<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>detective</genre><author><first-name>Jutta</first-name><last-name>Profijt</last-name><home-page>http://www.juttaprofijt.de</home-page></author><book-title>Schmutzengel</book-title><annotation><p>Job weg, Freund weg und die Wohnung so gut wie weg. Aber Corinna (31) w�re nicht die Enkelin ihrer patenten westf�lischen Oma, wenn sie sich nicht flugs an die Neugestaltung ihres Lebens machen w�rde, und zwar mit einer genialen Gesch�ftsidee: Sie gr�ndet die �Schmutzengel��� ein Dienstleistungsunternehmen, das gestressten Managern und unbeholfenen Mutters�hnchen die Organisation des l�stigen Haushalts und der anstrengenden Freizeit abnimmt. Der Erfolg l�sst nicht lange auf sich warten, die Auftr�ge purzeln nur so herein, alles l�uft bestens. Bis zu dem Tag, an dem im Haus des peniblen Neukunden pl�tzlich ein Toter liegt. Besorgt um das Image ihrer Firma beschlie�t Corinna: Der muss weg! Doch wie und wohin? </p></annotation><date value="2010-05-01">2010</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><nickname>Namenlos</nickname></author><program-used>calibre 1.3.0, FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-09-20">19.9.2013</date><id>adff7489-2799-4a36-b06e-932120707354</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Schmutzengel</book-name><publisher>Deutscher Taschenbuch Verlag</publisher><city>M�nchen</city><year>2010</year><isbn>9783423212069</isbn></publish-info></description><body><title><p>Jutta Profijt</p><p>SCHMUTZENGEL</p><p><emphasis>Roman </emphasis></p></title><section><title><p>ERSTER TEIL</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Der Tag, an dem sich mein bis dahin weitgehend ereignisloses Leben von Grund auf und f�r immer ver�nderte, begann wie ein ganz normaler Tag. Damals dachte ich, dass dieser Tag, der mir drei Katastrophen auf einmal bescherte, der schw�rzeste Tag meines Lebens sein m�sste. R�ckblickend kann ich sagen, dass jene Katastrophen nur kleine �rgernisse und jener Tag nur ein l�cherlicher Vorgeschmack auf das sein sollten, was mich wirklich aus der Fassung brachte. Aber lesen Sie selbst.</p><p>Noch etwas: Ich werde diese Niederschrift bei Lisbeth hinterlegen, die sie im Fall meiner Verhaftung einem Anwalt �bergeben kann.</p><p>Alles begann also im Oktober des vergangenen Jahres. Nach Wochen voller Regen und Wind war zum ersten Mal der Himmel wieder zu sehen. �ber Nacht waren die Wolken verschwunden, w�rmere Luftmassen str�mten aus dem S�den Europas zu uns und brachten angenehme Temperaturen mit sich. So hatte es der Wetterfrosch im Fernsehen formuliert. Mir war egal, woher die Luftmassen str�mten. Hauptsache, der Regen h�rte endlich auf.</p><p>In dem windgesch�tzten Balkonkasten vor meinem, damals noch unserem, s�dlichen Wohnzimmerfenster entfaltete die letzte, nicht verfaulte Cosmeabl�te ihre zarten Bl�tter. Ich bin eine geborene Optimistin und empfand daher den Anblick der strahlend violetten Bl�te als gutes Zeichen f�r den Tag und als Aufforderung, einen weiteren Blumenkasten mit Sp�tbl�hern zu bepflanzen. Das nahm ich mir beschwingt f�r den Feierabend vor.</p><p>Ich konnte ja nicht ahnen, dass es niemals dazu kommen sollte.</p><p>Mein Tagesablauf damals war einfach. Um halb acht aufstehen, w�hrend Greg noch schlief, eine schnelle Tasse Kaffee, die die Maschine in den zehn Minuten aufbr�hte, die ich unter der Dusche verbrachte. Den normalen Filterkaffee kochte ich nur f�r mich, Greg bereitete sich sp�ter einen Espresso mit seinem s�ndhaft teuren Marken-Espresso-Vollautomaten zu. Die erste Tasse Kaffee trank ich im Bad, w�hrend ich mir die Haare f�hnte, die zweite begleitete das Anziehen und Blumengie�en. Ein richtiges Fr�hst�ck nahm ich schon lange nicht mehr zu mir, sehr zum Missfallen meiner Oma. Das ist so ziemlich der einzige Punkt, in dem wir nicht einer Meinung sind. Im Sturmschritt ging es dann zur Stra�enbahnhaltestelle, beim B�cker unterwegs kaufte ich ein �berteuertes Br�tchen, das ich in der Bahn a� und dann, um halb neun, begann mein Arbeitstag bei AIQ. Das spricht man �aikju�, also wie IQ auf Englisch. Sollte wohl witzig sein. Oder hip. Oder beides, keine Ahnung. AIQ jedenfalls war damals eine der wichtigen, angesagten Werbeagenturen in D�sseldorf, der Hauptstadt der wichtigen, angesagten Werbeagenturen. Und ich war stolz darauf, dabei zu sein.</p><p>Mein Arbeitstag in der Agentur begann �blicherweise damit, etwa zehn Liter Kaffee zu kochen. Nicht irgendeinen Kaffee, sondern ein unglaublich teures Zeug aus ausgesuchten, mit Monsun-Regenwasser gewaschenen Hochlandbohnen, nach einem speziellen Verfahren ger�stet und in unserer elektrischen, extra Aroma schonenden Kaffeem�hle frisch gemahlen. F�r mich schmeckte auch dieser Kaffee nur nach Kaffee, daher konnte ich das Aufheben, das darum gemacht wurde, nicht verstehen. Musste ich aber auch nicht, ich musste ihn nur zubereiten. Meine n�chste Aufgabe war es, die Post zu �ffnen und sie ungelesen auf den Tisch der Direktionsassistentin zu legen. Danach k�mmerte ich mich um die Pflanzen.</p><p>Da AIQ eine hippe Agentur und keine miefige Beh�rde war, gab es in den lichtdurchfluteten R�umen nicht das �bliche B�rogr�n wie Palmen oder Gummib�ume, das in dunklen Ecken auf gro�en Bl�ttern Staub sammelt, sondern ausgeflipptes Zeug wie Sonnen�ffner, Flamingoblumen, Froschl�ffel, Flohkraut, Papyrus und Fleisch fressende Pflanzen. Zu der zweifelhaften Ehre der Verantwortlichkeit f�r das agentureigene Gr�nzeug war ich gekommen, weil ich vom Land kam. Direkt von den windigen H�hen der Schneeeifel, wo meine Gro�eltern einen Bauernhof hatten. Vor nunmehr zw�lf Jahren war ich zur Ausbildung als Werbekauffrau nach D�sseldorf gegangen. Seitdem nannte man mich D�umling, die Frau mit dem gr�nen Daumen.</p><p>Damals war ich bl�d genug, mich geschmeichelt zu f�hlen. Mehr aufgrund der Tatsache, dass ich wichtig genug war, �berhaupt einen Spitznamen zu haben, als aufgrund des Namens an sich. Der passte auch gar nicht zu mir, denn ich bin gro� gewachsen. Jedenfalls war ich die erste Gr�nzeug-Verantwortliche, die die teuren botanischen Lieblinge des Chefs nicht innerhalb von drei Monaten in den welken Tod trieb, und so blieb der Job an mir h�ngen. Ich wusste genau, welches Gew�chs viel und welches wenig Wasser brauchte, ob das Wasser warm oder kalt, mineralienreich oder regenweich sein musste und wie oft am Tag, in der Woche oder im Monat �berhaupt Fl�ssigkeit verabreicht wurde. Ich verf�gte �ber ein eigenes Budget, aus dem ich die nicht unerheblichen Wasserkosten bestritt. Mineralwasser f�r die Kalkbodenspezialisten, saures, basisches oder Meerwasser f�r Moorpflanzen, neuseel�ndische Vulkanseeflechten oder nordeurop�ische Salzwiesengr�ser. Mein gr�ner Daumen sicherte mir eine lobende Erw�hnung auf jeder Weihnachtsfeier und eine lebenslange Anstellung in einer der angesagtesten, hippsten und kreativsten Agenturen der Stadt.</p><p>Dachte ich.</p><p>Bis zu eben jenem sonnigen Tag, an dem die warmen Luftmassen nicht nur die erw�hnte Bl�te mit sich brachten, sondern auch eine �berraschung f�r mich:</p><p>Meine K�ndigung.</p><p>Dass es Zeiten gab, in denen es der IT-Branche schlecht ging und sie riesige Populationen an kommunikationsgest�rten Bin�rcodeschreibern und Flash-Banner-Programmierern aus der Gruppe der Aktienblasenmillion�re zur�ck in die Sp�lk�chen der Erfolgstraumwelten schickte, ist hinl�nglich bekannt. Dass es in der Werbebranche eine �hnliche Welle gab, blieb der �ffentlichkeit weitgehend verborgen. Eine der Ersten, die von dieser Welle aus den kreativen R�umen der mehrfach ausgezeichneten Agentur AIQ gesp�lt wurden, war ich.</p><p>J�rgen Haukwit empfing mich ganz in Violett. J�rgen Haukwit ist Gr�nder und Chef von AIQ. Hinter seinem R�cken wird spekuliert, ob sein Vorname Ausdruck eines �berzogenen Individualit�tsbed�rfnisses seiner Eltern oder schlicht das Resultat eines Tippfehlers des diensthabenden Standesbeamten bei der Anmeldung des neuen Erdenb�rgers ist. Besonders b�se Zungen behaupten, J�rgens Vater sei durch �berm��igen Alkoholgenuss vielleicht nicht in der Lage gewesen, den Namen seines Sohnes angemessen zu artikulieren. J�rgen jedenfalls hat sich so sehr mit diesem Namen identifiziert, dass er sich weigert, Post entgegenzunehmen, die an J�rgen Haukwit adressiert ist.</p><p>J�rgen rasiert sich dreimal am Tag den Sch�del, weil Glatze einfach cooler ist. Er ist ohne Sehhilfe blind wie ein bestochener Z�llner, vertr�gt aber keine Kontaktlinsen. Also hat er das Brille-Tragen zum modischen Statement erhoben, damit niemand auf die Idee kommt, es handele sich um eine medizinische Notwendigkeit. Ich habe immer vermutet, dass er allein mindestens drei Optiker auf der K� finanziert. Seine Brillen sind unz�hlbar, ich kann mich kaum erinnern, ihn zweimal mit demselben Gestell, Pardon, derselben Fassung auf der Nase gesehen zu haben. Nun k�nnte man meinen, dass bereits die Wahl der Brille J�rgens Tagesform ausreichend darstellte, sodass er sich ansonsten den modisch offenbar zwingenden Vorgaben der Branchengr��en unterwerfen konnte, die grunds�tzlich Kleidung in existenzialistischem Schwarz meinten. Doch weit gefehlt. J�rgen kleidete sich zwar stets von Kopf bis Fu� in nur eine einzige Farbe, insofern zeigte er eine gewisse Konformit�t mit dem Dresscode der Werbewelt. Nur ist diese Farbe eben nicht immer Schwarz. Sie variiert je nach Stimmung, und am Tag meiner K�ndigung trug er Violett. Die Farbe tiefster Verzweiflung.</p><p>Nun k�nnte man meinen, die Farbe h�tte mich warnen sollen, aber die H�ufigkeit, mit der J�rgen in Verzweiflungsviolett erschien, hatte uns abstumpfen lassen. Zumal kleinste Anl�sse bei ihm zu tiefster Verzweiflung f�hrten. Beispielsweise ein Pickel auf der Nase. Oder die Tatsache, dass er seine Mutter telefonisch nicht erreichte, ein unfreundlicher Nachbar, ein schlechter Traum oder ein Hautfetzchen am Fingernagelbett. Ich dachte mir also nichts dabei.</p><p>Erst in dem Moment, in dem er mich mit beiden Armen fest an sich dr�ckte, schrillten alle Alarmglocken in meinem Kopf los. J�rgen hasst K�rperkontakt.</p><p>�D�umling, Darling, es tut mir soooooo leid, du kannst es dir gar nicht vorstellen. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.�</p><p>Mit diesen Worten lie� er mich genau so abrupt, wie er mich umarmt hatte, wieder los. Ich stand immer noch so da, wie vor und w�hrend der unerwarteten Umarmung: mit locker am K�rper herunterh�ngenden Armen, leicht eingezogenem Kopf und einschlie�lich des kleinen Absatzes meiner ausgetretenen Schuhe ungef�hr einen Meter zweiundachtzig gro�. J�rgen misst, wenn er sich ganz lang macht, einen Meter f�nfundsechzig. Er blickte mit Tr�nen in den Augen zu mir auf. Dann drehte er sich abrupt um, schnappte nach einem auf dem Schreibtisch liegenden Umschlag, dr�ckte ihn mir in die Hand und schob mich zur T�r hinaus. �Bitte lass mich allein, ich muss weinen, ich will dir die Sache nicht noch schwerer machen, als sie es ohnehin schon ist. Alles Gute.�</p><p>Ich stand verwirrt vor seiner B�rot�r, �ffnete den Umschlag und las das K�ndigungsschreiben.</p><p>Ich konnte es nicht fassen. Dies musste eine Verwechslung sein. Ich war normal zur Arbeit gekommen, hatte Kaffee gekocht, die Post vorbereitet und die Pflanzen gegossen. Alle Gew�chse waren gesund, keines hatte gelbe Bl�tter oder war eingegangen. Wieso sollte J�rgen mir also k�ndigen?</p><p>Christine, J�rgens rechte Hand und linke Hirnh�lfte, holte mich in ihr B�ro und schloss die T�r.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte sie. Es klang ehrlich.</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Du hast noch �berstunden und Urlaub�, fuhr sie fort. �Wenn du willst, kannst du direkt verschwinden.�</p><p>Ich starrte sie an. Sofort verschwinden? Aber ich musste doch noch die Nachkalkulation der letzten Anzeigenkampagne machen, die Mediaplanung f�r den Lippenstift mit Vitamin-C-Zusatz� Ich konnte nicht einfach verschwinden. Wer w�rde dann meine Arbeit machen? Und was sollte ich tun, wenn ich morgens um zehn Uhr wieder auf der Stra�e stand? Wo sollte ich hin? Mitten am Tag in der Wohnung herumsitzen? Shoppen? Mich zu den Pennern unter die Br�cke legen?</p><p>�Nein�, stammelte ich. �Warum sollte ich?�</p><p>Sie legte den Kopf ein wenig schief, wie sie es immer tat, wenn ihr etwas unangenehm war. �J�rgen will es so.�</p><p>Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, dass man mir nicht die Wahl lie�, sofort zu gehen, sondern den Befehl dazu gab. Das machte mich v�llig fassungslos.</p><p>�Er schmei�t mich direkt und ohne Umschweife hinaus?�, fragte ich.</p><p>�Du wei�t, wie er unter schlechter Stimmung leidet�, sagte Christine, die von allen au�er mir Chris genannt wurde. Englisch ausgesprochen, versteht sich.</p><p>�Aber warum��, brachte ich m�hsam hervor.</p><p>�Ach, D�umling�, sagte sie mit ihrem verst�ndnisvollsten Gesichtsausdruck und milder Nachsicht in der Stimme. �Die Zeiten sind schlecht. Die Kunden bilden sich ein, dass sie auf die klassische Werbung verzichten k�nnen, weil sie ja sch�ne, bunte Internetseiten haben. Es gibt wenig Geld in der Branche und um diese Budgets k�mpfen alle Agenturen, die gro�en etwas erfolgreicher als die kleinen. Wir stehen finanziell nicht so gut da und am Kreativpersonal k�nnen wir ja schlecht sparen, nicht wahr? Wer w�rde dann die Kampagnen machen?�</p><p>Damals nickte ich, weil ich ihre Argumentation f�r die einzig sinnvolle hielt. Kreativagenturen brauchen Kreative. Ich war nur eine langweilige Werbekauffrau. Die Kreativen, das waren die wirklichen Helden. Sie entwarfen Logos, Slogans, Fernsehspots, ganze Kampagnen. Anzeigenserien, Preisausschreiben, Plakate und Goodies. Sie k�mmerten sich zwar nicht um Geld, um Termine nur ungern, und waren projektorganisatorisch auf dem Niveau von Neandertalern, aber sie waren eben kreativ.</p><p>Wir, das hei�t meine Kollegin Susanne und ich, waren die Ordnungsh�ter. Wir kalkulierten, korrespondierten, organisierten, stimmten Termine ab und pochten auf deren Einhaltung.</p><p>Wir sammelten Entw�rfe aus den Papierk�rben und legten sie in ein Fach, aus dem sie sp�ter unter gro�em Hallo wieder hervorgezogen und dann doch verwendet wurden. Wir schrieben Rechnungen und ordneten Spesenquittungen, wir buchten Fl�ge, Leihwagen und Hotelzimmer. Wir f�hrten die Projektdaten zusammen und stellten in der Nachkalkulation fest, ob Budgets eingehalten oder �berschritten worden waren. Wir hielten einen Haufen �berm�tiger Hippies in Schach und organisierten den Kindergarten so, dass er�� zumindest entfernt�� einem gewinnorientierten Unternehmen glich. Kurz: Wir waren nat�rlich abk�mmlich. Zumindest eine von uns, n�mlich ich.</p><p>Ich packte meine pers�nlichen Sachen, verabschiedete mich von Susanne, die ehrlich traurig war, und von ein paar Kolleginnen und Kollegen, die peinlich ber�hrt eine starke Arbeitsbelastung vort�uschten, um mich schnell wieder loszuwerden. Ich ging wie bet�ubt zur Stra�enbahnhaltestelle und sehnte mich nach Gregs starken Armen.</p><p>An dieser Stelle �berkommt mich wieder einmal, wie bereits mehrfach in den letzten Tagen, ein hysterisches Kichern. Starke Arme, ha! Ja, damals hatte ich mich nach starken Armen gesehnt, damit sie mich festhielten und mir den Eindruck gaben, geliebt und gebraucht zu werden. Heute br�uchte ich auch ein paar starke Arme�� allerdings nicht, um mich zu halten, sondern um das steif gefrorene Problem aus meinem Kofferraum zu entfernen. Aber davon sp�ter.</p><p>Greg, der Typ mit den starken Armen, war mein pers�nlicher Kreativer. Angestellter bei AIQ wie ich, aber einer von der coolen Sorte. Assistant Art Director. Auf dem Weg nach oben, weshalb er leider relativ wenig Zeit f�r mich hatte. Zumal unsere Arbeitszeiten, wie bereits kurz erw�hnt, unterschiedlich waren. Ich begann fr�h und machte gegen sieben Uhr Feierabend, Greg fuhr sp�ter ins B�ro und kam daf�r oft erst nachts heim. Manchmal sahen wir uns tagelang kaum. Aber ich f�hlte mich ihm immer nah, immerhin wohnten wir zusammen. Ich machte seine W�sche, b�gelte, kaufte seine Zahncreme, sein Duschgel und den Rasierschaum und sorgte auch sonst daf�r, dass er alles hatte, was er brauchte. Nur sein Aftershave kaufte er w�hrend seiner zahlreichen Reisen im Duty-Free-Shop selbst. Kochen musste ich selten, Greg a� meist ausw�rts, oft mit Kollegen oder Kunden. Zu seiner normalen beruflichen Belastung kamen die bereits erw�hnten, h�ufigen Reisen. Am Tag der K�ndigung war er vier Tage auf Dienstreise, Entschuldigung, Business Trip, gewesen und musste, laut Plan, irgendwann innerhalb der letzten beiden Stunden zur�ckgekommen sein. Zumindest hoffte ich das.</p><p>Manche Hoffnungen bleiben besser unerf�llt.</p><p>Greg war tats�chlich zu Hause, und er starrte mich mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an, als ich die T�r hinter mir schloss. Es war ja auch ungew�hnlich, dass ich mitten am Tag nach Hause kam. Tr�nen schossen mir in die Augen, meine m�hsam aufgebaute Selbstbeherrschung schmolz dahin wie Eisw�rfel im Hochsommer und ich st�rzte in seine Arme.</p><p>Greg ist der sch�nste Mann auf der ganzen Welt und�� hier kommt ein nicht unwichtiger Faktor f�r eine Frau von einem Meter achtzig ins Spiel�� er ist gro�. Einsneunundachtzig mindestens. Das reicht, ich trage Schuhe mit flachen Abs�tzen. Au�erdem ist er zur H�lfte Amerikaner und zu einem Viertel Spanier. Er sieht ein bisschen aus wie eine gr��ere Ausgabe von Antonio Banderas, finde ich. Greg findet das auch. Er ist sehr eitel, aber das darf er bei all seinen Vorz�gen nat�rlich auch sein.</p><p>Er schloss seine starken Arme um mich, vielleicht mit einer kleinen Verz�gerung, aber das bemerkte ich damals in meiner Aufregung nicht. Es fiel mir erst sp�ter wieder ein, als ich mir die tragischen Momente des Tages wieder und wieder vor Augen f�hrte und mich in masochistischen Anwandlungen fragte, an welcher Stelle ich die Notbremse h�tte ziehen k�nnen. An keiner Stelle, wei� ich heute.</p><p>Greg also hielt mich in seinen hanteltrainierten Armen und murmelte so unsinnige Dinge wie �schschsch� wer wird denn gleich weinen?� in mein Haar. Mein langes, blondes Haar, das eigentlich zu fein war, um es wirklich lang zu tragen. Greg allerdings liebte langes Haar, deshalb hatte ich es wachsen lassen. Als wir so eng umschlungen mitten im Wohnzimmer unserer Wohnung standen, wickelte er eine Str�hne um seine Finger.</p><p>Vermutlich nahm er Abschied. Von meinem Haar.</p><p>Der Abschied von mir kam gesch�tzte siebzehn Sekunden sp�ter, als eine mir unbekannte Person weiblichen Geschlechts aus unserem Schlafzimmer kam und nuschelte: �Wann kommst du denn endlich, ich bin schon fast��</p><p>� eingeschlafen, vollendete ich automatisch den Satz in Gedanken.</p><p>Und als Zweites sagte mir mein grunds�tzlich pragmatisch denkendes Hirn: Ich muss Oma anrufen und fragen, wie ich die Make-up-Spuren aus meinem Kopfkissenbezug entfernen kann.</p><p>Greg stellte uns charmant vor, besser gesagt stellte er mich vor. Er sagte: �Sue, das ist Corinna, von der ich dir erz�hlt habe.� Andersherum h�tte es auch nicht so gut geklungen: �Corinna, das ist Sue, von der ich dir bisher noch nichts erz�hlt habe.�</p><p>Ich sagte nichts, starrte die Erscheinung einfach nur an. Sprachlos, gef�hllos, fassungslos.</p><p>Sue sah zum Anbei�en aus. Sie trug nur ein Hemd, und zwar ausgerechnet Gregs Lieblingshemd, das ich zu einem obsz�nen Preis in einer angesagten Boutique erstanden und ihm zu seinem Geburtstag im vergangenen Mai geschenkt hatte. Ein schwarzes Hemd mit rosa Nadelstreifen von einer deutschen Hemdenmanufaktur. Er liebte diese Marke, Entschuldigung, dieses Label, und trug das Hemd mit derselben Hingabe, mit der ich es f�r ihn b�gelte. Sue sah darin einfach s�� aus. Ein bisschen wie rosa Zuckerwatte im Zartbitter-Schokoladenmantel. Sie steckte die Spitze ihres rechten Zeigefingers in den Mund, murmelte �ups, ich lasse euch dann mal allein�, drehte sich um und stelzte auf ihren langen, schlanken, haarlosen Beinen zur�ck ins Bett.</p><p>�<emphasis>So sorry</emphasis>, <emphasis>Corinn</emphasis>�, sagte Greg und legte seine Hand an meine Wange. �Es war <emphasis>love at first sight</emphasis>.�Als ob die englische Sprache die Geschichte von der Liebe auf den ersten Blick ertr�glicher machte.</p><p>�Ich wollte dir wirklich nicht wehtun, du hast so gut f�r mich gesorgt, aber��</p><p>Ich stand immer noch mit h�ngenden Armen vor Greg, stocksteif und sprachlos. Ich hatte gut f�r ihn gesorgt, das stimmt. Aber war das alles gewesen?</p><p>�Sue wird in D�sseldorf wohnen und es w�re ja l�cherlich, wenn sie sich jetzt auf die Schnelle eine eigene Wohnung suchen m�sste�, erkl�rte Greg mir beil�ufig. �Deshalb dachten wir, dass es besser w�re, wenn du��</p><p>So schnell wird man nicht nur arbeits- sondern auch obdachlos. Und Single. �bergewichtig war ich ja schon. Innerhalb weniger Stunden hatte ich alle Merkmale der perspektivlosen Unterschicht, die es f�r mich bisher nur in sozialkritischen Aussagen populistischer Politiker gegeben hatte, in meiner Person versammelt. Zum Gl�ck neige ich nicht zur Hysterie. Jedenfalls damals nicht. Eine geradezu unheimliche Ruhe hatte von mir Besitz ergriffen. Ich lie� einfach alles geschehen, so wie ich als kleines M�dchen auf dem Bauernhof meiner Oma manchmal bei str�mendem Regen in meinem roten Regenm�ntelchen unter dem �berlauf der Dachrinne stand und bewegungslos dem harten Platschen auf der Kapuze und den Schultern lauschte.</p><p>�Ach, Darling, Kopf hoch, du bist doch so ein nettes M�dchen, du wirst schon einen anst�ndigen Kerl finden�, sagte Greg.</p><p>Darling hatte J�rgen mich eben auch genannt, dann �berreichte er mir die K�ndigung. Dem n�chsten Mann, der mich mit Darling anredete, w�rde ich den Hals umdrehen.</p><p>�Hast du eine Freundin, bei der du unterkommen kannst?�, fragte Greg.</p><p>Ich erwachte aus meiner L�hmung und starrte ihn an.</p><p>��bergangsweise?�, schob er hinterher.</p><p>Wir hatten fast zwei Jahre zusammengelebt und er fragte mich, ob ich eine Freundin h�tte? Ich hatte keine. Nie gehabt. Ich war ja immer besch�ftigt gewesen, ins B�ro gehen, Gregs Anz�ge in die Reinigung bringen, die Schuhe putzen, seine Koffer f�r die Reisen ein- und nachher wieder auspacken, auf Greg warten und unsere Wohnung in Ordnung halten. Eine Freundin, nein, damit konnte ich nicht dienen. Aber ich hatte eine Idee, die die Leere in meinem Kopf wie ein Blitz aus heiterem Himmel mit feiner, f�r mich ganz untypischer Geh�ssigkeit gef�llt hatte.</p><p>�Ich ziehe in dein Arbeitszimmer�, sagte ich.</p><p>Das w�rde ihm wehtun. Sein Arbeitszimmer war sein heiliger R�ckzugsort in unserer Wohnung. Ich hatte Zutrittsverbot, solange er sich darin aufhielt, und durfte es nur betreten, um dort zu putzen und Staub zu wischen. Das allerdings durfte ich oft, denn Greg hat es gern sauber.</p><p>Nat�rlich h�tte ich lieber meinen Koffer gepackt und w�re T�ren schlagend aus der Wohnung gest�rmt, aber wo sollte ich denn hin? Das Arbeitszimmer war der einzige Zufluchtsort, der mir einfiel.</p><p>Greg schluckte, wollte etwas sagen, presste aber die Lippen zusammen und nickte. Er half mir, meine Sachen in sein Arbeitszimmer zu r�umen. Ich richtete mich ein so gut es ging, aber nat�rlich ging es nicht gut. Dann verlie� ich die Wohnung, ging zur Bank, stoppte den Dauerauftrag f�r die Mietanteilzahlung und streunte durch die Stadt wie ein gepr�gelter Hund. Ich bemitleidete mich selbst nach Strich und Faden und beschloss, mir etwas Gutes zu tun. Und jedes Kind wei�, was gut f�r Frauen mit Liebeskummer ist: Sie setzen sich in ein Caf� und essen tonnenweise Torten.</p><p>Ich setzte mich in ein Caf�, bestellte einen Cappuccino und ein gro�es St�ck der dunkelsten Schokoladentorte, die irgendeinen italienischen Namen trug, den ich nicht richtig aussprechen konnte. Ich schl�rfte den Schaum vom Cappuccino, wie ich es, sehr zu Gregs Missfallen, immer getan habe. Die Torte kam, ich spie�te ein St�ck von beachtlichem Ausma� auf die filigrane Kuchengabel, hob sie zum Mund und�� presste die Lippen zusammen.</p><p>Das hatte ich ja v�llig vergessen. Ich kann nichts essen, wenn es mir schlecht geht. Trauer und Stress verschlie�en meinen Magen zuverl�ssiger, als jede Operation es k�nnte. Das hatte mir im zarten Alter von f�nfzehn Jahren einen mehrt�gigen Krankenhausaufenthalt eingebracht, der der intraven�sen Aufp�ppelung meiner abgemagerten Gestalt diente. Ich war damals ungl�cklich verliebt und nicht in der Lage gewesen, zu essen. Drei Wochen lang. Drei Wochen totales Fasten sind eine lange Zeit f�r eine pubertierende und noch im Wachstum befindliche G�re von einhundertvierundsiebzig Zentimetern K�rpergr��e, also wurde ich im Krankenhaus zwangsern�hrt. Zum Gl�ck verliebte ich mich bald auf das Heftigste in den Assistenzarzt, sodass ich am achten Tag selbstst�ndig a� und wenige Tage sp�ter, sehr zu meinem Leidwesen, entlassen wurde.</p><p>Jetzt sa� ich also vor einer vermutlich himmlischen Torte, bekam kein St�ck davon herunter und k�mpfte mit den Tr�nen. Ob vor K�ndigungs- und Liebeskummer oder wegen der Unf�higkeit, dieses Kleinod der Konditorkunst angemessen zu w�rdigen, war mir nicht klar, im Grunde aber auch egal.</p><p>Damals brachten mich noch Kleinigkeiten aus der Fassung.</p><p>Nat�rlich �rgerte ich mich auch dar�ber, dass ich das Feld meiner Nachfolgerin �berlassen hatte, statt um meinen Platz an Gregs Seite zu k�mpfen.</p><p>�Mir ist egal, wo sie wohnt, ich jedenfalls wohne hier�, w�re ein guter Satz gewesen.</p><p>Auch der Spruch: �Wenn ihr beide zusammen sein wollt, dann sucht euch doch eine gemeinsame Wohnung. Ich bleibe hier�, hatte einen gewissen Reiz, war aber leider ganz unpassend, denn f�r mich allein war die gro�e Wohnung viel zu teuer.</p><p>Aber alle Gedankenspiele halfen nicht mehr, denn ich hatte in dieser Auseinandersetzung kl�glich versagt, so wie ich in den meisten Konflikten versage.</p><p>Um mich gedanklich etwas abzulenken, richtete ich mein Augenmerk auf die Zukunft und stellte mir einige wichtige Fragen: Wo sollte ich wohnen? Das Arbeitszimmer bei Greg und Sue konnte keine dauerhafte L�sung sein. Ich musste mir also entweder eine eigene, kleine, bezahlbare Wohnung suchen oder Greg und meine Seite unseres Bettes zur�ckerobern. Mir gefiel die Vorstellung eines Umzugs ganz und gar nicht, au�erdem erwachte langsam mein Kampfgeist. Ich wollte Greg zur�ck. Und dann gab es noch das Problem mit meiner K�ndigung. Wo sollte ich arbeiten? Wenn es einer ganzen Branche schlecht geht, haben Arbeitskr�fte, deren Berufsbild nur in diesem Wirtschaftszweig existiert, schlechte Karten. Und meine Attraktivit�t f�r Greg hatte durch die K�ndigung gelitten. Arbeitslose sind nicht sexy. Arbeitslose bekommen auch keine Wohnung. Ein Teufelskreis.</p><p>W�hrend ich das hier schreibe, sitze ich �brigens in meiner neuen Wohnung. Nicht, dass ich vor lauter Langeweile Tagebuch schreibe. Ich mache das f�r den Anwalt, den Lisbeth sicher fr�her oder sp�ter f�r mich engagieren muss. Er soll meine Version der Geschehnisse aus erster Hand erfahren, bevor die Presse mich mit wenig schmeichelhaften Spitznamen bedenkt und �ffentlich als Bestie darstellt.</p><p>Im Oktober letzten Jahres also sa� ich im Caf� vor dem Tortenst�ck und hing meinen tr�bsinnigen Gedanken nach. Vermutlich haben neunundneunzig Prozent aller einunddrei�igj�hrigen Frauen in einer �hnlichen Situation eine Freundin, bei der sie �bergangsweise Unterschlupf finden k�nnen. Ich hatte, wie bereits gesagt, keine.</p><p>Ich war nach dem Abitur nach D�sseldorf zur Ausbildung in eine Werbeagentur gekommen, weil mein damaliger Schwarm das auch tat. Zu Hause hatte er nicht viel von mir wissen wollen, aber als wir beiden D�rfler dann pl�tzlich in der fernen Gro�stadt eine Art Schicksalsgemeinschaft waren, klammerte er sich f�rmlich an mich. Offenbar war ich an diesem Ort der einzige Halt in seinem Leben. Hat aber nicht lange funktioniert. Der Arme floh zur�ck in die Eifler Berge und verbringt seine Tage heute als stellvertretender Filialleiter an der Kasse eines Drogeriemarktes. Immerhin ist er mit einer ehemaligen Schulkameradin verheiratet und inzwischen dreifacher Vater.</p><p>Ich blieb in D�sseldorf, schloss meine Ausbildung ab und machte das, was die meisten jungen Mitarbeiter in Werbeagenturen tun: �berstunden. Hunderte. Mein Privatleben fand ausschlie�lich am Wochenende statt und bestand meist aus Ausschlafen, Einkaufen, Saubermachen und am Rhein Spazierengehen. Das Nachtleben liegt mir nicht, ich gehe nicht allein in Kneipen, schon gar nicht in Discos. Dazu bin ich viel zu sch�chtern. Gelegentlich bin ich ins Kino gegangen, aber das ist nat�rlich auch kein Ort, an dem man Leute kennenlernt. Sportkurse konnte ich nicht belegen, weil ich keinen geregelten Feierabend hatte. Wie sollte ich so eine Freundin finden?</p><p>Und dann, nach acht Jahren Single-Dasein, kam Greg.</p><p>Ich verdr�ngte den Gedanken an ihn, denn mir schossen wieder die Tr�nen in die Augen. Andererseits waren die Tr�nen ganz gut, denn sie verhinderten den Blick auf den langsam antrocknenden Kuchen auf dem Tisch vor mir.</p><p>Also doch zur�ck zu Greg. Als er in die Agentur kam, wurde ich von J�rgen beauftragt, dem frisch aus Amerika eingetroffenen Assistant Art Director bei der Wohnungssuche zu helfen. Daraus ergab sich zwangsl�ufig ein Kontakt, der neben der Arbeit auch am Wochenende fortgesetzt wurde. Ich suchte Wohnungsanzeigen aus der Zeitung heraus, rief die Vermieter an, vereinbarte Termine und besichtigte samstags und sonntags mit Greg die angebotenen Objekte. W�hrenddessen wohnte er auf Agenturkosten im Hotel, schien sich dort, dank ausgezeichneter Rundumversorgung, sehr wohl zu f�hlen und hatte es daher nicht eilig, in die eigenen vier W�nde zu kommen. Als ich ganz unerwartet die K�ndigung f�r mein Ein-Zimmer-Apartment erhielt, nahm ich all meinen Mut zusammen und schlug mit klopfendem Herzen vor, zusammenzuziehen. Zwar war unsere Beziehung bis dahin nicht �ber eher sporadische Intimit�ten hinausgekommen, aber zu meiner gro�en �berraschung willigte Greg ein. Die Zicken aus der Mediaplanung zischelten den Begriff �betreutes Wohnen� durch die Flure, aber das entsprang nur ihrer Eifersucht, denn Greg war nun einmal der sch�nste Mann im B�ro.</p><p>�Darf�s noch was sein?�</p><p>Ich tauchte aus meinen tr�nenumflorten Erinnerungen auf, erkannte die Bedienung, die mich mit besorgtem Gesichtsausdruck anblickte, und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Sie k�nnen den Kuchen abr�umen�, murmelte ich.</p><p>�Ist er nicht gut?�, fragte sie.</p><p>�Doch, doch�, beeilte ich mich zu antworten. �Aber ich kann jetzt nicht�� Der Rest des Satzes wurde unh�rbar, als mir die Stimme wegrutschte.</p><p>Sie nickte schnell, griff nach dem Teller, gab sich dabei sichtliche M�he, mich nicht weiter anzusehen, und verschwand.</p><p>Jedenfalls hatte ich, nachdem ich mit Greg zusammenlebte, erst recht keine Freundin mehr gesucht, obwohl Greg abends so oft weg war, dass ich eine Freundschaft durchaus h�tte pflegen k�nnen. Aber es hat sich einfach nie ergeben. Und jetzt hatte ich also gleich drei Probleme an der Backe: Job weg, Freund weg, Wohnung weg. Eine R�ckkehr nach Hause auf die Eifeler H�hen kam trotzdem nicht infrage. Nach all den Jahren war ich eine Stadtpflanze geworden.</p><p>Der Antrittsbesuch auf dem Arbeitsamt, das nat�rlich nicht mehr so hei�t, sich aber immer noch so anf�hlt, verlief angenehmer, als ich erwartet hatte, stellte meine Geduld aber trotzdem auf eine harte Probe.</p><p>�Ausbildung zur Werbekauffrau?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sie sind ja schon �ber drei�ig!�</p><p>�Ja.�</p><p>�Hm. Das ist in der Werbung nat�rlich ein Problem.�</p><p>Darauf antwortete ich lieber nicht.</p><p>�F�hrerschein?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Pkw?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Fortbildungen? Zusatzausbildungen? Weitere nennenswerte F�higkeiten?�</p><p>�Nein.�</p><p>Oder vielleicht doch? Sollte ich erw�hnen, dass ich die agentureigenen Pflanzen pflegte? Nein, lieber doch nicht.</p><p>�Also nicht viel�, sagte die gelangweilte Dame mittleren Alters mit dem schlecht gef�rbten und toupierten Haar. �Nur <emphasis>eine </emphasis>Ausbildung, nur <emphasis>ein </emphasis>Arbeitgeber, <emphasis>keine </emphasis>Fortbildungen, <emphasis>kein </emphasis>Studium, <emphasis>keine </emphasis>Auslandserfahrung und schon <emphasis>�ber </emphasis>drei�ig. Naja, wenn Sie sich M�he geben, finden Sie vielleicht wieder was in dem Bereich.�</p><p>�Davon gehe ich aus�, sagte ich, obwohl ich mir nicht mehr so sicher war. So, wie die Sachbearbeiterin meinen Fall geschildert hatte, bestand wohl wenig Hoffnung.</p><p>�Lesen Sie das alles aufmerksam durch�, sagte die Frau und dr�ckte mir einen ganzen Stapel Brosch�ren, Faltbl�tter und weitere Formulare in die Hand.</p><p>�Und in vier Wochen sehen wir uns wieder.�</p><p>Sie schrieb ein Datum und eine Uhrzeit auf einen vorgedruckten Terminzettel und reichte ihn mir her�ber.</p><p>�Ab sofort m�ssen Sie erreichbar sein, bei Abwesenheit ist sicherzustellen, dass jemand Ihre Post entgegennimmt, einem eventuell zwischendurch angesetzten Termin ist Folge zu leisten, sonst gibt es kein Geld.�</p><p>Mein Einwand, dass ich aber noch gar nicht arbeitslos sei, weil ich eine K�ndigungsfrist von zwei Monaten hatte, r�hrte sie nicht. �Sobald Sie im System erfasst sind, m�ssen Sie zur Verf�gung stehen.�</p><p>Ich f�hlte mich zwangsverwaltet, wie ein altes, staubiges Blatt Papier, das man in einen Ordner heftet und dann in ein Regal stellt. In das Regal mit der Aufschrift �Hoffnungslose F�lle�.</p><p>�Sie k�nnen gleich unten im Computer nach Stellenangeboten suchen, wir erwarten von Ihnen Nachweise, dass Sie sich bewerben.�</p><p>�Sind denn so viele Stellen da, auf die ich mich bewerben kann?�, fragte ich mit einem kleinen Funken Hoffnung.</p><p>�Glaube ich nicht.� Der Funke erstarb. �Bewerben m�ssen Sie sich aber auf jeden Fall.�</p><p>Gut zu wissen.</p><p>Es gab zwei Stellenangebote f�r Werbekauffrauen, die Namen der Agenturen waren mir bekannt. Ich druckte die Anzeigen aus, kaufte auf dem R�ckweg Qualit�tspapier, Umschl�ge, Bewerbungsmappen und Briefmarken und verzog mich in mein Arbeitszimmer. Der Rest der Wohnung war leer, die Turtelt�ubchen waren ausgeflogen.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Ich arbeitete an der Erstellung meines Lebenslaufes, als es klingelte.</p><p>Ich erwartete niemanden. Wenn es Besuch f�r Greg war, wollte ich nichts damit zu tun haben. Wenn es Sue war, die schon mal in eins von Gregs Hemden geh�llt das Bett vorw�rmen wollte, wollte ich erst recht nichts damit zu tun haben. Ich tat so, als h�rte ich nichts.</p><p>Es klingelte wieder. Und noch mal.</p><p>Ich war einsam und neugierig, also �ffnete ich.</p><p>Vor mir stand ein Troll.</p><p>�Hi�, sagte das Wesen. �Du hast etwas im B�ro vergessen.�</p><p>Ich starrte die Figur an. Sie kam mir bekannt vor. Knapp einen Meter sechzig gro�, extrem breit gebaut, in eine schlabbernde Jeans und eine gef�tterte Cordjacke gekleidet und mit einer knallroten Fellm�tze auf dem Kopf.</p><p>Nein, keine M�tze. Knallrote Haare, die gestern noch gelb gewesen waren. Nat�rlich, Troll!</p><p>�Hi�, stammelte ich. �Mit dir habe ich ja nun �berhaupt nicht gerechnet.�</p><p>Ich trat von der T�r zur�ck und lie� das Wesen eintreten. Es entledigte sich seiner Cordjacke und war eindeutig weiblich. Es strich sich die Haare aus dem Gesicht und grinste mich an.</p><p>�Sch�ne Bude.�</p><p>�Gregs Bude�, zischte ich.</p><p>�Hab schon geh�rt, dass der Latino-Chico eine Neue hat�, sagte das Wesen, w�hrend es in einer der zahlreichen Taschen der Jeans kramte. �Hier.�</p><p>Sie hielt mir meine Muschel entgegen. Genauer gesagt das Haus einer Wellhornschnecke, graublau und vollkommen unversehrt. Ich hatte es vor einigen Jahren an der Nordsee gefunden und es, um beiden Seiten eine Freude zu machen, in den Topf mit dem Salzwiesengras gelegt.</p><p>�Danke�, sagte ich. �Woher wusstest du, dass das mir geh�rt?�</p><p>Tabea Trollinger, die aus offensichtlichen Gr�nden Troll genannt wurde, grinste, wie sie es immer tat. Ein bisschen schief. Ihr rechter Mundwinkel zog weiter und h�her hinauf als der linke, was ihr Grinsen etwas sp�ttisch wirken lie�. Tabea Trollinger war damals Praktikantin bei AIQ im Bereich Text und geh�rte somit zu den Kreativen, zu denen ich wenig Kontakt pflegte. Immerhin wusste ich, dass das Praktikum bei AIQ bereits ihr siebzehntes oder achtzehntes war, dass sie zwei Studienabschl�sse hatte, davon einen in irgendeinem Designbereich. Sie war so alt wie ich, tingelte aber als ewige Praktikantin durchs Leben. Ob gewollt oder ungewollt, wusste ich nicht. Jedenfalls hielten die Kollegen viel von ihrem geradezu enzyklop�dischen Wissen, aber wenig von ihrer kratzigen Art. Die ehemaligen Kollegen, sollte ich wohl sagen.</p><p>�Ich wollte die Muschel klauen�, antwortete Troll auf meine Frage, �da hat Susanne sie verteidigt�� mit Z�hnen und�?�</p><p>Nun grinste ich auch. �Klauen.�</p><p>Die Fingern�gel meiner Kollegin Susanne sind legend�r.</p><p>�Yep.� Sie nickte dazu und blickte neugierig an mir vorbei in die Wohnung.</p><p>�Danke.�</p><p>�Schon ok.�</p><p>Ich z�gerte nur einen Moment. �Willst du reinkommen? Ich mache uns einen sauteuren Espresso mit Gregs sauteurer Espressomaschine.�</p><p>�Teuersten Dank�, entgegnete sie.</p><p>�Brauchst du was?�, fragte Troll beim Espresso, den sie mit vier L�ffeln Zucker in einen dampfenden Sirup verwandelte. Wir hockten in meinem Zimmer, ich auf dem Schreibtischstuhl, Troll im Ledersessel, den Greg immer zum Nachdenken genutzt hatte. Behauptete er zumindest.</p><p>�Eine Wohnung, einen Job und einen neuen Freund�, sprudelte ich hervor. Oder meine Bettseite und meinen alten Freund zur�ck, dachte ich bei mir, sagte es aber nicht, weil ich noch keine Strategie hatte, wie ich Sue hinaus- und mich wieder hineintricksen sollte. Ins Bett, meine ich.</p><p>Irgendetwas an meiner Aufz�hlung schien Troll nicht zu gefallen, denn sie r�mpfte missbilligend die Stupsnase.</p><p>�Du kannst zu mir ziehen�, bot sie an.</p><p>Ihr Angebot hatte beil�ufig geklungen. Dabei kannten wir uns doch praktisch gar nicht. Ich starrte sie �berrascht an.</p><p>Vor ein paar Stunden hatte ich noch mit mir und der Welt gehadert, weil ich genau diese M�glichkeit nicht hatte, und jetzt bot mir diese Frau, mit der ich bisher in der Agentur h�chstens zehn S�tze gesprochen hatte, eine Mitwohngelegenheit an. Ich war verwirrt. Sollte ich wirklich� Aber dann fiel mir siedend hei� ein, was die Kolleginnen in der Agentur �ber Troll erz�hlt hatten. Dass sie den Frauen zugetan sei. In jeder Hinsicht. Es ist nicht so, dass ich ein Problem damit habe, nur fehlt mir die �bung im Umgang mit solchen Leuten. Ich war mir absolut nicht sicher, ob es ratsam sei, unter diesen Umst�nden gerade mit Troll eine WG zu gr�nden.</p><p>Vermutlich interpretierte sie mein Schweigen richtig, denn sie zuckte mit den Schultern und sagte: �Du kannst es dir ja �berlegen, das Angebot steht.�</p><p>Ich hatte den Eindruck, dass sie entt�uscht war. Allerdings war das schwierig festzustellen, denn sie war bereits um den Schreibtisch herumgegangen und hatte einen ausf�hrlichen Blick auf meinen Lebenslauf geworfen.</p><p>�Das klingt so blutleer wie die mumifizierte Leiche von Tante Hildegard, die ein Jahr verschollen war und dann mit einem Strick um den Hals auf dem Dachboden baumelnd gefunden wurde�, erkl�rte sie in ihrem weichen Schw�bisch.</p><p>Damals brachte mich bereits die Erw�hnung einer Leiche aus der Fassung, daher starrte ich sie entsetzt an, was sie aber entweder absichtlich oder aufgrund totaler Konzentration auf meinen Lebenslauf nicht zur Kenntnis nahm. Diese bildhafte Sprache hat sie echt drauf, deshalb war sie bei AIQ ja auch eine sehr angesehene Texterin.</p><p>�Mein Leben ist blutleer und langweilig�, seufzte ich, nachdem ich das Bild von Tante Hildegards mumifizierter Leiche vor meinem inneren Auge erfolgreich verdr�ngt und mich geistig wieder in meine eigene nicht ganz unproblematische Situation zur�ckversetzt hatte. �Ich war auf der Schule, habe eine Ausbildung gemacht, niemals den Job gewechselt und geh�re ab sofort zum Heer der Arbeitslosen.�</p><p>Troll �berlegte, wobei sie die Unterlippe zwischen die Z�hne zog.</p><p>�Du bist in der Werbebranche, meine S��e, und diese Branche ist weder blutleer noch langweilig. Sie ist peppig, hip, kreativ und voller Farben. Wir erschaffen Tr�ume, handeln mit der Sehnsucht, bet�ren die Menschen und f�hren sie in Versuchung. Wir entfachen Leidenschaft und bieten Befriedigung selbst des niedersten Triebs. Dein Lebenslauf hingegen liest sich, als seist du beh�rdlich bestellte Teilzeit-Archivarin im Stricknadelmuseum.�</p><p>Ich war einen Moment sprachlos. Niemals w�hrend meiner Zeit bei AIQ hatte ich mit Sehnsucht gehandelt, Leidenschaften entfacht oder Tr�ume erschaffen. Das entsprach auch gar nicht meinem eher n�chternen Naturell. Im Gegenteil. Ich hatte einfach nur meine Arbeit getan und zwar sorgf�ltig und gewissenhaft. Mir war, als spr�che Troll von einem Paralleluniversum.</p><p>�Ich geh�re nicht zu den Kreativen. Ich bin die, die sachlich bleibt und Ordnung h�lt�, entgegnete ich trotzig. Ich hatte keine Lust auf Pep, auf Hip oder auf sonstigen Quatsch, ich wollte einfach einen neuen Job.</p><p>�Versteck deine Telefonnummer in einem Zahlenr�tsel, mach aus deinem Namen eine Scrabbel-Aufgabe oder schreib das Anschreiben in Spiegelschrift, dann kommst du interessant r�ber�, schlug Troll vor.</p><p>Ich verschr�nkte die Arme vor dem K�rper und lehnte mich zur�ck. Mit solchem Kinderkram wollte ich nichts zu tun haben.</p><p>�Hast du schon ein Zeugnis bekommen?�, fragte Troll.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Daran hatte ich gar nicht gedacht. Bevor ich mich �berhaupt bewerben konnte, ben�tigte ich ein Arbeitszeugnis.</p><p>�Ich regle das�, sagte sie, w�hrend sie nach ihrer Cordjacke griff. �Schreib du solange deinen Lebenslauf neu. Benutze positive, kraftvolle Worte, die Energie ausstrahlen, und schreib mindestens ein Hobby dazu. Menschen ohne Hobbys sind Zombies, und Zombies bekommen keinen neuen Job, schon gar nicht in der Werbung.�</p><p>Die T�r fiel mit einem lauten Knall hinter ihr ins Schloss, w�hrend ich am Schreibtisch sa� und �berlegte, was sie mit Energie ausstrahlenden Worten meinte und wo ich so ganz auf die Schnelle ein hippes Hobby hernehmen sollte. Denn von der Aufzucht und Pflege anspruchsloser Pflanzen in Balkonk�sten aus gr�nem Plastik hatte Troll sicher nicht gesprochen.</p><empty-line/><p>Nach etlichen Stunden abendlicher Auseinandersetzungen mit meiner ausgesprochen dominanten pers�nlichen Bewerbungsberaterin Troll hielt ich endlich einen genehmigten Lebenslauf und ein zugegebenerma�en erstklassiges Zeugnis von meinem ersten und einzigen Arbeitgeber in der Hand. In dem Zeugnis h�tte ich mich, wenn mein Name nicht draufgestanden h�tte, nicht wiedererkannt. Mein �jederzeit herausragendes Engagement�, meine �ausgezeichnete Beherrschung aller im kaufm�nnischen Bereich eingesetzten EDV-Programme�, meine �vorbildliche Kompetenz sowohl in externer wie interner Kommunikation� und �hnliche F�higkeiten mussten einfach eine der anderen neunhundertneunundneunzig Werbeagenturen der Stadt davon �berzeugen, dass ich genau die Richtige f�r sie war.</p><p>Ich tippte Bewerbungsschreiben. Hunderte, wie mir schien. Die Anschreiben steckte ich mit Lebenslauf und Zeugniskopie in gro�e Umschl�ge, die ich paketeweise bei der Post aufgab. Ich schrieb nicht nur an solche Agenturen, die Stellenanzeigen geschaltet hatten, sondern auch an die, die einen besonders guten Ruf genossen und f�r mich als Arbeitgeber infrage kamen.</p><empty-line/><p>Einige Bewerbungsmappen kamen postwendend zur�ck, aber nach zehn Tagen war es endlich so weit. Ich war den ganzen Tag unterwegs gewesen, erst beim Arbeitsamt, dann im Copyshop, bei der Bank, der Post und schlie�lich noch einige Eink�ufe erledigen. Ich kam v�llig ersch�pft nach Hause und freute mich auf einen Linseneintopf aus der Dose, den ich vor dem Computer essen wollte. Als nette Unterhaltung hatte ich mir einen Film auf DVD ausgeliehen, denn der superteure Riesenflachbildschirm von Gregs Computer eignet sich hervorragend zum Filmeschauen. Aus dem v�llig entspannten Linseneintopf-Kino-Abend wurde leider nichts, denn ich fand im Briefkasten die Einladung zu meinem ersten Vorstellungsgespr�ch, das gleich am n�chsten Tag stattfinden sollte.</p><p>Sofort verging mir jeglicher Appetit.</p><p>Ich ging kurz die verf�gbare Garderobe durch und schluckte. Bisher hatte ich mir noch gar keine Gedanken dar�ber gemacht, was ich zum Vorstellungsgespr�ch anziehen sollte. Jetzt war es ein bisschen sp�t, denn das schwarze Kost�m, das ich zu Gro�vaters Beerdigung getragen hatte, passte mir nicht mehr. Die Jacke sa� viel zu knapp, w�re aber vielleicht noch tragbar gewesen, wogegen der Rei�verschluss des Rocks sich nicht einen einzigen Zentimeter schlie�en lie�.</p><p>Ich rief Troll an.</p><p>�Kleb den Rei�verschluss mit schwarzem Tape ab�, riet sie mir.</p><p>�Ich habe kein schwarzes Tape�, entgegnete ich. �Au�erdem m�sste ich mir das Zeug meterweise um die Taille wickeln, damit es auch h�lt, wenn ich mich hinsetze.�</p><p>�Dann geh halt in Jeans, ist doch nicht schlimm. Ein paar peppige Accessoires wirst du ja wohl dazu kombinieren k�nnen.�</p><p>�Ich k�nnte die Kost�mjacke dazu tragen, dann sehe ich wenigstens ein bisschen formell aus.�</p><p>�Eine Kost�mjacke zur Jeans? In welchem Jahrhundert hast du zuletzt in eine Modezeitschrift geschaut?�</p><p>Ich konnte mich kaum erinnern, jemals in eine Modezeitschrift geschaut zu haben, und ich bin sicher, dass Troll das an meiner �u�eren Erscheinung schon l�ngst erkannt hatte. Ich bl�tterte solche Zeitschriften beim Friseur oder im Wartezimmer des Zahnarztes durch, wenn es, was leider h�ufig der Fall war, kein Gartenmagazin gab. Ich mochte die Zeitschriften nicht, weil sie selten Mode zeigen, die f�r eine Frau meiner Statur infrage kommt. Au�erdem fehlten mir sowohl das Geld als auch die Zeit, jede Saison die neuesten Trends mitzumachen. Und die extrem ausgefallene Kleidung meiner Kreativkollegen, mit der ich niemals h�tte mithalten k�nnen, selbst wenn ich es gewollt h�tte, t�tete bei mir jeglichen Drang nach einem eigenen Stil ab. Sie waren die Glitzerfische, ich der Grauwal.</p><p>Es half alles nichts, ich musste in Alltagskleidung zum Bewerbungsgespr�ch gehen. Alltagskleidung hei�t bei mir: Jeans, Pulli, flache Schuhe. Keine Accessoires, kein Tuch um den Kopf geschlungen, keine Tattoos unterhalb des Kehlkopfes und auch sonst nirgendwo. Ich sah so aus, wie ich mich f�hlte: durchschnittlich, langweilig und erfolglos.</p><empty-line/><p>Bei DBQO f�hlte ich mich vom ersten Moment wie ein riesenhafter, grobmotorischer, schwerf�lliger Eindringling. Ich fiel in jeder Hinsicht auf. Durch meine enorme Gr��e, meine vollkommen unpassende Kleidung und dadurch, dass ich als Einzige total unbesch�ftigt war. Arbeitslos im wahrsten Sinne des Wortes.</p><p>�Herzlich willkommen�, hatte die Dame an der Rezeption gefl�tet. �Nehmen Sie doch bitte noch einen kleinen Moment Platz.�</p><p>Angesichts des flachen Sofas, auf das sie zeigte, war ich immerhin froh, weder das Kost�m noch �berhaupt einen Rock zu tragen. Das war allerdings auch der einzige Anlass zur Freude.</p><p>Selbst am Empfang der Agentur herrschte eine derartige Betriebsamkeit, dass mir allein vom Zuschauen schwindelig wurde. �berhaupt war der Empfang eine einsch�chternde Zurschaustellung von Reichtum und Wichtigkeit, wenn auch nicht von Kreativit�t. Es h�tte der Empfang einer beliebigen Anwalts- oder Steuerberatungssoziet�t sein k�nnen. Marmor, Granit und Edelstahl beherrschten die Szenerie, der Empfangstresen war aus einem dunklen, gl�nzend polierten Holz gefertigt und das Firmenschild schwebte auf einer Wolke aus Licht vor der R�ckwand.</p><p>Die drei Damen am Empfang sowie alle Menschen, die vorbeikamen, mich neugierig anstarrten und freundlich gr��ten, waren sch�n. Die Frauen zierlich und die M�nner gut aussehend. Die Frauen trugen fast alle hohe Abs�tze, auf denen sie in so unglaublicher Geschwindigkeit hin und her st�ckelten, dass ich die sch�n geformten Fesseln nur ganz verwischt wahrnahm. Die M�nner trugen enganliegende Hemden, Cordhosen mit Schlag und Schuhe mit riesigen Spitzen, �ber die man normalerweise stolpern m�sste, die bei ihnen aber noch nicht einmal einen Knick aufwiesen.</p><p>Kurzum: Ich f�hlte mich wie ein afrikanisches Panzernashorn auf einer Orchideenwiese. Es erschien mir unm�glich, auch nur einen Schritt zu tun, ohne ein schreckliches Desaster anzurichten oder eins dieser zarten, elfenhaften Wesen umzurempeln.</p><p>Entsprechend verkrampft war ich w�hrend des Gespr�chs.</p><p>�Erz�hlen Sie uns doch bitte, welche Aufgaben Sie bei Ihrem fr�heren Arbeitgeber hatten�, bat mich die Dame im knittrigen Leinenanzug, aber mit ganz sicher geliftetem Gesicht, die sich als Violetta-Viviana Dierenbacher-Schulz, <emphasis>Director-Creative-Staff-Human-Resources-and-Strategic-Personnel-Planning, </emphasis>vorstellte.</p><p>Sie und der schwarz gekleidete Mann, der sich nicht vorgestellt und mir nicht die Hand gegeben hatte, blickten mich eher gelangweilt an.</p><p>Ich war irritiert. �Das steht alles in meinem Zeugnis, mehr kann ich Ihnen nicht erz�hlen.�</p><p>�Aber Sie haben uns ja noch gar nichts erz�hlt. Ein pers�nlicher Bericht ist doch immer besser als ein Blatt Papier. Also?�</p><p>Ich bem�hte mich, die tollen Formulierungen aus dem Zeugnis zu wiederholen, konnte mich aber in meiner Aufregung nicht genau daran erinnern. Also stammelte ich etwas von Kalkulation und Organisation.</p><p>�Was genau haben Sie denn organisiert?�, fragte Frau Dierenbacher-Schulz.</p><p>�Hotelzimmer, Reisen, Projektmeetings. So Sachen halt.� Ich bemerkte selbst, dass ich mich denkbar schlecht verkaufte, konnte aber nichts dagegen tun. Es war, als beobachte ich diese Bewerberin von au�en, ohne ihr helfen zu k�nnen. Es war qu�lend. Mir brach der Schwei� aus.</p><p>Frau Dierenbacher-Schulz warf einen Blick in meine Unterlagen. Ihre Gesichtshaut kr�uselte sich auf der Stirn zu einer hauchfeinen Runzel. �Sie haben Kalkulationen erstellt und Budgets �berwacht, entnehme ich ihrem Zeugnis?�</p><p>�Ja.�</p><p>Die kurze Antwort stellte niemanden zufrieden, auch mich nicht. Aber ich wusste beim besten Willen nicht, was ich h�tte hinzuf�gen k�nnen. Der schwarze Mann hatte inzwischen die Augen geschlossen und massierte sich mit Zeigefinger und Daumen der rechten Hand die Nasenwurzel. Er trug einen riesenhaften, goldenen Siegelring.</p><p>�Hat Ihnen die Arbeit Spa� gemacht?� Der Tonfall hatte an Sch�rfe zugelegt.</p><p>Ich nickte. �Auf jeden Fall.� Ich h�rte selbst, wie lahm das klang. �Ich habe auch die Pflanzen gepflegt.�</p><p>Mist! Die Pflanzen hatte ich auf keinen Fall erw�hnen wollen. Wieso waren mir die jetzt herausgerutscht?</p><p>Frau Dierenbacher-Schulz erhob sich. �Danke, dass Sie gekommen sind, Frau Leyenb�cker.�</p><p>�Leyendecker�, murmelte ich.</p><p>�Wir werden uns in den n�chsten Tagen bei Ihnen melden.�</p><p>Der schwarze Mann hatte die Augen nicht wieder ge�ffnet und stellte sich tot, also sch�ttelte ich nur eine Hand und verlie� den Ort meiner Dem�tigung so schnell ich konnte.</p><p>Ich begab mich ins n�chste Caf�, bestellte Cappuccino und Kuchen, trank den Cappuccino und lie� den Kuchen zur�ckgehen. Heulend. Ich bestellte einen zweiten Cappuccino und zog Bilanz. Ich hatte mich in meinem ganzen Leben noch nie auf eine richtige Arbeitsstelle beworben, nur damals auf den Ausbildungsplatz. Offenbar ben�tigte ein solcher Termin eine ordentliche Vorbereitung. Daran sollte ich arbeiten. Au�erdem war ich sicher, dass es besser liefe, wenn ich mich in meiner Haut und der dar�ber getragenen Kleidung wenigstens einigerma�en wohlf�hlte. Ich bezahlte die Getr�nke und den nicht gegessenen Kuchen, pr�fte den F�llstand meines Portemonnaies und ging einkaufen. Eine schwarze Hose, sehr modisch geschnitten, einen schwarzen Pullover, sehr modisch geschnitten, sowie eine lange Kette mit gro�en Glasperlen, ebenfalls in Schwarz. Ob man bei Ketten von einem modischen Schnitt sprechen kann, entzieht sich meiner Kenntnis, aber immerhin war diese Art Accessoire gerade sehr angesagt. Und farblich entsprach ich voll und ganz dem Dresscode der Branche.</p><p>Das zweite Vorstellungsgespr�ch lief schon viel besser, obwohl ich die halbe Nacht davor nicht schlafen konnte, weil Sue und Greg ihren ersten Streit hatten, der mit einem Schrei begann. Einem Schrei wie von jemandem, der Tante Hildegard am Dachbalken findet. Dann ging der Streit richtig los, wobei ich durch die Wand nicht verstehen konnte, wor�ber die beiden stritten.</p><p>Das Gezeter dauerte ungef�hr eine halbe Stunde, dann klingelte es an der Wohnungst�r. Ich f�hlte mich nicht zust�ndig, mich um den n�chtlichen Besucher zu k�mmern, und schlief angesichts der pl�tzlich eintretenden Stille ein. Aber ich schlief schlecht. Ich tr�umte von Tante Hildegard, die nicht meine Tante war, die ich niemals gesehen hatte und die doch seit geraumer Zeit durch mein Bewusstsein geisterte. Ich tr�umte auch von meinem bisher einzigen Vorstellungsgespr�ch, das katastrophal schlecht gelaufen war und das sich in meinen Tr�umen zu einer wahren Blutorgie steigerte, als das Panzernashorn vier P�ppis und die Personalleiterin mit dem Vierfachnamen und dem Endlostitel auf sein Horn spie�te und mit einem Strau� Orchideen garnierte. Und irgendwie war auch Sue unter den Opfern.</p><empty-line/><p>Ich war unausgeschlafen und sah auch so aus, als ich zu meinem n�chsten Vorstellungsgespr�ch erschien. Immerhin hatte ich einen Kaffee und ein klitzekleines Eckchen von einem Croissant zu mir genommen, bevor mein Schaulaufen begann.</p><p>Wieder lie� man mich im Empfangsbereich sitzen und wieder schien es mir, als k�me jede Vollzeit-, Teilzeit- und Aushilfskraft einmal vorbeigewieselt, um mich in Augenschein zu nehmen. Meine Aufregung lie� allerdings in dem Ma�e nach, in dem ich Gespr�chsfetzen der Schicken und Hippen aufschnappte.</p><p>�� immerhin ist es <emphasis>non-profit</emphasis>, das ist ein <emphasis>Challenge</emphasis>, das kann man nicht einfach so aus dem �rmel sch�tteln��</p><p>�� Projekte in der Pipeline, die wir zeitnah <emphasis>forecasten </emphasis>und <emphasis>hopefully </emphasis>realisieren.�</p><p>�� im <emphasis>Yellow-Press-Benchmark </emphasis>haben wir starke <emphasis>Assets</emphasis>, wenn nicht sogar die <emphasis>Leadership</emphasis>, das m�ssen wir in der <emphasis>Q-and-A-Session </emphasis>herausstellen��</p><p>�� wir m�ssen den USP am POS definieren, dann brauchen wir ein hei�es <emphasis>Tool </emphasis>��</p><p>Solchen Schwachsinn war ich von AIQ gewohnt, das belastete mich nicht mehr. Vielmehr war ich ein bisschen entt�uscht, dass hier derselbe Schwall hei�er Luft durch die Flure wehte wie in der deutlich provinzieller wirkenden Mini-Agentur, in der ich mehr als zehn Jahre meines Lebens verbracht hatte.</p><p>Oder vergeudet hatte?</p><p>Der Gedanke �berfiel mich einfach so und verwirrte mich. Warum vergeudet? Bis zu meiner K�ndigung war es mir doch gut gegangen, oder nicht? Ich hatte meine Arbeit gern gemacht und ich war bestens in dem, was ich tat. Mit meiner Kollegin Susanne verstand ich mich gut. Auch mein Privatleben war zufriedenstellend gewesen. Oder?</p><p>�Frau Leyendecker, herzlich willkommen. Ich hoffe, ich habe Sie nicht zu lange warten lassen.�</p><p>Der so sch�n daherredete, sah auch gut aus, duftete gut, wenn auch ein kleines bisschen zu aufdringlich, und legte sogar ansprechende Manieren an den Tag. Er h�tte meiner Oma sicher gefallen. Der Gedanke brachte mich schon wieder aus dem Konzept.</p><p>�Was hat Sie denn bewogen, sich gerade bei uns zu bewerben?�, fragte er, als wir in seinem B�ro sa�en. Seinen Namen hatte er mir bisher nicht mitgeteilt und ich konnte mich auch nicht daran erinnern, dass in der Einladung der Name meines Gespr�chspartners gestanden h�tte. Der Mann ohne Namen hatte inzwischen Kaffee in Designertassen servieren lassen, bei denen ich nicht recht wusste, ob das geschwungene Ding am Rand der Tasse der Henkel sein sollte. ER lehnte sich in seinem schwingenden Lederstuhl so weit zur�ck, dass ich in seine Nasenl�cher schauen konnte. Das linke Bein hatte ER angewinkelt und auf das rechte Knie gelegt. Seine Beine waren rasiert. Vielleicht h�tte ER meiner Oma doch nicht so gut gefallen.</p><p>�Sie haben einen sehr guten Ruf in der Branche�, brachte ich hervor, obwohl ich innerlich die Augen verdrehte. Wie konnte man nur solch eine bl�de Frage stellen? Ich war gek�ndigt, er hatte eine Stellenanzeige in der Zeitung geschaltet, da h�tte es schon einen wirklich triftigen Grund geben m�ssen, damit ich mich <emphasis>nicht </emphasis>bei ihm bewerbe.</p><p>�Denken Sie an eine besondere Kampagne, die Ihnen gefallen hat?�, fragte Herr Streich-mir-Honig-ums-Maul-Liebchen.</p><p>Zum Gl�ck hatte Troll mich auf solche und �hnliche Fragen vorbereitet und mir eine erstklassige Einweisung gegeben. Bei dem Gedanken an das Wort �Einweisung� musste ich mir ein Grinsen verkneifen. Das sollte man mit dem Typ auch mal machen. Ihn einweisen. Ich unterdr�ckte die vollkommen unpassende Heiterkeit, sammelte mich und beantwortete seine Frage. �Besonders gelungen fand ich die Windelwerbung mit den Babys unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Sehr integrativ.� Meine Antwort folgte Trolls Vorgabe: Kurzbeschreibung der Kampagne in f�nf neutral formulierten Worten. Die subjektive Bewertung enth�lt maximal zwei Adjektive und f�llt <emphasis>immer </emphasis>positiv aus. Egal wie bescheuert die Kampagne war.</p><p>Der Wichtigtuer grinste ein selbstgef�lliges Grinsen. Ich verbuchte einen Punkt f�r mich.</p><p>�Auch der Spot f�r die Partnerzahnpasta war �berraschend und witzig.� Kurzbeschreibung und zwei Adjektive. Die Formel war der Hit, das Ego meines Gegen�bers bl�hte sich weiter auf.</p><p>Ich hatte diesen Spot f�r die Zahnpastatube, die an beiden Enden eine T�lle mit Verschlusskappe hat, ein einziges Mal gesehen. Damals hatte ich mit offenem Mund gestaunt, f�r wie doof man die Kundschaft noch verkaufen k�nnte, bevor die Z�hneputzer der Nation sowohl den Tubenhersteller als auch den Werbeverantwortlichen lynchen und �ffentlich am h�chsten Geb�ude der Stadt aufh�ngen w�rden. Diese Meinung hatte ich Troll nicht verheimlicht, aber sie hatte mich ausgelacht. Nat�rlich sei die Zahncremetube nicht benutzerfreundlich und nat�rlich sei auch der Spot ziemlich d�mlich, aber das habe nichts damit zu tun, dass die Kampagne eben doch wegweisend sei. Punkt. Ich verkniff mir die Frage, wohin dieser Weg wohl weisen w�rde. Zum Gl�ck konnte Troll jeder Kampagne, die in den letzten f�nf Jahren gelaufen war, sofort die korrekte Agentur zuordnen, die sie kreiert hatte. Ich hatte noch nie darauf geachtet, w�re also f�r die Vorstellungsgespr�che ohne meine Beraterin schlecht ger�stet gewesen. Ich dankte Troll im Stillen f�r ihre geduldigen Unterweisungen.</p><p>Jetzt sa� ich also im B�ro dieser Mensch gewordenen Demonstration m�nnlicher Eitelkeit und warf ihm artig die vorgekauten H�ppchen hin, mit denen er sein Selbstwertgef�hl aufp�ppeln konnte. Bitte, wenn�s mir zu einem Job verhilft, dachte ich.</p><p>Tat es aber nicht. Die Absage kam drei Tage sp�ter, man habe sich f�r eine andere Bewerberin entschieden und bitte mich, dies nicht als Entscheidung gegen mich aufzufassen. Schon wieder so ein uns�glicher Schwachsinn. Langsam wurde ich es leid.</p><empty-line/><p>�Ich habe siebzehn Praktika absolviert und vor jedem einzelnen standen im Schnitt zehn Bewerbungsgespr�che�, erkl�rte Troll mir reichlich unger�hrt, als ich ihr mein Leid klagte. �Du hast einfach zu wenig �bung und siehst die Sache zu eng. Man sollte ein solches Vorstellungsgespr�ch nicht zu ernst nehmen, sonst wird es m�hsam.�</p><p>�Du hast gut reden�, sagte ich. �F�r mich ist es ernst. Es geht um meinen Job.�</p><p>Troll blickte mich irritiert an. �F�r mich ging es auch immer um einen Job�, entgegnete sie. �Aber deshalb muss man sich trotzdem nicht wie das Kaninchen vor die Schlange setzen und artig reagieren, wenn jemand mit einem M�hrchen wedelt. Wenn dir die Bewerbungsgespr�che zu doof sind, bring etwas Pepp in die Sache.�</p><p>Ich hatte keinen Schimmer, wovon sie sprach.</p><p>�Ich habe zum Beispiel mal eine Gro�packung Klopapier mitgenommen und sie auf den Besprechungstisch gelegt�, sagte Troll.</p><p>Ich kicherte. �Was hat dein Gespr�chspartner gesagt?�</p><p>�Er fragte, ob ich das Toilettenpapier auf den Tisch lege, um ihn zu provozieren.�</p><p>�Das stimmte�, erwiderte ich.</p><p>�Nat�rlich�, stimmte Troll grinsend zu. �Aber das zuzugeben h�tte bedeutet, ihm die Initiative zu �berlassen. Also stellte ich mich naiv und sagte, ich lege es dahin, damit ich es nachher nicht unter dem Tisch vergesse.�</p><p>�Hast du die Stelle bekommen?�, fragte ich.</p><p>�Die Stelle, um die es da ging, habe ich gar nicht gewollt�, kl�rte Troll mich auf. �Es war nur ein �bungsgespr�ch.�</p><p>Die Vorstellung, freiwillig und nur zu �bungszwecken zu einem Bewerbungsgespr�ch zu gehen, war absurd.</p><p>�Ein anderes Mal hatte ich eine von diesen durchsichtigen Parf�meriemarkt-Plastikt�ten dabei. Die war vollgestopft mit Kondomen.�</p><p>Sie knabberte an der M�hre, die sie mitgebracht hatte.</p><p>Ich sp�rte, wie ich rot wurde.</p><p>�Mit Noppen und Erdbeergeschmack und so Zeug�, erg�nzte sie.</p><p>Ich stellte mir vor, was der Rad schlagende Pfau mit den rasierten Beinen wohl zum Klopapier gesagt h�tte. Oder zu den Kondomen. Ob er wenigstens einmal gestutzt h�tte? Ein einziges Mal? Ein kleines Entgleisen der Gesichtsz�ge, ein�� wenn auch nur kurzes�� Zucken der Nasenl�cher, in die ich ziemlich lang gestarrt hatte, wenn auch offenbar nicht lang genug, um die Stelle zu bekommen?</p><p>Aber wollte ich �berhaupt einen Job, der mir diesen Anblick �fter bescherte? Ich muss gestehen, dass meine Zweifel wuchsen. Sicher war ich mir auf jeden Fall in der Einsch�tzung, dass ich nie, wirklich absolut niemals den Mut aufbringen w�rde, mit Klopapier oder Kondomen in ein Bewerbungsgespr�ch zu gehen. Es musste also ohne das klappen�� oder es w�rde gar nicht klappen.</p><p>Die Besuche beim Arbeitsamt, das Ausdrucken und Absenden von Bewerbungen, das Entgegennehmen von Absagen und weitere Vorstellungsgespr�che verliefen, nachdem die erste Aufregung �ber die neue Situation abgeklungen war, gleichf�rmig, ja geradezu eint�nig.</p><p>Bis zu dem Tag, an dem sich alles �nderte.</p><p>Zun�chst zum Guten. Das andere kam ja erst sp�ter.</p><empty-line/><p>Es war ein Freitag, ich hatte ein Vorstellungsgespr�ch und trug wieder meine modisch geschnittene schwarze Hose, den modisch geschnittenen schwarzen Pullover und die modische schwarze Kette. Die Hose ben�tigte inzwischen einen G�rtel, denn die Essst�rung hielt zwar nicht mehr konstant an, flammte aber immer wieder auf, wenn ich Greg im Bad begegnete, Sue ihre spitzen Schreie h�ren lie� oder mir eine Absage ins Haus flatterte. Greg schien meine leichte Gewichtsreduktion �brigens bemerkt zu haben, jedenfalls hatte ich mir beim letzten Treffen vor der Badezimmert�r eingebildet, ein entsprechendes anerkennendes Funkeln in seinen Augen zu sehen.