<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Die Jagd beginnt</book-title><annotation><p>Die letzte Schlacht gegen den Dunklen K�nig steht bevor. Wandernde Gaukler berichten unterdessen von der Wilden Jagd nach dem Horn von Valere, dessen Klang die toten Helden ins Leben zur�ckruft. Als das Horn gestohlen wird, mu� Rand al�Thor einmal mehr seine magischen Kr�fte einsetzen, gegen die er sich so heftig zur Wehr setzt. Denn nur mittels des magischen Instruments k�nnen die d�steren M�chte zur�ckgeschlagen werden.</p></annotation><date>1993</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Andreas</first-name><last-name>Decker</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="2"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>The Great Hunt</book-title><date>1990</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>Menolly</src-ocr><id>77D3FFE2-F0E7-41EC-A273-B3E966CE2154</id><version>1.0</version></document-info></description><body><title><p>Robert Jordan</p><p>Die Jagd beginnt</p></title><epigraph><p>Dieses Buch ist gewidmet: Lucinda Culpin, Al Dempsey, Tom Doherty, Susan England, Dick Gallen, John Jarrold, den Johnson-City-Boys (Mike Leslie, Kenneth Loveless, James D. Lund, Paul R. Robinson), Karl Lundgren, der Montana-Gang (Eldon Carter, Ray Grenfell, Ken Miller, Rod Moore, Dick Schmidt, Ray Sessions, Ed Wildey, Mike Wildey und Sherman Williams), William McDougal, Louisa Cheves, Popham Rabul, Ted und Sydney Rigney, Bryan und Sharon Webb und Heather Wood.</p><p>Sie kamen mir zu Hilfe, als Gott �ber das Wasser schritt, und das wahre Auge der Welt ging �ber mein Haus.</p><text-author>Robert Jordan</text-author><text-author>Charleston, SC, USA</text-author><text-author>Februar 1990</text-author></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><p>Und es wird kommen eine Zeit, da das, was Menschen erbauten, zerst�rt werde, und der Schatten wird sich auf das Muster des Zeitalters senken, und der Dunkle K�nig wird noch einmal seine Hand auf alles Menschenwerk legen. Die Frauen werden weinen, und die M�nner verzagen, wenn die Nationen dieser Erde wie br�chiger Stoff zerrissen werden. Nichts wird erhalten bleiben oder �berdauern...</p><p>Doch einer wird geboren werden, der dem Schatten gegen�bertritt, wiedergeboren, wie er zuvor geboren worden war und unz�hlige Male wiedergeboren werden wird. Der Drache wird wiedergeboren, und es wird ein Weinen und ein Z�hneknirschen sein bei seiner Wiedergeburt. In Sackleinen und Asche wird er die V�lker kleiden, und er wird die Welt noch einmal zerbrechen durch seine Wiederkehr und alle Bande zwischen den Menschen zerrei�en. Wie die grellen Strahlen der Sonne bei ihrem Aufgang wird er uns blenden und uns verbrennen, doch wird der Wiedergeborene Drache in der Letzten Schlacht dem Schatten die Stirn bieten, und sein Blut wird uns das Licht bringen. La�t die Tr�nen flie�en, ihr V�lker dieser Welt! Weint um eure Erl�sung.</p><text-author>��aus dem <strong>Karaethon-Zyklus:</strong></text-author><text-author><emphasis>Die Prophezeiungen des Drachen,</emphasis></text-author><text-author>�bersetzt von Ellaine Marise'idin Alshinn,</text-author><text-author>leitende Bibliothekarin am Hof von Arafel,</text-author><text-author>im Jahr des Herrn 231 der Neuen �ra,</text-author><text-author>im Dritten Zeitalter</text-author></cite></section><section><title><p>PROLOG</p><p>Unter dem Schatten</p></title><p>Der Mann, der sich � zumindest hier � Bors nannte, verzog sp�ttisch das Gesicht, als er das leise Gemurmel h�rte, das sich in dem Gew�lbe des Saals wie G�nsegeschnatter anh�rte. Seine Grimasse war durch die schwarze Seidenmaske verborgen, die sein Gesicht bedeckte. Auch die hundert anderen Gesichter im Saal waren durch solche Masken verdeckt. Hundert schwarze Masken und hundert Augenpaare, die sich bem�hten, hinter die Masken zu blicken.</p><p>Wenn man nicht allzu genau hinsah, konnte man den riesigen Saal f�r den Teil eines Palastes halten: hohe Marmorkamine und goldene Leuchter, die vom Gew�lbe der Decke hingen, farbenfrohe Wandbeh�nge und ein als kompliziertes Mosaik ausgelegter Fu�boden. Wenn man nicht allzu genau hinsah. Doch die Kamine gaben nur K�lte ab. Flammen tanzten �ber Holzkl�tzen, so dick wie M�nnerbeine, aber sie w�rmten nicht. Die W�nde hinter den Beh�ngen und die Decke, die sich hoch �ber den Leuchtern w�lbte, bestanden aus fast schwarzem, unbehauenem Naturstein. Es gab keine Fenster und nur zwei T�ren an den gegen�berliegenden Seiten des Saals. Es schien, als habe sich jemand bem�ht, den Anschein eines Empfangssaals in einem Palast zu erwecken, es dann jedoch mit oberfl�chlichen Dekorationen bewenden lassen. Der Mann, der sich Bors nannte, wu�te nicht, wo sich dieser Saal befand, und er glaubte auch nicht, da� es einer der anderen wu�te. Er wollte auch lieber nicht dar�ber nachdenken. Es gen�gte schon, da� er hierher berufen worden war. Auch dar�ber dachte er lieber nicht genauer nach, aber einem solchen Ruf folgte auch er.</p><p>Er r�ckte seinen Umhang zurecht, dankbar f�r die kalten Feuer, denn sonst w�re es ihm, bis zum Boden in schwarze Wolle geh�llt, viel zu hei� geworden. Seine gesamte Kleidung war schwarz. Der weite Umhang verbarg seine geb�ckte Haltung, mit der er �ber seine wahre Gr��e hinwegt�uschte, und lie� die Leute r�tseln, ob er nun dick oder schlank sei. Er war nicht der einzige hier, der sich in eine ganze Schneiderspanne Stoff geh�llt hatte.</p><p>Schweigend beobachtete er die anderen im Saal. Ein gro�er Teil seines Lebens war von Geduld gepr�gt gewesen. Es war immer das gleiche: Wenn er lang genug beobachtete und wartete, machte irgend jemand �ber kurz oder lang einen Fehler. Die meisten anwesenden M�nner und Frauen mochten der gleichen Philosophie fr�nen; sie hielten die Augen offen und lauschten schweigend denen, die sprechen mu�ten. Einige Leute konnten das Warten und die Stille nicht ertragen und verrieten so mehr, als sie merkten.</p><p>Diener schoben sich zwischen den G�sten hindurch, schlanke, blonde junge Menschen, die mit einer Verbeugung und mit einem wortlosen L�cheln Wein anboten. Die jungen M�nner trugen ebenso wie die jungen Frauen enge, wei�e Kniebundhosen und weite, wei�e Hemden. Und alle, gleich ob m�nnlich oder weiblich, bewegten sich mit einer atemberaubenden Grazie. Jeder sah aus wie ein Spiegelbild des anderen. Die Jungen waren gutaussehend, die M�dchen h�bsch. Er zweifelte daran, da� er sie h�tte unterscheiden k�nnen, und dabei hatte er ein aufmerksames Auge und ein gutes Ged�chtnis f�r Gesichter.</p><p>Ein l�chelndes, wei�gekleidetes M�dchen bot ihm ein Tablett mit Kristallkelchen an. Er nahm einen, hatte aber nicht vor zu trinken. Es mochte vielleicht den Eindruck von Mi�trauen oder noch Schlimmerem erwecken � und das konnte hier t�dliche Folgen haben �, wenn er jedes Getr�nk ablehnte, aber man konnte ja alles m�gliche in ein solches Getr�nk gemischt haben. Sicher h�tten einige seiner �Genossen� hier nichts dagegen, wenn die Anzahl ihrer Rivalen im Kampf um die Macht etwas schw�nde, wer auch immer die Ungl�cklichen sein mochten.</p><p>Gelangweilt fragte er sich, ob die Diener wohl nach diesem Treffen beseitigt werden m��ten. <emphasis>Diener h�ren alles.</emphasis> Als sich das M�dchen aus seiner Verbeugung aufrichtete, suchte er ihren Blick �ber das s��e L�cheln hinweg. Ausdruckslose Augen. Leere Augen. Die Augen einer Puppe. Augen jenseits des Todes.</p><p>Er schauderte, als sie grazi�s weiterging, und dann hob er den Kelch an die Lippen, bevor es ihm bewu�t wurde. Nicht, was man dem M�dchen angetan hatte, brachte ihn zum Schaudern. Nein � jedesmal, wenn er glaubte, an jenen, denen er nun diente, eine Schw�che entdeckt zu haben, waren sie ihm zuvorgekommen und hatten die vermutete Schw�che mit einer brutalen Pr�zision beseitigt, die ihn verbl�ffte. Und besorgte. Die oberste Regel seines Lebens war immer gewesen, nach Schw�chen bei anderen zu suchen, denn jede Schw�che gab ihm einen Anhaltspunkt, von dem aus er nachbohren und ausspionieren und beeinflussen konnte. Wenn seine momentanen Herren, denen er im Augenblick gehorchte, keine Schw�che hatten...</p><p>Er blickte hinter seiner Maske besorgt drein, w�hrend er die anderen musterte. Wenigstens gab es hier gen�gend erkennbare Schw�chen. Ihre Nervosit�t verriet sie, selbst jene, die vern�nftig genug waren, ihre Zunge zu h�ten. Aber der eine wirkte etwas steif in seiner Haltung, die andere raffte ihren Rock ein wenig ruckartig...</p><p>Ein gutes Viertel aller Anwesenden, so sch�tzte er, hatte sich, von den schwarzen Masken abgesehen, �berhaupt nicht verkleidet. Ihre Kleidung verriet viel �ber sie. Eine Frau zum Beispiel, die vor einem gold- und scharlachrotfarbenen Wandbehang stand, sprach leise mit einer Gestalt � unm�glich, zu sagen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte � im grauen Umhang mit Kapuze. Sie hatte offensichtlich diesen Fleck ausgew�hlt, weil die Farben des Wandbehangs ihre Kleidung vorteilhaft zur Geltung brachten. Ausgesprochen dumm, so die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, denn ihr rotes Kleid mit dem tiefen Dekollete, das entschieden zuviel Haut zeigte, und dem hohen Ansatz, der ihre goldenen Schuhe freigab, bewies, da� sie aus Illian kam und eine reiche Frau war, vielleicht sogar eine Adlige.</p><p>Nicht weit hinter der Illianerin stand eine andere Frau, allein und bewundernswert still. Sie hatte einen Schwanenhals und �ppiges schwarzes Haar, das ihr in Wellen bis unter die Taille reichte. Sie stand mit dem R�cken zur Steinwand und beobachtete alles. Keine Spur von Nervosit�t, nur ruhige Selbstbeherrschung. Wirklich bewundernswert, doch ihre kupferfarbene Haut und ihr beiges Abendkleid mit dem hohen Kragen � es bedeckte alles, bis auf ihre H�nde, schmiegte sich aber eng und ein ganz klein wenig durchscheinend an ihren K�rper, so da� es alles andeutete, jedoch nichts enth�llte � zeigte deutlich, da� sie dem Hochadel von Arad Doman angeh�rte. Und falls sich der Mann, der sich Bors nannte, nicht gewaltig t�uschte, trug das breite Goldarmband an ihrem linken Arm die Zeichen ihres Hauses. Es war sicherlich ihr eigenes Haus, denn keine adlige Domani w�rde ihren Stolz so weitgehend vergessen und das Siegel eines anderen Hauses tragen. D�mmer als dumm.</p><p>Ein Mann in einem hochgeschlossenen himmelblauen Anzug schienarischen Schnitts kam an ihm vorbei und musterte ihn mit mi�trauischem Blick durch die Augenl�cher seiner Maske von Kopf bis Fu�. Die Haltung des Mannes verriet den Soldaten: die gestrafften Schultern, der st�ndig umherschweifende Blick und die Art, wie seine Hand bereit zu sein schien, nach einem nicht vorhandenen Schwert zu greifen � alles wies darauf hin. Der Schienarer verschwendete wenig Zeit mit dem Mann, der sich Bors nannte; h�ngende Schultern und ein krummer R�cken enthielten keine Bedrohung.</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, schnaubte, als der Schienarer weiterging, seine rechte Hand war schlagbereit gespannt, w�hrend er bereits nach anderen m�glichen Gefahren Ausschau hielt. Er kannte sie alle, einschlie�lich ihres Ranges und ihres Landes. H�ndler und Soldaten, Gemeine und Adlige. Aus Kandor und Cairhien, Saldaea und Ghealdan. Von allen Nationen und beinahe allen V�lkern. Er r�mpfte in pl�tzlichem Ekel die Nase. Sogar ein Kesselflicker in leuchtend gr�nen Kniebundhosen und einem giftgelben Mantel war dabei. <emphasis>Auf</emphasis> die <emphasis>k�nnen wir verzichten, wenn einmal der Tag gekommen ist.</emphasis></p><p>Die Verkleideten waren auch nicht besser � und es gab viele davon �, so sehr sie sich auch in ihre Umh�nge h�llten. Er erhaschte einen Blick unter eine dunkle Robe und sah die mit Silber verzierten Stiefel eines Hohen Herrn von Tear, und unter einer anderen lugten Sporen mit einem goldenen L�wenkopf hervor, wie sie nur von hohen Offizieren der k�niglichen Garde von Andor getragen wurden. Ein schlanker Bursche � schlank wirkte er sogar in seiner bodenlangen schwarzen Robe und einem unauff�lligen grauen Umhang, der von einer einfachen Silbernadel zusammengehalten wurde � beobachtete das Gedr�nge aus dem Schatten seiner tief heruntergezogenen Kapuze. Er h�tte von �berallher stammen k�nnen... wenn er nicht zwischen Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand einen sechsstrahligen Stern eint�towiert gehabt h�tte. Also einer der Meerleute, und ein Blick auf seine linke Hand w�rde seinen Clan und den Familiennamen verraten. Der Mann, der sich Bors nannte, bem�hte sich jedoch gar nicht erst darum.</p><p>Pl�tzlich zogen sich seine Augen zusammen. Er blickte eine Frau an, die so in Schwarz eingeh�llt war, da� nur noch ihre Finger zu sehen waren. An ihrer rechten Hand steckte ein Goldring in Form einer Schlange, die ihren eigenen Schwanz verschlang. Eine Aes Sedai oder zumindest eine in Tar Valon von Aes Sedai ausgebildete Frau. Keine andere trug einen solchen Ring. Wie auch immer, f�r ihn machte das keinen Unterschied. Er sah weg, bevor sie seinen Blick bemerkte, und fast im gleichen Moment entdeckte er eine weitere von Kopf bis Fu� in Schwarz geh�llte Frau, die einen Ring mit der Gro�en Schlange trug. Die beiden Hexen lie�en sich nicht anmerken, ob sie sich kannten. In der Wei�en Burg sa�en sie wie die Spinnen im Netz und zogen die F�den, an denen K�nige und K�niginnen tanzten. Immer mischten sie sich ein. <emphasis>Verflucht seien sie alle � m�gen sie den ewigen Tod finden!</emphasis> Ihm wurde bewu�t, da� er mit den Z�hnen geknirscht hatte. Wenn es schon zu viele Menschen gab und man an jenem Tag ihre Anzahl erheblich mindern mu�te, dann gab es welche, die man noch weniger vermissen w�rde als die Kesselflicker.</p><p>Eine Glocke ert�nte, ein einzelner, zittriger Ton, der von �berallher gleichzeitig zu kommen schien und alle anderen Laute wie mit einem Messer abschnitt.</p><p>Die hohe T�r am anderen Ende des Saales �ffnete sich, und zwei Trollocs traten ein. Dornen schm�ckten die schwarzen Kettenhemden, die bis zu ihren Knien herunterhingen. Alle scheuten vor ihnen zur�ck. Sogar der Mann, der sich Bors nannte.</p><p>Sie �berragten auch die gr��ten der anwesenden Menschen um wenigstens zwei K�pfe und stellten eine abscheuliche Mischung aus Mensch und Tier dar. Menschliche Gesichter, doch verzerrt und ver�ndert. Einer hatte einen massigen spitzen, gekr�mmten Schnabel, wo eigentlich Mund und Nase h�tten sein sollen, und statt Haar bedeckten Federn seinen Kopf. Der andere lief auf Hufen, das Gesicht lief in einer behaarten Schnauze aus, und �ber seinen Ohren wuchsen Ziegenh�rner.</p><p>Die Trollocs schenkten den Menschen keine Beachtung, drehten sich zur T�r um und verbeugten sich dem�tig und �ngstlich. Die Federn des einen str�ubten sich zu einem schmalen Kamm.</p><p>Ein Myrddraal trat zwischen sie, und sie fielen auf die Knie nieder. Er war in ein Schwarz gekleidet, das die Kettenhemden der Trollocs und die Masken der Menschen im Vergleich bla� wirken lie�. Seine Kleidung hing vollkommen glatt, ohne eine Falte an ihm herunter, w�hrend er sich mit der Geschmeidigkeit einer Viper bewegte.</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, f�hlte, wie sich seine Lippen verzogen, halb, um zu knurren und halb, wie er schamhaft zugeben mu�te, auch aus Angst. Der Myrddraal hatte sein Gesicht nicht vermummt. Sein leichenblasses Antlitz war das eines Mannes, doch ohne Augen wirkte es wie ein Ei, wie eine Larve in einem Grab.</p><p>Das glatte, blasse Gesicht drehte sich langsam und betrachtete einen nach dem anderen, wie es schien. Ein sichtbares Schaudern pflanzte sich unter diesem augenlosen Blick durch die Menge fort. D�nne, blutleere Lippen verzogen sich zu dem Anflug eines L�chelns, als sich einer nach dem anderen der Maskierten nach hinten in die Menge hineinzuschieben versuchte, um diesem Blick zu entgehen. Der Blick des Myrddraal lie� sie sich in der Form eines Halbkreises mit den Gesichtern zur T�r gewandt zusammendr�ngen.</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, schluckte. <emphasis>Der Tag wird kommen, Halbmensch. Wenn der Gro�e Herr der Dunkelheit wiederkehrt, wird er seine neuen Schattenlords erw�hlen, und du wirst dich vor ihnen ducken. Du wirst dich Menschen beugen m�ssen. Mir! Warum spricht das Wesen nicht? H�r auf, mich anzustarren, und sprich endlich!</emphasis></p><p>�Euer Herr kommt.� Die Stimme des Myrddraal rasselte wie die zerbr�ckelnde, trockene Haut einer Schlange. �Auf die B�uche, ihr W�rmer! Kriecht, damit sein Strahlen euch nicht blendet und verbrennt!�</p><p>Zorn erf�llte den Mann, der sich Bors nannte, sowohl des Tonfalls wie auch der Worte wegen, aber dann begann die Luft �ber dem Halbmenschen zu flimmern, und die Bedeutung seiner Worte kam ihm zu Bewu�tsein. <emphasis>Das kann nicht sein! Das kann nicht... !</emphasis> Die Trollocs lagen schon auf dem Bauch und wanden sich, als wollten sie sich in den Boden hineinbohren.</p><p>Ohne darauf zu warten, da� sich die anderen bewegten, lie� sich der Mann, der sich Bors nannte, b�uchlings zu Boden fallen. Er �chzte, als er hart auf dem Stein aufschlug. Worte drangen ihm �ber die Lippen, die ihn gegen Gefahr sch�tzen sollten � sie wirkten wie ein Amulett, waren aber nur ein d�rftiger Schutz gegen das, was er f�rchtete �, und er h�rte hundert andere Stimmen, die angsterf�llt die gleichen Worte in den Boden hinein murmelten.</p><p>�Der Gro�e Herr der Dunkelheit ist mein Meister und ich diene ihm von ganzem Herzen bis zum letzten Winkel meiner Seele.� In seinem Hinterkopf zeterte eine angsterf�llte Stimme. <emphasis>Der Dunkle K�nig und alle Verlorenen sind gefangen...</emphasis> Zitternd zwang er sich zur Ruhe. Diese Stimme hatte er doch schon lange hinter sich gelassen! �H�ret: Mein Meister ist der Herr �ber den Tod. Ich flehe um nichts und diene ihm, damit der Tag seiner R�ckkehr nahe, und doch diene ich in der sicheren Hoffnung auf das ewige Leben.� <emphasis>... gefangen in Shayol Ghul, gefangen vom Sch�pfer im Augenblick der Sch�pfung. Nein, ich diene jetzt einem anderen Herrn.</emphasis> �Und gewi� werden die Getreuen im Land erhoben werden, erhoben �ber die Ungl�ubigen, erhoben �ber Throne, doch diene ich dem�tig, um den Tag seiner Wiederkehr vorzubereiten.� <emphasis>Die Hand des Sch�pfers sch�tzt uns alle, und das Licht besch�tzt uns vor dem Schatten. Nein, nein! Ein anderer Herr.</emphasis> �Schnell m�ge der Tag der Wiederkehr herbeikommen. Schnell m�ge der Gro�e Herr der Dunkelheit kommen, um uns zu f�hren und die Welt f�r immer und ewig zu regieren.�</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, beendete die Litanei schwer atmend, als sei er zehn Meilen weit gerannt. Das rasselnde Atmen um ihn herum sagte ihm, da� er nicht der einzige war.</p><p>�Erhebt euch! Erhebt euch alle!�</p><p>Die einschmeichelnde Stimme �berraschte ihn. Sicher hatte doch keiner der anderen gesprochen, die auf dem Bauch lagen und ihre maskierten Gesichter gegen die Mosaikplatten gepre�t hielten, aber dies war nicht die Art von Stimme, die er von... erwartete. Vorsichtig hob er den Kopf gerade weit genug, um mit einem Auge nach oben schielen zu k�nnen.</p><p>Die Gestalt eines Mannes schwebte �ber dem Myrddraal in der Luft. Der Saum seines blutroten Gewandes hing nur eine Spanne �ber dem Kopf des Halbmenschen. Er trug auch eine blutrote Maske. W�rde ihnen der Gro�e Herr der Dunkelheit als Mensch erscheinen? Und auch noch maskiert? Und doch lag Angst im Blick des Myrddraal. Er zitterte und duckte sich fast in den Schatten der Gestalt. Der Mann, der sich Bors nannte, suchte verzweifelt nach einer Antwort, die sein Verstand erfassen konnte, ohne zu bersten. Vielleicht einer der Verlorenen?</p><p>Dieser Gedanke schmerzte nur unwesentlich weniger. Selbst in dem Fall bedeutete es, da� der Tag der Wiederkehr des Dunklen K�nigs bevorstehen mu�te, wenn schon einer der Verlorenen frei war. Die Verlorenen, dreizehn der m�chtigsten Magier der Einen Macht in einem Zeitalter, in dem viele die Eine Macht in hohem Ma�e lenken konnten, waren zusammen mit dem Dunklen K�nig in Shayol Ghul eingeschlossen worden, von der Welt der Menschen durch die Siegel des Drachen und der Hundert Gef�hrten abgeriegelt. Und der R�ckschlag dieser Versiegelung hatte die m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle verdorben und alle die m�nnlichen Aes Sedai, diese verfluchten Magier der Macht, waren wahnsinnig geworden und zerst�rten die Welt, zerrissen sie wie eine Tonschale, die man auf einen Stein schmettert, und beendeten das Zeitalter der Legenden, bevor sie starben; verwesten, w�hrend sie noch am Leben waren. Ein passender Tod f�r Aes Sedai, seiner Meinung nach. Sogar noch zu gut f�r sie. Er bedauerte nur, da� die Frauen verschont geblieben waren.</p><p>Langsam und schmerzerf�llt dr�ngte er die Panik in den hintersten Winkel seines Verstands zur�ck, sperrte sie dort ein und hielt sie fest, obwohl sie danach schrie, wieder herausgelassen zu werden. Er gab sein Bestes. Keiner der anderen, die dort auf ihren B�uchen lagen, hatte sich erhoben, und nur wenige hatten es gewagt, den Kopf zu heben.</p><p>�Erhebt euch!� Diesmal klang die Stimme der rot maskierten Gestalt sch�rfer. Er gestikulierte mit beiden H�nden. �Steht auf!�</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, m�hte sich ungeschickt auf die Beine, und auf halbem Weg z�gerte er. Diese gestikulierenden H�nde waren schrecklich verbrannt, von schwarzen Rissen bedeckt. Das rohe Fleisch dazwischen war so rot wie das Gewand der Gestalt. <emphasis>W�rde der Dunkle K�nig so erscheinen? Oder auch nur einer der Verlorenen?</emphasis> Die Augenl�cher dieser blutroten Maske schwenkten langsam auf ihn zu, und er richtete sich hastig auf. Er glaubte, in diesem Blick die Hitze eines offenen Schmelzofens zu sp�ren.</p><p>Die anderen befolgten den Befehl genauso ungeschickt und nicht weniger angsterf�llt. Sie erhoben sich. Als alle standen, sprach die schwebende Figur: �Ich bin unter vielen Namen bekannt, doch derjenige, unter dem ihr mich kennen sollt, lautet Ba'alzamon.�</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, bi� sich auf die Z�hne, damit sie nicht klapperten. Ba'alzamon. In der Trolloc-Sprache bedeutete das �Herz der Dunkelheit�, und selbst die Ungl�ubigen wu�ten, da� dies der Trolloc-Name f�r den Gro�en Herrn der Dunkelheit war. Er, Dessen Name Nicht Ausgesprochen Werden Darf. Nicht der wirkliche Name, Shai'tan, aber trotzdem verboten. Unter den hier Versammelten und anderen ihrer Art galt es als Blasphemie, einen der beiden Namen mit menschlicher Zunge zu �u�ern. Sein Atem pfiff durch die Nasenl�cher, und um sich herum h�rte er, wie andere hinter ihren Masken schwer atmeten. Die Diener waren weg, genau wie die Trollocs, obwohl er nicht gesehen hatte, wie sie sich entfernt hatten.</p><p>�Der Ort, an dem ihr steht, liegt im Schatten von Shayol Ghul.� Zahlreiche Stimmen st�hnten auf. Der Mann, der sich Bors nannte, war sich nicht sicher, ob seine eigene Stimme darunter war. Ein Hauch von etwas, das man durchaus als Spott bezeichnen konnte, war in Ba'alzamons Stimme zu sp�ren, als er die Arme ausbreitete: ��ngstigt euch nicht, denn der Tag, an dem euer Herr sich wieder in die Welt begeben wird, ist nahe. Der Tag der R�ckkehr naht. Seht ihr es nicht schon daran, da� ich hier bin, um von euch wenigen bevorzugten Br�dern und Schwestern gesehen zu werden? Bald wird das Rad der Zeit zerbrochen. Bald wird die Gro�e Schlange sterben, und mit der Macht, die mir dieser Tod verleiht, der Tod der Zeit selbst, wird euer Herr die Welt nach seinem Bilde wiedererschaffen � f�r dieses Zeitalter und alle kommenden. Und diejenigen, die mir treu und standhaft dienen, werden mir zu F��en �ber den Sternen im Himmel sitzen und die Welt der Menschen f�r immer regieren. Das habe ich versprochen, und so soll es sein und nie mehr enden. Ihr sollt f�r immer leben und herrschen.�</p><p>Ein erwartungsvolles Gemurmel erhob sich unter den Zuh�rern, und manche traten sogar einen Schritt vor, auf die schwebende, blutrote Gestalt zu, und sie erhoben gebannt die Augen zu ihm. Sogar der Mann, der sich Bors nannte, f�hlte die Verlockung in diesem Versprechen, f�r das er hundertmal schon seine Seele verkauft hatte.</p><p>�Der Tag der Wiederkehr r�ckt n�her�, sagte Ba'alzamon. �Aber es gibt noch viel zu tun. Viel zu tun.�</p><p>Die Luft an Ba'alzamons linker Seite flimmerte und verdichtete sich. Die Gestalt eines jungen Mannes schwebte dort � ein wenig niedriger als Ba'alzamon. Der Mann, der sich Bors nannte, konnte sich nicht entscheiden, ob es ein lebender Mensch war oder nicht. Ein Bauernjunge, nach seiner Kleidung zu schlie�en, in dessen braunen Augen der Schalk blitzte und der die Andeutung eines L�chelns auf den Lippen trug, als erinnere er sich an einen alten Streich oder freue sich auf einen neuen. Die Haut wirkte warm, aber der Brustkorb hob sich nicht beim Atmen, und die Augenlider bewegten sich nicht.</p><p>Nun flimmerte die Luft zu Ba'alzamons Rechten wie vor Hitze, und eine zweite l�ndlich bekleidete Gestalt hing ein wenig unterhalb von Ba'alzamon in der Luft. Ein wollk�pfiger J�ngling mit Muskeln wie ein Hufschmied. Und etwas Eigenartiges: An seiner Seite hing eine Streitaxt, ein gro�er, st�hlerner Halbmond an einem dicken Schaft. Der Mann, der sich Bors nannte, beugte sich pl�tzlich vor, da ihm etwas noch Eigenartigeres aufgefallen war. Ein J�ngling mit gelben Augen.</p><p>Zum dritten Mal verfestigte sich die Luft zur Gestalt eines jungen Mannes, diesmal direkt unter Ba'alzamon, beinahe auf seinen F��en. Ein hochgewachsener Bursche mit Augen, die einmal grau und dann wieder blau schienen � je nach Lichteinfall �, und dunklem, r�tlichem Haar. Wieder ein Dorfjunge oder Bauer. Der Mann, der sich Bors nannte, schnappte nach Luft. Und wieder hatte er etwas Au�ergew�hnliches entdeckt, obwohl er sich fragte, wieso es an diesen Jungen Au�ergew�hnliches zu entdecken gab. Ein Schwert hing am G�rtel dieser Gestalt, ein Schwert, das auf der Scheide einen Bronzereiher trug und einen weiteren am langen Knauf. <emphasis>Ein Dorfjunge mit einem Reiherschwert? Unm�glich! Was hat das zu bedeuten? Und ein Junge mit gelben Augen.</emphasis> Er bemerkte, wie der Myrddraal zitternd die Gestalten anblickte, und falls er sich nicht t�uschte, zitterte er nicht vor Furcht, sondern vor Ha�.</p><p>Totenstille hatte sich ausgebreitet, Stille, die Ba'alzamon eine Weile wirken lie�, bevor er weitersprach. �Es gibt einen, der nun auf der Welt wandelt, einen, der war einmal und wird es wieder sein, aber er ist es noch nicht: der Drache.�</p><p>Ein �berraschtes Gemurmel breitete sich unter den Zuh�rern aus. �Der Wiedergeborene Drache! Wir sollen ihn t�ten, Gro�er Herr?� Das kam von dem Schienarer, dessen Hand eifrig an die H�fte griff, wo vermutlich sein Schwert hing.</p><p>�Vielleicht�, sagte Ba'alzamon einfach. �Und vielleicht auch nicht. Vielleicht kann er mir n�tzlich sein. Fr�her oder sp�ter wird er mir dienen, in diesem Zeitalter oder in einem anderen.�</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, blinzelte. <emphasis>In diesem Zeitalter oder in einem anderen? Ich dachte, der Tag der R�ckkehr sei nah. Was interessiert es mich, was in einem anderen Zeitalter geschieht, wenn ich in diesem alt werde und wartend sterbe?</emphasis> Aber Ba'alzamon fuhr fort: �Es ergibt sich bereits ein Knick im Muster an einem der vielen Punkte, wo derjenige, der der Drache sein wird, zu meinem Diener werden kann. Werden mu�! Besser, wenn er mir lebend dient als tot, aber tot oder lebendig, er mu� und wird mir dienen! Diese drei m��t ihr erkennen, denn jeder ist ein Faden in dem Muster, das ich weben werde, und es wird an euch sein, daf�r zu sorgen, da� sie so eingesetzt werden, wie ich es befehle. Betrachtet sie genau, damit ihr sie erkennt.�</p><p>Pl�tzlich war jeder Laut erstorben. Der Mann, der sich Bors nannte, trat nerv�s von einem Bein auf das andere, und er beobachtete, wie andere dasselbe taten. Alle au�er der Frau aus Illian, stellte er fest. Sie hatte die H�nde vor dem Busen ausgebreitet, als wolle sie das viele wohlgerundete Fleisch, das sie zur Schau stellte, verbergen; ihre Augen waren geweitet, halb ver�ngstigt und halb verz�ckt, und sie nickte eifrig, als nicke sie jemandem zu, der ihr gegen�berstand. Manchmal schien es, als antworte sie, aber der Mann, der sich Bors nannte, h�rte kein Wort. Pl�tzlich beugte sie sich nach hinten, wobei sie bebte und sich auf die Zehenspitzen erhob. Er konnte nicht erkennen, warum sie nicht fiel, es sei denn, irgend etwas Unsichtbares h�tte sie gehalten. Dann fiel sie genauso pl�tzlich wieder auf die F��e und nickte erneut. Sie verbeugte sich zitternd. W�hrend sie sich noch aufrichtete, zuckte eine der Frauen mit dem Ring der Gro�en Schlange zusammen und begann zu nicken.</p><p><emphasis>Also h�rt jeder von uns seine eigenen Instruktionen, aber keiner kann die der anderen h�ren.</emphasis> Der Mann, der sich Bors nannte, knurrte mi�mutig vor sich hin. Wenn er nur w��te, welche Auftr�ge auch nur einer der anderen erhielt, k�nnte er das zum eigenen Vorteil nutzen, aber so... Ungeduldig wartete er darauf, da� er selbst drankam, und verga� sich sogar soweit, da� er sich gerade aufrichtete.</p><p>Einer nach dem anderen aus der Versammlung erhielt seine Befehle. Jeder war dabei in Schweigen geh�llt, lieferte durch seine Bewegungen aber doch qu�lend ungewisse Andeutungen. Wenn er sie nur h�tte deuten k�nnen! Der Mann aus dem Volk der Atha'an Miere, dem Meervolk, versteifte sich widerstrebend, auch wenn er nickte. An der Haltung des Schienarers erkannte man seine Verwirrung, obwohl er offensichtlich zustimmte. Die zweite Frau aus Tar Valon zuckte erschrocken zusammen, und die in Grau geh�llte Person, deren Geschlecht er nicht bestimmen konnte, sch�ttelte zun�chst den Kopf, bevor sie auf die Knie fiel und lebhaft nickte. Einige zeigten die gleichen krampfartigen Symptome wie die Illianerin, als reiche allein der Schmerz, sie auf die Zehenspitzen zu heben. �Bors!�</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, zuckte zusammen, als eine rote Maske sein Gesichtsfeld ausf�llte. Er konnte den Saal immer noch sehen und auch die schwebende Gestalt Ba'alzamons und die drei anderen Gestalten davor, aber gleichzeitig war alles, was er wahrnehmen konnte, das rotmaskierte Gesicht. Ihm war schwindelig, und er f�hlte sich, als zerplatze sein Sch�del und als w�rden ihm die Augen aus dem Kopf getrieben. Einen Augenblick lang glaubte er, durch die Augenl�cher der Maske hindurch Flammen zu sehen.</p><p>�Bist du mir treu... Bors?�</p><p>Die Andeutung von Spott bei der Erw�hnung seines Namens jagte ihm einen kalten Schauder �ber den R�cken. �Ich bin treu, Gro�er Herr. Ich k�nnte es nicht vor Euch verbergen.� <emphasis>Ich bin treu! Ich schw�re es!</emphasis></p><p>�Nein, das kannst du nicht.�</p><p>Die Gewi�heit in Ba'alzamons Stimme lie� seinen Mund austrocknen, aber er zwang sich zum Sprechen: �Befehlt mir, Gro�er Herr, und ich gehorche.�</p><p>�Zun�chst sollst du nach Tarabon zur�ckkehren und deine <emphasis>guten</emphasis> Werke fortsetzen. Ich befehle dir sogar, deine Anstrengungen zu verdoppeln.�</p><p>Er sah Ba'alzamon verbl�fft an, doch dann flammten hinter der Maske wieder Feuer auf, und er gebrauchte eine Verbeugung als Vorwand, um wegzusehen. �Wie Ihr befehlt, Gro�er Herr, so soll es geschehen.�</p><p>�Zweitens wirst du nach den drei jungen M�nnern Ausschau halten und auch deine Anh�nger nach ihnen suchen lassen. Sei gewarnt; sie sind gef�hrlich.�</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, blickte zu den vor Ba'alzamon schwebenden Gestalten hin�ber. <emphasis>Wie kann ich das tun? Ich kann sie sehen, aber ich kann nichts anderes wahrnehmen als</emphasis> sein <emphasis>Gesicht.</emphasis> Sein Kopf drohte zu bersten. Schwei� machte seine H�nde unter den d�nnen Handschuhen schl�pfrig, und das Hemd klebte an seinem R�cken. �Gef�hrlich, Gro�er Herr? Bauernjungen? Ist einer von ihnen der... �</p><p>�Ein Schwert ist gef�hrlich f�r den, der davor steht, aber nicht f�r denjenigen, der den Griff h�lt. Es sei denn, der Mann, der das Schwert h�lt, ist ein Narr oder unvorsichtig oder unge�bt. In diesem Fall ist es f�r ihn doppelt so gef�hrlich wie f�r jeden anderen. Es gen�gt, da� ich dir befohlen habe, nach ihnen Ausschau zu halten. Es gen�gt, wenn du mir einfach gehorchst.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Gro�er Herr, so soll es geschehen.�</p><p>�Der dritte Punkt betrifft diejenigen, die auf der Toman-Halbinsel gelandet sind, und die Domani. Du wirst mit niemandem dar�ber sprechen. Wenn du nach Tarabon zur�ckkehrst... �</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, merkte beim Zuh�ren, da� sein Mund aufklaffte. Die Anweisungen ergaben keinen Sinn. <emphasis>Wenn ich w��te, was er zu ein paar der anderen gesagt hat, k�nnte ich mir vielleicht einen Reim draus machen.</emphasis></p><p>Mit einemmal f�hlte er, wie sein Kopf von der Hand eines Riesen gepackt zu werden schien, der seine Schl�fen fast eindr�ckte. Er wurde hochgehoben, und die Welt explodierte in tausend Feuerwerksraketen. Jeder Lichtblitz wurde zu einem Bild, das ihm durch den Kopf scho� oder wirbelte und in der Entfernung kleiner wurde, bevor er es auch nur halbwegs begreifen konnte. Ein unm�glicher Himmel mit roten und gelben und schwarzen Streifenwolken, die �ber den Himmel rasten, als w�rden sie von dem st�rksten Sturm getrieben, den die Welt je erlebt hatte. Eine wei�gekleidete Frau � ein M�dchen? �schwamm in die Schw�rze hinein und verschwand, kaum da� sie aufgetaucht war. Eine Rabe blickte ihm in die Augen, <emphasis>erkannte ihn</emphasis> und war weg. Ein ger�steter Mann mit einem brutalen Helm, geformt und bemalt und vergoldet wie ein unheimliches, giftiges Insekt, hob sein Schwert und st�rzte sich nach einer Seite aus seinem Gesichtsfeld hinaus. Ein Horn, gekr�mmt und golden, flog aus weiter Entfernung heran. Ein durchdringender Ton erklang, als es auf ihn zuflog. Der Ton ri� an seiner Seele. Im letzten Moment blitzte es auf und wurde zu einem blendendgoldenen Lichtring, der durch ihn hindurchglitt und ihn in Todesk�lte erschauern lie�. Ein Wolf sprang aus dem Schatten des Nicht-Sichtbaren und bi� ihm die Kehle durch. Er konnte nicht schreien. Der Strom flo� weiter, ertr�nkte ihn, begrub ihn. Er konnte sich kaum noch daran erinnern, wer er war oder was er war. Aus dem Himmel regnete es Feuer, und der Mond und die Sterne st�rzten herab; Blut rann in den Flu�betten, und die Toten standen auf; die Erde �ffnete sich und spie geschmolzenen Fels aus...</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, fand sich in geb�ckter Haltung im Saal wieder. Die meisten anderen beobachteten ihn schweigend. Wo immer er auch hinsah, nach oben oder nach unten oder sonstwohin, �berall �berw�ltigte ihn der Anblick von Ba'alzamons maskiertem Gesicht. Die Bilder, die seinen Geist �berflutet hatten, verschwammen langsam; er war sicher, da� er vieles bereits vergessen hatte. Z�gernd richtete er sich auf. Ba'alzamon befand sich unver�ndert genau vor ihm. �Gro�er Herr, was...?�</p><p>�Es gibt Befehle, die zu wichtig sind, so da� selbst der, der sie ausf�hrt, nichts davon wissen soll.�</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, verbeugte sich beinahe doppelt so tief wie zuvor. �Wie Ihr befehlt, Gro�er Herr�, fl�sterte er heiser, �so soll es geschehen.�</p><p>Als er sich erneut aufrichtete, befand er sich wieder allein in der Stille. Ein anderer, der Hohe Herr aus Tear, nickte nun und verbeugte sich vor jemandem, den niemand sonst sah. Der Mann, der sich Bors nannte, fa�te sich mit zittriger Hand an die Stirn und versuchte, etwas festzuhalten, das ihm durch den Kopf geschossen war, obwohl er sich nicht einmal ganz sicher war, da� er sich daran erinnern wollte. Der letzte Rest verflog, und pl�tzlich fragte er sich, woran er sich eigentlich erinnern wollte. <emphasis>Ich wei�, da war etwas, aber was? Es war irgend etwas! Oder?</emphasis> Er rieb sich die H�nde, verzog das Gesicht, als er den Schwei� unter seinen Handschuhen f�hlte, und wandte seine Aufmerksamkeit den drei Gestalten zu, die vor Ba'alzamons schwebendem K�rper in der Luft hingen.</p><p>Der muskul�se Junge mit den lockigen Haaren, der Bauer mit dem Schwert und der Bursche, dem der Schalk aus den Augen lugte. Im Geist hatte der Mann, der sich Bors nannte, den dreien bereits Namen verliehen: Hufschmied, Schwertk�mpfer und Schwindler. <emphasis>Wo stehen sie in diesem R�tsel?</emphasis> Sie mu�ten wichtig sein, sonst h�tte Ba'alzamon sie nicht in den Mittelpunkt dieser Versammlung gestellt. Doch nach seinen Befehlen allein zu schlie�en, konnten sie alle jederzeit sterben, und er nahm an, da� zumindest einige der anderen ebenso t�dliche Befehle in bezug auf die drei erhalten hatten. <emphasis>Wie wichtig sind sie?</emphasis> Blaue Augen konnten bedeuten, da� man dem Adel von Andor angeh�rte � bei dieser Kleidung allerdings unwahrscheinlich �, und es gab Leute aus den Grenzlanden, die helle Augen hatten, genau wie einige Tareni, nicht zu vergessen ein paar aus Ghealdan, und nat�rlich... Nein, das half alles nichts. Aber <emphasis>gelbe</emphasis> Augen? <emphasis>Wer</emphasis> sind <emphasis>sie? Was</emphasis> sind <emphasis>sie?</emphasis></p><p>Er fuhr zusammen, als jemand seinen Arm ber�hrte. Als er sich umblickte, sah er, da� einer der wei�gekleideten Diener, ein junger Mann, an seiner Seite stand. Auch die anderen waren wieder da, mehr sogar als zuvor � einer f�r jeden der Maskierten. Er blinzelte. Ba'alzamon war verschwunden. Auch der Myrddraal war weg, und wo sich die T�r befunden hatte, war jetzt nur blanker Felsen zu sehen. Aber die drei Gestalten hingen immer noch dort. Er hatte das Gef�hl, sie starrten ihn an.</p><p>�Wenn es Euch recht ist, Lord Bors, zeige ich Euch Euer Zimmer.�</p><p>Er mied diese toten Augen, blickte noch mal zu den drei Gestalten hin und folgte ihm dann. Unsicher fragte er sich, woher der J�ngling gewu�t hatte, welchen Namen er ben�tzen mu�te. Erst als sich die mit fremdartigen Schnitzereien bedeckte T�r hinter ihm geschlossen hatte und sie ein Dutzend Schritte weit gegangen waren, fiel ihm auf, da� er sich mit dem Diener allein im Korridor befand. Seine Augenbrauen zogen sich hinter der Maske mi�trauisch zusammen, doch bevor er ein Wort herausbekam, sagte der Diener: �Auch die anderen werden jetzt in ihre Zimmer gef�hrt, Lord Bors. W�rdet Ihr mir bitte folgen? Die Zeit ist knapp, und unser Herr ist ungeduldig.�</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, knirschte mit den Z�hnen, zum einen wegen des Mangels an Aufkl�rung und zum anderen, weil der Diener zu ihm wie zu einem Gleichgestellten gesprochen hatte, doch er folgte ihm schweigend. Nur ein Narr lie� seine Laune an einem Diener aus, und was noch schlimmer war: Wenn er sich an die toten Augen des Burschen erinnerte, war er nicht sicher, ob es �berhaupt etwas bewirken w�rde. <emphasis>Und woher wu�te er, was ich zu fragen beabsichtigte?</emphasis> Der Diener l�chelte.</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, f�hlte sich nicht besonders wohl, bis er wieder in dem Zimmer war, in dem er nach seiner Ankunft gewartet hatte, doch auch dort war es nicht wesentlich besser. Es half auch nicht viel, da� er die Siegel an seinen Satteltaschen unversehrt vorfand. Der Diener stand im Eingang, kam aber nicht herein. �Ihr k�nnt Euch jetzt umziehen und wieder Eure eigene Kleidung tragen, wenn Ihr w�nscht, Lord Bors. Niemand kann Euch beobachten, wenn Ihr abreist oder wenn Ihr an Eurem Ziel ankommt, aber es ist am besten, wenn Ihr korrekt angezogen ankommt. Es kommt bald jemand, um Euch den Weg zu zeigen.�</p><p>Ohne von einer sichtbaren Hand ber�hrt zu werden, schlo� sich die T�r.</p><p>Der Mann, der sich Bors nannte, schauderte gegen seinen Willen. Hastig �ffnete er die Siegel und Schnallen seiner Satteltaschen und zog seinen Umhang heraus. Im Hinterkopf fragte ihn eine leise Stimme, ob die versprochene Macht und selbst die Unsterblichkeit ein weiteres Treffen wie dieses wert seien, aber er �bert�nte die Stimme schnell mit einem Lachen. <emphasis>F�r soviel Macht w�rde ich dem Gro�en Herrn der Dunkelheit auch unter der Kuppel der Wahrheit noch huldigen.</emphasis> Er erinnerte sich an die Befehle, die ihm Ba'alzamon mitgegeben hatte, und seine Finger glitten �ber die strahlende goldene Sonne auf der Brust seines wei�en Umhangs und den roten Hirtenstab hinter der Sonne, die Zeichen seines Amtes in der Welt der Menschen, und beinahe h�tte er gelacht. Es gab Arbeit, wichtige Arbeit, in Tarabon und auf der Ebene von Almoth.</p></section><section><title><p>1</p><p>Die Flamme von Tar Valon</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, und die Zeitalter kommen und gehen, hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden, verblassen zu blo�en Mythen und sind l�ngst vergessen, wenn dieses Zeitalter wiederkehrt. In einem Zeitalter, von einigen das Dritte genannt, einem Zeitalter, das noch kommen wird und das schon lange vorbei ist, erhob sich ein Wind in den Bergen des Verderbens. Der Wind stand nicht am Anfang. Es gibt weder Anfang noch Ende, wenn sich das Rad der Zeit dreht. Aber es war ein Beginn.</p><p>Er wurde zwischen schwarzen, messerscharfen Felsgipfeln geboren, wo der Tod durch die P�sse wanderte und sich doch vor noch gef�hrlicheren Dingen verbarg. Von dort wehte der Wind nach S�den �ber den verworrenen Wald der Gro�en F�ule, einen Wald, der von der Ber�hrung des Dunklen K�nigs vergiftet und verzerrt worden war. Der krankhafts��liche Gestank nach F�ulnis verflog, als der Wind die unsichtbare Linie �berquerte, die von den Menschen die Grenze nach Schienar genannt wurde, wo die B�ume voller Fr�hlingsbl�ten hingen. Es h�tte eigentlich schon Sommer sein sollen, aber der Fr�hling war sp�t eingekehrt, und das Land bl�hte im �berma�, um aufzuholen. Auf jedem Busch raschelte neues, gr�nes Laub, und an jedem Ast der vielen B�ume zeigte sich frisch sprie�endes Rot. Der Wind schlug Wellen in der aufgehenden Saat auf den Feldern wie auf tosenden Gew�ssern. Die Saat wuchs so schnell, da� man es fast mit blo�em Auge beobachten konnte.</p><p>Der Geruch nach Tod war schon lange abgeklungen, als der Wind die von Mauern gesch�tzte Stadt Fal Dara auf ihren H�geln erreichte und den Turm der Festung im Mittelpunkt der Stadt peitschte, einen Turm, auf dem zwei M�nner zu tanzen schienen. Von festen Mauern umgeben, waren sowohl die Stadt als auch die Festung von Fal Dara nie eingenommen, nie verraten worden. Der Wind seufzte �ber D�cher aus Holzschindeln, um hohe steinerne Schornsteine und gr��ere Wacht�rme; seufzte sein klagendes Lied.</p><p>Mit nacktem Oberk�rper zitterte Rand al'Thor unter der kalten Liebkosung des Windes, und seine Finger verkrampften sich um den langen Knauf des �bungsschwertes, das er in der Hand hielt. Die hei�e Sonne hatte den Schwei� �ber seine Brust rinnen lassen, und das r�tliche, dunkle Haar klebte ihm am Kopf. Ein schwacher Geruch in der um ihn herum wirbelnden Luft bi� ihm in die Nase, doch er verband den Geruch nicht mit dem Bild eines alten Grabes, das man gerade frisch ge�ffnet hatte, obwohl ihm das f�r einen Moment durch den Kopf ging. Er war sich des Geruchs und des Bildes kaum bewu�t, da er sich bem�hte, seinen Geist zu leeren und das Nichts heraufzubeschw�ren. Doch der andere Mann, der mit ihm auf der Plattform des Turms stand, st�rte ihn auch st�ndig in seinem Bem�hen. Zehn Schritte breit war diese Fl�che auf dem Turm und umgeben von einer brusthohen Zinnenmauer. Wirklich gro� genug, um sich nicht beengt zu f�hlen, au�er wenn man diese Fl�che mit einem Beh�ter teilen mu�te.</p><p>So jung er war, �berragte Rand doch die meisten anderen M�nner. Lan aber war genauso gro� wie er und hatte st�rkere Muskelpakete, auch wenn seine Schultern nicht ganz so breit waren. Ein schmales, geflochtenes Lederband hielt das lange Haar des Beh�ters aus seinem Gesicht, einem Gesicht, das aus steinigen Fl�chen und harten Winkeln zu bestehen schien und das keine Falten aufwies, trotz der leicht grau gef�rbten Schl�fen. Trotz Hitze und Anstrengung gl�nzte nur eine d�nne Schwei�schicht auf seiner Brust und den Armen. Rand sah Lan in die eisig blauen Augen und suchte nach einem kleinen Hinweis darauf, was der andere Mann vorhatte. Der Beh�ter schien nicht einmal die Augenlider zu bewegen, und das �bungsschwert in seinen H�nden bewegte sich geschmeidig und sicher, w�hrend er sich von einer Stellung in die andere begab.</p><p>Das �bungsschwert hatte statt einer Klinge ein B�ndel d�nner, lose befestigter St�be, die ein lautes Ger�usch von sich gaben, wenn sie auf etwas auftrafen, und die eine Schwellung zur�cklie�en, wo sie auf Fleisch geklatscht waren. Rand wu�te das nur zu gut. Drei d�nne, rote Striemen zogen sich bei�end �ber seine Rippen, und ein weiterer brannte an seiner Schulter. Er hatte es nur mit M�he vermeiden k�nnen, sich noch mehr solcher Verzierungen zuzuziehen. Bei Lan zeigte sich keine Spur irgendeines Striemens.</p><p>Wie er es gelernt hatte, formte Rand eine einzelne Flamme in seinem Geist und konzentrierte sich darauf, versuchte, alle Gef�hle und alle Leidenschaft hineinzuf�llen und in seinem Inneren einen leeren Raum, ein Nichts zu erzeugen. Selbst jeder Gedanke sollte verbannt werden. Die Leere entstand. Wie nur zu oft in letzter Zeit war es keine perfekte Leere; die Flamme zeigte sich immer noch, oder zumindest schickte irgendein Lichtschimmer Wellen durch die Finsternis. Aber es reichte gerade so. Der k�hle Friede des Nichts breitete sich �ber ihn aus, und er wurde eins mit dem �bungsschwert, mit den glatten Steinplatten unter seinen Stiefeln, selbst mit Lan. Alles war eins, und er bewegte sich, ohne nachzudenken, in einem Rhythmus, der Schritt f�r Schritt und Bewegung auf Bewegung den Beh�ter kopierte.</p><p>Der Wind erhob sich wieder und trug Glockengel�ut von der Stadt herauf. <emphasis>Irgend jemand feiert immer noch, da� der Fr�hling endlich da ist.</emphasis> Der von au�en einstr�mende Gedanke flatterte auf Lichtwellen durch das Nichts, st�rte die Leere, und als k�nne der Beh�ter Rands Gedanken lesen, wirbelte das �bungsschwert in Lans Hand auf Rand zu.</p><p>Eine lange Minute �ber erf�llte das schnelle <emphasis>Klack-Klack-Klack</emphasis> der geb�ndelten St�be die Plattform auf dem Turm. Rand versuchte erst gar nicht, den anderen anzugreifen; er hatte alle H�nde voll damit zu tun, die Streiche des Beh�ters abzufangen. Damit besch�ftigt, Lans Streiche im letzten Moment abzuwehren, lie� er sich zur�ckdr�ngen. Lans Gesichtsausdruck �nderte sich nie. Das �bungsschwert schien in seinen H�nden zum Leben zu erwachen. Pl�tzlich verwandelte sich der weit schwingende Hieb des Beh�ters mitten in der Bewegung und wurde zu einem Sto�. �berrascht trat Rand zur�ck, wobei er sich schon bei dem Gedanken an den Schlag duckte, der ihn nun treffen w�rde. Diesmal konnte er ihn nicht mehr abhalten.</p><p>Der Wind heulte �ber den Turm... und schnappte zu. Es war, als sei die Luft pl�tzlich z�hfl�ssig geworden. Sie hielt ihn wie in einem Kokon fest. Schob ihn nach vorn. Die Zeit und alle Bewegungen verlangsamten sich. Erschrocken beobachtete er, wie Lans �bungsschwert auf seine Brust zutrieb. Der Aufschlag hatte nichts Langsames oder Sanftes an sich. Seine Rippen wurden wie durch einen Hammerschlag ersch�ttert. Er keuchte, aber der Wind lie� es nicht zu, da� er nachgab; statt dessen trieb er ihn vorw�rts. Die St�be von Lans �bungsschwert bebten und bogen sich � ganz langsam, wie es Rand erschien �, und zerbrachen dann. Die scharfen, abgebrochenen Spitzen stie�en auf sein Herz zu; unregelm��ige Splitter durchbohrten seine Haut. Schmerz durchfuhr seinen K�rper. Seine ganze Haut schien aufgeschlitzt zu sein. Er brannte, als sei die Sonne aufgeflammt, um ihn wie ein St�ck Speck in der Pfanne zu braten.</p><p>Mit einem Aufschrei warf er sich zur�ck und stolperte nach hinten gegen die Steinmauer. Mit zitternder Hand ber�hrte er die Schnittwunden auf seiner Brust und hielt sich die blutigen Finger ungl�ubig vor die grauen Augen.</p><p>�Und was war das f�r eine Art von Parade, Schafhirte?� schimpfte Lan. �Du solltest es eigentlich jetzt besser k�nnen, es sei denn, du hast alles vergessen, was ich dir beizubringen versucht habe. Wie schlimm bist du...?� Er brach ab, als Rand zu ihm aufblickte.</p><p>�Der Wind.� Rands Mund war ausgetrocknet. �Er... er hat mich vorgeschoben! Er... Er war fest wie eine Wand!�</p><p>Der Beh�ter blickte ihn schweigend an und streckte dann die Hand zu ihm aus. Rand nahm sie und lie� sich auf die Beine ziehen.</p><p>�Seltsame Dinge geschehen manchmal so nahe an der F�ule�, sagte Lan schlie�lich, doch so gleichm�tig die Worte auch klangen, so besorgt war doch sein Unterton. Und das allein war schon seltsam genug. Beh�ter, diese halb legend�ren K�mpfer, die den Aes Sedai dienten, zeigten nur selten Gef�hle, und bei Lan geschah das noch seltener, als bei einem Beh�ter �blich. Er warf das abgebrochene �bungsschwert beiseite und lehnte sich an die Wand, wo ihre richtigen Schwerter lagen, damit sie ihnen beim �ben nicht im Weg waren.</p><p>�Das hatte nichts damit zu tun�, protestierte Rand. Er setzte sich neben den anderen Mann und lehnte sich mit dem R�cken an den Stein. So lag die Oberkante der Mauer �ber Kopfh�he und sch�tzte ihn ein wenig vor dem Wind. Falls es �berhaupt ein Wind war. Kein Wind hatte sich je so... fest... angef�hlt wie dieser. �Friede! Vielleicht noch nicht einmal <emphasis>in</emphasis> der F�ule.�</p><p>�F�r jemanden wie dich... � Lan zuckte die Achseln, als erkl�re das alles. �Wie lange noch, bis du aufbrichst, Schafhirte? Es ist einen Monat her, seit du gesagt hast, da� du gehen wirst, und ich glaubte, mittlerweile m��test du schon drei Wochen lang unterwegs sein.�</p><p>Rand blickte �berrascht zu ihm auf. <emphasis>Er verh�lt sich, als sei nichts geschehen!</emphasis> Mit finsterer Miene legte er das �bungsschwert hin und nahm sein richtiges Schwert auf die Knie. Seine Finger glitten an dem langen, lederumh�llten Griff mit dem eingesetzten Bronzereiher entlang. Ein anderer Bronzereiher befand sich auf der Scheide, und noch ein weiterer war auf der verborgenen Klinge eingraviert. Es war immer noch ein eigenartiges Gef�hl f�r ihn, ein Schwert zu besitzen. Ein richtiges Schwert, und dazu noch eines mit dem Zeichen eines Schwertmeisters. Er war ein Bauer von den Zwei Fl�ssen, die nun so weit entfernt waren. Vielleicht f�r immer so weit von ihm entfernt. Er war Sch�fer wie sein Vater �<emphasis>ich</emphasis> war <emphasis>Sch�fer. Was bin ich jetzt?</emphasis> �, und sein Vater hatte ihm ein Schwert mit dem Reiherzeichen gegeben. <emphasis>Tam</emphasis> ist <emphasis>mein Vater, ganz gleich, was jemand anders behauptet.</emphasis> Er w�nschte, seine Gedanken beruhten nicht auf dem Wunsch, sich selbst etwas einzureden.</p><p>Wieder schien Lan seine Gedanken zu erraten. �In den Grenzlanden, Schafhirte, ist es so: Wenn ein Mann ein Kind aufzieht, dann geh�rt das Kind ihm, und niemand kann etwas anderes behaupten.�</p><p>Mit gerunzelter Stirn ignorierte Rand die Worte des Beh�ters. Das war einzig und allein seine Angelegenheit. �Ich will lernen, wie man das ben�tzt. Ich mu� es.� Es hatte ihm Probleme bereitet, mit einem Reiherschwert herumzulaufen. Nicht jeder wu�te, was es bedeutete, und viele bemerkten es gar nicht, aber trotzdem erregte ein Schwert mit Reiherzeichen, besonders in der Hand eines Jungen, der kaum alt genug war, um sich Mann zu nennen, die falsche Art von Aufmerksamkeit.</p><p>�Ich habe manchmal einfach St�rke vorget�uscht, wenn ich nicht wegrennen konnte, und au�erdem habe ich Gl�ck gehabt. Aber was passiert, wenn ich nicht wegrennen und niemanden ins Bockshorn jagen kann und mein Gl�ck versagt?�</p><p>�Du k�nntest es verkaufen�, sagte Lan vorsichtig. �Diese Klinge ist eine Seltenheit, selbst unter den Schwertern mit Reiherzeichen. Es w�rde dir einen guten Preis bringen.�</p><p>�Nein!� Er hatte auch schon mehr als einmal daran gedacht, aber er lehnte es jetzt aus dem gleichen Grund ab wie immer, und zwar noch entschiedener, da der Vorschlag von einem anderen gekommen war. <emphasis>So lange ich es habe, habe ich auch ein Recht darauf, Tam Vater zu nennen.</emphasis> Er vermachte es mir, und es gibt mir das Recht dazu. �Ich dachte, jede Klinge mit Reiherzeichen sei eine Seltenheit?�</p><p>Lan sah ihn schr�g von der Seite her an. �Tam hat es dir nicht erz�hlt? Er mu� es wissen. Vielleicht hat er es nicht geglaubt. Viele glauben es nicht.� Er nahm sein eigenes Schwert in die Hand, das beinahe ein Zwilling von Rands Schwert h�tte sein k�nnen, wenn nicht der Reiher gefehlt h�tte, und zog mit einer schnellen Bewegung die Scheide weg. Die Klinge, leicht gekr�mmt und mit einer einzigen Schneide versehen, glitzerte silbern im Sonnenschein.</p><p>Es war das Schwert der K�nige von Malkier. Lan sprach nicht dar�ber � er hatte es auch nicht gern, wenn andere dar�ber sprachen �, aber al'Lan Mandragoran war der Herr der Sieben T�rme, Herr der Seen und ungekr�nter K�nig von Malkier. Die Sieben T�rme waren nun zerst�rt, und die Tausend Seen ein Hort unreiner Kreaturen. Malkier war von der Gro�en F�ule geschluckt worden, und von allen Lords der Malkieri lebte nur noch dieser eine.</p><p>Einige behaupteten, Lan sei ein an eine Aes Sedai durch Eid gebundener Beh�ter geworden, damit er den Tod in der F�ule suchen und sich dem Rest seiner Familie anschlie�en konnte. Rand hatte Lan tats�chlich dabei beobachtet, wie er sich in die Gefahr gest�rzt hatte, ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, aber er stellte das Leben Moiraines, der Aes Sedai, an die er gebunden war, �ber sein eigenes. Rand glaubte nicht, da� Lan wirklich den Tod suchen werde, solange Moiraine lebte.</p><p>Lan drehte seine Klinge im Lichtschein hin und her und sagte: �Im Schattenkrieg ben�tzte man die Eine Macht selbst als Waffe, und man stellte Waffen mit Hilfe der Einen Macht her. Einige Waffen bezogen Energie aus der Einen Macht, Dinge, die eine ganze Stadt mit einem einzigen Schlag zerst�ren und das Land meilenweit verw�sten konnten. Es ist gut, da� sie alle w�hrend der Zerst�rung der Welt verlorengingen, und es ist gut, da� sich niemand daran erinnert, wie man sie herstellt. Aber es gab auch einfachere Waffen f�r diejenigen, die sich den Myrddraal und schlimmeren Kreaturen der Schattenlords Klinge an Klinge entgegenstellten.</p><p>Mit Hilfe der Einen Macht zogen Aes Sedai Eisen und andere Metalle aus dem Boden, schmolzen, formten und schmiedeten sie. Alles unter Einsatz der Macht. Auch Schwerter und andere Waffen. Viele, die die Zerst�rung der Welt �berstanden, wurden von M�nnern vernichtet, die alle Werke der Aes Sedai f�rchteten und ha�ten, und andere sind mit der Zeit verschwunden. Nur wenige existieren noch, und nur wenige Menschen wissen �berhaupt, was sie sind. Es hat Legenden von ihnen gegeben, aufgebauschte Geschichten �ber Schwerter, die eine eigene Macht zu haben schienen. Du hast die Geschichten der Gaukler ja auch geh�rt. Die Wirklichkeit ist eindrucksvoll genug. Klingen, die nicht splittern oder brechen und die nie stumpf werden. Ich habe M�nner beobachtet, die sie sch�rften � oder so taten, als sch�rften sie sie �, aber nur, weil sie nicht glauben konnten, da� ein Schwert das nach dem Gebrauch nicht n�tig h�tte. Alles, was sie damit erreichten, war, ihre ge�lten Wetzsteine abzun�tzen.</p><p>Die Aes Sedai stellten diese Waffen her, und es wird niemals mehr neue geben. Als sie fertig waren, endeten Krieg und Zeitalter gemeinsam, die Welt war zerst�rt, mehr Tote lagen unbegraben als es noch Lebende gab, und diese Lebenden flohen, versuchten, eine sichere Zuflucht zu finden, irgendeinen Ort... Jede zweite Frau weinte, weil sie ihren Mann oder ihre S�hne nie wiedersehen w�rde. Als es vorbei war, schworen die �berlebenden Aes Sedai, da� sie niemals mehr eine Waffe herstellen w�rden, die es den Menschen gestattete, sich gegenseitig zu t�ten.</p><p>Jede Aes Sedai leistete diesen Eid, und alle diese Frauen haben sich seither daran gehalten. Sogar die Roten Ajah, und die interessiert es wenig, was mit irgendeinem Mann passiert.</p><p>�Eines dieser Schwerter, das Schwert eines einfachen Soldaten� � mit leicht verzogenem Gesicht, das beinahe traurig wirkte, falls man dem Beh�ter �berhaupt irgendein Gef�hl nachsagen konnte, schob er die Klinge in ihre Scheide zur�ck � �gewann eine Bedeutung. Andererseits waren die Schwerter, die man f�r die LordGener�le gemacht hatte, mit Klingen, so hart, da� kein Schmied eine Scharte darauf machen konnte, und die bereits mit einem Reiher gekennzeichnet waren, besonders gesucht.�</p><p>Rands H�nde zuckten von dem �ber seine Knie gelegten Schwert zur�ck. Es rutschte, und instinktiv packte er es wieder, bevor es zu Boden fiel. �Ihr wollt damit sagen, da� das von Aes Sedai gemacht wurde? Ich dachte, Ihr sprecht von Eurem eigenen Schwert.�</p><p>�Nicht alle Reiherschwerter sind Werke der Aes Sedai. Nur wenige M�nner k�nnen so mit einem Schwert umgehen, da� sie zum Schwertmeister ernannt werden und man ihnen eine Klinge mit Reiherzeichen verleiht, aber ohnehin sind nur noch ganz wenige Aes-Sedai-Klingen verblieben. Wenig mehr als eine Handvoll M�nner besitzen eine davon. Die meisten kommen von Meisterschmieden; der feinste Stahl, den M�nner anfertigen k�nnen, aber eben immer noch von Menschenhand geschaffen. Aber das da, Schafhirte... das k�nnte eine dreitausendj�hrige oder noch l�ngere Geschichte erz�hlen.�</p><p>�Ich kann ihnen nicht entkommen�, sagte Rand, �oder?� Er balancierte das Schwert vor sich auf der Spitze der Scheide; es sah nicht anders aus als vorher, bevor er das wu�te. �Ein Werk der Aes Sedai.� <emphasis>Aber Tam hat es mir gegeben.</emphasis> Mein Vater <emphasis>gab es mir.</emphasis> Er weigerte sich, den Gedanken weiter zu verfolgen, wie ein Zwei-Fl�sse-Sch�fer in den Besitz einer Klinge mit Reiherzeichen gekommen war. In solchen Gedankeng�ngen lagen gef�hrliche Unterstr�mungen, Tiefen, die er nicht weiter erforschen wollte.</p><p>�Willst du wirklich weglaufen, Schafhirte? Ich frage dich wieder. Warum bist du dann nicht l�ngst weg? Das Schwert? In f�nf Jahren k�nnte ich dich soweit haben, da� du seiner w�rdig bist, k�nnte dich zum Schwertmeister ausbilden. Du hast flinke Handgelenke, ein gutes Gleichgewichtsgef�hl, und du machst den gleichen Fehler nie zweimal. Aber ich habe keine f�nf Jahre Zeit, um dich auszubilden, und du hast keine f�nf Jahre Zeit zum Lernen. Du hast nicht einmal ein Jahr, und das wei�t du auch. Wie es jetzt aussieht, wirst du dich wenigstens nicht in den eigenen Fu� stechen. Du hast eine Haltung, als geh�re das Schwert einfach an deine H�fte, Schafhirte, und die meisten Dorfschl�ger werden das f�hlen. Aber das war schon so, beinahe von dem Tag an, als du es bekamst. Also, warum bist du immer noch hier?�</p><p>�Mat und Perrin sind auch hier�, murmelte Rand verlegen. �Ich m�chte nicht vor ihnen weg. Ich werde sie vielleicht � es k�nnte sein, da� ich sie � jahrelang nicht mehr wiedersehe.� Er lehnte den Kopf gegen die Mauer zur�ck. �Blut und Asche! Zumindest halten sie mich f�r verr�ckt, wenn ich nicht mit ihnen nach Hause komme. Die meiste Zeit �ber sieht mich Nynaeve an, als w�re ich sechs Jahre alt und h�tte mir das Knie aufgesch�rft und sie wird es heilen, und dann wieder betrachtet sie mich wie einen Fremden. Einen, den sie bel�stigen k�nne, indem sie ihn zu scharf anblickt. Sie ist doch Seherin, und au�erdem glaube ich nicht, da� sie vor irgendwas Angst hat, aber sie...� Er sch�ttelte den Kopf. �Und Egwene. Licht noch mal! Sie wei�, warum ich weg mu�, aber jedesmal, wenn ich es ihr gegen�ber erw�hne, sieht sie mich so seltsam an, und ich habe einen Klo� im Magen und... � Er schlo� die Augen und pre�te den Schwertknauf gegen seine Stirn, als k�nne er seine Gedanken damit wegdr�cken. �Ich w�nschte... ich w�nschte... �</p><p>�Du w�nschst dir, alles k�nne so sein wie zuvor, Schafhirte? Oder w�nschst du dir, das M�dchen k�me mit dir, anstatt nach Tar Valon zu gehen? Glaubst du, sie w�rde es aufgeben, Aes Sedai werden zu wollen, und ein Leben auf der Wanderschaft vorziehen? Mit dir? Wenn du es ihr auf die richtige Art beibringst, macht sie das vielleicht. Liebe ist schon eine seltsame Sache.� Lan h�rte sich pl�tzlich m�de an. �Es gibt kaum etwas Seltsameres.�</p><p>�Nein.� Nat�rlich hatte er sich das gew�nscht, da� sie mit ihm gehen w�rde. Er �ffnete die Augen, dr�ckte den R�cken durch und bem�hte sich, seine Stimme entschlossen klingen zu lassen. �Nein, ich w�rde sie nicht mitkommen lassen, auch wenn sie mich darum b�te.� Das konnte er ihr nicht antun. <emphasis>Aber Licht noch mal, w�re das nicht wundervoll, wenn sie sagte, sie wolle mitkommen, auch wenn der Traum nach einer Minute vorbei w�re?</emphasis> �Sie wird stur wie ein Maulesel, wenn sie glaubt, ich wolle ihr vorschreiben, was sie tun soll, doch davor kann ich sie nun wirklich bewahren.� Er w�nschte sich, sie sei wieder in Emondsfeld, aber die Hoffnung darauf war sinnlos geworden, seit Moiraine ins Gebiet der Zwei Fl�sse gekommen war. �Selbst wenn das bedeutet, da� sie eine Aes Sedai wird!� Aus dem Augenwinkel erkannte er, wie Lan die Stirn kr�uselte, und er lief rot an.</p><p>�Und das ist der ganze Grund? Du m�chtest soviel Zeit wie m�glich mit deinen Freunden von zu Hause verbringen, bevor sie gehen? Deshalb tr�delst du herum? Du wei�t doch genau, wen du auf den Fersen hast!�</p><p>Rand sprang ver�rgert auf. �Na gut, es ist wegen Moiraine! Ohne sie w�re ich gar nicht hier, und nun spricht sie nicht einmal mit mir.�</p><p>�Ohne sie w�rst du tot, Schafhirte�, sagte Lan schlicht, aber Rand sprudelte weiter: �Sie erz�hlte mir... erz�hlte mir schreckliche Sachen �ber mich� � seine Kn�chel am Griff des Schwerts wurden wei�. <emphasis>Da� ich verr�ckt werde und sterben!</emphasis> �, �und dann pl�tzlich spricht sie keine zwei Worte mehr mit mir. Sie benimmt sich, als sei ich noch derselbe wie am Tag, als sie mich fand, und auch das pa�t mir nicht.�</p><p>�Du m�chtest, da� sie dich als das behandelt, was du bist?�</p><p>�Nein! Das meine ich nicht. Licht noch mal, die meiste Zeit �ber wei� ich nicht einmal selbst, was ich will. Das eine will ich nicht, und vor dem anderen habe ich Angst. Jetzt ist sie irgendwohin verschwunden... �</p><p>�Ich habe dir gesagt, da� sie manchmal allein sein mu�. Weder du noch sonst jemand hat das Recht, in Frage zu stellen, was sie tut.�</p><p>�... ohne jemandem zu sagen, wohin oder wann sie zur�ckkommt oder ob sie �berhaupt zur�ckkommt. Sie mu� doch in der Lage sein, mir irgend etwas zu sagen, das mir hilft, Lan. Irgend etwas. Sie mu� einfach. Falls sie je zur�ckkommt.�</p><p>�Sie ist zur�ckgekommen, Schafhirte � letzte Nacht. Aber ich glaube, sie hat dir schon alles gesagt, was sie kann. Sei zufrieden. Du hast von ihr alles erfahren, was m�glich ist.� Nach einem Kopfsch�tteln wurde Lans Tonfall knapp und n�chtern. �Du kannst auch sicher nichts lernen, wenn du hier herumstehst. Es ist Zeit, ein bi�chen was f�r dein Gleichgewichtsgef�hl zu tun. Also zuerst mal �Die Seide zur Seite schieben�. Beginne mit �Der Reiher watet durch das Schilf�. Denk aber daran da� der Reiher nur eine �bungsform ist und sich nicht f�r den Ernstfall eignet. Abgesehen von der Bewegungs�bung bist du dabei vollkommen ungedeckt. Du kannst zwar aus dieser Haltung zusto�en, wenn du wartest, bis sich der andere Mann zuerst bewegt, aber du kannst aus dieser Position seinem Sto� niemals ausweichen.�</p><p>�Sie <emphasis>mu�</emphasis> einfach in der Lage sein, mir etwas zu sagen, Lan. Dieser Wind. Der war unnat�rlich, und es ist mir ganz gleich, wie nahe wir an der F�ule sind.�</p><p>��Der Reiher watet durch das Schilf�, Schafhirte! Und beachte deine Handgelenke.�</p><p>Aus dem S�den erklang das ferne Schmettern von Trompeten, eine rollende Fanfare, die langsam st�rker und von stetigem Trommelklang begleitet wurde. Einen Augenblick lang sahen Lan und Rand sich nur an, doch dann lockte der Trommelklang sie an die Umfassungsmauer. Sie hielten nach S�den Ausschau.</p><p>Die Stadt lag auf einigen hohen H�geln. Die Fl�chen vor den Stadtmauern waren eine ganze Meile weit nach allen Seiten zu bis auf Kn�chelh�he von allem Bewuchs befreit worden, und auf dem h�chsten H�gel im Zentrum stand die Festung. Von der Turmspitze hatte Rand eine gute Aussicht �ber die D�cher und Schornsteine hinweg bis zum Wald. Die Trommler erschienen als erste zwischen den B�umen. Es war ein Dutzend, und sie hoben ihre Trommeln an, w�hrend sie im Rhythmus marschierten und die Schlegel durch die Luft wirbelten. Als n�chste kamen die Trompeter. Sie hielten die langen, gl�nzenden Fanfaren hoch und spielten immer noch denselben Tusch. Auf diese Entfernung konnte Rand nicht ausmachen, was auf dem riesigen quadratischen Banner zu sehen war, das hinter ihnen im Wind flatterte. Lan knurrte jedoch � der Beh�ter hatte die Augen eines Schneeadlers.</p><p>Rand sah ihn an, doch der Beh�ter sagte nichts. Er blickte konzentriert auf die Kolonne, die sich aus dem Wald herausschob. Ger�stete M�nner ritten voran, und ihnen folgten berittene Frauen. Dann erschien eine von Pferden getragene S�nfte � ein Pferd davor und eines dahinter � mit heruntergezogenen Vorh�ngen, und schlie�lich folgten weitere Reiter. Hinter ihnen kamen Soldaten zu Fu�, deren Piken wie ein Dornengestr�pp aufragten, und Bogensch�tzen, die ihre B�gen quer vor der Brust hielten. Alle schritten im Rhythmus der Trommeln. Die Trompeten erklangen wieder. Wie eine singende Schlange wand sich die Kolonne Fal Dara entgegen.</p><p>Der Wind lie� die Flagge, die gr��er als ein Mann war, nach einer Seite hin flattern. Sie war so gro�, da� Rand sie aus dieser N�he nun klar erkennen konnte. Ein Farbendurcheinander, das Rand nichts sagte, aber im Mittelfeld der Flagge befand sich eine Form wie eine einzelne wei�e Tr�ne. Ihm stockte der Atem. Die Flamme von Tar Valon.</p><p>�Ingtar ist bei ihnen.� Lan h�rte sich abwesend an. �Endlich zur�ck von der Jagd. War auch lange genug weg. Ich frage mich, ob er diesmal Gl�ck hatte.�</p><p>�Aes Sedai�, fl�sterte Rand, als er die Stimme wiederfand. All diese Frauen dort drau�en... Moiraine war auch eine Aes Sedai, klar, aber er war mit ihr durchs Land gezogen, und wenn er ihr auch nicht ganz traute, so kannte er sie doch zumindest. Oder glaubte, sie zu kennen. Aber sie war nur eine von ihnen. So viele Aes Sedai auf einem Haufen, die auch noch so pomp�s anr�ckten, das war etwas ganz anderes. Er r�usperte sich, doch als er sprach, war seine Stimme noch rauh. �Warum so viele, Lan? Warum kommen sie �berhaupt? Und mit Trommeln und Trompeten und einem Banner, um ihre Ankunft anzuk�ndigen?�</p><p>Die Aes Sedai wurden in Schienar anerkannt, jedenfalls von vielen Menschen, und der Rest hatte Respekt und Angst vor ihnen, doch Rand war an Orten gewesen, wo das anders ausgesehen hatte, wo nur Angst und oft auch Ha� vorgeherrscht hatten. Wo er aufgewachsen war, sprachen zumindest einige M�nner von �den Hexen aus Tar Valon� so, als ob sie vom Dunklen K�nig spr�chen. Er versuchte, die Frauen zu z�hlen, aber sie hielten sich nicht an eine feste Marschordnung, ritten kreuz und quer zu anderen, um sich zu unterhalten, oder sprachen mit wem auch immer in der S�nfte. Er hatte eine G�nsehaut. Er war mit Moiraine umhergezogen, hatte auch eine andere Aes Sedai kennengelernt und hatte sich allm�hlich f�r weltgewandt gehalten. Keiner verlie� je die Zwei Fl�sse, oder fast keiner, doch er war in die Welt gezogen. Er hatte Dinge gesehen, auf die noch nie jemand von den Zwei Fl�ssen einen Blick geworfen hatte, Dinge getan, von denen sie dort nur getr�umt hatten, wenn ihre Tr�ume �berhaupt so weit gegangen waren. Er hatte eine K�nigin gesehen und die Tochter-Erbin von Andor kennengelernt, einem Myrddraal gegen�bergestanden und war durch die Kurzen Wege gereist, aber nichts davon hatte ihn auf diesen Augenblick vorbereitet.</p><p>�Warum so viele?� fl�sterte er wieder.</p><p>�Die Amyrlin ist pers�nlich gekommen.� Lan sah ihn mit steinernem Gesichtsausdruck an. �Deine Lektionen sind vorbei, Schafhirte.� Er legte eine Pause ein, und Rand glaubte beinahe, auf seinem Gesicht Mitleid entdecken zu k�nnen. Aber nat�rlich mu�te das eine T�uschung sein. �Es w�re besser f�r dich, wenn du schon eine Woche weit weg w�rst.� Damit schnappte sich der Beh�ter sein Hemd und verschwand �ber die Leiter in den Turm hinunter.</p><p>Rand bewegte den Mund, um etwas Speichel zu erzeugen. Er starrte die sich Fal Dara n�hernde Kolonne an wie eine Schlange, eine t�dliche Viper. Die Trommeln und Trompeten schallten laut in seinen Ohren. Die Amyrlin, das Oberhaupt der Aes Sedai. <emphasis>Sie kommt meinetwegen.</emphasis> Er konnte sich keinen anderen Grund denken.</p><p>Sie wu�ten eine Menge, besa�en Kenntnisse, die ihm helfen konnten, dessen war er sicher. Und er wagte nicht, sie danach zu fragen. Er f�rchtete, sie seien gekommen, um ihn im Zaum zu halten. <emphasis>Und ich habe auch noch Angst, sie k�nnten aus einem anderen Grund da sein,</emphasis> gab er z�gernd zu. <emphasis>Licht, ich wei� nicht, wovor ich mehr Angst hatte.</emphasis></p><p>�Ich wollte doch die Macht nicht lenken�, fl�sterte er. �Es war nur Zufall! Licht, ich will doch gar nichts damit zu tun haben. Ich schw�re, da� ich es nie mehr tun werde! Ich schw�re!�</p><p>Aufschreckend wurde ihm bewu�t, da� der Zug der Aes Sedai gerade durch die Stadttore kam. Der Wind frischte stark auf und verwandelte seinen Schwei� in Eistropfen. Die Trompeten klangen ihm wie hinterh�ltiges Gel�chter. Er glaubte, er k�nne den kr�ftigen Geruch eines ge�ffneten Grabes in der Luft sp�ren. <emphasis>Mein eigenes Grab, wenn ich hier stehenbleibe.</emphasis></p><p>Er nahm sein Hemd, kletterte die Leiter hinunter und rannte los.</p></section><section><title><p>2</p><p>Der Empfang</p></title><p>In den R�umen der Festung von Fal Dara, deren glatte Steinw�nde sparsam mit Tapeten von schlichter Eleganz und bemalten Wandbeh�ngen geschm�ckt waren, �berschlug sich der Klatsch �ber die unmittelbar bevorstehende Ankunft der Amyrlin. Diener in Schwarz und Gold eilten gesch�ftig umher, um die Zimmer vorzubereiten oder der K�che Auftr�ge zu bringen, und jammerten dar�ber, da� sie unm�glich alles f�r eine solch gro�e Anzahl von Personen vorbereiten konnten, wo sie doch gar keine Vorwarnung gehabt hatten. Krieger mit dunklen Augen, deren K�pfe bis auf einen von einem Lederband zusammengehaltenen Haarknoten obenauf kahlgeschoren waren, rannten wohl nicht, aber ihre Schritte waren hastig, und ihre Gesichter zeugten von einer Erregung, die normalerweise dem Kampf vorbehalten war.</p><p>Einige der M�nner sprachen Rand an, als er an ihnen vorbeieilte.</p><p>�Ach, da bist du ja, Rand al'Thor. Der Friede sei deinem Schwert gn�dig. Gehst du nach oben, um dich zurechtzumachen? Du wirst schlie�lich gut aussehen wollen, wenn du der Amyrlin vorgestellt wirst. Sie wird dich genau wie deine beiden Freunde und die Frauen sehen wollen, darauf kannst du wetten.�</p><p>Er trabte auf die breite Treppe zu � breit genug f�r zwanzig M�nner nebeneinander �, die zu den Wohnquartieren der M�nner f�hrte.</p><p>�Die Amyrlin selbst, und das ohne jede Vorwarnung, wie ein Hausierer. Das geschieht bestimmt euretwegen, wegen Moiraine und euch S�dl�ndern, was? Warum denn auch sonst?�</p><p>Die breite, eisenbeschlagene T�r zu den M�nnerquartieren stand offen und war halb verstopft mit M�nnern, die sich �ber die Ankunft der Amyrlin unterhielten. Ihre Haarknoten nickten beim Sprechen.</p><p>�He, S�dl�nder! Die Amyrlin ist hier. Ist wegen dir und deinen Freunden gekommen, sch�tze ich. Friede, welche Ehre f�r euch! Sie verl��t Tar Valon nur selten, und sie ist noch nie, seit ich mich erinnern kann, in die Grenzlande gekommen.�</p><p>Er hielt sich die anderen mit ein paar Ausfl�chten vom Leibe. Er m�sse sich waschen. Ein sauberes Hemd anziehen. Keine Zeit, sich zu unterhalten. Sie glaubten zu verstehen und lie�en ihn ziehen. Kein einziger von ihnen wu�te irgend etwas, au�er, da� er und seine Freunde in der Gesellschaft einer Aes Sedai unterwegs waren, da� zwei seiner Gruppe Frauen waren, die nach Tar Valon gehen wollten, um sich zur Aes Sedai ausbilden zu lassen, aber ihre Worte trafen ihn, als w��ten sie �ber alles Bescheid. <emphasis>Sie ist meinetwegen gekommen.</emphasis></p><p>Er hetzte durch die Wohnquartiere der M�nner, scho� in den Raum, den er mit Mat und Perrin teilte... und erstarrte mit offenem Mund. Der Raum war angef�llt mit Frauen in Schwarz und Gold, die alle zielbewu�t arbeiteten. Es war kein gro�es Zimmer, und die Fenster, ein paar hohe, enge Schie�scharten, aus denen man auf einen der Innenh�fe blicken konnte, taten nichts dazu, es gr��er erscheinen zu lassen. Die Einrichtung lie� es noch enger werden: drei Betten auf schwarzwei� gekachelten Podesten, an jedem Fu�ende eine Truhe, dazu drei einfache St�hle, ein Waschgestell neben der T�r und ein hoher und breiter Kleiderschrank. Die acht Frauen, die sich jetzt in dem Raum befanden, wirkten wie Fische im Netz.</p><p>Die Frauen schauten ihn kaum an und lie�en sich nicht darin st�ren, seine Kleider � und auch die Mats und Perrins � aus dem Schrank zu holen und durch neue zu ersetzen. Alles, was sie in den Taschen fanden, legten sie auf die Truhen, w�hrend sie die alten Kleider achtlos wie Lumpen zu B�ndeln verschn�rten.</p><p>�Was macht ihr da?� wollte er atemlos wissen. �Das sind meine Kleider!� Eine der Frauen schnaubte und steckte einen Finger durch einen Ri� im �rmel seines einzigen Mantels. Dann legte sie ihn auf den Sto� am Fu�boden.</p><p>Eine andere, schwarzhaarige Frau mit einem gro�en Schl�sselring an der H�fte sah ihn an. Das war Elansu, die <emphasis>Shatayan</emphasis> der Festung. Er betrachtete die Frau mit dem schmalen Gesicht als eine Art Haush�lterin, obwohl das Haus, in dem sie f�r Ordnung sorgte, eine Festung war und sie zahllose Diener hatte, die ihre Auftr�ge ausf�hren mu�ten. �Moiraine Sedai sagte, alle Eure Kleider seien abgetragen, und Lady Amalisa lie� f�r Euch neue anfertigen. Steht uns nicht im Weg herum�, f�gte sie entschlossen hinzu, �dann sind wir um so schneller fertig.� Es gab nur wenige M�nner, die diese <emphasis>Shatayan</emphasis> nicht dazu bringen konnte, zu tun, was sie verlangte �manche behaupteten, sogar Lord Agelmar gehorche ihr �, und es war ganz klar, da� sie von einem Mann, der jung genug war, um ihr Sohn zu sein, keine Schwierigkeiten erwartete.</p><p>Er schluckte hinunter, was er eigentlich gern gesagt h�tte. Es war einfach keine Zeit zum Herumstreiten. Die Amyrlin konnte jede Minute nach ihm rufen lassen. �Ehre sei der Lady Amalisa f�r ihr Geschenk�, brachte er in schienarischer H�flichkeit heraus, �und Ehre Euch, Elansu Shatayan. Bitte gebt meine Worte an die Lady Amalisa weiter und sagt ihr, ich sei mit Herz und Seele ihr Diener.� Das sollte die schienarische Liebe zum Zeremoniell bei beiden Frauen zufriedenstellen. �Aber nun entschuldigt mich, ich will mich umziehen.�</p><p>�Das ist gut�, meinte Elansu gem�tlich. �Moiraine Sedai hat mir aufgetragen, alle alten Sachen mitzunehmen. Jeden Fetzen. Auch die Unterw�sche.� Einige der Frauen be�ugten ihn von der Seite her. Keine von ihnen machte Anstalten zu gehen.</p><p>Er bi� sich auf die Unterlippe, um nicht hysterisch zu lachen. Vieles in Schienar war anders, als er es gewohnt war, und es gab einige Sitten, an die er sich nie gew�hnen w�rde, und wenn er ewig lebte. Er hatte sich angew�hnt, in den ganz fr�hen Morgenstunden zu baden, wenn die gro�en, gekachelten Badebecken leer waren, nachdem er gemerkt hatte, da� es zu jeder anderen Tageszeit geschehen konnte, da� eine Frau zu ihm ins Wasser stieg. Es konnte eine Magd sein oder auch Lady Amalisa selbst, Lord Agelmars Schwester � die B�der waren ein Ort in Schienar, an dem es keine Klassenunterschiede gab �, die erwartete, da� er ihr den R�cken schrubbte, nachdem sie ihm den gleichen Gefallen erwiesen hatte, und die ihn fragte, warum er so rot im Gesicht sei, ob er ein zu langes Sonnenbad genommen habe. Sie hatten bald mitbekommen, warum er err�tete, und es gab kaum eine Frau in der Festung, die davon nicht fasziniert gewesen w�re.</p><p><emphasis>Ich bin vielleicht in einer Stunde tot oder noch schlimmer, und die warten darauf, da� ich rot werde!</emphasis> Er r�usperte sich. �Wenn Ihr drau�en warten w�rdet, reiche ich Euch den Rest hinaus. Auf meine Ehre.�</p><p>Eine der Frauen schnaubte leise, und selbst Elansus Lippen verzogen sich, aber die <emphasis>Shatayan</emphasis> nickte und sagte den anderen Frauen, sie sollten die B�ndel mitnehmen, die sie verknotet hatten. Sie verlie� den Raum als letzte und blieb noch einmal in der T�r stehen, um hinzuzuf�gen: �Auch die Stiefel. Moiraine Sedai sagte � alles.�</p><p>Er �ffnete den Mund, schlo� ihn aber gleich wieder. Wenigstens seine Stiefel waren noch in gutem Zustand. Alwyn al'Van hatte sie gemacht, der Schuster zu Hause in Emondsfeld, und sie waren gut eingelaufen und bequem. Aber wenn es die <emphasis>Shatayan</emphasis> dazu brachte, ihn allein zu lassen, so da� er fliehen konnte, w�rde er ihr eben seine Stiefel geben und alles, was sie noch wollte. Er hatte keine Zeit. �Ja. Ja, nat�rlich. Auf meine Ehre.� Er schob die T�r gegen ihren Widerstand zu.</p><p>Endlich allein, lie� er sich auf das Bett fallen und zog seine Stiefel aus. Sie <emphasis>waren</emphasis> noch gut, ein bi�chen abgen�tzt, das Leder hatte hier und da einen kleinen Ri�, aber immer noch gut zu tragen und gut eingelaufen, gerade richtig f�r seine F��e. Dann zog er sich schnell aus, legte alles auf seine Stiefel und wusch sich genauso schnell am Waschbecken. Das Wasser war kalt � in den Wohnquartieren der M�nner war das Wasser immer kalt.</p><p>Der Kleiderschrank war dreit�rig. Die Holzt�ren waren auf die einfache, in Schienar �bliche Art geschnitzt, so da� sie eine Reihe von Wasserf�llen und felsgerahmten Teichen mehr andeuteten als zeigten. Er zog die mittlere T�r auf und bestaunte kurz das, was die wenigen mitgebrachten Kleidungsst�cke ersetzt hatte. Ein Dutzend M�ntel mit hohem Kragen aus feinster Wolle und von so gutem Schnitt, wie er ihn bei keinem H�ndler oder Lord besser gesehen hatte, die meisten davon wie Festtagsgew�nder bestickt. Ein Dutzend! Drei Hemden f�r jeden Mantel, sowohl aus Leinen als auch aus Seide, mit weiten �rmeln und engen Manschetten. Zwei Umh�nge. Zwei, und er hatte sein ganzes Leben lang nur einen einzigen besessen. Ein Umhang war einfach � feste Wolle und dunkelgr�n �, w�hrend der andere von einem tiefen Blau war mit einem steifen Kragen, der mit goldenen Reihern bestickt war... und oben an der linken Brustseite, wo ein Lord sein Wappen tragen w�rde...</p><p>Seine Hand glitt ganz von allein �ber den Stoff des Umhangs. Als seien sie unsicher in bezug auf das, was sie f�hlen w�rden, streiften seine Finger �ber die gestickte Schlange, die beinahe zu einem Kreis zusammengerollt war. Aber es war eine Schlange mit vier Beinen und der goldenen M�hne eines L�wen, mit roten und goldenen Schuppen, und an jedem Fu� wuchsen f�nf goldene Klauen. Seine Hand zuckte wie verbrannt zur�ck. <emphasis>Licht, hilf mir! Hat Amalisa das machen lassen oder Moiraine? Wie viele haben das gesehen? Wie viele wissen, was das ist und was es bedeutet? Selbst einer ist schon einer zuviel. Licht noch mal, sie bem�ht sich redlich darum, da� mich jemand umbringt. Die verfluchte Moiraine spricht nicht mal mit mir, aber daf�r hat sie mir verdammt sch�ne neue Kleider gegeben, um darin zu sterben!</emphasis></p><p>Ein Klopfen an die T�r lie� ihn vor Schreck fast aus der Haut fahren.</p><p>�Seid Ihr fertig?� erklang Elansus Stimme. �Restlos alles! Vielleicht sollte ich lieber...� Ein Quietschen, als drehe sie den T�rknopf.</p><p>Auffahrend wurde Rand klar, da� er noch immer nackt war. �Ich bin fertig�, rief er. �Friede! Kommt nicht herein!� Hastig sammelte er alles auf, was er getragen hatte; auch die Stiefel. �Ich bringe es schon!� Er versteckte sich hinter der T�r und �ffnete sie gerade weit genug, um das B�ndel hinzuhalten und in die Arme der <emphasis>Shatayan</emphasis> zu legen. �Das ist alles.�</p><p>Sie versuchte, durch den T�rspalt zu sp�hen. �Seid Ihr sicher? Moiraine Sedai hat gesagt: wirklich alles. Vielleicht sollte ich schnell mal nachsehen... �</p><p>�Es ist alles�, knurrte er. �Auf meine Ehre!� Er schob ihr mit der Schulter die T�r vor der Nase zu und h�rte Gel�chter von der anderen Seite.</p><p>Er fluchte leise vor sich hin und zog sich hastig an. Er traute ihnen zu, da� sie irgendeine Ausrede f�nden, um trotzdem hereinzuplatzen. Die grauen Hosen waren enger, als er es gewohnt war, aber sie sa�en bequem, und das Hemd mit den Puff�rmeln war wei� genug, um jede Emondsfelder Hausfrau am Waschtag zufriedenzustellen. Die kniehohen Stiefel pa�ten, als habe er sie schon ein Jahr lang getragen. Er hoffte, das sei lediglich auf die Qualit�t des Schusters zur�ckzuf�hren und nicht wieder ein Werk der Aes Sedai.</p><p>All diese Kleidungsst�cke zusammen w�rden einen Stapel ergeben, so hoch, wie er gro� war. Inzwischen hatte er sich an den Luxus sauberer Hemden gew�hnt; nicht dieselben Hosen Tag um Tag tragen zu m�ssen, bis sie von Schwei� und Schmutz so steif wurden wie seine Stiefel, und sie selbst dann noch weiterzutragen... Er nahm seine Satteltaschen aus der Truhe und steckte hinein, was nur hineinpa�te. Dann breitete er z�gernd den bestickten Umhang auf dem Bett aus und legte noch ein paar Hemden und Hosen darauf. Er legte ihn mit dem gef�hrlichen Wappen nach innen zusammen und verschn�rte das B�ndel so, da� er es an einer Schlaufe �ber der Schulter tragen konnte. Nun sah es nicht viel anders aus als die B�ndel, die er oft schon an den Schultern anderer junger M�nner auf der Stra�e gesehen hatte.</p><p>Trompetengeschmetter drang durch die Schie�scharten. Fanfarenkl�nge au�erhalb der Mauern wurden durch Trompeten von den T�rmen der Festung herunter beantwortet.</p><p>�Ich werde die Stickerei bei erster Gelegenheit herauszupfen�, murmelte er. Er hatte gesehen, wie Frauen Stickerei wieder entfernt hatten, wenn sie einen Fehler gemacht hatten oder das Muster �ndern wollten, und es hatte nicht sehr schwierig ausgesehen.</p><p>Den Rest der Kleidung � das meiste davon also � stopfte er in den Schrank zur�ck. Er mu�te ja nicht gleich dem ersten, der den Kopf nachher zur T�r hereinsteckte, zeigen, da� er geflohen war.</p><p>Mit gerunzelter Stirn kniete er sich neben sein Bett. Die gekachelten Podeste, auf denen die Betten standen, waren �fen. Ein kleines, einged�mmtes Feuer, das die ganze Nacht �ber brannte, konnte das Bett auch im schlimmsten Winter Schienars warm halten. Die N�chte waren immer noch k�lter als das, woran er um diese Jahreszeit gew�hnt war. Aber Decken reichten schon, um sich warm zu halten. Er zog die kleine Ofent�r auf und nahm ein B�ndel heraus, das er niemals zur�ckgelassen h�tte. Er war froh dar�ber, da� Elansu nicht daran gedacht hatte, hier k�nne jemand Kleider aufbewahren.</p><p>Er legte das B�ndel auf die Decken, band ein Ende auf und entfaltete es ein wenig. Der Umhang eines Gauklers, mit der Innenseite nach au�en gefaltet, damit die zahllosen Flicken verdeckt waren, die ihn bedeckten, Flicken in jeder Farbe und Gr��e, die man sich vorstellen konnte. Der Umhang selbst war in gutem Zustand � die Flicken waren einfach das Abzeichen eines Gauklers. Waren das Abzeichen eines Gauklers <emphasis>gewesen.</emphasis></p><p>Drinnen lagen zwei feste Lederbeh�lter. Im gr��eren steckte eine Harfe, die er niemals anr�hrte. <emphasis>Die Harfe ist nicht f�r die ungeschickten Finger eines Bauern gemacht, Junge.</emphasis> Der andere, lange und schmale Beh�lter enthielt die mit Gold und Silber verzierte Fl�te, die er ben�tzt hatte, um sich mehr als einmal, seit sie von zu Hause weg waren, sein Essen und eine Unterkunft zu verdienen. Thom Merrilin hatte ihm beigebracht, auf dieser Fl�te zu spielen, bevor der Gaukler starb. Rand konnte sie nicht ber�hren, ohne an Thom zu denken � mit seinen scharfen, blauen Augen und seinem langen, wei�en Schnurrbart �, wie er ihm den zusammengerollten Umhang in die H�nde gelegt und geschrien hatte, er solle weglaufen. Und dann war auch Thom selbst gerannt. Messer tauchten wie durch Zauberei in seinen H�nden auf, als gebe er eine Vorstellung, aber er mu�te dem Myrddraal gegen�bertreten, der gekommen war, sie zu t�ten.</p><p>Schaudernd packte er das B�ndel wieder zusammen. �Das ist nun alles vorbei.� Er dachte an den Wind auf der Turmspitze und f�gte hinzu: �Seltsame Dinge geschehen so nahe an der F�ule.� Er war nicht sicher, ob er selbst daran glaubte, jedenfalls nicht so, wie Lan es gemeint hatte. Auf jeden Fall war es h�chste Zeit f�r ihn, gleich ob nun die Amyrlin hier war oder nicht, Fal Dara zu verlassen.</p><p>Er schl�pfte in den Mantel, den er drau�en gelassen hatte. Er war von einem tiefen, dunklen Gr�n, das ihn an die W�lder zu Hause erinnerte, an Tams Hof im Westwald, auf dem er aufgewachsen war, und an den Wasserwald, wo er Schwimmen gelernt hatte. Er schnallte sich das Reiherschwert um die H�fte und h�ngte den mit Pfeilen prall gef�llten K�cher auf die andere Seite. Sein im Moment nicht bespannter Bogen stand zusammen mit denen Mats und Perrins in der Ecke. Der Bogen �berragte ihn um zwei Handbreiten. Er hatte ihn selbst gebaut, nachdem sie sich in Fal Dara eingerichtet hatten, und au�er ihm selbst konnten ihn nur Lan und Perrin spannen. Er steckte seine Deckenrolle und den neuen Umhang durch die Schlaufen an seinen B�ndeln, schlang sich alles �ber die linke Schulter, warf seine Satteltaschen obenauf und ergriff den Bogen. <emphasis>La� den Schwertarm frei,</emphasis> dachte er. <emphasis>La� sie denken, ich sei gef�hrlich. Vielleicht glaubt</emphasis> irgend jemand <emphasis>wirklich daran.</emphasis></p><p>Er �ffnete die T�r einen Spaltbreit und sah, da� der Flur beinahe leer war. Nur ein livrierter Diener huschte vorbei, aber er warf Rand nicht einmal einen Blick zu. Sobald die schnellen Schritte des Mannes nicht mehr h�rbar waren, schl�pfte Rand schnell hinaus in den Korridor.</p><p>Er bem�hte sich, nat�rlich zu gehen, aber mit den Satteltaschen auf der Schulter und den B�ndeln auf dem R�cken war ihm schon bewu�t, da� er aussah wie ein Mann, der zu einer Reise aufbricht und nicht vorhat, zur�ckzukommen. Die Trompeten erklangen wieder. Hier, innerhalb der Festung, klangen sie schw�cher.</p><p>Er hatte ein Pferd, einen gro�en braunen Hengst, im n�rdlichen Stall, den man den Stall des Lords nannte und der sich in der N�he des Ausfalltores befand, das Lord Agelmar ben�tzte, wenn er ausritt. Allerdings w�rde heute weder der Herr von Fal Dara noch eines seiner Familienmitglieder ausreiten, und der Stall m��te bis auf die Stallburschen leer sein. Es gab zwei Wege, auf denen man von Rands Zimmer aus den Stall des Lords erreichen konnte. Einer f�hrte ganz au�en um die Festung herum, hinter Lord Agelmars privatem Garten durch, an der R�ckseite der Festung entlang und durch die Hufschmiedewerkstatt, die jetzt wohl auch leer stand, zum Stallhof. Auf diesem Weg w�re genug Zeit, um Befehle auszugeben und eine Suche zu beginnen, bevor er bei seinem Pferd war. Der andere Weg war viel k�rzer: erst �ber den �u�eren Hof, wo gerade jetzt die Amyrlin mit einem Dutzend oder mehr Aes Sedai eintreffen w�rde.</p><p>Bei dem Gedanken daran bekam er eine G�nsehaut; er hatte von den Aes Sedai mehr als die Nase voll � es reichte ihm f�rs ganze Leben. Eine war schon zuviel. All die Geschichten sagten das aus, und er wu�te, da� sie recht hatten. Er war nicht weiter �berrascht, als ihn seine Beine in Richtung des �u�eren Hofs trugen. Er w�rde das legend�re Tar Valon niemals sehen � das konnte er weder jetzt noch sp�ter riskieren �, aber er k�nnte ja einen Blick auf die Amyrlin ersp�hen, bevor er ging. Das war ja genauso, als ob er eine K�nigin s�he. <emphasis>Es kann ja nicht gef�hrlich sein, wenn ich nur aus der Entfernung hingucke. Ich werde dabei weitergehen und weg sein, bevor sie jemals erf�hrt, da� ich da war.</emphasis></p><p>Er �ffnete eine schwere, eisenbeschlagene T�r zum �u�eren Hof und trat in eine schweigende Welt. Auf den Wehrg�ngen der Mauern standen die Menschen dicht gedr�ngt: Soldaten mit Haarknoten und livrierte Diener und Arbeiter in ihrer verschmutzten Arbeitskleidung. Alle dr�ckten sich eng aneinander. Kinder sa�en auf den Schultern und sp�hten �ber die K�pfe ihrer Eltern weg oder quetschten sich durch die Menge und lugten hinter H�ften und Knien hervor. Jede Sch�tzenplattform war vollgepackt wie ein Fa� �pfel, und selbst in den engen Schie�scharten der Mauer zeigten sich Gesichter. Wie eine weitere Mauer stand eine dichte Menschenmenge am Rand des Hofs aufgereiht. Und alle beobachteten und warteten schweigend.</p><p>Er dr�ckte sich an der Mauer entlang, gerade vor den St�nden der Schmiede und der Pfeilmacher, die um den Hof herum aufgebaut waren. Fal Dara war eine Festung und kein Palast, trotz der Gr��e und der d�steren Pracht, und alles um die Festung herum war zweckgebunden. Rand entschuldigte sich leise bei den Leuten, die er anrempelte. Ein paar musterten ihn finster und warfen einen Blick auf seine Satteltaschen und die B�ndel, aber keiner brach das Schweigen. Die meisten k�mmerten sich noch nicht einmal darum, wer sie angerempelt hatte.</p><p>Er konnte m�helos �ber die K�pfe der meisten hinwegblicken. Es reichte, um klar erkennen zu k�nnen, was im Hof vor sich ging. Gleich innerhalb des Tores stand eine Reihe von sechzehn M�nnern neben ihren Pferden. Nicht zwei von ihnen trugen die gleiche R�stung oder die gleiche Art von Schwert, und keiner sah wie Lan aus, doch Rand hatte keine Zweifel daran, da� sie Beh�ter waren. Runde Gesichter, kantige Gesichter, lange Gesichter, schmale Gesichter, aber sie wirkten alle irgendwie gleich, als s�hen sie Dinge, die andere M�nner nicht sehen, h�rten Dinge, die andere M�nner nicht h�ren. Sie standen entspannt da und wirkten doch so t�dlich wie ein Rudel W�lfe. Nur etwas an ihnen war gleich: Alle, ohne Ausnahme, trugen die farbver�ndernden Umh�nge, wie er zuerst einen bei Lan gesehen hatte, der sich h�ufig so sehr dem Farbton des Hintergrundes anpa�te, da� er kaum noch zu bemerken war. Das machte es schwer, sie zu beobachten, konnte einem auch mal den Magen umdrehen, und dann auch noch gleich so viele M�nner in solchen Umh�ngen!</p><p>Ein Dutzend Schritte vor den Beh�tern stand eine Reihe von Frauen vor ihren Pferden. Die Kapuzen ihrer Umh�nge hatten sie zur�ckgeschlagen. Jetzt konnte er sie z�hlen. Vierzehn. Vierzehn Aes Sedai. Das mu�ten sie sein. Gro�e und kleine, schlanke und mollige, dunkle und Blondinen, mit langem oder kurzem Haar, lose herabh�ngend oder zu Z�pfen gebunden... Ihre Kleider unterschieden sich voneinander wie die der Beh�ter. Man konnte genausoviele verschiedene Schnitte und Farben sehen wie Frauengestalten. Aber auch sie wirkten auf eine Art gleich, und die Gleichheit fiel nur auf, weil sie nun so dicht beieinander standen. Bis hin zur letzten war es unm�glich, ihr Alter zu bestimmen. Aus dieser Entfernung h�tte er sie an sich alle als jung bezeichnet, aber er wu�te, da� sie aus der N�he wie Moiraine sein w�rden. Scheinbar jung und doch nicht, mit glatter Haut, aber Gesichtern, die zu viel Reife zeigten, um jung zu sein, und deren Augen zu viel Wissen ausstrahlten.</p><p><emphasis>N�her heran? Narr! Ich bin jetzt schon zu nahe. Licht noch mal, ich h�tte doch den langen Weg nehmen sollen.</emphasis> Er schob sich weiter seinem Ziel entgegen, einer weiteren eisenbeschlagenen T�r am hinteren Ende des Hofs, aber er konnte den Blick nicht abwenden.</p><p>Die Aes Sedai ignorierten gelassen die Zuschauer und widmeten ihre Aufmerksamkeit der von Vorh�ngen verh�llten S�nfte, die nun in der Mitte des Hofes stand. Die Pferde, die sie getragen hatten, standen so still, als w�rden sie von Stallburschen am Geschirr gehalten, aber neben der S�nfte stand nur eine einzige hochgewachsene Frau mit dem Gesicht einer Aes Sedai, und sie beachtete die Pferde gar nicht. Der Stab, den sie mit beiden H�nden senkrecht hielt, war genauso lang wie sie. Die vergoldete Flamme an seinem oberen Ende befand sich �ber ihren Augen.</p><p>Lord Agelmar stand st�mmig und eckig und mit undurchschaubarem Gesicht der S�nfte gegen�ber am hinteren Ende des Hofs. Auf seinem dunkelblauen Mantel mit dem hohen Kragen waren sowohl die drei rennenden Rotf�chse des Hauses Jagad als auch der sich duckende schwarze Falke von Schienar zu sehen. Neben ihm stand Ronan, vom Alter gezeichnet, aber immer noch gro�. Am oberen Ende des langen Stabs, den der <emphasis>Shambayan</emphasis> trug, befanden sich drei F�chse, die man aus rotem Avatin gemei�elt hatte. Ronan war Elansu in der Verwaltung der Festung gleichgestellt, <emphasis>Shambayan</emphasis> und <emphasis>Shatayan,</emphasis> aber Elansu lie� ihm wenig �brig, so da� er eben f�r Zeremonien zust�ndig war und als Lord Agelmars Sekret�r fungierte. Die Haarknoten beider M�nner waren schneewei�.</p><p>Alle � die Beh�ter, die Aes Sedai, der Herr von Fal Dara und sein <emphasis>Shambayan</emphasis> � standen stocksteif und schweigend da. Die wartende Menge schien die Luft anzuhalten. Unwillk�rlich verlangsamte Rand seine Schritte.</p><p>Pl�tzlich stie� Ronan seinen Stab laut vernehmlich dreimal auf die breiten Steinplatten des Hofs und rief in die Stille hinein: �Wer kommt hier? Wer kommt hier? Wer kommt hier?�</p><p>Die Frau neben der S�nfte klopfte mit ihrem Stab dreimal zur Antwort. �Die W�chterin �ber die Siegel. Die Flamme von Tar Valon. Die Amyrlin.�</p><p>�Warum sollen wir denn wachen?� wollte Ronan wissen.</p><p>�Um der Menschheit die Hoffnung zu erhalten�, antwortete die hochgewachsene Frau. �Wogegen stehen wir Wache?� �Gegen den Schatten zur Mittagszeit.�</p><p>�Wie lange sollen wir wachen?�</p><p>�Von der aufgehenden Sonne bis zur aufgehenden Sonne, solange sich das Rad der Zeit dreht.�</p><p>Agelmar verbeugte sich. Die Haare um seinen wei�en Knoten wehten im leichten Wind. �Fal Dara entbietet Euch Brot und Salz und unser Willkommen. Es ist gut, da� die Amyrlin nach Fal Dara kommt, denn hier wird die Wache gehalten, und hier wird der Pakt gew�rdigt. Willkommen.�</p><p>Die gro�e Frau zog den Vorhang der S�nfte weg, und die Amyrlin trat in Erscheinung. Sie hatte dunkles Haar und war ebenso alterslos wie alle Aes Sedai. Sie richtete sich auf und musterte dabei die versammelten Zuschauer. Rand zuckte zusammen, als ihr Blick �ber ihn huschte; er hatte dabei das Gef�hl einer Ber�hrung. Aber ihr Blick wanderte weiter und ruhte schlie�lich auf Lord Agelmar. Ein livrierter Diener kniete neben ihr nieder und bot ihr auf einem Silbertablett zusammengefaltete Handt�cher an, aus denen noch Dampf aufstieg. F�rmlich wischte sie sich die H�nde ab und betupfte ihr Gesicht mit einem feuchten Tuch. �Ich entbiete Euch meinen Dank f�r Euer Willkommen, mein Sohn. M�ge das Licht das Haus Jagad segnen. M�ge das Licht Fal Dara und alle seine Einwohner segnen.�</p><p>Agelmar verbeugte sich erneut. �Ihr ehrt uns, Mutter.� Es klang irgendwie gar nicht komisch, da� sie ihn Sohn und er sie Mutter nannte, obwohl ein Vergleich ihrer glatten Wangen mit seinem zerfurchten Gesicht eher ihn wie ihren Vater wirken lie� � oder sogar wie ihren Gro�vater. Sie besa� eine Ausstrahlung, die der seinen �berlegen war. �Das Haus Jagad steht zu Euren Diensten. Fal Dara steht zu Euren Diensten.�</p><p>Von allen Seiten ert�nten Hurrarufe und hallten von den Mauern der Festung wider wie sich brechende Wogen.</p><p>Rand lief es kalt den R�cken herunter. Er eilte auf die T�r und ihre Sicherheit zu. Jetzt war ihm gleich, wen er anrempelte. <emphasis>Ist doch blo� deine verfluchte Einbildung. Sie wei� noch nicht einmal, wer du bist. Noch nicht. Blut und Asche, wenn sie Bescheid w��te...</emphasis> Er wollte lieber nicht daran denken, was geschehen w�rde, sollte sie wissen, wer er war oder was er war. Was gesch�he wohl, wenn sie es schlie�lich herausf�nde? Er fragte sich, ob sie irgend etwas mit dem Wind oben auf dem Turm zu tun gehabt hatte. Aes Sedai brachten solche Sachen fertig. Als er sich durch die T�r zw�ngte, sie hinter sich zuschlug und den L�rm der Willkommensrufe d�mpfte, der immer noch den Hof erf�llte, atmete er erleichtert auf.</p><p>Die G�nge hier waren ebenso leer wie die anderen, und so rannte er beinahe. Hinaus und �ber einen kleineren Hof mit einem pl�tschernden Brunnen im Zentrum, durch einen weiteren Korridor und hinaus auf den mit breiten Steinplatten gepflasterten Stallhof. Der Stall des Lords war an die Mauer der Festung angebaut, lang und hoch, mit gro�en, nach innen gerichteten Fenstern. Die Pferde wurden auf zwei Stockwerken gehalten. Die Schmiede auf der anderen Hofseite lag verwaist; Hufschmied und Helfer waren fort, um die Willkommensfeier zu sehen.</p><p>Tema, der Stallmeister mit dem ledern wirkenden Gesicht, empfing ihn mit einer tiefen Verbeugung an der Stallt�r, wobei er zuerst seine Stirn und dann seine Herzgegend mit der Hand ber�hrte. �Geist und Herz zu Euren Diensten, Lord. Wie kann Euch Tema helfen, Lord?� Er trug nicht den Haarknoten eines Soldaten; Temas Haar sa� auf dem Kopf wie ein umgedrehter grauer Topf.</p><p>Rand seufzte. �Zum hundertsten Mal, Tema, ich bin kein Lord.�</p><p>�Wie der Lord w�nscht.� Die Verbeugung des Stallmeisters war diesmal noch tiefer.</p><p>Sein Name war es und eine zuf�llige �hnlichkeit, die ihm dieses Problem eingebracht hatten. Rand al'Thor. Al'Lan Mandragoran. Der Sitte von Malkier entsprechend bedeutete das k�nigliche �al� vor Lans Namen, da� er ein K�nig war, auch wenn er den Titel nie benutzte. F�r Rand war das �al� nur ein Teil seines Namens. Er hatte allerdings geh�rt, da� vor langer, langer Zeit, bevor man die Zwei Fl�sse �berhaupt so nannte, das �al� bedeutet hatte: �Sohn des...� Einige der Diener in der Festung von Fal Dara hatten sich in den Kopf gesetzt, da� er also ein K�nig sei oder zumindest ein Prinz. All seine Gegenargumente hatten lediglich bewirkt, da� er zum blo�en Lord degradiert worden war. Jedenfalls glaubte er das; er hatte niemals so viele tiefe Verbeugungen und Kratzf��e erlebt, noch nicht einmal bei Lord Agelmar.</p><p>�Ich brauche meinen Braunen zum Ausreiten, Tema.� Er machte nicht den Fehler anzubieten, das Pferd selbst zu satteln; Tema w�rde nicht zulassen, da� Rand sich die H�nde schmutzig machte. �Ich denke, ich werde ein paar Tage lang das Land um Fal Dara herum erforschen.� Wenn er einmal auf dem R�cken des gro�en braunen Hengstes sa�, k�nnte er in ein paar Tagen den Erinin erreichen oder die Grenze nach Arafel �berschreiten. <emphasis>Dann finden sie mich nicht mehr.</emphasis></p><p>Der Stallmeister verbeugte sich beinahe bis zum Boden hinunter und blieb auch noch in der Haltung. �Vergebt mir, Lord�, fl�sterte er heiser. �Vergebt, denn Tema kann nicht gehorchen.�</p><p>Rand lief vor Verlegenheit rot an und sah sich schnell um � es war sonst aber niemand in Sichtweite �, dann packte er den Mann bei den Schultern und zog ihn hoch. Er war vielleicht nicht in der Lage, Tema und die anderen von solch unterw�rfigem Benehmen abzuhalten, aber wenigstens wollte er verhindern, da� jemand anders es beobachtete. �Warum nicht, Tema? Tema, sieh mich bitte an. Warum nicht?�</p><p>�Es wurde so befohlen, Lord�, sagte Tema immer noch im Fl�sterton. Er schlug immer wieder die Augen nieder, nicht aus Angst, sondern aus Scham, weil er nicht tun konnte, was Rand w�nschte. Schienarer sch�mten sich derart, wie andere Menschen, wenn sie als Dieb gebrandmarkt wurden. �Kein Pferd darf diesen Stall verlassen, bevor ein neuer Befehl erlassen wurde. Das gilt f�r alle Stallungen der Festung, Lord Rand.�</p><p>Rand �ffnete den Mund, um dem Mann zu sagen, da� es schon in Ordnung sei, aber statt dessen leckte er sich nur die Lippen. �Kein Pferd aus irgendeinem der St�lle?�</p><p>�Ja, Lord Rand. Der Befehl kam erst vor ganz kurzer Zeit durch. Vor ein paar Augenblicken.� Temas Stimme wurde fester. �Auch die Tore sind alle geschlossen, Lord. Keiner darf ohne besondere Genehmigung herein oder hinaus. Noch nicht einmal die Polizei, wie man Tema gesagt hat.�</p><p>Rand hatte schwer daran zu kauen, was das Gef�hl nicht minderte, da� sich Finger um seinen Hals zusammenzogen. �Der Befehl, Tema. Kam er von Lord Agelmar?�</p><p>�Nat�rlich, Lord Rand. Von wem sonst? Nat�rlich hat Lord Agelmar nicht selbst mit Tema gesprochen und noch nicht einmal mit dem Mann, der zu Tema geschickt wurde, aber, Lord, wer sonst k�nnte in Fal Dara einen solchen Befehl geben?�</p><p><emphasis>Wer sonst?</emphasis> Rand fuhr zusammen, als die gr��te Glocke im Glockenturm der Festung pl�tzlich vollt�nend zu l�uten begann. Die anderen Glocken fielen ein, und dann die aus der Stadt.</p><p>�Falls Tema sich die Bemerkung erlauben darf�, rief ihm der Stallmeister �ber das L�uten hinweg zu, �dann mu� der Lord sich sehr gl�cklich sch�tzen.�</p><p>Rand mu�te schreien, damit Tema ihn verstehen konnte. �Gl�cklich? Warum?�</p><p>�Die Willkommensfeier ist beendet, Lord.� Tema deutete auf den Glockenturm. �Jetzt wird die Amyrlin nach dem Lord und seinen Freunden schicken und Euch empfangen.�</p><p>Rand rannte los. Er hatte gerade noch Zeit, die �berraschung auf Temas Gesicht zu erkennen, dann war er weg. Es k�mmerte ihn nicht, was Tema dachte. <emphasis>Sie wird mich jetzt kommen lassen.</emphasis></p></section><section><title><p>3</p><p>Freunde und Feinde</p></title><p>Rand rannte nicht sehr weit; nur bis zum Ausfalltor gleich um die Ecke vom Stall aus. Er verlangsamte seinen Schritt und versuchte, gleichg�ltig zu wirken, so, als habe er viel Zeit.</p><p>Das Tor unter dem schmalen Steinbogen war geschlossen. Es war kaum breit genug, da� zwei berittene M�nner nebeneinander hindurchkamen, aber wie alle Tore in der Au�enmauer war es durch breite Eisenb�nder verst�rkt und mit einem dicken Riegel verschlossen.</p><p>Zwei W�chter standen vor dem Tor. Sie trugen einfache kegelf�rmige Helme und mit Stahlplatten verst�rkte Schuppenpanzer und hatten lange Zweihandschwerter auf dem R�cken. Ihre goldenen Wappenr�cke zeigten auf der Brust den Schwarzen Falken. Einen von ihnen, Ragan, kannte er oberfl�chlich. Die von einem Trolloc-Pfeil hinterlassene Narbe stach wei� hinter dem Gitter seines Visiers von der dunklen Haut seiner Wange ab. Das narbige Gesicht verzog sich zu einem Grinsen, als er Rand sah.</p><p>�Friede sei mit dir, Rand al'Thor.� Ragan schrie es fast, damit er ihn trotz des Glockengel�uts h�rte. �Willst du den Kaninchen �ber den Sch�del schlagen oder bestehst du immer noch darauf, da� dieser Kn�ppel ein Bogen sein soll?� Der andere W�chter schob sich direkt vor die T�r.</p><p>�Friede sei mit dir, Ragan�, sagte Rand, der vor den beiden stehengeblieben war. Er mu�te sich M�he geben, mit ruhiger Stimme zu sprechen. �Du wei�t genau, da� es ein Bogen ist. Du hast zugesehen, wie ich damit geschossen habe.�</p><p>�Nicht gut von einem Pferd aus�, sagte der andere W�chter schlecht gelaunt. Rand erkannte ihn jetzt an seinen tiefliegenden, beinahe schwarzen Augen, die kaum jemals zu blinzeln schienen. Sie sp�hten unter seinem Helm hervor wie zwei H�hlen innerhalb einer weiteren H�hle. Es h�tte ja noch schlimmer kommen k�nnen, als ausgerechnet Masema hier am Tor zu erwischen � viel schlimmer allerdings nicht, h�chstens wenn eine Rote Aes Sedai hier gewesen w�re. �Er ist zu lang�, f�gte Masema hinzu. �Ich kann mit einem Pferdebogen drei Pfeile abschie�en, w�hrend du mit diesem Monster gerade einen loswirst.�</p><p>Rand zwang sich zu einem L�cheln, als glaube er, es handle sich um einen Scherz. Masema hatte in seinem Beisein noch nie einen Scherz gemacht oder �ber einen solchen gelacht. Die meisten M�nner in Fal Dara akzeptierten Rand; er �bte mit Lan und a� an Lord Agelmars Tisch, und � was am wichtigsten war � er war in der Gesellschaft von Moiraine, also einer Aes Sedai, nach Fal Dara gekommen. Nur ein paar schienen nicht vergessen zu k�nnen, da� er Ausl�nder war, und diese sprachen kaum zwei Worte mit ihm und auch nur dann, wenn es nicht zu umgehen war. Masema war der schlimmste unter denen.</p><p>�F�r mich ist er gut genug�, sagte Rand. �Wenn wir schon von Kaninchen sprechen, Ragan, wie w�r's, wenn du mich rauslie�est? Dieser ganze L�rm und Betrieb ist zuviel f�r mich. Besser drau�en Kaninchen jagen, selbst wenn ich keines zu Gesicht bekomme.�</p><p>Ragan drehte sich halb um und sah seinen Gef�hrten an. Rands Hoffnung begann zu steigen. Ragan war ein umg�nglicher Typ, dessen Verhalten keineswegs der grimmigen Narbe entsprach, und er schien Rand zu m�gen. Doch Masema sch�ttelte bereits den Kopf. Ragan seufzte. �Es geht nicht, Rand al'Thor.� Er nickte kaum sichtbar zur Erkl�rung in Richtung Masema. Wenn er allein zu entscheiden h�tte... �Niemand darf ohne einen Passierschein hinaus. So ein Pech, da� du nicht vor ein paar Minuten gekommen bist. Der Befehl, die Tore zu sperren, kam gerade erst herunter.�</p><p>�Aber warum sollte Lord Agelmar mich hier drinnen festhalten?� Masema musterte die B�ndel auf Rands R�cken und seine Satteltaschen. Rand bem�hte sich, seinen Blick zu ignorieren. �Ich bin doch sein Gast�, fuhr er zu Ragan gewandt fort. �Bei meiner Ehre, ich h�tte jederzeit w�hrend der letzten Wochen gehen k�nnen. Warum also sollte dieser Befehl ausgerechnet mir gelten? Es ist doch ein Befehl Lord Agelmars, oder?� Masema ri� die Augen auf, und seine ohnehin st�ndig finstere Miene verfinsterte sich noch mehr. Er schien fast Rands B�ndel dar�ber zu vergessen.</p><p>Ragan lachte. �Wer sonst w�rde hier einen solchen Befehl geben, Rand al'Thor? Nat�rlich war es Uno, der ihn an mich weitergab, aber wessen Befehl k�nnte es schon sein?�</p><p>Masemas Blick war fest auf Rands Gesicht gerichtet. Er zuckte nicht mit der Wimper. �Ich will einfach mal allein raus, das ist alles�, sagte Rand. �Also gehe ich halt in einen der G�rten. Keine Kaninchen, aber wenigstens auch keine Menschenmenge. Das Licht leuchte dir und der Friede sei mit dir.�</p><p>Er ging weg, ohne auf eine Antwort zu warten, wobei er sich im klaren dar�ber war, da� er sich auf keinen Fall auch nur einem der G�rten n�hern durfte.</p><p><emphasis>Licht noch mal, wenn die offiziellen Feierlichkeiten vorbei sind, k�nnte �berall eine Aes Sedai stecken.</emphasis> Er war sich Masemas Blicks auf seinem R�cken bewu�t � er war sicher, es war Masema � und behielt einen gelassenen Schritt bei.</p><p>Pl�tzlich h�rte das Glockengel�ut auf. Er stolperte beinahe. Die Minuten verflogen. Zu viele von ihnen. Zeit genug, um die Amyrlin in die entsprechenden Gem�cher zu bringen. Zeit genug, nach ihm zu schicken und eine Suche zu beginnen, wenn man ihn nicht finden konnte. Sobald er au�er Sicht des Ausfalltores war, fing er wieder an zu rennen.</p><p>In der N�he der Soldatenkantine befand sich der Lieferanteneingang, wo alle Lebensmittel f�r die Festung hereingebracht wurden. Auch der war geschlossen und verriegelt, und zwei Soldaten standen davor. Er eilte daran vorbei und �ber den Hof der Kantine, als habe er nie vorgehabt stehenzubleiben.</p><p>Das Hundetor im hinteren Teil der Festung, das gerade gro� genug war, um einen Mann zu Fu� durchzulassen, war auch bewacht. Er drehte um, bevor sie ihn sehen konnten. Es gab nicht viele Ausg�nge, so gro� die Festung auch war, und wenn schon das Hundetor bewacht wurde, w�rden alle bewacht.</p><p>Vielleicht konnte er ein St�ck Seil finden... Er stieg eine der Treppen zur Au�enmauer hoch bis zum breiten Wehrgang mit seinen Zinnenmauern. Er f�hlte sich nicht wohl dabei, so hoch oben und ungesch�tzt dazustehen, falls dieser Wind wieder k�me, aber von hier aus konnte er �ber die hohen Schornsteine und kantigen D�cher der Stadt hinweg bis zur Stadtmauer blicken. Auch nach einem Monat hier ber�hrten ihn die H�user immer noch als eigenartig und ganz anders als im Gebiet der Zwei Fl�sse.</p><p>Die D�cher hingen fast bis zum Boden herunter. Es wirkte, als best�nden die H�user nur aus diesen schindelgedeckten D�chern und schr�g gestellten Schornsteinen, die den schweren Schnee an sich vorbeigleiten lie�en. Um die Festung herum zog sich ein weiter gepflasterter Platz, aber nur hundert Schritte von der Mauer entfernt begannen die von Menschen gef�llten Stra�en, mit allen m�glichen Leuten, die ihren allt�glichen Erledigungen nachgingen, Ladenbesitzern in Sch�rzen, die drau�en unter den Markisen ihrer Gesch�fte standen, grob gekleideten Bauern, die sich zum Kaufen und Verkaufen in der Stadt aufhielten, Hausierern und Stra�enh�ndlern und Ortsans�ssigen, die in Gruppen herumstanden, zweifellos um �ber den �berraschungsbesuch der Amyrlin zu klatschen. Er konnte zuschauen, wie Karren und Menschen durch eines der Tore in der Stadtmauer str�mten. Offensichtlich hatten die dortigen Wachen keinen Befehl erhalten, jemanden aufzuhalten.</p><p>Er blickte zum n�chsten Wachturm hoch. Einer der Soldaten gr��te ihn mit erhobener Hand im schweren Kampfhandschuh. Mit bitterem Lachen winkte er zur�ck. Keine Fu�breit der Mauer, die nicht unter Bewachung von Soldaten stand. Er beugte sich in eine Mauerl�cke und sp�hte hinunter, vorbei an den Schlitzen im Stein, in die man Baukr�ne einklemmen konnte, und in den Burggraben weit darunter. Zwanzig Schritte breit war er und zehn tief und mit glattgeschliffenen, rutschigen Steinen eingefa�t. Eine niedrige, abgeschr�gte Mauer, die kein Versteck zulie�, umgab ihn, damit niemand aus Versehen hineinfallen konnte, und an seinem Grund befand sich ein Wald von rasiermesserscharfen Dornen. Selbst mit einem Seil zum Herunterklettern und ohne von den Wachen entdeckt zu werden, konnte er diese Kluft nicht �berqueren. Was dazu diente, im Ernstfall Trollocs von der Festung fernzuhalten, diente genausogut dazu, ihn darin festzuhalten.</p><p>Pl�tzlich f�hlte er sich total ersch�pft, ausgelaugt. Die Amyrlin befand sich hier, und es gab keinen Weg hinaus. Kein Fluchtweg und die Amyrlin vor der Nase! Falls sie wu�te, da� er hier war, falls sie den Wind gesandt hatte, der ihn auf dem Turm ergriff, dann jagte sie ihn bereits und jagte mit der Macht einer Aes Sedai. Ein Kaninchen h�tte eine bessere Chance gegen einen Bogen. Aber er weigerte sich, so schnell aufzugeben. Es gab Leute, die behaupteten, die Menschen von den Zwei Fl�ssen k�nnten Steinen noch etwas beibringen und Maultieren zum Vorbild gereichen. Wenn nichts sonst mehr �brigblieb, hielten sich die Menschen der Zwei Fl�sse eben an ihr Durchhalteverm�gen.</p><p>Er verlie� die Mauer und wanderte durch die Festung. Er achtete nicht darauf, wohin er sich wandte, solange es nur in keine Richtung ging, in der man ihn erwarten konnte. Nicht in die N�he seines Zimmers oder der St�lle oder eines Tores � Masema k�nnte ja riskiert haben, von Uno gescholten zu werden, indem er dar�ber berichtete, da� er versucht hatte, die Festung zu verlassen � oder eines Gartens. Alles, woran er denken konnte, war, sich von <emphasis>jeder</emphasis> Aes Sedai fernzuhalten. Selbst von Moiraine. Sie <emphasis>wu�te</emphasis> alles �ber ihn. Trotzdem hatte sie nichts gegen ihn unternommen. <emphasis>Bis jetzt. Soweit du wei�t. Was ist, wenn sie ihre Meinung �ndert? Vielleicht hat sie die Amyrlin herkommen lassen.</emphasis></p><p>Einen Augenblick lang f�hlte er sich so verloren, da� er sich gegen die Wand eines Korridors lehnte, die Schultern an den harten Stein gepre�t. Mit leeren Augen starrte er ins Nichts und sah Dinge, die er nicht sehen wollte. <emphasis>Eine D�mpfung. W�re es denn so schlimm, wenn alles vorbei w�re?</emphasis> Wirklich <emphasis>vorbei?</emphasis> Er schlo� die Augen, aber auch dann sah er sich noch selbst, wie er sich wie ein Kaninchen in eine Ecke kauerte, w�hrend die Aes Sedai sich wie Raben um ihn scharten. <emphasis>Sie sterben meist kurze Zeit danach, die M�nner, die eine D�mpfung erfuhren. Sie wollen nicht mehr leben.</emphasis> Er erinnerte sich nur zu gut an Thom Merrilins Worte, um sich dem zu stellen. Nach einem kurzen Sch�tteln eilte er den Gang hinunter. Nicht gut, sich an einem Ort aufzuhalten, bis man ihn fand. <emphasis>Wie lange noch, bis sie dich sowieso finden? Du bist wie ein Schaf im Pferch. Wie lange?</emphasis> Er ber�hrte die Scheide des Schwerts an seiner Seite. <emphasis>Nein, kein Schaf. Nicht f�r die Aes Sedai oder sonst jemand.</emphasis> Er f�hlte sich zwar ein bi�chen t�richt, aber entschlossen.</p><p>Die Menschen kehrten an ihre Arbeitspl�tze zur�ck. Der L�rm von Stimmen und klappernden T�pfen erf�llte die K�che, die dem Gro�en Saal am n�chsten lag, in dem die Amyrlin und ihre Begleiter heute abend speisen w�rden. K�che und M�gde und K�chenjungen rannten beinahe bei der Arbeit. Die Spie�hunde zockelten mit ihren Korbr�dern herein, um das aufgespie�te Fleisch st�ndig zu drehen. Er bahnte sich schnell seinen Weg durch Hitze und Dampf und durch die Ger�che der Speisen und Gew�rze. Keiner warf ihm mehr als einen kurzen Blick zu; sie alle waren zu sehr besch�ftigt.</p><p>In den hinteren Korridoren, an denen die Diener in kleinen Wohnungen lebten, wimmelte es wie in einem Ameisenhaufen, in den man getreten hat. M�nner und Frauen wuselten durcheinander, um ihre besten Uniformen anzulegen. Kinder spielten in den Ecken und gingen den Erwachsenen damit aus dem Weg. Die Jungen schwenkten Holzschwerter, und die M�dchen spielten mit geschnitzten Puppen. Einige behaupteten, <emphasis>ihre</emphasis> Puppe sei die Amyrlin. Die meisten T�ren standen offen, und der Blick in die Zimmer wurde lediglich durch Perlenvorh�nge versperrt. Normalerweise bedeutete das, da� diejenigen, die hier wohnten, Besucher erwarteten, aber heute kam es einfach daher, da� sie keine Zeit hatten, auch nur die T�ren zu schlie�en. Selbst diejenigen, die sich vor ihm verbeugten, taten das, ohne deshalb stehenzubleiben.</p><p>W�rde irgendeiner von ihnen beim Servieren zuf�llig h�ren, da� man ihn suchte, und erz�hlen, er habe ihn gesehen? Mit einer Aes Sedai sprechen und ihr sagen, wo er zu finden sei? Die Augen, an denen er vorbeikam, schienen ihn mit einemmal genau und mit Hintergedanken zu mustern, abzuw�gen und heimlich zu rechnen. Selbst die Kinder waren in seiner Vorstellung mit Vorsicht zu genie�en. Er wu�te, da� er sich das alles nur einbildete �er war ganz sicher, es konnte nicht anders sein, oder? �, aber als er die Quartiere der Diener hinter sich zur�cklie�, f�hlte er sich wie aus einer Falle entronnen.</p><p>Einige Teile der Festung waren menschenleer. Die Leute, die normalerweise hier arbeiteten, waren in einen �berraschenden Feiertag entlassen worden. Die Werkstatt des R�stungsschmieds stand leer, die Feuer waren heruntergebrannt, und die Ambosse schwiegen. Still. Kalt. Leblos. Aber trotzdem irgendwie nicht ganz leer. Wieder eine G�nsehaut. Er wirbelte herum. Niemand da. Nur die gro�en Werkzeugtruhen und die gef�llten �lf�sser. Seine Nackenhaare str�ubten sich, und wieder fuhr er blitzschnell herum. Die H�mmer und Zangen hingen ruhig auf ihren Pl�tzen an der Wand. Zornig sah er sich in dem gro�en Raum um. <emphasis>Es ist niemand hier. Das ist nur meine Einbildung. Dieser Wind und die Amyrlin � das ist genug, um sich die wildesten Sachen einzubilden.</emphasis></p><p>Drau�en im Hof der Waffenschmiede umspielte ihn der Wind einen Moment lang. Unwillk�rlich fuhr er schon wieder zusammen und glaubte, er wolle ihn fangen. Im ersten Augenblick roch er wieder den schwachen Duft der Verwesung und h�rte jemanden hinter sich hinterh�ltig lachen. Doch nur diesen einen Augenblick lang. Voller Angst schob er sich im Kreis au�en um den Hof herum und sah sich dabei mi�trauisch um. Der mit roh behauenen Steinen gepflasterte Hof war bis auf ihn selbst leer. <emphasis>Nur deine verdammte Einbildung!</emphasis> Er rannte fort und glaubte, hinter sich wieder dieses Lachen zu h�ren, diesmal ohne die Begleitung des Windes.</p><p>Im Hof des Holzlagers kehrte dieser Eindruck des Beobachtetwerdens wieder. Er f�hlte, wie ihn Augen hinter hohen Stapeln von Feuerholz hervor und unter den langen Schuppen heraus verfolgten und dann �ber die Stapel von lang gelagerten Brettern und Balken wegsp�hten, die auf der anderen Seite des Hofs gegen�ber der Zimmermannswerkstatt lagen. Die Werkstatt war nun verschlossen. Diesmal wollte er sich nicht umsehen, wollte nicht dar�ber nachdenken, wie sich ein Paar Augen so schnell von einem Ort zum anderen fortbewegen und den offenen Hof vom Feuerholzschuppen bis zum Balkenlager �berqueren konnten, ohne da� er auch nur den Hauch einer Bewegung entdeckte. Er war sicher, da� es sich um ein einziges Augenpaar handelte. <emphasis>Einbildung. Oder vielleicht werde ich auch bereits verr�ckt.</emphasis> Ihn schauderte. <emphasis>Noch nicht! Licht, bitte noch nicht!</emphasis> Steif stolzierte er �ber den Hof, und der unsichtbare Beobachter folgte ihm.</p><p>Ob in langen Korridoren, die nur von ein paar Binsenfackeln notd�rftig beleuchtet wurden, oder in Lagerr�umen voller S�cke mit getrockneten Erbsen oder Bohnen, mit Lattenregalen, auf denen Haufen eingeschrumpelter Zwiebeln und R�ben lagen, oder voller Weinf�sser und F�sser mit Salzfleisch und Bierf�sser �immer waren auch die Augen da. Manchmal folgten sie ihm, und manchmal erwarteten sie ihn, wenn er eintrat. Er h�rte nie einen anderen Schritt als den seinen, h�rte nie eine T�r knarren, au�er, er selbst �ffnete oder schlo� sie, aber die Augen waren da. <emphasis>Licht, ich werde</emphasis> wirklich <emphasis>verr�ckt.</emphasis></p><p>Dann �ffnete er die T�r zu einem weiteren Lagerraum, und ihm schlugen menschliche Stimmen, menschliches Gel�chter entgegen, und er f�hlte sich erleichtert. Hier w�rde es keine unsichtbaren Augen geben. Er trat ein.</p><p>Der halbe Raum war bis zur Decke mit Getreides�cken vollgestapelt. In der anderen H�lfte kniete eine Gruppe von M�nnern im Halbkreis vor einer der kahlen W�nde. Sie alle schienen die ledernen Sch�rzen und den runden Haarschnitt der einfachen Arbeiter zu tragen. Kein Haarknoten eines Kriegers, keine Livree. Keiner, der ihn unabsichtlich verraten konnte. <emphasis>Und was ist mit �absichtlich�?</emphasis> Durch ihr leises Gespr�ch klang das Klappern von W�rfeln. Irgend jemand lachte schallend �ber einen Wurf.</p><p>Loial sah zu, wie sie w�rfelten, und rieb sich gedankenschwer mit einem Finger �ber das Kinn, der dicker war als der Daumen eines gro�en Mannes. Sein Kopf ber�hrte beinahe die Dachsparren in zwei Spannen H�he. Keiner der Spieler beachtete ihn. Ogier waren in den Grenzlanden nicht gerade h�ufig anzutreffen, wie �berall, aber hier kannte und akzeptierte man sie, und Loial war au�erdem schon so lange in Fal Dara, da� er kaum noch Aufsehen erregte. Der dunkle Mantel des Ogiers mit seinem steifen Kragen war bis zum Hals zugekn�pft und fiel unterhalb der H�fte weit ausgebreitet bis �ber die hohen Schaftstiefel. Eine seiner Taschen war ausgebeult und wurde von irgend etwas Schwerem heruntergezogen. Wenn Rand sich nicht t�uschte, waren das B�cher. Selbst beim Kiebitzen hatte Loial immer ein Buch griffbereit.</p><p>Trotz allem mu�te Rand unwillk�rlich grinsen. Loial l�ste h�ufig diese Reaktion bei ihm aus. Der Ogier wu�te so gut �ber viele Dinge Bescheid und so wenig �ber andere... Und er schien alles wissen zu wollen. Und doch konnte Rand sich noch gut an das erste Zusammentreffen mit Loial erinnern, als er seine behaarten Ohren sah und seine Augenbrauen, die wie lange Schnurrbartenden herunterhingen, und die Nase, die beinahe so breit war wie das ganze Gesicht. Er hatte ihn gesehen und geglaubt, er sei ein Trolloc. Er sch�mte sich dessen immer noch. Ogier und Trollocs. Myrddraal und Kreaturen aus den dunklen Ecken von Mitternachtsgeschichten. Wesen aus Geschichten und Legenden. Als das hatte er sie betrachtet, bevor er Emondsfeld verlie�. Aber seither hatte er zu viele fleischgewordene Legenden erlebt, um sich je wieder so sicher zu sein. Aes Sedai und unsichtbare Beobachter und ein Wind, der ihn fing und festhielt. Das L�cheln verging ihm.</p><p>�All die Legenden sind Wirklichkeit�, sagte er leise.</p><p>Loials Ohren zuckten, und sein Kopf drehte sich Rand zu. Als er sah, wer da stand, grinste der Ogier �ber das ganze Gesicht, und er kam her�ber. �Ach, da bist du ja!� Seine Stimme klang wie das Brummen einer Hummel. �Ich habe dich bei der Willkommensfeier gar nicht gesehen. Das war etwas, das ich noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Zwei Sachen: das Willkommen der Schienarer und die Amyrlin. Sie sieht m�de aus, nicht? Es ist bestimmt nicht einfach, Amyrlin sein zu m�ssen. Schlimmer als ein �ltester zu sein, denke ich.� Er schwieg einen Moment und blickte nachdenklich drein. Das dauerte aber nur einen Atemzug lang. �Sag mal, Rand, w�rfelst du manchmal auch? Sie spielen hier ein einfacheres Spiel mit nur drei W�rfeln. Im <emphasis>Stedding</emphasis> ben�tzen wir vier. Wei�t du, sie lassen mich einfach nicht mitspielen. Sie sagen nur �Ehre den Erbauern� und setzen nicht gegen mich. Ich finde das nicht anst�ndig. Was meinst du? Die W�rfel, die sie benutzen, <emphasis>sind</emphasis> ziemlich klein� � er blickte stirnrunzelnd auf eine seiner H�nde, die gro� genug war, um einen menschlichen Kopf zu bedecken �, �aber ich glaube immer noch... �</p><p>Rand packte ihn am Arm und unterbrach ihn. <emphasis>Die Erbauer!</emphasis> �Loial, Fal Dara wurde doch von Ogiern erbaut, ja? Kennst du irgendeinen Weg hinaus, au�er durch die Tore? Ein Loch zum Hinauskriechen? Ein Abflu�rohr? Gleich was, Hauptsache es ist gro� genug f�r einen Mann, um durchzukriechen. Es w�re auch gut, wenn der Wind nicht hineink�me.�</p><p>Loial verzog schmerzlich ber�hrt das Gesicht. Die Enden seiner Augenbrauen strichen ihm beinahe �ber die Wangen. �Rand, Ogier bauten Mafal Dadaranel wohl, aber diese Stadt wurde in den Trolloc-Kriegen zerst�rt. Das hier� � er ber�hrte leicht die Steinmauer mit breiten Fingerspitzen � �wurde von Menschen erbaut. Ich kann dir einen Plan von Mafal Dadaranel zeichnen � ich habe einmal die Pl�ne in einem alten Buch im <emphasis>Stedding</emphasis> Schangtai gesehen �, aber ich wei� nicht mehr �ber Fal Dara als du. Es ist aber schon <emphasis>wirklich</emphasis> gut gebaut, nicht wahr? Schmucklos, aber eine gute Arbeit.�</p><p>Rand sackte gegen die Mauer und pre�te die Augen zu. �Ich brauche einen Weg nach drau�en�, fl�sterte er. �Die Tore sind versperrt, und sie lassen keinen passieren, aber ich brauche einen Weg hinaus.�</p><p>�Aber warum denn, Rand?� fragte Loial bed�chtig. �Niemand hier will dir etwas tun. Bist du in Ordnung, Rand?� Pl�tzlich erhob er die Stimme. �Mat! Perrin! Ich glaube, Rand ist krank.�</p><p>Rand �ffnete die Augen und sah, wie sich seine Freunde in dem Knoten von W�rfelspielern aufrichteten. Mat Cauthon mit seinen langen Storchenbeinen l�chelte verkl�rt, als sehe er etwas Lustiges, das sonst niemand sehen konnte. Perrin Aybaras Haar war zerzaust und seine Schultern und Arme muskelbepackt von seiner Arbeit als Lehrling eines Hufschmieds. Sie trugen beide noch die typische Kleidung der Zwei Fl�sse, einfach und wetterfest, aber auch abgetragen.</p><p>Mat warf die W�rfel in den Halbkreis zur�ck, als er heraustrat, und einer der M�nner rief: �He, S�dl�nder, du kannst nicht einfach aufh�ren, w�hrend du gewinnst!�</p><p>�Besser als wenn ich gerade am Verlieren bin�, sagte Mat lachend. Unbewu�t ber�hrte er seinen Mantel an der H�fte, und Rand verzog das Gesicht. Dort trug Mat einen Dolch mit einem Rubin im Griff, einen Dolch, ohne den man ihn nie antraf, einen Dolch, ohne den er nicht sein konnte. Es war eine verfluchte Klinge aus der toten Stadt Shadar Logoth, von etwas B�sem verdorben und verdreht, das beinahe so schlimm war wie der Dunkle K�nig. Das B�se hatte vor zweitausend Jahren Shadar Logoth get�tet, aber es lebte immer noch in den verlassenen Ruinen. Dieser Fluch w�rde Mat umbringen, wenn er den Dolch behielt. Er w�rde ihn aber noch schneller umbringen, wenn er ihn ablegte. �Ihr bekommt noch eine Chance, es zur�ckzugewinnen.� Sarkastisches Schnauben der knienden M�nner deutete an, da� sie nicht an diese Chance glaubten.</p><p>Perrin hatte die Augen niedergeschlagen, als er Mat zu Rand hin�ber folgte. Perrin schlug neuerdings immer die Augen nieder, und seine Schultern sackten herunter, als tr�ge er eine Last, die selbst bei deren Breite zu schwer war.</p><p>�Was ist los, Rand?� fragte Mat. �Du bist so wei� wie dein Hemd. He! Woher hast du diese Kleider? Wirst du jetzt ein Schienarer? Vielleicht kaufe ich mir auch einen Mantel wie den und ein feines Hemd.� Er sch�ttelte seine Manteltasche, was ein Klimpern von M�nzen erzeugte. �Ich scheine beim W�rfeln Gl�ck zu haben. Ich brauche sie kaum zu ber�hren, schon gewinne ich.�</p><p>�Du mu�t gar nichts kaufen�, sagte Rand m�de. �Moiraine hat alle unsere Kleidungsst�cke durch neue ersetzen lassen. Soweit ich wei�, sind die alten jetzt schon verbrannt worden, au�er denen nat�rlich, die ihr gerade tragt. Elansu wird wahrscheinlich auch zu euch kommen und sie einsammeln. Also w�rde ich mich an eurer Stelle schnell umziehen, bevor sie sie euch vom Leibe rei�t.� Perrin blickte immer noch nicht auf, doch seine Wangen f�rbten sich rot. Mats Grinsen wurde breiter, aber es wirkte doch etwas gezwungen. Auch sie hatten ihre Erfahrungen in den B�dern gemacht, und nur Mat bem�hte sich vorzugeben, er mache sich nichts daraus. �Und ich bin nicht krank. Ich mu� lediglich hier raus. Die Amyrlin ist da. Lan sagte... er sagte, wenn sie da ist, w�re es besser f�r mich, schon eine Woche lang weg zu sein. Ich mu� abhauen, doch alle Tore sind verrammelt!�</p><p>�Das hat er gesagt?� Mat runzelte die Stirn. �Das verstehe ich nicht. Er sagt doch niemals etwas <emphasis>gegen</emphasis> eine Aes Sedai. Warum dann jetzt? Schau mal, Rand, ich mag die Aes Sedai genausowenig wie du, aber sie werden uns ganz gewi� nichts tun.� Er senkte die Stimme bei diesen Worten und blickte sich nach hinten um, ob irgendeiner der Spieler ihnen lauschte. Man f�rchtete die Aes Sedai schon, aber in den Grenzlanden waren sie keineswegs verha�t, und eine respektlose Bemerkung �ber sie konnte einem durchaus eine Rauferei oder Schlimmeres einbringen. �Nimm doch mal Moiraine. Sie ist gar nicht so �bel, auch wenn sie eine Aes Sedai ist. Du denkst schon wie der alte Cenn Buie, wenn er zu Hause in der Weinquellenschenke seine �bertriebenen Geschichten erz�hlt. Ich meine, sie hat uns nichts getan, und das werden die anderen auch nicht. Warum sollten sie auch?�</p><p>Perrin hob den Blick. Gelbe Augen schimmerten wie poliertes Gold in der d�steren Beleuchtung. <emphasis>Moiraine hat uns nichts getan?</emphasis> dachte Rand. Perrins Augen waren bei ihrem Aufbruch von den Zwei Fl�ssen genauso dunkelbraun gewesen wie die Mats. Rand hatte keine Ahnung, wie es zu dieser �nderung gekommen war �Perrin wollte nicht dar�ber sprechen, wie er �berhaupt nicht viel sprach, seit das geschehen war � aber es war zur selben Zeit geschehen, in der er die heruntersackenden Schultern abbekommen und sich die Distanz in seinem Verhalten bemerkbar gemacht hatte, als f�hle er sich selbst in der Gegenwart seiner Freunde einsam. Perrins Augen und Mats Dolch. Nichts von alledem w�re geschehen, h�tten sie nicht Emondsfeld verlassen, und es war Moiraine gewesen, die sie weggebracht hatte. Er wu�te, da� er jetzt nicht fair war. Sie w�ren vielleicht alle durch Trollocs get�tet worden und dazu auch ein ganzer Teil der Emondsfelder, wenn sie nicht in ihr Dorf gekommen w�re. Aber das lie� Perrin auch nicht wieder lachen wie fr�her oder nahm den Dolch von Mats G�rtel. <emphasis>Und was ist mit mir? Wenn ich zu Hause w�re und immer noch am Leben, w�re ich dann auch, was ich jetzt bin? Zumindest w�rde ich mir keine Gedanken dar�ber machen, was die Aes Sedai mit mir anstellen.</emphasis></p><p>Mat sah ihn immer noch fragend an, und Perrin hatte den Kopf weit genug gehoben, um ihn mit gerunzelter Stirn erstaunt anzusehen. Loial wartete geduldig. Rand konnte ihnen nicht sagen, warum er sich von der Amyrlin fernhalten mu�te. Sie wu�ten ja nicht, was er war. Lan wu�te es, und Moiraine auch. Und Egwene und Nynaeve. Er w�nschte, keiner von ihnen w��te Bescheid, und vor allem Egwene nicht, aber wenigstens glaubten Mat und Perrin und auch Loial immer noch, er sei unver�ndert. Er dachte sich, er w�rde lieber sterben als ihnen die Wahrheit zu sagen, als das Z�gern und die Besorgtheit zu erblicken, die er manchmal bei Egwene und bei Nynaeve bemerkte, auch wenn sie sich sehr bem�hten, dieses zu verschleiern.</p><p>�Irgend jemand... beobachtet mich�, sagte er schlie�lich. �Folgt mir. Nur... Nur, es ist niemand da.�</p><p>Perrins Kopf zuckte hoch, und Mat leckte sich die Lippen und fl�sterte: �Ein Blasser?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, schnaubte Loial. �Wie k�nnte einer der Augenlosen nach Fal Dara hineinkommen und dann noch in die Festung? Es ist ein Gesetz, da� niemand innerhalb der Stadtmauern sein Gesicht verbergen darf, und die Lampenanz�nder sind gehalten, die Stra�en nachts gut zu beleuchten, so da� es keinen Schatten gibt, in dem sich ein Myrddraal verbergen k�nnte. Das kann einfach nicht geschehen.�</p><p>�Mauern k�nnen einen Blassen nicht aufhalten�, murmelte Mat. �Nicht, wenn er unbedingt herein will. Ich bezweifle, da� Gesetze und Lampen daran etwas �ndern k�nnen.� Er klang nicht wie jemand, der vor einem halben Jahr noch geglaubt hatte, Blasse seien blo� Schreckgespenster aus den Erz�hlungen von Gauklern. Auch er hatte zuviel gesehen.</p><p>�Und dann war da noch der Wind�, f�gte Rand hinzu. Seine Stimme zitterte kaum, als er ihnen erz�hlte, was auf dem Turm geschehen war. Perrins F�uste verkrampften sich, bis seine Kn�chel knackten. �Ich will nur weg von hier�, schlo� Rand. �Ich will nach S�den. Irgendwohin. Einfach irgendwohin.�</p><p>�Aber wenn die Tore geschlossen sind�, sagte Mat, �wie kommen wir dann hinaus?�</p><p>Rand sah ihn mit gro�en Augen an. �Wir?� Er mu�te allein gehen. Es w�re f�r jeden anderen in seiner N�he schlie�lich zu gef�hrlich. Er w�re gef�hrlich, und selbst Moiraine konnte ihm nicht sagen, wieviel Zeit er noch hatte. �Mat, du wei�t, da� du mit Moiraine nach Tar Valon gehen mu�t. Sie sagte doch, das sei der einzige Ort, an dem man dich von diesem verdammten Dolch befreien kann, ohne dich umzubringen. Und du wei�t, was passiert, wenn du ihn beh�ltst.�</p><p>Mat ber�hrte seinen Mantel �ber dem Dolch und schien noch nicht einmal zu bemerken, was er da tat. �Das Geschenk einer Aes Sedai ist ein K�der f�r Fische�, zitierte er. �Also, vielleicht m�chte ich mir den K�der nicht in den Mund stecken. Vielleicht ist das, was sie in Tar Valon mit mir anstellen will, noch schlimmer, als gar nicht hinzugehen. Vielleicht l�gt sie auch. �Die Wahrheit, die dir eine Aes Sedai sagt, ist niemals dieselbe Wahrheit, wie du sie dir vorstellst.��</p><p>�Hast du noch ein paar alte Sprichw�rter auf Lager, die du loswerden m�chtest?� fragte Rand. ��Ein S�dwind bringt einen warmen Gast, ein Nordwind ein leeres Haus�? �Ein mit Goldfarbe angestrichenes Schwein ist immer noch ein Schwein�? Wie steht es mit �Reden scheren kein Schaf�? Oder �Die Worte eines Narren sind Staub�?�</p><p>�La� ihn, Rand�, sagte Perrin leise. �Es ist nicht n�tig, ihn so hart anzupacken.�</p><p>�Wirklich nicht? Vielleicht will ich nicht, da� ihr zwei mitkommt, immer herumstolpert, in Schwierigkeiten geratet und dann erwartet, da� ich euch heraushole. Habt ihr schon jemals daran gedacht? Licht noch mal, habt ihr je daran gedacht, da� ich die Nase davon voll haben k�nnte, stets euch vorzufinden, wenn ich mich umdrehe? Immer seid ihr da, und ich habe genug davon.� Der Schmerz auf Perrins Gesicht schnitt wie ein Messer in sein Innerstes, aber er machte beharrlich weiter. �Ein paar hier glauben, ich sei ein Lord. Ein Lord. Vielleicht gef�llt mir das? Aber seht euch mal an! Zockt mit Stallburschen. Wenn ich gehe, dann gehe ich allein. Ihr zwei k�nnt nach Tar Valon gehen oder euch aufh�ngen, aber ich gehe allein von hier weg.�</p><p>Mats Gesicht war erstarrt, und er hielt den Dolch durch den Stoff seines Mantels so fest, da� seine Kn�chel wei� anliefen. �Wenn du es so haben willst...�, sagte er kalt. �Ich dachte, wir seien... Wie du w�nschst, Rand al'Thor. Aber sollte ich mich entschlie�en, zur gleichen Zeit wie du abzureisen, dann werde ich das tun, und du h�ltst dich am besten von mir fern.�</p><p>�Niemand wird irgendwohin gehen�, sagte Perrin, �solange die Tore versperrt sind.� Er blickte wieder zu Boden. Eine Welle des Gel�chters kam von den Spielern her, als jemand verlor.</p><p>�Geht oder bleibt�, sagte Loial, �zusammen oder einzeln, es bleibt sich doch gleich. Ihr seid alle drei <emphasis>ta'veren.</emphasis> Das kann selbst ich sehen, und ich habe dieses Talent nicht. Ich sehe es nur daran, was um euch drei herum passiert. Und Moiraine Sedai meint das auch.�</p><p>Mat hob abwehrend die H�nde. �Aufh�ren, Loial! Ich will nichts mehr davon h�ren!�</p><p>Loial sch�ttelte den Kopf. �Ob du es h�ren willst oder nicht, es bleibt doch wahr. Das Rad der Zeit webt das Muster des Zeitalters und ben�tzt statt F�den Menschenleben. Und ihr drei seid <emphasis>ta'veren,</emphasis> zentrale Punkte im Gewebe.�</p><p>�H�r auf, Loial!�</p><p>�Eine Zeitlang wird das Rad das Muster um euch drei herum formen, was immer ihr auch anstellt. Und was ihr macht, ist wahrscheinlich eher vom Rad bestimmt worden, als von euch. <emphasis>Ta'veren</emphasis> ziehen die Weltgeschichte hinter sich her und ver�ndern das Muster durch ihre blo�e Existenz, aber das Rad webt <emphasis>ta'veren</emphasis> viel enger ein als andere Menschen. Wo ihr auch hingeht und was ihr auch macht, bis es das Rad anders will, werdet ihr... �</p><p>�Aufh�ren!� schrie Mat. Die Spieler sahen sich um, und er starrte mit finsterer Miene zur�ck, bis sie sich wieder ihrem Spiel zuwandten.</p><p>�Tut mir leid, Mat�, grollte Loial. �Ich wei�, da� ich zuviel rede, aber ich wollte nicht... �</p><p>�Ich bleibe nicht hier�, sagte Mat zu den Dachsparren, �bei einem geschw�tzigen Ogier und einem Idioten, dessen Kopf so angeschwollen ist, da� er unter keinen Hut mehr pa�t. Kommst du mit, Perrin?� Perrin seufzte, sah Rand an und nickte dann.</p><p>Rand sah mit einem Klo� im Hals zu, wie sie weggingen. <emphasis>Ich mu� alleine gehen. Licht, hilf mir, aber ich mu�!</emphasis></p><p>Loial sah ihnen auch nach, und seine Augenbrauen hingen sorgenerf�llt herunter. �Rand, ich wollte wirklich nicht... �</p><p>Rand bem�hte sich, barsch zu klingen: �Worauf wartest du denn noch? Geh doch mit ihnen! Ich verstehe nicht, warum du noch hier bist. Du n�tzt mir gar nichts, wenn du keinen Weg nach drau�en kennst. Geh schon! Geh und suche deine B�ume und deine geliebten Haine, falls sie nicht gef�llt wurden, und dann macht es auch nichts.�</p><p>Loials tassengro�e Augen blickten zuerst �berrascht und verletzt drein, doch dann zogen sie sich zusammen und zeigten etwas, das man beinahe schon Zorn nennen konnte. Rand glaubte aber nicht, da� es Zorn war. In einigen alten Legenden wurde behauptet, Ogier seien gewaltt�tig, obwohl es niemals n�her erkl�rt wurde, aber Rand hatte noch nie jemanden getroffen, der ein so sanftes Gem�t hatte wie Loial.</p><p>�Wenn du w�nschst, Rand al'Thor�, sagte Loial schroff. Er verbeugte sich steif und stolzierte Mat und Perrin hinterher.</p><p>Rand sackte nach hinten an den Stapel Getreides�cke. <emphasis>Also,</emphasis> sagte eine Stimme in seinem Kopf bissig, <emphasis>das hast du ja nun geschafft. Ich mu�te doch,</emphasis> antwortete er ihr. <emphasis>Es wird gef�hrlich, sich in meiner N�he aufzuhalten. Blut und Asche, ich werde wahnsinnig, und... Nein! Nein, das werde ich nicht! Ich werde die Macht nicht ben�tzen, dann schnappe ich auch nicht �ber... Aber ich kann es nicht riskieren. Ich kann nicht, verstehst du das?</emphasis> Doch die Stimme lachte ihn nur aus.</p><p>Er merkte, da� ihn die Spieler ansahen. Sie knieten noch vor der Wand, und alle hatten sich zu ihm umgedreht. Schienarer waren fast immer h�flich und korrekt, gleich, welcher gesellschaftlichen Klasse sie angeh�rten, selbst zu Todfeinden, und Ogier waren nun bestimmt keine Feinde der Schienarer. In den Augen der Spieler stand der Schock. Ihre Gesichter waren ausdruckslos, doch ihre Augen sagten, da� es schlimm war, was er getan hatte. Ein Teil von ihm gab ihnen recht, und so ging ihm ihre schweigende Anklage m�chtig unter die Haut. Sie sahen ihn einfach nur an, aber er stolperte aus dem Lagerraum, als seien sie hinter ihm her.</p><p>Wie bet�ubt ging er weiter durch die Lagerr�ume und suchte nach einem Ort, wo er sich heimlich aufhalten konnte, bis die Tore wieder dem Verkehr ge�ffnet wurden. Dann k�nnte er sich vielleicht unten im Karren eines Lebensmittelh�ndlers verstecken. Falls sie die Karren nicht auf dem Weg nach drau�en durchsuchten. Falls sie nicht auch die Lagerr�ume oder sogar die ganze Festung nach ihm durchsuchten. Beharrlich verdr�ngte er die Gedanken an diese M�glichkeit, und er konzentrierte sich ganz darauf, einen Hort der Sicherheit aufzusp�ren. Aber bei jedem in Frage kommenden Platz, den er ausfindig machte � einem Hohlraum in einem Stapel von Getreides�cken, einem schmalen Durchgang an einer Wand hinter einigen Weinf�ssern, einem zur H�lfte mit leeren Kisten und Schatten gef�llten, aber ansonsten leerstehenden Lagerraum � stellte er sich vor, wie ihn die H�scher dort f�nden. Er stellte sich auch vor, wie der unsichtbare Beobachter, wer oder was er auch sein mochte, ihn dort ausfindig machte. Also schlich er weiter, durstig und staubig und mit Spinnweben im Haar.</p><p>Dann betrat er einen nur tr�b von Fackeln beleuchteten Korridor, und da war Egwene und schlich von T�r zu T�r. Sie blieb jeweils stehen, um in die Lagerr�ume zu sp�hen. Ihr dunkles, bis an die H�ften reichendes Haar wurde von einem roten Band zusammengehalten. Sie trug ein hellgraues Kleid schienarischen Schnitts mit einer roten Borte. Bei ihrem. Anblick �berkamen ihn Trauer und Sehnsucht, schlimmer als zu der Zeit, da er Mat und Perrin und Loial verscheucht hatte. Er war in dem Bewu�tsein aufgewachsen, da� er eines Tages Egwene heiraten w�rde � genau wie sie umgekehrt ja auch. Aber jetzt...</p><p>Sie zuckte zusammen, als er pl�tzlich vor ihr stand. Ihr schien der Atem zu stocken, aber dann sagte sie nur: �Also da bist du! Mat und Perrin erz�hlten mir, was du getan hast. Und Loial auch. Ich wei�, was du damit erreichen willst, Rand, und das ist einfach idiotisch.� Sie verschr�nkte die Arme unter dem Busen, und ihre gro�en, dunklen Augen sahen ihn unverwandt an. Er hatte sich schon immer gefragt, wie sie es fertigbrachte, da� es so wirkte, als blicke sie auf ihn herunter � das machte sie, wann immer sie gerade wollte �, obwohl sie ihm nur bis ans Kinn reichte und auch noch zwei Jahre j�nger war.</p><p>�Gut�, sagte er. Pl�tzlich �rgerte er sich �ber ihr Haar. Er hatte niemals eine erwachsene Frau gesehen, die ihr Haar offen und nicht als Zopf trug, bevor er die Zwei Fl�sse verlie�. Dort wartete jedes M�dchen ungeduldig darauf, da� der Frauenzirkel ihres Dorfs entschied, sie sei alt genug, um ihr Haar zum Zopf zu flechten. Egwene war keine Ausnahme gewesen. Und nun war sie hier und trug ihr Haar offen, nur mit einem Band gehalten. <emphasis>Ich will nach Hause und kann nicht, w�hrend sie es gar nicht erwarten kann, Emondsfeld zu vergessen.</emphasis> �Geh weg und la� mich in Ruhe. Du willst dich doch nicht mehr mit einem Sch�fer abgeben. Hier sind ja jetzt genug Aes Sedai, die du anhimmeln kannst. Und erz�hl keiner davon, da� du mich gesehen hast. Sie sind hinter mir her, und ich kann es nicht auch noch verkraften, wenn du ihnen hilfst.�</p><p>Auf ihren Wangen brannten rote Flecke. �Glaubst du, ich w�rde... �</p><p>Er drehte sich um und wollte weitergehen, doch da warf sie sich mit einem kleinen Aufschrei auf ihn und umklammerte seine Beine. Beide taumelten auf den Steinfu�boden hinunter. Seine Satteltaschen und das B�ndel flogen durch die Gegend. Er keuchte beim Aufschlag auf den Boden. Der Griff seines Schwertes bohrte sich in seine Seite, und das wiederholte sich, als sie sich hochrappelte und sich anschlie�end auf seinen R�cken fallen lie�, als sei er ein Stuhl. �Meine Mutter�, sagte sie entschlossen, �hat mir immer beigebracht der beste Weg zu lernen, wie man mit einem Mann umgeht, sei zu lernen, wie man auf einem Maulesel reitet. Sie sagte, die meiste Zeit �ber h�tten sie ungef�hr den gleichen Verstand. Manchmal sei auch der Maulesel schlauer.�</p><p>Er hob den Kopf und blickte sie �ber die Schulter hinweg an. �Geh runter von mir, Egwene. Runter! Egwene, wenn du nicht gleich unten bist� � er senkte die Stimme vielsagend � �dann tue ich dir etwas an. Du wei�t, was ich bin.� Er warf ihr einen bitterb�sen Blick zu, um seine Drohung zu unterstreichen.</p><p>Egwene schnaubte. �Das w�rdest du nicht, auch wenn du k�nntest. Du kannst niemandem etwas zuleide tun. Aber au�erdem geht das auch gar nicht. Ich wei�, da� du die Eine Macht nicht nach Belieben lenken kannst. Es geschieht einfach, und du kannst es nicht kontrollieren. Also wirst du weder mir noch sonst jemandem etwas antun. Andererseits habe ich bei Moiraine Unterricht gehabt, und wenn du keine Vernunft annimmst, Rand al'Thor, dann k�nnte ich vielleicht deine Hose in Brand setzen. So was schaffe ich. Mach nur so weiter, dann wirst du es erleben.� Pl�tzlich flammte einen Augenblick lang die ihnen am n�chsten befindliche Fackel prasselnd auf. Sie quiekte und starrte �berrascht hin.</p><p>Er wand sich herum, packte ihren Arm, zog sie von seinem R�cken herunter und stie� sie gegen die Wand. Als er sich aufrichtete, sa� sie ihm gegen�ber und rieb sich w�tend den Arm. �Du h�ttest das wirklich fertiggebracht, stimmt's?� sagte er ver�rgert. �Du spielst mit Sachen, die du nicht verstehst. Du h�ttest uns beide zu Holzkohle verbrennen k�nnen!�</p><p>�M�nner! Wenn ihr uns nicht �berzeugen k�nnt, dann rennt ihr entweder davon oder ihr greift zur Gewalt.�</p><p>�Mach mal halblang! Wer hat wen zu Fall gebracht? Wer hat sich auf wen gesetzt? Und wer hat gedroht �versucht...� Er hob die H�nde. �Nein, du machst nicht so weiter. Du versuchst das immer wieder. Wenn du merkst, da� es nicht nach deinem Kopf geht, dann reden wir pl�tzlich von etwas ganz anderem. Aber diesmal nicht!�</p><p>�Ich will nicht streiten�, sagte sie ruhig, �und ich wechsle auch nicht das Thema. Verstecken hei�t doch nur weglaufen. Und nach diesem Versteckspiel l�ufst du ohnehin weg. Und du tust Mat und Perrin und Loial weh! Und wie steht es mit mir? Ich wei�, warum. Du hast Angst davor, da� du jemandem noch mehr weh tust, wenn du ihn bei dir bleiben l��t. Wenn du nicht t�test, was du sowieso nicht solltest, dann m��test du dir auch keine Gedanken dar�ber machen, jemandem weh zu tun. All dieses Herumrennen und auf jeden Loshacken, und dabei wei�t du noch nicht einmal, ob du einen wirklichen Grund dazu hast! Wieso sollte die Amyrlin oder irgendeine Aes Sedai au�er Moiraine �berhaupt wissen, da� es dich gibt?�</p><p>Er blickte sie einen Augenblick lang stumm an. Je mehr Zeit sie mit Moiraine und Nynaeve verbrachte, desto mehr nahm sie deren Art an, zumindest wenn ihr das pa�te. Sie waren sich manchmal so �hnlich, die Aes Sedai und die Seherin, verschlossen und weise zugleich. Dasselbe bei Egwene festzustellen, brachte ihn durcheinander.</p><p>Schlie�lich erz�hlte er ihr, was Lan ihm gesagt hatte. �Was kann er sonst gemeint haben?�</p><p>Ihre Hand erstarrte auf seinem Arm, und sie runzelte angestrengt die Stirn. �Moiraine wei� das von dir, und sie hat nichts unternommen; also warum sollte sie das jetzt tun? Aber falls Lan... � Mit gerunzelter Stirn sah sie ihm in die Augen. �Die Lagerr�ume sind der erste Ort, an dem sie suchen werden. Falls sie suchen. Bis wir herausfinden, ob sie dich suchen, m�ssen wir dich irgendwohin bringen, wo sie niemals suchen w�rden. Ich wei� wo. Im Kerker.�</p><p>Er rappelte sich hoch. �Im Kerker?�</p><p>�Nicht in einer Zelle, Dummkopf. Ich gehe manchmal abends hin, um Padan Fain zu besuchen. Nynaeve auch. Keiner wird sich etwas dabei denken, wenn ich heute etwas fr�her komme. In Wirklichkeit wird uns �berhaupt niemand beachten, weil alle die Amyrlin sehen wollen.�</p><p>�Aber Moiraine... �</p><p>�Sie geht nicht in den Kerker, um Meister Fain zu verh�ren. Sie l��t ihn zu sich bringen. Und sie hat das in den letzten Wochen nicht gerade oft getan. Glaub mir, dort bist du in Sicherheit.�</p><p>Er z�gerte noch. Padan Fain. �Warum besuchst du �berhaupt den H�ndler? Er ist ein Schattenfreund, wie du aus seinem eigenen Munde wei�t, und ein sehr schlimmer noch dazu. Licht noch mal, Egwene, er hat die Trollocs nach Emondsfeld gef�hrt! Der Jagdhund des Dunklen K�nigs nannte er sich, und er hat seit Winternacht meine Spur gesucht.�</p><p>�Ja, aber jetzt befindet er sich ganz sicher hinter eisernen Gitterst�ben, Rand.� Nun z�gerte sie und sah ihn beinahe bittend an. �Rand, er ist jeden Fr�hling seit meiner Geburt mit seinem Wagen in die Zwei Fl�sse gekommen. Er kennt alle Menschen, die ich kenne, und alle Orte. Es ist seltsam, aber je l�nger er eingesperrt ist, desto umg�nglicher wird er. Es ist beinahe, als komme er vom Dunklen K�nig los. Er lacht wieder und erz�hlt lustige Geschichten �ber die Leute aus Emondsfeld und manchmal von Orten, deren Namen ich noch nie geh�rt habe. Manchmal ist er fast wieder so wie fr�her. Ich spreche einfach gern mit jemandem �ber zu Hause.�</p><p><emphasis>Da ich dich gemieden habe,</emphasis> dachte er, <emphasis>und da Perrin alle gemieden hat und Mat seine ganze Zeit mit Spielen und Vergn�gungen zubringt.</emphasis> �Ich h�tte mich wohl nicht so zur�ckziehen sollen�, gab er leise zu, und dann seufzte er. �Na ja, wenn Moiraine glaubt, da� du nicht in Gefahr bist, dann ist es wohl auch kein Risiko f�r mich. Aber es ist nicht n�tig, da� du darin verwickelt wirst.�</p><p>Egwene stand auf, wischte sich betont das Kleid ab und mied seinen Blick.</p><p>�Moiraine hat doch gesagt, da� es ungef�hrlich ist? Egwene?�</p><p>�Moiraine Sedai hat mir nicht gesagt, da� ich Meister Fain nicht besuchen k�nne�, sagte sie trotzig.</p><p>Er sah sie entgeistert an, und dann brach es aus ihm heraus: �Du hast sie �berhaupt nicht gefragt! Sie wei� es nicht einmal! Egwene, das ist derart dumm! Padan Fain ist ein Schattenfreund und so schlimm, wie einer nur sein kann.�</p><p>�Er ist in einem K�fig eingesperrt�, sagte sie trotzig, �und ich mu� Moiraine nicht um Erlaubnis bitten, wenn ich etwas tun will. Es ist ein bi�chen zu sp�t f�r dich, dir zu �berlegen, da� jemand tun soll, was eine Aes Sedai w�nscht. Also, kommst du jetzt mit?�</p><p>�Ich kann den Kerker auch ohne dich finden. Sie suchen nach mir, oder werden nach mir suchen, und es w�re nicht gut f�r dich, wenn sie dich bei mir finden.�</p><p>�Ohne mich�, bemerkte sie trocken, �wirst du wahrscheinlich �ber die eigenen F��e fallen und geradewegs in den Scho� der Amyrlin fallen und dort alles gestehen, w�hrend du dich herauszureden versuchst.�</p><p>�Blut und Asche! Du geh�rst wirklich in den Frauenzirkel zu Hause. Wenn M�nner wirklich so unbeholfen und hilflos w�ren, wie du zu glauben scheinst, w�rden wir nie... �</p><p>�Willst du hier stehen und quatschen, bis sie dich finden? Heb deine Sachen auf, Rand, und komm mit mir!� Sie wartete nicht auf eine Antwort, drehte sich auf dem Fu� um und ging den Flur hinunter. Rand fluchte unterdr�ckt und gehorchte ihr z�gernd.</p><p>Es hielten sich auf den Hintertreppen, die sie ben�tzten, nur wenige Menschen auf, meist Diener, aber Rand hatte das Gef�hl, sie starrten ihn besonders aufmerksam an. Nicht den Mann, der f�r eine Reise ausger�stet war, sondern speziell <emphasis>ihn,</emphasis> Rand al'Thor. Er wu�te, da� er sich das einbildete, zumindest hoffte er das, aber trotzdem f�hlte er sich keineswegs erleichtert, als sie in einem Gang tief unter der Festung vor einer hohen T�r mit einem kleinen Eisengitter darin stehenblieben. Die T�r war so stark mit Eisenb�ndern befestigt wie die Tore in der Festungsmauer. Unter dem Gitter hing ein T�rklopfer.</p><p>Durch das Gitter konnte Rand kahle W�nde erkennen und zwei Soldaten mit ihren Haarknoten, die ohne Kopfbedeckung an einem Tisch sa�en, auf dem eine Lampe stand. Einer der M�nner sch�rfte einen Dolch mit langgezogenen, langsamen Bewegungen seines Schleifsteins. Die Bewegungen wurden nicht unterbrochen, als Egwene den T�rklopfer bet�tigte. Es gab einen scharfen, hallenden Schlag von Eisen auf Eisen.</p><p>Der andere Mann, der ein plattes und m�rrisches Gesicht hatte, sah die T�r �berlegend an, bevor er sich schlie�lich doch erhob und her�berkam. Er war untersetzt und st�mmig und gerade gro� genug, um durch die Gitterst�be zu blicken.</p><p>�Was wollt Ihr? Ach, du bist es wieder, M�dchen. Bist du gekommen, um deinen Schattenfreund zu besuchen? Wer ist das?� Er machte keine Anstalten, die T�r zu �ffnen.</p><p>�Es ist ein Freund von mir, Changu. Er m�chte auch Meister Fain sehen.�</p><p>Der Mann betrachtete Rand. Er zog die Oberlippe hoch, so da� seine Z�hne blank lagen. Rand glaubte nicht, da� es ein L�cheln darstellen sollte. �Aha�, sagte Changu schlie�lich. �Aha. Gro� seid Ihr. Gro�. Und h�bsch angezogen f�r einen von Eurer Sorte. Hat Euch einer jung in den Osts�mpfen eingefangen und gez�hmt?� Er ri� die Bolzen nach hinten und die T�r auf. �Also, dann kommt schon herein.� Sein Tonfall wurde sp�ttisch. �Gebt acht, da� Ihr euch nicht den Kopf ansto�t, Lord.�</p><p>Doch da bestand keine Gefahr; die T�r war hoch genug f�r Loial. Rand folgte Egwene mit finsterer Miene hinein. Er �berlegte, ob Changu vielleicht �rger machen w�rde. Er war der erste unh�fliche Schienarer, den Rand kennengelernt hatte; selbst Masema war nur kalt, aber nicht wirklich unh�flich. Doch der Bursche schlug lediglich die T�r zu und rammte die schweren Bolzen wieder hinein. Dann ging er zu einem Regal hinter dem Tischende und nahm eine der dort stehenden Lampen. Der andere Mann h�rte nicht auf, sein Messer zu schleifen, und blickte nicht einmal auf. Der Raum war bis auf den Tisch und B�nke und Regale leer. Auf dem Boden lag Stroh, und eine weitere eisenverst�rkte T�r f�hrte tiefer in den Kerker hinein.</p><p>�Ihr werdet Licht brauchen, klar?� sagte Changu. �Dort drinnen bei Eurem Schattenfreund ist es dunkel.� Er lachte grob und ohne Humor und entz�ndete die Lampe. �Er wartet auf Euch.� Er hielt Egwene die Lampe hin und �ffnete die innere T�r beinahe eifrig. �Wartet auf Euch. Dort drinnen im Dunkeln.�</p><p>Rand blieb unsicher ob der dort herrschenden Schw�rze stehen und Changu grinste hinter ihm, doch Egwene packte ihn am �rmel und zog ihn weiter. Die T�r schlug zu und erwischte ihn beinahe noch an der Ferse. Die Riegel wurden knirschend vorgeschoben. Es gab nur noch den Laternenschein, der seinen kleinen Lichtkreis in die Dunkelheit hineinzeichnete.</p><p>�Bist du sicher, da� er uns wieder herauslassen wird?� fragte er. Der Mann hatte, das wurde ihm jetzt klar, sein Schwert und seinen Bogen �berhaupt nicht angesehen und auch nicht gefragt, was er in seinen B�ndeln habe. �Das sind keine sehr guten Wachen. So, wie der aufgepa�t hat, k�nnten wir genausogut hier sein, um Fain zu befreien.�</p><p>�Dazu kennen sie mich zu gut�, sagte sie, doch es klang besorgt, und sie f�gte hinzu: �Sie scheinen jedesmal schlimmer zu werden, wenn ich komme. Alle Wachen. Bissiger und m�rrischer. Changu hat bei meinem ersten Besuch noch Witze erz�hlt, und Nidao sagt �berhaupt kein Wort mehr. Aber ich sch�tze, wenn man an einem Ort wie diesem arbeitet, kann man wohl kein leichtes Herz bewahren. Vielleicht liegt es auch an mir. Dieser Ort macht mein Herz auch nicht gerade leichter.� Trotz ihrer Worte zog sie ihn voller Selbstvertrauen weiter in die Schw�rze. Er hielt mit seiner freien Hand das Schwert.</p><p>Der blasse Laternenschein enth�llte einen breiten Flur mit Eisengittern auf beiden Seiten, hinter denen sich Zellen mit aus Stein gehauenen W�nden befanden. Nur zwei der Zellen, an denen sie vorbeikamen, waren besetzt. Die Gefangenen richteten sich von ihren schmalen Pritschen auf, als der Lichtschein auf sie fiel, sch�tzten ihre Augen mit den H�nden und starrten b�se zwischen den Fingern hindurch. Obwohl ihre Gesichter verborgen blieben, war Rand sich ihrer b�sen Blicke sicher. Ihre Augen funkelten im Laternenschein.</p><p>�Der da trinkt und rauft zuviel�, murmelte Egwene und deutete auf einen st�mmigen Burschen, dessen Gelenke fast unter Muskelpaketen verschwanden. �Diesmal hat er ganz allein den Schankraum einer Schenke in der Stadt auseinandergenommen und einige M�nner schwer verletzt.� Der andere Gefangene trug einen goldbestickten Mantel mit weiten �rmeln und niedrige, gl�nzende Stiefel. �Er versuchte, die Stadt zu verlassen, ohne seine Rechnung in der Schenke zu begleichen� � dabei schnaubte sie laut und verachtungsvoll; schlie�lich war ihr Vater Wirt und auch noch B�rgermeister von Emondsfeld � �und er schuldet auch noch einem halben Dutzend Ladenbesitzern und Kaufleuten Geld.�</p><p>Die M�nner fauchten sie an und knurrten kehlige Fl�che, wie Rand sie bisher nur von den Leibw�chtern der H�ndler geh�rt hatte.</p><p>�Auch sie werden jeden Tag schlimmer�, sagte sie mit angespannter Stimme und beschleunigte ihren Schritt.</p><p>Sie befand sich weit genug vor ihm, als sie Padan Fains Zelle ganz am Ende des Ganges erreichten, da� Rand sich in dem Moment ganz au�erhalb des Lichtscheins befand. Er blieb an dem Fleck im Schatten hinter ihrer Laterne stehen.</p><p>Fain sa� auf seiner Pritsche und beugte sich erwartungsvoll vor, als habe er wirklich gewartet, so wie Changu behauptet hatte. Er war ein knochiger Mann mit stechendem Blick, langen Armen und einer gro�en Nase, und er war noch hagerer, als Rand ihn in Erinnerung hatte. Die hagere Gestalt r�hrte nicht vom Aufenthalt im Kerker her � das Essen hier war das gleiche, das auch die Diener bekamen, und auch der schlimmste Gefangene bekam die gleichen Portionen �, sondern von dem, was er getan hatte, bevor er nach Fal Dara gekommen war. Der Anblick lie� in Rand Erinnerungen aufkommen, auf die er lieber verzichtet h�tte. Fain auf dem Bock seines gro�en H�ndlerwagens, wie er �ber die Wagenbr�cke rumpelte und am Tag der Winternacht in Emondsfeld ankam. Und an Winternacht kamen die Trollocs und mordeten und brannten H�user nieder und jagten. Sie jagten drei junge M�nner, hatte Moiraine gesagt. <emphasis>Sie jagten mich, auch wenn sie es nicht wu�ten, und Fain benutzten sie als Sp�rhund.</emphasis></p><p>Fain stand bei Egwenes Ann�herung auf, doch er sch�tzte seine Augen nicht vor dem Licht; er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er l�chelte sie an. Das L�cheln ber�hrte aber kaum seine Mundwinkel. Dann hob er den Blick und sah �ber ihren Kopf hinweg. Er schaute geradewegs Rand an, der in der Schw�rze hinter dem Lichtschein verborgen stand, und deutete mit einem langen Finger auf ihn. �Ich f�hle, wie du dich dort verbirgst, Rand al'Thor�, sagte er in einem Singsangton. �Du kannst dich nicht verbergen, nicht vor mir und nicht vor ihnen. Du dachtest, es sei vor�ber, nicht wahr? Aber der Kampf wird nie vor�ber sein, al'Thor. Sie holen mich, und sie werden dich holen, und der Krieg geht weiter. Ob du lebst oder stirbst, es wird nie vor�ber sein f�r dich. Nie.� Pl�tzlich begann er zu singen:</p><p>�Es n�hert der Tag der Freiheit sich. Auch f�r dich und selbst f�r mich. Es naht der Tag, da sterben alle. Besonders du, doch ich entrinn der Falle.�</p><p>Er lie� den Arm fallen, und sein Blick hob sich erneut. Er starrte angestrengt nach oben in die Dunkelheit hinein. Ein schiefes Grinsen verzerrte seine Mundpartie. Er lachte tief und kehlig, als am�siere er sich �ber das, was immer er auch sehen mochte. �Mordeth wei� mehr als ihr alle. Mordeth wei� Bescheid.�</p><p>Egwene schob sich nach hinten von der Zelle weg, bis sie Rand erreicht hatte und nur der �u�erste Rand des Lichtscheins noch die Gitterst�be von Fains Zelle ber�hrte. Die Dunkelheit verbarg den H�ndler, doch sie konnten sein Lachen noch immer h�ren. Obwohl er ihn nicht mehr sehen konnte, war Rand sicher, da� Fain nach wie vor ins Nichts blickte.</p><p>Schaudernd l�ste er die Finger vom Schwertgriff. �Licht!� sagte er heiser. �Und du sagst, er ist so wie fr�her?�</p><p>�Manchmal ist es besser, und manchmal wieder schlimmer.� Egwenes Stimme klang unsicher. �Jetzt ist es schlimmer � viel schlimmer als sonst.�</p><p>�Ich frage mich, was er da sieht. Er spinnt � starrt im Dunklen an die Steindecke.� <emphasis>Wenn der Stein nicht w�re, w�rde er genau in die Wohnquartiere der Frauen blicken. Dort ist Moiraine, und auch die Amyrlin.</emphasis> Er schauderte wieder. �Er ist verr�ckt.�</p><p>�Es war kein guter Einfall, Rand.� Sie blickte sich nach hinten zur Zelle um und zog ihn weg. Sie senkte die Stimme, als f�rchte sie, da� Fain sie belauschen k�nnte. Fains Lachen verfolgte sie. �Selbst wenn sie hier nicht suchen, kann ich nicht bei ihm bleiben, und ich glaube auch nicht, da� du hier bleiben solltest. Heute hat er etwas an sich...� Sie holte bebend Luft. �Es gibt einen Ort, an dem du noch sicherer w�rst als hier. Ich habe ihn blo� nicht erw�hnt, weil es leichter war, dich hier herein zu bringen, aber sie w�rden niemals in den Frauenquartieren nachschauen. Nie.�</p><p>�Die Frauen...? Egwene, Fain mag ja spinnen, aber du bist noch verr�ckter. Du kannst dich doch vor Hornissen nicht ausgerechnet im Hornissennest verstecken!�</p><p>�Welcher Ort w�re besser geeignet? Was ist der einzige Ort in der Festung, den kein Mann ohne die Einladung einer Frau betreten w�rde, noch nicht einmal Lord Agelmar? Was ist der einzige Ort, an dem niemals jemand nach einem Mann suchen w�rde?�</p><p>�Welches ist der einzige Ort in der Festung, bei dem du sicher sein kannst, da� er voll von Aes Sedai steckt? Das ist verr�ckt, Egwene.�</p><p>Sie deutete auf seine B�ndel und redete, als sei alles beschlossene Sache. �Du mu�t dein Schwert und den Bogen in deinen Umhang wickeln, dann sieht es aus, als w�rdest du mir die Sachen tragen. Es sollte nicht zu schwierig sein, ein Wams und ein Hemd f�r dich zu finden, die nicht so h�bsch aussehen. Du mu�t aber geb�ckt laufen, ja?�</p><p>�Ich sage dir doch, ich mache das nicht mit.�</p><p>�Da du so stur wie ein Maulesel bist, geschieht es dir nur recht, wenn du meinen Tr�ger spielen mu�t. Es sei denn, du m�chtest lieber hier unten bei ihm bleiben.�</p><p>Fains von Gel�chter erf�lltes Fl�stern drang durch die schwarzen Schatten. �Die Schlacht wird niemals enden, al'Thor. Mordeth wei� das.�</p><p>�Meine Chancen w�ren wohl noch besser, wenn ich von der Mauer springen w�rde�, murmelte Rand. Aber er legte seine B�ndel ab und machte sich daran, Schwert und Bogen und K�cher einzuwickeln, wie sie es vorgeschlagen hatte.</p><p>In der Dunkelheit lachte Fain. �Es ist nie vorbei, al'Thor. Nie!�</p></section><section><title><p>4</p><p>Herbeizitiert</p></title><p>Allein in ihrem Zimmer im Frauenquartier zupfte sich Moiraine die mit Efeuranken und Weinbl�ttern bestickte Stola um ihre Schultern zurecht und betrachtete sich in dem gro�en, gerahmten Spiegel, der in einer Ecke stand. Ihre gro�en, dunklen Augen konnten so scharf wie die eines Falken dreinblicken, wenn sie zornig war. Im Moment schienen sie das versilberte Glas zu durchbohren. Es war nur Zufall, da� sie die Stola in ihren Satteltaschen hatte, als sie nach Fal Dara kam. Solch eine Stola trug man selten au�erhalb Tar Valons, und selbst dort meist nur in der Wei�en Burg. Sie hatte die leuchtende wei�e Flamme von Tar Valon auf dem R�cken, und die Farbe der langen Fransen zeigte, welcher Ajah sie angeh�rte. Bei Moiraine waren sie blau wie der Morgenhimmel. In Tar Valon war es eigentlich nur ein Treffen im Burgsaal, bei dem man eine solch formelle Stola trug, und jenseits der Leuchtenden Mauer w�rden zu viele Leute beim Anblick der Flamme wegrennen, um sich zu verstecken, oder vielleicht, um die Kinder des Lichts herbeizurufen. Der Pfeil eines Wei�mantels war f�r eine Aes Sedai genauso t�dlich wie f�r jeden anderen, und die Kinder waren zu klug, um sich von einer Aes Sedai sehen zu lassen, bevor der Pfeil heranzischte und w�hrend sie noch etwas dagegen unternehmen konnte. Moiraine hatte sicher nicht erwartet, die Stola in Fal Dara tragen zu m�ssen. Aber bei einer Audienz bei der Amyrlin mu�te man das Protokoll schon beachten.</p><p>Sie war schlank und nicht gerade gro�, und die glattwangige Alterslosigkeit der Aes Sedai lie� sie oft j�nger wirken, als sie war, doch Moiraine besa� eine dominierende Eleganz und eine ruhige Ausstrahlung, die sie bei jeder Versammlung zur F�hrungspers�nlichkeit werden lie�. Was ihr im K�nigspalast von Cairhien in Fleisch und Blut �bergegangen war, war durch die noch gr��ere Anzahl an Jahren als Aes Sedai nicht verlorengegangen, sondern noch verst�rkt worden. Sie wu�te, da� sie heute jedes bi�chen ihrer Pers�nlichkeit brauchen w�rde. Und doch war der gr��te Teil ihrer Ruhe nur oberfl�chlich. <emphasis>Es mu� Schwierigkeiten gegeben haben, sonst w�re sie nicht selbst gekommen,</emphasis> dachte sie zum wenigstens zehnten Mal. Aber das f�hrte zu tausend weiteren Fragen. <emphasis>Welche Schwierigkeiten plagen sie, und wen hat sie zur Begleitung ausgew�hlt? Warum kam sie hierher? Warum gerade jetzt? Es darf jetzt einfach nichts mehr schiefgehen.</emphasis></p><p>Der Ring mit der Gro�en Schlange spiegelte matt das Licht wider, als sie die feine Goldkette ber�hrte, die sie in ihrem dunklem Haar befestigt hatte. Das Haar fiel ihr in Wellen auf die Schultern herunter. An der Kette hing ein kleiner, klarer blauer Edelstein genau in der Mitte ihrer Stirn. Viele in der Wei�en Burg wu�ten von den Tricks, die sie mit diesem Stein als Brennpunkt ihrer Kr�fte vollbringen konnte. Es war nur ein geschliffenes St�ck blauen Kristalls, nur etwas, das ein junges M�dchen im fr�hesten Teil ihres Lernprozesses ben�tzt hatte, in dem sie noch niemand hatte, der sie betreute. Dieses M�dchen hatte sich an die Geschichten der <emphasis>Angreal</emphasis> und der noch m�chtigeren <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> erinnert � dieser sagenhaften �berbleibsel aus dem Zeitalter der Legenden, die den Aes Sedai erlaubten, noch mehr von der Einen Macht zu lenken, als es ohne Hilfe m�glich und sicher war �, sich daran erinnert und geglaubt, man brauche grunds�tzlich einen solchen Brennpunkt, um die Macht �berhaupt kontrollieren zu k�nnen. Ihre Schwestern in der Wei�en Burg kannten ein paar ihrer Tricks und mutma�ten �ber weitere, einschlie�lich einiger, die nicht existierten und die sie erschreckt hatten, als sie davon h�rte. Die Dinge, die sie mit Hilfe des Steins tun konnte, waren einfach und unbedeutend, wenn auch gelegentlich n�tzlich: was sich eben ein Kind so vorstellen konnte. Aber falls sich die Amyrlin in der Begleitung der falschen Frauen befand, k�nnte der Kristall sie vielleicht seines Rufs wegen aus dem Gleichgewicht bringen.</p><p>Es klopfte ein paarmal schnell und eindringlich an ihre Zimmert�r. Kein Schienarer w�rde auf diese Weise anklopfen, gleich an welche T�r, aber am allerwenigsten an ihre. Sie blickte so lange weiter in den Spiegel, bis ihre Augen ganz ruhig zur�ckblickten und alle Gedanken in ihren dunklen Tiefen verbargen. Sie �berpr�fte die weiche Ledertasche, die an ihrem G�rtel hing. <emphasis>Welche Schwierigkeiten auch immer sie aus Tar Valon hierher brachten � sie wird sie vergessen, wenn ich ihr dieses Problem darlege.</emphasis> Es klopfte noch einmal und noch lebhafter als zuvor. Sie durchquerte das Zimmer und �ffnete die T�r mit einem gelassenen L�cheln, das f�r die beiden Frauen bestimmt war, die sie abholen kamen.</p><p>Sie erkannte beide: die dunkelhaarige Anaiya in ihrer Stola mit blauen Fransen und die blonde Liandrin in ihrer roten Stola. Liandrin, die nicht nur jung schien, sondern jung und h�bsch war, mit einem Puppengesicht und einem kleinen Schmollmund, hatte die Hand schon erhoben, um noch einmal zu klopfen. Ihre dunklen Augenbrauen und noch dunkleren Augen bildeten einen scharfen Kontrast zu der Unmenge bla�-honigfarbener Korkenzieherlocken, die ihr auf die Schultern hingen, aber diese Kombination war in Tarabon nichts Ungew�hnliches. Beide Frauen waren gr��er als Moiraine, Liandrin allerdings nur um weniger als eine Handbreite.</p><p>Anaiyas grobes Gesicht wurde sofort, als Moiraine die T�r �ffnete, von einem L�cheln �berzogen. Dieses L�cheln verlieh ihr die einzige Sch�nheit, die sie je besitzen w�rde, aber es reichte. Fast jeder f�hlte sich beruhigt, sicher und als etwas Besonderes, wenn er oder sie von Anaiya angel�chelt wurde. �Das Licht leuchte dir, Moiraine. Es ist sch�n, dich wiederzusehen. Geht es dir gut? Wir haben uns schon so lange nicht gesehen.�</p><p>�Mein Herz ist leichter, nun, da du da bist, Anaiya.� Das stimmte auch ganz gewi�; es war gut zu wissen, da� sie unter den Aes Sedai, die nach Fal Dara gekommen waren, wenigstens eine Freundin hatte. �Das Licht leuchte dir.�</p><p>Liandrins Mund verzog sich, und sie zupfte an ihrer Stola. �Die Amyrlin verlangt nach Eurer Gegenwart, Schwester.� Auch ihre Stimme klang schmollend und ein wenig kalt. Das hatte nichts mit Moiraine zu tun oder nicht allein mit ihr; Liandrin h�rte sich immer so an, als sei sie unzufrieden mit etwas. Mit gerunzelter Stirn versuchte sie, �ber Moiraines Schulter hinweg in das Zimmer zu blicken. �Dieser Raum � er ist gesch�tzt. Wir k�nnen nicht eintreten. Warum sch�tzt du dich gegen deine Schwestern?�</p><p>�Gegen alle�, antwortete Moiraine verbindlich. �Viele der Dienerinnen sind �u�erst neugierig in bezug auf Aes Sedai, und ich will nicht, da� sie in meinen Zimmern herumschn�ffeln, wenn ich abwesend bin. Bis jetzt bestand keine Notwendigkeit, einen Unterschied zu machen.� Sie zog die T�r hinter sich zu, so da� sie alle nun im Korridor standen. �Sollen wir gehen? Wir d�rfen die Amyrlin nicht warten lassen.�</p><p>Sie ging den Flur hinunter, und Anaiya ging an ihrer Seite und plauderte mit ihr. Liandrin stand noch einen Augenblick lang da und sah die T�r an. Wahrscheinlich fragte sie sich, was Moiraine wohl dort verbarg. Dann beeilte sie sich, die anderen wieder einzuholen. Sie lief steif wie ein Wachsoldat vor Moiraine her, w�hrend Anaiya einfach nebenherschlenderte und ihr Gesellschaft leistete. Die Schritte ihrer in weichen Abendschuhen steckenden F��e waren auf den dichtgewobenen Teppichen mit ihren einfachen Mustern kaum zu h�ren.</p><p>Livrierte Frauen knicksten tief, wenn sie vorbeikamen, viele von ihnen tiefer als selbst beim Herrn von Fal Dara. Aes Sedai, drei auf einmal, und dann noch die Amyrlin selbst in der Festung, das war mehr Ehre, als irgendeine Frau aus der Festung w�hrend ihrer gesamten Lebenszeit erwarten durfte. Ein paar adlige Frauen befanden sich ebenfalls drau�en in den Korridoren, und auch sie knicksten. Sie h�tten das gewi� nicht vor Lord Agelmar getan. Moiraine und Anaiya l�chelten und nickten jedesmal, um die Ehrerbietung zu w�rdigen, gleich, ob es eine Adlige war oder eine Dienerin. Liandrin ignorierte alle.</p><p>Hier hielten sich nat�rlich nur Frauen auf und keine M�nner. Kein m�nnlicher Schienarer �ber zehn Jahre w�rde die Gem�cher der Frauen ohne Erlaubnis oder Einladung betreten, obwohl ein paar kleine Jungen hier in den G�ngen spielten. Sie knieten sich ungeschickt auf ein Knie nieder, w�hrend ihre Schwestern tief knicksten. Gelegentlich l�chelte Anaiya und streichelte im Vorbeigehen �ber einen kleinen Kopf.</p><p>�Diesmal, Moiraine�, sagte Anaiya, �warst du viel zu lange von Tar Valon weg. Viel zu lange. Du fehlst Tar Valon. Deine Schwestern vermissen dich. Und du wirst in der Wei�en Burg ben�tigt.�</p><p>�Ein paar von uns m�ssen drau�en in der Welt arbeiten�, sagte Moiraine sanft. �Ich �berlasse dir den Burgsaal, Anaiya. Und doch h�rt man in Tar Valon mehr von dem, was in der Welt vorgeht, als ich. Viel zu oft laufe ich vor dem davon, was dort passiert, wo ich gestern war. Welche Neuigkeiten gibt es?�</p><p>�Drei weitere falsche Drachen.� Liandrin spuckte es fast aus. �In Saldaea, Murandy und Tear �berziehen falsche Drachen das Land mit Krieg. Derweil l�chelt ihr Blauen und redet �ber Nichtigkeiten und �ber die gute alte Zeit.� Anaiya zog die Augenbrauen hoch, und Liandrin schlo� augenblicklich den Mund und schnaubte nur noch einmal h�rbar.</p><p>�Drei�, sagte Moiraine leise und nachdenklich. Einen Moment lang glitzerten ihre Augen, doch das verbarg sie schnell wieder. �Drei w�hrend der letzten beiden Jahre, und nun drei weitere auf einmal.�</p><p>�Genau wie bei den anderen wird man auch mit diesen fertigwerden. Diesem m�nnlichen Ungeziefer und dem zerlumpten Pack, das ihren Flaggen folgt.�</p><p>Moiraine am�sierte sich schon beinahe �ber die Sicherheit, mit der Liandrin das behauptete. Ihr waren die Wirklichkeit all dessen und die daraus erwachsenden M�glichkeiten nur zu klar. �Haben wenige Monate bereits ausgereicht, um dich vergessen zu machen, Schwester? Der letzte falsche Drache hat Ghealdan beinahe zerst�rt, bevor sein Heer � zerlumptes Pack oder nicht �geschlagen wurde. Ja, jetzt ist Logain in Tar Valon, ged�mpft und bes�nftigt, denke ich, aber einige unserer Schwestern mu�ten sterben, um ihn zu �berwinden. Selbst eine einzige tote Schwester ist mehr, als wir uns leisten k�nnen, und doch waren die Verluste in Ghealdan viel schlimmer. Die zwei anderen vor Logain konnten die Macht nicht lenken, aber trotzdem werden sich die Menschen in Kandor und Arad Doman noch gut an sie erinnern. Verbrannte D�rfer, und die M�nner in der Schlacht gefallen. Wie leicht wird es der Welt fallen, mit dreien auf einmal fertigzuwerden? Wie viele werden sich um sie scharen? Es hat nie Mangel geherrscht an Anh�ngern jedes Mannes, der behauptete, der Wiedergeborene Drache zu sein. Welch furchtbare Kriege werden jetzt wieder w�ten?�</p><p>�Es ist nicht so schlimm, wie du es siehst�, sagte Anaiya. �Soweit wir wissen, kann nur der in Saldaea die Macht ben�tzen. Er hatte noch nicht genug Zeit, um viele Anh�nger um sich zu scharen, und mittlerweile sollten bereits Schwestern dort sein, um ihn unter Kontrolle zu bringen. Die Leute am Taren jagen ihren falschen Drachen und seine Anh�nger durch die Haddon-S�mpfe, w�hrend der Bursche aus Murandy bereits in Ketten liegt.� Sie lachte kurz erstaunt auf. �Da� ausgerechnet die Murandianer mit ihrem Feind so schnell fertigwerden konnten! Frage sie, und sie nennen sich noch nicht einmal Murandianer, sondern Lugarder oder Inischlinni oder sagen, sie geh�ren zum Gefolge dieses Lords oder jener Lady. Aber nun hatten die Murandianer Angst, einer ihrer Nachbarn k�nne den Krieg als Ausrede benutzen, um eine Invasion zu beginnen, und prompt st�rzen sich alle auf ihren falschen Drachen, kaum da� er den Mund aufmachte, um sich zu erkl�ren.�</p><p>�Trotzdem�, sagte Moiraine, �darf man nicht mi�achten, da� nun drei auf einmal da sind. War irgendeine Schwester in der Lage, eine Voraussage zu machen?� Die M�glichkeit war nur gering. In den letzten Jahrhunderten war dieses Talent kaum andeutungsweise bei den Aes Sedai aufgetaucht. Also war sie auch nicht �berrascht, als Anaiya den Kopf sch�ttelte. Nicht �berrascht, jedoch ein wenig erleichtert.</p><p>Sie erreichten einen Kreuzungspunkt von Korridoren zur gleichen Zeit wie Lady Amalisa. Sie knickste, wobei sie sich tief b�ckte und die bla�gr�nen R�cke ausbreitete. �Ehre sei Tar Valon�, murmelte sie. �Ehre den Aes Sedai.�</p><p>Bei der Schwester des Herrn von Fal Dara war mehr als nur ein Kopfnicken angebracht. Moiraine nahm Amalisas H�nde und zog sie auf die F��e. �Ihr ehrt uns, Amalisa. Erhebt Euch, Schwester.�</p><p>Amalisa richtete sich anmutig auf. Sie err�tete dabei. Sie war noch niemals in Tar Valon gewesen, und von einer Aes Sedai Schwester genannt zu werden, war selbst f�r jemanden von ihrem gesellschaftlichen Rang erhebend. Sie war klein, in mittleren Jahren, und sie besa� eine dunkle, reife Sch�nheit, die durch die R�te ihrer Wangen noch betont wurde. �Ihr ehrt mich zu sehr, Moiraine Sedai.�</p><p>Moiraine l�chelte. �Wie lange kennen wir uns bereits, Amalisa? Mu� ich Euch jetzt Lady Amalisa nennen, als h�tten wir niemals zusammen Tee getrunken?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, l�chelte Amalisa zur�ck. Die innere Kraft, die man am Gesicht ihres Bruders ablesen konnte, war auch in ihrem deutlich, trotz des weichen Schwungs der Wangen und des Kinns. Es gab Leute, die behaupteten, obwohl Agelmar ein harter und wohlbekannter K�mpfer sei, k�nne er sich nur mit M�he gegen seine Schwester behaupten. �Aber da die Amyrlin nun einmal hier ist... Wenn K�nig Easar Fal Dara besucht, dann nenne ich ihn privat meinen <emphasis>Magami,</emphasis> meinen Kleinen Onkel, wie ich das schon als Kind tat, wenn er mich auf seinen Schultern reiten lie�, aber in der �ffentlichkeit geht das nicht.�</p><p>Anaiya zischte leicht durch die Z�hne. �Manchmal sind Formalit�ten notwendig, aber oft werden sie von M�nnern wichtiger genommen, als sie sind. Bitte nennt mich doch Anaiya, und ich nenne Euch Amalisa, wenn Ihr erlaubt.�</p><p>Aus dem Augenwinkel sah Moiraine Egwene weit hinten in einem Seitengang, wie sie hastig um eine Ecke herum verschwand. In ihrem Schlepptau schlurfte eine geb�ckte Gestalt in einem Lederwams mit gesenktem Kopf und Armen voll mit B�ndeln. Moiraine genehmigte sich ein leichtes L�cheln, das sie schnell wieder verschwinden lie�. <emphasis>Wenn das M�dchen in Tar Valon genausoviel Initiative zeigt,</emphasis> dachte sie trocken, <emphasis>dann sitzt sie eines Tages auf dem Amyrlin-Sitz. Falls sie lernt, diese Initiative kontrolliert einzusetzen. Falls es dann noch einen Amyrlin-Sitz gibt, auf dem sie sitzen kann.</emphasis></p><p>Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder den anderen zuwandte, sprach gerade Liandrin: �... und ich w�rde mich �ber die Gelegenheit freuen, mehr �ber Euer Land zu erfahren.� Sie trug ein offenes und beinahe m�dchenhaftes L�cheln zur Schau, und ihre Stimme klang freundlich.</p><p>Moiraine zwang ihr Gesicht zur Ausdruckslosigkeit, als Amalisa sie einlud, mit ihr und ihren Hofdamen in ihren privaten Garten zu kommen, und als Liandrin diese Einladung warmherzig akzeptierte. Liandrin hatte wenige Freundinnen und keine Angeh�rigen au�er der Roten Ajah. Und ganz bestimmt keine, die nicht Aes Sedai waren. <emphasis>Sie w�rde noch eher mit einem Mann oder einem Trolloc Freundschaft schlie�en.</emphasis> Moiraine war nicht sicher, ob Liandrin einen Unterschied zwischen einem Mann und einem Trolloc sah. Sie war sich da bei keiner der Roten Ajah sicher.</p><p>Anaiya erkl�rte, da� sie nun zur Audienz bei der Amyrlin gehen m��ten. �Nat�rlich�, sagte Amalisa. �Das Licht leuchte ihr, und der Sch�pfer gew�hre ihr Sicherheit. Also, dann auf sp�ter!� Sie neigte den Kopf, als sie sie verlie�en.</p><p>Moiraine betrachtete Liandrin beim Weitergehen, sah sie aber nicht direkt an. Die Aes Sedai mit dem honigfarbenen Haar blickte geradeaus. Ihre Rosenknospenlippen waren nachdenklich gesch�rzt. Sie schien Moiraine und Anaiya vergessen zu haben. <emphasis>Was hat sie vor?</emphasis></p><p>Anaiya schien nichts Au�ergew�hnliches bemerkt zu haben, aber andererseits hatte sie schon immer die Menschen sowohl als das akzeptiert, was sie waren, wie auch als das, was sie sein wollten. Es verwunderte Moiraine immer, wie sich Anaiya in der Wei�en Burg so gut halten konnte, aber die Intriganten schienen halt ihre Offenheit und Ehrlichkeit, ihre Bereitschaft, alle zu akzeptieren, f�r eine schlaue Finte zu halten. Es brachte solche Frauen immer aus dem Gleichgewicht, wenn sich herausstellte, da� sie meinte, was sie sagte, und da� sie sagte, was sie meinte. Und sie besa� au�erdem die F�higkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen und hinzunehmen, was sie dort sah. Jetzt kehrte sie ganz selbstverst�ndlich zu den Tagesneuigkeiten zur�ck.</p><p>�Aus Andor h�rt man sowohl Gutes wie auch Schlechtes. Die Stra�enk�mpfe in Caemlyn haben sich seit dem Fr�hlingsbeginn gelegt, aber es wird noch dar�ber geklatscht, viel zuviel, da� an dem langen Winter die K�nigin und genauso Tar Valon die Schuld tr�gen. Morgase sitzt nicht so sicher wie im letzten Jahr auf dem Thron, aber sie sitzt darauf, und sie wird sich behaupten, solange Gareth Bryne Generalhauptmann der k�niglichen Garde ist. Und die Lady Elayne, die Tochter-Erbin, sowie ihr Bruder, Lord Gawyn, sind sicher in Tar Valon angekommen, um dort ihre Ausbildung zu beginnen. Es gab in der Wei�en Burg einige Bef�rchtungen, die K�nigin k�nne mit dieser Sitte brechen.�</p><p>�Nicht, solange Morgase noch atmen kann�, sagte Moiraine.</p><p>Liandrin fuhr leicht zusammen, als sei sie gerade aufgewacht. �Betet darum, da� sie auch weiterhin zum Atmen kommt. Die Gesellschaft der Tochter-Erbin wurde bis zum Erinin von den Kindern des Lichts verfolgt. Bis zu den Br�cken nach Tar Valon. Au�erhalb von Caemlyn lagern noch weitere und warten darauf, Unruhe stiften zu k�nnen, und innerhalb Caemlyns haben sie auch Anh�nger.�</p><p>�Vielleicht ist es an der Zeit, da� Morgase ein wenig Vorsicht lernt�, seufzte Anaiya. �Die Welt wird mit jedem Tag gef�hrlicher, selbst f�r eine K�nigin. M�glicherweise gerade f�r eine K�nigin. Sie war schon immer ehrgeizig. Ich erinnere mich daran, wie sie als M�dchen nach Tar Valon kam. Sie war nicht begabt genug, um zur Schwester gemacht zu werden, und das �rgerte sie. Manchmal glaube ich, deshalb treibt sie ihre Tochter heute so an, gleich was das M�dchen m�chte.�</p><p>Moiraine schnaubte ver�chtlich. �Elayne wurde mit dem Funken geboren; es hatte nichts mit �m�chten� zu tun. Morgase konnte nicht riskieren, das M�dchen wegen mangelnder Ausbildung sterben zu lassen, auch wenn alle Wei�m�ntel von Amadicia au�erhalb Caemlyns lagerten. Sie h�tte eher Gareth Bryne und der k�niglichen Garde befohlen, ihr einen Weg hindurch nach Tar Valon mit dem Schwert zu bahnen, und Gareth Bryne w�rde es tun, auch wenn er es allein wagen m��te.� <emphasis>Aber sie mu� das ganze Ausma� an Talent geheimhalten, �ber das das M�dchen verf�gt. W�rde das Volk von Andor Elayne immer noch auf dem L�wenthron als Morgases Nachfolgerin akzeptieren, wenn es davon w��te? Nicht nur eine K�nigin, die der Sitte entsprechend in Tar Valon ausgebildet wurde, sondern eine richtige Aes Sedai?</emphasis> In der gesamten durch schriftliche Zeugnisse belegten Geschichte hatte es nur eine Handvoll K�niginnen gegeben, die sich mit Recht Aes Sedai nennen durften, und die wenigen, die das bekanntgegeben hatten, hatten es allesamt bereut. Sie f�hlte Traurigkeit in sich aufsteigen. Aber es ging um zu viel, als da� man nur einem einzigen Land und einem einzigen Thron zuviel Hilfe, zuviel Sorge widmen konnte. �Was gibt es sonst noch, Anaiya?�</p><p>�Du d�rftest wissen, da� in Illian zum ersten Mal nach vierhundert Jahren wieder die Wilde Jagd nach dem Horn freigegeben wurde. Die Illianer behaupten, die Letzte Schlacht sei nahe� � Anaiya schauderte ein wenig, was verst�ndlich war, fuhr aber ohne Unterbrechung fort �, �und das Horn von Valere m�sse vor der endg�ltigen Schlacht gegen den Schatten gefunden werden. M�nner aus allen L�ndern versammeln sich. Alle wollen Teil einer Legende werden, wollen das Horn finden. Murandy und Altara sind nat�rlich in Aufruhr und glauben, es sei alles nur eine Finte, um gegen eines von ihnen vorzur�cken. Vielleicht haben die Murandianer deshalb ihren falschen Drachen so schnell eingefangen. Jedenfalls wird es eine Menge neuer Geschichten f�r die Barden und Gaukler geben, die sie dem Zyklus hinzuf�gen k�nnen. Das Licht m�ge es dabei bleiben lassen, da� es nur neue Geschichten sind.�</p><p>�Vielleicht nicht die Geschichten, die sie erwarten�, sagte Moiraine. Liandrin sah sie scharf an, und sie machte ein unbeteiligtes Gesicht.</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte Anaiya gelassen. �Es werden gerade die Geschichten sein, die sie am wenigsten erwarten, aber dem Zyklus schlie�lich hinzuf�gen. Ansonsten kann ich dir nur Ger�chte bieten. Die Meerleute sind ganz erregt. Ihre Schiffe segeln fast ohne Pause von Hafen zu Hafen. Schwestern von den Inseln sagen, da� der Coramoor, ihr Erw�hlter Herrscher, kommt, aber mehr wissen sie nicht zu sagen. Du wei�t, wie schweigsam die Atha'an Miere Fremden gegen�ber sind, wenn es um den Coramoor geht, und in dieser Hinsicht verstehen sich unsere Schwestern eher als Mitglieder des Meervolks denn als Aes Sedai. Auch die Aiel scheinen sich zu r�hren, aber niemand wei�, warum. Bei den Aiel wei� man das nie. Aber wenigstens deutet nichts darauf hin, da� sie das R�ckgrat der Welt wieder �berqueren wollen, dem Licht sei Dank.� Sie seufzte und sch�ttelte den Kopf. �Was w�rde ich nicht darum geben, wenn wir wenigstens eine Schwester aus dem Volk der Aiel h�tten. Nur eine. Wir wissen zu wenig �ber sie.�</p><p>Moiraine lachte. �Manchmal glaube ich, du geh�rst zu den Braunen Ajah, Anaiya.�</p><p>�Die Ebene von Almoth�, sagte Liandrin und sah dann �berrascht dar�ber aus, da� sie es gesagt hatte.</p><p>�Also, das ist nun <emphasis>wirklich</emphasis> ein Ger�cht, Schwester�, sagte Anaiya. �Nur ein paar Worte hier und da, die wir h�rten, als wir Tar Valon verlie�en. Es k�nnte auf der Ebene von Almoth und vielleicht auf der Toman-Halbinsel Gefechte gegeben haben. Ich sage: es k�nnte. Es war nur wenig, was darauf hinwies. Ger�chte von Ger�chten. Wir reisten ab, bevor wir mehr erfahren konnten.�</p><p>�Es m��te sich dann wohl um Tarabon und Arad Doman handeln�, sagte Moiraine und sch�ttelte den Kopf. �Sie haben sich mehr als dreihundert Jahre lang um die Ebene von Almoth gestritten, aber es ist nie zum offenen Krieg gekommen.� Sie sah Liandrin an; von Aes Sedai erwartete man, da� sie ihre alten Bindungen an L�nder und Herrscher ablegten, aber das gelang nur wenigen vollst�ndig. Es war schwierig, nichts mehr f�r das Land zu geben, in dem man geboren war. �Warum also jetzt?�</p><p>�Genug geschw�tzt�, warf die Frau mit dem honigfarbenen Haar zornig ein. �Auf dich, Moiraine, wartet die Amyrlin.� Sie machte drei kurze Schritte nach vorn und warf eine hohe T�r auf. �Auf dich wartet bei der Amyrlin kein Geschw�tz.�</p><p>Moiraine ber�hrte unbewu�t die Tasche an ihrem G�rtel und ging an Liandrin vorbei durch die T�r. Sie nickte ihr noch kurz zu, als halte ihr die andere die T�r aus H�flichkeit auf. Sie l�chelte aber nicht, als auf Liandrins Gesicht der Zorn aufblitzte. <emphasis>Was hat dieses verdrehte M�dchen nur vor?</emphasis></p><p>Eine Schicht von Teppichen in leuchtenden Farben bedeckte den Fu�boden des Vorraums, und der Saal selbst war nett eingerichtet mit St�hlen und Polsterb�nken und kleinen Tischchen, alles aus einfach bearbeitetem oder auch poliertem Holz. An den Seiten der Schie�scharten hingen Brokatvorh�nge und lie�en sie damit eher wie Fenster wirken. In dem Kaminen brannte kein Feuer; der Tag war warm, und die K�hle von Schienar w�rde sich erst bei Sonnenuntergang wieder zeigen.</p><p>Hier hielten sich weniger als ein halbes Dutzend der Aes Sedai auf, die mit der Amyrlin gekommen waren. Verin Mathwin und Serafelle von den Braunen Ajah blickten nicht auf, als Moiraine eintrat. Serafelle las konzentriert in einem alten Buch mit abgegriffenem, verbla�ten Ledereinband, dessen zerfledderte Seiten sie vorsichtig umbl�tterte. Die mollige Verin sa� mit �bergeschlagenen Beinen unter einer Schie�scharte, hielt eine kleine Bl�te ins Licht und machte Notizen und Skizzen in gestochen feiner Schrift in ein Buch, das sie auf dem Knie liegen hatte. Auf dem Blumentopf neben ihr stand ein offenes Tintengef��, und auf ihrem Scho� lag ein kleines B�ndel weiterer Blumen. Die Braunen Schwestern k�mmerten sich um wenig, au�er der Suche nach Wissen. Moiraine fragte sich manchmal, ob ihnen eigentlich klar sei, was in der Welt und sogar in ihrer engsten Umgebung vorging.</p><p>Die drei anderen Frauen, die sich im Raum befanden, drehten sich um, machten aber keine Anstalten, auf Moiraine zuzukommen; sie musterten sie lediglich. Eine war eine schlanke Frau, ein Mitglied der Gelben Ajah. Moiraine kannte sie nicht; sie verbrachte zu wenig Zeit in Tar Valon, um alle Aes Sedai zu kennen, obwohl es ja nun nicht mehr gerade viele waren. Die beiden �brigen kannte sie allerdings. Carlinya war von so blasser Hautfarbe und von so kaltem Charme wie die wei�en Fransen an ihrer Stola und so in allem das Gegenteil der dunkelhaarigen, feurigen Alanna Mosvani von den Gr�nen, aber sie beide standen stumm da und betrachteten sie ausdruckslos. Alanna raffte mit einer hastigen Bewegung ihre Stola um sich zusammen, doch Carlinya bewegte sich �berhaupt nicht. Die schlanke Gelbe Schwester wandte sich mit bedauernder Miene ab.</p><p>�Das Licht leuchte Euch allen, Schwestern�, sagte Moiraine. Niemand antwortete. Sie war nicht sicher, ob Serafelle und Verin ihren Gru� �berhaupt wahrgenommen hatten. <emphasis>Wo sind die anderen?</emphasis> Es war nicht n�tig, da� sich alle hier befanden � die meisten ruhten sich wohl in ihren Gem�chern aus und erfrischten sich nach der Reise �, aber sie war nun ziemlich nerv�s, denn ihr gingen alle Fragen durch den Kopf, die sie nun nicht stellen konnte. Von ihrem Gesicht lie� sich nichts davon ablesen.</p><p>Die innere T�r �ffnete sich, und Leane erschien, doch ohne ihren mit vergoldeter Flamme verzierten Stab. Die Beh�terin der Chronik war ebenso gro� wie die meisten M�nner, gewandt und grazi�s, immer noch sch�n. Sie hatte beinahe kupferfarbene Haut und kurzes, dunkles Haar. Sie trug einen handbreiten blauen Schal an Stelle einer Stola, denn sie sa� als Beh�terin im Burgsaal und nicht, um ihre Ajah zu repr�sentieren.</p><p>�Da bist du ja�, sagte sie knapp zu Moiraine und deutete auf die T�r hinter ihr. �Komm, Schwester! Die Amyrlin wartet.� Sie sprach ungek�nstelt auf eine abgehackte, schnelle Art, die sich nie �nderte, gleich, ob sie zornig oder fr�hlich oder aufgeregt war. Als Moiraine Leane hineinfolgte, fragte sie sich, was die Beh�terin wohl jetzt f�hle. Leane zog die T�r hinter ihnen zu. Sie schlug mit einem Ger�usch zu, das sich ein wenig nach einer sich schlie�enden Zellent�r anh�rte. Die Personifizierung der Amyrlin sa� an einem breiten Tisch in der Mitte des Teppichs, und auf dem Tisch stand ein abgeplatteter Goldw�rfel von den Ausma�en einer Reisetruhe, der fein mit Silberarbeiten verziert war. Der Tisch war wuchtig gebaut, mit dicken Beinen, doch er schien sich unter einer Last zu beugen, die zwei kr�ftige M�nner nur mit M�he h�tten heben k�nnen. Beim Anblick des Goldw�rfels hatte Moiraine M�he, ein ausdrucksloses Gesicht zu bewahren. Als sie ihn zuletzt gesehen hatte, stand er sicher in Agelmars Schatzkammer. Als sie von der Ankunft der Amyrlin erfahren hatte, wollte sie ihr selbst davon erz�hlen. Da� er sich nun schon im Besitz der Amyrlin befand, war wohl nur eine Kleinigkeit, aber eine, die ihr Kopfzerbrechen verursachte. Die Ereignisse k�nnten ihr vorauseilen.</p><p>Sie knickste tief und sagte steif: �Wie Ihr mich gerufen habt, Mutter, so bin ich gekommen.� Die Amyrlin streckte eine Hand aus, und Moiraine k��te ihren Ring mit der Gro�en Schlange, der sich nicht von denen der anderen Aes Sedai unterschied. Sie erhob sich und sagte mehr im Plauderton, wenn auch nicht so betont, da sie sich der Beh�terin bewu�t war, die hinter ihr stand: �Ich hoffe, Ihr hattet eine angenehme Reise, Mutter.�</p><p>Die Amyrlin war in Tear geboren und kam aus einer einfachen Fischerfamilie, nicht aus einem adligen Haus. Sie hie� Siuan Sanche, aber nur wenige ben�tzten diesen Namen oder dachten auch nur daran. Vor zehn Jahren war sie vom Burgsaal ernannt worden. Sie verk�rperte den Amyrlin-Sitz, und das war alles. Der breite Schal um ihre Schultern war in den Farben der sieben Ajahs gestreift. Die Amyrlin geh�rte allen Ajahs an. Sie war nur mittelgro� und sah recht gut aus, war aber keine Sch�nheit, doch in ihrem Gesicht lag eine innere Kraft, die schon vor ihrer Ernennung vorhanden gewesen war, die Kraft eines M�dchens, das die Stra�en von Maule und Tears Hafenbezirk �berlebt hatte; und unter ihrem klaren blauen Blick hatten K�nige und K�niginnen und sogar der Kommandant der Kinder des Lichts die Augen niedergeschlagen. Ihr Blick war nun gequ�lt, und um ihre Mundpartie zog sich eine fr�her nicht vorhandene H�rte.</p><p>�Wir riefen die Winde, um unsere Schiffe schneller den Erinin hinauffahren zu lassen, Tochter, und sogar die Str�mung mu�te uns helfen.� Die Stimme der Amyrlin klang tief und traurig. �Ich habe die �berschwemmungen gesehen, die wir in den D�rfern am Flu�ufer hervorgerufen haben, und das Licht allein wei�, was wir dem Wetter angetan haben. Wir haben uns mit den angerichteten Sch�den und all der verdorbenen Saat nicht gerade beliebter gemacht. Und das alles, um so schnell wie m�glich nach hier zu kommen.� Ihr Blick wanderte zu dem verzierten Goldw�rfel hin�ber, und sie erhob ein wenig die Hand, wie um ihn zu ber�hren, aber als sie wieder sprach, sagte sie nur: �Elaida ist in Tar Valon, Tochter. Sie kam mit Elayne und Gawyn.�</p><p>Moiraine war sich bewu�t, da� Leane auf der einen Seite stand, schweigend wie immer in der Gegenwart der Amyrlin. Aber sie beobachtete und lauschte. �Ich bin �berrascht, Mutter�, sagte sie vorsichtig. �Das ist nicht die richtige Zeit, Morgase ohne den Rat einer Aes Sedai zur�ckzulassen.� Morgase war eine der wenigen Herrscherinnen, die offen zugaben, da� sie eine Aes-Sedai-Ratgeberin hatte. Fast alle hatten eine, aber wenige gaben es zu.</p><p>�Elaida bestand darauf, Tochter, und � K�nigin oder nicht � ich bezweifle, da� Morgase in einem Kr�ftemessen der Willensst�rke Elaida gewachsen ist. Jedenfalls wollte sie das diesmal vielleicht gar nicht. Elayne hat Talent. Mehr, als ich je zuvor erlebt habe. Sie zeigt jetzt bereits Fortschritte. Den Roten Schwestern schwillt schon m�chtig der Kamm deswegen. Ich glaube nicht, da� das M�dchen zu ihrer Denkungsart neigt, aber sie ist jung, und man kann noch nichts sagen. Auch wenn sie nicht fertigbringen, sie herumzukriegen, macht das wenig Unterschied. Elayne k�nnte durchaus die m�chtigste Aes Sedai der letzten tausend Jahre werden, und es ist die Rote Ajah, die sie entdeckt hat. Durch dieses M�dchen haben sie sehr an Einflu� im Saal gewonnen.�</p><p>�Ich habe hier in Fal Dara zwei junge Frauen dabei, Mutter�, sagte Moiraine. �Beide stammen aus den Zwei Fl�ssen, wo das Blut von Manetheren noch unverd�nnt flie�t, obwohl sie sich noch nicht einmal daran erinnern da� es einst ein Land namens Manetheren gab. Das alte Blut singt, Mutter, und es singt in den Zwei Fl�ssen sehr laut. Egwene, ein Dorfm�dchen, ist mindestens ebenso stark wie Elayne. Ich habe die Tochter-Erbin kennengelernt und kann es beurteilen. Was die andere betrifft, nun, Nynaeve war die Seherin in ihrem Dorf, obwohl sie selbst kaum mehr als ein M�dchen ist. Es sagt einiges aus, da� die Frauen ihres Dorfes sie in dem Alter zur Seherin erw�hlten. Wenn sie erst bewu�te Kontrolle �ber das gewinnt, was sie jetzt noch unbewu�t tut, wird sie ebenso stark wie jede in Tar Valon. Mit �bung wird sie neben den Kerzen von Elayne und Egwene wie ein Freudenfeuer leuchten. Und es ist v�llig unm�glich, da� sich diese beiden den Roten anschlie�en. Sie am�sieren sich �ber M�nner, haben auch manchmal von ihnen die Nase voll, aber sie m�gen sie. Mit ihnen werden wir jedem m�glichen Einflu�, den die Roten Ajah durch das Auffinden Elaynes in der Wei�en Burg gewinnen k�nnten, leicht entgegenwirken.�</p><p>Die Amyrlin nickte, als sei das alles gar nicht so wichtig. Moiraine zog �berrascht die Augenbrauen hoch, bevor sie sich fing und ihre Z�ge sich gl�tteten. Das waren die beiden Hauptsorgen im Burgsaal, da� jedes Jahr weniger M�dchen gefunden wurden, die im Gebrauch der Einen Macht ausgebildet werden konnten. So schien es jedenfalls, als w�rden immer weniger wirklich gro�e Talente aufgesp�rt. Schlimmer als die Angst derer, die die Aes Sedai f�r die Zerst�rung der Welt verantwortlich machten, schlimmer als der Ha� der Kinder des Lichts, schlimmer sogar als die Taten der Schattenfreunde war dieses Schrumpfen ihrer Anzahl und das Nachlassen ihrer F�higkeiten. Die Korridore in der Wei�en Burg waren nur noch sp�rlich bev�lkert, wo sich fr�her die Aes Sedai gedr�ngt hatten, und was man einst leicht mit Hilfe der Einen Macht ausrichten konnte, konnte man nun nur noch mit M�he erreichen, wenn �berhaupt.</p><p>�Elaida hatte einen weiteren Grund, nach Tar Valon zu kommen, Tochter. Sie sandte dieselbe Botschaft mit sechs verschiedenen Brieftauben, um sicherzugehen, da� ich sie erhalte � wem in Tar Valon sie sie noch schickte, kann ich nur erraten �, und dann kam sie pers�nlich. Sie sagte dem Burgsaal, da� du dich mit einem jungen Mann abgibst, der <emphasis>ta'veren</emphasis> ist und gef�hrlich dazu. Er war in Caemlyn, sagt sie, aber als sie die Schenke fand, in der er sich aufgehalten hatte, entdeckte sie, da� du ihn weggebracht hattest.�</p><p>�Die Bediensteten dieser Schenke dienten uns gut und treu, Mutter. Falls sie irgendeinem unter ihnen etwas angetan hat... � Moiraine konnte die Sch�rfe nicht aus ihrem Tonfall heraushalten, und sie h�rte, wie Leane unruhig wurde. Man sprach nicht in diesem Ton mit der Amyrlin. Nicht einmal ein K�nig auf seinem Thron durfte das.</p><p>�Du solltest wissen, Tochter�, sagte die Amyrlin trocken, �da� Elaida niemandem etwas zuleide tut, au�er denen, die sie f�r gef�hrlich h�lt. Schattenfreunden oder diesen armen, n�rrischen M�nnern, die versuchen, die Eine Macht zu lenken. Oder einem, der Tar Valon bedroht. Jeder andere, der nicht zu den Aes Sedai geh�rt, ist f�r sie nur eine Figur auf einem Spielbrett. Zu seinem Gl�ck h�lt der Wirt, ein Meister Gill, wenn ich mich richtig erinnere, viel von den Aes Sedai und beantwortete ihre Fragen zu ihrer Zufriedenheit. Elaida hat ihn tats�chlich sogar gelobt. Aber sie erz�hlte noch mehr von dem jungen Mann, den du mitnahmst. Gef�hrlicher als irgendein Mann seit Artur Falkenfl�gel, sagte sie. Sie kann so etwas manchmal vorhersagen, wei�t du, und ihre Worte haben gro�es Gewicht im Saal.�</p><p>Wegen Leane lie� Moiraine ihre Stimme so dem�tig wie m�glich klingen. Das war zwar nicht sehr dem�tig, aber besser konnte sie es nicht. �Ich habe drei junge M�nner bei mir, Mutter, aber keiner von ihnen ist ein K�nig, und ich bezweifle sehr, da� auch nur einer von ihnen davon tr�umt, die Welt unter seiner Herrschaft zu vereinigen. Keiner hat seit dem Hundertj�hrigen Krieg Artur Falkenfl�gels Traum getr�umt.�</p><p>�Ja, Tochter. Dorfjungen, wie mir Lord Agelmar erz�hlt hat. Aber einer von ihnen ist <emphasis>ta'veren.�</emphasis> Der Blick der Amyrlin wanderte wieder zu dem abgeplatteten W�rfel hin�ber. �Es wurde im Saal vorgeschlagen, dich zu Meditationszwecken zu suspendieren. Das schlug eine der Vertreterinnen der Gr�nen Ajah vor, und die anderen beiden nickten zustimmend, als sie es sagte.�</p><p>Leane gab einen Laut der Abneigung oder des Widerwillens von sich. Sie hielt sich immer im Hintergrund, wenn die Amyrlin sprach, aber Moiraine konnte die kleine Unterbrechung diesmal verstehen. Die Gr�nen Ajah waren seit tausend Jahren mit den Blauen verb�ndet; seit der Zeit Artur Falkenfl�gels hatten sie nur mit einer Stimme gesprochen. �Ich habe keine Sehnsucht danach, in einem weit entfernten Dorf Gem�se zu z�chten, Mutter.� <emphasis>Und das werde ich auch nicht, was der Burgsaal auch sagen mag.</emphasis></p><p>�Es wurde weiterhin vorgeschlagen, auch von den Gr�nen, da� deine Betreuung w�hrend der Zeit der Zur�ckgezogenheit den Roten Ajah �bergeben werden sollte. Die Vertreter der Roten bem�hten sich, �berrascht dreinzublicken, aber sie wirkten wie Geier, die wu�ten, da� ihre Beute schon am Boden liegt.� Die Amyrlin schnaubte. �Die Roten erkl�rten, sie z�gerten, die Aufsicht �ber jemanden zu �bernehmen, die nicht Mitglied ihrer Ajah sei, doch sie w�rden den W�nschen des Saales entsprechend verfahren.�</p><p>Trotz ihrer Selbstbeherrschung schauderte Moiraine sichtlich. �Das w�re... sehr unangenehm, Mutter.� Es w�re mehr als nur unangenehm, viel mehr. Die Roten gingen nicht gerade sanft mit Menschen um. Sie schob die Gedanken daran entschlossen beiseite; sp�ter w�rde sie sich damit wieder besch�ftigen. �Mutter, ich verstehe dieses offensichtliche B�ndnis zwischen den Gr�nen und den Roten nicht. Ihre Anschauungen, ihr Verhalten M�nnern gegen�ber, ihre Ansichten in bezug auf den Zweck unseres Daseins als Aes Sedai sind v�llig gegens�tzlich. Eine Rote und eine Gr�ne k�nnen sich nicht einmal unterhalten, ohne sich dabei anzuschreien.�</p><p>�Die Dinge �ndern sich, Tochter. Ich bin die f�nfte, die aus den Reihen der Blauen zur Amyrlin erhoben wurde. Vielleicht sind sie der Meinung, da� es zuviel wird oder da� die Anschauungen der Blauen einer Welt der falschen Drachen nicht mehr entsprechen. In tausend Jahren �ndert sich vieles.� Die Amyrlin verzog das Gesicht und sprach mehr zu sich selbst. �Die alten Mauern wanken, und die alten Schranken fallen.� Sie sch�ttelte sich, und ihre Stimme klang wieder gefestigter: �Es gab noch einen Vorschlag, und der stinkt wie ein Fisch, der schon eine Woche lang auf dem Ladentisch liegt. Da Leane zur Blauen Ajah geh�rt und ich auch von den Blauen herkam, wurde vorgebracht, da� wir bei noch mal zwei Blauen Schwestern als Reisebegleitung schon vier Vertreterinnen der Blauen seien. Und das sagten sie mir im Saal ins Gesicht, als gehe es darum, ein Wasserrohr zu reparieren. Ich hatte zwei Vertreterinnen der Wei�en und zwei Gr�ne gegen mich. Die Gelben berieten sich und konnten sich weder f�r noch gegen mich entscheiden. Eine weitere Nein-Stimme, und deine Schwestern Anaiya und Maigan w�ren nicht hier. Es gab sogar ganz offene Stimmen, die verlangten, ich solle die Wei�e Burg �berhaupt nicht verlassen.�</p><p>Moiraine hatte noch weichere Knie als bei der Neuigkeit, da� die Roten Ajah sie in ihre H�nde bekommen wollten. Aus welcher Ajah sie auch hervorgegangen war: Die Beh�terin der Chronik sprach nur f�r die Amyrlin, und die Amyrlin sprach f�r alle Aes Sedai und alle Ajahs. So war es immer gewesen, und keiner hatte das je �ndern wollen, nicht w�hrend der schlimmsten Zeiten der Trolloc-Kriege und auch nicht, als Artur Falkenfl�gels Heer jede �berlebende Aes Sedai in Tar Valon einschlo�. Was am wichtigsten war: die Amyrlin war einfach die Amyrlin. Jede Aes Sedai hatte geschworen, ihr zu gehorchen. Keiner konnte in Frage stellen, was sie machte oder wohin sie reisen wollte. Dieser Vorschlag stand gegen dreitausend Jahre Sitte und Gesetz.</p><p>�Wer wagt so etwas, Mutter?�</p><p>Das Lachen der Amyrlin klang bitter. �Fast jeder heutzutage, Tochter. Stra�enschlachten in Caemlyn. Die Wilde Jagd ausgerufen, ohne da� einer von uns eine Ahnung davon hatte, bis die Proklamation erfolgte. Falsche Drachen schie�en wie Pilze aus dem Boden. Nationen verschwinden, und mehr Adlige spielen das Spiel der H�user als jemals zuvor, seit Artur Falkenfl�gel ihre Intrigen abgestellt hatte. Und was das schlimmste ist: Jeder von uns wei�, da� sich der Dunkle K�nig wieder r�hrt. Zeig mir eine Schwester, die nicht der Meinung ist, da� die Wei�e Burg die Kontrolle �ber die Geschehnisse verliert. Entweder es ist eine Braune, oder sie ist tot. Es k�nnte f�r uns alle f�nf Minuten vor zw�lf sein, Tochter. Manchmal glaube ich, beinahe f�hlen zu k�nnen, wie die Zeit verrinnt.�</p><p>�Wie Ihr sagtet, Mutter: Die Dinge �ndern sich. Aber es gibt immer noch au�erhalb der Leuchtenden Mauer gr��ere Gefahren als innerhalb.�</p><p>Die Amyrlin und Moiraine sahen sich eine Weile in die Augen, und dann nickte die �ltere. �Verla� uns jetzt, Leane. Ich m�chte allein mit meiner Tochter Moiraine sprechen.�</p><p>Leane z�gerte nur einen Moment, dann sagte sie: �Wie Ihr w�nscht, Mutter.� Moiraine konnte ihre �berraschung f�hlen. Die Amyrlin gew�hrte nur wenige Audienzen, bei denen die Beh�terin nicht anwesend war, und schon gar nicht einer Schwester, die sie begr�ndeterma�en z�chtigen sollte.</p><p>Die T�r �ffnete sich und schlo� sich hinter Leane. Sie w�rde im Vorzimmer kein Wort davon erw�hnen, was drinnen vorgefallen war, aber die Nachricht, da� Moiraine mit der Amyrlin allein war, w�rde wie ein Lauffeuer bei den Aes Sedai in Fal Dara herumgehen und dann w�rden die Spekulationen einsetzen.</p><p>Sobald sie die T�r geschlossen hatte, stand die Amyrlin auf, und Moiraine sp�rte ein kurzes Prickeln auf der Haut, als die andere Frau die Eine Macht einsetzte. F�r einen Augenblick lang schien die Amyrlin von einem hellen Lichtkranz umgeben zu sein.</p><p>�Ich wei� nicht, ob irgendwelche anderen deinen alten Trick beherrschen�, sagte die Amyrlin und ber�hrte mit einem Finger leicht den blauen Kristall auf Moiraines Stirn, �aber die meisten von uns haben ein paar alte Tricks auf Lager, an die wir uns aus unserer Kindheit erinnern. Jedenfalls kann nun keiner mehr belauschen, was wir sagen.�</p><p>Pl�tzlich umarmte sie Moiraine; es war die warmherzige Umarmung alter Freundinnen, und Moiraine dr�ckte sie ihrerseits ganz fest.</p><p>�Du bist die einzige, Moiraine, bei der ich daran erinnert werde, wer ich einmal war. Selbst Leane benimmt sich immer so, als <emphasis>sei</emphasis> ich Stola und Stab, auch wenn wir allein sind. Dabei haben wir doch als Novizinnen miteinander gekichert. Manchmal w�nsche ich mir, du und ich, wir w�ren immer noch Novizinnen. Immer noch unschuldig genug, um alles als die Wirklichkeit gewordene Erz�hlung eines Gauklers zu betrachten, und auch unschuldig genug, um zu glauben, da� wir M�nner finden w�rden � erinnerst du dich daran, wie wir von sch�nen, starken, sanften Prinzen tr�umten? �, die es auf sich nehmen w�rden, mit Frauen von der Macht einer Aes Sedai zu leben. Unschuldig genug, um an den gl�cklichen Ausgang der Gauklergeschichte zu glauben und unser Leben genau wie andere Frauen zu verbringen, wenn auch ein bi�chen mehr dahinterstecken w�rde.�</p><p>�Wir sind Aes Sedai, Siuan. Wir haben eine Pflicht. Auch wenn wir beide ohne das Talent geboren w�ren �w�rdest du alles eines Heims und eines Ehemanns wegen aufgeben, selbst wenn er ein Prinz ist? Ich glaube nicht. Das ist der Traum einer Dorffrau. Nicht einmal die Gr�nen gehen so weit.�</p><p>Die Amyrlin trat zur�ck. �Nein, ich w�rde es nicht aufgeben. Die meiste Zeit �ber jedenfalls nicht. Aber es hat Zeiten gegeben, da beneidete ich die Frauen vom Land. Jetzt gerade auch wieder. Moiraine, wenn irgend jemand, sogar Leane, herausbekommt, was wir planen, dann werden wir beide eine D�mpfung erfahren. Und ich kann noch nicht einmal sagen, da� sie im Unrecht w�ren.�</p></section><section><title><p>5</p><p>Der Schatten in Schienar</p></title><p>Eine D�mpfung. Das Wort schien beinahe sichtbar in der Luft zu h�ngen. Man tat das bei M�nnern, die die Eine Macht lenken konnten und die man aufhalten mu�te, bevor sie wahnsinnig wurden und alles um sich herum zerst�rten, aber nur �u�erst selten bei einer Aes Sedai. Eine D�mpfung. Nicht mehr in der Lage, die Macht zu kontrollieren. Man konnte <emphasis>Saidar,</emphasis> die weibliche H�lfte der Wahren Quelle, immer noch f�hlen, hatte aber die F�higkeit verloren, sie zu ber�hren. Man wurde immer an etwas erinnert, was man f�r alle Zeiten verloren hatte. Es war so selten geschehen, da� man von jeder Novizin verlangte, die Namen aller Aes Sedai auswendig zu lernen, die seit der Zerst�rung der Welt eine D�mpfung erfuhren hatten, und dazu ihr Verbrechen, aber niemand konnte, ohne zu schaudern, an so etwas denken. Frauen ertrugen eine D�mpfung genauso schlecht wie M�nner.</p><p>Moiraine war sich von Anfang an �ber das Risiko im klaren gewesen, aber sie wu�te, es war notwendig. Das hie� aber nicht, da� es angenehm f�r sie war. Ihre Augen zogen sich zusammen, und nur das Glitzern darin zeugte von ihrem Zorn und ihren Sorgen. �Leane w�rde dir bis zum Abhang des Shayol Ghul folgen, Siuan, und in den Krater des Verderbens hinein. Du kannst doch nicht glauben, sie w�rde dich verraten.�</p><p>�Nein. Aber andererseits, w�rde sie es als Verrat betrachten? Ist es Verrat, wenn man eine Verr�terin verr�t? Hast du daran gedacht?�</p><p>�Niemals! Was wir tun, Siuan, ist das, was getan werden mu�. Das war uns beiden fast zwanzig Jahre lang bewu�t. Das Rad webt, wie das Rad es will, und du und ich, wir wurden f�r diese Aufgabe vom Muster erw�hlt. Wir sind ein Teil der Prophezeiungen, und die Prophezeiungen m�ssen erf�llt werden. Sie m�ssen!�</p><p>�Die Prophezeiungen m�ssen erf�llt werden. Man hat uns beigebracht, das dies geschehen wird und geschehen mu�, und doch bedeutet ihre Erf�llung Verrat an allem anderen, was man uns gelehrt hat. Einige w�rden sagen, Verrat an allem, wof�r wir stehen.� Die Amyrlin rieb sich die Arme und ging hin�ber zu einer Schie�scharte, um durch die enge �ffnung in den Garten darunter zu sp�hen. Sie ber�hrte die Vorh�nge. �Hier in den Frauenquartieren h�ngen sie Vorh�nge auf, um die R�ume angenehmer zu gestalten, und sie legen sch�ne G�rten an, und doch gibt es keinen Teil an diesem Ort, der nicht zweckm��ig w�re und nicht f�r Schlacht, Tod und Mord st�nde.� Sie fuhr im gleichen wehm�tigen Tonfall fort: �Nur zweimal seit der Zerst�rung der Welt wurden einer Amyrlin Stola und Stab aberkannt.�</p><p>�Tetsuan, die Manetheren verriet, weil sie auf Elisandes Kr�fte eifers�chtig war, und Bonwhin, die versuchte, Artur Falkenfl�gel als Marionette zu ben�tzen, um durch ihn die Welt zu beherrschen, und die dabei fast Tar Valon zerst�rt h�tte.�</p><p>Die Amyrlin betrachtete weiterhin den Garten. �Beide kamen von den Roten, und beide wurden durch Amyrlins von den Blauen ersetzt. Der Grund, warum seit Bonwhin keine Amyrlin mehr aus den Reihen der Roten erw�hlt wurde, und der Grund, warum die Roten jeden Vorwand ben�tzen werden, eine aus den Reihen der Blauen stammende Amyrlin zu st�rzen � alles auf einmal. Ich m�chte nicht die dritte sein, die Stola und Stab verliert, Moiraine. F�r dich w�rde das nat�rlich bedeuten, da� du ged�mpft und au�erhalb der Leuchtenden Mauer verbannt w�rdest.