqZIULREPo2gdWfaUqolROy4XF+5KkdSgtdW/Pvvd1Cfk45n3UtaLNFgenI6w6rit9zi79FI8Po/roLRGwJc18lsSXMBr2Oz++nF1uDFoib6b6Mn4oD1f/FVkBulxjwlMpeOXj8W18r+8acMtB4ZU7hz5PeqF2Ws76s3+7nVcXj+LN/9la/4vaNSc63Oyjwe/f8ArqmRClxMOFZ5Pp8ko4b9zVmjW4mW2l7dFgIA0t02fsrLxa64etlvueq219VSxCWo5ASnOcDjyorIFW4lDbz6ckJPHJqn3smbeoFnHLO+ket9GrPOBDLLBCVKI1Eg1B7NgTLzcJvpeC/s/ZoW7LSEdtoD902flwWC0l1fow3+e09rTqrI4lqubksWtmxpS8D6RDhKN38o1v0ZlmXA3MtnrLbh/Lo+umbljsy5GhdrjLPmtOv9+ap4t3yWpUQtjviLhMcjwkGX1OO02/JDetLjq9WrB8caRVrtPJ1C/BWaTeQhD+EJcSOz8UMJTzpSH/W6uPBTQLhImFs70bwe3TFlW4W+kkpUk8MKyakZuAtt0bocfXqMnK3FwS8CEpUOOhORUkSJkPSxaFPyvhVnfPMxuw4Edrc9rVqpLoeuGLnLyz+Jbv8AGHXfikaa2WdbINyYLNxY349VWdJHzmoe3bEbNQiYm5PVnebG/Vp+6s7x83Yx5LTVD+23bc+i3+WndPV3Pk1LSUb5sFIBIOaizZbamMiC3H0tNpwwM8qdWl8MrMVxJK0JzTuxQgxCadJOMRh+f1VmnSZtTIs91ajx4JdH/rKv2cVrVw9MPJr10e0msx242Pn3YtGCN+z/ALPI/Ks/Z/Kj9qkMYixdH97a2gszQf4fm3PW1eKTU/MguB33e1WVdHsa8WCPMF1D7f4z6NvdK9D8rl8qtUt9z3oEWW36Q8k+rR43ZJcDZWG14VzoV88q5Gn8uGl+O6d2h9Kmzu9Xqq8Komwl6fuLT1rubBE6OTjPyfLzFHIAsqAQrFGdGCHce7FFWeGR4ULagsFKhx8KXdcFpCL6sp4Um2S7wAo60EKINcNLPBI4UmTpjPgVGlviONAp3PAcjSSnDnjypBb2CeHvApMmyULl3tY+qj73tAgcRwpol1IA194+NLIBSSSPnpfkCokGlpUsYHZV5jlQpASopHEUlEdbUndq5nlxpZGCMY4+daX9ygArdHUinI/GG0uae0kcTio6U6hrG8WE+Xvp3DkJDQJPBScgZpV27KfADrmUgoTozw+ulgS1GbUOylzhSEl5hGlecsq7p99BOlbmM2FjUR2kj30P0hUKl30xX81F+N/R/SqNJe37bz3pB2da+79fvosqbEaVh7fbv0fxHvVgcqVLLfwNokm4ynFIB7vrDRyqO23ee6v1eG91Z1fcW33t3pqWeKWIgYMxbLhBJcJ7QqFXbs758yHjLd06yXO52aNcImPh2Va8NH4HPxp3elKPWqMs4dO6eb4uNafQHtb35PzVYZVukFh2Aw+88Xf0f9eNM34wtMpiO+9uu9u3B7SfWpD7N0XSore24ahHfBghtTe+6s04nu+r2vm/hqj7L/0lhbSlUAPi1njMccb7ignu/fV6ulneuN0ZYafeUG5Klsf2IT2tWofS5VK7Vv8AULSzaIDDu7dHF1v6Xtfap2J1YxjE6p9sLMF8uvEsel9hKtX/AIq6ofYG5SWVT9n5WC8lwLirVwSrOdWR4chXU3xiass1oIcbMV9xS5kVJcJWvJdZPdI+arxs5KTLZQwEpY15BSniW+HI1TYcZ237R5UhG9iNFJGni6g+p/Op6S2u0aXoilp3vpVqQM6xj/QrJBU7ZMzTXBbdTFoW01gJRjgqm20TrTQExZfIcGFKb4JSPM1E3O4IvmzqZSGnFON4ylJwUqx40i26LlZBF60nUpBSRq5KA5GtDzOqMkcXI1kyGbixpbfz6MqaKBjSaUs0hb0JInq1KQdKsuYJGeBpWBDZTDS4yd1LLaQtKxwHvrrhDfhwVvNttSZLhJACeIAIyaRyaOCWDsZRcbakNtBOojJ/Wa6LKxJWgE5WE6NPI8KYMqjzErbXkqdaBX2MfVT6JCcYjuLRISHSlOkFPlTY8iJxomAyXYySgAKQcqNM7qkuxEKwlK8kJ1fup7bVqJ3S0HTjJV50F2S022F7oqSP1e+tUoqWMzbuSoPW1zQoNp0vFWFhPjSiTuVvN6dCENDeDyzU4vq7rKFpJCvHFQktMZbzqS8tCF8HFc8+VczxpGiLtCYHZIbOQQMgeBo7I0HdrUQSc5PhTpllp2OG0OgEHiTwKjSa0lpxw6PLgeNN2uitwVhpJBKFYUVcM0+SVZwo8AKQZZK8aU6VHjx86dIbS4gk8xw4Vrwxe0VJhVKwnzoUlWOWBRBlLoSR2E9330uFDJP6qdDlCxq6A28BnBAyKEFQHHkuhuBSS2CnSrwNJLKg1g86BqmGLE5ABpUHJAHhTVCuPHwpfOBkeNMiwJch1q1cPGgSMHCRqNA226+sBA7VTMSO0y1wAL3jmjXIJFSLW/M3R3+GtfcR3ncer81HuV0iWdhpnGp4+hYjsd7V4JApG+XgQw3EhuLkSXjhII7Sz5p8kUvs/Zuojr9we65cneO8P5NP5tr/AB9amoEaWi0TzK+F7uT1w6urxvyUX/iV76lU2eMNbpKS+pesqHdCvmqRP7dNicZezhof/VVRVRBvcZjMGM7cn/im+58j5VQ1lhG63H4ZnZMRv+qNn2vztJSN/tBctyHv+rwfT/L+TVrigHSwhIQ2gdkAcqHsLoXWNDZOfnoI4wNR45okgha0tZxq50q+rdRzowcDCaaKEGk719x0IRw7I/nRny264llTfZ8xR4jSWY7basak8Vn3+NFJKS44QN2M4P7qu+CiF2meVHiSpIJBQjdN486DZSPurDrBcDroyajdq3/QxYSnDlbmo1YI4RGtjad4oZIx81I7YRIxU6UJ0+6kG06pK9f+u0abXW9wrRGYVKd0qWvdJGsAn76Y2W/Qblf5NubeAW2EkAuJCj9nnTLCJOSG97/tH+jSg+O/KV0kNh3/AGj/AEaFfMUKJYrPAMVWUAgcs+NRN2GuM05jBSMYHhUw+CqOsFOoHl7qjZCH1W1SXNGQeyoVeYiEm3iZDLgL+HEYxjhwp85lUbUMcPHHGoq2vjqYJekAsq9Yc81KQ3RutJcKcnGFDnQKVEEnvSs8d3kdz/Ckyz1r8ab3eW+4qiXi5t2WO9NUpLp7HDKftcVffUJbdsbRc7mzHhv63ZWrdg8Ppdr/AF41JFljiPGQ0ApIyeYpGQ0tqQMcGTyP5s00KHodwKwhQad58f3VJyQl+PuwcJ8ffSvqLENe8SU6khxPfTnj91IzY8aQ028okae44kcWz/hTWVvWEJkw4ylSono3Qrjvm/n86eRXd8CvslpY5A8vdVqXtKEoUx6ITHlqKlnik5yCPMClJ9vakLZnMgKmMHUzpGM/JokpOllTRIQ3n0DixxbV5E0nFlPRu052lJGFaTnSaZ+wgY7l5/cqHVHv2XqafFn6NS12idcjgj4xH6VQ/XWWX+pTB6X1Pa0+1SZsJAvkHK/DzpspZPepeSgpKQO6fH1aRTg96s0vcHEKoZGB9dKABtJBxp86MFJ4nFBIA3JUOBpji0WNS4jOccUngPOlXN9qUR2SRnjyFIx04JOMk8QTTiSVORVIbVnUMBNK2x+RiEkp1AfjICknI0jgpqnSnFra3gUCg8DUVH34STkFB4Z8hTmIp1t9I3iXWFDGCMfXQRlYW0XlsbjWUJaGcAKHPjTFLTrKg44t1EkA6VBXAjwp5LacfZWysdrXxwfHwqPuxceUhDakIShOAFHjkc6z5ptdDIok4yEyoCmFKGtLn3K8qatOPtOFlZ1tJSoL8cq8KUiMgwdXcdRnPvoLctM6SYrYOEjiT4qPM0MX9iUNlrXLcEZ/UwAkHI4cRUnbIb7RL7z+tseKhy99LLQGWEtNBCyCSpZ4591NJN0ivLSx1hIWAN6lPZ4eVNjFLkltiMgdckR5KHYzqsr3QWnjj95p/MXK6s2FpLrhGFFJAA/nRYe4bejSlss7wqIK0HJHDmDTYXiO7JWytDyOGEL4YNR0yJSGIj3Vn07z/wCNN6cY1ftfpKqHuzBVfGYRfzMd1H6CeWn/AF76mvhTdEss/jTv8VV7aK8MwA+svM8vSE/GjHqp8z3hVJ2aELSzHgDq6SGi6123P7XuqT9dQlz62zYIrr53Tu84aPm/xrtlybvu79IYLXVf6s0fikp9r6RKqRJN+uZM08GXMtt/xJ+rVmiXIZRLnCkQLk7OgyN691hTjkjPrckp+SMfyrqsl/gMXeNMTG3MN0eXr6dR1V1aPJXwVRtm29uRH03dlJL7asunHHB91REq5h6WYDIZATgoPsrI7h/fVqvzKGYqB1p4NhxSn0oRq3+fVB/XVIuUb4FdVb2gFKfWZDL7g9bHDUf1UnNGmYtLPcuSbtcuOX1tuxkNZAS4ojCVcOdRcOCLXcX5O+TKjyHN8lgIxuiOXH30eBJdl2h55LjSHlAB1CO1xxxxSOpxIZeeXvTyaUpWMnwBFInNQQ/byS1wXneyey226ylQA8PM06ibt+Kh1DhJLWEu54KzURHbky4PVuLB1YKFcdQGeH11BQpD6pDKm5LkaMgbtyKE50nB7VW8iRaxMnYpbZkSG2GtaEOBO8Uvms8wKetTXWHeerSeIPGoGBIEd56NOS4PShSFoR3hjgqpN307RktuZBBJdHj2uVUsxTgT7Ml2Qctd08fLjT6WXnGAkgEqHaFQ1sfR1bs8A5wWfZFPrtqYj7xDx4YIKfD3VsxybxmKUaZETC9GdJbHBStJT7/A0jJIZW2haAlR58M586lUFp+I6UHJIwkkcR76hnnHi8Y76khC+Tnkf86ySTHR5Qdt1p05CO2k4waXWtQyFEKCvHypCLHHWVp4jPJR8TSq2lMoTrTk5Oc0S3NAySDOBaDlh3gE+tRoRTulrS6VKBzx4DNAyjIdUfAcqKhopilOc6jlINOjOUULoUQoEkFXe4gUqk5BTyUOVRy1BCueFjw8qVaK15OrtHjTceUpxF3HUqUneDjyVRXOXmPOuUdRACeJGKFshLZT6ieZopckDKSEtg4FKx2XZYGEjHIq9mutzBfSVOA7vn81P2UlIIYSQjlp86tMWOobW7a3bdR19uDUciLEBdfWdKEJ5qV5YoLldfgxjGd6ShX5RKeXq5NMLNLtjl0DyYUtVz3f9YcQS0E6u0lKuVPiiiTsVlMRTk6W4iTMeGFPY4Nj8217qnfZ+TRQoEcxoFIZ3vxv/l8qd0CFdWveFClYUry8Kgb3Ndf3UCEfS7zj9Gn9ykIZhuyVktLV5+FRmxcLe5vUhktuP/w0EvcWKXW82jZC1NMP437vNttvW6v5X+dRErbqPai1Pef1M7tPousNp73+FMJlnZu8u5z5BJaku8HHPzSe6moWRsts2ogFl4jPfOE0tZA9tmlbNbR2y9s75jetlzT2H/fy01LP7tyY21u/X1L+qqiiNHsGy0p60vAvRsL3h+/91T9immbFE1/40hPtaU0zyyfYNEuVBKFa/Gmc87mAG978evTSkwkISFetTG5HddXjfk2EZ/lTJMEgVOOytrXGQUEMsfrNTu0lzetduclBkOmOx9nPhk1WNh0Ll3abNMdRKpHA58E1P7WsdYDLGcAuJ3nd/wBc6RGe6LiEjJdoIF/lXv4d6+etHjrc8PkpTyAqKRabxOmNSJkguPt6tDjXY+5SatvSExcWZrMWNK6u0tkHfjs6j41AbLRZbV2YVHlSZKlPAbkdoKHjSZcGmKNJ2RuF36smBd3y9uvipP2ezvf3VclnKgUqxVWnToNsgSMvstS1Y3DHn2sVYY7zrrKVLbxwrTFmZj8cUkeGKjW2mRFfSkrB8Uk/uqQT3RwJ+amDSszVs8ePj5UbBI+2rIk6i8rGrOmuul0NrjPPf1k/k0e17OT4U3iuOJllHZ7udVI7W+mt2HfRbtbb3z1nCMe2ptl4u0o3Rxoype83mp8q4K+SnkKjZtv2gu6wi9gt7vk6x2VCrHt/Iu8AMswctOSdTm97Or6NRNhu92blBu8ASGHOGBwVWZ18mtX8GpdHlwfn2p20TnzLmW/lI7u+aUnsq+l4VbYLnDHsd+qVsyRbbzvx8UW9z8r/AJVcB8dvQ76P160JmWQ5kDdjeI5Hn9GoBsJtV06qmMW4L41srz4/NVmwt1rX4VBXu3Ll2yRGal634x1sK/KY+arZES59KN16TdrqPW0ltJUtTDjg+LcJx+lTG07QAWHfHfPTGeG79tWn1c1mXSm5tBdZYaSyRE57sFWn7SU96h3Ui4Rt0apZNpGJkvQ0oaOXNKk/eKf3uExIjukMjfeBR2VfUrzrz5DVeU3Jl+PBbtzrPrto59nGlSa3PYnaH+kFmalmJ1Z0ejfZPquJ5gUcXZHGhvbt7C9Dc3t6Pyeeyn/nSz0bJ3jXxK/WpXaKFFeZcal56s53/wDi4U0ivOw3hHd7o+Lf/O/JPvpVEATwUATikJbi9LpwRp5Dwp1LbSl4ON8G1cSD4Go2cSpe5jvdpZ7QPjWdtx5HRiKsPgqTxGCn7qe7tBjBKDwJznxqIAOSnckL5U80SsFIOlIHe8qCOe+AnERnAAo3chngTpaTz+ujx988y0HlBxQ4KA4YHhS7SEJeS422F6U+kWtPECuebbPZBHz0uTroKwX2VNpadUSMkhRzyV4GuYiOvpd3rQbITwUfE0ZohDu4wVJyNQVyI8KHevPOBgI3jmopdbB7g8KCTXyQZusvuSkM71RJJCyOFSLMYWuOVkZWkZeWB6vup7GYTDCQ4QFnhjnkUzdmqWpC9zlhIUDwxrpmzx8FqW4aobXhuc2FucFFDf8AjUPOiDetykxC0VHDoHE5qxh/UlrSoJ1AKHDPZNR92lPNOILYCipWBnxqST7GQkkEgwEJkNlyQ6tISBqSnTwPjq8KfsW6CEqJUpQQdJXvuJPlUYw+/FgoXL1uKaaTvBnCXDnxNPosxiUkssxm2VLdxzUfDx8qkWi5bhRbFps8QyBH3Rc5fR7Wr+9WcX+3vbSvOtJH9ZU1rb/JI06VJSr9k/aNXzap7rEd1KXgptpvl2k6Ep73/OotWm3Q3nyxuXXWk+jR2u17SfmqOQeL5GlyD8ZLkSPuA00MOBvT7PaSn6uNQ92Yds9i3EGPl6f6STI8WGvlZ9Y++pGxMQyG77dTxjZx7RPq6vazTC1sTr/LeYTupUl0q6452uA5aVf67VMQTZTTHu8GW1fWbTMVZ93uPoJUn3ffXVv0S3f9UCzmOyyGhu3PL6X188V1N2Mxfq4FhZ3mDoDBf8ar+0NohToj6pp4ucQXPyHtJ+jVieSFKJUvSfaCsfqqv7cXQQrM5Cbea3snsIz+0qqyUjNhUnKkjNYTtybkDSlkdYVokFp3A0jxqwvpWrSWnWVJA1DJzVebsZXdyWVOtQ0ABIaVjeKPiPdU1cG2rXakpBXI3LgbSlI1KVnw4Vlcb7OxJ/YmYUhBeIbSlK2CFo8SeAyMUS4R0h9TkZhtpThCuynnwHGq1drPdYd1bcgTnFRy8Ms6xkDAzk1PxXEtPsMrfdQyvs6irOOAqowbXItxSjY0v72pcmG65gqbSpLZGAfOncVxpy3MQU4bZTxGpvng0a626Gx1mQhbjrrgASo9r6/cKr7plbxD7CBoWnssqV7J4n3ZrNyphJxlEtjwHXCuO4sA8Vg8vmp7OfzbsoKdKu9nwqHgS3XyG8J0k9vHMmpRztNL7GpDfFQ8z5VqxNOBkkuQIbyWFBIUCAAVADgU+VArdSlLCdJVzHupmXElk4WWyTgJxxFNW3DCkLeUlK9YyRnxFD5PglEipW7fSkHGRg0kDq3Lak5UnJJ86O4606wHQkpUeGT4UPDUkg8dIFQFoBohO8xnOk0ZCldX1FWFk5IorjwZWtOkEfvpIKClcFjtHP8AlRwkLasB8hWHd2OPexXNgaSHNQBpTt7tSgBgnl7qK8oJXvC72AOAxTbsMV3mB9L+HzpxDjl94a0+iHM1C3S6mCls/k5AV+T1J0iltjNoJF9tjWY5Azu3C22nsaVaU6k58f7ppidi6LM5uyMNgIQkcvOm1yuDcCMXVHK0pyQPAUMp1qOwqTIyhhHxfu+VVYSpy8XZ6Q64EW6KBv3M8FOHuNj3eJpu5kY12rtU6/xHWmZO4SdRccyn0H2vf636NR/RzsZb4V5blxdppDhTxU00cb0e7z+vxqwbUR2ZsHqyvxKEfyzx0pUrzPnURbbfdIUNmzbPW1xQI3Iuj3DB/n9XjVx4BZP7FSJD8u5h8nch3g4fX1d1P1VZncF1LCFaXikKePyPKmlpt7MCKzBPei+kdc/OH1lfPQzHAxb35rp9M8TpPu8qakLIq9rTdLiLS07jQoLc/wB3U7eXVW2xPrajuSVBGkIQOdQexUZx1t26yGcvLyn7NWHLrp9J8X3f8aiLZR7beGZ1iKWnzbZHWdEZmTG7Lnd93yqiPhR1m4vQbm8VPMo3zkWO2oL0+zq5Z96dQq6bURXn5Qdt6YTUrRxkSW9SmNPrNJ9rtUm/s87Kkyn7lJSpsthoobQQXR7JVyx7k8aFospwO1t3lw4EyD8GwnUdYX8hr2Vfu+1WrRGAxb2WV4x6/wBLxpo8wy68ywGT21Y/R40+5cN3y9ajjEpiLj6TOS0vWrtEDA4DwqD2nlBpq6ykOKCmmCnB5HSKm4jrpkulaQG0gqzVJ2wlOOWB1tON7KfS0keJ1KqZZEUST6OYpjWSOrxLWfv40bayzG8XOJi4TIW6C15b/Lerp8qmdmWdzGaB8BSp3pnSfzY01cUUZ1d7cq0x24cy+KVbg0SFzA2St3V7J4Yx3cd2oXZq4xHoynzLkRHnMgQ4wH2eAAJP7Na8uOiTHa1R2Tu/Nv8AaosBoAqKm0Z44wB7RoFjD3Ge2rYiEudbbhPk3M9RhqcbjyfU1D1lDyrS8toaQlPBIHCmZZezn5Dn7qe+kcgx+I9VXdpyVFSdjmOe7TZZWiWQjA5Z9/8ArFLRz3aZXMIM5Gt4oGTj/X10z4ARBXROi5E9XOMnP+vqppttbBdNnXGYj0qNKbbVuX0auyoVIXzPXkHf44DHv/1mnUTjHI33rezWSuRhnFs2WuzFreZuF3ZuTcpppcdEmOrse1+ry7VQX9GWLSsT2WWXnmipxyP8I+i7Kuyrlx+atajMZYa68WXms7v4vs1XpWx9okRZjDEfdS+s/wBY6w5q7Su79GlyiHFlctEfad++i4MvQ/g2fI/+G1p9VPnWl+lEfALXDv8A0qStsFmPbmYbTOWx6nsKTTiOGusbjcn0npvV+Y1IlS5HNnlF9kpcSEuDs8/Ck7q0206maWEr0jSSPKujMx4soqbQQFnRpJp9JaD0coBxnhTYLcLKNfIYhT3EB9DbEtvU2NPdV/r+dUjbe9w395HiXQxrs0w2wtjRnCk8+OfH9VaZfGet2ZxZSpT8RzsADvCqNddkbTtKOsdXdh3Mf7RH73d7Kle13cUuURkZWU6ybQXKEzia6J0b/wCr/nWmbDutSOstR5WmNJ0uNj+145rOZVu0XR1L5ZDAjpWN72Hd6nvJ+bvGnlmVfP6YMMOFn4Mac/JH1tPZ7VZ/NXwNcbNwYdDo3Jwf7vuqLlwnhvWc+ic5e1832aYokymjlTGjHFfa5DzqRmvxbtCGDxH6VG8m4TFFC222vOyFrHpmblLMlTC95q7HZSrS7jvHtVXNidsJFxv7JLzR3u99HH1aGFD56kulSKJ8V3EbfOxpPpG8K7Grs6vmqN6OYkHZ/aBuYGA5Gfb3DmrmD/rhWNttmvlGlb488ez3/U+VTpx4bjfqdwr3U0uM1hl7dJd9JIX8pVNHXju8Oo6un31n3bQdtjmTPQ2hKtKjk8VgcPmpOOW5EoOodWCOOnHDFM2hI4BLodbVgDh+unrI3bBSkhThSrCgPHyoo5fgbt2j5paUurAG8W4cBAHreFSkFTcQEuoSHNOr5/Ooy0MKiNNLW9qk7sKUtfhmlOtKkOBlSdJRlTgUPD/OtGKW3kTKO4eJnxpDTig+VKSQMaeKvfSEF5lJd6s5qbIUVJX2SPM0mWUF0KcYQVcNKwvSW0+WPGizIu/bdYTHabbHHtK4qV4cfKrWZhKND8ESXvROxko7Ov1qYzeoeiHP0n/1fpfr8uzS6lFi1dtqMhfZ1kdmmDj7L9qU7vePZw+23/8AW/4qk8hEiA2iuDPomGAXpbulg+0jsq7Wn/GpfZdgx7ASvdZ8d3z73ZppsxbVuhmUqQlcr8plJ+r9VTs0tyW+rRCyGkntEgD5v11E7HNkLYpB60ZxYHPx1at0n9X/AIqY3Rl7aO57/clKU/S0oGpXj5eNS0jsyGmQe/p+j3u7UftDJDYLDD7QckaesuON+fd04oYysZQzushb7LC4sQphMLCYyEo4vLwO0D5Yqw2W0S7LbnH0LBnSiHZIKdWjIOAB4ccUjsHEbucoz5boVHbTqisqXpCUYGSR5jhV0lssY3kpRZ3iScpPxvZOc/NwNasUN/uMWpz7f4ZFw5EedLAfkvZdb9I36qNXq/xV1RltYYF1bffLzLrcf0f4urvJSru11NsxlwkuFsLLiNY9ko0/rrH9t5D94uu+D7wZ3u7b3nr6fZ9njWmbc3xMeMYQxlz+Gqhs8/ablGPWLf1R1rx3nrerSMr52pm/Rx2w8s0DBR8C7PrfDr8lcUaVApGSfk5qrovVwWp+U4w4lpTesqSQMHyHyqn9pkx5Aat6HQUpOvfknGPqqAm7LvSXWbYy22Ate9QGVkYHtUlPcbI8dlgsTbkx525NqWhZIUEuJzxwOAqViOOOMnehlXHmUcQfdTq3syYkVuIGhpTjiRjHDlTlu1FDBWggnOrnjFS22KlljVELtHOMWKQy2lWtIRknugeNRrJeDrKmYyJAcTqC850nPKkNsEx03gviW4tAQltTSDwBHPhU/szb2GIaXXnlBJJI4+BPCkyi5ML2xjYEJ8NJZV1YIBHpDjiDUlDkJkNu5aKUFY8cfXUfcQ8uehMdzMdCsKOKUU4lDrZGVAjJAPOs8W8c9ohrdyOJLSQ5qDIABKVZPnTKSxhYUqPvUhJKce6lLsh4Qy4AUqznVnmM0pv0qaISVhRAHD1eHGnurBRzB3ltLTqQHBx4UisqbaSQMjkKKQ42XipWEjGn5qNHf3wbSlI7J5eVRSKYVgKfS8hQO8Bykmk+7pSpo4yQTSoby+2UvYB1ZoqF68oLoGFEJPmahQKctKcCc6Vns58Kd2+G8+8pOpGjHDNNWj1nTGSk6j4++pZnEJjclsl8c+NPxKwWN5dugvHQ411hEfij66e2mOygG3x2RFbT8Z9dJRmSPxyW1jPJvvKQo012huAgWF0B7dPnUuQvz99aqoUR200uTdZbVjhKAdk5DJPIJHeWfcKmWrJFFnRs3HbWmFHb/GF+stR4nPv8fmphsXCkogm7zI4NxltgMoP5JA7if5mrVB1tRm2lK1LPFxR5knnTo0wJuiuxLR1uNDji3mMxFkbzXIKclQ9bHnViG7JGhGtMbuZ4ZVS6vR8G/wDzKoiispYYUgLKeLmnxVWlRBsaSj6Bpr8q58ZVb20fMtcOwB3duvnT9BPj+r99Tqnmnd9MPh8XUFsjvZ20U+6TWciP+LRz+s/r7P1Vmk7CRZ2mUQowQ2Mp3X66ViNAas8z40Ci47wA7Gc/VSwBSBjlTEihJ7i4lOAeOfnoV5xoGOdIfHTdI9X38qWcQnJxqyOdUQBlCjLW4t8DQnTgeFHkOaGVKzwAzmm0Apw64EKKVHmaUmKxGOlOoqOnFWiDZZcYs8hxSjq3RTk88mqLtTxuFghLcyHJe8Kk8wEirrd3XmbVh0JVrcSOHlVLdSuZt3G3GndRoylqJ8CTilZJUMRoMHsxG1eSaThaOszNPtJ/gFGaOmIE+SaG3h10SXf7bsUyKsVY4YUgtJyk01toa7BCCkAq/nTpAWlpIGCOGfeaZ20KMULXjJJqyhxLSyllR0kAIPD7NIwC0q1RSkKCerp4eXZFKTS6WV6Sk5Tz+zSNqU4q0xCsJyWE5x48KtS+Ah5HAFNrwpDe7W43rSOf3inCEkUheV7rdPnuN6lLwnJxjwpsmL+SG2m5tHc7zsfS5Um24OJDSk6fIc6cX7WqKw6PEU0glao27zzNY3wxodzdqRcE6FjdykOp7J9bBNPJbTCJDqNRAkI081d4Z/xpGCl1ckglBCo6SrsniriB+6n0zeqDStIJTxNV2Gjoam3Y2d9xPa/wpvJG53T2++Lc/ZV/nRoYca3zZjDsdn/Ci3Frex93ue/2f7wq5EFH31t6UlbbhB71SUVYW2PEmopO5lx0uiO4kqFL2woAUjJUpAyE5q09oEhtJ3zN4x1PeMu6v0qpcnVaLs8ROPo3fymn1v8AST9mr7emXnmAYb26d/ST7+FV7a2C6EtPlgOuuDij5XhRNlxI297Px7604mfFbW+he+jkH9IfXUXatnIFulPtsMqbb4Lax4f8qsticakw0lKXEvFOQSeSk+FDPeZEtDiFhorG8AI5H1k/zrM48BqXAaWGJNuSsyHWXW09sY5iomyymrYpUJbwkqWcgq8UnkKnEZci7xt1p1KvD3VDXVpgOMvCNhbat4VJ93hWLJ2OxcEhMjMEPv44lrx9n/EerWHbVyJ+ztzXDmOFwSEdYaeTyH+udbnHum+TxDfLsf8ADVA25srF3CiXiJbTe/hGQPW/N0idtcD8ZL7I3hi72FPoMlzDbne/S+TUlKDQncQXQ2v4v2azjZ+RcLNHZefxnKeshv12v5EVocW6C5sb5PA6OHrJ0/PQSyUkXVDiKFJbLZ4IJBQPFIpzb2mYpJceXxdKUkjOPfTRsvO5RpW0VoxvfAnx+ahmLLNtebS4dRSMN+fkc1WN3yXtsXmqU5MSEOrAQsaknuq91O1plqkJmugHUClRz6tRMeYpUZliUhQc4ELTzzS7WZUhxjEhLZO7SQadvsrbtHPoZxSG3xrCjo1J4qPj9VSZksQk7paVqCUjUlCdRbHnUMqRbWHELbkrQQSE4GcAeFBepigCmKwpZUkKC0q7SjRrIkDtsTl3l0l5hljLnZ3e81f646qdxH9+N8Y+Oq+A1d32Ve+q4H4UibDf35aa6vuz3vtfr0/o1dIj7Af3A4b0c93q7tBjW4ZkW2gqJzUEqcjwZGt1OMFQOPKm0iVGVGaaYZCFrOVktZ+b9dLr7rwDLsp3HD1dSvnqmR1Xd63kMQdw9Ed9IuSdW/5K0+81qZUcd/JaYnGNMYkbnfRfinO77Kv+GodDMCdtElmQd81JKvR/kuyntfXn+dNbbeHpj81ZiaC3p0DX6IZ73h4YV91RsRl9m9ST8YI8hK9/2vnFBQ2MTaIkZhDodYDQAb8tPZ9mjSJgJAI4fk/a5cePhXRSzLt4PituunuR3I7LTnYZWnCz4j666EXtOC2N57ra3UNrYaONWFKGSjyz5ZrqhEyOvyt/NPoP6vux7W+9b99dSt4NFUnk3S4uPS2jvHPyfraeQTUtHjfB7czg6C2ODh+V83lyqIsEWa9cAlTTqVMDSs+6g2ilP3Xa632+M66iLCOXPeaRXFne/dQlstBeVHLz59Kf6w4Y+n0upSv3VPbJ2+QxKmKU/wCm895+S7yU/JpsM9aahsZdBP7QovSttLM2S2cbfgwgp+Y8mMD7Or1vqpsY0Dmd3+SwyHn3h/7z5Pd5hVQ14u7tsaDejePyMobT5+dRuyt1isPos0q/olSkM73AY7AHz8uzUXtLI3ympzO+eZDm7Mg6vVT3kp+eky6smPE26IvfyLttSITA9Fn5XdOnUpX7VaGjUIgYW2MDxHz1CbDW/fb64lji78Wj1UJ5VNyXEGPuFZLvmeHjQt8WMzvnaJKmbhJddd9F2fk/aphbng8p3L34xuNf2vBP7qZ7UyCCxA/7T/dVq/XVgDLCUglkDrAT3Po96ksB8HF7DaFatScAkH1a5iIhxxx3upcOcD2qRkiOEb9CtSQNIAp/bClyOd1w0ngD6qqPFDczLL2xG85lYcbQs51J8aa7ppl3eI4FIwcUa4OuOS06jkoHhRd6gNEJGFEcc0rK65LQsX291px3h40k43oQpYIAI8KaSXN40kj5uFO7ew5IlhkkhGnPGgWbfwTbRLQI24hiQpsElHZPjq8KSaSqU6spTk6dR8g4PD6qK7MbmSxFQtaFJBbQlPLHtU7kxkR4hYiOkF4hn3n2l/XW6AsUWh0rXMW4Nyy2APcvxV9fKqmWFbU7Tp1E9WiLC5X0vUb/AJ062tuT1njMx2wqQFcAhPNauSU/fxqWs0A2PZ5hKQFS38uur9t9X/Dyo73cE+knGEtuyi+sZ6vgI95pw0sl1S1DCc9n3CmSFpaaCQrjnA96j/oU8U6WWiCjUCjGPfWzFIRIMktPTNYVgRxhXvVSLz5TAkPZ0rWfQ/N4UWV2IbbARodfPeHtDnSD6ESJUZjX2WxxHn/rhT1IAiNrZnVLKE5w8r+LwT+6pfZa3ItlhiRl8TugVK81eNVa9s/Ce1cC2Z3oa9N93L9Z/VV0KgiPjRkp4c/Cs6YTAaOo7z1B2fupVTmhOr1QM0EVHoiFJz44z4UjPLgh9X9spT3Kc/bGyg0ZHY32MEg/XRJTrwBU3gEJ8fOlkj0SE8sGm92LRDLReKCt8DAVjPjQkFgh1MBKCpIXwJwKTlqK1RkJWU6neIHjgUs5pBHaP31G3JQVKZbQ8lLqAXM6eVA5UFET2gJKIzRcyCpR+6qhYmd7tncpAkjSAGca+WRVmvg/6xaSnkhkqx5Emq7sdpduU6RulpWqTkcB2scKz5eQ0i+KRpjqCnNWaLZnd7HkDe/lnfleNGdXpSkJbzkU3sjuLchzdeKlfrNaugB+spAA1YqPtHG3MaHtSSVcc06W/nJ0ZHz03tCyYDALGjs8qq90ihV7QWcKJwQRTKwutmyQdDiijdjiVVIvIVu84zUPs+8RZooU3pwgDSCKVN7Z0GlwTcZ1oce+QfnpvtOpsRFLcGgagfKkmMhzh2Rp8a7aJWq0q1jXgA8Kf5X4mgdvJG3h+Mu0MONu6UkAHhUdbHImn0ZOATq58aVmne7NH8XWNBHDWKZW6SsISEspGB4msbkHtJeM601IaPW/aZ+P+Y1LuJVjO973yqr4e3UjO4G737f68ip1Kkn1e78miUipCPKTjf8AxiEver8xp2TgagrJqNyzlo7n84z3Pr/lTkOtDiScYo7BE4Dzre8a9h5Sfs86W3qutMhTeEnsntUwO5ZuXx3xrCfX9YcD/Klp2vklzie0OzVvKFtJErzEcA/RqtlnrFtmQjIe3zXH1u8nu/Zq0p4rHjUBLD7G1Be6vwMbB9J8r/y1M3wVEhLW+8w42Vyd5vjlfowD/rFSjjTmiQGkBW7OoHOCagZjTMW8vt9XKAjtIODjh/lUzBkNrjB5DpHgrhSpe7sKqGkFyIzIdjmP2U4xpOOCjkfcOFJTNwxvixI4fm3f2k0znrnNXBpiNF37QzqdXw7Khke/nwpx6Z/+vx2d1/Z6v5/fXGczaonWeU42FmcplWpXocez4D56kbowH2B6MKBGUjPEEf41BLXaYr25DRStI1qSpKtQ94qYZuLByFakawNAxmg32gqoo7kbeyhIXGAjqKjuwU5bX7NI2mK7DvUUrlPNxXVEspI7hPh81WaTbFNTlBTZegKyVOBsBYd5gj3VD3lKrrBUhcjdIT2VBKdLrfvFIxra7Yd2i0vSojjKVlOWirBA9UUcgaeXDX9nVVR2RuZVFVGlJJeL3V3gfA+dTRvI631YR87qN+c/12q1eSPYHhk+h+wzD3LZLPHR/wA/1UqMsHLo9F/jypCKyHuOcePpT8lPZ006L/hvmdzuvzntezRoEQAjZHWMel3vo2/2k++nAgRyAWeW7U36Pv7rV2f10wAY60yHv/qd76Pz1LhmOLbzI3Wr6Or1e1Ux4t3yE2Qz9vZjzHQ2URhp1aePAeNWGC8A220pbbwaUE4Oe0D3abvJ6zHS+5r16sFRx2kju/fRYDD50NvOLRqSTqBHDz+6tr9oLluJo/Go8NHq1U9rw+z6SEwXHHD8f9WKsU93A+N0bv8ARPvojErewd5j0faUKbPngVi49xSYka4RxuC9EdB58O36upPyfV/SqWlnRCc1xAwWMIdxx9H4Kx44/nRrlOj6nWJiZmf9ox2tHrJVp8R2fo052fuDEneifALLzephzOn0iNPe+YhSazo1SkSWyF5HWHIJ+M7W7J097/OrGeruSHm3DvCpXZb8B9dUYFMVbsJWHN05vG932vofqq2xTHktfiJER2UOPtfK/u1oj0c3PjuVkTbHmXVPTIX9UkyXd2C32e72v1p511NJh+D4z7+eDUdLDf1cu763+lV1FQihsztG/BiKcw2CfUWjSofPScdpnvPQvSu6n/R9pWo1Xr2z+P8APA8/aT9dK7Mz3vhr4ML3WfzC/aTw41JUdeMX8F82RgMPHrv403/YOfkleKhTTpfszdy2UKHDncvIeSk8MqBGOPhxxVnfZ6pHa6rzR+3SG0DQvFhkW5/I1tFJxpVWlxo5yy+9ZKMPRY5aWGTJlQWdQ3jIae9I4fn5aVVO3ph+dbERks8XHR1jGr4r2dXte6q9s2ww87GEmS7uojJEfj6XcH1lY+zwq7bJW/fh6R1g6Q4rn+dP7656dujtZWoxssNqYEKKGBwajj/X102VC32VNPe12DTmSGkpD2++M1a0fvqKvt1eRbmnmN0Nf2k6vCg4XZjW9/SRUuPOn3Vl8sBkMt/K+z9KncffzBuXiRh/8nq7VR2yu0JnKfgXAtb9z0jW706flJ/ZqQl3Dq4fI9Fjdek+krGqkMfISjsTWGJe+5Z9Gv1tPzU72TuD+l70D2G3HfZ73+dQpvZmKMIPcVo5+r76lLA8mPMVbpbnF9W99nujhVYZdi8q4sPc+um4xnt80NDfpNf8PuoT6a3nz9vu/dSch8vXJthpzsqR9LmeNODx4Ia1Y58arI+QF1YgGd8Wmfyv7KFae9UtIyxumQ9k9XV9FKf8ajd6YTHwlvd03oVw73apG2b+dcWS7ndd9/5fyaTGQTiTNjQ8WVTHUJYfWAjCvA+rTyNJZDHXnDjd5bTn9f6/30zuD7rkYndFzLu5Tjy8VfyqF2ouvU4Co4RlbJCkp9pR4JH1/wAq2RnXAjbfIrs8xIum1kidIIMK2HU3niC+fD7Iq5Rwl91LqzlCAcDwqH2ahqsGzEaM56eQrK5B9t1zjn/XlVhZZTEhBIHjqrbgVcsz5X8CDRDs4p0ejRgg++nklBelNJSsJIy5jzApOCy+22NYHIqWfef9CgiusqLklJKuOEfZ51pjGhbB3ilz1kp1NMIwfcs86jlzEtR35paIVqIa+alZMmQ1bH3AjS5JXqA+flUPtZOVbtnk71Ixpxny8/5UUshIqxvsIy5LvFwuC+4h7dNfRT/mTVvlAndhKsajyx4VC7AQVwNnWG3F6llOTUyotLmlROsNM8zy4/8AKqRGPEfF45Uyk7t19qNx+j+qqrtX0hWizNNLD8QlR3ZkOSE7hpXvPrfVU1ar/b553zMlKkyB2Fg+j+8dmilk3R20VRLg4Xw/hpq86DPba3eTxcz4eX86WJ3jeps8PMKpjB33Xnfi932fpef+FC5Fj50gnT4VFjfPXJ3+z0+ypOnj/lUlnPZ8aj09d+EXfit1vPzfq6Rj9eaGSLRFXyU2q7yQ4CktpSAfA4Gaiej/AFuW5t9wJy5IWeHlqpTaqSW13ReBu0ggL5Y4UXo5Z/6jh4cJPFWM8/Gs6e4bEua3NagEeVJ2bULQwZCkJUE8eGmkpe6aSol78mr5Pq1h/SptekLa2blz5DDIjtLbKY/WNepOrUrjxI7NE8lArHZqdz262aiqdjm6sLfH5NhCnv3Ypxs7tbYpyEMpuraH89x1Kmf4q8mSm7dcJqw9tk6loHgFxloJPlpTU3ZVW61TWEsbVXSWcYSxHgl3UPou8KHyGl4D1476QJKOIJPbqFsxdTbWNJHI9qs86MOk61z7yiwL66y1GA0Oyewnlp3Omrzs8Yp2fi7vPeOhf2jTJSszbaJfUQcE5NKXgby0PhHMtcM0zS56fKDqAFPJfpbbz05SrOOFVHKtrRUokGx27K+E8FJPHKedQkNmWh5a1SQlKgNI0Cn0EMOWyU2p5aTx0nzqFY6t1tKVyElQxwJNZZseTz3XCXOLR7H0eSgasMfe9XW76PlVaPVBuiXj20KZ7/mmmm1W31j2Xiw47zxemSY+ttveK3On2lKp2PkWWqWp1MUqbaZADjayj5PrUa3uolxzJaUCye6pKudee+kHbq73yMIVrnxJO8+M6vJwn7SBxx86qr+we0G1lhum5aY6q1J/MKb0dn2kq4H9lVE2M8f5PTdy/rEV/cfFv7n1e6U/4ilndyoY3Z/Qqk2XbF69RnYE1jqty6vv97G7bXZVnz7PDwq7MPvKQDuweHPVVQkJkhWA6SyhtheEt+hUo1G7TsPh5hyPKwptwKWTywKcQXXVXGShTGEFIc1DzNK3yO3It77RB16dORz40TdhJFY2skTGJLMsJbeS43jAzgkU0tktxtCYyo3FQwQFcMj/ACodSntlWQ7IVrjO8QXATiolqQ+zdgDICkqwUgjJ/wBYrE841RHUyUy96HcmG857/NXZ5e+lo7/Xty6zIwOyHfW7verpMJ3Ooho+KNHZ/wBcaixcY6OuCeyITW9SOerRq7v61VyZJrs1xafRMuB1tZQltiQ2ngpaiUuBo90kmiQ3ZDkl9hbIJjJ9EpDnECkD1d1SFSXgBxbPbIKv+VN7auZH3LglqTH3h3xUBnFBDNZGicuRddhFuO8lLjaArU4rjnwFV2SmQouHd7xasB7Qe1x5iptb7butMYl5IPABI5HxJqHcS+3cZEFK1MEJ3gLKhlQ8SauU93RcY0Qm0Dz8Ysz7e9vfyEkf3uPrVP2qOxiHIJ9M7+j3eyn5qZLjum1NRix+Nn8r+lp+lTfZ8yGJT0GRh7qsf85+S5av5UyPLCLRLYxGwFMuvOt+er6XapEsCBuS9I334tuHP4uzUP1hnOkEhpr0+89T2d2lVATIzmQ/vt62rdiPp9XSrV7vVpsXYxInRKjaY64r3WngkFalJ5HmB84qZUyZrbrOjIKi42Vc8nB4+6qtbW5CWRLcbWppSlOlSBwHZwBUls5dA8wtJ3yg2dAKu8Enhk+4VrxMRJcFgSkPMOx16t6OHDlmo5GqBDkb3elxkKKQTzBPAD56e25IbW5rc1Lxn9dQW0krXcSlk7tCtKu0eZB4AU+gMK3MtcZ1manetD0bjepA+T6376byGPQNMs8uzob72jx5/qqHtV3Y6wynfHeuhS8f2qe8pX+vWqzW578X3+OP9330+LsS47Cjbav3CBdGdzHdMN343q/9Y0+r2vZH+NKSJ70e5QZ7Ed55J/F5OjSpbPZ7KuXLtVbbxAD9rfIZdzJ8fLs+17NZ1c7vIgW6HAmB3mr8ZGn1fk+dBJcj8Ut8bJ7bSOTE6+ktZjej9P3dPs6k/SqJ2I2jNqLtqnKZ3TfIuavW9U1Pqns3Gz4e3RMZbXWN33dPtKrL5zI3iiNz6M/nPW1cez50UY27Bkt0aLHtvtFuI3D+p7xXpBq0rdTqGrT766s12rvL7adz6VAHc147Cef7811Olik32FDZBVRtcUu9Z6jcGRuT28uaf4qa7KwoEfaCZll0Heeicz6vqp0+FN4WVLm7H3BlKpccqVb3FflGtWANXngVFRVuJmvJmNLRcQkat8chfHhpPmMUmTDitxtDMjrjIZZUStHirwqI2juiLZbXHn5BVIVlDSW/E1C7OX1hhxUZiV6T+19amW1k2PPnpkZHV0jQ3u/Byr8u5WZY6bbk2ftMo2gRBjzssqeD0op6u22fyvrfPWv7C3aBNsIgMvYUB6RvClfS7XjWLbWWqfb9rolw6iZY6xuN25/En2alJm+jxre/Hn/BsuTpcdxJ7+nV6HSk+OpPKgZ1Mq3qjW9qr5arcEM3a5sx9encal5/VVK2g2hgXbZl5yBP4tHGv5PyarmzdqfvQmdTZEdkBOt90pW6X1K7XaV6v8Oqok9XTJMd9jqkoej6vvNSmXWldrV55pEr+4vFhir4LJYo0uC+h6a2UJZQXS4fjCkcQn5vmqXtMtEqK+hDocOovltrxJ4hPz/PVatckz42/WyYjO7fbQ4j6KtSU/VR7VNkD0EF7cxDp447qeylKaypGqUdw9gXQiUdyzgrZT2PWUnVgfvqwWPev3CM898Z2v0vH6qgFQSxcIr+Pa/xNTlie3a8Bpps6P8APn85NJfMkKzcQJrkpo+9TPytJpSJ2LppLmoOckeHz0SS9un+XMejWju6hzpRkFiKxcwjKmuaDz+aqk+UYn0H2jmNdYEccG29Wv8AtifVp5ZY4jxAwHsPY/GPSesr+H/w1HxWBcNqNT44RdJcH9upPZ+4cftU9mPYlGZy/J/per91Mits1P7AMUiZ6y8+98RF5f6/SNQcQf0g2z3D/KB+NuN/K5Nf3j9mn92V8FWVEUvcef2dPrUlswXIexqrwtnFyujnE58O60n5tNOwS7FMsVzuEGFKZE59lrHpCB319nSnsp++pETGpo3XXG/V8O55V5p2/f2ruO04jw9pYVpid9e8uLKXdPtOrSc591WDZrbi6bPbOvxYDs/bNTPxs8pxFb/st53nK33tB8X5PQUl9DEVeghQAwADxNJTSEQEIbQOOOB9pXP91UzYm+3i/WaHcbjATEdW6VLZ8kDl++rPLWkPxW8rUUqLigPuFEs6l0IeLaDeEF3qcZJKVJO+IB5iqptxJVMkR7TgKMl4Yx4JAyr9wqfUpC7/ACZClqG5QGWiDyqt2wOzOkNKcpkNQ45BKhganFf4Cjk9xEqNBgs9XgNoHa0oqn9IAvD1tdkR4Ey42134yFCkJQ99L5Sauste5hqV3Ozim5IZikzHtz1dv4z1ae0AjyfdbSb7tM8l/Zm8upjlKOrOzU+h+TqxgfNpq9bG7J7YQkPR7HZLTs3HAy5Ikyetu/RP/Kro/Zt/LYDkVcxDhdeS7qKc599TiXWLU1Mcm8nhq3bXbd09qsiT+TTLKvsUzof/AKXM3ab8L3d5+2t/1dvd9jvadSfKtQt+9PWHt98YtX6uH8qRsEOFbbJHjMg9hsHj6/rU4sbLXwZH3frp3v0s8f50aiKbHSPX9J+1UbbS8Lg60Zvotbn6WfOpJTTQQ6flfRqv2nIjLe+Na4/KVxUompL2pIpFY2ueX8E3B8rUWFb0KSU6jxNS+wYSm2xNLSkoSwMDTjwqsbTPKZsC5cdClkqAU3rxnJq6bLBwRGVOJIy2nAzy4Vki35x37CVvDsY2iS4QdO4cz+jUG/braqPFUbckltB4ute4VI7Rbxqzy901w6u7+7lUde4Ru1mXDJw0FA+j1d5Pd5VplIBGKzLXHh7VWuFHWIodbZckNtpyrUpXHVVm6Loi5jkyVKeW7IhyWVx9TWlQzqSrH1E1d7Eth+Q2y24wvds6d9hO9KvLVig2pafkERzIWlHu9b5/OskfaNcrIaxbPD+ls6SLeMO3A+k7Pd4f8NW3ZftWJoFGjCjy+kaHZZkwoUdo8Tvj+uu2WL7djb0p09o8/pGmJgMfhsIWlKCQ2adKYT1UlRKgPCmqy8hKdYPClUPOiCojJUeQp0XF/BRCbOiJhe7Yb8dGiopYDUpG6SNG69ru1M2B99+S+x1b0PzdztK9aoZYeEkj6Wv2u9Sm6io/YIfsOpKW3HmHOwtKqaqt1nuVsaM+3B4xpP5ryUofuoUl4QRxa5/KpZD503GOGOO8dx6T2kpP96rTsE889OkeDs/tk11W0xFsyW84GoJ4fRqO2Jtdt2tYuJ+DERHIBaX6IqV3s94H6NadtRYGJ1z3O0jDN3c/JOBz0rfyVadPCmUaFadihLNqsWJk4dzrD26e0/PROa7o0xlSon9lrDC2auLqrLJ3bbo9JHLntJ/8VaFYS4bW3unl9jv+tVF2UuHXo+Z8dlx70XpBH5JUns9n7NW2xv2hnes8c61d/s9nn/Os2J3YqRNjfNXSM8qQS2VYUjHlUu47qStKfE5PCq5NMNbCX25GCkBzOv31PtuhTAUnUSoYGPHIrbiaRnlGykRG46XLpb0NEKf1AqLfayBn7s1T3eqpOVNaXGhguJ4qyOHL5qvMzfRNt0yC2pQdQU5aPZORnGPOqrekLhzpaVIIW3IBJAAJQRjFc3ND2Uaoy5KtfukmDYXmoUjfTJ7n9XQ34adXZUr+VZptrtFfto5Rfss+3pi99DWjH7Lg+jVz2ggMXWYzI6hyKl/F/tcPo1X9vYEJFxhpTBiDext/rHoqLSzxYr2Qo2tN9sYdHV72iZWN+l1vj+MZZ7K0+yU+XvGK2S2SIMpvGeqZX2+8nteyVCsosOx0UxmX92/+M6Xxx7ik+1WiWx8sJifi7R6t2HPf/wA6xeoyjkknEKFrsslrklcFqPGWypmKlLTqUrzqOe8Kd39yXDSXUMsuZTkKxk6fIVV7dclN3NTLTDkVuU2k7stjve6ratYetxS66lTvFKlqTwH0axp7WRxohirfvMtGRjehX+vk+VQd1ntQFNvusHU23hz81p7v3jsmgVcGPg8wZpwWiniG/V9XVUZtRLW9Y+p9YDIkamS5I7ur2lKxyISqtGKNsPx/ksNq3xh+lfZMoudYHzKTjT5e1xpQdekXQY/FGerq1/Z7/wA3d5f41TtntqFPKEdl/fRWY+M7tPxCePEfrTVshzid7NGXctqW2383s/51oap8DdrXZOMOJcdShDiQG0ZUGlKIbAA4Y8OP7qcbOOomrclIYDYAIypOnJGdefMnJ++oay3fClsNyEh3th1ARpUnByTqPPGTUtYpUpCZMpMhUgSVJJzj5woD7vupuMRKO0tMUvPRWmX2QN54/wAKf2qjplvGrcwn2cuc23fiu7qpS3vqeO5O7zu/s/XTz0Bibh5j0v5T2vk6a1LkzdFUhgR7qHmnxlo/F7z1dX7j76vgLrscPRHgGv4/k1TFG0x7kd+wd7G/K+sfk6cdrFTOykhi7xiNwR1b/wBIV+8UUOeCZ/5iw78zUujOIuMa/wB+azO7oZtl1LE50kE+i4fK72n3/wCNaYtEdETq+6w14nPKqhtagGLmaHXfSJwhsKS6r7vGiYGF3ZTZd4fsVwbhR/TOvObv1sbrtZ+cgpxVVv7/AFi6HGd51f8AJ/nUp/1+jU7dUvM2+WGHetE6VtSOzkOak+r5q0q+1UBcHH4stmPE9ITjrWlQVpGrB4+JznNPxVGxkiOjMR5EaXIkvu9Vi+fxTyfX+411KRrbHvk523JS5FssTjMdCgUuEcBjyAOK6jeX8CjStrI0idd2HGZYFwZSpUaQs6NaQcaNPnkUynyjfrYLpvSzcIziQtnGCsg4ykfVTbYu6R9pd9H6yx8LQ99h13x0uq9L8rs9mrBdLbvUf0kgRz8Is6estuDh8r6/mrJmTjSDwyGGDOkB6DwfbH4w2XPV9pPjUgovC2PQnxuXur5HsL+V5hVIQ0w3y1do6T75AHxPrK1e41O39iDdozL4f3KmgkuOefsp01Ise2V/bONv9mLXN+OLTrTzve9n1vdUvtTZ7Ha9kHLubBEffK9H0EqT3k/NSF8wNjpQD+Zbh3+HOzlSfZ99Tj12auGySXZ1veat+69I3jx9mop1/gBkfX+0Z5sgu1symWY0JW+KM8/Q95XZ+9OaR23tj5uYfTGaL3pX5Dg7PZ1JSpWr5Pvq72ODa8ZhR223PLtJTq86XmDG56wwN0fH2O12kqrJ3GmhjzbcjcTN7Db7vNhkmO0IQc/F+8pepKvW93/DUhNnb2NaAxGAIcSDu/X7Xh++rcsPBL8ZIAZxgbvv9rmr6udUqfGYgR4cJic+7KblNccet6339mpdKxscu91RJ3S5dqACMd35Sam7S/AZkgMx/St/lPs+sqokJY60HjHel+kV6PGrX2ezpVU9JtoCWlB4J0DTj7PPFZ0+bF5eVQuGOsT+Hxkf5ff1e6jXeS+Lg1aAWXHi1/r6OKR2fnDqpD8f0u7170Oet8qs36QlSmG2JLj7zUbrX4wBq3u4T3e0OWTqpmD+JJL7iHGpbTXtnmXbbZkNynd5KaA3zueZP+hScoMPXVlhxTiiEl94/K8f1Yqt7KMzV3R+43iQ8GJgD7cLPxIHHj9WKl3X0i2Spj4Wl6StWlweyeGPuxS8kwNpB7WFN52jYtiHXd7LW3FGFZG77yz+jmr1eINvftIhSYjS2gtlhDa0cxnSP1Zqj9HluQ7tg/cC9qagspjtpUOIcc4qP1JzWgvrbeuG4WrVusOgDz5D+dacPHIGVWYz0p7MQYTNyu7EGHE+CCG4bfV06T7SlJ9apHosXO2j2V1XVwKPwkDHSGkto3CUpUrCU+FXmZYH57DTMgsvB05dzHSv1vV1cKkE263w5/XUABxLW71jlp7yk/Jqsr8kHH7gp07FoDf428tkAIQhLekcuHP9wp3bloduri90pWBjnwSRxpOzlh23IfRqQl1Rd+fVxpmJSDa58uKlWSorKgeQVwFMw8IXPs6LIjOQJkt0YKnlKBPDHgKiujRtcm63eURlCpBbQpXjpHD9ZpS6yo8SwJjuNqGtGrUv76d9GMJ2HY9T7g3yjrx85zn7iK1RlYMi1TzvWQ1n2f310uMzMgusyG0ra8UOjgaTJadnRh9J3+VO2ufqe1WyCsQRFwtVoUxHTJiIDaNLSAlQHP3UMeEwyQWmct61c2+z5VISnsvNM4/L/wCPaopzljyqpFjaY643FlPqGoBJ04TjIIApzFQ6Y7W7bxhsHBOMUldJDnVHm92AThPE8xmnLZyFZOAkcAKqKi+ghs+4puJIcd5YOagYUo/AjqRHCQiOT2RzGDU5dlFFklOJGrCD4e6oFt4os8tIjFCwlKFalcwU1mz7l0MiUXbFSjaojEQhDrjzQcCk5zWhbPpWlpKCUrOgBZCcYxVA23S878GtpLjChKT2k+Q8Kv2z5UnSHHHO0g97z86zQnWcKX0DraH0lie3fDs6u7muMbVHUgLxrHa4c6b7QkOwZDLz+OyPa9oU/KG0IAQeaj6+ac5AkNZ7EIK0LacUEhXa4+PGlJ8ZS4rWtR3u7Sc558KlnG2ksPFTqQkHtcfkmmbzTarbFG8SfQp3as8xpqlCibgIbZRHjpK1cHU6znnwqP2XLjduCd6pR3rvHPhqNSRDKEMJ1pwHh486gtmCyIiksupUjeu5JPjr5UtzpjCcU4+QpCnUnA4GnsV1aICQ5hSieeKiiy32kl/mOBp/EU6LaG0YUQeBo8Mp/YGUSFtsmYidOUGAllLysDec+XHH1VGXSY0uVqSShQBBBPjmlFIu7d4kR07gseOUnUMjnUU+lYvSo0pKA3rOlzOAc8RS3KTIkSHfhlTWolxoDUeOnjnFJQ3p6bmUdYaOQyo+h4EYIp2GGkthDbqCoqwMHgBio+3JjtOtupkOkBkEjeeslas/vpEnJDVRA7QpkQpszIayUfK/S/ZpDbcyGn7MzuGuMZpzPq+s1p/ZTVq20jb+2Cfvnc/3eKk1X9tX3/gmyyAPB2O53faSqrSKQ52Ljq6ojsN7wev8ys1bo43E5xoMD0kbfqOeZ8arOxL0jqjnYb1p9THtCrLJkSOswshn4p1suVeN8sFizr0B226UpUEKQRjd4xT+1zkSokNcZQ0KaGSeGCk1HJUpTB9AkePezmhs8otQt0lpLYbeLQAGe9TlNgEdt0/LavVvfQEnSsnBVpzwznhVb263xu7ik7sqkRg6E8TlWMU+6Q0TNDS4bykSWFaAEo1j5/uqvbZvyERbdOlOnfpUlrKeznhz++sGpzVNxNOHFaiQ0PrAkuvbjiHMet3VJz/xVVdq32Dc/wAfYexj7SFasdnj3ceFWbM9n07Bzvf7qtP7lVCbbJPWoZIa/GY6s+z2f/LWfBPhmxjZO0sGDbWYMHfOu57G83n+HyqsAe3w/FLlx7OR3k93Iqu3WC8LXbn2WRkD8n8lXZ7XzO082XD70dqO8xjedvebvtLVq7Xa8Tju0zPBNJoONk/JN0Xb2XcNmQiSC2oL4oB5irO27uISEl1UghRTkOAAZ5mqpBYR8HSSZqVBL+lwE5IPgR7qNsq6ZFn13SUyeqvLQ6pCOfkPnpEYWhjiJ7awYMyS9CZfdiO3ONltxHe3qe19XCsmcgXGPbplynyFXK3hjq6ww53D2tCuPsjVwraNqHoJDM52M8XWvd8pISrUeXeVVB2nSmDbmm/jdVx60R+S7ST2fmAV+zXU9NzOKaoGURt0dMzIdjiv7ocXOfZTw09lNaRCff8AgLdBzdPE7jf/AJns/HfN3RVItNtLMV2Jlk94x+On0WrUNX1pqz2txy4RN04XW5D7OgMp+Jb7R5/PU1DuW4Yl7dpYo9uVJYjvy2w2+vLcnWdIR4ax9LhRrdJcihdubVJHVlJfacQ2NJycaM+QCqcQI7sBMyHLlsutOp1sqdSSoYzkk+sAT+qo1h6WZT77ZIZUnC3FcAkgDilPgOA++sm5oFVItFguMebLbj9fA6zHTlvvO/pH91WZP9XdZHEj0f2f71ZtGUBdesMQfRDdek3frdoK1JHPGnOflVa9m9ompLbjaF5OVbg/ncfurfibXZiy4kqokNrWGU26Q47E/Gm8FGU4Geen35NMrA+9EWy5IjPNtuEBWE4CPAJP11akIROjnrI0NkErbWc6D4cfDBqu3APNhp9e+6sTgBK8oBHHe+/lWmhOKVxJ2RKWJQZeayhYOlkoznyyfEVVtprhcGZEd5sOBoAlQSMkD3eQz4VI7R3dpq3RpQkIQkEKLhVyHu95NVS/Tn2S/FLyt6pPo16vRxwrk5nx58qVKVh4o1IrV3ffajtpG+Eslvq/D47UrwPzK/cqkLj1yFEY2cszwM64JKHX1MJ9Gk9pSifAk5qYjvJtdiiTJBZkXd04jntFGr/nSEWCYcYwvjrpKkpLrnkwqr3MuQhHtMWFAYskV1Ah29RXLfJGVqKu6rzGcV1UvpQ2vYtUprZVs5ZaP/WLo/L+bNdWxY3Qlsz2DtLc4t4fYtshmO/DlOuRnftd3td5PerQtlelzb9IdCpzFxDshW9zHSru95ORw5aazVc2P8JS8Og7yY/+T+URq9wTTmBdG2PxBhgsunTx/wBeddDPixy+pWFjqVX8m67FdKL/AMI3KDIs7ES3u6i243q580/f7qS/pfMMl6a/I/Ge11fdtp5J4qZT51mNiL6g0yc4b3vpN56zXeTRZk6QbpEEPfNElv5SWW/a4Vznp/ya+I9F5