</p><p>In Trolls Gegenwart a� ich recht gut, aber haupts�chlich M�hren. Sie kaufte kiloweise M�hren, die sie st�ndig mit sich herumtrug. Dauernd knabberte sie an dem Zeug und immer bot sie mir auch eine an. Ich gew�hnte mich daran, statt der S��igkeiten, die ich bei AIQ genascht hatte, Gem�se zu knabbern. Allerdings keinen Kohlrabi, denn danach riecht man aus dem Hals und das kann Greg �berhaupt nicht leiden. Aber M�hren sind o.k.</p><p>Ich sa� also w�hrend des entscheidenden Bewerbungsgespr�chs in meiner leicht schlackernden Hose auf dem bequemen Lederstuhl vor dem Schreibtisch des <emphasis>Site Directors </emphasis>und lauschte seinen Ausf�hrungen zum <emphasis>Mindset </emphasis>der Agentur, seiner <emphasis>Vision </emphasis>und der <emphasis>Roadmap </emphasis>zur Erreichung derselben. Ich war darauf vorbereitet, meine F�higkeiten, Kenntnisse und beruflichen Erfahrungen sachlich professionell aber mit wohldosierter Begeisterung routiniert zu erl�utern, und hatte drei Fragen im Kopf, die ich selbst stellen konnte, sollte ich dazu aufgefordert werden.</p><p>Herr Thyssen (�Theissen gesprochen, ja, es gibt da verwandtschaftliche Verwicklungen, die ich selbst gar nicht so genau verstanden habe, hahaha, aber unser Zweig stammt aus den Staaten�) hatte mich nun mit den <emphasis>Main Targets</emphasis>, den <emphasis>Stepstones </emphasis>und dem <emphasis>Daily Workflow </emphasis>bekannt gemacht und holte gerade Luft, um zu weiteren spannenden Themen �berzuleiten, als sein Telefon klingelte.</p><p>Nat�rlich hob er ab.</p><p>Nat�rlich sagte er: �Ich wollte doch nicht gest�rt werden.� Dann lauschte er.</p><p>�Ja.� Kurze Pause. �Ja, Marisa, was gibt es denn?�</p><p>Er lauschte l�nger, runzelte die Stirn, blickte verwirrt, dann �rgerlich, dann ungeduldig, dann wieder verwirrt.</p><p>�Aber wenn oben Wasser kommt, muss doch auch unten Wasser kommen.� Er sprach langsam, wiederholte noch einmal. Er lauschte wieder.</p><p>�Dann stellen Sie die Maschine ab und rufen Sie den Installateur.�</p><p>Pause.</p><p>�Den Handwerker.� Pause. �Den Mann, der die Rohre repariert.� Er lauschte.</p><p>�Ja, ich k�mmere mich selbst darum. Moment. Bleiben Sie dran, legen Sie nicht auf.�</p><p>Er dr�ckte ein paar Tasten, gab der Person am anderen Ende der Leitung den Auftrag, einen Installateur anzurufen und zu seiner Privatadresse zu schicken und ihm Bescheid zu sagen, wann der Mann ank�me, damit er seine Putzfrau entsprechend informieren k�nne, und legte auf.</p><p>�Entschuldigung�, sagte er zu mir, den Kopf ein bisschen in meine Richtung gewandt, die Augen aber immer noch fest auf das Telefon geheftet, an dem ein kleines rotes Licht blinkte. �Wo waren wir?�</p><p>Bevor ich vorschlagen konnte, ihm etwas �ber meine F�higkeiten, Kenntnisse und beruflichen Erfahrungen zu erz�hlen, klingelte das Telefon wieder, er nahm eine offenbar kurze Information entgegen, dr�ckte auf die Taste �ber dem roten Blinklicht und sagte: �Der Installateur kommt um zwei.�</p><p>Stirnrunzeln, Lauschen, Augenverdrehen, Fingertrommeln.</p><p>�Dann holen Sie Ihren Sohn vom Kindergarten und gehen noch mal zur�ck.�</p><p>Lauschen.</p><p>�Gut, dann versuche ich, einen anderen Installateur zu bekommen. Bleiben Sie dran.�</p><p>Erneutes Telefonat mit der Sekret�rin.</p><p>�Entschuldigung�, den K�rper leicht zu mir gewandt, mit Schwei�perlen auf der Stirn und die Augen fest auf das Telefon geheftet. �Meine Putzfrau sagt, dass die Waschmaschine kein Wasser zieht, der Installateur kann erst um zwei, aber sie muss ihren Sohn vom Kindergarten abholen und hat danach einen Termin beim Kinderarzt und dann kommt der Installateur nicht herein, deshalb muss ich jetzt noch einen anderen suchen.�</p><p>In dem Moment geschah es. Ich hatte einen Geistesblitz.</p><p>Mir stand meine berufliche Zukunft so klar vor Augen, als w�rde sie auf der gro�en B�hne des Schauspielhauses gezeigt und ich s��e in der ersten Reihe.</p><p>Mein Blick muss starr geworden sein, denn Herr Thyssen sah mich mit besorgtem Blick an und fragte mit leichter Panik in der Stimme: �Ist Ihnen nicht gut?�</p><p>�Doch, mir geht es bestens, danke�, sagte ich und h�tte fast laut gelacht.</p><p>Herr Thyssen nahm das Bewerbungsgespr�ch wieder auf, indem er mit leicht glasigem Blick fragte: ��h, wo waren wir?�</p><p>Ich erl�uterte meinem sehr unkonzentrierten Zuh�rer meine F�higkeiten, Kenntnisse und beruflichen Erfahrungen�� allerdings nicht, weil ich hoffte, diese Stelle zu bekommen, sondern weil ich nicht wusste, wie ich ihm schonend beibringen sollte, dass ich in seiner Agentur gar keinen Job mehr haben wollte. Ja, dass ich �berhaupt nicht mehr in meinem erlernten Beruf als Werbekauffrau arbeiten wollte. Weder in seiner noch einer beliebigen anderen Agentur voller selbstverliebter Pfaue und elfenhafter Sch�nheiten.</p><p>Ich sprach daher routiniert aber lustlos, er h�rte kaum zu und so verabschiedeten wir uns bald in friedlichem Einvernehmen voneinander.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>�Ich m�chte mich selbstst�ndig machen�, erkl�rte ich meiner Arbeitsberaterin am n�chsten Morgen.</p><p>Sie nickte. H�ndigte mir Formulare aus. Schweigend. Ich nahm sie entgegen, steckte sie in meine Handtasche, dankte artig, verlie� das Geb�ude und stellte mich an die Stra�enbahnhaltestelle. Trat von einem Fu� auf den anderen, ging auf den zwei Quadratmetern verf�gbarer Fl�che auf und ab. Es half nichts.</p><p>Ich war zu aufgedreht, um irgendwo auf irgendetwas zu warten, und beschloss, zu Fu� zu gehen.</p><p>Ich trug die falschen Schuhe, es war kalt, au�erdem begann es zu nieseln, aber ich genoss meinen Fu�marsch. Erinnerungen an lange Spazierg�nge erschienen vor meinem geistigen Auge. Angefangen hatte ich damit zu Hause in der Eifel, obwohl die wenigsten Eifler wandern. Aber Oma liebte es und ich liebte es, weil sie es liebte. Wir machten jeden Sonntag eine ausgedehnte Wanderung, im Fr�hjahr zu den wilden Narzissen, im Herbst zum Pilzesammeln, im Sommer fr�hmorgens und im Winter durch den Schnee. Auch in den ersten Jahren in D�sseldorf ging ich viel zu Fu�, verzichtete h�ufig auf die Stra�enbahn und benutzte stattdessen die eigenen Beine. An den Wochenenden bin ich oft den ganzen Tag am Rhein entlanggegangen, bis es dunkel wurde.</p><p>Diese Freizeitbesch�ftigung hatte ich aufgegeben, als ich Greg kennenlernte. Greg hielt Spazierengehen oder Wandern f�r Alte-Leute-Kram. Er joggte. Wenn auch unregelm��ig. Ich stellte nun fest, wie sehr mir das schnelle Gehen an der frischen Luft gefehlt hatte, und nahm mir vor, wieder mehr Wege zu Fu� zur�ckzulegen.</p><p>Ich hatte keine Lust, nach Hause zu gehen, sondern setzte mich in ein Caf� und bestellte mir eine Apfelschorle. So ein Marsch �ber etliche Kilometer macht ganz sch�n durstig.</p><p>Ich studierte die Formulare und verstand kein Wort. Zum Gl�ck hatte die Beraterin noch f�nf Brosch�ren zwischen die Formulare geschmuggelt, deren eng bedruckte Seiten Hunderte von Voraussetzungen, Wahlm�glichkeiten, rechtliche Grundlagen, Richtlinien, Checklisten und wichtige Hinweise f�r Existenzgr�nder enthielten.</p><p>Existenzgr�nder. Was f�r ein Wort.</p><p>Ich arbeitete mich gewissenhaft durch jede Brosch�re, jedes Gesetz, jede Richtlinie, jede Checkliste und drei Tassen Milchkaffee. Himmel, war das kompliziert! Traute ich mir das wirklich zu? Ich war mir ganz und gar nicht sicher.</p><p>Ich rief Troll an, erreichte ihre Mailbox und sagte, sie solle sich melden. Es gebe eine wichtige Entwicklung in Sachen beruflicher Zukunft, die ich unbedingt mit ihr besprechen m�sse. Es dauerte Stunden, bis sie zur�ckrief und dann noch einmal eine, bis sie endlich kam. Wir hockten in meinem Arbeits-Wohn-Schlafzimmer, futterten M�hren, und ich erz�hlte ihr von meiner Idee, mich selbstst�ndig zu machen.</p><p>�Und was willst du als Selbstst�ndige tun?�, fragte sie.</p><p>Ich erz�hlte ihr von dem unterbrochenen Vorstellungsgespr�ch und erkl�rte ihr kurz meine Idee.</p><p>�Du willst Putzfrau werden?�, fragte sie entgeistert. �Aus der coolsten Branche der Welt mit einem Kopfsprung ins Klo? Hast du was geraucht?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Getrunken?�</p><p>�Nein.�</p><p>Sie schwieg mehrere Minuten, in denen sie ihre M�hre mit aggressiven Kaubewegungen atomisierte und ich unsicher auf eine Reaktion wartete.</p><p>Endlich kam sie zur�ck zum Thema. �Also, Klofrau, was genau willst du tun?�</p><p>�Ich will einen Wohnungsrundumbetreuungsservice gr�nden�, entgegnete ich.</p><p>�Allein das Wort ist eine Bankrotterkl�rung jeglicher Ausbildungsbem�hungen, die AIQ in dich investiert hat�, mokierte sie sich.</p><p>�Den Firmennamen habe ich ja noch nicht festgelegt�, erwiderte ich mit etwas angestrengter Sachlichkeit. �Du darfst mir gern dabei helfen, o Wortgewaltige.�</p><p>Die Wortgewaltige hatte heute schlohwei�es Haar, nachdem wir in den letzten Wochen fast die ganze Palette des Regenbogens durchgegangen waren. Sie grinste sp�ttisch und sagte huldvoll: �Dann erkl�re mir, worum es geht und ich sage dir, wie du dich nennen darfst.�</p><p>Ich �berlegte einen Moment, denn so ganz genau hatte ich das Leistungsspektrum, das ich anbieten wollte, noch nicht definiert. �Ich will Menschen, die keine Zeit haben, sich um ihren Haushalt zu k�mmern, genau das abnehmen. Das K�mmern.�</p><p>�Corinnas K�mmerkasten�, sagte Troll.</p><p>Ich verkniff mir eine Reaktion.</p><p>�Ich biete die Vermittlung von Putzpersonal, Handwerkern und Teppichreinigern an, ich organisiere den Wocheneinkauf oder liefere H�ppchen und Bier f�r die Party. Ich beauftrage und �berwache den G�rtner, sorge daf�r, dass der Schornsteinfeger aufs Dach und an die Ru�klappe kommt und nehme Lieferungen entgegen.�</p><p>�So eine Art Butler, Concierge und Catering-Service in einem�, sagte Troll.</p><p>�Genau.�</p><p>�Also BuCoCa�, murmelte Troll mit geschlossenen Augen. �Oder CaBuCo, CoCaBu oder��</p><p>�Sehr hilfreich�, warf ich leicht ver�rgert ein. F�r mich war das hier kein Spa�, ich meinte es verdammt ernst. Todernst�� aber das konnte ich damals ja noch nicht wissen.</p><p>�Du bekommst den Schl�ssel?�, fragte Troll.</p><p>�Ja.�</p><p>�Und f�hrst morgens zur Bude, um die Putzfrau reinzulassen, nachmittags noch mal, weil der Handwerker kommt, zwischendurch f�r den Schornsteinfeger und abends f�r die Leute vom Zeltverleih, Getr�nkemarkt und Catering-Service.�</p><p>�Na ja. Ja.� Das kam schon etwas kleinlauter.</p><p>�Und du meinst, wenn du einen Handwerker anrufst, dann kommt der sofort gesprungen, w�hrend normale Leute eine Woche auf ihn warten m�ssen?�</p><p>�Hm.�</p><p>�Und nat�rlich wirst du nur etwa drei Kunden haben, denn wenn du denen die Rundumsorglosk�mmerkastentantenbetreuung gibst, hast du null Zeit f�r die Akquise weiterer Auftraggeber.�</p><p>Es klopfte an der T�r von Gregs Arbeitszimmer, in dem wir unsere Besprechung abhielten.</p><p>Troll und ich starrten uns an.</p><p>Seit ich ins Arbeitszimmer gezogen war, hatte es noch nie an der T�r geklopft. Troll kam meistens, wenn Greg und Sue nicht da waren oder sie rief vorher an, sodass ich ihr die Wohnungst�r �ffnen konnte. Und weder Greg noch Sue hatten versucht, auf diese Art Kontakt zu mir aufzunehmen, obwohl ich nat�rlich gehofft hatte, dass Greg einfach mal reinschneite, um sich irgendeinen Frust mit seinem neuen Liebchen von der Seele zu reden. Stattdessen hatte immer ich es so eingerichtet, dass ich ihn in der K�che oder im Flur traf. Ich war also gespannt, wer nun klopfte.</p><p>�Ja?�, rief ich.</p><p>Greg steckte seinen Kopf durch die T�r, sah Troll und zuckte zur�ck. Mist, gerade jetzt w�re ich gern allein gewesen.</p><p>�Ja bitte?�, fragte Troll mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck.</p><p>�Ich, also, ich muss etwas mit Corinna besprechen�, stammelte er.</p><p>�Leg los�, sagte Troll.</p><p>Greg sah mich an. Mit seinem ganz besonders leidenden Gesichtsausdruck. �Ich muss diese Nervens�ge den ganzen Tag im B�ro ertragen und jetzt hockt sie abends noch in meiner Wohnung�, beschwerte er sich.</p><p>�Ich hocke nicht in deiner Wohnung, sondern bei meiner Freundin Corinna�, entgegnete Troll, bevor ich �berhaupt den Mund aufmachen konnte.</p><p>�Wenn ich bei AIQ mehr zu sagen h�tte, w�rst du schon l�ngst weg vom Fenster�, zischte Greg ihr zu.</p><p>�Wenn du bei AIQ mehr zu sagen h�ttest, w�re ich schon l�ngst bei der Konkurrenz�, entgegnete Troll l�ssig. Sie w�rdigte ihn noch nicht einmal eines Blickes.</p><p>Ich r�usperte mich, sprechen konnte ich nicht. Die Situation lief v�llig aus dem Ruder. Da kam Greg endlich und wollte etwas von mir und dann so etwas.</p><p>Nat�rlich hatten meine Knie angefangen zu schlottern, als er ins Zimmer kam. Mein Mund wurde trocken, mein Herzschlag kam aus dem Rhythmus und ich sp�rte, wie meine Wangen anfingen zu gl�hen. Au�erdem wurden meine F��e hei�. Das tun sie immer, wenn ich sehr aufgeregt bin.</p><p>Greg starrte Troll w�tend an. Sie tat nach dem kleinen Wortgepl�nkel so, als w�re er schon wieder weg.</p><p>Ich hauchte ein vorsichtiges �Was ist denn?�, und versuchte ein L�cheln.</p><p>�Du hast doch jetzt nichts zu tun��, begann er.</p><p>Auf der Stelle wurden meine F��e eiskalt und mein Speichelfluss normalisierte sich.</p><p>�Und wir arbeiten ja den ganzen Tag.�</p><p>Jetzt war ich wirklich gespannt, was er zu sagen hatte.</p><p>�Au�erdem zahlst du keine Miete mehr, wohnst also hier vollkommen umsonst.�</p><p>Troll sch�ttelte fassungslos den Kopf. Ich fragte mich ein wenig irritiert, ob er mein Asyl in seinem Arbeitszimmer tats�chlich f�r eine erstrebenswerte Wohnsituation hielt.</p><p>�Da haben wir uns gedacht��</p><p>�Wer ist wir, Sch�tzchen?�, fragte Troll mit samtiger Stimme, ohne �berhaupt den Blick zu heben.</p><p>Greg bedachte sie mit einem hasserf�llten Blick.</p><p>�Da habe ich mir gedacht, ob du vielleicht wenigstens als Gegenleistung die Wohnung in Ordnung halten k�nntest?�</p><p>Troll und ich blickten uns an und brachen in lautes Gel�chter aus.</p><p>Greg wurde w�tend. Das hatte ich nat�rlich nicht gewollt, aber eine romantische Stimmung schien ja sowieso gerade nicht aufzukommen.</p><p>�Was ist daran so komisch?�, br�llte er.</p><p>Wir prusteten wieder los.</p><p>�Sue und ich arbeiten den ganzen Tag, und du sitzt hier und tust nichts. Du tr�gst nichts zum Unterhalt dieser Wohnung bei, kaufst kaum etwas ein und wenn doch, dann nur Sachen, die Sue nicht essen kann. Au�erdem hast du noch nicht einmal das Bad sauber gemacht.�</p><p>Das stimmte nicht, aber ich unterlie� es, ihn darauf hinzuweisen. Ebenso wenig erw�hnte ich, dass ich die Wohnung geputzt, die W�sche gewaschen, geb�gelt, eingekauft und alle sonstigen Erledigungen gemacht hatte, als ich selbst noch ganztags bei AIQ besch�ftigt war, und somit Sue diese Arbeiten gleichzeitig mit meiner Betth�lfte eigentlich h�tte �bernehmen k�nnen.</p><p>�Was w�re dir das wert?�, fragte Troll pl�tzlich ganz ernst.</p><p>�Bitte?� Gregs Stimme und sein Gesichtsausdruck legten nahe, dass er glaubte, wir wollten ihn mit Sex oder anderen obsz�nen Dingen bezahlen lassen.</p><p>�War nur �ne Frage�, sagte Troll und winkte ab. �Du darfst jetzt gehen.�</p><p>Greg war puterrot angelaufen, �ffnete den Mund, als ob er noch etwas sagen wollte, und verschwand wortlos.</p><p>�Der Markt ist da�, sagte Troll lakonisch. �Jetzt m�ssen wir dem Kind nur noch einen Namen geben.�</p><empty-line/><p>Ich kaufte weitere schwarze Hosen und, das war neu, wei�e Blusen. Die Haare lie� ich mir auf Schulterl�nge k�rzen und franselig schneiden, um weniger Zeit mit dem Haaretrocknen verbringen zu m�ssen. Die Friseurin bestand darauf, mir etwas Volumen ins Haar zu f�nen. Ich lie� es geschehen, auch wenn ich bereits bef�rchtete, dass das Ergebnis nicht ganz der Beschreibung entsprechen w�rde. Ich hatte richtig bef�rchtet.</p><p>Troll lief in dem Caf�, in dem wir verabredet waren, an mir vorbei, bis ich nach ihr rief.</p><p>�Deine Frisur erinnert an diese geliftete Nachrichtensprecherin, die letzten Monat in Rente gegangen ist�, er�ffnete sie mir nach einem ausgiebigen Blick. Ihre Haare waren kiwigr�n. Ich sagte nichts dazu.</p><p>Troll bestellte einen Tee. Gr�nen. Die Kellnerin zuckte, warf noch einen Blick auf Trolls Haarpracht, notierte die Bestellung und verschwand.</p><p>Zugegeben, ich war beleidigt wegen Trolls abf�lliger Bemerkung �ber meine neue Optik, die mich eine Stange Geld gekostet hatte, aber insgeheim musste ich ihr recht geben. Nach dem n�chsten Mal Selberwaschen und -f�hnen w�rde ich mich aber sicherlich wieder im Spiegel erkennen k�nnen.</p><p>Ein ganz anderes Thema lastete mir auf der Seele:</p><p>�Wie soll ich meine Firma denn nun nennen?�, fragte ich Troll.</p><p>Wir hatten vergangene Woche schon zusammengesessen und uns die K�pfe hei� geredet. Eine zufriedenstellende Idee war uns allerdings auch nach zwei Litern Kaffee und einem Liter Bio-Rotwein nicht gekommen.</p><p>�Tja, �Clean &amp; Co� klang dir zu sehr nach Achtzigerjahre und bei �Concierge� f�hltest du dich an rosa Strickjacken mit Ajourmuster und Kohlgeruch erinnert�, erinnerte mich Troll.</p><p>�Und unter einem Butler stellt man sich meist einen Mann vor, aber im Grunde kommst du dem am n�chsten�, fuhr sie fort. �Korrekt in schwarz-wei� gekleidet, mit einem Besenstiel durch Speiser�hre, Magen und Zw�lffingerdarm, einer Distel im Arsch und dem erkl�rten Willen, alles Unm�gliche m�glich zu machen und dabei zu jedem Zeitpunkt Contenance zu bewahren.�</p><p>Die Vorstellung des Besenstiels im Zw�lffingerdarm verursachte mit kurz ein leichtes Ziehen im linken Unterbauch, und ich fragte mich, woher Troll immer diese absolut treffsicheren Bilder nahm, um Dinge zu beschreiben und gleichzeitig die dazu passenden Gef�hle auszul�sen. Grunds�tzlich musste ich ihr nat�rlich recht geben. Der Name suggerierte eine gewisse Klasse, die ich gern f�r mein Unternehmen und mich in Anspruch n�hme. Nur h�tte ich einen weiblicher klingenden Firmennamen bevorzugt.</p><p>�Was ist denn das weibliche Pendant zu Butler?�, fragte ich.</p><p>�Hausdame�, schlug Troll vor. Dann verbreiterte sich ihr Grinsen. �Oder statt Majordomus eben Majorette-Domina. Oder gleich Mutti.�</p><p>Die Vorstellung, als �Mutti� aufzutreten, verdarb mir fast den Spa� an meinen Planungen. M�nner, die sich von Mutti die Socken zusammenrollen, die Hemden b�geln und die Bude putzen lie�en, rangierten auf meiner pers�nlichen schwarzen Liste gleich hinter denen, die noch zu Hause wohnten. Eigentlich, �berlegte ich, m�ssten sogar die Alleinwohner an Platz eins stehen, denn sie nahmen eine r�umliche Unabh�ngigkeit in Anspruch, w�hrend sie trotzdem einen Full-Mutti-Service genossen. Mit solchen Typen wollte ich nichts zu tun haben.</p><p>W�hrend wir unseren Gedanken nachhingen und auf weitere Einf�lle hofften, schaufelte Troll zwei Teel�ffel Zucker und einen halben Teel�ffel Salz in den gr�nen Tee. Die Dame am Nebentisch versuchte inzwischen gar nicht mehr, ihren starrenden Blick zu verbergen. Sie trug Flieder, was mich in Verbindung mit dem leichten Violett ihrer Haarpracht an die fr�here First Lady Barbara Bush erinnerte. Troll gr��te freundlich.</p><p>Die Dame griff sich entr�stet an ihre Perlenkette und drehte sich demonstrativ weg.</p><p>�Putzteufel�, schlug Troll mit einem breiten Grinsen und einer Handbewegung zur Fliedertante vor.</p><p>�Perle�, murmelte ich, von der Kette der Nachbarin inspiriert. �Eine Putzfrau wird auch Perle genannt.�</p><p>�Super�, sagte Troll. �Dann nenn dein Unternehmen �Perlen f�r die S�ue�. Damit beschreibst du zugleich die Dienstleistung und die Zielgruppe. Sehr effizient.�</p><p>Ich hatte alle Vorschl�ge mitgeschrieben und starrte auf das Blatt, das auf dem kleinen Tischchen vor mir lag. Eins dieser Worte w�rde, sobald ich mich daf�r entschied, mein Leben beherrschen. Es w�rde auf meinen Visitenkarten stehen, auf meinem Briefpapier, auf dem Auto, das ich mir w�rde anschaffen m�ssen, und es w�rde immer mit meinem Namen in Verbindung gebracht werden. Mit welchem dieser Worte k�nnte ich mich wohlf�hlen? Welches Wort brachte am besten die Idee, die dahintersteckte, zum Ausdruck? Welches Wort w�rde bei potenziellen Kunden f�r ein gutes Gef�hl sorgen? F�r Vertrauen.</p><p>�Bis jetzt zielen alle diese Namen nur auf die Hausreinigung ab�, analysierte Troll mit einem schr�gen Blick auf den Zettel. �Vielleicht finden wir einen Begriff, der auch den G�rtnerservice, die Handwerksarbeiten und die Urlaubsbetreuung einschlie�t.�</p><p>Wir schwiegen einige Minuten.</p><p>�Das kann doch nicht so schwer sein�, sagte Troll genervt. �Sag ein paar Adjektive, die das Resultat deiner Dienstleistung beschreiben�, forderte sie mich auf.</p><p>Ich blickte sie verst�ndnislos an.</p><p>�Wiew�rter�, erkl�rte Troll. �Zum Beispiel <emphasis>sauber</emphasis>.�</p><p>�Aha�, sagte ich.</p><p>�Sauber beschreibt den Reinigungsteil. Sicher w�re ein Wort f�r die Urlaubsbetreuung. Jetzt bist du dran. Wir brauchen noch ein Adjektiv f�r Handwerksleistung oder Gartenarbeit.�</p><p>Ich murmelte: �Sauber� sicher� Schutzengel!�</p><p>Troll blickte mich ver�rgert an, doch dann �nderte sich ihr Gesichtsausdruck langsam aber sicher hin zu einem breiten Grinsen.</p><p>�Schmutzengel!�</p><p>�Hm.�</p><p>Sie stie� mich in die Seite. �Hey, das ist echt gut. Nicht nur, weil es von mir kommt.�</p><p>�H�rt sich das nicht irgendwie�� schmutzig an?�, fragte ich verunsichert.</p><p>�Findest du Putzteufel etwa besser?�, fragte Troll ungeduldig.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf, schrieb Schmutzengel auf den Zettel. Starrte das Wort an. Es wurde mir immer sympathischer. Ein Engel. Engelsgleiches Haar habe ich, das sagten mir die Leute, seit ich drei Jahre alt war. Engel sind in strahlend wei�e Gew�nder gekleidet, von hellem Licht umgeben und ganz sauber. Engel helfen den armen Erdenmenschen, wenn diese mit ihrem Hausputz nicht fertig werden.</p><p>Ein Schmutzengel.</p><p>Ja, das wollte ich sein. Ich blickte Troll an und nickte. Sie streckte mir mit strahlenden Augen die Hand �ber den Tisch entgegen. Ich ergriff sie und einen Moment sch�ttelten wir uns in feierlichem Ernst die H�nde. Dann grinsten wir uns an wie zwei Kinder, die ein Abenteuer ausgeheckt haben.</p><p>Ich war wahnsinnig aufgeregt. �Hilfst du mir?�, fragte ich atemlos. �Ich brauche ein Logo, Briefpapier, Visitenkarten, einen Werbeflyer, einen Internetauftritt��</p><p>Sie sah mich �ber den L�ffel, den sie sich wieder in den Mund gesteckt hatte, hinweg an. �Du willst das wirklich durchziehen?�, fragte sie.</p><p>Ich war aufgeregt, etwas beunruhigt, von meinem Mut selbst �berrascht, aber vor allem eins: fest entschlossen.</p><p>�Ja.� Ich straffte mich, so gut es ging nach einunddrei�ig Jahren leicht geb�ckter Haltung, um nicht ganz so gro� zu wirken. �Ich werde Unternehmerin.�</p><p>Troll sch�ttelte den Kopf, nahm den L�ffel aus dem Mund, klopfte damit der Dame am Nebentisch auf die Schulter und fl�sterte ihr zu: �Die da�, wobei sie mit dem L�ffel auf mich wies, �die ist verr�ckt.�</p><p>Es stand der Dame am Nebentisch zweifelsfrei ins Gesicht geschrieben, wen von uns beiden sie f�r verr�ckt hielt, aber sie sagte nichts, wischte nur mit ihrer fetten, vielfach beringten Hand �ber die Schulter, wo der L�ffel sie ber�hrt hatte, warf mir noch einen strafenden Blick zu und wandte sich von uns ab.</p><p>�Okay, ich �bernehme deine Werbung. Erster Schritt ist eine Posterkampagne eines nackten Engelchens mit Wischmop, danach kommt eine Gro�aufnahme von dir mit beiden Armen in der Klosch�ssel und zum Schluss deine Telefonnummer mit dem Hinweis, dass M�nner mit einem schmutzigen Geheimnis sich bei dir melden sollen.�</p><p>Ich nickte und winkte der Kellnerin. �Zwei Gl�ser Sekt, bitte.�</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Auf dem Weg zu meinem eigenen Unternehmen wurde ich langsam aber stetig immer schlanker. Meine Gewichtszunahme in den vergangenen Jahren hatte haupts�chlich zwei Ursachen gehabt. Erstens war sie auf die �bernahme der Werbeaktivit�ten f�r einen gro�en S��warenhersteller durch AIQ zur�ckzuf�hren. Mit Beginn der Zusammenarbeit nahm der Schokospezialist seine monatlichen Lieferungen an die Agentur auf und bald standen auf jedem Schreibtisch gro�e Schalen mit Energieriegeln, Tr�ffelt�rtchen und Schokomandeln. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich mir f�r das Mittagessen immer noch ein Vollkornbr�tchen und etwas Obst mit ins B�ro genommen, aber diese Tradition wurde von den zart schmelzenden Verlockungen hinterr�cks beendet. Der zweite Grund war die wenige Bewegung. Meine Fu�m�rsche nahm ich ab sofort wieder auf, und seit meiner K�ndigung hatte ich S��es kaum mehr angesehen, geschweige denn gegessen. Selbst die Nuss-Nougat-Creme hatte ich haupts�chlich gekauft, um Sue zu �rgern, die gegen Haseln�sse allergisch ist und davon Ausschlag bekommt. Au�erdem hatte ich wenig Zeit zum Essen und immer noch h�ufig genug Frust wegen Greg im Bett nebenan oder Stress wegen endloser Formulare, was mir beides mit absoluter Verl�sslichkeit den Appetit verdirbt. Meine Kleidergr��e hatte sich um zwei Gr��en verringert.</p><p>An eine �Besserung� des Stresslevels war nicht zu denken, denn die Formulare, die zur Beantragung auf Gew�hrung eines Existenzgr�ndungszuschusses zur Aufnahme einer selbstst�ndigen T�tigkeit ausgef�llt werden mussten, waren nicht einmal die Spitze der Herausforderung. Nein, es musste auch noch ein Businessplan einschlie�lich Investitions- und Umsatzplanung, Positionierung des Unternehmens im bestehenden Marktgef�ge, Kapitalbedarf und Finanzierungskonzept sowie eine Umsatz- und Rentabilit�tsvorschau erstellt werden.</p><p>Davon abgesehen wusste ich, dass ich mindestens eine wirklich pfiffige Mitarbeiterin ben�tigte sowie einen guten Draht zu einigen Handwerkern und Catering-Unternehmen, aber ich hatte bisher weder eine Idee, wo ich das Personal noch wie ich die Kontakte herbeizaubern sollte. Und das Geld f�r die diversen Investitionen hatte ich auch nicht. Da war famili�re Hilfe gefragt.</p><p>Meine Familie ist in Ordnung. Ich habe einen �lteren Bruder, der so viel �lter ist, dass er mein Onkel sein k�nnte. Er ist nett, aber wir haben uns nicht viel zu sagen. Meine Eltern hatten sich seinerzeit mit ihrem einzigen Sohn abgefunden, die Kinderphase eigentlich als abgeschlossen betrachtet und sich auf ein ruhigeres Leben gefreut, als ich ungeplant in selbiges trat. Vielleicht hat diese Tatsache unser Verh�ltnis nicht ganz so herzlich werden lassen, wie es in anderen Familien der Fall ist, aber meine Oma entsch�digte mich f�r alles. Meine Oma bewirtschaftete mit ihrem Mann einen Bauernhof, auf dem es f�r mich immer etwas zu entdecken gab. Das Zentrum der Omawelt war die K�che, in der sie kochte, buk, Gem�se und Obst einweckte und mir bei den Schulaufgaben half. Dort heulte ich wegen aufgesto�ener Knie und wurde mit Pflastern und Trostpfl�sterchen versorgt. Dort heulte ich auch meinen ersten richtigen Liebeskummer aus, der mich gegen Ende der vierten Grundschulklasse ereilte. Er dauerte etwa drei Tage und hinterlie�, dank Omas guter Pflege, keine bleibenden Sch�den. In Omas K�che lernte ich die Sache mit den Blumen und den Bienen kennen und Oma war es, die mir zu meinem f�nfzehnten Geburtstag, an dem meine Mutter mir ein rosafarbenes Bl�mchenkleid mit R�schen schenkte, zu einem Termin beim Frauenarzt riet.</p><p>�Besser zu fr�h als zu sp�t�, sagte sie damals, und ich hatte eine blasse Ahnung, was sie damit meinte. Oma war sechzehn gewesen, als sie mit meinem Vater schwanger wurde.</p><p>Den Termin nahmen wir gemeinsam wahr und die Tatsache, dass ihr Frauenarzt eine anz�gliche Bemerkung �ber Omas fr�he Schwangerschaft und ihre wohlmeinende Vorsorge f�r die Enkelin machte, war ausschlie�lich mir peinlich. Oma und der Arzt kannten sich seit vierzig Jahren und gingen sehr vertraut miteinander um.</p><empty-line/><p>Wie immer, wenn ich praktischen Rat und Hilfe brauchte, setzte ich also auch in meiner Existenzgr�ndungsphase auf meine Oma. Da Weihnachten vor der T�r stand, fuhr ich �ber die Feiertage sowieso zu ihr. Sie holte mich wie immer vom Zug ab und dr�ckte mich schon auf dem Bahnsteig so fest, dass ich kaum noch Luft bekam.</p><p>�Wir sind eine richtige WG �ber die Feiertage, du musst auf der Couch im Wohnzimmer schlafen�, er�ffnete sie mir im Auto. �Lisbeth wohnt zurzeit bei mir, auch wenn sie die meiste Zeit nicht da ist.�</p><p>Bevor ich nach Details fragen konnte, berichtete Oma bereits von ihrer letzten Reise, die sie nach Argentinien und Chile gef�hrt hatte. Ich bem�hte mich, ihren Erz�hlungen zu folgen, bemerkte aber selbst, dass meine Gedanken immer wieder abschweiften.</p><p>Omas Wohnung hatte sich seit meinem letzten Besuch im September nicht wesentlich ver�ndert, au�er dass das G�stezimmer, das sich Oma f�r meine Besuche g�nnte, nun von besagter Lisbeth belegt war.</p><p>�Lisbeth von der Teufelsley?�, vergewisserte ich mich endlich. �Deine alte Freundin Lisbeth mit ihrem unm�glichen Mann?�</p><p>�Genau�, bekr�ftigte Oma. �Und weil sie den verlassen hat, wohnt sie jetzt bei mir.�</p><p>�Nein!�, rief ich. �Endlich!�</p><p>Lisbeth, die eigentlich Baues mit Nachnamen hie�, aber von der Teufelsley genannt wurde, weil sie als Jugendliche an dem Felsen beinahe zu Tode gest�rzt w�re, war die �lteste- Freundin meiner Oma. Die beiden kannten sich seit ihrem dritten Lebensjahr und waren seitdem unzertrennlich.</p><p>Oma lachte. �Der faule Sack hat sie drei�ig Jahre lang l�cherlich gemacht und ausgenutzt und die dumme Pute hat es sich gefallen lassen. Aber als er eine Tasse von dem guten Geschirr mit dem Goldrand zerbrochen hat, ist sie abgehauen.�</p><p>Ich grinste.</p><p>�Als Notl�sung habe ich ihr dein Zimmer gegeben, aber lange werden wir zwei Sturk�pfe es nicht miteinander aushalten�, sagte Oma. �Ich bin schon froh, dass sie im Moment bei ihrer Nichte, die letzte Woche die Zwillinge bekommen hat, das Weihnachtsessen vorbereitet.�</p><p>Oma kochte Kaffee und schnitt ihren selbst gebackenen Stollen an, w�hrend ich den Tisch deckte.</p><p>�So, meine Liebe, nun lass es raus, sonst platzt du noch�, sagte sie, als wir uns an dem Esstisch mit der drehbaren Platte, den sie aus Thailand mitgebracht hatte, gegen�bersa�en. Langsam aber sicher wanderten die alten M�bel aus dem Bauernhof meiner Gro�eltern auf den Sperrm�ll, w�hrend von jeder Reise ein neues St�ck die Wohnung bereicherte.</p><p>Ich musste lachen. Nat�rlich hatte Oma direkt gesp�rt, dass mir etwas auf den N�geln brannte. Meiner Oma kann man in der Hinsicht nichts vormachen, aber sie geht mit ihrer Intuition sehr zur�ckhaltend um. Wenn ich nichts erz�hlen wollte, dr�ngte sie nicht weiter. Jetzt aber wollte ich erz�hlen.</p><p>Nat�rlich wusste sie von meiner K�ndigung und den ersten Bewerbungsversuchen, aber die neuesten Entwicklungen kannte sie noch nicht.</p><p>Ich berichtete ihr von meinem letzten Bewerbungsgespr�ch, der Idee, die mir dabei gekommen war, und meinen Pl�nen. Meine Oma ist schwer von ihrem selbst gebackenen Christstollen abzuhalten, aber nun starrte sie mich an, w�hrend ihre Kuchengabel reglos in der Luft verharrte.</p><p>�Ich bin sehr stolz auf dich�, war das Erste, was Oma sagte.</p><p>Ich strahlte.</p><p>�Du wei�t, dass du mit diesem Schritt die alleinige und volle Verantwortung �bernimmst f�r das, was du tust. Es gibt keinen Chef mehr, der eine falsche Entscheidung trifft. Die Fehler wirst du alle selbst machen.�</p><p>�In der Agentur habe ich auch f�r meine Arbeit immer die volle Verantwortung gehabt�, entgegnete ich.</p><p>�F�r deinen Bereich, ja. Aber als Unternehmerin musst du die Verantwortung auch f�r diejenigen �bernehmen, die in deinem Namen arbeiten. F�r deren Fehler musst du geradestehen. Denk an die Sache mit dem Traktorunfall.�</p><p>Himmel, diese Episode hatte ich l�ngst verdr�ngt. Ein Helfer, den meine Gro�eltern auf ihrem Hof besch�ftigt hatten, war mit dem Traktor zum Heuwenden gefahren und hatte offenbar vergessen, dass die Heuwendeb�gel selbst im zusammengeklappten Zustand breiter waren als der Traktor. Er hatte auf dem kurzen St�ck, das er �ber die schmale Stra�e bis zum Feld zur�cklegen musste, vierzehn geparkte Autos besch�digt.</p><p>Ich musste also mit dem Schlimmsten rechnen, wenn ich Personal in meinem Namen auf die Umwelt loslie�. Und in einem teuren Haushalt lie� sich sicher so mancher Unfug anstellen. �Du willst damit andeuten�, entgegnete ich mit einem schiefen Grinsen, �dass ich bei der Auswahl meines Personals besonders vorsichtig sein muss?�</p><p>�Darauf kommen wir sp�ter zur�ck�, sagte Oma.</p><p>Ich fragte mich, was in ihrem Kopf vorging, denn den Tonfall kannte ich. Sie hatte bereits einen Plan.</p><p>�Du wirst wenig Freizeit und in den ersten Jahren keinen Urlaub haben�, fuhr sie fort.</p><p>Ich nickte. �Das hattest du als B�uerin auch nicht.�</p><p>�Stimmt.� Sie lachte leise. �Aber die Rindviecher, mit denen ich zu tun hatte, waren ganz leicht zufriedenzustellen und sind mir nicht auf den Nerven herumgetrampelt. Das mag bei deinen Kunden anders sein.�</p><p>Ich grinste auch. So, wie Oma das sagte, klang es nach einer M�glichkeit, die man in Erw�gung ziehen sollte, aber nicht nach einer Entwicklung, vor der man sich Sorgen machen m�sste.</p><p>�Wie stellst du dir das genau vor?�, fragte Oma, winkte aber gleich ab. �Moment, erst brauchen wir mehr Kaffee.�</p><p>Als der frisch aufgebr�hte Kaffee auf dem Tisch stand, berichtete ich ihr die bisher festgelegten Details. Meine Aufgabe als Organisatorin und Akquisiteurin, meine Idee, eine Putzfrau mit Sinn f�rs Praktische einzustellen, aber Handwerker und G�rtner nur nach Bedarf zu buchen. Meine Beschr�nkung auf das D�sseldorfer Stadtgebiet, die Tatsache, dass ich ein Auto brauchte, einen Computer und dass ich Werbung machen musste, um bekannt zu werden.</p><p>�Und jetzt brauchst du Geld�, stellte Oma fest.</p><p>Es ist sicher nicht falsch, wenn manche Leute vermuten, dass ich den mir eigenen Pragmatismus von meiner Oma geerbt habe. Ich nickte stumm.</p><p>�Sag mir wie viel, ich �berweise es dir morgen.�</p><p>Meine Oma ist nicht steinreich, aber sie hat nach dem Tod ihres Mannes den alten Bauernhof verkauft�� nicht ohne sich vorher beim amtierenden B�rgermeister zu vergewissern, dass das kleine Feld zur Stra�e hin bereits als Bauland ausgewiesen sei. Nicht? Na, dann wurde es aber h�chste Zeit. Es dauerte acht Monate, bis der B�rgermeister die Umwidmung im Rat durchgeboxt hatte, aber dann war der Erl�s f�r den Hof f�nfzehn Mal so hoch, wie er noch ein Jahr zuvor gewesen w�re.</p><p>Oma mietete im Dorf die Wohnung, in der wir jetzt zusammensa�en, und erf�llte sich von dem Geld, das der Verkauf des Hofes ihr eingebracht hatte, zwei Herzensw�nsche. Sie spekuliert vorsichtig und erfolgreich an der B�rse und sie bereist all die fernen L�nder, �ber die sie fr�her nur gelesen oder Fernsehdokumentationen gesehen hat. Offenbar hatte sie aber immer noch etwas Geld �brig, das sie ihrer Enkelin zur Unternehmensgr�ndung geben konnte.</p><p>�Danke�, sagte ich mit belegter Stimme.</p><p>�Keine Ursache�, erwiderte sie, ebenfalls mit einem Klo� im Hals.</p><p>�Mein viel gr��eres Problem ist die Sache mit dem Personal�, sagte ich nach einer kurzen Pause. �Besonders, nachdem du mich an den Traktorunfall erinnert hast.�</p><p>�Ha!�, rief Oma und stach mit ihrer Kuchengabel in meine Richtung. �Manchmal k�nnte man meinen, dass es doch so etwas wie die g�ttliche Vorsehung gibt. Oder Karma.�</p><p>Ich muss sie wohl sehr zweifelnd angesehen haben, denn sie senkte die Kuchengabel und legte mir ihre unbewaffnete Hand auf den Arm. �Ich habe eine L�sung f�r dein und f�r mein Problem und die hei�t Lisbeth.�</p><p>Auf diese Er�ffnung brauchte ich erst mal einen starken Schluck Kaffee.</p><p>�Lisbeth hat mir gesagt, dass sie von der Provinz die Nase voll hat. Sie wolle jetzt richtig leben und das k�nne man nur in einer Gro�stadt. Au�erdem ist sie gelernte Hauswirtschafterin und hat, wie du wei�t, drei�ig Jahre in dem Genesungsheim oben am Hang gearbeitet. Die kann alles, besonders kochen.�</p><p>Daran erinnerte ich mich noch gut. Als meine Gro�eltern ihren vierzigsten Hochzeitstag gro� feierten, weil damals schon absehbar war, dass sie den f�nfzigsten nicht mehr gemeinsam erleben w�rden, �bernahm Lisbeth die K�che. Vier Tage vorher begannen die Vorbereitungen, einhundertzw�lf G�ste wurden bekocht. Ich arbeitete unter ihrer Anweisung, bis mir die Fingerkuppen bluteten, aber in meinem ganzen Leben habe ich nicht so gut gegessen wie damals. Ob deftige Hausmannskost in Form von Pasteten und ges�uertem Roggenbrot oder feinste Lachsmousse im Bl�tterteigt�rmchen, ob Hirsepudding mit wilden Waldbeeren oder pfeffriges Ingwer-Chili-Tiramisu, ob vegetarische Quiche mit Basilikumpesto oder Wildschweinbraten in Rotweinsauce, Lisbeth verw�hnte den Gaumen mit jedem Bissen. Sie arbeitete in einer Geschwindigkeit, dass uns Helfern H�ren und Sehen verging, und brachte es zwischendurch immer wieder fertig, alle Arbeitsfl�chen, Werkzeuge, T�pfe und den Ofen in der K�che der Mehrzweckhalle, die wir nutzten, blitzblank zu wienern. Diese Frau schickte, ich musste beim Gedanken an meinen Firmennamen grinsen, wirklich der Himmel!</p><p>�Super�, rief ich begeistert.</p><p>Oma lachte.</p><p>�Au�erdem w�re ich froh, wenn sie m�glichst bald nach D�sseldorf zieht, denn wir zwei sind nur so lange Freundinnen, wie wir nicht zusammenwohnen. Ich kann ihren Perfektionismus nicht mehr lange ertragen.�</p><empty-line/><p>So kam ich, bevor ich mein Unternehmen �berhaupt gegr�ndet hatte, zu meinem ersten Bewerbungsgespr�ch als Arbeitgeberin. Es fand statt am Heiligen Abend am Esstisch meiner Oma und in ihrem Beisein. Anwesend waren:</p><p>Arbeitgeberin: Corinna Leyendecker, einunddrei�ig Jahre und vollkommen unerfahren.</p><p>Bewerberin: Lisbeth Baues, siebenundf�nfzig Jahre alt, Hauswirtschaftsmeisterin.</p><p>Zeugin: meine Oma, beste Freundin der Bewerberin.</p><empty-line/><p>Lisbeth hat den Umfang einer hundertj�hrigen Eiche, eine Haut wie die Rinde einer hundertj�hrigen Eiche und eine entsprechende Standhaftigkeit. Man k�nnte auch sagen, sie sei dickk�pfiger als ein baskischer Wildesel, aber sie ist ein Engel�� in jedem Sinne dieses wunderbaren Wortes. Sie kennt mich seit meiner Kindheit und duzt mich. Sie ist diejenige, die Ahnung hat, deshalb �bernahm sie die Gespr�chsf�hrung. Das w�rde ich in Zukunft wohl �ndern m�ssen.</p><empty-line/><p>�Hallo, Lisbeth.� Ich umarmte sie aus alter Gewohnheit. Ihre kr�ftigen Arme dr�ckten mich an ihren gro�en Busen, dann gab sie mir f�rmlich die Hand.</p><p>�Ich habe seit drei�ig Jahren kein Vorstellungsgespr�ch mehr gehabt�, sagte sie.</p><p>�Und ich habe noch nie eins als Arbeitgeberin gef�hrt�, entgegnete ich mit einem nerv�sen Grinsen.</p><p>�Also, was willst du wissen?�, fragte Lisbeth.</p><p>�Ich erz�hle dir, was ich mir vorgestellt habe, dann kannst du mir sagen, ob du Lust hast mitzumachen.�</p><p>Lisbeth nickte, ich legte ihr meine Pl�ne dar.</p><p>Als ich geendet hatte, ergriff Lisbeth das Wort. �Erstens: Ich arbeite nicht unter Aufsicht, also wenn die Wohnungseigent�mer anwesend sind. Zweitens: Ich unterst�tze dich anfangs bei der Abgabe der Angebote. Drittens: Ich habe das Recht, Auftr�ge, die inakzeptabel sind, abzulehnen.�</p><p>�Was hei�t inakzeptabel?�, fragte ich alarmiert.</p><p>�An die W�nde geschmierte F�kalien. Frei laufende oder frei kriechende Haustiere wie Schlangen, Spinnen oder Krokodile. Cannabisanbau auf dem Balkon. Solche Sachen.�</p><p>Ich starrte sie sprachlos an. Mit diesen Problemen hatte ich bisher nicht gerechnet.</p><p>Lisbeth nickte. �Ich habe an meinem Arbeitsplatz so einiges erlebt. Urspr�nglich war es ein M�ttergenesungsheim, dann eins von der Krankenkasse f�r psychisch Labile, dann ging es an eine private Krankenkasse f�r teure Di�tkuren und neuerdings betreibt eine Stiftung das Haus als Stress- und Drogenentzug f�r Manager.�</p><p>Diese Entwicklung war mir nicht bewusst gewesen, bei uns hie� das Haus einfach so lange ich denken konnte Genesungsheim. �Und welche Aufgabe hattest du in dem Haus?�</p><p>�Angefangen habe ich als K�chin, zuletzt war ich f�r den gesamten Ablauf verantwortlich. Ich habe die K�che gemanagt und die W�sche organisiert. Ich habe als Hausmeisterin fungiert, die Material- und Verbrauchsg�terbestellungen gemacht und war Ansprechpartnerin f�r das gesamte Personal.�</p><p>Mir fiel die Kinnlade herunter. Eigentlich m�sste Lisbeth den Chefsessel einnehmen. Sie konnte alles das, was ich demn�chst tun wollte. Nur hatte ich keinerlei Vorwissen, w�hrend sie bereits jahrelange Erfahrung vorweisen konnte.</p><p>�Warum stellst du nicht selbst so ein Unternehmen auf die Beine?�, fragte ich.</p><p>Lisbeth betrachtete mich pr�fend, dann l�chelte sie und legte mir ihre kr�ftige Hand auf den Arm. �Ich bin siebenundf�nfzig Jahre alt, mein Kind. Ich arbeite gern mit den H�nden und denke auch gern mit, aber ich bin froh, wenn du die gesch�ftliche Verantwortung �bernimmst. Ich m�chte neben der Arbeit f�r dich zwei oder drei Stunden an einer Abendschule f�r Hauswirtschaft unterrichten. Diese Arbeit mit jungen Menschen hat mir immer viel Freude gemacht. Und dann will ich endlich etwas vom Leben haben.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�In der Zeit, als das Genesungsheim eine Di�tklinik war, habe ich viele interessante Frauen kennengelernt, die bei uns ein paar Wochen abgespeckt haben. Mit einigen halte ich noch Kontakt, eine lebt in D�sseldorf. Sie schreibt mir von Theaterst�cken, die sie gesehen, und von B�chern, die sie gelesen hat. Ich war noch nie in einem modernen Schauspiel und ich denke, es ist an der Zeit, das nachzuholen. Ich rufe sie an, sobald wir uns einig sind. Sie wird mir sicher bei der Wohnungssuche helfen.�</p><p>Wir einigten uns auf einen Stundenlohn f�r den Anfang, eine Probezeit, sprachen �ber ein Festgehalt, das sie bekommen sollte, sobald es gen�gend Arbeit f�r sie gab, und sch�ttelten uns schlie�lich feierlich die Hand. Dann fielen wir drei uns in die Arme und �ffneten den Sekt, den Oma immer im K�hlschrank stehen hatte. Es wurde eins der sch�nsten Weihnachtsfeste, an die ich mich erinnern kann.</p><empty-line/><p>Wie naiv ich damals war. Wenn ich geahnt h�tte, auf was ich mich da eingelassen hatte, w�re mir der Weihnachtsbraten wahrscheinlich im Hals stecken geblieben.</p><empty-line/><p>Nat�rlich lagen vor dem Anstellungsvertrag von Lisbeth noch diverse H�rden, die es zu �berwinden galt. Eine davon war die Gesch�ftsadresse. Ich konnte mein Unternehmen ja schlecht in Gregs Arbeitszimmer gr�nden. Ich brauchte eine eigene Wohnung. Stundenlang surfte ich durch die Mietangebote in den diversen Internetportalen. Einzimmerwohnungen, Zweizimmerwohnungen, Dachgeschoss-Studios, Maisonette-Wohnungen, also alles, was unter die von mir eingegebene H�chstmiete fiel. Wozu auch eine Dreizimmerwohnung mit Garten geh�rte. Ich stutzte. So etwas gibt es sowieso selten in D�sseldorf, und dann noch zu dem Preis? Es konnte sich nur um einen Fehler handeln. Ich klickte weiter. Kam darauf zur�ck. Z�gerte immer noch. Rief an.</p><p>�Wo ist der Haken?�, fragte ich.</p><p>�Kommen Sie es sich anschauen�, sagte der nette Mann am Telefon.</p><p>Ich kam.</p><p>Das Haus war eins von denen mit rosa verschn�rkelter Fassade, einem ehrw�rdigen Treppenhaus mit blank gebohnerten Holztreppen und hohen, Stuck verzierten Decken.</p><p>Ich klingelte.</p><p>Ein �lterer Herr in grauer Strickjacke und Pantoffeln �ffnete.</p><p>�Schauen Sie sich in Ruhe um�, sagte er mindestens drei Mal, w�hrend er die Wohnungst�r aufschloss, mich eintreten lie� und auf seinen Pantoffeln hinter mir herschlurfte. Ich schaute. Das Zimmer nach vorn heraus war mir bereits von der Stra�e aufgefallen. Es war wohl ein Gesch�ft gewesen, denn die ganze Front war verglast und in dem gro�en Schaufenster gab es eine T�r zur Stra�e. Ein schwerer Vorhang hatte mich daran gehindert, von au�en hereinzuschauen. Jetzt, wo der Vorhang ge�ffnet war, schien eine fahle Wintersonne durch die riesige Fensterfl�che hinein. Die T�r von diesem Zimmer zu den beiden anderen war eine stabile Sicherheitst�r mit Glaseinsatz, sodass wenigstens etwas Tageslicht in den kleinen Flur fiel, von dem die K�che, das Wohnzimmer, das Schlafzimmer und das Bad abgingen. Das Wohnzimmer mit K�chenzeile lag nach hinten raus, eine Glast�r ging in den winzigen Garten, in dem umgegrabene Erde zeigte, dass der Vornutzer offenbar ein kleines Gem�sebeet angelegt hatte. Auch das Schlafzimmer war, wie alle Zimmer, sehr klein, vermittelte aber durch die hohen Decken ausreichend Platz. Ich war begeistert.</p><p>�Warum ist die Wohnung so billig?�, fragte ich noch einmal.</p><p>Der Mann starrte mich verbl�fft an. �Das ist doch klar�, sagte er. �Das Zimmer nach vorn zur Stra�e heraus kann man schlecht als Wohnzimmer nutzen, weil einem doch die Leute da hereinschauen und es von der Stra�e her laut ist. Das eigentliche Wohnzimmer ist recht klein und relativ dunkel, der Garten ist total verwildert und im Bad ist nur eine Dusche, aber keine Wanne. Au�erdem ist das Haus nur von au�en sch�n renoviert, aber hier drin ist alles ziemlich alt.�</p><p>Ich blickte mich noch einmal aufmerksam um. Die Wohnung blickte freundlich zur�ck. Stylish hip und trendy war hier in der Tat nichts. Aber das wollte ich ja auch gar nicht. Die R�ume waren mir auf Anhieb sympathisch gewesen. Und dann der Garten� Vor meinem geistigen Auge hatte ich schon die Pflanzpl�tze vergeben. Stangenbohnen hier, Tomaten dort, Zucchini, Salat, ein kleines Erdbeerbeet, einige Himbeerruten und ein Spalierapfel. Ich war zwar eine Stadtpflanze geworden, aber der alte Hofgarten, in dem ich gemeinsam mit meiner Oma buddeln und pflanzen durfte, hatte mir offenbar mehr gefehlt, als ich mir hatte eingestehen wollen.</p><p>Ich �berschlug die finanzielle Seite. Den Preis f�r den gebrauchten Kleinwagen, der mein Firmenwagen werden sollte, den Aufwand f�r Briefpapier und Werbung, Umzugs- und Renovierungskosten, allgemeine Lebenshaltungskosten f�r die Anfangszeit, bis das Unternehmen Umsatz und Gewinn brachte. Auf der Einnahmenseite standen die Existenzgr�ndungsf�rderung, meine bescheidenen Ersparnisse und nat�rlich Omas Kredit. Mit Budgetkalkulationen kannte ich mich aus und in diesem Fall war ich optimistisch, den Rahmen einhalten zu k�nnen, da ich ja nur f�r mich selbst kalkulierte und nicht f�r eine Gruppe k�nstlerisch ambitionierter Zahlenphobiker.</p><p>�Na ja, die Decken sind sch�n hoch�, murmelte mein Begleiter und unterbrach meine Gedankeng�nge, �das erh�ht die Heizkosten, aber es l�sst auch mehr Licht herein. Gr�nderzeit eben.�</p><p>Das war mein Stichwort. Wenn es noch einen winzigen Zweifel gegeben haben mochte, so war er sp�testens jetzt v�llig zerstreut.</p><p>�Ich nehme die Wohnung�, sagte ich entschlossen.</p><p>Ein strahlendes L�cheln erschien auf dem Gesicht des Pantoffeltierchens.</p><p>�Da wird sich die Vermieterin aber freuen. Und ich nat�rlich auch. Ich bin Ihr Nachbar. Und so eine Art Hausmeister. Metzenrath, freut mich. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, sagen Sie mir Bescheid.�</p><empty-line/><p>An dem Abend, an dem ich den Mietvertrag unterschrieb, erz�hlte ich Greg, dass ich am �bern�chsten Samstag seine Zeit f�r ein paar Stunden in Anspruch nehmen m�sse.</p><p>�Und wozu, wenn ich fragen darf?� Sein Tonfall war alles andere als freundlich.</p><p>�Um mir beim Umzug zu helfen�, erkl�rte ich ruhig. Ich tat, als suche ich etwas im K�hlschrank, beobachtete ihn aber aus den Augenwinkeln. Seine Reaktion gefiel mir ganz und gar nicht. Er war erleichtert. Dann allerdings verdunkelte sich sein Blick.</p><p>�Da kann ich nicht.�</p><p>Fast wollte ich fragen, wann er denn stattdessen k�nnte, aber im letzten Moment hielt ich doch den Mund. Oma, Lisbeth und Troll hatten ihre Hilfe f�r den Termin zugesagt und Troll wollte einen kleinen Lieferwagen von einem Bekannten besorgen. Der Umzug w�rde also an genau diesem Datum stattfinden.</p><p>�Tut mir ehrlich leid, aber der Termin steht fest und du kannst bestimmt zwei Stunden helfen. Sonst muss ich einige Sachen noch hierlassen, die du mir dann sp�ter vorbeibringst.�</p><p>Greg lie� ein unzufriedenes Schnauben h�ren. �Also gut, aber nicht zu fr�h.�</p><p>�Um neun�, erwiderte ich.</p><p>Greg st�hnte.</p><p>Heimlich st�hnte ich auch, denn eigentlich hatte ich mich mit meinen Helfern Lisbeth, Oma und Troll auf zehn Uhr geeinigt, aber aus lauter Bosheit hatte ich Greg eine Stunde fr�her genannt. Ich war �ber mich selbst erstaunt. Diese Geh�ssigkeit kannte ich gar nicht an mir.</p><p>�Wir sollten au�erdem noch dar�ber reden, welche M�bel ich mitnehme�, schob ich hinterher.</p><p>Gregs Gesichtsz�ge glitten in die totale Fassungslosigkeit ab. Hatte er etwa ernsthaft gedacht, dass ich eines sch�nen Tages aus seinem Leben verschwinde und nichts von der Einrichtung, die wir gemeinsam angeschafft hatten, f�r mich reklamieren w�rde?</p><p>�Wer nimmt hier was mit?�, erklang es pl�tzlich in Sues n�selndem Tonfall von der K�chent�r her. F�r mich war die Unterhaltung damit beendet, und ich �berlie� die beiden sich selbst. Sollte Greg ihr die gute Botschaft meines Auszugs doch bitte alleine �berbringen. Offenbar fand die gute Sue diese Nachricht gar nicht so interessant, denn das Gespr�ch, dessen Anfang ich ungewollt noch mith�rte, landete ganz schnell bei gegenseitigen Vorw�rfen, warum niemand eingekauft, niemand etwas zu essen vorbereitet und schon seit Tagen niemand mehr das Bad sauber gemacht hatte. Ich nahm mir vor, Greg einen Flyer mit meinem Dienstleistungsangebot zu schicken, sobald diese fertig w�ren. Annehmen w�rde ich einen Auftrag von ihm nat�rlich nicht�� jedenfalls nicht, solange die Bohnenstange in seinem Haushalt lebte.</p><p>In meinem Arbeitszimmerasyl sortierte ich die Dinge aus, die ich in mein neues Leben nicht mitnehmen w�rde. Das war in erster Linie Kleidung, denn ich hatte beschlossen, mich von allen Hosen zu trennen, die mir inzwischen definitiv zu weit waren. Ich hatte nicht vor, jemals wieder hineinzupassen.</p><p>Schwerer fiel mir die Entscheidung bei den Fotoalben und Erinnerungsst�cken, die mein Leben mit Greg dokumentierten. Erst beim dritten Durchsehen bemerkte ich, dass der �berwiegende Teil der Fotos Greg zeigte. Von uns beiden gab es nur drei Bilder, die ich mit dem Selbstausl�ser gemacht hatte. Von mir alleine gab es keins. Offenbar hatte Greg auf keinem unserer Ausfl�ge und auch nicht w�hrend unserer beiden einw�chigen Urlaube nach dem Apparat gegriffen, um ein Foto von mir zu machen.</p><p>Ich behielt zwei besonders gelungene Aufnahmen von Greg und ein Foto von uns beiden zusammen, den Rest warf ich weg.</p><p>Am meisten Spa� machte es mir, den Ordner mit meinen Bewerbungen komplett zu entsorgen. Meine Bewerbungsschreiben und die Absagen, Einladungen zu Vorstellungsgespr�chen und weitere Absagen, Hinhaltebriefe, Eingangsbest�tigungen und noch mehr Absagen, alles landete im Papierkorb. Danach f�hlte ich mich blendend. Und hungrig. Greg und Sue waren inzwischen ausgegangen, und so konnte ich mir in der K�che drei dicke, gro�e Scheiben Graubrot mit Nutella schmieren. Ich verdr�ckte alles und f�hlte mich immer noch gut dabei. Mit vollem Magen und dem Gef�hl, endlich auf dem Sprung in mein neues Leben zu sein, schlief ich wie ein Murmeltier.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Ein Umzug ist eine gute Gelegenheit festzustellen, wie viele Freunde man hat. Ich hatte drei: Troll, Lisbeth und meine Oma, die allerdings rein k�rperlich keine gro�e Hilfe darstellte. Daf�r konnte sie wieder einmal zeigen, dass ihre unersch�tterliche Ruhe und totale Toleranz unabdingbare Qualit�ten in einer Welt sind, in der Menschen wie Troll und Lisbeth aufeinanderprallen. Also in meiner Welt, die sowieso gerade aus einem ziemlichen Durcheinander bestand und deren herausragende Eigenschaft der Mangel war. Mangel an Geld, Einkommen und Liebe. Auch M�bel und Freunde waren nicht im �berma� vorhanden, und zwei der drei Freunde waren gleich bei der ersten Begegnung wie Hund und Katze, Materie und Antimaterie. Wobei ich nicht so genau wei�, wer von beiden Materie oder Antimaterie war.</p><p>Troll jedenfalls trug am Tag meines Umzugs ihr Haar in exakt der Farbe, die die Schutzwesten von Stra�enarbeitern oder auch diese kleinen, kegelf�rmigen Pylonen, die an Baustellen stehen, haben, kombiniert mit grellwei�en Reflektorstreifen. Auf Reflektorstreifen hatte Troll verzichtet, aber durch das Neonorange sah sie auch ohne Lichtreflexe aus wie ein Stra�enm�bel. Lisbeth blinzelte mehrfach, bevor sie ihre Sprache wiederfand.</p><p>�Ich kann Ihnen Sauerstoffbleiche geben�, sagte sie zur Begr��ung. �Damit geht das wieder raus.�</p><p>Ich musste mir ein Grinsen verkneifen. Der Pragmatismus meiner Oma ist nichts im Vergleich zu Lisbeths. Ich gratulierte mir wieder einmal zu meiner ersten Angestellten.</p><p>Ob Troll sich �ber die Bemerkung �rgerte oder nicht, lie� sich nicht erkennen, denn sie schleppte gerade eine Palme vorbei, wodurch ihr Gesicht hinter den l�nglichen Bl�ttern verborgen blieb. Nur die Haarfarbe leuchtete durch das Gr�n. �Ich kann mich leider nicht revanchieren�, antwortete sie etwas atemlos, denn der Pflanztopf war ziemlich schwer. �Ich kenne weder ein Hausmittel gegen Diallele noch eins gegen Gesichtskannel�ren.�</p><p>Lisbeth runzelte die Stirn und fragte, was diese Worte zu bedeuten h�tten, aber Troll war bereits im Treppenhaus und trug die Pflanze zum Auto.</p><p>Nat�rlich erwartete Lisbeth die Antwort nun von mir, aber ich h�tete mich, ihr zu erkl�ren, dass Diallele ein gebildet klingender Ausdruck f�r einen Fehlschluss ist. Die Art, im Kreis zu denken und nichts dazuzulernen. Ein beliebter Begriff bei den Kreativen von AIQ, die eine Zeit lang das Motto �Kampf der Diallele� auf die gro�e Tafel in ihrer Kreativwerkstatt geschrieben hatten und Kampagnen entwickeln wollten, die die dummen Konsumenten mit unerwarteten Einblicken und Aha-Erlebnissen verbl�ffen sollten. Ich kann mich nicht erinnern, ob es ihnen gelungen ist. Die Kannel�ren musste ich selbst sp�ter im Fremdw�rter-Duden nachschlagen, um herauszufinden, dass es sich um senkrechte Rillen am Schaft antiker S�ulen handelt. F�r Lisbeths faltige Haut im Gesicht und am Hals war der Begriff dann doch leicht �bertrieben.</p><p>Inzwischen versuchte Oma Lisbeth zu erkl�ren, dass die junge Frau ihr Haar vermutlich absichtlich so gef�rbt habe.</p><p>�Das kann ich mir nicht vorstellen�, sagte Lisbeth und blickte mich an. �Nein. Oder?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Was hat sie f�r ein Problem?�, fragte Lisbeth sachlich.</p><p>F�r Lisbeth besteht die Welt aus Problemen und deren L�sung. Ganz sachlich. Je ein Problem und eine L�sung bilden dabei eine Einheit. Das Leben ist eine Abfolge dieser Einheiten. Problem�� L�sung. N�chstes Problem�� n�chste L�sung. Dabei kann ihre Sachlichkeit einem normalen Menschen mit einem normal dimensionierten Gef�hlsleben furchtbar auf den Geist gehen, aber ich ben�tigte genau so eine Person als verantwortliche Mitarbeiterin. Also versuchte ich, ihr nicht allzu deutlich zu widersprechen.</p><p>�Sie hat kein Problem�, sagte ich. �Sie findet das sch�n.�</p><p>Selbst Oma, die wirklich �berirdisch tolerant ist, wirkte etwas verunsichert.</p><p>Lisbeth �berlegte einen Moment.</p><p>�Bl�dsinn�, sagte sie dann.</p><p>Zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie wenig ich Troll wirklich kannte. Warum kleidete sie sich so auff�llig? Warum f�rbte sie sich die Haare so bunt, dass sie immer auffiel? Oder fiel sie durch ihre mangelnde Gr��e sowieso auf und war lieber �die Verr�ckte mit den bunten Haaren� als �die Kleinw�chsige�? Da ich sie bei AIQ, also in einem Stall voller Verr�ckter kennengelernt hatte, war mir diese Idee fr�her nie gekommen, aber wenn man sie, wie Oma und Lisbeth, au�erhalb der bunten Werbewelt traf, frappierte ihr �u�eres nat�rlich noch viel mehr. Ich fragte mich, wie sie dieses st�ndige Aus-dem-Rahmen-Fallen ertrug. Sie konnte vermutlich niemals einfach nur eine unauff�llige Person unter vielen anderen sein. Wo immer sie auftauchte, fiel sie auf, und wer sie einmal gesehen hatte, erinnerte sich an sie. F�r mich, die jahrelang gekr�mmt gegangen war, um nicht �berall die Gr��te zu sein, hatte diese Vorstellung etwas Erschreckendes.</p><p>�Ich finde das zwar auch ungew�hnlich, aber sie sieht immerhin nicht ungepflegt aus�, sagte Oma. Ungepflegtes Aussehen ist so ziemlich das Einzige, das sie beklagenswert findet.</p><p>�Das w�re ja auch noch sch�ner�, entgegnete Lisbeth emp�rt.</p><p>�Wenn du in dieser Stadt leben willst, solltest du dich wohl besser an solche Anblicke gew�hnen�, schlug Oma mit einem feinen L�cheln vor. �Sonst musst du demn�chst jedem zweiten Bewohner D�sseldorfs gute Ratschl�ge zu seinem �u�eren geben.�</p><p>�Ja, ich sollte mich wohl daran gew�hnen, dass der durchschnittliche Bewohner einer Gro�stadt psychisch �hnlich veranlagt ist wie die Irren, die ich zeitweilig betreut habe. Nur gilt das hier als normal�, erwiderte Lisbeth.</p><p>Sie zwinkerte mir dabei heimlich mit einem Auge zu, aber Oma kannte sie gut genug, um zu wissen, dass es ihr mit dieser Bemerkung nicht ernst war. Sie l�chelte am�siert. Vielleicht, weil ihr mein Umzug Spa� machte, vielleicht aber auch, weil Lisbeth endlich nicht mehr bei ihr wohnte.</p><p>Damit war das Thema Trolls Haarfarbe f�rs Erste erledigt, aber ich wusste, dass Lisbeth Troll in Zukunft aufmerksam beobachten w�rde, um herauszufinden, warum sie sich so ungew�hnlich zurechtmachte.</p><empty-line/><p>Als Nicht-Freund und Vierter im Umzugs-Bunde half mir Greg, der vermutlich von seinem neuen Darling den Auftrag erhalten hatte sicherzustellen, dass ich auch wirklich und wahrhaftig das Feld r�umte. In der Hoffnung, ihm den Abschied von mir so schmerzlich wie m�glich zu machen, trug ich eine neue Jeans, die ich in freudiger Erwartung weiteren Gewichtsverlusts erstanden hatte und die mir eigentlich noch zu eng war. Ein ebenfalls eng anliegender Pullover erg�nzte meine unpassende Bekleidung, au�erdem hatte ich Lippenstift aufgetragen, nat�rlich aus demselben Grund. Greg blickte mich ein paar Mal sinnend von der Seite an, schaute aber immer schnell weg, wenn ich mich ihm zuwandte. Er trug zusammen mit Lisbeth die schweren Sachen, wobei bereits in der dritten Sekunde ihrer Zusammenarbeit unzweifelhaft klar war, wer hier das Sagen hatte. Lisbeths betonten Aufforderungen und ihrem Stirnrunzeln nach zu urteilen, war sie mit seinem Arbeitseinsatz nicht zufrieden. Greg verschwand dann auch, so schnell es ging.</p><p>Sobald er weg war, erl�ste ich meine gequetschten Bauchfalten aus der Jeans, sch�lte mich aus dem Pullover und wischte mir den Lippenstift ab. Beim eigenen Umzug gut aussehen zu m�ssen, ist verdammt anstrengend, und so sehr ich mir gew�nscht h�tte, dass Greg noch etwas blieb, so erleichtert war ich doch, endlich wieder richtig atmen zu k�nnen.</p><p>Nat�rlich war meine M�blierung mehr als d�rftig. Ein Bett, einen Kleiderschrank und eine kleine Kommode hatte Lisbeth mir geschenkt. Die Sachen hatten ihrer �ltesten Tochter geh�rt. Genau so sahen sie aus. Da ich allerdings nicht w�hlerisch sein konnte und Lisbeth ihren verlassenen Mann auch noch dazu verdonnert hatte, die M�bel bei mir anzuliefern, bedankte ich mich artig und schwor mir, eisern zu sparen, um m�glichst schnell aus dem Jugendzimmer herauszukommen.</p><p>Die Wohnzimmerausstattung bestand aus einem Secondhand-Sofa und einem Secondhand-Tisch sowie einem Regal, das ich aus f�nf unbehandelten Brettern und achtundzwanzig Ziegelsteinen aus dem Baumarkt selbst gebaut hatte. Ich besa� weder Fernseher noch Radio, bekam aber Letzteres von Troll geschenkt. Damit war ich wenigstens nicht v�llig von der Au�enwelt abgeschnitten.</p><p>Die K�chenzeile war �hnlich minimalistisch ausgestattet, was mich nicht st�rte, da ich noch nie eine gro�e K�chin gewesen war und der Zeitpunkt meiner Unternehmensgr�ndung sicher nicht der richtige war, um daran etwas zu �ndern.</p><p>Lisbeth war entsetzt. �Kind, du willst als Unternehmerin deinen Mann stehen, da brauchst du eine vern�nftige Kost.�</p><p>Ich fand die Tatsache, dass meine Angestellte mich mit �Kind� ansprach, weiterhin unpassend, wollte diese Diskus-sion aber nicht jetzt f�hren. Stattdessen erkl�rte ich ihr, dass ich erstens eine Kaffeemaschine, zweitens einen integrierten Mikrowellenbackofen sowie drittens einen K�hlschrank mit Drei-Sterne-Gefrierfach besa�, und somit alles N�tige zum �berleben verf�gbar war.</p><p>�Und was, bitte sch�n, willst du in deinem schicken Mikrowellenbackofen zubereiten? Tiefk�hlpizza?�</p><p>�Ich liebe Tiefk�hlpizza�, gab ich trotzig zur�ck. �Und es gibt viele andere Fertiggerichte, sogar mit Gem�se.�</p><p>�Die �blichen Fertiggerichte enthalten zu viel Salz, zu viel Fett, zu viel Zucker und meist noch Glutamat�, dozierte Lisbeth. �Au�erdem sind sie teuer.�</p><p>Jetzt bettelte ich um Verst�ndnis. �Lisbeth, ich kann nicht gut kochen und ich werde keine Zeit haben, das gerade jetzt zu lernen.�</p><p>Lisbeth �berlegte einen Moment und fand dann die f�r das aktuelle Problem passende L�sung. �Gut�, sagte sie entschlossen. �Du schaffst dir eine Grundausstattung Plastikdosen an, die genauen Gr��en schreibe ich dir auf. Ich bringe dir zweimal die Woche etwas zu essen, was jeweils f�r zwei Tage reicht. Die anderen drei Tage der Woche musst du f�r dich selbst sorgen. Ich schreibe dir ein paar einfache Rezepte auf. Auf diese Art wirst du deine Kochk�nste im Laufe der Zeit schon erweitern.�</p><p>Ich nickte dankbar und froh, der Inquisition entkommen zu sein.</p><p>Nach einem langen Blick, mit dem sie mich von oben bis unten musterte, murmelte sie noch etwas von N�hrstoffversorgung, Kalorienoptimierung und einem entsprechenden Ern�hrungsprogramm, das sie, in Kalenderwochen gegliedert und nach dem saisonalen Obst- und Gem�seangebot ausgerichtet, f�r mich erstellen wolle, und scheuerte die vom Vormieter �bernommenen Ger�te, bis sie aussahen, als k�men sie direkt aus der Verkaufsausstellung des Herstellers.</p><p>Das einzige Zimmer, das ann�hernd so aussah, wie ich es mir in meinen geheimen W�nschen vorgestellt hatte, war das B�ro meines neu gegr�ndeten Unternehmens.</p><p>In mein B�ro hatte ich richtig investiert. Geld und Nerven. Geld, mit dem ich Lamellenvorh�nge gekauft hatte, und zwar jene Sorte, die man auch h�ufig in Arztpraxen findet. Sie sehen nat�rlich f�rchterlich aus, haben aber eine Ausstrahlung von Professionalit�t, die geraffte Gardinen einfach nicht erreichen k�nnen. Nerven hatte ich investiert, als ich Greg mitteilte, dass ich die Einrichtung des Arbeitszimmerasyls mitzunehmen gedenke. Und zwar vollst�ndig.</p><p>Er wurde erst blass dann rot, konnte aber meinen Einwand, dass wir damals, als wir zusammenzogen, die M�blierung der Wohnung gemeinsam bezahlt hatten und mir daher irgendetwas zust�nde, nicht von der Hand weisen. Nat�rlich hatte er dabei nicht an seinen sch�nen Schreibtisch, den Drehstuhl mit Lederbezug, die hochwertigen Regale und Schr�nke mit Rolll�den gedacht. An was sonst, blieb mir schleierhaft, denn auch das Wohnzimmersofa aus Leder, den Couchtisch aus dem Stamm eines amerikanischen Mammutbaumes, die schwingenden Regale oder seinen Designersessel wollte er keinesfalls missen.</p><p>�Das Bett k�nntest du mitnehmen, das gef�llt Sue sowieso nicht�, hatte er stattdessen vorgeschlagen.</p><p>�Ich brauche aber eine B�roeinrichtung�, beschied ich ihm nochmals. �Du hast dein B�ro sowieso nie zum Arbeiten gebraucht�, schob ich hinterher. �Bei mir k�nnen die M�bel endlich ihre Bestimmung erf�llen.