�</p><p>�Elaida zum Beispiel w�rde mich nicht so leicht davonkommen lassen.� Moiraine beobachtete gespannt den R�cken ihrer Freundin. <emphasis>Licht, was ist �ber sie gekommen? So war sie sonst doch nie. Wo sind ihre Kraft und ihr Temperament geblieben?</emphasis> �Aber dazu wird es nicht kommen, Siuan.�</p><p>Die andere Frau fuhr fort, als h�tte Moiraine nichts gesagt: �Bei mir w�re es etwas anderes. Auch ged�mpft kann man eine gest�rzte Amyrlin nicht so einfach laufen lassen; man k�nnte sie sonst als M�rtyrerin betrachten und zum Anziehungspunkt f�r die Opposition machen. Tetsuan und Bonwhin hat man als Dienerinnen in der Wei�en Burg gehalten. K�chenm�gde, die man als Beispiele daf�r verwenden konnte, was auch den M�chtigsten passieren kann. Keiner wird sich noch einer Frau anschlie�en wollen, die den ganzen Tag B�den und T�pfe schrubben mu�. Sie bemitleiden, ja, aber sich ihr anschlie�en und ihr damit neue politische Bedeutung verleihen � nein.�</p><p>Mit funkelnden Augen schlug Moiraine die F�uste auf den Tisch. �Schau mich an, Siuan! Schau mich an! Willst du sagen, da� du nach all diesen Jahren und nach alledem, was wir erreicht haben, aufgeben willst? Aufgeben und die Welt im Stich lassen? Und alles, weil du Angst hast, du w�rdest geschlagen, wenn du die T�pfe nicht sauber genug schrubbst?� Sie legte alle Verachtung hinein, die sie aufbringen konnte, und war erleichtert, als ihre Freundin herumfuhr und sie ansah. Die innere Kraft war noch vorhanden, �berbeansprucht, aber immerhin vorhanden. Diese klaren blauen Augen verspr�hten genausoviel Zorn wie ihre.</p><p>�Ich erinnere mich noch daran, welche von uns am lautesten quiekte, wenn wir als Novizinnen geschlagen wurden. Du hast in Cairhien ein bequemes Leben gef�hrt, Moiraine. Nicht zu vergleichen mit der Arbeit in einem Fischerboot.� Pl�tzlich schlug Siuan mit einem lauten Knall auf die Tischfl�che. �Nein, ich schlage nicht vor aufzugeben, aber ich will auch nicht zusehen, wie uns alles aus der Hand gleitet, <emphasis>w�hrend ich nichts tun kann!</emphasis> Die meisten meiner Schwierigkeiten mit dem Saal h�ngen mit dir zusammen. Selbst die Gr�nen fragen sich, warum ich dich nicht zur Burg zur�ckgerufen und dir ein wenig Disziplin beigebracht habe. Die H�lfte der Schwestern bei mir denken, du solltest den Roten �berstellt werden, und falls das geschieht, wirst du dir w�nschen, du w�rst wieder Novizin und h�ttest nichts Schlimmeres zu bef�rchten, als verhauen zu werden. Licht! Falls sich irgend jemand daran erinnert, da� wir als Novizinnen befreundet waren, s��e ich gleich neben dir.</p><p>Wir hatten einen Plan! Einen Plan, Moiraine! Finde den Jungen, und bringe ihn nach Tar Valon, wo wir ihn verstecken, in Sicherheit heranwachsen lassen und f�hren k�nnten. Seit du die Burg verlassen hast, bekam ich nur zweimal Nachricht von dir. Zweimal! Ich f�hle mich, als m�sse ich im Dunkeln durch die Finger des Drachen segeln. Eine Botschaft besagte, da� du das Gebiet der Zwei Fl�sse betreten und in dieses Dorf, Emondsfeld, gehen w�rdest. Bald, dachte ich. Er ist gefunden, und bald wird sie ihn in der Hand haben. Dann die Botschaft aus Caemlyn, da� du nach Schienar, nach Fal Dara und nicht nach Tar Valon kommen w�rdest. Fal Dara, wo die F�ule so nah ist, da� man sie fast mit der Hand ber�hren kann. Fal Dara, wo Trolloc-�berf�lle unter der Leitung der Myrddraal an der Tagesordnung sind. Beinahe zwanzig Jahre des Planens und der Suche, und du wirfst all unsere Pl�ne praktisch dem Dunklen K�nig in den Scho�. Bist du denn verr�ckt geworden?�</p><p>Nun, da sie die andere Frau offensichtlich wieder zum Leben erweckt hatte, wurde Moiraine zumindest �u�erlich wieder die Ruhe selbst. Ruhig, aber auch nachdr�cklich. �Das Muster k�mmert sich wenig um menschliche Pl�ne, Siuan. Bei unserer ganzen Planung verga�en wir, womit wir es zu tun haben: <emphasis>ta'veren.</emphasis> Elaida hat sich geirrt. Artur Paendrag Tanreall war niemals so sehr <emphasis>ta'veren.</emphasis> Das Rad wird das Muster um diesen jungen Mann weben, wie <emphasis>es</emphasis> will, gleich, was <emphasis>wir</emphasis> planen.�</p><p>Der Zorn verschwand aus dem Gesicht der Amyrlin und wurde von bleichem Erschrecken ersetzt. �Das klingt, als sagtest jetzt <emphasis>du,</emphasis> wir k�nnten genausogut aufgeben. Schl�gst <emphasis>du</emphasis> jetzt vor, wir sollten zuschauen, wie die Welt brennt?�</p><p>�Nein, Siuan. Wir werden niemals nur zuschauen.� <emphasis>Und doch wird die Welt brennen, Siuan, so oder so, was wir auch unternehmen. Das hast du noch nie wahrhaben wollen.</emphasis> �Aber wir m�ssen uns jetzt klar dar�ber werden, da� unsere Pl�ne zerbrechliche Dinge sind. Wir kontrollieren die Lage noch weniger, als wir glaubten. Vielleicht nur mit einem Fingernagel am Z�gel. Die Winde des Schicksals wehen, Siuan, und wir m�ssen dorthin reiten, wohin sie uns f�hren.�</p><p>Die Amyrlin schauderte, als f�hle sie diesen eisigen Wind in ihrem Nacken. Ihre H�nde glitten zu dem abgeplatteten Goldw�rfel, und kr�ftige, geschickte Finger fanden bestimmte Punkte in den komplizierten Verzierungen. Eine raffinierte Vorrichtung hob den Deckel und gab den Blick frei auf ein gekr�mmtes goldenes Horn, das in einer daf�r angelegten Kuhle ruhte. Sie hob das Instrument heraus und fuhr die elegante silberne Schrift in der Alten Sprache, die sich um das Mundst�ck herum zog, mit dem Finger nach.</p><p>�Das Grab ist keine Grenze f�r meinen Ruf�, �bersetzte sie so leise, als f�hre sie nur ein Selbstgespr�ch. �Das Horn von Valere, geschaffen, um tote Helden aus dem Grab zur�ckzurufen. Und die Prophezeiung sagt, es werde gerade noch rechtzeitig gefunden, um in der Letzten Schlacht eingesetzt zu werden.� Ruckartig steckte sie das Horn in seinen Beh�lter zur�ck und schlo� den Deckel, als k�nne sie den Anblick nicht l�nger ertragen. �Agelmar schob es mir in die H�nde, sobald die Willkommensfeier vor�ber war. Er sagte, er habe Angst, in seine eigene Schatzkammer zu gehen, solange es dort ist. Die Versuchung sei zu gro�, meinte er, das Horn selbst zu blasen und die Schar, die diesen Ruf beantwortete, durch die F�ule zum Shayol Ghul zu f�hren, um dem Dunklen K�nig ein Ende zu setzen. Der Drang zum Ruhm in ihm sei �berm�chtig, und es war genau das, sagte er, was ihm zeigte, da� nicht er es tun solle, nicht tun d�rfe. Er konnte es gar nicht abwarten, das Horn loszuwerden, und doch begehrte er es immer noch.�</p><p>Moiraine nickte. Agelmar kannte die Prophezeiung in bezug auf das Horn wie die meisten, die gegen den Dunklen K�nig k�mpften. �La� denjenigen, der mich bl�st, nicht an Ruhm denken, sondern an Rettung.�</p><p>�Rettung.� Die Amyrlin lachte bitter. �Nach dem Ausdruck in Agelmars Augen zu schlie�en, wu�te er nicht, ob er die Rettung aus der Hand gab oder die ewige Verdammnis seiner Seele zur�ckwies. Er wu�te nur, da� er es loswerden mu�te, bevor es ihn innerlich verbrannte. Er bem�hte sich, es geheim zu halten, aber er sagt, es gebe bereits Ger�chte in der Festung. Ich teile seine Versuchung nicht, doch das Horn gibt mir eine G�nsehaut. Er wird es wieder in seine Schatzkammer sperren m�ssen, bis ich abreise. Ich k�nnte nicht schlafen, auch wenn es nur im Nebenzimmer st�nde.� Sie rieb sich Runzeln von der Stirn und seufzte. �Und es sollte erst kurz vor der Letzten Schlacht gefunden werden. Kann die schon so nahe sein? Ich dachte, hoffte, wir h�tten mehr Zeit.� �Der <emphasis>Karaethon-Zyklus.�</emphasis></p><p>�Ja, Moiraine. Du brauchst mich nicht daran zu erinnern. Ich habe mit den Prophezeiungen des Drachen ebenso lange gelebt wie du.� Die Amyrlin sch�ttelte den Kopf. �Nie gab es mehr als einen falschen Drachen in einer Generation seit der Zerst�rung, und jetzt laufen drei auf einmal in der Welt herum, und w�hrend der vergangenen zwei Jahre tauchten nochmals drei auf. Das Muster verlangt nach einem Drachen, da es Tarmon Gai'don entgegenwebt. Manchmal bin ich so von Zweifeln erf�llt, Moiraine.� Sie sagte das so nachdenklich, als staune sie selbst dar�ber, und im gleichen Tonfall fuhr sie fort: �Was ist, wenn Logain der richtige war? Er konnte die Macht kontrollieren, bis ihn die Roten zur Wei�en Burg brachten und wir ihn einer D�mpfung unterzogen. Mazrim Taim, der Mann in Saldaea, kann es auch. Was, wenn <emphasis>er</emphasis> es ist? In Saldaea halten sich bereits Schwestern auf. Zu dieser Zeit ist er vielleicht schon bezwungen. Was ist, wenn wir uns von Beginn an geirrt haben? Was geschieht, wenn der Wiedergeborene Drache eine D�mpfung erf�hrt, bevor die Letzte Schlacht noch begonnen hat? Selbst Prophezeiungen k�nnen danebengehen, wenn der, den sie angek�ndigt haben, get�tet oder ged�mpft wird. Und dann stehen wir dem Dunklen K�nig hilflos gegen�ber.�</p><p>�Keiner von den beiden ist der richtige, Siuan. Das Muster verlangt nicht nach <emphasis>einem</emphasis> Drachen, sondern nach dem einen wahren Drachen. Bis er sich erkl�rt, wird das Muster weitere falsche Drachen produzieren, doch danach wird es keine mehr geben. Falls Logain oder der andere der richtige gewesen w�re, g�be es nun keine anderen.�</p><p>��Denn er wird kommen wie der anbrechende Morgen und die Welt erneut mit seinem Kommen zerschmettern und sie neu erschaffen.� Entweder stehen wir ihm hilflos gegen�ber, oder wir halten uns an einen Schutz, der uns verbrennen wird. Licht, hilf uns allen!� Die Amyrlin sch�ttelte sich, als wolle sie ihre eigenen Worte von sich abwerfen. Ihr Gesicht wirkte, als habe sie sich auf einen Schlag vorbereitet. �Du konntest vor mir nie verbergen, was du denkst, so wie du es vor anderen verbirgst, Moiraine. Du hast mir mehr zu sagen, und zwar nichts Gutes.�</p><p>Zur Antwort nahm Moiraine die Ledertasche von ihrem G�rtel und stellte sie auf den Kopf. Der Inhalt ergo� sich auf den Tisch. Es schien nur ein H�ufchen zerschlagener Keramik zu sein, gl�nzend schwarz und wei� gef�rbt.</p><p>Die Amyrlin ber�hrte neugierig eine Scherbe, und ihr stockte der Atem. <emphasis>�Cuendillar.�</emphasis></p><p>�Herzstein�, stimmte Moiraine zu. Das Herstellungsverfahren von <emphasis>Cuendillar</emphasis> war bei der Zerst�rung der Welt verlorengegangen, aber alles, was aus Herzstein bestand, hatte den Weltuntergang �berstanden. Selbst die Objekte, die von der Erde verschlungen worden oder im Meer versunken waren, hatten es �berstanden. So mu�te es auch sein. Keine bekannte Kraft konnte <emphasis>Cuendillar</emphasis> zerst�ren, wenn es fertig war. Selbst die Eine Macht, gegen Herzstein gerichtet, machte ihn lediglich st�rker. Trotzdem hatte irgendeine Kraft dieses St�ck zerbrochen.</p><p>Die Amyrlin setzte hastig die St�cke zusammen. Was daraus entstand, war eine Scheibe von der Gr��e einer M�nnerhand, zur H�lfte schw�rzer als Pech, zur H�lfte wei�er als Schnee. Die Farben wurden durch eine geschwungene Linie getrennt, die trotz des Alters nicht verbla�t war. Das alte Symbol der Aes Sedai aus der Zeit, bevor die Welt zerst�rt wurde, als M�nner und Frauen noch die Macht gemeinsam ben�tzten. Die eine H�lfte wurde nun die Flamme von Tar Valon genannt, die andere H�lfte kritzelte man auf T�ren, um die Bewohner eines solchen Hauses des B�sen zu beschuldigen, und man nannte es den Drachenzahn. Nur sieben solcher Scheiben waren angefertigt worden. Alles, was je aus Herzstein gemacht worden war, war in der Wei�en Burg aufgezeichnet worden, und an diese sieben erinnerte man sich vor allem. Siuan Sanche starrte darauf als habe sie auf ihrem Kopfkissen eine Viper entdeckt.</p><p>�Eines der Siegel vom Gef�ngnis des Dunklen K�nigs�, sagte sie schlie�lich z�gernd. Es waren gerade diese sieben Siegel, �ber die die Amyrlin wachen sollte. Das Geheimnis, das man der Welt verborgen hatte, falls �berhaupt jemals jemand daran dachte, war, da� keine Amyrlin seit den Trolloc-Kriegen mehr gewu�t hatte, wo sich die Siegel befanden.</p><p>�Wir wissen, da� sich der Dunkle K�nig wieder r�hrt, Siuan. Wir wissen, da� sein Gef�ngnis nicht f�r alle Zeiten versiegelt bleiben kann. Menschliches Werk kann niemals dem des Sch�pfers gleichkommen. Wir wu�ten, da� er die Welt wieder ber�hrt hat, wenn auch, dem Licht sei Dank, nur indirekt. Die Anzahl der Schattenfreunde w�chst st�ndig, und was wir noch vor nur zehn Jahren als b�se bezeichnet haben, scheint uns heute nur noch harmlos gegen das, was jeden Tag geschieht.�</p><p>�Wenn die Siegel brechen... Vielleicht haben wir gar keine Zeit mehr.�</p><p>�Wenig genug. Aber das Wenige reicht vielleicht. Es mu� reichen.�</p><p>Die Amyrlin ber�hrte das zerbrochene Siegel, und ihre Stimme klang angespannt, als zwinge sie sich zum Sprechen: �Ich habe den Jungen gesehen � im Hof w�hrend der Willkommensfeier. Es geh�rt zu meinen Talenten, da� ich <emphasis>ta'veren</emphasis> erkenne. Das ist heutzutage ein seltenes Talent, noch seltener als <emphasis>ta'veren,</emphasis> und zu nicht viel zu gebrauchen. Ein gro�er Junge, ein recht gut aussehender junger Mann. Unterscheidet sich nicht sehr von anderen jungen M�nnern, wie man sie �berall sieht.� Sie schwieg einen Moment und holte tief Luft. �Moiraine, er strahlte wie die Sonne. Ich habe in meinem Leben selten Angst gehabt, aber bei seinem Anblick zitterte ich bis zu den Zehenspitzen. Ich h�tte mich am liebsten am Boden zusammengekauert und wie ein Wolf geheult. Ich konnte kaum sprechen. Agelmar glaubte, ich sei auf ihn b�se, weil ich so schweigsam war. Dieser junge Mann... er ist derjenige, den wir zwanzig Jahre lang gesucht haben.�</p><p>Es lag eine angedeutete Frage in ihrer Stimme. Moiraine beantwortete sie: �Ja, er ist es.�</p><p>�Bist du sicher? Kann er... ? Beherrscht er... die Eine Macht?�</p><p>Ihr Mund formte die Worte nur m�hsam, und auch Moiraine f�hlte die Anspannung, ein inneres Zerren, eine kalte Hand an ihrem Herzen. Aber ihr Gesicht verzog sich nicht. �Er beherrscht sie.� Ein Mann, der die Eine Macht lenkte. Das war etwas, das keine Aes Sedai ohne Furcht bew�ltigen konnte. Es war etwas, das die ganze Welt f�rchtete. <emphasis>Und ich werde ihn auf die Welt loslassen.</emphasis> �Rand al'Thor wird als der Wiedergeborene Drache vor der Welt stehen.�</p><p>Die Amyrlin schauderte. �Rand al'Thor. Das klingt nicht wie ein Name, der der Welt Angst einjagt und sie verbrennt.� Sie schauderte noch einmal und rieb sich energisch die Arme. Ihre Augen blickten nun entschlossen drein. �Wenn er derjenige ist, dann haben wir vielleicht wirklich noch genug Zeit. Aber ist er hier in Sicherheit? Ich habe zwei Rote Schwestern dabei, und ich kann nicht mehr f�r die Gr�nen und die Gelben garantieren. Das Licht verschlinge mich, bei der Angelegenheit kann ich f�r niemanden garantieren. Selbst Verin und Serafelle w�rden sich auf ihn st�rzen wie auf eine Puffotter im Kinderzimmer.�</p><p>�Im Augenblick ist er in Sicherheit.�</p><p>Die Amyrlin wartete darauf, da� sie noch mehr sagte. Das Schweigen dehnte sich, bis es klar wurde, da� sie nichts hinzuf�gen wollte. Schlie�lich sagte die Amyrlin: �Du meinst, unser alter Plan sei nutzlos. Was schl�gst du nun vor?�</p><p>�Ich habe ihn mit Absicht glauben gemacht, ich h�tte das Interesse an ihm verloren und er k�nne meinetwegen gehen, wohin er will.� Sie hob beide H�nde abwehrend, als die Amyrlin den Mund �ffnete. �Das war n�tig, Siuan. Rand al'Thor ist in den Zwei Fl�ssen aufgewachsen, wo das halsstarrige Blut von Manetheren in jeder Ader flie�t, und sein eigenes Blut ist wie ein Fels, verglichen mit dem von Manetheren. Man mu� sanft mit ihm umgehen, oder er rennt in jede Richtung los, nur nicht in die, die unserem Willen entspricht.�</p><p>�Dann werden wir ihn wie ein neugeborenes Kind behandeln. Wir wickeln ihn in Windeln und spielen mit seinen Zehen, wenn du glaubst, da� es n�tig ist. Aber wozu eigentlich?�</p><p>�Seine beiden Freunde, Matrim Cauthon und Perrin Aybara, sind reif daf�r, die Welt zu sehen, bevor sie wieder im Hinterw�ldlertum der Zwei Fl�sse versacken. Falls sie versacken k�nnen; auch sie sind <emphasis>ta'veren,</emphasis> wenn auch nicht im gleichen Ma� wie er. Ich werde sie dazu anregen, das Horn von Valere nach Illian zu bringen.�</p><p>Sie z�gerte und zog die Stirn kraus. �Es gibt allerdings ein... Problem in bezug auf Mat. Er tr�gt einen Dolch aus Shadar Logoth.�</p><p>�Shadar Logoth! Licht, warum hast du sie jenem Ort auch nur nahe kommen lassen? Jeder Stein dort ist verflucht. Man kann noch nicht einmal unbeschadet einen Kieselstein wegtragen. Licht, hilf uns, wenn Mordeth den Jungen ber�hrt h�tte... � Die Amyrlin klang, als werde sie erw�rgt. �Wenn das gesch�he, w�re die Welt zum Untergang verdammt.�</p><p>�Aber es ist nicht geschehen, Siuan. Wir tun, was wir eben tun m�ssen. Ich habe genug getan, damit Mat niemand anderes anstecken kann, aber er hatte den Dolch schon zu lange in seinem Besitz, bevor ich davon erfuhr. Die Verbindung ist noch vorhanden. Ich hatte geglaubt, ich m�sse ihn nach Tar Valon bringen, um ihn zu heilen, aber bei so vielen Schwestern hier k�nnte man das auch hier erledigen. Solange es noch ein paar gibt, bei denen du wei�t, da� sie keine Schattenfreunde sehen, wo es keine gibt. Du und ich und zwei andere gen�gen, wenn wir mein <emphasis>Angreal</emphasis> ben�tzen.�</p><p>�Leane wird eine sein, und ich werde schon eine andere finden.� Pl�tzlich grinste die Amyrlin trocken. �Der Saal will diesen <emphasis>Angreal</emphasis> zur�ckhaben, Moiraine. Es gibt nicht mehr viele davon, und dich h�lt man nun f�r... unzuverl�ssig.�</p><p>Moiraine l�chelte, doch das L�cheln erreichte ihre Augen nicht. �Sie werden mich f�r noch viel schlimmer halten, wenn ich fertig bin. Mat wird gl�cklich �ber die M�glichkeit sein, ein so wichtiger Teil der Legende vom Horn zu werden, und Perrin sollte auch nicht so schwer zu �berreden sein. Er braucht etwas, das ihn von seinen eigenen Problemen ablenkt. Rand wei�, was er ist �jedenfalls zum Teil, zum kleinen Teil �, und er hat nat�rlich Angst davor. Er will allein irgendwohin gehen, wo er niemanden verletzen kann. Er sagt, er wolle die Macht nie wieder anwenden, aber er bef�rchtet auch, da� er nicht damit aufh�ren kann.�</p><p>�Da hat er auch ganz recht. Es ist leichter, das Wassertrinken aufzugeben.�</p><p>�Stimmt. Und er m�chte die Aes Sedai loswerden.� Moiraine l�chelte ein wenig � allerdings auf eine freudlose Art. �Wenn man ihm die M�glichkeit bietet, die Aes Sedai hinter sich zu lassen und trotzdem noch ein wenig l�nger bei seinen Freunden zu bleiben, dann wird er genauso eifrig dabei sein wie Mat.�</p><p>�Aber wie kann er die Aes Sedai hinter sich lassen? Du mu�t doch nat�rlich mit ihm gehen. Wir d�rfen ihn jetzt nicht mehr verlieren, Moiraine.�</p><p>�Ich kann nicht mit ihm gehen.� <emphasis>Es ist ein langer Weg von Fal Dara nach Illian, aber er ist ja schon beinahe genausoweit gekommen.</emphasis> �Er mu� eine Weile lang von der Leine gelassen werden. Da hilft nichts. Ich habe ihre ganze alte Kleidung verbrennen lassen. Es bestand die M�glichkeit, da� irgendein Fetzen dessen, was sie trugen, in die falschen H�nde gefallen sein k�nnte. Ich werde sie reinigen, bevor sie aufbrechen. Sie werden noch nicht einmal bemerken, was ich getan habe. Auf diese Weise werden sie keine Spuren hinterlassen, und die einzige andere Bedrohung dieser Art ist im Kerker eingesperrt.� Die Amyrlin, gerade im Begriff, zustimmend zu nicken, sah sie statt dessen fragend an; sie unterbrach ihren Redeflu� aber nicht. �Sie werden so sicher reisen, wie es geht, Siuan. Und wenn Rand mich in Illian braucht, dann werde ich dort sein und daf�r sorgen, da� er es ist, der das Horn dem Rat der Neun und der Versammlung �bergibt. Ich werde mich in Illian um alles k�mmern. Siuan, die Illianer w�rden dem Drachen folgen oder auch sogar Ba'alzamon selbst, wenn er nur mit dem Horn von Valere ank�me, und der gr��te Teil derer, die sich zur Jagd versammelt haben, w�rde es genauso machen. Der wahre Wiedergeborene Drache mu� nicht erst Anh�nger um sich scharen, bevor die Nationen gegen ihn vorgehen. Er wird mit einer Nation und einem Heer im R�cken beginnen.�</p><p>Die Amyrlin fiel auf ihren Stuhl zur�ck, beugte sich dann aber gleich vor. Sie schien zwischen Ersch�pfung und Hoffnung zu schwanken. �Aber <emphasis>wird</emphasis> er sich erkl�ren? Wenn er Angst hat... Das Licht allein wei�, wie sehr er sich f�rchten sollte, aber die M�nner, die sich als der Drache erkl�ren, <emphasis>wollen</emphasis> Macht besitzen. Wenn er nicht so ist... �</p><p>�Ich habe die Mittel, um daf�r zu sorgen, da� er zum Drachen erkl�rt wird, ob er will oder nicht. Und selbst wenn ich versagen sollte, wird das Muster daf�r sorgen, da� er als der Drache enth�llt wird, ob er will oder nicht. Denk daran, er ist <emphasis>ta'veren,</emphasis> Siuan. Er hat nicht mehr Kontrolle �ber sein Schicksal als der Docht einer Kerze �ber die Flamme.�</p><p>Die Amyrlin seufzte. �Das ist riskant, Moiraine. Riskant. Aber mein Vater sagte immer: �M�dchen, wenn du kein Risiko eingehst, gewinnst du auch nichts.� Wir m�ssen planen. Setz dich her; das wird eine Weile dauern. Ich lasse uns Wein und K�se kommen.�</p><p>Moiraine sch�ttelte den Kopf. �Wir sind schon zu lange miteinander allein gewesen. Falls irgend jemand versucht hat, uns zu belauschen, und gemerkt hat, da� du uns dagegen gesch�tzt hast, wird es bereits Aufsehen erregen. Es ist das Risiko nicht wert. Wir k�nnen uns morgen wieder treffen.� <emphasis>Au�erdem, meine liebste Freundin, kann ich dir nicht alles erz�hlen, und ich kann nicht riskieren, dich wissen zu lassen, da� ich etwas zur�ckhalte.</emphasis></p><p>�Ich denke, du hast recht. Aber gleich als erstes am Morgen. Es gibt so vieles, was ich wissen mu�.�</p><p>�Am Morgen�, stimmte Moiraine zu. Die Amyrlin erhob sich, und sie umarmten sich wieder. �Am Morgen erz�hle ich dir alles, was du wissen mu�t.�</p><p>Leane sah Moiraine scharf an, als sie in den Vorraum hinaustrat. Dann scho� sie ins Zimmer der Amyrlin. Moiraine bem�hte sich, ein zerknirschtes Gesicht zur Schau zu tragen, als h�tte sie eine der ber�chtigten Schimpfkanonaden der Amyrlin �ber sich ergehen lassen m�ssen � die meisten Frauen, so stark sie auch waren, �berstanden das nur mit gro�en Augen und weichen Knien �, aber dieser Gesichtsausdruck lag ihr nicht. Sie sah eher zornig aus, aber das diente ungef�hr dem gleichen Zweck. Sie war sich der anderen Frauen im Vorraum kaum bewu�t. Sie glaubte zu bemerken, da� einige gegangen und andere daf�r gekommen waren, seit sie hineingegangen war, aber sie blickte sie nur fl�chtig an. Es wurde sp�t, und es gab viel zu tun, bis der Morgen kam. Viel, bevor sie wieder mit der Amyrlin sprechen w�rde.</p><p>Sie beschleunigte ihren Schritt und ging tiefer in die Festung hinein.</p><p>Die Kolonne war ein beeindruckender Anblick, wie sie sich unter dem zunehmenden Mond mit klimperndem Pferdegeschirr durch die Dunkelheit von Tarabon vorw�rtsschob. Allerdings war niemand da, der den Anblick h�tte genie�en k�nnen. Ganze zweitausend Kinder des Lichts, gut beritten, in wei�en Wappenr�cken und Umh�ngen, mit polierten R�stungen, dazu der Zug der Proviantwagen und ihre Fahrer sowie die Pferdeknechte mit den Leinen voll Ersatzpferden... Es gab in diesem sp�rlich bewaldeten Gebiet durchaus D�rfer, doch sie hatten die Stra�en verlassen und hielten sich fern von den Geh�ften der Bauern. Sie sollten... jemanden... treffen, und zwar in einem winzigen Dorf in der N�he der n�rdlichen Grenze von Tarabon, am Rande der Ebene von Almoth.</p><p>Geofram Bornhald, der an der Spitze seiner M�nner ritt, fragte sich, was das alles bedeuten mochte. Er erinnerte sich nur zu gut an sein Gespr�ch mit Pedron Niall, dem Kommandeur der Kinder des Lichts in Amador, aber er hatte dort wenig erfahren.</p><p>�Wir sind allein, Geofram�, hatte der wei�haarige Mann gesagt. Seine Stimme klang d�nn und altersschwach. �Ich erinnere mich daran, wie ich dir den Eid abnahm... vor... vor sechsunddrei�ig Jahren war das wohl.�</p><p>Bornhald richtete sich auf. �Mein Lordhauptmann und Kommandeur, darf ich fragen, warum ich mit solcher Dringlichkeit aus Caemlyn zur�ckgerufen wurde? Ein kleiner Sto�, und Morgase w�re gest�rzt gewesen. Es gibt H�user in Andor, die den Beziehungen mit Tar Valon gegen�ber die gleiche Haltung einnehmen wie wir, und sie waren bereit, den Thron zu besteigen. Ich �bergab das Kommando dort an Eamon Valda, aber er schien vor allem der Tochter-Erbin nach Tar Valon folgen zu wollen. Ich w�re nicht �berrascht zu erfahren, da� der Mann das M�dchen gefangen oder sogar Tar Valon angegriffen hat.� Und Dain, Bornhalds Sohn, war gerade noch eingetroffen, bevor Bornhald abberufen worden war. Dain war von Eifer erf�llt. �bereifer manchmal. Genug, um blind auf alles einzugehen, was Valda vorschlug.</p><p>�Valda wandelt im Licht, Geofram. Aber du bist der beste Kampfstratege unter den Kindern. Du wirst eine ganze Legion einberufen, die besten M�nner, die du finden kannst, und sie nach Tarabon bringen. Doch meide jedes Auge, das mit einer Zunge verbunden ist, die sprechen kann. Jede solche Zunge mu� zum Schweigen gebracht werden, falls das Auge euch gesehen hat.�</p><p>Bornhald z�gerte. F�nfzig der Kinder oder sogar hundert konnten ohne gro�e Probleme ein Land betreten, oder zumindest, ohne offene Fragen auszul�sen, doch eine ganze Legion... �Bedeutet das Krieg, mein Lordhauptmann und Kommandeur? Es wird auf der Stra�e davon gesprochen. Meist sind es wilde Ger�chte �ber die R�ckkehr des Heeres von Artur Falkenfl�gel.� Der alte Mann sagte nichts. �Der K�nig... �</p><p>�Kommandiert die Kinder nicht, Lordhauptmann Bornhald.� Zum erstenmal klang H�rte in der Stimme des Kommandeurs mit. �Aber ich. La�t den K�nig in seinem Palast sitzen und tun, was er am besten kann, n�mlich nichts. Du wirst in einem Dorf namens Alcruna erwartet, und dort wirst du deine endg�ltigen Befehle erhalten. Ich erwarte, da� deine Legion in drei Tagen losreitet. Geh jetzt, Geofram. Du hast eine Menge zu tun.�</p><p>Bornhald zog die Stirn in Falten. �Verzeiht, mein Lordhauptmann und Kommandeur, doch wer wird mich erwarten? Warum mu� ich einen Krieg mit Tarabon riskieren?�</p><p>�Man wird dir alles sagen, was du wissen mu�t, wenn du Alcruna erreichst.� Der Kommandeur sah pl�tzlich �lter aus als er war. Geistesabwesend zupfte er an seinem wei�en Gewand herum, auf dessen Brustteil gro� der goldene Sonnenaufgang der Kinder aufgestickt war. �Es sind M�chte jenseits deiner Kenntnisse am Werk, Geofram. Jenseits dessen sogar, was du �berhaupt wissen kannst. W�hle deine M�nner schnell aus. Geh jetzt! Stelle mir keine Fragen mehr. Und m�ge das Licht mit dir reiten.�</p><p>Jetzt richtete sich Bornhald im Sattel auf und bem�hte sich, eine Verspannung in seinem R�cken wegzureiben. <emphasis>Ich werde alt,</emphasis> dachte er. Ein Tag und eine Nacht im Sattel mit zwei Pausen, um die Pferde zu tr�nken, und er f�hlte jedes graue Haar auf seinem Kopf. Vor ein paar Jahren h�tte ihm das noch nichts ausgemacht. <emphasis>Wenigstens habe ich keine Unschuldigen get�tet.</emphasis> Er ging mit Schattenfreunden ebenso hart um wie jeder Mann, der den Eid auf das Licht geleistet hatte � Schattenfreunde mu�ten eliminiert werden, bevor sie die ganzen Welt dem Schatten unterwarfen �, aber er wollte zuerst einmal sichergehen, da� sie auch wirklich Schattenfreunde waren. Es war schwierig gewesen, bei so vielen M�nnern eine Entdeckung durch die Taraboner selbst im Hinterland zu vermeiden, aber er hatte es geschafft. Er mu�te keine Zungen zum Schweigen bringen.</p><p>Die Kundschafter, die er vorausgeschickt hatte, kamen zur�ckgeritten, und hinter ihnen folgten noch mehr M�nner in wei�en M�nteln. Einige von ihnen trugen Fackeln und st�rten nat�rlich die Nachtsicht aller, die an der Spitze der Kolonne ritten. Mit einem leisen Fluch befahl Bornhald anzuhalten, w�hrend er die Ank�mmlinge musterte.</p><p>Auf den Brustteilen ihrer Umh�nge waren die gleichen goldenen Sonnenaufg�nge wie bei ihm zu sehen, die gleichen wie bei allen Kindern des Lichts, und ihr Anf�hrer trug sogar die goldenen Offiziersknoten darunter, die ihn als Bornhald im Rang gleichgestellt auswiesen. Aber hinter den Sonnenstrahlen befanden sich rote Hirtenst�be. Zweifler. Mit gl�henden Eisen und Zangen und tropfendem Wasser erzwangen die Zweifler Gest�ndnisse und Reue von Schattenfreunden, aber viele behaupteten, �ber die Schuld sei schon entschieden, bevor sie auch nur mit der Folter begannen. Geofram Bornhald war einer von denen, die das behaupteten.</p><p><emphasis>Man hat mich hierhergesandt, um</emphasis> Zweifler <emphasis>zu treffen?</emphasis></p><p>�Wir haben auf Euch gewartet, Lordhauptmann Bornhald�, sagte der Anf�hrer mit rauher Stimme. Es war ein hochgewachsener Mann mit einer Hakennase und dem Glitzern absoluter �berzeugung in den Augen, das man bei allen Zweiflern sah. �Ihr h�ttet schneller kommen k�nnen. Ich bin Einor Saren, der Stellvertreter von Jaichim Carridin, der die Hand des Lichts in Tarabon befehligt.� Die Hand des Lichts � die Hand, die die Wahrheit herausqu�lte, sagte man. Sie h�rten die Bezeichnung Zweifler nicht gern. �Es gibt im Dorf eine Br�cke. F�hrt Eure M�nner dar�ber. Wir werden uns in der Schenke unterhalten. Sie ist �berraschend bequem eingerichtet.�</p><p>�Mir wurde vom Kommandeur aufgetragen, jede Entdeckung zu vermeiden.�</p><p>�Das Dorf wurde... befriedet. F�hrt nun Eure M�nner weiter. <emphasis>Ich</emphasis> �bernehme jetzt das Kommando. Ich habe Befehle mit dem Siegel des Kommandeurs, falls Ihr an der Berechtigung zweifelt.�</p><p>Bornhald unterdr�ckte das Grollen, das in ihm aufstieg. Befriedet. Er fragte sich, ob man die Leichen au�erhalb des Dorfes aufgestapelt oder in den Flu� geworfen hatte. Das w�rde den Zweiflern �hnlich sehen: kaltschn�uzig genug, um der Geheimhaltung wegen ein ganzes Dorf zu ermorden, und dumm genug, die Leichen in den Flu� zu werfen, wo sie flu�abw�rts trieben und ihre Untat von Alcruna bis Tanchico hinausposaunten. �Was ich mich frage, ist, warum ich mit zweitausend M�nnern in Tarabon bin, Zweifler.�</p><p>Sarens Gesicht spannte sich, und seine Stimme klang wiederum hart und fordernd: �Das ist einfach, Lordhauptmann. Es gibt auf der Ebene von Almoth St�dte und D�rfer, die niemanden �ber sich anerkennen als h�chstens einen B�rgermeister oder einen Gemeinderat. Es ist h�chste Zeit, da� sie zum Licht gebracht werden. Es wird an solchen Orten viele Schattenfreunde geben.�</p><p>Bornhalds Pferd stampfte auf. �Wollt Ihr damit sagen Saren, da� ich eine ganze Legion heimlich durch den gr��ten Teil Tarabons f�hren mu�te, nur um ein paar Schattenfreunde aus einigen schmierigen D�rfern herauszuholen?�</p><p>�Ihr seid hier, wie es Euch befohlen wurde, Bornhald. Um f�r das Licht zu arbeiten. Oder gleitet Ihr aus dem Licht hinaus?� Sarens L�cheln glich einer Grimasse. �Falls Ihr den Kampf sucht, k�nnt Ihr Gelegenheit dazu bekommen. Die Fremden haben eine gro�e Streitmacht auf der Toman-Halbinsel, mehr Soldaten, als Tarabon und Arad Doman gemeinsam aufhalten k�nnen, auch wenn sie ihre ewigen Streitereien mal vergessen und zusammenarbeiten. Falls die Fremden durchbrechen, werdet Ihr alle H�nde voll zu tun haben mit K�mpfen. Die Taraboner behaupten, die Fremden seien Ungeheuer, Kreaturen des Dunklen K�nigs. Einige sagen, sie h�tten Aes Sedai dabei, die f�r sie k�mpfen. Falls sie <emphasis>wirklich</emphasis> Schattenfreunde sind, diese Fremden, mu� man sich um sie k�mmern. Wenn die Zeit dazu gekommen ist.�</p><p>Einen Augenblick lang stockte Bornhald der Atem. �Dann stimmen die Ger�chte. Artur Falkenfl�gels Heer ist zur�ckgekehrt.�</p><p>�Fremde�, sagte Saren ausdruckslos. Es klang, als bereue er, �berhaupt damit angefangen zu haben. �Fremde, m�glicherweise Schattenfreunde, woher auch immer sie kamen. Das ist alles, was wir wissen, und alles, was Ihr wissen m��t. Im Moment betrifft Euch das noch nicht. Wir verschwenden unsere Zeit. Bringt Eure M�nner �ber den Flu�, Bornhald. Ich werde Euch Eure Befehle im Dorf �bermitteln.� Er ri� sein Pferd herum und galoppierte den Weg zur�ck, den sie gekommen waren. Die Fackeltr�ger folgten ihm auf den Fersen.</p><p>Bornhald schlo� die Augen, damit er schneller wieder im Dunkeln sehen konnte. <emphasis>Man ben�tzt uns wie die Steine auf einem Spielbrett.</emphasis> �Byar!� Er �ffnete die Augen, als sein Adjudant neben ihm erschien und im Sattel vor seinem Lordhauptmann Haltung annahm. Der Mann mit dem hageren Gesicht hatte beinahe den Ausdruck der Zweifler in den Augen, aber trotzdem war er ein guter Soldat. �Vor uns liegt eine Br�cke. Bringe die Legion hin�ber, und la� sie dort lagern. Ich werde wieder bei euch sein, sobald ich kann.�</p><p>Er raffte seine Z�gel und ritt in dieselbe Richtung wie der Zweifler. <emphasis>Steine auf einem Spielbrett. Aber wer zieht uns? Und warum?</emphasis></p><p>Die Nachmittagsschatten machten langsam dem Abend Platz, als Liandrin durch die Frauenquartiere ging. Jenseits der Schie�scharten wurde es dunkel, und die zunehmende Dunkelheit dr�ckte gegen den Schein der Lampen im Korridor. In letzter Zeit machte Liandrin die D�mmerung � sowohl abends als auch morgens � m�chtig zu schaffen. In der Morgend�mmerung wurde der Tag geboren, und in der Abendd�mmerung die Nacht, aber am Morgen starb auch die Nacht, und der Tag starb mit der Abendd�mmerung. Die Macht des Dunklen K�nigs hatte ihre Wurzeln im Tod, aus dem er seine Kraft bezog, und zu diesen Tageszeiten glaubte sie, seine Macht fast greifbar sp�ren zu k�nnen. Auf jeden Fall aber r�hrte sich etwas im Halbdunkel des Flurs. Sie war sich fast sicher, sie k�nne es sehen, wenn sie sich nur schnell genug umdrehte und wenn sie nur konzentriert genug hinsah.</p><p>Dienerinnen in Schwarz und Gold knicksten, als sie vorbeiging, aber sie reagierte nicht darauf. Sie sah stur geradeaus und w�rdigte sie keines Blicks.</p><p>An der gesuchten T�r schlie�lich blieb sie kurz stehen und sah sich schnell nach allen Seiten um. Die einzigen Frauen in Sichtweite waren Dienerinnen; nat�rlich waren keine M�nner da. Sie schob die T�r auf und ging ohne Anklopfen hinein.</p><p>Das vordere von den Gem�chern der Lady Amalisa war hell beleuchtet, und ein prasselndes Feuer im Herd minderte die K�hle der schienarischen Nacht. Amalisa und ihre Hofdamen sa�en im Raum auf St�hlen oder auf Teppichstapeln und lauschten, w�hrend eine von ihnen im Stehen laut etwas vorlas. Es war <emphasis>Der Tanz des Falken und des Kolibris</emphasis> von Teven Aerwin, in dem die Benimmregeln von M�nnern Frauen gegen�ber und von Frauen M�nnern gegen�ber festgelegt wurden. Liandrins Mund verzog sich; sie hatte das gewi� nicht gelesen, aber mehr als genug davon geh�rt. Amalisa und ihre Damen begr��ten jede Er�ffnung mit schallendem Gel�chter. Sie lie�en sich aufeinanderfallen und trommelten mit den Fersen auf die Teppiche wie M�dchen.</p><p>Die Vorleserin war die erste, die Liandrin entdeckte. Sie brach mit �berrascht geweiteten Augen mitten im Satz ab. Die anderen drehten sich um, weil sie sehen wollten, wen sie so anstarrte, und dann verstummte das Lachen. Alle au�er Amalisa rappelten sich hoch und gl�tteten hastig Haar und Kleid.</p><p>Lady Amalisa erhob sich grazi�s mit einem L�cheln auf den Lippen. �Ihr ehrt uns mit Eurer Gegenwart, Liandrin. Das ist eine �u�erst angenehme �berraschung. Ich erwartete Euch erst morgen. Ich dachte, Ihr wolltet Euch nach der langen Reise ausr... �</p><p>Liandrin unterbrach sie in scharfem Ton, wobei sie sie nicht direkt ansprach, sondern in die Luft hinein redete: �Ich beabsichtige, mit Lady Amalisa allein zu sprechen. Ihr werdet alle gehen. Sofort.�</p><p>Es gab einen Augenblick erschrockenen Schweigens, und dann verabschiedeten sich die anderen Frauen von Amalisa. Eine nach der anderen knickste vor Liandrin, doch diese reagierte nicht darauf. Sie starrte weiter geradeaus ins Leere, doch sie sah und h�rte sie. Ehrenbezeigungen, die unangenehm ber�hrt ob der Laune der Aes Sedai dargebracht wurden. Gesenkte Augen, als sie sie nicht beachtete. Sie dr�ckten sich an ihr vorbei zur T�r, wobei sie sich r�ckw�rts vorbeischieben mu�ten, damit ihre R�cke den ihren nicht ber�hrten.</p><p>Als sich die T�r hinter der letzten schlo�, sagte Amalisa: �Liandrin, ich verstehe ni... �</p><p>�Wandelst du im Licht, Tochter?� Hier w�rde es diesen Unsinn nicht mehr geben, sie �Schwester� zu nennen. Die andere Frau war einige Jahre �lter, doch die alten H�flichkeitsformen w�rden von jetzt ab wieder beachtet werden. Wie lange sie auch vergessen sein mochten, es war Zeit, sich wieder daran zu erinnern.</p><p>Sobald sie die Frage gestellt hatte, merkte Liandrin, da� sie einen Fehler begangen hatte. Es war eine Frage, die, wenn eine Aes Sedai sie stellte, Zweifel und Angst ausl�ste, doch Amalisas R�cken versteifte sich, und ihr Gesichtsausdruck wurde hart.</p><p>�Das ist eine Beleidigung, Liandrin Sedai. Ich bin Schienarerin aus einem adligen Haus und aus einer Familie von Soldaten. Meine Familie hat schon gegen den Schatten gek�mpft, bevor es Schienar �berhaupt gab; dreitausend Jahre ohne Fehl und Tadel und ohne einen einzigen Tag der Schw�che.�</p><p>Liandrin verlegte sich auf eine andere Art des Angriffs; sie dachte nicht daran zur�ckzustecken. Sie schritt quer durch den Raum, nahm das ledergebundene Exemplar von <emphasis>Der Tanz des Falken und des Kolibris</emphasis> und hielt es, ohne hineinzublicken. �In Schienar, meine Tochter, mu� noch mehr als in anderen L�ndern das Licht hochgehalten und der Schatten gef�rchtet werden.� Ganz nebenbei warf sie das Buch ins Feuer. Flammen schlugen hoch, als sei es ein St�ck Feuerholz. Sie prasselten, als sie den Kamin hochz�ngelten. Im gleichen Augenblick flammte jede Lampe im Raum zischend auf. Sie brannten derart hei�, da� sie den Raum mit Licht �berfluteten. �Hier mehr als �berall sonst. Hier, so nahe an der verfluchten F�ule, wo das Verderben wartet. Hier k�nnte selbst jemand, der glaubt, im Licht zu wandeln, bereits vom Schatten verdorben sein.�</p><p>Schwei�tropfen glitzerten auf Amalisas Stirn. Die Hand, die sie zum Protest des Buches wegen erhoben hatte, fiel schlaff herunter. Ihre Z�ge blieben immer noch fest und entschlossen, doch Liandrin beobachtete, wie sie schluckte und von einem Fu� auf den anderen trat. �Ich verstehe nicht, Liandrin Sedai. Liegt es an dem Buch? Das ist doch nur Unsinn.�</p><p>Ihre Stimme schwankte ein wenig. Gut. Die Glasm�ntel einiger Lampen zersprangen, als die Flammen hei�er und h�her hinaufschlugen und den Raum so hell beleuchteten, als hielten sie sich zur Mittagszeit ungesch�tzt im Freien auf. Amalisa stand stocksteif da. Ihr Gesicht war angespannt. Sie bem�hte sich, nicht zu blinzeln.</p><p>�Ihr seid es, die Unsinn redet, meine Tochter. Mir liegt nichts an B�chern. Hier betreten Menschen die F�ule und wandeln in ihrer Verderbtheit. Direkt im Schatten. Warum wundert Ihr Euch dann, wenn der Fluch in sie einsickert? Ob mit oder gegen ihren Willen: Er dringt in sie ein. Warum glaubt Ihr, da� die Amyrlin sich pers�nlich hierherbegeben hat?�</p><p>�Nein!� Es war mehr ein Keuchen.</p><p>�Ich geh�re zu den Roten, meine Tochter�, sagte Liandrin dr�ngend. �Ich jage alle M�nner, die vom Verderben angesteckt sind.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Nicht nur die Verderbten, die die Eine Macht zu ben�tzen versuchen. Alle befallenen M�nner, ob hochstehend oder gemein, werden von mir gejagt.�</p><p>�Ich... � Amalisa leckte sich verunsichert die Lippen und bem�hte sich sichtlich, sich zusammenzurei�en. �Ich verstehe nicht, Liandrin Sedai. Bitte... �</p><p>�Die hochstehenden sogar noch eher als die gemeinen.�</p><p>�Nein!� Als w�re eine unsichtbare St�tze zusammengebrochen, fiel Amalisa auf die Knie, und ihr Kopf senkte sich. �Bitte, Liandrin Sedai, sagt, da� Ihr nicht Agelmar meint. Es kann ihn nicht betreffen.�</p><p>In diesem Augenblick voll Zweifel und Verwirrung schlug Liandrin zu. Sie bewegte sich nicht, sondern schlug mit der Einen Macht nach Amalisa. Die schnappte nach Luft und zuckte, als habe man sie mit einer Nadel gestochen, und Liandrins Schmollmund verzog sich zu einem L�cheln.</p><p>Das war ihr eigener besonderer Trick aus ihrer Kindheit, die erste ihrer F�higkeiten, die sie zu verwenden gelernt hatte. Es war ihr verboten worden, sobald die f�r die Novizinnen zust�ndige Rektorin es bemerkt hatte, aber das bedeutete f�r Liandrin lediglich eine weitere Sache, die sie vor denen verbergen mu�te, die auf sie eifers�chtig waren.</p><p>Sie trat vor und hob Amalisas Kinn an. Das Metall, das sie aufrecht gehalten hatte, war noch immer da, aber nun war es ein minderwertigeres Metall, das auf den richtigen Druck hin verformbar war. Tr�nen rannen aus Amalisas Augenwinkeln und glitzerten auf ihren Wangen. Liandrin lie� die Feuer wieder zur normalen St�rke zur�cksinken; sie ben�tigte sie nicht mehr. Sie gebrauchte nun sanftere Worte, doch ihre Stimme war so unnachgiebig wie Stahl.</p><p>�Tochter, niemand will, da� Ihr und Agelmar den Leuten als Schattenfreunde vorgeworfen werdet. Ich werde Euch helfen, aber Ihr m��t auch mir helfen.�</p><p>�Euch h... helfen?� Amalisa legte die H�nde an die Schl�fen. Sie sah v�llig verwirrt aus. �Bitte, Liandrin Sedai, ich... verstehe nicht. Es ist alles so... Es ist alles... �</p><p>Die F�higkeit war nicht absolut perfekt; Liandrin konnte niemanden dazu zwingen zu tun, was sie wollte �obwohl sie es oft versucht hatte. Und wie sie es versucht hatte! Aber sie konnte sie ihren Argumenten zug�nglich machen, sie w�nschen lassen, sie k�nnten ihr Glauben schenken, sie k�nnten sich von ihr �berzeugen lassen.</p><p>�Gehorcht, Tochter! Gehorcht und beantwortet meine Fragen wahrheitsgem��, und ich verspreche Euch, da� Euch und Agelmar niemand als Schattenfreunde bezeichnen wird. Ihr werdet nicht nackt durch die Stra�en gezerrt und aus der Stadt gepr�gelt, falls Euch die Leute nicht zuvor schon in St�cke rei�en. Ich werde das nicht geschehen lassen. Versteht Ihr?�</p><p>�Ja, Liandrin Sedai, ja. Ich will tun, was Ihr sagt, und Euch wahrheitsgem�� antworten.�</p><p>Liandrin richtete sich auf und blickte auf die andere Frau hinunter. Lady Amalisa blieb, wie sie war, kniend, mit offenem Gesicht, offen wie das eines Kindes, eines Kindes, das darauf wartet, von jemand Weiserem und St�rkerem getr�stet zu werden und Hilfe zu erhalten. Liandrin fand das richtig und standesgem��. Sie hatte nie verstanden, warum einer Aes Sedai gegen�ber eine einfache Verbeugung oder ein Knicks ausreichen sollte, wenn die M�nner und Frauen vor K�nigen und K�niginnen auf die Knie fielen. <emphasis>Welche K�nigin besitzt schon meine Macht?</emphasis> Ihr Mund verzog sich �rgerlich, und Amalisa schauderte.</p><p>�Beruhigt Euch, meine Tochter. Ich bin gekommen, Euch zu helfen und nicht zu bestrafen. Nur diejenigen, die es verdient haben, werden bestraft. Sagt mir nur die Wahrheit.�</p><p>�Das werde ich, Liandrin Sedai. Das werde ich. Ich schw�re es bei der Ehre meines Hauses.�</p><p>�Moiraine kam mit einem Schattenfreund nach Fal Dara.�</p><p>Amalisa war zu ver�ngstigt, um �berraschung zu zeigen. �O nein, Liandrin Sedai! Nein. Der Mann kam sp�ter. Er ist jetzt im Kerker.�</p><p>�Sp�ter, sagt Ihr? Aber es ist wahr, da� sie oft mit ihm spricht? Sie befindet sich oft in der Gesellschaft dieses Schattenfreunds? Allein?�</p><p>�M... manchmal, Liandrin Sedai. Nur manchmal. Sie will herausfinden, warum er hierher kam. Moiraine Sedai ist... � Liandrin hob abrupt die Hand, und Amalisa schluckte herunter, was immer sie noch hatte sagen wollen.</p><p>�Moiraine wurde von drei jungen M�nnern begleitet. Das <emphasis>wei�</emphasis> ich. Wo sind sie? Ich war in ihrem Zimmer, und sie sind nicht aufzufinden.�</p><p>�Ich... ich wei� nicht, Liandrin Sedai. Sie schienen nette Jungen zu sein. Sicher glaubt Ihr nicht, sie seien Schattenfreunde.�</p><p>�Keine Schattenfreunde, nein. Schlimmer. Viel gef�hrlicher als Schattenfreunde, meine Tochter. Die gesamte Welt ist durch sie in Gefahr. Sie m�ssen gefunden werden. Ihr werdet Euren Dienerinnen befehlen, die Festung abzusuchen. Auch Eure Hofdamen und Ihr selbst werdet suchen. In jeder Fuge und Ritze. Dar�ber werdet Ihr pers�nlich wachen. Pers�nlich! Und Ihr werdet mit niemandem dar�ber sprechen, au�er mit solchen, die ich Euch nenne. Niemand sonst darf es wissen. Niemand. Diese jungen M�nner m�ssen heimlich aus Fal Dara weggeschafft und nach Tar Valon gebracht werden. In gr��ter Geheimhaltung.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Liandrin Sedai. Aber ich verstehe nicht, wieso das geheimgehalten werden mu�. Niemand hier wird die Aes Sedai hindern.�</p><p>�Von den Schwarzen Ajah habt Ihr schon geh�rt?�</p><p>Amalisas Augen quollen hervor. Sie lehnte sich von Liandrin weg und hob die H�nde, als wolle sie sich vor einem Schlag sch�tzen. �Ein b�s... b�sartiges Ger�cht, Liandrin Sedai. B... b�sartig. Es gibt keine Aes Sedai, die dem Dunklen K�nig d... dienen. Ich glaube es nicht. Ihr m��t mir glauben! Beim Licht schw�re ich, da� ich das f�r unm�glich halte. Bei meiner Ehre und der meines Hauses schw�re ich... �</p><p>K�hl lie� Liandrin sie gew�hren und beobachtete, wie die andere Frau durch ihr Schweigen auch der letzten Kr�fte beraubt wurde. Es war bekannt, da� Aes Sedai zornig, sehr zornig auf jene werden konnten, die auch nur die Schwarzen Ajah erw�hnten, geschweige denn auf jene, die sagten, sie glaubten an deren verborgene Existenz. Und dar�ber hinaus war Amalisas Willenskraft sowieso schon durch ihren kleinen Kindertrick geschw�cht! Sie w�rde nun Wachs in ihren H�nden sein. Nur noch ein weiterer Schlag.</p><p>�Die Schwarze Ajah ist <emphasis>Wirklichkeit,</emphasis> Kind. Wirklich und sogar hier in den Mauern von Fal Dara vorhanden.� Amalisa kniete mit offenem Mund vor ihr. Die Schwarze Ajah! Aes Sedai, die gleichzeitig Schattenfreunde waren! Es war fast so schlimm, als erfahre man, da� der Dunkle K�nig selbst in der Festung von Fal Dara wandle. Aber Liandrin lie� jetzt nicht mehr locker. �Jede Aes Sedai, die Ihr auf dem Flur trefft, k�nnte eine Schwarze Schwester sein. Das schw�re ich. Ich kann Euch nicht sagen, wer es ist, aber Ihr steht unter meinem Schutz. Sofern Ihr im Licht wandelt und mir gehorcht.�</p><p>�Das werde ich�, fl�sterte Amalisa heiser. �Ganz bestimmt. Bitte, Liandrin Sedai, bitte sagt, da� Ihr meinen Bruder besch�tzen werdet und meine Damen... �</p><p>�Wer Schutz verdient, den werde ich besch�tzen. K�mmert Euch um Euch selbst, meine Tochter. Und denkt nur an das, was ich Euch aufgetragen habe. Nur an das. Das Schicksal der Welt h�ngt davon ab, meine Tochter. Alles andere m��t Ihr vergessen.� �Ja, Liandrin Sedai. Ja. Ja.�</p><p>Liandrin drehte sich um und durchquerte den Raum, ohne zur�ckzublicken, bis sie die T�r erreichte. Amalisa lag immer noch auf den Knien und beobachtete sie �ngstlich. �Erhebt Euch, Lady Amalisa.� Liandrin lie� ihre Stimme angenehm klingen und nur eine kleine Spur des Hohns mitschwingen, den sie empfand. <emphasis>Schwester, ha! Sie w�rde nicht einen Tag als Novizin �berstehen. Und so was hat Befehlsgewalt!</emphasis> �Erhebt Euch!� Amalisa stand mit langsamen, ruckartigen Bewegungen auf, als sei sie stundenlang an H�nden und F��en gefesselt gewesen. Als sie schlie�lich stand, sagte Liandrin wiederum mit st�hlern klingender Stimme: �Und wenn Ihr der Welt gegen�ber versagt, mir gegen�ber versagt, dann werdet Ihr diesen zerlumpten Schattenfreund im Kerker beneiden.�</p><p>Nach dem Gesichtsausdruck Amalisas zu schlie�en, w�rde ein Versagen wohl kaum an fehlender M�he liegen, dachte Liandrin.</p><p>Liandrin zog die T�r hinter sich zu und f�hlte pl�tzlich, wie sie von einer G�nsehaut �berzogen wurde. Ihr stockte der Atem. Sie wirbelte herum und blickte den nur schwach beleuchteten Korridor hinauf und hinunter. Leer. Hinter den Schie�scharten herrschte mittlerweile die Nacht. Der Flur war leer, und doch war sie sicher, von irgendwelchen Augen beobachtet zu werden. Der leere, von Schatten zwischen den Lampen erf�llte Korridor verh�hnte sie. Sie zuckte unsicher die Achseln und ging entschlossen den Flur hinunter. <emphasis>Von Einbildungen gejagt. Nicht mehr.</emphasis></p><p>Es war bereits Nacht, und vor der Morgend�mmerung gab es viel zu tun. Ihre Befehle waren ganz pr�zise gewesen.</p><p>Im Kerker war es immer pechschwarz, gleich zu welcher Stunde, au�er jemand brachte eine Fackel herein, doch Padan Fain sa� auf der Kante seiner Pritsche und starrte mit l�chelndem Gesicht ins Dunkle. Er konnte h�ren, wie die beiden anderen Gefangenen im alptraumgeplagten Schlaf knurrten und vor sich hin murmelten. Padan Fain wartete auf etwas. Er hatte schon lange darauf gewartet. Zu lange. Aber nicht mehr viel l�nger.</p><p>Die T�r zum �u�eren Wachraum �ffnete sich, und eine Lichtflut schwappte heraus, in der sich eine Gestalt abzeichnete. Fain stand auf. �Ihr! Nicht, wen ich erwartet hatte.� Er streckte sich mit einer Gelassenheit, die er nicht empfand. Das Blut raste durch seine Adern. Er glaubte, er k�nne �ber die Festung wegspringen, wenn er es nur versuchte. �F�r jeden eine �berraschung, was? Also los! Die Nacht wird schon alt, und ich m�chte auch einmal schlafen.�</p><p>Als eine Lampe in die Zelle gereicht wurde, hob Fain den Kopf und grinste etwas Unsichtbares, aber F�hlbares jenseits der Steindecke des Kerkers an. �Es ist noch nicht vorbei�, fl�sterte er. �Die Schlacht ist niemals zu Ende.�</p></section><section><title><p>6</p><p>D�stere Vorzeichen</p></title><p>Die T�r des Bauernhauses wurde durch w�tende Schl�ge von au�en ersch�ttert. Der schwere Riegel auf der Innenseite h�pfte in seinen Lagern auf und ab. Hinter dem der T�r am n�chsten gelegenen Fenster bewegte sich die Gestalt eines Trollocs mit schwerer Tierschnauze. �berall waren Fenster, und drau�en befanden sich weitere schattenhafte Gestalten. Aber nicht schattenhaft genug f�r Rand. Er konnte sie trotzdem erkennen.</p><p><emphasis>Die Fenster,</emphasis> dachte er verzweifelt. Er schob sich von der T�r weg und klammerte sich mit beiden H�nden an sein Schwert. <emphasis>Selbst wenn die T�r h�lt, k�nnen sie durch die Fenster einbrechen. Warum versuchen sie es nicht mit den Fenstern?</emphasis></p><p>Mit bet�ubendem metallischen Kreischen brach eine der Halterungen teilweise aus dem T�rrahmen. Sie hing nur noch lose an N�geln, die fingerbreit aus dem Holz gezogen waren. Der Riegel erzitterte unter einem weiteren Schlag, und wieder quietschten die N�gel.</p><p>�Wir m�ssen sie aufhalten!� schrie Rand. <emphasis>Aber wir k�nnen nicht. Wir k�nnen sie nicht aufhalten.</emphasis> Er sah sich nach einem Fluchtweg um, aber es gab nur die eine T�r. Der Raum war wie eine Falle. Nur eine T�r und eine Anzahl Fenster. �Wir m�ssen etwas tun. Irgend etwas!�</p><p>�Es ist zu sp�t�, sagte Mat. �Verstehst du nicht?� Sein Grinsen wirkte auf dem bleichen Gesicht eigenartig, und aus seiner Brust ragte der Griff eines Dolches. Der Rubin obenauf schimmerte, als brenne ein Feuer in ihm. Der Stein strahlte mehr Leben aus als sein Gesicht. �Es ist zu sp�t f�r uns. Wir k�nnen nichts mehr �ndern.�</p><p>�Ich bin sie endlich losgeworden�, sagte Perrin lachend. Blut str�mte wie eine Tr�nenflut aus den leeren Augenh�hlen �ber sein Gesicht. Er streckte die roten H�nde aus und bem�hte sich, Rand auf das aufmerksam zu machen, was in ihnen lag. �Jetzt bin ich frei. Es ist vorbei.�</p><p>�Es wird nie vorbei sein, al'Thor�, rief Padan Fain, der mitten im Raum herumh�pfte. �Die Schlacht ist niemals zu Ende.�</p><p>Die T�r zerbarst zu Splittern, und Rand duckte sich vor den herumfliegenden Holzst�cken. Zwei rotgekleidete Aes Sedai traten ein und verbeugten sich, als ihr Herr nachkam. Eine Maske von der Farbe getrockneten Blutes bedeckte Ba'alzamons Gesicht, aber Rand konnte die Flammen seiner Augen durch die Augenschlitze hindurch sehen. Er konnte die tosenden Flammen in Ba'alzamons Mund h�ren.</p><p>�Zwischen uns ist es noch nicht vorbei, al'Thor�, sagte Ba'alzamon, und er und Fain sprachen aus einem Munde: �F�r dich wird die Schlacht niemals enden.�</p><p>Rand schnappte r�chelnd nach Luft und richtete sich vom Fu�boden auf. Er rieb sich die Augen. Es schien, als k�nne er noch immer Fains Stimme h�ren, so klar, als st�nde der H�ndler neben ihm. <emphasis>Es wird nie vorbei sein. Die Schlacht endet nie.</emphasis></p><p>Mit verschwollenen Augen blickte er sich um, um sich davon zu �berzeugen, da� er noch dort versteckt war, wo ihn Egwene zur�ckgelassen hatte: auf einem Strohsack in einer Ecke ihres Zimmers. Das tr�be Licht einer einzigen Lampe erleuchtete den Raum nur unzureichend. Er war �berrascht, als er Nynaeve entdeckte, die auf einem Schaukelstuhl auf der gegen�berliegenden Seite des einzigen Bettes sa� und strickte. Das Bett war unber�hrt. Drau�en war Nacht.</p><p>Nynaeve war schlank und hatte dunkle Augen. Die Haare trug sie zu einem dicken Zopf zusammengeflochten, den sie �ber eine Schulter gelegt hatte und der ihr fast bis zur H�fte reichte. Ihr Gesicht war ruhig, und sie schien sich ganz auf das Stricken zu konzentrieren, w�hrend sie sanft schaukelte. Der einzige Laut, den man h�rte, war das stetige <emphasis>Klick-Klick-Klick</emphasis> ihrer Stricknadeln. Der Teppich d�mpfte das Ger�usch des Schaukelstuhls.</p><p>Es hatte in letzter Zeit N�chte gegeben, da hatte er sich einen Teppich auf dem kalten Steinboden seines Zimmers gew�nscht, aber in Schienar waren die Zimmer der M�nner immer kahl und sparsam eingerichtet. Hier hingen zwei Gobelins an der Wand, Bergszenen mit Wasserf�llen, und neben den Schie�scharten hingen Vorh�nge. Schnittblumen � wei�e Morgensternchen � standen in einer niedrigen, runden Vase auf dem Nachttisch, und weitere schm�ckten die wei� glasierten, zweckentfremdeten Kerzenhalter an den W�nden. In einer Ecke stand ein hoher Spiegel, und ein weiterer hing �ber dem Waschgestell mit seiner blaugestreiften Kanne und der Sch�ssel. Er fragte sich, wozu Egwene zwei Spiegel brauchte; in seinem Raum war keiner, und er vermi�te auch keinen. Nur eine Lampe war entz�ndet, aber es standen noch vier weitere im Zimmer. Der Raum war beinahe so gro� wie der, den er mit Mat und Perrin teilte. Egwene hatte ihn allein f�r sich.</p><p>Ohne aufzublicken, sagte Nynaeve: �Wenn du am Nachmittag schon schl�fst, kannst du nicht erwarten da� du in der Nacht noch schlafen kannst.�</p><p>Er runzelte die Stirn, aber sie konnte das ja nicht sehen.</p><p>Zumindest glaubte er das. Sie war nur wenige Jahre �lter als er, aber die Tatsache, da� sie Seherin war, f�gte dem f�nfzig Jahre an Autorit�t hinzu. �Ich brauchte ein Versteck, und ich war m�de�, sagte er und f�gte dann schnell hinzu: �Ich bin nicht so einfach hier hereingekommen. Egwene hat mich in die Frauenquartiere eingeladen.�</p><p>Nynaeve senkte ihr Strickzeug und l�chelte ihn belustigt an. Sie war eine h�bsche Frau. Das war etwas, was er daheim nie bemerkt h�tte; man betrachtete einfach eine Seherin nicht wie eine normale Frau. �Licht, hilf mir, aber du wirst jeden Tag den Schienarern �hnlicher, Rand. In die Frauenquartiere eingeladen � ha!� Sie schnaubte �Jeden Tag kann man erwarten, da� du anf�ngst, �ber deine Ehre zu quatschen und zu bitten, da� der Friede dein Schwert segnen m�ge.� Er lief rot an und hoffte, da� sie es bei der tr�ben Beleuchtung nicht bemerken w�rde. Sie be�ugte sein Schwert, dessen Griff aus dem langen B�ndel auf dem Boden neben ihm herausragte. Er wu�te, da� sie etwas gegen das Schwert hatte, gegen jedes Schwert, aber ausnahmsweise erw�hnte sie einmal nichts davon. �Egwene sagte mir, warum du ein Versteck brauchst. Mach dir keine Sorgen. Wir werden dich vor der Amyrlin oder jeder anderen Aes Sedai verstecken, wenn du das willst.�</p><p>Sie sah ihm in die Augen, und ihr Blick zuckte gleich wieder weg, aber er hatte ihre Unsicherheit bemerkt. Ihre Zweifel. <emphasis>Es stimmt, ich kann die Macht beherrschen. Ein Mann, der die Eine Macht lenkt! Du solltest den Aes Sedai helfen, mich zu fangen und einer D�mpfung zu unterziehen.</emphasis></p><p>Mit finsterem Gesicht zog er das Lederwams gerade, das ihm Egwene besorgt hatte, und drehte sich so, da� er sich an die Wand lehnen konnte. �Sobald ich kann, werde ich mich in einem Karren verbergen oder hinausschleichen. Ihr m��t mich nicht lange verstecken.� Nynaeve sagte nichts; sie strickte weiter und gab einen ver�rgerten Laut von sich, als sie eine Masche fallenlie�. �Wo ist Egwene?�</p><p>Sie lie� das Strickzeug in den Scho� sinken. �Ich wei� nicht, warum ich es heute abend �berhaupt noch probiere. Aus irgendeinem Grund kann ich mir die Zahl der Maschen einfach nicht merken. Sie ist zu Padan Fain hinuntergegangen. Sie glaubt, es k�nne ihm helfen, wenn er bekannte Gesichter sieht.�</p><p>�Meines hat ihm gewi� nicht geholfen. Sie sollte sich von ihm fernhalten. Er ist gef�hrlich.�</p><p>�Sie will ihm helfen�, sagte Nynaeve ruhig. �Denk daran, sie war auf dem Weg, meine Helferin zu werden, und die Arbeit einer Seherin besteht nicht nur darin, das Wetter vorherzusagen. Auch Menschen zu heilen geh�rt dazu. Egwene hat den Drang zum Heilen. Sie mu� es einfach. Und wenn Padan Fain wirklich so gef�hrlich w�re, h�tte Moiraine etwas erw�hnt.�</p><p>Er lachte kurz auf. �Du hast sie nicht gefragt. Egwene hat es zugegeben, und ich kann mir nicht vorstellen, da� du irgend jemanden um Erlaubnis fragst.� Ihre hochgezogenen Augenbrauen vertrieben ihm das Lachen. Er weigerte sich allerdings, sich zu entschuldigen. Sie waren weit von zu Hause entfernt, und er sah nicht ein, da� sie noch weiterhin die Seherin von Emondsfeld sein konnte, wenn sie nach Tar Valon ging. �Haben sie schon mit der Suche nach mir begonnen? Egwene ist nicht sicher, da� sie es tun werden, aber Lan meint, die Amyrlin sei meinetwegen hier, und ich glaube, ich schlie�e mich eher seiner Meinung an als ihrer.�</p><p>Einen Augenblick lang z�gerte Nynaeve mit ihrer Antwort. Statt dessen besch�ftigte sie sich mit ihren Wollkn�ueln. Schlie�lich sagte sie: �Ich bin nicht sicher. Vor einer Weile kam eine der Dienerinnen vorbei. Um das Bett zu machen, behauptete sie. Als ob Egwene schon ins Bett ginge, da doch heute abend das Fest f�r die Amyrlin stattfindet. Ich habe sie weggeschickt; sie hat dich nicht gesehen.�</p><p>�In den M�nnerquartieren macht einem niemand das Bett.� Sie warf ihm einen Blick zu, der ihn noch vor einem Jahr zum Stottern gebracht h�tte. Er sch�ttelte den Kopf. �Sie w�rden doch nicht ihre M�gde schicken, um mich zu suchen, Nynaeve.�</p><p>�Als ich vorhin in die K�hlkammer ging, um mir einen Becher Milch zu holen, waren zu viele Frauen in den G�ngen. Diejenigen, die zum Fest geladen sind, sollten dabei sein, sich daf�r anzukleiden, und die anderen sollten entweder dabei helfen oder die Speisen und Getr�nke vorbereiten, oder... � Sie zog besorgt die Stirn in Falten. �Es gibt f�r jeden hier mehr als genug Arbeit, seit die Amyrlin eingetroffen ist. Und sie waren nicht nur hier in den Frauenquartieren. Ich sah Lady Amalisa selbst in der N�he des K�hlraums aus einem Lagerraum kommen, und sie hatte das Gesicht voller Staub.�</p><p>�Das ist doch l�cherlich. Warum sollte sie sich an der Suche beteiligen? Oder auch die anderen Frauen, was das betrifft. Sie w�rden Lord Agelmars Soldaten und die Beh�ter daf�r einsetzen. Und die Aes Sedai. Sie m�ssen irgend etwas f�r das Fest vorbereitet haben. Licht noch mal, ich wei� noch nicht einmal, wie die Schienarer ein Fest feiern.�</p><p>�Du bist manchmal auch ein rechter Wollkopf, Rand. Die M�nner, die ich sah, wu�ten auch nicht, was die Frauen dort trieben. Ich h�rte, wie sich welche beklagten, da� sie die ganze Arbeit am Hals h�tten. Ich wei�, da� es eigentlich keinen Sinn ergibt, wenn sie nach dir suchen. Keine der Aes Sedai schien sich daf�r zu interessieren. Aber Amalisa hat sich nicht auf das Fest vorbereitet, indem sie in einem Lagerraum ihr Kleid beschmutzte. Sie suchten nach etwas, etwas Wichtigem. Selbst wenn sie gleich begonnen h�tte, nachdem ich sie traf, h�tte sie kaum noch Zeit zu baden und sich zu richten. Und weil ich gerade dabei bin: Wenn Egwene nicht gleich zur�ckkommt, mu� sie �berlegen, ob sie sich noch umzieht und daf�r zu sp�t kommt.�</p><p>Zum ersten Mal wurde ihm bewu�t, da� Nynaeve nicht die typische Zwei-Fl�sse-Wollkleidung trug, an die er gew�hnt war. Ihr Kleid bestand aus bla�blauer Seide und war um den Hals und an den �rmeln mit Schneeflockenbl�ten bestickt. Im Mittelpunkt jeder Bl�te befand sich eine kleine Perle, und ihr G�rtel war mit Silber beschlagen und hatte eine Silberschnalle, die mit Perlen besetzt war. Er hatte so etwas noch nie gesehen. Selbst die Festkleidung zu Hause konnte sich nicht damit vergleichen.</p><p>�Du gehst zum Fest?�</p><p>�Nat�rlich. Auch wenn Moiraine nicht gesagt h�tte, da� ich kommen solle, w�re ich trotzdem... � Ihre Augen blitzten einen Moment lang feurig, und er wu�te, was sie meinte. Nynaeve lie� niemanden in dem Glauben, sie f�rchte sich vor etwas, selbst wenn es stimmte. Ganz sicher nicht Moiraine und schon gar nicht Lan. Er hoffte, sie wisse nicht, da� er sich �ber ihre Gef�hle dem Beh�ter gegen�ber im klaren war.</p><p>Einen Augenblick sp�ter wurde ihr Blick wieder weicher, als er auf den �rmel ihres Kleides fiel. �Lady Amalisa hat mir das gegeben�, sagte sie so leise, da� er sich fragte, ob sie ein Selbstgespr�ch f�hre. Sie streichelte �ber die Seide und fuhr gedankenverloren l�chelnd der Blumenstickerei nach.</p><p>�Es steht dir sehr gut, Nynaeve. Du siehst heute sehr h�bsch aus.� Er duckte sich, kaum da� er das ausgesprochen hatte. Jede Seherin war empfindlich, was ihre Autorit�t betraf, und Nynaeve war noch empfindlicher als die meisten. Der Frauenzirkel zu Hause hatte ihr immer �ber die Schulter geguckt, weil sie so jung war, und vielleicht auch, weil sie h�bsch war, und ihre Streitigkeiten mit dem B�rgermeister und dem Gemeinderat waren bereits der Stoff von Legenden.</p><p>Ihre Hand zuckte von den Stickereien zur�ck, und sie funkelte ihn an. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. Er sprach ganz schnell, um ihr zuvorzukommen.</p><p>�Sie k�nnen die Tore nicht die ganze Zeit �ber geschlossen halten. Sobald sie wieder ge�ffnet sind, bin ich weg, und die Aes Sedai werden mich nie finden. Perrin sagt, in den Schwarzen H�geln und auf der Caralain-Steppe gibt es Gegenden, da kann man tagelang laufen, ohne einen einzigen Menschen zu sehen. Vielleicht... vielleicht komme ich noch darauf, was ich tun kann, um... � Er zuckte unsicher die Achseln. Er brauchte ihr das gar nicht erst zu sagen, ihr nicht. �Und wenn ich das nicht schaffe, so gibt es dort wenigstens niemanden, den ich verletzen kann.�</p><p>Nynaeve schwieg einen Augenblick lang und sagte dann bed�chtig: �Ich bin da nicht so sicher, Rand. Ich kann nicht behaupten, da� du anders als irgendein Dorfjunge auf mich wirkst, aber Moiraine besteht darauf, da� du <emphasis>ta'veren</emphasis> bist. Ich bin der Meinung, sie glaubt, da� das Rad mit dir noch lange nicht fertig ist. Der Dunkle K�nig scheint... �</p><p>�Shai'tan ist tot�, sagte er rauh, und pl�tzlich schien der Raum zu schwanken. Er griff sich an den Kopf, als ihn ein Schwindelanfall nach dem anderen �berfiel.</p><p>�Du Narr! Du reiner, blinder, idiotischer Narr! Den Dunklen K�nig nennen und seine Aufmerksamkeit erregen! Hast du noch nicht genug Schwierigkeiten?�</p><p>�Er ist tot�, murmelte Rand und rieb sich den Kopf. Er schluckte. Das Schwindelgef�hl wurde bereits schw�cher. �Ist schon gut. In Ordnung. Ba'alzamon, wenn du so willst. Aber er ist tot. Ich sah ihn sterben, sah ihn brennen.�</p><p>�Und ich soll dich etwa nicht beobachtet haben, als der Blick des Dunklen K�nigs gerade eben auf dich fiel? Erz�hle mir nicht, du h�ttest nichts gef�hlt, oder ich haue dir mein Strickzeug um die Ohren; ich habe dein Gesicht gesehen.�</p><p>�Er ist tot.� Rand bestand darauf. Der unsichtbare Beobachter und der Wind auf der Turmspitze ging ihm durch den Kopf. Er schauderte. �Seltsame Dinge geschehen so nahe an der F�ule.�</p><p>�Du <emphasis>bist</emphasis> ein Narr, Rand al'Thor.� Sie schwenkte eine Faust in seine Richtung. �Ich w�rde dir eine Ohrfeige geben, wenn ich glaubte, dein Verstand w�rde dann... �</p><p>Der Rest ihrer Worte wurde verschluckt, als �berall in der Festung mit einem Schlag die Glocken zu l�uten begannen.</p><p>Er sprang auf die Beine. �Das bedeutet Alarm! Sie suchen...� <emphasis>Nenne den Dunklen K�nig, und das B�se kommt �ber dich.</emphasis></p><p>Nynaeve stand langsamer auf und sch�ttelte unsicher den Kopf. �Nein, ich glaube nicht. Falls sie dich suchen, w�re alles, was sie damit erreichen, da� dich die Glocken warnen. Nein, falls es Alarm bedeutet, hat es nichts mit dir zu tun.�</p><p>�Was dann?� Er eilte zur n�chsten Schie�scharte und sp�hte hinaus.</p><p>Wie Gl�hw�rmchen bewegten sich Lichter durch die in Nacht geh�llte Festung. Lampen und Fackeln wurden hin und her getragen. Einige rannten zur Au�enmauer und den T�rmen hin, aber die meisten, die er beobachten konnte, eilten durch den Garten darunter und auf den einzigen Hof, den er teilweise einsehen konnte. Was auch immer den Alarm ausgel�st haben mochte, es befand sich innerhalb der Festung. Die Glocken schwiegen wieder und lie�en die Rufe von M�nnern zu ihm dringen, aber er wurde nicht schlau daraus, was sie riefen.</p><p><emphasis>Wenn es nicht meinetwegen ist...</emphasis> �Egwene�, sagte er pl�tzlich. <emphasis>Wenn er noch am Leben ist und irgend etwas B�ses geschieht, dann wird es wohl mich treffen.</emphasis></p><p>Nynaeve drehte sich um. Sie hatte gerade durch eine andere Schie�scharte blicken wollen. �Was?�</p><p>�Egwene.� Er durchquerte mit schnellen Schritten das Zimmer und zog mit einem Ruck Schwert und Scheide aus dem B�ndel. <emphasis>Licht, mich soll es doch treffen und nicht sie.</emphasis> �Sie ist im Kerker bei Fain. Was ist, wenn er sich irgendwie befreit hat?�</p><p>Sie fing ihn an der T�r ab und packte ihn am Arm. Sie reichte ihm nicht einmal bis zur Schulter, aber ihr Griff war eisern. �Sei nicht ein noch gr��erer Narr als zuvor, Rand al'Thor. Selbst wenn das nichts mit dir zu tun haben sollte, suchen immer noch die Frauen nach irgend etwas. Licht, Mann, das hier sind die Frauenquartiere! Drau�en auf dem Flur werden sich h�chstwahrscheinlich Aes Sedai aufhalten. Egwene wird schon zurechtkommen. Sie wollte Mat und Perrin mitnehmen. Auch wenn es Schwierigkeiten gegeben haben sollte, werden die beiden sie schon besch�tzen.�</p><p>�Und was ist, wenn sie die beiden nicht finden konnte, Nynaeve? Egwene w�rde sich davon doch nicht aufhalten lassen. Sie w�rde dann eben alleine gehen, genau wie du, und das wei�t du auch. Licht, ich habe ihr gesagt, da� Fain gef�hrlich ist! Licht noch mal, ich hab's ihr doch gesagt!� Er ri� sich los, zog die T�r auf und rannte los. <emphasis>Licht, verseng mich, es soll doch mich verletzen!</emphasis></p><p>Eine Frau schrie auf, als sie ihn im Arbeiterwams und Hemd und mit einem Schwert in der Hand sah. Selbst eingeladen trugen M�nner in den Frauenquartieren keine Waffe, au�er die Festung wurde angegriffen. Frauen standen in den Korridoren herum, Dienerinnen in Schwarz und Gold, Hofdamen in Seide und Spitzen, Frauen mit bestickten Schals mit langen Fransen daran, und alle redeten gleichzeitig laut aufeinander ein, alle wollten wissen, was geschehen sei. �berall hielten sich weinende Kinder an den Rockzipfeln fest. Er st�rmte zwischen ihnen durch, wich aus, wo es ging, und murmelte Entschuldigungen, wenn er einige anrempelte. Er bem�hte sich, ihre �berraschten Blicke zu ignorieren.</p><p>Eine der Frauen mit einer Stola um die Schultern wandte sich ab, um in ihr Zimmer zur�ckzugehen, und dabei sah er auf dem R�ckenteil der Stola die schimmernde wei�e Tr�ne. Nun erkannte er auch Gesichter, die er im Au�enhof gesehen hatte. Aes Sedai, die ihn erschreckt anblickten.</p><p>�Wer bist du? Was machst du hier?�</p><p>�Wird die Festung angegriffen? Antworte mir, Mann!�</p><p>�Das ist kein Soldat. Wer ist das? Was geschieht hier eigentlich?�</p><p>�Das ist der junge Lord aus dem S�den!�</p><p>�Irgend jemand mu� ihn aufhalten!�</p><p>Die Angst lie� ihn die Lippen hochziehen und die Z�hne fletschen, aber er rannte weiter und bem�hte sich, noch schneller zu laufen.</p><p>Dann trat eine Frau in den Flur und stand ihm pl�tzlich gegen�ber. Trotz seiner Eile blieb er stehen. Er erkannte dieses Gesicht; er w�rde es wohl immer erkennen, auch wenn er ewig lebte. Die Amyrlin. Ihre Augen weiteten sich, als sie ihn erblickte, und sie erwiderte seinen Blick. Eine andere Aes Sedai, die gro�e Frau mit dem Stab, trat zwischen ihn und die Amyrlin und schrie ihm etwas zu, das er bei dem immer st�rker werdenden Stimmengewirr nicht verstehen konnte.</p><p><emphasis>Sie wei� Bescheid. Licht hilf mir, sie wei� Bescheid. Moiraine hat es ihr gesagt.</emphasis> Mit einem Knurren rannte er weiter. <emphasis>Licht, ich mu� sichergehen, da� Egwene nichts passiert ist, bevor sie...</emphasis> Hinter ihm erklangen Schreie, doch er h�rte nicht hin.</p><p>Drau�en in der Festung herrschte ein vollkommenes Durcheinander. M�nner mit Schwertern in der H�nden rannten zu den H�fen und sahen ihn �berhaupt nicht an. Durch das L�rmen der Alarmglocken konnte er jetzt auch andere Ger�usche vernehmen. Rufe. Schreie. Metall, das auf Metall auftraf. Er hatte gerade genug Zeit, um zu erkennen, da� es sich um Kampfger�usche handelte �<emphasis>Kampf? Mitten in Fal Dara?</emphasis> �, als drei Trollocs vor ihm um die Ecke rannten.</p><p>Behaarte Schnauzen verunstalteten ansonsten menschliche Gesichter, und einer von ihnen trug die H�rner eines Hammels. Sie fauchten und hoben sichel�hnliche Schwerter, als sie auf ihn zu rannten.</p><p>Der Gang, der nur einen Moment zuvor noch von rennenden M�nnern gef�llt gewesen war, war nun bis auf die drei Trollocs und ihn selbst leer. �berrascht von ihrem Erscheinen zog er ungeschickt sein Schwert und versuchte �Die Hummel k��t eine Rose�. Ersch�ttert dar�ber, da� sich Trollocs im Herzen der Festung von Fal Dara befanden, f�hrte er den Angriff so ungeschickt aus, da� sich Lan vor Verachtung abgewandt h�tte. Ein Trolloc mit B�renschnauze wich ihm problemlos aus, prallte aber gegen die beiden anderen und brachte sie einen Moment lang au�er Tritt.</p><p>Pl�tzlich war da ein Dutzend Schienarer und raste an ihm vorbei auf die Trollocs zu. Die M�nner waren halb angezogen � in bester Kleidung f�r das Fest �, hatten aber Schwerter in den H�nden. Der Trolloc mit der B�renschnauze r�chelte wild, als er starb, und seine Begleiter rannten weg, von schwertschwingenden, schreienden M�nnern verfolgt. �berall erklangen Rufe und Schreie.</p><p><emphasis>Egwene!</emphasis></p><p>Rand wandte sich dem Inneren der Festung zu, rannte durch menschenleere G�nge, in denen hier und da tote Trollocs am Boden lagen. Oder auch tote M�nner.</p><p>Dann kam er an eine Kreuzung von Korridoren, und zu seiner linken war gerade ein Kampf zu Ende gegangen. Sechs M�nner mit Haarknoten lagen blutend und leblos am Boden, und ein siebter verschied soeben. Der Myrddraal drehte beim Herausziehen sein Schwert absichtlich noch einmal im Bauch des Mannes, und der Soldat schrie, w�hrend er sein Schwert fallen lie� und st�rzte. Der Blasse bewegte sich mit der Eleganz einer Schlange, wobei der schlangenartige Eindruck noch dadurch verst�rkt wurde, da� er einen Brustpanzer aus schwarzen, sich �berlappenden Schuppen trug. Er drehte sich um, und das bleiche, augenlose Gesicht musterte Rand. Er setzte sich in Rands Richtung in Bewegung, ohne Eile, und l�chelte blutleer. Bei einem einzelnen Mann mu�te er sich nicht beeilen.</p><p>Er blieb wie angewurzelt stehen. Die Zunge klebte ihm am Gaumen. Der Blick der Augenlosen bedeutet Angst. Das war es, was man in den Grenzlanden sagte. Seine Hand zitterte, als er das Schwert hob. Er dachte �berhaupt nicht daran, das Nichts heraufzubeschw�ren. Licht, er hat gerade sieben bewaffnete Soldaten auf einmal get�tet. Licht, was mache ich nur? Licht!</p><p>Pl�tzlich blieb der Myrddraal stehen. Sein L�cheln war verschwunden. �Der geh�rt mir, Rand.� Rand fuhr zusammen, als Ingtar neben ihn trat, dunkel und st�mmig, mit einem festlichen gelben Mantel bekleidet, das Schwert in beiden H�nden. Ingtars dunkle Augen blickten unverwandt den Blassen an. Falls der Schienarer die Angst f�hlte, die dieser Blick ausl�ste, lie� er sich nichts anmerken. �Probier deine Kr�fte erstmal an ein oder zwei Trollocs aus�, sagte er leise, �bevor du einem von diesen gegen�bertrittst.�</p><p>�Ich bin heruntergekommen, um nachzusehen, ob Egwene in Sicherheit ist. Sie war in den Kerker gegangen, um Fain zu besuchen, und... �</p><p>�Dann geh und k�mmere dich um sie.�</p><p>Rand schluckte. �Wir k�mpfen Seite an Seite, Ingtar.�</p><p>�Du bist noch nicht soweit. Geh und schau nach deinem M�dchen. Geh! Willst du, da� die Trollocs sie ungesch�tzt vorfinden?�</p><p>Einen Moment lang stand Rand unentschlossen da. Der Blasse hatte sein Schwert gegen Ingtar erhoben. Ein lautloses Knurren umspielte Ingtars Mund, aber Rand wu�te, da� es kein Zeichen der Angst war. Und Egwene war vielleicht allein mit Fain im Kerker. Trotzdem sch�mte er sich, als er in Richtung der Treppen losrannte, die nach unten f�hrten. Er wu�te, da� ein Blasser jedem Mann mit seinem Blick Angst einjagen konnte, doch Ingtar hatte den Schrecken �berwunden. Er hatte immer noch einen Klo� im Magen.</p><p>In den G�ngen unter der Festung war es still. Sie waren nur schwach durch flackernde Lampen erleuchtet, die in gr��eren Abst�nden an den W�nden hingen. Er verlangsamte seinen Schritt, als er sich dem Kerker n�herte. Er schlich auf Zehenspitzen n�her heran. Das Scharren seiner Stiefel auf dem nackten Boden hallte laut in seinen Ohren. Die T�r zum Kerker stand eine Handbreit offen. Sie h�tte geschlossen und verriegelt sein sollen.</p><p>Er sah die T�r an, wollte schlucken und konnte nicht. Er �ffnete den Mund, um zu rufen, schlo� ihn aber schnell wieder. Falls Egwene dort drinnen und in Schwierigkeiten war, w�rde ein Ruf denjenigen warnen, der sie gef�hrdete. Oder dasjenige. Oder was auch immer. Er holte tief Luft und ri� sich zusammen.</p><p>In einer flie�enden Bewegung dr�ckte er die T�r weit auf, die Scheide in der linken Hand, und warf sich in den Kerker hinein. Er nahm im Sprung die Schulter nach unten, rollte sich dar�ber im den Boden bedeckenden Stroh ab und stand wieder auf den F��en. Er wirbelte so schnell nach der einen und dann nach der anderen Seite herum, da� er den Raum nicht klar sehen konnte. Er hielt nur verzweifelt Ausschau nach einem m�glichen Angreifer und nach Egwene. Es war niemand da.</p><p>Sein Blick fiel auf den Tisch, und er blieb wie angewurzelt stehen. Der Atem und selbst die Gedanken stockten ihm. Zu beiden Seiten der immer noch brennenden Lampe, die so zum Mittelpunkt wurde, lagen die K�pfe der Wachen in zwei Blutlachen. Ihre Augen starrten ihn an, vor Furcht weit aufgerissen, und ihre M�nder standen zu einem letzten Schrei offen, den niemand mehr h�ren konnte. Rand w�rgte und b�ckte sich schnell. Wieder und wieder �bergab er sich ins Stroh hinein. Schlie�lich schaffte er es, sich wieder aufzurichten. Er wischte sich mit dem �rmel �ber den Mund. Im Hals hatte er ein Gef�hl, als habe man ihn ausgeschabt.</p><p>Langsam sickerte auch der Anblick des restliches Raums in sein Bewu�tsein. Vorher hatte er ihn nur halb wahrgenommen, als er hastig nach einem Angreifer gesucht hatte. Blutige Fleischklumpen lagen auf dem Stroh herum. Nichts war mehr als menschlich zu identifizieren, bis auf die beiden K�pfe. Einige der St�cke wirkten angenagt. <emphasis>Das ist also mit dem Rest ihrer K�rper passiert.</emphasis> Er war �berrascht, da� er sich das so ruhig sagen konnte, beinahe, als habe er das Nichts heraufbeschworen, ohne es auch nur richtig zu versuchen. Es mu�te der Schock sein �das wurde ihm so nebenbei klar.</p><p>Er erkannte keinen der K�pfe; man hatte die Wachen gewechselt, seit er dagewesen war. Dar�ber war er froh. Zu wissen, wer sie waren, h�tte selbst im Falle von Changu alles noch schlimmer gemacht. Auch die W�nde waren mit Blut verschmiert, aber in Form von hingekritzelten Buchstaben, einzelnen W�rtern und ganzen S�tzen, die �berall verteilt waren. Einiges davon sah ungelenk und kantig aus. Es war in einer Sprache geschrieben, die er nicht verstand; er erkannte aber die Trolloc-Schrift. Anderes konnte er lesen und w�nschte, er verst�nde es nicht. Blasphemien und Obsz�nit�ten, die selbst einen Stallburschen oder den Leibw�chter eines Kaufmanns h�tten erblassen lassen.</p><p>�Egwene!� Seine Ruhe verflog augenblicklich. Er schob die Scheide durch seinen G�rtel, schnappte sich die Lampe vom Tisch und bemerkte kaum, wie die K�pfe umfielen. �Egwene! Wo bist du?�</p><p>Er wollte zur Innent�r gehen, machte auch zwei Schritte in die Richtung und blieb mit aufgerissenen Augen stehen. Die Worte auf der T�r, die im Lichtschein seiner Lampe dunkel und feucht gl�nzten, waren klar genug:</p><p>WIR WERDEN UNS AUF DER TOMANHALBINSEL WIEDERSEHEN.</p><p>ES IST NIE ZU ENDE, AL'THOR.</p><p>Sein Schwert fiel ihm aus der pl�tzlich tauben Hand. Er wandte den Blick nicht von der T�r, als er sich b�ckte, um es aufzuheben. Doch statt des Schwertes griff er sich eine Handvoll Stroh und begann, wild die Worte an der T�r wegzureiben. Schwer atmend schrubbte er, bis nur ein blutiger Schmierer �brig war, doch er konnte nicht aufh�ren.</p><p>�Was machst du da?�</p><p>Als die scharfe Stimme hinter ihm erklang, wirbelte er herum und b�ckte sich dabei, um sein Schwert zu ergreifen.</p><p>Eine Frau stand in der T�r. Sie wirkte starr vor Zorn. Ihr Haar war wie blasses Gold; in zahlreichen Lockenstr�ngen hing es ihr auf die Schultern. Ihre Augen waren dunkel und blickten ihn scharf an. Sie sah nicht viel �lter aus als er und war auf eine gewisse Art h�bsch, aber um ihren Mund lag ein harter Zug, der ihm nicht gefiel. Dann sah er die Stola, die sie eng um sich herum zusammengezogen hatte, mit den langen roten Fransen.</p><p><emphasis>Aes Sedai. Und Licht, hilf mir � sie geh�rt zu den Roten Ajah.</emphasis> �Ich... ich wollte gerade... Das ist eine schmutzige Sache. Schlimm.�</p><p>�Alles mu� genauso gelassen werden, damit wir es untersuchen k�nnen. Ber�hre nichts.� Sie trat einen Schritt vor und musterte ihn. Er trat einen Schritt zur�ck. �Ja. Ja, ich dachte es mir. Einer von denen bei Moiraine. Was hast du damit zu tun?� Ihre Geste umfa�te die K�pfe auf dem Tisch und die blutigen Schmierereien an den W�nden.</p><p>Er sah sie mit weit aufgerissenen Augen an. �Ich? Nichts! Ich kam hier herunter, um jemanden zu suchen... Egwene!�</p><p>Er wandte sich der Innent�r zu, um sie zu �ffnen, da schrie ihn die Aes Sedai an: �Nein! Du wirst mir jetzt antworten!�</p><p>Pl�tzlich war alles, was er noch fertigbringen konnte, aufzustehen und Lampe und Schwert festzuhalten. Von allen Seiten dr�ckte eisige K�lte gegen ihn. Sein Kopf war wie in einer gefrorenen Klammer gefangen. Er konnte kaum atmen, so stark war der Druck auf seine Brust.</p><p>�Antworte mir, Junge! Sag mir deinen Namen!�</p><p>Gegen seinen Willen entwich ihm ein Laut. Er versuchte, gegen die K�lte anzuk�mpfen, die sein Gesicht in den Sch�del hineindr�cken wollte und seinen Brustkorb wie mit Eisenklammern zusammenschn�rte. Er bi� die Z�hne zusammen, um nicht sprechen zu k�nnen. Unter Schmerzen rollte er mit den Augen und funkelte sie durch einen Tr�nenvorhang hindurch an. <emphasis>Das Licht soll dich versengen, Aes Sedai! Ich sage kein Wort. Der Schatten soll dich verschlingen!</emphasis></p><p>�Antworte mir, Junge! Sofort!�</p><p>Eisnadeln durchdrangen schmerzhaft sein Gehirn und knirschten in seine Knochen hinein. Das Nichts formte sich in ihm, bevor ihm auch nur bewu�t wurde, da� er daran dachte, aber es konnte den Schmerz nicht abhalten. Verschwommen sp�rte er Licht und W�rme irgendwo in einiger Entfernung. Es flackerte bedenklich, doch das Licht war warm, und ihm war kalt. Unendlich fern und doch gerade an der Grenze seiner Reichweite. <emphasis>Licht, es ist so kalt. Ich mu�... das... erreichen. Sie bringt mich um. Ich mu� es erreichen, oder sie bringt mich um.</emphasis> Verzweifelt streckte er sich nach dem Licht. �Was geht hier vor?�</p><p>Mit einem Schlag verschwanden K�lte und Druck und die Nadeln. Seine Knie wurden weich, aber er dr�ckte sie mit Gewalt durch. Er w�rde nicht auf die Knie fallen �die Befriedigung w�rde er ihr nicht g�nnen. Das Nichts war auch weg, so schnell es sich gebildet hatte. <emphasis>Sie hat versucht, mich zu t�ten.</emphasis> Schwer atmend hob er den Kopf. Moiraine stand in der T�r.</p><p>�Ich fragte, was hier vorgeht, Liandrin�, sagte sie.</p><p>�Ich fand diesen Jungen hier�, antwortete die Aes Sedai gelassen. �Die Wachen wurden ermordet, und er ist hier. Einer von deinen. Und was machst du hier, Moiraine? Der Kampf findet oben statt und nicht hier.�</p><p>�Dasselbe k�nnte ich dich fragen, Liandrin.� Moiraine sah sich im Raum um, und ihr Mund verzog sich lediglich etwas beim Anblick des Blutbads. �Warum bist du hier?�</p><p>Rand wandte sich von ihnen ab, schob ungeschickt die Riegel an der Innent�r auf und �ffnete die T�r. �Egwene ist hier heruntergekommen�, er�ffnete er jedem, den es interessierte, und dann ging er mit hoch erhobener Lampe hinein. Seine Knie wollten immer noch nachgeben, und er war nicht sicher, wie er sich �berhaupt auf den Beinen hielt, er wu�te nur, da� er Egwene finden mu�te.</p><p>�Egwene!�</p><p>Ein hohles Gurgeln und ein Ger�usch, als schlage jemand um sich, erklangen zu seiner rechten Seite, und er hob die Lampe in dieser Richtung. Der Gefangene in dem Festtagsmantel sackte gegen das Eisengitter seiner Zelle. Sein G�rtel war um die Gitterst�be und um seinen Hals gewickelt. W�hrend Rand hinblickte, zuckte er ein letztes Mal. Seine F��e schabten �ber den mit Stroh bedeckten Boden und lagen still. Zunge und Augen quollen aus seinem dunkel angelaufenen Gesicht. Seine Knie ber�hrten beinahe den Boden; er h�tte jederzeit aufstehen k�nnen.</p><p>Schaudernd sp�hte Rand in die n�chste Zelle. Der gro�e Mann mit dem in Muskeln versinkenden Gelenken kauerte ganz hinten in seiner Zelle und hatte die Augen so weit wie m�glich aufgerissen. Bei Rands Anblick schrie er und wand sich und kratzte verzweifelt an der Zellenwand.</p><p>�Ich will dir nichts tun�, rief Rand. Der Mann schrie weiter und versuchte, sich einen Weg durch die Wand zu kratzen. Seine H�nde waren blutig und hinterlie�en Schmierer �ber �lteren Schmierern geronnenen Blutes. Dies war offenbar nicht der erste Versuch, mit blo�en H�nden die Wand zu durchbrechen.</p><p>Rand wandte sich ab und war froh, da� sein Magen bereits leer war. Es gab nichts, was er f�r einen der beiden h�tte tun k�nnen. �Egwene!�</p><p>Sein Laternenschein erreichte endlich das hintere Ende des Zellenganges. Die T�r zu Fains Zelle stand offen, und die Zelle war leer. Doch auf dem Steinboden vor der Zelle lagen zwei Gestalten, deren Anblick Rand vorw�rtsspringen lie�. Er fiel zwischen ihnen auf die Knie.</p><p>Egwene und Mat lagen verkr�mmt dort, bewu�tlos... oder tot. Mit tiefer Erleichterung sah er, da� sich ihre Brustk�rbe hoben und senkten. Keiner von beiden wies irgendeine Verwundung auf.</p><p>�Egwene? Mat?� Er legte das Schwert hin und r�ttelte sanft an Egwene. �Egwene?� Sie �ffnete die Augen nicht. �Moiraine! Egwene ist verwundet! Und Mat!� Mat atmete schwer, und sein Gesicht war totenbla�. Rand h�tte am liebsten geweint. <emphasis>Es h�tte doch mich treffen m�ssen! Ich habe den Dunklen K�nig beim Namen genannt. Ich!</emphasis></p><p>�R�hre sie nicht an!� Moiraine klang �berhaupt nicht aufgew�hlt oder �berrascht.</p><p>Die Zelle wurde pl�tzlich von einer Lichtflut erleuchtet, als die beiden Aes Sedai eintraten. Jede balancierte einen gl�henden Ball k�hlen Lichts, der in der Luft �ber ihrer Hand schwebte.</p><p>Liandrin marschierte geradewegs in der Mitte des breiten Gangs und raffte ihren Rock mit der freien Hand hoch, damit er nicht im Stroh schleifen konnte. Moiraine jedoch sah zuerst nach den beiden Gefangenen, bevor sie ihr folgte. �F�r den einen kann man nichts tun�, sagte sie, �und der andere kann warten.�</p><p>Liandrin erreichte Rand zuerst und wollte sich schon zu Egwene hinunterbeugen, doch da eilte Moiraine hinzu und legte ihre freie Hand auf Egwenes Stirn. Liandrin richtete sich mit einer Grimasse wieder auf.</p><p>�Sie ist nicht schwer verletzt�, sagte Moiraine nach einem Moment. �Sie wurde hier getroffen.� Sie fuhr mit dem Finger �ber eine Zone an der Seite von Egwenes Kopf, die von ihrem Haar bedeckt war. Rand konnte daran nichts Besonderes entdecken. �Das ist ihre einzige Verletzung. Sie wird bald wieder in Ordnung sein.�</p><p>Rand blickte von einer Aes Sedai zur anderen. �Und was ist mit Mat?� Liandrin hob eine Augenbraue und beobachtete dann mit sp�ttischer Miene Moiraine. �Sei ruhig�, sagte Moiraine. Ihre Finger lagen immer noch auf Egwenes Kopf an der Stelle, wo sie getroffen worden war. Sie schlo� die Augen. Egwene murmelte etwas und bewegte sich, doch dann lag sie wieder still. �Ist sie...?�</p><p>�Sie schl�ft, Rand. Es wird ihr bald wieder gutgehen, aber sie mu� schlafen.� Moiraine wandte sich Mat zu, aber in seinem Fall ber�hrte sie ihn nur einen Augenblick lang, bevor sie die Hand zur�ckzog. �Das ist schon ernster�, sagte sie leise. Sie tastete an Mats H�fte herum, �ffnete endlich seinen Mantel und gab einen zornigen Laut von sich. �Der Dolch ist weg.�</p><p>�Was f�r ein Dolch?� fragte Liandrin.</p><p>Pl�tzlich erklangen im Vorraum Stimmen. M�nner machten ihrem Ekel und ihrem Zorn Luft.</p><p>�Hier herein�, rief Moiraine. �Bringt zwei Bahren mit. Schnell.� Irgend jemand im Vorraum rief nach Bahren.</p><p>�Fain ist weg�, sagte Rand. Die beiden Aes Sedai sahen ihn an. Er konnte von ihren Gesichtern nichts ablesen. Ihre Augen glitzerten im Lichtschein.</p><p>�Ich habe es gemerkt�, sagte Moiraine mit ausdrucksloser Stimme.</p><p>�Ich sagte ihr, sie solle nicht hierher gehen. Ich sagte ihr, es sei gef�hrlich.�</p><p>�Als ich kam�, sagte Liandrin mit kalter Stimme, �hat er gerade das Geschriebene im Vorraum verwischt.�</p><p>Er rutschte unsicher auf den Knien herum. Im Moment erschienen ihm die Augen der beiden Aes Sedai gleich. Sie w�gten ab, musterten ihn k�hl und schrecklich.</p><p>�Es... es war Schmutz�, sagte er. �Nur Schmutz.� Sie sahen ihn immer noch schweigend an. �Ihr glaubt doch nicht, da� ich... Moiraine, Ihr k�nnt doch nicht glauben, ich h�tte irgend etwas mit... dem zu tun, was da drau�en geschah.� <emphasis>Licht, wirklich nicht? Ich habe den Dunklen</emphasis></p><p><emphasis>K�nig beim Namen genannt.</emphasis></p><p>Sie antwortete nicht, und ein eiskalter Schauder �berlief ihn. Das Gef�hl wurde durch die mit Fackeln und Lampen hereinst�rmenden M�nner nicht gemindert. Moiraine und Liandrin lie�en ihre gl�henden B�lle erl�schen. Die Lampen und Fackeln warfen kein so helles Licht; in den Tiefen der Zellen entstanden Schatten. M�nner mit Bahren eilten zu den am Boden liegenden Gestalten. Ingtar f�hrte sie an. Sein Haarknoten zitterte fast vor Zorn, und er wirkte versessen darauf, jemanden zu finden, auf den er mit seinem Schwert losgehen konnte.</p><p>�Also ist der Schattenfreund auch weg�, grollte er. �Na ja, das ist noch das geringste von dem, was heute abend geschehen ist.�</p><p>�Das geringste selbst hier�, sagte Moiraine scharf. Sie gab den M�nnern Anweisungen, die Egwene und Mat auf die Bahren legten. �Das M�dchen wird in sein Zimmer gebracht. Sie braucht eine Frau, die bei ihr wacht, falls sie in der Nacht erwacht. Sie mag ver�ngstigt sein, aber mehr als alles andere braucht sie jetzt Schlaf. Der Junge... � Sie ber�hrte Mat, als zwei M�nner seine Bahre aufhoben, und ihre Hand zuckte schnell zur�ck. �Bringt ihn zu den Gem�chern der Amyrlin. Sucht die Amyrlin, wo immer sie auch sein mag, und sagt ihr, da� er dort ist. Sagt ihr, sein Name sei Matrim Cauthon. Ich werde zu ihr kommen, sobald ich kann.�</p><p>�Die Amyrlin!� rief Liandrin. �Du willst die Amyrlin als Heilerin f�r deinen... deinen zahmen Bauernburschen einsetzen? Du bist ja verr�ckt, Moiraine!�</p><p>�Die Amyrlin teilt die Vorurteile der Roten Ajah nicht, Liandrin�, sagte Moiraine gelassen. �Sie heilt einen Menschen auch, wenn er ihr nicht irgendwie von Nutzen ist. Geht los!� sagte sie zu den Bahrentr�gern.</p><p>Liandrin sah zu, wie sie hinausgingen, Moiraine und die M�nner, die Mat und Egwene trugen, und dann wandte sie sich Rand zu und blickte ihn an. Er bem�hte sich, sie nicht zu beachten. Er konzentrierte sich darauf, sein Schwert in die Scheide zur�ckzustecken und sich das Stroh abzuklopfen, das ihm an Hemd und Hose klebte. Als er den Kopf schlie�lich hob, musterte sie ihn immer noch mit eisiger Miene. Schweigend und nachdenklich wandte sie sich dann den anderen M�nnern zu. Einer hielt den K�rper des erh�ngten Mannes hoch, w�hrend der andere den G�rtel zu l�sen versuchte. Ingtar und die anderen warteten respektvoll. Mit einem letzten Blick auf Rand ging sie, den Kopf wie eine K�nigin hoch erhoben.</p><p>�Eine harte Frau�, murmelte Ingtar und schien dann selbst �berrascht, da� er es ausgesprochen hatte. �Was ist hier geschehen, Rand al'Thor?�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht, au�er, da� Fain irgendwie entkommen ist und dabei Mat und Egwene verletzt hat. Ich habe den Wachraum gesehen� �er schauderte � �aber hier drinnen... Was es auch gewesen sein mag, Ingtar, es hat diesem Burschen derart Angst eingejagt, da� er sich selbst aufgeh�ngt hat. Ich glaube, der andere ist verr�ckt geworden, als er es sah.�</p><p>�Heute abend drehen wir wohl alle durch.�</p><p>�Der Blasse... hast du ihn get�tet?�</p><p>�Nein!� Ingtar rammte sein Schwert in die Scheide hinein; der Griff ragte �ber seine rechte Schulter hinaus. Er schien gleichzeitig zornig zu sein und sich zu sch�men. �Er ist jetzt au�erhalb der Festung, zusammen mit den anderen, die wir nicht t�ten konnten.�</p><p>�Wenigstens bist du am Leben, Ingtar. Dieser Blasse hat sieben M�nner get�tet!�</p><p>�Am Leben? Ist das so wichtig?� Pl�tzlich wirkte Ingtars Gesicht nicht mehr zornig, sondern m�de und von Schmerz erf�llt. �Wir hielten es in unseren H�nden. In unseren H�nden! Und wir verloren es, Rand. Verloren es!� Er h�rte sich an, als k�nne er selbst nicht glauben, was er da sagte.</p><p>�Was haben wir verloren?� fragte Rand.</p><p>�Das Horn! Das Horn von Valere. Es ist weg, die Truhe, alles.�</p><p>�Aber es war in der Schatzkammer!�</p><p>�Die Schatzkammer wurde ausgeraubt�, sagte Ingtar m�de. �Sie haben aber nicht viel mitgenommen, bis auf das Horn nat�rlich. Nur, was sie in die Taschen stecken konnten. Ich w�nschte, sie h�tten alles andere mitgenommen und das dagelassen. Ronan ist tot und auch die W�chter, die er vor die Schatzkammer gestellt hatte.� Seine Stimme wurde leiser. �Als ich ein Junge war, da hielt Ronan den Turm von Jehaan mit zwanzig M�nnern gegen tausend Trollocs. Aber wenigstens ist er nicht so leicht untergegangen. Der alte Mann hatte Blut an seinem Dolch. Keiner k�nnte wohl mehr erwarten.� Er schwieg einen Moment lang. �Sie sind durch das Hundetor hereingekommen und auch auf dem gleichen Weg verschwunden. Wir haben f�nfzig oder mehr erledigt, aber zu viele entkamen. Trollocs! Wir hatten noch nie zuvor Trollocs in der Festung. Nie!�</p><p>�Wie konnten sie denn durch das Hundetor hereinkommen, Ingtar? Ein Mann allein k�nnte dort hundert aufhalten. Und alle Tore waren verrammelt.� Er trat unsicher von einem Fu� auf den anderen, weil er daran denken mu�te, warum. �Die Wachen h�tten es nicht ge�ffnet, um irgend jemand hereinzulassen.�</p><p>�Ihnen hat man den Hals durchgeschnitten�, sagte Ingtar. �Beides gute M�nner, und doch wurden sie geschlachtet wie die Schweine. Der Angriff erfolgte von innen. Irgend jemand t�tete sie und �ffnete dann das Tor. Jemand, der ihnen nahe kommen konnte, ohne Verdacht zu erregen. Jemand, den sie kannten.�</p><p>Rand sah die leere Zelle an, in der sich Fain befunden hatte. �Aber das bedeutet... �</p><p>�Ja. Es sind Schattenfreunde in Fal Dara. Oder waren. Wir werden bald wissen, was los ist. Kajin �berpr�ft gerade, ob jemand fehlt. Friede! Verrat in der Festung von Fal Dara!� Mit finsterer Miene sah er sich im Kerker um und die M�nner an, die auf ihn warteten. Alle hatten Schwerter und trugen sie �ber ihren Festgew�ndern. Ein paar hatten auch Helme auf. �Wir k�nnen hier nichts weiter tun. Raus! Alle!� Rand schlo� sich dem R�ckzug an. Ingtar tippte mit dem Finger an Rands Wams. �Was ist das? Hast du dich entschlossen, Stallbursche zu werden?�</p><p>�Das ist eine lange Geschichte�, sagte Rand. �Zu lang, um sie hier zu erz�hlen. Vielleicht ein andermal.� <emphasis>Vielleicht auch nie, wenn ich Gl�ck habe. Vielleicht kann ich in all diesem Durcheinander fliehen. Nein, kann ich nicht. Nicht, bevor ich nicht wei�, da� es Egwene gutgeht. Und Mat. Licht, was wird aus ihm ohne den Dolch?</emphasis> �Ich sch�tze, Lord Agelmar hat die Wachen an allen Toren verdoppelt.�</p><p>�Verdreifacht�, sagte Ingtar in befriedigtem Tonfall. �Keiner wird durch diese Tore kommen, weder von innen noch von au�en. Sobald Lord Agelmar h�rte, was geschehen war, ordnete er an, da� keiner ohne seine pers�nliche Erlaubnis die Festung verlassen d�rfe.�</p><p><emphasis>Sobald er h�rte...?</emphasis> �Ingtar, was war denn vorher los? Was war mit dem fr�heren Befehl, jeden in der Festung festzuhalten?�</p><p>�Fr�herer Befehl? Was f�r ein fr�herer Befehl? Rand, die Festung wurde nicht geschlossen, bevor Lord Agelmar von dieser Sache h�rte. Jemand hat dir etwas Falsches erz�hlt.�</p><p>Rand sch�ttelte langsam den Kopf. Weder Ragan noch Tema h�tten so etwas erfunden. Und selbst wenn die Amyrlin den Befehl gegeben h�tte, w�rde Ingtar das wissen. <emphasis>Aber wer dann? Und wie?</emphasis> Er sah Ingtar aus den Augenwinkeln an und �berlegte, ob der Schienarer vielleicht log. <emphasis>Du wirst wirklich langsam verr�ckt, wenn du ausgerechnet Ingtar verd�chtigst.</emphasis></p><p>Jetzt befanden sie sich im Wachraum des Kerkers. Die abgeschlagenen K�pfe und die Teile der Wachen waren entfernt worden, nur auf dem Tisch zeigten sich noch rote Schmierer, und im Stroh waren feuchte Flecke, die zeigten, wo sie gelegen hatten. Zwei Aes Sedai waren dort, ruhig wirkende Frauen mit braunen Fransen an ihren Stolen, die die Kritzeleien an den W�nden betrachteten und dabei nicht darauf achteten, da� ihre R�cke durch das Stroh schleiften. An beider G�rtel hing je ein Schreibkasten mit einem Tintenfa�, und sie machten sich mit einer Feder Notizen in kleine B�cher. Sie sahen die M�nner nicht einmal an, die durch den Raum trampelten.</p><p>�Schau hierher, Verin�, sagte eine von ihnen und deutete auf einen Abschnitt der Steinwand, der mit Trolloc-Schrift bedeckt war. �Das sieht interessant aus.�</p><p>Die andere eilte herbei, und ihr Rock bekam dabei einige r�tliche Flecke ab. �Ja, ich sehe, was du meinst. Eine viel bessere Schrift als der Rest. Kein Trolloc. Sehr interessant.� Sie schrieb etwas in ihr Buch und blickte dazwischen immer wieder auf, um die eckigen Buchstaben auf der Wand zu lesen.</p><p>Rand eilte hinaus. Selbst wenn es keine Aes Sedai gewesen w�ren, w�rde er nicht in einem Raum mit jemand bleiben, der Trolloc-Schrift, in menschlichem Blut geschrieben, f�r �interessant� hielt.</p><p>Ingtar und seine M�nner stolzierten vornweg, auf ihre Pflichten bedacht. Rand tr�delte und fragte sich, wohin er nun gehen k�nne. In die Frauenquartiere zur�ckzukehren, w�rde ohne Egwenes Hilfe nicht leicht sein. <emphasis>Licht, la� sie wieder gesund werden!</emphasis> Moiraine sagte doch, sie werde wieder genesen.</p><p>Lan fand ihn, bevor er die erste Treppe nach oben erreichte. �Du kannst in dein Zimmer zur�ckgehen, wenn du willst, Schafhirte. Moiraine lie� deine Sachen aus Egwenes Zimmer holen und in deines bringen.�</p><p>�Woher wu�te sie...?�</p><p>�Moiraine wei� eine ganze Menge, Schafhirte. Das solltest du jetzt allm�hlich wissen. Du solltest auch auf dich aufpassen. Die Frauen klatschen alle dar�ber, da� du durch die G�nge gerannt bist und mit deinem Schwert herumgefuchtelt hast. Der Amyrlin Auge in Auge gegen�bergestanden, sagen sie.�</p><p>�Licht, es tut mir leid, da� sie w�tend sind, Lan, aber ich war in die Frauenquartiere eingeladen. Und als ich den Alarm h�rte... Licht noch mal, Egwene war dort unten!�</p><p>Lan spitzte nachdenklich die Lippen; das war der einzige von seinem Gesicht ablesbare Ausdruck. �Ach, sie sind eigentlich nicht w�tend. Die meisten sind allerdings der Meinung, da� du eine starke Hand brauchst, um ein wenig ruhiger zu werden. Fasziniert w�re ein besserer Ausdruck. Selbst Lady Amalisa kann nicht damit aufh�ren, alle �ber dich auszufragen. Einige beginnen, den Klatsch der Diener zu glauben. Sie glauben, du w�rst ein verkleideter Prinz, Schafhirte. Keine schlechte Sache. Es gibt eine alte Redensart hier in den Grenzlanden: �Es ist besser, eine Frau auf deiner Seite zu haben als zehn M�nner.� So, wie sie untereinander �ber dich reden, versuchen sie, sich zu entscheiden, wessen Tochter stark genug sei, um mit dir umzugehen. Wenn du nicht aufpa�t, Schafhirte, dann hast du in ein schienarisches Adelshaus eingeheiratet, bevor es dir �berhaupt selbst klar wird.� Pl�tzlich lachte er schallend los. Es wirkte eigenartig; als lache ein Fels. �Mitten in der Nacht durch die Frauenquartiere rennen � im Wams eines Arbeiters und mit einem Schwert in der Hand. Falls sie dich nicht auspeitschen, werden sie zumindest die n�chsten zehn Jahre dar�ber sprechen. Sie haben noch nie einen Mann gesehen, der sich so eigenartig wie du benimmt. Welche Frau sie auch f�r dich ausw�hlen, sie br�chte dich vermutlich in zehn Jahren an die Spitze eines Hauses und lie�e dich au�erdem im Glauben, du h�ttest das aus eigenen Kr�ften erreicht. Zu schade, da� du weg mu�t.�</p><p>Rand hatte den Beh�ter mit offenem Mund angestarrt, doch nun grollte er: �Ich hab's versucht. Die Tore werden bewacht, und keiner kann hinaus. Ich habe es bereits bei Tageslicht probiert. Ich konnte noch nicht einmal mein Pferd aus dem Stall holen.�</p><p>�Das spielt jetzt keine Rolle. Moiraine hat mich geschickt, um dir Bescheid zu sagen. Du kannst jederzeit weg. Selbst jetzt. Moiraine sorgte daf�r, da� Agelmar dich von seinem Befehl ausnahm.�</p><p>�Warum erst jetzt und nicht schon fr�her? Warum konnte ich vorher nicht gehen? War sie diejenige, die die Tore verschlie�en lie�? Ingtar sagte, er wisse nichts von einem Befehl, die Leute in der Festung zu halten �jedenfalls bis heute nacht.�</p><p>Rand glaubte, einen besorgten Ausdruck bei dem Beh�ter zu entdecken, doch alles, was er sagte, war:</p><p>�Wenn dir jemand ein Pferd schenkt, Schafhirte, dann beklagst du dich nicht, da� es nicht so schnell ist, wie du m�chtest.�</p><p>�Was ist mit Egwene? Und Mat? Sind sie wirklich in Ordnung? Ich kann nicht weg, bevor ich wei�, da� es ihnen gutgeht.�</p><p>�Dem M�dchen geht es gut. Sie wird am Morgen aufwachen und sich vielleicht noch nicht einmal daran erinnern, was geschehen ist. Schl�ge auf den Kopf haben manchmal solche Auswirkungen.�</p><p>�Und wie steht's mit Mat?�</p><p>�Du hast die Wahl, Schafhirte. Du kannst heute gehen oder morgen oder n�chste Woche. Es h�ngt von dir ab.� Er ging fort und lie� Rand dort in dem Korridor unter der Festung von Fal Dara stehen.</p></section><section><title><p>7</p><p>Der Ruf des Bluts</p></title><p>Als die Bahre mit Mat aus den Gem�chern der Amyrlin getragen wurde, wickelte Moiraine sorgf�ltig den <emphasis>Angreal</emphasis> � eine kleine, vom Alter dunkel angelaufene Elfenbeinstatue, die eine Frau in weiten Gew�ndern darstellte � in ein Seidentuch ein und steckte ihn in ihre G�rteltasche zur�ck. Die Zusammenarbeit mit einer anderen Aes Sedai, das Verschmelzen ihrer F�higkeiten und gemeinsame Lenken der Einen Macht war selbst unter den besten Voraussetzungen eine erm�dende Arbeit, selbst mit Hilfe eines <emphasis>Angreals,</emphasis> und die ganze Nacht ohne Schlaf durcharbeiten zu m�ssen, stellte keine besonders gute Voraussetzung dar. Und die Arbeit mit dem Jungen war nicht gerade leicht gewesen.</p><p>Leane wies die Bahrentr�ger mit scharfen Gesten und ein paar knappen Worten hinaus. Die beiden M�nner duckten sich st�ndig nerv�s, weil so viele Aes Sedai um sie herum waren, eine davon auch noch die Amyrlin pers�nlich. Dazu hatten sie die Macht ben�tzt. Sie hatten im Korridor an die Wand gekauert gewartet, w�hrend drinnen die Arbeit getan wurde, und sie waren erpicht darauf, die Frauenquartiere verlassen zu k�nnen. Mat lag mit geschlossenen Augen und blassem Gesicht auf der Bahre, doch seine Brust hob und senkte sich im gleichm��igen Rhythmus tiefen Schlafes.</p><p><emphasis>Wie wird das die Entwicklung der Dinge beeinflussen?</emphasis> fragte sich Moiraine. <emphasis>Seine Mitwirkung ist nicht erforderlich, nun, da das Horn weg ist, aber...</emphasis></p><p>Die T�r schlo� sich hinter Leane und den Bahrentr�gern und die Amyrlin atmete keuchend. �Eine b�se Sache. Wirklich b�se.� Ihre Gesichtsz�ge waren glatt doch sie rieb sich die H�nde, als wolle sie sie waschen.</p><p>�Aber ziemlich interessant�, sagte Verin. Sie war die vierte Aes Sedai gewesen, die die Amyrlin f�r diese Arbeit auserw�hlt hatte. �Es ist zu dumm, da� wir den Dolch nicht haben, um so die Heilung abschlie�en zu k�nnen. Trotz alledem, was wir heute nacht getan haben, wird er nicht lange leben. Im besten Fall vielleicht einige Monate.� Die drei Aes Sedai waren allein in den Gem�chern der Amyrlin. Hinter den Schie�scharten �berzog das erste Licht der Morgend�mmerung den Himmel.</p><p>�Aber jetzt sind ihm wenigstens diese Monate gegeben�, sagte Moiraine scharf. �Und falls man ihn findet, kann die Verbindung immer noch unterbrochen werden.� <emphasis>Falls man ihn findet. Ja, nat�rlich.</emphasis></p><p>�Sie kann noch unterbrochen werden�, stimmte Verin zu. Sie war eine mollige Frau mit einem breiten Gesicht, und selbst die den Aes Sedai eigene Gabe der Alterslosigkeit konnte nicht verhindern, da� ein Hauch von Grau �ber ihrem braunen Haar lag. Das war das einzige Anzeichen f�r ihr Alter, aber f�r eine Aes Sedai bedeutete das, da� sie wirklich sehr alt war. Ihre Stimme klang jedoch kr�ftig und entsprach ihren glatten Wangen. �Er war allerdings lange Zeit mit dem Dolch verbunden �lange Zeit, was solche Dinge eben betrifft. Und die Verbindung wird noch l�nger dauern, ob man ihn findet oder nicht. Er ist vielleicht jetzt schon jenseits aller Heilkunst ver�ndert, wenn auch nicht mehr so stark, da� er andere damit anstecken k�nnte. Ein so kleines Ding, dieser Dolch�, �berlegte sie laut, �aber er verdirbt jeden, der ihn lange genug tr�gt. Und der ihn tr�gt, wird dann wieder diejenigen anstecken, die mit ihm in Ber�hrung kommen, und die wiederum andere, und so werden Ha� und Mi�trauen, die Shadar Logoth zerst�rt haben, die jeden Mann und jede Frau gegeneinander k�mpfen lie�en, wieder die Welt �berziehen. Ich frage mich, wie viele Menschen in, sagen wir, einem Jahr angesteckt werden k�nnen. Es sollte m�glich sein, eine relativ wirklichkeitsnahe Anzahl zu berechnen.�</p><p>Moiraine warf der Braunen Schwester einen ironischen Blick zu. <emphasis>Wir stehen einer neuen Gefahr gegen�ber, und sie h�rt sich an, als ginge es um ein R�tsel aus einem Buch. Licht, die Braunen haben wirklich keine Ahnung vom Leben.</emphasis> �Dann m�ssen wir den Dolch finden, Schwester. Agelmar schickt M�nner aus, um jene zu jagen, die das Horn stahlen und seine M�nner t�teten, die gleichen, die auch den Dolch nahmen. Wenn man das eine findet, hat man auch das andere.�</p><p>Verin nickte, zog aber gleichzeitig die Stirn kraus. �Und doch, wer k�nnte ihn sicher zur�ckbringen, falls man ihn findet? Wer auch immer ihn ber�hrt, riskiert den Fluch des Dolchs, wenn er ihm zu lange zu nahe ist. Vielleicht in einer Truhe, gut ausgepolstert und eingepackt, aber er w�re trotzdem noch gef�hrlich f�r jemanden, der ihm l�ngere Zeit �ber zu nahe ist. Ohne den Dolch selbst zu haben, um ihn genau zu studieren, k�nnen wir nicht sicher sein, wie er abgeschirmt werden mu�. Aber du hast ihn doch gesehen und noch mehr, Moiraine. Du hast dich darum gek�mmert und erreicht, da� dieser junge Mann ihn tragen und doch �berleben konnte, ohne einen anderen anzustecken. Du mu�t doch eine Ahnung haben, wie stark sein Einflu� ist.�</p><p>�Es gibt einen�, sagte Moiraine, �der den Dolch zur�ckholen kann, ohne durch ihn in Gefahr zu kommen. Einer, den wir gegen den Fluch abgeschirmt und gesichert haben, so gut es nur ging. Mat Cauthon.�</p><p>Die Amyrlin nickte. �Ja, nat�rlich. Er kann es schaffen. Wenn er lang genug lebt. Das Licht wei�, wie weit er mitgeschleppt wird, bis Agelmars M�nner ihn finden. Falls sie ihn finden. Und wenn der Junge zuerst stirbt... na ja, wenn der Dolch so lange drau�en und vielleicht unter Menschen ist, dann haben wir noch ein Problem am Hals.� Sie rieb sich m�de die Augen. �Ich glaube, wir m�ssen auch diesen Padan Fain finden. Warum ist dieser Schattenfreund so wichtig f�r sie, da� sie ein solches Risiko eingingen, um ihn zu retten? Es w�re viel leichter f�r sie gewesen, nur das Horn zu stehlen. Es ist immer noch so riskant wie ein Wintersturm im Meer der St�rme, wenn man so in die Festung eindringt, aber sie vervielfachten ihr Risiko, um diesen Schattenfreund zu befreien. Wenn ihn die Lurks f�r so wichtig halten� � sie unterbrach sich, und Moiraine wu�te, da� sie sich fragte, ob es wirklich nur die Myrddraal waren, die die Befehle gaben � �dann m�ssen wir es auch.�</p><p>�Er mu� gefunden werden�, stimmte Moiraine zu und hoffte, da� die Dringlichkeit, die sie dabei empfand, nicht zu sehen war, �und es ist wohl am wahrscheinlichsten, da� er bei dem Horn zu finden ist.�</p><p>�Wie du sagst, Tochter.� Die Amyrlin pre�te sich die Hand auf den Mund, um ein G�hnen zu unterdr�cken. �Und nun, Verin, wenn du mich entschuldigen w�rdest. Ich will nur noch ein paar Worte mit Moiraine sprechen und dann ein wenig schlafen. Ich f�rchte, Agelmar wird darauf bestehen, heute abend zu feiern, nachdem das Fest letzten Abend verdorben wurde. Deine Hilfe war von unsch�tzbarem Wert, Tochter. Bitte denke daran, nichts �ber die Natur der Verletzung des Jungen zu irgend jemandem zu sagen. Es gibt ein paar deiner Schwestern, die gern den Schatten in ihm sehen w�rden.�</p><p>Es war nicht n�tig, die Roten Ajah zu erw�hnen. <emphasis>Und vielleicht,</emphasis> dachte Moiraine, <emphasis>sind die Roten nicht mehr die einzigen, denen man mi�trauen mu�te.</emphasis></p><p>�Ich werde nat�rlich nichts sagen, Mutter.� Verin verbeugte sich, machte aber keine Anstalten, zur T�r zu gehen. Sie zog ein kleines Notizbuch, in weiches, braunes Leder gebunden, aus ihrer G�rteltasche. �Was an die W�nde im Kerker geschrieben wurde. Es gab kaum Probleme beim �bersetzen. Das meiste waren wie �blich Blasphemien und Prahlereien. Trollocs scheinen sonst recht wenig zu wissen. Aber es gab einen Teil, der in besserer Schrift geschrieben war. Von einem gebildeten Schattenfreund oder vielleicht einem Myrddraal. Es k�nnte nur eine Art von Herausforderung sein, aber es steht dort in Form eines Gedichts oder Lieds und klingt wie eine Prophezeiung. Wir wissen wenig �ber die Prophezeiungen des Schattens, Mutter.�</p><p>Die Amyrlin z�gerte nur einen Moment, bevor sie nickte. Prophezeiungen des Schattens, d�stere Prophezeiungen, gingen ungl�cklicherweise genauso in Erf�llung wie die des Lichts. �Lies vor!�</p><p>Verin bl�tterte kurz, r�usperte sich und begann mit ihrer ruhigen, gleichm��igen Stimme zu lesen.</p><p>�Tochter der Nacht, sie wandelt wieder. In den uralten Kampf greift sie ein. Ihren neuen Liebhaber sucht sie, der ihr dienen und sterben und auch dann noch dienen wird. Wer kann ihrem Kommen widerstehn? Die Leuchtende Mauer wird niederknien.</p><p>Blut n�hrt Blut. Blut ruft Blut.</p><p>Blut ist und Blut war und Blut wird immer sein.</p><p>Ein Mann lenkt Eine Macht und steht allein. Er opfert seine Freunde. Zwei Wege liegen vor ihm: der eine f�hrt zum Tode nach dem Tod, der andre zum ew'gen Leben. Welchen wird er w�hlen? Welchen wird er w�hlen? Welche Hand sch�tzt? Welche Hand t�tet?</p><p>Blut n�hrt Blut. Blut ruft Blut.</p><p>Blut ist und Blut war und Blut wird immer sein.</p><p>Luc kam zu den Bergen des Verderbens. Isam wartete am hohen Pa�.</p><p>Die Jagd hat nun begonnen. Die Hunde des Schattens sind losgelassen und t�ten. Einer �berlebte, und einer starb, aber beide existieren. Die Zeit der Ver�nderung ist gekommen.</p><p>Blut n�hrt Blut. Blut ruft Blut.</p><p>Blut ist und Blut war und Blut wird immer sein.</p><p>Die W�chter warten auf der Toman-Halbinsel. Die Saat des Hammers verbrennt den uralten Baum. Der Tod wird s�en, und der Sommer wird brennen, bevor der Gro�e Herr kommt. Der Tod wird ernten, und K�rper werden versagen, bevor der Gro�e Herr kommt. Wieder t�tet der Same das uralte Unrecht, bevor der Gro�e Herr kommt. Nun kommt der Gro�e Herr.</p><p>Nun kommt der Gro�e Herr.</p><p>Blut n�hrt Blut. Blut ruft Blut.</p><p>Blut ist und Blut war und Blut wird immer sein. Nun kommt der Gro�e Herr.�</p><p>Als sie endete, schwiegen alle lange.</p><p>Schlie�lich sagte die Amyrlin: �Wer hat das noch gesehen, Tochter? Wer wei� davon?�</p><p>�Nur Serafelle, Mutter. Sobald wir es abgeschrieben hatten, lie� ich die W�nde von M�nnern abschrubben. Sie fragten nicht weiter; sie waren froh, die Schmierereien loszuwerden.�</p><p>Die Amyrlin nickte. �Gut. Zu viele in den Grenzlanden k�nnen die Trolloc-Schrift halbwegs lesen. Nicht n�tig, ihnen noch mehr Kopfzerbrechen zu bereiten. Sie haben schon genug.�</p><p>�Wirst du daraus schlau?� fragte Moiraine Verin vorsichtig. �Ist es eine Prophezeiung, oder was denkst du?�</p><p>Verin hielt den Kopf schr�g und betrachtete nachdenklich ihre Notizen. �M�glich. Es hat jedenfalls die Form einiger der wenigen Prophezeiungen des Schattens, die wir kennen. Und Teile davon sind klar genug. Es k�nnte nat�rlich trotzdem einfach ein T�uschungsman�ver sein.� Sie legte einen Finger auf eine bestimmte Zeile. ��Tochter der Nacht, sie wandelt wieder.� Das kann nur bedeuten, da� Lanfear wieder frei ist. Oder jemand m�chte, da� wir das glauben.�</p><p>�Das w�re etwas, um uns Kopfzerbrechen zu bereiten, Tochter�, sagte die Amyrlin, �falls es stimmt. Aber die Verlorenen sind immer noch gefangen.� Sie sah Moiraine an, und einen Moment lang wirkte sie besorgt, bevor sie ihre Gesichtsz�ge wieder unter Kontrolle hatte. �Selbst wenn die Siegel br�chig werden, sind die Verlorenen noch immer gefangen.�</p><p>Lanfear. In der Alten Sprache: Tochter der Nacht. Nirgends war ihr wirklicher Name aufgezeichnet, aber diesen Namen hatte sie angenommen, im Gegensatz zu den meisten der Verlorenen, die ihre Namen von denen erhalten hatten, die sie betrogen. Einige behaupteten, sie sei in Wirklichkeit neben Ishamael, dem Verr�ter aller Hoffnung, die m�chtigste der Verlorenen gewesen, habe aber ihre wahren Kr�fte verborgen. Zuwenig aus dieser Zeit war noch bekannt, als da� irgendein Historiker das sicher behaupten konnte.</p><p>�Bei all den falschen Drachen, die jetzt auftauchen, ist es keine �berraschung, da� irgend jemand nun auch Lanfear ins Spiel bringt.� Moiraines Stimme klang so glatt wie ihr Gesicht aussah, aber innerlich war sie aufgew�hlt. Es war �ber Lanfear au�er ihrem Namen nur eines bekannt: Bevor sie zum Schatten �berging, bevor Lews Therin Telamon Ilyena traf, war Lanfear seine Geliebte gewesen. <emphasis>Eine Komplikation, die wir</emphasis> nicht <emphasis>brauchen k�nnen.</emphasis></p><p>Die Amyrlin runzelte die Stirn, als habe sie an das gleiche gedacht, aber Verin nickte, als seien das alles einfach nur Worte. �Auch andere Namen sind klar, Mutter. Lord Luc war nat�rlich der Bruder von Tigraine, der Tochter-Erbin von Andor, und er verschwand in der F�ule. Wer Isam ist und was er mit Luc zu tun hatte, wei� ich allerdings nicht.�</p><p>�Wir werden alles mit der Zeit herausfinden, was wir wissen m�ssen�, sagte Moiraine verbindlich. �Es gibt noch keinen Beweis daf�r, da� es wirklich eine Prophezeiung ist.�</p><p>Sie kannte den Namen. Isam war der Sohn von Breyan gewesen, der Frau des Lain Mandragoran, deren Versuch, den Thron von Malkier f�r ihren Mann zu gewinnen, die Trolloc-Horden herbeigelockt hatte. Breyan und ihr kleiner Sohn waren verschwunden, als die Trollocs Malkier �berrannten. Und Isam war ein Blutsverwandter Lans gewesen. <emphasis>Ist er wirklich ein Blutsverwandter Lans? Ich darf ihn das nicht wissen lassen, bevor ich wei�, wie er reagiert. Bis wir weit von der F�ule entfernt sind. Falls er glaubt, Isam sei noch am Leben...</emphasis></p><p>��Die W�chter warten auf der Toman-Halbinsel��, fuhr Verin fort. �Es gibt einige, die immer noch an der alten Weissagung festhalten, da� das von Artur Falkenfl�gel �ber das Aryth-Meer gesandte Heer eines Tages zur�ckkehren wird, obwohl, nach dieser langen Zeit... � Sie schnaubte abwertend. �Die Do Miere A'vron, die W�chter der Wogen, bilden immer noch eine... Gemeinschaft � das ist, glaube ich, der beste Ausdruck �auf der Toman-Halbinsel, in Falme. Und einer der alten Namen f�r Artur Falkenfl�gel war Hammer des Lichts.�</p><p>�Willst du damit sagen, Tochter�, sagte die Amyrlin, �da� Artur Falkenfl�gels Heer, oder besser, die Nachkommen seines Heeres, tats�chlich nach tausend Jahren zur�ckkehren k�nnten?�</p><p>�Es gibt Ger�chte �ber K�mpfe in der Ebene von Almoth und auf der Toman-Halbinsel�, sagte Moiraine bed�chtig. �Und Falkenfl�gel sandte zwei seiner S�hne mit seinem Heer. Falls sie in jenen L�ndern �berlebt haben sollten, k�nnte es viele Nachkommen Falkenfl�gels geben. Oder auch keinen.�</p><p>Die Amyrlin warf Moiraine einen warnenden Blick zu. Offensichtlich wollte sie mit ihr allein sein, damit sie Moiraine fragen konnte, was sie vorhabe. Moiraine machte eine beruhigende Geste, und ihre alte Freundin verzog das Gesicht.</p><p>Verin, die die Nase immer noch in ihre Notizen gesteckt hatte, bemerkte nichts von alledem. �Ich wei� nicht, Mutter. Aber ich bezweifle es. Wir wissen gar nichts �ber die L�nder, die Falkenfl�gel erobern wollte. Es ist zu schade, da� sich die Meerleute weigern, das Aryth-Meer zu �berqueren. Sie behaupten, auf der anderen Seite l�gen die Inseln der Toten. Ich w�nsche, ich w��te, was das bedeuten soll, aber diese verfluchte Verschlossenheit des Meervolks... � Sie seufzte, hob aber den Kopf noch immer nicht. �Alles, was wir haben, ist ein Hinweis auf �L�nder unter dem Schatten, jenseits der untergehenden Sonne, jenseits des Aryth-Meeres, wo die Heere der Nacht regieren�. Nichts, was uns sagen k�nnte, ob das von Falkenfl�gel ausgesandte Heer ausreichte, um diese �Heere der Nacht� zu besiegen oder wenigstens, um Falkenfl�gels Tod zu �berdauern. Sobald einmal der Hundertj�hrige Krieg angefangen hatte, war jeder zu sehr darauf bedacht, ein St�ck von Falkenfl�gels Reich abzubekommen, um an das �bers Meer gesandte Heer zu denken. Mutter, ich meine, falls ihre Nachkommen noch leben und eine R�ckkehr planen, h�tten sie doch nicht so lange gewartet.�</p><p>�Dann glaubst du, da� es keine Prophezeiung ist, Tochter?�</p><p>�Nun zu dem �uralten Baum��, sagte Verin gedankenverloren. �Es hat immer schon Ger�chte gegeben � mehr war es nicht �, als die Nation von Almoth noch Bestand hatte, da� sie einen Avendesora-Zweig oder vielleicht sogar einen lebendigen Sch��ling h�tten. Und die Flagge von Almoth zeigte �Blau f�r den Himmel, Schwarz f�r die Erde und den sich ausbreitenden Baum des Lebens, der beides verbindet�. Nat�rlich bezeichnen sich die Taraboner als der Baum der Menschen, und sie behaupten, Nachkommen von Herrschern und Adligen aus dem Zeitalter der Legenden zu sein. Und die Domani wieder nehmen f�r sich in Anspruch, von denen abzustammen, die im Zeitalter der Legenden den Baum des Lebens geschaffen haben. Es gibt noch weitere M�glichkeiten, aber Ihr seht, Mutter, da� gerade diese drei sich auf die Ebene von Almoth und die TomanHalbinsel beziehen.�</p><p>Die Stimme der Amyrlin f�rbte sich t�uschend sanft: �K�nntest du dich bitte entscheiden, Tochter? Wenn die Nachkommen Artur Falkenfl�gels nicht zur�ckkehren, dann ist dies auch keine Prophezeiung, und es ist v�llig gleichg�ltig, welcher uralte Baum nun gemeint sein mag.�</p><p>�Ich kann Euch lediglich sagen, was ich wei�, Mutter�, sagte Verin und blickte von ihren Notizen auf, �und Euch die Entscheidung dar�ber �berlassen. Ich glaube, da� die letzten �berlebenden von Artur Falkenfl�gels Heer vor langer Zeit gestorben sind, aber weil ich das glaube, mu� es noch lange nicht so sein. In der Zeit der Ver�nderungen wird nat�rlich vom Ende eines Zeitalters gesprochen, und der Gro�e Herr... �</p><p>Die Amyrlin klatschte auf die Tischfl�che, da� es wie ein Donnerschlag klang. �Ich wei� sehr gut, wer der Gro�e Herr ist, Tochter. Ich glaube, es ist besser, wenn du jetzt gehst.� Sie atmete tief durch und beherrschte sich sichtlich. �Geh, Verin. Ich will nicht b�se auf dich sein. Ich will nicht vergessen, wer die K�che dazu brachte, da� sie nachts ein paar S��igkeiten drau�en liegen lie�en, als ich noch Novizin war.�</p><p>�Mutter�, sagte Moiraine, �hier steht nichts, was auf eine Prophezeiung hinweist. Jeder, der ein bi�chen Verstand und Wissen besitzt, k�nnte so etwas zusammenschreiben, und keiner hat je behauptet, da� Myrddraal keinen schlauen Verstand bes��en.�</p><p>�Und dann�, sagte Verin gelassen, �ist nat�rlich der Mann, der die Macht lenkt, einer der drei jungen M�nner, die mit dir gekommen sind, Moiraine.�</p><p>Moiraine ri� vor Schreck die Augen auf. <emphasis>Weltfremd? Ich bin der Narr hier!</emphasis> Bevor ihr klar wurde, was sie tat, hatte sie schon ihren Geist nach dem pulsierenden Gl�hen ausgestreckt, das sie immer dort f�hlen konnte, das auf sie wartete � die Wahre Quelle. Die Eine Macht str�mte durch ihre Adern, lud sie mit Energie auf und d�mpfte das Strahlen der Macht um die Amyrlin. Sie hatte offensichtlich dasselbe getan. Moiraine hatte noch nie auch nur daran gedacht, die Eine Macht gegen eine andere Aes Sedai einzusetzen. <emphasis>Wir leben in gef�hrlichen Zeiten, und das Schicksal der Welt h�ngt an einem Faden. Deshalb mu� man tun, was zu tun ist. Es mu� sein. O Verin, warum mu�test du deine Nase in Dinge stecken, die dich nichts angehen?</emphasis></p><p>Verin schlo� ihr Notizbuch und steckte es hinter ihren G�rtel zur�ck. Dann blickte sie von einer zur anderen. Sie konnte gar nicht anders, als die Aura wahrzunehmen, die beide jeweils umgab, das Licht, das von der Ber�hrung der Wahren Quelle herr�hrte. Nur jemand, der selbst darin ge�bt war, die Macht zu lenken, konnte das Gl�hen bemerken, aber es gab keine M�glichkeit, da� eine Aes Sedai so etwas bei einer anderen Frau �bersah. Ein Hauch von Befriedigung �berflog Verins Gesicht, aber kein Zeichen des Erkennens, da� sie einen Blitz geschleudert hatte. Sie wirkte nur, als habe sie ein weiteres St�ck gefunden, das in ihr Puzzle pa�te. �Ja, ich dachte mir das schon. Moiraine konnte das nicht alleine fertigbringen, und wer k�nnte ihr eher helfen als ihre Jugendfreundin, die damals mit ihr zusammen heruntergeschlichen ist, um S��igkeiten zu naschen.� Sie blinzelte. �Vergebt mir, Mutter. Das h�tte ich nicht sagen sollen.�</p><p>�Verin, Verin.� Die Amyrlin sch�ttelte staunend den Kopf. �Du beschuldigst deine Schwester � und mich? �... Ich sage es lieber nicht. Und dann bist du besorgt, da� du zu vertraulich mit der Amyrlin gesprochen hast? Du bohrst ein Loch in ein Boot und machst dir Sorgen dar�ber, da� es regnet. Denk einmal daran, was du da angedeutet hast, Tochter!�</p><p><emphasis>Dazu ist es zu sp�t, Siuan,</emphasis> dachte Moiraine. <emphasis>Wenn wir in unserer Panik nicht zur Wahren Quelle gegriffen h�tten... Aber jetzt ist sie sicher.</emphasis> �Warum sagst du uns das, Verin?� fragte sie laut. �Wenn du das glaubst, was du sagst, solltest du es den anderen Schwestern mitteilen, besonders den Roten.�</p><p>Verins Augen weiteten sich �berrascht. �Ja. Ja, ich glaube, das sollte ich tun. Daran hatte ich nicht gedacht. Aber falls ich das t�te, w�rde man dich, Moiraine, und Euch, Mutter, einer D�mpfung unterziehen, und nat�rlich den Mann auch. Niemand hat jemals die Entwicklung eines Mannes verfolgt, der die Eine Macht ben�tzen kann. Wann genau setzt der Wahnsinn ein, und auf welche Art macht er sich bemerkbar? Wie schnell w�chst er an? Kann er noch funktionieren, wenn sein K�rper bereits verfault? Wie lange h�lt er aus? Falls er keine D�mpfung erf�hrt, wird mit dem jungen Mann das geschehen � welcher der drei er auch sein mag �, was eben in einem solchen Fall geschieht, ob ich nun dabei bin und alles aufschreibe oder nicht. Wenn er aber beobachtet und angeleitet wird, sollten wir in der Lage sein, alles mit einiger Sicherheit aufzuzeichnen; jedenfalls eine Weile lang. Und au�erdem ist ja da auch noch der <emphasis>Karaethon-Zyklus.�</emphasis> Sie erwiderte ruhig ihre �berraschten Blicke. �Ich glaube doch, Mutter, da� er der Wiedergeborene Drache <emphasis>ist?</emphasis> Ich kann nicht glauben, da� Ihr all dies tun w�rdet � einen Mann frei herumlaufen lassen, der die Macht lenken kann �, wenn er nicht der Drache w�re.�</p><p><emphasis>Sie denkt nur daran, neue Kenntnisse zu erwerben,</emphasis> dachte Moiraine erstaunt. <emphasis>Alles spitzt sich auf den H�hepunkt der schlimmsten Prophezeiung zu, die die Welt kennt, vielleicht sogar auf das Ende der Welt, und sie interessiert sich nur daf�r, Wissen zu erwerben. Aber auch so ist sie noch gef�hrlich.</emphasis></p><p>�Wer wei� sonst noch davon?� Die Stimme der Amyrlin klang noch schwach, doch gleichzeitig scharf. �Serafelle, sch�tze ich. Wer noch, Verin?�</p><p>�Niemand, Mutter. Serafelle interessiert sich nicht sehr f�r etwas, was noch niemand in einem Buch festgehalten hat, und das sollte auch noch m�glichst lang so sein. Sie glaubt, es seien mehr als zehnmal so viele alte B�cher und Manuskripte und Fragmente �berall verstreut, verlorengegangen oder vergessen worden, als wir in Tar Valon zusammengetragen haben. Sie ist sicher, da� noch genug der alten Kenntnisse zu finden seien, um... �</p><p>�Genug, Schwester�, sagte Moiraine. Sie lie� die Wahre Quelle entschl�pfen und f�hlte, wie die Amyrlin einen Augenblick sp�ter dasselbe tat. Es war wie immer ein Verlust, wenn man f�hlte, wie die Macht wegrann, als sickerten Blut und Leben aus einer offenen Wunde. Ein Teil ihrer selbst wollte sie festhalten, aber im Gegensatz zu einigen ihrer Schwestern hatte sie es sich zur Regel gemacht, sich nicht von dieser Sehnsucht beherrschen zu lassen. �Setz dich, Verin, und sag uns, was du wei�t und wie du es herausgefunden hast. La� nichts aus.�</p><p>Als Verin sich einen Stuhl holte � nach einem unsicheren Blick zur Amyrlin, ob sie sich in ihrer Gegenwart setzen d�rfe �, betrachtet Moiraine sie traurig.</p><p>�Es ist unwahrscheinlich�, begann Verin, �da� jemand, der nicht die alten Schriften gr�ndlich studiert hat, irgend etwas bemerken w�rde, au�er eben, da� Ihr Euch eigenartig benehmt. Vergebt mir, Mutter. Es war vor fast zwanzig Jahren, als Tar Valon belagert wurde, da� ich einen ersten Hinweis bekam, und das war nur... �</p><p><emphasis>Licht hilf mir, Verin, wie ich dich liebte, der S��igkeiten wegen und daf�r, da� ich mich an deinem Busen ausweinen konnte. Aber ich werde tun, was sein mu�. Bestimmt. Ich mu�.</emphasis></p><p>Perrin blickte vorsichtig um die Ecke auf den sich entfernenden R�cken der Aes Sedai. Sie roch nach Lavendelseife, obwohl die meisten das noch nicht einmal aus der N�he bemerkt h�tten. Sobald sie au�er Sicht war, eilte er zur T�r der Krankenstation. Er hatte schon einmal versucht, Mat zu besuchen, und diese Aes Sedai � er hatte geh�rt, wie jemand Leane zu ihr gesagt hatte � h�tte ihm beinahe den Kopf abgerissen, ohne sich �berhaupt umzusehen, wer es war. Er f�hlte sich in Gegenwart von Aes Sedai nicht wohl, besonders wenn sie ihm in die Augen starrten.</p><p>Er blieb an der T�r kurz stehen und lauschte � er konnte zu beiden Seiten des Korridors keine Schritte h�ren und auch nichts von der anderen T�rseite her �, dann ging er hinein. Er schlo� die T�r leise hinter sich.</p><p>Die Krankenstation war ein langer Raum mit wei�get�nchten W�nden. Die Durchg�nge zu den Balkonen f�r die Bogensch�tzen an beiden Enden lie�en eine Menge Licht hereinfallen. Mat lag in einem der engen Betten an der Wand. Nach den Ereignissen des letzten Abends erwartete Perrin, da� die meisten Betten von M�nnern besetzt seien, aber er kam schnell darauf, da� die Festung ja voll von Aes Sedai war. Das einzige, was die Aes Sedai nicht mit ihrer Heilkunst vermeiden konnten, war der Tod. Aber f�r ihn roch der Raum trotzdem nach Krankheit.</p><p>Perrin verzog das Gesicht bei diesem Gedanken. Mat lag ruhig da, die Augen geschlossen und die H�nde auf der Bettdecke. Er wirkte ersch�pft. Nicht wirklich krank, eher als habe er drei Tage auf dem Acker geschuftet und sich jetzt gerade erst zum Schlafen niedergelegt. Er roch... irgendwie falsch. Es war nichts Greifbares. Einfach � falsch.</p><p>Perrin setzte sich vorsichtig auf das Bett neben dem Mats. Er machte alles vorsichtig. Er �berragte die meisten Menschen und war auch, so lange er sich zur�ckerinnern konnte, immer schon gr��er als die anderen Jungen gewesen. Er hatte einfach vorsichtig sein m�ssen, um niemanden aus Versehen zu verletzen oder Sachen zu besch�digen. Jetzt war es ihm l�ngst zur zweiten Natur geworden. Er �berlegte auch gern gr�ndlich und besprach sich manchmal mit anderen. <emphasis>Aber Rand bildet sich ein, er sei ein Lord, und so kann ich nicht mit ihm reden Mat wird sicher auch nicht viel zu sagen haben.</emphasis></p><p>Letzte Nacht war er in einen der G�rten gegangen, um nachzudenken. Er sch�mte sich bei der Erinnerung daran noch ein wenig. W�re er nicht gegangen, h�tte er sich statt dessen in seinem Zimmer befunden, dann w�re er mit Egwene und Mat gegangen und h�tte sie vielleicht davor bewahren k�nnen, verletzt zu werden. Wahrscheinlicher allerdings l�ge er jetzt wie Mat in einem dieser Betten oder w�re gar tot, aber das �nderte nichts an seinen Gef�hlen. Was auch immer, er war in den Garten gegangen, und was ihm jetzt Kopfzerbrechen bereitete, hatte nichts mit dem Angriff der Trollocs zu tun.</p><p>Dienerinnen und eine von Lady Amalisas Hofdamen, Lady Timora, hatten ihn gefunden, wie er dort in der Dunkelheit sa�. Sobald sie ihn gesehen hatten, schickte Timora eine der anderen los, und er hatte geh�rt, wie sie sagte: �Suche schnell Liandrin Sedai! Schnell!�</p><p>Sie hatten dagestanden und ihn beobachtet, als d�chten sie, er werde gleich wie ein Gaukler in einer Rauchwolke verschwinden. Das war zu der Zeit, als die erste Alarmglocke zu l�uten begann und jedermann in der Festung losgerannt war.</p><p>�Liandrin�, murmelte er jetzt. �Rote Ajah. Alles, was sie tun, ist M�nner zu jagen, die die Eine Macht ben�tzen k�nnen. Du glaubst doch nicht, da� sie mich f�r einen davon h�lt, oder?� Mat antwortete nat�rlich nicht. Perrin rieb sich reuevoll die Nase. �Jetzt f�hre ich schon Selbstgespr�che. Das geht nun wirklich nicht an.�</p><p>Mats Augenlider zuckten. �Wer... ? Perrin? Was ist passiert?� Seine Augen �ffneten sich nicht ganz, und seine Stimme klang, als schlafe er noch halb.</p><p>�Erinnerst du dich nicht, Mat?�</p><p>�Erinnern?� Mat hob sich schl�frig langsam eine Hand vors Gesicht und lie� sie dann seufzend wieder fallen. �Erinnere mich... Egwene. Bat mich... hinunterzugehen zu Fain.� Er lachte, und das Lachen wandelte sich zu einem G�hnen. �Sie bat nicht... hat es mir befohlen... Wei� nicht, was geschah... � Er schmatzte mit den Lippen und verfiel wieder in das tiefe, gleichm��ige Atmen des Schlafes.</p><p>Perrin sprang auf, als er das Ger�usch sich n�hernder Schritte h�rte, aber er fand keine Zuflucht. Er stand immer noch neben Mats Bett, als sich die T�r �ffnete und Leane hereinkam. Sie blieb stehen, stemmte die H�nde in die H�ften und musterte ihn langsam von oben bis unten. Sie war beinahe so gro� wie er.</p><p>�Also�, sagte sie in ruhigem, aber knappem Tonfall. �Du bist beinahe schon ein so h�bscher Junge, da� ich mir w�nschte, ich geh�rte zu den Gr�nen. Beinahe. Aber wenn du meinen Patienten gest�rt hast... na ja, ich bin mit Br�dern fertiggeworden, die fast so gro� waren wie du, bevor ich zur Wei�en Burg kam, also mu�t du nicht glauben, da� deine breiten Schultern dir helfen werden.�</p><p>Perrin r�usperte sich. In der H�lfte aller F�lle verstand er nicht, was Frauen meinten, wenn sie ihm so etwas sagten. <emphasis>Nicht wie Rand. Er wei� immer, was man M�dchen sagen mu�.</emphasis> Ihm wurde klar, da� er finster dreinblickte, und so machte er schnell wieder ein unbeteiligtes Gesicht. Er wollte nicht �ber Rand nachdenken wollte aber ganz gewi� auch keine Aes Sedai ver�rgern, besonders eine, die nun ungeduldig mit der Fu�spitze auf den Boden klopfte. ��h... ich habe ihn nicht gest�rt. Er schl�ft immer noch. Seht Ihr?�</p><p>�Tut er das? Gut f�r dich. Also, was machst du hier? Ich erinnere mich, da� ich dich schon einmal hinausgejagt habe. Du brauchst nicht zu denken, da� ich das nicht mehr wei�.�</p><p>�Ich wollte nur wissen, wie es ihm geht.�</p><p>Sie z�gerte. �Er schl�ft, und das gen�gt. In ein paar Stunden wird er aufstehen, und du wirst denken, es habe ihm nie etwas gefehlt.�</p><p>Als sie so z�gerte, str�ubten sich ihm die Nackenhaare. Irgendwie log sie. Aes Sedai logen niemals, aber sie sagten auch nicht immer die Wahrheit. Er war sich nicht sicher, was vorging � Liandrin suchte nach ihm, Leane log ihn an �, aber er glaubte, es sei an der Zeit, sich von den Aes Sedai abzusetzen. Er konnte auch nichts f�r Mat tun.</p><p>�Danke�, sagte er. �Dann lasse ich ihn wohl am besten schlafen. Entschuldigt mich.�</p><p>Er versuchte, um sie herum durch die T�r zu schl�pfen, aber pl�tzlich schossen ihre H�nde vor und ergriffen sein Gesicht. Sie zog es schr�g herunter, damit sie ihm in die Augen sehen konnte. Etwas schien ihn zu durchlaufen, eine warme Welle, die oben beim Kopf begann und bis zu den F��en schwappte und dann wieder zur�ck. Er zog den Kopf aus der Umklammerung ihrer H�nde.</p><p>�Du bist so gesund wie ein junges wildes Tier�, sagte sie und spitzte die Lippen. �Aber ich will ein Wei�mantel sein, wenn du mit diesen Augen geboren wurdest!�</p><p>�Das sind die einzigen Augen, die ich jemals hatte�, grollte er. Ihm war ein bi�chen kribbelig zumute, weil er in diesem Ton mit einer Aes Sedai sprach, aber er �berraschte sich selbst noch mehr, als er sie sanft an den Armen packte und auf die Seite hob. Er setzte sie neben der T�r wieder ab. Als sie sich ansahen, fragte er sich, ob seine Augen genauso vor Schreck geweitet seien wie ihre. �Entschuldigt mich�, sagte er nochmals und rannte beinahe aus der T�r.</p><p><emphasis>Meine Augen. Meine vom Licht verfluchten Augen!</emphasis> Die Morgensonne fiel auf seine Augen, und sie schimmerten wie mattes Gold.</p><p>Rand warf sich auf seinem Bett herum und versuchte, auf der d�nnen Matratze eine bequemere Lage zu finden. Sonnenschein fiel durch die Schie�scharten herein und f�rbte die kahlen Steinw�nde golden. Er hatte den Rest der Nacht �ber nicht geschlafen und war sicher, so m�de er sich auch f�hlte, da� er auch jetzt nicht schlafen konnte. Das Lederwams lag am Fu�boden zwischen seinem Bett und der Wand, aber davon abgesehen war er komplett angezogen. Sogar seine neuen Stiefel hatte er an. Sein Schwert hatte er an das Bett gelehnt, und Bogen sowie K�cher ruhten in einer Ecke auf den geb�ndelten Umh�ngen.</p><p>Er wurde das Gef�hl nicht los, da� er die Gelegenheit wahrnehmen sollte, die ihm Moiraine verschafft hatte, und sofort aufbrechen. Diesen Drang hatte er die ganze Nacht �ber gesp�rt. Dreimal war er aufgestanden, um zu gehen. Zweimal hatte er sogar schon die T�r ge�ffnet. Der Flur war bis auf ein paar Diener, die ihren n�chtlichen Aufgaben nachgingen, leer gewesen; der Weg frei. Aber er mu�te erst etwas in Erfahrung bringen.</p><p>Perrin kam mit gesenktem Kopf und g�hnend herein. Rand setzte sich auf. �Wie geht es Egwene? Und Mat?�</p><p>�Sie schl�ft, hat man mir gesagt. Sie lie�en mich nicht in das Frauenquartier, um sie zu besuchen. Mat ist... � Pl�tzlich blickte Perrin mit b�sem Gesicht den Boden an. �Wenn du daran so interessiert bist, warum bist du dann nicht selbst gegangen und hast ihn besucht? Ich dachte, du h�ttest kein Interesse mehr an uns. Das hast du selbst gesagt.� Er �ffnete sein Abteil des Kleiderschranks und kramte nach einem sauberen Hemd.</p><p>�Ich war auf der Krankenstation, Perrin. Es war eine Aes Sedai dort, die gro�e, die immer bei der Amyrlin steckt. Sie sagte, Mat schliefe und ich sei im Weg und k�nne sp�ter einmal wiederkommen. Sie klang wie Meister Thane, wenn er seine M�nner in der M�hle herumkommandierte. Du wei�t, wie Meister Thane ist: immer geht er gleich hoch, und man mu� alles beim ersten Mal richtig machen und zwar sofort!�</p><p>Perrin antwortete nicht. Er lie� lediglich seinen Mantel fallen und zog sich das Hemd �ber den Kopf aus.</p><p>Rand betrachtete einen Moment lang den R�cken seines Freundes und bem�hte sich dann um ein Lachen. �Willst du etwas h�ren? Wei�t du, was sie zu mir gesagt hat? Die Aes Sedai in der Krankenstation meine ich. Du hast gesehen, wie gro� sie ist. Genauso gro� wie die meisten M�nner. Eine Handbreit gr��er, und sie k�nnte mir beinahe geradewegs in die Augen schauen. Na ja, sie hat mich von oben bis unten gemustert und dann gemurmelt: �Gro� bist du. Wo warst du, als ich noch sechzehn war? Oder sogar drei�ig?� Und dann lachte sie, als sei es ein Scherz gewesen. Was h�ltst du davon?�</p><p>Perrin zog sich ein frisches Hemd �ber und sah ihn von der Seite her an. Mit seinen m�chtigen Schultern und dem Lockenkopf machte er auf Rand den Eindruck eines verwundeten B�ren. Eines B�ren, der nicht verstand, warum man ihn verwundet hatte.</p><p>�Perrin, es... �</p><p>�Wenn du dich �ber eine Aes Sedai lustig machen willst�, unterbrach Perrin ihn, �dann ist das deine Sache. Mein Lord.� Er stopfte sein Hemd in die Hose. �Ich verbringe nicht viel Zeit damit, mich � geistreich ist wohl der richtige Ausdruck � mich geistreich mit Aes Sedai zu unterhalten. Aber ich bin ja auch nur ein unbeholfener Hufschmied und k�nnte jemandem im Weg stehen. Mein Lord.� Er schnappte sich seinen Mantel vom Boden und ging in Richtung T�r.</p><p>�Licht noch mal, Perrin, es tut mir leid. Ich hatte Angst, und ich dachte, ich sei in Schwierigkeiten �vielleicht war ich das auch und bin es noch, ich wei� nicht �, und ich wollte dich und Mat nicht mit hineinziehen. Licht, letzte Nacht haben s�mtlich Frauen nach mir gesucht. Ich denke, das ist ein Teil der Schwierigkeiten, in denen ich mich befinde. Ich glaube es jedenfalls. Und Liandrin... Sie...� Er warf resignierend die H�nde hoch. �Perrin, glaub mir, du solltest in so etwas nicht hineingezogen werden.�</p><p>Perrin war stehengeblieben, aber er stand mit dem Gesicht zur T�r gewandt und drehte den Kopf nur soweit, da� Rand ein goldenes Auge sehen konnte. �Sie haben dich gesucht? Vielleicht suchten sie nach uns allen.�</p><p>�Nein, sie suchten nach mir. Ich w�nschte, es w�re nicht so, aber ich wei� es besser.�</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. �Liandrin suchte jedenfalls mich. Das wei� ich. Ich habe es geh�rt.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. �Warum sollte sie... ? Aber das �ndert nichts. Schau mal, ich habe das Maul aufgerissen und gesagt, was ich nicht sagen sollte. Ich habe es nicht so gemeint, Perrin. W�rdest du mir jetzt bitte sagen, wie es um Mat steht?�</p><p>�Er schl�ft. Leane � das ist die Aes Sedai � sagte, er werde in ein paar Stunden auf den Beinen sein.� Er zuckte unsicher die Achseln. �Ich glaube, sie hat gelogen. Ich wei�, Aes Sedai l�gen nie, jedenfalls nicht so, da� man sie dabei ertappen kann, aber sie log entweder oder hielt etwas zur�ck.� Er schwieg einen Moment lang und sah Rand von der Seite her an. �Du hast alles nicht so gemeint? Wir reisen hier zusammen ab? Du und ich und Mat?�</p><p>�Ich kann nicht, Perrin. Ich kann dir nicht sagen, warum, aber ich mu� wirklich all... Perrin, warte!�</p><p>Die T�r schlug hinter seinem Freund zu.</p><p>Rand lie� sich auf das Bett zur�ckfallen. �Ich kann es dir doch nicht sagen�, murmelte er. Er trommelte mit den F�usten auf die Seitenbretter des Bettes. �Ich kann nicht.�</p><p><emphasis>Aber du kannst jetzt gehen,</emphasis> sagte eine Stimme in seinem Hinterkopf. <emphasis>Egwene kommt wieder in Ordnung, und Mat wird in ein, zwei Stunden wieder aufstehen. Also kannst du jetzt gehen. Bevor Moiraine ihre Meinung �ndert.</emphasis></p><p>Er wollte sich gerade aufsetzen, als ihn ein lautes Klopfen an die T�r hochschie�en lie�. Falls das Perrin war � nein, der w�rde nicht anklopfen. Wieder klopfte es laut.</p><p>�Wer ist da?�</p><p>Lan schritt herein und schob die T�r mit dem Absatz seines Stiefels hinter sich zu. Wie �blich trug er sein Schwert �ber einem einfachen gr�nen Mantel, der im Wald kaum auffiel. Diesmal allerdings hatte er sich eine breite goldene Kordel oben um den linken Arm herumgebunden. Die Fransen am Ende hingen ihm fast bis zum Ellbogen. Auf den Knoten war ein fliegender goldener Kranich aufgesteckt, das Wahrzeichen von Malkier.</p><p>�Die Amyrlin will dich sehen, Schafhirte. So kannst du aber nicht gehen. Zieh ein anderes Hemd an, und k�mm dir auch die Haare. Du siehst aus wie ein Heuhaufen.� Er ri� den Kleiderschrank auf und kramte in den Kleidern, die Rand hatte zur�cklassen wollen.</p><p>Rand stand stocksteif da. Er hatte das Gef�hl, von einem Hammer auf den Kopf getroffen worden zu sein. Nat�rlich hatte er das auf gewisse Weise erwartet, aber er war sicher gewesen, bereits nicht mehr da zu sein, wenn die Ladung erfolgte. <emphasis>Sie wei� Bescheid. Licht, da bin ich ganz sicher.</emphasis> �Was meinst du damit, sie will mich sehen? Ich bin im Gehen, Lan. Du hattest recht. Ich wollte gerade zum Stall gehen, mein Pferd holen und losreiten.�</p><p>�Das h�ttest du gestern abend tun sollen.� Der Beh�ter warf ein wei�es Seidenhemd auf das Bett. �Niemand weigert sich, zu einer Audienz bei der Amyrlin zu gehen, Schafhirte. Nicht einmal der Kommandeur der Wei�m�ntel w�rde das wagen. Pedron Niall w�rde vielleicht den Weg dorthin ben�tzen, um Mordpl�ne zu schmieden, f�r den Fall, da� er sie ausf�hren und heil wieder herauskommen k�nnte, aber kommen w�rde er.� Er wandte sich mit einem der hochgeschlossenen M�ntel in der Hand Rand zu und hielt ihn hoch. �Der hier geht.� Verschlungene wilde Rosen mit langen Dornen schlangen sich in einer breiten, mit Gold besetzten Borte um die �rmel und Manschetten. Auf dem goldbesetzten Kragen waren ebenso goldene Reiher zu sehen. �Auch die Farbe stimmt.� Er schien sich �ber irgend etwas zu am�sieren oder wirkte zumindest befriedigt. �Los, komm, Schafhirte. Wechsle dein Hemd. Beweg dich!�</p><p>Z�gernd streifte Rand das rauhe Arbeitshemd �ber den Kopf. �Ich f�hle mich wie ein Narr�, sagte er leise. �Ein Seidenhemd! Ich habe noch nie in meinem Leben ein Seidenhemd getragen. Und auch noch nie so einen feinen Mantel � nicht einmal an einem Feiertag.� Licht, wenn Perrin mich darin sieht... <emphasis>Licht noch mal, nach all diesem idiotischen Geschw�tz von mir, ein Lord zu sein, wird er nie wieder auf mich h�ren, wenn er mich darin sieht.</emphasis></p><p>�Du kannst nicht wie ein frisch vom Stall gekommener Laufbursche vor die Amyrlin treten, Schafhirte. La� mich mal deine Stiefel sehen. Die sind in Ordnung. Also, los dann, auf! Man l��t die Amyrlin nicht warten. Trag dein Schwert.�</p><p>�Mein Schwert!� Das Seidenhemd �ber seinem Kopf d�mpfte Rands Aufschrei. Er zog es mit einem Ruck ganz herunter. �In den Frauenquartieren! Lan, wenn ich zu einer Audienz mit der Amyrlin � der Amyrlin! � gehe und dabei ein Schwert trage, wird sie... �</p><p>�Gar nichts tun�, unterbrach ihn Lan trocken. �Falls die Amyrlin vor dir Angst hat � und es ist besser f�r dich, wenn du das nicht glaubst, denn ich kenne nichts, was dieser Frau Angst einjagen w�rde �, dann gewi� nicht eines Schwertes wegen. Nun denke daran: wenn du vor sie trittst, kniest du nieder. Nat�rlich nur auf ein Knie, ja?� f�gte er scharf hinzu. �Du bist nicht irgendein Kaufmann, den man beim falschen Abwiegen erwischt hat. Vielleicht solltest du es kurz mal �ben.�</p><p>�Ich glaube, ich wei�, wie es geht. Ich sah, wie die k�nigliche Garde vor K�nigin Morgase kniete.�</p><p>Ein Anflug von L�cheln spielte um den Mund des Beh�ters. �Ja, mache es genau wie sie. Das wird ihnen zu denken geben.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. �Warum sagst du mir das, Lan? Du bist Beh�ter. Du handelst, als w�rst du auf meiner Seite.�</p><p>�Ich bin auf deiner Seite, Schafhirte. Ein wenig. Genug, um dir auch ein wenig zu helfen.� Das Gesicht des Beh�ters war steinern und mitf�hlende Worte in dieser rauhen Stimme klangen eigenartig. �Was du an �bung hattest, habe ich dir vermittelt, und ich will nicht, da� du kriechst und bettelst. Das Rad webt uns alle in das Muster hinein, wie es will. Du hast weniger Bewegungsfreiheit als die meisten in dieser Hinsicht, aber beim Licht, du kannst deinem Schicksal wenigstens aufrecht entgegensehen. Denke daran, wer die Amyrlin ist, Schafhirte, und zeige den ihr zustehenden Respekt, aber tu auch, was ich dir sage, und blicke ihr ins Auge. Na, und nun steh nicht da und halte Maulaffen feil. Steck dein Hemd hinein.�</p><p>Rand schlo� den Mund und stopfte das Hemd in die Hose. <emphasis>Daran denken, wer sie ist? Licht noch mal, ich w�rde etwas darum geben, wenn ich vergessen k�nnte, wer sie ist!</emphasis></p><p>Lan fuhr mit seinen Instruktionen fort, w�hrend Rand in den roten Mantel schl�pfte und sein Schwert g�rtete. Was er sagen sollte und zu wem und was er nicht sagen sollte. Was er tun sollte und was nicht. Sogar, wie er sich bewegen sollte. Er war nicht sicher, ob er alles im Kopf behalten konnte � das meiste klang eigenartig und leicht zu vergessen �, doch er war sicher, das, was er verga�, w�rde bestimmt geeignet sein, die Aes Sedai w�tend zu machen. <emphasis>Wenn sie das nicht schon sind. Wenn Moiraine es der Amyrlin gesagt hat, wem dann noch?</emphasis></p><p>�Lan, warum kann ich nicht einfach auf dem Weg fortlaufen, den ich geplant hatte? Wenn ihr schlie�lich klar ist, da� ich nicht komme, bin ich schon eine Meile weit weg und galoppiere frei davon.�</p><p>�Und sie w�rde Kundschafter auf deine F�hrte jagen, bevor du zwei Meilen weg w�rst. Was die Amyrlin will, Schafhirte, das bekommt sie.� Er zog Rands Schwertgurt zurecht, so da� die schwere Schnalle genau in der Mitte war. �Was ich tue, ist f�r dich das beste von allem, was in meiner Macht steht. Glaub es mir ruhig.�</p><p>�Aber warum all das? Was hat es zu bedeuten? Warum lege ich mir die Hand aufs Herz, wenn die Amyrlin aufsteht? Warum lehne ich alles bis auf Wasser ab � nicht, da� ich mit ihr essen m�chte �, und tr�pfle dann etwas auf den Boden und sage: �Das Land d�rstet�? Und wenn sie mich fragt, wie alt ich bin, warum soll ich ihr dann sagen, wie lange es her ist, seit ich das Schwert bekam? Ich verstehe die H�lfte von dem nicht, was du mir gesagt hast.�</p><p>�Drei Tropfen, Sch�fer, und nicht gie�en. Du verspritzt lediglich drei Tropfen. Du kannst es sp�ter verstehen; Hauptsache, du erinnerst dich jetzt daran.</p><p>Nimm es eben als Br�uche, die man aufrechterhalten mu�. Die Amyrlin wird dich behandeln, wie sie mu�. Wenn du glaubst, du k�nntest es vermeiden, dann glaubst du auch, du k�nntest wie Lenn zum Mond fliegen. Du kannst nicht entkommen, aber vielleicht kannst du ihr eine Weile lang die Stirn bieten und wenigstens dabei deinen Stolz bewahren. Licht, verseng mich, ich verschwende wahrscheinlich meine Zeit, aber ich habe gerade nichts Besseres zu tun. Halt still!� Der Beh�ter zog ein St�ck einer langen, goldenen Kordel mit Fransen am Ende aus seiner Tasche und band sie mit einem komplizierten Knoten um Rands linken Arm. Auf den Knoten steckte er eine rot emaillierte Anstecknadel: einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen. �Ich lie� das anfertigen, um es dir zu geben, und das kann ich genausogut jetzt gleich tun. Das wird ihnen zu denken geben.� Diesmal gab es keinen Zweifel: Der Beh�ter l�chelte.</p><p>Rand sah mit sorgenvollem Gesicht auf die Nadel hinunter. <emphasis>Caldazar.</emphasis> Der Rote Adler von Manetheren. �Ein Dorn im Fu� des Dunklen K�nigs�, murmelte er, �und ein Stachel in seiner Hand.� Er blickte den Beh�ter an. �Manetheren ist l�ngst tot und vergessen, Lan. Es ist nur noch ein Name in einem Buch. Es gibt nur die Zwei Fl�sse. Was ich auch sonst sein mag, ich bin Sch�fer und Bauer. Das ist alles.�</p><p>�Nun, das Schwert, das nicht zerbrochen werden konnte, splitterte am Ende doch, aber es k�mpfte bis zum letzten Hieb gegen den Schatten. Es gibt eine Regel, die �ber allem steht, wenn man ein Mann ist: Was auch kommt, tritt ihm aufrecht entgegen. Bist du jetzt fertig? Die Amyrlin wartet.�</p><p>Mit einem eiskalten Klo� im Magen folgte Rand dem Beh�ter in den Flur.</p></section><section><title><p>8</p><p>Der Wiedergeborene Drache</p></title><p>Rand schritt anfangs steifbeinig und nerv�s neben dem Beh�ter her. <emphasis>Tritt ihm aufrecht entgegen.</emphasis> Lan hatte leichtes Reden. Er war nicht zur Amyrlin bestellt worden. Er mu�te sich nicht fragen, ob er eine D�mpfung erfahren sollte, bevor noch der Tag vor�ber war, oder gar noch Schlimmeres. Rand f�hlte sich, als sei ihm etwas im Hals steckengeblieben; er konnte nicht schlucken, so sehr er sich auch bem�hte.</p><p>Die G�nge waren voll mit Leuten: Dienern, die ihre morgendlichen Auftr�ge erf�llten, und Kriegern, die �ber die Morgenm�ntel Schwerter geg�rtet hatten. Ein paar kleine Jungen mit ebenso kleinen �bungsschwertern in den H�nden hielten sich dicht an den Erwachsenen, die sie begleiteten, und ahmten deren Gang nach. Kein Zeichen des Kampfes war mehr zu sehen, aber selbst die Kinder schienen irgendwie alarmbereit. Die erwachsenen M�nner wirkten wie Katzen, die auf ein Rudel Ratten warteten.</p><p>Ingtar warf Rand und Lan einen eigenartigen Blick zu, fast besorgt, und �ffnete den Mund, sagte aber nichts, als sie an ihm vorbeigingen. Kajin, gro� und hager und bla�, schwenkte die F�uste �ber dem Kopf und rief: <emphasis>�Tai'shar Malkier! Tai'shar Manetheren!�</emphasis> Das wahre Blut von Malkier. Das wahre Blut von Manetheren.</p><p>Rand fuhr zusammen. <emphasis>Licht, warum hat er das gesagt? Sei kein Narr,</emphasis> sagte er sich dann. <emphasis>Hier kennen alle Manetheren. Sie kennen jede alte Geschichte, falls darin K�mpf vorkommen. Licht noch mal, ich mu� mich zusammenrei�en.</emphasis></p><p>Lan hob die F�uste zur Antwort. <emphasis>�Tai'shar Schienar!�</emphasis></p><p>Falls er jetzt losrannte, k�nnte er dann lange genug in der Menge untertauchen, um sein Pferd zu erreichen? <emphasis>Wenn sie mir Kundschafter nachschickt...</emphasis> Mit jedem Schritt wuchs seine innere Anspannung.</p><p>Als sie sich den Frauenquartieren n�herten, bellte Lan pl�tzlich: �Die Katze l�uft �ber den Hof!�</p><p>�berrascht nahm Rand ganz instinktiv die Haltung beim Gehen ein, die ihm Lan beigebracht hatte, mit geradem R�cken, aber entspannten Muskeln, als hinge er mit dem Kopf an einem Draht. Es war ein entspanntes, beinahe �berhebliches Schreiten. Entspannt allerdings nur �u�erlich; innen sah es anders aus. Er hatte keine Zeit, sich seiner eigenen Haltung bewu�t zu werden. Sie kamen im Gleichschritt um die letzte Ecke.</p><p>Die Frauen am Eingang der Frauenquartiere blickten ruhig auf, als sie sich n�herten. Einige sa�en hinter schr�g gekippten Tischen, suchten in gro�formatigen B�chern herum und machten gelegentlich Eintr�ge. Andere strickten oder arbeiteten mit Nadeln und Stickhaken. Damen in Seide hielten hier Wache, genau wie livrierte Dienerinnen. Die gro�en Torfl�gel standen offen, unbewacht bis auf die Frauen. Mehr war nicht n�tig. Kein Schienarer w�rde uneingeladen eintreten, aber jeder schienarische Mann war bereit, das Tor zu verteidigen, wenn es n�tig war, aber die Notwendigkeit w�rde ihn erschrecken.</p><p>Rands Magen brannte. Es stie� ihm sauer auf. <emphasis>Sie werden einen Blick auf unsere Schwerter werfen und uns wieder wegschicken. Aber das ist mir doch gerade recht, oder? Wenn sie uns wegschicken, kann ich vielleicht immer noch fliehen. Falls sie nicht die Wachen rufen.</emphasis> Er hielt sich an die von Lan vorgegebene Fechthaltung wie an einen schwimmenden Ast in der Flut. Das war das einzige, was ihn davon abhielt, sich umzudrehen und wegzurennen.</p><p>Eine der Hofdamen Lady Amalisas, Nisura, eine Frau mit rundem Gesicht, legte ihr Stickzeug zur Seite und stand auf, als sie stehenblieben. Ihr Blick huschte �ber ihre Schwerter, und ihre Mundpartie spannte sich, doch sie sagte nichts. Alle Frauen hielten in ihren T�tigkeiten inne und beobachteten sie schweigend und gespannt. �Ehre Euch beiden�, sagte Nisura mit einem leichten Nicken. Sie sah Rand an, aber so schnell, da� er kaum sicher sein konnte, es wirklich bemerkt zu haben. Das erinnerte ihn an Perrins Worte. �Die Amyrlin erwartet Euch.� Sie machte eine Bewegung, und zwei andere Damen � keine Dienerinnen; man ehrte sie wirklich � traten vor, um sie zu begleiten. Die Frauen verbeugten sich eine Idee tiefer als vorher Nisura und bedeuteten ihnen, durch das Tor einzutreten. Beide sahen Rand aus den Augenwinkeln an, und dann beachteten sie ihn nicht weiter.</p><p><emphasis>Suchten sie nach uns allen oder nur nach mir? Warum nach uns allen?</emphasis></p><p>Drinnen erregten sie das von Rand erwartete Aufsehen � zwei M�nner in den Frauenquartieren, wo M�nner so selten zu sehen waren �, und ihre Schwerter verursachten einiges Stirnrunzeln, doch keine der Frauen sagte ein Wort. Hinter sich lie�en die beiden M�nner angeregte Unterhaltungen zur�ck, leises Gemurmel, zu leise, als da� Rand es h�tte verstehen k�nnen. Lan schritt weiter, als bemerke er es nicht. Rand lief hinter ihren Begleiterinnen her und w�nschte, er k�nne lauschen.</p><p>Und dann kamen sie zu den Gem�chern der Amyrlin. Vor der T�r im Flur standen drei Aes Sedai. Die gro�e Aes Sedai, Leane, hatte ihren Stab mit der goldenen Flamme in der Hand. Rand kannte die beiden anderen nicht. Nach den Fransen ihrer Stolen zu schlie�en, geh�rte die eine zu den Wei�en Ajah und die andere zu den Gelben. Er erinnerte sich allerdings an ihre Gesichter. Sie hatten ihn angestarrt, als er durch die gleichen G�nge gelaufen war. Glatte Aes-Sedai-Gesichter mit wissenden Augen. Sie musterten ihn mit hochgezogenen Augenbrauen und gespitzten Lippen. Die Damen, die Rand und Lan hergebracht hatten, knicksten und �bergaben sie an die Aes Sedai.</p><p>Leane betrachtete Rand mit einem leichten L�cheln. Aber trotz des L�chelns klang ihre Stimme scharf. �Was habt Ihr der Amyrlin heute mitgebracht, Lan Gaidin? Einen jungen L�wen? La�t ihn besser von keiner Gr�nen sehen, sonst wird eine von ihnen ihn sich zuschw�ren lassen, bevor er noch bis drei z�hlen kann. Die Gr�nen binden sie gern an sich, wenn sie noch jung sind.�</p><p>Rand fragte sich, ob es wirklich m�glich sei, unter der Haut auch noch zu schwitzen. Er f�hlte sich danach. Er wollte gern Lan anblicken, doch er erinnerte sich an diesen Teil der Instruktionen des Beh�ters. �Ich bin Rand al'Thor, Sohn des Tam al'Thor aus dem Gebiet der Zwei Fl�sse, das einst Manetheren war. Wie ich von der Amyrlin berufen wurde, Leane Sedai, so erscheine ich vor Euch. Ich bin bereit.� Er war �berrascht dar�ber, da� seine Stimme nicht einmal gezittert hatte.</p><p>Leane blinzelte, und ihr L�cheln wandelte sich zu einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. �Das soll ein Sch�fer sein, Lan Gaidin? Heute morgen war er nicht so selbstsicher.�</p><p>�Er ist ein Mann, Leane Sedai�, sagte Lan mit fester Stimme, �nicht mehr und nicht weniger. Wir sind, was wir sind.�</p><p>Die Aes Sedai sch�ttelte den Kopf. �Die Welt wird jeden Tag seltsamer. Ich sch�tze, der Hufschmied wird noch einmal eine Krone tragen und h�fische Sprache gebrauchen. Wartet hier.� Sie verschwand nach drinnen, um ihr Kommen anzuk�ndigen.</p><p>Sie war erst wenige Momente weg, aber Rand war sich der Blicke der anderen Aes Sedai nur zu bewu�t. Er war nerv�s. Er bem�hte sich, ihre Blicke gleichm�tig zu erwidern, wie es ihm Lan beigebracht hatte, und da steckten sie die K�pfe zusammen und fl�sterten miteinander. Was sagen sie? Was wissen sie? Licht, werden sie mich einer D�mpfung unterziehen? War es das, was Lan meinte, als er sagte, ich solle allem, was kommt, aufrecht entgegentreten?</p><p>Leane kehrte zur�ck und bedeutete Rand, hineinzugehen. Als Lan ihm folgen wollte, stellte sie ihren Stab vor ihn hin und hinderte ihn daran. �Ihr nicht, Lan Gaidin. Moiraine Sedai hat eine Aufgabe f�r Euch. Euer L�wenjunges ist auch allein sicher genug.�</p><p>Die T�r schwang hinter Rand zu, doch zuvor hatte er noch Lans Stimme vernommen, wild und stark und doch leise, nur f�r seine Ohren bestimmt: <emphasis>�Tai'shar Manetheren!�</emphasis></p><p>Moiraine sa� auf einer Seite des Raumes, und eine der Braunen Aes Sedai, die er im Kerker gesehen hatte, sa� auf der anderen, doch es war die Frau auf dem hohen Stuhl hinter dem breiten Tisch, die seinen Blick fesselte. Man hatte die Vorh�nge teilweise vor die Schie�scharten gezogen, aber die L�cken dazwischen lie�en genug blendendes Licht hereinfallen, da� es schwer war, ihre Gesichtsz�ge klar zu erkennen. Trotzdem erkannte er sie nat�rlich. Die Amyrlin.</p><p>Schnell fiel er auf ein Knie nieder, die Linke am Griff seines Schwertes, die rechte Faust auf dem gemusterten L�ufer, und beugte das Haupt. �Wie Ihr mich berufen habt, Mutter, so erscheine ich. Ich bin bereit.� Er hob den Kopf rechtzeitig, um zu sehen, wie sie die Augenbrauen hochzog.</p><p>�Tats�chlich, Junge?� Sie klang beinahe erheitert. Und noch etwas schwang mit, das er nicht definieren konnte. Aber sie sah jedenfalls keineswegs erheitert aus. �Steh auf, Junge, und la� mich einen Blick auf dich werfen.�</p><p>Er richtete sich auf und bem�hte sich um ein entspanntes Gesicht. Es kostete M�he, die H�nde nicht zu F�usten zu ballen. <emphasis>Drei Aes Sedai. Wie viele m�ssen es sein, um einen Mann einer D�mpfung zu unterziehen? Hinter Logain haben sie ein Dutzend oder mehr hergeschickt. W�rde Moiraine mir das antun?</emphasis> Er sah der Amyrlin gerade in die Augen. Sie blinzelte nicht.</p><p>�Setz dich, Junge�, sagte sie schlie�lich und deutete auf einen Stuhl mit Sprossenlehne, den man direkt vor den Tisch gestellt hatte. �Das hier dauert eine Weile, f�rchte ich.�</p><p>�Danke, Mutter.� Er beugte das Haupt, wie Lan es ihm gesagt hatte, sah den Stuhl an und ber�hrte sein Schwert. �Wenn Ihr erlaubt, Mutter, werde ich stehen. Die Wache ist nicht vor�ber.�</p><p>Die Amyrlin gab einen verzweifelten Laut von sich und blickte zu Moiraine hin�ber. �Hast du Lan auf ihn losgelassen, Tochter? Es wird schon schwer genug werden, ohne da� er auch noch die Sitten der Beh�ter annimmt.�</p><p>�Lan hat alle Jungen unterrichtet, Mutter�, antwortete Moiraine ruhig. �Er hat diesem hier nur etwas mehr Zeit gewidmet als den anderen, weil er ein Schwert tr�gt.�</p><p>Die Braune Aes Sedai rutschte auf ihrem Stuhl nach vorn. �Die Gaidins sind starrk�pfig und stolz, Mutter, aber auch n�tzlich. Ich k�nnte nicht ohne Tomas sein, wie Ihr nicht ohne Alric. Ich habe sogar schon ein paar Rote geh�rt, die sagten, manchmal h�tten sie auch gern einen Beh�ter. Und die Gr�nen nat�rlich... �</p><p>Die drei Aes Sedai ignorierten ihn jetzt alle. �Dieses Schwert�, sagte die Amyrlin. �Es scheint ein Reiherschwert zu sein. Wie ist er denn dazu gekommen, Moiraine?�</p><p>�Tam al'Thor verlie� die Zwei Fl�sse als Junge, Mutter. Er schlo� sich dem Heer von Illian an und diente dort im Wei�mantelkrieg und in den letzten beiden Kriegen gegen Tear. Mit der Zeit stieg er zum Schwertmeister auf und wurde Zweiter Hauptmann der Gef�hrten. Nach dem Aielkrieg kehrte Tam al'Thor mit einer Frau aus Caemlyn und einem wenige Monate alten Jungen in die Zwei Fl�sse zur�ck. Ich h�tte mir viel ersparen k�nnen, h�tte ich das alles fr�her gewu�t, doch nun wei� ich es.�</p><p>Rand starrte Moiraine an. Er wu�te, da� Tam die Zwei Fl�sse verlassen hatte und mit einer ausl�ndischen Frau und dem Schwert zur�ckgekehrt war, aber der Rest... <emphasis>Wo hast du das alles erfahren? Jedenfalls nicht in Emondsfeld. Es sei denn, Nynaeve hat dir mehr erz�hlt, als sie mir jemals sagte. Ein wenige Monate alter Junge. Sie spricht nicht von einem Sohn. Aber das bin ich.</emphasis></p><p>�Gegen Tear.� Die Amyrlin zog die Stirn ein wenig kraus. �Na ja, an diesen Kriegen waren wohl beide Seiten schuld. N�rrische M�nner, die lieber k�mpften, als zu verhandeln. Kannst du feststellen, ob die Klinge echt ist, Verin?�</p><p>�Es gibt die M�glichkeit der Probe, Mutter.� �Dann nimm es und stell es fest, Tochter.�</p><p>Die drei Frauen sahen ihn noch nicht einmal an. Rand trat zur�ck und packte den Schwertgriff mit aller Kraft. �Mein Vater gab mir dieses Schwert�, sagte er zornig. �Niemand nimmt es mir ab.� Erst dann bemerkte er da� sich Verin nicht von ihrem Stuhl wegbewegt hatte. Er sah sie verwirrt an und bem�hte sich, sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden.</p><p>�Also�, sagte die Amyrlin, �hast du durchaus Kampfgeist, abgesehen davon, was Lan dir vermittelt hat. Gut. Du wirst ihn brauchen.�</p><p>�Ich bin, was ich bin, Mutter.� Er brachte es einigerma�en �berzeugend heraus. �Ich bin bereit f�r das, was kommt.�</p><p>Die Amyrlin verzog das Gesicht. �Lan hat dich wirklich gut vorbereitet. H�r mal zu, Junge. In wenigen Stunden wird Ingtar aufbrechen, um das gestohlene Horn zu suchen. Dein Freund Mat wird mit ihm gehen. Ich denke, da� auch dein anderer Freund � Perrin? �mitkommt. Willst du sie begleiten?�</p><p>�Mat und Perrin gehen mit? Warum?� Versp�tet erinnerte er sich daran, ein respektvolles �Mutter� hinzuzuf�gen.</p><p>�Du wei�t von dem Dolch, den dein Freund trug?� Ein Verziehen ihres Mundes deutete an, was sie von dem Dolch hielt. �Auch der wurde gestohlen. Wenn er nicht gefunden wird, kann die Verbindung zwischen ihm und der Klinge nicht vollst�ndig beseitigt werden, und er wird sterben. Du kannst mit ihnen reiten, wenn du willst. Oder du kannst hier bleiben. Zweifellos wird Lord Agelmar dich als Gast hierbehalten, solange du willst. Ich reise heute ebenfalls ab. Moiraine Sedai wird mit mir kommen, genauso wie Egwene und Nynaeve. Wenn du bleibst, bist du also allein. Die Entscheidung liegt bei dir.�</p><p>Rand starrte sie an. <emphasis>Sie sagt, ich k�nne gehen, wie ich will. Hat sie mich deshalb holen lassen? Mat stirbt!</emphasis> Er sah Moiraine an, die teilnahmslos mit im Scho� gefalteten H�nden dasa�. Sie wirkte, als k�nne nichts auf der Welt sie weniger interessieren als die Frage, wohin er ging. <emphasis>Wohin versuchst du mich als Spielfigur zu schieben, Aes Sedai? Licht noch mal, ich werde nicht mitspielen. Aber falls Mat stirbt... Ich kann ihn nicht im Stich lassen. Licht, wie sollen wir denn diesen Dolch finden?</emphasis></p><p>�Du mu�t dich jetzt noch nicht entscheiden�, sagte die Amyrlin. Auch sie schien es wenig zu k�mmern. �Aber du mu�t dich entscheiden, bevor Ingtar aufbricht.�</p><p>�Ich werde mit Ingtar reiten, Mutter.�</p><p>Die Amyrlin nickte abwesend. �Nun, da das gekl�rt ist, k�nnen wir uns wichtigeren Dingen zuwenden. Ich wei�, da� du die Macht ben�tzt, Junge. Was wei�t du selbst dar�ber?�</p><p>Rands Mund klappte auf. Durch seine Sorge um Mat abgelenkt, trafen ihn ihre beil�ufig ge�u�erten Worte wie ein Hammerschlag. Alle Ratschl�ge und Anweisungen Lans wirbelten davon. Er blickte sie stumm an und leckte sich die Lippen. Es war eine Sache, zu glauben, sie wisse Bescheid, aber eine ganz andere, herauszufinden, da� sie es wirklich wu�te. Schlie�lich trat ihm der Schwei� auf die Stirn.</p><p>Sie beugte sich auf ihrem Stuhl vor und erwartete seine Antwort. Er hatte allerdings das Gef�hl, sie wolle sich eher zur�cklehnen. Er dachte daran, was Lan gesagt hatte. <emphasis>Wenn sie Angst vor dir hat...</emphasis> Er wollte lachen. Wenn <emphasis>sie</emphasis> Angst vor <emphasis>ihm</emphasis> hatte.</p><p>�Nein, kann ich nicht. Ich meine... Ich habe es nicht mit Absicht getan. Es ist einfach passiert. Ich will nicht... die Macht lenken. Ich werde es nie wieder tun. Das schw�re ich.�</p><p>�Du willst es nicht�, sagte die Amyrlin. �Nun, das ist klug von dir. Und auch gleichzeitig n�rrisch. Einigen kann man das Lenken der Macht beibringen, den meisten aber nicht. Einige wenige jedoch tragen die Saat schon bei der Geburt in sich. Fr�her oder sp�ter ben�tzen sie die Eine Macht, ob sie wollen oder nicht, so sicher, wie aus Rogen Fisch wird. Du wirst weiterhin die Macht ben�tzen, Junge. Du kannst nichts dagegen machen. Und du solltest sie besser zu lenken <emphasis>lernen,</emphasis> lernen, wie man sie beherrscht, oder du lebst nicht lange genug, um wahnsinnig zu werden. Die Eine Macht t�tet alle die ihren Flu� nicht beherrschen k�nnen.�</p><p>�Wie soll ich es denn lernen?� wollte er wissen. Moiraine und Verin sa�en einfach nur unbeeindruckt da und beobachteten ihn. <emphasis>Wie Spinnen.</emphasis> �Wie? Moiraine behauptet, sie k�nne mir nichts beibringen und ich wisse nicht, wie ich lernen k�nne oder so was. Ich will ja sowieso nicht. Ich will aufh�ren! K�nnt Ihr das nicht verstehen? Aufh�ren will ich!�</p><p>�Ich habe dir die Wahrheit gesagt, Rand�, sagte Moiraine. Es klang, als bef�nde sie sich in einer angenehmen Unterhaltungsrunde. �Diejenigen, die dich lehren k�nnten, die m�nnlichen Aes Sedai, sind seit dreitausend Jahren tot. Keine lebende Aes Sedai kann dir beibringen, wie du <emphasis>Saidin</emphasis> ber�hren kannst, genausowenig, wie du es erlernen k�nntest, <emphasis>Saidar</emphasis> zu ber�hren. Ein Vogel kann einem Fisch nicht das Fliegen beibringen und ein Fisch keinem Vogel, wie man schwimmt.�</p><p>�Ich habe das schon immer f�r eine falsche Redensart gehalten�, warf Verin pl�tzlich ein. �Es gibt V�gel, die tauchen und schwimmen k�nnen. Und im Meer der St�rme gibt es fliegende Fische. Sie breiten lange Flossen aus, die beinahe soweit reichen wie ausgestreckte Arme, und sie haben Schn�bel wie Schwerter, die selbst einen... � Ihre Worte wurden leiser und unverst�ndlich, und sie schien verwirrt. Moiraine und die Amyrlin blickten sie ausdruckslos an.</p><p>Rand ben�tzte die Unterbrechung, um wenigstens einigerma�en die Selbstbeherrschung wieder zu erlangen. Wie Tam es ihn vor langer Zeit gelehrt hatte, formte er in seinem Geist eine einzelne Flamme und leerte seine �ngste hinein, suchte die Leere, die Ruhe des Nichts. Die Flamme schien zu wachsen, bis sie alles umh�llte, bis sie zu gro� war, um noch l�nger im Geist festgehalten zu werden. Mit einem Schlag war sie verschwunden, und statt ihrer f�hlte er inneren Frieden. An dessen Rand flackerten immer noch Gef�hle auf. Furcht und Zorn wirkten wie schwarze Flecke, aber das Nichts blieb erhalten. Gedanken glitten �ber seine Oberfl�che wie Kieselsteine �ber Eis. Die Aufmerksamkeit der Aes Sedai hatte sich nur einen Moment lang von ihm abgewandt, aber als sie sich wieder umdrehten, war sein Gesicht entspannt.</p><p>�Warum sprecht Ihr so mit mir, Mutter?� fragte er. �Ihr solltet mich einer D�mpfung unterziehen.�</p><p>Die Amyrlin runzelte die Stirn und wandte sich Moiraine zu. �Hat Lan ihm das beigebracht?�</p><p>�Nein, Mutter. Er hat es von Tam al'Thor.�</p><p>�Warum?� wollte Rand erneut wissen.</p><p>Die Amyrlin sah ihm direkt in die Augen und sagte: �Weil du der Wiedergeborene Drache bist.�</p><p>Das Nichts schwankte. Die Welt schwankte. Alles schien sich um ihn zu drehen. Er konzentrierte sich auf das Nichts, und die Leere kehrte zur�ck, die Welt stabilisierte sich. �Nein, Mutter. Ich kann die Macht lenken, Licht, hilf mir, aber ich bin nicht Raolin Dunkelbann oder Guaire Amalasin oder Yurian Steinbogen. Ihr k�nnt mich d�mpfen oder t�ten oder mich gehen lassen aber ich werde nicht zu einem zahmen falschen Drachen an der Leine Tar Valons.�</p><p>Er h�rte, wie Verin nach Luft schnappte, und sah, wie sich die Augen der Amyrlin weiteten. Ihr Blick war so hart wie blauer Fels. Es ber�hrte ihn nicht; er glitt an dem Nichts in seinem Inneren ab. �Wo hast du diese Namen her?� wollte die Amyrlin wissen. �Wer sagte dir, da� Tar Valon <emphasis>irgendeinen</emphasis> falschen Drachen am G�ngelband hat?�</p><p>�Ein Freund, Mutter�, sagte er. �Ein Gaukler. Er hie� Thom Merrilin. Jetzt ist er tot.� Moiraine gab ein Ger�usch von sich, und er sah zu ihr hin�ber. Sie behauptete, Thom sei nicht tot, aber sie hatte niemals einen Beweis erbracht, und er konnte sich nicht vorstellen, da� ein Mann eine direkte Konfrontation mit einem Blassen �berleben konnte. Der Gedanke kam von au�en und verbla�te schnell. Es gab nur noch das Nichts und das Einssein damit.</p><p>�Du bist kein falscher Drache�, sagte die Amyrlin mit �berzeugung. �Du bist der wahre Wiedergeborene Drache.�</p><p>�Ich bin ein Sch�fer von den zwei Fl�ssen, Mutter.�</p><p>�Tochter, erz�hle ihm die Geschichte. Eine <emphasis>wahre</emphasis> Geschichte, Junge. H�r gut zu!�</p><p>Moiraine begann zu erz�hlen. Rand blickte weiter die Amyrlin an, h�rte aber aufmerksam zu.</p><p>�Vor beinahe zwanzig Jahren �berquerten die Aiel das R�ckgrat der Welt, den Drachenwall � das einzige Mal in ihrer Geschichte. Sie w�teten in Cairhien, vernichteten jedes Heer, das gegen sie ausgesandt wurde, brannten die Stadt Cairhien nieder und k�mpften sich bis Tar Valon durch. Es war Winter, und es schneite, doch K�lte oder Hitze bedeuten einem Aiel wenig. Die endg�ltige Schlacht, die letzte, die z�hlte, wurde au�erhalb der Leuchtenden Mauer geschlagen, im Schatten des Drachenberges. Nach drei Tagen und drei N�chten des Kampfes wurden die Aiel zur�ckgeschlagen Oder genauer, sie zogen sich zur�ck, denn sie hatten vollbracht, weswegen sie aufgebrochen waren: K�nig Laman von Cairhien wegen seiner S�nde gegen den Baum zu t�ten. Und zu der Zeit beginnt meine Geschichte. Und deine.�</p><p><emphasis>Sie kamen �ber den Drachenwall wie eine Flut. Bis hin zur Leuchtenden Mauer.</emphasis> Rand wartete darauf, da� die Erinnerungen verschwammen, aber es war Tams Stimme, die er h�rte, als er krank war und phantasierte und Geheimnisse aus seiner Vergangenheit ausplauderte. Die Stimme hielt sich au�erhalb des Nichts und bettelte darum, hineingelassen zu werden.</p><p>�Ich geh�rte zu der Zeit zu den Aufgenommenen�, sagte Moiraine, �genau wie unsere Mutter, die Amyrlin. Wir sollten bald vollwertige Schwestern werden, und in jener Nacht standen wir der Amyrlin zur Verf�gung. Ihre Beh�terin der Chronik, Gitara Moroso, war dabei. Jede andere vollwertige Schwester in Tar Valon war drau�en und heilte so viele Verwundete, wie sie finden konnte. Sogar die Roten halfen mit. Es war in der Morgend�mmerung. Das Feuer im Herd konnte die K�lte nicht mindern. Es hatte endlich zu schneien aufgeh�rt, und in den Gem�chern der Amyrlin in der Wei�en Burg konnten wir den Qualm brennender D�rfer aus der Umgebung riechen.�</p><p><emphasis>Schlachten sind immer hei�, selbst im Schnee. Mu�te dem Gestank des Todes entfliehen.</emphasis> Tams fiebernde Stimme ri� an der leeren Ruhe in Rand. Das Nichts zitterte und schrumpfte, stabilisierte sich und wackelte wieder. Die Blicke der Amyrlin bohrten sich in ihn hinein. Er f�hlte wieder, wie ihm der Schwei� �bers Gesicht rann. �Es war alles nur ein Fiebertraum�, sagte er. �Er war krank.� Er erhob seine Stimme. �Ich hei�e Rand al'Thor. Ich bin Sch�fer. Mein Vater ist Tam al'Thor und meine Mutter war...�</p><p>Moiraine hatte seinetwegen geschwiegen, aber jetzt schnitt ihm ihre gleichm��ige Stimme sanft und unnachgiebig das Wort ab. �Der <emphasis>Karaethon-Zyklus,</emphasis> die Prophezeiungen des Drachen, sagt, da� der Drache auf dem Abhang des Drachenberges wiedergeboren werde, wo er w�hrend der Zerst�rung der Welt gestorben war. Gitara Sedai hatte manchmal die Gabe der Weissagung. Sie war alt, ihr Haar so wei� wie der Schnee drau�en, aber wenn eine Vision �ber sie kam, war sie stark. Das Licht des Morgens, das durch die Fenster fiel, wurde heller, als ich ihr eine Tasse Tee reichte. Die Amyrlin fragte mich, welche Neuigkeiten es vom Schlachtfeld g�be. Und Gitara Sedai scho� aus ihrem Stuhl hoch, stand zitternd mit steifen Armen und Beinen da, machte ein Gesicht, als blicke sie in den Krater des Verderbens am Shayol Ghul, und rief: �Er ist wiedergeboren! Ich f�hle ihn! Der Drache tut seinen ersten Atemzug am Hang des Drachenberges! Er kommt! Licht, hilf uns! Licht, hilf der Welt! Er liegt im Schnee und weint wie Donnerhall! Er brennt wie die Sonne!� Und damit fiel sie mir tot in die Arme.�</p><p><emphasis>Abhang des Berges. H�rte ein Baby weinen. Gebar es ganz allein dort, bevor sie starb. Das Kind war blau vor K�lte.</emphasis> Rand bem�hte sich, Tams Stimme wegzudr�cken. Das Nichts wurde kleiner. �Ein Fiebertraum�, keuchte er. <emphasis>Konnte ein Kind nicht dort lassen.</emphasis> �Ich wurde in den Zwei Fl�ssen geboren.� <emphasis>Ich wu�te schon immer, da� du dir ein Kind w�nscht, Kari.</emphasis> Er ri� sich vom Blick der Amyrlin los. Er versuchte, das Nichts zum Durchhalten zu zwingen. Er wu�te, da� das nicht richtig war, aber es brach in ihm zusammen. <emphasis>Ja, M�dchen. Rand ist ein guter Name.</emphasis> �Ich-bin-Rand-al'Thor!� Seine Beine zitterten.</p><p>�Und so wu�ten wir, da� der Drache wiedergeboren war�, fuhr Moiraine fort. �Die Amyrlin lie� uns beide schw�ren, da� wir es geheimhalten w�rden, denn ihr war klar, da� nicht alle Schwestern die Wiedergeburt unter dem gleichen Aspekt sehen w�rden, wie es sein sollte. Sie lie� uns suchen. Nach dieser Schlacht gab es viele vaterlose Kinder. Zu viele. Aber wir sp�rten eine Geschichte auf, da� ein Mann auf dem Berg ein Baby gefunden hatte. Das war alles. Ein Mann und ein kleiner Junge. Also suchten wir weiter. Jahrelang suchten wir, fanden andere Hinweise, vergruben uns in den Prophezeiungen. �Er wird von uraltem Blute sein und vom alten Blut aufgezogen werden.� Das war einer; es gab weitere Hinweise. Aber es gibt viele Gegenden, wo das alte Blut seit dem Zeitalter der Legenden noch stark vertreten ist. Dann war ich im Gebiet der Zwei Fl�sse, wo das alte Blut von Manetheren str�mt wie ein �ber die Ufer getretener Flu�, und in Emondsfeld fand ich drei Jungen, deren Namenstage innerhalb weniger Wochen nach der Schlacht am Drachenberg lagen. Und einer von ihnen kann die Macht ben�tzen. Glaubst du, die Trollocs h�tten dich nur gejagt, weil du <emphasis>ta'veren</emphasis> bist? Du bist der Wiedergeborene Drache.�</p><p>Rands Knie gaben nach. Er hockte pl�tzlich am Boden und fing sich gerade noch mit ausgebreiteten H�nden auf dem Teppich ab, bevor er auf die Nase fiel. Das Nichts war weg, die Stille zerschmettert. Er hob den Kopf. Sie sahen ihn an, die drei Aes Sedai. Ihre Gesichter waren ernst und glatt wie ein spiegelglatter Teich, und ihre Augen blinzelten nicht. �Mein Vater ist Tam al'Thor, und ich wurde... � Sie starrten ihn unbewegt an. <emphasis>Sie l�gen. Ich bin nicht... was sie behaupten! Irgendwie, irgendwie l�gen sie und versuchen, mich zu benutzen.</emphasis> �Ich werde mich nicht von Euch benutzen lassen.�</p><p>�Ein Anker wird nicht gesch�ndet, weil er ben�tzt wird, um ein Boot festzuhalten�, sagte die Amyrlin. �Du wurdest zu einem bestimmten Zweck geschaffen Rand al'Thor. �Wenn die Sturmwinde von Tarmon Gai'don �ber die Erde toben, wird er dem Schatten gegen�bertreten und das Licht wieder in die Welt bringen.� Die Prophezeiungen m�ssen erf�llt werden, oder der Dunkle K�nig wird sich befreien und die Welt nach seinem Willen umgestalten. Die Letzte Schlacht kommt, und du wurdest dazu geboren, die Menschheit zu einen und sie gegen den Dunklen K�nig zu f�hren.�</p><p>�Ba'alzamon ist tot�, sagte Rand heiser, und die Amyrlin schnaubte wie ein Stallbursche.</p><p>�Wenn du das glaubst, bist du ein genauso gro�er Narr wie die Domani. Viele dort glauben, er sei tot, oder sie sagen es zumindest, aber ich habe festgestellt, da� sie trotzdem nicht riskieren, ihn beim Namen zu nennen. Der Dunkle K�nig lebt, und er ist dabei, sich zu befreien. Du wirst dem Dunklen K�nig gegen�bertreten. Das ist dein Schicksal.�</p><p><emphasis>Das ist dein Schicksal.</emphasis> Er hatte das zuvor schon geh�rt, in einem Traum, der vielleicht nicht ganz ein Traum gewesen war. Er fragte sich, was die Amyrlin sagen w�rde, wenn sie w��te, da� Ba'alzamon in Tr�umen zu ihm gesprochen hatte. <emphasis>Das ist erledigt. Ba'alzamon ist tot. Ich sah ihn sterben.</emphasis></p><p>Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, da� er wie eine Kr�te dahockte, sich unter ihren Augen duckte. Er versuchte, das Nichts wieder heraufzubeschw�ren, aber durch seinen Kopf wirbelten Stimmen und machten jede Anstrengung zunichte. <emphasis>Das ist dein Schicksal. Du bist der Wiedergeborene Drache. Ba'alzamon ist tot. Rand ist ein guter Name, Kari. Ich werde mich nicht benutzen lassen!</emphasis> Er bezog Kraft aus seiner angeborenen Starrk�pfigkeit und zwang sich zum Aufstehen. <emphasis>Tritt ihm aufrecht gegen�ber. Wenigstens kannst du dir deinen Stolz bewahren.</emphasis> Die drei Aes Sedai beobachteten ihn ausdruckslos.</p><p>�Was... � Mit M�he beherrschte er seine Stimme. �Was werdet Ihr mit mir machen?�</p><p>�Nichts�, sagte die Amyrlin, und er ri� die Augen auf. Das war nicht die Antwort, die er erwartet und gef�rchtet hatte. �Wenn du sagst, du m�chtest deine Freunde und Ingtar begleiten, dann kannst du das. Ich habe dich nicht auf irgendeine Weise hervorgehoben. Ein paar der Schwestern wissen vielleicht, da� du <emphasis>ta'veren</emphasis> bist, aber nicht mehr. Nur wir drei wissen, was du wirklich bist. Dein Freund Perrin wird zu mir gebracht werden, genau wie du, und ich werde deinen anderen Freund in der Krankenstation besuchen. Du kannst tun, was du willst, ohne Angst haben zu m�ssen, da� wir die Roten Schwestern auf dich hetzen.�</p><p><emphasis>Wer du wirklich bist.</emphasis> Zorn stieg in ihm auf, hei� und bei�end. Er zwang ihn nieder. �Warum?�</p><p>�Die Prophezeiungen m�ssen erf�llt werden. Wir lassen dich in vollem Bewu�tsein dessen, was du bist, laufen, denn sonst wird die Welt, wie wir sie kennen, sterben und der Dunkle K�nig wird die Erde mit Feuer und Tod �berziehen. Versteh mich recht: Nicht alle Aes Sedai denken so; Es gibt welche hier in Fal Dara, die dich niederstrecken w�rden, w��ten sie nur ein Zehntel von dem, was du bist, und sie w�rden sich nicht mehr schuldig f�hlen, als schnitten sie einem Fisch den Kopf ab. Aber andererseits gibt es M�nner, die zweifellos zuvor mit dir gelacht haben und trotzdem das gleiche t�ten, wenn sie Bescheid w��ten. Sei vorsichtig, Rand al'Thor, Wiedergeborener Drache.�</p><p>Er sah eine nach der anderen an. <emphasis>Eure Prophezeiungen gehen mich nichts an.</emphasis> Sie erwiderten seinen Blick so ruhig � es war kaum zu glauben, da� sie ihn zu �berzeugen versuchten, er sei der meistgeha�te, meistgef�rchtete Mann in der Geschichte der Welt. Er hatte die Zone der Angst durchschritten und war auf der anderen Seite in etwas Kaltes hineingeraten. Der Zorn war alles, was ihn warm hielt. Sie konnten ihn einer D�mpfung unterziehen oder ihn auf dem Fleck zu einem H�ufchen Asche verbrennen � es ber�hrte ihn nicht mehr.</p><p>Ein Teil der Belehrungen Lans kam ihm wieder zu Bewu�tsein. Mit der linken Hand am Schwertgriff gab er dem Schwert einen sanften Sto� nach hinten und fing die Scheide mit der Rechten ab. Dann verbeugte er sich mit gestreckten Armen. �Mit Eurer Erlaubnis, Mutter, darf ich diesen Ort verlassen?�</p><p>�Ich gebe dir die Erlaubnis zu gehen, mein Sohn.�</p><p>Er richtete sich auf und stand noch einen Augenblick lang da. �Ich lasse mich nicht benutzen�, sagte er ihnen. Als er sich umdrehte und ging, herrschte Schweigen.</p><p>Das Schweigen dehnte sich im Raum, nachdem Rand gegangen war, bis es schlie�lich durch einen langen Seufzer der Amyrlin gebrochen wurde. �Ich kann mir nicht helfen, ich f�hle mich nicht wohl bei dem, was wir gerade getan haben�, sagte sie. �Es war notwendig, aber...</p><p>Hat es die gew�nschte Wirkung hinterlassen, T�chter?�</p><p>Moiraine sch�ttelte den Kopf. Es war nur die Andeutung einer Bewegung. �Ich wei� nicht. Aber es war und ist n�tig.�</p><p>�N�tig�, stimmte Verin zu. Sie ber�hrte ihre Stirn und betrachtete dann die Feuchtigkeit an ihren Fingern. �Er ist stark. Und genauso stur, wie du gesagt hast, Moiraine. Viel st�rker, als ich erwartet hatte. Wir m�ssen ihn vielleicht doch noch einer D�mpfung unterziehen, bevor... � Ihre Augen weiteten sich. �Aber das k�nnen wir nicht, oder? Die Prophezeiungen. Licht, vergib uns, da� wir so etwas auf die Welt loslassen.�</p><p>�Die Prophezeiungen�, sagte Moiraine nickend. �Hinterher werden wir tun, was sein mu�. So wie jetzt auch.�</p><p>�Das m�ssen wir�, sagte die Amyrlin. �Ja. Aber Licht hilf uns allen, wenn er lernt, die Macht zu beherrschen.� Wieder breitete sich Schweigen aus.</p><p>Ein Sturm war im Anzug. Nynaeve f�hlte ihn kommen. Ein schlimmer Sturm, schlimmer als jeder, den sie bisher erlebt hatte. Sie konnte dem Wind lauschen und h�ren, wie sich das Wetter entwickeln w�rde. Alle Seherinnen behaupteten, dazu f�hig zu sein, auch wenn es manche gar nicht konnten. Nynaeve hatte ihre F�higkeit fr�her eher gesch�tzt als jetzt, nachdem sie wu�te, da� es eine Spielart der Einen Macht war. Jede Frau, die dem Wind lauschen konnte, konnte auch die Macht lenken, obwohl es den meisten wahrscheinlich ebenso wie ihr erging, da� ihnen n�mlich nicht klar war, was sie da taten. Es kam sowieso nur in Sch�ben und einer Art von Anfall.</p><p>Diesmal allerdings war irgend etwas nicht in Ordnung. Drau�en stand die Morgensonne wie ein goldener Ball am klaren, blauen Himmel, und in den G�rten sangen V�gel. Doch das war nicht der springende Punkt. Es w�re ja nichts dabei gewesen, dem Wind zu lauschen, wenn man das Wetter erst dann voraussagen konnte, wenn die Anzeichen bereits sichtbar waren. Es stimmte irgend etwas mit dem Gef�hl daf�r nicht; es war einfach nicht so wie sonst. Der Sturm schien fern zu sein, zu fern an sich, um ihn �berhaupt schon zu f�hlen. Und doch war es ein Gef�hl, als m��te es eigentlich in Str�men regnen und schneien und hageln, alles zur gleichen Zeit, und der Wind m��te mit einer Gewalt heulen, da� er beinahe die Mauern der Festung zum Erzittern brachte. Und sie konnte auch das gute Wetter f�hlen, das noch tagelang anhalten w�rde, doch das verschwand fast unter der Last des anderen.</p><p>Ein Blaufink sa� in einer Schie�scharte, als mache er sich �ber ihr Wettergef�hl lustig. Er sp�hte frech in den Flur hinein. Als er sie sah, verschwand er mit aufblitzenden blauen und wei�en Federn.</p><p>Sie blickte den Fleck an, auf dem der Vogel gesessen hatte. <emphasis>Es gibt einen Sturm, und es gibt ihn auch wieder nicht. Das bedeutet etwas. Aber was?</emphasis></p><p>Weit hinten im von Frauen und kleinen Kindern angef�llten Flur sah sie, wie Rand davonschritt. Seine weibliche Eskorte mu�te fast rennen, um mit ihm Schritt zu halten. Nynaeve nickte energisch. Falls es einen Sturm gab, der kein Sturm war, mu�te er dahinterstecken. Sie raffte ihre R�cke hoch und eilte ihm nach.</p><p>Frauen, mit denen sie sich seit ihrer Ankunft in Fal Dara angefreundet hatte, versuchten sie anzusprechen. Sie wu�ten, da� Rand mit ihr gekommen war und da� sie beide von den Zwei Fl�ssen stammten, und sie wollten wissen, warum die Amyrlin ihn zu sich bestellt hatte. <emphasis>Die</emphasis></p><p><emphasis>Amyrlin!</emphasis> Eisklumpen in ihrem Bauch... Sie rannte los, doch bevor sie noch die Frauenquartiere verlassen konnte, hatte sie ihn in dem Gewirr von Fluren und Menschen aus den Augen verloren.</p><p>�Wohin ist er gegangen?� fragte sie Nisura. Es war nicht n�tig zu sagen, wen sie meinte. Sie h�rte Rands Namen aus der Unterhaltung der Frauen heraus, die sich um die hohe Bogent�r versammelt hatten.</p><p>�Ich wei� nicht, Nynaeve. Er kam so schnell heraus, als sei ihm Herzensbann pers�nlich auf den Fersen. Sollte er auch, wenn man bedenkt: Er kommt mit einem Schwert am G�rtel hier herein! Danach sollte der Dunkle K�nig noch die geringste seiner Sorgen sein. Wohin kommen wir denn noch? Und er wird auch noch der Amyrlin in ihren Gem�chern vorgestellt! Sag mal, Nynaeve, ist er wirklich in eurem Land ein Prinz?� Die anderen Frauen unterbrachen ihre Unterhaltung und schoben sich n�her heran, um zu lauschen.</p><p>Nynaeve konnte sp�ter nicht mehr sagen, was sie geantwortet hatte. Es war jedenfalls etwas gewesen, was die anderen dazu brachte, sie gleich wieder laufen zu lassen. Sie eilte aus den Frauenquartieren. An jeder Kreuzung von Korridoren drehte sie den Kopf nach allen Seiten, um ihn zu entdecken. Die H�nde hatte sie zu F�usten geballt. <emphasis>Licht, was haben sie mit ihm angestellt? Ich h�tte ihn irgendwie von Moiraine wegholen m�ssen, das Licht blende sie. Ich bin seine Seherin.</emphasis></p><p><emphasis>Tats�chlich?</emphasis> neckte eine kleine Stimme in ihrem Inneren. <emphasis>Du hast Emondsfeld sich selbst �berlassen. Kannst du dich mit Recht noch ihre Seherin nennen?</emphasis></p><p><emphasis>Ich habe sie nicht im Stich gelassen,</emphasis> sagte sie sich selbst energisch. <emphasis>Ich holte Mavra Mallen aus Devenritt her�ber, damit sie sich um alles k�mmert, bis ich zur�ck bin. Sie kann ganz gut mit dem B�rgermeister und dem Gemeinderat umgehen, und sie kommt gut mit dem Frauenzirkel aus.</emphasis></p><p><emphasis>Mavra mu� in ihr Dorf zur�ck. Kein Dorf kann sehr lange ohne eine eigene Seherin auskommen.</emphasis> Nynaeve verkrampfte sich innerlich. Es war schon Monate her, da� sie Emondsfeld verlassen hatte.</p><p>�Ich bin die Seherin von Emondsfeld!� sagte sie laut.</p><p>Ein livrierter Diener mit einem Stoffballen auf den Armen sah sie erstaunt an und verbeugte sich dann tief, bevor er davonhastete. Seinem Gesichtsausdruck nach war er froh, von ihr wegzukommen.</p><p>Nynaeve err�tete und blickte sich um, ob jemand anders ihre Worte geh�rt hatte. Es befanden sich nur ein paar ins Gespr�ch vertiefte M�nner im Flur sowie mehrere Frauen in Schwarz und Gold, die ihren Gesch�ften nachgingen. Sie verbeugten sich oder knicksten vor ihr, wenn sie vorbeikam. Sie hatte die gleichen Probleme schon hundertmal im Kopf durchgew�lzt, aber das war das erste Mal gewesen, da� sie dabei laut gesprochen hatte. Sie fluchte leise in sich hinein, aber als ihr klar wurde, was sie tat, pre�te sie die Lippen fest zusammen.</p><p>Sie sah schlie�lich ein, da� ihre Suche umsonst war, und dann sah sie Lan, der mit dem R�cken zu ihr an einer Schie�scharte stand und auf den �u�eren Hof hinunterblickte. Von unten schallte der L�rm von Pferden und M�nnern empor: Wiehern und Durcheinanderschreien. Lan war so konzentriert, da� er sie dieses eine Mal tats�chlich nicht zu bemerken schien. Sie ha�te es, da� sie sich ihm niemals unbemerkt n�hern konnte, so leise sie sich auch bewegte. Zu Hause in Emondsfeld hatte sie als gute Waldl�uferin gegolten, obwohl das keine T�tigkeit war, an der viele Frauen Interesse zeigten.</p><p>Sie blieb sofort stehen und pre�te sich die H�nde auf den Bauch, um das nerv�se Flattern zu bek�mpfen. <emphasis>Ich sollte Rannel und Schafzungenwurzel benutzen, um mich zu bet�uben,</emphasis> dachte sie selbstkritisch. Das war die Mixtur, die sie allen gab, die herumhingen und behaupteten, sie seien krank, oder sich �berhaupt wie dumme G�nse benahmen. Rannel und Schafzungenwurzel weckten die Lebensgeister ein wenig und schadeten nicht, aber vor allem schmeckte das Zeug furchtbar, und der Geschmack hielt den ganzen Tag an. Es war eine perfekte Kur f�r jemanden, der sich wie ein Narr auff�hrte.</p><p>Vor seinen Blicken sicher, betrachtete sie ihn von oben bis unten, wie er an der Steinwand lehnte und sich �ber das Kinn strich, w�hrend er die Vorg�nge im Hof beobachtete. <emphasis>Er ist zum einen zu gro� und auch noch alt genug, um mein Vater zu sein. Ein Mann mit einem solchen Gesicht mu� doch grausam sein. Nein, das ist er nicht. Niemals.</emphasis> Und er war ein K�nig. Sein Land wurde zerst�rt, als er noch ein Kind war, und er beanspruchte keine Krone, doch er war trotzdem ein K�nig. <emphasis>Was kann ein K�nig schon von einer Dorfsch�nen wollen. Au�erdem ist er ja auch ein Beh�ter und Moiraine zugeschworen. Sie besitzt seine Loyalit�t bis zum Tod, und das ist eine engere Verbindung als die Liebe. Sie hat ihn. Sie hat alles, was ich will; das Licht versenge sie!</emphasis></p><p>Er drehte sich um, und sie wollte weghuschen.</p><p>�Nynaeve.� Seine Stimme fing sie und hielt sie fest wie eine Schlinge. �Ich wollte allein mit dir sprechen. Du scheinst dich immer in den Frauenquartieren oder in Gesellschaft aufzuhalten.�</p><p>Es kostete sie M�he, ihn anzusehen, aber als sie zu ihm aufblickte, war sie sicher, da� ihre Gesichtsz�ge ruhig wirkten. �Ich suche Rand.� Sie dachte nicht daran zuzugeben, da� sie ihn mied. �Wir haben uns alles N�tige gesagt, bereits vor l�ngerer Zeit, du und ich. Ich habe mich erniedrigt � was ich nie wieder tun werde �, und du sagtest mir, ich solle gehen.�</p><p>�Ich habe nie gesagt... � Er holte tief Luft. �Ich sagte dir, ich habe nichts als Witwenkleider, die ich dir als Brautgeschenk bieten k�nnte. Kein Geschenk, das ein Mann einer Frau gibt. Kein Mann jedenfalls, der sich noch Mann nennt.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte sie k�hl. �Auf jeden Fall gibt ein K�nig einer Frau vom Dorf keine Geschenke. Und ich als Landpomeranze w�rde sie auch nicht akzeptieren. Hast du Rand gesehen? Ich mu� mit ihm sprechen. Er war bei der Amyrlin. Wei�t du, was sie von ihm wollte?�</p><p>Seine Augen blitzten wie blaues Eis im Sonnenschein. Sie machte schnell ihre Beine steif, damit sie nicht zur�ckwich, und sah ihn genauso w�tend an.</p><p>�Der Dunkle K�nig soll Rand al'Thor und die Amyrlin holen�, w�tete er und dr�ckte ihr etwas in die Hand. �Ich werde dir ein Geschenk geben, und du wirst es annehmen, und wenn ich es dir um den Hals binden mu�.�</p><p>Sie ri� den Blick von seinem los. Wenn er w�tend war, hatte er den Ausdruck eines blau�ugigen Falken. In ihrer Hand lag ein Siegelring aus schwerem Gold, vom Alter abgen�tzt. Er war beinahe gro� genug, da� ihre beiden Daumen hindurchgepa�t h�tten. Darauf flog ein Kranich �ber einer Lanze und einer Krone. Alles war sorgf�ltig und fein detailliert eingraviert. Ihr stockte der Atem. Der K�nigsring von Malkier. Sie verga�, b�se dreinzublicken, und hob das Gesicht. �Das kann ich nicht annehmen, Lan.�</p><p>Er tat es mit einem Achselzucken ab. �Es ist nichts. Alt und nutzlos ist er jetzt. Aber es gibt welche, die ihn erkennen w�rden, wenn sie ihn sehen. Zeige ihn, und du genie�t Gastrecht und Hilfe, wenn du sie brauchst, und zwar von jedem Lord in den Grenzlanden. Zeige ihn einem Beh�ter, und er wird dir helfen oder mir eine Nachricht �berbringen. Schicke ihn zu mir oder auch eine Botschaft, die mit ihm versiegelt wurde, und ich komme ohne Verz�gerung auf jeden Fall zu dir. Das schw�re ich.�</p><p>Ihre Augen f�llten sich mit Tr�nen. <emphasis>Wenn ich jetzt weine, bringe ich mich um.</emphasis> �Ich kann nicht... ich will kein Geschenk von dir, al'Lan Mandragoran. Hier, nimm ihn.�</p><p>Er wehrte ihre Versuche ab, ihm den Ring zur�ckzugeben. Seine Hand umschlo� ihre, sanft, aber so fest wie eine Handschelle. �Dann nimm ihn um meinetwillen � tu mir den Gefallen. Oder wirf ihn weg, wenn er dir nicht gef�llt. Ich kann ihn nicht mehr gebrauchen.� Er streichelte ihre Wange mit einem Finger, und sie fuhr zusammen. �Ich mu� jetzt gehen, Nynaeve <emphasis>mashiara.</emphasis> Die Amyrlin will vor dem Mittag abreisen, und es gibt noch viel zu tun. Vielleicht haben wir auf der Reise nach Tar Valon Zeit, uns zu unterhalten.� Er wandte sich ab und war gleich darauf den Gang hinunter verschwunden.</p><p>Nynaeve ber�hrte ihre Wange. Sie konnte noch immer f�hlen, wo er sie ber�hrt hatte. <emphasis>Mashiara.</emphasis> Geliebte meines Herzens und meiner Seele � aber es bedeutete auch: meine verlorene Liebe. Verloren, und nie wiederzugewinnen. <emphasis>N�rrische Frau! H�r auf, dich wie ein M�dchen zu benehmen, das noch nicht einmal die Haare zum Zopf flechten darf. Es hat keinen Zweck, wenn du dich von ihm...</emphasis></p><p>Sie hielt den Ring ganz fest in der Hand, wandte sich um und fuhr zusammen, als sie sich pl�tzlich Moiraine gegen�bersah. �Wie lange wart Ihr schon hier?� wollte sie wissen.</p><p>�Nicht lange genug, um irgend etwas zu h�ren, das ich nicht h�ren sollte�, antwortete die Aes Sedai gewandt. �Wir werden aber bald abreisen, wie ich geh�rt habe. Ihr m��t Euch um Euer Gep�ck k�mmern.�</p><p>Abreise. Das hatte sie gar nicht registriert, als Lan es erw�hnt hatte. �Ich mu� den Jungen noch Lebwohl sagen�, murmelte sie, und dann blickte sie Moiraine durchdringend an. �Was habt Ihr mit Rand gemacht? Er wurde zur Amyrlin gebracht. Warum? Habt Ihr davon erz�hlt, da� er...?� Sie konnte es nicht �ber die Lippen bringen. Er kam aus ihrem Heimatdorf, und sie war gerade soviel �lter, um ein- oder zweimal auf ihn aufgepa�t zu haben, als er noch klein war. Nun konnte sie noch nicht einmal daran denken, was er geworden war, ohne da� sich ihr Magen zusammenkrampfte.</p><p>�Die Amyrlin will alle drei sehen, Nynaeve. <emphasis>Ta'veren</emphasis> sind nicht so h�ufig, da� sie die Gelegenheit vers�umen m�chte, drei gleichzeitig am selben Ort kennenzulernen. Vielleicht wird sie ihnen ein wenig Mut zusprechen, da sie ja mit Ingtar wegreiten werden, um die Diebe des Horns zu suchen. Sie werden etwa zur gleichen Zeit wie wir aufbrechen, also solltet Ihr Euch mit Euren Abschiedsgr��en beeilen.�</p><p>Nynaeve huschte zur n�chsten Schie�scharte und blickte auf den Au�enhof hinunter. �berall standen Pferde, Packtiere und gesattelte, und um sie herum eilten gesch�ftig M�nner. Viele riefen sich gegenseitig etwas zu. Der einzige freie Raum befand sich um die S�nfte der Amyrlin herum. Die paarweise angeschirrten Pferde warteten geduldig ohne irgendwelche Aufseher. Einige der Beh�ter waren dort drau�en und kontrollierten ihre Reittiere. Auf der anderen Seite des Hofs stand Ingtar mit einem Schwarm Schienarer um sich, die voll ger�stet waren. Manchmal kam ein Beh�ter her�ber, oder einer der Schienarer �berquerte den gepflasterten Hof, und sie sprachen kurz miteinander.</p><p>�Ich h�tte die Jungen von Euch fernhalten sollen�, sagte sie beim Hinausschauen. <emphasis>Auch Egwene, wenn ich das fertigbr�chte, ohne sie damit zu t�ten. Licht, warum mu�te sie nur mit dieser verfluchten F�higkeit geboren werden?</emphasis> �Ich h�tte sie nach Hause bringen sollen.�</p><p>�Sie sind mehr als alt genug, um vom Sch�rzenzipfel loszukommen�, sagte Moiraine trocken. �Und Ihr wi�t sehr gut, warum Ihr das nicht machen k�nntet. Jedenfalls in einem Fall. Au�erdem hie�e das, Egwene allein auf den Weg nach Tar Valon zu schicken. Oder habt Ihr beschlossen, doch nicht selbst nach Tar Valon zu gehen? Wenn Eure eigenen F�higkeiten im Gebrauch der Macht nicht geschult werden, werdet Ihr auch nie in der Lage sein, sie gegen mich einzusetzen.�</p><p>Nynaeve fuhr herum und blickte mit offenem Mund die Aes Sedai an. Sie konnte es nicht vermeiden. �Ich wei� nicht, wovon Ihr sprecht.�</p><p>�Habt Ihr geglaubt, ich wisse das nicht, Kind? Aber wie Ihr w�nscht. Ich nehme also an, Ihr <emphasis>kommt</emphasis> mit nach Tar Valon? Ja, ich dachte es mir.�</p><p>Nynaeve wollte sie am liebsten schlagen und das fl�chtige L�cheln, das �ber das Gesicht der Aes Sedai huschte, wegpr�geln. Aes Sedai waren seit der Zerst�rung nicht in einer Position gewesen, ganz offen Macht zu ergreifen, geschweige denn die Eine Macht offen anzuwenden, aber sie intrigierten und manipulierten, zogen F�den wie Marionettenspieler, ben�tzten Throne und Nationen als Steine auf einem Spielbrett. <emphasis>Irgendwie will sie mich auch benutzen. Wenn schon einen K�nig oder eine K�nigin, warum dann nicht auch eine Seherin? Genauso wie bei Rand. Ich bin kein Kind mehr, Aes Sedai.</emphasis></p><p>�Was werdet Ihr jetzt mit Rand anfangen? Habt Ihr ihn noch nicht genug ben�tzt? Ich wei� nicht, warum Ihr ihm keine D�mpfung angedeihen lassen habt, nachdem ja jetzt die Amyrlin mit all diesen anderen Aes Sedai hier ist, aber Ihr werdet schon einen Grund haben. Das mu� wieder so eine Intrige sein, die Ihr ausgebr�tet habt. Wenn die Amyrlin w��te, was Ihr vorhabt, dann wette ich, sie... �</p><p>Moiraine schnitt ihr das Wort ab. �Welches Interesse k�nnte die Amyrlin schon an einem Sch�fer haben? Nat�rlich, wenn ihre Aufmerksamkeit auf die falsche Weise auf ihn gelenkt w�rde, k�nnte es sein, da� er ged�mpft oder sogar get�tet w�rde. Schlie�lich ist er ja, was er ist. Und es herrscht ein beachtlicher Zorn wegen letzter Nacht. Jeder sucht nach einem Schuldigen.� Die Aes Sedai schwieg, und das Schweigen zog sich in die L�nge. Nynaeve blickte sie an und knirschte mit den Z�hnen.</p><p>�Ja�, sagte Moiraine schlie�lich, �es ist viel besser, keine schlafenden L�wen zu wecken. Am besten k�mmert Ihr Euch jetzt um Euer Gep�ck.� Sie ging in die gleiche Richtung weg, in die Lan gegangen war. Sie schien dabei �ber den Boden zu gleiten.</p><p>Nynaeve zog eine Grimasse und schlug mit der Faust gegen die Wand. Der Ring schnitt ihr in die Handfl�che. Sie �ffnete die Hand und sah ihn an. Der Ring schien ihren Zorn noch anzuheizen. Er wirkte wie ein Brennpunkt f�r ihren Ha�. <emphasis>Ich</emphasis> werde <emphasis>es lernen. Du glaubst, du kannst mir entkommen, weil du es bereits kannst. Aber ich werde es besser lernen, als du glaubst, und ich werde dich st�rzen. Du hast schon zuviel angestellt. Ich werde vergelten, was du Mat und Perrin angetan hast. Und Rand � Das Licht helfe ihm, und der Sch�pfer besch�tze ihn. Ganz besonders um Rands willen.</emphasis> Ihre Hand schlo� sich um den schweren Goldreif. <emphasis>Und auch meinetwegen.</emphasis></p><p>Egwene sah zu, wie das livrierte Stubenm�dchen ihre Kleider zusammenfaltete und in eine lederbezogene Reisetruhe legte. Sie f�hlte sich auch nach beinahe einem Monat der �bung immer noch nicht wohl dabei, wenn jemand anders machte, was sie gut auch selbst tun k�nnte. Es waren solch sch�ne Kleider, alles Geschenke von Lady Amalisa, wie auch das grauseidene Reitkleid, das sie trug, obwohl das einfach gestaltet war, lediglich mit ein paar auf die Brust gestickten wei�en Morgensternchenbl�ten verziert. Viele der anderen Kleider waren dagegen reich geschm�ckt. Jedes davon w�rde am Sonnentag oder jedem anderen Festtag besonders auffallen. Sie seufzte, als sie daran dachte, da� sie am n�chsten Sonnentag nicht in Emondsfeld, sondern in Tar Valon sein w�rde. Aus dem wenigen, was ihr Moiraine �ber die Ausbildung der Novizinnen erz�hlt hatte � wirklich beinahe gar nichts �schlo� sie, da� sie m�glicherweise noch nicht einmal im Fr�hling zum Sonnentag zu Hause sein w�rde.</p><p>Nynaeve steckte den Kopf ins Zimmer. �Bist du fertig?� Sie kam vollends herein. �Wir m�ssen bald unten im Hof sein.� Auch sie trug ein Reitkleid aus blauer Seide mit roten Schleifen auf dem Busen. Ein weiteres Geschenk von Amalisa.</p><p>�Beinahe, Nynaeve. Es tut mir fast schon leid, abreisen zu m�ssen. Ich glaube kaum, da� wir in Tar Valon viele Gelegenheiten haben werden, die sch�nen Kleider zu tragen, die uns Amalisa gab.� Sie lachte kurz auf. �Aber, liebe Seherin, ich werde es nicht vermissen, mich beim Baden st�ndig umschauen zu m�ssen, ob ein Mann kommt.�</p><p>�Es ist viel besser, allein zu baden�, sagte Nynaeve kurz angebunden. Ihr Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, doch nach einem Moment f�rbten sich ihre Wangen rot.</p><p>Egwene l�chelte. <emphasis>Sie denkt an Lan.</emphasis> Es war immer noch ein eigenartiges Gef�hl, sich vorzustellen, da� Nynaeve, die Seherin, hinter einem Mann her war. Sie hielt es nicht f�r diplomatisch, das Nynaeve so deutlich wissen zu lassen, aber in letzter Zeit hatte sich die Seherin manchmal wirklich genauso versponnen benommen wie jedes M�dchen, das ihr Herz an einen bestimmten Mann verloren hatte. <emphasis>Und dann noch an einen, der nicht genug Verstand hatte, um ihrer w�rdig zu sein. Sie liebt ihn und ich kann sehen, da� auch er sie liebt, also warum kann er ihr das nicht sagen?</emphasis></p><p>�Ich glaube nicht, da� du mich noch l�nger Seherin nennen solltest�, sagte Nynaeve pl�tzlich.</p><p>Egwene ri� die Augen auf. Es wurde nat�rlich nicht ausdr�cklich verlangt und Nynaeve bestand auch nicht auf dieser Anrede, au�er, sie war w�tend oder besonders formell, aber das jetzt... �Warum denn nicht?�</p><p>�Du bist jetzt eine Frau.� Nynaeve sah ihr offen getragenes Haar an, und Egwene widerstand gerade eben noch dem Drang, es hastig zu einer Art von Zopf zusammenzuzwirbeln. Aes Sedai trugen das Haar, wie sie wollten, aber f�r sie war das offen getragene Haar zu einem Symbol f�r einen Neuanfang in ihrem Leben geworden. �Du bist eine Frau�, wiederholte Nynaeve mit fester Stimme. �Wir sind zwei Frauen, weit von Emondsfeld entfernt, und es wird lange dauern, bis wir die Heimat wiedersehen. Es ist besser, du nennst mich einfach Nynaeve.�</p><p>�Wir werden die Heimat wiedersehen, Nynaeve. Ganz bestimmt!�</p><p>�Versuche nicht, die Seherin zu beruhigen, M�dchen�, sagte Nynaeve barsch, aber sie l�chelte dabei.</p><p>Es klopfte an die T�r, aber bevor Egwene sie �ffnen konnte, trat bereits Nisura ganz aufgeregt ein. �Egwene, dein junger Mann versucht, in die Frauenquartiere hereinzukommen!� Sie klang entr�stet. �Und er tr�gt ein Schwert. Nur, weil ihn die Amyrlin so hereinkommen lie�... Lord Rand sollte es besser wissen. Er zettelt damit einen Aufstand an. Egwene, du mu�t mit ihm sprechen.�</p><p>�Lord Rand�, schnaubte Nynaeve. �Dieser junge Mann wird entschieden zu aufgeblasen. Ich werde ihm den Lord schon geben, wenn ich ihn in die H�nde bekomme.�</p><p>Egwene legte eine Hand auf Nynaeves Arm. �La� mich mit ihm sprechen, Nynaeve. Allein.�</p><p>�Ach, ja, ist schon gut. Selbst die besten M�nner haben h�chstens einigerma�en gute Manieren.� Nynaeve unterbrach sich und f�gte dann mehr zu sich selbst hinzu: �Aber andererseits sind die besten es auch wert, da� man ihnen Manieren beibringt.�</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf, als sie Nisura in den Gang folgte. Noch vor einem halben Jahr h�tte Nynaeve den zweiten Teil niemals hinzugef�gt. <emphasis>Aber Lan bringt sie niemals Manieren bei.</emphasis> Ihre Gedanken wandten sich Rand zu. Verursacht einen Aufstand. Tats�chlich? �Ihm Manieren beibringen?� murmelte sie. �Wenn er jetzt noch keine Manieren gelernt hat, werde ich ihm die Haut bei lebendigem Leib abziehen.�</p><p>�Das mu� wohl manchmal sein�, sagte Nisura. Sie ging mit schnellen Schritten weiter. �M�nner sind nicht mehr als halbzivilisiert, bis sie verheiratet sind.� Sie sah Egwene von der Seite her an. �Hast du vor, Lord Rand zu heiraten? Ich will ja nicht bohren, aber du gehst zur Wei�en Burg, und Aes Sedai heiraten selten � h�chstens ein paar der Gr�nen Ajah, soweit ich je geh�rt habe, und auch von denen nicht viele � und... �</p><p>Egwene konnte sich den Rest denken. Sie hatte den Klatsch in den Frauenquartieren wohl vernommen, als �ber eine passende Frau f�r Rand gesprochen wurde. Zuerst hatte das in ihr Stiche der Eifersucht und auch Zorn hervorgerufen. Er war ihr doch praktisch versprochen worden, seit sie Kinder waren. Aber sie w�rde eine Aes Sedai werden, und er war, was er nun eben war. Ein Mann, der die Macht beherrschte. Sie konnte ihn heiraten. Und dann zuschauen, wie er dem Wahnsinn verfiel und wie er starb. Der einzige Weg, das zu verhindern, w�re, ihn einer D�mpfung zuzuf�hren. <emphasis>Das kann ich ihm nicht antun Ich kann nicht!</emphasis> �Ich wei� nicht�, sagte sie traurig.</p><p>Nisura nickte. �Niemand wird dir in die Quere kommen, wo du �ltere Rechte hast, aber du gehst zur Wei�en Burg, und er wird einmal ein guter Ehemann. Wenn er einmal dazu erzogen wurde. Da ist er.�</p><p>Die Frauen, die sich sowohl innen wie auch au�erhalb des Eingangs zu den Frauenquartieren versammelt hatten, beobachteten alle drei M�nner im Vorraum. Da stand Rand mit dem �ber den roten Mantel geg�rteten Schwert, und ihm gegen�ber standen Agelmar und Kajin. Keiner der beiden trug ein Schwert, selbst nach den Ereignissen dieser Nacht. Das hier waren immer noch die Frauenquartiere. Egwene blieb hinter den anderen stehen.</p><p>�Ihr versteht doch, warum Ihr nicht hineingehen k�nnt�, sagte Agelmar. �Ich wei�, da� in Andor andere Sitten herrschen, aber versteht Ihr trotzdem?�</p><p>�Ich habe �berhaupt nicht versucht hineinzugehen.� Rands Stimme klang, als habe er das schon mehr als einmal erkl�rt. �Ich sagte Lady Nisura, da� ich Egwene sprechen wolle, und sie sagte, Egwene sei besch�ftigt und ich m�sse warten. Alles, was ich tat, war, von der T�r aus nach ihr zu rufen! Ich habe nicht versucht einzutreten. Man k�nnte denken, ich h�tte den Dunklen K�nig beim Namen genannt, so haben sie mich alle angestarrt.�</p><p>�Frauen haben ihre Eigenarten�, sagte Kajin. Er war gro� f�r einen Schienarer, beinahe so gro� wie Rand, schlacksig und bla�. Sein Haarknoten war pechschwarz. �Sie stellen die Regeln f�r die Frauenquartiere auf, und wir halten uns daran, selbst wenn sie unsinnig sind.� Unter den Frauen zogen einige bei seinen Worten die Augenbrauen hoch, und er r�usperte sich hastig. �Ihr m��t eine Nachricht hineinschicken, wenn Ihr mit einer der Frauen sprechen wollt, aber die Nachricht wird dann �berbracht, wenn sie es wollen, und bis dahin m��t Ihr warten. So ist es Brauch bei uns.�</p><p>�Ich mu� sie sehen�, sagte Rand stur. �Wir reisen bald ab. Nicht fr�h genug f�r mich, aber ich mu� Egwene trotzdem noch sehen. Wir werden das Horn von Valere und den Dolch zur�ckholen, und damit fertig. Dann ist Schlu�. Aber ich will sie noch sehen, bevor ich losreite.� Egwene runzelte die Stirn. Das klang so eigenartig.</p><p>�Es ist nicht n�tig, deshalb so wild zu werden�, sagte Kajin. �Ihr und Ingtar werdet das Horn entweder finden oder nicht. Wenn nicht, holt es jemand anders zur�ck. Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht, und wir sind nur F�den im Muster.�</p><p>�La�t Euch nicht vom Horn beherrschen, Rand�, sagte Agelmar. �Es kann einen Mann wirklich packen � ich wei� ein Lied davon zu singen �, und das sollte nicht geschehen. Ein Mann mu� seine Pflicht suchen und nicht den Ruhm. Was geschehen soll, das wird geschehen. Wenn das Horn von Valere f�r das Licht erklingen soll, dann wird es das.�</p><p>�Hier ist ja Eure Egwene�, sagte Kajin, der sie im Hintergrund ausgemacht hatte.</p><p>Agelmar sah sich um und nickte, als er sie mit Nisura entdeckte. �Ich werde Euch ihr �berlassen, Rand al'Thor. Denkt daran, da� hier ihr Wort Gesetz ist, und nicht Eures. Lady Nisura, seid nicht zu b�se auf ihn. Er wollte nur seine junge Frau sehen, und er kennt unsere Sitten nicht.�</p><p>Egwene folgte Nisura, als die Schienarerin sich einen Weg durch die Zuschauerinnen bahnte. Nisura neigte kurz den Kopf in Richtung Agelmar und Kajin. Sie ignorierte Rand ganz eindeutig dabei. Ihre Stimme klang angespannt. �Lord Agelmar. Lord Kajin. Er sollte mittlerweile unsere Sitten zur Gen�ge kennen, aber da er zu gro� ist, um gez�chtigt zu werden, werde ich ihn Egwene �berlassen.�</p><p>Agelmar klopfte Rand v�terlich auf die Schulter. �Seht Ihr? Ihr werdet mit ihr sprechen, wenn auch nicht genau auf die Weise, wie Ihr es wolltet. Kommt, Kajin. Wir m�ssen uns noch um vieles k�mmern. Die Amyrlin besteht noch darauf...� Seine Stimme verklang, als er mit dem anderen Mann wegging. Rand stand da und sah Egwene an.</p><p>Egwene wurde es bewu�t, da� die Frauen sie immer noch beobachteten. Sie ebenso wie Rand. Sie warteten darauf, was sie unternehmen w�rde. <emphasis>Also sollte ich ihn wohl jetzt herunterputzen, ja?</emphasis> Und doch f�hlte sie, wie ihr Herz ihm zuflog. Sein Haar ben�tigte wieder einmal einen Kamm. In seinem Gesicht standen �rger, Trotz und Ersch�pfung geschrieben. �Komm mit mir�, forderte sie ihn auf. Hinter ihr murrten die Frauen, als er neben ihr den Flur hinunterging, weg von den Frauenquartieren. Rand schien mit sich selbst zu k�mpfen. Er suchte nach Worten.</p><p>�Ich habe von deinen... Eskapaden geh�rt�, sagte sie schlie�lich. �Letzte Nacht bist du mit einem Schwert in der Hand durch die Frauenquartiere gerannt. Zur Audienz bei der Amyrlin hast du ein Schwert getragen.� Er sagte immer noch nichts und ging nur mit finsterem, zu Boden gerichteten Blick neben ihr her. �Sie hat... sie hat dir nichts getan, oder?� Sie konnte sich nicht dazu �berwinden, ihn zu fragen, ob er eine D�mpfung erfahren habe. Er wirkte nicht so, aber sie wu�te freilich nicht, wie ein Mann danach aussah.</p><p>Er zuckte ein wenig. �Nein. Sie hat mich nicht... Egwene, die Amyrlin... � Er sch�ttelte den Kopf. �Sie hat mir nichts getan.�</p><p>Sie hatte das Gef�hl, er habe eigentlich etwas ganz anderes sagen wollen. Normalerweise konnte sie herausbekommen, was er vor ihr verbergen wollte, aber wenn er einmal wirklich stur bleiben wollte, h�tte sie noch leichter einen Backstein mit den Fingern�geln aus der Wand kratzen k�nnen. Nach der Haltung seines Kinns zu schlie�en, hatte er gerade seine allersturste Phase.</p><p>�Was wollte sie von dir, Rand?�</p><p>�Nichts Wichtiges. <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Sie wollte die <emphasis>ta'veren</emphasis> kennenlernen.� Sein Gesichtsausdruck wurde weicher, als er zu ihr hinunterblickte. �Wie geht es dir denn, Egwene? F�hlst du dich wieder wohl? Moiraine meinte, es werde dir wieder gut gehen, aber du warst so still. Zuerst glaubte ich, du seist tot.