unS2pyR8H2u39UKOBkSG0vOsp08Mp9UnnTr/pOurcRm0NP7tyOvRvOzxV7z4cP0ap8uMxbLi1Iw6dQ9IWwrVvR6qvn7NLbOohKa3N0jkvlLhbc3en0alcf71BLFhXUP8w0o/JsuyV1WbVvy8cn3a+ypWnSff2VGpS7SGeqstPPNAdlH4w5qd1er2ai9kJkxLYSEuhjf7v0g9b1dPj61Sc+NHkFrU87lv/i9X3e6sFe0S3/GOG5lj47lzX/nUVtMpmTa0usJcKGJCFpwOyOfaPzU0mbRQI1uejs+hez1c7z9lSqnH9z8FZBaktbpW8I/K/NSXSdIPa0k38jCHIBtgmvHjG1Y3fqeaaUkkyizgl3q35zserUNsqesRX3gxvWG3OXratPZV9VWCwQH35OXxw57zeez83KlNWW1QBuEG3Rgy081uvyoPd7Ku9/KmM63NXCE3PeOW5MzrHV/ba7rbP8Ar2qiNqZD90v/AFF3c/jJ3bccfmk97+9+qrRahph8H+6Fa2vkJTS58kkqFbY+7HsrXXRvHertNrHylcVc/s0vtBOiw7a008nCG8uJI48Bx00izv5otwfY4Bvf/LRlX+FV3a2cXGkQFpwuSWo7W648XeGqgUqE7NxZOjm3fB2y6JLrOp24PdaWNXDtd37qnLetUiXNlKCm8EtDs8wn/GlkIjRLa0wyMNMNaUpPhgU6tSH27S2ZawHtIJA5Zzn91boR4jj+wiUqOZUuRISCv0bTIyk8O0qmk5Iiw3UkakqQBgdriTSsZbSC88SV7xwo4ccEcqZTnXm5URKU9h11OdXDkarO7FxiSkh1MS2PqQg6WWyrSPcOVRFwfS1stHQylfaIQoL58P8Ay0teHX0F5awrQ9pRpQfFRFMNoVuPqs8dpTSt+vVhXDBOB/eqTzbS9ox6Q5wNgea+K9AGfk6iMfzq37Js7mzMNF3eHdhHtVm23+XZUG3vH+sycf8A1s/3a0+3AMRWgPzadf0qfgnbYMoiylNCaVpSVrS0QOHmakkuDnpHEcqhIU1Tjr5LR1pIb4/NUs24VJzo5VuwZU2zO40JTHcXGL6IAFpxSuPjSoWFhKSMYOaa6tdwLmlGEtgDjyOeNOgVBsnAzmmblVk5I67713dY/Pp1/KTxzTwt7scHKaymfxiB6b8v9nu0u92z26WixtfzITYJIQRqDJJ4c6q0l2S9s3JebZGSFBzBxnjVo2kU83ZXHUKIw2ANXHPHFQNzEhWymQ42oOE8CnHNVI1EUHiZRtqn2nblaWpgKgmUrSNfPs1oNheYU0hAyCEdn76zXa52OxfbOzIQhGFuKSEJz4VerK6hCG08dRAA4Vghmays0yj7CV2vUyqxyd+lCFKcZ06eOe3Tx1+O1lKVZPE8Qah9ppTLdqfacSrUHGgCB5qp5GccdYKnEqBI7JIrR5rkKUfadMnti3ysoHBlQHDxxSkO4MKiNJBAJYTjA4ZIHGo2S7i2z+yV5aJPuGKZMPlESKlhLxb0I7JxwrE8zjKh3iTVlgWWnA06FHQX0BSfHIVzqL2behIiSE6wpSpjx0nkk7yntulqTIS480rGtBQcjj2uIqr7O3Desz3FRwhPwlIKkFXEp1cCKe8i+SlH4Le3JaaI1hODn1c5qTtM9uTCVukgBCiDkYIqqR5a3JCELDyEJykZ9WpCzy92xI7QLCToVqHFXvrRh1vuEywFeuEyQ1te4wmSpUeQhJU4UjgMcqh5k1SLwvIZeYS4khK08eKf8qLdltL2ziqSpfV3wnk73T2uFdtC1GhXJMhh+Q4AlGGgnPHlmuZl1M10aFiJm3ymS0O6kkk9ocuNRba7OiXG7DaW0pdQrtd5WoEU1gz1F4ZYeSkg9ko40kbi03JypLw0POJK1R+yAQP8KR+qkxngLbtG4qRs4+23r1JwoL1Y7IOaq20MV17YaNIVqJE/AyvHBQqaauESZAeiodzvGDp1pxjhURcdDuwRCtyXES2ANSuAAPE1qjqI5ULcHElOjtE5yNIecW6nWU5HA59XPKpS8NvtiL+NL3fWNCvRg5yMY5VX9jgtm7y2usoKGmycBxXAA1PXTT8FKcSVEImNLT6U8PV/fT1PdioGlvHWJjPod61j7X1U8sH/ANspkdTH5pz9LV3v0aJEcWV536cezqHe+6kQX/h/cA+hMZW8+yr2vKtOOlYlqxvtxAgm1EiRuXW/ym80q+TVElgK2Ma69P3+6k/lNP2VVpF16kqxvsvbot4P0dVZDsyqP8DT46jlvJ3YPd+T2VVg1PFf3mnCuxtAMcLQnfpSEpLYxwySMfrxTe4qbetS5C5i33mJCXUpz8X4YpEuR44kSZDTgdSUOISRkZB/zpq4mA/apgjvEurSSRy14Of51ihGjbijYHU5CorxeLXHSW+Pq8lfrS1TvZyZLbYw8znq/sL0/NTUsbiGyCXmjj+LSpPP30XZhiRBXMY/rfWm0ufupjluQ5xJmQxCVbMjLTxcUW/V7SXu12vPtUnZXDbZlwUoc8P5c7WvPP8AcfvpU3bqQ/HozJ/J7xscuzjV9dRV5nJUbe8nhI4sbpfY1Z5fuH31IreUXm6vibbVJiOqjuIRlKUjvE6c8D7JJrLrywymzxVolh91OuPreHaR3ilYA+arTYyZCkHqpTKjMkDU/neBXrBPvzUK3vHmpUN1SStGl2ON13kpBTp+vjWnQtQ4D27SBZU+7BMhpO7QhsayyNPLtFvj7XOp7ZOduY7LEp2Uh8hK2w29wb46snHlUFdmVMNyo0WRlpSUPNNOnAGnvKP34pxY3FLksSH2glptsJASMbzs4NdKdVaLSVmqXS4wn5SSyy1u3I277HxXa72pXlio6XOeil0Keed3sfDYj/sqT7gFZ4+zTSwdQnxtxvsdW+MWdXe0p0qT8nspHtVKxNN1+PY3oi8Pa7X76xC+htBkR49tXMWp7rZLmVnUrRjirl44Sn5PZpNuZbkpeZ6y/HaelPGI6fZVpSnSlPdTq/UrFMrrAM6+shh/HVXE5Hmnw+lp5fdTW69RjMvO+iCh+c1Ka7Xs/o8qc7LouceVdXZMR1lT2Fj0q45UuPvNPaV54/Z7VPhPcm2XePvqet8gp4CPqSG+0lXa8R2f9JqA6PTInSHXX/QsStLAf8Ozq7X36vW9atSiJjwUOoeDDYx217vT+lj91OiYMjqjMFQyxdp1wt0h9lLPogypzh2k9nvfKV+1moaDImQL5Hk3QQmTGbebbZPxLulKvi9PBn1v8q0a8SUMTn41wjAgtM+iH0va5eqrsikr3CTHSzeyBO3P9QZxy7XZ+lUuhm6iItLO7iXF9UGI1N6wp+2xj3W0qSlP1jOo/aqq7WXh+xpetVr3RvE7SubJ/MNae0T7qm9trwzYrZ8K/wBauZjcm2+WO0lWny99eer9f7rOZuMnrz3XJOnrHq9lStWk+7u1q0uHdfJnyvaQu0DKjLefbf64jeK59n7RH3HNdRogevb4jj+tOflP3/o11dowEgiPbo8y6sCPl4SnS0ftakp+V6vCpm4uuzEsvhIGAneOAau0VeHzU2tzPV7Hd1NR99MkXTc7w9nRlSsJro7pFuLBdMXrHNvs97T/ADNKnKzfi4snbbNZejaYYx6PX8rvZ3316cVL7PwIM6Vvp0h5Lzf9n2Xk6eyn3VVLbNLkiLw3hC9wS37JT/Kpqwv6bnkzG5aWvjBvPZ8U1myraaYy3FmkW91V+EEzdyy7HVu5H5Ls/wB48/vqZFntFptbr7d+D8uL248dv+sdr1VK8fP66Yf0k2dlQn0xrcfQymZGj8t2tXrKPawryqHuMh8zQpLrTu9Ojf8AZ9Mr87jz8P8AnWSmwlKzV9nnoT1xhZTMD263+7ckK1afaUn3VLTfTht/cPDdSPR+k9b1VVSHNuUwZCeuMAvRWt24R7Sc6WdXv01LJ2kmz7W4phhl2Xn4tvtdlSez8+K57pvsB4ZEHtFGfkSlMPxnnt56QuNj47sqUr58VK7KwJH9FpDKn3mYjmnq291d3SP1ZqxWViY03KmvAb1wcGO72tP96mrhnPbLKYmsbh7jr+1/Dw/hoJS5TD8m5NUNej6Bi2Ek4DW9b9btqV62mrWBuLY8GObcf/Oq1sPH31jLD8je+lT+U9nGn7zVqlNdXDbZHBfFH2U0MfpQjUOpmcpiPPbWSd02ltTIDbaz4Ou979VWVO6Tbneo+mUC0wfo6u7/ABVDSy4lMjaF5tTeouvuNg8mR3ftYp5FvM1U+Gw7A6mCOsOOdnTw+L1KTWRmjssaXt8m5TsYAG79J7VVaGDJ2zszBY+K3ss7v2Wk6fq71LKvM74CVvnxxP5Rv9Ku6OXnLjtLcnnGgjq8dhgP+erWr+dKxLe7FtVFr7l4u28ehbkHQpxxCPvNScjSlZUsam09opz4YqNltbyXG1ugBILqiFcSeX6qG6ywzGcSlSgGmcLTjirxH310d1bp/Yw0KW59oxmvR6UuJ3h8MKxSCll+5RFEgxksK1Z44UTwopW5ugUp0cDw54qKtpkO32cCrVGQllISOGFeNZcs7HRiL3qcqIuKl5QQha0508eCc/4imt06wramDodTuo7GoJ0+Sif5UN7Kjd2UndJSpBUBz488fqpnPmSE7QTlxlOBTTA7OnPNPL9dY8mauw1Er20EgyNt7Yw/y3qn/R/7lI/nWrpdOhpvB5aaxuFOkP7fhmQOLkdW73fylfs1rx3oaLLL3pQlPf1d731swvsXkVUDbypadRSEKU+SSTzwalUOubtWkcMEVXtm3JAt8cSSCVBTmR5VLpdKTgE4UMD581pw5Wo2KyRthLe6VOzlKcBAUlIA5jhTuW6WojiW1q3hOCSfuqLs8RpMh9wrcJXIWSCeGBSymmyhxpxadWOJ1VojlbxWBSFJBZ+GLcCfzn5T5qfuOsKVlXaFVgPRHtsgx6P8Whq+lxIqYQ40hO6Tkn30WLNZTQ22zlyk2HTFCWsOITxGrI1cagrvJcesbYZccUg4wCOGc8akdsW5Js0dIfcbSXm8YTzTmoK7IC7U2lpZBKk6MH1sVm1WVoPFGysbSrLm1lvVKAWhCXNG6HEVcLFIdcLDsfDiCoJWp4YKRms92hcea2ztISouksqKQoYVmr1YHJCn2ozaHEqSAt0OJ4HJ8Kz2llY79o42xdUGAhDCnyqWzgFekK41IsvJKDltwJCsuEOcG6iNq5DhgspaaYKeuMhanDgp4nlTx0uG3OsjQlCVKyVDCV/XUU/4oW32ATJbqrTOLUdJWW1EkHiE+VBBVv7bES4N2rRggc+A4VFXORMZhym1KjocEUgKA4FRGeNPbKX34rLkgMtvKQOGOeAOVLi1JlyTiPFuLjSYuji2hSdajyIJqt7OTW1MTlutJ0tS3gDjj3uVWK5qfMRW6S2VoeCQNPPtCqVsy5MSZjbi2HGU3B4a9HdOrxoM8ZKqCxLcy0NPIdX2UFTShqUlasYGOBp/ZFMSGHmkOJTpVyzy4VBh9lxlTy3ylCVBJQkepjhQWpamn5ynmkjSQQc4Hd4UnFmSyUMliKltE1Hj7WMPlXAFKJG7P0u1w8fCpPaA29m5OyICnjwa/F9763aqsbUz4Zu2/DDTzX+047rCd92VKV/KiXaVG61mEr0zrfo926nR2dXqj/XaqsmPdY/xfks0V9/O/wDPw73zaaQuE8pf3a4WhvfJT86ilWP51D2W/EbpKvi29X2frpNdwkSJJIYadaa3W8c6x6qlcU8vlVmeNVSkH438l4ts0Ph6OnDWEpRgoyePvo9xcbj7OXCM3DStAB4qGSCnxqDtE6Tud/ukaeyFFvjk5qTcll+Fdi/DebDSe0WznOaHA3GPYjLFC2y7UdqbPlEZL+ocTyyAf31KT1W92BcWMx0OIjB0grHDSsGoizXKNDmL0R94UqRgaCc5zx5e6mc2+oROQFxVZmw3gCGc5wCrHL3VujqV5NgjwuUi0Q4sHfplGRJBI4J1HvffRyoC521/Lv8AWHY7nH5KqqtsuMOYLa9PfUvurb/8tHmqYEpqR1gh1qS05630fmoo61Prkp4Guy7ImMuxng2GseTI9blWT2udbP6Yzo00RGh+T3jel3wJTxq7KuG+uRAYec3Y3m7GpSO1p71ZI1dk/wBPn5ElLjTWSxv3Pa9rh9mnLL5fjoZjxV8i95fDDs8yFkoKiBuTq58se6jx1MrfU06hDbi2itGtOMBSeA+em08sdfSW20hmQo6SD3QOJFBbZDzhS7rTqKezrGdIB0k1Thya4KiyR48GRDLpLW+aCR8Zr/1wpG2wXWNbLz7geEf8Xc9tP0vfTVuHuNaElxepwr0q9bT/AM6VVl+4u9SyA41iRnub1P8Akqs0VQUojeV+PbNukvZIPKP7XZ7Svm01FXu6PT7dISYHVOTzbvZ06mu9nHHjpxSMcvWlT4Jc3TaNaO93dWVKV7qSMifNizDBHW2vieP2lJS1+lXRww22Gsf5LBa2Lrrgy0vw2wVFtLiEZUGiSoE+4YxRrsDbtqIMpw71mSA3pHAIIOSo+7tGmFquLi7PAkOuqiSQwtl1PgklRGDj3AmiXxcmRCeS3O6y9DCX1KQjsuNahoTk+Jz+qlxxOMqK+pWFeXb5joZlMbtEYOR3FAZLjZUcjI8RwNAmM6jfRkhQcLSt2fVaUBhOPn4VFy7q81JktrYjRjIZGTqycqRlSxj5sUpZpL8iY7ERNfQlZadKCjKyCnmCfAmuhtcY2wab4JzZecZUe3PQg9LOd27wSrc6U9pNST9xfTdZcAMBnj8Z+Z1aVd1Pj3voqqBgz49vbdQmDMCs7/5Pa0+r79Ofs1J3Bl831Ml+P6Ehz0kf8p3RqGfI+PtY5VV2Sh5IBnSHXt/h5sO7rq+r1e0pWr5k9n/Kons3xGC/+OMfFOH8o9q7KtXslXHjVwfnW8oGBqdbG7O7Gnc9ngnV55/aqJhxoyFR9xG37Lsv41r+0095P9nVJlWPbXPuCRDBZaGI/VzH7iM81FPkO0mnypstiI3vr4rdO/GPuezqUnu+4+X8NL3a3ddMObGf3TY3u89nSnn2faPKkra84+hqDN62GBlx9Tg5d70J93Z/1mhYjsa7NdfnyYj8mRMaDW9w6fjUaeHaT+j+lTPa68XCOCwm7ndDcb/1eypXe1Edkdn9qp1jfptqJykiW36NtSlyPV/PfRrM9tr5IuMdmNcozAdeO83cUes273ez59r9KtMFYL6KbtTtLtGqVLcmT8g+jU56yAM6WfdnT2qqdyw3F1TH/wAaOnsDV7Q73ngVa9poLM8Owdy0Ho+p/e7zT2Vdxn5xyqrbSwnmYLEMj0zZHxfd4jmfMq/lXYwR7OdmZBqnPwZOYU3HVvyiP4k11Hu6er3ByPj0bg33px3Pk/yrq6ajaME57XRbk3dxqc8y6v0Tsh0ZfVjUoOHj89PXt6Ia8anCnicccjIqBZiT5V8u6UshY6+rGrCghe8JSR7qmrfJfecMeaNC1ZG7Rwx7Wf5Vhyx2nUwy3dk+6GYjClzEuapAVgJGnJ5nP1VCJujRlyH4M1xDOgqSlbWpJAx2MVImY9KdNqfUgpTu8hPE6OOBnz86lXolumS2BBW0hQIU6kJw2CPH5vOs1X2Olz0OrUkMWwXBUwAbvsbsJ7e90jUpPq6u1TG1JiTVO7uaQ0uS5oyvkn5Pz6edPZ4jIsbFriOux0h5IAQjtFseB/RNHivIjz3GJTwS8l0JSptXAq9QH6tNI5+xp4QqxAhPXmKw1OaJkP8AIyPVz2dX7VXDoteZmuqt/UWg00S9nvdpKu9+1VEZ34kts4Zalj4xxtv0vH9We79Grb0YTZDkwzQN601wcb/wrHnjUN/2BcuaNXa/F2lN5K9HiTxNRG0ym3IO6d3revs72n8cvTOPox4/tf3qLfI+/DUofF97/wAVc+RmiVDZCfvZE1OrR+MejR5dntDT+iatfwg+/bgy1N60Moj9Y/7SpXDfJ/Sqjyreli6PMPznmZR49Ybb1cFJUnV/DV0sAg4s8dl/MVobxGfZaSrz496hxJr2mnU/zEPdZPV5d0YQltZQtLDa1cct6fCqpImuImXNhTq4jO4aaStZ9cnOBU284xPnuvIdSgrLgKR3dSVYFZ9PddW3KdcC5e/uqE9nmnRzqsMbnI1w4ReZBQYMZUeU44FLWrJOOPDn91WLolbV8DPPOpCVyZDq+Hjk4B/VWebXXFpK1MRGlARk7xYzhSRprR+jOI9/Re3OLkgrEVDq0YxgKyQazYobNxn1ceS5xQyLnvjueEdP+97SvW/Rob4d6GiGd51h/c/a/wBCo+NISmQ9IMgOAObvjwUPa+fFKi7WqRPZiJusQyo7itbHWEqV3fKtS5MG3a7DPiW0oOD4tfB6oezs7iRcpGXng7Id+M+T2dPZqzPPBpJePxmPopUrSeFVawsKJJY/qm7d9rtlSq52uVT2jMMuA0s9fv8AuN+zumYzX5P2latOr7NQC2HZtyujsRclkpkslJPEHGP8Ksca1dXuabjKfcDkp5lndp9pKe7mo5hhuJAlOR1yWfSqKmhxJxn/AAqPBu7L8yj0VLYt59/bSZ+ei6W959rKk1qrrm8ZHpdHYX9fZNZp0bMPHbK5l/xkZ/Rbq8Si8/bnSxvWRoV7Or5VXkWxhvlErF4qij5CdH0sf3qkOqjr27z6+T6Ts6fdUK9vXowZiPdW1x/j/Wp7bJMFls5aaO6Z4n+L5+7WvD8meUQ1kiMtMPblW+C3FPc/NXOndwDWMtZc7v2eNQ9kNrg2SKYUhstPHeej7unvfvqSYuLHE/2fykpqpZ4QVSdA7fduGdvuMIbVSmmnMOx4je8JbOriomn86WznO93neqrRJ4fu16kAO/Fxx6T5Oru04jvauBZ3WjV6/f1erQLWX8DPF+QL+py4To0dmbu0jLobWs+kABxioUIafYSp6Y7vTLKSltZwSM4pba2S1bra3LTHUp2K7ut7xygcRw8xUZtC00LlDZS1uo5RvUuIWRlXE8ffQeVz4Cjjoib8h6NttA5Ph6OSNZ+LIVxq52J99bwU2rUvGQ2BzTnjWdX1QgXeO71gO6GAlG9PaVk1odi19WjO4WHVYGQOCRjOK0wVWiSO2gRcVSEboNaVy2wpTqclI8AKkzbrg7BXu5Le8wQpShkZ8KNtBBmPsx3mpK07t9Dikac57NKtRJTbYUmU6FOHHAcKCWPmwbI26Rn/AILdG/y/1d38n6vravdRLT1jqjO4fZ9E1/5tKqVvMK5fB8kMvub3tdtHe48KVhWcR4Y6xIeHolf+KgjyHYSVvzEaIL2+6yn+6pWlPzKqp7PvvCPdAH97+PO8N37Suz/DVlctbLO56rcZI3jmrsOfxc6qMS3z4HXH3pG9HXnV8NOpf0vd40jNbodijQ7lSOoSdx6HH/8Ad06lfwpqMi3xr4RfZfy878f6vd093+dHmRpJundfeaI+M9T2tSaStdoRBuu/kEMuu6f6z+c0935Pnmsicm+ODZGCfZW2pAdj3t6SAy1K+KDHa3n0fqV+1VYBzLhpdhPNy+r8Ox2uHdTp8SmrJ0kQmHpget62XXWnE5CXU+ChqVx4cAmo0MujbBydEuDDmMdwpUsK9rTy93Cu7i4tBp7lY9isvtelliNG6vq36/V936qNcrsGlAAhlkxwvRu1dvCkml7yCzI9OC8JXPhp33sq1faqqXG3yBMldYnPekhudWHZ9VSVdrPLjSYQ8za6oJRuNmubL3EbvkzLBXuW3HP4adXgyH8iAxuT+VGe+nTVS2XkKCGN8w0Wh8Zu/PT63lU2GZwLz8dW+dd/7Qfa9XhXHyx2wihOXHU2DavQbk5f+N9I32dHd7vzU9Zn9RkK3Ccs4PxmnvK/8tRxITHwqQwx+UI3mrtetS0XaBhq4tBi3hef2WtPaT/DQRjXFlSVjS2T0u2Zt6dvOq5O66x/D+yqkNprzCes0kB/enQHB9lXd9+Dq/RqvTm3p98RNz1RMBt09W3iVo1KUoJZVj76g5E9mbZ0wiHYbwZc8FYQlR7SlV2MWjrLHIpdBrEpJpmiXi/XVN3iJiwlqSsBt6QhYCBwzn9VZ1tQFHaEzHnTFitSGt4sdv1tQ+b1quLd2eiOiG+264pVvCmZC0AMr7xz9wqD2/izIOLop5MWVdG2t2I/aHaSnUlRPD2aLS8NguPAldrqHx1yyPNY3/iPW09r+7TWwSZ5LLRLPxjqEej9XT+uoZYdg3F5qckAhnSog+p7J8/noxM2ANzHO9G/Trb9hxaez78d79GtqxX8kqjTbVuYMV7Vvm2nQn9LtdqoW17TwxffgoIOG3Obg1Z/0abKusmFsy07vetvmOlsL3nJKvWV+6sRm7QbRwdpJLK7xLYlJd3aweaTnGKX6Z6dLNuSlVCZ5YQVyNivdoM3aaY3r09Z5MZ+T2fn/wCLFMocW9sblyPdmXUxXMIA72pXf+saqCdc2noltILcp8BrJc/LK9bnz71Ndj5G/L4a3rjxk8Ax2fWV2vdns8vZpnEW6N2FScVuH9kUWZUthyQ0zb40zjoj9ntY0qUqn10j/wDWmIF2aZYMfXvHPXd7Q05/X9mqpfGwnaZ61zJG8cdLR3YPY3raVd5Xl/DRpN0nHcysCW11jVr7qOz3vs+FOjh344zvsVt4LD8EPKiMzpz7m+w6xvOynfJTkpUnz4cPs0nbGQLcVyH8PRfQR+r/AJfPa5e7yqPjrZRDMQ3A7zrGSg6kob7R9G0r5v5VJdQKVehBlshhL8d/soT2k/G/K7vKqKHVuYclXRi5TIM0NvgsuSB3SlXFKj82T9o1ImRIethgPHl/Vnez3dSuzq9408Pk0zkXCG8lh6Ey+24vUw7vPRD5WlPjp05p40lEgLeiJJCk4U26eyriClRAzkaRzoZqxZJ7GTnWZJjqj5H5xH51Ke0r5VOJjSm7mzun+qtB0Oj0WrQgd778j/y1H2x58AhkY9dtxv10qUNX3nT+lSL8i6qhh6Cd+9HSpBx3WeaQz7uFAoUSXRdLUw+9JefeZ3zknl3vaSO75js1LSoIdY/GWcQ++d33d6n1v+LNRdn6w88mQp54ELUxu/4kqxxz3uNHv/X0n4T1YtvLGUq+bVnvfN7VT5Mshpc7/BtVx0bjdBv00dzs6tKuzp0/P+yqs+6TbokyYMFKWGH95oddkNfK9bT5avnqcvNukX1brDEdjrDXHrcX4nCU9nUlXd7O75Z4prPNpwWr5KdzluNuv6xq05VlKv0tOU59WtmCPYMisGcp1q5b3i3IRobK3NSkafWwP9c6YTzNmJiEHeyg+13/AGtP66lJLDtluDT8wDS7vV8NPa/82r9k1B3F95sllp7dM9l9jd/8VdnFwzFml7RhfXXZtx6488OtD7KtSef6+FdTZTTz6nS2Ru47Gtz3t+FdWsw0WjrKYEy7JVJLyHJZx2SNI1KOT81DGuTSnGFMNklWgSFgZ7I5H66CWy6J1xYZeQllUt10tOH0ijk4GfI03YcjxkvIkLWkFsNEtcu6Of0azzTfZsjKuiYj7SLjyHnEstPbpxJbcI4qHHUPnFTNvuSBcT+KObp9OlW7WBgEcAPnqmiTukPMp3SUnCV4TzIHBQ+ejN3JMWG884nUWk6tKuGr3CleJzCWfaX2fc5ENLDsqMY6hIOFlWc6uR+7VUVcXtypyfDacS0PRh5QyCR3lfP2RVKR0mOt9hFjbDf5su5T92KYnbnhufgv0Ode76xqClefKnR0eT7C5a6D6ZsQmTZz9tMAb6WAp+T3u2rl91Sexl2kJurQae3DTsnj7Hyv8KxWydKM60zDJjQcLHBHpldmno6VsKZULG1lt3edt9Ssp9nl+us79MyvpBx9Qx/uZ7Gjy+GXMeyr6NJid8bxaxn9nxrzT/8AZGyNwGk7KMHzJmKH8qbyun15+NuGNlg03vN5/XFf4Vhfo2p+UDHWYF8mz3a4GfcpnDclpxTDTjff0+rq/wAKldkUzX5L05T3W5MW27tv/eq9pP0U15p/6Y5fx/wV6XrG8/ravr8KsNm/CIftcKTHRswF7/1lzVHH6qqXouptNKzTL1DC1Vmr3YssXIyFcOrNZRj2UqUrTqqItbW9nQ1S2y1DfK3yB7z2f1Vk9y6azMZ3arBozqGes57J8O7S1u6dFxWYzKdmQ63HRu0AzFDCfLlQS9E1O5OKv/D/AJmleraZfu/3lw2ytzDV+ucZh3duPEMtHPn3f1Vsmy8h9ssb/LrqUtR+Hzd3TXke/dIxut9XcXLYUIccStbW+56fDOK1PYXp8duF5t9j/onFbcly22d/11R06l97GOJ9+arVei6mUI5EuVfHH/MDJ6ngmtt/7zZNrGlXnYiYymE8lu5I4YPph2u8r9FNZN0X2luRtBdhbC+ZcDLceRIR+XKtOr31vdojmdYo7zMHlHH5Ttet2apPQE0yxtBtNlB329Thwj5Xq1ydO3cqClljGFM1dMTcQHBcZAy3FVvPn9oqptZmmYkCM0Gstljuerp4Ua/w3nWXTPWwxEcRo56v9etVe2nv40ptOyc+0G6jAQXO3w0+6jah+xUZErHdwusRkvIQhwLhvJeCjx7RT3tNZ6wp+fAffMl4PZ/JuK+V/wAVSZ2fvOiZIXcOqF0KcPtOfa9nFUeNAv8Ac5D74nNQxE7Gv1nM+tWBryf3GxRUeiwbJC4RrnLf3xls+lB/OrSrT2tXmO1VvfzItoYDz+6/ObzT63erOdjLrtnNt0y3QGIeRI3+9d+TUuYG2jMlnN3Z4/7PG/aVypObB+TTXBopwwnCjwx4+0P9GlluWyFYj1SUlomP2OPqqqkXOxJnWsfC21NwZ8n8q1H2vH6qh7Jsfsand9duUtTic5bVKzwHPxpuHpmd4zQbfftn7bBjNNTogjAbtCJCwC1nxptedstmEAQG7pHcD+dKm1k6lCqq7b+jaK6zMiIgvRuKFIddUpRJ8aQG0ux1tdZaFtt6VMO4QcDsp86ZKN+3xkji/fZJWXaWysSnBMlOoKu3pSgqyrwqTe2vhy5DUeyMKkzZC92lLzBCAPE1UZnSZY7Qt1Nuj29TxeKxvsHUg8wKXtG220d9hLuNnTDhpZXuVtpjAkZ5EGqjp9vHjKcf3WWu57O32VHdEy/dlStaGgR6FAzwPvqn7cWC+MGIIV0ckb9ejdFwZSsZwfmot5jbXORHFlL2+SfSqS6MFPHnSVshXWLIcclvdllGsuPPDgrJ41SafQUWQEy336DNhs3UF57cJ1r/ALv7NaHZ7xt5wCbSxuWo3ot52fs86ol92pmyn7iQQXY0jQ1jSe78ry7NI2/a/aIQC9EycafaV2q28CXE1eLJ2+U8tVxVbmsp4JRyJphNV0pvFtuE7aY8dSuJI4k1SV7XbfPx2piY7xSvhoDPjViWrbWRb4xK3mnH+ISU4wap+zgHaSDVq6Tgpb78uAjtYBCMgmmt7sPSp2lzNoIDcRIyhDTWSTSzS9r2GVMSLs6jw7eMBVRcmVtZLuSbe3diNAypeRjNXGe3klnIt22TW661cyndt59Gj+LlSYt9wgMOsm7Olp30+tz1NXde0/PVHvkXa2yXBa3riHWpCva51B3jbnatqaptphLjcdIGauOiWX5o0RlRpl+O1bm46ncBvPPOr+L3e6ouVC1w7nNu9y9PG09XcBV3dKtWU+I7P2azC7X2+XS4w2p92dW2XdK9xwSj+0z4jifvptZ5VokLuwuN8U0yI3oXO36Q+t2fZ7XDNPw+lNLmd/0/7Q/y0XGwO7MW9t8plypLykpGHWFFfPPPOONI3iwQpk2G9bZ7yZclSXJaXU4SgZ7ABz4VU5Fxse8L3XWkNyWxqJjqw0oDHIVJW2TstlqRcLuw5HbPotDK9SlpTnjxzitksGdrgueWLVM0uJbtoUpZgmezISEadeD2Rxzz86qu0Fq2utqVSBOjSIyWgGn1M8UIByW+VRh2qeUwtq23NBdjhK0brUVKSr5/KqtfdrNpV3Mworz60uLCsKCu0dPE0rT6POpci1mSLrE2q2yhdmPHtxy3r5dn1dKs/wAVIDara5W6aFpQpz0qOHZ7Se0vTpqq2ydfmi88fGPhz1ezpz9VTFu2x2jhdUhQksulv8ogdl7s+t4/S+jTHpcUv9Kk/wDIc2/2Dm57f3Yt65ezQJ7TZS6slxQIzz58PKk7Lt6/ExIkMOB1Gp8tpUdAz6qfPPEYqElbYznJKY8y1MKkNEqSdenK9XaOOR5miDaooiJalRwpbGoM6Y4OEqONXvOdQo1oUuPBRXm29yLXatp4ogyJNytrzKJDivSqcAWcnVpPjk9nFdKutjkQnGjcJwCnlFyO4nstMj5R8vKqadrYMlhyO9GyrIWpTiSQ6UjAATyHIEml5t9sN0isshyNFCinISnGEgcQoDwx40a0EocpUEtbj+WaRC2yYkRQ8mOSA3ug5u/pJPZ96f2qbdKV3au1tjQRGmtYjj0nD5OlxPuGlVQlo29tllhs2632wSI/5Y4/rHZ1J06uOrVxpe+dIYJZKoiQz1VAaB8Ge6ru+t4+76qwYvTZabMpqFf8Sp5YyjSIS5vw5z+4YUrfNBrjI7Pa9ZPzHtH6VTceA+mNEupedc7vp+92U6u0r/CoK67SQLtHhswbd1Tu9Yka9OfZzw8ezxqQEgTIwjs3Hcj824dWn+z0/PwrXmi3QPk3EjMm3WVZHupYEdKlBSVoABVz4fOazpwom7cqlNJ7Tyd6kpTkFZb5kfPwNWu5vXewx3U9QWuOh8uJcyQBlOM58uGKqdoO52iD6GVhSRq4HsOHTxHzVr0UHjjLgHPtlt5LTGuzjSLeJceY08ljQlAZBAHnj38c+6n8ByBGemv61kwwpTAKMJcwoDh8oc6jPh6E5bmopZcS4yo6nHEkkEcTg+WTx91Am+QW0GVL3T+daShBwBx5pPmon7qQ4vJLo2RcV8i17t282nkrLXVW0NObvj3fW9L5ZCsfapzDYDMQBqSyHPS6EbzgE7vhp8/W/wA6jNq33nJ4u0Fr4PSqQGzvD8V2dKU6cdrHn8mprZCGwU7qQ1bS3h3d791X2s/WlNXkSqNFS3xb3B7awzb7Zcoa3TLbcGY8hHxXd1KV2vA6vs1PxpHXNkLY7AW6CDiRHbY6x6LSo8f9edVC/wDXY6mgH3Ht6x/Vh2tyxz/1+jVnsLMGXYYcmJJMK4drcR0eopKfWT8yaz5Y0rFCbnWZclO6cxqc0guv8VPAHSog8vmp/soXo9xU3PmuMusp0qk7zhp9dI9591Nr7OtkFbFykIEluQlC9bKMEkHgQOY58qe2t6Ld332Foylt0SAoYRoBwQn3d08DQUq5Ab5JWyyoyi+mM9vkM6iyJI3Y05J5ez81SFimw0y40u2xWELceU2H1L0I441cPLPj41EzlxotxhS4LCw1PC20BZG8SCCFJxyA486tdih25+0R2FWtLLryFtujwaWn4vA5AnSeNZ2lYDkTzDzAhr66+6l5zKMj41XZ09nTzqCl257+jbLpnvXZDZS/um+0p5Q7yvP2atsaM7NTvn32WcNJw3u/srSr59WPs0qp5liLFYTb/RdniPZT/wCXlVrgxeSjJbmS1LduEeU/GkWkutFnOjrEYq1M9lXeyNScj2aZ7Y2SPCeclHuygGSD+fVnPaP2qvF/atTinTNtEdxbmnOlPBRSAcZ+uqrtnPhTm3Y6Y7YwvAD/AHf999X92tmKdkbMx2kehG2usNdjDnY/vfMPCqRJ4iVuju/R+jR8nUOyfI1MXXfEmJvt240hXY/PfJP1Cq4c9Y4/nP4k/wB2u7hjSOXnybndDWQpkNtJwRq511HkMneY0/F11arMpPOLkHaWciOComU7gYzwCjS856FJhxg0hLcjilwk8NWTxpIOSIm0NwUnGkSnu0fDtGu3TM7CGmUtobTrKgeY8qytWrNsRrHJfcIQFEJOsAchgEYrrw8gWd4tPFfoQk8OOSOdSLEZ9x1sNpQlYwgq8MY71Rl7jvM2l5agNCm1jPzCjwvcBkTXIn0EbIQ+kDpVs2ylwlSIkecXAp5gArTpbUvhnh6tesv/ALCnYQ8U7WbSZ9+5/wCCvN/4HHD8JPY//fSP/wAGdr6bV0Ucg+fnTN0CbN7EdJ2wuyMG7XN5jaWTuH3nSjW16RCMp7OPXz9X3a9/9hPsH4bWbSf/AEP+Cg/C3P8A/ET0K4//AGmn/wDCWK9TK8ash8+vwo+gDZzon2cs1ys95us5U+f1VxMot4SnQpWRpSOPCteb/Ar2EU0CNrdps+PFkD+Cjf8A4xPj0fbLf+2x/wByqvUbON2KhDwr+EX+Dbst0X9GD+1drvd2mSWpTTG7kbvSQs4zwSOVW/Yv8EXYy/7GWS/SdpdoW13K3R5SmmgzhtS20qIGU8smtB/D0/8AueJv/tGN/Ea1Hof/AP1TbIZ//YcP/uU0JDy10ufgqbHbFdGd92ohbR3yW/bYin22n90Ek+/Cc016D/wXNk9u+iqy7Wz9oL3Fk3BDi1NMbrQnS4pIxlOfVr0d+FB/9z5tr/7MX/EmmH4Hn/3N2x+fzD//AOEu0RZkm0f4HmxVp2euN0b2n2hdXEiOSAlzc4UUIKsdz3V5I6OHy10iWBSGy4W7kwEgePpBX1M6Rv8A9Adof/ZUr/uV18ueieSIfSVs86psOBFyZyD4+kFLk7X9wcPrR73k3q4KtsaLYrOg6gWn3HncBAPMDHOonZWx3pV6uD6bw3Ej6glXV28aRjgOPOqtL2i2tuEhuPYGXIbEo8THi6g35ZzyobzCv8LZ0davYZecz/WJIQFrB4kgcq+budZmj1fg2raS23Fvt8aUhqfcJtxu72CGOsgIIB4EjwqpbRXi52e3XCLs7su1HcUM75GXnD5jPhVahybPbtqo9xeuzM56KC6FM6nd4QOXvGaj9sOkDamfIafhXlTMda945uWAyU+SPfTIae8+4OHtjtLxAn7X3pstONS04ipzk47Okd1NUDZ3a7aS5SZEdpawzFcOd5p1ezp+Uao+0kjbN5W/duFzkg+oHHPnqFEK4wzKV6ZDuU6lBJ8a6+m9JxRTcX2FvrpGh2ra3aVMx5NvODJKmN562lXEfwmro3ZdvVXFh83NcRw6vjHtH08fP76wOK/d0od3L8hnQkOFXdNWi227aWcy2G5DimEqDxcfVqFFqdCov6kVF+2zY79DiNJZZkXu0Hq3cbXK9rOFdnyphFnbMQw7/wDlLGLox20MauXf8KpsnZqQqTlUiIfxfijKUp8agp1jbi4Q29v2147Ps9oDT9er9Vc/Booznt3Edvknl3PYtUmbGNyukZK9bqN2EgHPhUezJ2RXLVuoVxkqCkuJU4odkJHGi2DZqx3K7reDs2YhKAoILIBKjyq7RdmbbAU463a5SmyQRrTgDHMVpy5Vhde4vnrgo11v1klPltGzoYcUtBYdcdOrnw4U3udxu7txWzDnyIyHgsBhlxQBXjmatV6ZaRdnGVWeAh9De9W8T8Wn1RUls0w1tDObfAjMFsgSEAYIHioUz9WoLdUi/C+yjRk3aexxnzHNXd1yFd7/AF/OiyVy/hDBcRvXOBbyf3fxVpC9nmGTHZHJzOv6Wo1X7xbAyuA9uhzeZQe6rl/lSo6m/gU0V6Lvo0hluInBKSlRScVKJmXdmRuQ9Ja16eS+yr6vOnM+G1Dvy2dzjfhPyU93vfapQRG25wDnyVKonkvpFEjZV3qbd2YTVwmhDzna9LTCau8hSmHnJHB3nvVeqr1frp/abvChbTs9dDzLMbt7z5u6r66fXJuC9198vuhzfqc+M7PaNZnLaSrKmoT9+WjLU5J+O0b3v/fTfeSmVb59t/Vu1bzdq0+i9rTSYMF++796RuojWodv6Ku0lVNjd2WLkQx+OM/9o9ZCdPZTq8a3xhYe0fXSzSrtHiP6FOxG9PrcdXq/8qjjs5IMh4GI9vG/i92U6l4T62anbbd4D6Ay6gCQAd6yTlQ7uP3q+6kLlNhsXwb2PN6o03vpDm8V6yuz8/HwoYSak4/KClFdldVs5IEoslloNdXSd/n/AFxzTSRaQ9GuO9Iaw4x3/en9Y8asMRgT5Es9YIQXFejckJUrHs/xU4GybRsd3UZG6O9YRH49rce0r91aVnonisp0OFFctrjD8gR3C5pTpyNQ8yKb3C16kpkruEclpKw420g6gkDn85q3XrZWPBnIWp9bhKELUlOOCgkZFQt7ZZbbalNOOOrU45qZdKcuAJGpIA8q0YdS5C82J9lYsrEgvL6o+pDOnC3OZOeQz4U+VbpgfIRKdUWArfqC+LafDj504vA+CIwjxD6OQ5lGv1AQCBgU8t90dYmOolocY3qtS1tIILi9PBPEYxTpzk+UBiSfAxjN3SCrVNnvAN6fR7zz4hKk++jqvjzssyPhVpAQvICGPlU+2keZluqSw4hSG3AAsqAJJTgD5hVTQ6yI4TIU6kpTk6APaqQSl8BuTh3IdXO9XK4XLel0O7nKRlOMjNcm83KQWmXkgqZUo6UJ4nPMZprIcAecy4vvAICE4SeHA5qVaZea2fMxDraS9hs5HdI9bPvrTtpdGeHufYhB6s+txAislKVKQpSz2lA+t9VMXm47D8kLjJWdOG0lXIYwDUnEjRmFRy48g75vXgnGPMUxdWlUpBS0xhwFKgo9kEnln3UMHT6LnH8gJuz+4YaEdprqvb9H6/lqp/tLtK5MKErtEBj3MoI1cal9mLRHm7JXGarGe5hGn2h2vd/nUddIceboEJAZc4p7ToOeHq0t5YydNF+GTVxHdt2qtsa0NRn7WFOtPB1RAHEZ5UTai5Qtp+qKtMN1iWNR3Gj78KqH+Byw7GL6mMuZA15Ok49amQafSd0lWMOaMg/Ko1iiuUVKUupE27ctokwAkTpSd8ofi2+JPDgOHjUrBul4hlD8q3dZ3WpDm+GCjPjiqaJdxYkpKJCi8kEJ4hRSdXn4VIG6bRSIjq1yFPhzQFqPHmcc6HJg3fYvFqqXyS83apTzL5ciZBUG8kcAknOKWgybI5MQHmmmgtwJWVAlJyeHCoSNcsvtsXOChTZXlSEnTqIpe4vQZMQIhB+JoOotKWOX0qrwpKqCWfm9xYbmxElxnm2JiRKD2UNBI0lHL9YwfqohNjFqkbuQpt5hKVMaRhTpzgj6v5VW5TUGKWgxcC5JWQVEJ7hA5VOdatYtSnnnI70wtlxKUpxgngU/vpPg2pDvPussk5domSmk29W6fWkLcXvO3qA44+YZNWGyO2+TseetPofcU4UFLmd43g43g+fiazy1Wq2SLa5Oh3NiPKQkpQ2pztnhx/Xw+unmzNzuPwOpnfAuPJ9HpxqSlPDH7vvrLlwXYUc3RcGrbOuXV2EttrEJ3UlxJJO7xxSrHDHAVJbOOwZt1cKIsdqQpveScLJK9B44A8TmoWNd7kzLkxYuiND3mMNjOSkAYwOHHjUfZ744by4VRnRKaBQhSkBCWyM4BI8x+6sfhclwFKRpEpCJkRG8htRD8fGf1fFDPaZHiCcDnV52RU5JQXLkiMjqrvZClFIQrHMnkTxrJ9m71Hh6LfPDUxMlSnYpcdxyxnirjnn91W6zbdrZKo0ZNpDerUHXsqwE54K1c6S8LFt2aWWHTLLoUMGOlfpD3Oz/ADpvdbm7Ctj0E4b7rLcjsp7XLsp/SrH7ttfM+EXl9djb1t/P4u2pTXdwnPgcHhmqpd9tLjIVvTOUXnEek6u38x8fu/502GFr5MzjH5NVurJdTkyGdzJ/+L2ezqV+z+jVGv6X/g7e/Gtel4/a06fnqDl3i7TorUMT5gb3aVrPU/2f50wcvd0gW2M513rQ8nB63tZP7q2YsNfJUsv4IjaWOmE0Ay9vDo3zm87qlDj/AJVUJxSiU6UrLqAsjeHwSam7oX5uX3jjsfSVxz3vpVEyUoOI6gCrSAtI866mHizmZeRNa3d0+02oKWUHWtXJTZ8K6iS3t8yI6mtIaxxHM11aNomiZvZaVdZ6itSVLkvah4Y1cP50Gz6IofCl6g0TlSM8SrHEfdQ391Uraa4hSUJHWHSnHic8BRo8dSGmFutqB1YOeHHzpDVxNOJ8lnnwYzOz6rjb3PQbsIWk8VJRnn8+aqF/fK7K81jI0lefmFWZiahNru1rYQXGwUuOAcdA9mq7PgyDY5r7SN4w0ypOse/lStP9Q/UJbRl0HbPXHa7pXsdhtF9fsE2Upzcz2M62SlpasjBB5AjgfGvSbvQjtf8ADRsTX4Tstd5zgQDNdD2dOrub/Vy48qw38Dj/AO6T2P8A99I//Bna9IbW9CLd8/CZ/p05tzZo/wD1jFm/Bgc/G9TO77OjPju/qz44rrHAPLHTNaukHYjb9Nn2wvtxm3S2hL0OWua47hKsELbWrtJ4j6iK1/Yno06XdpuhhfSG30s7SsrXFekxrd1uQovJb1cNe94Z0nwqF/DSdvO1P4QMW3N2ORGdMdiBBTIH9bBdXpWnHqkqx9VelW9pIGx3TBsF0NRXsQE7OPNO+W8wndfqZc/Sq7IeCE3vbTbKdBssq8Xe9vvyUJhsSZbjuHScJKcnnxr1JJ6ILps/EhxdsvwnptjvLzQUYfwg4pIPyVKeSoj36RWFXeOeiL8JZSnGNcWwX9MhDOOcbUHU4/8AdKFei+l3ol2b/CCnDb/o426t7lzVFaQ7GUdSRp7uoDtsq+cVRDJUbAXbabpD2i6O9q+nMCLZ0tPCRPluPR5Czp7IS66E6k6vfWjr6C9pLXZYMlf4SrsW0KAaiOh1xDGNPAIV1jTyT4V5T6QtktoNhtp5Wz20sYx7iwAVAL1JWkjsqSrxB869L9PJI/AU6NiDg9Yhcf8A3D9QhXNmOjXazpC6SdpujgdM90nW+2xUvKmb56UxMCijs7vfYx2/M92rAjoif2dtrlvtv4T0aEzGSTuGbhuUoI8NKZHZ7VMP/wAXD2ukbafJ/wDvOnif98mq50w9BFssluv+1jfSds7cXW3XHxbmFp351OHs41nlmrLA6Gtmtv8ApQ2N2mvyulXaKCzZW1KUw7MkPb7DZXjO9GM4xyNYxsROetO2dtuUbdqkw5jbqN53SQrxr1B+BP8A/qO6Usfmz/8Ag668tbFjO1dsB/7Uj+KhfQeP3SSPQly2w25v7LzKbq6kE7xyPCG6x8lKk8aiLdZL0ueN4ZxDur06kDuhWNSlYq+wLPHgWO43cz2GGdG7b6v3u0rtas+0aKjaaELomBCjNXEx4+P6x+L9pOrVx+ZVeClqaVpHtniUXRWhsqbXbnpzr2/Ln5Npfzdnxq2bP7CoXYhcMXDPaO7kadOpPyacbSPzVRHBs7bmrdEbH/WMxyR2SlSe1jzVSGzJvkeWYpU+yHoqOqtyXU+0rsqUn1ilKdVZMk9/DLSpJo5cdjqcgYhtKda3DYcj9zvdrgfHSms+RHeZtiWn2GSJWUaO1+S59r56ucWx3DrNyfM0+k3vBfe06Vdo+WOXCmc6DHjbKtwn5IJmvndHu+rq06vn/iqafJj58crGbTMbGjWy8lhOXt6kDeOadfz+6rrJsV92U3LF0hMxN81vw31hLve9bh51UdlQ6m2yXjje4cbH3+Vbh01xbW9tLsy7L2jdtrosjDamkW7fZ1Z9b6q9BPmSRzM2XbXBUwzNOzLt9FvZetDfoJExDide/wDkp55qGtMfaLau8PQrJY2nJLKcoYccb7Y89SuBwKvk74Kgfg+3M2uf1xoXpjP4vuvIadJPlRfwcLsxN28YyMfikn9FIPepEcOPHJ+ONFedvE5MzvYpuWHShpJkp3u6Q02vVvTq56hWj36x3aPsxKiifDa6qjMgdZT1hn7NUmybd2jZq+sPsgOiLIL5b+Y92rJ0nWw7T2g7f9HV66xY5C/+smPy8N7/AM3+sUC0zy1borLnW7oi27ZP2rtzEyMbbl9ChvJEllDz2VbrToJzjOrTmrna9lbpbZxD8GExLis/9tZ3p7PaSpOfKsr2GZNrnWtqG09MdlSou8PsJD1XbpquKoPTJcw26VuLdZZSPLLaT/dqsmBTojzTTqzpbc+6NNotESS6tLJ3zjWkBr2lFSuX10jfNnrrNsinrLDZuz0YjrDECS2+6yn1uzzV9VWy/sdX6CoaknBn3H8dLXPhq0pV7uzWbWO8TrTtZZZcB8jcSgCB3j2tOn5XD+Kl48Sxw2N3QKyTmriEu5U/eWI5cQFcEIU4vgo+zmrDE2K2qau70N2HGemxUh8xWpzfWA17WjOa7p4iMw+mZxuO0FtuOx3CPJZzmr1tba7pA6fZm2iJAMO0xhIksxXU75xlLOnRp1au9WqOFdoTLO32Yo3NagPPR5UfrUbKnkZ8PJPGrPfdlpzNhj3aaYiYVwwYzm8Srfe0ynx/8tVx5ibcLpOn3INAS5BcUO8lGrtaauPSXDubHQ/0bswjndGQXPZ59lNU8Sn2O8rhVFUuPR38JRXH2HxDt0d/duSJMhMdre+CflGkv6Ff0WldRfMN90x1LbxI1pe7quzp91WPo/Nu2u2akdH20lzFpnuynZ1luGeGXE6VMK1d6orYDZjaK2dPdo2S2tk53Evhn8ohLalJ0/JVprV4cklUpWRalR+oLdNg/gyBEvjD8O2L7L6G7hMTFMlr2cnjhXKo29WjaJhUGRJfjvWqZ/tMSUh9lelSeHZUeSlaePLVSXSM1fdo+kTad65OYSzdn22W3l6RoSrSlI+YAffTX4JkdU6h14xXB290xqSNSuHZ8OOlNDNpUpO2aY5skvkkpmztysloYvj4gM2p+Vug7vUr3va9lPrDtDNPoFh2j2kjzWrIwwQw3mU3vU9hjuq1drw7w51dl2W3f9AuydvvcvqJauDxzuutZ7Suz2aedDgtjbm2TdtvRmvo2fd1pEFUdPuxnvfyoUov4Efq5qLZm1wkO3G8r2ftStNymPJYjvF5PFRSMYz45xioTafZjaSJdn59yYtANtGJUX4QjLfRpSlKladXe7vzU96PBcJHSfspJ6wHmPhKN+/tfR99OOnSy2ZPSPtbJF9xOEp5xuI5BV+MatKdCXD2eGqtGjhsjtGZZ+/aUfZvZnaDa2ZJcsVvSfg1G9lpckNoLSBq7R1KHBIIpzd9l9pLXYot3uDSl2eY+GGZ8dxD7SlAntaknsnHDCh4Vc/wbI5fPSHH4MFzY+Tu/Y7XralfvprdIty2U/B7dsd5JfTtHdRcGXmnUvMJZZ06tKkqwHCr1R4JrfK7oxPLTaopcy17Nlb6WXXFOtq4reaIB44I+cUnYth7ztVm3WSOJt0cy7ut4lGEDvaVKP31Ay2X4MvVAU+8w3xbzqT8nUmte/BFE5fS9DE3gybXO3bjnJSlA5q1FwV2Fmze2qM4kdGm0kS0G+yG2ZFkQ5u3ZsF5MhLX0tJ7P2sUxtER+ZdhaLPCkXN1xwIYYaSSt3zwK0uAq57EdCm1ZfS1PY2pkpt0FyLKS8yndnLiipJICvZHP7qX6F2X43Q/0rbYwHv+tmIjcZlzHpI6FfGYV9Hh9mmO2rERy7Pgplk6Or3dLubUzOshuCV6epousZTx9yU6+0r3JNQFwZk2i+P2e5xXUSo61ocQ4nQpJPmDVdhOuolIkAq3jZ7JHfwOWK3T8J15N72Z6M9uJLARd7rZsTXB+U0aQkn7zRuDbSbAWpr4KWiPd7PYLddHrQQxcI6ltzN5w0pe06tPhgpV99Iqdu20Enc2+3NF2Fb3ZcjA06GmUqKnD5cK2u+R4u0vQ89sHbxjaTY+zRLmz/6Qy80lb6NPradX8NJfg2Ro8N0WSVFHwxtfYp27ceHbbjJBS2lP01aj8zaayP2uzT+p/hdHnh2XvMF5OlHDKM5J4g8vqp5ZrLJu8a7SYEQus2pvrslQPda1ac1EuIkoEpOCQVkPns8FA8a9Cfg9wbps1aNnGXLDKlxNspLwvLiY40twClTLGpXq9tTi/m00/wClWBlyc1Rg8xuMw4ytl47kqGpA06iSO6f3/XTtyBdrds9C2gajkWec64w2sadO8T6p/f8AXT7bnZRWzXSBeNm31JzAfU2lKuzvGtWtJHzpI++tT2M2kstg6Ltmtkds7amdsrf3ZwmkD08V5L6Ql/V8mq3Wk1yXlkZXsdspP2tvLNrs7cRyY6CpLbkhKSoBKlKx540mjwbRCXKUxKP44nIO4PouPJIx4VqmxHR/P6Memq3uuj4Vss2PLNquA+LfQY7ik/RV5/SrDwh9To7WG3s7virTpBpc7b4fAzFONci062v6nnUjO7RrXw0+r3f9ezTi5QRCsbOHxvZPxn7lJ93GpuTHfY3zBuLG+LSI7e7d9TvK+/kD/jTTaFTDzb0dsQYjqXENhpSDvTjxOOzQRy3SNLxW27IUWSSw4Ftn0Sm1KHywlOSn3EU5h5YgJff3zPL5SePNWPlVI2hxQkSJLphoCTpTrR2ygd5QxwoR1c2rcPyM5e6uO99nT8kav2auWV/IvwxXRdNj7HvmnjbJ7Lr0hKjx8OPZTpV99JQbt1dcZi7QYe7bQQ4433V+ypQ+f+KoYKdjvB2PJG8wluQ42e5p9b9n99RT7jgBamJ6w2jUWHUnCkgqz9fjXMjC/ke3tLzsy/GnySyYLIlOf1d3tKx2fZx2fn9arJEejQZbrBmwi63EVu1+tnTjOkfa1Vn+z8+CxHlMvmZ6Tsfi/qK597yp0mRbAXDCJcU3IVxd093Tn585TiqeOillLzvbhJubISmP1Iyfzmju9pxOlXqny+jUXLt7jE2LvXk71w5xhPDkpKQfHB1caY2uc89enWfhTAca5f2isjUknlUlGD7/AKWGGutJ1IMiR+W5erzH/OpFULcrIqVdSLgdwkgB9X5PsvK1dtXzUhKeMy3PF1MTeg6Wwsauzp1c/rxVs30Ex8PMDS5p5flh2k935+9Tdi3zDu3xHHD0OMadStWD2f50xMBoyqTHeuNzdB9C4+208W/VX7XZpG+Rz1ll5lj8Wj/pbvnT/ad+Ym9vMgfjK3E9sN9rs8qSVOhPJUH33d9hO4Y9hXD1vLvfdXQizDIq8ncmRLO/3Q/12a6k7rhtSI/A6cq1eef+VdWmzKWNu3Pu36U+tA0Jkukny7ea6a4t55xoKOU93FMZ0x9u53FhEhxKVvu+sPap7Yn0OtORlLIUPyhIpUlBDYzssHRywyL3Efks5ZkSO0Ud5adPD6knTqqxdJ8UN7N3qRCcBaeQorW0OASOaftVS0vvwiIbB3TTnqe2oVcpF+io6IdoLNKjhbz0UqbWnmEjkqkeOpI0rL7Gim/gbEJ/CS2RKiAN9I4n/wBWdrcemD8H7pF2x/CDue19o6jCs8qXGdalOSsLQEMtpKtKe1nKVV5s6DtlHduOlOzbMx7w/Z3JZc0zGEkrb0tqVwAUnnjHPxqX6b4e0vR70iXLY5O2l8uTcLdZedfcb15QlQ7Os473nXauzgnsHa9iz7b/AIVex1ugutyRslCfuFycBB0LKkpZbUfPV2sVmG1/4T9vtfSpMT/QewTm4FyXEFyIy+GUHTqScfSrMvwaujCV0i2Xay5w9s59gftKGlHq7WTI1JdVgnWnlu/fzqO2W6Kdl9pU7CsxOkSK9edp5amJ8BtlK3rdwUdShryru+OnnQkNf/DA6M17V9N+xkm1zI0ZO1McRTKdV6ELYAVqJ96FDA8dNVvo+/Bn6ZNl+ku0z4rsOJHjSkOKuMacAktBXHgO0cjwxVR6ROjedaunKx9Es3bG43SHJehtJfkI+K32kcG9RHD561u5dDsHZqZ/Rq5/hQXC0ycaWoDzpY73d4dY5HNQhQfw+L7art0sRIVvdS89b7fuZKx6jhdcUW/s5/XVs6eAlX4CHRuAoFQkQuGf7B+sU6feh++dE14houU9q5wri2pcaY2lSdZT3kkHiCMj761izdA9hmdD2z21G1vS+5YrTco7LjDEuKSyytSc6E5eA8+OKIgP/wCLjIHSHtOCoJzZ0gEnx3yahto/wUOl2ff7jcGY9lDMiS48n/rAclKJ8vfSPSB0D3LYbo8d282D6QWtorRnMh23lbSijVpBBbWQoBXME8KV/B26N7v0obK3u/XHpVvliatbwbWdbjqNOjWSSXE4x9dQhc/wMmHInQz0rMuKSFNIcSePMpjuZry3sG2t7a+ztNd9U1rH6VbvfOiro82a2Qu8qy/hCQ50huM86i3xXG0dcWlPxfZf7WeVYDsk5utorc5vHGsS2u233h2vCgn9DG4+z1T8EszmnoGp0W7q+/8ASHxSpXd9o97nVVvUW3bMXtieic69KLg3ba9PY1fJ+pVO3pO0sdJkM2tq7suNq6vu/aVw7Sefte1VNmbN7c7Z3WG0/ZWoZDGjR8V6PV5e6vEaXTY1byTpf9/k9xkzbXSL2/fDtZdmLMjLLzs9nLS2u3oSpKldlPd71O413fT0iaN9MOnfhbe77yk93Vn2Rw+iakeiW3Q9kYk6RcIwnXgSd2uVvvQjup0/tJJq1SpGz8eT1lyOw7eHI/4xhzUpaVetq8azZXjxPbijSExqXLQ3tr0hqFIuD85jJae/FsdtCR3qzDbNcH+h9pMwxOttySQN59/H5uFazemHv6Oktx2WhJaPWHV9tPa7X6qx24QWJ1hgb4uudVceQv8AF+HtdlXmdNY/TnslKL/H/E1YuVuIfZSF8NX8Qwy00lbCpCMfks+Var0hote2N5g3qCqZ/wBVRmoxjuR+1/rjWX7EX2Bs5ALr7zLTryMdYYbU6v6vBJBrXdn4L0K1FbH471sKdj7xz1tP+uNdPXanLhy+SDq/+Bjy4lKVMSucawzejC47Gb90TJMzr+uO36w0p++oPoatUfYfamPtDONylMIS61uG9K+04NOrieWKliY8aOZ8+GBnT2M/J+JpW3sPqtb0hPxLvxQ3nx3yk/urDH1XUqW1vhgfpI7GZXcNkNl7BtHBcus56XaZbspLjjDfpQlQ9k8yNWa0PZG87KWSxXe02G+dednx2mElEVTLTfPidXM/d4+dRm3dmjyJVtdcu0W2yW1pElh7vDV2Rw9XmeNULaf4Psdqft9s6wZGUdZP5zV3fu5iuxhzZNVjjKb/AO7L8CT4Lzs2QxMhyX2XYDTU3LiBH7ulXqj30y24lRtt+mh+52KTNPD0jcprchjS1uVfSV5VSJF9uLUaMer3FsFpKHHEryOfH9/KjdHE6dDuj/4lNmsSNSQtKMnvcP3cqdDH48Uo/cGaUpWbpsxdOrbHSLDtZHL8f+sDqukrbXq1JUn59PdqtzJuy1m2jtdycdkXd9pZWxGRF3BUT+cUT2e15BVEski7PJf3LNxDWPGOn2va8aye73jahnahsBTm9B4fL7Xh89ZdNuzN80Tw4/saHtJcjdNtF3e6OkBclp+Qvd8h5J+arrfdp3JHSkNsNnH9SNLQU04jTvAlOlSVe4jTWIRUbaSt8/c5y2vSK9G44E77HPgPKr3sG4+qOyy8yzEzyJ1ek0+z7zRaj+DVuwI6ff8AtLTtXJ2bkSn51k30Mut7x6M433Pa3R8RSW3V0tV02CsNqtb74+Cs71Zj9le97WpKs00f0s3lUKa9mU6OH0vVSn5PtU3uUOMuzNMdTcl7xKS45lQ3HLUnT6wzXOxamXlWJ/I+OjhxIJEtOytytNrPX34c5LG8f/E9XZKuyoKz3vpVI7bOvXzbCPthGPVXYG6EZxztSDuPWV8/a1fSpFtcV2K7dGSHRFw2w56ur2Qf1fZqQ6/bn3wWm1ss40cUaVb31u0f9aquWulB+x0C9JJ9khtLJ2a2lkO3QyX7dPPo7gW7f1lhw/vTwTVVvSbHHiAxL5v907+MvOspQjup3bWnir7VIyb629bjAdiJciGQ6h1wHs8OKVDTxznwql7UlLS4Zhvh22xirS33VrV63+OffWrDFZ+nVBY8Dhdmj36/WOT0a2qxxZW+u9tlb3ebvsa3vVT+knmMU36Jdp7XaxeLffLkA/dIi7YG4zf9X72pSu13fGsklyrebtNfMosMlr0TjWr0aU6dKVfPy1VASxBwVC5NPTT6XP0e6n9GutDR227MuSG2CiX3Zu6WXZnb6FKuErcQbZcEOZa9N1ju9pPyuyniaf8ASXe+j++3q+bRJud9/HNcgROod97TpT6TX2U9rOf1VnFoj2+Tv2LjcWGTzHo1L7qdWr/L6VMXndzGLqH2nnEuJ0bv6+f8vfitscVO7FSfBovQ9tXs7s27tQ3dX5p+GbQu2tGNH3m41flHOI0po3RztTbLfsjd9itrWJk/ZV7LjEqM36SE92k79KVefs1mkm36Y2r4RhA7vJwVA9r2vm5YpfZ2O1PSpL8mGwxjDjjpT7Xe0/aTTpVyxS5GsoAS3mLdILsMHsyJDGlTw7XaUnte+tH6B9tbbsXto3d9pJM3qRjvstdRa168jHZ5acVVrBY7aC0/crlgHO5ci+m9KlXdcT76OuPY4sZiSxK3/pt26061/e5JxSp5YyVUOx4HLtlu6PdtLbYXrxs9cosi67JXlJRIajM90hP9Yb1d1xPZpTY7apvo42tlRohe2j2YusUwpUWV6Fe5P7KT2v2qqokxno3wdbhhlLT2XXXfzna+ZStPD7VR0a5NMP7wwTMiOBSm/R6fW7XaoVbsZLDjXZYJlt6Pvhwqj7V3T4JzncOwPTdlOrdbzVo+TmkekPaQbdbawmyDbLPEjsW+JGHb6vGQn9auf11XJSrebc8wIDvWyU7sdr2u0pX7qXhyH2ZT73Vx6IYPo/Z7qe13lfd3VUxX2SWKMuzRYW39vZ6eXdt7Ml9UBxW7U061wMbQlGjx7WlKfdRNndvI1q6dLdtpcz1K3290tNtRe3u4xSpLbCdPklSf2qouzouCiq3wHxhv0h3bmPV1akqV6o01H3dtiCRCf9GSfSFuRrylXa1cBjlpoErkU8GOOKmWae1YlbQvph3DdWi5PvPFxtpS3N2oqONz6qgn30l0nvRrztI7tBbVyG7S221HtWpOgIaaSEtNke0lICle/NVTfW9lyQsvS3HQgCOR2SRy4+YxSrUhh+NIhBL2nSHinmVLHDIPgMUxJx5Fy2ye00Tp2v1j20bs+1MUvsbVJtzLNxZMX0cnA+PQoH/Qqu7SbSWWR0c7M2OA+/8AC1tdl9bzF7DnWFJV2VA+FRnw3E6sBAt24my2g1lvwH5TSn1e77u8qo+6SI6ZUw464d4G/LCU/wCXCix2kk10LlixP/Rs0/of6WZOyrMnZO+R3rjZHkPNRCfTGG8oK7mr1e1xFZu7Bjh1pech1RO6bbVvkcdOn+acU6sRYnSPTFlmJu+3uNOtH386FG4ckoaW0VuE7xs+YR2Sn7WNX10qc+bSNEcEV0LXKzutWSReRH7PYUUrc1qQVHCQT4gApP1Uo7DbFmXJt0gdXccSFMqc1AkJwo58Ce0MVIXhplppyLEjqebMdAQypenfAjJOPMDj9VNHpLLNraENTRiLbSt1O6wkOhfADzzgis6nas17dvA1gLjxra/b31ylhxJa1Ib1YXnKPuNNEOqVbRDW6Gn4qSiPg6CDjKgfPnVjYu9sDDcUp/FnpinBx0EEo9ryHDhVXuKIqZ60PR0JS5hQ7erTk4HzZOabie/sy5/aJ24fiG6MVKkvKyJCSBpCfdVgRC6rJQ2mQDHfThgJx2z7z4VAr3KmY7zUBCylehYUSnAPjUgiNu3m2mlNhoJ1LQrJH2avNFv4M0WvuWCMyIzEdHVxji0Se99dOH2I7rImtBkbs8R3k7pP5X3moy5MkyAYReLXf6ujsp1D1fd50oqFpS1nh1kfK9D7Sf8AX0azDJSL5B+A50Zx8bltTX+0DxY0ntafAp04+VUj8LRo1w3DTDLrkj4t2Pq/M5SlXv8AHs1B7DWk9XeDLGd4wnn3t2U/r41Z7FHEeIWJvVHfT/8AZ0q0K+l447P6VZGkhiG0afa/hJl2HajK728kd3CtPa/13udFUuWztCp/rA3AGcBztO/SqSVHYhMRXmWMgk5c9jGMdn/XKoDay2WW12t5UJpTb8keenvet+z+qijTZRmci5x3Z1wloGrfEhCTzFQyBGMpKk6TgZcQacxXVbr0jRy4eysYwKh57RS86Q65qHMiuxjjZy5T/AzkK3rpcWnNdSRUd3pbcya6ttGSyaujKHb1M0IZ0pkO5ODx7Zpewt71LwSmP7h9RqTu2xlzTepg+E7aEJkO5Ae59qnUDYS9trXpk28LWPR4erI8uE0LFm+w1w7v3WlPOtOep9Lnqo1zJ/o5LDT/AKPq6v4fGrB/RS6CN6eRDdbHjvP9eNRt82QlsbOXGa/JZdDcRS8Nn7qVjyKTGzxz+wj+Bz/90nsh/v3/AP8ABnaV/DQyfwkdqufej/8A4O3SP4Hiko/CQ2QWtQSkPv5JOB/Vna3Hp+/Bt6Qdv+l69bV2Wbs8zDnlrdolSnEOdhpKeQbPs11Ecgb/AP4v0f8A5E9Jf+4Y/wC6eqh9CG29lvW1/RRspG2RgQJ9suo392aCd/M73f7APreZ7tXf8C+TC2W232/6Lto5bce6SnkssrbeGH3GC4lxLZVzVxyKHoZ/Bm232K6W7btJfHraizWeQXw+iQCp4AHHZ9X66hBl02f/AHeuzH/r1p/u1d/wk+hmw7d9LCbveOlPZ/ZoriMsGBK0b/gVdpIU4nnnyrKtt9rLVtb+G9YrnaXg7Bj3uBGbfz2XNChlQ92Sa078J3oC236S+lQ7S2J6zsweoMMZlyVJXqSVauCUK86hCqfh/P3JI2ZtKrS63ZIDbwj3BTqVdZWoN9kBPLTj69VXi87FwNuvwRej2wXHay37MspYhyxLnqSlsqDK06ASRx7RNVb8M272Cw9DGyXRgLpHud9tvVt8UKytCWWFN61+RUTyNWnaLo82i6TPwROjvZzZ1UESENQpazKeKBpTHcSeQPtCqINtpbA90c/gf3mx7KPp23jTm3DJutvWgMstL0hbuEqVqSEpI7OeHFXCoL8BqExdOhXpDt8ma3BjyHC27JWMpZSqOQVkeOBxqz7BbMNfg+9AW17W3l7tq5F0Q8pmIw4FBayxu0to1YKifHhVX/Adtb956E+kO1Qy2H5y1MN61YAUthSRn76hDHOlzol2R2Q2VN7snS3YdppG/S11CIE7whWcq4OHljyrMNlHW420lvecICG5Da1Hywqtwu34JnSbbrZLuUqfsyhqOyuQsCW4TpSnUfydYZszDVO2ihQAoJVIkNtg+WVVcuhmL60b/Z9t2Yavg6KGpzZx6RboRhHMD76ds7T3y6qWIsEhxMjepbHHJT8uqja7c1Y7mG0RIVxW0tRCnHuAxwwoYq4wNobk+wI/VLNb2kAlCo0rKiTzyK8ZlwNc4f8AM9zGUVwyH2rRtHaWeuRo8VtTq8dUiDUUIPMZ+keNQcTaDaW3hSLzalsttnO9LXAHkNRqY2sZ2kkqROj3CLGKV5ZKZOlKFK8CPGoZuDtlcYsiE7e40pcvtJK5XHKePEfPyrRpoxlGs+0rI5R+ncS+zPSlctn7aq0kNzbSn862ruqV2tOrj/5ah7jtTIvdnat9ujPpDTq3XXT9JKU6fZ8qjGLPtHDkNxzdbZ6McesSOz+6mD9hubcREdc+1I6uhSSRMV6TKs8a2fpYd2Z3n28JF3tmz0ib0cQ50O1hmLqUtyRJPZ8dSuPh3dNXC77VybK3bURpMKM03FS3I1n+zOhKU8/D9qsftGzW0NxtKreL9CEdrScSbgoIb+imkG9mry3NbCptmeK/Fx/Vjs6fKk5tCsnHkE4tRsdvGWi7XtlNiVbHbi827DOcvua1HV3kp0+HeoNm+ke722LEtNra30SNH9SPqUjx1ceeajtm9kIq2C1IuEcvH4z0qe6Kttk2NisWx89VhMvO5Q4evce72dFDlWmljeOcd1mvdkn17SoMui43RpyU3MMr4SYJQT4K7TlWPpBuNuf3A2ckB5T0r0eR7KdKe17tXDypkzsXcbbaJAbu1pceIDwKn+Ok80qHnSdu2TlKltuxLtbFtBBADr/BgnngU2SjJ8PoZw42xjKvm1MaRi9zBKZaCdbWGe34J0+f/DRZt6nptcd6BJkQY7gy40lw53vjRrpsztFdLnvhcLY9j195/dxwqTh7BPzIO9nzYhkoVvi028ANPie7VSnGKTZn8TkVyNdtoXX/AMZulxQeWnrCqhVWiZKlOyNb2Q4e+eNbNYdn7NBTxbjzC58XvJP7WryqDFqgMS7jpVC3zh4fjqsadPzc/wCKl4taudqKekku2U5Wz0+HP3TdwKHW1pZwTp0ak+NS4N9agRGBcWYzbZ/F2FyO52e6nzFSe2GzEuaBdHJVsZlbv8YHWezq7qdPDy01XYuzKw6hxu/2xEpPcxI5edN8imhfjlDssCYm0KrpChmU4XnfQ53ntK7XaPLFWXaK32f4ImhudL64wtKEvb1WfLtDl3gFcKr0GyyI90XILltJaQpn+s9pCT/PFWW8uXBTsx1E+JrfUlSGt6nTyx2hy7oPKuVnybWjbhw2mZ/a2n0F2Ebk+lgcUoScpSrxHDmCOH1UBRHfZUHrrvI6FEFhYwQDwBz4ceP1VLI2PnNp6tDdtscMpG9dRJOCFclYx81MHdmp0iStvfWd2QD6Qb7RpXy45HEcq6XlUn2ZpYXHpEAITbJWpE5WklOQg6uznB+7nTu/vwIryW487ft6EkrCcqW7yHA8hjh9dOYmxkpMcJ63axIClKOh8948EjgOA50wnbNzJilkSrcWc4Tpd4p0jB8OOONaIyg/kQ45F0hqfgu6PPHrDUTh8R2uKeenUeXGo5+3BECLMZXvQ7q3iQnGjT7/AB5p1fPUrYtlXXi1124W3cuOekR1jt/NVxtGxdwz8H2+52d6AHd4S7K9RWn2fVPL7NMlnjj+QY4J5fgy5QkvPqlJbU2lQUUEHkjwSTjjinVwiRYsdl3XoeUgHQoHBx4j3VfnbS7Eu0gMXe0hWFNJK3ct7o+7wPlTK+Wi4Rx6eRY3k7sFsKdSSkn1c+RqY9UpOysumcYpUURCUuxHFEsnBGlRJBJ5n66e2KNbXgtLr7iXFJUpptPMOHkkjxFWqybGyZUNyWHLQh0o7DW9HaA8h50yjbPXGK6t9FztMVStSMKeypxY8M+GPCm/qVNNJlPSuLTordyjoiTWWo9ycd7A0OqRpx50zkF8ydw6eHa/h7X11pO1UR6cyWHWbLGkMpBCg9kAnmBwqpjZG5SkoIk21BB/P4z+qiw51JcmfJhfwyHiLkNMK0rUE5wMgffS8a5PIZVFfcSkgZCiBhPuHz1JM7JTDHeQqRbEjPFSpJ4AU1/o2+lxebjayMYPpSfu4UfkwO2C1nVIjBIyjQ4tZcJyQVgZPhTm2T0sPKfcaLij2SVyMKWrz+apFWytxkNMqTOt+gDGsu86azNlJbKEB6bbEkcgp/tAe+i8uCXAG3URtkrs/eFFbMYW9j4OJTvN4eJaUrTp3nq+t76vR2JtkCGW7uY7bz/FPHO49XspT3sKVzzWZRtnJzUhpfXrWQtwK09Z/VyrXtpk21VlgbhmBDLKVZLctWgvd1WlPrY0p51zPUXGOTen2b9H5ZJ7kY7dLrIhX5TDsSMVR3SAhPFOOWCfAYoLhfFyoKkJisMlokBxvhlKuGAfEU9lbNfCc0qjy7Uy0DknrfZ+V4ciqiHZyX6Nvr9q3TnJHWf54rpKeKkY9ur3vgi27nGS32YIcc9Z5ecj7uFIJVEkOHTLWyk94r5fq41KP7JzwvqguVu4eUmk3dj56QD8JW7h/wCk0alj+4qUdR/KQ7CR8W27houAK1HiPPhVrsDgXESjCU6VAJDqiQGs8eAoydlZkguMMXK1FTZCXEl5Izw55romy90hyWsT7cFqIHZfyCnyzSMuRSXZpwYng/aTl6tLavg9xpyRueKVqQQstOHlpT6qVaeNKWFDMVl+EuWWnydIYx2XfELT82aiJllkwG9+i625lyRlSQZZWlJHl+lTK12R+dIUlm4wUPKb1uEyMfMUq9XlWZ41L54HyzSi+Y8kvdJT8WU4yFrnl9Y3aeGEHxI8jxp0bdH2gjETZ7i1x0FsKU3hSl+KdI56dPOq+qzPrdQwLjAWtCsKWZPLzOfGn0Gx3uI29i9QEBeVIcD2Ckjx92dVW4RS4fILlOXceBlJsF3ea0tJlPsoTlOeyCAaMy3dE291TDLykNKwyT30E1YGrFfXnmVzdprfulDCsSgCfqpvN2Vuke3rU5foaWyrKQmSMKCffVrULqxEsD+EE2Z6wxP3cSa0645pyZH0T4efeqVkXW2JXuJv40dx8Z+ZSfd+uk4YkYFv+EbS83jeaG+x2fW7WOyqlI2zi3VNP/CFtk97eelSpK1f6/hpM5BxiWW03+OzcBhmW0y2PDxU0ns58QDpqwMXgPA9YZENr4zmnVpUn9/+FZ+Nkixcusi8QuoSfQ9X6zpVp72keXHu1M3tAuUZmPcjaA4G8B/rPraez2vGs0lD7jFv+xM3K/hVlxHkZdaPxf6kpUf0qgr9OekPeneGN1+TcTq1aeeKi7dY3mQ0GrjbovWZHHMj1dQ4cvOlH7BvnkIau1vUQtSVne97Tyo4xUSSk2U+ctCGkx0oI8gPCoWaVgg4wKtFy2WnMOhRutpOfAyaKjZOU84wozrTz5mTwrorNCJzXiyy+CmFGHyc8q6rdJ2GlGS7i4Wze/8ArP3+FdTv12m/nA/RZvsWKX/0ZSby9GFyvuTKd9Fn5XzVbXOjuwW62u3NUi+ojJGVqTJzoFV68bBWV/bq+yUyXxHdd3lv/tNWrUn5tXCpaLazpNvkSZjyYfoEhx3V1DepzqrNklB1sdhY0+bK/b/6CXK4Jt1tuu07r6zhKc5CqV6Sdn9ndnbQ/HfcvrU52L6LeH0P0Vaacp2HssQ3ZOoymxpMdQ1Ds6fFfnnVU7tJZNnZPRBdLgV7+eIu/G9eUtfZ7v3Jo26okkeZG1vNLC21qQocik4NOhdLgP8Aa3//AIhpl40NdU5QcOuh3ehxYcznVq4/fUvJ2q2jlxOqTb7c5cf8w9McU392qoSuqEDIWpCwtClpUDkEHiKdC53IDAmysf71VM66oQMtZcWVrKlKPMqOSacNTpzaAhuY+hIGAkOEAU1rqhBWRIff4OvuuAe0omlYc5+KkpaecQD4JURTWuqEHqrjcVAgz3yDzBcNO9klx0bR25yW660wJTW8W33gnVxxUP8AVU3sRj+llsyvdjrTfa8u1VS+lhx7N7vGxmzEa1P3ueu9iEW/6zvtfytSarexrGwNxuPUoK7zKdd/IbjV/r56lplp2evGgq36coEiRGW5pbYzzUPupDZqybOWGPd4yJ7055zdspIbwlfZ1Hte4+Hya8/F2mrdnpXk6tcAbb2DZTZWREhXqRtJFcc1EjP7qW2IsWyG0Db7lmTf5BY7yTI0p+7FVu8EX6wSRIflvygrHWHCpfBPLNSbVutFlhOOW6VPBjan0TgcbjVpTp+j3qPbWPvkp5m8tMa7WwNg7DczGmv3xLyh2uNRlh2e2XvDMqXb03t5hnvZNL7UbIQXGJC0SJargXAllBczrHZ7Xzq7VKXizWeM7Hh2xTyW5IDLuHFaXtJ8a04q2cN2YNQ92WhhG/6NgrR168anOGMq/R5VIXPZ7ZW2APXKDtHDjEYDrwUnj5YxUanZqzO3Ge9vjwRvo/e1ZTz+enwszEuWI0m5z1R2m/S7134jUnVpT9dFJJfLJiluvgVsdv6PJ8xiJAkX2VIWcJQwf8ql75adgtnJxi3v4eYlK4pQ+rl+qi2DZDZi32y7rdL7khb+YWtzCdKU/rKSaY/0Wi3vZ5y5oaffuC1NPI3jil8NWnSfPhWSUot9ujfiU/stxbbVs1sBtMY/wU5tFKSCESnGkdkH2Sap21Vs6PLLOciOTNoIakOKSWtPaB8yfKrojZy0WS3vpgS5EEtgSI8lo+mQXFaftJwpX6NNn+i1V6tkeXJL7JJzvpfi0n1Up9/Z4mladJS5k6DzTl4+CDs1m2T+CPhnc7WPQWf6060j9FX0ac2z/ormx2mGVX+U6dXMqCtVXG4bJQt6IoafisODdyQ1IUlpavV1GqxC2L2cgru+/U9vWz/1e2/83d1J4EUDyxl3ZXuXRMXLYrYzZ6xC63OPfY0RQ7eFa9P+uzVdsTXRJPlMwoLV/deJ9Ign+94U7Gz9pcur1ucckqgtOdpovZ3GpPZS386qZbM2WyxDtGY7D6VCV+Ktu83GUp7WnV9LnRY0qdt2Ry/Avt/Z+jrZ69dSu7d+jObsHGrP7qU2H2K2N2sack2mLfHktHCF73ikeVMGrFYbvbnHZDT6j1nW/IJUte6Cu1mrlaLLYNnrNdXbIuRBfi4/HmnvjGXO8nP6NDky7MfzZe1vLSqivXC1dGez20S4l3VfkLbTlxAd7vvp9bLd0b3GzyrugbRmBG7Knsjj9/GkNo9lLJNiJQ0y+1OadQw8ou59Dq1d1PydXOnG0Ni2dF4Zt0FRTEdaa3YbcV6ZPteRpbnGSv5HRi26bEbcvo82hlxrVZndo5Lr/o22s4z9/ConbHZ3Y3ZaUkXVu+xgrlrP95NOrJshYIFtMkKekPi4mKvduKCW9SspyDy4auNc5svYb3FW/fLjMlneFDX4xnud1tP