�</p><p>Er fand kein Argument, das er meinem Willen entgegensetzen konnte, daher blieb es bei der Arbeitszimmereinrichtung, und so war mein privater Bereich eher unter Studentenbudenniveau, der berufliche aber weit dar�ber. Wie es sich f�r eine frischgebackene Unternehmerin geh�rt. Ich h�tte platzen k�nnen vor Stolz, als ich mich an dem Abend in meinem B�ro umsah. Meine Zukunft erschien mir in den leuchtendsten Farben, nichts h�tte meinen Optimismus bremsen k�nnen.</p><empty-line/><p>Jetzt sitze ich in meinem schicken B�ro und tippe dies hier, w�hrend im Kofferraum meines Autos, das ich von hier aus schemenhaft erkennen kann, ein Toter liegt. Aber nun habe ich schon so viel verraten, dass ich auch den Rest der Geschichte noch aufschreiben will. Damit sp�ter niemand sagen kann, ich h�tte mein Unternehmen nur gegr�ndet, um in reichen Haushalten kriminellen Machenschaften nachgehen zu k�nnen.</p><empty-line/><p>Trolls gro�e Stunde schlug. Die Schmutzengel existierten auf dem Papier, jetzt mussten wir nur noch den Betrieb aufnehmen. Dazu braucht ein Dienstleistungsunternehmen Kunden, und zum Kundenfang ben�tigt man Werbung, sonst wissen die Kunden ja nicht, dass sie ein Problem haben und wir die L�sung daf�r bieten.</p><p>Ich ben�tigte ein Logo, einen Briefkopf und Visitenkarten, au�erdem das Layout f�r den Flyer, den ich verteilen wollte, und nat�rlich das Design f�r die Homepage.</p><p>Um Troll, die bei AIQ reichlich �berstunden machte, nicht zu �berfordern, hatte ich mir vorab ein paar Gedanken gemacht und einige Stichpunkte notiert, auf deren Grundlage wir die Werbematerialien erstellen konnten. Stichworte waren zum Beispiel: haushaltsnahe Dienstleistungen, steuerlich absetzbar, Vertrauensw�rdigkeit, professionelle Hauswirtschafterin.</p><p>An diesem Samstagmorgen l�mmelte Troll in meinem Besucherstuhl herum. Irgendwie schaffte sie es immer, zu l�mmeln, selbst wenn das M�bel keine tiefe Couch, sondern ein steifer B�rostuhl war. Sie trug heute rotes Haar, einen gelben Pullover und eine gr�ne Hose und sah damit aus wie der Pumuckel. Allerdings machte sie einen m�den Eindruck und verlangte als Erstes Kaffee.</p><p>�War sp�t gestern Abend�, murmelte sie.</p><p>Bei mir nicht. Ich ging nicht aus. Konnte mich noch nicht einmal aufraffen, ins Kino zu gehen, obwohl ich das sonst ganz gern getan hatte. Aber seit Greg mich abgelegt hatte, war jegliches Interesse an privaten Vergn�gungen erloschen. Und Troll? Ich hatte keine Ahnung, wie sie ihre Freitagabende verbrachte. Oder mit wem. Sie hatte mich nie gefragt, ob ich mitgehen wollte, wohin auch immer sie ging. Mir kamen die Andeutungen �ber ihre Vorliebe f�r das eigene Geschlecht in den Sinn. Ob da etwas dran war? Ob sie mich deshalb aus ihrem Privatleben heraushielt? Ich traute mich nicht, sie danach zu fragen.</p><p>Troll hatte zwei Lutscher mitgebracht und sich einen gleich nach der letzten Tasse Kaffee in den Mund gesteckt. Das war der Startschuss f�r die Arbeit. Sie warf einen Blick auf meine Stichworte, kn�llte den Zettel zusammen und warf ihn �ber ihre Schulter. Ich b�ckte mich reflexartig, um das Papier aufzuheben, aber Troll winkte ab.</p><p>�Lass liegen�, nuschelte sie um den kirschroten Lutscher herum.</p><p>�Aber das sind Argumente, die in mein Werbematerial��, begann ich, f�hrte den Satz aber nicht zu Ende, da Troll sich mit dem klebrigen Lolli an die Stirn tippte.</p><p>�Wo ist das Problem?�, fragte ich. Offenbar hatte Lisbeth bereits einen eindeutig feststellbaren Einfluss auf meine Alltagssprache.</p><p>�Wer ist deine Zielgruppe, H�schen?�, fragte Troll mit gelangweiltem Blick.</p><p>�Menschen, die viel arbeiten und keine Zeit oder Lust haben, sich um den Haushalt zu k�mmern�, deklamierte ich.</p><p>�Falsch�, nuschelte Troll.</p><p>�Richtig�, hielt ich dagegen.</p><p>�Okay, formulieren wir es anders. Jeder Dackel ist ein Hund, aber nicht jeder Hund ist ein Dackel. Du willst nur Dackel.�</p><p>Ich starrte sie irritiert an. Die eiskalte Pr�zision, die sie in Sachfragen an den Tag legt, �berraschte mich immer wieder. Da gab es kein Herumlavieren, kein Sowohl-als-auch, keine faulen Kompromisse. Sie wusste, was sie wollte, wusste, wie sie das erreichen konnte, und marschierte zielstrebig drauflos. Borniert, k�nnte man meinen, wenn statt ihrer Fachkenntnis Sturheit der Grund gewesen w�re. War es aber nicht. Sie war konsequent professionell bis in die roten Haarspitzen und sie w�rde mir erkl�ren, worauf sie hinauswollte. So, dass auch ein Werbelegastheniker wie ich es verstehen k�nnte.</p><p>Troll wies �ber ihre Schulter nach hinten, wo der Zettel mit meinen Stichworten lag. �Haushaltsnahe Dienstleistungen, noch dazu steuerlich absetzbar, wird von einer Klientel nachgefragt, die durchschnittlich achtundf�nfzig Jahre alt, m�nnlichen Geschlechts und innerhalb der letzten drei Jahre verwitwet ist. Beruf: Beamter im gehobenen Dienst. Diese Leute schlie�en die Wohnungst�r auf und fahren als Erstes mit dem Finger �ber die Oberkante des T�rblattes, um nachzusehen, ob dort gereinigt wurde.�</p><p>Ich schluckte.</p><p>Troll zeigte mit ihrem Lolli auf mich und �ffte Lisbeths Eifler Tonfall t�uschend echt nach, als sie fragte: �Kind, ist das deine Zielgruppe?�</p><p>Ich sch�ttelte entsetzt den Kopf.</p><p>�Also lassen wir die Formulierungen der Finanzbeh�rden sch�n beiseite und grenzen die Zielgruppe ein�, erkl�rte Troll.</p><p>�In Ordnung�, hauchte ich. Ich hatte den Boden unter den F��en verloren und war jetzt ganz davon abh�ngig, dass Troll mich auf den rechten Weg leitete.</p><p>�Schlag ein paar andere Stichworte vor�, forderte sie mich auf.</p><p>Meine St�rke liegt eindeutig nicht in der Kreativit�t, daher �berlegte ich eine ganze Weile, aber mir fiel nichts Vern�nftiges ein. Schlie�lich sagte ich, nur um irgendetwas zu sagen: �Heinzelm�nnchen.�</p><p>Troll grinste. �War ja klar, dass das kommt. Wahrscheinliches Kundenprofil: Karrierefrau, die h�usliche Arbeiten als notwendiges �bel und ideale Besch�ftigung f�r illegale Einwanderer betrachtet und deshalb schlecht und ungern zahlt.�</p><p>�Miss Propper�, schlug ich vor.</p><p>�Mann mittleren Alters, der bisher bei Mutti wohnte und an Verstopfung sowie hormoneller Dysfunktion leidet.�</p><p>So, wie Troll meine potenziellen Kunden beschrieb, verlor ich die Lust an der Selbstst�ndigkeit. Das gab ich ihr deutlich zu verstehen.</p><p>�Bl�dsinn�, entgegnete Troll hartherzig. �Diese Leute aus deinem Kundenkreis auszusortieren, ist ja der Sinn der �bung. Du musst dir genau �berlegen, welche Kunden du ansprechen willst, und deine Werbung entsprechend aufbauen. Also bei der Zielgruppe anfangen und die Kommunikation empf�ngerorientiert gestalten. Dann hast du die besten Chancen, nachher nur solche Kunden zu haben, die dir in den Kram passen.�</p><p>�Aha�, sagte ich. Diese Anleitung hatte f�r mich keinerlei lebenspraktischen Nutzwert�� ich hatte nicht den Schimmer einer Ahnung, wie wir jemals einen vern�nftigen Werbeflyer erstellen sollten.</p><p>�Punkt eins: Zielgruppendefinition�, sagte Troll grinsend. �F�r wen m�chtest du arbeiten?�</p><p>�M�nner�, antwortete ich umgehend. Die meisten M�nner, die ich kenne, sind in Haushaltsdingen deutlich konzilianter als Frauen. Ob es um Schlieren auf der Fensterscheibe geht, die B�gelfalte am Hemden�rmel oder eine nicht ganz polierte Fersenkappe am Schuh�� M�nner regen sich deutlich weniger �ber solche kleinen Nachl�ssigkeiten auf als Frauen.</p><p>�Ein Anfang ist gemacht�, rief Troll und warf die Arme in die Luft wie jemand, der am Bohrloch steht und schreit: �l! Es sprudelt! �Welche M�nner?�, schob sie dann in n�chterner Professionalit�t hinterher. Der abrupte Wechsel des Tonfalls schockierte mich nicht mehr.</p><p>�M�nner, die froh sind, nicht selbst putzen und b�geln zu m�ssen und f�r diese Dienstleistung genau so bereitwillig bezahlen, wie f�r die Inspektion ihres Autos.�</p><p>Sie blickte mich unverwandt und ernst an. �Weiter.�</p><p>�M�nner, die genug Stil haben, sich im Dreck unwohl zu f�hlen, aber zu wenig Pedanterie, um selbst sauber machen zu wollen. Gesch�ftsreisende, die nach vier anstrengenden Tagen auf Bahnh�fen, Flugh�fen und in anonymen Hotels gern einen Fernsehabend zu Hause verbringen mit einem gek�hlten Bier und einem Gericht wie von Mutti, das sie nur in der Mikrowelle warm machen m�ssen�� ohne dass Mutti sie mit Fragen zu ihrem Job nervt.�</p><p>Troll zerkaute den Lolli, was mir eine G�nsehaut �ber den R�cken jagte. Ich lie� mich aber nicht ablenken, kam gerade richtig in Fahrt.</p><p>�M�nner, die nur von Berufs wegen vier Tage pro Woche in ihrer �berteuerten Innenstadt-Wohnung fern der Familie verbringen und es satthaben, ihre schmutzige W�sche hin und her zu schleppen oder sich Gedanken dar�ber zu machen, was noch im K�hlschrank ist und schlecht wird, wenn sie �bers Wochenende nach Hause fahren, oder was alles fehlt, wenn sie am Montagabend in die Bude zur�ckkommen. Die keinen Bock auf Treppenhausputzdienst haben und die die Nachbarn nicht kennen, sodass jeder Besuch eines Handwerkers oder Heizr�hrchenablesers zum Problem wird. M�nner, die laut Hausordnung einen bepflanzten Balkonkasten an ihrem Gel�nder anbringen m�ssen, ihn aber nicht selbst pflegen wollen. M�nner, die nur alle vier Wochen in der Stadt sind, dann aber eine gel�ftete, staubfreie Wohnung mit Blumenschmuck und frischem, franz�sischem K�se vorfinden wollen.�</p><p>Troll klatschte grinsend Beifall. �Ich wusste gar nicht, dass M�nner so unterschiedlich sein k�nnen�, murmelte sie. �F�r mich sind die alle irgendwie gleich.�</p><p>�F�r mich auch�, antwortete ich im Brustton der �berzeugung.</p><p>Troll zuckte, ging dann aber doch nicht auf meine Bemerkung ein. �Warum wollen wir keine Frauen?�, fragte sie.</p><p>Ich gr�belte. Dass ich lieber nicht f�r Frauen arbeiten wollte, war eine instinktive Entscheidung.</p><p>�Frauen sind grunds�tzlich kritischer�, murmelte ich.</p><p>Troll grinste. �Du denkst nicht zuf�llig an L�sungslisbeth, oder?�</p><p>�Himmel, f�r die zu arbeiten muss die H�lle sein�, entgegnete ich. �Darum mache ich es ja auch andersherum!�</p><p>�Gute Entscheidung�, lobte Troll.</p><p>Ich dachte an meine Mutter. Sie hatte Hausarbeit immer gehasst, sie aber nat�rlich trotzdem gemacht. Warum nat�rlich? Weil frau nun eben die Hausarbeit macht. Sofern frau sich nicht eine Haushaltshilfe leistet. Aber kann frau wirklich damit leben? Ein Gedanke nahm langsam Gestalt an.</p><p>�Frauen, die die Hausarbeit nicht selbst machen, haben unterschwellig ein schlechtes Gewissen, das sie dann durch Kritik kompensieren�, schlug ich vor.</p><p>�Gute Idee�, sagte Troll. �Frauen ohne schlechtes Gewissen kannst du also nehmen.�</p><p>Mir schwirrte der Kopf. Wie sollte ich das in Erfahrung bringen? Ich konnte schlecht meine potenziellen Kunden nach ihrer pers�nlichen Einstellung zur Rolle der Frau befragen. Zu welcher Gruppe w�rde ich eigentlich geh�ren? Oder Troll? Ob es bei ihr zu Hause penibel sauber war? Oder chaotisch unordentlich? Wie lebte sie �berhaupt? Ich hatte mal wieder keine Ahnung. Nachdem sie mir damals bei ihrem ersten Besuch angeboten hatte, bei ihr zu wohnen, hatte sie das Thema nie wieder angesprochen und mich auch nicht zu sich eingeladen. Und ich traute mich mal wieder nicht zu fragen. So hilfsbereit Troll auch immer war, blieb sie doch geheimnisvoll und fremd. Absichtlich?</p><p>�Wir haben Zielgruppen, nun lass uns texten�, sagte Troll in meine Gedanken hinein. Sie hatte sich einen Notizblock und einen Stift von meinem Schreibtisch genommen und begann zu kritzeln.</p><p>�Wer wird denn gleich heiraten, nur weil er eine ordentliche Wohnung haben will?�, murmelte sie vor sich hin.</p><p>�Meine Wohnung, mein Auto, mein Schmutzengel�, war der n�chste Versuch.</p><p>�B�rse statt B�geln�, �Sie v�geln, wir b�geln�, �Damit Wohnen nicht gleich Arbeiten ist�, �Sie k�mmern sich um Ihre M�use, wir um Ihre Wollm�use�, �F�r Drecksbengel gibt�s Schmutzengel�, �Himmlisch sauber.�</p><p>Ich musste mich mehrfach zusammenrei�en, um nicht albern loszukichern, aber Troll war in ihrem Element. F�r sie war dies hier harte Arbeit und zwar genau die, die sie liebte. Mit ein paar Worten gro�e Bilder malen. Gef�hle hervorrufen. Banale Alltagserfahrung mit philosophischem Tiefgang versehen. �Glauben Sie, James Bond putzt selbst?�</p><p>�Welchen Spruch nehmen wir?�, fragte ich nach einer Weile.</p><p>�Alle�, gab Troll zur�ck. �Zielgruppe, schon vergessen?�</p><p>�Also, der mit dem V�geln��, sagte ich.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Ich will da keine falschen Erwartungen wecken�, wandte ich ein.</p><p>�War auch nicht ernst gemeint�, entgegnete Troll grinsend. �Ich wollte nur sehen, wie du reagierst.�</p><p>�Und? Wie habe ich reagiert?�</p><p>�Wie erwartet.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Wie gut sie mich doch kannte.</p><p>�Wir platzieren Flyer, Postkarten und Visitenkarten in Fitnessstudios mit haupts�chlich m�nnlicher Kundschaft, in Szene-Bars und in amerikanischen Kaffeeh�usern. Herren-Boutiquen und Ma�schuh-Spezialisten ben�tigen einen anderen Flyer als Sauna-Landschaften, weil sie ein anderes Publikum haben. In Clubs und Discos schicken wir s��e M�dels mit Stempeln herum, die deine Internetadresse auf m�nnliche Handr�cken stempeln. Und der Gro�teil der Werbestrategie l�uft viral, das hie� fr�her mal Mund-zu-Mund-Propaganda.�</p><p>Die H�lfte dessen, was meine Werbemanagerin mir so wortgewaltig darlegte, sagte mir nicht viel, aber ich hatte vollstes Vertrauen.</p><p>�Wie soll das Logo aussehen?�, fragte ich, denn davon hatte ich nun �berhaupt keine Ahnung.</p><p>Troll kritzelte bereits hoch konzentriert auf dem Papier herum. Ich z�gelte meine Ungeduld und wartete, bis sie endlich ihren Stift weglegte und mir den Block entgegenstreckte.</p><p>Ich starrte darauf. Mehrere Entw�rfe von Engeln mit Putzutensilien starrten zur�ck. Das Logo, das mir am besten gefiel, zeigte ein gro�z�giges Haus, an dem sich mehrere Engel zu schaffen machten. Einer putzte fliegend die Fenster im ersten Stock, einer kehrte den Kamin, einer schnitt ebenfalls schwebend den gro�en Baum neben dem Haus und einer buk Brot in einem Ofen, wie ich ihn mir beim M�rchen von der Goldmarie immer vorgestellt hatte.</p><p>Ich drehte den Skizzenblock um, sodass Troll ihn sehen konnte, und zeigte auf diese Zeichnung. Troll grinste breit. �Aus dir w�re vielleicht doch noch eine gute Werberin geworden.�</p><empty-line/><p>Im Laufe des Januars komplettierte Troll gemeinsam mit einigen ihrer zahllosen Bekannten Logo, Layout der diversen Flyer und Internetauftritt. Auch ein Blog f�r die virale Werbung, von der ich immer noch keine klare Vorstellung hatte, wurde eingerichtet. Ich durfte meine Meinung sagen, wurde aber bei abweichendem Geschmack von Troll �berstimmt, weil sie als Profi-Kreative zwei Stimmen hatte, w�hrend ich selbst mit nur einer Stimme w�hlen durfte. Demokratie geht anders, aber da ich auf sie angewiesen war und ihre professionelle �berlegenheit anerkannte, behielt ich meine Verfassungsbeschwerden f�r mich.</p><p>Dann kam der gro�e Tag, an dem meine Homepage online ging. Zehntausend Flyer waren gedruckt und in einschl�gigen Gesch�ften, Caf�s, Bars und Sportstudios ausgelegt.</p><p>Etliche Anfragen trudelten ein und stellten meine Nerven auf eine harte Probe. Zum ersten Mal als verantwortliche Unternehmerin aufzutreten war schwieriger, als ich erwartet hatte. Ich wollte gleichzeitig freundlich, kompetent, verbindlich, selbstbewusst und professionell r�berkommen und schaffte es gerade mit M�he, nicht zu stottern. Immerhin f�hlte ich mich in meinem schwarzen Outfit ann�hernd wohl, wenn ich auch manchmal den Eindruck hatte, nicht ganz passend gekleidet zu sein. Au�erhalb der Werbebranche bedeutet Schwarz nicht gleich cool. Ich nahm mir vor, in Zukunft wenigstens eine wei�e Bluse zu schwarzer Hose und Jackett zu tragen. Trotz meiner Unsicherheiten erhielt ich die ersten Auftr�ge. Lauenstein war der f�nfte. Lauenstein, von dem ich mir seit drei Tagen verzweifelt w�nsche, ich h�tte seinen Namen nie geh�rt.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Ich f�hlte mich ger�dert, hatte Kopfweh und einen lautstarken Schnupfen, als ich zum ersten Treffen mit R�diger Lauenstein ging.</p><p>Der Winter hatte mir eine dicke Erk�ltung eingebrockt und ich machte die interessante Erfahrung, dass man auch mit einer ausgewachsenen Bronchitis noch freiwillig arbeitet, wenn man selbstst�ndig ist. Zu Angestellten-Zeiten h�tte ich bei AIQ angerufen und mich f�r den Rest der Woche abgemeldet. Dieser Gedanke streifte mich nicht einmal im Vor�bergehen. Ich hatte ein Business und das musste laufen.</p><p>Lauensteins Haus lag in Oberrath, in einer der kleinen Seitenstra�en in Steinwurfweite des Waldes. Ein gro�es Haus, vermutlich aus den Sechzigerjahren, auf einem riesigen Grundst�ck. Die Sprossenfenster mit den gew�lbten Scheiben und das viele dunkle Holz waren sicher fr�her einmal angesagt gewesen, lie�en das Anwesen heute aber altmodisch und d�ster aussehen. D�ster und unheimlich�� aber es kann auch sein, dass mir das jetzt im R�ckblick so scheint.</p><p>R�diger Lauenstein jedenfalls wirkte darin seltsam fehl am Platz. Er war ungef�hr Mitte drei�ig und trug einen v�llig fusselfreien schwarzen Anzug, der seine blasse Hautfarbe noch blasser wirken lie�. Er war so gro� wie ich, wirkte aber nicht sportlich und dynamisch, sondern eher wie ein Teddy�� fr�her nannte man das auch pummelig. Sein Gesichtsausdruck war ruhig und eher ernst, sein kurzes L�cheln erhellte das ansonsten eher unauff�llige �u�ere aber auf ganz unerwartet charmante Art. Kurzhaarfrisur in Stra�enk�terblond, saubere, sehr kurze Fingern�gel, alles picobello. Kein Ring. Meine Beobachtungsgabe hatte durch die Erk�ltung nicht gelitten.</p><p>Ich hatte mir angew�hnt, mir schnell einen ersten Eindruck zu verschaffen und habe damit bisher meist richtig gelegen. Mein Urteil �ber R�diger Lauenstein: gepflegt, ordentlich, ohne �bertriebenen Geltungsdrang oder Profilneurose, vielleicht ein bisschen bieder. War dieser Mann einer, der mit wei�en Handschuhen �ber die Oberkante von K�chenschr�nken strich? Ich war mir nicht ganz sicher. Auf Anhieb war jedenfalls kein offensichtlicher Ablehnungsgrund zu erkennen.</p><p>Ich fragte mich kurz, wo er auf mein Unternehmen aufmerksam geworden war. Sicherlich nicht in einem Fitnessstudio, nicht in einer Szene-Disco oder einem Internet-Blog.</p><p>Seine Begr��ung an der Haust�r war freundlich gewesen, ich meinte, einen kurzen Augenblick der �berraschung bemerkt zu haben. Er best�tigte diesen Eindruck, als er mir im Flur aus der Jacke half.</p><p>�Ich hatte nicht gedacht, dass Sie so jung sind�, murmelte er mit einem verlegenen L�cheln. �Sie haben mir die �berraschung wohl angemerkt, was?�</p><p>Ich nickte unverbindlich.</p><p>Er r�usperte sich. �Es geht in erster Linie darum, das Haus und den Garten in Ordnung zu halten�, erkl�rte Lauenstein, w�hrend er mich herumf�hrte. Wir begannen im Obergeschoss, wo er mir diverse Schlafzimmer und Badezimmer zeigte. In einem Schlafzimmer hing ein Morgenmantel, im dazugeh�rigen Bad standen Toilettenartikel. Beides geh�rte unzweifelhaft einer Frau.</p><p>�Meine Mutter wohnt gelegentlich hier, wenn sie in der Stadt ist�, erkl�rte Lauenstein angesichts meines fragenden Blicks.</p><p>Ich nahm mir vor, den Auftrag abzulehnen.</p><p>�Allerdings nur noch sehr selten.�</p><p>Nun, ich konnte ja noch mal dar�ber nachdenken.</p><p>Vom Arbeitszimmer im ersten Stock konnten wir den Garten �berblicken. Die Anlage war sehr gepflegt. Rasenfl�che, Teich und Staudenrabatten, au�en herum Str�ucher und Laubb�ume. Im hinteren Bereich standen einige behauene Steine und Figuren, denen ich keine weitere Beachtung schenkte. Mich interessierte an seinem Garten nicht der Dekostil der Putten, sondern der Pflegeaufwand des Gr�nzeugs.</p><p>Das Erdgeschoss bestand aus einem riesigen Wohnzimmer auf zwei Ebenen mit Kamin, �ber dem eine offenbar alte, mit verwitterter Inschrift versehene Steinplatte angebracht war, die ich mit einem kurzen Blick streifte. F�r den Reinigungsaufwand nicht von Bedeutung. Weiter gab es ein Esszimmer, ein zweites Arbeitszimmer, G�stebad, G�stetoilette, K�che mit Speisekammer und K�hlhaus.</p><p>�Ein K�hlhaus?�, fragte ich nach, da ich glaubte, mich verh�rt zu haben.</p><p>Lauenstein �ffnete eine T�r an der Schmalseite der K�che, die von der K�chenseite her wie eine normale Holzt�r aussah, auf der anderen Seite jedoch aus geb�rstetem Edelstahl bestand.</p><p>�Es ist meistens nicht in Betrieb�, erkl�rte er. �Aber f�r gr��ere Feiern ist es nat�rlich sehr praktisch.�</p><p>Ich konnte mir den schwarz gewandeten Herrn Lauenstein mit der pummeligen Figur nicht auf �gr��eren Feiern� vorstellen, nickte aber freundlich und trat einen Schritt vor. Das K�hlhaus war mehr ein K�hlraum mit einer zweiten T�r, die direkt nach drau�en zur Einfahrt f�hrte.</p><p>�Der� �hem, fr�here Besitzer war J�ger�, erkl�rte Lauenstein. �Er brachte das Wild direkt von drau�en ins K�hlhaus.�</p><p>Beim Blick in den �berdimensionierten, ganz in Edelstahl ausgekleideten K�hlraum, in dem fr�her wahrscheinlich die erlegten Rehe und Wildschweine hingen, erschrak ich nur wenig. Da ich praktisch auf Omas Bauernhof gro� geworden bin, bin ich tote Tiere gew�hnt. Wenn auch nicht gleich neben der K�che.</p><p>Wir setzten uns ins Wohnzimmer und gingen die Details durch. Putzen, W�sche waschen, b�geln, Garten in Schuss halten. Einkaufen nach Liste der Grundausstattung, die noch zusammenzustellen sei. Vorbereitung einer einfachen Verk�stigung f�r die monatliche Skatrunde, also Eintopf im Winter und Frikadellen mit Kartoffelsalat im Sommer.</p><p>Ich durchlitt das Gespr�ch schniefend und hustend, entschuldigte mich mehrfach daf�r, hatte Verst�ndnis, dass Herr Lauenstein mir zum Abschied lieber nicht die Hand gab, und brachte seinen Schl�ssel, den er mir anvertraute, direkt zu Lisbeth. Dann verschwand er aus meinem aktiven Ged�chtnis so wie die anderen, langsam zahlreicher werdenden Kunden, deren Auftr�ge Lisbeth abwickelte und die ihre monatlichen Rechnungen p�nktlich bezahlten.</p><p>Bis zu dem Tag Anfang M�rz, an dem mein Leben als unbescholtene B�rgerin endete und im Chaos versank.</p><empty-line/><p>Die Grippewelle hatte auch meine unbeugsame, starke Lisbeth �berrollt. Sie hatte sich am Tag zuvor krankgemeldet und so musste ich ihre Aufgaben zus�tzlich erledigen. Ich hatte selbst bereits einen schrecklichen Tag hinter mir und f�hlte die �berstanden geglaubte Erk�ltung zur�ckkehren, als ich endlich in Oberrath ankam. Zwar d�mmerte es noch nicht, aber die graue Wolkendecke lag tief und schwer �ber der Stadt. Nach ein paar helleren Tagen Ende Februar war der Winter mit aller Macht erneut �ber uns hereingebrochen und gro�e, nasse Schneeflocken fielen nicht fr�hlich tanzend, sondern feucht platschend auf die Stra�en. Das Licht war fahl und die Stimmung unter den blattlosen, gestutzten B�umen unheimlich. Obwohl ich die ganze Situation irgendwie beklemmend fand, deutete ich sie nicht als Vorzeichen des Unheils, das unaufhaltsam auf mich zuraste. Ich war einfach nur m�de, wollte diesen Einsatz hinter mich bringen, einen hei�en Tee trinken und dann endlich in mein warmes Bett.</p><p>Als ich auf Lauensteins Grundst�ckseinfahrt zufuhr, sah ich etwas Unf�rmiges, Dunkles neben dem Tor stehen oder liegen, eine Art gro�er M�llsack, der sich aber pl�tzlich regte, als ich ausstieg und das Tor zur Seite schob. Ein Mensch. Ein Obdachloser, wie ich messerscharf aus dem Zustand seiner diversen �bereinandergezogenen Kleidungsst�cke schloss. Er war einen guten Kilometer von einem beliebten Kiosk-Treffpunkt seiner Kollegen entfernt. Vielleicht war er in der Stra�enbahn eingeschlafen und eine Haltestelle zu weit gefahren. Ich erschrak, als die Gestalt sich aufrichtete, mich anstarrte und dann schwankend neben dem Tor stehen blieb, w�hrend ich den Wagen hineinfuhr, das Tor schloss und mich dem Haus zuwandte.</p><p>Da ich den ganzen Tag Akquisegespr�che gef�hrt hatte, trug ich eine schwarze Hose und Jacke, eine wei�e Bluse und d�nne Lederschuhe und zog mich in der K�che um, dem einzigen Raum in diesem dunklen Haus, in dem ich mich einigerma�en wohlf�hlte.</p><p>Lisbeth hatte mir aufgeschrieben, welches Reinigungsmittel f�r welchen Zweck benutzt wurde. Die K�chensp�le aus Edelstahl ben�tigte ein anderes Mittel als die Wandverkleidung aus Granit, die sich an der Arbeitsplatte entlangzog. Auch die Arbeitsplatte aus ge�ltem Holz hatte speziellen Pflegebedarf, ebenso die Badezimmerarmaturen, Wannen und Toiletten. Die Kacheln ben�tigten ein eigenes Mittelchen und die Ablagefl�chen aus Stein nat�rlich erst recht.</p><p>Der Staubsauger mit der rotierenden Kurzhaarb�rste war f�r Flur und Diele geeignet, die D�se ohne B�rste f�r den langhaarigen Teppich im Wohnzimmer bei der Sitzgruppe und eine weitere D�se f�r den Perser unter dem Esstisch. Die Sp�lmaschine war auszur�umen, alle B�den zu fegen, die K�che feucht zu wischen, aber nicht mit demselben Pflegemittel wie die B�den im Badezimmer, denn dort lagen offenporige Terrakottaplatten, w�hrend die Fliesen in der K�che glasiert waren.</p><p>Das ganze Haus war aufger�umt, nirgendwo lagen dreckige Socken oder leere Chipst�ten herum. Selbst die leeren Weinflaschen standen ordentlich in einer Ecke hinter der K�chent�r. Ich war dem Hausherrn dankbar, wenngleich ich mich ein bisschen wunderte. War der Mann ein Pedant? Ein Spie�er? War ein Mann, der Ordnung hielt, automatisch spie�ig? Oder fiel mir dieser Begriff nur ein, weil ich gerade an Greg denken musste und er ordentliche M�nner gern als Spie�er bezeichnete? Und warum musste ich in einer Situation, in der ich hinter einem Mann herr�umte und sauber machte, an Greg denken? Ich versuchte nicht, die Antwort auf diese Fragen zu finden, denn im Grunde wollte ich nur schnell fertig werden, nach Hause fahren, eine Kanne hei�en Erk�ltungstee trinken und dann ins Bett kriechen.</p><p>Ich warf die Waschmaschine an und b�gelte die Hemden, die letzte Woche gewaschen worden waren. Meine B�gelk�nste waren mit Lisbeths nicht zu vergleichen. Weder vom Ergebnis noch vom Zeitaufwand. W�hrend ich mehr als zehn Minuten pro Hemd brauchte, das dann auch noch den lausigen Kniff im �rmel hatte, schaffte Lisbeth ein Hemd ohne B�gelfalten in vier Minuten. Ich m�hte mich ab und verfluchte die Mode, die derartigen Bl�dsinn verlangte. Au�erdem hatte Lisbeth mir von einer Feier am letzten Wochenende berichtet, f�r die sie Mettbr�tchen vorbereitet hatte. Ich rechnete also damit, dass der K�hlraum f�r Getr�nke genutzt worden war und gewischt werden musste.</p><p>Diese Einsch�tzung war korrekt. Leider sah die Kammer aus, als sei hier ein Fass Bier explodiert, anders konnte ich mir den durchdringenden Geruch und die Klebrigkeit an W�nden, Boden und Regalen nicht erkl�ren. Ich putzte und wischte, bis mir der R�cken so wehtat, dass ich mich beim besten Willen nicht mehr bewegen konnte.</p><p>Ich lie� die Au�ent�r des K�hlraums offen, damit der Geruch nach Hopfen und Putzmittel sich verziehen konnte, w�hrend ich durch die Verbindungst�r in die K�che ging und noch einen Kontrollgang durch das Haus machte. Ich war fertig. Im wahrsten Sinne des Wortes. In meinem Kopf braute sich ein gewitterartiger Schmerz zusammen, dessen erste Blitze zuckten, als ich mich b�ckte, um meine Businesskleidung aufzuheben und ins Auto zu bringen.</p><p>Ich schloss die Haust�r hinter mir ab und setzte mich ins Auto. Irgendetwas hatte ich vergessen, das sp�rte ich. Ich sa� auf dem Fahrersitz und widerstand der Versuchung, die Stirn aufs Lenkrad zu legen und einzuschlafen. Auch ein Kopfsch�tteln brachte keine Erinnerung an das, was ich verzweifelt in meinem schmerzenden Kopf suchte, also startete ich den Motor.</p><p>Das Ger�usch weckte mich so weit, dass es mir einfiel: die Au�ent�r des K�hlraums! Ich stieg aus, ging ums Haus herum, stie� den untergelegten Keil mit dem Fu� weg und warf die T�r der dunklen Kammer zu, ohne noch einen Blick hineinzuwerfen.</p><p>Dass das ein Fehler war, w�re mir im Traum nicht eingefallen. Ich fuhr ahnungslos nach Hause, nahm zwei Aspirin, trank einen Liter Erk�ltungstee und eine halbe Flasche Erk�ltungssaft und fiel ins Bett.</p><empty-line/><p>Als ich erwachte, war ich fest davon �berzeugt, gerade erst eingeschlafen zu sein. Der Tag voller Kundengespr�che, die wiederkehrende Erk�ltung und die Arbeit bei Lauenstein hatten mich bis zur totalen Ersch�pfung gefordert. Ich war eingeschlafen, sobald mein Kopf das Kissen ber�hrte. Jetzt, mitten in der Nacht, sa� ich kerzengerade im Bett und h�tte nicht sagen k�nnen, ob mich ein Ger�usch geweckt hatte oder mein Unterbewusstsein, ich wusste nur eins: Ich hatte die Au�ent�r der K�hlkammer nicht abgeschlossen.</p><p>Abschlie�en ist eigentlich das falsche Wort, denn die T�r wird nicht mittels Schl�ssel gegen unbefugtes �ffnen von au�en gesichert, sondern durch einen kleinen Hebel. F�r diesen Hebel gibt es zwei Positionen. Steht er oben, ist die T�r verschlossen, steht er unten, l�sst sie sich auch von au�en �ffnen. Ich hatte w�hrend des Putzens den Hebel heruntergedr�ckt, als ich zwischendurch kurz zu meinem Auto ging, um mir eine Kopfschmerztablette zu holen. Danach hatte ich vergessen, die Verriegelung wieder einzustellen.</p><p>Durch den K�hlraum konnte ein Einbrecher direkt in die K�che gelangen, denn die Zwischent�r war nicht verschlossen.</p><p>Ich sa� aufrecht im Bett, atmete r�chelnd durch die verstopfte Nase und h�rte das bedrohliche Brodeln in den Bronchien, aber ich konnte mich nicht wieder hinlegen. Ich musste zu Lauenstein und die T�r verriegeln.</p><p>Ja, vermutlich war es der Fieberwahn, der mich mitten in der Nacht aus dem Bett, in mein Auto und quer durch die Stadt zu einem Kunden trieb, dessen T�r ich nicht abgeschlossen hatte. Jedenfalls waren die Stra�en frei, kein Wunder, an einem saukalten Dienstagmorgen um drei Uhr.</p><p>In Lauensteins Haus brannte Licht.</p><p>Morgens um drei.</p><p>Ich malte mir die schrecklichsten Szenen aus. Einbrecher hatten die offene T�r gefunden, waren ins Haus eingedrungen, hatten Lauenstein auf einen Stuhl gefesselt und folterten ihn, um die Kombination des Safes aus ihm herauszupressen.</p><p>Er hatte doch einen Safe? Keine Ahnung.</p><p>Oder Lauenstein war l�ngst tot und die Einbrecher r�umten in Seelenruhe alles ab, was nicht niet- und nagelfest war.</p><p>Oder�</p><p>Durch die Gitterst�be des Tors konnte ich pl�tzlich eine Gestalt am K�chenfenster vorbeihuschen sehen. Lauenstein!</p><p>Er hatte kein Klebeband �ber dem Mund und blutete auch nicht aus einer Platzwunde am Kopf, wie �berfallene das im Kino tun. Aber er sah mit seinen hektischen Bewegungen auch nicht entspannt aus. Seine Frisur war unordentlich und der Grund daf�r leicht erkennbar, denn er fuhr sich fast ununterbrochen mit den Fingern durch das Haar.</p><p>Ich beobachtete ihn eine Zeit lang, wie er an allen m�glichen Fenstern auftauchte, wieder verschwand, woanders auftauchte und rastlos hin und her lief.</p><p>Mir wurden zwei Dinge klar: Erstens: Lauenstein lebte und war offenbar allein. Zweitens: Ich konnte hier und jetzt nichts ausrichten.</p><p>Ich stieg wieder in den Wagen und drehte fest entschlossen den Z�ndschl�ssel. Am n�chsten Tag w�rde ich so fr�h es irgend ging zu Lauensteins Haus fahren, den Hebel an der K�hlraumt�r umlegen und hoffen, dass mein Versehen gar nicht entdeckt worden w�re. Es w�re ja auch zu viel Pech, wenn gerade heute Nacht noch ein Einbrecher die Probe aufs Exempel machte und die Hand an den Griff eben dieser T�r legte. Unwahrscheinlich.</p><p>Dachte ich.</p><p>Ich fuhr nach Hause und legte mich ins Bett.</p><empty-line/><p>Drei Stunden Schlaf sp�ter waren die Kopfschmerzen immer noch da, der Hals kratzte und die Nase lief, aber irgendwie w�rde ich auch diesen Tag �berstehen und morgen ginge es mir vielleicht schon wieder besser.</p><p>Dabei kam das Schlimmste erst noch.</p><p>Ich hatte kaum die erste Tasse Kaffee getrunken, als das Telefon klingelte. Ich erkannte die Nummer, die im Display erschien, sofort. Lauenstein!</p><p>Ich meldete mich, wobei ich mir M�he gab, freundlich und wach zu klingen.</p><p>Lauenstein klang gehetzt, als er seinen Namen nannte.</p><p>�Was kann ich f�r Sie tun, Herr Lauenstein?�, fragte ich und hoffte, dass man das Zittern in meiner Stimme nicht h�ren konnte.</p><p>�Sie sind doch gestern mit Ihrer Arbeit fertig geworden, nicht wahr?�</p><p>Ich versuchte verzweifelt, die Frage zu deuten. Hatte ich etwas vergessen, das Lisbeth normalerweise erledigte? Hatte ich irgendwo noch Putzzeug herumstehen lassen, so, als ob ich an der Stelle gleich weitermachen wollte? Ich konnte mir keinen Reim auf den Sinn dieser Frage machen.</p><p>�Ja, Herr Lauenstein. Warum fragen Sie? Ist etwas nicht in Ordnung?�</p><p>Nat�rlich wusste ich genau, was nicht in Ordnung war, hoffte aber immer noch, dass er es noch nicht bemerkt hatte. Das war nicht unwahrscheinlich, denn selbst wenn man von au�en kommt und den Schl�ssel ins Schloss der T�r steckt, bemerkt man gar nicht, dass die Verriegelung nicht greift. Man dreht einfach den Schl�ssel und denkt, man h�tte den Riegel auf diese Art ge�ffnet, obwohl er ja die ganze Zeit offen war.</p><p>�Nein, nein, es ist alles bestens�, antwortete Lauenstein, der selbst so gehetzt klang, wie ich mich f�hlte. �Es ist nur so: Ich fahre heute zu einem Kongress, muss so gegen Mittag los und komme erst Ende der Woche wieder. Da wollte ich einfach wissen, also fragen, �hem� Also: Sie m�ssen heute oder morgen nicht mehr ins Haus oder auf das Grundst�ck, richtig?�</p><p>Das war nat�rlich falsch, aber das konnte ich ihm ja schlecht sagen.</p><p>�Richtig�, antwortete ich also. �Sofern Sie keine anderen W�nsche haben, behalten wir den regul�ren Dienst bei, das ist dann die normale Reinigung n�chsten Montag�, pr�zisierte ich. Klare Ansagen, das hatte ich schon bei AIQ gelernt, vermeiden sp�tere Diskussionen mit Leuten, die ihre Rechtfertigungen gern mit S�tzen wie �woher soll ich das wissen, davon hast du nichts gesagt� einleiten und so die Schuld auf andere schieben.</p><p>�Ja, gut. Genau so machen wir es. Danke, das war�s dann auch schon�, stammelte der Anrufer und legte auf.</p><p>Ich atmete tief durch, so weit mir das mit meinen rasselnden Bronchien und der verstopften Nase m�glich war.</p><p>Der Plan sah also vor, so schnell wie m�glich zu Lauenstein zu fahren und die T�r korrekt abzuschlie�en, damit ich endlich meinen Seelenfrieden wiederfinden konnte. Den Vormittag m�sste ich auf jeden Fall noch hinter mich bringen, denn wenn Lauenstein sagte, dass er mittags zu diesem Kongress musste, dann verbrachte er den Vormittag vielleicht zu Hause. Auf jeden Fall durfte ich nicht riskieren, ihm �ber den Weg zu laufen. Ich w�rde mich also noch etwas gedulden m�ssen. Eventuell sollte ich sogar abwarten, bis es d�mmerte, um m�glichst auch von den Nachbarn unbemerkt aufs Grundst�ck zu gelangen. Die Warterei w�rde meinen Nerven den Rest geben, das war mir bereits jetzt klar.</p><p>W�hrend ich mich durch den Tag schleppte, sah ich st�ndig auf die Uhr. Ich konnte es kaum erwarten, endlich meinen Fehler in Ordnung zu bringen.</p><p>Immer, wenn ich an Lauensteins K�hlraumt�r dachte, fiel mir allerdings auch wieder ein, dass der Mann sich die halbe Nacht um die Ohren geschlagen und heute Morgen am Telefon furchtbar durcheinander und nerv�s geklungen hatte. Was war da blo� los? Vielleicht sollte ich heute Nachmittag doch noch einen Rundgang durch das Haus machen. Sicherheitshalber. Immerhin k�me der Bewohner mehrere Tage nicht zur�ck, da w�re es vielleicht besser, mich zu �berzeugen, dass alles in Ordnung war. Ich dachte weiter dar�ber nach, hatte mich aber noch nicht entschieden, als ich endlich um f�nf in Oberrath ankam.</p><p>Ich �ffnete das Tor zum Grundst�ck, setzte meinen Wagen in die Einfahrt und ging schnurstracks zur T�r des K�hlraums. Ich dr�ckte die Klinke und �ffnete die T�r.</p><p>Der Schock nahm mir den Atem.</p><p>Da war ein Mann im K�hlraum.</p><p>Er lag lang gestreckt auf dem Boden.</p><p>Er r�hrte sich nicht.</p><empty-line/><p>Der Kerl, der da so reglos vor mir lag, war ein Penner. Wie der, der mir gestern vor der Toreinfahrt fast vor das Auto gelaufen war? Wom�glich sogar derselbe? Der sich auf der Suche nach einem Schlafplatz auf das Grundst�ck geschlichen und dann ausgerechnet im K�hlraum eingenistet hatte? Ich versuchte, mein Gedankenkarussell anzuhalten und mich zu konzentrieren. Hatte sein Mantel so ausgesehen? War die K�rpergr��e dieselbe? Auf jeden Fall war es ein Mann gewesen, da war ich mir sicher.</p><p>Mein Versuch, mich mit diesen erkennungstechnischen Fragen abzulenken, scheiterte. Die entscheidende Frage war nicht, ob dieser Mann hier der von gestern war, sondern warum er so reglos in der K�hlkammer meines Kunden lag.</p><p>Die Ahnung, die mich vom ersten Augenblick an beschlichen hatte, wurde zur urpl�tzlichen Erkenntnis: Der Mann war tot.</p><p>Nat�rlich bin ich in keiner Weise qualifiziert, das festzustellen, schon gar nicht aus einer Entfernung von ungef�hr zwei Metern, aber ich war mir trotzdem sicher. Zumal die Temperatur, die mir aus der offenen T�r entgegenschlug, keinesfalls h�her war als die Au�entemperatur. Und die n�herte sich nach einer Tagesh�chsttemperatur von drei Grad nun wieder dem Gefrierpunkt.</p><p>Ich schloss die T�r, lehnte mich von au�en dagegen und atmete mit rasselnden Bronchien tief durch.</p><p>Auf Omas Bauernhof hatte ich als Kind beim Schlachten geholfen, aber das war lange her und au�erdem handelte es sich bei den bedauernswerten Todesopfern um H�hner oder Rinder, selten L�mmer, aber nie um erwachsene M�nner. �berhaupt hatte ich au�er meinem Opa noch nie einen toten Menschen gesehen. Mein �ber alles geliebter, toter Opa hatte�� wie es bei uns �blich ist�� einen ganzen Tag lang aufgebahrt im Wohnzimmer gelegen, w�hrend die Familie und die Freunde kamen, um sich von ihm zu verabschieden. Das war ziemlich schrecklich gewesen, und ich heulte weil, Opa tot und Oma jetzt allein war, aber es war trotzdem nicht mit der Situation zu vergleichen, in der ich mich jetzt befand.</p><p>Wenigstens hatte ich den Tod dieses Mannes nicht verursacht. Woher h�tte ich denn wissen sollen, dass er sich ausgerechnet einen K�hlraum als Schlafst�tte erw�hlt, und dann auch noch einschl�ft, bevor er merkt, dass die Temperatur immer weiter sinkt statt steigt. Ich hatte ihn also nicht umgebracht, aber die Anwesenheit einer Leiche in einem von mir betreuten Anwesen war mir trotzdem unangenehm. Eine Leiche warf einfach ein schlechtes Licht auf mein Unternehmen. Au�erdem wurde meine Zuverl�ssigkeit stark infrage gestellt. Ich hatte keine andere Wahl. Die Leiche musste weg.</p><p>Mit halbherziger Entschlossenheit �ffnete ich wieder die T�r des K�hlraums und trat ein. Der Thermostatregler war tats�chlich auf die niedrigste Stufe geschaltet. Vermutlich hatte der arme Kerl in Unkenntnis oder sogar in Panik wie wild an dem Regler gedreht und dabei nicht die h�chste, sondern die niedrigste Einstellung erwischt.</p><p>Z�gernd ging ich zu der zerlumpten Gestalt. Wie konnte ich �berhaupt feststellen, dass er wirklich ganz tot war? Vorsichtig legte ich einen Finger an die Stelle, an der ich die Halsschlagader vermutete. Das war nicht schwierig, denn der K�rper lag auf der Seite, sodass der Kopf nach unten gesunken war und die rechte Seite des Halses freigab.</p><p>Mein Finger sp�rte K�lte, aber keinen Puls. Ich zog ihn schnell zur�ck. Der Mann war wirklich tot.</p><p>Erst in diesem Moment realisierte ich das ganze Ausma� meines Problems. Meines grandiosen Problems. Meines katastrophal grandiosen Problems. Eine Leiche im Haus eines Kunden, in dem ich gestern aus lauter Doofheit vergessen hatte, die T�r zu schlie�en. Eine Leiche! Ein Eindringling, der sich noch nicht einmal auf dem Grundst�ck h�tte befinden d�rfen, vom Inneren des Hauses ganz zu schweigen. Und dann starb der auch noch hier. Ausgerechnet hier und jetzt!</p><p>Meine Beine zitterten so stark, dass ich mich an die Wand lehnen musste und langsam aber sicher mit dem R�cken daran entlang herabrutschte. Jetzt befand ich mich fast auf gleicher H�he mit der Leiche, wenn auch zum Gl�ck nicht Auge in Auge. Ich blickte auf durchgelatschte Schuhsohlen Gr��e f�nfundvierzig. Die Zahl war noch erkennbar, obwohl die Sohlen unter den Fu�ballen hauchd�nn waren. Dieses Detail hatte zwar nichts mit meinem Problem und schon gar nichts mit dessen L�sung zu tun, aber es fiel mir trotzdem auf. Als wehre sich mein Bewusstsein gegen die naheliegenden Fragen und bearbeite stattdessen vollkommen uninteressante Beobachtungen wie die Qualit�t der Schuhsohlen des Verblichenen.</p><p>Ich rappelte mich auf. H�ngen lassen gilt nicht, das habe ich von Oma gelernt. Es gab ein ernstes Problem und das musste ich l�sen. Blo� wie?</p><p>Sobald ich wieder aufrecht stand, wurde mir schwummrig. Offenbar war mein Kreislauf der Situation nicht gewachsen. Ich konnte den Blick nicht von dem Toten neben mir wenden, konnte aber auch mit seinem Anblick vor Augen keinen klaren Gedanken fassen. Ich vergewisserte mich, dass der T�rhebel unten war und wankte zu meinem Auto. Auf dem Fahrersitz lie� ich den Kopf aufs Lenkrad sinken und atmete tief durch. Ich fand ein Halsbonbon und steckte es mir in den Mund, um den metallischen Geschmack zu vertreiben. Ich nahm ein Erfrischungstuch aus dem Handschuhfach und wischte mir mit dem nach Zitrusfr�chten duftenden T�chlein durchs Gesicht. Langsam konnte ich wieder regelm��ig atmen, aber damit war das eigentliche Problem noch lange nicht beseitigt.</p><p>Die Leiche musste weg.</p><p>Dazu gab es nur einen Weg: Ich musste den Toten aus dem Haus meines Kunden holen, bevor jemand etwas bemerkte.</p><p>Aber wohin damit? Dar�ber w�rde ich mir Gedanken machen, wenn es soweit war.</p><p>Mit wackeligen Knien stieg ich aus dem Auto und ging zur�ck zum K�hlhaus. Leider hatte sich die Leiche zwischenzeitlich nicht in Luft aufgel�st. Jetzt betrachtete ich den Toten unter einem anderen Aspekt: War er gro�? Was wiegt ein toter Mann? W�rde er in meinen Kofferraum passen?</p><p>Zum Gl�ck war er eher schm�chtig. Vielleicht nicht wirklich klein, aber sehr d�nn, sofern man das unter seinen diversen Lagen an Kleidung erkennen konnte. Es w�rde schwierig werden, aber ich traute mir zu, die Leiche in den Kofferraum meines Autos zu schaffen. Der Rest w�rde sich zeigen.</p><p>Wieder wankte ich zu meinem Auto und fuhr es r�ckw�rts vor die T�r zum K�hlraum. Ich �ffnete die Heckklappe, holte den Verbandkasten und die Warnweste heraus und warf beides vor die R�ckbank auf den Boden. Dann arretierte ich die K�hlraumt�r mit dem daf�r vorgesehenen Keil und nahm all meinen Mut zusammen.</p><p>�Der Tod ist nicht schlimm�, hatte meine Oma fr�her immer gesagt, wenn wieder ein Tier geschlachtet wurde. �Er ist so nat�rlich wie die Geburt und das Leben.�</p><p>Diesen Spruch sagte ich mir laut vor.</p><p>Ich rollte die Leiche von der Wand weg, an der sie lag, rollte sie weiter, bis sie auf dem R�cken lag, ordnete die Arme so vor dem K�rper, dass ich den Rettungsgriff anwenden konnte, den ich beim Erste-Hilfe-Kurs anl�sslich meiner F�hrerscheinvorbereitung gelernt hatte, und zog.</p><p>Es ist unvorstellbar, wie schlabberig und �unfassbar� im wahrsten Sinne des Wortes ein toter K�rper ist. Wenn jegliche Spannung aus den Muskeln gewichen ist, wird der Mensch von einst zu einem unhandlichen, schweren Sack. Ich schaffte es, den schlaffen K�rper so aufzurichten, dass er vor mir sa�. Wieder b�ckte ich mich, packte den K�rper von hinten am Unterarm und stemmte mich aus den gebeugten Beinen heraus hoch, wie man es mit schweren Lasten tun soll, um den R�cken zu schonen. Im n�chsten Moment sp�rte ich seine Z�hne auf der nackten Haut meiner Hand. Ich schrie, lie� los, sprang zur�ck und sch�ttelte meine H�nde.</p><p>Er hatte mich gebissen!</p><p>Ich rang um Fassung, hyperventilierte ein bisschen, massierte mir die Kopfhaut und konnte ganz allm�hlich wieder ruhiger atmen, das Kreischen in den Ohren lie� nach und das Zittern der Knie ebbte ab.</p><p>Als ich wieder Herrin meiner Sinne und meines Bewegungsapparates war, trat ich an die bissige Leiche und entdeckte zwei Zahnreihen auf dem Mantel des Mannes. Bei meiner Hebelaktion war ihm das Gebiss herausgefallen.</p><p>Mithilfe zweier Papiertaschent�cher steckte ich die Z�hne in seine Manteltasche, unterdr�ckte den W�rgereiz und machte mich wieder an die Arbeit.</p><p>Es dauerte weitere zwanzig Minuten, bis ich die Leiche im Kofferraum meines Autos verstaut hatte. Erst blieb einer seiner Schuhe an der Schwelle zum K�hlraum h�ngen, dann hatte ich meine liebe Not, den Oberk�rper in den Kofferraum zu wuchten, ohne dass ich selbst mit hinein musste. Die Beine waren so lang, dass ich sie kaum fest genug anwinkeln konnte, und zum Schluss hatte sich ein Knie so verhakt, dass ich die Heckklappe nicht zubekam. Als endlich alles passte, war ich nassgeschwitzt und zitterte am ganzen K�rper.</p><p>Ich schleppte mich noch mal ins Haus, fegte die hereingewehten Bl�tter aus dem K�hlraum, stellte den Thermostat ab, verschloss sorgf�ltig alle T�ren und lie� mich auf den Fahrersitz meines Autos fallen.</p><p>Inzwischen war es stockfinster, aber noch nicht einmal sieben Uhr abends. Ich f�hlte mich dreckig, kraftlos und k�mpfte gegen die Tr�nen.</p><p>Wo wird man dienstagsabends gegen neunzehn Uhr in D�sseldorf eine Leiche los?</p><p>Die Frage l�ste ein unfreiwilliges hysterisches Kichern aus, aber es dauerte nur einen Moment, bis der Pragmatismus meiner b�uerlichen Vorfahren sich durchsetzte und ich ernsthaft dar�ber nachdachte, wo ich meine leblose Fracht abladen k�nnte.</p><p>Nat�rlich durfte ich dabei nicht beobachtet werden, es musste also ein einsamer, dunkler Ort sein.</p><p>Au�erdem, so �berlegte ich mir, sollte es ein Ort sein, an dem der Tote nat�rlicherweise h�tte sterben k�nnen, damit sich der, der ihn irgendwann finden w�rde, gar nicht die Frage stellen w�rde, ob die Leiche von jemandem dorthin geschafft worden sei.</p><p>Im Idealfall war es ein Ort, der m�glichst weit weg war. Sollte es also je zu einer genaueren Untersuchung des Todesfalles dieses Menschen kommen, g�be es keine Verbindung zu mir, zu meinem Kunden oder �berhaupt nach D�sseldorf.</p><p>Leider kannte ich mich in der weiteren Umgebung nicht aus und war auch nicht in der Stimmung, mit einer Leiche im Kofferraum durch die T�ler der Anger, des Schwarzbaches oder sonstiger Kleinstgew�sser zu fahren, um nach einem geeigneten Abladeplatz zu suchen.</p><p>Mir kam der Parkplatz des Wildparks in Grafenberg in den Sinn. Ich kannte den Weg dorthin und wusste, dass an einem Winterabend mit nasskaltem Wetter der Parkplatz menschenleer ist. Sp�testens ab acht Uhr w�re dort kein Mensch mehr. Allerdings w�rden morgen fr�h die ersten Jogger und M�tter oder Gro�eltern mit Kindern dort eintrudeln, denn beide Gruppen gehen auch bei schlechtestem Wetter ihren Lieblingsbesch�ftigungen nach. Einem Kind wollte ich die Entdeckung meiner Leiche dann doch nicht zumuten, also kam der Parkplatz nicht infrage.</p><p>Wo hingen denn in D�sseldorf die Obdachlosen so herum? Wo w�rde einer mehr oder weniger gar nicht auffallen? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht mehr ganz leicht, seit die Stadtv�ter meinen, den nicht ausreichend finanzkr�ftigen Teil ihrer Bev�lkerung von �ffentlichen Pl�tzen vertreiben zu m�ssen. Ich hatte keine Ahnung, wo diese Leute sich au�er an dem nahe gelegenen Kiosk aufhielten. Damit war diese Idee ebenfalls gestorben.</p><p>Langsam lie� ich die Stirn auf das Lenkrad sinken. Meine �berlegungen f�hrten zu nichts. Was sollte ich nur tun? In jedem Fall erst mal von hier verschwinden. Die Nachbarschaft meines Kunden ist nicht so anonym, dass mein Kleinwagen nicht irgendwann auffiele. Ich lie� also den Wagen an, verlie� das Grundst�ck, schloss das Tor sorgf�ltig hinter mir und fuhr erst mal Richtung Innenstadt.</p><p>Ich kam nur wenige hundert Meter weit, bis ein Husten- und Niesanfall mich sch�ttelte. Ich verriss zweimal das Lenkrad, konnte durch die tr�nenden Augen kaum noch etwas sehen und hielt zitternd am Stra�enrand.</p><p>Hinter mir hielt ein Polizeiwagen. Der Beifahrer stieg aus und kam langsam an meiner Heckklappe vorbei nach vorn zu meinem Fenster.</p><p>�Ist Ihnen nicht gut?�, fragte er laut durch das geschlossene Fenster.</p><p>Mir wurde hei� und kalt gleichzeitig. Der Kopf gl�hte, der R�cken steckte in einem Eispanzer. Ich drehte meine Fensterscheibe herunter.</p><p>�Starke Erk�ltung�, r�chelte ich dem Polizisten entgegen.</p><p>�Haben Sie Erk�ltungssaft genommen?�, fragte er stirnrunzelnd zur�ck.</p><p>Sogar ich wei� inzwischen, dass der Hauptbestandteil dieser s��en Medizin aus Alkohol besteht, daher sch�ttelte ich schnell den Kopf. �Nur ein Aspirin.�</p><p>�Aus Ihrem Kofferraum h�ngt etwas heraus.�</p><p>Ich erstarrte. Die Vision von einer schlaffen Hand, die aus der Heckklappe baumelte, streifte mein Bewusstsein und nur mit M�he unterdr�ckte ich die Bemerkung, dass er schon tot gewesen sei, als ich ihn einlud.</p><p>�Haben Sie geh�rt?�, fragte der Beamte. Er sah mich seltsam an. Nachdenklich. Skeptisch.</p><p>Ich nickte schnell. �Ja ja, kann sein. Ist aber nur�� An dieser Stelle wusste ich nicht mehr weiter.</p><p>�Machen Sie die Heckklappe doch mal auf.�</p><p>Auf gar keinen Fall!, h�tte ich am liebsten geschrien, aber das ging nat�rlich nicht.</p><p>Ich stieg aus. Im Zeitlupentempo.</p><p>Ging mit dem Polizisten nach hinten zu meiner Heckklappe.</p><p>Sah einen Fetzen dicken, dunklen Wollstoff.</p><p>Der Mantel von der Leiche.</p><p>�Entschuldigung, aber ich muss, also, ich habe da einen Todesfall��</p><p>Was redete ich blo�!</p><p>�In der Familie. Ich muss die Wohnung ausr�umen. Da waren noch die ganzen alten Sachen drin. Deshalb ist der ganze Kofferraum voller Klamotten. Wenn ich den jetzt aufmache, f�llt mir alles entgegen��</p><p>Der Polizist blickte mich immer noch skeptisch an.</p><p>Ich nieste.</p><p>�Mein Beileid.�</p><p>Sagte man nicht mehr Gesundheit, wenn jemand niest?</p><p>�M�nnersachen?�, fragte er.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Was machen Sie denn damit?�</p><p>�Bitte?� Ich wurde immer nerv�ser. Was fragte der Typ auch so penetrant. Verzweifelt suchte ich nach einer sinnstiftenden Antwort.</p><p>�Ich meine mit den Klamotten. Wissen Sie, es gibt diesen Klosterbruder, der sich um die Obdachlosen k�mmert. Der kann immer gut erhaltene Kleidung f�r seine, �h, Kunden brauchen.�</p><p>�Die Sachen hier stammen von meinem Opa, der ist in den letzten Kriegstagen gefallen. F�nfundvierzig. Oma konnte sich nie von dem Kram trennen und erst jetzt, wo sie tot ist�� Ich konnte nicht weitersprechen. Wie war ich blo� auf diese abstruse Geschichte gekommen? Insgeheim bat ich Oma um Verzeihung, dass ich ihren Mann um mehr als vierzig Jahre seines Lebens betrogen und sie gleich mit get�tet hatte. Hoffentlich ging es ihr gut, war mein n�chster Gedanke. Immerhin war sie auf einer vierw�chigen Rundreise in Zentralasien.</p><p>�Na, wenn die Sachen nicht mehr brauchbar sind, bleibt wohl nur die M�llabfuhr. Aber nicht irgendwo in den Wald kippen, h�ren Sie?�</p><p>Er sah mich streng an.</p><p>Ich hatte schwarze Punkte vor Augen bei seiner Bemerkung, sch�ttelte aber schnell den Kopf, um ihm klarzumachen, dass ich nicht zu denen geh�re, die nachts im Wald M�ll abladen.</p><p>�Dann machen Sie, dass Sie nach Hause kommen und legen Sie sich ins Bett�, sagte der Polizist freundlich, tippte sich an die M�tze und ging zur�ck zu seinem Kollegen. Der Wagen f�delte sich in den Verkehr ein und ich stand allein am Stra�enrand. Ich lie� mich gegen die Heckklappe sinken. Meine Nerven waren kurz vor der Aufl�sung, ich zitterte am ganzen K�rper. Ich f�hlte mich definitiv nicht mehr in der Lage, eine Leiche zu entsorgen, ja nicht einmal dar�ber nachzudenken, wo ich dies am besten bewerkstelligen k�nnte. Ich �ffnete die Heckklappe einige Zentimeter, fummelte das St�ckchen Stoff hinein und knallte sie wieder zu. Dann fuhr ich nach Hause, parkte den Wagen mitsamt Fracht ordnungsgem�� in einer Parkbucht, trank den Rest des Erk�ltungssaftes auf ex und fiel, noch halb angezogen, ins Bett.</p><p>Das ist jetzt drei Tage her.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Als ich am Morgen nach der grausigen Entdeckung in Lauensteins K�hlhaus mit leichter Versp�tung aus meinem Erk�ltungssaft-Delirium erwachte, waren die Krankheitssymptome zur�ckgegangen, nur das wattige Gef�hl im Kopf war unver�ndert stark. Lag das nun an der Erk�ltung oder an den gr�sslichen j�ngsten Ereignissen? Sofort erschien alles wieder vor meinem geistigen Auge und ich erschrak aufs Neue. Ich hatte einen Toten im Haus meines Kunden gefunden und�� weitaus schlimmer�� ihn in den Kofferraum meines Autos gesteckt. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Jetzt musste ich mit einer Leiche im Kofferraum mehrere Gesch�ftstermine absolvieren. Ich ging zum Fenster und traute mich kaum, eine der Lamellen zur Seite zu schieben in der Erwartung, eine ganze Traube von Menschen um mein Auto herumstehen zu sehen, dessen offene Kofferraumklappe den Blick auf einen toten Obdachlosen freigab, der zusammengefaltet gerade so in meinen Kleinwagen passte. Mit einer riesigen Willensanstrengung bewegte ich eine Lamelle und sah mein Auto in der Parkbucht stehen. Kein Mensch weit und breit. Mir kamen vor Erleichterung die Tr�nen. Allerdings nur kurz, denn schnell fiel mir wieder ein, dass das eigentliche Problem weiterhin bestand. Und ein Blick zur Uhr sagte mir, dass ich es vor meinem ersten Termin des heutigen Tages nicht w�rde l�sen k�nnen.</p><p>Auf die Idee, den Termin abzusagen, kam ich, ehrlich gesagt, gar nicht. Ich war ja jetzt Gesch�ftsfrau mit Verantwortung.</p><p>Ich duschte im Eilverfahren, zog meine beste schwarze Hose, eine wei�e Bluse mit Biesen und das w�rmere der beiden Jacketts an, tropfte mir ein Erk�ltungsmittelchen in die Augen, spr�hte ein anderes in die Nase, lutschte ein Halsbonbon vor und eins nach dem Erk�ltungstee und verlie� im Laufschritt das Haus. Zum Gl�ck hatte der nette Nachbar den B�rgersteig vor dem Haus bereits vom Schnee befreit und mit Salz bestreut, sonst w�re ich in meinen schicken Lederschuhen vermutlich direkt unter meinen Leichenwagen gerutscht. So �berstand ich die ersten paar Meter unfallfrei.</p><empty-line/><p>Ich bin immer eine vorsichtige Autofahrerin gewesen, aber so vorsichtig wie an dem Tag war ich in meinem ganzen Leben noch nicht gefahren. Ich blieb auf der rechten Spur, beschleunigte vorsichtig, bremste eher zu fr�h als zu sp�t, aber auch nicht abrupt, damit mir nur ja niemand von hinten auffuhr. Ich blinkte absolut vorschriftsm��ig und parkte meinen Wagen eine halbe Stunde sp�ter auf der K�, auf der ich einen ordnungsgem��en Parkplatz fand. Ich f�tterte die Parkuhr mit meinem gesamten Kleingeld, denn eins wollte ich an diesem Tag ganz sicher nicht: Irgendjemandes Interesse an meinem Wagen wecken. Das Wetter war zwar weiterhin durch extrem kalte Polarluft bestimmt, sodass ich keine Sorge wegen eventueller Geruchsentwicklung haben musste, aber ganz sicher war ich mir in der Hinsicht dann auch wieder nicht. Hundenasen sollen ja sehr gut sein. Weil h�here Temperaturen eine schnellere Verwesung beg�nstigen, hatte ich auch die Heizung im Auto vorsorglich nicht angestellt, weshalb ich mit eiskalten H�nden und F��en die R�ume der Firma Dresen und Schott betrat, wo ich mit Herrn Schott verabredet war.</p><p>Der Gesch�ftszweck der Unternehmung blieb mir auch nach Ankunft in den gro�z�gigen, repr�sentativen R�umlichkeiten unklar. War dies eine Rechtsanwaltskanzlei? Ein Beratungsunternehmen? Eine Sch�nheitsklinik oder, wie kam ich blo� auf diesen Gedanken, ein Beerdigungsinstitut?</p><p>Die Empfangsdame hatte mich erwartet, bat mich freundlich, noch einen Moment Platz zu nehmen, und bot Kaffee oder Wasser an.</p><p>In Anbetracht der Tatsache, dass ich am Morgen bereits einen halben Liter Erk�ltungstee getrunken hatte, ungef�hr zwanzig Mal zum Klo gelaufen war und f�rchtete, Getr�nke zu versch�tten, Tassen zu zerbrechen oder auf andere Art meinen inneren Nervenzusammenbruch f�r Dritte sichtbar zu machen, lehnte ich freundlich ab.</p><p>Meine H�nde waren zwar kalt, aber trotzdem schwei�nass, ich hatte schon M�he gehabt, den Wagen einzuparken, weil ich das Lenkrad kaum halten konnte. Ich befand mich also in totalem Aufruhr und hatte M�he, ein St�hnen zu unterdr�cken, als die nette Empfangsdame mich aufforderte, ihr zu folgen.</p><p>Ich schleppte mich hinter ihr her, wobei ich alle Gedanken an den Inhalt meines Kofferraums verdr�ngte und mich ganz darauf konzentrierte, eine dynamische, aufstrebende Unternehmerin zu sein. An die �u�erlichkeiten dieser Rolle hatte ich mich in den letzten Wochen gew�hnt: Die feinen Schuhe mit der d�nnen Ledersohle, schwarze Hosen und Jacken, wei�e Blusen sowie etwas Lippenstift. Auf die Wimperntusche, die ich normalerweise benutze, um meine hellen Augen mit den blonden Wimpern etwas zu betonen, hatte ich wegen der Erk�ltung verzichtet. Ich atmete tief durch, zog noch einmal die Jacke am Revers glatt und legte die Hand auf die T�rklinke.</p><p>Die Empfangsdame trat den R�ckzug an und ich betrat den Raum, wie ich es vermutlich mein Leben lang getan hatte: Ich �ffnete die T�r vorsichtig so weit, dass ich in den Raum sehen konnte, �ffnete sie etwas weiter und schob mich seitlich durch den m�glichst klein gehaltenen Spalt. Dann schloss ich die T�r leise hinter mir, wobei ich dem Herrn, den ich gegen das helle Fenster kaum erkennen konnte, den R�cken zudrehen musste.</p><p>Er hatte sich erhoben, als ich mich wieder umdrehte, schloss gerade einen Knopf an seinem dunklen Anzug und kam mir um den riesigen Schreibtisch herum entgegen.</p><p>�Guten Tag, Frau Leyendecker. Schott.�</p><p>Ich reichte ihm eine immer noch kaltschwei�ige Hand, sp�rte, wie ich err�tete, und fl�sterte: �Sehr erfreut.�</p><p>�Kommen Sie, setzen wir uns dort her�ber, sonst m�ssen Sie gegen das Licht blinzeln�, sagte er und f�hrte mich zu einer Sitzgruppe in einer Ecke des Raumes, der ungef�hr doppelt so gro� war wie meine gesamte Wohnung.</p><p>�Kaffee? Tee? Oder ein Wasser?�, bot auch er mir an.</p><p>�Nein danke, nichts�, sagte ich, r�usperte mich und lie� mich auf dem Ledersofa nieder.</p><p>Er setzte sich gegen�ber in einen Sessel und betrachtete mich einen Moment recht aufmerksam, was mir die Gelegenheit gab, es ihm gleichzutun. Er war so gro� wie ich, das hatte ich bereits bei der Begr��ung bemerkt, ungef�hr f�nfzig, hatte graue Schl�fen, aber ansonsten schwarzes Haar, das perfekt geschnitten und frisiert war. Sein dreiteiliger Anzug war mit Sicherheit ma�geschneidert und aus feinstem Wollstoff, das Hemd hellblau mit bl�tenwei�em Kragen und gest�rkt. Manik�rte Fingern�gel, die definitiv besser aussahen, als meine es jemals tun werden, und eine dezente Uhr, so flach, dass ich mir erst nicht sicher war, ob es sich wirklich um einen Zeitmesser handelte.</p><p>�Sie wollen also bei mir putzen?�, fragte er mit einem feinen L�cheln.</p><p>Ich sp�rte, dass ich wie eine gespannte Sehne auf seinem Sofa hockte, und versuchte, mich etwas zu entspannen, aber seine Frage machte jeden Versuch zunichte. Bei ihm putzen? Und eine Leiche finden? Nein, das wollte ich ganz und gar nicht. Ich musste meine gesamte Willenskraft aufbringen, um nicht �keinesfalls� auszurufen und im Laufschritt das Weite zu suchen.</p><p>�Nein�, sagte ich wahrheitsgem��, aber dann z�gelte ich mich. �Ich bin nicht sehr gut in solchen Dingen. Aber ich habe qualifiziertes Personal, das entsprechend ausgebildet ist.�</p><p>Diesen Satz hatte ich schon mehrfach formuliert und jetzt war ich froh, darauf zur�ckgreifen zu k�nnen.</p><p>�Was kostet das?�, fragte Herr Schott.</p><p>�Das kommt darauf an�, erwiderte ich. �Welche Leistungen ben�tigen Sie?�</p><p>Er beschrieb die Gr��e seiner Wohnung, die er nur an vier Tagen in der Woche bewohnte, weil sein eigentliches Heim dreihundert Kilometer s�dlich stand. Sauber machen, W�sche waschen, b�geln, Anz�ge zur Reinigung bringen und abholen. Daf�r sorgen, dass der K�hlschrank am Montagabend mit einigen frischen Lebensmitteln best�ckt ist und einen kalten Imbiss f�r eine Person vorbereiten. Max Musterkunde.</p><p>Ich nannte ihm die Preisspanne pro Stunde und wies darauf hin, das Objekt sehen zu m�ssen.</p><p>Er blickte mich mit gerunzelten Augenbrauen an.</p><p>�Ist Ihr Unternehmen illegal? Tun Sie etwas Kriminelles?�, fragte er pl�tzlich.</p><p>Ich f�hlte, wie mir schwindlig wurde, und glaubte, mich verh�rt zu haben. Antworten konnte ich nicht, aber er schien auch keine Erwiderung erwartet zu haben.</p><p>�Wie alt sind Sie?�, fragte er weiter.</p><p>�Einunddrei�ig�, antwortete ich reflexartig, als s��e ich bereits auf dem Polizeirevier und g�be meine pers�nlichen Daten zu Protokoll. Ich biss mir auf die Lippen. Was ging den Typ mein Alter an?</p><p>�Ihre Werbung ist sehr gut gemacht�, sagte Herr Schott, �Ihre Zielgruppe ist exklusiv und finanzkr�ftig. Schicke H�user, teure Einrichtungen, und zu all dem bekommen Sie den Schl�ssel. Auf Vertrauensbasis.�</p><p>Ich schluckte. Da war sie bereits, die Unterstellung, dass ich mein Unternehmen gegr�ndet hatte, um in teure Residenzen zu kommen. Ich wollte zu einer Rechtfertigung ansetzen, aber Schott winkte ab.</p><p>�Was glauben Sie, warum ein Mann vier Euro achtzig f�r eine Tasse Espresso bezahlt, wenn es um die Ecke genauso guten Kaffee f�r die H�lfte gibt? Warum tr�gt jemand Markenanz�ge, obwohl weder Stoffqualit�t noch Schnitt den dreifachen Preis rechtfertigen? Oder kauft unbequeme italienische Schuhe, die nach einer Saison kaputt sind, obwohl man einen soliden deutschen Schuh f�r die H�lfte bekommen h�tte, der zehn Jahre h�lt.�</p><p>Jetzt kam ich nicht mehr mit. Was hatte das mit den kriminellen Machenschaften meines Unternehmens zu tun?</p><p>�Der aufgekl�rte Erfolgsmensch, den Sie sich als Zielgruppe ausgesucht haben, g�nnt sich eine gewisse Exklusivit�t, die eben ihren Preis hat.� Er l�chelte pl�tzlich. �Und Sie machen einen durchaus exklusiven Eindruck, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.�</p><p>Was war das jetzt? Ein Kompliment? Dieser Typ brachte mich v�llig aus dem Konzept. Erst klagt er kriminelle Machenschaften meines Unternehmens an und dann schiebt er ein Kompliment hinterher? Wovon, zum Teufel, sprach der Mann?</p><p>�Sie wollen f�r Menschen arbeiten, die es sich leisten k�nnen, einem Unternehmen wie Ihrem die Haushaltsf�hrung zu �bertragen. Das sind keine kleinen Krauter, die eine ausl�ndische Putzfrau illegal besch�ftigen. Erh�hen Sie die Preise, Ihre Kundschaft kann es sich leisten�, sagte er und sah mich auffordernd an.</p><p>Ich atmete langsam aus. Das hatte er gemeint? Und ich h�tte ihm beinahe die Autoschl�ssel in die Hand gedr�ckt und gestanden, dass dort eine Leiche drinlag, damit er mit seinen Psycho-Spielchen aufh�rte.</p><p>Aber er war noch nicht fertig mit seiner Rede: �Und wenn ich Ihnen noch einen Rat geben darf�, fuhr er ohne Pause fort, �treten Sie selbstbewusster auf.�</p><p>Super Idee! Mit einem Bein im Gef�ngnis, geschw�cht durch Krankheit und Schlafmangel, war mangelndes Selbstbewusstsein sicherlich nicht mein gr��tes Problem.</p><p>Er erhob sich. �Kommen Sie mit.� Sein Tonfall duldete keinen Widerspruch. Oder genauer gesagt: Er klang, als k�me er gar nicht auf die Idee, dass ein Widerspruch von mir kommen k�nnte.