�</p><p>�Nein, bin ich nicht�, lachte sie. Sie konnte sich an nichts erinnern, was geschehen war, nachdem sie Mat gebeten hatte, mit ihr in den Kerker zu gehen. Ihr Ged�chtnis setzte dort wieder ein, als sie an jenem Morgen in ihrem eigenen Bett erwacht war. Nachdem sie alles �ber diese Nacht erfahren hatte, war sie beinahe froh dar�ber, sich an nichts erinnern zu k�nnen. �Moiraine sagte, wenn sie nur einen Teil h�tte heilen k�nnen und nicht alles an mir, dann h�tte sie mir kr�ftige Kopfschmerzen gelassen, weil ich so idiotisch war. Aber das ging nun mal nicht.�</p><p>�Ich sagte dir doch, da� Fain gef�hrlich ist�, sagte er leise. �Ich habe es dir gesagt, aber du wolltest nicht h�ren.�</p><p>�Wenn du weiter so mit mir reden willst�, meinte sie energisch, �dann �bergebe ich dich wieder Nisura. Sie wird anders mit dir umgehen als ich. Der letzte Mann, der versucht hat, sich in die Frauenquartiere einzuschleichen, hat den n�chsten Monat bis zu den Ellbogen in Seifenwasser verbracht. Er mu�te den Frauen beim W�schewaschen helfen, und dabei wollte er doch nur seine Verlobte besuchen und sich f�r einen Streit entschuldigen. Aber wenigstens war er so schlau, sein Schwert nicht zu tragen. Das Licht wei�, was sie mit dir anfangen w�rden.�</p><p>�Jeder will irgend etwas mit mir anfangen�, grollte er. �Jeder will mich zu irgend etwas benutzen. Aber ich werde mich nicht benutzen lassen. Wenn wir einmal das Horn und Mats Dolch gefunden haben, werde ich mich nie wieder benutzen lassen.�</p><p>Mit einem ungeduldigen Laut packte sie ihn bei den Schultern und zog ihn herum, damit er sie ansah. Sie funkelte zu ihm hinauf. �Wenn du nicht langsam mal vern�nftig redest, Rand al'Thor, schw�re ich, da� ich dir die Ohren langziehen werde.�</p><p>�Jetzt klingst du wie Nynaeve�, lachte er. Doch als er zu ihr hinunterblickte, verflog sein Lachen. �Ich sch�tze �ich sch�tze, da� ich dich nie wieder sehen werde. Ich wei�, da� du nach Tar Valon mu�t. Das ist klar. Und du wirst eine Aes Sedai. Ich bin mit den Aes Sedai fertig, Egwene. Ich werde nicht die Marionette f�r sie spielen, nicht f�r Moiraine oder irgendeine andere.�</p><p>Er wirkte so verloren, da� sie am liebsten seinen Kopf an ihre Schulter gebettet h�tte, und gleichzeitig so starrk�pfig, da� sie ihn wirklich an den Ohren ziehen wollte. �H�r mir mal zu, du gro�er Hornochse. Ich werde eine Aes Sedai, und ich werde trotzdem einen Weg finden, dir zu helfen. Ganz bestimmt.�</p><p>�Wenn du mich das n�chste Mal siehst, wirst du mich wahrscheinlich d�mpfen wollen.�</p><p>Sie sah sich hastig um. Sie waren allein in diesem Teil des Flurs. �Wenn du deine Zunge nicht h�test, kann ich dir auch nicht helfen. Willst du, da� es jeder erf�hrt?�</p><p>�Zu viele wissen es bereits�, sagte er. �Egwene, ich w�nschte, die Lage sei anders, aber es ist nun mal nicht so. Ich w�nschte... Pa� auf dich auf. Und versprich mir, da� du dich nicht f�r die Roten Ajah entscheiden wirst.�</p><p>Tr�nen lie�en ihren Blick verschwimmen, als sie die Arme um ihn schlang. �Und du pa�t bitte auf dich auf�, sagte sie energisch zu seiner Brust. �Wenn nicht, dann werde ich... ich werde... � Sie glaubte, ihn murmeln zu h�ren: �Ich liebe dich�, und dann dr�ckte er kraftvoll ihre Arme von sich und schob sie sanft weg. Er drehte sich um und ging fort. Er rannte beinahe.</p><p>Sie fuhr zusammen, als Nisura ihren Arm ber�hrte. �Er sieht aus, als h�ttest du ihm eine Aufgabe erteilt, die ihm nicht gef�llt. Aber du darfst ihn nicht sehen lassen, da� du seinetwegen weinst. Das schw�cht deine Position.</p><p>Komm! Nynaeve verlangt nach dir.�</p><p>Egwene wischte sich �ber die Wangen und folgte der anderen Frau. <emphasis>Pa� auf dich auf, du wollk�pfiger Tolpatsch. Licht, beh�te ihn!</emphasis></p></section><section><title><p>9</p><p>Abschied</p></title><p>Der Au�enhof befand sich in geordnetem Aufruhr, als Rand schlie�lich mit seinen Satteltaschen und dem B�ndel samt Harfe und Fl�te ankam. Die Sonne kletterte der Mittagsh�he entgegen. M�nner eilten zwischen den Pferden herum, pr�ften Sattelgurte und Ladegeschirr und schrien hin und her. Andere hetzten mit Dingen zu den Packpferden, an die sie in letzter Minute gedacht hatten, oder brachten den arbeitenden M�nnern Wasser oder eilten weg, um etwas zu holen, was ihnen gerade eingefallen war. Aber jeder schien genau zu wissen, was er tat und wohin er zu gehen hatte. Die Wehrg�nge und die Balkone der Bogensch�tzen waren wieder besetzt, und die Vormittagsluft knisterte vor Erregung. Hufe klapperten �ber die Pflastersteine. Eines der Packpferde schlug aus, und Stallburschen rannten hin, um es zu beruhigen. Pferdegeruch hing dicht in der Luft. Der Wind zerrte an Rands Umhang, so, wie er die Flaggen mit dem fliegenden Falken auf den T�rmen zum Flattern brachte, doch der �ber seinen R�cken geschlungene Bogen hielt den Umhang fest.</p><p>Au�erhalb des ge�ffneten Tors formierten sich die Lanzentr�ger und Bogensch�tzen der Amyrlin auf dem Platz. Sie waren von einem Seitenausgang heranmarschiert. Einer der Trompeter probierte sein Instrument aus.</p><p>Ein paar der Beh�ter sahen Rand neugierig an, als er �ber den Hof schritt. Einige zogen die Augenbrauen beim Anblick des Reiherzeichens auf seinem Schwert hoch, aber keiner sprach ihn deswegen an. Die H�lfte trug diese Art von Umh�ngen, die man kaum ansehen konnte, ohne da� einem schwindlig wurde. Mandarb, Lans Hengst, stand da, hoch im Rist und schwarz und mit wilden Augen, aber sein Besitzer war nicht da, genausowenig wie s�mtliche Aes Sedai bisher erschienen waren. Moiraines wei�e Stute Aldieb t�nzelte kokett neben dem Hengst.</p><p>Rands brauner Hengst befand sich bei der anderen Gruppe auf der gegen�berliegenden Seite des Hofes. Dort warteten Ingtar, ein Bannertr�ger, der Ingtars Banner mit der Grauen Eule hielt, und zwanzig ger�stete M�nner, deren Lanzen zwei Fu� lange Stahlspitzen aufwiesen; alle bereits zu Pferde. Ihre Visiere hatten sie heruntergelassen, und die Schuppenpanzer wurden von den goldenen Wappenr�cken mit dem Schwarzen Falken auf der Brust verdeckt. Nur Ingtars Helm trug eine Verzierung: einen Halbmond, der mit nach oben zeigenden Enden �ber der Stirn angebracht war. Rand erkannte einige der M�nner. Uno mit der unfl�tigen Ausdrucksweise, mit einer langen Narbe im Gesicht und nur einem Auge. Ragan und Masema. Andere, mit denen er ein paar Worte gewechselt oder ein Brettspiel gespielt hatte. Ragan winkte ihm zu, und Uno nickte, doch Masema war der einzige, der ihn kalt anblickte und sich dann abwandte. Ihre Packpferde standen ruhig mit gelegentlich zuckenden Schweifen da.</p><p>Der gro�e Braune t�nzelte, als Rand die Satteltaschen und das B�ndel hinter dem hochgezogenen Sattel festschnallte. Er setzte seinen Fu� in den Steigb�gel und murmelte: �Nur mit der Ruhe, Roter�, w�hrend er sich in den Sattel schwang. Dann lie� er den Hengst ein bi�chen von seiner im Stall angestauten Energie austoben.</p><p>Zu Rands �berraschung erschien Loial aus der Richtung der St�lle und ritt heran, um sich ihnen anzuschlie�en. Das zottige Reittier des Ogiers war so gro� und schwer wie ein hochdotierter Dhurran-Hengst. Neben ihm wirkten alle anderen Tiere, als seien sie etwa so gro� wie Bela, doch mit Loial im Sattel sah dann dieses Pferd selbst wie ein Pony aus. Loial trug keine f�r Rand sichtbare Waffe. Er hatte auch nie von einem Ogier geh�rt, der eine Waffe gebraucht h�tte. Ihr <emphasis>Stedding</emphasis> war Schutz genug. Und Loial hatte seine eigenen Anschauungen dar�ber, was er f�r eine Reise ben�tigte. Die Taschen seines langen Mantels beulten sich verd�chtig aus, und seine Satteltaschen zeigten die rechteckigen Abdr�cke von B�chern.</p><p>Der Ogier lie� sein Pferd ein St�ck entfernt stehenbleiben und sah Rand an. Seine behaarten Ohren zuckten unschl�ssig.</p><p>�Ich wu�te nicht, da� du mitkommst�, sagte Rand. �Ich dachte, du h�ttest langsam genug davon, mit uns zu reisen. Diesmal kann man nicht vorhersagen, wie lange es dauern wird oder wo wir schlie�lich landen.�</p><p>Loials Ohren hoben sich ein wenig. �Das wu�te man auch nicht, als ich dich zum erstenmal traf. Au�erdem, was damals galt, gilt auch jetzt noch. Ich kann die Chance nicht verstreichen lassen, zuzuschauen, wie sich die tats�chliche Geschichte um <emphasis>ta'veren</emphasis> herum webt. Und zu helfen, das Horn zu finden... �</p><p>Mat und Perrin ritten hinter Loial heran und hielten an. Mat wirkte um die Augen herum ein wenig m�de, aber sein Gesicht strotzte vor Gesundheit.</p><p>�Mat�, sagte Rand. �Was ich gesagt habe, tut mir leid. Perrin, ich habe es nicht so gemeint. Ich war einfach bl�d.�</p><p>Mat sah ihn nur an, sch�ttelte dann den Kopf und fl�sterte Perrin etwas zu, das Rand nicht verstehen konnte. Mat hatte nur seinen Bogen und den K�cher dabei, aber Perrin trug auch wieder seine Axt am G�rtel � die gro�e, halbmondf�rmige Klinge an ihrem dicken Schaft.</p><p>�Mat? Perrin? Ich wollte wirklich nicht... � Sie ritten weiter auf Ingtar zu. �Das ist aber kein Mantel f�r eine lange Reise, Rand�, sagte Loial.</p><p>Rand blickte hinunter auf die goldenen Dornen, die den purpurroten �rmel erkletterten, und er schnitt eine Grimasse. <emphasis>Kein Wunder, da� Mat und Perrin immer noch glauben, ich hielte mich f�r was Besseres.</emphasis> Als er in sein Zimmer zur�ckgekehrt war, hatte er alles leer vorgefunden � das Gep�ck war bereits fertig gepackt und weggebracht worden. Alle einfachen M�ntel, die man ihm gegeben hatte, befanden sich auf den Packpferden, sagten die Diener. Jeder im Schrank zur�ckgebliebene Mantel war mindestens ebenso prachtvoll wie der, den er anhatte. In seinen Satteltaschen befand sich keine Kleidung au�er ein paar Hemden, einigen Wollstr�mpfen und einem Paar Reservehosen. Zumindest hatte er die goldene Schnur von seinem �rmel entfernt; die Anstecknadel mit dem roten Adler hatte er in die Tasche gesteckt. Lan hatte sie ihm ja schlie�lich geschenkt.</p><p>�Ich werde mich umziehen, wenn wir heute abend lagern�, murmelte er. Er atmete tief ein. �Loial, ich habe dir Sachen gesagt, die ich nicht h�tte sagen sollen, und ich hoffe, du kannst mir vergeben. Du hast jedes Recht, auf mich zornig zu sein, aber ich hoffe, du bist es nicht.�</p><p>Loial grinste, und seine Ohren stellten sich auf. Er brachte sein Pferd n�her heran. �Ich sage die ganze Zeit �ber Sachen, die ich nicht sagen sollte. Die �ltesten haben immer behauptet, ich rede schon eine Stunde, bevor ich denke.�</p><p>Pl�tzlich befand sich Lan neben Rands Steigb�geln. Er trug seine graugr�ne R�stung, in der er im Wald oder bei Dunkelheit fast nicht mehr zu sehen war. �Ich mu� mit dir sprechen, Schafhirte.� Er sah Loial an. �Allein bitte, wenn es Euch recht ist, Erbauer.� Loial nickte und ritt auf seinem riesigen Pferd ein St�ck weg.</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich auf Euch h�ren sollte�, sagte Rand zu dem Beh�ter. �Diese auffallende Kleidung und alles, was Ihr mir empfohlen habt, war nicht sehr hilfreich.�</p><p>�Wenn du keinen gro�en Sieg erringen kannst, Schafhirte, dann lerne, dich mit kleinen abzufinden. Wenn du es fertiggebracht hast, da� sie glauben, du seist mehr als ein Bauernjunge, den man leicht herumkommandieren kann, dann hast du einen kleinen Sieg errungen. Jetzt sei ruhig und h�r zu. Ich habe nur Zeit f�r eine letzte Lektion � die schwerste: Schwert in die Scheide.�</p><p>�Ihr habt jeden Morgen eine Stunde damit verbracht, mich nichts anderes tun zu lassen, als dieses bl�de Schwert zu ziehen und zur�ck in die Scheide zu stecken. Stehend, sitzend, liegend. Ich denke, ich schaffe es, das Schwert zur�ckzustecken, ohne mich dabei zu schneiden.�</p><p>�Ich sagte, du sollst zuh�ren, Schafhirte�, grollte der Beh�ter. �Es wird eine Zeit kommen, wo du unter allen Umst�nden ein Ziel erreichen mu�t. Das kann sowohl beim Angreifen als auch in der Verteidigung geschehen. Und der einzige m�gliche Weg wird darin bestehen, da� du deinem Gegner erlaubst, das Schwert in deinem eigenen K�rper unterzubringen.�</p><p>�Das ist ja verr�ckt�, sagte Rand. �Warum sollte ich je...?�</p><p>Der Beh�ter schnitt ihm das Wort ab. �Du wirst es erkennen, wenn es soweit ist, Schafhirte, wenn der Zweck das Opfer wert ist und du keine andere Wahl mehr hast. Das nennt man dann �Schwert in die Scheide�. Merke es dir.�</p><p>Die Amyrlin erschien und schritt mit Leane und deren Stab sowie Lord Agelmar neben sich �ber den Hof. Selbst in einem gr�nen Samtmantel wirkte der Herr von Fal Dara keineswegs deplaziert unter so vielen ger�steten M�nnern. Von den anderen Aes Sedai war noch nichts zu sehen. Als sie vorbeikamen, h�rte Rand einen Teil ihrer Unterhaltung.</p><p>�Aber Mutter�, protestierte Agelmar gerade, �Ihr habt gar keine Zeit gehabt, Euch von der Reise hierher auszuruhen! Bleibt doch noch ein paar Tage. Ich verspreche Euch ein Fest heute abend, wie Ihr es kaum in Tar Valon erwarten k�nnt.�</p><p>Die Amyrlin sch�ttelte den Kopf, ohne im Schreiten innezuhalten. �Ich kann nicht, Agelmar. Ihr wi�t, ich w�rde bleiben, wenn ich k�nnte. Ich hatte nicht geplant, lang zu bleiben, und dringende Angelegenheiten verlangen meine Anwesenheit in der Wei�en Burg. Ich sollte jetzt schon dort sein.�</p><p>�Mutter, es besch�mt mich, da� Ihr an einem Tag ankommt und uns am n�chsten wieder verla�t. Ich schw�re Euch, es wird keine Wiederholung von letzter Nacht geben. Ich habe die Wachen sowohl an den Stadttoren als auch an der Festung verdreifachen lassen. Ich habe hier Akrobaten aus der Stadt, und aus Mos Shirare kommt ein Barde. Und au�erdem d�rfte K�nig Easar auf dem Weg von Fal Moran nach hier sein. Ich habe ihn benachrichtigt, sobald... �</p><p>Ihre Stimmen verklangen, als sie den Hof �berquerten, und wurden vom L�rm der Reisevorbereitungen verschluckt. Die Amyrlin warf keinen einzigen Blick in Rands Richtung.</p><p>Als Rand hinunterblickte, war der Beh�ter verschwunden und nirgends mehr zu sehen. Loial lie� sein Pferd wieder an Rands Seite treten. �Der Mann ist schwer zu fangen und festzuhalten, nicht wahr, Rand? Er ist nicht da, dann ist er da, dann ist er weg, und man sieht ihn weder kommen noch gehen.�</p><p><emphasis>Schwert in die Scheide.</emphasis> Rand schauderte. <emphasis>Beh�ter m�ssen wohl verr�ckt sein.</emphasis></p><p>Der Beh�ter, mit dem die Amyrlin gerade sprach, sprang pl�tzlich in den Sattel. Er befand sich schon in gestrecktem Galopp, bevor er die weit offenstehenden Torfl�gel passierte. Sie sah ihm nach, und ihre Haltung schien ihn anzutreiben, noch schneller zu reiten. �Wohin reitet er in solcher Eile?� fragte sich Rand laut.</p><p>�Ich h�rte�, sagte Loial, �da� sie heute jemanden den ganzen Weg nach Arad Doman hin�berschicken wollte. Es gab eine Nachricht �ber irgendeine Art von Unruhen in der Ebene von Almoth, und die Amyrlin will genau wissen, was es damit auf sich hat. Was ich nicht verstehe, ist, warum gerade jetzt? Nach dem zu schlie�en, was ich geh�rt habe, hat das Ger�cht die Aes Sedai bereits von Tar Valon herbegleitet.�</p><p>Rand fror. Egwenes Vater hatte eine gro�e Landkarte zu Hause, eine Karte, �ber der Rand mehr als einmal gebr�tet hatte. Er hatte getr�umt, bevor er herausfand, was an den Tr�umen dran war, wenn sie zur Wirklichkeit wurden. Sie war alt, diese Karte, und zeigte einige L�nder und Staaten, von denen die Kaufleute von ausw�rts behaupteten, sie existierten nicht mehr, aber die Ebene von Almoth war eingezeichnet. Sie stie� direkt an die Toman-Halbinsel. <emphasis>Wir treffen uns auf der TomanHalbinsel wieder.</emphasis> Das lag ganz auf der anderen Seite der Welt, die er kannte, an der K�ste des Aryth-Meeres. �Das hat mit uns nichts zu tun�, fl�sterte er. �Hat nichts mit mir zu tun.�</p><p>Loial schien es nicht geh�rt zu haben. Er rieb sich mit einem dicken Wurstfinger �ber einen Nasenfl�gel und sah immer noch zu dem Tor hin�ber, durch das der Beh�ter verschwunden war. �Wenn sie das in Erfahrung bringen wollte, warum schickt sie dann nicht jemanden los, bevor sie Tar Valon verl��t? Aber Ihr Menschen seid halt immer �berhastet und leicht erregbar, springt immer hektisch herum und schreit gleich.� Seine Ohren wurden steif vor Verlegenheit. �Es <emphasis>tut</emphasis> mir so leid, Rand. Siehst du, was ich damit meinte: reden, bevor ich denke? Ich bin selbst manchmal vorschnell und leicht erregbar, wie du wei�t.�</p><p>Rand lachte. Es war ein eher schwaches Lachen, aber er f�hlte sich wohl bei dem Gedanken, �berhaupt etwas zu haben, wor�ber er lachen konnte. �Wenn wir so lange lebten wie ihr Ogier, w�ren wir vielleicht auch etwas gesetzter.� Loial war neunzig Jahre alt und nach Ogier-Regeln bedeutete das, er war zehn Jahre zu jung, um das <emphasis>Stedding</emphasis> allein zu verlassen. Da� er trotzdem weggegangen war, stellte seiner beharrlichen Ansicht nach einen Beweis seiner vorschnellen Handlungsweise dar. Wenn Loial schon ein leicht erregbarer Ogier war, dachte Rand, dann mu�ten die anderen wohl aus Stein bestehen.</p><p>�Vielleicht�, sann Loial laut nach, �aber ihr Menschen macht soviel aus Euren Leben. Wir tun nichts, als in unseren <emphasis>Steddings</emphasis> zusammenzuhocken oder die Haine zu pflanzen, und auch das Erbauen war beendet, bevor das Lange Exil noch vor�ber war.� Es waren die Haine, die Loial am Herzen lagen, und nicht die St�dte, die die Menschen an die Ogier erinnerten, die sie erbaut hatten.</p><p>Es waren diese Haine, angelegt, um die Ogier-Baumeister an die <emphasis>Steddings</emphasis> zu erinnern, derentwegen Loial seine Heimat verlassen hatte. �Seit wir den Weg zur�ck zu den <emphasis>Steddings</emphasis> gefunden haben... � Seine Worte brachen ab, als sich die Amyrlin n�herte.</p><p>Ingtar und die anderen M�nner rutschten in den S�tteln hin und her und bereiteten sich darauf vor, abzusteigen und niederzuknien, doch sie bedeutete ihnen, zu bleiben, wo sie waren. Leane stand neben ihr, und Agelmar einen Schritt dahinter. Nach seinem betr�bten Gesicht zu schlie�en, hatte er es aufgegeben, sie daf�r gewinnen zu wollen, noch l�nger zu verweilen.</p><p>Die Amyrlin sah einen nach dem anderen an, bevor sie sprach. Ihr Blick ruhte nicht l�nger auf Rand als auf den anderen.</p><p>�Der Friede segne Euer Schwert, Lord Ingtar�, sagte sie schlie�lich. �Ehre den Erbauern, Loial Kiseran.�</p><p>�Ihr ehrt uns, Mutter. M�ge der Friede Tar Valon erhalten bleiben.� Ingtar verbeugte sich im Sattel, und die anderen Schienarer folgten seinem Beispiel.</p><p>�Alle Ehre Tar Valon�, sagte Loial, der sich ebenfalls verbeugte.</p><p>Nur Rand und seine beiden Freunde auf der anderen Seite der Gruppe hielten sich aufrecht. Er fragte sich, was sie ihnen wohl gesagt habe. Leanes finstere Miene galt allen dreien, und Agelmar ri� die Augen auf, doch die Amyrlin nahm keine Notiz davon.</p><p>�Ihr reitet, um das Horn von Valere zu suchen�, sagte sie, �und die Hoffnung der Welt reitet mit Euch. Das Horn kann nicht in falschen H�nden verbleiben, besonders nicht in den H�nden von Schattenfreunden. Diejenigen, die zur Antwort auf seinen Ruf erscheinen, kommen, gleich wer es bl�st, und sie sind an das Horn gebunden und nicht ans Licht.�</p><p>Es entstand Unruhe unter den lauschenden M�nnern. Jeder hatte geglaubt, da� diese aus den Gr�bern zur�ckgerufenen Helden f�r das Licht k�mpfen w�rden. Wenn sie statt dessen f�r den Schatten k�mpften...</p><p>Die Amyrlin fuhr fort, doch Rand h�rte nicht mehr zu. Der Beobachter war wieder da. Seine Nackenhaare stellten sich auf. Er sp�hte hinauf zu den �berf�llten Balkonen der Bogensch�tzen, die den Hof �berblickten, und zu den dichten Reihen der Menschen auf den Wehrg�ngen. Irgendwo dort droben befand sich das Augenpaar, das ihm ungesehen gefolgt war. Der Blick hing an ihm wie schmutziges �l. <emphasis>Es kann kein Blasser sein, hier nicht. Aber wer dann? Oder was?</emphasis> Er drehte sich im Sattel um und zog auch den Braunen herum und suchte. Der Hengst begann wieder zu t�nzeln.</p><p>Pl�tzlich zischte etwas vor Rands Gesicht vorbei. Ein Mann, der hinter der Amyrlin vorbeilief, schrie auf und st�rzte. Ein schwarz befiederter Pfeil ragte aus seiner Seite. Die Amyrlin stand ruhig da und betrachtete einen Ri� in ihrem �rmel. Blut drang langsam durch die graue Seide.</p><p>Eine Frau schrie, und pl�tzlich erklangen �berall um den Hof Rufe und Schreie. Die Menschen auf den Mauern dr�ngten sich wild durcheinander, und jeder Mann im Hof hatte sein Schwert gezogen. Selbst Rand, wie er �berrascht bemerkte.</p><p>Agelmar erhob seine Klinge zum Himmel. �Findet ihn!� br�llte er. �Bringt ihn zu mir!� Sein vor Zorn ger�tetes Gesicht erbla�te, als er das Blut am �rmel der Amyrlin bemerkte. Er fiel auf die Knie nieder und senkte den Kopf. �Vergebt, Mutter. Ich habe bei Eurem Schutz versagt. Ich bin besch�mt.�</p><p>�Unsinn, Agelmar�, sagte die Amyrlin. �Leane, h�r auf, um mich herumzuwuseln, und k�mmere dich um diesen Mann. Ich habe mich mehr als einmal schlimmer geschnitten, wenn ich Fische ausnahm, und er ben�tigt sofort Hilfe. Agelmar, steh auf. Steht auf, Herr von Fal Dara. Ihr habt nicht versagt, und Ihr habt keinen Grund, Euch zu sch�men. Letztes Jahr in der Wei�en Burg, wo an jeder T�r meine eigenen Wachen und rund herum Beh�ter stehen, kam ein Mann mit einem Messer bis auf f�nf Schritte an mich heran. Zweifellos ein Wei�mantel, auch wenn ich keinen Beweis habe. Bitte steht auf, oder Ihr besch�mt mich.� Als Agelmar sich langsam erhob, f�hlte sie nach ihrem zerrissenen �rmel. �Ein schlechter Schu� f�r einen Wei�mantel-Bogensch�tzen oder sogar f�r einen Schattenfreund.� Ihr Blick huschte zu Rand hin�ber und traf seinen. �Wenn er �berhaupt auf mich gezielt hat.� Der Blick war wieder woandershin gerichtet, bevor er etwas aus ihrem Gesichtsausdruck ablesen konnte, doch er w�re am liebsten abgestiegen und h�tte sich versteckt.</p><p><emphasis>Er war nicht auf sie gezielt, und sie wei� das.</emphasis></p><p>Leane richtete sich aus ihrer knienden Haltung auf. Jemand hatte einen Umhang �ber das Gesicht des Mannes gebreitet, der den Pfeil abbekommen hatte. �Er ist tot, Mutter.� Es klang m�de. �Er war schon tot, bevor er den Boden ber�hrte. Selbst wenn ich gleich neben ihm gestanden h�tte... �</p><p>�Du hast dein M�glichstes getan, Tochter. Vom Tod kann man nicht geheilt werden.�</p><p>Agelmar trat n�her heran. �Mutter, falls Wei�mantelM�rder oder Schattenfreunde in der N�he sind, m��t Ihr mir gestatten, Euch M�nner mitzugeben. Wenigstens bis zum Flu�. Ich w�rde es nicht �berleben, wenn Euch ausgerechnet in Schienar etwas zust��e. Bitte geht zur�ck in die Frauenquartiere. Ich b�rge mit meinem Leben daf�r, da� sie gut beh�tet werden, bis Ihr reisefertig seid.�</p><p>�Nehmt es nicht so schwer�, sagte sie zu ihm. �Der Kratzer wird mich keinen einzigen Moment lang aufhalten. Ja, ja. Ich werde mich gl�cklich sch�tzen, uns bis zum Flu� von Euren M�nnern begleiten zu lassen, wenn Ihr darauf besteht. Aber ich erlaube nicht, da� deshalb Lord Ingtar auch nur einen Augenblick lang aufgehalten wird. Jeder Herzschlag z�hlt, bis das Horn wiedergewonnen ist. Habe ich Eure Erlaubnis, Lord Agelmar, Euren M�nnern Befehle zu erteilen?�</p><p>Er neigte zustimmend das Haupt. In diesem Moment h�tte er ihr auch Fal Dara �bergeben, wenn sie ihn darum gebeten h�tte.</p><p>Die Amyrlin wandte sich wieder Ingtar und den M�nnern zu, die sich hinter ihm versammelt hatten. Sie sah Rand nicht mehr an. Er war �berrascht, als er sie pl�tzlich l�cheln sah.</p><p>�Ich wette, in Illian wird man die Wilde Jagd nach dem Horn nicht so pomp�s gestalten�, sagte sie. �Aber Ihr seid die wirklichen J�ger des Horns. Ihr seid wenige und k�nnt deshalb schnell vorw�rtskommen, aber Ihr seid doch genug, um durchzuf�hren, was sein mu�. Ich beauftrage Euch, Lord Ingtar aus dem Haus Shinowa, ich beauftrage Euch alle, das Horn von Valere zu finden. La�t Euch durch nichts davon abhalten.�</p><p>Ingtar ri� sein Schwert vom R�cken und k��te die Klinge. �Bei meinem Leben und meiner Seele, bei meinem Haus und meiner Ehre schw�re ich es, Mutter.�</p><p>�Dann reitet los.�</p><p>Ingtar wandte sein Pferd dem Tor zu.</p><p>Rand lie� den Braunen die Fersen sp�ren und galoppierte der Kolonne hinterher, die bereits durch das Tor verschwand.</p><p>Dessen unkundig, was im Inneren der Festung geschehen war, standen die Lanzentr�ger und Bogensch�tzen der Amyrlin vom Tor bis zur Stadt Spalier, auf jeder Brust die Flamme von Tar Valon. Ihre Trommler und Trompeter warteten in der N�he des Tores, bereit, hinter ihr einzuschwenken, wenn sie die Festung verlie�. Hinter den Reihen der ger�steten M�nner war der Vorplatz der Festung voll von Menschen. Einige jubelten beim Anblick von Ingtars Flagge, und andere glaubten zweifellos, dies sei der Beginn der Abreise der Amyrlin. Anschwellender Jubel folgte Rand �ber den Platz hinweg.</p><p>Er holte Ingtar ein, wo H�user mit tief heruntergezogenen D�chern und L�den zu beiden Seiten der Stra�e standen und wo die gepflasterten Stra�en noch dichter von Zuschauern belagert wurden. Auch hier jubelten einige. Mat und Perrin waren zusammen mit Ingtar und Loial am Kopf der Kolonne geritten, aber die beiden lie�en sich zur�ckfallen, als Rand nahte. <emphasis>Wie kann ich mich jemals entschuldigen, wenn sie nie lang genug bei mir bleiben, um �berhaupt etwas zu sagen? Licht noch mal, er sieht nicht danach aus, als liege er im Sterben.</emphasis></p><p>�Changu und Nidao sind weg�, sagte Ingtar pl�tzlich. Es klang kalt und zornig, aber auch ersch�ttert. �Wir z�hlten jedermann in der Festung, tot oder lebendig, am letzten Abend und heute morgen noch mal. Sie sind die einzigen, �ber deren Verbleib nichts bekannt ist.�</p><p>�Changu hatte gestern Wache im Kerker�, sagte Rand bed�chtig.</p><p>�Nidao auch. Sie hatten die zweite Wache. Sie blieben immer beieinander, auch wenn sie tauschen oder sogar Sonderdienste deswegen �bernehmen mu�ten. Sie hatten keine Wache, als es passierte, aber... Sie k�mpften vor einem Monat noch am Tarwin-Pa� und retteten Lord Agelmar, als sein Pferd inmitten von Trollocs st�rzte. Und nun das. Schattenfreunde.� Er atmete tief durch. �Alles zerbricht langsam.�</p><p>Ein Berittener bahnte sich den Weg durch die Menschenmenge an der Stra�e und schlo� sich der Kolonne an. Er ritt gleich hinter Ingtar. Der Kleidung nach war er ein Stadtbewohner, hager, mit zerfurchtem Gesicht und langem, fast grauem Haar. Hinter seinen Sattel hatte er ein B�ndel und dazu Wasserflaschen geschnallt, und an seinem G�rtel hingen ein kurzes Schwert und ein verbeulter Schwertf�nger neben einem durchgesteckten Kn�ppel.</p><p>Ingtar bemerkte Rands Blick. �Das ist Hurin, unser Schn�ffler. Es war nicht n�tig, da� die Aes Sedai von ihm erfuhren. Nicht, da� er etwas Schlimmes tut, verstehst du? Der K�nig h�lt sich in Fal Moran auch einen Schn�ffler, und in Ankor Dail gibt es noch einen. Es ist nur so � den Aes Sedai gef�llt nichts, was sie nicht verstehen, und dann ist er auch noch ein Mann... Es hat nat�rlich nichts mit der Einen Macht zu tun. Aaaah! Sag du es ihm, Hurin.�</p><p>�Ja, Lord Ingtar�, sagte der Mann. Er verbeugte sich tief im Sattel vor Rand. �Es ist mir eine Ehre, Euch zu dienen, Lord.�</p><p>�Nenn mich einfach Rand.� Rand streckte ihm die Hand hin, und nach kurzem Z�gern grinste Hurin und ergriff sie.</p><p>�Wie Ihr w�nscht, Lord Rand. Lord Ingtar und Lord Kajin k�mmern sich wenig darum, wie sich M�nner untereinander verhalten � und Lord Agelmar nat�rlich auch nicht �, aber in der Stadt hei�t es, Ihr seid ein ausl�ndischer Prinz aus dem S�den, und einige der Herren aus dem Ausland halten strikt den Abstand zum gew�hnlichen Volk ein.�</p><p>�Ich bin kein Lord.� <emphasis>Wenigstens kann ich dem allen jetzt entkommen.</emphasis> �Einfach Rand.�</p><p>Hurin zwinkerte. �Wie Ihr w�nscht, Lor... �h... Rand. Seht Ihr... siehst du, ich bin ein Schn�ffler. Diesen Sonntag habe ich vierj�hriges Jubil�um gehabt. Zuvor hatte ich noch nie von so etwas geh�rt, aber ich wei� nun, da� es noch ein paar andere wie mich gibt. Es hat langsam angefangen. Ich habe Gestank gerochen, wo sonst niemand etwas riechen konnte, und das wurde immer h�ufiger. Es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis ich darauf kam, was es bedeutet. Ich konnte Gewalt riechen, Tod und Verletzungen. Ich konnte riechen, wo es geschehen war. Ich konnte die Spur derjenigen riechen, die Gewalttaten vollbracht hatten. Jede Spur ist anders, also kann ich sie nie verwechseln. Lord Ingtar hat davon geh�rt und nahm mich in seinen Dienst, um der Gerechtigkeit des K�nigs zu dienen.�</p><p>�Du kannst Gewalt riechen?� fragte Rand. Er konnte sich nicht helfen � er mu�te die Nase des Mannes ansehen. Es war eine ganz gew�hnliche Nase, nicht gro� und nicht klein. �Du willst damit sagen, da� du wirklich jemandem folgen kannst, der zum Beispiel einen anderen Mann get�tet hat? Nur durch deinen Geruchssinn?�</p><p>�Das kann ich, Lor... �h... Rand. Mit der Zeit l��t der Geruch nach, aber je schlimmer die angewandte Gewalt war, desto l�nger h�lt er sich. O je, ich kann ein zehn Jahre altes Schlachtfeld noch riechen, auch wenn die Spuren der M�nner, die dort waren, l�ngst verblichen sind. Oben in der N�he der F�ule bleiben die Spuren der Trollocs immer gleich stark. Ein Trolloc kann nicht viel mehr als t�ten und verletzen. Bei einer Wirtshausschl�gerei aber, wo vielleicht nur ein Arm gebrochen wird, ist der Geruch nach wenigen Stunden verflogen.�</p><p>�Ich sehe schon, warum du nicht willst, da� die Aes Sedai das herausfinden.�</p><p>��h, Lord Ingtar hatte schon recht in bezug auf die Aes Sedai, das Licht m�ge sie erleuchten... �h, Rand. Da war einmal eine in Cairhien � Braune Ajah, aber ich schw�re, ich hatte sie in Verdacht, zu den Roten zu geh�ren, bevor sie mich schlie�lich laufen lie� �; sie hat mich einen ganzen Monat festgehalten, um herauszufinden, wie ich das mache. Sie konnte es nicht vertragen, etwas nicht zu wissen. Sie murmelte immer wieder: �Ist es eine alte F�higkeit, die nun wieder auftaucht, oder ist es etwas Neues?� und starrte mich an, bis man glauben konnte, ich ben�tze tats�chlich die Eine Macht. Ich habe beinahe schon an mir selbst gezweifelt. Aber ich bin nicht wahnsinnig geworden, und ich tue auch eigentlich nichts. Ich rieche es halt nur.�</p><p>Rand konnte nicht anders als sich an Moiraines Worte zu erinnern. <emphasis>Die alten Schranken werden br�chig. In unserer Zeit liegt etwas von Aufl�sung und Ver�nderung. Alte Dinge kommen zur�ck, und neue werden geboren. Wir erleben vielleicht das Ende eines Zeitalters.</emphasis> Er schauderte. �Also werden wir diejenigen, die das Horn stahlen, mit Hilfe deiner Nase verfolgen.�</p><p>Ingtar nickte. Hurin grinste stolz und sagte: �Das werden wir... �h... Rand. Einmal habe ich einen M�rder bis Cairhien verfolgt und einen anderen sogar bis Maradon, damit ich sie den Richtern des K�nigs �bergeben konnte.� Sein Grinsen verflog, und er sah fast besorgt aus. �Aber dies ist der schlimmste Fall, mit dem ich je besch�ftigt war. Mord riecht schlecht, und die Spur der M�rder stinkt danach, aber das hier... � Er r�mpfte die Nase. �Letzte Nacht waren auch M�nner darin verwickelt. M�ssen Schattenfreunde gewesen sein, aber man kann halt einen Schattenfreund nicht am Geruch erkennen. Ich folge den Trollocs und den Halbmenschen. Und etwas noch Schlimmerem.� Er wurde leiser, machte ein finsteres Gesicht und murmelte etwas in sich hinein, aber Rand konnte es verstehen. �Etwas noch Schlimmerem, Licht hilf mir!�</p><p>Sie erreichten das Stadttor, und gleich hinter der Mauer hob Hurin das Gesicht in den leichten Wind. Seine Nasenfl�gel bl�hten sich, und er schnaubte vor Ekel. �Dorthin, Lord Ingtar.� Er zeigte nach S�den.</p><p>Ingtar blickte �berrascht drein. �Nicht in Richtung F�ule?�</p><p>�Nein, Lord Ingtar. Pfui!� Hurin wischte sich mit dem �rmel den Mund ab. �Ich kann sie beinahe schmecken. Sie gingen nach S�den.�</p><p>�Dann hatte sie also recht, die Amyrlin�, sagte Ingtar bed�chtig. �Eine gro�e und weise Frau, die bessere als mich verdient, um ihr zu dienen. Nimm die Witterung auf, Hurin.�</p><p>Rand drehte sich um und sp�hte durch das Tor zur�ck die Stra�e hinauf zur Festung. Er hoffte, da� es Egwene auch wirklich gut gehe. <emphasis>Nynaeve wird sich um sie k�mmern. Vielleicht ist es so besser, ein klarer Einschnitt, zu schnell, um zu schmerzen, sobald er vollbracht wurde.</emphasis></p><p>Er ritt hinter Ingtar und dem Banner der Grauen Eule her nach S�den. Der Wind frischte auf und blies ihm trotz des Sonnenscheins kalt in den R�cken. Er glaubte, schwaches und sp�ttisches Gel�chter darin zu h�ren.</p><p>Der zunehmende Mond beleuchtete die feuchten nachtdunklen Stra�en von Illian, in denen immer noch der L�rm der Feiern des Tages nachklang. In nur wenigen Tagen w�rde man die Wilde Jagd nach dem Horn mit allem Pomp und allen Feierlichkeiten er�ffnen, die der �berlieferung nach bis auf das Zeitalter der Legenden zur�ckgingen. Die Feierlichkeiten zu Ehren der J�ger waren mit dem Fest des Teven und mit dessen ber�hmtem Gaukler-Wettbewerb zusammengefallen. Wie immer w�rde der wichtigste aller Preise f�r den besten Vortrag der <emphasis>Wilden Jagd nach dem Horn</emphasis> verliehen.</p><p>Heute abend traten die Gaukler in den Pal�sten und Herrenh�usern der Stadt auf, wo sich die Gro�en und M�chtigen aufhielten und die J�ger, die aus allen L�ndern gekommen waren, um, wenn nicht das Horn selbst, dann doch wenigstens Unsterblichkeit im Lied der Barden zu finden. Es w�rde Musik erklingen und getanzt werden und F�cher und Eis geben, um die erste wirkliche Hitzewelle des Jahres besser zu �berstehen. Aber auch in den Stra�en herrschte in dieser mondbeschienenen, schw�len Nacht gro�er Trubel. Bis die J�ger aufbrachen, herrschte jeden Tag und jede Nacht Trubel. Menschen mit Masken und bizarren, phantasievollen Kost�men, von denen viele eine Menge Fleisch sehen lie�en, rannten an Bayle Domon vorbei. Sie rannten rufend und singend einher, ein halbes Dutzend zusammen, dann vereinzelte kichernde Paare, die sich eng umarmten, dann wieder zwanzig in einer gr�lenden Gruppe. Am Himmel zerknallten Feuerwerksk�rper in goldenen und silbernen Explosionen vor dem schwarzen Himmel. Es befanden sich beinahe so viele Feuerwerker in der Stadt wie Gaukler.</p><p>Domon verschwendete nicht viele Gedanken an das Feuerwerk oder die Jagd. Er war auf dem Weg, sich mit M�nnern zu treffen, von denen er glaubte, sie wollten ihn m�glicherweise t�ten.</p><p>Er �berquerte die Br�cke der Blumen �ber einen der vielen Kan�le in der Stadt und ging ins Parf�mierte Viertel, den Hafenbezirk von Illian. Der Kanal roch nach dem Inhalt zu vieler Nachtt�pfe, und es gab kein Anzeichen daf�r, da� sich in der N�he der Br�cke jemals Blumen befunden hatten. Das Viertel roch nach Hanftauen und Pech aus den Werften und Docks, nach saurem Hafenschlamm, und alles wurde noch verst�rkt durch eine erhitzte, feuchte Luft. Domon atmete schwer. Jedesmal, wenn er aus dem Norden zur�ckkehrte, wurde er erneut von der Fr�hsommerhitze Illians �berrascht, obwohl er hier geboren war. In einer Hand trug er einen kr�ftigen Kn�ppel, und die andere ruhte auf dem Griff des kurzen Schwertes, das er schon so oft ben�tzt hatte, um das Deck seines Flu�kahns vor R�ubern zu sch�tzen. Nicht wenige Stra�enr�uber lauerten in diesen durchfeierten N�chten, wo die Beute reich und die meisten Opfer angetrunken waren.</p><p>Aber er war ein breitschultriger, kr�ftiger Mann, und keiner derer, die darauf aus waren, Gold zu erbeuten, hielt ihn mit seinem einfach geschnittenen Mantel f�r reich genug, um zu riskieren, etwas von einem Mann seiner Gr��e und von seinem Kn�ppel abzubekommen. Die wenigen, die ihn im aus einem Fenster fallenden Licht klar erkennen konnten, blieben stehen und warteten, bis er vorbei war. Dunkles Haar hing ihm auf die Schultern, und ein langer Bart, der die Oberlippe freilie�, umrahmte ein Gesicht, das noch nie einen sanften Ausdruck gezeigt hatte. Jetzt wirkte es so grimmig, als habe er vor, sich durch eine Wand hindurchzurammen. Er mu�te bestimmte M�nner treffen und war nicht gerade gl�cklich dar�ber.</p><p>Weitere Angetrunkene rannten vor�ber, wobei sie v�llig falsch sangen und der Wein ihre Worte verschwimmen lie�. <emphasis>Das Horn von Valere�, ganz gewi�!</emphasis> dachte Domon m�rrisch. <emphasis>Es sein mein Schiff, was ich behalten wollen. Und mein Leben, Gl�ck stich mich.</emphasis></p><p>Er kehrte in eine Schenke ein, die das Zeichen eines gro�en, wei�gestreiften Dachses aufwies, der mit einem Mann mit silberner Schaufel auf den Hinterbeinen tanzte. �Den Dachs erleichtern� hie� die Schenke, und noch nicht einmal Nieda Sidoro, die Wirtin, wu�te, was der Name bedeutete. Es hatte immer schon eine Schenke dieses Namens in Illian gegeben.</p><p>Der Schankraum war gut beleuchtet und ruhig. Auf dem Boden lagen S�gesp�ne, und ein Musiker zupfte sanft seine zw�lfsaitige Zither. Er spielte eines der traurigen Lieder des Meervolks. Nieda gestattete kein Gegr�le in ihrer Schenke, und ihr Neffe Bili war gro� genug, um mit jeder Hand einen Mann hinauszuschleppen. Seem�nner, Werftarbeiter und Schauerleute kamen in den �Dachs�, um etwas zu trinken und sich vielleicht ein wenig zu unterhalten, um Pfeile zu werfen oder ein Brettspiel zu spielen. Der Raum war jetzt halb voll; selbst M�nner, die die Ruhe liebten, hatten sich in den Trubel hinauslocken lassen. Die Gespr�che waren leise, aber Domon h�rte, wie immer wieder die Jagd erw�hnt wurde und der falsche Drache, den die Murandianer gefangen hatten, und derjenige, den die Taren in die Haddon-S�mpfe jagten. Es schien Uneinigkeit dar�ber zu herrschen, ob man lieber den falschen Drachen oder die Taren sterben sehen w�rde.</p><p>Domon verzog das Gesicht. <emphasis>Falsche Drachen! Gl�ck stich mich, es sein kein Platz sicher heutzutage.</emphasis> Aber die falschen Drachen bewegten ihn nicht wirklich, genausowenig wie die Jagd.</p><p>Die st�mmige Wirtin, die ihr Haar in einem Knoten am Hinterkopf zusammengebunden hatte, wischte einen Krug aus und behielt dabei ihr Etablissement genau im Auge. Sie h�rte nicht mit dem auf, was sie gerade tat, und sah ihn nicht einmal direkt an, aber ihr linkes Augenlid senkte sich, und ihr Blick zeigte auf drei M�nner an einem Ecktisch. Sie wirkten selbst f�r den Dachs noch sehr ruhig, beinahe d�ster gestimmt, und ihre glockenf�rmigen Samtkappen und dunklen M�ntel, die auf der Brust aufgen�hte Gold- und Silberbalken trugen, hoben sich von der einfachen Kleidung der anderen G�ste ab.</p><p>Domon seufzte und setzte sich allein an einen anderen Ecktisch. <emphasis>Aus Cairhien diesmal.</emphasis> Er griff nach dem Krug dunklen Bieres, den ihm die Serviererin brachte, und nahm einen langen Zug. Als er den Krug senkte, standen die drei M�nner in den gestreiften M�nteln neben seinem Tisch. Er machte eine unauff�llige Geste, damit Nieda wu�te, da� er Bili nicht brauchte. �Kapit�n Domon?� Alle drei wirkten bis auf die Kleidung unauff�llig, aber der Sprecher hatte etwas an sich, das Domon glauben machte, er sei ihr Anf�hrer. Sie schienen unbewaffnet zu sein. Trotz ihrer noblen Kleidung schienen sie das nicht n�tig zu haben. Aus den durchschnittlichen Gesichtern blickten harte Augen. �Kapit�n Bayle Domon von der <emphasis>Gischt?�</emphasis></p><p>Domon nickte kurz, und die drei setzten sich an seinen Tisch, ohne auf eine Einladung zu warten. Es war immer der gleiche Mann, der sprach. Die anderen beiden sahen lediglich zu, wobei sie kaum die Lider bewegten. <emphasis>Wachen,</emphasis> dachte Domon, <emphasis>trotz ihrer feinen Kleidung. Wer sein er mit einem Paar Leibw�chter, um ihn zu besch�tzen?</emphasis></p><p>�Kapit�n Domon, wir haben eine Person, die von Mayene nach Illian gebracht werden mu�.�</p><p><emphasis>�Gischt</emphasis> sein ein Flu�schiff�, unterbrach Domon sie. �Sie nicht viel Tiefgang haben und auch keinen Kiel f�r tiefes Wasser.� Das stimmte nicht ganz, doch es war gut genug f�r Landratten. <emphasis>Wenigstens es anders ist als in Tear. Sie doch schlauer werden.</emphasis></p><p>Der Mann nahm die Unterbrechung gelassen hin. �Wir haben geh�rt, da� Ihr den Flu�handel aufgebt.�</p><p>�Vielleicht ich werden, vielleicht nicht. Ich nicht entschieden.� Obwohl er sich nat�rlich entschlossen hatte. Er w�rde nicht mehr hinauffahren zu den Grenzlanden, und wenn man ihm alle Seide b�te, die den Taren heruntertransportiert wurde. Felle aus Saldaea und Eispfeffer waren es einfach nicht wert, und das hatte nichts mit dem falschen Drachen zu tun, der angeblich dort aufgetaucht war. Aber er fragte sich wieder, woher man das erfahren hatte. Er hatte es niemandem gesagt, und doch hatten es die anderen gewu�t.</p><p>�Ihr k�nnt leicht genug die K�ste nach Mayene hochschippern. Kapit�n, Ihr h�ttet doch sicher nichts dagegen, f�r tausend Goldmark die K�ste entlang zu segeln.�</p><p>Unwillk�rlich schnappte Domon nach Luft. Das war viermal soviel wie beim letzten Angebot, und das war schon hoch genug gewesen, um einen Mann zum Staunen zu bringen. �Wen ich sollen daf�r abholen? Die Erste von Mayene selbst? Haben Tear sie schlie�lich doch ganz herausgeworfen?�</p><p>�Ihr m��t keine Namen wissen, Kapit�n.� Der Mann stellte einen gro�en Lederbeutel auf den Tisch und legte eine versiegelte Urkunde daneben. In dem schweren Beutel klimperte es, als er �ber den Tisch geschoben wurde. Der gro�e rote Wachsfleck, der das zusammengerollte Pergament verschlo�, trug das Zeichen der vielstrahligen Aufgehenden Sonne von Cairhien. �Zweihundert jetzt gleich. Ich glaube, f�r tausend Mark mu� ich keine Namen nennen. Gebt das Pergament mit unbesch�digtem Siegel dem Hafenkapit�n von Mayene, und er wird Euch dreihundert mehr �bergeben und Euren Passagier. Ich werde Euch den Rest �bergeben, wenn Euer Passagier hier ankommt. Falls Ihr nicht versucht habt, die Identit�t dieser Person herauszufinden.�</p><p>Domon atmete tief ein. <emphasis>Gl�ck, es sein wert diese Reise, auch wenn kein Pfennig mehr daf�r bezahlen als was ist in diesem Beutel.</emphasis> Und tausend waren mehr Geld, als er in zwei oder mehr Jahren verdienen konnte. Er vermutete, falls er noch ein wenig bohrte, w�rde er weitere Andeutungen erhalten � nur Andeutungen �, da� die Reise mit geheimen Absprachen zwischen dem Rat der Neun von Illian und der Ersten von Mayene zu tun habe. Der Stadtstaat der Ersten war nur dem Namen nach eine Provinz von Tear, und sie w�rde zweifellos Hilfe aus Illian begr��en. Und es gab viele in Illian, die meinten, es sei Zeit f�r einen neuen Krieg und da� Tear mehr vom Seehandel auf dem Meer der St�rme beherrschte, als gut sei. Ein hervorragender K�der, um ihn einzufangen, wenn er nicht im letzten Monat schon drei �hnliche vor die Nase gehalten bekommen h�tte.</p><p>Er streckte die Hand aus, um den Beutel zu nehmen, doch der Mann, der mit ihm gesprochen hatte, packte ihn am Handgelenk. Domon funkelte ihn an, aber er erwiderte den Blick ganz gelassen.</p><p>�Ihr m��t so schnell wie m�glich segeln, Kapit�n.�</p><p>�Beim ersten Tageslicht�, grollte Domon, und der Mann nickte und lie� ihn los.</p><p>�Also dann beim ersten Tageslicht, Kapit�n Domon. Denkt daran, Diskretion h�lt einen Mann am Leben, damit er sein Geld auch ausgeben kann.�</p><p>Domon beobachtete die drei, als sie aus der Schenke gingen, und dann starrte er mit saurer Miene auf die Urkunde und den Beutel auf dem Tisch vor seiner Nase. Jemand wollte, da� er nach Osten reiste. Tear oder Mayene, das spielte keine gro�e Rolle, solange er nur nach Osten fuhr. Er glaubte zu wissen, wer das wollte. <emphasis>Und andererseits haben ich keinen echten Hinweis auf sie.</emphasis> Wer konnte wissen, wer ein Schattenfreund war und wer nicht? Aber er wu�te, da� Schattenfreunde hinter ihm her waren, seit er Marabon verlassen hatte und flu�abw�rts gefahren war. Schattenfreunde und Trollocs. Da war er sich ganz sicher. Die wirkliche Frage, auf die er auch nicht den Schimmer einer Antwort hatte, war, warum sie das taten.</p><p>�Schwierigkeiten, Bayle?� fragte Nieda. �Du siehst aus, als h�ttest du einen Trolloc gesehen.� Sie kicherte � ein unm�glicher Laut von einer Frau ihrer Statur. Wie die meisten Leute, die nie in den Grenzlanden gewesen waren, glaubte Nieda nicht an die Existenz von Trollocs. Er hatte versucht, sie von der Wahrheit zu �berzeugen, doch ihr gefielen seine Geschichten wohl, sie hielt sie aber allesamt f�r erlogen. Sie glaubte auch nicht an Schnee.</p><p>�Keine Schwierigkeiten, Nieda.� Er band den Beutel auf, holte ohne hinzublicken eine M�nze heraus und warf sie ihr zu. �Runden f�r jeden, bis das hier aufgebraucht ist, und dann geben ich dir noch eine.�</p><p>Nieda sah die M�nze �berrascht an. �Eine Mark aus Tar Valon? Handelst du jetzt mit den Hexen, Bayle?�</p><p>�Nein�, sagte er heiser. �Machen ich nicht!�</p><p>Sie bi� auf die M�nze und steckte sie dann schnell hinter ihren breiten G�rtel. �Na ja, sagt man halt so. Und ich sch�tze, Hexen sind sowieso nicht so schlecht, wie manche sagen. Das sage ich sonst nicht zu irgendwelchen anderen M�nnern. Ich kenne einen Geldwechsler, der nimmt so was. Du brauchst mir nicht mehr zu geben, bei so wenigen G�sten wie heute abend. Mehr Bier f�r dich, Bayle?�</p><p>Er nickte betr�bt, obwohl sein Krug noch halb voll war, und sie entfernte sich. Sie war eine Freundin und w�rde nicht weitererz�hlen, was sie gesehen hatte. Er sa� da und starrte den Lederbeutel an. Ein weiterer Krug wurde gebracht, bevor er sich aufraffen konnte, den Beutel weit genug zu �ffnen, um sich die M�nzen darin anzusehen. Er fuhr mit einem schwieligen Finger darin herum. Goldmarkst�cke glitzerten ihn im Lampenschein an, und jedes davon trug die verr�terische Flamme von Tar Valon. Hastig band er den Beutel zu. Gef�hrliche M�nzen. Ein oder zwei w�rden nicht weiter auffallen, aber so viele w�rden den meisten Leuten genau das sagen, was Nieda auch dachte. Es waren Kinder des Lichts in der Stadt, und obwohl es in Illian kein Gesetz gab, das den Handel mit den Aes Sedai verbot, w�rde er es nicht mehr bis zum Magistrat schaffen, falls die Wei�m�ntel davon erfuhren. Diese M�nner wollten sichergehen, da� er nicht einfach ihr Gold nahm und in Illian blieb.</p><p>W�hrend er so da sa� und sich seine Gedanken machte, kam Yarin Maeldan, sein d�sterer, storchen�hnlicher zweiter Offizier auf der <emphasis>Gischt,</emphasis> in den �Dachs�. Die Augenbrauen hatte er bis auf die lange Nase heruntergezogen, und so stand er dann am Tisch seines Kapit�ns. �Carn ist tot, K�pten.�</p><p>Domon sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Drei andere seiner M�nner waren bereits get�tet worden, jedesmal einer, wenn er einen Auftrag abgelehnt hatte, nach Osten zu fahren. Der Magistrat hatte nichts unternommen. Sie sagten, die Stra�en seien nachts eben gef�hrlich und die Seeleute eine rauhe und streits�chtige Bande. Der Magistrat k�mmerte sich selten um das, was im Parf�mierten Viertel geschah, solange keine respektablen B�rger verletzt wurden.</p><p>�Aber diesmal habe ich ihr Angebot angenommen�, murmelte er.</p><p>�S' is' noch nich' alles, K�pten�, erz�hlte Yarin weiter. �Sie ham Carn mit Messern bearbeitet, als ob sie wollten, da� er ihnen was sagt. Und vor 'ner Stunde ham noch'n paar M�nner versucht, sich auf die <emphasis>Gischt</emphasis> zu schleichen. Die Hafenpolizei hat sie vertrieben. Dritte Mal in zehn Tagen, und ich hab nie Kanalratten gekannt, die so ausdauernd warn. Sie wartn bis man nich' mehr dran denkt, und dann versuchn sie's wieder. Und jemand hat letzte Nacht mein Zimmer im �Silbernen Delphin� durchgew�hlt. Hat 'n paar Silberm�nzen mitgenommen. Ich glaub', das war'n Dieb. Hat aber meine G�rtelschnalle liegengelassen; die mit Granat- und Mondsteinen verziert ist, und die hat ganz offen rumgelegen. Was is'n da los, K�pten? Die Leute haben Angst, und ich bin auch 'n bi�chen nerv�s.�</p><p>Domon sprang auf. �Hol die Mannschaft zusammen, Yarin! Finde sie und sag ihnen, <emphasis>Gischt</emphasis> segelt, sobald genug M�nner an Bord sein, sie zu segeln.� Er stopfte das Pergament in eine Manteltasche, schnappte sich den Beutel mit Gold und schob seinen Zweiten vor sich aus der T�r. �Hol sie, Yarint weil ich lassen jeden Man hier, der es nicht schaffen, wenn auch er auf Kai stehen.�</p><p>Domon gab Yarin einen Schubs, da� er losrannte und dann stolzierte er in Richtung Hafen los. Selbst Stra�enr�uber, die das Klimpern in dem Beutel h�rten, den er trug, hielten sich von ihm fern, denn er marschierte wie ein Mann, der auf Mord sinnt.</p><p>Als er ankam, kletterten gerade die ersten Besatzungsmitglieder an Bord der <emphasis>Gischt.</emphasis> Weitere rannten barfu� den Steinkai herunter. Sie wu�ten nicht, wer ihn seiner Ansicht nach verfolge oder da� ihn �berhaupt etwas verfolgte, aber sie wu�ten, da� er gute Gewinne erzielte und, wie es in Illian �blich war, der Mannschaft Anteile auszahlte.</p><p>Die <emphasis>Gischt</emphasis> war achtzig Fu� lang, hatte zwei Masten und war breit gebaut, so da� auch auf Deck Platz f�r eine Ladung war, sowie nat�rlich auch noch im Laderaum selbst. Im Gegensatz zu dem, was Domon dem Mann aus Cairhien erz�hlt hatte � falls er wirklich aus Cairhien kam �, glaubte er, sie k�nne auch auf offener See bestehen. Das Meer der St�rme war im Sommer ruhiger.</p><p>�Sie mu� einfach�, murmelte er und ging nach unten in seine Kaj�te. Er warf den Beutel Gold auf sein Bett, das genau in die Bordwand eingepa�t war wie alles andere in der n�chternen Kaj�te, und holte das Pergament heraus. Er z�ndete eine Laterne an, die von oben an einer Kette hing, und betrachtete das versiegelte Dokument. Er drehte es hin und her, als k�nne er den Inhalt lesen, ohne es zu �ffnen. Ein Klopfen an die T�r lie� ihn die Stirn runzeln.</p><p>�Rein.�</p><p>Yarin steckte den Kopf herein. �Es sin' alle an Bord bis auf drei, die ich nich' finden konnte, K�pten. Aber ich hab' Nachricht hinterlassen in jeder Spelunke und jedem Logis im Viertel. Sie sind an Bord, bevor das Licht reicht, da� wir flu�aufw�rts segeln.�</p><p><emphasis>�Gischt</emphasis> segeln jetzt � seew�rts.� Domon schnitt Yarins Protest wegen der Dunkelheit und der Gezeiten ab, ebenso wie seinen Einwand, da� die <emphasis>Gischt</emphasis> nicht f�r die hohe See geeignet sei. �Jetzt! <emphasis>Gischt</emphasis> kann auslaufen auch bei Niedrigwasser. Du hast hoffentlich nicht vergessen, nach Sternen zu steuern, oder? Bring sie raus, Yarin. Bring sie jetzt raus, und komm zu mir zur�ck, wenn wir sein jenseits der Brandung.�</p><p>Sein Zweiter z�gerte � Domon lie� sich sonst kein schwieriges Segelman�ver entgehen, ohne da� er an Deck die Befehle ausgab, und die <emphasis>Gischt</emphasis> bei Nacht hinauszubringen, w�rde ziemlich schwierig werden, selbst bei ihrem geringen Tiefgang �, nickte aber dann und verschwand. Augenblicke sp�ter konnte Domon in seiner Kaj�te h�ren, wie Yarin leiernd Befehle erteilte und wie an Deck blo�e F��e hin und her trampelten. Er ignorierte die Ger�usche und auch das Rucken des Schiffs, als es in die Str�mung hineindriftete.</p><p>Schlie�lich hob er den Mantel der Laterne und hielt ein Messer in die Flamme. Rauch kr�uselte sich hoch, als das �l an der Klinge brannte, aber bevor sich das Metall rot f�rben konnte, schob er Seekarten beiseite, dr�ckte das Pergament flach auf seinen Tisch und fuhr mit dem hei�en Stahl langsam unter das Siegelwachs. Das Deckblatt kam frei.</p><p>Es war ein einfaches Dokument ohne Vorrede oder Begr��ung, und es lie� ihm den Schwei� auf der Stirn ausbrechen.</p><p>Der �berbringer ist ein Schattenfreund, der in Cairhien wegen Mordes und anderer gemeiner Verbrechen gesucht wird, deren geringstes es war, Unserer Person Dinge zu entwenden. Wir w�nschen, da� Ihr diesen Mann ergreift und alles sicherstellt, was er bei sich tr�gt; selbst das geringste. Unser Vertreter wird kommen und alles mitnehmen, was er Uns gestohlen hat. Nehmt alle seine Besitzt�mer, bis auf das, was Wir f�r Uns beanspruchen, an Euch als Belohnung f�r seine Ergreifung. La�t den b�sartigen Buben unverz�glich h�ngen, so da� seine vom Schatten hervorgebrachte Verbrechergestalt das Licht nicht l�nger befleckt.</p><p>Von Unserer Hand versiegelt Galldrian su Riatin Rie K�nig von Cairhien Verteidiger des Drachenwalls In das d�nne rote Wachs unter der Unterschrift hatte man die Aufgehende Sonne von Cairhien und die F�nf Sterne des Hauses Riatin gedr�ckt.</p><p>�Verteidiger des Drachenwalls, da� ich nicht lache�, kr�chzte Domon. �Sch�nes Recht der Mann haben, sich jetzt noch so zu nennen.�</p><p>Er untersuchte die Siegel und die Unterschrift ganz genau, wobei er das Dokument nahe an die Lampe hielt und es mit der Nase beinahe ber�hrte, aber erstens konnte er nichts Verf�lschtes daran entdecken, und zweitens hatte er keine Ahnung, wie Galldrians Handschrift aussah. Falls es nicht der K�nig selbst gewesen war, der unterschrieben hatte, dann vermutete er, da� derjenige sich alle M�he gegeben haben mu�te, um Galldrians Gekritzel gut zu imitieren. Auf jeden Fall spielte das auch keine Rolle. In Tear w�rde dieser Brief in den H�nden eines Illianers t�dliche Wirkung haben. Oder auch in Mayene, wo der Einflu� der Taren so stark war. Es herrschte im Moment kein Kriegszustand, und die M�nner aus jedem dieser H�fen kamen und gingen unbehelligt, aber in Tear waren die Illianer nicht gerade beliebt, ebenso wie umgekehrt. Und dann noch ein solch perfekter Grund, einen Illianer zu ergreifen.</p><p>Einen Augenblick lang hatte er den Wunsch, das Pergament in die Laternenflamme zu halten � es war ein gef�hrlicher Besitz, sowohl in Tear als auch in Illian oder sonst irgendwo �, aber schlie�lich steckte er es vorsichtig in ein Geheimfach hinter seinem Schreibtisch, das durch einen Teil der Holzt�felung verschlossen wurde, den nur er �ffnen konnte.</p><p>�Meine Besitzt�mer, eh?�</p><p>Er sammelte alte Dinge, jedenfalls soweit er sie an Bord eines Schiffes aufbewahren konnte. Was er nicht kaufen konnte, weil es zu teuer oder zu gro� war, sammelte er mit den Augen und dem Ged�chtnis. All diese �berreste vergangener Zeiten, diese rund um die Welt verstreuten Wunder, hatten ihn als Jungen erst an Bord eines Schiffes gelockt. Er hatte seiner Sammlung auf der letzten Reise in Maradon vier St�cke hinzugef�gt, und zu der Zeit hatte auch die Verfolgung durch Schattenfreunde begonnen. Und die durch Trollocs, jedenfalls eine Weile lang. Er hatte geh�rt, da� kurz nach seiner Abreise Wei�br�cke niedergebrannt worden sei, und es hatte Ger�chte gegeben, da� au�er Trollocs noch ein Myrddraal beteiligt gewesen sei. Gerade das alles zusammengenommen hatte ihn davon �berzeugt, da� er sich dies alles nicht nur einbildete. Deshalb war er auf der Hut gewesen, als ihm dieser erste eigenartige Auftrag angeboten wurde: zuviel Geld f�r eine einfache Reise nach Tear, und der Grund klang auch fadenscheinig.</p><p>Er kramte in seiner Truhe herum und stellte das auf den Schreibtisch, was er in Maradon gekauft hatte: einen Leuchtstab aus dem Zeitalter der Legenden. Jedenfalls angeblich. Auf jeden Fall wu�te niemand mehr, wie man so was herstellt. Ein teures St�ck, und seltener als ein ehrliches Magistratsmitglied. Er sah aus wie eine einfache Glasrute, dicker als sein Daumen und nicht ganz so lang wie sein Unterarm, aber wenn er ihn in die Hand nahm, leuchtete er so hell wie eine Laterne. Leuchtst�be zerbrachen wie Glas; er hatte beinahe die <emphasis>Gischt</emphasis> durch ein Feuer verloren, das der erste hervorgerufen hatte, den er je besa�. Eine kleine, altersdunkle aus Elfenbein geschnitzte Statuette eines Mannes, der ein Schwert hielt. Der Bursche, der ihm die verkauft hatte, behauptete, wenn man sie eine Weile hielt, w�rde es einem ganz warm. Domon hatte davon nichts bemerkt und auch kein Besatzungsmitglied, dem er sie zu halten gab, aber sie war alt, und das gen�gte Domon. Der Sch�del einer l�wengro�en Katze war so alt, da� er zu Stein geworden war. Aber kein L�we hatte je F�nge, fast schon Hauer zu nennen, die einen Fu� lang waren. Und eine dicke Scheibe von der Gr��e einer M�nnerhand, halb wei� und halb schwarz. Die Farben wurden durch eine geschwungene Linie voneinander getrennt. Der Ladenbesitzer in Maradon hatte behauptet, sie stamme aus dem Zeitalter der Legenden. Er mu�te selbst geglaubt haben, da� es eine L�ge war, aber Domon hatte nur ein wenig gefeilscht, bevor er bezahlte, denn er erkannte, was der Ladenbesitzer nicht kannte: das uralte Symbol der Aes Sedai aus der Zeit vor der Zerst�rung der Welt. Nicht gerade ein ungef�hrliches St�ck Besitz, aber auch kein Gegenstand, den ein Mann sich entgehen lassen konnte, der von alten Dingen fasziniert war.</p><p>Und es bestand aus Herzstein. Der Ladenbesitzer hatte nicht gewagt, diese Behauptung dem hinzuzuf�gen, was er sowieso f�r L�ge hielt. Kein Ladenbesitzer an der Uferstra�e von Maradon konnte sich auch nur ein St�ckchen <emphasis>Cuendillar</emphasis> leisten.</p><p>Die Scheibe lag hart und glatt in seiner Hand, und bis auf ihr Alter wirkte sie �berhaupt nicht wertvoll, doch er f�rchtete, sie k�nnte es sein, wonach seine Verfolger suchten. Leuchtst�be und Elfenbeinschnitzereien und sogar versteinerte Knochen hatte er anderswo zu anderen Zeiten schon gesehen. Aber obwohl er wu�te � wenn er es wirklich wu�te �, was sie wollten, wu�te er doch nicht, warum und er war sich nicht mehr sicher, wer seine Verfolger eigentlich waren. Geld aus Tar Valon und ein uraltes Symbol der Aes Sedai. Er wischte sich mit der Hand �ber die Lippen; der Geschmack der Angst lag bitter auf seiner Zunge.</p><p>Ein Klopfen an die T�r. Er legte die Scheibe hin und zog eine aufgerollte Seekarte �ber die Gegenst�nde, die auf dem Tisch lagen. �Rein.�</p><p>Yarin trat ein. �Wir sind jenseits der Brandung, K�pten.�</p><p>Domon war einen Moment lang �berrascht, und dann �rgerte er sich �ber sich selbst. Er h�tte sich nicht so in seine Gedanken versenken sollen, da� er es vers�umte zuzusehen, wie die <emphasis>Gischt</emphasis> von den Brechern emporgehoben wurde. �Halt nach Westen, Yarin. Sorg daf�r.�</p><p>�Ebu Dar, K�pten?�</p><p><emphasis>Nein, das sein nicht weit genug. Tausend Meilen zu nah.</emphasis> �Wir ankern dort nur lang genug, da� ich Seekarten holen und die Wasserf�sser auff�llen kann. Dann segeln wir nach Westen.�</p><p>�Nach Westen, K�pten? Tremalking? Das Meervolk l��t keine anderen H�ndler als ihre eigenen zu.�</p><p>�Das Aryth-Meer, Yarin. Es geben eine Menge Handel zwischen Tarabon und Arad Doman und kaum einen Kahn der Taraboner oder Domani, der uns in die Quere kommen k�nnen. Wie ich geh�rt haben, sie nicht lieben das Meer. Und alle die kleinen St�dte auf der TomanHalbinsel, wo jede sich unabh�ngig halten von alle Staaten. Wir sogar k�nnen laden Felle aus Saldaea und Eispfeffer, was nach Bandar Eban runtergebracht wurden.�</p><p>Yarin sch�ttelte bed�chtig den Kopf. Er sah immer nur die schlechten Seiten, aber er war ein guter Seemann. �Felle und Eispfeffer sin' dort teurer, als wenn Ihr den Flu� raufsegelt, K�pten. Und ich hab' geh�rt, da herrscht so 'ne Art Krieg. Wenn Tarabon und Arad Doman gegeneinander k�mpfen, gibt's vielleicht kein Handel. Ich glaub' nich', da� wir aus den St�dten auf der TomanHalbinsel viel herausschlagen k�nnen, auch wenn wir dort unbehelligt sin'. Falme is' dort die gr��te Stadt, und die is' nich' gro�.�</p><p>�Die Taraboner und die Domani haben sich immer gestreiten um die Ebene von Almoth und die TomanHalbinsel. Auch wenn sie diesmal vielleicht k�mpfen: Ein vorsichtiger Mann immer Sachen zu handeln kann finden. Nach Westen, Yarin.�</p><p>Als Yarin wieder oben war, verstaute Domon schnell die schwarze und wei�e Scheibe im Geheimfach und legte den Rest zur�ck auf den Boden seiner Truhe. <emphasis>Schattenfreunde oder Aes Sedai, ich nicht werden rennen dahin, wo sie mich wollen haben. Gl�ck stich mich, ich nein werden.</emphasis></p><p>Domon f�hlte sich zum ersten Mal seit Monaten wieder sicher. Er ging an Deck, gerade als die <emphasis>Gischt</emphasis> halste, um unter den Wind zu kommen. Der Bug zeigte �ber die nachtdunkle See nach Westen.</p></section><section><title><p>10</p><p>Die Jagd beginnt</p></title><p>Ingtar trieb sie zu einer schnellen Gangart an, jedenfalls f�r den Beginn einer Reise, so da� sich Rand schon ein wenig um die Pferde sorgte. Die Pferde konnten diesen Trab durchaus stundenlang durchhalten, doch der gr��te Teil des Tages lag noch vor ihnen, und weitere solcher Tage w�rden folgen. Ingtars Gesichtsausdruck vermittelte Rand den Eindruck, er wolle vielleicht schon am ersten Tag und in der ersten Stunde die Diebe des Horns einholen. Er w�re jedenfalls nicht �berrascht davon gewesen, wenn er sich an Ingtars Stimme erinnerte, als er der Amyrlin gegen�ber schwor, die Diebe zu fassen. Aber er sagte nichts weiter. Lord Ingtar f�hrte hier das Kommando, und so freundlich er auch Rand gegen�ber gewesen war, so w�rde er es doch wohl nicht begr��en, wenn ihm ein Sch�fer gute Ratschl�ge erteilte.</p><p>Hurin ritt immer etwas hinter Ingtar, doch es war der Schn�ffler, der sie nach S�den f�hrte. Er wies Ingtar den Weg. Sie waren von niedrigen, bewaldeten H�geln umgeben, dicht mit Lederblatt und Eichen bewachsen, aber der Weg, den ihnen Hurin wies, f�hrte sie pfeilgerade hindurch. Er wich nicht von dieser Linie ab, au�er um einmal ein paar der h�heren H�gel zu umgehen, wo man in der Ebene offensichtlich schneller vorankam. Das Banner der Grauen Eule flatterte im Wind.</p><p>Rand bem�hte sich, neben Mat und Perrin zu reiten, doch immer, wenn Rand sein Pferd zu ihnen zur�ckfallen lie�, stie� Mat Perrin an, und Perrin galoppierte etwas z�gernd mit Mat an die Spitze der Kolonne. Da er sich sagte, es habe keinen Sinn, selbst hinten zu bleiben, ritt Rand zur�ck an die Spitze. Prompt lie�en sich die beiden wieder zur�ckfallen, wobei immer Mat es war, der Perrin dazu trieb.</p><p>Licht noch mal, ich will mich doch nur entschuldigen. <emphasis>Er f�hlte sich einsam.</emphasis> Das Wissen, da� es seine eigene Schuld war, half nicht sehr.</p><p>Oben auf einem H�gel stieg Uno ab und untersuchte Hufspuren auf dem weichen Boden. Er deutete auf einige Pferde�pfel und knurrte: �Sie reiten verdammt schnell, Lord.� Seine Stimme klang, als ob er schreie, selbst wenn er ganz normal sprach. �Wir haben noch keine Stunde aufgeholt. Licht noch mal, vielleicht haben wir eher noch eine verfluchte Stunde verloren. So, wie die reiten, bringen sie ihre Pferde glatt um.� Er legte die Hand in einen Hufabdruck. �Das war aber kein Pferd, sondern ein widerlicher Trolloc. Verdammte Bocksf��e!�</p><p>�Wir werden sie einholen�, sagte Ingtar grimmig.</p><p>�Unsere Pferde, Lord Ingtar. Es ist nicht gut, sie kaputtzureiten, bevor wir sie einholen, Lord. Auch wenn sie ihre Pferde umbringen, k�nnen die verfluchten Trollocs doch viel l�nger durchhalten als Pferde.�</p><p>�Wir werden sie einholen. Steig auf, Uno!�</p><p>Uno sah Rand mit seinem einzigen Auge an, zuckte die Achseln und stieg in den Sattel. Ingtar lie� sie den Abhang so schnell wie m�glich hinuntertraben, teilweise auch rutschen, und galoppierte weiter den n�chsten H�gel hinauf.</p><p><emphasis>Warum hat er mich so angeschaut?</emphasis> fragte Rand sich. Uno war einer von denen, die ihm nie sehr viel Freundlichkeit entgegengebracht hatten. Es war nicht wie bei Masemas offener Abneigung; Uno behandelte niemanden besonders freundlich, au�er vielleicht ein paar Veteranen, die genau so graue Haare hatten, wie er selbst.</p><p><emphasis>Sicher glaubt gerade er doch nicht an diese Sage, ich sei ein Lord.</emphasis></p><p>Uno beobachtete die ganze Zeit �ber genau das vor ihnen liegende Gel�nde. Wenn er Rand dabei ertappte, da� er ihn anblickte, erwiderte er dessen Blick, sagte aber kein Wort. Es bedeutete nicht viel. Er sah auch Ingtar in die Augen. So war Uno eben.</p><p>Der Weg, den die Schattenfreunde gew�hlt hatten � <emphasis>wer sonst noch?</emphasis> fragte sich Rand, denn Hurin murmelte immer wieder etwas von �etwas noch Schlimmerem� �, die das Horn gestohlen hatten, f�hrte niemals in die N�he eines Dorfes. Rand sah D�rfer, die auf anderen H�geln lagen, ungef�hr eine Meile oder mehr �ber das wellige Land hinweg von ihnen entfernt, aber sie kamen den D�rfern nie nah genug, um die Menschen auf der Stra�e erkennen zu k�nnen. Oder nahe genug, da� diese Menschen eine nach S�den eilende Reisegruppe erkennen konnten. Sie sahen auch Bauernh�fe mit H�usern, deren D�cher weit hinuntergezogen waren, mit hohen Scheunen und qualmenden Schornsteinen, auf H�gelspitzen oder an den Abh�ngen oder in den T�lern, aber auch denen kamen sie nie nahe genug, da� der Bauer ihre Gruppe h�tte ersp�hen k�nnen.</p><p>Schlie�lich mu�te sogar Ingtar einsehen, da� die Pferde das angeschlagene Tempo nicht l�nger durchhalten konnten. Rand h�rte, wie er leise fluchte, und sah, wie er sich mit der im Kampfhandschuh steckenden Faust grimmig auf die Schenkel schlug, aber er gab schlie�lich doch den Befehl, abzusitzen. Sie marschierten eine Meile weit und f�hrten die Pferde an den Z�geln h�gelauf und h�gelab hinter sich her, und dann sa�en sie wieder auf und ritten weiter. Eine Weile sp�ter das gleiche: eine Meile laufen und dann wieder eine Meile reiten. Laufen, reiten.</p><p>Rand beobachtete mit Staunen, da� Loial grinste, wenn sie abgesessen waren und einen H�gel hinaufkeuchten. Der Ogier hatte sich beim Reiten und in bezug auf Pferde noch nie sehr wohlgef�hlt und lieber auf die eigenen Beine vertraut, aber Rand hatte geglaubt, er sei l�ngst dar�ber hinweg.</p><p>�Rennst du gern, Rand?� lachte Loial. �Ich schon. Ich war der schnellste L�ufer im <emphasis>Stedding</emphasis> Schangtai. Ich habe sogar einmal ein Pferd im Rennen geschlagen.�</p><p>Rand sch�ttelte nur den Kopf. Er wollte sich die Atemluft zum Laufen sparen. Er sah sich nach Mat und Perrin um, doch sie befanden sich immer noch ganz hinten, und zwischen ihnen marschierten zu viele M�nner, um sie richtig sehen zu k�nnen. Er fragte sich, wie die Schienarer das alles mit ihren R�stungen bew�ltigen konnten. Keiner von ihnen lahmte oder beklagte sich. Uno wirkte sogar, als schwitze er nicht einmal, und der Bannertr�ger lie� die Graue Eule kein einziges Mal sinken.</p><p>Sie kamen schnell vorw�rts, doch die D�mmerung senkte sich, ohne da� sie irgendein Zeichen derer entdeckten, die sie verfolgten, au�er eben ihren Spuren. Schlie�lich lie� Ingtar sie nach einigem Z�gern anhalten und im Wald ihr Nachtlager aufschlagen. Die Schienarer entz�ndeten Feuer und schlugen Pfosten ein, um die Pferde daran anzubinden, und das alles mit einer Routine, die von langer Erfahrung zeugte. Ingtar stellte sechs Wachtposten paarweise f�r die erste Wache auf.</p><p>Das erste, was Rand unternahm, war, in den Tragek�rben der Packpferde nach seinem B�ndel zu suchen. Es war nicht schwer zu finden � unter den Vorr�ten befanden sich nur wenige pers�nliche Gep�ckst�cke �, aber als er es �ffnete, stie� er einen Schrei aus, der jeden Mann im Lager hochschnellen und sein Schwert ziehen lie�.</p><p>Ingtar rannte herbei. �Was ist los? Friede, ist jemand ins Lager eingedrungen? Ich habe die Wachen gar nicht geh�rt.�</p><p>�Es sind diese M�ntel�, grollte Rand und starrte immer noch das an, was er da ausgepackt hatte. Ein Mantel war schwarz und mit Silberf�den verziert, der andere wei� und mit Goldf�den bestickt. Beide trugen Reiher am Kragen und waren zumindest genauso prunkvoll wie der rote Mantel, den er trug. �Die Diener sagten mir, sie h�tten mir zwei gute, brauchbare M�ntel eingepackt. Schaut sie nur an!�</p><p>Ingtar steckte �ber die Schulter hinweg sein Schwert in die Scheide zur�ck. Die anderen M�nner setzten sich wieder. �Na ja, sie sind doch brauchbar.�</p><p>�Die kann ich nicht tragen. Ich kann doch nicht die ganze Zeit in solcher Kleidung herumlaufen.�</p><p>�Ihr k�nnt sie tragen. Mantel ist Mantel. Ich h�rte, da� Moiraine Sedai selbst Eure Sachen eingepackt hat. Vielleicht versteht eine Aes Sedai nicht ganz, was ein Mann auf dem Schlachtfeld tr�gt.� Ingtar grinste. �Vielleicht veranstalten wir ein Fest, wenn wir die Trollocs erledigt haben. Dann seid wenigstens Ihr daf�r richtig angezogen, wenn auch wir anderen es nicht sind.� Er schlenderte zur�ck zu den bereits brennenden K�chenfeuern.</p><p>Rand hatte sich nicht bewegt, seit Ingtar Moiraine erw�hnt hatte. Er starrte die M�ntel an. <emphasis>Was will sie eigentlich? Was auch immer, ich lasse mich nicht ben�tzen.</emphasis> Er schn�rte das B�ndel wieder zu und steckte es in den Transportkorb zur�ck. <emphasis>Ich kann ja immer noch nackt herumlaufen,</emphasis> dachte er bitter.</p><p>Die Schienarer wechselten sich im Dienst beim Kochen ab, und als Rand zur�ck zum Feuer kam, r�hrte gerade Masema im Kessel. Der Geruch nach einem Eintopf mit R�ben, Zwiebeln und Trockenfleisch legte sich �ber das Lager. Ingtar wurde zuerst bedient, dann Uno, und ansonsten stellte sich jeder so an, wie er gerade gekommen war. Masema klatschte eine gro�e Sch�pfkelle mit Eintopf auf Rands Teller. Rand tat schnell einen Schritt nach r�ckw�rts, damit nichts auf seinen Mantel spritzte, und w�hrend er dem n�chsten Mann Platz machte, lutschte er an seinem leicht verbr�hten Daumen. Masema blickte ihn mit einem eingefrorenen L�cheln an, das seine Augen nicht ber�hrte. Bis Uno herantrat und ihm einen Sto� gab.</p><p>�Wir haben verdammt noch mal nicht genug mitgebracht, damit du es auf den bl�den Boden sch�ttest!� Der Ein�ugige sah Rand an und ging wieder. Masema rieb sich das Ohr, aber sein b�ser Blick folgte Rand.</p><p>Rand ging hin�ber zu Ingtar und Loial, die unter einer weit ausladenden Eiche am Boden sa�en. Ingtar hatte den Helm neben sich auf den Boden gelegt, aber ansonsten war er vollst�ndig ger�stet. Mat und Perrin waren auch bereits da und a�en gierig. Mat l�chelte h�hnisch beim Anblick von Rands Mantel, aber Perrin blickte nur fl�chtig auf. Die goldenen Augen schimmerten im Feuerschein, und dann beugte er sich wieder auf seinen Teller hinunter.</p><p><emphasis>Wenigstens sind sie diesmal nicht gleich wieder gegangen.</emphasis></p><p>Er setzte sich ihnen gegen�ber neben Ingtar im Schneidersitz auf den Boden. �Ich w�nschte, ich w��te, warum Uno mich immer so anschaut. Wahrscheinlich liegt es an diesem verdammten Mantel.�</p><p>Ingtar schwieg nachdenklich und schluckte einen L�ffel Eintopf. Schlie�lich sagte er: �Uno fragt sich zweifellos, ob Ihr wirklich ein Reiherschwert wert seid.� Mat schnaubte laut, doch Ingtar fuhr unbeirrt fort: �La�t Euch nicht von Uno durcheinanderbringen. Wenn er k�nnte, w�rde er auch Lord Agelmar wie einen gr�nen Rekruten behandeln. Na ja, vielleicht nicht gerade Agelmar, aber jeden anderen. Er hat eine sehr scharfe Zunge, aber er gibt einem auch gute Ratschl�ge. Das sollte er wohl auch; er war schon im Milit�rdienst, bevor ich geboren wurde. Beherzigt seine Ratschl�ge und achtet nicht auf seine scharfe Zunge, dann kommt Ihr mit Uno klar.�</p><p>�Ich dachte schon, er sei genau wie Masema.� Rand schaufelte Eintopf in seinen Mund. Er war zu hei�, aber er schluckte trotzdem alles hastig herunter. Sie hatten seit dem Beginn ihres Rittes in Fal Dara nichts gegessen, und diesen Morgen war er zu besorgt gewesen, um etwas zu essen. Sein Magen grollte und erinnerte ihn daran, da� es h�chste Zeit war. Er fragte sich, ob es helfen w�rde, wenn er Masema sagte, da� ihm das Essen schmeckte. �Masema verh�lt sich, als hasse er mich, und ich verstehe nicht warum.�</p><p>�Masema hat drei Jahre lang in den �stlichen S�mpfen gedient�, sagte Ingtar, �in Ankor Dail, im Kampf gegen die Aiel.� Er stocherte mit seinem L�ffel im Eintopf herum und runzelte die Stirn dabei. �Versteht mich recht � ich stelle keine Fragen. Wenn Lan Dai Shan und Moiraine Sedai behaupten wollen, da� Ihr aus Andor von den Zwei Fl�ssen kommt, dann kommt Ihr eben daher. Aber Masema kann den Anblick der Aiel nicht vergessen, und wenn er Euch sieht...� Er zuckte die Achseln. �Ich stelle keine Fragen.�</p><p>Rand lie� seinen L�ffel mit einem Aufseufzen auf den Teller fallen. �Jeder glaubt, ich sei ein anderer, als ich bin. Ich komme von den Zwei Fl�ssen, Ingtar. Ich habe dort mit... mit meinem Vater Tabak angepflanzt und seine Schafe geh�tet. Das ist die Wahrheit �ber mich. Ich bin ein Bauer und Sch�fer aus dem Gebiet der Zwei Fl�sse.�</p><p>�Er kommt wirklich von den Zwei Fl�ssen�, sagte Mat ver�chtlich. �Ich bin mit ihm aufgewachsen, auch wenn man heutzutage nichts mehr davon merkt. Wenn Ihr ihm auch noch diesen Unsinn �ber die Aiel einredet, zu den Flausen, die er sowieso schon im Kopf hat, dann mag das Licht wissen, was er sich noch einbildet. Vielleicht, da� er ein Lord der Aiel ist.�</p><p>�Nein�, sagte Loial, �er sieht wirklich so aus. Erinnerst du dich noch, Rand, da� ich dich das gleiche fragte? Ich dachte damals allerdings, ich kenne einfach die Menschen noch nicht gut genug, um es beurteilen zu k�nnen. Denkst du noch daran? �Bis aller Schatten verflogen, alles Wasser verdunstet ist, hinein in die Dunkelheit des B�sen mit gebleckten Z�hnen, mit dem letzten Atemzug noch den Trotz entgegenschreien und dem Sichtblender ins Auge speien, auch noch am Letzten Tag.� Erinnerst du dich daran, Rand?�</p><p>Rand blickte auf seinen Teller hinunter. <emphasis>Wickle eine Schufa um deinen Kopf, und du siehst aus wie ein Aielmann.</emphasis> Das hatte Gawyn gesagt, der Bruder Elaynes, der Tochter-Erbin von Andor. <emphasis>Jeder glaubt, ich sei jemand, der ich nicht bin.</emphasis></p><p>�Wie ging das?� fragte Mat. �Das mit: �dem Dunklen K�nig ins Auge speien�?�</p><p>�Das sagen die Aiel, wenn sie davon sprechen, wie lange sie k�mpfen werden�, sagte Ingtar, �und ich zweifle nicht daran. Mit Ausnahme der H�ndler und Gaukler teilen die Aiel die Menschen in zwei Gruppen ein: Aiel und deren Feinde. Sie haben diese Regel vor f�nfhundert Jahren zugunsten Cairhiens durchbrochen, aus irgendeinem Grund, den nur ein Aiel verstehen konnte, aber ich glaube nicht, da� sie so was noch einmal tun werden.�</p><p>�Ich glaube es auch nicht�, seufzte Loial. �Aber sie lassen die Tuatha'an, das Fahrende Volk, die W�ste durchqueren. Und sie betrachten Ogier auch nicht als Feinde, obwohl ich daran zweifle, da� einer von uns in die W�ste gehen w�rde. Manchmal kommen Aiel ins <emphasis>Stedding</emphasis> Schangtai, um besungenes Holz einzutauschen. Das sind schon harte Menschen.�</p><p>Ingtar nickte. �Ich w�nschte, ich h�tte ein paar auch nur halb so harte Leute. Nur halb so hart.�</p><p>�Soll das ein Witz sein?� lachte Mat. �Wenn ich eine Meile weit mit all dem Eisenzeug rennen m��te, das Ihr am K�rper tragt, dann w�rde ich umfallen und eine Woche lang schlafen. Ihr habt das den ganzen Tag �ber Meile um Meile getragen.�</p><p>�Die Aiel sind wirklich harte Typen�, sagte Ingtar. �M�nner wie Frauen. Ich habe gegen sie gek�mpft und kann das beurteilen. Sie rennen f�nfzig Meilen weit und st�rzen sich am Ende in den Kampf. Sie sind der lebendige Tod, ob bewaffnet oder unbewaffnet. Au�er mit dem Schwert. Aus irgendeinem Grund nehmen sie kein Schwert in die Hand. Sie setzen sich auch auf kein Pferd. Sie haben das wohl nicht n�tig. Wenn Ihr ein Schwert habt und der Aielmann die blo�en H�nde, dann ist das ein ausgeglichener Kampf. Wenn Ihr gut seid.</p><p>Sie z�chten ihr Vieh und ihre Ziegen, wo Ihr und ich verdursten w�rden, bevor nur ein Tag um ist. Sie graben ihre D�rfer in riesige Felsen drau�en in der W�ste ein. Dort leben sie seit der Zerst�rung der Welt oder jedenfalls in etwa. Artur Falkenfl�gel versuchte, sie dort auszubuddeln, und holte sich eine blutige Nase. Es war die einzige gro�e Niederlage, die er je hinnehmen mu�te. Am Tag flimmert die Luft �ber der Aielw�ste vor Hitze, und nachts gefriert sie. Und ein Aiel wird Euch mit seinen blauen Augen gro� ansehen und Euch sagen, da� er an keinem Ort der Welt lieber w�re. Und er l�gt dabei nicht einmal. Wenn sie je versuchten, dort herauszukommen, h�tten wir es schwer, sie zur�ckzuhalten. Der Aielkrieg dauerte drei Jahre lang, und da k�mpften nur vier von dreizehn St�mmen!�</p><p>�Die grauen Augen seiner Mutter machen ihn noch nicht zu einem Aielmann�, sagte Mat.</p><p>Ingtar zuckte die Achseln. �Wie ich schon sagte: Ich stelle keine Fragen.�</p><p>Als sich Rand endlich zum Schlaf niederlegte, hatte er den Kopf voll von unerw�nschten Gedanken. <emphasis>Sieht aus wie ein Aielmann. Moiraine Sedai will behaupten, du k�mst von den Zwei Fl�ssen. Aiel w�teten den ganzen Weg bis Tar Valon. Am Hang des Drachenberges geboren. Der Wiedergeborene Drache.</emphasis></p><p>�Ich lasse mich nicht ben�tzen�, murmelte er, aber er konnte lange Zeit nicht einschlafen.</p><p>Ingtar lie� sie noch vor Sonnenaufgang das Lager abbrechen. Sie hatten bereits gefr�hst�ckt und ritten nach S�den, als die Wolken im Osten noch durch ihre R�te vom kommenden Sonnenaufgang zeugten und der Tau von den Bl�ttern tropfte. Diesmal sandte Ingtar Kundschafter aus, und obwohl das Tempo immer noch stramm war, war es f�r die Pferde doch ertr�glicher als zuvor. Rand dachte sich, Ingtar habe wohl eingesehen, da� es nicht in einem Tag zu schaffen war. Die Spur f�hre immer noch nach S�den, meinte Hurin. Bis dann zwei Stunden nach Sonnenaufgang einer der Kundschafter im Galopp zur�ckkam.</p><p>�Vor uns liegt ein verlassenes Lager, Lord Ingtar. Geradeaus auf der H�gelspitze. Dort m�ssen letzte Nacht mindestens drei�ig oder vierzig von ihnen gelagert haben, Lord.�</p><p>Ingtar gab seinem Pferd die Sporen, als habe man ihm gesagt, die Schattenfreunde seien immer noch dort, und Rand mu�te sich bei ihm halten, um nicht von den Schienarern niedergeritten zu werden, die hinter ihm den H�gel hinaufgaloppierten.</p><p>Es gab nicht viel zu sehen; nur die erkaltete Asche der Lagerfeuer, gut zwischen B�umen verborgen, und darin lag so etwas wie der Rest einer Mahlzeit. Ein Haufen Abfall in der N�he der Feuerstellen, �ber dem bereits die Fliegen summten.</p><p>Ingtar hielt die anderen zur�ck und stieg ab, um mit Uno die Lagerst�tte abzugehen und den Boden zu untersuchen. Hurin ritt schn�ffelnd rund um das Lager. Rand sa� auf seinem Hengst neben den anderen M�nnern. Er versp�rte kein Verlangen danach, einen Ort n�her anzusehen, an dem Trollocs und Schattenfreunde gelagert hatten. Und ein Blasser. <emphasis>Und etwas noch Schlimmeres.</emphasis></p><p>Mat kletterte zu Fu� den Abhang hoch und stolzierte auf den Lagerplatz. �Sieht so ein Lager von Schattenfreunden aus? Stinkt ein bi�chen, aber ansonsten kann ich nicht sagen, da� es sich von denen anderer wesentlich unterscheidet.� Er trat nach einem der Ascheh�ufchen, wobei er ein St�ck angesengten Knochen losri�. Er b�ckte sich und hob es auf. �Was essen Schattenfreunde? Sieht nicht wie ein Schafsknochen oder der einer Kuh aus.�</p><p>�Hier wurde gemordet�, sagte Hurin traurig. Er rieb sich die Nase mit einem Taschentuch. �Was geschah, war schlimmer noch als einfacher Mord.�</p><p>�Es waren Trollocs hier�, sagte Ingtar, und dabei sah er Mat offen an. �Ich denke, sie hatten wohl Hunger, und die Schattenfreunde waren gerade zur Hand.� Mat lie� den geschw�rzten Knochen fallen. Er wirkte, als wolle er sich �bergeben.</p><p>�Sie gehen jetzt nicht mehr Richtung S�den, Lord Ingtar�, sagte Hurin. Das brachte ihm die Aufmerksamkeit aller ein. Er zeigte zur�ck nach Nordosten. �Vielleicht haben sie sich entschlossen, doch zur F�ule zur�ckzukehren. Uns zu umgehen. Vielleicht wollten sie uns nur ablenken, indem sie nach S�den gingen.� Es klang aber nicht so, als glaube er selbst daran. Er schien verbl�fft.</p><p>�Was sie auch versuchen�, fauchte Ingtar, �ich will sie jetzt in die Finger kriegen. Aufsitzen!�</p><p>Kaum eine Stunde sp�ter hielt Hurin erneut an. �Sie haben wieder die Richtung ge�ndert, Lord Ingtar. Nach S�den. Und hier haben sie jemand anderes get�tet.�</p><p>Im Einschnitt zwischen zwei H�geln war keine Asche zu sehen, aber nach ein paar Minuten fanden sie die Leiche. Ein Mann, den sie zusammengerollt unter B�sche geschoben hatten. Sein Hinterkopf war eingeschlagen, und die Augen quollen unter der Wucht des Schlags noch immer heraus. Keiner erkannte ihn, obwohl er schienarische Kleidung trug.</p><p>�Wir werden unsere Zeit nicht damit verschwenden, Schattenfreunde zu beerdigen�, grollte Ingtar. �Wir reiten nach S�den.� Er folgte den eigenen Worten schon, kaum da� er sie ausgesprochen hatte.</p><p>Ansonsten verlief dieser Tag genau wie der vorhergegangene. Uno betrachtete die Spuren und was die anderen so liegengelassen hatten und sagte, sie h�tten ein wenig Boden gutgemacht. Die D�mmerung kam, ohne da� sie Trollocs oder Schattenfreunde zu Gesicht bekommen h�tten, und am n�chsten Morgen fanden sie wieder ein verlassenes Nachtlager � in dem, wie Hurin behauptete, erneut ein Mord begangen worden war �, und die Richtung �nderte sich ebenfalls wieder, diesmal nach Nordwesten. Weniger als zwei Stunden sp�ter fanden sie eine weitere Leiche, einen Mann, dessen Sch�del von einer Axt gespalten war; die Richtung �nderte sich schon wieder. Erneut nach S�den. Und, falls Uno die Spuren richtig deutete, hatten sie weiter aufgeholt. Bis zum Einbruch der Dunkelheit sahen sie wieder nur einige entfernte Bauernh�fe. Der n�chste Tag brachte das gleiche: Richtungs�nderungen, Mord und so weiter, und der darauffolgende wieder.</p><p>Jeder Tag brachte sie ihrer Beute ein wenig n�her, doch Ingtar ging es nicht schnell genug. Er kochte st�ndig vor Wut. Einmal schlug er vor, einfach auf direktem Weg abzuk�rzen, als die Spuren wieder einmal morgens von einer Richtungs�nderung zeugten � sicher w�rden sie die Spur wiederfinden, wenn sie erneut nach S�den zeigte, und damit mehr Zeit gewinnen �, aber bevor jemand etwas dagegen einwenden konnte, meinte er selbst, das sei ein schlechter Einfall gewesen, falls die M�nner, die sie suchten, diesmal doch nicht nach S�den weiterritten. Er trieb alle zu noch gr��erer Eile an, wollte, da� sie fr�her aufbrachen und bis zur vollst�ndigen Dunkelheit ritten. Er erinnerte sie an die Aufgabe, die ihnen die Amyrlin anvertraut hatte, n�mlich das Horn von Valere zur�ckzugewinnen und sich durch nichts davon abbringen zu lassen. Er sprach von dem Ruhm, den sie dadurch erwerben w�rden, da� ihre Namen in die Geschichte und in die Erz�hlungen der Gaukler und die Lieder der Barden eingehen w�rden als diejenigen, die das Horn gefunden hatten. Er sprach unabl�ssig, als k�nne er nicht mehr aufh�ren, und blickte in die Richtung, die ihnen die Spuren wiesen, als l�ge in ihnen all seine Hoffnung auf das Licht. Selbst Uno begann, ihn eigenartig ber�hrt anzusehen.</p><p>Und so erreichten sie schlie�lich den Erinin.</p><p>Rands Meinung nach konnte man das eigentlich gar nicht als Dorf bezeichnen. Er sa� zwischen B�umen auf seinem Pferd und blickte hinauf zu einem halben Dutzend kleiner H�user, deren mit Holzschindeln gedeckte D�cher bis fast zum Boden hinunterreichten. Der Weiler lag unter der Morgensonne auf einem H�gel �ber dem Flu�. Nur wenige Leute kamen hier jemals vorbei. Es war erst ein paar Stunden her, seit sie aufgebrochen waren, aber falls das �bliche Muster wieder zutraf, h�tten sie eigentlich l�ngst die �berreste der Lagerst�tte der Schattenfreunde finden m�ssen. Aber sie waren auf nichts dergleichen gesto�en.</p><p>Der Flu� selbst wirkte nicht wie der gewaltige Erinin der Sage. Nat�rlich befanden sie sich nicht sehr weit von seiner Quelle am R�ckgrat der Welt entfernt. Es waren vielleicht sechzig Schritte �ber das schnell str�mende Wasser hinweg bis zum anderen Ufer, an dem sich eine Kette von B�umen entlangzog. Eine wie ein gro�er Kahn wirkende F�hre an einem starken Tau bot die einzige M�glichkeit, den Flu� zu �berqueren. Das F�hrboot lag festgezurrt auf der anderen Seite des Flusses.</p><p>Zum ersten Mal hatte sie die Spur geradewegs zu menschlichen Behausungen gef�hrt. Direkt auf die H�user auf dem H�gel zu. Auf dem einzigen Feldweg, um den sich die Behausungen gruppierten, bewegte sich nichts.</p><p>�Eine Falle, Lord Ingtar?� fragte Uno leise.</p><p>Ingtar gab die notwendigen Befehle aus, und die Schienarer holten ihre Lanzen aus den langen Lederrohren und verteilten sich rund um die H�user herum. Auf ein Handzeichen Ingtars hin galoppierten sie aus allen Richtungen gleichzeitig zwischen die H�user, donnerten mit suchenden Blicken hinein, die Lanzen sto�bereit, w�hrend die Hufe ihrer Pferde Staub aufwirbelten. Dann hielten sie an, und der Staub sank allm�hlich nieder.</p><p>Rand steckte den Pfeil, den er bereits aufgelegt gehabt hatte, in den K�cher zur�ck und h�ngte sich den Bogen wieder um. Mat und Perrin taten es ihm nach. Loial und Hurin hatten nur einfach an dem Fleck gewartet, an dem Ingtar sie zur�ckgelassen hatte. Sie beobachteten unruhig die Szenerie.</p><p>Ingtar winkte, und Rand und die anderen ritten zu den Schienarern hin�ber.</p><p>�Mir gef�llt der Geruch hier nicht�, murmelte Perrin, als sie zwischen die H�user ritten. Hurin sah ihn scharf an, und er erwiderte den Blick, bis Hurin die Augen senkte. �Es riecht irgendwie falsch.�</p><p>�Die blutigen Schattenfreunde und Trollocs sind geradewegs hier durchgeritten, Lord Ingtar�, sagte Uno und deutete auf ein paar �briggebliebene Spuren, die noch nicht von den Schienarern zertrampelt worden waren. �Gerade durch zu der verfluchten F�hre, und die haben sie, verdammt noch mal, auf der anderen Seite zur�ckgelassen. Blut und blutige Asche! Wir haben noch ein Schweinegl�ck, da� sie sie nicht losmachten und den Flu� runter treiben lie�en.�</p><p>�Wo sind die Leute, die hier wohnen?� fragte Loial.</p><p>Die T�ren standen offen, in den offenen Fenstern flatterten die Gardinen, aber trotz des Donnerns der Pferdehufe war niemand herausgetreten.</p><p>�Durchsucht die H�user�, befahl Ingtar. Die M�nner stiegen ab und rannten hinein, doch als sie zur�ckkamen, sch�ttelten sie die K�pfe.</p><p>�Sie sind weg, Lord Ingtar�, sagte Uno. �Verdammt noch mal einfach weg, mag mich das Licht versengen! Als h�tten sie sich entschlossen, mir nichts, dir nichts am hellichten Tag wegzulaufen.� Pl�tzlich hielt er inne und deutete eindringlich auf ein Haus hinter Ingtar. �Da ist eine Frau an dem Fenster. Wie ich die verdammt noch mal �bersehen konnte...?� Er rannte auf das Haus zu, bevor irgend jemand anders sich nur r�hren konnte.</p><p>�Erschreckt sie nicht!� rief Ingtar. �Uno, wir brauchen Informationen. Das Licht soll dich versengen, Uno, erschreck sie ja nicht!� Der Ein�ugige verschwand durch die offene T�r. Ingtar erhob die Stimme wieder. �Wir wollen Euch nichts antun, gute Frau! Wir sind M�nner von Lord Agelmar, aus Fal Dara. Habt keine Angst! Wir werden Euch nichts tun!�</p><p>Ein Fenster ganz oben im Haus flog auf, und Uno steckte den Kopf hinaus und blickte sich wild um. Mit einem Fluch zog er sich wieder zur�ck. Stampfen und Klappern begleiteten seinen R�ckweg, als zertrampele er w�tend irgendwelche Gegenst�nde. Schlie�lich erschien er in der T�r.</p><p>�Weg, Lord Ingtar. Aber sie war da. Eine Frau in einem wei�en Kleid war am Fenster. Ich habe sie gesehen. Ich dachte sogar einen Moment lang, ich h�tte sie drinnen gesehen, aber dann war sie weg und... � Er atmete tief durch. �Das Haus ist leer, Lord Ingtar.� Das Ma� seiner Erregung wurde dadurch deutlich, da� er einmal nicht fluchte.</p><p>�Vorh�nge�, �u�erte sich Mat dazu. �Er erschrickt, weil ein paar verdammte Vorh�nge durch die Gegend wehen.� Uno sah ihn scharf an und kehrte dann zu seinem Pferd zur�ck.</p><p>�Wohin sind sie verschwunden?� fragte Rand Loial. �Glaubst du, sie sind weggerannt, als die Schattenfreunde kamen?� <emphasis>Und die Trollocs und ein Myrddraal. Und das, was Hurin als noch schlimmer bezeichnet. Schlaue Leute, falls sie so schnell wegrannten, wie sie nur konnten.</emphasis></p><p>�Ich f�rchte, die Schattenfreunde haben sie mitgenommen, Rand�, sagte Loial z�gernd. Er verzog das Gesicht. Bei seiner breiten Nase, die ein wenig wie ein R�ssel wirkte, war das schon beinahe eine w�tende Fratze. �F�r die Trollocs.� Rand schluckte und bereute, da� er die Frage gestellt hatte. Es war kein angenehmes Gef�hl, sich vorzustellen, was die Trollocs fra�en.</p><p>�Was auch hier geschehen sein mag�, sagte Ingtar, �so haben es in jedem Fall die Schattenfreunde zu verantworten. Hurin, wurde hier Gewalt angewandt? Wurde get�tet? Hurin?�</p><p>Der Schn�ffler fuhr zusammen und blickte sich erschreckt um. Er hatte �ber den Flu� hinweggeblickt. �Gewalt, Lord Ingtar? Ja. Get�tet wurde niemand. Oder nicht direkt.� Er sah Perrin aus den Augenwinkeln an. �Ich habe so was noch nie zuvor gerochen, Lord Ingtar. Aber verletzt wurden schon welche.�</p><p>�Gibt es Zweifel daran, da� sie den Flu� �berquert haben? Oder sind sie wieder auf der eigenen Spur ein St�ck zur�ckgeritten?�</p><p>�Sie sind dr�ben, Lord Ingtar.� Hurin blickte nerv�s zum anderen Ufer hin�ber. �Sie haben ihn �berquert. Aber was sie auf der anderen Seite gemacht haben...?� Er zuckte die Achseln.</p><p>Ingtar nickte. �Uno, ich brauche diese F�hre auf unserer Seite. Und ich will, da� Kundschafter sich dr�ben umschauen, bevor wir den Flu� �berqueren. Nur weil hier keine Falle auf uns lauerte, hei�t das nicht, da� es dort keine gibt, wenn wir uns bei der �berquerung aufteilen m�ssen. Die F�hre sieht nicht gro� genug aus, um uns alle auf einmal hin�berzubringen. K�mmere dich also darum.�</p><p>Uno verbeugte sich, und Augenblicke sp�ter halfen sich Ragan und Masema gegenseitig aus den R�stungen. Bis auf den Lendenschurz entkleidet und mit einem Dolch bewaffnet, der hinten an diesem befestigt war, trabten sie auf krummen Reiterbeinen zum Flu�ufer und wateten ins Wasser. Sie zogen sich mit den H�nden an dem dicken F�hrtau entlang. Das Tau hing in der Mitte weit genug durch, um sie bis an die H�ften im Wasser stehen zu lassen, und die Str�mung war stark. Sie zog sie flu�abw�rts, doch schneller als Rand geglaubt hatte, stemmten sie sich �ber die rauhen Bordw�nde der F�hre. Sie zogen ihre Dolche und verschwanden unter den B�umen.</p><p>Nach einer Weile, die wie eine Ewigkeit erschien, tauchten die beiden M�nner wieder auf und machten sich daran, die F�hre langsam her�berzuziehen. Der Kahn stie� unterhalb des Dorfes ans Ufer, und Masema vert�ute ihn, w�hrend Ragan zu Ingtar hinauftrabte. Sein Gesicht war bleich. Die Pfeilnarbe auf seiner Wange trat deutlich heraus. Er wirkte ersch�ttert, als er sprach: �Das andere Ufer... Es gibt dort keinen Hinterhalt, Lord Ingtar, aber... � Er verbeugte sich tief, immer noch klatschna� und zitternd. �Lord Ingtar, Ihr m��t das selbst sehen. Die gro�e Steineiche, f�nfzig Schritt s�dlich des Landestegs.</p><p>Ich kann es nicht sagen. Ihr m��t es selbst sehen.�</p><p>Ingtar runzelte die Stirn und blickte erst Ragan und dann das ferne Ufer an. Schlie�lich sagte er: �Ihr habt eure Sache gut gemacht, Ragan. Ihr beide.� Seine Stimme wurde sch�rfer. �Uno, hole diesen M�nnern etwas aus den H�usern, um sich abzutrocknen. Und schau nach, ob jemand Teewasser aufgesetzt hatte. Gib ihnen etwas Hei�es zu trinken, wenn es geht. Dann bringe die zweite Gruppe und die Packpferde hin�ber.� Er wandte sich Rand zu. �Also, seid Ihr bereit, das S�dufer des Erinin zu sehen?� Er wartete nicht auf eine Antwort und ritt mit Hurin und der H�lfte der Lanzentr�ger zur F�hre hinunter.</p><p>Rand z�gerte einen Moment und folgte ihnen dann. Loial kam mit ihm. Zu seiner �berraschung ritt Perrin vor ihnen. Er blickte grimmig drein. Einige der Lanzentr�ger stiegen unter groben Scherzen ab, um das Tau zu ziehen und so die F�hre hin�berzubringen.</p><p>Mat wartete bis zur letzten Minute, als einer der Schienarer bereits die F�hre losband, doch dann gab er seinem Pferd die Fersen zu sp�ren und dr�ngte sich an Bord. �Fr�her oder sp�ter mu� ich doch kommen, oder?� sagte er atemlos, ohne jemand Bestimmtes anzusprechen. �Ich mu� ihn finden.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Da Mat so gesund wie fr�her wirkte, hatte er beinahe vergessen, warum Mat mitgekommen war. <emphasis>Um den Dolch zu finden. �berlasse Ingtar das Horn. Ich will nur den Dolch f�r Mat haben.</emphasis> �Wir werden ihn finden, Mat.�</p><p>Mat sah ihn finster an � mit einem h�hnischen Seitenblick auf seinen guten roten Mantel � und wandte sich ab. Rand seufzte.</p><p>�Es wird sich alles wieder einrenken, Rand�, sagte Loial leise. �Irgendwie geht das schon.�</p><p>Die Str�mung zerrte an der F�hre, als sie vom Ufer weggezogen wurde. Sie dr�ckte sie unter hartem Quietschen gegen das Tau. Die Lanzentr�ger wirkten als F�hrleute schon sehr eigenartig. Sie marschierten mit Helm und R�stung und Schwertern auf dem R�cken �ber das Deck, aber auch so brachten sie die F�hre gut auf den Flu� hinaus.</p><p>�Auf diese Art haben wir unsere Heimat verlassen�, sagte Perrin pl�tzlich. �In Taren-F�hre. Die schweren Stiefeltritte der F�hrleute an Deck und das Glucksen des Wassers um die F�hre herum. So verlie�en wir die Heimat. Diesmal wird es schlimmer.�</p><p>�Wie kann es noch schlimmer werden?� fragte Rand. Perrin antwortete nicht. Er suchte mit Blicken das andere Ufer ab, und seine goldenen Augen schienen fast zu gl�hen, doch nicht vor Eifer.</p><p>Nach einer Minute fragte auch Mat: �Wie kann es noch schlimmer kommen?�</p><p>�Es wird schlimmer. Ich kann es riechen�, war alles, was Perrin zu sagen bereit war. Hurin be�ugte ihn nerv�s, aber andererseits sah Hurin alles und jeden beunruhigt an, seit sie Fal Dara verlassen hatten.</p><p>Die F�hre prallte mit einem hohlen, dumpfen Ger�usch vom Aufschlag fester Planken auf z�hen Ton beinahe schon unter den �berh�ngenden Zweigen der B�ume auf das S�dufer, und die Schienarer, die pausenlos an dem Tau gezogen hatten, stiegen wieder auf ihre Pferde. Nur zwei blieben zur�ck. Ingtar hatte ihnen befohlen, die F�hre wieder zur�ckzubringen, um die anderen abzuholen. Der Rest folgte Ingtar die Uferb�schung hinauf.</p><p>�F�nfzig Schritt zu einer gro�en Steineiche�, sagte Ingtar, als sie in den Wald hineinritten. Seine Stimme klang etwas zu unbeteiligt. Wenn schon Ragan nicht dar�ber sprechen konnte... Einige der Soldaten lockerten die Schwerter auf ihren R�cken und hielten die Lanzen sto�bereit.</p><p>Zuerst glaubte Rand, die Gestalten, die an ihren Armen von den dicken grauen �sten der Steineiche hingen, seien Vogelscheuchen. Rote Vogelscheuchen. Dann erkannte er die beiden Gesichter. Changu und der andere Mann, der mit ihm zusammen auf Wache gewesen war. Nidao. Die Augen weit aufgerissen, die Z�hne in erstarrtem Schmerz gebleckt. Sie hatten noch lange Zeit gelebt, nachdem die Greueltat begonnen hatte.</p><p>Perrin stie� eine Art tiefes Grollen aus. �Das Schlimmste, was ich je gesehen habe, Lord Ingtar�, sagte Hurin mit schwacher Stimme. �Das Schlimmste was ich je gerochen habe, au�er an jenem Abend im Kerker von Fal Dara.�</p><p>Verzweifelt suchte Rand das Nichts in seinem Inneren. Die Flamme schien ihm immer im Weg zu sein. Das fahle Licht flackerte im Rhythmus seines krampfartigen W�rgens, doch er k�mpfte sich hindurch, und schlie�lich war er ganz in Leere geh�llt. Das Schwindelgef�hl pulsierte innerhalb des Nichts in seinem Inneren. Diesmal also nicht drau�en, sondern drinnen. <emphasis>Kein Wunder, wenn man so etwas sehen mu�.</emphasis> Der Gedanke h�pfte �ber das Nichts wie ein Wassertropfen in einer hei�en Pfanne. <emphasis>Was hat man mit ihnen gemacht?</emphasis></p><p>�Man hat ihnen die Haut bei lebendigem Leib abgezogen�, sagte jemand hinter ihm, und au�erdem h�rte er, wie sich jemand �bergab. Er glaubte, es sei Mat, doch alles war weit von ihm entfernt. Er befand sich im Nichts. Nur da� auch dieses ekelhafte Schwindelgef�hl bei ihm war. Er hatte das Gef�hl, er m�sse sich ebenfalls �bergeben.</p><p>�Schneidet sie ab�, sagte Ingtar mit rauher Stimme. Er z�gerte einen Moment und f�gte dann hinzu: �Begrabt sie. Wir k�nnen nicht sicher sein, da� sie wirklich Schattenfreunde waren. Sie k�nnten auch deren Gefangene gewesen sein. Es k�nnte sein. La�t sie die letzte Umarmung der Mutter noch f�hlen.� M�nner ritten mit z�gernd gezogenen Messern hin. Selbst f�r die schlachtgewohnten Schienarer war das keine leichte Aufgabe � die geh�uteten Leichen von M�nnern abzuschneiden, die sie gekannt hatten.</p><p>�Geht es Euch soweit gut, Rand?� fragte Ingtar. �Ich bin an so etwas auch nicht gew�hnt.�</p><p>�Mir... mir geht es gut, Ingtar.� Rand lie� das Nichts verfliegen. Er f�hlte sich ein wenig besser. Sein Magen hob sich immer noch, aber es war nicht mehr so schlimm. Ingtar nickte und lie� sein Pferd zur Seite drehen, so da� er die M�nner bei ihrer Arbeit beobachten konnte.</p><p>Das Begr�bnis war einfach. Zwei L�cher wurden in den Boden gegraben und die Leichen hineingelegt, w�hrend die anderen Schienarer schweigend zusahen. Die Totengr�ber begannen, ohne weiteres Aufhebens Erde in die Gr�ber zu schaufeln.</p><p>Rand war entsetzt, aber Loial erkl�rte ihm leise: �Die Schienarer glauben, wir alle k�men aus der Erde und m��ten wieder zur Erde zur�ckkehren. Sie ben�tzen niemals S�rge und Leichent�cher, und die K�rper sind niemals bekleidet. Die Erde mu� den K�rper zur�ckerhalten. Die letzte Umarmung der Mutter, so nennen sie das. Und es werden auch keine Worte gesprochen, bis auf �Das Licht leuchte dir, und der Sch�pfer sch�tze dich. Die letzte Umarmung der Mutter hei�t dich zu Hause willkommen.�� Loial seufzte und sch�ttelte das m�chtige Haupt. �Ich glaube nicht, da� irgend jemand das nun aussprechen wird. Gleich was Ingtar sagt, Rand, aber es gibt kaum einen Zweifel daran, da� Changu und Nidao die Wachen am Hundetor t�teten und die Schattenfreunde in die Festung lie�en. Es m�ssen sie gewesen sein, die f�r alles verantwortlich waren.�</p><p>�Wer hat dann den Pfeil auf... auf die Amyrlin abgeschossen?� Rand schluckte. <emphasis>Wer hat auf mich geschossen?</emphasis> Loial sagte nichts.</p><p>Uno kam mit dem Rest der M�nner und den Packpferden an, als gerade die letzten Erdbrocken auf die Gr�ber geschaufelt wurden. Irgend jemand erz�hlte ihm, was sie vorgefunden hatten, und der Ein�ugige spuckte aus. �Die ziegenk�ssenden Trollocs machen das manchmal am Rand der F�ule, wenn sie dir den letzten verdammten Nerv t�ten oder dich auf ihre verfluchte Weise warnen wollen, ihnen zu folgen. Seng mich, wenn das hier funktionieren sollte.�</p><p>Bevor sie weiterritten, hielt Ingtar neben den beiden unauff�lligen Gr�bern inne, zwei Haufen aufgesch�tteter Erde, die zu klein erschienen, um die K�rper von M�nnern aufzunehmen. Nach einem Moment sagte er: �Das Licht leuchte Euch, und der Sch�pfer sch�tze Euch. Die letzte Umarmung der Mutter hei�t Euch zu Hause willkommen.� Als er den Kopf hob, blickte er einen der M�nner nach dem anderen an. Alle Gesichter waren ausdruckslos, auch das von Ingtar. �Sie retteten am Tarwin-Pa� Lord Agelmars Leben�, sagte er. Ein paar der Lanzentr�ger nickten. Ingtar wendete sein Pferd. �Welche Richtung, Hurin?�</p><p>�Nach S�den, Lord Ingtar.�</p><p>�Nehmt die Spur auf! Die Jagd beginnt!�</p><p>Der Wald wurde bald von einer sanftwelligen Ebene abgel�st, die manchmal durch einen seichten Bach unterbrochen wurde, der sich sein Bett tief in den weichen Boden eingeschnitten hatte. Die Bodenwellen blieben niedrig � h�chstens fanden sie einmal einen geduckten H�gel, der die Bezeichnung nicht wert war. Wunderbares Land f�r Pferde. Ingtar n�tzte das aus, lie� sie mit gleichm��igen, raumgreifenden Schritten vorw�rts eilen. Gelegentlich sah Rand in der Ferne etwas, das wie ein Bauernhaus aussah, und einmal sogar glaubte er, ein Dorf entdeckt zu haben, aus dessen meilenweit entfernten Schornsteinen Rauch quoll. Etwas gl�nzte wei� in der Sonne. Aber das Land in ihrer unmittelbaren N�he blieb menschenleer. Lange Grasstreifen wurden hier und da durch Unterholz und ein paar B�ume unterbrochen; von Zeit zu Zeit sahen sie sogar ein kleines Dickicht, aber nie mehr als hundert Schritte breit.</p><p>Ingtar sandte Kundschafter aus. Zwei M�nner ritten voraus. Man sah sie nur, wenn sie gerade eine Erhebung �berquerten. Er hatte sich eine silberne Pfeife um den Hals geh�ngt, damit er sie zur�ckrufen konnte, falls Hurin sagte, die Spur weiche von der bisherigen Richtung ab, aber das war nicht der Fall. S�den. Immer nach S�den.</p><p>�Wir werden das Schlachtfeld von Talidar in drei oder vier Tagen erreichen, wenn das so weitergeht�, sagte Ingtar, w�hrend sie so dahinritten. �Artur Falkenfl�gels gr��ter Sieg auf dem Schlachtfeld, als die Halbmenschen die Trollocs aus der F�ule gegen ihn f�hrten. Die Schlacht dauerte sechs Tage und N�chte, und als sie vor�ber war, flohen die Trollocs in die F�ule zur�ck und wagten es nie mehr, ihn herauszufordern. Er lie� zur Erinnerung an seinen Sieg dort eine S�ule errichten, hundert Spannen hoch. Er lie� aber nicht seinen eigenen Namen einmei�eln, sondern die Namen aller M�nner, die dort fielen, und obenauf eine goldene Sonne als Wahrzeichen daf�r, da� das Licht den Schatten besiegt hatte.�</p><p>�Das w�rde ich gern sehen�, sagte Loial. �Ich habe noch nie von dieser Siegess�ule geh�rt.�</p><p>Ingtar schwieg einen Augenblick lang, und als er weitersprach, klang seine Stimme sehr ruhig. �Sie steht nicht mehr dort, Erbauer. Als Falkenfl�gel starb, konnten es diejenigen, die sich um sein Reich stritten, nicht ertragen, ein solches Monument eines seiner Siege stehen zu lassen, auch wenn sein Name gar nicht darauf stand. Es ist nichts davon �brig als der H�gel, auf dem es einst stand. Wenigstens diesen k�nnen wir in drei oder vier Tagen sehen.� Sein Tonfall lie� anschlie�end keine Unterhaltung mehr aufkommen.</p><p>Unter der am Himmel h�ngenden goldenen Sonne kamen sie an einer Ruine vorbei, die, quadratisch und aus verputzten Backsteinen errichtet, weniger als eine Meile von ihrem Weg entfernt lag. Sie war nicht hoch; wo immer er auch hinblickte, standen nicht mehr als zwei Stockwerke, aber sie bedeckte eine recht gro�e Fl�che. Eine Stimmung trauriger Verlassenheit lag dar�ber. Die D�cher waren eingebrochen; nur ein paar Streifen dunkler Ziegel hingen noch an einzelnen Dachsparren. Der gr��te Teil des wei�en Verputzes war abgebr�ckelt und gab den Blick frei auf die dunklen, verwitterten Backsteine darunter. W�nde waren eingest�rzt und enth�llten Innenh�fe und vermodernde Zimmer. Gestr�pp und sogar ein paar B�ume wuchsen in den Ritzen der einst gepflasterten Innenh�fe.</p><p>�Ein Herrenhaus�, erkl�rte Ingtar. Das bi�chen Humor, das er wiedergewonnen hatte, schien zu verblassen, als er die Ruine betrachtete. �Als Harad Dakar noch stand, sch�tze ich, bewirtschaftete der Gutsherr das Land im Umkreis von ein paar Meilen. Vielleicht baute er Obst an. Die Hardani liebten ihre Obstplantagen.�</p><p>�Harad Dakar?� sagte Rand, und Ingtar schnaubte.</p><p>�Lernt denn heute keiner mehr Geschichte? Harad Dakar, die Hauptstadt von Hardan; das war das Land, �ber das wir gerade reiten.�</p><p>�Ich habe eine alte Landkarte gesehen�, antwortete Rand mit angespannter Stimme. �Ich kenne die L�nder, die es heute nicht mehr gibt: Maredo und Goaban und Carralain. Aber Hardan gab es darauf nicht.�</p><p>�Es gab damals noch andere, die heute spurlos verschwunden sind�, sagte Loial. �Mar Haddon, das heute nur noch als die Haddon-S�mpfe bekannt ist, und Almoth. Kintara. Der Hundertj�hrige Krieg hat Artur Falkenfl�gels Reich in viele Nationen zersprengt � gro�e und kleine. Die kleinen wurden von den gro�en geschluckt oder sie vereinigten sich, so wie Altara und Murandy. Oder besser gesagt, sie wurden zur Vereinigung gezwungen und vereinten sich nicht freiwillig, sch�tze ich.�</p><p>�Und was ist dann mit ihnen geschehen?� wollte Mat wissen. Rand hatte gar nicht bemerkt, da� Mat und Perrin herangeritten waren, um sich ihnen anzuschlie�en. Als er sie zuletzt gesehen hatte, waren sie ganz am Ende der Kolonne geritten, soweit wie m�glich von Rand al'Thor entfernt.</p><p>�Sie konnten sich nicht halten�, antwortete der Ogier. �Es gab Mi�ernten, oder der Handel brachte nicht genug ein, oder die Menschen versagten einfach. In jedem Fall versagte irgend etwas, und die Nation schwand dahin. Oft sogen Nachbarl�nder das betreffende Land in sich auf, als diese Nationen verschwanden, aber auch diese Aneignungen waren nicht f�r die Dauer. Irgendwann schlie�lich verlie� man die L�nder. Hier und da h�lt sich noch ein Dorf, aber die meisten wurden von der Wildnis verschlungen. Es ist schon fast dreihundert Jahre her, da� Harad Dakar endg�ltig aufgegeben wurde, aber selbst davor war es nur eine leere H�lle mit einem K�nig, der nicht einmal kontrollieren konnte, was innerhalb der Stadtmauern geschah. Soviel ich wei�, ist Harad Dakar selbst mittlerweile ganz vom Erdboden verschwunden. Alle D�rfer und St�dte von Hardan sind vergangen. Ihre Steine wurden von Bauern zum eigenen Gebrauch weggekarrt. Aber die meisten H�fe und D�rfer, die man damit erbaut hat, sind mittlerweile ebenfalls verschwunden. Das habe ich gelesen, und ich habe bisher nichts gesehen, was dem widerspr�che.�</p><p>�Harad Dakar war fast hundert Jahre lang wie ein Steinbruch�, sagte Ingtar bitter. �Die Menschen zogen mit der Zeit fort, und die Stadt wurde Stein um Stein abgetragen. Alles verschwand langsam, und was noch nicht weg ist, wird auch vergehen. Alles vergeht �berall. Es gibt kaum eine Nation, die wirklich das gesamte Land beherrscht, das sie der Landkarte nach ihr eigen nennt, und es gibt auch kaum ein Land, das heute noch auf der Landkarte genauso gro� ist wie vor hundert Jahren. Als der Hundertj�hrige Krieg beendet war, konnte man endlos weit durch ein Land zum anderen reiten; von der F�ule bis zum Meer der St�rme. Jetzt k�nnen wir beinahe dieselbe Strecke st�ndig durch eine Wildnis reiten, die von keinem Land beansprucht wird. Wir in den Grenzlanden werden durch die Notwendigkeit des st�ndigen Kampfes gegen die F�ule gest�rkt und geeint. Vielleicht fehlte diesen L�ndern hier die notwendige Herausforderung, um sie stark zu erhalten. Ihr sagtet, sie versagten, Erbauer? Ja, sie versagten, und welche Nation, die heute stolz und m�chtig dasteht, wird morgen vielleicht ebenfalls versagen? Wir werden weggeschwemmt, wir Menschen. Weggeschwemmt wie Treibholz in einer Flut. Wie lange noch, bis nur noch die Grenzlande �brig sind? Wie lange noch, bis auch wir untergehen und nichts �brigbleibt, als Trollocs und Myrddraal bis hinunter zum Meer der St�rme?�</p><p>Erschrockenes Schweigen folgte seinen Worten. Nicht einmal Mat sagte etwas. Ingtar ritt gedankenverloren weiter.</p><p>Nach einer Weile kamen die Kundschafter zur�ckgaloppiert und berichteten, aufrecht sitzend und mit erhobenen Lanzen: �Vor uns liegt ein Dorf, Lord Ingtar. Man hat uns nicht gesehen, aber es liegt direkt auf unserem Weg.�</p><p>Ingtar sch�ttelte die tr�ben Gedanken ab, sagte aber nichts, bis sie den Kamm eines niedrigen H�gels erreicht hatten und auf das Dorf hinunterblickten. Auch dann befahl er lediglich anzuhalten, w�hrend er aus seiner Satteltasche ein Fernglas herausholte und es an die Augen hob, um das Dorf zu betrachten. Rand betrachtete ebenfalls interessiert das Dorf. Es war so gro� wie Emondsfeld, obwohl das nat�rlich nicht gerade gro� war, wenn man es mit einigen der Ortschaften verglich, die er seit seinem Aufbruch in den Zwei Fl�ssen gesehen hatte, ganz zu schweigen von den gro�en St�dten. Die H�user waren alle niedrig und mit wei�em Kalk verputzt, und es schien, als wachse auf ihren Giebeld�chern Gras. Ein Dutzend Windm�hlen lagen �ber das ganze Dorf verstreut. Ihre langen, stoffbespannten Fl�gel drehten sich gem�tlich und leuchteten wei� im Sonnenschein. Ein niedriger Wall umgab das Dorf. Er war brusthoch und grasbewachsen. Davor befand sich ein breiter Graben mit zugespitzten St�cken, die man dicht beieinander in den Boden gerammt hatte. Die einzige �ffnung, die er in dem Wall entdecken konnte, besa� keine Torfl�gel, doch er nahm an, sie k�nne ziemlich leicht mit einem Karren oder Wagen blockiert werden. Er konnte nirgends Menschen entdecken.</p><p>�Nicht mal ein Hund ist zu sehen�, sagte Ingtar und steckte das Fernglas zur�ck in die Satteltasche. �Seid Ihr sicher, da� sie Euch nicht entdeckt haben?� fragte er die Kundschafter.</p><p>�H�chstens wenn sie das Gl�ck des Dunklen K�nigs auf ihrer Seite haben, Lord Ingtar�, sagte der eine der M�nner. �Wir sind noch nicht einmal auf diesen H�gelkamm gestiegen. Und wir haben auch keinerlei Bewegung im Dorf gesehen, Lord Ingtar.�</p><p>Ingtar nickte. �Die Spur, Hurin?�</p><p>Hurin holte tief Luft. �Zum Dorf hin, Lord Ingtar. Geradewegs darauf zu, soweit ich das von hier aus beurteilen kann.�</p><p>�Pa�t gut auf�, befahl Ingtar und straffte die Z�gel.</p><p>�Und glaubt nicht, sie seien freundlich gesinnt, nur weil sie l�cheln. Falls sich irgend jemand dort aufh�lt.� Er f�hrte sie in langsamem Schrittempo auf das Dorf zu und hob die Hand zum R�cken, um sein Schwert in der Scheide zu lockern.</p><p>Rand h�rte an den Ger�uschen hinter ihm, da� die anderen das gleiche taten. Nach einem Augenblick lockerte auch er sein Schwert in der Scheide. Sich zu bem�hen, am Leben zu bleiben, war etwas ganz anderes als sich zu bem�hen, ein Held zu ein, stellte er fest.</p><p>�Glaubt Ihr, diese Leute w�rden Schattenfreunden helfen?� fragte Perrin Ingtar. Der Schienarer nahm sich Zeit f�r seine Antwort. �Sie haben nicht viel f�r Schienarer �brig�, sagte er schlie�lich. �Sie sind der Meinung, wir h�tten sie zu besch�tzen. Wir oder die Cairhienin. Cairhien beanspruchte dieses Land f�r sich, als der letzte K�nig von Hardan starb. Sie beanspruchten das ganze Land bis zum Erinin f�r sich. Aber sie konnten es nicht halten. Sie gaben es vor beinahe hundert Jahren auf. Die wenigen Menschen, die hier noch leben, m�ssen sich kaum den Kopf �ber Trollocs zerbrechen � so weit im S�den �, aber es gibt eine Menge menschlicher R�uber. Deshalb haben sie den Wall und den Graben angelegt. So was haben alle D�rfer hier. Ihre Felder liegen bestimmt in den Mulden hier herum verborgen, und es wohnt niemand au�erhalb des Walles. Sie w�rden jedem K�nig die Treue schw�ren, der sie besch�tzt, aber wir haben nun mal alle H�nde voll zu tun, um gegen die Trollocs zu k�mpfen. Doch sie haben deshalb nicht gerade eine hohe Meinung von uns.� Als sie die �ffnung in dem niedrigen Wall erreichten, f�gte er nochmals hinzu: �Pa�t gut auf!�</p><p>Alle Stra�en f�hrten hin zu einem Dorfplatz, aber es befand sich niemand auf diesen Stra�en, und niemand sp�hte aus den Fenstern auf sie herab. Nicht einmal ein Hund war zu sehen; nicht einmal ein Huhn. Nichts Lebendiges. Ge�ffnete T�ren knarrten im Wind auf und zu und lieferten so den Kontrapunkt zu dem rhythmischen Quietschen der Windm�hlenfl�gel. Die Hufe der Pferde polterten laut auf der festgefahrenen Stra�enoberfl�che. �Wie bei der F�hre�, murmelte Hurin, �und doch anders.� Er sa� zusammengesunken und mit gesenktem Kopf im Sattel, als versuche er, sich hinter den eigenen Schultern zu verstecken. �Gewalt wurde gebraucht, aber... ich wei� nicht. Es war schlimm hier. Es riecht schlimm.�</p><p>�Uno�, sagte Ingtar, �nimm dir eine Gruppe, und suche die H�user ab. Wenn du jemanden findest, bringe ihn zu mir auf den Dorfplatz. Aber erschrecke mir diesmal niemanden. Ich brauche Antworten und keine Leute, die vor Angst um ihr Leben rennen.� Er f�hrte die anderen Soldaten weiter zur Ortsmitte hin, w�hrend Uno seine zehn Mann absitzen lie�.</p><p>Rand z�gerte und sah sich um. Die quietschenden T�ren, die knarrenden Windm�hlenfl�gel, das Hufgetrappel der Pferde, alles ergab zuviel Hintergrundl�rm, als g�be es auf der ganzen Welt kein anderes Ger�usch mehr. Er betrachtete die H�user. Die Vorh�nge in einem ge�ffneten Fenster wehten wild und klatschen gegen die Au�enwand des Hauses. Alles schien leblos. Mit einem Seufzer stieg er ab und ging zum n�chsten Haus hin�ber. Dann blieb er stehen und blickte die T�r an. <emphasis>Es ist doch nur eine T�r. Wovor hast du denn Angst?</emphasis> Er w�nschte, er h�tte nicht dieses eigenartige Gef�hl, als warte irgend jemand auf der anderen Seite. Er schob sie auf.</p><p>Drinnen befand sich ein sauber aufger�umtes Zimmer. Na, jedenfalls war es einstmals sehr ordentlich gewesen. Der Tisch war gedeckt, St�hle mit hohen Gitterlehnen standen darum herum, und ein paar Teller waren schon gef�llt. Ein paar Fliegen summten �ber Sch�sseln mit R�ben und Erbsen, und weitere krabbelten auf kaltem gebratenen Rindfleisch herum, das in einer geronnenen Sauce lag. Eine Scheibe war halb von dem Bratenst�ck abgeschnitten. Die Gabel stak noch im Fleisch, und das Messer lag noch auf dem Teller, als habe man es fallen lassen. Rand trat ein.</p><p>Ein Wimpernschlag.</p><p>Ein l�chelnder, glatzk�pfiger Mann in grober Kleidung legte eine Scheibe Fleisch auf einen Teller, den eine Frau mit verbrauchtem Gesicht hielt. Auch sie l�chelte. Sie f�gte Erbsen und R�ben hinzu und gab den Teller einem der Kinder, die am Tisch sa�en. Es war ein halbes Dutzend Kinder, Jungen und M�dchen; die einen schon fast erwachsen, w�hrend andere kaum gro� genug waren, um �ber den Tisch zu schauen. Die Frau sagte etwas, und das M�dchen, das ihr den Teller abnahm, lachte. Der Mann begann, eine weitere Scheibe abzuschneiden.</p><p>Pl�tzlich schrie ein anderes M�dchen auf und deutete auf die Eingangst�r. Der Mann lie� das Messer fallen und fuhr herum. Dann schrie auch er mit angstverzerrtem Gesicht und ri� ein Kind an sich. Die Frau ergriff ein weiteres und bedeutete den anderen verzweifelt etwas, wobei ihr Mund sich lautlos und aufgeregt bewegte. Alle st�rzten zu einer T�r am hinteren Ende des Zimmers.</p><p>Die T�r sprang auf und...</p><p>Ein Wimpernschlag.</p><p>Rand konnte sich nicht r�hren. Die Fliegen �ber dem Tisch summten lauter. Sein Atem bildete eine Wolke vor seinem Mund.</p><p>Ein Wimpernschlag.</p><p>Ein l�chelnder, glatzk�pfiger Mann in grober Kleidung legte eine Scheibe Fleisch auf einen Teller, den eine Frau mit verbrauchtem Gesicht hielt. Auch sie l�chelte. Sie f�gte Erbsen und R�ben hinzu und gab den Teller einem der Kinder, die am Tisch sa�en. Es war ein halbes Dutzend Kinder, Jungen und M�dchen; die einen schon fast erwachsen, w�hrend andere kaum gro� genug waren, um �ber den Tisch zu schauen. Die Frau sagte etwas, und das M�dchen, das ihr den Teller abnahm, lachte. Der Mann begann, eine weitere Scheibe abzuschneiden.</p><p>Pl�tzlich schrie ein anderes M�dchen auf und deutete auf die Eingangst�r. Der Mann lie� das Messer fallen und fuhr herum. Dann schrie auch er mit angstverzerrtem Gesicht und ri� ein Kind an sich. Die Frau ergriff ein weiteres und bedeutete den anderen verzweifelt etwas, wobei ihr Mund sich lautlos und aufgeregt bewegte. Alle st�rzten zu einer T�r am hinteren Ende des Zimmers.</p><p>Die T�r sprang auf und...</p><p>Ein Wimpernschlag.</p><p>Rand k�mpfte dagegen an, doch seine Muskeln schienen eingefroren zu sein. Das Zimmer war k�lter. Er wollte vor K�lte zittern, aber er konnte sich noch nicht einmal soweit bewegen. Fliegen krabbelten �ber den ganzen Tisch. Er suchte nach dem Nichts. Das tr�be Licht war da, aber es k�mmerte ihn nicht. Er mu�te...</p><p>Ein Wimpernschlag.</p><p>Ein l�chelnder, glatzk�pfiger Mann in grober Kleidung legte eine Scheibe Fleisch auf einen Teller, den eine Frau mit verbrauchtem Gesicht hielt. Auch sie l�chelte. Sie f�gte Erbsen und R�ben hinzu und gab den Teller einem der Kinder, die am Tisch sa�en. Es war ein halbes Dutzend Kinder, Jungen und M�dchen; die einen schon fast erwachsen, w�hrend andere kaum gro� genug waren, um �ber den Tisch zu schauen. Die Frau sagte etwas, und das M�dchen, das ihr den Teller abnahm, lachte. Der Mann begann, eine weitere Scheibe abzuschneiden.</p><p>Pl�tzlich schrie ein anderes M�dchen auf und deutete auf die Eingangst�r. Der Mann lie� das Messer fallen und fuhr herum. Dann schrie auch er mit angstverzerrtem Gesicht und ri� ein Kind an sich. Die Frau ergriff ein weiteres und bedeutete den anderen verzweifelt etwas, wobei ihr Mund sich lautlos und aufgeregt bewegte. Alle st�rzten zu einer T�r am hinteren Ende des Zimmers.</p><p>Die T�r sprang auf und...</p><p>Ein Wimpernschlag.</p><p>Das Zimmer war eiskalt. <emphasis>So kalt.</emphasis> Fliegen krochen wie eine schwarze Masse �ber den Tisch; sie schoben sich �ber die W�nde, den Fu�boden, die Decke; alles war schwarz von ihnen. Sie krochen �ber Rand, bedeckten ihn, krabbelten ihm �ber das Gesicht, �ber die Augen, in die Nase und den Mund. <emphasis>Licht, hilf mir! Kalt.</emphasis> Die Fliegen summten wie Donner. <emphasis>Kalt.</emphasis> Es durchdrang das Nichts, verh�hnte die Leere, schlo� ihn in Eis ein. Verzweifelt suchte er nach dem flackernden Licht. Sein Magen drehte sich um, aber das Licht war warm. Warm. Hei�. Ihm war hei�.</p><p>Pl�tzlich krallte er sich in... etwas hinein. Er wu�te nicht, was oder wie. Spinnweben aus Stahl. Mondstrahlen aus Stein. Sie zerbr�ckelten unter seiner Ber�hrung, aber er wu�te, da� er gar nichts ber�hrt hatte. Sie schrumpften und schmolzen in der Hitze, die ihn durchflo�, Hitze wie vom Feuer einer Schmiede, Hitze als brenne die Welt, Hitze wie... Es war vorbei. Schwer atmend sah er sich mit weit aufgerissenen Augen um. Ein paar Fliegen lagen auf dem angeschnittenen Braten und auf dem Teller. Tote Fliegen. <emphasis>Sechs Fliegen. Nur sechs.</emphasis> In den Sch�sseln lagen weitere; ein halbes Dutzend winzige schwarze Flecke im kalten Gem�se. Alle tot. Er taumelte auf die Stra�e hinaus.</p><p>Mat kam gerade aus einem Haus auf der anderen Stra�enseite heraus und sch�ttelte den Kopf. �Niemand da�, sagte er zu Perrin, der immer noch auf dem Pferd sa�. �Es hat den Anschein, als seien sie einfach beim Essen aufgestanden und weggegangen.�</p><p>Vom Platz her erklang ein Ruf.</p><p>�Sie haben etwas gefunden�, sagte Perrin und gab seinem Pferd die Fersen zu sp�ren. Mat kletterte in den Sattel und galoppierte ihm nach.</p><p>Rand bestieg den Braunen etwas langsamer; der Hengst scheute, als f�hle er seine Unruhe. Er betrachtete die H�user, w�hrend er langsam zum Dorfplatz hin�ber ritt, aber er konnte sich nicht dazu bringen, l�nger hinzuschauen. <emphasis>Mat ist hineingegangen, und ihm ist nichts passiert.</emphasis> Er beschlo�, in diesem Dorf kein Haus mehr zu betreten, gleich aus welchem Grund. So gab er dem Braunen die Fersen und beschleunigte dessen Gangart.</p><p>Alle standen wie Statuen vor einem gro�en Geb�ude mit einer breiten Doppelt�r. Rand glaubte nicht, da� es eine Schenke sei; so hing zum Beispiel kein Schild �ber dem Eingang. Vielleicht war es ein Treffpunkt der Dorfbewohner. Er schlo� sich der schweigenden Runde an und starrte entsetzt wie die anderen auf den sich ihm bietenden Anblick.</p><p>Ein Mann hing mit ausgebreiteten Armen und Beinen an der T�r. Dicke Dornen waren ihm durch Handgelenke und Schultern getrieben worden. Weitere Dornen steckten in seinen Augen, um seinen Kopf oben zu halten. Dunkles, eingetrocknetes Blut verkrustete seine Wangen. Trittspuren auf dem Holz hinter seinen Stiefeln zeigte, da� er noch am Leben gewesen war, als man ihm das antat. Zumindest, als man damit begann.</p><p>Rand stockte der Atem. Kein Mann. Diese schwarze Kleidung, schw�rzer als schwarz, war niemals von einem Menschen getragen worden. Der Wind lie� einen Zipfel des vom K�rper festgeklemmten Umhangs flattern � und, wie er nur zu gut wu�te, war das sonst nicht der Fall; oft hatte der Wind keine Macht �ber diese Kleider �, aber in diesem blassen, blutleeren Gesicht hatten sich niemals Augen befunden.</p><p>�Myrddraal�, hauchte er, und es war, als l�se sein Sprechen den Bann, unter dem alle anderen gestanden hatten. Sie begannen, sich wieder zu bewegen und zu atmen.</p><p>�Wer�, begann Mat, und dann mu�te er innehalten und schlucken. �Wer kann so etwas mit einem Blassen machen?� Zum Schlu� quiekte seine Stimme. �Ich wei� es nicht�, sagte Ingtar. �Ich wei� es nicht.� Er sah sich um und musterte die Gesichter, oder vielleicht z�hlte er sie auch, um sich zu vergewissern, da� alle da waren. �Und ich glaube nicht, da� wir hier irgend etwas erfahren. Wir reiten weiter. Aufsitzen! Hurin, suche die Spur, die aus diesem Ort hinausf�hrt.�</p><p>�Ja, Lord Ingtar. Ja. Mit Vergn�gen. In dieser Richtung, Lord Ingtar. Sie ziehen immer noch nach S�den.�</p><p>Sie ritten weg und lie�en den toten Myrddraal h�ngen. Der Wind zupfte an seinem schwarzen Umhang. Hurin war als erster auf der anderen Seite des Walls. Zur Abwechslung einmal wartete er nicht auf Ingtar, aber Rand kam gleich hinter ihm.</p></section><section><title><p>11</p><p>Das Muster schimmert hindurch</p></title><p>Zum erstenmal beendete Ingtar ihren Tagesritt bereits zu einer Stunde, als noch die Sonne golden am Himmel stand. Die abgeh�rteten Schienarer f�hlten die Auswirkungen dessen, was sie in dem Dorf gesehen hatten. Ingtar hatte zuvor niemals so fr�h ein Nachtlager errichten lassen, und der Lagerplatz, den er erw�hlt hatte, wirkte so, als k�nne man ihn leicht verteidigen. Es war eine tiefe, beinahe runde Mulde, gro� genug, um alle M�nner und Pferde bequem zu beherbergen. An den Abh�ngen wuchs ein sp�rliches Dickicht aus Kr�ppeleichen und Lederblattb�umchen. Der Rand war hoch genug, um alle im Lager zu verbergen, selbst ohne die B�ume. In diesem Flachland entsprach die H�he schon fast der eines H�gels.</p><p>�Alles, was ich verdammt noch mal sagen will�, h�rte er Uno beim Absitzen zu Ragan sagen, �ist die Tatsache, da� ich sie verflucht noch mal gesehen habe, Licht verseng dich! Just bevor wir diesen ziegenk�ssenden Halbmenschen gefunden haben. Die gleiche verflammte Frau wie bei der verflammten F�hre. Sie war da, und dann war sie auf einmal, verflucht, nicht mehr da. Du kannst sagen, was du verdammt noch mal willst, aber pa� auf, wie du das verflammt sagst, oder ich zieh dir das verfluchte Fell selbst �ber die Ohren und verbrenn deine ziegenk�ssende Haut, du schafsgesichtiger Milchtrinker!�</p><p>Rand stand da, einen Fu� auf dem Boden und den anderen noch in der Luft. <emphasis>Die gleiche Frau? Aber es gab keine Frau an der F�hre, nur ein paar Vorh�nge, die vom</emphasis></p><p><emphasis>Wind bewegt wurden. Und wenn es sie g�be, k�nnte sie das Dorf doch nicht vor uns erreicht haben.</emphasis> Das Dorf...</p><p>Er scheute sich vor dem Weiterspinnen dieses Gedankens. Noch mehr als den an die T�r genagelten Blassen wollte er dieses Zimmer und die Fliegen und die Menschen vergessen, die sich dort befanden und auch wieder nicht. Der Halbmensch war Wirklichkeit gewesen � jeder konnte das sehen �, aber dieses Zimmer... <emphasis>Vielleicht werde ich nun tats�chlich verr�ckt.</emphasis> Er w�nschte, Moiraine w�re da, und er k�nnte mit ihr sprechen. <emphasis>M�chte eine Aes Sedai sehen. Du bist wirklich ein Narr. Endlich hast du das hinter dir, also la� es auch sein! Aber habe ich es tats�chlich hinter mir? Was ist dort geschehen?</emphasis></p><p>�Packpferde und Vorr�te in die Mitte!� befahl Ingtar, als die Lanzentr�ger sich daran machten, das Lager zu errichten. �Reibt die Pferde ab, und dann sattelt sie wieder, falls wir schnell weg m�ssen. Jeder Mann schl�ft neben seinem Reittier und heute abend werden keine Feuer entz�ndet. Die Wache wechselt alle zwei Stunden. Uno, ich will Kundschafter dort drau�en haben. Sie sollen reiten, so weit sie k�nnen, wenn sie bei Einbruch der Dunkelheit zur�ck sein sollen. Ich will wissen, was dort drau�en los ist.�</p><p><emphasis>Er f�hlt es auch,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Es sind nicht nur ein paar Schattenfreunde und Trollocs und vielleicht noch ein Blasser.</emphasis> Nur ein paar Schattenfreunde und Trollocs und vielleicht noch ein Blasser! Vor nur wenigen Tagen h�tte es davor kein �nur� gegeben. Zu jener Zeit h�tten sogar in den Grenzlanden, weniger als einen Tagesritt von der F�ule entfernt, Schattenfreunde und Trollocs und Myrddraal gereicht, um einem Mann Alptr�ume zu bescheren. Bevor er einen Myrddraal sah, den man an eine T�r genagelt hatte. Wer <emphasis>im Licht konnte so etwas fertigbringen? Oder</emphasis> wer nicht <emphasis>im Licht?</emphasis> Bevor er in ein Zimmer eingetreten war, wo einer Familie das Abendessen und das Lachen abgeschnitten worden waren. <emphasis>Ich mu� mir das eingebildet haben. Bestimmt.</emphasis> Das klang selbst in seinen eigenen Gedanken nicht �berzeugend. Er hatte auch den Wind auf der Turmspitze nicht vorhergesehen oder da� die Amyrlin sagte...</p><p>�Rand?� Er fuhr zusammen, als Ingtar ihn aus n�chster N�he ansprach. �Werdet Ihr die ganze Nacht damit verbringen, auf einem Bein stehenzubleiben?�</p><p>Rand setzte den Fu� auf den Boden. �Ingtar, was ist dort hinten in dem Dorf geschehen?�</p><p>�Die Trollocs haben sie mitgenommen, genau wie die Leute aus dem Dorf an der F�hre. Das ist geschehen. Der Blasse... � Ingtar zuckte die Achseln und blickte hinunter auf ein flaches, in Segeltuch geh�lltes, quadratisches gro�es B�ndel. Er sah es an, als erblicke er dort verborgene Geheimnisse, die er lieber nicht l�ften wollte. �Die Trollocs haben sie als Lebensmittelvorrat mitgenommen. Das tun sie manchmal auch in den D�rfern und auf Bauernh�fen in der N�he der F�ule, wenn ihnen bei Nacht ein Vorsto� �ber die Grenzen gelingt. Manchmal k�nnen wir die Menschen zur�ckholen, manchmal nicht. Manchmal holen wir sie zur�ck und w�nschen beinahe, wir h�tten es nicht getan. Die Trollocs t�ten sie gelegentlich nicht gleich, wenn sie mit dem Schlachten beginnen. Und die Halbmenschen machen sich auch mal ihren � Spa�. Das ist noch schlimmer als das, was die Trollocs tun.� Seine Stimme klang so fest, als beschreibe er ganz allt�gliche Dinge, na ja, und vielleicht war es auch so, jedenfalls f�r einen Soldaten aus Schienar.</p><p>Rand atmete tief ein, um seinen Magen zu beruhigen.</p><p>�Der Blasse dort hinten hat sich keinen Spa� mehr erlaubt, Ingtar. Wer mag einen Myrddraal lebendig an eine T�r nageln?�</p><p>Ingtar z�gerte, sch�ttelte den Kopf und schob Rand das gro�e B�ndel zu. �Hier, Moiraine Sedai trug mir auf, Euch das im ersten Lager s�dlich des Erinin zu �bergeben. Ich wei� nicht, was darin ist, aber sie sagte, Ihr werdet es ben�tigen. Sie sagte, ich solle Euch mahnen, es sorgf�ltig zu beh�ten; Euer Leben k�nne davon abh�ngen.�</p><p>Rand nahm es nur z�gernd; bei der Ber�hrung der Segeltuchh�lle prickelte seine Haut. Drinnen war etwas Weiches. Vielleicht aus Stoff. Er hielt das B�ndel vorsichtig. <emphasis>Er denkt auch lieber nicht �ber den Myrddraal nach. Was ist in diesem Zimmer geschehen?</emphasis> Ihm wurde pl�tzlich klar, da� es ihm immer noch lieber war, an den Blassen und sogar an dieses Zimmer zu denken, als daran, was Moiraine ihm geschickt haben mochte.</p><p>�Man hat mir ebenfalls aufgetragen, Euch zu sagen, da� die Lanzentr�ger Eurem Befehl gehorchen werden, falls mir etwas geschieht.�</p><p>�Mir?� keuchte Rand und verga� das B�ndel und alles andere. Ingtar begegnete seinem ungl�ubigen Blick mit einem gelassenen Nicken. �Aber das ist doch verr�ckt! Ich habe noch nie etwas anderes angef�hrt als eine Herde Schafe, Ingtar. Sie w�rden mir sowieso nicht gehorchen. Au�erdem kann Moiraine Euch doch nicht vorschreiben, wer Euer Stellvertreter ist. Das ist doch Uno.�</p><p>�Uno und ich wurden am Morgen vor unserer Abreise zu Lord Agelmar gerufen. Moiraine Sedai war auch dabei. Doch Lord Agelmar hat mir diesen Befehl erteilt. Ihr seid mein Stellvertreter, Rand.�</p><p>�Aber warum, Ingtar? Warum?� Moiraine hatte ganz klar ersichtlich dabei die Hand im Spiel gehabt und die Amyrlin wohl auch. Sie stie�en ihn einfach auf den Weg, den sie f�r ihn erw�hlt hatten, aber er hatte trotzdem diese Frage stellen m�ssen.</p><p>Der Schienarer schien es auch nicht zu verstehen, aber er war Soldat und in diesem endlosen Krieg am Rande der F�ule an eigenartige Befehle gew�hnt. �Ich h�rte aus den Frauenquartieren Ger�chte, Ihr w�rt in Wirklichkeit ein... �</p><p>Er spreizte die H�nde in den dicken Handschuhen. �Spielt keine Rolle. Ich wei�, da� Ihr es bestreitet. Genauso wie Ihr Euer eigenes Aussehen bestreitet. Moiraine Sedai sagt, Ihr seid ein Sch�fer, aber ich habe noch nie einen Sch�fer mit einem Reiherschwert gesehen. Macht nichts. Ich behaupte ja nicht, da� ich Euch als meinen Stellvertreter ausgew�hlt h�tte, aber ich glaube, Ihr habt die F�higkeit, das zu tun, was notwendig ist. Wenn es sich als n�tig erweist, werdet Ihr Eure Pflicht tun.�</p><p>Rand wollte eigentlich sagen, das geh�re gewi� nicht zu seinen Pflichten, doch statt dessen sagte er: �Uno wei� davon. Wer noch, Ingtar?�</p><p>�Alle Lanzentr�ger. Wenn wir Schienarer ins Feld ziehen, wei� jeder, wer der n�chste sein wird, falls der Kommandant f�llt. Diese Kette zieht sich ohne Unterbrechung bis zum letzten noch verbleibenden Mann, selbst wenn er nur ein Pferdeknecht ist. Seht Ihr, auf diese Art � auch falls er wirklich der allerletzte ist � betrachtet man ihn nicht nur als einen fl�chtenden Nachz�gler, der lediglich am Leben zu bleiben versucht. Er f�hrt das Kommando und die Pflicht h�lt ihn dazu an, das zu tun, was notwendig ist. Falls ich mich in die letzte Umarmung der Mutter begebe, f�llt diese Pflicht an Euch. Ihr werdet dann das Horn finden und es dorthin bringen, wohin es geh�rt. Das werdet Ihr tun.� Ingtar betonte diese letzten Worte so eigenartig.</p><p>Das B�ndel in Rands Armen erschien ihm bleischwer. <emphasis>Licht, sie kann dreihundert Meilen weit entfernt sein, und doch streckt sie die Hand aus und zieht an meiner Leine. Hierhin, Rand. Dorthin. Du bist der Wiedergeborene Drache, Rand.</emphasis> �Ich will diese Pflicht nicht, Ingtar. Ich kann das nicht annehmen. Licht, ich bin doch nur ein Sch�fer! Warum glaubt mir das keiner?�</p><p>�Ihr werdet Eure Pflicht tun, Rand. Wenn der Mann an der Spitze versagt, f�llt alles unter ihm auseinander. Es zerf�llt schon zuviel. Viel zuviel. Der Friede m�ge Eurem Schwert hold sein, Rand al'Thor.�</p><p>�Ingtar, ich...� Aber Ingtar ging weiter und rief nach Uno, um festzustellen, ob er seine Kundschafter bereits ausgesandt hatte.</p><p>Rand sah auf das B�ndel in seinem Arm hinunter und leckte sich die Lippen. Er ahnte, was darin war. Einerseits wollte er nachsehen, andererseits h�tte er es gern unge�ffnet ins Feuer geworfen. Er �berlegte sich, da� er das vielleicht wirklich tun sollte, falls er die Garantie hatte, da� der Inhalt verbrannte, ohne f�r die anderen sichtbar zu werden; falls er die Garantie hatte, da� der Inhalt �berhaupt verbrennen w�rde. Aber hier konnte er nicht nachsehen. Zu viele fremde Augen konnten zuschauen.</p><p>Er blickte sich im Lager um. Die Schienarer luden das Gep�ck von den Packpferden ab, und man gab bereits ein kaltes Abendessen aus Trockenfleisch und Fladenbrot aus. Mat und Perrin versorgten ihre Pferde, und Loial sa� auf einem Stein und las in einem Buch. Seine langstielige Pfeife hatte er zwischen die Z�hne geklemmt, und eine d�nne Rauchfahne erhob sich �ber seinen Kopf. Rand packte das B�ndel so fest, als f�rchte er, es fallen zu lassen, und schlich sich zwischen die B�ume.</p><p>In einer kleinen von dichtbelaubten Zweigen �berwucherten Lichtung kniete er nieder und legte das B�ndel auf den Boden. Eine Weile starrte er es nur an. <emphasis>Das h�tte sie nicht getan. Bestimmt nicht.</emphasis> Eine kleine Stimme aus seinem Inneren antwortete: <emphasis>Aber sicher doch. Das k�nnte und w�rde sie tun.</emphasis> Schlie�lich machte er sich daran, die kleinen Knoten in der Packschnur zu l�sen. Saubere Knoten, so dicht gekn�pft, da� sie ganz eindeutig nach Moiraines Handarbeit aussahen; kein Diener h�tte das an ihrer Statt so machen k�nnen. Sie h�tte es auch nicht gewagt, den Inhalt in Gegenwart von Dienern zu zeigen.</p><p>Als er die letzte Schnur gel�st hatte, �ffnete er das B�ndel mit tauben H�nden und blickte den Inhalt an. Er schien Staub im Mund zu haben. Der Inhalt bestand nur aus einem St�ck, weder gewoben noch gef�rbt, noch bemalt. Eine Flagge, wei� wie Schnee, gro� genug, da� man sie �ber ein ganzes Schlachtfeld hinweg sehen konnte. Und dar�ber bewegte sich eine sich schl�ngelnde Gestalt wie eine Schlange mit goldenen und roten Schuppen, eine Schlange jedoch, die vier geschuppte Beine besa�, jedes mit f�nf goldenen Klauen bewehrt, eine Schlange mit Augen wie die Sonne und der goldenen M�hne eines L�wen. Er hatte das schon einmal zuvor gesehen, und Moiraine hatte ihm erkl�rt, was es war: das Banner von Lews Therin Telamon, Lews Therin Bruderm�rder, im Schattenkrieg. Das Banner des Drachen.</p><p>�Schau dir das an! Schau, was er jetzt wieder hat!� Mat platzte in die kleine Lichtung hinein, und Perrin kam etwas langsamer hinterher. �Zuerst kostbare M�ntel�, fauchte Mat, �und jetzt noch eine eigene Flagge! Jetzt wird er sich endlos damit gro�tun wollen... � Mat kam nahe genug, um die Flagge klar zu erkennen, und der Mund klappte ihm herunter. �Licht!� Er stolperte einen Schritt nach hinten. �Seng mich!� Auch er war dabei gewesen, als Moiraine die Bedeutung des Banners erkl�rt hatte. Genau wie Perrin.</p><p>In Rand stieg Zorn auf, Zorn auf Moiraine und die Amyrlin, die ihn hin und her schoben. Er packte die Flagge mit beiden H�nden und sch�ttelte sie in Mats Richtung. Die Worte barsten unkontrolliert aus ihm heraus: �Es stimmt! Das Banner des Drachen!� Mat trat noch einen Schritt zur�ck. �Moiraine will mich zu einer Marionette Tar Valons machen, einen falschen Drachen f�r die Aes Sedai. Sie will mir das aufzwingen, ganz gleich, ob ich will oder nicht. Aber-ich-lasse-mich-nicht-benutzen!�</p><p>Mat stand mit dem R�cken an einem Baumstamm. �Ein falscher Drache?� Er schluckte. �Du? Das ist... Das ist verr�ckt.�</p><p>Perrin hatte sich nicht zur�ckgezogen. Er hockte da, die kr�ftigen Arme auf die Knie gest�tzt, und betrachtete Rand mit diesen strahlend goldenen Augen. Sie schienen in der Abendsonne richtig zu leuchten. �Falls die Aes Sedai dich als falschen Drachen benutzen wollen... � Er unterbrach sich, runzelte die Stirn und �berdachte alles erst einmal. Schlie�lich fragte er leise: �Rand, kannst du die Eine Macht kontrollieren?� Mat stie� einen erstickten Laut aus.</p><p>Rand lie� die Flagge fallen. Er z�gerte nur f�r einen Moment und nickte dann ersch�pft. �Ich habe nicht darum gebeten. Ich will es nicht. Aber... aber ich glaube nicht, da� ich es irgendwie aufhalten kann.� Ungebeten kam ihm das Zimmer mit den Fliegen wieder ins Ged�chtnis. �Ich glaube auch nicht, da� sie mich aufh�ren lassen.�</p><p>�Seng mich!� hauchte Mat. �Blut und blutige Asche! Sie werden uns umbringen, ist Euch das klar? Uns alle. Perrin und mich genau wie dich. Wenn Ingtar und die anderen das herausfinden, schneiden sie uns als Schattenfreunden die blutigen Kehlen durch. Licht, sie werden vielleicht sogar glauben, wir h�tten mitgewirkt, das Horn zu stehlen und diese Leute in Fal Dara zu t�ten.�</p><p>�Halt den Mund, Mat!� befahl Perrin gelassen.</p><p>�Sag mir nicht, ich soll den Mund halten. Wenn Ingtar uns nicht umbringt, wird Rand verr�ckt und erledigt das f�r ihn. Seng mich! Seng mich!� Mat rutschte an dem Baumstamm entlang nach unten und setzte sich auf den Boden. �Warum haben sie dich nicht ged�mpft? Wenn die Aes Sedai Bescheid wu�ten, warum haben sie dich dann nicht ged�mpft? Ich habe niemals geh�rt, da� sie einen Mann laufen lie�en, der die Eine Macht kontrollieren konnte.�</p><p>�Sie wissen es auch nicht alle�, seufzte Rand. �Die Amyrlin... �</p><p>�Die Amyrlin! <emphasis>Sie</emphasis> wei� Bescheid? Licht, kein Wunder, da� sie mich so komisch angeschaut hat.�</p><p>�... und Moiraine sagten mir, ich sei der Wiedergeborene Drache und dann sagten sie, ich k�nne gehen, wohin ich wolle. Siehst du, Mat? Sie wollen mich benutzen.�</p><p>�Das �ndert nichts daran, da� du die Eine Macht lenken kannst�, murmelte Mat. �Wenn ich du w�re, w�re ich mittlerweile schon bald am Aryth-Meer. Und ich w�rde nicht ruhen, bis ich einen Ort gefunden h�tte, an dem es keine Aes Sedai gibt und wahrscheinlich auch nie geben wird. Und �berhaupt keine Menschen. Ich meine... Na ja.�</p><p>�Halt endlich den Mund, Mat!� verlangte Perrin.</p><p>�Warum bist du nun eigentlich hier, Rand? Je l�nger du dich bei irgendwelchen Leuten aufh�ltst, desto wahrscheinlicher ist es, da� jemand es herausfindet und den Aes Sedai verr�t. Aes Sedai, die <emphasis>nicht</emphasis> sagen, du sollst einfach weiter deinen Gesch�ften nachgehen.� Er hielt inne und kratzte sich am Kopf. �Und Mat hat recht in bezug auf Ingtar. Ich habe keinen Zweifel daran, da� er dich als Schattenfreund bezeichnen und dich t�ten w�rde. Vielleicht w�rde er auch uns alle t�ten. Er scheint dich zu m�gen, aber ich glaube, er t�te es trotzdem. Ein falscher Drache? Die anderen t�ten es auch. Masema wird nicht lange nach Ausreden suchen � in deinem Fall. Also, warum bist du noch nicht weg?�</p><p>Rand zuckte die Achseln. �Ich wollte ja, aber dann kam die Amyrlin, anschlie�end wurde das Horn gestohlen und der Dolch, und Moiraine sagte, Mat m�sse sterben, und... Licht, ich glaubte, ich k�nne wenigstens so lange bei Euch bleiben, bis wir den Dolch finden. Ich wollte dabei helfen. Vielleicht war das falsch.�</p><p>�Du bist des Dolches wegen mitgekommen?� fragte Mat leise. Er rieb sich die Nase und verzog das Gesicht. �Daran h�tte ich nie gedacht. Ich h�tte nie geglaubt, du wolltest... Aaaah! F�hlst du dich gut? Ich meine, du wirst doch wohl noch nicht verr�ckt, oder?�</p><p>Rand pickte ein Steinchen aus dem Boden und warf es nach ihm. �Autsch!� Mat rieb sich zur Abwechslung den Arm. �Ich habe doch nur gefragt. Ich meine, na ja, diese vornehmen Kleider und das ganze Geschw�tz von wegen, du seist ein Lord. Da stimmt doch im Kopf was nicht.�</p><p>�Ich habe versucht, Euch loszuwerden, du Hohlkopf! Ich f�rchtete, ich w�rde verr�ckt und w�rde Euch etwas antun.� Sein Blick fiel wieder auf die Flagge, und seine Stimme senkte sich. �Das wird wohl auch geschehen, wenn ich es nicht aufhalten kann. Licht, ich wei� doch nicht, wie ich das anstellen soll.�</p><p>�Davor habe ich Angst�, sagte Mat und stand auf. �Nicht b�se sein, Rand, aber wenn du nichts dagegen hast, werde ich von dir so weit entfernt wie m�glich schlafen. Falls du bleibst. Ich h�rte einmal von einem Burschen, der die Macht lenken konnte. Der Leibw�chter von einem Kaufmann hat mir davon erz�hlt. Bevor ihn die Roten Ajah fanden, wachte er eines Morgens auf, und sein ganzes Dorf war plattgewalzt. Alle H�user, alle Leute, alles bis auf das Bett, in dem er schlief, so, als sei ein Berg �ber sie hinweggerollt.�</p><p>Perrin sagte: �In diesem Fall, Mat, schliefe ich gleich neben ihm.�</p><p>�Vielleicht bin ich ein Narr, aber ich will wenigstens ein lebendiger Narr bleiben.� Mat z�gerte und sah Rand von der Seite an. �Schau mal, ich wei�, da� du meinetwegen mitgekommen bist und mir helfen wolltest, und ich bin ja auch dankbar daf�r. Wirklich. Aber du bist einfach nicht mehr der gleiche. Das verstehst du doch, oder?� Er wartete, als erwarte er eine Antwort. Es kam keine. Schlie�lich verzog er sich zwischen die B�ume in Richtung Lager.</p><p>�Wie steht's mit dir?� fragte Rand.</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf, da� die zerzausten Locken flogen. �Ich wei� nicht, Rand. Du bist noch der gleiche und dann doch wieder nicht. Ein Mann, der die Macht lenkt: Damit hat mir meine Mutter Angst eingejagt, als ich klein war. Ich wei� einfach nicht.� Er streckte die Hand aus und ber�hrte eine Ecke der Flagge. �Ich glaube, die w�rde ich verbrennen oder vergraben, wenn ich du w�re. Und dann w�rde ich so schnell und so weit wegrennen, da� mich keine Aes Sedai jemals finden k�nnte. Da hat Mat schon recht.� Er stand auf und blinzelte zum Himmel im Westen hinauf, der sich im Licht der sinkenden Sonne rot zu f�rben begann. �Zeit, zum Lager zur�ckzukehren. Denk dar�ber nach, was ich dir gesagt habe, Rand. Ich w�rde abhauen. Aber vielleicht kannst du das nicht. Denk auch dar�ber nach.� Seine gelben Augen schienen nach innen zu blicken und er h�rte sich m�de an. �Manchmal kann man nicht wegrennen.� Dann war auch er weg.</p><p>Rand kniete da und sah auf die am Boden ausgebreitete Flagge hinunter. �Na ja, manchmal <emphasis>kann</emphasis> man schon weglaufen�, murmelte er. �Aber vielleicht hat sie mir die mitgegeben, <emphasis>damit</emphasis> ich wegrenne. Vielleicht hat sie daf�r gesorgt, da� irgend etwas auf mich wartet, wenn ich weglaufe. Ich werde jedenfalls nicht tun, was sie von mir will. Bestimmt nicht. Ich werde sie einfach hier vergraben. Aber sie sagte, mein Leben k�nnte davon abh�ngen, und die Aes Sedai l�gen nie offensichtlich... � Pl�tzlich sch�ttelte sich sein K�rper in lautlosem Lachen. �Jetzt f�hre ich schon Selbstgespr�che. Vielleicht werde ich wirklich verr�ckt.�</p><p>Als er zum Lager zur�ckkehrte, trug er die wieder in Segeltuch geh�llte Flagge mit sich. Er hatte sie allerdings mit weniger genauen Knoten zugekn�pft als Moiraine.</p><p>Es d�mmerte, und der Schatten vom Rand der Mulde bedeckte die H�lfte des Lagers. Die Soldaten lie�en sich mit ihren Pferden an der Seite nieder, die Lanzen gleich zur Hand. Mat und Perrin legten sich ebenfalls neben ihre Pferde. Rand sah sie traurig an und holte den Braunen, der noch immer mit h�ngenden Z�geln dort stand, wo er ihn zur�ckgelassen hatte. Er ging mit ihm zur anderen Seite der Mulde, wo sich Hurin Loial angeschlossen hatte. Der Ogier hatte das Lesen aufgegeben und untersuchte einen halb im Boden steckenden Stein, auf dem er gesessen hatte. Er fuhr mit dem langen Stiel seiner Pfeife etwas auf dem Stein nach.</p><p>Hurin stand auf und begr��te Rand mit einer K�rperbewegung, die einer Verbeugung �hnelte. �Ich hoffe, Ihr habt nichts dagegen, da� ich hier mein Bett aufschlage, Lord... �h... Rand. Ich habe nur dem Erbauer hier zugeh�rt.�</p><p>�Da bist du ja, Rand�, sagte Loial. �Wei�t du, ich glaube, dieser Stein wurde einst bearbeitet. Sieh mal, er ist verwittert, aber er scheint Teil einer S�ule gewesen zu sein. Und es gibt auch Markierungen darauf. Ich kann sie nicht ganz erkennen, aber sie kommen mir auch irgendwie bekannt vor.�</p><p>�Vielleicht kannst du sie am Morgen besser erkennen�, sagte Rand. Er zog die Satteltaschen von seinem Pferd. �Ich freue mich �ber Eure Gesellschaft, Hurin.� <emphasis>Ich bin froh �ber jeden, der keine Angst vor mir hat. Wie lange werde ich das noch erleben?</emphasis></p><p>Er packte alles in die eine H�lfte der Satteltaschen um: die Ersatzhemden und Hosen und die Wollstr�mpfe, das N�hzeug, die Zunderschachtel, den Blechteller und die dazugeh�rige Tasse, eine Holzschachtel mit Messer, Gabel und L�ffel, ein P�ckchen D�rrfleisch und Fladenbrot als eiserne Ration sowie alle anderen notwendigen Reiseutensilien. Dann stopfte er die in Segeltuch geh�llte Flagge in die geleerte Satteltasche. Sie beulte sich aus. Die Riemen pa�ten kaum in die Schnallen, aber es w�rde schon reichen.</p><p>Loial und Hurin schienen seine Laune zu sp�ren. Sie lie�en ihn in Ruhe, w�hrend er dem Braunen Sattel und Zaumzeug abnahm und den gro�en Hengst mit Grasb�scheln abrieb, die er ausgerissen hatte. Dann sattelte er ihn wieder. Rand lehnte das angebotene Essen ab. Er hatte das Gef�hl, in diesem Moment selbst das beste Essen nicht zu verkraften. Alle drei schlugen ihre Betten neben dem Stein auf: jeweils eine zusammengefaltete Decke als Kissen und ein Umhang zum Zudecken.</p><p>Im Lager war es jetzt still, aber Rand lag noch bis nach dem vollen Einbruch der Dunkelheit wach. Er gr�belte unaufh�rlich. <emphasis>Die Flagge. Was erwartet sie von mir?</emphasis> Das Dorf. <emphasis>Wie kann ein Blasser auf diese Art umkommen?</emphasis> Am schlimmsten war das Haus dort im Dorf gewesen. <emphasis>Ist das auch wirklich geschehen? Werde ich bereits verr�ckt? Renne ich weg, oder bleibe ich? Ich mu� bleiben. Ich mu� Mat helfen, den Dolch zu finden.</emphasis></p><p>Schlie�lich fiel er in einen ersch�pften Schlaf, und mit dem Schlaf kam auch ungebeten das Nichts und h�llte ihn ein. Es flackerte in einem ungleichm��igen Lichtschein, der seine Tr�ume st�rte.</p><p>Padan Fain blickte nach Norden in die Nacht hinaus, vorbei am einzigen Feuer seines Lagers, und er l�chelte starr vor sich hin. Er bezeichnete sich immer noch selbst als Padan Fain � Padan Fain war seine �u�ere H�lle �, aber er war ver�ndert worden und das war ihm bewu�t. Er wu�te jetzt sehr vieles, mehr, als seine fr�heren Herren ahnten. Er war jahrelang schon ein Schattenfreund gewesen, bevor Ba'alzamon ihn zu sich rief und ihn auf die Spur der drei jungen M�nner aus Emondsfeld ansetzte, alles filterte, was er �ber sie wu�te, auch ihn filterte, und die Essenz des Ganzen in ihn zur�ckf�llte, so da� er sie <emphasis>f�hlte, roch,</emphasis> wo sie gewesen waren, und ihnen folgte, wohin sie sich auch begaben. Besonders dem einen. Ein Teil seiner selbst verkrampfte sich noch immer, wenn er sich daran erinnerte, was ihm Ba'alzamon angetan hatte, aber es war nur ein kleiner Teil, verborgen und unterdr�ckt. Er war ver�ndert. Die Verfolgung der drei hatte ihn nach Shadar Logoth gef�hrt. Er hatte nicht dorthin gewollt, doch er mu�te gehorchen. Zu jener Zeit. Und in Shadar Logoth...</p><p>Fain atmete tief ein und griff nach dem Dolch mit dem Rubingriff an seinem G�rtel. Auch der stammte aus Shadar Logoth. Es war die einzige Waffe, die er trug, die einzige, die er ben�tigte; sie war wie ein Teil von ihm selbst. Er war jetzt in sich geschlossen, eins mit sich selbst. Das war alles, was f�r ihn noch eine Rolle spielte.</p><p>Er warf einen Blick auf das Lager zu beiden Seiten des Feuers. Die zw�lf �briggebliebenen Schattenfreunde kauerten � die einst so gute Kleidung verknittert und schmutzig � in der Dunkelheit auf einer Seite und blickten nicht ins Feuer, sondern auf ihn. Auf der anderen Seite hockten seine Trollocs, zwanzig an der Zahl, und die nur zu menschlichen Augen in diesen tierisch verzerrten M�nnergesichtern folgten jeder seiner Bewegungen wie bei M�usen, die eine Katze beobachten.</p><p>Zuerst war es ein innerer Kampf gewesen. Jeden Morgen war er erwacht, und irgend etwas hatte ihm gefehlt. Dazu hatte der Myrddraal das Kommando wieder �bernommen, gew�tet und verlangt, da� sie sich wieder nach Norden zur F�ule und zum Shayol Ghul hin orientierten. Aber langsam wurden diese Schw�cheanf�lle k�rzer, bis... Er erinnerte sich an das Gef�hl, wie er den Hammer in der Hand hielt und die Dornen hineinschlug, und er l�chelte. Diesmal war es ein warmes L�cheln � der Genu� s��er Erinnerungen.</p><p>Ein Weinen aus der Dunkelheit drang an sein Ohr, und sein L�cheln verflog. <emphasis>Ich h�tte den Trollocs nicht erlauben sollen, so viele mitzunehmen.</emphasis> Ein ganzes Dorf, das sie nun am schnellen Vorw�rtskommen hinderte. Wenn diese wenigen H�user an der F�hre nicht verlassen gewesen w�ren, vielleicht... Aber die Trollocs waren von Natur aus gierig, und in der Euphorie, dem Myrddraal beim Sterben zuschauen zu k�nnen, hatte er nicht in dem Ma� auf sie geachtet, wie es n�tig gewesen w�re.</p><p>Er sah zu den Trollocs hin�ber. Jeder von ihnen war beinahe zweimal so gro� wie er und stark genug, um ihn mit einer Hand zu zerbrechen, und doch kauerten sie da und zuckten vor ihm zur�ck. �T�tet sie. Alle. Ihr k�nnt essen, aber dann legt alles, was �brigbleibt, auf einen Haufen � damit ihn unsere Freunde finden. Legt die K�pfe obenauf. Und zwar ordentlich!� Er lachte. Das Lachen brach aber schnell ab. �Geht!�</p><p>Die Trollocs hasteten davon, zogen ihre Sichelschwerter und hoben die Dornen�xte. Augenblicke sp�ter ert�nten Schreie und Br�llen aus der Richtung, wo die Dorfbewohner gefesselt am Boden lagen. Bitten um Gnade und die spitzen Schreie der Kinder wurden durch dumpfe Schl�ge und unangenehme Ger�usche abgew�rgt; es klang, als zerstampfe man Melonen.</p><p>Fain wandte der Kakophonie den R�cken und betrachtete seine Schattenfreunde. Auch sie geh�rten ihm mit Leib und Seele. Was noch an Seele �brig geblieben war. Jeder einzelne von ihnen steckte innerlich genauso im Sumpf, wie Fain es fr�her getan hatte, bevor er den Weg hinaus fand. Keiner von ihnen hatte ein anderes Ziel, als ihm zu folgen. Ihre Blicke hingen an ihm, angsterf�llt und bittend. �Glaubt ihr, sie werden wieder hungrig sein, bevor wir ein anderes Dorf oder einen Bauernhof finden? K�nnte schon sein. Glaubt ihr, ich �berlasse ihnen noch ein paar von euch? Na ja, vielleicht ein oder zwei. Wir haben keine Pferde mehr, die wir entbehren k�nnten.�</p><p>�Die anderen waren nur gew�hnliche Leute�, brachte eine Frau mit unsicherer Stimme hervor. Das Gesicht �ber ihrem feingeschnittenen Kleid, das sie als reiche Kauffrau auswies, war mit Schmutz beschmiert. Der gute graue Stoff war auch verschmiert und der Rock wurde von einem langen Ri� verunziert. �Das waren Bauern. Wir haben gedient � ich habe gedient...�</p><p>Fain schnitt ihr das Wort ab. Sein lockerer Tonfall machte die Worte nur noch h�rter. �Was seid ihr denn f�r mich? Weniger als Bauern. Vielleicht Herdenvieh f�r die Trollocs? Wenn ihr am Leben bleiben wollt, ihr Viehzeug, dann m��t ihr euch als n�tzlich erweisen.�</p><p>Das Gesicht der Frau wurde zur Grimasse. Sie schluchzte, und pl�tzlich schrien alle anderen durcheinander und versicherten ihm, wie n�tzlich sie seien. M�nner und Frauen mit Einflu� und in guten Positionen seien sie gewesen, bevor man sie abkommandierte, um ihrem Eid in Fal Dara nachzukommen. Sie sprudelten die Namen bedeutender, m�chtiger Personen hervor, die sie in den Grenzlanden, in Cairhien und anderswo kannten. Sie plapperten von den Kenntnissen, die allein sie �ber das eine oder andere Land oder die politischen Verh�ltnisse, die B�ndnisse, die Intrigen besa�en, und was sie ihm alles zutragen konnten, wenn sie ihm nur dienen durften. Ihr Geschrei vermischte sich mit den Ger�uschen der w�tenden Trollocs, und es pa�te alles zueinander.</p><p>Fain �berh�rte alles (er hatte keine Angst davor, ihnen den R�cken zuzuwenden, nachdem sie zugesehen hatten, wie er den Blassen beseitigt hatte) und wandte sich seiner Beute zu. Er kniete nieder und strich mit beiden H�nden �ber die reichverzierte goldene Truhe. Er f�hlte die im Inneren eingeschlossene Macht. Er hatte sie von einem Trolloc tragen lassen � er traute den Menschen so wenig, da� sie die Beute nicht auf ein Packpferd laden d�rften; ihre Tr�ume von Macht und Bedeutung mochten sogar die Angst vor Fain besiegen, w�hrend die Trollocs von nichts anderem tr�umten, als zu t�ten � und er hatte noch nicht herausbekommen, wie man die Truhe �ffnete. Aber die Zeit dazu w�rde auch noch kommen. Alles w�rde sich ergeben. Alles.</p><p>Er zog den Dolch aus der Scheide und legte ihn auf die Truhe, bevor er sich am Feuer niederlie�. Diese Klinge war ein besserer W�chter als jeder Trolloc und jeder Mensch. Sie hatten alle bereits einmal gesehen, was geschah, wenn er sie benutzte. Keiner w�rde sich ohne ausdr�cklichen Befehl der entbl��ten Klinge auch nur auf eine Spanne n�hern.</p><p>Er lag in seine Decken geh�llt da und blickte nach Norden. Im Moment konnte er al'Thor nicht f�hlen; die Entfernung zwischen ihnen war zu gro�. Oder vielleicht trickste al'Thor ihn auch gerade wieder aus. Manchmal war der Junge in der Festung ganz pl�tzlich aus Fains Wahrnehmung verschwunden. Er wu�te nicht, wie er das bewirkte, und er tauchte ebenso pl�tzlich wieder auf, so wie er verschwunden war. Auch diesmal w�rde er zur�ckkommen.</p><p>�Diesmal kommst du zu mir, Rand al'Thor. Vorher folgte ich dir wie ein Hund der Spur, aber nun folgst du mir.� Sein Lachen klang wie irres Gegacker. Er wu�te selbst, da� es verr�ckt klang, aber es war ihm gleich. Auch der Wahnsinn war mittlerweile ein Teil seiner selbst geworden. �Komm zu mir, al'Thor! Der Tanz hat noch nicht einmal begonnen. Wir werden auf der TomanHalbinsel tanzen, und ich werde mich von dir befreien. Ich werde endlich daf�r sorgen, da� du stirbst.�</p></section><section><title><p>12</p><p>Ins Muster verwoben</p></title><p>Egwene eilte hinter Nynaeve zu der Gruppe von Aes Sedai, die um die von Pferden getragene S�nfte der Amyrlin herumstand. Ihre Neugier, die Ursache des Aufruhrs in Fal Dara zu erfahren, �bertrumpfte sogar ihre Sorge um Rand. Er war im Moment au�erhalb ihrer Reichweite. Bela, ihre zerzauste Stute, befand sich genau wie Nynaeves Reittier bei den Pferden der Aes Sedai.</p><p>Die Beh�ter, die H�nde an den Schwertgriffen und mit st�ndig suchendem Blick, bildeten einen st�hlernen Kreis um die Aes Sedai und die S�nfte. So war eine Insel relativer Ruhe im Hof entstanden, wo ansonsten die schienarischen Soldaten immer noch zwischen den entsetzten Festungsbewohnern hin und her liefen. Egwene schob sich neben Nynaeve. Sie beide wurden nach einem scharfen Blick von den Beh�tern mehr oder weniger �bersehen � jeder wu�te, da� sie mit der Amyrlin reisen w�rden. Sie entnahmen dem Volksgemurmel im Hof, da� ein Pfeil anscheinend aus dem Nichts herangeflogen war und der Sch�tze noch nicht ermittelt werden konnte.</p><p>Egwene stand mit weitaufgerissenen Augen da und war zu entsetzt, um �berhaupt zu bemerken, da� sie von Aes Sedai umgeben war. Ein Anschlag auf das Leben der Amyrlin. Das war fast unvorstellbar.</p><p>Die Amyrlin sa� in ihrer S�nfte und hatte die Vorh�nge zur�ckgezogen. Der blutige Ri� in ihrem �rmel zog alle Blicke auf sich. Sie sah auf Lord Agelmar hinunter. �Ihr werdet den Sch�tzen entweder finden oder ihn nicht finden, mein Sohn. Wie auch immer: Meine Aufgabe in Tar Valon ist genauso dringlich wie die Ingtars bei seiner Suche. Ich reise sofort ab.�</p><p>�Aber Mutter�, protestierte Agelmar, �dieser Anschlag auf Euer Leben �ndert alles. Wir wissen immer noch nicht, wer den Mann beauftragt hat oder warum. Noch eine Stunde, und ich habe den Sch�tzen ermittelt und die Antwort f�r Euch bereit.�</p><p>Die Amyrlin lachte auf; es schwang jedoch kein Humor darin mit. �Ihr braucht schlauere K�der oder ein feineres Netz, um diesen Fisch zu fangen, mein Sohn. Wenn Ihr den Mann endlich habt, wird es zu sp�t sein, um heute noch abzureisen. Es gibt zu viele, die meinen Tod bejubeln w�rden, als da� ich mir um diesen Mann besondere Gedanken machen m��te. Ihr k�nnt mir ja alles berichten, was Ihr herausfindet � falls Ihr �berhaupt etwas herausfindet.� Ihr Blick glitt �ber die T�rme, die den Hof �berblickten, und �ber die Wehrg�nge und die Balkone der Bogensch�tzen. Alles war noch dicht mit Menschen besetzt, die jetzt schwiegen. Der Pfeil mu�te hier irgendwo seinen Ausgangspunkt gehabt haben. �Ich glaube, der Sch�tze ist bereits aus Fal Dara geflohen.�</p><p>�Aber Mutter... �</p><p>Die Frau in der S�nfte schnitt ihm mit einer scharfen und endg�ltigen Geste das Wort ab. Nicht einmal der Herr von Fal Dara durfte die Amyrlin allzulange bel�stigen. Ihr Blick erfa�te schlie�lich Egwene und Nynaeve. Es war ein durchdringender Blick, der alles zu entdecken schien, was Egwene �ber sich selbst geheimhalten wollte. Sie trat einen Schritt zur�ck, fing sich dann aber und knickste. Dabei hoffte sie, da� sie das Richtige tat, denn niemand hatte ihr das Protokoll erkl�rt und was sie tun sollte, wenn sie der Amyrlin gegen�berstand. Nynaeve hielt sich steif und aufrecht und erwiderte den Blick der Amyrlin, ohne den Blick zu senken, doch ihre Hand suchte nach der von Egwene und ergriff sie genauso fest, wie Egwene zupackte.</p><p>�Also das sind deine beiden, Moiraine�, sagte die Amyrlin. Moiraine deutete ein Nicken an, und die anderen Aes Sedai drehten sich um und blickten die beiden Frauen aus Emondsfeld an. Egwene schluckte. Sie alle wirkten so, als w��ten sie �ber viele Dinge Bescheid, von denen andere nichts ahnten, und es half �berhaupt nichts, zu wissen, da� es tats�chlich so war. �Ja, ich f�hle deutlich einen Funken in ihnen. Aber was wird daraus erwachsen? Das ist die Frage, nicht wahr?�</p><p>Egwenes Mund war staubtrocken. So hatte Meister Padwin, der Zimmermann zu Hause, seine Werkzeuge angesehen � so wie die Amyrlin sie nun musterte: diese Frau f�r diesen Zweck, die andere Frau f�r jenen Zweck.</p><p>Die Amyrlin sprach pl�tzlich: �Es ist Zeit zu gehen. Auf die Pferde! Lord Agelmar und ich k�nnen alles Notwendige besprechen, ohne da� Ihr alle gafft wie die Novizinnen am freien Tag. Auf die Pferde!�</p><p>Auf ihren Befehl hin rannten die Beh�ter zu ihren Reittieren, wobei sie sich immer noch vorsichtig umsahen, und die Aes Sedai bis auf Leane schl�pften von der S�nfte weg zu ihren eigenen Pferden. Als sich Egwene und Nynaeve abwandten, um dem Befehl Folge zu leisten, erschien ein Diener mit einem silbernen Kelch neben Lord Agelmar. Agelmar nahm ihn mit einem unbefriedigten Ausdruck um die Mundwinkel entgegen.</p><p>�Mit diesem Kelch aus meiner Hand, Mutter, nehmt meinen Wunsch entgegen, da� es Euch an diesem Tag und an jedem anderen gut ergehen... �</p><p>Was sonst noch gesagt wurde, entging Egwene, als sie auf Bela kletterte. Als sie es geschafft hatte, die Stute zu t�tscheln und ihre R�cke zurechtzuziehen, war die S�nfte bereits unterwegs zum offenstehenden Tor. Die Tragpferde schritten ohne Z�gel und irgendwelche F�hrung dahin. Leane ritt neben der S�nfte, ihren Stab in einen Steigb�gel gest�tzt. Egwene und Nynaeve ritten zusammen mit den anderen Aes Sedai hinterher.</p><p>Rufe und Hurrageschrei aus der Menge entlang der Stra�en der Stadt begr��ten die Prozession und �bert�nten beinahe das Donnern der Trommeln und das Schmettern der Trompeten. Beh�ter f�hrten die Kolonne an; die Flagge mit der Wei�en Flamme bl�hte sich im Wind. Weitere Beh�ter bildeten einen Kreis um die Aes Sedai und hielten die Menschenmenge zur�ck. Bogensch�tzen und Pikeure mit der Flamme auf der Brust folgten in geordneten Reihen dahinter. Die Trompeten schwiegen, als die Kolonne aus der Stadt hinaustrottete und sich nach S�den bewegte, doch die Jubelkl�nge aus der Stadt folgten ihnen noch immer. Egwene blickte sich �fter um, bis B�ume und H�gel die Mauern und T�rme von Fal Dara verdeckten.</p><p>Nynaeve, die an ihrer Seite ritt, sch�ttelte den Kopf. �Rand wird es schon gutgehen. Er hat ja Lord Ingtar und zwanzig Lanzentr�ger bei sich. Und du k�nntest sowieso nichts tun. Keine von uns kann eingreifen.� Sie blickte zu Moiraine hin�ber. Die gestriegelte wei�e Stute der Aes Sedai und Lans gro�er schwarzer Hengst bildeten ein eigenartiges Paar. Sie ritten ganz f�r sich nebeneinander. �Noch nicht.�</p><p>Die Kolonne bog nach Westen ab und bewegte sich nicht eben schnell. Selbst die Fu�soldaten, die nur einen Brustpanzer trugen, kamen auf den H�geln Schienars nicht sehr schnell vorw�rts. Trotzdem marschierten sie so stramm wie m�glich.</p><p>Des Nachts schlugen sie erst sp�t ihr Lager auf. Die Amyrlin gestattete ihnen keinen Halt, bevor es so dunkel war, da� sie kaum noch genug sahen, um die Zelte aufzuschlagen � niedrige wei�e Kuppelzelte, die gerade hoch genug waren, um darin aufrecht zu stehen. Jedes Paar Aes Sedai aus der gleichen Ajah hatte eines, w�hrend die Amyrlin und die Beh�terin der Chronik eines f�r sich hatten. Moiraine teilte sich das Zelt mit ihren beiden Schwestern von den Blauen Ajah. Die Soldaten schliefen in einem gesonderten Teil des Lagers auf dem Boden, und die Beh�ter wickelten sich in der N�he der Zelte der Aes Sedai, denen sie zugeschworen waren, in ihre Umh�nge. Das Zelt, das sich die Roten Schwestern teilten, wirkte ohne Beh�ter irgendwie einsam, w�hrend das der Gr�nen beinahe festlich aussah. Die beiden Aes Sedai sa�en oftmals bis lange nach Einbruch der Dunkelheit drau�en und unterhielten sich mit den vier Beh�tern, die sie mitgebracht hatten.</p><p>Lan kam einmal zu dem Zelt, das sich Egwene und Nynaeve teilten, und f�hrte die Seherin ein St�ck weg in die Nacht hinein. Egwene linste um die Zeltklappe herum, um sie zu beobachten. Sie konnte nicht h�ren, was gesprochen wurde, aber Nynaeve wurde schlie�lich zornig und stolzierte zur�ck. Sie wickelte sich in ihre Decken und weigerte sich, irgend etwas zu sagen. Egwene glaubte zu entdecken, da� ihre Wangen feucht waren, aber sie verbarg das Gesicht hinter dem Zipfel einer Decke. Lan stand noch lange Zeit im Dunklen und beobachtete das Zelt, bevor er schlie�lich wegging. Danach kam er nicht wieder.</p><p>Moiraine kam gar nicht erst in ihre N�he. Wenn sie vorbeiging, nickte sie ihnen lediglich kurz zu. Sie schien ihre ganze Zeit damit zu verbringen, mit den anderen Aes Sedai zu sprechen, au�er mit den Roten Schwestern. Sie zog ihre Gespr�chspartnerinnen beim Reiten eine nach der anderen zur Seite. Die Amyrlin gestattete ihnen nur wenige Aufenthalte, um sich auszuruhen, und die waren ebenfalls sehr kurz bemessen.</p><p>�Vielleicht hat sie jetzt f�r uns keine Zeit mehr�, meinte Egwene traurig. Moiraine war eben die einzige Aes Sedai, die sie kannte. Vielleicht war sie auch � obwohl es ihr nicht leicht fiel, dies zuzugeben � die einzige, der sie trauen konnte. �Sie hat uns gefunden, und wir sind auf dem Weg nach Tar Valon. Ich denke, jetzt hat sie andere Dinge im Kopf.�</p><p>Nynaeve schnaubte leise. �Ich glaube erst dann daran, da� sie mit uns fertig ist, wenn sie tot ist � oder wenn wir tot sind. Sie ist eine ganz hinterlistige Frau.�</p><p>Andere Aes Sedai besuchten ihr Zelt. Egwene fuhr bald aus der Haut, als in ihrer ersten Nacht au�erhalb Fal Daras die Zeltklappe beiseite geschoben wurde und eine mollige Aes Sedai mit kantigem Gesicht, ergrauten Haaren und einem abwesenden Blick geduckt das Zelt betrat. Sie blickte zu der Laterne, die am h�chsten Punkt des Zeltes hing, und die Flamme wuchs ein wenig empor. Egwene glaubte, etwas zu f�hlen, glaubte, etwas um die Aes Sedai herum zu sehen, als die Flamme heller strahlte. Moiraine hatte ihr gesagt, da� sie eines Tages � wenn sie genug �bung darin hatte � sehen k�nne, wenn eine andere Frau die Eine Macht benutzte, und eine solche Frau auch erkennen werde, wenn sie gar nichts tat.</p><p>�Ich hei�e Verin Mathwin�, sagte die Frau l�chelnd. �Und ihr seid Egwene al'Vere und Nynaeve al'Meara von den Zwei Fl�ssen, die einst Manetheren waren. Das ist ein starkes Blut. Es singt.�</p><p>Egwene tauschte einen Blick mit Nynaeve, als sie aufstanden.</p><p>�Sollt Ihr uns zur Amyrlin bestellen?� fragte Egwene.</p><p>Verin lachte. Die Aes Sedai hatte einen Tintenfleck auf der Nase. �Ach je, nein, nat�rlich nicht. Die Amyrlin hat wichtigere Dinge zu tun, als sich mit zwei jungen Frauen zu besch�ftigen, die noch nicht einmal Novizinnen sind. Obwohl, man kann das nie vorhersagen. Ihr beide verf�gt �ber ein beachtliches Potential, besonders du, Nynaeve. Eines Tages...� Sie schwieg und rieb mit einem Finger genau auf der Stelle mit dem Tintenfleck herum. �Aber jetzt ist nicht eines Tages. Ich bin gekommen, um dir eine Lektion zu erteilen, Egwene. Du hast deine Nase etwas zu fr�h in manche Dinge gesteckt, f�rchte ich.�</p><p>Egwene sah Nynaeve nerv�s an. �Was habe ich getan? Ich bin mir keiner Schuld bewu�t.�</p><p>�Oh, es war nichts Schlimmes. Jedenfalls nicht unmittelbar. Vielleicht ein bi�chen gef�hrlich, aber nicht schlimm.� Verin lie� sich auf dem mit Segeltuch bedeckten Boden im Schneidersitz nieder. �Setzt euch hin, ihr beiden. Ich will mir nicht den Kopf verrenken.� Sie rutschte herum, bis sie eine bequeme Stellung gefunden hatte. �Setzt euch.�</p><p>Egwene setzte sich mit �bergeschlagenen Beinen der Aes Sedai gegen�ber auf den Boden und gab sich M�he, Nynaeve nicht anzusehen. <emphasis>Kein Grund, schuldbewu�t dreinzuschauen, bevor ich �berhaupt wei�, woran ich schuld sein soll.</emphasis> �Was soll ich getan haben, das gef�hrlich, aber nicht so schlimm ist?�</p><p>�Ja, Kind, du hast die Eine Macht benutzt.�</p><p>Egwene konnte nur nach Luft schnappen. Nynaeve platzte heraus: �Das ist l�cherlich. Deshalb gehen wir doch schlie�lich nach Tar Valon.�</p><p>�Moiraine hat... Also, na ja, Moiraine Sedai hat mich unterrichtet�, brachte Egwene hervor.</p><p>Verin hob die H�nde, um sie zum Schweigen zu bringen, und die beiden hielten den Mund. Sie mochte ihnen wohl etwas eigenartig vorkommen, aber sie war immerhin eine Aes Sedai. �Kind, glaubst du, eine Aes Sedai unterrichtet sofort jedes M�dchen, das sagt, sie wolle eine von uns werden, im Gebrauch der Macht? Ja, ich denke schon, da� du nicht irgendein M�dchen bist, aber trotzdem... � Sie sch�ttelte ernst den Kopf.</p><p>�Warum hat sie es dann getan?� wollte Nynaeve wissen. Sie war nicht unterrichtet worden, und Egwene war sich nicht sicher, ob Nynaeve deshalb eifers�chtig war oder nicht.</p><p>�Weil Egwene die Macht bereits benutzt hatte�, sagte Verin geduldig.</p><p>�Das... das habe ich auch getan.� Nynaeve klang, als sei sie nicht gerade froh dar�ber.</p><p>�Aber unter ganz anderen Umst�nden, Kind. Da� du noch am Leben bist, zeigt ja, da� du mit den verschiedenen Krisen fertig wurdest, und zwar selbst�ndig. Ich glaube, du wei�t, wieviel Gl�ck du da hattest. Von vier Frauen, die gezwungen sind, das zu tun, was du tatest, �berlebt nur eine. Wilde nat�rlich... � Verin verzog das Gesicht. �Verzeih mir, aber so nennen wir in der Wei�en Burg die Frauen, die ohne Ausbildung die Macht zumindest im groben beherrschen � mehr zuf�llig, man kann es kaum Beherrschung nennen, ebenso wie bei dir, aber doch eben eine Art von Beherrschung. Wilde haben ihre Schwierigkeiten, das stimmt. Fast immer haben sie Mauern um sich herum aufgebaut, um sich selbst nicht bewu�t machen zu m�ssen, was sie tun, und diese Mauern wiederum verhindern die bewu�te Kontrolle. Je l�nger man sich hinter diesen Mauern verbirgt, desto schwerer ist es, sie zu beseitigen, aber wenn man es schafft � na ja, einige der begabtesten Schwestern waren einmal Wilde.�</p><p>Nynaeve rutschte unruhig hin und her und sah die Zeltklappe an, als plane sie die Flucht.</p><p>�Ich wei� nicht, was das alles mit mir zu tun haben soll�, sagte Egwene.</p><p>Verin sah sie mit gro�en Augen an, beinahe so, als frage sie sich, wo sie eigentlich herk�me. �Mit dir? Nat�rlich nichts. Dein Problem liegt ganz anders. Die meisten M�dchen, die Aes Sedai werden wollen � sogar die meisten jener, die den Samen in sich tragen, so wie du �, haben auch Angst davor. Selbst nachdem sie die Burg erreicht haben, selbst nachdem sie gelernt haben, was und wie sie es anstellen sollen, m�ssen sie noch monatelang Schritt f�r Schritt von einer Schwester oder einer der Adeptinnen gef�hrt werden. Du allerdings nicht. Demzufolge, was mir Moiraine erz�hlt hat, hast du dich hineingest�rzt, sobald du wu�test, da� du die F�higkeiten besitzt, und hast dir deinen eigenen Weg durch die Dunkelheit gesucht, ohne zu �berlegen, ob dein n�chster Schritt nicht vielleicht in einen bodenlosen Abgrund f�hrt. Oh, es hat schon andere als dich gegeben, du bist kein Einzelfall. Moiraine selbst war genauso. Sobald sie wu�te, was du getan hattest, hatte sie keine andere Wahl mehr, als mit deinem Unterricht zu beginnen. Hat dir Moiraine das niemals erkl�rt?�</p><p>�Nie.� Egwene w�nschte, ihre Stimme kl�nge nicht so atemlos. �Sie hatte... mit anderen Sachen zu tun.� Nynaeve schnaubte leise.</p><p>�Ja, also, Moiraine hat es nie f�r n�tig gehalten, irgend jemandem etwas zu erz�hlen, was sie nicht unbedingt wissen mu�ten. Das Wissen an sich erf�llt keinen wirklichen Zweck, aber die Unwissenheit eben auch nicht. Ich pers�nlich ziehe es in jedem Fall vor, zu wissen.�</p><p>�Gibt es einen? Einen Abgrund, meine ich?�</p><p>�Offensichtlich bisher noch nicht�, sagte Verin mit schiefgehaltenem Kopf. �Aber beim n�chsten Schritt?� Sie zuckte die Achseln. �Siehst du, Kind, je mehr du dich bem�hst, die Eine Quelle zu ber�hren, je mehr du versuchst, die Eine Macht zu lenken, desto leichter wird es, das wirklich fertigzubringen. Ja, sicher, am Anfang f�hlt man nach der Quelle, und in den meisten F�llen ist es lediglich, als ergreife man Luft. Oder man ber�hrt <emphasis>Saidar</emphasis> tats�chlich, doch auch wenn man die Macht durch sich flie�en f�hlt, kann man nichts damit anfangen. Oder man tut etwas, aber es ist absolut nicht das, was man eigentlich wollte. Das ist die Gefahr. Normalerweise wird man gef�hrt und geschult, und die eigene Angst l��t es einen auch langsam angehen, und dann erlangt man gleichzeitig die F�higkeit, die Quelle zu ber�hren, die F�higkeit, die Macht zu lenken und die F�higkeit, auch das eigene Tun unter Kontrolle zu halten. Aber du hast damit begonnen, die Macht zu lenken, ohne da� jemand da war, der dir beibringen konnte, deine eigenen F�higkeiten wenigstens einigerma�en unter Kontrolle zu halten. Ich wei�, du glaubst nicht, da� du bereits sehr weit fortgeschritten bist, und das stimmt auch, aber du bist wie jemand, der sich selbst beigebracht hat, Berge zu besteigen � wenigstens manchmal �, ohne zu lernen, wie man auf der anderen Seite wieder hinunterkommt. Fr�her oder sp�ter wirst du abst�rzen, falls du das nicht auch noch lernst. Und ich spreche jetzt keineswegs davon, was geschieht, wenn einer dieser armen M�nner damit beginnt, die Macht zu lenken � du wirst nicht in Wahnsinn verfallen oder sterben, nicht, wenn Schwestern da sind, die dich f�hren und lehren �, sondern davon, was du durch Zufall, ohne eigenes Zutun, anrichten k�nntest.� F�r einen Moment wirkte Verins Blick nicht mehr so abwesend. Und in diesen Moment war der Blick der Aes Sedai genauso scharf wie der der Amyrlin von Egwene zu Nynaeve gehuscht. �Deine angeborenen F�higkeiten sind stark, Kind, und sie werden immer st�rker. Du mu�t lernen, sie zu beherrschen, bevor du dir selbst oder anderen Schaden zuf�gst. Das wollte Moiraine dir beibringen. Dabei will ich dir heute abend helfen, und jeden Abend wird eine Schwester kommen, um dir zu helfen, bis wir dich der t�chtigen Sheriam �bergeben. Sie ist die Herrin der Novizinnen.�</p><p>Egwene �berlegte. <emphasis>K�nnte sie von Rand wissen? Das ist doch nicht m�glich. Sie h�tte ihn niemals aus Fal Dara weggelassen, wenn sie auch nur einen Verdacht gehabt h�tte.</emphasis> Aber sie war sicher, da� sie sich Verins Blick nicht eingebildet hatte. �Ich danke Euch, Verin Sedai. Ich werde mein Bestes geben.�</p><p>Nynaeve erhob sich grazi�s. �Ich werde mich dr�ben ans Feuer setzen und euch beide alleinlassen.�</p><p>�Ihr solltet bleiben�, sagte Verin. �Ihr habt vielleicht auch etwas davon. Demzufolge, was Moiraine mir erz�hlt hat, braucht Ihr nur ein wenig Schulung, um zu den Aufgenommenen erhoben zu werden.�</p><p>Nynaeve z�gerte nur einen Augenblick und sch�ttelte dann entschlossen den Kopf. �Ich danke Euch f�r das Angebot, aber ich kann warten, bis wir Tar Valon erreichen. Egwene, falls du mich brauchst, bin ich... �</p><p>�Mit normalem Ma� gemessen�, warf Verin ein, �seid Ihr eine erwachsene Frau, Nynaeve. Gew�hnlich ist eine Novizin um so besser, je j�nger sie ist. Das betrifft nicht die Schulung an sich, aber von einer Novizin wird erwartet, da� sie tut, was man ihr sagt, und da� sie es ohne Widerspruch durchf�hrt. Das bew�hrt sich dann, wenn die Schulung einen bestimmten Punkt erreicht hat �ein Z�gern zur falschen Zeit, ein Zweifel k�nnen tragische Folgen haben �, aber es ist besser, immer die Disziplin vornanzustellen. Andererseits erwartet man von den Aufgenommenen, da� sie die Dinge in Frage stellen, denn man glaubt, sie w��ten genug, um zur rechten Zeit die rechten Fragen zu stellen. Welche von beiden M�glichkeiten z�gt Ihr vor?�</p><p>Nynaeves H�nde verkrampften sich in ihren Rock, und sie blickte mit gerunzelter Stirn zur Zeltklappe hin�ber. Schlie�lich nickte sie kurz und lie� sich wieder auf dem Boden nieder. �Ich denke, ich kann genausogut auch ein wenig zuh�ren�, sagte sie.</p><p>�Gut�, sagte Verin. �Also, du kennst diesen Teil bereits, Egwene, aber Nynaeve zuliebe werde ich dich noch einmal Schritt f�r Schritt anleiten. Mit der Zeit wird dir das zur zweiten Natur � du wirst alles schneller tun, als du es dir vorstellen kannst �, doch jetzt ist es am besten, wir schreiten langsam vorw�rts. Schlie� bitte die Augen. Am Anfang ist es besser, wenn du dich von nichts ablenken l��t.� Egwene schlo� die Augen. Es gab eine Unterbrechung. �Nynaeve�, sagte Verin, �bitte schlie�t die Augen. Es gelingt dann wirklich besser.� Eine weitere Pause schlo� sich an. �Danke, Kind. Jetzt m��t ihr euch innerlich entleeren. Entleert eure Gedanken. In eurem Verstand befindet sich nur noch eines: eine Knospe. Nur dies. Nur die Knospe. Ihr erkennt jede Einzelheit. Ihr riecht sie. Ihr f�hlt sie. Ihr f�hlt die Rippe jedes einzelnen Blattes, jede Kr�mmung der Bl�tenbl�tter. Ihr f�hlt den Saft darin pulsieren. F�hlt! Wi�t! Seid die Knospe! Ihr und die Knospe seid eins. Ihr seid eins. Ihr seid die Knospe.�</p><p>Ihre Stimme leierte hypnotisch weiter, doch Egwene h�rte nicht mehr hin. Sie hatte diese �bung schon fr�her mit Moiraine durchgef�hrt. Sie dauerte eine Weile, aber Moiraine hatte gesagt, es werde mit der fortschreitenden �bung immer schneller gelingen. In ihrem Inneren war sie eine Rosenknospe mit fest geschlossenen Bl�tenbl�ttern. Und doch gab es da pl�tzlich noch etwas anderes. Licht. Licht dr�ckte auf die Bl�tenbl�tter. Langsam �ffnete sich die Knospe und wandte sich dem Licht zu, nahm es in sich auf. Die Rose und das Licht wurden eins. Egwene war eins mit dem Licht. Sie sp�rte auch das leichteste Rieseln des Lichts in ihr. Sie streckte sich noch mehr aus und griff danach...</p><p>Innerhalb eines Augenblicks war alles weg � Rose und Licht. Moiraine hatte auch gesagt, man k�nne es nicht erzwingen. Seufzend �ffnete sie die Augen. Nynaeve trug einen zornigen Gesichtsausdruck zur Schau. Verin war genauso ruhig wie immer.</p><p>�Ihr k�nnt es nicht erzwingen�, sagte die Aes Sedai. �Ihr m��t es geschehen <emphasis>lassen.</emphasis> Ihr m��t euch der Macht ergeben, bevor ihr sie beherrschen k�nnt.�</p><p>�Das ist doch v�llig n�rrisch�, murmelte Nynaeve. �Ich f�hle mich nicht wie eine Blume. Wenn �berhaupt, dann wie ein Schlehenstrauch. Ich glaube, ich warte doch lieber am Feuer.�</p><p>�Wie Ihr w�nscht�, sagte Verin. �Habe ich schon erw�hnt, da� die Novizinnen Haushaltsarbeiten erledigen m�ssen? Sie waschen das Geschirr ab, schrubben die B�den, k�mmern sich um die W�sche, bedienen am Tisch und was sonst noch alles. Ich f�r meinen Teil bin der Meinung, da� Diener so etwas viel besser machen, aber allgemein hei�t es, solche Arbeit st�rke den Charakter. Oh, Ihr bleibt doch? Gut. Also, Kind, denkt daran, da� auch ein Schlehenstrauch manchmal bl�ht � sch�ne wei�e Bl�ten inmitten der Dornen. Wir werden es probieren, eine nach der anderen. Nun nochmals ganz von Anfang an, Egwene. Schlie� die Augen.�</p><p>Mehrmals � bevor Verin schlie�lich ging � f�hlte Egwene, wie die Macht sie durchstr�mte, aber es war jedesmal nicht sehr stark und das beste, was sie fertigbrachte, war eine leichte Brise, die die Zeltklappe ein wenig bewegte. Sie war sicher, da� ein Niesen genausoviel bewirkt h�tte. Sie hatte bei Moiraine schon mehr erreicht, jedenfalls manchmal. Sie w�nschte sich Moiraine als Lehrerin.</p><p>Nynaeve f�hlte nicht das geringste, so behauptete sie jedenfalls. Jedenfalls wirkten ihre Augen so grimmig, und ihre Lippen waren so zusammengepre�t, da� Egwene bef�rchtete, sie werde Verin gleich herunterputzen, als sei die Aes Sedai eine Dorfbewohnerin, die sich in ihre privaten Angelegenheiten einmischte. Aber Verin riet ihr einfach, sie solle noch einmal die Augen schlie�en, doch diesmal, ohne da� Egwene mitmachte.</p><p>Egwene sa� da und beobachtete die beiden unter G�hnen. Es war sp�t geworden, viel sp�ter, als sie sonst zu schlafen pflegte. Nynaeves Gesicht sah aus, als sei sie schon seit einer Woche tot. Ihre Augen waren zugedr�ckt, als wolle sie sie �berhaupt nicht mehr �ffnen, und die H�nde lagen zu F�usten geballt in ihrem Scho�. Egwene hoffte, die Seherin werde sich auch weiterhin beherrschen, nachdem sie schon so lange durchgehalten hatte.</p><p>�F�hlt den Strom der Macht in Euch�, sagte Verin gerade. Ihre Stimme klang nicht ver�ndert, doch pl�tzlich funkelten ihre Augen. �F�hlt den Strom. Den Strom der Macht. Er flie�t zuerst wie eine leichte Brise, wie ein Lufthauch nur.� Egwene richtete sich auf. Genauso hatte Verin sie jedesmal gef�hrt, wenn die Macht sie wirklich durchflo�. �Eine leichte Brise, nur ein Lufthauch. Leicht.�</p><p>Pl�tzlich schlugen Flammen lichterloh aus den �bereinandergelegten Decken.</p><p>Nynaeve �ffnete mit einem Aufschrei die Augen. Egwene war sich nicht bewu�t, ob sie auch schrie oder nicht. Sie merkte nur, da� sie hochscho� und sich bem�hte, die brennenden Decken nach drau�en zu treten, bevor sie das ganze Zelt entz�ndeten. Bevor sie jedoch ein zweites Mal zutreten konnte, verschwanden die Flammen und hinterlie�en nichts als feine Rauchw�lkchen, die sich aus der verkohlten Masse erhoben, und den Geruch nach versengtem Holz. �Na ja�, sagte Verin, �ich habe nicht damit gerechnet, ein Feuer l�schen zu m�ssen. Werdet mir nur ja nicht ohnm�chtig, Kind. Es ist ja schon alles gut. Ich habe alles unter Kontrolle.�</p><p>�Ich... ich war w�tend.� Nynaeve sagte es mit zitternden Lippen im blutleeren Gesicht. �Ich h�rte Euch von einer Brise sprechen und mir sagen, was ich tun solle, und da sprang das Feuer einfach in meinen Kopf. Ich... ich wollte nichts verbrennen. Es war nur ein kleines Feuer in... in meinem Kopf.� Sie schauderte.</p><p>�Ich denke schon, da� es ein kleines Feuer war.� Verin lachte auf, doch das Lachen brach nach einem weiteren Blick auf Nynaeves Gesicht ab. �Geht es Euch wieder gut, Kind? Wenn Euch schlecht ist, kann ich...� Nynaeve sch�ttelte den Kopf, und Verin nickte. �Was Ihr braucht, ist Ruhe. Ihr beide. Ich habe Euch zu sehr umgetrieben. Ihr m��t ausruhen. Die Amyrlin wird uns alle noch vor der D�mmerung aufstehen und aufbrechen hei�en.� Sie erhob sich und trat die verkohlten Decken mit dem Fu�.</p><p>�Ich werde Euch ein paar neue Decken bringen lassen. Ich hoffe, Ihr seht nun, wie wichtig es ist, alles unter Kontrolle zu halten. Ihr m��t lernen, das zu tun, was Ihr tun wollt, aber nicht mehr. Abgesehen davon, da� Ihr betr�chtlichen Schaden anrichten k�nnt, wenn Ihr mehr Macht an Euch zieht, als Ihr ohne Gefahr ben�tzen k�nnt, zerst�rt Ihr Euch vielleicht selbst, wenn Ihr zuviel Macht an Euch zieht. Ihr k�nntet dabei sterben. Oder vielleicht brennt Ihr innerlich aus und zerst�rt alle Eure F�higkeiten.� Und als habe sie nicht gerade ge�u�ert, da� sie auf Messers Schneide wandelten, f�gte sie ein fr�hliches �Schlaft gut!� hinzu. Und damit war sie weg.</p><p>Egwene legte die Arme um Nynaeve und dr�ckte sie an sich. �Es ist schon gut, Nynaeve. Es gibt keinen Grund zur Furcht. Wenn du erst lernst... �</p><p>Nynaeve lachte kr�chzend. �Ich habe keine Angst.� Sie blickte zur Seite auf die qualmenden Decken und ri� sich dann wieder davon los. �Es ist schon mehr als ein kleines Feuer n�tig, um mir Angst einzujagen.� Aber sie sah die Decken nicht mehr an, selbst als ein Beh�ter kam, sie mitnahm und neue dalie�. So wie sie gesagt hatte, kam Verin nicht wieder zu ihnen. W�hrend sie Tag um Tag nach S�dwesten weiterzogen, so schnell die Fu�soldaten marschieren konnten, k�mmerte sich Verin genausowenig wie Moiraine um die beiden Frauen aus Emondsfeld. Keine der Aes Sedai nahm sich ihrer an. Sie waren nicht direkt unfreundlich, diese Aes Sedai, sondern eher distanziert und zur�ckhaltend, als seien sie mit ganz anderen Dingen besch�ftigt. Ihre K�hle steigerte Egwenes Unsicherheit und rief ihr wieder alle die Geschichten in Erinnerung, die sie als Kind geh�rt hatte.</p><p>Ihre Mutter hatte ihr immer gesagt, die Geschichten von den Aes Sedai seien eine Ansammlung von m�nnlichem Unsinn, aber weder ihre Mutter noch irgendeine andere Frau in Emondsfeld hatte je eine Aes Sedai kennengelernt, bevor Moiraine dorthin gekommen war. Sie selbst hatte viel Zeit mit Moiraine verbracht, und Moiraine stellte f�r sie den Beweis dar, da� die Aes Sedai keineswegs so waren, wie sie in den alten Geschichten beschrieben wurden: kalte Intrigantinnen und gnadenlose Zerst�rerinnen. Zerst�rer der Welt. Sie wu�te nun, da� wenigstens diese � die Zerst�rer der Welt � m�nnliche Aes Sedai gewesen waren, als es sie noch gab, im Zeitalter der Legenden. Aber das half ihr auch nicht viel. Nicht <emphasis>alle</emphasis> Aes Sedai waren so wie in den Sagen, doch wie viele und welche von ihnen?</p><p>Die Aes Sedai, die jede Nacht in ihr Zelt kamen, waren derart unterschiedlich, da� es ihr nicht weiterhalf, Klarheit zu gewinnen. Alviarin war so k�hl und gesch�ftsm��ig wie ein Kaufmann, der gekommen war, Wolle und Tabak zu erwerben. Sie war �berrascht, da� auch Nynaeve an dem Unterricht teilnahm, nahm es aber hin. Sie kritisierte hart, war aber immer bereit, es noch einmal zu versuchen. Alanna Mosvani lachte und verbrachte ebenso viel Zeit damit, �ber die Welt und die M�nner zu sprechen, wie sie zu unterrichten. Alanna zeigte allerdings f�r Egwenes Geschmack zuviel Interesse an Rand, Perrin und Mat. Besonders an Rand. Die Schlimmste von allen war Liandrin, die einzige, die ihre Stola trug; die anderen hatten ihre Stolen vor der Abreise aus Fal Dara eingepackt. Liandrin sa� da, bef�hlte die roten Fransen und brachte ihnen wenig bei, und das auch nur z�gernd. Sie verh�rte Egwene und Nynaeve, als habe man sie eines Verbrechens beschuldigt, und alle ihre Fragen drehten sich um die drei Jungen. Sie machte so weiter, bis Nynaeve sie aus dem Zelt warf � Egwene war nicht sicher, warum Nynaeve das tat �, und dann ging sie mit einer Drohung auf den Lippen.</p><p>�Nehmt Euch in acht, meine T�chter. Ihr seid nicht mehr in eurem Dorf. Jetzt h�ngt ihr die Zehen in ein Wasser, in dem Dinge leben, die bei�en k�nnten.�</p><p>Schlie�lich erreichte die Kolonne das Dorf Medo am Ufer des Mora, der an der Grenze zwischen Schienar und Arafel entlangflo� und in den Erinin m�ndete.</p><p>Egwene war sicher, da� die Fragen der Aes Sedai ihre Tr�ume von Rand ausgel�st hatten, das und die Sorge um ihn, ob er und die anderen dem Horn von Valere bis in die F�ule hinein hatten folgen m�ssen. Die Tr�ume waren immer qu�lend, aber anfangs waren es wenigstens nur einfache Alptr�ume. Bis zu jenem Abend jedoch, an dem sie Medo erreichten, hatten sich die Tr�ume ver�ndert.</p><p>�Verzeiht, Aes Sedai�, fragte Egwene sch�chtern, �habt Ihr Moiraine Sedai gesehen?� Die schlanke Aes Sedai winkte ihr zu, weiterzugehen, und hastete weiter die �berf�llte, von Fackeln beleuchtete Dorfstra�e entlang. Sie rief jemandem zu, ihr Pferd vorsichtig zu behandeln. Die Frau geh�rte zu den Gelben Ajah, obwohl sie gerade ihre Stola nicht trug. Mehr wu�te Egwene nicht; nicht einmal ihren Namen.</p><p>Medo war ein kleines Dorf, das nun mehr Neuank�mmlinge beherbergte, als es Einwohner hatte. Pferde und Menschen f�llten die engen Stra�en und dr�ngten sich an den Einwohnern vorbei, die jedesmal niederknieten, wenn eine Aes Sedai vorbeikam. Greller Fackelschein beleuchtete alles. Die beiden Landestege ragten wie Steinfinger in den Mora hinein, und an jedem hatte ein Paar zweimastiger kleiner Schiffe festgemacht. Dort wurden bereits Pferde mit Hilfe von Ladeb�umen, Tauen und Segeltuchbahnen an Bord gehievt. Weitere Schiffe mit starken hohen Bordw�nden und Laternen an den Masten lagen auf dem mondbeschienenen Flu�. Sie waren bereits beladen oder warteten, bis sie an die Reihe kamen. Ruderboote brachten Bogensch�tzen und Pikeure heran. Die erhobenen Piken lie�en die Boote wie riesige Stachelschweine aussehen, die an der Wasseroberfl�che schwammen. Auf dem linken Landesteg entdeckte Egwene Anaiya, die den Ladevorgang beaufsichtigte und diejenigen ausschimpfte, die sich nicht schnell genug bewegten. Obwohl sie noch nie mehr als zwei Worte mit Egwene gewechselt hatte, erschien ihr Anaiya anders als die anderen � mehr wie eine Frau von zu Hause. Egwene konnte sich vorstellen, wie sie in der K�che stand und buk; das fiel ihr bei den anderen schwer. �Anaiya Sedai, habt Ihr Moiraine Sedai gesehen? Ich mu� mit ihr sprechen.�</p><p>Die Aes Sedai blickte sich mit abwesendem Stirnrunzeln um. �Was? Ach, Ihr seid es, Kind. Moiraine ist weg. Und Eure Freundin Nynaeve ist bereits drau�en auf der <emphasis>Flu�k�nigin.</emphasis> Ich mu�te sie pers�nlich auf ein Boot verfrachten. Sie schrie, sie wolle nicht ohne Euch abfahren. Licht, welch ein Durcheinander! Ihr solltet auch schon an Bord sein. Sucht ein Boot, das zur <emphasis>Flu�k�nigin</emphasis> hinausf�hrt. Ihr beide reist mit der Amyrlin, also benehmt Euch, wenn Ihr an Bord seid. Keine weiteren Szenen oder Wutanf�lle!�</p><p>�Auf welchem Schiff befindet sich Moiraine Sedai?�</p><p>�Moiraine ist auf keinem Schiff, Kind. Sie ist schon seit zwei Tagen weg, und die Amyrlin macht sich Sorgen um sie.� Anaiya verzog das Gesicht und sch�ttelte den Kopf, obwohl der gr��te Teil ihrer Aufmerksamkeit immer noch den Arbeitern galt. �Zuerst verschwindet Moiraine mit Lan, anschlie�end Liandrin und dann Verin, ohne da� eine von ihnen ein Sterbensw�rtchen verlauten lie�. Verin hat nicht einmal ihren Beh�ter mitgenommen. Tomas kaut sich vor Sorge die N�gel ab.� Die Aes Sedai blickte zum Himmel hinauf. Der zunehmende Mond war diesmal nicht von Wolken verdeckt. �Wir werden wieder den Wind heraufbeschw�ren m�ssen, und das wird der Amyrlin nicht gerade passen. Sie sagt, sie wolle, da� wir noch innerhalb einer Stunde nach Tar Valon aufbrechen, und sie wird keinen Aufenthalt dulden. Ich m�chte nicht in Moiraines, Liandrins oder Verins Haut stecken, wenn sie ihnen das n�chste Mal begegnet. Sie werden sich w�nschen, wieder Novizinnen zu sein. Ja Kind, was ist denn los?�</p><p>Egwene atmete tief durch. <emphasis>Moiraine weg? Das kann nicht sein! Ich mu� mit jemandem sprechen, der mich nicht auslacht.</emphasis> Sie stellte sich Anaiya zu Hause in Emondsfeld vor, wie sie sich die Probleme ihrer Tochter anh�rte. Die Frau pa�te in dieses Bild. �Anaiya Sedai, Rand ist in Schwierigkeiten.�</p><p>Anaiya sah sie nachdenklich an. �Der gro�e Junge aus Eurem Dorf? Ihr vermi�t ihn bereits, nicht wahr? Na ja, es sollte mich nicht �berraschen, wenn er wirklich in Schwierigkeiten steckt. Das passiert jungen M�nnern in seinem Alter st�ndig. Obwohl eher der andere � Mat? � so aussah, als habe er Probleme. Schon gut, Kind. Ich will mich nicht �ber Euch lustig machen oder es auf die leichte Schulter nehmen. Welche Art von Schwierigkeiten? Und woher wi�t Ihr �berhaupt davon? Er und Lord Ingtar sollten mittlerweile das Horn in Besitz haben und wieder zur�ck in Fal Dara sein. Oder sie mu�ten ihm in die F�ule folgen, und daran kann man nichts �ndern.�</p><p>�Ich... ich glaube nicht, da� sie in der F�ule oder in Fal Dara sind. Ich hatte einen Traum.� Sie sagte es beinahe trotzig. So ausgesprochen, klang es einf�ltig, aber es war ihr so real erschienen. Ein echter, aber eben ein realer Alptraum. Erst war da ein Mann gewesen mit einer Maske vor dem Gesicht und Feuer in den Augen. Trotz der Maske hatte sie einen Anflug von �berraschung auf seinem Gesicht festgestellt, als er ihrer ansichtig wurde. Sein Blick hatte ihr Angst eingejagt, bis sie glaubte, ihre Knochen w�rden vor Zittern abbr�ckeln, doch pl�tzlich verschwand er, und sie sah Rand, der in einen Umhang geh�llt auf dem Boden schlief. Eine Frau stand �ber ihm und betrachtete ihn. Ihr Gesicht lag im Schatten, aber ihre Augen leuchteten so hell wie der Mond, und Egwene wu�te, da� sie b�se war. Dann gab es einen Lichtblitz, und sie waren verschwunden. Beide. Und hinter allem lag, beinahe ganz losgel�st davon, ein Gef�hl von Gefahr, als schnappe gerade eine Falle �ber einem nichtsahnenden Lamm zu � eine Falle mit vielen Zacken. Als habe sich der Ablauf der Zeit verlangsamt, konnte sie beobachten, wie sich die eisernen Kiefer aufeinander zu bewegten. Der Traum war mit dem Erwachen nicht verbla�t, wie das bei Tr�umen sonst der Fall war. Und das Gef�hl der Gefahr war so stark, da� sie sich am liebsten st�ndig umgeblickt h�tte � nur irgendwie wu�te sie, da� die Gefahr Rand galt und nicht ihr.</p><p>Sie fragte sich, ob die Frau vielleicht Moiraine gewesen war, und schalt sich dann selbst ob dieses Gedankens. Liandrin f�llte diese Rolle besser aus. Oder m�glicherweise Alanna; auch sie hatte Interesse an Rand gezeigt.</p><p>Sie konnte sich nicht �berwinden, Anaiya alles zu erz�hlen. So sagte sie h�flich: �Anaiya Sedai, ich wei�, da� es t�richt klingt, aber er ist in Gefahr. In gro�er Gefahr. Ich wei� es. Ich f�hlte es. Ich f�hle es immer noch.�</p><p>Anaiya sah nachdenklich aus. �Ja�, sagte sie leise, �ich wette, mit dieser M�glichkeit hat niemand gerechnet. Ihr k�nntet eine Wahrtr�umerin sein. Es ist nur eine geringe M�glichkeit, Kind, doch... Wir haben seit, ach, vier- oder f�nfhundert Jahren keine mehr gehabt. Und Wahrtr�umen h�ngt eng mit Weissagung zusammen. Falls Ihr wirklich wahrtr�umen k�nnt, mag es sein, da� Ihr auch Voraussagen treffen k�nnt. <emphasis>Das</emphasis> w�re den Roten ein Dorn im Auge. Es k�nnte sich nat�rlich auch um einen ganz normalen Alptraum handeln, der von der M�digkeit in der sp�ten Nacht und von kaltem Essen und der beschwerlichen Reise hervorgerufen worden ist. Und davon, da� Ihr Euren jungen Mann vermi�t. Das ist viel wahrscheinlicher. Ja, ja, Kind, ich wei� schon. Ihr seid seinetwegen besorgt. Hat Euer Traum eine Andeutung geliefert, welche Art von Gefahr ihm droht?�</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf. �Er verschwand einfach, und ich f�hlte die Gefahr. Und das B�se. Ich hatte es sogar schon gef�hlt, bevor er verschwand.� Sie schauderte und rieb die H�nde aneinander. �Ich kann es immer noch wahrnehmen.�</p><p>�Nun, wir werden uns auf der <emphasis>Flu�k�nigin</emphasis> weiter dar�ber unterhalten. Falls Ihr wirklich eine Wahrtr�umerin seid, werde ich daf�r sorgen, da� Ihr die Ausbildung erhaltet, die Moiraine eigentlich... Du da!� schrie die Aes Sedai pl�tzlich, und Egwene zuckte zusammen. Ein hochgewachsener Mann, der sich gerade auf ein Weinfa� gesetzt hatte, zuckte ebenfalls zusammen. Ein paar andere beschleunigten ihren Schritt. �Das soll an Bord gebracht und nicht zum Sitzen ben�tzt werden! Wir sprechen auf dem Boot weiter, Kind. Nein, du Narr! Das kannst du nicht allein tragen! Willst du dir einen Bruch heben?� Anaiya lief den Landesteg hinunter und schimpfte die ungl�cklichen Dorfbewohner so heftig aus, wie Egwene es ihr nicht zugetraut hatte.</p><p>Egwene sp�hte in der Dunkelheit nach S�den. Er war irgendwo dort drau�en. Nicht in Fal Dara, nicht in der F�ule. Da war sie sicher. <emphasis>Rei� dich zusammen, du wollk�pfiger Narr! Wenn du dich umbringen l��t, bevor ich dich herausholen kann, ziehe ich dir die Haut bei lebendigem Leib ab.</emphasis> Sie kam gar nicht darauf, sich zu fragen, wie sie ihn wohl aus irgendeiner Gefahr herausholen sollte, w�hrend sie nach Tar Valon unterwegs war.</p><p>Sie zog ihren Umhang dicht um sich und machte sich daran, ein Boot zu suchen, das sie zur <emphasis>Flu�k�nigin</emphasis> bringen w�rde.</p></section><section><title><p>13</p><p>Von Stein zu Stein</p></title><p>Der Schein der aufgehenden Sonne weckte Rand, und er fragte sich, ob er immer noch tr�umte. Er setzte sich langsam auf und sah sich um. Alles war anders � oder beinahe alles. Sonne und Himmel boten den erwarteten Anblick, wenn auch bla� und fast wolkenlos. Loial und Hurin lagen noch zu seinen Seiten und schliefen, fest in ihre Umh�nge geh�llt. Ihre Pferde standen nur ein paar Schritte entfernt mit unversehrten Fu�fesseln. Aber alles andere war weg. Soldaten, Pferde, seine Freunde � jeder und alles waren verschwunden.</p><p>Auch die Mulde selbst hatte sich ver�ndert, und sie befanden sich nun in der Mitte und nicht mehr am Rand. Nahe bei Rands Kopf erhob sich ein grauer Steinzylinder, bestimmt volle drei Spannen hoch und einen Schritt im Durchmesser. Er war bedeckt mit Hunderten, vielleicht Tausenden von tief eingemei�elten Diagrammen und Markierungen in einer Schrift, die er nicht kannte. Der Boden der Mulde war mit wei�em Stein ausgelegt, so eben wie ein Fu�boden in einem Haus und so glatt poliert, da� er beinahe gl�nzte. Breite hohe Stufen f�hrten in konzentrischen Kreisen aus verschiedenfarbigem Stein zum Rand hinauf. Um den Rand herum standen ru�geschw�rzte, verformte B�ume, �ber die ein Feuersturm hinweggerast zu sein schien. Alles kam ihm blasser vor, als es sein sollte, genau wie die Sonne, die so ged�mpft schien, als sehe er sie durch einen Nebel hindurch. Nur da� es keinen Nebel gab. Nur sie drei und die Pferde kamen ihm wirklich greifbar vor. Doch als er den Stein unter sich ber�hrte, <emphasis>f�hlte</emphasis> er sich fest an.</p><p>Er streckte die Hand aus und r�ttelte Loial und Hurin auf. �Aufwachen! Wacht auf und sagt mir, da� ich tr�ume. Bitte wacht auf!�</p><p>�Ist es schon Morgen?� begann Loial. Er richtete sich auf, und dann blieb ihm der Mund offen stehen. Seine gro�en runden Augen weiteten sich.</p><p>Hurin zuckte beim Erwachen zusammen, sprang auf wie ein Floh auf einem hei�en Stein und blickte sich nach allen Seiten um. �Wo sind wir? Was ist geschehen? Wo sind die anderen alle? Wo sind wir, Lord Rand?� Er sank h�nderingend auf die Knie, aber sein Blick huschte unruhig von einem zum anderen. �Was ist blo� passiert?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Rand bed�chtig. �Ich hoffte, es sei nur ein Traum, aber... Vielleicht ist es ein Traum.� Er hatte ja seine Erfahrungen mit Tr�umen, die keine waren, Erfahrungen, die er weder wiederholen noch in die Erinnerung zur�ckrufen wollte. Er stand vorsichtig auf. Alles blieb, wie es war.</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte Loial. Er betrachtete die S�ule und schien dabei nicht gl�cklicher zu werden. Seine langen Augenbrauen fielen ihm �ber die Wangen herunter, und seine behaarten Ohren wirkten wie verwelkt. �Ich glaube, das ist der gleiche Stein, neben dem wir uns letzte Nacht schlafen legten. Ich glaube, ich wei� jetzt, was es ist.� Ausnahmsweise klang es einmal, als sei er ungl�cklich dar�ber, etwas zu wissen.</p><p>�Das ist... � <emphasis>Nein.</emphasis> Da� dies der gleiche Stein sein sollte, war auch nicht verr�ckter als alles andere Verr�ckte, das um ihn herum geschah: Mat und Perrin und die Schienarer verschwunden und alles ver�ndert. <emphasis>Ich dachte, ich sei entkommen, aber es hat schon wieder begonnen, und es gibt nichts Verr�cktes mehr. Es sei denn, ich bin verr�ckt.</emphasis> Er sah Loial und Hurin an. Sie benahmen sich nicht so, als sei er verr�ckt. Auch sie sahen das gleiche. Etwas an den Treppen zog seinen Blick an. Es waren die unterschiedlichen Farben, sieben, von Blau bis Rot. �Eine f�r jede Ajah�, sagte er.</p><p>�Nein, Lord Rand�, st�hnte Hurin. �Nein. Aes Sedai t�ten uns das nicht an. Das t�ten sie nicht. Ich wandle im Licht!�</p><p>�Das tun wir alle, Hurin�, sagte Rand. �Die Aes Sedai werden dir nichts tun.� <emphasis>Es sei denn, du stehst ihnen im Weg.</emphasis> Konnte das irgendwie Moiraines Werk sein? �Loial, du wei�t, was dieser Stein bedeutet? Was stellt er dar?�</p><p>�Ich sagte, ich wei� es vielleicht, Rand. Es gab da eine Stelle in einem alten Buch, nur ein paar Seiten lang, und auf einer Seite befand sich eine Zeichnung dieses Steins �dieses Steins� � er wiederholte die Worte auf ganz bestimmte Weise und mit besonderer Betonung � �oder eines sehr �hnlichen Steins. Und darunter stand: �Von Stein zu Stein verlaufen die Linien des M�glichen zwischen den Welten, die existieren k�nnten.��</p><p>�Was soll das hei�en, Loial? Das ergibt doch keinen Sinn.�</p><p>Der Ogier sch�ttelte traurig das m�chtige Haupt. �Es waren nur ein paar Seiten. Und da stand, da� Aes Sedai im Zeitalter der Legenden, jedenfalls einige, die springen konnten, die m�chtigsten unter ihnen, diese Steine zu benutzen wu�ten. Es stand nicht dort, wie sie das bewerkstelligten, aber ich glaube, da� diese Aes Sedai die Steine vielleicht dazu benutzten, um solche Welten zu erreichen.� Er blickte hinauf zu den versengten B�umen und senkte den Blick schnell wieder, weil er nicht daran denken wollte, was sich jenseits des Randes befinden mochte. �Doch selbst wenn bestimmte Aes Sedai die Macht benutzen konnten oder k�nnen � wir hatten jedenfalls keine Aes Sedai dabei, die die Macht zu lenken imstande war. Also wei� ich nicht, wie dies alles geschehen konnte.�</p><p>Rands Haut juckte. <emphasis>Sie wurden von Aes Sedai angewendet. Im Zeitalter der Legenden, als es noch m�nnliche Aes Sedai gab.</emphasis> Er erinnerte sich schwach, da� sich beim Einschlafen das Nichts um ihn geschlossen hatte, erf�llt von diesem unsteten Gl�hen. Und er erinnerte sich an das Zimmer in diesem Dorf und an das Licht, nach dem er gegriffen hatte, um zu entkommen. <emphasis>Falls das die m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle war... Nein, das kann nicht sein. Aber wenn es das doch war? Licht, ich habe mich gefragt, ob ich wegrennen sollte oder nicht, und hatte es die ganze Zeit �ber im Kopf. Vielleicht habe ich uns hierhergebracht.</emphasis> Er wollte nicht weiter dar�ber nachdenken. �Welten, die existieren k�nnten? Das verstehe ich nicht, Loial.�</p><p>Der Ogier hob hilflos die m�chtigen Schultern. �Ich auch nicht, Rand. Das meiste klang so: �Wenn eine Frau nach links geht oder nach rechts, teilt sich dann der Strom der Zeit? Webt das Rad dann zwei Muster? Tausend f�r jede ihrer Entscheidungen? So viele, wie es Sterne gibt? Ist eines wirklich, und sind dann die anderen blo�e Schatten und Spiegelungen?� Siehst du, es war alles nicht sehr klar. Meist waren es Fragen, und die schienen sich meistens auch noch zu widersprechen. Und es stand ja auch nicht viel drin.� Er wandte sich wieder dem Studium der S�ule zu, aber er h�tte es ganz offensichtlich lieber gehabt, sie w�re verschwunden. �Es soll angeblich eine ganze Menge dieser Steine geben, �ber die gesamte Welt verteilt. Vielleicht gab es sie einst, aber ich habe noch nie geh�rt, da� jemand einen fand.�</p><p>�Lord Rand? Lord Rand, Ihr bringt uns doch zur�ck, oder? Zur�ck dorthin, wo wir hingeh�ren? Ich habe eine Frau, Lord Rand, und Kinder. Es w�re schlimm genug f�r Melia, falls ich sterben sollte, aber wenn sie nicht einmal meinen K�rper hat, um ihn der letzten Umarmung der Mutter anzuvertrauen, wird sie sich bis zum Ende ihrer Tage gr�men. Versteht mich recht, Lord Rand. Ich kann sie nicht in Ungewi�heit lassen. Ihr bringt uns doch zur�ck? Und wenn ich sterbe und Ihr meine Leiche nicht mitnehmen k�nnt, dann teilt es ihr mit, damit sie wenigstens Gewi�heit hat.� Zum Schlu� fragte er nicht mehr. Ein Unterton des Vertrauens war in seiner Stimme zu h�ren.</p><p>Rand �ffnete den Mund, um zu wiederholen, da� er kein Lord sei, aber dann schlo� er ihn wieder. Das war jetzt einfach nicht wichtig genug, um darauf herumzureiten. <emphasis>Du hast ihn da mit hineingezogen.</emphasis> Er wollte es abstreiten, doch er wu�te, was er war, wu�te, da� er die Macht lenken konnte, auch wenn es immer so aussah, als gesch�he es von selbst. Loial behauptete, die Aes Sedai w�rden die Steine benutzen, und das bedeutete die Eine Macht. Was Loial sagte, hatte Hand und Fu� �der Ogier behauptete nie etwas, dessen er nicht sicher war �, und es befand sich niemand in der N�he, der die Macht benutzen konnte. <emphasis>Du hast ihn mit hineingezogen, also bring ihn auch wieder heil heraus. Du mu�t es wenigstens versuchen.</emphasis></p><p>�Ich werde mir alle M�he geben, Hurin.� Und weil Hurin Schienarer war, f�gte er hinzu: �Bei meinem Haus und meiner Ehre. Dem Haus eines Sch�fers und der Ehre eines Sch�fers, aber ich werde ihnen ebenso gerecht werden, als sei ich ein Lord.�</p><p>Hurin gewann sichtlich sein Vertrauen zur�ck. Er verbeugte sich tief. �Ehre, Euch zu dienen, Lord Rand.�</p><p>Rand durchrieselten Schuldgef�hle. <emphasis>Jetzt glaubt er, du bringst ihn sicher nach Hause zur�ck, denn die schienarischen Lords halten ihr Versprechen. Was tust du nun,</emphasis> Lord <emphasis>Rand?</emphasis> �La� das, Hurin. Keine Verbeugung. Ich bin kein...� Pl�tzlich war ihm klar, da� er dem Mann nicht wieder erkl�ren konnte, er sei kein Lord. Alles, was den Schn�ffler noch auf den Beinen hielt, war sein Glaube an einen Lord, und den durfte er ihm jetzt nicht rauben. Nicht hier. �Keine Verbeugung�, brachte er verlegen heraus.</p><p>�Wie Ihr w�nscht, Lord Rand.� Hurin grinste beinahe so breit wie beim ersten Zusammentreffen mit Rand.</p><p>Rand r�usperte sich. �Ja. Also, das will ich eben nicht.�</p><p>Beide beobachteten ihn. Loial war neugierig, und Hurin sah ihn vertrauensvoll an. Beide warteten darauf, was er tun w�rde. <emphasis>Ich habe sie hierhergebracht. Bestimmt war ich es. Also mu� ich sie zur�ckbringen. Und das bedeutet...</emphasis></p><p>Er holte tief Luft und schritt �ber die wei�en Pflastersteine zu dem mit Symbolen bedeckten Zylinder hin�ber. Jedes dieser Zeichen war von d�nnen Zeilen in einer ihm unbekannten Schrift umgeben, eigenartigen Buchstaben, die Kurven und Spiralen bildeten, die pl�tzlich zu gezackten Haken wurden, in scharfen Winkeln ausliefen und sich dann wieder wie vorher weiterzogen. Wenigstens war es keine Trolloc-Schrift. Z�gernd legte er die H�nde auf die S�ule. Sie sah aus wie aus allt�glichem geschliffenen Stein gefertigt, f�hlte sich aber seltsam schl�pfrig an � wie ge�ltes Metall.</p><p>Er schlo� die Augen und lie� die Flamme erscheinen. Das Nichts bildete sich langsam, z�gernd. Er wu�te, da� seine Angst es zur�ckhielt, die Furcht vor dem Versuch. So schnell er auch die Angst in die Flamme ergo�, es kam immer neue Angst. <emphasis>Ich schaffe es nicht. Lenke die Macht. Ich will aber nicht. Licht, es mu� doch einen anderen Weg geben.</emphasis> Grimmig schob er diese Gedanken beiseite. Er f�hlte, wie sich auf seinem Gesicht Schwei�tropfen bildeten. Entschlossen machte er weiter, entleerte seine �ngste in die alles verschlingende Flamme und lie� sie wachsen, wachsen. Und das Nichts war schlie�lich auch da.</p><p>Seine innerster Kern schwebte in der Leere. Er konnte das Licht sehen � <emphasis>Saidin</emphasis> �, sogar mit geschlossenen Augen, konnte seine W�rme f�hlen, wie sie ihn umgab, alles umgab, alles in sich aufnahm. Sie flackerte wie ein Kerzenlicht, das man durch �lpapier betrachtet. Ranziges �l. Stinkendes �l.</p><p>Er fa�te danach � es war ihm selbst nicht klar, <emphasis>wie</emphasis> er das machte; irgendwie, eine Bewegung, ein Sich-dem-Licht-Entgegenstrecken, Nach<emphasis>-Saidin</emphasis>-Fassen � und fand nichts. Es war, als fasse er nur in Wasser. Es f�hlte sich an wie ein schleimiger T�mpel, auf dem �ber dem sauberen Wasser lauter Schmutz schwamm. Doch er vermochte nichts von dem Wasser zu sch�pfen. Immer wieder rann es ihm durch die Finger. Nicht einmal Wassertropfen blieben zur�ck, nur der dicke Schleim, bei dem es ihn angeekelt fr�stelte.</p><p>Verzweifelt versuchte er, sich die Mulde so vorzustellen, wie sie ausgesehen hatte � mit Ingtar und den Lanzentr�gern, wie sie neben ihren Pferden schliefen, mit Mat und Perrin und dem Stein, der fast ganz in der Erde steckte. Er lie� das Bild au�erhalb des Nichts entstehen, wo es an der H�lle aus Leere klebte, die ihn umschlo�. Er bem�hte sich, dieses Bild mit dem Licht zu verkn�pfen, versuchte, zu verschwei�en. Die Mulde, wie sie ausgesehen hatte, und er, Loial und Hurin darinnen. Sein Kopf schmerzte. Alle zusammen, auch Mat und Perrin und die Schienarer. In seinem Kopf brannte ein Feuer. Zusammen!</p><p>Das Nichts zerplatzte zu tausend rasiermesserscharfen Scherben, die in seinen Geist schnitten.</p><p>Schaudernd taumelte er mit weitaufgerissenen Augen r�ckw�rts. Seine H�nde schmerzten, weil er sie so stark auf den Stein gedr�ckt hatte, Arme und Schultern bebten. Schmerz durchwallte ihn. Der Magen drehte sich ihm beinahe um, denn er hatte das Gef�hl, ganz von diesem schleimigen Schmutz bedeckt zu sein, auch der Kopf... Er bem�hte sich, ganz ruhig zu atmen. Das war ihm noch nie passiert. Wenn das Nichts verschwand, dann geschah das wie bei einer angestochenen Blase. Es war mit einem Wimpernschlag einfach weg. Es war noch nie wie ein Glas zersplittert. Sein Kopf war wie bet�ubt, als sei er tausendmal so schnell geschnitten worden, da� der Schmerz sich noch gar nicht bemerkbar gemacht hatte. Aber jeder Schnitt war so real gewesen, als sei er durch ein Messer erfolgt. Er ber�hrte seine Schl�fe und war �berrascht, da� an den Fingern kein Blut klebte.</p><p>Hurin stand immer noch da und beobachtete ihn vertrauensvoll. Wenn �berhaupt, dann schien ihm der Schn�ffler von Minute zu Minute sicherer zu werden. Lord Rand unternahm etwas. Dazu waren Lords da. Sie sch�tzten Land und Leute mit ihrem Leib und Leben, und wenn etwas mi�lang, stellten sie es wieder richtig und sorgten daf�r, das sich Recht und Gesetz durchsetzten. Solange Rand etwas unternahm, gleichg�ltig was, konnte Hurin sicher sein, da� am Ende alles gut wurde. So war das eben bei Lords.</p><p>Loial blickte ganz anders drein, mit verbl�fft gerunzelter Stirn, aber auch sein Blick ruhte auf Rand. Rand fragte sich, was er wohl dachte.</p><p>�Das war einen Versuch wert�, sagte er. Das Gef�hl, ranziges �l im Kopf zu haben � <emphasis>Licht, in mir drinnen! Ich will das nicht in mir haben!</emphasis> �, verschwand langsam, obwohl er immer noch das Bed�rfnis hatte, sich zu �bergeben. �Ich versuche es in ein paar Minuten nochmals.�</p><p>Er hoffte, da� es selbstbewu�t klang. Er hatte keine Ahnung, wie die Steine funktionierten, ob das, was er tat, auch nur die Hoffnung von Erfolg bot. <emphasis>Vielleicht gibt es gewisse Regeln, wie man damit umzugehen hat. Vielleicht mu� ich etwas ganz Bestimmtes tun. Licht, vielleicht kann man auch den gleichen Stein nicht zweimal hintereinander benutzen, sonst...</emphasis> Er brach den Gedankengang ab. Es hatte keinen Sinn, sich dar�ber den Kopf zu zerbrechen. Er mu�te statt dessen etwas tun. Als er Hurin und Loial ansah, glaubte er zu wissen, was Lan gemeint hatte, als er von erdr�ckender Pflicht sprach.</p><p>�Lord Rand, ich glaube... � Hurin sprach nicht weiter und wirkte zerknirscht. �Lord Rand, vielleicht finden wir die Schattenfreunde und k�nnen einen von ihnen zwingen, uns die R�ckkehr zu erm�glichen.�</p><p>�Ich w�rde jeden Schattenfreund und sogar den Dunklen K�nig selbst fragen, wenn ich sicher sein k�nnte, eine wahre Antwort zu erhalten�, sagte Rand. �Aber wir sind die einzigen hier. Nur wir drei.� <emphasis>Nur ich. Ich bin derjenige, der es tun mu�.</emphasis></p><p>�Wir k�nnten ihrer Spur folgen, Lord Rand. Wenn wir sie erwischen... �</p><p>Rand starrte der Schn�ffler �berrascht an. �Du kannst sie immer noch riechen?�</p><p>�Das kann ich, Lord.� Hurin zog die Stirn kraus. �Es ist nur schwach und irgendwie bla� wie alles hier, aber ich kann die Spur riechen. Gleich dort droben.