1BVMi4KV26BlDI1SpMidnouwV4uaYtqRfJElXLQf7yqNcFdGVruEu2XRu7tSY2riCe97Iolr2QZg7AzJaSUzI8nrGlzsEsnuqz76j1bEQ3GLdJkKe0PTE9YOVL1tK9bh++tdQvt0Yve/gnrVs1sfd7eu4We0bQyYg5Kz3vmqP690aQVqt7ytooznJxIPcPvp8rY5q2wT1WXPYHX+rANSuD7Kk6u1/jUPM2LsynYJBfbJe3k906vQISntJ8u94/KqobJN2ySWRftFDs/s1EtBvb0W6xrfn/tPE/Zzmm1tHR1dLk1BbN3cckebnL7Sq68QLR/TP4N3SijHBps8Pk/8AOgs2zOzwjh+R1hyd8IY3bnrs+yrP0VcabxXIrdJdF12r2X2B2VZgzLgi4toQjKSHs8/V7PGqzs5Zdhtp7g7EhpuUpSFdgF3HP1e1xp1K2RsUyQ7v5L5iokKYaBOVdhQ7P3VZbL0f2aLs/wDB9wW+gqd6yG4npn/kp7Pd7NZlkVduzVJSvlIzm7ROjq0XF6G+LmH2VYISrVU7YtkNmNo7M7Pt9su5ZQCdesDVjnT3bHo1tEeMzIYJ3UX0jufjHGdPrafWqtdUsT6Dbrcu4Nuu6Y8UZLan+z636P8ADT01JWm7FNSUnUYtfciJJ2DZJjvG7tOt+/1qlV7N7OM2KPdzb72m3O8esbxOlX1edKK2Rs6pdrfj8WWzifnUvilPa+rVTSZbI679ItEp1wIinKY4cVoT8vHlTXNVwZox9wtb4nR9ep7Nstq7utz3nA/WadbY7LbLbOxWevt3Qkjzz9nvd3FN7TstYkpZW80Qrry48hC9Q3aFeefEDxoths1pla520K58hhnMdn0ud5pUrs/R0poenw2MjK+1EPsBs/sftBJ3Lbd2kO+GTj9eaW2kZ6O4X4u+q+tPMnd88js+zTePAtFs2TakOMF2Y08d6AVB5sK1bvT8kpTRk7O2K5ybZKJVCtpHpWyfa1afoqyn9mhkrny3QeKShi3RUbHGz2x2ztxtT9ygw7q9CHHel5vI+SpOqq3J/oSzL3G5u2Wz+cqY/ouyiZ8HolqCZR3ADT3x+lvUnV9fClhs3ZjtFBmJjzmoLXbnye/oe093V7lUxSXyxG2T6Q9ftmydnsrN0m229mNK1YXlOftJB4VHw4+xF1lsMW74cemOn4rwoEWWCvaaXAk5Q02SnSFjsg88fSqY2fsuz8SLDU2WXVOAtzi7qRjtK7qVesNKeI9ms0var5s2Rlu4+BltXs7sbY5eq6wb5EQ+MpwU/wCNQtqtezW0U4xLY3e3lDgnUU/41It2e0SAu4z1SbqHM6fTcnUq0q1J56e7imka3WdvYtsOEpnZL7u81Dcau7prRB0u+TLldkdLOyEOSYUiHdkbo895/DUtF2WtM23/AAoxEuoijmOstd376imdnLYeoKfkEtOf1gnVp1KT2cYpz8DmRFYTAUWHJW9bxvfjwz2kqV8qnddMQmL3q0bPWOKxMkWS6pYdGW3d8n+RptYIOye0FzYhwYF2dfWcqUXUjH6Rp0m0QbgI/wAKSlYdKo6HM/FtN91Kaj7jY7ZGkyU2Z+XIecfxAY7QO6P+lUMXx3yW/wDIc3OL0f2uQ5HmRbwZTff7Qx++p+07I7OyLMb0bXddwPN9Pd/SpGVb7DJm2piZbiWokZUd/PYKPWT3fW73Ok/gC1olPhh1btrdaemRou+9CvT2W9X6VKc/6hV/QiWZWwxuKQmPfluE6Qhtzl89W6bsrsXZrci6XGHeXWpA1BTL3d+eoG1bN2eRc4WH3hvYxck97XlSuz7k96rbsHZtn4sKfBnLKHQCwpZOVZV3UpTQZ5qKVWFijuENirP0e7QzTEsFv2mlv6OyFHgB99OdpbN0d7PXAxb+i/MLDfZaJ5K++kNn9lYLmy0RTUGTAnAkySHd3wb1aufrVYHLHsrdYcJ64KUWREMiS86cuPvK1JSlXrKT/wANZZyW67dGpLgjNkdn9gdqQ8zZ4N8mBhrMnL27+V3lKqtXOd0awJMuO8zfmneQ491X31OL2Vt9stkOCwX0Ep0rWVadaVd4Y+VmnO2OyWzSNqLYqVDekRGmXo8os91K0adHzczx8KZCcHKm3+AciaXSIpjYTZ+dYjd2rfddwPjCZLOr99VjfdG2rRm7hWcc1dupOHZmY6n0a1OpLbsxqK496FYSrSlSvDuqzRpmxVm+E2FQJHXN1FzK73BaldjtcuXCtKio9yb/AKuzH2SF12Y2KsESDcrwi6tsPjPonkn+FVdRdhdntn7nFuyZjRLDLe6bcJ+LKu7u/tKrqVa+bG2xvtLtTJdmXC2GM8GhJe6v1ceslR0/xVD2zai4i/zA+l/8ZlMZ4K9XhTO99J92N7lq6hDH4w54H2jTT/pOuoOv4Pg6vPSa2Qwy+UZ3mf3LUvam4HZ5+D1dW7Qh3ccFK7XJKfupgxf5DPRk/BfYUuUlt5vJHIK0/wCFRw6VbuGgfg6DnzwaaXvb2dcrXIiuwmE79GlagpVEoNdgt2UGurq6tpgOrq6uqEOrq6uqEOrq6uqEOrq6uqEOqT2ce6tfrfJIyhElvP31GU8tMtUSaxJQhKltPJcTnzBzUZaLxBvUlV1X2X9yUNt8leCqnIExbIRv0vyW2G39xw+SoJT/ADqvROkO5R3StuFFz8xpwOke6Ov61w4vzca5eTFJ/B3MTj9wmyFylwoa2DEeW+VgZIx2T40xud0lCCWQl/8AGEek73e1ZqSX0hTgghNuij76i3NvLjrJEWMPqNNhGTd0KyJQ+STibRyfxh4JUZDiEpPDs8AKY3m9vmZbFpSrMVSyrh2e0RSTG3txQkjqcU59xoh26uOrIixuPuNXjxOHwIlkcvkm5m0EsxWfRqy18Xumf0dX6SqhoN4uHwk8VIfwdPh5JxSkLb/aRrO4kstgf2KVfvq77F7TnaV6PEmwGkK06VONkDP1aaXNbIu0Px25qmRkfaFZtjzs1J/F4+iPwUp3KuAT82NNG2B2sn2+Owy3HecfSHUOBSSdAX4/PVu6QI6NnbCu4QcLWn1XRqSazTZ7a2ebm6/HZYYV8YoJTnUoVn2eTG2kaU/HliaXswpq6bUW6yzmZgZDG8mOOd5aUq3un76tu1cnbC8umbalQ2ITL+Gm3D4affwArNdhdubptBtW3Gmx4mVxHAXA32quPTa/8DbKJSygLKlBKcnCR848aXKDjNJh+W0yqr6SZD8IWKfCeZuDhCOsxH9KHVBzhw9lWKU6S7x1OGkwi609GfHWOPZXrSR+6qpsshraWwx4MtsNPwVYZlNnCwnPKorpDlPRn/gNtXomvSuOHvPL81VoWGMsuz7GdZXHBvD27bEs3B54vvYdWn6XZRpp4xtiTIfmTCXdEfdx/wDxfs1noWc8qvvRRstF2gmyVzX3AzH7zaBjX9fhWrJghFWYsWomxxsvtjPttmRFbCCMnOR2vqpxfNsZCLRLhtuqWJUNpB1DtDnzq72mJbksudUgNR2m9XZ76lZ81Hn91S8fZ22XrrXwjDivYib4ejUO1+lXP8sE72nR9yVWZVaOkOaw+44Wt9vBpKF933aqX2i2sUraKA5HB/FI27axy/R9mrPtD0cWJWz71xgF2DJYaLjiUHU04R8k8R95rGWZzwUeRIrTgx45rdFCp6jIvqZf5201znQZktbD2+W4CEtZ0jBzyqOt20s5m3MNGHK0trU8VtpOCrOaibftXdIQwzuufHIJzw+enSdv7ygFJainjnuH/GiWCuKJLM/uT972huNy2eumiLLMiZuklKEqzpBzScLai4tw2Y3UZLqiyWlApIUnBzTNrpNvyG8BmHnTgHQeH66tWw92uO0EWTLmOMpKFDCUNkeHnml5ce2PKBjcn2V3afaS5OqTGhR5u7Zkh5K8K8Bj91LQdp5TlvEJEeYXZKRvV4V4HP7qvt12blvXjcNXlyOnHqNef2qo6LncLPfn7czKUtKVkBxXe4ilLa4cIdc/J2Nrlelu7WNSBGe3YjpYzuleeU0pMvFxnl+Q/EfEx0tD0QV6va1JTU5c25gs8ibFuL8dxnSfBWqs+Tt3fkFPpWjp+RTMcHk6+BTyqHZe+iudcbhtYI60nexOsSW9Q5932vW06qcbXbfLsu106TGjEvFvdRvS8GE6e19JVZxG22v7MhuQmUNbZ4HFW83mPcLL1x60RNW932nGU6qvLiUHbXAWnyTycJj3Zq77R31U7aCQZE9iLw3MaT22PlaVDtJqK25fD8ZqcN6xLhP6O3w5erirJ0AIF0ue0VxcW6y+hsKw2rCFJ49kjx5VTulhwq2kvvhqlJ/cKtQSy7UDLLJw3MZWra6QxbOo59DnJ3n2dX0q5O0jQvdwnBnjIb9HvO13aqsBhDrLzq+KgOFO9lojc+6IbfJKR4VseGK5MUdXOlEskjal+dHluuZbd9Hhsd0+f86j7fMu2PRJfw2tS29AV3tWausVMGBajPttsiR0+S0b1z9NX+FVO5bZbRJfUyqa0tA8FRmv+GsuOSm2oo25INVbBnSbm/alpcjzA66pPEIUeHM1Ixbld2rUhpEKSY6m0pe9Eckk4PhUajpCvjbLSEpjHHDKm85pVHSJf8k6IWAOW5OP30cscn8GfHklFVYnNm3hF3Q/Fh3FbbDpLSSyRjhgeFFtVyvsZzcIbmttrSS4lTasE5yKcnpE2icUHFdTGPAM/wCdIR+kjaBlzKkxHBnkWqPbJqqKeRp3Yu5NuZ2pfuRgLQpaQkAsnslPLNDOutyKS91Wdvy4nwV9KkF9I20J8Y3H+zpJXSLtCT3o3/w6rxN9oDyOPTOsUm+xlAiJL/FzlOGzhPEn+dDdlXiVGc38SRvpGMaW1ZVgEfzoF9IW0SvXjj/3VT+x20l2vVyUJjrZQMak6O9mhyexbmi+ZfJHzJk92KmCmBKGVMqzuFeAxUaiXeI74QmPKAbW8oegV4jFantrJkbObPi6RHS45vg3oX3dPlUDs3tjdLmy4ZARo3g9GBw4nFLx5GlaQZTYjO0cwsxGINxdwc5MdXeNS9+tl5RJj3B58vXpx3k12ur6e7Vg6UNoLtZBbFW2UWW3kqC2wOz3s1VpW0V3RBFyblaS930aef10W5unQF0OLqnbKPJen3C2zVCX/tLTSvZ0+rURvdoFoS31SZhLS2k4a5alZzVp6P8Aam+XPayOxInOGIW1a4+ewr/Wan75tlc7KtxyAltsozj681Hk2uki9jl2yOtIuCJDjTMCZu5AayXI6tPhq0/Uns02iC7Jvl13Nqm/jEjfx9/HVp1J86vvQ9tVctr9/wDCGlvcjs6KJ0kbUX2x2pqXbZTTQRnWgsJOvKj4+FYHKSnsrk2J7oplT2wve1T6N6zAu7TuEtnEdXd0lOn9qktkZ98Ns9Fa7sX4jbO70NezqT3dPa4Kpinpg2tbQkgQD87H+dPW+nLbJpaQhq1//u3+dEseZKtq/wAf+gx19x1ttdL9OkwlPWOZvWpAcKG46u6nkn56itpr1tGZ7qWmLi1Fkr3276urvcD2vup830zbYrfc1C2nh/2b/OoCZ0p7USJCytNu5/8AZv8AOtGHC/sZ805fch1zr+vdAwbgNDCmM9XVxSVZq0Ju96DzyGLbODGvWfRK+l2fr01EDpQ2l7Y0weH9if8AGlV9Km07gbymCMf2J/xrRODfwZsSoNs1NuEK33JkwZgJkJfY/F1adQzXUyX0o7SrbcSRC4px8QK6r8LfwR52vk//2Q==</binary>
<binary id="1" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAAiASMDASIAAhEBAxEB/8QAHAABAAIDAQEBAAAAAAAAAAAAAAQGAQcIBQID/8QAQhAAAAQEAwMKAwQHCQAAAAAAAQIDBAAFBhEHEiETMdEVFyIyQVFVV5SVCBRhI1ZxgRYkJVJiY5EzNEJTcnSSsbP/xAAUAQEAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA/8QAFBEBAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAP/aAAwDAQACEQMRAD8A7LhEd46bM253DtdJuiQuY6ihwKUofURjTuIeNB05YKWF3IFWTAimRa81RJsbfyzHKZS+4BLp/wBQGzpBU0jnzmZt5TME3SkreCyeFJvSVAAEQ+u/fu0Huj3I4jp+oJrQVaPKvpiSzKTGmJrzan52ioKKg7x2DooCTrXsJ7CGvXAY6BpXH7DmcNf12aHkrsgDtW70ghYQ7CnLcp/pYdYDbcIrlPVhTM/lSUzlM8ZLt1QvqqBTkHtKco6lMHaAgAhHq8rSrxRj6gvGAnQiByxKfFWHqCcYzyxKfFWPqC8YCdaEQeWJR4ox9QTjGOWJT4ox9QTjAT4RA5ZlPijH1BOMOWJT4ox9QTjAT4RB5ZlHirH1BOMY5YlPirH1BOMBPhFdVqyWJifRY+Q+XoZRzfUNdQjWGL1XVRMDNWdIyKpdkQw/Mrt37dpm6RbCB84mGwZ9LAF7XuFwgKf8TuJ2IRK7HD/Dlu9Iq0bpqP3DJDaq3V6gXsOQljF101HfpFn+H2psSEZ+nS2Iiaq5HkqO/lzlyKXzAAQ5CqkPkHUuY4ZTCAXDvivfo5iZJ6tb1caY01VSyiHyMwRB+Vmo/a2Ns9uU1ibUgCHSD6Bra8WqgqQkzEjhozZIU2zeJ7F4LudleOhbhr8qgJTCVFEb62Nf6X1KF1kc3byqXPJkp0ilk5pimTcZREFFz3Dv0MT/AJhHNVa1t8RgOZbVcrJNNhMEyukmjBums1TQPqmUCWEx+jqJx/eANBjqOoSSl8Rqsxm0vZvWXRbn2hTJnTELGRULcMyZgtcLhYQAQ1CNNzGn5lIeUCYfUuyls5ftTsSTRaqkztZWiJ7iVsnfPlvc4BkCw/0gNs4HVsfEPDKVVQs3K3crgdNykXqlVTOJDW+g2uH0EIvIRyuSn8RaIkEuYSibEmzRqIEby+n5mCGTrGUdLqHttTiceoPREM2mgFjeUgrojuXI/PyiYsXQFAFSKFS63bbIocLfnAXaEeOyqKVuc13BG4l/z1CFv+GsSuV5T4ox9QXjAToRA5ZlPijH1BOMOWZR4qw9QTjAT4RA5YlPirH1BOMY5ZlAb5sw9QTjAehCPO5dkvizD1JOMfQTqTjumzD1BOMBPhEDliVeKsfUE4w5ZlXijH1BOMBPhFLqTEyhaemaMvm1TMG6ypDH0UzlIAW64lvlEb6AO/sjV+IfxGMBaLS7DxAX78fs+UXaRkmyH8QFMGdQfoBbfjugN0yap5FNqhm0gl8wTXmUoFMHyAb0toXMX8dI9uOLcMZjUdArvp3SlJTapagmi15tOZ0AsGpyZs2VLaWNqP8AjPb/AEx01R+JtJ1GqjLSTyUpzwCFFxLkn6Sp0jDvKBimyqW7cgjAXiELwgKxiFQlMV7KiS2qJYR8gmImTucxDENbeUSiAhHP9bfDrIKOkSj+mKLdV26MsP6o+mhkdiQR6OQqQEE9tw3OHfHU8BABAQEIDhqVsgGrEaSlMqkDqoV98qp1mBk21utt3rjaFLk7dmA917xvCnPh0pwqaT+o5nMXM3AQPnly5mqaJgG4ZMvTEQ7xHXuCL5h/hnTVE1HUE7krYU1p04BZQo7kQ3iQncUTCJrd4/QIvMBQy4V0IsO2nFOs56+MBQWfzRMHDhcQAAuc5vw3AAAHYAR+3NJhh9wKa9uT4RdoQFI5pMMPL+m/bk+EOaTDDy/pv25PhF3hAUcMJMMPL+mvbk+EZ5o8L/L+mvbk+EXeEBSOaTDDy/pr25PhGQwkwv8AL+mvbk+EXaEBSOaTDDy/pv25PhGeaTDDy/pr25PhF2hAa2cYL0KcTClTlPI3HskjU1g7tSDGrsXMPW9JuWTiVS2ifkXBjAf56lSGBPKJLhnSAQuJROIXIFxJa9xCOmoCADvABgOSvnmE5qFhTMkwHoyUTF4BlwWnjUhwQaF3LrJFIXZ5uwmYTdtraxbaMl+F8yKdwtTeGk+Ytfs5i5kctBMWh/3zJGE10f5gD9bWARCu/E1IsUqUxId17QHKC8vm7VBGYptEdtlMlYAKoQQHoCABqHeYNL9KwfDvLarnc+SqGo6dQlUpYSI8pSKaW/KC92igHMTZCP8AZJ5RKW5QvmEe3QL9UWH2FcqbI7PDqm3bt2bZs2ycuSzLHsJt4hYpQABETDoAB32AdRzxjTB+VnNI0pg/UCslTOtMpQ3lphdFTL1jJqZsqlt3UDXTfpG6pNKRmsocsyuVE1kJSpL2iu8Us51CCf8AH7Mg/lHLVQPccZCvKabklMLSuaMmQSwy0rknWRIfo5F9cxD9cdeuW+kB70zeSaeMma1NYW0jTpHSe3aO3MmB82mCQZimKmJUQssBwKXZjYelfs13NTmCdOjKUDzeUUyq7OUDH2dNNUQJfXLlsbdu3x7nw90hMqIwqlMhnJyKzIgqLurGz7NRQ4nEmbtte1++8bDgNfssHsO0c3zVGU05vu/ZKJbf0LErmkwv8v6a9uT4RdoQFJ5pML/uBTXtyfCHNHhf9wKa9uT4Rdt8ICk80mGHl/TXtyfCMDhHheO/D6mvbk+EXeEBRuZ/Czy+pr25PhGQwiwtDdh/TXtyfCLxC0BSOaTDDy/pr25PhGeaTDD7gU17cnwi7QgNczfB6iZgxPK0WjyUSpU2dxL5U6O1brnC1jHIQQC4W7LX0vewRqbELBV3RDI80o5F1OpUkXM4ZmBNR8iQNRMmY5BKqAfuiAHHsMMdPwEAEBAQuEBwzJZUxq8S/o9Q9KV23ExAWK2BaUzFlmG32xCq5cn8ZM5e+N10z8MGGjSalmjyVvVwMmUeTlnxlEED9tjgBTH/AD/pGwKCw0pyjqtqOpZY3s+nrnaqDaxUSbxIQOwBNcw9427gi9wEdk2QZM0WbVIEkEEyppELuKUAsAB+UIkQgEIQgEIQgEIQgEIQgEIQgEIQgEIQgEIQgEIQgKrRX97W/wBol/7OYtVgve2sIQCEIQCEIQCEIQCEIQCEIQCEIQCEIQCEIQCEIQH/2Q==</binary>
</FictionBook>