</p><p>Ich jedenfalls war erleichtert, dass ich nicht unter Anklage stand, verwirrt �ber die Aufforderung eines Kunden, ihm mehr Geld abzukn�pfen, unf�hig, in der ganzen Situation einen klaren Kopf zu behalten, und froh, dass mir jemand sagte, was ich tun sollte. Ich gehorchte.</p><p>Vor der T�r blieb er stehen. �Jetzt �ben wir Ihren Auftritt. Sie gehen hinaus und kommen wieder herein. Das ist alles.�</p><p>Ich kam mir vollkommen d�mlich vor, lie� mich aber durch die von Herrn Schott ge�ffnete T�r bugsieren und stand im Flur. Die Empfangsdame blickte interessiert zu mir her�ber.</p><p>�Kommen Sie rein�, h�rte ich seine Stimme ged�mpft durch die dicke T�r.</p><p>Ich �ffnete die T�r einen Spalt�</p><p>�Nein, so geht das nicht�, rief Schott direkt. �Sie schl�ngeln sich durch die T�r wie ein Einbrecher.�</p><p>Was spielte dieser Mann f�r ein Spiel mit mir?, fragte ich mich verzweifelt. Erst redete er von kriminellen Machenschaften, dann wiegte er mich mit seinem Gerede von h�heren Preisen in Sicherheit und jetzt brachte er vollkommen unvorbereitet den Einbrecher zur Sprache.</p><p>Mir war schlecht, meine Knie zitterten.</p><p>Er schien von meiner Panik nichts zu bemerken und riss mir die T�r aus der Hand. �Ich zeige Ihnen, was ich meine.� Er bedeutete mir, in seinem B�ro zu bleiben und verschwand im Flur.</p><p>Die T�r ging einige Zentimeter auf, er lugte vorsichtig hindurch, �ffnete die T�r etwas weiter und dr�ckte sich durch den Spalt, der so schmal war, dass er mit dem Jackett�rmel an der T�rklinke h�ngen blieb.</p><p>�Sehen Sie, so treten Sie in ein Zimmer�, sagte Schott, schob mich ein wenig zur Seite und verlie� wieder den Raum.</p><p>Pl�tzlich wurde die T�r von au�en aufgesto�en, sie schwang weit auf und in der �ffnung erschien, eine Hand an der Klinke, Herr Schott. �Guten Tag�, rief er, w�hrend er die T�r noch weiter �ffnete, dann zwei gro�e Schritte in den Raum machte und die T�r hinter seinem R�cken schloss, ohne sich dabei umzudrehen.</p><p>�Das meine ich.�</p><p>Ich musste zugeben, dass sein Auftritt spektakul�r war, auch wenn mir die ganze Situation inzwischen vollkommen irre vorkam.</p><p>�Jetzt Sie�, sagte er und schob mich wieder auf den Flur. Die Empfangsdame l�chelte mir nachsichtig zu. Offenbar kannte sie dieses Spiel schon.</p><p>Ich tat, was Schott von mir erwartete, �ffnete die T�r so weit es mir mit einem gro�en Schwung meines rechten Arms m�glich war und tat zwei gro�e Schritte in den Raum.</p><p>Schott applaudierte.</p><p>Angesichts der v�llig absurden Situation wollte ein albernes Lachen aus meiner Kehle, das aber in einem Hustenanfall endete. Sobald ich mich beruhigt hatte, reichte er mir die Hand. Ich dr�ckte so fest zu, wie ich konnte.</p><p>�Sehr gut�, rief er. �Ihr fester H�ndedruck ist mir eben schon aufgefallen. Ein bisschen feucht, aber das wird sicher noch.�</p><p>Ich err�tete.</p><p>�Keine Sorge, das bekommen Sie bald in den Griff�, tr�stete Schott mich. �Setzen Sie sich noch einmal hin.�</p><p>Ich lie� mich mit weichen Knien in den Sessel fallen.</p><p>�Also, ich m�chte Ihnen tats�chlich den Auftrag erteilen�, sagte er. �Aber nur unter der Bedingung, dass Sie Ihre Preise um satte einhundert Prozent erh�hen.�</p><p>Ich nickte kraftlos. Wenn er wollte, durfte er auch dreimal so viel zahlen.</p><p>�Gut. Haben Sie heute Nachmittag Zeit, um sich die Wohnung anzusehen?</p><p>Ich nickte.</p><p>�Wie viel Zeit haben Sie?�, fragte er nach.</p><p>Ich sah in meinem Kalender nach, obwohl ich wusste, dass ich nur noch einen Akquisetermin nach diesem hier hatte, der Rest des Tages war frei. Ich w�rde ihn brauchen, um eine Abladestelle f�r das Problem im Kofferraum meines Wagens zu finden.</p><p>�Sie haben den ganzen Nachmittag frei? Das ist ja toll.�</p><p>Ich sollte mir angew�hnen, den Kalender so zu halten, dass die Kunden nicht hineinsehen k�nnen.</p><p>�Dann haben Sie jetzt zwei Termine: Um eins ein Business-Stilseminar, das wir vom Initiativkreis �Unternehmer helfen Existenzgr�ndern� in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt anbieten. Und um f�nf treffen wir uns an der Wohnung, damit wir dort den Auftrag besprechen k�nnen. Ich melde Sie gleich bei dem Seminar an.�</p><p>Ich hatte wieder dieses wattige Gef�hl im Kopf wie heute Morgen, als mein Bewusstsein kurz und erfolglos versucht hatte, sich gegen die aufsteigende Erinnerung zu wehren. Ich versuchte verzweifelt, eine Erwiderung zu finden, die nicht nur aus einem panischen �Nein!� bestand, aber mir fiel keine ein.</p><p>Schott war bereits am Telefon und w�hlte eine Nummer aus dem Kopf.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf und winkte mit beiden H�nden ab. �Nein, bitte, das geht nicht��</p><p>�Keine Sorge, es kostet Sie nichts�, erwiderte er. �Unser Initiativkreis �bernimmt die Kursgeb�hr.�</p><p>Als ob Geld im Moment f�r mich auch nur ansatzweise von Bedeutung w�re. �Aber ich kann wirklich nicht��</p><p>�Ja, Richard? In dem Seminar heute Nachmittag war doch noch ein Platz frei, richtig? Der ist jetzt gerade vergeben. Die junge Dame hei�t Leyendecker, Corinna� mit C.�</p><p>Ich sackte zusammen. Ich habe es immer gehasst, wenn andere Leute �ber meinen Kopf hinweg �ber mich entschieden hatten, mich aber selten dagegen wehren k�nnen. Und gerade heute passte mir ein zus�tzlicher Termin �berhaupt nicht in den Kram. �berhaupt, was sollte das sein? Ein Business-Stilseminar?</p><p>Schott hatte derweil das Telefonat beendet, kam zur�ck zur Sitzgruppe, gab mir die Adresse seiner Wohnung und die des Weiterbildungszentrums, in dem das Seminar stattfinden w�rde, und k�ndigte an, sich bei unserem Treffen sp�ter am Tag nach meiner kritischen Meinung �ber dieses Seminar zu erkundigen. Immerhin wollte der Initiativkreis Feedback haben, um Seriosit�t und Nutzen des mitfinanzierten Starthilfeangebots beurteilen zu k�nnen.</p><p>Ich dr�ckte noch einmal seine Hand, packte meine schicke Ledermappe unter den Arm und wankte v�llig entkr�ftet zu meinem Auto.</p><empty-line/><p>Ich stieg ein, nahm den Parkschein vom Armaturenbrett, steckte ihn ordentlich in das f�r diese Art von Kleinbelegen vorgesehene Fach meines Portemonnaies und lie� den Motor an. Ich drehte den Kopf, um aus der Parkl�cke zu fahren, und entdeckte im R�ckspiegel die Auslage einer Buchhandlung, die mich auf eine Idee brachte. Vielleicht f�nde ich dort eine L�sung f�r mein derzeit dr�ngendstes Problem. Ich stieg wieder aus, schloss das Auto sorgf�ltig ab, vergewisserte mich noch einmal, dass die Heckklappe zu war, und ging in den Buchladen, in dem ich nach langem Suchen einen Stadtplan von D�sseldorf, eine Ausflugskarte von der Umgebung und den Regio-F�hrer �Romantische Flecken f�r Verliebte�� D�sseldorf und Bergisches Land� erwarb. Vielleicht konnte ich auf diese Art einen abgeschiedenen Ort finden, der sich f�r das Abladen einer Leiche eignete. Mit Verliebten, die die Einsamkeit st�ren w�rden, war an einem bitterkalten Abend Anfang M�rz jedenfalls wohl nicht zu rechnen.</p><empty-line/><p>Als ich zu meinem Auto zur�ckkam, blieb mir vor Schreck beinahe das Herz stehen.</p><p>Mein Auto hing am Haken eines Abschleppwagens. Das konnte doch nicht sein! Ich hatte doch extra die l�ngstm�gliche Zeit am Parkautomaten� Ich Idiotin. Den Parkschein hatte ich ja schon eingesteckt, bevor ich in den Buchladen gegangen war.</p><p>Ich blieb schwankend stehen, starrte auf das Schauspiel, das die beiden M�nner in gelben Warnwesten zum Besten gaben, und spielte mit dem Gedanken, mich umzudrehen und einfach wegzugehen. Ich k�nnte bei der Polizei eine Diebstahlsanzeige meines Wagens aufgeben und hoffen, auf diese Art aus der Sache herauszukommen. Aber ein winziger, offenbar noch betriebsbereiter Teil meines Hirns erinnerte mich daran, dass diese Art von L�gen niemals gut ging. Bei anderen nicht und bei mir schon gar nicht. Ich werde rot beim L�gen, verhasple mich, widerspreche mir selbst und w�rde mit einer derartigen Anzeige vermutlich meine Verhaftung nur beschleunigen. Also ging ich auf die Abschlepper zu und r�usperte mich, bis sie mich bemerkten.</p><p>�Entschuldigen Sie, aber hier muss ein Missverst�ndnis vorliegen�, brachte ich hervor. Ich h�rte deutlich die Panik in meiner Stimme. �Ich habe doch einen Parkschein bis zw�lf Uhr gezogen.�</p><p>�Wir handeln nur auf Anweisung�, knurrte der Dicke. Sein Tonfall war nicht unfreundlich, sondern eher desinteressiert.</p><p>Der J�ngere blickte mich verz�ckt an.</p><p>�Sehen Sie doch, hier�, flehte ich und kramte mit zitternden H�nden den Parkschein aus meinem Portemonnaie. Der J�ngere warf einen kurzen Blick darauf und �ffnete den Mund, aber der Dicke kam ihm zuvor. �Wenn wir den Wagen erst mal am Haken haben, k�nnen wir den nicht mehr losmachen.�</p><p>�Der Schein ist aber wirklich��, murmelte der J�ngere.</p><p>�Im Handt�schchen nutzt das Ding nichts, junge Dame�, erkl�rte der Dicke jovial. �Das Scheinchen muss sichtbar im Auto liegen.�</p><p>Der J�ngere verzog das Gesicht zu einer mitleidigen Grimasse.</p><p>�Aber wenn ich ein paar Minuten fr�her und Sie ein paar Minuten sp�ter gekommen w�ren, dann w�re der Wagen ja schon weg gewesen und Sie h�tten ihn nicht abschleppen k�nnen�, sprudelte ich hervor. Meine Stimme klang so, wie ich mich f�hlte: Kraftlos, leicht hysterisch, kurz davor, in Tr�nen zu ersticken. Meine sorgf�ltig gef�nte Frisur war in dem leichten Schneefall zu einer schmutziggelben, str�h-nigen Pampe zusammengefallen.</p><p>Meine verquere Argumentation brachte die beiden Spezialisten kurzzeitig aus der Fassung. Ich merkte, wie sie sich bem�hten, aus dem Gestammel schlau zu werden.</p><p>�Aber wir sind ja nun nicht sp�ter und Sie nicht fr�her gekommen�, erkl�rte der Dicke mir dann ganz langsam, als w�re ich schwer von Begriff. �Deshalb nehmen wir den Wagen jetzt mit.�</p><p>Ich versuchte mir einzureden, dass kein Mensch in einem abgeschleppten Auto den Kofferraum aufbrechen und die Leiche finden w�rde. Abgeschleppte Wagen kamen auf einen Parkplatz, wo der Besitzer sie wieder abholen konnte. Niemand k�me hinter mein Geheimnis. Die Stimme der Vernunft zitterte, die Panik war deutlich st�rker und schrie: �Das glaubst du doch selbst nicht! Die haben auf so einem Parkplatz mindestens einen Hund, der so lange den Kofferraum anbellt, bis die Polizei ihn �ffnet!�</p><p>Ich akzeptierte meine Niederlage, schluckte die aufsteigenden Tr�nen herunter und fl�sterte schicksalsergeben �Okay�. Ich zitterte in meinem Kost�m und den inzwischen v�llig durchn�ssten Schuhen. Die Nase lief, ich unterdr�ckte ein lautstarkes Niesen.</p><p>�Aber dann muss ich noch schnell meine Akten herausholen, die brauche ich f�r die n�chsten Termine.�</p><p>Der Dicke nickte gn�dig und ich �ffnete die hintere T�r. Der Karton, in dem ich die Angebote und Akten aufbewahrte, die ich tags�ber brauchte, befand sich in der Mitte der R�ckbank. Ich reckte mich also weit in das Auto hinein. Die Blicke der beiden Abschlepper sp�rte ich so deutlich, als w�ren es Schneeb�lle, die mir gegen die R�ckseiten der Oberschenkel und auf den Po klatschten. Als ich wieder auftauchte, war mein Kopf vermutlich hochrot, wegen der Glotzerei, der Anstrengung und der Erk�ltung.</p><p>�Arbeiten Sie bei einer Bank?�, fragte der J�ngere. �Oder in einem dieser schicken Gesch�fte?�</p><p>�Nein�, erkl�rte ich, w�hrend ich umst�ndlich versuchte, die Aktenordner in meiner Tasche zu verstauen. �Ich putze, koche und b�gle f�r M�nner, die keine Lust und keine Zeit dazu, aber genug Geld haben, dass sie jemanden wie mich damit beauftragen k�nnen.�</p><p>�Wollen Sie sich einen von denen angeln?�, wollte der Dicke wissen.</p><p>Ich stutzte. In welchem M�dchenroman lebte der denn? Frauen gingen doch heute nicht mehr arbeiten, um sich einen Mann zu angeln. Oder vielleicht doch?</p><p>�Nein�, antwortete ich wahrheitsgem��. �Ich mache das, weil ich meinen Job verloren und keinen neuen gefunden habe. Und weil ich von genau solchen Schn�seln als Chef die Nase voll hatte. Die bestellen zwanzig oder drei�ig Bewerberinnen auf eine Stelle zum Vorstellungsgespr�ch und stellen nicht etwa die Cleverste ein, sondern die H�bscheste. Da kann ich nicht mithalten. Deshalb bin ich jetzt selbstst�ndig, arbeite achtzig Stunden pro Woche, bin froh, dass ich inzwischen schon die Miete von meinem eigenen Einkommen zahlen kann, und muss jetzt wirklich los, sonst verliere ich wichtige Auftr�ge.�</p><p>Dass ich vermutlich innerhalb der n�chsten Stunden auch meine Freiheit verlieren w�rde, wenn im Zuge der Sicherstellung meines Autos ein kleines Missgeschick mit dem Abschlepphaken passieren und die Heckklappe aufschwingen w�rde, behielt ich lieber f�r mich. Allerdings war ich mir in diesem Moment hundertprozentig sicher, dass es genauso kommen w�rde. Die Entdeckung war nur noch eine Frage der Zeit, und noch heute, das wusste ich mit erschreckender Klarheit, w�rde ich die Stahlfesseln um meine Handgelenke schnappen h�ren.</p><p>Der Dicke sah mich an, wie er wohl auch einen kleinen, flauschigen Welpen im Tierheim angesehen h�tte. Mitleidig. Ger�hrt. Als wolle er mich gleich unterm Kinn kraulen und mir versichern, dass alles gut w�rde, denn jetzt w�re ja er da.</p><p>�Mach den Wagen mal los�, sagte er zu seinem Kollegen, der meine Erkl�rung stumm und mit offenem Mund angeh�rt hatte. �Wir wollen die arme Frau ja nicht ruinieren. Da hat ja keiner was von.�</p><p>Ich beobachtete so fasziniert das vorsichtige L�sen der Seilsperre, dass ich die herannahende Gefahr ebenso wenig wahrnahm wie die beiden Abschlepper. Wir wurden alle drei von der befehlsgewohnten Stimme �berrascht.</p><p>�Was, bitte sch�n, soll das jetzt werden?�</p><p>Die Person, die zu der Stimme geh�rte, war etwa einen Meter sechzig gro�, so schwer wie der Dicke und so blond wie der J�ngere. Ansonsten weiblich und �u�erst ver�rgert.</p><p>�Stellen Sie sofort die Winde wieder fest und bringen den Wagen zum Sicherstellungsgel�nde.�</p><p>Ich war kurz davor loszuschreien�� dieses Auf und Ab und Hin und Her machten meine Nerven nicht mehr lange mit.</p><p>�Entschuldigung�, sagte ich vorsichtig und ohne gro�e Illusionen, was die Aussicht auf Erfolg anging, �aber die ganze Sache war ein Missverst�ndnis. Der Parkschein��</p><p>�Es gibt keine Missverst�ndnisse�, gab die Vertreterin von Recht und Ordnung ernst aber unbeugsam zur�ck. �Es gibt nur g�ltige Parkscheine, sichtbar im Wagen ausgelegt. Das war hier nicht der Fall. Sind Sie fertig?�</p><p>Den letzten Satz hatte sie an die Abschlepper gerichtet, die mit betretenen Gesichtern den Wagen wieder festgezurrt hatten.</p><p>�Nehmen Sie es nicht so tragisch�, t�nte der Dicke laut und legte mir eine Hand auf die rechte Schulter. �N�chste Ampel rechts und dann hinter der Baustelle, beeilen Sie sich�, fl�sterte er, dr�ckte meine Schulter und zwinkerte mir zu.</p><p>Ich starrte ihm hinterher, nickte zu irgendetwas, das die Politesse an meine Adresse gesagt hatte, und ging mit gro�en Schritten hinter dem Abschlepper her. Zum Gl�ck ist der Verkehr auf der K� immer z�h, sodass ich wenige Minuten sp�ter an dem vereinbarten Treffpunkt ankam.</p><p>�Machen Sie schnell, so machen Sie doch schon!�, dr�ngelte der Dicke, der meinen Wagen bereits mit allen vier Reifen auf den Boden bef�rdert hatte. Ich rannte die letzten Meter, riss die T�r auf, warf mich auf den Sitz und legte einen Kavaliersstart hin, wie ihn jeder Jugendliche in der Eifel beherrscht. Im R�ckspiegel konnte ich sehen, wie der J�ngere die Baustellenabsperrung, die dem Abladevorgang den n�tigen Platz freigehalten hatte, wieder an ihren Platz zur�ckstellte und zur Beifahrert�r des Abschleppwagens lief. Tr�nen der Dankbarkeit traten mir in die Augen.</p><p>Ich hatte gerade noch Zeit, mir in einem Caf� das Gesicht zu waschen und mein Make-up aufzufrischen, bevor mein n�chster Akquisetermin begann. Ich f�hlte mich dem eigentlich nicht gewachsen, aber Akquisetermine abzusagen kam nicht infrage. Jedenfalls nicht, solange ich noch auf freiem Fu� war. H�tte ich gewusst, dass dieser Termin bei einem Richter stattfand, der mir schon an der Haust�r erkl�rte, dass er ein polizeiliches F�hrungszeugnis von mir und meiner Angestellten ben�tigte, h�tte ich mich vielleicht anders entschieden. So stand ich auch diese Pr�fung durch. Als ich zum Stilseminar kam, war mir bereits alles egal.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Byrone schlug die H�nde �ber dem Kopf zusammen.</p><p>Er sah mich von oben bis unten an, wobei er den Kopf nicht nur hoch und runter, sondern auch hektisch nach rechts und links bewegte. Sein Haupt war kahl rasiert und extrem klein, aber mit einer riesigen schnabelf�rmigen Nase best�ckt. Er erinnerte mich an ein pickendes Huhn.</p><p>Die restlichen drei Teilnehmerinnen und zwei Teilnehmer mussten eine �hnliche Musterung �ber sich ergehen lassen, dann hielt Byrone eine kleine Ansprache. Sein Akzent war undefinierbar, eine Mischung aus Englisch und Sprachen mit stark gerolltem R, die Stimme leicht nasal qu�kend.</p><p>�Ihr seid sicher alle liebe Menschen und vielleicht gro�e Koryph�en in euren Berufen, aber ihr seht einfach schrrrrrecklich aus.� Die Intensit�t des gerollten R schien als stilistisches Ausdrucksmittel mit der Wichtigkeit des Gesagten zuzunehmen. �Allesamt. Schauderrrrhaft. Wie Landstreicher, die ihre Kleider aus dem M�ll holen. Nichts passt zusammen, nichts passt zu euch.�</p><p>Ich unterdr�ckte nur mit M�he ein St�hnen. Warum musste er gerade zu diesem Bild greifen? Zumal es v�llig unpassend war. H�ren Sie, stellte ich mir vor zu sagen, Ihr Vergleich stimmt gar nicht. Ich kann Ihnen zeigen, wie ein Landstreicher aussieht, der sich seine Klamotten aus dem M�ll holt. Kommen Sie mit, ich habe einen dabei. Er liegt im Kofferraum meines Autos da dr�ben auf dem Parkplatz. Ich presste die Lippen fest aufeinander.</p><p>�Als Erstes geht es um die Farrrrrrbe.�</p><p>Er nahm mich ins Visier. �Schwarrrrrrz ist keine Farbe.�</p><p>Byrone trug Schwarz. Von Kopf bis Fu�. Nat�rlich modische Klamotten, aber schwarz. Das war eine Sache, die mir schon in der Werbebranche immer wieder aufgefallen war. Bei schwarzer Kleidung f�llt der Schnitt kaum auf. Die �rmell�nge, ja, die ist offensichtlich, aber der Rest? Faltenwurf an den Schultern? �berbreite im H�hnerbrustbereich? Nein, schon gar nicht in Kombination mit einem schwarzen Rollkragenpullover. Trotzdem kleiden sich die Schwarzen jede Saison nur in die angesagtesten Schnitte. Mir jedenfalls war in den ersten drei Jahren nicht aufgefallen, dass die Pullis, Hosen und Sakkos zweimal j�hrlich wechselten. Ich sah nur, dass einige Kollegen immer dieselben schwarzen Klamotten trugen. Erst meine Kollegin Susanne kl�rte mich damals auf.</p><p>�Was willst du sein, <emphasis>Coraz�n</emphasis>, Totengr�ber?�</p><p>Ich zuckte zusammen, als Byrone mich ansprach. Den gr��ten Teil seiner Tirade hatte ich nicht mitbekommen, erst das Wort Totengr�ber hatte mich alarmiert. Mir brach der Schwei� aus.</p><p>�Also?�, fragte er nach.</p><p>Ich hatte die Frage f�r rhetorisch gehalten.</p><p>�Corinna�, erwiderte ich matt.</p><p>Byrone starrte mich an. �An euren Namen kann ich nichts �ndern, also m�ssen wir dar�ber nicht sprechen�, erkl�rte er, wobei er mit der Hand wedelte, als wolle er eine Fliege verscheuchen. �Ich nenne alle Frauen <emphasis>Coraz�n</emphasis>, das ist Spanisch, die Sprache meiner Gro�mutter m�tterlicherseits, Gott hab sie selig.� Er bekreuzigte sich, f�hrte die Fingerspitzen zum Mund und k�sste sie. �<emphasis>Coraz�n </emphasis>bedeutet Herz. Es ist also nichts Unanst�ndiges.�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern.</p><p>�Also?�, fragte er noch einmal, wobei er ungeduldig eine Augenbraue hob.</p><p>�Ich biete Service-Leistungen rund um Haus und Wohnung an�, sagte ich.</p><p>�Du bist Putzfrau?�, fragte Byrone. Die Augenbraue erreichte astronomische H�hen.</p><p>�Ich vermittle Putzfrauen, Handwerker, Hauswirtschafter und G�rtner�, erkl�rte ich. Diesen Spruch konnte ich inzwischen im Schlaf herbeten. Wie oft im Leben w�rde ich das wohl noch sagen?</p><p>�Gut�, sagte Byrone, obwohl ich den Eindruck hatte, dass er eigentlich das Gegenteil meinte. �Setz dich hierher.�</p><p>Ich nahm auf einem Stuhl Platz, der vor einem beleuchteten Spiegel stand. Byrone bedeutete den anderen Teilnehmern, auf den St�hlen hinter mir Platz zu nehmen und meine Augen im Spiegel zu beobachten. Das Bild, das mir aus dem Spiegel entgegenblickte, war schauderhaft. Die bleiche Haut, die Ringe unter den Augen, das angepappte Haar, ich sah aus wie ein Zombie. Eine Untote. Himmel, wo kam jetzt diese Idee her? Ich w�rde mich nicht trauen, den Kofferraumdeckel jemals wieder zu �ffnen, wenn ich jetzt anfing, von Untoten zu fantasieren. Normalerweise schaue ich keine Horrorfilme, lese keine Vampirgeschichten und habe �berhaupt keinen Bezug zu �bersinnlichem. Aber seit ann�hernd zweiundzwanzig Stunden schien der Hades seinen Geltungsbereich in mein beschauliches Leben auszudehnen. Sicherlich nicht die besten Voraussetzungen, um eine Beratung in Sachen Stil durchzuf�hren. Aber es half nichts, ich hatte Schott nicht widersprochen und so musste ich diesen Firlefanz �ber mich ergehen lassen.</p><p>Byrone legte mir einen breiten Schal in Schwarz wie ein L�tzchen unter das Kinn.</p><p>Niemand reagierte. Ich hatte vorher Schwarz getragen, daher hatte dieser Schal keine offensichtliche Wirkung. Hinter mir h�rte ich ein G�hnen.</p><p>Byrone legte mir erst einen rehbraunen, dann einen anthrazitgrauen Schal um und jetzt h�rte ich ein �berraschtes �Ach�.</p><p>�Ja, ja, ach�, sagte Byrone und fand kein R, das er h�tte rollen k�nnen. Nacheinander legte er mir Schals in schreiendem Pink, in knalligem Rot, in warmem Maisgelb um. Danach kamen diverse Ockert�ne, Olivgr�n, Erdbraun. Meine Augen wurden, nachdem sie mit dem grauen Schal frisch geleuchtet hatten, wieder stumpf, meine Haut blass und teigig. Selten hatte ich so schlecht ausgesehen.</p><p>Das G�hnen hinter mir setzte wieder ein, Byrone griff nach den n�chsten Schals.</p><p>Bei Kiwigr�n sah ich aus, als m�sse ich mich gleich �bergeben, Beige machte mich hohlwangig, Orange billig. Meine �berzeugung, dass jede beliebige Farbe f�r mich eine Katastrophe war und ich doch mein Leben in Schwarz verbringen w�rde, festigte sich mit jedem Schal, den Byrone mir unter das Kinn legte�� bis er zu Puderrosa kam. Ich konnte es nicht fassen, wie gesund meine winterlich blasse Haut wirkte, wie fr�hlich meine �berm�deten Augen strahlten. Die Ringe unter den Augen und der deutlich erkennbare Ansatz eines Doppelkinns waren fast verschwunden. Dabei hasste ich Puderrosa, seit meine Mutter mir zu meinem f�nfzehnten Geburtstag ein Bl�mchenkleid in dieser Farbe geschenkt hatte. Ich machte den Mund auf, aber Byrone legte den Finger auf seine zu einem feinen L�cheln verzogenen Lippen. Er legte mir einen Schal in Pastellblau um, danach graue, fliederfarbene und zitronengelbe T�cher.</p><p>Die anderen Teilnehmer hatten erst gelangweilt, dann aber immer interessierter zugesehen.</p><p>�Du bist ein Sommertyp, <emphasis>Coraz�n</emphasis>, die Pastellt�ne von Blau, Rosa und Violett sind deine Farben.�</p><p>Eigentlich war ich begeistert, aber ich konnte als Gesch�ftsfrau meinen Kunden doch schlecht von Kopf bis Fu� in Puderrosa gegen�bertreten. Byrone zerstreute meine Bedenken. Er legte mir einen marineblauen Schal um und faltete den rosafarbenen dazu.</p><p>�Nat�rlich gehst du nicht ganz in Rosa, <emphasis>Coraz�n</emphasis>, willst du dich l�cherlich machen?� Er sch�ttelte den Kopf so heftig, dass ich bef�rchtete, er k�nne sich vom Hals losr�tteln. �Du tr�gst ein Kost�m in Marine mit einer Bluse in Rosa oder Hellblau.�</p><p>Das Wort �Kost�m� versetzte mich kurz in Panik, aber immerhin farblich war ich gl�cklich, als Byrone mir die drei Farbk�rtchen zusteckte. �Meide Erdt�ne, Orange und Schwarz�, murmelte er noch, bevor er sich den anderen Teilnehmern zuwandte.</p><p>Die rissen sich inzwischen um die Schals.</p><p>Den anderen Teilnehmern des Seminars erging es schlechter als mir, denn sie erhielten nur jeweils zwei Farbkarten, eine kleine Br�nette sogar nur eine.</p><p>�Sie haben sich die Haare falsch gef�rbt�, erkl�rte Byrone ihr in vorwurfsvollem Tonfall. �Ihre Haut ist Winter aber Ihre k�nstliche Haarfarbe ist Herbst, daher passt Ihre Kleidung zur Haut oder zum Haar, aber nie zu beidem. So, wie Sie jetzt aussehen, k�nnen Sie ausschlie�lich ein schmutziges Graubraun tragen. Wenn Sie sich schon die Haare f�rben wollen, dann f�rben Sie sie schwarz.�</p><p>Sie tat mir leid.</p><p>�Tragen Sie eine Brille?�, fragte Byrone und dr�ckte sie wieder auf den Stuhl zur�ck, den sie gerade fluchtartig verlassen wollte. Die Br�nette z�gerte, nickte dann aber mit einem Blick, den man nur verzweifelt nennen konnte.</p><p>�Setzen Sie sie auf�, befahl Byrone. Sie gehorchte.</p><p>�Ganz falsch�, lautete sein vernichtendes Urteil. �Dieses Braun passt vielleicht im Moment zu Ihrem Haar, aber dessen Farbe sollten Sie, wie gesagt, sowieso �ndern. Zur Haut und zu den Augen ist das Braun einfach schrrrrecklich.�</p><p>Sie verlie� den Stuhl wie ein gepr�gelter Hund.</p><p>Ich versuchte mich zu erinnern, ob ich das erste Drittel meines Lebens in den richtigen oder falschen Farben verbracht hatte, und kam zu dem beruhigenden Ergebnis, dass mein modisches Desinteresse mich vor den schlimmsten Verfehlungen bewahrt hatte. Meist trug ich Jeans und Blusen oder Hemden in irgendeinem Blauton dazu. Das war akzeptabel. Nur kurz hatte es eine orange Phase gegeben, weil die Farbe damals allgegenw�rtig war und man ihr bei der Neuanschaffung von Kleidungsst�cken kaum entgehen konnte. Vermutlich hatte die H�lfte der Bev�lkerung in der betreffenden Saison ausgesehen, als leide sie an einem Magen-Darm-Virus. War das tr�stlich?</p><p>Ich musste an Troll denken. Ob Byrone bei ihrem Anblick die Fassung h�tte wahren k�nnen? Ich zweifelte daran. Am wahrscheinlichsten erschien mir eine Reaktion, die von dramatischem Augenrollen �ber ein hektisches Zucken des Kopfes zu einer b�hnenreifen Ohnmacht f�hren w�rde. Aber vielleicht t�uschte ich mich und er w�rde einfach zur Salzs�ule erstarren. Sicher war nur, dass Troll definitiv in kein Raster passte, das irgendwelche Farb-, Stil- oder sonstige Berater jemals entwickelt hatten. Und Troll w�re nicht Troll, wenn sie sich von solchen Normen ihr Aussehen vorschreiben lie�e. Ich bewunderte ihre dickk�pfige Unabh�ngigkeit in diesen Dingen.</p><p>Nach dem Farbspiel war die Figur dran. Wieder traf es mich als Erste.</p><p>�Du bist zwar gro�, aber nat�rlich trotzdem viel zu dick�, sagte Byrone. Die pummelige Br�nette mit den falsch gef�rbten Haaren neben mir lie� ein entr�stetes Zischen vernehmen. Byrone tat, als h�tte er nichts geh�rt, und f�hrte unger�hrt seine Analysen fort. �Du hast ein ganz enorm breites Hinterteil, aber sch�ne Beine. Diese Hose mit der Bluse bis �ber den breiten Po ist sehr unvorteilhaft. Damit siehst du nur noch dicker aus, als du sowieso schon bist.�</p><p>Die Br�nette hyperventilierte.</p><p>�Ein Pluspunkt sind die geraden Schultern, aber sie sind ein bisschen zu breit f�r eine Frau�, kommentierte Byrone weiter.</p><p>Nun, bei der Verladung eines ausgewachsenen M�nnerk�rpers in mein Auto hatte mir mein Ringerkreuz gute Dienste geleistet, aber das konnte ich hier schlecht zu meiner Verteidigung vorbringen.</p><p>�Vor allem in Verbindung mit dem zu kleinen Busen ist die Schulterbreite nicht sehr feminin. Da stimmt einfach das Verh�ltnis nicht.�</p><p>Ich war knallrot geworden und stand stocksteif mit h�ngenden Armen im Raum. Alle glotzten mein ganz enorm breites Hinterteil, die breiten Schultern und den unglaublich kleinen Busen an. Meine positiv erw�hnten Beine konnte man durch die Hose nicht sehen. Woher wusste Byrone also von ihrer Sch�nheit? Und was sollte das mit dem zu kleinen Busen? Immerhin trug ich BHs der K�rbchengr��e C, das war vollkommen in Ordnung. Vermutlich war Byrone nicht gestillt worden. Flaschenkinder entwickeln ein gest�rtes Verh�ltnis zur Oberweite, das ist allgemein bekannt.</p><p>Byrone fummelte inzwischen an einer vollgeh�ngten Kleiderstange herum. Er fand, wonach er suchte, und dr�ckte mir einen Kleiderb�gel in die Hand. Was auch immer darauf hing, es war marineblau.</p><p>�Zieh das an�, befahl Byrone.</p><p>Mir war nichts lieber, als mein dickes Hinterteil, die breiten Schultern und den k�mmerlichen Busen den kritischen Blicken zu entziehen, und so trug ich all das auf meinen sch�nen Beinen in die Umkleidekabine, deren Vorhang ich schwungvoll zuzog. Ich wischte mir verstohlen eine Tr�ne aus dem Augenwinkel und atmete auf.</p><p>Das Kost�m passte wie angegossen. Der Rock bedeckte gerade so die Knie, die Jacke war kurz genug, um ein g�nstiges Verh�ltnis zwischen Ober- und Unterk�rper herzustellen, und lang genug, um den Ansatz des enorm breiten Hintern zu kaschieren. Der insgesamt schmale Schnitt wirkte sich g�nstig auf die Optik der Schultern aus, und das Revers zauberte eine kleine zus�tzliche F�lle in die Oberweite. All dies fiel mir nat�rlich nicht in meiner halbdunklen Umkleidekabine ohne Spiegel auf, sondern wurde von Byrone wortreich dargelegt, sobald ich die sch�tzende H�hle verlassen hatte. Barfu�, mit unrasierten Beinen. Was denn auch gleich wortreich ger�gt wurde.</p><p>�Immerhin, <emphasis>Coraz�n</emphasis>, hast du blonde Haare, auch auf den Beinen, aber so geht es trotzdem nicht. Und halte dich gerade, du hast einen schmalen, fein geschwungenen Hals, was man unter dieser furchtbaren Frisur nicht sehen kann, aber dazu kommen wir gleich. Halte dich gerade�, wiederholte er mit schneidender Stimme. Ich richtete mich zu voller Gr��e auf. Byrones polierte Sch�deldecke reichte mir nicht einmal bis zum Kinn.</p><p>�Nun zu den Schuhen.�</p><p>Ich bin barfu� einen Meter achtundsiebzig gro�. Viele M�nner m�gen keine Frauen, die gr��er sind als sie. Daher gehe ich seit der Pubert�t gebeugt und trage niemals hohe Abs�tze.</p><p>Byrone ficht so etwas nicht an.</p><p>�Zu diesem Kost�m und dem Hintern musst du hohe Abs�tze tragen, du wirst schon lernen, darauf zu gehen.�</p><p>Er gab mir f�nf Zentimeter mit dem Befehl, die H�he durch flei�iges �ben um mindestens zwei Zentimeter zu steigern.</p><p>Die Schuhe waren schwarz, weil Byrone in Sondergr��en, wie er sich ausdr�ckte, eben nur schwarze Schuhe im Angebot hatte, aber sie lie�en meine F��e zierlicher wirken. Die optische Verl�ngerung des unter dem Rock sichtbaren Unterschenkels �ber die Fesseln in die Stilettoabs�tze der Schuhe lie� sogar besagtes Hinterteil kleiner wirken.</p><p>Ich sah toll aus.</p><p>Dachte ich.</p><p>Nicht so Byrone.</p><p>�Und jetzt, <emphasis>Coraz�n</emphasis>, lass uns �ber deine Frisur sprechen.�</p><p>Die Br�nette fiel fast in Ohnmacht. Sie hauchte: �Aber sie hat doch so sch�nes, blondes Haar. Wie ein Engel.�</p><p>�Sie ist aber kein Engel, sondern eine Gesch�ftsfrau, und so sollte sie auch aussehen.� Byrones Hand wedelte wieder, obwohl definitiv keine Fliege im Raum war.</p><p>�Schau in die Kamera�, forderte er mich auf.</p><p>Ich vermisste nur noch das Schild mit der erkennungsdienstlichen Nummer, das ich mir unters Kinn halten musste, und blickte mit einem leicht gequ�lten L�cheln in das Objektiv des Apparates, den Byrone auf ein monstr�ses Stativ montiert hatte. Sekunden sp�ter fand ich mein Konterfei auf dem �bergro�en Flachbildschirm von Byrones Laptop wieder.</p><p>�Die Farbe ist okay, die k�nnen wir lassen�, sagte er huldvoll, �aber alles andere ist f�rchterlich.�</p><p>Mir dr�ngte sich die Vorstellung von kurzen, schwarz gef�rbten Haaren auf, mit denen mich niemand mehr erkennen w�rde. Dann k�nnte ich untertauchen, meine Probleme einfach hinter mir lassen und ein neues Leben beginnen. Mit einer neuen Identit�t. Eine reizvolle Vorstellung. Byrone riss mich aus meinen Tr�umen.</p><p>�Schau genau zu, damit du den Unterschied siehst.�</p><p>Er setzte sich an den Computer, haute auf den Tasten herum und pr�sentierte nach einigen Sekunden mein Foto mit einer neuen Frisur. Ein Pagenschnitt.</p><p>�Wow�, war das erste Wort, das einer der beiden m�nnlichen Teilnehmer von sich gab.</p><p>�Nicht schlecht�, gab Byrone zu, �aber mit dieser Frisur wirkst du wie ein skandinavisches Au-pair-M�dchen. Ein bisschen dumm und sexuell verf�gbar.�</p><p>Ich fand keine Zeit, seine Vorurteile �ber skandinavische Au-pair-M�dchen zu �berdenken, denn er tippte wieder, produzierte zwischendurch eine Art franseligen Wischmopp, dann eine Kurzhaarfrisur und kam letztlich auf den Pagenschnitt zur�ck.</p><p>�Im Grunde kommt nur das infrage�, murmelte er. Mit ein paar Mausklicks und Tastenkombinationen lie� er die Ponyfransen wachsen, stufte die Seiten ein bisschen durch und verlegte den Scheitel von der Kopfmitte auf die linke Seite.</p><p>�Das ist dein Look�, sagte er, f�gte virtuelles Make-up hinzu, das farblich deutlich zur�ckhaltender war als meine aktuelle Wahl, meine hellen Augen betonte, die Lippen voller und das etwas runde Kinn feiner wirken lie�, druckte das Bild aus und sagte: �Mit dir sind wir fertig, <emphasis>Coraz�n</emphasis>. Jetzt kommen die schwierigen F�lle.�</p><p>Ich war erleichtert.</p><p>Die Br�nette schnappte erst nach Luft, dann nach ihrer Tasche und verlie� fluchtartig den Raum.</p><empty-line/><p>�Du hast doch heute Abend nichts vor?�, fragte Troll gegen f�nf Uhr drei�ig telefonisch an, als ich Schotts Wohnung mit einem schriftlichen Auftrag in der Tasche verlie�.</p><p>Meine Antwort kam schnell und unmissverst�ndlich.</p><p>�Doch�, erwiderte ich. �Erk�ltung auskurieren und schlafen.�</p><p>Mein wichtigstes Vorhaben�� Sie wissen schon �, wollte ich lieber nicht erw�hnen.</p><p>�Falsch�, entgegnete sie. �Du hast eine Werbeveranstaltung. Ich hole dich um halb acht ab.�</p><p>�Werbeveranstaltung?�, fragte ich zur�ck, jetzt doch ziemlich entgeistert. Dieses Wort war niemals zwischen uns gefallen. Ich war davon ausgegangen, dass die Werbung mit den Handzetteln, der Website und Trolls Guerilla-Marketing f�rs Erste erledigt war. Erst recht, da sie Wirkung zeigte. Im Laufe des Tages waren zw�lf neue Anfragen per Telefon eingegangen, die E-Mails hatte ich seit morgens nicht mehr gecheckt.</p><p>�Zieh dir Ausgehklamotten an. Kein Business-Outfit.�</p><p>�Troll, es geht wirklich nicht�, protestierte ich. �Ich bin krank, �berarbeitet, v�llig fertig mit den Nerven und muss noch f�nf Angebote und zwei Auftragsbest�tigungen schreiben. Ich gehe nirgendwohin.�</p><p>�Doch�, sagte sie. �Es ist die einzige Veranstaltung dieser Art, und ich konnte nur deshalb noch eine Karte bekommen, weil ich einen der Organisatoren kenne. Also keine Ausreden, ich bin um halb acht da.�</p><p>Ich hatte gerade noch Zeit f�r die wichtigsten Schreibarbeiten und zum Umziehen, bevor Troll kam, um mich zu dieser geheimnisvollen Werbeveranstaltung zu schleppen.</p><p>�Wir nehmen dein Auto�, sagte sie.</p><p>Nat�rlich.</p><p>Im Autoradio lief gerade die Wettervorhersage, und ich freute mich �ber Temperaturen bis minus sieben Grad f�r die Nacht, stellte aber schnell fest, dass eine Autofahrt ohne Heizung unter diesen Bedingungen nicht angenehm ist. Troll fand das wohl auch, denn sie fummelte bereits eine Minute nach dem Start am Heizungsregler herum.</p><p>�Die Heizung bleibt aus�, sagte ich und schob den Regler zur�ck auf Null.</p><p>�Es friert�, entgegnete sie. �Und du bist erk�ltet.�</p><p>�Wenn du um meine Gesundheit besorgt bist, h�ttest du mich ins Bett gehen lassen sollen.�</p><p>�Du wirst den Abend schon �berstehen, vorausgesetzt, du nutzt die Errungenschaften modernster Technik und drehst das Gebl�se auf.�</p><p>�Keine Heizung.�</p><p>�Was ist los mit dir?�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern. Zum Diskutieren fehlte mir die Kraft�� und die Argumente. Den wahren Grund konnte ich ja schlecht sagen.</p><p>�Wohin fahren wir denn?�, fragte ich stattdessen, aber nun stellte Troll sich stur. Das Einzige, was sie von sich gab, waren die Richtungsanweisungen. Ich lie� mich von ihr leiten, ohne darauf zu achten, wohin wir fuhren. Es interessierte mich nicht. Ich wollte es hinter mich bringen, was immer �es� war, und dann mein Frachtgut loswerden.</p><empty-line/><p>�Da sind wir�, sagte Troll mitten in meine �berlegungen hinein. �Such dir einen Parkplatz.�</p><p>Tolle Idee. Die Stra�e war eng und komplett zugeparkt.</p><p>�Hier ist bestimmt Anwohnerparkzone�, gab ich zu bedenken und fuhr weiter.</p><p>�Hier�, rief Troll.</p><p>Ich fuhr weiter.</p><p>�Hier ist einer!�</p><p>Tats�chlich, ein Parkplatz. Da war doch bestimmt ein Haken dabei. Ich fuhr ein paar Meter vor, setzte den Blinker und parkte ein. Ich stieg aus und begutachtete alle Verkehrsschilder im Umkreis von zehn Metern.</p><p>�Was hast du denn?�, fragte Troll genervt.</p><p>�Heute Morgen hatte ein Abschlepper meinen Wagen schon am Haken�, sagte ich. �Das brauche ich nicht noch mal.�</p><p>Ich konnte kein Schild entdecken, das das Parken auf diesem Platz verboten h�tte, also lie� ich mein Auto dort stehen. Troll schob mich ungeduldig auf die andere Stra�enseite und in eine hip ausgestattete Kneipe hinein. Schlichte Holztische mit Designerhockern drum herum, Raumteiler in dunklem Holz mit Messing, vereinzelte Skulpturen im Raum verteilt.</p><p>Zu Hause hatte ich in den mir zur Verf�gung stehenden f�nfeinhalb Minuten versucht, aus meinem Kleiderschrank ein Outfit in den zu mir passenden Farben zu zerren, und kam mir nun in meiner hellblauen Jeans und dem wei�blauen Pullover vollkommen fehl am Platz vor. Alle anderen trugen mindestens ein Kleidungsst�ck in�� nat�rlich�� Schwarz.</p><p>�Wir m�ssen hinten durch in den Saal.�</p><p>Am Eingang des Saals befand sich ein Tisch, an dem bereits einige Leute standen, die sich offenbar anmeldeten. Sie sagten ihre Namen, wurden auf einer Liste abgehakt, bekamen ein Schildchen zum Anstecken und gingen weiter in den Saal, in dem viele kleine Tische mit je zwei Hockern in einem gro�en Kreis aufgestellt waren. Alle Tische blieben leer, niemand setzte sich. Stattdessen strebten alle Besucherinnen und Besucher zur Bar. Endlich waren wir dran.</p><p>Troll regelte die Anmeldung und ich bekam ein Namensschildchen. Dann gingen wir in den Saal.</p><p>�Was ist das f�r eine komische Party?�, fragte ich.</p><p>�Speed-Dating.�</p><p>�Was?� Ich blieb stehen.</p><p>�Nun komm schon.� Troll zog mich am Arm vorw�rts. �Du sollst hier keinen Mann finden, sondern Werbung machen. Es ist die gr��te Speed-Dating-Veranstaltung diesen Monat und die mit der gehobensten Klientel. Hier triffst du f�nfzig alleinstehende M�nner an einem Abend. F�nfzig potenzielle Kunden. Und ein pers�nlicher Kundenkontakt wiegt zwanzig ganzseitige Anzeigen im �Playboy� auf, die du dir sowieso nicht leisten kannst. Also los, mach Werbung.�</p><p>Ich machte erst mal gar nichts, sondern stand stocksteif neben Troll, die sich ein leuchtend blaues Getr�nk an der Bar holte und mir ungefragt ein Bier mitbrachte. Sie schaute einigen G�sten anerkennend hinterher. Frauen, wie mir schien.</p><p>�Ich bin erk�ltet�, sagte ich.</p><p>�Das sind alle anderen zu dieser Jahreszeit auch. Kein zuk�nftiger Kunde wird wissen, von welcher der Damen er sich den Bakterienbefall geholt hat.�</p><p>�Ja, aber meine Stimme wird das hier nicht durchhalten. Ich habe Halsweh und sp�re bereits, wie ich heiser werde.�</p><p>�Dann trink viel.� Sie deutete mit dem Kopf auf das Glas in meiner Hand.</p><p>�Soll ich vielleicht mit einem Bier in der Hand Werbung machen?�, fragte ich.</p><p>�Du hast noch eine Viertelstunde Zeit, bevor es losgeht. Trink es vorher, das entspannt.�</p><p>�Mit einer Bierfahne komme ich auch nicht sehr seri�s r�ber�, hielt ich ihr entgegen. Sie h�tte mir auch ein Glas Milch reichen k�nnen und ich h�tte etwas daran auszusetzen gefunden. Diese Veranstaltung war die H�lle. Wie konnte sie mir das antun? F�nfzig fremde M�nner, die auf der Suche nach einer Frau waren, mit meiner Werbung zutexten? �Und warum sollte ich nicht mein Businesskost�m anziehen, wenn ich hier als Unternehmerin auftreten muss?�, maulte ich.</p><p>�Es geht um zwei Dinge�, erkl�rte Troll in einem Tonfall und einer Deutlichkeit, als spr�che sie zu einem kleinen Kind. �Erstens ist diese Art der Werbung echt wirkungsvoll, ich habe das schon mal ausprobiert.�</p><p>Ich erwiderte nichts.</p><p>�Zweitens kann dir ein bisschen �bung im Umgang mit fremden Menschen nicht schaden. Du bist sch�chtern und zur�ckhaltend, das geht nicht f�r eine Gesch�ftsfrau, die ihre Dienstleistung glaubw�rdig vertreten und teuer verkaufen will.�</p><p>Die Tatsache, dass sie recht hatte und dass ich wusste, dass sie recht hatte und dass auch sie wusste, dass ich es wusste, machte es nicht besser. Ich war sauer.</p><p>�Ich gebe dir mein Namensschild und du machst die Werbung�, sagte ich nach einer Weile, in der ich geschmollt hatte. �Du kannst das sowieso viel besser.�</p><p>�Stimmt�, sagte Troll, �das ist ja das Problem. Du musst es lernen. Es ist wirklich nicht schwer. Du musst ja nichts �ber dich sagen, sondern nur �ber dein Unternehmen. Gib eine kurze Erkl�rung, was die Schmutzengel bieten, dann gibst du jedem einen Flyer und das ist schon alles.�</p><p>�Ich muss erst einmal sehen, wie das geht�, sagte ich. Ich hatte wirklich Schiss. Ich hatte noch nie fremde M�nner angesprochen. Ich traute mich ja noch nicht einmal, Greg anzurufen, obwohl ich jahrelang mit ihm zusammengelebt hatte. Ich bin �berhaupt eher der stille Typ.</p><p>Troll hatte ein Einsehen. Sie nahm mein Namensschild an sich, steckte es an ihr Hemd, holte ihr Handy aus der Tasche und rief mich an.</p><p>�Lass dein Handy an, h�r ein paarmal zu, dann wird getauscht�, sagte sie.</p><p>Ich nickte. Sollte sie doch die f�nfzig Gespr�che f�hren, ich h�rte gern zu. Weitere Diskussionen waren nicht m�glich, denn ein Gong ert�nte und die umwerfende Sch�nheit, die vorhin am Tisch die Namen abgehakt hatte, erkl�rte die Vorgehensweise. Alle Frauen in den Innenkreis, die M�nner au�en um die Tische herum. Auf Gongschlag setzen sich alle auf den vor ihnen stehenden Hocker und reden mit ihrem Gegen�ber. Beim n�chsten Gongschlag r�cken die Herren einen Hocker weiter nach rechts, die Damen bleiben sitzen.</p><p>Jeder Mann und jede Frau suchte sich einen Platz und endlich standen alle in zwei Kreisen um die Tische herum. Ich hatte w�hrend des Gewusels die Zeit gehabt, mir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer etwas genauer anzusehen und war �ngstlicher denn je. Die Frauen sahen in meinen Augen alle bezaubernd aus. �berhaupt waren fast alle Menschen in diesem Raum auffallend gut aussehend. Bis auf mich. Und Troll, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Kategorien wie gut aussehend greifen bei ihr nicht, weil sie einfach immer schrill aussieht. Die meisten M�nner waren sehr modisch gekleidet und gestylt. Enge, schr�g gestreifte Hemden dominierten, fast alle trugen das Haar modisch lang, die Hosen entsprachen dem aktuellen H�ftschnitt, viele M�nner trugen Schmuck. Silberne Ringe, Halsketten in schwarzem Kautschuk mit silbernen Anh�ngern, schicke Uhren. Mein Mut sank ins Bodenlose.</p><p>Ich entdeckte Troll in der Menge und starrte den Typen an, der ihr gegen�bersa� und sie mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck betrachtete. Er sah nett aus. Vielleicht ein bisschen jung, aber sympathisch. L�ssige Klamotten, lange Haare, einen Haifischzahn am Lederband um den Hals. Wahrscheinlich Taucher oder Surfer oder so etwas. Ich glaubte nicht, dass er in meine Kundenzielgruppe passte.</p><p>Gong. Ich dr�ckte mein Handy fest ans Ohr.</p><p>Mann: ��h, hallo, ich hei�e Stefan.�</p><p>Troll: �Ich kann lesen, Stefan. Du auch?�</p><p>Stefan: �Na klar, was ist das denn�� Ich h�rte Papier rascheln und konnte sein Stirnrunzeln bis hierher erkennen.</p><p>Troll: �Also dann wirf mal einen Blick hier in diesen Flyer. Der k�nnte dir helfen, in Zukunft mit einem vern�nftig geb�gelten Hemd ohne Deoflecken unter den Achseln herumzulaufen. Saubere M�nner sind attraktiver, wei�t du?�</p><p>Stefan: �Wie bist du denn drauf? Guck dich doch selber mal an.�</p><p>Troll: �Ist bestimmt besser, als weiterhin dich anzusehen.�</p><p>Dabei sah er so nett aus, zumindest aus der Entfernung. Ich wollte im Boden versinken vor Scham.</p><p>Stefan: �Du hast so eine Schei�frisur, die hast du doch nur, um aufzufallen. Damit sich wenigstens ein paar K�pfe nach dir umdrehen.�</p><p>Oho, er konnte aber gut zur�ckgeben. So l�ssig, wie er aussah, war er wohl doch nicht.</p><p>Troll: �Und du hast diese Frisur gew�hlt, damit sich ein paar M�gen umdrehen, richtig?�</p><p>Stefan: �Eh, wenn du Leute beleidigen willst, bist du hier falsch.�</p><p>Ja, lieber Stefan, da bin ich ganz deiner Meinung! Ich hatte mir unter einer Werbeveranstaltung f�r mein Unternehmen auch etwas anderes vorgestellt!</p><p>Troll: ��berhaupt nicht, hier kann ich f�nfzig M�nner in einer Stunde zur Sau machen, den Schnitt schaff ich sonst nicht.�</p><p>Gong.</p><p>Mir war hei�, mein Gesicht brannte wie Feuer, die Luft war zu dick, als dass sie durch meine Bronchien gepasst h�tte. Troll machte mich und mein Unternehmen unm�glich. Ich kippte das Bier fast auf ex.</p><p>�Troll�, rief ich in mein Handy, aber Troll hatte ihres nicht am Ohr, sondern in der Brusttasche ihres Hemdes, von wo es ihre Unterhaltung �bertrug.</p><p>�Hi, du siehst echt ausgeflippt aus�, sagte die n�chste m�nnliche Stimme. Er war mindestens vierzig und etwas dicklich, ganz in Schwarz gekleidet und trug ein schnurloses Headset an einem Ohr. Angeber. �Ich bin Fotograf und immer auf der Suche nach echten Typen wie dir.�</p><p>�Und ich bin plastische Chirurgin und immer auf der Suche nach Typen wie dir�, sagte Troll.</p><p>Fotograf: �Nee, oder? Du bist doch nicht echt Chirurgin?�</p><p>�Nein�, sagte Troll, �leider, sonst h�tten wir f�r deine OP direkt einen Termin machen k�nnen. Aber was ich anzubieten habe, ist auch nicht �bel.�</p><p>Troll reichte ihm ein Faltblatt, ich hielt mir den Magen. Mir wurde langsam schlecht.</p><p>Fotograf: �Was soll das sein? Ein Putzfrauenbund? Bist du doof oder tust du nur so?� Seine Stimme hatte einen aggressiven Unterton.</p><p>�Keine Ahnung.� Trolls Stimme klang immer noch vollkommen gelassen. �Sag Bescheid, wenn du es rausgefunden hast. Aber vorher liest du dir den Flyer genau durch, und wenn das f�r dich nicht infrage kommt, gibst du ihn an deinen Chef weiter, klar?�</p><p>Kalter Schwei� �berzog meine Stirn und meinen R�cken, ich bekam kaum noch Luft.</p><p>Gong.</p><p>�Troll, lass uns tauschen�, rief ich.</p><p>Jetzt hatte sie mich geh�rt, hob ihr Handy ans Ohr und sagte: �Einen noch, Baby, das macht so viel Spa�.�</p><p>�Mit wem redest du?�, fragte der n�chste Pechvogel. Mitte drei�ig, Jeans, T-Shirt mit irgendeinem Aufdruck, fast zwei Meter gro� und spindeld�rr. Das dunkelblonde Haar kurz, die H�nde lang und schmal. Er legte die Unterarme auf den Tisch und verschr�nkte die Finger locker ineinander. Er machte einen ruhigen, gelassenen, entspannten Eindruck. Ich fand ihn nicht h�bsch, aber sympathisch.</p><p>Troll: �H�r zu, S��er, ich habe keinen Bock auf oralen Banalverkehr. Hast du einen Job?�</p><p>Mann: �Ja. Ich bin beim Fernsehen.�</p><p>Er sagte das ganz bescheiden, ohne Angeberei. Das gefiel mir.</p><p>Troll: �Arbeitest du viel, verdienst du gut?�</p><p>Mann: �Sag mal, sollte es bei solchen Gespr�chen nicht ein bisschen um pers�nliche Sympathie oder so etwas gehen?�</p><p>Auch das gefiel mir. Er lie� sich nicht von Troll an die Wand quatschen, ging auch nicht auf ihre beleidigende Art ein, sondern stellte freundlich klar, dass er sich unter diesem Treffen etwas anderes vorgestellt hatte. Ich hoffte, dass Troll ihn nicht zu hart anfassen w�rde.</p><p>Troll: �Worum es dir geht, ist mir relativ egal, ich jedenfalls schlage vor, dass du meine Frage beantwortest, sonst muss ich vermuten, dass du eine halbe Aushilfsstelle als Kabeltr�gerlehrling hast.�</p><p>Schade, meine Hoffnung hatte sich nicht erf�llt. Der Fernsehmann l�chelte etwas ungl�ubig und blieb weiter entspannt. Ich bewunderte seine Gelassenheit.</p><p>Mann: �Ja, ich habe einen super Job und verdiene einen Haufen Geld, sonst k�me ich wohl nicht gerade in diesen angesagten Laden, um eine Frau kennenzulernen, oder?�</p><p>Seine Aussage passte zu dem gehobenen Ambiente dieses Lokals. Er hingegen passte mit seiner unpr�tenti�sen Art wenig hierher. Seltsam, dass er gerade hier eine Frau suchte.</p><p>Troll: �Also dann nimm diesen Flyer mit, lies ihn von vorn bis hinten durch und rede in den n�chsten drei Tagen mit jedem Kollegen in der Kantine dar�ber. Und jetzt geh, es l�utet gleich.�</p><p>Gong.</p><p>Ich schaltete mein Handy aus und sprintete so schnell ich konnte durch den Saal, riss Troll von ihrem Hocker und pappte mir mein Namensschild an den Pulli. Der entspannte Fernsehmann bemerkte unser Man�ver und starrte mit unverhohlenem Interesse zu mir her�ber, w�hrend er zum n�chsten Hocker ging. Ich versuchte ein entschuldigendes L�cheln, das aber v�llig in die Hose ging, nicht zuletzt deshalb, weil ich einen Hustenanfall bekam. Selten war mir eine Situation so peinlich gewesen wie diese.</p><p>Au�er Atem und obernerv�s sank ich auf die Sitzgelegenheit in exakt demselben Moment, in dem ein gedrungener Kerl mir gegen�ber Platz nahm.</p><p>�Hi, ich hei�e Udo, steht ja hier, haha. Ich bin Abteilungsleiter in einer gro�en Versicherung und hatte keine Zeit f�r Privatleben, aber jetzt habe ich eine Position erreicht, in der ich andere die �berstunden schieben lasse, jetzt kann ich mich mal wieder den angenehmen Dingen des Lebens zuwenden.�</p><p>�Dem Hausputz?�, fragte ich mit heiserer Stimme.</p><p>Udo zuckte zusammen. �Nee, das ist doch nix Angenehmes. Das macht man so nebenbei, weil es ja sein muss.�</p><p>�Warum hast du keine Putzfrau?�, fragte ich.</p><p>�Denen kann man doch nicht trauen. Die l�mmeln ein paar Stunden in meiner Wohnung herum, saufen mir meinen Brandy weg, telefonieren von meinem Anschluss und lassen sich dann auch noch daf�r bezahlen. Nee, danke.�</p><p>�Muss nicht sein�, sagte ich. �Schau dir das an, ein seri�ses Angebot f�r erfolgreiche Leute, die ihre Freizeit nicht mit dem l�stigen Saubermachen verbringen wollen.�</p><p>Gong.</p><p>Das war ja gar nicht so schwer gewesen. Erstaunlich, dass der Mann sich so bereitwillig auf das Thema Hausputz eingelassen hatte. Ich hatte die Gespr�chsf�hrung �bernommen und er war mir gefolgt. Ein unglaublicher Erfolg! Ich drehte mich zur Bar, um zu sehen, ob Troll meinen Triumph mitbekommen hatte, konnte sie aber nicht entdecken. Dadurch war ich noch abgelenkt, als schon der n�chste Mann auf dem Hocker mir gegen�ber Platz nahm.</p><p>Er sah verdammt gut aus. Das Erste, was mir auffiel, waren seine wei�en Z�hne. Noch nie zuvor hatte ich jemanden mit so wei�en Z�hnen gesehen. Und ich sah sie, weil er mich anl�chelte. Seine Augen waren gr�n, sofern ich das bei diesem Licht erkennen konnte, er trug den franseligen Haarschnitt mit dem schr�g weggek�mmten Pony, der zurzeit modern ist, aber bei ihm sah diese Frisur aus, als k�me er gerade aus dem Bett. S��. Ich starrte ihn einfach nur wortlos an.</p><p>�Hallo, ich hei�e Marc.�</p><p>�Hi, ich bin Corinna.�</p><p>�Was machst du so, Corinna?�</p><p>Ach, seine Stimme war samtig weich, dunkel, leise. Ich konnte mich kaum auf den Grund meiner Anwesenheit konzentrieren, aber dann riss mich die Realit�t aus meiner Verz�ckung. Was ich so mache, wollte er wissen? Ich verstecke Leichen in meinem Kofferraum und fahre tagelang damit durch die Gegend. Und hier bin ich, weil ich Werbung f�r ein Unternehmen mache, das ich vermutlich demn�chst aus dem Knast leiten werde.</p><p>�Na ja, hier sind f�nfzig M�nner, Singles, vermutlich, also ist hier der richtige Ort, um meine Dienstleistung anzubieten.�</p><p>Ein �berraschtes und zugleich am�siertes Grinsen ging �ber sein Gesicht. �Deine Dienstleistung f�r alleinstehende M�nner?�</p><p>Ich nickte. �Ja, also, weil ja nicht jeder Lust hat, es selbst zu machen und�� Ich kramte nach den Flyern, die vom Tisch gerutscht waren.</p><p>�Ich habe auch keine Lust, es selbst zu machen, aber ich bin sicher nicht hier, um eine professionelle Dienstleistung in Anspruch zu nehmen�, sagte Marc. �Im Gegenteil. Hierher kommt man, um eine Frau zu finden, die es nicht professionell macht.�</p><p>Erst in diesem Moment ging mir auf, wovon er sprach. Und wovon er meinte, dass ich sprach. Ich sp�rte, wie ich knallrot anlief. Die Flyer hatte ich immer noch nicht zu fassen bekommen.</p><p>�Tja, netter Versuch, aber bei mir kannst du damit nicht landen�, sagte Marc und stand auf.</p><p>Gong.</p><p>Ich wollte aufspringen, diesen schrecklichen Ort verlassen, frische Luft in meine Lungen pumpen und wegrennen, bis mir die Puste ausging, aber Troll hatte so etwas wohl schon geahnt. Sie stand pl�tzlich hinter mir, versuchte, ihr Lachen zu unterdr�cken, wischte sich eine Tr�ne aus dem Augenwinkel und dr�ckte mich zur�ck auf den Hocker.</p><p>�Das hast du gut gemacht, Corinna�, presste sie zwischen den unterdr�ckten Glucksern hervor. �Das n�chste Mal sagst du nur noch dazu, welche Dienstleistung du anbietest, und dann klappt das schon.�</p><p>Sie b�ckte sich, dr�ckte mir die Flyer in die Hand, klopfte mir auf die Schulter und verschwand in dem Moment, in dem der n�chste Gong ert�nte.</p><empty-line/><p>Ich hielt den Rest der Stunde durch, l�chelte, bis mir der Kiefer und die Wangenmuskeln schmerzten, lie� Vorw�rfe wegen Missbrauchs einer Dating-Veranstaltung an mir abprallen, �berlebte den netten Kerl, der bei der Kriminalpolizei war, und gew�hnte mir einen lockeren Ton an, den ich in fast allen F�llen beibehielt. Ein Mann verlangte gleich mehrere Flyer, ein anderer beschimpfte mich, weil ich einen Keil zwischen seine Mutter und ihn treiben wolle, aber die meisten Typen blieben nett. Der Inhaber einer Werbeagentur wollte mich vom Fleck weg engagieren, aber ich lie� mir nur seine Karte geben und murmelte etwas Unverbindliches. Nach einer Stunde war ich vollkommen ersch�pft.</p><p>Troll erwartete mich mit einem zufriedenen Grinsen und einem halben Liter Bier an der Bar.</p><p>�Du warst gro�artig�, sagte sie.</p><p>�Und du warst f�rchterlich�, erwiderte ich.</p><p>�Es hat gewirkt�, sagte sie. �Wenn ich nett zu den Jungs gewesen w�re, h�ttest du nicht so schnell eingegriffen.�</p><p>Ich nickte. Ich war echt zu fertig, um ihr noch b�se zu sein.</p><p>Im Saal ging jetzt die Party los, bei der die Leute versuchten, diejenigen Gespr�chspartner wiederzufinden, mit denen sie das eben begonnene Gespr�ch gern fortsetzen w�rden. Ich sch�ttete mir die H�lfte des Biers rein und musste ein Aufsto�en unterdr�cken. Ah, tat das gut! Troll schlug vor, noch etwas zu bleiben, und ich ertappte mich tats�chlich bei dem Gedanken, dem netten Marc zu erkl�ren, dass meine Dienstleistung nichts mit Liebe zu tun hat, aber daf�r fehlte mir die Kraft. Ich hatte f�r heute genug geleistet. Ich setzte das Glas wieder an, w�hrend Troll unsere Jacken holte, und erschrak furchtbar, als in dem Moment, in dem ich die Augen wieder �ffnete und mir den Schaum von den Lippen wischte, der schlaksige Fernsehmann direkt vor mir auftauchte. Er wedelte mit dem Flyer, den Troll ihm in die Hand gedr�ckt hatte. Ich verschluckte mich an dem stark kohlens�urehaltigen Bier.</p><p>�Hallo, ich bin der Jens.�</p><p>Ich nickte zur Begr��ung, w�hrend mir Wei�bierschaum in der Nase kribbelte.</p><p>�Was war denn das f�r eine Show, die ihr zwei hier abgezogen habt?�</p><p>Ich brauchte noch ein paar Sekunden, aber dann konnte ich wieder sprechen. �Das war eine Werbeveranstaltung�, keuchte ich. �Meine Freundin meinte, dass das eine gute Idee sei.�</p><p>�Und wer von euch beiden ist nun die echte Corinna Leyendecker?� Er zeigte auf die Unternehmensdaten auf dem Flyer. Dort stand der Firmenname, mein Name, Anschrift und Kontaktdaten der Schmutzengel. Gegen das Foto, das Troll gern aufgenommen h�tte, hatte ich ein Veto eingelegt.</p><p>�Das bin ich�, gestand ich und wurde rot. �Ich sollte hier lernen, ohne Angst auf fremde Menschen zuzugehen und ihnen meine Dienstleistung anzubieten. Das muss ich n�mlich als Unternehmerin tun, und da habe ich ziemlichen Bammel vor.�</p><p>Jens grinste. �Ich kann nur hoffen, dass du nicht genauso r�pelig warst, wie deine Freundin.�</p><p>�Nein, ich war ganz nett�, entgegnete ich und wurde noch r�ter, als mir das Missverst�ndnis mit Marc wieder einfiel. Ich blickte mich schnell um, sah ihn aber nicht mehr. Er hatte sicher eine nette Frau gefunden, die es unprofessionell und gratis machte. Er war durchaus der Typ, f�r den ein solcher Abend erfolgreich endete.</p><p>�Prima Idee, jedenfalls�, sagte Jens. �Viel Erfolg!�</p><p>Ich konnte nicht erkennen, ob ihn Trolls Ankunft mit unseren Jacken in die Flucht geschlagen hatte, aber ich glaube eher nicht. Er h�tte ihr durchaus Paroli bieten k�nnen. Stattdessen st�rzte er sich wieder in das Get�mmel, Troll gab mir meine Jacke und wir verlie�en den Saal durch den Durchgang zur Kneipe.</p><p>Ich zuckte zusammen, als sich pl�tzlich eine Hand auf meinen Arm legte und mich herumdrehte. Greg!</p><p>�Corinna! Was machst du denn hier? Bist du allein?�</p><p>�Nein�, sagte Troll hinter Greg. �Sie ist mit mir hier.�</p><p>Greg verdrehte die Augen. �Was��</p><p>Dann glitt sein Blick zum Saal, aus dem wir gerade kamen. �Du warst bei dieser Speed-Dating-Party?�, fragte er ungl�ubig.</p><p>Am liebsten w�re ich im Erdboden versunken. �Also ich��</p><p>�Du glaubst gar nicht�, sagte Troll, �wie viele gut aussehende, interessante M�nner zu so einer Veranstaltung kommen.�</p><p>Greg schien ihr gar nicht zuzuh�ren. Er starrte mich weiter an. Schlie�lich sagte er: �Du hast abgenommen. Steht dir gut.�</p><p>Ich war immer noch sprachlos, jetzt wurde ich auch noch rot. Und ich war mir sehr bewusst, dass ich nach Bier roch. Greg hasste Bier. Er trank nur Rotwein, Champagner oder Whisky.</p><p>Wir standen immer noch wie drei Statuen beieinander, Greg mit seiner Hand auf meinem Arm, Troll hinter ihm und ich wie eine Salzs�ule, die versucht, nicht auszuatmen, als Jens auf der Bildfl�che erschien.</p><p>�Entschuldige�, sagte er und beugte sich aus seinen zwei Metern H�he, mit denen er uns alle weit �berragte, vertraulich zu mir hinab. �Gib mir doch noch zwei von deinen Flyern.�</p><p>Ich kam seiner Bitte nach, er zwinkerte mir freundlich zu und verschwand.</p><p>Greg hatte fassungslos zu Jens aufgeschaut, sah jetzt mich fragend an und zuckte dann mit einem hysterischen Schreckensschrei zusammen, als Sue sich ihm von hinten an den Hals warf.</p><p>�Wo bleibst du denn��, fragte sie vorwurfsvoll, verstummte aber, als sie mich erkannte. �Oh.�</p><p>Dasselbe �Oh� wie damals, als sie in Gregs Hemd und meinem Leben erschien.</p><p>Wenn Troll nicht eingegriffen h�tte, st�nden wir vermutlich noch heute alle reglos in dieser Kneipe herum.</p><p>�Tja, Leute, nett euch zu treffen, aber wir haben noch eine wichtige Verabredung�, sagte sie, nahm Gregs Hand mit zwei Fingern, als handele es sich um einen toten Frosch, l�ste sie von meinem Arm und zog mich hinter sich her nach drau�en. Ich lie� es geschehen. Wir trennten uns vor der Kneipe. Ich fragte nicht, wo Troll den Rest der Nacht verbringen wollte, ich jedenfalls wollte nach Hause. Der Abend hatte mir den letzten Rest meiner noch vorhandenen Kraft geraubt.</p><p>So fertig wie ich war, dachte ich erst, ich w�re an meinem Auto vorbeigelaufen. Also drehte ich um und ging zur�ck, wobei ich jedes geparkte Fahrzeug genau betrachtete. Mein Auto war weg. An der Stelle, an der ich geparkt hatte, war eine L�cke. Auf dem Asphalt waren die k�mmerlichen �berreste eines aufgemalten Halteverbotsschildes zu sehen, das man wegen des spitzeren Winkels und der gl�nzendnassen Fahrbahn aus dem Auto nicht hatte sehen k�nnen. Eine Politesse jedenfalls musste gewusst haben, dass dieses Halteverbot an genau dieser Stelle bestand, denn wer sonst h�tte mein Auto mitten in der Nacht abschleppen lassen?</p><p>Dem ersten Impuls, mich auf den Bordstein zu setzen und in Tr�nen auszubrechen, gab ich dennoch nicht nach. Ich fummelte mein Handy aus der Tasche, bestellte ein Taxi und lie� mich nach Hause bringen, wo ich fast �bergangslos ins Bett fiel.</p><p>W�hrend ich versuchte, den Gedanken an das Problem in meinem Kofferraum zu verdr�ngen, tauchte Greg vor meinem inneren Auge auf. Ziemlich schnell wurde sein Gesicht von Jens verdr�ngt. Mit dem Gedanken an einen fremden Mann schlief ich ein.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Das Telefon weckte mich am n�chsten Morgen eine halbe Stunde, bevor ich zu meinem ersten Akquisetermin in Oberkassel erscheinen musste. Den Wecker hatte ich offenbar verschlafen, aber zum Gl�ck rief Lisbeth an und meldete sich wieder zur�ck zur Arbeit. Wir verabredeten uns in Oberkassel, und ich nahm nach der schnellsten Dusche meines Lebens das zweite Taxi innerhalb von zehn Stunden. Damit musste umgehend wieder Schluss sein, sonst w�rden die Taxikosten mich in den Ruin treiben, bevor mein Gesch�ft den ersten bescheidenen Gewinn abwarf.</p><p>Die Akquisetermine vor Ort waren f�r mich einfacher und angenehmer, wenn Lisbeth dabei war, denn viele M�nner wollten die Frau, die demn�chst in ihrer Wohnung ein und aus ging, pers�nlich kennenlernen.</p><p>Der erste Termin an diesem Vormittag f�hrte uns in eine Junggesellenbude der teureren Art. Der etwa drei�igj�hrige Mann im Dreiteiler, der seinen Beruf ungefragt als �Geld verdienen�� und zwar viel Geld� angegeben hatte, wollte das Zweihundert-Quadratmeter-Loft picobello gereinigt und vierzehn Hemden pro Woche (�bei meinem Lifestyle kommt man mit einem Hemd am Tag einfach nicht aus�) gewaschen und geb�gelt haben. Zus�tzlich seien regelm��ig Delikatessen aus drei verschiedenen Gesch�ften zu besorgen und als nett angerichtete Platte f�r freitagabends fertig zu machen. Den Champagner w�rde er selbst kalt stellen. Als Zeitbedarf hatte er maximal drei Stunden errechnet. Pro Woche.</p><p>�Wer macht diese Arbeiten denn bisher?�, fragte Lisbeth in neutralem Tonfall, w�hrend sie sich in dem ehemaligen Fabrikgeb�ude umsah. Der Boden war �bers�t mit Wollm�usen, Kr�meln und langen Haaren, was auf dem unruhigen Industrieparkett allerdings erst auffiel, wenn man genau hinschaute. Wir schauten genau hin, Lisbeth nat�rlich noch genauer als ich.</p><p>�Ich hatte schon einige Putzfrauen, war aber mit deren Arbeitsauffassung nicht sehr zufrieden.�</p><p>Inzwischen hatten wir uns weiterbewegt und waren in der K�chenecke angekommen. Die Arbeitsfl�chen und Schrankt�ren waren fleckig, der Boden klebte, es roch nach M�ll.</p><p>�Den Backofen m�ssten Sie nat�rlich vern�nftig reinigen, ich wei� nicht, was sich die bisherigen Damen dabei gedacht haben, den einfach auszulassen. So kann man doch nicht arbeiten, dass man nur das Sichtbare erledigt und hofft, der Rest fiele nicht auf.�</p><p>Lisbeth �ffnete die Backofent�r und schaltete die Beleuchtung ein. Der Ofen sah aus, als sei darin etwas explodiert. Etwas Dunkles, Fettiges, Klebriges. Lisbeth schloss die T�r wortlos.</p><p>�Nat�rlich muss auch das Bett jede Woche neu bezogen werden. Einmal die Woche ist das Mindeste.�</p><p>Unter dem Bett lag ein Kondom. Ich verzichtete auf eine n�here Betrachtung, ging aber davon aus, dass es benutzt war.</p><p>�Die Fenster am liebsten auch w�chentlich, wenn Sie das nicht schaffen, w�rde zur Not auch vierzehnt�gig reichen. Eine entsprechende Leiter bringen Sie sicher mit.�</p><p>Die Fenster hatten eine Gesamtfl�che von gesch�tzten hundert Quadratmetern bei einer H�he von vier Metern.</p><p>�Drei Stunden, sagten Sie?�, fragte Lisbeth.</p><p>�H�chstens. Das wird ja wohl reichen, oder? Bei Ihren Preisen will ich ja schlie�lich nicht nur f�r meine Putzfrau arbeiten, hahaha.