� Er deutete auf den Rand der Mulde. �Ich verstehe es nicht, Lord Rand, aber letzten Abend h�tte ich schw�ren k�nnen, da� die Spur geradewegs an der Mulde vorbeif�hrt, dort � dort, wo wir waren. Nun ja, die Spur ist immer noch da, aber eben hier, und sie ist schw�cher, wie ich schon sagte. Nicht alt und schwach, sondern... Ich wei� nicht, Lord Rand, aber sie ist hier.�</p><p>Rand �berlegte. Falls Fain und die Schattenfreunde hier waren � wo immer das sein mochte �, wu�ten sie m�glicherweise, wie sie zur�ckkommen konnten. Das mu�ten sie wohl, nachdem sie ja schon hierhergekommen waren. Und sie besa�en das Horn und den Dolch. Mat mu�te diesen Dolch zur�ckbekommen. Allein schon deshalb mu�te er sie finden. Was ihn schlie�lich bewog, ihnen zu folgen, war seine Scheu davor, es noch einmal zu versuchen. Er hatte Angst vor dem Versuch, die Macht zu benutzen. Er h�tte sogar weniger Angst davor gehabt, Schattenfreunden und Trollocs gegen�berzustehen, als das zu tun.</p><p>�Dann werden wir die Schattenfreunde verfolgen.� Er bem�hte sich, selbstsicher zu erscheinen, so wie das bei Lan oder Ingtar der Fall gewesen w�re. �Das Horn mu� zur�ckgewonnen werden. Wenn wir keinen Weg finden, es ihnen wieder abzunehmen, wissen wir zumindest, wo sie sind, wenn wir Ingtar wiederfinden.� <emphasis>Wenn sie nur nicht fragen, wie wir ihn wiederfinden wollen.</emphasis> �Hurin, �berzeug dich bitte davon, da� es wirklich die Spur ist, hinter der wir her sind.�</p><p>Der Schn�ffler sprang in den Sattel. Er war begierig darauf, selbst etwas zu tun, vielleicht auch aus der Mulde wegzukommen. Er lie� sein Pferd die breiten farbigen Stufen hinaufklettern. Die Hufe des Tieres klapperten laut auf dem Steinboden, aber sie hinterlie�en keine Spuren.</p><p>Rand verstaute die Fu�fesseln des Braunen in den Satteltaschen; die Flagge steckte immer noch dort drinnen (er h�tte sich nicht beklagt, w�re sie zur�ckgeblieben). Er nahm seinen Bogen und K�cher und kletterte auf den R�cken des Hengstes. Das B�ndel aus Thom Merrilins Umhang war hinter dem Sattel festgemacht.</p><p>Loial f�hrte sein gro�es Reittier zu ihm her�ber. Der Ogier stand noch, und doch reichte er Rand bis fast an die Schultern, w�hrend Rand im Sattel sa�. Loial wirkte immer noch verbl�fft.</p><p>�Glaubst du, wir sollten hierbleiben?� fragte Rand. �Noch einmal versuchen, den Stein zu benutzen? Falls die Schattenfreunde sich hier befinden, m�ssen wir sie suchen. Wir k�nnen das Horn von Valere nicht in den H�nden von Schattenfreunden lassen; du hast geh�rt, was die Amyrlin gesagt hat. Und wir m�ssen diesen Dolch zur�ckhaben. Mat wird ohne ihn sterben.�</p><p>Loial nickte. �Ja, Rand, das m�ssen wir. Aber die Steine... �</p><p>�Wir werden einen anderen finden. Du hast gesagt, sie seien �berall verstreut, und wenn sie alle so sind wie dieser hier � mit diesen Zeichen rundum �, sollte es nicht zu schwer sein, einen zu finden.�</p><p>�Rand, in diesem Buch stand, da� die Steine aus einem fr�heren Zeitalter stammen als der Zeit der Legenden und da� selbst die Aes Sedai sie nicht verstanden, obwohl sie sie benutzten, jedenfalls ein paar der wirklich M�chtigen. Sie brauchten dazu die Eine Macht. Wie wolltest du den Stein benutzen, um uns zur�ckzubringen? Oder irgendeinen anderen Stein, falls wir einen finden?�</p><p>F�r einen Augenblick konnte Rand nur den Ogier ansehen und dabei schneller denken als je zuvor. �Wenn sie �lter sind als das Zeitalter der Legenden, dann haben die Leute, die sie herstellten, vielleicht die Macht gar nicht angewandt. Es mu� einen anderen Weg geben. Die Schattenfreunde sind hierher gelangt und benutzen ganz gewi� die Macht nicht. Was das auch f�r ein Weg sein mag; ich werde ihn finden. Ich werde uns zur�ckbringen, Loial.� Er betrachtete die hohe Steins�ule mit ihren eigenartigen Markierungen und f�hlte Angst in sich aufsteigen. <emphasis>Licht, hoffentlich mu� ich nicht wirklich die Macht benutzen, um es zu schaffen!</emphasis> �Das werde ich, Loial. Ich verspreche es dir. So oder so.�</p><p>Der Ogier nickte zweifelnd. Er schwang sich auf sein riesiges Pferd und folgte Rand die Stufen hinauf, um sich zwischen den ru�geschw�rzten B�umen Hurin anzuschlie�en.</p><p>Das Land erstreckte sich flach und wellig vor ihnen. Hier und da sahen sie sp�rliche W�lder und dazwischen Grasland, das von B�chen durchschnitten wurde. In mittlerer Entfernung glaubte Rand einen weiteren verbrannten Fleck zu entdecken. Alles war bla� � die Farben ausgewaschen. Es gab kein Anzeichen von Menschenwerk, au�er dem Steinkreis hinter ihnen. Der Himmel war leer; kein Rauch aus einem Schornstein, keine V�gel, nur ein paar Wolken und die blasse gelbe Sonne.</p><p>Am schlimmsten war, da� dieses Land irgendwie die Sichtweise zu verzerren schien. Alles Nahegelegene sah normal aus und auch alles, was in der Entfernung direkt vor seinen Augen lag. Aber immer wenn er den Kopf drehte, schienen ferne Dinge, die er aus den Augenwinkeln sah, auf ihn zuzufliegen. Wenn er sie dann wieder direkt ansah, waren sie n�her als vorher. Das l�ste Schwindelgef�hle aus. Sogar die Pferde wieherten nerv�s und rollten die Augen. Er versuchte, den Kopf langsam zu bewegen. Die scheinbare Bewegung feststehender Dinge war immer noch vorhanden, aber es schien doch ein wenig zu helfen.</p><p>�Hat dein Buch irgend etwas <emphasis>dar�ber</emphasis> ausgesagt?� fragte Rand.</p><p>Loial sch�ttelte den Kopf und schluckte, als w�nsche er, er h�tte ihn nicht bewegt. �Nichts.�</p><p>�Tja, ich sch�tze, da l��t sich nichts machen. Wohin nun, Hurin?�</p><p>�Nach S�den, Lord Rand.� Der Schn�ffler starrte zu Boden.</p><p>�Also, dann nach S�den.� <emphasis>Es mu� doch einen R�ckweg geben, bei dem man die Macht nicht anwenden mu�.</emphasis> Rand gab dem Braunen die Fersen. Er bem�hte sich, seiner Stimme einen fr�hlichen Klang zu verleihen, als s�he er �berhaupt keine Schwierigkeit in allem, was auf sie einst�rmte. �Was hat Ingtar gesagt? Drei oder vier Tage bis zu dieser Siegess�ule f�r Artur Falkenfl�gel? Ich frage mich, ob die auch wirklich existiert, so wie die Steine. Falls dies eine <emphasis>m�gliche</emphasis> Welt ist, steht sie hier vielleicht noch. Das w�re doch etwas Sehenswertes, Loial!�</p><p>Sie ritten s�dw�rts.</p></section><section><title><p>14</p><p>Wolfsbruder</p></title><p>�Weg?� wollte Ingtar von der Luft wissen. �Und meine Wachen haben nichts gesehen? Nichts! Sie k�nnen doch nicht einfach weg sein!�</p><p>Perrin h�rte zu und spannte die Schultern. Er sah Mat an, der etwas entfernt stand, die Stirn gerunzelt hatte und in sich hinein murmelte. Er war sich mit sich selbst nicht einig, so sah es Perrin. Die Sonne lugte bereits �ber den Horizont, und es war h�chste Zeit, weiterzureiten. Schatten erstreckten sich �ber der Mulde, lang und bla�, aber sie sahen immer noch den B�umen �hnlich, die sie hervorriefen. Die Packpferde stampften ungeduldig. Sie waren beladen und an der langen F�hrleine angebunden. Alle Soldaten standen neben ihren Pferden und warteten.</p><p>Uno kam mit langen Schritten heran. �Keine einzige ziegenk�ssende Spur, Lord Ingtar.� Es klang beleidigt; eine Schande bei seinem K�nnen. �Seng mich, nicht einmal ein flammender Kratzer von Pferdehufen. Sie sind einfach blutig verschwunden.�</p><p>�Drei M�nner und drei Pferde verschwinden nicht so einfach�, grollte Ingtar. �Sieh dir den Boden noch einmal genau an, Uno. Wenn jemand herausfinden kann, wo sie hin sind, dann bist du es.�</p><p>�Vielleicht sind sie einfach weggerannt�, sagte Mat. Uno blieb stehen und funkelte ihn an. <emphasis>Als h�tte er eine Aes Sedai beschimpft,</emphasis> dachte Perrin staunend.</p><p>�Warum sollten sie denn wegrennen?� Ingtars Stimme klang gef�hrlich sanft. �Rand, der Erbauer, mein Schn�ffler � mein Schn�ffler! �, warum sollte auch nur einer von ihnen wegrennen, geschweige denn alle drei?�</p><p>Mat zuckte die Achseln. �Ich wei� nicht. Rand war... � Perrin h�tte am liebsten etwas nach ihm geworfen, ihn geschlagen, irgend etwas getan, um ihn zum Schweigen zu bringen, aber Ingtar und Uno sahen zu. Erleichterung durchstr�mte ihn, als Mat z�gerte, die H�nde spreizte und knurrte: �Ich wei� nicht, warum. Ich habe nur so gedacht... �</p><p>Ingtar verzog das Gesicht. �Weggerannt�, grollte er, als habe er das nicht einen Moment lang geglaubt. �Der Erbauer kann gehen, wohin er will, aber Hurin rennt nicht weg. Und Rand al'Thor auch nicht. Das t�te er nicht, denn er kennt jetzt seine Pflichten. Geh weiter, Uno. Such den Boden nochmals ab.� Uno verbeugte sich halb und eilte davon. Der Griff seines Schwertes h�pfte �ber den Schultern. Ingtar murrte: �Warum sollte Hurin ohne ein Wort mitten in der Nacht abhauen? Er wei� doch, worum es geht. Wie soll ich diesen schattengeborenen Dreckskerlen ohne seine Hilfe folgen? Ich g�be tausend Goldkronen f�r ein Rudel Sp�rhunde. Wenn ich es nicht besser w��te, m��te ich annehmen, die Schattenfreunde h�tten ihre Hand im Spiel gehabt, so da� sie nach Osten oder Westen verschwinden k�nnen, ohne da� ich es wei�. Friede, ich wei� nicht einmal, was ich �berhaupt wei�.� Er stapfte hinter Uno her.</p><p>Perrin trat unsicher von einem Fu� auf den anderen. Zweifellos entfernten sich die Schattenfreunde von Minute zu Minute von ihnen. Sie entfernten sich, und mit ihnen das Horn von Valere � und der Dolch aus Shadar Logoth. Er glaubte nicht, da� Rand, was immer mit ihm geschehen war, diese Jagd aufgeben w�rde. <emphasis>Aber wo steckt er?</emphasis> Loial war vielleicht aus Freundschaft mit Rand gegangen � aber warum Hurin?</p><p>�Vielleicht ist er wirklich weggerannt�, knurrte er und blickte sich um. Keiner schien es geh�rt zu haben; selbst Mat achtete nicht auf ihn. Er fuhr sich mit der Hand durch das Haar. Wenn hinter ihm die Aes Sedai her gewesen w�ren, um aus ihm einen falschen Drachen zu machen, w�re er auch weggerannt. Aber sich um Rand Sorgen zu machen, half auch nicht, die Spur der Schattenfreunde zu finden.</p><p>Es gab vielleicht eine M�glichkeit, falls er das wirklich wollte. Er wollte aber nicht. Er war lange genug davor weggelaufen. Vielleicht konnte er jetzt nicht mehr l�nger weglaufen. <emphasis>Geschieht mir recht nach allem, was ich Rand gesagt habe. Ach, k�nnte ich doch weglaufen!</emphasis> Obwohl er wu�te, was er tun mu�te, um zu helfen, z�gerte er.</p><p>Keiner sah ihn an. Keinem w�re auch klar gewesen, was er da sah, wenn er ihn anblickte. Schlie�lich schlo� er z�gernd die Augen und lie� sich treiben, lie� seine Gedanken hinaustreiben, weg von ihm selbst.</p><p>Er hatte es von Anfang an abgelehnt, lange bevor die Farbe seiner Augen sich von Dunkelbraun zu gl�nzendem Goldgelb ver�nderte. Bei diesem ersten Zusammentreffen, dem ersten Augenblick des Erkennens, hatte er sich geweigert, daran zu glauben, und vor dieser Erkenntnis war er seither weggelaufen. Er wollte immer noch fliehen.</p><p>Seine Gedanken trieben hinaus, f�hlten nach dem, was dort drau�en sein mu�te, was sich immer in einem Land befand, wo die Menschen weit verstreut lebten suchten nach seinen Br�dern.</p><p>Anfangs hatte er gef�rchtet, sein Tun werde irgendwie vom Dunklen K�nig gepr�gt oder auch von der Einen Macht � beides genauso schlimm f�r einen Mann, der nicht mehr wollte, als ein Hufschmied sein und sein Leben lang im Licht und in Frieden wandeln. Von der Zeit an konnte er Rands Gef�hle besser nachvollziehen: sich vor den eigenen F�higkeiten f�rchten, sich unrein f�hlen. Er war noch nicht ganz dar�ber hinweg. Aber was er da tat, hatte es schon gegeben, bevor Menschen die Eine Macht anwendeten. Es stammte von der Geburt der Zeit her. Es sei nicht die Macht, hatte Moiraine gesagt. Etwas lange Verschwundenes, das nun wiedergekehrt war. Auch Egwene wu�te davon, wenn es ihm auch lieber gewesen w�re, sie h�tte nichts gewu�t. Er w�nschte, keiner h�tte dar�ber Bescheid gewu�t. Er hoffte, da� sie es niemandem erz�hlt hatte.</p><p>Kontakt. Er f�hlte sie, f�hlte andere Wesen. F�hlte seine Br�der, die W�lfe.</p><p>Ihre Gedanken erreichten ihn als ein Gewirr von Eindr�cken und Gef�hlen. Zuerst war er nicht in der Lage gewesen, mehr als die st�rksten Gef�hle darin auszumachen, doch nun formte sein Verstand die Worte, die darin steckten. <emphasis>Wolfsbruder. �berraschung. Zweibeiner, der spricht.</emphasis> Ein verbla�tes Bild, vom Alter getr�bt, �lter als alt, das Menschen zeigte, die mit den W�lfen jagten. Zwei Rudel, die gemeinsam jagten. <emphasis>Wir haben geh�rt, da� es wiederkommt. Bist du Langzahn?</emphasis></p><p>Es war das blasse Bild eines in Felle gekleideten Mannes mit einem langen Messer in der Hand, aber das Bild wurde in der Mitte von dem eines zerzausten Wolfs �berlagert, der einen Zahn besa�, l�nger als alle anderen, einen st�hlernen Zahn, der im Sonnenschein glitzerte, als der Wolf das Rudel in einem verzweifelten Angriff auf einen Hirsch durch den Tiefschnee f�hrte. Der Hirsch bedeutete f�r sie Leben anstelle des langsamen Hungertodes. Er trat um sich und versuchte, durch den bauchhohen Schnee zu rennen. Die Sonne glei�te auf dem Wei�, bis die Augen schmerzten, und der Wind heulte die P�sse herunter, wirbelte den Pulverschnee wie Nebelschwaden auf, und... Die Namen von W�lfen bestanden immer aus komplexen Bildern und Vorstellungen.</p><p>Perrin erkannte den Mann. Elyas Machera, der ihn zuerst mit den W�lfen bekanntgemacht hatte. Manchmal w�nschte er sich, er h�tte Elyas nie getroffen.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> dachte er und versuchte, sich selbst im Geist darzustellen.</p><p><emphasis>Ja. Wir haben von dir geh�rt.</emphasis> Es war aber nicht das Bild, das er geschaffen hatte, von einem jungen Mann mit kr�ftigen Schultern und zerzausten braunen Locken, eines jungen Mannes mit einer Axt am G�rtel, von dem andere glaubten, er denke und bewege sich langsam. Dieser Mann war schon da, irgendwo in jenem geistigen Bild, das von den W�lfen stammte, aber stark �berlagert von dem eines wuchtigen wilden Bullen mit gekr�mmten H�rnern aus gl�nzendem Metall, der mit der Schnelligkeit und dem �berschwang der Jugend durch die Nacht st�rmte, das lockige Fell im Mondschein gl�nzend, der sich zwischen die Wei�m�ntel auf ihren Pferden st�rzte... Die Luft war bei�end kalt und dunkel, das Blut so rot an den H�rnern und...</p><p><emphasis>Junger Stier.</emphasis></p><p>Einen Augenblick lang verlor Perrin in seiner �berraschung den Kontakt. Er hatte sich nicht tr�umen lassen, da� sie ihm einen Namen gegeben hatten. Er w�nschte, sich nicht mehr daran zu erinnern, wie er sich den Namen verdient hatte. Er ber�hrte die Axt am G�rtel mit ihrer schimmernden Halbmondschneide. <emphasis>Licht, hilf mir, ich habe zwei M�nner get�tet! Sie h�tten mich und</emphasis></p><p><emphasis>Egwene sogar noch schneller get�tet, aber...</emphasis></p><p>Er schob alles beiseite. Es war vorbei und lag hinter ihm. Er versp�rte kein Bed�rfnis, sich noch weiter daran zu erinnern. Er teilte den W�lfen die Witterung Rands, Loials und Hurins mit und fragte sie, ob sie die drei irgendwo gewittert hatten. Das war eine der Eigenschaften, die er zusammen mit der Ver�nderung seiner Augen gewonnen hatte: Er konnte Menschen durch ihren Geruch unterscheiden, selbst wenn er sie nicht sah. Er sah auch besser als vorher und bei jedem Licht au�er v�lliger Dunkelheit. Er achtete mittlerweile sehr darauf, Lampen oder Kerzen anzuz�nden, oft lange bevor ein anderer dies f�r n�tig hielt.</p><p>Von den W�lfen kam das Bild von M�nnern auf Pferden, die sich sp�t am Tag noch der Mulde n�herten. Das war das letzte, was sie von Rand und den beiden anderen gewittert oder gesehen hatten.</p><p>Perrin z�gerte. Der n�chste Schritt w�re sinnlos, au�er er sprach mit Ingtar dar�ber. Und Mat wird sterben, wenn wir den Dolch nicht finden. Seng dich, Rand, warum hast du den Schn�ffler mitgenommen?</p><p>Beim einzigen Mal, als er Egwene in den Kerker begleitet hatte, hatten sich ihm bei Fains Geruch die Haare gestr�ubt; nicht einmal Trollocs stanken so f�rchterlich. Er h�tte die Gitterst�be der Zelle am liebsten weggefetzt und den Mann zerrissen, und allein dieser Wunsch hatte ihn noch mehr ersch�ttert als Fain selbst. Um Fains Geruch im eigenen Geist zu �berdecken, f�gte er den Geruch von Trollocs hinzu, bevor er laut heulte.</p><p>Aus der Entfernung erklang das Jaulen des Wolfsrudels und in der Mulde stampften und wieherten die Pferde vor Angst. Einige der Soldaten legten die H�nde an die Sch�fte ihrer Lanzen und beobachteten wachsam den Rand der Mulde. In Perrins Kopf ging es viel schlimmer zu. Er f�hlte den Zorn und den Ha� der W�lfe. Es gab nur zwei Dinge, die W�lfe ha�ten. Alles andere ertrugen sie, aber sie ha�ten das Feuer und die Trollocs, und sie w�rden durch das Feuer springen, um Trollocs zu t�ten.</p><p>Noch mehr als die Trollocs hatte Fains Witterung sie in wilde Erregung versetzt, als r�chen sie etwas, gegen das selbst Trollocs nat�rlich und gut rochen.</p><p><emphasis>Wo?</emphasis></p><p>Der Himmel rollte durch seinen Kopf, und das Land schwankte wild. Die W�lfe kannten kein Ost und West. Sie kannten die Bewegung von Sonne und Mond, den Wechsel der Jahreszeiten, die Gestalt der Landschaft. Perrin fand heraus, wie er es ihnen am besten beibringen konnte. S�den. Der Sonne entgegen. Und noch heftiger f�gte er hinzu: den Willen, die Trollocs zu t�ten. Die W�lfe w�rden es dem Jungen Stier erlauben, am T�ten teilzunehmen. Er konnte auch die Zweibeiner mit der harten Haut mitbringen, wenn er wollte, aber der Junge Stier und Rauch und Zwei Hirsche und Winterd�mmerung und der Rest des Rudels w�rden die Verzerrten verfolgen, die in ihr Land eingedrungen waren. Das ungenie�bare Fleisch und das bittere Blut w�rden ihnen auf der Zunge brennen, aber sie mu�ten get�tet werden. T�tet sie. T�tet die Verzerrten.</p><p>Ihre Wut steckte ihn an. Er verzog die Lippen zu einem Knurren und trat einen Schritt vor, um sich ihnen anzuschlie�en, um neben ihnen herzurennen, um mit ihnen zu t�ten.</p><p>Mit M�he unterbrach er die Verbindung bis auf das schwache Gef�hl, da� die W�lfe da waren. Er h�tte �ber die ganze Entfernung hinweg direkt auf sie deuten k�nnen. Innerlich war ihm kalt. <emphasis>Ich bin ein Mensch und kein Wolf. Licht, hilf mir, ich bin doch ein Mensch!</emphasis></p><p>�Geht es dir gut, Perrin?� fragte Mat, der auf ihn zutrat. Er klang ganz so wie immer, leichthin und in letzter Zeit mit einem bitteren Unterton, aber er sah besorgt aus. �Das kann ich gerade noch gebrauchen. Rand weggelaufen, und du wirst krank. Ich wei� nicht, wo ich eine Seherin auftreiben soll, die dich hier drau�en behandelt. Ich glaube, ich habe noch etwas Weidenrinde in einer Satteltasche. Ich kann dir Tee daraus bereiten, falls Ingtar so lange wartet. Geschieht dir recht, wenn ich ihn zu stark mache.�</p><p>�Mir... mir geht's gut, Mat.� Perrin sch�ttelte den Freund ab und suchte Ingtar. Der schienarische Lord suchte den Boden am Rand ab, zusammen mit Uno, Ragan und Masema. Die anderen warfen ihm b�se Blicke zu, als er Ingtar zur Seite zog. Er vergewisserte sich, da� Uno und die anderen zu weit entfernt waren, um zu lauschen, bevor er loslegte. �Ich wei� nicht, wohin Rand und die anderen verschwunden sind, Ingtar, aber Padan Fain und die Trollocs � und ich denke, auch die anderen Schattenfreunde � sind immer noch auf dem Weg nach S�den.�</p><p>�Woher wi�t Ihr das?� fragte Ingtar.</p><p>Perrin atmete tief durch. �Die W�lfe haben es mir gesagt.� Er wartete, doch er war nicht sicher, worauf. Lachen, Spott, die Anklage, er sei ein Schattenfreund oder verr�ckt. Absichtlich hakte er seine Daumen hinter dem G�rtel ein � ein St�ck von der Axt entfernt. <emphasis>Ich werde nicht t�ten. Nicht noch einmal. Wenn er versucht, mich als Schattenfreund zu t�ten, werde ich wegrennen, aber ich werde niemanden t�ten.</emphasis></p><p>�Ich habe von solchen Dingen geh�rt�, sagte Ingtar bed�chtig nach einem Augenblick des Schweigens.</p><p>�Ger�chte. Es gab einmal einen Beh�ter, einen Mann namens Elyas Machera, von dem man sagte, er k�nne mit W�lfen sprechen. Er verschwand vor Jahren.� Er schien Perrins Blick etwas zu entnehmen. �Ihr kennt ihn?�</p><p>�Ich kenne ihn�, sagte Perrin knapp. �Er ist derjenige... Ich will nicht dar�ber sprechen. Ich habe nicht darum gebeten.� <emphasis>Das hat auch Rand gesagt. Licht, ich w�nsche, ich w�re zu Hause und k�nnte in Meister Luhhans Schmiede arbeiten.</emphasis></p><p>�Diese W�lfe�, sagte Ingtar, �werden sie f�r uns die Schattenfreunde und Trollocs aufsp�ren?� Perrin nickte. �Gut. Ich mu� das Horn haben, gleich wie.� Der Schienarer blickte sich nach Uno und den anderen um, die immer noch nach Spuren suchten. �Aber es ist besser, niemandem davon zu erz�hlen. W�lfe werden in den Grenzlanden als Gl�cksbringer betrachtet. Die Trollocs haben Angst vor ihnen. Aber trotzdem ist es besser, das alles eine Weile f�r uns zu behalten. Einige von ihnen verst�nden es vielleicht nicht.�</p><p>�Mir w�re es recht, wenn niemals jemand davon erf�hre�, sagte Perrin.</p><p>�Ich werde ihnen sagen, Ihr h�ttet vermeintlich Hurins Gabe. Das kennen sie; es st��t sie nicht ab. Einige von ihnen haben bemerkt, wie Ihr damals in dem Dorf und auch an der F�hre Eure Nase ger�mpft habt. Ich habe Scherze �ber Eure empfindliche Nase geh�rt. Ja, Ihr f�hrt uns heute auf ihre Spur, und Uno wird genug von ihren Spuren sehen, um zu best�tigen, da� es wirklich die richtige Spur ist, und dann ist noch vor Anbruch der Nacht auch der letzte meiner M�nner davon �berzeugt, da� Ihr ein Schn�ffler seid. Ich mu� das Horn haben.� Er blickte zum Himmel auf und erhob die Stimme: �Wir werden kein Tageslicht mehr verschwenden! Aufsitzen!�</p><p>Zu Perrins �berraschung schienen die Schienarer Ingtars Geschichte zu glauben. Ein paar von ihnen blickten skeptisch drein � Masema ging sogar so weit, da� er ausspuckte �, aber Uno nickte nachdenklich, und das gen�gte den meisten. Mat war am schwersten zu �berzeugen.</p><p>�Ein Schn�ffler? Du? Du willst M�rder am Geruch erkennen? Perrin, du spinnst ja schon genauso wie Rand! Ich bin der einzige aus Emondsfeld, der noch normal ist. Und Egwene und Nynaeve trotteln nach Tar Valon, um dort... � Er brach ab und sah sich unsicher nach den Schienarern um. Perrin �bernahm Hurins Platz neben Ingtar, als die kleine Kolonne nach S�den ritt. Mat machte st�ndig ver�chtliche Bemerkungen, bis Uno die ersten Spuren von Trollocs und von menschlichen Reitern fand, aber Perrin achtete sowieso nicht viel auf ihn. Er hatte genug damit zu tun, die W�lfe davon abzuhalten, vorauszurennen, um die Trollocs zu t�ten. Den W�lfen lag nur daran, die Verzerrten zu t�ten; f�r sie unterschieden sich Schattenfreunde nicht von allen anderen Zweibeinern. Perrin konnte sich vorstellen, wie die Schattenfreunde in allen Richtungen auseinanderstoben, w�hrend die W�lfe Trollocs rissen. Sie w�rden mit dem Horn von Valere fliehen; mit dem Dolch fliehen. Und wenn die Trollocs einmal tot waren, dann glaubte er nicht, da� er die W�lfe noch daf�r gewinnen konnte, die Menschen zu verfolgen. Er w��te auch gar nicht, welche von ihnen er dann verfolgen sollte. Er setzte sich fortw�hrend deswegen mit den W�lfen auseinander, und seine Stirn war schwei�bedeckt, als er die ersten Bilder aufblitzen sah, die ihm den Magen umdrehten.</p><p>Er zerrte an den Z�geln und lie� sein Pferd auf der Stelle anhalten. Die anderen folgten seinem Beispiel und warteten. Er starrte geradewegs nach vorn und fluchte leise und bitter.</p><p>W�lfe t�teten schon auch gelegentlich Menschen, aber Menschen waren f�r sie keine besonders beliebte Beute. Zum einen erinnerten sich die W�lfe daran, da� man einmal gemeinsam gejagt hatte, und zum anderen schmeckten die Zweibeiner schlecht. W�lfe waren in bezug auf ihr Fressen w�hlerischer, als er geglaubt hatte. Sie fra�en kein Aas, au�er sie waren am Verhungern, und nur wenige t�teten mehr, als sie fressen konnten. Was Perrin nun von den W�lfen empfing, konnte man am besten als Ekel bezeichnen. Und da waren die Bilder, die Eindr�cke. Er sah sie viel genauer, als er wollte. Leichen, M�nner und Frauen und Kinder, aufeinandergeh�uft und herumgeschleudert. Blutgetr�nkte Erde, von Hufen und verzweifelten Fluchtversuchen aufgew�hlt. Zerfetztes Fleisch. Abgeschlagene K�pfe. Geier flatterten um sie herum, die wei�en Schwingen rotgef�rbt. Blutige federlose K�pfe rissen und schlangen. Er brach den Kontakt ab, bevor sich sein Magen entleerte.</p><p>�ber einigen B�umen in der Ferne konnte er gerade noch schwarze Flecke ausmachen, die in geringer H�he kreisten, sich fallen lie�en und dann wieder erhoben. Geier, die sich um ihre Beute stritten.</p><p>�Da vorn ist etwas Schlimmes.� Er schluckte und sah Ingtar in die Augen. Wie konnte er das mit der Geschichte erkl�ren, da� er ein Schn�ffler war? <emphasis>Ich will nicht nahe genug herankommen, um das alles zu sehen. Aber sie werden nachsehen wollen, sobald sie die Geier sehen. Ich mu� ihnen genug sagen, damit sie einen Bogen darum machen.</emphasis> �Die Leute aus diesem Dorf... Ich glaube, die Trollocs haben sie get�tet.�</p><p>Uno fluchte leise, und einige Schienarer murmelten vor sich hin. Keiner von ihnen jedoch schien seine Erkl�rung eigenartig zu finden. Lord Ingtar sagte, er sei ein Schn�ffler, und Schn�ffler konnten Morde riechen.</p><p>�Und jemand folgt uns�, sagte Ingtar.</p><p>Mat drehte �bereifrig sein Pferd um. �Vielleicht ist es Rand. Ich wu�te, da� er mir nicht fortrennen w�rde.�</p><p>D�nne Staubw�lkchen erhoben sich im Norden: Ein Pferd galoppierte �ber sp�rlich mit Gras bewachsene Fl�chen. Die Schienarer verteilten sich mit erhobenen Lanzen, so da� sie alle Richtungen �berblicken konnten. Dies war kein Ort, an dem man die Ankunft eines Fremden leichtnahm.</p><p>Ein Fleck sch�lte sich aus dem Staub � Pferd und Reiter. Lange bevor jemand den Reiter erkennen konnte, wu�te Perrin, da� es eine Frau war, die sich ihnen schnell n�herte. Sie ritt langsamer, als sie sie sah, und wedelte sich mit einer Hand frische Luft zu. Es war eine mollige Frau mit ergrautem Haar, den Umhang hinter den Sattel geschnallt, die sie abwesend anblinzelte.</p><p>�Das ist eine der Aes Sedai�, sagte Mat entt�uscht. �Ich kenne sie. Verin.�</p><p>�Verin Sedai�, sagte Ingtar in scharfem Ton und verbeugte sich im Sattel vor ihr.</p><p>�Moiraine Sedai hat mich geschickt, Lord Ingtar�, verk�ndete Verin mit befriedigtem L�cheln. �Sie dachte, Ihr w�rdet mich brauchen. Welch ein Ritt war das! Ich glaubte schon, ich w�rde Euch nicht mehr vor Cairhien erreichen. Ihr habt nat�rlich dieses Dorf gesehen? Oh, das war schlimm, nicht wahr? Und dieser Myrddraal. Auf allen D�chern sa�en Raben und Kr�hen, aber kein einziger n�herte sich ihm, so tot er auch war. Ich mu�te allerdings Fliegen vom Gewicht des Dunklen K�nigs wegscheuchen, bevor ich erkannte, wer das war. Eine Schande, da� ich keine Zeit hatte, ihn herunterzunehmen. Ich hatte noch nie Gelegenheit, einen Myrddraal zu... � Pl�tzlich verengten sich ihre Augen, und das abwesende Gebaren verschwand. �Wo ist denn Rand al'Thor?�</p><p>Ingtar verzog das Gesicht. �Weg, Verin Sedai. Verschwand letzte Nacht spurlos. Er, der Ogier und Hurin, einer meiner M�nner.�</p><p>�Der Ogier, Lord Ingtar? Und Euer Schn�ffler ging mit ihnen? Was k�nnten diese beiden gemeinsam haben mit...?� Ingtar starrte sie mit offenem Mund an und schnaubte. �Habt Ihr geglaubt, Ihr k�nntet so etwas geheimhalten?� Sie schnaubte nochmals. �Schn�ffler. Verschwunden, behauptet Ihr?�</p><p>�Ja, Verin Sedai.� Ingtar klang verst�rt. Es war unangenehm, festzustellen, da� Aes Sedai die Geheimnisse kannten, die man vor ihnen verborgen hielt. Perrin hoffte, Moiraine habe nichts von ihm erz�hlt. �Aber ich habe... Ich habe einen neuen Schn�ffler.� Der schienarische Lord deutete auf Perrin. �Dieser Mann scheint die gleiche Begabung zu haben. Ich werde das Horn von Valere finden, wie ich es schwor, keine Angst. Eure Gesellschaft ist uns willkommen, Aes Sedai, falls Ihr mit uns reiten wollt.� Zu Perrins �berraschung wirkte er dabei nicht so ganz �berzeugt.</p><p>Verin sah Perrin an, bis er unsicher hin und her rutschte. �Ein neuer Schn�ffler, nachdem Ihr gerade Euren alten verloren habt. Wie � vorsorglich. Ihr habt keine Spuren gefunden? Nein, nat�rlich nicht. Ihr sagtet ja: spurlos. Seltsam. Letzte Nacht.� Sie drehte sich im Sattel um und blickte nach Norden zur�ck. Einen Augenblick lang glaubte Perrin, sie werde denselben Weg zur�ckreiten, den sie gekommen war. Ingtar sah sie mit gerunzelter Stirn an. �Glaubt Ihr, da� ihr Verschwinden etwas mit dem Horn zu tun hat, Aes Sedai?�</p><p>Verin setzte sich bequem zurecht. �Mit dem Horn? Nein. Nein, ich... glaube nicht. Aber es ist eigenartig. Sehr seltsam. Ich mag keine eigenartigen Dinge, wenn ich sie nicht verstehe.�</p><p>�Ich kann Euch von zwei M�nnern dorthin zur�ckbringen lassen, wo sie verschwanden, Verin Sedai. Es wird ihnen keine M�he bereiten, Euch geradewegs zu dem Ort zu f�hren.�</p><p>�Nein. Wenn Ihr sagt, da� sie spurlos verschwanden... � F�r einen langen Augenblick musterte sie Ingtar mit nichtssagender Miene. �Ich werde mit Euch reiten. Vielleicht finden wir sie wieder, oder sie finden uns. Sprecht mit mir, w�hrend wir reiten, Lord Ingtar. Erz�hlt mir alles, was Ihr wi�t, �ber diesen jungen Mann. Alles, was er tat, und alles, was er sagte.�</p><p>Sie ritten mit klimperndem Zaumzeug und quietschenden R�stungen los, Verin neben Ingtar. Sie fragte ihn eindringlich aus, aber zu leise, um von den anderen geh�rt zu werden. Sie warf Perrin einen Blick zu, als er seinen Platz wieder einnehmen wollte, und er lie� sich zur�ckfallen.</p><p>�Sie ist hinter Rand her�, murmelte Mat, �und nicht hinter dem Horn.�</p><p>Perrin nickte. <emphasis>Wo immer du auch sein magst, Rand, bleib dort. Dort bist du sicherer als hier.</emphasis></p></section><section><title><p>15</p><p>Bruderm�rder</p></title><p>Die Art, wie die seltsam verbla�t wirkenden fernen H�gel auf Rand zuglitten, wenn er sie direkt anblickte, erzeugte Schwindelgef�hle in ihm, au�er er h�llte sich in das Nichts ein. Manchmal kam die Leere unversehens �ber ihn, aber er mied sie wie die Pest. Besser schwindlig zu sein, als das Nichts mit diesem unsteten Licht zu teilen. Viel besser, das verbla�te Land zu beobachten. Trotzdem bem�hte er sich, nichts anzusehen, was in gr��erer Entfernung lag � nur das, was geradeaus vor ihnen lag.</p><p>Hurin trug einen erstarrten Gesichtsausdruck zur Schau, w�hrend er sich darauf konzentrierte, die Spur zu wittern, als versuche er, das Land zu �bersehen, durch das diese Spur verlief. Wenn dem Schn�ffler ihre Umgebung doch bewu�t wurde, fuhr er zusammen und wischte sich die H�nde am Mantel ab. Dann schob er die Nase vor wie ein Jagdhund, seine Augen wurden glasig, und er schlo� alles andere aus seiner Wahrnehmung aus. Loial hing m�de im Sattel und sah sich mit gerunzelter Stirn um. Seine Ohren zuckten unruhig, und er f�hrte Selbstgespr�che.</p><p>Wieder �berquerten sie ein St�ck Land, das geschw�rzt und verbrannt aussah. Selbst der Boden knirschte unter den Hufen der Pferde, als habe man ihn versengt. Diese verbrannten Landstreifen waren manchmal eine Meile und manchmal nur ein paar hundert Schritte breit, aber alle erstreckten sich kerzengerade von Osten nach Westen. Zweimal sah Rand das Ende eines solchen Streifens.</p><p>Einmal ritten sie direkt dar�ber und einmal in der N�he vorbei. Sie liefen am Ende in schmalen Spitzen aus. Jedenfalls dort, wo sie es sehen konnten; er vermutete, es war doch �berall das gleiche.</p><p>Einmal hatte er zu Hause in Emondsfeld Whatley Eldin zugesehen, wie er einen Festwagen f�r den Sonnentag vorbereitet hatte. What hatte ihn mit bunten Bildern und kunstvollen Verzierungen geschm�ckt. An den R�ndern hatte What den Wagen lediglich mit der Pinselspitze ber�hrt. Die d�nne Linie wurde st�rker, als er mehr aufdr�ckte, und wieder d�nner, als der Pinseldruck nachlie�. Genauso sah das Land aus: als habe jemand mit einem riesigen Feuerpinsel Linien dar�ber gezogen.</p><p>Nichts wuchs dort, wo das Land verbrannt war. Einige der Brandstreifen zumindest erweckten das Gef�hl, schon sehr alt zu sein. Dort konnte man nicht einmal eine Andeutung von Ru� in der Luft riechen, ja, selbst dann nicht, wenn er sich herunterbeugte, ein schwarzes �stchen abbrach und daran roch. Lange vorbei, und doch gab es nichts, was das Land wieder belebt und zum Bl�hen gebracht h�tte. Schwarz und Gr�n wechselten sich ab, und die Grenzen verliefen messerscharf.</p><p>Der Rest der Landschaft wirkte auf eine andere Art genauso tot wie die Brandstreifen, obwohl der Boden grasbewachsen war und die B�ume Bl�tter trugen. Alles wirkte so verbla�t � wie Kleider, die man zu oft gewaschen und zu lange in der Sonne getrocknet hatte. Es gab keine V�gel oder andere Tiere; jedenfalls sah und h�rte Rand keine. Kein Falke drehte seine Kreise am Himmel, kein jagender Fuchs bellte, kein Vogel sang. Nichts raschelte im Gras oder setzte sich auf einen Ast. Keine Bienen, keine Schmetterlinge. Mehrmals �berquerten sie seichte B�che. Oft hatte sich das Wasser eine tiefe Rinne in das Land gegraben, deren steile Uferb�schungen die Pferde hinunterrutschen und auf der anderen Seite wieder besteigen mu�ten. Das Wasser war klar bis auf den von den Pferdehufen aufgewirbelten Schlamm, doch keine Elritze und keine Kaulquappe schossen aus dem Schlammwirbel heraus. Nicht einmal eine Wasserspinne tanzte �ber die Oberfl�che, und keine Libelle schwebte �ber dem Wasserspiegel.</p><p>Das Wasser war trinkbar, und das war gut so, denn ihre Vorr�te reichten nicht ewig. Rand versuchte es zuerst und lie� Loial und Hurin warten, um zu sehen, ob ihm etwas passierte. Dann durften sie trinken. Er hatte sie in diese Lage gebracht und war verantwortlich f�r sie. Das Wasser war k�hl und sauber, und das war auch noch das beste daran. Es schmeckte schal, als sei es abgekocht. Loial verzog das Gesicht, und die Pferde mochten es auch nicht. Sie sch�ttelten die K�pfe und tranken nur z�gernd.</p><p>Es gab kein Anzeichen f�r Leben hier. Zweimal sah er einen zerfledderten Streifen wie eine von Wolken gezogene Linie �ber den Himmel kriechen. Die Linien war zu gerade, um nat�rlichen Ursprungs zu sein, aber er konnte sich nicht vorstellen, was die Ursache war. Er erw�hnte diese Streifen den anderen gegen�ber nicht. Vielleicht bemerkten sie sie gar nicht. Hurin war ganz auf die Spur konzentriert, und Loial hatte sich in sich selbst zur�ckgezogen. Jedenfalls sagten sie nichts zu den Streifen.</p><p>Als sie bereits den halben Morgen lang geritten waren, schwang sich Loial pl�tzlich wortlos von seinem riesigen Pferd und lief hin�ber zu einer Gruppe Riesenbesenb�ume. Ihre St�mme teilten sich zu vielen dicken �sten, die steif und gerade keinen Schritt weit �ber dem Boden herausstanden. An den Spitzen teilten sie sich erneut zu einem dicht mit Bl�ttern bewachsenen Gestr�pp, das ihnen den Namen gegeben hatte.</p><p>Rand hielt den Braunen an und wollte schon fragen, was er vorhatte, aber etwas am Benehmen des Ogiers, der selbst unsicher schien, lie� Rand schweigen. Nachdem er den Baum angeblickt hatte, legte Loial die H�nde auf den Stamm und begann mit tiefer, sanft grollender Stimme zu singen.</p><p>Rand hatte schon einmal das Baumlied des Ogiers geh�rt, damals, als Loial einen sterbenden Baum besungen und wieder zum Leben erweckt hatte, und er hatte auch von besungenem Holz geh�rt, Kunstgegenst�nden, deren Material mit Hilfe des Baumlieds von B�umen gewonnen worden war. Loial sagte, dieses Talent sei allm�hlich immer seltener geworden. Er war mittlerweile einer der wenigen, die diese F�higkeit besa�en. Deshalb war besungenes Holz nun um so wertvoller und sehr gesucht. Als Loial damals sang, schien die Erde selbst zu singen. Doch nun sang der Ogier leise und beinahe sch�chtern, und das Land warf ein fl�sterndes Echo zur�ck.</p><p>Es schien eine reine Melodie zu sein, Musik ohne Worte; jedenfalls besa� sie keinen f�r Rand erkennbaren Text. Falls es einen Wortlaut gab, ging der so in die Melodie �ber wie Wasser in einen Bach. Hurin schnappte nach Luft und machte gro�e Augen.</p><p>Rand war nicht klar, was Loial da eigentlich tat oder wie er es bewerkstelligte. So leise das Lied auch erklang, so hatte es doch eine beinahe hypnotische Wirkung auf ihn und erf�llte seinen Geist fast so wie das Nichts.</p><p>Loial streichelte den Stamm mit seinen gro�en H�nden, sang und liebkoste sowohl mit seiner Stimme als auch mit seinen Fingern. Irgendwie schien der Stamm nun glatter, als ob sein Streicheln ihn ver�nderte. Rand blinzelte. Er war sicher, da� der Baum, den Loial bearbeitete, vorher genau wie die anderen an der Spitze �ste aufgewiesen hatte, doch nun lief er in einem abgerundeten Ende direkt �ber Loials Kopf aus. Rand �ffnete den Mund, aber das Lied beruhigte ihn wieder. Es kam ihm so bekannt vor, dieses Lied, als sollte er es eigentlich kennen.</p><p>Pl�tzlich schwoll Loials Stimme an, erreichte einen H�hepunkt � es klang wie eine Dankeshymne � und verklang so sanft wie eine Brise.</p><p>�Seng mich�, hauchte Hurin. Er wirkte wie bet�ubt. �Seng mich, ich habe noch nie so etwas geh�rt... Seng mich.�</p><p>In seinen H�nden hielt Loial einen Stab, so lang, wie er gro� war, und so dick wie Rands Unterarm. Er war glatt und gl�nzte. Wo sich der Stamm des Riesenbesenbaums befunden hatte, war jetzt ein kleiner neuer Spr��ling zu sehen.</p><p>Rand atmete tief durch. <emphasis>Immer wieder etwas Neues, etwas Unerwartetes, und manchmal ist es nichts Schlimmes.</emphasis></p><p>Er sah zu, wie Loial sich auf sein Pferd schwang und den Stab vor sich �ber den Sattel legte. Er fragte sich, warum der Ogier einen Stab wollte, da sie ja schlie�lich ritten. Doch dann sah er pl�tzlich den dicken Pr�gel mit anderen Augen, nicht der Gr��e wegen, sondern weil ihm bewu�t wurde, wie der Ogier ihn f�hrte. �Ein Bauernspie߫, sagte er �berrascht. �Ich wu�te nicht, da� Ogier auch Waffen tragen, Loial.�</p><p>�Normalerweise ist das auch nicht der Fall�, antwortete der Ogier kurz angebunden. �Normalerweise. Der Preis ist immer zu hoch gewesen.� Er schwang den m�chtigen Bauernspie� und runzelte angewidert die Nase. �Der �lteste Haman w�rde bestimmt sagen, da� ich einen langen Schaft an meine Axt stecke, aber ich handle nie �bereilt oder un�berlegt, Rand. Dieser Ort hier...� Er schauderte, und seine Ohren zuckten.</p><p>�Wir finden bestimmt bald den Weg zur�ck�, meinte Rand. Er bem�hte sich, selbstsicher zu klingen.</p><p>Loial sprach, als habe er nichts geh�rt: �Alles ist... irgendwie miteinander verkn�pft, Rand. Ob lebendig oder nicht, ob es denken kann oder nicht, alles was <emphasis>ist,</emphasis> geh�rt zusammen. Der Baum denkt nicht, ist aber ein Teil des Ganzen, und das Ganze kann man... f�hlen. Ich kann es nicht erkl�ren, genausowenig, wie ich dir erkl�ren k�nnte, was �gl�cklich� bedeutet, aber... Rand, dieses Land war froh, da� ich eine Waffe daraus fertigte. Froh!�</p><p>�Das Licht leuchte uns�, murmelte Hurin nerv�s, �und die Hand des Sch�pfers sch�tze uns. Und wenn wir uns in die letzte Umarmung der Mutter begeben, dann beleuchte uns den Weg, Licht.� Er wiederholte diese Litanei immer wieder, als sei sie ein sch�tzender Bannspruch.</p><p>Rand widerstand dem Impuls, sich umzusehen. Ganz bestimmt blickte er nicht zum Himmel auf. Alles, was noch notwendig war, um sie vollends zu entmutigen, war in diesem Augenblick eine weitere ausgefranste Spur am Himmel. �Hier gibt es nichts, was uns schaden k�nnte�, sagte er mit fester Stimme. �Und wir werden aufmerksam wachen und aufpassen, da� uns nichts bedrohen kann.�</p><p>Er h�tte sich gern selbst ausgelacht, so ernsthaft klang das alles. Dabei war er sich in keiner Weise sicher. Aber wenn er die anderen so betrachtete � Loial, dessen behaarte Ohren herunterhingen, und Hurin, der sich bem�hte, �berhaupt nichts anzusehen �, dann wurde ihm klar, da� wenigstens einer von ihnen selbstsicher erscheinen mu�te, sonst w�rden Angst und Unsicherheit zu ihrem Untergang f�hren. <emphasis>Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht.</emphasis> Er verdr�ngte diesen Gedanken. <emphasis>Hat nichts mit dem Rad zu tun und auch nichts mit</emphasis> ta'veren <emphasis>oder Aes Sedai oder dem, Drachen. Es ist eben einfach so, und das ist alles.</emphasis></p><p>�Loial, bist du hier fertig?� Der Ogier nickte und strich bedauernd �ber seinen Bauernspie�. Rand wandte sich Hurin zu. �Hast du die Spur noch?�</p><p>�Habe ich, Lord Rand. Ich habe sie.�</p><p>�Dann also weiter. Wenn wir Fain und die Schattenfreunde finden, dann kehren wir als Helden nach Hause zur�ck � mit dem Dolch f�r Mat und mit dem Horn von Valere. Du f�hrst, Hurin.� <emphasis>Helden? Ich begn�ge mich damit, da� wir alle heil hier herauskommen.</emphasis></p><p>�Es gef�llt mir hier nicht�, verk�ndete der Ogier platt. Er hielt den Bauernspie� so, als erwarte er, ihn in K�rze verwenden zu m�ssen.</p><p>�Dann ist es ja um so besser, da� wir nicht vorhaben, hier zu bleiben, oder?� sagte Rand. Hurin lachte auf, als h�tte er einen Scherz gemacht, aber Loial sah ihn ernst an.</p><p>�Um so besser, da� wir das nicht vorhaben, Rand.�</p><p>Doch als sie weiter nach S�den ritten, stellte er fest, da� sein leichter Tonfall und seine vorgegebene Sicherheit die anderen ein wenig aufgemuntert hatten. Hurin sa� aufrechter im Sattel, und Loials Ohren wirkten nicht mehr ganz so verwelkt. Es war weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Ort, um ihnen zu gestehen, da� er ihre �ngste teilte; also behielt er sie f�r sich und k�mpfte einen einsamen inneren Kampf.</p><p>Hurin hielt seine Fr�hlichkeit den ganzen Vormittag �ber aufrecht, murmelte �Um so besser, da� wir nicht vorhaben, zu bleiben�, und schmunzelte, bis Rand ihm befahl, still zu sein. Gegen Mittag wurde der Schn�ffler dann ruhig, sch�ttelte gelegentlich nur noch den Kopf und runzelte die Stirn. Schlie�lich w�nschte sich Rand, da� der Mann lieber wieder lachen und seinen Spruch wiederholen m�ge.</p><p>�Stimmt etwas mit der Spur nicht, Hurin?� fragte er.</p><p>Der Schn�ffler zuckte die Achseln, wirkte aber beunruhigt. �Ja, Lord Rand, und auch wieder nein, k�nnte man sagen.�</p><p>�Es mu� doch entweder so oder so sein. Hast du die Spur verloren? Es ist keine Schande, wenn das der Fall sein sollte. Du sagtest doch von Anfang an, sie sei nur schwach ausgepr�gt. Wenn wir die Schattenfreunde nicht finden k�nnen, suchen wir uns einen anderen Stein und kehren auf diesem Weg zur�ck.� <emphasis>Licht, alles, blo� das nicht!</emphasis> Rand verzog das Gesicht nicht. �Wenn Schattenfreunde kommen und wieder verschwinden k�nnen, k�nnen wir das auch.�</p><p>�Ach, ich habe sie nicht verloren, Lord Rand. Ich kann den Gestank von denen immer noch riechen. Das ist es nicht. Es ist nur... Es ist...� Er verzog das Gesicht, und dann brach es aus ihm heraus: �Es ist, als erinnerte ich mich nur daran, Lord Rand, und r�che es nicht wirklich. Aber das stimmt nicht. Die Spur wird st�ndig von Dutzenden anderer Spuren gekreuzt, von Dutzenden und Aberdutzenden, und es gibt alle Arten von Spuren der Gewaltt�tigkeit. Einige Spuren sind beinahe frisch, nur verbla�t wie alles andere hier. Heute morgen, gleich nachdem wir die Mulde verlassen hatten, h�tte ich schw�ren k�nnen, da� nur Minuten zuvor Hunderte vor meinen F��en dahingeschlachtet worden waren, aber es gab keine Leichen, und keine Spur war im Gras zu entdecken, au�er unseren Hufabdr�cken. So etwas kann nicht geschehen, ohne da� der Boden aufgerissen wird und �berall Blutspuren zu sehen sind, aber es war nichts zu sehen! Und so geht das die ganze Zeit, Lord Rand. Doch ich folge weiter der Spur. Wirklich. Dieser Ort macht mich nur nerv�s. Das ist der Grund. Das mu� es sein.�</p><p>Rand sah zu Loial hin�ber � manchmal wu�te der Ogier die eigenartigsten Dinge zu erz�hlen �, aber der sah genauso erstaunt aus wie Hurin. Rand lie� seine Stimme viel sicherer klingen, als er sich f�hlte. �Ich wei�, du gibst dein Bestes, Hurin. Wir sind alle ziemlich nerv�s. Folge der Spur nur, so gut es eben geht, dann finden wir sie auch.�</p><p>�Wie Ihr w�nscht, Lord Rand.� Hurin trieb sein Pferd an. �Wie Ihr w�nscht.�</p><p>Aber bei Einbruch der Nacht hatten sie immer noch keine Schattenfreunde zu Gesicht bekommen, und Hurin meinte, die Spur sei noch schw�cher ausgepr�gt als zuvor. Der Schn�ffler murmelte immer etwas von �Erinnerung� vor sich hin.</p><p>Es war keine Spur zu sehen gewesen, wirklich nicht die geringste. Rand war kein so guter Spurensucher wie Uno, aber man erwartete von jedem Jungen der Zwei Fl�sse, da� er gut genug F�hrten lesen konnte, um ein verlaufenes Schaf aufzusp�ren oder ein Kaninchen zu erwischen. Er hatte nichts gesehen. Es schien, als habe kein Lebewesen dieses Land je betreten, bevor sie kamen. Es h�tte doch wenigstens <emphasis>etwas</emphasis> da sein m�ssen, wenn die Schattenfreunde vor ihnen waren. Und Hurin folgte der Spur, die er roch.</p><p>Als die Sonne den Horizont ber�hrte, schlugen sie ihr Lager in einem kleinen Geh�lz auf, das der Brand nicht erfa�t hatte. Sie a�en direkt aus ihren Satteltaschen: Fladenbrot und Trockenfleisch, mit schalem Wasser hinuntergesp�lt � kaum ein richtiges Essen zu nennen, z�h und ohne jeden Geschmack. Rand hoffte, da� sie genug Proviant f�r eine Woche dabei hatten. Danach... Hurin a� langsam und bewu�t, w�hrend Loial sein Essen mit ver�chtlich verzogenem Gesicht hinunterw�rgte. Dann setzte er sich zurecht und zog seine Pfeife heraus. Den Bauernspie� hatte er neben sich gelegt, um ihn gleich zur Hand zu haben. Rand hielt das Feuer klein und gut hinter den B�umen versteckt. Fain und seine Schattenfreunde und die Trollocs konnten nahe genug sein, um ein Feuer zu ersp�hen. Man konnte so etwas nie wissen, auch wenn Hurin sich st�ndig �ber die Eigenart der Spur Gedanken machte. Es erschien Rand selbst eigenartig, da� es f�r ihn Fains Schattenfreunde und Fains Trollocs waren. Fain war nur ein Verr�ckter. <emphasis>Warum haben sie ihn dann gerettet?</emphasis> Fain war Teil des Planes des Dunklen K�nigs gewesen, um ihn zu finden. Vielleicht hatte es damit zu tun. <emphasis>Warum l�uft er dann davon, anstatt mich zu verfolgen? Was ist in diesem Zimmer voller Fliegen geschehen? Und wer hat den Blassen umgebracht? Und diese Augen, die mich in Fal Dara beobachteten. Und dieser Wind, der mich so unversehens erwischt hat? Nein. Nein, Ba'alzamon mu� tot sein.</emphasis> Die Aes Sedai glaubten das keineswegs. Moiraine glaubte es nicht, und die Amyrlin war der gleichen Meinung. Hartn�ckig weigerte er sich, weiter daran zu denken. Im Augenblick dachte er lediglich daran, den Dolch f�r Mat aufzusp�ren und Fain und das Horn zu finden.</p><p><emphasis>Es ist niemals vorbei, al'Thor.</emphasis></p><p>Die Stimme wisperte ihm diese Worte in den Hinterkopf � ein d�nnes, eisiges Gefl�ster, das bis in die hintersten Windungen seines Verstands vordrang. Beinahe h�tte er das Nichts gesucht, um ihr zu entkommen, aber er erinnerte sich noch zu gut daran, was dort auf ihn wartete, und er z�gelte seinen Wunsch.</p><p>Im Zwielicht der D�mmerung �bte er die Attacken und Paraden mit dem Schwert, so wie Lan es ihm beigebracht hatte. Aber er beschwor das Nichts dabei nicht herauf. �Die Seide zur Seite schieben�, �Die Hummel k��t eine Rose�, �Der Reiher watet durchs Schilf�. Er brauchte das, um das richtige Gleichgewichtsgef�hl nicht zu verlieren. Er verlor sich in diesen schnellen, sicheren Bewegungen, verga� f�r eine Weile, wo er sich befand, und arbeitete, bis er ganz von Schwei� bedeckt war. Doch als er aufh�rte, kehrte alles wieder, und nichts hatte sich ge�ndert. Das Wetter war nicht kalt, aber er schauderte und zog seinen Umhang fest um sich, w�hrend er am Feuer kauerte. Die anderen bemerkten seine Stimmung, und so a�en sie schnell und schweigend. Niemand beklagte sich, als er lockere Erde auf die letzten aufzuckenden Flammen trat.</p><p>Rand �bernahm die erste Wache selbst. Er ging am Rand des Geh�lzes mit seinem Bogen in der Hand auf und ab. Gelegentlich lockerte er das Schwert in der Scheide. Der kalte Mond war beinahe eine volle Scheibe. Er stand hoch droben in der Schw�rze, und die Nacht war genauso still, wie es der Tag gewesen war, und genauso leer. Leer war der richtige Ausdruck daf�r. Das Land war leer wie eine staubige Milchkanne. Es fiel schwer, daran zu glauben, da� es �berhaupt jemanden auf der ganzen Welt gab, auf dieser Welt, au�er ihnen dreien. Es fiel sogar schwer, daran zu glauben, da� sich die Schattenfreunde irgendwo vor ihnen befinden sollten.</p><p>Um sich die Zeit zu vertreiben, wickelte er Thom Merrilins Umhang auf und legte die Harfe und die Fl�te in ihren Lederbeh�ltern frei, die auf den vielfarbigen Flicken lagen. Er nahm die Gold-und-Silber-Fl�te aus ihrem Beh�lter und dachte daran, als er sie bef�hlte, wie ihn der Gaukler das Spielen gelehrt hatte. Er spielte ein paar Takte von �Der Wind, der die Weide beugt�, aber leise, damit er die anderen nicht weckte. Aber sogar so leise gespielt, klang der klagende Ton an diesem Ort noch zu laut, zu real. Seufzend legte er die Fl�te zur�ck und packte das B�ndel wieder zusammen.</p><p>Er hielt bis weit in die Nacht hinein Wache, damit die anderen schlafen konnten. Er wu�te nicht, wie sp�t es war, als er pl�tzlich bemerkte, da� Nebel aufgekommen war. Er lag dicht �ber dem Boden und machte Hurin und Loial zu undeutlichen Erhebungen, die aus Wolken hervorstanden. Weiter oben war er feiner, doch verbarg er das sie umgebende Land bis auf die n�chsten B�ume. Es schien so, als betrachte er den Mond durch feuchte Seide hindurch. Alles konnte sich ungesehen an sie heranschleichen. Er ber�hrte sein Schwert.</p><p>�Schwerter helfen nicht gegen mich, Lews Therin. Das solltest du doch wissen.�</p><p>Der Nebel wirbelte um Rands F��e, als er herumfuhr. Das Schwert sprang in seine Hand; die Klinge mit dem Reiherzeichen stand senkrecht vor ihm. In ihm bl�hte sich das Nichts auf. Zum ersten Mal bemerkte er das kr�nkliche Licht von <emphasis>Saidin</emphasis> kaum.</p><p>Eine schattenhafte Gestalt kam durch den Nebel n�her heran. Sie ging an einem hohen Stock. Dahinter, so, als werfe die Gestalt einen riesigen Schatten, verdunkelte sich der Nebel, bis er schw�rzer als die Nacht erschien. Rand �berlief es kalt. Die Gestalt kam n�her und entpuppte sich als ein ganz in Schwarz gekleideter Mann mit schwarzen Handschuhen, dessen Gesicht von einer schwarzen Seidenmaske bedeckt war. Mit ihm n�herte sich auch der Schatten. Auch der Stock war schwarz, als sei das Holz verkohlt, aber es war glatt und gl�nzte wie Wasser im Mondschein. Einen Augenblick lang gl�hte es in den Augenl�chern der Maske, als bef�nden sich statt Augen Feuer dahinter, aber Rand ben�tigte dieses Zeichen nicht, um zu erkennen, mit wem er es zu tun hatte.</p><p>�Ba'alzamon�, hauchte er. �Das ist ein Traum. Es mu� so sein. Ich bin eingeschlafen und... �</p><p>Ba'alzamons Lachen klang wie das Aufbr�llen der Flammen in einem ge�ffneten Hochofen. �Du versuchst doch immer abzuleugnen, was wirklich ist, Lews Therin. Wenn ich die Hand ausstrecke, kann ich dich ber�hren, Bruderm�rder. Ich kann dich immer ber�hren. Immer und �berall.�</p><p>�Ich bin nicht der Drache! Mein Name ist Rand al'...!� Rand bi� sich auf die Lippen, um sich vom Weitersprechen abzuhalten.</p><p>�Oh, ich kenne den Namen, den du jetzt benutzt, Lews Therin. Ich kenne jeden Namen, den du Zeitalter um Zeitalter benutzt hast, sogar schon lange bevor du zum Bruderm�rder wurdest.� Ba'alzamons Stimme wurde lauter und eindringlicher. Manchmal flammten die Feuer seiner Augen so stark auf, da� Rand sie durch die �ffnungen in der Seidenmaske sah. Er sah sie als endloses Flammenmeer. �Ich kenne dich, kenne dein Geschlecht und deine Abstammung bis zur�ck zum ersten Lebensfunken, zum ersten Augenblick. Du kannst dich niemals vor mir verbergen. Nie! Wir sind aneinandergefesselt wie die beiden Seiten einer M�nze. Gew�hnliche M�nner k�nnen sich in den Falten des Musters verbergen, aber <emphasis>ta'veren</emphasis> heben sich davon ab wie Leuchtfeuer auf einem H�gel, und du, <emphasis>du</emphasis> hebst dich von alledem ab, als st�nden zehntausend leuchtende Pfeile am Himmel, die auf dich deuten! Du bist mein und immer in Reichweite meiner Hand!�</p><p>�Vater der L�gen!� brachte Rand heraus. Trotz des Nichts in seinem Inneren klebte ihm die Zunge am Gaumen. <emphasis>Licht, la� es ein Traum sein.</emphasis> Der Gedanke rutschte �ber die Oberfl�che der Leere. <emphasis>Selbst einen dieser Tr�ume, die keine echten Tr�ume sind. Er kann doch nicht wirklich vor mir stehen. Der Dunkle K�nig ist im Shayol Ghul gefangen, wo ihn der Sch�pfer im Augenblick der Sch�pfung...</emphasis> Er kannte die Wahrheit zu gut, als da� die Litanei ihm geholfen h�tte. �Der Name pa�t gut zu dir. Wenn du mich einfach in Besitz nehmen k�nntest, warum hast du es dann nicht getan? Weil du nicht kannst! Ich wandle im Licht, und du kannst mich nicht ber�hren.�</p><p>Ba'alzamon st�tzte sich auf seinen Stock und sah Rand einen Augenblick lang an. Dann ging er hin�ber zu Hurin und Loial und sah auf sie hinunter. Der riesenhafte Schatten kam mit ihm. Er bewegte die Nebelschwaden nicht, wie Rand bemerkte � er ging vorw�rts, der Stock schwang sich zu seinen Schritten, aber der graue Nebel wirbelte und flo� nicht um seine F��e herum wie bei Rand. Das machte ihm Mut. Vielleicht war Ba'alzamon nicht <emphasis>wirklich</emphasis> hier. Vielleicht <emphasis>war</emphasis> es ein Traum.</p><p>�Du hast eigenartige Anh�nger�, �berlegte Ba'alzamon laut. �Das war aber schon immer so. Das M�dchen, das versucht, dich zu bewachen. Ein schlechter und schwacher W�chter, Bruderm�rder. Und wenn sie ein ganzes Leben lang Zeit h�tte, zu wachsen, w�rde sie doch niemals gro� genug, da� du dich hinter ihr verstecken k�nntest.�</p><p><emphasis>M�dchen? Wer? Moiraine ist ja wohl kein M�dchen mehr.</emphasis> �Ich wei� nicht, wovon du sprichst, Vater der L�gen. Du l�gst und l�gst, und selbst wenn du die Wahrheit sagst, verdrehst du sie zu einer L�ge.�</p><p>�Tats�chlich, Lews Therin? Du wei�t, was du bist und wer du bist. Ich habe es dir gesagt. Und diese Frauen aus Tar Valon haben es dir auch gesagt.� Rand verlagerte sein Gewicht, und Ba'alzamon lachte auf wie ein leichter Donnerschlag. �Sie glauben sich in ihrer Wei�en Burg sicher, aber unter meinen Anh�ngern befinden sich sogar einige von ihnen. Die Aes Sedai namens Moiraine sagte dir, wer du bist, nicht wahr? Log sie? Oder geh�rt sie zu meinen Anh�ngern? Die Wei�e Burg will dich benutzen wie einen Hund an der Leine. L�ge ich? L�ge ich, wenn ich behaupte, da� du das Horn von Valere suchst?� Er lachte erneut. So sehr ihn das Nichts auch beruhigte, so konnte sich Rand doch kaum zur�ckhalten, die Ohren zu bedecken. �Manchmal bek�mpfen sich alte Feinde so lange, da� sie zu Verb�ndeten werden, ohne es zu bemerken. Sie glauben, einen Schlag gegen dich zu f�hren, aber die Verbindung ist so eng geworden, da� es ist, als f�hrest du den Schlag selbst.�</p><p>�Du f�hrst mich nicht�, sagte Rand. �Ich verleugne dich.�</p><p>�Ich habe dich an tausend F�den gebunden, Bruderm�rder, jeder feiner als Seide und st�rker als Stahl. Die Zeit hat tausend F�den zwischen uns gekn�pft. Die Schlacht, die wir beide geschlagen haben � erinnerst du dich eigentlich noch an irgendeinen Teil davon? Hast du eine Ahnung davon, da� wir zuvor gek�mpft, unz�hlige Schlachten geschlagen haben seit dem Beginn der Zeit? Ich wei� viel, was du vergessen hast. Der Kampf wird bald beendet sein. Die Letzte Schlacht kommt. Die letzte, Lews Therin. Glaubst du wirklich, du k�nntest sie meiden? Du armer zitternder Wurm. Du wirst mir dienen oder sterben. Und diesmal beginnt der Zyklus mit deinem Tod nicht wieder aufs neue. Das Grab geh�rt dem Gro�en Herrn der Dunkelheit. Diesmal wirst du mit deinem Tod g�nzlich vernichtet werden. Diesmal wird das Rad gebrochen, gleichg�ltig, was du anstellst, und die Welt wird neu geformt werden. Diene mir! Diene Shai'tan, oder du wirst f�r immer vernichtet!�</p><p>Bei der Erw�hnung dieses Namens schien sich die Luft zu verdichten. Die Dunkelheit hinter Ba'alzamon schwoll an und wuchs und drohte, alles zu verschlingen. Rand f�hlte, wie sie ihn einschlo�. K�lter war sie als Eis und gleichzeitig hei�er als gl�hende Kohlen, schw�rzer als der Tod, und sie zog ihn in ihre Tiefen, verschlang die Welt um ihn herum.</p><p>Er packte den Griff seines Schwertes, bis ihm die Kn�chel schmerzten. �Ich verleugne dich und verleugne deine Macht! Ich wandle im Licht. Das Licht bewahrt uns, und wir sind sicher in der Hand des Sch�pfers.� Er blinzelte. Ba'alzamon stand noch immer da, und die gro�e Dunkelheit hing noch immer hinter ihm, doch es schien, als sei alles andere eine Sinnest�uschung gewesen.</p><p>�Willst du mein Gesicht sehen?� Es kam als Fl�stern.</p><p>Rand schluckte. �Nein.�</p><p>�Du solltest aber.� Eine im Handschuh steckende Hand griff an die schwarze Maske. �Nein!�</p><p>Die Maske wurde entfernt. Es erschien das schrecklich verbrannte Gesicht eines Mannes. Aber zwischen den schwarzger�nderten roten Rissen in diesen Z�gen sah die Haut gesund und glatt aus. Dunkle Augen blickten Rand an; grausame Lippen l�chelten unter dem Aufblitzen wei�er Z�hne. �Sieh mich an, Bruderm�rder, und betrachte den hundertsten Teil deines Schicksals.� Einen Augenblick lang wurden Augen und Mund zu Toren in endlose Flammenh�hlen. �Das kann die unkontrollierte Macht fertigbringen und selbst mir antun. Aber ich heile, Lews Therin. Ich kenne den Weg zu noch gr��erer Macht. Ich werde dich verbrennen wie einen Falter, der in einen Brennofen fliegt.�</p><p>�Ich werde es nicht ber�hren!� Rand f�hlte, wie ihn das Nichts umgab, f�hlte <emphasis>Saidin.</emphasis> �Das werde ich nicht.�</p><p>�Du kannst dich nicht selbst aufhalten.�</p><p>�La�-mich-in-RUHE!�</p><p>�Macht.� Ba'alzamons Stimme wurde leise und lockend. �Du kannst endlich wieder Macht haben, Lews Therin. Du bist jetzt, in diesem Moment, mit ihr verbunden. Ich wei� es. Ich kann es sehen. F�hle sie, Lews Therin. F�hle das Gl�hen in deinem Inneren. F�hle die Macht, die du beherrschen kannst. Du mu�t sie nur ergreifen. Aber der Schatten liegt zwischen dir und ihr. Wahnsinn und Tod. Du mu�t nicht sterben, Lews Therin, niemals mehr.�</p><p>�Nein�, sagte Rand, aber die Stimme fuhr fort und bohrte sich in ihn hinein.</p><p>�Ich kann dich lehren, die Macht zu beherrschen, damit sie dich nicht vernichtet. Es existiert sonst niemand, der dich das lehren k�nnte. Der Gro�e Herr der Dunkelheit kann dich vor dem Wahnsinn beh�ten. Die Macht kann dein sein, und du kannst ewig leben. Ewig! Du mu�t mir nur dienen. Nur dienen. Einfache Worte � �Ich bin dein, Gro�er Herr!� �, und die Macht wird dir geh�ren. Eine Macht jenseits dessen, wovon diese Frauen von Tar Valon tr�umen, und dazu ewiges Leben, wenn du dich nur mir ergibst und mir dienst.�</p><p>Rand leckte sich �ber die Lippen. <emphasis>Nicht wahnsinnig werden! Nicht sterben!</emphasis> �Niemals! Ich wandle im Licht�, kr�chzte er heiser, �und du kannst mich niemals ber�hren!�</p><p>�Dich ber�hren, Lews Therin? Dich ber�hren? Ich kann dich verschlingen. Probier sie aus und wisse, was ich wei�!�</p><p>Die dunklen Augen wurden wieder zu Flammen und der Mund ebenfalls, Flammen, die aufbl�hten und wuchsen, bis sie heller als die Sommersonne schienen. Sie wuchsen, und pl�tzlich gl�hte Rands Schwert, als sei es gerade erst aus dem Schmiedfeuer gezogen worden. Er schrie auf, als der Griff ihm die Hand verbrannte, schrie und lie� das Schwert fallen. Und der Nebel fing Feuer, Feuer, das sich ausbreitete und alles verbrannte.</p><p>Schreiend schlug Rand auf seine Kleidung ein, die rauchte und ru�te und zu Asche zerfiel. Er schlug mit H�nden, die sich schw�rzten und die schrumpften, als sich das nackte Fleisch in den Flammen absch�lte. Er schrie. Schmerz schlug auf das Nichts in seinem Inneren ein, und er bem�hte sich, tiefer in die Leere hineinzukriechen. Das Gl�hen war da, das befleckte Licht gerade au�erhalb seiner Sicht. Halb verr�ckt und nicht mehr daran interessiert, was es eigentlich war, griff er nach <emphasis>Saidin,</emphasis> versuchte, sich darin einzuh�llen, versuchte sich darin vor dem Brennen und dem Schmerz zu verstecken.</p><p>So pl�tzlich, wie das Feuer aufgeflammt war, verschwand es wieder. Rand blickte erstaunt auf die Hand, die aus dem roten �rmel seines Mantels ragte. Auf der Wolle war keine auch nur angesengte Stelle zu entdecken. <emphasis>Ich habe mir alles nur eingebildet.</emphasis> Verzweifelt sah er sich um. Ba'alzamon war weg. Hurin w�lzte sich im Schlaf herum; der Schn�ffler und Loial waren immer noch zwei aus dem Bodennebel herausragende Erhebungen. <emphasis>Ich habe es mir tats�chlich nur eingebildet.</emphasis></p><p>Bevor die Erleichterung in ihm aufsteigen konnte, stach ihm der Schmerz in die rechte Hand, und er drehte sie um und betrachtete sie. �ber die ganze Handfl�che war ein Reiher eingebrannt, der Reiher vom Griff seines Schwertes, zornig und rot, so sauber eingebrannt, als habe ein K�nstler das Werk vollbracht.</p><p>Er zog ungeschickt ein Taschentuch aus der Manteltasche und wickelte es um die Hand. Die Hand pulsierte nun. Da konnte das Nichts ihm helfen � er war sich im Nichts des Schmerzes <emphasis>bewu�t, f�hlte</emphasis> ihn aber nicht �, aber er schlug sich das aus dem Kopf. Zweimal hatte er nun, ohne es zu wollen � und dazu einmal ganz bewu�t; das konnte er nicht vergessen �, versucht, die Macht zu lenken, w�hrend er sich im Nichts befand. Dazu wollte ihn Ba'alzamon verlocken. Das war es, was Moiraine und die Amyrlin von ihm wollten. Er w�rde ihnen den Gefallen nicht tun.</p></section><section><title><p>16</p><p>Im Spiegel der Dunkelheit</p></title><p>�Das h�ttet Ihr nicht tun sollen, Lord Rand�, sagte Hurin, als Rand die anderen bei Tagesanbruch weckte. Die Sonne versteckte sich noch hinter dem Horizont, aber es gab bereits genug Licht, um alles zu erkennen. Die Nebel hatte sich noch w�hrend der Dunkelheit z�gernd verzogen. �Wenn Ihr Euch sch�digt, um uns zu schonen, wer wird dann daf�r sorgen, da� wir wieder nach Hause kommen?�</p><p>�Ich mu�te nachdenken�, sagte Rand. Nichts deutete darauf hin, da� es je Nebel gegeben hatte und da� Ba'alzamon dagewesen war. Er betastete das Taschentuch, das um seine rechte Hand gewickelt war. Das bewies: Ba'alzamon war wirklich dagewesen. Er wollte weg von diesem Ort. �Zeit zum Aufsitzen, wenn wir Fains Schattenfreunde finden wollen. H�chste Zeit. Wir k�nnen unser Fladenbrot beim Reiten essen.�</p><p>Loial, der sich gerade streckte, wobei seine Arme so hoch hinaufreichten, wie Hurin gro� gewesen w�re, wenn er sich auf Rands Schultern gestellt h�tte, hielt inne. �Deine Hand, Rand. Was ist passiert?�</p><p>�Ich habe mich verletzt. Es ist weiter nichts.�</p><p>�Ich habe eine Salbe in meinen Satteltaschen... �</p><p>�Es ist weiter nichts!� Rand wu�te, da� es grob klang, aber ein Blick auf seine Hand h�tte zu Fragen gef�hrt, die er nicht beantworten wollte. �Wir d�rfen keine Zeit verschwenden. Reiten wir los!� Er machte sich daran, den Braunen zu satteln, ungeschickt mit seiner verletzten Hand, und Hurin begab sich zu seinem eigenen Pferd.</p><p>�Deswegen mu�t du doch nicht so empfindlich sein�, murrte Loial.</p><p>Eine Spur, so dachte Rand beim Aufbruch, w�re in dieser Welt doch etwas ganz Nat�rliches. Es gab schon zu viele unnat�rliche Dinge hier. Selbst ein einziger Hufabdruck w�re willkommen gewesen. Fain und die Schattenfreunde und die Trollocs mu�ten doch irgendeine Spur hinterlassen. Er konzentrierte sich darauf, beim Reiten den Boden genau zu betrachten und nach jeder m�glichen Spur zu suchen, die ein anderes lebendes Wesen hinterlassen haben mochte.</p><p>Er fand nichts, weder einen weggesto�enen Stein noch einen herausgerissenen Erdklumpen. Einmal betrachtete er den Boden hinter ihnen, nur um sicherzugehen, da� sich Hufabdr�cke darauf auch wirklich abzeichneten. Aufgerissene Erde und niedergedr�cktes Gras zeigten deutlich, wo sie geritten waren, doch der Boden vor ihnen wies keinerlei Spuren auf. Aber Hurin bestand darauf, er k�nne die Spur riechen. Sie sei schwach und d�nn, aber sie f�hre immer noch nach S�den.</p><p>Erneut konzentrierte sich der Schn�ffler ausschlie�lich darauf, der Spur zu folgen, wie ein Hund der F�hrte eines Hirsches, und Loial ritt gedankenverloren dahin, sprach mit sich selbst und streichelte den riesigen Bauernspie�, den er vor sich �ber den Sattel gelegt hatte.</p><p>Sie waren kaum eine Stunde geritten, da sah Rand die S�ule. Er war so damit besch�ftigt, den Boden nach Spuren abzusuchen, da� die hochaufragende S�ule bereits deutlich hinter den B�umen sichtbar war, als er sie bemerkte. �Ich w��te gern, was das ist.� Sie lag direkt an ihrem Weg.</p><p>�Ich wei� nicht, was es sein kann, Rand�, sagte Loial. �Wenn das hier... Wenn das unsere Welt w�re, Lord Rand... � Hurin rutschte unsicher im Sattel hin und her. �Also, dieses Monument, von dem Lord Ingtar sprach �das man f�r Artur Falkenfl�gels Sieg �ber die Trollocs errichtet hat �, war eine hohe S�ule. Aber sie wurde vor tausend Jahren abgerissen. Es ist nichts davon �briggeblieben als eine gro�e Erhebung, ein H�gel. Ich habe ihn gesehen, als ich f�r Lord Agelmar nach Cairhien ritt.�</p><p>�Laut Ingtar�, sagte Loial, �liegt er noch drei oder vier Tagesritte vor uns. Falls er hier �berhaupt existiert. Ich sehe keinen Grund, warum es so sein sollte. Ich glaube nicht, da� es hier �berhaupt Menschen gibt.�</p><p>Der Schn�ffler wandte den Blick wieder dem Boden zu. �Das ist es ja gerade, oder, Erbauer? Keine Menschen, und doch befindet es sich dort vor uns. Vielleicht sollten wir uns davon fernhalten, Lord Rand. Man kann nie wissen, was es ist oder wer dort ist, wenn man sich an einem Ort wie diesem befindet.�</p><p>Rand trommelte ein Weilchen nachdenklich mit den Fingern auf das Sattelhorn vor ihm. �Wir m�ssen so nahe bei der Spur bleiben wie m�glich�, sagte er schlie�lich. �Wir scheinen Fain auch so schon kaum n�her zu kommen, und ich will nicht noch mehr Zeit verlieren, wenn ich es vermeiden kann. Wenn wir irgendwelche Menschen oder etwas Au�ergew�hnliches sehen, machen wir einen Bogen darum, bis wir die Spur wiederfinden. Aber bis dahin reiten wir so weiter.�</p><p>�Wie Ihr wollt, Lord Rand.� Der Schn�ffler klang eigenartig ber�hrt und sah Rand kurz von der Seite her an. �Wie Ihr wollt.�</p><p>Rand runzelte die Stirn, doch dann verstand er. Nun war es an ihm, zu seufzen. Ein Lord pflegte seinen Gefolgsleuten nichts zu erkl�ren � nur anderen Lords. <emphasis>Ich habe ihn nicht darum gebeten, mich f�r einen blutigen Lord zu halten. Aber er hat es getan,</emphasis> schien ihm ein schwaches Stimmchen zu antworten, <emphasis>und du hast es zugelassen. Die Wahl lag bei dir, und nun liegt die Pflicht auch bei dir.</emphasis> �Nimm die Spur auf, Hurin�, bat Rand.</p><p>Unter dem Aufblitzen eines erleichterten L�chelns trieb der Schn�ffler sein Pferd an.</p><p>Die blasse Sonne stieg empor, w�hrend sie weiterritten, und als sie hoch �ber ihnen stand, befanden sie sich nur noch ungef�hr eine Meile von der S�ule entfernt. Sie hatten einen der B�che erreicht, der in einer etwa einen Schritt tiefen Rinne dahinflo�, und es wuchsen nur sp�rlich B�ume zwischen dem Bach und der S�ule. Rand konnte den H�gel erkennen, auf dem sie errichtet worden war. Er war rund, mit einer abgeflachten Spitze. Die graue S�ule selbst war mindestens hundert Spannen hoch, und nun konnte er gerade erkennen, da� sich auf der Spitze ein in Stein gehauener Vogel mit ausgebreiteten Schwingen befand. �Ein Falke�, sagte Rand. �Es ist tats�chlich Falkenfl�gels Siegess�ule. Es mu� so sein. Es waren einst Menschen hier, gleichg�ltig, ob es heute noch welche gibt oder nicht. Denk nur, Hurin, wenn wir zur�ckkommen, kannst du erz�hlen, wie die Siegess�ule wirklich aussah. Es wird nur uns drei Menschen auf der ganzen Welt geben, die sie je gesehen haben.�</p><p>Hurin nickte. �Ja, Lord Rand. Meine Kinder w�rden bestimmt gern die Geschichte h�ren, wie ihr Vater Falkenfl�gels S�ule gesehen hat.�</p><p>�Rand...�, begann Loial besorgt.</p><p>�Wir k�nnen den Rest des Wegs galoppieren�, sagte Rand. �Kommt schon. Ein Galopp wird uns guttun. Dieser Ort mag tot sein, aber wir leben.�</p><p>�Rand�, sagte Loial, �ich glaube nicht, da� dies ein... �</p><p>Rand wartete nicht ab, um den Rest des Satzes zu h�ren, sondern hieb dem Braunen die Fersen in die Flanken, und der Hengst galoppierte los. In zwei S�tzen platschte er durch den seichten Wasserstreifen und erklomm das andere Ufer. Hurin hielt sein Pferd dicht bei ihm. Rand h�rte, wie Loial von hinten etwas rief, aber er lachte, winkte dem Ogier zu, er solle folgen, und galoppierte weiter. Wenn er seinen Blick immer auf den gleichen Fleck richtete, schien die Landschaft nicht so schlimm abzukippen und vorbeizugleiten, und es tat gut, den Wind im Gesicht zu f�hlen.</p><p>Der Basish�gel bedeckte eine Fl�che von gut zweihundert auf hundert Schritt, aber der grasbewachsene Abhang wies nur eine sanfte Neigung auf. Die graue S�ule ragte viereckig und m�chtig genug in den Himmel, um einen Eindruck von Erhabenheit zu erwecken. Und doch wirkte sie beinahe gedrungen und zu niedrig. Rands Lachen erstarb, und er brachte den Braunen mit grimmiger Miene zum Stehen.</p><p>�Ist das Falkenfl�gels Siegess�ule, Lord Rand?� fragte Hurin unsicher. �Irgendwie wirkt sie nicht so.�</p><p>Rand erkannte die harte winklige Schrift, die die Oberfl�che des Monuments bedeckte, und er erkannte einige der Symbole, die mannshoch in die Seiten des Sockels eingemei�elt waren. Der geh�rnte Sch�del der Da'vol-Trollocs. Die eiserne Faust der Dhai'mon. Der Dreizack der Ka'bol und der Wirbelwind der Ahf'frait. Es gab auch einen Falken, ganz unten, gleich �ber dem Boden. Bei einer Fl�gelspannweite von zehn Schritt lag er auf dem R�cken, von einem Lichtblitz durchbohrt, und Raben pickten ihm die Augen aus. Die riesenhaften Schwingen oben auf der S�ule schienen den Sonnenschein abzuhalten. Er h�rte, wie Loial von hinten herangaloppierte. �Ich habe versucht, dir das zu sagen, Rand�, sagte Loial. �Das ist ein Rabe und kein Falke. Ich konnte ihn klar erkennen.� Hurin wandte sein Pferd und weigerte sich, die S�ule noch l�nger anzublicken.</p><p>�Aber wieso?� fragte Rand. �Artur Falkenfl�gel errang hier einen gro�en Sieg �ber die Trollocs. Das hat Ingtar gesagt.�</p><p>�Hier nicht�, sagte Loial bed�chtig. �Offensichtlich hier nicht. �Von Stein zu Stein verlaufen die Linien des M�glichen zwischen den Welten, die sein k�nnten.� Ich habe dar�ber nachgedacht und glaube, ich wei�, was �die Welten, die sein k�nnten� bedeutet. Vielleicht wei� ich es. Welten, zu denen unsere Welt geworden w�re, h�tten sich die Dinge nicht anders ergeben. Vielleicht wirkt deshalb hier alles so � ausgebleicht. Weil es ein �Wenn� ist, ein �Vielleicht�. Nur der Schatten einer wirklichen Welt. In dieser Welt, glaube ich, haben die Trollocs gewonnen. M�glicherweise haben wir deshalb keine D�rfer und Menschen gesehen.�</p><p>Rand lief es kalt �ber den R�cken. Wenn die Trollocs gewannen, lie�en sie keinen Menschen am Leben, au�er als Nahrung. Wenn sie auf einer Welt ganz und gar gewonnen hatten... �Wenn die Trollocs gewonnen h�tten, w�ren sie doch �berall. Wir h�tten jetzt schon tausend von ihnen gesehen. Wir w�ren bereits seit gestern tot.�</p><p>�Ich wei� nicht, Rand. Vielleicht haben sie nach den Menschen sich gegenseitig umgebracht. Trollocs m�ssen einfach t�ten. Das ist alles, was sie k�nnen, alles, was sie sind. Ich wei� einfach nicht... �</p><p>�Lord Rand�, fiel ihm Hurin ins Wort, �dort drunten hat sich etwas bewegt.�</p><p>Rand ri� sein Pferd herum und war darauf vorbereitet, angreifende Trollocs zu entdecken, aber Hurin deutete nach hinten, den Weg zur�ck, den sie gekommen waren. Es war nichts zu sehen. �Was hast du gesehen, Hurin?</p><p>Wo?�</p><p>Der Schn�ffler lie� den Arm fallen. �Ganz am Ende dieser Baumgruppe dort, ungef�hr eine Meile entfernt. Ich glaubte, es ist � eine Frau... und noch etwas, das ich nicht erkennen konnte, aber... � Er schauderte. �Es ist so schwer, hier Dinge zu erkennen, die man nicht gerade vor der Nase hat. Aaah, dieser Ort verschafft mir eine Darmverschlingung. Vielleicht bilde ich mir nur alles ein, Lord Rand. Hier kann man wirklich Wahnvorstellungen bekommen.� Er sa� da mit eingezogenen Schultern, als stemme er sich gegen das Gewicht der S�ule. �Kein Zweifel, es war nur der Wind, Lord Rand.�</p><p>Loial sagte: �Ich f�rchte, wir sollten au�erdem noch etwas anderes beachten.� Er klang wieder besorgt. Er deutete nach S�den. �Was seht Ihr dort hinten?�</p><p>Rand sah mit zusammengekniffenen Augen hin�ber, denn entfernte Dinge schienen schon wieder auf ihn zuzugleiten. �Eine Landschaft wie die, die wir gerade durchquert haben. B�ume. Dann ein paar H�gel und Berge. Sonst nichts. Worauf willst du hinaus?�</p><p>�Die Berge�, seufzte Loial. Die Haarb�schel an seinen Ohren hingen herunter, und die Enden seiner Augenbrauen befanden sich auf seinen Wangen. �Das mu� Bruderm�rders Dolch sein, Rand. Es gibt keinen anderen Berg, der hier stehen k�nnte, sonst w�re diese Welt grundlegend verschieden von unserer. Aber Bruderm�rders Dolch liegt mehr als zweihundert Meilen s�dlich des Erinin. Sogar noch um einiges mehr. Man kann Entfernungen hier nur schwer einsch�tzen, aber... Ich glaube, wir k�nnen vor Anbruch der Dunkelheit dort sein.� Er mu�te nicht mehr sagen. Sie h�tten in weniger als drei Tagen wohl kaum mehr als zweihundert Meilen zur�cklegen k�nnen.</p><p>Ohne nachzudenken, murmelte Rand: �Vielleicht ist dieser Ort wie die Kurzen Wege.� Er h�rte Hurin st�hnen und bedauerte sofort, seine Zunge nicht im Zaum gehalten zu haben.</p><p>Es war kein angenehmer Gedanke. Betritt eines der Wegetore � man konnte sie gleich au�erhalb von Ogier-<emphasis>Steddings</emphasis> und in den Hainen der Ogier finden �, und du kannst die Wege wieder durch ein anderes Tor verlassen und bist zweihundert Meilen von deinem Ausgangspunkt entfernt. Heutzutage waren die Wege d�ster und schlimm, und sie zu durchqueren bedeutete, da� man sein Leben und seinen Verstand riskierte. Selbst die Blassen f�rchteten sich davor, die Kurzen Wege zu ben�tzen.</p><p>�Falls es so ist, Rand�, fragte Loial nachdenklich, �kann dann auch hier ein falscher Schritt zum Verh�ngnis werden? Gibt es Dinge, die wir noch nicht gesehen haben, die mehr k�nnen, als uns nur zu t�ten?� Hurin st�hnte wieder auf.</p><p>Sie hatten das fade Wasser getrunken und waren dahingeritten, als h�tten sie keinerlei Sorgen. Sorglosigkeit konnte einen auf den Kurzen Wegen ganz schnell t�ten. Rand schluckte und hoffte, sein Magen werde sich rasch wieder beruhigen.</p><p>�Es ist zu sp�t, sich dar�ber Gedanken zu machen, was hinter uns liegt�, sagte er. �Allerdings werden wir von nun an besser achtgeben.� Er sah Hurin an. Der Schn�ffler hatte den Kopf eingezogen, und sein Blick huschte unstet umher, als f�rchte er, da� sich von irgendwoher etwas auf ihn st�rzen k�nne. Der Mann hatte M�rder verfolgt, aber das hier war mehr, als er ertragen konnte. �Nimm dich zusammen, Hurin. Wir sind noch nicht tot, und wir werden auch nicht sterben. Wir m�ssen nur etwas vorsichtiger sein. Das ist alles.�</p><p>Genau in diesem Augenblick h�rten sie den d�nnen, weit entfernten Schrei.</p><p>�Eine Frau!� sagte Hurin. Selbst diese Art von Normalit�t schien seine Lebensgeister wieder ein wenig zu wecken. �Ich wu�te doch, da� ich... �</p><p>Ein weiterer Schrei ert�nte, diesmal noch verzweifelter als der erste.</p><p>�Nur wenn sie fliegen kann�, sagte Rand. �Sie befindet sich s�dlich von uns.� Er trat den Braunen und jagte ihn mit zwei S�tzen in den gestreckten Galopp.</p><p>�Du hast gesagt, wir m��ten vorsichtig sein!� rief Loial ihm nach. �Licht, Rand, denk daran! Sei vorsichtig!�</p><p>Rand lag nun auf dem R�cken des Braunen und lie� den Hengst laufen. Die Schreie zogen ihn an. Es war einfach, ihm zu raten, er solle vorsichtig sein, aber in dieser Frauenstimme lag blankes Entsetzen. Sie klang nicht so, als h�tte er Zeit, sich vorsichtig zu verhalten. Am Rand eines Bachbettes, das tiefer eingeschnitten war als die anderen, hielt er sein Pferd an. Es kam in einem Schauer von Steinchen und Schmutz zum Stehen. Die Schreie kamen � von dort.</p><p>Mit einem Blick erfa�te er die Situation. Vielleicht zweihundert Schritt entfernt stand die Frau neben ihrem Pferd im Bachbett, den R�cken der gegen�berliegenden Uferb�schung zugewandt. Mit einem abgebrochenen Ast wehrte sie sich gegen ein knurrendes � Etwas. Rand schluckte. Einen Moment lang war er v�llig �berrascht. Falls ein Frosch die Gr��e eines B�ren oder ein B�r die graugr�ne Haut eines Frosches haben k�nnte, h�tte er in etwa so ausgesehen. Ein gro�er B�r.</p><p>Er zwang sich, nicht an dieses Gesch�pf zu denken, sprang vom Pferd und spannte seinen Bogen. Wenn er sich die Zeit n�hme, n�her heranzureiten, w�re es vielleicht zu sp�t. Die Frau konnte sich kaum noch das �Ding mit dem Ast vom Leibe halten. Die Entfernung war betr�chtlich; er blinzelte immer wieder, w�hrend er versuchte, das Ziel richtig einzusch�tzen; mit jeder Bewegung des Dinges schien sich die Entfernung allerdings gleich um Spannen zu ver�ndern � aber es war ja eine gro�e Zielscheibe. Es war schwierig, mit der bandagierten Hand an der Sehne zu ziehen, aber der erste Pfeil flog schon, als er noch kaum die F��e auf dem Boden hatte.</p><p>Der Pfeil bohrte sich tief in die ledrige Haut; die Kreatur fuhr herum und blickte Rand an. Rand trat trotz der Entfernung einen Schritt zur�ck. Dieser riesige keilf�rmige Kopf geh�rte zu keinem Tier, das er je gesehen hatte, genausowenig wie das breite schnabelf�rmige Maul mit den Hornlippen, an denen sich Widerhaken befanden, mit denen ohne weiteres Fleischst�cke weggerissen werden konnten. Und das Ungeheuer hatte drei Augen, klein und wild, die von harten W�lsten umgeben waren. Der K�rper spannte sich, sprang den Bach hinunter und mit gro�en, platschenden S�tzen auf ihn zu. F�r Rands gest�rtes Wahrnehmungsverm�gen wirkte es, als seien manche dieser Spr�nge doppelt so weit wie die anderen; dabei war er sicher, da� sie alle gleich lang waren.</p><p>�Ein Auge!� rief die Frau. Sie klang �berraschend ruhig, wenn man an ihre vorherigen Schreie dachte. �Ihr m��t ein Auge treffen, um das Biest zu t�ten!�</p><p>Er zog die Sehne mit einem weiteren Pfeil bis ans Ohr zur�ck. Z�gernd suchte er das Nichts; er wollte eigentlich nicht, aber schlie�lich hatte es Tam ihm gerade f�r diesen Zweck beigebracht, und er wu�te, da� der Schu� ohne die Hilfe des Nichts fehlgehen w�rde. <emphasis>Mein Vater,</emphasis> dachte er mit einem Gef�hl des Bedauerns, und dann erf�llte ihn die Leere. Der flackernde Lichtschein von <emphasis>Saidin</emphasis> war auch da, aber er beachtete ihn nicht. Er war eins mit dem Bogen, mit dem Pfeil, mit der monstr�sen Gestalt, die auf ihn zujagte. Eins mit dem winzigen Auge. Er f�hlte nicht einmal, wie der Pfeil die Sehne verlie�.</p><p>Die Kreatur richtete sich zu einem weiteren Satz auf, und in diesem Augenblick traf der Pfeil das mittlere Auge. Das Ding landete auf allen vieren. Wasser und Schlamm spritzten auf. Wellen breiteten sich um die Kreatur aus, aber sie bewegte sich nicht mehr.</p><p>�Ein guter und mutiger Schu�!� rief die Frau. Sie sa� auf ihrem Pferd und ritt auf ihn zu. Rand war �berrascht, da� sie nicht davongerannt war, als die Aufmerksamkeit des Dinges von ihr abgelenkt wurde. Sie ritt an dem Ungeheuer vorbei, das im Todeskampf zuckte, ohne auch nur hinunterzublicken, lie� ihr Pferd die B�schung erklimmen und stieg ab. �Nur wenige M�nner h�tten den Mut, sich dem Angriff eines <emphasis>Grolms</emphasis> zu stellen, Herr.�</p><p>Sie war wei� gekleidet. Ihr Kleid war zum Reiten geschlitzt, von einem silbernen G�rtel zusammengehalten, und die Stiefel, die unter dem Saum hervorlugten, waren mit Silber verziert. Sogar der Sattel war wei� mit Silberkn�pfen. Ihre Schimmelstute mit dem edel gekr�mmten Hals und dem spielerischen Schritt war beinahe so hochrahmig wie Rands Hengst. Aber alles, was er in diesem Moment sah, war die Frau selbst. Sie war etwa so alt wie Nynaeve, vermutete er. Zum einen war sie gro� � noch eine Handspanne mehr, und sie h�tte ihm direkt in die Augen sehen k�nnen. Zum anderen war sie sch�n. Ihre elfenbeinblasse Haut bildete einen scharfen Kontrast zu dem nachtdunklen langen Haar und den schwarzen Augen. Er hatte andere sch�ne Frauen gesehen. Moiraine war sch�n, wenn auch auf eine k�hle Art, und auch Nynaeve sah sch�n aus, wenn sie nicht gerade einen Wutausbruch erlitt. Egwene und Elayne, die TochterErbin von Andor, waren beide sch�n genug, um einem Mann den Atem stocken zu lassen. Doch diese Frau... Die Zunge klebte ihm am Gaumen, und er f�hlte, wie sein Herz zu klopfen begann. �Euer Gefolge, Herr?�</p><p>�berrascht blickte er sich um. Hurin und Loial waren angekommen. Hurin sah sie genauso an, wie Rand es von sich selbst vermutete, und sogar der Ogier schien fasziniert. �Meine Freunde�, sagte er. �Loial und Hurin. Ich hei�e Rand. Rand al'Thor.�</p><p>�Ich habe noch niemals dar�ber nachgedacht�, sagte Loial, und es klang, als spr�che er zu sich selbst, �aber wenn es etwas wie die vollkommene menschliche Sch�nheit gibt, Gesicht und Gestalt, dann seid Ihr... �</p><p>�Loial!� rief Rand. Die Ohren des Ogier versteiften sich vor Verlegenheit. Rands Ohren waren rot angelaufen. Loials Worte hatten zu genau dem entsprochen, was er selbst empfand.</p><p>Die Frau lachte melodi�s, doch im n�chsten Augenblick hatte sie ihre edle Haltung wiedergewonnen und wirkte wie eine K�nigin auf ihrem Thron. �Man nennt mich Selene�, sagte sie. �Ihr habt Euer Leben riskiert und meines gerettet. Ich geh�re Euch, Lord Rand al'Thor.� Und zu Rands Entsetzen kniete sie vor ihm nieder.</p><p>Er sah Hurin und Loial nicht an und zog sie hastig wieder auf die Beine. �Ein Mann, der nicht bereit ist, f�r eine Frau zu sterben, ist kein Mann.� Sofort besch�mte er sich selbst, indem er rot wurde. Es war eine Redensart der Schienarer, und er wu�te schon, da� sie allzu pomp�s klang, bevor die Worte noch seinen Mund verlassen hatten, aber ihr Gebaren hatte ihn angesteckt, und er konnte sich nicht zur�ckhalten. �Ich meine... Das hei�t, es war...� <emphasis>Narr, du kannst doch einer Frau nicht sagen, es sei nichts, ihr Leben gerettet zu haben.</emphasis> �Es war mir eine Ehre.� Das klang in etwa schienarisch und auch h�flich. Er hoffte, dies sei die richtige Antwort gewesen. Ansonsten war sein Verstand wie leergefegt, als bef�nde er sich noch im Nichts.</p><p>Pl�tzlich wurde er sich ihres Blickes bewu�t, der auf ihm ruhte. Ihr Gesichtsausdruck hatte sich nicht ver�ndert, aber unter ihren dunklen Augen f�hlte er sich nackt. Unbewu�t stellte er sich Selene ebenfalls nackt vor. Wieder err�tete er. ��h! �h, wo kommt Ihr her, Selene? Seit wir hier sind, haben wir noch kein menschliches Wesen getroffen. Wohnt Ihr in einer nahen Stadt?� Sie sah ihn nachdenklich an, und er trat einen Schritt zur�ck. Ihr Blick machte ihm ihre k�rperliche N�he zu deutlich bewu�t.</p><p>�Ich komme nicht von dieser Welt, Herr�, sagte sie. �Hier gibt es keine Menschen. Nichts lebt hier au�er den <emphasis>Grolm</emphasis> und �hnlichen Kreaturen. Ich komme aus Cairhien. Und wie ich hierherkam, wei� ich nicht genau. Ich war ausgeritten und hielt an, um ein wenig zu schlafen. Als ich aufwachte, befanden sich mein Pferd und ich hier. Ich kann nur hoffen, Herr, da� Ihr mich erneut rettet und mir helft, wieder nach Hause zu kommen.�</p><p>�Selene, ich bin kein... Das hei�t, nennt mich doch bitte Rand.� Seine Ohren waren schon wieder hei�. <emphasis>Licht, es schadet niemandem, wenn sie mich f�r einen Lord h�lt. Seng mich, das schadet doch nicht!</emphasis></p><p>�Wenn Ihr w�nscht... Rand.� Ihr L�cheln schn�rte ihm den Hals zusammen. �Ihr werdet mir helfen?�</p><p>�Nat�rlich werde ich das.� <emphasis>Seng mich, sie ist so sch�n. Und sie sieht mich an wie einen Helden aus einer Sage.</emphasis> Er sch�ttelte den Kopf, um ihn von solch n�rrischen Gedanken zu befreien. �Aber zuerst m�ssen wir die M�nner finden, denen wir folgen. Ich werde mich bem�hen, Euch vor aller Gefahr zu bewahren, aber wir m�ssen sie finden. Mit uns zu kommen ist besser f�r Euch, als allein hierzubleiben.�</p><p>Einen Augenblick lang schwieg sie. Ihr Gesicht wirkte ausdruckslos, die Z�ge waren glatt. Rand hatte keine Ahnung, was sie �berlegte, au�er da� sie ihn erneut genau zu mustern schien. �Ein pflichtbewu�ter Mann�, sagte sie schlie�lich. Ein leichtes L�cheln verzog ihre Lippen. �Das mag ich. Ja. Wer sind diese �belt�ter, denen Ihr folgt?�</p><p>�Schattenfreunde und Trollocs, Lady�, platzte Hurin heraus. Er verbeugte sich ungeschickt im Sattel. �Sie begingen Morde in der Festung von Fal Dara und stahlen das Horn von Valere, Lady, aber Lord Rand wird es wieder zur�ckholen.�</p><p>Rand sah den Schn�ffler vorwurfsvoll an. Hurin grinste schwach. <emphasis>Alle Geheimhaltung dahin!</emphasis> Hier spielte das vielleicht keine gro�e Rolle, dachte er sich, aber wenn sie wieder in ihrer eigenen Welt w�ren... �Selene, Ihr d�rft niemandem von dem Horn erz�hlen. Wenn es herauskommt, haben wir hundert Leute auf den Fersen, die das Horn auch suchen, aber f�r sich selbst.�</p><p>�Nein, das darf niemals sein�, sagte Selene. �Das darf nicht in die falschen H�nde fallen. Das Horn von Valere. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie oft ich davon getr�umt habe, es zu ber�hren, es in H�nden zu halten. Ihr m��t mir versprechen, da� ich es ber�hren darf, wenn Ihr es habt.�</p><p>�Bevor ich dazu in der Lage bin, m�ssen wir es erst finden. Wir sollten jetzt besser aufbrechen.� Rand bot ihr die Hand zum Aufsteigen, und Hurin kletterte herab, um ihr den Steigb�gel zu halten. �Was das auch f�r ein Ding gewesen sein mag, das ich t�tete � ein <emphasis>Grolm?</emphasis> �, es k�nnten noch mehr davon in der Gegend sein.� Ihr Griff war fest und �berraschend kr�ftig, und ihre Haut war �Seide? Etwas noch Weicheres, Glatteres. Rand �berlief es kalt.</p><p>�Mit einem <emphasis>Grolm</emphasis> ist immer zu rechnen�, sagte Selene. Die gro�e wei�e Stute scheute und bleckte die Z�hne zu Rands Braunem hin, aber Selenes Griff an den Z�geln beruhigte sie.</p><p>Rand hing sich den Bogen �ber und stieg auf den Braunen. <emphasis>Licht, wie kann denn Haut so zart sein?</emphasis> �Hurin, wo ist die Spur? Hurin? Hurin!� Der Schn�ffler fuhr zusammen und h�rte auf, Selene anzugaffen. �Ja, Lord Rand. �h... die Spur. Nach S�den, Lord Rand. Immer noch nach S�den.�</p><p>�Dann also los.� Rand sah unsicher hin�ber zu dem graugr�nen m�chtigen K�rper des <emphasis>Grolms,</emphasis> der im Bachbett lag. Es war sch�ner gewesen, sich vorzustellen, sie w�ren die einzigen Lebewesen auf dieser Welt. �Nimm die Spur auf, Hurin!�</p><p>Zuerst ritt Selene neben Rand und plauderte mit ihm �ber dies und das, stellte ihm Fragen und nannte ihn Lord. Mehrmals wollte er ihr sagen, er sei kein Lord, nur ein Sch�fer, aber jedesmal, wenn er sie ansah, blieben ihm die Worte im Hals stecken. Eine Lady wie sie spr�che nicht mit einem Sch�fer, da war er sicher, nicht einmal mit einem Sch�fer, der ihr Leben gerettet hatte.</p><p>�Ihr werdet ein gro�er Mann sein, wenn Ihr das Horn von Valere gewonnen habt�, sagte sie zu ihm. �Ein Mann, aus dem eine Legende wird. Der Mann, der das Horn bl�st, wird seine eigenen Legenden erschaffen.�</p><p>�Ich will es nicht blasen, und ich will auch kein Teil irgendeiner Legende sein.� Er wu�te nicht, ob sie ein Parf�m benutzte, aber sie schien von einem Duft umgeben, der seine Sinne verwirrte und ihm den Kopf mit eigenartigen Gedanken erf�llte. Gew�rze, gleichzeitig scharf und s��, kitzelten ihn in der Nase, und er schluckte.</p><p>�Jeder will ein gro�er Mann sein. Ihr k�nntet der gr��te Mann aller Zeitalter werden.�</p><p>Das klang zu sehr nach Moiraines Worten. Der Wiedergeborene Drache w�rde aus den Zeitaltern herausragen. �Ich doch nicht!� rief er leidenschaftlich. �Ich bin nur dabei, das Horn zu suchen. Und einem Freund zu helfen.�</p><p>Sie schwieg f�r einen Moment und sagte dann: �Ihr habt Euch die Hand verletzt.�</p><p>�Es ist nichts.� Er wollte schon die verwundete Hand in die Manteltasche stecken � sie schmerzte stark, weil er die Z�gel zu fest gehalten hatte �, da griff sie her�ber und nahm seine Hand in die ihre.</p><p>Er war so �berrascht, da� er es zulie�, und dann hatte er nur die Wahl, sie ihr entweder grob zu entrei�en oder zuzulassen, da� sie das Taschentuch entfernte. Ihre Ber�hrung wirkte k�hl und sicher. Seine Handfl�che war in einem b�sartigen Rotton angelaufen und geschwollen, aber der Reiher zeichnete sich klar und deutlich ab.</p><p>Sie ber�hrte das eingebrannte Zeichen mit einem Finger, sagte aber nichts und fragte nicht einmal, wie er dazu gekommen war. �Ihr k�nntet eine steife Hand davontragen, falls sich niemand darum k�mmert. Ich habe eine Salbe, die helfen wird.� Sie nahm eine kleine Steinflasche aus einer Innentasche ihres Umhangs, zog den St�psel heraus und rieb ihm sanft eine wei�e Fl�ssigkeit auf die Handfl�che und die Brandwunde, w�hrend sie weiterritten.</p><p>Die Salbe f�hlte sich erst k�hl an, schien sich dann aber zu erw�rmen und in sein Fleisch einzudringen. Und sie wirkte genausogut, wie Nynaeves Salben es manchmal taten. Er blickte erstaunt auf seine Hand, als die R�te verflog und die Schwellung unter ihren sanft massierenden Fingern zur�ckging.</p><p>�Einige M�nner�, sagte sie, ohne den Blick von seiner Hand zu wenden, �entscheiden sich daf�r, den Ruhm zu suchen, w�hrend er anderen aufgezwungen wird. Es ist immer besser, freiwillig diesen Weg zu gehen als gezwungenerma�en. Ein Mann, der in diese Rolle gezwungen wird, ist niemals ganz sein eigener Herr. Er wird von denen, die ihn hineinzwingen, als Marionette benutzt.�</p><p>Rand entzog ihr seine Hand. Die Brandwunde sah aus, als sei sie mindestens eine Woche alt, und war schon fast verheilt. �Was meint Ihr damit?� wollte er wissen.</p><p>Sie l�chelte ihn an, und er sch�mte sich ob seines Ausbruchs. �Na, das Horn nat�rlich�, sagte sie ruhig. Dann steckte sie die Salbe weg. Ihre Stute, die neben Rands Braunem herschritt, war so gro�, da� sich Selenes Augen nur wenig unter Rands Augenh�he befanden. �Wenn Ihr das Horn von Valere findet, k�nnt Ihr dem Ruhm nicht entrinnen. Wird er Euch dann aufgezwungen oder werdet Ihr Euch ihm freiwillig hingeben? Das ist die Frage.�</p><p>Er �ffnete und schlo� die Hand probeweise. Sie klang sosehr wie Moiraine. �Seid Ihr eine Aes Sedai?�</p><p>Selenes Augenbrauen hoben sich. Ihre dunklen Augen funkelten ihn an, aber ihre Stimme klang sanft. �Aes Sedai? Ich? Nein.�</p><p>�Ich wollte Euch nicht kr�nken. Es tut mir leid.�</p><p>�Mich kr�nken? Ich bin nicht gekr�nkt, aber ich bin keine Aes Sedai.� Ihre Lippen verzogen sich sp�ttisch, und selbst das sah sch�n aus. �Sie hocken in ihrer vermeintlichen Sicherheit, obwohl sie soviel tun k�nnten. Sie dienen, obwohl sie herrschen k�nnten, und sie lassen die M�nner Kriege ausfechten, w�hrend sie Ruhe und Ordnung in die Welt bringen k�nnten. Nein, nennt mich niemals Aes Sedai!� Sie l�chelte und legte die Hand auf seinen Arm, um ihm zu zeigen, da� sie sich nicht ge�rgert hatte. Bei ihrer Ber�hrung mu�te er schlucken. Er war erleichtert, als sie ihre Stute verhielt und dann neben Loial weiterritt. Hurin nickte ihr untert�nig zu wie ein alter Diener der Familie.</p><p>Rand war erleichtert, aber er vermi�te auch gleichzeitig ihre Gegenwart. Sie befand sich nur zwei Spannen entfernt, aber das war eben nicht das gleiche, wie wenn er sie direkt neben sich gehabt h�tte, nahe genug, um ihren Duft zu sp�ren, nahe genug, sie zu ber�hren. Er drehte sich im Sattel um und sah nach ihr. Sie ritt neben Loial, und der Ogier hatte sich weit heruntergebeugt, um mit ihr zu sprechen. Rand setzte sich �rgerlich im Sattel zurecht. Es war ja nicht so, da� er sie unbedingt ber�hren wollte � er erinnerte sich an seine Liebe zu Egwene und hatte Schuldgef�hle, weil er erst bewu�t daran denken mu�te � aber sie war so sch�n, und sie hielt ihn f�r einen Lord, und sie behauptete, er k�nne ein gro�er Mann werden. Er k�mpfte in Gedanken mit sich selbst. <emphasis>Moiraine sagt auch, du kannst gro� werden � der Wiedergeborene Drache. Selene ist keine Aes Sedai. Das stimmt; sie ist eine Adlige aus Cairhien, und du bist ein Sch�fer. Das wei� sie doch nicht. Wie lange willst du sie noch mit einer L�ge t�uschen? Nur so lange, bis wir von hier weg sind. Falls wir wegkommen. Falls.</emphasis> Damit beruhigten sich seine Gedanken und verfielen in m�rrisches Schweigen.</p><p>Er bem�hte sich, die Landschaft im Auge zu behalten. Wenn Selene behauptete, es g�be mehr von diesen Dingern... diesen <emphasis>Grolmen...</emphasis> in der Gegend, dann glaubte er ihr. Hurin war zu sehr darauf konzentriert, die Spur zu wittern, um irgendeine Gefahr zu bemerken, und Loial war ganz in seine Unterhaltung mit Selene versunken, so da� er nichts sehen w�rde, bis es ihn in die Ferse bisse. Aber es war schwer, die Landschaft zu betrachten. Wenn er den Kopf zu schnell drehte, traten ihm die Tr�nen in die Augen. Ein H�gel oder ein Geh�lz konnten, aus einem Winkel gesehen, eine Meile entfernt erscheinen, und aus einem anderen Blickwinkel waren sie nur ein paar hundert Spannen entfernt.</p><p>Die Berge kamen n�her, das war sicher. Bruderm�rders Dolch, der nun hoch in den Himmel ragte, zeigte eine gezackte Reihe schneebedeckter Gipfel. Das Land rundum stieg bereits zu einer H�gelkette an, die die nahen Berge ank�ndigte. Sie w�rden den Saum der eigentlichen Berge noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, vielleicht in einer Stunde. <emphasis>Mehr als dreihundert Meilen in weniger als drei Tagen. Noch schlimmer: Wir haben den gr��ten Teil eines Tages s�dlich des Erinin noch in unserer eigenen Welt verbracht. Mehr als dreihundert Meilen also in weniger als zwei Tagen.</emphasis></p><p>�Sie sagt, du hattest recht mit deinen Ansichten in bezug auf diesen Ort, Rand.�</p><p>Rand fuhr zusammen, denn er hatte nicht bemerkt, da� Loial zu ihm nach vorn aufgeschlossen hatte. Er sah sich nach Selene um und stellte fest, da� sie neben Hurin einherritt. Der Schn�ffler grinste, nickte und legte beinahe bei jedem Wort die Faust vor die Stirn. Rand warf dem Ogier einen Seitenblick zu. �Ich bin �berrascht, da� du nicht mehr an ihrer Seite bist, so wie ihr die K�pfe zusammengesteckt habt. Was meinst du damit: da� ich recht hatte?�</p><p>�Sie ist eine faszinierende Frau, nicht wahr? Einige der �ltesten wissen nicht so viel �ber Geschichte wie sie �besonders, was das Zeitalter der Legenden anbetrifft �und auch �ber... Ach, ja. Sie sagt, du h�ttest recht in bezug auf die Kurzen Wege, Rand. Die Aes Sedai, jedenfalls einige von ihnen, untersuchten Welten wie diese, und diese Untersuchung war die Grundlage f�r die Erschaffung der Wege. Sie sagt, es gebe Welten, wo die Zeit sich �ndert und nicht die Entfernung. Verbring einen Tag in einer dieser Welten, und wenn du zur�ckkommst, ist in der wirklichen Welt m�glicherweise ein Jahr vergangen oder vielleicht sogar zwanzig Jahre. Oder es k�nnte auch andersherum kommen. Diese Welten, diese und die anderen, sind Spiegelbilder der wirklichen Welt, sagte sie. Diese hier kommt uns bla� vor, weil sie nur ein schwaches Abbild darstellt, das kaum eine Gelegenheit hatte, jemals wahr zu werden. Andere sehen beinahe wie unsere eigene aus. Sie sind genauso greifbar wie unsere Welt, und es gibt dort auch Menschen. Dieselben Menschen, sagt sie, Rand. Stell dir das vor! Du k�nntest auf eine dieser Welten kommen und dir selbst begegnen! Das Muster hat unendliche viele Spielm�glichkeiten, und jede davon, die existieren kann, wird auch existieren.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf und bereute es sofort, denn die Landschaft r�ckte vor und zur�ck, und es drehte ihm den Magen um. Er atmete tief durch. �Woher wei� sie das alles? Du wei�t mehr als jeder, den ich zuvor kennengelernt habe, Loial, und alles, was du �ber diese Welt wu�test, war letztlich nicht mehr als ein Ger�cht.�</p><p>�Sie kommt aus Cairhien, Rand. Die K�nigliche Bibliothek in Cairhien ist eine der gr��ten der Welt, vielleicht die gr��te au�erhalb von Tar Valon. Die Aiel haben sie mit Absicht verschont, als sie Cairhien niederbrannten. Sie w�rden kein Buch zerst�ren. Wu�test du, da� sie... �</p><p>�Die Aielm�nner interessieren mich nicht�, sagte Rand hitzig. �Wenn Selene soviel wei�, dann hoffe ich, sie hat etwas dar�ber gelesen, wie wir von hier wieder weg und nach Hause kommen. Ich w�nschte, Selene...�</p><p>�Was w�nscht Ihr von Selene?� Die Frau lachte, als sie zu ihnen aufschlo�.</p><p>Rand sah sie an, als sei sie monatelang weggewesen; jedenfalls empfand er es so. �Ich w�nschte, Selene w�rde wieder eine Weile neben mir reiten�, sagte er. Loial schmunzelte, und Rand f�hlte, wie sein Gesicht brannte. Selene l�chelte und sah Loial an. �Entschuldigt Ihr uns, <emphasis>Alantin?</emphasis> �</p><p>Der Ogier verbeugte sich im Sattel und hielt sein gro�es Pferd zur�ck. Z�gernd sanken die Haarb�schel an seinen Ohren herunter.</p><p>Eine Weile ritt Rand schweigend weiter und geno� einfach Selenes Gegenwart. Von Zeit zu Zeit warf er ihr einen verstohlenen Blick zu. Er h�tte gern seine Gef�hle ihr gegen�ber etwas geordnet. Konnte sie, obwohl sie es abstritt, eine Aes Sedai sein? Vielleicht von Moiraine ausgeschickt, um ihn zu lenken, damit er das tat, was die Aes Sedai f�r ihn geplant hatten? Aber Moiraine hatte nicht wissen k�nnen, da� er in diese fremde Welt geraten w�rde, und keine Aes Sedai h�tte versucht, sich dieses Ungeheuer mit einem Stock vom Leibe zu halten, w�hrend sie es doch mit Hilfe der Macht h�tte t�ten oder in die Flucht schlagen k�nnen. Da sie ihn f�r einen Lord hielt und in Cairhien wohl niemand wu�te, wer er wirklich war, h�tte er sie ja weiterhin in dem Glauben lassen k�nnen. Sie war ganz sicher die sch�nste Frau, die er je gesehen hatte, intelligent und gebildet, und sie hielt ihn f�r tapfer. Noch mehr konnte ein Mann ja wohl kaum von einer Frau verlangen. <emphasis>Das ist doch verr�ckt! Wenn ich jemanden heirate, dann nur Egwene, aber ich kann eine Frau doch nicht bitten, einen Mann zu heiraten, der wahnsinnig wird und sie dann vielleicht in Gefahr bringt.</emphasis> Aber Selene war so sch�n!</p><p>Er bemerkte, da� sie sein Schwert betrachtete. Er legte sich daraufhin seine Worte im Kopf zurecht. Nein, er sei kein Schwertmeister, aber sein Vater habe ihm das Schwert verliehen. <emphasis>Tam. Licht, warum kannst du nicht wirklich mein Vater sein?</emphasis> Er verdr�ngte diesen Gedanken ganz schnell. �Das war ein gro�artiger Schu߫, sagte Selene.</p><p>�Nein, ich bin kein...�, begann Rand und blinzelte. �Ein Schu�?�</p><p>�Ja. Dieses Auge war ein winziges Ziel und bewegte sich auch noch. Dazu auf hundert Schritt Entfernung! Ihr seid ein einmaliger Bogensch�tze.�</p><p>Rand rutschte nerv�s im Sattel umher. ��h... danke. Das ist ein Trick, den mir mein Vater beigebracht hat.� Er erz�hlte ihr von dem Nichts und wie Tam ihn gelehrt hatte, es auf das Bogenschie�en anzuwenden. Nach einer Weile wurde ihm bewu�t, da� er sogar von Lan und seinen �bungsstunden mit dem Schwert erz�hlt hatte. �Das Einssein�, sagte sie, und es klang befriedigt. Sie bemerkte seinen fragenden Blick und f�gte hinzu: �So wird es... an einigen Orten genannt. Das Einssein. Um es wirklich anwenden zu k�nnen, ist es am besten, Ihr h�llt Euch st�ndig darin ein und lebt praktisch darin, habe ich geh�rt.�</p><p>Er mu�te nicht erst dar�ber nachdenken, was im Nichts auf ihn wartete, um seine Antwort zu kennen, aber er sagte trotzdem: �Ich werde dar�ber nachdenken.�</p><p>�H�llt Euch die ganze Zeit �ber in Euer Nichts ein, Rand al'Thor, und Ihr werdet lernen, es noch auf ganz andere, nicht geahnte Weise anzuwenden.�</p><p>�Ich sagte, ich werde dar�ber nachdenken.� Sie �ffnete erneut den Mund, aber er schnitt ihr das Wort ab: �Ihr wi�t �ber das alles so gut Bescheid. �ber das Nichts � das Einssein, wie Ihr es nennt. �ber diese Welt. Loial liest die ganze Zeit B�cher; er hat mehr B�cher gelesen, als ich je gesehen habe. Aber er hat niemals mehr als nur das Fragment eines Textes �ber die Steins�ulen entdecken k�nnen.�</p><p>Selene richtete sich kerzengerade im Sattel auf. Pl�tzlich erinnerte sie ihn sehr an Moiraine und an K�nigin Morgase, wenn sie zornig waren.</p><p>�Es gab ein Buch �ber diese Welten�, sagte sie mit angespannter Stimme. <emphasis>�Spiegel des Rads.</emphasis> Wie Ihr seht, hat der <emphasis>Alantin</emphasis> nicht <emphasis>alle</emphasis> B�cher gesehen, die dar�ber existieren.�</p><p>�Was bedeutet diese Bezeichnung <emphasis>Alantin,</emphasis> die Ihr immer benutzt? Ich habe noch nie... �</p><p>�Der Portalstein, neben dem ich erwachte, liegt dort dr�ben�, sagte Selene. Sie deutete auf die Berge �stlich des Weges. Rand ertappte sich dabei, da� er sich nach ihrer W�rme und ihrem L�cheln sehnte. �Wenn Ihr mich dorthin bringt, wie Ihr versprochen habt, kann ich nach Hause zur�ckkehren. Wir k�nnten in einer Stunde dort sein.�</p><p>Rand achtete kaum darauf, wohin sie deutete. Den Stein benutzen � den Portalstein, wie sie ihn genannt hatte �, bedeutete, die Macht anzuwenden, damit er sie zur�ck in die wirkliche Welt transportierte. �Hurin, wie verl�uft die Spur?�</p><p>�Schw�cher als je zuvor, Lord Rand, aber sie ist noch da.� Der Schn�ffler bedachte Selene mit einem fl�chtigen Grinsen und einem Kopfnicken. �Ich glaube, sie biegt langsam nach Westen ab. Dort gibt es ein paar leichtere P�sse nahe der Spitze des Dolchs, wenn ich mich richtig an meine Reise nach Cairhien erinnere.�</p><p>Rand seufzte. <emphasis>Fain oder einer seiner Schattenfreunde mu� einen anderen Weg kennen, die Steine zu benutzen. Ein Schattenfreund kann die Macht nicht gebrauchen.</emphasis> �Ich mu� dem Horn folgen, Selene.�</p><p>�Woher wi�t Ihr, da� Euer begehrtes Horn sich �berhaupt auf dieser Welt befindet? Kommt mit mir, Rand. Ihr werdet Eure Legende finden, das verspreche ich Euch. Kommt mit mir.�</p><p>�Ihr k�nnt den Stein, diesen Portalstein, selbst benutzen�, sagte er hitzig. Bevor er die Worte noch ganz ausgesprochen hatte, bereute er sie bereits. <emphasis>Warum mu� sie st�ndig von Legenden reden?</emphasis> Stur zwang er sich zum Weiterreiten. �Der Portalstein hat Euch nicht von allein hergebracht. Ihr habt das getan, Selene. Wenn Ihr den Stein dazu gebracht habt, Euch hierherzubringen, k�nnt Ihr ihn auch dazu benutzen, da� er Euch zur�ckbringt. Ich bringe Euch hin, aber dann reite ich weiter dem Horn nach.�</p><p>�Ich wei� nichts �ber die Benutzung der Portalsteine, Rand. Falls ich etwas getan habe, wei� ich selbst nichts davon.�</p><p>Rand betrachtete sie. Sie sa� hochgewachsen und mit geradem R�cken in ihrem Sattel und wirkte so edel wie zuvor, wenn auch vielleicht etwas weicher. Stolz und doch verwundbar, und sie brauchte ihn. Er hatte sie f�r etwa gleichalt wie Nynaeve gehalten � ein paar Jahre �lter als er selbst � doch das war falsch gewesen, erkannte er jetzt. Sie war eher in seinem Alter und sch�n und sie brauchte ihn. Der Gedanke, der blo�e Gedanke an das Nichts ging ihm durch den Kopf. Und nat�rlich an das Licht. <emphasis>Saidin.</emphasis> Um den Portalstein zu benutzen, m��te er wieder in dessen Verderbtheit eintauchen.</p><p>�Bleibt bei mir, Selene�, bat er. �Wir werden das Horn, Mats Dolch und einen Weg zur�ck finden. Das verspreche ich Euch. Bleibt nur bei mir.�</p><p>�Ihr seid immer...� Selene holte tief Luft, wahrscheinlich um sich zu beruhigen. �Ihr seid immer so unnachgiebig. Na ja, ich kann Unnachgiebigkeit an einem Mann nur bewundern. An einem Mann der immer gleich alles tut, was man von ihm will, ist nicht viel dran.�</p><p>Rand err�tete. Das klang sehr nach den Dingen, die ihm Egwene gelegentlich sagte, und sie waren sich ja seit ihrer Kindheit sozusagen als Eheleute versprochen. Diese Worte von Selene zu h�ren und den Blick zu bemerken, den sie ihm dabei zuwarf, das erschreckte ihn. Er wandte sich hastig Hurin zu, um ihm zu sagen, er solle sich beeilen.</p><p>Hinten ihnen ert�nte aus einiger Entfernung pl�tzlich ein Grunzen. Bevor Rand den Braunen herumrei�en konnte, um sich umzusehen, erklang erneut ein Grunzen wie das zuvor, und dann noch dreimal etwas weiter zur�ck. Zuerst konnte er nichts au�er der Landschaft erkennen, die vor seinen Augen verschwamm, doch dann entdeckte er sie zwischen den weit auseinanderstehenden B�umen eines Geh�lzes, wie sie gerade einen H�gel �berquerten. F�nf Gestalten, schien es ihm, nur eine halbe Meile entfernt, h�chstens tausend Schritte, und sie n�herten sich in Riesens�tzen von mindestens drei�ig Fu�.</p><p><emphasis>�Grolme�,</emphasis> sagte Selene gelassen. �Ein kleines Rudel, aber es scheint, sie haben unsere Witterung aufgenommen.�</p></section><section><title><p>17</p><p>Entscheidungen</p></title><p>�Wir m�ssen weg, und zwar schnell�, sagte Rand. �Hurin, kannst du der Spur im Galopp folgen?�</p><p>�Ja, Lord Rand.�</p><p>�Dann aber los. Wir werden... �</p><p>�Das hilft nichts�, sagte Selene. Ihre wei�e Stute war das einzige Reittier, das nach den harten, bellenden Grunzlauten der <emphasis>Grolme</emphasis> nicht nerv�s t�nzelte. �Sie geben niemals auf. Wenn sie einmal eine Witterung aufgenommen haben, dann folgen die <emphasis>Grolme</emphasis> ihr Tag und Nacht, bis sie ihr Opfer eingeholt haben. Ihr m��t sie entweder alle t�ten oder einen Weg finden, um zu fliehen. Rand, der Portalstein kann uns wegbringen!�</p><p>�Nein! Wir <emphasis>k�nnen</emphasis> sie t�ten. Ich kann es. Ich habe ja schon einen get�tet. Es sind nur f�nf. Wenn ich nur... � Er sah sich nach einem geeigneten Fleck um und fand ihn. �Folgt mir!� Er pre�te die Fersen in die Flanken des Braunen und lie� ihn galoppieren. Er war sicher, da� die anderen folgen w�rden, und bald h�rte er auch das Klappern ihrer Hufe.</p><p>Der Fleck, den er erw�hlt hatte, war ein niedriger runder H�gel ohne Baumbestand. Nichts konnte sich n�hern, ohne gesehen zu werden. Er schwang sich aus dem Sattel und bespannte seinen Langbogen. Loial und Hurin gesellten sich zu ihm. Der Ogier schwang probeweise seinen riesigen Bauernspie�, und der Schn�ffler hatte sein Kurzschwert in der Hand. Weder Bauernspie� noch Schwert w�rden ihnen helfen, wenn die <emphasis>Grolme</emphasis> allzu nahe an sie herank�men. <emphasis>Ich werde sie nicht so nahe heranlassen.</emphasis></p><p>�Dieses Risiko ist unn�tig�, sagte Selene. Sie beachtete die <emphasis>Grolme</emphasis> kaum und beugte sich ein St�ck herunter, um besser mit Rand sprechen zu k�nnen. �Wir k�nnen den Portalstein vor ihnen erreichen.�</p><p>�Ich werde sie aufhalten.� Schnell z�hlte Rand die noch in seinem K�cher verbliebenen Pfeile. Achtzehn, jeder davon armlang, und zehn hatten Mei�elspitzen, die dazu gemacht waren, den Panzer eines Trollocs zu durchdringen. Sie waren ebensogut gegen <emphasis>Grolme</emphasis> einzusetzen wie gegen Trollocs. Er steckte vier davon senkrecht in den Boden, und einen f�nften legte er seinem Bogen auf. �Loials Hurin, ihr seid hier unten zu nichts nutze. Sitzt auf und macht euch bereit, Selene zum Stein zu bringen, falls eines der Biester hierher durchkommt.� Er fragte sich, ob er wohl eines dieser Ungeheuer mit dem Schwert t�ten k�nnte, falls es dazu kam. <emphasis>Du</emphasis> bist <emphasis>verr�ckt! Selbst die Macht ist nicht so schlimm wie dies jetzt.</emphasis></p><p>Loial sagte etwas, das er nicht verstand. Er suchte bereits das Nichts, sowohl um seinen eigenen Gedanken zu entfliehen als auch aus Notwendigkeit. <emphasis>Du wei�t, was auf dich wartet. Aber so mu� ich es wenigstens nicht ber�hren.</emphasis> Das Gl�hen war da, das Licht gerade eben au�erhalb seines inneren Gesichtsfeldes. Es schien auf ihn zuzuflie�en, doch die Leere war am Ende alles. Gedanken jagten �ber die Oberfl�che des Nichts, im kr�nklichen Lichtschein klar sichtbar. <emphasis>Saidin. Die Macht. Wahnsinn. Tod.</emphasis> Gedanken von au�erhalb. Er war eins mit dem Bogen, mit dem Pfeil, mit den Dingen, die �ber die n�chstgelegene Anh�he kamen.</p><p>Die <emphasis>Grolme</emphasis> n�herten sich weiter, �berholten einander bei ihren langen S�tzen, f�nf gro�e ledrige Gestalten mit drei Augen und aufgerissenen Hornm�ulern. Ihre grunzenden Schreie prallten kaum h�rbar am Nichts ab.</p><p>Rand war sich nicht bewu�t, da� er den Bogen erhob und die Sehne zur Wange und zum Ohr zur�ckzog. Er war eins mit den Bestien, eins mit dem mittleren Auge der ersten. Dann war der Pfeil unterwegs. Der erste <emphasis>Grolm</emphasis> starb. Einer seiner Artgenossen sprang ihn an, als er st�rzte, und das schnabel�hnliche Maul ri� gro�e Fleischst�cke aus dem leblosen K�rper. Er knurrte die anderen an, und die machten einen gro�en Bogen um ihn und hetzten weiter. Wie unter innerem Zwang lie� der eine sein Festmahl liegen und sprang ihnen mit blutverschmiertem Maul nach.</p><p>Rand arbeitete unbewu�t mit geschmeidigen Bewegungen. Ziehen und loslassen. Ziehen und loslassen.</p><p>Der f�nfte Pfeil verlie� den Bogen, und er senkte ihn. Er befand sich noch tief im Nichts, w�hrend bereits der vierte <emphasis>Grolm</emphasis> fiel wie eine Marionette, deren F�den zerschnitten wurden. Obwohl der letzte Pfeil sich noch in der Luft befand, wu�te er, da� er keinen weiteren ben�tigen w�rde. Die letzte Bestie brach zusammen, als w�ren ihre Knochen geschmolzen. Ein gefiederter Pfeil ragte aus ihrem mittleren Auge. Immer war es das mittlere Auge.</p><p>�Prachtvoll, Lord Rand�, sagte Hurin. �Ich... ich habe noch nie jemanden so schie�en sehen.�</p><p>Das Nichts hielt Rand fest. Das Licht lockte ihn, und er... griff... danach. Es umgab ihn, f�llte ihn aus.</p><p>�Lord Rand?� Hurin ber�hrte seinen Arm, und Rand fuhr zusammen. Die Leere f�llte sich mit den Dingen seiner Umgebung. �F�hlt Ihr euch wohl, Lord Rand?�</p><p>Rand fuhr sich mit den Fingerspitzen �ber die Stirn. Sie war trocken, doch er hatte das Gef�hl, sie m�sse mit Schwei� bedeckt sein. �Mir... mir geht es gut, Hurin.�</p><p>�Ich habe geh�rt, da� es jedesmal leichter wird�, sagte Selene. �Je l�nger Ihr im Einssein verharrt, desto leichter wird es.�</p><p>Rand blickte sie an. �Mag sein, aber ich werde das nicht mehr brauchen, jedenfalls f�r eine ganze Weile nicht.� <emphasis>Was ist geschehen? Ich wollte...</emphasis> Er wollte es immer noch, das wurde ihm erschreckend klar. Er <emphasis>wollte</emphasis> zur�ck ins Nichts, wollte f�hlen, wie ihn dieser Lichtschein erneut erf�llte. Es war ihm dabei vorgekommen, als lebe er erst jetzt vollkommen, trotz aller Kr�nklichkeit dieses Lichts, als sei das �Jetzt� nur ein billiger Abklatsch. Nein, noch schlimmer. Er hatte beinahe vollkommen gelebt, aber im vollen Bewu�tsein, was �Leben� wirklich hie�. Er mu�te lediglich nach <emphasis>Saidin</emphasis> greifen...</p><p>�Nicht noch einmal�, murmelte er. Er sah hin�ber zu den toten <emphasis>Grolmen.</emphasis> F�nf unf�rmige Gestalten lagen auf dem Boden. Nicht mehr gef�hrlich. �Jetzt k�nnen wir uns auf den Weg... �</p><p>Ein keuchendes, grunzendes Bellen, nur zu bekannt, erklang jenseits der toten <emphasis>Grolme,</emphasis> jenseits des n�chsten H�gels, und weitere antworteten darauf. Immer mehr kamen, vom Osten her, vom Westen her.</p><p>Rand erhob unsicher seinen Bogen.</p><p>�Wie viele Pfeile habt Ihr noch �brig?� wollte Selene wissen. �K�nnt Ihr zwanzig <emphasis>Grolme</emphasis> t�ten? Drei�ig? Hundert? Wir <emphasis>m�ssen</emphasis> den Portalstein erreichen.�</p><p>�Sie hat recht, Rand�, sagte Loial bed�chtig. �Wir haben keine andere Wahl mehr.� Hurin sah Rand angsterf�llt an. Die <emphasis>Grolme</emphasis> schrien. Ein Dutzend �bert�nte sich gegenseitig.</p><p>�Zum Stein�, stimmte Rand z�gernd zu. W�tend schwang er sich wieder in den Sattel und h�ngte sich den Bogen um. �F�hrt uns zu diesem Stein, Selene.�</p><p>Mit einem Kopfnicken lie� sie ihre Stute umdrehen und setzte sie in Trab. Rand und die anderen folgten ihr � die anderen eifrig, er dagegen zur�ckhaltend. Das bellende Grunzen der <emphasis>Grolme</emphasis> verfolgte sie. Es schienen Hunderte zu sein. Es klang, als k�men die <emphasis>Grolme</emphasis> in einer halbkreisf�rmigen Formation von hinten auf sie zu, die nur den Weg nach vorn freilie�. Schnell und sicher f�hrte Selene sie zwischen den H�geln hindurch. Das Land stieg den Bergen zu an. Die Abh�nge wurden steiler, so da� die Pferde �ber ausgewaschene Felsausl�ufer und die sp�rlichen blassen Str�ucher stolperten, die sich an die Felsen klammerten. Der Weg wurde schwieriger. Es ging immer steiler nach oben.</p><p><emphasis>Das schaffen wir nicht,</emphasis> dachte Rand, als der Braune zum f�nften Mal ausglitt und in einem Steinhagel zur�ckrutschte. Loial warf seinen Bauernspie� weg; er n�tzte ihm nichts gegen die <emphasis>Grolme</emphasis> und hinderte ihn nur am Vorw�rtskommen. Der Ogier hatte das Reiten aufgegeben. Er zog sich mit einer Hand nach oben, und mit der anderen zerrte er sein gro�es Pferd hinter sich her. Das zottlige Tier hatte gro�e Schwierigkeiten beim Hochklettern, aber es war immer noch besser dran ohne Loial auf dem R�cken. Die <emphasis>Grolme</emphasis> bellten hinter ihnen, und es klang jetzt n�her.</p><p>Dann brachte Selene ihre Stute zum Stehen und deutete auf eine Mulde, die unter ihnen im Granit eingebettet lag. Alles befand sich dort: die sieben breiten farbigen Stufen um den blassen Steinboden herum und in der Mitte die hohe Steins�ule.</p><p>Sie stieg ab und f�hrte ihre Stute in die Mulde und die Treppe hinab zur S�ule. Sie ragte �ber ihr auf. Sie drehte sich um und sah nach Rand und den anderen. Dutzende von <emphasis>Grolmen</emphasis> stie�en ihre lauten bellenden Grunzlaute aus � und zwar sehr nahe. �Sie werden uns bald erreicht haben�, sagte sie. �Ihr m��t den Stein benutzen, Rand. Oder Ihr findet eine M�glichkeit, alle <emphasis>Grolme</emphasis> zu t�ten.�</p><p>Seufzend stieg Rand aus dem Sattel und f�hrte den Braunen in die Mulde. Loial und Hurin folgten ihm eilig. Er dagegen betrachtete unsicher die mit Schriftzeichen bedeckte S�ule, den Portalstein. <emphasis>Sie mu� in der Lage sein, die Macht zu lenken, wenn auch vielleicht unbewu�t, sonst h�tte sie uns nicht hierherbringen k�nnen. Die Macht schadet Frauen nicht.</emphasis> �Wenn diese S�ule Euch hertransportiert hat...�, begann er, aber sie unterbrach ihn.</p><p>�Ich wei�, was sie ist�, sagte sie entschieden, �aber ich wei� nicht, wie man sie benutzt. Ihr m��t tun, was zu tun ist.� Sie fuhr ein Schriftzeichen mit dem Finger nach. Es war ein wenig gr��er als die anderen: ein Dreieck, das innerhalb eines Kreises auf der Spitze stand. �Das steht f�r die wirkliche Welt, unsere Welt. Ich glaube, es wird Euch helfen, wenn Ihr das im Kopf habt, w�hrend Ihr... � Sie spreizte die H�nde, als sei sie nicht sicher, was er eigentlich tun solle.</p><p>��h... Lord Rand?� sagte Hurin vorsichtig. �Es bleibt nicht mehr viel Zeit.� Er sah sich zum Rand der Mulde um. Das Bellen wurde lauter. �Diese Biester werden in wenigen Minuten hier sein.� Loial nickte.</p><p>Rand holte tief Luft und legte die Hand auf das Zeichen, das Selene ihm gezeigt hatte. Er sah sie fragend an, ob er es richtig machte, aber sie schaute einfach nur zu. Nicht die leichteste Sorgenfalte zierte ihre blasse Stirn. <emphasis>Sie glaubt fest daran, da� du sie retten kannst. Du mu�t einfach.</emphasis> Ihr Duft f�llte seine Nase.</p><p>�Ah... Lord Rand?�</p><p>Rand schluckte und beschwor das Nichts herauf. Es kam ganz leicht und h�llte ihn m�helos ein. Leere. Leere, bis auf das Licht, das so schwankte, da� es ihm den Magen umdrehte. Leere bis auf <emphasis>Saidin.</emphasis> Aber selbst das Schwindelgef�hl war irgendwie fern. Er war eins mit dem Portalstein. Die S�ule lag glatt und etwas schl�pfrig unter seiner Hand, aber das Brandzeichen in seiner Handfl�che dr�ckte gegen ein w�rmendes Dreieck-und-Kreis-Symbol. <emphasis>Mu� sie in Sicherheit bringen. Mu� sie heimbringen.</emphasis> Der Lichtschein schwebte auf ihn zu, wie es schien, umgab ihn, und er... gab sich... ihm hin.</p><p>Licht erf�llte ihn. Hitze erf�llte ihn. Er sah den Stein, auch die anderen, wie sie ihn beobachteten � Loial und Hurin nerv�s, w�hrend Selene keinen Zweifel daran zeigte, da� er sie retten k�nne �, aber sie h�tten genausogut gar nicht da sein k�nnen. Das Licht erf�llte alles. Die Hitze und das Licht durchdrangen seine Glieder wie Wasser, das in trockenen Sand einsickert, und sie erf�llten ihn. Das Zeichen brannte in sein Fleisch. Er versuchte, alles in sich aufzunehmen, die Hitze, das Licht. Alles. Das Zeichen... Pl�tzlich flackerte die Welt, als h�tte die Sonne einen Moment lang mit Scheinen ausgesetzt. Und dann wieder. Das Zeichen war wie eine gl�hende Kohle in seiner Hand. Er trank das Licht. Die Welt flackerte. Flackerte. Es machte ihn krank, dieses Licht; es war Wasser f�r einen Mann, der am Verdursten war. Flackern. Er saugte daran. Er h�tte sich am liebsten �bergeben. Er wollte alles. Flackern. Dreieck und Kreis verbrannten ihn. Er f�hlte, wie es seine Hand verkohlte. Flackern. Er wollte alles! Er schrie, heulte vor Schmerz, heulte vor Verlangen.</p><p>Flackern... Flackern... FlackernFlackernFlackern...</p><p>H�nde rissen an ihm. Er merkte es nur ganz am Rande. Er taumelte zur�ck. Das Nichts entschl�pfte ihm, das Licht und das Schwindelgef�hl, das ihm den Magen umdrehte. Das Licht. Bedauernd sah er zu, wie es dahinfloh. <emphasis>Licht, es ist doch verr�ckt, sich so danach zu sehnen. Aber es hat mich so erf�llt! Ich war so...</emphasis> Bet�ubt sah er Selene an. Sie war es, die ihn an den Schultern hielt und ihm fragend in die Augen sah. Er hob die Hand vor das Gesicht. Das Brandzeichen des Reihers war da, aber sonst nichts. Kein eingebranntes Dreieck im Kreis.</p><p>�Bemerkenswert�, sagte Selene bed�chtig. Sie blickte sich nach Loial und Hurin um. Der Ogier wirkte verdattert. Seine Augen schienen tellergro�. Der Schn�ffler hockte am Boden und st�tzte sich mit einer Hand ab. Er schien sich kaum anders aufrecht halten zu k�nnen. �Alle sind wir hier und auch alle unsere Pferde. Und Ihr wi�t nicht einmal, was Ihr getan habt. Bemerkenswert.�</p><p>�Sind wir...?� begann Rand heiser, dann mu�te er sich unterbrechen, um zu schlucken.</p><p>�Seht Euch um�, sagte Selene. �Ihr habt uns nach Hause gebracht.� Sie lachte kurz auf. �Ihr habt uns alle heimgebracht.�</p><p>Erst jetzt wurde sich Rand seiner Umgebung bewu�t. Die Mulde, in der sie sich befanden, wies keine Stufen auf, aber hier und da sah man einen verd�chtig glatt geschliffenen, rot oder blau gef�rbten Stein liegen. Die S�ule befand sich am Abhang und war unter einem Steinschlag halb begraben worden. Die Symbole darauf waren nicht mehr klar zu erkennen; von Wind und Wasser waren sie verwittert. Und alles sah ganz real aus. Die Farben wirkten kr�ftig, der Granit war von einem gl�nzenden Grau, die Str�ucher gl�nzten gr�n und braun.</p><p>Nach diesem anderen Ort schien alles beinahe zu lebhaft.</p><p>�Zu Hause�, hauchte Rand, und dann lachte auch er. �Wir sind zu Hause.� Loials Gel�chter klang nach dem Br�llen eines Stiers. Hurin tanzte umher.</p><p>�Ihr habt es geschafft�, sagte Selene. Sie n�herte sich ihm, bis ihr Gesicht Rands Sicht f�llte. �Ich wu�te, Ihr k�nnt das!�</p><p>Rands Lachen erstarb. �Ich... ich sch�tze, ja.� Er sah den umgest�rzten Portalstein an und brachte ein schwaches Lachen zustande. �Aber ich kann nicht erkl�ren, was ich eigentlich getan habe.�</p><p>Selene sah ihm tief in die Augen. �Vielleicht wi�t Ihr es eines Tages�, sagte sie leise. �Ihr seid ganz sicher zu Gro�em bestimmt.�</p><p>Ihre Augen schienen ihm so dunkel und tief wie die Nacht, so weich wie Samt. Ihr Mund... <emphasis>Wenn ich sie nun k��te...</emphasis> Er blinzelte und trat hastig einen Schritt zur�ck, wobei er sich r�usperte. �Selene, erz�hlt bitte niemandem davon. Von dem Portalstein und mir. Ich verstehe es schon nicht, und ein anderer wird es erst recht nicht verstehen. Ihr wi�t, wie die Leute auf Ereignisse reagieren, die sie nicht verstehen.�</p><p>Ihr Gesicht blieb ausdruckslos. Pl�tzlich w�nschte er sich so sehr, Mat und Perrin w�ren hier. Perrin wu�te, wie man mit M�dchen zu sprechen hatte, und Mat konnte l�gen, ohne mit der Wimper zu zucken. Er beherrschte beides nicht so gut.</p><p>Da l�chelte Selene und knickste sp�ttisch. �Ich werde Euer Geheimnis bewahren, Lord Rand al'Thor.�</p><p>Rand blickte sie an und r�usperte sich wieder. <emphasis>Ist sie jetzt b�se auf mich? Sie w�re sicher b�se, wenn ich versuchte, sie zu k�ssen. Glaube ich.</emphasis> Zu allem �berflu� sah sie ihn so an, als kenne sie seine Gedanken. �Hurin, gibt es eine M�glichkeit, da� Schattenfreunde diesen Stein vor uns benutzten?�</p><p>Der Schn�ffler sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Sie ritten von hier aus in westlicher Richtung, Lord Rand. Wenn die Portalsteine nicht sehr viel h�ufiger sind, als ich annehme, sind sie immer noch in dieser anderen Welt. Aber ich brauche kaum eine Stunde, um das genau nachzupr�fen. Das Land ist ja das gleiche wie hier. Ich k�nnte die Stelle finden, an der ich dort die Spur verloren habe, falls Ihr wi�t, was ich meine, und nachschauen, ob sie bereits dort vorbeigekommen sind.�</p><p>Rand blickte zum Himmel auf. Die Sonne � eine wunderbar kr�ftige Sonne, �berhaupt nicht bla� � stand niedrig im Westen. Ihre Schatten erstreckten sich bereits aus der Mulde hinaus. In einer weiteren Stunde w�rde schon D�mmerung herrschen. �Am Morgen�, sagte er. �Aber ich f�rchte, wir haben die Spur verloren.� <emphasis>Wir d�rfen diesen Dolch nicht aufgeben! Auf keinen Fall!</emphasis> �Selene, falls es wirklich so sein sollte, werden wir Euch am Morgen nach Hause bringen. Wohnt Ihr in der Stadt Cairhien selbst oder...?�</p><p>�Ihr habt vielleicht das Horn von Valere noch nicht verloren�, sagte Selene bed�chtig. �Wie Ihr wi�t, wei� ich <emphasis>ein paar Dinge</emphasis> in bezug auf diese Welten.�</p><p><emphasis>�Spiegel des Rads�,</emphasis> sagte Loial.</p><p>Sie sah ihn kurz an und nickte. �Ja, genau. Diese Welten sind auf gewisse Art wirklich Spiegelbilder, besonders diejenigen, auf denen es keine Menschen gibt. Einige spiegeln ausschlie�lich gro�e Ereignisse aus der wirklichen Welt wider, aber in einigen werfen diese Ereignisse bereits einen Schatten voraus, bevor sie �berhaupt geschehen sind. Das Kommen des Horns von Valere w�re sicherlich ein solch gro�es Ereignis.</p><p>Spiegelbilder dessen, was sein wird, sind schw�cher als die von Ereignissen, die geschehen oder bereits geschehen sind, genauso wie Hurin sagt, die Spur, der er folgte, sei schwach ausgepr�gt gewesen.�</p><p>Hurin machte ein ungl�ubiges Gesicht. �Wollt Ihr damit sagen, Lady Selene, da� ich gerochen habe, wo diese Schattenfreunde <emphasis>sein werden?</emphasis> Licht, hilf mir, das h�tte ich nicht gern. Es ist schon schlimm genug, wenn man Gewalt riechen mu�, wo sie angewandt <emphasis>wurde,</emphasis> ohne auch noch riechen zu m�ssen, wo sie angewandt <emphasis>werden wird.</emphasis> Es kann nicht viele Orte geben, an denen nicht <emphasis>manchmal</emphasis> der eine oder andere Gewaltakt geschehen wird. Das triebe mich h�chstwahrscheinlich zum Wahnsinn. Der Ort, den wir gerade verlie�en, hat mich schon beinahe geschafft. Ich konnte es dort die ganze Zeit riechen: T�ten und Verletzen und das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Ich konnte es sogar an uns riechen. An uns allen. Selbst an Euch, Lady, falls Ihr mir vergebt, wenn ich das sage. Es lag einfach an diesem Ort, der mich verdreht hat, so wie er die Sicht verdrehte.� Er sch�ttelte sich. �Ich bin froh, da� wir da weg sind. Ich kann meine Nase noch immer nicht von diesem Geruch freibekommen.�</p><p>Rand rieb abwesend �ber das Brandzeichen in seiner Hand. �Was denkst du, Loial? K�nnten wir uns wirklich vor Fains Schattenfreunden befinden?�</p><p>Der Ogier runzelte die Stirn und zuckte die Achseln. �Ich wei� es nicht, Rand. Ich wei� dar�ber rein gar nichts. Ich glaube, da� wir wieder in unserer Welt sind. Ich glaube, wir befinden uns an Bruderm�rders Dolch. Dar�ber hinaus... � Er zuckte erneut die Achseln.</p><p>�Wir sollten Euch nach Hause bringen, Selene�, sagte Rand. �Eure Familie wird sich Sorgen um Euch machen.�</p><p>�In ein paar Tagen werden wir wissen, ob ich recht hatte�, sagte sie ungeduldig. �Hurin kann den Ort wiederfinden, an dem wir die Spur verlassen haben; er hat das selbst gesagt. Wir k�nnen sie �berwachen. Das Horn von Valere wird bestimmt bald dort sein. Das Horn von Valere, Rand. Denkt doch einmal. Der Mann, der das Horn bl�st, wird f�r immer in die Legende eingehen.�</p><p>�Ich will nichts mit Legenden zu tun haben�, erwiderte er scharf. <emphasis>Aber wenn die Schattenfreunde dich �berholen... Was ist, wenn Ingtar ihre Spur verloren hat? Dann haben die Schattenfreunde das Horn von Valere f�r immer, und Mat stirbt.</emphasis> �In Ordnung, noch ein paar Tage. Schlimmstenfalls treffen wir vielleicht Ingtar und die anderen. Ich kann mir nicht vorstellen, da� sie dort geblieben oder gar umgekehrt sind, nur weil wir... weggingen.�</p><p>�Ein weiser Entschlu�, Rand�, sagte Selene, �und gut durchdacht.� Sie ber�hrte seinen Arm und l�chelte, und er f�hlte schon wieder den Wunsch, sie zu k�ssen.</p><p>��h... wir m�ssen n�her dort sein, wo sie herkommen werden. Falls sie kommen. Hurin, kannst du noch vor Einbruch der Dunkelheit einen Lagerplatz f�r uns finden, von dem aus sich die Stelle beobachten l��t, an dem du die Spur verloren hast?� Er blickte zum Portalstein hin�ber und �berlegte, ob sie in der N�he schlafen sollten. Dann dachte er daran, wie ihn das Nichts beim letzten Mal im Schlaf �berrascht hatte, und an das Licht im Nichts. �Irgendwo ein gutes St�ck von hier entfernt.�</p><p>��berla�t das nur mir, Lord Rand.� Der Schn�ffler kletterte in den Sattel. �Ich schw�re, da� ich mich nie wieder schlafen lege, ohne vorher genau nachzusehen, welche Art von Steinen es in der N�he gibt.�</p><p>Als Rand auf dem Braunen aus der Mulde heraus ritt, wurde ihm bewu�t, da� seine Blicke vor allem Selene galten und nicht Hurin. Sie schien so k�hl und beherrscht, nicht �lter als er, doch so k�niglich, und wenn sie ihn anl�chelte so wie jetzt, dann... <emphasis>Egwene h�tte nicht gesagt, ich sei weise. Egwene h�tte mich Wollkopf genannt.</emphasis> Gereizt gab er dem Braunen die Fersen.</p></section><section><title><p>18</p><p>Zur Wei�en Burg</p></title><p>Egwene stand unsicher auf dem Ladedeck, als die <emphasis>Flu�k�nigin</emphasis> den breiten Erinin unter dunkel bew�lktem Himmel hinunterfuhr. Die Segel bl�hten sich im Wind, und die Flagge mit der Wei�en Flamme flatterte wild am Hauptmast. Der Wind hatte sich erhoben, kaum da� die letzte von ihnen in Medo an Bord gegangen war, und er hatte keinen Moment nachgelassen oder gar aufgeh�rt, weder bei Tag noch bei Nacht. Der Flu� f�hrte nun Hochwasser, das gegen die Schiffe klatschte und sie schneller vorw�rtstrieb. Wind und Flu� hatten nicht lockergelassen, genau wie die Schiffe, die in einer Gruppe dahintrieben. Die <emphasis>Flu�k�nigin</emphasis> f�hrte sie an, und das geb�hrte ja auch dem Schiff, das die Amyrlin trug.</p><p>Der Steuermann hielt grimmig sein Ruder fest. Er hatte die Beine gespreizt, um das Gleichgewicht besser zu halten. An Deck gingen die Matrosen barfu� und konzentriert ihrer Arbeit nach. Wenn sie zum Himmel hinauf oder auf den Flu� hinunterblickten, rissen sie ihren Blick schnell wieder weg und murmelten leise Fl�che. Ein Dorf verschwand gerade hinter ihnen, und am Ufer lief ein Junge entlang. F�r eine kurze Strecke hatte er mit den Schiffen mitgehalten, doch jetzt lie�en sie ihn hinter sich zur�ck. Als er verschwand, kehrte Egwene unter Deck zur�ck.</p><p>In der kleinen Kabine, die sie sich teilten, funkelte Nynaeve sie b�se aus ihrer engen Koje an. �Sie sagen, da� wir heute noch nach Tar Valon kommen. Licht, hilf mir, bin ich froh, wieder an Land zu gehen, selbst wenn es Tar Valon ist.� Das Schiff schwankte in Wind und Str�mung, und Nynaeve mu�te schlucken. �Ich werde nie wieder ein Boot betreten�, murmelte sie erstickt.</p><p>Egwene sch�ttelte das Spritzwasser des Flusses aus ihrem Umhang und h�ngte ihn an einen Haken neben der T�r. Es war eine beengte Kabine � auf dem Schiff gab es nur kleine Kabinen, wie es schien, nicht einmal jene, die die Amyrlin vom Kapit�n �bernommen hatte, war ger�umig, wenn auch etwas gr��er als die anderen. Die beiden Kojen waren in die Wand eingebaut; dar�ber befanden sich Schubf�cher und darunter Regalbretter, so da� alles gleich zur Hand war.</p><p>Obwohl es schwierig war, das Gleichgewicht zu halten, st�rte die Bewegung des Schiffs Egwene nicht in dem Ma�, wie es bei Nynaeve der Fall war. Sie hatte es aufgegeben, Nynaeve etwas zu essen anzubieten, nachdem die Seherin das dritte Mal die Sch�ssel nach ihr geworfen hatte. �Ich mache mir Sorgen um Rand�, sagte sie.</p><p>�Ich mache mir Sorgen um alle�, antwortete Nynaeve undeutlich. Einen Augenblick sp�ter fragte sie: �Wieder ein Traum letzte Nacht? So wie du seit dem Aufstehen ins Leere geschaut hast... �</p><p>Egwene nickte. Sie hatte es nie sehr gut verstanden, etwas vor Nynaeve zu verheimlichen, und bei den Tr�umen hatte sie es gar nicht erst versucht. Nynaeve hatte zuerst versucht, sie deshalb auf den Arm zu nehmen, aber als sie h�rte, da� sich eine Aes Sedai daf�r interessierte, glaubte sie ihr. �Er war wie die anderen. Anders, aber im Prinzip das gleiche. Rand befindet sich in Gefahr. Ich wei� es. Und es wird schlimmer. Er hat etwas getan oder wird etwas tun, da� ihn in...� Sie lie� sich auf das Bett fallen und beugte sich zu der Freundin hin�ber.</p><p>�Ach, k�nnte ich mir nur einen Reim darauf machen!�</p><p>�Wendet er die Macht an?� fragte Nynaeve leise.</p><p>Unwillk�rlich sah sich Egwene um, ob nicht jemand lauschte. Sie waren allein, die T�r war geschlossen, und trotzdem sprach sie ganz leise. �Ich wei� nicht. Vielleicht.� Man wu�te nie, was Aes Sedai alles fertigbrachten � sie hatte bereits genug gesehen, um alles zu glauben, was man sich �ber ihre F�higkeiten erz�hlte �, und sie wollte nicht riskieren, da� jemand sie belauschte. <emphasis>Ich setze doch Rand nicht aufs Spiel. Von Rechts wegen m��te ich es ihnen erz�hlen, aber Moiraine wei� Bescheid, und sie hat nichts gesagt. Au�erdem ist es Rand! Ich kann nicht.</emphasis> �Ich wei� nicht mehr weiter.�</p><p>�Hat Anaiya noch etwas zu diesen Tr�umen gesagt?� Nynaeve f�gte aus Prinzip niemals den Titel Sedai hinzu. Die meisten Aes Sedai schienen sich nicht darum zu k�mmern, aber diese Angewohnheit hatte ihr schon ein paar befremdete und auch ein paar b�se Blicke eingebracht; schlie�lich reiste sie zur Wei�en Burg, um sich dort ausbilden zu lassen.</p><p>�Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht.� Egwene imitierte Anaiya: ��Der Junge ist weit weg, Kind, und wir k�nnen nichts unternehmen, bis wir mehr wissen. Ich werde daf�r sorgen, da� ich selbst deine F�higkeiten �berpr�fe, wenn wir die Wei�e Burg erreicht haben, Kind.� Aaaach! Sie <emphasis>wei�,</emphasis> da� an diesen Tr�umen etwas dran ist. Ich f�hle es deutlich. Ich mag diese Frau, Nynaeve, wirklich! Aber sie <emphasis>will</emphasis> mir einfach nicht sagen, was ich wissen mu�. Ich kann ihr nicht alles erz�hlen. Wenn ich k�nnte, vielleicht... �</p><p>�Wieder der Mann mit der Maske?�</p><p>Egwene nickte. Irgendwie fand sie es besser, Anaiya nichts von ihm zu erz�hlen. Sie konnte sich nicht vorstellen, warum, doch sie war sich ganz sicher. Dreimal war der Mann mit den Augen aus Feuer in ihren Tr�umen aufgetaucht, immer wenn sie etwas tr�umte, das Rand in Gefahr zeigte. Er trug immer eine Gesichtsmaske. Manchmal konnte sie seine Augen sehen, und manchmal sah sie nur Flammen an der Stelle seiner Augen. �Er lachte mich aus. Es war so... voller Verachtung. Als sei ich ein Welpe, den er mit dem Fu� beiseite schieben m�sse. Das �ngstigt mich. Ich f�rchte mich vor ihm.�</p><p>�Bist du sicher, da� es etwas mit den anderen Tr�umen zu tun hat, den Tr�umen von Rand? Manchmal ist ein Traum doch nur ein Traum.�</p><p>Egwene hob gereizt die H�nde. �Und manchmal, Nynaeve, redest du schon genauso wie Anaiya Sedai!� Sie legte besondere Betonung auf den Titel und freute sich, als Nynaeve das Gesicht verzog.</p><p>�Falls ich noch einmal aus dieser Koje herauskomme, Egwene... �</p><p>Was auch immer sie noch hatte sagen wollen, wurde durch ein Klopfen an die T�r unterbrochen. Bevor Egwene etwas sagen oder sich auch nur bewegen konnte, kam die Amyrlin selbst herein und schlo� die T�r hinter sich. Erstaunlicherweise war sie einmal allein. Sie verlie� sonst nur selten ihre Kabine und dann auch nur mit Leane an der Seite und vielleicht noch einer der Aes Sedai.</p><p>Egwene sprang auf. Der Raum war ziemlich voll mit drei Menschen.</p><p>�F�hlt Ihr Euch beide wohl?� fragte die Amyrlin aufmunternd. Sie hielt den Kopf schief und sah Nynaeve an. �Ich hoffe, Ihr e�t auch gut? Seid Ihr guter Stimmung?�</p><p>Nynaeve setzte sich m�hsam auf und lehnte sich gegen die Wand. �Meine Stimmung ist ausgezeichnet, vielen Dank.�</p><p>�Es ist uns eine Ehre, Mutter�, begann Egwene, aber die Amyrlin gab ihr durch einen Wink zu verstehen, sie solle schweigen.</p><p>�Es ist gut, sich wieder auf dem Wasser zu befinden, aber wenn man nichts zu tun hat, wird es mit der Zeit so langweilig wie ein M�hlteich.� Das Schiff schwankte, und sie verlagerte ihr Gewicht, ohne es �berhaupt zu bemerken. �Heute unterrichte ich Euch.� Sie setzte sich im Schneidersitz auf das Ende von Egwenes Koje. �Setzt Euch, Kind.�</p><p>Egwene setzte sich, aber Nynaeve bem�hte sich, auf die Beine zu kommen. �Ich denke, ich gehe an Deck.�</p><p>�Ich sagte, setzt Euch!� Die Stimme der Amyrlin peitschte durch die Kabine, aber Nynaeve versuchte immer noch, wankend aufzustehen. Sie st�tzte sich mit beiden H�nden am Bett ab, doch sie stand schon fast. Egwene war schon bereit, sie aufzufangen, falls sie st�rzte.</p><p>Dann schlo� Nynaeve die Augen und setzte sich wieder auf das Bett. �Vielleicht bleibe ich doch. Es ist oben bestimmt windig.�</p><p>Die Amyrlin lachte auf. �Man sagte mir, Ihr h�ttet eine Laune wie eine M�we mit einer Gr�te in der Kehle Einige meinen, Kind, es sei besser f�r Euch, eine Weile als Novizin zu verbringen, gleichg�ltig, wie alt Ihr schon seid. Ich dagegen sage, wenn Ihr wirklich die F�higkeiten besitzt, von denen ich h�rte, verdient Ihr es, unter die Aufgenommenen eingereiht zu werden.� Sie lachte erneut. �Ich glaube daran, jedem das zu geben, was er verdient hat. Ja. Ich vermute, Ihr werdet eine Menge lernen, wenn Ihr einmal in der Wei�en Burg seid.�</p><p>�Mir w�re es lieber, einer der Beh�ter br�chte mir bei, wie man ein Schwert gebraucht�, grollte Nynaeve. Sie schluckte krampfhaft und �ffnete die Augen weit. �Es gibt jemanden, bei dem ich das gern verwenden w�rde.� Egwene warf ihr einen scharfen Blick zu. Meinte Nynaeve damit die Amyrlin � das w�re dumm und gef�hrlich �oder Lan? Sie hatte Egwene jedesmal angefaucht, wenn Lan erw�hnt wurde.</p><p>�Ein Schwert?� fragte die Amyrlin. �Ich habe niemals daran geglaubt, da� Schwerter sehr n�tzlich seien � selbst wenn Ihr die Fertigkeit besitzt, Kind, gibt es immer M�nner, die es genausogut k�nnen und kr�ftiger sind. Aber wenn Ihr ein Schwert haben wollt...� Sie er hob die Hand � Egwene keuchte v�llig �berrascht, und selbst Nynaeves Augen quollen beinahe heraus � und hielt ein Schwert. Klinge und Griff waren von einem eigenartigen bl�ulichen Wei� und wirkten irgendwie... kalt. �Aus der Luft erschaffen, Kind. Es ist so gut wie die meisten Stahlklingen, sogar besser als die meisten und doch zu wenigem zu gebrauchen.� Aus dem Schwert wurde ein Hirschf�nger. Es schrumpfte nicht etwa; es war erst ein Schwert und dann �bergangslos etwas anderes. �Das hier ist zum Beispiel n�tzlich.� Der Hirschf�nger verwandelte sich in Nebel, und der Nebel verflog. Die Amyrlin legte die Hand wieder in den Scho�. �Aber beides kostet mehr M�he, als es wert ist. Es ist besser und leichter, einfach ein gutes Messer bei sich zu tragen. Ihr m��t lernen, wann Ihr Eure F�higkeiten anwendet, genauso wie Ihr lernen m��t, <emphasis>wie</emphasis> Ihr sie richtig anwendet und wann es besser ist, die Dinge so anzupacken wie jede normale Frau. La�t den Schmied Messer anfertigen, um Fische auszunehmen. Gebraucht Ihr die Eine Macht zu oft und in zu hohem Ma�e, dann gef�llt es Euch vielleicht zu sehr. Darin liegt Gefahr. Ihr wollt dann mehr und mehr davon, und fr�her oder sp�ter riskiert Ihr, mehr Macht an Euch zu rei�en, als Ihr gefahrlos beherrschen k�nnt. Und das wiederum kann Euch ausbrennen wie eine abgeschnittene Kerze oder... �</p><p>�Wenn ich das alles schon lernen mu߫, unterbrach Nynaeve sie unnachgiebig, �dann m�chte ich lieber gleich etwas N�tzliches erlernen. All dieses... dieses... �Beweg die Luft, Nynaeve. Entz�nde die Kerze, Nynaeve. Jetzt l�sch sie wieder. Entz�nde sie nochmals.� Pah!�</p><p>Egwene schlo� die Augen. <emphasis>Bitte, Nynaeve, bitte z�gle dein Temperament!</emphasis> Sie bi� sich auf die Lippen, um es nicht laut auszusprechen.</p><p>Die Amyrlin schwieg ein Weilchen. �N�tzlich�, sagte sie schlie�lich. �Etwas N�tzliches. Ihr wolltet ein Schwert haben. Stellt Euch vor, ein Mann griffe mich mit einem Schwert an. Was t�te ich? Etwas N�tzliches, da k�nnt Ihr sicher sein. Ich glaube, zum Beispiel das hier.�</p><p>F�r einen Augenblick glaubte Egwene, einen Lichtschein um die Frau sehen zu k�nnen, die am anderen Ende des Bettes sa�. Dann schien sich die Luft zu verdichten. Es �nderte sich nichts, soweit Egwene es sehen konnte, aber sie konnte etwas f�hlen. Sie versuchte, den Arm zu heben. Er bewegte sich nicht. Es war, als stecke sie bis zum Hals in Gelatine. Sie konnte nichts au�er dem Kopf bewegen.</p><p>�La�t mich frei!� kr�chzte Nynaeve. Ihre Augen funkelten zornig, und ihr Kopf ruckte von einer Seite zur anderen, doch der Rest von ihr sa� so starr wie eine Statue. Egwene wurde klar, da� sie nicht die einzige war, die auf diese Art festgehalten wurde. �La�t mich los!�</p><p>�N�tzlich, nicht wahr? Und es hat nur mit dem Element Luft zu tun.� Die Amyrlin sprach in einem Tonfall, als s��en sie beim Tee und klatschten lediglich miteinander. �Ein gro�er Mann mit viel Muskeln und seinem Schwert, aber das Schwert nutzt ihm genausoviel wie die Haare auf der Brust.�</p><p>�La�t mich los, sage ich!�</p><p>�Und wenn es mir nicht pa�t, wo er sich befindet, na ja, dann hebe ich ihn hoch.� Nynaeve quiekte w�tend, als sie langsam hochschwebte, immer noch in sitzender Haltung, bis ihr Kopf beinahe an die Decke stie�. Die Amyrlin l�chelte. �Ich habe mir oft gew�nscht, ich k�nne dies selbst zum Fliegen benutzen. Die Berichte sagen aus, da� die Aes Sedai im Zeitalter der Legenden tats�chlich fliegen konnten, aber sie dr�cken sich nicht klar genug aus, wie das vor sich ging. Jedenfalls nicht so. Das geht so einfach nicht. Man kann die H�nde ausstrecken und eine Truhe aufheben, die genausoviel wiegt wie man selbst. Man sieht stark aus dabei. Aber Ihr k�nnt Euch selbst packen, wie immer Ihr wollt � es gelingt Euch nicht, Euch selbst hochzuheben.�</p><p>Nynaeves Kopf zuckte aufgebracht, doch kein anderer Muskel an ihrem K�rper r�hrte sich. �Das Licht versenge Euch, la�t mich endlich los!�</p><p>Egwene schluckte und hoffte, sie werde nicht auch noch hochgehoben.</p><p>�Also�, fuhr die Amyrlin fort, �der gro�e haarige Mann. Er kann mir nichts antun, w�hrend ich ihm alles antun kann. Tja, wenn es mir in den Kopf k�me� � sie beugte sich vor, sah Nynaeve eindringlich an, und ihr L�cheln erschien nicht mehr so freundlich �, �k�nnte ich ihn einfach in der Luft kopfstehen lassen und ihm das Hinterteil versohlen. Genau so... � Pl�tzlich schlug es die Amyrlin nach hinten, so da� ihr Kopf gegen die Wand prallte, und dort blieb sie, als hielte sie etwas fest.</p><p>Egwene starrte sie an. Ihr Mund war ausgetrocknet. <emphasis>Das gibt es doch nicht. Das kann doch nicht sein!</emphasis></p><p>�Sie hatten recht�, sagte die Amyrlin. Ihre Stimme klang gequ�lt, als habe sie Schwierigkeiten mit dem Atmen. �Sie sagten, Ihr lerntet �u�erst schnell. Und sie sagten auch, Ihr m��tet erst ganz schlechter Laune sein, um wirklich zu dem durchzudringen, was Ihr vollbringen k�nnt.� Sie atmete schwer ein. �Sollen wir uns nicht gegenseitig wieder loslassen, Kind?�</p><p>Nynaeve, die immer noch mit funkelnden Augen in der Luft schwebte, rief: �La�t mich sofort los, oder ich werde...� Schlagartig verzog sich ihr Gesicht vor �berraschung und wirkte dann ein wenig verloren. Ihr Mund bewegte sich lautlos.</p><p>Die Amyrlin setzte sich auf und bewegte probeweise die Schultern. �Ihr wi�t eben doch nicht alles, oder? Nicht einmal den hundertsten Teil von allem. Ihr habt nicht vermutet, da� ich Euch von der Wahren Quelle abschneiden kann. Ihr k�nnt sie immer noch dort drau�en f�hlen, aber Ihr k�nnt sie genausowenig ber�hren wie ein Fisch den Mond. Wenn Ihr genug gelernt habt, um zur vollen Schwester erhoben zu werden, wird keine Frau in der Lage sein, mit Euch so etwas anzustellen. Je st�rker Ihr werdet, desto mehr Aes Sedai werden n�tig sein, um Euch gegen Euren Willen abzuschirmen. Seid Ihr jetzt der Meinung, Ihr solltet es vielleicht doch lernen?� Nynaeve pre�te die Lippen ganz fest zusammen und sah ihr grimmig in die Augen. Die Amyrlin seufzte. �Wenn Ihr auch nur um Haaresbreite weniger Potential bes��et, Kind, w�rde ich Euch zur Oberin der Novizinnen schicken und ihr befehlen, sie solle Euch f�r den Rest Eures Lebens dort behalten. Aber Ihr werdet bekommen, was Ihr verdient.�</p><p>Nynaeves Augen weiteten sich, und sie hatte gerade noch Zeit, mit einem Aufschrei zu beginnen, da fiel sie auch schon mit einem lauten dumpfen Schlag auf ihr Bett zur�ck. Egwene verzog schmerzlich das Gesicht; die Matratzen waren d�nn, und das Holz darunter war ziemlich hart. Nynaeves Gesicht verzog sich nicht. Sie rutschte nur ein winziges St�ckchen weiter, um bequemer zu sitzen.</p><p>�Und jetzt�, sagte die Amyrlin mit fester Stimme, �werden wir mit den Lektionen beginnen, au�er Ihr w�nscht noch eine weitere Demonstration. Man k�nnte auch sagen, la�t uns mit der Lektion fortfahren.�</p><p>�Mutter?� fragte Egwene schwach. Sie konnte sich unter Kinnh�he immer noch nicht r�hren.</p><p>Die Amyrlin sah sie fragend an und l�chelte. �Oh, das tut mir leid, Kind. Eure Freundin hat meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.� Pl�tzlich konnte sich Egwene wieder bewegen. Sie hob die Arme, um sich davon zu �berzeugen. �Seid Ihr beide bereit zu lernen?�</p><p>�Ja, Mutter�, sagte Egwene schnell.</p><p>Die Amyrlin zog die Augenbrauen in Richtung Nynaeve hoch.</p><p>Einen Augenblick sp�ter sagte Nynaeve mit angespannter Stimme: �Ja, Mutter.�</p><p>Egwene seufzte vor Erleichterung auf.</p><p>�Gut. Nun denn. Entleert Eure Gedanken von allem, bis auf eine Knospe.�</p><p>Egwene kam ordentlich ins Schwitzen, bis die Amyrlin endlich ging. Sie hatte geglaubt, einige der anderen Aes Sedai seien harte Lehrerinnen gewesen, aber diese l�chelnde Frau mit dem nichtssagenden Gesicht holte die letzten Reserven aus ihnen heraus, pumpte sie aus, und wenn keine Energie mehr �brig war, schien sie in die beiden einzudringen und immer noch etwas aus ihnen herauszuholen. Aber die Stunde war gut verlaufen. Als sich die T�r hinter der Amyrlin schlo�, hob Egwene eine Hand. Eine winzige Flamme entstand, balancierte um Haaresbreite �ber ihrem Zeigefinger und tanzte anschlie�end von Fingerspitze zu Fingerspitze. Sie durfte das eigentlich nicht ohne die Anwesenheit einer Lehrerin tun � mindestens einer der Aufgenommenen �, aber sie war zu freudig erregt ob ihrer Fortschritte, um darauf zu achten.</p><p>Nynaeve sprang auf und warf ihr Kissen nach der sich schlie�enden T�r. �Diese gemeine, verachtungsw�rdige, miese � Hexe! Das Licht soll sie versengen! Ich w�rde <emphasis>sie</emphasis> gern an die Fische verf�ttern. Ich w�rde ihr gern Elixiere einfl��en, damit sie f�r den Rest ihres Lebens gr�n anl�uft! Es ist mir gleich, da� sie alt genug ist, um meine Mutter zu sein. Wenn ich sie in Emondsfeld h�tte, k�nnte sie sich nicht mal f�nf Minuten lang ruhig auf den Hintern setzen... � Sie knirschte so laut mit den Z�hnen, da� Egwene zusammenfuhr.</p><p>Egwene lie� die Flamme ersterben und richtete den Blick fest auf ihren Scho�. Sie h�tte sich gern aus dem Raum geschlichen, ohne Nynaeves Aufmerksamkeit zu erregen.</p><p>F�r Nynaeve war die Unterrichtsstunde nicht so gut verlaufen, denn sie hatte ihr Temperament streng gez�gelt, bis die Amyrlin weg war. Sie konnte aber nur dann viel erreichen, wenn sie w�tend war, aber dann brach alles aus ihr heraus. Nachdem sie eins ums andere Mal versagt hatte, hatte die Amyrlin ihr Bestes getan, sie wieder richtig aufzuregen.</p><p>Nynaeve stolzierte steif hin�ber zu ihrer Koje und starrte die Wand an. Die F�uste hatte sie geballt. Egwene sah die T�r sehnsuchtsvoll an.</p><p>�Es war ja nicht deine Schuld�, sagte Nynaeve, und Egwene fuhr zusammen. �Nynaeve, ich... �</p><p>Nynaeve drehte sich um und sah sie an. �Es war nicht deine Schuld�, wiederholte sie, klang aber nicht ganz �berzeugend. �Aber wenn du jemals auch nur ein Wort weitererz�hlst, dann werde ich... �</p><p>�Kein Sterbensw�rtchen�, beteuerte Egwene schnell. �Ich erinnere mich an gar nichts, was ich erz�hlen k�nnte.�</p><p>Nynaeve blickte sie noch einen Moment lang an und nickte dann. Pl�tzlich verzog sie das Gesicht. �Licht, ich h�tte nicht gedacht, da� etwas noch schlechter schmecken k�nnte als rohe Schafszungenwurzel!�</p><p>Egwene zuckte zusammen. Das war das erste gewesen, was die Amyrlin probiert hatte, um Nynaeve w�tend zu machen. Pl�tzlich war ein dunkler Klumpen aufgetaucht, der wie Schmiere gl�nzte und schrecklich stank. W�hrend die Amyrlin Nynaeve mit Hilfe der Macht festhielt, wurde der Seherin das Zeug in den Mund hineingezwungen. Die Amyrlin hatte ihr sogar die Nase zugehalten, damit sie es schluckte. Und Nynaeve verga� nie, was sie einmal erlebt hatte � sie war schrecklich nachtragend. Egwene wu�te, da� es keine M�glichkeit gab, sie von ihrer Rache abzuhalten. Bei allem Erfolgsgef�hl, da� sie eine Flamme zum Tanzen bringen konnte, h�tte <emphasis>sie</emphasis> die Amyrlin niemals an der Wand festgehalten. �Wenigstens wirst du jetzt nicht mehr seekrank.�</p><p>Nynaeve brummte und lachte dann kurz und hart auf. �Ich bin zu w�tend, um seekrank zu sein.� Nach einem weiteren freudlosen Lacher sch�ttelte sie den Kopf. �Ich f�hle mich zu schlecht, um seekrank zu sein. Licht, ich f�hle mich, als h�tte mich einer r�ckw�rts durch ein Astloch gezogen. Wenn so der Unterricht bei den Novizinnen aussieht, dann erwarten uns ja herrliche Zeiten.�</p><p>Egwene blickte finster auf ihre Knie. Im Gegensatz zu Nynaeve hatte die Amyrlin lediglich ruhig auf sie eingeredet, ihre Erfolge bel�chelt, Verst�ndnis f�r gelegentliches Versagen ausgedr�ckt und ihr dann wieder Streicheleinheiten geschenkt. Aber alle Aes Sedai hatten behauptet, in der Wei�en Burg werde es schwieriger werden, h�rter, auch wenn keine gesagt hatte, inwiefern. Wenn sie Tag f�r Tag das durchmachen mu�te, was Nynaeve erlebt hatte, dann konnte sie das wohl kaum durchhalten.</p><p>Etwas �nderte sich an der Bewegung des Schiffes. Das Schaukeln lie� nach, und auf Deck �ber ihren K�pfen trampelten Schritte. Ein Mann rief etwas, das Egwene nicht ganz verstehen konnte.</p><p>Sie blickte zu Nynaeve auf. �Glaubst du... Tar Valon?�</p><p>�Es: gibt nur eine M�glichkeit, um das herauszufinden�, antwortete Nynaeve und nahm entschlossen ihren Umhang vom Haken.</p><p>Als sie an Deck kamen, rannten �berall Matrosen herum, zogen an Tauen, refften Segel und hielten lange Stangen bereit. Der Wind war zu einer Brise abgeflaut, und die Wolken zerstreuten sich allm�hlich.</p><p>Egwene eilte zur Reling. �Es stimmt! Es ist Tar Valon!� Nynaeve trat mit ausdruckslosem Gesicht neben sie.</p><p>Die Insel war so gro�, da� es eher so wirkte, als teile sich der Flu� in zwei Arme. Br�cken, die aus zarten Spitzen zu bestehen schienen, spannten sich von jedem Ufer zur Insel hin�ber. Die Stadtmauer, die Leuchtende Mauer von Tar Valon, gl�nzte wei�, als die Sonne durch die Wolken brach. Und nahe dem westlichen Ufer erhob sich schwarz der Drachenberg, aus dessen zerrissenem Gipfel eine d�nne Rauchfahne quoll. Es war der einzige Berg in einer ebenen, von welligen H�geln eingerahmten Landschaft. Der Drachenberg, wo der Drache gestorben war. Der Drachenberg, der durch den Tod des Drachen entstand.</p><p>Egwene mu�te wieder an Rand denken, als sie den Berg ansah. <emphasis>Ein Mann, der die Macht lenkt. Licht, hilf ihm.</emphasis></p><p>Die <emphasis>Flu�k�nigin</emphasis> fuhr durch eine breite �ffnung in einer hohen kreisf�rmigen Mauer, die sich �ber den Flu� erstreckte. Drinnen zog sich eine lange Kaimauer rund um den Hafen. Matrosen legten die letzten Segel zusammen und verwendeten die Stangen, um das Schiff mit dem Heck nach vorn an den Anlegeplatz zu bef�rdern. �berall an der Kaimauer wurden nun die anderen Schiffe, die ebenfalls den Flu� heruntergekommen waren, an ihre Liegepl�tze zwischen die bereits dort befindlichen Schiffe gezurrt. Die Flagge mit der Wei�en Flamme lockte Arbeiter herbei, die den schon belebten Kai noch mehr bev�lkerten.</p><p>Die Amyrlin kam an Deck, bevor noch die Haltetaue festgemacht waren, und Arbeiter brachten sofort einen Laufsteg herbei, als sie erschien. Leane schritt an ihrer Seite, den Stab mit der Flammenspitze in der Hand, und die anderen Aes Sedai auf dem Schiff folgten ihr an Land. Keine von ihnen warf Egwene und Nynaeve auch nur einen Blick zu. Auf dem Kai begr��te eine Delegation die Amyrlin � Aes Sedai, mit ihren Stolen bekleidet, die sich h�flich verbeugten und den Ring der Amyrlin k��ten. Auf dem Kai quirlte alles durcheinander: Schiffe wurden entladen, die Amyrlin wurde begr��t, Soldaten formierten sich, um an Land zu gehen, M�nner richteten Ladeb�ume auf; Trompetensignale hallten von der Mauer wider und konkurrierten mit den Hurrarufen der Zuschauer.</p><p>Nynaeve schniefte laut. �Es scheint, man hat uns vergessen. Komm mit. Wir machen uns selbst�ndig.�</p><p>Egwene ri� sich nur schwer vom Anblick Tar Valons los, aber sie folgte Nynaeve nach unten, um ihre Sachen zu packen. Als sie mit B�ndeln auf den Armen wieder nach oben kamen, waren die Soldaten und Trompeter fort, und die Aes Sedai ebenfalls. M�nner �ffneten die Luken an Deck und rollten Taue um ihre Halterungen.</p><p>An Deck packte Nynaeve einen der Schauerleute am Arm � einen st�mmigen Burschen in einem groben, braunen, �rmellosen Hemd. �Unsere Pferde...�, begann sie.</p><p>�Ich bin besch�ftigt�, grollte er und ri� sich los. �Die Pferde werden alle zur Wei�en Burg gebracht.� Er musterte sie von oben bis unten. �Wenn Ihr in der Wei�en Burg etwas zu erledigen habt, dann bewegt Euch. Die Aes Sedai m�gen es nicht, wenn Neulinge sich vertr�deln.� Ein anderer Mann, der sich mit einem Ballen abm�hte, der an einem Tau aus einer Luke gezogen wurde, schrie ihm etwas zu, und er lie� die beiden stehen, ohne einen Blick zur�ckzuwerfen.</p><p>Egwene und Nynaeve sahen sich an. Es schien, da� man sie wirklich sich selbst �berlassen hatte.</p><p>Nynaeve stolzierte mit einem Ausdruck grimmiger Entschlossenheit los, Egwene hingegen ging traurig den Laufsteg hinunter. �ber dem Kai lag ein Geruch nach Teer. <emphasis>All das Geschw�tz, da� sie uns hier haben wollen, und nun scheint es sie nicht mehr zu k�mmern.</emphasis></p><p>Breite Treppen f�hrten vom Kai hinauf zu einem weiten Sandsteinbogen. Als sie ihn durchschritten, blieben Egwene und Nynaeve stehen und nahmen den Anblick in sich auf, der sich ihnen bot.</p><p>Jedes Geb�ude erschien ihnen wie ein Palast, obgleich die n�her an dem Torbogen gelegenen meist Schenken oder L�den beherbergten, nach den Schildern �ber den T�ren zu schlie�en. �berall sah man kunstvolle Friese. Die Form eines Geb�udes schien so gew�hlt, da� es das danebenstehende erg�nzte und besser zur Geltung brachte. F�r den Betrachter wirkte das, als sei alles Teil eines einzigen riesigen Musters. Einige der Strukturen sahen nicht einmal wie normale Geb�ude aus, sondern wie riesige Wogen, die sich am Strand brachen, oder wie Muscheln oder kunstvolle, vom Wind abgeschliffene Klippen. Vor dem Torbogen lag ein breiter Platz mit einem Brunnen und B�umen, und Egwene erkannte weiter hinten einen weiteren solchen Platz. �ber allem erhoben sich die T�rme, hoch und elegant in den Himmel; einige waren durch weit geschwungene Br�cken miteinander verbunden. Und �ber allen wiederum erhob sich eine Burg, ein Turm, h�her und breiter als alle anderen und so wei� wie die Leuchtende Mauer selbst.</p><p>�Raubt einem beinahe den Atem, wenn man es zum erstenmal sieht�, sagte eine Frauenstimme hinter ihnen. �Allerdings auch noch beim zehnten und beim hundertsten Mal.�</p><p>Egwene drehte sich um. Die Frau war eine Aes Sedai, da war sie sicher, auch wenn sie keine Stola trug. Niemand sonst sah so alterslos aus, und dazu str�mte sie ein solches Selbstvertrauen, solche Sicherheit aus, da� es gar nicht anders sein konnte. Ein Blick auf ihre Hand zeigte den goldenen Ring mit der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz bi�. Die Aes Sedai mit ihrem warmen L�cheln war ein wenig mollig und vom Aussehen her eine der eigenartigsten Frauen, die Egwene je gesehen hatte. In dem runden Gesicht zeichneten sich ganz deutlich hohe Backenknochen ab, ihre klaren bla�gr�nen Augen standen schr�g und ihr Haar war beinahe feuerrot. Egwene mu�te sich zur�ckhalten, um dieses Haar und diese Augen nicht unh�flich anzustarren.</p><p>�Nat�rlich von Ogiern erbaut�, fuhr die Aes Sedai fort, �und wohl das absolute Meisterst�ck ihrer Baukunst, so sagt man. Eine der ersten St�dte, die nach der Zerst�rung errichtet wurden. Damals wohnten hier kaum f�nfhundert Menschen � nicht mehr als zwanzig Schwestern �, aber sie bauten f�r die Bed�rfnisse der Nachwelt.�</p><p>�Es ist eine wundersch�ne Stadt�, sagte Nynaeve.</p><p>�Man erwartet, da� wir uns zur Wei�en Burg begeben. Wir sind hierhergekommen, um ausgebildet zu werden, aber nun scheint sich niemand darum zu k�mmern, ob wir gehen oder bleiben.�</p><p>�Sie k�mmern sich�, meinte die Frau l�chelnd. �Ich bin hergekommen, um Euch abzuholen, aber ich wurde durch ein Gespr�ch mit der Amyrlin aufgehalten. Ich bin Sheriam, die Oberin der Novizinnen.�</p><p>�Ich werde keine Novizin�, sagte Nynaeve mit Entschlossenheit in der Stimme, aber ein wenig vorschnell. �Die Amyrlin selbst sagte, ich solle eine der Aufgenommenen werden.�</p><p>�Das hat man mir auch gesagt.� Sheriam klang am�siert. �Ich habe noch nie von einem solchen Fall geh�rt, aber man sagt, Ihr w�rt � au�ergew�hnlich. Denkt aber daran, da� sogar eine der Aufgenommenen in mein Arbeitszimmer gerufen werden kann. Sie mu� dann wohl einige Vorschriften mehr gebrochen haben als eine Novizin, aber es ist schon vorgekommen.� Sie wandte sich Egwene zu, als habe sie Nynaeves gerunzelte Stirn nicht bemerkt. �Und Ihr seid unsere neue Novizin. Es ist immer gut, wenn eine neue kommt. Heutzutage haben wir viel zu wenige. Mit Euch sind es vierzig. Nur vierzig. Und nicht mehr als acht oder neun von Euch werden zu den Aufgenommenen erhoben. Ich glaube aber nicht, da� Ihr Euch dar�ber Gedanken machen m��t, solange Ihr hart arbeitet und N�tzliches leistet. Die Arbeit ist schwer, und auch f�r jemanden mit Eurem Talent wird sie nicht leichter. Falls Ihr das nicht durchhaltet, ganz gleich, wie schwer es ist, oder falls Ihr unter der Belastung zusammenbrecht, sollten wir das am besten gleich herausfinden und Euch Eurer Wege ziehen lassen und nicht erst warten, bis Ihr eine volle Schwester seid und andere sich auf Euch verlassen. Das Leben einer Aes Sedai ist nicht einfach. Hier werden wir Euch darauf vorbereiten, wenn Ihr das Notwendige in Euch tragt.�</p><p>Egwene schluckte. <emphasis>Unter der Belastung zusammenbrechen?</emphasis> �Ich werde es versuchen, Sheriam Sedai�, sagte sie matt. <emphasis>Und ich werde nicht zusammenbrechen.</emphasis></p><p>Nynaeve sah sie besorgt an. �Sheriam... � Sie hielt inne und holte tief Luft. �Sheriam Sedai� � sie schien den Titel aus sich herauszuzwingen �, �mu� es denn f�r sie so schlimm kommen? Fleisch und Blut k�nnen eben nur soviel ertragen und nicht mehr. Ich wei�... ein bi�chen von dem... was die Novizinnen durchmachen m�ssen. Sicher wird es doch nicht notwendig sein, sie zu zerbrechen, um festzustellen, wie stark sie ist.�</p><p>�Ihr meint, was die Amyrlin heute mit Euch angestellt hat?� Nynaeves R�cken versteifte sich. Sheriam machte den Eindruck, als bem�he sie sich krampfhaft, ernst zu bleiben. �Ich habe Euch ja gesagt, da� ich mit der Amyrlin gesprochen habe. Macht Euch keine Sorgen um Eure Freundin. Die �bungen der Novizinnen sind schwer, aber nicht <emphasis>so</emphasis> schwer. Was Ihr erlebt habt, war f�r die ersten Wochen einer Aufgenommenen gedacht.� Nynaeve stand mit offenem Mund da; Egwene glaubte, ihr w�rden gleich die Augen aus dem Kopf fallen. �Man mu� die wenigen erwischen, die sich unberechtigterweise als Novizinnen gerade so durchgemogelt haben. Wir k�nnen nicht riskieren, da� eine von uns � eine volle Aes Sedai �unter der Belastung der Welt dort drau�en zusammenbricht.� Die Aes Sedai nahm die beiden freundschaftlich in die Arme, um sie wegzuf�hren. Nynaeve schien gar nicht zu bemerken, wohin sie ging. �Kommt�, sagte Sheriam, �ich werde Euch zu Euren Zimmern bringen. Die Wei�e Burg erwartet Euch.�</p></section><section><title><p>19</p><p>Unter dem Dolch</p></title><p>Die Nacht am Abhang von Bruderm�rders Dolch war kalt, so wie es die N�chte im Gebirge f�r gew�hnlich immer waren. Der Wind peitschte von den Gipfeln herunter und trug die Eisesk�lte der Gletscher mit sich.</p><p>Rand w�lzte sich auf dem harten Boden herum, zupfte an Umhang und Decke und konnte nicht richtig schlafen. Seine Hand suchte nach dem Schwert, das neben ihm lag. <emphasis>Noch ein Tag,</emphasis> dachte er schl�frig. <emphasis>Noch ein weiterer Tag, und dann geben wir auf. Wenn morgen niemand kommt, weder Ingtar noch die Schattenfreunde, dann bringe ich Selene nach Cairhien.</emphasis></p><p>Das hatte er sich auch schon vorher vorgenommen. An jedem Tag, den sie hier am Berghang verbracht und den Ort beobachtet hatten, an dem Hurin, seinen eigenen Worten nach, die Spur verloren hatte, sagte er sich, es sei Zeit zum Aufgeben. Selene hatte behauptet, in dieser Welt w�rden die Schattenfreunde auf jeden Fall auftauchen. Und sie sprach vom Horn von Valere, ber�hrte seinen Arm, sah ihm in die Augen, und bevor er wu�te, was er tat, hatte er bereits zugestimmt, einen weiteren Tag hier zu warten, bevor sie abreisten.</p><p>Er machte sich ganz klein, um dem kalten Wind keine Angriffsfl�che zu bieten, und dachte daran, wie Selene seinen Arm ber�hrte und ihm in die Augen sah. <emphasis>Wenn Egwene das sehen k�nnte, w�rde sie mich zusammenputzen wie einen Schuljungen � und Selene wom�glich auch. Mittlerweile k�nnte Egwene ja in Tar</emphasis></p><p><emphasis>Valon sein und sich darauf vorbereiten, eine Aes Sedai zu werden Wenn sie mich das n�chste Mal sieht, wird sie vielleicht versuchen, mich niederzumachen.</emphasis></p><p>Als er sich wieder herumw�lzte, glitt seine Hand am Schwert vorbei und ber�hrte das B�ndel mit Thom Merrilins Harfe und Fl�te. Unbewu�t verkrampften sich seine Finger in den Umhang des Gauklers. <emphasis>Damals war ich gl�cklich, selbst als ich um mein Leben rennen mu�te. Fl�te spielen und damit mein Abendessen verdienen. Ich wu�te einfach nicht, was wirklich geschah. Nun gibt es kein Zur�ck mehr.</emphasis></p><p>Zitternd �ffnete er die Augen. Der einzige Lichtschein stammte von dem abnehmenden Mond, der niedrig am Himmel stand. Ein Feuer w�rde allen jenen ihren Standort verraten, nach denen sie Ausschau hielten. Loial murmelte im Schlaf. Es klang wie leises Donnergrollen. Ein Pferd stampfte mit dem Huf. Hurin hatte die erste Wache. Er sa� auf einem Felsvorsprung etwas weiter oben. Bald w�rde er kommen und Rand wecken, damit dieser die Wache �bern�hme.</p><p>Rand drehte sich um � und erstarrte. Im Mondschein erkannte er die Gestalt Selenes, die sich �ber seine Satteltaschen beugte. Ihre H�nde lagen auf den Schnallen. Ihr wei�es Kleid schimmerte im blassen Licht. �Braucht Ihr etwas?�</p><p>Sie fuhr sichtlich zusammen und sah zu ihm her�ber. �Ihr... Ihr habt mich �berrascht.�</p><p>Er rollte herum und stand auf. Die Decke lie� er fallen und wickelte sich statt dessen in seinen Umhang. So ging er zu ihr hin�ber. Er war sicher, die Satteltaschen gleich neben sich gelegt zu haben, als er sich schlafen legte. Er hatte sie immer an seiner Seite. Nun nahm er sie ihr ab. Alle Schnallen waren zugezogen; sogar diejenigen auf der Seite, die diese verr�terische Flagge enthielt. <emphasis>Wie kann mein Leben davon abh�ngen, da� ich sie behalte? Wenn sie jemand sieht und erkennt, worum es sich handelt, dann werde ich sterben, weil ich sie bei mir habe.</emphasis> Er sah sie mi�trauisch an.</p><p>Selene blieb stehen und blickte zu ihm auf. Der Mond spiegelte sich in ihren dunklen Augen. �Ich hatte das Gef�hl�, sagte sie, �da� ich dieses Kleid schon zu lange getragen habe. Ich k�nnte es wenigstens ausb�rsten, wenn ich inzwischen etwas anderes zum Anziehen h�tte. Vielleicht eines Eurer Hemden.�</p><p>Rand nickte und empfand gro�e Erleichterung. Ihr Kleid wirkte auf ihn genauso sauber wie bei ihrem ersten Zusammentreffen, aber er kannte das von Egwene. Wenn sie einen Fleck auf ihrem Kleid entdeckte, half absolut nichts: Sie mu�te ihn sofort ausreiben. �Nat�rlich.� Er �ffnete die ger�umige Tasche, in die er alles bis auf die Flagge hineingestopft hatte, und zog eines der wei�en Seidenhemden heraus.</p><p>�Danke sch�n.� Sie fa�te sich an den R�cken, an die Kn�pfe, wie ihm bewu�t wurde.</p><p>Mit gro�en Augen drehte er sich schnell von ihr weg.</p><p>�Wenn Ihr mir dabei helft, ist es leichter f�r mich.�</p><p>Rand r�usperte sich. �Das verbietet der Anstand. Wir sind doch nicht verlobt oder...� <emphasis>H�r auf, so etwas zu denken! Du kannst niemals jemanden heiraten.</emphasis> �Das w�re nicht schicklich.�</p><p>Ihr leises Lachen jagte ihm einen Schauer �ber den R�cken, als sei sie ihm mit dem Finger am R�ckgrat entlanggefahren. Er bem�hte sich, nicht auf das Rascheln hinter sich zu lauschen. Er sagte: ��h... morgen... morgen reisen wir nach Cairhien ab.�</p><p>�Und was wird aus dem Horn von Valere?�</p><p>�Vielleicht hatten wir unrecht. Vielleicht kommen sie �berhaupt nicht hier entlang. Hurin sagt, es g�be eine Reihe von P�ssen �ber Bruderm�rders Dolch. Wenn sie nur ein wenig weiter nach Westen ziehen, m�ssen sie nicht einmal die Berge �berqueren.�</p><p>�Aber die Spur, der wir folgten, fand sich hier. Sie werden hier vorbeikommen. Das Horn kommt hierher. Jetzt k�nnt Ihr Euch umdrehen.�</p><p>�Das behauptet Ihr, aber wir wissen nicht... � Er drehte sich um, und die Worte erstarben ihm im Mund. Sie hatte ihr Kleid �ber dem Arm und trug sein Hemd, das ihr in bauschigen Falten am K�rper hing. Es war ein langes Hemd, f�r seine K�rpergr��e angefertigt, aber sie war f�r eine Frau ja recht gro�. So bedeckte das Hemd ihre Schenkel kaum zur H�lfte. Es war ja nicht so, da� er noch nie die Beine eines M�dchens gesehen hatte; die M�dchen der Zwei Fl�sse sch�rzten ihre R�cke immer, wenn sie in den Teichen des Wasserwalds herumwateten. Aber damit h�rten sie auf, l�ngst bevor sie alt genug waren, um sich die Haare zum Zopf zu flechten, und noch dazu war es jetzt dunkel, und der Mondschein brachte ihre Haut zum Schimmern.</p><p>�Was wi�t Ihr nicht, Rand?�</p><p>Der Klang ihrer Stimme l�ste seine Verkrampfung. Mit lautem Keuchen fuhr er herum und sah in die entgegengesetzte Richtung. ��h... ich glaube... �h... ich... �h... �</p><p>�Denkt an den Ruhm, Rand.� Ihre Hand ber�hrte seinen R�cken und, er h�tte in seiner Scham beinahe aufgeschrien. �Denkt an den Ruhm f�r denjenigen, der das Horn von Valere findet. Wie stolz w�re ich, an der Seite dessen zu stehen, der das Horn in H�nden h�lt. Ihr wi�t �berhaupt nicht, welche H�hen wir gemeinsam erklimmen k�nnen, Ihr und ich. Mit dem Horn von Valere in der Hand k�nntet Ihr ein K�nig werden. Ihr k�nntet ein neuer Artur Falkenfl�gel werden. Ihr... �</p><p>�Lord Rand!� Hurin betrat schweratmend den Lagerplatz. �Lord Rand, sie... � Er blieb wie angewurzelt stehen und gab ein gurgelndes Ger�usch von sich. Er senkte den Blick und stand h�nderingend da. �Vergebt mir, Lady. Ich wollte nicht... Ich... Vergebt mir.�</p><p>Loial setzte sich auf. Decke und Umhang fielen von ihm ab. �Was ist los? Bin ich schon mit der Wache dran?� Er blickte zu Rand und Selene hin�ber, und selbst im Mondschein war deutlich zu sehen, wie sich seine Augen weiteten.</p><p>Rand h�rte Selene hinter sich seufzen. Er trat von ihr weg und sah sie immer noch nicht an. <emphasis>Ihre Beine sind so wei�, so glatt.</emphasis> �Was ist los, Hurin?� Er bem�hte sich, seinen Ton zu m��igen. War er b�se auf Hurin, auf sich selbst oder auf Selene? <emphasis>Kein Grund, auf sie b�se zu sein.</emphasis> �Hast du etwas gesehen, Hurin?�</p><p>Der Schn�ffler sprach, ohne den Blick zu heben. �Ein Feuer, Lord Rand, drunten zwischen den H�geln. Ich habe es zuerst gar nicht gesehen. Sie machten nur ein kleines Feuer und haben es verborgen, aber sie verbargen es vor jemandem, der sie verfolgt, und nicht vor jemandem vor und �ber ihnen. Zwei Meilen, Lord Rand. Auf jeden Fall weniger als drei.�</p><p>�Fain�, sagte Rand. �Ingtar w�rde nicht f�rchten, da� ihm jemand folgt. Es mu� Fain sein.� Pl�tzlich wu�te er nicht, was er jetzt eigentlich tun sollte. Sie hatten auf Fain gewartet, aber nun, da der Mann nur eine Meile von ihnen entfernt war, f�hlte er sich unsicher. �Am Morgen... Am Morgen werden wir ihnen folgen. Wenn Ingtar und die anderen aufholen, werden wir in der Lage sein, sie direkt zu ihnen zu f�hren.�</p><p>�Also�, sagte Selene, �werdet Ihr diesem Ingtar das Horn von Valere �berlassen. Und den Ruhm.�</p><p>�Ich will keinen...� Ohne nachzudenken drehte er sich um, und da stand sie mit mondscheinblassen Beinen und k�mmerte sich so wenig darum, da� sie nackt waren, als w�re sie allein. <emphasis>Als w�ren wir allein,</emphasis> fl�sterten seine Gedanken. <emphasis>Sie will den Mann haben, der das Horn findet.</emphasis> �Wir drei allein k�nnen es ihnen nicht abnehmen. Ingtar hat zwanzig Lanzentr�ger bei sich.�</p><p>�Ihr wi�t �berhaupt nicht, ob Ihr es ihnen nicht doch abnehmen k�nnt. Wie viele Leute hat dieser Mann tats�chlich bei sich? Auch das wi�t Ihr nicht.� Ihre Stimme klang ruhig, aber eindringlich. �Ihr wi�t noch nicht einmal, ob die M�nner, die dort lagern, das Horn bei sich haben. Es sei denn, Ihr geht selbst hinunter und seht nach. Nehmt den <emphasis>Alantin;</emphasis> seine Rasse verf�gt �ber scharfe Augen, sogar im Mondschein. Und er hat die Kraft, um das Horn in seiner Truhe zu tragen, falls Ihr die richtige Entscheidung trefft.�</p><p><emphasis>Sie hat recht. Du wei�t nicht mit Sicherheit, ob es Fain ist.</emphasis> Eine sch�ne Bescherung, wenn Hurin nach einer Spur gesucht h�tte, die gar nicht vorhanden war, und sie sich alle ohne Deckung bef�nden, wenn die wirklichen Schattenfreunde schlie�lich k�men. �Ich werde allein gehen�, sagte er. �Hurin und Loial werden Euch bewachen.�</p><p>Lachend und so grazi�s, als ob sie sie tanze, kam Selene auf ihn zu. Mondschatten lie�en ihr Gesicht geheimnisvoll erscheinen, als sie zu ihm aufblickte, und das Geheimnis machte es um so sch�ner. �Ich bin in der Lage, auf mich selbst aufzupassen, bis Ihr zur�ckkehrt, um mich zu besch�tzen. Nehmt den <emphasis>Alantin</emphasis> mit.�</p><p>�Sie hat recht, Rand�, sagte Loial und stand auf. �Ich kann bei Mondschein besser sehen als du. Dank meiner Augen m�ssen wir uns vielleicht nicht so nahe heranschleichen wie du allein.�</p><p>�Also gut.� Rand ging hin�ber zu seinem Schwert und schnallte es sich um. Bogen und K�cher lie� er liegen. Im Dunklen war ein Bogen zu nichts nutze, und er wollte au�erdem etwas aussp�hen und nicht k�mpfen. �Hurin, zeig mir dieses Feuer!�</p><p>Der Schn�ffler f�hrte ihn den Abhang hinauf zu dem Vorsprung, der wie ein riesiger Steindaumen aus dem Berg ragte. Das Feuer war nur als winziger Fleck zu erkennen � beim ersten Mal, als Hurin darauf zeigte, entdeckte er es noch gar nicht. Wer immer es angez�ndet hatte, wollte nicht, da� es gesehen wurde. Er merkte sich die genaue Lage.</p><p>Als sie zum Lager zur�ckkehrten, hatte Loial den Braunen und sein eigenes Pferd gesattelt. Rand kletterte auf den Hengst, und Selene fa�te ihn an der Hand. �Denkt an den Ruhm�, sagte sie leise. �Denkt daran.� Das Hemd schien ihr besser zu passen als vorher. Es hatte sich ihrer Figur angepa�t.</p><p>Er holte tief Luft und zog seine Hand zur�ck. �Du bist mir f�r ihr Leben verantwortlich, Hurin. Loial?� Er gab dem Braunen sanft die Fersen. Das gro�e Reittier des Ogiers polterte hinterher.</p><p>Sie bem�hten sich erst gar nicht, schnell vorw�rtszukommen. Die Nacht verbarg den Abhang, und die Mondschatten machten den Boden un�bersichtlich. Rand konnte das Feuer nicht mehr sehen � zweifellos war es dem Beobachter verborgen, der sich auf gleicher H�he befand �, aber er hatte die Lage im Kopf. F�r jemanden, der im Gewirr des Westwaldes im Gebiet der Zwei Fl�sse das Jagen erlernt hatte, stellte es keine gro�e Schwierigkeit dar, das Feuer zu finden. <emphasis>Und was dann?</emphasis> Selenes Gesicht tauchte vor ihm auf. <emphasis>Wie stolz w�re ich, an der Seite dessen zu stehen, der das Horn in H�nden h�lt.</emphasis></p><p>�Loial�, sagte er pl�tzlich in einem Versuch, wieder klarer zu denken, �was bedeutet dieses <emphasis>Alantin,</emphasis> mit dem sie dich immer bezeichnet?�</p><p>�Das ist in der Alten Sprache, Rand.� Das Pferd des Ogiers suchte sich unsicher seinen Weg, aber er lenkte es beinahe so sicher wie bei Tageslicht. �Es bedeutet �Bruder� und ist die Kurzform von <emphasis>Tia avende Alantin.</emphasis> Bruder der B�ume. Baumbruder. Es ist sehr f�rmlich, aber ich habe geh�rt, da� die Leute in Cairhien Formalit�ten lieben. Zumindest die Adelsh�user. Die einfachen Menschen, die ich dort sah, benahmen sich �berhaupt nicht f�rmlich.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. Ein Sch�fer w�re unter diesen Umst�nden wohl kaum annehmbar f�r ein Adelshaus aus Cairhien gewesen. <emphasis>Licht, Mat hatte recht in bezug auf dich. Du spinnst und hast dazu einen m�chtig geschwollenen Kopf. Aber wenn ich heiraten k�nnte...</emphasis></p><p>Er h�tte etwas daf�r gegeben, seine Gedanken abschalten zu k�nnen, und bevor es ihm bewu�t wurde, hatte sich in ihm das Nichts gebildet und lie� die Gedanken fern erscheinen, als seien sie Teil eines anderen Menschen. <emphasis>Saidin</emphasis> beleuchtete ihn, lockte ihn. Er knirschte mit den Z�hnen und wollte es nicht wahrhaben. Es war, als versuche er, eine gl�hende Kohle in seinem Kopf nicht zur Kenntnis zu nehmen; aber wenigstens wurde es nicht schlimmer. Doch beinahe h�tte er das Nichts verlassen, aber dort drau�en in der Nacht befanden sich die Schattenfreunde, und sie kamen immer n�her. Und die Trollocs. Er brauchte die Leere, brauchte sogar die halbherzige Ruhe des Nichts. <emphasis>Ich mu� es nicht ber�hren. Ich mu� nicht.</emphasis></p><p>Nach einer Weile hielt er den Braunen an. Sie standen am Fu� eines H�gels. Die weit verstreuten B�ume auf dem Abhang waren schwarze Schemen in der Nacht. �Ich glaube, wir sind jetzt nahe dabei�, fl�sterte er. �Am besten gehen wir den Rest des Wegs zu Fu�.� Er glitt aus dem Sattel und band die Z�gel des Hengstes an einen Ast.</p><p>�F�hlst du dich wohl?� fl�sterte Loial beim Absteigen. �Du klingst so eigenartig.�</p><p>�Mir geht's gut.� Seine Stimme klang �u�erst angespannt, merkte er. Gedehnt. <emphasis>Saidin</emphasis> rief ihn zu sich. <emphasis>Nein!</emphasis> �Sei vorsichtig. Ich kann nicht sicher sagen, wie weit es noch ist, aber das Feuer befindet sich irgendwo direkt vor uns. Auf der H�gelkuppe, vermute ich.� Der Ogier nickte.</p><p>Vorsichtig schlich sich Rand von Baum zu Baum, setzte einen Fu� vor den anderen und hielt sein Schwert fest, damit es nicht gegen einen Baumstamm schlug. Er war dankbar daf�r, da� es kaum Unterholz gab. Loial folgte ihm wie ein gro�er Schatten � viel mehr konnte Rand von ihm nicht sehen. Alles schien nur aus Mondschatten und Dunkelheit zu bestehen.</p><p>Pl�tzlich l�ste irgendein besonderer Einfallswinkel des Mondscheins die Schatten vor ihm auf, und er erstarrte. Er hielt sich an der rauhen Rinde eines Lederblattbaumes fest. Undeutliche Erhebungen auf dem Boden vor ihm verwandelten sich zu M�nnern, in Decken geh�llt. Ein St�ck entfernt fiel sein Blick auf eine Gruppe gr��erer Erhebungen. Schlafende Trollocs. Sie hatten das Feuer gel�scht. Ein Mondstrahl, der sich zwischen den �sten durchschob, enth�llte einen goldenen und silbernen Schimmer am Boden in der Mitte zwischen beiden Gruppen. Der Mondschein schien heller zu werden; f�r einen Augenblick hatte er klare Sicht. Die Gestalt eines schlafenden Mannes lag neben dem Schimmer, aber er war es nicht, der seinen Blick anzog. <emphasis>Die Truhe. Das Horn.</emphasis> Und etwas obenauf. Ein roter Lichtpunkt erstrahlte im Mondschein. <emphasis>Der Dolch! Warum legte Fain den...?</emphasis></p><p>Loials riesige Hand legte sich auf Rands Mund. Er wandte sich um und sah den Ogier an. Loial zeigte bed�chtig nach rechts.</p><p>Zuerst konnte Rand nichts entdecken. Dann bewegte sich ein Schatten keine zehn Schritt entfernt. Ein gro�er massiger Schatten mit einer langen Schnauze. Rand stockte der Atem. Ein Trolloc. Er hob die Schnauze witternd in die Luft. Manche von ihnen jagten nur nach Witterung. F�r einen Moment flackerte das Nichts. Im Lager der Schattenfreunde r�hrte sich jemand, und der Trolloc wandte sich um und sp�hte hin�ber.</p><p>Rand erstarrte und lie� sich von der Ruhe der Leere einh�llen. Seine Hand lag auf dem Schwertgriff, aber er dachte �berhaupt nicht nach dabei. Das Nichts war alles. Was auch immer geschah, es geschah. Er beobachtete den Trolloc ohne jedes Augenzwinkern.</p><p>Der Schatten mit der Schnauze beobachtete das Lager der Schattenfreunde noch ein wenig und lie� sich dann, anscheinend befriedigt, neben einem Baum nieder. Beinahe augenblicklich war ein leises Ger�usch wie von rei�endem Stoff zu vernehmen.</p><p>Loial brachte seinen Mund ganz nahe an Rands Ohr. �Er schl�ft�, fl�sterte er ungl�ubig.</p><p>Rand nickte. Tam hatte ihm gesagt, Trollocs seien faul und w�rden jede Aufgabe schnell vernachl�ssigen � vom T�ten abgesehen �, wenn sie nicht von Angst getrieben wurden. Er wandte sich wieder dem Lager zu.</p><p>Alles war ruhig dort, nichts r�hrte sich. Der Mondstrahl traf die Truhe nicht mehr, aber er wu�te nun, welcher Schatten es war. Er konnte sie im Geist sehen, wie sie golden und mit Silber verziert im Schein von <emphasis>Saidin</emphasis> glitzerte. Das Horn von Valere und der Dolch, den Mat brauchte, und beides so nahe, da� er sie beinahe mit der Hand ber�hren konnte. Selenes Gesicht schwebte neben der Truhe. Sie konnten Fains Gruppe am Morgen folgen und warten, bis Ingtar sich ihnen anschlo�. Falls Ingtar kam; falls er der Spur ohne Schn�ffler noch folgte. Nein, es w�rde keine bessere M�glichkeit mehr geben. Alles in Reichweite seiner Hand. Selene wartete auf dem Berg.</p><p>Rand bedeutete Loial, ihm zu folgen, legte sich auf den Bauch und kroch auf die Truhe zu. Er h�rte den Ogier ged�mpft aufkeuchen, aber seine Augen waren auf die schattenhafte Erhebung vor ihm gerichtet. Schattenfreunde und Trollocs lagen zu seiner Rechten und zu seiner Linken, aber als er einst beobachtet hatte, wie Tam sich so nahe an einen Hirsch herangeschlichen hatte, da� er ihm die Hand auf die Flanke legen konnte, bevor das Tier erschreckt davonst�rzte, hatte er sich vorgenommen, diese Kunst ebenfalls zu erlernen. <emphasis>Wahnsinn!</emphasis> Der Gedanke huschte fast au�erhalb seiner Reichweite an ihm vorbei. <emphasis>Das ist Wahnsinn! Du-wirst-verr�ckt!</emphasis> Undeutliche Gedanken; die Gedanken eines anderen.</p><p>Langsam und lautlos kroch er zu diesem besonderen Schatten hin�ber und streckte die Hand danach aus. Er ber�hrte komplizierte, in Gold gewirkte Muster. Es <emphasis>war</emphasis> die Truhe mit dem Horn von Valere. Auf dem Deckel ber�hrte seine Hand etwas anderes. Den Dolch mit blanker Klinge. Im Dunklen weiteten sich seine Augen. Er dachte daran, was der Dolch Mat angetan hatte, und schreckte zur�ck. Das Nichts verlagerte sich in seiner Erregung.</p><p>Der am n�chsten schlafende Mann � nicht mehr als zwei Schritt von der Truhe entfernt; alle anderen lagen zumindest Spannen weit weg � st�hnte im Schlaf auf und ri� an seinen Decken. Rand gestattete dem Nichts, alle Gedanken und alle Furcht wegzuwischen. Der Mann beruhigte sich unter schlaftrunkenem Gemurmel.</p><p>Rand bewegte seine Hand wieder auf den Dolch zu, ohne ihn wirklich zu ber�hren. Zu Anfang hatte er Mat nicht geschadet. Jedenfalls nicht sehr, nicht zu Beginn. Mit einer schnellen Bewegung hob er den Dolch auf, steckte ihn in seinen G�rtel und ri� seine Hand weg, als k�nne es helfen, wenn er die Zeit eng begrenzte, die er mit seiner Haut in Ber�hrung kam. Vielleicht half es ja wirklich, und Mat w�rde ohne den Dolch sterben. Er f�hlte ihn wie ein Gewicht, das ihn herunterzog. Er dr�ckte sich dagegen. Aber im Nichts waren Gef�hle ebenso fern wie Gedanken, und das Gef�hl des Dolches an seinem K�rper wurde schnell zu etwas Gewohntem.</p><p>Er verschwendete nur noch einen Augenblick daran, die in Schatten geh�llte Truhe zu betrachten. Das Horn mu�te sich drinnen befinden, aber er wu�te nicht, wie er sie �ffnen sollte, und konnte sie auch nicht selbst aufheben. Er sah sich nach Loial um. Der Ogier kauerte nicht weit hinter ihm. Sein massiger Kopf drehte sich hierhin und dorthin, als er von den schlafenden menschlichen Schattenfreunden zu den schlafenden Trollocs blickte und zur�ck. Selbst in der Nacht wurde deutlich, da� Loials Augen weit aufgerissen waren. Im Mondschein wirkten sie untertassengro�. Rand lehnte sich zur�ck und nahm Loials Hand in die seine.</p><p>Der Ogier fuhr zusammen und keuchte. Rand legte einen Finger auf die Lippen, f�hrte Loials Hand zur Truhe und machte Bewegungen, als hebe er sie an. Eine kurze Zeitspanne lang � in dieser Nacht schien sie ewig zu dauern, so von Schattenfreunden und Trollocs umgeben, wie sie waren; es konnte sich aber nur um wenige Herzschl�ge gehandelt haben � starrte ihn Loial verst�ndnislos an. Dann schlang er langsam seine Arme um die goldene Truhe und stand auf. Bei ihm erschien das irgendwie m�helos.</p><p>Au�erordentlich vorsichtig, sogar noch vorsichtiger, als er gekommen war, verlie� Rand hinter Loial und der Truhe das Lager. Beide H�nde am Schwertgriff, beobachtete er die schlafenden Schattenfreunde und die ruhigen Umrisse der Trollocs. Alle diese schattenhaften Gestalten wurden von tieferer Dunkelheit verschluckt, als sie sich entfernten. <emphasis>Beinahe in Sicherheit. Wir haben's geschafft!</emphasis></p><p>Der Mann, der neben der Truhe geschlafen hatte, fuhr pl�tzlich mit einem unterdr�ckten Schrei hoch und sprang einen Moment sp�ter auf. �Sie ist weg! Wacht auf, ihr Dreckskerle! Sie ist weeeeeg!� Fains Stimme � Rand erkannte sie sogar im Nichts. Die anderen, Schattenfreunde wie Trollocs, erhoben sich und fragten, was los sei, knurrten und fauchten. Fains Stimme erhob sich in einem lauten Aufheulen: �Ich wei�, das bist du, al'Thor! Du versteckst dich vor mir, aber ich wei�, da� du da drau�en bist! Sucht ihn! Sucht ihn! Al'Thooooor!� Menschen und Trollocs stoben sich in allen Richtungen auseinander.</p><p>In Leere geh�llt, schritt Rand weiter. Beinahe vergessen, seit er das Lager betreten hatte, pulsierte <emphasis>Saidin</emphasis> im Nichts. �Er kann uns nicht sehen�, fl�sterte Loial leise. �Wenn wir erst die Pferde erreicht haben... �</p><p>Ein Trolloc sprang aus der Dunkelheit auf sie zu. Wo Mund und Nase sein sollten, trug er einen grausamen Adlerschnabel im Gesicht. Sein Sichelschwert pfiff bereits durch die Luft.</p><p>Rand bewegte sich, ohne nachzudenken. Er war eins mit der Klinge. Die Katze tanzt auf der Mauer. Der Trolloc schrie, als er st�rzte, schrie wieder, bevor er starb.</p><p>�Renn, Loial!� befahl Rand. <emphasis>Saidin</emphasis> lockte ihn. �Renn!�</p><p>Ihm wurde undeutlich bewu�t, da� Loial in einen ungeschickten Galopp verfiel, aber dann ragte ein weiterer Trolloc in der Nacht vor ihm auf. Er hatte die Schnauze eines B�ren und erhob seine mit Zacken gespickte Axt. Gewandt glitt Rand zwischen Trolloc und Ogier; Loial mu�te das Horn in Sicherheit bringen. Der Trolloc war mehr als einen Kopf gr��er als Rand und mindestens um die H�lfte breiter gebaut, und er griff ihn mit lautlosem Fauchen an. Der H�fling �ffnet seinen F�cher. Diesmal schrie er nicht. Er ging r�ckw�rts hinter Loial her und sp�hte in die Nacht hinein. <emphasis>Saidin</emphasis> sang ihm ein s��es Lied. <emphasis>Die Macht k�nnte alle verbrennen, Fain und all die anderen in Asche verwandeln. Nein!</emphasis></p><p>Zwei weitere Trollocs, Wolf und Hammel, schimmernde Z�hne und gekr�mmte H�rner. Eidechse im Gestr�pp. Er erhob sich geschmeidig von einem Knie, als der zweite st�rzte und die H�rner beinahe seine Schulter streiften. Das Lied von <emphasis>Saidin</emphasis> umschmeichelte ihn verf�hrerisch, zog ihn mit tausend Seidenf�den an sich. <emphasis>Alle mit der Macht verbrennen. Nein. Nein! Besser tot als das. Wenn ich tot w�re, w�re auch alles vor�ber.</emphasis></p><p>Eine Gruppe Trollocs kam in Sicht, die unsicher herumsuchte. Drei, dann vier. Pl�tzlich deutete einer auf Rand und heulte auf. Die anderen beantworteten sein Heulen, w�hrend sie heranst�rmten.</p><p>�La�t es uns beenden!� schrie Rand und sprang auf sie zu.</p><p>Einen Moment lang verlangsamten sie �berrascht ihren Schritt, doch dann rannten sie mit kehligen, freudigen, blutd�rstigen Schreien und erhobenen Schwertern und �xten weiter. Er tanzte nach dem Lied von <emphasis>Saidin</emphasis> zwischen ihnen hindurch. Die Hummel k��t eine Rose. So verf�hrerisch war dieses Lied, das ihn erf�llte. Katze auf hei�em Sand. Das Schwert schien in seinen H�nden so wie nie zuvor zum Leben erwacht zu sein, und er k�mpfte, als k�nne eine Reiherklinge <emphasis>Saidin</emphasis> von ihm abhalten. Der Reiher spreizt die Fl�gel.</p><p>Rand sah die bewegungslosen Gestalten auf dem Boden. �Lieber tot sein�, murmelte er. Er erhob den Blick zum H�gel, wo sich das Lager befand. Fain war dort und Schattenfreunde und noch mehr Trollocs.</p><p>Zu viele, um gegen alle zu k�mpfen. Zu viele, um sich ihnen entgegenzustellen und zu �berleben. Er tat einen Schritt auf sie zu. Noch einen.</p><p>�Rand, komm weiter!� Loials eindringlicher gefl�sterter Ruf trieb durch die Leere zu ihm her. �Um des Lebens und des Lichts willen, Rand, komm!�</p><p>Vorsichtig b�ckte sich Rand und wischte seine Klinge am Mantel eines Trollocs ab. Dann steckte er sie so f�rmlich, als ob Lan ihn beim �ben beobachte, in die Scheide zur�ck.</p><p>�Rand!�</p><p>Als habe er keinerlei Eile, schlo� sich Rand Loial bei den Pferden an. Der Ogier schnallte die goldene Truhe mit Riemen aus seinen Satteltaschen auf dem Sattel fest. Seinen Umhang hatte er untergelegt, damit die Truhe fester auf dem abgerundeten Sattel ruhte.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> sang nicht mehr. Es war noch da, dieses herzergreifende Gl�hen, aber es hielt sich zur�ck, als h�tte er es tats�chlich abgewehrt. Staunend lie� er das Nichts verschwinden. �Ich glaube, ich werde verr�ckt�, sagte er. Pl�tzlich wurde ihm klar, wo sie sich befanden, und sp�hte den Weg zur�ck, den sie gekommen waren. Schreie und Heulen erklangen aus den verschiedensten Richtungen: Anzeichen f�r eine Suche, aber nicht f�r eine Verfolgung. Trotzdem. Er schwang sich auf den R�cken des Braunen.</p><p>�Manchmal verstehe ich kaum etwas von deinen Worten�, sagte Loial. �Wenn du schon verr�ckt werden mu�t, kannst du dann nicht wenigstens damit warten, bis wir wieder bei Lady Selene und Hurin sind?�</p><p>�Wie willst du eigentlich reiten mit dem Ding im Sattel?�</p><p>�Ich werde rennen!� Der Ogier folgte dem eigenen Vorschlag und trabte los, wobei er das Pferd an den Z�geln hinterherzog. Rand folgte ihm.</p><p>Loial legte eine Geschwindigkeit vor, die von den Pferden gerade eben noch eingehalten werden konnte. Rand war sicher, da� der Ogier das nicht lange durchhalten w�rde, aber Loials F��e versagten ihm den Dienst nicht. Rand kam zu dem Schlu�, da� seine Angeberei, er habe einst ein Pferd im Rennen geschlagen, vielleicht gar nicht gelogen war. Hin und wieder blickte sich Loial beim Laufen um, aber die Rufe der Schattenfreunde und das Heulen der Trollocs verklangen mit zunehmender Entfernung.</p><p>Selbst als der Hang steiler wurde, verlangsamte sich Loials Schritt kaum, und er trabte schlie�lich auf ihren Lagerplatz am Berghang, ohne besonders schwer zu atmen.</p><p>�Ihr habt es.� Selenes Stimme klang triumphierend, als ihr Blick auf der kunstvoll gearbeiteten Truhe ruhte. Sie trug wieder ihr eigenes Kleid. F�r Rand sah es so wei� wie frischer Schnee aus. �Ich wu�te, Ihr trefft die richtige Wahl. Darf ich � es einmal ansehen?�</p><p>�Wurdet Ihr verfolgt, Lord Rand?� fragte Hurin besorgt. Er betrachtete die Truhe ehrfurchtsvoll, doch sein Blick glitt immer wieder in die Nacht hinaus den Hang hinunter. �Falls sie Euch verfolgen, m�ssen wir schnell verschwinden.�</p><p>�Ich glaube nicht. Geh mal zu dem Vorsprung und sieh nach, ob du etwas entdeckst.� Rand kletterte aus dem Sattel, als Hurin den Hang hinaufeilte. �Selene, ich wei� nicht, wie man die Truhe �ffnet. Wei�t du es, Loial?� Der Ogier sch�ttelte den Kopf.</p><p>�La�t mich versuchen...� Selbst f�r eine Frau von Selenes Gr��e befand sich Loials Sattel hoch �ber dem Boden. Sie streckte sich und ber�hrte die kunstvoll gewirkten Muster auf der Truhe. Ihre H�nde glitten dar�ber und dr�ckten zu. Man h�rte ein Klicken, und sie hob den Deckel an und lie� ihn auffallen.</p><p>Als sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um hineinzufassen, griff Rand �ber ihre Schulter hinweg und hob das Horn von Valere heraus. Er hatte es einmal zuvor gesehen, aber noch nie ber�hrt. Obwohl es so sch�n war, machte es nicht den Eindruck gro�en Alters oder gro�er Macht. Ein gewundenes goldenes Horn, das in der schwachen Beleuchtung schimmerte, mit einer eingravierten silbernen Schrift, die sich um die �ffnung am Ende hinzog. Er ber�hrte die fremdartigen Buchstaben mit dem Finger. Sie schienen das Mondlicht zu reflektieren.</p><p><emphasis>�Tia mi aven Moridin isainde vadin�,</emphasis> las Selene. ��Das Grab ist keine Grenze f�r meinen Ruf.� Ihr werdet <emphasis>gewi�</emphasis> gr��er, als Artur Falkenfl�gel es je war.�</p><p>�Ich bringe es nach Schienar zu Lord Agelmar.� <emphasis>Es sollte eigentlich nach Tar Valon kommen,</emphasis> dachte er, aber ich habe genug von den Aes Sedai. <emphasis>Sollen Ingtar oder Agelmar ihnen das Horn bringen.</emphasis> Er legte das Horn in die Truhe zur�ck. Es warf den Mondschein zur�ck und zog den Blick an.</p><p>�Das ist Wahnsinn�, sagte Selene.</p><p>Rand zuckte bei diesem Wort zusammen. �Verr�ckt oder nicht, ich werde es jedenfalls so machen. Ich habe Euch gesagt, Selene, da� ich keinen Anteil am Ruhm will. Dort hinten glaubte ich, ich wolle den Ruhm. Eine Zeitlang hatte ich das Gef�hl, ich wolle viele Dinge haben...� <emphasis>Licht, sie ist so sch�n. Egwene, Selene, ich bin keine von beiden wert.</emphasis> �Etwas schien mich besessen zu machen.� Saidin <emphasis>wollte mich einfangen, aber ich habe es mit einem Schwert abgewehrt. Oder ist das auch wahnsinnig?</emphasis> Er atmete tief durch. �Das Horn von Valere geh�rt nach Schienar. Andernfalls wird Lord Agelmar wissen, was damit zu tun ist.�</p><p>Hurin erschien wieder. �Das Feuer ist wieder da, Lord Rand, und gr��er als zuvor. Und ich h�rte Rufe. Alles unten zwischen den H�geln. Ich glaube nicht, da� sie den Berg hochkommen.�</p><p>�Ihr mi�versteht mich, Rand�, sagte Selene. �Ihr k�nnt jetzt nicht zur�ck. Euer Kurs liegt fest. Diese Freunde der Dunkelheit werden nicht einfach abziehen, weil Ihr ihnen das Horn abgenommen habt. Im Gegenteil. Wenn Ihr keine Gelegenheit findet, sie alle zu t�ten, werden sie Euch jagen, wie Ihr zuvor sie gejagt habt.�</p><p>�Nein!� Loial und Hurin rissen bei Rands Heftigkeit erstaunt die Augen auf. Er sprach sanfter weiter: �Ich wei� keine Methode, sie alle zu t�ten. Von mir aus k�nnen sie ewig leben.�</p><p>Selenes langes Haar schlug Wellen, als sie den Kopf sch�ttelte. �Dann k�nnt Ihr nicht zur�ck, sondern nur vorw�rts. Ihr k�nnt die Sicherheit der Mauern Cairhiens in viel k�rzerer Zeit erreichen als Schienar. Erscheint Euch der Gedanke an ein paar weitere Tage in meiner Gesellschaft so unertr�glich?�</p><p>Rand sah die Truhe an. Selenes Gesellschaft war alles andere als hinderlich, doch in ihrer N�he zwang ihn irgend etwas, so zu denken, wie er nicht denken wollte. Sicher, wieder nach Norden zur�ckzureiten bedeutete, ein Zusammentreffen mit Fain und seinen Anh�ngern zu riskieren. Da hatte sie recht. Fain w�rde niemals aufgeben. Auch Ingtar w�rde nicht aufgeben. Wenn Ingtar nach S�den weiterzog, w�rde er fr�her oder sp�ter nach Cairhien kommen.</p><p>�Cairhien�, stimmte er zu. �Ihr werdet mir zeigen m�ssen, wo Ihr wohnt, Selene. Ich war noch nie in Cairhien.� Er fa�te nach dem Deckel der Truhe, um ihn zu schlie�en.</p><p>�Ihr habt den Freunden der Dunkelheit noch etwas abgenommen?� fragte Selene. �Ihr habt vorher auch von einem Dolch gesprochen.�</p><p><emphasis>Wie konnte ich den vergessen?</emphasis> Er lie� die Truhe, wo sie war, und zog den Dolch aus dem G�rtel. Die blanke Klinge war gekr�mmt wie ein Horn, und die Quertr�ger am Griff waren goldene Schlangen. In den Griff eingelassen war ein Rubin, so gro� wie sein Daumennagel. Er schimmerte wie ein b�se dreinblickendes Auge im Mondschein. Doch so kunstvoll geschmiedet und so mit einem Fluch belastet, wie er war, f�hlte er sich kein bi�chen anders an als jedes andere Messer.</p><p>�Seid vorsichtig�, sagte Selene. �Schneidet Euch nicht.�</p><p>Rand schauderte innerlich. Wenn schon das einfache Tragen gef�hrlich war, dann wollte er nicht wissen, was ein Schnitt erst anrichten w�rde. �Er stammt aus Shadar Logoth�, erkl�rte er. �Er wird jeden sch�dlich beeinflussen, der ihn l�nger tr�gt, wird ihn bis auf die Knochen verderben, so wie Shadar Logoth verdorben wurde. Ohne die Heilkunst der Aes Sedai wird der Fluch schlie�lich den Tr�ger t�ten.�</p><p>�Also deshalb ist Mat so krank�, sagte Loial leise. �Das h�tte ich nicht vermutet.� Hurin starrte den Dolch in Rands Hand an und wischte sich die H�nde an der Vorderseite seines Mantels ab. Der Schn�ffler wirkte nicht gerade gl�cklich.</p><p>�Keiner von uns sollte ihn l�nger als notwendig in die Hand nehmen�, fuhr Rand fort. �Ich mu� eine M�glichkeit finden, ihn zu tragen... �</p><p>�Er ist gef�hrlich.� Selene sah die Klinge so finster an, als seien die Schlangen echt und giftig. �Werft ihn weg. La�t ihn liegen oder vergrabt ihn, falls er nicht in andere H�nde fallen soll, aber entledigt Euch seiner.�</p><p>�Mat braucht ihn�, sagte Rand entschlossen.</p><p>�Er ist zu gef�hrlich. Das habt Ihr selbst gesagt.�</p><p>�Er braucht ihn. Die Am... Die Aes Sedai sagte, er werde sterben, wenn sie ihn nicht benutzen k�nnten, um ihn zu heilen.� <emphasis>Sie haben ihn immer noch am G�ngelband, aber dieser Dolch wird es zerschneiden. Bis ich ihn loshabe und das Horn dazu, haben sie auch mich am G�ngelband, aber ich werde nicht nach ihrer Pfeife tanzen, sosehr sie sich auch bem�hen.</emphasis></p><p>Er legte den Dolch in die Truhe, genau in die Kr�mmung des Horns � er hatte gerade Platz darin �, und schlo� den Deckel. Das Schlo� schnappte h�rbar zu. �Das sollte uns davor besch�tzen.� Er hoffte es wenigstens. Lan hatte gesagt, wenn man am unsichersten sei, m�sse man am sichersten wirken. �Die Truhe wird uns auf jeden Fall sch�tzen�, sagte Selene mit angespannter Stimme. �Und jetzt m�chte ich die letzten Stunden Schlaf in dieser Nacht genie�en.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. �Wir sind ihnen zu nahe. Fain scheint manchmal in der Lage zu sein, mich aufzusp�ren.�</p><p>�Sucht das Einssein, wenn Ihr Angst habt�, sagte Selene.</p><p>�Ich m�chte am Morgen so weit wie m�glich von diesen Schattenfreunden entfernt sein. Ich werde Eure Stute satteln.�</p><p>�Einfach stur!� Sie klang w�tend, aber als er sie anblickte, verzog sich ihr Mund zu einem L�cheln, das allerdings die dunklen Augen nicht erreichte. �Ein halsstarriger Mann ist am besten, wenn er einmal... � Ihre Stimme verklang, und das bereitete ihm Kopfzerbrechen. Frauen schienen gewisse Dinge immer ungesagt zu lassen, und in seiner begrenzten Erfahrung mit ihnen hatte er festgestellt, da� gerade das, was sie nicht sagten, oft die gr��ten Schwierigkeiten bereitete. Sie sah schweigend zu, als er ihren Sattel auf den R�cken der wei�en Stute schnallte und sich b�ckte, um den Sattelgurt anzuziehen.</p><p>�Hol sie alle her!� fauchte Fain. Der Trolloc mit der Ziegenschnauze schob sich von ihm weg nach hinten von ihm weg. Das Feuer, mittlerweile hoch mit Holz aufgef�llt, beleuchtete die H�gelkuppe. Schatten huschten �ber Fain hinweg. Seine menschlichen Anh�nger kauerten am Feuer und f�rchteten sich davor, drau�en im Dunklen sein zu m�ssen, wo sich der Rest der Trollocs befand.</p><p>�Hol sie her, jeden, der noch lebt! Und wenn sie weglaufen wollen, dann erz�hl ihnen, was mit dem hier geschah.� Er deutete auf den ersten Trolloc, der ihm die Nachricht �berbracht hatte, da� sie al'Thor nicht finden konnten. Seine Schnauze �ffnete und schlo� sich krampfartig auf dem blutverschmierten Boden, und seine Hufe rissen zuckend Furchen in den Boden. �Geh!� fl�sterte Fain, und der Trolloc mit der Ziegenschnauze rannte in die Nacht hinaus.</p><p>Fain sah die anderen Menschen ver�chtlich an. <emphasis>Sie k�nnen immer noch n�tzlich sein.</emphasis> Dann drehte er sich um und blickte in die Nacht hinaus in Richtung Bruderm�rders Dolch. Al'Thor befand sich irgendwo dort oben in den Bergen. Mit dem Horn. Bei dem Gedanken knirschte er h�rbar mit den Z�hnen. Er wu�te nicht genau, wohin, aber irgend etwas zog ihn zu den Bergen hinauf. Zu al'Thor. Soviel war ihm vom �Geschenk des Dunklen K�nigs geblieben. Er hatte kaum noch daran gedacht, hatte sich bem�ht, nicht daran zu denken, bis pl�tzlich, als das Horn weg war � <emphasis>weg!</emphasis> �, al'Thor da war und ihn anzog, wie Fleisch einen halb verhungerten Hund.</p><p>�Ich bin kein Sp�rhund mehr. Kein Hund mehr!� Er h�rte, wie sich die anderen unruhig am Feuer bewegten, aber er beachtete sie nicht. �Du wirst daf�r bezahlen, was du mir angetan hast, al'Thor! Die Welt wird daf�r bezahlen!� Sein wahnwitziges Lachen gackerte durch die Nacht. �Die Welt wird daf�r bezahlen!�</p></section><section><title><p>20</p><p>Saidin</p></title><p>Rand zog mit ihnen durch die Nacht und erlaubte ihnen lediglich eine kurze Rast bei Sonnenaufgang, um den Pferde eine Rast zu g�nnen. Und er mu�te auch Loial eine Pause gew�hren. Da das Horn von Valere in seiner Gold-und-Silber-Truhe seinen Sattel in Anspruch nahm, ging oder lief der Ogier ohne Klagen vor seinem gro�en Pferd her. Er hielt sie auch nicht auf. Irgendwann in der Nacht hatten sie die Grenze nach Cairhien �berquert.</p><p>�Ich m�chte es wieder anschauen�, sagte Selene, als sie anhielten. Sie stieg ab und ging zu Loials Pferd hin�ber. Ihre langen blassen Schatten zeigten nach Westen. Die Sonne blinzelte gerade eben �ber den Horizont. �Heb es mir herunter, <emphasis>Alantin!�</emphasis> Loial l�ste, die Schnallen. �Das Horn von Valere.�</p><p>�Nein�, sagte Rand und kletterte vom R�cken des Braunen. �Nein, Loial.� Der Ogier blickte von Rand zu Selene. Seine Ohren zuckten zweifelnd, aber er nahm die H�nde weg.</p><p>�Ich m�chte das Horn sehen�, verlangte Selene. Rand war sicher, da� sie nicht �lter war als er selbst, aber in diesem Moment erschien sie ihm so alt und so kalt wie die Berge und majest�tischer als K�nigin Morgase, wenn sie besonders streng war.</p><p>�Ich glaube, wir sollten den Dolch in seiner Verwahrung belassen�, sagte Rand. �Nach alledem, was ich geh�rt habe, kann es genauso gef�hrlich sein, ihn anzuschauen, wie ihn zu ber�hren. La�t ihn, wo er ist, bis ich ihn in Mats H�nde legen kann. Er... er kann ihn zu den Aes Sedai bringen.� <emphasis>Und was werden sie f�r diese Heilung verlangen?</emphasis> Doch er hat keine andere Wahl. Er f�hlte sich ein wenig schuldig, weil er Erleichterung empfand, da� zumindest er nichts mehr mit den Aes Sedai zu tun haben mu�te. <emphasis>Ich bin mit ihnen fertig. So oder so.</emphasis></p><p>�Der Dolch! Alles, was Ihr im Kopf zu haben scheint, ist dieser Dolch. Ich sagte Euch doch, da� Ihr ihn loswerden m��t. Das Horn von Valere, Rand!�</p><p>�Nein.�</p><p>Sie kam mit einem H�ftschwung auf ihn zu, und er hatte das Gef�hl, ihm sei etwas in der Kehle steckengeblieben. �Ich will es lediglich bei Tageslicht sehen. Ich werde es nicht einmal ber�hren. Ihr haltet es. Das bliebe mir in Erinnerung � Ihr mit dem Horn von Valere in den H�nden.� Beim Sprechen nahm sie seine H�nde in die ihren. Bei ihrer Ber�hrung prickelte seine Haut, und der Mund trocknete ihm aus. Etwas, woran sie sich erinnern w�rde � wenn sie weg war... Er konnte den Deckel sofort wieder �ber dem Dolch schlie�en, wenn er das Horn aus der Truhe genommen hatte. Es w�re schon etwas, das Horn in H�nden zu halten und es bei Tageslicht zu betrachten.</p><p>Wenn er nur mehr �ber die Prophezeiungen des Drachen gewu�t h�tte! Als er einmal geh�rt hatte, wie der Leibw�chter eines Kaufmanns in Emondsfeld etwas davon erz�hlte, hatte Nynaeve dem Mann einen Besen um die Ohren gehauen, bis der Stiel abbrach. In dem wenigen, das er geh�rt hatte, war nichts �ber das Horn von Valere vorgekommen.</p><p><emphasis>Die Aes Sedai wollen mich dazu bringen, da� ich tue, was sie w�nschen.</emphasis> Selene sah ihm immer noch eindringlich in die Augen. Ihr Gesicht war so jung und sch�n, da� er sie am liebsten gek��t h�tte � trotz seines mi�trauischen Gedankengangs. Niemals hatte sich eine Aes Sedai so benommen wie sie. Und sie sah so jung aus, nicht alterslos... <emphasis>Ein M�dchen meines Alters kann doch keine Aes Sedai sein. Aber...</emphasis></p><p>�Selene�, fragte er leise, �seid Ihr doch eine Aes Sedai?�</p><p>�Aes Sedai�, fauchte sie fast. Sie stie� seine H�nde weg. �Aes Sedai! Immer m��t Ihr mir das vorwerfen!� Sie holte tief Luft und strich ihr Kleid glatt, als wolle sie sich damit beruhigen. �Ich bin, was oder wer ich eben bin. Und ich bin keine Aes Sedai!�</p><p>Und dann h�llte sie sich in eine lautlose K�lte, gegen die selbst die Morgensonne kalt war.</p><p>Loial und Hurin ertrugen alles so gelassen, wie sie es vermochten, bem�hten sich um eine Unterhaltung und verbargen ihre Verlegenheit, bis ihr Blick sie zum Schweigen brachte. Sie ritten weiter.</p><p>Als sie an diesem Abend ihr Lager neben einem Bergbach aufschlugen, der ihnen Fisch zum Abendessen bescherte, schien Selene sich wieder so weit in der Gewalt zu haben, da� sie mit dem Ogier �ber B�cher sprechen und freundlich mit Hurin plaudern konnte. Allerdings sprach sie kaum mit Rand; h�chstens wenn er sie ansprach. Das war so an diesem Abend und den ganzen n�chsten Tag �ber, w�hrend sie in den Bergen umherritten, die wie riesige gezackte graue Mauern neben ihnen aufragten. Es ging unaufh�rlich aufw�rts. Aber immer wenn er sie ansah, stellte er fest, da� sie ihn beobachtete und l�chelte. Manchmal war es ein L�cheln, das ihn ermunterte, zur�ckzul�cheln, manchmal allerdings mu�te er sich r�uspern und ob der eigenen Gedanken err�ten, und manchmal war es das geheimnisvolle, wissende L�cheln, das er auch bei Egwene gelegentlich gesehen hatte. Bei dieser Art von L�cheln versteifte sich sein R�cken � aber wenigstens war es ein L�cheln.</p><p><emphasis>Sie kann doch keine Aes Sedai sein.</emphasis></p><p>Dann f�hrte der Weg abw�rts, und als bereits ein Versprechen der nahenden D�mmerung in der Luft lag, machte Bruderm�rders Dolch abgerundeten welligen H�geln Platz, auf denen mehr Unterholz als Wald wuchs, mehr Hecken als B�ume. Es gab keine Stra�e, nur einen Feldweg, der vielleicht von Zeit zu Zeit von einem Karren befahren wurde. An einigen der H�gel waren terrassenf�rmige Felder angelegt worden. Das Getreide stand gut, aber um diese Zeit waren keine Menschen zu sehen. Die verstreut liegenden Bauernh�fe waren so weit von ihrem Weg entfernt, da� Rand kaum etwas erkennen konnte. Die H�user waren aus Stein erbaut.</p><p>Als das Dorf vor ihnen auftauchte, leuchteten in einigen Fenstern bereits abendliche Lichter.</p><p>�Heute nacht schlafen wir in Betten�, sagte er.</p><p>�Das werde ich zu genie�en wissen, Lord Rand.� Hurin lachte. Loial nickte zustimmend.</p><p>�Eine Dorfschenke�, murrte Selene. �Zweifellos schmutzig und voll von ungewaschenen M�nnern, die Bier saufen. Warum k�nnen wir nicht wieder unter den Sternen n�chtigen? Mir ist bewu�t geworden, da� ich gern unter freien Himmel schlafe.�</p><p>�Es w�rde Euch nicht gefallen, wenn uns Fain einholte, w�hrend wir schlafen�, sagte Rand. �Er und diese Trollocs. Er verfolgt mich, Selene. Er will auch das Horn, und er kann mich finden. Warum, glaubt Ihr, habe ich in den letzten N�chten so genau aufgepa�t?�</p><p>�Wenn Fain uns einholt, werdet Ihr mit ihm fertig.� Ihre Stimme klang k�hl und selbstbewu�t. �Und es k�nnte im Dorf auch Schattenfreunde geben.�</p><p>�Selbst dann, wenn sie wissen, wer wir sind, k�nnen sie in Gegenwart aller anderen Dorfbewohner nicht viel unternehmen. Oder glaubt Ihr, jeder Einwohner des Dorfs ist ein Schattenfreund?�</p><p>�Und wenn sie entdecken, da� Ihr das Horn bei Euch habt? Ob Ihr nun Ruhm sucht oder nicht � sogar die Bauern tr�umen davon.�</p><p>�Sie hat recht, Rand�, sagte Loial. �Ich f�rchte, sogar Bauern wollen es m�glicherweise stehlen.�</p><p>�Roll deine Decke auf, Loial, und wirf sie �ber die Truhe. Halte sie bedeckt.� Loial gehorchte, und Rand nickte. Es war klar zu sehen, da� sich unter der gestreiften Decke des Ogiers eine Kiste oder Truhe befand, aber nichts wies darauf hin, da� es sich um mehr als einen Reisekoffer handelte. �Die Kleidertruhe meiner Lady�, grinste Rand mit einer Verbeugung.</p><p>Selene begegnete seinem Scherz mit Schweigen und einem nicht zu deutenden Blick. Einen Augenblick sp�ter ritten sie weiter.</p><p>Fast im gleichen Moment wurde ein Strahl der untergehenden Sonne glitzernd von einem Gegenstand auf dem Boden reflektiert. Es war etwas Gro�es. Nach dem davon ausgehenden Strahlen war es sogar etwas sehr Gro�es. Neugierig wendete er sein Pferd.</p><p>�Lord Rand?� fragte Hurin. �Das Dorf?�</p><p>�Ich will mir das ansehen�, sagte Rand. <emphasis>Es strahlt heller als Sonnenschein auf dem Wasser. Was kann das sein?</emphasis></p><p>Da er nur auf das reflektierte Licht achtete, �berraschte es ihn, da� der Braune pl�tzlich stehenblieb. Beinahe h�tte er den Hengst weiter vorangetrieben, doch rechtzeitig wurde ihm klar, da� sie an der Kante einer tiefen, enorm gro�en Lehmgrube standen. Der gr��te Teil des H�gels war bis zu einer Tiefe von mindestens hundert Schritt abgegraben worden. Bestimmt war sogar mehr als nur ein H�gel verschwunden und vielleicht noch einige Felder dazu, denn das Loch war bestimmt zehnmal so breit wie tief. Die entlegene Seite war offensichtlich zu einer Rampe festgetreten worden. Am Grund der Grube befanden sich Menschen, ein Dutzend vielleicht, die ein Feuer entfachten. Dort drunten war bereits Nacht. Hier und da spiegelte sich das letzte Tageslicht auf einer R�stung, und an den H�ften der M�nner hingen Schwerter. Rand beachtete sie kaum.</p><p>Aus dem Lehm am Grund der Grube ragte eine gigantische Steinhand, die eine Kristallkugel hielt, und diese war es, die den letzten Sonnenschein reflektierte. Rand bestaunte deren Gr��e. Er war sicher, da� sich nicht ein einziger Kratzer auf der Oberfl�che der glatten Kugel befand, und sie hatte einen Durchmesser von mindestens zwanzig Schritt!</p><p>In einiger Entfernung von der Hand hatte man ein dementsprechend gro�es Steingesicht ausgegraben. Das Gesicht eines b�rtigen Mannes erhob sich mit der W�rde hohen Alters aus dem Lehm. Die breiten Gesichtsz�ge strahlten Weisheit und Wissen aus.</p><p>Ungebeten bildete sich das Nichts. Nach einem Augenblick war es bereits vollst�ndig, und <emphasis>Saidin</emphasis> gl�hte und lockte. Er konzentrierte sich so auf das Gesicht und die Hand, da� ihm gar nicht klar wurde, was geschah. Er hatte einst geh�rt, wie ein Kapit�n von einer riesigen Hand erz�hlte, die eine enorme Kristallkugel hielt. Bayle Domon hatte behauptet, sie stecke in einem H�gel auf der Insel Tremalking.</p><p>�Das ist gef�hrlich�, sagte Selene. �Kommt weg, Rand.�</p><p>�Ich glaube, ich sehe einen Weg hinunter�, sagte er abwesend. <emphasis>Saidin</emphasis> sang ihm ein Lied. Die riesige Kugel schien im Schein der untergehenden Sonne wei� zu gl�hen. Es schien ihm, da� in den Tiefen des Kristalls Licht wirbelte und im Rhythmus des Liedes von <emphasis>Saidin</emphasis> tanzte. Er fragte sich, warum die M�nner dort unten das offensichtlich nicht bemerkten.</p><p>Selene ritt n�her heran und fa�te ihn am Arm. �Bitte, Rand, Ihr m��t mitkommen.� Er sah verbl�fft ihre Hand an. Dann folgte sein Blick ihrem Arm bis hinauf zu ihrem Gesicht. Sie schien wirklich besorgt, vielleicht sogar voller Angst zu sein. �Wenn dieser Abhang nicht unter unseren Pferden nachgibt und wir uns beim Fallen den Hals brechen, dann sind diese M�nner da unten Wachen, und niemand stellt Wachen auf, wenn jeder Vorbeikommende das hier sehen soll. Was hilft es Euch, wenn Ihr Fain abh�ngt, aber von den Wachen irgendeines Lords festgenommen werdet? Kommt weg von hier.�</p><p>Pl�tzlich � auch wenn es nur ein entfernter, fl�chtiger Gedanke war � wurde ihm bewu�t, da� ihn das Nichts umgab. <emphasis>Saidin</emphasis> sang, und die Kugel pulsierte. Er konnte es <emphasis>f�hlen,</emphasis> ohne hinzusehen. Ihm kam die Idee, da� er nur das Lied von <emphasis>Saidin</emphasis> mitsingen mu�te, damit das riesige Steingesicht den Mund �ffnete und ebenfalls mitsang. Zusammen mit ihm und <emphasis>Saidin.</emphasis> Alle zusammen.</p><p>�Bitte, Rand�, sagte Selene. �Ich gehe auch mit Euch zum Dorf. Ich erw�hne das Horn nicht mehr. Wenn Ihr nur mitkommt!�</p><p>Er lie� das Nichts fahren... aber es verschwand nicht. <emphasis>Saidin</emphasis> sang und das Licht in der Kugel schlug wie ein Herz. Wie sein Herz. Loial, Hurin, Selene, alle sahen ihn an, aber sie schienen das grandiose Leuchten der Kristallkugel nicht zu bemerken. Er versuchte das Nichts beiseite zu schieben. Es hielt ihm stand wie Granit. Er schwebte in einer Leere, die so hart war wie Stein. Das Lied von <emphasis>Saidin,</emphasis> das Lied der Kugel: Er f�hlte, wie seine Knochen mitvibrierten. Zornig weigerte er sich, nachzugeben. Er f�hlte tief in sich hinein. <emphasis>Ich werde nicht...</emphasis></p><p>�Rand.� Er wu�te nicht, wessen Stimme das war. ... f�hlte nach dem Kern seines Seins, dessen, was er war...</p><p><emphasis>... werde nicht...</emphasis></p><p>�Rand.� Das Lied erf�llte ihn, f�llte die Leere. ... ber�hrte Stein, erhitzt von einer erbarmungslosen Sonne, abgek�hlt von einer gnadenlosen Nacht... <emphasis>... nicht...</emphasis></p><p>Licht erf�llte ihn, blendete ihn.</p><p>�Bis der Schatten vergangen�, murmelte er, �bis das Wasser vergangen... �</p><p>Macht erf�llte ihn. Er war eins mit der Kugel.</p><p>�... in den Schatten mit gebleckten Z�hnen... �</p><p>Die Macht war sein. Die Eine Macht war sein.</p><p>�... dem Sichtblender ins Auge spucken... �</p><p>Macht, um die Welt zu zerst�ren.</p><p>�... am letzten Tag!� Es brach als Schrei aus ihm heraus, und das Nichts war verschwunden. Der Braune scheute, als er schrie. Lehm br�ckelte unter den Hufen des Hengstes ab und fiel in die Grube hinunter. Der gro�rahmige Hengst ging in die Knie. Rand beugte sich vor und nahm die Z�gel fest in die Hand. Der Braune kletterte zur�ck in Sicherheit � ein St�ck von der Abbruchkante entfernt.</p><p>Er sah, da� ihn alle anstarrten. Selene, Hurin, Loial, alle. �Was ist geschehen?� <emphasis>Das Nichts...</emphasis> Er fa�te sich an die Stirn. Das Nichts hatte sich nicht verfl�chtigt, als er es loslie�, und das Gl�hen von <emphasis>Saidin</emphasis> war st�rker geworden und... Er konnte sich an nichts weiter erinnern. <emphasis>Saidin.</emphasis> Ihm war kalt. �Habe ich... etwas angestellt?� Er runzelte die Stirn im Bem�hen, sich zu erinnern. �Habe ich etwas gesagt?�</p><p>�Du hast lediglich steif wie eine Statue dagesessen�, sagte Loial, �und Selbstgespr�che gef�hrt. Ich konnte nicht verstehen, was du sagtest, bis du schlie�lich so laut �Tag� geschrien hast, da� du damit Tote h�ttest erwecken k�nnen und dein armes Pferd beinahe �ber die Kante gescheucht h�ttest. Bist du krank? Du benimmst dich jeden Tag eigenartiger.�</p><p>�Ich bin nicht krank�, sagte Rand grob, f�gte aber schnell bes�nftigend hinzu: �Es geht mir gut, Loial.� Selene betrachtete ihn mi�trauisch.</p><p>Aus der Grube erklangen Rufe der M�nner. Die Worte waren nicht zu verstehen. �Lord Rand�, sagte Hurin, �ich glaube, diese Wachen haben uns mittlerweile entdeckt. Wenn sie einen Weg hier herauf kennen, k�nnen sie jede Minute da sein.�</p><p>�Ja�, sagte Selene, �la�t uns schnell weiterreiten.�</p><p>Rand blickte in die Grube und dann schnell wieder weg. In dem gro�en Kristall war nichts als das reflektierte Licht der Abendsonne zu sehen, aber er wollte nicht hinschauen. Er konnte sich beinahe erinnern... Da war <emphasis>etwas</emphasis> mit der Kugel gewesen. �Ich sehe keinen Anla�, auf sie zu warten. Wir haben nichts angestellt. Suchen wir uns eine Schenke.� Er drehte den Braunen zum Dorf hin, und bald lie�en sie die Grube und die rufenden M�nner hinter sich zur�ck.</p><p>Wie viele D�rfer lag Tremonsien auf der Kuppe eines H�gels, aber wie schon bei den Bauernh�fen, an denen sie vorbeigekommen waren, hatte man auch hier den H�gel mit Hilfe von Trennmauern in Terrassen unterteilt. Steinh�user mit quadratischem Grundri� standen auf immer gleichen Grundst�cken mit immer gleichen G�rten dahinter. Ein paar gerade Stra�en kreuzten sich genau im rechten Winkel.</p><p>Die Menschen schienen offen und freundlich zu sein. Sie blieben stehen und nickten einander zu, w�hrend sie in Eile die letzten Arbeiten vor Beginn der Nacht verrichteten. Es waren kleine Leute � keiner reichte Rand �ber die Schulter, und nur wenige waren so gro� wie Hurin � mit dunklen Augen und blassen, schmalen Gesichtern. Sie waren dunkel gekleidet, bis auf ein paar, die farbige Sch�rpen �ber der Brust trugen. K�chenger�che erf�llten die Luft � Rand kannte die Gew�rze nicht �, obwohl einige Frauen immer noch �ber ihre T�ren gelehnt standen und miteinander plauderten. Die T�ren waren geteilt, so da� der obere Teil offenstehen konnte, w�hrend der untere geschlossen blieb. Die Menschen musterten die Neuank�mmlinge neugierig. Es gab kein Anzeichen von Feindseligkeit. Ein paar betrachteten Loial etwas l�nger � einen Ogier, der neben einem Pferd einherschritt, das so gro� war wie ein Dhurranhengst �, aber nie so, da� es unh�flich wirkte.</p><p>Die Schenke auf der Kuppe des H�gels war auch ein Steingeb�ude wie alle im Dorf, und sie war deutlich durch ein bemaltes Schild gekennzeichnet, das �ber der breiten Eingangst�r hing. �Zu den Neun Ringen.� Rand schwang sich l�chelnd aus dem Sattel und band den Braunen an einem der beringten Pfosten vor dem Geb�ude fest. �Die Neun Ringe� war seine Lieblingsgeschichte gewesen, als er noch ein Junge war, und war es wohl immer noch.</p><p>Selene machte immer noch einen unruhigen Eindruck, als er ihr beim Absteigen behilflich war. �F�hlt Ihr Euch wohl?� fragte er. �Ich habe Euch dort hinten doch wohl keine Angst eingejagt, oder? Der Braune w�rde nie mit mir �ber eine Klippe st�rzen.� Er fragte sich, was wirklich geschehen war.</p><p>�Ihr <emphasis>habt</emphasis> mir Angst eingejagt�, sagte sie mit angespannter Stimme, �und ich �ngstige mich nicht so leicht. Ihr h�ttet Euch selbst umbringen k�nnen... � Sie strich sich �ber das Kleid. �Reitet mit mir weiter. Heute abend. Jetzt gleich. Bringt das Horn mit, und ich werde immer an Eurer Seite bleiben. Denkt dar�ber nach. Ich an Eurer Seite und das Horn von Valere in Euren H�nden. Und ich verspreche Euch, das ist nur der Anfang. Was k�nntet Ihr noch mehr w�nschen?�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. �Ich kann nicht, Selene. Das Horn... � Er sah sich um. Ein Mann blickte gegen�ber aus dem Fenster und zog dann die Vorh�nge zu. Der Abend senkte sich �ber die Stra�en, und au�er Loial und Hurin war niemand zu sehen. �Das Horn geh�rt mir nicht. Das habe ich Euch doch gesagt.� Sie wandte ihm den R�cken zu. Ihr wei�er Umhang trennte ihn von ihr wie eine Mauer.</p></section><section><title><p>21</p><p>Die Neun Ringe</p></title><p>Rand erwartete einen leeren Schankraum, da die Leute um diese Zeit gew�hnlich beim Abendessen sa�en, doch an einem Tisch sa� ein halbes Dutzend M�nner vor Bierseideln und w�rfelte. Ein anderer Mann sa� abseits von ihnen und a�. Obwohl die W�rfelspieler keine sichtbaren Waffen und R�stungen trugen und nur in einfache dunkelblaue M�ntel und Kniebundhosen gekleidet waren, verriet ihre Haltung, da� es Soldaten waren. Rands Blick wanderte hin�ber zu dem einzelnen Mann. Er war Offizier. Seine hohen Schaftstiefel waren oben umgeschlagen, und das Schwert hatte er an den Tisch neben seinem Stuhl gelehnt. Ein roter und ein gelber Streifen zogen sich quer �ber die Brust seines blauen Mantels von Schulter zu Schulter. �ber der Stirn waren die Haare wegrasiert, hinten hingen sie ihm hingegen lang und schwarz herunter. Die Haare der Soldaten waren ganz kurz, als habe man sie alle unter der gleichen Sch�ssel abgeschnitten. Alle sieben wandten sich um, als Rand und seine Gef�hrten eintraten.</p><p>Die Wirtin war eine hagere Frau mit langer Nase und ergrautem Haar, aber ihre Falten schienen eher vom L�cheln herzur�hren als vom Kummer. Sie kam herbei und wischte sich die H�nde an der bl�tenwei�en Sch�rze ab. �Einen guten Abend w�nsche ich Euch� � ein schneller Blick erfa�te Rands goldbestickten roten Mantel und Selenes vornehmes wei�es Kleid �, �mein Lord, meine Lady. Ich hei�e Maglin Madwen, Euer Lordschaft.</p><p>Seid willkommen in den �Neun Ringen�. Und ein Ogier. Nicht viele Eurer Rasse kommen hierher, Freund Ogier. Kommt Ihr vielleicht vom <emphasis>Stedding</emphasis> Tsofu?�</p><p>Loial brachte es trotz des Gewichts der Truhe fertig, sich halb zu verbeugen. �Nein, gute Wirtin. Ich komme aus der anderen Richtung, von den Grenzlanden her.�</p><p>�Von den Grenzlanden sagt Ihr? Aha. Und Ihr, Eure Lordschaft? Vergebt mir meine Neugier, aber Ihr seht nicht so aus wie jemand aus den Grenzlanden. Nichts f�r ungut.�</p><p>�Ich komme von den Zwei Fl�ssen, Frau Madwen. Das liegt in Andor.� Er sah Selene an. Sie schien �ber ihn hinwegzublicken und gerade noch anzuerkennen, da� dieser Schankraum mit seinen G�sten existierte. �Lady Selene kommt aus Cairhien, aus der Hauptstadt selbst, und ich komme aus Andor.�</p><p>�Wie Ihr sagt, Eure Lordschaft.� Frau Madwens Blick huschte zu Rands Schwert hinunter. Die Bronzereiher auf Scheide und Knauf waren deutlich sichtbar. Sie runzelte leicht die Stirn, aber einen Augenblick sp�ter hatte sie sich wieder in der Gewalt. �Ihr w�nscht sicher ein Mahl f�r Euch, Eure sch�ne Lady und Euer Gefolge. Und Zimmer, sch�tze ich. Ich werde daf�r sorgen, da� Eure Pferde versorgt werden. Ich habe einen guten Tisch f�r Euch, gleich hier dr�ben, und Schweinefleisch mit gelbem Pfeffer auf dem Feuer. Sucht Ihr auch nach dem Horn von Valere, Eure Lordschaft, Ihr und Eure Lady?�</p><p>Rand war gerade dabei, ihr zum Tisch zu folgen, und stolperte fast bei dieser Bemerkung. �Nein! Wieso glaubt Ihr das?�</p><p>�Nichts f�r ungut, Eure Lordschaft. Hier kamen schon zwei durch letzten Monat, und beide wie die Helden aufgeputzt. Nicht, da� ich etwas dergleichen �ber Euch andeuten m�chte, Eure Lordschaft. Hier kommen nicht viele Fremde her, au�er den H�ndlern aus der Hauptstadt, die hier Hafer und Gerste kaufen. An sich hatte ich nicht geglaubt, da� die J�ger bereits Illian verlassen haben, aber vielleicht glauben einige, sie brauchten den Segen nicht und k�nnten den anderen zuvorkommen, wenn sie darauf verzichten.�</p><p>�Wir jagen nicht nach dem Horn, gute Frau.� Rand sah das B�ndel in Loials Armen nicht an. Die buntgestreifte Decke hing dem Ogier �ber die kr�ftigen Arme und verbarg die Truhe recht gut. �Ganz sicher nicht. Wir sind auf dem Weg zur Hauptstadt.�</p><p>�Wie Ihr meint, Eure Lordschaft. Verzeiht meine Frage, aber geht es Eurer Lady gut?�</p><p>Selene sah sie an und sagte zum erstenmal etwas: �Es geht mir recht gut.� Ihre Stimme lie� die Atmosph�re im Raum einfrieren. F�r einen Augenblick lang erstarrte jede Unterhaltung.</p><p>�Ihr stammt nicht aus Cairhien, Frau Madwen�, sagte Hurin pl�tzlich. So, wie er beladen war mit Satteltaschen und B�ndeln, wirkte er wie ein wandelnder Gep�ckwagen. �Verzeihung, aber Ihr sprecht nicht wie jemand aus Cairhien.�</p><p>Frau Madwens Augenbrauen hoben sich. Sie sah schnell zu Rand hin�ber und l�chelte dann. �Ich h�tte wissen sollen, da� Ihr Euren Mann frei sprechen la�t, aber ich habe mich so daran gew�hnt, da�... � Ihr Blick huschte hin�ber zu dem Offizier, der sich wieder seiner Mahlzeit zugewandt hatte. �Licht, nein, ich komme nicht aus Cairhien, aber ich habe hierher geheiratet. Dreiundzwanzig Jahre lang habe ich mit ihm zusammengelebt, und als er starb � das Licht leuchte ihm �, wollte ich gern nach Lugard zur�ckzukehren, aber wer zuletzt lacht... Er hinterlie� mir die Schenke, und das Geld bekam sein Bruder. Dabei war ich so sicher gewesen, es werde andersherum kommen. Ein ausgefeimter Bursche war mein Barin, wie alle M�nner, die ich kennengelernt habe, und besonders die aus Cairhien. Nehmt Ihr bitte Platz, Eure Lordschaft, Lady?�</p><p>Die Wirtin blickte �berrascht drein, als sich Hurin an denselben Tisch mit ihnen setzte. Es schien, ein Ogier sei eine Ausnahme, aber Hurin hielt sie auf jeden Fall f�r einen Diener. Nach einem weiteren schnellen Blick zu Rand hin�ber eilte sie in die K�che, und bald kamen Serviererinnen herein und trugen das Mahl auf. Die M�dchen kicherten nerv�s und starrten den Lord, die Lady und den Ogier an, bis Frau Madwen sie wieder an die Arbeit scheuchte.</p><p>Anfangs betrachtete Rand zweifelnd, was er da auf dem Teller hatte. Das Schweinefleisch war in kleine St�cke geschnitten und schwamm zwischen langen Schnitten gelben Pfeffers, Erbsen und anderen Gem�sen, die er nicht kannte, in einer klaren dicken Sauce. Sie roch gleichzeitig s�� und scharf. Selene stocherte nur in ihrem Teller herum, aber Loial a� mit herzhaftem Appetit.</p><p>Hurin grinste Rand �ber seine Gabel hinweg an. �Sie verwenden eigenartige Gew�rze, Lord Rand, aber es schmeckt trotzdem nicht schlecht.�</p><p>�Es wird nicht zur�ckbei�en, Rand�, f�gte Loial hinzu.</p><p>Rand a� z�gernd ein wenig und lie� es vor �berraschung beinahe wieder aus dem Mund fallen. Es schmeckte so, wie es roch: gleichzeitig s�� und scharf. Das Schweinefleisch war au�en knusprig und innen zart, schmeckte nach einem Dutzend verschiedener Gew�rze, und alle erg�nzten sich und blieben dennoch erhalten. Er hatte noch nie etwas �hnliches im Mund gehabt. Es schmeckte wunderbar. Er leerte seinen Teller, und als Frau Madwen mit den Serviererinnen kam, um abzur�umen, h�tte er beinahe so wie Loial um einen Nachschlag gebeten. Selenes Teller war noch halb voll, und sie bedeutete einem M�dchen knapp, ihn mitzunehmen.</p><p>�Aber gern, Freund Ogier.� Die Wirtin l�chelte. �Einer wie Ihr braucht eine ganze Menge, um satt zu werden. Catrine, bring noch einen Teller voll und mach schnell!� Eines der M�dchen eilte davon. Frau Madwen wandte sich l�chelnd Rand zu. �Lord Rand, ich hatte hier einen Mann, der Zither spielte, aber er hat ein Bauernm�dchen von einem entfernten Hof geheiratet, und nun darf er die Z�gel hinter dem Pflug zupfen. Ich sah zuf�llig, da� etwas aus dem B�ndel Eures Mannes ragte, was wie ein Fl�tenkasten aussah. Da mein Musikant nicht mehr da ist, w�rdet Ihr vielleicht Eurem Mann erlauben, uns mit ein wenig Musik zu erfreuen?�</p><p>Hurin blickte verlegen drein. �Er spielt nicht�, erkl�rte Rand, �sondern ich.�</p><p>Die Frau ri� die Augen auf. Anscheinend spielte ein Lord keine Fl�te, jedenfalls nicht in Cairhien. �Ich ziehe meinen Wunsch zur�ck, Lord Rand. Bei der Wahrheit des Lichts, ich wollte Euch nicht kr�nken, das schw�re ich. Ich b�te niemals jemanden wie Euch, in einem Schankraum zu spielen.�</p><p>Rand z�gerte nur einen Augenblick. Es war schon zu lange her, da� er statt mit dem Schwert mit der Fl�te ge�bt hatte, und die M�nzen in seiner Tasche w�rden auch nicht ewig reichen. Wenn er endlich seine vornehme Kleidung los war � nachdem er Ingtar das Horn und Mat den Dolch gegeben hatte �, w�rde er die Fl�te brauchen, um sich wieder sein Essen zu verdienen, w�hrend er nach einem Ort suchte, an dem er vor den Aes Sedai sicher war. <emphasis>Und auch vor mir selbst sicher? Irgend etwas ist dort hinten geschehen. Aber was?</emphasis></p><p>�Es macht mir nichts aus�, sagte er. �Hurin, gib mir den Beh�lter. Zieh ihn einfach raus.� Es war nicht n�tig, den Umhang des Gauklers zu zeigen. Ohnedies erschienen schon gen�gend unausgesprochene Fragen in Frau Madwens dunklen Augen. Das mit Gold und Silber verzierte Instrument sah so aus, als k�nne es wirklich nur von einem Lord gespielt werden, falls es irgendwo Lords gab, die Fl�te spielten. Der in seine rechte Handfl�che eingebrannte Reiher machte ihm beim Spielen keine Schwierigkeiten. Selenes Salbe hatte so gut geholfen, da� er gar nicht mehr an das Brandzeichen gedacht hatte, bis es ihm jetzt wieder zu Bewu�tsein kam. Jetzt mu�te er daran denken, und deshalb spielte er unbewu�t den �Reiherflug�.</p><p>Hurin nickte mit dem Kopf im Takt des Liedes, und Loial schlug den Takt mit einem dicken Finger auf dem Tisch. Selene sah Rand an, als frage sie sich, wer er �berhaupt sei... <emphasis>Ich bin kein Lord, meine Lady. Ich bin Sch�fer und spiele Fl�te in Schankr�umen.</emphasis> Die Soldaten hielten in ihrem Gespr�ch inne und lauschten. Der Offizier schlo� den Holzdeckel des Buches, in dem er gerade lesen wollte. Selenes ruhiger Blick l�ste in Rand Trotz aus. Bewu�t mied er jedes Lied, das in einem Palast oder im Herrenhaus eines Lords gespielt werden mochte. Statt dessen spielte er �Nur ein Eimer Wasser� und �Tabak von den zwei Fl�ssen�, �Der alte Jak sitzt oben im Baum� und �Meister Prikets Pfeife�.</p><p>Beim letzten Lied begannen die Soldaten, mit rauhen Stimmen mitzusingen, wenn auch nicht den Text, den Rand kannte.</p><p>Wir reiten hinunter zum Iralell, dort, wo der Taren m�ndet.</p><p>Wir stehen am Ufer, als die Sonne sich gerade �ber dem Horizont befindet.</p><p>Ihre Pferde zertrampeln das Sommergras, ihre Flaggen verdunkeln den Himmel, doch wir halten das Feld gegen sie am Ufer des Iralell.</p><p>Ja, wir halten das Feld, wir halten das Feld, wir halten das Feld am Iralell.</p><p>Rand stellte nicht zum ersten Mal fest, da� eine Melodie in einem anderen Land oder manchmal sogar in einem anderen Dorf des gleichen Landes einen anderen Text und Titel hatte. Er begleitete sie, bis sie den Text beendet hatten, sich gegenseitig auf die Schultern schlugen und bissige Kommentare �ber die Gesangskunst des anderen abgaben.</p><p>Als Rand die Fl�te senkte, erhob sich der Offizier und machte eine abgehackte Handbewegung. Mitten im Lachen verstummten die Soldaten, schoben ihre St�hle zur�ck, verbeugten sich mit einer Hand auf der Brust vor dem Offizier und vor Rand und gingen hinaus, ohne sich umzusehen. Der Offizier kam an Rands Tisch und verbeugte sich mit der Hand auf dem Herzen. Der kahlgeschorene vordere Teil seines Kopfes sah aus, als habe er ihn wei� gepudert. �Die Gnade des Lichts leuchte Euch, mein Lord. Ich hoffe, sie haben Euch mit ihrem Gesang nicht bel�stigt. Es sind gew�hnliche Leute, aber ich versichere Euch, da� sie Euch nicht beleidigen wollten. Ich hei�e Aldrin Caldevwin, Eure Lordschaft, Hauptmann im Dienst seiner Majest�t, das Licht sei ihm gn�dig.� Sein Blick glitt �ber Rands Schwert. Rand hatte das Gef�hl, Caldevwin habe die Reiher sofort bemerkt, als sie hereinkamen.</p><p>�Sie haben mich nicht beleidigt.� Die Aussprache des Offiziers erinnerte ihn an Moiraine, so genau sprach er jedes einzelne Wort aus. <emphasis>Hat sie mich wirklich einfach fortgelassen? Ich frage mich, ob sie mir folgt. Oder auf mich wartet.</emphasis> �Setzt Euch doch bitte, Hauptmann.� Caldevwin zog einen Stuhl vom Nachbartisch heran. �Wenn Ihr nichts dagegen habt, Hauptmann, dann beantwortet mir doch bitte eine Frage. Habt Ihr in letzter Zeit Fremde gesehen? Ein Dame, klein und schlank, und einen K�mpfer mit blauen Augen? Er ist gro� und tr�gt manchmal das Schwert auf dem R�cken.�</p><p>�Ich habe �berhaupt keine Fremden gesehen�, sagte er, w�hrend er sich steif auf den Stuhl sinken lie�. �Au�er Euch und Eurer Lady, Eure Lordschaft. Wenig Adlige verirren sich jemals hierher.� Sein Blick huschte leicht beunruhigt zu Loial, w�hrend er Hurin als Diener �bersah.</p><p>�Es war nur so eine Idee.�</p><p>�Beim Licht, Eure Lordschaft, und bei allem Respekt, aber d�rfte ich Eure Namen wissen? Es gibt hier so wenig Fremde, da� ich jeden von ihnen kennen m�chte.�</p><p>Rand nannte ihm seinen Namen � er f�gte keinen Titel hinzu, aber das schien der Offizier nicht zu bemerken �und erkl�rte, was er auch zur Wirtin gesagt hatte: �Von den Zwei Fl�ssen in Andor.�</p><p>�Ein erstaunliches Land, wie ich geh�rt habe, Lord Rand � ich darf Euch doch so nennen? �, und gute K�mpfer, die M�nner von Andor. Niemand aus Cairhien hat das Schwert eines Schwertmeisters in so jungen Jahren gewonnen wie Ihr. Ich habe einst einige M�nner aus Andor kennengelernt, darunter den Generalhauptmann der k�niglichen Garde. Ich kann mich zu meiner Scham nicht an seinen Namen erinnern. K�nntet Ihr mir vielleicht damit dienen?�</p><p>Rand bemerkte die Serviererinnen, die im Hintergrund zu putzen und kehren begannen. Caldevwin schien sich nur unterhalten zu wollen, aber sein Blick lauerte durchbohrend. �Gareth Bryne.�</p><p>�Nat�rlich. Jung, und doch hat er schon eine solche Verantwortung.�</p><p>Rand behielt seinen ruhigen Tonfall bei: �Gareth Bryne hat genug graue Haare, um Euer Vater zu sein, Hauptmann.�</p><p>�Vergebt mir, Lord Rand. Ich wollte sagen, da� er schon jung dieses Amt erlangte.� Caldevwin wandte sich Selene zu und sah sie einen Moment lang nur an. Schlie�lich sch�ttelte er sich, als erwache er aus einer Trance. �Vergebt mir, Lady, da� ich Euch so ansah, und vergebt mir meine Worte, aber die Sch�nheit hat Euch reich gesegnet. Nennt Ihr mir einen Namen f�r soviel Sch�nheit?�</p><p>Gerade als Selene den Mund �ffnete, schrie eine der Bedienungen auf und lie� eine Lampe fallen, die sie von einem Regal heruntergenommen hatte. �l spritzte und bildete eine flammende Lache auf dem Boden. Rand sprang zusammen mit den anderen auf, doch bevor einer von ihnen sich r�hren konnte, erschien Frau Madwen, und sie und das M�dchen erstickten die Flammen mit ihren Sch�rzen.</p><p>�Ich habe dir doch gesagt, du sollst aufpassen, Catrine�, sagte die Wirtin und schwenkte die ru�ige Sch�rze unter der Nase des M�dchens. �Du wirst noch die ganze Schenke niederbrennen und dich mit!�</p><p>Das M�dchen schien den Tr�nen nahe. �Ich habe aufgepa�t, Frau Madwen, aber ich sp�rte pl�tzlich ein solches Zwicken im Arm.�</p><p>Frau Madwen hob beschw�rend die Arme. �Du hast immer eine Ausrede und doch zerbrichst du mehr Geschirr als alle anderen. Ach, ist schon in Ordnung. Putz es auf und verbrenn dich nicht dabei.� Die Wirtin wandte sich Rand und den anderen zu, die immer noch am Tisch standen. �Ich hoffe, keiner von Euch wird das falsch verstehen. Das M�dchen wird nat�rlich die Schenke nicht niederbrennen. Sie behandelt das Geschirr etwas rauh, wenn sie wieder mal einem jungen Burschen sch�ne Augen macht, aber sie hat noch nie zuvor Schwierigkeiten mit einer Lampe gehabt.�</p><p>�Ich m�chte gern in mein Zimmer gebracht werden. Mir geht es doch nicht so gut.� Selene sprach so langsam, als sei sie sich der Reaktion ihres Magens nicht sicher, aber es klang genauso k�hl und ruhig wie immer, und so sah sie auch aus. �Die Reise und das Feuer... �</p><p>Die Wirtin gluckste wie eine Henne. �Nat�rlich, Lady. Ich habe ein sch�nes Zimmer f�r Euch und Euren Lord. Soll ich Mutter Caredwain holen lassen? Sie hat viel Geschick mit Heilkr�utern.�</p><p>Selenes Tonfall versch�rfte sich. �Nein. Und ich will ein Zimmer f�r mich allein.�</p><p>Frau Madwen sah Rand an, doch im n�chsten Moment verbeugte sie sich und geleitete Selene zur Treppe. �Wie Ihr w�nscht, Lady. Lidan, hol die Sachen der Lady. Sei ein gutes M�dchen.� Eines der M�dchen eilte zu Hurin und nahm ihm Selenes Satteltaschen ab. Dann verschwanden die Frauen nach oben. Selene schritt mit steifem Kreuz und schweigend hinauf.</p><p>Caldevwin blickte ihnen nach, bis sie nicht mehr zu sehen waren, dann sch�ttelte er sich wieder. Er wartete darauf, da� Rand sich setzte, und nahm seinen Stuhl wieder ein. �Vergebt mir, Lord Rand, da� ich Eure Lady so anstarrte, aber Ihr seid wirklich ein beneidenswerter Mann, nichts f�r ungut.�</p><p>�Ist schon gut�, sagte Rand. Er fragte sich, ob alle M�nner die gleichen Gef�hle empfanden wie er, wenn sie Selene anblickten. �Als ich auf das Dorf zuritt, Hauptmann, sah ich eine riesige Kugel. Sie schien aus Kristall zu bestehen. Was ist das?�</p><p>Der Blick des Mannes aus Cairhien wurde sch�rfer. �Sie ist ein Teil der Statue, Lord Rand�, sagte er bed�chtig. Sein Blick huschte zu Loial hin�ber; einen Moment lang schien ein neues Element in seine �berlegungen einzuflie�en.</p><p>�Statue? Ich sah eine Hand und auch ein Gesicht. Sie mu� riesig sein.�</p><p>�Das ist sie, Lord Rand. Und alt.� Caldevwin schwieg. �Aus dem Zeitalter der Legenden, hat man mir erz�hlt.�</p><p>Rand �berlief es kalt. Das Zeitalter der Legenden, als �berall die Eine Macht in Gebrauch war, falls man den Geschichten dar�ber Glauben schenken konnte. <emphasis>Was ist dort geschehen? Ich wei�, da war etwas.</emphasis></p><p>�Das Zeitalter der Legenden�, sagte Loial. �Ja, das mu� stimmen. Keiner wu�te seither solch gro�artige Arbeiten auszuf�hren. Eine sehr wichtige Aufgabe, diese Ausgrabungen, Hauptmann.� Hurin sa� schweigend da, als h�re er gar nicht zu und sei �berhaupt nicht da.</p><p>Caldevwin nickte z�gernd. �Ich habe f�nfhundert Arbeiter im Lager bei den Ausgrabungen, trotzdem werden wir viel Zeit �ber den Sommer hinaus brauchen, um alles freizulegen. Das sind Leute aus Vortor. Meine Arbeit besteht zur H�lfte daraus, sie zum Graben anzutreiben, und zur anderen H�lfte, sie vom Dorf fernzuhalten. Die Leute aus Vortor haben eine Schw�che f�rs Trinken und Austoben, versteht Ihr, und diese Menschen hier f�hren ein ruhiges Leben.� Seinem Tonfall nach lagen seine Sympathien eindeutig bei den Dorfbewohnern.</p><p>Rand nickte. Er interessierte sich nicht f�r die Menschen in Vortor, wo immer das auch sein mochte. �Was wird dann mit der Figur geschehen?� Der Hauptmann z�gerte, aber Rand sah ihn so lange an, bis er sich �u�erte.</p><p>�Galldrian selbst hat befohlen, da� sie in die Hauptstadt gebracht wird.�</p><p>Loial zwinkerte �berrascht. �Das wird aber ein hartes St�ck Arbeit. Ich m�chte wissen, wie man etwas so Gro�es so weit transportieren kann.�</p><p>�Seine Majest�t hat es befohlen�, sagte Caldevwin in scharfem Ton. �Die Figur wird au�erhalb der Stadt aufgestellt als Sinnbild der Gr��e Cairhiens und des Hauses Riatin. Ogier sind nicht die einzigen, die es verstehen, mit Stein umzugehen.� Loial blickte verletzt drein, und der Hauptmann beruhigte sich sichtlich. �Verzeihung, Freund Ogier. Ich habe vorschnell und unh�flich gesprochen.� Er klang aber immer noch ein wenig barsch. �Werdet Ihr lange in Tremonsien bleiben, Lord Rand?�</p><p>�Wir reisen morgen fr�h ab�, sagte Rand. �Wir sind unterwegs nach Cairhien.�</p><p>�Wie der Zufall will, schicke ich morgen einige meiner Soldaten in die Stadt zur�ck. Ich mu� sie immer wieder austauschen. Es erm�det sie, M�nnern beim Schaufeln und Hacken zuzuschauen. Ihr habt doch nichts dagegen, in ihrer Gesellschaft zu reisen?� Er formulierte es als Frage, doch so, als sei ihr Einverst�ndnis vorweggenommen. Frau Madwen erschien auf der Treppe, und er erhob sich. �Wenn Ihr mich nun entschuldigen w�rdet, Lord Rand; ich mu� fr�h aufstehen. Also, dann bis morgen. Die Gnade des Lichts sei mit Euch.� Er verbeugte sich vor Rand, nickte Loial zu und ging.</p><p>Als sich die T�r hinter dem Offizier aus Cairhien schlo�, kam die Wirtin zu ihnen an den Tisch.</p><p>�Ich habe Eure Lady gut untergebracht, Eure Lordschaft. Und ich habe sch�ne Zimmer f�r Euch und Euren Mann und Euch, Freund Ogier, richten lassen.� Sie hielt inne und musterte Rand. �Verzeiht mir, falls ich zu weit gehe, Lord Rand, aber ich glaube, ich kann frei mit einem Lord sprechen, der seinen Mann ohne Aufforderung reden l��t. Falls ich mich t�usche... Also, ich meine es nicht b�se. Dreiundzwanzig Jahre lang haben Barin Madwen und ich uns gestritten, wenn wir uns nicht gerade k��ten... Also, ich will damit sagen, da� ich einige Erfahrung besitze. Im Moment glaubt Ihr wahrscheinlich, Eure Lady wolle Euch nie wieder sehen, aber aus Erfahrung bin ich der Meinung, wenn Ihr heute nacht an ihre T�r klopft, dann wird sie Euch einlassen. L�chelt und sagt ihr, es sei alles Eure Schuld gewesen, gleichg�ltig, ob es stimmte oder nicht.�</p><p>Rand r�usperte sich und hoffte, da� sein Gesicht nicht rot anlief. <emphasis>Licht, Egwene br�chte mich um, wenn sie w��te, da� ich auch nur an so etwas gedacht habe. Und Selene br�chte mich um, wenn ich es t�te. Oder?</emphasis> Der Gedanke r�tete ihm die Wangen. �Ich... danke Euch f�r Eure Anregung, Frau Madwen. Die Zimmer... � Er vermied es, die mit einer Decke bedeckte Truhe neben Loials Stuhl anzusehen. Sie wagten es nicht, sie einfach ohne Bewachung stehen zu lassen. �Wir drei schlafen alle im gleichen Zimmer.�</p><p>Die Wirtin wirkte �berrascht, fing sich aber gleich wieder. �Wie Ihr w�nscht, Eure Lordschaft. Hier hinauf, bitte.�</p><p>Rand folgte ihr die Treppe hinauf. Loial trug die Truhe mit der Decke. Die Treppe knarrte unter der Last doch die Wirtin schien zu glauben, es liege nur an dem Gewicht des Ogiers. Hurin trug immer noch alle Satteltaschen und den zum B�ndel verschn�rten Umhang mit Harfe und Fl�te. Frau Madwen lie� ein drittes Bett hereinbringen, zusammenbauen und beziehen. Eines der beiden bereits vorhandenen Betten erstreckte sich von Wand zu Wand. Das war ganz offensichtlich f�r Loial vorgesehen gewesen. Es war kaum Platz genug, um sich zwischen den Betten zu bewegen. Sobald die Wirtin gegangen war, wandte sich Rand an die anderen. Loial hatte die Truhe unter sein Bett geschoben und probierte die Matratze aus. Hurin lehnte die Satteltaschen an die Wand. �Wei� einer von euch, warum der Hauptmann uns so mi�trauisch behandelt hat? Das hat er doch, da bin ich sicher.� Er sch�ttelte den Kopf. �So, wie er geredet hat, k�nnte man fast glauben, wir wollten diese Statue stehlen.�</p><p><emphasis>�Daes Dae'mar,</emphasis> Lord Rand�, sagte Hurin. �Das Gro�e Spiel. Das Spiel der H�user wird es von manchen genannt. Dieser Caldevwin glaubt, Ihr f�hrtet irgend etwas im Schilde, sonst w�rt Ihr nicht hier. Und was immer Ihr vorhabt: Es k�nnte zu seinem Nachteil gereichen, also mu� er vorsichtig taktieren.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. �Das Gro�e Spiel? Was f�r ein Spiel?�</p><p>�Es ist �berhaupt kein Spiel, Rand�, sagte Loial von seinem Bett her. Er hatte ein Buch aus der Tasche gezogen; es lag jedoch unge�ffnet auf seiner Brust. �Ich wei� nicht viel dar�ber � Ogier tun so etwas nicht �, aber ich habe davon geh�rt. Die Adligen und die adligen Familien, die H�user, intrigieren, um sich Vorteile zu verschaffen. Sie tun Dinge, die ihnen vermeintlich helfen oder einem Gegner schaden � oder beides. Normalerweise l�uft das alles geheim ab, und wenn nicht, tun sie so, als wollten sie etwas ganz anderes als in Wirklichkeit.� Er kratzte sich fragend ein behaartes Ohr. �Aber obwohl ich wei�, was es ist, verstehe ich es nicht. Der �lteste Haman hat immer gesagt, es sei ein gr��erer Verstand n�tig, um die Dinge zu verstehen, die Menschen so anstellen, na ja, und ich kenne nicht viele, die so klug sind wie der �lteste Haman. Ihr Menschen seid schon eigenartig.�</p><p>Hurin sah den Ogier pr�fend an, sagte aber: �Er hat recht in bezug auf <emphasis>Daes Dae'mar,</emphasis> Lord Rand. Die Adligen in Cairhien spielen das noch h�ufiger als andere, obwohl das �berall im S�den verbreitet ist.�</p><p>�Diese Soldaten morgen fr�h�, sagte Rand, �sind sie ein Teil von Caldevwins Strategie, das Gro�e Spiel mitzuspielen? Wir k�nnen es uns nicht leisten, in so etwas verwickelt zu werden.� Das Horn mu�te er gar nicht erst erw�hnen. Sie alle waren sich seiner Gegenwart nur zu bewu�t.</p><p>Loial sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� nicht, Rand. Er ist ein Mensch, also kann es alles m�gliche bedeuten.� �Hurin?�</p><p>�Ich wei� es auch nicht.� Hurin klang genauso besorgt, wie Loial aussah. �Es kann sein, da� er genau das meint, was er sagt, oder... So ist das Spiel der H�user. Man wei� nie genau Bescheid. Ich verbrachte die meiste Zeit in Vortor, als ich in Cairhien lebte, Lord Rand, und wei� deshalb nicht viel �ber den Adel der Stadt, aber... Na ja, <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> kann �berall gef�hrlich sein, und ganz besonders in Cairhien, wie ich h�rte.� Pl�tzlich hellte sich seine Miene auf. �Die Lady Selene, Lord Rand. Sie wird es besser wissen als ich oder der Erbauer. Ihr k�nnt sie morgen fr�h danach fragen.�</p><p>Aber am Morgen war Selene fort. Als Rand in den Schankraum hinunterging, h�ndigte ihm Frau Madwen einen versiegelten Umschlag aus. �Vergebt mir, Eure Lordschaft, doch Ihr h�ttet besser auf mich geh�rt. Ihr h�ttet doch an die T�r Eurer Lady klopfen sollen.�</p><p>Rand wartete, bis sie weg war, dann zerbrach er das wei�e Wachssiegel. In das Wachs war eine Mondsichel mit Sternen eingedr�ckt.</p><p>Ich mu� Euch f�r eine Weile verlassen. Es gibt hier zuviele Leute, und mir gef�llt dieser Caldevwin nicht. Ich werde in Cairhien auf Euch warten.</p><p>Glaubt niemals, da� ich Euch fern sei. Ihr werdet immer in meinen Gedanken sein, so wie ich in Euren �das wei� ich.</p><p>Es war nicht unterschrieben, aber diese elegante flie�ende Schrift sah ganz nach Selene aus.</p><p>Er faltete den Brief sorgf�ltig zusammen und steckte ihn in die Tasche, bevor er nach drau�en ging, wo Hurin mit den Pferden wartete.</p><p>Hauptmann Caldevwin war auch da. Er hatte einen j�ngeren Offizier dabei, und f�nfzig berittene Soldaten dr�ngten sich auf der Stra�e. Die beiden Offiziere trugen keine Kopfbedeckung, wohl aber stahlbewehrte Handschuhe, und sie hatten goldverzierte Brustpanzer �ber ihre blauen M�ntel geschnallt. Ein kurzer Stab war auf dem R�cken jedes Offiziers an der R�stung befestigt, so da� ein kleiner steifer Flaggenwimpel �ber seinem Kopf hing. Caldevwins Flagge zeigte einen einzelnen wei�en Stern, w�hrend auf dem Wimpel des j�ngeren Offiziers zwei gekreuzte wei�e Balken zu sehen waren. Sie bildeten einen harten Kontrast zu den Soldaten in ihren einfachen R�stungen und Helmen, die wie Glocken aussahen, bei denen man ein St�ck Metall herausgeschnitten hatte, damit sie sehen konnten.</p><p>Caldevwin verbeugte sich, als Rand aus der Schenke trat. �Einen guten Morgen, Lord Rand. Darf ich Euch Elricain Tavolin vorstellen, der Eure Eskorte befehligt, falls ich so sagen darf?� Der andere Offizier verbeugte sich. Sein Kopf war vorn kahlgeschoren wie der von Caldevwin. Er schwieg.</p><p>�Uns ist eine Eskorte willkommen, Hauptmann�, sagte Rand und brachte es fertig, dabei ganz entspannt zu wirken. Fain w�rde nichts gegen f�nfzig Soldaten unternehmen, aber Rand hoffte, da� sie wirklich nur als Eskorte gedacht waren.</p><p>Der Hauptmann musterte Loial, der mit der verdeckten Truhe auf dem Weg zu seinem Pferd war. �Eine schwere Last, Ogier.�</p><p>Loial w�re beinahe gestolpert. �Ich m�chte nie von meinen B�chern getrennt sein, Hauptmann.� Die Z�hne in seinem breiten Mund blitzten auf, als er verlegen grinste, und er beeilte sich damit, die Truhe auf den Sattel zu schnallen.</p><p>Caldevwin sah sich mit gerunzelter Stirn um. �Eure Lady ist noch nicht heruntergekommen. Und ihr edles Pferd fehlt auch noch.�</p><p>�Sie ist bereits abgereist�, teilte Rand ihm mit. �Sie mu�te schnell, noch w�hrend der Nacht, nach Cairhien reiten.�</p><p>Caldevwin zog die Augenbrauen hoch. �In der Nacht?</p><p>Aber meine M�nner... Verzeiht, Lord Rand.� Er zog den j�ngeren Offizier auf die Seite und fl�sterte heftig auf ihn ein.</p><p>�Er lie� die Schenke �berwachen, Lord Rand�, fl�sterte Hurin. �Lady Selene mu� irgendwie unbemerkt an ihnen vorbeigekommen sein. Vielleicht haben sie geschlafen.�</p><p>Rand kletterte mit einer Grimasse auf den R�cken des Braunen. Falls Caldevwin sie bisher doch irgendwie f�r unverd�chtig gehalten hatte, so hatte Selene dem wohl ein Ende bereitet. �Zu viele Leute, hat sie gesagt�, murmelte er. �In Cairhien gibt es noch viel mehr Leute.�</p><p>�Ihr habt etwas bemerkt, Eure Lordschaft?�</p><p>Rand blickte auf, als Tavolin sich ihnen anschlo�. Er sa� auf einem hochrahmigen staubfarbenen Wallach. Auch Hurin sa� im Sattel, und Loial stand beim Kopf seines gro�en Pferdes. Die Soldaten hatten sich zu R�ngen formiert. Caldevwin war nicht mehr zu sehen.</p><p>�Nichts geschieht so, wie ich es erwarte�, sagte Rand.</p><p>Tavolin l�chelte ihn kurz an. Es war kaum mehr als ein Zucken der Lippen. �Sollen wir reiten, Eure Lordschaft?�</p><p>Die eigenartige Prozession bewegte sich auf die ausgefahrene Stra�e zu, die zur Stadt Cairhien f�hrte.</p></section><section><title><p>22</p><p>Heimliche Beobachter</p></title><p>�Nichts geschieht so, wie ich es erwarte�, murmelte Moiraine, und sie erwartete keine Antwort von Lan.</p><p>Der mattgl�nzende lange Tisch vor ihr war �bers�t mit B�chern und Papieren, Pergamentrollen und Manuskripten, viele davon vom langen Lagern verstaubt und vom Alter zerfleddert, manche auch nur noch aus Bruchst�cken bestehend. Der ganze Raum schien nur aus B�chern und Manuskripten zu bestehen. �berall standen gef�llte Regale; nur T�r, Fenster und Kamin waren frei. Die St�hle hatten hohe Lehnen und waren gut gepolstert, aber auf der H�lfte von ihnen und auf den meisten kleinen Tischen lagen ebenfalls B�cher. Sogar unter manche M�belst�cke hatte man B�cher und Pergamentrollen gepackt. Allerdings geh�rte Moiraine selbst nur das Durcheinander auf dem Tisch vor ihr.</p><p>Sie stand auf und trat zum Fenster. Dort sp�hte sie in die Nacht hinaus. Nicht weit entfernt schimmerten die Lichter des Dorfes. Hier bestand keine Gefahr von Verfolgung. Keiner w�rde erwarten, da� sie hierherkam. <emphasis>Wieder einen klaren Kopf bekommen und noch einmal von vorn anfangen,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Das ist alles, was ich tun kann.</emphasis></p><p>Keiner der Dorfbewohner hatte eine Ahnung davon, da� die beiden �ltlichen Schwestern, die in dem gem�tlichen Haus wohnten, Aes Sedai waren. So etwas vermutete man nicht in einem kleinen Ort wie Tifans Quell, einer Bauerngemeinde mitten in der Grasebene von Arafel. Die Dorfbewohner kamen zu den Schwestern, um Ratschl�ge in bezug auf ihre Sorgen, Heilkr�uter und Salben f�r ihre Krankheiten zu erhalten, und sie sch�tzten sie als vom Licht gesegnete Frauen, aber nicht mehr. Adeleas und Vandene hatten sich vor so langer Zeit in die freiwillige Einsamkeit begeben, da� sich auch in der Wei�en Burg nur wenige an sie erinnerten.</p><p>Mit dem genauso alten Beh�ter, der ihnen geblieben war, lebten sie ein ruhiges Leben und planten immer noch, eine Geschichte der Welt seit der Zerst�rung zu schreiben und auch noch soviel wie m�glich von der Geschichte davor mit einzuschlie�en. Eines Tages. In der Zwischenzeit gab es so viele Informationen, die man sammeln mu�te; so viele R�tsel zu l�sen. Ihr Haus war der ideale Ort, an dem Moiraine die ben�tigten Informationen finden konnte. Abgesehen davon, da� es hier hei� war.</p><p>Sie nahm eine Bewegung wahr und drehte sich um. Lan lehnte an dem aus gelbem Backstein gemauerten Kamin und wirkte so unbeweglich wie ein Felsblock. �Erinnerst du dich an unser erstes Zusammentreffen, Lan?�</p><p>Sie wartete auf eine Reaktion, sonst h�tte sie das kurze Zucken seiner Augenbrauen nicht bemerkt. Sie konnte ihn nicht oft �berraschen. Das war eigentlich ein Thema, das keiner von beiden ber�hrte. Vor fast zwanzig Jahren hatte sie ihm mit dem Stolz einer so jungen Person gesagt, da� sie es nie wieder erw�hnen werde und das gleiche Schweigen von ihm erwarte.</p><p>�Ich erinnere mich�, war alles, was er sagte.</p><p>�Und du entschuldigst dich immer noch nicht, oder? Du hast mich in einen Teich geworfen.� Sie l�chelte nicht, obwohl sie sich mittlerweile dar�ber am�sieren konnte. �Jeder Fetzen Kleidung, den ich trug, war durchn��t, und das zu einer Jahreszeit, die Ihr M�nner der Grenzlande den Vorfr�hling nennt. Ich w�re beinahe erfroren.�</p><p>�Ich erinnere mich auch daran, da� ich Feuer machte und Decken aufh�ngte, damit du dich ungesehen aufw�rmen konntest.� Er stocherte zwischen den brennenden Scheiten herum und h�ngte den Feuerhaken wieder an seinen Platz. In den Grenzlanden waren selbst die Sommern�chte k�hl. �Ich erinnere mich weiterhin daran, da� du den halben Teich �ber mich geleert hast, w�hrend ich schlief. Es h�tte uns beiden eine ganze Menge Z�hneklappern erspart, wenn du mir einfach gesagt h�ttest, da� du eine Aes Sedai bist, anstatt es mir zu demonstrieren. Und anstatt zu versuchen, mich von meinem Schwert zu trennen. Das ist keine gute Methode, dich einem Mann aus den Grenzlanden vorzustellen, selbst f�r eine junge Frau.�</p><p>�Ich war wirklich jung und einsam, und du warst genauso gro� wie jetzt, und deine H�rte war st�rker sp�rbar. Du solltest nicht wissen, da� ich eine der Aes Sedai war. Ich dachte mir zu jener Zeit, du w�rdest meine Fragen ehrlicher beantworten, wenn du es nicht w��test.� Sie schwieg und dachte an die Jahre seit diesem Zusammentreffen. Es war gut gewesen, einen Begleiter f�r ihre lange Suche zu finden. �In den Wochen danach, hast du da geahnt, da� ich dich bitten w�rde, mir den Treueeid zu schw�ren? Ich hatte mich schon am ersten Tag entschlossen, da� du derjenige sein solltest.�</p><p>�Das h�tte ich nie gedacht�, antwortete er trocken. �Ich war zu sehr damit besch�ftigt, dich mit heiler Haut nach Chachin zu bringen. Jeden Abend hattest du eine andere �berraschung f�r mich. Ich denke da besonders noch an die Ameisen. Ich glaube nicht, da� ich den ganzen Ritt �ber auch nur eine einzige ruhige Nacht hatte.�</p><p>Sie erlaubte sich bei der Erinnerung ein leichtes L�cheln. �Ich war jung�, wiederholte sie. �Und scheuert dein Halsband dich nach all den Jahren wund? Du bist kein Mann, der ein solches Halsband leicht ertr�gt, nicht einmal dann, wenn es so sanft ist wie das meine.� Der Kommentar war bei�end, und das hatte sie auch beabsichtigt.</p><p>�Nein.� Seine Stimme klang k�hl, doch er nahm den Feuerhaken wieder in die Hand und stocherte mit v�llig �berfl�ssiger Heftigkeit in der Glut herum. Funken stoben in die Kamin�ffnung hinein. �Ich habe frei gew�hlt und wu�te, worauf ich mich einlasse.� Der Eisenstab klapperte wieder an seinem Haken gegen die Kaminmauer, und er verbeugte sich h�flich. �Eine Ehre, Euch zu dienen, Moiraine Aes Sedai. Das war so und wird immer so sein.�</p><p>Moiraine seufzte. �In deiner Unterw�rfigkeit, Lan Gaidin, lag schon immer mehr Hochmut, als K�nige mit einer ganzen Armee im R�cken an den Tag legten. Das war so seit dem ersten Tag, da ich dich traf.�</p><p>�Warum sprichst du so �ber die Vergangenheit, Moiraine?�</p><p>Zum hundertsten Mal � jedenfalls schien es ihr so ��berlegte sie sich die Wahl ihrer Worte. �Bevor wir Tar Valon verlie�en, traf ich Vorsorge f�r den Fall, da� mir etwas zusto�en sollte. Dein Eid wird dann an eine andere weitergegeben.� Er sah sie schweigend an. �Wenn du f�hlst, da� ich sterbe, wird dich ein innerer Zwang dazu bringen, sie sofort aufzusuchen. Ich will nicht, da� du davon �berrascht wirst.�</p><p>�Gezwungen�, hauchte er leise und zornig. �Nie zuvor hast du den Eid benutzt, um mich zu etwas zu zwingen. Ich glaubte, das lehntest du ganz und gar ab.�</p><p>�Wenn ich dies nicht verf�gt h�tte, w�rst du nach meinem Tod frei von deinem Eid, und nicht einmal mein nachdr�cklichster Befehl w�rde verfolgt. Ich werde nicht zulassen, da� die bei dem nutzlosen Versuch, mich zu r�chen, selbst umkommst. Und ich werde dir nicht gestatten, zu deinem ebenso nutzlosen Privatkrieg in der F�ule zur�ckzukehren. Der Krieg, in dem wir stehen, ist derselbe Krieg. Wenn du das nur eins�hest! Ich werde daf�r sorgen, da� du einen sinnvollen Kampf k�mpfst. Weder Rache zu �ben noch einsam in der F�ule zu sterben, kann einen Sinn haben.�</p><p>�Und siehst du deinen baldigen Tod kommen?� Seine Stimme klang ruhig; sein Gesicht war ausdruckslos. Beides wirkte wie Stein in einem Wintersturm. Diese Stimmung hatte sie an ihm schon oft bemerkt, gew�hnlich, wenn er nahe daran war, Gewalt anzuwenden. �Hast du etwas ohne mich geplant, das dir den Tod bringen wird?�</p><p>�Ich bin froh, da� es in diesem Raum keinen Teich gibt�, murmelte sie, und als er sich ob ihres leichten Tonfalles versteifte, hob sie beschwichtigend die H�nde. �Ich sehe meinem Tod jeden Tag ins Gesicht, genau wie du. Wie k�nnte das auch anders sein angesichts der Aufgabe, der wir uns so viele Jahre lang gewidmet haben? Jetzt, da sich alles zuspitzt, wird die Wahrscheinlichkeit einfach gr��er.�</p><p>Einen Augenblick lang betrachtete er seine gro�en, eckigen H�nde. �Ich habe nie daran gedacht�, sagte er schwerf�llig, �da� du die erste von uns beiden sein k�nntest, die stirbt. Irgendwie schien es mir selbst in der schlimmsten Lage... � Er rieb sich die H�nde. �Wenn die M�glichkeit besteht, da� ich wie ein Scho�h�ndchen weitergereicht werde, m�chte ich wenigstens wissen, wem ich �bergeben werde.�</p><p>�Ich habe dich nie als Scho�h�ndchen betrachtet�, sagte Moiraine in scharfem Tonfall, �und Myrelle tut es auch nicht.�</p><p>�Myrelle.� Er verzog das Gesicht. �Ja, es mu�te wohl eine Gr�ne sein, sonst h�tte es nur irgendein M�dchen sein k�nnen, das gerade erst die volle Schwesternschaft erlangt hat.�</p><p>�Wenn Myrelle mit ihren drei Gaidins fertig werden kann, dann schafft sie dich vielleicht auch noch. Obwohl sie dich, wie ich wei�, gern behalten w�rde, hat sie mir doch versprochen, dich an eine andere weiterzugeben, wenn sie eine findet, die besser zu dir pa�t.�</p><p>�Aha. Kein Scho�h�ndchen, sondern ein Paket. Myrelle wird also nur eine � Aufseherin sein! Moiraine, nicht einmal die Gr�nen behandeln ihre Beh�ter so. Keine Aes Sedai hat in den letzten hundert Jahren ihren Beh�ter unter Eid an eine andere weitergegeben, aber du hast das mit mir nicht nur einmal, sondern sogar zweimal vor!�</p><p>�Es ist geregelt, und ich werde es nicht mehr r�ckg�ngig machen.�</p><p>�Licht blende mich, aber wenn ich schon von Hand zu Hand weitergereicht werden soll, hast du dann wenigstens eine Ahnung, in wessen Hand ich schlie�lich enden werde?�</p><p>�Was ich tue, ist zu deinem eigenen Wohl und vielleicht auch zum Wohl einer anderen. Vielleicht wird Myrelle ja irgendein M�dchen finden, das gerade erst die volle Schwesternschaft erlangt hat � so hattest du das doch ausgedr�ckt? � und die einen kampferprobten Beh�ter braucht, der sich in der Welt auskennt, ein M�dchen, das vielleicht jemanden braucht, der sie in einen Teich wirft. Du hast viel zu bieten, Lan. Und das alles in einem unbekannten Grab enden zu lassen, oder unter den Schn�beln der Raben, w�hrend es einer Frau dienen k�nnte, die es braucht, das w�re schlimmer als die S�nde, von der die Wei�m�ntel immer predigen. Ja, ich glaube, sie wird dich brauchen.�</p><p>Lans Augen weiteten sich. Bei ihm war dies das gleiche, als ob einem anderen Mann vor �berraschung der Atem stockte. Sie hatte ihn selten so aus dem Gleichgewicht gebracht. Er �ffnete und schlo� den Mund zweimal, bevor er ein Wort herausbrachte: �Und an wen denkst du dabei...?�</p><p>Sie schnitt ihm das Wort ab: �Bist du sicher, da� das Halsband nicht scheuert, Lan Gaidin? Erkennst du jetzt tats�chlich zum erstenmal, wie stark dieses Band wirklich ist und wie tief es in dein Leben eingreift? Du k�nntest bei einer aufbl�henden Wei�en enden, die ganz Logik ist und kein Herz hat, oder bei einer jungen Braunen, die nichts anderes in dir sieht als zwei Paar H�nde, die ihr die B�cher und Skizzen hinterhertragen. Ich kann dich weitergeben, an wen ich will, so wie ein Paket � oder einen Scho�hund �, und du kannst nichts dagegen tun. Bist du sicher, da� es nicht scheuert?�</p><p>�Ist das der ganze Zweck gewesen?� schimpfte er. Seine Augen gl�hten wie blaues Feuer, und sein Mund verzog sich. Zorn. Zum erstenmal, seit sie sich kannten, verzerrte offen zur Schau getragener Zorn sein Gesicht. �War dieses ganze Geschw�tz ein Test � ein Test! �, um festzustellen, ob du es schaffst, mein Band zum Scheuern zu bringen, mich wundzureiben? Nach all dieser Zeit? Vom Tag an, da ich mich dir verschwor, bin ich dorthin geritten, wohin ich reiten sollte, selbst wenn ich es f�r falsch hielt, selbst wenn ich einen Grund hatte, einen anderen Weg zu nehmen. Du mu�test dieses Band niemals benutzen, um mich zu etwas zu zwingen. Auf dein Wort hin habe ich zugesehen, wie du in eine Gefahr hineingerannt bist, und ich habe die H�nde stillgehalten, obwohl ich nichts lieber getan h�tte, als das Schwert zu ziehen und dir damit einen Weg in die Sicherheit zu hauen. Nach alldem willst du mich noch pr�fen?�</p><p>�Das war keine Pr�fung, Lan. Ich habe es klar ausgesprochen und nichts verdreht, und ich habe wirklich getan, was ich sagte. Aber in Fal Dara begann ich mich zu fragen, ob du tats�chlich noch ganz hinter mir stehst.� Sein Blick wurde vorsichtigmi�trauisch. <emphasis>Lan, vergib mir. Ich h�tte die Mauer um dich herum nicht derartig eingeschlagen, aber ich mu� es einfach wissen.</emphasis> �Warum hast du das mit Rand getan?� Er zwinkerte; das hatte er offensichtlich nicht erwartet. Sie wu�te, woran er gedacht hatte, und lie� nicht mehr locker, nachdem sie ihn schon aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. �Du hast ihm beigebracht, vor der Amyrlin wie einer der GrenzlandLords und ein geborener Soldat zu handeln und zu sprechen. Auf gewisse Weise pa�te das durchaus zu dem, was ich f�r ihn geplant hatte, aber wir haben niemals davon gesprochen, da� du ihn unterrichten solltest. Warum, Lan?�</p><p>�Es schien mir � richtig. Ein junger Wolfshund mu� eines Tages seinen ersten Wolf treffen, aber wenn der Wolf ihn als Welpe betrachtet und wenn er sich wie ein Welpe verh�lt, dann wird ihn der Wolf mit Sicherheit t�ten. Der Wolfshund mu� in den Augen des Wolfes ein Wolfshund sein, mehr noch als in seiner Selbstachtung, wenn er �berleben will.�</p><p>�Siehst du die Aes Sedai so? Die Amyrlin? Mich? W�lfe, die deinen jungen Wolfshund zerrei�en wollen?� Lan sch�ttelte den Kopf. �Du wei�t doch, was er ist, Lan. Du wei�t, was aus ihm werden mu�. Mu�! Worauf ich hingearbeitet habe, seit dem Tag, da wir uns kennenlernten, und sogar schon davor. Zweifelst du jetzt an meinem Tun?�</p><p>�Nein. Nein, aber...� Er hatte sich wieder besser im Griff, richtete die Mauer wieder auf. Aber noch stand sie nicht. �Wie oft hast du gesagt, da� <emphasis>ta'veren</emphasis> diejenigen in ihrer Umgebung wie Bl�tter in einen Strudel hineinrei�en? Vielleicht wurde ich so hineingezogen. Ich wei� nur, da� es ein gutes Gef�hl war. Diese Bauernburschen brauchten jemanden an ihrer Seite. Rand auf jeden Fall. Moiraine, ich glaube an das, was du tust. Selbst jetzt, da ich nicht einmal die H�lfte davon wei�, glaube ich daran, wie ich an dich glaube. Ich habe nicht darum gebeten, aus meinem Eid entlassen zu werden, und ich werde das auch nicht tun. Welche Pl�ne du auch f�r den Fall deines Todes und meine weitere � Verwendung haben magst: Ich werde dich mit gr��ter Freude am Leben halten und daf�r sorgen, da� wenigstens diese Pl�ne schiefgehen.�</p><p><emphasis>�Ta'veren�,</emphasis> seufzte Moiraine. �Vielleicht lag es daran. Ich lenke kein �stchen, das einen Bach hinuntertreibt sondern einen Baumstamm durch die Stromschnellen. Jedesmal, wenn ich ihm einen Sto� gebe, schl�gt er zur�ck, und der Stamm wird immer gr��er, je weiter wir kommen. Und doch mu� ich bis zum Ende darauf sitzenbleiben.� Sie lachte ein wenig. �Ich werde nicht ungl�cklich dar�ber sein, mein alter Freund, wenn du es schaffst, meine Pl�ne �berfl�ssig zu machen. Jetzt geh aber bitte. Ich mu� allein sein und nachdenken.� Er z�gerte nur kurz, bevor er sich zur T�r wandte. Aber im letzten Moment konnte sie sich eine weitere Frage nicht verkneifen: �Tr�umst du manchmal von einem ganz anderen Leben, Lan?�</p><p>�Alle Menschen tr�umen. Aber ich kann die Tr�ume von der Wirklichkeit unterscheiden. Dies hier� � er ber�hrte den Griff seines Schwerts �, �ist die Wirklichkeit.� Die Mauer um sein Ich war wieder da, so hoch und fest wie immer.</p><p>Nachdem er gegangen war, lehnte sich Moiraine auf ihrem Stuhl zur�ck und blickte ins Feuer. Sie dachte an Nynaeve und die Risse in der Mauer. Ohne zu wollen und auch ohne �berhaupt zu bemerken, was sie anrichtete, hatte diese junge Frau der Mauer um Lan herum Risse zugef�gt und Schlingpflanzen hineinges�t. Lan glaubte sich sicher, in der Festung seines Schicksals und seiner eigenen W�nsche gefangen, doch langsam und geduldig zerst�rten die stetig wachsenden Ranken die Mauer und legten den Mann dahinter blo�. Bereits jetzt teilte er einige der Verhaltensmuster Nynaeves. Anfangs waren ihm die Leute aus Emondsfeld gleichg�ltig gewesen, au�er eben als Menschen, an denen Moiraine einiges Interesse hatte. Nynaeve hatte diese Haltung ge�ndert, so wie sie Lan bereits ver�ndert hatte.</p><p>Zu ihrer eigenen �berraschung f�hlte Moiraine doch etwas Eifersucht. Das war ihr noch nie zuvor passiert, jedenfalls bei keiner der anderen Frauen, die ihm ihr Herz zu F��en gelegt hatten, oder bei denen, die sein Bett geteilt hatten. Sie hatte ihn �berhaupt nie als ein Objekt der Eifersucht betrachtet, ihn genausowenig wie alle anderen M�nner. Sie war mit ihrem Kampf verheiratet, so wie er mit seinem. Aber sie waren schon so lange Kampfgenossen. Nach der letzten Schlacht hatte er ein Pferd zuschanden geritten und sich anschlie�end beinahe zu Tode gerannt, immer mit ihr auf den Armen, um sie zu Anaiya zu bringen, damit die ihre Wunden heilen konnte. Sie hatte mehr als einmal seine Verwundungen versorgt und mit ihrer Heilkunst ein Leben erhalten, das er jederzeit wegwerfen w�rde, um ihres zu retten. Er hatte immer gesagt, er sei mit dem Tod verheiratet. Nun hatte ihn eine neue Braut f�r sich gewonnen, und er merkte es nicht einmal. Er glaubte sich immer noch sicher hinter seiner inneren Mauer, aber Nynaeve hatte einen Brautkranz in sein Haar geflochten. War er immer noch in der Lage, blindlings in den m�glichen Tod zu reiten? Moiraine fragte sich, wann er sie wohl bitten w�rde, ihn von seinem Eid zu entbinden, und was sie dann tun w�rde.</p><p>Mit einer Grimasse stand sie auf. Es gab wichtigere Dinge. Viel wichtigere. Ihr Blick wanderte �ber die ge�ffneten B�cher und Papiere, mit denen der Raum �bers�t war. So viele Andeutungen, aber keine Antworten.</p><p>Vandene kam mit einer Kanne Tee und mit Tassen auf einem Tablett herein. Sie war schlank und grazi�s in ihrer aufrechten Haltung und hatte die beinahe wei�en Haare im Nacken zu einem Knoten zusammengebunden. Die Alterslosigkeit ihres faltenlosen Gesichts zeugte von langen, langen Jahren. �Jaem h�tte das ja hereinbringen k�nnen, um dich nicht zu st�ren, aber er ist drau�en in der Scheune und �bt mit dem Schwert.� Sie schnalzte mit der Zunge, als sie die zerfledderten Manuskripte zur Seite schob, um das Tablett abstellen zu k�nnen. �Seit Lan hier ist, hat er sich wieder daran erinnert, da� er mehr ist als ein G�rtner und Haushaltshelfer. Diese Gaidin sind so was von stolz! Ich dachte, Lan sei noch hier; deshalb habe ich eine Tasse mehr gebracht. Hast du gefunden, was du suchtest?�</p><p>�Ich bin nicht einmal sicher, was ich eigentlich suche.� Moiraine zog die Stirn kraus und betrachtete die Gef�hrtin. Vandene geh�rte zu der Gr�nen Ajah, nicht zu den Braunen wie ihre Schwester, aber die beiden hatten so lange gemeinsam studiert, da� sie �ber die Geschichte genausogut Bescheid wu�te wie Adeleas.</p><p>�Was es auch sein mag, du wei�t offensichtlich nicht einmal, wo du suchen mu�t.� Vandene schob einige B�cher und Manuskripte auf dem Tisch zur Seite und sch�ttelte den Kopf. �So viele Themen: die Trolloc-Kriege. Die W�chter der Wogen. Die Legende von der Wiedergeburt. Zwei Abhandlungen �ber das Horn von Valere. Drei �ber dunkle Prophezeiungen, und � Licht, hier ist Santhras Buch �ber die Verlorenen. Das ist eine b�se Sache. Genauso schlimm wie dieses Buch �ber Shadar Logoth. Und die Prophezeiungen des Drachen in drei verschiedenen �bersetzungen <emphasis>und</emphasis> im Original. Moiraine, <emphasis>was</emphasis> suchst du denn da? Die Prophezeiungen �das sehe ich ja ein. Man h�rt selbst hier in dieser abgelegenen Gegend einiges. Wir h�ren auch einiges dar�ber, was sich in Illian abspielt. Es gibt im Dorf sogar ein Ger�cht, jemand habe bereits das Horn gefunden.� Sie hob ein Manuskript hoch und hustete, als sich Staub davon erhob. �Darauf gebe ich nat�rlich nichts. Es mu�te zu Ger�chten f�hren. Aber was... ? Nein. Du sagtest, du wolltest deine Ruhe haben, und die will ich auch geben.�</p><p>�Warte einen Moment!� bat Moiraine. Die andere Aes Sedai blieb kurz vor der T�r stehen. �Vielleicht kannst du mir einige Fragen beantworten.�</p><p>�Ich werde mir M�he geben.� Vandene l�chelte pl�tzlich. �Adeleas behauptet, ich h�tte eine Braune werden sollen. Fang an zu fragen.� Sie go� zwei Tassen Tee ein und reichte Moiraine eine davon. Dann setzte sie sich auf einen Stuhl am Feuer.</p><p>Dampf stieg von den Tassen auf, w�hrend Moiraine sich ihre Fragen �berlegte. <emphasis>Antworten finden und doch nicht zuviel verraten.</emphasis> �Das Horn von Valere wird in den Prophezeiungen nicht erw�hnt, aber gibt es irgendeine Verbindung zum Drachen?�</p><p>�Nein. Au�er der Tatsache, da� das Horn vor Tarmon Gai'don gefunden werden mu� und da� man annimmt, der Drache werde die Letzte Schlacht schlagen. Sonst gibt es keine Verbindung zwischen beiden.� Die wei�haarige Frau schl�rfte ihren Tee und wartete.</p><p>�Gibt es irgendeine Verbindung des Drachen mit der Toman-Halbinsel?�</p><p>Vandene z�gerte. �Ja und nein. Das ist ein umstrittener Punkt zwischen mir und Adeleas.� Ihre Stimme klang nun belehrend, und sie klang nun wirklich wie eine Braune. �Es gibt im Original einen Vers, der lautet w�rtlich: �F�nf reiten aus, und vier kehren zur�ck. �ber den W�chtern wird er sich erkl�ren und ein feuriges Banner �ber den Himmel ziehen...� Na ja, das geht so weiter. Das Wichtige daran ist das Wort <emphasis>Ma'vron.</emphasis> Ich meine, man kann das nicht einfach mit �W�chter� �bersetzen, denn das hei�t <emphasis>A'vron.</emphasis> In <emphasis>Ma'vron</emphasis> liegt mehr Bedeutung. Ich behaupte, damit sind die W�chter der Wogen gemeint, auch wenn sie sich nat�rlich <emphasis>Do Miere A'vron</emphasis> nennen und nicht <emphasis>Ma'vron.</emphasis> Adeleas sagt, das seien Spitzfindigkeiten. Doch ich glaube, es bedeutet, da� der Wiedergeborene Drache irgendwo �ber der Toman-Halbinsel erscheinen wird, in Arad Doman oder Saldaea.</p><p>Adeleas wird mich vielleicht f�r n�rrisch halten, aber ich achte mittlerweile auf alles, was ich heutzutage aus Saldaea h�re. Mazrim Taim kann wohl die Macht benutzen, habe ich geh�rt, und unsere Schwestern haben es bisher nicht geschafft, ihn zu isolieren. Falls der Drache wiedergeboren wurde und das Horn von Valere gefunden wird, dann kommt die Letzte Schlacht bald. Vielleicht k�nnen wir unser Geschichtsbuch niemals vollenden.� Sie schauderte und lachte. �Seltsam, sich �ber so etwas Gedanken zu machen. Ich sch�tze, ich werde tats�chlich immer mehr zur Braunen. Furchtbar, wenn man sich das richtig �berlegt. Stell lieber deine n�chste Frage.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� du dir Taims wegen Gedanken machen mu�t�, sagte Moiraine abwesend. Es war wirklich eine Verbindung zur Toman-Halbinsel, wenn auch klein und vage. �Man wird mit ihm ebenso fertig werden wie mit Logain. Was ist mit Shadar Logoth?�</p><p>�Shadar Logoth!� schnaubte Vandene. �Kurz gesagt, wurde die Stadt von ihrem eigenen Ha� zerst�rt, alles, was lebte, bis auf Mordeth, den Ratgeber, mit dem alles begonnen hatte. Er benutzte die gleiche Taktik wie Schattenfreunde gegen Schattenfreunde, und jetzt steckt er dort in der Falle und wartet auf eine Seele, die er stehlen kann. Es ist gef�hrlich, die Stadt zu betreten und irgend etwas darin zu ber�hren. Aber das wei� ja wohl jede Novizin, die kurz davor steht, zu den Aufgenommenen erhoben zu werden. Um die ganze Geschichte zu h�ren, mu�t du einen Monat hierbleiben und dir Adeleas' Vortr�ge anh�ren � sie wei� wirklich sehr viel dar�ber �, aber sogar ich kann dir sagen, da� nichts �ber den Drachen darin enthalten ist. Der Ort war schon hundert Jahre lang tot, bevor sich Yurian Steinbogen aus der Asche der Trolloc-Kriege erhob, und von allen falschen Drachen der Geschichte liegt er dem am n�chsten.�</p><p>Moiraine hob eine Hand. �Ich habe mich nicht klar ausgedr�ckt, und ich spreche jetzt nicht von einem Drachen, sei er wiedergeboren oder falsch. Kannst du dir irgendeinen Grund denken, warum ein Blasser etwas aus Shadar Logoth mitnehmen w�rde?�</p><p>�Nicht, wenn er wu�te, was das wirklich war. Der Ha�, der Shadar Logoth t�tete, war Ha�, der <emphasis>gegen</emphasis> den Dunklen K�nig eingesetzt werden sollte. Er w�rde einen Abk�mmling des Schattens genauso zerst�ren wie jemanden, der im Licht wandelt. Sie f�rchten sich zu Recht genauso wie wir vor Shadar Logoth.�</p><p>�Was kannst du mir �ber die Verlorenen berichten?�</p><p>�Du springst von einem Thema zum anderen! Ich kann dir nicht viel mehr erz�hlen, als du schon als Novizin gelernt hast. Niemand wei� viel mehr �ber die Namenlosen. Erwartest du von mir, da� ich dir das herunterbete, was wir beide als M�dchen gelernt haben?�</p><p>Moiraine schwieg. Sie wollte nicht zuviel ausplaudern, aber Vandene und Adeleas wu�ten viel mehr als jede andere au�erhalb der Wei�en Burg, und dort erwartete sie mehr Schwierigkeiten, als sie ertragen konnte. Sie sprach den Namen aus, als w�re es unabsichtlich geschehen: �Lanfear.�</p><p>�Ausnahmsweise�, seufzte die andere Frau, �wei� ich dar�ber kein bi�chen mehr als damals als Novizin. Die Tochter der Nacht bleibt ein Geheimnis, als habe sie sich tats�chlich in Dunkelheit geh�llt.� Sie unterbrach sich, starrte in ihre Tasse, und als sie wieder aufblickte, traf ihr scharfer Blick Moiraines Gesicht. �Lanfear war mit dem Drachen, mit Lews Therin Telamon, eng verkn�pft. Moiraine, hast du einen Hinweis darauf, wo der Drache wiedergeboren wird? Oder wiedergeboren wurde? Ist er schon da?�</p><p>�Falls ich das w��te�, sagte Moiraine verbindlich, �w�re ich dann hier und nicht auf der Wei�en Burg? Ich schw�re dir, die Amyrlin wei� genausoviel wie ich. Bist du zu ihr gerufen worden?�</p><p>�Nein, aber ich glaube wohl, da� wir zusammengerufen werden. Wenn die Zeit kommt, da� wir uns dem Wiedergeborenen Drachen entgegenstellen m�ssen, dann braucht die Amyrlin jede Schwester, jede Aufgenommene, jede Novizin, die ohne Hilfe eine Kerze entz�nden kann.� Vandenes Stimme senkte sich nachdenklich. �Bei der Macht, die er zur Verf�gung hat, m�ssen wir ihn �berw�ltigen, bevor er eine M�glichkeit hat, sie gegen uns einzusetzen, bevor er wahnsinnig werden und die Welt zerst�ren kann. Doch zuerst m�ssen wir ihn gegen den Dunklen K�nig k�mpfen lassen.� Sie lachte humorlos, als sie Moiraines �berraschten Blick wahrnahm. �Ich bin keine Rote. Ich habe die Prophezeiungen gr�ndlich genug studiert, um zu wissen, da� wir es nicht wagen d�rfen, ihn gleich einer D�mpfung zu unterziehen. Falls wir ihn �berhaupt d�mpfen k�nnen. Ich wei� so gut wie du, so gut wie jede Schwester, die es herauszufinden wagt, da� die Siegel, die den Dunklen K�nig in Shayol Ghul binden, bereits schw�cher werden. Die Illianer rufen zur Wilden Jagd nach dem Horn auf. Falsche Drachen tauchen auf. Und zwei von ihnen, Logain und nun dieser Bursche in Saldaea, sind in der Lage, die Macht zu benutzen. Wann ist es das letztemal geschehen, da� die Roten innerhalb eines Jahres gleich zwei M�nner gefunden haben, die die Macht benutzen k�nnen? Sie haben ja nicht einmal einen in f�nf Jahren gefunden! Jedenfalls nicht w�hrend meiner Lebenszeit, und ich bin ein gutes St�ck �lter als du. Die Anzeichen sind �berall zu finden. Tarmon Gai'don kommt. Der Dunkle K�nig wird sich befreien. Und der Drache wird wiedergeboren.� Die Tasse klapperte beim Hinstellen. �Und deshalb hatte ich gef�rchtet, du h�ttest einen Hinweis auf ihn entdeckt.�</p><p>�Er wird kommen�, sagte Moiraine ausweichend, �und wir werden tun, was getan werden mu�.�</p><p>�Wenn es von irgendwelchem Nutzen w�re, w�rde ich Adeleas' Nase aus den B�chern zerren und mit ihr zur Wei�en Burg aufbrechen. Aber um ehrlich zu sein, ich bin lieber hier als dort. Vielleicht haben wir doch gen�gend Zeit, um unser Geschichtsbuch zu vollenden.�</p><p>�Ich hoffe, das wird Euch gelingen, Schwester.�</p><p>Vandene erhob sich. �Also, jetzt mu� ich noch einiges erledigen, bevor ich ins Bett gehe. Falls du keine weiteren Fragen hast, werde ich dich deinen Studien �berlassen.� Aber dann hielt sie noch einmal inne und bewies, da� sie trotz all der mit dem Studium von B�chern verbrachten Zeit immer noch eine Gr�ne war. �Du solltest etwas wegen Lan unternehmen, Moiraine. In dem Mann grollt es schlimmer als im Drachenberg. Fr�her oder sp�ter wird er explodieren. Ich habe schon oft genug erlebt, wie ein Mann einer Frau wegen in Schwierigkeiten geriet. Ihr beiden seid lange Zeit zusammengewesen. Vielleicht hat er sich endlich dazu durchgerungen, dich als Frau zu sehen und nicht nur als Aes Sedai.�</p><p>�Lan sieht mich als das, was ich bin, Vandene. Aes Sedai. Und immer noch als Freundin, hoffe ich.�</p><p>�Ihr Blauen. Immer dazu bereit, die Welt zu retten, und dabei verliert ihr euch selbst aus den Augen.�</p><p>Nachdem die wei�haarige Aes Sedai gegangen war, raffte Moiraine ihren Umhang um sich und ging vor sich hinmurmelnd in den Garten. Irgend etwas von Vandenes Worten nagte an ihrem Verstand, doch sie konnte sich nicht erinnern, was es war. Eine Antwort oder der Anflug einer Antwort auf eine Frage, die sie nicht gestellt hatte. Aber sie konnte sich auch an die Frage nicht erinnern.</p><p>Wie das Haus war auch der Garten klein, aber sehr gepflegt. Das wurde selbst im Mondschein deutlich, der von dem gelben Schein aus den Fenstern unterst�tzt wurde. Zwischen sauber angelegten Blumenbeeten zogen sich Sandwege entlang. Sie zog in der sanften K�hle der Nacht den Umhang etwas fester zusammen. <emphasis>Welche</emphasis></p><p><emphasis>Antwort war das � und auf welche Frage?</emphasis></p><p>Sand knirschte hinter ihr, und sie drehte sich um, im Glauben, es sei Lan.</p><p>Ein Schatten ragte nur wenige Schritte vor ihr auf, ein Schatten, der wie ein viel zu gro�er, in einen Umhang geh�llter Mann wirkte. Aber der Mondschein enth�llte das Gesicht. Hagere Wangen, blasse Haut, zu gro�e schwarze Augen �ber einem Schmollmund mit blutroten Lippen. Der Umhang �ffnete sich und wurde zu den riesigen Schwingen einer Fledermaus.</p><p>Im Bewu�tsein, da� es zu sp�t war, �ffnete sie sich <emphasis>Saidar,</emphasis> doch der Draghkar begann leise zu singen, und die sanften T�ne durchrieselten sie und lie�en ihre Willenskraft erlahmen. <emphasis>Saidar</emphasis> entschl�pfte ihr. Sie empfand nur eine verwaschene Traurigkeit, als sie auf die Kreatur zuschritt. Das tiefe Singen, das sie immer n�her lockte, unterdr�ckte jedes andere Gef�hl. Wei�e, wei�e H�nde �wie die H�nde eines Mannes, doch mit Klauen bewehrt �streckten sich nach ihr aus, und blutrote Lippen verzogen sich zum schrecklichen Abklatsch eines L�chelns. Spitze Z�hne zeigten sich, aber nur undeutlich, ganz undeutlich. Sie wu�te, da� er nicht bei�en oder rei�en w�rde. F�rchte den Ku� des Draghkar. Sobald diese Lippen sie ber�hrten, war sie so gut wie tot. Erst w�rde ihr die Seele geraubt und dann das Leben. Wer immer sie auch finden mochte, und wenn es in dem Augenblick war, in dem der Draghkar sie fallen lie�, der w�rde eine Leiche ohne jede Verwundung finden � so kalt, als sei sie bereits zwei Tage lang tot. Und falls jemand kam, bevor sie tot war, w�re das, was sie f�nden, noch schlimmer und h�tte wirklich mit ihr nichts mehr zu tun. Das Singen lockte sie in die Reichweite dieser blassen H�nde, und der Kopf des Draghkar neigte sich langsam ihr zu.</p><p>Sie empfand nur eine leichte �berraschung, als eine Schwertklinge �ber ihre Schulter fuhr und sich in die Brust des Draghkar bohrte, und auch nicht viel mehr, als eine zweite �ber ihre andere Schulter hinwegfuhr und neben der ersten eindrang.</p><p>Bet�ubt und wankend beobachtete sie wie aus gro�er Entfernung, da� die Kreatur von ihr weggedr�ckt wurde. Lan kam in Sicht und dann Jaem. Die knochigen Arme des grauhaarigen Beh�ters hielten seine Klinge genauso gerade und fest wie die des j�ngeren Mannes. Die blassen H�nde des Draghkar f�rbten sich rot, als sie an dem scharfen Stahl rissen. Schwingen schlugen durch die Luft und erzeugten Donnerschl�ge. Pl�tzlich, verwundet und blutend, begann er wieder zu singen. Er sang zu den Beh�tern.</p><p>Mit M�he ri� sich Moiraine zusammen. Sie f�hlte sich beinahe so leer, als h�tte das Ding seinen Ku� bekommen. <emphasis>Keine Zeit f�r Schw�che.</emphasis> Einen Moment sp�ter �ffnete sie sich <emphasis>Saidar</emphasis> und, als die Macht sie erf�llte, bereitete sie sich darauf vor, den Abk�mmling des Schattens direkt zu ber�hren. Die beiden M�nner waren zu nahe. Alles andere w�rde auch sie in Gefahr bringen. Aber selbst wenn sie die Macht benutzte, wu�te sie, da� sie sich von dem Draghkar beschmutzt f�hlen w�rde. Doch in dem Augenblick, als sie begann, rief Lan: �Empfange den Tod!� Jaem tat es ihm mit fester Stimme gleich: �Empfange den Tod!� Und die beiden M�nner traten vor in die Reichweite des Draghkar und stie�en ihre Klingen bis zum Knauf in dessen Brust. Der Draghkar warf den Kopf in den Nacken und kreischte. Der Schrei schien Moiraines Kopf wie mit Nadeln zu durchbohren. Obwohl sie sich in <emphasis>Saidar</emphasis> h�llte, konnte sie ihn dennoch f�hlen. Wie ein gef�llter Baum st�rzte der Draghkar. Eine Schwinge stie� Jaem fast um, und er ging in die Knie. Lan sackte ersch�pft in sich zusammen.</p><p>Laternen bewegten sich vom Haus her auf sie zu, von Vandene und Adeleas getragen. �Was war denn das f�r ein L�rm?� wollte Adeleas wissen. Sie war beinahe ein Spiegelbild ihrer Schwester. �Ist Jaem verr�ckt geworden...?� Der Laternenschein fiel auf den Draghkar, und ihre Stimme erstarb.</p><p>Vandene ergriff Moiraines H�nde. �Es hat doch nicht...?� Sie lie� die Frage unausgesprochen. In Moiraines Augen bildete sich eine Aura um sie herum. Moiraine f�hlte Kraft von der anderen Frau zu sich her�berstr�men und w�nschte sich nicht zum erstenmal, da� die Aes Sedai dasselbe f�r sich tun k�nnten wie f�r andere.</p><p>�Es hat nicht�, sagte sie dankbar. �Schau nach dem Gaidin.�</p><p>Lan sah sie an. Sein Gesicht wirkte angespannt. �Wenn ich nicht aus Wut �ber dich zu Jaem gegangen w�re, um mit ihm zu �ben, so w�tend gewesen w�re, da� ich das Haus nicht betreten wollte... �</p><p>�Aber ich habe�, sagte sie. �Das Muster schlie�t alles ins Gewebe mit ein.� Jaem murmelte etwas, erlaubte aber Vandene doch, nach seiner Schulter zu sehen. Er schien nur aus Sehnen und Knochen zu bestehen, wirkte aber so hart wie eine z�he alte Wurzel.</p><p>�Wie konnte nur�, wollte Adeleas wissen, �eine Kreatur des Schattens so nahe kommen, ohne da� wir sie f�hlten?�</p><p>�Sie wurde abgeschirmt�, sagte Moiraine.</p><p>�Unm�glich!� fauchte Adeleas. �Nur eine Schwester k�nnte... � Sie brach mitten im Satz ab, und Vandene drehte sich von Jaem weg und blickte Moiraine an.</p><p>Moiraine sprach die Worte aus, die keine von ihnen h�ren wollte: �Die Schwarzen Ajah.� Rufe erklangen vom Dorf her�ber. �Am besten versteckt Ihr das� � sie deutete auf den Draghkar, der auf einem Blumenbeet lag � �ganz schnell. Sie kommen gleich, Euch zu fragen, ob Ihr Hilfe braucht, aber wenn sie das sehen, wird es zu unerw�nschtem Gerede f�hren.�</p><p>�Ja, nat�rlich�, sagte Adeleas. �Jaem, geh ihnen entgegen. Sag ihnen, du w��test nicht, was den L�rm verursachte, aber es gehe uns gut. Halt sie auf!� Der grauhaarige Beh�ter eilte in die Nacht hinaus und auf die Ger�usche der sich n�hernden Dorfbewohner zu. Adeleas dreht sich um und betrachtete den Draghkar, als sei er lediglich ein schwer zu verstehender Absatz in einem ihrer B�cher. �Ob nun Aes Sedai darin verwickelt sind oder nicht: Was mag ihn hergef�hrt haben?� Vandene sah Moiraine schweigend an.</p><p>�Ich f�rchte, ich mu� Euch verlassen�, sagte Moiraine. �Lan, machst du bitte die Pferde fertig?� Als er ging, sagte sie: �Ich werde Euch Briefe hinterlassen, die zur Wei�en Burg geschickt werden m�ssen. K�nnt Ihr das veranlassen?� Adeleas nickt abwesend. Ihre Aufmerksamkeit galt immer noch dem Ding am Boden.</p><p>�Und wirst du dort, wo du hingehst, deine Antworten finden?� fragte Vandene.</p><p>�Ich habe m�glicherweise bereits eine Antwort gefunden, von der ich nicht wu�te, da� ich nach ihr suche. Ich hoffe nur, ich komme nicht zu sp�t. Ich brauche eine Feder und Pergament.� Sie zog Vandene zum Haus zu und lie� Adeleas zur�ck, die sich um den Draghkar k�mmern sollte.</p></section><section><title><p>23</p><p>Die Pr�fung</p></title><p>Nynaeve sah sich mi�trauisch in dem riesigen Raum tief unter der Wei�en Burg um, und genauso mi�trauisch betrachtete sie auch Sheriam, die an ihrer Seite stand. Die Oberin der Novizinnen machte einen erwartungsvollen, ja sogar ein wenig ungeduldigen Eindruck. W�hrend der wenigen Tage in Tar Valon hatte Nynaeve bei den Aes Sedai nur Gelassenheit erlebt und eine l�chelnde Hinnahme der auf sie zukommenden Ereignisse.</p><p>Der Kuppelsaal war aus dem Grundgestein der Insel herausgehauen worden. Der Schein der auf hohen Podesten befestigten Lampen wurde von blassen glatten Steinw�nden reflektiert. Genau unter der Mitte der Kuppel befanden sich drei oben abgerundete silberne Torbogen, jeder Bogen gerade hoch genug, da� ein Mensch ihn durchschreiten konnte und dergestalt auf einem breiten silbernen Ring befestigt, da� die Torbogen sich gegenseitig ber�hrten. Bogen und Ring waren aus einem einzigen St�ck gefertigt. Nynaeve konnte nicht sehen, was innerhalb dieses Dreiecks lag, denn dort flackerte das Licht unruhig, und wenn sie zu lange hinblickte, begann ihr Magen im gleichen Rhythmus zu flattern. Wo ein Bogen den Ring ber�hrte, sa� jeweils eine Aes Sedai im Schneidersitz auf dem blanken Steinboden und sah unverwandt das silberne Gebilde an. Eine weitere stand in der N�he neben einem schlichten Tisch, auf dem drei gro�e Silberschalen standen. Jede Schale, das wu�te Nynaeve � zumindest hatte man ihr das gesagt � war mit klarem Wasser gef�llt. Alle vier Aes Sedai trugen, genau wie Sheriam, ihre Stolen. Die von Sheriam hatte blaue Fransen, die der dunkelh�utigen Aes Sedai am Tisch rote, und Gr�n, Wei� und Grau waren die Farben der drei Frauen an den Bogen. Nynaeve trug immer noch eines der Kleider, die man ihr in Fal Dara gegeben hatte: bla�gr�n, mit kleinen wei�en Bl�ten bestickt.</p><p>�Zuerst la�t Ihr mich von fr�h bis sp�t D�umchen drehen�, knurrte Nynaeve leise, �und jetzt mu� pl�tzlich alles husch-husch gehen.�</p><p>�Die richtige Stunde wartet nicht auf eine Frau�, antwortete Sheriam. �Das Rad webt, wie das Rad es will und <emphasis>wann</emphasis> es will. Geduld ist eine Tugend, die man erlernen mu�, aber wir sollten auch auf augenblickliche Ver�nderungen vorbereitet sein.�</p><p>Nynaeve bem�hte sich, nicht wieder w�tend dreinzublicken. Was sie an der Aes Sedai mit dem Flammenhaar am meisten �rgerte, war die Angewohnheit, Dinge so auszudr�cken, als zitiere sie irgendwelche Weisheiten, obwohl das gar nicht stimmte. �Was ist das f�r ein Ding?�</p><p>�Ein <emphasis>TerAngreal.�</emphasis></p><p>�Na ja, das sagt mir nichts. Wozu ist es da?�</p><p>�Ein <emphasis>TerAngreal</emphasis> kann vielerlei Dinge, Kind. Wie ein <emphasis>Angreal</emphasis> und ein <emphasis>SaAngreal</emphasis> ist er eines der �berbleibsel aus dem Zeitalter der Legenden, dessen Wirkung auf der Einen Macht beruht; er ist aber nicht so selten wie die beiden anderen. W�hrend einige <emphasis>TerAngreal,</emphasis> so wie dieser, von Aes Sedai bedient werden m�ssen, gen�gt es bei anderen schon, wenn eine Frau zugegen ist, die die Macht lenken kann. Angeblich gibt es sogar ein paar, die jedermann benutzen kann. Im Unterschied zu den <emphasis>Angreal</emphasis> und <emphasis>SaAngreal</emphasis> wurden sie hergestellt, um ganz bestimmte Dinge zu vollbringen. Ein anderer, den wir ebenfalls in der Burg haben, macht jeden Eid absolut bindend. Wenn Ihr zur vollen Schwesternschaft erhoben werdet, dann sprecht Ihr Euren Treueeid, w�hrend Ihr diesen <emphasis>TerAngreal</emphasis> in den H�nden haltet. Kein Wort zu sagen, das nicht wahr ist. Keine Waffe herzustellen, mit der ein Mensch einen anderen t�ten kann. Die Eine Macht niemals als Waffe zu verwenden, au�er gegen Schattenfreunde oder Abk�mmlinge des Schattens oder um in der h�chsten Not das eigene Leben oder das Eures Beh�ters zu verteidigen, oder nat�rlich das einer anderen Schwester.�</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf. Es klang einerseits danach, als sei zuviel in diesen Schwur eingebaut, aber andererseits auch wieder zu wenig. Sie sagte das auch ganz deutlich.</p><p>�Einst verlangte man von den Aes Sedai nicht, da� sie einen Eid schw�ren mu�ten. Es war bekannt, was Aes Sedai waren und wof�r sie standen, und das reichte vollauf. Viele von uns w�nschen sich, es w�re noch genauso. Aber das Rad dreht sich, und die Zeiten �ndern sich. Die Tatsache, da� wir diese Eide ablegen und daran gebunden sind, erlaubt den Staaten, Beziehungen zu uns zu unterhalten, ohne f�rchten zu m�ssen, da� wir unsere Macht, die Eine Macht, gegen sie einsetzen. Wir entschieden uns zwischen den Trolloc-Kriegen und dem Hundertj�hrigen Krieg f�r diesen Weg, und nur deshalb steht die Wei�e Burg noch immer, und wir sind noch immer in der Lage, alles in unserer Macht Stehende gegen den Schatten zu unternehmen.� Sheriam holte tief Luft. �Licht, Kind, ich versuche, Euch Dinge beizubringen, die jede andere Frau an Eurer Stelle im Verlauf von Jahren gelernt h�tte. Das ist einfach nicht m�glich. Was jetzt f�r Euch am wichtigsten ist, das ist der <emphasis>TerAngreal.</emphasis> Wir wissen nicht, warum sie angefertigt wurden. Wir wagen es lediglich, eine Handvoll von ihnen zu ben�tzen, und die Methoden, die wir anzuwenden wagen, entsprechen vielleicht �berhaupt nicht den Zwecken ihrer Hersteller. Die meisten dieser Zwecke haben wir zu einem hohen Preis vermeiden gelernt. Das zu lernen, hat im Laufe der Jahre viele Aes Sedai das Leben gekostet, und bei anderen brannten die F�higkeiten vollst�ndig aus.�</p><p>Nynaeve schauderte. �Und Ihr wollt, da� ich da hineingehe?� Das Flackern des Lichts innerhalb der Bogen hatte jetzt nachgelassen, aber sie konnte das Innere nach wie vor nicht erkennen.</p><p>�Wir wissen, was dort drinnen geschieht. Ihr werdet von Angesicht zu Angesicht Euren gr��ten �ngsten gegen�berstehen.� Sheriam l�chelte s��. �Niemand wird Euch fragen, was Ihr gesehen habt; Ihr m��t nicht mehr sagen, als Ihr wollt. Die �ngste einer Frau geh�ren nur ihr selbst.�</p><p>Nynaeve dachte kurz an ihre Angst vor Spinnen, besonders im Dunklen, aber sie glaubte nicht, da� Sheriam von solchen �ngsten sprach. �Ich gehe einfach durch einen Torbogen und komme in einem anderen wieder heraus? Dreimal hindurch und dann ist es geschafft?�</p><p>Die Aes Sedai zuckte mit der Schulter, damit ihre Stola wieder in die richtige Lage kam. �Falls Ihr es so kurz und b�ndig ausdr�cken wollt, dann ja�, sagte sie trocken. �Ich sagte Euch auf dem Weg hierher bereits alles, was Ihr �ber die Zeremonie wissen m��t, also das, was jede Frau vorher erfahren darf. Wenn Ihr eine Novizin w�rt, die vor dieser Aufgabe st�nde, w��tet Ihr alles auswendig, aber macht Euch trotzdem keine Gedanken �ber m�gliche Fehler. Wenn n�tig, sage ich es Euch vor. Seid Ihr auch bestimmt bereit, dies auf Euch zu nehmen? Wenn Ihr jetzt lieber aufgeben wollt, kann ich Euren Namen noch immer ins Register der Novizinnen eintragen.� �Nein!�</p><p>�Also gut. Ich werde Euch jetzt zwei Dinge erkl�ren, die keine Frau h�rt, bevor sie sich in diesem Raum befindet. Das erste ist folgendes: Wenn Ihr diese Pr�fung beginnt, m��t Ihr sie auch bis zum Ende durchstehen. Weigert Ihr Euch, weiterzugehen, dann werdet Ihr � ganz gleich, wie gro� Euer Potential auch sein mag �freundlich aus der Burg gewiesen, bekommt genug Silber, um Euch ein Jahr lang zu versorgen, und d�rft nie mehr zur�ckkehren.� Nynaeve �ffnete den Mund, um zu sagen, da� sie nicht aufgeben werde, doch Sheriam schnitt ihr mit einer abrupten Geste das Wort ab. �H�rt zu und sprecht nur dann, wenn Ihr wi�t, was Ihr sagen m��t. Zweitens: Zu suchen und nach etwas zu streben, hei�t auch, sich in Gefahr begeben. Hier wird Euch die Gefahr begegnen. Einige Frauen sind hineingegangen und nie wieder herausgekommen. Als man dem <emphasis>TerAngreal</emphasis> gestattete, sich zu beruhigen, waren sie einfach nicht mehr da. Und man hat sie nie mehr gesehen. Wenn Ihr �berleben wollt, m��t Ihr standhaft bleiben. Zweifelt, versagt, und... � Ihr Schweigen sagte mehr als Worte. �Das ist jetzt Eure letzte Gelegenheit, Kind. Ihr k�nnt jetzt, noch in diesem Moment, umkehren, und ich werde Euren Namen in das Register der Novizinnen eintragen, und es wird nur eine einzige negative Eintragung f�r Euch geben. Zwei weitere Male wird man Euch gestatten, hierherzukommen, und erst beim dritten Verweigern werdet Ihr aus der Burg gewiesen. Es ist keine Schande, die Pr�fung abzubrechen. Viele tun das. Ich war selbst nicht in der Lage, hineinzugehen, als ich zum erstenmal hier war. Jetzt k�nnt Ihr Euch �u�ern.�</p><p>Nynaeve sah die silbernen Torbogen aus den Augenwinkeln an. Das Licht darin flackerte nicht mehr; das Innere war von einem weichen wei�en Gl�hen erf�llt. Um zu lernen, was sie lernen wollte, mu�te sie die Freiheiten einer Aufgenommenen besitzen: in Frage zu stellen, selbst�ndig zu studieren und nicht mehr Anleitung zu erhalten, als sie w�nschte. <emphasis>Moiraine mu� daf�r bezahlen, was sie uns angetan hat. Ich mu�.</emphasis> �Ich bin bereit.�</p><p>Sheriam ging langsam in den Raum hinein. Nynaeve schritt neben ihr her.</p><p>Als sei dies ein Signal, sprach die Rote Schwester mit lauter Stimme in feierlichem Singsangton: �Wen bringst du mit, Schwester?� Die drei Aes Sedai am <emphasis>TerAngreal</emphasis> konzentrierten ihre Aufmerksamkeit weiterhin auf das Gebilde.</p><p>�Eine, die als Kandidatin kommt, um aufgenommen zu werden, Schwester�, antwortete Sheriam genauso feierlich.</p><p>�Ist sie bereit?�</p><p>�Sie ist bereit, hinter sich zur�ckzulassen, was sie war, ihre �ngste zu bezwingen und aufgenommen zu werden.� �Kennt sie ihre �ngste?�</p><p>�Sie hat ihnen noch nie gegen�bergestanden, aber nun ist sie willens dazu.�</p><p>�Dann la�t sie dem gegen�bertreten, was sie f�rchtet.�</p><p>Sheriam blieb zwei Spannen weit vor den Bogen stehen, und Nynaeve blieb ebenfalls stehen. �Euer Kleid�, fl�sterte Sheriam, ohne sie anzusehen.</p><p>Nynaeve lief rot an, weil sie bereits vergessen hatte, was ihr Sheriam auf dem Weg von ihrem Zimmer herunter gesagt hatte. Schnell zog sie ihre Kleider, Schuhe und Str�mpfe aus. Einen Augenblick lang verga� sie beinahe die Torbogen, w�hrend sie damit besch�ftigt war, ihre Kleidung zu falten und sauber wegzulegen. Sie steckte Lans Ring sorgf�ltig unter ihr Kleid, denn sie wollte nicht, da� er angestarrt wurde. Dann war sie fertig, und der <emphasis>TerAngreal</emphasis> war immer noch da und wartete auf sie.</p><p>Der Steinboden unter ihren blo�en F��en war kalt, und sie bekam eine G�nsehaut am ganzen K�rper, doch sie stand aufrecht und atmete ruhig. Sie wollte niemandem zeigen, da� sie Angst hatte.</p><p>�Das erste Mal steht f�r das, was war�, sagte Sheriam. �Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.�</p><p>Nynaeve z�gerte. Dann trat sie vor, ging durch den Bogen hindurch und in das Gl�hen hinein. Es umgab sie, als gl�he die Luft selbst, als ertrinke sie im Licht. Das Licht war �berall. Das Licht war alles.</p><p>Nynaeve fuhr zusammen, als ihr klar wurde, da� sie nackt war, und dann sah sie sich erstaunt um. Auf beiden Seiten befand sich eine Steinmauer, zweimal so hoch wie sie und glattgeschliffen. Ihre Zehen w�hlten im Staub eines unebenen Pflasters. Der Himmel �ber ihr schien bleiern und ohne Tiefe, trotz des Fehlens aller Wolken, und die Sonne hing aufgebl�ht und rot �ber ihr. Nach beiden Seiten zu entdeckte sie Durchg�nge in den Mauern, die durch kurze quadratische S�ulen markiert waren. Obwohl die Mauern ihr Gesichtsfeld einengten, sah sie, da� der Boden sich von ihrem Standpunkt aus sowohl nach vorn wie auch nach hinten senkte. Durch die Durchg�nge erblickte sie weitere dicke Mauern und dazwischen Wege. Sie befand sich in einem gigantischen Labyrinth.</p><p><emphasis>Wo bin ich? Wie bin ich hierhergekommen?</emphasis> Wie von einer anderen Stimme gesprochen, kam ein weiterer Gedanke: <emphasis>Der Weg hinaus erscheint nur ein einziges Mal.</emphasis></p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Wenn es nur einen einzigen Weg hinaus gibt, dann finde ich ihn nicht, indem ich hier herumstehe.� Wenigstens war die Luft warm und trocken. �Hoffentlich finde ich etwas zum Anziehen, bevor ich Leute treffe�, murmelte sie.</p><p>Sie erinnerte sich noch schwach daran, da� sie als Kind Labyrinthe aufgezeichnet hatte; es hatte irgendeinen Trick gegeben, den Weg hinaus zu finden, doch er wollte ihr einfach nicht mehr einfallen. Alles an ihrer Vergangenheit erschien ihr so vage, als habe es jemand anders erlebt. Sie ging los und streifte dabei mit einer Hand an der Mauer entlang. Unter ihren blo�en F��en erhoben sich Staubw�lkchen.</p><p>Am ersten Durchgang angekommen, blickte sie in einen weiteren Gang, der sich von dem nicht zu unterscheiden schien, in dem sie sich befand. Sie atmete tief durch und ging geradeaus weiter durch neue G�nge, die alle genau gleich aussahen. Schlie�lich teilte sich der Gang. Sie entschied sich f�r links, und sp�ter teilte sich dieser Gang wieder. Erneut ging sie nach links. Bei der dritten Abzweigung f�hrte sie der linke Gang in eine Sackgasse.</p><p>Mit grimmiger Miene ging sie zur letzten Abzweigung zur�ck und nahm den rechten Gang. Diesmal erreichte sie nach dem vierten Rechtsabbiegen eine Sackgasse. F�r einen Augenblick stand sie nur da und blickte w�tend auf die Abschlu�mauer. �Wie bin ich hergekommen?� fragte sie laut. �Wo liegt dieser Ort eigentlich?� <emphasis>Der Weg nach drau�en erscheint nur ein einziges Mal.</emphasis></p><p>Noch einmal wandte sie sich zur�ck. Sie war sicher, es m�sse einen Kniff geben, um diesem Labyrinth zu entkommen. Bei der letzten Abzweigung hielt sie sich links und an der nachfolgenden rechts. Entschlossen machte sie so weiter. Links und dann rechts. Geradeaus, bis sie an eine Gabelung kam. Links, dann rechts.</p><p>Es schien ihr zu gl�cken. Zumindest war sie auf die Art bereits an einem Dutzend Abzweigungen vorbeigekommen, ohne wieder in einer Sackgasse zu landen. Sie erreichte eine weitere Gabelung.</p><p>Aus dem Augenwinkel erkannte sie eine huschende Bewegung. Als sie sich umdrehte und nachsehen wollte, lag da nur ein staubiger Gang zwischen glatten Steinmauern. Sie ging nach links und fuhr herum, weil sie wieder eine Bewegung wahrgenommen hatte. Es war nichts zu sehen, aber diesmal war sie sich trotzdem sicher. Hinter ihr war jemand gewesen. War immer noch jemand. Sie eilte beunruhigt in die andere Richtung davon.</p><p>Immer wieder sah sie nun am Rand ihres Gesichtsfeldes in diesem oder jenen Seitengang eine Bewegung, zu schnell, um Genaueres erkennen zu k�nnen, und bevor sie den Kopf drehte, um es klar zu sehen, war es wieder verschwunden. Sie rannte. Als sie noch ein M�dchen war, hatten zu Hause in den Zwei Fl�ssen nur wenige Jungen im Laufen mit ihr mithalten k�nnen. <emphasis>Die Zwei Fl�sse? Was ist das?</emphasis></p><p>Ein Mann trat aus einer �ffnung vor ihr. Seine dunkle Kleidung wirkte muffig und halb zerfallen und er war alt. �lter als alt. Eine Haut wie vergilbtes Pergament spannte sich so fest �ber seinen Sch�del, als l�ge darunter kein bi�chen Fleisch.</p><p>D�nne B�schel von br�chigem Haar bedeckten einen vernarbten Kahlkopf, und seine Augen waren so eingesunken, da� sie aus zwei H�hlen hervorzusp�hen schienen.</p><p>Sie kam auf den unebenen Pflastersteinen rutschend zum Stehen. �Ich bin Aginor�, sagte er l�chelnd, �und Euretwegen gekommen.�</p><p>Ihr Herz wollte den Brustkorb sprengen. Einer der Verlorenen. �Nein. Nein, das kann nicht sein!�</p><p>�Ihr seid ein h�bsches M�dchen. Ich werde Euch genie�en.�</p><p>Pl�tzlich erinnerte sich Nynaeve daran, da� sie keinen Fetzen Kleidung am Leib trug. Mit einem leichten Aufschrei und einem nicht nur vom Zorn ger�teten Gesicht rannte sie weg, den n�chsten der Querwege hinunter. Gackerndes Lachen und die Ger�usche von schleifenden, rennenden F��en verfolgte sie; die mit ihr Schritt hielten; dazu schweratmende Versprechen, was er alles tun werde, wenn er sie eingefangen hatte, Versprechen, die ihr den Magen schier umdrehten, obwohl sie kaum die H�lfte verstand.</p><p>Verzweifelt suchte sie nach einem Weg aus dem Labyrinth, sah sich st�ndig um, w�hrend sie mit geballten F�usten weiterrannte. <emphasis>Der Weg hinaus erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.</emphasis> Nichts � immer nur dieses endlose Gewirr von G�ngen und Mauern. So sehr sie auch rannte: Das schmutzige Geschw�tz erklang immer direkt hinter ihr. Langsam verwandelte sich ihre Furcht in Zorn.</p><p>�Seng ihn�, schluchzte sie. �Licht, verseng ihn! Er hat kein Recht dazu!� In ihrem Inneren f�hlte sie ein Bl�hen, ein �ffnen, ein sich Ausbreiten zum Licht hin.</p><p>Mit gefletschten Z�hnen drehte sie sich zu ihrem Verfolger um, gerade in dem Moment, als Aginor halb hinkend, halb rennend, hinter ihr erschien.</p><p>�Ihr habt kein Recht dazu!� Sie streckte ihm die Faust entgegen. Ihre Finger �ffneten sich, als w�rfe sie etwas. Sie war nicht allzu �berrascht, als eine Feuerkugel aus ihrer Hand scho�.</p><p>Sie explodierte an Aginors Brust und warf ihn zu Boden. Nur einen Augenblick lang lag er dort, dann erhob er sich taumelnd. Er schien den schwelenden Mantel �berhaupt nicht zu bemerken. �Ihr wagt es? Ihr wagt es!� Er bebte vor Zorn, und Speichel rann ihm �ber das Kinn.</p><p>Pl�tzlich standen Wolken am Himmel, bedrohliche graue und schwarze Schwaden. Blitze zuckten aus der Wolke �ber ihr und zielten auf ihr Herz.</p><p>Es schien ihr, nur einen Herzschlag lang, als verlangsame sich der Lauf der Zeit, als dauere dieser Herzschlag eine Ewigkeit. Sie f�hlte den Strom in ihrem K�rper � <emphasis>Saidar,</emphasis> sagte ihr ein ferner Gedanke �, f�hlte im Blitz ein Entgegenkommen. Und sie �nderte die Richtung des Energiestroms. Die Zeit sprang voran.</p><p>Mit einem lauten Krachen zerschmetterte der Blitz die Steine �ber Aginors Kopf. Der Verlorene ri� die Augen auf und stolperte r�ckw�rts. �Das k�nnt Ihr nicht tun! Das kann nicht sein!� Er sprang weg, als ein Blitz dort einschlug, wo er gerade noch gestanden hatte. Stein explodierte zu einem Regen von Splittern.</p><p>Entschlossen ging Nynaeve auf ihn zu. Und Aginor floh.</p><p><emphasis>Saidar</emphasis> war wie eine Str�mung, die durch sie hindurchscho�. Sie f�hlte die Steine ihrer Umgebung, f�hlte die winzigen Teilchen der Einen Macht, die sie durchdrangen und zusammenhielten. Und sie f�hlte, wie Aginor auch... etwas... unternahm. Sie nahm es nur schwach und wie aus gro�er Entfernung wahr, als sei es etwas, das sie niemals wirklich verstehen k�nne, aber sie sah die Wirkung in ihrer Umgebung und wu�te, was sie hervorrief.</p><p>Der Boden grollte und w�lbte sich unter ihren F��en auf. Mauern st�rzten vor ihr um. Steinhaufen versperrten ihr den Weg. Sie kroch hin�ber, k�mmerte sich nicht darum, ob scharfkantige Steine ihr H�nde und F��e blutig rissen. Sie mu�te Aginor immer in Sichtweite behalten. Ein Sturm erhob sich, heulte durch die G�nge hinter ihr, w�tete, bis ihr Tr�nen �ber die Wangen rannen, versuchte, sie zu Boden zu werfen. Sie �nderte die Richtung, und dann taumelte Aginor den Gang wie ein entwurzelter Strauch entlang. Sie ber�hrte den Strom der Macht im Boden, gab ihm eine neue Richtung, und die Steinmauern um Aginor st�rzten und schlossen ihn ein. Blitze zuckten unter ihrem Blick vom Himmel, schlugen um ihn herum ein und kamen ihm immer n�her. Sie f�hlte, wie er darum k�mpfte, sie wieder in ihre Richtung abzudr�ngen, aber die blendenden Einschl�ge n�herten sich dem Verlorenen Fu� um Fu�.</p><p>Zu ihrer Rechten schimmerte etwas auf, von den zusammenbrechenden Mauern freigegeben.</p><p>Nynaeve f�hlte, wie Aginor schw�cher wurde, wie seine Bem�hungen, sie zu treffen, immer schw�chlicher und hektischer wurden. Doch sie wu�te, da� er noch nicht aufgeben w�rde. Wenn sie ihn jetzt gehen lie�, w�rde er sie genauso wie vorher jagen, �berzeugt davon, da� sie eben doch zu schwach sei, um ihn zu besiegen, zu schwach, um ihn davon abzuhalten, was er mit ihr vorhatte.</p><p>Ein silberner Torbogen erhob sich, wo vorher nur Stein gewesen war, ein mit weicher silberner Strahlung erf�llter Bogen. <emphasis>Der Weg zur�ck...</emphasis></p><p>Sie merkte es, als der Verlorene seinen Angriff aufgab und von diesem Augenblick an alle Kr�fte verwandte, um sich gegen sie zu wehren. Und seine Macht reichte nicht aus daf�r; er konnte ihre Schl�ge nicht l�nger ablenken. Nun mu�te er sich vor den Steinfont�nen in Sicherheit bringen, die ihre Blitze hochschleuderten. Wieder warfen ihn diese Explosionen zu Boden.</p><p><emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.</emphasis></p><p>Die Blitze zuckten nicht mehr vom Himmel. Nynaeve wandte sich von dem kriechenden Aginor ab, um den Bogen anzublicken. Sie sah zu Aginor zur�ck, gerade im rechten Augenblick, um zu sehen, wie er �ber Steinhaufen hinweg davon kroch und verschwand. Sie zischte entt�uscht durch die Z�hne. Gro�e Teile des Labyrinths standen noch, und in den Tr�mmern, die ihr Kampf hinterlassen hatte, gab es hundert neue Verstecke. Es w�rde Zeit kosten, ihn wiederzufinden, aber sie war sicher, wenn nicht sie ihn zuerst f�nde, dann w�rde er sie erneut aufsp�ren. Erholt und mit neuer Kraft w�rde er sie �berfallen, wenn sie es am wenigsten erwartete.</p><p><emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal.</emphasis></p><p>In aufkeimender Angst sah sie sich um und war erleichtert, da� sich der Bogen noch dort befand. Wenn sie Aginor schnell aufsp�rte...</p><p><emphasis>Seid standhaft.</emphasis></p><p>Mit einem Aufschrei unterdr�ckten Zorns kletterte sie los, �ber die umgest�rzten Steine hinweg auf das Tor zu. �Wer auch daf�r verantwortlich sein mag, da� ich hier bin�, murmelte sie, �an dem werde ich mich so r�chen, da� er w�nscht, anstelle von Aginor zu sein. Ich werde... � Sie schritt in das Tor hinein, und das Licht �berw�ltigte sie.</p><p>�Ich werde...� Nynaeve trat aus dem Tor und sah sich um. Es war alles so, wie in ihrer Erinnerung � der silberne <emphasis>TerAngreal,</emphasis> die Aes Sedai, der Raum �, aber alles das traf sie wie ein Schlag, als die verschwundenen Erinnerungen in ihren Kopf zur�ckkrachten. Sie war aus dem gleichen Bogen getreten, durch den sie den Raum verlassen hatte.</p><p>Die Rote Schwester hob eine der Silberschalen und go� einen Schwall k�hlen klaren Wassers �ber Nynaeves Kopf. �Ihr seid gereinigt von aller S�nde, die Ihr begangen haben m�gt�, sang die Aes Sedai, �und von den S�nden, die an Euch begangen wurden. Ihr seid gereinigt von allen Verbrechen, die Ihr begangen haben m�gt, und von denen, die man an Euch begangen hat. Ihr kommt zu uns gewaschen und rein in Herz und Seele.�</p><p>Nynaeve schauderte, als das Wasser an ihrem K�rper hinunterlief und auf den Boden tropfte.</p><p>Sheriam nahm sie mit einem erleichterten L�cheln beim Arm, aber aus der Stimme der Oberin der Novizinnen konnte sie nicht auf vorhergegangene Sorgen schlie�en. �Bisher macht Ihr Eure Sache gut. Zur�ckzukommen hei�t, es gut zu machen. Denkt daran, was Ihr erreichen wollt, und dann wird es auch weiterhin gelingen.� Der Rotschopf f�hrte sie um den <emphasis>TerAngreal</emphasis> herum zum n�chsten Tor.</p><p>�Es sah so wirklich aus�, sagte Nynaeve im Fl�sterton. Sie konnte sich an alles erinnern, auch wie sie die Eine Macht ben�tzt hatte, als sei es genauso einfach, wie eine Hand zu erheben. Sie erinnerte sich an Aginor und was der Verlorene ihr hatte antun wollen. Sie schauderte wieder. �War es real?�</p><p>�Das wei� niemand�, antwortete Sheriam. �In der Erinnerung erscheint es real, und manche sind auch schon herausgekommen und hatten wirkliche Wunden, die sie drinnen erhalten hatten. Andere wieder hat man drinnen bis auf die Knochen durchbohrt, und sie sind ohne einen Kratzer herausgekommen. Es ist immer etwas Neues f�r jede Frau, die hineingeht. Die Alten behaupteten, es gebe viele Welten. Vielleicht bringt uns der <emphasis>TerAngreal</emphasis> zu ihnen. Aber sollte das der Fall sein, dann nur unter sehr eigenartigen Bedingungen f�r etwas, das einen nur von einem Ort zum anderen bef�rdern soll. Ich glaube, es ist nichts Reales. Aber denkt daran, gleichg�ltig, ob das Geschehen wirklich ist oder nicht, die <emphasis>Gefahr</emphasis> ist jedenfalls so real wie ein Messer, das Euch ins Herz gesto�en wird.�</p><p>�Ich habe die Macht verwandt. Es war so leicht.�</p><p>Sheriam stolperte. �Man sagt, das sei nicht m�glich. Ihr solltet Euch nicht einmal daran erinnern, die Macht gelenkt zu haben.� Sie musterte Nynaeve. �Und doch ist Euch nichts passiert. Ich kann die F�higkeit immer noch in Euch f�hlen, so stark wie vorher.�</p><p>�Ihr klingt, als sei das gef�hrlich�, meinte Nynaeve bed�chtig, und Sheriam z�gerte mit ihrer Antwort.</p><p>�Wir halten es nicht f�r notwendig, Euch davor zu warnen, da Ihr nicht in der Lage sein solltet, Euch �berhaupt daran zu erinnern, aber... Dieser <emphasis>TerAngreal</emphasis> wurde w�hrend der Trolloc-Kriege gefunden. Wir haben Berichte �ber die damals angestellten Untersuchungen im Archiv. Die erste Schwester, die man hineinschickte, war so stark abgeschirmt wie �berhaupt nur m�glich, da niemand wu�te, was geschehen w�rde. Sie behielt ihre Erinnerungen, und sie ben�tzte die Eine Macht, als sie bedroht wurde. Und sie kam mit v�llig ausgebrannten F�higkeiten zur�ck, unf�hig, die Macht zu lenken, unf�hig sogar, die Wahre Quelle wahrzunehmen. Auch die zweite, die hineinging, war abgeschirmt, und auch sie wurde auf die gleiche Weise innerlich zerst�rt. Die dritte ging ungesch�tzt hinein, erinnerte sich drinnen an nichts und kehrte unversehrt zur�ck. Das ist ein Grund, warum wir Euch v�llig ungesch�tzt hineinschicken. Nynaeve, Ihr d�rft im <emphasis>TerAngreal</emphasis> die Macht nicht mehr ben�tzen. Ich wei�, es ist schwer, sich an etwas zu erinnern, aber bem�ht Euch.�</p><p>Nynaeve schluckte. Sie konnte sich an alles erinnern, auch daran, da� sie sich drinnen an nichts mehr erinnert hatte. �Ich werde die Macht nicht ben�tzen�, sagte sie. <emphasis>Wenn ich mich daran erinnern kann.</emphasis> Sie h�tte am liebsten hysterisch gelacht.</p><p>Sie hatten den n�chsten Bogen erreicht. Das Gl�hen erf�llte nach wie vor alle. Sheriam warf Nynaeve einen letzten warnenden Blick zu und lie� sie dann allein.</p><p>�Das zweite Mal ist f�r das, was ist. Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.�</p><p>Nynaeve blickte den schimmernden Bogen an. <emphasis>Was wartet diesmal drinnen auf mich?</emphasis> Die anderen warteten und beobachteten sie. Sie trat entschlossen hindurch in das Licht.</p><p>Nynaeve blickte das einfache braune Kleid �berrascht an, das sie trug. Dann fuhr sie zusammen. Warum sah sie ihr eigenes Kleid so an? <emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal.</emphasis> Sie l�chelte, als sie sich umblickte. Sie stand am Rand des Dorfgr�ns in Emondsfeld, um sie herum die schindelgedeckten D�cher und vor ihr die Weinquellenschenke. Die Weinquelle selbst quoll in einem kraftvollen Schwall aus dem Felsausl�ufer, der sich ins Gras des Gr�ns hineinschob, und der Weinquellenbach rauschte unter den Weiden neben der Schenke hindurch nach Osten. Die Stra�en waren leer, aber die meisten Leute waren um diese Zeit des Vormittags bei der Arbeit.</p><p>Als sie die Schenke ansah, verflog ihr L�cheln. Sie wirkte mehr als nur ein bi�chen vernachl�ssigt. Der Verputz war verbla�t, ein Fensterladen hing lose an einer Angel, das faulende Ende eines Dachbalkens zeigte sich in einer L�cke zwischen den Ziegeln. <emphasis>Was ist denn in Bran gefahren? Verbringt er so viel Zeit damit, B�rgermeister zu spielen, da� er vergi�t, sich um seine Schenke zu k�mmern?</emphasis> Die T�r der Schenke flog auf, und Cenn Buie trat heraus. Als er sie sah, blieb er wie angewurzelt stehen. Der alte Dachdecker wirkte so knorrig wie eine Eichenwurzel, und der Blick, den er ihr zuwarf, war genauso freundlich. �Also bist du zur�ckgekommen, was? Na ja, du kannst gleich wieder verschwinden.�</p><p>Sie runzelte die Stirn, als er vor ihr ausspuckte und an ihr vorbeieilte. Cenn war noch nie ein angenehmer Umgang gewesen, aber er war selten so offen unh�flich. Jedenfalls nicht zu ihr. Ihr Blick folgte ihm, und sie erblickte �berall im Dorf Anzeichen von Vernachl�ssigung � D�cher, die schadhaft geworden waren, und Unkraut in den H�fen. Die T�r des Hauses von Frau al'Caar hing schief an einem gebrochenen Scharnier.</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf und trat in die Schenke. <emphasis>Ich werde mir Bran einmal richtig vornehmen m�ssen.</emphasis> Der Schankraum war leer bis auf eine einzelne Frau, die ihren dicken ergrauten Zopf �ber die Schulter geschlungen hatte. Sie wischte gerade einen Tisch ab, aber aus der Art, wie sie die Tischfl�che anstarrte, schlo� Nynaeve, da� sie gar nicht merkte, was sie tat. Der Raum erschien ihr staubig.</p><p>�Marin?�</p><p>Marin al'Vere zuckte zusammen, eine Hand an der Kehle, und sah sie mit gro�en Augen an. Sie wirkte um Jahre gealtert, seit Nynaeve sie zum letzten Mal gesehen hatte. Verbraucht. �Nynaeve? Nynaeve! Oh, du bist es wirklich! Egwene? Hast du Egwene zur�ckgebracht? Sag, da� sie da ist.�</p><p>�Ich... � Nynaeve dr�ckte sich eine Hand gegen die Stirn. <emphasis>Wo ist Egwene?</emphasis> Es schien ihr, als <emphasis>sollte</emphasis> sie das wissen. �Nein, nein, ich habe sie nicht mitgebracht.� <emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal.</emphasis> Frau al'Vere sackte auf einen der St�hle mit ihren geraden hohen Lehnen. �Ich hatte so darauf gehofft. Seit Bran starb... �</p><p>�Bran ist tot?� Nynaeve konnte sich das nicht vorstellen; dieser breite, l�chelnde Mann war ihr immer als ein Mensch erschienen, der nie aus ihrem Leben verschwinden k�nne. �Ich h�tte hierbleiben sollen.�</p><p>Die Frau sprang auf und eilte zum Fenster und sp�hte �ngstlich auf das Gr�n und das Dorf hinaus. �Wenn Malena erf�hrt, da� du hier bist, dann gibt es �rger. Bestimmt hatte Cenn nichts Besseres zu tun, als zu ihr zu rennen. Er ist jetzt B�rgermeister.�</p><p>�Cenn? Wie konnten diese Wollk�pfe ausgerechnet Cenn w�hlen?�</p><p>�Das war Malena. Sie brachte den ganzen Frauenzirkel dazu, da� sie ihre M�nner beeinflu�ten, sie sollten Cenn w�hlen.� Marin dr�ckte die Nase an der Fensterscheibe platt und versuchte gleichzeitig nach allen Seiten zu blicken. �Diese dummen M�nner sprachen nicht dar�ber, wessen Namen sie zuvor in die Urne legten; ich glaube, jeder Mann, der f�r Cenn stimmte, dachte, er sei der einzige, dessen Frau ihn dazu getrieben hatte. Dachte sich, da� eine Stimme nicht viel ausmachen werde. Na ja, jetzt wissen sie es besser. Wir alle wissen es besser.�</p><p>�Wer ist diese Malena, die den Frauenzirkel mi�braucht, um ihre Ziele durchzusetzen? Ich habe noch nie von ihr geh�rt.�</p><p>�Sie kommt aus Wachh�gel. Sie ist die Seh... � Marin wandte sich vom Fenster ab und rang die H�nde. �Malena Aylar ist jetzt die Seherin hier, Nynaeve. Als du nicht zur�ckkamst... Licht, ich hoffe, sie bekommt nicht heraus, da� du hier bist.�</p><p>Nynaeve sch�ttelte staunend den Kopf. �Marin, du hast ja Angst vor ihr. Du zitterst ja. Was f�r eine Frau ist das denn? Warum hat der Frauenzirkel eine wie sie gew�hlt?�</p><p>Frau al'Vere lachte bitter. �Wir m�ssen verr�ckt gewesen sein. Malena kam her�ber, um Mavra Mallen zu besuchen, einen Tag bevor Mavra nach Devenritt zur�ckkehren mu�te, und da in dieser Nacht mehrere Kinder krank wurden, blieb Malena und k�mmerte sich um sie. Dann begannen die Schafe zu sterben, und Malena k�mmerte sich auch darum. Es erschien uns ganz nat�rlich, sie zu w�hlen, aber... Sie ist eine Tyrannin, Nynaeve. Sie unterdr�ckt jeden, bis man tut, was sie will. Sie hackt auf einem herum, immer wieder, bis man zu m�de ist, um noch nein zu sagen. Und noch schlimmer. Sie schlug Alsbet Luhhan nieder.�</p><p>Ein Bild scho� Nynaeve durch den Kopf: Alsbet Luhhan und ihr Mann Haral, der Schmied. Sie war beinahe so gro� wie er und kr�ftig. Dabei sah sie recht gut aus. �Alsbet ist fast genauso stark wie Haral. Ich kann nicht glauben... �</p><p>�Malena ist keine gro�e Frau, aber sie ist � sie ist wild, Nynaeve. Sie pr�gelte Alsbet mit einem Stock �ber das ganze Gr�n, und keine von uns, die es beobachteten, hatte den Mut, sie davon abzuhalten. Als sie davon erfuhren, haben Bran und Haral gesagt, sie m��ten zu ihr gehen, auch wenn sie sich damit in die Angelegenheiten des Frauenzirkels einmischten. Ich glaube, ein paar im Frauenzirkel h�tten vielleicht auf sie geh�rt, aber Bran und Haral wurden beide am gleichen Abend krank und starben mit einem Tag Abstand.� Marin bi� sich auf die Lippe und sah sich im Raum um, als k�nne sich da jemand versteckt haben. Sie senkte die Stimme. �Malena hat die Medizin f�r sie gemischt. Sie sagte, es sei ihre Pflicht, obwohl sie gegen sie gewesen seien. Ich sah... Ich sah, da� sie grauen Fenchel mitnahm.�</p><p>Nynaeve keuchte �berrascht. �Aber... Bist du sicher, Marin? Bist du wirklich sicher?� Die �ltere Frau nickte. Sie verzog das Gesicht und war den Tr�nen nahe. �Marin, wenn du vermutet hast, da� diese Frau Bran vergiftet hat, warum bist du dann nicht zum Frauenzirkel gegangen?�</p><p>�Sie sagte, Bran und Haral wandelten nicht im Licht�, murmelte Marin, �weil sie sich gegen die Seherin gestellt hatten. Sie sagte, deshalb seien sie gestorben. Das Licht habe sie verlassen. Sie spricht die ganze Zeit von der S�nde. Sie behauptete, Paet al'Caar habe ges�ndigt, da er sich nach dem Tod Harals und Brans gegen sie ge�u�ert hatte. Dabei sagte er nur, da� sie keine so gute Heilerin sei wie du, aber sie malte den Drachenzahn an seine T�r, ganz offen, so da� jeder sie mit der Zeichenkohle in der Hand sehen konnte. Seine beiden Jungen waren noch vor dem Wochenende tot � einfach tot, als ihre Mutter kam, um sie aufzuwecken. Arme Nela. Wir fanden sie, als sie herumirrte, zur gleichen Zeit lachte und weinte, und schrie, da� Paet der Dunkle K�nig sei und ihre Jungen get�tet habe. Paet hat sich am n�chsten Tag aufgeh�ngt.� Sie schauderte, und ihre Stimme wurde so leise, da� Nynaeve sie kaum noch verstehen konnte. �Ich habe vier T�chter, die immer noch unter meinem Dach leben. Sie leben, Nynaeve. Verstehst du, was ich sagen will? Sie leben noch, und ich will, da� sie am Leben bleiben.�</p><p>Nynaeve fror bis auf die Knochen. �Marin, das kannst du nicht zulassen?� <emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.</emphasis> Sie schob den Gedanken zur Seite. �Wenn der Frauenzirkel zusammenh�lt, k�nnt ihr sie loswerden.�</p><p>�Gegen Malena zusammenhalten?� Marins Lachen klang eher wie ein Schluchzen. �Wir haben alle Angst vor ihr. Aber sie kann gut mit den Kindern umgehen. Es sind immerzu Kinder krank, wie es scheint, aber Malena tut alles f�r sie. Als du noch Seherin warst, starb fast niemand an Krankheiten.�</p><p>�Marin, h�r auf mich. Ist dir nicht klar, warum immer Kinder krank sind? Wenn sie euch keine Angst einjagen kann, will sie euch im Glauben lassen, ihr br�uchtet sie der Kinder wegen. Sie tut das, Marin. Genauso, wie sie Bran krank gemacht hat.�</p><p>�Bestimmt nicht�, hauchte Marin. �Das t�te sie nicht. Nicht bei den Kleinen.�</p><p>�Glaub es nur, Marin.� <emphasis>Der Weg zur�ck...</emphasis> � Nynaeve unterdr�ckte diesen Gedanken heftig. �Gibt es eine im Zirkel, die keine Angst hat? Eine, die auf uns h�ren w�rde?�</p><p>Die �ltere Frau sagte: �Keine, die nicht Angst vor ihr h�tte. Aber Corin Ayellin h�rt vielleicht auf uns. Wenn das der Fall ist, bringt sie noch zwei oder drei weitere auf unsere Seite. Nynaeve, wenn gen�gend Mitglieder auf uns h�ren, wirst du dann wieder unsere Seherin? Ich glaube, du w�rst die einzige unter uns, die nicht vor Malena kuscht, auch wenn wir alle Bescheid wissen. Du wei�t nicht, wie sie ist.�</p><p>�Ich werde es herausfinden.� <emphasis>Der Weg zur�ck... Nein! Das sind die mir anvertrauten Menschen!</emphasis> �Hol deinen Umhang, und dann gehen wir zu Corin.�</p><p>Marin z�gerte, die Schenke zu verlassen, und als Nynaeve sie schlie�lich drau�en hatte, schlich sie �ngstlich von Schwelle zu Schwelle, duckte sich und blickte sich st�ndig um. Bevor sie noch den halben Weg zu Corin Ayellins Haus zur�ckgelegt hatten, sah Nynaeve eine gro�e hagere Frau auf der anderen Seite des Gr�ns zur Schenke gehen, wobei sie mit einer dicken Weidenrute im Vorbeigehen die Blumen k�pfte. Sie war zwar knochig, wirkte aber drahtig und kr�ftig und trug einen entschlossenen Zug um den Mund. Cenn Buie lief in ihrem Kielwasser hinterher.</p><p>�Malena.� Marin zog Nynaeve in eine L�cke zwischen zwei H�usern. Sie fl�sterte, als f�rchte sie, die Frau k�nne sie �ber das Gr�n hinweg h�ren. �Ich wu�te, da� Cenn zu ihr rennen w�rde.�</p><p>Etwas zwang Nynaeve, sich nach hinten umzublicken. Hinter ihr stand ein silberner Bogen, spannte sich von Haus zu Haus und gl�hte wei�. <emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.</emphasis> Marin schrie leise auf. �Sie hat uns gesehen. Licht hilf uns, sie kommt!�</p><p>Die gro�e Frau hatte sich auf den Weg �ber das Gr�n hinweg gemacht und lie� Cenn hinter sich zur�ck. Auf Malenas Gesicht zeigte sich keine Unsicherheit. Sie ging langsam, als g�be es kein Entkommen vor ihr. Ihr grausames L�cheln wurde mit jedem Schritt deutlicher. Marin zupfte Nynaeve am �rmel. �Wir m�ssen wegrennen. Wir m�ssen uns verstecken. Komm, Nynaeve! Cenn hat ihr bestimmt erz�hlt, wer du bist. Sie ha�t es, wenn jemand nur von dir spricht.�</p><p>Der silberne Torbogen zog Nynaeves Blicke an. <emphasis>Der Weg zur�ck...</emphasis> Sie sch�ttelte den Kopf und versuchte verkrampft, sich zu erinnern. <emphasis>Es ist nicht wirklich.</emphasis> Sie sah Marin an. Blanke Angst verzerrte das Gesicht der Frau. <emphasis>Ihr m��t standhaft sein, um zu �berleben.</emphasis> �Bitte, Nynaeve. Sie hat mich mit dir gesehen. Sie-hat-mich-gesehen! Bitte, Nynaeve!�</p><p>Malena kam unaufhaltsam n�her. <emphasis>Meine mir anvertrauten Menschen.</emphasis> Der Bogen leuchtete. <emphasis>Der Weg zur�ck. Es ist nicht wirklich.</emphasis> Mit einem Aufschluchzen ri� Nynaeve den Arm aus Marins Griff und st�rzte auf das silberne Gl�hen zu.</p><p>Marins Schrei erklang hinter ihr: �Um der Liebe des Lichts willen, Nynaeve, hilf mir! HILF MIR!�</p><p>Das Gl�hen h�llte sie ein.</p><p>Mit weitaufgerissenen Augen taumelte Nynaeve aus dem Tor heraus. Sie war sich des Raums und der Aes Sedai kaum bewu�t. Daf�r hatte sie Marins Schreie noch im Ohr. Sie zuckte nicht zusammen, als ihr pl�tzlich kaltes Wasser �ber den Kopf gesch�ttet wurde.</p><p>�Ihr seid gereinigt von falschem Stolz. Ihr seid gereinigt von falschem Ehrgeiz. Ihr kommt gewaschen zu uns, rein in Herz und Seele.� Als die Rote Aes Sedai zur�cktrat, kam Sheriam und nahm Nynaeves Arm. Nynaeve fuhr zusammen und erkannte erst dann, wer es war. Sie packte mit beiden H�nden den Kragen von Sheriams Kleid. �Sagt mir, da� es nicht wirklich war. Sagt es mir!�</p><p>�Schlimm?� Sheriam zog Nynaeves H�nde von ihrem Kragen, als sei sie an eine solche Reaktion gew�hnt. �Es wird jedesmal schlimmer, und das dritte Mal ist am schlimmsten.�</p><p>�Ich habe meine Freundin verlassen... Ich habe die mir anvertrauten <emphasis>Menschen</emphasis> im Stich gelassen... in der H�lle zur�ckgelassen.� <emphasis>Licht, bitte, la� es nicht Wirklichkeit sein. Ich habe nicht wirklich... Daf�r</emphasis> mu� <emphasis>Moiraine bezahlen. Sie</emphasis> mu�!</p><p>�Es gibt immer einen Grund, nicht zur�ckzukehren, etwas, um Euch davon abzuhalten oder abzulenken. Dieser <emphasis>TerAngreal</emphasis> webt Euch Fallen aus Eurer eigenen Seele, webt sie fest und stark, h�rter als Stahl und t�dlicher als Gift. Deshalb benutzen wir ihn f�r diese Pr�fung. Ihr m��t mehr als alles in der Welt eine Aes Sedai werden wollen. Dieser Wunsch mu� stark genug sein, um allem gegen�berzutreten, um Euch aus jeder Lage herauszuk�mpfen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Wei�e Burg l��t nicht weniger gelten. Wir verlangen das von Euch.�</p><p>�Ihr verlangt eine ganze Menge.� Nynaeve blickte unverwandt auf den dritten Torbogen, als die rothaarige Aes Sedai sie dorthin f�hrte. <emphasis>Das dritte Mal ist am schlimmsten.</emphasis> �Ich habe Angst�, fl�sterte sie. <emphasis>Was kann noch schlimmer werden als das, was ich gerade tat?</emphasis> �Gut�, sagte Sheriam. �Ihr wollt eine Aes Sedai werden und die Eine Macht lenken. Niemand sollte das ohne Ehrfurcht und Respekt versuchen. Die Furcht wird Euch vorsichtig machen, und die Vorsicht wird Euch am Leben halten.� Sie drehte Nynaeve um, damit sie den Bogen ansah, doch noch trat sie selbst nicht zur�ck. �Niemand wird Euch zwingen, ein drittes Mal einzutreten, Kind.�</p><p>Nynaeve leckte sich die Lippen. �Wenn ich mich weigere, werdet Ihr mich aus der Burg weisen und mich niemals zur�ckkommen lassen.� Sheriam nickte. �Und jetzt wird es am schlimmsten.� Sheriam nickte wieder. Nynaeve holte tief Luft. �Ich bin bereit.�</p><p>�Das dritte Mal�, sang Sheriam aus, �ist f�r das, was sein wird. Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.�</p><p>Nynaeve rannte in den Torbogen hinein.</p><p>Lachend rannte sie durch aufwirbelnde Wolken von Schmetterlingen, die auf der von Wildblumen �berwucherten H�gelkuppe gesessen hatten. Die Blumen wirkten wie ein kniehoher Gauklerumhang. Ihre graue Stute t�nzelte nerv�s mit herunterh�ngenden Z�geln am Rand der Wiese, und so h�rte Nynaeve mit dem Herumrennen auf, damit sich das Tier nicht noch mehr �ngstigte. Einige Schmetterlinge setzten sich auf ihr Kleid, auf gestickte Blumen und aufgen�hte Perlen, oder sie flatterten um die Saphire und Mondsteine in ihrem Haar, das ihr lose auf die Schultern herunterhing.</p><p>Unterhalb des H�gels erstreckte sich das Halsband der Tausend Seen durch die Stadt Malkier. Darin spiegelten sich die wolkenhohen Sieben T�rme, auf denen die Flaggen mit dem Goldenen Kranich wehten. In der Stadt zeigten sich tausend G�rten, doch sie zog diesen wilden Naturgarten auf der H�gelspitze jenen vor. <emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.</emphasis></p><p>Beim Klang von Hufschlag drehte sie sich um.</p><p>Al'Lan Mandragoran, der K�nig von Malkier, sprang vom R�cken seines Streitrosses und lief durch die Schmetterlinge lachend auf sie zu. Sein Gesicht war das eines harten Mannes, doch das L�cheln, das er ihr schenkte, machte die steinernen Kanten sanfter.</p><p>Sie starrte ihn �berrascht mit offenem Mund an, und da nahm er sie in die Arme und k��te sie. Einen Moment lang klammerte sie sich an ihn und k��te ihn wieder. Ihre F��e hingen ein St�ck in der Luft, aber das machte ihr nichts aus.</p><p>Pl�tzlich stemmte sie sich gegen ihn und zog ihr Gesicht zur�ck. �Nein.� Sie stemmte sich noch mehr. �La� mich los! Ich will runter.� Erstaunt lie� er sie sinken, bis ihre F��e wieder auf dem Boden standen. Sie trat vor ihm zur�ck. �Das nicht�, sagte sie. �Ich kann es nicht ertragen. Nur das nicht.� <emphasis>Bitte, stellt mich wieder Aginor gegen�ber.</emphasis></p><p>Ihre Erinnerungen wirbelten durcheinander. <emphasis>Aginor?</emphasis></p><p>Sie wu�te nicht, woher dieser Gedanke gekommen war. Die Erinnerungen zuckten auf und kippten weg wie sich durcheinanderschiebende Eisschollen auf einem �berfluteten Flu�. Sie griff nach den St�cken, nach etwas, woran sie sich klammern konnte.</p><p>�Geht es dir nicht gut, Liebling?� fragte Lan besorgt.</p><p>�Nenn mich nicht so! Ich bin nicht dein Liebling! Ich kann dich nicht heiraten!�</p><p>Er �berraschte sie damit, da� er den Kopf in den Nacken warf und schallend lachte. �Deine Annahme, da� wir nicht verheiratet seien, k�nnte unsere Kinder verwirren, liebe Gattin. Und wie k�nntest du nicht mein Liebling sein? Ich habe keinen anderen, und ich werde keine andere Frau jemals lieben.�</p><p>�Ich mu� zur�ck.� Verzweifelt sah sie sich nach dem Bogen um, fand aber nur die Wiese und den Himmel. <emphasis>H�rter als Stahl und t�dlicher als Gift. Lan. Lans Kinder. Licht, hilf mir doch!</emphasis> �Ich mu� jetzt zur�ck.�</p><p>�Zur�ck? Wohin? Nach Emondsfeld? Wenn du das w�nscht. Ich schicke Morgase einen Brief und bestimme eine Eskorte.�</p><p>�Allein�, murmelte sie und suchte immer noch in ihrem Inneren. <emphasis>Wo ist es? Ich mu� weg.</emphasis> �Ich lasse mich nicht darin verwickeln. Ich k�nnte es nicht ertragen. Nicht das hier. Ich mu� <emphasis>jetzt</emphasis> weg!�</p><p>�Worin verwickeln, Nynaeve? Was k�nntest du nicht ertragen? Nein, Nynaeve. Hier kannst du allein umherreiten, wann immer du willst, aber wenn die K�nigin von Malkier ohne die ihr zustehende Eskorte nach Andor k�me, w�re Morgase entsetzt, vielleicht sogar beleidigt. Du willst sie doch nicht beleidigen, oder? Ich dachte, ihr zwei seid Freundinnen.�</p><p>Nynaeve f�hlte sich, als habe man sie ein ums andere Mal auf den Kopf geschlagen. �K�nigin?� fragte sie z�gernd. �Und wir haben Kinder?�</p><p>�Bist du ganz sicher, da� es dir gutgeht? Ich glaube, ich sollte dich lieber zu Sharina Sedai bringen.�</p><p>�Nein.� Sie zog sich wieder vor ihm zur�ck. �Keine Aes Sedai.� <emphasis>Das ist nicht wirklich. Ich werde mich diesmal nicht hineinziehen lassen. Auf keinen Fall!</emphasis></p><p>�Also gut�, sagte er bed�chtig. �Als meine Frau � wie k�nntest du da nicht auch gleichzeitig K�nigin sein? Wir sind hier alle Malkieri und keine Ausl�nder. Du wurdest in den Sieben T�rmen zur gleichen Zeit gekr�nt, als wir die Ringe tauschten.� Unbewu�t bewegte er die linke Hand. An seinem Zeigefinger steckte ein einfacher goldener Ring. Sie blickte auf ihre eigene Hand hinunter, auf den Ring, den sie kannte. Sie legte ihre andere Hand dar�ber, aber ob sie seine Existenz verleugnen k�nne. �Erinnerst du dich jetzt wieder?� fuhr er fort. Er streckte seine Hand aus, als wolle er ihre Wange streicheln, doch sie trat nochmals sechs Schritt zur�ck. Er seufzte. �Wie du w�nschst, Liebling. Wir haben drei Kinder, wenn auch nur eines davon noch ein S�ugling ist. Maric geht dir schon bis an die Schulter und kann sich nicht entscheiden, ob ihm Pferde oder B�cher besser gefallen. Elnore hat damit angefangen, auszuprobieren, wie man den Jungen am besten den Kopf verdreht, wenn sie nicht gerade Sharina l�chert, wann sie endlich alt genug sei, zur Wei�en Burg zu gehen.�</p><p>�Elnore war der Name meiner Mutter�, sagte sie leise.</p><p>�Das sagtest du, als du den Namen w�hltest. Nynaeve... �</p><p>�Nein. Ich lasse mich diesmal nicht hineinziehen. Diesmal nicht. Auf keinen Fall!� Jenseits von ihm, zwischen den B�umen neben der Wiese, sah sie den silbernen Torbogen. Vorher hatten ihn die B�ume verborgen. <emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal.</emphasis> Sie wandte sich dorthin. �Ich mu� gehen.� Er ergriff ihre Hand, und es war ihr, als h�tten ihre F��e im Stein Wurzeln geschlagen. Sie hatte nicht die Kraft, sich ihm zu entziehen.</p><p>�Ich wei� nicht, was dich so bewegt, meine liebe Frau, aber was es auch sein mag: Sag es mir, und ich werde es richten. Ich wei�, da� ich vielleicht nicht der beste aller Ehem�nner bin. Als ich dich fand, war ich ein ziemlich eckiger Typ, aber du hast zumindest einige meiner Kanten abgeschliffen.�</p><p>�Du bist der beste aller Ehem�nner�, murmelte sie. Zu ihrem Schrecken wurde ihr bewu�t, da� sie sich an ihn als ihren Mann erinnerte, an Lachen und Weinen, an Krach und s��e Vers�hnung. Es waren schwache Erinnerungen, aber sie f�hlte, wie sie st�rker und w�rmer wurden. �Ich kann nicht.� Dort dr�ben stand der Bogen, nur wenige Schritte entfernt. <emphasis>Der Weg zur�ck erscheint nur ein einziges Mal. Seid standhaft.</emphasis></p><p>�Ich wei� nicht, was geschieht, Nynaeve, aber ich habe das Gef�hl, ich verliere dich. Das k�nnte ich nicht ertragen.� Er legte eine Hand auf ihr Haar. Sie schlo� die Augen und dr�ckte ihre Wange an seine Handfl�che. �Bleib immer bei mir!�</p><p>�Ich m�chte bleiben�, sagte sie leise. �Ich m�chte bei dir bleiben.� Als sie die Augen �ffnete, war der Torbogen weg... <emphasis>Nur ein einziges Mal.</emphasis> �Nein. Nein!�</p><p>Lan drehte ihr Gesicht dem seinen zu. �Was ist mit dir? Du mu�t es mir sagen, wenn ich helfen soll.�</p><p>�Das ist alles nicht wirklich.�</p><p>�Nicht wirklich? Bevor ich dich traf, glaubte ich, bis auf mein Schwert sei nichts real. Sieh dich um, Nynaeve.</p><p>Es ist Wirklichkeit. Was auch immer du als real betrachten m�chtest, das wird f�r uns beide real sein.�</p><p>Staunend blickte sie sich um. Die Wiese lag immer noch um sie herum. Die Sieben T�rme erhoben sich immer noch �ber den Tausend Seen. Der Bogen war weg, aber sonst hatte sich nichts ge�ndert. <emphasis>Ich k�nnte hierbleiben. Bei Lan. Nichts hat sich ge�ndert.</emphasis> Ihre Gedanken wirbelten. <emphasis>Nichts hat sich ge�ndert. Egwene ist allein in der Wei�en Burg. Rand wird die Macht benutzen und dem Wahn verfallen. Und was ist mit Mat und Perrin? K�nnen sie ein St�ck ihres Lebens festhalten und weitermachen? Und Moiraine, die unser Leben so zerrissen hat, ist immer noch frei.</emphasis> �Ich mu� zur�ck�, fl�sterte sie. Unf�hig, den Schmerz in seinem Gesichtsausdruck zu ertragen, ri� sie sich von ihm los. Entschlossen formte sie eine Knospe im Geist, eine wei�e Knospe an einem Schlehenzweig. Sie machte die Dornen scharf und gef�hrlich und w�nschte, sie sollten ihre Haut durchbohrten. Dabei f�hlte sie sich als habe sie bereits mitten im Schlehengeb�sch gehangen. Sheriam Sedais Stimme tanzte gerade au�erhalb ihrer H�rweite und sagte ihr, es sei gef�hrlich, die Eine Macht zu gebrauchen. Die Knospe �ffnete sich, und <emphasis>Saidar</emphasis> erf�llte sie mit Licht.</p><p>�Nynaeve, sag mir doch, was los ist!�</p><p>Lans Stimme schnitt in ihre Konzentration. Sie weigerte sich, darauf zu h�ren. Der Weg zur�ck mu�te immer noch existieren. Sie starrte auf den Fleck, wo sich der silberne Bogen befunden hatte. Nichts.</p><p>�Nynaeve... �</p><p>Sie versuchte, sich den Bogen vorzustellen, ihn bis in die kleinste Einzelheit in ihrem Geist neu zu formen, diesen Bogen schimmernden Metalls, der mit einem Gl�hen wie von brennendem Schnee erf�llt war. Es schien ihr, als verschwimme etwas vor ihr, sei zuerst zwischen den B�umen und ihr selbst vorhanden, dann wieder nicht, dann doch wieder. �... ich liebe dich... �</p><p>Sie zog Energie aus <emphasis>Saidar,</emphasis> trank den Strom der Einen Macht, bis sie glaubte, sie m�sse platzen. Das Leuchten erf�llte sie, strahlte von ihr aus, schmerzte in ihren Augen. Die Hitze wollte sie verschlingen. Der flackernde Bogen bildete sich und wurde realer, stand schlie�lich ganz vor ihr. Feuer und Schmerz schienen sie zu erf�llen. Ihre Knochen brannten; ihr Sch�del war ein tobender Hochofen.</p><p>�... von ganzem Herzen.�</p><p>Sie rannte auf die silberne Kr�mmung zu und gestattete sich keinen Blick zur�ck. Sie war so sicher gewesen, das Bitterste, was sie je h�ren k�nne, sei der Hilfeschrei Marin al'Veres gewesen, als Nynaeve sie im Stich lie�, doch das war Honig gegen�ber dem Klang von Lans gequ�lter Stimme, die sie verfolgte. �Nynaeve, bitte verla� mich nicht!�</p><p>Das wei�e Gl�hen verschlang sie.</p><p>Nackt taumelte Nynaeve durch den Bogen und fiel auf die Knie. Ihr Mund hing offen, sie schluchzte, und Tr�nen str�mten ihr �ber die Wangen. Sheriam kniete neben ihr nieder. Sie funkelte die rothaarige Aes Sedai an. �Ich hasse Euch!� brachte sie zornig heraus, wobei sie nach Luft schnappen mu�te. �Ich hasse alle Aes Sedai!�</p><p>Sheriam seufzte leicht und zog Nynaeve auf die Beine. �Kind, beinahe jede Frau, die das durchmacht, sagt dasselbe. Es ist mehr als schwer, den eigenen �ngsten zu begegnen. Was ist denn das?� fragte sie in scharfem Ton und drehte Nynaeves H�nde um, so da� die Handfl�chen nach oben zeigten.</p><p>Nynaeves H�nde zitterte in einem pl�tzlichen Aufwallen von Schmerz, den sie zuvor nicht gef�hlt hatte. Genau durch die Mitte der Handfl�chen beider H�nde war jeweils ein langer schwarzer Dorn getrieben. Sheriam zog sie vorsichtig heraus. Nynaeve f�hlte die k�hle Heilkraft der Ber�hrung der Aes Sedai. Als die Dornen drau�en waren, hinterlie�en sie jeweils nur eine kleine Narbe in der Handfl�che und auf dem Handr�cken.</p><p>Sheriam runzelte die Stirn. �Es sollte eigentlich keinerlei Narbe zu sehen sein. Und wie seid Ihr zu den beiden Dornen gekommen � nur zwei und jede so genau plaziert? Wenn Ihr Euch in einem Schlehenstrauch verfangen habt, solltet Ihr �ber und �ber mit Kratzern bedeckt sein.�</p><p>�Sollte ich�, stimmte ihr Nynaeve bitter zu. �Vielleicht war ich der Meinung, ich h�tte schon genug bezahlt.�</p><p>�Man mu� immer daf�r bezahlen�, meinte die Aes Sedai. �Kommt jetzt. Ihr habt Euren ersten Preis gezahlt. Nehmt, wof�r Ihr bezahlt habt.� Sie gab Nynaeve einen kleinen Sto� nach vorn.</p><p>Nynaeve wurde bewu�t, da� sich nun mehr Aes Sedai im Raum befanden. Die Amyrlin in ihrer gestreiften Stola war da und aus jeder Ajah eine Schwester, die sich neben der Amyrlin aufgereiht hatten. Alle beobachteten Nynaeve. Sie erinnerte sich an Sheriams Instruktionen, stolperte nach vorn und kniete vor der Amyrlin nieder. Sie hielt die letzte Schale, und nun go� sie sie langsam �ber Nynaeves Kopf aus.</p><p>�Ihr seid gereinigt von Nynaeve al'Meara aus Emondsfeld. Ihr seid gereinigt von allen Bindungen an die Welt. Ihr kommt zu uns gewaschen und rein in Herz und Seele. Ihr seid Nynaeve al'Meara, eine Aufgenommene in der Wei�en Burg.� Sie gab die Schale an eine der Schwestern weiter und zog Nynaeve auf die Beine. �Ihr seid jetzt vor uns versiegelt.�</p><p>In den Augen der Amyrlin schien es dunkel zu gl�hen. Nynaeves Schaudern hatte nichts damit zu tun, da� sie nackt und na� war.</p></section><section><title><p>24</p><p>Neue Freunde und alte Feinde</p></title><p>Egwene folgte der Aufgenommenen durch die S�le der Wei�en Burg. Gobelins und Gem�lde bedeckten W�nde, die genauso wei� waren wie die Au�enmauern der Burg. Der Fu�boden war mit gemusterten Platten ausgelegt. Das wei�e Kleid der Aufgenommenen sah genauso aus wie ihres; nur am Saum und an den Manschetten befanden sich jeweils sieben d�nne Farbb�nder. Egwene runzelte die Stirn, als sie das Kleid betrachtete. Seit gestern trug auch Nynaeve das Kleid der Aufgenommenen, aber sie schien daran keine Freude zu haben, so wenig wie an dem goldenen Ring � einer Schlange, die den eigenen Schwanz fra� �, der ihren Rang anzeigte. Egwene hatte die Seherin nur ein paarmal getroffen, doch �ber Nynaeves Augen schien ein Schatten zu liegen, als habe sie Dinge gesehen, die sie von ganzem Herzen ungesehen zu machen w�nsche.</p><p>�Hier herein�, sagte die Aufgenommene kurz angebunden und deutete auf eine T�r. Sie hie� Pedra und war eine kleine drahtige Frau, ein wenig �lter als Nynaeve, und ihre Stimme klang immer so kurz angebunden. �Euch sei diese Freizeit gestattet, weil es Euer erster Tag hier ist, aber ich erwarte Euch in der Sp�lk�che, sobald der Gong die Hohe Stunde schl�gt, und keinen Augenblick sp�ter.�</p><p>Egwene knickste und streckte dem R�cken der Davonschreitenden die Zunge hinaus. Es war vielleicht nur einen Abend her, da� Sheriam ihren Namen endlich in das Novizinnenregister eingetragen hatte, aber sie war sich bereits dar�ber im klaren, da� sie Pedra nicht leiden konnte. Sie dr�ckte die T�r auf und trat ein.</p><p>Das Zimmer war einfach und klein und hatte wei�get�nchte W�nde. Drinnen befand sich eine junge Frau mit rotgoldenem, bis auf die Schultern herunterh�ngendem Haar, die auf einer der beiden harten B�nke sa�. Der Fu�boden war kahl; Novizinnen hatten nicht viel Verwendung f�r Zimmer mit Teppichen. Das M�dchen war ungef�hr in ihrem Alter, doch es lagen eine solche W�rde und Selbstsicherheit in seiner Haltung, da� es �lter wirkte. An ihr sah das einfach geschnittene Kleid der Novizinnen wie eine Robe aus. Elegant. Ja, das war es.</p><p>�Ich hei�e Elayne�, sagte sie. Sie hielt den Kopf schr�g und musterte Egwene. �Und du bist Egwene. Aus Emondsfeld in den Zwei Fl�ssen.� Sie sagte das, als habe es eine besondere Bedeutung, fuhr aber sogleich fort: �Einer neuen Novizin wird immer ein paar Tage lang eine Novizin beigegeben, die schon eine Weile hier ist, um ihr beim Zurechtfinden behilflich zu sein. Setz dich bitte.�</p><p>Egwene setzte sich auf die Bank Elayne gegen�ber. �Ich dachte, jetzt, da ich endlich Novizin bin, w�rde ich von Aes Sedai unterrichtet. Aber bisher hat mich nur Pedra gute zwei Stunden vor Tagesanbruch geweckt und die Flure fegen lassen. Sie sagt, nach dem Essen m�sse ich helfen, das Geschirr abzuwaschen.�</p><p>Elayne verzog das Gesicht. �Ich hasse das Absp�len. Ich mu�te das nie... Na ja, es spielt keine Rolle. Du wirst unterrichtet. Von jetzt an wirst du um diese Zeit jeden Tag im Unterricht sein. Vom Fr�hst�ck bis zur Hohen Stunde und dann wieder vom Mittagessen bis zur Drittstunde. Wenn du besonders schnell oder besonders langsam lernst, dann geht es vielleicht nach dem Abendessen noch weiter bis zur Vollen Stunde, aber normalerweise mu�t du zu der Zeit noch mehr Haushaltsarbeiten erledigen.� Elaynes blaue Augen blickten nachdenklich drein. �Du wurdest mit dem Talent geboren, nicht wahr?� Egwene nickte. �Ja, ich f�hlte es. Bei mir war es genauso. Es war auch angeboren. Sei nicht entt�uscht, wenn du es nicht bemerkt hast. Du wirst noch lernen, das Talent anderer Frauen zu f�hlen. Ich hatte den Vorteil, in der N�he einer Aes Sedai aufzuwachsen.�</p><p>Egwene wollte schon danach fragen � <emphasis>Wer w�chst schon in der N�he einer Aes Sedai auf?</emphasis> �, aber Elayne sprach weiter: �Und sei auch nicht entt�uscht, wenn es einige Zeit dauert, bevor du etwas zustande bringst. Mit der Einen Macht, meine ich. Selbst die einfachsten Sachen brauchen ein wenig Zeit. Geduld ist eine Tugend, die man lernen mu�.� Ihre Nase krauste sich ein wenig. �Sheriam Sedai sagt das immer, und sie tut ihr Bestes, damit wir das alle lernen. Versuch zu rennen, wenn sie sagt, du sollst gehen, und sie hat dich einen Wimpernschlag sp�ter schon in ihrem B�ro.�</p><p>�Ich habe auch schon ein paar Lektionen erhalten�, sagte Egwene und bem�hte sich, bescheiden zu klingen. Sie �ffnete sich <emphasis>Saidar</emphasis> � das war mittlerweile leichter geworden � und f�hlte, wie die W�rme ihren K�rper durchdrang. Sie beschlo�, das Gr��te zu versuchen; was sie bisher gelernt hatte. Sie streckte die Hand aus, und �ber ihr formte sich eine gl�hende Kugel aus purem Licht. Sie flackerte � sie brachte es noch nicht fertig, das Licht stetig zu halten �, aber sie war immerhin da.</p><p>Ruhig streckte auch Elayne die Hand aus, und �ber der Handfl�che erschien eine Lichtkugel. Auch sie flackerte.</p><p>Einen Moment sp�ter nahm Egwene einen schwachen Lichtschein um Elayne herum wahr. Sie schnappte nach Luft, und ihre Lichtkugel verschwand.</p><p>Elayne kicherte, und auch ihr Licht erlosch, sowohl die Kugel als auch der Schein rundum. �Du hast es gesehen, dieses Licht, das mich umgab?� fragte sie aufgeregt. �Ich habe es bei dir gesehen. Sheriam Sedai sagt, das k�me fr�her oder sp�ter. Aber dies war das erste Mal. Bei dir auch?�</p><p>Egwene nickte und schlo� sich dem Lachen des anderen M�dchens an. �Du gef�llst mir, Elayne. Ich glaube, wir werden Freundinnen.�</p><p>�Das glaube ich auch, Egwene. Du kommst von den Zwei Fl�ssen, aus Emondsfeld. Kennst du da einen Jungen namens Rand al'Thor?�</p><p>�Ich kenne ihn.� Pl�tzlich fiel Egwene eine Geschichte ein, die Rand erz�hlt und die sie nicht geglaubt hatte, wie er von einer Gartenmauer gefallen war und dort... �Du bist die Tochter-Erbin von Andor�, japste sie.</p><p>�Ja�, sagte Elayne schlicht und einfach. �Wenn Sheriam Sedai h�rt, da� ich das auch nur erw�hne, w�re ich wahrscheinlich schon in ihrem B�ro, bevor ich noch ausgesprochen h�tte.�</p><p>�Jede redet davon, in Sheriams B�ro gerufen zu werden. Sogar die Aufgenommenen. Schimpft sie so schlimm? Sie scheint mir so freundlich.�</p><p>Elayne z�gerte, und als sie dann sprach, klang es bed�chtig. Sie sah Egwene dabei nicht an. �Sie hat eine Weidenrute auf ihrem Schreibtisch. Sie sagt, wenn du nicht auf anst�ndige Weise lernst, dich an die Regeln zu halten, dann lehrt sie es dich auf andere Art. Es gibt so viele Vorschriften f�r Novizinnen, da ist es schwer, keine davon zu �bertreten�, endete sie.</p><p>�Aber das ist ja � f�rchterlich! Ich bin kein Kind und du auch nicht. Ich lasse mich doch nicht als Kind behandeln.�</p><p>�Aber wir sind Kinder. Die Aes Sedai, die vollen Schwesternstatus haben, das sind die erwachsenen Frauen. Die Aufgenommenen sind die jungen Frauen, gerade alt genug, da� ihnen nicht die ganze Zeit jemand �ber die Schulter gucken mu�. Und die Novizinnen sind die Kinder, die besch�tzt und versorgt werden, die zum Ziel geleitet werden m�ssen und die man bestraft, wenn sie unartig waren. So erkl�rt es Sheriam Sedai. Niemand wird dich deines Unterrichts wegen bestrafen, au�er du versuchst etwas, das man dir verboten hat. Manchmal ist es schwer, nichts auszuprobieren. Du wirst feststellen, da� du die Macht ben�tzen willst, genauso selbstverst�ndlich, wie du atmest. Aber wenn du zu viele Teller zerbrichst, weil du tr�umst, anstatt abzuwaschen, oder wenn du einer Aufgenommenen nicht den n�tigen Respekt zollst oder die Burg ohne Erlaubnis verl��t, oder eine Aes Sedai ansprichst, bevor sie dich anspricht, oder... Du kannst eben nur dein Bestes geben. Etwas anderes z�hlt nicht.�</p><p>�Das klingt fast so, als ob wir uns w�nschen sollen, von hier wegzugehen�, protestierte Egwene.</p><p>�Das nicht � aber auf gewisse Weise vielleicht doch. Egwene, es gibt nur vierzig Novizinnen in der Burg. Nur vierzig, und h�chstens sieben oder acht werden schlie�lich Aufgenommene. Das sind einfach nicht genug, sagt Sheriam Sedai. Sie sagt, es gibt jetzt schon nicht genug Aes Sedai, um die Aufgaben zu erf�llen, die erf�llt werden m�ssen. Aber die Burg kann und wird ihre Anspr�che nicht zur�ckschrauben. Die Aes Sedai k�nnen keine Frau zur Schwester machen, der die F�higkeiten und die Kraft und der Wille fehlen. Sie k�nnen den Ring und die Stola keiner verleihen, die die Macht nicht gen�gend sicher beherrscht oder die sich einsch�chtern l��t, oder die umkehrt, sobald Schwierigkeiten auftauchen.</p><p>Unterricht und Pr�fungen schulen das Talent, und was die Kraft und den Willen betrifft... Na ja, wenn du gehen willst, lassen sie dich gehen. Sobald du genug wei�t, da� du dort drau�en nicht gerade an deiner Unwissenheit scheiterst.�</p><p>�Ja�, sagte Egwene bed�chtig, �Sheriam hat uns etwas �hnliches erz�hlt. Ich habe allerdings nie daran gedacht, da� es zu wenig Aes Sedai geben k�nnte.�</p><p>�Sie hat eine Theorie. Wir haben die Menschheit zu sehr ausgelesen. Wei�t du, was damit gemeint ist? Wenn man alle jene Tiere aus der Herde ausschlie�t, die unerw�nschte Eigenschaften zeigen.� Egwene nickte ungeduldig. Niemand wuchs in einem Schafzuchtgebiet auf und wu�te nichts von Ausleseverfahren. �Sheriam Sedai sagt, nachdem die Roten Ajah dreitausend Jahre lang M�nner mit der F�higkeit, die Macht zu gebrauchen, verfolgt haben, z�chten wir diese F�higkeit in uns allen zur�ck. Sie verschwindet langsam. Ich w�rde das allerdings nicht in der N�he einer Roten �u�ern, wenn ich du w�re. Sheriam Sedai hat so manche Auseinandersetzung mit ihnen gehabt, und wir sind nur Novizinnen.�</p><p>�Das werde ich bestimmt nicht tun.�</p><p>Elayne schwieg und fragte dann: �Geht es Rand gut?�</p><p>Egwene f�hlte einen pl�tzlichen Stich, einen Anfall von Eifersucht � Elayne war sehr h�bsch �, aber er wurde �berlagert von einem noch st�rkeren Angstgef�hl. Sie �berflog im Geist noch einmal das wenige, was sie �ber Rands Zusammentreffen mit der Tochter-Erbin wu�te, und sie beruhigte sich: Elayne konnte auf keinen Fall wissen, da� Rand die Macht benutzte.</p><p>�Egwene?�</p><p>�Es geht ihm den Umst�nden entsprechend gut.� <emphasis>Ich hoffe, es geht ihm wirklich gut, dem wollk�pfigen Narren.</emphasis> �Als ich ihn zuletzt sah, ritt er mit einigen schienarischen Soldaten weg.�</p><p>�Schienarer! Und er sagte mir, er sei Schafhirte.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich merke, da� ich zu den unm�glichsten Zeiten an ihn denke. Elaida h�lt ihn auch auf irgendeine Art f�r wichtig. Sie hat das nicht direkt gesagt, aber sie lie� nach ihm suchen und war w�tend, als sie h�rte, da� er Caemlyn verlassen hatte.�</p><p>�Elaida?�</p><p>�Elaida Sedai. Die Ratgeberin meiner Mutter. Sie ist eine Rote, aber trotzdem scheint Mutter sie zu m�gen.�</p><p>Egwenes Mund war ziemlich trocken. <emphasis>Rote Ajah � und an Rand interessiert.</emphasis> �Ich � ich wei� nicht, wo er sich jetzt befindet. Er hat Schienar verlassen, und ich glaube nicht, da� er zur�ckkehren wollte.�</p><p>Elayne warf Egwene einen beruhigenden Blick zu. �Ich w�rde Elaida nicht sagen, wo er ist, auch wenn ich es w��te, Egwene. Er hat meines Wissens nichts B�ses getan, und ich f�rchte, sie will ihn auf irgendeine Art benutzen. Au�erdem habe ich sie seit dem Tag unserer Ankunft hier nicht mehr gesehen. Wir hatten Wei�m�ntel auf den Fersen. Sie lagern immer noch am Abhang des Drachenbergs.� Pl�tzlich sprang sie auf. �La� uns von sch�neren Dingen reden! Es sind noch zwei andere hier, die Rand kennen, und ich w�rde dich einer davon gern vorstellen.� Sie nahm Egwenes Hand und zog sie aus dem Zimmer.</p><p>�Zwei M�dchen? Rand scheint eine Menge M�dchen zu treffen.�</p><p>�Mmmmm?� Elayne zog Egwene noch weiter durch den Korridor, musterte sie aber dabei eingehend. �Ja. Na ja. Eine von ihnen ist eine faule Schlampe namens Else Grinwell. Ich glaube nicht, da� sie lange hierbleibt. Sie vernachl�ssigt ihre Pflichten und stiehlt sich immer fort, um den Beh�tern beim �ben mit ihren Schwertern zuzusehen. Sie behauptet, Rand sei mit einem Freund zum Hof ihres Vaters gekommen. Mat. Es scheint, sie haben ihr in bezug auf die Welt au�erhalb ihres Dorfs einen Floh ins Ohr gesetzt, und so rannte sie weg, um Aes Sedai zu werden.�</p><p>�M�nner�, murmelte Egwene. �Ich tanze ein paarmal mit einem netten Jungen, und Rand l�uft herum, als habe er Zahnschmerzen, aber er...� Sie brach ab, als vor ihnen ein Mann in den Gang trat. Neben ihr blieb auch Elayne stehen, und ihre Hand fa�te die Egwenes fester.</p><p>Abgesehen von seinem pl�tzlichen Auftreten war nichts Bedrohliches an ihm. Er war gro� und gutaussehend, von beinahe schon mittlerem Alter und trug sein dunkles lockiges Haar lang. Doch seine Schultern hingen herab, und in seinem Blick lag Trauer. Er bewegte sich nicht auf Egwene und Elayne zu, sondern stand einfach nur da und sah sie an, bis eine der Aufgenommenen hinter ihm erschien.</p><p>�Ihr solltet nicht hier drinnen sein�, sagte sie nicht unfreundlich zu ihm.</p><p>�Ich wollte spazierengehen.� Seine Stimme war tief und genauso traurig wie seine Augen.</p><p>�Ihr k�nnt drau�en im Garten spazierengehen, wo Ihr Euch aufhalten solltet. Der Sonnenschein wird Euch guttun.�</p><p>Der Mann lachte bitter auf. �Wo zwei oder drei von Euch jede meiner Bewegungen beobachten? Ihr habt doch nur Angst, da� ich ein Messer finden k�nnte.� Der Blick in den Augen der Aufgenommenen brachte ihn erneut zum Lachen. �F�r mich selbst, Frau. F�r mich. F�hrt mich in Euren Garten und zu Euren wachenden Augen.�</p><p>Die Aufgenommene ber�hrte leicht seinen Arm und f�hrte ihn weg.</p><p>�Logain�, sagte Elayne, als er weg war. �Der falsche Drache!�</p><p>�Er wurde der D�mpfung unterzogen, Egwene. Jetzt ist er nicht gef�hrlicher als jeder andere Mann. Aber ich erinnere mich daran � als ich ihn vorher sah �, da� sechs Aes Sedai n�tig waren, um ihn davon abzuhalten, die Macht zu ben�tzen und uns alle zu zerst�ren.� Sie schauderte.</p><p>Egwene �berlief es auch kalt. Das also w�rden die Roten auch mit Rand machen.</p><p>�M�ssen sie eigentlich immer der D�mpfung unterzogen werden?� fragte sie. Elayne sah sie mit offenem Mund an, und so f�gte sie schnell hinzu: �Ich denke nur, da� die Aes Sedai einen anderen Weg finden k�nnten, mit ihnen umzugehen. Anaiya und Moiraine sagten, da� die gr��ten Werke im Zeitalter der Legenden von M�nnern und Frauen gemeinsam mit Hilfe der Macht geschaffen wurden. Ich dachte mir daher, sie w�rden versuchen, wieder einen Weg in diese Richtung zu finden.�</p><p>�Also, la� das bitte keine Rote Schwester h�ren, auch wenn du nur laut denkst. Egwene, sie haben es versucht. Dreihundert Jahre lang, nachdem die Wei�e Burg erbaut war, haben sie es versucht. Sie gaben es auf, weil sie keinen Erfolg hatten. Komm weiter. Ich m�chte dir Min vorstellen. Aber � dem Licht sei Dank � nicht in dem Garten, in dem Logain spazierengeht.�</p><p>Der Name kam Egwene irgendwie bekannt vor, und als sie die junge Frau sah, wu�te sie auch, warum. Ein schmaler Bach flo� durch den Garten, mit einer niedrigen Steinbr�cke dar�ber, und auf der Seitenmauer der Br�cke sa� Min mit �bergeschlagenen Beinen. Sie trug hautenge M�nnerhosen und ein weites Hemd, und da ihr dunkles Haar kurzgeschnitten war, konnte man sie beinahe f�r einen Jungen halten, allerdings f�r einen ungew�hnlich h�bschen. Neben ihr auf der Br�stung lag ein grauer Mantel.</p><p>�Ich kenne dich�, sagte Egwene. �Du hast in der Schenke in Baerlon gearbeitet.� Eine leichte Brise kr�uselte das Wasser unter der Br�cke zu kleinen Wellen, und in den B�umen des Gartens sangen die Graufinken.</p><p>Min l�chelte. �Und du warst eine von denen, die uns die Schattenfreunde auf den Hals schickten, die die Schenke niederbrannten. Nein, mach dir keine Gedanken. Der Bote, der mich holen kam, brachte genug Gold mit, so da� Meister Fitch sie doppelt so gro� wieder aufbaut. Guten Morgen, Elayne. Schwitzt du nicht �ber deinen Lektionen? Oder �ber einem Stapel T�pfen?� Sie sagte es neckend, wie unter Freundinnen, was durch Elaynes L�cheln best�tigt wurde.</p><p>�Ich sehe, da� es Sheriam noch nicht fertiggebracht hat, dich in ein Kleid zu stecken.�</p><p>Mins Lachen klang frech. �Ich bin keine Novizin.� Sie sprach mit �bertrieben kieksiger Stimme. �Ja, Aes Sedai. Nein, Aes Sedai. Kann ich noch den Fu�boden kehren, Aes Sedai? Ich�, sagte sie wieder mit ihrer normalen leisen Stimme, �ziehe mich so an, wie ich will.� Sie wandte sich Egwene zu. �Geht es Rand gut?�</p><p>Egwenes Mundpartie straffte sich. <emphasis>Er sollte die H�rner eines Hammels tragen wie ein Trolloc,</emphasis> dachte sie ver�rgert. �Es tut mir leid, da� eure Schenke abbrannte, und ich bin froh, wenn Meister Fitch sie wieder aufbaut. Warum bist du nach Tar Valon gekommen? Es ist ja klar, da� du keine Aes Sedai werden willst.� Min zog eine Augenbraue hoch. Egwene war sicher, da� sie sich am�sierte. �Sie mag ihn�, erkl�rte Elayne.</p><p>�Ich wei�.� Min sah Egwene an, und f�r einen Augenblick glaubte Egwene, Traurigkeit � oder Bedauern? � in ihrem Blick zu entdecken. �Ich bin hier�, sagte Min vorsichtig, �weil man nach mir geschickt hat und mir die Wahl lie�, entweder herzureiten oder in einem Sack gebunden abtransportiert zu werden.�</p><p>�Du �bertreibst wie immer�, sagte Elayne. �Sheriam Sedai sah den Brief, und sie sagt, es sei eine Bitte gewesen. Min kann Sachen sehen, Egwene. Deshalb ist sie hier: damit die Aes Sedai herausfinden, wie sie das bewerkstelligt. Es ist nicht mit Hilfe der Macht.�</p><p>�Eine Bitte!� schnaubte Min. �Wenn eine Aes Sedai deine Anwesenheit fordert, dann ist das wie der Befehl einer K�nigin, die hundert Soldaten ausschickt, um ihn zu vollstrecken.�</p><p>�Jeder sieht Sachen�, sagte Egwene.</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf. �Nicht so wie Min. Sie sieht... eine Aura... um einen Menschen herum. Und Bilder.�</p><p>�Nicht immer�, warf Min ein. �Und nicht bei jedem.�</p><p>�Und sie kann daraus Dinge �ber dich herauslesen, obwohl ich nicht sicher bin, da� sie immer die Wahrheit sagt. Sie sagte, ich w�rde meinen Mann mit zwei anderen Frauen teilen, und das w�rde ich nie hinnehmen. Sie lacht nur und sagt, sie habe auch eine andere Vorstellung von der Ehe gehabt. Aber sie sagt auch, ich w�rde einmal K�nigin, bevor sie wu�te, wer ich war. Sie behauptet, sie habe eine Krone gesehen, und es sei die Rosenkrone von Andor gewesen.�</p><p>Unwillk�rlich fragte Egwene: �Was siehst du, wenn du mich anblickst?�</p><p>Min sah sie an. �Eine wei�e Flamme und... Ach, alle m�glichen Sachen. Ich wei� nicht, was es bedeutet.�</p><p>�Das sagt sie ziemlich oft�, meinte Elayne trocken. �Eines der Dinge, die sie bei mir gesehen haben will, ist eine abgeschlagene Hand. Nicht meine, sagt sie. Und sie behauptet auch hierbei, sie wisse nicht, was es bedeutet.�</p><p>�Weil ich es nicht wei߫, beharrte Min. �Ich wei� bei der H�lfte aller Dinge nicht, was sie bedeuten.�</p><p>Das Knirschen von Stiefeln auf dem Gartenweg schreckte sie auf. Zwei junge M�nner kamen auf sie zu. Sie trugen die Hemden und M�ntel �ber dem Arm, so da� man ihre verschwitzten Oberk�rper sah, und in den H�nden hielten sie Schwerter, die in ihren Scheiden steckten. Egwene sah sich pl�tzlich dem bestaussehenden Mann gegen�ber, den sie je erblickt hatte. Er war hochgewachsen und schlank, machte dabei einen harten Eindruck und bewegte sich mit der Grazie einer Raubkatze. Ihr wurde pl�tzlich klar, da� er sich �ber ihre Hand beugte � sie hatte noch nicht einmal bemerkt, da� er ihre Hand genommen hatte �, und sie suchte im Geist nach dem Namen, den sie geh�rt hatte.</p><p>�Galad�, murmelte sie. Seine dunklen Augen blickten in ihre Augen. Er war �lter als sie. �lter als Rand. Beim Gedanken an Rand zuckte sie zusammen und fing sich wieder.</p><p>�Und ich bin Gawyn� � der andere junge Mann grinste offen �, �da ich nicht glaube, da� Ihr beim erstenmal hingeh�rt habt.� Min l�chelte auch, und nur Elayne runzelte die Stirn.</p><p>Egwene erinnerte sich pl�tzlich an ihre Hand, die Galad immer noch hielt, und sie zog sie zur�ck.</p><p>�Falls es Eure Pflichten gestatten�, sagte Galad, �s�he ich Euch gern wieder, Egwene. Wir k�nnten spazierengehen oder, falls Ihr die Erlaubnis bekommt, die Burg zu verlassen, k�nnten wir au�erhalb der Stadt ein Picknick machen.�</p><p>�Das � das w�re nett.� Min und Gawyn l�chelten immer noch sp�ttisch, und Elayne trug ein finsteres Gesicht zur Schau. So bem�hte sie sich, an Rand zu denken, um wieder Ruhe zu finden. <emphasis>Er ist so... sch�n.</emphasis> Sie fuhr zusammen, weil sie schon bef�rchtete, laut gesprochen zu haben.</p><p>�Bis dann.� Galad sah endlich weg. Er verbeugte sich vor Elayne. �Schwester.� Geschmeidig wie eine Klinge schlenderte er �ber die Br�cke davon. �Der da�, murmelte Min, die ihm nachblickte, �wird immer das tun, was richtig ist, ganz gleichg�ltig, wen er damit auch verletzt.�</p><p>�Schwester?� fragte Egwene. Elaynes finstere Miene hatte sich nur wenig erhellt. �Ich dachte, er sei dein... Ich meine, so finster, wie du dreinschaust... � Sie hatte geglaubt, Elayne sei eifers�chtig, und war sich auch jetzt nicht sicher.</p><p>�Ich bin nicht seine Schwester�, sagte Elayne mit fester Stimme. �Ich weigere mich, seine Schwester zu sein.�</p><p>�Unser Vater war auch sein Vater�, sagte Gawyn trocken. �Das kannst du nicht leugnen, es sei denn, du willst unsere Mutter eine L�gnerin nennen, und dazu geh�rt denn doch mehr Unverfrorenheit, als wir zusammen besitzen.�</p><p>Erst jetzt bemerkte Egwene, da� er das gleiche rotgoldene Haar hatte wie Elayne, wenn auch vom Schwei� dunkel und verklebt.</p><p>�Min hat recht�, sagte Elayne. �Galad hat auch nicht die geringsten menschlichen Z�ge an sich. Er stellt das Recht �ber die Gnade, �ber das Mitleid und... Er ist nicht menschlicher als ein Trolloc.�</p><p>Gawyns L�cheln kehrte zur�ck. �Ich wei� nicht. Wenn ich daran denke, wie er Egwene angesehen hat... �</p><p>Er fing sich von ihr und seiner Schwester entsprechende Blicke ein und ri� rasch die H�nde hoch, als wolle er sich mit seinem in der Scheide steckenden Schwert sch�tzen. �Au�erdem hat er ein Geschick mit dem Schwert, wie ich es noch nie gesehen habe. Die Beh�ter m�ssen ihm alles nur ein einziges Mal zeigen, und er kann es schon. Ich schwitze mich beinahe zu Tode, um halb soviel zu lernen, wie Galad wie von selbst zufliegt.�</p><p>�Und es gen�gt, mit einem Schwert gut umgehen zu k�nnen?� schnaubte Elayne. �M�nner! Egwene, wie du bemerkt haben d�rftest, ist dieser schandbar unbekleidete Tolpatsch mein Bruder. Gawyn, Egwene kennt Rand al'Thor. Sie kommt aus dem gleichen Dorf.�</p><p>�Tats�chlich? Wurde er wirklich in den Zwei Fl�ssen geboren, Egwene?�</p><p>Egwene zwang sich, ruhig zu nicken. <emphasis>Wieviel wei� er?</emphasis> �Nat�rlich. Ich bin mit ihm aufgewachsen.�</p><p>�Klar�, meinte Gawyn bed�chtig. �Was f�r ein eigenartiger Bursche. Schafhirte sei er, hat er behauptet, aber er sah nicht aus und handelte auch nicht wie ein Schafhirte. Eigenartig. Ich habe alle m�glichen Leute kennengelernt, und sie wiederum haben Rand al'Thor irgendwann einmal getroffen. Einige kennen nicht einmal seinen Namen, aber der Beschreibung nach kann es kein anderer gewesen sein, und er hat das Leben jedes einzelnen ver�ndert. Da gab es einen alten Bauern, der nach Caemlyn kam, nur um Logain auf seinem Weg hierher zu sehen. Und doch blieb der Bauer und stand auf Mutters Seite, als die Unruhen ausbrachen. Und warum?</p><p>Weil ein junger Mann auf dem Weg in die weite Welt ihn davon �berzeugte, da� das Leben mehr zu bieten hat als einen Bauernhof. Rand al'Thor. Man k�nnte beinahe glauben, er sei <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Elaida ist ganz offensichtlich an ihm interessiert. Ich frage mich, ob das Zusammentreffen mit ihm auch unsere Leben im Muster verschieben wird.�</p><p>Egwene sah Elayne und Min an. Sie hatten bestimmt keinen Hinweis darauf, da� Rand wirklich <emphasis>Ta'veren</emphasis> war. Sie selbst hatte eigentlich nie dar�ber nachgedacht; er war eben Rand und war mit dem Talent verflucht, die Macht lenken zu k�nnen. Aber <emphasis>Ta'veren</emphasis> beeinflu�ten das Schicksal anderer Menschen, ob diese das wollten oder nicht. �Ich mag euch wirklich�, sagte sie pl�tzlich und schlo� beide M�dchen mit ein. �Ich m�chte eure Freundin sein.�</p><p>�Und ich m�chte deine Freundin sein�, sagte Elayne.</p><p>Impulsiv nahm Egwene sie in die Arme, und dann h�pfte Min herunter, und so standen sie alle drei auf der Br�cke und umarmten sich gegenseitig.</p><p>�Uns drei verbindet tats�chlich einiges�, sagte Min, �und wir lassen keinen Mann zwischen uns treten. Nicht einmal ihn.�</p><p>�W�re eine von euch vielleicht so nett, mir zu erkl�ren, was das alles soll?� bohrte Gawyn sanft.</p><p>�Das kannst du nicht verstehen�, sagte seine Schwester, und dann sch�ttelten sich die drei M�dchen vor Kichern.</p><p>Gawyn kratzte sich am Kopf und sch�ttelte ihn anschlie�end. �Also, wenn es etwas mit Rand al'Thor zu tun hat, dann vergewissert euch bitte, da� Elaida nichts davon erf�hrt. Sie hat mich dreimal seit unserer Ankunft wie ein Folterknecht der Wei�m�ntel verh�rt. Ich glaube nicht, da� sie ihm wohl... � Er fuhr zusammen. Eine Frau kam durch den Garten geschritten; eine Frau, die eine Stola mit roten Fransen trug. �Nenn den Dunklen K�nig beim Namen�, zitierte er, �und er erscheint. Ich brauche keinen weiteren Vortrag dar�ber, da� ich mein Hemd anziehen soll, wenn ich mich au�erhalb des �bungsgel�ndes befinde. Einen guten Morgen euch allen.�</p><p>Elaida sah dem sich entfernenden Gawyn nach, als sie die Br�cke erreichte. Sie ist zwar nicht sch�n, sieht aber doch ganz passabel aus, dachte sich Egwene. Doch das alterslose Aussehen zeigte genau wie die Stola, wer sie war. Nur den ganz neuen Schwestern sah man das noch nicht an. Als ihr Blick Egwene streifte und einen Moment an ihr h�ngenblieb, bemerkte Egwene pl�tzlich eine innere H�rte an der Aes Sedai. Sie hatte Moiraine schon immer f�r stark gehalten, wie Stahl unter Seide, aber bei Elaida war die Seide nicht mehr vorhanden.</p><p>�Elaida�, sagte Elayne, �das ist Egwene. Auch sie wurde mit dem Talent geboren. Und sie hat auch schon Unterricht erhalten, deshalb ist sie ungef�hr so weit wie ich. Elaida?�</p><p>Das Gesicht der Aes Sedai war ausdruckslos. �In Caemlyn, Kind, bin ich die Ratgeberin deiner Mutter, der K�nigin, aber hier befinden wir uns in der Wei�en Burg, und du bist Novizin.� Min machte Anstalten zu gehen, aber Elaida hielt sie zur�ck mit den scharfen Worten: �Bleib hier, M�dchen! Ich will mit dir reden.�</p><p>�Ich kenne dich mein ganzes Leben lang, Elaida�, sagte Elayne ungl�ubig. �Du hast mich aufwachsen sehen und den Garten im Winter zum Bl�hen gebracht, damit ich darin spielen konnte.�</p><p>�Kind, dort warst du die Tochter-Erbin. Hier bist du eine Novizin. Das mu�t du begreifen. Eines Tages wirst du gro� sein, aber bis dahin mu�t du viel lernen!�</p><p>�Ja, Aes Sedai.�</p><p>Egwene war erstaunt. Wenn sie jemand vor anderen so heruntergeputzt h�tte, w�re sie w�tend gewesen.</p><p>�Jetzt fort mit euch beiden!� Ein Gong ert�nte mit vollem sch�nen Klang, und Elaida hielt den Kopf schief. Die Sonne stand auf halbem Weg zu ihrem H�chststand. �Die Hohe Stunde�, sagte Elaida. �Ihr m��t euch beeilen, wenn ihr nicht noch mehr Schelte einstecken wollt. Und, Elayne? Geh nach der Arbeit ins B�ro der Oberin. Eine Novizin spricht keine Aes Sedai ungebeten an. Lauft, ihr beiden! Ihr werdet zu sp�t kommen. Lauft!�</p><p>Sie hoben ihre R�cke und rannten los. Egwene betrachtete Elayne w�hrend des Rennens. Auf Elaynes Wangen zeigten sich zwei rote Flecke, und ihr Blick war sehr entschlossen.</p><p>�Ich werde auch eine Aes Sedai�, sagte Elayne leise, und es klang wie eine Drohung.</p><p>Hinter ihnen h�rte Egwene Elaida beginnen: �Man hat mir zu verstehen gegeben, M�dchen, da� Ihr von Moiraine Sedai hierhergebracht wurdet.�</p><p>Sie w�re gern geblieben und h�tte gelauscht, um zu erfahren, ob Elaida sie �ber Rand aushorchen wollte, aber durch die ganze Burg hallte der Gongschlag zur Hohen Stunde, und sie mu�te mit ihrer Arbeit beginnen. So lief sie dem Befehl entsprechend weiter.</p><p>�Ich werde auch eine Aes Sedai�, grollte sie. Elayne l�chelte ihr kurz und verst�ndnisvoll zu, und sie liefen noch schneller.</p><p>Mins Hemd klebte ihr am K�rper, als sie schlie�lich die Br�cke verlie�. Es war kein durch die Sonne hervorgerufener Schwei�, sondern r�hrte von der Hitze der Fragen Elaidas her. Sie sah sich um, weil sie nicht sicher war, ob die Aes Sedai ihr folgte, aber Elaida war nirgends zu sehen.</p><p>Woher wu�te Elaida, da� Moiraine sie herbeigerufen hatte? Min war sicher gewesen, da� dieses Geheimnis allein ihr selbst, Moiraine und Sheriam bekannt sei. Und dann all die Fragen �ber Rand. Es war nicht leicht gewesen, mit glattem Gesicht und stetigem Blick einer Aes Sedai ins Gesicht zu l�gen, sie habe nie von ihm geh�rt und wisse nichts �ber ihn. <emphasis>Was will sie von ihm? Licht, was will eigentlich Moiraine von ihm? Was ist er? Licht, ich will keinen Mann lieben, den ich nur einmal gesehen habe, und dann auch noch einen Bauernjungen!</emphasis> �Moiraine, das Licht blende dich�, knurrte sie. �Wozu du mich auch hierhergebracht hast, komm jetzt aus deinem Versteck und sag es mir, damit ich wieder gehen kann!�</p><p>Die einzige Antwort war das s��e Lied der Graufinken. Sie verzog ihr Gesicht und ging weg, um sich irgendeinen Fleck zum Abk�hlen zu suchen.</p></section><section><title><p>25</p><p>Cairhien</p></title><p>Die Stadt Cairhien erstreckte sich �ber mehrere H�gel zum Alguenya-Flu� hin. Rand sah sie zum erstenmal von den H�geln im Norden aus, im Schein der Mittagssonne. Elricain Tavolin und die f�nfzig Soldaten kamen ihm immer noch wie eine Bewachung vor � vor allem seit sie den Gaelin auf der einzigen Br�cke �berquert hatten. Je weiter nach S�den sie ritten, desto strenger blickten sie drein. Aber Loial und Hurin k�mmerten sich nicht darum, also bem�hte er sich ebenfalls, sie zu ignorieren. Er betrachtete die Stadt. Sie war ebenso gro� wie die gr��ten, die er bisher erblickt hatte. Dickbauchige Schiffe und breite Lastk�hne f�llten den Flu�, und auf dem gegen�berliegenden Ufer standen viele gro�e Getreidesilos. Cairhien selbst schien hinter seinen hohen, grauen Mauern nach einem pr�zisen Plan erbaut. Die Mauern bildeten ein genaues Quadrat, dessen eine Seite sich genau am Flu� entlangzog. Nach einem ebenso genauen Muster erhoben sich hinter der Mauer T�rme. Sie ragten um mehr als das Zwanzigfache der Mauerh�he aus der Stadt heraus, und sogar von den fernen H�geln aus konnte Rand erkennen, da� jeder in einer stumpfen, zinnenbewehrten Spitze auslief.</p><p>Au�erhalb der Stadtmauer lag ein Gewirr von Stra�en, die sich in jedem m�glichen Winkel kreuzten und vor Menschen nur so wimmelten. Dieses Viertel erstreckte sich von Flu�ufer zu Flu�ufer. Rand wu�te von Hurin, da� man es Vortor nannte. Einst hatte man ein Marktdorf vor jedem Stadttor erbaut, doch in so vielen Jahren waren diese D�rfer zusammengewachsen. Das Durcheinander von Stra�en und Gassen hatte sich in alle m�glichen Richtungen ausgedehnt.</p><p>Als Rand und die anderen in diese ungepflasterten Stra�en hineinritten, wies Tavolin ein paar seiner Soldaten an, ihnen einen Weg durch das Gew�hl zu bahnen. Sie schrien und peitschten ihre Pferde vorw�rts, als wollten sie alle niedertrampeln, die nicht rechtzeitig aus dem Weg sprangen. Die Leute wichen ihnen aus, ohne weiter hinzuschauen; es war wohl etwas ganz Allt�gliches f�r sie. Rand mu�te aber doch l�cheln.</p><p>Die Kleidung der Leute von Vortor war meist recht sch�big, aber daf�r sehr farbig, und der ganze Ort war von derbem Leben erf�llt. Stra�enh�ndler priesen schreiend ihre Waren an, und Ladenbesitzer riefen den Leuten zu, sie sollten ihre Waren betrachten, die auf Tischen vor den L�den ausgebreitet waren. Barbiere, Obsth�ndler, Scherenschleifer, M�nner und Frauen, die hundert verschiedene Dienste und Hunderte von Waren zum Verkauf anboten, schoben sich durch die Menge. Aus mehr als einem Geb�ude erklang Musik durch den L�rm der Menge hindurch. Zuerst glaubte Rand, es seien Schenken, doch die Schilder davor zeigten ausnahmslos M�nner mit Fl�ten oder Harfen, Jongleure oder Akrobaten, und so gro� sie auch waren, wiesen sie keinerlei Fenster auf. Die meisten Geb�ude in Vortor waren aus Holz gebaut, gleich, wie gro� sie waren, und viele wirkten neu, wenn auch hastig zusammengezimmert.</p><p>Rand starrte ein paar an, die mehr als sieben Stockwerke hatten. Sie schwankten ein wenig, obwohl die hinein- und hinaushastenden Menschen das offenbar gar nicht bemerkten.</p><p>�Bauern�, knurrte Tavolin, der ver�chtlich geradeaus blickte. �Seht sie an, wie sie von ausl�ndischen Sitten verdorben wurden. Sie sollten nicht hier sein.�</p><p>�Wo sollten sie denn sein?� fragte Rand. Der Offizier aus Cairhien funkelte ihn b�se an und gab seinem Pferd die Sporen. Er hieb mit seiner Reitpeitsche in die Menge hinein.</p><p>Hurin ber�hrte Rand am Arm. �Es war der Aiel-Krieg, Lord Rand.� Er sah sich um, ob einer der Soldaten nahe genug sei, um zu lauschen. �Viele Bauern hatten Angst davor, auf ihr Land am R�ckgrat der Welt zur�ckzukehren, und so kamen sie alle hierher, wo sie wenigstens der Heimat nahe sind. Deshalb l��t Galldrian diese vielen Lastk�hne voll Getreide von Andor und Tear den Flu� heraufkommen. Es kommt kein Getreide aus dem Osten, denn dort gibt es keine Bauernh�fe mehr. Aber es ist besser, das jemandem aus Cairhien gegen�ber nicht zu erw�hnen, Lord Rand. Sie geben gern vor, den Krieg habe es nie gegeben, oder zumindest behaupten sie, sie h�tten gewonnen.�</p><p>Trotz Tavolins Reitpeitsche wurden sie zum Halten gezwungen, als eine eigenartige Prozession an ihnen vorbeikam. Ein halbes Dutzend tanzender M�nner mit Tambourinen f�hrte eine Kette von riesigen Puppen an, von denen jede die M�nner, die sie an langen Stangen hielten, noch um die H�lfte �berragte. Gigantische gekr�nte Gestalten von M�nnern und Frauen in langen, kunstvoll gewebten Roben verbeugten sich vor der Menge, umringt von phantasievollen Tierfiguren. Ein L�we mit Schwingen. Ein Bock mit zwei K�pfen, der auf den Hinterbeinen lief. Den roten B�ndern nach, die aus beiden M�ulern hingen, sollten sie wohl Feuer spucken. Etwas, das zur H�lfte Katze, zur H�lfte Adler zu sein schien, und eine andere mit dem Kopf eines B�ren auf dem K�rper eines Mannes. Rand hielt es f�r einen Trolloc. Die Menge jubelte und lachte, w�hrend sie vorbeit�nzelten.</p><p>�Der Mann, der den gemacht hat, hat noch nie einen Trolloc gesehen�, knurrte Hurin. �Der Kopf ist zu gro� und die Gestalt zu d�nn. Hat vermutlich nicht an seine Existenz geglaubt, Lord Rand, genausowenig wie bei diesen anderen Ungeheuern. Die einzigen Monster, an die die Leute von Vortor glauben, sind die Aiel.�</p><p>�Feiern sie ein Fest?� fragte Rand. Er sah keine weiteren Anzeichen daf�r als diese Prozession, aber er dachte, es m�sse ja wohl einen Grund daf�r geben. Tavolin befahl seinen Soldaten, nun endlich weiter vorzur�cken.</p><p>�Nicht mehr als jeden Tag, Rand�, sagte Loial. Wie er so neben seinem Pferd einherschritt, auf dessen Sattel die in Decken geh�llte Truhe geschnallt war, zog er die Blicke genauso an wie die Puppen. Einige lachten sogar und klatschten Beifall wie vorher f�r die riesigen Figuren. �Ich f�rchte, Galldrian stellt die Ruhe im Volk dadurch her, da� er sie Feste feiern l��t. Er gibt den Gauklern und Musikern das K�nigliche Pr�sent, eine Summe in Silber, um hier in Vortor ihre Kunst zu zeigen, und au�erdem veranstaltet er jeden Tag Pferderennen am Flu�. An vielen Abenden gibt es auch Feuerwerk.� Er klang angewidert. �Der �lteste Haman sagt, Galldrian sei eine Schande f�r Cairhien.� Er blinzelte, als ihm klar wurde, was er da gesagt hatte, und dann sah er sich schnell um, ob einer der Soldaten es geh�rt hatte. Das war aber wohl nicht der Fall gewesen.</p><p>�Feuerwerk�, sagte Hurin und nickte. �Die Feuerwerker haben sich hier ein Gildehaus gebaut wie in Tanchico, habe ich geh�rt. Ich h�tte nichts dagegen, wie damals, als ich hier war, so ein Feuerwerk zu sehen.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Er hatte noch nie ein Feuerwerk gesehen, das pr�chtig genug gewesen w�re, um auch nur die Anwesenheit eines einzigen richtigen Feuerwerkers zu verlangen. Er hatte geh�rt, da� sie Tanchico nur verlie�en, um Veranstaltungen irgendwelcher Herrscher zu beehren. Sie waren schon an einem seltsamen Ort angelangt.</p><p>Am hohen, quadratischen Stadttor befahl Tavolin einen Halt, und er stieg vor einem geduckten Steingeb�ude knapp innerhalb der Stadtmauer ab. Es hatte statt Fenstern Schie�scharten und eine schwere T�r mit Eisenstreben.</p><p>�Ein Augenblick, Lord Rand�, sagte der Offizier. Er warf seine Z�gel einem der Soldaten zu und verschwand im Geb�ude.</p><p>Rand musterte wachsam die Soldaten, die steif in zwei Reihen auf ihren Pferden sa�en. Er fragte sich, was sie wohl tun w�rden, wenn er, Loial und Hurin nun wegzureiten versuchten. Dann nutzte er die Gelegenheit, die Stadt vor ihnen genauer zu betrachten.</p><p>Das eigentliche Cairhien bildete einen scharfen Kontrast zu dem gesch�ftigen Treiben von Vortor. Breite, gepflasterte Stra�en kreuzten sich im rechten Winkel. Nur wenige Leute befanden sich darauf. Genau wie in Tremonsin hatte man die H�gel abgetragen und Terrassen angelegt, so da� die Stra�en fast gerade verlaufen konnten. Geschlossene S�nften, manche mit einem kleinen Wimpel versehen, der das Wappen eines Adelshauses zeigte, wurden zielstrebig getragen, und Kutschen rollten langsam durch die Stra�en. Die Menschen gingen schweigend in dunkler Kleidung einher. Man sah keine hellen Farben; h�chstens hier und da eine Sch�rpe auf der Brust eines Mantels oder Kleides. Je mehr Sch�rpen oder Schr�gstreifen, desto stolzer bewegte sich der Tr�ger, aber niemand lachte oder l�chelte auch nur. Die Geb�ude auf den Terrassen waren aus Stein gebaut, und alle Verzierung wies nur Geraden und rechte Winkel auf. Auf den Stra�en sah man keine H�ndler oder Bettler, und selbst die L�den schienen irgendwie dem Hintergrund angepa�t. Vor ihnen waren keine Waren ausgestellt, und die Schilder waren auch nur klein.</p><p>Er konnte nun auch die hohen T�rme klarer erkennen. Aus zusammengebundenen Stangen gebaute Ger�ste zogen sich um sie herum, und auf den Ger�sten wimmelte es von Arbeitern, die neue Steine brachten, um die T�rme noch weiter zu erh�hen.</p><p>�Die Himmelhohen T�rme von Cairhien�, murmelte Loial traurig. �Na ja, einst waren sie hoch genug, um diese Bezeichnung zu verdienen. Als die Aiel Cairhien ungef�hr zu der Zeit einnahmen, als du geboren wurdest, da brannten die T�rme und zersprangen und st�rzten ein. Ich sehe unter den Steinmetzen keine Ogier. Keinem Ogier w�rde es gefallen, hier zu arbeiten. Die Menschen von Cairhien wollen alles, was sie erbauen, ohne jede Verzierung oder Baukunst errichten. Trotzdem befanden sich Ogier hier, als ich das erste Mal in Cairhien war.�</p><p>Tavolin kam heraus, von einem anderen Offizier und zwei Beamten gefolgt, von denen der eine ein gro�es, in Holz gebundenes Hauptbuch trug und der andere ein Tablett mit Schreibutensilien. Der Vorderteil des Kopfes war auch bei diesem Offizier wie bei Tavolin kahlgeschoren, obwohl eine fortgeschrittene Glatze noch mehr daran schuld sein mochte als das Rasiermesser des Barbiers. Beide Offiziere blickten zuerst Rand an, dann die unter Loials gestreifter Decke verborgene Truhe und dann wieder Rand. Keiner von beiden fragte, was unter der Decke stecke. Tavolin hatte sie auf dem Weg von Tremonsien nach Cairhien oft angesehen, aber auch nicht danach gefragt. Der Mann mit dem lichten Haar sah auch Rands Schwert an und spitzte einen Moment lang die Lippen.</p><p>Tavolin stellte den anderen als Asan Sandair vor und verk�ndete dann laut: �Lord Rand aus dem Hause al'Thor und sein Mann Hurin, zusammen mit Loial, einem Ogier aus dem Stedding Shangtai.� Der Beamte mit dem Hauptbuch �ffnete es, wobei er es mit beiden Armen festhalten mu�te, und Sandair schrieb die Namen mit einer fein geschwungenen Schrift ein.</p><p>�Ihr m��t morgen um dieselbe Zeit zu diesem Wachhaus zur�ckkehren, Lord Rand�, sagte Sandair, der das Pudern der Schrift dem zweiten Beamten �berlie�, �und den Namen der Schenke angeben, in der Ihr wohnt.�</p><p>Rand blickte auf die ruhigen Stra�en von Cairhien und dann zur�ck zum lebhaften Treiben in Vortor. �K�nnt Ihr mir eine gute Schenke dort drau�en empfehlen?� Er nickte in Richtung Vortor.</p><p>Hurin gab ein entsetztes <emphasis>Ssssst</emphasis> von sich und beugte sich her�ber. �Das w�re nicht schicklich, Lord Rand�, fl�sterte er. �Wenn Ihr in Vortor bleibt, obwohl Ihr doch ein Lord und so seid, dann werden sie annehmen, Ihr f�hrt etwas im Schilde.�</p><p>Rand bemerkte, da� der Schn�ffler wohl recht haben mu�te. Sandairs Kinnlade hing herunter, und Tavolins Augenbrauen hatten sich bei seiner Frage hochgezogen. Beide beobachteten ihn immer noch eindringlich. Er wollte ihnen gern sagen, da� er keineswegs ihr Gro�es Spiel spielte, aber statt dessen sagte er: �Wir werden uns Zimmer in der Stadt nehmen. K�nnen wir jetzt gehen?�</p><p>�Nat�rlich, Lord Rand.� Sandair verbeugte sich.</p><p>�Aber... die Schenke?�</p><p>�Ich werde Euch wissen lassen, wenn wir eine gefunden haben.� Rand lie� den Braunen wenden, hielt ihn aber noch zur�ck. In seiner Tasche knisterte der Zettel, den ihm Selene zur�ckgelassen hatte. �Ich mu� eine junge Frau aus Cairhien finden. Lady Selene. Sie ist ungef�hr so alt wie ich und sehr sch�n. Ich wei� nicht, aus welchem Hause sie stammt.�</p><p>Sandair und Tavolin sahen sich an, und dann sagte Sandair: �Ich werde mich erkundigen, Lord Rand. Vielleicht bin ich morgen in der Lage, etwas mehr zu sagen, wenn Ihr zu mir kommt.�</p><p>Rand nickte und ritt in die Stadt, gefolgt von Hurin und Loial. Sie erregten wenig Aufmerksamkeit, obwohl man nicht viele Reiter sah. Selbst Loial wurde kaum bemerkt. Die Menschen schienen beinahe davon besessen, sich um nichts als sich selbst zu k�mmern.</p><p>�Werden sie das falsch deuten, da� ich mich nach Selene erkundigt habe?� fragte Rand Hurin.</p><p>�Wer wei� das schon in Cairhien, Lord Rand? Sie scheinen zu glauben, das alles irgendwie mit <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> zu tun hat.�</p><p>Rand zuckte die Achseln. Er hatte das Gef�hl, alle Leute s�hen ihn an. Er konnte es nicht erwarten, wieder in einem guten, einfachen Mantel zu stecken und aufh�ren zu k�nnen, etwas vorzuspiegeln, was er nicht war.</p><p>Hurin kannte mehrere Schenken in der Stadt, obwohl er die meiste Zeit in Vortor verbracht hatte. Der Schn�ffler f�hrte sie zu einer, die sich �Verteidiger der Drachenmauer� nannte. Auf dem Schild sah man einen gekr�nten Mann, der seinen Fu� auf die Brust eines anderen stellte und sein Schwert an dessen Kehle hielt. Der Bursche, der auf dem R�cken lag, hatte rotes Haar.</p><p>Ein Stallbursche kam heraus und nahm ihnen die Pferde ab. Er musterte heimlich Rand und Loial, als er glaubte, da� es niemand bemerke. Rand sagte sich, er d�rfe sich nichts einreden; nicht jeder in dieser Stadt konnte das Gro�e Spiel spielen. Und wenn, dann gehe es ihn nichts an.</p><p>Der Schankraum war sauber und ordentlich. Die Tische waren ebenso pr�zise ausgerichtet und gedeckt wie die ganze Stadt aussah, und es befanden sich nur wenige Leute darin. Sie blickten kurz auf, als die Neuank�mmlinge eintraten, aber dann sahen sie sofort wieder auf ihren Wein hinunter. Rand hatte dennoch das Gef�hl, sie beobachteten und belauschten ihn immer noch. Im gro�en Kamin brannte ein kleines Feuer, obwohl der Tag w�rmer wurde.</p><p>Der Wirt war ein molliger, schmieriger Typ, der einen einzelnen gr�nen Streifen quer �ber seinem dunkelgrauen Mantel trug. Er schreckte zuerst auf, als sie eintraten, und das �berraschte Rand nicht. Loial, der die Truhe unter der gestreiften Decke auf den Armen trug, mu�te sich ducken, um durch die T�r zu kommen, Hurin wankte unter der Last all ihrer Satteltaschen und B�ndel, und sein roter Mantel bildete einen scharfen Kontrast zu den n�chternen Farben der Kleidung der anderen G�ste an den Tischen.</p><p>Der Wirt nahm Rands Mantel und Schwert wahr, und sein �liges L�cheln kehrte zur�ck. Er verbeugte sich und rieb sich die glatten H�nde. �Vergebt mir, Lord. Ich habe Euch nur einen Moment f�r einen... vergebt mir. Mein Gehirn ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Ihr w�nscht Zimmer, Lord?� Er f�gte eine weitere nicht so tiefe Verbeugung f�r Loial hinzu. �Ich hei�e Cuale, Lord.�</p><p><emphasis>Er glaubte, ich sei ein Aielmann,</emphasis> dachte Rand mi�vergn�gt. Er w�nschte sich aus Cairhien weg. Aber es war der einzige Ort, an dem Ingtar sie finden konnte. Und Selene hatte geschrieben, sie w�rde in Cairhien auf ihn warten.</p><p>Es dauerte ein wenig, bis ihre Zimmer gerichtet waren. Cuale erkl�rte unter �bertriebenem L�cheln und vielen Verbeugungen, da� es notwendig sei, ein Bett f�r Loial aus einem anderen Raum herzuschaffen. Rand wollte, da� sie alle wieder ein Zimmer teilten, doch unter dem entsetzten Blick des Wirts und dem eindringlichen Protest Hurins � �Wir m�ssen den Leuten von Cairhien beweisen, da� wir genausogut wissen, was sich schickt, wie sie, Lord Rand� � nahmen sie schlie�lich zwei Zimmer � eines davon f�r ihn allein � mit einer Verbindungst�r.</p><p>Die Zimmer �hnelten sich sehr, bis auf die Tatsache, da� in ihrem zwei Betten standen, eines davon gro� genug f�r einen Ogier, w�hrend in seinem nur ein Bett stand, das aber beinahe genauso gro� war wie die beiden anderen zusammen, mit seinen massiven Bettpfosten, die fast bis an die Decke reichten. Sein hochlehniger Polsterstuhl und das Waschtischchen waren viereckig und ebenfalls massiv gebaut. Der Kleiderschrank an der einen Wand wies schwerf�llige, starre Schnitzereien auf, so da� er den Eindruck erweckte, er k�nne jeden Moment umkippen und auf ihn fallen. Aus einem Doppelfenster neben dem Bett konnte er auf die Stra�e zwei Stockwerke unter ihm blicken.</p><p>Sobald der Wirt gegangen war, �ffnete Rand die T�r und lie� Loial und Hurin in sein Zimmer. �Dieser Ort nagt irgendwie an mir�, sagte er ihnen. �Jeder schaut einen an, als glaube er, man f�hre etwas im Schilde. Ich gehe zur�ck nach Vortor, jedenfalls zumindest eine Stunde lang. Dort lachen die Leute wenigstens. Wer von euch ist bereit, die erste Wache beim Horn zu �bernehmen?�</p><p>�Ich werde hierbleiben�, sagte Loial schnell. �Ich w�rde gern ein wenig lesen. Nur weil ich keine Ogier gesehen habe, hei�t das nicht, da� keine Steinmetzen aus dem Stedding Tsofu hier sind. Es liegt ja nicht weit von der Stadt.�</p><p>�Ich denke doch, du w�rdest sie gerne treffen.�</p><p>��h... nein, Rand. Sie haben mich das letzte Mal genug ausgequetscht, warum ich allein hier sei und so. Falls sie vom Stedding Shangtai geh�rt haben... Also, ich ruhe mich nur hier aus und lese, ja?�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Er verga� �fters, da� Loial von zu Hause weggelaufen war, um die Welt zu sehen. �Wie steht es mit dir, Hurin? Es gibt Musik in Vortor und lachende Menschen. Ich wette, dort spielt niemand <emphasis>Daes Dae'mar.�</emphasis></p><p>�Da w�re ich gar nicht so sicher, Lord Rand. Auf jeden Fall danke ich Euch f�r die Einladung, aber ich komme lieber nicht mit. Es gibt in Vortor so viele Raufereien �und auch Morde �, da� es dort stinkt, wenn Ihr versteht, was ich meine. Nicht, da� sie einen Lord angreifen werden, denn nat�rlich bek�men sie es dann mit den Soldaten zu tun. Aber wenn Ihr gestattet, m�chte ich lieber im Schankraum etwas trinken.�</p><p>�Hurin, du brauchst doch keine Erlaubnis von mir, wenn du etwas tun willst. Das wei�t du doch.�</p><p>�Wie Ihr meint, Lord Rand.� Der Schn�ffler deutete eine Verbeugung an.</p><p>Rand holte tief Luft. Wenn sie Cairhien nicht bald verlie�en, w�rde Hurin demn�chst wohl noch einen Knicks vor ihm machen. Und falls Mat und Perrin das bemerkten, w�rden sie es ihn sein Leben lang f�hlen lassen. �Ich hoffe, da� sich Ingtar durch nichts aufhalten l��t. Wenn er nicht bald kommt, m�ssen wir selbst das Horn nach Fal Dara zur�ckbringen.� Er tastete durch den Mantelstoff hindurch nach Selenes Zettel. �Wir m�ssen. Loial, ich komme rechtzeitig zur�ck, da� du auch noch etwas von der Stadt sehen kannst.�</p><p>�Das riskiere ich lieber nicht�, sagte Loial.</p><p>Hurin begleitete Rand nach unten. Sobald sie den Schankraum betraten, verbeugte sich Cuale tief vor Rand und schob ihm ein Tablett in die H�nde. Drei gefaltete und versiegelte Briefe lagen auf dem Tablett. Rand nahm sie an sich, da der Wirt das zu w�nschen schien. Sie bestanden aus sehr feinem Pergament, das sich weich und glatt anf�hlte. Teuer.</p><p>�Was ist das?� fragte er.</p><p>Cuale verbeugte sich erneut. �Einladungen nat�rlich, Lord Rand. Von dreien der Adelsh�user.� Er entfernte sich unter Verbeugungen aus Rands N�he.</p><p>�Wer schickt mir denn eine Einladung?� Rand drehte sie in der Hand um. Keiner der M�nner an den Tischen blickte auf, doch Rand hatte das Gef�hl, sie beobachteten ihn trotzdem. Er erkannte keines der Siegel. Die Mondsichel mit den Sternen, die Selene benutzt hatte, war nicht darunter. �Wer wei� �berhaupt, da� ich hier bin?�</p><p>�Mittlerweile jeder, Lord Rand�, sagte Hurin ruhig. Auch er f�hlte wachsame Blicke auf sich ruhen. �Die Torwachen halten bestimmt nicht den Mund, wenn ein ausl�ndischer Lord nach Cairhien kommt. Der Stallbursche, der Wirt... jeder erz�hlt bereitwillig, was er wei�, und zwar demjenigen, von dem er sich den meisten Nutzen verspricht, Lord Rand.�</p><p>Rand verzog das Gesicht, machte zwei Schritte und warf die Einladungen in den Kamin. Sie fingen sofort Feuer. �Ich spiele kein <emphasis>Daes Dae'mar�,</emphasis> sagte er laut genug, da� es jeder h�ren konnte. Nicht einmal Cuale sah ihn an. �Ich habe nichts mit Eurem Gro�en Spiel zu tun. Ich bin nur hier, um auf einige Freunde zu warten.�</p><p>Hurin fa�te ihn am Arm. �Bitte, Lord Rand�, fl�sterte er eindringlich. �Bitte tut so etwas nicht wieder.�</p><p>�Wieder? Glaubst du, da� ich noch mehr bekomme?�</p><p>�Da bin ich sicher. Licht, Ihr erinnert mich daran, als Teva so w�tend wurde, weil ihm eine Hornisse um die Ohren summte, da� er dem Nest einen Tritt gab. Ihr habt wahrscheinlich gerade jeden im Raum davon �berzeugt, da� Ihr ganz tief in das Spiel verwickelt seid. Es mu� schon sehr tief sein, werden sie denken, wenn Ihr abstreitet, �berhaupt zu spielen. <emphasis>Jeder</emphasis> Lord und jede Lady in Cairhien spielen mit.� Der Schn�ffler blickte auf die Einladungen hinunter, die sich schwarz im Feuer kr�mmten, und er st�hnte auf. �Und Ihr habt nun gewi� drei H�user zum Feind. Keine der gro�en H�user, denn die h�tten sich nicht so schnell ger�hrt, aber trotzdem Adelsfamilien. Ihr m��t weitere Einladungen beantworten, wenn Ihr sie erhaltet, Lord Rand. Lehnt sie ab, wenn Ihr wollt � aber sie werden aus den Einladungen, die Ihr abschlagt, ihre Schl�sse ziehen. Und aus denen, die Ihr annehmt. Nat�rlich, falls Ihr sie alle ablehnt oder alle annehmt... �</p><p>�Ich will nichts damit zu tun haben�, sagte Rand ruhig. �Wir verlassen Cairhien, sobald wir k�nnen.� Er steckte die geballten F�uste in die Manteltaschen und f�hlte, wie Selenes Zettel verknittert wurde. Also zog er ihn heraus und gl�ttete ihn an der Mantelbrust. �Sobald wir k�nnen�, murmelte er und steckte den Zettel zur�ck in die Tasche. �Trink nur jetzt etwas, Hurin.�</p><p>Er stolzierte w�tend hinaus, wobei er sich nicht sicher war, ob er auf sich selbst w�tend war oder auf Cairhien und das Gro�e Spiel oder auf Selene, weil sie verschwunden war, oder auf Moiraine. Mit ihr hatte alles begonnen, als sie seine M�ntel stehlen und ihm statt dessen die Kleider eines Lords hineinh�ngen lie�. Selbst jetzt, wo er meinte, sie los zu sein, brachte es eine Aes Sedai fertig, sich in ein Leben einzumischen, und das, ohne �berhaupt anwesend zu sein.</p><p>Er ging durch das gleiche Tor zur�ck, durch das sie die Stadt betreten hatten, denn den Weg kannte er wenigstens. Ein Mann, der vor dem Wachhaus stand, bemerkte ihn �mit seinem leuchtenden Mantel und seiner Gr��e hob er sich von den Leuten aus Cairhien ab � und eilte hinein, doch Rand merkte nichts davon. Das Gel�chter und die Musik von Vortor zogen ihn an.</p><p>Innerhalb der Mauer war er durch seinen goldbestickten roten Mantel aufgefallen, aber zu Vortor pa�te er genau. Viele der M�nner, die sich durch die belebten Stra�en schoben, trugen die gleiche dunkle Kleidung wie in der Stadt, aber mindestens ebensoviele hatten rote, blaue, gr�ne oder goldfarbene M�ntel an, manchmal bunt genug, um zu einem Kesselflicker zu passen, und ein noch h�herer Anteil der Frauen trug bestickte Kleider und bunte Schals oder Schultert�cher. Die meisten dieser Festtagskleider waren allerdings zerknittert und sa�en schlecht, als seien sie f�r jemand anderes angefertigt worden, aber falls einige Tr�ger solcher Kleider seinen feinen Mantel bemerkten, so nahmen sie es gleichm�tig hin.</p><p>Einmal mu�te er stehenbleiben und eine weitere Prozession riesiger Puppen an sich vorbei ziehen lassen. W�hrend die Trommler ihre Tambourine schlugen und tanzten, k�mpfte ein schweinsgesichtiger Trolloc gegen einen Mann mit Krone. Nach ein paar planlosen Schwerthieben brach der Trolloc zusammen, und die Zuschauer lachten und jubelten.</p><p>Rand knurrte. <emphasis>Sie sterben nicht ganz so leicht.</emphasis> Er blieb stehen, um durch die T�r eines dieser gro�en, fensterlosen Geb�ude zu sp�hen. Zu seiner �berraschung schien sich darin nur ein einziger, riesiger Saal zu befinden, der in der Mitte kein Dach hatte und von Balkonen umgeben war. An einem Ende befand sich ein gro�er Podest. Er hatte noch nie etwas �hnliches gesehen oder auch nur davon geh�rt. Auf den Balkonen und unten im Saal dr�ngten sich die Menschen, um die Vorf�hrungen auf dem Podest zu verfolgen. Als er an anderen gleichartigen Geb�uden vorbeikam, warf er ebenfalls einen Blick hinein und sah Jongleure und Musikanten, unz�hlige Akrobaten und sogar einen Gaukler mit seinem Flickenumhang, der eine Geschichte aus der <emphasis>Wilden Jagd nach dem Horn</emphasis> in vollt�nendem Hochgesang deklamierte.</p><p>Dabei mu�te er an Thom Merrilin denken, und er eilte weiter. Die Erinnerungen an Thom waren immer traurig. Thom war ein Freund gewesen. Ein Freund, der f�r ihn gestorben war. <emphasis>Und ich rannte weg und lie� ihn sterben.</emphasis> In einem anderen der gro�en Bauten lie� eine Frau in wallenden wei�en Gew�ndern Dinge aus einem Korb verschwinden, und die tauchten dann in einem anderen Korb wieder auf und verschwanden schlie�lich in einer Rauchwolke aus ihren H�nden. Die Zuschauermenge gab laute <emphasis>Aaaahs</emphasis> und <emphasis>Oooohs</emphasis> von sich.</p><p>�Zwei Kupferpfennige, guter Herr�, sagte eine kleine Ratte von Mann am Eingang. �Nur zwei Kupferpfennige, und Ihr k�nnt die Aes Sedai sehen.�</p><p>�Das glaube ich nicht.� Rand blickte die Frau dort hinten an. Eine wei�e Taube war in ihrer Hand erschienen. <emphasis>Aes Sedai?</emphasis> Er verbeugte sich kurz vor dem kleinen Mann und ging.</p><p>Er schob sich durch die Menge und fragte sich, was er wohl als n�chstes sehen w�rde, da h�rte er von einem Eingang her, �ber dem das Abzeichen eines Jongleurs angebracht war, eine tiefe Stimme, begleitet von den T�nen einer Harfe: �... kalt weht der Wind den Pa� von Shara herunter, und kalt liegt das vergessene Grab. Doch jedes Jahr zum Sonnentag erscheint �ber diesen aufgeh�uften Steinen eine einzelne Rose mit einer Kristalltr�ne wie Tau auf den Bl�tenbl�ttern. Sie wird von der sch�nen Hand Dunsinins dorthin gelegt denn sie h�lt sich an das Versprechen, das sie Rogosh Adlerauge gab.�</p><p>Die Stimme zerrte an Rand wie ein Seil. Er dr�ngte sich durch die T�r, als gerade Applaus aufbrauste.</p><p>�Zwei Kupferpfennige, guter Herr�, sagte ein Mann mit dem Gesicht einer Ratte. Er h�tte ein Zwilling des anderen sein k�nnen. �Zwei Kupferpfennige, um den... �</p><p>Rand kramte ein paar M�nzen hervor und dr�ckte sie dem Mann in die Hand. Wie bet�ubt ging er weiter und starrte den Mann an, der sich auf dem Podest vor dem Beifall seiner Zuh�rer verbeugte, in einem Arm die Harfe hielt und mit der anderen Hand seinen Flickenumhang ausbreitete, als wolle er alle Ger�usche damit auffangen. Es war ein hochgewachsener Mann, schlacksig und nicht mehr jung, mit einem Schnurrbart, der ebenso wei� war wie das Haar auf seinem Haupt. Und als er sich aufrichtete und Rand erblickte, da waren die aufgerissenen Augen blau und sahen ihn scharf an.</p><p>�Thom.� Rands Fl�stern verlor sich im L�rm der Menge.</p><p>Den Blick auf Rand gerichtet, nickte Thom Merrilin leicht in Richtung auf eine kleine T�r neben der B�hne. Dann verbeugte er sich wieder, l�chelte und badete im Applaus.</p><p>Rand k�mpfte sich zu der T�r durch und ging hinein. Er befand sich in einem engen Flur, von dem aus drei Stufen zum Podest hinauff�hrten. In der entgegengesetzten Richtung sah Rand einen Jongleur beim �ben mit bunten B�llen und sechs Akrobaten, die sich aufw�rmten.</p><p>Thom erschien auf den Stufen und hinkte herunter, als sei sein rechtes Bein ein wenig steif geworden. Er betrachtete den Jongleur und die Akrobaten, pustete ver�chtlich in seinen Schnurrbart und wandte sich Rand zu. �Alles, was sie h�ren wollen, ist <emphasis>Die Wilde Jagd nach dem Horn.</emphasis> Man sollte denken, bei den Neuigkeiten aus den Haddon-S�mpfen und aus Saldaea w�rde wenigstens einer nach dem <emphasis>Karaethon-Zyklus</emphasis> verlangen. Na ja, und wenn es nicht das ist, w�rde ich mich trotzdem selbst bezahlen, wenn ich etwas anderes erz�hlen k�nnte.� Er musterte Rand von oben nach unten. �Du siehst aus, als ginge es dir gut, Junge.� Er bef�hlte Rands Kragen und spitzte die Lippen. �Ziemlich gut.�</p><p>Rand mu�te einfach lachen. �Ich verlie� Wei�br�cke in dem sicheren Glauben, Ihr w�rt tot. Moiraine behauptete, da� Ihr noch lebt, aber ich... Licht, Thom, es ist gut, Euch wiederzusehen! Ich h�tte zur�ckgehen sollen, um Euch zu helfen.�</p><p>�Du w�rst ein gro�er Narr gewesen, wenn du das getan h�ttest, Junge. Dieser Blasse...�, er sah sich um. Niemand war nah genug, um zu lauschen, aber er senkte die Stimme trotzdem. �... interessierte sich gar nicht f�r mich. Er hinterlie� mir als kleines Geschenk ein steifes Bein und rannte dann weg, hinter dir und Mat her. Du h�ttest nichts tun k�nnen au�er sterben.� Er schwieg und blickte ihn nachdenklich an. �Moiraine hat also behauptet, da� ich noch lebe? Ist sie denn bei dir?�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Zu seiner �berraschung schien Thom entt�uscht.</p><p>�Das ist auf gewisse Art schade. Sie ist eine prachtvolle Frau, obwohl sie...� Er sprach es nicht aus. �Also war sie hinter Mat oder Perrin her. Ich werde dich nicht fragen, hinter wem. Sie waren gute Jungen, und ich will es gar nicht wissen.� Rand trat unruhig von einem Fu� auf den anderen. Er erschrak, als Thom ihn mit einem knochigen Finger fixierte. �Was ich wissen will: Hast du noch meine Harfe und die Fl�te? Ich will sie zur�ckhaben, Junge. Die ich jetzt habe, sind nicht mal gut genug f�r ein Schwein.�</p><p>�Ich habe sie, Thom. Ich werde sie Euch bringen, das verspreche ich. Ich kann nicht glauben, da� Ihr noch lebt. Und ich kann kaum glauben, da� Ihr nicht in Illian seid. Die Wilde Jagd bricht auf. Der Preis f�r die beste Erz�hlung der <emphasis>Wilden Jagd nach dem Horn!</emphasis> Ihr wolltet doch unbedingt hin.�</p><p>Thom schnaubte. �Nach Wei�br�cke? Wahrscheinlich w�rde ich sterben, wenn ich dorthin ginge. Und h�tte ich auch das Schiff erreicht, bevor es weitersegelte, w�rden Domon und seine Besatzung doch in ganz Illian herumerz�hlen, wie ich von Trollocs gejagt wurde. Falls sie den Blassen gesehen oder von ihm geh�rt haben, bevor Domon ablegen lie�... Die meisten Leute in Illian glauben, da� Trollocs und Blasse M�rchen seien, aber genug andere wollen vielleicht wissen, warum ein Mann von ihnen verfolgt wird, na ja, und dann w�re Illian kein sicheres Pflaster mehr f�r mich.�</p><p>�Thom, ich k�nnte Euch soviel erz�hlen!�</p><p>Der Gaukler schnitt ihm das Wort ab. �Sp�ter, Junge.� Er und der schmalgesichtige Mann vom Eingang blickten sich �ber den Flur hinweg b�se an. �Wenn ich nicht hinausgehe und eine weitere Geschichte erz�hle, wird er zweifellos den Jongleur hinausschicken, und die Menge wird vor Wut den Saal auseinandernehmen. Komm in die �Traube� � jenseits des Jangai Tors. Dort habe ich ein Zimmer. Jeder kann dir sagen, wo es ist. Ich bin in einer Stunde oder so dort. Sie werden sich mit einer zus�tzlichen Geschichte zufriedengeben m�ssen.� Er ging zur Treppe zur�ck und rief noch einmal nach hinten: �Und bringe meine Harfe und Fl�te mit!�</p></section><section><title><p>26</p><p>Mi�klang</p></title><p>Rand hetzte durch den Schankraum im �Verteidiger der Drachenmauer� und eilte nach oben. Er grinste, weil ihn der Wirt so �berrascht angesehen hatte. In diesem Gem�tszustand brachte ihn alles zum Grinsen. <emphasis>Thom lebt!</emphasis> Er ri� die T�r zu seinem Zimmer auf und ging geradewegs zum Kleiderschrank.</p><p>Loial und Hurin steckten vom anderen Zimmer her die K�pfe herein. Beide waren in Hemds�rmeln, und aus den Pfeifen in ihren M�ndern quollen d�nne Rauchwolken.</p><p>�Ist etwas passiert, Lord Rand?� fragte Hurin besorgt.</p><p>Rand warf sich das B�ndel aus Thoms Umhang mit den Instrumenten �ber die Schulter. �Das beste, was mir �berhaupt passieren konnte, au�er, wenn Ingtar endlich eintr�fe. Thom Merrilin lebt. Und er ist hier in Cairhien.�</p><p>�Der Gaukler, von dem du mir erz�hlt hast?� fragte Loial. �Das ist ja wunderbar, Rand. Ich w�rde ihn gern kennenlernen.�</p><p>�Dann komm mit, falls Hurin gewillt ist, eine Weile allein Wache zu halten.�</p><p>�Es wird mir ein Vergn�gen sein, Lord Rand.� Hurin nahm die Pfeife aus dem Mund. �Die Leute im Schankraum versuchten die ganze Zeit, mich auszuhorchen � nat�rlich so unauff�llig wie m�glich �, wer Ihr seid und aus welchem Grund Ihr Euch in Cairhien aufhaltet. Ich sagte ihnen, wir warteten hier auf einige Freunde, aber Menschen aus Cairhien k�nnen wohl nicht anders: Sie glaubten bestimmt, ich wolle ihnen den wirklichen Grund verschweigen.�</p><p>�La� sie doch denken, was sie wollen. Komm jetzt, Loial.�</p><p>�Ach, ich glaube, ich komme nicht mit.� Der Ogier seufzte. �Ich bleibe doch lieber hier.� Er hob ein Buch hoch, in dem ein dicker Finger als Lesezeichen steckte. �Ich kann Thom Merrilin ja ein andermal kennenlernen.�</p><p>�Loial, du kannst dich doch nicht st�ndig hier vergraben. Wir wissen nicht einmal, wie lange wir in Cairhien bleiben. Und schlie�lich haben wir keinen Ogier zu Gesicht bekommen. Und wenn schon; sie verfolgen dich doch wohl nicht, oder?�</p><p>�Nicht gerade verfolgen, aber... Rand, ich habe vielleicht doch zu �berhastet gehandelt, als ich das Stedding Shangtai verlie�. Zu Hause k�nnte ich in arge Schwierigkeiten kommen. Selbst wenn ich mit der R�ckkehr warte, bis ich so alt bin wie der �lteste Haman jetzt. Vielleicht kann ich ein verlassenes <emphasis>Stedding</emphasis> finden, um bis dahin dort zu bleiben.�</p><p>�Falls dich der �lteste Haman nicht zur�ckkehren l��t, kannst du in Emondsfeld wohnen. Das ist ein h�bscher Ort.� <emphasis>Ein sch�ner Ort.</emphasis></p><p>�Da bin ich sicher, Rand, aber das geht nicht. Siehst du... �</p><p>�Dar�ber sprechen wir, wenn es an der Zeit ist, Loial. Jetzt komm mit zu Thom.�</p><p>Der Ogier �berragte Rand noch einmal um die H�lfte, aber Rand schob ihn buchst�blich in seinen Mantel und Umhang hinein und die Treppe hinunter. Als sie durch den Schankraum trampelten, zwinkerte Rand dem Wirt zu und lachte dann �ber dessen verwirrten Blick. <emphasis>La� ihn glauben, ich sei dabei, sein blutiges Gro�es Spiel zu spielen. La� ihn glauben, was er will. Thom lebt noch.</emphasis> Als sie das Jangai-Tor in der Ostmauer der Stadt passiert hatten, schien jeder die �Traube� zu kennen. Rand und Loial fanden sich schnell zurecht. Die Stra�e war f�r Vortor sehr ruhig. Die Sonne stand bereits tief am Nachmittagshimmel.</p><p>Es war ein altes, wackliges Holzgeb�ude mit drei Stockwerken, aber der Schankraum war sauber und voll. In einer Ecke sa�en ein paar M�nner beim W�rfelspiel, und in einer anderen warfen Frauen mit Wurfpfeilen auf eine Zielscheibe. Die H�lfte sah aus wie typische Einwohner Cairhiens � schm�chtig und bla� �, aber Rand h�rte auch den andoranischen Dialekt und andere, die er nicht kannte. Aber alle trugen die Kleidung, die hier in Vortor �blich war: eine Mischung von Stilen aus einem halben Dutzend verschiedener L�ndern. Einige blickten sich um, als er mit Loial hereinkam, doch dann wandten sie sich wieder ihrer Besch�ftigung zu.</p><p>Die Wirtin war eine Frau mit genauso wei�em Haar wie Thom und einem durchdringenden Blick, mit dem sie Loial und ihn musterte. Sie stammte nicht aus Cairhien, so schlo� er aus ihrem dunklen Teint und ihrem Akzent. �Thom Merrilin? Iiia, er hat hier ein Zimmer. Die Treppe rauf, erste T�r rechts. Wahrscheinlich wird Euch Dena dort auf ihn warten lassen� � sie be�ugte Rands roten Mantel, die Reiher am hohen Kragen und die goldgestickten Zweige an den �rmeln und sein Schwert ��hoher Herr.�</p><p>Die Treppe knarrte unter Rands Stiefeln und erst recht unter denen Loials. Rand war nicht sicher, ob das Geb�ude noch viel aushalten k�nne. Er fand die richtige T�r und klopfte an. Wer wohl Dena war?</p><p>�Herein�, rief eine weibliche Stimme. �Ich kann gerade nicht aufmachen.�</p><p>Rand �ffnete z�gernd die T�r und steckte den Kopf hinein. An einer Wand stand ein gro�es, ungemachtes Bett, und der �brige Raum wurde fast ganz von zwei Kleiderschr�nken, mehreren messingbeschlagenen Truhen und Beh�ltern sowie einem Tisch und zwei Holzst�hlen ausgef�llt. Die schlanke Frau, die mit untergeschlagenem Rock im Schneidersitz auf dem Bett sa�, jonglierte gleichzeitig mit sechs bunten B�llen, die wie ein Rad durch die Luft wirbelten.</p><p>�Was immer es auch sein mag�, sagte sie, ohne den Blick von ihren B�llen zu wenden, �stellt es auf den Tisch. Thom wird bezahlen, wenn er zur�ckkommt.�</p><p>�Seid Ihr Dena?� fragte Rand.</p><p>Sie schnappte sich einen Ball nach dem anderen aus der Luft und drehte sich um, damit sie ihn ansehen konnte. Sie war nur ein paar Jahre �lter als er, h�bsch, mit der blassen Hautfarbe von Cairhien und langen, schwarzen Haaren, die ihr bis auf die Schultern reichten. �Ich kenne Euch nicht. Das ist mein Zimmer, meins und das von Thom Merrilin.�</p><p>�Die Wirtin meinte, Ihr w�rdet uns hier auf Thom warten lassen�, sagte Rand. �Falls Ihr Dena seid.�</p><p>�Uns?� Rand ging in das Zimmer hinein, so da� Loial geduckt eintreten konnte, und die Augenbrauen der jungen Frau hoben sich. �Also sind die Ogier zur�ckgekehrt. Ich bin Dena. Was wollt Ihr?� Sie betrachtete Rands Mantel so auff�llig, da� das Weglassen der Anrede �Lord� eine klare Absicht darstellte, auch wenn sich ihre Augenbrauen erneut hoben, als sie die Reiher auf der Scheide und dem Schwertgriff sah.</p><p>Rand hob das B�ndel an, das er trug. �Ich habe Thoms Harfe und Fl�te zur�ckgebracht. Und ich will ihn besuchen�, f�gte er schnell hinzu, da er das Gef�hl hatte, sie wolle sie schnell wieder loswerden. �Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen.�</p><p>Sie betrachtete das B�ndel. �Thom jammert immer, da� er seine beste Fl�te und die beste Harfe verloren hat, die er je besa�. So wie er sich anstellt, k�nnte man denken, er sei Barde an einem K�nigshof. Na ja. Ihr k�nnt hier warten, aber ich mu� weiter �ben. Thom sagt, n�chste Woche wird er mich mit auftreten lassen.� Sie erhob sich grazi�s und setzte sich auf einen der beiden St�hle, wobei sie Loial bedeutete, sich aufs Bett zu setzen. �Zera w�rde Thom sechs St�hle bezahlen lassen, wenn Ihr auch nur einen davon zerbrecht, Freund Ogier.�</p><p>Rand setzte sich auf den anderen Stuhl und stellte sich und Loial vor. Der Stuhl knarrte sogar unter seinem Gewicht erb�rmlich, und er f�gte zweifelnd hinzu: �Seid Ihr Thoms Lehrling?�</p><p>Dena l�chelte leicht. �Das � k�nnte man sagen.� Sie hatte wieder zu jonglieren begonnen, und ihr Blick verfolgte die wirbelnden B�lle.</p><p>�Ich habe noch nie von einer weiblichen Gauklerin geh�rt�, sagte Loial.</p><p>�Ich bin die erste.� Aus dem gr��eren Kreis wurden zwei kleine, die sich �berschnitten. �Ich werde die ganze Welt zu sehen bekommen, bevor ich aufh�re. Thom sagt, wenn wir genug Geld haben, gehen wir nach Tear hinunter.� Sie ging dazu �ber, mit jeder Hand drei B�lle zu jonglieren. �Und dann vielleicht hinaus zu den Inseln des Meervolks. Die Atha'an Miere bezahlen Gaukler sehr gut.�</p><p>Rand sah sich in dem Raum mit all den Truhen und Beh�ltern um. Er machte nicht den Eindruck eines Raumes, den man bald wieder verlassen wollte. In einem Topf auf dem Fensterbrett wuchs sogar eine Blume. Sein Blick fiel auf das einzige gro�e Bett, auf dem Loial sa�. <emphasis>Das ist mein Zimmer, meins und das von Thom Merrilin.</emphasis> Dena sah ihn durch das gro�e Rad, das sie nun wieder jonglierte, herausfordernd an. Rand err�tete.</p><p>Er r�usperte sich. �Vielleicht sollten wir doch besser unten warten�, begann er, als sich die T�r �ffnete und Thom mit flatterndem Umhang und einem verwirrenden Durcheinander von bunten Flicken eintrat. Fl�te und Harfe hingen in ihren Beh�ltern auf seinem R�cken. Die Beh�lter waren aus r�tlichem Holz, das von der vielen Benutzung abgegriffen wirkte.</p><p>Dena lie� die B�lle unter ihrem Kleid verschwinden, rannte auf Thom zu und schlang ihm die Arme um den Hals. Sie mu�te dabei auf Zehenspitzen stehen. �Du hast mir gefehlt�, sagte sie und k��te ihn.</p><p>Der Ku� zog sich eine Weile lang hin, so da� Rand sich schon fragte, ob er und Loial gehen sollten, aber dann lie� Dena ihre Fersen mit einem Seufzer zu Boden sinken.</p><p>�Wei�t du, was dieser Idiot von Seaghan jetzt wieder getan hat, M�dchen?� sagte Thom, der auf sie heruntersehen konnte. �Er hat eine Bande von Gro�m�ulern engagiert, die sich �Schauspieler� nennen. Sie laufen herum und behaupten, Rogosh Adlerauge zu <emphasis>sein,</emphasis> und Blaes und Gaidal Cain und... Baaaah! Sie h�ngen hinter sich einen Fetzen bemalter Leinwand auf, damit die Zuschauer glauben sollen, diese Narren bef�nden sich im Thronsaal von Matuchin oder in einem Pa� der Berge des Verderbens. Ich bringe die Zuh�rer dazu, da� sie jede Flagge vor sich sehen, jede Schlacht riechen und jedes Gef�hl selbst f�hlen. Ich mache sie glauben, <emphasis>sie selbst</emphasis> seien Gaidal Cain. Seaghan wird es erleben, da� sie seinen Saal auseinandernehmen, wenn er die Bande nach mir auf die B�hne schickt.�</p><p>�Thom, wir haben Besuch. Loial, Sohn des Arent, Sohn des Halan. Oh, und einen Jungen, der sich Rand al'Thor nennt.�</p><p>Thom sah Rand �ber ihren Kopf hinweg an und runzelte die Stirn. �La� uns eine Weile allein, Dena. Hier.� Er schob ihr ein paar Silberm�nzen in die Hand. �Deine Messer sind fertig. Warum gehst du nicht und bezahlst sie Ivon?� Er streichelte ihre glatte Wange mit einem knorrigen Handr�cken. �Geh nur. Ich werde dich schon daf�r entsch�digen.�</p><p>Sie sah ihn gespielt finster an, doch dann warf sie sich den Umhang �ber und murmelte: �Ich hoffe, Ivon hat das Wechselgeld parat.�</p><p>�Eines Tages wird sie eine Bardin sein�, sagte Thom stolz, nachdem sie weg war. �Sie h�rt eine Geschichte einmal � wirklich nur einmal! �, und sie gibt sie vollst�ndig und richtig wieder; nicht nur den Text, sondern jede Einzelheit, auch den Rhythmus. Sie spielt die Harfe ausgesprochen gut, und sie hat beim ersten Mal schon besser Fl�te gespielt als du jemals.� Er stellte die h�lzernen Instrumentenk�sten auf eine der gr��eren Truhen und lie� sich auf den von ihr verlassenen Stuhl fallen. �Als ich auf dem Weg nach hier durch Caemlyn kam, sagte mir Basel Gill, du seist in Begleitung eines Ogiers weitergezogen. Unter anderen.� Er verbeugte sich in Richtung Loial und brachte es auch sitzend fertig, seinen Umhang zu spreizen. �Ich freue mich, Euch kennenzulernen, Loial, Sohn des Arent, Sohn des Halan.�</p><p>�Und ich freue mich, Euch kennenzulernen, Thom Merrilin.� Loial stand auf und verbeugte sich ebenfalls. Als er sich aufrichtete, ber�hrte sein Kopf beinahe die Decke. So setzte er sich schnell wieder. �Die junge Frau behauptete, sie wolle Gauklerin werden.�</p><p>Thoms Kopfsch�tteln wirkte entmutigend. �Das ist kein Leben f�r eine Frau. Auch kein besonders sch�nes Leben f�r einen Mann. Von Ort zu Ort wandern, von Dorf zu Dorf, sich zu fragen, wie sie dich wohl diesmal wieder zu betr�gen versuchen, die H�lfte der Zeit unsicher, woher du die n�chste Mahlzeit bekommen wirst... Nein, ich werde sie schon davon abbringen. Sie wird noch Hofbardin bei irgendeinem K�nig oder einer K�nigin, bevor es dazu kommt. Aaaah! Ihr seid nicht gekommen, um �ber Dena zu reden. Meine Instrumente, Junge. Du hast sie doch mitgebracht?�</p><p>Rand schob das B�ndel �ber den Tisch. Thom band es hastig auf, blinzelte, als er sah, da� es aus seinem alten Umhang bestand, der genauso wie sein neuer mit bunten Flicken besetzt war, und �ffnete den ledernen Fl�tenkasten. Er nickte beim Anblick der gold- und silberverzierten Fl�te.</p><p>�Nachdem wir uns trennten, habe ich meinen Unterhalt damit verdient�, sagte Rand.</p><p>�Ich wei߫, antwortete der Gaukler trocken. �Ich kehrte zum Teil in ein paar derselben Schenken ein, aber ich mu�te mich mit Jonglieren und ein paar einfachen Geschichten begn�gen, da du meine � Du hast doch die Harfe nicht ber�hrt, oder?� Er �ffnete den anderen dunklen Lederkasten und zog eine genauso mit Gold und Silber verzierte Harfe heraus. Er nahm sie wie ein Baby auf die Arme. �Deine ungeschickten Sch�ferfinger sind f�r eine Harfe nicht geeignet.�</p><p>�Ich habe sie nicht ber�hrt�, versicherte ihm Rand.</p><p>Thom zupfte an zwei Saiten und verzog das Gesicht. �Wenigstens h�ttest du sie stimmen k�nnen�, murmelte er.</p><p>Rand beugte sich �ber den Tisch zu ihm hin. �Thom, Ihr wolltet doch nach Illian gehen, um zu sehen, wie die Wilde Jagd aufbricht, und als einer der ersten eine neue Geschichte dazu erfinden, aber das ging dann nicht. Was w�rdet Ihr sagen, wenn ich Euch erz�hlte, da� Ihr immer noch daran teilhaben k�nntet? Da� Ihr eine gro�e Rolle darin spielen k�nnt?�</p><p>Loial rutschte nerv�s auf seinem Stuhl umher. �Rand, bist du sicher...?� Rand winkte ihm zu, still zu sein, und blickte weiter Thom an. Thom sah kurz den Ogier an und runzelte die Stirn. �Das kommt darauf an, welche Rolle und wie. Falls du wissen solltest, da� vielleicht einer der J�ger nach hier kommt... Ich sch�tze, sie k�nnten Illian bereits verlassen haben, aber es w�rde Wochen dauern, bis er hier ank�me, selbst wenn er den direkten Weg w�hlte. Au�erdem, warum sollte er? Ist es einer der Burschen, die gar nicht erst nach Illian zogen? Er wird nie in die Geschichten kommen, wenn er nicht den Segen erhalten hat; was er auch vollbringt.�</p><p>�Es spielt keine Rolle, ob die Jagd Illian bereits verlassen hat oder nicht.� Rand h�rte, wie Loial nach Luft schnappte. �Thom, <emphasis>wir</emphasis> haben das Horn von Valere.�</p><p>Einen Augenblick lang herrschte Totenstille. Thom beendete sie schlie�lich mit einem lauten Lachanfall. �Ihr zwei habt das Horn? Ein Sch�fer und ein bartloser Ogier haben das Horn von...� Er kr�mmte sich vor Lachen und schlug sich auf die Knie. �Das Horn von Valere!�</p><p>�Aber wir haben es wirklich�, sagte Loial ernst.</p><p>Thom holte tief Luft. Kleinere nachtr�gliche Lachanf�lle ersch�tterten ihn immer noch. �Ich wei� nicht, was Ihr gefunden habt, aber ich kann Euch in mindestens zehn Tavernen f�hren, wo Euch ein Mann erz�hlen wird, da� er einen Mann kennt, der den Mann kennt, der das Horn gefunden hat. Er wird Euch auch erz�hlen, wie das Horn gefunden wurde � solange Ihr sein Bier bezahlt. Ich kann Euch auch zu <emphasis>drei</emphasis> M�nnern f�hren, die Euch das Horn <emphasis>verkaufen</emphasis> werden, und sie werden beim Licht auf ihrer Seele schw�ren, da� es das einzige und wahre Horn von Valere ist. Es gibt in dieser Stadt sogar einen Lord, der behauptet, das Horn in seinem Herrenhaus unter Verschlu� zu haben. Er sagt, es sei ein Familienschatz, der seit der Zerst�rung von einer Generation an die n�chste weitergegeben wurde. Ich wei� nicht, ob die J�ger das Horn jemals finden werden, aber unterwegs m�ssen sie sich mit tausend L�gen herumschlagen.�</p><p>�Moiraine sagt, es sei das echte Horn�, sagte Rand.</p><p>Thoms Gel�chter brach ab. �Tats�chlich? Ich dachte, du h�ttest gesagt, sie sei nicht hier!�</p><p>�Ist sie auch nicht, Thom. Ich habe sie nicht gesehen, seit ich Fal Dara in Schienar verlassen habe, und den Monat zuvor hat sie keine zwei Worte mit mir gesprochen.� Er konnte die Bitterkeit in seiner Stimme nicht unterdr�cken. <emphasis>Und als sie schlie�lich etwas sagte, w�nschte ich mir, sie h�tte mich lieber weiterhin nicht beachtet. Ich werde nie mehr nach ihrer Pfeife tanzen. Das Licht versenge sie und alle anderen Aes Sedai.</emphasis> Aber nicht Egwene und nicht Nynaeve. Er war sich bewu�t, da� Thom ihn scharf anblickte. �Sie ist nicht hier, Thom. Ich wei� nicht, wo sie ist, und es ist mir auch ganz gleich.�</p><p>�Na ja, wenigstens bist du schlau genug, es geheim zu halten. Falls nicht, h�tte sich diese Neuigkeit bereits �ber ganz Vortor verbreitet und halb Cairhien w�rde darauf lauern, es dir wegzunehmen. Die halbe Welt.�</p><p>�O ja, wir haben es geheimgehalten, Thom. Und ich mu� es nach Fal Dara zur�ckbringen, ohne es von Schattenfreunden und anderen abgejagt zu bekommen. Das ist doch schon eine Geschichte wert, oder? Ich k�nnte einen Freund gebrauchen, der die Welt kennt. Ihr wart doch schon �berall; Ihr wi�t Dinge, die ich mir nicht einmal vorstellen kann. Loial und Hurin wissen mehr als ich, aber wir drei allein sind trotzdem in Schwierigkeiten gekommen.�</p><p>�Hurin...? Nein, sage mir nichts weiter. Ich will es nicht wissen.� Der Gaukler schob seinen Stuhl zur�ck und ging zum Fenster. Er blickte auf die Stra�e hinunter. �Das Horn von Valere. Das bedeutet: Die Letzte Schlacht ist nahe. Wer denkt schon daran? Hast du die lachenden Menschen in den Stra�en dort unten gesehen? Wenn die Getreideschiffe auch nur eine Woche lang ausbleiben, lachen sie nicht mehr. Galldrian wird glauben, sie seien alle zu Aielm�nnern geworden. Die Adligen spielen alle das Spiel der H�user, intrigieren, um dem K�nig n�herzukommen, intrigieren, um mehr Macht in die Hand zu bekommen als der K�nig, intrigieren, um Galldrian zu st�rzen und <emphasis>selbst</emphasis> K�nig zu werden. Oder K�nigin. Sie werden glauben, Tarmon Gai'don sei nur ein Schachzug in diesem Spiel.� Er wandte sich vom Fenster ab. �Ihr sprecht doch wohl nicht davon, einfach nach Schienar zu reiten und das Horn � wem? � zu �bergeben. Dem K�nig? Warum gerade Schienar? Die Sagen verbinden das Horn grunds�tzlich immer mit Illian.�</p><p>Rand sah Loial an. Die Ohren des Ogiers hingen herunter. �Schienar, weil ich wei�, wem ich es dort geben kann. Und Trollocs und Schattenfreunde sind hinter uns her.�</p><p>�Warum �berrascht mich das wohl nicht? Nein. Ich mag ja ein alter Narr sein, aber ich bin es auf meine pers�nliche Art. Der Ruhm geb�hrt dir, mein Junge.�</p><p>�Thom... �</p><p>�Nein!�</p><p>Dann herrschte Schweigen, das nur vom Knarren des Betts unter Loials Gewicht durchbrochen wurde. Schlie�lich sagte Rand: �Loial, w�rdest du bitte Thom und mich ein wenig alleinlassen? Bitte!�</p><p>Loial blickte �berrascht drein � die Haarb�schel an seinen Ohren str�ubten sich �, aber er nickte und erhob sich. �Dieses W�rfelspiel im Schankraum sah interessant aus. Vielleicht lassen sie mich mitspielen.� Thom sah Rand mi�trauisch an, als sich die T�r hinter dem Ogier schlo�.