�</p><p>Wir lachten nicht mit. Ich wei� nicht, was Lisbeth in dem Moment dachte, aber mir war klar: Aus seiner Bude h�tte ich keine Leiche entsorgt.</p><p>�Herzchen, Sie haben eine ganz falsche Vorstellung davon, was eigener H�nde Arbeit bedeutet�, sagte Lisbeth. �Ich w�rde allein f�r das Fensterputzen pro Reinigung etwa vier Stunden veranschlagen, und das dann nur von innen, denn von au�en brauchen Sie einen Kran und den bringe ich sicher nicht mit. Eine Grundreinigung der Wohnung, die mehr als �berf�llig ist, schl�ge mit circa zwanzig Stunden zu Buche und dann pro Woche ungef�hr zehn Stunden, da ist das Einkaufen nicht mit eingerechnet.�</p><p>�Das ist ja wohl l�cherlich�, rief der J�ngling entsetzt.</p><p>�Genau�, entgegnete Lisbeth unger�hrt. �Ihr Lebensstil ist l�cherlich. Eine Wohnung kostet nicht nur Miete und Nebenkosten, sie kostet auch Unterhalt. Und den Stil, den Sie hier gern zur Schau stellen w�rden, den wollen Sie sich offenbar nicht leisten. Umsonst ist er aber nicht zu haben. Ziehen Sie um, das ist der beste Rat, den ich Ihnen geben kann.�</p><p>Nun war der Dreiteiler zwar selbstverliebt bis in die Haarspitzen und ein arroganter Schn�sel gewesen, aber immerhin hatte er mich mit seiner fesselnden One-Man-Show wenigstens f�r eine halbe Stunde gedanklich von meinem dr�ngendsten Problem erl�st. Eine Wiederholung dieser Ablenkung war mir nicht verg�nnt, denn der n�chste Kunde des Vormittags hatte entweder selbst eine realistische Vorstellung von dem ben�tigten Arbeitsaufwand oder er vertraute auf Lisbeths Kalkulation. Ich bekam es nicht mit, k�mmerte mich aber auch gar nicht darum, sondern lie� Lisbeth machen und nahm zur Kenntnis, dass sein Schl�ssel an ihrem Schl�sselbund landete, w�hrend ich in Gedanken im Kofferraum meines Autos war.</p><empty-line/><p>Der dritte Termin des Vormittags, ein Professor der Heinrich-Heine-Universit�t, der uns sein Fachgebiet nicht genannt hatte, versuchte, Lisbeth in eine philosophische Diskussion zu verstricken.</p><p>�Glauben Sie nicht, dass die Entfremdung des Menschen von seiner eigenen Umgebung das Gef�hl der Haltlosigkeit verst�rkt, die viele Menschen in ihrem Leben sp�ren?�, fragte er.</p><p>Mit Gef�hlen der Haltlosigkeit kannte ich mich seit Montagabend auch aus.</p><p>Lisbeth unterbrach die Inspektion seiner K�che und blickte ihn erstaunt an. �Halten Sie das feuchte Auswischen eines klebrigen K�hlschranks f�r��, sie suchte nach dem richtigen Wort, �heilsam?�</p><p>Der Professor wippte auf den Zehenspitzen und nickte langsam und ausdr�cklich mit dem Kopf. Ich stellte mir vor, dass er in genau dieser Haltung vor seinen Studenten irgendeinen geisteswissenschaftlichen Diskurs f�hrte. �Nun, viele Menschen f�hlen sich den Kr�ften, die ihr Leben beherrschen, heute hilflos ausgeliefert. Sie empfinden einen starken Kontrollverlust in allen Bereichen ihres Daseins.�</p><p>Haltlosigkeit, Kontrollverlust, hilflos ausgeliefert�� ich wusste genau, wovon der Mann sprach.</p><p>�Und Sie meinen, die Kontrolle �ber das Leben in ihrem K�hlschrank w�rde diesen Menschen die verlorene Sicherheit zur�ckgeben?�, entgegnete Lisbeth.</p><p>Das w�rde mich jetzt auch interessieren. Ich w�re zur L�sung meines Problems durchaus bereit, meine Wohnung zu putzen.</p><p>�Nun�, wieder dieses Wippen, �die Tatsache, dass diese Menschen auch noch in ihrem ganz intimen R�ckzugsbereich fremde Kontrolle zulassen und die Eingriffe von au�en bemerken, wenn sie in ihre Wohnung zur�ckkehren, k�nnte das Gef�hl der Fremdbestimmtheit verst�rken. Wohingegen die F�higkeit, im privaten Bereich seines Lebens seine eigene Ordnung herzustellen und zu erhalten, durchaus beruhigend, ja, ich w�rde sogar sagen, befriedigend sein kann.�</p><p>Ja, ich w�rde auch eine ungeheure Befriedigung und Ruhe empfinden, wenn ich im privaten Bereich meines Lebens mal wieder Ordnung hergestellt h�tte. Ich dachte dabei allerdings nicht an meine K�che. Und am liebsten h�tte ich ihn gleich gefragt, ob er vielleicht eine Idee h�tte, wo ich eine Leiche losw�rde, die seit Tagen in meinem Kofferraum herumlag. Allerdings h�tete ich mich, dem Herrn zu antworten. Das �berlie� ich Lisbeth.</p><p>�Glauben Sie, dass Sie ein gl�cklicheres Leben f�hrten, wenn Sie vier bis sechs Stunden pro Woche auf Ihren Hausputz und die W�schepflege verwendeten anstatt in dieser Zeit B�cher zu lesen oder Studenten zu unterrichten?�</p><p>Das Wippen brach schlagartig ab. �Ich hatte diese Betrachtung nicht pers�nlich, sondern mehr, �h, theoretisch gemeint�, entgegnete der Professor konsterniert.</p><p>�Entschuldigung�, sagte Lisbeth mit vollkommen ernstem Gesichtsausdruck. �Ich bin mehr der praktische Typ, �ber die Theorie m�ssen Sie wohl mit Ihresgleichen diskutieren.�</p><p>Damit war der Small Talk beim Herrn Professor erledigt, den Auftrag erhielten wir aber trotzdem.</p><empty-line/><p>Ich wollte die Stra�enbahn zu dem Autohof nehmen, auf dem mein Wagen hoffentlich unversehrt auf seine Abholung wartete, hatte aber nicht mit Lisbeths Sorge um mein Wohlbefinden gerechnet.</p><p>�Schlecht siehst du aus, Kind�, sagte sie und ich musste ihr recht geben. �Hast du heute �berhaupt schon etwas gegessen?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Nachdem ich heute Morgen verschlafen hatte, war ich froh gewesen, die Dusche, vierzig Sekunden Haaretrocknen und das Anziehen zu schaffen, bis das Taxi vor der T�r stand. An ein Fr�hst�ck war da �berhaupt nicht zu denken.</p><p>�Komm mit, dann essen wir bei mir eine Kleinigkeit.�</p><p>Ich z�gerte, f�hlte mich aber tats�chlich so matt, dass ich Lisbeths Angebot, das genau genommen ein Befehl gewesen war, annahm. Dann mussten mein Auto und der Herr darin eben noch eine Stunde l�nger auf mich warten.</p><p>Lisbeth erkundigte sich unterwegs, was ich denn gegen die offensichtliche Erk�ltung tat, und h�tte die H�nde �ber dem Kopf zusammengeschlagen, wenn sie nicht das Lenkrad h�tte halten m�ssen, als ich ihr von meiner Speed-Dating-Abendveranstaltung mit Troll, dem anschlie�enden Schock �ber mein abgeschlepptes Auto und meinem schlechten Schlaf wegen eines Albtraums erz�hlte, den ich auf die Nebenwirkungen der Erk�ltung schob.</p><p>�Aber du brauchst Ruhe und Schlaf�, beschied sie mir streng.</p><p>Das wusste niemand besser als ich, also nickte ich ergeben.</p><p>�Heute Abend solltest du kurz vor dem Zubettgehen einen Lindenbl�tentee trinken, einen Halswickel machen und dann sehr fr�h schlafen gehen. Sehr fr�h hei�t nicht nach sieben Uhr.�</p><p>Nichts w�nschte ich mehr als das, aber erst musste ich meinen Kofferraum leer r�umen. Ob mir das rechtzeitig gelingen w�rde, hielt ich selbst unter optimalen Bedingungen f�r sehr zweifelhaft. Und optimal h�tte bedeutet, dass ich schon einen Plan h�tte, wohin mit meinem Problem. Diese Frage war aber nach wie vor vollkommen offen.</p><empty-line/><p>Lisbeth wohnte in einer ruhigen Seitenstra�e in der N�he des Schauspielhauses, f�r das sie am Tag nach ihrem Umzug ein Abonnement gekauft hatte. Das war alles, was ich �ber ihr Privatleben wusste. Auch die Wohnung hatte ich noch nie gesehen, daher war meine �berraschung gro�.</p><p>In der Eifel hatte Lisbeth mit ihrem Mann in einem alten Haus gewohnt, dessen kleine Fenster wenig Licht hineinlie�en. Der Einrichtungsstil war mit �Eiche rustikal� umfassend beschrieben, r�hrender Hirsch inklusive. Hier nun durchflutete die milchige Abendsonne das Wohnzimmer, das mit Laminat ausgelegt, hellgelb in venezianischer Wischtechnik gestrichen und mit wenigen, hellen M�beln modern eingerichtet war. Kein Hirsch weit und breit, stattdessen eine ganze Wand voller B�cherregale und moderne Drucke an den anderen W�nden. Die K�che, in die wir gingen, um die Rinderbr�he zu essen, war ebenfalls hell und freundlich und nat�rlich, das wunderte mich nicht, blitzblank aufger�umt und geputzt. Auch hier hingen Kunstdrucke, darunter die ber�hmte Suppendose von Andy Warhol. Meine Verwunderung musste mir anzusehen gewesen sein, denn Lisbeth t�tschelte mir den Arm und nickte.</p><p>�Kind�, begann sie. Ich hatte sie immer noch nicht darauf hingewiesen, dass diese Anrede f�r die Chefin eigentlich unpassend war, aber gerade in diesen Tagen f�hlte ich mich nicht wie eine Chefin, der man Respekt zollen m�sste. �Ich habe ein neues Leben begonnen. Ein Leben im Lichte der Aufkl�rung.�</p><p>Ich versuchte ein schiefes Grinsen, das sicher nicht sehr �berzeugend geriet.</p><p>Auch sie l�chelte, w�hrend sie in dem Topf mit der selbst gemachten Rinderbr�he r�hrte. Zwar hatte mein Appetit in den letzten Tagen wieder dramatisch nachgelassen, aber das hier roch wirklich k�stlich. �Ich kann mir heute selbst nicht mehr erkl�ren, warum ich all die Jahre bei Hubert geblieben bin. Er hat sein Leben auf der Couch verbracht und sich von mir bedienen lassen. Hat sich f�r nichts interessiert, au�er f�r Fu�ball. Nur selten hat er seine Tr�gheit �berwunden und ist aktiv geworden. Sexuell aktiv. Zum Beispiel mit Helmi von der Fleischerei.�</p><p>Ich starrte Lisbeth an. Der fette Hubert hatte eine Aff�re gehabt? Mit der drallen Metzgerin? Und Lisbeth hatte das gewusst? Ich fiel aus allen Wolken.</p><p>�Dann verstehe ich erst recht nicht, warum du ihn nicht viel fr�her verlassen hast�, stammelte ich.</p><p>�So etwas tat man nicht�, erkl�rte Lisbeth schn�rkellos. Sie f�llte zwei Suppentassen mit Br�he und stellte sie mit einigen Scheiben Vollkornbrot auf den Tisch. Ich sp�rte einen leichten Appetit.</p><p>�Aber er hat dich sogar betrogen�, wandte ich ein.</p><p>�Nur selten�, entgegnete sie. �F�r regelm��ige Aff�ren fehlte ihm das Engagement.�</p><p>Ich sch�ttelte fassungslos den Kopf.</p><p>�Aber du hattest doch durch deine Arbeit immer wieder Kontakt zu Menschen, die anders gelebt haben und dir davon erz�hlt haben�, wandte ich ein. Dass das so war, wusste ich von Oma.</p><p>Lisbeth l�chelte. �Tja, Kind, und du wei�t auch, dass es in S�damerika Naturv�lker gibt, die nackt durch den Urwald laufen und ihre Nahrung mit Pfeil und Bogen jagen und trotzdem lebst du hier im sch�nen Deutschland.�</p><p>Ich nickte verbl�fft. Was hatte dieser Themenwechsel mit Lisbeths neuem Leben zu tun?</p><p>�Warum gehst du nicht dorthin und machst es wie sie?�, fragte sie weiter.</p><p>�Weil das eine andere Welt ist�, sagte ich. �Das ist eine Art� Paralleluniversum.�</p><p>�Genau�, sagte Lisbeth. �Und das dachte ich auch immer, wenn Hannelore mir von ihrem Leben erz�hlte. Von den Theaterbesuchen, ihrem Literaturzirkel, ihrer Freiheit.�</p><p>Ich musste die Frage stellen, die mir im Kopf herumgeisterte, seit Oma mir davon erz�hlte, dass Lisbeth sich von ihrem Mann getrennt hatte.</p><p>�Und du hast Hubert dann wegen einer zerbrochenen Tasse verlassen?�</p><p>Lisbeth lachte. �Die Tasse war nicht die Ursache, sondern der Ausl�ser. Ich erkannte pl�tzlich in den Scherben, die ich vom Boden auflas, mein eigenes Leben. Wie Hubert mir dieses Leben kaputt machte. Die Tasse war nicht neu gewesen und hatte schon einige Spr�nge, aber sie h�tte noch gut und gern zwanzig Jahre in meiner K�che ein sch�nes Leben haben k�nnen. Doch Hubert k�mmerte so etwas nicht. Er lie� sie achtlos fallen. Genauso wie mich. Diese Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Am selben Abend habe ich meine Koffer gepackt und bin zu deiner Oma gezogen.�</p><p>Ohne, dass ich es wollte, musste ich an Greg denken. Warum kam er mir gerade jetzt in den Sinn? Der Gedanke, der sich hinterr�cks in mein Bewusstsein schlich, stellte eine Verbindung zwischen Hubert und Greg her. Aber das war doch vollkommener Quatsch. Greg hatte nie faul auf dem Sofa gesessen und sich von mir bedienen lassen. Im Gegenteil. Niemand durfte seine Whiskyflasche anr�hren. Au�erdem hatten wir eine Gemeinsamkeit gehabt: Unsere Arbeit. Dar�ber hatten wir uns oft unterhalten. Na ja, meist hatte Greg geredet, aber das war ja auch ganz in Ordnung, denn er war der Kreative und daher hatte er die interessanteren Themen. Und ein weiterer grandioser Unterschied zwischen Hubert und Greg war nat�rlich das Aussehen. Greg sah einfach s�� aus. Hubert nicht.</p><p>�Aber warum hast du auch gleich deine Arbeit aufgegeben?�, fragte ich Lisbeth.</p><p>�Da war es doch genau das Gleiche�, sagte Lisbeth. �Durch die h�ufigen Besitzerwechsel hatte immer irgendein gr�ner Junge als Gesch�ftsf�hrer das Sagen. Die hatten doch von Nichts eine Ahnung. Immer hie� es: Lisbeth, Sie sind ein Engel, Sie machen das schon. So kam ich zu immer mehr Aufgaben, immer mehr Verantwortung, aber niemals zu Anerkennung oder vielleicht auch mal einer Gehaltserh�hung� Auch das erkannte ich schlagartig�� zugegeben: mit ein bisschen Unterst�tzung von deiner Oma.�</p><p>Eine Zeit lang war nur das Klappern unserer L�ffel in den Suppentassen zu h�ren. Die Br�he war wirklich k�stlich. Stark, dunkel, belebend. Ich f�hlte, wie ich etwas zu Kr�ften kam. Gleichzeitig war ich stolz darauf, dass diese gestandene Frau mit mir wie mit einer gleichberechtigten Vertrauten sprach. Nicht mehr wie mit der kleinen Enkelin ihrer besten Freundin, sondern von Frau zu Frau. Zwei Frauen, die beide ihr Leben in die Hand genommen hatten. Ich h�tte platzen k�nnen vor Stolz.</p><p>Im n�chsten Moment h�tte ich beinahe laut aufgelacht, als mir die grandiose Selbst�bersch�tzung bewusst wurde. Ich nahm mein Leben selbst in die Hand? Na ja, vielleicht hatte ich das mit dem Sprung in die Selbstst�ndigkeit getan. Aber seit Montagabend hatte mir ein gemeines Schicksal dieses Leben aus den H�nden gerissen und kr�ftig durcheinandergewirbelt. Jetzt hatte ich eine Leiche am Hals und keine Ahnung, wie ich sie wieder loswerden sollte. War wahrscheinlich straff�llig geworden und hatte das Vertrauen meiner Kunden missbraucht.</p><p>Ich zerpfl�ckte das letzte St�ck Vollkornbrot beinahe aggressiv und warf die Kr�mel in die Suppentasse.</p><p>Ich dr�ckte das Brot mit der L�ffelr�ckseite in die Tasse, damit es die letzten Reste der Suppe aufsog.</p><p>Ob ich Lisbeth die ganze Geschichte erz�hlen und sie um Rat fragen sollte? Aber was w�rde sie mir schon sagen? Dass ich zur Polizei gehen sollte. Dass ich das sofort h�tte tun sollen. Dass es v�lliger Schwachsinn war, die Leiche eines Mannes in mein Auto zu laden. Dass sie mit diesen kriminellen Vorg�ngen nichts zu tun haben wolle.</p><p>�Du bist so still, Kind. Geht es dir nicht gut?�, fragte Lisbeth in meine �berlegungen hinein.</p><p>�Nein, alles in Ordnung, danke.� Ich versuchte ein L�cheln. �Ich muss dann jetzt mal los und mein Auto ausl�sen.�</p><empty-line/><p>Doch daraus wurde nichts.</p><p>Noch w�hrend ich bei Lisbeth am K�chentisch sa�, klingelte mein Handy.</p><p>Es war Jens.</p><p>�Jens?�, fragte ich verbl�fft. �Der Jens von gestern Abend?�</p><p>Lisbeths linke Augenbraue hob sich, ein am�siertes L�cheln lag um ihre Mundwinkel. Offenbar vermutete sie eine Art der Beziehung, die ich mit dem Anrufer definitiv nicht hatte.</p><p>�Ich habe im Sender, ganz wie befohlen, von deinem Unternehmen erz�hlt und eine Kollegin ist ganz hei� auf die Geschichte. Ich wollte dich nur vorwarnen, sie meldet sich vermutlich noch heute bei dir.�</p><p>Ich konnte mich kaum bedanken, als der Anklopfton in meinem Handy mir anzeigte, dass ein weiteres Gespr�ch ankam.</p><p>Jens lachte. �Das ist sie vermutlich schon. Ciao.�</p><p>�Klopf, wie Kopf mit l oder wie klopfen ohne en hintendran, aber am besten duzen wir uns, das tun wir alle hier, ich bin die Heidi.�</p><p>Vorstellung, Verbr�derung und Duzangebot�� alles auf einmal im ersten Satz. Im zweiten erl�uterte mir die Heidi den Beitrag, den sie �ber die �Schmutzengel� bringen wollte.</p><p>�Wann wollen Sie, Pardon, du diesen Beitrag denn drehen?�</p><p>�Wir k�nnen so gegen vierzehn Uhr bei dir sein.�</p><p>Ich sah auf die Uhr. Kurz vor eins.</p><p>�Heute? Um zwei? Das ist ja schon in einer Stunde?�, stotterte ich.</p><p>�Wo m�ssen wir denn dann hinkommen?�, fragte die Heidi unger�hrt.</p><p>Keine Frage, ob mir das recht sei. Ob es passe. Oder ob ich vielleicht arbeite? Termine hatte? Nein, wenn das Fernsehen ruft, springen die Leute, das wei� die Heidi genau, deshalb h�lt sie sich mit Absprachen nicht auf, sondern macht Ansagen. Punkt.</p><p>Ich unterdr�ckte das inzwischen bekannte hysterische Kichern, verabschiedete mich von meinem urspr�nglichen Plan, holte tief Luft und f�gte mich in mein Schicksal, denn Troll hatte mir eingetrichtert, dass man Leuten von der Zeitung, dem Radio und dem Fernsehen niemals widerspricht, solange man noch etwas von ihnen will. Die Widerspruchslosigkeit kommt au�erdem meinem Naturell entgegen, denn lieber akzeptiere ich z�hneknirschend einen Befehl, als mich in unerquickliche Diskussionen verwickeln zu lassen. Diesen Wesenszug sollte ich ablegen, hatte Troll gesagt, nur eben nicht gegen�ber den Medien. Ich nannte der Heidi also meine Gesch�ftsadresse, sie best�tigte und ich beendete das Telefonat mit zitternden Fingern.</p><p>Ich erl�uterte Lisbeth die Sachlage, nahm ihre Ermahnungen (�halt dich gerade und sprich nicht so leise�) und ihre Ermunterung (�lass dich ja nicht von den Fernsehfritzen verr�ckt machen�� die kochen auch nur mit Wasser�) entgegen und nahm mir, wieder mal, ein Taxi.</p><p>Den Rest der Zeit vor Heidis Eintreffen verbrachte ich damit, meine Termine f�r den Nachmittag zu verschieben (sieben Minuten), mein B�ro aufzur�umen (zw�lf Minuten) und mich umzuziehen (einunddrei�ig Minuten).</p><p>Dabei waren mir all die Informationen, die ich am Tag vorher w�hrend des Stilseminars erhalten hatte, eher hinderlich als n�tzlich, denn ich sah nun deutlich, dass mir weder Schwarz noch Wei� steht. Das nutzte mir gerade wenig, denn ich hatte keine anderen Jacken als schwarze und keine anderen Blusen als wei�e. An meine unvorteilhafte Figur mochte ich gar nicht denken. Ich war zutiefst verunsichert und sah vermutlich auch so aus. Aber auch mit dieser Katastrophe w�rde ich wohl leben m�ssen.</p><p>Eine gute Nachricht gab es immerhin: Die sehr schicke, sehr enge schwarze Hose, die ich mir in einer optimistischen Anwandlung vor zwei Wochen gekauft hatte, passte mir inzwischen wie angegossen. Die h�ufigen Fu�m�rsche, der vollst�ndige Verzicht auf S��igkeiten und die akute Appetitlosigkeit hatten zu diesem erfreulichen Ergebnis gef�hrt.</p><p>Die Fernsehmeute fiel gegen Viertel nach zwei in mein B�ro ein und versaute innerhalb weniger Sekunden den gesamten Fu�boden mit ihren durchweichten Schuhen, an denen Schneematsch und Split klebte.</p><p>�Die Heidi� stellte mir �den Rolf� vor, das ist der mit der Kamera auf der Schulter, und �die Jule�, die Tontechnikerin. Die Jule fummelte mir ein kleines Mikrofon mit einem schwarzen Windm�tzchen an mein Revers, dessen Kabel unter der Bluse �ber die Schulter und den R�cken verlegt wurde, wodurch meine Haltung sofort jegliche nat�rliche Elastizit�t verlor. Das wurde nicht besser, als sie mir auch noch den �bertragungskasten f�r das drahtlose Mikro unter den Hosenbund schob. Ich stand wie ein Telefonmast inmitten meines B�ros und traute mich kaum, mich zu bewegen.</p><p>�Wir machen ein Take hier, du erz�hlst, wie du auf die Idee gekommen bist, das machen wir ein bisschen wie ein Interview, das ist leichter f�r dich. Und dann gehen wir mal zusammen in eine Wohnung, die du putzt, und filmen dort bei der Arbeit.�</p><p>Mein �Nein� brachte jede Bewegung im Raum zum sofortigen Stillstand. Die Heidi, der Rolf und die Jule starrten mich entsetzt an.</p><p>�Was nein?�, fragte die Heidi.</p><p>�Wir k�nnen nicht in einer Wohnung drehen, das ist mit den Kunden nicht abgesprochen.�</p><p>Die Heidi blickte verwirrt. �Aber du gehst in die Wohnung und putzt, da gehen wir eben einfach mit. Wir sagen ja nicht, wessen Wohnung das ist.�</p><p>�Nein�, wiederholte ich. �Au�erdem putze ich ja gar nicht.�</p><p>�Ja, also dann hat das aber doch alles keinen Sinn�, lie� sich der Rolf vernehmen. �Ich brauche Bilder, Kinder, wir sind beim Fernsehen. Die Leute wollen nicht nur ein kleines B�rozimmerchen sehen�, er warf einen zwischen Langeweile und Verachtung schwankenden Blick in meinem B�ro umher. �Unsere Zuschauer wollen die Wohnungen, Villen und Lofts von Leuten sehen, die reich genug sind, sich einen exquisiten Butler-Dingsbums-Hausputzdienst zu leisten.�</p><p>Er fuhr sich theatralisch mit der freien Hand durch die Haare und seufzte laut.</p><p>Bl�derweise musste ich ihm recht geben. Die Bilder aus meinem kleinen B�ro mit dem Charme der Wartezimmer-Gardinen waren ja auch f�r mich selbst keine tolle Werbung.</p><p>Das Problem war nur, dass die Wohnungen, die wir betreuten, nicht gerade das waren, was der Rolf sich unter den Villen und Lofts vorstellte, in die er selbst gern hineinschauen w�rde. Lauensteins Haus war zwar gro� und irgendwie ausgefallen, aber allein der Gedanke daran trieb mir den Angstschwei� auf die Stirn. Die Wohnung des Professors, der uns heute Vormittag den Auftrag erteilt hatte, w�re sicher interessant, aber einen Neukunden konnte ich unm�glich gleich mit solch einem Ansinnen �berfallen. Aber mir kam eine andere Idee.</p><p>Ich bat das Team, mich einen Augenblick zu entschuldigen, ging in meine K�che und rief Lisbeth an.</p><p>�Lisbeth, das Fernsehteam ist hier. Wir brauchen Bilder von dir bei der Arbeit. In einer schicken Wohnung, die richtig was hermacht.�</p><p>Lisbeth holte tief Luft, vermutlich um mich zu fragen, ob ich noch alle Tassen im Schrank h�tte, doch dann h�rte ich, wie sie den Mund wieder zuklappte. Lisbeth ist ein Schnelldenker. Sie fragte leise: �Irgendeine Wohnung?�</p><p>�Eine Wohnung, die etwas hermacht�, wiederholte ich.</p><p>�Das habe ich begriffen. Aber es muss nicht die Wohnung eines Kunden sein?�</p><p>�Genau�, sagte ich erleichtert.</p><p>�Moment�, murmelte sie. �Ich rufe gleich zur�ck.�</p><p>Lisbeth ist ein Organisationstalent mit der Durchsetzungskraft einer Brandrodung. Und diese Frau, die in den ersten siebenundf�nfzig Jahren ihres Lebens die Eifel nur zweimal verlassen hat, hat in den zwei Monaten, die sie in der Stadt ist, bereits einen Bekanntenkreis aufgebaut, den die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht erlangen. Ein gro�er Teil davon ist nat�rlich Hannelore geschuldet, aber Lisbeths Kontakte reichten inzwischen weit dar�ber hinaus. Ihre Bekanntschaften sind ausschlie�lich weiblich, gebildet und�� interessanterweise�� fast alle recht verm�gend. Es sind geschiedene, verwitwete oder ledige Frauen, die Lisbeth �ber besagte Hannelore sowie im Theater und ihren Literaturzirkeln kennenlernt.</p><p>Es dauerte exakt sechseinhalb Minuten, bis mein Handy klingelte.</p><p>�Zweigeschossige Altbauwohnung in Oberkassel mit Blick auf den Rhein oder Grafenberger Villa mit Park?�, fragte sie.</p><p>�Beide�, antwortete ich und trug mein Handy ins B�ro, um die Zeitplanung mit der Heidi abzusprechen. �Um drei in Oberkassel, um f�nf in Grafenberg.�</p><p>Ich wollte gerade nachfragen, ob sie wirklich zwei Stunden f�r den Dreh in Oberkassel plante, als die Heidi mir mit einem l�ssigen Einwurf zuvorkam.</p><p>�Es w�re sch�n, wenn wir von den Kunden auch ein Statement bek�men, weshalb sie gerade die Schmutzengel engagiert haben.�</p><p>Mir stockte kurz der Atem. �Unsere Kunden arbeiten um diese Tageszeit, deshalb k�mmern wir uns ja um ihre Wohnungen.�</p><p>�Schade. W�r auch f�r dich ein zus�tzlicher Werbegag gewesen, wenn ein Kunde etwas Nettes �ber dich sagt�, entgegnete die Heidi.</p><p>Ich zuckte nur mit den Schultern�� ich musste mich wohl damit abfinden, dass heute niemand etwas Nettes �ber mich sagen w�rde.</p><p>Da ich immer noch nicht im Besitz meines Autos war, durfte ich gn�digerweise im �Tourbus� mitfahren, dem Kleinbus des Kameramanns, der eigentlich schon mit Kameraequipment, Scheinwerfern und gro�en Koffern �berf�llt war, weshalb die Jule ihre Tonaufzeichnungsger�te auf den Scho� nehmen musste. Die Heidi sa� vorn, ich neben der Jule auf der R�ckbank, und der Rolf fuhr, als sei der Wagen das Fluchtfahrzeug eines Bankraubs und die Polizei uns mit Geheul und Blaulicht auf den Fersen. Irgendwie kam ich mir auf einmal so wichtig vor.</p><empty-line/><p>Lisbeth hat einen Hang zum Dramatischen, von dem ich bis dahin nichts geahnt hatte. Sie inszenierte ihren Auftritt b�hnenreif. Auf mein Klingeln, das ich mit der n�tigen Geheimhaltung absolvierte, damit das Filmteam nicht sp�ter den Namen vom Klingelschild abfilmte, dr�ckte sie den T�r�ffner und erwartete uns im Treppenhaus vor der Wohnungst�r. Sie trug wei�e Kleidung, die so blendend wei� strahlte, dass der Rolf sp�ter beim Wei�abgleich seine liebe Not hatte.</p><p>�Die Schuhe bleiben vor der T�r!�, verk�ndete sie in milit�rischem Befehlston.</p><p>�Na, h�ren Sie mal�, begann der Rolf, wurde aber von Lisbeth sofort unterbrochen.</p><p>�Sie k�nnen mir gern zeigen, wo man die Kamera anstellt, dann mache ich das.�</p><p>Dem Rolf stieg die Zornesr�te in die Wangen. �Damit ist es nicht getan�, presste er hervor. �Die Perspektive, das Licht, die Schwenks, das ist KUNST!�</p><p>�Putzen ist auch Kunst und Sie laufen mir nicht mit Ihren dreckigen Schuhen durch die Wohnung�, entgegnete Lisbeth unger�hrt.</p><p>Der Rolf gab klein bei, zog die grobstolligen Trekkingschuhe aus, packte seine gesamte Ausr�stung und schlich auf Socken hinter Lisbeth her.</p><p>�Wem geh�rt diese Wohnung?�, fragte die Heidi.</p><p>�Keine Namen�, entgegnete Lisbeth.</p><p>Lisbeths heimliche Leidenschaft gilt amerikanischen Actionfilmen. Das tut ihrer Liebe zu klassischen Dramen, hoher Literatur und romantischer Musik keinen Abbruch. Im Moment allerding benahm sie sich wie Bruce Willis auf einer Mission: Finstere Miene, wilde Entschlossenheit im Blick�� allerdings zum Gl�ck nicht im feingerippten Unterhemd mit Blutspritzern drauf.</p><p>Ungeachtet der Tatsache, dass ich Lisbeths Auftritt etwas �bertrieben fand, erkannte ich doch mit Erleichterung, dass sie die Situation im Griff hatte.</p><p>Sie dirigierte die Kamera im Wohnzimmer so, dass das echte Gem�lde an der R�ckwand nicht zu sehen war, weil das �in der Kunstszene bekannt ist und zur Identifizierung der Eigent�mer f�hren k�nnte�. Die Heidi und der Rolf waren angemessen beeindruckt und quengelten um die Erlaubnis, es doch aufnehmen zu d�rfen, bissen bei Lisbeth aber auf Granit. Ihr Hinweis, dass die Eigent�merin den Sender im Falle eines Falles bis an den Rand des Universums verklagen w�rde, beendete die Diskussion.</p><p>Im Schlafzimmer stoppte Lisbeth den Dreh kurz, um an der Stelle, an der die Kamera einen kleinen Ausschnitt des begehbaren Kleiderschrankes mit aufnahm, schnell etwas umzur�umen. Sie erlaubte den Blick aus dem Fenster auf den Rhein nur in s�dlicher, nicht aber in n�rdlicher Richtung, weil es auch dort irgendeine M�glichkeit des Wiedererkennens gegeben h�tte, die ich nicht richtig mitbekam. Im Bad, dessen Einrichtung aus einer frei stehenden Steinbadewanne, zwei verschiedenen Duschen, einem kleinen Dampfbad und den sonstigen �blichen Badezimmerm�beln bestand, wurden zwei Extra-Scheinwerfer postiert, deren gummierte Stativf��e Rolf zus�tzlich mit kleinen Handt�chern unterlegen musste.</p><p>Lisbeth h�ngte vor den Augen der Kamera einige geb�gelte Hemden in den begehbaren Kleiderschrank, wienerte ein Paar Schuhe, die sie mit Schuhspannern aus s�damerikanischem Edelholz versah und zu den sch�tzungsweise f�nfzig weiteren Paaren in den klimatisierten Schuhschrank stellte. Sie polierte den Marmor im Bad, putzte eine riesige Fensterscheibe im Wohnzimmer und wischte die K�che in einer Geschwindigkeit, die die Zuschauer an einen Zeitraffer glauben lassen w�rde.</p><p>Sie lie� sich dabei filmen, wie sie allerfeinste R�ucherlachsscheiben so zusammendrehte, dass sie Rosenbl�ten glichen, diese auf Kr�cker setzte und mit Kaviar garnierte. Sie spritzte Meerrettichsahneh�ubchen auf Kr�cker, karamellisierte Cocktailtomaten mit geschmolzenem Rohrzucker in einer gl�hend hei�en Pfanne und richtete sie auf einem Bett aus sechs verschiedenen Blattsalaten an, das sie mit Avocadoschnitzen umlegte. Uns lief das Wasser im Mund zusammen, aber Lisbeth lie� uns nicht probieren. Sie stellte ihre Kreation in eine Art �berdimensionierte K�seglocke und dann in einen der beiden K�hlschr�nke. Den anderen f�llte sie mit Wei�wein, Champagner und Zitrussaft, f�r den sie drei Orangen, zwei Mandarinen, eine rosa Grapefruit und eine Limette frisch auspresste.</p><p>Auf Nachfrage erkl�rte sie, dass es sich nur um die Vorbereitung eines normalen Abendessens handele. Wenn G�ste k�men, sei die K�che nicht so rudiment�r.</p><p>Lisbeth war der Star der Stunde.</p><p>Ich war gl�cklich.</p><p>Bis zu dem Moment, in dem die Heidi sich zu mir umdrehte und sagte: �Jetzt machen wir hier eine kleine Aufnahme von dir, wo du ein bisschen �ber deine Kunden plauderst.�</p><p>Die lebenden oder die toten Kunden?, h�tte ich fast gefragt, so erschrocken war ich �ber ihr Ansinnen. Was sollte ich jetzt sagen, wo ich doch noch nicht einmal wusste, wem diese unglaubliche Wohnung geh�rte?</p><p>��ber Kunden kann ich nichts sagen�, stammelte ich.</p><p>�Sag einfach etwas �ber den Durchschnittskunden�, forderte die Heidi mich auf, w�hrend sie mich an den Schultern fasste und mich probeweise mal hierhin und mal dorthin schob. Erst stand ich vor der Aussicht auf den Rhein, dann sa� ich auf dem Wohnzimmersofa und schlie�lich postierte sie mich in der K�che. Der Rolf blickte durch sein Kameraauge und hatte jedes Mal etwas auszusetzen. Zu guter Letzt landete ich wieder im Wohnzimmer.</p><p>�Unsere Kunden sind m�nnlich, �ber drei�ig Jahre alt und beruflich sehr stark eingespannt�, erkl�rte ich der schimmernden Linse vor mir. �Einige beauftragen uns nur mit dem Hausputz, viele vertrauen uns auch ihre W�schepflege an und andere lassen ihren K�hlraum�� �h, ich meine K�hlschrank auff�llen ��, mir wurde schwindelig, �und kleine Mahlzeiten oder Snacks vorbereiten.�</p><p>Lisbeths Miene wurde weich, sie l�chelte mir zu und nickte. Ich versuchte, ihr L�cheln zur�ckzugeben, und stellte �berrascht fest, dass sogar ein zwanghaftes L�cheln eine gewisse Entspannung bewirkt.</p><p>�Wir gie�en die Blumen auch bei l�ngerer Abwesenheit, erledigen handwerkliche Reparaturen und bieten jede erdenkliche Dienstleistung rund ums Wohnen�, fabulierte ich, befl�gelt von Lisbeths Zuspruch.</p><p>Lisbeth strahlte, der Rolf nahm die Kamera von der Schulter und sagte: �Hab ich. Ist gut�, worauf die Jule mir das Mikrofonkabel aus der Bluse zog und die Heidi zu ihren Schuhen eilte.</p><p>Wir wechselten die �Location�, wie die Heidi dem Rolf aus dem Treppenhaus zurief, als sei diese Tatsache nicht schon l�ngst klar.</p><p>Physikalisch unerkl�rlich war es Lisbeth auch diesmal wieder gelungen, vor uns an Ort und Stelle zu sein, sodass sie uns wieder die T�r �ffnete, als sei sie immer dort, wo wir sie nun trafen: in einem riesigen Anwesen auf einem Parkgrundst�ck in Grafenberg. Allein die Illumination der Au�enanlage war ein Hingucker. Baumgruppen und riesige Einzelexemplare wurden in allen m�glichen Winkeln angestrahlt.</p><p>�Ist das ein Mammutbaum?�, fragte der Rolf verz�ckt, bekam aber keine Antwort. �Wahnsinn!� Er versuchte, das riesige Gew�chs zu filmen, gab es aber aufgrund der Dimensionen des Motivs bald wieder auf, zumal die Heidi dr�ngelte. Ein Blick zur Uhr verriet mir, dass wir bereits eine halbe Stunde hinter dem Zeitplan herhinkten. Nie im Leben h�tte ich gedacht, dass die Aufzeichnung f�r einen zweieinhalbmin�tigen Fernsehbeitrag vier Stunden in Anspruch nehmen k�nnte. Meine Kondition lie� zu w�nschen �brig, ich brauchte dringend meine Erk�ltungsmedizin und einen hei�en Tee. Stattdessen erwartete mich eine weitere Runde Aufnahmen in einem Haus, das ich nicht kannte. Ich unterdr�ckte ein Seufzen und klaubte das letzte Halsbonbon aus meiner Handtasche.</p><p>�Schuhe aus�, murmelte der Rolf mit ungl�cklichem Gesichtsausdruck, als er Lisbeths ansichtig wurde. �Ich wei�.�</p><p>Wir stellten unsere Schuhe auf einem daf�r bestimmten Schuhregal ab und betraten das Haus, das ein Museum f�r altgermanische Kunst h�tte sein k�nnen. Nat�rlich habe ich keinerlei Ahnung von altgermanischer Kunst, aber die Tonsch�sseln, grob behauenen Silberplaketten, Knochennadeln und anderer Kleinkram, der in Vitrinen, auf Borden und in Wandnischen stand und lag, erinnerte mich an die alten Germanen. Vielleicht handelte es sich bei den pr�historischen K�nstlern in Wahrheit um Neandertaler, Angelsachsen oder sogar R�mer, mir war es egal, Hauptsache, dies war eine �geile Location�, wie der Rolf sagte.</p><p>Lisbeth zeigte uns Wohnzimmer, Kaminzimmer, Herrenzimmer, Esszimmer, K�che, Fr�hst�ckszimmer, Hauswirtschaftsraum, Schlafzimmer und Ankleidezimmer. Au�erdem den Fitnessraum, die Sauna, den Swimmingpool, die Bibliothek, das Fernseh- und das Musikzimmer und nat�rlich den Wintergarten. Dann kamen noch drei Badezimmer, davon eins mit Whirlpool, ein Arbeitszimmer und zwei G�stezimmer, jeweils wieder mit eigenem Bad. Hinter jeder T�r bef�rchtete ich eine leblose �berraschung. Ich konnte mich keine Sekunde entspannen.</p><p>Die Blicke, die der Rolf und die Jule mir zuwarfen, wurden immer bewundernder. Die Menschen, die in solch einem �berirdischen Palast auf Hunderten von Quadratmetern Wohnfl�che lebten, waren meine Kunden! Wenn die w�ssten.</p><p>Ich unterdr�ckte das nerv�se Kichern nur unzureichend, aber au�er Lisbeth bemerkte niemand meinen inneren Aufruhr. Und sie schob es hoffentlich auf die Aufregung.</p><p>�Wie sind die Leute, die in so einer H�tte leben, denn so?�, fl�sterte die Jule mir zu.</p><p>�Vollkommen ausgeflippt�, fl�sterte ich zur�ck. �Aber sonst ganz nett.�</p><p>Unter anderen Umst�nden h�tte mir die Situation gefallen k�nnen. Ich �berlegte, ob ich Lisbeth bitten sollte, mir die Bewohnerin dieses Palastes einmal vorzustellen, nahm aber davon Abstand. Ich wollte Lisbeth nicht in meinem Privatleben haben, also hielt ich mich auch aus ihrem heraus.</p><p>Die Auswahl an m�glichen Locations innerhalb der Location war riesig und wurde damit zum Problem. Immer h�ufiger sah ich auf die Uhr. Heidi und Rolf konnten sich nicht darauf einigen, welche Perspektive sie haben wollten, und mir lief langsam die Zeit weg. Ich wollte mein Auto endlich von seinem Zwangsparkplatz abholen.</p><p>Endlich hatten die Heidi und der Rolf sich geeinigt. �Wir machen das Interview hier�, war mein Startsignal.</p><p>Ich wurde schr�g seitlich auf der Lehne einer Bank im Wintergarten platziert und hatte zus�tzlich zu dem Problem mit dem Mikro und dem �bertragungskasten nun auch noch mit dem Gleichgewicht zu k�mpfen. Au�erdem lief mir die Nase, die Augen tr�nten und meine Stimme wurde immer leiser.</p><p>�Wie bist du auf die Idee gekommen?�</p><p>Ich verschwieg die Details meiner K�ndigung und die katastrophalen Ergebnisse der ersten Vorstellungsgespr�che, erz�hlte aber von dem Telefongespr�ch des gestressten Managers mit seiner ausl�ndischen Putzfrau, das mir als Inspiration gedient hatte.</p><p>�Wie hast du Werbung f�r dein Unternehmen gemacht?�</p><p>Ich erw�hnte die Flyer, die Werbeanzeigen und meinen Internetauftritt, verschwieg aber die Sache mit dem Speed-Dating, bevor Trolls Idee Schule machte.</p><p>Die Heidi warf einen hektischen Blick auf die Uhr und beendete die ganze Aktion abrupt: �Ich muss zum Schneiden, vielen Dank allerseits.�</p><p>Sie trieb die Jule und den Rolf zur Eile an und verschwand mitsamt Team und Tourbus. Lisbeth und ich blieben ersch�pft zur�ck.</p><p>�Wem geh�rt dieser Palast denn nun eigentlich?�, fragte ich nun doch.</p><p>�Dem letzten Monat verstorbenen Exmann einer Bekannten�, erkl�rte Lisbeth. �Das Haus wird zum Schlachtfeld eines Erbstreits zwischen drei Exfrauen, sieben ehelichen und vier unehelichen Kindern werden, von den ehemaligen Gesch�ftspartnern, die den Toten auf Schadensersatz verklagt haben und eine postume Enteignung anstreben, gar nicht zu sprechen. Diese Filmaufnahmen im Allerheiligsten der missratenen Verwandtschaft war Gertruds s��e Rache an den raffgierigen Erbschleichern.�</p><p>Ich wurde blass. �M�ssen wir mit einer Klage wegen unbefugten Betretens rechnen?�, fragte ich.</p><p>Lisbeth sch�ttelte den Kopf. �Bis zur Testamentser�ffnung hat sie das Verf�gungsrecht.�</p><p>Sie zog ihre Sch�rze aus. �Es hat mir leidgetan, das Theater mit den Schuhen veranstalten zu m�ssen�, sagte sie. �F�r Gertrud w�re es befriedigender gewesen, wenn die Meute mit ihren Matschsohlen hier durchgetrabt w�re. Aber das h�tte die Glaubw�rdigkeit unserer kleinen Darbietung untergraben.� Sie seufzte. �Man kann nicht alles haben.�</p><p>Ich hatte gar nicht geahnt, welche Abgr�nde sich in Lisbeths Seele hinter der eisernen Selbstbeherrschung auftaten. Wer wei�, welche Leichen sie in ihrem Kofferraum herumfuhr?</p><p>�So, jetzt bringe ich dich nach Hause und dann gehst du sofort ins Bett�, entschied Lisbeth, nachdem sie meine Stirn gef�hlt hatte. �Eben dachte ich noch, dass du vielleicht nur vor Aufregung so gl�hst, aber tats�chlich bef�rchte ich, dass du Fieber hast.�</p><p>�Aber ich muss mein Auto��, begann ich, wurde aber mit einer Handbewegung gleich wieder zum Schweigen gebracht.</p><p>�Mit Fieber ist nicht zu spa�en. Hast du Aspirin? Gut. Ich mache dir einen Wadenwickel, dann sollte das Schlimmste bis morgen fr�h �berstanden sein. Komm, es ist sp�t genug f�r dich.�</p><p>Tats�chlich war es kurz nach acht und ich wollte nichts lieber als nach Hause ins Bett, aber ich musste auch mein Auto wiederbekommen. Ob ich nicht Lisbeth bitten sollte, mich eben dorthin zu fahren? Und dann am besten auch gleich noch die Leiche zu entsorgen? Ach, es w�re so tr�stlich, Lisbeths Unterst�tzung zu haben. Sie wei� immer Rat, hat f�r jedes Problem eine L�sung, sie w�sste bestimmt, was ich in meiner verfahrenen Situation tun sollte. Ich f�hlte mich auf einmal so unendlich rat- und hilflos und sehnte mir eine starke Schulter herbei, an der man nicht nur lehnen, sondern auch sich ausheulen konnte.</p><p>Ich seufzte.</p><p>�Siehst du, wie schlecht es dir geht!�, kommentierte Lisbeth, die den wahren Grund f�r mein Seufzen nat�rlich nicht erraten konnte.</p><p>Ich nickte. Lisbeth brachte mich heim, schmierte mir ein Honigbrot, weil ich etwas Vern�nftiges essen musste, aber auf K�se keinen Appetit und nichts anderes im Haus hatte, kochte eine gro�e Kanne Erk�ltungstee, legte mir einen Halswickel um, entfernte ihn wieder, lie� mich ein Kamillendampfbad machen und steckte mich endlich mit Wadenwickeln ins Bett.</p><p>Ich lauschte auf die zuklappende T�r, wartete noch f�nf Minuten und stand wieder auf. Ich studierte den Stadtplan und die Ausflugskarte mit gr��tm�glicher Aufmerksamkeit und suchte nach geeigneten Depotm�glichkeiten.</p><p>Ich fand keine einzige.</p><p>In meiner Verzweiflung �berlegte ich sogar irgendwann, einfach zu einer M�llumladestation zu fahren und die Leiche, eingewickelt in einen Teppich, in den n�chstbesten Container zu werfen, aber auch das w�rde nicht funktionieren.</p><p>Einer blonden Frau eilen die Besch�ftigten an den Containern dort immer zu Hilfe. Normalerweise finde ich diese Vorzugsbehandlung angenehm, jetzt aber machte sie meinen Plan zunichte. Ich musste eine Stelle finden, an der ich meine Fracht loswerden konnte, ohne dass sie innerhalb der n�chsten Tage entdeckt werden w�rde. Desto weniger w�re hoffentlich feststellbar, woher sie urspr�nglich kam. Und desto weniger Zeugen w�rden sich finden, die sich an ein bestimmtes Auto erinnern konnten, das nachts irgendwie verd�chtig in der Gegend herumgekurvt war.</p><p>Aber alle meine �berlegungen f�hrten zu nichts, au�er zu schrecklichen Albtr�umen, die mich, neben der laufenden Nase, dem langsam zunehmenden Husten und dem Fieber, die halbe Nacht wach hielten.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Auto ausl�sen, drei Akquisetermine, Leiche beseitigen. Meine Tagesplanung war �bersichtlich, den letzten Termin hatte ich vorsichtshalber nicht in meinem Kalender eingetragen. Viele Kriminelle scheitern letztlich an Kleinigkeiten�� obwohl ich von Tag zu Tag nerv�ser wurde, hatte ich die Hoffnung, unbeschadet aus der ganzen Sache herauszukommen, noch nicht ganz aufgegeben. Nach einer schrecklichen, halb durchwachten Nacht war ich gegen sechs Uhr noch mal eingeschlafen, dann aber um halb acht aufgestanden und jetzt angezogen und abmarschbereit. Das Fieber war fast weg.</p><p>Ich wusste, dass ich Erk�ltungstee h�tte trinken sollen, aber ich musste auch irgendwie zu mir kommen, also sch�ttete ich die dritte Tasse Kaffee in mich hinein, als es an der T�r klingelte. Nanu. Wenn �berhaupt in den letzten Wochen jemand an der T�r geklingelt hatte, dann war das der Paketbote. Meist traf er mich gar nicht an, sondern gab die Sendung bei meinem netten Nachbarn Herrn Metzenrath ab, der mir damals die Wohnung gezeigt hatte.</p><p>Der Paketbote kommt �blicherweise am sp�ten Vormittag. Jetzt war es gerade halb neun.</p><p>Ich �ffnete die T�r.</p><p>�Das riecht ja schon lecker nach Kaffee hier�, rief meine Mutter und dr�ckte die T�r ganz auf. �Du hast doch hoffentlich daran gedacht, dass dein Vater nur koffeinfreien trinkt?�</p><p>Ich war viel zu verbl�fft, um die Haust�r zu verteidigen. Was wollten meine Eltern hier? Waren wir verabredet? Nicht, dass ich w�sste. Ich folgte meinen Eltern hinein.</p><p>�Na ja, die Gegend ist ja nicht so sch�n�, sagte meine Mutter noch im Flur. �Und ein bisschen dunkel, die Wohnung, oder?�</p><p>Es war noch fr�h an einem Wintermorgen mit tief h�ngender Wolkendecke, daher w�rde selbst eine Wohnung mit Rundum-Vollverglasung unter diesen Bedingungen ein bisschen dunkel wirken, aber ich sagte nichts.</p><p>�Die Wohnung, die du mit diesem Amerikaner hattest, war gro�z�giger.�</p><p>Meine Mutter hatte Greg nie ins Herz geschlossen, aber immerhin hatte sie seine Finanzkraft zu sch�tzen gewusst. Mein Vater betrat hinter meiner Mutter die Wohnung, k�sste mich auf die Wange, dr�ckte mich einmal kurz an sich und zuckte mit den Schultern, als wollte er sich f�r etwas entschuldigen. Das ist eine Angewohnheit, die mein Vater seit ungef�hr zwanzig Jahren hat. Und seit zwanzig Jahren wei� ich nicht, wof�r er sich wohl entschuldigen will. Ich habe ihn aber auch nie gefragt. Mein Vater spricht nicht viel. Das �bernimmt meine Mutter. So wie jetzt wieder.</p><p>�Du hast unsere Nachricht doch bekommen, oder?�</p><p>�Nachricht?�, gab ich verwirrt zur�ck.</p><p>�Wir haben gestern auf deinen Anrufbeantworter gesprochen. Ich mag diese Dinger nicht, zu meiner Zeit sprach man am Telefon noch pers�nlich miteinander, aber du bist ja sonst nicht zu erreichen. Ich verstehe nicht, warum du mir nicht wenigstens die Nummer von deinem Mobiltelefon gibst. Schlie�lich bin ich deine Mutter.�</p><p>Langsam begann ich zu begreifen. Auf dem Anrufbeantworter, den ich gestern Abend abgeh�rt hatte, waren die letzten drei Worte einer Nachricht, die offenbar vor dem Piepton gesprochen worden war. Die Worte lauteten: �Also, bis dann.� Ich hatte geglaubt, die Stimme meiner Mutter zu erkennen, war mir aber nicht sicher gewesen und hatte mir vorgenommen, sie in den n�chsten Tagen zur�ckzurufen. Das hatte sich nun wohl erledigt.</p><p>�Deine Nachricht war unverst�ndlich�, sagte ich, w�hrend meine Mutter die K�che inspizierte und mein Vater verloren in der Diele herumstand.</p><p>�Ach, dass diese Ger�te aber auch immer so unzuverl�ssig sind�, erwiderte Mutter. �Ich wei� schon, warum ich eine Abneigung dagegen habe.�</p><p>Ich unterlie� es, sie darauf hinzuweisen, dass das Ger�t sehr wohl in Ordnung sei. Nat�rlich h�tte Mutter meine gesch�ftliche Mobilnummer, auf die sie offenbar so gro�en Wert legte, auf meiner Internetseite finden k�nnen, aber ich wusste, dass sie sich die M�he, dort nachzusehen, nie machen w�rde.</p><p>�Hier sieht es ein bisschen, na ja, zusammengew�rfelt aus�, ert�nte die Stimme meiner Mutter aus der K�che.</p><p>�Es ist zusammengew�rfelt, Mama.�</p><p>�Aber warum hast du dir nicht eine von diesen schicken K�chenzeilen gekauft? Es gibt doch so sch�ne Angebote.�</p><p>�Ich brauchte mein Kapital f�r die Unternehmensgr�ndung.�</p><p>�Ein paar Schrubber und Putzmittel werden ja wohl nicht die Welt gekostet haben.�</p><p>Ich nahm ein weiteres Aspirin aus der Schachtel und schluckte es mit etwas Wasser herunter.</p><p>�Du h�ttest uns ja nun schon lange mal einladen k�nnen, von dir aus, meine ich, immerhin wohnst du schon ein paar Wochen hier.�</p><p>Meine Eltern h�tten mir ja auch Hilfe beim Umzug anbieten k�nnen, aber das sagte ich besser nicht.</p><p>�Wir wollen nicht st�ren, Kind, sag ruhig, wenn du keine Zeit hast�, sagte mein Vater, der immer noch in der Diele stand. Irgendwie wirkte er fehl am Platz. Wie meistens�� au�er in seinem Lesesessel, mit dessen Lederbezug er inzwischen vermutlich schon einige DNS-Bausteine ausgetauscht hatte.</p><p>�Also, es ist wirklich so, dass ich dringend weg muss��, begann ich.</p><p>�Putzen?�, fragte Mutter mit schrillem Unterton.</p><p>Als ich ihr von meiner Selbstst�ndigkeit am Telefon erz�hlt hatte, war sie entsetzt gewesen, dass ich nun putzen ging, und hatte seitdem nie wieder mit mir und vermutlich auch mit keinem anderen Menschen dar�ber gesprochen.</p><p>�Nein, ich muss mein Auto abholen.�</p><p>�Oh�, sagte mein Vater mit erwachendem Interesse. �Ist es in der Werkstatt?� Technik ist das einzige Thema, auf das er anspricht, denn davon versteht er etwas. Er ist Ingenieur und t�ftelt gern.</p><p>�Das hab ich dir doch gleich gesagt, als du dir einen alten Gebrauchtwagen gekauft hast�, sagte Mutter. Sie hat meinen Wagen, der drei Jahre alt und tipptopp in Ordnung ist, noch nie gesehen.</p><p>�Er ist abgeschleppt worden, weil ich das Halteverbotsschild auf der nassen Fahrbahn nicht erkennen konnte�, sagte ich zu meinem Vater. Ich wusste, er w�rde Verst�ndnis f�r meine Nachl�ssigkeit aufbringen.</p><p>Er l�chelte.</p><p>�Tja, wenn man den Kopf nicht da hat, wo die H�nde sind�, sagte Mutter.</p><p>�Sollen wir dich hinfahren?�, fragte Vater.</p><p>�Erst zeigt Corinna uns mal die ganze Wohnung, nicht wahr? Jetzt, wo wir schon einmal da sind.�</p><p>Ich rang mit mir. Einerseits war die Fahrt mit �ffentlichen Verkehrsmitteln zu dem Abstellplatz in der N�he des Flughafens extrem umst�ndlich, andererseits war ich mir nicht sicher, ob ich eine Minute l�nger als unbedingt n�tig mit meiner Mutter verbringen wollte. Streit war bei uns einfach vorprogrammiert. Ich war als Nachz�gler geboren worden zu einem Zeitpunkt, als meine Mutter ihre Familienplanung eigentlich als abgeschlossen betrachtet hatte. Meine Geburt stellte sie vor das Problem, dass sie mit der R�ckkehr in ihren geliebten Beruf nun weitere drei Jahre warten musste. Die einzige Person, die ihr bei der Kinderbetreuung helfen konnte, war die Schwiegermutter mit dem Bauernhof, die so gar nicht zu der gesellschaftlichen Schicht geh�rte, zu der meine Mutter sich zugeh�rig f�hlte und in der sie sich beruflich bewegte. Unsere Beziehung war also von Anfang an belastet gewesen und �ber die Jahre nie wirklich spannungsfrei geworden.</p><p>Meine Mutter �ffnete gerade die T�r zum Schlafzimmer.</p><p>�Ziemlich klein�, sagte sie. �Aber ausreichend f�r eine alleinstehende Frau��</p><p>Der Ton machte deutlich genug, was sie von alleinstehenden Frauen in meinem Alter hielt.</p><p>Mein Vater schaute mich an und zuckte wieder mit den Schultern. Dann warf auch er einen Blick in mein Schlafzimmer. �Gem�tlich.�</p><p>Ich schenkte ihm ein L�cheln.</p><p>�In deinem Alter�, begann Mutter, und ich wusste, was jetzt kam, �war ich schon verheiratet und Mutter. Na, ein paar Jahre hast du ja noch Zeit. Und besser sp�ter als zu fr�h.�</p><p>Vater sch�ttelte resigniert den Kopf.</p><p>Dass meine Oma nur sechzehn Jahre �lter war als mein Vater, fand meine Mutter skandal�s. Als Kind hatte ich schon die gezischten Worte vom sittenlosem, Landleben und von Bauernl�mmeln im Heu aufgeschnappt, als ich noch nichts damit anzufangen wusste. Aber ich ahnte, dass Oma etwas falsch gemacht haben sollte. Im Gegensatz zu meiner Mutter redete Oma offen mit mir �ber diese Dinge, und aus ihrer Sicht klang die Geschichte ganz anders. Meine Mutter wirkte dagegen spie�ig und voll Neid. Einmal wagte ich sogar die Frage, ob meine Mutter mit Mitte zwanzig wirklich immer noch freiwillig Jungfrau war oder einfach noch keinen Interessenten gefunden hatte. Daf�r fing ich mir die einzige Ohrfeige meiner Pubert�t.</p><p>Nun waren meine Mutter und meine Oma nur siebzehn Jahre auseinander und sahen sich verh�ltnism��ig �hnlich. Sie waren fast gleich gro�, beide stark gebaut, wie man bei uns auf dem Land sagte, und beide trugen ihr Haar immer schon kurz. Omas Kurzhaarfrisur wirkte allerdings sportlich-flott, Mutters hingegen altbacken.</p><p>Oma hatte einen guten Geschmack in Sachen Kleidung, den sie jetzt, da sie den Bauernhof nicht mehr hatte, endlich ausleben konnte. Sie trug gern Jeans zu Leinenblusen oder modischen Pullovern, w�hrend meine Mutter in grauen Faltenr�cken und Twinsets wie eine Erzieherin aus einem Film der F�nfzigerjahre des vorigen Jahrhunderts wirkte.</p><p>Die beiden wurden h�ufig f�r Schwestern gehalten, was meiner Mutter nat�rlich missfiel, zumal Oma mit ihrer frischen Gesichtsfarbe und ihrem offenen Wesen oft sogar als die j�ngere der beiden durchging. Das Verh�ltnis der beiden war also durchaus angespannt, und im Zweifelsfall hielt ich immer zu Oma, denn eins war klar: Ich verg�tterte meine Oma und meine Oma verg�tterte mich.</p><p>�Dein Bruder l�sst gr��en�, sagte Mutter �bergangslos. �Er findet auch, du solltest dir wieder eine richtige Arbeit suchen. Das ist doch sicherer als die Selbstst�ndigkeit.�</p><p>Mein Bruder Hans, der geplante und willentlich empfangene Stammhalter, ist Beamter im Kreisforstamt und kennt sich daher in der freien Wirtschaft nat�rlich hervorragend aus. Eigentlich ist er aber ein netter, wenn auch recht antriebsarmer Kerl. Ordnungsgem�� verheiratet mit einer ebenfalls beamteten Sachbearbeiterin der Kreisverwaltung, ungewollt kinderlos.</p><p>�Dort ist das Bad�, ich zeigte auf die T�r, dr�ngte meine Eltern aber schon in Richtung B�ro, �und hier arbeite ich.�</p><p>Mein Vater schaute sich mit anerkennendem Blick um. Er hatte zuletzt f�r eine kleine Spezialger�te-Firma gearbeitet, deren B�ros drei�ig Jahre nicht renoviert worden waren.</p><p>�Hell, modern, alle Achtung�, sagte er.</p><p>�Hier zieht es aber gewaltig�, sagte meine Mutter.</p><p>�Also, es w�re wirklich toll, wenn ihr mich zu meinem Auto bringen k�nntet�, sagte ich entschlossen und zog Jacke und Schuhe an. �Ich bin dann so weit.�</p><empty-line/><p>Meine Mutter bestand darauf, bei der Auto�bergabe dabei zu sein. �Man wei� nie, was auf so einem Gel�nde alles passieren kann�, sagte sie. �Immerhin ist das ja hier nicht die beste Gegend.�</p><p>Sie hat viele Jahre als pers�nliche Assistentin eines Gro�grundbesitzers auf seinem schloss�hnlichen Anwesen gearbeitet und f�hlt sich daher dem gemeinen Volk deutlich �berlegen.</p><p>�Das ist nicht n�tig, Mama, ich kann mein Auto allein abholen. Danke f�rs Herbringen. Tsch�ss, Papa.�</p><p>�Mach�s gut, mein Engel.�</p><p>Seit Ewigkeiten hatte mein Vater mich nicht mehr so genannt. Seit ich es ihm verboten hatte, genau gesagt. Damals war ich acht oder neun Jahre alt und Karneval stand vor der T�r. Ich wollte kein Engel, sondern ein Teufel sein. Nat�rlich durfte ich es nicht, zumindest nicht bei meiner Mutter. So kam ich zu zwei Kost�men: einem Engelskost�m, mit dem meine Mutter mich in die Schule schickte, und einem Teufelskost�m, das meine Oma mir heimlich gen�ht hatte und das ich auf dem Schulklo anzog.</p><p>�Mach ich, Paps.� Wir warfen uns im R�ckspiegel einen verschw�rerischen Blick zu. Ganz kurz flackerte das Gef�hl auf, dass alles gut werden w�rde.</p><p>Ich stie� die T�r auf.</p><p>�Ich komme besser mit�, wiederholte Mutter, befahl meinem Vater, den Motor abzustellen und vor dem Gel�nde auf uns zu warten. Ich st�rmte die Stufen hoch in der Hoffnung, meine immer etwas kurzatmige Mutter abzuh�ngen, aber die T�r war verschlossen und bis ich eingelassen wurde, hatte meine Mutter mich eingeholt.</p><p>�Hallo, ich bin Corinna Leyendecker und m�chte mein Auto abholen.� Ich legte Kfz-Schein und Personalausweis auf die Theke.</p><p>Die Dame hinter der Theke nahm die Dokumente, tippte auf ihrer Computertastatur herum, druckte Belege aus und kassierte eine f�r meine Begriffe unversch�mte Geb�hr.</p><p>�Ist der Parkplatz wenigstens bewacht?�, fragte meine Mutter.</p><p>�Sicher besser als der, wo der Wagen unrechtm��ig geparkt war�, gab die Frau am Schalter zur�ck.</p><p>Offenbar konnte sie den inquisitorischen Ton meiner Mutter genauso wenig ertragen wie ich. Ich grinste.</p><p>�Ihre patzige Art wird Ihnen nicht helfen, wenn an dem Wagen auch nur ein winziger Kratzer ist, der vorher nicht dran war.�</p><p>�Mama, nun reg dich ab. Es ist sicher alles in Ordnung.� Ich zuckte mit den Schultern und l�chelte entschuldigend�� vermutlich genauso, wie mein Vater es immer tat.</p><p>�Der Wagen steht da dr�ben. Sie gehen hier herum und fahren durch diese Schranke raus. Ich sehe Sie von hier aus und �ffne den Schlagbaum. Sie brauchen nicht dr�cken und es gibt auch keine M�nze oder so was.�</p><p>Ich nickte der netten Dame noch mal verschw�rerisch zu und ging zu meinem Auto. Meine Mutter folgte mir mit energischem Schritt. Ich meinte, meinen Herzschlag bis in die Wimpern zu sp�ren. Ich ging einmal um mein Auto herum und sog pr�fend die Luft durch die Nase ein. Ich roch nichts. Das musste allerdings nichts hei�en, denn wegen der Erk�ltung h�tte ich vermutlich noch nicht einmal einen in Brand geratenen Stapel Altreifen riechen k�nnen.</p><p>Meine Mutter machte einen Inspektionsgang um mein Auto.</p><p>�Ganz h�bsch�, sagte sie. �Allerdings ziemlich klein.�</p><p>Mein Auto ist ein Kleinwagen, aber keine Mikroklasse. Blaumetallic. Ich hatte dar�ber nachgedacht, Firmenwerbung auf die T�ren drucken zu lassen, dieses Ansinnen aber aus Kostengr�nden auf sp�ter verschoben. Jetzt war ich froh dar�ber, denn mit dicken, fetten Lettern auf dem Auto f�llt man beim Leichenverscharren zweifellos noch mehr auf.</p><p>�Hier ist ein Kratzer, war der vorher schon?�</p><p>Keine Ahnung, wollte ich schon sagen, aber das h�tte sie vermutlich dazu animiert, die nette Dame von der Anmeldung, einen Versicherungsvertreter, einen Gutachter und die Polizei zu meinem Auto zu beordern. Das wollte ich eindeutig vermeiden, also nickte ich entschlossen. �Ja, der war schon. Dieser hier auch und alle anderen auch.�</p><p>�Sei nicht pampig, das steht dir nicht�, sagte meine Mutter und hielt die Hand auf.</p><p>�Was?�</p><p>�Den Schl�ssel.�</p><p>Ich schloss die Faust so fest es ging um den Autoschl�ssel. �Danke f�r deine Hilfe, aber jetzt solltest du Papa nicht l�nger warten lassen.�</p><p>�Hattest du etwas im Handschuhfach?�, fragte meine Mutter streng.</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann solltest du es offen stehen lassen. Bei der Kriminalit�tsrate in der Stadt�� Sie wandte sich dem Kofferraum zu. �Warndreieck, Ersatzreifen, Verbandskasten? Du solltest �berpr�fen, ob noch alles da ist.�</p><p>�Mach ich, Mama. Danke.�</p><p>Sie hatte die Heckklappe schon erreicht. �Nun mach auf. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, kann ich es gleich bezeugen.�</p><p>�Es ist alles in Ordnung, Mama. Ich komme allein klar.�</p><p>�Schau nach, dann bist du sicher�, sagte meine Mutter. Sie wich keinen Millimeter zur Seite.</p><p>�Nein.�</p><p>Wir standen uns an der Heckklappe gegen�ber, jede eine Hand auf dem kalten Lack, und starrten uns an. Sie verbl�fft, weil ich ihr so entschieden widersprach, ich nerv�s, weil mir beim besten Willen keine Ausrede einfallen wollte, warum ich den Kofferraumdeckel nicht �ffnen wollte.</p><p>Das Schicksal kam mir zu Hilfe.</p><p>�Ist irgendwas nicht in Ordnung mit Ihrem Wagen?�, rief die Verwalterin der abgeschleppten Vehikel aus dem Fenster. War ja klar, dass sie unseren seltsamen Tanz um das Auto beobachtet hatte.</p><p>�Alles prima�, rief ich zur�ck. �Danke.�</p><p>�Wenn Sie jetzt rausfahren wollen, mache ich die Schranke auf. Sonst m�ssen Sie ein paar Minuten warten.�</p><p>Aha, die Dame musste wohl mal f�r kleine M�dchen. Selten habe ich mich �ber die begrenzte Kapazit�t weiblicher Blasen so gefreut.</p><p>�Ich muss weg. Danke noch mal f�rs Herfahren. Ich melde mich sp�ter�, sagte ich schnell, dr�ngte meine Mutter ab, schloss die Fahrert�r manuell auf, ohne die Zentralverriegelung der Heckklappe zu �ffnen, und stieg in mein Auto. Ich winkte ihr durch die geschlossene T�r zu, fuhr durch die bereits offene Schranke, hielt kurz neben meinem Vater, dem ich eine Kusshand zuwarf, und raste davon. Ein paar Meter weiter setzte mein Verstand wieder ein und ich trat auf die Bremse, um mich auf die vorgeschriebene H�chstgeschwindigkeit runterzuregeln. Was ich jetzt gar nicht brauchen konnte, war ein �bereifriger Polizist, der mich wegen Geschwindigkeits�bertretung anhielt.</p><empty-line/><p>Es war kaum halb zehn und ich war mit den Nerven bereits am Ende, als das Handy klingelte.</p><p>�Ich brauche einen Elektriker�, sagte Lisbeth am Telefon.</p><p>�Da muss ich mal versuchen��, begann ich, wurde aber unterbrochen.</p><p>�Jetzt, Liebes�, pr�zisierte sie. Wenn Lisbeth mich mit �Liebes� anredet, steht es schlimm.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich.</p><p>�Weber.�</p><p>Mir reichte dieses eine Wort. Hartmut Weber war Controller in einem gro�en Unternehmen und bewohnte ein m�rchenhaft sch�nes Fachwerkhaus, das nur einen Nachteil hatte: Es war vom Vorbesitzer in jahrelanger Arbeit eigenh�ndig restauriert und dabei leider auch von ihm selbst elektrisch verkabelt worden, was dieser Herrn Weber beim Kauf vor zwei Jahren wohlweislich verschwiegen hatte. Herr Weber wiederum war ein absoluter Fan neuester Haustechnik. Alles in seinem alten Fachwerkhaus wurde elektrisch gesteuert. Eine Klimaautomatik ermittelte anhand von Au�entemperaturf�hler und Raumluftanalyse die richtige W�rme- und L�ftungsstrategie. War die Innenraumluft verbraucht, aber nicht deutlich w�rmer als die Au�enluft, wurde die Frischluftzufuhr �ber die automatische �ffnung zweier Fenster geregelt. War es drau�en zu kalt, blieben die Fenster zu und die Frischluft wurde �ber einen Au�enstutzen angesaugt, am W�rmetauscher vorbeigef�hrt und dann in die Innenr�ume geblasen. Die Heizung inklusive des solarkollektorunterst�tzten Warmwasserpufferspeichers funktionierte auf �hnliche Weise, das Garagentor hatte nicht einmal einen Not�ffnungsgriff und die Alarmanlage umfasste neben den �blichen Fensterkontakten auch Bewegungsmelder und W�rmesensoren und versagte bei Problemen mit der Stromversorgung vollst�ndig den Dienst.</p><p>Der K�hlschrank hatte eine Internetverbindung, die es ihm erlaubte, Rezepte aus dem Netz herunterzuladen, die sich mit dem Inhalt des K�hlschranks herstellen lie�en, au�erdem erstellte er automatisch eine Einkaufsliste, wenn die Best�nde in seinem Inneren zur Neige gingen oder das Verfallsdatum �berschritten wurde. Alle Uhren im Haus waren miteinander gekoppelt und mit Weckfunktionen ausgestattet, damit Herr Weber jederzeit einen der elektronisch erzeugten Gongschl�ge h�ren konnte, die ihn auf Termine aufmerksam machten. Kam ein Telefonanruf an, wurde das Gespr�ch automatisch auf den Apparat gelegt, der Herrn Weber am n�chsten war. Wo der Hausherr sich befand, kontrollierte ein Bewegungsmelder rund um die Uhr. Auf diese Weise wurden auch die jeweils benutzten Vorder- oder Hintert�ren automatisch beleuchtet und�� nach einem Iris-Scan�� selbstt�tig ge�ffnet. Kurzum: Wenn in diesem Haus ein Problem mit der Elektrik auftrat, musste sofort gehandelt werden.</p><p>Das war die erste Schwierigkeit. Und sie passte mir jetzt wirklich �berhaupt nicht in den Kram, denn ich hatte vorgehabt, so lange mit meinem Problem in der Gegend herumzufahren, bis ich eine L�sung gefunden hatte. Und die musste her�� sofort. Eine Entdeckung war nur noch eine Frage der Zeit. Die Temperaturen stiegen. Noch lagen sie unter Null, aber schon f�r das Ende dieser Woche war ein erstes Nachlassen der polaren Str�mung angek�ndigt. Die Leiche musste weg.</p><p>Die zweite Schwierigkeit mit Herrn Webers Haus war, dass bisher noch jeder normale Elektriker an dieser Haustechnik gescheitert war. Und die dritte: Herr Weber hatte heute Abend eine Party, f�r die Lisbeth gerade mit zwei Aushilfen aus ihrem Hauswirtschaftskurs in den Vorbereitungen steckte. Wenn der Ofen, dessen Betriebsanleitung einem Mittelalterroman im Umfang in nichts nachstand, nicht innerhalb der n�chsten Stunde wieder in Betrieb genommen w�rde, w�re der Braten dahin und die Versorgung der Partyg�ste nicht mehr gew�hrleistet.</p><p>Ich hatte schon bei Abschluss des Vertrags mit Herrn Weber bef�rchtet, dass es eines Tages so weit kommen w�rde. Wir hatten uns ganz auf die Putzdienste konzentriert und dabei vergessen, dass Kunden wie Herr Weber einen Passus in ihren Vertr�gen hatten, der uns nicht nur berechtigte sondern auch verpflichtete, bei auftretenden Problemen sofort einen Handwerker mit der L�sung zu beauftragen. Und zwar ohne R�cksprache mit dem Kunden. Man h�tte auch sagen k�nnen, ohne den Kunden mit einer R�ckfrage zu bel�stigen. In solchen F�llen spielte Geld keine Rolle. Das einzig Wichtige und Richtige war das reibungslose Funktionieren des Haushalts.</p><p>Um diesen Handwerker h�tte ich mich schon lang k�mmern m�ssen, es aber aus Zeitmangel und anderweitigen Problemen bisher vers�umt. Ich musste mir schnell etwas einfallen lassen und sagte Lisbeth, dass ich sie gleich zur�ckrufen w�rde.</p><p>Aus Verzweiflung und in Ermangelung besserer Ideen ging ich das Adressverzeichnis meines Handys durch. Kunden, �rzte, Lisbeths Nummer, die Nummer meiner Oma, Gregs Nummer, die ich seit Monaten w�hlen wollte, mich aber nicht traute, und der Hausmeister.</p><p>Hausmeister? Wer verbarg sich denn hinter diesem Eintrag? Ich �berlegte einen Moment, dann d�mmerte es mir. Das musste mein Nachbar sein, der mir damals die Wohnung gezeigt hatte. Er erledigte auch Reparaturen am Haus, letzten Monat hatte er die Gegensprechanlage ausgetauscht. Ob der nicht�?</p><p>Als ich endlich bei meinem Haus ankam, war ich unter meiner Steppjacke nass geschwitzt.</p><p>Ich klingelte direkt an der T�r meines Nachbarn.</p><p>�Guten Tag, Frau Leyendecker�, sagte Herr Metzenrath.</p><p>�Ich habe ein Problem�, sagte ich nach einem kurzen Hallo. �Sie kennen nicht zuf�llig einen guten Elektriker?�</p><p>�Nat�rlich�, entgegnete er leicht entr�stet. �Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?�</p><p>Ich war verwirrt. Was meinte das Pantoffeltierchen damit?</p><p>Anscheinend hatte Herr Metzenrath meine Irritation bemerkt und setzte nach: �Habe ich Ihnen nicht gesagt, dass ich hier als Hausmeister fungiere?�</p><p>Ach so, das meinte er. Eilig erkl�rte ich: �Nein, nicht <emphasis>ich </emphasis>habe ein Problem in meiner Wohnung. Ich habe ein kleines Unternehmen, das Dienstleistungen im Haushalt anbietet, und brauche f�r einen meiner Kunden einen Elektriker. Einen richtigen, wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Aber ich <emphasis>bin </emphasis>Elektriker�, erkl�rte mein Nachbar mit durchgedr�cktem R�cken. �Meister!�</p><p>�Wirklich?�, fragte ich nach.</p><p>Er nickte w�rdevoll.</p><p>Vermutlich stammte sein Meisterbrief aus einer Zeit, in der noch S�tterlin geschrieben wurde.</p><p>�Was haben Sie denn f�r ein Problem?�, fragte mich Meister Metzenrath und l�chelte mit schr�g gelegtem Kopf.</p><p>Ich umriss es in knappen, nat�rlich laienhaften Worten.</p><p>Seine Augen strahlten. �Ich habe drei�ig Jahre in Eindhoven gearbeitet. Bei Philips, Sie wissen schon.