</p><p>Rand z�gerte. Es gab Dinge, �ber die er unbedingt Bescheid wissen mu�te und bei denen er sicher war, da� Thom das n�tige Wissen besa� � der Gaukler verstand offenbar eine ganze Menge von �berraschend vielen Dingen �, doch er wu�te nicht, wie er beginnen sollte. �Thom�, sagte er schlie�lich, �gibt es irgendwelche B�cher, die den <emphasis>Karaethon-Zyklus</emphasis> enthalten?� Er hatte ein besseres Gef�hl dabei, diesen Titel zu nennen, anstatt �Die Prophezeiungen des Drachen�.</p><p>�In den gro�en Bibliotheken�, sagte Thom bed�chtig. �Jede beliebige Anzahl von �bersetzungen, und hier und da findet man ihn sogar in der Alten Sprache.� Rand wollte schon fragen, ob er irgendwo ein solches Buch auftreiben k�nne, aber der Gaukler fuhr fort: �In der Alten Sprache liegt Musik, doch selbst zu viele der Adligen heutzutage haben nicht die Geduld, sie herauszuh�ren. Man erwartet von den Adligen ja, da� sie die Alte Sprache beherrschen, aber die meisten lernen gerade genug, um die zu beeindrucken, die sie nicht verstehen. �bersetzungen klingen nicht so gut, au�er solchen in Form des Hochgesangs, und da �ndert sich manchmal die Bedeutung noch st�rker als in den meisten normalen �bersetzungen. Es gibt einen Vers im Zyklus �es klingt vielleicht nicht besonders gut, wenn man es w�rtlich �bersetzt, aber die Bedeutung stimmt wenigstens �, der lautet so:</p><p><emphasis>Zweimal und wieder zweimal wird er hervorgehoben,</emphasis></p><p><emphasis>zwei Leben und zwei Tode vorgezeichnet.</emphasis></p><p><emphasis>Einmal bestimmt der Reiher seinen Weg.</emphasis></p><p><emphasis>Zum zweiten kennzeichnet der Reiher ihn als den Wahren.</emphasis></p><p><emphasis>Einmal stellt der Drache f�r die verlorene Erinnerung. Noch einmal steht der Drache f�r den Preis, den er zu zahlen hat.�</emphasis></p><p>Er streckte die Hand aus und ber�hrte die auf Rands Mantelkragen gestickten Reiher.</p><p>Einen Augenblick lang konnte Rand ihn nur mit offenem Mund anstarren, und als er etwas herausbrachte, schwankte seine Stimme. �Mit dem Schwert sind es f�nf. Knauf, Scheide und Klinge.� Er legte die Hand mit der Innenfl�che nach unten auf den Tisch, damit man das Brandzeichen nicht sehen konnte. Zum ersten Mal, seit Selenes Salbe die Wunde geheilt hatte, sp�rte er Schmerzen in der Hand. Es tat nicht arg weh, aber er wu�te, da� es vorhanden war.</p><p>�Tats�chlich?� Thom lachte hart auf. �Ein anderer Vers kommt mir dabei ins Ged�chtnis.</p><p><emphasis>Zweimal d�mmert der Tag heran, an dem sein Blut vergossen wird:</emphasis></p><p><emphasis>einmal ist es ein Tag der Trauer; einmal feiert man seine Geburt.</emphasis></p><p><emphasis>Rot auf Schwarz, so klebt des Drachen Blut am Fels von Shayol Ghul</emphasis></p><p><emphasis>und im Abgrund des Verderbens wird sein Blut die Menschen vom Schatten befreien.�</emphasis></p><p>Rand sch�ttelte ablehnend den Kopf, aber Thom schien es gar nicht zu bemerken. �Ich wei� zwar nicht, wie ein Tag zweimal herand�mmern kann, aber es ist ja wohl sowieso eine ganze Menge dabei, was keinen rechten Sinn ergibt. Der Stein von Tear wird nicht fallen, bis Callandor in der Hand des Wiedergeborenen Drachen ist, aber das Schwert, Das Man Nicht Ber�hren Kann, liegt mitten in dieser Burg � also wie kann er es dann in der Hand halten? Na ja, sei es, wie es mag. Ich denke, die Aes Sedai werden es so zu steuern versuchen, da� sich alles so genau wie m�glich gem�� den Prophezeiungen abspielt. Irgendwo im Versengten Land zu sterben w�re schon ein hoher Preis daf�r, mit ihnen zusammenzuarbeiten.�</p><p>Es kostete Rand M�he, seine Stimme ruhig klingen zu lassen, aber er schaffte es. �Keine Aes Sedai wird mich f�r irgend etwas ben�tzen. Ich habe Euch ja gesagt: Ich habe Moiraine zum letzten Mal in Schienar gesehen. Sie sagte, ich k�nne gehen, wohin ich wolle, und ich ging.�</p><p>�Und du hast jetzt �berhaupt keine Aes Sedai dabei? Wirklich keine?�</p><p>�Keine.�</p><p>Thom fuhr sich �ber die wei�en, herunterh�ngenden Schnurrbartenden. Er schien zufrieden und gleichzeitig verbl�fft. �Warum fragst du mich dann �ber die Prophezeiungen aus? Warum schickst du den Ogier weg?</p><p>�Ich... wollte ihn nicht noch nerv�ser machen. Er hat schon Angst genug wegen des Horns. Das wollte ich ja auch noch fragen: Wird das Horn in den � den Prophezeiungen erw�hnt?� Er brachte sich immer noch nicht dazu, es ganz auszusprechen. �All diese falschen Drachen, und nun wird auch noch das Horn gefunden. Jeder glaubt, das Horn von Valere diene dazu, tote Helden aus dem Grab zur�ckzurufen, damit sie in der Letzten Schlacht gegen den Dunklen K�nig k�mpfen, und der... der Wiedergeborene Drache... soll ja auch in der Letzten Schlacht gegen den Dunklen K�nig k�mpfen. Da schien mir die Frage naheliegend.�</p><p>�Das mag sein. Nicht viele wissen das von dem Wiedergeborenen Drachen � da� er in der Letzten Schlacht k�mpfen wird � oder wenn, dann glauben sie, er werde f�r den Dunklen K�nig streiten. Nicht viele lesen die Prophezeiungen, um mehr zu erfahren. Was hast du da von dem Horn erz�hlt? Man glaubt, es diene dazu...?�</p><p>�Ich habe einiges gelernt, seit wir uns trennen mu�ten, Thom. Sie werden kommen und f�r jeden k�mpfen, der das Horn bl�st, selbst f�r einen Schattenfreund.�</p><p>Buschige Augenbrauen schoben sich fast bis an Thoms Haaransatz hoch. �Also das wu�te ich noch nicht. Du hast wirklich einiges gelernt.�</p><p>�Das hei�t aber nicht, da� ich mich von der Wei�en Burg als falschen Drachen ben�tzen lassen w�rde. Ich will nichts mehr mit den Aes Sedai zu tun haben oder mit falschen Drachen oder der Macht oder...� Rand bi� sich auf die Zunge. <emphasis>Kaum regst du dich auf, schon plapperst du unkontrolliert. Narr!</emphasis> �Eine Weile lang, mein Junge, glaubte ich, du w�rst derjenige, den Moiraine sucht, und ich dachte sogar, ich wisse, warum. Wei�t du, kein Mann will von sich aus die Macht gebrauchen. Es geschieht einfach, so wie eine Krankheit. Man kann keinen Mann daf�r verantwortlich machen, da� er krank wird, selbst wenn es etwas Ansteckendes ist, das dich auch umbringen k�nnte.�</p><p>�Euer Neffe konnte die Macht lenken, nicht wahr? Ihr habt mir gesagt, Ihr h�ttet uns deshalb geholfen, weil Euer Neffe Schwierigkeiten mit der Wei�en Burg hatte und niemand da war, ihm zu helfen. Es gibt nur eine bestimmte Art von Schwierigkeiten, die man als Mann mit der Wei�en Burg haben kann.�</p><p>Thom betrachtete die Tischfl�che und sch�rzte dabei die Lippen. �Ich denke, es h�tte keinen Zweck, das abzuleugnen. Du verstehst sicher, da� ein Mann �ber so etwas nicht spricht: ein m�nnlicher Verwandter, der die Macht lenken kann. Ach! Die Roten Ajah gaben Owyn �berhaupt keine Chance. Sie unterzogen ihn einer D�mpfung, und dann starb er. Er hatte einfach nicht mehr den Willen zu leben... � Er seufzte traurig.</p><p>Rand schauderte. <emphasis>Warum hat Moiraine das nicht mit mir gemacht?</emphasis> �Eine Chance, Thom? Wollt Ihr damit sagen, es gebe einen Weg, damit fertigzuwerden? Nicht wahnsinnig zu werden? Nicht zu sterben?�</p><p>�Owyn verz�gerte es um fast drei Jahre. Er hat nie jemandem weh getan. Er ben�tzte die Macht nur, wenn es notwendig war, und auch dann nur, um seinem Dorf zu helfen. Er... � Thom hob die H�nde resignierend. �Wahrscheinlich hatte er gar keine andere Wahl. Die Leute dort, wo er wohnte, sagten mir, er habe sich schon das ganze letzte Jahr �ber eigenartig benommen. Sie wollten sich nicht weiter dazu �u�ern, und sie steinigten mich fast, als sie erfuhren, da� ich sein Onkel war. Ich denke, er wurde tats�chlich langsam wahnsinnig. Aber er war mein Blutsverwandter, Junge. Ich kann die Aes Sedai nicht gerade deswegen lieben, was sie ihm angetan haben, auch wenn sie es tun mu�ten. Wenn Moiraine dich ziehen lie�, dann bist du aus der Sache heraus.�</p><p>Rand schwieg einen Augenblick lang. <emphasis>Narr! Nat�rlich gibt es keinen Ausweg. Du wirst verr�ckt und stirbst, gleich, was du anstellst.</emphasis> Aber Ba'alzamon sagte � �Nein!� Unter Thoms forschendem Blick lief er rot an. �Ich meine... ich habe nichts mehr damit zu tun, Thom. Aber ich habe immer noch das Horn von Valere. Stellt Euch vor, Thom: das Horn von Valere! Andere Gaukler erz�hlen vielleicht Geschichten dar�ber, aber Ihr k�nntet sagen, Ihr h�ttet es selbst in H�nden gehalten!� Ihm wurde bewu�t, da� er schon wie Selene redete, aber das brachte ihn nur dazu, sich zu fragen, wo sie wohl stecken mochte. �Es gibt niemanden, den ich lieber dabei h�tte als Euch, Thom!�</p><p>Thom runzelte die Stirn, als �berlege er angestrengt, aber schlie�lich sch�ttelte er entschieden den Kopf. �Junge, ich kann dich gut genug leiden, aber du wei�t genausogut wie ich, da� ich euch vorher nur half, weil eine Aes Sedai in die Sache verwickelt war. Seaghan versucht mich nicht mehr zu betr�gen, als ich es erwarte, und wenn man noch des K�nigs Pr�sent dazu rechnet, k�nnte ich auf den D�rfern niemals genausoviel verdienen. Zu meiner gro�en �berraschung scheint Dena mich zu lieben, und � genauso �berraschend f�r mich �erwidere ich das Gef�hl. Warum sollte ich also all das aufgeben, um mich statt dessen von Trollocs und Schattenfreunden jagen zu lassen? Das Horn von Valere? O ja, es ist schon eine Versuchung, das gebe ich zu. Aber nein. Nein, ich will nicht wieder in solche Dinge verwickelt werden.�</p><p>Er beugte sich vor und nahm einen der h�lzernen Instrumentenbeh�lter, einen langen, schmalen, in die Hand. Als er ihn �ffnete, lag eine Fl�te darin, einfach gearbeitet, doch mit Silber verziert. Er schlo� den Beh�lter wieder und schob ihn �ber den Tisch. �Du brauchst sie vielleicht eines Tages wieder, um dir dein Essen zu verdienen, Junge.�</p><p>�Das kann schon sein�, sagte Rand. �Wenigstens k�nnen wir miteinander sprechen. Ich werde in... �</p><p>Der Gaukler sch�ttelte den Kopf. �Eine klare Trennung ist am besten, Junge. Wenn du herumkommst, brauchst du es gar nicht zu erw�hnen, ich habe trotzdem immer das Horn im Kopf. Aber ich will nichts damit zu tun haben. Absolut nichts!�</p><p>Nachdem Rand gegangen war, warf Thom seinen Umhang auf das Bett und setzte sich an den Tisch, die Ellenbogen auf die Tischfl�che gest�tzt. <emphasis>Das Horn von Valere. Wie konnte dieser Bauernjunge das finden...?</emphasis> Er brach diesen Gedankengang ab. Zu lange �ber das Horn nachzudenken k�nnte bedeuten, da� er mit Rand wegrannte, um es nach Schienar zu bringen. <emphasis>Das g�be eine Geschichte: das Horn von Valere, verfolgt von Trollocs und Schattenfreunden, in die Grenzlande bringen.</emphasis> Kopfsch�ttelnd erinnerte er sich Denas. Und selbst wenn sie ihn nicht geliebt h�tte, konnte man doch ein solches Talent nicht alle Tage finden. Und sie liebte ihn tats�chlich, wenn er sich auch nicht vorstellen konnte, warum. �Alter Narr�, murmelte er.</p><p>�Ja, ein alter Narr�, sagte Zera von der T�r her. Er fuhr zusammen. Er war so in Gedanken versunken gewesen, da� er nicht geh�rt hatte, wie sich die T�r �ffnete. Er kannte Zera seit Jahren, hatte sie zwischen seinen Reisen immer wieder getroffen, und sie nutzte ihre Freundschaft dazu, ihm immer wieder die Meinung zu sagen. �Ein alter Narr, der schon wieder das Spiel der H�user spielt. Wenn mich mein Geh�r nicht t�uscht, spricht dieser junge Lord mit dem Akzent von Andor. Auf jeden Fall kommt er nicht aus Cairhien. <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> ist gef�hrlich genug, auch ohne sich in die Intrigen eines ausl�ndischen Lords verwickeln zu lassen.�</p><p>Thom blinzelte �berrascht, aber dann �berlegte er, wie Rand wohl auf die anderen gewirkt haben mochte. Der Mantel war sicher fein genug gewesen f�r einen Lord. Er wurde langsam alt, wenn er solche Einzelheiten nicht mehr wahrnahm. Mit schlechtem Gewissen wurde ihm bewu�t, da� er sich �berlegt hatte, ob er Zera die Wahrheit sagen oder sie lieber bei ihrer vorgefa�ten Meinung lassen sollte. <emphasis>Es ist nur notwendig, �ber das Gro�e Spiel nachzudenken, und schon fange ich an, es zu spielen.</emphasis> �Der Junge ist Sch�fer, Zera, und kommt von den Zwei Fl�ssen.�</p><p>Sie lachte h�hnisch. �Und ich bin die K�nigin von Ghealdan. Ich sage dir, in den letzten paar Jahren ist das Spiel in Cairhien �u�erst gef�hrlich geworden. Es ist nicht so harmlos, wie du es aus Caemlyn kennst. Jetzt wird dabei auch gemordet. Wenn du nicht aufpa�t, schneidet dir eines Tages jemand die Kehle durch.�</p><p>�Ich sage dir doch, ich spiele das Gro�e Spiel l�ngst nicht mehr. Das liegt alles zwanzig Jahre oder so zur�ck.�</p><p>�Ja.� Es klang nicht, als glaube sie ihm. �Aber was auch immer, abgesehen von jungen ausl�ndischen Adligen hast du begonnen, in den Herrenh�usern der Lords aufzutreten.�</p><p>�Sie zahlen gut.�</p><p>�Und sie ben�tzen dich f�r ihre Intrigen, sobald sie einen Weg dazu gefunden haben. Sie sehen einen Mann und �berlegen, wie sie ihn ben�tzen k�nnen. Das ist f�r sie genauso nat�rlich wie das Atmen. Dieser junge Lord wird dir nicht helfen k�nnen; sie werden ihn bei lebendigem Leibe r�sten.�</p><p>Er gab es auf, sie davon �berzeugen zu wollen, da� er nichts mehr damit zu tun habe. �Bist du deshalb heraufgekommen, Zera, um mir das zu sagen?�</p><p>�Ja. H�r auf, das Gro�e Spiel mitzuspielen, Thom.</p><p>Heirate Dena. Sie nimmt dich, die N�rrin, auch wenn du knochig bist und wei�e Haare hast. Heirate sie, und vergi� diesen jungen Lord und <emphasis>Daes Dae'mar.�</emphasis></p><p>�Danke f�r den guten Rat�, sagte er trocken. <emphasis>Sie heiraten? Sie mit einem alten Ehemann belasten? Sie wird niemals Bardin werden, wenn ihr meine Vergangenheit wie ein Bleigewicht am Hals h�ngt.</emphasis> �Wenn du nichts dagegen hast, Zera, m�chte ich ein wenig allein sein. Ich werde heute nacht bei Lady Arilyn auftreten, um ihre G�ste zu unterhalten, und ich mu� mich darauf vorbereiten.�</p><p>Sie schnaubte kurz, sch�ttelte den Kopf und knallte die T�r hinter sich zu.</p><p>Thom trommelte mit den Fingern auf die Tischfl�che. Mantel oder nicht, Rand war immer noch Schafhirte. Wenn er mehr w�re, vielleicht das, was Thom einst vermutet hatte � ein Mann, der die Macht lenken konnte �, h�tte weder Moiraine noch irgendeine andere Aes Sedai ihn ohne D�mpfung herumlaufen lassen. Horn oder nicht, der Junge war nur ein Schafhirte.</p><p>�Er hat nichts mehr damit zu tun�, sagte er laut, �und ich auch nicht.�</p></section><section><title><p>27</p><p>Schatten in der Nacht</p></title><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte Loial. �Ich hatte die meiste Zeit �ber eine Gewinnstr�hne. Und dann kam Dena und spielte mit � und sie gewann alles zur�ck. Jeden Wurf. Sie sprach von einer kleinen Lektion. Was hat sie damit gemeint?�</p><p>Rand und der Ogier schritten durch die Stra�en von Vortor. Die Traube lag ein gutes St�ck hinter ihnen. Die Sonne stand tief am westlichen Himmel. Die H�lfte der roten Kugel befand sich schon unterhalb des Horizonts, und die sichtbare H�lfte warf lange Schatten �ber sie. Die Stra�e war leer bis auf eine der gro�en Puppen, einen geh�rnten Trolloc mit einem Schwert am G�rtel, der auf sie zukam. F�nf M�nner hielten die Stangen. Aus anderen Teilen Vortors konnten sie immer noch den fr�hlichen L�rm von Feiern h�ren. Dort standen die Festhallen und Tavernen. Hier waren die T�ren bereits verrammelt und die L�den vor den Fenstern verriegelt.</p><p>Rand h�rte auf, den h�lzernen Fl�tenkasten zu streicheln, und h�ngte ihn sich wieder auf den R�cken. <emphasis>Ich konnte wohl kaum von ihm erwarten, da� er alles �ber Bord wirft und mit mir kommt, aber reden k�nnte er ja wenigstens mit mir. Licht, ich w�nschte, Ingtar tauchte endlich auf.</emphasis> Er steckte die H�nde in die Taschen und f�hlte nach Selenes Zettel.</p><p>�Du glaubst doch nicht, da� sie...� Loial schwieg bedr�ckt. �Du glaubst doch nicht, da� sie gemogelt hat, oder? Alle haben gegrinst, als mache sie etwas sehr Schlaues.�</p><p>Rand zuckte die Achseln unter seinem Umhang. <emphasis>Ich mu� das Horn nehmen und gehen. Wenn wir auf Ingtar warten, kann alles m�gliche passieren. Fain kommt fr�her oder sp�ter auch hierher. Ich mu� einen Vorsprung vor ihm haben.</emphasis> Die M�nner mit der Puppe befanden sich unmittelbar vor ihnen.</p><p>�Rand�, sagte Loial pl�tzlich. �Ich glaube nicht, da� das eine... �</p><p>Pl�tzlich lie�en die M�nner ihre Stangen auf die festgetretene Stra�e fallen, und statt zusammenzubrechen, sprang der Trolloc mit ausgestreckten H�nden auf Rand zu.</p><p>Er hatte keine Zeit zum �berlegen. Der Instinkt brachte das Schwert in einem lichtschimmernden Bogen aus der Scheide heraus. �Der Mond geht �ber den Seen auf�. Der Trolloc taumelte mit einem gurgelnden Schrei zur�ck und fauchte noch, als er bereits st�rzte.</p><p>Einen Moment lang standen alle wie erfroren da. Dann blickten die M�nner � sie mu�ten ja wohl Schattenfreunde sein � von dem auf der Stra�e liegenden Trolloc zu Rand auf, der mit dem Schwert in der Hand und Loial an der Seite vor ihnen stand. Sie drehten sich um und rannten weg.</p><p>Auch Rand starrte den Trolloc an. Das Nichts hatte ihn umgeben, bevor er auch nur den Griff des Schwertes ber�hrte. <emphasis>Saidin</emphasis> leuchtete in seinem Verstand, lockte auf seine kranke Art. Mit M�he lie� er das Nichts wieder verschwinden und leckte sich die Lippen. Ohne die Leere hatte er vor Angst eine G�nsehaut. �Loial, wir m�ssen zur�ck zur Schenke. Hurin ist allein, und sie... � Er keuchte auf, als ihn ein kr�ftiger Arm in die Luft hob. Der Arm war lang genug, um seine beiden Arme wehrlos an seiner Brust festzuhalten. Eine haarige Hand ergriff seine Kehle. Er sah eine mit Hauern bewehrte Schnauze �ber seinem Kopf auftauchen. Ein fauliger Gestank stieg ihm in die Nase � teils saurer Schwei�, teils Schweinestall.</p><p>Genauso schnell, wie sie ihn gepackt hatte, wurde die Hand an seiner Kehle weggerissen. Wie bet�ubt sah Rand, da� die dicken Finger des Ogiers das Handgelenk des Trollocs umklammerten.</p><p>�Halt durch, Rand!� Loials Stimme klang gequ�lt. Die andere Hand des Ogiers kam in Sicht und packte den Arm, der Rand immer noch ein St�ck �ber dem Boden hielt. �Halt dich fest!�</p><p>Rand wurde kr�ftig durchgesch�ttelt, als Ogier und Trolloc so miteinander rangen. Pl�tzlich war er frei und fiel ein St�ck herunter. Taumelnd machte er zwei Schritte, um aus der Reichweite des Trollocs zu kommen, und drehte sich dann mit erhobenem Schwert um. Loial stand hinter dem Trolloc mit der Keilerschnauze und hielt ihm mit festem Griff an Handgelenk und Unterarm die Arme weit gespreizt auseinander. Er atmete schwer vor Anstrengung. Der Trolloc knurrte kehlig klingende Worte in der harten Trollocsprache und warf den Kopf hin und her in der Absicht, Loial mit einem der Hauer zu erwischen. Ihre Stiefel rutschten durch den Staub der Stra�e.</p><p>Rand versuchte, einen Fleck zu finden, wo er den Trolloc mit seinem Schwert durchbohren konnte, ohne Loial zu treffen, aber Ogier und Trolloc taumelten in ihrem t�dlichen Tanz so umher, da� er keine Stelle finden konnte.</p><p>Mit einem Aufgrunzen ri� der Trolloc seinen linken Arm aus der Umklammerung, aber bevor er sich vollends befreien konnte, hatte Loial von hinten seinen Hals umklammert und pre�te die Kreatur fest an sich. Der Trolloc griff nach seinem Schwert. Die sichelf�rmige Klinge hing jedoch an der falschen Seite, um sie mit der linken Hand zu ziehen. Doch ganz, ganz langsam brachte er es fertig, die Klinge St�ck f�r St�ck aus der Scheide zu ziehen. Und immer noch taumelten sie so umher, da� Rand nicht zustechen konnte, ohne Loial zu gef�hrden.</p><p><emphasis>Die Macht.</emphasis> Die k�nnte helfen. Er wu�te nicht wie, aber es schien ihm der einzige Weg. Der Trolloc hatte sein Schwert schon halb aus der Scheide. Wenn die gekr�mmte Klinge frei war, w�rde sie Loial t�ten.</p><p>Z�gernd bildete Rand das Nichts. <emphasis>Saidin</emphasis> schimmerte ihm entgegen, zog ihn in sich hinein. Verschwommen erinnerte er sich an das eine Mal, als es zu ihm gesungen hatte, aber nun zog es ihn lediglich an, wie der Duft einer Blume die Biene anzieht oder der Gestank von Abfall eine Fliege. Er �ffnete sich und fa�te danach. Es war nichts da. Er h�tte genausogut wirklich nach Licht fassen k�nnen. Der Gestank nach F�ule erfa�te ihn und beschmutzte ihn, aber in seinem Inneren ergab sich kein Strom von Energie. Von augenblicklicher Verzweiflung getrieben versuchte er es immer wieder. Und immer wieder war da nur diese Verderbnis.</p><p>Mit einem pl�tzlichen Aufb�umen warf Loial den Trolloc zur Seite, und zwar so hart, da� die Kreatur gegen die Hauswand prallte. Mit dem Kopf voran knallte er dagegen. Es gab ein deutlich vernehmbares Knacken, und dann glitt der Trolloc mit gekr�mmtem Hals zu Boden.</p><p>Loial stand da und blickte ihn schwer atmend an. Rand sah einen Augenblick lang verst�ndnislos aus der ihn umgebenden Leere hinaus, bevor ihm klar wurde, was geschehen war. Sobald es ihm klar war, lie� er Nichts und faulendes Licht fahren und eilte an Loials Seite.</p><p>�Ich habe noch nie... zuvor get�tet, Rand.� Loial atmete zittrig ein.</p><p>�Er h�tte dich get�tet, wenn du ihm nicht zuvorgekommen w�rst�, sagte Rand zu ihm. Nerv�s sah er sich um: dunkle Gassen, Fenster mit geschlossenen L�den und verriegelte T�ren. Wo sich zwei Trollocs befanden, steckten bestimmt noch mehr. �Es tut mir leid, da� du das tun mu�test, Loial, aber er h�tte uns beide get�tet oder noch Schlimmeres... �</p><p>�Ich wei�. Aber es gef�llt mir trotzdem nicht. Selbst wenn es ein Trolloc ist.� Der Ogier deutete auf die untergehende Sonne und packte dann Rand am Arm. �Da ist noch einer von ihnen.�</p><p>Rand mu�te gegen die Sonne sehen und konnte deshalb keine Einzelheiten erkennen, aber eine andere Gruppe von M�nnern mit einer riesigen Puppe schien sich Loial und ihm zu n�hern. Nun wu�te er aber, worauf er achten mu�te. Die �Puppe� bewegte ihre Beine zu nat�rlich, und der Tierkopf hob sich und witterte, ohne da� jemand eine Stange bewegte. Er glaubte nicht, da� ihn die Schattenfreunde und der Trolloc in den tiefen, abendlichen Schatten erkennen konnten, genausowenig wie das, was neben ihnen auf der Stra�e lag � daf�r bewegten sie sich zu langsam. Doch es war klar, da� sie suchten und n�her kamen.</p><p>�Fain wei�, da� ich irgendwo hier drau�en bin�, sagte er und wischte schnell sein Schwert am Mantel des toten Trollocs ab. �Er hat sie geschickt, um mich aufzusp�ren. Er will aber nicht, da� die Trollocs als solche erkannt werden, sonst h�tte er sie nicht so verkleidet. Wenn wir eine belebte Stra�e finden, sind wir in Sicherheit. Wir m�ssen zur�ck zu Hurin. Falls Fain ihn allein beim Horn findet... �</p><p>Er zog Loial mit sich zur n�chsten Ecke und wandte sich den Ger�uschen von Musik und Gel�chter zu, doch lange bevor sie die Quelle des fr�hlichen L�rms erreicht hatten, erschien eine weitere Gruppe von M�nnern mit einer Puppe, die keine war, auf der ansonsten leeren Stra�e vor ihnen. Rand und Loial bogen um die n�chste Ecke. Die Stra�e f�hrte nach Osten.</p><p>Jedesmal, wenn Rand versuchte, Musik und Gel�chter zu erreichen, versperrte ihm ein Trolloc den Weg. Oft schnupperten sie in die Luft, um eine Witterung von ihm einzufangen. Einige Trollocs pflegten auf diese Art zu jagen. Manchmal ging auch ein Trolloc ohne Tarnung einher, wo keine Augen waren, ihn zu ersp�hen. Mehr als einmal war Rand sicher, da� er diesen Trolloc bereits vorher gesehen hatte. Der Kreis um ihn herum wurde enger. Sie wollten sichergehen, da� er und Loial die verlassenen Stra�en mit ihren verrammelten T�ren und Fenstern nicht verlie�en. Langsam wurden die beiden nach Osten getrieben, weg von der Stadt und von Hurin, weg von den anderen Menschen, durch enge, d�stere Gassen, deren Gewirr sich nach allen Seiten erstreckte, h�gelab und h�gelan. Rand betrachtete die H�user, an denen sie vorbeikamen � hohe Geb�ude, die zur Nacht geschlossen waren �, mit gr��tem Bedauern. Selbst wenn er an eine T�r pochte, bis jemand �ffnete, und selbst wenn sie Loial und ihn einlie�en � keine der T�ren, die er da sah, w�rde einen Trolloc aufhalten. Er w�rde ihnen auf die Art nur au�er Loial und ihm selbst weitere Opfer anbieten.</p><p>�Rand�, sagte Loial schlie�lich, �jetzt sind wir am Ende angelangt.�</p><p>Sie hatten die Ostgrenze von Vortor erreicht; die hohen Geb�ude zu beiden Seiten waren die letzten im Ort.</p><p>Lichter in den oberen Fenstern verh�hnten sie, aber in den unteren Stockwerken waren die Fenster dicht verrammelt. Vor ihnen lagen die in D�mmerung geh�llten H�gel. Nicht einmal ein Bauernhaus war dort zu sehen. Allerdings � ganz unbewohnt waren sie nicht. Auf einem der gr��eren H�gel konnte er blasse Mauern erkennen, vielleicht eine Meile weit entfernt, und dahinter Geb�ude.</p><p>�Wenn sie uns einmal dort drau�en haben�, sagte Loial, �brauchen sie sich nicht mehr darum zu scheren, wer sie sieht.�</p><p>Rand deutete auf die Mauern um den H�gel. �Die sollten auch einen Trolloc aufhalten. Das mu� das Herrenhaus eines Lords sein. Vielleicht lassen sie uns ein. Einen Ogier und einen ausl�ndischen Lord? Der Mantel mu� doch endlich mal f�r etwas gut sein!� Er blickte die Stra�e hinter ihnen hinunter. Noch kein Trolloc in Sicht, aber trotzdem zog er Loial um die Ecke des Geb�udes an ihrer Seite.</p><p>�Ich glaube, das ist das Zunfthaus der Feuerwerker, Rand. Die Feuerwerker h�ten ihre Geheimnisse sorgf�ltig. Ich glaube nicht, da� sie selbst Galldrian hineinlassen w�rden.�</p><p>�In welches Fettn�pfchen bist du nun wieder getappt?� fragte eine vertraute Frauenstimme. Pl�tzlich lag ein gewisses Parf�m in der Luft.</p><p>Rand blieb der Mund offen stehen: Selene kam um die Ecke, von der sie beide gerade hergekommen waren. Ihr wei�es Kleid schimmerte hell in der D�mmerung. �Wie bist du denn hierhergekommen? Was machst du hier? Du mu�t sofort weg! Renn! Hinter uns sind Trollocs her!�</p><p>�Das habe ich gesehen.� Ihre Stimme klang trocken, k�hl und beherrscht. �Ich habe dich gesucht, und du l��t dich von Trollocs wie ein Schaf in den Pferch treiben.</p><p>Kann sich der Mann so behandeln lassen, der das Horn von Valere besitzt?�</p><p>�Ich habe es nicht bei mir�, fauchte er, �und ich wei� auch nicht, wie es mir helfen k�nnte. Die toten Helden kommen wohl kaum zur�ck, um mich vor Trollocs zu retten. Selene, du mu�t weg! Sofort!� Er sp�hte um die Ecke.</p><p>Keine hundert Schritt entfernt steckte ein Trolloc vorsichtig den geh�rnten Kopf um eine andere Ecke und witterte in den Abend hinein. Der gro�e Schatten an seiner Seite mu�te von einem weiteren Trolloc stammen. Und dann waren da auch noch kleinere Schatten. Schattenfreunde.</p><p>�Zu sp�t�, murmelte Rand. Er schob den Fl�tenkasten zur Seite, zog den Umhang aus und legte ihn ihr um die Schultern. Er war lang genug, um ihr wei�es Kleid ganz zu verdecken und noch �ber den Boden zu schleifen. �Du mu�t ihn hochheben, damit du rennen kannst�, sagte er ihr. �Loial, wenn sie uns nicht hineinlassen, m�ssen wir eine M�glichkeit finden, uns hineinzuschleichen.�</p><p>�Aber, Rand... �</p><p>�Willst du lieber auf die Trollocs warten?� Er gab Loial einen sanften Sto�, damit er loslief, und fa�te Selenes Hand, um Loial hinterherzurennen. �Such uns einen Weg, auf dem wir uns nicht gerade den Hals brechen, Loial.�</p><p>�Du regst dich viel zu sehr auf�, sagte Selene. Es schien ihr leichter zu fallen, Loial in der zunehmenden D�mmerung zu folgen, als Rand. �Suche das Einssein, und beruhige dich. Einer, der gro� sein will, mu� immer ruhig bleiben.�</p><p>�Die Trollocs k�nnten dich h�ren�, entgegnete er. �Ich will kein gro�er Mann sein.� Er glaubte, von ihr ein irritiertes Seufzen zu h�ren.</p><p>Manchmal rollten Steine unter ihren F��en weg, aber ansonsten war der Weg �ber die H�gel nicht schwierig, trotz der langen Schatten der D�mmerung. B�ume und sogar Str�ucher waren schon lange als Feuerholz abgehackt worden. Nichts wuchs hier au�er kniehohem Gras, das leise um ihre Beine raschelte. Ein sanfter Nachtwind kam auf. Rand machte sich Sorgen, da� er den Trollocs ihre Witterung zutragen k�nnte.</p><p>Loial blieb stehen, als sie die Mauern erreichten. Sie waren doppelt so hoch wie der Ogier. Die Steine waren hell verputzt. Rand sp�hte zur�ck in Richtung Vortor. Von der Stadtmauer her gl�nzten die Reihen erleuchteter Fenster wie die Speichen eines Rads.</p><p>�Loial�, sagte er leise. �Kannst du sie sehen? Folgen sie uns?�</p><p>Der Ogier blickte in Richtung Vortor und nickte dann ungl�cklich. �Ich sehe nur ein paar Trollocs, aber sie kommen hierher. Sie rennen. Rand, ich glaube wirklich nicht... �</p><p>Selene unterbrach ihn. �Wenn er hinein will, <emphasis>Alantin,</emphasis> braucht er eine T�r. So wie die dort.� Sie zeigte auf einen dunklen Fleck ein bi�chen weiter hinten an der Mauer. Obwohl sie es behauptete, war Rand nicht sicher, da� es wirklich eine T�r war, aber als sie hinging und daran zog, �ffnete sie sich.</p><p>�Rand...�, begann Loial.</p><p>Rand schob ihn auf die T�r zu. �Sp�ter, Loial! Und leise! Wir verstecken uns gerade, erinnerst du dich noch?� Sie dr�ckten sich hinein und schlossen die T�r hinter sich. Es gab Halterungen f�r einen Riegel, aber es war kein Riegel zu sehen. Sie w�rde niemanden aufhalten, doch vielleicht z�gerten die Trollocs, hereinzukommen.</p><p>Sie befanden sich in einer h�gelan f�hrenden Gasse zwischen zwei langen, niedrigen, fensterlosen Geb�uden. Zuerst glaubte er, sie best�nden ebenfalls aus Stein, doch dann wurde ihm klar, da� hier lediglich Holz wei� verputzt worden war. Es war nun dunkel genug, da� der von den W�nden reflektierte Mondschein eine tr�be Beleuchtung ergab.</p><p>�Besser, von den Feuerwerkern gefangengenommen zu werden als von den Trollocs�, murmelte er und ging nach oben.</p><p>�Aber das habe ich dir doch schon die ganze Zeit sagen wollen�, protestierte Loial. �Ich habe geh�rt, die Feuerwerker t�ten Eindringlinge. Sie bewahren ihre Geheimnisse auf sehr wirksame Art und Weise, Rand.�</p><p>Rand blieb wie angewurzelt stehen und blickte zur T�r zur�ck. Die Trollocs waren noch immer dort drau�en. Im schlimmsten Fall war es bestimmt besser, sich mit Menschen auseinanderzusetzen als mit Trollocs. Vielleicht war er in der Lage, die Feuerwerker dazu zu �berreden, sie laufenzulassen; Trollocs h�rten nicht zu, bevor sie t�teten. �Tut mir leid, da� ich dich in diese Lage gebracht habe, Selene.�</p><p>�Gefahr birgt einen gewissen Reiz�, sagte sie leise. �Und bis jetzt wurdest du gut damit fertig. Sollen wir nachsehen, was wir dort entdecken?� Sie streifte an ihm vorbei die Gasse hoch. Rand folgte. Ihr w�rziger Duft stieg ihm in die Nase. Oben auf dem H�gel weitete sich die Gasse zu einer breiten Fl�che gegl�tteten Lehmbodens, der beinahe genauso wei� war wie der Verputz an den W�nden. Der Platz war fast ganz von weiteren wei�en, fensterlosen Geb�uden umgeben, in deren Schatten neue Gassen lagen. Zur Rechten stand jedoch ein Geb�ude mit Fenstern, aus denen Licht auf den blassen Lehmboden fiel.</p><p>Er dr�ckte sich zur�ck in den Schatten der Gasse, als ein Mann und eine Frau erschienen, die langsam �ber den Platz schritten.</p><p>Ihre Kleidung stammte offensichtlich nicht aus Cairhien. Der Mann trug Kniebundhosen, die genauso bauschig waren wie seine Hemds�rmel. Beides war goldgelb, und an den Hosenbeinen sowie auf der Hemdbrust befanden sich Stickereien. Das Kleid der Frau mit einem kunstvoll gearbeiteten Brustteil schien von blassem Gr�n, und ihr Haar war zu einer Unzahl kleiner Z�pfe geflochten.</p><p>�Alles ist bereit, sagt Ihr?� wollte die Frau wissen. �Seid Ihr sicher, Tammuz? Alles?�</p><p>Der Mann spreizte die H�nde. �Ihr m��t mich st�ndig �berwachen, Aludra. Es ist wirklich alles bereit. Die Vorstellung k�nnte in diesem Moment beginnen.�</p><p>�Die Tore und T�ren sind verriegelt? Alle...?� Ihre Stimme verklang, als sie zum hinteren Ende des beleuchteten Geb�udes kamen.</p><p>Rand betrachtete den offenen Platz, erkannte aber fast nichts. In der Mitte standen einige Dutzend R�hren, jede beinahe so hoch wie er und einen Fu� oder mehr weit. Sie waren auf gro�en Holzpodesten befestigt. Aus jeder R�hre kam ein dunkler, verdrehter Strick heraus, der sich �ber den Boden zog und schlie�lich auf der anderen Seite hinter einer niedrigen, vielleicht drei Schritt langen Mauer verschwand. Rund um den Platz verteilt standen Unmengen von Holzgestellen, an denen Sch�sseln und R�hren und gespaltene St�cke und andere Sachen befestigt waren.</p><p>Alle Feuerwerksk�rper, die er je gesehen hatte, konnte man in der Hand halten, und das war so ungef�hr alles, was er dar�ber wu�te, au�er da� sie mit gro�em L�rm zerbarsten oder in funkenspr�henden Spiralen �ber den Boden zischten oder manchmal in die Luft hinauf flogen. Mit ihnen kam auch immer eine Warnung der Feuerwerker, da� sie explodieren w�rden, wenn man sie �ffnete. Aber Feuerwerksk�rper waren sowieso zu teuer, als da� der Gemeinderat sie von jemandem Unerfahrenen �ffnen lassen w�rde. Er konnte sich gut an das eine Mal erinnern, als Mat genau das tun wollte. Es dauerte beinahe eine Woche, bis irgend jemand au�er Mats Mutter wieder mit ihm sprach. Das einzige Vertraute, das Rand entdecken konnte, waren die Stricke � die Z�ndschn�re. Er wu�te, da� man sie dort entz�ndete.</p><p>Nach einem Blick zur�ck zu der unverriegelten T�r bedeutete er den anderen, ihm zu folgen. Er wollte um die R�hren herumgehen. Wenn sie ein Versteck fanden, sollte es soweit wie m�glich von dieser T�r entfernt sein.</p><p>Das bedeutete, da� sie zwischen den Holzgestellen durchlaufen mu�ten, und Rand hielt jedesmal die Luft an, wenn er eines ber�hrte. Die daran h�ngenden Dinge bewegten sich bei der leisesten Ber�hrung und klapperten dann. Alle bestanden aus Holz. Kein St�ck Metall war zu sehen. Er konnte sich den L�rm vorstellen, falls eines davon heruntergesto�en wurde. Er be�ugte mi�trauisch die R�hren, da er sich noch gut daran erinnern konnte, wie schon eine fingerlange R�hre dieser Art knallte. Wenn das Feuerwerksk�rper waren, wollte er sich nicht so nahe bei ihnen aufhalten.</p><p>Loial murmelte pausenlos etwas in seinen nicht vorhandenen Bart, besonders als er gegen eines der Gestelle stie�. Da zuckte er so hastig zur�ck, da� er nat�rlich prompt gegen ein anderes stie�. Der Ogier schlich unter Klappern und Gemurmel dahin.</p><p>Selene ging ihm auch auf die Nerven. Sie schlenderte so selbstverst�ndlich einher, als befinde sie sich auf einer Stra�e mitten in der Stadt. Sie stie� gegen nichts, erzeugte keinen Laut, aber sie bem�hte sich nicht einmal, den Umhang geschlossen zu halten. Das Wei� ihres Kleides schien ihm heller als alle W�nde zusammen.</p><p>Er sp�hte zu den erleuchteten Fenstern hin�ber und wartete nur darauf, da� dort jemand erschien. Es war nur einer notwendig. Er mu�te Selene ja sehen und Alarm schlagen.</p><p>Doch an den Fenstern erschien niemand. Rand atmete gerade erleichtert auf, w�hrend sie auf eine niedrige Mauer zuschritten und auf die Gassen und Geb�ude dahinter, als Loial wieder gegen ein Gestell stie�, das direkt neben der Mauer stand. Es enthielt zehn weich wirkende St�cke, jeder so lang wie Rands Arm, aus deren Spitzen d�nne Rauchfahnen quollen. Das Gestell machte kaum L�rm, als es umfiel, aber die schwelenden St�cke fielen auf eine der Z�ndschn�re. Zischend entz�ndete sich die Z�ndschnur, und die kleine Flamme raste auf eine der hohen R�hren zu.</p><p>Rand blieb einen Moment lang die Luft weg, und dann versuchte er, fl�sternd zu schreien: �Hinter die Mauer!�</p><p>Selene gab einen �rgerlichen Laut von sich, als er sie hinter der Mauer zu Boden warf, aber das war ihm gleich. Er bem�hte sich, sich sch�tzend �ber sie zu breiten, w�hrend Loial sich daneben niederkauerte. Als er darauf wartete, da� die R�hre explodierte, fragte er sich, ob von der Mauer etwas �brigbleiben werde. Es gab einen dumpfen Schlag, den er als Ersch�tterung im Boden genauso f�hlte wie er ihn h�rte. Vorsichtig hob er sich von Selene und sp�hte um die Kante der Mauer herum. Sie knallte ihm hart die F�uste in die Rippen und wand sich mit einem Fluch in einer ihm unbekannten Sprache unter ihm hervor, doch er bemerkte das kaum.</p><p>Eine d�nne Rauchfahne erhob sich aus der Spitze einer der R�hren. Das war alles. <emphasis>Wenn das alles ist...</emphasis></p><p>Mit einem wahren Donnerkrach erbl�hte eine riesige rote und wei�e Blume hoch am mittlerweile dunklen Himmel und sank dann langsam in einem Funkenregen nieder.</p><p>W�hrend er sie noch mit offenem Mund anstarrte, explodierte das Haus f�rmlich vor L�rm. Schreiende M�nner und Frauen f�llten die Fenster. Sie sahen her�ber und zeigten mit Fingern in ihre Richtung.</p><p>Rand betrachtete sehnsuchtsvoll die nur ein Dutzend Schritte entfernte dunkle Gasse. Schon der erste Schritt w�rde sie all jenen Leuten an den Fenstern sichtbar machen. Trommelnde F��e n�herten sich von dem Geb�ude her.</p><p>Er dr�ckte Loial und Selene gegen die Mauer und hoffte, sie s�hen aus wie ein ganz normaler Schatten. �Bewegt euch nicht, und seid still�, fl�sterte er. �Das ist unsere einzige Hoffnung.�</p><p>�Manchmal�, sagte Selene ruhig, �kann dich niemand sehen, wenn du ganz still sitzt.� Sie klang nicht im geringsten besorgt.</p><p>Stiefel trampelten vor der Mauer hin und her, und zornige Stimmen erhoben sich. Besonders eine klang w�tend � die Rand als Aludras erkannte.</p><p>�Du Riesenidiot, Tammuz! Du Riesenschwein! Deine Mutter war eine Ziege, Tammuz! Eines Tages bringst du uns alle um!�</p><p>�Das ist nicht meine Schuld, Aludra�, protestierte der Mann. �Ich bin sicher, ich habe alles angebracht, wie es sein mu�, und der Zunder war... �</p><p>�Halt den Mund, Tammuz! Ein gro�es Schwein verdient es nicht, wie ein Mensch zu sprechen!� Aludras Tonfall ver�nderte sich, als sie die Frage eines anderen Mannes beantwortete: �Es ist keine Zeit mehr, eine neue vorzubereiten. Galldrian mu� sich heute abend mit dem Rest zufriedengeben. Und einer verfr�hten Z�ndung. Und du, Tammuz! Du wirst alles in Ordnung bringen und morgen mit den Karren abreisen, um Mist zu kaufen. Falls heute abend noch etwas schiefgeht, werde ich dir noch nicht einmal mehr den Mist anvertrauen!�</p><p>Schritte entfernten sich in Richtung des beleuchteten Geb�udes, begleitet von Aludras �rgerlichem Gefluche. Tammuz blieb zur�ck und grollte unterdr�ckt dar�ber, wie unfair das alles sei.</p><p>Rand stockte der Atem, als der Mann her�berkam, um das umgefallene Gestell wieder aufzurichten. Im tiefsten Schatten gegen die Mauer gedr�ckt, konnte er Tammuz R�cken und Schulterpartie erkennen. Alles, was der Mann tun mu�te, war, sich umzudrehen. Dann konnten ihm Rand und die anderen gar nicht entgehen. Tammuz f�hrte immer noch �rgerliche Selbstgespr�che, richtete die schwelenden St�cke im Gestell wieder aus und stolzierte dann zur�ck zu dem Geb�ude, in das die anderen hineingegangen waren.</p><p>Rand atmete tief durch, streckte kurz den Kopf vor, um dem Mann nachzublicken, und zog sich dann wieder in den Schatten zur�ck. An den Fenstern standen immer noch einige Leute. �Noch mehr Gl�ck heute nacht w�re zuviel verlangt�, fl�sterte er.</p><p>�Man sagt, gro�e M�nner machten ihr eigenes Gl�ck�, sagte Selene leise.</p><p>�H�r endlich damit auf�, sagte er m�de. Er w�nschte, ihr Duft stiege ihm nicht so zu Kopf. Er konnte so einfach nicht klar denken. Er erinnerte sich an das Gef�hl, als er am Boden auf ihrem K�rper lag � weich und verwirrenderweise gleichzeitig fest �, und das half ihm auch nicht gerade.</p><p>�Rand?� Loial sah um die Mauerecke auf der von dem beleuchteten Geb�ude abgewandten Seite herum. �Ich glaube, wir brauchen doch noch ein wenig Gl�ck, Rand.�</p><p>Rand schob sich hin�ber und sah dem Ogier �ber die Schulter. Jenseits des Platzes, am Ausgang der Gasse, die zu der unverriegelten T�r f�hrte, standen drei Trollocs und blickten vorsichtig aus den Schatten zu den beleuchteten Fenstern hin�ber. Eine Frau stand an einem der Fenster. Sie schien die Trollocs nicht bemerkt zu haben.</p><p>�Also�, meinte Selene, �wird das hier nun zur Falle. Diese Leute t�ten euch vielleicht, wenn sie euch fangen. Die Trollocs tun das ganz gewi�. Aber vielleicht kannst du die Trollocs so schnell t�ten, da� sie sich nicht mehr bemerkbar machen k�nnen. Vielleicht kannst du die Leute davon abbringen, euch zu t�ten, um ihre kleinen Geheimnisse zu wahren. Vielleicht strebst du nicht nach Gr��e, aber nur ein gro�er Mann kann das nun fertigbringen.�</p><p>�Deshalb brauchst du dich nicht so selbstzufrieden zu geben�, schimpfte Rand. Er versuchte, nicht mehr daran zu denken, wie sie duftete, wie sie sich anf�hlte und beinahe h�tte ihn das Nichts �berrascht. Er sch�ttelte es ab. Die Trollocs schienen sie noch nicht entdeckt zu haben.</p><p>Er lehnte sich an die Mauer und blickte in die n�chste Gasse hinein. Sobald sie in diese Richtung losliefen, w�rden die Trollocs sie sehen und auch die Frau am Fenster. Es w�rde ein Wettrennen stattfinden. Wer w�rde sie zuerst erreichen: die Trollocs oder die Feuerwerker?</p><p>�Deine Gr��e wird mich gl�cklich machen.� Im Gegensatz zu diesen Worten klang Selene zornig. �Vielleicht sollte ich dich verlassen, damit du dich eine Weile lang allein zurechtfinden mu�t. Wenn du nicht nach der Gr��e greifst, die sich in deiner Reichweite befindet, verdienst du m�glicherweise den Tod.�</p><p>Rand vermied es, sie anzusehen. �Loial, kannst du erkennen, ob sich am Ende dieser Gasse dort wieder eine T�r befindet?�</p><p>Der Ogier sch�ttelte den Kopf. �Es ist zu hell hier, und dort ist es zu dunkel. Wenn ich mich in der Gasse bef�nde, dann ja.�</p><p>Rand f�hlte nach dem Griff seines Schwerts. �Nimm Selene. Sobald du eine T�r siehst � <emphasis>falls</emphasis> eine da ist �, rufst du, und ich folge euch. Wenn am anderen Ende keine T�r ist, mu�t du sie hochheben, damit sie auf die Mauer klettern kann und hin�berkommt.�</p><p>�In Ordnung, Rand.� Loial klang besorgt. �Aber wenn wir uns bewegen, kommen diese Trollocs hinter uns her, ganz gleich, wer sonst noch zuschaut. Auch wenn sich dort eine T�r befindet, haben wir sie auf den Fersen.�</p><p>��berla� mir die Trollocs.� <emphasis>Drei. Ich k�nnte es mit Hilfe des Nichts schaffen.</emphasis> Der Gedanke an <emphasis>Saidin</emphasis> lie� ihn einen Entschlu� fassen. Zu viele eigenartige Dinge waren geschehen, wenn er die m�nnliche H�lfte der Einen Quelle an sich herangelassen hatte. �Ich folge euch, sobald ich kann. Los!� Er drehte sich um und blickte �ber die Mauer hinweg zu den Trollocs hin�ber.</p><p>Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich die massige Gestalt Loials und Selenes wei�es, halb von seinem Umhang verdecktes Kleid bewegten. Einer der Trollocs jenseits der R�hren deutete aufgeregt auf sie, doch die drei z�gerten und sahen zu dem Fenster hoch, aus dem die Frau immer noch herausblickte. <emphasis>Drei. Es mu� einen Weg geben. Ohne das Nichts. Ohne</emphasis> Saidin. �Es ist eine T�r da!� rief Loial mit unterdr�ckter Stimme. Einer der Trollocs tat einen Schritt aus dem Schatten heraus, und die anderen folgten dicht hinter ihm. Wie aus gro�er Entfernung h�rte Rand die Frau am Fenster aufschreien und Loial gleichzeitig etwas rufen.</p><p>Ohne nachzudenken sprang Rand auf. Er mu�te irgendwie die Trollocs aufhalten, oder sie w�rden ihn und Loial und Selene �berrennen. Er schnappte sich einen der schwelenden St�cke und warf sich hinter die n�chste R�hre. Sie kippte, fiel vorn�ber, aber er packte das viereckige Holzpodest, auf dem sie befestigt war. Die R�hre zeigte nun geradewegs auf die Trollocs. Sie verlangsamten unsicher ihren Schritt � die Frau am Fenster kreischte �, und Rand ber�hrte mit dem schwelenden Ende des Stocks die Z�ndschnur dort, wo sie in die R�hre hineinverlief.</p><p>Der dumpfe Schlag folgte augenblicklich, und das dicke Holzpodest rammte sich in seinen Magen und brachte ihn zum Sturz. Ein Aufbr�llen wie von Donner erf�llte die Nacht, und ein blendender Lichterhagel zerri� die Dunkelheit.</p><p>Blinzelnd taumelte Rand auf die Beine und hustete. Bei�ender Qualm drang in seine Lunge. Seine Ohren klingelten. Er starrte �berrascht auf das, was vor ihm lag. Die H�lfte der R�hren und alle Gestelle lagen umgest�rzt herum, und eine Ecke des Geb�udes, neben dem die Trollocs gestanden hatten, war einfach verschwunden. Flammen z�ngelten an den Enden von Brettern und Balken entlang. Von den Trollocs keine Spur.</p><p>Durch das Klingeln in seinen Ohren h�rte Rand die Schreie der Feuerwerker in dem Geb�ude. Er rannte wankend los in die Gasse hinein. Nach ein paar Schritten stolperte er �ber etwas, was er als seinen Umhang erkannte. Er schnappte ihn ohne stehenzubleiben vom Boden auf. Hinter ihm erf�llten die Schreie der Feuerwerker die Nacht.</p><p>Loial trat neben der T�r ungeduldig von einem Fu� auf den anderen. Und er war allein.</p><p>�Wo ist Selene?� wollte Rand wissen.</p><p>�Sie ist zur�ckgegangen, Rand. Ich wollte sie festhalten, aber sie ist mir durch die H�nde geschl�pft.�</p><p>Rand wandte sich noch einmal dem L�rm hinter ihnen zu. Durch das fortw�hrende Klingeln in seinen Ohren hindurch konnte er einige der Rufe gerade noch ausmachen. Es war jetzt hell dort hinten � von den Flammen beleuchtet.</p><p>�Die Sandeimer! Holt schnell die Sandeimer!�</p><p>�Das ist eine Katastrophe! Eine Katastrophe!�</p><p>�Ein paar sind dorthin gelaufen!�</p><p>Loial packte Rands Schulter. �Du kannst ihr nicht helfen, Rand. Nicht damit, da� du selbst gefangen wirst. Wir m�ssen weg.� Jemand erschien am Ende der Gasse, ein Schatten, dessen Umrisse nur durch das Gl�hen der Flammen dahinter abgehoben wurden. Er deutete auf sie. �Komm schon, Rand!�</p><p>Rand lie� sich durch die T�r in die Dunkelheit zerren. Der Feuerschein verbla�te hinter ihnen, bis nur noch ein gl�hender Fleck durch die Nacht hindurch erkennbar war, und die Lichter von Vortor n�herten sich. Rand w�nschte sich fast, da� weitere Trollocs erschienen, jemand, mit dem er k�mpfen konnte. Aber es gab nur den leichten Nachtwind, der das Gras sanft bewegte.</p><p>�Ich habe versucht, sie aufzuhalten�, sagte Loial. Langes Schweigen folgte. �Wir konnten wirklich nichts weiter tun. Sie h�tten lediglich auch uns noch gefangengenommen.�</p><p>Rand seufzte. �Ich wei�, Loial. Du hast getan, was du konntest.� Er ging ein paar Schritte zur�ck und blickte zu dem fernen Gl�hen hin�ber. Es wurde kleiner; die Feuerwerker waren wohl dabei, die Flammen zu l�schen. �Ich mu� ihr irgendwie helfen.� <emphasis>Wie? Saidin? Die Macht?</emphasis> Er schauderte. �Ich mu�.�</p><p>Sie gingen auf den beleuchteten Stra�en durch Vortor, in ein Schweigen geh�llt, das die Fr�hlichkeit um sie herum ausschlo�.</p><p>Als sie den �Verteidiger der Drachenmauer� betraten, hielt ihm der Wirt sein Tablett mit einem versiegelten Brief entgegen.</p><p>Rand nahm ihn und betrachtete das wei�e Siegel. Eine Mondsichel mit Sternen. �Wer hat das gebracht? Wann?�</p><p>�Eine alte Frau, Lord. Keine Viertelstunde ist es her. Eine Dienerin. Sie sagte allerdings nicht, aus welchem Haus.� Cuale l�chelte schmierig, als gebe er Vertraulichkeiten preis.</p><p>�Danke�, sagte Rand, der immer noch unverwandt das Siegel betrachtete. Der Wirt beobachtete mit nachdenklichem Gesichtsausdruck, wie sie nach oben gingen.</p><p>Hurin nahm die Pfeife aus dem Mund, als Rand und Loial eintraten. Er hatte sein Kurzschwert und den Schwertbrecher auf den Tisch gelegt und wischte sie gerade mit einem �ltuch ab. �Ihr wart aber lange bei dem Gaukler, Lord Rand. Geht es ihm gut?�</p><p>Rand fuhr auf. �Was? Thom? Ja, es... � Er brach das Siegel mit seinem Daumen auf und las:</p><p><emphasis>Wenn ich glaube zu wissen, was du tun wirst, dann tust du etwas ganz anderes. Du bist ein gef�hrlicher Mann. Vielleicht dauert es nicht lang, und wir sind wieder beisammen. Denke an das Horn. Denke an den Ruhm. Und denke an mich, denn du geh�rst mir f�r immer.</emphasis></p><p>Wieder befand sich keine Unterschrift darunter, aber die flie�ende Handschrift war unverkennbar.</p><p>�Sind denn alle Frauen verr�ckt?� wollte Rand von der Zimmerdecke wissen. Hurin zuckte die Achseln. Rand warf sich auf den anderen Stuhl, den, der von der Gr��e her f�r den Ogier bestimmt war. Seine F��e baumelten in der Luft. Es machte ihm nichts aus. Er betrachtete die von Decken verh�llte Truhe unter Loials Bett. <emphasis>Denke an den Ruhm.</emphasis> �Ich w�nschte, Ingtar k�me endlich.�</p></section><section><title><p>28</p><p>Ein neuer Faden im Gewebe</p></title><p>Perrin beobachtete nerv�s beim Reiten die Berge von Bruderm�rders Dolch. Der Pfad wand sich immer noch aufw�rts und die Steigung schien nie enden zu wollen, aber er glaubte, da� die Pa�h�he nicht mehr weit entfernt sein konnte. Auf einer Seite des Pfads fiel der Abhang steil ab bis zum Bett eines kleinen Bergbachs, der sch�umend �ber scharfkantige Steine h�pfte; auf der anderen Seite ragten steile Felsw�nde wie gefrorene Wasserf�lle auf. Der Pfad selbst f�hrte durch Ger�llhalden. Einige der Felsbl�cke waren so gro� wie ein Pferdekarren, andere hatten nur die Gr��e eines M�nnerkopfes. Es geh�rte nicht viel dazu, sich dort irgendwo zu verstecken.</p><p>Die W�lfe behaupteten, in den Bergen bef�nden sich Menschen. Perrin fragte sich, ob das wohl einige von Fains Schattenfreunden seien. Die W�lfe wu�ten es nicht und es interessierte sie auch nicht. Sie wu�ten ansonsten nur, da� die Verzerrten sich irgendwo vor ihnen befanden. Ziemlich weit vor ihnen sogar, obwohl Ingtar die Kolonne pausenlos angetrieben hatte. Perrin bemerkte, da� Uno die sie umgebenden Berge auf dieselbe Art betrachtete wie er.</p><p>Mat hatte sich den Bogen �bergeh�ngt und ritt offensichtlich unber�hrt voran. Er jonglierte dabei mit drei farbigen B�llen. Aber er wirkte blasser als vorher. Verin untersuchte ihn mittlerweile mit gerunzelter Stirn zwei oder drei Mal am Tag, und Perrin war sicher, da� sie es mindestens einmal mit ihrer Aes-Sedai-Heilkunst probiert hatte, aber Mat sah nicht anders aus als zuvor. Au�erdem schien sie in Gedanken st�ndig mit etwas besch�ftigt, wor�ber sie nicht sprach.</p><p><emphasis>Rand,</emphasis> dachte Perrin, wenn er den R�cken der Aes Sedai betrachtete. Sie ritt immer mit Ingtar an der Spitze der Kolonne, und sie wollte grunds�tzlich noch schneller vorw�rtskommen, als selbst der schienarische Lord gestattete. <emphasis>Irgendwie werde ich das Gef�hl nicht los, da� sie �ber Rand Bescheid wei�.</emphasis> Von den W�lfen herr�hrende Bilder flackerten durch seinen Kopf: steinerne Bauernh�user und D�rfer zwischen Terrassenfeldern, alles jenseits der Berggipfel. Die W�lfe sahen sie als nichts Besonderes an, als seien sie nichts anderes als H�gel oder Wiesen, doch irgendwie vermittelten sie das Gef�hl, das Land sei verdorben. Einen Augenblick lang spiegelte sich in ihm das Bedauern dar�ber wider, die Erinnerung an von den Zweibeinern l�ngst verlassene Orte, an die flinke Hatz durch den Wald, an das Zuschnappen der kr�ftigen Kiefer, wenn der Hirsch zu fliehen versuchte, an... Mit M�he verdr�ngte er die W�lfe aus seinem Kopf. <emphasis>Diese Aes Sedai werden uns noch alle vernichten.</emphasis> Ingtar lie� sich neben Perrin zur�ckfallen. Manchmal wirkten in Perrins Augen die halbmondf�rmigen Abzeichen auf dem Helm des Schienarers wie die H�rner eines Trollocs. Ingtar sagte leise: �Sagt mir noch einmal, was Euch die W�lfe berichten.�</p><p>�Ich habe es Euch schon zehnmal gesagt�, murmelte Perrin.</p><p>�Sagt es mir trotzdem noch einmal! Vielleicht habe ich etwas �berh�rt, etwas, das mir helfen kann, das Horn zu finden... � Ingtar sog tief Luft ein und atmete langsam wieder aus. �Ich mu� das Horn von Valere finden, Perrin.</p><p>Sagt es mir noch einmal.�</p><p>Es war nicht n�tig, da� Perrin erstmal alles im Geist ordnete � nicht nach so vielen Wiederholungen. Er rasselte alles herunter: �Jemand � oder etwas � griff die Schattenfreunde in der Nacht an und t�tete die Trollocs, die wir fanden.� Mittlerweile drehte sich ihm der Magen deshalb nicht mehr um. Raben und Geier hatten keine feinen Tischmanieren. �Die W�lfe nennen ihn � oder es �Schattent�ter. Ich glaube, es war ein Mann, aber sie gingen nicht nahe genug heran, um es klar erkennen zu k�nnen. Sie haben keine Angst vor diesem Schattent�ter �Ehrfurcht k�me der Sache schon n�her. Sie sagen, da� die Trollocs nun dem Schattent�ter folgen. Und sie sagen, Fain sei bei ihnen� � selbst nach so langer Zeit brachte ihm die Erinnerung an die Witterung Fains, an das Gef�hl, das ihn bei dem Mann packte, einen bitteren Geschmack auf die Zunge � �also mu� sich auch der Rest der Schattenfreunde dort befinden.�</p><p>�Schattent�ter�, murmelte Ingtar. �Ein Gesch�pf des Dunklen K�nigs wie ein Myrddraal? Ich habe in der F�ule Dinge gesehen, die den Namen Schattent�ter verdienten, aber... Haben sie denn sonst nichts gesehen?�</p><p>�Sie wollten sich ihm nicht n�hern. Es war kein Blasser. Ich habe Euch ja gesagt, sie w�rden einen Blassen noch schneller rei�en als einen Trolloc, auch wenn sie das halbe Rudel dabei verl�ren. Ingtar, die W�lfe, die das beobachteten, gaben die Nachricht an andere weiter und die wieder an andere, bevor sie mich erreichte. Ich kann Euch nur berichten, was sie mir sagten, und nach so vielen Wiederholungen... � Er schwieg, als Uno sich zu ihnen gesellte.</p><p>�Aielmann zwischen den Felsen�, sagte der Ein�ugige leise.</p><p>�So weit weg von der W�ste?� sagte Ingtar ungl�ubig. Uno brachte es irgendwie fertig, beleidigt zu wirken, obwohl sich sein Gesichtsausdruck nicht �nderte, und Ingtar f�gte hinzu: �Nein, ich zweifle ja nicht an deinen Worten. Ich bin nur �berrascht.�</p><p>�Licht noch mal, er wollte, da� ich ihn sehe, sonst h�tte ich das nicht gekonnt.� Uno klang mi�mutig ob dieses Eingest�ndnisses. �Und sein verdammtes Gesicht ist nicht verschleiert, also ist er nicht auf Kampf aus. Aber wenn man einen verfluchten Aielmann sieht, sind meist einige unsichtbare in der Gegend.� Pl�tzlich ri� er die Augen auf. �Seng mich, wenn es nicht verflucht danach aussieht, da� er mehr will als nur gesehen werden.� Er deutete nach vorn: Ein Mann war ein St�ck vor ihnen auf den Pfad getreten.</p><p>Sofort senkte sich Masemas Lanzenspitze, er lie� sein Pferd die Fersen sp�ren, und nach drei S�tzen befand es sich in vollem Galopp. Er war nicht der einzige: Vier Stahlspitzen jagten auf den Mann am Boden zu.</p><p>�Halt!� br�llte Ingtar. �Halt, sagte ich! Ich schneide jedem die Ohren ab, der nicht sofort stehenbleibt, wo er ist!�</p><p>Masema ri� b�se an den Z�geln und brachte sein Pferd zum Stehen. Auch die anderen blieben in eine Staubwolke geh�llt stehen, die Lanzen immer noch auf die Brust des Mannes gerichtet. Er hob eine Hand, um den Staub wegzuwedeln, der auf ihn zutrieb. Es war seine erste Bewegung, seit er auf den Pfad getreten war.</p><p>Er war hochgewachsen, hatte eine dunkle, sonnenverbrannte Hautfarbe und kurzgeschnittenes rotes Haar, das ihm nur hinten in einem Pferdeschwanz bis auf die Schultern hing. Die weichen, geschn�rten, kniehohen Stiefel, genauso wie all seine Kleidung bis hinauf zum Halstuch, waren in verschiedenen Schattierungen von Braun und Grau gehalten, die sich von den Felsen und der Erde kaum abhoben. Die Spitze eines kurzen Hornbogens ragte �ber seine Schulter hervor, und an seinem G�rtel hing ein mit Pfeilen gespickter K�cher. An der anderen Seite hing ein langes Messer. In der linken Hand hielt er einen runden Lederschild und drei kurze Wurfspeere, nur etwa halb so lang, wie er gro� war, aber mit genauso langen Spitzen wie die der schienarischen Lanzen.</p><p>�Ich habe keine Musikanten, um das Lied zu spielen�, verk�ndete der Mann l�chelnd, �aber wenn Ihr zu tanzen w�nscht... � Er �nderte seine K�rperhaltung nicht, aber Perrin bemerkte, da� er jetzt auf irgendeine Art kampfbereit wirkte. �Ich hei�e Urien von den zwei T�rmen, Siebter der Reyn Aiel. Ich bin ein roter Schild. Erinnert Euch an mich.�</p><p>Ingtar stieg ab und schritt vorw�rts, wobei er seinen Helm abnahm. Perrin z�gerte nur einen Augenblick. Dann stieg er ebenfalls ab und tat es Ingtar gleich. Er wollte die Gelegenheit nicht vers�umen, einen Aiel aus der N�he zu sehen. �Wie ein Aiel mit schwarzem Schleier handeln.� In jeder Geschichte wurden die Aiel als genauso gef�hrlich und t�dlich wie die Trollocs beschrieben. Manche behaupteten sogar, sie seien allesamt Schattenfreunde. Aber Uriens L�cheln wirkte einfach nicht gef�hrlich, trotz der Tatsache, da� der Mann sprungbereit dastand. Seine Augen waren blau.</p><p>�Er sieht aus wie Rand.� Perrin sah sich um. Mat hatte sich zu ihnen gesellt. �Vielleicht hat Ingtar recht�, f�gte Mat leise hinzu. �Vielleicht ist Rand ein Aiel.�</p><p>Perrin nickte. �Aber das hat nichts zu sagen.�</p><p>�Bestimmt nicht.� Mat klang, als rede er von etwas anderem als dem, was Perrin damit meinte.</p><p>�Wir sind beide weit weg von zu Hause�, sagte Ingtar zu dem Aiel. �Wir zumindest sind zu einem anderen Zweck hier, als zu k�mpfen.� Perrin �nderte seine Meinung in bezug auf Uriens L�cheln. Der Mann sah nun tats�chlich entt�uscht aus.</p><p>�Wie Ihr w�nscht, Schienarer.� Urien wandte sich Verin zu, die gerade vom Pferd stieg, und verbeugte sich auf eigenartige Weise. Die Speerspitzen bohrte er in den Boden, und die rechte Hand hob er mit der Innenfl�che ihr zugewandt. Seine Stimme klang respektvoll: �Weise Frau, mein Wasser geh�rt Euch.�</p><p>Verin gab ihre Z�gel einem der Soldaten. Sie musterte den Aiel, als sie n�her trat. �Warum nennt Ihr mich so? Haltet Ihr mich f�r eine Aiel?�</p><p>�Nein, Weise Frau. Aber Ihr seht aus wie eine Frau, die nach Rhuidean gereist ist und �berlebt hat. Die Jahre ber�hren die Weisen nicht in dem Ma�e wie andere Frauen oder wie M�nner.�</p><p>Die Aes Sedai blickte sichtlich gespannt drein, aber Ingtar sagte ungeduldig: �Wir verfolgen Schattenfreunde und Trollocs, Urien. Habt Ihr etwas von ihnen gesehen?�</p><p>�Trollocs? Hier?� Uriens Augen strahlten. �Das ist eines der Zeichen, die prophezeit wurden. Wenn die Trollocs wieder aus der F�ule hervorkommen, werden wir das Dreifache Land verlassen und unser altes Land wieder in Besitz nehmen.� Die berittenen Schienarer murmelten irgend etwas. Urien blickte sie so stolz an, als sehe er auf sie herunter.</p><p>�Das Dreifache Land?� fragte Mat.</p><p>Perrin hatte das Gef�hl, da� Mat noch blasser aussah �nicht unbedingt kr�nklich, aber so, als sei sein Gesicht lange Zeit nicht mehr der Sonne ausgesetzt gewesen.</p><p>�Ihr nennt es eine W�ste�, sagte Urien. �F�r uns ist es das Dreifache Land: ein Wetzstein, um uns zu formen, eine Pr�fung, um festzustellen, was wir wert sind, und eine Strafe f�r unsere S�nden.�</p><p>�Welche S�nden?� wollte Mat wissen. Perrin stockte der Atem. Er wartete darauf, die Speere in Uriens Hand vorzucken zu sehen.</p><p>Der Aiel zuckte die Achseln. �Es ist schon so lange her, da� sich niemand daran erinnert. Au�er eben den Weisen Frauen und den Clanf�hrern, und die sprechen nicht dar�ber. Es mu� schon eine sehr schlimme S�nde gewesen sein, da� sie sich nicht �berwinden k�nnen, uns davon zu erz�hlen, aber der Sch�pfer bestraft uns eben hart.�</p><p>�Trollocs�, beharrte Ingtar. �Habt Ihr Trollocs gesehen?�</p><p>Urien sch�ttelte den Kopf. �Wenn ich welche gesehen h�tte, h�tte ich sie get�tet, aber ich habe au�er Felsen und dem Himmel nichts bemerkt.�</p><p>Ingtar sch�ttelte in nachlassendem Interesse ebenfalls den Kopf, aber Verin sagte mit �u�erst konzentriert klingender Stimme: �Dieses Rhuidean. Was ist das? Wo ist es? Wie w�hlt man die M�dchen aus, die dorthin gehen sollen?�</p><p>Uriens Gesicht wurde ausdruckslos. Seine Augenlider sanken herab. �Ich kann dar�ber nicht sprechen, Weise Frau.�</p><p>Unwillk�rlich griff Perrin nach seiner Axt. Uriens Stimme forderte das irgendwie heraus. Ingtar hielt sich auch bereit, nach dem Schwert zu greifen, und unter den Berittenen machte sich Bewegung breit. Doch Verin trat vor den Aielmann hin, bis sie beinahe seine Brust ber�hrte, und blickte hoch in seine Augen.</p><p>�Ich bin keine Weise Frau von der Art, die Ihr kennt, Urien�, sagte sie eindringlich. �Ich bin Aes Sedai. Sagt mir, was Ihr �ber Rhuidean sagen k�nnt.�</p><p>Der Mann, der bereit gewesen war, zwanzig M�nnern gegen�berzutreten, wirkte nun, als suche er verzweifelt nach einem Weg, dieser einen molligen Frau mit grauem Haar zu entkommen. �Ich... kann nur sagen, was jeder wei�. Rhuidean liegt im Gebiet der Jenn Aiel, des dreizehnten Clans. Ich kann nichts weiter �ber sie sagen als den Namen. Niemand darf dorthin gehen, au�er Frauen, die Weise Frauen werden m�chten, oder M�nner auf dem Weg zum Clanf�hrer. Vielleicht werden sie von den Jenn Aiel ausgesucht � ich wei� es nicht. Viele gehen, wenige kehren zur�ck. Diese wenigen weisen die Merkmale ihres neuen Standes auf � Weise Frauen oder Clanf�hrer. Mehr kann ich nicht sagen, Aes Sedai. Weiter nichts.�</p><p>Verin sah weiter zu ihm auf und sch�rzte die Lippen.</p><p>Urien blickte zum Himmel auf, als bem�he er sich, ihn sich einzupr�gen. �Werdet Ihr mich jetzt t�ten, Aes Sedai?�</p><p>Sie blinzelte �berrascht. �Was?�</p><p>�Werdet Ihr mich jetzt t�ten? Eine der alten Prophezeiungen sagt, wenn wir die Aes Sedai wieder entt�uschen, werden sie uns t�ten. Ich wei�, da� Eure Macht gr��er ist als die der Weisen Frauen.� Der Aiel lachte pl�tzlich auf. Es war ein freudloses Lachen, und seine Augen blitzten wild. �Ruft Eure Blitze herbei, Aes Sedai. Ich werde mit ihnen tanzen!�</p><p>Der Aiel glaubte, er werde sterben, und er hatte keine Angst davor. Perrin wurde bewu�t, da� sein Mund offen stand, und so klappte er ihn zu.</p><p>�Was w�rde ich nicht darum geben�, murmelte Verin, die Urien immer noch in die Augen sah, �Euch in der Wei�en Burg zu haben. Oder wenigstens zum Sprechen gewillt. Oh, seid ruhig, Mann! Ich werde Euch nichts zuleide tun. Au�er Ihr wollt mir an den Kragen, mit Eurem Geschw�tz vom Tanzen.�</p><p>Urien schien �berrascht. Er sah die Schienarer an, die um ihn herum verteilt auf den Pferden sa�en, als glaube er, Verins Worte seien nur eine Finte. �Ihr seid keine Tochter des Speers�, sagte er bed�chtig. �Wie k�nnte ich eine Frau angreifen, die nicht mit dem Speer verheiratet ist? Es ist verboten, au�er um Leben zu retten, und dann w�rde ich lieber selbst Wunden empfangen, um den Angriff auf eine Frau zu vermeiden.�</p><p>�Warum seid Ihr hier, so weit von Eurem Land entfernt?� fragte sie. �Warum habt Ihr Euch an uns gewandt? Ihr h�ttet Euch weiter zwischen den Felsen verbergen k�nnen, und wir h�tten nicht einmal gewu�t, da� Ihr da seid.� Der Aielmann z�gerte, und sie f�gte hinzu: �Sagt nur das, was Ihr zu sagen gewillt seid. Ich wei� nicht, was Eure Weisen Frauen machen, aber ich werde Euch nichts tun und auch nicht versuchen, Euch zum Reden zu zwingen.�</p><p>�Das sagen die Weisen Frauen auch�, meinte Urien trocken, �aber selbst die Clanf�hrer m�ssen eine Menge Ausdauer haben, wenn sie deren Befehlen zuwiderhandeln wollen.� Er schien seine Worte sorgf�ltig zu w�hlen. �Ich suche nach... jemandem. Einem Mann.� Sein Blick streifte Perrin und Mat, die Schienarer, blieb aber an niemand h�ngen. �Er, Der Mit Dem Sonnenaufgang Kommt. Es hei�t, man werde gro�e Zeichen und Ank�ndigungen seines Kommens empfangen. Ich sah an der Ausr�stung Eurer Eskorte, da� Ihr aus Schienar kommt. Dazu habt Ihr auf mich wie eine Weise Frau gewirkt. So hoffte ich, Ihr h�ttet vielleicht Nachrichten �ber bedeutende Ereignisse. Ereignisse, die Vorzeichen seines Kommens sein k�nnten.�</p><p>�Ein Mann?� Verins Stimme klang sanft, doch ihre Augen blitzten scharf wie Dolchklingen. �Welche Vorzeichen meint Ihr?�</p><p>Urien sch�ttelte den Kopf. �Es hei�t, wir w�rden sie erkennen, wenn wir von ihnen h�ren, so wie wir ihn erkennen, wenn wir ihn sehen, denn er wird gezeichnet sein. Er wird von Westen kommen, von jenseits des R�ckgrats der Welt, aber er ist von unserem Blut. Er wird nach Rhuidean gehen und uns aus dem Dreifachen Land f�hren.� Er nahm einen Speer in die rechte Hand. Leder und Metall quietschten, als die Soldaten nach ihren Schwertern griffen. Perrin wurde bewu�t, da� er wieder seine Axt in der Hand hielt. Doch Verin blickte irritiert drein und bedeutete ihnen, Ruhe zu geben. Urien kratzte mit der Speerspitze einen Kreis in die Erde und dann eine Schlangenlinie, die ihn durchschnitt. �Es hei�t, er werde unter diesem Zeichen siegen.�</p><p>Ingtar zog beim Anblick dieses Symbols die Stirn kraus. Auf seinem Gesicht zeigte sich kein Erkennen. Doch Mat fluchte unterdr�ckt, und Perrin merkte, wie sein Mund austrocknete. <emphasis>Das alte Wahrzeichen der Aes Sedai.</emphasis> Verin entfernte das Zeichen mit dem Fu�. �Ich kann Euch nicht sagen, wo er sich befindet, Urien�, sagte sie, �und ich habe nicht von irgendwelchen Vorzeichen geh�rt, die Euch zu ihm f�hren k�nnen.�</p><p>�Dann werde ich meine Suche fortsetzen.� Es war wohl keine Frage, doch Urien wartete, bis sie nickte. Dann blickte er die Schienarer stolz und herausfordernd an, bevor er ihnen den R�cken zuwandte. Er ging mit geschmeidigen Bewegungen fort und verschwand zwischen den Felsen, ohne sich noch einmal umzublicken.</p><p>Einige der Soldaten sprachen, �rgerlich miteinander. Uno sagte etwas von einem �verr�ckten, blutigen Aiel�, und Masema grollte, sie h�tten den Aiel den Raben �berlassen sollen.</p><p>�Wir haben wertvolle Zeit verschwendet�, verk�ndete Ingtar laut. �Wir werden schneller reiten, um sie wieder aufzuholen.�</p><p>�Ja�, sagte Verin, �wir m�ssen schneller reiten.�</p><p>Ingtar sah sie an, aber die Aes Sedai blickte auf den verschmierten Boden hinunter, wo ihr Fu� das Symbol entfernt hatte. �Absitzen�, befahl er. �R�stungen auf die Packpferde. Wir befinden uns mittlerweile in Cairhien. Wir wollen nicht, da� die Einwohner glauben, wir wollten gegen sie k�mpfen. Macht schnell!�</p><p>Mat beugte sich zu Perrin hin�ber. �Glaubst du... ? Glaubst du, da� er von Rand gesprochen hat? Ich wei�, es ist verr�ckt, aber sogar Ingtar glaubt, er sei ein Aiel.�</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte Perrin. �Alles war irgendwie verr�ckt, seit wir an die Aes Sedai gekommen sind.�</p><p>Verin sagte leise und mehr zu sich selbst, wobei sie immer noch den Boden anblickte: �Es mu� ein Teil des Ganzen sein, doch inwiefern? Webt das Rad der Zeit F�den in das Muster, von denen wir nichts ahnen? Oder ber�hrt der Dunkle K�nig das Muster gerade wieder?�</p><p>Perrin rann es kalt den R�cken herunter.</p><p>Verin blickte auf und sah, wie die Soldaten ihre R�stungen abnahmen. �Beeilt Euch!� befahl sie in h�rterem Tonfall als Ingtar und Uno. �Wir m�ssen uns beeilen!�</p></section><section><title><p>29</p><p>Seanchan</p></title><p>Geofram Bornhald beachtete den Gestank brennender H�user und die Leichen nicht, die im Schmutz der Stra�e lagen. Byar und eine wei�gekleidete Hundertschaft Soldaten ritten direkt hinter ihm in das Dorf hinein. Das war die H�lfte der M�nner, die er bei sich hatte. Seine Legion war f�r seinen Geschmack zu weit verstreut, und zu viele der Offiziersposten waren von Zweiflern besetzt, aber seine Befehle waren ganz eindeutig gewesen: Gehorcht den Zweiflern.</p><p>Hier hatte es nur vereinzelt Widerstand gegeben; nur �ber einem halben Dutzend Behausungen standen Rauchwolken. Wie er sah, stand die Schenke noch: wei� verputzte Steinmauern wie bei den meisten Geb�uden auf der Ebene von Almoth.</p><p>Er hielt sein Pferd vor der Schenke an. Sein Blick streifte die Gefangenen, die von seinen Soldaten beim Dorfbrunnen aufgestellt worden waren, und blieb dann an dem langen Quergalgen h�ngen, der das Dorfgr�n verunzierte. Er war offensichtlich hastig zusammengezimmert worden: nur ein langer Querbalken auf hohen St�tzen. Daran hingen drei�ig Leichen, deren Kleidung im leichten Wind flatterte. Zwischen den Leichen von Erwachsenen hingen auch kleine K�rper. Selbst Byar betrachtete sie ungl�ubig.</p><p>�Muadh!� br�llte er. Ein grauhaariger Mann l�ste sich aus der Gruppe, die die Gefangenen bewachte. Muadh war einst in die H�nde von Schattenfreunden gefallen. Sein vernarbtes Gesicht schreckte auch die Abgebr�htesten noch ab. �Ist das dein Werk, Muadh, oder das der Seanchan?�</p><p>�Weder noch, Lordhauptmann.� Muadhs Stimme klang heiser, wie ein gefl�stertes Grollen. Auch eine Erinnerung an die Schattenfreunde. Er sagte nicht mehr.</p><p>Bornhald runzelte die Stirn. �Na, die dort haben es sicher nicht getan�, sagte er und deutete auf die Gefangenen. Die Kinder sahen nicht mehr so gepflegt aus wie bei ihrem Aufbruch, als er sie �ber den Tarabon gef�hrt hatte, aber verglichen mit dem zerlumpten Pack, das unter ihren wachsamen Blicken am Dorfbrunnen kauerte, wirkten sie noch h�bsch genug f�r eine Parade. M�nner in Lumpen und Resten von R�stungen. M�nner mit entt�uschten, m�den Gesichtern. Die �berreste der Armee, die Tarabon gegen die Invasoren von der TomanHalbinsel ausgesandt hatte.</p><p>Muadh z�gerte und sagte dann bed�chtig: �Die Dorfbewohner sagen, sie h�tten Waffenr�cke der Armee von Tarabon getragen, Lordhauptmann. Es war ein gro�er Mann dabei mit grauen Augen und einem langen Schnurrbart, dessen Beschreibung sich anh�rt wie die Kind Earwins, und ein junger Bursche, der versuchte, ein h�bsches Gesicht hinter einem blonden Bart zu verstecken, und mit der linken Hand k�mpfte. Das klingt beinahe wie Kind Wuan, Lordhauptmann.�</p><p>�Zweifler!� Bornhald spuckte f�rmlich das Wort aus. Earwin und Wuan waren unter denen, die er dem Befehl der Zweifler hatte unterstellen m�ssen. Er hatte die Taktik der Zweifler schon fr�her kennengelernt, aber es war das erste Mal, da� er vor den Leichen von Kindern stand.</p><p>�Wenn Lordhauptmann meinen.� Bei Muadh klangen die n�chternen Worte wie begeisterte Zustimmung.</p><p>�Schneidet sie ab�, sagte Bornhald m�de. �Schneidet sie ab und bringt den Dorfbewohnern bei, da� es kein weiteres T�ten geben wird.� <emphasis>Wenn nicht irgendein Narr meint, er m�sse seiner Frau oder wem beweisen, wie mutig er ist, und ich mu� dann ein Exempel statuieren.</emphasis> Er stieg ab und musterte die Gefangenen wieder, w�hrend Muadh loslief und nach Leitern und Messer verlangte. Er mu�te sich �ber einiges mehr Gedanken machen als �ber den �bereifer der Zweifler. Er w�nschte, er br�uchte sich �berhaupt �ber die Zweifler keine Gedanken mehr machen.</p><p>�Sie wehren sich nicht heftig, Lordhauptmann�, sagte Byar. �Weder diese Taraboner, noch was von den Domani �briggeblieben ist. Sie schnappen wie in die Enge getriebene Ratten, aber sie rennen weg, sobald jemand zur�ckschnappt.�</p><p>�Wir werden ja sehen, was wir gegen diese Invasoren ausrichten k�nnen, Byar, und dann beurteilen wir diese M�nner hier vielleicht anders, ja?� Die Gesichter der Gefangenen zeigten einen Ausdruck von Hoffnungslosigkeit, und der war schon vorhanden gewesen, bevor seine M�nner kamen. �La� Muadh einen f�r mich aussuchen.� Muadhs Gesicht allein brachte die meisten M�nner schon dazu, keinen Widerstand mehr zu leisten. �Wenn m�glich einen Offizier. Einen, der intelligent genug wirkt, um zu berichten, was er gesehen hat, ohne es unn�tig auszuschm�cken, aber jung genug, um noch nicht halsstarrig zu sein. Sag Muadh, er braucht nicht unbedingt sanft mit ihm umzugehen, ja? Der Bursche soll glauben, ihm werde bei mir Schlimmeres geschehen, als er sich je ertr�umt hat, au�er er stimmt mich sanftm�tig.� Er warf seine Z�gel einem der Kinder des Lichts zu und ging in die Schenke.</p><p>Erstaunlicherweise war der Wirt da, ein schwitzender, unterw�rfiger Mann, dessen schmutziges Hemd sich so �ber seinem Bauch spannte, da� die roten Stickereien darauf abzuplatzen drohten. Bornhald bedeutete dem Mann, zu gehen. Er war sich undeutlich der Anwesenheit einer Frau und einiger Kinder bewu�t, die sich an eine T�r dr�ckten, aber der fette Wirt trieb sie nach drau�en.</p><p>Bornhald zog die Handschuhe aus und setzte sich an einen Tisch. Er wu�te einfach zuwenig �ber die Invasoren, diese Fremden. So nannte sie mittlerweile beinahe jeder, jedenfalls diejenigen, die nicht pausenlos von Artur Falkenfl�gel plapperten. Er wu�te, da� sie sich Seanchan und <emphasis>Hailene</emphasis> nannten. Er kannte die Alte Sprache gut genug, um zu verstehen, da� letzteres �Die vorher kommen� hie�, oder einfach Vorfahren. Sie nannten sich manchmal ebenfalls <emphasis>Rhyagelle,</emphasis> �Die Heimkehren, und sprachen von <emphasis>Corenne,</emphasis> der R�ckkehr. Es reichte wirklich beinahe, um ihn an die M�rchen glauben zu lassen, da� Falkenfl�gels Armee zur�ckgekehrt sei. Niemand wu�te, woher die Seanchan kamen, au�er da� sie in Schiffen gekommen waren. Bornhalds Anfragen beim Meervolk, ihm weitere Informationen zukommen zu lassen, waren auf Schweigen gesto�en. In Amador waren die Atha'an Miere nicht gerade hoch angesehen, und sie erwiderten diese Haltung doppelt und dreifach. Alles, was er von den Seanchan wu�te, hatte er von M�nnern wie denen drau�en erfahren. Gebrochenes, geschlagenes Pack, das mit weit aufgerissenen Augen und schwitzend von M�nnern erz�hlten, die auf Pferden wie auch auf Ungeheuern in den Kampf ritten, die Seite an Seite mit Monstern k�mpften und Aes Sedai mit sich f�hrten, die den Boden unter den F��en ihrer Feinde zerfetzten.</p><p>Beim Ger�usch von Stiefelschritten an der T�r setzte er sein gemeinstes Grinsen auf, aber Byar wurde noch nicht von Muadh begleitet. Das Kind des Lichts, das jetzt mit steifem Kreuz und unter den Arm geklemmtem Helm neben ihm stand, war Jeral, den Bornhald hundert Meilen weit entfernt glaubte. �ber seiner R�stung trug der junge Mann einen Umhang von typischem Domani-Schnitt, mit Blau besetzt, und nicht den wei�en Umhang der Kinder.</p><p>�Muadh spricht jetzt mit einem jungen Burschen, Lordhauptmann�, sagte Byar. �Kind Jeral ist gerade mit einer Botschaft angekommen.�</p><p>Bornhald gab Jeral einen Wink, zu beginnen.</p><p>Der junge Mann blieb genauso steif stehen. �Gr��e von Jaichim Carridin�, begann er, wobei er stur geradeaus blickte, �der die Hand des Lichts in... �</p><p>�Ich brauche keine Gr��e von einem Zweifler�, grollte Bornhald und bemerkte den erschreckten Blick des jungen Mannes. Jeral war noch sehr jung. Aber auch Byar blickte nerv�s und verlegen drein. �Gib mir die Botschaft, ja? Nicht jedes einzelne Wort, au�er ich verlange es von dir. Erz�hle mir einfach, was er will.�</p><p>Das Kind, auf w�rtliches Herunterbeten vorbereitet, schluckte erst einmal, bevor er begann. �Lordhauptmann, er... er sagt, Ihr r�ckt mit zu vielen M�nnern zu nahe an die Toman-Halbinsel vor. Er sagt, die Schattenfreunde auf der Ebene von Almoth m�ssen bek�mpft werden, und Ihr sollt � vergebt mir, Lordhauptmann � Ihr sollt sofort kehrtmachen lassen und zum Mittelpunkt der Ebene vorr�cken.� Dann stand er steif da und wartete ab.</p><p>Bornhald musterte ihn. Jerals Gesicht, Umhang und Stiefel waren vom Staub der Ebene bedeckt. �Geh und besorge dir etwas zum Essen�, sagte Bornhald. �Wenn du es w�nschst, wird es in einem dieser H�user bestimmt Wasser zum Waschen geben. Komme in einer Stunde wieder zu mir zur�ck. Ich werde dir Botschaften mitgeben.� Er entlie� den jungen Mann mit einem Wink. �Die Zweifler k�nnten recht haben, Lordhauptmann�, sagte Byar, als Jeral weg war. �Auf der Ebene befinden sich viele verstreute D�rfer, und die Schattenfreunde... �</p><p>Bornhalds Hand, die auf den Tisch klatschte, schnitt ihm das Wort ab. �Was f�r Schattenfreunde? Ich habe in keinem Dorf, das ich auf seinen Befehl einnehmen sollte, etwas von ihnen gesehen. Nur Bauern und Handwerker, die Angst hatten, wir w�rden ihren Lebensunterhalt vernichten, und ein paar alte Frauen, um die Kranken zu pflegen.� Byars Gesicht war ein Muster der Ausdruckslosigkeit. Er war im Gegensatz zu Bornhald immer bereit, Schattenfreunde zu entdecken. �Und Kinder, Byar? Werden hier schon die Kinder zu Schattenfreunden?�</p><p>�Die S�nden der Mutter werden ges�hnt bis zur f�nften Generation�, zitierte Byar, �und die S�nden der V�ter bis zur zehnten.� Aber er wirkte unsicher dabei. Selbst Byar hatte noch nie ein Kind get�tet.</p><p>�Ist dir nie eingefallen, Byar, dich zu fragen, warum Carridin uns unsere Flaggen weggenommen hat und die Umh�nge der M�nner, die von den Zweiflern kommandiert werden? Selbst die Zweifler haben das Wei� abgelegt. Das deutet doch auf etwas hin, oder?�</p><p>�Er mu� wohl seine Gr�nde haben, Lordhauptmann�, sagte Byar bed�chtig. �Die Zweifler haben immer ihre guten Gr�nde, selbst wenn sie uns andere nicht einweihen.�</p><p>Bornhald mu�te sich selbst daran erinnern, da� Byar trotzdem ein guter Soldat war. �Die Kinder des Lichts im Norden tragen Umh�nge aus Tarabon und die im S�den solche der Domani. Mir gef�llt nicht, was das bedeuten k�nnte. Es gibt hier Schattenfreunde, doch die befinden sich in Falme und nicht auf der Ebene. Wenn Jeral zur�ckreitet, tut er es nicht allein. Botschaften werden an jede Gruppe der Kinder geschickt, von der ich wei�, wo sie zu finden ist. Ich habe vor, die Legion auf die TomanHalbinsel zu f�hren, Byar, um zu sehen, was die wirklichen Schattenfreunde, diese Seanchan, vorhaben.�</p><p>Byar wirkte beunruhigt, aber bevor er etwas sagen konnte, erschien Muadh mit einem der Gefangenen. Der schwitzende junge Mann im zerbeulten, doch reich verzierten Brustpanzer sah immer wieder �ngstlich Muadhs entstelltes Gesicht an. Bornhald zog sein Messer und fing an, sich die Fingern�gel zu schneiden. Er hatte noch nie verstanden, warum das einige M�nner nerv�s machte, aber er ben�tzte dieses Mittel trotzdem. Selbst sein gro�v�terliches L�cheln lie� das schmutzige Gesicht des Gefangenen erbleichen. �Nun, junger Mann, Ihr werdet uns jetzt alles erz�hlen, was Ihr �ber diese Fremden wi�t, ja? Falls Ihr erst dar�ber nachdenken m��t, was Ihr sagen sollt, schicke ich Euch mit Kind Muadh hinaus, damit Ihr Mu�e zum Nachdenken habt.�</p><p>Der Gefangene warf Muadh einen Blick aus weit aufgerissenen Augen zu. Dann sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus.</p><p>Die <emphasis>Gischt</emphasis> ritt die lange D�nung des Aryth-Meeres aus, aber Domons gespreizte Beine hielten ihn im Gleichgewicht, w�hrend er den langen Zylinder des Fernrohrs ans Auge hielt und das gro�e Schiff betrachtete, das sie verfolgte. Verfolgte und sie ganz langsam �berholte. Der Wind, unter dem die <emphasis>Gischt</emphasis> kreuzte, war weder der g�nstigste noch der st�rkste, aber er h�tte f�r das andere Schiff nicht g�nstiger sein k�nnen, das mit seinem breitgebauten Bug die langen Wellen zu Bergen von <emphasis>Gischt</emphasis> zerschlug. Im Osten ragte die K�ste der Toman-Halbinsel auf � dunkle Klippen und schmale Sandstreifen. Er hatte die <emphasis>Gischt</emphasis> nicht so weit hinausbringen wollen, doch nun f�rchtete er, diese Vorsichtsma�nahme teuer bezahlen zu m�ssen.</p><p>�Fremde, K�pten?� Yarins Stimme klang nach Schwei�. �Ist es ein Schiff der Fremden?�</p><p>Domon senkte das Fernrohr, aber das gro�e, irgendwie viereckig wirkende Schiff mit den eigenartig gerippten Segeln schien immer noch sein Gesichtsfeld zu f�llen. �Seanchan�, sagte er und h�rte, wie Yarin aufst�hnte. Er trommelte mit den Fingern auf die Reling und sagte dem Ruderg�nger dann: �Halte n�her auf die K�ste zu. Dieses Schiff nicht wagen wird, seichtes Wasser zu befahren, wie es die <emphasis>Gischt</emphasis> kann.�</p><p>Yarin gab Kommandos aus, und Seeleute rannten und holten Mastb�ume ein, w�hrend der Ruderg�nger die Pinne herumzog und den Bug mehr auf die K�ste richtete. Die <emphasis>Gischt</emphasis> kam nun langsamer vorw�rts, da sie doch fast direkt in den Wind hineinlief, aber Domon war sicher, er k�nne die Untiefen vor der K�ste erreichen, bevor sie von dem anderen Schiff eingeholt w�rden. <emphasis>Auch wenn Lader�ume voll sein, sie doch k�nnen befahren seichteres Wasser als dieser gro�e Rumpf.</emphasis> Sein Schiff lag ein wenig h�her im Wasser als bei ihrem Ablegen in Tanchico. Ein Drittel der Ladung an Feuerwerksk�rpern, die er dort genommen hatte, war weg � in den Fischerd�rfern auf der Toman-Halbinsel verkauft. Aber mit dem daf�r erhaltenen Silber waren auch beunruhigende Nachrichten eingetroffen. Die Leute erz�hlten von Besuchern aus den gro�en, kastenf�rmigen Schiffen der Invasoren. Wenn Schiffe der Seanchan vor der K�ste ankerten und die Dorfbewohner sich sammelten, um ihre Heimat zu verteidigen, wurden sie von Blitzen aus heiterem Himmel zerfetzt. Kleine Boote brachten die Invasoren an Land, und der Erdboden explodierte unter den F��en der Verteidiger. Domon hatte geglaubt, man wolle ihm einen B�ren aufbinden, aber dann hatten sie ihm den geschw�rzten Boden gezeigt, und das in so vielen D�rfern, da� er die Geschichten nicht mehr anzweifelte. Neben den Soldaten der Seanchan k�mpften Ungeheuer. Nicht, da� es �berhaupt noch viel Widerstand gab, sagten die Dorfbewohner. Manche behaupteten sogar, die Seanchan selbst seien Monster mit gro�en Insektenk�pfen.</p><p>In Tanchico hatte niemand auch nur gewu�t, wie sie sich nannten, und die Bewohner Tarabons hatten zuversichtlich davon gesprochen, da� ihre Truppen die Invasoren ins Meer zur�cktreiben w�rden. Aber es war in jeder K�stenstadt anders. Die Seanchan sagten den erstaunten Leuten, sie m��ten Eide erneut schw�ren, die sie vor langer Zeit gebrochen h�tten, erkl�rten aber nicht, wann sie sie gebrochen oder was sie �berhaupt bedeutet hatten. Eine junge Frau nach der anderen wurde weggebracht und untersucht, und manche davon wurden an Bord der Schiffe gebracht und nicht wiedergesehen. Auch ein paar �ltere Frauen waren verschwunden, meist Lenker und Heiler. Die Seanchan w�hlten neue B�rgermeister und neue Gemeinder�te. Jeder, der gegen das Verschwinden der Frauen protestierte, kam zumindest nicht mehr f�r eines der �mter in Frage oder wurde m�glicherweise geh�ngt oder brannte pl�tzlich bei lebendigem Leib oder wurde einfach wie ein kl�ffender K�ter beiseitegeschoben. Man konnte nicht vorhersagen, was einem passierte, bis es zu sp�t war.</p><p>Und wenn die Menschen gr�ndlich eingesch�chtert waren, wenn man sie hatte niederknien und verwirrt schw�ren lassen, den Vorfahren zu gehorchen, auf die R�ckkehr zu warten und Denen Die Heimkehrten mit ihrem Leben zu dienen, segelten die Seanchan fort und kamen gew�hnlich nicht mehr wieder. Nur in Falme, so sagte man, hatten sie einen festen Br�ckenkopf.</p><p>In einigen der D�rfer, die sie verlassen hatten, n�herten sich die M�nner und Frauen langsam wieder ihrem vorherigen Lebensstil, sprachen sogar davon, ihre Gemeinder�te neu zu w�hlen, aber die meisten blickten nur nerv�s aufs Meer hinaus und protestierten mit blassen Gesichtern, da� sie die Eide, die sie hatten schw�ren m�ssen, einzuhalten ged�chten, auch wenn sie sie nicht verstanden.</p><p>Domon hatte nicht die Absicht, irgendwelche Seanchan kennenzulernen, wenn er es vermeiden konnte.</p><p>Er hob gerade wieder das Fernrohr, um zu sehen, ob er etwas auf dem sich n�hernden Deck des anderen Schiffes ausmachen konnte, als mit einem Donnerschlag die Meeresoberfl�che keine hundert Schritt von der Backbordseite der <emphasis>Gischt</emphasis> entfernt in einer von Flammen durchsetzten Wasserfont�ne explodierte. Bevor er auch nur den Mund staunend �ffnen konnte, zerri� eine weitere Flammens�ule das Meer auf der anderen Seite, und als er herumfuhr, um dorthin zu starren, stieg gerade voraus eine dritte Flammens�ule aus dem Meer empor. Die Explosionen erstarben so schnell, wie sie sich ereignet hatten. Tropfen hagelten auf das Deck herunter. Wo sie sich kurz vorher befunden hatten, kochte und dampfte die See nun.</p><p>�Wir... wir werden seichtes Wasser erreichen, bevor sie l�ngsseits gehen k�nnen�, sagte Yarin bed�chtig. Er schien es zu vermeiden, die Stellen anzublicken, wo das Wasser unter Dampfwolken kochte.</p><p>Domon sch�ttelte den Kopf. �Wie sie es auch anstellen m�gen, sie uns zerschmettern k�nnen, auch wenn ich sie in Brecher lenken.� Er schauderte, als er an die Flammen in den Wasserfont�nen dachte und daran, da� sein Laderaum mit Feuerwerksk�rpern gef�llt war. �Gl�ck, stech mich, wir vielleicht nicht lange genug leben w�rden, um zu ertrinken.� Er zupfte an seinem Bart und rieb sich die bartfreie Oberlippe. Er z�gerte den Befehl hinaus �das Schiff und seine Ladung waren alles, was er auf der Welt besa� �, doch schlie�lich zwang er sich dazu: �Geh unter den Wind, Yarin, und la� das Segel einholen. Schnell, Mann, schnell! Bevor sie denken, wir immer noch fliehen wollen.�</p><p>W�hrend die Besatzungsmitglieder rannten, um die Dreiecksegel einzuholen, drehte sich Domon wieder um und beobachtete, wie das Schiff der Seanchan n�her kam. Die <emphasis>Gischt</emphasis> verlor an Fahrt und d�mpelte in der D�nung. Das andere Schiff war ein gutes St�ck h�her als Domons Frachtkahn. An Bug und Heck hatte es h�lzerne turmartige Aufbauten. Auf diesen T�rmen standen Gestalten in R�stungen, und in der Takelage kletterten M�nner herum, die die eigenartigen Segel refften. Eine Pinasse wurde heruntergelassen und anschlie�end flink zur <emphasis>Gischt</emphasis> hin�bergerudert. Sie bef�rderte ger�stete Gestalten und, was Domon �berrascht die Stirn runzeln lie�, es kauerten auch zwei Frauen im Heck. Die Pinasse rumpelte gegen den Rumpf der <emphasis>Gischt.</emphasis></p><p>Der erste, der herauskletterte, war einer der Ger�steten, und Domon sah sofort, warum einige Dorfbewohner behaupteten, die Seanchan selbst seien Ungeheuer. Der Helm sah tats�chlich beinahe so aus wie der Kopf eines riesigen Insekts mit feinen, roten Federn anstelle von F�hlern. Der Tr�ger schien zwischen den Bei�zangen herauszulugen. Dazu war er noch angemalt und mit Gold verziert, um diesen Eindruck zu verst�rken. Auch die �brige R�stung des Mannes war bemalt und goldverziert. Sich �berlappende schwarze und rote Schuppen mit Goldr�ndern bedeckten die Brust, die Au�enseiten der Arme und die Vorderseiten der Schenkel. Selbst die stahlverst�rkten R�cken der Handschuhe waren in Rot und Gold gehalten. Wo er kein Metall am K�rper trug, war er in dunkles Leder gekleidet. Das Zweihandschwert auf seinem R�cken mit seiner gekr�mmten Klinge steckte in einer schwarzen und roten Lederscheide.</p><p>Dann nahm der Ger�stete den Helm ab und Domon ri� die Augen auf. Es war eine Frau. Ihr dunkles Haar war kurzgeschnitten, und ihr Gesicht wirkte hart, aber es gab keinen Zweifel. Er hatte noch nie von so etwas geh�rt, au�er nat�rlich bei den Aiel, aber von den Aiel wu�te man sowieso, da� sie verr�ckt waren. Auch die Tatsache, da� ihr Gesicht keineswegs so fremdartig war, wie er es von den Seanchan erwartet hatte, brachte ihn etwas aus der Fassung. Sicher, ihre Augen waren blau und ihr Teint ausgesprochen hell, aber das hatte er auch schon fr�her einmal gesehen. Wenn diese Frau ein Kleid tr�ge, w�rde niemand ihr Beachtung schenken. Er musterte sie und revidierte sein Urteil: mit diesem kalten Blick und den harten Wangen mit ihren hohen Backenknochen w�rde sie �berall auffallen.</p><p>Die anderen Soldaten folgten der Frau an Deck. Domon war erleichtert, als einige von ihnen die eigenartigen Helme abnahmen und er sah, da� zumindest sie M�nner waren, M�nner mit schwarzen oder braunen Augen, die in Tanchico oder Illian �berhaupt nicht aufgefallen w�ren.</p><p>Er hatte sich schon ganze Armeen von blau�ugigen Frauen mit Schwertern ausgemalt. <emphasis>Aes Sedai mit Schwertern,</emphasis> dachte er, als er sich an das explodierende Meer erinnerte.</p><p>Die Seanchan-Frau musterte hochm�tig das ganze Schiff und w�hlte dann Domon als den m�glichen Kapit�n aus. Der Kleidung nach konnte es ja nur er oder Yarin sein. Und so, wie Yarin die Augen geschlossen hielt und leise Gebete vor sich hin murmelte, deutete alles auf Domon hin. Sie fixierte ihn mit einem durchdringenden Blick.</p><p>�Gibt es in Eurer Besatzung oder unter Euren Passagieren irgendwelche Frauen?� Sie sprach in einem leicht schleppenden, undeutlichen Tonfall, der es schwer machte, sie zu verstehen. Doch in ihrer Stimme lag eine Sch�rfe, die vermuten lie�, da� sie gewohnt war, Antworten zu erhalten. ��u�ert Euch, Mann, falls Ihr der Kapit�n seid! Falls nicht, dann weckt diesen anderen Narren und sagt ihm, er solle sich �u�ern!�</p><p>�Ich sein Kapit�n, Lady�, sagte Domon vorsichtig. Er hatte keine Ahnung, wie er sie anreden sollte, und er wollte blo� nichts falsch machen. �Ich haben keine Passagiere, und es sein keine Frau unter meiner Besatzung.� Er dachte an die M�dchen und Frauen, die verschleppt worden waren, und fragte sich nicht zum ersten Mal, was diese Leute mit ihnen wohl anstellten.</p><p>Die beiden auch als solche angezogenen Frauen kamen aus der Pinasse herauf an Deck. Domon ri� die Augen auf, als er sah, da� die eine die andere an einem silbernen Metallkettchen wie an einer Leine hinter sich her zog. Die Metalleine ging von einem Armband aus, das die vordere Frau trug, und war an einem Metallhalsband bei der hinteren Frau befestigt. Er konnte nicht feststellen, ob sie gewebt oder aus Einzelgliedern gefertigt war � irgendwie schien es beides gleichzeitig zu sein �, aber sie bestand offensichtlich zusammen mit Armband und Halsband aus einem einzigen St�ck.</p><p>Die vordere Frau raffte die Leine in Schlingen zusammen, als die andere das Deck betrat. Die Frau mit dem Halsband war in einfaches Dunkelgrau geh�llt und stand mit gefalteten H�nden und auf die Planken gesenktem Blick da. Die andere hatte an der Brust ihres blauen Kleides und an den Seiten ihres kn�chellangen Rocks rote Einsatzstreifen, auf denen silberne, gespaltene Blitze zu sehen waren. Domon musterte die Frauen nerv�s.</p><p>�Sprecht langsam, Mann�, verlangte die blau�ugige Frau in ihrem schleppenden Tonfall. Sie kam �ber das Deck heran und stellte sich vor ihn. Obwohl sie zu ihm hochblicken mu�te, schien sie gr��er als er zu sein. �Ihr seid ja noch schwerer zu verstehen als der Rest in diesem vom Licht verlassenen Land. Und ich behaupte nicht, von edlem Blut zu sein. Noch nicht. Nach der <emphasis>Corenne...</emphasis> Ich bin Kapit�n Egeanin.�</p><p>Domon wiederholte seine Worte, wobei er sich bem�hte, langsam zu sprechen, und f�gte hinzu: �Ich sein ein friedlicher Handelsschiffer, Kapit�n. Ich nicht Bedrohung f�r Euch sein, und ich nichts mit Eurem Krieg zu tun haben.� Er konnte nicht anders, als die beiden durch die Leine verbundenen Frauen wieder anzustarren.</p><p>�Ein friedlicher Handelsschiffer?� sann Egeanin laut nach. �In diesem Fall seid Ihr frei und k�nnt weiterfahren, sobald Ihr Euren Gefolgschaftseid wieder abgelegt habt.� Sie bemerkte seinen Blick und l�chelte die beiden Frauen voller Besitzerstolz an. �Ihr bewundert meine <emphasis>Damane?</emphasis> Sie hat mich einiges gekostet, aber sie war auch jede M�nze wert. Nur wenige au�er den Adligen besitzen eine <emphasis>Damane.</emphasis> Die meisten sind Eigentum des Throns. Sie ist stark, H�ndler. Sie h�tte Euer Schiff zu Splittern zerbersten lassen k�nnen, wenn ich es gew�nscht h�tte.�</p><p>Domon betrachtete die Frauen und ihre silberne Leine. Er hatte diejenige, die das Abzeichen mit den Blitzen trug, mit den feurigen Font�nen im Meer in Verbindung gebracht und angenommen, sie sei eine Aes Sedai. Egeanin hatte nun seine Vorstellungen durcheinandergewirbelt. <emphasis>Niemand kann so etwas einer...</emphasis> �Sie sein Aes Sedai?� fragte er ungl�ubig.</p><p>Er sah den beil�ufig durchgezogenen Schlag mit dem Handr�cken nicht kommen. Er taumelte, als ihr stahlverst�rkter Handschuh seine Lippe spaltete.</p><p>�Diese Bezeichnung wird niemals ausgesprochen�, sagte Egeanin mit gef�hrlich sanfter Stimme. �Es gibt nur die <emphasis>Damane,</emphasis> die Gekoppelten, und nun dienen sie auch in Wirklichkeit und nicht nur pro forma.� Im Vergleich mit ihrem Blick w�re Eis warm erschienen.</p><p>Domon schluckte das Blut herunter und lie� die geballten F�uste herunterh�ngen. Und h�tte er auch ein Schwert zur Hand gehabt, er h�tte doch nicht seine Mannschaft von einem Dutzend ger�steter Soldaten dahinschlachten lassen. Aber es kostete M�he, seine Stimme dem�tig klingen zu lassen. �Ich nicht respektlos sein wollen, Kapit�n. Ich nichts wissen von Euch und Euren Sitten. Wenn ich dagegen versto�en, es nur Ignoranz sein und keine Absicht.�</p><p>Sie sah ihn an und sagte dann: �Ihr wi�t alle nichts, Kapit�n, aber Ihr werdet f�r die Schuld Eurer Vorfahren zahlen. Dieses Land geh�rte uns, und es wird uns wieder geh�ren. Nach der R�ckkehr ist es wieder in unserem Besitz.� Domon wu�te nicht, was er sagen sollte. <emphasis>Sie doch wohl nicht sagen wollen, da� dieser ganze Klatsch �ber Artur Falkenfl�gel wahr sein?</emphasis> Also hielt er den Mund. �Ihr werdet nach Falme segeln� � er versuchte zu protestieren, aber ihr finsterer Blick lie� ihn innehalten und schweigen � �wo Ihr und Euer Schiff untersucht werdet. Wenn Ihr nur ein friedlicher H�ndler seid, wie Ihr ja behauptet, wird man Euch erlauben weiterzusegeln, sobald Ihr die Eide abgelegt habt.� �Eide, Kapit�n? Welche Eide?�</p><p>�Zu gehorchen, zu warten und zu dienen. Eure Vorfahren h�tten sich doch eigentlich daran erinnern m�ssen.�</p><p>Sie holte ihre Leute zusammen. Nur einer war ausgenommen: ein Mann in einfacher R�stung, die seinen niedrigen Rang unterstrich, genau wie seine tiefe Verbeugung Kapit�n Egeanin gegen�ber. Dann legte ihre Pinasse ab und wurde zu dem gr��eren Schiff hin�bergerudert. Der verbliebene Seanchan gab keine Befehle. Er setzte sich lediglich mit �bergeschlagenen Beinen auf das Deck und machten sich daran, die Klinge seines Schwertes zu schleifen, w�hrend die Besatzung Segel setzte und das Schiff Fahrt aufnahm. Er schien keine Angst zu haben, obwohl er so allein in ihrer Mitte sa�, und Domon h�tte auch jeden Matrosen pers�nlich �ber Bord geworfen, der eine Hand gegen ihn erhob. W�hrend die <emphasis>Gischt</emphasis> die K�ste entlangfuhr, folgte ihnen das Schiff der Seanchan drau�en in tieferem Wasser. Zwischen den beiden Schiffen lag etwa eine Meile, aber Domon war klar, da� es trotzdem kein Entkommen gab, und er wollte den Mann so sicher wieder an Kapit�n Egeanin �bergeben, als h�tte seine eigene Mutter ihn auf den Armen geschaukelt.</p><p>Es war eine lange Fahrt nach Falme, und Domon �berredete den Seanchan schlie�lich, ein wenig mit ihm zu plaudern. Er war ein dunkel�ugiger Mann von mittleren Jahren mit einer alten Narbe �ber den Augen und einer weiteren an der Kinnspitze. Er hie� Caban und hatte nichts als Verachtung �brig f�r jeden, der auf dieser Seite des Aryth-Meeres lebte. Das machte Domon dann doch nachdenklich. <emphasis>Vielleicht sie wirklich sein... Nein, das sein doch verr�ckt!</emphasis> Cabans Tonfall war genauso schleppend wie der Egeanins, aber wo ihre Stimme nach Seide auf Eisen klang, klang seine nach Leder, das �ber einen Felsen schleift. Meist wollte er nur �ber Schlachten sprechen, �ber Trinken und �ber die Frauen, die er kennengelernt hatte. Die H�lfte der Zeit �ber war Domon nicht klar, ob er von der j�ngsten Vergangenheit berichtete oder von dem Land, von dem er gekommen war. Der Mann konnte ihm nicht viel �ber das erz�hlen, was Domon wissen wollte.</p><p>Einmal fragte ihn Domon nach den <emphasis>Damane.</emphasis> Caban, der vor dem Ruderg�nger auf den Planken sa�, hob das Schwert und setzte die Spitze an Domons Kehle. �Seid vorsichtig mit dem, was Eure Zunge tut, oder Ihr verliert sie. Das geht nur den Adel an und nicht Euch. Oder mich.� Er grinste dabei, und als er ausgesprochen hatte, fuhr er fort, mit einem Stein die schwere, gekr�mmte Schneide zu schleifen.</p><p>Domon ber�hrte den Blutstropfen, der �ber dem Kragen aus seiner Kehle trat, und beschlo�, vorl�ufig wenigstens nicht mehr danach zu fragen.</p><p>Je n�her die beiden Schiffe Falme kamen, desto h�ufiger passierten sie hohe, eckig anzuschauende Schiffe der Seanchan, einige unter Segel, die Mehrzahl jedoch vor Anker. Jedes hatte diesen abgeschnittenen Bug und die T�rme an Bug und Heck, und sie geh�rten zu den gr��ten Schiffe, die Domon selbst bei den Meerleuten jemals gesehen hatte. Ein paar kleine K�stensegler mit ihrem spitzen Bug und den Dreiecksegeln glitten �ber die gr�nen Wogen. Ihr Anblick lie� ihn auf Egeanins Versprechen vertrauen, da� er frei weitersegeln k�nne.</p><p>Als sich die <emphasis>Gischt</emphasis> der Landzunge n�herte, auf der Falme stand, ri� Domon aber dann doch die Augen auf. Eine solche Anzahl von Schiffen der Seanchan vor dem Hafen ankern zu sehen, hatte er nicht erwartet. Er versuchte, sie zu z�hlen, aber bei hundert gab er auf, und das war noch nicht einmal die H�lfte. Er hatte schon zuvor gelegentlich eine solche Schiffsansammlung gesehen � in Illian oder Tear und sogar im Hafen von Tanchico, aber da waren eben sehr viele kleine Schiffe dabeigewesen. Er murmelte m�rrisch einiges in sich hinein und lie� die <emphasis>Gischt</emphasis> in den Hafen einlaufen, von ihrem gro�en Seanchan-Sch�ferhund hineingetrieben.</p><p>Falme stand auf einer schmalen Landzunge am �u�ersten Ende der Toman-Halbinsel. Weiter westlich erstreckte sich nur noch das Aryth-Meer. Von beiden Seiten her war die Hafeneinfahrt von hohen Klippen eingerahmt, und auf einer davon, an einem Fleck, den jedes Schiff, das in den Hafen einfahren wollte, passieren mu�te, standen die T�rme der W�chter der Wogen. Ein K�fig hing an der Seite eines der T�rme, und darin sa� offensichtlich mutlos ein Mann und lie� die Beine zwischen den Gitterst�ben herausbaumeln.</p><p>�Wer sein denn das?� fragte Domon.</p><p>Caban hatte endlich mit dem Schwertschleifen aufgeh�rt, nachdem Domon sich gefragt hatte, ob er sich damit rasieren wolle. Der Seanchan blickte auf und sah, worauf Domon deutete. �Oh! Das ist der Erste W�chter. Nat�rlich nicht derjenige, der den Vorsitz hatte, als wir ankamen. Jedesmal wenn einer stirbt, w�hlen sie einen neuen, und wir stecken ihn in den K�fig.�</p><p>�Aber warum?� wollte Domon wissen.</p><p>Cabans Grinsen legte viele Z�hne frei. �Sie haben auf die falsche Sache gewartet und verga�en, woran sie sich h�tten erinnern m�ssen.�</p><p>Domon ri� den Blick von dem Seanchan los. Die <emphasis>Gischt</emphasis> glitt �ber die letzte h�here Welle in das ruhigere Wasser des Hafens. <emphasis>Ich sein schlie�lich H�ndler, und das alles mich nichts angehen.</emphasis> Falme erhob sich in der von der Hafenbucht gebildeten Mulde am Ende der Landzunge. Domon konnte nicht entscheiden, ob die dunklen Steingeb�ude lediglich ein gro�es Dorf bildeten oder ob es sich doch um eine kleine Stadt handelte. Auf jeden Fall konnte er kein einziges Geb�ude entdecken, das auch nur einem schwachen Vergleich mit dem kleinsten Palast von Illian standhielt.</p><p>Er steuerte die <emphasis>Gischt</emphasis> eigenh�ndig zu einem Liegeplatz an einem der Kais und fragte sich, w�hrend seine Matrosen die Leinen festmachten, ob die Seanchan vielleicht einen Teil der Feuerwerksk�rper im Laderaum kaufen w�rden. <emphasis>Ach, mich nichts angehen.</emphasis></p><p>Zu seiner �berraschung lie� sich Egeanin mit ihrer <emphasis>Damane</emphasis> an Land rudern. Diesmal trug eine andere Frau das Armband und die roten Einsatzstreifen mit dem gespaltenen Blitz am Kleid, aber die <emphasis>Damane</emphasis> war die gleiche Frau mit dem traurigen Gesicht, die nie aufblickte, au�er die andere sprach sie an. Egeanin lie� Domon und die anderen vom Schiff treiben und befahl ihnen, sich unter den Augen von zweien ihrer Soldaten auf die Kaimauer zu setzen. Sie schien zu glauben, da� eine st�rkere Bewachung �berfl�ssig sei, und Domon widersprach ihr gewi� nicht. Andere durchsuchten derweil nach ihren Anweisungen die <emphasis>Gischt.</emphasis> Die <emphasis>Damane</emphasis> nahm auch an der Suche teil.</p><p>Weiter unten am Kai erschien ein Ding. Domon wu�te nicht, wie er es h�tte bezeichnen sollen. Es war eine m�chtige geduckte Gestalt mit ledriger, graugr�ner Haut und einem Schnabel anstelle des Mauls in seinem keilf�rmigen Kopf. Und mit drei Augen. Es trottete neben einem Mann her, dessen R�stung mit drei aufgemalten Augen markiert war, genau wie die Augen dieses Gesch�pfes. Die einheimischen Hafenarbeiter und Matrosen in grob bestickten Hemden und knielangen Westen wichen vor ihnen zur�ck, als sie vorbeikamen, doch kein Seanchan schenkte ihnen besondere Beachtung. Der Mann, der die Kreatur begleitete, schien sie mit Gesten zu dirigieren.</p><p>Mann und Monster verschwanden zwischen den Geb�uden, w�hrend Domon und seine M�nner ihnen hinterherstarrten und in sich hineinfluchten. Die beiden Seanchan-W�chter grinsten sie schweigend und h�hnisch an. <emphasis>Mich nichts angehen,</emphasis> ermahnte sich Domon nachdr�cklich. Ihn ging nur sein Schiff etwas an.</p><p>In der Luft lag der vertraute Geruch nach Salzwasser und Pech. Er rutschte nerv�s auf dem von der Sonne erhitzten Stein umher und fragte sich, wonach die Seanchan wohl suchen mochten. Wonach vor allem die <emphasis>Damane</emphasis> suchte. Fragte sich auch, was das f�r ein Gesch�pf gewesen war. M�wen schrien und kreisten �ber dem Hafen. Er dachte daran, welche Schreie wohl ein Mann in einem K�fig ausstie�. <emphasis>Es mich nichts gehen an.</emphasis> Schlie�lich f�hrte Egeanin ihre Leute auf den Kai zur�ck. Domon bemerkte mi�trauisch, da� der Seanchan-Kapit�n ein in gelbe Seide geh�lltes P�ckchen in der Hand trug. Klein genug, um es in einer Hand zu tragen, aber sie hielt es vorsichtig in beiden H�nden.</p><p>Er stand auf � der Soldaten wegen nur sehr langsam, obwohl in ihren Augen die gleiche Verachtung stand wie bei Caban. �Seht Ihr, Kapit�n? Ich nur sein friedlicher H�ndler. Vielleicht Eure Leute wollen kaufen ein wenig von meinem Feuerwerk?�</p><p>�M�glich, H�ndler.� Sie machte den Eindruck unterdr�ckter Erregung und das machte ihn wiederum nerv�s. Ihre n�chsten Worte verst�rkten seine Nervosit�t noch. �Ihr kommt mit mir.�</p><p>Sie befahl zwei Soldaten mitzukommen, und einer von ihnen gab Domon einen Schubs, damit er loslief. Es war kein starker Schubs; Domon hatte oft gesehen, wie Bauern ihre K�he auf die gleiche Art anschoben, um sie in Bewegung zu setzen. Er knirschte mit den Z�hnen, folgte aber Egeanin.</p><p>Die mit Kopfstein gepflasterte Stra�e zog sich den Abhang hinauf und lie� den Geruch des Hafens hinter sich zur�ck. Weiter oben wurden die ziegelgedeckten H�user gr��er und gepflegter. �berraschend f�r eine besetzte Stadt, befanden sich mehr Einwohner auf der Stra�e als Seanchan-Soldaten, und hier und da wurde sogar eine S�nfte mit vorgezogenen Vorh�ngen von M�nnern mit nacktem Oberk�rper einhergetragen. Die Falmer schienen ihren Gesch�ften nachzugehen, als gebe es die Seanchan gar nicht. Oder fast nicht. Wenn allerdings eine S�nfte oder ein Soldat vorbeikam, dann verbeugten sich sowohl die �rmeren als auch die reicheren Leute tief und verblieben in dieser Haltung, bis die Seanchan verschwunden waren. Die �rmeren hatten ihre schmutzige Kleidung nur mit einem oder zwei Streifen verziert, w�hrend die Reichen Hemden, Westen und Kleider trugen, die von der Schulter bis an die H�fte mit den kompliziertesten Mustern bestickt waren. Alle verbeugten sich nun auch vor Domon und seiner Wache. Doch weder Egeanin noch ihre Soldaten w�rdigten sie eines Blickes. Domon bemerkte erschrocken, da� einige der Einwohner Falmes an ihren G�rteln Dolche trugen und ein paar sogar Schwerter. Das �berraschte ihn, und er platzte heraus: �Einige von ihnen sein auf Eurer Seite?�</p><p>Egeanin runzelte die Stirn, als sie zu ihm nach hinten sah. Sie war offensichtlich verbl�fft �ber seine Frage. Doch dann betrachtete sie die Leute n�her, ohne deswegen langsamer zu gehen, und nickte. �Ihr meint, wegen der Schwerter. Sie geh�ren jetzt zu uns, H�ndler; sie haben die Eide abgelegt.� Sie blieb pl�tzlich stehen und deutete auf einen hochgewachsenen, breitschultrigen Mann mit einer reich verzierten Weste und einem Schwert, das an einem einfachen Ledergehenk baumelte. �Ihr da!�</p><p>Der Mann blieb mitten im Schritt stehen, einen Fu� in der Luft, und auf seinem Gesicht zeigte sich pl�tzlich Angst.</p><p>Es war ein hartes Gesicht, und doch wirkte er, als wolle er am liebsten weglaufen. Statt dessen wandte er sich ihr zu und verbeugte sich, die H�nde auf den Knien und den Blick auf ihre Stiefel gesenkt. �Wie kann dieser Unw�rdige dem Kapit�n dienen?� fragte er mit angespannter Stimme. �Ihr seid H�ndler?� fragte Egeanin. �Ihr habt die Eide abgelegt?�</p><p>�Ja, Kapit�n. Ja.� Er hob den Blick noch immer nicht von ihren F��en. �Was sagt Ihr den Leuten, wenn Ihr mit Euren Wagen ins Landesinnere fahrt?�</p><p>�Da� sie den Vorfahren gehorchen m�ssen, Kapit�n, die R�ckkehr erwarten und denen dienen, die heimkehren werden.�</p><p>�Und denkt Ihr niemals daran, dieses Schwert gegen uns zu erheben?�</p><p>Die Kn�chel des Mannes wurden wei� vor Anspannung � die H�nde lagen immer noch auf den Knien �, und in seiner Stimme lag nun irgendwie der Eindruck von Schwei�. �Ich habe die Eide abgelegt, Kapit�n. Ich gehorche, warte und diene.�</p><p>�Seht Ihr?� sagte Egeanin, wobei sie sich wieder Domon zuwandte. �Es gibt keinen Grund, ihnen das Tragen von Waffen zu verbieten. Es mu� Handel geben, und H�ndler m�ssen sich gegen Banditen sch�tzen. Wir erlauben den Leuten, nach Gutd�nken zu kommen und zu gehen, solange sie gehorchen, warten und dienen. Ihre Vorfahren haben die Eide gebrochen, aber die hier haben dazugelernt.� Sie ging weiter den H�gel hinauf, und die Soldaten schubsten Domon hinter ihr her.</p><p>Er blickte zu dem H�ndler zur�ck. Der Mann blieb so geb�ckt stehen, bis Egeanin sich zehn Schritte von ihm entfernt hatte. Dann richtete er sich auf und eilte in entgegengesetzter Richtung mit langen Schritten zum Hafen hinunter.</p><p>Egeanin und seine Bewacher sahen sich auch nicht um, als eine Gruppe berittener Seanchan-Soldaten an ihnen vorbeikam und weiter die Stra�e hochritt. Die Soldaten ritten auf Gesch�pfen, die wie pferdegro�e Katzen aussahen, aber unter ihren S�tteln schimmerten bronzefarben die Schuppen einer Eidechse. Klauenbewehrte F��e packten beim Vorw�rtsspringen die Pflastersteine. Ein Kopf mit drei Augen wandte sich nach Domon um, w�hrend der Trupp sie �berholte. Von allem anderen abgesehen, blickten die Augen f�r Domons Geschmack zu � weise. Er stolperte und w�re beinahe gest�rzt. Die ganze Stra�e entlang dr�ckten sich die Falmer an die H�userfronten, und manche schlossen sogar die Augen. Die Seanchan beachteten das nicht.</p><p>Domon verstand gut, warum die Seanchan den Leuten hier so viele Freiheiten lassen konnten. Er fragte sich, ob er selbst den Mut aufbringen k�nne, ihnen Widerstand zu leisten. <emphasis>Damane.</emphasis> Ungeheuer. G�be es �berhaupt irgend etwas, das die Seanchan davon abhalten k�nnte, geradewegs bis zum R�ckgrat der Welt zu marschieren? <emphasis>Gehen mich nichts an,</emphasis> dachte er grimmig und �berlegte, ob es irgendeine M�glichkeit gebe, die Seanchan bei seinen k�nftigen Handelsreisen zu meiden.</p><p>Sie erreichten den oberen Rand des Einschnitts, wo die Stadt endete und das H�gelland begann. Es gab keine Stadtmauer. Vor ihnen lagen die Schenken, wo die Kaufleute �bernachteten, die ins Landesinnere fuhren, und dazu die Wagenstellpl�tze und St�lle. Die H�user hier w�ren auch in Illian respektable Herrenh�user der niedrigeren Adligen gewesen. Vor dem gr��ten stand eine Ehrenwache von Soldaten der Seanchan, und obenauf flatterte eine Flagge mit einem goldenen Falken mit ausgebreiteten Schwingen auf blauem Grund. Egeanin gab Schwert und Dolch ab, bevor sie Domon mit hineinbrachte. Ihre beiden Soldaten verblieben auf der Stra�e. Domon kam ins Schwitzen. Das roch nach der Anwesenheit eines hohen Adligen, und es war nicht gut, mit einem Lord in dessen eigenem Haus verhandeln zu m�ssen.</p><p>In der Eingangshalle lie� Egeanin Domon an der T�r stehen und sprach mit einem Diener. Er war wohl aus Falme, wie Domon aus den langen �rmeln seines Hemdes und den spiralf�rmigen Stickereien auf der Brust schlo�. Domon glaubte, aus ihrer Unterhaltung die Worte �hoher Herr� herauszuh�ren. Der Diener eilte fort und kehrte nach einer Weile zur�ck. Er f�hrte sie in das unzweifelhaft gr��te Zimmer des Hauses. Jedes noch so kleine M�belst�ck war daraus entfernt worden, selbst die Teppiche, und der Steinboden war blitzblank geputzt. Mit fremdartigen V�geln bemalte Stellw�nde verdeckten W�nde und Fenster.</p><p>Egeanin trat ein kurzes St�ck in den Raum hinein und blieb dann stehen. Als Domon sie fragen wollte, wo sie sich befanden und warum, brachte sie ihn mit einem wilden Blick und einem wortlosen Grollen zum Schweigen. Sie r�hrte sich nicht, schien aber irgendwie auf Zehenspitzen zu stehen. Sie hielt das, was sie von seinem Schiff mitgenommen hatte, wie etwas Wertvolles in den H�nden. Er versuchte sich vorzustellen, was es wohl sei.</p><p>Pl�tzlich erklang leise ein Gong, und die Seanchan-Frau sank auf die Knie nieder, wobei sie den in Seide geh�llten Gegenstand vorsichtig neben sich stellte. Auf einen Blick von ihr hin lie� sich auch Domon auf die Knie nieder. Adlige erlie�en manchmal eigenartige Vorschriften, und er vermutete, die der Seanchan k�nnten noch etwas eigenartiger sein als alles, was er bisher kennengelernt hatte.</p><p>Zwei M�nner erschienen im Eingang auf der entfernten Seite des Raumes. Der eine hatte die linke Kopfseite kahlgeschoren. Das verbliebene bla�goldene Haar hing zu einem Zopf geflochten auf seine Schulter herunter. Sein sattgelbes Gewand war gerade lang genug, da� die Spitzen seiner gelben Pantoletten beim Gehen herauslugten. Der andere trug ein blaues Seidengewand, mit Vogelbildern ums�umt und so lang, da� er es auf dem Boden hinter sich herschleifen mu�te. Sein Kopf war v�llig kahlgeschoren und die Fingern�gel waren dreimal so lang wie normal. Die an den Zeige- und Mittelfingern beider H�nde waren blau angemalt. Domon bekam vor Staunen den Mund nicht zu.</p><p>�Ihr befindet Euch in der Gegenwart des Hohen Herrn Turak�, verk�ndete der gelbhaarige Mann in singendem Tonfall, �der die Vorfahren befehligt und die R�ckkehr vorbereitet.�</p><p>Egeanin warf sich mit seitlich angelegten H�nden zu Boden. Domon machte es ihr �bereifrig nach. <emphasis>Selbst die Hochlords von Tear so was nicht verlangen w�rden,</emphasis> dachte er. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Egeanin den Boden k��te. Er verzog das Gesicht und entschlo� sich, das Nachahmen an diesem Punkt abzubrechen. <emphasis>Sie nicht sehen k�nnen sowieso, ob ich das tun oder nein.</emphasis></p><p>Egeanin stand pl�tzlich wieder auf. Er begann ebenfalls, sich zu erheben, und kniete auch bereits mit einem Bein wieder, als ein Grollen aus ihrer Kehle und ein entsetzter Blick des Mannes mit dem Zopf ihn wieder zur�cksinken lie�. Er lag mit dem Gesicht am Boden und fluchte leise vor sich hin. <emphasis>Ich das nicht machen w�rde f�r den K�nig von Illian und den Rat der Neun zusammen.</emphasis> �Ihr hei�t Egeanin?� Das mu�te die Stimme des Mannes in dem blauen Gewand sein. Der Rhythmus seiner Stimme klang beinahe nach Gesang.</p><p>�Man gab mir diesen Namen an meinem Schwert-Tag, Hoher Herr�, antwortete sie dem�tig.</p><p>�Das ist ein sch�nes St�ck, Egeanin. Recht selten. W�nscht Ihr eine Bezahlung?�</p><p>�Es ist mir Bezahlung genug, dem Hohen Herrn Freude bereitet zu haben. Ich lebe, um zu dienen, Hoher Herr.�</p><p>�Ich werde Euren Namen der Kaiserin gegen�ber erw�hnen, Egeanin. Nach der R�ckkehr werden neue Namen zum Adel berufen werden. Erweist Euch als w�rdig, und vielleicht legt Ihr dann den Namen Egeanin ab, zugunsten eines h�heren.�</p><p>�Der Hohe Herr ehrt mich.�</p><p>�Ja. Ihr k�nnt mich nun verlassen.�</p><p>Domon konnte nur sehen, wie ihre Stiefel sich aus dem Raum schoben, wobei sie in Abst�nden stehenblieben, wenn sie sich verbeugte. Die T�r schlo� sich hinter ihr. Langes Schweigen folgte. Er beobachtete, wie die Schwei�tropfen von seiner Stirn auf den Boden klatschten. Dann sprach Turak wieder.</p><p>�Ihr m�gt Euch erheben, H�ndler.�</p><p>Domon stand auf und sah, was Turak in den H�nden mit den langen Fingern�geln hielt: Die Scheibe aus <emphasis>Cuendillar,</emphasis> die das uralte Symbol der Aes Sedai darstellte.</p><p>Da er sich noch zu gut an Egeanins Reaktion bei seiner Erw�hnung der Aes Sedai erinnerte, kam Domon nun wirklich ins Schwitzen. Im Blick aus den dunklen Augen des Hohen Herrn lag allerdings keine Feindseligkeit, nur leichte Neugier, aber Domon traute solchen Adligen nicht.</p><p>�Wi�t Ihr, was das ist, H�ndler?�</p><p>�Nein, Hoher Herr.� Domons Antwort klang felsenfest �berzeugend. Kein fahrender H�ndler �berlebte lang, wenn er nicht mit Unschuldsmiene und fester Stimme l�gen konnte.</p><p>�Und doch habt Ihr es an einem geheimen Ort versteckt.�</p><p>�Ich sammeln alte Sachen, Hoher Herr, Sachen aus vergangenen Zeiten. Es geben solche, die das stehlen w�rden, wenn es leicht erreichbar sein.�</p><p>Turak betrachtete die schwarz wei�e Scheibe einen Augenblick lang. �Das ist <emphasis>Cuendillar,</emphasis> H�ndler � kennt Ihr diese Bezeichnung? �, und es ist �lter, als Euch vielleicht klar ist. Kommt mit!�</p><p>Domon folgte dem Mann mi�trauisch. Er f�hlte sich nun allerdings etwas sicherer. Bei jedem Lord in einem der L�nder, die er kannte, w�re es jetzt bereits geschehen, da� er die Wachen gerufen h�tte, falls er das wollte. Aber das wenige, das er bisher bei den Seanchan beobachten konnte, sagte ihm nur, da� sie die Dinge anders anpackten als andere Leute. Er bem�hte sich, ein unbeteiligtes Gesicht zu machen.</p><p>Er wurde in einen anderen Raum gef�hrt. Er war der �berzeugung, da� Turak das Mobiliar hier mitgebracht haben mu�te. Es schien ganz aus Rundungen zu bestehen. Es gab �berhaupt keine harten, geraden Linien. Das hochgl�nzende Holz zeigte eine fremdartige Maserung. Ein Stuhl stand im Raum, und zwar auf einem seidenen Teppich, der V�gel und Blumen zeigte; dazu eine gro�e, runde Kommode. Stellw�nde lie�en auch diesen Raum kleiner erscheinen.</p><p>Der Mann mit dem Zopf �ffnete die T�r der Kommode, und in ihrem Inneren sah Domon eine eigenartige Sammlung von Skulpturen, Pokalen, Sch�sseln, Vasen, f�nfzig verschiedene Dinge, von denen sich keine zwei in Gr��e oder Form glichen. Domon stockte der Atem, als Turak vorsichtig die Scheibe neben einen perfekten Zwilling legte.</p><p><emphasis>�Cuendillar�,</emphasis> sagte Turak. �Das ist es, was ich sammle, H�ndler. Nur die Kaiserin selbst hat eine sch�nere Sammlung.�</p><p>Domon fielen fast die Augen aus dem Kopf. Wenn alles in dieser Kommode wirklich aus Cuendillar bestand, dann reichte es aus, ein K�nigreich damit zu kaufen, oder um wenigstens ein gro�es Adelshaus zu begr�nden.</p><p>Selbst ein K�nig w�rde arm werden, wenn er soviel erwarb � falls er �berhaupt wu�te, wo man soviel finden konnte. Er setzte ein L�cheln auf. �Hoher Herr, bitte nehmt dieses St�ck als Geschenk an.� Er wollte es nicht aufgeben, aber das war immer noch besser, als diesen Seanchan zu �rgern. <emphasis>Vielleicht werden nun die Schattenfreunde ihn verfolgen?</emphasis> �Ich nur sein ein einfacher Kauffahrer. Ich nur wollen handeln. La�t mich segeln, und ich verspreche Euch... �</p><p>Turaks Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, aber der Mann mit dem Zopf schnitt Domon w�tend das Wort ab: �Unrasierter Hund! Ihr sprecht davon, dem Hohen Herrn zu geben, was ihm Kapit�n Egeanin bereits gegeben hat! Ihr handelt, als sei der Hohe Herr ein � ein Kaufmann! Ihr werdet neun Tage lang ausgepeitscht, und...� Eine kaum sichtbare Bewegung von Turaks Finger brachte ihn zum Schweigen.</p><p>�Ich kann Euch nicht gestatten, mich zu verlassen, H�ndler�, sagte der Hohe Herr. �In diesem von gebrochenen Eiden �berschatteten Land kann ich niemanden finden, mit dem ich mich �ber gewisse Dinge unterhalten k�nnte. Doch Ihr seid ein Sammler. Vielleicht wird die Unterhaltung mit Euch interessant.� Er setzte sich auf den Stuhl, lehnte sich bequem zur�ck und betrachtete Domon.</p><p>Domon setzte ein � wie er glaubte � dankbares L�cheln auf. �Hoher Herr, ich wirklich sein ein einfacher H�ndler, ein einfacher Mann. Ich wei� nicht, wie ich mit Hohen Herrn sprechen sollen.�</p><p>Der Mann mit dem Zopf funkelte ihn an, doch Turak schien ihm gar nicht zugeh�rt zu haben. Hinter einer der Stellw�nde trat eine h�bsche junge Frau hervor und kniete neben dem Hohen Herrn nieder. Sie bot ihm ein bemaltes Tablett an, auf dem eine einzelne feine, henkellose Tasse mit einer dampfenden, schwarzen Fl�ssigkeit stand. Ihr dunkles, rundes Gesicht erinnerte entfernt an das Meervolk. Turak nahm die Tasse vorsichtig zwischen die Finger mit den langen N�geln, wobei er die junge Frau �berhaupt nicht ansah, und atmete die D�mpfe ein. Domon warf dem M�dchen einen Blick zu und ri� dann den Blick mit einem abgew�rgten Keuchen von ihr los. Ihr wei�es Seidengewand war mit Blumen bestickt, aber so durchscheinend, da� er praktisch hindurchblicken konnte. Darunter trug sie nichts als ihre Schlankheit.</p><p>�Der Duft von <emphasis>Kaf�,</emphasis> sagte Turak, �ist fast genauso gut wie sein Geschmack. Also, H�ndler. Ich habe erfahren, da� <emphasis>Cuendillar</emphasis> hier sogar noch seltener ist als in Seanchan. Erz�hlt mir, wie ein einfacher H�ndler an ein solches St�ck kommen konnte.� Er schl�rfte seinen <emphasis>Kaf</emphasis> und wartete.</p><p>Domon holte tief Luft und bem�hte sich, seinen Weg aus Falme hinauszul�gen.</p></section><section><title><p>30</p><p>Daes Dae'mar</p></title><p>Rand stand in Hurins und Loials Zimmer und blickte durch das Fenster auf die wie mit dem Lineal gezogenen Stra�en und die Terrassen Cairhiens, auf die Steingeb�ude und Schieferd�cher. Er konnte das Zunfthaus der Feuerwerker von hier aus nicht sehen. Erstens waren riesige T�rme und Herrenh�user im Weg, und zweitens h�tte schon allein die Stadtmauer gereicht, um den Blick darauf zu verdecken. Die Feuerwerker waren in aller Munde in der Stadt, selbst jetzt noch, Tage nach jenem Abend, an dem sich nur eine einzige Feuerblume in den Nachthimmel erhoben hatte und sonst nichts, und das noch vorzeitig. Man erz�hlte sich ein Dutzend verschiedener Versionen dieses Skandals mit noch einigen kleineren Variationen, aber nichts davon kam der Wahrheit nahe.</p><p>Rand wandte sich ab. Er hoffte, da� niemand durch den Brand verletzt worden war, aber die Feuerwerker hatten noch nicht einmal offiziell zugegeben, da� es bei ihnen gebrannt hatte. Sie waren �u�erst verschwiegen in bezug auf das, was sich innerhalb ihres Zunfthauses abspielte. �Ich werde die n�chste Wache �bernehmen�, sagte er zu Hurin, �sobald ich zur�ck bin.�</p><p>�Das ist nicht n�tig, Lord Rand.� Hurin verbeugte sich genauso tief wie die Leute aus Cairhien es zu tun pflegten. �Ich kann Wache halten. Wirklich! Mein Herr mu� sich nicht damit abgeben.�</p><p>Rand holte tief Luft und tauschte einen resignierenden Blick mit Loial. Der Ogier zuckte die Achseln. Der Schn�ffler benahm sich mit jedem in Cairhien verbrachten Tag f�rmlicher und steifer. Der Ogier sagte dazu meist nur, da� sich Menschen eben oft sehr eigenartig ben�hmen.</p><p>�Hurin�, sagte Rand, �du hast mich doch sonst auch nur Lord Rand genannt und dich nicht jedesmal verbeugt, wenn ich dich ansah.� <emphasis>Ich will, da� er sich entspannt und mich wieder Lord Rand nennt,</emphasis> dachte er, �ber sich selbst erstaunt. <emphasis>Lord Rand! Licht, wir m�ssen hier raus, bevor ich mir wirklich w�nsche, da� er sich verbeugt.</emphasis> �W�rdest du dich bitte jetzt hinsetzen? Ich werde schon m�de davon, dir zuzusehen.�</p><p>Hurin stand mit steifem Kreuz da, machte aber dennoch den Eindruck, als sei er sprungbereit, sobald Rand auch nur den kleinsten Wunsch �u�erte. Er setzte sich weder hin, noch entspannte er sich. �Das w�re nicht schicklich, Lord Rand. Wir m�ssen diesen Leuten aus Cairhien beweisen, da� wir uns genauso gut benehmen k�nnen wie...�</p><p>�H�r endlich auf damit!� schrie Rand. �Wie Ihr w�nscht, Lord Rand.�</p><p>Es kostete Rand M�he, nicht wieder zu seufzen. �Hurin, es tut mir leid. Ich h�tte dich nicht anschreien sollen.�</p><p>�Das ist doch Euer Recht, Lord Rand�, sagte Hurin einfach. �Wenn ich etwas nicht so mache, wie Ihr w�nscht, ist es Euer Recht, mich anzuschreien.�</p><p>Rand trat vor den Schn�ffler hin und wollte ihn am Kragen packen und sch�tteln.</p><p>Ein Klopfen an die Verbindungst�r zu Rands Zimmer lie� sie gleichzeitig erstarren, aber Rand war froh, als er sah, da� Hurin nicht auf seine Erlaubnis wartete, das Schwert zu ziehen. Die Reiherklinge hing an Rands G�rtel; im Hingehen ber�hrte er den Knauf. Er wartete, bis Loial sich auf seinem langen Bett zurechtgesetzt und Beine und Mantel so arrangiert hatte, da� die mit Decken bedeckte Truhe unter dem Bett verdeckt war. Dann ri� er die T�r auf.</p><p>Dahinter stand der Wirt, der vor Aufregung von einem Fu� auf den anderen trat und Rand sein Tablett vor die Nase hielt. �Vergebt mir, Herr�, sagte Cuale atemlos. �Ich konnte nicht warten, bis Ihr herunterkamt, und dann wart Ihr nicht in Eurem Zimmer und � und... Vergebt mir, aber... � Er balancierte das Tablett auf den H�nden.</p><p>Rand schnappte sich die Einladungen � er hatte schon so viele erhalten �, ohne sie anzusehen, packte den Wirt am Arm und drehte ihn zur Ausgangst�r hin. �Danke, Meister Cuale, da� Ihr Euch die M�he gemacht habt. Wenn Ihr uns nun bitte verlassen w�rdet... �</p><p>�Aber, Herr�, protestierte Cuale, �die hier sind von... �</p><p>�Dankesch�n.� Damit schob Rand den Mann in den Flur hinaus und zog die T�r entschlossen zu. Er warf die Briefe auf den Tisch. �Das hat er vorher nicht gemacht. Loial, glaubst du, er hat an der T�r gelauscht, bevor er klopfte?�</p><p>�Du f�ngst schon an, wie jemand aus Cairhien zu denken.� Der Ogier lachte, aber seine Ohren zuckten nachdenklich, und er f�gte hinzu: �Aber er ist ja schlie�lich aus Cairhien und k�nnte es deshalb durchaus getan haben. Ich glaube jedoch nicht, da� wir etwas gesagt haben, was er nicht h�ren durfte.�</p><p>Rand bem�hte sich, alles noch einmal in sein Ged�chtnis zur�ckzurufen. Keiner von ihnen hatte das Horn von Valere erw�hnt oder Trollocs oder auch nur Schattenfreunde. Als er sich dann fragte, was Cuale wohl mit dem anfangen k�nne, was er tats�chlich geh�rt haben mochte, sch�ttelte er sich kurz. �Dieser Ort geht einem ganz sch�n auf die Nerven�, murmelte er vor sich hin.</p><p>�Lord Rand?� Hurin hatte die versiegelten Briefe in die Hand genommen und betrachtete mit gro�en Augen die Wappen auf den Siegeln. �Lord Rand, die hier sind von Lord Barthanes, dem Hochsitz des Hauses Damodred, und von...�, seine Stimme erstarb beinahe vor Ehrfurcht ��K�nig Galldrian.�</p><p>Rand winkte ab. �Trotzdem wandern sie ins Feuer wie die anderen. Unge�ffnet!�</p><p>�Aber, Lord Rand!�</p><p>�Hurin�, sagte Rand geduldig, �du und Loial, ihr habt mir dieses Gro�e Spiel erkl�rt. Wenn ich irgendwohin gehe, wo sie mich eingeladen haben, werden die Leute aus Cairhien etwas hineinlesen und glauben, ich sei ein Teil irgendeiner Intrige. Wenn ich nicht hingehe, lesen sie daraus auch wieder etwas ab. Wenn ich eine Antwort abschicke, werden sie darin nach einer versteckten Bedeutung suchen, und wenn ich nicht antworte nat�rlich auch. Und da offensichtlich die H�lfte aller Cairhienianer die andere H�lfte bespitzelt, wei� jeder genau, was ich mache. Ich habe die ersten beiden verbrannt, und ich werde auch die hier verbrennen, so wie all die anderen.� An einem Tag hatten sich zw�lf Einladungen gestapelt, die er mit intakten Siegeln in den Kamin im Schankraum geworfen hatte. �Was sie auch daraus wieder herauslesen m�gen, zumindest betrifft es sie alle gleicherma�en. Ich bin nicht f�r irgend jemand hier, und ich bin nicht gegen irgend jemand.�</p><p>�Ich habe schon versucht, dir etwas zu sagen�, sagte Loial. �Ich glaube nicht, da� es so geht. Was du auch tust, die Cairhienianer werden darin eine Intrige vermuten. Das hat jedenfalls der Alteste Haman immer gesagt.�</p><p>Hurin hielt Rand die versiegelten Einladungen hin, als seien sie aus Gold. �Lord Rand, diese hier tr�gt das pers�nliche Siegel Galldrians. Sein <emphasis>pers�nliches</emphasis> Siegel! Und das hier ist das pers�nliche Siegel von Lord Barthanes, der gleich nach dem K�nig kommt, was Macht angeht. Lord Rand, verbrennt diese Einladungen, und Ihr habt Feinde, wie es keine m�chtigeren gibt. Das Verbrennen hat bisher insofern gewirkt, als die anderen H�user alle darauf warten, was Ihr wohl vorhaben m�gt, und sie glauben, Ihr habt m�chtige Verb�ndete, so da� Ihr riskieren k�nnt, die anderen alle zu beleidigen. Aber Lord Barthanes � und der K�nig! Beleidigt sie, und sie werden bestimmt handeln.�</p><p>Rand fuhr sich mit den H�nden durchs Haar. �Und was, wenn ich beide ablehne?�</p><p>�Das geht auch nicht, Lord Rand. Mittlerweile hat Euch jedes einzelne Haus eine Einladung geschickt. Wenn Ihr nun auch diese hier ablehnt, wird irgendein Haus daraufkommen, da� man ja nun eigentlich etwas gegen Euch wegen der verbrannten Einladung unternehmen k�nne, denn Ihr seid ja auch nicht mit dem K�nig oder Barthanes verb�ndet. Lord Rand, es wird erz�hlt, da� die H�user Cairhiens mittlerweile M�rder aussenden. Ein Messer auf irgendeiner Seitenstra�e. Ein Pfeil von einem Dach aus. Gift in Eurem Wein.�</p><p>�Du k�nntest auch beide annehmen� schlug Loial vor. �Ich wei�, da� du nicht willst, Rand, aber es k�nnte direkt Spa� machen. Ein Abend in einem Herrenhaus oder sogar im K�nigspalast. Rand, die Schienarer haben an dich geglaubt.�</p><p>Rand verzog das Gesicht. Er wu�te, es war Zufall gewesen, da� ihn die Schienarer f�r einen Lord gehalten hatten, eine zuf�llige �hnlichkeit der Namen, ein Ger�cht unter den Dienern, und Moiraine und die Amyrlin sch�rten kr�ftig mit. Aber auch Selene hatte daran geglaubt. <emphasis>Vielleicht k�nnte ich sie dort irgendwo treffen?</emphasis> Hurin sch�ttelte allerdings heftig den Kopf. �Erbauer, Ihr kennt <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> nicht so gut, wie Ihr glaubt. Jedenfalls nicht, wie man es jetzt in Cairhien spielt. Bei den meisten H�usern w�rde es keine Rolle spielen. Selbst wenn sie die anderen bis aufs Messer bekriegen, tun sie so, als sei es nichts, jedenfalls in der �ffentlichkeit. Aber nicht diese beiden. Das Haus Damodred hatte den Thron inne, bis Laman ihn verlor, und sie wollen ihn zur�ckhaben. Der K�nig w�rde sie vernichten, wenn sie nicht beinahe genauso m�chtig w�ren wie er selbst. Ihr k�nnt keine grimmigeren Feinde finden als die H�user Riatin und Damodred. Wenn mein Herr beide Einladungen annimmt, werden es beide H�user erfahren, sobald er seine Antworten abschickt, und jeder wird glauben, er sei Teil einer Intrige des anderen Hauses. Ihr werdet blitzschnell ihre Messer oder ihr Gift zu f�hlen bekommen.�</p><p>�Und wahrscheinlich wird jeder glauben, da� ich mit dem anderen verb�ndet bin, wenn ich dessen Einladung annehme�, grollte Rand. Hurin nickte. �Und vermutlich werden sie versuchen, mich umzubringen, um zu verhindern, was immer ich auch vorhabe.� Hurin nickte erneut. �Kannst du mir dann sagen, wie ich es vermeiden soll, da� mir <emphasis>irgend jemand</emphasis> hier an den Kragen will?� Hurin sch�ttelte den Kopf. �Ich w�nschte, ich h�tte die ersten beiden Einladungen nie verbrannt.�</p><p>�Ja, Lord Rand. Aber das h�tte auch nicht viel ge�ndert, sch�tze ich. Wen auch immer Ihr ablehnt oder wessen Einladung Ihr auch annehmt, die anderen witterten doch etwas dahinter.�</p><p>Rand streckte die Hand aus, und Hurin legte die beiden zusammengefalteten Pergamentbl�tter hinein. Das eine war nicht mit dem Baum und der Krone des Hauses Damodred gezeichnet, sondern mit dem angreifenden Keiler von Barthanes. Auf dem Siegel des anderen prangte Galldrians Hirsch. Pers�nliche Siegel. Anscheinend hatte er Interesse an h�chster Stelle erweckt, einfach weil er �berhaupt nichts getan hatte.</p><p>�Diese Leute spinnen�, sagte er und versuchte in Gedanken, einen Ausweg zu finden.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Ich werde mich im Schankraum mit diesen Briefen sehen lassen�, sagte er bed�chtig. Was man auch immer mittags im Schankraum sah, hatte sich bis zum Abend in zehn H�usern herumgesprochen, und am n�chsten Morgen in allen anderen. �Ich werde die Siegel nicht brechen. Dann wissen sie, da� ich noch keines der beiden Schreiben beantwortet habe. Solange sie darauf warten, wohin ich mich wenden werde, habe ich Ruhe. Vielleicht kann ich auf diese Art noch ein paar Tage herausschinden. Ingtar wird doch wohl bald ankommen. Er mu� einfach!�</p><p>�Also, jetzt handelt Ihr wie jemand aus Cairhien, Lord Rand�, sagte Hurin grinsend.</p><p>Rand warf ihm einen s�uerlichen Blick zu und steckte dann die Briefe zu Selenes Zettel in die Tasche. �Gehen wir, Loial. Vielleicht ist Ingtar angekommen.�</p><p>Als er mit Loial den Schankraum betrat, sah sich kein einziger Mann und keine einzige Frau dort nach ihnen um. Cuale polierte ein Silbertablett, als hinge sein Leben von dessen Glanz ab. Die Serviererinnen eilten von Tisch zu Tisch, als existierten Rand und der Ogier gar nicht. Jede der an den Tischen sitzenden Personen blickte in das Glas vor sich, als l�gen alle Geheimnisse der Macht in dessen Inhalt vergraben. Keiner sagte etwas.</p><p>Nach einem Augenblick zog er die beiden Einladungen aus der Tasche und betrachtete die Siegel. Dann steckte er sie zur�ck. Cuale fuhr ein wenig zusammen, als Rand zur T�r ging. Bevor sie sich hinter ihnen schlo�, begann wieder eine lebhafte Unterhaltung im Schankraum.</p><p>Rand ging so schnell die Stra�e hinunter, da� Loial gar keine k�rzeren Schritte machen mu�te, um neben ihm zu bleiben. �Wir m�ssen einen Weg aus der Stadt hinaus ausfindig machen, Loial. Dieser Trick mit den Einladungen kann nicht mehr als zwei oder drei Tage vorhalten. Wenn Ingtar bis dahin nicht angekommen ist, m�ssen wir weg.�</p><p>�Einverstanden�, sagte Loial.</p><p>�Aber wie?�</p><p>Loial z�hlte die Voraussetzungen an seinen dicken Fingern ab. �Fain befindet sich dort drau�en, sonst w�ren keine Trollocs in Vortor gewesen. Wenn wir hinausreiten, werden sie �ber uns herfallen, kaum da� wir au�er Sichtweite der Stadt sind. Falls wir mit dem Wagenzug eines H�ndlers fahren, werden sie diesen sicherlich �berfallen.� Kein H�ndler hatte mehr als f�nf oder sechs Leibw�chter, und die w�rden wahrscheinlich wegrennen, sobald sie einen Trolloc sahen. �Wenn wir nur w��ten, wie viele Trollocs und wie viele Schattenfreunde Fain hat. Du hast ihre Zahl ja bereits verringert.� Er erw�hnte den Trolloc nicht, den er selbst get�tet hatte, aber seiner finsteren Miene und den auf seine Wangen herunterh�ngenden Augenbrauen nach dachte er daran.</p><p>�Es spielt keine Rolle, wie viele er hat�, sagte Rand. �Zehn sind genauso schlimm wie hundert. Wenn uns zehn Trollocs angreifen, glaube ich nicht, da� wir ihnen wieder entkommen k�nnen.� Er vermied es, daran zu denken, da� es f�r ihn ja vielleicht � vielleicht � einen Weg gab, mit zehn Trollocs fertigzuwerden. Es hatte schlie�lich auch nicht geklappt, als er Loial helfen wollte.</p><p>�Das glaube ich auch nicht. Ich sch�tze, wir haben auch nicht genug Geld, um uns sehr weit weg bef�rdern zu lassen, aber selbst wenn wir es h�tten und versuchten, den Hafen von Vortor zu erreichen � na ja, Fain hat bestimmt Schattenfreunde dorthin geschickt, um aufzupassen. Falls er glaubt, wir wollten per Schiff entkommen, w�rde er wahrscheinlich keine R�cksicht mehr darauf nehmen, wer die Trollocs sehen k�nnte. Und auch wenn wir uns irgendwie von ihnen befreien k�nnten, m��ten wir alles den Stadtwachen erkl�ren, und die w�rden vermutlich nicht glauben, da� wir die Truhe nicht �ffnen k�nnen, also... �</p><p>�Wir lassen doch niemand aus Cairhien die Truhe �berhaupt sehen, Loial!�</p><p>Der Ogier nickte. �Und die Hafenanlagen der Stadt selbst n�tzen uns auch nichts.� Der Stadthafen war f�r die Getreideschiffe und die Jachten der Lords und Ladies reserviert. Niemand kam ohne Erlaubnis dort hinein. Man konnte von der Stadtmauer aus hinunterblicken, aber ein Sprung von dort oben w�re selbst f�r Loial t�dlich. �Ich denke, es ist einfach zu schade, da� wir nicht nach Stedding Tsofu k�nnen. Die Trollocs betreten niemals ein <emphasis>Stedding.</emphasis> Aber sie w�rden uns wohl gar nicht erst soweit kommen lassen, ohne anzugreifen.�</p><p>Rand antwortete nicht. Sie hatten das gro�e Wachgeb�ude innerhalb der Stadtmauer erreicht, durch das sie zuerst Cairhien betreten hatten. Drau�en wimmelte es in den Stra�en von Vortor, von den aufmerksamen Blicken zweier Wachsoldaten beobachtet. Rand glaubte einen Mann in einst gepflegter schienarischer Kleidung gesehen zu haben, der sich bei ihrem Anblick r�ckw�rts in die Menge hinein verzogen hatte, doch sicher war er sich nicht. Es gab einfach zu viele Leute in Kleidern aus aller Herren L�nder, und alle hatten es eilig. Er ging die Stufen zum Wachgeb�ude hinauf, vorbei an den Soldaten mit ihren Brustpanzern, die zu beiden Seiten des Eingangs standen.</p><p>Das gro�e Foyer war von harten Holzb�nken eingerahmt, auf denen die Leute sa�en, die dort zu tun hatten. Die meisten waren einfach und dunkel gekleidet und warteten voll dem�tiger Geduld. Es waren auch ein paar aus Vortor darunter, die durch die Sch�bigkeit und Farbenfreude ihrer Kleidung auffielen. Sie hofften offensichtlich darauf, sich in der Stadt eine Arbeit suchen zu d�rfen.</p><p>Rand ging geradewegs zu dem langen Tisch im hinteren Teil des Raums. Dahinter sa� nur ein einzelner Mann, kein Soldat, mit einem gr�nen Streifen auf dem Mantel. Er war ein molliger Bursche mit zu straff gespannter Haut. Er sortierte die Papiere auf dem Tisch und schob sein Tintenfa� zweimal hin und her, bevor er aufblickte und Rand und Loial mit einem aufgesetzten L�cheln begr��te.</p><p>�Wie kann ich Euch helfen, Herr?�</p><p>�Genauso, wie Ihr gestern hofftet, mir helfen zu k�nnen�, sagte Rand geduldiger, als es seinen Gef�hlen entsprach, �und vorgestern und am Tag zuvor. Ist Lord Ingtar gekommen?�</p><p>�Lord Ingtar, Herr?�</p><p>Rand atmete tief ein und lie� die Luft langsam wieder heraus. �Lord Ingtar aus dem Haus Schinowa aus Schienar. Der gleiche, nach dem ich mich jeden Tag erkundigt habe, seit ich hier ankam.�</p><p>�Niemand, der diesen Namen f�hrt, hat die Stadt betreten, Herr.�</p><p>�Seid Ihr sicher? M��t Ihr nicht wenigstens in Eure Liste sehen?�</p><p>�Herr, die Liste der Ausl�nder, die nach Cairhien kommen, wird zwischen den Wachh�usern jeden Tag bei Sonnenaufgang und bei Sonnenuntergang ausgetauscht, und ich sehe sie durch, sobald ich sie hier habe. Kein Lord aus Schienar hat in letzter Zeit die Stadt betreten.�</p><p>�Und Lady Selene? Bevor Ihr wieder nachfragt, nein, ich wei� nicht, aus welchem Haus sie stammt. Aber ich habe Euch ihren Namen genannt, und ich habe sie Euch bereits dreimal beschrieben. Reicht das noch nicht?�</p><p>Der Mann spreizte die H�nde. �Es tut mir leid, Herr. Es ist sehr schwer, da ich ihr Haus nicht kenne.� Sein Gesichtsausdruck war absolut nichtssagend. Rand fragte sich, ob er es ihm sagen w�rde, wenn er etwas w��te.</p><p>Eine Bewegung an einer der T�ren hinter dem Schreibtisch erregte Rands Aufmerksamkeit. Ein Mann wollte den Vorraum betreten, wandte sich jedoch hastig wieder zum Gehen. �Vielleicht kann mir Hauptmann Caldevwin helfen�, sagte Rand zu dem Beamten.</p><p>�Hauptmann Caldevwin, Herr?�</p><p>�Ich habe ihn gerade hinter Euch gesehen.�</p><p>�Es tut mir leid, Herr. Wenn sich ein Hauptmann Caldevwin im Wachhaus bef�nde, m��te ich es eigentlich wissen.�</p><p>Rand starrte ihn zornerf�llt an, bis Loial seine Schulter ber�hrte. �Rand, ich glaube, wir k�nnen wohl gehen.�</p><p>�Danke f�r Eure Hilfe�, sagte Rand mit angespannter Stimme. �Ich komme morgen wieder.�</p><p>�Es wird mir ein Vergn�gen sein, Euch zu helfen�, sagte der Mann mit seinem falschen L�cheln.</p><p>Rand stolzierte so schnell aus dem Wachhaus, da� Loial sich beeilen mu�te, um ihn auf der Stra�e wieder einzuholen. �Du wei�t, da� er gelogen hat, Loial.� Er verlangsamte seinen Schritt keineswegs, sondern eilte davon, als wolle er seine Wut durch die Anstrengung d�mpfen. �Caldevwin war da. Er hat vielleicht auch in anderer Hinsicht gelogen. Ingtar ist m�glicherweise schon l�ngst da und sucht uns. Ich wette, er wei� auch, wer Selene ist.�</p><p>�Vielleicht, Rand. <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis>... �</p><p>�Licht, ich habe es satt, immer nur von dem Gro�en Spiel zu h�ren. Ich will es nicht spielen. Ich will mich nicht hineinverwickeln lassen.� Loial ging neben ihm her und sagte nichts. �Ich wei߫, sagte Rand schlie�lich. �Sie glauben, ich sei ein Lord, und in Cairhien werden sogar ausl�ndische Herren in das Spiel mit einbezogen. Ich w�nschte, ich h�tte diesen Mantel niemals angezogen.�</p><p><emphasis>Moiraine,</emphasis> dachte er mit aufsteigender Bitterkeit. <emphasis>Sie macht mir nach wie vor Kummer.</emphasis> Aber sofort gab er, wenn auch z�gernd, zu, da� sie an seiner jetzigen Lage wohl kaum eine Schuld trug. Es hatte immer irgendeinen Grund gegeben, anderen vorzuspielen, was er gar nicht war. Zuerst mu�te er Hurin bei Laune halten und dann Selene beeindrucken. Danach schien es gar keine andere M�glichkeit mehr gegeben zu haben. Seine Schritte wurden langsamer, bis er schlie�lich ganz stehenblieb. �Als Moiraine mich gehen lie�, glaubte ich, nun w�re alles wieder ganz einfach. Sogar die Suche nach dem Horn, auch mit... mit allem eben... na ja, ich stellte mir das halt alles einfach vor.� <emphasis>Selbst mit Saidin im Kopf?</emphasis> �Licht, was g�be ich nicht darum, wenn alles wieder einfach und unkompliziert w�re!�</p><p><emphasis>�Ta'veren�,</emphasis> begann Loial.</p><p>�Davon will ich auch nichts mehr h�ren.� Rand lief wieder genauso schnell wie vorher weiter. �Alles, was ich will, ist Mat den Dolch geben und Ingtar das Horn.� <emphasis>Und dann? Verr�ckt werden? Sterben? Wenn ich sterbe, bevor ich dem Wahnsinn verfalle, tue ich wenigstens niemandem weh. Aber sterben will ich auch wieder nicht. Lan kann ja �Schwert in die Scheide� erw�hnen, aber ich bin Sch�fer und kein Beh�ter.</emphasis> �Wenn ich es nicht mehr ber�hren kann�, murmelte er, �vielleicht kann ich dann... Owyn h�tte es beinahe geschafft.�</p><p>�Was, Rand? Ich habe dich nicht verstanden.�</p><p>�Ach, nichts�, sagte Rand m�de. �Ich w�nschte, Ingtar k�me endlich. Und Mat und Perrin.�</p><p>Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her. Rand war tief in Gedanken versunken. Thoms Neffe hatte es drei Jahre lang durchgehalten, weil er die Macht nur dann benutzte, wenn er es f�r unbedingt n�tig hielt. Wenn Owyn es fertiggebracht hatte, das so einzuschr�nken, m��te es doch auch m�glich sein, ganz ohne die Macht auszukommen, gleich, wie verf�hrerisch <emphasis>Saidin</emphasis> auch sein mochte.</p><p>�Rand�, sagte Loial, �dort vorne brennt es.�</p><p>Rand schob seine unerfreulichen Gr�beleien beiseite und blickte mit finsterer Miene nach vorn in die Stadt hinein. Eine dicke, schwarze Rauchs�ule erhob sich �ber den D�chern. Er konnte nicht erkennen, aus welchem Geb�ude sie quoll, aber es war auf jeden Fall in der N�he ihrer Schenke.</p><p>�Schattenfreunde�, sagte er beim Betrachten der Rauchwolke. �Trollocs k�nnen nicht ungesehen die Stadt betreten, aber Schattenfreunde... Hurin!� Er rannte los, und Loial hielt leicht Schritt mit ihm.</p><p>Je n�her sie kamen, desto klarer wurde ihnen, welches Geb�ude da brannte. Sie umrundeten die letzte steingefa�te Kurve, und da war der �Verteidiger der Drachenmauer�. Rauch quoll aus den oberen Fenstern, und Flammen schlugen aus dem Dach. Vor der Schenke hatten sich viele neugierige Zuschauer versammelt. Cuale schrie und h�pfte wild herum. Er wies M�nner an, die M�bel hinaus auf die Stra�e trugen. Eine Doppelkette von M�nnern gab auf der einen Seite wassergef�llte Eimer weiter ins Haus hinein, und auf der anderen Seite kamen die leeren Eimer zur�ck und wurden bis zum weiter unten an der Stra�e befindlichen Brunnen weitergereicht. Die meisten Leute standen aber nur herum und sahen zu. Eine grelle Flamme schlug durch das Ziegeldach in den Himmel, und sie gaben ein lautes <emphasis>�Aaaaah</emphasis>� von sich.</p><p>Rand dr�ngte sich durch die Menge zum Wirt. �Wo ist Hurin?�</p><p>�Vorsichtig mit diesem Tisch umgehen!� schrie Cuale. �Verkratzt ihn nicht!� Er sah Rand an und blinzelte. Sein Gesicht war von Rauch geschw�rzt. �Lord Rand? Wer? Euer Diener? Ich kann mich nicht daran erinnern, ihn gesehen zu haben, Herr. Bestimmt ist er drau�en. La� die Kerzenhalter nicht fallen, du Narr! Sie sind aus Silber!� Cuale tanzte weg, um die M�nner anzuschreien, die alle seine Besitzt�mer aus der Schenke schleppten.</p><p>�Hurin ist doch nicht hinausgegangen�, sagte Loial. �Er h�tte niemals die... � Er sah sich um und lie� den Rest ungesagt. Einige der Zuschauer schienen den Ogier ebenso interessant zu finden wie das Feuer.</p><p>�Ich wei߫, sagte Rand und st�rzte in die Schenke hinein.</p><p>Dem Schankraum sah man kaum an, da� das Geb�ude in Flammen stand. Die Doppelkette von M�nnern zog sich die Treppe hinauf und gab die Eimer weiter, w�hrend andere herumeilten und hinaustrugen, was noch an M�beln �brig war. Aber hier sah man nicht mehr Rauch, als sonst aus der K�che quoll. Erst als Rand sich an den M�nnern vorbei die Treppe hochquetschte, wurde er dichter. Hustend rannte er hoch.</p><p>Die Kette endete kurz vor der Treppe zum zweiten Stock. M�nner standen auf halber H�he und schleuderten Wasser in einen von Rauch erf�llten Gang. Flammen z�ngelten an den W�nden hoch und flackerten rot durch den schwarzen Qualm.</p><p>Einer der M�nner packte Rand am Arm. �Ihr k�nnt da nicht hinaufgehen, Lord! Dort oben ist alles verloren. Ogier, sagt es ihm doch!�</p><p>Erst jetzt bemerkte Rand, da� Loial ihm gefolgt war. �Geh zur�ck, Loial. Ich bringe ihn heraus.�</p><p>�Du kannst nicht gleichzeitig Hurin und die Truhe tragen, Rand.� Der Ogier zuckte die Achseln. �Au�erdem �berlasse ich meine B�cher nicht dem Feuer.�</p><p>�Dann duck dich unter den Rauch.� Rand lie� sich auf alle viere nieder und krabbelte weiter hinauf. Unten, nahe dem Boden, war die Luft sauberer; immer noch so qualmerf�llt, da� er husten mu�te, aber er konnte sie wenigstens atmen. Doch selbst die Luft schien unertr�glich hei� zu sein. Er bekam durch die Nase nicht genug Luft, also atmete er durch den Mund und f�hlte, wie seine Kehle austrocknete.</p><p>Wasser, das die M�nner in die Flammen schleudern wollten, erwischte ihn voll und durchn��te ihn bis auf die Haut. Die K�hle brachte aber nur f�r einen Augenblick Erleichterung, dann schlug die Hitze wieder zur�ck. Entschlossen kroch er weiter. Er h�rte am Husten des Ogiers, da� dieser sich gleich hinter ihm befand.</p><p>Eine Wand des Flurs stand lichterloh in Flammen, und aus dem Boden an dieser Seite stiegen bereits die ersten Rauchf�den zu der Wolke �ber ihren K�pfen auf. Er war froh, da� er nicht erkennen konnte, wie es �ber dem Rauch aussah. Das unheilvolle Krachen im Geb�lk sagte ihm einiges.</p><p>Die T�r zu Hurins Zimmer brannte noch nicht, aber sie war bereits so hei�, da� er zwei Versuche ben�tigte, um sie aufzusto�en. Das erste, was er sah, war Hurin, der am Boden lag. Rand kroch zu dem Schn�ffler hin und nahm ihn in die Arme. An der Seite seines Kopfes sah er eine pflaumengro�e Beule. Hurin �ffnete die Augen und blickte ihn verschwommenen an. �Lord Rand?� murmelte er schwach. �... an die T�r geklopft... dachte, es sei wieder eine Einl... � Seine Pupillen rollten weg. Rand f�hlte nach dem Herzschlag und entspannte sich vor Erleichterung, als er ihn gefunden hatte.</p><p>�Rand...�, hustete Loial. Er war beim Bett und hatte die Laken hochgeschlagen. Darunter befanden sich lediglich die kahlen Bodenbretter. Die Truhe war weg.</p><p>�ber dem Rauch krachte es in der Decke, und brennende Holzst�cke fielen zu Boden.</p><p>Rand sagte: �Nimm deine B�cher. Ich trage Hurin. Mach schnell!� Er versuchte, sich den schlaffen K�rper des Schn�fflers �ber die Schultern zu legen, aber Loial nahm ihm Hurin ab. �Die B�cher m�ssen eben verbrennen, Rand. Du kannst ihn nicht tragen und dabei wegkriechen, und wenn du aufstehst, wirst du nicht einmal mehr die Treppe erreichen.� Der Ogier zerrte sich Hurin auf den breiten Rucken. Die Arme und Beine des Schn�fflers hingen zu beiden Seiten herunter. Von der Decke her ert�nte ein weiteres lautes Knacken. �Mach schnell, Rand.�</p><p>�Geh, Loial! Geh, ich komme nach.�</p><p>Der Ogier kroch mit seiner Last in den Flur hinaus, und Rand wollte ihm schon folgen. Dann hielt er aber inne, als er die Verbindungst�r zu seinem Zimmer sah. Die Flagge war immer noch dort drinnen. Das Drachenbanner. <emphasis>La� sie doch verbrennen,</emphasis> dachte er, und der antwortende Gedanke kam prompt, als h�re er ihn von Moiraine: <emphasis>Dein Leben k�nnte davon abh�ngen. Sie will mich immer noch ben�tzen. Dein Leben k�nnte davon abh�ngen. Aes Sedai l�gen nie.</emphasis></p><p>�chzend rollte er sich �ber den Boden und trat die T�r zu seinem Zimmer auf. Der andere Raum war von Flammen erf�llt. Das Bett wirkte wie ein Sonnwendfeuer. Rote Zungen leckten bereits �ber den Boden. Dort konnte er nicht weiterkriechen. Er stand auf und rannte geduckt in das Zimmer. Er zuckte vor der Hitze zur�ck, keuchte und erstickte fast. Sein nasser Mantel dampfte. Eine Seitenwand des Kleiderschranks brannte schon. Er ri� die T�r auf. Drinnen lagen seine Satteltaschen, bisher noch vom Feuer verschont. Die eine war ausgebeult, wo die Flagge Lews Therin Telamons steckte, und der h�lzerne Fl�tenkasten lag daneben. Einen Moment lang z�gerte er. <emphasis>Ich kann sie immer noch verbrennen lassen.</emphasis> Die Decke �ber ihm �chzte. Er packte die Satteltaschen und den Fl�tenkasten und warf sich durch die T�r zur�ck. Er landete auf den Knien, w�hrend brennende Dachbalken auf die Stelle herunterkrachten, an der er eben noch gestanden hatte. Er schleifte seine Last hinter sich her und kroch in den Flur. Der Fu�boden wurde vom Aufprall weiterer herunterst�rzender Balken ersch�ttert.</p><p>Die M�nner mit den Eimern waren weg, als er die Treppe erreichte. Er rutschte vor Hast beinahe bis zum n�chsten Absatz hinunter, rappelte sich hoch und rannte durch das mittlerweile leere Geb�ude auf die Stra�e hinaus. Die Zuschauer starrten ihn neugierig an. Sein Gesicht war schwarz und der Mantel ru�bedeckt, aber er taumelte hin�ber zu Loial, der Hurin an die Mauer des gegen�berliegenden Hauses gelehnt hatte. Eine Frau aus der Menge wischte Hurins Gesicht mit einem feuchten Tuch ab, doch seine Augen waren noch geschlossen, und der Atem kam unregelm��ig.</p><p>�Gibt es hier keine Seherin?� wollte Rand wissen. �Er braucht Hilfe.� Die Frau sah ihn verst�ndnislos an, und er bem�hte sich, sich an die anderen Bezeichnungen zu erinnern, mit denen die Menschen solche Frauen bezeichneten, die in den Zwei Fl�ssen Seherinnen gewesen w�ren. �Eine Weise Frau? Eine Frau, die ihr Mutter soundso nennt? Eine Frau, die sich mit Kr�utern und Heilkunst auskennt?�</p><p>�Ich bin Leserin, falls Ihr das meint�, sagte die Frau, �aber alles, was ich f�r den hier tun kann, ist, ihm Linderung zu verschaffen. Ich f�rchte, in seinem Kopf ist etwas gebrochen.�</p><p>�Rand! Du bist es tats�chlich!�</p><p>Rand fuhr herum. Es war Mat, der mit dem Bogen auf dem R�cken sein Pferd durch die Menge f�hrte. Ein Mat mit blassem und eingefallenem Gesicht, aber immer noch Mat, und er grinste sogar schwach. Hinter ihm kam Perrin. Seine gelben Augen leuchteten im Feuerschein und zogen genausoviele Blicke an wie die Flammen. Und Ingtar, der einen Mantel mit steifem Kragen statt der R�stung trug, stieg nun ebenfalls vom Pferd. Der Griff seines Schwertes ragte aber wie immer �ber seinen Schultern hervor.</p><p>Rand f�hlte, wie ihn ein Schauer �berlief. �Es ist zu sp�t�, sagte er zu ihnen. �Ihr seid zu sp�t gekommen.� Und dann setzte er sich auf die Stra�e und fing an zu lachen.</p></section><section><title><p>31</p><p>Auf der Spur</p></title><p>Rand wu�te nicht, da� Verin da war, bis die Aes Sedai sein Gesicht in ihre H�nde nahm. Einen Augenblick lang erkannte er Besorgtheit in ihren Augen und vielleicht sogar Angst, und dann f�hlte er sich, als habe man ihn in kaltes Wasser getaucht. Es war kein Gef�hl von N�sse, aber er f�hlte sich erfrischt. Er schauderte einmal kurz, und sein Lachen erstarb. Sie verlie� ihn und beugte sich �ber Hurin. Die Leserin beobachtete sie genau. Rand auch. <emphasis>Was macht sie hier? Als ob ich das nicht w��te.</emphasis></p><p>�Wo seid ihr denn abgeblieben?� wollte Mat heiser wissen. �Ihr seid einfach verschwunden, und nun seid ihr vor uns in Cairhien angekommen. Loial?� Der Ogier zuckte unsicher die Achseln, und seine Ohren zuckten mit. Die H�lfte der Zuschauer hatte sich vom Feuer abgewandt und beobachtete die Neuank�mmlinge. Ein paar dr�ckten sich n�her heran, um zu lauschen.</p><p>Rand lie� sich von Perrin auf die Beine helfen. �Wie habt ihr die Schenke gefunden?� Er sah sich nach Verin um, die neben Hurin kniete und den Kopf des Schn�fflers in den H�nden hielt. �Sie?�</p><p>�In gewisser Weise�, sagte Perrin. �Die Wachen am Tor wollten unsere Namen wissen, und ein Bursche, der gerade aus dem Wachhaus kam, fuhr zusammen, als er den Namen Ingtar h�rte. Er sagte, er kenne ihn nicht, aber sein L�cheln schrie f�rmlich meilenweit das Wort �L�ge� heraus.�</p><p>�Ich glaube, ich wei�, wer gemeint ist�, sagte Rand.</p><p>�Er l�chelt die ganze Zeit so.�</p><p>�Verin zeigte ihm ihren Ring�, warf Mat ein, �und fl�sterte ihm etwas ins Ohr.�</p><p>Er wirkte und klang krank, die Wangen waren ger�tet, und die Haut spannte sich straff �ber die Knochen, doch er brachte ein Grinsen zustande. Rand hatte seine Backenknochen noch nie so hervortreten sehen. �Ich konnte nicht verstehen, was sie sagte, aber ich wu�te nicht, ob ihm zuerst die Augen aus dem Kopf fallen w�rden oder er seine Zunge verschluckte. Mit einem Mal konnte er nicht genug f�r uns tun. Er sagte uns, da� ihr uns erwartet, und auch, wo ihr euch aufhaltet. Bot uns an, uns h�chstpers�nlich hinzubringen, aber er sah ganz sch�n erleichtert aus, als Verin das ablehnte.� Er schnaubte. �Lord Rand aus dem Hause al'Thor.�</p><p>�Das ist eine zu lange Geschichte, um hier gleich alles zu erkl�ren�, sagte Rand. �Wo sind Uno und die anderen? Wir werden sie brauchen.�</p><p>�In Vortor.� Mat sah Rand finster an und fuhr bed�chtig fort: �Uno sagte, sie blieben lieber dort als innerhalb der Stadtmauer. Nach dem zu schlie�en, was ich sehe, w�re ich lieber bei ihnen. Rand, warum werden wir Uno brauchen? Hast du... sie... gefunden?�</p><p>Das war der Augenblick, den Rand gerne vermieden h�tte. Er atmete tief ein und sah seinem Freund in die Augen. �Mat, ich hatte den Dolch, und ich verlor ihn. Die Schattenfreunde haben ihn wieder geholt.� Er h�rte, wie die lauschenden Zuschauer nach Luft schnappten, aber es war ihm gleich. Sie konnten ihr Gro�es Spiel spielen, wenn sie wollten, aber Ingtar war gekommen, und er hatte nun seine Ruhe. �Sie k�nnen jedoch noch nicht weit sein.�</p><p>Ingtar hatte vorher den Mund gehalten, aber jetzt trat er vor und packte Rand am Arm. �Ihr habt es gehabt?</p><p>Und den...�, er blickte sich nach der neugierigen Menge um; �... das andere Ding?�</p><p>�Sie haben sich auch das wieder geholt�, sagte Rand leise. Ingtar schlug sich mit der Faust auf die Handfl�che und wandte sich ab. Ein paar Cairhienianer wichen vor seinem wilden Blick zur�ck.</p><p>Mat kaute auf seiner Lippe herum und sch�ttelte dann den Kopf. �Ich wu�te nicht, da� ihr ihn gefunden hattet, also f�hle ich mich nicht, als habe ich ihn verloren. Er ist eben immer noch verloren.� Es war klar, da� er von dem Dolch sprach und nicht vom Horn von Valere. �Wir finden ihn schon wieder. Jetzt haben wir zwei Schn�ffler. Perrin ist auch einer. Er folgte der Spur bis nach Vortor, nachdem du mit Loial und Hurin verschwunden warst. Ich glaubte, du w�rst vielleicht einfach weggelaufen, um... na ja, du wei�t schon, was ich meine. Wo warst du nun eigentlich wirklich? Ich verstehe immer noch nicht, wie du solch einen Vorsprung vor uns gewinnen konntest. Dieser Bursche behauptete, ihr w�rt schon seit Tagen hier.�</p><p>Rand sah Perrin an � <emphasis>er ein Schn�ffler?</emphasis> � und bemerkte so, da� Perrin ihn ebenfalls musterte. Er glaubte, Perrin irgend etwas murmeln zu h�ren. <emphasis>Schattent�ter? Ich mu� ihn falsch verstanden haben.</emphasis> Perrins gelber Blick hielt ihn eine Weile lang fest. Er schien Geheimnisse �ber ihn zu enthalten. Er sagte sich, da� er sich das sicherlich nur einbildete � <emphasis>ich bin doch nicht verr�ckt � noch nicht �,</emphasis> und ri� den Blick von Perrin los.</p><p>Verin half gerade einem sichtlich wackligen Hurin auf die Beine. �Ich f�hle mich so leicht wie G�nsedaunen�, sagte er. �Noch ein wenig m�de, aber...� Er sprach nicht weiter. Er schien sie zum erstenmal bewu�t zu sehen und auch jetzt erst zu begreifen, was geschehen war.</p><p>�Die Ersch�pfung wird noch ein paar Stunden anhalten�, sagte sie zu ihm. �Es ist anstrengend f�r den K�rper, sich selbst schnell zu heilen.�</p><p>Die Leserin aus Cairhien erhob sich. �Aes Sedai?� fragte sie leise. Verin neigte den Kopf, und die Leserin knickste tief.</p><p>So leise sie auch gewesen waren: Die Worte �Aes Sedai� kursierten durch die Menge und l�sten Ehrfurcht, Angst und auch Zorn aus. Mittlerweile blickten alle zu ihnen her�ber. Nicht einmal Cuale beachtete seine brennende Schenke noch. Rand war der Meinung, da� ein wenig Vorsicht nun wohl angebracht sei.</p><p>�Habt ihr schon Zimmer gefunden?� fragte er. �Wir m�ssen miteinander reden, und hier geht es nicht.�</p><p>�Gute Idee�, meinte Verin. �Ich war fr�her schon hier im Gro�en Baum. Dort gehen wir hin.�</p><p>Loial ging die Pferde holen. Das Dach der Schenke war vollends eingest�rzt, doch die St�lle waren unversehrt. Bald ritten sie durch die Stra�en, jedenfalls alle au�er Loial, der behauptete, sich zu sehr ans Laufen gew�hnt zu haben. Perrin hielt die F�hrleine eines der Packpferde, die sie mit nach S�den gebracht hatten.</p><p>�Hurin�, fragte Rand, �wie schnell wirst du wieder soweit sein, da� du erneut ihrer Spur folgen kannst? Kannst du ihr auch folgen? Die M�nner, die dich niederschlugen und das Feuer legten, haben doch wohl eine Spur hinterlassen, oder?�</p><p>�Ich kann ihr schon jetzt folgen, Lord Rand. Und ich konnte sie auf der Stra�e riechen. Der Gestank wird sich aber nicht lang halten. Es waren keine Trollocs dabei, und sie haben niemanden get�tet. Nur M�nner, Lord Rand. Schattenfreunde, glaube ich, aber das kann man oft am Geruch nicht feststellen. Vielleicht einen Tag lang wird er sich halten, dann ist er verflogen.�</p><p>�Ich glaube, sie k�nnen die Truhe genausowenig �ffnen, Rand�, sagte Loial, �sonst h�tten sie einfach das Horn mitgenommen. Das w�re doch viel einfacher gewesen, als die ganze Truhe wegzuschleppen.�</p><p>Rand nickte. �Sie m�ssen sie in einen Karren oder auf ein Pferd gepackt haben. Sobald sie sie aus Vortor hinausgeschafft haben, werden sie sich wieder den Trollocs anschlie�en � ganz klar. Dieser Spur wirst du bestimmt folgen k�nnen, Hurin.�</p><p>�Bestimmt, Lord Rand.�</p><p>�Dann mu�t du dich ausruhen, bis du wieder stark genug bist�, sagte Rand. Der Schn�ffler wirkte bereits einigerma�en sicher auf den Beinen, aber er sa� in sich zusammengesunken und mit m�dem Gesicht auf dem Reittier. �Im g�nstigsten Fall haben sie nur wenige Stunden Vorsprung. Wenn wir schnell reiten... � Pl�tzlich bemerkte er, da� die anderen ihn alle ansahen: Verin und Ingtar, Mat und Perrin. Ihm wurde klar, was er getan hatte, und seine Wangen liefen rot an. �Es tut mir leid, Ingtar. Ich habe mich nun mal daran gew�hnt, das Kommando zu f�hren, sch�tze ich. Ich versuche nicht, Euren Platz einzunehmen.�</p><p>Ingtar nickte bed�chtig. �Moiraine hat eine gute Wahl getroffen, als sie Lord Agelmar bat, Euch zu meinem Stellvertreter zu ernennen. Vielleicht w�re es besser gewesen, die Amyrlin h�tte Euch hier das Kommando �bergeben.� Der Schienarer lachte kurz auf. �Zumindest habt Ihr es tats�chlich fertiggebracht, das Horn zu ber�hren.�</p><p>Danach ritten sie schweigend weiter.</p><p>Der Gro�e Baum h�tte ein Zwilling des Verteidigers der Drachenmauer sein k�nnen. Das Geb�ude sah wie ein hoher Steinw�rfel aus, und der Schankraum war mit dunkler Holzt�felung ausgestattet und mit viel Silber geschm�ckt. Auf dem Kaminsims stand eine gro�e, matt schimmernde Uhr. Die Wirtin h�tte Cuales Schwester sein k�nnen. Die Meisterin Tiedra war genauso mollig und hatte ein paar derselben unbewu�ten Angewohnheiten �und den gleichen durchdringenden Blick; dieselbe Art, auf Dinge zu h�ren, die unausgesprochen im Raum hingen. Aber Tiedra kannte Verin, und das L�cheln, das sie der Aes Sedai zur Begr��ung schenkte, wirkte warm und herzlich. Sie erw�hnte die Bezeichnung Aes Sedai nicht, aber Rand war sicher, da� sie Bescheid wu�te.</p><p>Tiedra und ein Dienerschwarm k�mmerten sich um ihre Pferde und zeigten ihnen dann ihre Zimmer. Rands Zimmer war genauso sch�n wie das verbrannte, aber er interessierte sich vor allem f�r die gro�e kupferne Badewanne, die von zwei Dienern durch die T�r gezw�ngt wurde. K�chenm�dchen brachten anschlie�end Eimer dampfenden Wassers von der K�che hoch. Ein Blick in den Spiegel �ber dem Waschtisch zeigte ihm ein Gesicht, das aussah, als habe man es mit Holzkohle geschrubbt. Sein Mantel wies auf der roten Wolle schwarze Schmierer auf.</p><p>Er zog sich aus und kletterte in die Wanne. Dort dachte er genauso lange nach, wie er sich wusch. Verin war hier. Eine der drei Aes Sedai, bei denen er darauf vertrauen konnte, da� sie ihn weder selbst einer D�mpfung unterziehen noch ihn jenen �bergeben w�rden, die das tun w�rden. Jedenfalls schien es ihm so. Eine der drei, die ihm weismachen wollten, er sei der Wiedergeborene Drache, oder die ihn als falschen Drachen ben�tzen wollten. <emphasis>Sie ist das Auge Moiraines, das mich beobachtet, Moiraines Hand, die an meinen F�den zieht. Aber ich habe die F�den durchtrennt.</emphasis> Seine Satteltaschen waren hochgebracht worden, zusammen mit einem B�ndel frischer Kleidung aus der Ladung des Packpferds. Er trocknete sich ab und �ffnete das B�ndel. Dann seufzte er. Er hatte vergessen gehabt, da� alle anderen M�ntel genauso reich geschm�ckt waren wie der, den er achtlos �ber eine Stuhllehne geworfen hatte, damit ihn eines der M�dchen s�uberte. Nach einem kurzem Z�gern w�hlte er den schwarzen Mantel aus, dessen Farbe seiner Stimmung entsprach. Silberne Reiher hingen an seinem Stehkragen, und die �rmel waren mit silbernen Wasserf�llen geschm�ckt � Wasser, da� an den gezackten Felsen als <emphasis>Gischt</emphasis> brodelte.</p><p>Als er die Sachen aus seinem alten Mantel in den neuen steckte, fand er die Einladungen wieder. Abwesend steckte er sie in die Tasche, w�hrend er Selenes beide Briefe betrachtete. Er fragte sich, warum er sich so n�rrisch benommen hatte. Sie war die sch�ne, junge Tochter eines Adelshauses. Er war ein Sch�fer, den die Aes Sedai zu ben�tzen versuchten; ein Mann, der dazu verdammt war, wahnsinnig zu werden, falls er nicht vorher starb. Und doch konnte er ihre Anziehungskraft selbst aus ihrer Schrift heraus sp�ren, konnte beinahe ihr Parfum riechen.</p><p>�Ich bin Sch�fer�, erz�hlte er den Briefen, �und kein gro�er Mann, und wenn ich mal irgendwann heiraten sollte, dann Egwene. Aber sie will Aes Sedai werden, und wie kann ich �berhaupt eine Frau heiraten, eine Frau lieben, wenn ich verr�ckt werde und sie vielleicht dann umbringe?�</p><p>Worte konnten den Eindruck von Selenes Sch�nheit nicht mindern oder die Art, wie sie sein Blut zum Kochen brachte, wenn sie ihn nur anblickte. Es schien ihm fast, als bef�nde sie sich bei ihm im Zimmer, als r�che er ihr Parfum wirklich. Er sah sich schnell um und lachte dann �ber seine n�rrische Anwandlung. Er war allein.</p><p>�Ich habe schon Einbildungen, als sei ich bereits auf dem Weg zum Wahnsinn�, murmelte er.</p><p>Mit einem Mal �ffnete er den Verschlu� der Lampe auf dem Nachttisch, z�ndete sie an und hielt die Briefe in die Flamme. Au�erhalb der Schenke schwoll der Wind zu einem Heulen an. Er drang durch die L�den herein und entfachte die Flamme, so da� die Briefe lodernd brannten. Hastig warf er die brennenden Zettel in den kalten Kamin, gerade rechtzeitig, bevor er sich daran die Finger verbrannte. Er wartete, bis der letzte Rauchfaden verflogen war, dann schnallte er sich das Schwert um und verlie� den Raum.</p><p>Verin hatte f�r sie ein privates Speisezimmer genommen, wo auf den Regalen an den dunkel get�felten W�nden noch mehr Silber stand als im Schankraum. Mat jonglierte drei hartgekochte Eier und bem�hte sich, dabei einen selbstverst�ndlichen Eindruck zu erwecken. Ingtar blickte mit finsterer Miene in den kalten Kamin. Loial hatte immer noch ein paar B�cher aus Fal Dara in den Manteltaschen gehabt und sa� lesend neben einer Lampe.</p><p>Perrin sa� zusammengesunken am Tisch und betrachtete seine gefalteten H�nde. Mit seinem feinen Geruchssinn roch er das Bienenwachs, das man zum Putzen der T�felung ben�tzte. <emphasis>Er war es,</emphasis> dachte er. <emphasis>Rand ist der Schattent�ter. Licht, was geschieht mit uns allen?</emphasis> Seine H�nde verkrampften sich zu gro�en, kantigen F�usten. <emphasis>Diese H�nde sind f�r einen Schmiedehammer bestimmt und nicht f�r eine Streitaxt.</emphasis> Er blickte auf, als Rand eintrat. Perrin glaubte, einen entschlossenen Zug an ihm zu bemerken, als habe er sich zu einem ganz bestimmten Vorgehen entschieden. Die Aes Sedai bedeutete Rand, sich auf einen hohen Lehnstuhl ihr gegen�ber zu setzen.</p><p>�Wie geht es Hurin?� fragte Rand, w�hrend er sein Schwert nach hinten schob, damit er sich setzen konnte. �Ruht er?�</p><p>�Er bestand darauf, rauszugehen�, antwortete Ingtar. �Ich sagte ihm, er solle die Spur nur soweit verfolgen, bis er Trollocs roch. Von da an k�nnen wir sie morgen wiederaufnehmen. Oder wollt Ihr heute abend noch hinterherreiten?�</p><p>�Ingtar�, sagte Rand nerv�s, �ich wollte wirklich nicht das Kommando �bernehmen. Ich habe mir einfach nichts dabei gedacht.� Und doch sagte er das nicht so unsicher, wie er so etwas fr�her gesagt h�tte, dachte sich Perrin. <emphasis>Schattent�ter. Wir �ndern uns alle.</emphasis> Ingtar antwortete nicht. Er starrte weiter in den dunklen Kamin.</p><p>�Es gibt da einige Dinge, die mich sehr interessieren, Rand�, sagte Verin ruhig. �Eines davon ist, wie Ihr spurlos aus Ingtars Lager verschwinden konntet. Ein weiteres w�re, wie Ihr in Cairhien eine Woche vor uns ankommen konntet. Die Angaben des Beamten waren in dieser Hinsicht ganz eindeutig. Ihr m��t geflogen sein.�</p><p>Eines von Mats Eiern fiel zu Boden und zerbrach. Aber er beachtete es gar nicht. Er sah Rand an, und auch Ingtar hatte sich umgedreht. Loial gab vor, immer noch zu lesen, aber sein Blick war besorgt, und seine Ohren standen in steifen, haarigen Spitzen hoch.</p><p>Perrin wurde klar, da� auch er Rand anstarrte. �Also, geflogen sind sie nicht�, sagte er. �Ich kann keine Fl�gel erkennen. Vielleicht hat er uns auch noch Wichtigeres mitzuteilen.� Verin widmete ihm kurz ihre Aufmerksamkeit. Er brachte es fertig, ihr in die Augen zu sehen, aber er war es auch, der den Blick zuerst abwandte.</p><p><emphasis>Aes Sedai. Licht, warum waren wir solche Narren, einer Aes Sedai zu folgen?</emphasis> Rand warf ihm einen dankbaren Blick zu, und Perrin grinste ihn an. Es war nicht der alte Rand � er schien mittlerweile in diesen pr�chtigen Mantel hineingewachsen zu sein; jetzt wirkte er an ihm passend �aber er war doch immer noch der Junge, mit dem Perrin aufgewachsen war. <emphasis>Schattent�ter. Ein Mann, vor dem die W�lfe Ehrfurcht haben. Ein Mann, der die Macht ben�tzt.</emphasis> �Ich habe nichts dagegen, jetzt ein wenig zu berichten�, sagte Rand und begann einfach drauflos zu erz�hlen.</p><p>Perrin lauschte mit offenem Mund. Portalsteine. Andere Welten, wo das Land sich st�ndig zu ver�ndern schien. Hurin, der einer Spur folgte, wo die Schattenfreunde einmal sein w�rden! Und eine sch�ne Frau in Not, wie in der Erz�hlung eines Gauklers.</p><p>Mat pfiff leise und staunend durch die Z�hne. �Und sie hat euch zur�ckgebracht? Mit Hilfe eines dieser � Steine?�</p><p>Rand z�gerte einen Moment lang. �Das mu� sie wohl�, sagte er. �Und deshalb sind wir so lange vor euch hier angekommen. Als Fain ankam, haben Loial und ich in der Nacht das Horn von Valere zur�ckgestohlen und sind weiter nach Cairhien geritten, weil ich nicht glaubte, da� wir an ihnen vorbeikommen konnten, wenn sie erst richtig wach waren, und weil ich wu�te, da� Ingtar sie weiter nach S�den verfolgen und schlie�lich auch in Cairhien ankommen w�rde.�</p><p><emphasis>Schattent�ter.</emphasis> Rand sah ihn an, und seine Augen zogen sich zusammen. Perrin wurde klar, da� er die Bezeichnung laut ausgesprochen hatte. Allerdings wohl nicht laut genug, da� ihn sonst noch jemand im Raum geh�rt hatte. Niemand sonst sah ihn an. Er h�tte so gern Rand von den W�lfen erz�hlt. <emphasis>Ich habe �ber dich Bescheid gewu�t. Es ist nur gerecht, wenn ich dir auch von meinem</emphasis></p><p><emphasis>Geheimnis erz�hle.</emphasis> Aber Verin war dabei. Er konnte es nicht vor ihr sagen.</p><p>�Interessant�, sagte die Aes Sedai mit nachdenklichem Gesichtsausdruck. �Ich w�rde dieses M�dchen sehr gern kennenlernen. Wenn sie Portalsteine ben�tzen kann... Selbst diese Bezeichnung kennen nicht viele.� Sie sch�ttelte sich kurz. �Na ja, ein andermal. In den H�usern Cairhiens sollte ein hochgewachsenes M�dchen unschwer zu finden sein. Aaah, da ist unser Essen.�</p><p>Perrin roch das Lammfleisch bereits, bevor Frau Tiedra eine Prozession mit Sch�sseln voll Essen hereinf�hrte. Ihm lief bei dem Fleischgeruch das Wasser im Mund zusammen. Erbsen und K�rbis, Karotten und Wei�kohl oder die hei�en, knusprigen Br�tchen reizten ihn weniger. Ihm schmeckte Gem�se wohl durchaus noch, aber in letzter Zeit tr�umte er h�ufiger von rohem Fleisch. Es verwirrte ihn, als er sich dabei ertappte, da� er die sch�nen rosa Scheiben Lammfleisch, die ihm die Wirtin herunterschnitt, f�r zu stark durchgebraten hielt. Entschlossen packte er sich mehr Beilagen auf den Teller. Und noch mal zwei Scheiben Lammbraten.</p><p>Sie a�en schweigend; jeder konzentrierte sich auf die eigenen Gedanken. Perrin tat es weh, Mat beim Essen zuzusehen. Mats Appetit war so gesund wie immer, obwohl sein Gesicht fiebrig ger�tet war, und so, wie er spachtelte, wirkte es, als esse er seine Henkersmahlzeit. Perrin sah so oft wie m�glich auf seinen Teller und w�nschte sich, sie h�tten Emondsfeld niemals verlassen.</p><p>Nachdem die Bedienungen den Tisch abger�umt hatten und wieder weg waren, bestand Verin darauf, da� sie zusammenblieben, bis Hurin wiederk�me. �Es k�nnte sein, da� er etwas wei� und wir sofort aufbrechen m�ssen.�</p><p>Mat nahm sein Jonglieren wieder auf, und Loial widmete sich wieder seiner Lekt�re. Rand fragte die Wirtin, ob sie B�cher da h�tte, und sie brachte ihm <emphasis>Die Reisen des Jain Fernstreicher.</emphasis> Das gefiel auch Perrin, mit all den Geschichten �ber Abenteuer beim Meervolk und Reisen in L�nder jenseits der Aielw�ste, dorthin, wo die Seide herkam. Aber dann stand ihm der Sinn doch nicht nach Lesen, und so holte er ein Brettspiel und baute es zwischen sich und Ingtar auf dem Tisch auf. Der Schienarer spielte verwegen und fast leichtsinnig. Perrin hatte immer defensiv gespielt, doch nun ertappte er sich dabei, wie er genauso verwegen zu spielen begann wie Ingtar. Die meisten Partien endeten unentschieden, aber er schaffte es immerhin, genauso oft wie Ingtar zu gewinnen. Am fr�hen Abend betrachtete ihn der Schienarer mit neuem Respekt. Dann kehrte der Schn�ffler zur�ck.</p><p>Hurins Grinsen wirkte gleichzeitig triumphierend und verbl�fft. �Ich habe sie gefunden, Lord Ingtar. Lord Rand. Ich habe sie bis zu ihrem Unterschlupf verfolgt.�</p><p>�Unterschlupf?� fragte Ingtar scharf. �Soll das hei�en, da� sie sich irgendwo in der N�he verbergen?�</p><p>�Ja, Lord Ingtar! Diejenigen, die das Horn stahlen. Ich bin ihnen geradewegs dorthin gefolgt. �berall der Gestank von Trollocs! Und trotzdem haben sie sich hingeschlichen, als ob sie es nicht wagten, sich sehen zu lassen. Kein Wunder!� Der Schn�ffler holte tief Luft. �Sie sind in dem gro�en Herrenhaus, das Lord Barthanes gerade fertigstellen lie�.�</p><p>�Lord Barthanes!� rief Ingtar. �Aber er... er ist... er ist doch... �</p><p>�Es gibt Schattenfreunde unter den Hochgestellten wie unter den Gemeinen�, sagte Verin verbindlich. �Die M�chtigen verschrieben ihre Seele genauso oft dem Schatten wie die Armen.� Ingtar runzelte die Stirn, als gefalle ihm dieser Gedanke absolut nicht.</p><p>�Es gibt Wachen�, fuhr Hurin fort. �Wir k�nnen nicht mit zwanzig Mann hineingehen, wenn wir wieder herauskommen wollen. Hundert k�nnten es vielleicht schaffen, aber zwei w�ren besser. Das ist meine Auffassung, Lords.�</p><p>�Was ist mit dem K�nig?� wollte Mat wissen. �Wenn Barthanes ein Schattenfreund ist, wird uns der K�nig doch helfen!�</p><p>�Ich bin ganz sicher�, sagte Verin trocken, �da� Galldrian Riatin gegen Barthanes Damodred vorgehen w�rde, wenn er nur das Ger�cht h�rte, Barthanes sei ein Schattenfreund. Er w�re gl�cklich, einen solchen Vorwand zu haben. Aber ich bin auch sicher, da� Galldrian niemals mehr das Horn von Valere herausr�cken w�rde, h�tte er es einmal in Besitz. Er w�rde es an Feiertagen den Leuten zeigen und ihnen vormachen, wie gro� und m�chtig Cairhien sei, und ansonsten w�rde es niemand zu Gesicht bekommen.�</p><p>Perrin ri� vor Schreck die Augen weit auf. �Aber das Horn von Valere mu� doch an dem Ort sein, wo die Letzte Schlacht ausgetragen wird! Er kann es nicht einfach behalten!�</p><p>�Ich wei� wenig �ber Cairhien�, sagte Ingtar zu ihm, �aber ich habe genug �ber Galldrian geh�rt. Er w�rde uns zu einem Festmahl laden und uns f�r den Ruhm danken, den wir Cairhien eingebracht haben. Er w�rde uns die Taschen voll Gold stopfen und uns unendlich ehren. Und falls wir versuchten, mit dem Horn zu fliehen, w�rde er uns genauso selbstverst�ndlich die geehrten K�pfe abschlagen lassen.�</p><p>Perrin fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Je mehr er �ber K�nige erfuhr, desto weniger gefielen sie ihm.</p><p>�Was ist mit dem Dolch?� fragte Mat in beil�ufigem Tonfall. �Den w�rde er doch wohl nicht wollen, oder?� Ingtar funkelte ihn an, und er rutschte nerv�s auf seinem Stuhl hin und her. �Ich wei�, wie wichtig das Horn ist, aber ich werde nicht in der Letzten Schlacht k�mpfen. Dieser Dolch dagegen... �</p><p>Verin legte ihre H�nde auf die Armlehnen des Stuhls. �Galldrian soll auch ihn nicht bekommen. Was wir brauchen, ist ein Weg in Barthanes Herrenhaus hinein. Wenn wir das Horn finden k�nnen, finden wir auch eine M�glichkeit, es wieder herauszuholen. Ja, Mat, und auch den Dolch. Wenn es einmal in der Stadt bekannt ist, da� sich eine Aes Sedai hier befindet � na ja, normalerweise vermeide ich so etwas, aber wenn ich Tiedra sagen w�rde, ich wolle gern Barthanes neues Herrenhaus sehen, werde ich wohl innerhalb von ein oder zwei Tagen eine Einladung haben. Es sollte auch nicht zu schwierig sein, ein paar von euch mitzubringen. Was gibt es, Hurin?�</p><p>Der Schn�ffler war ganz unruhig von einem Fu� auf den anderen geh�pft, seit sie eine Einladung erw�hnte. �Lord Rand hat doch schon eine. Von Lord Barthanes.�</p><p>Perrin sah Rand mit gro�en Augen an, und er war nicht der einzige.</p><p>Rand zog die beiden versiegelten Briefe aus der Manteltasche und gab sie kommentarlos der Aes Sedai.</p><p>Ingtar trat heran und blickte �ber ihre Schulter. Er betrachtete die Siegel. �Barthanes und... Und Galldrian! Rand, wie seid Ihr an diese Einladungen gekommen? Was habt Ihr gemacht?�</p><p>�Nichts�, sagte Rand. �Ich habe gar nichts gemacht. Sie haben sie mir eben geschickt.� Ingtar atmete langgezogen aus. Mats Mund stand weit offen. �Sie haben sie wirklich nur einfach geschickt�, sagte Rand ruhig. Es war eine W�rde an ihm, die Perrin fr�her nicht bemerkt hatte. Rand stand als Gleicher unter Gleichen neben der Aes Sedai und dem schienarischen Lord.</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Du pa�t in diesen Mantel. Wir �ndern uns wirklich alle.</emphasis> �Lord Rand hat den ganzen Rest verbrannt�, sagte Hurin. �Jeden Tag sind welche gekommen, und jeden Tag hat er sie verbrannt. Bis auf diese nat�rlich. Jeden Tag und von den h�chsten H�usern.� Es klang stolz, wie er das sagte.</p><p>�Das Rad der Zeit webt uns alle in das Muster, wie es will�, sagte Verin, w�hrend sie die Briefe betrachtete. �Manchmal gibt es uns, was wir brauchen, bevor wir �berhaupt wissen, da� wir es brauchen.�</p><p>Nebens�chlich zerkn�llte sie die Einladung des K�nigs und warf sie in den Kamin, wo sie wie ein wei�er Fleck auf den kalten Scheiten lag. Sie erbrach das andere Siegel mit dem Daumen und las. �Ja. Ja, das pa�t genau.�</p><p>�Wie kann ich dahin gehen?� fragte Rand. �Sie werden gleich merken, da� ich kein Lord bin. Ich bin schlie�lich Sch�fer und Bauer.� Ingtar blickte skeptisch drein. �Bin ich wirklich, Ingtar. Ich habe es Euch doch gesagt.� Ingtar zuckte die Achseln; er wirkte keineswegs �berzeugt. Hurin sah Rand ungl�ubig an.</p><p>Perrin dachte: <emphasis>Seng mich, wurde ich ihn nicht kennen, dann w�rde ich das auch nicht glauben.</emphasis> Mat beobachtete Rand mit leicht geneigtem Kopf und sah ihn mit gerunzelter Stirn an, als habe er ihn noch nie zuvor gesehen. <emphasis>Er bemerkt es jetzt auch.</emphasis> �Du schaffst das schon, Rand�, sagte Perrin. �Ganz bestimmt.�</p><p>�Es wird hilfreich sein�, meinte Verin, �wenn Ihr nicht gleich jedem erz�hlt, was Ihr nicht seid. Die Leute sehen, was sie zu sehen erwarten. Dar�ber hinaus seht ihnen in die Augen, und sprecht mit fester Stimme. So, wie Ihr mit mir gesprochen habt�, f�gte sie trocken hinzu. Rands Wangen r�teten sich, aber er senkte den Blick nicht. �Es ist nicht wichtig, was Ihr sagt. Sie werden alles Ungereimte sowieso der Tatsache zuschreiben, da� Ihr Ausl�nder seid. Es wird Euch auch helfen, wenn Ihr Euch daran erinnert, wie Ihr Euch vor dem Amyrlin verhalten habt. Wenn Ihr so arrogant seid, nehmen sie Euch den Lord auch noch ab, wenn Ihr in Lumpen herumlauft.� Mat kicherte.</p><p>Rand nahm die H�nde abwehrend hoch. �In Ordnung. Ich mache mit. Aber ich glaube trotzdem noch immer, da� sie mich durchschauen � f�nf Minuten nachdem ich den Mund aufgemacht habe. Wann gehen wir?�</p><p>�Barthanes hat Euch zu f�nf verschiedenen Gelegenheiten eingeladen, und eine davon ist morgen abend.�</p><p>�Morgen!� tobte Ingtar los. �Morgen abend kann das Horn schon hundert Meilen flu�abw�rts sein, oder... �</p><p>Verin schnitt ihm das Wort ab. �Uno und Eure Soldaten k�nnen das Herrenhaus beobachten. Falls sie versuchen, das Horn wegzubringen, k�nnen wir ihnen leicht folgen und es vielleicht sogar eher zur�ckgewinnen als innerhalb von Barthanes Mauern.�</p><p>�M�glich�, gab Ingtar knurrig zu. �Ich kann einfach die Warterei nicht ertragen, jetzt, wo sich das Horn schon beinahe in meinen H�nden befindet. Ich werde es zur�ckgewinnen! Ich mu�! Ich mu�!�</p><p>Hurin sah ihn mit gro�en Augen an. �Aber, Lord Ingtar, so geht das doch nicht. Was geschieht, geschieht eben, und was sein soll, das wird... � Ingtars grimmiger Blick lie� seine Worte ersterben, aber er murmelte trotzdem noch vor sich hin: �So geht das nicht, von �muߋ zu sprechen.�</p><p>Ingtar wandte sich steif Verin zu: �Verin Sedai, die Leute aus Cairhien halten sehr viel von einem starren Protokoll. Wenn Rand keine Antwort schickt, ist Barthanes m�glicherweise so beleidigt, da� er uns nicht einl��t, auch wenn wir die Einladung vorzeigen. Aber falls Rand antwortet... also, zumindest Fain kennt ihn. Es k�nnte f�r sie eine Vorwarnung sein, so da� sie uns eine Falle stellen.�</p><p>�Wir werden sie �berraschen.� Ihr kurzes L�cheln war nicht von der angenehmen Sorte. �Aber ich glaube, Barthanes wird Rand auf jeden Fall sehen wollen. Schattenfreund oder nicht, er hat bestimmt seine Pl�ne in bezug auf den Thron nicht aufgegeben. Rand, er schreibt, du h�ttest an einem der Projekte des K�nigs Interesse gezeigt, aber er schreibt nicht, an welchem. Was soll das hei�en?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Rand nachdenklich. �Ich habe �berhaupt nichts getan, seit ich hier ankam. Wartet. Vielleicht meint er die Statue. Wir kamen durch ein Dorf, bei dem sie eine riesige Statue ausgruben. Aus dem Zeitalter der Legenden, sagte man uns. Der K�nig will sie nach Cairhien bringen lassen, obwohl mir nicht klar ist, wie er etwas so Gro�es transportieren will. Aber ich habe lediglich gefragt, was das sei.�</p><p>�Wir sind bei Tag daran vorbeigekommen und haben nicht angehalten, um Fragen zu stellen.� Verin lie� die Einladung in ihren Scho� fallen. �Keine kluge Entscheidung Galldrians, das ausgraben zu lassen. Nicht, da� irgendeine Gefahr best�nde, aber es ist nie gut f�r Leute, die nicht wissen, was sie tun, sich mit Dingen aus dem Zeitalter der Legenden zu befassen.�</p><p>�Was ist es nun eigentlich?� fragte Rand.</p><p>�Ein <emphasis>SaAngreal.�</emphasis> Es klang, als sei es wirklich nicht besonders wichtig, aber Perrin hatte pl�tzlich das Gef�hl, die beiden h�tten eine ganz private Unterhaltung begonnen und sagten sich Dinge, die f�r niemanden anders bestimmt waren. �Die eine H�lfte eines Paares � die beiden gr��ten, die je angefertigt wurden, soweit wir jedenfalls wissen. Es ist auch ein eigenartiges Paar. Die eine Statue ist immer noch auf Tremalking vergraben und kann nur von einer Frau ben�tzt werden. Diese hier kann wiederum nur von einem Mann ben�tzt werden. Sie wurden als Waffe w�hrend des Kriegs um die Macht gebaut, aber wenn man f�r etwas dankbar sein mu� am Ende dieses Zeitalters oder gar, was die Zerst�rung der Welt betrifft, dann daf�r, da� alles zu Ende war, bevor man sie ben�tzen konnte. Zusammen sind sie m�glicherweise m�chtig genug, um die Welt erneut zu zerst�ren, vielleicht noch schlimmer als beim ersten Mal.�</p><p>Perrins H�nde verkrampften sich ineinander. Er vermied es, Rand direkt anzusehen, aber selbst aus dem Augenwinkel konnte er erkennen, wie wei� Rands Mundpartie geworden war. Er glaubte, Rand habe Angst, und er konnte es ihm nicht verdenken.</p><p>Ingtar wirkte auch ersch�ttert, was ja wohl kein Wunder war. �Das Ding sollte wieder begraben werden, und zwar so tief, wie es nur geht. Was w�re geschehen, wenn Logain das gefunden h�tte? Oder irgendein anderer armer Mann, der die Macht gebrauchen kann, geschweige denn einer, der behauptet, der Wiedergeborene Drache zu sein? Verin Sedai, Ihr m��t Galldrian davor warnen, was er da tut!�</p><p>�Was? Ach, das ist nicht n�tig, denke ich. Die beiden m�ssen ja gemeinsam ben�tzt werden, um gen�gend von der Macht zu beherrschen und damit die Welt zu zerst�ren. So war es im Zeitalter der Legenden. Wenn ein Mann und eine Frau zusammenarbeiteten, waren sie immer zehnmal so stark wie einzeln. Aber welche Aes Sedai heute w�rde einem Mann beim Lenken der Macht helfen? Eine allein ist schon m�chtig genug, aber ich kann mir nur wenige Frauen vorstellen, die stark genug w�ren, um den Strom der Macht durch die Statue auf Tremalking zu �berleben. Die Amyrlin nat�rlich. Moiraine und Elaida. Vielleicht noch ein oder zwei andere. Und drei, die sich noch in der Ausbildung befinden. Was Logain betrifft, w�rde es ihn bereits alle Kraft gekostet haben, sich nicht zu Asche verbrennen zu lassen. Er h�tte keine Kraft f�r etwas anderes �brig gehabt. Nein Ingtar, ich glaube nicht, da� Ihr Euch Sorgen machen m��t. Jedenfalls nicht solange, bis der wirkliche Wiedergeborene Drache sich erkl�rt, und dann haben wir alle H�nde voll zu tun, um erstmal damit fertigzuwerden. Jetzt �berlegen wir besser, was wir tun sollen, wenn wir uns in Barthanes Herrenhaus befinden.�</p><p>In Wirklichkeit hatte sie die ganze Zeit �ber mit Rand gesprochen. Perrin war das klar, und dem gequ�lten Blick Mats nach zu schlie�en, wu�te auch er es. Selbst Loial rutschte unruhig auf seinem Stuhl umher. <emphasis>O Licht, Rand,</emphasis> dachte Perrin. <emphasis>Licht, la� dich nicht von ihr ben�tzen.</emphasis> Rand dr�ckte die H�nde so fest auf die Tischfl�che, da� seine Kn�chel ganz wei� vor Anstrengung waren. Seine Stimme aber war fest. Sein Blick hing stetig an der Aes Sedai. �Zuerst m�ssen wir das Horn und den Dolch zur�ckgewinnen. Und dann ist es geschafft, Verin. Dann ist es geschafft.�</p><p>Perrin beobachtete Verins leichtes, geheimnisvolles L�cheln und ein Schauder �berlief ihn. Er glaubte nicht, da� Rand auch nur die H�lfte von dem wu�te, was er zu wissen annahm. Nicht einmal die H�lfte.</p></section><section><title><p>32</p><p>Gef�hrliche Worte</p></title><p>Lord Barthanes Herrenhaus kauerte wie eine riesige Kr�te vor ihnen im Dunklen. Mit seinen Mauern und abgetrennten Dienstgeb�uden nahm es genausoviel Platz ein wie eine ganze Festung. Allerdings konnte man gleich sehen, da� es keine Festung war. �berall befanden sich hohe, hell erleuchtete Fenster, und die Kl�nge von Musik und Gel�chter drangen nach au�en. Doch Rand bemerkte auch die Wachen auf den T�rmen und den Wehrg�ngen der D�cher. Au�erdem befanden sich die Fenster alle weit �ber Bodenh�he. Er stieg aus dem Sattel seines Braunen, gl�ttete seinen Mantel und r�ckte den Schwertg�rtel zurecht. Die anderen neben ihm stiegen ebenfalls am Fu� der breiten, wei�en Steintreppe ab, die hinauf zu dem m�chtigen, reich mit Schnitzereien verzierten Tor des Herrenhauses f�hrte.</p><p>Zehn Schienarer unter Unos Kommando bildeten die Eskorte. Der Ein�ugige und Ingtar nickten sich kurz zu, bevor Uno seine M�nner zu den Mitgliedern anderer Eskorten brachte, denen man Bier vorgesetzt hatte und f�r die ein ganzer Ochse am Spie� �ber einem gro�en Feuer garte.</p><p>Die anderen zehn Schienarer hatten sie zur�ckgelassen, zusammen mit Perrin. Jeder von ihnen, der heute abend dabei war, mu�te einem bestimmten Zweck dienen, und Perrin w�re diesmal nicht von Nutzen gewesen. Eine Eskorte brauchte man, um in den Augen der Bewohner Cairhiens die W�rde zu bewahren, aber mehr als zehn Mann w�rden allen verd�chtig erscheinen. Rand war dabei, weil ihm die Einladung gegolten hatte. Ingtar war dabei, um ihnen das zus�tzliche Prestige seines Titels zu verleihen. Und Loial schlie�lich war ja ein Ogier und somit ein begehrter Gast beim Hochadel Cairhiens. Hurin gab vor, Ingtars Leibdiener zu sein. Seine wirkliche Aufgabe war, die Schattenfreunde und Trollocs aufzusp�ren, falls es m�glich war. Das Horn von Valere sollte sich nicht weit von ihnen befinden. Mat, der immer noch wegen seiner Rolle murrte, mu�te Rands Diener spielen, da er den Dolch f�hlen konnte, wenn er sich ihm n�herte. Falls Hurin keinen Erfolg hatte, konnte vielleicht er die Schattenfreunde finden.</p><p>Als Rand Verin gefragt hatte, warum sie dabei sei, hatte sie nur gel�chelt und gesagt: �Um den Rest von euch vor Schwierigkeiten zu bewahren.�</p><p>Als sie die Treppe hinaufstiegen, murmelte Mat: �Ich sehe immer noch keinen Grund, warum ich einen Diener spielen mu�.� Er und Hurin schritten hinter den anderen her. �Seng mich, aber wenn Rand den Lord heraush�ngen kann, kann ich mir auch einen feinen Mantel anziehen.�</p><p>�Ein Diener�, sagte Verin, ohne zu ihm zur�ckzuschauen, �kann an viele Orte gehen, an denen sich ein Lord nicht aufh�lt, und viele Adlige werden ihn dort �berhaupt nicht bemerken. Ihr und Hurin habt Eure Aufgaben.�</p><p>�Schweigt jetzt, Mat�, warf Ingtar ein, �bevor Ihr uns alle verratet.�</p><p>Sie n�herten sich dem Tor, an dem ein halbes Dutzend Wachen mit dem Baum und der Krone des Hauses Damodred auf der Brust stand und dazu noch einmal die gleiche Anzahl von M�nnern in dunkelgr�ner Livree mit Baum und Krone auf den �rmeln.</p><p>Rand atmete tief durch und hielt seine Einladung hin. �Ich bin Lord Rand aus dem Hause al'Thor�, sagte er hastig, um es hinter sich zu bringen. �Und das ist meine Begleitung: Verin Aes Sedai von den Braunen Ajah, Lord Ingtar aus dem Hause Schinowa in Schienar, und Loial, Sohn des Arent, Sohn des Halan, aus dem Stedding Schangtai.� Loial hatte darum gebeten, sein <emphasis>Stedding</emphasis> nicht zu nennen, aber Verin bestand darauf, da� sie jedes bi�chen Prestige brauchten, zu dem ihnen solche Namen verhalfen.</p><p>Der Diener, der mit einer knappen Verbeugung nach der hingehaltenen Einladung gegriffen hatte, zuckte bei jedem zus�tzlichen Namen zusammen. Bei der Erw�hnung Verins fielen ihm fast die Augen aus dem Kopf. Mit erstickter Stimme sagte er: �Seid willkommen im Hause Damodred, Lords. Seid willkommen, Aes Sedai. Seid willkommen, Freund Ogier.� Er gab den anderen Dienern mit einem Wink zu verstehen, sie sollten das Tor weit �ffnen, und dann dienerte er Rand und die anderen hinein, wo er hastig die Einladung einem anderen livrierten Mann �bergab und ihm etwas ins Ohr fl�sterte.</p><p>Dieser Mann trug Baum und Krone gro� auf der Brust seines gr�nen Mantels. �Aes Sedai�, sagte er und ben�tzte seinen langen Stab, um sich bei seiner tiefen Verbeugung abzust�tzen. Sein Kopf erreichte beinahe Knieh�he. So begr��te er jeden von ihnen. �Meine Herren. Freund Ogier. Ich hei�e Aschin. Bitte mir zu folgen.�</p><p>Im Foyer befanden sich nur Diener, aber Aschin f�hrte sie in einen gro�en Saal voller Adliger. Ein Jongleur zeigte an einem Ende seine K�nste, und auf der anderen Seite �berschlugen sich Akrobaten. Stimmen und Musik von anderswoher deuteten an, da� diese hier nicht die einzigen G�ste waren oder da� hier nicht die einzige Unterhaltung geboten wurde. Die Adligen standen in Paaren oder zu dritt oder viert herum, manchmal M�nner und Frauen gemischt, manchmal nur die Angeh�rigen eines Geschlechts, aber von Gruppe zu Gruppe war immer ein gr��erer Abstand, so da� keiner h�ren konnte, was bei den anderen gesprochen wurde. Die G�ste trugen die dunklen, in Cairhien �blichen Farben und auf der Brust bunte Streifen, die meist am Brustbein endeten, bei manchen aber auch erst an der H�fte. Die Frauen trugen die Haare zu kunstvollen Hochfrisuren aufgesteckt, jede anders, und ihre dunklen R�cke waren so weit, da� sie sich bei einer weniger breiten T�r seitw�rts h�tten drehen m�ssen, um �berhaupt durchzukommen. Keiner der M�nner hatte sich wie ein Soldat den Kopf rasiert. Statt dessen trugen sie dunkle Samth�te auf langen Haaren. Manche der H�te waren glockenf�rmig, andere wieder flach. Wie bei den Frauen verbargen die langen Spitzenmanschetten beinahe ihre H�nde.</p><p>Aschin klopfte mit dem Stab auf den Boden und stellte sie mit lauter Stimme vor � Verin zuerst.</p><p>Alle Blicke ruhten auf ihnen. Verin trug ihre mit braunen Fransen versehene und mit Reben bestickte Stola. Die Anwesenheit einer Aes Sedai l�ste allgemeines Geraune unter den Lords und Ladies aus. Der Jongleur lie� einen seiner Reifen fallen, aber es sah ihm sowieso niemand mehr zu. Loial erregte fast genausoviel Aufsehen, noch bevor Aschin seinen Namen ausgesprochen hatte. Trotz der Silberstickereien an Kragen und �rmeln lie� das ansonsten durch nichts gebrochene Schwarz seines Mantels Rand neben den Cairhienianern beinahe d�ster wirken, und sein und Ingtars Schwerter zogen manchen Blick auf sich. Keiner der Lords hier schien bewaffnet zu sein. Rand h�rte mehr als einmal die Bezeichnung �Reiherschwert�. Einige der Blicke, die ihm galten, wirkten auf ihn finster. Er glaubte, sie k�men vielleicht von M�nnern, deren Einladungen er verbrannt hatte.</p><p>Ein schlanker, gutaussehender Mann trat an sie heran. Er hatte langes, leicht ergrautes Haar und mehrere vielfarbige Streifen zogen sich �ber seinen Mantel vom Kragen bis zum Saum knapp �ber den Knien hinunter. F�r jemanden aus Cairhien war er extrem gro�, kaum einen halben Kopf kleiner als Rand, und er hatte eine Art dazustehen, die ihn sogar noch gr��er wirken lie�. Sein Kinn war so hoch erhoben, da� er auf alle anderen hinunterzublicken schien. Seine Augen waren schwarze Kiesel. Er sah Verin mit wachsamem Blick an.</p><p>�Eure Anwesenheit ehrt mich, Aes Sedai.� Barthanes Damodreds Stimme klang tief und selbstsicher. Sein Blick erfa�te die anderen. �Ich hatte keine so erlesene Gesellschaft erwartet. Lord Ingtar. Freund Ogier.� Seine Verbeugung vor den beiden war nur wenig mehr als ein Kopfnicken. Barthanes wu�te genau, wie m�chtig er selbst war. �Und Ihr, mein junger Lord Rand. Ihr erregt viel Aufsehen in der Stadt und in den H�usern. Vielleicht werden wir eine M�glichkeit finden, uns heute abend ausf�hrlicher zu unterhalten.� Sein Tonfall schien anzudeuten, da� es nicht wichtig sei, ob dieses Gespr�ch auch wirklich stattfinde, es sei nicht der Rede wert, doch einen Moment lang entglitt ihm ein nerv�ser Seitenblick auf Ingtar, Loial und Verin. �Seid willkommen.� Er lie� sich von einer h�bschen Frau wegziehen, die eine reichberingte Hand in seine Spitzenmanschetten steckte, aber im Weggehen wanderte sein Blick noch einmal zu Rand her�ber.</p><p>Das Raunen der Unterhaltung regte sich wieder, und der Jongleur lie� wieder seine Reifen in einer engen Schleife hochwirbeln, so da� sie fast die stuckverzierte, vierzig Spannen hohe Gipsdecke streiften. Die Akrobaten hatten ihre Vorf�hrung gar nicht unterbrochen. Eine Frau federte aus den zusammengelegten H�nden eines ihrer Landsleute hoch. Ihre einge�lte Haut gl�nzte im Lichtschein von hundert Lampen. Sie �berschlug sich und landete auf den F��en, aufgefangen von den H�nden eines Mannes, der bereits auf den Schultern eines anderen stand. Er hob sie mit gestreckten Armen weiter empor, und sein Untermann tat das gleiche mit ihm. Sie breitete die Arme aus, als warte sie auf Applaus. Keiner der Leute aus Cairhien schien es auch nur zu bemerken.</p><p>Verin und Ingtar verschwanden in der Menge. Dem Schienarer galten einige wachsame Blicke. Manche musterten Verin mit weit aufgerissenen Augen, andere mit der besorgten Miene von Menschen, die feststellen, da� sie neben einem tollw�tigen Wolf stehen. Letzteres war eher bei M�nnern als bei Frauen der Fall, und einige der Frauen sprachen sie sogar an.</p><p>Rand wurde klar, da� Mat und Hurin bereits in Richtung K�che verschwunden waren, wo sich alle mitgekommenen Diener versammelten und warteten, bis sie gebraucht wurden. Er hoffte, sie w�rden sich problemlos wegschleichen k�nnen.</p><p>Loial beugte sich herunter, damit er ihm etwas ins Ohr sagen konnte: �Rand, in der N�he befindet sich ein Wegetor. Ich kann es f�hlen.�</p><p>�Soll das hei�en, da� sich hier ein Ogierhain befand?� fragte Rand leise, und Loial nickte.</p><p>�Das Stedding Tsofu wurde nie wiedergefunden, sonst h�tten die Ogier, die beim Bau von Al'cair'rahienallen halfen, keinen neuen Hain ben�tigt, der sie an das <emphasis>Stedding</emphasis> erinnern sollte. Als ich zum erstenmal durch Cairhien kam, stand hier nur Wald, und der geh�rte dem K�nig.�</p><p>�Barthanes hat es ihm vielleicht durch irgendeine Intrige abgewonnen.� Rand sah sich nerv�s im Saal um. Alle unterhielten sich nach wie vor, aber eine ganze Reihe schienen ihn und den Ogier zu beobachten. Er konnte Ingtar nicht mehr sehen. Verin stand im Mittelpunkt einer Gruppe Frauen. �Ich w�nschte, wir k�nnten zusammenbleiben.�</p><p>�Verin sagt, das sei nicht gut, Rand. Sie meint, die anderen w�rden dann mi�trauisch und �rgerlich, wenn wir uns von ihnen fernhielten. Wir m�ssen alles Mi�trauen abbauen, bis Mat und Hurin finden, was auch immer sie finden m�gen.�</p><p>�Das habe ich genausogut geh�rt wie du, Loial. Aber ich glaube immer noch, wenn Barthanes ein Schattenfreund ist, dann wei� er, warum wir hier sind. Wenn wir uns fortschleichen, fordern wir nur einen Schlag �ber den Sch�del heraus.�</p><p>�Verin behauptet, er werde auf keinen Fall etwas gegen uns unternehmen, solange er nicht wei�, ob er uns nicht irgendwie ben�tzen kann. Mach doch einfach, was sie uns gesagt hat, Rand. Die Aes Sedai wissen schon, was sie tun.� Loial schritt in die Menge hinein, und bevor er zehn Schritte getan hatte, war er bereits von Lords und Ladies umringt.</p><p>Andere bewegten sich auf Rand zu, jetzt, da er allein war, aber er wandte sich in die Gegenrichtung und eilte fort. <emphasis>Aes Sedai wissen vielleicht, was sie tun, aber ich nicht. Mir gef�llt das alles nicht. Licht, wenn ich nur sicher sein k�nnte, da� sie die Wahrheit sagt. Aes Sedai l�gen wohl nicht, aber die Wahrheit, die sie aussprechen, ist vielleicht nicht das, was du glaubst.</emphasis> Er blieb immer in Bewegung, um nicht mit all den Adligen sprechen zu m�ssen. Es gab noch viele weitere S�le, alle voll mit Lords und Ladies, und in allen wurde irgendeine Form der Unterhaltung geboten: drei verschiedene Gaukler in ihren schillernden Umh�ngen, weitere Jongleure und Akrobaten, Musiker, die Fl�te und Zither, Laute und Oboe spielten sowie f�nf verschiedene Arten von Fiedeln, sechs unterschiedliche Arten von H�rnern, gerade oder gekr�mmt oder verwunden, und zehn Gr��en von Trommeln � vom Tambourin bis zur Kesselpauke. Er musterte einige der H�rner etwas genauer, doch sie bestanden alle nur aus Messing.</p><p>Narr, hier werden sie das Horn von Valere wohl kaum zur Schau stellen, dachte er. Au�er Barthanes plant, tote Helden als Teil seines Unterhaltungsprogrammes heraufzubeschw�ren. Es war sogar ein Barde da. Er trug silberverzierte Taren-Stiefel und einen gelben Mantel. Beim Herumgehen zupfte er seine Harfe, und von Zeit zu Zeit blieb er stehen und deklamierte irgend etwas in Hochgesang. Die Gaukler bedachte er mit ver�chtlichen Blicken, und er hielt sich nicht in den gleichen S�len auf wie sie, aber au�er der Kleidung konnte Rand kaum einen Unterschied zwischen ihnen und ihm feststellen.</p><p>Pl�tzlich befand sich Barthanes an Rands Seite. Sofort bot ihnen ein livrierter Diener mit einer Verbeugung ein Silbertablett dar. Barthanes nahm sich einen gl�sernen Pokal mit Wein. Der Diener verbeugte sich immer noch, als er vor ihnen her r�ckw�rts lief, und hielt Rand das Tablett hin, bis der den Kopf sch�ttelte. Dann verschmolz er mit der Menge.</p><p>�Ihr seid ruhelos�, sagte Barthanes und nippte an seinem Glas.</p><p>�Ich laufe gern herum.� Rand fragte sich, wie er wohl Verins Rat befolgen k�nne, und als er sich daran erinnerte, was sie �ber seine Audienz bei der Amyrlin gesagt hatte, nahm er die Haltung �Die Katze l�uft �ber den Hof� ein. Er kannte keine arrogantere Gangart. Barthanes Mundpartie spannte sich, und Rand glaubte, der Herr f�nde ihn vielleicht schon zu arrogant, doch er hatte nur Verins Rat, an den er sich halten konnte, und so gab er diese Haltung nicht auf. Um ihr etwas die Spitze zu nehmen, sagte er freundlich: �Das ist wirklich ein gelungenes Fest. Ihr habt viele Freunde, und ich habe noch nie so viel Unterhaltung auf einmal erlebt.�</p><p>�Viele Freunde�, stimmte Barthanes zu. �Ihr k�nnt Galldrian erz�hlen, wie viele es waren und wer. Ein paar der Namen �berraschen ihn vielleicht.�</p><p>�Ich habe den K�nig noch nicht kennengelernt, Lord Barthanes, und ich glaube auch nicht, da� ich das werde.�</p><p>�Nat�rlich. Ihr wart nur zuf�llig in diesem kleinen Nest! Ihr habt den Fortschritt der Ausgrabungen an der Statue rein zuf�llig �berwacht! Ein gro�artiges Unternehmen ist das.�</p><p>�Ja.� Er mu�te wieder an Verin denken. Sie hatte ihm nicht gesagt, wie man mit einem Mann reden mu�te, der einen f�r einen L�gner hielt. So f�gte er gedankenlos hinzu: �Es ist gef�hrlich, sich mit Dingen aus dem Zeitalter der Legenden abzugeben, wenn man nicht wei�, was man tut.�</p><p>Barthanes blickte in seinen Wein hinunter und schien dar�ber nachzudenken, als habe Rand eine tiefsch�rfende Wahrheit ausgesprochen. �Wollt Ihr damit sagen, da� Ihr Galldrian nicht bei dieser Sache unterst�tzt?� fragte er schlie�lich.</p><p>�Ich habe Euch ja gesagt, da� ich den K�nig noch nie getroffen habe.�</p><p>�Ja, nat�rlich. Ich wu�te nicht, da� Leute aus Andor das Spiel so gut beherrschen. Hier in Cairhien lassen sich nicht viele sehen.�</p><p>Rand holte tief Luft, um sich davon abzuhalten, dem Mann w�tend mitzuteilen, da� er ihr Spiel nicht spiele. �Es sind viele Getreidefrachter aus Andor auf dem Flu� zu sehen.�</p><p>�Kaufleute und H�ndler. Wer bemerkt die schon? Da kann man ja gleich auf die K�fer an den Bl�ttern achten.� In Barthanes Stimme lag die gleiche Verachtung f�r die K�fer wie auch f�r die H�ndler, aber dann verfinsterte sich seine Miene erneut, als habe Rand irgendeine Andeutung gemacht. �Nicht viele M�nner reisen in Begleitung einer Aes Sedai. Ihr scheint mir zu jung, um Beh�ter zu sein. Ich sch�tze, Lord Ingtar ist Verin Sedais Beh�ter.�</p><p>�Wir sind, was wir sagten�, antwortete Rand und verzog das Gesicht. <emphasis>Au�er mir.</emphasis> Barthanes musterte nun fast unverhohlen Rands Gesicht. �Jung. Sehr jung f�r ein Reiherschwert.�</p><p>�Ich bin weniger als ein Jahr alt�, sagte Rand automatisch. Sofort bereute er seine Antwort. Sie klang unsinnig, doch Verin hatte gesagt, er solle sich so wie bei der Amyrlin verhalten, und Lan hatte ihm diese Antwort eingeimpft. Ein Grenzw�rter betrachtete den Tag, an dem er sein Schwert bekam, als seinen Geburtstag.</p><p>�Tats�chlich. Ein Andormann, aber in den Grenzlanden ausgebildet. Oder von einem Beh�ter?� Barthanes Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen, als er Rand so betrachtete. �Soviel ich wei�, hat Morgase nur einen Sohn. Wie ich h�rte, hei�t er Gawyn. Ihr m��t fast gleichaltrig sein.�</p><p>�Ich habe ihn kennengelernt�, sagte Rand vorsichtig.</p><p>�Diese Augen. Dieses Haar. Ich habe geh�rt, da� in der k�niglichen Familie von Andor diese Aielfarbe bei Haaren und Augen verbreitet sei.�</p><p>Rand stolperte, obwohl der Boden aus glattem Marmor bestand. �Ich bin kein Aiel, Lord Barthanes, und ich geh�re auch nicht der k�niglichen Familie an.�</p><p>�Wie Ihr meint. Ihr habt mir viel Stoff zum Nachdenken geliefert. Ich glaube, wenn wir uns wieder unterhalten, tun wir es m�glicherweise auf der gleichen Ebene.� Barthanes nickte ihm zu und hob sein Glas. Dann wandte er sich um und sprach mit einem grauhaarigen Mann, der viele bunte Streifen auf seinem Mantel trug.</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf und ging weiter � weg von allen Unterhaltungen. Es war schon schlimm genug gewesen, mit einem Lord aus Cairhien zu sprechen. Ein zweites solches Gespr�ch wollte er nicht riskieren. Barthanes hatte anscheinend in den trivialsten Kommentaren noch eine tiefe Bedeutung gesehen. Rand war klar geworden, da� er soeben genug �ber <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> erfahren hatte, um genau zu wissen, da� er keine Ahnung hatte, wie man es spielte. <emphasis>Mat, Hurin, findet bitte schnell etwas heraus, damit wir von hier verschwinden k�nnen! Diese Leute spinnen!</emphasis> Und dann betrat er wieder einen neuen Saal, und der Gaukler, der am anderen Ende seine Harfe zupfte und eine Erz�hlung aus <emphasis>Die Wilde Jagd nach dem Horn</emphasis> vortrug, war Thom Merrilin. Rand blieb wie angewurzelt stehen. Thom schien ihn nicht zu bemerken, obwohl ihn der Blick des Gauklers zweimal streifte. Thom schien es wirklich ernst damit zu sein, ihre Beziehung endg�ltig abzubrechen.</p><p>Rand wandte sich zum Gehen, doch eine Frau trat geschmeidig vor ihn hin und legte ihm eine Hand auf die Brust. Die nach hinten fallende Spitzenmanschette entbl��te ein zierliches Handgelenk. Sie reichte ihm nicht ganz bis zur Schulter, aber der hohe Turm ihrer Locken kam ihm auf Augenh�he entgegen. Die Spitzen ihrer Halskrause ragten unter ihrem Kinn hervor, und unter ihrem Busen war ihr dunkelblaues Kleid mit Farbstreifen geschm�ckt. �Ich hei�e Alaine Chuliandred, und Ihr seid der ber�hmte Rand al'Thor. In seinem eigenen Haus hat Barthanes wohl das Recht, als erster mit Euch zu sprechen, aber wir sind alle fasziniert von dem, was man Euch nachsagt. Ich habe sogar geh�rt, da� Ihr Fl�te spielt. Kann das wahr sein?�</p><p>�Ich spiele Fl�te.� <emphasis>Wie konnte sie...? Caldevwin. Licht, jeder scheint in Cairhien alles zu erfahren.</emphasis> �Entschuldigt mich bitte... �</p><p>�Ich habe geh�rt, da� im Ausland einige Herren selbst Musik machen, habe das aber bisher nie geglaubt. Ich w�rde Euch so gern spielen h�ren. Vielleicht unterhaltet Ihr Euch auch ein wenig mit mir �ber dies und das. Barthanes schien die Unterhaltung mit Euch zu genie�en. Mein Mann verbringt seine Tage damit, seinen Weinkeller durchzuprobieren, und er l��t mich ziemlich allein. Er ist nie da, um sich mit mir zu unterhalten.�</p><p>�Ihr m��t ihn vermissen�, sagte Rand, der sich krampfhaft bem�hte, sich um sie und ihren weiten Rock herumzuschieben. Sie lachte hell auf, als habe er etwas au�erordentlich Lustiges gesagt.</p><p>Eine weitere Frau trat an ihre Seite, und noch eine Hand legte sich auf seine Brust. Sie trug genauso viele Streifen wie Alaine, und sie waren auch etwa gleichaltrig � gute zehn Jahre �lter als er. �Willst du ihn f�r dich behalten, Alaine?� Die beiden Frauen l�chelten sich mit Dolchen in den Augen an. Die zweite l�chelte Rand nun an. �Ich bin Belevaere Osiellin. Sind alle M�nner in Andor so gro�? Und so gutaussehend?�</p><p>Er r�usperte sich. ��h... ein paar sind genauso gro�. Verzeiht mir, aber wenn ich jetzt... �</p><p>�Ich sah Euch mit Barthanes sprechen. Man behauptet, Ihr kennt auch Galldrian. Ihr m��t mich besuchen kommen, damit wir uns unterhalten k�nnen. Mein Mann besucht gerade unsere G�ter im S�den.�</p><p>�Ihr seid so feinf�hlig wie eine Dirne�, zischte Alaine ihr zu, aber im n�chsten Moment l�chelte sie Rand wieder an. �Sie hat einfach keine Bildung. Welcher Mann k�nnte sich wohl f�r eine Frau mit so schlechten Manieren interessieren? Bringt Eure Fl�te in mein Haus, und wir werden uns unterhalten. Vielleicht bringt Ihr mir auch das Fl�tenspiel bei?�</p><p>�Was Alaine f�r Feinf�hligkeit h�lt�, sagte Belevaere in s��lichem Tonfall, �ist lediglich ein Mangel an Mut. Ein Mann, der ein Reiherschwert tr�gt, mu� tapfer sein. Das ist doch eine echte Reiherklinge, nicht wahr?�</p><p>Rand versuchte, sich nach hinten zu entfernen. �Wenn Ihr mich nun entschuldigen w�rdet... ich... � Sie folgten ihm Schritt f�r Schritt, bis er mit dem R�cken zur Wand stand. Ihre weiten R�cke bildeten eine zweite Wand vor ihm.</p><p>Er fuhr zusammen, als sich eine dritte Frau neben die beiden anderen schob. Ihr Rock reichte nun vollends bis an die Wand und versperrte ihm endg�ltig den Fluchtweg. Sie war �lter als die beiden, aber genauso h�bsch. Ihr am�siertes L�cheln konnte die Sch�rfe ihres Blickes nicht verbergen. Sie trug noch mal um die H�lfte mehr Streifen als Alaine und Belevaere. Diese beiden knicksten vor ihr und sahen sie m�rrisch an.</p><p>�Versuchen diese beiden Spinnen, Euch in ihr Netz zu locken?� Die �ltere Frau lachte. �Die meiste Zeit �ber verwickeln sie sich selbst mehr darin als ihre Opfer.</p><p>Kommt mit mir, mein feiner, junger Andoraner, und ich erz�hle Euch ein wenig, in welche Schwierigkeiten sie Euch bringen w�rden. Zum einen habe ich keinen Ehemann, dessentwegen Ihr Euch Gedanken machen m��t. Ehem�nner sind so l�stig.�</p><p>�ber Alaines Kopf hinweg konnte er Thom sehen, der sich gerade von einer Verbeugung aufrichtete, obwohl keinerlei Applaus oder Aufsehen zu bemerken war. Mit einer Grimasse schnappte sich der Gaukler einen gef�llten Pokal vom Tablett eines �berraschten Dieners.</p><p>�Ich sehe da jemanden, mit dem ich sprechen mu߫, sagte Rand zu den Frauen, und er quetschte sich aus dem K�fig, den sie um ihn gebildet hatten, gerade als die zuletzt erschienene Frau nach seinem Arm fa�te. Alle drei blickten ihm nach, als er zu dem Gaukler eilte.</p><p>Thom be�ugte ihn �ber den Rand des Pokals hinweg und nahm dann einen gro�en Schluck.</p><p>�Thom, ich wei�, Ihr habt gesagt, wir trennen uns, aber ich mu�te vor diesen Frauen fliehen. Alles, was sie mir sagten, war, da� ihre Ehem�nner fort seien, aber sie deuteten noch ganz anderes an.� Thom erstickte fast an seinem Wein, und Rand klopfte ihm auf den R�cken. �Ihr trinkt zu schnell, und etwas kommt einem dabei immer in die falsche Kehle. Thom, sie glauben, da� ich mit Barthanes paktiere oder vielleicht auch mit Galldrian, und ich glaube nicht, da� sie es mir abnehmen werden, wenn ich ihnen sage, da� das nicht stimmt. Ich brauchte einfach eine Ausrede, um von ihnen wegzukommen.�</p><p>Thom strich sich �ber den langen Schnurrbart und blickte hin�ber zu den drei Frauen. Sie standen immer noch nebeneinander und beobachteten ihn und Rand. �Ich kenne die drei, Junge. Breane Taborwin allein k�nnte dich so vieles lehren, wie jeder Mann einmal im Leben lernen sollte, falls er die Erfahrung �berlebt. Macht sich Gedanken �ber ihre Ehem�nner. Das gef�llt mir, Junge.� Mit einem Mal wurde sein Blick stechend. �Du hattest mir erz�hlt, du h�ttest nichts mehr mit den Aes Sedai zu tun. Die H�lfte aller Unterhaltungen heute abend besch�ftigt sich damit, da� ohne Vorwarnung ein <emphasis>Lord</emphasis> aus Andor erschienen ist, mit einer Aes Sedai zur Seite. Barthanes und Galldrian. Diesmal hast du dich von der Wei�en Burg ganz sch�n hineinreiten lassen.�</p><p>�Sie ist erst gestern gekommen, Thom. Und sobald das Horn in Sicherheit ist, bin ich sie wieder los. Daf�r werde ich sorgen.�</p><p>�Du sagst das, als sei es gerade jetzt nicht in Sicherheit�, sagte Thom bed�chtig. �So hast du dich vorher nicht angeh�rt.�</p><p>�Schattenfreunde haben es gestohlen, Thom. Sie haben es hierher gebracht. Barthanes ist einer davon.�</p><p>Thom schien seinen Wein zu erforschen, aber sein Blick schweifte umher, um sicherzugehen, da� niemand nahe genug zum Lauschen war. Mehr als nur die drei Frauen beobachteten sie aus den Augenwinkeln, w�hrend sie vorgaben, tief in eine Unterhaltung versunken zu sein, aber trotzdem hielt sich jedes Gr�ppchen von den anderen fern. Thom sagte leise: �Eine gef�hrliche Sache, selbst wenn es nicht stimmt, und noch gef�hrlicher, wenn du recht hast. Eine solche Anklage, und dann noch gegen den m�chtigsten Mann im K�nigreich... Du meinst, er habe das Horn? Ich sch�tze, du willst, da� ich dir wieder helfe, jetzt, wo du wieder an den F�den der Wei�en Burg h�ngst?�</p><p>�Nein.� Er hatte entschieden, da� Thom recht hatte, auch wenn der Gaukler nicht wu�te, warum. Er konnte niemanden in seine Probleme verwickeln. �Ich wollte nur diesen Frauen entkommen.�</p><p>Der Gaukler pustete erstaunt in seinen Schnurrbart. �Also, na ja. Das ist gut. Beim letzten Mal, als ich dir half, trug ich eine Beinverletzung davon und mu� seither humpeln. Mittlerweile scheinst du ja wieder in den F�ngen von Tar Valon zu zappeln. Diesmal mu�t du aus eigener Kraft entkommen.� Es klang, als wolle er sich das selbst einreden.</p><p>�Das werde ich, Thom. Bestimmt.� <emphasis>Sobald das Horn in Sicherheit ist und Mat diesen blutigen Dolch zur�ckhat. Mat, Hurin, wo seid ihr blo�?</emphasis> Als habe er ihn verstanden, tauchte Hurin im Saal auf. Seine Blicke suchten zwischen den Lords und Ladies. Sie sahen durch ihn hindurch; Diener existierten f�r sie nicht, au�er sie brauchten sie gerade. Als er Rand und Thom ersp�hte, wand er sich zwischen den Gr�ppchen der Adeligen hindurch und verbeugte sich vor Rand. �Lord Rand, man hat mich geschickt, um es Euch mitzuteilen. Euer Leibdiener ist gest�rzt und hat sich das Knie verdreht. Ich wei� nicht, wie schlimm es ist, Herr.�</p><p>Einen Augenblick lang blickte Rand verst�ndnislos drein, bevor er begriff. Er war sich der Blicke bewu�t, die auf ihm ruhten, und deshalb sprach er laut genug, damit ihn die am n�chsten Stehenden h�ren konnten: �Ungeschickter Narr. Was n�tzt er mir, wenn er nicht laufen kann? Ich sch�tze, ich sollte mich wohl darum k�mmern, wie schwer er sich verletzt hat.�</p><p>Es schien genau das Richtige zu sein. Hurin klang erleichtert, als er nach einer weiteren Verbeugung sagte: �Wie mein Herr w�nschen. Bitte mir zu folgen.�</p><p>�Du spielst den Lord sehr �berzeugend�, sagte Thom leise. �Aber denk daran: Die Leute aus Cairhien spielen <emphasis>Daes Dae'mar,</emphasis> doch es war die Wei�e Burg, in der das Spiel erfunden wurde. Pa� auf dich auf, Junge!� Mit einem b�sen Blick zu den Adeligen hin�ber stellte er den leeren Pokal auf das Tablett eines vorbeieilenden Dieners und schlenderte weg, wobei er seine Harfe wieder zupfte. Er begann, <emphasis>Frau Mili und der Seidenh�ndler</emphasis> vorzutragen.</p><p>�Geh voran, Mann!� befahl Rand Hurin. Er f�hlte sich nicht wohl dabei. Als er dem Schn�ffler aus dem Saal folgte, f�hlte er die Blicke in seinem R�cken.</p></section><section><title><p>33</p><p>Botschaft aus dem Dunkel</p></title><p>�Hast du es gefunden?� fragte Rand, w�hrend er Hurin eine enge Treppe hinunter nachlief. Die K�che befand sich in einem der unteren Stockwerke, und man hatte s�mtliche Diener dorthin geschickt, die mit den G�sten zusammen angekommen waren. �Oder ist Mat wirklich etwas passiert?�</p><p>�Ach, Mat geht es gut, Lord Rand.� Der Schn�ffler zog die Stirn kraus. �Zumindest scheint es so, und er schimpft wie ein gesunder Mann. Ich wollte Euch nicht beunruhigen, aber ich brauchte eine Ausrede, um Euch hier herunter zu holen. Ich hatte keine Schwierigkeiten, die Spur wiederzufinden. Die M�nner, die Cuales Schenke ansteckten, sind alle in einen ummauerten Garten hinter dem Haus gegangen. Die Trollocs haben sich ihnen angeschlossen � sie sind auch da drinnen. Das mu� wohl irgendwann gestern gewesen sein, sch�tze ich. Vielleicht auch schon vorgestern nacht.� Er z�gerte. �Lord Rand, sie sind nicht wieder herausgekommen. Sie m�ssen einfach immer noch drin sein.�</p><p>Am Fu� der Treppe konnten sie h�ren, wie die Diener ein St�ck weiter den Flur entlang feierten. Gel�chter und Gesang erklangen von dort her. Jemand hatte eine Zither dabei und spielte eine schnelle, einfache Melodie, zu der die anderen im Rhythmus klatschten. Man h�rte das Stampfen tanzender F��e. Hier gab es weder stuckverzierte Decken noch sch�ne Tapeten � nur blanken Stein oder Holz. Der Lichtschein im Gang r�hrte von Binsenfackeln her, deren Qualm die Decke schw�rzte. Sie befanden sich so weit voneinander entfernt, da� es dazwischen fast dunkel war.</p><p>�Ich bin froh, da� du wieder normal mit mir sprichst�, sagte Rand. �So, wie du dich st�ndig verbeugt und Kratzf��e gemacht hast, glaubte ich schon, du wolltest die Leute aus Cairhien noch �bertreffen.�</p><p>Hurins Gesicht lief rot an. �Also, was das betrifft... � Er blickte den Flur hinunter in Richtung des L�rms und spitzte die Lippen, als wolle er ausspucken. �Sie tun alle so wohlerzogen und korrekt, aber... Lord Rand, jeder von ihnen behauptet, seinem Herrn oder seiner Herrin gegen�ber treu zu sein, aber alle deuten an, da� sie bereit sind, ihr Wissen oder ihre Kenntnisse weiterzuverkaufen. Und wenn sie ein paar Glas getrunken haben, dann fl�stern sie einem Sachen �ber ihre Lords und Ladies ins Ohr, da� einem die Haare zu Berge stehen. Ich wei�, sie sind nun mal aus Cairhien, aber so was habe ich denn doch noch nie erlebt.�</p><p>�Wir gehen ja bald von hier weg, Hurin.� Rand dr�ckte eher seine Hoffnung aus als eine Gewi�heit. �Wo ist dieser Garten?� Hurin bog in einen Seitengang ein, der zur R�ckseite des Hauses f�hrte. �Hast du Ingtar und die anderen schon runtergebracht?�</p><p>Der Schn�ffler sch�ttelte den Kopf. �Lord Ingtar lie� sich von sechs oder sieben dieser sogenannten Damen in die Enge treiben. Ich konnte nicht nahe genug herankommen, um mit ihm zu sprechen. Und Verin Sedai war bei Barthanes. Sie sah mich derart eigenartig an, als ich mich n�herte, da� ich nicht einmal versucht habe, ihr etwas zu sagen.�</p><p>Sie bogen um eine weitere Ecke, und da standen Loial und Mat. Loial konnte wegen der niedrigen Decke nur geb�ckt stehen.</p><p>Loials Grinsen war fast so breit wie sein ganzes Gesicht. �Da bist du ja, Rand. Ich war noch niemals so froh, jemandem entkommen zu k�nnen, wie bei diesen Leuten dort droben! Sie fragten mich immer wieder, ob die Ogier zur�ckkehrten und ob Galldrian sich mit uns �ber die noch ausstehende Bezahlung geeinigt habe. Es scheint, als h�tten all die Ogier-Steinwerker nur deshalb Cairhien verlassen, weil Galldrian sie nicht mehr bezahlte, au�er mit Versprechungen. Ich mu�te ihnen immer wieder erkl�ren, da� ich davon nichts wisse, aber die H�lfte glaubte wohl, ich l�ge, und die andere H�lfte dachte, ich spiele auf irgend etwas an.�</p><p>�Wir hauen bald ab�, versicherte ihm Rand. �Mat, geht es dir gut?� Das Gesicht seines Freundes wirkte hohlwangiger, als er es zuletzt in Erinnerung hatte, hagerer sogar als in der Schenke, und seine Backenknochen standen deutlich hervor.</p><p>�Mir geht's gut�, erwiderte Mat m�rrisch. �Es machte mir gewi� nichts aus, die <emphasis>anderen</emphasis> Diener zu verlassen. Diejenigen, die nicht daran glaubten, du w�rdest mich verhungern lassen, dachten wohl, ich sei krank, und wollten mir nicht zu nahe kommen.�</p><p>�Hast du den Dolch gef�hlt?� fragte Rand.</p><p>Mat sch�ttelte betr�bt den Kopf. �Das einzige, was ich gef�hlt habe, war, da� mich jemand die meiste Zeit �ber beobachtet. Diese Leute sind genauso schlimm wie Blasse, was das Herumschleichen betrifft. Seng mich, ich bin vor Schreck fast aus der Haut gefahren, als mir Hurin sagte, er habe die Spur der Schattenfreunde aufgesp�rt. Rand, ich kann ihn �berhaupt nicht sp�ren, und ich habe dieses verdammte Geb�ude vom Dachstuhl bis zum Keller hin abgesucht.�</p><p>�Das mu� nicht hei�en, da� er sich nicht hier befindet, Mat. Ich habe ihn zum Horn in die Truhe gesteckt, denk daran. Vielleicht kannst du ihn deshalb nicht f�hlen. Ich glaube nicht, da� Fain wei�, wie man sie �ffnet, sonst h�tte er sie nicht die ganze Zeit schleppen lassen, als er aus Fal Dara floh. Selbst das viele Gold ist unwichtig, wenn man es mit dem Horn von Valere vergleicht. Wenn wir das Horn finden, finden wir auch den Dolch. Du wirst ja sehen.�</p><p>�Solange ich nicht mehr so tun mu�, als sei ich dein Diener�, knurrte Mat. �Solange du nicht verr�ckt wirst und... � Die Worte erstarben, und sein Mund verzog sich.</p><p>�Rand ist nicht verr�ckt, Mat�, sagte Loial. �Die Leute aus Cairhien h�tten ihn niemals hier eingelassen, wenn er kein Lord w�re. Sie sind es, die spinnen.�</p><p>�Ich bin nicht wahnsinnig�, sagte Rand grob. �Noch nicht. Hurin, zeig mir diesen Garten!�</p><p>�Hier her�ber, Lord Rand.�</p><p>Sie gingen durch eine niedrige T�r � Rand mu�te sich ducken � in die Nacht hinaus. Loial mu�te sich richtig vorn�berbeugen und die Schultern einziehen, um durchzukommen. Aus den Fenstern �ber ihnen drang genug gelber Lichtschein, da� Rand zwischen quadratischen Blumenbeeten eine Backsteinmauer erkennen konnte. Zu beiden Seiten warfen St�lle und andere au�enliegende Geb�ude wuchtige Schatten. Gelegentlich drangen Fetzen von Musik aus dem Hauptgeb�ude, entweder von der Feier der Diener her oder aus den S�len mit ihren Herrschaften oben.</p><p>Hurin f�hrte sie auf Gartenwegen entlang, bis selbst der tr�be Lichtschein verbla�te und sie sich ihren Weg im Mondschein suchen mu�ten. Ihre Stiefel knirschten leise auf den Kieseln. B�sche, die im Tageslicht vor Bl�ten gestrahlt h�tten, drohten nun wie d�stere Gestalten im Dunkel. Rand fa�te nach seinem Schwert, und sein Blick schweifte andauernd hin und her. Hundert Trollocs konnten ungesehen um sie herum lauern. Er wu�te, Hurin h�tte die Trollocs gerochen, wenn sie wirklich da w�ren, aber das half auch nicht sehr. Wenn Barthanes ein Schattenfreund war, dann mu�ten auch zumindest einige seiner Diener und W�chter ebenfalls welche sein. Hurin konnte einen Schattenfreund nicht immer am Geruch identifizieren. Schattenfreunde, die aus der Nacht hervorsprangen, waren auch nicht viel besser als Trollocs.</p><p>�Dort, Lord Rand�, fl�sterte Hurin, und er deutete nach vorn.</p><p>Vor ihnen umschlo� eine Steinmauer, die nicht viel �ber Loials Kopf hinausragte, eine quadratische Fl�che von etwa f�nfzig Schritt Seitenl�nge. Rand war sich der Schatten wegen nicht sicher, aber es sah danach aus, als setze sich der Garten dahinter fort. Er fragte sich, warum Barthanes mitten in seinem Garten diese Fl�che ausgespart und ummauert hatte. �ber der Mauer war kein Dach zu sehen. <emphasis>Warum gingen sie da hinein und blieben drin?</emphasis> Loial beugte sich herunter und brachte seinen Mund dicht an Rands Ohr: �Ich habe dir doch gesagt, da� hier einst ein Ogierhain stand. Rand, das Wegetor befindet sich innerhalb dieser Mauer. Ich kann es f�hlen.�</p><p>Rand h�rte, wie Mat resignierend seufzte. �Wir geben nicht auf, Mat�, sagte er. �Ich gebe nicht auf. Ich habe aber genug Verstand, um nicht noch einmal durch die Kurzen Wege gehen zu wollen.�</p><p>�Das m�ssen wir aber vielleicht�, sagte Rand darauf. �Geh und suche Ingtar und Verin. Zieh sie irgendwie auf die Seite � es ist mir gleich, wie du das anstellst �, und sage ihnen, da� ich glaube, Fain habe das Horn durch ein Wegetor gebracht. La� es aber niemand anders h�ren. Und denke daran, da� du hinkst; man glaubt, da� du gest�rzt seist.� Es schien ihm erstaunlich, wenn selbst jemand wie Fain es riskierte, die Wege zu ben�tzen, aber es war wohl die einzig m�gliche Antwort. <emphasis>Sie verbringen doch keine Nacht und keinen Tag da drinnen, ohne Dach �ber dem Kopf.</emphasis></p><p>Mat verbeugte sich tief, und seine Stimme triefte vor Ironie: �Sofort, Lord Rand. Wie der Lord w�nschen. Soll ich Eure Flagge tragen, Herr?� Er ging in Richtung Herrenhaus los, und sein Gemurre verklang. �Jetzt mu� ich hinken. Beim n�chsten Mal habe ich mir dann wohl den Hals gebrochen oder... �</p><p>�Er hat lediglich Angst wegen des Dolches, Rand�, sagte Loial.</p><p>�Ich wei߫, gab Rand zur�ck. <emphasis>Aber wie lange noch, bis er irgend jemandem erz�hlt, was ich bin, auch wenn er das nicht bewu�t vorhat?</emphasis> Er konnte nicht glauben, da� ihn Mat jemals absichtlich verraten w�rde � zumindest soviel war von der alten Freundschaft noch �brig. �Loial, heb mich bitte hoch, damit ich �ber die Mauer schauen kann.�</p><p>�Rand, falls die Schattenfreunde immer noch... �</p><p>�Sind sie nicht. Heb mich hoch, Loial!�</p><p>Alle drei traten ganz nahe an die Mauer heran, und Loial machte mit den H�nden einen Steigb�gel f�r Rand. Der Ogier richtete sich anschlie�end trotz Rands Gewicht problemlos auf, und damit befand sich Rands Kopf gerade in der richtigen H�he, um �ber den Rand der Mauer hinwegblicken zu k�nnen.</p><p>Die d�nne Sichel des abnehmenden Mondes warf nur sp�rliches Licht auf den Garten, und der gr��te Teil der Innenfl�che lag sowieso im Schatten, doch auf jeden Fall schien es dort drinnen weder Blumen noch Str�ucher zu geben. Nur eine einsame Bank aus blassem Marmor stach ins Auge. Sie war so plaziert, da� man von ihr aus das anblicken konnte, was sich wie ein riesiger, aufrecht stehender Grabstein in der Mitte der Fl�che erhob.</p><p>Rand klammerte sich an der Mauerkrone fest und zog sich hinauf. Loial zischte leise und griff nach seinem Fu�, aber er ri� sich los und lie� sich auf der anderen Mauerseite hinunterfallen. Unter seinen F��en befand sich eine kurzgeschnittene Grasdecke. Es kam ihm der fl�chtige Gedanke, da� Barthanes wohl Schafe hereinlie�. Er sah so angestrengt zu der Steinplatte � dem Wegetor �hin�ber, da� er zusammenfuhr, als neben ihm schwere Stiefel auf dem Boden aufschlugen.</p><p>Hurin stand auf und klopfte sich den Staub von der Kleidung. �Ihr solltet vorsichtig mit solchen Man�vern sein, Lord Rand. Hier k�nnte sich jeder versteckt halten �oder alles.� Er sp�hte in die Dunkelheit der ummauerten Zone hinein und fa�te sich dabei unwillk�rlich an den G�rtel. Doch das Kurzschwert und der Schwertbrecher waren in der Schenke zur�ckgeblieben. In Cairhien liefen Diener nicht bewaffnet herum. �Springt in ein Loch hinein, ohne Euch zu vergewissern, und es ist bestimmt eine Schlange darin.�</p><p>�Du w�rdest sie riechen�, sagte Rand.</p><p>�Vielleicht.� Der Schn�ffler atmete tief ein. �Aber ich kann nur das riechen, was sie getan haben, und nicht, was sie vorhaben.�</p><p>�ber Rands Kopf erklang ein Schaben, und dann lie� sich Loial langsam an der Mauer herunterrutschen. Der Ogier mu�te nicht einmal die Arme ganz durchstrecken, da standen seine Stiefel bereits auf dem Boden. �Voreilig�, knurrte er. �Ihr Menschen handelt immer so voreilig und �berhastet. Und nun mache ich es euch auch schon nach. Der �lteste Haman w�rde mich ganz sch�n ins Gebet nehmen und meine Mutter... � Die Dunkelheit verbarg sein Gesicht, aber Rand war sicher, da� seine Ohren dabei lebhaft zuckten. �Rand, wenn du nicht ein bi�chen vorsichtiger vorgehst, dann wirst du mich noch in Schwierigkeiten bringen.�</p><p>Rand ging zum Wegetor hin�ber und dann au�en herum. Selbst aus der N�he wirkte es lediglich wie eine dicke Steinplatte, die ihn ein gutes St�ck �berragte. Die R�ckseite war glatt geschliffen und f�hlte sich k�hl an �er strich nur kurz mit der Hand dar�ber �, aber die Vorderseite hatte ein K�nstler geschaffen. Ranken, Bl�tter und Bl�ten bedeckten sie, alles so fein herausgearbeitet, da� es im tr�ben Mondschein beinahe echt wirkte. Er tastete �ber den Boden davor. Das Gras war in zwei weiten B�gen weggeschabt, wie es beim �ffnen von Torfl�geln geschah.</p><p>�Ist das ein Wegetor?� fragte Hurin unsicher. �Ich habe nat�rlich davon geh�rt, aber... � Er schn�ffelte, wie um eine Witterung aufzunehmen. �Die Spur f�hrt geradewegs darauf zu und endet hier, Lord Rand. Wie sollen wir ihnen jetzt folgen? Ich habe geh�rt, wenn man durch ein Wegetor geht, kommt man als Wahnsinniger wieder heraus, falls man �berhaupt wieder herauskommt.�</p><p>�Es geht durchaus, Hurin. Ich habe es selbst schon gemacht und Loial, Mat und Perrin auch.� Rand wandte den Blick nicht von dem Gewirr der Bl�tter auf dem Stein. Eines war dabei, das war anders als die anderen in diesem Blattrelief; soviel wu�te er: das dreiteilige Blatt des legend�ren <emphasis>Avendesora,</emphasis> des Lebensbaumes. Er legte die Hand darauf. �Ich wette, du kannst auch in den Kurzen Wegen ihre Spur wittern. Wir k�nnen ihnen �berallhin folgen, welchen Weg sie auch immer zur Flucht ben�tzen.� Es w�re nicht schlecht, auch sich selbst zu beweisen, da� er den Mut hatte, durch ein Wegetor zu gehen. �Ich werde es dir beweisen.� Er h�rte, wie Hurin aufst�hnte. Das Blatt war genauso wie die anderen in das Relief eingearbeitet, doch es l�ste sich nun und er hielt es in der Hand. Loial st�hnte ebenfalls.</p><p>In diesem Augenblick wurde die Illusion lebendiger Pflanzen zur Wirklichkeit. Steinbl�tter schienen im leichten Wind zu flattern, Blumen erstrahlten selbst in der Dunkelheit in ihren nat�rlichen Farben. Unten in der Mitte des Ganzen wurde eine Trennlinie sichtbar, und die beiden H�lften der Platte schwangen langsam auseinander � eine davon auf Rand zu. Er trat zur�ck. Es bot sich ihm nun allerdings weder der Anblick der anderen Seite der ummauerten Zone noch das mattsilberne Leuchten, wie er es in Erinnerung hatte. Der Raum zwischen den sich �ffnenden Torfl�geln war von einem so dunklen Schwarz, da� es die sie umgebende Nacht heller erscheinen lie�. Diese Pechschw�rze quoll zwischen den immer noch aufschwingenden Torfl�geln hervor.</p><p>Rand sprang mit einem Schrei zur�ck und lie� in der Eile das <emphasis>Avendesorablatt</emphasis> fallen. Loial rief: <emphasis>�Machin Shin.</emphasis> Der Schwarze Wind!�</p><p>Das Rauschen des Windes �bert�nte alles andere. Das Gras raschelte und bewegte sich wellenf�rmig in Richtung der Mauer. Staub wirbelte durch die Luft. Und im Wind riefen tausend Stimmen Wahnsinniger, zehntausend, �berschlugen sich und �bert�nten einander. Rand konnte einige davon verstehen, obwohl er sich bem�hte, nicht darauf zu h�ren.</p><p><emphasis>... so s��es Blut, so s��, das Blut zu trinken, das tropfende Blut, es tropft so rot; h�bsche Augen, gute Augen, ich habe keine Augen, ich pfl�cke dir die Augen <emphasis>aus dem Kopf; zermalme deine Knochen, spalte dir die Knochen im Fleisch, sauge dein Mark aus, w�hrend du schreist; schrei, schrei, sing deine Schreie aus, sing und schrei...</emphasis> Und das Schlimmste von allem war ein Fl�stern, das sich durch alles hindurchzog: <emphasis>Al'Thor. Al'Thor. Al'Thor.</emphasis> Rand entkam in das Nichts, das sich um ihn herum aufbaute, und diesmal st�rte ihn nicht einmal das lockende, kr�nkliche Gl�hen von <emphasis>Saidin</emphasis> gerade au�erhalb seines Gesichtsfeldes. Die gr��te aller Gefahren in den Kurzen Wegen war der Schwarze Wind, der die Seelen derer raubte, die er t�tete, und die zum Wahnsinn trieb, die er am Leben lie�. Doch <emphasis>Machin Shin</emphasis> war ein Teil der Wege und konnte sie nicht verlassen. Nur, da� er jetzt in die Nacht hinauswallte, und der Schwarze Wind rief ihn beim Namen.</emphasis></p><p>Das Wegetor stand noch nicht ganz offen. Wenn sie das <emphasis>Avendesorablatt</emphasis> an den richtigen Fleck zur�ckstecken konnten... Er sah, wie Loial auf den Knien herumkroch und in der Dunkelheit �ber das Gras tastete.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> erf�llte ihn. Es war ein Gef�hl, als vibrierten seine Knochen. Er sp�rte den rotgl�henden, eiskalten Flu� der Einen Macht, f�hlte sich lebendiger als jemals sonst, f�hlte den �ligen Schmutz... <emphasis>Nein!</emphasis> Und lautlos schrie er sich selbst von jenseits der Leere her an: <emphasis>Es will dich holen! Es wird uns alle t�ten!</emphasis> Er wuchtete alles in Richtung der wallenden Schw�rze, die nun schon zehn Spannen weit �ber das Wegetor hinausreichte. Er wu�te nicht, was er dahin schleuderte oder wie, aber im Herzen jener Dunkelheit bl�hte ein funkelnder Lichtbrunnen auf.</p><p>Der Schwarze Wind kreischte � zehntausend wortlose Schmerzensschreie. Langsam, einen Fingerbreit nach dem anderen, wich das schwarze Wallen zur�ck, schrumpfte, kroch zur�ck durch das immer noch offenstehende Wegetor.</p><p>Ein Strom der Macht durchlief Rand. Er konnte die Verbindung mit <emphasis>Saidin</emphasis> richtig f�hlen. Es war wie ein �ber die Ufer tretender Flu�, der sich in einem tobenden Wasserfall zwischen ihn und das Feuer im Herzen des Schwarzen Windes schob. Die Hitze in seinem Inneren wurde noch brennender, wurde so stark, da� sie Stein schmelzen und Stahl verdampfen konnte und da� die Luft durch sie entz�ndet wurde. Die K�lte breitete sich aus, bis der Atem in seiner Lunge gefroren und hart wie Metall erschien. Er f�hlte, wie es ihn �berw�ltigte, wie sein Leben abschmolz, als sei es das lehmige Ufer eines starken Flusses. Sein Selbst wurde langsam abgetragen.</p><p><emphasis>Kann nicht aufh�ren! Wenn es herauskommt... Mu� es t�ten! Ich � kann � nicht � aufh�ren!</emphasis> Verzweifelt klammerte er sich an die Reste seiner Pers�nlichkeit. Die Eine Macht durchtobte ihn. Er schwamm auf ihr wie ein St�ck Holz in den Stromschnellen. Das Nichts begann zu schmelzen und abzuflie�en; die Leere dampfte vor K�lte.</p><p>Die Bewegung der Torfl�gel hielt inne und kehrte sich dann um.</p><p>Rand war sich auf verschwommene Art sicher, da� er nur sah, was er zu sehen w�nschte.</p><p>Die Torfl�gel n�herten sich einander und schoben dabei <emphasis>Machin Shin</emphasis> zur�ck, als handele es sich um eine feste Masse. Das Inferno tobte weiter in der Brust des Schwarzen Windes.</p><p>Verschwommen und mit einem entferntfragenden Blick sah Rand, wie Loial sich � immer noch auf allen vieren � von dem zuschwingenden Tor zur�ckzog.</p><p>Der Spalt wurde enger und verschwand. Die Bl�tter und Ranken verschmolzen mit dem festen Steinhintergrund und wurden zu Stein.</p><p>Rand f�hlte, wie die Verbindung zwischen ihm und dem Feuer abri� und der Strom der Macht, der durch seinen K�rper flo�, versiegte. Einen Augenblick sp�ter, und er h�tte sich darin vollst�ndig verloren gehabt. Zitternd fiel er auf die Knie. Es befand sich immer noch in seinem Inneren: <emphasis>Saidin.</emphasis> Es durchflo� ihn nicht mehr, sondern lag still wie ein See in ihm. Er selbst war ein See, gef�llt mit der Einen Macht. Er zitterte bei diesem Gedanken. Er roch das Gras, die Erde unter sich und die Steine der Mauer. Selbst in der Dunkelheit konnte er jeden Grashalm sehen, einzeln und alle zusammen, die gesamte Menge des Grases. Er f�hlte jeden noch so schwachen Luftzug an seinem Gesicht. Seine Zunge floh vor dem Geschmack der Verderbnis zu seinem Gaumen; sein Magen verkrampfte sich.</p><p>Verzweifelt suchte er sich einen Weg aus dem Nichts heraus, krallte sich in dessen W�nden fest. Bewegungslos, noch immer auf den Knien, k�mpfte er sich frei. Und dann blieben nur noch der faulige Geschmack auf seiner Zunge, einige Magenkr�mpfe und seine Erinnerung. <emphasis>So �lebendig.</emphasis> �Ihr habt uns gerettet, Erbauer.� Hurin stand mit dem R�cken an die Mauer gelehnt und sprach mit heiserer Stimme. �Dieses � Ding � war das der Schwarze Wind? Das war schlimmer als... wollte es dieses Feuer auf uns schleudern? Lord Rand! Hat es Euch ber�hrt? Ist Euch etwas zusto�en?� Er rannte zu ihm hin, als Rand aufstand, und war ihm behilflich. Auch Loial stand auf und klopfte sich den Schmutz von H�nden und Knien.</p><p>�Auf diesem Weg werden wir Fain niemals folgen k�nnen.� Rand ber�hrte Loials Arm. �Danke. Du hast uns wirklich gerettet.� <emphasis>Mich zumindest hast du gerettet. Es wollte mich t�ten. Mich t�ten, und das war ein �wunderbares Gef�hl.</emphasis> Er schluckte; ein schwacher, fauliger Nachgeschmack war noch in seinem Mund. �Ich brauche etwas zum Trinken.�</p><p>�Ich habe nur das Blatt gefunden und wieder an seinen Platz zur�ckgesteckt�, sagte Loial achselzuckend. �Es schien, da� wir sterben m��ten, wenn wir das Tor nicht wieder h�tten schlie�en k�nnen. Ich f�rchte, ich bin kein gro�er Held, Rand. Ich hatte solche Angst und konnte kaum noch klar denken.�</p><p>�Wir hatten beide Angst�, sagte Rand. �Wir sind vielleicht alles andere als Helden, aber so ist das eben. Ich bin jedenfalls froh, Ingtar bei uns zu haben.�</p><p>�Lord Rand�, sagte Hurin z�gernd, �k�nnten wir vielleicht jetzt � wieder zur�ckgehen?�</p><p>Der Schn�ffler wollte absolut nicht, da� Rand als erster �ber die Mauer kletterte, weil sie ja nicht wu�ten, was mittlerweile drau�en auf sie wartete, aber dann machte Rand ihm klar, da� er als einziger von ihnen bewaffnet sei. Selbst dann pa�te es Hurin offensichtlich nicht, Rand von Loial hochheben zu lassen, damit er sich �ber die Mauerkrone ziehen konnte.</p><p>Rand landete aufrecht mit einem dumpfen Aufprall und blieb erst einmal stehen, wobei er in die Nacht hinein lauschte und sp�hte. Einen Augenblick lang bildete er sich ein, er habe eine Bewegung gesehen, einen Stiefel auf dem gepflasterten Weg scharren geh�rt, aber nichts davon wiederholte sich, und er schob es auf seine Nervosit�t. Er hatte ja auch wohl ein Recht darauf, nerv�s zu sein. Er wandte sich Hurin zu, um ihm herunterzuhelfen.</p><p>�Lord Rand�, sagte der Schn�ffler, kaum da� seine F��e den Boden ber�hrten, �wie werden wir ihnen nun folgen? Nach allem, was ich von diesen Wegen geh�rt habe, k�nnten sie sich bereits um die halbe Welt in jeder Richtung von uns entfernt haben.�</p><p>�Verin wird schon etwas einfallen.� Rand h�tte am liebsten gelacht: Um Horn und Dolch zu finden � falls er sie jetzt �berhaupt noch finden konnte �, mu�te er sich wieder an die Aes Sedai wenden. Sie hatten ihn von der Leine gelassen, und nun mu�te er zur�ckkehren. �Ich lasse Mat nicht sterben, ohne alles in meiner Macht Stehende zu unternehmen.�</p><p>Loial schlo� sich ihnen an, und sie gingen zur�ck zum Herrenhaus, wo Mat sie an einer kleinen Seitent�r erwartete. Er �ffnete sie gerade in dem Moment, als Rand nach der Klinke fassen wollte. �Verin sagt, ihr sollt nichts unternehmen. Falls Hurin herausfand, wo man das Horn aufbewahrt, dann k�nnen wir im Moment nicht mehr tun, meint sie. Sie sagt, wir gehen, sobald ihr zur�ck seid, und dann werden wir einen Schlachtplan entwerfen. Aber das ist das letzte Mal, da� ich den Botenjungen spielen werde. Wenn ihr irgend jemandem etwas mitteilen wollt, dann sagt es ihm gef�lligst selbst.� Mat blickte an ihnen vorbei in die Dunkelheit hinaus. �Befindet sich das Horn irgendwo dort drau�en? In einem der �u�eren Geb�ude? Habt ihr den Dolch gesehen?�</p><p>Rand drehte ihn einfach um und zog ihn nach innen. �Es ist in keinem Au�engeb�ude, Mat. Ich hoffe, Verin wei�, was jetzt zu tun ist; ich habe n�mlich keine Ahnung.�</p><p>Mat wirkte, als wolle er ihn mit Fragen �bersch�tten, lie� sich aber doch durch den tr�b beleuchteten Korridor ziehen. Er dachte sogar daran, da� er humpeln mu�te, als sie die Treppe hochgingen.</p><p>Als Rand mit den anderen wieder in die S�le zur�ckkehrte, in denen die Adeligen herumstanden, zogen sie einige Blicke auf sich. Rand fragte sich, ob irgend jemand etwas von dem ahnte, was drau�en vorgefallen war, oder ob er besser Mat und Hurin ins Foyer geschickt h�tte, um dort zu warten, aber dann wurde ihm klar, da� sich die Blicke in nichts von denen unterschieden, die ihnen vorher schon gegolten hatten � sie waren neugierig und berechnend. Was hatten der Lord und der Ogier wohl gemacht? Diener waren f�r diese Leute einfach unsichtbar. Keiner versuchte, sich ihnen zu n�hern, da sie zusammen waren. Es schien, f�r die Intrigen des Gro�en Spiels gab es gewisse Vorschriften. Jeder konnte eine private Unterhaltung belauschen, aber man dr�ngte sich nicht direkt hinein.</p><p>Verin und Ingtar standen beieinander und waren demzufolge auch allein. Ingtar wirkte ein wenig benommen. Verin blickte Rand und die anderen kurz an, runzelte ob ihrer Mienen die Stirn und zupfte dann ihre Stola zurecht, bevor sie sich auf den Weg zum Foyer begab.</p><p>Als sie dort ankamen, erschien Barthanes, als habe ihm jemand gesagt, sie verlie�en das Fest. �Ihr geht schon? Verin Sedai, kann ich Euch nicht dazu �berreden, l�nger zu bleiben?�</p><p>Verin sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen gehen, Lord Barthanes. Ich bin schon ein paar Jahre nicht mehr in Cairhien gewesen. Ich war froh, da� Ihr den jungen Rand eingeladen habt. Es war wirklich... interessant.�</p><p>�Dann soll Euch die Gnade des Lichts sicher zu Eurer Schenke zur�ckf�hren. Ihr wohnt im �Gro�en Baum�, nicht wahr? Vielleicht gebt Ihr Euch wieder die Ehre, mich zu besuchen? Es w�re mir wirklich eine Ehre, Verin Sedai, Lord Rand, Lord Ingtar und auch Euch nicht zu vergessen, Loial, Sohn des Arent, Sohn des Halam.� Sein Gru� der Aes Sedai gegen�ber war ein wenig ehrf�rchtiger als bei den anderen, bestand aber auch nur in einem leichten Kopfneigen.</p><p>Verin nickte zur�ck. �Vielleicht. Das Licht erleuchte Euch, Lord Barthanes.� Sie wandte sich dem Tor zu.</p><p>Als Rand den anderen folgen wollte, zupfte ihn Barthanes mit zwei Fingern am �rmel und hielt ihn zur�ck. Mat wollte schon ebenfalls zur�ckbleiben, aber Hurin zog ihn mit sich und den anderen fort.</p><p>�Ihr seid tiefer in das Spiel verwickelt, als ich glaubte�, sagte Barthanes leise. �Als ich Euren Namen h�rte, konnte ich das nicht glauben, und doch seid Ihr gekommen, und die Beschreibung pa�t auf Euch und... ich denke, da� die Botschaft Euch galt, die man mir gab. Also werde ich sie wohl doch an Euch weitergeben.�</p><p>Rand war es bei Barthanes Worten kalt den R�cken hinuntergelaufen, aber nun schaute er verbl�fft drein. �Eine Botschaft? Von wem? Lady Selene?�</p><p>�Von einem Mann. Nicht die Art von Mann, dessen Botschaften ich sonst �berbringen w�rde, aber er hat gewisse... Anspr�che auf meine Hilfe, die ich nicht mi�achten kann. Er hat keinen Namen genannt, doch er kam aus Lugard. Aaah! Ihr kennt ihn.�</p><p>�Ich kenne ihn.� <emphasis>Fain lie� eine Botschaft zur�ck?</emphasis> Rand sah sich in dem ger�umigen Foyer um. Mat und Verin und die anderen warteten am Ausgang auf ihn. Livrierte Diener standen steif an der Wand und warteten auf Auftr�ge. Ansonsten sahen oder h�rten sie nichts. Der L�rm der festlichen Menge erklang von drinnen heraus. Es wirkte nicht wie ein Ort, an dem ein Angriff von Schattenfreunden zu bef�rchten war. �Wie lautet die Botschaft?�</p><p>�Er sagte, er werde auf der Toman-Halbinsel auf Euch warten. Er hat das, was Ihr sucht, und wenn Ihr es wollt, dann m��t Ihr ihm folgen. Falls Ihr es vorzieht, ihm nicht zu folgen, wird er Eure Familie und Euer Volk und alle, die Ihr liebt, vernichten, bis Ihr Euch ihm stellt. Nat�rlich h�rt sich das verr�ckt an, wenn ein Mann einen Lord so herausfordert, aber er hatte so etwas an sich... Ich glaube, er ist wirklich verr�ckt � er hat ja auch offensichtlich verleugnet, da� Ihr ein Lord seid � aber es d�rfte schon etwas dran sein. Was hat er bei sich, das er von Trollocs bewachen l��t? Was sucht Ihr?� Barthanes schien ob der eigenen direkten Fragen zu erschrecken.</p><p>�Das Licht erleuchte Euch, Lord Barthanes.� Rand brachte eine Verbeugung fertig, aber seine Knie zitterten, als er wieder bei Verin und den anderen war. <emphasis>Er will, da� ich ihm folge? Und wenn nicht, wird er Emondsfeld und Tam angreifen.</emphasis> Er hatte keinen Zweifel daran: Falls Fain die n�tigen Mittel hatte, w�rde er das tun. <emphasis>Wenigstens ist Egwene in der Wei�en Burg in Sicherheit.</emphasis> Er stellte sich mit flauem Gef�hl im Magen vor, wie Trolloc-Horden Emondsfeld �berschwemmten, wie augenlose Blasse Egwene auflauerten. <emphasis>Aber wie kann ich ihm denn folgen? Wie?</emphasis> Dann war er drau�en in der Nacht und bestieg den Braunen. Verin und Ingtar und die anderen sa�en bereits auf ihren Pferden, und die Eskorte von Schienarern schlo� sich um sie.</p><p>�Was habt Ihr herausgefunden?� wollte Verin wissen. �Wo bewahrt er es auf?� Hurin r�usperte sich vernehmlich, und Loial rutschte im Sattel umher. Die Aes Sedai blickte sie scharf an.</p><p>�Fain hat das Horn durch ein Wegetor zur TomanHalbinsel mitgenommen�, sagte Rand niedergeschlagen. �In diesem Augenblick wartet er vielleicht schon dort auf mich.�</p><p>�Wir sprechen sp�ter �ber alles�, sagte Verin so bestimmt, da� w�hrend des Rests des Weges zur Stadt und zum �Gro�en Baum� niemand mehr ein Wort sagte.</p><p>Dort verlie� Uno die anderen, nachdem er leise mit Ingtar gesprochen hatte. Er nahm die Soldaten mit zu ihrer Schenke in Vortor. Hurin warf im Licht des Schankraums nur einen Blick auf Verins entschlossenes Gesicht, murmelte etwas von Bier und ging allein zu einem Ecktisch. Die Aes Sedai wischte die Bemerkung der Wirtin, sie h�tten sich hoffentlich am�siert, mit einer Handbewegung beiseite und f�hrte Rand und die anderen schweigend in das private Speisezimmer.</p><p>Perrin blickte von seinem Exemplar der <emphasis>Reisen des Jain Fernstreicher</emphasis> auf, als sie eintraten. Er runzelte beim Anblick ihrer Mienen die Stirn. �Es ging nicht gut, oder?� sagte er und schlo� den Lederband. Lampen und Wachskerzen �berall im Raum ergaben ein helles Licht. Frau Tiedra vermietete zu einem hohen Preis, aber sie geizte daf�r auch nicht.</p><p>Verin faltete sorgf�ltig ihre Stola und legte sie �ber eine Stuhllehne. �Erz�hlt mir alles noch mal. Die Schattenfreunde haben das Horn durch ein <emphasis>Wegetor</emphasis> mitgenommen? Bei Barthanes Haus?�</p><p>�Der Boden, auf dem das Herrenhaus steht, geh�rte einst zu einem Ogierhain�, erkl�rte Loial. �Als wir noch bauten... � Seine Stimme brach ab, und seine Ohren welkten unter ihrem Blick.</p><p>�Hurin ist ihnen bis vor das Tor gefolgt.� Rand lie� sich ersch�pft auf einen Stuhl fallen. <emphasis>Jetzt mu� ich erst recht hinterher. Aber wie?</emphasis> �Ich �ffnete es, um ihm zu zeigen, da� er der Spur immer noch folgen k�nne, wohin sie auch gingen, doch der Schwarze Wind lauerte dahinter. Er versuchte, uns zu erreichen, aber Loial schaffte es, das Tor zu schlie�en, bevor er ganz herauskommen konnte.� Er err�tete ein wenig, als er das sagte, aber Loial hatte schlie�lich das Tor geschlossen, und ohne sein Bem�hen h�tte <emphasis>Machin Shin</emphasis> vielleicht wirklich herauskommen k�nnen. �Er hat das Tor bewacht.�</p><p>�Der Schwarze Wind�, hauchte Mat und erstarrte beinahe vor seinem Stuhl. Auch Perrin starrte nun Rand an, genau wie Verin und Ingtar. Mat lie� sich mit einem lauten Plumpsen auf den Stuhl fallen. �Ihr m��t Euch irren�, sagte Verin schlie�lich. <emphasis>�Machin Shin</emphasis> kann man nicht als W�chter benutzen. Niemand bringt den Schwarzen Wind dazu, irgend etwas zu tun.�</p><p>�Es ist ein Gesch�pf des Dunklen K�nigs�, sagte Mat benommen. �Sie sind Schattenfreunde. Vielleicht wu�ten sie, wie man ihn um Hilfe bittet oder ihn dazu bringt.�</p><p>�Keiner wei� genau, was <emphasis>Machin Shin</emphasis> eigentlich ist�, sagte Verin. �Gut, vielleicht ist es das Wesen reines Wahnsinns und reiner Grausamkeit, das sich hier manifestiert. Man kann nicht mit ihm streiten oder verhandeln oder mit ihm sprechen, Mat. Er kann auch nicht zu etwas gezwungen werden, jedenfalls von keiner jetzt lebenden Aes Sedai und vielleicht von niemandem, der jemals gelebt hat. Glaubt ihr wirklich, Padan Fain k�nnte gelingen, was zehn Aes Sedai nicht schaffen?� Mat sch�ttelte den Kopf.</p><p>Im Raum verbreitete sich eine Atmosph�re der Verzweiflung, ein Gef�hl von Ziellosigkeit und verlorener Hoffnung. Ihr Ziel war ihnen entschwunden, und selbst Verins Gesicht wirkte entt�uscht. �Ich h�tte nie gedacht, da� Fain den Mut aufbringt, die Kurzen Wege zu ben�tzen.� Ingtars Stimme klang beinahe mild, aber pl�tzlich schlug er mit der Faust gegen die Wand. �Es ist mir gleich, ob oder wie <emphasis>Machin Shin</emphasis> Fain unterst�tzt. Sie haben das Horn von Valere in die Kurzen Wege gebracht, Aes Sedai. Mittlerweile k�nnten sie sich in der F�ule befinden oder unterwegs nach Tear oder Tanchico oder auf der anderen Seite der Aielw�ste. Das Horn ist verloren. Ich bin verloren.� Seine H�nde fielen schlaff herunter, und seine Schultern sackten nach vorn. �Ich bin verloren.�</p><p>�Fain bringt es zur Toman-Halbinsel�, sagte Rand, und sofort sahen ihn alle wieder an. Verin musterte ihn eindringlich. �Das habt Ihr schon einmal behauptet. Woher wollt Ihr das wissen?�</p><p>�Er hinterlie� eine Botschaft bei Barthanes�, sagte Rand.</p><p>�Eine Finte�, h�hnte Ingtar. �Er wird uns wohl kaum sagen, wohin wir ihm folgen m�ssen.�</p><p>�Ich wei� nicht, was ihr anderen unternehmen werdet�, meinte Rand, �aber ich gehe zur Toman-Halbinsel. Ich kann nicht anders. Ich werde beim ersten Morgengrauen aufbrechen.�</p><p>�Aber, Rand�, unterbrach ihn Loial, �wir werden Monate bis zur Toman-Halbinsel brauchen. Glaubst du, da� Fain so lange auf uns warten wird?�</p><p>�Er wird warten.� <emphasis>Aber wie lange, bis er schlie�lich doch glaubt, ich k�me nicht? Warum hat er einen solchen W�chter hinterlassen, wenn er will, da� ich ihm folge?</emphasis> �Loial, ich werde so schnell reiten, wie es nur geht, und wenn ich den Braunen zuschande reite. Dann kaufe ich mir ein neues Pferd oder stehle eines, wenn es sein mu�. Bist du sicher, da� du mitkommen willst?�</p><p>�Ich bin nun schon so lange bei dir, Rand. Warum sollte ich jetzt zur�ckbleiben?� Loial zog seine Pfeife und den Tabaksbeutel heraus und stopfte gem�tlich Tabak in den Pfeifenkopf. �Siehst du, ich mag dich einfach. Ich h�tte dich auch gern, w�rst du nicht <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Vielleicht mag ich dich trotzdem. Du scheinst mich allerdings immer wieder bis zum Hals in Schwierigkeiten zu bringen. Na ja, jedenfalls gehe ich mit.� Er saugte probeweise an der Pfeife, ob sie auch zog, nahm dann einen Holzsplitter aus dem Kamin und entz�ndete ihn an einer Kerze. �Und ich glaube nicht, da� du mich aufhalten kannst.�</p><p>�Also, ich gehe auch mit�, sagte Mat. �Fain hat den Dolch immer noch; deshalb mu� ich mitkommen. Aber der ganze Dienerquatsch ist hiermit beendet.�</p><p>Perrin seufzte. Seine gelben Augen schienen nach innen zu blicken. �Ich sch�tze, ich komme auch mit.� Einen Augenblick sp�ter grinste er. �Irgend jemand mu� doch auf Mat aufpassen.�</p><p>�Nicht einmal eine sehr schlaue Finte�, murmelte Ingtar. �Irgendwie erwische ich Barthanes alleine, und dann bekomme ich die Wahrheit heraus. Ich werde das Horn von Valere bekommen und nicht hinter Geistern herjagen.�</p><p>�Es ist vielleicht keine Finte�, meinte Verin vorsichtig. Dabei unterzog sie anscheinend den Boden unter ihren F��en einer genauen Betrachtung. �Im Kerker von Fal Dara wurden gewisse Dinge gefunden, schriftliche Berichte, die eine Verbindung zwischen dem, was in jener Nacht geschah� � sie warf Rand einen kurzen Blick unter halb geschlossenen Lidern zu � �und der Toman-Halbinsel herstellen. Ich verstehe noch nicht alles, doch ich glaube auch, da� wir zur Toman-Halbinsel m�ssen. Und ich glaube, wir werden dort das Horn finden.�</p><p>�Auch wenn sie zur Toman-Halbinsel gehen�, sagte Ingtar, �k�nnten Fain oder einer der anderen Schattenfreunde das Horn schon hundertmal geblasen haben, bis wir dort ankommen. Dann streiten die Helden aus den Gr�bern f�r den Schatten.�</p><p>�Ach, Fain h�tte doch das Horn schon hundertmal blasen k�nnen, seit wir in Fal Dara aufbrachen�, erwiderte ihm Verin. �Und ich denke, das h�tte er auch getan, falls er die Truhe �ffnen k�nnte. Wir m�ssen uns vielmehr den Kopf dar�ber zerbrechen, was geschieht, wenn er jemanden findet, der sie �ffnen kann. Wir m�ssen ihm durch die Kurzen Wege folgen.�</p><p>Perrin ri� den Kopf hoch, und Mat rutschte auf seinem Stuhl umher. Loial st�hnte leise auf.</p><p>�Wenn wir auch irgendwie an Barthanes W�chtern vorbeik�men�, sagte Rand, �w�rden wir wahrscheinlich <emphasis>Machin Shin</emphasis> noch immer dort vorfinden. Wir k�nnen die Wege nicht ben�tzen.�</p><p>�Wie viele von uns k�nnten sich schon auf Barthanes Land schleichen?� Verin schien sich mit der Aussichtslosigkeit eines solchen Unternehmens abgefunden zu haben. �Es gibt andere Wegetore. Das Stedding Tsofu liegt im S�dosten nicht weit von der Stadt entfernt. Es ist ein junges <emphasis>Stedding,</emphasis> vor nur etwa sechshundert Jahren wiederentdeckt, aber zu der Zeit z�chteten die �ltesten der Ogier immer noch weitere Wege. Stedding Tsofu hat bestimmt ein Wegetor. Es ist vorhanden, und wir brechen im ersten Tageslicht dorthin auf.�</p><p>Loial gab einen etwas lauteren Ton von sich, von dem Rand nicht wu�te, ob er dem Wegetor oder dem <emphasis>Stedding</emphasis> galt.</p><p>Ingtar schien immer noch nicht �berzeugt, aber Verin war so sicher und eindeutig in ihrer Haltung wie Schnee, der in einer Lawine abw�rtstobt. �Haltet Eure Soldaten bereit zum Aufbruch, Ingtar. Schickt Hurin hin, damit er es Uno sagt, bevor der im Bett ist. Ich denke, wir sollten alle so schnell wie m�glich schlafen gehen. Diese Schattenfreunde haben bereits mindestens einen Tag Vorsprung, und morgen werden wir soviel wie m�glich davon aufholen m�ssen.� Das Gebaren der molligen Aes Sedai war derart klar und bestimmt, da� Ingtar schon auf dem Weg zur T�r war, bevor sie noch ausgesprochen hatte.</p><p>Rand ging hinter den anderen hinaus, aber an der T�r blieb er neben der Aes Sedai stehen und beobachtete erst einmal, wie Mat den durch Kerzen erleuchteten Flur hinunterschritt. �Wieso sieht er so schlecht aus?� fragte er sie. �Ich glaubte, Ihr h�ttet ihn soweit geheilt, so da� er wieder einigerma�en bei Kr�ften ist.�</p><p>Sie wartete mit ihrer Antwort, bis Mat und die anderen die Treppe hinauf verschwunden waren. �Offensichtlich war die Heilung nicht so wirkungsvoll, wie wir glaubten. Die Krankheit hat bei ihm eine interessante Wende genommen. Seine Kraft bleibt erhalten, und das wahrscheinlich bis zum Ende. Aber sein K�rper verf�llt. Noch ein paar Wochen vielleicht, mehr gebe ich ihm nicht. Seht Ihr, es gibt Gr�nde genug, um uns zu beeilen.�</p><p>�Man braucht mir nicht noch die Sporen zu geben, Aes Sedai�, sagte Rand, und dabei stie� er die Bezeichnung betont hart hervor. <emphasis>Mat. Das Horn. Fains Drohung. Licht, Egwene! Seng mich, mir braucht man wirklich nicht die Sporen zu geben.</emphasis> �Und wie steht es mit Euch, Rand al'Thor? F�hlt Ihr Euch wohl? K�mpft Ihr immer noch dagegen an, oder habt Ihr Euch dem Rad ergeben?�</p><p>�Ich reite mit Euch, um das Horn zu finden�, antwortete er. �Dar�ber hinaus gibt es nichts zwischen mir und irgendeiner Aes Sedai. Versteht Ihr mich? Nichts!�</p><p>Sie sagte nichts, und er ging weg, aber als er sich vor der Treppe kurz umwandte, beobachtete sie ihn immer noch. Ihre dunklen Augen blickten scharf und berechnend.</p></section><section><title><p>34</p><p>Das Rad webt</p></title><p>Das erste Licht des nahenden Morgens �berzog den Himmel grau, als Thom Merrilin wieder auf dem Weg zur�ck zur Traube war. Sogar dort, wo sich die Schenken und Festhallen aneinanderreihten, gab es eine kurze Strecke der Ruhe, wo ganz Vortor Luft zu holen schien. Doch in seiner augenblicklichen Stimmung h�tte Thom noch nicht einmal bemerkt, wenn die leere Stra�e in Flammen gestanden h�tte.</p><p>Einige von Barthanes G�sten hatten ihn noch lange aufgehalten, nachdem die meisten bereits aufgebrochen waren, und lange, nachdem Barthanes selbst sich zu Bett begeben hatte. Er war nat�rlich selbst schuld daran gewesen. Er h�tte nicht von der <emphasis>Wilden Jagd nach dem Horn</emphasis> abkommen und die anderen Lieder und Geschichten vortragen sollen, die er sonst in den D�rfern vortrug: <emphasis>�Mara und die drei n�rrischen K�nige</emphasis>� und <emphasis>Wie Susa Jain Fernstreicher z�hmte</emphasis>� und die Geschichten von Anla, der Weisen Ratgeberin. Er hatte sich das als privaten Kommentar zu ihrer Dummheit nicht verkneifen k�nnen und gar nicht damit gerechnet, da� jemand zuh�ren und gar Interesse daran zeigen w�rde. Jedenfalls waren sie auf ihre Art wirklich daran interessiert gewesen. Sie hatten mehr davon h�ren wollen, aber an den falschen Stellen und �ber die falschen Dinge gelacht. Sie hatten auch ihn ausgelacht und offensichtlich geglaubt, er werde es nicht bemerken oder aber ein voller Geldbeutel in der Tasche werde alle Wunden heilen. Er hatte ihn aber schon zweimal beinahe weggeworfen.</p><p>Der schwere Geldbeutel, der ihm in der Tasche und auf der Seele lastete, war nicht der einzige Grund f�r seine schlechte Laune, genausowenig wie die Verachtung des Adels. Sie hatten ihn �ber Rand ausgefragt und glaubten, einem blo�en Gaukler gegen�ber noch nicht einmal sehr feinf�hlig vorgehen zu m�ssen. Warum Rand sich in Cairhien befinde? Warum hatte ein Lord aus Andor ihn, einen Gaukler, auf die Seite gezogen, um mit ihm zu sprechen? Zu viele Fragen. Er war sich nicht sicher, ob seine Antworten klug gewesen waren. Seine Reaktionen in bezug auf das Gro�e Spiel waren ein wenig rostig geworden.</p><p>Bevor er seine Schritte der Traube zuwandte, war er zum Gro�en Baum gegangen. Es war nicht schwer herauszufinden, wo sich jemand in Cairhien aufhielt, falls man Silber in ein oder zwei H�nde dr�ckte. Er war sich immer noch nicht sicher, was er eigentlich hatte sagen wollen. Rand war weg, und mit ihm seine Freunde und die Aes Sedai. Zur�ckgeblieben war ein Gef�hl, als habe er eine Aufgabe noch nicht erf�llt. <emphasis>Der Junge ist jetzt selbst�ndig. Seng mich, ich habe nichts mehr damit zu tun!</emphasis> Er schritt durch den Schankraum, der nun so leer war, wie selten zuvor, und nahm immer zwei Treppenstufen auf einmal. Zumindest versuchte er das, doch sein rechtes Bein war ziemlich steif, und so st�rzte er beinahe. Er knurrte �rgerlich in sich hinein und ging den Rest der Treppe vorsichtiger hinauf. Er �ffnete leise die T�r zu seinem Zimmer, damit er Dena nicht weckte.</p><p>Unwillk�rlich l�chelte er, als er sah, da� sie voll angezogen mit dem Gesicht zur Wand auf dem Bett lag. <emphasis>Sie ist eingeschlafen, w�hrend sie auf mich wartete. Verr�cktes M�dchen.</emphasis> Es waren freundliche Gedanken; er glaubte nicht, da� sie irgend etwas tun k�nne, das er ihr nicht vergab oder wof�r er kein Verst�ndnis aufbrachte. Er entschlo� sich spontan, da� heute abend der Tag gekommen sei, an dem er sie zum erstenmal auftreten lie�. So stellte er den Kasten mit der Harfe auf den Boden und legte ihr eine Hand auf die Schulter, um sie zu wecken und ihr die freudige Mitteilung zu machen.</p><p>Sie rollte schlaff auf den R�cken und starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Quer �ber ihre Kehle verlief eine klaffende Wunde. Die vorher von ihrem K�rper verdeckte Bettseite war dunkel und feucht.</p><p>Thom drehte sich der Magen um. W�re seine Kehle nicht so wie zugeschn�rt gewesen, er h�tte sich �bergeben oder geschrien oder beides auf einmal.</p><p>Nur das Knarren des Kleiderschranks warnte ihn. Er wirbelte herum. Messer glitten aus seinen �rmeln und mit einer gleichzeitigen Bewegung warf er sie. Die erste Klinge bohrte sich in die Kehle eines fetten, fast glatzk�pfigen Mannes, der einen Dolch in der Hand trug. Der Mann taumelte nach hinten, und Blut quoll zwischen den seinen Hals umklammernden Fingern heraus, als er zu schreien versuchte.</p><p>Da er sich auf seinem verletzten Bein drehen mu�te, ging Thoms anderer Wurf fehl, doch das Messer blieb in der rechten Schulter eines schweren, muskul�sen Mannes mit einem Narbengesicht stecken, der aus dem anderen Schrank kletterte. Das Messer des wuchtigen Mannes entfiel einer Hand, die pl�tzlich ihrem Eigent�mer nicht mehr gehorchte, und dieser lief schwerf�llig auf die T�r zu.</p><p>Bevor er einen weiteren Schritt tun konnte, hatte Thom ein neues Messer in der Hand und schlitzte dem anderen die R�ckseite des Beines auf. Der gro�e Kerl schrie auf und stolperte. Thom packte eine Handvoll schmierigen Haares, knallte ihn mit dem Gesicht an die Wand neben der T�r, und der Mann schrie erneut, als das in seiner Schulter steckende Messer an die T�r stie�.</p><p>Thom hielt dem Mann sein Messer direkt vor die dunklen Augen. Die Narben auf dem Gesicht des kr�ftigen Mannes gaben ihm ein finsteres Aussehen, aber jetzt sah er unverwandt die Schneide des Messers an, zuckte nicht mit der Wimper und r�hrte keinen Muskel. Der fette Mann, der halb innerhalb des Kleiderschranks lag, zuckte ein letztes Mal mit dem Bein und r�hrte sich dann nicht mehr.</p><p>�Bevor ich dich t�te�, sagte Thom, �will ich wissen, warum.� Seine Stimme klang ruhig und wie bet�ubt. Innerlich f�hlte er sich tot. �Das Gro�e Spiel�, sagte der Mann schnell. Seine Aussprache klang nach der Gasse, entsprechend dem Aussehen seiner Kleider, allerdings waren diese ein klein wenig zu gut und zu neu. Er hatte wohl mehr Geld als der �bliche Bewohner Vortors. �Es ist nicht pers�nlich gemeint, m��t Ihr wissen. Es ist halt nur das Spiel.�</p><p>�Das Spiel? Ich habe nichts mit <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> zu tun! Wer w�rde mich des Gro�en Spiels wegen t�ten wollen?�</p><p>Der Mann z�gerte. Thom dr�ckte ihm die Klinge noch n�her vors Gesicht. Falls der Kerl die Wimpern bewegte, w�rden sie die Schneide ber�hren. �Wer?�</p><p>�Barthanes�, erklang die heisere Antwort. �Lord Barthanes. Wir h�tten Euch nicht get�tet. Barthanes geht es um Informationen. Wir wollten nur herausfinden, was Ihr wi�t. F�r Euch kann da noch einiges Gold drin sein. Eine nette, dicke Goldkrone f�r Euer Wissen. Vielleicht auch zwei.�</p><p>�L�gner! Ich war letzten Abend im Haus von Barthanes und stand genauso nahe bei ihm wie jetzt bei dir. Falls er etwas von mir wollte, w�re ich nicht lebendig zur�ckgekommen!�</p><p>�Ich sage Euch, wir haben schon tagelang nach Euch oder jemand anderem gesucht, der etwas �ber diesen andoranischen Lord wei�. Euren Namen habe ich erst gestern abend geh�rt � unten im Schankraum. Lord Barthanes ist gro�z�gig. Es k�nnten auch f�nf Kronen werden.�</p><p>Der Mann bem�hte sich, den Kopf von dem Messer in Thoms Hand wegzudrehen, doch Thom dr�ckte ihn noch fester gegen die Wand. �Welcher andoranische Lord?� Aber er wu�te es schon. Licht hilf, er wu�te Bescheid.</p><p>�Rand. Aus dem Haus al'Thor. Gro�. Jung. Ein Schwertmeister, oder zumindest tr�gt er das Schwert eines Meisters. Ich wei�, da� er Euch besucht hat. Er und ein Ogier, und Ihr habt miteinander gesprochen. Sagt mir, was Ihr wi�t. Ich lege vielleicht noch selbst ein oder zwei Kronen drauf.�</p><p>�Du Narr�, hauchte Thom. <emphasis>Daf�r ist Dena gestorben? O Licht, sie ist tot.</emphasis> Er h�tte am liebsten losgeheult. �Der Junge ist blo� ein Sch�fer.� <emphasis>Ein Sch�fer mit einem tollen Mantel und mit Aes Sedai, die ihn umschw�rmen wie die Bienen eine Honigrose.</emphasis> �Nur Sch�fer.� Er griff dem Mann noch fester ins Haar.</p><p>�Wartet! Wartet! Ihr k�nnt mehr als f�nf Kronen verdienen, sogar mehr als zehn! Eher schon hundert! Jedes Haus will etwas von diesem Rand al'Thor wissen. Zwei oder drei haben sich an mich gewandt. Mit Eurem Wissen und durch die Leute, von denen ich wei�, da� sie es wissen wollen, k�nnen wir beide uns die Taschen f�llen. Und da war auch noch eine Frau, eine Lady. Die habe ich mehr als einmal gesehen, als ich nach ihm suchte. Falls wir herausfinden k�nnen, wer sie ist... also, das k�nnten wir auch noch verkaufen.�</p><p>�Du hast bei allem nur einen wirklichen Fehler begangen�, sagte Thom.</p><p>�Fehler?� Die entferntere Hand des Mannes begann, sich seinem G�rtel zu n�hern. Zweifellos hatte er dort einen weiteren Dolch stecken. Thom schenkte ihr keine Beachtung.</p><p>�Du h�ttest das M�dchen nicht anr�hren sollen.�</p><p>Die Hand des Mannes fuhr zum G�rtel, und dann zuckte die gro�e Gestalt krampfartig zusammen, denn Thoms Messer hatte gnadenlos sein Ziel gefunden.</p><p>Thom lie� ihn von der T�r wegfallen und stand einen Augenblick lang blo� da, bevor er sich m�de b�ckte und seine Messer herauszog. Die T�r schlug auf, und er wirbelte mit wildem Gesichtsausdruck herum.</p><p>Zera zuckte zur�ck, eine Hand an der Kehle, und blickte ihn mit gro�en Augen an. �Diese idiotische Ella hat mir gerade erz�hlt�, sagte sie unsicher, �da� zwei von Barthanes M�nnern gestern abend nach dir gefragt haben, und nachdem, was ich heute morgen schon geh�rt habe... Ich dachte, du h�ttest mir gesagt, du spielst das Spiel nicht mehr.�</p><p>�Sie haben mich gefunden�, sagte er ersch�pft.</p><p>Ihr Blick wandte sich von seinem Gesicht ab, und dann machte sie gro�e Augen, als sie die Leichen der beiden M�nner entdeckte. Schnell trat sie in das Zimmer und schlo� die T�r hinter sich. �Das ist schlimm, Thom. Du wirst Cairhien verlassen m�ssen.� Ihr Blick fiel auf das Bett, und ihr stockte der Atem. �O nein! Nein. O Thom, es tut mir so leid.�</p><p>�Ich kann noch nicht weg, Zera.� Er z�gerte, und dann zog er sanft eine Decke �ber Dena, damit ihr Gesicht bedeckt war. �Ich mu� zuerst noch einen anderen Mann t�ten.�</p><p>Die Wirtin sch�ttelte sich und wandte sich vom Bett ab. Ihre Stimme klang ziemlich atemlos. �Wenn du damit Barthanes meinst, kommst du zu sp�t. Dar�ber spricht doch schon jeder. Er ist tot. Seine Diener fanden ihn heute morgen. Er ist in seinem Schlafzimmer in St�cke gerissen worden. Sie konnten nur erkennen, da� er es war, weil man seinen Kopf auf einen Spie� gesteckt und �ber dem Kamin zur Schau gestellt hatte.� Sie legte ihm eine Hand auf den Arm. �Thom, du kannst nicht verleugnen, da� du letzte Nacht dort warst, jedenfalls nicht vor einem, der das in Erfahrung zu bringen versucht. Nimm noch diese beiden dazu, und keiner in Cairhien wird glauben, du h�ttest nichts damit zu tun.� In ihren letzten Worten schwang ein wenig von einer Frage mit, als sei auch sie selbst nicht sicher.</p><p>�Es spielt wohl keine Rolle�, sagte er stumpf. Er konnte nicht aufh�ren, die mit der Decke bedeckte Gestalt auf dem Bett zu betrachten. �Vielleicht gehe ich zur�ck nach Andor. Nach Caemlyn.�</p><p>Sie nahm ihn bei den Schultern und drehte ihn vom Bett weg. �Ihr M�nner�, seufzte sie. �Ihr denkt nur immer entweder mit den Muskeln oder den Herzen, aber euren Kopf ben�tzt ihr nicht. Caemlyn ist f�r dich genauso schlecht wie Cairhien. An jedem dieser Orte wirst du entweder sterben oder im Gef�ngnis enden. Glaubst du, das h�tte sie gewollt? Wenn du ihr Andenken in Ehre halten willst, dann mu�t du leben.�</p><p>�K�mmerst du dich um... � Er konnte es nicht aussprechen. <emphasis>Ich werde alt,</emphasis> dachte er. <emphasis>Gef�hlsduselig.</emphasis> Er zog den schweren Geldbeutel aus der Tasche und dr�ckte ihn ihr in die Hand. �Das sollte reichen f�r... alles. Und hilf bitte auch, wenn sie nach mir fragen.�</p><p>�Ich k�mmere mich um alles�, sagte sie sanft. �Du mu�t fort, Thom. Jetzt gleich.�</p><p>Er nickte z�gernd und begann, langsam einige Sachen in zwei Satteltaschen zu stopfen. W�hrend er arbeitete, betrachtete Zera zum ersten Mal den fetten Mann, der halb innerhalb und halb au�erhalb ihres Kleiderschranks lag, und sie schnappte h�rbar nach Luft. Er blickte sie fragend an. Solange er sie kannte, war sie nicht die Frau gewesen, die wegen ein bi�chen Blut in Ohnmacht fiel.</p><p>�Das sind nicht Barthanes M�nner, Thom. Zumindest der hier ist keiner.� Sie nickte in Richtung des fetten Mannes. �Es ist das wohl am schlechtesten geh�tete Geheimnis in Cairhien, da� er f�r das Haus Riatin arbeitet. F�r Galldrian.�</p><p>�Galldrian�, wiederholte er mit tonloser Stimme. <emphasis>Worin hat mich dieser blutige Schafhirte verwickelt? Was haben die Aes Sedai uns beiden angetan? Aber Galldrians M�nner haben sie ermordet.</emphasis> Etwas von seinen Gedanken mu�te sich auch auf seinem Gesicht gezeigt haben. Zera sagte in scharfem Ton: �Dena will, da� du lebst, du Narr! Versuche, den K�nig zu t�ten, und du bist schon tot, bevor du dich ihm auf hundert Spannen gen�hert hast, falls du �berhaupt so nahe herankommst!�</p><p>Von der Stadtmauer her erklang ein Geschrei, als beteilige sich die halbe Einwohnerschaft Cairhiens daran. Mit gerunzelter Stirn sah Thom aus dem Fenster. Jenseits der grauen Mauer, weit �ber den D�chern von Vortor, erhob sich eine dichte Rauchwolke in den Himmel. Weit hinter der Mauer. Neben der ersten, schwarzen Rauchs�ule formte sich bald aus grauen Rauchfahnen eine zweite, und weiter hinten erschienen noch mehr W�lkchen. Er sch�tzte die Entfernung und holte tief Luft.</p><p>�Vielleicht solltest du auch daran denken, von hier zu verschwinden. Es sieht aus, als habe jemand die Getreidesilos angez�ndet.�</p><p>�Ich habe schon einige Male einen Aufruhr heil �berstanden. Geh jetzt, Thom.� Nach einem letzten Blick auf Denas verh�llte Gestalt nahm er seine Sachen auf, doch als er gerade gehen wollte, sagte Zera noch: �Du hast einen gef�hrlichen Ausdruck im Blick, Thom Merrilin. Stelle dir vor, Dena s��e gesund und munter hier. �berlege, was sie wohl sagen w�rde. W�rde sie dich in einen sinnlosen Tod ziehen lassen?�</p><p>�Ich bin nur ein alter Gaukler�, sagte er von der T�r her. <emphasis>Und Rand al'Thor ist nur ein Schafhirte, aber wir tun beide, was wir tun m�ssen.</emphasis> �F�r wen k�nnte ich denn schon gef�hrlich sein?�</p><p>Als er die T�r hinter sich zuzog und sie und Dena vor seinen Blicken verborgen waren, �berzog ein freudloses, w�lfisches Grinsen sein Gesicht. Sein Bein schmerzte, aber er f�hlte es kaum, als er zielbewu�t die Treppe hinuntereilte und aus der Schenke ging.</p><p>Padan Fain lie� sein Pferd auf einem H�gelkamm �ber Falme inmitten eines der wenigen Dickichte, die im Bereich der H�gel au�erhalb der Stadt noch �brig waren, anhalten. Das Packpferd, das seine wertvolle Fracht geduldig trug, stie� gegen sein Bein, und er trat ihm, ohne �berhaupt hinzusehen, in die Rippen. Das Tier schnaubte und ruckte zur�ck bis ans Ende der Leine, die er an seinem Sattel befestigt hatte. Die Frau hatte ihm ihr Pferd nicht geben wollen � alle Schattenfreunde hatten sich davor gef�rchtet, im H�gelland allein mit den Trollocs zur�ckzubleiben, ohne da� Fain sie durch seine Gegenwart besch�tzte. Er hatte beide Probleme ohne Schwierigkeiten gel�st. Fleisch im Kochtopf eines Trollocs ben�tigte kein Pferd zum Reiten mehr. Die Begleiter der Frau waren schon ersch�ttert von ihrem Ritt durch die Kurzen Wege bis zu einem Wegetor bei einem lang verlassenen <emphasis>Stedding</emphasis> auf der Toman-Halbinsel, und der Anblick, wie die Trollocs ihr Mahl bereiteten, hatte die �brigen Schattenfreunde �u�erst gef�gig gemacht.</p><p>Von der Bewuchsgrenze her musterte Fain die ohne Mauer daliegende Stadt und verzog ver�chtlich das Gesicht. Ein kurzer Wagenzug rumpelte gerade zwischen die St�lle und Pferdekoppeln und Abstellpl�tze am Stadtrand hinein, w�hrend ein anderer herausrollte. Auf der in vielen Jahren von den Wagen ausgefahrenen Stra�e erhob sich kaum noch eine Staubfahne. Der Kleidung nach waren die Fahrer und die wenigen berittenen W�chter Einheimische, aber die Berittenen hatten sich wenigstens Schwerter umgeh�ngt, und ein paar besa�en sogar Speere und Bogen. Die Soldaten, die er erkennen konnte � es waren nur wenige �, schienen diese Bewaffneten kaum zu beachten, die sie ja wohl erst vor kurzer Zeit besiegt hatten.</p><p>An dem einen Tag und w�hrend seiner einzigen Nacht auf der Toman-Halbinsel hatte er einiges �ber dieses Volk, die Seanchan erfahren. Oder zumindest soviel, wie die unterlegenen Einheimischen eben wu�ten. Es war nicht schwer, jemanden allein zu erwischen, und wenn man die Fragen richtig stellte, bekam man auch eine Antwort. Die M�nner versuchten ohnehin, mehr �ber die Invasoren in Erfahrung zu bringen, als glaubten sie tats�chlich, sie k�nnten mit diesem Wissen eines Tages etwas ausrichten. Nur manchmal hielten sie etwas zur�ck. Die Frauen schienen im allgemeinen nur daran interessiert zu sein, ihr Leben im gleichen Trott fortzusetzen, gleich, wer gerade herrschte, aber sie bemerkten Dinge, die den M�nnern entgangen waren. Sie plapperten auch eher los, wenn sie einmal mit Schreien aufgeh�rt hatten. Kinder plauderten am schnellsten alles aus, aber sie sagten nur selten etwas wirklich Stichhaltiges.</p><p>Er hatte drei Viertel des Geh�rten als Unsinn und Ger�chte abgetan, die sich bereits zu Fabeln auswuchsen, aber nun mu�te er einige seiner Vorurteile zur�cknehmen. Es schien, da� jedermann ungehindert nach Falme kommen konnte. �berrascht beobachtete er etwas anderes, was er als �Unsinn� abgetan hatte, als eine Gruppe von zwanzig Soldaten Falme verlie�. Er konnte ihre Reittiere nicht ganz genau sehen, aber es waren auf jeden Fall keine Pferde. Sie rannten mit einer flie�enden Eleganz, und ihre dunklen H�ute schienen wie Schuppen in der Morgensonne zu glitzern. Er verdrehte den Hals, um sie zu beobachten, bis sie landeinw�rts verschwunden waren, und dann gab er seinem Pferd die Stiefel zu sp�ren und ritt in Richtung auf die Stadt los.</p><p>Die Einheimischen, die zwischen den St�llen und abgestellten Wagen und Koppeln herumliefen, beachteten ihn kaum. Er k�mmerte sich auch nicht um sie, sondern ritt weiter in die Stadt hinein. Kopfsteingepflasterte Stra�en neigten sich nach unten dem Hafen zu. Er konnte den ganzen Hafen �berblicken und sah die gro�en, eigenartig eckig geformten Schiffe der Seanchan, die dort ankerten. Niemand bel�stigte ihn, als er suchend durch schwach belebte Stra�en ritt. Hier befanden sich nun doch mehr Soldaten der Seanchan. Die Menschen eilten mit zu Boden gesenktem Blick ihren Gesch�ften nach und verbeugten sich, wenn sie an Soldaten vorbeikamen, doch die Seanchan w�rdigten sie keines Blickes. An der Oberfl�che erschien alles sehr friedlich � trotz der ger�steten Seanchan auf den Stra�en und ihrer Schiffe im Hafen �, doch Fain sp�rte die Anspannung, die �ber allem lag. Er war immer dort besonders erfolgreich, wo Menschen nerv�s und ver�ngstigt waren.</p><p>Er erreichte ein gro�es Haus, vor dem mehr als ein Dutzend Soldaten Wache hielt. Fain hielt an und stieg ab. Au�er einem klar erkennbaren Offizier trugen alle ganz schwarze R�stungen, und ihre Helme erinnerten ihn an Heuschreckenk�pfe. An jeder Seite des Haupteingangs stand eine Kreatur mit ledriger Haut, drei Augen und gekr�mmtem Schnabel anstelle eines Mundes. Sie hockten da wie Fr�sche. Die Soldaten, die neben den Kreaturen standen, hatten jeweils drei Augen auf ihren Brustpanzer gemalt. Fain musterte die blau ger�nderte Flagge, die �ber dem Dach flatterte: ein Falke mit ausgebreiteten Schwingen, der in den Klauen Blitze trug. Er schnaubte ver�chtlich.</p><p>Auf der anderen Stra�enseite gingen Frauen in einem Haus ein und aus, Frauen, die durch silberne Leinen miteinander verbunden waren, doch er schenkte ihnen keine weitere Beachtung. Er kannte die <emphasis>Damane</emphasis> aus den Erz�hlungen der Dorfbewohner. Sp�ter k�nnten sie einmal n�tzlich werden, doch nicht jetzt.</p><p>Die Soldaten musterten ihn, besonders der Offizier. Seine R�stung war golden und rot und gr�n bemalt.</p><p>Fain zwang seine Gesichtsz�ge zu einem unterw�rfigen L�cheln und verbeugte sich tief. �Meine Herren, ich habe hier etwas, das Euren Hochlord interessieren wird. Ich versichere Euch, er wird es und auch mich pers�nlich sehen wollen.� Er deutete auf den eckigen Gegenstand auf seinem Packpferd, der immer noch in die riesige, gestreifte Decke geh�llt war, in der ihn seine Leute vorgefunden hatten. Der Offizier musterte ihn von oben bis unten. �Ihr klingt, als w�rt Ihr hier fremd. Habt Ihr die Eide abgelegt?�</p><p>�Ich gehorche, warte ab und werde dienen�, antwortete Fain unterw�rfig. Jeder, den er befragt hatte, hatte die Eide erw�hnt, obwohl keiner verstand, was sie bedeuten sollten. Wenn diese Leute das Ablegen von Eiden verlangten, dann w�rde er schw�ren, was man von ihm wollte. Er konnte die Eide schon lange nicht mehr z�hlen, die er alle geschworen hatte.</p><p>Der Offizier bedeutete zweien seiner M�nner, nachzusehen, was sich unter der Decke verbarg. Ihr �berraschtes �chzen ob des Gewichts, als sie die Ladung aus dem Packsattel hoben, wich einem Nach-Luft-Schnappen, als sie die Decke entfernten. Der Offizier blickte mit ausdruckslosem Gesicht die mit Silber verzierte Goldtruhe an, die auf den Pflastersteinen stand, und dann sah er Fain wieder an. �Ein Geschenk, das selbst der Kaiserin w�rdig w�re. Ihr kommt mit mir.�</p><p>Einer der Soldaten durchsuchte Fain grob, aber er ertrug das schweigend und bemerkte dabei noch, da� der Offizier und die beiden Soldaten, die die Truhe aufhoben, ihre Schwerter und Dolche ablieferten, bevor sie hineingingen. Alles, was er �ber diese Leute in Erfahrung bringen konnte, ob wichtig oder unbedeutend, k�nnte einmal hilfreich sein, obwohl er am Gelingen seines Planes keinen Zweifel hegte. Er besa� ein gro�es Selbstvertrauen, aber dort war es am gr��ten, wo Lords das Messer eines Attent�ters aus den eigenen Reihen f�rchteten.</p><p>Als sie das Tor durchschritten, sah ihn der Offizier mit finsterem Erstaunen an. Einen Augenblick lang fragte sich Fain, warum. <emphasis>Ach, nat�rlich. Diese Kreaturen neben dem Tor.</emphasis> Was sie auch waren, sie waren sicher nicht schlimmer als Trollocs und gar nichts, verglichen mit einem Myrddraal, und er hatte sie nicht weiter beachtet. Jetzt war es zu sp�t, um noch Furcht vor ihnen zu heucheln. Aber der Offizier sagte nichts, f�hrte ihn lediglich weiter in das Haus hinein.</p><p>Und so lag Fain schlie�lich auf dem Bauch, das Gesicht nach unten, in einem unm�blierten Zimmer, in dem nur h�lzerne Stellw�nde die wirklichen W�nde hinter sich verbargen, w�hrend der Offizier dem Hochlord Turak von ihm und seiner Gabe erz�hlte. Diener trugen einen Tisch herein, auf den man die Truhe stellte, damit der Hochlord sich nicht b�cken mu�te. Alles, was Fain von ihnen sah, waren flink hin und her eilende Pantoffeln. Ungeduldig wartete er. Schlie�lich w�rde einmal der Zeitpunkt kommen, an dem nicht er es mehr war, der sich verbeugen mu�te.</p><p>Dann wurden die Soldaten weggeschickt, und man sagte Fain, er solle sich erheben. Er tat das langsam und musterte derweil sowohl den Hochlord mit seinem glattrasierten Kopf, den langen Fingern�geln und der blauen, mit Blumen ges�umten Seidenrobe, wie auch den Mann, der neben ihm stand und auf der unrasierten Seite seines Kopfes das Haar zu einem langen Zopf geflochten hatte. Fain war sicher, da� der Kerl in Gr�n nur ein Diener war, wenn auch vielleicht hoch im Rang, aber Diener konnten n�tzlich sein, besonders wenn sie hoch in der Gunst ihres Herren standen.</p><p>�Ein wundervolles Geschenk.� Turaks Blick hob sich von der Truhe und erfa�te Fain. Ein Duft nach Rosen wehte von dem Hochlord her�ber. �Doch die Frage liegt auf der Hand: Wie kommt jemand wie Ihr an eine Truhe, die viele weniger hochstehende Adlige sich niemals leisten k�nnten? Seid Ihr ein Dieb?�</p><p>Fain zupfte an seinem abgetragenen und nicht gerade sauberen Mantel. �Es ist manchmal notwendig, Hochlord, da� ein Mann weniger erscheint, als er ist. Mein augenblickliches sch�biges Aussehen erm�glichte mir, Euch dies unbehelligt zu �berbringen. Die Truhe ist alt, Hochlord � so alt, wie das Zeitalter der Legenden her ist �und in ihr liegt ein Schatz, den nur wenige Augen jemals erblickt haben. Bald � sehr bald, Hochlord � werde ich f�hig sein, sie zu �ffnen und Euch das zu �bergeben, was Euch erm�glichen wird, dieses Land zu erobern, soweit Ihr nur wollt, bis zum R�ckgrat der Welt, zur Aielw�ste, zu den L�ndern dahinter. Nichts wird sich Euch in den Weg stellen, Hochlord, sobald ich... � Er brach ab, als Turak mit seinen langen Fingern�geln �ber die Truhe strich.</p><p>�Ich habe solche Truhen schon gesehen, Truhen aus dem Zeitalter der Legenden�, sagte der Hochlord, �allerdings noch keine so pr�chtige. Man hat sie so konstruiert, da� nur der sie �ffnen kann, der das Muster kennt, aber ich � ah!� Er dr�ckte an den Schn�rkeln und Kn�pfen herum, man h�rte ein scharfes Klicken, und er hob den Deckel hoch. Ein Aufflackern von � vielleicht war es Entt�uschung � huschte �ber sein Gesicht.</p><p>Fain bi� sich in die Wangen, da� das Blut herausquoll, damit er nicht vor Wut fauchte. Es verschlechterte seine Lage bei der zu erwartenden Feilscherei erheblich, da� nicht er es gewesen war, der die Truhe �ffnete. Trotzdem konnte alles andere so ablaufen, wie er es geplant hatte, wenn er sich nur zur Geduld zwang. Aber er hatte schon so lange geduldig sein m�ssen.</p><p>�Das soll ein Schatz aus dem Zeitalter der Legenden sein?� fragte Turak, und er hob das gekr�mmte Horn mit der einen und den geschweiften Dolch mit dem Rubin im Griff mit der anderen Hand heraus. Fain ballte die H�nde zu F�usten, damit er nicht nach dem Dolch griff. �Das Zeitalter der Legenden�, wiederholte Turak leise, und er fuhr die silbern eingelegte Schrift um die goldene �ffnung des Horns herum mit der Spitze des Dolches nach. Seine Augenbrauen hoben sich erstaunt. Das war das erste Mal, da� Fain eine Regung in seinem Gesicht erkennen konnte. Aber im n�chsten Moment war Turaks Gesicht so ausdruckslos wie vorher. �Habt Ihr eine Ahnung, was das ist?�</p><p>�Das Horn von Valere, Hochlord�, sagte Fain aalglatt, und es bereitete ihm Vergn�gen zu beobachten, wie der Mann mit dem Zopf mit offenem Mund dastand. Turak nickte nur in sich hinein.</p><p>Der Hochlord wandte sich ab. Fain blinzelte und �ffnete den Mund, aber nach einer gebieterischen Geste des gelbhaarigen Mannes folgte er den beiden wortlos.</p><p>Sie betraten ein weiteres Zimmer, aus dem man das gesamte Mobiliar entfernt und durch Stellw�nde ersetzt hatte. Es gab nur einen einzigen Stuhl, der vor einer hohen, geschwungenen Kommode stand. Turak, der immer noch Dolch und Horn trug, sah die Kommode an und blickte dann wieder weg. Er sagte kein Wort, aber der andere Seanchan bellte kurz einige Befehle, und Augenblicke sp�ter erschienen M�nner in einfachen Wollgew�ndern aus einer T�r hinter den Stellw�nden und trugen einen kleinen Tisch herein. Eine junge Frau mit so blassem Haar, da� es beinahe wei� erschien, kam hinterher. Sie trug beide Arme voll mit kleinen Untersetzern in allen m�glichen Formen und Gr��en, alle aus lackiertem Holz. Ihr Kleid war aus wei�er Seide und so d�nn, da� Fain ihren K�rper ganz deutlich sehen konnte, aber er hatte nur Augen f�r den Dolch. Das Horn war ein Mittel zum Zweck, doch der Dolch war ein Teil seiner selbst.</p><p>Turak ber�hrte kurz einen der h�lzernen Untersetzer, die das M�dchen trug, und sie stellte ihn in die Mitte der Tischfl�che. Nach den Anweisungen des Mannes mit dem Zopf drehten die anderen M�nner den Stuhl so, da� er auf den Tisch hin zeigte. Das Haar dieser niedrigeren Diener reichte bis auf die Schultern. Sie hasteten hinaus, wobei sie sich so tief verbeugten, da� ihre Gesichter beinahe die Knie ber�hrten.</p><p>Turak stellte das Horn senkrecht auf den Untersetzer, und den Dolch gleich davor. Dann setzte er sich auf den Stuhl.</p><p>Fain konnte es nicht mehr ertragen. Er griff nach dem Dolch.</p><p>Der gelbhaarige Mann packte sein Handgelenk mit m�rderisch festem Griff. �Unrasierter Hund! Wi�t, da� die Hand, die ungebeten das Eigentum des Hochlords ber�hrt, abgehackt wird.�</p><p>�Er geh�rt mir�, murrte Fain. <emphasis>Geduld! So lange schon...</emphasis></p><p>Turak lehnte sich entspannt zur�ck und hob einen blaulackierten Fingernagel. Fain wurde zur�ckgerissen, damit der Hochlord ungest�rt das Horn betrachten konnte.</p><p>�Euch?� fragte Turak. �In einer Truhe, die Ihr nicht �ffnen konntet? Falls Ihr mein Interesse in gen�gendem Ma�e weckt, gebe ich Euch vielleicht den Dolch. Auch wenn er aus dem Zeitalter der Legenden stammt, habe ich an so etwas kein Interesse. Aber vor allem anderen werdet Ihr mir eine Frage beantworten: Warum habt Ihr mir das Horn von Valere gebracht?�</p><p>Fain sah den Dolch noch einen Augenblick lang sehns�chtig an, ri� dann sein Handgelenk aus dem Griff des Mannes mit dem Zopf und rieb es, w�hrend er sich verbeugte. �Damit Ihr es blast, Hochlord. Dann k�nnt Ihr dieses ganze Land einnehmen, falls Ihr das w�nscht. Die ganze Welt. Ihr k�nnt die Wei�e Burg schleifen und die Aes Sedai zu Staub zermalmen, denn nicht einmal ihre Macht kann Helden aufhalten, die von den Toten auferstanden sind.�</p><p>�Ich soll es blasen?� Turaks Stimme klang ausdruckslos. �Und die Wei�e Burg schleifen? Nochmals, warum? Ihr behauptet, Ihr w�rdet gehorchen, warten und dienen, doch dies ist ein Land von Eidbrechern. Warum gebt Ihr mir Euer Land? Habt Ihr irgendeinen privaten Streit mit diesen... Frauen?�</p><p>Fain bem�hte sich, in �berzeugendem Ton zu sprechen. <emphasis>Geduld � wie ein Wurm, der von innen her bohrt.</emphasis> �Hochlord, in meiner Familie gibt es eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Wir dienten dem Hochk�nig Artur Paendrag Tanreall, und als er von den Hexen von Tar Valon ermordet wurde, haben wir unseren Eid nicht gebrochen. W�hrend andere Kriege f�hrten und das zerrissen, was Artur Falkenfl�gel aufgebaut hatte, hielten wir uns an unseren Eid und litten darunter. Doch wir zerbrachen nicht. Das ist unsere Tradition, Hochlord, vom Vater auf den Sohn weitergegeben und von Mutter zu Tochter, all die Jahre hindurch, seit der Hochk�nig ermordet wurde: Da� wir die R�ckkehr des Heeres erwarten, das Artur Falkenfl�gel �ber das Aryth-Meer gesandt hat, da� wir die R�ckkehr des Blutes von Artur Falkenfl�gel erwarten, um die Wei�e Burg zu zerst�ren und zur�ckzugewinnen, was dem Hochk�nig geh�rte. Und wenn das Blut Falkenfl�gels zur�ckkehrt, werden wir dienen und beraten, wie wir dem Hochk�nig dienten. Hochlord, von dem Saum abgesehen ist die Flagge, die �ber diesem Haus weht, das Banner von Luthair, dem Sohn, den Artur Paendrag Tanreall mit seinem Heer �ber das Meer aussandte.� Fain fiel auf die Knie und brachte eine gute Darstellung eines v�llig �berw�ltigten Mannes zustande. �Hochlord, ich w�nsche nur zu dienen und dem Blute des Hochk�nigs als Berater zur Seite zu stehen.�</p><p>Turak schwieg so lange, da� Fain sich schon fragte, ob er noch immer nicht �berzeugt sei. Er hatte mehr zu bieten, alles, was notwendig war. Aber schlie�lich sprach der Hochlord: �Ihr scheint zu wissen, was niemand �weder hochstehend noch gemein � ausgesprochen hat, seit dieses Land in Sicht kam. Die Menschen hier betrachten es als eines von vielen Ger�chten, aber Ihr wi�t Bescheid. Ich kann es in Euren Augen sehen und in Eurer Stimme h�ren. Ich k�nnte beinahe auf die Idee kommen, Ihr seid ausgesandt worden, um mich in eine Falle zu locken. Aber wer, der sich im Besitz des Horns von Valere befindet, w�rde das Horn so mi�brauchen? Keiner von denen aus dem Blute, der mit den <emphasis>Hailene</emphasis> hier ankam, kann das Horn gehabt haben, denn die Legende sagt, es sei in diesem Land verborgen worden. Und sicherlich w�rde jeder Lord dieses Landes, der es bes��e, das Horn gegen mich verwenden, anstatt es in meine H�nde zu legen. Wie kam es dazu, da� Ihr das Horn von Valere besitzt? Behauptet Ihr, ein Held wie in einer der Legenden zu sein? Habt Ihr gro�e Taten vollbracht?�</p><p>�Ich bin kein Held, Hochlord.� Fain brachte ein bescheidenes L�cheln fertig, doch Turaks Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, und so lie� er es bleiben. �Einer meiner Vorfahren fand das Horn w�hrend des Aufruhrs nach dem Tod des Hochk�nigs. Er wu�te, wie man die Truhe �ffnet, aber mit ihm starb auch dieses Wissen im Hundertj�hrigen Krieg, der das Reich Artur Falkenfl�gels zersplitterte. Alles, was wir, seine Nachfolger, wu�ten, war, da� das Horn drinnen lag und wir es sicher aufbewahren mu�ten, bis das Blut des Hochk�nigs zur�ckkehrte.�</p><p>�Ich k�nnte Euch beinahe Glauben schenken.�</p><p>�Glaubt mir, Hochlord. Sobald Ihr das Horn blast... �</p><p>�Verderbt nicht alles, was Ihr vorher an �berzeugungsarbeit geleistet habt. Ich werde das Horn von Valere nicht blasen. Wenn ich nach Seanchan zur�ckkehre, werde ich es der Kaiserin als den gr��ten meiner erworbenen Sch�tze pr�sentieren. Vielleicht wird die Kaiserin selbst das Horn blasen.�</p><p>�Aber, Hochlord�, protestierte Fain, �Ihr m��t... � Er lag pl�tzlich auf der Seite, und sein Kopf schmerzte f�rchterlich. Erst als er wieder klar sehen konnte, sah er, wie sich der Mann mit dem Zopf die H�nde rieb, und ihm wurde klar, was geschehen war.</p><p>�Es gibt Worte�, sagte der Kerl leise, �die ben�tzt man dem Hochlord gegen�ber nicht.�</p><p>Fain beschlo� in diesem Moment, auf welche Art der Mann sterben w�rde.</p><p>Turak blickte von Fain zur�ck zum Horn, und zwar so gelassen, als habe er nichts bemerkt. �Vielleicht schenke ich Euch ebenfalls der Kaiserin, zusammen mit dem Horn von Valere. Ihr am�siert sie vielleicht � ein Mann, der behauptet, seine Familie sei treu geblieben, obwohl alle anderen ihre Eide brachen oder sie verga�en.�</p><p>Fain verbarg seine neu erwachende Hochstimmung, als er langsam wieder aufstand. Er hatte noch nicht einmal gewu�t, da� es eine Kaiserin gab, bevor Turak sie erw�hnte, aber wieder Zugang zu einem Herrscher zu haben... das er�ffnete neue M�glichkeiten, neue Pl�ne. Zugang zu einer Herrscherin mit der ganzen Macht Seanchans im R�cken und dem Horn von Valere in H�nden. Viel besser, als aus diesem Turak einen K�nig zu machen. Er konnte mit einigen Einzelheiten seines Planes durchaus noch warten. <emphasis>Vorsichtig. Er soll nicht wissen, wie sehr ich ihn brauche. Nach so langer Zeit wird ein bi�chen mehr Geduld nicht wehtun.</emphasis> �Wie Hochlord w�nschen�, sagte er und bem�hte sich, wie ein Mann zu klingen, der nur dienen will.</p><p>�Ihr scheint �bereifrig�, sagte Turak, und Fain w�re beinahe zusammengezuckt, konnte es aber gerade noch verhindern. �Ich werde Euch sagen, warum ich das Horn von Valere nicht blasen und es noch nicht einmal behalten werde, und vielleicht wird das Euren �bereifer d�mpfen. Ich will nicht, da� eines meiner Geschenke die Kaiserin durch seine Taten abst��t. Wenn Euer �bereifer nicht ged�mpft werden kann, wird er niemals befriedigt werden, denn dann verla�t Ihr diese K�ste nicht. Wi�t Ihr, da� derjenige, der das Horn von Valere bl�st, f�r immer daran gebunden ist? Solange er oder sie lebt, ist das Horn f�r jeden anderen nur ein Musikinstrument.� Er machte nicht den Eindruck, als erwarte er eine Antwort, und er hielt auch nicht inne, um auf eine zu warten. �Ich stehe an zw�lfter Stelle in der Rangfolge der Thronfolger. Wenn ich das Horn von Valere f�r mich behielte, w�rden alle zwischen mir und der Kaiserin glauben, ich wolle mich damit zum ersten Anw�rter auf den Kristallthron machen. Die Kaiserin w�nscht nat�rlich, da� wir im Wettbewerb miteinander danach streben, damit der st�rkste und schlaueste von uns ihr Nachfolger wird, aber sie zieht selbst im Moment ihre zweite Tochter vor, und sie w�rde eine Bedrohung Tuons nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn ich es bliese und ihr dann meinetwegen dieses Land zu F��en legte und jede Frau in der Wei�en Burg zur <emphasis>Damane</emphasis> machte, w�rde die Kaiserin � m�ge sie ewig leben � glauben, ich wolle mehr als nur ihr Erbe werden.�</p><p>Fain hielt sich gerade noch zur�ck, bevor er herausplatzte, wie gut die Chancen daf�r mit Hilfe des Horns st�nden. Aber irgend etwas an der Stimme des Hochlords sagte ihm � auch wenn Fain das kaum glauben konnte �, da� sein Wunsch des ewigen Lebens f�r die Kaiserin ernst gemeint sei. <emphasis>Ich mu� Geduld haben � wie ein Wurm an der Wurzel.</emphasis></p><p>�Die Lauscher der Kaiserin k�nnten �berall ihre Ohren haben�, fuhr Turak fort. �Jeder k�nnte zu ihnen geh�ren. Huan wurde im Hause Aladon geboren und gro�gezogen wie seine Familie schon elf Generationen lang vor ihm, und doch k�nnte sogar er ein Lauscher sein.� Der Mann mit dem Zopf gestikulierte protestierend, ri� sich aber sofort wieder zusammen und stand reglos da. �Selbst ein Hochlord oder eine Hochlady findet manchmal heraus, da� seine oder ihre bestgeh�teten Geheimnisse den Lauschern bekannt sind, und eines Tages wachen sie auf und befinden sich bereits in den H�nden der Sucher nach der Wahrheit. Es ist immer schwer, die Wahrheit herauszufinden, aber die Sucher geizen nicht mit Schmerzen bei ihrer Suche, und sie suchen, solange sie glauben, es sei notwendig. Nat�rlich geben sie sich gro�e M�he, da� unter ihrer Obhut kein Hochlord und keine Hochlady stirbt, denn es ist keinem Menschen erlaubt, jemanden zu t�ten, in dessen Adern das Blut Artur Falkenfl�gels flie�t. Falls die Kaiserin einen solchen Tod befehlen mu�, wird der Ungl�ckliche in einen Sack aus Seide gesteckt, und diesen Sack h�ngt man �ber die Br�stung des Turms der Raben und l��t ihn dort h�ngen, bis er verfault ist. Solche M�he w�rde man sich mit jemandem wie Euch nicht geben. Am Hof der Neun Monde in Seandar w�rde man Euch den Suchern schon �bergeben, wenn Ihr nur in die falsche Richtung blickt oder ein falsches Wort sagt � einfach so. Wie steht es nun mit Eurem Eifer?�</p><p>Fain brachte seine Knie zum Zittern. �Ich w�nsche nur, zu dienen und zu beraten, Hochlord. Ich wei� vieles, was n�tzlich sein k�nnte.� Dieser Hof in Seandar schien genau der Ort zu sein, an dem seine F�higkeiten und seine Pl�ne auf fruchtbaren Boden fallen w�rden.</p><p>�Bis ich nach Seanchan zur�cksegle, werdet Ihr mich mit Berichten von Eurer Familie und ihren Traditionen unterhalten. Es ist eine Erleichterung, in diesem lichtverlassenen Land noch einen zweiten Mann zu finden, der mich unterhalten kann, auch wenn Ihr beide mir L�gen erz�hlt, wie ich stark vermute. Ihr d�rft mich jetzt verlassen.� Es wurde kein weiteres Wort gesprochen, aber das M�dchen mit dem beinahe wei�en Haar und dem fast durchscheinenden Kleid kam leichtf��ig hereingeeilt, kniete sich mit gesenktem Kopf neben dem Hochlord nieder und bot ihm eine einzelne dampfende Tasse auf einem lackierten Tablett dar.</p><p>�Hochlord�, sagte Fain. Der Mann mit dem Zopf �Huan � nahm ihn beim Arm, doch er ri� sich los. Huans Mund verzog sich w�tend, als Fain zu seiner bisher tiefsten Verbeugung ansetzte. <emphasis>Ja, ich werde ihn ganz langsam t�ten.</emphasis> �Hochlord, da sind andere, die mich verfolgen. Sie wollen das Horn von Valere rauben. Schattenfreunde und noch schlimmere, Hochlord, und sie k�nnen sich kaum mehr als einen oder zwei Tage hinter mir befinden.�</p><p>Turak balancierte die d�nne Tasse trotz der langen N�gel auf seinen Fingerspitzen und nippte an der schwarzen Fl�ssigkeit. �In Seanchan sind nicht viele Schattenfreunde �brig. Diejenigen, die die Arbeit der Sucher nach der Wahrheit �berstehen, werden von der Axt des Henkers getroffen. Es k�nnte ganz am�sant sein, einen Schattenfreund kennenzulernen.�</p><p>�Hochlord, sie sind gef�hrlich. Sie haben Trollocs dabei. Sie werden von jemand angef�hrt, der sich Rand al'Thor nennt. Ein junger Mann, der jedoch unter dem Schatten so b�se geworden ist, da� man es kaum glauben kann. Er hat eine tr�gerische, verlogene Zunge. An den verschiedensten Orten hat er ganz unterschiedliche Angaben �ber seine Person gemacht, aber es kommen immer Trollocs nach, wo er sich auch befindet, Hochlord. Immer kommen die Trollocs... und morden.�</p><p>�Trollocs�, meinte Turak nachdenklich. �In Seanchan gab es keine Trollocs. Aber die Heere der Nacht hatten andere Verb�ndete. Andere � Dinge. Ich habe mich oft gefragt, ob ein <emphasis>Grolm</emphasis> es mit einem Trolloc aufnehmen kann. Ich werde Leute ausschicken, um sich nach Euren Trollocs und Schattenfreunden umzusehen, falls nicht auch die erlogen sind. Dieses Land l��t mich noch vor Langeweile ersticken.� Er seufzte und sog die D�mpfe �ber seiner Tasse ein.</p><p>Fain lie� sich von dem grimassenschneidenden Huan aus dem Raum zerren. Er h�rte kaum noch hin, als Huan ihm einen Vortrag dar�ber hielt, was geschehe, wenn er Lord Turak nicht sofort verlasse, nachdem der ihm die Erlaubnis dazu erteilt hatte. Er bemerkte auch kaum, da� er auf die Stra�e bef�rdert wurde und man ihm eine M�nze in die Hand dr�ckte, mit der Anweisung, sich am n�chsten Morgen wieder dort einzufinden. Jetzt geh�rte Rand al'Thor ihm allein. <emphasis>Ich werde endlich f�r das sorgen, da� er stirbt. Und dann wird die Welt daf�r bezahlen, was man mir angetan hat.</emphasis></p><p>Leise kichernd f�hrte er seine Pferde auf der Suche nach einer Schenke in den Ort hinunter.</p></section><section><title><p>35</p><p>Stedding Tsofu</p></title><p>Die H�gelkette, die sich vom Flu� herzog, machte nach einem halben Tagesritt einer ebeneren Landschaft mit vereinzelten W�ldern Platz. Die Schienarer hatten ihre R�stungen immer noch auf den Packpferden. Es gab auf ihrem Weg keine Stra�en, nur gelegentliche Fahrspuren von Bauernwagen und ein paar vereinzelte H�fe und D�rfer. Verin verlangte von ihnen, da� sie schneller ritten, und Ingtar gab nach. Er unkte allerdings andauernd, da� sie bestimmt auf eine Finte hereinfielen und da� Fain ihnen niemals gesagt h�tte, wohin er wirklich reite, und dann pa�te es ihm aber auch wieder nicht, da� sie in entgegengesetzter Richtung zur TomanHalbinsel ritten. Es war, als glaube ein Teil von ihm die Geschichte, w�hrend der andere Teil meinte, die TomanHalbinsel sei keineswegs einen monatelangen Ritt weit entfernt, au�er ausgerechnet auf dem Weg, den sie nun eingeschlagen hatten. Die Flagge mit der Grauen Eule flatterte im Wind �ber ihnen.</p><p>Rand ritt grimmig entschlossen voran. Er vermied jede Unterhaltung mit Verin. Er mu�te diese eine Sache hinter sich bringen � Ingtar h�tte es seine Pflicht genannt �, und dann wollte er die Aes Sedai ein f�r allemal loswerden. Perrin schien �hnlicher Laune zu sein. Er starrte beim Reiten stur geradeaus. Als sie schlie�lich bei schon beinahe v�lliger Dunkelheit anhielten und ihr Nachtlager an einem Waldrand aufschlugen, fragte Perrin Loial �ber das <emphasis>Stedding</emphasis> aus. Trollocs betraten ein <emphasis>Stedding</emphasis> nicht, aber wie stand es mit W�lfen? Loial erwiderte kurz angebunden, da� sich nur Kreaturen des Schattens davor scheuten, ein <emphasis>Stedding</emphasis> zu betreten. Und nat�rlich die Aes Sedai, denn innerhalb konnten sie die Wahre Quelle nicht ber�hren oder die Eine Macht ben�tzen. Der Ogier selbst schien Stedding Tsofu am liebsten meiden zu wollen. Mat dagegen war der einzige, der darauf schon beinahe verzweifelt versessen war. Seine Haut wirkte, als habe sie ein Jahr lang kein Sonnenlicht mehr abbekommen, und seine Wangen waren eingefallen. Er behauptete aber, er f�hle sich danach, auch einen Wettlauf zu bestehen. Verin legte ihm die H�nde auf und wandte all ihre Heilkunst an, bevor er sich in seine Decken rollte und dann wieder am Morgen, bevor sie wieder die Pferde bestiegen, aber an seinem Aussehen �nderte das nichts. Selbst Hurin zog die Stirn kraus, wenn er Mat ansah.</p><p>Die Sonne stand am zweiten Tag hoch am Himmel, als Verin sich pl�tzlich im Sattel aufrichtete und sich umblickte. Neben ihr fuhr Ingtar zusammen.</p><p>Rand konnte an dem Wald, der sie nun umgab, nichts Ungew�hnliches entdecken. Das Unterholz war nicht zu dicht. Sie hatten sich einen bequemen Weg unter dem Bl�tterdach der Eichen und Hickoryb�ume, der Schwarzwurzeln und Buchen gesucht. Hier und da stachen eine hohe Kiefer oder ein Lederblattbaum hervor oder auch der wei�e Stamm einer Birke. Doch als er ihnen folgte, �berlief es ihn mit einem Mal kalt, als sei er mitten im Winter in einen Teich im Wasserwald gesprungen. Es durchfuhr ihn und war wieder weg � nur ein erfrischendes Gef�hl blieb zur�ck. Und auch das stumpfe und entfernte Gef�hl, etwas verloren zu haben, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, was das sein konnte.</p><p>Jeder Reiter zuckte an diesem Fleck zusammen oder gab irgendeinen Laut der �berraschung von sich. Hurin stand der Mund offen, und Uno fl�sterte: �Blutige, flammende... � Dann sch�ttelte er den Kopf, als wisse er nicht weiter. In Perrins gelben Augen schimmerte eine Erkenntnis.</p><p>Loial atmete tief durch. �Es ist ein so... gutes... Gef�hl, wieder in einem <emphasis>Stedding</emphasis> zu sein.�</p><p>Mit gerunzelter Stirn sah sich Rand um. Er hatte erwartet, da� es in einem <emphasis>Stedding</emphasis> irgendwie anders aussah, aber abgesehen von diesem kurzen Schauer war der Wald genau der gleiche, durch den sie den ganzen Tag geritten waren. Sicher, da war auch das unvermittelte Gef�hl von Frische. Dann trat hinter einer Eiche ein Ogierm�dchen hervor.</p><p>Sie war kleiner als Loial, aber immer noch einen Kopf gr��er als Rand. Ansonsten hatte sie die gleiche breite Nase, die gro�en Augen, den breiten Mund und die behaarten Ohren wie Loial. Ihre Augenbrauen waren allerdings nicht so lang, und neben Loials Gesicht erschienen ihre Z�ge fein und zierlich und die Haarb�schel auf ihren Ohren d�nner. Sie trug ein langes, gr�nes Kleid und einen gr�nen, mit Blumen ges�umten Umhang, und in der Hand hielt sie einen Strau� von Silbergl�ckchen, den sie anscheinend gerade gepfl�ckt hatte. Sie betrachtete sie ruhig und abwartend.</p><p>Loial kletterte von seinem gro�en Pferd und verbeugte sich atemlos. Rand und die anderen taten es ihm nach, wenn auch nicht so �berhastet. Selbst Verin neigte den Kopf. Loial nannte ganz f�rmlich ihre Namen, aber er erw�hnte nicht, aus welchem <emphasis>Stedding</emphasis> er kam.</p><p>Rand war sicher, da� das Ogierm�dchen nicht �lter als Loial war. Sie musterte sie noch einen Augenblick lang und l�chelte dann. �Seid willkommen im Stedding Tsofu.�</p><p>Ihre Stimme klang wie eine hellere Ausgabe der Loials �das leisere Summen einer etwas kleineren Hummel. �Ich hei�e Erith, Tochter der Iva, Tochter der Alar. Seid willkommen. Wir konnten hier so wenige menschliche Besucher begr��en, seid die Steinwerker Cairhien verlie�en, und nun kommen gleich so viele auf einmal. Es waren sogar einmal einige vom Fahrenden Volk hier, aber sie gingen nat�rlich wieder, als... Ach, ich rede zuviel. Ich werde Euch zu den �ltesten bringen. Nur...� Sie suchte offensichtlich herauszufinden, wer bei ihnen das Sagen hatte, und schlie�lich w�hlte sie Verin aus. �Aes Sedai, Ihr habt so viele M�nner dabei und auch noch alle bewaffnet. K�nntet Ihr bitte ein paar davon drau�en lassen? Vergebt mir, aber es ist immer beunruhigend f�r uns, wenn sich so viele bewaffnete Menschen auf einmal im <emphasis>Stedding</emphasis> aufhalten.�</p><p>�Nat�rlich, Erith�, sagte Verin. �Ingtar, sorgt Ihr bitte daf�r?�</p><p>Ingtar gab Uno Anweisungen, und so kam es, da� er und Hurin als einzige der Schienarer Erith tiefer ins <emphasis>Stedding</emphasis> hinein folgten.</p><p>Rand, der wie die anderen sein Pferd am Z�gel f�hrte, blickte auf, als Loial sich ihm n�herte. Loial sah immer wieder nach vorn, wo Erith und Verin gingen. Hurin schritt zwischen den beiden Gruppen einher und sah sich st�ndig erstaunt um. Rand war allerdings nicht klar, was er da zu sehen glaubte. Loial b�ckte sich und sagte leise: �Ist sie nicht sch�n, Rand? Und ihre Stimme singt.�</p><p>Mat schnaubte, aber als Loial ihn fragend anblickte, sagte er: �Sehr h�bsch, Loial. Ein bi�chen zu gro� f�r meinen Geschmack, wei�t du, aber sehr h�bsch, da bin ich sicher.�</p><p>Loial runzelte unsicher die Stirn, nickte aber dann. �Ja, nicht wahr?� Seine Miene hellte sich auf. �Es ist schon ein richtig gutes Gef�hl, sich wieder in einem <emphasis>Stedding</emphasis> zu befinden. Nicht, da� mich das Sehnen gepackt h�tte, aber trotzdem.�</p><p>�Das Sehnen?� fragte Perrin. �Das verstehe ich nicht, Loial.�</p><p>�Wir Ogier sind an das <emphasis>Stedding</emphasis> gebunden, Perrin. Man sagt, vor der Zerst�rung der Welt konnten wir gehen, wohin wir wollten und solange wir wollten, genau wie ihr Menschen, aber nach der Zerst�rung hat sich das alles ge�ndert. Die Ogier wurden wie so viele andere V�lker in alle Winde zerstreut, und sie konnten kein einziges <emphasis>Stedding</emphasis> mehr finden. Alles war anders, verschoben � Berge, Fl�sse, sogar die Meere.�</p><p>�Das mit der Zerst�rung wei� doch jedes Kind�, sagte Mat ungeduldig. �Was hat das mit diesem � Sehnen zu tun?�</p><p>�W�hrend des Exils, als wir verloren herumwanderten, �berkam uns zum erstenmal dieses Sehnen. Der Wunsch, endlich wieder ein <emphasis>Stedding</emphasis> zu finden, wieder in die Heimat zur�ckzukehren. Viele sind daran zerbrochen und gestorben.� Loial sch�ttelte traurig den Kopf. �Es sind mehr gestorben, als schlie�lich �berlebten. Als wir endlich die <emphasis>Stedding</emphasis> allm�hlich wiederfanden, eines nach dem anderen, w�hrend der Zeit des Paktes der Zehn Nationen, schien es, als h�tten wir das Sehnen am Ende doch besiegt, aber es hatte uns ver�ndert, einen Samen in uns ges�t. Jetzt ist es so: Wenn ein Ogier sich zu lange drau�en aufh�lt, �berkommt ihn das Sehnen wieder. Er wird schw�cher, und wenn er nicht zur�ckkehrt, dann stirbt er.�</p><p>�Mu�t du eine Weile hier bleiben?� fragte Rand nerv�s. �Du mu�t dich nicht umbringen, nur um mit uns zu kommen.�</p><p>�Ich merke schon, wenn es mich �berkommt�, lachte Loial. �Es wird lange dauern, bis es so stark ist, da� es mir schaden kann. Na, Dalar zum Beispiel hat zehn Jahre lang bei den Meerleuten gelebt und kein <emphasis>Stedding</emphasis> gesehen, und sie ist doch heil zur�ckgekommen.�</p><p>Eine Ogierfrau tauchte aus dem Wald auf, blieb kurze Zeit stehen und unterhielt sich mit Erith und Verin. Sie musterte Ingtar von oben bis unten und schien ihn dann als unwichtig abzutun. Das traf ihn offensichtlich hart. Ihr Blick schweifte �ber Loial, Hurin und die Emondsfelder, und dann ging sie wieder in den Wald zur�ck.</p><p>Loial schien sich hinter seinem Pferd zu verstecken. �Au�erdem�, sagte er, w�hrend er ihr vorsichtig �ber den Sattel hinweg nachsp�hte, �ist das Leben im <emphasis>Stedding</emphasis> langweilig, verglichen mit einer Reise mit drei <emphasis>Ta'veren.�</emphasis></p><p>�Mu�t du schon wieder damit anfangen?� murmelte Mat. Loial f�gte schnell hinzu: �Mit drei Freunden also. Ich hoffe doch, da� ihr meine Freunde seid.�</p><p>�Bin ich�, sagte Rand einfach, und Perrin nickte.</p><p>Mat lachte. �Jemand, der so schlecht beim W�rfelspiel ist, mu� doch einfach mein Freund sein.� Er hob entschuldigend die H�nde, als Rand und Perrin ihn verst�ndnislos anblickten. �Ist schon in Ordnung. Ich mag dich, Loial. Du bist mein Freund. Fang nur nicht immer mit... Ach, manchmal bist du schon genauso schlimm wie Rand.� Seine Stimme wurde leiser. �Wenigstens sind wir hier in einem <emphasis>Stedding</emphasis> in Sicherheit.�</p><p>Rand verzog das Gesicht. Er wu�te, was Mat damit sagen wollte. <emphasis>Hier in einem</emphasis> Stedding, <emphasis>wo ich die Macht nicht ben�tzen kann.</emphasis> Perrin schlug Mat mit der Faust gegen die Schulter, sah aber gleich ganz zerknirscht aus, als Mat ihm mit hohlwangigem Gesicht eine Grimasse schnitt.</p><p>Rand bemerkte von allem zuerst die Musik. Unsichtbare Fl�ten und Fiedeln spielten irgendwo ein fr�hliches Lied, und tiefe Stimmen sangen und lachten.</p><p><emphasis>�Macht das Feld frei bis zum Rain. Keine Stoppel darf mehr stehn. Lang k�nnt ihr uns plagen sehn. Hier w�chst bald ein stolzer Hain!�</emphasis></p><p>Beinahe im gleichen Moment wurde ihm klar, da� die riesige Gestalt hinter all den B�umen selbst ein Baum war. Der zerkl�ftete, mit Balken abgest�tzte Stamm ma� mindestens zwanzig Schritt im Durchmesser. Mit offenem Mund verfolgte er den Verlauf des Stammes nach oben durch das Bl�tterdach hindurch bis zu ausladenden �sten, die sich gut hundert Schritt �ber dem Boden wie ein riesiges Pilzdach ausbreiteten. Und jenseits dieses Baumes standen noch gr��ere.</p><p>�Seng mich�, hauchte Mat. �Aus einem von denen kann man bestimmt zehn H�user machen. Ach, was sage ich: f�nfzig.�</p><p>�Einen Gro�en Baum f�llen?� Loial war entsetzt und ganz sch�n w�tend. Seine Ohren standen steif und bewegungslos heraus, und die langen Augenbrauen hingen ihm auf die Wangen herunter. �Wir f�llen niemals einen der Gro�en B�ume, au�er er stirbt ab, und das geschieht fast nie. Nur wenige haben die Zerst�rung �berstanden, aber einige der gr��ten waren w�hrend des Zeitalters der Legenden bereits kleine Sch��linge.�</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Mat. �Ich wollte damit nur ausdr�cken, wie gro� sie sind. Ich werde deine B�ume nicht anr�hren.� Loial nickte und schien beruhigt.</p><p>Nun erschienen unter den B�umen weitere Ogier. Die meisten schienen sich auf ihre augenblicklichen Besch�ftigungen zu konzentrieren. Obwohl alle die Neuank�mmlinge musterten und ihnen freundlich zunickten oder sich sogar verbeugten, blieb keiner stehen und unterhielt sich mit ihnen. Ihre Bewegungen stellten eine eigenartige Mischung von zielbewu�ter Sachlichkeit mit beinahe kindlicher Verspieltheit dar. Es gefiel ihnen, zu sein, was sie eben waren und wo sie waren, und sie schienen mit sich und ihrer gesamten Umgebung im Einklang zu stehen. Rand ertappte sich dabei, da� er sie beneidete.</p><p>Nur wenige der m�nnlichen Ogier waren gr��er als Loial, aber es war leicht, die �lteren M�nner zu erkennen: Allesamt hatten sie Schnurrb�rte, die auf beiden Seiten genauso lang waren wie die herunterh�ngenden Augenbrauen und sie trugen dazu noch Spitzb�rte. Alle j�ngeren M�nner waren wie Loial glattrasiert. Viele M�nner liefen in Hemds�rmeln umher und trugen Schaufeln und Hacken oder S�gen und Eimer voll Pech. Die anderen trugen einfache hochgeschlossene M�ntel, die �ber Knieh�he herausstanden wie ein Kilt. Die Frauen schienen aufgestickte Blumen zu bevorzugen, und viele trugen auch Blumen im Haar. Allerdings sah man die bestickten M�ntel nur bei jungen Frauen, w�hrend bei den �lteren auch die Kleider so verziert waren. Ein paar grauhaarige Frauen trugen Kleider, die vom Hals bis zum Rocksaum mit Blumen und Ranken bestickt waren. Eine Handvoll der Ogier � meist Frauen und M�dchen � schenkten Loial besondere Aufmerksamkeit. Er lief stur geradeaus, doch je weiter sie kamen, desto lebhafter zuckten seine Ohren.</p><p>Rand schreckte auf, als er einen Ogier anscheinend direkt aus dem Boden auftauchen sah. Er kam aus einer dieser mit Gras und Wildblumen bewachsenen Erhebungen heraus, die �berall zwischen den B�umen zu sehen waren. Dann bemerkte er Fenster in diesen Erhebungen, und an einem davon stand eine Ogierfrau, die offensichtlich gerade Teig ausrollte. Erst jetzt wurde ihm klar, da� er Ogierh�user vor sich hatte. Die Fenster waren aus blankem Stein herausgehauen, aber sie wirkten ganz nat�rlich, als seien sie generationenlang durch Wind und Wasser geformt worden.</p><p>Die Gro�en B�ume mit ihren m�chtigen St�mmen und Wurzeln, so dick wie Pferde, brauchten einen ziemlichen Abstand zueinander, um sich nicht gegenseitig Licht und Luft zu nehmen. Trotzdem wuchsen gleich mehrere davon in dieser Ogierstadt. Aus Erde aufgesch�ttete Rampen f�hrten �ber die Wurzeln. Von den Wegen abgesehen lie� nur ein Merkmal darauf schlie�en, da� man sich hier in einer Stadt befand und nicht mehr blo� im Wald: In der Mitte des Ortes befand sich eine weite Lichtung um den Stumpf eines der gro�en B�ume herum. Dieser Stumpf hatte einen Durchmesser von beinahe hundert Schritt. Seine Oberfl�che war glatt wie ein Tanzboden, und an mehreren Stellen f�hrten Stufen hinauf. Rand stellte sich vor, wie hoch dieser Baum gewesen sein mu�te. Dann sagte Erith so laut, da� alle es verstehen konnten: �Da sind unsere anderen G�ste.�</p><p>Drei menschliche Frauen kamen um den riesigen Baumstumpf herum auf sie zu. Die j�ngste von ihnen trug eine Holzsch�ssel.</p><p>�Aiel�, sagte Ingtar. �T�chter des Speers. Gut, da� ich Masema mit den anderen zur�ckgelassen habe.� Doch er trat ein St�ck von Erith und Verin weg und griff �ber die Schulter nach hinten, um das Schwert in der Scheide zu lockern.</p><p>Rand musterte die Aiel nerv�s, aber neugierig. Sie waren, was viele Leute ihm zugeschrieben hatten. Zwei der Frauen waren erwachsen, die dritte kaum mehr als ein M�dchen. Aber alle drei waren ziemlich gro� f�r eine Frau. Der Farbton ihrer Haare war unterschiedlich � von Rotbraun bis Blond �, und sie trugen die Haare kurz geschnitten mit einem d�nnen, schulterlangen Pferdeschwanz hinten. Ihre weiten Hosen hatten sie in weiche Stiefelsch�fte geschoben, und ihre Kleidung war entweder braun oder grau oder gr�n, auf jeden Fall so, meinte Rand, da� sie sich von Felsen oder B�umen kaum mehr abhob als der Umhang eines Beh�ters. �ber ihre Schultern standen die Spitzen kurzer Bogen hervor. An ihren G�rteln hingen K�cher und lange Messer und jede trug einen kleinen, runden Lederschild und ein B�ndel Wurfspeere mit kurzen Sch�ften und langen Spitzen. Selbst die j�ngste unter ihnen bewegte sich mit einer Geschmeidigkeit, die darauf hindeutete, da� sie mit ihren Waffen gut umgehen konnte.</p><p>Mit einem Mal entdeckten die Frauen die anderen Menschen. Die Tatsache, da� sie �berrascht wurden, schien sie wohl am meisten zu beeindrucken, aber sie bewegten sich blitzschnell. Die j�ngste rief: �Schienarer!� und drehte sich um, damit sie die Sch�ssel vorsichtig hinter sich abstellen konnte. Die anderen beiden nahmen schnell braune T�cher von ihren Schultern und wickelten sie sich statt dessen um die K�pfe. Die �lteren Frauen zogen dann schwarze Schleier �ber ihre Gesichter, die alles bis auf die Augen verbargen, w�hrend die j�ngste sich aufrichtete, um es ihnen anschlie�end gleichzutun. Geduckt n�herten sie sich ihnen mit kurzen, gleichm��igen Schritten, die Schilde und die Speerb�ndel vor sich haltend. Jede hielt einen Speer wurfbereit in der freien Hand.</p><p>Ingtar zog sein Schwert. �Haltet Abstand! Aes Sedai. Ihr auch, Erith.� Hurin schnappte sich den Schwertbrecher und konnte sich nicht entschlie�en, was er in die andere Hand nehmen sollte: Keule oder Schwert. Nach einem Blick auf die Speere der Aiel w�hlte er schlie�lich das Schwert.</p><p>�Das d�rft Ihr nicht!� protestierte das Ogierm�dchen. Sie rang die H�nde und wandte sich erst Ingtar zu, dann den Aiel und dann wieder Ingtar. �Tut das nicht!�</p><p>Rand wurde erst jetzt klar, da� er das Reiherschwert in der Hand hielt. Perrin hatte seine Axt halb aus der G�rtelschlaufe gezogen, z�gerte aber und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Seid ihr zwei verr�ckt geworden?� wollte Mat wissen. Sein Bogen hing nach wie vor auf seinem R�cken. �Es ist mir gleich, ob es Aiel sind � aber es sind Frauen!�</p><p>�H�rt auf!� Verin griff in das Geschehen ein. �H�rt sofort mit diesem Unsinn auf!� Die Aiel kamen der Aufforderung nicht nach, und die Aes Sedai ballte w�tend die F�uste.</p><p>Mat schob sich nach hinten weg und stellte einen Fu� in den Steigb�gel. �Ich verlasse euch�, verk�ndete er. �H�rt ihr mich? Ich bleibe nicht solange, da� sie mich mit diesen Dingern aufspie�en k�nnen, und ich werde nicht auf eine Frau schie�en!�</p><p>�Der Pakt!� schrie Loial. �Denkt an den Pakt!� Das zeitigte auch nicht mehr Wirkung als Verins und Eriths wiederholte Aufforderungen.</p><p>Rand bemerkte, da� sich sowohl die Aes Sedai als auch das Ogierm�dchen aus der Schu�linie der Aiel heraushielten. Er fragte sich, ob Mats Einfall der richtige gewesen war. Er war sich nicht sicher, ob er einer Frau weh tun konnte, auch wenn sie versuchte, ihn zu t�ten. Den Ausschlag gab aber schlie�lich die Feststellung, da� sich die Aiel nur noch etwa drei�ig Schritt vor ihm befanden und er wohl kaum noch die Zeit hatte, den Braunen zu erreichen und aufzusteigen. Er vermutete, da� diese kurzen Speere durchaus �ber drei�ig Schritt hinweg ihr Ziel treffen konnten. Als sich die Frauen immer noch geduckt und kampfbereit weiter n�herten, machte er sich bald keine Gedanken mehr dar�ber, ihnen nicht weh zu tun, sondern eher, wie er sie davon abhalten konnte, ihm weh zu tun.</p><p>Nerv�s suchte er nach dem Nichts und fand es schnell. Au�erhalb driftete der entfernte Gedanke, da� es tats�chlich nur das Nichts war. Das Gl�hen von <emphasis>Saidar</emphasis> fehlte. Die Leere war leerer als je zuvor, gr��er, wie ein Hunger, der gewaltig genug war, ihn zu verzehren. Ein Hunger nach mehr; da <emphasis>mu�te</emphasis> doch noch etwas anderes kommen.</p><p>Pl�tzlich trat ein Ogier mit bebendem Spitzbart zwischen die beiden Gruppen. �Was hat das zu bedeuten? Legt die Waffen beiseite!� rief er betroffen. �Ihr� � sein Blick erfa�te Ingtar und Hurin, Rand und Perrin und trotz seiner leeren H�nde auch Mat � �habt ja noch eine Entschuldigung, aber ihr �� und damit trat er auf die Aielfrauen zu, die ihren Vormarsch beendet hatten, �habt ihr etwa den Pakt vergessen?�</p><p>Die Frauen zogen so hastig die Schleier und T�cher von Gesichtern und K�pfen, da� man glauben konnte, sie wollten vergessen machen, wie sie diese vorher bedeckt hatten. Das Gesicht des M�dchens gl�hte, und die anderen Frauen blickten zerknirscht drein. Eine der beiden �lteren Frauen, die mit dem r�tlichen Haar, sagte: �Vergebt uns, Baumbruder. Wir w�rdigen den Pakt, und wir h�tten auch nicht blankgezogen, bef�nden wir uns nicht im Lande der Baumt�ter, wo sich jede Hand gegen uns erhebt, und wenn wir nicht bewaffnete M�nner gesehen h�tten.� Rand sah, da� ihre Augen genauso grau waren wie seine.</p><p>�Ihr befindet euch in einem <emphasis>Stedding,</emphasis> Rhian�, sagte der Ogier sanft. �Jeder ist in einem <emphasis>Stedding</emphasis> sicher und geborgen, kleine Schwester. Hier gibt es keinen Kampf und es wird keine Hand gegen einen anderen erhoben.� Sie nickte versch�mt, und der Ogier wandte sich Ingtar und den anderen zu.</p><p>Ingtar steckte sein Schwert zur�ck, und Rand folgte seinem Beispiel, wenn auch nicht so schnell wie Hurin, der beinahe genauso verlegen wirkte wie die Aiel. Perrin hatte seine Axt sowieso nicht ganz herausgezogen. Als er die Hand vom Schwertgriff nahm, lie� Rand das Nichts fahren, und er schauderte. Das Nichts verflog, doch es hinterlie� ein schwaches Echo von Leere in seinem Inneren und die Sehnsucht, sie durch irgend etwas auszuf�llen.</p><p>Der Ogier wandte sich zu Verin und verbeugte sich. �Aes Sedai, ich hei�e Juin, Sohn des Lacel, Sohn des Laud. Ich bin gekommen, um Euch zu den �ltesten zu f�hren. Sie wollen wissen, warum sich eine Aes Sedai zu uns begibt, noch dazu mit Bewaffneten und einem unserer eigenen J�nglinge.� Loial zog die Schultern ein, als wolle er am liebsten verschwinden.</p><p>Verin warf den Aiel einen bedauernden Blick zu, als h�tte sie sich gern mit ihnen unterhalten, bedeutete dann aber doch Juin, er solle vorangehen. Er f�hrte sie ohne weiteren Kommentar und auch ohne Loial anzublicken fort.</p><p>Eine Moment lang standen Rand und die anderen den drei Aielfrauen nerv�s gegen�ber. Zumindest f�hlte sich Rand nerv�s. Ingtar erschien ihm dagegen unbeweglich wie ein Fels in der Brandung und genauso ausdruckslos. Die Aiel hatten wohl die Schleier von den Gesichtern genommen, aber die Speere trugen sie immer noch in der Hand, und sie musterten die vier M�nner, als wollten sie in ihr Inneres blicken. Besonders Rand war das Ziel immer zornigerer Blicke. Er h�rte, wie die j�ngste der drei murmelte: �Er tr�gt ein Schwert�, und es klang wie ein Gemisch von Grauen und Verachtung. Dann gingen die drei wieder. Eine b�ckte sich, um die Holzsch�ssel wieder aufzuheben, und beim Weggehen sahen sie sich nach hinten um, bis sie schlie�lich unter den B�umen verschwunden waren.</p><p>�T�chter des Speers�, knurrte Ingtar. �Ich habe nicht geglaubt, da� sie noch aufzuhalten sind, nachdem sie die Schleier angelegt hatten. Jedenfalls nicht einiger Worte wegen.� Er sah Rand und seine beiden Freunde an. �Ihr solltet einmal einen Angriff der Roten Schilde oder der Steinsoldaten erleben. Den h�lt man genauso leicht auf wie eine Lawine.�</p><p>�Sie konnten doch den Pakt nicht brechen, nachdem sie an ihn erinnert wurden�, sagte Erith l�chelnd. �Sie kamen, um Besungenes Holz zu erwerben.� In ihrer Stimme klang nun Stolz mit. �Wir haben im Stedding Tsofu zwei Baums�nger! Und die sind heutzutage selten. Ich habe wohl geh�rt, da� Stedding Schangtai einen jungen, hochtalentierten Baums�nger haben soll, aber bei uns gibt es gleich zwei davon.� Loial lief rot an, aber sie schien es nicht zu bemerken. �Wenn Ihr nun mit mir kommt, zeige ich Euch, wo Ihr warten k�nnt, bis die �ltesten alles ausdiskutiert haben.�</p><p>W�hrend sie hinter ihr herliefen, murmelte Perrin: �Besungenes Holz, ha! Diese Aiel suchen nach Dem, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt.�</p><p>Und Mat f�gte lakonisch hinzu: �Sie suchen nach dir, Rand!�</p><p>�Nach mir? Das ist doch verr�ckt. Wieso glaubst du... �</p><p>Er schwieg, denn nun f�hrte sie Erith die Stufen zu einem mit Wildblumen bewachsenen Haus hinunter, das offensichtlich f�r menschliche G�ste reserviert war. Die Zimmer ma�en zwanzig Schritt von Wand zu Wand. Die bemalte Decke befand sich gute zwanzig Spannen �ber dem Boden. Trotzdem hatten die Ogier sich alle M�he gegeben, da� sich Menschen darinnen wohlf�hlen konnten. Die M�bel waren vielleicht ein wenig zu gro�, die St�hle ein wenig zu hoch, so da� die F��e in der Luft baumelten, und die Tischfl�che befand sich �ber Rands H�fth�he. Hurin h�tte tats�chlich, ohne sich b�cken zu m�ssen, in den gemauerten Kamin hineinlaufen k�nnen. Der Kamin machte irgendwie den Eindruck, er sei von Wasser ausgewaschen worden und nicht von Maurern zusammengef�gt. Erith sah Loial zweifelnd an, doch der winkte nur ab und zog einen der St�hle in die Ecke hin�ber, die man von der T�r aus am schlechtesten �berblicken konnte.</p><p>Sobald das Ogierm�dchen weg war, zog Rand Mat und Perrin auf die Seite. �Was meint ihr damit, da� sie nach mir suchen? Weswegen? Sie haben mich sehr wohl gesehen und sind dann fortgegangen.�</p><p>�Sie haben dich angeschaut�, sagte Mat grinsend, �als h�ttest du einen Monat lang nicht mehr gebadet und dich au�erdem mit Schafspisse eingerieben.� Sein Grinsen verflog. �Aber sie k�nnten wirklich nach dir suchen. Wir haben da einen anderen Aiel kennengelernt.�</p><p>Rand lauschte mit wachsendem Erstaunen ihrer Erz�hlung �ber die Begegnung an Bruderm�rders Dolch.</p><p>Mat f�hrte das Wort, und Perrin warf gelegentlich etwas ein, d�mpfte den Freund, wenn der etwas zu �bertrieben ausschm�ckte. Mat trug dick auf, wie gef�hrlich der Aielkrieger gewesen sei und wie es beinahe zum Kampf gekommen w�re.</p><p>�Und da du der einzige Aiel bist, den wir kennen�, endete er, �na ja, du k�nntest es durchaus sein. Ingtar meint, die Aiel leben alle im Gebiet ihrer W�ste, also bist du ja wohl der einzige, der in Frage kommt.�</p><p>�Ich finde das gar nicht lustig, Mat�, grollte Rand. �Ich bin kein Aiel.� <emphasis>Die Amyrlin hat gesagt, du w�rst einer. Ingtar glaubt das auch. Tam sagte... Aber er war krank, hatte Fieber.</emphasis> Sie hatten ihm seine eingebildeten Wurzeln abges�gt, die Aes Sedai und Tam, obwohl Tam zu krank gewesen war, um zu wissen, was er sagte. Seither wurde er wie ein Blatt im Wind umhergewirbelt. Dann hatten sie ihm einen neuen Halt geboten. Falscher Drache. Aiel. So was konnte er nicht als Wurzeln seines Lebens akzeptieren. So was nicht. �Vielleicht geh�re ich eben zu niemandem. Aber die Zwei Fl�sse sind meine einzige Heimat.�</p><p>�Ich habe doch gar nichts andeuten wollen�, protestierte Mat. �Es ist einfach... Seng mich, Ingtar behauptet, du seist ein Aiel. Masema ist der gleichen Meinung. Urien k�nnte dein Vetter gewesen sein, und wenn man Rhian in ein Kleid steckt und sagt sie sei deine Tante, dann w�rdest du das selber glauben. Ach, ist schon gut. Schau mich nicht so an, Perrin. Wenn er darauf bestehen will, da� er keiner ist, na gut. Was macht das schon aus?� Perrin sch�ttelte den Kopf.</p><p>Ogierm�dchen brachten Wasser und Waschlappen und Handt�cher, damit sie sich H�nde und Gesichter waschen konnten, und dann K�se und Obst und Wein in Zinnkr�gen, die ein wenig zu gro� waren, um sie bequem in der Hand halten zu k�nnen. Auch andere Ogierfrauen kamen. Ihre Kleidung war vollst�ndig und reich bestickt. Eine nach der anderen erschien, ein Dutzend insgesamt, und sie fragten, ob sich die Menschen wohlf�hlten und ob sie etwas brauchten. Jede wandte sich kurz vor dem Gehen Loial zu. Er antwortete respektvoll, doch k�rzer angebunden, als ihn Rand je erlebt hatte. Er stand da und hatte ein holzgebundenes Buch von Ogierformat wie einen Schild an die Brust gedr�ckt. Wenn sie weg waren, kauerte er sich auf seinen Stuhl und hielt sich das Buch vors Gesicht. Die B�cher in diesem Haus waren als einziges nicht f�r Menschenh�nde gemacht.</p><p>�Schnuppert mal diese Luft, Lord Rand�, sagte Hurin und er atmete l�chelnd tief ein. Seine F��e baumelten ein St�ck �ber dem Boden, und er schwang sie hoch und runter wie ein Lausejunge. �Ich habe ja nicht geglaubt, da� es <emphasis>�berall</emphasis> stinkt, aber hier... Lord Rand, ich glaube nicht, da� hier schon <emphasis>jemals</emphasis> jemand get�tet worden ist. Noch nicht einmal verletzt, au�er bei einem Unfall.�</p><p>�Man sagt ja, die <emphasis>Stedding</emphasis> seien ein sicherer Hort f�r jedermann�, sagte Rand. Er beobachtete Loial. �Jedenfalls wird das in den Geschichten so erz�hlt.� Er schluckte noch einen letzten Brocken Quark hinunter und ging zu dem Ogier hin�ber. Mat folgte ihm mit einem Krug in der Hand. �Was ist los, Loial?� fragte Rand. �Du bist so nerv�s wie eine Katze im Hundezwinger, seit wir hier ankamen.�</p><p>�Es ist nicht wichtig�, meinte Loial und be�ugte mi�trauisch die T�r.</p><p>�F�rchtest du, sie k�nnten herausbekommen, da� du das Stedding Schangtai ohne offizielle Erlaubnis der �ltesten verlassen hast?�</p><p>Loial blickte sich �ngstlich um. Die Haarb�schel auf seinen Ohren vibrierten. �Sag so was nicht�, zischte er. �Nicht hier, wo jemand zuh�ren k�nnte. Wenn sie das herausfinden...� Mit einem schweren Seufzer sackte er in sich zusammen und sah erst Rand und dann Mat an. �Ich wei� nicht, wie das bei euch Menschen ist, aber bei uns Ogiern... Wenn ein M�dchen einen Jungen sieht, der ihr gef�llt, geht sie zu ihrer Mutter. Manchmal sieht auch die Mutter jemanden, den sie f�r geeignet h�lt. Auf jeden Fall: Sollten sie sich einig sein, dann geht die Mutter zu der Mutter des Jungen, und bevor sich der Bursche umsehen kann, ist bereits seine Hochzeit arrangiert.�</p><p>�Hat der Junge dabei gar nichts zu melden?� fragte Mat ungl�ubig.</p><p>�Nichts. Die Frauen behaupten immer, wenn man es uns �berlie�e, w�rden wir vermutlich die B�ume heiraten.� Loial rutschte auf seinem Stuhl hin und her und verzog das Gesicht dabei. �Die H�lfte unserer Hochzeiten finden zwischen Mitgliedern verschiedener <emphasis>Stedding</emphasis> statt. Gruppen junger Ogier besuchen ein <emphasis>Stedding</emphasis> nach dem anderen, um die M�dchen zu sehen und um gesehen zu werden. Wenn sie herausbekommen, da� ich mich ohne Erlaubnis drau�en befinde, werden die �ltesten wahrscheinlich beschlie�en, da� ich eine Frau brauche, um zur Ruhe zu kommen. Bevor ich mich umdrehen kann, schicken sie dann eine Botschaft zum Stedding Schangtai an meine Mutter, und die kommt her und sorgt daf�r, da� ich verheiratet bin, bevor sie sich noch den Reisestaub abw�scht. Sie hat schon immer gesagt, ich sei zu vorschnell und brauche eine Frau. Ich glaube, sie hat Ausschau gehalten, als ich mich verzog. Welche Frau sie auch f�r mich ausw�hlt... na ja, �berhaupt jede Frau wird mich anbinden, damit ich nicht mehr nach drau�en gehe, bevor mein Bart grau ist. Ehefrauen meinen immer, man solle keinen Mann nach drau�en lassen, bevor er nicht reif genug ist, sein Temperament zu z�geln.�</p><p>Mat lachte so schallend los, da� alle ihn anschauten, aber auf Loials verzweifeltes Gestikulieren hin sagte er leise: �Bei uns w�hlen die M�nner selbst aus, und keine Frau kann einen Mann davon abhalten zu tun, was er tun will.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. Er erinnerte sich daran, wie ihm Egwene immer gefolgt war, als sie beide noch klein waren. Als sie das bemerkte, hatte Frau al'Vere besonderes Interesse f�r ihn entwickelt und die anderen Jungen nicht mehr so beachtet. Sp�ter dann tanzten bei Festen einige M�dchen mit ihm und andere nicht. Eigenartig daran war nur, da� Egwenes Freundinnen mit ihm tanzten, doch die M�dchen, die sie nicht leiden konnte, wollten nicht. Er erinnerte sich auch schwach daran, wie Frau al'Vere Tam auf die Seite gezogen und mit ihm gesprochen hatte � <emphasis>Und sie n�rgelte dar�ber, da� Tam keine Frau hatte, an die sie sich wenden k�nne!</emphasis> �, und danach hatten Tam und alle anderen so getan, als seien er und Egwene einander versprochen, obwohl sie ja nicht vor dem Frauenzirkel gekniet und die entsprechenden Worte gesagt hatten. Er hatte die Dinge fr�her auch nie von dieser Warte aus betrachtet; zwischen ihm und Egwene war alles eigentlich ganz selbstverst�ndlich abgelaufen. Es war eben so.</p><p>�Ich glaube, bei uns geschieht es auf die gleiche Weise�, knurrte er, und als Mat lachte, f�gte er hinzu: �Erinnerst du dich an irgend etwas, was dein Vater getan hat, obwohl deine Mutter etwas dagegen hatte?� Mat �ffnete grinsend den Mund, zog jedoch dann die Augenbrauen hoch und schlo� ihn wieder.</p><p>Juin kam die Treppe von drau�en herunter. �W�rdet Ihr bitte alle mitkommen? Die �ltesten m�chten Euch sehen.� Er sah Loial nicht direkt an, doch der lie� vor Schreck trotzdem beinahe sein Buch fallen.</p><p>�Falls die �ltesten versuchen, dich zum Bleiben zu zwingen�, sagte Rand, �werden wir sagen, da� wir dich unbedingt zum Weiterkommen brauchen.�</p><p>�Ich wette, es hat �berhaupt nichts mit dir zu tun�, sagte Mat. �Ich sch�tze, sie wollen uns nur mitteilen, da� wir das Wegetor ben�tzen k�nnen.� Er sch�ttelte sich, und seine Stimme wurde noch leiser: �Wir m�ssen doch, oder?� Es war nicht als Frage gemeint.</p><p>�Entweder bleiben und heiraten oder durch die Kurzen Wege reisen.� Loial verzog resignierend das Gesicht. �Wenn man <emphasis>Ta'veren</emphasis> zum Freund hat, ist das Leben ziemlich riskant.�</p></section><section><title><p>36</p><p>Der Altestenrat</p></title><p>Als sie in Juins Schlepptau durch die Ogierstadt schritten, bemerkte Rand, da� Loial immer nerv�ser wurde. Loials Ohren waren genauso steif wie sein R�cken. Er machte gro�e Augen, sobald er nur sah, da� ihn ein anderer Ogier musterte. Besonders die Frauen und M�dchen schienen ihn nerv�s zu machen, und eine ganze Menge von denen nahm durchaus Notiz von ihm. Er wirkte, als schritte er zu seiner Hinrichtung.</p><p>Der b�rtige Ogier deutete auf eine breite Treppe, die hinunter in eine grasbewachsene Erhebung f�hrte. Sie war viel gr��er als alle anderen. Man konnte sie ohne weiteres als H�gel bezeichnen. Direkt dahinter stand einer der Gro�en B�ume.</p><p>�Warum wartest du nicht hier drau�en, Loial?� fragte Rand. �Die �ltesten �� begann Juin.</p><p>�� wollen wahrscheinlich nur uns Menschen sehen�, beendete Rand den angefangenen Satz.</p><p>�Warum lassen sie ihn nicht in Ruhe?� warf Mat ein.</p><p>Loial nickte lebhaft. �Ja. Ja. Ich glaube... � Eine gr��ere Gruppe von Ogierfrauen beobachtete ihn � von wei�haarigen Gro�m�ttern bis zu T�chtern in Eriths Alter. Die ganze Gruppe unterhielt sich, aber ihre Blicke ruhten auf ihm. Seine Ohren zuckten. Er betrachtete die breite T�r, zu der die Stufen hinunterf�hrten, und dann nickte er wieder. �Ja, ich werde mich hier drau�en hinsetzen und lesen. Genau. Ich werde lesen.� Er griff in seine Manteltasche und zog ein Buch hervor. Er setzte sich auf den Abhang neben die Treppe, schlug das bei ihm zierlich wirkende Buch auf und begann, scheinbar konzentriert zu lesen. �Ich werde hier sitzen bleiben, bis ihr wieder herauskommt.� Seine Ohren zuckten wieder, als k�nne er die Blicke der Frauen f�hlen.</p><p>Juin sch�ttelte den Kopf, doch dann zuckte er die Achseln und deutete nochmals auf die Treppe. �Bitte sch�n. Die �ltesten warten.�</p><p>Der enorm gro�e, fensterlose Raum im Inneren des H�gels wies Ogierma�e auf. Die Decke mit ihren m�chtigen Holzbalken befand sich wenigstens drei�ig Spannen �ber dem Boden. Dieser Raum h�tte � zumindest, was die Gr��e betraf � in jeden Palast gepa�t. Die sieben Ogier, die auf dem Podest direkt vor der T�r sa�en, lie�en ihn durch ihre eigene Gr��e etwas kleiner erscheinen, doch Rand hatte immer noch das Gef�hl, er st�nde in einer H�hle. Der dunkle Fu�boden war aus glatt ausgetretenen, unregelm��ig geformten und verschieden gro�en Steinen zusammengesetzt. Die grauen W�nde h�tten ohne weiteres auch zu einer unbehauenen Felswand geh�ren k�nnen. Und die Deckenbalken, obwohl bearbeitet, sahen wie gro�e Wurzelst�cke aus.</p><p>Verin sa� auf einem Stuhl mit gerader, hoher Lehne vor dem Podest. Ansonsten waren die schweren, in Rankenform geschnitzten St�hle der Altesten die einzigen M�belst�cke. In der Mitte des Podestes thronte eine Ogierfrau auf einem etwas h�heren Stuhl; zu ihrer Linken sa�en drei b�rtige M�nner in langen, weiten M�nteln, und zu ihrer Rechten drei Frauen, die genauso gekleidet waren wie sie und deren Kleider ebenfalls vom Kragen bis zum Saum mit Ranken und Blumen bestickt waren. Die Gesichter aller waren alt, die Haare rein wei� bis zu den B�scheln auf den Ohren hin, und sie waren von einer Aura erhabener W�rde umgeben.</p><p>Hurin bestaunte sie ganz offen, und auch Rand hatte das Gef�hl, sie anstarren zu m�ssen. Nicht einmal Verin war die Weisheit so deutlich anzusehen wie den riesigen Augen dieser �ltesten, und Morgase w�re ihnen an Autorit�t trotz ihrer Krone unterlegen gewesen, genau wie Moiraine ihrer Ruhe und Ausgeglichenheit nichts entgegenzusetzen gehabt h�tte. Ingtar verbeugte sich als erster, und zwar so feierlich, wie es Rand bei ihm noch nicht erlebt hatte, w�hrend die anderen noch wie angewurzelt dastanden.</p><p>Als sie schlie�lich dann doch neben Verin bereitstanden, stellte sich die Ogierfrau auf dem h�chsten Stuhl vor: �Ich hei�e Alar, �lteste der �ltesten des Steddings Tsofu. Verin hat uns gesagt, da� Ihr das Wegetor bei uns ben�tzen m��t. Schattenfreunden das Horn von Valere abzujagen ist freilich eine wichtige Aufgabe, aber wir haben mehr als hundert Jahre lang niemandem mehr gestattet, die Kurzen Wege zu betreten. Weder wir noch die �ltesten eines anderen <emphasis>Steddings.�</emphasis></p><p>�Ich werde das Horn aufsp�ren�, sagte Ingtar trotzig. �Ich mu�. Falls Ihr uns nicht gestattet, das Wegetor zu ben�tzen... � Er schwieg, als Verin ihn anblickte, doch der Trotz stand weiterhin auf seinem Gesicht geschrieben.</p><p>Alar l�chelte. �Seid nicht so voreilig, Schienarer. Ihr Menschen nehmt Euch nie die Zeit zum Nachdenken. Nur Beschl�sse, die man in Ruhe f�llt, treffen den Kern einer Sache.� Ihr L�cheln verflog, und sie blickte ernst drein. Ihre Stimme klang genauso ruhig und getragen wie vorher. �Man kann den Gefahren in den Kurzen Wegen nicht mit dem Schwert in der Hand gegen�bertreten, so wie man sich gegen angreifende Aiel oder w�tende Trollocs zur Wehr setzen w�rde. Ich mu� Euch darauf aufmerksam machen, da� Ihr mit dem Betreten der Wege nicht nur Tod und Wahnsinn riskiert, sondern vielleicht sogar Eure Seelen aufs Spiel setzt.�</p><p>�Wir haben <emphasis>Machin Shin</emphasis> bereits erlebt�, sagte Rand, und Mat und Perrin stimmten ihm zu. Sie brachten es allerdings nicht fertig, so zu wirken, als seien sie erpicht auf eine neue Begegnung.</p><p>�Ich werde dem Horn auch bis zum Shayol Ghul selbst folgen, wenn es sein mu߫, sagte Ingtar entschlossen. Hurin nickte nur, als f�hle er sich in Ingtars Schwur mit eingeschlossen.</p><p>�Bringt Trayal�, befahl Alar, und Juin, der an der T�r stehengeblieben war, verbeugte sich und ging. �Es ist nicht genug, nur zu h�ren, was geschehen kann�, sagte sie zu Verin. �Ihr m��t es sehen und im Innersten f�hlen.�</p><p>Es herrschte nerv�ses Schweigen, bis Juin zur�ckkehrte, und die Nervosit�t stieg noch, als hinter ihm zwei Ogierfrauen hereinkamen, die einen Ogiermann mittleren Alters mit dunklem Bart hereinf�hrten. Er schlurfte zwischen ihnen einher, als wisse er nicht genau, wie seine Beine zu bewegen seien. Sein Gesicht war schlaff und absolut ausdruckslos und seine gro�en Augen wirkten leer. Sie blickten durch alles hindurch und schienen nichts wahrzunehmen. Eine der Frauen wischte ihm sanft Speichel aus dem Mundwinkel. Sie nahmen ihn bei den Armen, damit er stehenblieb. Sein Fu� bewegte sich noch vorw�rts, z�gerte und fiel dann deutlich h�rbar auf den Boden. Er schien es genauso zufrieden zu sein, einfach nur dazustehen, wie zu gehen. Zumindest war es ihm gleichg�ltig.</p><p>�Trayal war einer der letzten von uns, die durch das Wegetor gingen�, sagte Alar leise. �Er kam so zur�ck, wie Ihr ihn hier seht. Ber�hrt Ihr ihn einmal, Verin?�</p><p>Verin sah sie lange an, dann stand sie auf und ging zu Trayal hin�ber. Er r�hrte sich nicht, als sie ihm die H�nde auf die breite Brust legte. Nicht einmal ein Blick von ihm zeigte, da� er ihre Ber�hrung �berhaupt bemerkte. Mit einem Zischen zuckte sie zur�ck, blickte zu ihm auf und wirbelte herum. Sie sah die �ltesten an. �Er ist... leer. Sein K�rper lebt, doch in ihm ist nichts. Gar nichts.� Alle �ltesten blickten unendlich traurig drein.</p><p>�Nichts�, sagte eine der �ltesten zu Alars Rechten leise. Aus ihren Augen sprach all der Schmerz, den Trayal nicht mehr empfinden konnte. �Kein Verstand. Keine Seele. Es blieb nichts von Trayal als sein K�rper.�</p><p>�Er war ein guter Baums�nger�, seufzte einer der M�nner.</p><p>Alar gab ein Handzeichen, und die beiden Frauen drehten Trayal um. Sie mu�ten ihn erst wieder in Bewegung setzen, damit er zur T�r ging.</p><p>�Wir kennen die Risiken�, sagte Verin. �Aber wie gef�hrlich es auch immer sein mag � wir m�ssen dem Horn von Valere folgen.�</p><p>Die �lteste nickte. �Das Horn von Valere. Ich wei� nicht, was schlimmer ist: da� es sich in der Hand von Schattenfreunden befindet oder da� es �berhaupt aufgetaucht ist.� Sie blickte die Reihe der �ltesten an, und alle nickten zustimmend, auch wenn einer der M�nner zuerst zweifelnd an seinem Bart zupfte. �Also gut. Verin sagte mir, da� die Zeit dr�ngt. Ich werde Euch selbst zum Wegetor begleiten.� Rand f�hlte sich teils erleichtert, teils f�rchtete er sich auch, da f�gte sie hinzu: �Ihr habt einen jungen Ogier dabei. Loial, Sohn des Arent, Sohn des Halan, aus dem Stedding Schangtai. Er ist weit weg von seiner Heimat.�</p><p>�Wir brauchen ihn�, sagte Rand schnell. Er sprach langsamer, als ihn die �ltesten und Verin erstaunt ansahen, aber trotzig fuhr er fort: �Wir brauchen ihn bei uns, und er will auch bei uns bleiben.�</p><p>�Loial ist unser Freund�, sagte Perrin, und zur gleichen Zeit erkl�rte Mat: �Er ist uns nicht im Weg, und er sorgt schon f�r sich selbst.� Die beiden f�hlten sich unter der pl�tzlichen Aufmerksamkeit der �ltesten sichtlich unwohl, aber sie machten keinen R�ckzieher.</p><p>�Gibt es einen Grund, warum er nicht mit uns kommen kann?� fragte Ingtar. �Wie Mat schon sagte, h�lt er sich gut. Ich wei� nicht, wozu wir ihn brauchen, aber wenn er mitkommen will, warum... �</p><p>�Wir brauchen ihn�, unterbrach ihn Verin in verbindlichem Tonfall. �Nur noch wenige kennen die Kurzen Wege, aber Loial hat sich lange mit ihnen besch�ftigt. Er kann auch die Wegweiser entziffern.�</p><p>Alar sah einen nach dem anderen an. Dann kehrte ihr Blick zu Rand zur�ck. Lange musterte sie ihn. Sie wirkte, als wisse sie �ber alles Bescheid. Auch die anderen erweckten diesen Eindruck, jedoch nicht in demselben Ma�e. �Verin sagt, Ihr seid <emphasis>Ta'veren�,</emphasis> sagte sie schlie�lich, �und ich sp�re das auch in Euch. Die Tatsache, da� sogar ich das sp�ren kann, bedeutet, da� Ihr bis zu einem hohen Grad <emphasis>Ta'veren</emphasis> seid, denn wenn �berhaupt, dann ist dieses Talent in uns nur sehr schwach ausgepr�gt. Habt Ihr Loial, den Sohn des Arent, Sohn des Halan, in das <emphasis>Ta'maral'ailen</emphasis> hineingezogen � in das Gewebe, das vom Gro�en Muster um Euch gewebt wird?�</p><p>�Ich... ich will nur das Horn finden und... � Rand beendete den Satz nicht. Alar hatte nichts von Mats Dolch erw�hnt. Er wu�te nicht, ob Verin den �ltesten etwas davon erz�hlt oder aus irgendeinem Grund geschwiegen hatte. �Er ist mein Freund, �lteste.�</p><p>�So, Euer Freund�, sagte Alar. �Nach unserer Anschauung ist er noch sehr jung. Auch Ihr seid jung, doch Ihr seid auch <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Ihr werdet auf ihn aufpassen, und wenn das Weben beendet ist, dann sorgt Ihr daf�r, da� er sicher wieder ins Stedding Schangtai zur�ckkehrt.�</p><p>�Das werde ich�, best�tigte er. Er hatte ein Gef�hl, als werde ihm damit eine wichtige Aufgabe auferlegt, als leiste er einen Eid.</p><p>�Dann gehen wir also zum Wegetor.�</p><p>Drau�en stand Loial hastig auf, als sie im Schlepptau von Alar und Verin erschienen. Ingtar schickte Hurin im Laufschritt los, damit er Uno und die anderen Soldaten holte. Loial sah die �lteste mi�trauisch an und reihte sich dann neben Rand ganz hinten in die Prozession ein. Die Ogierfrauen, die ihn vorher beobachtet hatten, waren verschwunden. �Haben die �ltesten etwas von mir erw�hnt? Hat sie...?� Er betrachtete Alars breiten R�cken, w�hrend sie Juin bat, ihre Pferde bringen zu lassen. Sie ging mit Verin weiter, obwohl Juin gerade noch dienerte, und beugte sich zu der Aes Sedai hinunter, um leise mit ihr zu fl�stern.</p><p>�Sie befahl Rand, er solle auf dich aufpassen�, sagte Mat zu Loial. Sie schritten den Frauen hinterher. �Er soll dich sicher wie ein Baby nach Hause geleiten. Ich sehe nicht ein, warum du nicht hierbleiben und heiraten kannst.�</p><p>�Sie meinte, du k�nntest mitkommen.� Rand funkelte Mat an, der leise vor sich hin lachte. Es klang eigenartig bei diesem eingefallenen Gesicht. Loial zwirbelte den Stiel eines Vergi�meinichts zwischen den breiten Fingern. �Hast du Blumen gepfl�ckt?� fragte Rand.</p><p>�Erith hat sie mir gegeben.� Loial betrachtete die sich wegdrehenden Bl�tenbl�tter. �Sie ist wirklich sehr h�bsch, auch wenn Mat das nicht sieht.�</p><p>�Soll das hei�en, da� du nun doch nicht mitkommen willst?�</p><p>Loial fuhr auf. �Was? O nein! Ich meine � ja. Ich will mitkommen. Sie hat mir doch nur eine Blume gegeben. Nur eine Blume.� Aber er nahm nun ein Buch aus der Tasche und legte die Blume hinein. W�hrend er das Buch zur�cksteckte, murmelte er so leise, damit nur Rand ihn verstehen konnte: �Und sie fand mich auch gutaussehend.� Mat �chzte, kr�mmte sich und hielt sich die Seiten. Loials Wangen liefen rot an. �Also... das hat <emphasis>sie</emphasis> gesagt, nicht ich.�</p><p>Perrin versetzte Mat mahnend eine Kopfnu�. �Keine hat jemals gesagt, da� Mat gut auss�he. Er ist einfach eifers�chtig.�</p><p>�Das stimmt nicht�, protestierte Mat, und er richtete sich stolz auf. �Neysa Ayellin h�lt mich f�r gutaussehend. Das hat sie mir mehr als einmal versichert.�</p><p>�Ist Neysa h�bsch?� fragte Loial.</p><p>�Sie hat ein Gesicht wie eine Ziege�, sagte Perrin trocken. Mat erstickte fast an seinem Protest.</p><p>Rand mu�te unwillk�rlich grinsen. Neysa Ayellin war beinahe so h�bsch wie Egwene. Und das war jetzt auch beinahe ein Gef�hl wie in alten Zeiten, zu Hause, die freundschaftlichen Kabbeleien, und nichts auf der Welt war wichtiger, als den anderen zu zwicken und sich vor Lachen auszusch�tten.</p><p>Als sie so durch die Stadt gingen, gr��ten die Ogier ihre �ltesten mit Verbeugungen und Knicksen und musterten interessiert die menschlichen Besucher. Doch Alars entschlossene Miene hielt alle davon ab, stehenzubleiben und eine Unterhaltung anzufangen. Das einzige Merkmal, an dem sie sehen konnten, da� sie die Stadt verlie�en, war das Fehlen der Erhebungen. Ogier gab es auch hier noch genug. Einige untersuchten B�ume oder bearbeiteten sie mit Pech und Axt und S�ge, wo abgestorbene �ste vorhanden waren oder einem Baum das Sonnenlicht fehlte. Sie taten alles sehr sanft und r�cksichtsvoll.</p><p>Juin stie� wieder zu ihnen. Er f�hrte ihre Pferde am Z�gel. Hurin ritt mit Uno und den anderen Soldaten und den Packpferden herbei, und im n�chsten Moment deutete Alar auf etwas und sagte: �Dort dr�ben ist es.� Das freundschaftliche Gepl�nkel erstarb.</p><p>Rand war einen Augenblick lang �berrascht. Das Wegetor mu�te sich ja au�erhalb des <emphasis>Stedding</emphasis> befinden. Die Wege waren mit Hilfe der Einen Macht angelegt worden, also konnten die Tore nicht innerhalb liegen. Es wies jedoch nichts darauf hin, da� sie die Grenzlinie �berschritten hatten. Dann merkte er den Unterschied: Das Gef�hl eines Verlustes, das er seit dem Betreten des <emphasis>Stedding</emphasis> nicht mehr losgeworden war, war wie weggeblasen. Das lie� ihn nun auch wieder schaudern. <emphasis>Saidin</emphasis> war wieder da und wartete.</p><p>Alar f�hrte sie an einer m�chtigen Eiche vorbei, und da, in einer kleinen Lichtung, stand die gro�e Steinplatte des Wegetors. Ihre Vorderseite war wieder in Form von Bl�ttern und Ranken hundert verschiedener Pflanzen bearbeitet. Um die Lichtung herum hatten die Ogier eine niedrige Steinumrandung gefertigt, die wirkte, als w�re sie dort gewachsen, und die einen Ring von Wurzeln andeutete. Der Anblick machte Rand nerv�s. Er brauchte einen Moment, um festzustellen, da� es die Wurzeln von Brombeerstr�uchern und Heckenrosen, von Brennblattb�umchen und Juckeiche waren. Nicht gerade die Art von Gestr�pp, in das man gern hineinfiel.</p><p>Die �lteste blieb kurz vor der Umrandung stehen. �Die Mauer soll alle abschrecken, die hierher kommen. Von uns kommen nicht viele an diesen Ort. Ich werde die Grenze nicht �berschreiten. Aber Ihr d�rft es tun.� Juin ging nicht so nahe heran wie sie. Er wischte sich immer wieder die H�nde an den Revers seines Mantels ab und sah das Wegetor nicht direkt an.</p><p>�Ich danke Euch�, sagte Verin zu ihr. �Die Not ist gro�, sonst h�tte ich Euch nicht darum gebeten.�</p><p>Rand verkrampfte sich, als die Aes Sedai �ber die Umrandung stieg und sich dem Wegetor n�herte. Loial atmete tief durch und f�hrte wieder Selbstgespr�che. Uno und die anderen Soldaten rutschten in ihren S�tteln hin und her und lockerten die Schwerter in den Scheiden. Es gab in den Wegen nichts, wogegen ein Schwert geholfen h�tte, aber mit dieser Geste �berzeugten sie sich selbst von ihrer Kampfbereitschaft. Nur Ingtar und die Aes Sedai erschienen ruhig. Selbst Alar krallte die H�nde in den Stoff ihres Rocks.</p><p>Verin pfl�ckte das <emphasis>Avendesorablatt,</emphasis> und Rand beugte sich aufmerksam nach vorn. Es dr�ngte ihn, das Nichts um sich herum aufzubauen, damit er <emphasis>Saidin</emphasis> ganz schnell erreichen konnte, falls es notwendig war.</p><p>Die in das Wegetor eingemei�elten Pflanzen flatterten in einem nicht vorhandenen Wind, w�hrend sich im Mittelpunkt ein senkrechter Spalt �ffnete und die beiden H�lften des Tores langsam aufschwangen. Rand betrachtete den Spalt. Da zeigte sich keine mattsilberne Reflektion; nur eine Schw�rze, schw�rzer noch als Pech. �Schlie�t es!� schrie er. �Der Schwarze Wind! Schlie�t das Tor!�</p><p>Verin warf einen �berraschten Blick hinein und steckte augenblicklich das dreiteilige Blatt wieder an seinen Platz unter all den verschiedenen Bl�ttern zur�ck. Es hing fest, als sie die Hand wegnahm und sich zur Umrandung zur�ckzog. Sobald das <emphasis>Avendesorablatt</emphasis> wieder dort hing, begann sich das Tor zu schlie�en. Der Spalt verschwand, Ranken und Bl�tter zu beiden Seiten verschmolzen miteinander und verbargen die Schw�rze des <emphasis>Machin Shin.</emphasis> Das Wegetor bestand wieder nur noch aus Stein, wenn auch Stein, den man so lebens�hnlich wie m�glich bearbeitet hatte.</p><p>Alar atmete zittrig aus. <emphasis>�Machin Shin.</emphasis> So nahe.�</p><p>�Es versuchte wenigstens nicht, herauszukommen�, sagte Rand. Juin gab einen erstickten Laut von sich.</p><p>�Ich habe Euch doch gesagt�, stellte Verin fest, �da� der Schwarze Wind ein Gesch�pf der Wege ist. Es kann sie nicht verlassen.� Sie h�rte sich ruhig an, wischte sich aber doch die H�nde am Rock ab. Rand �ffnete den Mund, gab jedoch gleich wieder auf. �Und doch�, fuhr sie fort, �frage ich mich, wie es hierher kommt. Zuerst in Cairhien und nun hier. Sehr eigenartig.� Sie warf Rand einen solchen Seitenblick zu, da� er zusammenfuhr. Es geschah so schnell � er glaubte nicht, da� es einer der anderen bemerkt hatte �, aber Rand schien es so, als habe sie ihn mit dem Schwarzen Wind in Verbindung gebracht.</p><p>�Ich habe so etwas noch nie geh�rt�, sagte Alar bed�chtig. �Ich meine, da� Machin Shin wartet, wenn man ein Wegetor �ffnet. Es hat sonst immer die Wege durchstreift. Aber nat�rlich ist eine lange Zeit vergangen, und vielleicht ist der Schwarze Wind hungrig und hofft, unversehens jemanden zu erwischen, der durch ein Tor tritt. Verin, es ist klar, da� Ihr dieses Wegetor nicht ben�tzen k�nnt. Und wie eilig es auch sein mag, kann ich doch nicht sagen, es t�te mir leid. Heutzutage geh�ren die Kurzen Wege dem Schatten.�</p><p>Rand blickte das Wegetor finster an. <emphasis>K�nnte es mir wirklich folgen?</emphasis> Es gab zu viele offene Fragen. Hatte Fain irgendwie den Schwarzen Wind auf ihn angesetzt? Verin behauptete, das sei nicht m�glich. Und warum sollte Fain von ihm verlangen, da� er ihm folgte, und ihn dann doch schon auf dem Weg aufhalten wollen? Er wu�te nur, da� er der Botschaft Glauben schenkte. Er mu�te zur TomanHalbinsel gelangen. Und wenn sie morgen das Horn von Valere und Mats Dolch unter einem Busch fanden, mu�te er doch dorthin.</p><p>Verin stand gedankenverloren da und starrte vor sich hin. Mat sa� auf der Umrandung, den Kopf in beide H�nde gest�tzt, und Perrin betrachtete ihn besorgt. Loial schien erleichtert dar�ber, da� sie das Wegetor nicht ben�tzen konnten, und gleichzeitig sch�mte er sich offensichtlich dieser Erleichterung.</p><p>�Wir k�nnen hier nichts mehr tun�, stellte Ingtar fest. �Verin Sedai, ich bin Euch wider besseres Wissen hierher gefolgt, aber das kann ich nun nicht l�nger. Ich werde nach Cairhien zur�ckkehren. Barthanes kann mir sagen, wohin die Schattenfreunde gingen. Irgendwie werde ich ihn dazu zwingen.�</p><p>�Fain ging zur Toman-Halbinsel�, sagte Rand, der Diskussionen m�de. �Und wo er sich aufh�lt, da befinden sich auch das Horn und der Dolch.�</p><p>�Ich denke... � Perrin zuckte z�gernd die Achseln. �Ich denke, wir k�nnten es mit einem anderen Wegetor versuchen. In einem anderen <emphasis>Stedding?�</emphasis></p><p>Loial strich sich �ber das Kinn und sprach dann schnell, als wolle er seine Erleichterung �ber das Fehlschlagen hier gutmachen: �Stedding Cantoine liegt gleich hinter dem Iralellflu�, und Stedding Taijing liegt �stlich vom R�ckgrat der Welt. Aber das Wegetor von Caemlyn, wo einst der Hain lag, ist n�her, und am n�chsten �berhaupt liegt das Tor im Hain von Tar Valon.�</p><p>�Welches Wegetor wir auch zu ben�tzen versuchen�, sagte Verin abwesend, �ich f�rchte, wir werden dort <emphasis>Machin Shin</emphasis> vorfinden.� Alar sah sie fragend an, aber die Aes Sedai sagte nichts weiter. Sie murmelte wohl etwas in sich hinein, sch�ttelte aber gleich den Kopf, als trage sie einen inneren Konflikt aus.</p><p>�Was wir brauchen�, sagte Hurin, �ist einer dieser Portalsteine.� Er sah Alar an und dann Verin, und da keine von beiden ihm Einhalt gebot, fuhr er mit gesteigertem Selbstbewu�tsein fort: �Lady Selene sagte, die alten Aes Sedai h�tten diese Welten erforscht und dabei gelernt, wie man die Kurzen Wege macht. Und diese... Welt, in der wir uns befanden... na ja, wir haben dadurch zwei Tage weniger gebraucht, um dreihundert Meilen zur�ckzulegen. Wenn wir einen Portalstein ben�tzen k�nnten, um wieder auf diese Welt zu gelangen, oder auf eine �hnliche, dann w�rden wir nicht mehr als ein oder zwei Wochen brauchen, um das Arythmeer zu erreichen, und k�nnten dann von dort aus zur TomanHalbinsel kommen. Das geht vielleicht nicht so schnell wie durch die Kurzen Wege, aber es ist immer noch viel schneller, als einfach nach Westen zu reiten. Was meint Ihr, Lord Ingtar? Lord Rand?�</p><p>Verin antwortete ihm. �Was Ihr da vorschlagt, mag durchaus m�glich sein, Schn�ffler, aber wir k�nnten genausogut darauf hoffen, dieses Wegetor noch einmal zu �ffnen und herauszufinden, da� <emphasis>Machin Shin</emphasis> wieder verschwunden ist, wie ausgerechnet jetzt einen Portalstein zu finden. Ich kenne keinen, der n�her l�ge als die Aielw�ste. Obwohl wir nat�rlich zu Bruderm�rders Dolch zur�ckkehren k�nnten, falls Ihr, Rand, oder Loial glaubt, Ihr k�nntet den Portalstein wiederfinden.�</p><p>Rand blickte Mat an. Sein Freund hatte hoffnungsvoll den Kopf gehoben, als er das von diesen Steinen vernommen hatte. Ein paar Wochen, hatte Verin gesagt. Falls sie einfach nach Westen ritten, w�rde Mat ihre Ankunft auf der Toman-Halbinsel nicht mehr erleben.</p><p>�Ich kann ihn schon finden�, sagte Rand z�gernd. Er sch�mte sich. <emphasis>Mat wird sterben, die Schattenfreunde haben das Horn von Valere, Fain wird etwas mit Emondsfeld anstellen, wenn du ihm nicht folgst, und du hast Angst, die Eine Macht zu ben�tzen. Einmal hin und zur�ck. Das wird dich auch noch nicht in den Wahnsinn treiben.</emphasis> Was ihm aber wirklich Angst einjagte, war der Eifer, den er im Inneren empfand, wenn er daran dachte, die Macht wieder zu ben�tzen, oder an das Gef�hl, das die Macht in ihm ausl�ste. Sich wieder wirklich lebendig zu f�hlen...</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte Alar bed�chtig. �Die Portalsteine sind doch seit dem Zeitalter der Legenden nicht mehr ben�tzt worden. Ich hatte nicht gedacht, da� es noch jemanden gibt, der wei�, wie man sie ben�tzt.�</p><p>�Die Braunen Ajah wissen eine ganze Menge�, sagte Verin trocken, �und ich wei�, wie man die Steine ben�tzen kann.�</p><p>Die �lteste nickte. �Es gibt in der Wei�en Burg wirklich Dinge, von denen wir nur tr�umen k�nnen. Aber wenn Ihr einen Portalstein ben�tzen k�nnt, m��t Ihr nicht erst zu Bruderm�rders Dolch reiten. Es gibt einen Stein gleich hier in der N�he.�</p><p>�Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht, und das Gro�e Muster schafft, was notwendig ist.� Verin wirkte auf einmal �berhaupt nicht mehr abwesend. �Bringt uns hin�, sagte sie kurz. �Wir haben schon mehr als genug Zeit verloren.�</p></section><section><title><p>37</p><p>Scheinwelt</p></title><p>Alar f�hrte sie mit w�rdigverhaltenen Schritten vom Wegetor fort. Juin allerdings schien froh dar�ber zu sein. Mats Blick war nur nach vorn gerichtet, und Hurin schritt voller Vertrauen nebenher. Loial allerdings machte einen besorgten Eindruck. Er f�rchtete wohl, Alar k�nne ihre Ansicht �ndern und ihn doch nicht mitgehen lassen. Rand beeilte sich nicht. Er zog den Braunen an den Z�geln hinter sich her. Sein Z�gern r�hrte daher, da� er nicht glaubte, Verin wolle selbst das Portal �ffnen.</p><p>Die graue Steins�ule stand aufrecht neben einer beinahe hundert Fu� hohen und vier Fu� starken Buche. Rand h�tte sie wohl f�r einen wirklich gro�en Baum gehalten �bevor er die Gro�en B�ume gesehen hatte. Hier gab es keine Vorwarnung durch eine Umrandung wie bei dem Wegetor; nur ein paar Blumen schoben ihre K�pfchen durch den von Bl�ttern �bers�ten Humus des Waldbodens. Der Portalstein war verwittert, doch die Schriftzeichen darauf waren immer noch eindeutig zu entziffern.</p><p>Die berittenen schienarischen Soldaten schw�rmten im Kreis um den Stein und die zu Fu� Einherschreitenden aus. �Wir haben ihn aufgestellt�, sagte Alar, �als wir ihn vor vielen Jahren fanden. Doch wir haben ihn nicht von seinem urspr�nglichen Standort entfernt. Er... schien sich... einem Transport zu... widersetzen.� Sie ging zu dem Stein hin und legte eine gro�e Hand darauf. �Ich habe ihn immer als Symbol des Verlorengegangenen betrachtet, des Vergessenen. Im Zeitalter der Legenden h�tte man ihn untersucht und auch ein wenig davon verstanden. F�r uns ist es nur ein Stein.�</p><p>�Ich hoffe, er ist mehr als nur das.� Verins Stimme klang nun energischer. ��lteste, ich danke Euch f�r Eure Hilfe. Vergebt uns die unh�flich kurz angebundene Weise, auf die wir Euch verlassen m�ssen, aber das Rad wartet nicht auf irgendeine Frau. Wenigstens werden wir nun den Frieden in Eurem <emphasis>Stedding</emphasis> nicht mehr st�ren.�</p><p>�Wir haben wohl die Steinwerker aus Cairhien zur�ckgeholt�, sagte Alar, �doch wir h�ren immer noch, was drau�en in der Welt geschieht. Falsche Drachen. Die Wilde Jagd nach dem Horn. Wir vernehmen es, und es geht an uns vorbei. Ich glaube jedoch nicht, da� uns Tarmon Gai'don unber�hrt lassen oder gar an uns vorbeigehen wird. Lebt nun wohl, Verin Aes Sedai. Lebt wohl, Ihr alle, und m�gt Ihr Zuflucht in der Hand des Sch�pfers finden. Juin.� Sie sah Loial kurz an und warf Rand einen mahnenden Blick zu, und dann waren die Ogier unter den B�umen verschwunden.</p><p>Mark h�rte das Knarren der S�ttel, als sich die Soldaten unruhig bewegten. Ingtar blickte sich in ihrem Kreis um. �Ist dies denn notwendig, Verin Sedai? Selbst wenn es m�glich ist... Wir wissen noch nicht einmal, ob die Schattenfreunde wirklich das Horn zur Toman-Halbinsel mitgenommen haben. Ich glaube immer noch, da� ich Barthanes dazu bringen... �</p><p>�Wenn wir das nicht mit letzter Sicherheit wissen�, unterbrach ihn Verin in sanftem Tonfall, �dann ist die Toman-Halbinsel ein genauso gutes Ziel wie jedes andere. Mehr als einmal habe ich geh�rt, wie Ihr sagtet, des Hornes wegen w�rdet Ihr sogar zum Shayol Ghul selbst reiten. Schreckt Ihr nun davor zur�ck?� Sie deutete auf den Stein unter der m�chtigen Buche.</p><p>Ingtar versteifte sich entr�stet. �Ich schrecke vor nichts zur�ck. Bringt uns zur Toman-Halbinsel oder auch zum Shayol Ghul. Falls am Ende das Horn von Valere auf uns wartet, werde ich Euch folgen.�</p><p>�Das ist gut, Ingtar. Also, Rand, Ihr seid in j�ngerer Zeit als ich mit Hilfe eines Portalsteins gereist. Kommt.� Sie gab ihm einen Wink, und er f�hrte den Braunen zu ihr hin�ber an den Stein.</p><p>�Ihr habt bereits einen Portalstein ben�tzt?� Er sah sich nach hinten um, ob sich jemand anders in H�rweite befand. �Dann verlangt Ihr also nicht von mir, da� ich es versuche.� Er zuckte erleichtert die Achseln.</p><p>Verin blickte ihn ausdruckslos an. �Ich habe noch nie einen Stein ben�tzt � aufgrund solcher Hilfe seid Ihr also in j�ngerer Zeit weiter gekommen als ich. Ich kenne die Grenzen meiner F�higkeiten. Ich w�re tot, bevor ich die Macht auch nur in ann�herndem Ma�e lenken k�nnte, um den Portalstein ben�tzen zu k�nnen. Aber wenigstens wei� ich dar�ber Bescheid. Genug, um Euch ein bi�chen behilflich zu sein.�</p><p>�Aber ich wei� doch �berhaupt nichts!� Er f�hrte sein Pferd um den Stein herum und betrachtete ihn von oben bis unten. �Das einzige, woran ich mich erinnere, ist das Zeichen f�r unsere Welt. Selene hat es mir gezeigt, aber hier kann ich es nicht finden.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Nicht auf einem Stein in <emphasis>unserer</emphasis> Welt. Die Schriftzeichen sind Hilfen dazu, <emphasis>auf</emphasis> eine Welt zu gelangen.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Was w�rde ich nicht darum geben, mit diesem M�dchen zu sprechen, von dem Ihr mir erz�hlt habt! Oder noch besser � ihr Buch in die H�nde zu bekommen. Man glaubt allgemein, da� kein Exemplar von <emphasis>SPIEGEL DES RADS</emphasis> die Zerst�rung heil �berstanden habe. Serafelle sagt immer, da� es viel mehr verlorengeglaubte B�cher gebe, als wir jemals wiederfinden k�nnen. Na ja, es hat keinen Zweck, sich �ber etwas Gedanken zu machen, was wir nicht wissen. Ich wei� doch wenigstens ein paar Dinge. Die Zeichen auf der oberen H�lfte des Steins stehen f�r bestimmte Welten. Nicht f�r alle Welten des M�glichen nat�rlich. Offensichtlich ist nicht jeder Stein mit allen Welten verbunden, und die Aes Sedai im Zeitalter der Legenden glaubten sogar, es gebe m�gliche Welten, die von keinem der Steine ber�hrt werden. K�nnt Ihr nichts entdecken, das in Euch eine Erinnerung ausl�st?�</p><p>�Nichts.� Wenn er nur das richtige Zeichen f�nde, k�nnte er es ben�tzen, um Fain und das Horn aufzusp�ren, um Mat zu retten, um Fain davon abzuhalten, Emondsfeld zu schaden. Wenn er das Zeichen fand, mu�te er <emphasis>Saidin</emphasis> wieder gebrauchen. Er wollte Mat retten und Fain aufhalten, doch er wollte ganz bestimmt <emphasis>Saidin</emphasis> nicht mehr ber�hren. Er f�rchtete sich davor, wieder die Macht einzusetzen, und gleichzeitig gierte er danach wie ein Verhungernder nach Nahrung. �Ich kann mich einfach an nichts erinnern.�</p><p>Verin seufzte. �Die Zeichen auf dem unteren Teil stehen f�r Steine an anderen Orten. Wenn Ihr den Bogen heraushabt, k�nnt Ihr uns nicht nur zum gleichen Stein in einer anderen Welt bringen, sondern zu einem von diesen Steinen, ja vielleicht sogar direkt zu einem anderen Stein auf unserer eigenen Welt. Das ist so �hnlich wie beim Reisen durch die Kurzen Wege, glaube ich. Aber da niemand mehr wei�, wie man das anstellt... Ohne dieses Wissen k�nnten wir bei einem Versuch alle get�tet werden.� Sie deutete auf zwei wellenartige, parallel verlaufende Linien weit unten auf dem Stein, die von einem eigenartigen Schn�rkel geschnitten wurden. �Das steht f�r den Stein auf der Toman-Halbinsel. Das ist einer der drei Steine, deren Symbole ich kenne, und der einzige von ihnen, bei dem ich schon war. Und was ich bei dieser Gelegenheit herausfand � nachdem mich in den Verschleierten Bergen beinahe der Schnee noch erwischt h�tte und ich auf der Ebene von Almoth fast erfroren w�re �, war absolut nichts. Spielt Ihr manchmal mit W�rfeln oder Karten, Rand al'Thor?�</p><p>�Mat ist unser Spieler. Warum?�</p><p>�Ja. Na ja, den werden wir besser aus dem Spiel lassen, denke ich. Ich kenne dann auch noch diese anderen Symbole.�</p><p>Mit einem Finger fuhr sie die Umrisse eines Vierecks nach, innerhalb dessen acht sehr �hnliche Zeichen eingeritzt waren: alles Kreise und Pfeile, doch in der einen H�lfte befand sich der Pfeil in dem Kreis, w�hrend er ihn in der anderen H�lfte von au�en her durchbohrte. Die Pfeile zeigten nach links, rechts, oben und unten, und jeder Kreis wurde von etwas umgeben, das Rand f�r Schriftzeichen hielt, wenn auch in keiner ihm bekannten Sprache. Das waren flie�ende Wellenlinien, die pl�tzlich in scharfe Zacken ausliefen, dann aber wieder wie vorher weiterflossen.</p><p>Verin fuhr fort: �Zumindest wei� ich folgendes: Jedes steht f�r eine Welt, deren Erforschung schlie�lich dazu f�hrte, da� man die Kurzen Wege erschuf. Das sind nicht alle erforschten Welten, aber die einzigen, deren Symbole ich kenne. An dieser Stelle wird es zum Gl�cksspiel. Ich wei� nicht, wie es auf diesen Welten aussieht. Man glaubt allgemein, es g�be darunter Welten, auf denen ein Jahr ablaufen kann, obwohl derweil bei uns nur ein Tag vergeht, aber auch andere, wo ein Tag bei uns ein Jahr bedeuten w�rde. Es gibt angeblich Welten mit giftiger Luft, auf denen ein Atemzug bereits den sicheren Tod f�r uns bedeuten w�rde, und Welten, die so weit von der Wirklichkeit entfernt sind, da� sie kaum noch zusammenhalten. Ich will erst gar nicht daran denken, was gesch�he, f�nden wir uns auf einer von denen wieder. Ihr m��t w�hlen. Wie mein Vater es ausgedr�ckt h�tte: Es ist an der Zeit, die W�rfel entscheiden zu lassen.�</p><p>Rand sah zu Boden und sch�ttelte den Kopf. �Ich k�nnte uns alle umbringen, wof�r ich mich auch entscheide.�</p><p>�Wollt Ihr dieses Risiko nicht auf Euch nehmen? F�r das Horn von Valere? F�r Mat?�</p><p>�Warum seid Ihr denn so erpicht darauf? Ich wei� noch nicht einmal, ob ich es �berhaupt schaffe. Es � es geht nicht jedesmal, wenn ich es versuche.� Er wu�te, da� sich keiner der anderen ihnen gen�hert hatte, aber trotzdem sah er sich nun um. Alle standen im Kreis um den Stein herum und beobachteten sie, aber so weit entfernt, da� keiner ihre Worte verstehen konnte. �Manchmal ist <emphasis>Saidin</emphasis> einfach nur in der N�he. Ich kann es f�hlen, aber nicht ber�hren. Es k�nnte genausogut auf dem Mond sein, so weit ist jede Ber�hrungsm�glichkeit entfernt.</p><p>Und auch wenn es gelingt � was geschieht, wenn ich uns auf eine Welt bringe, wo wir nicht atmen k�nnen? Was hat Mat dann davon? Oder das Horn?�</p><p>�Ihr seid der Wiedergeborene Drache�, sagte sie ruhig. �O ja, Ihr k�nnt auch sterben, aber ich glaube nicht, da� Euch das Muster sterben l��t, bevor Eure Aufgabe erf�llt ist. Aber nat�rlich liegt heutzutage das Gro�e Muster unter dem Schatten, und wer wei�, wie dies das Weben beeinflu�t? Ihr k�nnt eben nur Eurem Schicksal folgen.�</p><p>�Ich bin Rand al'Thor�, grollte er. �Ich bin nicht der Wiedergeborene Drache. Ich werde auch nicht zu einem falschen Drachen.�</p><p>�Ihr seid, was Ihr seid. W�hlt Ihr nun oder bleibt Ihr hier stehen, bis Euer Freund stirbt?�</p><p>Rand merkte, da� er mit den Z�hnen knirschte, und er zwang sich, seine Kiefer zu entspannen. Die Bildzeichen h�tten auch alle gleich sein k�nnen � er verstand sie sowieso nicht. Die Schrift sah aus, als h�tten hier H�hner gescharrt. Schlie�lich entschied er sich f�r ein Symbol mit einem nach links zeigenden Pfeil, der nach der TomanHalbinsel wies, und au�erdem durchbrach der Pfeil den Kreis von innen her, als wolle er sich befreien, so wie er. Beinahe h�tte er aufgelacht. Auf solche Kleinigkeiten verwettete er ihre K�pfe!</p><p>�Kommt n�her!� befahl Verin den anderen. �Es ist am besten, wenn Ihr ganz nahe seid.� Sie gehorchten fast ohne zu z�gern. �Es ist Zeit. La�t uns beginnen�, sagte sie, nachdem sie sich zu ihnen gesellt hatten.</p><p>Sie warf ihren Umhang schwungvoll nach hinten und legte die H�nde auf den Stein. Rand bemerkte, da� sie ihn aus den Augenwinkeln beobachtete. Er h�rte nerv�ses Husten und R�uspern von den M�nnern, die den Stein umstanden. Uno fluchte �ber einen Mann, der weiter hinten stand, Mat ri� einen schw�chlichen Witz, und Loial schluckte vernehmlich. Er suchte das Nichts.</p><p>Es war mittlerweile so leicht. Die Flamme verschlang Angst und Leidenschaft und war schon weg, kaum da� er sie herbeigerufen hatte. Weg, nur noch Leere, und dahinter leuchtete <emphasis>Saidin,</emphasis> schwindelerregend, qu�lend, drehte ihm beinahe den Magen um, verf�hrte ihn. Er... griff danach... und es erf�llte ihn, lie� ihn aufleben. Er zuckte mit keinem Muskel, doch er hatte das Gef�hl, da� er unter dem Ansturm der Einen Macht erzitterte. Das Zeichen entstand vor ihm, ein Pfeil, der von innen her einen Kreis durchbohrte. Es schwebte gleich au�erhalb des Nichts und schien genauso hart wie der Stoff, in den es eingemei�elt war. Er lie� die Eine Macht durch sich hindurch in das Zeichen str�men. Das Zeichen schimmerte, flackerte.</p><p>�Etwas geschieht�, sagte Verin. �Etwas... �</p><p>Die Welt flackerte.</p><p>Das eiserne Schlo� rutschte �ber den Fu�boden des Bauernhauses, und Rand lie� den hei�en Teekessel fallen, als eine riesige Gestalt mit Hammelh�rnern auf dem Kopf in der T�r aufragte. Dahinter lag nur die Dunkelheit der Winternacht.</p><p>�Renn!� schrie Tam. Sein Schwert blitzte, und der Trolloc st�rzte zu Boden. Doch im Fallen noch packte er Tam und ri� ihn mit sich.</p><p>Weitere dr�ngten sich an der T�r � in schwarze R�stungen geh�llte Gestalten mit menschlichen Gesichtern, die durch Schnauzen und Schn�bel und H�rner entstellt wurden. Gekr�mmte Schwerter hieben auf Tam ein, der sich bem�hte, wieder auf die Beine zu kommen. Dornen�xte wurden geschwungen. An den Stahlschneiden leuchtete rotes Blut.</p><p>�Vater!� schrie Rand. Er ri� sein Messer aus der Scheide und warf sich �ber den Tisch hinweg, um seinem Vater zu helfen, und dann schrie er noch einmal auf, denn das erste Schwert durchbohrte seine Brust.</p><p>Blut wallte in seinem Mund auf, und eine Stimme in seinem Kopf fl�sterte: <emphasis>Ich habe wieder gewonnen, Lews Therin.</emphasis></p><p><emphasis>Flackern.</emphasis></p><p>Rand bem�hte sich, das Symbol im Blick zu behalten, und Verins Stimme drang ihm nur schwach ins Bewu�tsein: �... ist nicht... �</p><p>Der Strom der Macht ergo� sich �ber ihn. <emphasis>Flackern.</emphasis></p><p>Rand war gl�cklich, nachdem er Egwene geheiratet hatte. Er lie� sich auch nicht von der d�steren Stimmung �berw�ltigen, die manchmal in ihm aufkam, wenn er daran dachte, da� es da noch etwas anderes geben m�sse, etwas ganz anderes. Die H�ndler brachten Neuigkeiten aus der Welt au�erhalb der Zwei Fl�sse, und es kamen Kaufleute, um Wolle und Tabak zu erwerben. Immer kamen mit ihnen die Nachrichten von neuen Auseinandersetzungen, von Kriegen und falschen Drachen. Es kam ein Jahr ganz ohne H�ndler und Kaufleute, und als sie im n�chsten zur�ckkehrten, erz�hlten sie, da� Artur Falkenfl�gels Heer zur�ckgekehrt sei, oder zumindest die Nachkommen seiner Soldaten. Die alten L�nder waren zerschlagen, behaupteten sie, und die neuen Herrscher der Welt, die in der Schlacht angekettete Aes Sedai einsetzten, hatten die Wei�e Burg geschleift und den Boden versalzen, wo Tar Valon gestanden hatte. Es gab keine Aes Sedai mehr.</p><p>Im Gebiet der zwei Fl�sse war kein Unterschied zu sp�ren. Immer noch mu�ten die Felder bestellt, die Schafe geschoren und die L�mmer versorgt werden. Tam schaukelte Enkel auf den Knien, bevor er schlie�lich neben seiner Frau zur letzten Ruhe gebettet wurde. An das alte Bauernhaus wurden neue R�ume angebaut. Egwene wurde zur Seherin gew�hlt, und die meisten waren davon �berzeugt, da� sie besser sei als die vorherige Seherin, Nynaeve al'Meara. Das war auch gut so, denn ihre Heilmittel, die bei anderen so wunderbar wirkten, konnten Rand nur gerade eben am Leben halten. Eine geheimnisvolle Krankheit bedrohte ihn ohne Unterla�. Seine Launen wurden schlimmer, d�sterer, und er w�tete oft, dieses Leben sei nicht das, was ihm vorherbestimmt gewesen sei. Wenn diese Launen ihn �berkamen, f�rchtete Egwene sich vor ihm, denn wenn es am schlimmsten war, geschahen manchmal eigenartige Dinge. Gewitter zogen auf, die sie nicht vorhergesehen hatte, Waldbr�nde flammten pl�tzlich auf... Aber sie liebte ihn und sorgte f�r ihn und erhielt seine geistige (Gesundheit, obwohl manch einer grollte, da� Rand al'Thor wahnsinnig sei und gef�hrlich dazu.</p><p>Als sie starb, sa� er allein lange Zeit an ihrem Grab. Tr�nen flossen in seinen graumelierten Bart. Seine Krankheit kehrte zur�ck, und er siechte dahin. Er verlor die letzten beiden Finger seiner rechten Hand und einen an der linken. Seine Ohren wirkten wie Narben, und die M�nner erz�hlten sich, er rieche faulig. Er wurde zu einer immer d�stereren Gestalt.</p><p>Doch als der furchtbare Ruf erschallte, weigerte sich niemand, ihn an seiner Seite zu dulden. Aus der Gro�en F�ule waren Trollocs und Blasse und andere Alptraumgestalten hervorgebrochen, und die neuen Herrscher der Welt wurden zur�ckgeworfen, trotz all ihrer Macht. Also nahm Rand den Bogen auf, den er mit seinen �briggebliebenen Fingern gerade noch ben�tzen konnte, und er humpelte mit denen mit, die nach Norden zum Taren marschierten; es waren M�nner aus jedem Dorf, von jedem Hof und aus jedem Winkel der Zwei Fl�sse, M�nner mit Bogen und Axt und Spie� und mit Schwertern, die schon lange in den Speichern vor sich hingerostet waren. Auch Rand trug ein Schwert mit einem Reiher auf der Klinge. Er hatte es gefunden, nachdem Tam gestorben war, doch er wu�te es nicht zu gebrauchen. Es kamen auch Frauen mit, die Waffen, die sie irgendwo gefunden hatten, �ber die Schultern gelegt, und sie marschierten neben den M�nnern her. Einige lachten und meinten, sie h�tten das seltsame Gef�hl, all dies schon einmal erlebt zu haben. Und am Taren trafen die Menschen von den Zwei Fl�ssen auf die Invasoren: endlose Reihen von Trollocs, die unter einer toten, schwarzen Flagge, die das Licht zu fressen schien, von alptraumhaften Blassen angef�hrt wurden. Rand sah diese Flagge und glaubte, der Wahnsinn habe ihn gepackt, denn ihm schien es, da� er dazu bestimmt gewesen war, dieses Banner zu bek�mpfen. Er scho� jeden seiner Pfeile auf die Flagge, so gerade, wie es sein Geschick und das Nichts erlaubten, und er machte sich keine Gedanken �ber die Trollocs, die sich ihren Weg �ber den Flu� hinweg bahnten, oder �ber die M�nner und Frauen, die an seiner Seite starben. Einer dieser Trollocs schlie�lich durchbohrte ihn, bevor er vor Kampfeswut heulend weiter in das Gebiet der Zwei Fl�sse hineinhetzte. Und als er so am Ufer des Taren lag und sah, wie der Mittagshimmel sich verdunkelte, und als sein Atem immer schw�cher wurde, da h�rte er eine Stimme sagen: <emphasis>Ich habe wieder gewonnen, Lews Therin. Flackern.</emphasis></p><p>Das Pfeil-und-Kreissymbol verzerrte sich zu parallel verlaufenden Wellenlinien, und er zwang sie nur m�hsam in ihre alte Form zur�ck.</p><p>Verins Stimme: �... richtig. Etwas...�</p><p>Die Macht w�tete.</p><p><emphasis>Flackern.</emphasis> Tam bem�hte sich, Rand zu tr�sten, als Egwene gerade eine Woche vor ihrer Hochzeit krank wurde und starb. Auch Nynaeve bem�hte sich, aber sie war selbst v�llig durcheinander, denn trotz all ihrer F�higkeiten hatte sie keine Ahnung, woran das M�dchen gestorben war. Rand hatte drau�en vor ihrem Haus gesessen, als Egwene starb, und es schien in Emondsfeld keinen Fleck zu geben, an dem ihm nicht immer noch ihre Schreie in den Ohren klangen. Ihm war klar, da� er nicht hierbleiben konnte. Tam gab ihm ein Schwert mit einer durch einen Reiher gekennzeichneten Klinge mit. Er erkl�rte Rand nicht, wie ein Sch�fer von den Zwei Fl�ssen an eine solche Waffe gekommen war, doch er brachte Rand bei, wie man damit umging. Am Tage von Rands Abreise gab er ihm einen Brief und sagte, mit dessen Hilfe k�nne Rand in die Armee von Illian aufgenommen werden. Dann umarmte er ihn und sagte noch: �Ich hatte nie einen anderen Sohn und wollte auch keinen. Komm zur�ck und bringe dir eine Frau mit, so wie ich damals, Junge, aber komm auf jeden Fall zur�ck.�</p><p>Rand wurde aber in Baerlon sein ganzes Geld gestohlen und auch noch der Brief und beinahe das Schwert. Er traf dort eine Frau namens Min, die ihm so verr�ckte Sachen erz�hlte, da� er schlie�lich die Stadt verlie�, um ihr zu entkommen. Irgendwann f�hrte ihn seine Wanderung nach Caemlyn, und dort brachte ihm sein geschickter Umgang mit dem Schwert einen Platz in der k�niglichen Garde ein. Manchmal sah er die Tochter-Erbin, Elayne, an, und dabei dachte er so ungereimtes Zeug wie: dies sei alles nicht so, wie es in Wirklichkeit sein sollte und es m��te eigentlich in seinem Leben vieles anders laufen. Doch Elayne bemerkte ihn nat�rlich �berhaupt nicht. Sie heiratete einen Prinzen aus dem Tarengebiet, schien aber in der Ehe nicht gl�cklich zu sein. Rand war nur ein Soldat, der einst Schafhirte gewesen war und aus einem kleinen Dorf so weit weg an der westlichen Grenze stammte, da� nur die Striche auf einer Landkarte es noch mit Andor verbanden. Au�erdem hatte er den Ruf eines d�steren Mannes, der schnell aufbrauste.</p><p>Manche behaupteten sogar, er sei verr�ckt, und zu normalen Zeiten h�tte wahrscheinlich nicht einmal sein Geschick mit dem Schwert ausgereicht, um ihm den Platz in der Garde zu erhalten, aber dies waren eben keine normalen Zeiten. Falsche Drachen schossen wie Unkraut aus dem Boden. Jedesmal, wenn einer besiegt war, tauchten zwei oder gar drei neue auf, bis alle Nationen schlie�lich von Kriegen gesch�ttelt wurden. Und Rands Stern war im Aufgehen, denn er hatte das Geheimnis seiner scheinbaren Verr�cktheit gel�st � ein Geheimnis, das er allerdings anderen gegen�ber sorgf�ltig wahrte. Er konnte die Macht lenken. Es gab immer Zeitpunkte und Orte, wo ihm ein klein wenig der Macht � nicht genug, um in all dem Durcheinander aufzufallen � Gl�ck brachte. Manchmal klappte es damit; manchmal auch nicht, aber eben oft genug. Er wu�te, da� er wahnsinnig sein mu�te, aber es war ihm gleich. Eine Krankheit zehrte ihn allm�hlich aus, aber auch das war ihm gleich und allen anderen auch, denn man hatte erfahren, da� Artur Falkenfl�gels Heer zur�ckgekehrt war und das Land f�r sich beanspruchte.</p><p>Rand f�hrte tausend Gardesoldaten der K�nigin �ber die Verschleierten Berge. Er dachte nicht daran, einen Umweg zu machen und die Zwei Fl�sse zu besuchen; er dachte �berhaupt nur noch selten an die Heimat. Er war Kommandant der Garde, als ihre zerschlagenen Reste den R�ckzug �ber die Berge antraten. �berall in ganz Andor k�mpfte er und zog sich inmitten der Massen von Fl�chtlingen zur�ck, bis er schlie�lich nach Caemlyn kam. Viele Bewohner der Stadt waren bereits geflohen, und man riet dem Heer, noch weiter zur�ckzuweichen, doch nun war Elayne K�nigin, und sie wollte Caemlyn nicht verlassen. Sie sah sein von der Krankheit zernarbtes Gesicht nicht an, aber er konnte sie trotzdem nicht verlassen, und so bereiteten sich die Reste der k�niglichen Garde darauf vor, die K�nigin zu besch�tzen, w�hrend ihre Untertanen flohen.</p><p>W�hrend der Schlacht um Caemlyn kam die Macht �ber ihn, und er schleuderte Blitze und Feuer auf die Eindringlinge, spaltete die Erde unter ihren F��en und hatte doch das Gef�hl, er sei zu etwas anderem berufen. Trotz seiner Taten waren es zu viele Feinde, und auch unter ihnen waren einige, die die Macht lenken konnten. Schlie�lich traf ein Blitz Rand und schleuderte ihn von der Palastmauer. Zerbrochen, blutend und verbrannt lag er da, und w�hrend der letzte Atemzug in seiner Kehle rasselte, h�rte er eine Stimme fl�stern: <emphasis>Ich habe wieder gewonnen, Lews Therin. Flackern.</emphasis></p><p>Rand k�mpfte darum, das Nichts zu erhalten, denn es erzitterte unter den Hammerschl�gen des Flackerns der ganzen Welt. Er mu�te das eine Symbol im Geist festhalten, auch wenn tausend davon �ber die Oberfl�che des Nichts schrammten. Er hielt es mit aller Kraft fest.</p><p>�... ist falsch!� schrie Verin.</p><p>Die Macht war �berall und alles.</p><p><emphasis>Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern.</emphasis> Er war Soldat. Er war Schafhirte. Er war Bettler, und er war K�nig. Er war Bauer, Gaukler, Seilmacher, Zimmermann. Er wurde geboren, lebte und starb als Aiel. Er starb, dem Wahnsinn verfallen, verfaulend, er starb an einer Krankheit, bei einem Unfall oder im hohen Alter. Er wurde hingerichtet, und die Massen bejubelten seinen Tod. Er erkl�rte sich zum Wiedergeborenen Drachen, und seine Flagge bedeckte den Himmel. Er lief vor der Macht weg und versteckte sich und starb, ohne jemals etwas �ber sich selbst zu erfahren. Er k�mpfte jahrelang gegen den Wahnsinn und die Krankheit an, und er unterlag ihnen binnen zweier Winter. Manchmal kam Moiraine und holte ihn von den Zwei Fl�ssen weg, entweder allein oder mit denjenigen seiner Freunde, die die Winternacht �berlebt hatten. Manchmal kam sie nicht. Gelegentlich waren es andere Aes Sedai, die ihn holten. Manchmal auch Rote Ajah. Egwene heiratete ihn. Egwene sa� mit ernstem Gesicht in die Stola der Amyrlin eingeh�llt vor ihm und lie� ihn von den anderen Aes Sedai einer D�mpfung unterziehen. Egwene stie� ihm mit Tr�nen in den Augen einen Dolch ins Herz, und er dankte ihr daf�r, als er starb. Er liebte andere Frauen, heiratete andere Frauen. Elayne und Min und eine blonde Bauerntochter, die er auf dem Weg nach Caemlyn kennenlernte, und Frauen, die er noch nie gesehen hatte, bevor er all diese Leben lebte. Hundert Leben. Mehr. So viele, da� er sie nicht mehr z�hlen konnte. Und am Ende jedes Lebens, als er im Sterben lag, als er den letzten Atemzug tat, fl�sterte ihm eine Stimme ins Ohr: <emphasis>Ich habe wieder gewonnen, Lews Therin. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern. Flackern.</emphasis></p><p>Das Nichts l�ste sich auf, die Verbindung zu <emphasis>Saidin</emphasis> verschwand, und Rand st�rzte mit einem dumpfen Schlag, der ihm den Atem geraubt h�tte, w�re er nicht sowieso schon halb bet�ubt gewesen. Unter seiner Wange und seinen H�nden f�hlte er rauhen Stein. Es war kalt.</p><p>Er war sich Verins Gegenwart bewu�t, die versuchte, aus der R�ckenlage auf die Knie zu kommen. Er h�rte, wie sich jemand laut �bergab und hob den Kopf. Uno kniete am Boden und rieb sich den Mund mit dem Handr�cken. Alle waren am Boden, und die Pferde standen mit steifen Beinen und wild rollenden Augen da. Ingtar hatte sein Schwert gezogen und den Griff so hart gepackt, da� die Klinge zitterte. Sein Blick ging ins Leere. Loial sa� breitbeinig da. Er hatte die Augen aufgerissen und wirkte wie bet�ubt. Mat hatte sich beinahe zu einer Kugel zusammengerollt und dabei die Arme um den Kopf geschlungen. Perrins Finger gruben sich in sein Gesicht ein, als wolle er das herausrei�en, was er gesehen hatte, oder vielleicht auch die Augen, die es gesehen hatten. Keinem der Soldaten ging es besser. Masema weinte unverhohlen. Tr�nen liefen ihm �bers Gesicht. Hurin sah sich um, als suche er nach einer Zuflucht.</p><p>�Was...?� Rand hielt inne und schluckte schwer. Er lag auf einem rauhen, verwitterten Felsen, der halb im Boden vergraben war. �Was ist geschehen?�</p><p>�Ein Schwall der Einen Macht.� Die Aes Sedai taumelte hoch und zog schaudernd ihren Umhang um sich zusammen. �Es war, als zw�nge man uns... schob... Es schien aus dem Nichts zu kommen. Ihr m��t lernen, das besser zu beherrschen. Unbedingt! Soviel der Einen Macht k�nnte Euch einmal wie Zunder verbrennen.�</p><p>�Verin, ich... Ich lebte... Ich war... � Ihm wurde bewu�t, da� der Fels unter ihm abgerundet war. Der Portalstein. Hastig und zittrig raffte er sich hoch. �Verin, ich lebte und starb � ach, ich wei� nicht, wie oft. Jedesmal war es anders, aber ich war es trotzdem. Jedesmal ich.�</p><p>�Die Verbindungslinien zwischen den Welten des M�glichen, von jenen angelegt, die die Zahl des Tieres kannten.� Verin schauderte und schien eher mit sich selbst zu sprechen. �Ich habe niemals Genaueres dar�ber geh�rt, doch es gibt keinen Grund, warum wir nicht auf diesen Welten geboren werden k�nnten. Aber die dort ablaufenden Leben w�ren dann ganz anders als unseres hier. Ganz klar. Verschiedene Leben wegen der verschiedenen M�glichkeiten, wie die Dinge abgelaufen sein k�nnten.�</p><p>�Das ist es also? Ich... wir... sahen, wie unser Leben h�tte verlaufen k�nnen?� <emphasis>Ich habe wieder gewonnen, Lews Therin. Nein! Ich bin Rand al'Thor!</emphasis> Verin sch�ttelte sich und sah ihn an. ��berrascht es Euch, da� Euer Leben anders ablaufen w�rde, wenn Ihr Euch anders entscheidet oder wenn andere Ereignisse Euch beeinflussen? Obwohl, ich habe auch niemals geglaubt, da� ich � ach! Das Wichtigste ist, da� wir hier sind. Wenn auch nicht auf die erhoffte Weise.�</p><p>�Wo sind wir hier?� wollte er wissen. Die W�lder des Steddings Tsofu waren verschwunden und von einer Ebene abgel�st worden. Unweit von ihnen, im Westen, gab es W�lder und ein paar H�gel. Als sie sich im <emphasis>Stedding</emphasis> um den Stein versammelt hatten, hatte die Sonne hoch am Himmel gestanden, doch hier stand sie tief an einem grauen Nachmittagshimmel. Die wenigen B�ume in ihrer N�he waren kahl oder wiesen gerade noch ein paar leuchtend bunte Bl�tter auf. Ein kalter Wind wehte b�ig vom Osten her und wirbelte Bl�tter vom Boden auf.</p><p>�Auf der Toman-Halbinsel�, sagte Verin. �Das ist der Stein, den ich schon einmal besuchte. Ihr h�ttet nicht versuchen sollen, uns direkt hierher zu bringen. Ich wei� nicht, was schief gegangen ist; das werde ich wohl auch nie erfahren, aber den B�umen nach zu schlie�en w�rde ich sagen, da� es bereits Herbst ist. Rand, wir haben keine Zeit gewonnen, sondern verloren. Ich denke, wir haben bestimmt vier Monate gebraucht, um hierher zu gelangen.�</p><p>�Aber ich habe nicht... �</p><p>�Ihr m��t Euch in solchen Fragen von mir beraten lassen. Es ist wahr, ich kann Euch nicht unterrichten, aber vielleicht kann ich Euch wenigstens davon abhalten, Euch selbst umzubringen � und dazu noch uns andere �, indem Ihr zuviel der Macht auf einmal anwendet. Und selbst wenn Ihr Euch nicht umbringt, der Wiedergeborene Drache jedoch ausbrennt wie eine heruntergebrannte Kerze, na, wer wird dann dem Dunklen K�nig gegen�berstehen?� Sie wartete nicht darauf, da� er protestierte, sondern ging statt dessen zu Ingtar hin�ber.</p><p>Der Schienarer fuhr zusammen, als sie seinen Arm ber�hrte. Er sah sie mit Verzweiflung im Blick an. �Ich wandle im Licht�, sagte er heiser. �Ich werde das Horn von Valere finden und die Macht von Shayol Ghul st�rzen. Das werde ich!�</p><p>�Sicher werdet Ihr das�, sagte sie in beruhigendem Ton. Sie nahm sein Gesicht in die H�nde, und er atmete schwer auf. Offensichtlich erholte er sich nun von dem, was ihn gel�hmt hatte. Nur die Erinnerung daran lag immer noch in seinem Blick. �So�, sagte sie. �Das wird f�r Euch gen�gen. Ich mu� sehen, wie ich den anderen helfe. Wir k�nnen das Horn noch immer zur�ckgewinnen, aber der Weg dahin ist nicht einfacher geworden.�</p><p>W�hrend sie sich um die anderen k�mmerte und bei jedem kurz innehielt, ging Rand zu seinen Freunden. Als er versuchte, Mat aufzurichten, zuckte dieser und starrte ihn an. Dann packte er Rands Mantel mit beiden H�nden. �Rand, ich w�rde niemals jemandem davon erz�hlen �von dir, meine ich. Ich w�rde dich nicht verraten. Das mu�t du mir glauben!� Er sah schlechter aus als je zuvor, aber Rand schrieb das vor allem seiner offensichtlichen Furcht zu.</p><p>�Das glaube ich ja auch�, sagte Rand. Er fragte sich, welche Leben Mat gelebt und was er dabei getan hatte. <emphasis>Er mu� es jemandem gesagt haben, sonst h�tte er jetzt nicht soviel Angst.</emphasis> Er konnte es ihm nicht �belnehmen. Das waren andere Mats gewesen und nicht er selber. Au�erdem, wenn er nach einigen der Alternativen ging, die er selbst erlebt hatte... �Ich glaube dir. Perrin?�</p><p>Der J�ngling mit dem lockigen Haar lie� mit einem Seufzer die H�nde sinken. Rote Stellen an Stirn und Wangen zeigten, wo sich seine Fingern�gel in die Haut gebohrt hatten. Seine gelben Augen verschleierten seine Gedanken. �Wir haben wirklich fast keine Wahl, Rand, stimmt's? Was auch geschieht, was wir auch tun, manche Dinge bleiben doch immer gleich.� Er atmete langgezogen aus. �Wo sind wir? Ist das eine der Welten, von denen ihr gesprochen habt, Hurin und du?�</p><p>�Wir sind auf der Toman-Halbinsel�, teilte ihm Rand mit. �Auf unserer Welt. Das behauptet jedenfalls Verin. Und es ist Herbst.�</p><p>Mat sah bek�mmert aus. �Wie konnten... ? Nein, ich will gar nicht wissen, wie das geschah. Aber wie sollen wir nun Fain und den Dolch finden? Nach so langer Zeit kann er doch �berall sein.�</p><p>�Er ist hier�, versicherte ihm Rand. Er konnte nur hoffen, recht zu behalten. Fain hatte Zeit gehabt, sich zu jedem beliebigen Ort hin einzuschiffen. Zeit genug, um nach Emondsfeld zu reiten. Oder nach Tar Valon. <emphasis>Bitte, Licht, la� ihn nicht des Wartens m�de geworden sein. Falls er Egwene etwas angetan hat oder jemandem in Emondsfeld, dann werde ich... Licht noch mal, ich habe mich doch bem�ht, zur rechten Zeit anzukommen.</emphasis> �Die gr��eren St�dte der Toman-Halbinsel befinden sich alle westlich von hier�, verk�ndete Verin so laut, da� alle es h�ren konnten. Alle waren wieder auf den Beinen, bis auf Rand und seine beiden Freunde. Sie kam her und legte Mat die H�nde auf. Dabei sagte sie: �Nicht, da� es hier viele D�rfer gibt, die gro� genug sind, um sich Stadt zu nennen. Aber wenn wir irgendeine Spur der Schattenfreunde finden wollen, m�ssen wir mit der Suche im Westen beginnen. Und ich glaube, wir sollten kein weiteres Tageslicht verschwenden, indem wir hier herumsitzen.�</p><p>Als Mat dann blinzelte und aufstand � er wirkte wohl noch krank, seine Bewegungen waren aber energisch �, legte sie Perrin die H�nde auf. Rand wich zur�ck, als sie anschlie�end nach ihm fa�te.</p><p>�Seid kein Narr�, schalt sie ihn.</p><p>�Ich w�nsche Eure Hilfe nicht�, sagte er ruhig. �Oder die Hilfe irgendeiner Aes Sedai.�</p><p>Ihre Lippen verzogen sich. �Wie Ihr w�nscht.�</p><p>Sie sa�en nun sofort auf und ritten nach Westen. Der Portalstein blieb hinter ihnen zur�ck. Keiner protestierte; am allerwenigsten Rand. <emphasis>Licht, la� es nicht zu sp�t sein!</emphasis></p></section><section><title><p>38</p><p>Schulung</p></title><p>Egwene sa� mit �bergeschlagenen Beinen in ihrem wei�en Kleid auf dem Bett und lie� drei winzige Lichtkugeln �ber ihren H�nden tanzen. Sie sollte so etwas eigentlich nicht tun, ohne da� wenigstens eine der Aufgenommenen zugegen war, aber schlie�lich trug Nynaeve, die w�tend vor dem kleinen Kamin hin und her marschierte, den Schlangenring, den man den Aufgenommenen verlieh, und am Saum ihres wei�en Kleids befanden sich die entsprechenden Farbkreise. Nat�rlich � ausbilden durfte sie trotzdem noch niemanden. Egwene hatte w�hrend dieser vergangenen dreizehn Wochen feststellen m�ssen, da� sie einfach nicht widerstehen konnte. Sie wu�te ja, wie einfach es nun war, <emphasis>Saidar</emphasis> zu ber�hren. Sie f�hlte es st�ndig, wie es auf sie wartete und sie wie der Duft eines Parfums oder das Gef�hl von Seide an ihren Fingerspitzen anzog, lockte. Und wenn sie es einmal ber�hrte, konnte sie sich kaum noch zur�ckhalten. Sie mu�te die Macht lenken oder es zumindest versuchen. Das gelang ihr genauso oft, wie es eben nicht ging, doch auch dies spornte sie wiederum an.</p><p>Oft �ngstigte es sie aber auch. Es jagte ihr Angst ein, wie oft sie die Macht zu verwenden suchte und wie ausgebrannt und tr�bselig sie sich f�hlte, wenn sie den Strom der Macht nicht in sich sp�rte. Sie h�tte am liebsten alles auf einmal in sich aufgenommen, trotz der Warnung, es k�nne sie ausbrennen, und diese Lust an der Macht erschreckte sie am meisten. Manchmal w�nschte sie sich, sie w�re nie nach Tar Valon gekommen. Aber die Angst hielt sie nicht lange auf, genausowenig wie die Furcht, von einer Aes Sedai oder einer anderen Aufgenommenen als Nynaeve dabei erwischt zu werden.</p><p>Aber hier in ihrem eigenen Zimmer f�hlte sie sich sicher genug. Min war auch da und sa� auf dem dreibeinigen Hocker. Sie beobachtete Egwene, aber die kannte Min so gut, da� sie gewi� war, von ihr nicht verraten zu werden. Sie sch�tzte sich gl�cklich, seit ihrer Ankunft in Tar Valon zwei gute Freundinnen gewonnen zu haben.</p><p>Es war ein kleines, fensterloses Zimmer, wie alle R�ume bei den Novizinnen. Nynaeve durchquerte es mit drei kurzen Schritten von einer wei�gekalkten Wand zur anderen. Nynaeves eigenes Zimmer war viel gr��er, aber da sie unter den anderen Aufgenommenen keine Freundinnen gefunden hatte, kam sie in Egwenes Zimmer, wenn sie jemanden zum Reden brauchte � sogar jetzt, obwohl sie kein Wort sagte. Das kleine Feuer in dem engen Kamin hielt die erste K�hle des sich ank�ndigenden Herbstes im Schach. Egwene war allerdings sicher, da� er im Winter kaum ausreichen w�rde. Ein kleiner Arbeitstisch war praktisch das einzige richtige M�belst�ck im Zimmer. Ihre Habseligkeiten hingen ordentlich an einer Reihe von Haken an der Wand oder lagen auf dem kurzen Regal �ber dem Tisch. Novizinnen besch�ftigte man f�r gew�hnlich derart, da� sie kaum Zeit in ihren Zimmern verbringen konnten, aber heute hatten sie frei; erst das dritte Mal, seit sie und Nynaeve zur Wei�en Burg gekommen waren.</p><p>�Else hat heute Galad sch�ne Augen gemacht, als er mit den Beh�tern �bte�, sagte Min und schaukelte auf zwei Beinen ihres Hockers.</p><p>Die kleinen Kugeln flackerten einen Augenblick �ber Egwenes H�nden. �Sie kann anschauen, wen sie will�, sagte Egwene leichthin. �Ich kann mir nicht vorstellen, warum mich das interessieren sollte.�</p><p>�Es l��t dich vermutlich v�llig kalt. Er sieht schon wahnsinnig gut aus, wenn man ihm seine steifen Umgangsformen nachsieht. Da kann man schon mal hinsehen, besonders, wenn er kein Hemd anhat.�</p><p>Die Kugeln wirbelten erregt durch die Luft. �Ich habe gewi� keine Lust, Galad anzusehen, ob mit oder ohne Hemd.�</p><p>�Ich sollte dich nicht aufziehen�, sagte Min zerknirscht. �Tut mir leid. Aber du siehst ihn wohl ziemlich gern �verzieh dein Gesicht nicht so �, genau wie beinahe jede andere Frau in der Wei�en Burg au�er den Roten. Ich habe gesehen, wie Aes Sedai hinunter auf das �bungsgel�nde schielten, wenn er mit dem Schwert Paraden ein�bte; vor allem Gr�ne. Sie behaupten, sie schauen sich nur nach ihren Beh�tern um, aber wenn Galad nicht da ist, stehen erheblich weniger herum. Selbst die K�chinnen und M�gde kommen heraus, um ihn zu beobachten.�</p><p>Die Kugeln blieben mit einem Mal in der Luft stehen, und Egwene sah sie einen Augenblick lang konzentriert an. Sie verschwanden. Pl�tzlich kicherte sie. �Er sieht aber auch wirklich gut aus, findest du nicht? Selbst beim Laufen wirkt es, als ob er tanze.� Das Rot ihrer Wangen wurde noch dunkler. �Ich wei�, da� ich ihn nicht so anstarren sollte, aber ich kann mir nicht helfen.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte Min, �und ich kann schlie�lich sehen, wie er wirklich ist.�</p><p>�Aber wenn er gut ist...?�</p><p>�Egwene, Galad ist zum Haareausraufen gut. Er w�rde jederzeit jemandem weh tun, wenn er damit einem h�heren Zweck dient. Er w�rde nicht einmal bemerken, wen er verletzt hat, weil er sich nur auf diesen h�heren Zweck konzentriert, aber wenn, dann w�rde er erwarten, da� man ihn versteht und seine Handlungen billigt.�</p><p>�Na, du wirst es wohl wissen�, sagte Egwene. Sie hatte Mins F�higkeit, andere Menschen nur anzusehen und alle m�glichen Sachen �ber sie zu wissen, bereits erlebt. Min erz�hlte nicht alles, was sie gesehen hatte, und sie sah auch nicht immer etwas, aber es war h�ufig genug vorgekommen, um Egwene zu �berzeugen. Sie blickte zu Nynaeve hin�ber. Die tigerte immer noch im Zimmer herum und f�hrte Selbstgespr�che. Dann griff sie wieder nach <emphasis>Saidar</emphasis> und nahm ihr Jonglieren wieder auf, wenn auch offensichtlich unkonzentriert.</p><p>Min zuckte die Achseln. �Ich denke, ich kann es dir durchaus sagen. Er hat noch nicht einmal bemerkt, da� Else zusah. Er fragte sie, ob wie wisse, ob du nach dem Abendessen vielleicht in den S�dgarten kommst, da heute ja ein freier Tag war. Ich habe sie bedauert.�</p><p>�Arme Else�, murmelte Egwene, und die Lichtkugeln �ber ihren H�nden tanzten noch lebhafter. Min lachte.</p><p>Die T�r schlug vom Wind getrieben auf. Egwene quiekte und lie� die Kugeln verschwinden, bevor sie sah, da� es nur Elayne war.</p><p>Die goldenhaarige Tochter-Erbin von Andor schob die T�r zu und h�ngte ihren Umhang an einen Haken. �Ich habe es gerade erfahren�, sagte sie: �Die Ger�chte stimmen. K�nig Galldrian ist tot. Dann wird es einen Krieg um seine Nachfolge geben.�</p><p>Min schnaubte. �B�rgerkrieg. Krieg um die Nachfolge. Dumme Bezeichnungen f�r die gleiche Sache. Hast du was dagegen, wenn wir nicht dar�ber sprechen? Wir h�ren doch nichts anderes. Krieg in Cairhien. Krieg auf der Toman-Halbinsel. Sie haben vielleicht in Saldaea den falschen Drachen geschnappt, aber in Tear herrscht immer noch Krieg. Das meiste sind sowieso nur Ger�chte. Gestern h�rte ich, wie eine der K�chinnen behauptete, sie habe geh�rt, da� Artur Falkenfl�gel auf Tanchico zu marschiere. Artur Falkenfl�gel!�</p><p>�Ich dachte, du wolltest nicht dar�ber reden�, sagte Egwene.</p><p>�Ich sah Logain�, warf Elayne ein. �Er sa� auf einer Bank im Innenhof und weinte. Er rannte weg, als er mich sah. Ich kann mir nicht helfen, er tut mir einfach leid.�</p><p>�Besser, <emphasis>er</emphasis> weint, als wir anderen alle, Elayne�, sagte Min.</p><p>�Ich wei�, was er ist�, meinte Elayne ruhig. �Oder genauer, was er war. Er ist es nicht mehr, und ich kann ihn nun durchaus bedauern.�</p><p>Egwene lie� sich gegen die Wand sacken. <emphasis>Rand.</emphasis> Logain erinnerte sie immer an Rand. Sie hatte nun einige Monate keinen Traum mehr von ihm gehabt, jedenfalls nicht die Art von Tr�umen wie damals auf der <emphasis>Flu�k�nigin.</emphasis> Anaiya lie� sie immer noch all ihre Tr�ume aufschreiben, und die Aes Sedai �berpr�fte sie auf Hinweise oder Verbindungen zu irgendwelchen Ereignissen, aber es war nichts von Rand dabei au�er ein paar Tr�umen, die Anaiyas Meinung nach nur aussagten, da� sie ihn vermisse. Seltsamerweise hatte sie ein Gef�hl, als gebe es ihn nicht mehr, als habe er zu existieren aufgeh�rt, genau wie ihre Tr�ume, und zwar ein paar Wochen, nachdem sie die Wei�e Burg erreicht hatten. <emphasis>Und ich sitze da und denke dar�ber nach, wie elegant Galad l�uft,</emphasis> dachte sie bitter. <emphasis>Rand mu� es einfach gutgehen. Falls man ihn gefangen und einer D�mpfung unterzogen h�tte, dann h�tte ich doch etwas davon geh�rt.</emphasis> Das jagte ihr einen kalten Schauder �ber den R�cken � wie immer, wenn ihr dieser Gedanke kam: eine D�mpfung bei Rand, Rand, wie er weinte und sterben wollte, so wie Logain...</p><p>Elayne setzte sich neben sie aufs Bett und zog die Beine an, so da� sie auf ihren F��en hockte. �Falls du in Galad verknallt bist, Egwene, wirst du f�r mich keine Sympathie empfinden. Ich werde dich von Nynaeve mit einem dieser schrecklichen Kr�utertees, von denen sie immer erz�hlt, bet�uben lassen.� Sie zog die Augenbrauen in Richtung Nynaeve hoch. Die hatte noch nicht einmal von ihrem Eintreten Notiz genommen. �Was ist mit ihr los? Sagt ja nicht, sie sei jetzt auch noch hinter Galad her!�</p><p>�Wir lassen sie besser in Ruhe.� Min beugte sich zu den beiden hin�ber und senkte die Stimme. �Diese magere Aufgenommene Irella hat ihr gesagt, sie sei eine unbeholfene Kuh und habe nur halb soviel Talent wie sie, und da hat ihr Nynaeve eins aufs Ohr gegeben.� Elayne zog den Kopf ein. �Genau�, murmelte Min. �Sie schleppten sie im Handumdrehen in Sheriams B�ro, und seither kann man nichts mehr mit ihr anfangen.�</p><p>Offensichtlich hatte Min nicht leise genug gesprochen, denn von Nynaeve her erklang ein Grollen. Pl�tzlich schlug die T�r ein zweites Mal auf, und ein Sturmwind fuhr in das Zimmer. Er bewegte die Decken auf Egwenes Bett nicht im geringsten, doch Min und der Hocker kippten und purzelten an die Wand hin�ber. Sofort erstarb der Wind wieder, und Nynaeve stand mit verlegenem Gesicht da.</p><p>Egwene eilte zur T�r und sp�hte hinaus. Die Mittagssonne lie� die letzten �berreste der gestrigen Regeng�sse verdunsten. Der immer noch feuchte Balkon, der sich um den Innenhof der Novizinnenquartiere zog, war leer, und alle T�ren in der langen Reihe waren geschlossen. Die Novizinnen, die den freien Tag in den Gartenanlagen verbracht hatten, holten nun zweifellos den vers�umten Schlaf nach. Sie konnten nicht beobachtet worden sein. Sie schlo� die T�r und nahm ihren Platz neben Elayne ein. Nynaeve half Min wieder auf die Beine.</p><p>�Tut mir leid, Min�, sagte Nynaeve mit gepre�ter Stimme. �Manchmal geht mein Temperament... Ich kann nicht erwarten, da� du mir verzeihst, nach dem, was ich angerichtet habe.� Sie holte tief Luft. �Wenn du mich Sheriam melden willst, verstehe ich dich durchaus. Ich hab es verdient.�</p><p>Egwene w�re es lieber gewesen, sie h�tte dieses Eingest�ndnis nicht geh�rt. Nynaeve konnte sp�ter wegen solcher Dinge ganz sch�n giftig werden. Sie suchte nach etwas, worauf sie sich konzentrieren konnte, damit Nynaeve glaubte, sie habe gar nicht hingeh�rt. Unwillk�rlich ber�hrte sie erneut <emphasis>Saidar</emphasis> und fing wieder an, mit den Lichtkugeln zu jonglieren. Elayne machte schnell mit. Egwene bemerkte, wie sich das Gl�hen um die Tochter-Erbin herum aufbaute, noch bevor drei winzige Kugeln �ber ihren Handfl�chen erschienen. Sie warfen die kleinen, gl�henden B�lle einander zu und lie�en sie immer kompliziertere Figuren umeinander herum beschreiben. Manchmal erlosch einer davon, wenn eines der M�dchen es nicht rechtzeitig schaffte, ihn bei der Ann�herung zu �bernehmen, doch dann flammte er wieder mit leicht ver�nderter Farbe oder Gr��e auf.</p><p>Die Eine Macht erf�llte Egwene mit Leben. Sie roch den schwachen Rosenduft von Elaynes Seife, die sie beim morgendlichen Bad benutzt hatte. Sie konnte den rauhen Verputz der W�nde f�hlen, die glattgetretenen Steinplatten des Fu�bodens, und zwar genauso deutlich wie das Bett, auf dem sie sa�. Sie h�rte Min und Nynaeve atmen und verstand ihre leisen Worte.</p><p>�Wenn es ums Vergeben geht�, sagte Min, �dann solltest du vielleicht eher mir verzeihen. Du hast dein Temperament, und ich bin ein Gro�maul. Ich vergebe dir, wenn du mir vergibst.� Unter Entschuldigungen, die sogar ernst klangen, umarmten sich die beiden Frauen. �Aber wenn du das noch mal machst�, lachte Min, �werde ich <emphasis>dir</emphasis> eins aufs Ohr geben.�</p><p>�Das n�chste Mal werfe ich etwas nach dir�, antwortete Nynaeve. Auch sie lachte dabei, doch ihr Lachen brach unvermittelt ab, als ihr Blick auf Egwene und Elayne fiel. �Ihr h�rt sofort damit auf, oder jemand wird tats�chlich zur Rektorin gehen! Zwei Jemands!�</p><p>�Nynaeve, das w�rdest du doch nicht machen!� protestierte Egwene. Als sie aber Nynaeves Blick bemerkte, unterbrach sie geschwind ihren Kontakt zu <emphasis>Saidar.</emphasis> �Schon gut, ich glaube dir ja. Du mu�t es mir nicht beweisen.�</p><p>�Wir m�ssen �ben�, sagte Elayne. �Sie verlangen immer mehr von uns. Wenn wir nicht noch f�r uns allein �bten, w�rden wir nicht mehr mitkommen.� Ihr Gesicht wirkte ruhig und gesammelt, aber sie hatte genauso eilig wie Egwene <emphasis>Saidar</emphasis> fahren lassen.</p><p>�Und was geschieht, wenn ihr zuviel der Macht an euch zieht und keiner da ist, der euch aufhalten kann?� fragte Nynaeve. �Ich w�nschte, ihr h�ttet ein bi�chen mehr Angst. Ich habe Angst. Glaubt ihr vielleicht, ich w��te nicht, wie ihr euch f�hlt? Sie ist immer da, und ihr m�chtet euch vollsaugen damit. Manchmal kann ich mich auch kaum zur�ckhalten; ich will alles auf einmal. Ich wei�, da� ich verbrennen w�rde, und trotzdem will ich es tun.� Sie schauderte. �Ich w�nschte wirklich, ihr h�ttet etwas mehr Angst davor.�</p><p>�Ich f�rchte mich schon�, sagte Egwene seufzend. �Ich habe sogar schreckliche Angst. Aber das hilft �berhaupt nicht. Wie ist es bei dir, Elayne?�</p><p>�Das einzige, wovor ich mich f�rchte�, meinte Elayne schnippisch, �ist Geschirrsp�len. Mir scheint, ich mu� jeden Tag absp�len.� Egwene warf ihr Kissen nach Elayne. Elayne fing es vor ihrem Kopf ab und warf es zur�ck. Dann lie� sie jedoch die Schultern h�ngen. �Ach, ja, stimmt schon. Ich habe solche Angst, da� ich nicht wei�, warum meine Z�hne nicht die ganze Zeit klappern. Elaida hat mir gesagt, ich w�rde mich derart �ngstigen, da� ich am liebsten mit dem Fahrenden Volk wegrennen wollte, aber damals habe ich das nicht verstanden. Ein Mann, der einen Ochsen so antreibt wie man uns antreibt, w�re �berall deswegen verschrien. Ich bin die ganze Zeit �ber m�de. Ich wache m�de auf und gehe ersch�pft schlafen. Manchmal habe ich solche Angst davor, ich k�nnte mehr Macht an mich rei�en und lenken, als ich beherrsche, da� ich... � Sie blickte auf ihren Scho� herab und beendete den Satz nicht.</p><p>Egwene wu�te, was sie unausgesprochen gelassen hatte. Ihre Zimmer lagen direkt nebeneinander, und wie in vielen dieser Novizinnenzimmer hatten irgendwelche Vorbewohnerinnen vor langer Zeit schon ein kleines Loch durch die Zwischenwand gebohrt. Es war zu klein, um bemerkt zu werden, wenn man nicht gerade genau wu�te, wo es sich befand, aber sehr n�tzlich, wenn man sich nach dem L�schen der Lampen noch unterhalten wollte. Zu der Zeit durften die M�dchen ihre Zimmer nicht mehr verlassen. Egwene hatte mehr als einmal geh�rt, wie Elayne sich in den Schlaf geweint hatte, und sie bezweifelte nicht, da� Elayne ihr eigenes Weinen geh�rt hatte.</p><p>�Die Idee mit dem Fahrenden Volk ist verlockend�, stimmte Nynaeve zu, �aber wohin du auch immer gehst, es �ndert nichts an deinen F�higkeiten. Vor <emphasis>Saidar</emphasis> kannst du nicht wegrennen.� Es klang nicht so, als gefiele ihr das, was sie gesagt hatte.</p><p>�Was siehst du, Min?� fragte Elayne. �Werden wir alle m�chtige Aes Sedai oder m�ssen wir den Rest unseres Lebens damit verbringen, als Novizinnen Geschirr abzusp�len, oder werden wir... � Sie zuckte unangenehm ber�hrt die Achseln, als wolle sie die dritte Alternative, die ihr eingefallen war, lieber nicht aussprechen. Heimgeschickt. Aus der Burg geworfen. Seit Egwene angekommen war, hatte man bereits zwei Novizinnen weggeschickt, und jede sprach von ihnen nur im Fl�sterton, als seien sie tot.</p><p>Min rutschte auf ihrem Hocker umher. �Ich lese nicht gern Freundinnen die Zukunft�, knurrte sie. �Die Freundschaft ist dabei meist im Weg. Ich versuche dann, aus allem nur das Beste herauszulesen. Deshalb tue ich das nicht mehr f�r euch. Au�erdem hat sich bei euch auch nichts ge�ndert, seit... � Sie blinzelte sie an, und pl�tzlich runzelte sie die Stirn. �Das ist neu�, hauchte sie.</p><p>�Was?� fragte Nynaeve in scharfem Ton.</p><p>Min z�gerte, bevor sie antwortete: �Gefahr. Ihr befindet euch alle in irgendeiner Gefahr. Oder ihr werdet euch sehr bald in einer Gefahr befinden. Ich kann nichts Genaues erkennen, aber die Gefahr ist deutlich sichtbar.�</p><p>�Seht ihr?� sagte Nynaeve zu den beiden M�dchen, die auf dem Bett sa�en. �Ihr m��t vorsichtig sein. Wir alle m�ssen uns in acht nehmen. Ihr m��t mir beide versprechen, da� ihr nicht mehr allein die Macht ben�tzt, ohne jemanden, der euch anleitet.�</p><p>�Ich will gar nicht mehr dar�ber sprechen�, sagte Egwene.</p><p>Elayne nickte eifrig. �Ja. Sprechen wir �ber etwas anderes. Min, wenn du ein Kleid anziehst, m�chte ich darauf wetten, da� Gawyn dich bittet, mit ihm spazierenzugehen. Du wei�t ja, da� er dir sch�ne Augen macht, aber ich glaube, die Hosen und der M�nnermantel schrecken ihn ab.�</p><p>�Ich ziehe mich so an, wie es mir pa�t, und das �ndere ich auch nicht f�r einen Lord, selbst wenn er dein Bruder ist.� Min sagte das beinahe abwesend. Sie sah sie immer noch schief an und hatte die Stirn gerunzelt. Dieses Thema hatten sie schon ein paar Mal angeschnitten. �Manchmal ist es n�tzlich, f�r einen Jungen gehalten zu werden.�</p><p>�Keiner, der dich zweimal ansieht, glaubt dir, da� du ein Junge bist.� Elayne l�chelte.</p><p>Egwene war nerv�s. Elayne brachte eine gezwungene Fr�hlichkeit in die Unterhaltung, doch Min achtete kaum darauf, und Nynaeve wirkte, als wolle sie die anderen erneut warnen.</p><p>Als sich die T�r wieder �ffnete, scho� Egwene sofort hoch, um sie zu schlie�en. Sie war f�r jede T�tigkeit dankbar, die sie von ihren tr�ben Gedanken ablenkte. Bevor sie jedoch die T�r erreichte, trat eine dunkel�ugige Aes Sedai ein, deren blondes Haar zu einer Unzahl von Z�pfen geflochten war. Egwene schnappte �berrascht nach Luft, nicht nur, weil es eine Aes Sedai war, sondern vor allem, da es sich ausgerechnet um Liandrin handelte. Sie hatte gar nicht gewu�t, da� Liandrin in die Wei�e Burg zur�ckgekehrt war, aber davon einmal ganz abgesehen schickte man �blicherweise nach einer Novizin, wenn eine Aes Sedai sie zu sprechen w�nschte. Wenn eine der Schwestern selbst herkam, konnte dies nichts Gutes bedeuten.</p><p>Im Zimmer war es � mit f�nf Frauen � jetzt ziemlich eng. Liandrin blieb stehen, r�ckte ihre Stola mit den roten Fransen zurecht und musterte sie. Min r�hrte sich nicht, doch Elayne erhob sich, und die drei, die nun standen, knicksten vor Liandrin. Nynaeve allerdings bewegte kaum das Knie dabei. Egwene glaubte nicht, da� Nynaeve sich je daran gew�hnen w�rde, andere im Rang �ber sich zu haben.</p><p>Liandrins Blick ruhte schlie�lich auf Nynaeve. �Und warum befindest du dich hier im Quartier der Novizinnen, Kind?� Ihre Stimme klang eisig.</p><p>�Ich besuche Freundinnen�, sagte Nynaeve mit gepre�ter Stimme. Einen Augenblick sp�ter f�gte sie widerwillig hinzu:</p><p>�Liandrin Sedai.�</p><p>�Die Aufgenommenen k�nnen unter den Novizinnen keine Freundinnen haben. Das solltest du mittlerweile gelernt haben, Kind. Aber es ist gut, da� ich euch hier vorfinde. Ihr beide� � ihr Finger fuhr dolchartig auf Elayne und Min zu � �werdet gehen.�</p><p>�Ich komme sp�ter wieder.� Min erhob sich gelassen und zeigte deutlich, da� sie es nicht eilig hatte. Sie schlenderte grinsend an Liandrin vorbei, die jedoch keine Notiz von ihr nahm. Elayne warf Egwene und Nynaeve einen besorgten Blick zu, bevor sie erneut knickste und ging.</p><p>Nachdem Elayne die T�r hinter sich geschlossen hatte, musterte Liandrin Egwene und Nynaeve eingehend. Egwene wurde unter ihrem Blick sichtlich nerv�s, doch Nynaeve hielt sich aufrecht. Nur ihre Wangen wurden ein klein wenig roter.</p><p>�Ihr beiden stammt aus dem gleichen Dorf wie die Jungen, die mit Moiraine kamen. Stimmt das?� fragte Liandrin pl�tzlich.</p><p>�Habt Ihr etwas von Rand erfahren?� fragte Egwene �bereifrig. Liandrin zog eine Augenbraue hoch. �Verzeiht mir, Aes Sedai. Ich habe mich vergessen.�</p><p>�Habt Ihr etwas von ihnen geh�rt?� fragte Nynaeve beinahe fordernd. Bei den Aufgenommenen gab es keine Vorschrift, da� sie eine Aes Sedai nur ansprechen durften, wenn sie dazu aufgefordert worden waren.</p><p>�Ihr seid um sie besorgt. Das ist gut. Sie sind in Gefahr, und ihr seid vielleicht in der Lage, ihnen zu helfen.�</p><p>�Woher wi�t Ihr, da� sie in Gefahr sind?� Diesmal lag eine eindeutige Forderung in Nynaeves Worten.</p><p>Liandrins Knospenmund verzog sich, doch ihre Stimme klang genauso wie vorher. �Auch wenn du dessen nicht gewahr wurdest, hat Moiraine euretwegen Briefe an die Wei�e Burg gerichtet. Moiraine Sedai sorgt sich um euch und eure jungen... Freunde. Diese Jungen, sie sind in Gefahr. Wollt ihr ihnen helfen oder sie ihrem Schicksal �berlassen?�</p><p>�Ja�, sagte Egwene, und gleichzeitig fragte Nynaeve: �Welche Art von Schwierigkeiten? Wieso interessiert <emphasis>Ihr</emphasis> euch daf�r?� Nynaeve betrachtete die roten Fransen an Liandrins Stola. �Und ich dachte, Ihr k�nntet Moiraine nicht ausstehen!�</p><p>�Setze nicht zuviel voraus, Kind�, sagte Liandrin in scharfem Ton. �Aufgenommen zu sein bedeutet noch nicht, da� du das Recht hast, dich als Schwester zu f�hlen. Aufgenommene wie Novizinnen haben einer Schwester zuzuh�ren und zu tun, was man ihnen auftr�gt.� Sie atmete tief durch und fuhr dann fort. Ihre Stimme klang wieder kalt und �berlegen, doch auf ihren Wangen waren wei�e Flecken zu sehen, so sehr �rgerte sie sich. �Eines Tages, da bin ich sicher, werdet auch ihr einer guten Sache dienen und lernen, da� ihr dazu selbst mit denen zusammenarbeiten m��t, die ihr nicht leiden k�nnt. Ich sage euch: Ich habe mit vielen zusammengearbeitet, mit denen ich bestimmt kein Zimmer teilen w�rde, wenn es an mir l�ge. W�rdet ihr nicht auch mit jemandem gemeinsame Sache machen, den ihr am meisten ha�t, wenn es eure Freunde retten k�nnte?�</p><p>Nynaeve nickte z�gernd. �Aber Ihr habt uns immer noch nicht gesagt, in welcher Gefahr sie sich befinden. Liandrin Sedai.�</p><p>�Die Gefahr droht von Shayol Ghul her. Sie werden gejagt, und wie ich h�rte, nicht zum ersten Mal. Wenn ihr mit mir kommt, k�nnten wenigstens ein paar dieser Gefahren ausgeschaltet werden. Fragt mich nicht wie, denn ich kann es euch nicht sagen, aber ich sage euch ganz eindeutig, da� es so ist und nicht anders.�</p><p>�Wir kommen mit, Liandrin Sedai�, sagte Egwene. �Wohin mitkommen?� fragte Nynaeve. Egwene warf ihr einen resignierenden Blick zu.</p><p>�Zur Toman-Halbinsel.�</p><p>Egwenes Mund klappte auf, und Nynaeve murmelte: �Es herrscht Krieg auf der Toman-Halbinsel. Hat diese Gefahr etwas mit dem Heer Artur Falkenfl�gels zu tun?�</p><p>�Schenkst du Ger�chten Glauben, Kind? Aber selbst, wenn sie sich bewahrheiten, kann euch das dann aufhalten? Ich glaubte, diese M�nner seien eure Freunde.� An Liandrins Worten war etwas, das ihnen sagte, ihr k�nne das nicht passieren.</p><p>�Wir kommen mit�, sagte Egwene. Nynaeve �ffnete den Mund noch mal, doch Egwene fuhr fort: �Wir gehen, Nynaeve. Wenn Rand unsere Hilfe braucht � und Mat und Perrin �, dann helfen wir auch.�</p><p>�Das ist klar�, meinte Nynaeve, �aber ich m�chte wissen: warum gerade wir? Was k�nnen wir schon tun, das Moiraine oder Ihr, Liandrin, nicht fertigbringt?�</p><p>Die wei�en Flecken auf Liandrins Wangen verst�rkten sich. Egwene wurde bewu�t, da� Nynaeve die Ehrenbezeichnung vergessen hatte, als sie Liandrin ansprach. Aber diese sagte nur: �Ihr beiden kommt aus dem gleichen Dorf. Auf irgendeine Art und Weise, die ich selbst nicht verstehe, besteht eine Verbindung zwischen euch. Dar�ber hinaus kann ich nichts sagen. Und ich werde keine weiteren dummen Fragen mehr beantworten. Kommt ihr nun ihretwegen mit mir?� Sie wartete auf ihre Zustimmung. Als sie nickten, entspannte sie sich sichtlich. �Gut. Ihr werdet mich eine Stunde vor Sonnenuntergang an der n�rdlichsten Ecke des Ogierhains treffen. Bringt eure Pferde mit und alles, was ihr f�r die Reise ben�tigt. Erz�hlt niemandem etwas davon.�</p><p>�Wir d�rfen die Umgebung der Burg nicht ohne Erlaubnis verlassen�, sagte Nynaeve bed�chtig.</p><p>�Ihr habt meine Erlaubnis. Sagt es niemandem. Absolut niemandem. In den S�len der Wei�en Burg wandeln Schwarze Ajah.�</p><p>Egwene schnappte nach Luft und h�rte, wie Nynaeve genauso �berrascht keuchte, doch Nynaeve erholte sich schneller. �Ich glaubte, alle Aes Sedai verleugneten deren Existenz.�</p><p>Liandrins Mund verzog sich sp�ttisch. �Viele verleugnen sie, aber Tarmon Gai'don kommt n�her, und die Zeit zum Verleugnen ist verronnen. Die Schwarzen Ajah, das ist das Gegenteil von all dem, wof�r die Wei�e Burg steht, aber sie existieren, Kind. Sie sind �berall. Jede Frau k�nnte ihnen angeh�ren und dem Dunklen K�nig dienen. Falls eure Freunde vom Schatten verfolgt werden, glaubt ihr dann, die Schwarzen Ajah w�rden euch in Freiheit und am Leben lassen, um ihnen zu helfen? Erz�hlt niemandem von unserem Plan � absolut niemandem! �, oder ihr erlebt vielleicht die Ankunft auf der Toman-Halbinsel nicht mehr. Eine Stunde vor Sonnenuntergang. La�t mich nicht im Stich.� Damit war sie weg und schlo� energisch die T�r hinter sich.</p><p>Egwene lie� sich auf das Bett fallen und umschlang ihre Knie. �Nynaeve, sie geh�rt zu den Roten Ajah. Sie kann doch gar nichts von Rand wissen. Wenn sie etwas... �</p><p>�Sie kann es nicht wissen�, stimmte Nynaeve ihr zu. �Ich m�chte nur gern wissen, wieso eine Rote ihre Hilfe anbietet. Oder warum sie mit Moiraine zusammenarbeiten will. Ich h�tte schw�ren k�nnen, da� keine der beiden der anderen Wasser g�be, wenn sie am Verdursten w�re.�</p><p>�Glaubst du, sie l�gt?�</p><p>�Sie ist eine Aes Sedai�, entgegnete Nynaeve trocken. �Ich verwette meine beste Silberspange gegen eine Heidelbeere, da� jedes Wort wahr ist, was sie gesagt hat. Aber ich frage mich, ob wir wirklich h�rten, was wir zu h�ren glaubten.�</p><p>�Die Schwarzen Ajah.� Egwene schauderte. �Was sie dar�ber sagte, war v�llig unmi�verst�ndlich, Licht, steh uns bei.�</p><p>�Eindeutig�, sagte Nynaeve. �Und damit hat sie auch verhindert, da� wir irgend jemanden um Rat fragen, denn wem k�nnen wir unter diesen Umst�nden noch vertrauen? Licht, steh uns wirklich bei!�</p><p>Min und Elayne kamen hereingest�rzt und schlugen laut die T�r hinter sich zu. �Geht ihr wirklich mit?� fragte Min, und Elayne deutete auf das winzige Loch in der Wand �ber Egwenes Bett und sagte: �Wir haben von meinem Zimmer aus mitgeh�rt. Wir haben alles geh�rt.�</p><p>Egwene und Nynaeve sahen einander an, und Egwene fragte sich, wieviel sie wirklich geh�rt hatten. An Nynaeves Gesicht konnte sie dieselbe Frage ablesen. <emphasis>Wenn sie etwas �ber Rand ausplaudern...</emphasis> �Ihr m��t das f�r euch behalten�, warnte Nynaeve. �Ich denke, da� Liandrin bei Sheriam die Erlaubnis eingeholt hat, uns mitzunehmen, aber falls das nicht der Fall ist und sie wegen uns morgen die ganze Burg auf den Kopf stellen, d�rft ihr kein Wort verraten.�</p><p>�Es f�r uns behalten?� fragte Min. �Keine Angst. Ich komme sowieso mit euch. Den ganzen Tag mu� ich der einen oder anderen Braunen Schwester etwas zu erkl�ren versuchen, was ich selbst nicht verstehe. Ich kann noch nicht einmal spazierengehen, ohne da� die Amyrlin auftaucht und mich bittet, die Zukunft von jeder, die wir gerade sehen, zu lesen. Wenn diese Frau dich um etwas bittet, dann f�hrt kein Weg daran vorbei. Ich mu� f�r sie etwas �ber das Schicksal der halben Burg herausfinden, und dann will sie immer noch mehr wissen. Alles, was ich brauchte, war einen Vorwand, um abzuhauen, und den habe ich nun.� In ihrem Gesicht stand eine Entschlossenheit, die keinen Widerspruch duldete.</p><p>Egwene fragte sich, warum Min so scharf darauf war, mit ihnen zu kommen. Sie h�tte ja auch auf eigene Faust verschwinden k�nnen. Aber bevor sie l�nger dar�ber nachdenken konnte, sagte Elayne: �Ich komme auch mit.�</p><p>�Elayne�, meinte Nynaeve sanft, �Egwene und ich sind durch unsere gemeinsame Heimat Emondsfeld mit den Jungen verbunden. Du bist die Tochter-Erbin von Andor. Wenn du aus der Wei�en Burg verschwindest, k�nnte das sogar einen Krieg ausl�sen.�</p><p>�Mutter w�rde keinen Krieg gegen Tar Valon anfangen, und wenn sie mich teerten und federten, was durchaus geschehen k�nnte. Wenn ihr drei wegrennen und auf Abenteuer ausziehen k�nnt, dann glaubt ja nicht, da� ich hierbleibe und Geschirr abwasche und den Boden schrubbe und mich von irgendeiner Aufgenommenen schlagen lasse, weil ich das Feuer nicht genauso eingelegt habe, wie sie es wollte. Gawyn wird vor Neid erblassen, wenn er das h�rt.� Elayne grinste und fa�te hin�ber, um mit Egwenes Haar zu spielen. �Au�erdem, falls ihr Rand lange genug frei herumlaufen la�t, habe ich vielleicht eine Chance, ihn mir zu greifen.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� eine von uns Rand bekommt�, sagte Egwene traurig.</p><p>�Dann m�ssen wir feststellen, wen er haben will, und ihr das Leben zur H�lle machen. Aber so bl�d ist er nicht, da� er sich eine andere aussucht, wenn er eine von uns haben kann. Ach, l�chle doch mal wieder, Egwene. Ich wei�, da� er dir geh�rt. Ich f�hle mich nur� � sie z�gerte und suchte nach dem passenden Ausdruck � �frei. Ich habe noch nie ein Abenteuer erlebt. Ich wette, keine von uns wird sich in den Schlaf weinen, wenn wir etwas Tolles erleben. Und falls doch, werden wir sichergehen, da� die Geschichtenerz�hler diesen Teil auslassen.�</p><p>�Das ist doch alles Quatsch�, sagte Nynaeve. �Wir reiten zur Toman-Halbinsel. Du hast die Neuigkeiten und die Ger�chte geh�rt. Es wird gef�hrlich. Du mu�t hierbleiben.�</p><p>�Ich habe auch geh�rt, was Liandrin Sedai �ber die �die Schwarzen Ajah gesagt hat.� Elayne fl�sterte beinahe, als sie diese Bezeichnung aussprach. �Wie sicher werde ich hier sein, wenn <emphasis>die</emphasis> sich hier befinden? Wenn Mutter auch nur ahnte, da� es wirklich Schwarze Ajah gibt, w�rde sie mich lieber mitten in eine Schlacht hineinschicken, nur um mich von hier wegzubringen.�</p><p>�Aber Elayne... �</p><p>�Es gibt nur eines, um mich davon abzuhalten, da� ich mitkomme. Ihr m��t es eben Sheriam erz�hlen. Wir werden ein sch�nes Bild abgeben, wenn wir in ihrem B�ro in einer Reihe stehen. Wir vier. Ich glaube nicht, da� Min sich da noch ausschlie�en k�nnte. Aber da ihr es Sheriam nicht erz�hlen werdet, komme ich auch mit.�</p><p>Nynaeve hob abwehrend die H�nde. �Vielleicht f�llt dir etwas ein, um sie noch zur Vernunft zu bringen�, wandte sie sich an Min.</p><p>Min hatte sich an die T�r gelehnt und Elayne angeblinzelt, und nun sch�ttelte sie den Kopf. �Ich glaube, sie mu� genauso mitkommen wie ihr beiden. Wie wir alle. Ich kann jetzt die Gefahr um euch alle herum deutlicher erkennen. Nicht deutlich genug, um festzustellen, was es ist, aber ich denke, es hat etwas mit eurer Entscheidung zu tun, hier wegzugehen. Deshalb ist sie jetzt klarer umrissen und eindeutiger.