�</p><p>Ich wusste leider nicht, und das sah man mir wohl auch an.</p><p>�Wir haben schon in den Siebzigern das Haus der Zukunft entwickelt. Intelligentes Home-Management, vernetzte Hausger�te und solche Sachen.�</p><p>Haus der Zukunft? Siebzigerjahre? Der Tonfall meines Nachbarn wurde jetzt dr�ngender.</p><p>�Einige der Steuerungen, die dieser Kunde in seinem Haus hat, habe ich vermutlich selbst mit entwickelt.� Er strahlte, als habe er mir gerade die Lottozahlen vorhergesagt. �Na ja�, lenkte er ein, �nat�rlich gab es immer einen leitenden Ingenieur im Team, aber wenn man eine Idee wirklich in die Tat umsetzen will��</p><p>Ich hatte jetzt wirklich keine Zeit, mir die Organisationsdiagramme niederl�ndischer Entwicklungsteams erl�utern zu lassen, freute mich aber wie eine Schneek�nigin, einem fr�heren Mitglied derselben gegen�berzustehen, und fragte hastig: �Haben Sie ein Auto?�</p><p>�Oh. Nein.� Herr Metzenrath lie� die Schultern h�ngen.</p><p>�Aber Werkzeug haben Sie da?�</p><p>Er nickte, wieder etwas hoffnungsvoller.</p><p>Ich �berlegte. Am Auto musste es nicht scheitern, ich konnte ihn schnell zu Lisbeth fahren.</p><p>�Suchen Sie ihr Werkzeug zusammen, ich bin gleich wieder da.�</p><p>Ich spurtete in meine Wohnung, zog meine Jeans aus und Businessklamotten an, da ich gleich weiter musste zu einem Akquisetermin, und trat wieder auf den B�rgersteig. Drei gro�e Werkzeugkoffer standen vor meinem Auto.</p><p>�Machen Sie doch bitte den Kofferraum auf, dann kann ich schon mal einladen.�</p><p>Ich blickte sprachlos zwischen meinem Nachbarn und seinen Werkzeugkisten hin und her.</p><p>�Geben Sie mir den Schl�ssel.�</p><p>Er versuchte, mir den Autoschl�ssel aus der Hand zu nehmen, aber ich krampfte die Finger darum, als ginge es um Leben und Tod. Was ja gewisserma�en auch den Tatsachen entsprach.</p><p>�Das k�nnen Sie doch auf die R�ckbank stellen�, sagte ich.</p><p>�Besser nicht, die Kisten sind untendrunter schmutzig und rau. Sie k�nnten die Polster besch�digen.�</p><p>�Haben Sie keine Decke, die Sie drunterlegen k�nnen?�</p><p>�Nein. Warum auch? Wir stellen sie in den Kofferraum. Da sind sie auch leichter hinein- und herauszuheben.�</p><p>Er hatte immer noch die Hand nach dem Autoschl�ssel ausgestreckt.</p><p>�Der Kofferraum ist voll.�</p><p>�Oh, haben Sie Getr�nkekisten drin? Die kann ich Ihnen ja schnell in die Wohnung bringen.�</p><p>Ich starrte ihn wie ein hypnotisiertes Karnickel an, machte den Mund auf, aber mir fiel nichts mehr ein.</p><p>��h, nein�, brachte ich nur raus.</p><p>Ich schloss f�r einen Moment die Augen, �ffnete sie wieder und griff nach dem Handy.</p><p>�Ich rufe Ihnen besser ein Taxi.�</p><empty-line/><p>Wie Lisbeth mir sp�ter in ihrer unvergleichlichen Art berichtete, beugte sich Herr Metzenrath nach seiner Ankunft in Herrn Webers �Haus der Zukunft� �ber den eineinhalb Quadratmeter gro�en Schaltplan, der die Verkabelung der futuristischen Wohnst�tte darstellte, und studierte diesen ungef�hr vier Minuten lang v�llig reglos. Dann lie� er sich von Lisbeth den Hauptverteilerkasten zeigen, fragte, welche Funktion sie heute nicht br�uchte, denn offenbar sei die Hauptleitung schlicht und einfach von der Menge der Stromverbraucher �berlastet, und klemmte die automatische Feuchtemessung der Blumenbeete ab, die angesichts der Schneef�lle der vergangenen Tage sowieso �berfl�ssig war. Bei der K�hlschrank�berwachung verl�ngerte er die �bertragungsintervalle zur elektronischen Einkaufsliste von drei�ig Minuten auf acht Stunden und die automatische Rollladenfunktion w�rde ab sofort nur noch zwischen achtzehn Uhr abends und acht Uhr morgens in F�nfzehn-Minuten-Intervallen gemessen. Er wechselte die durchgebrannte Sicherung aus und klemmte zwei weitere Stromverbraucher von der Sicherung des K�chenbereichs ab und an die Umw�lzpumpe des Gartenteichs an, da an diesem Regelkreislauf noch Kapazit�t vorhanden war.</p><p>Lisbeth w�re nicht sie selbst, wenn sie sich nicht alle diese Details bis ins Letzte gemerkt und auf der entsprechenden Karteikarte vermerkt h�tte, damit sie erstens dem Kunden Rede und Antwort stehen und zweitens bei einem �hnlichen Problem demn�chst bereits ein gewisses Vorwissen zur Verf�gung stellen k�nnte.</p><p>Mit Herrn Metzenrath schien sie gut auszukommen, denn er durfte ihr nach Erledigung der elektrischen Umbauarbeiten sogar bei der Vorbereitung der H�ppchen helfen. Ausnahmsweise nat�rlich nur, da sie wegen des technischen Problems etwas in Zeitverzug gekommen war.</p><empty-line/><p>Mit triefender Nase, tr�nenden Augen und flatternden Nerven absolvierte ich meine Akquisetermine. Termin Nummer eins und zwei waren Routine, Termin Nummer drei begann damit, dass ich die angegebene Adresse nicht fand. Moorenstra�e f�nf. Das war irgendein Institut, dessen Namen ich am Telefon nicht richtig verstanden hatte, auf dem Gel�nde der Uniklinik D�sseldorf. Oder war das ein anderer Kunde gewesen? Ich war mir, bei all den Telefonaten der letzten Tage, nicht mehr sicher, ob ich immer die richtigen Stimmen den richtigen Terminen zuordnete. War das der Typ gewesen, der mich im Auto erreicht hatte? An das Telefonieren w�hrend der Fahrt �ber die Freisprecheinrichtung musste ich mich erst noch gew�hnen. Oder der Interessent mit dem Baul�rm im Hintergrund? Ich erinnerte mich nicht, versuchte nur, den hingekritzelten Richtungsangaben zu folgen, und hatte mich bald hoffnungslos verfahren. Ich hielt an, als ich zwei Frauen in wei�en Kitteln �ber die Stra�e hasten sah.</p><p>�Moorenstra�e 5?� Ihr Blick wurde mitleidig, schien mir. �Das ist nicht so schwer zu finden, zweimal rechts und dann die kleine Stichstra�e nach links.� Ich bedankte mich.</p><p>�Alles Gute�, w�nschte sie mir noch zum Schluss.</p><p>Jetzt fand ich den Weg schnell und stand�� vor dem Institut f�r Rechtsmedizin. Ich starrte auf das Schild und sp�rte das hysterische Kichern wieder in mir aufsteigen. Ich sa� mit zuckenden Schultern im Auto und wartete, bis ich mich wieder einigerma�en beruhigt hatte. Daher auch das Mitgef�hl der beiden Wei�kitteldamen. Vermutlich kamen hierher Menschen, um Angeh�rige zu identifizieren. Da hatte ich zum Gl�ck einen angenehmeren Grund f�r meine Anwesenheit.</p><p>�Ich m�chte zu Herrn Thon�, sagte ich der netten Dame am Empfang.</p><p>�Ich sage ihm Bescheid. Moment bitte.�</p><p>Ich musste nicht lang warten, bis ein eher jugendlich wirkender Mann mit wehendem Kittel durch die Schwingt�r trat. Er streckte mir die Hand entgegen. Ich z�gerte.</p><p>�Schon okay, viele Leute geben mir ungern die Hand�, sagte er grinsend.</p><p>Ich sp�rte, dass ich rot wurde. �Ich m�chte Sie nicht anstecken�, entgegnete ich und sprach dabei absichtlich durch die Nase.</p><p>�Meinen Patienten w�re das egal.� Wieder dieses jungenhafte Grinsen. �Kommen Sie mit.�</p><p>Er f�hrte mich eine Treppe hinunter in einen Gang, der von flackernden Neonr�hren erhellt wurde. Weiter hinten ging eine T�r auf und eine Bahre mit einer von einem wei�en Tuch verdeckten Gestalt darauf wurde von einer Frau in den Flur geschoben. Ich blieb stehen, als sei ich gegen eine Wand gelaufen.</p><p>�Ist Ihnen nicht gut?�, fragte Thon mit besorgtem Gesichtsausdruck. �Wir gehen gleich in mein B�ro, ich muss hier nur noch schnell etwas abgeben.�</p><p>Er musterte mich mit Sorgenfalten auf der Stirn. �Okay, Plan�nderung. Sie sind ganz bleich, da nehmen wir lieber gleich den Aufzug.� Herr Thon, vermutlich Herr Doktor Thon, aber das hatte er weder am Telefon noch gerade eben gesagt, nahm mich am Arm und schob mich zum n�chstgelegenen Aufzug.</p><p>Ein Lastenaufzug. Gro� genug, um Bahren oder S�rge oder sonstige Beh�ltnisse mit Leichen drauf oder drin zu transportieren. Ich f�hlte, wie mir das Blut in den Magen sackte.</p><p>�Es dauert nur drei�ig Sekunden bis in mein B�ro. Da bekommen Sie ein Glas Wasser und eine sch�ne Aussicht auf den blauen Himmel.�</p><p>L�gner, dachte ich, w�hrend sich auf meiner Stirn die Schwei�tr�pfchen sammelten. Der Himmel ist grau und d�ster und bedrohlich und sieht nach noch mehr Schnee aus.</p><p>�Entschuldigen Sie bitte. Ich bin manchmal etwas gedankenlos. Mir macht die Umgebung nichts mehr aus, daher vergesse ich immer wieder, dass andere Menschen sich hier unwohl f�hlen.�</p><p>Ich sa� oder besser gesagt hing auf seinem Besucherstuhl und hatte das Glas abgestellt, damit es nicht aus meinen zitternden H�nden fiel. Alle m�glichen Gedanken schossen mir durch den Kopf, einer absurder als der andere. Was w�re, wenn ich Herrn Dr. Thon mein Kofferraumproblem einfach vor die T�r kippen w�rde? W�re dann gleich die Polizei mit im Spiel? Ich k�nnte ihn aber auch gleich mal fragen, wo man einen Toten denn am besten loswird. Er h�tte bestimmt eine Idee. Mit einem Stein um den Fu� im See versenken oder in eine Baugrube werfen, die am n�chsten Tag betoniert w�rde, oder ab in den Rhein damit, dann k�nnten die Holl�nder sich mit dem Problem befassen.</p><p>Doch statt zu fragen l�chelte ich. Thon l�chelte zur�ck.</p><p>�Sollen wir lieber �ber meine unaufger�umte Wohnung reden?�</p><p>Ich nickte. Er sprach �ber seine Abneigung gegen das Aufr�umen, das Putzen, das Waschen und das B�geln und erz�hlte, dass er sich in seiner Wohnung eigentlich ganz wohl f�hle. Allerdings g�be es da diese Frau in seinem Leben. Der Herr Doktor wurde rot. Sie f�nde seine Junggesellenbude gr�sslich und lehne es ab, ihn dort zu besuchen, geschweige denn, zu �bernachten. Das m�sse sich �ndern, daher brauche er Hilfe. Ich erl�uterte unser Dienstleistungsangebot und nannte die Preisspannen und er war sehr angetan von allem und erteilte mir mit Freuden den ersten Auftrag. Wir verabredeten einen Termin f�r die Wohnungsbesichtigung und er sah erleichtert aus. Wieder konnte ich einem Menschen bei der L�sung seiner Probleme helfen. Und wann half mir bitte sch�n mal jemand, mein Problem zu beseitigen?</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Soweit mein Katastrophenbericht der vergangenen Tage. Es ist Freitag, der Tote liegt nun seit drei Tagen in meinem Kofferraum. Meine Nerven werden das Wochenende nicht �berleben, wenn er nicht endlich verschwindet. Heute Abend muss es �ber die B�hne gehen! Die Voraussetzungen hierf�r sind allerdings verheerend: Meine Erk�ltung hat sich zur�ckgemeldet, ich habe hohes Fieber und bef�rchte, die n�chsten Tage nicht ganz zurechnungsf�hig zu sein.</p><p>Dennoch fahre ich bei einsetzender D�mmerung los. Ich ignoriere, dass ich nach wie vor keinen genauen Plan habe. Den Rhein habe ich ausgeschlossen, weil ich Angst habe, dass er die Leiche an der n�chsten Buhne wieder an Land wirft. Eine Baugrube ist ung�nstig, denn im Winter wird sowieso wenig betoniert und schon gar nicht am Samstag. Der See gef�llt mir aus rein praktischen Gr�nden nicht. Erstens kenne ich nur den Unterbacher See, und an dem herrscht st�ndig Verkehr von Joggern mit Stirnlampen und Hundehaltern mit ihren Viechern. Zweitens w�sste ich nicht, wo ich dort ein Boot herkriegen sollte, geschweige denn unauff�llig eine Leiche hineinbugsieren. Drittens habe ich keinen schweren Stein und viertens keine Kette, mit der ich ihn dem Toten an die Beine h�ngen kann. Selbst wenn all das funktionieren w�rde, w�rde ich vermutlich bei dem Versuch, die Leiche zu versenken, selbst �ber Bord gehen. Das Wasser ist einfach nicht mein Element.</p><p>Vielleicht macht es mehr Sinn, an den Ort zur�ckzukehren, an dem ich den Toten gefunden habe. Er hat sich in den letzten Stunden seines Lebens in Oberrath aufgehalten, vielleicht war das ein Ortsteil, den er h�ufiger aufsuchte. Wenn seine Leiche dort in der Gegend gefunden w�rde, w�re das weniger verd�chtig. Das erscheint mir pl�tzlich logisch und klar. Warum bin ich nicht viel fr�her draufgekommen?</p><p>Wie in Trance lenke ich mein Auto Richtung Oberrath und biege vor der Autobahnauffahrt nach rechts in den Wald ab. Ein Gebiet, das im Sommer und an Wochenenden mit sch�nem Wetter von Spazierg�ngern, Joggern und Reitern bev�lkert wird, an diesem kalten Abend mit leichtem Schneefall aber verlassen daliegt. Langsam fahre ich die Stra�e entlang, biege ab Richtung Segelflughafen, aber jedes Mal, wenn ich denke, dass ich jetzt wirklich weit und breit die einzige lebende Seele bin, taucht wieder ein Auto, ein Jogger mit Stirnlampe oder ein Hundebesitzer auf. Resigniert verlasse ich den Wald und fahre wieder Richtung Innenstadt. Ich bin verzweifelt, kann kaum noch aus den tr�nenden Augen schauen und sp�re, wie das Fieber steigt. Inzwischen denke ich ernsthaft dar�ber nach, den Wagen irgendwo abzustellen, mit Benzin zu �bergie�en und anzuz�nden. Aber wahrscheinlich kann die Polizei auch danach noch feststellen, dass der Wagen nicht leer gewesen war. Das sieht man doch immer wieder in allen �Tatorts� und �Sokos�.</p><p>Ich fahre langsam im dichter werdenden Schneetreiben mit Tausenden anderen Autos in Richtung Innenstadt, als mich ein Niesanfall packt. Zweimal, dreimal, viermal, alles l�uft, ich kann nichts mehr sehen und biege daher vor der Auffahrt zur Br�cke nach rechts auf einen gro�en, leeren Platz ein. Es dauert mehrere Minuten, bis ich mich so weit beruhigt habe, dass ich wieder aus den Augen gucken und meine Umgebung bewusst wahrnehmen kann.</p><p>Ich befinde mich auf dem alten Bahngel�nde. Hier halten G�terz�ge, werden Waggons ab- und angekoppelt und zu neuen Z�gen zusammengestellt. Das wei� ich, weil Greg und ich damals eine Wohnung ganz in der N�he besichtigt haben. Der L�rm der G�terz�ge hat uns schlie�lich davon abgehalten, sie zu mieten.</p><p>Greg! Meine Augen f�llen sich erneut mit Tr�nen, als ich an ihn denke. Wie sehr k�nnte ich jetzt seine starken Arme brauchen.</p><p>�Sentimentalit�t ist etwas f�r samstagabends, mein Kind�, hatte Oma fr�her gesagt, wenn ich sie fragte, ob ich wohl einmal einen M�rchenprinzen heiraten w�rde. �M�rchenprinzen taugen f�rs Kino, aber nicht f�rs Leben. Denke praktisch, nur so kommst du weiter.�</p><p>Omas Stimme im Kopf l�sst meine Tr�ume versiegen. Mit verquollenen Augen starre ich in die Dunkelheit und sehe auf einmal die L�sung meines Problems klar und hell vor mir: Ich m�sste nur die Leiche in einen der vielen Waggons packen, die darauf warten, zu einem Zug zusammengestellt und irgendwohin weit weggebracht zu werden, dann w�re ich den Kerl los. Genau das ist es! Ich unterdr�cke gerade noch einen Jubelschrei und steige aus dem Auto.</p><p>Als m�sste ich mir nur die Beine vertreten, schlendere ich mit zitternden Knien auf dem Platz herum und nehme die Umgebung in Augenschein. Etwas weiter hinten gibt es eine Rampe zu einer Art Bahnsteig, dessen Oberkante auf einer H�he mit dem Boden der Waggons liegt. Zwei Waggons stehen dort, einer ist leer. Und die schwere Schiebet�r steht offen.</p><p>Das ist der Ort meiner Rettung.</p><p>Ich muss mich allerdings gedulden, bevor ich meinen Plan in die Tat umsetzen kann. Dieser Platz wird n�mlich als inoffizieller Park-and-ride-Parkplatz f�r die nahegelegene S-Bahn-Haltestelle genutzt. Mist. Ich beschlie�e, erst noch einmal nach Hause zu fahren. Ich brauche passende Kleidung, dicke Schuhe und einen Teller hei�e Suppe, um nicht vor dem Leichen-Dumping selbst an Unterk�hlung zu sterben.</p><empty-line/><p>Sechs nervenzerfetzende Stunden sp�ter, von denen ich einige im Halbschlaf, die meisten aber Fingern�gel kauend am K�chentisch verbringe, biege ich wieder auf das alte Bahngel�nde ein und sehe mich vorsichtig um. Der riesige Parkplatz ist jetzt dunkel und unheimlich. Ich kann keinen weiteren Wagen sehen, also fahre ich schnell und ohne Umst�nde quer �ber den Platz bis zur Verladerampe. Sie ist nicht beleuchtet, liegt in einem schwer einsehbaren Winkel weit hinten auf dem Gel�nde und�� entscheidend!�� au�er mir ist niemand hier. Der Waggon steht Gott sei Dank noch da.</p><p>Wenn es so etwas wie einen idealen Ort gibt, in D�sseldorf unauff�llig eine Leiche loszuwerden, dann ist es wohl dieser.</p><empty-line/><p>Mit Schwung fahre ich die Rampe hoch. Dann aber brauche ich drei Anl�ufe, bis ich mich endlich traue, aus dem Wagen zu steigen. Um Ger�usche zu vermeiden, lehne ich die Fahrert�r nur an. Der Schl�ssel steckt im Z�ndschloss, damit ich jederzeit verschwinden kann. Ich blicke mich so hektisch um, dass mir schwindelig wird. Mit beiden H�nden halte ich mich einen Moment an der Heckklappe fest, bevor ich endlich den Mut finde, sie zu �ffnen.</p><p>Und tats�chlich, da liegt er. Genau so, wie ich ihn vor drei Tagen in den Wagen gequetscht hatte. Mit verdrehtem Hals, halb auf der Seite liegendem Oberk�rper und angewinkelten Beinen. Anders kriegt man einen ausgewachsenen Mann nicht in den Kofferraum eines Kleinwagens. Ich rede mir ein, dass es einem Toten egal ist, wie er liegt, aber trotzdem qu�lt mich mein schlechtes Gewissen. So sollte niemand enden. Niemand sollte als Leiche entsorgt werden wie ein Sack M�ll, den man irgendwohin wirft, um ihn loszuwerden. Mir steigen Tr�nen in die Augen, die ich hastig wegwische. Gef�hlsduselei kann ich mir nicht leisten. Jetzt nicht mehr. Die moralischen Bedenken h�tte ich haben k�nnen, als er noch in Lauensteins K�hlraum lag. Jetzt, nachdem ich ihn drei Tage in meinem Kofferraum durch die Gegend kutschiert habe, ist es daf�r zu sp�t.</p><p>Ich schlucke ein paar Mal, atme tief durch, dann beuge ich mich �ber den Kofferraum. Ich ziehe die F��e heraus, ziehe weiter, sodass das Ges�� bis an die vordere Kante rutscht, greife nach den Handgelenken und zerre an ihnen. Sein Kopf knallt gegen die innere Verkleidung des Radkastens. Ich zucke zusammen. Das dumpfe, hohl klingende �Klonk� l�sst mir alle Haare zu Berge stehen. Fast erwarte ich, dass der Mann st�hnen und sich �ber die ruppige Behandlung beschweren w�rde. Mir verschwimmt kurz alles vor den Augen und ich halte inne. Noch einmal tief durchatmen, Corinna.</p><p>Der zweite Versuch ist erfolgreicher, und nach zehn Minuten schwei�treibender Arbeit liegt der K�rper auf der Ladefl�che des G�terwaggons. Schwer atmend lehne ich an der Wand und suche nach dem Mechanismus, mit dem ich die offene Waggont�r h�tte schlie�en k�nnen, finde ihn aber nicht. Egal. Nichts wie weg!</p><p>Leise dr�cke ich die Heckklappe zu und falle vor Schreck fast von der Rampe, als der Waggon hinter mir pl�tzlich losrumpelt. Ich stehe einen Moment vollkommen erstarrt, wei� nicht, ob ich lachen oder heulen soll, und sehe zu, wie der Zug sich in Bewegung setzt. Ein Waggon nach dem anderen rollt an mir vorbei. Wie durch einen Nebel nehme ich die unterschiedlichen Ladungen wahr: Autos, ein paar Tankwagen mit der Aufschrift einer holl�ndischen Gro�molkerei, noch mehr Autos und einige �berseecontainer.</p><p>Ich wanke zu meinem Auto, lasse mich auf den Sitz fallen und fahre ohne Licht �ber den dunklen Platz. Ich schalte die Scheinwerfer erst kurz vor der Br�cke ein und fahre nach Hause. Um f�nf Uhr liege ich endlich im Bett und schlafe, unterst�tzt durch einen schlafmittelhaltigen Erk�ltungssaft, sofort ein.</p><p>Im Traum erscheint mir der Lieblingsschlagers�nger meiner Kindheit, Christian Anders, der unertr�glich laut �Es f�hrt ein Zug nach Nirgendwo� r�hrt.</p></section></section><section><title><p>ZWEITER TEIL</p></title><section><title><p>12</p></title><p>Diese denkw�rdige Nacht liegt nun bereits einige Wochen zur�ck. Damals dachte ich nat�rlich, dass mein Problem mit dem G�terwaggon nun endg�ltig davongerollt und die drohende Katastrophe somit abgewendet sei. Da hatte ich mich allerdings gr�ndlich get�uscht. Die Geschichte war noch lange nicht zu Ende.</p><p>An den Samstag, nachdem ich die Leiche in den Waggon gelegt hatte, habe ich nur noch verschwommene Erinnerungen. Lisbeth rief an und erkundigte sich nach meinem Befinden, musste sich aber mit einem herzerweichenden Bellen begn�gen, denn jedes Mal, wenn ich versuchte zu sprechen, musste ich husten.</p><p>Das h�rte auch Herr Metzenrath, der klingelte, mir selbst gekochten Hustensaft aus Zwiebeln, Lakritz und Zucker brachte und mich aufforderte, alle drei�ig Minuten einen Essl�ffel davon im Mund zergehen zu lassen. Ich nickte kraftlos, trank ein halbes Glas von dem Zeug und ging wieder ins Bett. Die K�sestulle, die mein Nachbar mir ebenfalls auf den K�chentisch gestellt hatte, wellte sich bereits an den R�ndern, als ich das n�chste Mal aufwachte. Ich a� die Stulle, trank noch ein Glas Hustensaft und ging wieder schlafen. Immerhin hatte das Fieber nachgelassen. Den Zeitpunkt, an dem ich den Erk�ltungssaft mit dem Schlafmittel h�tte nehmen m�ssen, verschlief ich.</p><p>Es war hell im Zimmer, als ich das n�chste Mal aufwachte. Das Telefon musste schon etliche Male geklingelt haben, denn als ich das Ger�usch endlich lokalisieren konnte, wurden bereits drei entgangene Anrufe auf dem Display angezeigt. Alle innerhalb der letzten zehn Minuten. Alle von derselben Nummer. Ich kannte die Nummer. Lauenstein. Als h�tte ich einen Schlag bekommen, zog ich die Hand, die ich zum H�rer ausgestreckt hatte, zur�ck und wartete reglos, bis das Klingeln endete.</p><p>Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es halb elf war. Ich versuchte, die letzten Tage zu rekonstruieren, w�nschte mir aber sofort, ich h�tte es nicht getan. Meine Erinnerungen an die Erlebnisse von Freitagnacht verursachten mir akute �belkeit. Wenn es halb elf und hell war, dann musste jetzt bereits Sonntagmorgen sein. Das hie�, dass gut drei�ig Stunden ins Land gegangen waren.</p><p>Offenbar hatte mich tats�chlich niemand bei meiner G�terwagenaktion beobachtet. Immerhin war bisher die Polizei noch nicht vorstellig geworden. Oder hatten die Gesetzesh�ter das Haus umzingelt und warteten nur darauf, dass ich mich irgendwann zeigte? Ich linste vorsichtig durch die Gardinen, konnte aber keine Auff�lligkeiten bemerken.</p><p>Das Telefon klingelte wieder. Ich blickte auf das Display. Lauenstein. Schon wieder.</p><p>Was, zum Teufel, wollte dieser Mann sonntagmorgens um halb elf von seiner Putzfrau? Und zwar so dringend, dass er f�nfmal hintereinander anrief? Endlich nahm ich den H�rer ab, damit das schrille Klingeln endlich verstummte.</p><p>�Hallo?�, rief eine Stimme aus dem H�rer, den ich noch unschl�ssig in der Hand hielt. �Frau Leyendecker! Hallo! Antworten Sie doch!�</p><p>Ich brachte es nicht �ber mich, den H�rer einfach aufzulegen. Stattdessen f�hrte ich die Hand zum Ohr und kr�chzte ein nicht erkennbares Hallo in die Sprechmuschel.</p><p>�Frau Leyendecker? Sind Sie das?�</p><p>Mein �Ja� ging in einen Hustenanfall �ber.</p><p>�Ich, ich, also, ich wei� nicht, wie ich anfangen soll��, stammelte Lauenstein.</p><p>�Moment�, kr�chzte ich, legte den H�rer hin, holte mir ein Glas Wasser und trank gierig.</p><p>�Hm?�, meldete ich mich wieder.</p><p>�Ich habe ein Problem�, sagte Lauenstein. Er sprach abgehackt, schnell und irgendwie wirr. Er klang wie jemand, dessen Problem so gro� ist, dass er nicht wei�, wie er es in Worte fassen soll. Der sich nicht traut, es anzusprechen, es aber gleichzeitig m�glichst schnell hinter sich bringen will. Er klang wie jemand, der am Rande der Verzweiflung steht und Hilfe ben�tigt. Ich f�hlte mich allerdings nicht in der Lage, mich um Herrn Lauensteins oder um irgendjemandes Probleme zu k�mmern. Das Einzige, was ich wollte, war meine Ruhe, eine Kopfschmerztablette, zwei Liter Wasser und viele Stunden Schlaf.</p><p>�Es tut mir leid�, begann ich und musste wieder husten.</p><p>�Mir ist etwas abhandengekommen�, sagte Lauenstein. Er musste sehr laut sprechen, um gegen meinen Husten anzukommen.</p><p>Augenblicklich hielt ich inne. Der Husten war wie weggeblasen.</p><p>�Mir ist etwas abhanden� Ach, das kann ich jetzt so am Telefon nicht erkl�ren.�</p><p>�Was haben Sie gesagt?�, kr�chzte ich.</p><p>�Sind Sie krank?�, fragte Lauenstein. �Sie klingen so anders.�</p><p>Mir lag eine pampige Erwiderung auf der Zunge, aber ich begn�gte mich mit einem heiseren �Ja�.</p><p>�Ich komme zu Ihnen�, erkl�rte er mit fester Stimme. �Ist die Firmenadresse auch Ihre Privatadresse?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Bis gleich.�</p><p>Das Tuten aus dem H�rer riss mich aus meinem Schockzustand. Lauenstein kam her? Jetzt? Am Sonntagmorgen? Ja, hatte sich denn die ganze Welt gegen mich verschworen?</p><p>Ich legte den H�rer auf die Gabel, schlurfte ins Bad und stellte fest, dass ich noch nicht einmal die Kraft hatte, �ber meinen Anblick zu erschrecken. Die Ringe unter den Augen hatten die Gr��e von Untertassen, das Haar war str�hnig und fettig, die Lippen aufgesprungen und die Haut schuppig und bleich. Ich entledigte mich meines durchgeschwitzten Flanellnachthemdes und duschte ausgiebig. Danach f�hlte ich mich etwas besser.</p><p>Immerhin war ich angezogen, als Lauenstein zwanzig Minuten sp�ter klingelte, wenn ich mich auch noch nicht in dem Zustand befand, in dem ich normalerweise soziale Kontakte pflege.</p><p>Aber das war Lauenstein auch nicht.</p><p>Er sah so aus wie ich vor dem Duschen: bleich, �bern�chtigt, sorgenvoll. Immerhin trug er keinen schwarzen Anzug, sondern blaue Jeans und einen dicken Strickpullover mit Zopfmuster. Ich h�tte ihn fast nicht wiedererkannt. Er sah fast wie ein normaler Mensch aus. Na gut, wie ein sorgenvoller, normaler Mensch.</p><p>�Oje, Sie sehen ja gr�sslich aus�, begr��te er mich.</p><p>�Danke�, entgegnete ich automatisch.</p><p>Er wurde rot. ��h, nein, so meinte ich das nicht. Sie sehen genauso bezaubernd aus wie immer, nur, �h, man sieht, dass Sie erk�ltet�� Seine Stimme verebbte.</p><p>Bezaubernd! Noch nie in den einunddrei�ig Jahren meines Lebens hatte ein Mann mich bezaubernd genannt. Ich starrte ihn einen Moment vollkommen fassungslos an, er starrte verlegen zur�ck.</p><p>�Hier�, quetschte er dann endlich heraus und hielt eine Br�tchent�te hoch. �Sie haben bestimmt noch nicht gefr�hst�ckt, oder? Ich n�mlich auch nicht.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf, nahm die T�te entgegen und goss zwei Tassen Kaffee ein. Die T�te enthielt das, was in D�sseldorf �M�rbchen� hei�t, also Milchbr�tchen mit Rosinen. Mein Leibgericht, das Oma fr�her immer extra f�r mich zum Sonntagsfr�hst�ck besorgt hatte. Ich war ger�hrt. Vollkommen zu Unrecht nat�rlich, denn Lauenstein kannte die Bedeutung dieses Backwerks f�r mich ja gar nicht und hatte vermutlich einfach irgendetwas gekauft. Trotzdem nett von ihm. W�re die Situation nicht so v�llig abstrus gewesen, h�tte er mir vielleicht sogar sympathisch sein k�nnen.</p><p>Der M�rbchenbote stand wie eine Steinstatue in der Ecke der Wohnk�che herum und f�hlte sich sichtlich unwohl. Geschieht ihm recht, dachte ich. Trotzdem machte er mich irgendwie nerv�s.</p><p>�Nehmen Sie doch Platz�, forderte ich ihn auf.</p><p>Er setzte sich an den Tisch, ich stellte Kaffeetasse und Teller vor ihn und setzte mich ihm gegen�ber.</p><p>�Also, was f�hrt Sie am Sonntagmorgen hierher?�, fragte ich. Die Erw�hnung des Wochentags sowie der Tageszeit wollte ich mir nicht verkneifen, Kunde hin oder her.</p><p>Er r�usperte sich. �Also�� wie soll ich es sagen? Aus meinem K�hlraum ist etwas verschwunden�, begann Lauenstein. Er musterte mich mit einem gequ�lten Blick aus seinen m�den Augen.</p><p>Ich verschluckte mich an meinem Kaffee und hustete laut und lang. Dabei versuchte ich, mein Entsetzen zu verbergen.</p><p>Der K�hlraum!</p><p>Allein die Erw�hnung dieses Wortes trieb mir den kalten Schwei� auf die Haut. Ich hustete weiter und r�usperte mich noch mehrfach, wollte Zeit schinden.</p><p>Lauenstein wartete ab, bis ich mich wieder beruhigt hatte.</p><p>Irgendetwas musste ich sagen, also versuchte ich es mit einem neutralen �Was denn?�</p><p>Er z�gerte. Wand sich auf seinem Stuhl. Trank noch einen Schluck Kaffee, nahm das M�rbchen, brach eine Ecke ab, die er mit Zeigefinger und Daumen zu einem kleinen pappigen Teigball zusammendrehte.</p><p>Er sah genau so aus, wie ich mich f�hlte, dachte ich wieder.</p><p>Er straffte die Schultern und holte Luft. �Eine Leiche�, sagte er, machte den Mund auf und warf den Teigball hinein.</p><p>Ich starrte ihn an, w�hrend er hektisch auf dem Teigst�ckchen herumkaute und es dann mit �bertrieben gestrecktem Hals wie ein Strau�envogel herunterschluckte.</p><p>Mein Gehirn hatte kurzzeitig jegliche T�tigkeit eingestellt. Nichtdenken hat auch was f�r sich, stellte ich fest. Doch dann schossen mir tausend Fragen durch den Kopf. �Verarschen Sie mich?� Das war mir einfach so rausgerutscht.</p><p>Lauenstein zuckte zusammen, als habe ihm jemand eine Kopfnuss gegeben. �Sehe ich etwa so aus?�</p><p>Ich z�gerte kurz, sch�ttelte dann aber den Kopf. Genau genommen sah er wie ein Junge aus, der bei einer gro�en Dummheit erwischt wurde, aber bereit ist, daf�r geradezustehen. Er wollte mich jedenfalls nicht hereinlegen, das war mir klar.</p><p>Alles andere allerdings war mir total unklar.</p><p>Er wusste also, dass in seinem K�hlraum eine Leiche gelegen hatte. Meine Interpretation der Situation damals war vollkommen falsch gewesen. Aber was war nur passiert? Nichts passte zusammen. Und solange Lauenstein mir nicht erkl�rte, was es mit der Leiche und seinem seltsamen Auftritt hier auf sich hatte, w�rde ich mir lieber die Zunge abbei�en, als meine unr�hmliche Beteiligung in diesem Schauerm�rchen zuzugeben.</p><p>�Erz�hlen Sie mir die ganze Geschichte�, forderte ich ihn auf.</p><p>Er wand sich auf dem Stuhl, biss noch ein St�ck vom M�rbchen ab, sp�lte mit einem Schluck Kaffee nach, verzog das Gesicht, sah unschl�ssig aus und traute sich dann doch, nach Milch zu fragen. Ich war erleichtert, aufstehen und die Milch holen zu k�nnen, nur um dann festzustellen, dass diese schlecht war. Doch Lauenstein nahm auch die kleinen, gelben Fl�ckchen in seinem Kaffeebecher hin wie ein gepr�gelter Hund. Was hatte der Mann f�r ein Problem, verdammt noch mal?</p><p>�Die Leiche in meinem K�hlraum war mein Vater.�</p><p>Ich prustete in meinen Kaffee.</p><p>�H�chstwahrscheinlich.�</p><p>Mir fiel die Kinnlade herunter. Leider hatte ich noch Kaffee im Mund. Sehr unappetitlich. Lauenstein schien das zum Gl�ck nicht zu bemerken, er starrte weiter in seine Tasse mit den Milchflocken.</p><p>�Meine Mutter will wieder heiraten�, sagte er.</p><p>�Und da hat sie ihn umgebracht?�</p><p>�Himmel, nein!� Der dem�tige Fatalismus verschwand aus seinem Gesicht und machte ehrlichem Entsetzen Platz. �Wie kommen Sie denn darauf?�</p><p>Das fragte ich mich auch. Ich hatte nie einen Hang zum Schwarzsehen, glaube an das Gute im Menschen und w�re noch vor wenigen Tagen niemals auf solche Gedanken gekommen. Offenbar hatten die Ereignisse deutliche Spuren in der Wahrnehmung meiner Umwelt hinterlassen. Das konnte ich nat�rlich nicht zugeben, denn dann h�tte ich ja gleich die ganze Geschichte erz�hlen m�ssen.</p><p>�Ich lese wohl zu viele Krimis�, murmelte ich, obwohl ich seit Monaten kein Buch anger�hrt hatte.</p><p>Lauenstein beruhigte sich wieder. �Mein Vater ist vor vierzehn Jahren verschwunden. Abgehauen. Er hat den beruflichen Stress nicht mehr ertragen. Das stand zumindest auf dem Zettel, den er an die K�hlschrankt�r gepinnt hatte.�</p><p>Ich schwieg. Nippte an meinem Kaffee. Jede �u�erung konnte unter Umst�nden gegen mich verwandt werden, also presste ich die Lippen zusammen, solange ich nicht trank.</p><p>Lauenstein nippte an seinem Kaffee, gedankenverloren.</p><p>Ich machte den Mund auf, um ihn auf die verdorbene Milch hinzuweisen, aber dann lie� ich es sein. Ich wollte ihn nicht ablenken. Ein bisschen verdorbene Milch w�rde ihn schon nicht umbringen. Und wenn doch�� mit der Beseitigung von Leichen kannte ich mich ja jetzt aus. Hahaha�</p><p>�Im Herbst beschloss meine Mutter, den wiederholten Heiratsantrag ihres langj�hrigen Freundes anzunehmen und ihn zu heiraten. Anfang des Jahres zog sie zu ihm und ich engagierte Sie.� Er l�chelte leicht, wurde dann aber wieder ernst. �Au�erdem will sie mir die Firma �berschreiben und sich ganz aus dem Gesch�ft zur�ckziehen.�</p><p>Ich nickte und z�gelte meine Ungeduld. Was hatte das mit der Leiche zu tun?</p><p>�Man kann aber nicht neu heiraten, wenn man nie geschieden worden ist�, sagte Lauenstein.</p><p>Aha, jetzt kamen wir der Sache n�her. Der abgehauene Ehemann st�rte also doch. Ich nickte.</p><p>�Und man kann auch kein Gesch�ft auf einen neuen Inhaber �bertragen, wenn ein Inhaber von f�nfzig Prozent der Anteile nicht auffindbar ist. Der Sohn, der <emphasis>eigentlich </emphasis>seit f�nf Jahren das Gesch�ft f�hrt, kann nicht zum Gesch�ftsf�hrer bestimmt werden, wenn die GmbH beiden Eltern geh�rt und nur ein gemeinsamer Gesellschafterbeschluss einen neuen Gesch�ftsf�hrer berufen kann.�</p><p>Das ging mir jetzt ein bisschen schnell, aber durch meine eigene Existenzgr�ndung hatte ich doch immerhin so viel Kenntnisse, dass ich ungef�hr verstand, wo das Problem lag. Lauensteins Vater wurde gebraucht. Damit er seine Frau freigeben, seine Gesellschaftsanteile �bertragen und seinen Sohn zum Gesch�ftsf�hrer machen konnte.</p><p>Hier ging es zwar lediglich um die Legalisierung l�ngst bestehender Verh�ltnisse, aber wenn diese Legalisierung nun zwingend n�tig war, musste der Vater her und die notwendigen Unterschriften leisten.</p><p>Oder�</p><p>�Kann man denn jemanden, der seit vierzehn Jahren verschwunden ist, nicht f�r tot erkl�ren lassen?�, fragte ich.</p><p>Lauenstein nickte, aber ein zynisches L�cheln legte sich um seine Mundwinkel. �Klar. Au�er, der Betreffende schreibt seiner ehemaligen Geliebten jedes Jahr eine Weihnachtskarte.�</p><p>�Oh.�</p><p>Einen Moment war es still.</p><p>Lauenstein tat mir leid, ehrlich. Trotzdem war mir immer noch nicht klar, wie die Leiche in den K�hlraum seines Hauses gekommen war. Und warum sie �berhaupt da lag. Und warum er nicht genau wusste, ob das sein Vater war.</p><p>�Wie kam denn nun Ihr Vater in den K�hlraum?�, fragte ich.</p><p>�Ob er mein Vater ist, wei� ich ja noch gar nicht sicher�, entgegnete er mit einer abwehrenden Geste. �Eine Suchmeldung bei der Polizei brachte nichts. Also habe ich einen Detektiv beauftragt, ihn zu finden�, sagte Lauenstein.</p><p>�Anhand der Weihnachtskarte�, riet ich.</p><p>�Genau.�</p><p>Langsam begriff ich, was f�r einen Aufwand Lauenstein betrieben hatte, um seinen Vater zu finden. Nur um ihn dann gleich wieder zu verlieren. Geklaut. Aus seinem eigenen K�hlraum. Mir stieg das Blut in den Kopf.</p><p>�Der Detektiv hat ihn gefunden?�, fragte ich schnell, um noch ein bisschen Aufschub zu bekommen.</p><p>�Er hat jemanden gefunden, der vermutlich mein Vater ist�, pr�zisierte Lauenstein. �In Dresden. Mein Vater liebte Dresden, seine Eltern kamen von dort.�</p><p>�Und er war obdachlos?�, fragte ich.</p><p>�Ja. Kaum vorstellbar, was? Mein Vater war schon immer� �h� anders gewesen.� Lauenstein schwieg kurz, fast and�chtig.</p><p>�Ich bin also nach Dresden gefahren und habe diesen Mann tats�chlich gefunden.� Er trank noch einen Schluck von dem flockigen Kaffee, verzog das Gesicht, blickte in die Tasse, stellte sie weit von sich auf den Tisch und fuhr sich mit der Hand �ber die Augen. �Aber ich konnte nicht erkennen, ob es wirklich mein Vater ist.�</p><p>Ich schluckte. �Warum denn nicht?�</p><p>�Weil ich ihn vor vierzehn Jahren das letzte Mal gesehen habe und er zu der Zeit sechzig Kilo mehr wog als der Mann, dem ich in Dresden gegen�berstand. Weil der Penner sturzbesoffen war und mich auch nicht erkannte. Er war noch nicht einmal in der Lage, mir zu sagen, wie er hei�t oder ob er den Namen Lauenstein kennt.�</p><p>�Und da haben Sie ihn ins Auto gesetzt und mitgenommen�, sagte ich.</p><p>�Ich hatte nicht die Zeit, ihn in Dresden auszun�chtern und abzuwarten, ob er sich an seinen Namen erinnert, wenn in seinen Adern wieder Blut statt Fusel flie�t.�</p><p>�Sie haben ihn also mitgenommen, obwohl Sie �berhaupt nicht wussten, ob dieser Mann Ihr Vater ist?�</p><p>Lauenstein nickte ungl�cklich.</p><p>�Was h�tten Sie denn in D�sseldorf mit ihm gemacht, wenn sich herausgestellt h�tte, dass er der Falsche ist?�</p><p>�Der Mann hatte genau so eine Narbe am Handr�cken wie mein Vater�, murmelte er. �Au�erdem fehlte ihm ein kleiner Teil des linken Ohrl�ppchens. Beide Verletzungen hatte ihm ein Hund beigebracht, da war mein Vater f�nf Jahre alt gewesen. Ich war mir also ehrlich gesagt doch ziemlich sicher, dass er der Richtige war.�</p><p>�Aber als Sie ihn in Ihr Auto setzten, lebte er noch?�</p><p>Er nickte.</p><p>�Und wann starb er?�</p><p>�Kurz hinter Kassel.�</p><p>Du meine G�te, das muss man sich mal vorstellen: Da sitzt ein fremder Mann auf dem Beifahrersitz, der erst noch ein bisschen vor sich hinlallt, dann einschl�ft und schnarcht. Und irgendwann ist er pl�tzlich still. Ein paar Kilometer weiter kommt die Erkenntnis, dass der Kerl, den man gerade erst wiedergefunden hat, vermutlich der eigene Vater und gerade neben einem gestorben ist. Einfach so. Ich sp�rte, wie eine G�nsehaut �ber meinen R�cken kroch.</p><p>�Und dann sind Sie den ganzen Weg von Kassel nach D�sseldorf mit einer Leiche auf dem Beifahrersitz��</p><p>Lauenstein sch�ttelte den Kopf. �Ich konnte ihn nat�rlich nicht dort sitzen lassen, denn dann h�tte seine Haltung verraten, dass er auf einem Autositz gestorben ist. Wenn die Leichenstarre erst mal eingesetzt hat, h�tte man vielleicht sogar beweisen k�nnen, dass der Tod auf <emphasis>meinem </emphasis>Beifahrersitz eintrat. Ich bin also von der Autobahn abgefahren, in einen Forstweg rein und habe ihn in den Kofferraum gelegt. Eine liegende Stellung hielt ich f�r ungef�hrlich. Viele Obdachlose sterben im Winter w�hrend des Schlafs. Im Liegen.�</p><p>Jetzt wurde er mir unheimlich. Woher wusste er das alles?</p><p>�Was hatten Sie mit der Leiche vor?�, fragte ich etwas atemlos.</p><p>�Ich wollte sie in einer dunklen Ecke auf unserem Grundst�ck ablegen, sie zuf�llig finden und dann die Polizei rufen. Meine Mutter h�tte glauben k�nnen, dass Vater sie noch einmal habe wiedersehen wollen. Vielleicht h�tte sie ihm dann sogar vergeben und ihren Frieden mit ihm machen k�nnen. Und die Polizei h�tte seine Identit�t feststellen k�nnen. Damit w�re alles optimal geregelt gewesen. So einigerma�en zumindest�, lenkte er ein.</p><p>�Aber warum haben Sie das denn nicht direkt nach Ihrer R�ckkehr getan?�</p><p>Ich hoffte, dass meine Stimme nicht allzu vorwurfsvoll klang, aber ich f�rchtete, dass man meinen ganzen Frust in dieser Frage h�ren konnte. Tats�chlich h�tte er mir jede Menge �rger erspart, wenn er die Leiche gleich nach der R�ckkehr irgendwo unter einen Busch gelegt h�tte, wo er sie bei Gelegenheit in aller Seelenruhe h�tte �finden� k�nnen. In der Regel schaue ich bei meinen Kunden nicht unter die B�sche, um dort nach Leichen zu suchen. Wir h�tten uns beiden viel �rger und Kummer erspart.</p><p>Lauenstein legte das Gesicht in die H�nde. �Diese Idee ist mir ja erst sp�ter gekommen. Als ich nach Hause kam, war ich fix und fertig. Ich habe den Mann erst einmal in die K�hlkammer gelegt, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Dann habe ich nach alten Fotos von meinem Vater gesucht. Ich war vollkommen durcheinander.�</p><p>�Und wann ist Ihnen die Idee dann gekommen?�</p><p>�Am n�chsten Morgen. Ich wollte ihn finden, wenn ich von dem Kongress wiederkam. Dann hatte ich eine gute Ausrede, dass ich ihn nicht fr�her bemerkt hatte.�</p><p>Einen Augenblick war es still. Ich erinnerte mich an die Nacht, in der ich Lauenstein wie ein aufgescheuchtes Huhn durch sein Haus hatte laufen sehen. Das war ein paar Stunden, nachdem ich, wie der dumme Zufall es wollte, erst einen harmlosen Stadtstreicher vor seinem Haus gesehen und dann, nach dem Putzen, die T�r offen gelassen hatte. W�hrend ich Lauenstein nachts beobachtete, lag die Leiche seines Vaters bereits in der K�hlkammer und der Hausherr suchte in seiner Verzweiflung nach Fotos, die die Identit�t des Toten beweisen konnten. Kein Wunder, dass er sich wie ein Irrer benommen hatte.</p><p>�Jetzt stehe ich ziemlich d�mlich da�, sagte Lauenstein. �Ich gehe davon aus, dass der Mann mein Vater war, nur ist er jetzt leider wieder verschwunden. Wenn die Leiche nicht wieder auftaucht, wird es Jahre dauern, bis sein Tod offiziell festgestellt werden kann.�</p><p>�Aber die Polizei wird doch die Leiche irgendwann finden und kann dann immer noch seine Identit�t feststellen�, sagte ich.</p><p>�Unwahrscheinlich�, sagte Lauenstein tonlos.</p><p>Ich �berlegte fieberhaft. �Doch, bestimmt. Immerhin haben Sie diese Vermisstenanzeige aufgegeben. Wenn also irgendwo eine anonyme Leiche auftaucht, wird man wohl so schlau sein und die Liste der verschwundenen Personen abgleichen und dann��</p><p>�Vielleicht�, sagte Lauenstein. �Vielleicht auch nicht. Das ist alles viel zu unsicher. Ich muss es aber jetzt wissen, verstehen Sie?�</p><p>Er lehnte sich pl�tzlich �ber den Tisch und ergriff meine Hand. �Bitte sagen Sie mir, was mit der Leiche passiert ist�, flehte er mich beinahe an.</p><p>Oho, Generalangriff. Ich war nerv�s, bekam kaum einen Ton heraus. �Wie kommen Sie darauf, dass ich��</p><p>�Die Nachbarin von gegen�ber hat Ihren Wagen am Tag nach meiner Abreise aus meiner Einfahrt kommen gesehen.�</p><p>Die alte Schnepfe!</p><p>�Ich wei�, dass Sie noch mal da waren. Sie sind der einzige Mensch au�er meiner Mutter und mir, der einen Schl�ssel hat. Was haben Sie in meinem Haus gemacht? Und wo um Himmels willen ist die Leiche?�</p><p>Seine Stimme war immer lauter geworden, allerdings nicht vor Wut, sondern eher vor Verzweiflung. Die Hand, die erst auf meinem Arm lag, zog an meinem �rmel. Je zappeliger Lauenstein wurde, desto ruhiger wurde ich. Diesen Wesenszug hatte ich von meiner Oma, da war sich die ganze Familie einig. In unserer Familie sind die Frauen das starke Geschlecht.</p><p>�Als ich montags zum Putzen kam, habe ich vor dem Tor einen Obdachlosen gesehen und, nachdem ich bei Ihnen geputzt habe, die K�hlraumt�r nicht ordentlich verschlossen.�</p><p>Lauenstein hing an meinen Lippen.</p><p>�Wegen der offenen T�r bin ich am n�chsten Tag zur�ckgekommen. Ich hatte Angst, dass ein Einbrecher durch den K�hlraum in Ihr Haus kommt und alles ausr�umt.�</p><p>�Und da sind Sie direkt �ber die Leiche gestolpert�, fl�sterte Lauenstein.</p><p>�Ich dachte, es sei der Obdachlose, der sich ein nettes Pl�tzchen gesucht h�tte�, erkl�rte ich. �Also habe ich ihn weggeschafft.�</p><p>Lauenstein starrte mich mit entsetzt aufgerissenen Augen an. �Sie haben nicht die Polizei gerufen? Oder einfach die T�r zugemacht und das Weite gesucht?�</p><p>So, wie er das sagte, klang es, als seien beide Handlungsweisen vollkommen richtig und vern�nftig gewesen. Waren sie vermutlich auch. Aber ich hatte das Problem auf meine Art l�sen wollen. Ich sch�ttelte besch�mt den Kopf.</p><p>�Wohin haben Sie ihn gebracht?�</p><p>�Das kann ich Ihnen nicht sagen.�</p><p>Er stierte mich unverwandt an und ich f�hlte, wie mir das Blut in die Wangen schoss, und h�rte es in den Ohren rauschen. Ich blinzelte, drehte den Kopf weg. Meine Augen wanderten �ber die Fensterbank, auf der der sterbliche �berrest einer Basilikumpflanze langsam zu Staub zerfiel. Asche zu Asche, Staub zu Staub. War ich denn nur noch vom Tod umgeben?</p><p>�Na ja�, murmelte ich, �ich kann Ihnen sagen, wo ich die Leiche hingebracht habe, aber�� da ist sie nicht mehr.�</p><p>Lauenstein machte eine auffordernde Handbewegung.</p><p>�Ich habe sie in einen leeren G�terwaggon gelegt, der kurz darauf losfuhr�, sagte ich.</p><p>Er griff sich in die wirr vom Kopf abstehenden Haare. �Ich kann es nicht fassen. Was haben Sie sich denn nur dabei gedacht? Wie haben Sie es �berhaupt geschafft, einen f�nfzig Kilo schweren Toten da hineinzulegen?�</p><p>Ich grinste schief und unbeholfen und staunte im Nachhinein �ber mich selbst. Die drei Tage, die der Tote in meinem Kofferraum verbracht hatte, unterschlug ich Lauenstein wohl besser.</p><p>�Wohin fuhr der Zug?�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern.</p><p>Lauenstein verschr�nkte die H�nde auf der Tischplatte und lie� den Kopf darauf sinken. Oh, mein Gott, er tat mir so leid.</p><p>�Die Leiche wird sp�testens gefunden, wenn der Waggon beladen werden soll, und dann vergleicht die Polizei die Beschreibung mit der Vermisstenliste und identifiziert��, wiederholte ich.</p><p>Lauenstein sch�ttelte den auf den H�nden liegenden Kopf, was zu seltsamen Verrenkungen f�hrte, die sich �ber Schultern und Wirbels�ule fortsetzten. Er erinnerte mich an einen Regenwurm, den man mit der Harke aus dem Boden gezogen hat und der sich nun auf dem Stahlhaken windet.</p><p>�Wie sollen sie ihn identifizieren?�, fragte er dumpf.</p><p>�Wie man das halt so macht�, entgegnete ich. �An den Fingerabdr�cken, der DNA, den Z�h�� An der Stelle stockte ich, als mir die Sache mit dem Gebiss wieder einfiel.</p><p>Lauensteins Kopf ruckte hoch. �Sie haben das Gebiss bemerkt?�</p><p>�Es ist ihm aus dem Mund gefallen, als ich��</p><p>�Weil es ihm nicht passte�, sagte er. �Es war nicht seins.�</p><p>�Wie bitte?� Da war er wieder, der W�rgereiz.</p><p>�Haben Sie eine Ahnung, wie teuer ein Gebiss ist?�, fragte er.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Woher sollte ich das wissen? Ich besa� noch alle Z�hne einschlie�lich der Weisheitsz�hne, hatte nur drei Plomben und musste mir jedes Jahr anl�sslich der Routineuntersuchung von meinem Zahnarzt anh�ren, dass er von Leuten wie mir nicht leben k�nne.</p><p>�Viele Menschen tragen Gebisse, die sie secondhand gekauft oder geschenkt bekommen haben�, sagte Lauenstein. �Das ist zwar nicht besonders bequem, aber besser als nichts, vermute ich.�</p><p>Wir versanken wieder in Schweigen.</p><p>�Was ist mit Fingerabdr�cken?�</p><p>�Daf�r m�sste man fr�her bereits Abdr�cke genommen haben, um sie jetzt vergleichen zu k�nnen. Mein Vater ist aber nie erkennungsdienstlich behandelt worden.�</p><p>�Die DNA?�, schlug ich nochmal vor.</p><p>�Eine DNA-Probe von der Leiche m�sste man mit einer Probe von meinem Vater vergleichen�, sagte Lauenstein. �Aber er hat leider keine Haarstr�hne an seinen Abschiedszettel geklebt. Also bleibt nur ein DNA-Vergleich zwischen ihm und mir. Das ist teuer. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder beliebige Dorfpolizist, der einen toten Obdachlosen findet, die ganze Palette an Identifizierungsm�glichkeiten rauf und runter arbeitet. Vielleicht l�sst er ihn einfach anonym verscharren. Ist bestimmt weniger Aufwand.�</p><p>Ich hatte bisher keine Erfahrungen mit der Polizei gemacht, weder positive noch negative, konnte also nicht einsch�tzen, wie der von Lauenstein zitierte beliebige Dorfpolizist mit der anonymen Leiche eines Obdachlosen umgehen w�rde.</p><p>�Wir m�ssen ihn finden�, sagte Lauenstein und dr�ckte meinen Arm mit beiden H�nden. �Erinnern Sie sich! Bitte! In welchen Waggon auf welchem Zug haben Sie ihn gelegt?�</p><p>Seine blauen Augen hypnotisierten mich.</p><p>Der Kerl macht Witze, dachte ich. Aber ein Blick auf mein verzweifeltes Gegen�ber bewies mir das Gegenteil. Lauenstein meinte es ernst�� todernst.</p><p>�Ich kann Ihnen zeigen, an welcher Rampe der Zug stand, und Ihnen die ungef�hre Abfahrtszeit sagen, aber mehr wei� ich auch nicht�, sagte ich entschuldigend.</p><p>�Das reicht nicht�, sagte er. Es klang nicht anklagend, sondern eher verzagt. Entt�uscht.</p><p>Nat�rlich hatte er recht, das reichte nicht. Zumal ich mir nicht vorstellen konnte, wie er den weiteren Weg des Zuges verfolgen wollte. Die Schienen entlangzulaufen schien mir jedenfalls nicht das geeignete Vorgehen zu sein.</p><p>Wir sa�en uns gegen�ber, jeder in seine Gedanken versunken. Ich a� etwas von dem leckeren M�rbchen, denn die Regelm��igkeit langsamer Kaubewegungen hatte mir noch immer beim Denken geholfen. Dass ich unter furchtbarem Stress stand und trotzdem essen konnte, fiel mir in dem Moment gar nicht auf.</p><p>Lauenstein stand auf, goss seinen Kaffee in den Ausguss, sp�lte die Tasse aus und nahm sich neuen Kaffee. Nur sein M�rbchen r�hrte er nicht mehr an.</p><p>In Gedanken ging ich alle meine Kunden und ihre Berufe durch. Da waren Banker, B�rsenmakler, Werbeleute, Gesch�ftsleute mit Boutiquen auf der K� oder in irgendwelchen Shoppingzentren, die an jeder Ecke der Stadt aus dem Boden schie�en. Von einigen Kunden wusste ich nicht, was sie beruflich machten, zum Beispiel von Lauenstein, aber nach Stellwerksmitarbeitern der Deutschen Bahn sah keiner von denen aus. Irgendeine M�glichkeit musste es aber geben, den Weg des G�terzugs zu verfolgen.</p><p>�Kennen Sie niemanden bei der Bahn?�, fragte ich.</p><p>Lauenstein sch�ttelte den Kopf.</p><p>Mein Kopfweh h�mmerte in der Hirnschale und ich f�hlte mich v�llig zerschlagen. Ich wollte nur noch ins Bett. Andererseits f�hlte ich mich f�r den Schlamassel, in dem Lauenstein steckte, auch mitverantwortlich. Widerwillig lie� ich endlich den Gedanken zu, dass die Wiederbeschaffung der Leiche definitiv an mir h�ngen bleiben w�rde. Und der einzige Mensch, der mir dabei helfen konnte, war�� Troll. Sie hatte in ihren siebzehn Praktika in den unterschiedlichsten Branchen ein riesenhaftes Beziehungsnetzwerk gekn�pft, das mir jetzt bestimmt helfen konnte.</p><p>Ich sagte Lauenstein, dass ich eine Idee h�tte und jemanden anrufen w�rde. Die tiefe Verzweiflung verschwand aus seinem Gesicht und machte einer vorsichtigen Hoffnung Platz. Er sah aus wie ein Junge, dessen kaputtes Lieblingsspielzeug vielleicht doch noch repariert werden kann.</p><p>Sein Vertrauen r�hrte mich.</p><p>Ich ging zum Telefon.</p><p>Troll meldete sich sofort.</p><p>�Ich brauche deine Hilfe�, sagte ich.</p><p>�Was gibt�s?�, fragte sie.</p><p>Ich hatte keine Zeit f�r lange Erkl�rungen.</p><p>�Ich muss eine Leiche wiederfinden, die ich Freitagnacht in einen G�terwaggon gelegt habe�, sagte ich.</p><p>�Hast du was geraucht?�, fragte Troll zur�ck.</p><p>�Kein Alkohol, kein Nikotin, keine sonstigen Drogen. Nur Hustensaft.�</p><p>�Ich komme�, sagte sie, und mir fiel ein Stein vom Herzen. �Als Erstes will ich den Beipackzettel sehen.�</p><p>Ich setzte mehr Kaffee auf, denn ohne Koffein ist Troll wie eine Schaufensterpuppe: Sie kann herumstehen und Kleider tragen, aber weder denken noch handeln. Lauenstein beobachtete meine von regelm��igen Hustenanf�llen unterbrochenen Bem�hungen und z�gelte sichtlich seine Ungeduld. Endlich klingelte es, ich �ffnete die T�r und wurde von Troll f�rmlich �berrannt.</p><p>�Mensch, ist das kalt�, sagte sie, w�hrend sie mich zur Seite dr�ngte und an mir vorbei in die K�che st�rmte. �Wer ist das denn?�, schob sie hinterher.</p><p>�Das ist��, begann ich, w�hrend Troll sich an der Kaffeemaschine bediente.</p><p>�R�diger�, sagte Lauenstein schnell.</p><p>Troll und ich sahen uns an, ich verkniff mir das Lachen, sie nicht.</p><p>�Haben Sie Ihre Eltern wenigstens verklagt?�, fragte Troll. �Wegen seelischer Grausamkeit?�</p><p>Ich hielt die Luft an und beobachtete Lauenstein aus dem Augenwinkel. Nicht jeder versteht Trolls Humor und ihre direkte Art. Ich h�tte gewettet, dass Lauenstein den Witz gar nicht kapieren w�rde. Diese Wette h�tte ich verloren. Er grinste schief, das erste Mal, dass ich ein Grinsen an ihm sah. �Mein Anwalt sagt, dass die Aussicht auf Schadensersatz innerhalb der Familie verschwindend gering ist, deshalb habe ich es erst gar nicht versucht.�</p><p>Troll, die ihr Haar heute in bayrischen Rauten gef�rbt trug, setzte sich mit ihrem Kaffee an den Tisch und sagte zu mir: �Gef�llt mir, der Vogel. Wo ist der Beipackzettel?�</p><p>Dann entdeckte sie weitere M�rbchen in der T�te und schob sich eins fast vollst�ndig in den Mund.</p><p>Lauenstein blickte verst�ndnislos zwischen uns hin und her. Ich winkte ab.</p><p>�Was ich am Telefon �ber die Leiche gesagt habe, war mein Ernst�, sagte ich.</p><p>Troll konnte mit dem M�rbchen im Mund nicht antworten, sie riss aber die Augen weit auf und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich habe einen Toten im Haus von Herrn, �h, R�diger gefunden und gedacht, dass das ein Einbrecher sei, der hineingekommen ist, weil ich die T�r nicht richtig abgeschlossen hatte.�</p><p>Troll starrte mich an. Reglos. Sie kaute nicht mehr, schluckte nicht mehr, sch�ttelte nicht mehr mit dem Kopf. Fast unheimlich.</p><p>�Ich habe die Leiche also weggeschafft und Freitagabend in einen G�terwaggon gelegt, der gleich darauf losfuhr.�</p><p>Troll verschluckte sich und hustete nasse Kr�mel durch die Gegend.</p><p>�Leider stellte sich jetzt heraus, dass die Leiche kein Einbrecher war, sondern vermutlich der Vater von Herrn, �h, R�diger und daher m�ssen wir sie wiederbeschaffen.�</p><p>Trolls Blick irrlichterte zu Lauenstein, blieb dort aber nicht lang haften, sondern kam langsam und unter heftigem Blinzeln zu mir zur�ck.</p><p>�Wie bekommen wir heraus, wo der G�terwaggon von Freitagnacht abgeblieben ist?�, fragte ich.</p><p>Troll war immer noch nicht in der Lage zu sprechen, doch sie nahm ihr Telefon aus der Tasche und zeigte darauf.</p><p>�Wen rufen wir an?�, fragte ich.</p><p>Sie zuckte mit den Schultern.</p><p>Lauenstein und ich blickten uns an. Sein Blick schien zu fragen, ob ich ernsthaft glaubte, dass dieses Wesen mit der bayrischen Flagge auf dem Kopf zur L�sung unseres kleinen Problems beitragen k�nne. Ich nickte verschw�rerisch.</p><p>�Er hei�t Richard�, sagte Troll, sobald sie wieder sprechen konnte. �Er kann uns sicher weiterhelfen. Hast du weitere Details?�</p><p>Ich versuchte, mich an die Uhrzeit und die Beladung des G�terzugs zu erinnern und z�hlte alles auf, was mir in den Sinn kam. Die Autos, der Molkereitankwagen, die �berseecontainer. Sie zeigte keine Regung und nuckelte ununterbrochen an ihrem Kaffeebecher.</p><p>�Ich gehe dann mal telefonieren�, sagte sie pl�tzlich und ging hin�ber ins B�ro.</p><p>Lauenstein und ich blieben schweigend zur�ck.</p><p>Eigentlich wollte ich ihn fragen, in welcher Branche er t�tig war, woher er die ganzen Sachen mit der Leichenstarre wusste, ob er vielleicht Arzt, noch schlimmer: Rechtsmediziner war, aber gleichzeitig hielt ich es f�r unangebracht, die Situation auszunutzen und meine Neugier �ber die pers�nlichen Verh�ltnisse eines Kunden zu befriedigen. Mein Unternehmensmotto lautete schlie�lich Diskretion. Stattdessen fragte ich also unverf�nglich: �Noch Kaffee?� Er lehnte dankend ab.</p><p>Es dauerte mindestens zwanzig Minuten, bis Troll wiederkam, aber als sie endlich auf der T�rschwelle erschien und mich aus dem inzwischen unangenehmen Schweigen erl�ste, trug sie ein zufriedenes L�cheln im Gesicht.</p><p>�Richard war etwas ungehalten, dass ich ihn sonntags um diese Zeit st�re, aber er hat mir die Nummer des diensthabenden Disponenten gegeben. Der wollte wissen, warum ich diese bl�de Frage stelle, und ich habe ihm eine herzzerrei�ende Geschichte von meiner Katze erz�hlt, die mit seinem bl�den Waggon auf Reisen gegangen ist. Und jetzt kommt die gute Nachricht: Die leeren Waggons des Zuges sind nur zu einem Rangierbahnhof verschoben worden, weil sie heute Abend von dort zum Antwerpener Hafen gehen.�</p><p>�Wann?�, fragte Lauenstein.</p><p>�Um halb sieben geht es los.�</p><p>�Welcher Rangierbahnhof ist es?�, fragte ich.</p><p>�Montzen.�</p><p>�Montzen?�, fragten Lauenstein und ich wie aus einem Mund.</p><p>�Belgien�, sagte Troll. �Ich glaube, ihr solltet euch sputen.�</p><p>Wir blickten uns �berrascht an. Mir jedenfalls wurde erst in diesem Moment klar, dass wir beide gemeinsam auf die Jagd nach einer Leiche gehen w�rden. Ich f�hlte mich in eine dieser Hollywoodkom�dien versetzt, die ihren Spa� daraus ziehen, ein ungleiches Paar mit Handschellen aneinanderzuketten und peinlichen Situationen auszusetzen. Genau das stand Lauenstein und mir bevor.</p><p>Bevor ich etwas Sinnvolles sagen konnte, klingelte sein Handy. Mit einem leisen, warmen Glockenklang. Lauenstein nestelte hektisch in seiner Tasche, zog das Ger�t heraus und meldete sich.</p><p>�Ja, das ist richtig�, sagte er in einem Tonfall, den ich eher bei einem evangelischen Krankenhausseelsorger vermutet h�tte und der so klang, als fehle jetzt nur noch das �mein Sohn�.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, murmelte er weiter mit dieser samtigen W�rme in der Stimme. �Ich komme.�</p><p>Er klappte sein Telefon zu, blickte mich erst unsicher, dann zerknirscht an, straffte schlie�lich aber die Schultern und sagte in fast gesch�ftsm��igem Tonfall: �Ich f�rchte, Sie m�ssen allein nach Belgien fahren.�</p><p>Einen Augenblick glaubte ich noch, mich verh�rt zu haben, aber die steile Falte zwischen seinen Augenbrauen machte mir klar, dass dies weder ein Missverst�ndnis noch ein Witz war. Er erwartete allen Ernstes von mir, dass ich allein loszog. Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das kommt gar nicht in��</p><p>�Dies ist ein Notfall�, sagte er mit Blick auf sein Telefon. �Ein Todesfall.�</p><p>�Haben Sie gelegentlich auch Umgang mit Lebenden?�, warf Troll ein.</p><p>Lauenstein warf ihr einen missmutigen Blick zu.</p><p>�Es tut mir wirklich leid.� Er stockte, sammelte sich. �Ich hoffe inst�ndig, dass Sie das wieder in Ordnung bringen k�nnen.�</p><p>Er stand auf, machte einen Schritt zur T�r, z�gerte, kam zur�ck zum Tisch und streckte mir in einer linkischen Geste die Hand hin, die ich ergriff. Sein H�ndedruck war warm und fest.</p><p>�Tja, wenn�s was zu tun gibt, hauen die Kerle ab�, sagte Troll, die mit verschr�nkten Armen und verschlossenem Gesichtsausdruck neben dem Tisch stand. Lauenstein warf ihr einen d�steren Blick zu, nickte zum Abschied und zog die T�r hinter sich zu.</p><p>Ich hockte am Tisch und starrte hinter ihm her. Gerade eben war er mir fast sympathisch gewesen, aber das schob ich jetzt auf meinen Fieberwahn. Weder sein sch�chternes L�cheln noch sein lausb�bisches Grinsen noch sein unerwarteter Humor konnten die Tatsache aufwiegen, dass er sich in dem Moment, in dem es ernst wurde, verdr�ckte.</p><p>�Du hast doch nicht wirklich vor, nach Belgien zu fahren?�, fragte Troll. �Du siehst beschissen aus, bist todkrank und du hast Fieber.�</p><p>Ich nickte. Ich f�hlte mich in der Tat beschissen, todkrank und fiebrig. Und ich hatte ganz sicher keine Lust auf eine Spritztour nach Montzen, um dort eine Leiche aus einem Waggon herauszuzerren, in den ich sie erst unter gr��ter Anstrengung hineingehievt hatte. Andererseits hat meine Oma mir beigebracht, dass man seine Dummheiten selbst ausb�geln muss. Ich hatte keine Wahl. Komischerweise schien mich Troll auch ohne Antwort zu verstehen.</p><p>Sie warf einen Blick auf ihre Uhr, schnappte sich die T�te mit dem letzten M�rbchen und sagte: �Ich hatte heute sowieso nichts Besonderes vor und dich kann ich in dem Zustand unm�glich allein lassen. Ich fahre.�</p><p>Ich konnte mein Gl�ck kaum fassen, griff nach meinem Schl�sselbund und lief Troll nach, die bereits auf dem B�rgersteig stand und mit blo�en H�nden den frischen Schnee von meinem Auto fegte.</p><p>Den Weg nach Montzen verschlief ich zum gr��ten Teil. Ab und zu schreckte ich hoch und f�hlte mich wie ger�dert, als Troll mich endlich weckte.</p><p>Wir standen vor einem verschlossenen Tor.</p><p>�Mist�, entfuhr es mir. �Wie kommen wir da rein?�</p><p>�Von hier aus jedenfalls nicht.�</p><p>Sie setzte den Wagen zur�ck und fuhr an der Absperrung entlang. Der Zaun war drei Meter hoch und machte einen sehr stabilen Eindruck. Und er war unendlich lang.</p><p>�Du lieber Himmel�, sagte ich. �Wie finden wir auf diesem riesigen Gel�nde den richtigen Waggon?�</p><p>�Er steht bei P23�, sagte Troll, als w�re damit alles gesagt.</p><p>Mein Kopf f�hlte sich an, als wolle er gleich platzen, vermutlich waren alle Nebenh�hlen mit dickem, gr�nem Eiter vollgestopft. Die Hustenanf�lle kamen in Drei�ig-Sekunden-Abst�nden, jedes Mal glaubte ich, dass ich ein St�ckchen Lunge ausspucken w�rde. Ich war nicht in der Lage, die omin�sen P23 zu hinterfragen. Mir war alles egal. Ich vertraute mich Troll komplett an. Sie w�rde es schon richten.</p><p>Dort, wo die Stra�e vom Bahngel�nde wegf�hrte, endete der Superzaun. Troll fuhr ein paar Meter in einen Waldweg und parkte.</p><p>�Woher kennst du dich hier aus?�, fragte ich jetzt doch neugierig.</p><p>�Ich habe meine Quellen.�</p><p>�Richard?�</p><p>�Zum Beispiel.�</p><p>Wir stiegen aus, gingen die B�schung hoch und kamen an den alten Zaun des Bahngel�ndes. L�chrig und halb verrottet, ein Witz im Gegensatz zu der Hochsicherheitsgrenzbefestigung, die den s�dlichen Teil des Areals abschirmte. Problematisch waren nur die Ilex-Hecke und das Brombeergestr�pp. Troll ging auf der Suche nach einer L�cke an dem Dickicht entlang, ich stolperte auf dem Schneematsch hinter ihr her. Endlich hatten wir den Durchgang gefunden, von dem meine F�hrerin offenbar gewusst hatte, dass er hier irgendwo sein musste. Der geheimnisvolle Richard schien sich wirklich sehr gut auszukennen. �ber die Gr�nde f�r seine detaillierte Kenntnis illegaler Schleichwege auf ein G�terbahngel�nde wollte ich lieber nicht spekulieren.</p><p>Wir schl�pften durch das Loch. Troll wandte sich nach links, ich folgte ihr. Das Rumpeln der Z�ge, die hier zusammen- oder auseinandergekoppelt wurden, das Quietschen der Bremsen und das Pfeifen der Lokomotiven erf�llte die kalte, neblige Luft mit einem unheimlichen Krach. W�hrend wir an Gleisen entlangschlichen und �ber Puffer kletterten, hatte ich st�ndig Angst, dass genau dieser Zug in genau diesem Moment losfahren und uns zerquetschen w�rde. Einmal war es nahe dran, aber wie durch ein Wunder blieben wir verschont.</p><p>Ich gl�hte inzwischen vor Fieber und f�hlte mich wie in einem Cyberanzug. Zwar hatte ich den Eindruck, hier zu sein, aber gleichzeitig war ich mir sicher, dass dies nicht die echte Wirklichkeit war. W�rde ich so etwas in einem Roman lesen, f�nde ich es garantiert unglaubw�rdig und konstruiert. Ich fing an, mich selbst zu bemitleiden.</p><p>H�tte ich mich doch niemals selbstst�ndig gemacht. Ich musste gr��enwahnsinnig gewesen sein. F�r dieses Leben war ich einfach nicht geschaffen. Man sah ja, wohin das f�hrte. Als arbeitslose Werbekauffrau h�tte ich mich einige Monate in der sozialen H�ngematte ausruhen k�nnen, um dann irgendwann einen schlecht bezahlten Job bei einem narzisstischen Wichtigtuer anzunehmen. H�tte regelm��ig in dessen geweitete Nasenl�cher geschaut und so getan, als w�rden sowohl dieser Anblick als auch sein dummes Gerede mich v�llig verz�cken. W�re das wirklich so schlimm gewesen? Nein. In diesem Moment kam mir diese Vorstellung wie der Himmel auf Erden vor.</p><p>Stattdessen w�rde mich vermutlich gleich die Bahnpolizei erwischen, wie ich gerade mit einer Leiche �ber der Schulter das Gel�nde verlie�. Das w�re dann unbefugtes Betreten und Diebstahl. Vielleicht w�rden sie mir sogar einen Mord in die Schuhe schieben.</p><p>Mord!</p><p>Wie hatte ich nur so d�mlich sein k�nnen, Lauenstein seine l�cherliche Version vom sanft entschlafenen Papa abzukaufen? Vermutlich hatte er ihn auf niedertr�chtigste Art und Weise vom Leben zum Tode bef�rdert und das w�rde man nun mir anh�ngen. Ich schluchzte laut auf.</p><p>Troll drehte sich zu mir um. Sie riss die Augen auf. �Wie siehst du denn aus?�</p><p>Woher sollte ich das wissen, ich konnte mich ja nicht sehen. Wenn ich allerdings nur halb so schlecht aussah, wie ich mich f�hlte, konnte ich Trolls Entsetzen verstehen.</p><p>Troll legte mir ihre eiskalte Hand auf die Stirn. �Himmel, du gl�hst ja.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Wir blasen die Aktion ab. Komm wir hauen ab.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein, wir ziehen die Sache durch. Koste es, was es wolle.�</p><p>Ich fand mich mit meiner schleppenden Aussprache nicht gerade �berzeugend, aber Troll lenkte ein.</p><p>�Na gut�, sagte sie. �Da vorne muss es sein.�</p><p>Wie durch ein Wunder fanden wir P23. Der Abschnitt war ungef�hr zweihundert Meter lang. Wir trennten uns, begannen an den beiden entgegengesetzten Enden und arbeiteten uns Waggon f�r Waggon aufeinander zu. Ich war die Gl�ckliche, die ihn fand.</p><p>Der Mann lag noch genau so da, wie ich ihn Freitagnacht in den Waggon gelegt hatte. Ich rief Troll, die mit unsicheren Schritten �ber den rutschigen, unebenen Boden herbeieilte. Sie warf einen Blick auf das Kleiderb�ndel und holte h�rbar Luft.</p><p>�Das ist also R�digers Papa.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Und du hast den Typ allein in deinen Kofferraum geladen und in diesen Zug gesteckt?�</p><p>�Hm.�</p><p>Ihr Blick, mit dem sie mich von der Seite musterte, war eindeutig bewundernd.</p><p>Wir nickten uns in schweigendem Einverst�ndnis zu. Wir mussten zu Ende bringen, wof�r wir hierhergekommen waren. Gemeinsam zogen wir an dem Fu�, der uns am n�chsten war. In dem Moment, als der K�rper sich bewegte, flitzten zwei kleine, schwarze Schatten quiekend los, einer davon �ber meinen Arm. Troll schlug reaktionsschnell danach und das quiekende Pelztier flog in hohem Bogen gegen die Waggonwand. Wir blickten uns entsetzt an.</p><p>�Geh einen Schritt zur�ck�, sagte Troll.</p><p>Kurz und heftig zog sie den K�rper am Fu� in eine g�nstigere Position zu uns her. Diesmal flitzte nichts.</p><p>Entschlossen packten wir die Arme und Beine und schleppten das unhandliche Paket ein paar Meter weit, wo wir es schnaufend wieder ablegten. Letzten Endes zerrten wir den Mann im Rettungsgriff r�ckw�rts weiter, die abgelaufenen Hacken der Schuhe zogen dabei Rillen in den Schnee. V�llig nass geschwitzt kamen wir mit unserer Fracht nach �ber einer halben Stunde am Auto an.</p><p>An die R�ckfahrt habe ich keine Erinnerung, vermutlich habe ich wieder die ganze Zeit geschlafen. An der D�sseldorfer Stadtgrenze weckte Troll mich.</p><p>�Wohin jetzt mit ihm?�, fragte sie.</p><p>Ich nannte ihr Lauensteins Adresse. Troll fuhr vor und klingelte, aber niemand �ffnete. Ich begl�ckw�nschte mich zu meiner Geistesgegenwart, neben meinen privaten Schl�sseln auch die meiner Kunden eingesteckt zu haben, und schloss das Tor auf. Troll fuhr den Wagen vor die T�r des K�hlraums, mit vereinten Kr�ften luden wir das Diebesgut ab, sie knallte die Heckklappe zu und fuhr den Wagen wieder auf die Stra�e. Ich stand einen Moment unschl�ssig herum. Sollten wir ihn einfach hier drau�en liegen lassen? Ich war so fertig, dass ich mich kaum noch r�hren konnte und Troll hatte mit dem Thema offensichtlich abgeschlossen, denn sie sa� im Auto und hupte ungeduldig. Ich zuckte mit den Schultern, schloss das Tor ab und schleppte mich mit letzter Kraft auf den Beifahrersitz. Troll brachte mich nach Hause.</p><p>Sie schloss meine Wohnungst�r auf, bugsierte mich ins Schlafzimmer und fing an, mich auszuziehen. Die ganze Zeit murmelte sie beruhigend vor sich hin, aber erst, als sie sich selbst auszog und mit unter meine Bettdecke schl�pfte, verstand ich, was sie sagte: �Wer braucht schon M�nner. Das haben wir zwei H�bschen doch ganz toll allein hinbekommen.� Dann k�sste sie mich auf den Mund.</p><p>Meine Reaktion war reflexhaft. Ich stie� sie so heftig von mir, dass sie aus dem Bett fiel. Sie rappelte sich hoch, starrte mich mit Tr�nen in den Augen an, sammelte ihre Kleider zusammen und st�rmte aus der Wohnung.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Die folgenden zwanzig Stunden verschlief ich. Lauenstein versuchte in der Zeit neun Mal, mich anzurufen, aber ich h�rte noch nicht einmal das Klingeln. Wirklich wach wurde ich erst, als Lisbeth sich mit einem besorgten Gesichtsausdruck �ber mich beugte und einen sehr unheiligen Fluch ausstie�. Wie durch Nebelschleier bekam ich mit, dass sie jemanden anrief, mich in eine Decke wickelte und auf dem Sofa parkte, w�hrend sie das Bett neu bezog, nebenbei Tee kochte und mir schl�ckchenweise Hustensaft einfl��te. Dann kam ein Mann, der mich gegen meinen Willen und trotz heftiger Gegenwehr aus meiner Decke wickelte und mir einen eiskalten Gegenstand auf den R�cken presste, der sich als Stethoskop entpuppte. Die Aufforderung, tief zu atmen, konnte er sich sparen, denn ich schnappte nach Luft, sobald das kalte Metall meine Haut ber�hrte, und begann dann zu husten, dass dem armen Herrn Doktor mit den St�pseln im Ohr vermutlich die Trommelfelle flatterten. Er diskutierte aufgeregt mit Lisbeth, wobei mehrfach das Wort Krankenhaus fiel, aber ich h�rte gar nicht richtig zu. Mir war alles egal. Lisbeth verschwand, kam kurz darauf wieder und zwang mich, eine riesengro�e Tablette zu schlucken. Dann ging sie ins B�ro, wo ich sie telefonieren h�rte. Den Rest des Tages und die folgende Nacht verschlief ich wieder.</p><p>Zwischen meinen Tiefschlaf- oder Wachphasen tr�umte ich wirres Zeug von Leichen, die in meiner Wohnung herumlagen, ich tr�umte von Lauenstein und von Greg, wobei mal der eine und mal der andere tot war. In einem anderen Traum stand ich an einem offenen Grab, vor dem Lauenstein auf dem Boden hockte und mich um Verzeihung bat. Die Tr�ume verst�rten mich zutiefst und ich f�rchtete, dass ich einen ernsthaften, bleibenden Schaden davongetragen hatte.</p><p>Erst allm�hlich tauchte meine Oma in den Tr�umen auf und half mir, mit all den Toten fertig zu werden. Und mit Troll, denn sie stand immer irgendwo am Bildrand herum und starrte mich mit vorwurfsvollen Blicken an.</p><p>Zwei weitere Tage vergingen, w�hrend derer Lisbeth mich morgens und abends besuchte, mir Suppe und Tee und Antibiotika eintrichterte und gelegentlich mit Kunden telefonierte. Donnerstagabend scheuchte sie mich aus dem Bett, damit ich gemeinsam mit ihr am Tisch zu Abend a�. Es fiel mir schwer.</p><p>�Was hast du eigentlich mit diesem Lauenstein?�, fragte Lisbeth.</p><p>Mein Hustenanfall war nicht gespielt. Nach einer Weile war ich in der Lage zu fragen: �Wie kommst du darauf, dass ich �berhaupt was mit Lauenstein habe?�.</p><p>Lisbeth sah mich sp�ttisch an. �Kind, mir kannst du nichts weismachen. Er hat am Sonntagabend und im Verlauf des Montags neun Mal versucht, dich zu erreichen. Das sieht nicht danach aus, als wolle er lediglich �ber Putzauftr�ge mit dir sprechen.�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern, hielt die Augen starr auf meine Suppe geheftet und schwieg.</p><p>�Als ich am Montag bei ihm war, hatte er extra auf mich gewartet und fragte, wie es dir ginge. Er machte sich Sorgen, weil er dich nicht erreichen konnte und wusste, dass du letzte Woche krank warst.�</p><p>Wie r�hrend. Allerdings w�re es noch r�hrender gewesen, wenn er mich nicht allein nach Belgien h�tte fahren lassen.</p><p>�H�flicher Mensch�, murmelte ich, w�hrend ich weiter Nudelsternchen z�hlte.</p><p>�Corinna Leyendecker�, ermahnte Lisbeth mich mit schneidender Stimme. �Du verheimlichst mir etwas.�</p><p>Das stimmte, und das w�rde auch so bleiben. Es macht schlie�lich keinen Sinn, jemandem zu sagen, was man ihm verheimlicht, denn dann ist es ja nicht mehr geheim. Ich hatte nicht den Hauch von Lust, Lisbeth die ganze Geschichte zu erz�hlen. Obwohl Lisbeth sicher nicht zur Hysterie neigte und vermutlich zu Gesetz und Totenruhe ein angemessen entspanntes Verh�ltnis pflegte, wollte ich ihr diese R�uberpistole nicht zumuten. Und mir auch nicht mehr. Ich wollte diese ganze Sache nur noch vergessen und Lauenstein nie wiedersehen.</p><p>�Jetzt spann mich doch nicht so auf die Folter. Was l�uft da?�, bedr�ngte mich Lisbeth noch einmal.</p><p>�Nichts�, erwiderte ich stur, wenn auch mit einem schlechten Gewissen. Immerhin hatte Lisbeth mich in den letzten Tagen am Leben erhalten. �Nichts, was erw�hnenswert w�re.�</p><p>�Schade�, seufzte Lisbeth mit einem feinen L�cheln. �Ich hatte gehofft, dass sich in deinem Privatleben endlich etwas Erw�hnenswertes tut.�</p><p>Oh, da h�tte ich ihr erz�hlen k�nnen, dass meine lesbische Freundin Troll meine grippebedingte Hilflosigkeit zu einem sexuellen �bergriff genutzt hatte, worauf ich sie aus meinem Bett bef�rdert hatte. Und jetzt meldete sie sich nicht mehr bei mir, was mich Schlimmstes bef�rchten lie�.</p><empty-line/><p>Wobei das, was dann kam, noch schlimmer war als vermutet.</p><p>Lisbeth r�umte gerade das Geschirr ab, als das Telefon klingelte. Zum ersten Mal seit Sonntag antwortete ich selbst.</p><p>�Gott sei Dank, endlich erreiche ich Sie�, rief eine Stimme, die ich sofort erkannte: Lauenstein. Seine Stimme klang gepresst, in meinem Kopf gingen s�mtliche Alarmsirenen los. Lauenstein h�rte sich nicht so an, als wolle er mir freundlich f�r die Wiederbeschaffung seines Vaters danken.</p><p>�Was kann ich f�r Sie tun?�, fragte ich in meinem h�flichen Tonfall, den ich f�r Kundengespr�che anschlage.</p><p>�Schauen Sie mal auf Ihre Homepage.�</p><p>Ich klemmte mir den schnurlosen H�rer ans Ohr, ging ins B�ro, warf den Computer an und rief meine Internetseite auf.</p><p>�Ich habe die Startseite jetzt ge�ffnet�, sagte ich.</p><p>�Gehen Sie zur Leistungs�bersicht.�</p><p>Ich klickte weiter. Wir hatten zu jeder angebotenen Leistung ein Foto in Briefmarkengr��e neben den Text gestellt. Die Bilder hatte Troll von einer Fotoagentur besorgt. Sie zeigten junge, h�bsche, gut gelaunte Frauen beim Fensterputzen, Einkaufen, Kochen, B�geln und so weiter. Seit Neuestem gab es einen weiteren Punkt in der Leistungs�bersicht, der sich �Entsorgung� nannte. Das Bild zeigte einen zusammengerollten Teppich, aus dem zwei F��e ragten.</p><p>Ich schnappte nach Luft.</p><p>�Haben Sie das Firmenschild gesehen?�, fragte Lauenstein.</p><p>Firmenschild? Wovon redete der Mann? Ich fuhr mit der Maus �ber das Bild, der Mauszeiger verwandelte sich in einen Finger. Seltsam. Wir hatten nirgendwo Vergr��erungen hinterlegt. Ich klickte auf das kleine Bild. Umgehend erschien das Foto auf der gesamten Bildschirmgr��e. Der Teppich mit der Leiche drin lag neben einem Hauseingang unter einem Firmenschild. Die erste Zeile des Firmenschildes war zu klein, als dass ich sie h�tte lesen k�nnen, aber die zweite sprang mir direkt ins Auge: Lauenstein GmbH.</p><p>�Schei�e�, entfuhr es mir.</p><p>�Genau�, sagte Lauenstein. �Und jetzt raten Sie mal, wie ich darauf aufmerksam wurde.�</p><p>Ich habe noch nie gut raten k�nnen, und wenn das Gehirn im Schockzustand weilt, geht es erst recht nicht.</p><p>�Spannen Sie mich nicht auf die Folter�, sagte ich. Es klang barscher, als beabsichtigt.</p><p>�Ich habe eine freundliche E-Mail bekommen mit dem Hinweis, dass die Schmutzengel ihr Service-Angebot erweitert haben. Dabei war ein direkter Link zu diesem Bild.�</p><p>Ich schloss die Augen.</p><p>�Im Empf�ngerfeld standen mindestens f�nfzig Mailadressen.�</p><p>Auch das noch.</p><p>�Was soll das?�, fragte Lauenstein, nachdem ihm das Schweigen an meinem Ende der Leitung wohl etwas zu lang dauerte.</p><p>�Ich wei�, wer mir das angetan hat�, sagte ich.</p><p>�IHNEN?�, br�llte Lauenstein. �Da haben Sie wohl etwas verwechselt. MIR hat man das angetan. MEIN Name steht auf dem Firmenschild. Und in meiner Branche kommt diese Art von Humor nicht gut an, das kann ich Ihnen sagen. Zumal gerade jetzt, wo� ach, egal. Sorgen Sie nur daf�r, dass dieses Bild da verschwindet und zwar umgehend.�</p><p>Er legte auf.</p><p>Zumal gerade jetzt? Was sollte das denn bedeuten? Nat�rlich war es gerade eine schwierige Zeit f�r Lauenstein. Wenn die Polizei nun zuf�llig auf meiner Internetseite auf Lauensteins Namen und das Foto st��t, dann w�ren wir beide verloren.</p><empty-line/><p>Ich starrte weiter auf meine eigene Homepage. Es gab nur eine Person, die Zugriff auf meine Homepage und die E-Mail-Adressen meiner Kunden hatte. Die Person, die diese Homepage gestaltet hatte und sich um die regelm��ige Aktualisierung k�mmerte. Die Person, die ich bis vor ein paar Tagen f�r meinen besten Freund auf Erden gehalten hatte. Die Person, die sich in mich verliebt hatte und von meiner fiebrigen Zur�ckweisung offenbar mehr gekr�nkt war, als ich f�r m�glich gehalten h�tte. Und die sich jetzt auf grausame Weise an mir r�chte. Tabea Trollinger.</p><p>Ich w�hlte ihre Nummer, bekam aber keinen Anschluss. Ich war sicher, dass sie meine Nummer erkannt und mich weggedr�ckt hatte. Ich w�hlte erneut und weitere zw�lf Mal, aber sie lie� sich nicht erweichen. Dann klingelte mein Telefon. Der n�chste Kunde rief an und kommentierte meinen Werbegag, den er gewagt aber witzig fand. Ich dankte h�flich und legte auf. Ich war nass geschwitzt und das lag nicht nur am abklingenden Fieber. Wie konnte ich die Situation retten, wenn Troll sich so sturk�pfig zeigte? Von hier aus lie� sich mein Internetauftritt weder bearbeiten noch abschalten. Troll hatte mich v�llig in der Hand. Und ich fragte mich, was zum Teufel sie sonst noch vorhatte. Wenn sie eine Entschuldigung wollte, sollte sie gef�lligst ans Telefon gehen. Tat sie aber nicht. Die Frage war: Wie lange wollte sie mich leiden lassen? Oder wollte sie, dass ich pers�nlich vor ihr zu Kreuze kroch? Gut, wenn es um mein Gesch�ft ging, war ich zu allem bereit. Ich ging ins Schlafzimmer und zog mich an, denn im Nachthemd wollte ich ihr nicht gegen�bertreten.</p><p>Lisbeth starrte mir hinterher, als ich in Jeans, Pulli und Jacke an ihr vorbeisauste.</p><p>�Moment, meine Liebe. Du bist krank und geh�rst wieder ins Bett.�</p><p>Ich wusste genau, was sie mit krank meinte. Meine Beine f�hlten sich an, als best�nden sie aus verzwirbelter Watte und in meinem Kopf drehte sich alles.</p><p>�Ich w�rde auch lieber schlafen und vergessen, aber es geht nicht�, entgegnete ich.</p><p>Lisbeth blickte mich mit deutlicher Ver�rgerung an. �Beim Essen hast du mir noch erz�hlt, dass zwischen Lauenstein und dir nichts l�uft. Ein paar Minuten sp�ter ruft der Mann an und du rennst Hals �ber Kopf los.� Sie griff nach Mantel und Tasche. �Ich verlange nicht, von dir in jedes Geheimnis deines Privatlebens eingeweiht zu werden, aber eine offenkundige L�ge kann ich sicherlich nicht akzeptieren�, f�gte sie mit einem strafenden Blick hinzu.</p><p>�Es ist eine Sache, die mit dem Gesch�ft im Grunde�� gar nichts zu tun hat, h�tte ich sagen wollen, aber Lisbeth lie� mich nicht zu Wort kommen.</p><p>�Ich habe keinen gro�artigen Dank daf�r erwartet, dass ich mich um dein Unternehmen und um dich k�mmere, solange es dir nicht gut geht, aber verarschen lasse ich mich nicht.�</p><p>�Das war nie meine Absicht, nur, es ist so kompliziert��, stammelte ich hilflos.</p><p>�Kompliziert ist keine Entschuldigung�, entgegnete sie spitz. �Wir sind beide nicht dumm, wir k�nnten auch �ber komplizierte Dinge reden, wenn wir nur beide wollten.� Sie rauschte aus der Wohnung, bevor ich ihr die Sache erkl�ren konnte.</p><empty-line/><p>Super. Damit war ich bei Troll, bei Lauenstein und nun auch noch bei Lisbeth unten durch. Der einzige Mensch, den ich in den letzten Tagen nicht vor den Kopf gesto�en hatte, war meine Oma. Aber die war ja noch immer auf ihrer Rundreise. Also stand es drei zu eins gegen mich, und diese drei waren nur diejenigen, bei denen ich mir absolut sicher war. Die Anzahl der Kunden, die den Werbegag nicht gewagt und schon gar nicht witzig, sondern nur geschmacklos fanden, wollte ich gar nicht wissen. Es wurde Zeit, dass ich Troll zur Vernunft brachte.</p><p>Es war gerade erst halb sieben, ich w�rde Troll also noch bei AIQ antreffen. Der Verkehr war wie immer katastrophal, und ein Parkplatz war auch nicht zu finden, aber mir war heute nicht rechtschaffen zumute, also stellte ich mein Auto ins Parkverbot�� eingeklemmt zwischen zwei Blumenk�beln, die zumindest das Abschleppen unm�glich machten.</p><p>Bei AIQ st�rmte ich in Christines Zimmer, ohne anzuklopfen und ohne die fast unterw�rfige Zur�ckhaltung, die sie noch von mir kannte.</p><p>�Ist Troll hier?�, fragte ich ohne Gru�.</p><p>Christine starrte mich an, als w�sste sie nicht mehr, wer ich bin. �Corinna?�, fragte sie dann mit aufgerissenen Augen, die von meinem Gesicht abw�rts wanderten und wieder zur�ck, wo sie meinen Blick �berrascht erwiderten.</p><p>�Du hast dich aber ver�ndert��</p><p>Ich wollte gar nicht wissen, in welcher Hinsicht ich mich ver�ndert hatte und auch ansonsten hatte ich keinerlei Interesse an verbindlicher Konversation oder irgendwelchen Erkl�rungen, ich wollte nur eins: Mein Leben retten.</p><p>�Entschuldige den Auftritt, aber ich muss unbedingt mit Troll sprechen.�</p><p>�Sie m�sste oben sein��</p><p>Ich gew�hnte mich langsam daran, Menschen vor den Kopf zu sto�en. Also machte ich auch jetzt auf dem Absatz kehrt und hastete den Flur entlang. �Oben� bezeichnete einen riesigen Raum, in dem sich bequeme Sessel, Gymnastikb�lle, ein gro�er Tisch, mehrere Tafeln an der Wand und jede Menge Spielzeug, darunter Fingerfarben, Knetgummi und weitere Kreativit�tsf�rderer befanden. Dort lungerten die Kreativen herum, wenn sie auf der Suche nach neuen Ideen waren. Ich stampfte die Wendeltreppe hoch.</p><p>�Sieh an, die Unternehmerin�, sagte Troll laut. Sie hatte mich als Erste entdeckt. Greg, seine neue Flamme Sue und ein junger Mann, den ich nicht kannte, wandten die K�pfe. Sue arbeitete auch hier? Und dann auch noch als Kreative? Hatte ich das gewusst? F�r einen Moment war ich unsicher.</p><p>Trolls �Was ist?� brachte mich wieder zur Besinnung. Ihre Stimme sollte wohl gelangweilt klingen, aber ich h�rte einen ver�rgerten Unterton heraus. Nein, ich war hier wirklich nicht willkommen.</p><p>�Bitte nimm das Foto von der Internetseite�, sagte ich.</p><p>�Warum?� Jetzt klirrte eisige K�lte in ihren Worten. �Ist doch eine prima Werbung f�r dich. Ich bin sicher, der Wettbewerb bietet so etwas nicht an.�</p><p>�Ich biete so etwas auch nicht��</p><p>�Doch�, unterbrach sie mich. �Du tust alles f�r deine kleinen, spie�igen Kunden. Und f�r dein kleines, spie�iges Unternehmen. Dabei gehst du auch �ber Leichen. Im wahrsten Sinne des Wortes.�</p><p>Mir stieg das Blut in den Kopf, mein Herzschlag beschleunigte sich. Ich musste auf jeden Fall verhindern, dass die Geschichte hier vor Zeugen in epischer Breite diskutiert wurde. �Troll��</p><p>�Mein Name ist Tabea.� Ihre Stimme war schrill geworden, sie hatte Tr�nen in den Augen. �Oder glaubst du, ich sei ein empfindungsloses Hutzelwesen, das rohes Kaninchenfleisch und zum Nachtisch ein paar M�cken frisst?�</p><p>Ich schluckte. Niemals hatte ich mir Gedanken dar�ber gemacht, ob dieser Spitzname, den ich einfach so �bernommen hatte, ihr wehtun k�nnte.</p><p>�Kinder, wor�ber streitet ihr euch eigentlich?�, fragte der Mann, den ich nicht kannte.</p><p>�Bist du krank?�, fragte Greg.</p><p>Ich meinte, einen besorgten Tonfall in seiner Stimme zu h�ren und war ger�hrt. Greg sah verdammt gut aus in seinem schwarzen Hemd und mit dem Dreitagebart. Au�erdem schien er der Einzige hier zu sein, der mir nicht mit Ablehnung entgegentrat. Am liebsten h�tte ich mich neben ihn auf das rote Sofa gesetzt, meinen Kopf an seine Schulter gelegt und mich so richtig ausgeheult. Allerdings schien mir die Situation nicht die passende zu sein. Sue hatte die Besorgnis in seiner Stimme wohl auch wahrgenommen, denn sie warf ihm w�tende Blicke zu. Was fand Greg blo� an diesem Rippengestell?</p><p>�Unsere liebe Corinna ist tats�chlich ziemlich krank�, �tzte Troll jetzt mit einer Stimme, die vor Sarkasmus troff. �Sie schafft f�r ihre Kunden sogar die Toten weg.�</p><p>Jetzt war es heraus. Sue stie� einen spitzen Schrei aus, Greg starrte Troll mit einem ziemlich d�mlichen Gesichtsausdruck an, nur der Unbekannte schenkte mir ein breites Grinsen. �Was kostet der Service denn? Ich h�tte da vielleicht Bedarf.�</p><p>�Corinna, das ist doch nicht wahr, oder?�, stammelte Greg.</p><p>Ich ignorierte ihn und schaute weiterhin Troll unverwandt an.</p><p>�Tabea, bitte.� Ich bettelte. Ich wusste es. Sie wusste es auch. Aber sie blieb hart.</p><p>�Du bist nicht gekommen, weil es dir leid tut und du dich entschuldigen willst�, sagte sie mit schneidender Stimme. �Das h�ttest du n�mlich schon viel fr�her tun k�nnen.�</p><p>�Warum muss sie sich denn bei dir entschuldigen?�, fragte der Unbekannte.</p><p>�Hat sie dich angestiftet?�, fragte Greg mich.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du bist nur hier, weil dein Unternehmen in Gefahr ist. Das ist dir wichtiger als alles andere auf der Welt. Du bist eine herzlose Karrierezicke geworden, die andere Menschen f�r ihre Zwecke einspannt.�</p><p>Tabeas Worte trafen mich wie Peitschenhiebe.</p><p>�Hey, Kinder�, mischte sich der Unbekannte wieder ein, �was ist denn nun mit dem Entsorgungsdienst? Also, mein Vermieter��</p><p>Tabea beachtete ihn gar nicht. �Ich finde, dass du mit dem kleinen Spa�, den ich mir erlaubt habe, noch ganz gut davonkommst.�</p><p>�Dann lass wenigstens Lauenstein da raus�, bat ich.</p><p>Tabea sah mich an, als habe ich nicht mehr alle Tassen im Schrank. �Gerade den soll ich verschonen?�, fragte sie mit schriller Stimme. �Gerade den?�</p><p>Jetzt war ich v�llig verwirrt. �Was hat er dir denn getan?�</p><p>Sie sah mich erst ungl�ubig, dann sp�ttisch an. �Du wirst schon noch dahinterkommen�, sagte sie.</p><p>Ich kapierte gar nichts mehr. Dass meine Zur�ckweisung sie verletzt hatte, dass sie sich ausgenutzt f�hlte, konnte ich nachvollziehen. Dass sie entt�uscht war, weil ich mich nicht gemeldet hatte, begriff ich. Aber was hatte das alles mit Lauenstein zu tun?</p><p>Verdammt noch mal. Ich wollte doch nur, dass sie meine Homepage wieder in den Originalzustand brachte und mir versprach, in Zukunft solche Witze zu unterlassen.</p><p>�Bitte�, sagte ich daher noch einmal und versuchte, einen bittenden, unterw�rfigen, schmeichlerischen Unterton in dieses eine Wort zu legen.</p><p>�Nein�, entgegnete sie kalt. �Erst, wenn du dich wirklich entschuldigt hast. Pers�nlich. Ohne den Hintergedanken an dein Unternehmen. Von Mensch zu Mensch. Dann ja. Vorher nicht.�</p><p>�Wof�r entschuldigen?�, fragte der Unbekannte wieder.</p><p>�Das geht dich doch gar nichts an�, sagte Greg.</p><p>�Und dich auch nicht�, keifte Sue.</p><p>Greg sah mich mit einem, wie ich fand, entschuldigenden Blick an und zuckte leicht die Schultern. Ich drehte mich um und rannte die Wendeltreppe runter.</p><p>Ich verlie� AIQ, ging zu meinem Auto, warf das Kn�llchen in den Rinnstein, fuhr nach Hause und heulte mich in den Schlaf. Die sieben Nachrichten auf meinem Anrufbeantworter sparte ich mir f�r den n�chsten Tag auf.</p><empty-line/><p>Der n�chste Tag war ein Freitag. Zw�lf Tage waren seit dem unseligen Fund in Lauensteins K�hlraum vergangen. Irre Tage, in denen mein Leben komplett auf den Kopf gestellt wurde, in denen ich meinen �berschaubaren neuen Freundeskreis auf nahezu null reduziert hatte, in denen ich nicht nur mit einem, sondern garantiert mit beiden F��en auf dem Weg ins Gef�ngnis war. Was w�rde meine Oma zu all dem sagen? �Verscherze es dir nicht mit deinen Freunden, Kind. In harten Zeiten brauchst du sie mehr denn je. Was ist mit Lisbeth? Sie ist nicht nachtragend und es muss schon Schlimmeres passieren, dass sie meiner Enkelin die Freundschaft k�ndigt. Rede mit ihr.�</p><p>Also rief ich Lisbeth an.</p><p>�Brauchst du wieder etwas?�, fragte Lisbeth in einem selbst f�r ihre Verh�ltnisse schroffen Tonfall.</p><p>Ich hatte mir keine Gedanken dar�ber gemacht, was ich ihr sagen w�rde, daher antwortete ich spontan: �Ich m�chte dich zum Essen einladen.�</p><p>Einen Augenblick war es still in der Leitung. �Warum?�, fragte Lisbeth gedehnt.</p><p>Mir fielen einige m�gliche Antworten ein, ich entschied mich f�r: �Ein Drittel Dankesch�n, ein Drittel leibliche Bed�rfnisse, ein Drittel Bestechung.�</p><p>�Ein Punkt f�r Ehrlichkeit�, sagte Lisbeth. �Aber ich komme nur unter einer Bedingung mit.�</p><p>�Akzeptiert�, sagte ich.</p><p>�Du kennst doch die Bedingung noch gar nicht.�</p><p>�Egal�, entgegnete ich. �Ich akzeptiere alles.�</p><p>�Du erz�hlst mir die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.�</p><p>Den Spruch hatte sie sicher auch wieder aus einem amerikanischen Spielfilm, aber ich versprach ihr, was sie wollte.</p><p>Wir trafen uns um eins in einem kleinen spanischen Restaurant, das Lisbeth ausgesucht hatte. Die Zeit bis dahin hatte ich vornehmlich damit verbracht, E-Mails zu lesen, den Anrufbeantworter abzuh�ren, Kunden zur�ckzurufen und mehrmals auf der Internetseite zu �berpr�fen, ob das Foto noch drauf war. Es war.</p><p>�Also�, sagte Lisbeth, nachdem sie kanarischen Kichererbseneintopf mit dem sch�nen Namen <emphasis>ropa vieja</emphasis>, f�r zwei bestellt hatte.</p><p>�Was bedeutet <emphasis>ropa vieja</emphasis>?�, fragte ich, um Zeit zu schinden.</p><p>�Alte W�sche.�</p><p>Das passte. Genau so f�hlte ich mich.</p><p>�Und jetzt erz�hl. Was ist los?�</p><p>Ich seufzte. Wo sollte ich blo� anfangen?</p><p>�Wann war der letzte normale Tag in deinem Leben?�, fragte Lisbeth.</p><p>Eine gute Frage. Ich lie� die letzten Wochen vor meinem geistigen Auge Revue passieren. Da fiel mir auch Lisbeths Krankheit ein, nach der ich mich nie mehr erkundigt hatte. Langsam bekam ich den Eindruck, dass ich wirklich das egoistische Monster war, als das Tabea mich sah. Ich erkundigte mich nach Lisbeths Gesundheitszustand, aber sie winkte ab.</p><p>�Das ist nicht der Rede wert, mein Kind.�</p><p>Ich beschloss, ihr diese Anrede auch in Zukunft durchgehen zu lassen, Chefin hin oder her. Es tat mir einfach gut, von jemandem, der seine sch�tzende Hand wohlmeinend �ber mich hielt, so genannt zu werden. Oma hatte dieses Recht immer schon gehabt, jetzt hatte sich auch Lisbeth als w�rdige Besch�tzerin erwiesen. Ich l�chelte.</p><p>Dann sammelte ich mich und erz�hlte ihr alles. Von Anfang an. Lisbeths Mienenspiel war oskarw�rdig.</p><p>�Du hast den Toten in deinem Auto herumgefahren? Drei Tage lang?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�An dem Tag, als du Herrn Metzenrath zu Weber h�ttest fahren sollen, hattest du eine Leiche im Kofferraum?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�W�hrend wir in meiner K�che sa�en?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Bei der Fernsehaufzeichnung�?�</p><p>Wieder nickte ich. Lisbeth wurde blass. Ich erz�hlte schnell weiter, von Lauensteins Besuch am Sonntagmorgen, der ihr ein zufriedenes Hab-ich-es-nicht-gesagt-Gesicht entlockte und von Tabeas und meinem Ausflug nach Belgien, der sie sichtlich ersch�tterte.</p><p>�Tabea?�, fragte Lisbeth mit einer steil in die H�he gezogenen Augenbraue.</p><p>�Das ist ihr richtiger Name. Nicht Troll.�</p><p>�Ihr habt euch gestritten.�</p><p>Das war eine Feststellung, keine Frage. Ich nickte, meine Nase tief �ber den Teller mit dem hervorragenden Kichererbseneintopf gebeugt.</p><p>�Wor�ber?�</p><p>�Sie hat sich in mich verliebt und ich habe sie im wahrsten Sinne des Wortes von der Bettkante geschubst�, murmelte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte Lisbeth unger�hrt, �das habe ich kommen sehen.�</p><p>Ich starrte sie an.</p><p>�Ich habe gleich bemerkt, dass Tabea Frauen bevorzugt�, sagte Lisbeth. �Und dass sie sich so f�r dich eingesetzt hat, muss ja auch einen Grund gehabt haben, oder? Mit einem kleinen bisschen Menschenkenntnis sieht das doch jeder.�</p><p>�Aha.� Mit meiner Menschenkenntnis war es offenbar nicht sehr weit her, denn ich hatte sowohl Tabea als auch Lisbeth v�llig falsch eingesch�tzt. Nat�rlich hatte ich bei AIQ die Andeutungen �ber Tabeas Liebesleben geh�rt und mir meine Gedanken gemacht, aber ich hatte das nie mit mir selbst in Verbindung gebracht. Und ich hatte nie hinterfragt, warum Tabea das alles f�r mich tat. Es war mir ganz nat�rlich erschienen. Dass ausgerechnet Lisbeth vom Lande jetzt hier sa� und weltl�ufig �ber die homosexuellen Neigungen meiner ehemals besten Freundin sprach, besch�mte mich sehr. Ich erkannte, dass ich noch viel von ihr lernen konnte.</p><p>�War das die ganze Geschichte?�, fragte Lisbeth.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf und erz�hlte das bisher letzte Kapitel.</p><p>Lisbeth hatte inzwischen ihre Gelassenheit wiedergefunden und lauschte meinen Worten mit unbewegter Miene. Als ich geendet hatte, nickte sie. �Das erkl�rt einiges.�</p><p>Ich wischte den Teller mit dem Rest Brot sorgf�ltig ab und konzentrierte mich ganz auf diese Besch�ftigung. Irgendwann war das Porzellan aber wirklich r�ckstandsfrei sauber und ich musste reagieren. �Was erkl�rt es?�</p><p>�Die Tatsache, dass mir heute Morgen zwei Kunden ans Herz gelegt haben, die Werbestrategie zu �berdenken, sonst w�rden sie ihren Auftrag k�ndigen.�</p><p>�Wer?�, fragte ich.</p><p>Sie nannte zwei Namen. Der eine war ein ranghohes Tier bei einer Privatbank, der andere ein selbstst�ndiger Unternehmens- und Finanzberater. Seri�se M�nner. Zumindest genossen sie einen solchen Ruf, und ich ging davon aus, dass sie den unter allen Umst�nden verteidigen w�rden.</p><p>Diese Situation h�tte mich schon normalerweise nicht vor Begeisterung vom Hocker gerissen, aber jetzt hatte ich den Eindruck, man w�rde mir den Boden unter den F��en wegrei�en.</p><p>Lisbeth bemerkte, wie meine ohnehin h�ngenden Schultern noch einige Zentimeter weiter absackten, denn sie langte �ber den Tisch und t�tschelte meine Hand. Ich blickte sie dankbar an.</p><p>�Es ist nicht gut, dass du in dieser Situation vollkommen von Tabea abh�ngig bist�, sagte Lisbeth nachdenklich.</p><p>Damit hatte sie das Hauptproblem sch�n beschrieben.</p><p>�Ich habe eine Idee�, fuhr sie nach einigen Minuten Schweigen fort.</p><p>Das war genau das, was ich h�ren wollte. Ich setzte mich etwas gerader hin und lauschte ihren Ausf�hrungen. Meine Stimmung besserte sich mit jeder Minute, mein Kampfgeist kam zur�ck. Nach dem delikaten, kr�ftigenden Essen und einem schnellen Kaffee verabschiedete ich mich von Lisbeth mit einer festen Umarmung und d�ste nach Hause. Es gab einiges zu tun.</p><empty-line/><p>Unter der normalen Festnetznummer meldete Lauenstein sich nicht, also probierte ich die Mobilnummer, die er angegeben hatte.</p><p>�Beerdigungsinstitut Lauenstein, wie kann ich Ihnen helfen?� Das war seine Stimme. Ganz sicher. Er hatte ein Beerdigungsinstitut? Warum war ich nicht fr�her darauf gekommen? Die gravierte Steinplatte �ber seinem Kamin, die seltsamen Statuen in seinem Garten und die Laternen auf der Terrasse waren Grabsteine, Grabm�ler und ewige Lichter. Und er umgab sich mit diesem Kram in seinem Zuhause. Gruselig. Dabei hatte er an dem Sonntagmorgen in Jeans und Pullover ziemlich normal gewirkt.</p><p>�Leyendecker, hallo Herr Lauenstein.� Normalerweise bin ich etwas eloquenter.</p><p>�Haben Sie das Foto von der Internetseite genommen?�, fragte er ohne Umschweife und Begr��ungsfloskeln. Als Kunde durfte er das nat�rlich, aber es tat weh. Ich biss die Z�hne zusammen.</p><p>��h, nein. Um das zu tun, ben�tige ich eine Information von Ihnen.�</p><p>�Was denn?�</p><p>Ich bem�hte mich, weiterhin verbindlich zu bleiben. �Haben Sie weitere E-Mails bekommen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�K�nnten Sie mir wohl die Liste der Adressaten von der ersten E-Mail senden?�</p><p>�Nat�rlich.� Er stockte. �Ich habe geh�rt, dass Sie sehr krank waren.�</p><p>Seine Stimme klang pl�tzlich ganz anders. W�rmer. Besorgt. Das war grunds�tzlich erfreulich, trotzdem war mir dieser Themenwechsel peinlich. Ich antwortete nur mit einem gemurmelten �Hm�.</p><p>�Lag das an Ihrem, �hem, Ausflug nach Belgien?�</p><p>Endlich hatte mal jemand Mitgef�hl. Das war ein gutes Gef�hl und ich konnte es mir nicht verkneifen, es mit einem klaren �Ja� noch ein wenig zu steigern.</p><p>�Das tut mir sehr leid�, stammelte Lauenstein. �Es war mir sehr peinlich, dass ich nicht mit Ihnen fahren konnte. Aber dieser Notfall��</p><p>�Ist schon gut�, wiegelte ich schnell ab, bevor er auf die Idee kam, mir irgendwelche Details zu berichten. Ich hatte genug von Notf�llen, Unf�llen oder Zweifelsf�llen. �Schicken Sie mir nur bitte die Adressatenliste, dann bin ich zuversichtlich, das Problem schnell zu l�sen.�</p><p>�Nat�rlich�, best�tigte er schnell. Auch er hatte zu seinem gesch�ftsm��igen Tonfall zur�ckgefunden. �Sobald ich wieder im B�ro bin, es dauert ungef�hr zwanzig Minuten. Und� gute Besserung.�</p><p>Ich wartete ungeduldig auf die Adressaten, die Tabea f�r ihre E-Mail benutzt hatte. Unterdessen formulierte ich meine E-Mail und schickte sie umgehend nach Erhalt der Liste von Lauenstein ab.</p><p>Meine E-Mail lautete:</p><empty-line/><p>Sehr geehrte Kunden,</p><p>leider ist meine Internetseite Ziel eines Hackerangriffs geworden. Der Hacker hat sich einen Spa� daraus gemacht, meinem Leistungskatalog das zus�tzliche Angebot �Entsorgung� hinzuzuf�gen. Dieses Angebot wird von einem manipulierten Foto begleitet, das ein ortsans�ssiges Beerdigungsinstitut verunglimpft.</p><p>Ich distanziere mich hiermit ausdr�cklich von diesen Inhalten.</p><p>Leider habe ich selbst aufgrund der Manipulation zurzeit keinen Zugriff auf meine Internetseite und kann sie weder korrigieren noch aus dem Netz nehmen.</p><p>Ich bitte Sie, eventuelle Unannehmlichkeiten zu entschuldigen und mir weiterhin die Treue zu halten. Ich arbeite mit Hochdruck daran, die unerfreuliche Situation schnellstens zu beenden.</p><p>Mit freundlichen Gr��en</p><p>Corinna Leyendecker</p><empty-line/><p>Lauenstein rief mich kurz nach Erhalt der E-Mail an.</p><p>�Das ist eine gute Idee�, sagte er. �Aber richtig aufatmen werde ich wohl erst, wenn das Bild wieder verschwunden ist.�</p><p>�Ich auch�, best�tigte ich. �Trotzdem hoffe ich, dass Ihnen bereits diese Richtigstellung n�tzlich ist.�</p><p>�Die Frau, die meinte, die F��e ihres vor f�nf Tagen verstorbenen Mannes in dem Teppich erkannt zu haben, wird diese E-Mail ja leider nicht sehen.�</p><p>�Die F��e ihres Mannes?�, wiederholte ich entsetzt.</p><p>An Lauensteins Stimme h�rte ich, dass er grinste. �Sie war sich ganz sicher und wollte mich verklagen.�</p><p>Das wurde ja immer besser. �Verklagen? Warum denn? Wegen St�rung der Totenruhe?�</p><p>�Nein.� Lauenstein lachte. �Auf Urheberrechtsanspr�che. Immerhin halte sie als Ehefrau beziehungsweise Witwe das Nutzungsrecht an seinen F��en.�</p><p>Ich war mir zwar nicht sicher, ob ich das komisch oder einfach nur schrecklich finden sollte, aber ich lachte mit ihm. Gegen meinen Willen. Sein Lachen war ansteckend.</p><p>�Wenn es Ihnen hilft, d�rfen Sie die E-Mail gern an Ihre Kunden weiterschicken�, sagte ich.</p><p>�Mal sehen�, sagte er. �Danke jedenfalls.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Der zweite Teil des Plans, den Lisbeth und ich ausgeheckt hatten, fiel mir deutlich schwerer. Aber da musste ich durch.</p><p>�Kind�, hatte Lisbeth gesagt, �wir wissen nicht, wie viel Schaden die Manipulation deiner Internetseite schon angerichtet hat.�</p><p>Ich musste ihr recht geben. Es gab zwar eine Z�hlfunktion auf der Seite, aber die kontrollierte Tabea. Au�erdem wusste ich nicht, ob sie meine Internetseite mit dem besonderen Angebot in einschl�gigen Foren besonders angepriesen oder auf viel besuchte Seiten verlinkt hatte. Mit ein bisschen Gl�ck hatte sie alles das nicht getan, aber es war sicherer, mit dem Schlimmsten zu rechnen.</p><p>�Was gedenkst du dagegen zu tun?�, fragte Lisbeth.</p><p>Ich zuckte mit den Schultern, aber das lie� sie nicht gelten.</p><p>�Denk nach�, forderte sie mich auf. �Dir muss einfach etwas einfallen, selbst wenn du keinen Zugriff auf die Internetseite hast.�</p><p>Gemeinsam gr�belten wir eine Zeit lang vor uns hin, bis ich entnervt st�hnte: �Es gibt nur ein Medium, das die Breitenwirkung des Internets �bertreffen kann. Das Fernsehen.�</p><p>�Na also�, rief Lisbeth zufrieden. �Da hast du doch deine L�sung.�</p><p>Auf die Idee, meine Kontakte zum Fernsehen zu nutzen, war ich vorher gar nicht gekommen, jetzt erschien Sie mir als die einzig logische. Ich rief also die Heidi an.</p><p>�Eine Folgesendung?�, fragte sie �berrascht. �Aber die erste ist doch erst ein paar Tage her.�</p><p>�Es gibt aber einen sehr aktuellen Anlass�, erkl�rte ich ihr. �Ein Hacker versucht, mir das Gesch�ft kaputt zu machen.� Ich berichtete ihr m�glichst detailgetreu, aber ohne Tabeas Namen zu erw�hnen.</p><p>�Ist der Hacker durch unsere Sendung auf dein Unternehmen aufmerksam geworden?�, fragte Heidi, als ich geendet hatte.</p><p>Ich �berlegte krampfhaft, ob ein Ja oder ein Nein die bessere Antwort war. Bestenfalls best�tigte ein Ja die Wichtigkeit der Sendung und ich hatte bei der Heidi ins Schwarze getroffen.</p><p>�Oh, das ist ein toller Aufh�nger f�r eine Folgesendung. Wann geht es denn?�</p><p>Wir verabredeten uns f�r den morgigen Samstagvormittag, Heidi versprach, auch Samstag noch zu schneiden. Ich hatte berechtigte Hoffnung, dass mein Leben vielleicht schon am Montag wieder in Ordnung w�re�� bis die Heidi sagte: �Mit diesem Beerdigungsunternehmer muss ich nat�rlich auch sprechen.�</p><p>Verdammt, auch das noch.</p><p>�Ich wei� nicht, ob das geht�, stammelte ich, �da muss ich erst mal nachfragen.�</p><p>Ich rief Lauenstein an und redete anscheinend so wirr durcheinander, dass er mich irgendwann unterbrach: �Also, Sie meinen, da kommt ein Fernsehteam, das mich interviewen will wegen des gef�lschten Fotos auf Ihrer Internetseite?�</p><p>�Ja�, murmelte ich.</p><p>�Das ist doch die beste Werbung, die ich kriegen kann�, jubelte er. �Wann kommt die gute Frau denn?�</p><p>Manchmal kann das Leben so einfach sein.</p><empty-line/><p>Die Heidi kam diesmal mit einem anderen Team. Kameramann und Tontechnikerin waren weniger k�nstlerisch ambitioniert, daf�r aber gute Handwerker. Sie filmten meinen Internetauftritt ab, ich durfte einige Statements abgeben, dann zog die Karawane weiter.</p><p>Niemand hatte mich eingeladen, bei der Aufzeichnung im Beerdigungsinstitut dabei zu sein, also blieb ich zu Hause. Doch meine Gedanken kreisten unentwegt um Lauenstein und sein Unternehmen. Ob er wieder seinen schwarzen Anzug trug? Vermutlich schon, denn das geh�rte zu seinem Job ja dazu. Ob er vor der Kamera eine gute Figur machte? Ob er sich wohl dekorativ vor einem offenen Sarg filmen lie�e? Und wie ging die Sache mit seinem Vater weiter? War er denn �berhaupt sein Vater? Eigentlich ging mich das Ganze nichts mehr an. Oder doch? W�re es nicht nur recht und billig, wenn ich das Ergebnis meines Ausflugs ins belgische G�terbahndepot erf�hre?</p><p>Stundenlang tigerte ich in der Wohnung auf und ab, anstatt an meiner Entschuldigung f�r Tabea zu arbeiten. Fast h�tte ich den Sendetermin des Regionalfensters verpasst, in dem der Beitrag �ber den kriminellen Hackerangriff auf die Schmutzengel gesendet wurde. Die Anmoderation lief bereits, als ich bei Herrn Metzenrath klingelte, denn ich besa� noch immer keinen eigenen Fernseher.</p><p>Der Bericht begann mit einer kurzen Sequenz aus der vorigen Sendung, in der die Schmutzengel vorgestellt wurden. Dann kam eine Gro�aufnahme des leidigen Internet-Fotos ins Bild. Aus dem Hintergrund erl�uterte Heidi die haarstr�ubende �Werbe�-Aktion einschlie�lich gef�lschter E-Mail an meine Kunden, dann wurde ein Interviewblock mit mir dazwischengeschoben. Ich berichtete �ber die Erfolge, die die Schmutzengel in den letzten Wochen vorzuweisen hatten, die wahre Flut an Auftr�gen, die Tatsache, dass ich bereits einen Arbeitsplatz geschaffen hatte und weitere bald folgen w�rden. Danach wurde es spannend. Hinter mir wurde pl�tzlich eine schwarze Silhouette eingeblendet, dramatische Musik ert�nte und eine Stimme ratterte ein paar statistische Zahlen �ber Kriminalit�t im Internet runter. Dann kam Lauenstein ins Bild. Ja, auch er sei ein Opfer, denn das manipulierte Foto zeige den Namen seines Beerdigungsinstituts. Nein, er sei sicher, dass zu keiner Zeit eine Leiche in einem Teppich vor seiner T�r gelegen habe. Ich h�rte gar nicht mehr auf das, was er sagte. Ich sah nur noch ihn. Lauenstein sprach vollkommen ruhig, aber nicht salbungsvoll. Seine Wangen waren nicht ger�tet, die Stirn war trocken. Er sa� in einem geschmackvoll eingerichteten B�ro am Schreibtisch und er machte eine unerwartet gute Figur. Eine ganz hervorragende Figur sogar. Er betonte, dass die Schmutzengel erstklassige Arbeit leisteten und weiterhin sein uneingeschr�nktes Vertrauen bes��en. �ffentlich. Im Fernsehen. Ich war sprachlos.</p><p>Lisbeth rief noch w�hrend des Abspanns an. �Was hast du dem Mann geboten?�, fragte sie.</p><p>�Nichts.�</p><p>�Hm.� Ich glaubte, einen anz�glichen Unterton in diesem Hm h�ren zu k�nnen, aber sie f�hrte das Thema nicht weiter aus. �Damit ist die Sache aus der Welt.�</p><p>�Jetzt muss ich nur noch Tabea bes�nftigen�, sagte ich.</p><p>Allerdings hielt ich diese Aufgabe f�r deutlich schwieriger, als die Welt�ffentlichkeit mit einer Fernsehsendung gn�dig zu stimmen.</p><empty-line/><p>Tabea machte es mir nicht leicht. Sie nahm keinen meiner Anrufe entgegen, aber ich k�ndigte einfach meinen Besuch f�r Sonntagvormittag auf ihrem Anrufbeantworter an. Ich ging fr�h zu Bett, denn ich f�hlte mich immer noch recht schlapp. Am Sonntagmorgen erwachte ich zum ersten Mal seit Wochen ausgeruht und unternehmungslustig, machte mir einen Kaffee und a� ein M�sli.</p><p>W�hrend des Fr�hst�cks genehmigte ich mir die Lekt�re des Anzeigenbl�ttchens, dann noch eine zweite Tasse Kaffee, aber irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich lediglich Zeit schinden wollte. Entschlossen r�umte ich den Fr�hst�ckstisch ab, holte meine dicke Daunenjacke und eine M�tze aus dem Schrank und machte mich auf den Weg zu Tabeas Wohnung. Zu Fu�.</p><p>Schon nach einer halben Stunde bemerkte ich, dass ich meine Kr�fte �bersch�tzt hatte. Trotzdem genoss ich den Spaziergang unter einem klaren, blauen Himmel. In den letzten Wochen war ich immer weniger an die frische Luft gekommen, das musste ich unbedingt �ndern. Schon wieder ein guter Vorsatz. Ich grinste. Immer hatte ich mich geweigert, das neue Jahr mit guten Vors�tzen zu belasten, aber nun fasste ich innerhalb weniger Tage gleich einen ganzen Berg davon.</p><p>Tabea �ffnete nicht. Jedenfalls nicht nach dem ersten, dem zweiten oder dem dritten Klingeln. Ich ging eine Runde um den Block und dr�ckte zwanzig Minuten nach dem ersten Versuch erneut auf den Knopf. Dann noch einmal. Endlich knackte es in der Gegensprechanlage.</p><p>�Ja bitte?�</p><p>�Ich bin�s, Corinna. Ich bin gekommen, um dich um Entschuldigung zu bitten.�</p><p>Es knackte wieder.</p><p>Die T�r blieb zu.</p><p>Ich klingelte erneut.</p><p>�Ja?�</p><p>�Bitte mach auf, Tabea. Ich meine es ernst. Ich wei�, was ich falsch gemacht habe, und es tut mir sehr leid.�</p><p>�Hast du etwas zu essen dabei?�, fragte Tabea durch die knisternde Gegensprechanlage.</p><p>�Nein.�</p><p>�Zwei Ecken weiter ist eine B�ckerei. Bring mir ein Croissant und ein M�rbchen mit Rosinen mit.�</p><p>Die Gegensprechanlage knackte wieder.</p><p>Ich hatte eiskalte F��e, musste dringend aufs Klo und fand diese Spielchen bl�d, aber ich wollte Tabea nicht verlieren. Das war mir in den letzten vierundzwanzig Stunden sehr klar geworden. Sie war meine beste Freundin, meine wichtigste Ratgeberin und der Farbklecks in meinem konventionellen Spie�erleben.</p><p>Ich ging zur B�ckerei und stand kurz darauf wieder an Tabeas Gegensprechanlage.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich habe das Geb�ck besorgt und muss aufs Klo. Bitte mach auf!�</p><p>Der T�rdr�cker summte und ich tastete mich vorsichtig durch das halbdunkle Treppenhaus bis unter das Dach. Die Wohnungst�r stand offen, Tabea lehnte an der Wand.</p><p>�Zum Klo geht�s da lang�, sagte sie und zeigte nach rechts.</p><p>Ich dr�ckte ihr die Br�tchent�te in die Hand, sch�lte mich aus der Jacke und verschwand erst mal auf der Toilette. Als ich in das einzige Zimmer des Siebzig-Quadratmeter-Dachbodens trat, hockte Tabea mit untergeschlagenen Beinen auf einem vier Meter langen Sofa, das sie, wie ich inzwischen wei�, aus dem Fundus des Schauspielhauses ersteigert hatte. In einer Ecke des Zimmers lag eine Matratze auf dem Boden, es gab eine kleine K�chenzeile und einen Tisch mit vier unterschiedlichen St�hlen sowie einen Fernseher, eine Stehlampe und ein Regal, in dem sie ihre Klamotten aufbewahrte. Das war alles. Kein Schrank, keine Kommode, keine Stereoanlage, keine Lautsprecher, kein Schreibtisch, keine Garderobe. Die Wohnung sah sauber und ordentlich aus. Von dem kreativen Chaos, das ich erwartet hatte, war nichts zu sehen.</p><p>Auf einem Tablett auf dem Sofa standen eine Kanne, zwei Tassen, zwei Teller und die Br�tchent�te. Tabea riss die T�te auf, legte ihr Croissant und ein M�rbchen auf ihren Teller und begann zu essen. Ich schenkte uns beiden Kaffee ein, nahm meine Tasse in beide H�nde und w�rmte mich daran. Ich war nerv�s.</p><p>�Es tut mir leid�, begann ich.</p><p>�Was genau tut dir leid?�, fragte Tabea.</p><p>Ihr Gesichtsausdruck war kaum zu erkennen, da sie mit dem R�cken zum Fenster sa� und ich ins Licht schauen musste. Ich lie� mich nicht beirren.</p><p>�Ich war ein egoistisches Biest.�</p><p>�Definiere egoistisches Biest.�</p><p>�Du hast mir so viel geholfen, hast mir deine Zeit und deine Ideen geschenkt und die Werbung f�r die Schmutzengel, und ich habe mich nie revanchiert. Ich habe dir mein Herz ausgesch�ttet, aber nie gefragt, wie es dir eigentlich geht. Ich habe dich nie gefragt, ob das popelige Honorar, das ich dir angeboten habe, angemessen ist. Ich fand es v�llig normal, dass du immer kamst, wenn ich dich brauchte, hatte aber f�r dich keine Zeit.�</p><p>Ich musste Luft holen und trank einen Schluck Kaffee.</p><p>�Weiter�, forderte Tabea.</p><p>�Ich habe dir selten gedankt und dir nie gesagt, dass du meine wichtigste und beste Freundin bist.�</p><p>�So etwas muss man nicht unbedingt sagen�, sagte sie. Ihre Stimme klang etwas weicher als eben.</p><p>�Ich habe die Wertsch�tzung auch nicht anderweitig zum Ausdruck gebracht.�</p><p>Tabea schob sich das Croissant in den Mund, ich biss in mein Rosinenm�rbchen und sp�lte mit einem Schluck Kaffee nach. Fast h�tte man meinen k�nnen, dass alles wieder gut war.</p><p>Fast.</p><p>�Was ist mit Sonntagabend?�, fragte Tabea leise.</p><p>Darauf hatte ich gewartet. Jetzt wurde es richtig schwer.</p><p>�Es tut mir leid, dass das passiert ist�, sagte ich vorsichtig. �Ich hab gar nicht gro� nachgedacht und reflexartig reagiert.�</p><p>Sie sog h�rbar die Luft ein.</p><p>�Ich f�hlte mich so ausgeliefert und hilflos, und du hast meine Schw�che ausgenutzt und eine Grenze �berschritten. Dazu hattest du kein Recht. Verstehst du das?� Ich rang nach Worten und wusste, dass diese Worte entscheidend sein w�rden f�r unsere weitere Beziehung.</p><p>�Und ich bin auch noch eine Frau�, sagte Tabea.</p><p>Ich sch�ttelte heftig den Kopf. �Das hat damit nichts zu tun.�</p><p>�Glaub ich doch.�</p><p>�Nein. Ich h�tte genau gleich reagiert, wenn du ein Mann gewesen w�rst.�</p><p>Sie schwieg. Lange. Auch ich wusste nichts zu sagen, also hielt ich den Mund. Es war kein angenehmes Schweigen. Ich hielt die Spannung nicht aus und stand auf. Wollte gehen.</p><p>�Dein Fernsehauftritt gestern war einsame Spitze�, sagte Tabea pl�tzlich. �Du hast viel gelernt.�</p><p>Ohne sie anzusehen konnte ich h�ren, dass sie l�chelte.</p><p>�Von dir�, erwiderte ich rasch.</p><p>�Gute Besserung�, sagte sie, und jetzt h�rte es sich eher an, als weine sie.</p><p>�Danke�, entgegnete ich und ging.</p><empty-line/><p>Der zweite Fernsehauftritt brachte einen weiteren Schwung neuer Auftr�ge mit sich, den Lisbeth nicht mehr allein bew�ltigen konnte. Hilfe kam in Gestalt einer jungen Frau aus Lisbeths Hauswirtschaftskurs, die ich sofort einstellte. So vergingen die Wochen mit Arbeit und Arbeit und noch mal Arbeit. Zum Gl�ck kehrte irgendwann eine gewisse Routine ein. Unser Kundenstamm wuchs jetzt nur noch langsam, sodass wir mit der Organisation gut Schritt halten konnten. Es gab eine w�chentliche Besprechung, zu der Lisbeth, Herr Metzenrath, die neue Mitarbeiterin Pauline und ich uns morgens im B�ro trafen, miteinander fr�hst�ckten und die aktuellen F�lle besprachen.</p><p>Herr Metzenrath entwickelte ein gesteigertes Interesse an Lisbeth, aber sie gab ihm klar zu verstehen, dass eine neue Beziehung f�r sie nicht infrage kam. Er trug es mit Fassung.</p><p>Tabea hatte den Internetauftritt gleich nach unserem gemeinsamen Fr�hst�ck wieder in Ordnung gebracht, aber nichts von sich h�ren lassen. Ich hatte sie einmal kurz angerufen, aber mehr als ein paar belanglose S�tze hatten wir nicht gewechselt. Sie hatte keine Zeit. Immerhin war der Ton nicht mehr feindselig gewesen.</p><p>Auch Greg hatte sich gemeldet, aus ganz praktischen Gr�nden. Wegen eines Versehens bei meiner Krankenversicherung war die neue Versichertenkarte an meine alte Adresse geschickt worden, und Greg wollte nun wissen, ob er sie mir per Post zuschicken oder bringen solle. Die Brisanz der Frage fiel mir erst sp�ter auf, denn just in dem Moment kam noch ein weiterer Anruf herein. Ich rief Greg schnell zu, er solle mir die Karte zuschicken, dann nahm ich das Kundentelefonat an.</p><p>Warum h�tte er mir meine Versichertenkarte bringen sollen? Warum, wenn nicht aus dem Grund, dass er mich sehen wollte?</p><p>Diese Frage besch�ftigte mich zunehmend, denn je besser die Arbeit lief, desto mehr Zeit hatte ich pl�tzlich wieder f�r mein Privatleben. F�r mein nicht existierendes Privatleben.</p><p>Eine meiner ersten Freizeitaktivit�ten bestand darin, den Anweisungen des Stiltrainers zu folgen und meinen Kleiderschrank auszumisten. Ich sortierte meine gesamte Kleidung auf zwei Stapel. Schwarze Hosen und Jacketts, wei�e Blusen und alles in knalligen Farben wie Rot, Orange oder Gr�n landeten im Altkleidersack. �brig blieb eine sehr kleine Menge an Jeanshosen, hellblauen Blusen und Oberteilen in gebrochenem Wei�. Ich z�hlte genau drei Hosen und sechs Oberteile. Ich seufzte. Damit w�rde ich nicht �ber die Runden kommen. Ich brachte die aussortierten Teile zu einem gemeinn�tzigen Kleiderladen und klapperte an einem einzigen Samstag mindestens f�nfzehn Gesch�fte nach dunkelblauen Businesskost�men und bezahlbarer Freizeitkleidung ab. Kurz bevor ich frustriert aufgeben wollte, weil ich mir die unglaublichen Preise f�r einigerma�en angemessene Gesch�ftskleidung nicht leisten konnte, bekam ich den Tipp, es im Secondhandladen zu versuchen.</p><p>Noch nie in meinem Leben hatte ich Gebrauchtkleidung gekauft, aber angesichts der Differenz zwischen meinem Bedarf und meiner Finanzlage wollte ich einen Versuch wagen. Bingo! Drei Kost�me, sieben Blusen, zwei Pullover und drei Jeans sprangen f�r mich raus. Die Kost�me sahen aus, als w�ren sie �berhaupt nie getragen worden. Sie kosteten noch nicht einmal ein Zehntel des normalen Preises.</p><p>�Wo ist der Haken?�, fragte ich die Inhaberin, die mir bei der Auswahl half.</p><p>�Die Schnitte sind nicht mehr ganz modern�, erkl�rte sie mir und zeigte auf die Reversform oder den Rocksaum. Na, wenn�s weiter nichts ist, dachte ich mir und verlie� mit meiner Beute den Secondhandladen als gl�ckliche Frau. Endlich hatte ich die zu mir und meiner Selbstst�ndigkeit passende Kleidung�� und zwar in Gr��e achtunddrei�ig. Zwar war der Grund meines Gewichtsverlusts mehr als unangenehm gewesen, aber das Ergebnis gefiel mir. Ich schwor mir, dieses Gewicht zu halten und meldete mich auch gleich in einem Fitness-Studio an, um dort zweimal w�chentlich die angebotenen Aerobic- und Pilateskurse zu besuchen.</p><p>Jetzt fehlte nur noch eins: eine neue Frisur.</p><p>Bewaffnet mit dem Ausdruck, den Byrone mir von der computeranimierten Frisur gemacht hatte, begab ich mich mit klopfendem Herzen in die H�nde einer Stylistin, die mein d�nnes Haar immer wieder knetete, einen pr�fenden Blick auf das Bild in ihrer Hand warf und mir dann mit strahlendem L�cheln erkl�rte, dass das alles machbar sei. Eine gef�hlte Ewigkeit sp�ter hielt sie mir den Spiegel so, dass ich den von Byrone so gelobten Hals vom Haaransatz bis zum vierten Halswirbel in seiner ganzen Bl��e betrachten konnte. Ich f�hlte mich nicht nur von sieben Zentimetern Haarl�nge, sondern generell von einer schweren Last befreit und gab ihr ein Trinkgeld, das ich mir kein zweites Mal w�rde leisten k�nnen.</p><empty-line/><p>Mein Leben h�tte nun sch�n und erf�llt sein k�nnen. Tags�ber arbeitete ich flei�ig und engagiert f�r die Schmutzengel, abends ging ich spazieren oder zum Sport, gelegentlich auch ins Kino oder mit Lisbeth ins Theater. Meistens allerdings sa� ich zu Hause und las. Ich f�hlte mich jung, gesund und erfolgreich, aber allein. Ich a� allein, schlief allein ein und wachte allein auf. Ich ging allein spazieren, allein ins Kino und nie in eine Kneipe, denn das traute ich mich allein nicht. Ich traf einige interessante M�nner, die meine Kunden wurden, aber ich redete mir ein, dass gesch�ftliche und private Beziehungen niemals zu mischen seien. Tats�chlich war es so, dass ich es gar nicht gewagt h�tte, den ersten Schritt zu einer tiefer gehenden Beziehung zu unternehmen, und von den besagten Herren schien sowieso keiner Interesse an einer privaten Bekanntschaft mit mir zu haben. Und ich w�re ja auch gar nicht bereit dazu gewesen, denn ich hing ja immer noch an Greg.</p><p>An meinem Plan, ihn zur�ckzuerobern, hielt ich eisern fest.</p><p>So weit kam es Gott sei Dank nicht, denn der Himmel schickte mir ein Zeichen.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Jedes Jahr verleiht ein ortsans�ssiger Wirtschaftsverlag den Wirtschafts-Oscar an Menschen, die sich in ihrem Gesch�ftsfeld besonders profiliert haben. Die Auszeichnung wird in unterschiedlichen Sparten vergeben, vom gelungensten Generationswechsel �ber den wichtigsten Mitarbeiter bis zum innovativsten Start-up. In jeder Kategorie werden f�nf Personen oder Unternehmen nominiert. Die Schmutzengel waren eines davon.</p><p>Mir fiel fast das Schreiben aus der Hand, das ich zuerst f�r Werbung gehalten und beinahe weggeworfen hatte. Da wollte mich jemand auf den Arm nehmen! Ich las den Brief noch einmal gr�ndlich: Kein Zweifel, dort stand es schwarz auf wei�: Zusammen mit vier weiteren Unternehmen, zwei aus der Werbung, eins aus dem IT-Bereich und eins aus dem Bereich �Dienstleistungen f�r medizinische und paramedizinische Kompetenzbildung�, waren die Schmutzengel in der Kategorie des innovativsten Start-ups nominiert. Man werde sich in den n�chsten Tagen telefonisch bei mir melden. Termin der Preisverleihung: f�nfter Juni.</p><empty-line/><p>�Herzlichen Gl�ckwunsch zur Nominierung�, sagte der nette Herr, der mich drei Tage sp�ter tats�chlich anrief.</p><p>�Wie kommen Sie �berhaupt auf mich?�, fragte ich.</p><p>�Sie waren ja mehrmals im Fernsehen�, betonte er. �Damit sind wir auch schon direkt bei meiner ersten Frage: War der Hackerangriff auf Ihre Homepage denn nun echt oder haben Sie den zu Werbezwecken erfunden?�</p><p>Ich schnappte nach Luft.</p><p>�Nicht, dass Sie die Frage missverstehen, wir unterstellen Ihnen nichts. Aber Ihre Werbung war ja insgesamt etwas��, er h�stelte, �unkonventionell, da wird man ja mal fragen d�rfen.�</p><p>�Der Angriff war echt und ich fand ihn nicht witzig. Die meisten meiner Kunden auch nicht.� Ich h�rte selbst, dass meine Stimme etwas schroff klang, aber das st�rte mich nicht.</p><p>�Ja, ja, das kann ich mir denken. Also, wir brauchen von Ihnen: Ihren vollst�ndigen Lebenslauf, s�mtliche Ausbildungen, den beruflichen Werdegang, eine��</p><p>�Nein.�</p><p>Meine Antwort warf ihn offenbar ziemlich aus der Bahn, denn einige Sekunden war es still in der Leitung.</p><p>�Nein?�, fragte er vorsichtig, fast ungl�ubig.</p><p>�H�ren Sie, ich freue mich �ber die Nominierung, aber ich habe wirklich viel Arbeit und weder Zeit noch Lust, Ihnen eine Mappe zusammenzustellen, wie ich sie zuletzt anl�sslich meiner erfolglosen Bewerbungen durch die Gegend geschickt habe. Es ist auch ganz einfach. Ich habe eine einzige Ausbildung, habe in einer einzigen Firma gearbeitet, und die hat mich dann gefeuert. Deshalb habe ich mich selbstst�ndig gemacht. Das ist alles.�</p><p>�Das ist ja noch besser!� Mir schlug echte Begeisterung aus dem H�rer entgegen. �Na ja, dar�ber k�nnen wir ja dann sprechen, wenn wir mit dem Filmteam kommen.�</p><p>Das zweite Nein blieb mir vor Schreck im Halse stecken, und so durfte ich wieder einmal die Geschichte meiner Unternehmensgr�ndung in ein Kameraobjektiv sprechen. Diesmal farblich korrekt gekleidet und mit perfekt sitzender Kurzhaarfrisur. Da wir eine Woche Zeit hatten, uns auf die Aufnahmen vorzubereiten, schaffte Lisbeth es, Herrn Weber dazu zu bringen, dass wir auch bei ihm filmen durften. Seine Hauselektrik ging in dem Moment in die Knie, in dem das Filmteam die mitgebrachten Scheinwerfer einschaltete. Es h�tte bei Au�enaufnahmen bleiben m�ssen, w�re nicht Herr Metzenrath zu Hilfe geeilt. So bekam neben Lisbeth und mir auch er seinen kurzen Auftritt. Herr Weber sagte ein paar nette Worte �ber unsere Zuverl�ssigkeit und Lisbeths Kochk�nste, und damit war die Sache f�r uns erledigt, das Filmteam zog weiter. Vielleicht zu Greg. Oder zu Lauenstein. Beide waren n�mlich in anderen Kategorien nominiert.</p><empty-line/><p>Greg verdankte seine Nominierung der Tatsache, dass er die meistbeachtete Anzeigenkampagne des vergangenen Jahres zu verantworten hatte. Ich erinnerte mich nat�rlich, denn die Anf�nge dieser Kampagne hatte ich noch mitbekommen. W�hrend dieses Auftrags hatte er Sue kennengelernt, und ich schwor mir, den Schokoriegel, um den es da ging, in meinem ganzen Leben nicht zu essen. Bisher hatte ich mich daran gehalten.</p><p>Lauensteins auszeichnungsw�rdige Tat in der Kategorie des �Engagements f�r die Jugend� war die Organisation eines Ausbildungsverbundes im Bestattungsgewerbe, das zu einer Steigerung des Lehrstellenangebotes um einhundert Prozent gef�hrt hatte. Ich freute mich f�r Lauenstein und hatte die spontane Idee, ihn anzurufen, um ihm zur Nominierung zu gratulieren. Allerdings zog ich die Hand, die schon den H�rer hielt, wieder zur�ck. Sein Name weckte in mir Erinnerungen, die ich eigentlich lieber verdr�ngte. Au�erdem h�tte er ja genauso gut mich anrufen k�nnen, um mir zu gratulieren, wenn er gewollt h�tte.</p><p>Hatte er aber anscheinend nicht.</p><p>Ich befand mich mit der Nominierung also in illustrer Gesellschaft und sah darin, neben der Werbung f�r die Schmutzengel, eine Gelegenheit, Greg wiederzusehen, und zwar in einer f�r mich sehr vorteilhaften Umgebung. Als eine hervorragende Unternehmerin, auch wenn ich gegen die Paramediziner und Computerfreaks unm�glich eine Chance haben w�rde.</p><empty-line/><p>Nat�rlich kamen zur Preisverleihung alle mit. Lisbeth sowieso, aber auch Pauline hatte ihre famili�ren Verpflichtungen kurzerhand anderweitig geregelt, und Herr Metzenrath verzichtete sogar auf den Freitagskrimi im Fernsehen. Ich glaube zwar nach wie vor, dass er das nur Lisbeths wegen tat, aber Hauptsache, er war dabei. Auch meine Oma war endlich mal wieder im Lande.</p><p>�Ich h�tte dich kaum wiedererkannt�, rief sie aus, als sie am sp�ten Nachmittag bei mir eintraf. Ich trug bereits das Kost�m, das ich f�r den Abend ausgew�hlt hatte, und war dezent mit Wimperntusche und Lippenstift geschminkt. Nur meine Pantoffel musste ich noch gegen die neuen Schuhe tauschen, dann konnte es losgehen. Auch so �berragte ich Oma um einen ganzen Kopf.</p><p>�Du siehst pl�tzlich so� erwachsen aus�, murmelte Oma heiser. Ich hatte den Eindruck, dass sie feuchte Augen hatte.</p><p>�Das scheint nur so�, tr�stete ich sie. �In meinem Bett liegt immer noch der Kuschelhase, den du mir zur Kommunion geschenkt hast.�</p><p>Wir hielten uns l�nger umarmt, als es zur Begr��ung zwischen uns normal gewesen w�re.</p><p>�Ich bin so wahnsinnig stolz auf dich�, fl�sterte Oma.</p><p>�H�r auf mit der Gef�hlsduselei, sonst l�uft dem �Kind� die Wimperntusche weg�, schaltete Lisbeth sich in dem Moment ein. Herr Metzenrath stand peinlich ber�hrt neben ihr im Hausflur. Oma und ich hatten weder die Klingel noch den T�rsummer geh�rt.</p><p>�Nennt deine Angestellte dich immer noch Kind?�, fragte Oma grinsend.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Du solltest ihr eine Abmahnung schreiben.�</p><p>�Und du solltest dich aus unserer Gesch�ftsbeziehung heraushalten�, konterte Lisbeth und dr�ckte erst meine Oma dann mich ganz fest an sich. Herr Metzenrath schaute etwas traurig, denn er blieb ungedr�ckt. Ich stieg in meine Schuhe, griff nach meiner Tasche und zog die T�r hinter mir zu. Lisbeth fuhr.</p><empty-line/><p>Wir kamen eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung in den R�umen der Handelskammer an, die die Preisverleihung ausrichtete. Greg und Sue standen mit den anderen Kollegen von AIQ zusammen. Greg sah blendend aus. Er war�� nat�rlich�� ganz in Schwarz gekleidet, was aber hervorragend zu seinem Teint und Haar passte. Sue trug einen Hosenanzug in einem dunklen Grau, der ihr �berhaupt nicht stand. Vielleicht sollte ich sie mal zu Byrone schicken.</p><p>Ich sandte einen Sammelgru� in ihre Richtung und erg�tzte mich an den �berraschten Gesichtern derer, die mich lange nicht gesehen hatten. Zwanzig Kilo weniger machen bei einer Gr��e von fast einem Meter achtzig ganz sch�n was aus. Au�erdem stolzierte ich heute auf den h�chsten Abs�tzen meines Lebens. Vielleicht geriet mein H�ftschwung daher etwas �berm�tig, aber wohl dem, der �ber H�ften verf�gte, dachte ich mir und blickte etwas mitleidig auf die Bohnenstange Sue, deren Kuschelfaktor mehr dem eines Bettpfostens als eines Betth�schens glich.</p><p>Gregs Blicke jedenfalls ruhten l�nger auf mir, als in der Situation unbedingt notwendig gewesen w�re.</p><p>Lauenstein stand in einer gr��eren Gruppe schwarz gekleideter Herren, die ein ernsthaftes Thema zu diskutieren schienen. Als er mich sah, nickte und l�chelte er mir kurz zu und folgte mir mit seinen Blicken. Ich f�hlte mich unsicher, wie immer, wenn ich an ihn dachte oder ihn sah. Unsere gemeinsamen Erlebnisse waren intensiv, aber sehr unerfreulich gewesen und sein Name lie� unweigerlich all die unliebsamen Erinnerungen wieder aufleben. Mir fiel ein, dass ich nie erfahren hatte, ob der Tote sein Vater war oder nicht. Ich hatte mich nie getraut, ihn anzurufen und danach zu fragen. Vielleicht w�rde sich heute die Gelegenheit ergeben, wenigstens diese Frage zu kl�ren.</p><p>Tabea hatte ich eine offizielle Einladung geschickt, aber keine Antwort bekommen. W�hrend der ersten halben Stunde, in der die Wichtigtuer des Verlags uns einen langweiligen R�ckblick auf die Wirtschaftsentwicklung des vergangenen Jahres zumuteten, blickte ich mich unabl�ssig nach ihr um. Endlich kam sie.</p><p>Ihr Haar und ihre Schuhe leuchteten purpur, dazwischen trug sie tiefes Schwarz. Sie sah toll aus. Die Frau, die mit ihr den Saal betrat, war das genaue Gegenteil. Blond, mit einem m�dchenhaften Gesicht, in dezentes Marineblau gekleidet. Tabea entdeckte mich in der ersten Reihe, l�chelte mir zu und verschwand dann nach hinten aus meinem Blickfeld.</p><p>Endlich gingen die Ehrungen los. Die Herren in den dunklen Anz�gen stellten die Nominierten namentlich vor, dann wurde jeweils ein kurzer Film eingespielt.</p><p>Der Oscar in der ersten Kategorie ging an den dicksten, in der zweiten an den �ltesten Nominierten und in der dritten Kategorie an Greg. Er strahlte, als er auf die B�hne gerufen wurde, bem�hte sich um einen einigerma�en gefassten Gesichtsausdruck, als er die Auszeichnung in Form eines Plexiglas-W�rfels entgegennahm, und sagte ein paar Dankesworte, bei denen er mich anblickte. Vielleicht sa� aber Sue irgendwo hinter mir, und er schaute in ihre Augen statt in meine, so genau konnte ich das auf die Entfernung nicht erkennen. Jedenfalls wurde es jetzt spannend, denn die n�chste Kategorie war die Unternehmensgr�ndung.</p><p>W�hrend des ersten Films wurden meine Handfl�chen feucht, w�hrend des zweiten meine Achseln, der dritte, in dem die Schmutzengel vorgestellt wurden, beschleunigte meinen Herzschlag. Ich war viel zu aufgeregt, um irgendetwas auf der Leinwand erkennen zu k�nnen, aber Oma zerquetschte mir fast die rechte Hand und strahlte �ber das ganze Gesicht. Der vierte Beitrag beschleunigte meine Atemfrequenz und der f�nfte ging v�llig an mir vorbei. Ich wusste, dass ich keine Chance hatte, aber ich war trotzdem aufgeregt.</p><p>�Der Gewinner in der Kategorie des innovativsten Startups ist��</p><p>Der Verlagsleiter nestelte an dem Umschlag herum, zog eine Karte heraus, drehte sie herum und vollendete den Satz: �� Corinna Leyendecker mit ihren Schmutzengeln.�</p><p>Ich klatschte mit den anderen mit, bis mich Lisbeth, die auf der linken Seite sa�, anstie�.</p><p>�H�r auf zu klatschen�, fl�sterte sie mir zu. �Du hast gewonnen.�</p><p>Hatte ich richtig geh�rt? Ich blickte zu dem Mann auf dem Podium, der auffordernd zu mir herunterschaute.</p><p>�Das ist ein Versehen�, fl�sterte ich zur�ck, aber nun zog auch Oma an meinem rechten Arm.</p><p>�Bl�dsinn�, zischte Lisbeth. �Geh auf die B�hne.�</p><p>Ich nestelte an meiner Handtasche herum, die ich �ber die Armlehne geh�ngt hatte.</p><p>�Die Tasche brauchst du nicht�, fl�sterte Lisbeth. �Hoch mit dir. Du machst das schon.�</p><p>Sie gab mir einen kr�ftigen Sto� in den R�cken, ich taumelte auf meinen hohen Abs�tzen nach vorn, meisterte die vier Stufen auf die B�hne, lie� mir von v�llig Unbekannten die Hand sch�tteln und wurde dann wie eine Marionette so herumgedreht, dass ich frontal zum Publikum stand.</p><p>Der Saal war riesig, das war mir vorher gar nicht aufgefallen, und er war gestopft voll. Ungef�hr hundert Menschen sa�en dort auf den unbequemen St�hlen und klatschten. Sie klatschten f�r mich! Ich konnte es nicht fassen. Mein Blick glitt hilflos �ber die Menge, bis er an einem purpurfarbenen Haarschopf h�ngen blieb. Tabea stand in der letzten Reihe und hatte die Arme nach oben gerissen. Sie klatschte wie bei einem Rockkonzert.</p><p>Meine Augen suchten Lisbeth und Oma. Beide strahlten mich an und nickten mir aufmunternd zu.</p><p>Der Mann an meiner rechten Seite ergriff meinen Arm und zerrte mich vor das Mikrofon. Himmel, die erwarteten, dass ich was sagte! Darauf war ich �berhaupt nicht eingestellt.</p><p>Der Applaus verebbte. Pl�tzlich war es still. Ich r�usperte mich.</p><p>�Ich bin v�llig �berrascht und empfinde mich nicht als jemand Besonderes, dem ein Preis geb�hrt�, sagte ich mit kieksiger Stimme. Ich r�usperte mich noch einmal. �Im letzten Herbst verlor ich meine Arbeitsstelle und musste mich neu orientieren. Die Idee, mich selbstst�ndig zu machen, kam mir ganz spontan, w�hrend eines eher unerfreulichen Vorstellungsgespr�chs.�</p><p>Mein Blick fiel auf Greg. Er l�chelte.</p><p>�Den Firmennamen und die tolle Werbung, die Sie so gelobt haben, verdanke ich meiner Freundin und Beraterin Tabea Trollinger.�</p><p>Applaus. Tabea h�pfte wie ein Flummi auf und nieder. Greg klatschte nicht, Oma und Lisbeth daf�r umso mehr.</p><p>�F�r die Qualit�t der Arbeit und f�r das Personal ist Lisbeth Baues verantwortlich.�</p><p>Wieder Applaus. Lisbeth warf mir eine Kusshand zu. Sie blinzelte auff�llig. Oma rutschte auf meinen Platz her�ber und umarmte Lisbeth von der Seite. Diese beiden kleinen Frauen, St�tzen meiner Existenz, hatten doch tats�chlich feuchte Augen.</p><p>Mein Blick fiel auf Lauenstein. Er strahlte.</p><p>�Ich habe den angenehmsten Job von allen: Ich sitze im B�ro, nehme Auftr�ge entgegen und mache mir nicht die H�nde schmutzig.�</p><p>Applaus und Gel�chter.</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>Ich trat demonstrativ einen Schritt zur�ck und stolperte, denn mein rechter Stilettoabsatz landete auf dem d�nnen Lederschuh des dicht hinter mir stehenden Herrn und trennte vermutlich gerade den gro�en Zeh vom Rest seines Fu�es. Zumindest deutete seine Mimik darauf hin. Ich nickte noch einmal ins Publikum und kehrte schleunigst auf meinen Platz zur�ck.</p><p>Lisbeth und Oma t�tschelten mir von rechts und links abwechselnd die Knie, die H�nde oder die Schultern. Sie konnten sich gar nicht mehr beruhigen, w�hrend auf der B�hne die Preisverleihung weiterging. Viel bekam ich vor lauter Aufregung nicht mehr mit. In Lauensteins Gruppe erhielt ein dicker Mann die Ehrung, der aussah, als w�rde er gleich an einem Herzkasper dahinscheiden. Er schleppte seine immense Figur auf die B�hne, stammelte ein paar Worte, grinste mit einem debilen Gesichtsausdruck in den Saal und riss den Plexiglas-W�rfel in dem Moment seitlich hoch, in dem der Zeremonienmeister im Schwungkreis seines Armes auftauchte. Der konnte mit einem beh�nden Schritt zur Seite gerade noch ausweichen und bat alle Geehrten zum Gruppenfoto auf die B�hne.</p><p>Ich erklomm die steilen Stufen zum zweiten Mal und fand mich auf einmal neben Greg wieder. Ich hatte den leisen Verdacht, dass das kein Zufall war. Greg dr�ngte sich an mich und fl�sterte mir einen Gl�ckwunsch ins Ohr. Er benutzte noch immer dasselbe Aftershave wie fr�her, und wie immer hatte er ein kleines bisschen zu viel davon auf seine frisch rasierten Wangen getupft. Wir wurden zur Ordnung gerufen, der Fotograf schoss seine Bilder, der Veranstalter sagte noch ein paar Abschlussworte, dann l�ste sich die Gruppe auf.</p><p>Das Publikum erhob sich und dr�ngte aus dem Saal. Ich verlor den Blickkontakt zu Oma, Lisbeth und Tabea, konnte nur Lauenstein sehen, der immer noch �u�erst euphorisch wirkte, obwohl er den Oscar ja gar nicht bekommen hatte.</p><p>Greg hatte einen Arm um meine Taille gelegt und zog mich mit sich zum Team von AIQ. Er tat so, als h�tten wir beide als Team gewonnen. Sue stand mit versteinertem Gesicht dabei.</p><p>Der Saal leerte sich bereits, als Lisbeth mit Pauline und Herrn Metzenrath kam, um sich zu verabschieden. Herr Metzenrath gab mir f�rmlich die Hand und gratulierte mit einem strahlenden L�cheln, Pauline fiel mir um den Hals und k�sste mich auf beide Wangen. Oma wollte mich zur Feier des Tages einladen und wartete sicher irgendwo im Hintergrund. Tabea boxte sich endlich vom hinteren Ende des Saals nach vorne durch, zog mich aus dem Kreis der ehemaligen Kollegen und umarmte mich st�rmisch.</p><p>�Und dann muss ich dir noch jemanden vorstellen�, fl�sterte sie und schob den blonden Engel vor. �Das ist Martina.�</p><p>Ich gab Martina die Hand, sah Tabea mit einer leicht hochgezogenen Augenbraue an und sie nickte err�tend. Ich zwinkerte ihr zu.</p><p>�Herzlichen Gl�ckwunsch�, formte ich mit den Lippen, ohne dass ein Ton �ber meine Lippen kam.</p><p>Tabea grinste wortlos von einem Ohr zum anderen.</p><p>�Unsere Internetseite ben�tigt eine Aktualisierung�, sagte ich laut.</p><p>�Ich habe mir schon ein paar Gedanken dazu gemacht�, gab Tabea zur�ck. �Wir sollten uns n�chste Woche mal zusammensetzen. Ruf mich an.�</p><p>Ich nickte gl�cklich.</p><p>Lauenstein stand immer noch mit den Anzugtr�gern zusammen, nickte mir aber aufmunternd zu, als unsere Blicke sich trafen.</p><p>Greg zog mich mit einer Hand wieder in den Kollegenkreis zur�ck, ohne seine Erz�hlung zu unterbrechen. Er gab gerade eine Geschichte aus seinem unerm�dlichen Vorrat der Kategorie �die d�mmsten Kunden haben die dickste Kohle� zum Besten. Ich f�hlte mich auf einmal fehl am Platz und empfand seine Vorstellung als peinlich, schlicht emp�rend. Dabei bemerkte ich, dass sich Gregs Hand wieder in meiner Taille eingefunden hatte, und es war mir�� unangenehm.</p><p>Sue blickte betreten zu Boden.</p><p>In was war ich hier nur hineingeraten? Wieso flirtete er mit mir, w�hrend seine Freundin dabeistand? Und warum lie� Sue sich das einfach gefallen? Ich wollte so schnell wie m�glich weg hier.</p><p>Unruhig lie� ich die Augen durch den Saal schweifen, begegnete Omas Blick und erwiderte ihr Zwinkern. Ich wand mich aus Gregs Umarmung und wollte zu ihr hin�bergehen, als ich aus dem Augenwinkel Lauenstein sah, der mit dem Mantel �ber dem Arm den Saal verlassen wollte. Ich machte Oma ein Zeichen und lief Lauenstein hinterher.</p><p>�Ich h�tte Ihnen den Oscar gegeben�, sagte ich, weil mir gerade nichts Besseres einfiel. Au�erdem stimmte es.</p><p>�Danke, sehr freundlich.� Er l�chelte wieder. Dieses Zopfpulloverl�cheln, das mir schon an dem furchtbaren Sonntagmorgen an meinem K�chentisch so gut gefallen hatte. �Und Sie haben Ihren wirklich mehr als verdient. Sie haben etwas Gro�artiges geleistet und sogar diverse��, er z�gerte, l�chelte schr�g, spitzte die Lippen und fuhr dann fort �� Schwierigkeiten bravour�s gemeistert.�</p><p>Ich sp�rte, wie ich rot wurde.</p><p>�Und au�erdem sind Sie die bezauberndste Unternehmerin des Jahres, allein daf�r h�tten Sie schon eine besondere Auszeichnung verdient.�</p><p>Bezaubernd. Schon wieder dieses Wort. Aus seinem Mund klang es nicht l�cherlich oder antiquiert, sondern schlicht�� bezaubernd.</p><p>Fast h�tte sein Kompliment dazu gef�hrt, dass ich meine Frage vergessen h�tte.</p><p>�Was ich Sie immer noch fragen wollte��, sagte ich, hielt dann aber inne. Das war jetzt nicht der passende Moment daf�r.</p><p>Aber Lauenstein hatte schon verstanden, was ich meinte. �Ich wei�, was Sie fragen wollen. Ja, es war mein Vater. Das war schon ein komisches Gef�hl, den vermissten Vater wiederzufinden, um ihn sofort wieder zu verlieren�, er stockte, �na ja, daf�r bin ich inzwischen offiziell Inhaber und Gesch�ftsf�hrer der Lauenstein Bestattungs-GmbH, und meine Mutter hat ihren Hochzeitstermin festgelegt.�</p><p>�Herzlichen Gl�ckwunsch.�</p><p>�Danke. Au�erdem kann ich jetzt das Haus endlich verkaufen.�</p><p>�Wie schade�, entfuhr es mir.</p><p>Er blickte mich irritiert an. �Sagen Sie nicht, dass Ihnen das Haus gef�llt. Es ist ein dunkler Kasten voller unangenehmer Erinnerungen und viel zu gro� f�r mich allein.�</p><p>Ich sch�ttelte entschieden den Kopf. �Aber dann verliere ich ja einen guten Kunden.�</p><p>�Ich habe schon ein neues Objekt im Visier.� Er l�chelte. �Nicht so gro� wie das alte. Aber als Kunde bleibe ich Ihnen wohl erhalten.�</p><p>�Das sollten wir feiern. Am besten mit einem tollen Essen. Ich verhungere gleich.� Ich hatte die Worte hervorgesprudelt, ohne dar�ber nachzudenken, und stand jetzt perplex vor meinem Kunden. Ich wollte doch Gesch�ftliches und Privates strikt trennen. Abgesehen davon hatte ich noch nie einen praktisch wildfremden Mann angesprochen, um ihn zum Essen einzuladen. Lauensteins Gesicht zeigte deutlich, dass seine �berraschung so gro� war wie meine. Dann l�chelte er erfreut, runzelte aber gleich darauf die Stirn und warf einen raschen Blick zu Greg, der seine and�chtigen Zuh�rer immer noch mit Anekdoten aus der wilden, bunten Werbewelt unterhielt.</p><p>�Was wird denn Ihr Freund dazu sagen? Sie wollen doch sicher lieber mit ihm�?�</p><p>�Mein Exfreund�, warf ich blitzschnell ein, �und ich will ganz sicher nicht mit ihm��</p><p>Aber dann fiel mir auf einmal Oma ein. Ich hatte f�r uns beide einen Tisch im Drehrestaurant des Fernsehturms reserviert�� ganz kitschig, wie sie es sich gew�nscht hatte. Nein, ich w�rde es nicht �bers Herz bringen, diese Verabredung abzusagen. Wo war sie �berhaupt? Ich hatte mich noch nicht ganz umgedreht, als ich schon ihre Hand an meinem R�cken sp�rte. �Alles Gute, mein Liebes�, raunte sie mir mit Verschw�rermiene zu. �Mach dir keine Gedanken um mich, ich feiere mit den anderen. Und dir viel Spa� im Restaurant. Eine Tischreservierung hast du ja schon.�</p><p>Sie strahlte mich an, warf mir noch eine Kusshand zu und verschwand.</p><p>V�llig perplex drehte ich mich wieder zu Lauenstein um, der mich fragend anblickte.</p><p>�Meine Oma�, stammelte ich. �Die beste Oma der Welt!�</p><p>Er lachte. �Und klug scheint sie auch zu sein.�</p><p>Er hatte seine Hand auf meinen Unterarm gelegt und dirigierte mich sanft durch die Menge. Seine N�he, die W�rme seiner Hand auf meinem Arm waren mir auf einmal so vertraut. Ich musterte ihn unauff�llig von der Seite. Wenn mir das mal jemand prophezeit h�tte, dass ich mit einem Bestattungsunternehmer�</p><p>�Wo wollen wir denn jetzt hingehen?�, unterbrach Lauensteins Stimme meine Gedanken.</p></section></section><section><title><p>Informationen zum Buch</p></title><p>Job weg, Freund weg und Wohnung so gut wie weg. Aber Corinna (31) w�re nicht die Enkelin ihrer patenten Oma aus der Eifel, wenn sie sich nicht umgehend an die Neugestaltung ihres Lebens machen w�rde, und zwar mit einer genialen Gesch�ftsidee: Sie gr�ndet die �Schmutzengel��� ein Dienstleistungsunternehmen, das gestressten Managern und unbeholfenen Mutters�hnchen die Organisation des l�stigen Haushalts und der anstrengenden Freizeit abnimmt. Der Erfolg l�sst nicht lange auf sich warten, die Auftr�ge purzeln nur so herein, alles l�uft bestens. Bis zu dem Tag, an dem im Haus eines neuen und sehr peniblen Kunden pl�tzlich ein Toter liegt. Besorgt um das Image ihrer Firma, beschlie�t Corinna: Der muss weg! Doch wie und wohin?</p></section><section><title><p>Informationen zur Autorin</p></title><p><emphasis>Jutta Profijt</emphasis> wurde 1967 in Ratingen geboren. Nach dem Abitur ging sie ins Ausland, arbeitete als Exportmanagerin im Anlagenbau und war selbstst�ndige Unternehmerin. 2003 ver�ffentlichte sie ihren ersten Kriminalroman. Mit ihren B�chern �ber den vorlauten Geist Pascha und den sch�chternen Rechtsmediziner Dr. G�nsewein (�K�hlfach 4�, dtv 21129, und �Im K�hlfach nebenan�, dtv 21185) hat sie eine gro�e Fan-Gemeinde erobert. Jutta Profijt lebt heute als freie Autorin in der niederrheinischen Provinz. Mehr �ber die Autorin: <a l:href="http://www.juttaprofijt.de">www.juttaprofijt.de</a>.</p></section><section><title><p>Impressum</p></title><p>Originalausgabe 2010</p><p>� Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH &amp; Co. KG, M�nchen</p><p>Das Werk ist urheberrechtlich gesch�tzt. Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlags zul�ssig. Das gilt insbesondere f�r Vervielf�ltigungen, �bersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.</p><p>eBook ISBN 978-3-423-40262-0 (epub)</p><p>ISBN der gedruckten Ausgabe 978-3-423-21206-9</p><p>Ausf�hrliche Informationen �ber unsere Autoren und B�cher finden Sie auf unserer Website</p><p><a l:href="http://www.dtv.de/">www.dtv.de</a></p></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAJyAYkDASIAAhEBAxEB/8QAHAAAAQUBAQEAAAAAAAAAAAAAAwABAgQGBQcI/8QAXBAAAQMCBAEHBggJCAcFBwUAAQACAwQRBQYSITEHEyIyQVFhFEJScYGRFRYjYnKCkqEIM0NTk6KxwdIkNERUVbLC0SZjc4Ph4vAXJzVksyU3RXSU8fIYNkZmo//EABwBAAICAwEBAAAAAAAAAAAAAAADAQIEBQYHCP/EAEURAAEDAgMFBAgEAwYEBwAAAAEAAgMEEQUSIQYTMUFRImFxoRQyUoGRscHRByNC4RVi8BYkQ3Ki8TM0gpIXJTVEU7LS/9oADAMBAAIRAxEAPwD5VATqSVlulqrqIUwEmtRGtQjMmARGhO1qI1qmyqXJmhTDVJoRWgKcqpmshsbuitCk1qmAr2uqcEwCk1qkAiNagBQSohqm1qdrVNjVOVVzJtKctRA1SLUBqgvuhBqIAbKelSA8FbKozoQaVOxUg3fgp2RlRnQg1Pp8EXSn0qcirnQbeCcBF0pW8EZEZwg26SWlE09NS0qA0IL7INkrI2lLT4KciM6Db5qiQrBb4qJb4IyIzoBao6VYt81MR4IyIzoGlM5qMWJi1Rl71OZVw1Rc1HLVFzUZVOdAcENzVZcN1FzVGVWz3VUtKZw2R3NUXAKLKQ5V3BDLVYcFAhVsrXVcg3Q3NVghQc1RlU3VQhQcFZLUNzVWyYHKs4KNkdzUMhFlcFQumUy1NZV0U3KRSF1KydrVeyTmTtCK0JmBFaFayjMnaCiNak0IjQrBqoXJNaiBhSYEZoFlbKqF6i0IjWpNCI0K2VLMlkzWogakxi7eSMHjzDmqhwmSaSniqn6HPYA4t2JvY+pWawu4Kj5msFyuKAptauhmfDGYTjldh7ZOdZSzmIPtYut2kdnvVMM2CsGWS94mAUrIoaExaPBTkuoMlkzQFMNXTyrl+qx7GI8Oo307ZSxz/lnua0WBLuALuA7lTEPkdRLDNbnGSOZ9YOsf2KSzS6oJSeSAGKQYuxl3L1ZjTcQNH5LF5FTunfrkc3og20iwdc7+dpXLYzg5QWFSJeqhpT6fFE0dqWhWDEbxD0pi1GDPFLm0ZVUvKrgfKouhMB8sj2sCbKrWlXc8IGjdPoW8w7J+WG5VocaxrMNVh/lt7DmNbGuHY3SHO+0g/AXJ7e3x+qf/AKF38CduHFYnpkQ6nwBKw5ae1MWjtW4xXIzfgqXF8Ax+DGqSEfKx83omZ9W+/tAcsYWauiXWVTGW8U9s7H+r+6r6UtKOWbKJZtdRZWzoKi5G0hRcwKuUK2coRahOG6sli0XJ3lOLMs1ZNX4h5DhtCwSVEgYHO7eF79gd5rvUpay6q6SxAssmWJitDm2jyrRGAZaxeuxDVq57ymDm9FrWt0d77oeY8Fw/DsHwyso8ahrJ6yMvmp2huqnPR2dpcXHiet3KpjKuJrLPOahOb3rS4ZhGET5PrMXmxcQ4lTSCOHDzpvODpu7jfbUfcuVRUT8SxGkw2IxtkqJmsZzhIbqOwuQ024qCyxAVw+4XOLNkN0a7ObMFq8vY7U4VVyQPmpi0PMDnOYbgHYuA7D3Lly8FQt1TM91WcENzVZcEJwVcqtnVdwQnNVlwQ3NVMqcHKu5qGWqw5qE4KparhyA5RRXtULBVylWzFOAiNaotCMwJoalOcEmtRWtSaERoTA1JL07WhEaEzWojWqwalF6TWorQk0IjQFcNSi9OxgUwzdOxhVyhoqquqmU1HTy1E7zpZFGwue93c0Dcq4aqF6qtjWu5Ixp5QsL/ANuP2FZyppZ6atnpqmKSGaJ2l8b2aXNPcR2LTckwvn7DD/rx+wq7G9oJEruwff8AJc7PQvnPGye2tf8AtV7P2V4MuDCPJ6uWp8uoxUO1tA0nbYW9aqZ3H+l+NX/rsn7VqOWUnnsr77fBUaaWcSsZs12sYeY+gXnwButLi2WIaTIeFZibVyvnr5nxGEtAYzTfe/E8PBcGMAyLe4+P+6HL/cK2X9r1AYpe+ytcjtBl/wCHKOohxes+Gebl/kXk/wAl1XB3ynb0d1wc3UGUmmuqKDH6yrrvKf5vJRaGdJ3S6Xh0vpWVnka//fNKe6Of+45ZrEGg4pWD/wAw/wDa5WI7ISw673L0Xk+psrwUeKcxmCsllmwwiuj8id8hq06nN9Kx2+csTmeiyzBBTfF/GquvluecE9LzWhvZbv1Lu8mDf5LmXv8AgiT+81YprNDRv2K1uyEtr+2426LVZMynBitDUYvjOLfBeD0v4yXrGR3otHf9U+pW9PJjq5jynM/+10Nt9myfL+EZszNl6GhbJSUuC0sjiJanTGy/b0raj+xKXKGXqMWxDlBwlj/Rpo3T/e1QABwVszzxP0VTNuVqPDMPhxnBcU+EMKqehr0aXMk9Fw//AB+isuDcr0nFzg7eTCaDATUTwQ1wvLUsF5H23cB2Bebxtu9BiHJQyocSblBG810bi4obQQ+3ajMFkiNl8yy55bZVts1bcmWWB2a3f4lhwP5WNl6jUT5fg5PMv/GDDKquiv8AJsgk0O1b9Z3bsuH8J8nXO3+K2LW/+d/5lkvbc+5YNO/K0jvJ80PkbNYc3u03NP5O/wAotw09l/auRlzBYswZ2GFSTyQsmqJbSMYHaW3c7geK7dZnGjiwebDMs4JFg0VT+MlMmuV7fR1f/kqfJWD8eMNd23f+xRYaAKbuaS5w6f15q0cnYBg8bzm7HpqQvJ8npqaJpmezU4CR3ENvp6v6yzGPUuFHFxT5fnqK2kuObL49L33A6NrDe5t1VazxPPWZlxCacmSR1Q4DwaHWHsXf5FaeKXOYlkbc09JLMz6Tbfuuq5bpgfyATT5QyzgIBzdj00Va6PWKGgj1PYO4uOofs+kU1NljKOYGmLLGN1cWIWPN0mJMaOe+i5umx+16lkcVqqrEK+evqiXzzuMjje/FV2vmglEkT3MkifrY8djm8Ciw4EK+ZxN2kg+XwT4pQVFDWOo62N0E0JLZGEbg+K9RyTQ5Zgyzj5wrHsQqKU07PL3OorOgbvu30vOXD5Vr1VVhWNOj0SV9Cx8p73Do/sAHsS5OnFuUM4DvpY1LWFjiCqSSb5jX3IufqsvmejyrSCD4uYtW4hq1c95TT83o4Wt39qsZyyvTYFgeA4hBVyzuxSnMz2uaA1nA2Ftz1u1cEx/Krd8qXSyllAd1Ef8AClhvEhOe+xHes/hWV6epyDieZpKuYTUVQ2MRNDdJ1aeJ49vYrHJ5Q4BPilHPi2MVVHiUdbF5NTx0XOh/Sbpu7zd9l1sBZ/3LY4P/AD0X+FZHKN/jdhP/AM9B/wCo1BbaxVxJmDmfJbPlQosoT5jxisrsx19NibGXFIyi1xue1gAGu/A9Hew6y8vcdls+WEf94WL7ecP7jVj3MVJG3cU2ldliFjfx4+QHyVdzUN7VYcENwShGsneKs5qG4Ky4ITgqFqa2RVnBCcFZc1DcFQtTQ9VSmR3MUdPgqZVcOUWDdGaEzWIrGpoaluenaERoSaEVoTA1Ic5JgRmtTNCK0JgaklyYNU2tU2hEDVcNSXOUNK7OTsU+BcwUWJua5zKedj3BvcD0v1dS5oiRGsTA1JL7L0bP2T8UxLFJswZai+GMOr/lGeTC5j1cWub2+zq7tdZH5PcrV+AYn8ZszU/wbS0I5xok6736bNbp4jrfS1WWDw3FcWwh7jh+IVtG53WEMzo7+uyfEcRxXE3tkxHEK2rcOrz0xk0+q7ldrW3ulOfI9pbmSxib4UxmqxB+3lE75bd1yvRczYPV5wyvguKYDCKw0lKKeppx1w5rW+ae2/1nNd0V5loO2pXcOrarD5ueoKuelf6UEzmO+4qQLaKhcDrzC7GHZBzLU/KVGHyYdTN6UlTWDmY2t7+lv7gFp89igHJrgowqWSaijqXRxvftrIadTtPZd1/ZZYXEcVxfFBpr8Srato4Nmnc8D3lDE1Q+lZTSVM7oI3FzYucdzbXHjYcFYCyo4gjRaPkht8eqK5tzjJvrO0O2VLNGV8bwyqrK2twuWKk8oPy/m9JxtY/OXFjc+KRr4nFrmm4cOK6FZiuL4lTeT12KVlTGN9EtQ5zb99nOUltgqBwue9aXkvgdLU41Rw9KaowqVkTPSddrll8XwDFcJLDimHT0Yk/F8622q3GyHSSy0tQ2aGV8Ureq+N5a4H5pai1ldiOI6fLq+rq9HV56Zz7e8qQywsqlwLi7mVtccwyvzLkDBDgEbquKga6OqpojdzX+lp7Vm6DJ2ZKtwhZglTD86oj5pg9biuZQ1NZQS8/R1NRTSelDIWH9VWq7Gsdro+bq8VrKiMdZktQ8tPsvupLAeKhspbw+S3ZwET8ns+FYA4YjUQVF6rmttTu3T32/WXmRhLXljuiWjSRZWKOpqqPX5JV1FNr2dzUjmhw7jpQywk3JJJQWoY4DVUy0Cv09iM9gDiexBcD5arpb0VjQMtm1WXVOvl8Fscz/APu2y39b/EsIWq/JPPJTMgkqZnxM6sT5HFrPojgFXDd7LKIubrCaQG2QNGy1HJW3/TjDvDX/AHVn+au6yJTST0s/O08j4njqyRucxzfaEAAG6kaghSzKz/27Xf8AzMn95yt5Ixr4AzFTYiQeZaObqB813G3972Lmya3SOfJrc93Fz3XJQtBVcqsH2N1ssw5IrpHOxLLEXwnhsu7PJra49Xmub228PrKrgGR8cqnioxmKXC8MhN6mWq6HR+a12+/C/VXGw/EcUwoPGHV1ZRh3W5iYsu7x08UPEsSxTFNPwjX1lYG9Xn5nPsfDUdlG7aVcSSD9S6PKNjUeO47qpNqClYIKbsu0edbsvxXTyHFbKOavGljWM0lWGVFTFE6GCqmhZNZsjWSOAcPFo6yCLFFjJz5hc4sK3XKc0fFbKI/8i7/CsWr+H0mJ43X0uFxOlqZOlzDJJPm30i5sNgoy2Vr3IWkwOw5GscA/rsX+FY/KjmR5ow2WTotjqonF3d8o1ehVWCVmWuSzE6fF420s9XWt5qLV6NvRuOAd9HZeZadUlw2yoW8FeN13OPet1yr5YzI/N2I4uMIq5qI/KeU+Y1jWi7i7s4LzeRu67kmO48+hNC/GK91Np0c0al+jT3WvwXJkaquZrdOYQGgDkqjmobwrT2ob2qlk5rlVc1Cc1WnNQnBLc1Oa5VXNQ3NVlwQyEstT2uVZwKjYo7goWS8qbmSARWhJrdkVoTWtS3FJrUZrNkmNRmhNASHOUWssjBqcNU2t3Vw1Jc5JjUdrUzWIjWpgakF6i0IjWqTWIrWJgYkOeotaptaphik1iZlS3SJg1OGbogapBqnIkueohgUw1SDVINVgxUMig1u6mQp6d+Ce3gpyKu8sglvgiNG3BT0nuUwDZSWoEiDoT6FY5opuaKMt1TUKvpThu6Pzd0Cum5jobGT+6qSPEbblOhidK4NaFWlN8UVmRvT2XN1dMOXQoJee6A66waSZtyDz4LZ4hTPyhzdbKelNpRixNoWyyLSZ7oVk9lPSnDFBYpD0EtUS0I7mKJajKpzoGlLSjaE2lRkVmvsq5bumczdH0bpnMUFquHqq5hUQHMdqaS0jtBVp7d1F0eyrlsmByBLLJK+8r3SHvebn9ZV3NKuE+CE9qrksmZ1VcxQLArLmobmFULE1sirOahuYrJaUJ7VQtTWuVZ7AguarTmoTmqjmp4eqrmoTmq05qG5qUWpzXqo8FQsUd4ULeCoWp4ckxqO1qi1hRms2TQ1Lc5Sa3ZEa1JjEZrN01rVjvcnazZFazdO1iK1qYGrHc5MG7ojWqQbuitYmhqxy5Ra1EDVJrERrEwNSnOUWtUwxEazZSDFYNSHOUAxTaxEDFMNVsqU51kMMUmxogapBqsGqmZR0FLQi6PFPo3RlUlyFoUgwWRDGe5LSpyqhdZR5uyXN34IzY7fjrgKjX4g2MmOlO/ekzSNiFysmngdO7K0eKhW1zYGmGPpOPE9y5d3ai89qcC253KcbrSVM5lPculpKYU471FwvuoazE7UEXiFEtDhYhIssu662GVUcws78Z3q1KJA7uWabI+GS8fYuzhuKRzkQ1HEed3La0lZm0etHW4eGD8pWWs33RNGycN7lMNNlsy1aJjlXcxR0I72ptKA1QXaqvpTaEfSloRlQHXVcM3ScxF07pFqjIrh6rubuovGyPpuouaqliaJFWc1DLArTm7ITmKmVXbJdVntQ3N2VpzUNzdlBaU1rwqjmoTmq25qE5qoWpzXqo9qE5qtvahOallqc1yqPahOarT2oTgklqyWuVN7VDSFakYhaVQtTw5SDUVrUzQjNamtalucpMZsitbukxuyM1ia0LGe+6drEVjE7WI7I900NSHFRDN0QMT6ERjE1rFjuck1im1m6kxqK1u6uGpDnJmsRWMCQbsptBV8iSXqAYphqk0XU9O6vlSy5Q0KcYAUw1PoU5EvPZT0BNze11LQU8srImkvNmhVLLJgfmUAXHbioTvgpxqmcGhVK7F4gNNG3U70zwXGkfLPJrmkL3d5WtqMQjZozVbemwuR+sqtYriMlUbD5OMfacqqSZaaR7pDclb2OJkd8o4pJbJWSsqpt06cJkkFSCoTR6hftQI3mI+KtboU0Qfw4o7yrNKu4ZiJpusOcb2jtXapqqKqGqE2Pd2hY/djt7gq3TVjoXAglpHaFm01a6LR2oWrq8LbPrGbLUgXPTN0xbvtwVOixWCUAVXRPY5q6DCx3SheHN9LsW7hmjm1YVzlTSy0+jxp1QS1R0FWLJy3bYJ5asRpuqrmqOlWC3dRLVOVTmQC3ZQ0KxoUXNVcquHKu9iG5iskKLmquRMD1Uc1DcxWnNQ3NVSxNa9VSxCexW3NQXtSyxPa9VHNQntVt7UF7UssT2uVR7UF7Vbe1Be1JcxZLXKrI1Q0o72qGlLLU8OSY1Ga1QaEZjVdqo5yIxuyO1qGxqtMaLJrVjvKQCK0bqIbujBqc0LGc5SAuiMamYN0ZoF00BIc5OwI0cb7cEzAk+thjNnysB9ElF8vG3vVQA7r7lJrTfgptCH8J0v8AWI/eo/CWHj+lX+jG4/uR6TEOLgqmlld6oPv0+assbdFa3SO9c2TGaW3RjmcfHb9yqyYxUF3yMMTR84uP8KW+vpx+pMbhdS79K78MZebEbd6aeXD6faWbfuablZaoq6+o2lqHW7mmyGwEcSsGbFf/AIwtjT4MP8VdqvxwcKOH67/8v4ly6yWoqf5wdf0vN+ihpwtXLUSy+sVtoaOGK9hxTcAkkUyUAskmydJJJSqpJJJIQkkkkhCSV0kyiykGyT42uG4CrSQkdXcKyd04GyFa5Kosc5l9I96tUVdLC+7HEH7lMhp6wQnwNO7UNc5puDZVc1jvW1XdpMajP87juO9ht9y6MGI0dQ4NpZrn0SNJWNEMg4PJS0yjYt1Dx2WxixKSP1tVq58KikH5XZW3kaSoaT3LKwV9VAQWuePA7roQ5he0Wlhjk9YcP81nsxWJ3EWWqfgc7eYXa0ptIXOjxukkO9PIwfa/hRWV9HJ+XDfpNKyRVQO/UFiiiqW/4ZR3NQyxMauj/rUXvUo6ull6MVQxzu66YJYz6pBVRTyN9dpChIwID2hWH3KG5quWqudVnBDcFYcEJ4SyE1pVd7UFzVZcEJ4S3JzXKo9qC4K28IDwlOCymOVaQIdlYkG6HbwSiE8FRbxRmjZCYN1YjCGhD3IkQ3Vho3UGNsEZgTQFiuciRjZTA3SjCIG7prQkPKdjUVoTsbsptamtWM4qQQJ8GjmqHTPmcNXY0WVoMRGhEsLZRZyIah1M7M3iuf8AAVOf6a77H/FL4vwf19/2F0mtRGtSfQKf2Uw4nOuYMCh/rkn2GpxgUX9bk+wF1QxEa1T/AA+m9lVditV7S5TMuwOcAa+YX/1bVcZlOlcL/CUw/wB03/NdanjD33srjWBpWprooY3BrRqFmQVtQRdxWcGVKf8AtSo/Qt/iT/FWn/tSo/Qt/iWiLWptIWHYLI9Mm6rO/FSn/tSo/Qt/iS+KlP8A2pUfoW/xLRaGpaGos1Hpk3VZ34qU39qVH6Fv8SXxUpv7UqP0Lf4lotDUtDUWaj0ybqs78Vaf+1Kj9C3+JL4qU/8AalR+hb/EtFoCfQFNmo9Mm6rO/FSm/tCo/RD+JL4qU/8AaFR+iH8S0On56Wn56jKFHps3X5LPfFSn/tCo/RD+JL4qU/8AaFR+iH8S0On56Wn56MoR6bN1+Sz3xUpv7Qqf0Tf4kvipTf2hU/oh/EtDp+elp+ejKFPps3X5LPfFSm/tCp/RN/iTfFSm/tCp/RD+JaLSfTTafnoyhR6bN1+Sz4ypS8fhKp/QN/iS+K1MXf8AiVR7Ym/xLQhuybSBujKLqfTZuqzM2WqZjv8AxGb7Df8ANBky7TWuMQk+y3/NaWqia5urtVF7WgcStxSUsMjA63Ba+bEqljiLrifAUH9dl+ym+Aof65L9ldq0XeUi2K3ErK9Bg9lU/idT7a4nxch/rzve1PR4Yymq2yCV7tPm2AB+5dQt3TaFIoYGm9kfxKodwNkJ/egvViUIJCeAsXPqqzwoPCO8IZCqU1pVZwQpArDwhPCWQntKquCC8bqy8ITxdLIWSwqq4KOlFkCglELIDkNjUeMbobBurEYQ0KryitGyNGENg2R4humtCxnuuiMFkZguoWRYQmgJDnIjRsiNCgOKK1MaFjvcpAKYCYBEaEwLHc66QCkApAKQCsEpxTxNVhjQSgxtIVmBpKq82V2K5C3THq70U72UW9FjWKTuGy5eZ28kzdVuGDK2yiR4pafFPYpaSl3Rc9E1vFK3ilY96fSe9F0XPRNbxSt4p9J70tJ70XRc9E1h3pWHense9Kx70XRc9E2lLSpEpiUXU3TaUtKe6V0XRdNZKylZJGiLprJWSuldGqNEiU1rlPZOhF00w1Mt3LnztvfwXQBVSobpfbvWzw1+VxYsSrbmbdc5JFMagWkLd3WsLSEMqBCKQo6CgqQboTwhEI5CG4Klk0OVd4UCFYLVB4sqlPYVUkCE5qsuCFIEsp7SqjwguCtOagPCW4LIYVWlQrKy5qhoSrLIDkKNqPG1DjCsRg8FDVMminE26tQsN9wrGE4dXV2IRUVDB5XVSeGnoji4k9EBvpOWpxTLOC5bipznXN9Phss56NJSQGomc3vAaC4j52jT4rFqcTp6Vwa92pT4MNmqBeMXWRYN1YYw9y0mGRckdTUNhZnzE6Oa+z62iMMZPrfG1o+sVrqPksq34lCX41hk+GSnWKmNjtT2u6tmXcCD3h7mrDO01AzR5LT3ghNGzlWeV/DVeYNYe5Fa23FW26YcXxGjE3Ouoayanf0bXcx5YT+qoRsM9XrEMsssh6EcfSc53YAFv4p2uaHj1eq0E1OWHLz6IbeKI0L0XCuTs4fhL8Yzlj1Bl3CgRr54h0jQ7qtc4kBhPY3pHwXOlzDyD07tFLFm7Hz21FPA+Jv6xiHuC00m0tIH5YgZLeyLraN2ZqnNu8hv+Y2+6xw1jvRGly3uDv5G8wP8mY/NGXJyfk5MQIayT5uol7B7S31rRv5HcOpvKKzEszOGF0zHyvMUGmVrW3O7iSLWHHTv6ISztbQx6Tgxn+YWv4I/srXP/wCEWu8D+y8i5o67ecrlE02vbqqGUMdwWqc3EsXwrEcTw1rS1tPTSCKV/ou4t7Ot0mr1nIWA8nmccKlrKHBccoJYX6J6StqXskZfVpd0XFrmu0usQSDZRjm0MOHw5pWuynnZLwzAZayQ7pwuDax4/VeZWHepBq3+d8E5MMmyUkeKyZhkq60nyejpHCZxa22pzg5ulrRqaLk9qweJYngdZXTNyzDjMNEI2/KYlGxrnelpA7OHW6S0VBjMVe4CFpseZWfWYTUULSZyL9Abk+QQ9Ka3irFPzEUsRrRPLSt088KXS2Zze3Tq6Or1rV5Sg5Msx4j8FUtLmjD6uX+bmtEeh+lt9LSNYv4HTqT67EGUbS57SR3C6RSUD6t2WNwB6E2KxugjvTarL1bNOUckZYwSfGcaxXMENJBpDubkZI9znODWta1rLkkuHvXmOJVeWK6ph+LlFmTmulznwkyJrdXZbmzq+0sagxunr9YbkdVlV2C1FIO1a/ef91X3TrX4LQcnOJ1lJhcmc6uHF5ALwPpnRMD/AM21z2WJ+t0lqcW5LaGDDZqmgxislqGxucxk7GODnBuot6IBF0ifaSjp5d3NdviD+6bBgFTMzOwgjuK8n0lLSlQ1jKunEzBu1xB+ap36a6Aai60hFlBJE8V38j5dbmjExTPlkpIo2OmqHsZqdp1WFr9HpH0kipnjpojNJo0cU2mgdUyiFnrHgs3pT6V6hjuQco4FhsuLY7mjFqTDqb8ZJ8n9HzWEu+aANS81xGtyzNX81lSuxuuh6WuevpRC17uzRdrXH6zWrW0WN0ta4iI3Wwq8FqqRuaVuniPug2KVitTg0XJ1iVTSYXJmjGaXFagtYY5KfTFrdxaH6Sz1XctfiXJrguFYdPX1+ZcTZTU0Zknklija1rRxLiAb2Sp9oaWndklBB7wU2HAaidueOxHcR915OmAV7Ha/I8fkhy1nF2MSyyWNNJhr4XNsOsXENHs09JVtuxbamqWVLN4zgtXUUz6d+R/H3fRC0paV28HiyVUClixXOE2E4hUT8yyN1CXR9awvJ1elt0nObxWvx7k/y9l3DX4tj2cX0NDH1p300bbl3Bo3JcfRABcVrqjHKWnfu5bg94Pks+DBaqoZniAI8QvNOlq34KNUGmPgSu7k7AcOzpmKqoMKxqoFFEHOZVvptPONFrdAkEX1cT3cFrsX5N8uZfwfyvEs8vw6mPQE1ZHHHFq9Gxe3V6hunP2iw6lkaHydq17WKXFgNfUA2Z2etwvJZmFgQ2sL+xbubCeS+RzWy8sOCFx4AMa1vvL7D6y0jeRqCRo8nzTK5rgHRyfB4e0gjYi0g1Dxuty/a/CoQN48tv1afoCsX+y1fIfy2394+68da3UbKboywcCvQMdyfkbLtb5BmLlTwvD64WPkzacCYA8NTOcc4e1rVcy5kjJmYJxDl7lPosTmI1Op4mwyS6e/QXBwHjZMO1OHEXDjbvBUR7MV49ZvmF5YW34ITmr1DlD5PocnZVnzDHi3lkcL4mSRGj0bPkDG9IPO9y3sVbI/J3FmfCPhF2LmjiNQ6OOMUfO9XrO1axb1WTRtLh3oxqs/YHNVOzdaJhDbtHX3Lzbm3dx9ybQvT8R5PctYbXnDcS5UsHpq8GxpJzDHJ9gz3b7VRrMj5Qp3iKTlYy/HIRfTJJCCP/8AdYw2rwx/qyf6XfZZQ2arm8GeY+683cx6C5ru8L0mkyVlCqZI2DlRwCoLNnmGSBwHrPPbK/LyQ07GhzcwvIPAiibY/rqj9qsMb60nkfqE1uzWIHgzzC8gex/YgPY9azPuAR5VxWmw+TE4qmSsgdMzRCY9DQbaiLu6x6vS7CszpYH6df3Lb09THVRb2M3BWDNSPppN2/iqUm6HZGeENNSwVFlkaPihMCPGFVoUyOXsHI3ROZg9TiLR/KKiUwt/2cY6vtJ6X0QvHcDbLiFW/HsbBnxare50r5NWzr9XpdUN4W82y9c5HMYaynkwCpIFWJHT0+/Xa7Tqa3vc0tvb0XeBWgzJye4RjE8tbRzS4ZWyHVJzUbXMmPaSw2sT5xa5urzrrgP4hT4fi8vpQ7JFgV3Bp56rDWCnPaHFeN8xC6byeUB2vt4r0DkXxc4LjcGByvLsIrZObjYTdsE56rm9zXnZwHR1EO77zqeSrGov5pXYZV+B1wu+/U39ZZbG8MxDAsQFHicE9HPe7L30yDva9vRd7CujmmwzG4nU7HhxK5yGOtwh4qJG2AUs1UbML5Ss2YeP7QdVN9UwEv7XlerciOWqWgwaXNeJAwyyAmnEvVgiDelN7Rq0n0fWvLspYGMcz8yjra2rrJMQqGtq6ipkc52lreluTfZjbN9FewfhB4g7CeRrHYqOLQ+tZFh8GnqgSyNY5o9TSfeuf2hqZaemhwwG7nAB3yW4wSljqauWuPBpJHjZeIZwzPUcqGZ3YrWGWLL1FKW4XRXNnNH5aQemePzRZre284mRx/yenj4oGEUzIKMRt2DAArBZYru8Lw2GipmxRDguIxXFZq2cyScOSKYWECKojuvRM54rPQ/grzFxn8or7YVTX1XLHzW06vBmvT4DSvPYCecEJ4XRMwYhiWOvwugxGukkwzCrmkpvRcNtRPnENu0X4AnisDHsKdiDY2hvquv7lm4FisdC57nOtcW/rwVbDqTyemhh7bWXsvITc1uMX/NRfcXLyii3qTKODeC9Y5CD/LsY/wBlF95ctJtm7/y8s6ZfmFkbKHNiTZBz+izfLxeblIw0A7x4S7m/bLv+wLK6dIW65YsHxKblGpMUZh1dLSyYWIBLBTulY2RsjiWktB0mxad7XWWkwbFR0vgfFi3v8hl/hWt2bniioI2ud/XBbPaOnklrnPaFz3R9J260nJ7b48YFv/SmrjHDa8f0DEP/AKSX+FaLkvw+epzfRy+RVcMVM8zPnNO4c3Zpt1gBubD2rYYpURCilOYcD8rLW4ZDIKuNrha5C1X4Q775Ipab5Mc9i0HHd3R1P2Hb1V5SGnXsvVPwiGxHLmBSSdZuLt0esxSNP6pcvLb9O3YtHsSz+4E9SVudsXWrQe4KBtu6UdIOFj27bhfRlFi9M6ugw0/zs0DKu3psdpa7fzjfrL55iAe5kbh1ntafa7SvSMz4xDg/LjlinNxDFhpp6h54aXmzfvDVi7YU2+MYbx7X0WVstUCLeOfw0+qxOd8D+LGbKqht/JaqR1VS/wCzd1m+tpv71ydPTXsnLdgrsRyg7E6eESVGGyCdtusGefbv27F47GWSRtkY8Oa4XBC2uzOI+l0TWuPaboVrNocPNLVFw9V3D+vehnZ9vBegZQxNuUOT/EM4VNOZDPVQ0sMZFi8EhoaD3FxJ9bVkKDC6nFcZosOpB0532LvRHeuny0YkavNuFZGwt7YsNwEwyzvH5SU7NaT1bhpB9ZU46W1JjpB+q9/AKcEDqUS1jhowWHfpdeg8ujOd5KsTktbS6B9vrheNQNGhnqXtXLQb8kOMnvpo3frtXitM081H9ELVbEf8q8d62W2BvLF4K1hLWfCdM91tqmM/e1ez8uFzyU5h0X/mg1fabdeJ04dzsT27WljP3tXufKr/AO67Md/6gf7zVj7XDLU0p/m+ybsib08q8DpIWaGHS27RxsrGgXCBhf8AMo/oNR23uu+a2wXEk3KFUAaJ9hs13YvQOX21RlXJzZ9xLVB9vow7u9l/vXns9+bqPoFbzlsJ8hyFCeGid5+kIYh+9c7jsd6qn8T9F0OBSf3afwKnyFQNbm+cxbNFA6/o21hYnO+KuzjnqsxOqmM2G0NS+kwuH8myNrrOkA9J5aS4+pvYupgeacQyxU1tZhlJT1FRU0zomc88tbE7zZNgdVjbo9t+tss9gFGaHCY4KneS5c93e4ndWZhJfijqqQdnQD3qn8SDKIUkZ7QNz3dECuooC9zxFHuD5oX0lyXkjIWW3H+owr52xFpbSOd6IX0jycxBmSMuR91BCl7ePz4bFb2lkbHaVsv+VfK1bRQPzRmWte1rppMZrHPe7cu+VIV2GMU9ZS4hStEVfSStlglZs5pHYLd+zT4OKoMkNXi2M1A6kuLVT2+oylHf+NYV3mG0zX0MbXcxf4rksQq3R10rh1+S9h5aMUixnkEkxeHosq30T9Ponnm3b7DcexUafGZ8k/g4VmOUs3N1roXOpD3zTSBjLeoHV7FgMw5hxWpyVFkpgpPg3yts8kjgedAaXSCNvm2v0r8fNXPzZieMZhwLAMtVE9JHg+EkvjjiY5skzgCGmQkkGwJtYN4lcUzZadtMaVo7Jkzf9NrLsnY/B6UKh51EdvErO4Jg1DTUbvKaQVUlQ7W6Sodre554uJ7XE+cUaTBcLgN24dTsPi0FdCUAShsfYEY0lTUVMFJT08lRUzvEcUcYuXu7gu+FNBCwCwAC4706qqCbuN+5CyxkGmzTiZw1tDA1l+cqJXx35lnnO9Z4NHnO+aCvecVqMEyhlDy2tqfIcGwmma3fpHSGhrGDvedNh6TnKeRstNy1gQhqqmHyt7ucr5SOiwaerqPZGNW/rd2r5+5RcyP5SM1Nljc4ZWwuTTQR9JvlT+Dp3N8eDb9VvziV5dWyjaKu3UJ/LC9Ioo/4PQb2UnMRex5LiVuIYtmvMtXmvFmmEzjRTQB12QQN6jGj3kntLie1TqWDYhW5GACw2A4BVZGbr0ijpWUsLYmcAuBrKp9VKZXcSqkjbIdgrEoQU8pN1BgVhjSosbePV3K7RxeUYnTU0ryyKaaNr3ei1xa2/wB6oX5QXHkLlXLCSB1T+TNqnB73Frh+Uj62pvVcCOkD85arCOUHOWENFOZ6PHYRt/LNTaj9Ky2r1lrnfOVHPOHwZazq7C6HnfJJIG1MOvpO0kkEX7dJH3rmc2TNffvWs9Fo8agEsjbtIuFsfTKnCpcrDZ3NesZf5W8FdKIcxYXiOBSSbCfo1VI31vAbIPsaW+c5egY1g2F5nyz8H1+mpoqz5SCaPp83q/KRub5w43GxGy+bR0pQZbEX6q9X5A64mXFMslx8kh/ldNc/i9TrPa30WuLmm3muv3ri9oNl/wCGwPrKF2U8SLcT1uulwfaMYjOKaqYLHh4LO8m7JqXlTwrD67o1dFWz081uDn6Hhrh4EkEfNIW3/CYpzUck00vbQYlSz7ejzml2r1arrE8oc78H5ca2to7CSGno6426okDSPvawavpL3PHsKw7OeVKrCJgRRYvSggnrAPa1zXesEtPsWDjdWXzUWIu1Bbbzv9Vm4VDkFVSDje48LW+i+Ymt2B7DuiNChQmpNDLS1389oKmSlqb+mxxDrfZv7UZriYwGAr2OCRskYe3gV5DWQGGUsJRXOG3C6eOMO9qhGwmUc4DbtW45JsFoa3HKvGMX5o4PhNKah/OdQnpadTXbODdLjb5qxMQrGUNO6Z3JPoKV9dUNhaNSsy2HmmxRr0rkJBFZi57ebi/a5eW4XiU+LNOItiDIquofKyHqhsZcSBbs0gheschjLT4vN2Xib9ziuC2qnMuDyPPEgH4ldbs9AIcWYwciR3cFHlWz7mbBc00mXsu/BtP/ACVtZU1FXTGdwDiQ1jRqAHVcXE383vWbPKVyjadIqcsE+n8Fv1e7ndP3JuWU/wDevIR24TB7PlHrN6jZa7AMFpKigjfKzMStnjeL1FPWPYx1rLu/9o3KWTr+E8Ht6PwW3T7nHUtRkTlBzfiOZqPCcabg8sNXqvJTU8sT2aWuc12kucDu3pbNXnTvxoWi5MCRnjDCb/jHt+1G5qy8TwDD46OSRkdiAT5XWBh+O1r6pkb3XuQOA+i134QZ/wBH8Cvvoxdv3xSD9pXmL+svTfwghbAMCHpYu37opD+0Ly+Qm5KTsX/6c3xWVtg+1WPBWMGjfPmrC42jZ9TG33HV+5dLlrlFVyu1UEZH8kpIm3+cTqRcgRNlzlgzXDhUav1SuZnrVNyu5keTd3lLAPo82LLNqe3jcPcw/Na+lj3eDz/zuH0XtnJ7jrMyZVhmlYOfjcYKqO21wOPqIXieP4XNl/M1fg0+0TJNdIfShduPs9X2LS8kmLnB82eQPlJpMQaIi3tDxuD79loOXbAZcRiwfEqEHnY6oUktvQl2b7juueiDcFx0xk2ZL9P910MpOMYPvLfmMXFyS+PLWWsXz3iENoaaEx0QP5Vw429Z2Xm2EmpqWz4lXm9bWzGqm9Zff9UWb7FueXGWON+XuTShn/klLGKmst2W/F39Z3WYbEIZGR9gIW/wVpq3OxGQau4eC0eMudStZRt9W2vivaeVtvO8juMAebQsPuLSvE6X8Qz1Be5co7ef5JcZazzsMv8Ac0rw2hN6GBx7WBanYp35cvj91tdrm9qHw+yOJObkZJa+h7HW79Lrr3LlQhNXyZY+Q+3OYaX/AN1y8Lk6rh4Er3zDQcd5PYqeaxdXYYYx6y1zW/uRtlEAYX95+ijZJ2YzN7vuvnrC+nQ08npsbpVk8VSwoacHbC+4kp3cy76QdZ37Fb8xdvCMzGnuuuMm7MhaozjVHKz0gtry7H/27lGhHGKlmfbubZjb/qrN4RR/CGYsMohxqJ2s9lwXfqhy6fK9WCs5WJ4AejhuGRwD6cl5D+0Ln8Ss/Eadvs3d9Fv8N7FDUu7w36rOG90lKyay6Ulc5YodS3nIXj5q+kMht05Sy+3uo4f2L5zkFmO+ivpDKA0ZawcejRRH7guI22ly08TP5l2Ox8f58j+5fJmAgeQVB/8AN1H99yuNH8ld6wqGWGukwXnO18sj/e5y6LR/JXDtuvUqAWgZ4BcHiLr1L/eoyAFo70AhGsSENzS07jZZYC1xN00nNyOe543HBewcjeWBSxfGHEKcxTzR83RRniyJ3Wkd6N+Dfm+tZzkoynDmDHpsRmiMuF0enV6MsnEMPg3oud7G9q9A5WM9YbkHLIxCWn8sr6yTmsPoBL+Om73drY2jdxt6I4kLzbbHGhLfDafVztD3jmP3XpWyuEBrTWy8Bw8F5x+EfnVro5eT3AZ3HEqkt+GJR/RqY2PN/TeNOr0WdF3FeZw0zaChZSR7tDbJsOp6t1TXYli0gqMUxGd9VVTcbve659XqVyqN427LodncGbhtM1pF3HitRj+LenTkNOgVNzH2QHseFveTTLlPjeMtGJU98Np2l1TaRw3J6Lbjs4k2d2eK88ocQGKUDaxjNMT5ZOa+hfo/cthHXRyVDoG8QsE4e+Om37uB4JpQg2R5Ah28FlkLGz3QovxS6GHD+U0LvRqIz+uFTi6BYrlO5zKiKaEfKRvaQD6TVSQXaR3WTWus4FetcqeVZscbDi2GjnavCxJeDg6aA9JzWn0gW3aPO3b2rzCGeMyfyeYuHaH7ELpyZ15RKjH5MV+GKWhp7Wjw9tKJKZ+9t2v1OBv2hwI83SutVcodQ9gbmfkxwHFZT/SKebmnfZc1xH21x+DtxLCoBHLFvByykX+H7rqsVbRYlJvYpMhtqSDb4rOMkjij0PBDz2DclezckmX5MAw+szPjx+DoPJ7/AMo0t5qBvSfI/uvpbYHfZYCPlKbQnn8t8j+E0NY3q1NbXc4W+poZf3OC4ebMYzdnKAwZtxiJuH9F4wrDWNip9Qdca3dIv793Obq6SbiTsTxZgghiLGHiTqT7v3SaKGhwx2+llDiOAGnzUKzE3Zqzli+cxHzdNX1NqNh6wpmNDI7jzbhurT2al7PyQ54w6anpMtYrUGjng6FFLLpDJbu2j1cGkcGg9Zq8Xo4WwMY1p0Mb1W+ijzQNma7pagTcjvW4qtnKeqoG0cnBvArRxbRy09aamMWB4i/EWXsvKVyWNmq8RzJld1sRqvlKvD5OpO5oFzG49R5DRs7okjsJuvJKjVSy8zVU9XRTA2khmiMbwPODgexdzLWfc2ZcgbT088GK0DS0CnxFrnuaBwayQEFo7mm7R2BaqblzzVfmm5DpQ4+c/HJtHuMA/atDRHH8HvTujEzORDgD38fctvVjCMZdv4pN27mCPgs9k/LWMZkmcKCgnEHnVsrdEAH0u31N1FH5Q8YwekwR3Jbk6o+EeckvjuJgt8NVPq4Xdps4A9FvR6xK5eb85coeZ4xSYljdPguF+fS4TrEkzHea+clzzfuGlrvOuqWDYdSYVRso6CnYwMbckcT4rInp63ELPqhkZ04+eiQyspcO7ETs8lrZrW8u/wCiJG2KkoYWsaY4xtZws1er8hTTJSYzMwfJunijD+w2aSR+s1efYRjNTgEvlVBBh9XJIzQRWQamd+1i0g+LV2G8qmaqcmnpsCylBFH+TtUBnsbcALWbQQVdXAaeniuDzv07rJ+A1FHSyieaWxHLxHW6rcs4NPymOdYkVWExb27pHtOn6Opur1rPBzdG261dXyh5txBjG4plPJlaxnASxyut6rk2Wbqq2txTF5a2fDcGwuLQ1jKXDWFrWWv0jfiXX9FvAJmBGppadlPNFa3O6XjkcVTO6pjfe44W+qDtpeSbDv7lpuS6M1Wd8NGnWIxJKbHsDDY/asuNhlXV4dVx1tGynkkjNwydmth9YXaZymZrpA8UGTsqwVJFnTh0jG29Vml3vWVi7qmSN0MMebMCL3ta6xsJbTxyNnnky5SDaxPyWn/CHEjcDwOcfi48VZznheN4HvJDfrLzO4LrrTM5TM2VVKYMXyxlbGKUm7oC2Vjb+txlDt+8LhYrjeI43idO5uXMBwSlhJIhod9V7ddwa1rhtwAHFanZ+Gqw9gp5Iud7ghbbHZ6WvPpEUnAWtY9V3uR5vlueY5LdGGB77921gs7mgTt5R8zzzjTKa3a/5uws76wXeh5Qs20BkiwfK+UqeEm7jDHLG6XwNtN1SzFnnM+NUcsNZlTKHPyN0trDHLJJH4i/C3ZuptWOxP0zcG2UNtcfG6W1tK3DfRXTXdmzXsfhZcpr5WOZJAdMrHh8bu5w4L33DswUE2URmComEdK2ldPUPt1C1u4/V+9fP1IyXmm86Rq7bKdZUYnV5ffl4YhLFhMs3O1EDNuc+be+oNPaG8VlbRYGcUjaGGxB8uixsBxkUEjs3Bw+B6rn0lfLmDF6/M1dd0uJT87H82PgxvsFlecA+WKKxcZCGgDiXHsTU8IhAaBzYHABdulzljuD0sUGEZayvMIuFRVQPE7j4kad/nLYlj6OnEdMzNbgL2WuEjK2odJUPy3PQlez5iojVZMr6Oxu/DZGW/3X/KvnHBn87hFETuRC0ELcQcqmfyLHCMr+H84H361nsczNjGONiZJlvLFC/XrfV0Eb+cd83fjq87VqXMbNUGIYbJJvYtHm978PJdNtDXUNdEwNlALe46qsQDJr7O5es8jmNsq6A5febVdKdUFz14u4eoryZO2KSJzZqeqnpqmNwfFPC8sex3eCF0eL4Y3EqYwn3LncIxN9BUiUC45rT54yNWYTiFbVQRTVOFVE7qlk9PHr5pxN3Mc299iXEHhY3WboKeaqHNUsNTXSehFC6R3uAWjw/lSzpSN0GnwfGR6cuqnqPrOZtfx0K3Pyy5yl+SpMoYZA70p8Xllb9lsTP7y01PPjVJE2J8IcRwN7fRbmamwqtkNRFLa/HS/1VvAKCDIOC1Ge84EQtiBjo6U6dcj3dVvrPBo7BqJXmNHNXVtXV4vioPl9fMaicns1bsaPmtaWtH0SrmNHHM04szE824l5W+AuNLSQMEdLT6uNmXIc7vc4ud85G5tbLCqGcTGqqvXOlhy8CtfitXGIRS0vqXuTzJ71EJxZLSkBut4RdaIPsoVJEVM8kNItwK+kcojRhOFMkHTbSRC3sGy8Nw7OlVglLFTx5Vy3iAj1ATTxujn617l4a7q/RV//ALWs5A3bgmVIQOFpJ3facC3+6uI2hosRxFzWxQ9lpJvfjf3Ls8CrMPoA5z5hdwtbp5ry/BQykbJQuBbJBVTxFmrpAtkcLEK36F9lscT5SMw11JO1uUckNq5B/KKmdskhfq7QDYucPFxWPwsTeQNjqw2aVvEkWuvRcIqakx5J4cuUAXve/kLLjcWpacyZ4ZQ7MSdBw4JC2q1/k12suYFU5jxiDCaJ2lx6ckmi4jjHWce/uDe0kdy4gZqebNXeyRmfEcqVlRU4dRUFVJURtZJHVFzQ4NJI0uHVO/c5ZeKGpbTP9FH5gGixcLMD6hsdR6jjqvoLAMHoMEwyDDMMjdFFGOs43e956z3HtJK+X+USvnzBys45iONwyxxYTO7DqGCdpaIY2OsZLH0zqkv2tI8FvKnlqzlqvFkvAmAcdeITOP3MCp1HLXneQWiyvgLHdpfVTuH3AH715fg2E4xQ1Zqn02Yn+YD7r07FcRw6el9GjnDB8dPJYCdzYpNDi0jvXTw3C8UxWcU+E0E1bI7fXE083G3vc/g371rIuWTPY62AZakHc2pqW/tcVJ3LJmY/j8l4c898eLvaPvhK62bFcVc2zaUA/wCb9lzdNhOH3uKm/u/ddHOzGZI5FccbDLapfTOgM7Oi59TO5sRI7dtbtPotC8WwekFPh0EIbYCMG/eStRyk5wx7OtLR4TU4DR4Rh0dQ2oqObrDO+bTfS3U4MAAuTbSXOdbpLgyQFkZMJ2Cpszh01OyWWoHbcb/sn7Q1sEjo2U+rWiypvCGjSNshWXUkLkwUKNWY0CMKzGNlDQpkRYybhXInk8d1VjCOwJwF1j7wt4KxqJTtUYm3RS2yuBZY0ji7VGapsNiD3KHhqRYYnyOEbWuLnnsGxVszWglxSgXPIDRqvReRaLDKvO7oqxvOyx0/P0gI6LZAel0e024L26po48VuK6lp6qH83URNd+t5vsXznl2jq8PxGHFKWo5qppn89AxnWt6J+kF9D4RiVBX4UMVhqYAwj5QGXos6PSa7Udl5jieMUlXVuFM/MBz5e4r2PBMFr6OiD6uLKXefiFlcY5L8qVTi6hFXhsh/Nyl8X2HX+4hedZpyZjuXLzTReV0pP87g1aWetvEf3fnL2avx3BsNbqqMQhml/NxdP7LW3+9CwPHG4sJmxU7mwtsHCUNcHX8N/cVhs2geyfd58wHJXqtl4p4DJkyd4Xz0R6SIyPXuAu1ylU1Ngubqqlw2NxgOmTRp2Zqbqc3/AK70PAaead8ckUZcB5pBDvcuwbMDEJToCvOHw7ud8HNq5hjfa+6AdWqy9JxXKM9PSeUW5mGXT+M8xvnar9Ug7LFYrT08d4oHmpkGrgL6vUOt/wBdVVhq2TGzU6ponwgZua5QDx2qWp/buo86wCzjY9ykxzXtDmEOB7QskEFYGUhIXCVyEQ2souQCpIshi6IOqhjS24c4F3dqTGWDqiVod3ElQSFDSeimFJQYQTYEE+Jsn7VKnNlS7Ur3U2MdJMYmMc57+qyIXc72DpKycGxRnSkwjF2N7zh8v8KW6aOP1zZMayR/qNuqh1WUbEFNOXMeGVMUlOR+dBjH61kV4azfVumXaRoVQ36KNrpdVJrg65BueCZvS6I1l3cGkqCLC6jibJrb3TEm6clnayf9G7/JMSwcWT/o3f5ID2DmqZCpJje6lrPZHL9hyYvIFzHKAO3Q5RmATCCVEFSBTjcXChqF+Dvcrmyo1xUtKV7Dglcei73JBwcSAqghWFxyVCqiAdqA4qs4aTfuXUqY7xX7lzpQXkWW8pZc7B3LV1DBG7TmgFNexv3ImhQLbFZt1i68VMydFVZOJsjEITgl2smZy7ihDYqEztuKI4ITxdVI1T2PIFlXfugvVlzUJzEtycy6qSKCLKN0O3gqkLIGiEwKxGgsCswgEqoUv42RoR4IreKeIABTAF1dhukTNyojecRma1Aj5UdyvxUctRVc1CA5rRdzr8FWeoip4zJK6zRzRBSzVMgjhbmcdLKVOx01SxsTLySbG/8A1daympGU8LA1ojczokAcT7Vz8No200j5deqV3nW7O5dDclrpSd14Bt1tczFJhT0jju28+GY9T4chyX0RsHsc7CoDU1jRvXcrXyju8UZ23F1yU8TQ/ojWb2uAVo8p5Rq8eZrqL0tJx8o4O9TW9vr4LcUbcn4JOKaCfDIpfzkny0v1ncG+pcrSYDNUME8rskZXW12Nwwu3UbS9y8zigLCfJoJn361o3G3uXonJ4K2KOU1EAZC3SW84Gsv+z3latszC24DbHtA836u1lguX3Fq/BeTiabDpObkq6uGidMOtpldZ2nuNri/ZddRheAikls2S+bu4ea5TFMeM9K67OAvx4+SxuYuUbOjMwVowXMdDDh/O2o4DhjX9FvR6TuJJLXH2rt5Q5SsywVrRmSqpsXpSbfyalEL4/wDWatVnerT9ZYTCKWesfT01K6HymeRsUfPFwaSTbzWkW+qoV9IaLE6ygnJbXYfI6OQX+a1zXNd6JDmn6y9PdhNHcMI1XjpxevAfKzUaacPNezcquMNhq8KoI5g9uIRSyQ9t3M09Ejtvq2+cGry+lxfFMFqpKvB54aSdzdG8DXtcNV7EHh9XSudmnHsRx6vy46SkjjiwWldDr5+/OuNulw24cN0Krl19Nx6yVh2GujjMUw0KvimKQzStmi4jy4dV7Dyc5sfmakmfVMjixKk0CXydp0P1dVwa65HVs4XK4XK3k+aaB2YsvQBlbF/PaeP8tF50jW8NY4/ObdvWsuZySVBw7DswYgzrQ4eZB626nfW6q1XJTm1mbcp0M1bzUWLCFj6uNh43/KNF+BB4eafYuFr4JcJxBzsPFmA6hddh0jcUw1gq7XcLXGi8ZgmjnhbLE8PY4XDhwKILLX8pGSJMKqKzG8JbfCZJddTCP6M5zt5G/MJN3ei53o8MeA09Npvdek4ZicGIwCaErz3E8NmoJt3INOR6rr4TmTG8GYPgGsijj1anMlp2SiT6RI1fZIXoWcs71WE8mVPmegw+lOI1hhZBFOC6NsshcA42s5zRpceK8rPGT1LW8pz7cimWYvTq6b7tR/cub2kw+n38Lsur3WJ6jvsul2erZjHK0nRrTbxCyFTWY5ila/EcdrRVVcjA3RDE2GGMDgGAftc4nxXbyPl+ozLiRp2k09PGPlpy24aTxDfSJXEaNbgyH8a4tZ9bgF7eWYVkTI0tbVizKCl5+eT036dvXd2zVlY5iBwujEVM3tu0b5X6rDwakOKVLpKh2jRc6cfhZYfOmcqLI8wylkLBqKXFxG19ZUzjowNc3Z0ti0ve7ja7QPuWT+NvKDIRJVZ3q43HhHSUcELG+sCM39rnLPZZdUywVmN4jvW4jO6pl9O5836o0tXW3Mibh2z9MWb2qYHOPG6riONyZxFSuytbyC1GGcoeZIHNgx4YVjmHE/KMlptE2nztOj5M7dhZ0l6M+gyXgVHNnCHDqOmpY6Xyjn2R9RvWs1u4a48NgN14lMzoFanlJxSKLkJwvBWTxmpxIxw8wJGvkkj1O17Dc221X7wtPj2CwwOjdTDLmdYraYFiklSZGzgOsAR1WKpsTrscrMQx2rjEDcRqn1EUDR0omngPpWtq8brvUOac0YThwo8CxOGjZr1/KUkcvS7TuPO/60rkxxcyxrR2DoqRXX+gROgEMjbgLln10jagzRmxK93yFjFbjWWqfEa9sDawXil5hpbG4gk6g1xJbe/C5Xl+cOUnOb834zQ4JVYdhmG4ZVOpdT6MTyyuGz3XeSAL7NaB1e1b7kbN8jw3/rMv7l43jQ1Z6zWALj4Yqb/bXnuE4fBLjE1LK27Rey7vEq+aPCY6ph7TrchzXZjz5yl36GYcKcPn4W0f3SF6PkXNU2ZcDr6PExA3EqOB4qGxtAinaRu6xcdO/EG9ivKKrBJYcB+MPyPknlHk/wCNdr+a7Ta2m+179ZEynj1Zl2CprsOijmlnpn04ZJ0WMceDrhrr2PSt5y6HEMAo6mncKMWkb5HoudoMbq6aqaKs9g3uT0H+64OU6iabAKWaXrm7vvK9L5OM35mxPMlNTV+JMqaKZrmczJSxahpbcEPa0H33XnGXaKamw6KkqOMYDi/1rV8mTObzthg7PlP7hWyxekimw+QyDXKfIXWDhdVLDXR7s9km3j/svQeWTNOJZWycyrwhkHwhVVkdJAZgC2PVcufp84hrTYHoknfsXkFbV49ilXHiGO41NiU7IzC0c1DG1rdV3aRG1o4rf/hLwn4s5dmv8lHjLdf0jG637CvPj1WLQ7F0kTqffEdo6LfbW1T45BA3hbXvUH9K47CufMNBNuxdQAAKpVsDDc9q9Ho5MpLeS87nZcXVJ+wQibos3BBAW3abrXPcokKDgjEbITgpKgFBcEJyO4ITgqFOYUB5ULhEeEFyU4LKjfZVZFBFkChZVITwVBvFHZ4Kg7FKYNb8m95v5jf4lqafD6eAgyTue8i+lvRatHimP0eFR56k2vw710WH7N1uKyZacXA4lUaZr5X9CJz3dgaNS6dNhVZM7VOTE09pPD2K/StiibohibG0do63vViLVfS1682xP8Sqp+lJGGtPAnU/DgvSMM/DGnaA6ukLncwNB8eKNRUdHB0XxSP/AN6el+5WY4oInHmIhHr42QYuFijRcV5riGO4jWAsmmcWnlfTyXpFFgOG0rg6GBrSOBsL/FF1OKvwljQyWWPnImG726rEhDo6GrrphDR0dXPJ3RwuIWvwXk/x6exq5IsOh/1nSf8AZH7ysOLCqupdeNt7cys+pr6WBv5jwO7mg41mvEMUDYKRnkeGW5vmI9vqudt7hZVosIMWX58ZnJgo4mbSO4vPmta3tv8AZW+wnKeC0YNVUc7Vcz8oZanSGdHzmt4e03WD5T80NzDJ5HQTAYbF03SD8vp85vgPNXoOH7My4hWh9a+7B+m2i87xzamDDaNzaFtnEaE/P91X5PMTxGXPGEUMtdN5OJ/5vzrua6pd1eC9H5aMrT5syc6ghxKkw0U9RHVGepNoug6+lx80Hv8ABeYcmHSz/g3hM77g7/Jar8KqNs3JY2N7yGHFqS7L2bJ0+qe/vt4LpcagZFWQxxi1hZcNgVVNLSTVEzsxuXe617KWQeTzyPF6HGZsWwyqho5edIpHOk830tg3pb8F53ykH/vtzP3Hyf8A9EKfJ5PFlXE6fFKCGOlh1hlYInFmuEne/EEN4tLuHio8otfQ1/K9j1TQzRVdGaKlZzjOpqa06ukNtg5o2W0ZBOzEg+R+YW00t0WqkmpZcLc2BuUixI/oLmhilp2XZwDDn4vO2njbaRxs1vFBxGhbRSmO+q3WXR74Zsp4rmPRiWCRurStPybc0MKzKZfxb8MOv0dNnXXmuQ8TrMOwzBq2CXmamOkjMcg7rec3zmnzh5y9GyVFz2Ts6RiwLsOLG+ALHrzrLIa7L2Hvt1qdunw6IWgoo2yYjOx2o0v8F0NfJJHh1O+I2cCfmve8jZqo8z4dbmRFXwC1TTngb+c2/Wafu6q845R8psyrM7FqEE4NJJuziaRzvN+gT1fR6q49FisuCYlS1tPcT0zw/wAHtOzmO8CCfcvbqCpwfNeAGSnjZNR1DSyenk30C/VPie/u3C5itpJtn61tTSj8p3Ed3MfYroaKpgx2mNLUEGVvDx62Xgw6Ujz2Fi1XKy3meSnKkH5V9Wxw9jXH96oZ6wF+VMUdAZHy4VO4yUdTJ5ht+KPiOw9oVrlhl15TyLT+e+WQn2R3/et5iVVHWilkj4ZvotRh1K+jNTG/jlKoZFp46/POGxO3AmEjvUGLb/hFzX5MK2Hiaiqp4/tSBY3IMseG53oaiXqOmMR9RbYL0Hl0oG1fJli7/OpRHUs9bHtK1G1Ry4lAeWnzWw2UDnYfUX9a5XkEDNEDB3BJzbkpYfJz1Kx3gFMdcheitGi4KQWULsHb70F9NQyzNqXsZzg4OJFwtNl7H6PAaOVrsnUuN1EkgOt07GuDe75RjgPYvR8snLmaaD4RkyzR00kTzHJDUUsbubcO1rgLOb6JuOHBc3iu0Bw67pISWjncLf4ZgIr2jJKMx5WK8YL2cL29aRa4jZavlPzBStxutyhheTsHM0VO2+ISaYjG541BzGsZckDvc1ZWEStp446gh8gb0iO9bPC8R/iEIly5b991gYph3oEpjz5l7HyQtIyRAe6pk/wrKYlkCU5zxmrGZMBpziVY6oZT1ExZO3Wb6Szt3OxHFa3kiP8AoTALf0mT/CvEsfwbDq3Pubqitpm1UzcUntI5pc8dLZu/dwauFoYZpsaqGxPym5N7XXcVEscODQPe3MA0aXsvSuUvBBgHIbieHiXn5BNA98gZou51RE47dK3G3ZxXnlPwHdZabE8xQSchWLYdX10RrIxFBRxySXmfeRrmNaDu62lw+iFmqC/k0XO8bNuuj2cgqYDOyp9bP8dFzu0MsMzYHw6Atvbz+qcn5Ri7HJ+D/wBoWGf7Q+7QVxXhwkicWkNJ42XfyC3/AE+wsn84fdoct3if/KS/5T8locPN6uL/ADt+S0v4TO+TMIHfjcP/AKci88jHU9S9C/CV3yngnccbh/8ASkXnzdtPqXMbFa0jvFdTtkf723wTOb+1Aqhrg+irPEe1GhhlrWmlpaOWpk5t12QsLnaRxdYLuGP3bg7ouKLM4LVnXNd2hQtZXHPabjuNiq8o3uFvWPutK9mVRcQQgOG6KoOumDRQDdBcEJyM5CcllOaUF3FCcjPCE4bqhT2qtIENGlCHZLWSFmDGCdDDw3ut9letFdhUWt/y7Bolc7w6t/pbH2rAhd/Kle2grOan/EVHWf8Am3d/8X1Vwu1+FvrsPJjHab534j3r07ZLFGUVbaTRrhY9y2zG2R4z3ILWOD+krMDrOs0br5/e8vdYBe6R2txViJocd3Wt4cUCuxCNjjHSBoc7iT2eAVPE8R4sgc7SNpJL8VUgA+Tkv0QziV7DshsHZgqsRbx1DT77Fw+nmvHNsvxB1dRYY7uLh8h916NyX59fgPNYNixHwbIXaJfOhc7zj3i/2V6zUZhy/FQS1nw1Ryxwxtkfomabtd1S3fe/Z3r5lYyMjo2KLBCNevS0n1bL0KrwKGocXB2XwXnNFtTWUcQjIDvFbfM+csUzI6aN5NJhu4ipmnokdjnu853zeqs+AXjgoNbpatDlGGPEqmCHZrpHaW370mRrKVt2DQLEEz62X8w9oo/JkNGf8Gv2zO+8O/zWn/Co3yPhMXp43T/q6nf4V3cvZDqqLM8OKvdAykpZHSbvLnv6J0+odK/HsU+V7LQztlaLD6DFKGlraOsjrYXzv6DtN2uYdNyNQcRfS63cuFxasilr2StOjeK77CKGaCjfC4au+y8QeABZNHGwbgcVs38mmb9tHwHLbr81iGq3vYF28C5KcUmLTi9XTUsF7vZSSGWU+F7AN+9dY7F6UNuHXXHxYLWPflLLeKJyJYYI56rHp9qOlYWxk+e63Tdq9ED73LyTDMWlxilqq8/iZ6mWaH6Dnkt/V0r2jl0qafKfI9VYRhbXURrtGG0Yad263fKOPb1dRuvLcl4DUYlRxUODUrHPhjGsc41rW2DeAJ8VqcNqRNPJWv0Gg9y3OK0zIYIaFnrG594/3WuyS0xZEzlOOPkJA9YheSvNsss/0cw8dgp4wPsC6+gMq5UkosqVGE1b7T1bXiok20jUNOlp7QB+9eN1mT8XyjRYfS5gkpuZc40sL21VzKQ3out0SNTRd1x0XLGwXEIpcRqH8ibDvsFfFqCWPDoW21F7+83VUxrr5Ox2syzUGeN3O07yGT0589vpN+cOz1lckhR07rrKimjqYjFILtK5OCofTTCVnEL3apgwHO2V+Zm/lmHVsd/RfGW+i7i1wK865eKenpaLKNO35UQTyQCST5sLet2KnkTMPxfxlsD+cdh1UNNTfqs9F/sudXgVuuVXKk+Zct0hwpjJq6lqG1FOy+z+jZzQ7huOrfory6Shdg+JwiV35V7g+S9LirY8UoJHho3nAryBjnsbqZ12kPb627/uXvOFz0Gacr7kSw1UDopWd122cPWvCBYiWxEcseqORj+sxzXdJp+iV2Mq49iGW5OepSZ4z+Oif1H+PgfELrtpMIOKQtMRs9puO9cngGKDDpXB/quFiuJiGEy5WxGXLlYDekIEDx+WiN9Dz422PiCn03YCF6DjGM5EzuykGNTz4DidNq8nqKgNbo1cWiXeN7T3Ej2LnT8nGPwxNkwqsw3FaWT8VKyoERk+dpcHN+y4q2GY5lYIq0Fkg66A+9RieDmSTf0fajPTj7hz8ljyLPFyvW+R2EsypPK7hUVRc31AaVmqTk5xHmHVGZq+goMPh6U8gqWudb1hrA31khWMU5WMEoJIMLyfg78dihAElQyYU9Kweix5a4yH6LS3xK1u0Nc3EYhRUozuPG2tlstnaF+HzGrqOy23Pj7xy81g81Smp5Ts11NjeOrbCz2BrVEg6VGeWpxDMeN4u+ldTiuqueEXONeWDS0bubs7qruZXy5mHG+dlw6npXsZYO52oDNJ9u/3LosP/uNAxstgQOei0GIf32vcYbkO4WC9K5Gt8lxX82rlH3tXi0r3PzZmmY36eMTn9dy99ylhhy7gEWH11TAJTI57yHgNBNtgTa/BedYnyd4q7G8WqMJxTBKmmr62SqYJ6owyxanaiNOkhwadwQfYuLweuhjxeWZ5s117HxN12eJ0Ur8Kjp4xdzeSxEsEclucaH23Fwj08ctXPFSUkZlqJpGxMYNruPZfw4u8N1rIeT/Nb5+bNNgwD/O+EQ7R9ENaS73BbjKGSYMCY2eU+XVw4Gw5uLV1mta7petx39S6iv2ipKaIva4OPcVy1Fs7VzS2c3K3mSF55yywDBaHJuXKafXPCJ5HW2OmzQ5x+kdX2UDk4POZ6wyN/EB7v1HLn5yxH4c5TsbxR0vOU1D/ACGn09QaOvb1vLj7VvsjZLxHDsVjxnEJ6RsUULuaEDw83c3i42AFhftctYyobR4M/wBJPafmN/EW8lsp6R9Ti0ZhHZZl8jfzv5Kr+EkP9DMHJ6oxyC/6ORefx8GfRXs/KLgNNnDKr8Ejxalp6hs8dRBLqD9MzNgC0G7hYuDhs7dZH/sqx4Uu+IYTKe+8v+TlgbKYrSUVM6Od1je/BZ21GG1VXO19O3MLdQFgx+L+UXpOSYvixkrG8211Ppc6lM0Xz4g1wb7zp+5WMs8lfk83luOVLq9w35qNnyT/AEdRO7vVYD1qh+EXi0VHk2HLcNUxlVidbEPJ2G7hTsdrLrDdou2MXWRjOPRV0kdDSOvmcLnkR0BSMDwaShY+qqxYjQDQ8Oa8bwKnlhwaGWp/GS3e7626u/kvarj6TRT9+hUJWlpsvUqHSFrOi8zrHfnOfbioCyg8bohbZDcs5YQKFt3IT+PBGJt2ITkpPaUB524IJO6sPQHbFVcnsKDMEFHl3QUuyyi66zMUcheG0zXuJ7hsuvQ4NzlnVkmjt0jir1G5sI0sY1o7grF9RuSsdkTua2dRXNb/AMNdbDKxkQZSPe/mh1HAEm3iesrUc9LVSltRWChoWjpW1F8m/VaLOt4uXD4WsrDIzLYvPRC0keyWGR1Iqmss7y93QrZy7aYpNR+hSPu3zI6E8wtNTT5Sg4Wl+nA+R33t0rrDHcuin5qY0opPQnoG83+y4+qsFHzjzrc5xPmADUmxrAMw4pBDFSwsEFztJI1vSA2uOt2lZddUU1IzPPKG+JWNhtNVVz8kERPgPmjZ1x/DDiVKMo1dKIyxwnjjje1uq4tpEo2Lhfq9Fd7C4ZdMRlPV6b2eioUGAPgtNNDTSaI+DOs024Xt4K5Q3jg+V2JfpsVFHiNJUNcKeUSdbapGKUFTTuZ6TCYuPHhyRgwEosbzHbSbepQt3JigjMte12VV6/C8NrnufV0UM7nOvd4uqrMv4C3jg9Gf92F0BGpCNU3LRyTRVPPDRc74tYH/AGXSfowm+LeA/wBlUv2AukWtSsO9G5b0U+kkLm0+CYPTTiamw6CKRvVcGDb7ldqYYamDmpmu0/NdZG0pi1XawDQBUdK5/rFc1mB4ExzizDWML+s9ps8+3iESmwLCoazyoU/OSg9B8hLngd13K4I91IMVNwwG4CkVMjvXN1De6mAnsE5amlKCHp3VerppJ2iN1RVxRdPUyKqljjdq49FrgPuVkNUg1UfGx/rAFWjlkZ6jiPAqtTUVPSwiKmZzbB2BGj3ClpT6VewsovrdDeA6Mh0dgO9ApRU0Mjn4dPWYeX8XUVU+DV9IMIv7Vb0prdiVJBFMMsjQR3qzJpojeN5ae5Uq6gfjErJMcqsRxHmjeMVtdJOGHvAcS37lbgZBBHzccYDBwClZLSoip4oRljaGjuTH1Msusji496jJ4KviGH0tawNqoWy+u6taUtKaWrHXKjy7gfbhVIfXE1TdgGCjhhFF+haulpans1V3TOiaJX+0VyRl3B73GE0g/wB2FL4vYT/ZdL9gf5rqWb3pWb3qpgjP6VLZ5G/qPxVeio6eip+bo6dsbAbloOxKrVGB4TVSOmqqKKWV3WL2groadKbTqTCwEWS94Wrl/F7CP7IpPXoCb4u4MTvhVN9hdfSlpVTG08lYSvHMrl/F7Arf+EwfYH+aLR4VhNI/nafDqeF3YWss5XA1vepBrVG5YOAUipldzUXtDgR3rnVMYDtK6jrXVDEGlr9azqR1nW6rCqQMt1QlsSPBDkII2U3tPHvUCOxbgAWWrzElBcduCG4+CK/1Ibj4JZCa0oLz4KtJ6lYcUF5v2KhWQ1AlFkJGl3QrJayAUJnRLkdm4aoxw3JYw3Vilha57L3cS61glumjiYXvNgFlNp5JnhjBqVbpYX1MIhijDCe2/VXZo8Nha+xkc4ngBxPqso0kQp4w23SZxPer8ekSc4zxcvDdpNva+ed0VG/JGNO/z4L3bZrYKipoWy1rd5IddRoO63NEhjjp3ANjEXe63SPrVpjDLpdc8VWkkMjBfirNFI9rwDwXnNXUyVMuaV5d46lekU9NHBHliaGjpwQ310MT5GPo5ToPm2/iSrHOqnBw+TANwOKaq1fCUJitrYHc9f0b/wD3T9vZ/q179s1hdDHAyvgjyPeOvXivnDbHGMQmqpMOqZM7GGw0A/rp46KNinClZRXU8VxVrJJJJIRdJJJJCLpJJJIRdJJJJCLpJ90ySEXSSSSQi6SfdMkhF0+6ZJJCLpJJJIRdJJJJCLpJJJIsi6SSSSEXSSSSQi6SSSSmyLpk6SShAKi+90OsjD4LlGtune3UwhXY6zwqPGZpXJlaNIVQjpK1OHNkc0oGnj2LctPZWqLrusgPKC5GcEJ6lS03QHhBeN1YegOVCshiBIENEkQ1SyyAmo4nyuAYN72WhooG05sQBL3hU6WOOLzgXHiR2q5A4CUC+3evCdrNrpcQzU0Jyx//AG7ivoLZTY+LDBv6gZpPIeHerMPaCjxdoVdl7a1Zi3IXmT16QzRHi8VcpuKjhlJVYhKIKOllqZuOiJuqw7yez2rv4rlnE8Fw1uI1wiijMrYubY7W8E3te3RG4t1uKz6LCK6pd+VGSserxGmpR+e8NXGqA7n5Hu7Wj96Az8Yi1c7ao6mHU1nb3oTOuvorA4ZIaCKOUWcNLL5d2jqoanEpZIXZml1wU6SfSlpW1AWkKZJPpS0qbITJJ9KWlFkJkk+lLSiyEySeyWlFlCZJPpS0ospTJJ9KWlFlCZJPpS0oshMknslZFkJkk9krIshMknslZFkJkk9krIshMkn0paUWUpkk+lLSiyEySfSlpRZCZJPpS0oshR3T7p90xRluovZUa8aagO7HKlVEEgDsXTro9dNr7WrlSDa62dM7MwHotbOS1xHVAcNkFysOGyC8LIKq0IDwguVh6ru4pRWSzRAlCCjzISoFkK/FxCuw9VvrWZy/jTZZY6SvAZIOpN5rndx8f1VpYucb0m7D0V8v4pg1Th026nGvLvX1bhuIwV8W9hOnPu8Vbje9j+j9602QsMGK4tqrIS+hpzqmB6rvRb9bt+as1HqleA0ar9y9UyjRNwvDYadv4zrz/S/5RZqzNm8IFdUlzxdjeSTtBigoqSzT2nLWUIp4Gc3TxQxMPmxtDR9yJW0sGLYfNhlbq5qUGMaes08WkfOabO9i58Uwurcc2y9VcBHa3JeYFxkBBXj1VST0OKzUFU0CWFxDywdF1t9Q8HCzh4FQb+MWt5Wmthx2grbW8romg+LmEt/ZZZRm7rrpKV5liDiF5riEIhqXxA8D81FK6kU1lkrDumuldPZK3gpRdNdPdPZKyEXTJJ0lCLpkk9krIsi6ZJPZKylF0ySeyVlFkXTJJ7JWRZF0ySdJCLpkk6SEXTJJ0kIumSTpIRdMknSQi6ZJOkhF0ySdJCLpkk6SEXTJJ9ktkIuloDonMPaFwqhhZI5ncu8HLm4hGBJq9JZFK/KS3qsaojDmg9FzXDZV5FZk2CrPWeFig2VeRCdxRpO1AcoKfGUCZDRpghWS7rKssdqLHve3jIbhbzLlc6twyISDnJo+jJ4+j726fcsFALSFz+qxabKjnGGo5thLZJQGk8eiuM2kwI4vTsYwdoOGvceK9LwDHf4PK6R/qkcO/l5r03k9FJUYriEksQd5HT62+dokc4Bp9G7QXLcQztZxeGn5xXleU3RU+GYv0m87IaaMMvYlusuLvZpHvXQjmbfXzp+ldMpcDhoG7mAWAWHPtDUYjaefUngOg6Bemw4lTDZ0zPerIxWlDdpQvP6KYltyVeiqOy6iWlBcqsr3K5ykYlFXPw0xAnyamcz13eT+5Zxg2VuuPOVX1Q3/AK+0qzR2La0bQ2ENC5LE3ukqC8lMknslZZS16bfvS371KyayEJt06eyayEJJJ7JWQhMknslpQhMknslZCEySfSlZCEySfSlpQhMkn0ptKEJJJaUtKEJJJaUtKEJJJaUtKEJJk9k9kIUUlKyVkIUU6eyayEJk6eyayEJJipWTWUoTNJDVXrGamc53Kw7govbqYWqQ6xupy3FlwJmW4KsQbFX6xuiSypzktK2YdcLXFmUqrJ2oLjtwRpAhHZQ5OiQJhsgKzMNkDZLDlmZVn8Lwt85bJN0GA9XvWghswBrBoaO5AY5zrEI7GkDpFKjaGiyyqud0uqv0knNzEhtgRxXVheQB2grhwBxfxXWw4Pc8az7EiZhBumQVDCMpXepSWs3/AGqyx9t7rnRveBwHvRmvmIs0NWt3bis51RGOaP15SURp7EONlipnYLLYOyB0WomNzdP7EvYpJwFdY91FJTsm2Qi6ikp2TbIRdRSUtktkIuopKRCayEXTJKVkrBCLqKSlZKwQi6ikpWCVghF1FJS0p9KEXUElPSlpQi6gkp6UtKEXUElPSlpQi6gkp2SshF1BJTt4JWQi6gkp2SshF1BJTslZCLqCYqZsmQi6gVAndFdZCeUcVcFczEo/lA5c6sIJFl3KuPVEXFcScByzYH3Cx52WPiqcgJQZdkeUEGyBId904pceiFPwVdGmN0FLAsspzsxVeJxHBWY3E8VVYfAKzHw7FDUyQnqrUJINwuzhriGgkcVyqSxIFl2ICBYWS5jcWVIdDe6vMJRonG6DG4WRY3BYvJNcdeKsBxRIztZCY4XRWOGpWA0SXOHVFFk+yYAd6ew70Kl1E2SsE9h3pwB3oshRsErBSs1KzUWQo2CVgpWalZqLIUbBKwUrNSs1FkKNglYKVmpWaiyFGwSsFKzUrNRZCjYJWUrNSsEWQo7pXKlqCWpFlFx1UblK5UtSWpFii46qNylcqWpLUixRcdVG5SuVLUlqRYouOqjdyV3KV/BK/gosi46qI1FI6u1OTze/FVcUxSGkpOfqIBIb+ZbV9LpeiqSyNiYXu4JtNE6plELPWKtJKthtbR4pReU0UxcWu0SMcLFju4q2DccEMkbK0OYbhTLDJA8skFiobp91K4S2TLJSgCb8EiT3KQJSc5Ci/eguJ7kN1+5GcUNzkK4A6qu8a2kFcKqbpmc3xXfeuTisYY4P70+ndldlVKiO7cy5rvFVptzcKxOb8O1VnbOsVlJLOiBIhokyEqLJy20Q2GOysw83ey5EWIUt93OH1VbhrqPjrf8AZSgQOaznskP6VoMObHfsXUjDVwqOso2NDg+Tf5q6EVdR26z/AHLFkcC7irNily+qurGW8EePSuTFXUd+vJ9lWY66j9N/2VXS/FKdHKf0rpNLfBFj027FzW1tHe2p/wBlFZXUd+s/7KvdvVIMU3srpta3vUwwd65za+k9OT7KIK6k/OSe5FwliGT2FcLG96Wkd6peXUn5yT3JxXUn5yT3KQQjcyewrmkd6Wkd6p+XUn5yT3JeXUn5yT3Iu1G5k9hXNI70tI71T8upPzknuS8upPzknuRdqNzJ7CuaB3paB3qn5dSfnJPcl5dSfnJPci7UbmT2Fc0DvS0DvVPy6k/OSe5Ly6k/OSe5F2o3MnsK5oHeloHeqfl1J+ck9yXl1J+ck9yLtRuZPYVzQO9LSO9U/LqT85J7kvLqT85J7kXajcyewrnQ8Euh4Kp5fRelJ7kvL6L0pPci4U7mX2Vb6Hgl0PBVPL6H0pPspeX0PpSfZUZmo3Mvsq30PBLoeCqeX0PpSfZS8vofSk+yjM1G5l9lW+h4JdDwVTy+h9KT7KXl9D6Un2UZmo3Mvsq30ErtVTy6i75PcmNfRW4ye5TdqN1N7Ku7c1rWJzvV68RFPbaFgb7Tv+yy1EeI0JaG86/b5qwGN1DqrEJ5Xee8ke//ACXO7RTiOAM6rrdj6R0lWZHD1QupkGqfBjbqcnoTRWH0h/yk+5bd5bxBXmuXpeZx2jlPASfuI/evQ24nRGLjJ7lOzkwdAWnkp2vo3CrDm8wrAYzvUg1veqXl9F3ye5Ly+i9J/wBldBmHVck2GQfpV4hqg7Qqnl9H6T/sqEldRelJ7kXb1Q6OU8Gqy4t8EF5bdVXVtF6cnuTGto/Sf7lPZ6qWRzH9KLIQFSxINNPfuSlr6QnrP9yBPW0j4y0uf7lAcARqrmGQgjKqBLAL96pS6QTunnrKVr3NL37fNVObEKTsc/7Kzg5pubpLYZQAC1TmQkObFYLWBd9lA+FIfSd7lW6yDESeB+C4EDgDZXKNmuYM9qoRdZdjC2C/OFYjzYXW6AzGy6kdrDwViLiq7Ajx8FjhMcFaj4IkfEIMZRo+KuAkuVlvBEaht4IjUc0tyIOCk1RapiwG6sEt45pBN2pwnFu1Coo7pbqWyWyFCjulupAXSsi6myjulupEAJbKbqLKO6W6kkUXU2Ud0t1KyayLosm3SuU5SRdQmSupWTWQQhRSU7JWQhRuknsnsgBCjdJPZPZACFHdKxUgE9hZRwUgXQ9ubc7uBWUqelKbd61r7NpTftBWWe28hsO0rktpDd7F2uyYsx55psL/APEac/6z/DpWqi2jWVDCDcLR4XK6rpwX9dmzlbZ2paA6F3NTtPSSODJm8hZWSVAp0l1YC4ouukUxKdygeCFZMUJ6kSoP3UJgVd5PchuNheyNJbZAkI4I0KuwW5rlYpdjg4DrLlSvPcu1iGh8BJ83wXFmLdtk+P1Up2ruKqykod/FEqdkBWBV8tk0DbgLuUjdEIauTQM1P0rsxjYLDe/9KzgwesrUZuAjx8bKrFsEeM7XVWhUeVbYUUcVXiKstTM1kh2qsNeWGzhfUjmCYt1HS1vbqSpopWQl4jDntHyrrdGx4XPZxCz+LVVXLLJHJKQGeZ5rW/vXE4htU9kroaZureZ716bgX4fxVUDJ6+SwcL2bxA713nvoIONaWd4icP8Aj+xLy3DtrOc897wCsu1xRWuPctLLjOIz8ZCPDT5LvaPY3Zmm4RZvHXy4eS0pr6Y9RjCfoJvLAd+i0fRH7ws2HHsT6nLCdU1b9TM//uK3bMDwFos2mb/2BaRlVGeDmD6rf8k0k9/zbh4sWcZI8TWM7ge4C67MeBZkfC2b4FxcMe27TzB3VmT1rjYSu+LvuomwrAIrCSGMA/yt+ysCoe3qc2Ro7f8AlspNq5Duadkuvqc3Jp+431KLMtZwdZrcCxL18yGt9ridIV+ryTnenoxUjD45h2xRTsfIPqg7/VustlZjDNWPLvEXWpnwzZGSzJGxi/DW3yK59RWscy0xmYfSkZqb723ViN8Ejd6ljeb86Lct+r1lwTWPglfG5jg9vXYR0m+seah1EjnlriDG8dWx4rOpNq62J1pRfyWor/wvwasaZKSQsceGtx8ND/qWkO3anCoYXP5RTSNqWhzow2zx51+/5y6RPyi7ukqW1cTZGc14di+FS4VWPpJiCW9FGyZSTFZNlrlGyeyfZK6myqkkldK6lCSSdJCEySdJCEySdJCFE3S3spJABVKlD3fTNae0fuWbAOq/itQPxgHYAuDPHzdW6MDgbrmdpI7tY9ddspLZ0jDx08kLQfWiRSOpZBK07do71LSLXJsufVSMefmM/WXKxudG7M02K7OSNsjSx4uCujjGYcKwg0prKmpvUlxbzcAka1oNt7EOG/zXKt8dsrH/AOITj6VHKP8ACvPc3zc7jT9+oxrWfN/6uuQ8+K6FuO1PcuZ/s3SDmV7AM1ZbP/8AIaL3P/hRhjuXD/8AHsJ/+sY3+8V4tdNt3BNGPTc2hKdszS8ifIr3AVeGuZzkWJ0Tmnzm1DDf71Pm3vZqiLnsPaze/uXhLmsP5Nn2VAxs/Nj3K7cffzb5/sqnZmP9L7e7917s+CQC9ne9Vngg7grxXnJo+pU1bPRayVzWj2NKPT4pi9PtBi1dG2+qzah/H3pox5h4t8/2S/7OPHB/kvXJGhzHNss/VBzXuaB2rDxZix9oIGNVht6cgd+1pXPxLNWZKY6m4mXavzkUZ/wp8WORj9Ko/Z2U/rC3k4J7EBeenPeYeDpaZ3+4aP2AKHx5xrupP0X/ABThj9P0KUdn5+TgvTcNBa266cRVKmbpYFahNws06lYB0FlbjNgjtOyrM4hHarN4pThdWYrKywOLgB2qvF1lbic4O2UlxDSQliIOOq6OX8abA8uitNC4NZLHJqa1/o9n3q9U0uXcRjPMzeSk/k52avc8brOvo45LuHyUrdLo3j/F3jrJc7W0e1ZT3vwkjDtP/BeVY5SGnq3jN6xze42t8l9B7JVUdfhcbtQW9k+IVx2VyPxREn+xnbI3+JUZsDqYuJc36TVOOsp3G7JG38FZFQXNvqd71p2vkPrG66xtKxcv4Om19HQjQ0LH1cXlsoZT/lns6Tmx9tgOkjv0u3fISgSuYOqU9kjyeCy20EbgQCRpZerZXqMqeV+R4VTRieNmvpUhbJpGxdrI1H7S1sbQ4bE3XjfJpUf6c4c5x/GB0P0tQ2H2rL2iiF31Dz2VGj3Bq7vCqozREWtZeCbZ4IMLr2xte57SL3cbnjZRmozIHFldXUb3edTTab+sOuPsgJqwyR0sAE088lOAedmOpz7dbUW24pxVTfDEtLFBH5JHHeSS13azwa0frOcgVdQx7nQE+bqstkATyXJXaOBXJzlh0GM4VXQTU8MkjIrwyOj6TXDhY8V4bGDpY89ouvcMTqWmOWx6sbr/AGSvDg97mNA4PC5naBjY3scBxXp/4fV8joZ43G4BB+K7GDN0iRt/lCQ1nQ6PVceOnT966ZdpDr9qhh8UMGprAY2X1O+c7vUnN16fFdnhFM6mp2RuXlu0te2vr5KlnEmw92iSSVilpK2dlz6bZLZPpS0lFkJrhK6fT60rKbKNUyW6fSlpRZCSSWlLSpspukldLSUrKCEJJJWSRZF0uKo4xTODA5p6bP1gr+hQPeRoHW1ej85IqIG1EZY7gsmlqX0sgkj4rkxhk8dvNcuPUx81IWSeZ+xdKhqo6mWSRkXNsc92np+K5edZhT4VUzA7vZoHt/5brzR7cry1erxvzxh9raLzitldPWTTu88khV3KR4JisklLUTxSPBMk7goQVFM5K6i5AUFR7FFykovUqDqod6p4pFzlMQFc7FCSzmEFShZKcWd60PSreIR6JbdyrXVkL3mI3CtQHYqnBwVuLYLuRxXAuVqLgrMaqxKzH2K44pLgrEZu7ZXKckStvwVOPc7BWoo33CscuoKW0kKzTM5mZwHmt6fpOstbAAcqR7A6JfrNvxsexZq1p21XpjV9riu7h8gdgNbEODHCT3rzXa0E1LD3L1/Yd4FFJGOTr/8Ad9lx6impZTd9M0DwGlUpsKpXG8ZkZ6jddIuUC5cdE+TqvTGWXMdhekdGcn1oDsOlB2kauu47KrO6yy45XlZkTL81z2Nnje58bnROi6TXscQ9rvNcD2Fe95GmfU5Kw2ql3mngD5n+m/UQS7522/sXg9RJr0r2fk8n57I+GC/4tj2e4n/NdXgJO8drouE/Eema2gZLbXNb3WXTp3Dna4+lMPuAVKokDsQkd3Q2+/8A5VKOTRz5vxlcudVS6XyOvu4W/au3iZqvBpZQI1xMxVvkWGYjKeDWOP6th968xDCXNZHsHELVZyxV09OKG93BzZJR1bC12t8ex3uWfw1vOVVO0jcyWXGY7K2qq9239Bt7+a9g2Ho30GCmoeLZ+0OtrWC1ZpNF/lOOrpexS8lbZXLbSSEfM/f/AJKGkrtY5XAcV47NGM11V8lZ3lLyZneVZsUrJ28f1SMjOirinZ3uTiBne5HslZRnd1RkZ0VcwR+KbydnzlZsVLSUZ3jmpEYKp+Ts+cl5MzvKuaUi3wRvXdVO6CpmkHpJjRD0yrdt+Klp8VbevHNV3UZ5Lg46+SlpozHL139f1cf2hUKDGGPlZDVDjp+W6rfb6P1VYzjJ8vBF5/NavHpO/wCVZqRhv0ur4rlqvE6iGpu12g5LtKHCqeoogHtuTzW6ED29EM2Cfm3egfcuVgeK6qDyZ5c6RnRu30fH+6ui/FoQLStP0if4brbM2gpiLPNj0WANicWc3PDEXDqNf3Tthc1umzvXZVMSj10D2c51mO/uq+3EacjZwAb2OP8AwQpK6mlBijc17nMIu08NWyZNjVIWEF44JNNsljG/YBTu0IPA2071ko+iLN6Pq2XA5Qpi3C6aG/4yRxP1W/8AFaJ4LXlrhYg2WU5RmbUEnmfKN/urixqV2zgWgg8uKx4TFSUXJqSoiyZySSFCiouspOQ3lWshMov4qZ4obuKmyFByG7iiPQ3KQLoXIxqKztY7Vy9C0GIs1wnbqri+xTZC9wha+6vQxm26BFbvVyPguz3pXClgKPDG2ytwNYOxV6fxVuOygOLlUgBWY1YYq8asRhSlOXQp4udpDF+UhGpjPSHne7rfaRMClL462l7XwH7lWhLmzNkabPaNnK7AIW4pDXUbfkZBaVnbET0bO+aT1fcuT2mpiY2vGtl6DsHWxsfJC7QmxHuXObJdNrVeY6KiRnolzdP0U2tcGI7L2SMXF0Z70CaRRfIq08ifFGs+FqFNvLZaTJWcvi+9lDM6KTD5JLO9KLzSWu7uGpvgsqQdSax1LbUzzCbhTiOHU2IwGCobdp+fVe51Ekdnlp6xuuJVvJIAvs5czKuLeV4FGyUnnYfkyb36I6p9231VWrsXp8MrW00stRJK2PVePTaxds0klvWXo0FXEyFsrzYFfJdfgVdJiUmH08Ze5nG1hoPFZXMW+M1t/wA7/harGUYJZMwQxxcLO/ZYfrFc+tnFZUvqHNJ52W4HuH7ltMrUUeD0skkpvi1S3QGf1Rpbex/1jhbo+a36S4SjidU1hcwXF7r3HG6kYdgYjmNnZQPeQBZdCr/G83G/WyFulrvS9J32v1WtQkTSlpXoIaGgALwJ8mZxKFZLSiaU+lTZVzIVk1kbSE2kKbKMyEWpi1Fc5rYXaiGsAvqJVGevghjcyCZkruwW1e89VY09ZFA0uebWWyw/CazEXtZTRl1+YGg8VY1AdWRtvAhSNiL3cfUFm3c/LcvkD/Yq79GrSYQT36Vyr9rWA6Rr1aD8I5Cz8yq7XMBvDzWqJBHUd6ygmVjOMkdvErPRsYOrGwetqdzI2m7mRA9+lLftc63ZiT4vwggD7yVRPg0BVcxT+UV5ewg9EaSO5cvSrdaNVVIPBBDVjPlM35ruJWp9FjpXejxHstJHfonoXiCceiV2TpABZ1XLjWRaWaSFtrXj9Hzm+pYNTTGTtN4rqtntoBQjcTeoeB6LqWSA32CiyWOaMEOLb8LpNkbB132J4LVbp+a1l6I2vpTEZd4LIVRSROPOGMlcjH8ChxOk5mH5Pz9/NcuqauK/G/2v+CG+rYT0Y3H1f/dZ0VNUNNwufrcVwKZjo5XjXmAfsvP6nJ1a0ExVMb/pRuH7NS50uW8WjJBiY/6Mlv72lenurGdkDx7UF9Ywn8Q4fWWez0vmxchNT4CTdk5HuP2XlcmD4m3+gS+wA/sJVaShr4+tR1I/3Dv8l6vJVROG9KT7Sq73wH+h/eE5pn5s81rpKfDR6s/+kryiSOVvXjlb9JlkEm3Ej3L1aQwn+jOHtH+SrubTk70zvtJwEns+aw5I6UerN/pK8vLgmXostLSO40jPcP8AJVZcPw53Gijd62hXDHnksZ25b+vyKwLvWhuC3MuFYb2UUI+qq8uFYf2UsfsJH7CmBhSi8DmsVLu2yr8wPSC2r8Lw+/8ANm/ad/Eo/BmHf1Rv2nf5q27VN4tVEQrsDhZc6G6tQusV1K40iy6Ebt1biddc6N26twFWSXK/EVaiKoRFW4nbKwSyFcvsbINRUVFFLBWwtuSLPj/O9pB9v2VKP8WhV5dLTvjb19OpnrasHE6cz0zgBqBdbnZutZR4pG6Q9k9k/wDVr5KddC+qqOcpBqdIwzvhJ+UFxa4v12j0huO1q5wlbbfZ3nBAFTBPhUVaXfzSTmjJ9LcOa5u46WoJ24m2pAkq4vLB2TRjm5PaQNL/AKzdXzl52GNkJ5FfQsLZ4BYDM0fEfdPJLpVaSXUVsOTL4mTYtiMWZ4pJmSRNbT85JzJZc7jucRtYh3f0VvabK3JL8HeQ8zXc9/XfKBzrPR0uG23cQVlw0biLgrGqNp6WikMcrHX8F4kHnVupDc8V7nW5Q5Ip6OCAR10L4TdzmVBD5vB5Jc2zuPR027Eq3LnJCa6CubR1UAhbY07J3CCXxeDck/WTfQn9Ug7a0L+DHfAfdePYBi8uGslbzZe2XSDbU3pDzmuTVbpsXxWJ8cXOzyiwjg1baer/APcq3j7cvR5gxD4MgqTh4mPkkbJPNsPPOo2ve3Rdt2qrUV9QaV1PRxCipndYQvI1/SdfUfVfT4JO8l3LYZH3AS2x0z6t1dTw5ZHCxcenTr9FdE9Hl6o1MENbisY4fkqV3pauD3ju6rfFaDLsUkeCwvqOlUTvfM956z7u2J8VisPpnVNcyjZuJdifRHb+qvRYXNdG1zeHBn0Bw/et9s5CTI+TkF55+INW2NkVLmu53a92n7J7prpWTLrr3XkxbZTNlG+6VkrIug6pnyNY5wJ3tey4GIyVtPC10bRTxSatLrdf63D2LvOY1ziQNTrWuqtPiWK4Q2SPmYa7D3vs+GZgc0u7XW4haPHo62SntSG3Xquz2Iq8Lpq1z8RY13s34Dx6HyWcs2R++rV6WrUf1krKeIzUk1ZI+FraS/5EdVvv0uUWkDpO2avPJKeaM2kFl9KUVfR1LA6neDfobqKQTlJKsthdPfZMeKSYoUrmP3q5Cn0qcrdNc9qIWcFvmeo1eGVbctQ8fzFA0BQcBdWXMQ3NCusdRil0u0EjSd79yjVzRvm1PlaCRaxNuCqmd4lasln5zJPJpZI2CT5Tg3padj+9NisDdLlc5zMl9Oi1s1TSRdaqgb9KcD/Eqs2LYXHxxGl+rO1391eZ6QOq0JWHcsrOsXd969Glx/A2j/xOB/quf2BVJMzYM07Vcjvowv8A8lgHjdP2I3hUmMLcy5twi3R8pd9GO37SqUubaK/Qoql30tI/xFZF6gjeI3YWplzewjoUMv1pW/uCqSZrqSehQw2+dK7+ELPhQejMjIF3JM0VzhtDTtP0XfxKpJmDFHH8ZDbwj/4rmlDcpDnFGRqvyY5ijv6UR6o2j9yry4piLuNbJ7gVWcoFGZyMoU5qmpk/pM/2tKHzkv52T7ZQymRdFl6jCVaicqETlaidsuquuOcr8J3VqIqhC5W4nKUhyvxlWojsqETlbjOym+ioQrkTkUGxv3KpEd1ZYVcOsUotJ4Lhc02nrZcPItBUt5xh8Tw+/oqgdrt4LQY9HG6lMkQtJD0o/UeP39JZyebnJxJ6fT+t/wBdJcFidN6PUO719D7J41/EqFshN3gAO/zDmiRuBFnQt9pRGtaDe3uJQNV1JrisIldOXNd0RgXEdZ3vRIWMJ3LvehscT2bIl9rBLcbrGeWDSyODbikRdt77Idy0A8bokLZJHiONtyVVrbmyw552sbc8BzWkyTSgyvrzs2PoM+c48f1f2rUKphMcFNSRU7fyfnek7znK0Tdei4fS+iwiM8ea+dMfxM4pWvnB0vYeCdK9lEFOs5aIp0kySFCXanCZMhRZRlhikPTaHetVH4NhbI9LacxOHnA2P6qu9ihK9sERmvsG3VJQxwOfgE6nExkAgvnvYWWcrIDA5kZOtx96HbpWRKuXygmf0vu8EOK3BeV1j45J3GIWbyC+vMDp6mnw+KKqcXSAAEnqmSTlMsRbVUq06Kxp+qjWTYjFzkbu9nSUqZ/ORNctzSuDogOa8k2kpPR8QeT+rVQc1Vql2kK67tVKobcrIstAqJasfnzergj9FurT/wBfRW40XXnWb5uezBUd0XQH1Rp/amNFylycVx7qLincdlBPSkkzk97KLihCZx2UE7gmPBACExUHJyVE2VrKqi4qLk6g8oAshRcUNxU38EMlWUKLio3TuUVKF6TC5XIXLnRlW4XLp1yLgr8blaicufG5WoirJRC6ETlZicFQjcrMRUhKIV6NysRlUonKzG5TdLIRZw+WHm7XXAqsOk5wF/QeOxzf8S0DHXRg0OG6xqijjqPXWxwvGqrDJA+B3u5LGvicN3B49fV96KzbgtYKKA7aE/wXTO4xLRyYCb9l67ym/EYFlpode7/ZZdpHf7kQXPD71pG4PQXuKcD7Ksw4fSM2EYCS3Z+Y8XK8/wCI1MB2YyfJZcwyltjdvziV2cNw1z+l2niV24aKBhuGq20NA2K2VLgcMBzcSuRxbbCrxGMxWDWHkOJ8SpQN0NCM07oIKkDZb4FcblRw5PdCCkChVsp3T6kO6dF1FkS6VwhpIU2Rb9GyoVoiJjiquciptbdb2dJ3sHard+lZQqWMnj0PvbuSKqEzwuiHNbDC67+H1kdTa+U3twT4jl3LpF6LO2GyR8bSNLej6K4tVSR0u7K/D5+z5GQn+8ArZwfDPzLv0rv80vgjDfzT/wBK7/NckNlX8neR+69Vj/FZrD2oyfe3/wDK5Ra7zC9Npd55euv8B4Z+Yd9spfAmGfmHfbKgbKkf4nl+6yf/ABcaP/bf6h9lxn9Egg7duyrPgdHMPJ5CGv8AMf1V3pMGoy7U0TMNvNnNvdqVGTDJoSZtTTH5tzp0+1vFQ/AKqnaXxuBsrHb/AAjFpmQ10Lm3OhGtvGwFlx6uqFK7mpdnOUNbHqeI07ZiZHEPkYqHOiGTiNTfNWFTvD2XJ1VsXwuSkqSyNpLOR/dXJniGnkndwjY5x9TRdeQSvMs75ncZHuJ9ZXq2IVMFVQVNIedEskMjOp0dxYbrziuy9itIL+SmWL5nS0+sdb9VZEb2DmtU+kqDrkNlyymT7g2cLFRTlh2SJTEhJ97KG6tZQkTdMnUXIshMVB109/FDcd1KEnIblJ72gdce9DuXcN0AKCmcShndE0SH8m4+xLyaZ3CGT7JVh4KqAm2ROYq/6tMP927/ACS8lqvzD/sqbKMy3kMm+6txusb2Wdhme09Yq/TVb2kXfq9a6jdlcoXhdyFwvdWo3D1LkRVzbjU0W8Fciq4HG2u3rRlKoSF1I3EKzE9UY5ARxVmMqAlkK7G4qxG9Uo5LI8brlWSyFejcjNcqcRVhpUpRCtxuR2PVJjkZhQlu1VwPCm0quxGYrZwFQturEbkZrhZVWmym1ym5Ki1lZDt1IOQA5TDkXVLXRg5SDkEOUg5F1BCNdK6HdK6gFVyot090IFPdWUWRQUiUEFPdTdFlO6cFDumui6MqLqSDkDUnBVbqwFkSQ9PSq1ezXBI3vaWohdpQy7UqluZpb1TI5DG8PHEG4VOLEstMbzOP5Ykmlj/Lw1LoOiO8cPa1y41VVYWah7qQmGE7MY6RjtLfNbe4uVpHljhYxg+tAdHEfyTfcuYfsxTE6EjwXo8P4k10Y7cYce8u+V7LM87TtPRqC49wT85r6rJ3eIjcf8On71onMjHAN9gSBZ23TG7N0w4kq0n4l4i/1Y2j3LG12BQYj0Z8Hc9x85waz79Wpcyo5P4ju0mK/mslJI9rtl6E5ze9Ae4HtK2MWFU0YsAuZrdpayqJLrAnoAPosCOTyJu8k87h4vb+5L4iULfyb3euZ3+a3LneKE5ycKKHosA4nUH9Sx3xLw8f0Vnte4/vS+KGHj+j0/tjutXqCq1E8TD0pWsPiVYUkY5INdN18ys8MsYfH1aOEeqNqY4HTt2bTRe2Nq6U+JxMGxL/AFBUpcWJPRh95TRRMP6Us15d+soTsGphwH3IMmHRMHXDfWmmxGR3nW9SpTzufxc72lX9CHMI9NPJElhpWdaov6lRn8kB2a5/rUJCLoD3K3osTeIUNqZXcE0scR84oHMxekU8j79qHfxUejx9EwTPVVjgisd4qsw78UVh7lZpTHMV2N3BWmPsBsqDHbb/AHIzJAAOkWk8AeJVwUktXovJLkWTlFzDJhFNj+GYM+NnOnntUk83pGOPog6fO6TdNx1t1xsehOE5oxTCIql8rcNrZqYSPFjI1j3MDiOzVa61n4KtTHJy3YI0Pu7manax/MPWSzw53/aFmhsbecfJjlZGxjd3Ocah4AA7SsVjnGpLSdLXWXLE0MDhx5oUWJSg7i/1VdhxHbeEn61lQzBRVGXsdqsDxlsFPiNI5rKmIzNfoc4BzRdrtPVLfrKmKqN3RZM11uwErNa1j7EDitZI17OJWoixKEnpax622VuKthPUmYPW6yyLqoatLnNB7i4hWKeY3sDdSYGngsczkcVsmPb2PYfajMesgyoA4PN0WOrmBu2Vw9qj0Z3VUdUtbyWxY8orZFko8VqR+V+5Wo8XqfTYfWo9Gf0Cn0lhWnD79qm0+Kz0eMSec2M+pHjxgdsQ9hVTC/ooEzDzXeY5qM17VwGYxGTvFIPYrDMWpvOEgVTE8ckCVvVdjWE4cO4rlNxWkPnvHsRW4nSkfjHe5GR/RRvGnmulrT6iua3EaM/lx9lymMQo/wA+PsuUZHIzjquiHFS1Lm/CFH+fH2XJfCFH+fH2XIyOKC4dV0blIFc84jR/nB9kqJxOjHnn2NKnK7oouzqunqCYuC5TsXpB50nsaoHGaP8A132VIiceSqZ4hpddUuPcn1etcY4zTnhDL7QouxloHRpz7XKd07ogTMPNdguUS7xC4T8cd2RMH1kF+MTu4GIexXEDlBnYtC6TwQnSLNyYrUH+k+5qBJXzO/pEvsKsKVx4qjqtnJalx7zZV5aiBnXmaPasvJOSbvcZPpOWwy1kLE8dy5FmEYrgOHULpTDetqHRuu15aRw076TbpKkrGRC8jk6F5lJDQubJiNMBtLf6IVWXE4r9WR3tsuhm3k/zJlvB2YzUnD6zCnloNXh8/OtZfYatm9u3R1dLzli5JBfYlMhbFI27TdVkdNCbPC7UuKnsiDfWqk2JTHhKG+pcx8l+/wBqE9wIvYpohaErfuKsz1M7h8pLf1KmX2PehvehufdW0RqSiSSX4hV5H9ycm/aq8hIO6rcJ4YeKeVyA5ydzihOJ4WVHOT2tUXlBkKeQlAc4pJKymNsoyFD1J3O8FC6WXJ9gqjTZGjcqwuERpSg5ZLgrsZsL9y9opsHp+TjkcwjPLqCjrM3ZjqGDCn1VOJWYXDYv55jHgh0hDWm5G2sea038RhdpYW+C+opqAcsP4MmB02VCJcwZU8nZNRAjnJObjdCWWPDWzptPA2tfjpxKyS2W/DmsqjGbMBx5Kt+DRyk53xflNhwPMGOyYvS1zJnkTxsvDI1pfqYWtBHVI08Ol4LOcmmJT4f+FJUUsNLQOFbmSsjl56lbI6P5eZ3ybnbxu9SufgyZPzlR8rmG4timW8WwqiginEj6+mdS3c6KwaA+xee3a/nHsVHBKLFsA/CfpJcawitw6lrc11RpJ6uF0TZwZXWcwkaXA62cCesFjuy5325hPdc5e4rq8s/KTm2g5UMzYJQ1GHx0lNUtZHfDIHzN+SY7VzjmndpdxN12q3H6/Ov4OGIYrC+KLGsOm0YzzNLC01UHaTZm2ztW1ukwrJcvuUc0s5WM1V8WXMWkwyZza7y2Oke6nMQgbdxl4DToOoFzTt4hL8GbMcWGZ5+L+IOBwzMkTqSRh86TSdDvrXc36yY1gMQc0cNUt7rTOBR8k5rxbKXJNiuJl8R8trvIcEhmghfzcvWnn3bqcA3gCSL9i85rqyWrmnrauRz553ufK8ho1Oc65dZoDb/RC0nKq+gosw0+TcImllwvLEBoYnyadUk7na55Dbt1aW/UWLaLnorZ0bQBvOZWlrZDo1WGlGaTZVGvRWyLYZlpS1WWuRWyKq12ym0q10osVtkiI2UhU2ORGuurXSy0qw2TfZFEtjxVVhuVIuF9lN0vLZXBKpCW3aqTXbqZepuqhh4q9z4CXPKjqTh6mwRcq46fbinbMbKmXKcbhZVICqGm6s8+e5Lnz3KuHeKZx8VOiC0qz5R4BRdMT2Krq8VIHxU2AVbEovOFOJj3BAJCbUEEhS1pBRnyk9gQy9DJHiokjxQCrFnNEL1IvFlVLt0xeoJVg1GYd/avWsHwbFsw/g4wYfhFBNic3w1K/m49Pmuf0ty3bdvvXkEbtx616xR12IYf+D1QYjhdfUUNVFjxcySF+gg84/Y2sHDbcG4O+y1tc4kNt1W5wxg7d+ll0sEoMRyRyTZnZmiJtE7GBzWHYbM68j36dOvouNj5x7g25WUyrl7AaDJXx9zeKyso/KPI6HDaKTmufe27XOc/iB0XcHdVvbey6udaaLOmSm8pGGwRx4tT/wAlxuCI3tp/K2+y7xGk+aUsSHw3+Djhgw6nM5wbEneWxRanvZ1+k5vHg5p+i5YLSbeJ1WzLbrnYtl/K+N5ErM35KgxHDfgufm8Sw2pfzvNh3VkY/rec09bq91k2VMr5QqOSybNOPz4lSeS4lzcvkXTfO3zY42HZpOpuonuPBX+T4OwPkHzviuJUzqelxU8xRCUW5+7Qxrmtd1t9R+qVzsHuPwYsU34Zgb/hV3E9poPAhAsbacl0fi9yZ4tkL49Ujcdy5hNBV+S19Jbyiap6vV1OOku1N34DpbC11x8y4LkvEOSx2dso0GKYTJS1vkdTT1NRzvOX21bl1ndU9EhvHoo2CyX/AAY8xE7/APt2P9rELBXgfgw5hd3Y7Hb3MVCS08edlcEOFrclnMqT8mlFgXwpmpuP41iokez4MppG08TW+bI6W7Sb6ux2rU3q6dz1eUTLmUp+TLBM/wCT6WuwynxCqNFU0NVVmp5t41dIOcXEbxkcdwWmzd12KRlLkrkIwbPOD4Nh+I4zjU+ipxOuphUCkHygIA4DeMN3v0ib32XQ5T67GcV/Bxy5imOxyNxCTGbyh1J5OAz+UBnQDWtHRI3A6XtVHSnehzeR/rRPjjAjyHouE/K3J7hfJrlPN+ODF7YlE8TYfSS65q2bo9XVZscY0uJtv0mi+y5vKblnK0eQ8Az5kqHE8PpMTqH0ktDVT86YpGtcLhziTxjdfpOB6NtKucpu34PnJcfGoQsy3/8A0rZQP/8AYaj9s6GOOhvz+6toAQvIHvQJHKTjxQXHdZxcsMC6Z5ULqL3KF1QlNDUG6mCoFL2pKyCLqywi622TcuZ2nZDmHKczcPE+vm6imzDR0UxY12lzSHTse3dvnDxWGYURsdO4WdHG53gCoeC4aK0TgzivV3Ze5XH4rFi8uK1M2JQMkjp6ubN9HLLC2RpbIGF9SdOoHssqdfkblCxWqbWYpoxCpFg2eqzTQyyNA4Wc6pJC83ZFT+hF7gjshpbfi4vclNhcOBHw/dXdUNPEea9Qrss8qWKUYocTxKpxCkZY+T1Ob6SSMEcDpdVkbfRVGk5Ps6UtRFU01Jh8M8Tw+OWPMeHtexw3a5p5+4IPasE2KL+rxfZCK2KG383h+yE1scrfVcB7v3WO+SFxu5nmt1V5FzeTPX19NQk9KSWX4eoXvLty5zrTkuJ6XedSyschJszZUzHTs4xRs9hViIgeCyoi8eub+5YE7WOtkFlZDlNrlXDgptcskOWucxWWybKbXqu0qbSrgpRarDXKYfZV2uUw66tmSi1Ha43RA7xVYP3Uw7dXuqOYjhylqQdSWrdGZULUfUn1IOrZOHK2ZVLEa5snDjZC1bJ9WyjMjIia/BLUh6vnhLV88KcyMiJqTa1DX85NqRmUZFMvSLyh6kxcozKcimXnvUdZUC9Nq8EXVg1Tc5Dc5M5yg4qMyuGWRS+8dlflxzGzl5mXRXT/AASyXnm0tmWD9RdfVp1dp7VyjIhukKU5oda44LIjcWXtzXbwLMuP4E2rbg2LT0La1hbUsaA9suzhuHAt7T71HLmZcwZYqvKsv4tPhsz/AMYYgHMkHcWODmn1uC4ZeVAvKW5jXAiw+CcyZwWizVmrMWaqhkmYsbrMQ5n8XG60bI/nBjWtbq+dpuuf8OYuzL82Xo6+RmEzS89JSljCHP79Vr/euWJS3ghSylypuwAAOCfvSdea6sWO41Dl6fLUWJvbhE8vPS0vNs0uftvqtq80dvYhxY5jUWX58txYm9uEVEvPzUvNs0uftve2rzR29i5Dihk+Khwb/XXqrteVrMr8oWcMpUklLlrMNTRwP6XNOY2VhJ4u0yA6b/N0qliWfM34rQYjh+IZhrqylxKeOetjnc1wlczhbboDh0W2b0Rtss26S6GX2SXRMOpGqy985dbFcwY7iWX8NwHEK98+G4Zq8hp3xta2DVxs5rQ4+0lBqcw43U5YpMs1GIPfg1HO6pp6Kw5tjzqubtGrz3dY9q5RedPFBkd0VGUJmYlRc5CLt0nlDJUOKlrUznKF0nFRul3T8qjumUkiqXTMqdpKI0oQRGlTdQWXR2lGaq7XIzHK+ZIMaM1FbdBYUVrlcOSjGjNJvujsKA0hFaVfMlGKyM0ojSUFpRWuVg9LMN0VpKmCUNpKk0q4clOhRQSiMJQ2nZTaSr50swqY1d6mNXehsPip38UCRVMCn0k1nJ2HxUipEio6mSDnKYe5MldTnVdxZPrd3J9bkySnMo3KfUUtTkklOdRuEtR7ktRSTIzoECWpyYlye6a6jOrCBRJcokuUi5RL1GdSIFEF3eoP1d6kSok7KN4riC2iGdSYXCmVBx8VXOrCnsoucUNxKckqJJUF6YIbKLiUJxPciOKE4qpemiGyGShORHoLiqFyY2JRchuKk4oTlQuTWxobiQhPcURxsgvcEvMniNDe4oLiivcEFxVbpzWJt0t090lW6nKkkkkoTUgpBJJSoCI3ijMSSUpbkdiMxJJSFUonajRJJJjUoogRWpJKVRECmEklZUKm1EakkrpamFJJJWVFIKbUklClSck1JJAS3KPnqQ6ySSYqKSSSSorKLuKd3AJJKyqkVE9qSSqrhRTHikkhWaovUEklClRdxUXcEklBV2IQUXpJKikILkN3FJJQE0IR85Cf2JJKFIQXdRCd1UklUpgQpEGRJJLT2oT1BJJQrlJJJJQpX//Z</binary>
</FictionBook>