�</p><p>�Das ist noch kein Grund daf�r, da� sie mitkommen mu߫, sagte Nynaeve, aber Min sch�ttelte erneut den Kopf.</p><p>�Sie ist mit � mit diesen Jungen genauso verbunden wie du oder Egwene oder ich. Sie geh�rt dazu, Nynaeve, gleich, was es ist. Ein Teil des Musters, w�rde eine Aes Sedai vermutlich dazu sagen.�</p><p>Elayne schien von ihren Worten �berrascht, aber auch interessiert. �Tats�chlich? Welcher Teil, Min?�</p><p>�Ich kann es nicht klar erkennen.� Min blickte zu Boden. �Manchmal w�nsche ich mir, ich k�nnte �berhaupt nichts erkennen. Den meisten Leuten gef�llt das, was ich sehe, sowieso nicht.�</p><p>�Wenn wir schon alle gehen�, sagte Nynaeve, �dann sollten wir uns jetzt ans Planen machen.� Wie viele Einw�nde sie auch vorher gemacht haben sollte: Wenn die Entscheidung gefallen war, wandte sich Nynaeve sofort den praktischen Problemen zu � was sie mitnehmen mu�ten und wie kalt es sein w�rde, wenn sie die TomanHalbinsel erreichten, und wie sie ihre Pferde aus den St�llen holen konnten, ohne aufgehalten zu werden.</p><p>W�hrend sie ihr lauschte, fragte Egwene sich doch immer noch, welche Gefahr Min auf sie lauern sah und was Rand bedrohte. Ihr fiel nur eines ein, was Rand bedrohen konnte, und bei dem Gedanken �berlief es sie kalt. <emphasis>Halt aus, Rand. Halt aus, du wollk�pfiger Idiot. Irgendwie werde ich dir helfen.</emphasis></p></section><section><title><p>39</p><p>Flucht aus der Wei�en Burg</p></title><p>Egwene und Elayne nickten jeweils kurz den Gruppen von Frauen zu, die sie unterwegs zum Ausgang der Burg trafen. Es war schon gut, da� sich gerade heute so viele Frauen von au�erhalb in der Burg befanden, dachte Egwene. Es waren zu viele, als da� sie alle eine Aes Sedai zur Begleitung dabeihaben konnten. Allein oder in kleinen Gruppen zusammenstehend, reich oder �rmlich nach der Mode eines halben Dutzends L�nder gekleidet, manche noch staubig von ihrer Reise nach Tar Valon: So standen sie ein wenig verloren herum und warteten darauf, bis sie an der Reihe waren, eine der Aes Sedai zu befragen oder ihre Petitionen abzugeben. Ein paar der Frauen � Ladies oder Kauffrauen oder die Ehefrauen von Kaufleuten �hatten Dienerinnen dabei. Sogar einige M�nner waren mit Petitionen erschienen, standen abseits und wirkten nerv�s. Es war schon etwas Besonderes, sich in der Wei�en Burg zu befinden. Sie be�ugten sich gegenseitig mi�trauisch.</p><p>Vornweg marschierte Nynaeve mit flatterndem Umhang und stur geradeaus gerichtetem Blick. Sie schritt einher, als wisse sie genau, wohin sie wolle � was ja auch stimmte, jedenfalls, solange sie nicht angehalten wurden �, und als habe sie jedes Recht, sich hier zu befinden. Doch das war nat�rlich eine ganz andere Sache. Sie hatten die Kleidung angelegt, in der sie nach Tar Valon gekommen waren, und wirkten darin nicht wie Bewohnerinnen der Burg. Jede hatte ihr bestes Kleid angezogen, sofern der Rock zum Reiten geeignet war, und dazu trugen sie reich bestickte Wollumh�nge. Solange sie sich von allen fernhielten, die sie vielleicht erkennen konnten � einigen hatten sie bereits ausweichen m�ssen �, glaubte Egwene, da� sie es schaffen konnten. �Das w�re wohl besser f�r einen Ausritt im Park irgendeines Lords geeignet als f�r den harten Ritt zur Toman-Halbinsel�, hatte Nynaeve trocken bemerkt, als Egwene ihr half, die Kn�pfe des grauseidenen Kleides mit den Goldstickereien und den perlenbesetzten Blumen auf Busen und �rmeln zu schlie�en, �aber damit k�nnen wir vielleicht unbemerkt entkommen.�</p><p>Jetzt schob Egwene ihren Umhang nach hinten und gl�ttete ihr goldverziertes, gr�nes Seidenkleid. Sie sah Elayne kurz an, die in Blau mit beigefarbenen Streifen gekleidet war. Sie konnte nur hoffen, da� Nynaeve recht behielt. Bisher hatte man sie f�r adlige oder zumindest reiche Frauen gehalten, die hier Petitionen abgeben wollten.</p><p>Eine kleine Ansammlung von Bauersfrauen in dicken, dunklen Wollkleidern knickste, als sie vorbeischritten. Egwene blickte zu Min zur�ck, sobald sie weit genug entfernt waren. Min hatte wieder ihre Hosen und das bauschige M�nnerhemd an, und dar�ber den braunen Mantel und Umhang eines Jungen. �ber ihr kurzes Haar hatte sie einen alten breitkrempigen Hut gest�lpt. �Eine von uns mu� den Diener spielen�, hatte sie lachend erkl�rt. �Frauen, die so angezogen sind wie ihr, haben immer mindestens einen dabei. Ihr werdet euch noch w�nschen, meine Hosen zu tragen, wenn wir wegrennen m�ssen.� Sie schleppte vier Satteltaschen, die vor warmer Kleidung �berquollen. Bevor sie zur�ckkehrten, w�rde es auf jeden Fall Winter. Auch Proviant hatten sie eingepackt, den sie aus der K�che entwendet hatten. Er w�rde reichen, bis sie sich wieder etwas kaufen konnten.</p><p>�Bist du sicher, da� du mir nicht einen Teil des Gep�cks zum Tragen geben willst, Min?� fragte Egwene leise.</p><p>�Sie sind nur sperrig�, sagte Min grinsend, �aber nicht schwer.� Sie schien alles f�r ein Spiel zu halten oder tat zumindest so. �Und die Leute w�rden sich garantiert wundern, warum eine so feine Lady ihre eigenen Satteltaschen schleppen mu�. Du kannst deine und meinetwegen auch meine dann tragen, wenn wir... � Ihr Grinsen verging, und sie fl�sterte eindringlich: �Aes Sedai!�</p><p>Egwene blickte rasch nach vorn. Eine Aes Sedai mit langem, glattem, schwarzem Haar und zu Elfenbein gealterter Haut kam durch den Korridor auf sie zu, wobei sie den Ausf�hrungen einer Frau in grober Bauernkleidung und einem geflickten Umhang lauschte. Die Aes Sedai hatte sie noch nicht ersp�ht, aber Egwene erkannte sie. Es war Takima, eine der Braunen Ajah, die ansonsten Geschichte der Wei�en Burg und der Aes Sedai lehrte. Sie w�rde auf hundert Schritt Entfernung eine ihrer Sch�lerinnen erkennen.</p><p>Nynaeve bog in einen Seitengang ein, ohne ihre Schritte zu verlangsamen, aber dort kam eine der Aufgenommenen an ihnen vorbei, eine schlacksige Frau mit ewig finsterem Gesicht, die eine Novizin mit rot angelaufenem Gesicht am Ohr hinter sich herzog.</p><p>Egwene mu�te schlucken, bevor sie etwas sagen konnte: �Das waren Irella und Else. Haben sie uns bemerkt?� Sie brachte es nicht fertig, sich noch einmal umzublicken.</p><p>�Nein�, sagte Min nach einem Moment. �Sie haben nur unsere Kleider bemerkt.� Egwene atmete vor Erleichterung tief durch. Auch von Nynaeve war ein Seufzer der Erleichterung zu h�ren.</p><p>�Bevor wir die St�lle erreichen, bekomme ich noch einen Herzschlag�, murmelte Elayne. �F�hlt man sich bei einem Abenteuer die ganze Zeit so, Egwene? Das Herz in der Hose und der Magen in den Kniekehlen?�</p><p>�Ich denke schon�, meinte Egwene bed�chtig. Es war schwer zu verstehen, da� sie noch vor einiger Zeit ganz wild auf Abenteuer gewesen war und etwas Gef�hrliches und Aufregendes anstellen wollte, so wie die Menschen in den Legenden. Jetzt war ihr klar, da� alles Erregende darin bestand, woran man sich erinnerte, und da� die Geschichten eine Menge unangenehmer Dinge nicht erw�hnten. Das sagte sie auch Elayne.</p><p>�Trotzdem�, meinte die Tochter-Erbin entschieden, �ich habe so etwas Aufregendes noch nie erlebt und h�tte auch keine Gelegenheit dazu, wenn es nach Mutter ginge. Und die hat mich am G�ngelband, bis ich selbst einmal den Thron besteige.�</p><p>�Seid jetzt ruhig, ihr beiden�, sagte Nynaeve. Zur Abwechslung einmal waren sie allein im Korridor. Nach beiden Seiten hin war niemand zu sehen. Sie zeigte auf eine enge Wendeltreppe, die nach unten f�hrte. �Das ist genau das, was wir jetzt brauchen. Ich hoffe, ich habe bei den vielen Wendungen und Kurven, die wir beschrieben haben, nicht die Richtung verloren.�</p><p>Sie begab sich sicheren Schrittes zur Treppe, und die anderen folgten ihr. Und tats�chlich, die kleine T�r am Fu� der Treppe f�hrte hinaus auf den staubigen Hof des S�dstalles, wo die Pferde der Novizinnen eingestellt waren, soweit sie welche hatten. Gew�hnlich blieben sie dort, bis sie wieder gebraucht wurden, also bis sie zu Aufgenommenen gemacht oder heimgeschickt wurden. Die schimmernde Masse der Burg erhob sich hinter ihnen.</p><p>Das Gel�nde der Burg bedeckte eine gro�e Fl�che, und ihre Mauer war h�her als die der sie umgebenden Stadt.</p><p>Nynaeve ging in den Stall hinein, als geh�re er ihr. Es roch drinnen nach sauberem Heu und Pferden. Zwei lange Boxenreihen zogen sich nach hinten in die Schatten hinein, die von Lichtbalken aus den Dachluken durchbrochen wurden. Endlich einmal standen die zerzauste Bela und Nynaeves graue Stute in Boxen nahe dem Tor. Bela schob ihre Nase �ber die Boxent�r und wieherte leise, als Egwene zu ihr ging. Es war nur ein Stallbursche in der N�he, ein netter �lterer Mann mit Grau im Bart, der auf einem Strohhalm herumkaute.</p><p>�Du wirst unsere Pferde satteln�, sagte Nynaeve im Kommandoton zu ihm. �Diese beiden. Min, suche dein und Elaynes Pferd.� Min lie� die Satteltaschen fallen und zog Elayne tiefer in den Stall hinein.</p><p>Der Stallbursche runzelte die Stirn und nahm bed�chtig den Strohhalm aus dem Mund. �Da mu� irgendein Fehler vorliegen, Lady. Diese Tiere... �</p><p>�... sind unsere�, sagte Nynaeve mit fester Stimme. Sie verschr�nkte die Arme �ber der Brust, so da� ihr Schlangenring deutlich sichtbar war. �Du sattelst sie jetzt bitte.�</p><p>Egwene hielt die Luft an. Es war ihr letzter Ausweg gewesen, da� Nynaeve sich als Aes Sedai ausgeben w�rde, falls sie Schwierigkeiten mit jemand hatten, der sie m�glicherweise unter diesen Umst�nden als solche akzeptieren w�rde. Nat�rlich konnte das einer Aufgenommenen oder gar einer Aes Sedai nicht passieren, aber bei einem Stallburschen...</p><p>Der Mann sah erst Nynaeves Ring an und dann sie selbst. �Man hat mir gesagt, zwei�, sagte er schlie�lich unbeeindruckt. �Eine der Aufgenommenen und eine Novizin. Es war nicht von vieren die Rede.�</p><p>Egwene h�tte am liebsten laut losgelacht. Ganz klar �Liandrin hatte sie nicht f�r f�hig gehalten, ihre Pferde selbst zu holen.</p><p>Nynaeve blickte entt�uscht drein, sagte dann aber in sch�rferem Tonfall:</p><p>�Du holst jetzt die Pferde heraus und sattelst sie, oder du wirst Liandrin als Heilerin ben�tigen, falls sie so was f�r dich tut.�</p><p>Der Stallbursche fl�sterte Liandrins Namen, aber nach einem Blick auf Nynaeves Miene k�mmerte er sich um die Pferde. Er knurrte h�chstens ein oder zweimal etwas in sich hinein, aber so leise, da� nur er selbst es h�ren konnte. Min und Elayne kehrten mit ihren eigenen Reittieren zur�ck, als er gerade den zweiten Sattelgurt festzurrte. Mins Pferd war ein hoher, staubfarbener Wallach, und Elayne f�hrte eine braune Stute mit edel gekr�mmtem Hals am Z�gel.</p><p>Nach dem Aufsitzen wandte sich Nynaeve noch einmal dem Stallburschen zu: �Zweifellos hat man dir befohlen, den Mund zu halten, und daran �ndert sich nichts, ob wir nun zwei sind oder zweihundert. Falls du anders denkst, solltest du auch bedenken, was Liandrin mit dir macht, wenn sie erf�hrt, da� du etwas ausgeplaudert hast, wor�ber du schweigen solltest.�</p><p>Beim Wegreiten warf ihm Elayne eine M�nze zu und murmelte: �F�r deine M�he, guter Mann. Du hast es gut gemacht.� Drau�en l�chelte sie Egwene an und meinte: �Mutter sagt, Zuckerbrot und Peitsche wirken immer besser als die Peitsche allein.�</p><p>�Ich hoffe, bei den Wachen werden wir beides nicht ben�tigen�, sagte Egwene. �Ich hoffe, da� Liandrin auch mit denen gesprochen hat.�</p><p>Am Tarlomen-Tor jedoch, das die S�dmauer der Burgumfriedung durchbrach, war nicht festzustellen, ob jemand mit den Wachsoldaten gesprochen hatte oder nicht. Sie winkten die vier Frauen nach einem kurzen Blick und einer h�flichen Verbeugung einfach durch. Die Wachen waren dazu da, jene zur�ckzuweisen, die gef�hrlich wirkten, hatten aber wohl keine Anweisung, irgend jemanden drinnen festzuhalten.</p><p>Eine k�hle Brise vom Flu� her erlaubte ihnen, die Kapuzen �ber die K�pfe zu ziehen, w�hrend sie langsam durch die Stadt ritten. Das Klappern ihrer Pferdehufe auf den Pflastersteinen ging im L�rm der Menge unter, die die Stra�en f�llte. Aus einigen der Geb�ude, an denen sie vorbeiritten, erklang Musik. Die Menge teilte sich vor ihren Pferden wie ein Flu� vor einem Felsen, und sie konnten sich nur langsam vorw�rtsbewegen. Kleidung aus aller Herren L�nder war da zu sehen; von der n�chternen, dunklen Mode Cairhiens bis zu den leuchtenden Farben des Fahrenden Volks �ber jeden m�glichen Stil dazwischen.</p><p>Egwene beachtete die sagenhaften T�rme mit ihren schwindelerregenden Verbindungsbr�cken nicht, genausowenig wie die Geb�ude, die aussahen wie sich brechende Wogen oder vom Wind zerkl�ftete Klippen oder phantasievolle Muscheln und gar nicht wie etwas, das man aus Stein gebaut hat. Oft kamen Aes Sedai in die Stadt, und inmitten dieser Menge konnten sie einer pl�tzlich gegen�berstehen, ohne es rechtzeitig zu bemerken. Nach einer Weile wurde ihr bewu�t, da� die anderen Frauen genauso scharf danach Ausschau hielten wie sie, aber der Anblick des Ogierhains war dann doch mehr als nur eine Erleichterung f�r sie.</p><p>�ber den D�chern kamen die Gro�en B�ume in Sicht.</p><p>Ihre weit ausladenden Kronen befanden sich mehr als hundert Spannen weit oben. Hochaufragende Eichen und Ulmen, Lederblattb�ume und Tannen wirkten im Vergleich dazu winzig. Eine Art von Mauer umgab den Hain, der etwa je zwei Meilen lang und breit war, aber sie bestand lediglich aus einer endlosen Reihe von verschlungenen Steinb�gen � jeder f�nfzig Spannen hoch und fast doppelt so breit. An der Au�enseite dieser Mauer wuselte der Verkehr entlang � Kutschen, Karren, Fu�g�nger �, w�hrend sich innerhalb eine Art von Wildnis erstreckte. Der Hain wirkte weder wie ein k�nstlich angelegter Park noch wie ein zuf�llig entstandener Urwald. Er erschien statt dessen wie ein nat�rlicher Idealzustand, wie der absolut perfekte Wald, der sch�nste, den man sich vorstellen konnte. Einige Bl�tter hatten sich schon zu verf�rben begonnen, und sogar der kleinste orangefarbene oder gelbe oder rote Fleck inmitten des Gr�ns schien f�r Egwene ein Idealbild des Herbstlaubs abzugeben.</p><p>Vereinzelt schlenderten Menschen innerhalb des von der Mauer umgebenen Gebiets umher, doch niemand nahm von den Frauen Notiz, als sie unter die B�ume ritten. Die Stadt geriet schnell au�er Sicht. Selbst ihr L�rm wurde ged�mpft und schlie�lich vom Wald verschluckt.</p><p>�Am Nordrand des Hains, sagte sie�, murmelte Nynaeve und sp�hte umher. �Das ist doch wohl schon der n�rdlichste Punkt... � Sie unterbrach sich, als zwei Pferde aus einem schwarzen Holundergestr�uch hervorbrachen; eine dunkle, gl�nzende Stute mit einer Reiterin und ein leicht beladenes Packpferd.</p><p>Die dunkle Stute b�umte sich auf. Ihre Hufe traten ins Leere, als Liandrin die Z�gel hart zu sich her ri�. Das Gesicht der Aes Sedai war eine Maske der Wut. �Ich habe euch gesagt, ihr solltet niemandem davon erz�hlen! Niemandem!� Egwene bemerkte auf dem Packpferd einige Laternen an Stangen und wunderte sich dar�ber. �Sie sind Freundinnen�, begann Nynaeve. Ihr R�cken versteifte sich, aber Elayne unterbrach sie gleich.</p><p>�Vergebt uns, Liandrin Sedai. Sie haben es uns nicht gesagt; wir haben Euch belauscht. Wir wollten gar nicht h�ren, was wir nicht wissen sollten, aber wir haben es nun mal geh�rt. Und wir wollen auch Rand al'Thor helfen. Und nat�rlich auch den anderen Jungen�, f�gte sie hastig hinzu.</p><p>Liandrin blickte Elayne und Min durchdringend an. Die Sp�tnachmittagssonne sandte Lichtbalken zwischen den Zweigen hindurch und warf Schatten auf ihre von den Kapuzen teilweise verdeckten Gesichter. �Also�, sagte sie schlie�lich, beobachtete aber dabei immer noch die beiden. �Ich hatte zwar bereits arrangiert, da� man sich um euch k�mmert, aber da ihr nun einmal hier seid, seid ihr eben hier. Vier k�nnen diese Reise ebensogut antreten wie zwei.�</p><p>�Um uns k�mmert, Liandrin Sedai?� fragte Elayne. �Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Kind, du und diese andere seid als Freundinnen dieser beiden bekannt. Glaubst du nicht, da� man euch verh�ren w�rde, wenn man ihr Fehlen feststellt? Glaubst du, die Schwarzen Ajah w�rden euch sanft behandeln, nur weil eine von euch einen Thron erben soll? Wenn ihr in der Wei�en Burg geblieben w�rt, h�ttet ihr diese Nacht wohl kaum �berlebt.� Das brachte sie einen Moment lang zum Schweigen, doch dann lie� Liandrin ihr Pferd wenden und rief: �Folgt mir!�</p><p>Die Aes Sedai f�hrte sie tiefer in den Hain hinein, bis sie an ein hohes Eisengitter mit rasiermesserscharfen Spitzen kamen. Leicht gekr�mmt, als umspanne es eine gr��ere Fl�che, verlief das Gitter nach rechts und nach links, bis es unter den B�umen nicht mehr sichtbar war. Im Gitter befand sich ein Tor mit einem gro�en Schlo�. Liandrin schlo� es mit einem m�chtigen Schl�ssel auf, den sie aus ihrem Umhang zog. Sie lie� sie hineinreiten und schlo� dann hinter ihnen wieder ab. Sofort danach ritt sie weiter hinein. Von einem Ast �ber ihnen keckerte ein Eichh�rnchen auf sie herab, und von irgendwoher erklang das harte Trommeln eines Spechts.</p><p>�Wohin reiten wir?� wollte Nynaeve wissen. Liandrin antwortete nicht, und Nynaeve blickte sich zornig nach den anderen um. �Warum reiten wir immer tiefer in diesen Wald hinein? Wir m�ssen eine Br�cke �berqueren oder ein Schiff nehmen, wenn wir Tar Valon verlassen wollen, und hier drinnen gibt es weder Br�cke noch... �</p><p>�Aber daf�r das hier�, verk�ndete Liandrin. �Der Zaun soll nur jene abhalten, die hier zu Schaden kommen k�nnten, doch wir mu�ten heute hierher kommen.� Worauf sie deutete, war eine hohe, dicke, hochkant stehende Platte, anscheinend aus Stein gehauen, deren eine Seite mit einem komplizierten Fries aus Bl�ttern und Ranken verziert war.</p><p>Egwenes Kehle zog sich zusammen. Mit einem Mal wu�te sie, warum Liandrin Laternen mitgenommen hatte. Der Grund gefiel ihr �berhaupt nicht. Sie h�rte Nynaeve fl�stern: �Ein Wegetor.� Sie erinnerten sich beide nur zu gut an die Kurzen Wege.</p><p>�Wir haben es einmal �berstanden�, sagte sie genauso zu sich selbst wie zu Nynaeve. �Also werden wir es auch beim zweiten Mal �berstehen.� <emphasis>Wenn Rand und die anderen uns brauchen, dann m�ssen wir ihnen helfen. Das reicht ja wohl.</emphasis> �Ist das wirklich...?� begann Min mit erstickender Stimme und konnte dann den Satz nicht beenden.</p><p>�Ein Wegetor�, hauchte Elayne. �Ich habe nicht geglaubt, da� man die Kurzen Wege noch benutzen kann. Zumindest dachte ich, es sei verboten.�</p><p>Liandrin war bereits abgestiegen und pfl�ckte das <emphasis>Avendesora-Blatt</emphasis> aus dem Fries. Wie zwei riesige, aus lebenden Ranken bestehende Torfl�gel �ffnete sich der Eingang und gab den Blick auf etwas frei, das wie ein matter, silbriger Spiegel wirkte, in dem sie sich schwach widerspiegelten. �Ihr m��t nicht mitkommen�, sagte Liandrin. �Ihr k�nnt hier auf mich warten in der Sicherheit des umz�unten Gebietes, bis ich euch abhole. Aber vielleicht finden euch die Schwarzen Ajah eher als ich.� Ihr L�cheln wirkte nicht gerade angenehm. Hinter ihr �ffnete sich das Wegetor vollends und blieb offen stehen.</p><p>�Ich habe nicht gesagt, da� ich nicht mitkomme�, sagte Elayne, doch dabei warf sie einen sehns�chtigen Blick auf den schattigen Wald. �Wenn wir schon da hineingehen�, sagte Min heiser, �dann los.� Sie starrte das Wegetor an, und Egwene glaubte, sie murmeln zu h�ren: �Das Licht soll dich versengen, Rand al'Thor.�</p><p>�Ich mu� als letzte gehen�, sagte Liandrin. �Hinein, ihr alle. Ich folge euch.� Sie blickte nun in Richtung des Waldes, als f�rchte sie, jemand k�nne ihnen gefolgt sein. �Schnell! Schnell!�</p><p>Egwene wu�te nicht, was Liandrin zu sehen erwartete, aber falls irgend jemand kam, k�nnte man denjenigen daran hindern, das Wegetor zu benutzen. <emphasis>Rand, du wollk�pfiger Idiot,</emphasis> dachte sie, <emphasis>warum kannst du nicht zur Abwechslung einmal in Schwierigkeiten hineinstolpern, bei denen ich nicht gezwungen bin, die Heldin aus dem M�rchen zu spielen?</emphasis> Sie hieb Bela die Fersen in die Flanken, und die zerzauste Stute, sowieso nerv�s vom langen Stehen im Stall, sprang mit einem Satz los. �Langsam!� rief ihr Nynaeve hinterher, doch es war zu sp�t. Egwene und Bela jagten auf ihre matten Spiegelbilder los; zwei zerzauste Pferde ber�hrten sich an den Nasen und schienen ineinander zu verschmelzen. Dann verschmolz auch Egwene unter einem eisigen Schock mit ihrem Spiegelbild. Die Zeit schien sich zu strecken, als kr�che die K�lte Haar f�r Haar �ber ihren K�rper, und bei jedem Haar dauerte es minutenlang.</p><p>Pl�tzlich stolperte Bela durch pechschwarze Nacht. Sie bewegte sich so schnell, da� sie sich beinahe �berschlagen h�tte. Sie fing sich jedoch und stand zitternd da, w�hrend Egwene schnell herunterkletterte und an den Beinen der Stute entlangf�hlte, ob sie sich verletzt habe. Sie war beinahe froh �ber die Dunkelheit, die ihr hochrotes Gesicht verbarg. Sie wu�te, da� sowohl die Zeit als auch die Entfernungen auf der anderen Seite eines Wegetores ganz anders verliefen. Sie hatte sich gedankenlos verhalten.</p><p>In jeder Richtung erstreckte sich nur die Dunkelheit, au�er dort, wo das Rechteck des ge�ffneten Tores wie ein von hinten beleuchtetes Rauchglasfenster schimmerte. Es lie� in Wirklichkeit kein Licht nach innen durch � die Schw�rze schien sich direkt dagegenzupressen �, aber Egwene konnte die anderen sehen, die sich stark verlangsamt bewegten: Gestalten in einem Alptraum. Nynaeve bestand darauf, den anderen die Laternen zu geben und sie zu entz�nden. Liandrin stimmte m�rrisch zu und bestand offensichtlich auf Eile.</p><p>Als Nynaeve durch das Tor kam und langsam, ganz langsam ihre graue Stute hinter sich herf�hrte, rannte Egwene beinahe zu ihr, um sie zu umarmen. Allerdings wollte sie damit auch ins Licht der Laterne gelangen, die Nynaeve trug. Der Lichtkreis der Laterne war kleiner als gewohnt. Die Dunkelheit dr�ckte gegen das Licht und versuchte, es in die Laterne zur�ckzudr�ngen. Aber Egwene hatte den wachsenden Druck der Dunkelheit auf ihren K�rper gesp�rt, als besitze sie ein Gewicht. Nun begn�gte sie sich damit, zu sagen: �Bela ist in Ordnung, und ich habe mir auch nicht den Hals gebrochen, obwohl ich es verdient h�tte.�</p><p>Einst hatte es in den Wegen Licht gegeben, bevor die Verderbnis der Macht, mit deren Hilfe sie erschaffen worden waren, die Verderbnis des Dunklen K�nigs, die auf <emphasis>Saidin</emphasis> lastete, begonnen hatte, auch sie zu verderben.</p><p>Nynaeve reichte ihr die Laternenstange und wandte sich um, damit sie noch eine unter ihrem Sattelgurt hervorziehen konnte. �Solange du dir dar�ber im klaren bist, da� du es verdient hast�, murmelte sie, �hast du es nicht verdient.� Pl�tzlich schmunzelte sie. �Manchmal glaube ich, da� es solche Spr�che waren und nicht alles andere, was uns den Titel �Seherin� oder �Weise Frau� eingebracht hat. Hier ist noch einer von der Sorte: Du brichst dir den Hals, und ich heile ihn wieder, damit ich ihn dir selbst brechen kann.�</p><p>Sie sagte das so leichthin, und Egwene lachte auch dar�ber � bis sie sich darauf besann, wo sie sich befanden. Auch Nynaeves Heiterkeit hielt nicht lange an.</p><p>Min und Elayne kamen z�gernd durch das Wegetor, f�hrten ihre Pferde und hielten die Laternen, als bef�rchteten sie, da� hier Monster auf sie warteten. Zuerst machten sie ob der Dunkelheit einen erleichterten Eindruck, aber sie war so erdr�ckend, da� sie bald nerv�s von einem Fu� auf den anderen traten. Liandrin dr�ckte das <emphasis>Avendesora</emphasis>-Blatt an seinen Platz zur�ck und ritt mit dem Packpferd im Schlepptau durch das sich schlie�ende Wegetor.</p><p>Liandrin wartete nicht, bis sich das Tor v�llig geschlossen hatte. Sie warf Min die F�hrleine des Packpferdes wortlos zu und ritt entlang einer wei�en Linie weiter, die im Licht der Laternen nur tr�be zu sehen war und in die Wege hineinf�hrte. Der Boden schien aus Stein zu bestehen, der durch die Einwirkung von S�ure zerfressen war. Egwene kletterte hastig auf Belas R�cken, aber sie folgte der Aes Sedai nicht schneller als die anderen. Es schien nichts weiter auf der Welt zu existieren als der rauhe Boden unter den Hufen der Pferde.</p><p>Die wei�e Linie f�hrte pfeilgerade durch die Dunkelheit zu einer gro�en Steinplatte, die mit in Silber eingelegter Ogierschrift bedeckt war. An einzelnen Stellen wurde die Schrift von den gleichen Pockennarben unterbrochen, wie sie auf dem Boden zu sehen waren.</p><p>�Ein Wegweiser�, murmelte Elayne; sie drehte sich im Sattel um und starrte nerv�s nach hinten. �Elaida hat mir ein wenig von den Wegen erz�hlt. Sie hat aber nicht viel gesagt. Nicht genug�, f�gte sie tr�bsinnig hinzu. �Oder vielleicht schon zuviel.�</p><p>Gelassen verglich Liandrin den Wegweiser mit einem Pergament, das sie dann wieder in einer Tasche ihres Umhangs verstaute, bevor Egwene einen Blick darauf werfen konnte. Der Schein ihrer Laternen endete schlagartig, ohne die �blichen verschwommenen R�nder, doch es reichte f�r Egwene, eine breite, an einzelnen Stellen zerfallene Steinbalustrade zu erkennen, als die Aes Sedai sie von dem Wegweiser aus weiterf�hrte. Elayne hatte das eine Insel genannt. In der Dunkelheit lie� sich die Gr��e der Insel schlecht sch�tzen, doch Egwene glaubte, sie m�sse etwa hundert Schritt Durchmesser haben. Steinbr�cken und Rampen unterbrachen die Balustrade. Neben jeder stand ein Steinpfosten mit einer einzigen Linie in der Ogierschrift darauf. Die Br�ckenb�gen schienen sich ins Nichts zu erstrecken. Die Rampen f�hrten entweder nach oben oder nach unten. Es war unm�glich, mehr als ihren Anfang zu �berblicken, w�hrend sie an ihnen vorbeiritten.</p><p>Liandrin blieb immer wieder stehen, um die Steinpfosten zu mustern. Dann w�hlte sie eine nach unten f�hrende Rampe und bald existierte nichts mehr als diese Rampe, und die Dunkelheit. Eine ger�uschd�mpfende Stille hing �ber allem. Egwene hatte das Gef�hl, da� selbst das laute Klappern der Pferdehufe auf den rauhen Steinen nicht weit �ber den Lichtschein hinaus trug.</p><p>Immer tiefer hinunter f�hrte die Rampe. Sie beschrieb eine enge Windung und dann befanden sie sich auf einer neuen Insel mit ihrer halb zerfallenen Balustrade zwischen Br�cken und Rampen und mit ihrem Wegweiser, dessen Aufschrift Liandrin mit ihrem Pergament verglich. Die Insel bestand aus festem Gestein, genau wie die erste. Egwene hatte das beunruhigende Gef�hl, da� sich die erste Insel genau �ber ihren K�pfen befand.</p><p>Pl�tzlich sprach Nynaeve Egwenes Gedanken laut aus. Ihre Stimme klang fest, doch mittendrin unterbrach sie sich und schluckte.</p><p>�Es � es k�nnte doch sein�, sagte Elayne mit schwacher Stimme. Ihr Blick ging ganz kurz nach oben. �Elaida sagt, in den Wegen gelten die Naturgesetze nicht. Zumindest nicht so, wie drau�en.�</p><p>�Licht!� knurrte Min und erhob dann ihre Stimme:</p><p>�Wie lange sollen wir hier drinnen verbleiben?�</p><p>Die honigfarbenen Z�pfe der Aes Sedai schwangen herum, als sie sich zu ihnen umwandte. �Bis ich euch hinausbringe�, sagte sie kurz angebunden. �Je mehr ihr mich st�rt, desto l�nger wird es dauern.� Damit beugte sie sich wieder �ber ihr Pergament und verglich es weiter mit dem Wegweiser.</p><p>Egwene und die anderen schwiegen.</p><p>So ritt Liandrin mit ihnen von Wegweiser zu Wegweiser, �ber Rampen und Br�cken, die sich ohne St�tzen durch die endlose Dunkelheit schwangen. Die Aes Sedai achtete kaum auf die anderen, und Egwene fragte sich, ob sie zur�ckreiten und suchen w�rde, falls eine von ihnen zur�ckbleiben sollte. Den anderen ging m�glicherweise der gleiche Gedanken durch den Kopf, denn sie hielten sich alle dicht beieinander, gleich hinter der dunklen Stute.</p><p>Egwene war �berrascht, als sie an sich bemerkte, da� <emphasis>Saidar</emphasis> sie immer noch und auch hier lockte. Sie f�hlte sowohl die Gegenwart der weiblichen H�lfte der Wahren Quelle als auch den Wunsch, sie zu ber�hren und den Flu� der Macht zu lenken. Irgendwie hatte sie sich eingebildet, da� der verderbliche Einflu� des Schattens auf die Wege <emphasis>Saidar</emphasis> vor ihr verbergen werde. Sie konnte auf gewisse Weise diese Verderbtheit sp�ren. Es war ein schwaches Gef�hl und hatte nichts mit <emphasis>Saidar</emphasis> zu tun, aber sie war sicher, wenn sie hier versuchen w�rde, die Wahre Quelle zu ber�hren, w�re das, als strecke sie ihren nackten Arm durch �belriechenden, schmierigen Qualm, um eine saubere Tasse zu ergreifen. Was auch immer sie tat, w�rde etwas von dieser Verderbnis ber�hren. Zum ersten Mal seit Wochen hatte sie �berhaupt keine Schwierigkeiten, der Verlockung von <emphasis>Saidar</emphasis> zu widerstehen.</p><p>Es mu�te drau�en, auf der Welt au�erhalb der Kurzen Wege, schon l�ngst Nacht sein, als Liandrin auf einer Insel pl�tzlich vom Pferd stieg und verk�ndete, da� sie hier ihr Essen einnehmen und schlafen w�rden und da� sich unter den Lasten auf dem Packpferd auch Lebensmittel f�nden.</p><p>�Teilt es euch auf�, sagte sie, ohne jemanden Bestimmtes damit zu beauftragen. �Wir werden gute zwei Tage bis zur Toman-Halbinsel ben�tigen. Ich will nicht, da� ihr hungrig ankommt, falls ihr selbst nicht an Essen gedacht haben solltet.� Mit sparsamen Bewegungen nahm sie ihrer Stute den Sattel ab und legte ihr Beinfesseln an. Dann setzte sie sich auf ihren Sattel und wartete darauf, da� ihr jemand etwas zu essen brachte.</p><p>Elayne brachte ihr Fladenbrot und K�se. An der Haltung der Aes Sedai war klar zu erkennen, da� sie keinen Wert auf ihre Gegenwart legte, also a�en die anderen ihr Brot und ihren K�se ein St�ck weiter weg. Sie hatten ihre S�ttel zusammengeschoben und sich ebenfalls draufgesetzt. Die Dunkelheit jenseits der Lichtkreise ihrer Laternen hob ihre Stimmung auch nicht gerade.</p><p>Nach einer Weile sagte Egwene: �Liandrin Sedai, was passiert, wenn wir dem Schwarzen Wind begegnen?� Min formte fragend das Wort mit dem Mund, aber Elayne quiekte erschreckt. �Moiraine Sedai hat gesagt, man k�nne ihn nicht t�ten und ihm nicht einmal besonders weh tun, und ich sp�re hier deutlich die Verderbnis dieses Orts, die nur darauf wartet, alles zu verdrehen, was wir mit Hilfe der Macht tun.�</p><p>�Du wirst noch nicht einmal an die Wahre Quelle denken, bis ich es dir befehle�, sagte Liandrin in scharfem Ton. �Ach, wenn eine wie du hier die Macht zu lenken versuchte, k�nnte sie genau wie ein Mann dem Wahnsinn verfallen. Du hast noch nicht die n�tige �bung, um der Verderbnis dieser M�nner zu widerstehen, die dies angelegt haben. Falls der Schwarze Wind auftaucht, werde ich mich mit ihm befassen.� Sie spitzte die Lippen und betrachtete einen Brocken K�se. �Moiraine wei� nicht soviel, wie sie sich einbildet.� L�chelnd schob sie den K�se in den Mund.</p><p>�Ich kann sie nicht leiden�, murmelte Egwene so leise, da� die Aes Sedai es nicht h�ren konnte. �Wenn Moiraine mit ihr zusammenarbeiten kann, k�nnen wir es auch�, sagte Nynaeve ruhig. �Nicht, da� mir Moiraine lieber w�re als Liandrin, aber wenn sie sich wieder in die Angelegenheiten Rands und der anderen einmischen... � Sie schwieg und zog ihren Umhang hoch. Die Dunkelheit str�mte keine K�lte aus, doch irgendwie erschien es ihnen kalt.</p><p>�Was ist der Schwarze Wind?� fragte Min. Als Elayne es ihr unter vielen Versicherungen, Elaida habe das behauptet und ihre Mutter h�tte dies gesagt, erkl�rt hatte, seufzte Min. �Das Muster ist uns eine ganze Menge schuldig. Ich wei� nicht, ob irgendein Mann das Risiko wert ist.�</p><p>�Du h�ttest ja nicht mitzukommen brauchen�, machte ihr Egwene klar. �Du h�ttest zu jeder Zeit gehen k�nnen. Keiner h�tte dich aufgehalten, wenn du die Burg verlassen h�ttest.�</p><p>�Ja, ich h�tte durchaus weglaufen k�nnen�, sagte Min trocken. �Genauso einfach wie du oder Elayne. Das Muster k�mmert sich nicht um unsere W�nsche. Egwene, was ist, wenn Rand dich trotz allem, was du seinetwegen durchmachst, nicht heiratet? Was, wenn er eine Frau heiratet, die du noch gar nicht kennst, oder Elayne, oder mich? Was dann?�</p><p>Elayne schnaubte: �Mutter h�tte etwas dagegen.�</p><p>Egwene schwieg eine Weile. Rand lebte vielleicht nicht lange genug, um irgend jemanden zu heiraten. Und falls doch... Sie konnte sich nicht vorstellen, da� Rand jemandem weh tun w�rde. <emphasis>Nicht einmal, wenn er wahnsinnig wird?</emphasis> Es mu�te einen Weg geben, das aufzuhalten oder zu �ndern; Aes Sedai wu�ten so viel und konnten so viel tun. <emphasis>Wenn sie es verhindern k�nnten, warum tun sie es dann nicht?</emphasis> Die einzige Antwort war, da� sie es nicht konnten, und <emphasis>die</emphasis> Antwort wollte sie nicht h�ren.</p><p>Sie bem�hte sich, heiter zu klingen: �Ich glaube nicht, da� ich ihn heiraten werde. Aes Sedai heiraten nur selten, das wi�t ihr doch. Aber ich w�rde mich an eurer Stelle auch nicht auf ihn versteifen. Auch du nicht, Elayne. Ich glaube nicht... � Ihre Stimme brach, und sie hustete schnell, damit es die anderen nicht merkten. �Ich glaube nicht, da� er jemals heiraten wird. Aber wenn doch, dann w�nsche ich derjenigen viel Gl�ck, auch wenn es eine von euch sein sollte.� Sie glaubte, da� es �berzeugend geklungen hatte. �Er ist stur wie ein Maulesel und hat so manchen Fehler, aber er ist auch lieb.� Ihre Stimme schwankte, doch sie brachte es gerade noch fertig, das Schwanken in ein Auflachen zu verwandeln.</p><p>�Du magst ja behaupten, da� es dich nicht interessiert�, sagte Elayne, �aber du h�ttest noch mehr dagegen als Mutter. Er ist wirklich interessant, Egwene. Interessanter als jeder andere Mann, den ich je kennengelernt habe, auch wenn er nur Schafhirte ist. Wenn du dumm genug bist, ihn dir durch die Lappen gehen zu lassen, hast du es dir seihst zuzuschreiben, wenn ich ihn dir und Mutter zum Trotz heirate. Es w�re nicht das erste Mal, da� ein Prinz von Andor vor seiner Heirat keinen Titel besitzt. Aber so dumm bist du nicht, also h�re auf, dich dumm zu stellen. Zweifellos wirst du eine der Gr�nen Ajah und machst einen deiner Beh�ter aus ihm. Die einzigen Gr�nen, von denen ich wei�, da� sie nur einen Beh�ter haben, sind auch mit ihm verheiratet.�</p><p>Egwene zwang sich zum Mitspielen und meinte, wenn sie zu den Gr�nen geh�re, werde sie zehn Beh�ter haben.</p><p>Min beobachtete sie mit gerunzelter Stirn, und Nynaeve wiederum beobachtete Min nachdenklich. Als sie dann bequemere Reisekleider aus ihren Satteltaschen holten und anlegten, breitete sich Schweigen aus. Es war schwer, sich in dieser Umgebung gute Laune zu erhalten.</p><p>Egwene schlief erst sp�t ein, und dann war es ein unruhiger Schlaf mit vielen Alptr�umen. Sie tr�umte nicht von Rand, sondern von dem Mann mit den Augen aus Feuer. Diesmal war sein Gesicht nicht maskiert, und es sah mit seinen kaum verheilten Verbrennungen furchtbar aus. Er sah sie nur an und lachte, aber das war schlimmer als die folgenden Tr�ume, in denen sie sich in den Kurzen Wegen verirrte und vom Schwarzen Wind verfolgt wurde. Sie war dankbar, als Liandrins Stiefelspitze sich in ihre Rippen bohrte, um sie aufzuwecken. Sie f�hlte sich, als habe sie kein Auge zugemacht.</p><p>Liandrin trieb sie den ganzen n�chsten Tag hart an �oder was man hier als Tag bezeichnen mochte. Ihre Laternen mu�ten die Sonne ersetzen. Sie lie� sie nicht rasten, bis sie m�de im Sattel schwankten. Der Steinboden war ein hartes Bett, doch nach nur wenigen Stunden trieb Liandrin sie bereits wieder hoch. Sie wartete kaum, bis sie aufgesessen waren. Rampen und Br�cken, Inseln und Wegweiser. Egwene sah so viele in dieser Pechschw�rze, da� sie sie nicht mehr z�hlen konnte. Auch die Stunden und Tage konnte sie nicht mehr z�hlen � ihr Zeitgef�hl funktionierte hier einfach nicht mehr. Liandrin gestattete ihnen nur kurze Pausen zum Essen und um die Pferde ausruhen zu lassen, und die Dunkelheit dr�ckte auf ihre Schultern. Sie hingen alle au�er Liandrin wie Mehls�cke in ihren S�tteln. Die Aes Sedai schien von der Anstrengung und der Dunkelheit unbeeindruckt. Sie wirkte so frisch wie in der Wei�en Burg und genauso kalt. Sie lie� niemanden einen Blick auf das Pergament erhaschen, das sie immer mit den Wegweisern verglich, und steckte es jedesmal mit einem kurzen �Ihr versteht das sowieso nicht� weg, wenn Nynaeve sie danach fragte.</p><p>Und dann, w�hrend Egwene noch m�de in die Dunkelheit blinzelte, ritt Liandrin von einem Wegweiser weg � nicht eine weitere Rampe hinunter oder auf eine Br�cke, sondern entlang einer zerfransten wei�en Linie, die in die Dunkelheit hineinf�hrte. Egwene blickte sich nach ihren Freundinnen um, und dann beeilten sich alle, Liandrin zu folgen. Vor ihnen entfernte die Aes Sedai bereits im Lichtschein ihrer Laternen das <emphasis>Avendesora-</emphasis>Blatt aus dem Fries eines Wegetors.</p><p>�Wir sind da�, erkl�rte Liandrin l�chelnd. �Ich habe euch nun endlich an euren Bestimmungsort gebracht.�</p></section><section><title><p>40</p><p>Damane</p></title><p>Egwene stieg vom Pferd, als sich das Wegetor �ffnete, und als Liandrin ihnen bedeutete, durchzugehen, da f�hrte sie die zerzauste Stute vorsichtig hinaus. Trotzdem stolperten sowohl sie als auch Bela �ber das von dem sich �ffnenden Tor niedergedr�ckte Gestr�pp, als sie sich mit einem Mal viel langsamer bewegten. Dichtes Gestr�pp hatte das Wegetor umgeben und verborgen. Nur ein paar B�ume standen in der N�he, und das Laub, das im Morgenwind flatterte, war ein wenig bunter als das in Tar Valon.</p><p>Sie beobachtete ihre Freundinnen beim Herauskommen so konzentriert, da� sie mehr als eine Minute dort gestanden hatte, bevor ihr bewu�t wurde, da� sich noch andere hier befanden, lediglich au�er Sicht an der R�ckseite des Tores. Als sie die anderen schlie�lich bemerkt hatte, blickte sie nerv�s hin�ber: Es war die eigenartigste Ansammlung von Menschen, die sie je gesehen hatte, und au�erdem hatte sie schon zu viele Ger�chte �ber den Krieg auf der Toman-Halbinsel geh�rt.</p><p>Es waren mindestens f�nfzig schwer ger�stete M�nner mit Schuppenpanzern und matten schwarzen Helmen in der Form von Insektenk�pfen, die da in ihren S�tteln sa�en oder neben ihren Pferden standen und sie und die anderen gerade auftauchenden Frauen und das Wegetor anstarrten. Sie unterhielten sich offensichtlich �ber das, was sie sahen. Der einzige, der seinen vergoldeten und bemalten Helm nicht auf dem Kopf, sondern an der H�fte trug, ein hochgewachsener, dunkelh�utiger Bursche mit einer Hakennase, staunte unverhohlen.</p><p>Neben den Soldaten standen auch Frauen. Zwei davon trugen einfache dunkelgraue Kleider und breite silberne Halsb�nder. Sie musterten die Neuank�mmlinge besonders intensiv. Direkt hinter jeder stand eine weitere Frau, so, als wolle sie ihr etwas ins Ohr fl�stern. Zwei weitere Frauen, die ein kleines St�ckchen weiter weg standen, trugen weite, geschlitzte, nicht einmal kn�chellange R�cke und auf dem Busen und am Rock jeweils ein Abzeichen mit einem gespaltenen Blitz. Am eigenartigsten jedoch wirkte eine letzte Frau, die auf einer von acht muskul�sen M�nnern mit nackten Oberk�rpern und weiten schwarzen Hosen getragenen S�nfte ruhte. Ihr Kopf war auf beiden Seiten kahlrasiert, so da� nur ein einziger Strang schwarzen Haares in der Mitte auf ihre Schultern fiel. Ihre lange, beigefarbene Robe mit Blumen und V�geln auf blauen Ovalen war so drapiert, da� ihr schimmernd wei�er Rock gut sichtbar war. Ihre Fingern�gel waren alle enorm lang und die beiden ersten an jeder Hand hatte sie blau gef�rbt.</p><p>�Liandrin Sedai�, fragte Egwene nerv�s, �wi�t Ihr, wer diese Leute sind?� Ihre Freundinnen hielten die Z�gel so verkrampft, als d�chten sie daran, auf die Pferde zu springen und wegzugaloppieren. Doch Liandrin steckte nur das <emphasis>Avendesora</emphasis>-Blatt an seinen Platz zur�ck und trat selbstbewu�t vor, w�hrend sich das Wegetor langsam schlo�. �Hohe Dame Suroth?� sagte Liandrin. Es klang wie ein Mittelding zwischen einer Frage und einer Feststellung.</p><p>Die Frau auf der S�nfte neigte den Kopf ein wenig. �Ihr seid Liandrin.� Ihre Aussprache war undeutlich, und Egwene brauchte einen Moment, bis sie die Worte verstand. �Aes Sedai�, f�gte Suroth mit sp�ttisch verzogenem Mund hinzu, und unter den Soldaten machte sich Unruhe breit. �Wir m�ssen diesen Ort schnell wieder verlassen, Liandrin. Es sind Patrouillen unterwegs, und es w�re nicht gut, wenn wir von ihnen entdeckt w�rden. Euch w�rde die liebevolle Behandlung der Wahrheitsfinder genausowenig schmecken wie mir. Ich will wieder in Falme sein, bevor Turak merkt, da� ich weg bin.�</p><p>�Wovon sprecht Ihr da?� wollte Nynaeve wissen. �Wovon redet sie, Liandrin?�</p><p>Liandrin legte eine Hand auf Nynaeves und eine auf Egwenes Schulter. �Das sind die beiden, von denen Euch berichtet wurde. Und hier ist noch eine.� Sie nickte in Richtung Elayne. �Das ist die Tochter-Erbin von Andor.�</p><p>Die beiden Frauen mit den Blitzen am Kleid kamen auf die Gesellschaft vor dem Wegetor zu. Egwene bemerkte, da� sie Leinen aus irgendeinem silbrigen Metall in den H�nden hielten. Der barh�uptige Soldat kam auch mit. Seine Hand n�herte sich aber nicht dem Schwertgriff, der �ber seine Schulter hinausragte, und er l�chelte dabei unverbindlich. Trotzdem beobachtete Egwene ihn mi�trauisch. Liandrin gab kein Anzeichen der Erregung von sich, sonst w�re Egwene in diesem Augenblick ohne Z�gern auf Belas R�cken gesprungen.</p><p>�Liandrin Sedai�, sagte sie eindringlich, �wer sind diese Leute? Sind sie auch hier, um Rand und den anderen zu helfen?�</p><p>Der Mann mit der Hakennase packte pl�tzlich Min und Elayne am Hals, und im n�chsten Augenblick �berst�rzten sich die Ereignisse. Der Mann schrie auf und fluchte; eine oder vielleicht auch mehrere Frauen kreischten � Egwene war sich nicht sicher. Pl�tzlich wurde ein Sturmwind aus der Morgenbrise, und er peitschte Liandrins w�tenden Aufschrei in einer Wolke aus Dreck und Laub hinweg, und die B�ume neigten sich �chzend. Pferde b�umten sich auf und wieherten schrill. Und eine von den Frauen streckte die Hand aus und befestigte etwas an Egwenes Hals.</p><p>Mit einem Umhang, der wie ein Segel flatterte, stemmte sich Egwene gegen den Wind und ri� an etwas, das sich wie ein Kragen aus glattem Metall anf�hlte. Es gab nicht nach. Ihre Finger zitterten. Es war wie aus einem St�ck, obwohl sie wu�te, da� es doch irgendwo einen Verschlu� aufweisen mu�te. Die silbrige Leine der Frau hing nun Egwene �ber die Schulter. Ihr anderes Ende war an einem schimmernden Armband am linken Handgelenk der Frau befestigt. Egwene ballte eine Faust so fest sie konnte und schlug sie der Frau aufs Auge � und dann taumelte sie selbst und fiel auf die Knie. Ihr Kopf schmerzte wie von einem Schlag, so, als sei sie von einem kr�ftigen Mann ins Gesicht geschlagen worden.</p><p>Als sie wieder klar sehen konnte, war der Wind eingeschlafen. Einige Pferde wanderten ziellos herum, darunter auch Bela und Elaynes Stute, und ein paar der Soldaten fluchten und standen m�hsam wieder auf. Liandrin wischte sich gelassen Staub und Herbstlaub vom Kleid. Min kniete am Boden, auf die H�nde gest�tzt, und versuchte benommen, sich hochzurappeln. Der Mann mit der Hakennase stand �ber ihr. Von seiner Hand tropfte Blut. Mins Messer lag ein St�ck au�erhalb ihrer Reichweite. An der einen Seite war die Klinge blutverschmiert. Nynaeve und Elayne waren nirgendwo zu sehen, und auch Nynaeves Stute war verschwunden, genauso wie einige Soldaten und zwei der Frauen. Die anderen beiden standen noch da, und Egwene konnte nun erkennen, da� auch sie durch eine silberne Leine miteinander verbunden waren, so wie sie mit der Frau, die sich �ber sie beugte.</p><p>Die Frau kauerte nun neben Egwene nieder und rieb sich die Wange. Um ihr linkes Auge herum verf�rbte sich bereits die Haut blauschwarz. Sie hatte langes, dunkles Haar und gro�e braune Augen, war h�bsch und vielleicht zehn Jahre �lter als Nynaeve. �Deine erste Lektion�, sagte sie nachdr�cklich. In ihrer Stimme lag keine Feindseligkeit. Sie klang sogar eher freundlich. �Diesmal werde ich dich nicht weiter bestrafen, da ich bei einer gerade gefangenen <emphasis>Damane</emphasis> vorsichtiger h�tte sein m�ssen. Wisse soviel: Du bist eine <emphasis>Damane,</emphasis> eine Gefesselte, und ich bin eine <emphasis>Sul'dam,</emphasis> eine Fesseltr�gerin. Wenn eine <emphasis>Damane</emphasis> und ihre <emphasis>Sul'dam</emphasis> durch die Fessel vereint sind, dann f�hlt die <emphasis>Damane</emphasis> jeden Schmerz, den die <emphasis>Sul'dam</emphasis> empfindet, doppelt so stark. Das geht bis zum Tod. Also wirst du daran denken m�ssen, da� du niemals eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> in irgendeiner Form schlagen darfst und da� du deine <emphasis>Sul'dam</emphasis> noch besser besch�tzen mu�t als dich selbst. Ich hei�e Renna. Wie wirst du genannt?�</p><p>�Ich bin nicht... nicht, was Ihr sagt�, �chzte Egwene. Sie zog wieder an dem Kragen, doch er gab genausowenig nach wie zuvor. Sie �berlegte, ob sie die Frau niederschlagen und versuchen sollte, ihr das Armband vom Handgelenk zu ziehen, doch sie verwarf es wieder. Selbst wenn die Soldaten nichts dagegen untern�hmen � im Moment schenkten sie Renna und ihr keinerlei Beachtung �, hatte sie doch das unangenehme Gef�hl, die Frau habe die Wahrheit gesagt. Wenn sie ihr linkes Auge ber�hrte, durchfuhr sie der Schmerz, aber es f�hlte sich nicht geschwollen an. Also bekam sie wohl nicht solch ein blaues Auge wie Renna. Aber es tat weh. Ihr linkes Auge und Rennas linkes Auge. Sie erhob die Stimme: �Liandrin Sedai? Warum la�t Ihr das zu?� Liandrin klopfte sich den Staub von den H�nden und blickte nicht einmal in ihre Richtung.</p><p>�Das allererste, was du lernen mu�t�, sagte Renna, �ist, genau das zu tun, was man dir sagt, und zwar ohne zu z�gern.�</p><p>Egwene schnappte nach Luft. Pl�tzlich brannte und prickelte ihre Haut, als h�tte sie sich in Brennesseln gew�lzt � von den Fu�sohlen bis hinauf zur Kopfhaut. Sie drehte den Kopf hin und her, als sich das Brennen noch verst�rkte.</p><p>�Viele <emphasis>Sul'dam�,</emphasis> fuhr Renna in diesem beinahe freundlichen Ton fort, �sind nicht der Meinung, da� man einer <emphasis>Damane</emphasis> ihren eigenen Namen lassen sollte; sie wollen ihnen einen neuen Namen geben. Aber da ich es war, die dich gefangen hat, leite ich auch deine Ausbildung, und ich werde dir gestatten, deinen Namen beizubehalten. Wenn du mich nicht zu sehr entt�uscht. Ich �rgere mich gerade ein bi�chen �ber dich. Willst du so weitermachen, bis ich wirklich zornig bin?�</p><p>Bebend knirschte Egwene mit den Z�hnen. Sie grub die Fingern�gel in die Handfl�chen und mu�te sich zur�ckhalten, damit sie sich nicht auch noch wild kratzte. <emphasis>Idiotin! Es geht doch nur um deinen Namen!</emphasis> �Egwene�, brachte sie schlie�lich heraus. �Ich hei�e Egwene al'Vere.� Sofort war das Brennen und Jucken vorbei. Sie machte einen tiefen, zittrigen Atemzug.</p><p>�Egwene�, sagte Renna. �Das ist ein guter Name.� Und zu Egwenes Entsetzen t�tschelte sie ihr den Kopf, wie man es bei einem Hund macht.</p><p>Und das war es auch gewesen, erkannte sie in diesem Moment, was sie an dem Tonfall der Frau festgestellt hatte: die Freundlichkeit, wie man sie einem Hund gegen�ber bei der Dressur aufbringt, aber nicht die Art von Freundlichkeit, die man einem anderen Menschen gegen�ber zeigt.</p><p>Renna schmunzelte. �Nun bist du noch w�tender. Wenn du vorhast, mich noch einmal zu schlagen, dann mach es nur leicht, denn f�r dich wird es ja der doppelte Schmerz. Versuche nicht, die Macht zu ben�tzen; das wirst du ohne meinen ausdr�cklichen Befehl niemals tun!�</p><p>Egwenes Auge pulsierte. Sie rappelte sich hoch und bem�hte sich, Renna zu ignorieren, jedenfalls, soweit es m�glich war, jemanden zu ignorieren, der einen an einer an einem Halsband befestigten Leine hielt. Ihre Wangen gl�hten, als die Frau wieder leise lachte. Sie wollte hin�ber zu Min gehen, doch die von Renna gehaltene Leine lie� das nicht zu � sie war einfach zu kurz. So rief sie leise: �Min, geht es dir besser?�</p><p>Min nickte, w�hrend sie sich zu einer hockenden Stellung aufrichtete. Dann fa�te sie sich an die Stirn, als bereue sie, den Kopf bewegt zu haben.</p><p>Ein greller Blitz zuckte �ber den klaren Himmel und schlug zwischen den B�umen in einiger Entfernung ein. Egwene fuhr zusammen und l�chelte dann pl�tzlich. Nynaeve und Elayne waren immer noch frei. Wenn irgend jemand sie und Min befreien konnte, dann war es Nynaeve. Ihr L�cheln verflog, und sie blickte Liandrin ha�erf�llt an. Was f�r einen Grund die Aes Sedai auch immer gehabt haben mochte, sie zu verraten, sie w�rde daf�r bezahlen. <emphasis>Eines Tages. Irgendwie.</emphasis> Der Blick bewirkte nichts; Liandrin sah nur die S�nfte an.</p><p>Die M�nner mit nacktem Oberk�rper knieten nieder und senkten die S�nfte langsam zu Boden. Suroth trat heraus, zupfte sorgf�ltig ihre Robe zurecht und ging auf leisen, von weichen Pantoffeln bedeckten Sohlen zu Liandrin. Die beiden Frauen waren fast gleich gro�. Braune Augen blickten gelassen in schwarze. �Ihr h�ttet mir zwei bringen sollen�, sagte Suroth. �Statt dessen habe ich nur eine, und zwei weitere laufen frei herum. Eine davon ist auch noch viel st�rker, als man mich hatte glauben lassen. Sie wird jede unserer Patrouillen im Umkreis von zwei Wegstunden auf sich aufmerksam machen.�</p><p>�Ich habe drei mitgebracht�, sagte Liandrin ruhig. �Wenn Ihr es nicht fertigbringt, sie festzuhalten, sollte sich unser Herr vielleicht jemand anderen suchen, um ihm zu dienen. Ihr �ngstigt Euch wegen jeder Kleinigkeit. Falls Patrouillen kommen, t�tet sie einfach.�</p><p>Wieder zuckte ein Blitz in einiger Entfernung auf, und Augenblicke sp�ter donnerte es in der N�he des Einschlagortes. Eine Staubwolke erhob sich in die Luft. Weder Liandrin noch Suroth achteten darauf.</p><p>�Ich k�nnte immer noch mit zwei neuen <emphasis>Damane</emphasis> nach Falme zur�ckkehren�, sagte Suroth. �Ich lasse nicht gern eine... eine Aes Sedai� � sie spie die Worte wie einen Fluch aus � �frei herumlaufen.�</p><p>Liandrins Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, doch Egwene sah, wie sich um sie herum eine schwach leuchtende Aura aufbaute.</p><p>�Nehmt Euch in acht, Hohe Dame�, rief Renna. �Sie ist kampfbereit!�</p><p>Die Soldaten r�hrten sich, griffen nach Schwertern und Lanzen, doch Suroth legte nur die H�nde aneinander und l�chelte �ber ihre langen Fingern�gel hinweg Liandrin an. �Ihr werdet nichts gegen mich unternehmen, Liandrin. Es w�rde unserem Herrn nicht gefallen, da ich hier ganz sicher mehr gebraucht werde als Ihr, und au�erdem f�rchtet Ihr ihn mehr, als zur <emphasis>Damane</emphasis> gemacht zu werden.�</p><p>Liandrin l�chelte, obwohl auf ihren Wangen wei�e Flecke zu sehen waren. �Und Ihr, Suroth, f�rchtet ihn mehr, als von mir hier an Ort und Stelle zu Asche verbrannt zu werden.�</p><p>�Genau. Wir f�rchten ihn beide. Und doch wird sich mit der Zeit auch das �ndern, was unser Herr ben�tigt. Schlie�lich werden einmal alle <emphasis>MarathDamane</emphasis> an die Leine genommen. Vielleicht werde gerade ich den Kragen um Euren lieblichen Hals legen.�</p><p>�Wie Ihr meint, Suroth. Die Bed�rfnisse unseres Herrn werden sich �ndern. Ich werde Euch daran erinnern, wenn Ihr eines Tages vor mir kniet.�</p><p>Ungef�hr eine Meile entfernt verwandelte sich ein hoher Lederblattbaum pl�tzlich in eine hohe Flammens�ule.</p><p>�Das wird allm�hlich langweilig�, sagte Suroth. �Elbar, rufe sie zur�ck!� Der Mann mit der Hakennase zog ein Horn hervor, das kaum so gro� war wie seine Faust. Sein Klang war heiser und durchdringend.</p><p>�ihr m��t die Frau Nynaeve aufsp�ren�, sagte Liandrin in scharfem Ton. �Elayne ist unbedeutend, aber sowohl die Frau als auch dieses M�dchen hier m�ssen auf Euren Schiffen dabei sein, wenn Ihr zur�cksegelt.�</p><p>�Ich wei� sehr genau, wie unsere Befehle lauten, <emphasis>Marath'Damane,</emphasis> obwohl ich viel daf�r g�be zu wissen, was das alles soll.�</p><p>�Wieviel man Euch sagte, Kind�, h�hnte Liandrin, �ist genug. Mehr zu wissen, w�re nicht gut f�r Euch. Denkt daran, Ihr dient und gehorcht. Die beiden m�ssen zur anderen Seite des Aryth-Meeres gebracht und dort verwahrt werden.�</p><p>Suroth schniefte. �Ich werde nicht hierbleiben, um nach dieser Nynaeve zu suchen. Meine N�tzlichkeit f�r unseren Herrn w�re beendet, wenn mich Turak den Wahrheitsfindern zur Folter �bergibt.� Liandrin �ffnete w�tend den Mund, aber Suroth lie� sie gar nicht zu Wort kommen. �Die Frau wird nicht lange auf freiem Fu� bleiben. Keine von ihnen. Wenn wir zur�cksegeln, werden wir jede Frau aus diesem armseligen Landzipfel mitnehmen, die auch nur ein wenig mit der Macht umgehen kann, und zwar mit Kragen und an der Leine. Falls Ihr hierbleiben und nach ihr suchen wollt, bitte. Bald werden die Patrouillen hier sein und glauben, sie m��ten dieses Pack bek�mpfen, das sich noch in den H�geln verbirgt. Manche Patrouillen nehmen <emphasis>Damane</emphasis> mit, und es wird ihnen gleich sein, welchem Herrn Ihr dient. Solltet Ihr dieses Zusammentreffen �berleben, wird Euch mit Hilfe von Halsband und Leine ein neues Leben er�ffnet, und ich glaube nicht, da� unser Herr einer in dieser Lage hilft, die sich aus Dummheit fangen lassen hat.�</p><p>�Wenn es jemandem gestattet ist, hierzubleiben�, sagte Liandrin mit angespannter Stimme, �dann wird unser Herr Euch erw�hlen, Suroth. Fangt sie beide oder zahlt den Preis f�r Eure Nachl�ssigkeit.� Sie schritt zum Wegetor hin�ber, wobei sie ihre Stute am Z�gel mitzog. Bald schlo� sich das Tor hinter ihr.</p><p>Die Soldaten, die Nynaeve und Elayne verfolgt hatten, kamen nun zusammen mit den beiden Frauen zur�ckgaloppiert, der <emphasis>Damane</emphasis> und der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die, durch Armband, Leine und Halsband verbunden, nebeneinander reiten mu�ten. Drei M�nner f�hrten Pferde am Z�gel, �ber deren S�ttel man Leichen gelegt hatte. In Egwene keimte wieder mehr Hoffnung auf, als sie erkannte, da� all diese Leichen R�stungen trugen. Sie hatten also weder Nynaeve noch Elayne gefangen.</p><p>Min richtete sich nun endg�ltig auf, doch der Mann mit der Hakennase trat ihr mit dem Stiefel in den R�cken, so da� sie wieder zu Boden gedr�ckt wurde. Nach Luft schnappend zuckte sie dort schwach. �Ich bitte um Erlaubnis, zu sprechen, Hohe Dame�, sagte er. Suroth machte eine leichte Handbewegung, und er fuhr fort: �Diese B�uerin hat mich verletzt, Hohe Dame. Falls die Hohe Dame sie nicht brauchen sollte...?� Wieder machte Suroth eine leichte Handbewegung und wandte sich ab. Er griff �ber seine Schulter nach dem Schwert.</p><p>�Nein!� schrie Egwene. Sie h�rte Renna leise fluchen, und pl�tzlich war das Brennen und Jucken ihrer Haut wieder da, schlimmer als zuvor. Doch diesmal h�rte sie nicht auf. �Bitte! Hohe Dame, bitte! Sie ist meine Freundin!� Schmerzen, wie sie sie noch nie erlebt hatte, sch�ttelten sie selbst durch das Brennen hindurch. Jeder Muskel in ihrem K�rper verkrampfte und verknotete sich. Sie fiel aufs Gesicht und lag winselnd im Staub, aber sie konnte trotzdem noch beobachten, wie Elbars schweres, gekr�mmtes Schwert aus der Scheide fuhr und wie er es mit beiden H�nden hob. �Bitte! O Min!�</p><p>Mit einem Schlag war der Schmerz verschwunden, als habe es ihn nie gegeben � nur die Erinnerung daran blieb. Suroths blaue Samtpantoffeln, die jetzt mit Schmutz bedeckt waren, erschienen vor ihrem Gesicht, aber sie blickte unverwandt auf Elbar. Er stand da, hatte mit dem Schwert zum Schlag ausgeholt und immer noch einen Fu� auf Mins R�cken... und er r�hrte sich nicht.</p><p>�Ist diese B�uerin deine Freundin?� fragte Suroth.</p><p>Egwene wollte aufstehen, doch nachdem Suroth �berrascht eine Augenbraue hochgezogen hatte, blieb sie liegen, wo sie war, und hob nur den Kopf. Sie mu�te Min retten. <emphasis>Und wenn ich daf�r auch kriechen mu�...</emphasis> Sie verzog die Lippen und hoffte, da� ihre Grimasse als L�cheln erkennbar sei. �Ja, Hohe Dame.�</p><p>�Und wenn ich sie verschone und ihr gelegentlich erlaube, dich zu besuchen, wirst du hart arbeiten und alles lernen, was man dir beibringt?�</p><p>�Das werde ich, Hohe Dame.� Sie h�tte noch viel mehr versprochen, um dieses Schwert davon abzuhalten, Mins Sch�del zu spalten. <emphasis>Ich werde mein Versprechen sogar halten,</emphasis> dachte sie betr�bt, <emphasis>solange ich mu�.</emphasis> �Lege das M�dchen �ber ihr Pferd, Elbar�, sagte Suroth. �Binde sie fest, wenn sie nicht im Sattel sitzen kann. Falls diese <emphasis>Damane</emphasis> uns entt�uscht, schenke ich dir vielleicht doch noch ihren Kopf.� Sie ging bereits wieder zu ihrer S�nfte hin�ber.</p><p>Renna zog Egwene grob hoch und schob sie in Richtung Bela, doch Egwene hatte nur Augen f�r Min. Elbar behandelte Min nicht sanfter, als sie von Renna behandelt wurde, aber sie glaubte doch, da� es Min wieder besser ging. Jedenfalls entzog sich Min Elbars Versuch, sie festzubinden, und kletterte statt dessen ohne viel Hilfe auf ihren Wallach.</p><p>Die zusammengew�rfelte Gesellschaft brach gen Westen auf. Suroth befand sich an der Spitze, und Elbar ritt ein St�ckchen hinter ihrer S�nfte, aber nahe genug, um jedem Wunsch sofort Folge leisten zu k�nnen. Renna und Egwene, Min und die andere <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit ihrer <emphasis>Damane</emphasis> ritten am Ende, noch hinter den Soldaten. Die Frau, die offensichtlich Nynaeve hatte einfangen wollen, nestelte an ihrer eingerollten Silberleine herum und wirkte ziemlich w�tend. Das h�gelige Land war von d�nnem Waldwuchs bedeckt. Bald war die Rauchwolke von dem brennenden Lederblattbaum nur noch ein entfernter Schmierer am Himmel hinter ihnen.</p><p>�Du hast die Ehre empfangen�, sagte Renna nach einer Weile, �von der Hohen Dame angesprochen zu werden.</p><p>Zu einem anderen Zeitpunkt h�tte ich dich ein Band tragen lassen, um diese Ehre zu feiern. Aber da du es warst, die ihre Aufmerksamkeit auf dich lenkte... �</p><p>Egwene schrie auf, als ein Rutenschlag ihren R�cken traf, dann ihr Bein und ihren Arm. Aus allen Richtungen kamen die Schl�ge. Sie wu�te, da� es kein Mittel dagegen gab, und doch streckte sie die Arme aus, als ob sie die Schl�ge abfangen k�nne. Sie bi� sich auf die Lippe, um ihr St�hnen zu unterdr�cken, aber ihr rollten dabei Tr�nen �ber die Wangen. Bela wieherte und t�nzelte, doch Renna hielt die Silberleine fest und verhinderte, da� sie Egwene forttragen konnte. Keiner der Soldaten blickte sich um.</p><p>�Was macht Ihr mit ihr?� schrie Min. �Egwene? H�rt auf!�</p><p>�Du schuldest dein Leben... Min, so hei�t du doch?� sagte Renna sanft. �La� dies auch dir eine Lehre sein. Solange du dich einzumischen versuchst, wird es nicht aufh�ren.�</p><p>Min hob die Faust, lie� sie aber wieder fallen. �Ich werde mich nicht einmischen. Nur h�rt bitte auf! Egwene, es tut mir so leid.�</p><p>Die unsichtbaren Schl�ge gingen noch ein paar Augenblicke weiter, als sollte das Min zeigen, da� ihr Eingreifen nichts bewirkt hatte, und dann h�rten sie auf. Doch Egwene konnte ihr Zittern nicht beherrschen. Der Schmerz verflog diesmal nicht so einfach. Sie schob ihren �rmel zur�ck, um nachzusehen, ob sich Striemen zeigten, doch da war nichts au�er dem Gef�hl. Sie schluckte. �Es war nicht deine Schuld, Min.� Bela warf den Kopf hoch und rollte die Augen. Egwene streichelte den Hals der zerzausten Stute. �Deine Schuld war es auch nicht.�</p><p>�Es war allein deine Schuld, Egwene�, sagte Renna. Es klang so geduldig, als spreche sie freundlich mit jemandem, der zu dumm war, um die Wahrheit zu erkennen. Egwene h�tte am liebsten geschrien. �Wenn eine <emphasis>Damane</emphasis> bestraft wird, ist es immer ihre Schuld, auch wenn sie nicht wei�, warum. Eine <emphasis>Damane</emphasis> mu� voraussehen, was ihre <emphasis>Sul'dam</emphasis> w�nscht. Aber diesmal kennst du den Grund. <emphasis>Damane</emphasis> sind wie M�belst�cke oder Werkzeuge, immer da, um benutzt zu werden, aber sie schieben sich nie in den Vordergrund, um Aufmerksamkeit zu erregen. Besonders nicht, um die Aufmerksamkeit einer von adligem Blut zu erregen.�</p><p>Egwene bi� sich auf die Lippe, bis sie Blut schmeckte. Das ist ein Alptraum. Es kann doch nicht wahr sein. Warum hat Liandrin das angerichtet? Warum das alles? �Darf... darf ich eine Frage stellen?�</p><p>�Mir darfst du Fragen stellen.� Renna l�chelte. �Im Laufe der Jahre werden viele <emphasis>Sul'dam</emphasis> dein Armband tragen � es gibt immer viel mehr <emphasis>Sul'dam</emphasis> als <emphasis>Damane</emphasis> �, und manche w�rden dir das Fell �ber die Ohren ziehen, sobald du auch nur den Blick vom Boden hebst oder deinen Mund ohne Erlaubnis �ffnest, aber ich sehe keine Notwendigkeit, dir das Sprechen zu untersagen, solange du dich in acht nimmst, was du sagst.� Eine der anderen <emphasis>Sul'dam</emphasis> schnaubte laut. Sie war mit einer h�bschen, dunkelhaarigen Frau von mittleren Jahren verbunden, die immer nur auf ihre H�nde blickte.</p><p>�Liandrin� � Egwene w�rde nie wieder die Ehrenbezeichnung f�r sie benutzen � �und die Hohe Dame sprachen von einem Herrn, dem sie beide dienten.� In ihr keimte die Erinnerung an einen Mann mit kaum verheilten Brandwunden im Gesicht auf, dessen Augen und Mund manchmal zu Feuer�fen wurden, doch selbst wenn er nur eine Traumgestalt war, wollte sie doch nicht an ihn denken, so schrecklich war er. �Wer ist das? Was will er von mir und � und Min?� Sie wu�te, es war �berfl�ssig, Nynaeves Namen zu verschweigen. Keiner von diesen Leuten w�rde sie vergessen, nur weil ihr Name nicht erw�hnt wurde. Besonders diese blau�ugige <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die ihre unbefestigte Leine streichelte, w�rde sich an sie erinnern. Aber es war f�r sie im Moment die einzige M�glichkeit, ihren Kampfgeist unter Beweis zu stellen.</p><p>�Die Angelegenheiten derer von adligem Blut�, sagte Renna, �gehen mich nichts an, und dich schon gar nicht. Die Hohe Dame wird mir sagen, was ich wissen soll, und ich werde dir wiederum sagen, was du wissen mu�t. Alles andere, was du h�rst oder siehst, mu� f�r dich sein, als habe es nie stattgefunden, als sei es ungesagt geblieben. So ist man sicherer, ganz besonders als <emphasis>Damane. Damane</emphasis> sind zu wertvoll, um sie so einfach zu t�ten, aber du k�nntest nicht nur streng bestraft werden, sondern m�glicherweise auch deine Zunge oder deine H�nde einb��en. <emphasis>Damane</emphasis> k�nnen auch ohne diese Dinge arbeiten.�</p><p>Egwene schauderte, obwohl es nicht sehr kalt war. Sie zog ihren Umhang h�her hinauf und ber�hrte dabei die Leine. Sie zog ein wenig daran. �Das ist ein furchtbares Ding. Wie k�nnt Ihr jemandem so etwas antun? Welcher kranke Geist hat das erfunden?�</p><p>Die blau�ugige <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit der losen Leine grollte: �Die k�nnte bereits sehr wohl ohne Zunge auskommen, Renna.�</p><p>Renna l�chelte nur geduldig. �Warum ist das furchtbar? Wie k�nnten wir jemanden in Freiheit herumlaufen lassen, der fertigbringt, was eine <emphasis>Damane</emphasis> alles kann? Manchmal werden auch M�nner geboren, die eine <emphasis>Marath'Damane</emphasis> w�ren, falls sie als Frauen geboren w�ren � ich habe geh�rt, da� das hier auch der Fall ist �, und sie m�ssen nat�rlich get�tet werden. Aber die Frauen verfallen nicht dem Wahnsinn. Es ist besser f�r sie, zur <emphasis>Damane</emphasis> gemacht zu werden, als st�ndig Schwierigkeiten zu bereiten, wenn sie in Machtk�mpfe verwickelt werden. Und was den Geist betrifft, der sich zuerst die <emphasis>Adam</emphasis> einfallen lie�, so war das der Geist einer Frau, die sich Aes Sedai nannte.�</p><p>Egwene wu�te, da� ihr Gesicht von Ungl�ubigkeit gekennzeichnet sein mu�te, denn Renna lachte nun offen. �Als Luthair Paedrag Mondwin, der Sohn Falkenfl�gels, zum ersten Mal dem Heer der Nacht gegen�berstand, fand er unter seinen Gegnern viele, die sich Aes Sedai nannten. Sie stritten untereinander um die Macht und ben�tzten die Eine Macht auf dem Schlachtfeld. Eine davon, eine Frau namens Deain, die glaubte, sie sei besser dran, wenn sie dem Kaiser diente � damals war er nat�rlich noch nicht Kaiser �, kam, da er in seinem Heer keine Aes Sedai hatte, mit einer von ihr angefertigten Vorrichtung zu ihm, dem ersten <emphasis>Adam,</emphasis> den sie am Hals einer ihrer Schwestern befestigt hatte. Obwohl diese Frau Luthair nicht dienen wollte, zwang der <emphasis>A'dam</emphasis> sie doch dazu. Also fertigte Deain weitere <emphasis>A'dam</emphasis> an, die ersten <emphasis>Sul'dam</emphasis> wurden auserw�hlt, und gefangene Frauen, die sich Aes Sedai nannten, erfuhren, da� sie in Wirklichkeit nur <emphasis>MarathDamane</emphasis> waren, Jene, die Gekoppelt Werden Mu�ten. Man erz�hlt, als Deain selbst an die Leine gelegt wurde, h�tten ihre Schreie die Mitternachtst�rme ersch�ttert. Aber nat�rlich war auch sie eine <emphasis>Marath'Damane,</emphasis> und denen kann man nicht gestatten, frei herumzulaufen. Vielleicht wirst du einmal zu jenen geh�ren, die die F�higkeit besitzen, <emphasis>A'dam</emphasis> anzufertigen. Sollte das der Fall sein, wird man dich verw�hnen, da kannst du sicher sein.�</p><p>Egwene blickte sehns�chtig in das Land hinaus, durch das sie ritten. Niedrige H�gel erhoben sich um sie, und die d�nne Bewaldung war jetzt vereinzelten Str�uchern gewichen, doch sie war sicher, sich darin verstecken zu k�nnen. �Erwartet man von mir, da� ich mich darauf freue, wie ein Scho�hund verw�hnt zu werden?� fragte sie bitter. �Ein Leben lang an Frauen und M�nner gefesselt sein, die mich f�r eine Art von Haustier halten?�</p><p>�Keine M�nner�, schmunzelte Renna. �Alle <emphasis>Sul'dam</emphasis> sind Frauen. Falls ein Mann ein solches Armband anlegt, k�nnte es genausogut die meiste Zeit �ber an einem Haken an der Wand h�ngen.�</p><p>�Und manchmal�, f�gte die blau�ugige <emphasis>Sul'dam</emphasis> gef�hllos hinzu, �w�rdet ihr beide gemeinsam schreiend sterben.� Die Frau hatte harte Z�ge und d�nne Lippen, und Egwene wurde klar, da� sie ihren zornigen Gesichtsausdruck wohl st�ndig trug. �Von Zeit zu Zeit spielt die Kaiserin mit Lords, indem sie sie mit einer <emphasis>Damane</emphasis> zusammenkoppelt. Die Lords kommen ins Schwitzen, und der Hof der Neun Monde wird gut unterhalten. Bis zum Ende wei� der betreffende Lord nicht, ob er es �berleben wird oder nicht, und die <emphasis>Damane</emphasis> wei� es nat�rlich genausowenig.� Ihr Lachen klang boshaft.</p><p>�Nur die Kaiserin kann es sich erlauben, auf diese Art und Weise <emphasis>Damane</emphasis> zu verschwenden, Alwhin�, fauchte Renna, �und ich werde diese <emphasis>Damane</emphasis> nicht schulen, nur damit sie hinterher so weggeworfen wird.�</p><p>�Ich habe bisher nichts von einer Schulung bemerkt, Renna. Nur einen Haufen Geschw�tz, als ob Ihr und diese <emphasis>Damane</emphasis> Schulfreundinnen w�rt.�</p><p>�Vielleicht wird es Zeit festzustellen, was sie alles kann�, sagte Renna, wobei sie Egwene musterte. �Beherrschst du die Macht schon gut genug, um �ber diese Entfernung hinweg zu arbeiten?� Sie deutete auf eine hohe Eiche, die einsam auf einer H�gelspitze stand.</p><p>Egwene betrachtete den Baum stirnrunzelnd. Er stand vielleicht eine halbe Meile von dem Weg entfernt, den die Soldaten mit Suroths S�nfte eingeschlagen hatten. Sie hatte noch nie etwas zu bewirken versucht, was �ber ihre Arml�nge hinausgereicht h�tte. Aber sie hielt es nicht f�r unm�glich. �Ich wei� nicht�, sagte sie.</p><p>�Versuch es�, meinte Renna. �F�hle den Baum. F�hle den Saft im Baum. Ich will, da� du ihn erhitzt, und zwar derart stark, da� jeder Tropfen Saft in jedem Ast innerhalb eines Augenblicks verdampft. Tu es!�</p><p>Egwene war entsetzt �ber sich selbst, denn sie f�hlte den Drang, Rennas Befehl auszuf�hren. Sie hatte zwei Tage lang nicht mehr die Macht gelenkt, nicht einmal <emphasis>Saidar</emphasis> ber�hrt. Der Wunsch, sich mit der Einen Macht vollzusaugen, lie� sie beben. �Ich� � nach einem halben Herzschlag hatte sie die Worte �werde das nicht� beiseitegeschoben; die unsichtbaren Striemen brannten noch zu sehr, um eine solche Idiotie zuzulassen � �kann nicht�, beendete sie ihren Satz deshalb. �Er ist zu weit weg, und ich habe so etwas noch nie gemacht.�</p><p>Eine der <emphasis>Sul'dam</emphasis> lachte ungl�ubig, und Alwhin sagte: �Sie hat es noch nicht einmal versucht.�</p><p>Renna sch�ttelte beinahe traurig den Kopf. �Wenn eine lange genug <emphasis>Sul'dam</emphasis> gewesen ist, kann sie vieles an ihrer <emphasis>Damane</emphasis> selbst ohne das Armband feststellen, aber mit dem Armband kann sie unfehlbar feststellen, ob die <emphasis>Damane</emphasis> versucht hat, die Macht zu ben�tzen. Du darfst mich niemals anl�gen, oder auch eine andere <emphasis>Sul'dam;</emphasis> noch nicht einmal ein bi�chen.�</p><p>Pl�tzlich waren die unsichtbaren Hiebe wieder da und trafen sie am ganzen K�rper. Schreiend schlug sie nach Renna, aber die <emphasis>Sul'dam</emphasis> wischte problemlos ihre Faust zur Seite, w�hrend Egwene das Gef�hl hatte, Renna h�tte ihr mit einem Stock �ber den Arm geschlagen. Sie grub die Fersen in Belas Flanken, aber die <emphasis>Sul'dam</emphasis> hatte die Leine so fest in der Hand, da� es sie beinahe aus dem Sattel gezogen h�tte. Verzweifelt suchte sie nach <emphasis>Saidar,</emphasis> um Renna so weh zu tun, da� sie aufh�rte. Sie wollte ihr genauso weh tun, wie Renna ihr. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> sch�ttelte unbeeindruckt den Kopf, und Egwene heulte auf, als ihre Haut pl�tzlich verbr�ht wurde. Das Brennen milderte sich erst, als sie <emphasis>Saidar</emphasis> ganz fahren lie�, doch die unsichtbaren Schl�ge h�rten nicht auf und wurden auch nicht schw�cher. Sie versuchte, Renna zuzurufen, da� sie sich bem�hen werde, wenn sie nur aufh�rte, aber sie brachte nur ein Gurgeln heraus und wand sich vor Schmerzen.</p><p>Dumpf wurde ihr bewu�t, da� Min zornig schrie und an ihre Seite reiten wollte, da� Alwhin Min die Z�gel aus der Hand ri� und da� eine andere <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihrer <emphasis>Damane</emphasis> etwas befahl. Diese blickte Min an. Und dann schrie auch Min vor Schmerz auf und schlug um sich, als wolle sie Schl�ge abwehren oder stechende Insekten von sich fernhalten. Ihr eigener Schmerz lie� den Mins sehr fern erscheinen.</p><p>Ihre vereinten Schreie machten nun sogar einige der Soldaten aufmerksam. Doch nach einem Blick lachten sie und wandten sich wieder ab. Wie <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit ihren <emphasis>Damane</emphasis> umgingen, ging sie nichts an.</p><p>Egwene erschien es wie eine Ewigkeit, doch schlie�lich war die Qual zu Ende. Sie hing ersch�pft an der R�cklehne ihres Sattels, hatte Tr�nen auf den Wangen und schluchzte in Belas M�hne hinein. Die Stute wieherte nerv�s.</p><p>�Es ist gut, da� du Kampfgeist hast�, sagte Renna gelassen. �Die besten <emphasis>Damane</emphasis> sind aus diesem Holz geschnitzt. Diesen Kampfgeist kann man formen und in die richtigen Bahnen lenken.�</p><p>Egwene schlo� die Augen. Sie w�nschte, sie h�tte auch die Ohren schlie�en und Rennas Stimme vergessen k�nnen. <emphasis>Ich mu� entkommen. Ich mu�, aber wie? Nynaeve, hilf mir! Licht, jemand mu� mir helfen.</emphasis></p><p>�Du wirst eine der besten�, sagte Renna in zufriedenem Tonfall. Sie streichelte Egwene �ber das Haar � ganz das Frauchen, das ihren Hund beruhigend streichelt.</p><p>Nynaeve beugte sich aus dem Sattel und sp�hte vorsichtig um das sch�tzende Gestr�uch herum. Sie sah vereinzelte B�ume, von denen sich einige bereits bunt f�rbten. Die ausgedehnten gras- oder kr�uterbewachsenen Fl�chen dazwischen schienen ihr leer. Sie entdeckte keine Bewegung au�er der immer d�nner werdenden Rauchwolke von dem Lederblattbaum, die vom Wind verweht wurde. Dieser Baum war ihr Werk gewesen, genauso wie Blitze aus heiterem Himmel und ein paar weitere Sachen, die sie noch nie ausprobiert hatte, bevor diese beiden Frauen sie dazu zwangen. Sie glaubte, da� die beiden auf irgendeine Weise zusammenarbeiteten, aber sie durchschaute ihre Verbindung nicht ganz. Offensichtlich waren sie durch eine Leine miteinander verbunden. Die eine trug ein Halsband, aber die andere war genauso sicher angekettet wie diese. �ber etwas war sich Nynaeve allerdings klar: Eine oder beide waren Aes Sedai. Sie hatte sie nie genau genug sehen k�nnen, um das Gl�hen beim Lenken der Macht zu bemerken, aber es mu�te einfach so sein.</p><p><emphasis>Es wird mir richtig Spa� machen, Sheriam von ihnen zu berichten,</emphasis> dachte sie trocken. <emphasis>Aes Sedai ben�tzen die</emphasis></p><p><emphasis>Macht nicht als Waffe, oder?</emphasis> Sie hatte das aber getan. Mit diesem Blitzschlag hatte sie die beiden Frauen zumindest zu Boden geschleudert, und sie hatte gesehen, wie einer der Soldaten von dem Feuerball, den sie geschleudert hatte, lichterloh brannte. Aber nun hatte sie schon eine Weile lang keinen der Fremden mehr gesehen.</p><p>Schwei�tropfen standen auf ihrer Stirn, und das r�hrte nicht nur von der Anstrengung her. Ihr Kontakt zu <emphasis>Saidar</emphasis> war abgerissen, und sie konnte ihn nicht wieder herstellen. In der ersten Wut �ber Liandrins Verrat war <emphasis>Saidar</emphasis> ihr zugeflogen, bevor es ihr �berhaupt bewu�t wurde, und sie wurde von der Einen Macht durchstr�mt. Es war ein Gef�hl gewesen, als k�nne sie schlechthin alles bew�ltigen. Und solange sie verfolgt worden war, hatte der Zorn dar�ber, wie ein Tier gejagt zu werden, den n�tigen Antrieb geliefert. Doch nun war von einer Jagd nichts mehr zu sp�ren. Je l�nger sie weitergeritten war, ohne einen Gegner zu entdecken, auf den sie mit Hilfe von <emphasis>Saidar</emphasis> einschlagen konnte, desto gr��er war ihre Furcht geworden, sie k�nnten sich heimlich anschleichen, und au�erdem hatte sie zuviel Zeit gehabt, dar�ber nachzugr�beln, was wohl mit Egwene und Elayne und Min geschehen sein k�nne. Nun mu�te sie sich selbst eingestehen da� sie vor allem Angst hatte. Angst um die anderen, Angst um ihrer selbst willen. Sie brauchte aber den Zorn.</p><p>Etwas r�hrte sich hinter einem Baum.</p><p>Ihr stockte der Atem und sie suchte automatisch nach <emphasis>Saidar,</emphasis> doch all die �bungen unter der Leitung Sheriams und der anderen, all die Bl�ten, die sich in ihrem Geist �ffneten, die Vorstellung all der Str�me halfen nichts. Sie konnte die Quelle f�hlen, wu�te, da� sie da war, aber ber�hren konnte sie sie nicht.</p><p>Elayne trat vorsichtig geduckt hinter dem Baum vor, und Nynaeve sackte vor Erleichterung in sich zusammen. Das Kleid der Tochter-Erbin war schmutzig und zerrissen, ihr goldenes Haar war mit Kletten und Bl�ttern verfilzt, und ihre suchenden Augen wirkten wie die eines erschreckten Rehs, aber sie hielt ihren Kurzdolch fest in der Hand. Nynaeve nahm die Z�gel auf und ritt aus der Deckung.</p><p>Elayne fuhr erschrocken zusammen, doch dann fa�te sie sich an die Kehle und atmete tief durch. Nynaeve stieg ab und die beiden Frauen umarmten sich. Sie waren gl�cklich, sich gefunden zu haben.</p><p>�Einen Augenblick lang�, sagte Elayne, als sie sich wieder loslie�en, �habe ich geglaubt, du w�rst... Wei�t du, wo sie sind? Zwei M�nner haben mich verfolgt. Noch ein paar Minuten, und sie h�tten mich gehabt, aber dann erklang ein Horn, und sie wendeten ihre Pferde und galoppierten fort. Sie konnten mich bereits sehen, Nynaeve, aber sie ritten einfach weg.�</p><p>�Ich habe es auch geh�rt und seither nichts mehr von ihnen gesehen. Hast du Egwene oder Min gesehen?�</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf. Sie lie� sich auf den Boden plumpsen und sa� ersch�pft da. �Nicht mehr, seit... Dieser Mann hat Min niedergeschlagen. Und eine dieser Frauen versuchte, Egwene etwas um den Hals zu legen. Soviel habe ich gesehen, und dann bin ich geflohen. Ich glaube nicht, da� sie entkommen konnten, Nynaeve. Ich h�tte etwas unternehmen sollen. Min hat die Hand geschnitten, die mich festhielt, und Egwene... Ich bin einfach nur geflohen, Nynaeve. Mir wurde klar, da� ich einen Moment lang frei war, und schon bin ich losgerannt. Mutter sollte am besten Gareth Bryne heiraten und noch eine Tochter haben, sobald sie nur kann. Ich bin nicht wert, den Thron zu erhalten.�</p><p>�Benimm dich nicht wie eine dumme Gans�, sagte Nynaeve in scharfem Ton. �Denk daran, da� ich im Gep�ck ein P�ckchen Schafszungenwurzeln habe.� Elayne hielt den Kopf in beiden H�nden. Nynaeves Schimpfen rief keine Reaktion hervor. �H�r mal, M�dchen! Hast du gesehen, da� ich dort geblieben bin und zwanzig oder drei�ig M�nner auf einmal bek�mpft habe, ganz zu schweigen von den Aes Sedai? H�ttest du gewartet, w�rst du jetzt h�chstwahrscheinlich auch eine Gefangene. Wenn sie dich nicht sogar umgebracht h�tten. Aus irgendeinem Grund hatten sie nur an mir und Egwene Interesse. Vielleicht w�re es ihnen gleich gewesen, ob du am Leben bleibst oder nicht.� <emphasis>Warum wollten sie gerade Egwene und mich? Warum gerade uns? Warum hat Liandrin so etwas getan? Warum?</emphasis> Sie konnte diese Fragen auch jetzt noch nicht beantworten.</p><p>�Wenn ich bei dem Versuch, ihnen zu helfen, gestorben w�re...�, begann Elayne.</p><p>�... dann w�rst du tot. Dann k�nntest du auch niemandem mehr helfen, weder dir noch anderen. Jetzt steh endlich auf und klopf dir den Dreck vom Kleid.� Nynaeve kramte in ihrer Satteltasche nach einer Haarb�rste. �Und bring dein Haar in Ordnung.�</p><p>Elayne stand langsam auf und nahm die B�rste mit einem kleinen L�cheln entgegen. �Du h�rst dich an wie Lini, meine alte Kinderfrau.� Sie begann, ihr Haar auszub�rsten, wobei sie das Gesicht der verfilzten Stellen und der Kletten wegen schmerzhaft verzog. �Aber wie k�nnen wir ihnen helfen, Nynaeve? Wenn du zornig bist, dann bist du vielleicht genauso stark wie eine der ausgebildeten Schwestern, aber die haben eben auch Frauen, die die Macht einsetzen k�nnen. Ich kann nicht glauben, da� es Aes Sedai sind, doch sie k�nnten es sehr wohl sein. Wir wissen nicht einmal, in welche Richtung sie abgezogen sind.�</p><p>�Nach Westen�, sagte Nynaeve. �Dieses Biest Suroth hat Falme erw�hnt, und das ist der westlichste Punkt der Toman-Halbinsel. Wir reiten also nach Falme. Ich hoffe, Liandrin ist auch dort. Ich werde sie den Tag verfluchen lassen, an dem ihre Mutter ein Auge auf ihren Vater warf. Aber zuerst m�ssen wir uns wohl einheimische Kleidung besorgen. Ich habe Frauen aus Tarabon und Doman in der Burg gesehen, und was sie tragen, sieht ganz anders aus als unsere Mode. In Falme w�rden wir sofort als Fremde auffallen.�</p><p>�Ich h�tte nichts gegen ein Domanikleid einzuwenden. Klar, Mutter w�rde einen Wutanfall bekommen, wenn sie w��te, da� ich eines getragen habe, und Lini w�rde mich schon vorher in die Mangel nehmen. Aber selbst wenn wir ein Dorf erreichen: Wie k�nnten wir uns neue Kleider leisten? Ich habe keine Ahnung, wieviel Geld du dabei hast, aber ich habe nur zehn Goldmark und vielleicht das Doppelte in Silber. Das reicht f�r zwei oder drei Wochen, aber was danach kommt, wei� ich nicht.�</p><p>�Auch nach ein paar Monaten als Novizin in Tar Valon hast du noch nicht aufgeh�rt, wie die Erbin eines Thrones zu denken�, lachte Nynaeve. �Ich habe nicht den zehnten Teil von dem, was du hast, aber zusammen kommen wir damit zwei oder drei <emphasis>Monate</emphasis> lang bequem aus. Wenn wir sparsam sind, reicht es l�nger. Ich habe nicht die Absicht, Kleider f�r uns zu kaufen, und schon gar keine neuen. Mein graues Seidenkleid wird uns behilflich sein � bei all den aufgestickten Perlen und den Goldf�den. Wenn ich keine Frau finden kann, die uns daf�r zwei oder drei gute, haltbare Kleider gibt, dann schenke ich dir diesen Ring und spiele k�nftig die Novizin.� Sie schwang sich in den Sattel und streckte die Hand aus, um Elayne hinter sich auf das Pferd zu ziehen.</p><p>�Was machen wir, wenn wir in Falme sind?� fragte Elayne, als sie sich hinter Nynaeve zurechtsetzte.</p><p>�Das wei� ich erst, wenn wir dort sind.� Nynaeve hielt ihr Pferd kurz an. �Bist du sicher, da� du mitkommen willst? Es wird gef�hrlich.�</p><p>�Gef�hrlicher als f�r Egwene und Min? Sie w�rden unter den umgekehrten Umst�nden auf jeden Fall kommen, um uns zu helfen � das wei� ich. Sollen wir hier den ganzen Tag lang rumstehen?� Elayne hieb die Fersen dem Pferd in die Flanken, und die Stute trottete los.</p><p>Nynaeve lie� das Pferd so laufen, da� sie die Vormittagssonne im R�cken hatten. �Wir m�ssen vorsichtig sein. Die Aes Sedai, die wir kennen, wissen genau, wenn eine Frau in ihrer N�he ist, die die Macht ben�tzen kann. Diese Aes Sedai k�nnen uns auch in einer Menschenmenge finden, falls sie nach uns suchen, und das nehmen wir wohl besser einmal an.� <emphasis>Sie haben auf jeden Fall nach Egwene und mir gesucht. Aber warum nur?</emphasis> �Ja, wir m�ssen auf der Hut sein. Du hattest auch vorhin recht. Wir n�tzen ihnen nichts, wenn wir uns selbst einfangen lassen.� Elayne schwieg einen Augenblick lang. �Glaubst du, es war alles gelogen, was uns Liandrin �ber Rand und irgendeine Gefahr erz�hlt hat, Nynaeve? Und �ber die anderen? Aes Sedai l�gen nicht.�</p><p>Nun war es an Nynaeve, zu schweigen. Sie dachte an Sheriam und die Eide, die jede Frau leisten mu�te, bevor sie zur Schwester erhoben wurde, Eide, die man innerhalb eines <emphasis>TerAngreal</emphasis> schw�ren mu�te und die absolut bindend waren. <emphasis>Kein unwahres Wort auszusprechen.</emphasis> Das geh�rte dazu, doch jedermann wu�te, da� die Wahrheit, von einer Aes Sedai ausgesprochen, nicht unbedingt der Wahrheit entsprach, die man zu h�ren glaubte. �Ich sch�tze, da� sich Rand wohl gerade die F��e an Lord Agelmars Kamin in Fal Dara w�rmt�, sagte sie. <emphasis>Ich kann mir jetzt nicht auch noch um ihn Sorgen machen. Ich mu� an Egwene und Min denken.</emphasis> �Na ja, wahrscheinlich�, seufzte Elayne. Sie rutschte hinter dem Sattel herum. �Nach Falme ist es sehr weit, Nynaeve. Ich m�chte wenigstens die H�lfte der Zeit im Sattel reiten. Hier hinten ist es nicht gerade bequem. Und wir werden Falme �berhaupt nicht erreichen, wenn du das Pferd die ganze Zeit so gem�tlich einherschreiten l��t.�</p><p>Nynaeve spornte das Pferd zu einer schnelleren Gangart an, und Elayne quiekte und griff nach Nynaeves Umhang. Nynaeve sagte sich, sie werde sich mit Elayne im Sattel abwechseln und sich auch nicht beklagen, falls Elayne das Pferd galoppieren lie�, und ansonsten achtete sie nicht auf das Keuchen der Frau, die hinter ihr auf und ab h�pfte. Sie hoffte nur, da� sie bis zu ihrem Eintreffen in Falme die Angst los sein w�rde und wieder die Energie ihres Zornes ben�tzen k�nnte.</p><p>Der Wind frischte auf. Er war k�hl und lie� die nahe Herbstk�lte ahnen.</p></section><section><title><p>41</p><p>Meinungsverschiedenheiten</p></title><p>Donner grollte �ber den schiefergrauen Nachmittagshimmel. Rand zog die Kapuze seines Umhangs ein St�ckchen weiter nach vorn und hoffte, so den kalten Regen besser von seinem Gesicht abzuhalten. Sein Brauner stapfte geduldig durch schlammige Pf�tzen. Die Kapuze hing feucht und klamm auf Rands Kopf, genau wie der �brige Umhang auf seinen Schultern, und sein guter schwarzer Mantel war genauso na� und kalt. Es mu�te nicht mehr viel k�lter werden, und dann w�rde statt des Regens Hagel oder Schnee fallen. Es w�rde auf jeden Fall bald schneien; die Bewohner des letzten Dorfes, durch das sie gekommen waren, hatten ihnen erz�hlt, es habe dieses Jahr schon zweimal kurz geschneit. Zitternd w�nschte sich Rand beinahe schon den Schnee herbei. Dann w�re er wenigstens nicht na� bis auf die Haut.</p><p>Die Kolonne bewegte sich langsam vorw�rts. Sie behielten mi�trauisch das wellige Land in ihrer Umgebung im Auge. Ingtars Graue Eule hing schlapp und schwer herunter, selbst wenn der Wind b�ig wurde. Hurin zog manchmal seine Kapuze herunter und hob die Nase in den Wind. Er behauptete, weder Regen noch K�lte h�tten irgendeinen Einflu� auf eine Spur, jedenfalls nicht auf eine, wie er sie zu suchen verstand, doch bisher hatte der Schn�ffler nichts gefunden. Rand h�rte, wie der dahinter reitende Uno fluchte. Loial �berpr�fte immer wieder seine Satteltaschen. Ihm machte es wohl nichts aus, na� zu werden, aber er sorgte sich st�ndig um seine B�cher.</p><p>Allen ging es schlecht, bis auf Verin, die so gedankenverloren schien, da� sie nicht einmal bemerkte, da� ihre Kapuze nach hinten gerutscht war und ihr Gesicht dem Regen preisgab.</p><p>�Kannst du nicht etwas gegen dieses Wetter unternehmen?� wollte Rand von ihr wissen. Eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf sagte ihm, das k�nne er selbst tun. Alles, was er zu tun hatte, war, <emphasis>Saidin</emphasis> zu gebrauchen. So s��, der Lockruf von <emphasis>Saidin.</emphasis> Sich von der Einen Macht f�llen zu lassen, eins mit dem Sturm zu werden. Bring den Sonnenschein an den Himmel zur�ck, oder reite den w�tenden Sturm, peitsche ihn zu immer gr��erer Wut auf und reinige die Toman-Halbinsel vom Meer bis zu gro�en Ebene! Gebrauche <emphasis>Saidin.</emphasis> Er unterdr�ckte entschlossen die Sehnsucht danach.</p><p>Die Aes Sedai fuhr hoch. �Was? Ach, ja. Ich denke schon. Ein wenig. Ich kann keinen so starken Sturm unterdr�cken, nicht allein jedenfalls, dazu ist er zu ausgedehnt, aber ich k�nnte ihn schon etwas mildern. Wenigstens dort, wo wir uns aufhalten.� Sie wischte sich die Regentropfen vom Gesicht und schien erst jetzt zu bemerken; da� ihre Kapuze hinuntergerutscht war. Abwesend zog sie sie wieder hoch.</p><p>�Warum f�ngst du nicht damit an?� fragte Mat. Das verfrorene Gesicht, das unter seiner Kapuze hervorlugte, wirkte vom Tod gezeichnet, doch seine Stimme klang lebhaft. �Wenn ich soviel der Einen Macht einsetze, wei� jede Aes Sedai im Umkreis von zehn Meilen, da� hier jemand die Macht gebraucht hat. Wir wollen doch diese Seanchan mit ihren <emphasis>Damane</emphasis> nicht auf uns aufmerksam machen.� Ihr Mund verzog sich zornig.</p><p>Sie hatten etwas �ber die Invasoren in diesem Dorf, das sich Atuansm�hle nannte, in Erfahrung gebracht.</p><p>Allerdings f�hrten die meisten dieser Informationen nur zu immer neuen Fragen. Die Leute hatten zuerst willig geplaudert, aber dann doch wieder den Mund zugemacht und sich zitternd umgeschaut. Alle hatten furchtbare Angst, die Seanchan mit ihren Monstern und ihren <emphasis>Damane</emphasis> k�nnten zur�ckkehren. Da� Frauen, die eigentlich Aes Sedai sein sollten, statt dessen wie Tiere an die Leine gelegt wurden, �ngstigte die Dorfbewohner mehr als die seltsamen Kreaturen, die den Seanchan zur Verf�gung standen und die die Menschen in Atuansm�hle nur fl�sternd beschreiben konnten, als seien sie ihren Alptr�umen entsprungen. Und was am schlimmsten war: Die Exempel, die die Seanchan vor ihrer Abreise noch statuiert hatten, waren den Menschen zutiefst in die Knochen gefahren. Sie hatten ihre Toten anschlie�end begraben, doch sie wagten nicht, den verbrannten Fleck auf dem Dorfplatz zu s�ubern. Keiner von ihnen erz�hlte, was vorgefallen war, doch Hurin hatte sich �bergeben m�ssen, als sie das Dorf betraten. Er weigerte sich, sich dem geschw�rzten Fleck am Boden zu n�hern.</p><p>Atuansm�hle war zur H�lfte verlassen, als sie dort eintrafen. Einige waren nach Falme geflohen, weil sie hofften, die Seanchan w�rden in einer so sicher beherrschten Stadt nicht ganz so hart regieren. Andere waren nach Osten gegangen. Weitere erz�hlten, da� auch sie daran d�chten. Auf der Ebene von Almoth fanden Kampfhandlungen statt. Man behauptete, die Taraboner k�mpften gegen die Domani, aber wenigstens kamen die Fackeln, mit denen die H�user entz�ndet wurden, aus den H�nden von Menschen. Selbst ein Krieg war leichter zu ertragen als das, was die Seanchan angerichtet hatten und noch anrichten k�nnten.</p><p>�Warum hat Fain das Horn nur hierher gebracht?� murmelte Perrin. Jeder von ihnen hatte sich das von Zeit zu Zeit gefragt, aber keiner hatte die Frage beantwortet. �Hier herrscht Krieg, und dann sind diese Seanchan da mit ihren Monstern. Warum also gerade hierher?�</p><p>Ingtar drehte sich im Sattel um und sah sie an. Sein Gesicht wirkte beinahe so hager wie das Mats. �Es gibt immer M�nner, die in den Wirren des Krieges ihren eigenen Vorteil sehen. Fain ist einer davon. Zweifellos will er das Horn erneut stehlen, und wenn es diesmal vom Dunklen K�nig selbst ist, und es dann zum eigenen Vorteil n�tzen.�</p><p>�Die Pl�ne des Vaters der L�gen sind niemals einfach und durchschaubar�, sagte Verin. �Es kann sein, da� er Fain das Horn hierher bringen lassen will, und der Grund ist eben nur im Shayol Ghul bekannt.�</p><p>�Monster�, schnaubte Mat. Seine Wangen waren eingefallen; die Augen sa�en in tiefen H�hlen. Da� er sich so gesund <emphasis>anh�rte,</emphasis> machte die Sache nur noch schlimmer. �Sie haben ein paar Trollocs gesehen oder einen Blassen, wenn ihr mich fragt. Und warum auch nicht? Wenn Aes Sedai f�r die Seanchan k�mpfen, warum dann nicht auch Blasse und Trollocs?� Er bemerkte, wie ihn Verin anblickte, und zuckte ein wenig zusammen. �Na ja, es sind wirklich welche, an der Leine oder nicht. Sie k�nnen die Macht ben�tzen, und das macht sie zu Aes Sedai.� Er sah Rand an und lachte heiser. �Das macht auch dich zu einem Aes Sedai. Licht, hilf uns allen!�</p><p>Masema kam von vorn durch Matsch und Regen angaloppiert. �Vor uns liegt ein weiteres Dorf, Lord Ingtar�, sagte er, als er sein Pferd neben Ingtar zum Stehen brachte. Sein Blick streifte Rand kaum, wurde aber trotzdem sichtlich h�rter. Danach sah er ihn nicht mehr an. �Es ist verlassen, Lord Ingtar. Keine Dorfbewohner, keine Seanchan, �berhaupt niemand. Die H�user wirken aber alle unbesch�digt, au�er, was zwei oder drei betrifft, die... na ja, die einfach nicht mehr da sind, Herr.�</p><p>Ingtar hob die Hand und befahl einen schnellen Trab.</p><p>Das Dorf, das Masema gefunden hatte, lag am Abhang eines H�gels. Obenauf lag ein gepflasterter Dorfplatz, in dessen Innerem sich eine ringf�rmige Mauer befand. Die H�user waren aus Stein gebaut, hatten flache D�cher und meist nur ein Stockwerk. Drei davon, die wohl gr��er gewesen und an einer Seite des Platzes errichtet worden waren, lagen nun in Tr�mmern. �ber den Platz verstreut lagen ru�geschw�rzte Mauerbruchst�cke und Dachsparren. Ein paar Fensterl�den knallten auf und zu, wenn der Wind b�ig wurde. Ingtar stieg vor dem einzigen gro�en Geb�ude ab, das noch stand. Das knarrende Schild �ber dem Eingang zeigte eine Frau, die mit Sternen jonglierte. Es stand aber kein Name drauf. Der Regen spritzte in zwei d�nnen F�den von den Ecken des Schilds herunter. Verin eilte hinein, w�hrend Ingtar sagte: �Uno, durchsuche alle H�user. Wenn noch jemand da ist, kann er uns vielleicht sagen, was hier passiert ist, und wir erfahren etwas mehr �ber die Seanchan. Und wenn du etwas zum Essen findest, bringe es auch mit. Und Decken.� Uno nickte und lie� seine M�nner abz�hlen. Ingtar wandte sich Hurin zu. �Was riechst du? Ist Fain hier durchgekommen?�</p><p>Hurin rieb sich die Nase und sch�ttelte den Kopf. �Er nicht, Lord Ingtar, und auch keine Trollocs. Aber wer auch immer das angerichtet hat, hat einen schlimmen Gestank hinterlassen.� Er deutete auf die Tr�mmer der H�user. �Es war Mord, Herr. Dort drinnen befanden sich Menschen.�</p><p>�Seanchan�, grollte Ingtar. �Gehen wir rein. Ragan, suche uns einen Stall f�r die Pferde.�</p><p>Verin hatte bereits in den beiden gro�en Kaminen, die sich an den Kopfseiten des Schankraumes befanden, Feuer gemacht, und nun w�rmte sie sich die H�nde. Ihren durchn��ten Umhang hatte sie auf einem der Tische ausgebreitet, die auf dem gefliesten Boden standen. Sie hatte auch ein paar Kerzen entdeckt, die auf einem der Tische leuchteten. Sie hatte sie einfach in ihr eigenes Wachs gesteckt, damit sie stehenblieben. Leere und Stille �nur durch ein gelegentliches Donnern von drau�en her unterbrochen � und dazu die flackernden Schatten: das alles lie� den Raum wie eine H�hle wirken. Rand warf seinen genauso nassen Umhang und den Mantel ebenfalls auf einen Tisch und gesellte sich zu ihr. Nur Loial fand es wichtiger, nach seinen B�chern zu sehen, als sich aufzuw�rmen.</p><p>�Auf diese Art finden wir das Horn von Valere nie�, sagte Ingtar. �Drei Tage, seit wir... seit wir hier angekommen sind� � er schauderte und fuhr sich mit der Hand durchs Haar; Rand fragte sich, was der Schienarer wohl in seinen anderen Leben erlebt hatte � �und noch mindestens zwei weitere bis Falme, und wir haben nicht die geringste Spur von Fain oder den Schattenfreunden entdeckt. Es gibt an der K�ste unz�hlige D�rfer. Er k�nnte in jedem davon stecken oder sich mittlerweile irgendwohin eingeschifft haben. Falls er �berhaupt jemals hier war.�</p><p>�Er war hier�, sagte Verin ruhig, �und er ist nach Falme gegangen.�</p><p>�Und da ist er immer noch�, f�gte Rand hinzu. <emphasis>Er wartet auf mich. Bitte, Licht, la� ihn immer noch warten.</emphasis> �Hurin hat nach wie vor keine Spur von ihm gefunden�, sagte Ingtar. Der Schn�ffler zuckte die Achseln schuldbewu�t, als habe es an ihm gelegen. �Warum sollte er ausgerechnet nach Falme gehen? Wenn man diesen Dorfbewohnern Glauben schenkt, befindet sich Falme in der Hand der Seanchan. Ich w�rde meinen besten Jagdhund opfern, wenn ich erf�hre, wer sie sind und woher sie kamen.�</p><p>�Wer sie sind, ist f�r uns nicht wichtig�, sagte Verin, die am Boden kniete, ihre Satteltaschen ge�ffnet hatte und nun trockene Kleidung daraus hervorholte. �Wenigstens haben wir jetzt Zimmer, wo wir uns umziehen k�nnen, obwohl uns das nicht viel hilft, wenn sich das Wetter nicht �ndert. Ingtar, es k�nnte sehr wohl stimmen, was uns die Dorfbewohner sagten, da� sie n�mlich die Nachkommen des Heeres von Artur Falkenfl�gel sind, die zur�ckkehrten. Wichtig ist nur, da� Padan Fain in Falme ist. Die Inschrift im Kerker von Fal Dara... �</p><p>�... hat Fain nicht erw�hnt. Vergebt mir, Aes Sedai, aber das kann genausogut eine Finte gewesen sein wie eine d�stere Prophezeiung. Ich kann nicht glauben, da� selbst Trollocs so dumm sind, uns alles, was sie tun werden, genau aufzuschreiben, noch bevor sie es getan haben.�</p><p>Sie drehte sich, um zu ihm hochblicken zu k�nnen. �Und was hast du vor, wenn du meinem Rat nicht folgen willst?�</p><p>�Ich will das Horn von Valere finden�, sagte Ingtar mit fester Stimme. �Vergib mir, aber ich mu� meinen f�nf Sinnen trauen und nicht ein paar Worten, die von Trollocs hingeschmiert wurden... �</p><p>�Eher von einem Myrddraal�, murmelte Verin, aber er lie� sich nicht unterbrechen.</p><p>�... oder von einem Schattenfreund, der sich selbst zu verraten schien. Ich werde weiter suchen, bis Hurin eine Spur findet oder wir Fain pers�nlich treffen. Ich mu� das Horn haben, Verin Sedai. Ich mu�!�</p><p>�Das ist nicht richtig�, sagte Hurin leise. �Nicht: Ich mu�. Was geschieht, geschieht.� Niemand achtete auf ihn.</p><p>�Wir alle m�ssen das�, murmelte Verin und sp�hte dabei in ihre Satteltaschen. �Aber es gibt vielleicht noch wichtigere Dinge als das.�</p><p>Sie sagte nicht mehr, doch Rand verzog das Gesicht. Er w�re ihr und ihren Sticheleien und Andeutungen so gern entkommen. <emphasis>Ich bin nicht der Wiedergeborene Drache. Licht, k�nnte ich nur s�mtlichen Aes Sedai endg�ltig entkommen!</emphasis> �Ingtar, ich denke, ich werde nach Falme weiterreiten. Fain ist dort, da bin ich sicher, und wenn ich nicht bald komme, dann wird er � er wird Emondsfeld etwas antun.� Das hatte er zuvor noch nie erw�hnt.</p><p>Sie sahen ihn alle an. Mat und Perrin hatten die Stirn besorgt gerunzelt und �berlegten angestrengt. Verin wirkte, als habe sie gerade ein neues Teil eines Puzzles entdeckt. Loial blickte erstaunt drein, und Hurin schien verwirrt. Ingtars Miene zeigte deutlich, da� er ihm nicht glaubte.</p><p>�Warum sollte er wohl?� fragte der Schienarer.</p><p>�Ich wei� nicht�, log Rand, �aber das war ein Teil seiner Botschaft, die mir Barthanes �bermittelte.�</p><p>�Und hat Barthanes gesagt, da� Fain nach Falme geht?� wollte Ingtar wissen. �Nein. Es h�tte ohnehin keine Rolle gespielt.� Er lachte bitter. �Schattenfreunde l�gen mit jedem Atemzug.�</p><p>�Rand�, sagte Mat, �wenn ich w��te, wie ich Fain davon abhalten k�nnte, Emondsfeld zu schaden, w�rde ich es tun. Wenn ich ganz sicher w�re, da� er das vorhat. Aber ich brauche diesen Dolch, Rand, und mit Hurins Hilfe haben wir die besten M�glichkeiten, ihn zu finden.�</p><p>�Ich gehe auf jeden Fall mit dir, Rand�, sagte Loial. Er hatte seine B�cher durchgesehen und sich vergewissert, da� keine Feuchtigkeit eingedrungen war, und nun zog er seinen nassen Mantel aus. �Aber ich wei� nicht, ob ein paar Tage mehr oder weniger viel ausmachen. Versuche doch, ein bi�chen weniger voreilig zu handeln.�</p><p>�Mir ist es v�llig egal, ob wir jetzt oder sp�ter oder niemals nach Falme reiten�, sagte Perrin achselzuckend, �aber wenn Fain wirklich Emondsfeld bedroht... na ja, Mat hat recht. Hurin ist unsere gr��te Chance, ihn zu finden.�</p><p>�Ich kann ihn aufsp�ren, Rand�, warf Hurin ein. �La�t mich einmal seine Spur riechen, und ich bringe euch geradewegs zu ihm. Niemals hat jemand eine so typische Spur hinterlassen wie er.�</p><p>�Du mu�t deine eigene Wahl treffen, Rand�, sagte Verin zur�ckhaltend. �Aber denk daran, da� Falme eine Stadt in der Hand von Invasoren ist, �ber die wir immer noch fast nichts wissen. Wenn du allein nach Falme gehst, wirst du vielleicht gefangengenommen oder noch Schlimmeres, und das hilft dann niemandem. Ich bin aber sicher, du wirst die richtige Wahl treffen.�</p><p><emphasis>�Ta'veren�,</emphasis> grollte Loial.</p><p>Rand hob abwehrend beide H�nde.</p><p>Uno kam vom Dorfplatz herein und sch�ttelte das Regenwasser aus seinem Umhang. �Keine einzige flammende Seele zu finden, Ingtar. Auf mich wirkt das, als seien sie alle gleichzeitig weggerannt. Das Vieh fehlt ebenfalls, und es ist auch kein verdammter Karren oder Wagen mehr da. Die H�lfte der H�user ist total ausger�umt und leer. Ich wette meinen n�chsten Monatslohn darauf, da� man ihnen folgen kann, wenn man den verfluchten M�belst�cken folgt, die sie in den Stra�engraben geworfen haben, weil sie verdammt noch mal merkten, da� sie damit nicht vorw�rtskamen.�</p><p>�Wie steht es denn mit Kleidungsst�cken?� fragte Ingtar.</p><p>Uno blinzelte �berrascht mit seinem einen Auge. �Sie haben nur ein paar einzelne St�cke dagelassen. Vor allem, was sie nicht f�r wert hielten, mitgenommen zu werden.�</p><p>�Das mu� ausreichen. Hurin, ich will, da� du dich zusammen mit ein paar anderen M�nnern als Einheimische verkleidest; so gut wie m�glich, damit ihr nicht auffallt. Dann reitet ihr in weiten Schleifen nach Norden und nach S�den los, bis ihr die Spur kreuzt.� Weitere Soldaten traten ein und versammelten sich um Ingtar und Hurin, um zuzuh�ren.</p><p>Rand legte die H�nde auf den Sims �ber dem Kamin und starrte in die Flammen. Sie erinnerten ihn an Ba'alzamons Augen. �Es ist nicht mehr viel Zeit�, sagte er. �Ich f�hle, wie mich... etwas... nach Falme zieht, und es bleibt nicht mehr viel Zeit.� Er bemerkte, da� Verin ihn beobachtete, und f�gte heiser hinzu: �Nicht das, was du meinst. Ich mu� Fain finden. Es hat nichts mit... dem anderen zu tun.�</p><p>Verin nickte. �Das Rad webt, wie es will, und wir werden alle in das Muster eingewoben. Fain ist bereits Wochen, vielleicht sogar Monate vor uns hier angekommen. Ein paar Tage mehr werden wohl kaum einen Unterschied machen, was auch geschehen k�nnte.�</p><p>�Ich werde eine Runde schlafen�, murmelte er und hob seine Satteltaschen auf. �Sie k�nnen ja wohl nicht s�mtliche Betten mitgeschleppt haben.�</p><p>Oben fand er Betten, aber nur in wenigen lagen noch die Matratzen, und die waren in einem Zustand, da� er sich �berlegte, doch lieber auf dem Fu�boden zu schlafen. Schlie�lich entschied er sich aber doch f�r ein Bett, bei dem die Matratze lediglich in der Mitte durchhing. Im Zimmer befand sich au�er einem Holzstuhl und einem Tisch mit einem wackligen Bein nichts weiter.</p><p>Er zog die nassen Sachen aus und ein trockenes Hemd und trockene Hosen an, bevor er sich hinlegte. Es gab keine Laken und Decken hier. Sein Schwert lehnte er an das Kopfteil des Bettes. Schmunzelnd dachte er daran, da� die einzige trockene Decke, die er ben�tzen konnte, die Flagge des Drachen war. Er lie� sie aber sicher verpackt in der Satteltasche stecken.</p><p>Der Regen trommelte auf das Dach, und der Donner grollte. Von Zeit zu Zeit erhellte ein Blitz die Fenster. Vor K�lte zitternd w�lzte er sich auf der Matratze hin und her, versuchte, eine bequemere Stellung zu finden, und fragte sich, ob er nicht doch lieber die Flagge zum Zudecken ben�tzen sollte. Vor allem aber �berlegte er, ob er wirklich nach Falme reiten sollte.</p><p>Er w�lzte sich wieder herum, und da stand Ba'alzamon mit der reinwei�en Stoffbahn des Drachenbanners in der Hand neben dem Stuhl. Dort erschien ihm das Zimmer dunkler, als st�nde Ba'alzamon am Rand einer Wolke �ligschwarzen Qualms. Beinahe verheilte Brandnarben �berzogen sein Gesicht, und w�hrend Rand ihn beobachtete, verschwanden einen Augenblick lang seine Augen. Sie wurden durch endlose Feuerh�hlen ersetzt. Rands Satteltaschen lagen am Fu�ende des Bettes, die Schnallen ge�ffnet und die Laschen aufgeklappt, wo das Banner verborgen gewesen war.</p><p>�Der Zeitpunkt n�hert sich, Lews Therin. Tausend F�den spannen sich, und bald bist du gebunden und dazu verurteilt, einen Weg zu gehen, den du nicht �ndern kannst. Wahnsinn. Tod. Wirst du noch einmal, bevor du stirbst, alles t�ten, was du liebst?�</p><p>Rand blickte zur T�r, aber dann setzte er sich lediglich im Bett auf. Was w�rde es schon bringen, vor dem Dunklen K�nig wegzulaufen? Seine Kehle war rauh wie Sandpapier. �Ich bin nicht der Drache, Vater der L�gen!� sagte er heiser.</p><p>Die Dunkelheit hinter Ba'alzamon quoll hoch, und Feuer�fen tosten auf, als Ba'alzamon lachte. �Du ehrst mich. Und spielst dich selbst in meinen Augen herunter. Ich habe dir tausend Mal gegen�bergestanden. Tausend mal tausend Mal. Ich kenne dich bis auf den tiefsten Grund deiner erb�rmlichen Seele, Lews Therin Bruderm�rder.� Er lachte wieder. Rand hielt sich eine Hand vor das Gesicht, um von der Hitze aus diesem feurigen Mund nicht versengt zu werden.</p><p>�Was willst du? Ich werde dir nicht dienen. Ich werde nichts tun, was du willst. Ich w�rde lieber vorher sterben!�</p><p>�Du <emphasis>wirst</emphasis> sterben, Wurm! Wie viele Male bist du im Laufe der Zeitalter gestorben, Narr, und was hat dir das gebracht? Das Grab ist kalt und einsam, bis auf die W�rmer. Das Grab geh�rt mir. Diesmal wird es f�r dich keine Wiedergeburt geben. Diesmal wird das Rad der Zeit zerbrochen und die Welt im Schatten neu geschaffen. Diesmal stirbst du f�r immer! Was w�hlst du? Den ewigen Tod? Oder das ewige Leben � und die Macht?�</p><p>Rand bemerkte kaum, da� er aufgesprungen war. Das Nichts hatte sich um ihn geh�llt, <emphasis>Saidin</emphasis> war da, und die Eine Macht durchstr�mte ihn. Diese Tatsache lie� die Leere beinahe wieder zerplatzen. War das alles wirklich? War es ein Traum? Konnte er im Traum die Macht ben�tzen? Aber der Strom, der ihn durchflo�, schwemmte seine Zweifel hinweg. Er schleuderte sie Ba'alzamon entgegen, die reine, unverw�sserte Eine Macht, die Kraft, von der das Rad der Zeit angetrieben wurde, eine Kraft, die den Ozean dazu bringen konnte, zu verbrennen und die Berge dabei zu verschlingen.</p><p>Ba'alzamon trat einen halben Schritt zur�ck und hielt die Flagge sch�tzend vor sich. Flammen sprangen in seine weit aufgerissenen Augen und seinen Mund, und die Dunkelheit schien ihn in Schatten zu h�llen. In den einen Schatten. Die Macht sank in diesen schwarzen Dunst ein und versickerte wie Wasser in ausgetrocknetem Sand.</p><p>Rand saugte <emphasis>Saidin</emphasis> auf, zog mehr Macht an sich und immer noch mehr. Sein Fleisch schien so kalt, da� es bei einer Ber�hrung zersplittern mu�te, und es brannte, als wolle es verkochen. Seine Knochen mu�ten jeden Moment zu klirrend kalter Kristallasche zerfallen. Es war ihm gleich; er f�hlte sich, als trinke er das Leben selbst.</p><p>�Narr!� br�llte Ba'alzamon. �Du wirst dich selbst zerst�ren!�</p><p>Mat. Der Gedanke schwamm irgendwo jenseits der alles verschlingenden Flut herum. <emphasis>Der Dolch. Das Horn. Fain. Emondsfeld. Ich kann noch nicht sterben.</emphasis> Er war sich nicht sicher, wie er es schaffte, doch pl�tzlich war die Macht verschwunden, ebenso wie <emphasis>Saidin</emphasis> und das Nichts. Er zitterte heftig und fiel neben dem Bett auf die Knie. Er umschlang sich mit den Armen, um das Zucken zu unterdr�cken. Umsonst.</p><p>�So ist es besser, Lews Therin.� Ba'alzamon warf die Flagge zu Boden und packte die Stuhllehne mit beiden H�nden. Zwischen seinen Fingern quollen Rauchf�den empor. Der Schatten schien ihn nicht mehr zu umgeben. �Hier ist dein Banner, Bruderm�rder. Es wird dir nicht helfen. Tausend F�den, durch tausend Jahre hindurch ausgelegt, haben dich hierher gezogen. Zehntausend, die im Laufe der Zeitalter gewoben wurden, binden dich wie ein Schaf, das geschlachtet werden soll. Das Rad selbst h�lt dich Zeitalter auf Zeitalter in deinem Schicksal gefangen. Aber ich kann dich befreien. Du kriechende Kreatur, ich allein auf der ganzen Welt kann dich lehren, die Macht richtig anzuwenden. Nur ich kann sie davon abhalten, dich zu t�ten, noch bevor du dem Wahnsinn verf�llst. Nur ich kann den Wahnsinn aufhalten. Du hast mir fr�her schon gedient. Diene mir wieder, Lews Therin, oder du wirst f�r immer vernichtet!�</p><p>�Ich hei�e�, brachte Rand mit klappernden Z�hnen m�hsam heraus, �Rand al'Thor.� Sein Zittern war so stark, da� er die Augen schlo�, und als er sie wieder �ffnete, war er allein.</p><p>Ba'alzamon war weg. Der Schatten hatte sich aufgel�st. Seine Satteltaschen lehnten mit geschlossenen Schnallen am Stuhl, und eine beulte sich aus, wo das Drachenbanner steckte, genauso, wie er alles zur�ckgelassen hatte. Nur von der Lehne des Stuhls erhob sich noch immer Rauch, und auf dem Holz waren die Spuren eingebrannter Finger zu sehen.</p></section><section><title><p>42</p><p>Falme</p></title><p>Nynaeve dr�ckte Elayne in die enge Gasse zwischen einem Tuchh�ndler und der Werkstatt eines T�pfers zur�ck, als ein durch eine silberne Leine verbundenes Frauenpaar vorbeikam, das die mit Kopfstein gepflasterte Stra�e zum Hafen von Falme hinunterschritt. Sie wagten nicht, dieses Paar zu nahe an sich herankommen zu lassen. Die Menschen auf der Stra�e machten diesen beiden noch bereitwilliger Platz als den Soldaten der Seanchan oder den gelegentlich vorbeikommenden S�nften der Adligen, die nun, da die Tage kalt geworden waren, durch dicke Vorh�nge ihre Insassen verbargen. Selbst die Pflastermaler boten den beiden Frauen ihre Dienste nicht an, obwohl sie ansonsten alle mit ihren Kreiden bel�stigten. Nynaeve verzog zornig den Mund, w�hrend sie die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und die <emphasis>Damane</emphasis> auf ihrem Weg durch die Menge beobachtete. Obwohl sie sich bereits seit ein paar Wochen in dieser Stadt aufhielten, machte sie dieser Anblick krank, jetzt wom�glich noch mehr als vorher. Sie konnte sich nicht vorstellen, so etwas irgendeiner Frau antun zu k�nnen, noch nicht einmal Moiraine oder Liandrin.</p><p><emphasis>Na ja, Liandrin vielleicht schon,</emphasis> gab sie widerwillig zu. Manchmal, tief in der Nacht in dem kleinen muffigen Zimmer �ber einem Fischh�ndler, das sie gemietet hatten, stellte sie sich vor, was sie alles mit Liandrin anstellen w�rde, bek�me sie sie in die H�nde. Mit Liandrin mehr als mit Suroth. Mehr als einmal war sie �ber ihre eigene Grausamkeit erschrocken, obwohl sie sich an ihrem Erfindungsreichtum erfreute. W�hrend sie sich noch bem�hte, das Frauenpaar weiter zu beobachten, fiel ihr Blick auf einen knochigen Mann, der weit unten die Stra�e hinabschritt und schnell wieder in der Menge untertauchte. Sie sah nur einen Augenblick lang eine gro�e Nase in einem schmalen Gesicht. Er trug �ber seiner Kleidung ein reich verziertes bronzefarbenes Gewand nach typischer Seanchan-Mode, aber sie glaubte nicht, da� er ein Seanchan war. Der Diener, der ihm folgte, war allerdings einer, und sogar einer von hohem Rang, da er die Haare an einer Schl�fe abrasiert hatte. Die Einwohner Falmes hatte die Mode der Seanchan nicht angenommen und diese spezielle schon gar nicht. <emphasis>Der sah aus wie Padan Fain,</emphasis> dachte sie ungl�ubig. <emphasis>Das kann ja wohl nicht sein. Nicht hier.</emphasis> �Nynaeve�, fragte Elayne leise, �k�nnen wir weitergehen? Dieser Bursche hier, der die �pfel verkauft, schaut schon ganz mi�trauisch, und wenn er nachz�hlt, m�chte ich nicht, da� er sich fragt, was ich wohl in den Taschen habe.�</p><p>Sie trugen beide lange M�ntel aus Schafsleder mit dem Fell nach innen, und jede hatte auf der Brust leuchtendrote Spiralen aufgemalt bekommen. Das war typisch l�ndliche Kleidung, die in Falme nicht weiter auffiel, wo ja sehr viele Leute aus den Bauernh�fen und D�rfern der Umgebung herumliefen. Unter so vielen Fremden hatten sie sich unbemerkt einnisten k�nnen. Sie hatte ihren Zopf entflochten und ausgek�mmt, und der goldene Ring, der Ring mit der Schlange, die ihren eigenen Schwanz fra�, hing jetzt neben Lans schwerem Ring an einer Lederschnur wie ein Medaillon unter ihrem Kleid.</p><p>Die gro�en Taschen auf Elaynes Mantel beulten sich verd�chtig aus. �Du hast ihm die �pfel gestohlen?� zischte Nynaeve leise. Sie zog Elayne sofort hinaus auf die belebte Stra�e. �Elayne, wir m�ssen doch nicht stehlen. Jedenfalls noch nicht.�</p><p>�Nein? Wieviel Geld haben wir noch �brig? Du hast in letzter Zeit beim Essen verd�chtig oft �keinen Hunger� gehabt.�</p><p>�Weil ich einfach keinen Hunger hatte�, fauchte Nynaeve. Sie versuchte, den Hohlraum in ihrem Magen nicht zu beachten. Alles kostete hier viel mehr, als sie erwartet hatte. Sie hatte geh�rt, wie sich die Einheimischen dar�ber beschwerten, da� die Preise seit der Ankunft der Seanchan so stark gestiegen waren. �Gib mir einen davon.� Der Apfel, den Elayne aus ihrer Tasche hervorkramte, war klein und hart, aber er schmeckte ausgesprochen s��, als Nynaeve hineinbi�. Sie leckte sich die Lippen. �Wie hast du das fertigge... � Sie zerrte Elayne herum und sah ihr in die Augen. �Hast du...? Hast du...?� Sie kam nicht darauf, wie sie ihre Frage formulieren sollte, ohne da� die vielen vorbeistr�menden Menschen etwas mitbekamen. Doch Elayne verstand sie auch so.</p><p>�Nur ein bi�chen. Ich habe es so angestellt, da� der Stapel alter Melonen, die schon Druckflecken hatten, umfiel, und als er sie wieder aufstapelte... � Sie bringt nicht einmal so viel Anstand auf, zu err�ten oder verlegen zu wirken, dachte Nynaeve. Statt dessen a� sie gelassen einen der �pfel und zuckte die Achseln. �Es ist gar nicht notwendig, da� du mich so finster ansiehst. Ich habe mich schon genau vergewissert, da� keine <emphasis>Damane</emphasis> in der N�he war.� Sie schniefte. �Wenn ich eine Gefangene w�re, w�rde ich denen nicht helfen, weitere Frauen zu Sklavinnen zu machen. Wenn man allerdings diese Leute aus Falme betrachtet, k�nnte man denken, sie h�tten ihr Leben lang nichts anderes getan, als denen zu dienen, die eigentlich ihre gr��ten Feinde sind.� Sie sah sich mit ver�chtlich verzogener Miene um. Man konnte deutlich den Kurs eines jeden Seanchan durch die Menge verfolgen, selbst den einfacher Soldaten, denn die Verbeugungen pflanzten sich wie eine Welle fort. �Sie sollten Widerstand leisten und k�mpfen.� �Wie denn? Gegen... das?�</p><p>Sie mu�ten wie alle anderen zur Seite treten, als sich eine Patrouille der Seanchan n�herte, die vom Hafen heraufkam. Nynaeve brachte es fertig, sich � H�nde auf den Knien � mit v�llig unbeteiligtem Gesicht zu verbeugen. Elayne war langsamer und begleitete ihre Verbeugung mit immer noch ver�chtlich verzogenem Mund.</p><p>Die Patrouille bestand aus zwanzig ger�steten M�nnern und Frauen. Sie ritten auf normalen Pferden, was Nynaeve dankbar zur Kenntnis nahm. Sie konnte sich nicht daran gew�hnen, Leute auf Kreaturen reiten zu sehen, die wie schwanzlose Katzen mit Bronzeschuppen aussahen, und ein Reiter auf einem dieser fliegenden Wesen verursachte ihr gar Schwindelgef�hle. Sie war heilfroh, da� es so wenige davon gab. Aber auch bei dieser Patrouille liefen zwei angekettete Kreaturen nebenher, die wie fl�gellose V�gel mit ledriger Haut und scharfen spitzen Schn�beln aussahen. Ihre K�pfe ragten noch �ber die Helme der berittenen Soldaten hinaus. Mit ihren langen sehnigen Beinen rannten sie sicherlich schneller als jedes Pferd.</p><p>Sie richtete sich langsam wieder auf, nachdem die Seanchan verschwunden waren. Einige Leute, die sich ebenfalls tief verbeugt hatten, machten den Eindruck, als w�ren sie am liebsten weggelaufen, denn au�er den Seanchan selbst f�hlte sich niemand in der Gegenwart dieser Kreaturen wohl. �Elayne�, sagte sie leise, als sie weitergingen, �ich schw�re dir: Wenn sie uns fangen, werde ich vor meinem Tod auf Knien darum bitten, da� ich dich zuvor noch von Kopf bis Fu� mit der st�rksten Rute verhauen darf, die ich finden kann. Wenn du immer noch keine Vorsicht gelernt hast, ist es vielleicht besser, dich nach Tar Valon zur�ckzuschicken oder heim nach Caemlyn oder jedenfalls irgendwo anders hin.�</p><p>�Ich bin doch vorsichtig. Ich habe mich umgesehen, um sicher zu sein, da� keine <emphasis>Damane</emphasis> in der N�he war. Wie steht es denn mit dir? Ich habe gesehen, wie du die Macht ben�tzt hast, obwohl eine <emphasis>Damane</emphasis> in Sicht war.�</p><p>�Ich habe mich vergewissert, da� sie nicht in meine Richtung schauten�, knurrte Nynaeve. Sie hatte ihren ganzen Zorn auf Frauen in die Waagschale werfen m�ssen, die andere Frauen wie Tiere an die Leine legten, um �berhaupt etwas zustande zu bringen. �Und es war nur ein einziges Mal und sowieso nur ein ganz schwacher Versuch.�</p><p>�Ein ganz schwacher Versuch? Wir mu�ten uns drei Tage lang im Fischgestank unseres Zimmers verbergen, weil sie den ganzen Ort absuchten, um jene zu finden, die das angestellt hatte! Nennst du das Vorsicht?�</p><p>�Ich mu�te herausbekommen, ob es m�glich ist, diese Halsb�nder zu �ffnen.� Sie glaubte fest daran. Sie w�rde mindestens noch einmal eine Probe aufs Exempel machen m�ssen, um ganz sicher zu sein, und das erf�llte sie mit Unbehagen. Genau wie Elayne hatte sie geglaubt, die <emphasis>Damane</emphasis> seien als Gefangene daran interessiert, freizukommen, doch es war ausgerechnet die Frau mit dem Halsband gewesen, die Alarm geschlagen hatte.</p><p>Ein Mann mit einem zweir�drigen Karren schob sich an ihnen vorbei. Der Karren rumpelte laut �ber das Kopfsteinpflaster. Wie ein Marktschreier bot er seine Dienste als Scheren- und Messerschleifer an. �Irgendwie sollten sie Widerstand leisten�, grollte Elayne. �Sie tun immer so, als s�hen sie �berhaupt nichts, wenn ein Seanchan an etwas beteiligt ist.�</p><p>Nynaeve seufzte nur. Elayne hatte zumindest teilweise recht � aber das half auch nicht weiter. Zuerst hatte sie geglaubt, diese widerstandslose Ergebenheit der Einwohner von Falme sei lediglich vorget�uscht, doch sie hatte noch immer kein Anzeichen f�r den geringsten Widerstand gefunden. Sie hatte sich wirklich danach umgeschaut, da sie hoffte, f�r die Befreiung Egwenes und Mins Helfer zu finden, aber jeder hatte schon bei der kleinsten Andeutung eines Widerstands gegen Seanchan entsetzt den R�ckzug angetreten. So hatte sie es aufgegeben, bevor sie noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Sie konnte sich tats�chlich auch nicht vorstellen, wie diese Leute sich zur Wehr setzen sollten. <emphasis>Monster und Aes Sedai. Wie kann man gleichzeitig gegen Monster und Aes Sedai k�mpfen?</emphasis> Vor ihnen standen nun f�nf hohe Steinh�user, die zu den gr��ten in der Stadt geh�rten und zusammen ein geschlossenes Viereck bildeten. Eine Stra�e davor entdeckte Nynaeve eine kleine Gasse neben einer Schneiderei, von der aus sie die meisten Eing�nge zu diesem gro�en H�userblock im Auge behalten konnten. Sie konnten nicht alle Eing�nge gleichzeitig beobachten, und sie wollte auch nicht, da� Elayne allein einen anderen Posten bezog, aber n�her heran wagten sie sich auch nicht. �ber den D�chern dieser H�user flatterte die Flagge mit dem goldenen Falken, dem Abzeichen des Hochlords Turak, im Wind.</p><p>Nur Frauen gingen in diese H�user hinein oder traten heraus, und die meisten davon waren <emphasis>Sul'dam,</emphasis> allein oder in Begleitung von <emphasis>Damane.</emphasis> Die Geb�ude waren von den Seanchan besetzt worden, um die <emphasis>Damane</emphasis> unterzubringen. Egwene mu�te sich darin befinden und wahrscheinlich auch Min. Sie hatten Min bisher nicht entdeckt, doch es war m�glich, da� sie sich genau wie sie in der Menge verbarg. Nynaeve hatte viel dar�ber geh�rt, da� Frauen und M�dchen von der Stra�e weg oder in den D�rfern gefangen und in diese H�user gebracht worden waren. Falls sie je wiedergesehen wurden, trugen sie ein Halsband.</p><p>Sie setzte sich neben Elayne auf eine leere Kiste und holte sich aus Elaynes Manteltasche einen der kleinen �pfel. Hier waren weniger Einheimische auf der Stra�e zu sehen. Jeder wu�te �ber die H�user Bescheid und mied sie, genau wie sie die Stallungen mieden, in denen die Seanchan ihre seltsamen Kreaturen untergebracht hatten. Es war nicht schwer, zwischen den Passanten hindurch die Eing�nge zu beobachten. Nur zwei Frauen, die sich ausruhten und einen Bissen a�en; also wieder zwei Menschen, die sich das Essen in einer Schenke nicht leisten konnten. Sie zogen nicht mehr als fl�chtige Blicke auf sich.</p><p>Nynaeve a� ganz mechanisch und versuchte dabei, Pl�ne zu schmieden. Wenn sie ein solches Halsband �ffnen konnte � falls es wirklich gel�nge �, half das gar nichts. Erst einmal mu�ten sie Egwene aufsp�ren. Die �pfel schmeckten ihr pl�tzlich nicht mehr so s��.</p><p>Aus dem engen Fenster ihres winzigen Zimmers unter dem Dach, eines von mehreren, die man durch Holzverschl�ge voneinander abgetrennt hatte, schaute Egwene direkt in den Garten hinab, in dem die <emphasis>Damane</emphasis> von ihren <emphasis>Sul'dam</emphasis> spazieren gef�hrt wurden. Es hatte urspr�nglich mehrere G�rten gegeben, doch die Seanchan hatten die Trennmauern abgerissen, als sie die H�user f�r ihre <emphasis>Damane</emphasis> besetzten. Die B�ume trugen keine Bl�tter mehr, aber man brachte die <emphasis>Damane</emphasis> trotzdem an die frische Luft, ob sie es wollten oder nicht. Egwene blickte in den Garten hinab, weil sich Renna dort aufhielt und mit einer anderen <emphasis>Sul'dam</emphasis> unterhielt. Solange sie Renna im Auge behielt, konnte sie nicht hereinkommen und sie �berraschen.</p><p>Es konnte nat�rlich auch eine andere <emphasis>Sul'dam</emphasis> hereinkommen. Es gab viel mehr <emphasis>Sul'dam</emphasis> als <emphasis>Damane,</emphasis> und jede <emphasis>Sul'dam</emphasis> wollte auch einmal das Armband tragen � sie nannten es: �vollst�ndig sein�. Doch Renna war nach wie vor f�r ihre Ausbildung zust�ndig, und in vier von f�nf F�llen trug Renna ihr Armband. Falls jemand einzutreten w�nschte, gab es keine M�glichkeit, ihn daran zu hindern. Es gab keine Schl�sser an den T�ren zu den Zimmern der <emphasis>Damane.</emphasis> In Egwenes Zimmer standen nur ein enges hartes Bett, ein Waschgestell mit einer angesto�enen Kanne und einer gro�en Waschsch�ssel, ein Stuhl und ein Tisch, und f�r mehr war auch kein Platz. <emphasis>Damane</emphasis> brauchten keine Bequemlichkeit, keine Privatsph�re und kein Eigentum. <emphasis>Damane</emphasis> waren selbst Eigentum. Min hatte auch ein solches Zimmer in einem der anderen H�user, doch sie konnte kommen und gehen, wie sie wollte � oder fast, wie sie wollte. Die Seanchan hatten eine Schw�che f�r Vorschriften, von denen es f�r jedermann mehr gab als in der Wei�en Burg f�r die geplagten Novizinnen.</p><p>Egwene trat vom Fenster zur�ck. Sie wollte nicht riskieren, da� eine der Frauen von unten hochblickte und das leichte Gl�hen um sie herum bemerkte, das beim Benutzen der Einen Macht entstand. Sie tastete mit <emphasis>Saidar</emphasis> vorsichtig nach ihrem Halsband. Ihre Suche nach einer Schwachstelle aber war umsonst. Sie wu�te noch nicht einmal, ob das Band gewebt oder aus Einzelgliedern zusammengesetzt war. Manchmal schien es so und dann wieder anders. Auf jeden Fall wirkte es wie ein einziges St�ck. Sie benutzte nur ein winziges bi�chen der Macht, die kleinste Einheit, die sie sich vorstellen konnte, und doch stand auf ihrer Stirn Schwei�, und ihr Magen krampfte sich zusammen. Es war eine der Eigenschaften des <emphasis>A'dam,</emphasis> da� es einer <emphasis>Damane,</emphasis> die in Abwesenheit ihrer <emphasis>Sul'dam</emphasis> die Macht ben�tzte, schlecht wurde, und je mehr Macht sie lenkte, desto schlechter wurde ihr. Wenn sie nur eine Kerze entz�ndet h�tte, die etwas weiter als eine Arml�nge von ihr entfernt stand, h�tte sie sich �bergeben m�ssen. Renna hatte ihr einmal befohlen, die kleinen Lichtkugeln zu jonglieren, w�hrend das Armband auf dem Tisch lag. Wenn sie sich daran erinnerte, sch�ttelte sie sich immer noch.</p><p>Jetzt schl�ngelte sich die silberne Leine �ber den nackten Fu�boden und an der unget�nchten Holzwand hinauf bis zu dem Haken, an dem das Armband hing. Bei diesem Anblick knirschte sie vor ohnm�chtigem Zorn mit den Z�hnen. Wenn man einen Hund so nachl�ssig alleinlie�, konnte er wegrennen. Wenn jedoch eine <emphasis>Damane</emphasis> ihr Armband auch nur einen Fu�breit von der Stelle entfernte, an die es die <emphasis>Sul'dam</emphasis> gelegt hatte... Renna hatte ihr auch aufgetragen, das zu tun. Sie mu�te ihr eigenes Armband durch das Zimmer tragen � oder es zumindest versuchen. Sie war sicher, da� es nur Minuten dauerte, bis die <emphasis>Sul'dam</emphasis> sich das Armband selbst mit heftiger Bewegung angelegt hatte, doch Egwenes Schreien und die Kr�mpfe, unter denen sie sich auf dem Fu�boden w�lzte, schienen sich �ber Stunden hinzuziehen.</p><p>Jemand klopfte, und Egwene fuhr zusammen, bevor ihr einfiel, da� es keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> sein konnte. Von denen w�rde keine anklopfen. Sie lie� <emphasis>Saidar</emphasis> fahren, da sie sich sowieso schon mies f�hlte. �Min?�</p><p>�Hier bin ich zu meinem w�chentlichen Besuch�, verk�ndete Min, als sie hereinschl�pfte und die T�r schlo�. Ihre Fr�hlichkeit klang ein wenig gezwungen, doch sie bem�hte sich immer, so gut sie konnte, Egwenes Stimmung zu heben. �Wie gef�llt es dir?� Sie drehte sich um die eigene Achse und f�hrte ihr dunkelgr�nes Wollkleid aus dem Seanchanschen Fundus vor. Einen schweren, dazu passenden Umhang hatte sie sich �ber den Arm gelegt. Und ihr dunkles Haar wurde noch von einem gr�nen Band zusammengehalten, obwohl es noch kaum lang genug daf�r war. An ihrer H�fte hing immer noch das Messer in der Scheide. Egwene war �berrascht gewesen, als Min es beim ersten Zusammentreffen trug, aber die Seanchan vertrauten ihnen offenbar. So lange, bis sie eine Vorschrift brachen.</p><p>�Es ist h�bsch�, sagte Egwene vorsichtig. �Aber warum?�</p><p>�Ich bin nicht zum Feind �bergelaufen, falls du das denkst. Ich mu�te mich entweder anpassen oder ein Zimmer irgendwo drau�en in der Stadt nehmen, von wo aus ich dich vielleicht nicht mehr h�tte besuchen d�rfen.� Sie wollte sich schon breitbeinig auf den Stuhl setzen, als tr�ge sie Hosen, sch�ttelte dann aber den Kopf und drehte den Stuhl um, damit sie sich richtig hinsetzen konnte. �Jeder hat seinen Platz im Muster�, imitierte sie sp�ttisch, �und der Platz eines jeden mu� deutlich sichtbar sein. Diese alte Hexe Mulaen hatte es wohl satt, nicht schon bei meinem Anblick zu wissen, welches mein Platz sei, und so entschlo� sie sich, mir den Rang eines K�chenm�dchens zu verleihen. Sie lie� mich w�hlen. Du solltest mal sehen, was manche von den Seanchan-M�dchen tragen �diejenigen, die den Lords dienen. Es k�nnte mir schon gefallen, aber nicht, wenn ich nicht wenigstens verlobt bin oder noch besser: verheiratet. Na ja, nun gibt es kein Zur�ck mehr. Noch nicht. Mulaen verbrannte meinen Mantel und meine Hosen.� Sie schnitt eine Grimasse, um zu unterstreichen, was sie davon hielt, und nahm dann einen Stein von einem kleinen Stapel auf dem Tisch. Sie lie� ihn von Hand zu Hand h�pfen. �Es ist nicht so schlimm�, sagte sie lachend, �aber ich habe so lange keinen Rock mehr getragen, da� ich st�ndig ins Stolpern komme.�</p><p>Auch Egwene hatte zusehen m�ssen, wie ihre Kleider verbrannt wurden, einschlie�lich dieses wundersch�nen gr�nen Seidenkleids. Sie war froh gewesen, da� sie nicht noch mehr der Kleider mitgebracht hatte, die ihr Lady Amalisa gegeben hatte. Wahrscheinlich w�rde sie keines davon jemals wiedersehen, und auch die Wei�e Burg nicht. Was sie jetzt trug, war von dem gleichen Dunkelgrau, das alle <emphasis>Damane</emphasis> anhatten. Damane <emphasis>haben kein Eigentum,</emphasis> hatte man ihr erkl�rt. <emphasis>Das Kleid, das eine</emphasis> Damane <emphasis>tr�gt, das Essen, das sie zu sich nimmt, das Bett, in dem sie schl�ft, sind alles Geschenke von ihrer</emphasis> Sul'dam. <emphasis>Falls eine</emphasis> Sul'dam <emphasis>beschlie�t, da� eine</emphasis> Damane <emphasis>auf dem Fu�boden anstatt in einem Bett oder in einer Box im Stall schl�ft, dann liegt die Entscheidung einzig und allein bei der</emphasis> Sul'dam. Mulaen, die f�r die Quartiere der <emphasis>Damane</emphasis> zust�ndig war, hatte eine eint�nige Stimme und sprach immer so durch die Nase. Aber sie bestrafte jede <emphasis>Damane,</emphasis> die nicht jedes Wort ihrer langweiligen Vortr�ge auswendig kannte.</p><p>�Ich glaube nicht, da� es f�r mich jemals ein Zur�ck gibt�, seufzte Egwene und lie� sich auf das Bett sinken.</p><p>Sie deutete auf die Steine, die auf dem Tisch lagen. �Renna hat mich gestern gepr�ft. Ich habe das St�ck Eisenerz und das Kupfererz herausgefunden, und zwar mit verbundenen Augen und jedesmal, wenn sie die Klumpen neu mischte. Sie lie� sie hier liegen, um mich an meinen Erfolg zu erinnern. Sie hielt es wohl f�r eine Art Belohnung.�</p><p>�Das scheint mir auch nicht schlimmer zu sein als alles andere � weit weniger schlimm, als wenn Feuerwerksk�rper explodieren �, aber h�ttest du nicht schwindeln k�nnen? Ihr erz�hlen, du k�nntest die St�cke nicht unterscheiden?�</p><p>�Du wei�t immer noch nicht, wie das wirklich ist.� Egwene zog an ihrem Halsband, aber das half auch nicht mehr als das Lenken der Macht vorher. �Wenn Renna dieses Armband tr�gt, wei� sie genau, was ich mit Hilfe der Macht anstelle und was nicht. Manchmal scheint sie es sogar zu wissen, wenn sie es nicht tr�gt. Sie sagt, da� <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit der Zeit eine gewisse Affinit�t � so nennt sie es � zu ihrer <emphasis>Damane</emphasis> entwickeln.� Sie seufzte.</p><p>�Niemand hatte bisher auch nur daran gedacht, mich auf so etwas zu �berpr�fen. Die Erde ist eine der f�nf M�chte, die bei den M�nnern am st�rksten vertreten war. Als ich diese Steine ausw�hlte, nahm sie mich mit zu einer Stelle au�erhalb der Stadt, und ich war in der Lage, geradewegs auf ein verlassenes Eisenbergwerk zu deuten. Es war alles �berwuchert, und keine �ffnung war zu sehen, aber sobald ich einmal Bescheid wu�te, f�hlte ich das Eisen, das sich noch im Boden befindet. Es war nicht genug da, als da� man es in den letzten hundert Jahren lohnend h�tte abbauen k�nnen, aber ich wu�te, es war vorhanden. Ich konnte sie nicht anl�gen, Min. Sie wu�te im gleichen Moment wie ich, da� ich das Bergwerk f�hlte.</p><p>Sie war so erregt, da� sie mir zum Abendessen einen Pudding versprach.� Sie sp�rte, wie ihre Wangen vor �rger und Scham brannten. �Offensichtlich bin ich nunmehr so wertvoll�, sagte sie in bitterem Ton, �da� man meine Kr�fte nicht mehr damit verschwendet, Sachen zum Explodieren zu bringen. Das kann jede <emphasis>Damane,</emphasis> aber kaum eine kann Erze im Boden aufsp�ren. Licht, ich hasse es, Sachen explodieren zu lassen, aber ich w�nschte, das w�re alles, was ich fertigbringe.�</p><p>Ihre Wangen f�rbten sich noch dunkler. Sie ha�te es wirklich, wenn sie B�ume zum Zerspringen und die Erde zum Aufb�umen brachte. Das war f�r den Kampf bestimmt, f�r das T�ten, und damit wollte sie nichts zu tun haben. Aber alles, was sie f�r die Seanchan tat, bedeutete eine neue Gelegenheit, <emphasis>Saidar</emphasis> zu ber�hren und den Strom der Macht in ihrem K�rper zu f�hlen. Sie verabscheute die Dinge, die sie f�r Renna und die anderen <emphasis>Sul'dam</emphasis> tun mu�te, doch sie war sicher, da� sie mittlerweile ein viel gr��eres Potential aufwies als zuvor in Tar Valon. Sie wu�te, da� sie mit Hilfe der Macht Dinge tun konnte, an die keine Schwester in der Burg je auch nur gedacht hatte; sie dachten nie daran, die Erde aufzurei�en, um M�nner zu t�ten.</p><p>�Vielleicht mu�t du dir �ber alles das bald keine Sorgen mehr machen�, sagte Min grinsend. �Ich habe ein Schiff f�r uns gefunden, Egwene. Der Kapit�n ist hier von den Seanchan festgehalten worden, und jetzt ist er soweit, da� er segeln will, gleichg�ltig, ob er eine Erlaubnis hat oder nicht.�</p><p>�Wenn er dich mitnimmt, Min, dann segle mit ihm�, sagte Egwene ergeben. �Ich sagte dir ja, da� ich nun wertvoll bin. Renna sagt, da� man in ein paar Tagen ein Schiff hin�ber nach Seanchan schicken wird. Und das nur, um mich dorthin zu bringen.�</p><p>Min verging das Grinsen, und sie blickten einander in die Augen. Pl�tzlich warf Min den Stein zur�ck auf den Stapel, und er flog auseinander. �Es mu� einen Weg von hier fort geben. Es mu� m�glich sein, dieses verdammte Ding um deinen Hals zu l�sen!�</p><p>Egwene lehnte den Kopf zur�ck an die Wand. �Du wei�t doch, da� die Seanchan jede Frau eingefangen haben, die auch nur ein winziges bi�chen der Macht beherrschen kann, alle, die sie finden konnten. Sie kommen von �berallher, nicht nur aus Falme, sondern auch aus den Fischerd�rfern und aus Bauernd�rfern im Landesinneren. Taraboner und Domanifrauen, Passagiere der von ihnen gekaperten Schiffe. Es sind auch zwei Aes Sedai darunter.�</p><p>�Aes Sedai!� rief Min. Gewohnheitsm��ig sah sie sich um, ob auch keine Seanchan geh�rt hatte, welche Bezeichnung sie da aussprach. �Egwene, wenn sich hier Aes Sedai befinden, k�nnen sie uns helfen. La� mich mit ihnen sprechen und... �</p><p>�Sie k�nnen sich nicht einmal selbst helfen, Min. Ich habe nur mit einer gesprochen. Sie hei�t Ryma. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> nennen sie nicht so, aber das ist ihr Name. Sie wollte, da� ich ihn kenne. Sie sagte mir, da� noch eine da sei. Das erz�hlte sie mir unter Tr�nen. Sie ist eine Aes Sedai, und sie weinte bitterlich, Min! Sie tr�gt ein Halsband, sie wird hier Pura genannt, und sie kann nichts dagegen tun, genausowenig wie ich. Sie haben sie bei der Kapitulation Falmes gefangengenommen. Sie weinte, weil sie den Widerstand langsam aufgab, weil sie es nicht mehr ertragen kann, bestraft zu werden. Sie weinte, weil sie Selbstmord begehen wollte und auch das nicht ohne Erlaubnis fertigbringt. Licht, ich wei�, wie sie sich f�hlt!�</p><p>Min rutschte nerv�s umher und strich sich st�ndig das Kleid glatt. �Egwene, das willst du doch nicht... Egwene, du darfst nicht daran denken, dir etwas anzutun. Ich kriege dich irgendwie hier heraus. Ganz bestimmt!�</p><p>�Ich werde mich nicht umbringen�, meinte Egwene trocken. �Nicht einmal, wenn ich k�nnte. Gib mir dein Messer. Komm schon! Ich werde mich schon nicht verletzen. Gib's mir nur einfach.�</p><p>Min z�gerte und zog dann langsam ihr Messer aus der Scheide. Sie hielt es ihr vorsichtig hin. Offensichtlich war sie sprungbereit, sollte Egwene irgend etwas versuchen.</p><p>Egwene atmete tief ein und griff nach dem Knauf. Ein leichtes Zittern durchlief ihre Armmuskulatur. Als ihre Hand sich dem Messer auf etwa ein Fu� Entfernung gen�hert hatte, kr�mmten sich pl�tzlich ihre Finger unter einem Krampf. Mit starr geradeaus gerichtetem Blick bem�hte sie sich, ihre Hand noch n�her heranzuzwingen. Der Krampf erfa�te ihren ganzen Arm und verknotete die Muskeln bis hinauf zur Schulter. Aufst�hnend sackte sie zusammen und konzentrierte sich in Gedanken darauf, das Messer <emphasis>nicht</emphasis> zu ber�hren. Langsam lie� der Schmerz nach.</p><p>Min sah sie ungl�ubig an. �Was... ? Ich verstehe nicht.�</p><p>�Einer <emphasis>Damane</emphasis> ist es nicht erlaubt, irgendeine Waffe zu ber�hren.� Sie massierte ihren Arm und f�hlte, wie die Anspannung nachlie�. �Man schneidet uns sogar das Fleisch vor. Ich will mich gar nicht verletzen, aber selbst wenn ich es wollte, k�nnte ich nicht. Man l��t auch keine <emphasis>Damane</emphasis> irgendwo allein, wo sie aus gr��erer H�he hinabspringen k�nnte. Dieses Fenster hier hat man zugenagelt. Wir k�nnen auch nicht in einen Flu� springen.�</p><p>�Na, das ist doch gut. Ich meine... Ach, ich wei� selbst nicht, was ich meine. Falls du in einen Flu� spr�ngst, k�nntest du entkommen.�</p><p>Egwene fuhr einfach fort, als habe Min nichts gesagt: �Sie schulen mich, Min. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und ihre <emphasis>Adam</emphasis> bilden mich aus. Ich kann nichts ber�hren, was ich selbst f�r eine Waffe halte. Vor ein paar Wochen wollte ich Renna diesen Krug �ber den Sch�del hauen, und daraufhin konnte ich drei Tage lang kein Waschwasser mehr ausgie�en. Ich mu�te nicht nur den Gedanken aufgeben, sie damit zu schlagen, nein, ich mu�te mich auch noch selbst �berzeugen, da� ich sie niemals, unter gar keinen Umst�nden, damit schlagen w�rde. Erst dann konnte ich den Krug wieder ber�hren. Sie wu�te, was geschehen war, und schrieb mir vor, was ich tun m�sse. Ich durfte mich ausschlie�lich in gerade dieser Sch�ssel und diesem Krug waschen und nirgends sonst. Du hast Gl�ck, da� es zwischen deinen Besuchstagen geschah. Renna lie� mich n�mlich von fr�h bis sp�t schuften, und abends fiel ich v�llig ersch�pft ins Bett. Ich bem�he mich schon, Widerstand zu leisten, aber sie bilden mich genauso weiter aus wie Pura.� Sie schlug sich die Hand �ber den Mund und st�hnte auf. �Sie hei�t Ryma. Ich <emphasis>mu�</emphasis> an ihren richtigen Namen denken und nicht an den, den sie ihr gegeben haben. Sie hei�t Ryma, geh�rt zu den Gelben Ajah und hat so lange und hart gegen sie gek�mpft, wie sie nur konnte. Es ist nicht ihre Schuld, da� sie nun keine Kraft mehr hat, sich dagegen aufzulehnen. Ich m�chte wissen, wer die andere Schwester ist, die Ryma erw�hnte. Ich h�tte gern ihren Namen gewu�t. Erinnere dich an uns beide, Min, an Ryma von den Gelben Ajah und an Egwene al'Vere. Nicht Egwene, die <emphasis>Damane,</emphasis> sondern Egwene al'Vere aus Emondsfeld. Schaffst du das?�</p><p>�H�r auf!� fauchte Min. �H�r augenblicklich damit auf! Wenn du nach Seanchan gebracht wirst, bin ich dabei. Aber ich glaube nicht, da� es soweit kommt. Du wei�t, da� ich in deiner Zukunft herumgest�bert habe, Egwene. Ich verstehe wohl das meiste nicht, und das ist fast immer so, aber ich sehe Dinge, die dich einwandfrei mit Rand verbinden und mit Perrin und Mat, ja, und sogar mit Galad, Licht hilf dir N�rrin. Wie kann das alles geschehen, wenn die Seanchan dich �bers Meer verfrachten?�</p><p>�Vielleicht werden sie die ganze Welt erobern, Min. Falls sie das schaffen, gibt es keinen Grund, warum Rand und Galad und die anderen nicht auch in Seanchan landen sollten.�</p><p>�Du bist doch eine dumme Gans!�</p><p>�Ich bin nur realistisch�, sagte Egwene mit harter Stimme. �Ich habe nicht vor, den Widerstand einzustellen, nicht, solange ich noch atmen kann, aber ich habe keine Hoffnung, da� jemand die Seanchan aufhalten kann und da� ich dieses <emphasis>A'dam</emphasis> jemals loswerde. Min, wenn dieser Kapit�n dich mitnehmen will, dann geh mit. Dann ist wenigstens eine von uns frei.�</p><p>Die T�r �ffnete sich, und Renna trat ein.</p><p>Egwene sprang auf und verbeugte sich tief, und Min tat es ihr nach. Das winzige Zimmer war ziemlich eng, aber die Seanchan bestanden darauf, da� H�flichkeitsregeln vor Bequemlichkeit kamen.</p><p>�Dein Besuchstag heute, nicht wahr?� fragte Renna. �Das hatte ich vergessen. Na ja, auch an Besuchstagen geht die Ausbildung weiter.�</p><p>Egwene beobachtete sie genau. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> nahm das Armband vom Haken, �ffnete es und lie� es am Handgelenk wieder zuschnappen. Sie konnte aber einfach nicht feststellen, wie es sich �ffnete oder schlo�. Sie h�tte es herausbekommen, h�tte sie die Eine Macht eingesetzt, doch das w�re Renna sofort aufgefallen. Als das Armband zuschnappte, blickte die <emphasis>Sul'dam</emphasis> pl�tzlich mi�trauisch drein. Egwenes Herz wurde schwer.</p><p>�Du hast die Macht gebraucht.� Rennas Stimme klang t�uschend mild, doch in ihren Augen stand der �rger geschrieben. �Du wei�t, das ist verboten, wenn wir nicht vollst�ndig sind.� Egwene befeuchtete die Lippen. �Vielleicht war ich zu gro�z�gig mit dir. Vielleicht glaubst du auch, weil du jetzt wertvoll bist, lie�e ich dir freien Lauf. Ich glaube, es war ein Fehler, dir deinen alten Namen zu lassen. Ich hatte als Kind ein K�tzchen namens Tuli. Von nun an hei�t du Tuli. Min, du gehst jetzt. Dein Besuchstag bei Tuli ist jetzt zu Ende.�</p><p>Min z�gerte nur kurz und warf Egwene einen gequ�lten Blick zu. Dann ging sie. Nichts, was sie sagte oder tat, h�tte geholfen. Im Gegenteil, sie h�tte die Lage nur verschlimmern k�nnen. Egwene blickte sehnsuchtsvoll zur T�r, als die sich hinter ihrer Freundin schlo�.</p><p>Renna holte sich den Stuhl heran und sah Egwene finster an. �F�r diese Sache mu� ich dich streng bestrafen. Wir werden beide vor den Hof der Neun Monde gerufen �du wegen deiner F�higkeiten und ich als deine <emphasis>Sul'dam</emphasis> und Ausbilderin �, und ich werde dir nicht gestatten, mich in den Augen der Kaiserin l�cherlich zu machen. Ich werde aufh�ren, wenn du mir sagst, wie sehr du es liebst, <emphasis>Damane</emphasis> sein zu d�rfen, und wie folgsam du k�nftig sein wirst. Und, Tuli, du mu�t mich Wort f�r Wort von deiner Ernsthaftigkeit �berzeugen!�</p></section><section><title><p>43</p><p>Ein Plan</p></title><p>Drau�en in dem niedrigen Flur grub Min die Fingern�gel in die Handfl�chen, als der erste durchdringende Schrei aus dem Zimmer ert�nte. Sie tat einen Schritt auf die T�r zu, bevor sie sich zusammenri�. Daf�r traten ihr die Tr�nen in die Augen. <emphasis>Licht, hilf mir. Alles, was ich anstelle, macht die Lage nur noch schlimmer. Egwene, es tut mir so leid. Es tut mir so leid.</emphasis></p><p>Sie f�hlte sich nutzloser als nutzlos. So hob sie den Rock hoch und rannte weg. Egwenes Schreie verfolgten sie. Sie brachte es nicht fertig zu bleiben, aber nun f�hlte sie sich wie ein Feigling. Halb blind vor Tr�nen befand sie sich auf der Stra�e, bevor sie es bemerkte. Sie hatte in ihr eigenes Zimmer zur�cklaufen wollen, aber das brachte sie jetzt auch nicht fertig. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, da� Egwene Schmerzen erlitt, w�hrend sie bequem und sicher unter dem n�chsten Dach hockte. Sie rieb sich die Tr�nen aus den Augen, h�ngte sich den Umhang um und ging die Stra�e hinunter. Jedesmal, wenn ihre Augen wieder frei waren, kamen neue Tr�nen. Sie weinte sonst niemals in der �ffentlichkeit, aber sie hatte sich noch nie so hilflos und nutzlos gef�hlt. Ihr war es gleich, wohin ihre Schritte sie f�hrten, aber es mu�te so weit wie m�glich von Egwenes Schreien entfernt sein.</p><p>�Min!�</p><p>Als sie den leisen Ruf vernahm, blieb sie j�h stehen. Zuerst konnte sie die Ruferin nicht entdecken. So nahe bei den Behausungen der <emphasis>Damane</emphasis> hielten sich nur wenige Leute auf der Stra�e auf. Abgesehen von einem einzelnen Mann, der sich bem�hte, zwei Seanchan-Soldaten f�r den Kauf eines Bildes zu begeistern, das er mit seinen Farbkreiden von ihnen malen wollte, schritten hier alle Einheimischen schneller voran als sonst �blich. Eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> stolzierte vorbei. Ihre <emphasis>Damane</emphasis> trottete mit gesenktem Blick hinter ihr her. Die beiden Seanchan-Frauen unterhielten sich dar�ber, wie viele weitere <emphasis>MarathDamane</emphasis> man wohl noch finden k�nne, bevor sie zur�cksegelten. Mins Blick wanderte uninteressiert �ber die beiden Frauen in langen Schafslederm�nteln und kehrte staunend zu ihnen zur�ck. Die beiden kamen auf sie zu. �Nynaeve? Elayne?�</p><p>�Wer denn sonst?� Nynaeve l�chelte gequ�lt, und beide Frauen zeigten nerv�se, angespannte Mienen. Min war sicher, da� sie noch niemals etwas so Wundervolles erlebt hatte wie diesen pl�tzlichen Anblick. �Diese Farbe steht dir�, fuhr Nynaeve fort. �Du h�ttest l�ngst solche Kleider tragen sollen. Allerdings habe ich mir auch manchmal gew�nscht, Hosen zu tragen, nachdem ich sie bei dir gesehen hatte.� Ihre Stimme klang sch�rfer, als sie nahe genug war, um Mins Gesicht eingehender zu mustern. �Was ist los?�</p><p>�Du hast geweint�, stellte Elayne fest. �Ist Egwene etwas passiert?�</p><p>Min fuhr zusammen und blickte sich �ngstlich um. Eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> und ihre <emphasis>Damane</emphasis> kamen die gleiche Treppe herunter wie sie zuvor, wandten sich dann aber in die Gegenrichtung, den Stallungen hin. Eine weitere Frau mit den Blitzabzeichen auf dem Kleid stand oben auf der Treppe und unterhielt sich mit jemandem. Min packte ihre Freundinnen am Arm und zog sie eilig mit sich die Stra�e hinunter in Richtung Hafen. �Es ist gef�hrlich hier f�r euch beide. Licht, es ist schon gef�hrlich, da� ihr euch hier in Falme aufhaltet. �berall laufen <emphasis>Damane</emphasis> herum, und wenn sie euch finden... Ihr wi�t, was <emphasis>Damane</emphasis> sind? Ach, ihr ahnt nicht, wie sch�n es ist, euch zu sehen.�</p><p>�Wahrscheinlich nur halb so sch�n wie umgekehrt�, sagte Nynaeve. �Wei�t du, wo Egwene ist? Befindet sie sich in einem dieser Geb�ude? Geht es ihr gut?�</p><p>Min z�gerte ein wenig und sagte dann: �Es geht ihr so wie unter diesen Umst�nden m�glich.� Min ahnte schon, was gesch�he, wenn sie ihnen alles erz�hlte, was Egwene gerade im Moment angetan wurde. Bei Nynaeve war die Wahrscheinlichkeit gro�, da� sie sofort losst�rmte, um Egwene zu helfen. <emphasis>Licht, hoffentlich ist es jetzt vorbei. Licht, hoffentlich beugt sie ihren sturen Kopf, bevor sie ihn verliert.</emphasis> �Aber ich wei� nicht, wie ich sie herausholen soll. Ich habe einen Kapit�n ausfindig gemacht, der uns mitnimmt, wenn wir sie aufs Schiff bringen. Er hilft uns nicht, wenn wir es nicht selbst schaffen, und ich kann es ihm auch nicht verdenken. Doch ich wei� nicht, wie es uns gelingen soll.�</p><p>�Ein Schiff�, meinte Nynaeve nachdenklich. �Ich wollte einfach nach Osten reiten, war aber damit auch nicht gerade gl�cklich. Soweit ich feststellen konnte, m��ten wir praktisch die Toman-Halbinsel verlassen, um vor den Patrouillen der Seanchan sicher zu sein. Na ja, und dann hei�t es, da� es auf der Ebene von Almoth ebenfalls Auseinandersetzungen gibt. Ich habe gar nicht an ein Schiff gedacht. Wir haben Pferde, aber kein Geld, um die Passage zu bezahlen. Wieviel verlangt dieser Mann?�</p><p>Min zuckte die Achseln. �Soweit bin ich nicht gekommen. Wir haben auch kein Geld. Ich dachte, das k�nnten wir aufschieben, bis wir unterwegs sind. Hinterher... Na ja, ich glaube nicht, da� er uns in einem Hafen absetzen w�rde, wo es Seanchan gibt. Wo er uns auch hinauswirft, es ist besser als hier. Schwierig ist es, ihn davon zu �berzeugen, da� er �berhaupt lossegelt. Er will ja, aber sie haben Patrouillenschiffe au�erhalb des Hafens, und man wei� nie, ob nicht eine <emphasis>Damane</emphasis> an Bord eines der Schiffe gelangt, bevor es zu sp�t ist. �Gebt mir eine <emphasis>Damane</emphasis> an Deck mit�, sagt er, �und ich segle sofort los�. Dann f�ngt er an, �ber Str�mungen und Untiefen und die Leek�ste zu faseln. Davon verstehe ich nichts, aber solange ich l�chle und von Zeit zu Zeit nicke, redet er weiter. Wenn ich ihn lange genug reden lasse, �berredet er sich vielleicht selber, die Anker zu lichten.� Sie atmete schwer, und ihre Augen brannten schon wieder. �Nur glaube ich nicht, da� wir noch genug Zeit haben, um ihn dazu zu bringen. Nynaeve, sie werden Egwene nach Seanchan schicken, und zwar bald.�</p><p>Elayne schnappte nach Luft. �Aber warum denn?�</p><p>�Sie kann Erze aufsp�ren�, sagte Min kleinlaut. �Noch ein paar Tage, sagt sie, und ich wei� nicht, ob dieser Mann sich in ein paar Tagen entschlie�en kann, loszusegeln. Und wie nehmen wir ihr dieses vom Schatten erschaffene Halsband ab? Wie schaffen wir sie aus dem Haus?�</p><p>�Ich w�nschte, Rand w�re hier�, seufzte Elayne, und als die beiden anderen sie ansahen, err�tete sie und f�gte hastig hinzu: �Na ja, er hat... er hat doch ein Schwert. Ich w�nschte, wir h�tten jemanden mit einem Schwert. Zehn. Hundert.�</p><p>�Wir brauchen jetzt keine Schwerter oder Muskeln�, sagte Nynaeve, �sondern Hirn. Die M�nner denken f�r gew�hnlich nur mit den Haaren auf der Brust.� Sie ber�hrte geistesabwesend ihre eigene Brust, als f�hle sie durch ihren Mantel hindurch nach etwas. �Die meisten jedenfalls.�</p><p>�Wir brauchen eine Armee�, sagte Min. �Eine gro�e Armee. Wie ich h�rte, haben die Seanchan einer �bermacht von Tarabonern und Domani gegen�bergestanden, und trotzdem gewannen sie m�helos jede Schlacht.� Sie zog Nynaeve und Elayne hastig auf die andere Stra�enseite, als eine <emphasis>Damane</emphasis> mit ihrer <emphasis>Sul'dam</emphasis> an ihnen vorbeischritt. Sie war erleichtert, da� sie die beiden nicht erst warnen mu�te, und sie beobachteten die durch die Leine verbundenen Frauen genauso wachsam wie sie selbst. �Da wir keine Armee haben, m�ssen wir drei es schaffen. Ich hoffe, eine von euch hat einen Einfall, den ich noch nicht hatte. Ich habe mir das Hirn zermartert, bleibe aber immer stecken, wenn es um die <emphasis>A'dam,</emphasis> die Leine und das Halsband geht. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> m�gen es nicht, wenn jemand ihnen zu nahe kommt, w�hrend sie ihr Armband �ffnen. Ich denke, ich kann euch ins Haus schmuggeln, falls das hilft. Zumindest eine von euch. Sie halten mich f�r eine Dienerin, und die d�rfen auch Besucher empfangen, solange diese in den Dienstbotenquartieren bleiben.�</p><p>Nynaeve runzelte die Stirn, doch dann kl�rte sich ihre Miene, und sie blickte zielbewu�t drein. �Keine Sorge, Min. Ich habe da ein paar Ideen. Ich bin hier nicht unt�tig gewesen. Bring mich zu diesem Mann. Sollte mit ihm schwerer umzugehen sein als mit dem Gemeinderat, wenn die alten M�nner sich stur zeigen, dann esse ich meinen Mantel.�</p><p>Elayne nickte grinsend, und Min empfand zum ersten Mal, seit sie in Falme angekommen waren, etwas wie Hoffnung. Einen Moment lang tastete sie in die Aura der beiden Frauen hinein, um ihre Zukunft zu lesen. Da war Gefahr, wie nicht anders zu erwarten, aber auch neue Dinge zeigten sich zwischen den Bildern, die sie bereits kannte. Manchmal gab es das. �ber Nynaeves Kopf schwebte ein schwerer goldener M�nnerring, �ber Elaynes Kopf waren ein rotgl�hender Eisenstab und eine Axt zu sehen. Sie war sicher, da� dies �rger bedeutete, aber es schien noch fern � irgendwann in der Zukunft. Es dauerte alles nur einen Augenblick, und dann sah sie nur noch Nynaeve und Elayne selbst, die sie erwartungsvoll ansahen.</p><p>�Es ist drunten in der N�he des Hafens�, sagte sie.</p><p>Je weiter nach unten sie kamen, desto belebter wurde die steil abfallende Stra�e. Stra�enh�ndler standen neben Kaufleuten, die ihre Wagen von den D�rfern im Landesinneren hereingebracht hatten und nun hier �berwinterten. Hausierer mit ihren Bauchl�den sprachen Passanten an. Einheimische in bestickten Umh�ngen schoben sich an Bauernfamilien in schweren Schafwollm�nteln vorbei. Viele Menschen waren aus den D�rfern weiter oben an der K�ste hierher geflohen. Min kam das sinnlos vor. Sie waren vor den Seanchan geflohen und ihnen hier erst recht in die Arme gelaufen. Aber sie hatte auch geh�rt, was die Seanchan taten, wenn sie ein Dorf zum erstenmal betraten, und so konnte sie die Leute doch wieder verstehen, wenn sie vor einem zweiten Zusammentreffen dieser Art flohen. Jeder verbeugte sich, wenn ein Seanchan vorbeikam oder wenn eine S�nfte mit zugezogenen Vorh�ngen die Stra�e hinaufgetragen wurde.</p><p>Min war froh, da� Elayne und Nynaeve offensichtlich wu�ten, wie man sich verbeugen mu�te. Die Tr�ger mit ihren nackten Oberk�rpern beachteten die sich verbeugenden Menschen genausowenig, wie es die hochm�tigen Soldaten in ihren R�stungen taten, aber wenn man sich nicht verbeugte, fiele man unter Garantie auf.</p><p>Sie unterhielten sich ein wenig, w�hrend sie die Stra�e hinunterschritten, und Min war �berrascht zu h�ren, da� die beiden nur wenige Tage nach Egwene und ihr hier eingetroffen waren. Dann sagte sie sich aber, es sei kein Wunder, da� sie sich nicht fr�her getroffen hatten � bei so vielen Menschen, die die Stra�en st�ndig bev�lkerten. Sie hatte gez�gert, mehr Zeit als notwendig von Egwene entfernt zu verbringen. Sie hatte immer Angst, beim n�chsten Besuch erfahren zu m�ssen, da� Egwene weg sei. <emphasis>Und genau das wird geschehen, falls Nynaeve nicht einen wirklich guten Einfall hat.</emphasis> Der Geruch nach Salz und Pech wurde st�rker. M�wen kreischten und kreisten �ber ihnen. In der Menge tauchten immer mehr Seeleute auf �manche von ihnen trotz der K�lte immer noch barfu�.</p><p>Die Schenke hatte man eiligst auf <emphasis>Die Drei Pflaumenbl�ten</emphasis> umgetauft, doch unter der nachl�ssig hingeschmierten Farbschicht konnte man noch das Wort <emphasis>W�chter</emphasis> erkennen. Trotz der Menschenmenge drau�en war der Schankraum etwa zur H�lfte voll. Die Preise waren zu hoch, und die Leute konnten es sich nicht mehr leisten, gem�tlich bei ihrem Bier zu sitzen. Prasselnde Flammen in den Kaminen an beiden Seiten erw�rmten den Raum, und der fette Wirt lief in Hemds�rmeln herum. Er musterte mit gerunzelter Stirn die drei Frauen, und Min glaubte, da� nur ihr Seanchan-Kleid ihn daran hinderte, sie hinauszuwerfen. Nynaeve und Elayne in ihrer Bauernkleidung sahen nicht so aus, als h�tten sie Geld zum Ausgeben.</p><p>Der Mann, den sie suchte, sa� allein an einem Tisch in der Ecke, auf seinem gewohnten Platz, und starrte in seinen Weinkrug. �Habt Ihr Zeit f�r ein Gespr�ch, Kapit�n Domon?� fragte sie.</p><p>Er blickte auf und strich sich mit der Hand �ber den Bart, als er sah, da� sie nicht allein war. Sie hatte immer noch den Eindruck, da� seine Oberlippe mit Bart eigenartig aussah. �Also du bringen Freundinnen, um meine M�nzen aufzutrinken, ja? Na ja, dieser Seanchan-Lord meine Ladung kaufen, also ich habe M�nzen genug. Setzt.� Elayne schreckte zusammen, als er pl�tzlich br�llte: �Wirt! Gl�hwein her!�</p><p>�Es ist schon gut�, sagte Min und setzte sich ans Ende einer der B�nke am Tisch. �Er sieht nur so aus und klingt wie ein B�r.� Elayne setzte sich mit zweifelnder Miene ans andere Tischende.</p><p>�Ein B�r ich sein?� lachte Domon. �Vielleicht. Aber was sein mit dir, M�dchen? Hast du aufgegeben, mitzusegeln? Dieses Kleid mir ganz nach Seanchan aussehen.�</p><p>�Niemals!� sagte Min wild, doch sie schwieg sofort, als die Bedienung mit Kr�gen voll dampfendhei�en Gl�hweins an ihren Tisch trat.</p><p>Auch Domon war vorsichtig. Er wartete, bis das M�dchen mit seinem Geld wieder verschwunden war, und dann sagte er: �Gl�ck stich mich, M�dchen, ich es nicht meinen so. Die meisten Leute einfach nur weiterleben wollen, gleich, ob ihr Herr Seanchan oder anderer ist.�</p><p>Nynaeve legte die Unterarme auf den Tisch. �Wir wollen auch nur weiterleben, Kapit�n, aber ohne die Seanchan. Wie ich h�rte, wollt Ihr bald segeln.�</p><p>�Ich heute noch segeln w�rde, wenn ich k�nnen�, sagte Domon betr�bt. �Jeden zweiten Tag oder dritten Turak nach mir schicken, und ich m�ssen ihm erz�hlen von den alten Sachen, die ich gesehen habe. Wirken ich wie ein Gaukler auf Euch? Ich denke, ich ihm erz�hlen k�nnen ein oder zwei Geschichten und dann wegsegeln, aber nun ich glaube, wenn ich ihn nicht mehr unterhalte, er entweder mich gehen l��t oder l��t meinen Kopf abhacken. Der Mann weich aussehen, aber er sein hart wie Eisen und genauso kalt.�</p><p>�K�nnt Ihr mit Eurem Schiff den Seanchan entkommen?� fragte Nynaeve.</p><p>�Gl�ck stich mich, wenn ich es schaffe aus dem Hafen hinaus, ohne eine <emphasis>Damane</emphasis> die <emphasis>Gischt</emphasis> zu Kleinholz machen, dann ich k�nnen. Wenn ich nicht ein Seanchan-Schiff mit eine <emphasis>Damane</emphasis> auf See zu nahe herankommen lasse. Es sein Untiefen an ganzer K�ste entlang hier, und die <emphasis>Gischt</emphasis> haben wenig Tiefgang. Ich sie in Gew�sser bringen kann, die solche schwerf�lligen R�mpfe von Seanchan nicht riskieren. Sie sich h�ten m�ssen vor Winden in K�stenn�he zu dieser Jahreszeit, und wenn ich einmal haben die <emphasis>Gischt</emphasis>... �</p><p>Nynaeve schnitt ihm das Wort ab: �Dann werden wir uns mit Euch einschiffen, Kapit�n. Wir werden zu viert sein, und ich erwarte, da� Ihr segelfertig seid, sobald wir an Bord sind.�</p><p>Domon rieb sich mit dem Finger �ber die Oberlippe und blickte in seinen Weinkrug. �Also, was das betreffen, da sein immer noch die Schwierigkeit, aus dem Hafen zu kommen. Diese <emphasis>Damane</emphasis>... �</p><p>�Was ist, wenn ich Euch sage, da� Ihr mit etwas Besserem als einer <emphasis>Damane</emphasis> segelt?� fragte Nynaeve leise. Min ri� die Augen auf, als ihr klar wurde, was Nynaeve beabsichtigte.</p><p>Beinahe unh�rbar murmelte Elayne: �Und du sagst mir, ich solle vorsichtiger sein.�</p><p>Domon hatte nur Augen f�r Nynaeve, und es waren mi�trauische Augen. �Was Ihr meinen?� fl�sterte er.</p><p>Nynaeve �ffnete ihren Mantel und griff sich darunter an den Hals. Sie zog eine Lederschnur heraus, die sie unter ihr Kleid gesteckt hatte. Min schnappte nach Luft, als sie den Gegenstand sah, der daran hing: den schweren M�nnerring, den sie in ihrer Trance �ber Nynaeve hatte schweben sehen. Doch sie wu�te, es war der andere, etwas kleinere und f�r eine Frauenhand angefertigte Ring, der Domon fast die Augen aus dem Kopf trieb: eine Schlange, die den eigenen Schwanz verschlang.</p><p>�Ihr wi�t, was das bedeutet?� fragte Nynaeve und wollte die Schnur schon aufknoten, um den Ring abzunehmen. Doch Domon schlo� seine Hand um ihre. �Steckt ihn weg.� Er blickte sich nerv�s um. Soweit Min sehen konnte, sah niemand her�ber, doch er verhielt sich, als starre jeder im Raum nur sie an. �Dieser Ring sein zu gef�hrlich. Wenn er gesehen wird... �</p><p>�Wenn Ihr nur wi�t, was er bedeutet�, sagte Nynaeve mit einer Gelassenheit, auf die Min nur neidisch sein konnte. Sie zog ihre Hand aus Domons Hand und h�ngte sich die Schnur wieder um den Hals.</p><p>�Ich wei߫, sagte er heiser. �Ich wirklich wei�, was er bedeuten. Vielleicht es geben eine M�glichkeit, wenn Ihr... Vier, sagt Ihr? Dieses M�dchen, was gern zuh�rt, wenn ich Garn spinnen, sie eine der vier sein, ich nehmen an. Und Ihr, und... � Er runzelte die Stirn, als er Elayne ansah. �Sicher dieses Kind nicht sein eine � eine wie Ihr?�</p><p>Elayne richtete sich beleidigt auf, aber Nynaeve legte eine Hand auf ihren Arm und l�chelte Domon beruhigend an. �Sie reist in meiner Begleitung, Kapit�n. Ihr w�rt vielleicht �berrascht, wenn Ihr w��tet, was wir alles fertigbringen, auch bevor wir das Recht auf einen solchen Ring erwerben. Wenn Ihr segelt, werden drei auf Eurem Schiff sein, die, falls notwendig, jeder <emphasis>Damane</emphasis> die Stirn bieten k�nnen.�</p><p>�Drei�, keuchte er. �Das sein gute M�glichkeit.</p><p>Vielleicht... � Sein Gesicht hellte sich f�r einen Augenblick auf, doch als er sie wieder ansah, war es ernst. �Ich sollen Euch einfach jetzt auf <emphasis>Gischt</emphasis> bringen und ablegen, aber Gl�ck stich mich, ich Euch nicht sagen kann, was Euch hier erwarten oder auch, was Euch erwarten, wenn Ihr mit mir segeln. Ihr mir zuh�ren und merken meine Worte.� Er sah sich wieder mi�trauisch um, senkte die Stimme noch mehr und w�hlte sorgf�ltig seine Worte: �Ich haben gesehen eine � eine Frau, die tragen einen Ring wie Ihr, und sie wurde gefangen von den Seanchan. Eine h�bsche, schlanke kleine Frau mit einem gro�en Krie... einem gro�en Mann dabei, der aussehen, als ob er wissen, wie sein Schwert zu ben�tzen. Eines von ihnen unvorsichtig gewesen sein mu�, denn sie liefen in Falle der Seanchan. Der gro�e Mann t�ten sechs oder sieben Soldaten, bevor er selbst tot. Die � die Frau... Sechs <emphasis>Damane</emphasis> sie umstellten, traten pl�tzlich aus den Gassen hervor. Ich denken, sie werde... etwas tun... Ihr wissen, was ich meine... aber... Ich wei� nichts �ber solche Dinge. Einen Moment sie aussehen, als ob sie alle zerst�ren, dann Schreck treten auf ihr Gesicht, und sie schreien.�</p><p>�Sie haben sie von der Wahren Quelle abgeschnitten.� Elaynes Gesicht war totenbla�.</p><p>�Spielt keine Rolle�, sagte Nynaeve ruhig. �Wir werden nicht zulassen, da� mit uns dasselbe geschieht.�</p><p>�Ay, vielleicht es werden sein, wie Ihr sagt. Aber ich mich werden daran erinnern, bis ich sterben. Ryma, hilf mir! Das sie geschrien hat. Und eine der <emphasis>Damane</emphasis> st�rzen hin weinend, und dann sie legen eine von diesen Halsb�ndern an die... Frau, und ich... ich rennen weg.� Er zuckte die Achseln, rieb sich die Nase und sp�hte in seinen Wein hinein. �Ich haben gesehen drei Frauen, die gefangen wurden. Ich k�nnen nicht mehr mit ansehen. Ich w�rden meine alte Gro�mutter hier zur�cklassen an Hafen, wenn ich daf�r k�nnen wegsegeln, aber ich m�ssen Euch das sagen.�</p><p>�Egwene sagte, sie h�tten zwei Gefangene�, sagte Min bed�chtig. �Ryma, eine Gelbe, und sie wu�te nicht, wer die andere ist.� Nynaeve sah sie scharf an, und sie hielt err�tend ihren Mund. Domons Gesicht nach zu schlie�en, hatte es ihnen nicht gerade gen�tzt, von zwei gefangenen Aes Sedai zu erz�hlen, anstatt von nur einer.</p><p>Doch dann blickte er pl�tzlich Nynaeve in die Augen und trank einen gro�en Schluck Wein. �Sein es das, weswegen Ihr da sein? Um diese zwei... zu befreien? Ihr gesagt habt, es werden drei von Euch sein.�</p><p>�Ihr wi�t alles, was Ihr wissen m��t�, sagte ihm Nynaeve kurz angebunden. �Ihr m��t darauf vorbereitet sein, innerhalb der n�chsten zwei oder drei Tage sofort abzulegen. Macht Ihr mit, oder bleibt Ihr hier und wartet ab, ob man Euch nicht doch lieber den Kopf abhackt? Es gibt noch andere Schiffe, Kapit�n, und ich habe vor, noch heute abzukl�ren, mit welchem wir segeln.�</p><p>Min hielt die Luft an und hielt unter dem Tisch die Daumen.</p><p>Schlie�lich nickte Domon. �Ich werden bereit sein.�</p><p>Als sie wieder auf die Stra�e traten, war Min �berrascht, denn Nynaeve lie� sich v�llig erschlagen an die Wand der Schenke sacken, kaum da� sich deren T�r geschlossen hatte. �Ist dir schlecht, Nynaeve?� fragte sie besorgt.</p><p>Nynaeve atmete tief durch und richtete sich wieder auf. Sie zupfte an ihrem Mantel. �Bei manchen Menschen�, sagte sie, �mu� man sich ganz sicher geben. Zeigt man ihnen nur den geringsten Zweifel an sich selbst, dann f�hren sie euch in eine Richtung, in die ihr nicht gehen wollt. Licht, hatte ich Angst, da� er nein sagt. Kommt, wir m�ssen planen. Es gibt immer noch ein oder zwei kleinere Probleme, die wir zu l�sen haben.�</p><p>�Ich hoffe, Fischgeruch macht dir nichts aus, Min�, sagte Elayne.</p><p><emphasis>Ein oder zwei kleinere Probleme?</emphasis> dachte Min, als sie den beiden folgte. Sie hoffte, da� Nynaeve nicht nur wieder ganz sicher sein wollte.</p></section><section><title><p>44</p><p>F�nf streiten f�r das Licht</p></title><p>Perrin musterte die Dorfbewohner mi�trauisch. Er zupfte verlegen an seinem etwas zu kurz geratenen Umhang, der zwar auf der Brust bestickt war, aber ansonsten einige nicht gestopfte L�cher aufwies, doch keiner beachtete ihn besonders, trotz der bunt zusammengew�rfelten Kleidung und der Axt an der H�fte. Hurin trug unter seinem Umhang einen Mantel mit blauen Spiralen auf der Vorderseite, und Mat hatte Pluderhosen an, die dicke W�lste schlugen, wo er sie in die Stiefel gesteckt hatte. Das war alles, was sie in dem verlassenen Dorf hatten finden k�nnen und was ihnen einigerma�en pa�te. Perrin fragte sich, ob die Einwohner bald auch dieses Dorf verlassen w�rden. Die H�lfte der Steinh�user stand bereits leer, und vor der Schenke, ein St�ckchen die ungepflasterte Stra�e hinauf, standen drei Ochsenkarren, die viel zu schwer beladen waren � hochaufget�rmt und mit Planen bedeckt und festgezurrt. Ein paar Familien hatten sich um die Karren versammelt.</p><p>Als er sie beobachtete, wie sie sich zusammendr�ckten und jenen Lebwohl sagten, die noch blieben, wurde Perrin klar, da� ihre Haltung ihnen gegen�ber kein mangelndes Interesse ausdr�ckte: Sie vermieden es bewu�t, ihn und die anderen direkt anzublicken. Diese Menschen hatten gelernt, Fremden gegen�ber keine Neugier zu zeigen, selbst wenn es offensichtlich keine Seanchan waren. Heutzutage konnte jeder Fremde auf der Toman-Halbinsel gef�hrlich sein. Sie hatten diese verkrampfte Gleichg�ltigkeit auch schon in anderen D�rfern bemerkt. Es gab auch noch ein paar kleine St�dte nur wenige Wegstunden von der K�ste entfernt. Alle bem�hten sich, ihre Unabh�ngigkeit zu wahren. Jedenfalls, bevor die Seanchan gekommen waren.</p><p>�Ich finde�, meinte Mat, �es ist an der Zeit, die Pferde zu holen, bevor sie Fragen stellen.�</p><p>Hurin starrte auf einen gro�en, geschw�rzten, kreisf�rmigen Fleck am Boden, der inmitten des braunen Grases dieses Dorfgr�ns zu sehen war. Er wirkte bereits verwittert, aber niemand hatte sich die M�he gemacht, ihn zu beseitigen. �Vielleicht vor sechs oder acht Monaten�, murmelte er, �aber es stinkt immer noch. Der ganze Gemeinderat mit Familien. Warum tun sie so etwas?�</p><p>�Wer wei� schon, warum sie �berhaupt etwas tun?� knurrte Mat. �Seanchan brauchen anscheinend keinen besonderen Grund, um Leute umzubringen. Jedenfalls keinen Grund, den ich begreife.�</p><p>Perrin blickte an dem verkohlten Fleck vorbei. �Hurin, bist du sicher in bezug auf Fain? Hurin?� Es war schwer gewesen, den Schn�ffler von dem Fleck abzulenken, seit sie das Dorf betreten hatten. �Hurin!�</p><p>�Was? Oh, Fain? Ja.� Hurins Nasenfl�gel bebten, und er r�mpfte die Nase. �Da ist jeder Irrtum ausgeschlossen, auch wenn die Spur alt ist. Dagegen duften sogar Myrddraal nach Rosen. Er ist tats�chlich hier durchgekommen, aber ich glaube, er war allein. Es waren auf keinen Fall Trollocs dabei, und falls er Schattenfreunde im Gefolge hatte, dann m��ten die in letzter Zeit ziemlich harmlos gewesen sein.�</p><p>Oben an der Schenke entstand Unruhe. Menschen riefen und deuteten auf etwas. Nicht auf Perrin und die anderen beiden, sondern auf die niedrigen H�gel im Osten.</p><p>�K�nnen wir jetzt die Pferde holen?� fragte Mat. �Das sind vielleicht Seanchan.�</p><p>Perrin nickte, und sie liefen hin�ber, wo sie die Pferde hinter einem verlassenen Haus angebunden hatten. Als Mat und Hurin um die Ecke des Hauses verschwanden, blickte Perrin zur Schenke zur�ck und blieb verbl�fft stehen. Die Kinder des Lichts ritten in das Dorf ein � eine lange Kolonne.</p><p>Er rannte den anderen hinterher. �Wei�m�ntel!�</p><p>Die Freunde standen nur einen Moment lang stocksteif da und sahen ihn ungl�ubig an, dann sprangen sie in die S�ttel. Sie ritten so aus dem Dorf hinaus, da� sich immer H�user zwischen ihnen und der Hauptstra�e befanden. Dann galoppierten sie in Richtung Westen, wobei sie sich st�ndig umsahen, ob sie verfolgt w�rden. Ingtar hatte ihnen befohlen, sich aus allem herauszuhalten, das sie aufhalten k�nnte, und von Wei�m�nteln verh�rt zu werden, w�rde sie ganz sicher aufhalten, selbst wenn sie befriedigende Antworten bereit h�tten. Perrin sah sich noch �fter um als die anderen beiden. Er hatte seine eigenen Gr�nde, warum er nicht mit Wei�m�nteln zusammentreffen wollte. <emphasis>Die Axt in meiner Hand. Licht, was g�be ich nicht darum, das ungeschehen zu machen.</emphasis> Das Dorf war bald zwischen den leicht bewaldeten H�geln verschwunden, und Perrin kam langsam, aber sicher zu der Ansicht, da� sie nicht verfolgt wurden. So hielt er sein Pferd an und bedeutete den anderen beiden, ebenfalls anzuhalten. Sie folgten seiner Geste und sahen ihn fragend an. Seine Ohren waren besser, als sie je gewesen waren, doch auch er h�rte keinen Hufschlag.</p><p>Z�gernd sandte er seine Gedanken aus, um nach W�lfen zu suchen. Er fand beinahe sofort welche. Es war ein kleines Rudel, das den Tag �ber im Wald oberhalb des Dorfes Unterschlupf gesucht hatte. Er sp�rte zun�chst so starkes Erstaunen, da� er es beinahe f�r sein eigenes Gef�hl hielt. Diese W�lfe hatten Ger�chte �ber ihn geh�rt, aber nicht ernsthaft daran geglaubt, da� es Zweibeiner gab, die mit ihnen sprechen konnten. Er geriet ins Schwitzen, als er sich vorstellte. Widerwillig sandte er das Bild des Jungen Bullen aus und f�gte seinen Geruch hinzu, so wie es bei den W�lfen �blich war. Die W�lfe zeigten beim ersten Zusammentreffen einen Hang zu Formalit�ten. Doch schlie�lich brachte er seine Frage an. Sie hatten an sich keinerlei Interesse an Zweibeinern, die nicht mit ihnen sprechen konnten, aber schlie�lich schl�pften sie doch hinunter zum Waldrand, um nachzusehen � nat�rlich von den schlechten Augen der Zweibeiner unbemerkt.</p><p>Nach einer Weile erreichten ihn die Bilder dessen, was die W�lfe sahen: in wei�e M�ntel geh�llte M�nner auf Pferden um das ganze Dorf herum. Sie ritten au�en herum und auch zwischen die H�user, aber keiner ritt fort. Besonders nicht in Richtung Westen. Die W�lfe sagten, da� alles, was sie im Westen witterten, er selbst mit seinen beiden Begleitern sei, und dazu drei der Gro�en mit den harten F��en.</p><p>Dankbar lie� Perrin den Kontakt mit den W�lfen abrei�en. Er merkte, da� Mat und Perrin ihn anblickten.</p><p>�Sie folgen uns nicht�, sagte er.</p><p>�Wie kannst du so sicher sein?� wollte Mat wissen.</p><p>�Ich bin sicher�, fauchte er und f�gte etwas sanfter hinzu: �Ganz sicher.�</p><p>Mat �ffnete den Mund und schlo� ihn wieder. Endlich sagte er: �Na ja, wenn sie uns nicht verfolgen, w�rde ich sagen, wir begeben uns zu Ingtar zur�ck und nehmen so schnell wie m�glich Fains Spur auf. Der Dolch kommt uns nicht n�her, wenn wir hier blo� herumstehen.�</p><p>�Wir k�nnen die Spur nicht so nahe bei diesem Dorf wieder aufnehmen�, sagte Hurin. �Sonst riskieren wir, mit den Wei�m�nteln zusammenzutreffen. Ich glaube nicht, da� Lord Ingtar das gefiele, und Verin Sedai vermutlich auch nicht.�</p><p>Perrin nickte. �Wir werden der Spur sowieso noch ein paar Meilen weit folgen. Aber seht euch vor. Wir befinden uns vermutlich nicht mehr weit von Falme. Es hilft uns nichts, den Wei�m�nteln zu entgehen und einer Patrouille der Seanchan in die Arme zu laufen.�</p><p>Als sie wieder losritten, fragte er sich, was die Wei�m�ntel eigentlich hier wollten.</p><p>Geofram Bornhald sa� im Sattel und blickte die Dorfstra�e hinauf und hinunter, w�hrend die Legion die kleine Stadt umstellte und besetzte. Dieser breitschultrige Mann, der so schnell verschwunden war, hatte ihn an jemanden erinnert. <emphasis>Nat�rlich! Der J�ngling, der angab, Hufschmied zu sein. Wie hie� er doch gleich?</emphasis> Byar hielt sein Pferd vor ihm an und legte die Hand aufs Herz: �Das Dorf ist abgesichert, Lordhauptmann.�</p><p>Dorfbewohner in Schafslederm�nteln dr�ngten sich nerv�s, als wei�gekleidete Soldaten sie in der N�he der �berladenen Karren vor der Schenke zusammentrieben. Weinende Kinder klammerten sich an die R�cke der M�tter, aber niemand wirkte aufs�ssig. Die Blicke der Erwachsenen wirkten stumpf. Sie warteten unt�tig darauf, was man mit ihnen anfangen w�rde. Daf�r war Bornhald dankbar. Er wollte wirklich an diesen Menschen kein Exempel statuieren oder noch mehr Zeit verschwenden.</p><p>Er stieg ab und warf einem der Kinder die Z�gel zu. �Sorg daf�r, da� die M�nner zu essen bekommen, Byar.</p><p>Steck die Gefangenen mit so viel Lebensmitteln und Wasser, wie sie tragen k�nnen, in die Schenke, und la� alle Fenster und T�ren zunageln. La� sie in dem Glauben, da� ich einige M�nner als W�chter zur�cklassen werde, ja?�</p><p>Byar ber�hrte wieder seine Herzgegend, ri� sein Pferd herum und schrie Befehle. Man trieb die Gefangenen in das niedrige Geb�ude der Schenke, w�hrend andere von den Kindern in den umliegenden H�usern nach H�mmern und N�geln suchten.</p><p>Als er die hoffnungslosen Gesichter an sich vorbeiziehen sah, dachte Bornhald, da� es bestimmt zwei oder drei Tage dauern werde, bis ein paar von ihnen den Mut aufbr�chten, aus der Schenke auszubrechen und feststellten, da� gar keine W�chter da waren. Zwei oder drei Tage reichten ihm voll und ganz, aber jetzt im Augenblick wollte er die Seanchan nicht auf seine Anwesenheit aufmerksam machen.</p><p>Er hatte genug M�nner zur�ckgelassen, um die Zweifler zu t�uschen. Sie glaubten, seine ganze Legion sei noch �ber die Ebene von Almoth verteilt, w�hrend er, ohne Alarm auszul�sen, wie er glaubte, mehr als tausend Soldaten der Kinder beinahe durch die ganze TomanHalbinsel gef�hrt hatte. Drei Scharm�tzel mit Patrouillen der Seanchan waren schnell beendet gewesen. Die Seanchan hatten sich daran gew�hnt, nur vereinzelt auf schnell kapitulierende �berreste der besiegten Armee zu treffen und die Kinder des Lichts hatten f�r sie eine t�dliche �berraschung dargestellt. Und doch k�mpften die Seanchan wie die Teufel, und er w�rde sich immer an das eine Scharm�tzel erinnern, das ihn mehr als f�nfzig M�nner gekostet hatte. Er war noch nicht sicher, welche der mit Pfeilen gespickten Frauen, die er hinterher vor seinen M�nnern liegen sah, die Aes Sedai gewesen waren.</p><p>�Byar!� Einer von Bornhalds M�nnern reichte ihm eine Tonschale mit Wasser aus einem der Karren. Das Wasser flo� ihm eiskalt durch die Kehle. Der Mann mit dem hageren Gesicht schwang sich aus dem Sattel. �Ja, Lordhauptmann?�</p><p>�Wenn ich mich dem Feind stelle, Byar�, sagte Bornhald bed�chtig, �wirst du nicht am Kampf teilnehmen. Du wirst ihn aus der Entfernung beobachten und meinem Sohn die Kunde �berbringen, was geschehen ist.�</p><p>�Aber, Lordhauptmann...!�</p><p>�Das ist ein Befehl, Kind Byar!� fauchte er. �Du hast zu gehorchen!�</p><p>Byar versteifte sich und blickte stur geradeaus. �Wie Ihr befehlt, Lordhauptmann.�</p><p>Bornhald musterte ihn einen Moment lang. Der Mann w�rde tun, was man ihm befahl, aber es w�re besser, ihm noch einen stichhaltigeren Grund zu liefern als den, Dain zu berichten, wie sein Vater gestorben war. Es war ja so, da� er durchaus wichtige Informationen besa�, die man in Amador dringend ben�tigte. Seit diesem Kampf gegen Aes Sedai... (War <emphasis>es nur eine von ihnen oder beide? Drei�ig Soldaten der Seanchan, gute K�mpfer, und dazu zwei Frauen verlangten uns doppelt so viele Opfer ab.)</emphasis> Seit diesem Kampf erwartete er nicht mehr, die TomanHalbinsel lebendig zu verlassen. Falls die Seanchan wirklich nicht daf�r sorgen sollten, da� er hier starb, w�rden wahrscheinlich anschlie�end die Zweifler daf�r sorgen.</p><p>�Wenn du meinen Sohn gefunden hast � er wird sich bei Lordhauptmann Eamon Valda in der N�he von Tar Valon aufhalten � und es ihm mitgeteilt hast, reitest du nach Amador und berichtest dem Kommandanten Pedron Niall pers�nlich, Kind Byar. Du wirst ihm berichten, was wir �ber die Seanchan herausgefunden haben. Ich werde es dir aufschreiben. Er soll von dir erfahren, da� die Hexen von Tar Valon sich nicht mehr damit begn�gen, aus dem Dunklen heraus die F�den zu ziehen. Wenn sie nun ganz offen f�r die Seanchan k�mpfen, werden wir uns an allen Fronten auf den Kampf gegen sie vorbereiten m�ssen.� Er z�gerte. Das letzte war am wichtigsten. Sie mu�ten unter der Kuppel der Wahrheit erfahren, da� die Aes Sedai trotz ihrer Eide in den Kampf gezogen waren. Es war ein bitteres Gef�hl, in einer Welt zu leben, wo Aes Sedai die Macht zum T�ten einsetzten. Er w�rde es nicht sehr bedauern, eine solche Welt zu verlassen. Doch es gab noch eine weitere Nachricht, die er nach Amador �bermitteln wollte. �Und, Byar... sag Pedron Niall, wie wir von den Zweiflern f�r ihre Zwecke benutzt wurden.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Lordhauptmann�, sagte Byar, aber Bornhald seufzte, als er seinen Gesichtsausdruck wahrnahm. Der Mann verstand nichts. F�r Byar waren Befehle eben Befehle, gleichg�ltig, ob sie vom Lordhauptmann stammten oder von den Zweiflern, und gleichg�ltig, was sie bedeuteten.</p><p>�Ich werde dir auch das f�r Pedron Niall aufschreiben�, sagte er. Er war nicht sicher, ob das etwas nutzen w�rde. Ein Gedanke kam ihm, und er betrachtete gedankenverloren die Schenke. Ein paar seiner M�nner h�mmerten laut und nagelten Bretter vor T�ren und Fenster. �Perrin�, murmelte er, �so hie� er. Perrin, und er kam von den Zwei Fl�ssen.�</p><p>�Der Schattenfreund, Lordhauptmann?�</p><p>�Vielleicht, Byar.� Er war sich da nicht so sicher, aber andererseits � was sollte ein Mann sonst sein, der W�lfe f�r sich k�mpfen lie�? Und dieser Perrin hatte zwei der Kinder get�tet. �Ich glaubte, ihn gesehen zu haben, als wir hier einritten, aber unter den Gefangenen war niemand, der wie ein Hufschmied aussah.�</p><p>�Ihr Schmied ist vor einem Monat weggezogen, Lordhauptmann. Einige von ihnen haben sich beschwert und gemeint, sie w�ren besser auch gleich weggezogen, wenn sie nun niemanden mehr h�tten, der ihnen die Wagenr�der repariert. Glaubt Ihr, es war dieser Perrin, Lordhauptmann?�</p><p>�Wer es auch gewesen sein mag, er ist jedenfalls verschwunden, oder? Und es kann sein, da� er den Seanchan von uns berichtet.�</p><p>�Das t�te ein Schattenfreund gewi�, Lordhauptmann.�</p><p>Bornhald trank den letzten Schluck Wasser und warf die Schale weg. �Hier gibt es f�r die M�nner nichts zu essen, Byar. Ich werde mich auch nicht von den Seanchan im Schlaf �berraschen lassen, ob es nun dieser Perrin von den Zwei Fl�ssen ist, der uns verr�t, oder sonst jemand. La� die Legion aufsitzen, Kind Byar!�</p><p>Hoch �ber ihren K�pfen kreiste unbemerkt ein riesiges gefl�geltes Gesch�pf.</p><p>In der Lichtung im Dickicht einer H�gelspitze, wo sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, �bte Rand mit dem Schwert. Er wollte sich selbst vom Gr�beln ablenken. Er hatte wie alle anderen mit Hurin seine Runden gedreht, um Fains Spur zu suchen � immer zu zweit oder zu dritt, damit sie nicht auffielen �, aber gefunden hatten sie bisher nichts. Jetzt warteten sie darauf, da� Perrin und Mat mit dem Schn�ffler zur�ckkehrten. Sie h�tten schon seit Stunden da sein sollen.</p><p>Loial las wie �blich. Man konnte dem Zucken seiner Ohren nicht ansehen, ob es dem Gelesenen galt oder der Versp�tung des Suchtrupps. Uno und die meisten anderen schienarischen Soldaten sa�en angespannt herum, �lten ihre Schwerter oder hielten Wache, als erwarteten sie jeden Moment das Auftauchen der Seanchan. Nur Verin schien das alles nichts auszumachen. Die Aes Sedai sa� auf einem Baumstamm neben ihrem kleinen Lagerfeuer und kritzelte mit einem Stock auf dem Boden herum. Manchmal sch�ttelte sie den Kopf und wischte alles mit dem Fu� weg, und dann fing sie von neuem an. Die Pferde waren gesattelt und aufbruchbereit. Jedes Tier war an eine im Boden steckende Lanze gebunden.</p><p>�Der Reiher watet durchs Schilf�, sagte Ingtar. Er sa� an einen Baum gelehnt da, sch�rfte sein Schwert mit einem Wetzstein und beobachtete Rand. �Mit dem solltet Ihr Euch nicht abgeben. Da steht Ihr deckungslos da.�</p><p>Einen Moment lang stand Rand nur noch auf den Zehenspitzen eines Fu�es, hielt das Schwert mit beiden H�nden umgedreht �ber dem Kopf, dann verlagerte er das Gewicht geschmeidig auf den anderen Fu�. �Lan meint, das sei gut, um das Gleichgewichtsgef�hl zu schulen.� Es war nicht leicht, die Balance zu halten. Im Nichts schien es ihm oft, als k�nne er sich sogar auf einem rollenden Felsblock halten, aber hier wagte er nicht, das Nichts heraufzubeschw�ren. Er wollte einfach auf seine eigenen F�higkeiten vertrauen.</p><p>�Was man zu oft ein�bt, benutzt man, ohne weiter nachzudenken. Wenn Ihr schnell seid, k�nnt Ihr den anderen Mann auf diese Art mit dem Schwert durchbohren, aber Ihr habt dann todsicher seines in den Rippen. Ihr ladet ihn f�rmlich dazu ein. Ich glaube nicht, da� ich der Versuchung widerstehen k�nnte, ihn damit zu erwischen, obwohl ich w��te, da� auch er mich dabei t�ten k�nnte.�</p><p>�Ich schule doch nur mein Gleichgewichtsgef�hl, Ingtar.� Rand schwankte auf einem Bein und mu�te schnell den anderen Fu� hinstellen, um nicht zu st�rzen. Er rammte die Klinge in die Scheide und hob den grauen Umhang auf, der ihm als Verkleidung gedient hatte. Er war mottenzerfressen und ausgefranst, aber mit dickem Pelz besetzt, und der Wind frischte auf. Er kam kalt aus dem Westen herangefegt. �Ich w�nschte, sie w�ren zur�ck.�</p><p>Als habe dieser Wunsch ein Signal gesetzt, sagte Uno ruhig und eindringlich: �Blutige Reiter kommen, Lord Ingtar.� Scheiden klapperten, als die M�nner ihre Schwerter zogen, die sie vorher noch nicht entbl��t hatten. Ein paar sprangen in die S�ttel und zogen ihre Lanzen aus dem Boden.</p><p>Die Spannung l�ste sich jedoch schnell, denn Hurin f�hrte die anderen im Trab auf die Lichtung. Doch dann durchfuhr es die M�nner erneut, denn Hurin verk�ndete: �Wir haben die Spur gefunden, Lord Ingtar.�</p><p>�Wir sind ihr fast bis Falme gefolgt�, erz�hlte Mat beim Absteigen. Seine blassen Wangen schienen ger�tet und t�uschten Gesundheit vor, doch die Haut spannte sich straff �ber dem Sch�del. Die Schienarer umringten ihn, denn er erz�hlte aufgeregt weiter: �Es ist nur Fain, aber er kann gar nicht anderswohin gezogen sein. Er mu� den Dolch bei sich haben.�</p><p>�Wir haben auch Wei�m�ntel getroffen�, sagte Perrin, als er sich aus dem Sattel schwang. �Hunderte!�</p><p>�Wei�m�ntel?� rief Ingtar mit finsterem Blick. �Hier? Na ja, wenn sie uns keine Schwierigkeiten bereiten, machen wir ihnen auch keine. Vielleicht lenken sie die Seanchan ab und helfen uns damit, das Horn aufzusp�ren.�</p><p>Sein Blick fiel auf Verin, die noch immer am Feuer kauerte. �Jetzt werdet Ihr mir sicherlich sagen, ich h�tte gleich auf Euch h�ren sollen, Aes Sedai. Der Mann ist wirklich nach Falme geritten.�</p><p>�Das Rad webt, wie es will�, antwortete Verin gelassen. �Bei <emphasis>Ta'veren</emphasis> ist es vorbestimmt, was geschehen wird. Vielleicht hat das Muster diese beiden Tage Verz�gerung verlangt. Das Muster ordnet alles ganz genau, und wenn wir versuchen, den Lauf der Dinge abzu�ndern und auch noch <emphasis>Ta'veren</emphasis> darin verwickelt sind, dann �ndert sich die Webart und f�hrt uns zur�ck in das urspr�ngliche Muster.� Es herrschte gereiztes Schweigen, das sie nicht zu bemerken schien. Sie kritzelte wieder abwesend mit ihrem Stock auf dem Boden herum. �Jetzt, glaube ich allerdings, ist es an der Zeit, Pl�ne zu schmieden. Das Muster hat uns nun endlich nach Falme gebracht. Das Horn von Valere wurde ebenfalls dorthin gebracht.�</p><p>Ingtar hockte sich ihr gegen�ber ans Feuer. �Wenn gen�gend Leute das gleiche behaupten, neige ich dazu, ihnen zu glauben. Die Leute hier sagen, da� sich die Seanchan nicht darum k�mmern, wer nach Falme kommt oder von dort weggeht. Ich werde Hurin und ein paar andere in die Stadt bringen. Wenn er Fains Spur bis zum Horn folgt... Nun, wir werden ja sehen.�</p><p>Mit dem Fu� entfernte Verin ein Rad, das sie in die lockere Erde gekratzt hatte. Statt dessen zeichnete sie nun zwei kurze Linien, die sich an einem Ende trafen. �Ingtar und Hurin. Und Mat, weil er den Dolch sp�rt, wenn er ihm nahe genug ist. Du willst doch mit, Mat, oder?�</p><p>Mat wirkte innerlich zerrissen, doch er nickte. Es war mehr ein Kopfzucken. �Ich mu� wohl. Ich mu� diesen Dolch finden.�</p><p>Eine dritte Linie machte aus dem Bild die Fu�spur eines Vogels. Verin sah Rand von der Seite her an.</p><p>�Ich komme mit�, sagte er. �Deshalb bin ich schlie�lich hergekommen.� Die Aes Sedai blickte ihn auf ganz seltsame Art an. Ihr wissendes L�cheln machte ihn unruhig. �Ich will ja Mat helfen, den Dolch wiederzufinden�, sagte er in scharfem Ton, �und nat�rlich Ingtar, das Horn aufzusp�ren.� <emphasis>Und Fain,</emphasis> f�gte er im Inneren hinzu. <emphasis>Ich mu� Fain finden, falls es nicht schon zu sp�t ist.</emphasis> Verin ritzte eine vierte Linie ein, was die Vogelspur in einen etwas schiefen Stern verwandelte. �Und wer noch?� fragte sie leise. Sie hielt den Stock immer noch bereit.</p><p>�Ich�, sagte Perrin einen Augenblick, bevor Loial sagen konnte: �Ich denke, ich k�me auch gern mit.� Dann schlossen sich auch noch Uno und die anderen Soldaten an.</p><p>�Perrin war zuerst dran�, sagte Verin, als sei das entscheidend gewesen. Sie f�gte eine f�nfte Linie hinzu und zog einen Kreis um alle f�nf. Rand str�ubten sich die Nackenhaare. Es war das gleiche Rad, das sie vorher entfernt hatte. �F�nf k�mpfen f�r das Licht�, murmelte sie.</p><p>�Ich s�he wirklich gern einmal Falme�, sagte Loial. �Ich habe auch noch nie das Aryth-Meer gesehen. Au�erdem kann ich die Truhe tragen, falls das Horn noch drin liegt.�</p><p>�Ihr solltet aber wenigstens mich mitnehmen, Lord Ingtar�, sagte Uno. �Ihr und Lord Rand braucht noch ein Schwert zur R�ckendeckung, wenn diese blutigen Seanchan versuchen, Euch aufzuhalten.� Die anderen Soldaten murmelten zustimmend.</p><p>�Seid doch keine Narren!� schimpfte Verin. Ihr Blick brachte sie alle zum Schweigen. �Ihr k�nnt nicht alle gehen. Auch wenn die Seanchan nicht auf Fremde achten, werden sie doch zwanzig Soldaten bemerken, und Ihr seht auch ohne R�stungen wie Soldaten aus. Und nur ein oder zwei von Euch bringen nicht viel. F�nf � das sind zu wenige, um Aufsehen zu erregen, und es pa�t, da� drei davon <emphasis>Ta'veren</emphasis> sind. Nein, Loial, Ihr m��t auch zur�ckbleiben. Auf der Toman-Halbinsel gibt es keine Ogier. Ihr w�rdet mehr Blicke auf Euch ziehen als der ganze Rest zusammen.�</p><p>�Wie steht es mit Euch?� fragte Rand.</p><p>Verin sch�ttelte den Kopf. �Ihr verge�t die <emphasis>Damane.�</emphasis> Ihr Mund verzog sich dabei vor Ekel. �Ich k�nnte Euch nur helfen, indem ich die Macht gebrauche, und das w�re alles andere als eine Hilfe, denn ich w�rde sie nur auf Euch aufmerksam machen. Auch wenn uns keine beobachtet, so k�nnte doch eine von ihnen eine Frau oder auch einen Mann f�hlen, wenn sie die Macht ben�tzen. Man d�rfte ohnehin nur ein winziges bi�chen der Macht gebrauchen.� Sie sah Rand dabei nicht an. Sie schien ihn sowieso dauernd zu �bersehen. Mat und Perrin waren pl�tzlich brennend an ihren F��en interessiert.</p><p>�Ein Mann�, schnaubte Ingtar. �Verin Sedai, warum noch mehr Probleme schaffen? Wir haben doch schon genug davon, ohne auch noch M�nner zu brauchen, die mit der Macht umgehen. Aber es w�re gut, Euch dabeizuhaben. Falls wir Euch brauchen... �</p><p>�Nein, Ihr f�nf m��t allein gehen.� Ihr Fu� schabte �ber das Rad, das sie in den Boden gekratzt hatte, und l�schte es zum Teil aus. Sie musterte einen nach dem anderen mit gerunzelter Stirn. �F�nf reiten aus und k�mpfen f�r das Licht.�</p><p>Einen Augenblick lang schien Ingtar sie trotzdem noch einmal fragen zu wollen, doch nach einem Blick in ihre Augen zuckte er die Achseln und wandte sich Hurin zu:</p><p>�Wie lange brauchen wir nach Falme?�</p><p>Der Schn�ffler kratzte sich am Kopf. �Wenn wir die ganze Nacht durchreiten, sind wir morgen bei Sonnenaufgang dort.�</p><p>�Dann tun wir genau das. Ich werde keine Zeit mehr verschwenden. Auf Eure Pferde! Uno, du f�hrst die anderen hinter uns her, aber au�er Sichtbereich! La�t euch von niemandem... �</p><p>Rand betrachtete das in die Erde gekratzte Rad, w�hrend Ingtar seine Befehle ausgab. Jetzt war das Rad nat�rlich nur noch teilweise vorhanden � vier Speichen waren �brig. Aus irgendeinem Grund schauderte ihn. Er bemerkte, da� Verin ihn beobachtete. Der Blick aus ihren dunklen Augen wirkte so scharf und eindringlich wie der eines Raubvogels. Mit M�he ri� er den Blick los und begann, sein Gep�ck aufzuladen.</p><p><emphasis>Du siehst schon Gespenster,</emphasis> sagte er sich nerv�s. <emphasis>Sie kann nichts tun, wenn sie nicht dabei ist.</emphasis></p></section><section><title><p>45</p><p>Schwertmeister</p></title><p>Die aufgehende Sonne schob sich rot �ber den Horizont und schickte lange Schatten �ber die Pflasterstra�en von Falme bis zum Hafen hinab. Ein leichter Wind von der See her trieb den Rauch der Fr�hst�cksfeuer aus den Schornsteinen ins Landesinnere. Nur die Fr�haufsteher befanden sich bereits auf den Stra�en. Ihr Atem dampfte in der morgendlichen K�lte. Wenn man das Treiben mit der Menschenmenge verglich, die in einer Stunde die Stra�en bev�lkern w�rde, kam einem die Stadt beinahe leer vor.</p><p>Nynaeve sa� auf einem umgedrehten Fa� vor einem zu dieser Zeit noch geschlossenen Eisenwarengesch�ft, w�rmte sich die H�nde unter den Achseln und musterte ihre Armee. Min sa� gegen�ber auf einer T�rschwelle, hatte sich in ihren Seanchan-Umhang geh�llt und a� eine verschrumpelte Pflaume. Egwene in ihrem Schafspelz kauerte am Eingang einer Gasse ein St�ckchen weiter. Neben Min lag sauber gefaltet ein gro�er Sack, den sie im Hafen gestohlen hatten. <emphasis>Meine Armee,</emphasis> dachte Nynaeve ironisch. <emphasis>Aber mehr sind es eben nicht.</emphasis> Sie bemerkte eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> und eine <emphasis>Damane,</emphasis> die n�her kamen. Eine blonde Frau trug das Armband und eine dunkle das dazugeh�rige Halsband. Beide g�hnten. Die wenigen Falmer, die die Stra�e mit ihnen teilten, wandten die Blicke ab und machten einen Bogen um sie. Soweit sie die Stra�e zum Hafen hinunter �berblicken konnte, waren keine Seanchan in Sicht. Sie sah bewu�t nicht in die andere Richtung. Statt dessen reckte sie sich und rollte die Schultern, als wolle sie sich durch die Bewegung erw�rmen, und dann lie� sie sich wieder niedersinken.</p><p>Min warf ihre halbgegessene Pflaume beiseite, blickte einmal kurz die Stra�e hinauf und lehnte sich gegen den T�rpfosten. Also war alles klar dort oben, denn sonst h�tte sie die H�nde auf die Knie gelegt. Min rieb sich nun die H�nde nerv�s, und Nynaeve bemerkte, da� Elayne aufgeregt von einem Fu� auf den anderen h�pfte.</p><p><emphasis>Falls sie uns vor lauter Nervosit�t verraten, bekommt jede eins auf den Sch�del von mir.</emphasis> Doch sie wu�te, w�rden sie entdeckt, dann w�rden die Seanchan dar�ber entscheiden, was mit ihnen geschehen solle. Sie war sich der Tatsache nur zu bewu�t, da� sie keine Ahnung hatte, ob ihr Plan gelingen w�rde oder nicht. Es k�nnte auch ihr Fehler sein, wenn sie entdeckt wurden. Noch einmal entschlo� sie sich, im Falle ihrer Entdeckung die ganze Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, damit Min und Elayne entkommen konnten. Sie hatte ihnen eingesch�rft, falls etwas mi�l�nge, sollten sie sofort wegrennen, und hatte behauptet, da� auch sie wegrennen werde. Was sie in dem Fall tats�chlich tun w�rde, war ihr auch nicht klar. <emphasis>Aber ich werde mich nicht lebendig fangen lassen. Bitte, Licht, nur das nicht!</emphasis></p><p>Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und die <emphasis>Damane</emphasis> kamen die Stra�e herauf und befanden sich jetzt in der Mitte zwischen den drei Frauen. Ein Dutzend Falmer machten wie immer einen gro�en Bogen um das Paar und waren so nicht im Weg.</p><p>Nynaeve steigerte sich in Wut hinein. Frauen an der Leine und Frauen, die andere an der Leine f�hrten. Man hatte ein schmutziges Band um Egwenes Hals gelegt, und das w�rde man auch mit ihr und Elayne tun, wenn sich die Gelegenheit dazu erg�be. Sie hatte sich von Min erz�hlen lassen, wie die <emphasis>Sul'dam</emphasis> den <emphasis>Damane</emphasis> ihren Willen aufzwangen. Sie war sicher, da� ihr Min dabei noch das Schlimmste erspart hatte; aber was sie erz�hlt hatte, war genug, um Nynaeve in hei�en Zorn zu versetzen. Einen Augenblick sp�ter hatte sich eine wei�e Bl�te an einem schwarzen Dornenstrauch dem Licht, <emphasis>Saidar,</emphasis> ge�ffnet, und die Eine Macht erf�llte sie. Sie wu�te, da� sie von einem Gl�hen umgeben wurde, jedenfalls f�r diejenigen, die es sehen konnten. Die blasse <emphasis>Sul'dam</emphasis> fuhr zusammen, und die dunkelhaarige <emphasis>Damane</emphasis> �ffnete �berrascht den Mund, aber Nynaeve lie� ihnen keine Atempause. Sie lenkte nur ein wenig der Macht, aber die knallte wie ein Peitschenhieb auf die beiden nieder.</p><p>Das silberne Halsband �ffnete sich und klapperte auf die Pflastersteine. Nynaeve seufzte vor Erleichterung und sprang auf.</p><p>Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> starrte das zu Boden gefallene Halsband an wie eine Giftschlange. Die <emphasis>Damane</emphasis> fa�te sich zitternd an den Hals, aber bevor die Frau in dem Kleid mit dem Abzeichen der Blitze Gelegenheit hatte, sich nur zu bewegen, wandte sich die <emphasis>Damane</emphasis> ihr zu und schlug ihr voll ins Gesicht. Die Knie der <emphasis>Sul'dam</emphasis> gaben nach, und sie w�re beinahe gest�rzt.</p><p>�Das hast du verdient!� schrie Elayne. Auch sie und Min rannten jetzt dorthin, wo die beiden standen.</p><p>Bevor allerdings eine von ihnen die beiden Frauen erreichte, sah sich die <emphasis>Damane</emphasis> �ngstlich um und rannte weg, so schnell sie konnte.</p><p>�Wir tun dir nichts!� rief ihr Elayne nach. �Wir sind Freunde!�</p><p>�Sei ruhig!� zischte Nynaeve. Sie zog ein paar Lumpen aus der Tasche und stopfte sie r�cksichtslos in den aufgerissenen Mund der immer noch taumelnden <emphasis>Sul'dam.</emphasis></p><p>Min sch�ttelte schnell den Sack aus, was eine Staubwolke erzeugte, und st�lpte ihn der <emphasis>Sul'dam</emphasis> �ber den Kopf. Sie zog ihn ihr bis zur H�fte hinunter. �Wir erregen schon zuviel Aufmerksamkeit.�</p><p>Das stimmte wohl, aber eben doch nicht in vollem Ausma�. Die vier standen auf einer Stra�e, die sich rasch entv�lkerte. Die Menschen hatten sich entschlossen, da� es ihnen anderswo besser gefiel. Sie vermieden es, die Frauen anzusehen. Nynaeve hatte sich auf diese Wirkung verlassen und gehofft, auf diese Weise Zeit zu gewinnen. Die Menschen taten alles, um Dinge zu �bersehen, die mit den Seanchan zu tun hatten. Sie w�rden schlie�lich doch dar�ber sprechen, aber nur insgeheim. Es konnte noch Stunden dauern, bis die Seanchan davon erfuhren, da� etwas geschehen war.</p><p>Die Frau unter dem Sack begann sich zu wehren. Knebelged�mpfte Schreie erklangen, so da� Nynaeve und Min den Sack mit seinem k�mpfenden Inhalt umklammerten und in eine nahe Gasse zerrten. Leine und Halsband klapperten hinter ihnen her �ber die Pflastersteine.</p><p>�Heb es auf!� fauchte Nynaeve Elayne an. �Es bei�t schon nicht.�</p><p>Elayne atmete tief durch und hob die silbrigen Metallutensilien widerwillig auf, als k�nnten sie wirklich bei�en. Nynaeve empfand ein wenig Mitgef�hl, doch es kam jetzt darauf an, da� jede ihre Aufgabe erf�llte, wie sie es geplant hatten.</p><p>Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> trat nach ihnen und versuchte sich freizuk�mpfen, aber Nynaeve und Min schleiften sie gemeinsam weiter, aus der einen Gasse in eine andere etwas breitere hinter den H�usern und dann wieder durch eine neue bis hin zu einem alten Holzschuppen mit zwei Boxen, in denen wohl einst Pferde gestanden hatten. Seit die Seanchan gekommen waren, konnten sich nur wenige Menschen noch Pferde leisten. Nynaeve hatte einen Tag lang aufgepa�t, aber niemand hatte sich dem Schuppen gen�hert. Im Inneren lag dicker Staub, und es roch muffig, deutliche Anzeichen daf�r, da� man den Schuppen aufgegeben hatte. Sobald sie drinnen waren, lie� Elayne die Silberleine fallen und wischte sich die H�nde am Stroh ab.</p><p>Nynaeve ben�tzte erneut ein klein wenig der Macht, und das Armband fiel auf den schmutzigen Boden. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> kreischte und warf sich von einer Seite auf die andere.</p><p>�Fertig?� fragte Nynaeve. Die anderen beiden nickten, und dann rissen sie den Sack von der Gefangenen.</p><p>Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> keuchte. Ihre blauen Augen tr�nten vor Staub, und ihr Gesicht war rot angelaufen, sowohl des Sackes wegen wie auch vor Wut. Sie wollte sofort zur T�r rennen, doch sie fingen sie schon nach einem Schritt ab. Sie war nicht schwach, aber gegen die drei kam sie nicht an. Als sie mit ihr fertig waren, lag sie bis auf die Unterw�sche ausgezogen in einer Box, Arme und Beine waren mit einem festen Strick gebunden, und ein weiterer Strick hielt den Knebel in ihrem Mund fest. Min tupfte ihre geschwollene Lippe ab und betrachtete das Kleid mit den Blitzabzeichen und die Stiefel, die vor ihr lagen. �Das k�nnte dir passen, Nynaeve. Elayne oder mir pa�t es sicher nicht.� Elayne pfl�ckte sich Stroh aus dem Haar.</p><p>�Das sehe ich auch. Es war auch nie die Rede von dir. Dich kennen sie zu gut.� Nynaeve zog sich hastig aus. Sie warf ihre Kleidung beiseite und zog das Kleid der <emphasis>Sul'dam</emphasis> �ber. Min half ihr beim Zukn�pfen.</p><p>Nynaeve bewegte die Zehen in den Stiefeln. Sie waren ein wenig zu eng. Auch das Kleid sa� �ber dem Busen etwas zu straff und anderswo war es zu weit. Der Saum schleifte beinahe am Boden, niedriger als bei der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> aber bei den anderen h�tte es noch auff�lliger gewirkt. Sie hob das Armband auf, atmete tief ein und schlo� es um den linken Unterarm. Die Enden verschmolzen miteinander, so da� es wie aus einem einzigen St�ck gefertigt schien. Es f�hlte sich nur wie ein Armband an �nicht mehr. Das hatte sie bef�rchtet.</p><p>�Hol dir das Kleid, Elayne.� Sie hatten zwei Kleider gef�rbt � eines von ihren und eins von Elayne �, und zwar in dem Grau, wie es die <emphasis>Damane</emphasis> trugen. Diese Sachen hatten sie hier versteckt. Elayne r�hrte sich nicht, starrte nur das offene Halsband an und leckte sich die ausgetrockneten Lippen. �Elayne, du mu�t es tragen! Zu viele hier kennen Min bereits, als da� sie es tragen k�nnte. Ich h�tte es getragen, wenn dir dieses Kleid passen w�rde.� Sie bef�rchtete, sie w�re wohl verr�ckt geworden, h�tte sie dieses Halsband tragen m�ssen. Deshalb blieb ihre Stimme sanft, als sie jetzt mit Elayne sprach.</p><p>�Ich wei߫, seufzte Elayne. �Doch w��te ich nur mehr �ber seine Wirkungen!� Sie schob ihr rotgoldenes Haar weg, um dem Halsband Platz zu machen. �Min, hilf mir bitte.� Min kn�pfte Elaynes Kleid hinten auf.</p><p>Nynaeve brachte es fertig, das silberne Halsband in die Hand zu nehmen, ohne es fallen zu lassen. �Es gibt eine M�glichkeit, mehr dar�ber herauszufinden.� Nach nur kurzem Z�gern beugte sie sich vor und legte das Halsband um den Hals der <emphasis>Sul'dam. Wenn irgend jemand es verdient, dann sie,</emphasis> sagte sie sich entschlossen. �Sie kann uns vielleicht N�tzliches verraten.� Die Frau mit den blauen Augen starrte die Leine an, die sich von ihrem Hals zu Nynaeves Arm schl�ngelte, und funkelte Nynaeve ver�chtlich an.</p><p>�So gelingt das nicht�, sagte Min, doch Nynaeve h�rte kaum hin.</p><p>Sie war sich der anderen Frau... bewu�t, ihrer Gef�hle bewu�t. Sie sp�rte, wie ihr die Schnur in die Beine und Arme schnitt, wie die Lumpen in ihrem Mund nach ranzigem Fisch stanken und schmeckten, wie das Stroh sie durch die d�nne Unterw�sche hindurch stach. Es war nicht so, als f�hle sie selbst diese Dinge, aber in ihrem Kopf gab es ein B�ndel von Gef�hlen, die zu der <emphasis>Sul'dam</emphasis> geh�rten.</p><p>Sie schluckte, versuchte, diese Gef�hle beidseitig zu schieben, was ihr nicht gelang, und sagte zu der gefesselten Frau: �Ich werde dir nicht weh tun, wenn du meine Fragen wahrheitsgem�� beantwortest. Wir sind keine Seanchan. Aber solltest du mich anl�gen... � Sie hob drohend die Leine.</p><p>Die Schultern der Frau zuckten, und ihr Mund verzog sich trotz des Knebels h�hnisch. Nynaeve brauchte einen Augenblick, bis ihr klar wurde, da� die <emphasis>Sul'dam</emphasis> lachte.</p><p>Sie straffte die Lippen, und ihr kam ein Gedanke. In diesem B�ndel von Gef�hlen, das sie sp�rte, war alles konzentriert, was diese Frau f�hlte. Probeweise f�gte sie dem B�ndel etwas Eigenes hinzu.</p><p>Pl�tzlich quollen der <emphasis>Sul'dam</emphasis> beinahe die Augen aus dem Kopf, und sie schrie so laut auf, da� selbst der Knebel den Schrei kaum d�mpfte. Sie spreizte die H�nde, die hinter ihrem R�cken gefesselt waren, als wolle sie etwas abwehren, und wand sich in dem vergeblichen Versuch zu fliehen.</p><p>Nynaeve sah sie verbl�fft an und lie� schnell die selbst hinzugef�gten Gef�hle verschwinden. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> sackte weinend ins Stroh.</p><p>�Was... Was hast du... ihr getan?� fragte Elayne sch�chtern. Min starrte sie mit offenem Mund an.</p><p>Nynaeve antwortete m�rrisch: �Das gleiche, was Sheriam mit dir getan hat, als du den Pokal nach Marith geworfen hast.� <emphasis>Licht, das ist ein wahrlich schmutziges Ding.</emphasis></p><p>Elayne schluckte vernehmlich. �Oh.�</p><p>�Aber es hei�t, da� ein <emphasis>A'dam</emphasis> so herum nicht gl�ckt�, sagte Min. �Sie haben immer behauptet, es wirke nicht bei einer Frau, die die Macht nicht lenken kann.�</p><p>�Es ist mir gleich, was man dar�ber behauptet, solange es nur gelingt.� Nynaeve packte die silberne Leine dort, wo sie an dem Halsband befestigt war, und zog die Frau hoch, um ihr in die Augen zu sehen. Ver�ngstigte Augen waren es nun. �H�r mich an, und h�r gut hin. Ich verlange Antworten, und wenn ich die nicht bekomme, wirst du glauben, ich h�tte dir die Haut bei lebendigem Leibe heruntergerissen.� Blankes Entsetzen �berzog das Gesicht der Frau, und Nynaeve drehte sich beinahe der Magen um, als ihr klar wurde, da� die <emphasis>Sul'dam</emphasis> sie w�rtlich genommen hatte. <emphasis>Wenn sie glaubt, ich k�nne das, dann nur deshalb, weil sie Bescheid wei�. Dazu sind die Leinen da.</emphasis> Sie ri� sich entschlossen zusammen, um sich nicht rasch das Armband abzurei�en. Statt dessen machte sie eine unnachgiebige Miene. �Bist du soweit, da� du mir Antworten gibst? Oder mu� ich dich noch �berzeugen?�</p><p>Das verzweifelte Kopfsch�tteln reichte aus. Als Nynaeve den Knebel herausnahm, schwieg die Frau nur einen Moment lang, um Luft zu holen und zu schlucken. Dann plapperte sie los: �Ich werde Euch nicht verraten, das schw�re ich. Nehmt nur bitte das Ding von meinem Hals! Ich habe Gold. Nehmt es. Ich schw�re, ich werde Euch nie verraten!�</p><p>�Sei ruhig!� fauchte Nynaeve, und die Frau schlo� den Mund augenblicklich. �Wie hei�t du?�</p><p>�Seta. Bitte. Ich antworte ja, aber bitte, nehmt � es �weg! Wenn mich jemand damit sieht... � Setas Blick fiel hinunter zu der Leine, und sie schlo� die Augen. �Bitte!� fl�sterte sie.</p><p>Etwas wurde Nynaeve in dem Augenblick klar: Sie konnte Elayne dieses Halsband nicht anlegen.</p><p>�Es ist das beste, wenn wir jetzt wie vorgesehen weitermachen�, sagte Elayne mit fester Stimme. Sie stand jetzt ebenfalls in Unterw�sche da. �Gib mir einen Augenblick Zeit, um dieses andere Kleid anzuziehen und... �</p><p>�Zieh wieder dein eigenes Kleid an�, sagte Nynaeve.</p><p>�Jemand mu� doch die <emphasis>Damane</emphasis> spielen�, sagte Elayne, �sonst kommen wir nie bis zu Egwene. Das andere Kleid pa�t nur dir, und Min kommt nicht in Frage. Also bleibe nur ich.�</p><p>�Ich sagte, du ziehst dich wieder an! Wir haben jemand anders, die unsere <emphasis>Angekoppelte</emphasis> sein wird.� Nynaeve zupfte an der Leine, und Seta schnappte entsetzt nach Luft.</p><p>�Nein! Bitte nicht! Falls mich jemand sieht... � Unter Nynaeves kaltem Blick erstarben ihr die Worte auf den Lippen.</p><p>�Was mich betrifft, bist du schlimmer als eine M�rderin, schlimmer als jeder Schattenfreund. Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen als dich. Die Tatsache, da� ich dieses Ding am Arm tragen mu�, selbst wenn es nur f�r eine Stunde ist, macht mich krank. Wenn du glaubst, es g�be etwas, das ich dir nicht antun k�nnte, dann irrst du dich gewaltig. Du willst nicht gesehen werden? Gut. Wir auch nicht. Aber es schaut sowieso keiner eine <emphasis>Damane</emphasis> an. Solange du zu Boden schaust, wie man das von einer Gekoppelten erwartet, wird dich niemand erkennen. Aber du solltest dein Bestes geben, da� auch wir nicht bemerkt werden. Werden wir bemerkt, dann bist auch du f�llig, und wenn das als Grund nicht ausreicht, werde ich daf�r sorgen, da� du den ersten Ku� verfluchst, den deine Mutter deinem Vater gab. Verstehen wir uns?�</p><p>�Ja�, seufzte Seta geschlagen. �Ich schw�re es.�</p><p>Nynaeve mu�te das Armband entfernen, damit sie Elaynes grau eingef�rbtes Kleid die Leine entlang �ber Setas Kopf streifen konnten. Es pa�te der Frau nicht gerade gut. Am Busen sa� es zu locker und an den H�ften zu stramm. Aber Nynaeves Kleid h�tte noch schlechter gepa�t und w�re au�erdem zu kurz gewesen. Nynaeve hoffte, da� die Leute eine <emphasis>Damane</emphasis> wirklich nicht genau musterten. Z�gernd legte sie das Armband wieder an.</p><p>Elayne hob Nynaeves Kleider auf, wickelte das andere gef�rbte Kleid darum und machte ein B�ndel daraus, wie es eine Frau in Bauernkleidung sehr wohl einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> und ihrer <emphasis>Damane</emphasis> hinterhertragen durfte. �Gawyn wird sich gr�men, wenn er davon h�rt�, lachte sie. Es klang gek�nstelt.</p><p>Nynaeve musterte sie und Min genau. Es wurde Zeit f�r den wirklich gef�hrlichen Teil ihres Unternehmens. �Seid ihr bereit?�</p><p>Elaynes L�cheln verschwand aus ihren Z�gen. �Ich bin bereit.�</p><p>�Fertig�, sagte Min knapp.</p><p>�Wo wollt ihr... wir... wohin gehen wir?� fragte Seta schnell und f�gte hinzu: �Wenn ich fragen darf.�</p><p>�In die H�hle des L�wen�, antwortete Elayne.</p><p>�Um mit dem Dunklen K�nig zu tanzen�, sagte Min.</p><p>Nynaeve seufzte und sch�ttelte den Kopf. �Sie wollen damit einfach sagen, da� wir dorthin gehen, wo man die <emphasis>Damane</emphasis> untergebracht hat, und dann werden wir eine von ihnen befreien.�</p><p>Seta brachte vor Verbl�ffung den Mund nicht mehr zu, w�hrend sie sie aus dem Schuppen bef�rderten.</p><p>Bayle Domon beobachtete vom Deck seines Schiffes aus die aufgehende Sonne. Der Hafen war bereits sehr belebt, obwohl die Stra�en, die von hier aufw�rtsf�hrten, noch beinahe leer waren. Eine M�we hatte sich auf einem B�ndel niedergelassen und blickte ihn an. M�wenaugen zeigen kein Mitleid.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� nichts schiefgeht, Kapit�n?� fragte Yarin. �Falls sich die Seanchan fragen, warum wir alle an Bord gehen... �</p><p>�Du m�ssen nur sichergehen, da� neben jedem Haltetau eine Axt liegen�, sagte Domon kurz angebunden. �Und, Yarin, tut irgendein Mann Tau kappen, bevor die Frauen sind an Bord, ich werden spalten seinen Sch�del.�</p><p>�Was ist, wenn sie nicht kommen, Kapit�n? Wenn statt dessen Soldaten der Seanchan auftauchen?�</p><p>�Nicht dir machen in Hose, Mann! Wenn Soldaten kommen, ich werden zur Hafenausfahrt segeln, und Licht, schenk uns deine Gnade. Aber bis Soldaten kommen, ich werden warten auf diese Frauen. Jetzt geh und tu so, als ob du nichts zu tun haben.�</p><p>Domon wandte sich wieder um und betrachtete die Stadt. Dort oben hielt man die <emphasis>Damane</emphasis> gefangen. Seine Finger trommelten einen nerv�sen Rhythmus auf die Reling.</p><p>Die morgendliche Brise von See her wehte den Geruch der K�chenfeuer bis vor Rands Nase und brachte seinen mottenzerfressenen Umhang zum Flattern. Er hielt ihn mit einer Hand zu, w�hrend sich der Braune der Stadt n�herte. Unter den aufgefundenen Kleidungsst�cken war kein Mantel gewesen, der ihm pa�te, und er hatte es f�r richtig gehalten, die silbernen Stickereien auf den �rmeln und die Reiher am Kragen seines eigenen Mantels unter diesem Umhang zu verbergen. Die Nachl�ssigkeit der Seanchan bewaffneten Reisenden gegen�ber erstreckte sich m�glicherweise doch nicht auf die Tr�ger von Reiherschwertern.</p><p>Die ersten Schatten des fr�hen Morgens fielen �ber ihn. Er konnte gerade Hurin erkennen, der zwischen den Stellpl�tzen der Wagen und den Stallungen hindurchritt. Nur ein oder zwei M�nner befanden sich bei der langen Wagenreihe der Kaufleute von au�erhalb, und diese M�nner trugen die langen Sch�rzen der Wagner und Hufschmiede. Ingtar, der vorangeritten war, war bereits nicht mehr zu sehen. Perrin und Mat folgten Rand in gr��erem Abstand. Er sah sich nicht nach ihnen um. Es sollte nicht so aussehen, als kannten sie sich. Sie waren einfach f�nf M�nner, die zu fr�her Stunde, aber getrennt voneinander, nach Falme kamen.</p><p>Er befand sich jetzt zwischen den Pferdekoppeln. Die Pferde standen bereits an den Z�unen und warteten auf ihr Futter. Hurin streckte den Kopf aus der L�cke zwischen zwei St�llen hervor, die noch geschlossen und verrammelt waren, sah Rand und bedeutete ihm, herzukommen. Dann schlich er vorsichtig zur�ck. Rand lenkte seinen Hengst in diese Richtung.</p><p>Hurin stand da und hielt sein Pferd am Z�gel. Er trug statt seines Mantels nur eine lange Weste unter dem schweren Umhang, der sein Schwert und den Schwertbrecher verbarg, und er zitterte vor K�lte. �Lord Ingtar ist dort hinten�, sagte er und deutete mit einer Kopfbewegung in den engen Durchgang hinein. �Er sagt, wir lassen die Pferde jetzt hier und gehen zu Fu� weiter.� Rand stieg ab, und der Schn�ffler f�gte hinzu: �Fain ist diese Stra�e hinuntergegangen, Lord Rand. Ich rieche es fast von hier aus.�</p><p>Rand f�hrte den Braunen hinter den Stall, wo auch Ingtar schon sein Pferd angebunden hatte. Der Schienarer wirkte in seinem schmutzigen Schafsledermantel, der an mehreren Stellen L�cher aufwies, nicht gerade wie ein Lord. Sein Schwert hatte er �ber den Mantel geschnallt, was ebenfalls eigenartig wirkte. In seinem Blick lag eine fieberhafte Eindringlichkeit.</p><p>Rand band den Braunen neben Ingtars Hengst an. Er z�gerte der Satteltaschen wegen. Er hatte die Flagge nicht zur�cklassen wollen. Er glaubte nicht, da� einer der Soldaten darin herumst�bern w�rde, aber bei Verin war er da nicht so sicher und konnte auch nicht vorhersagen, was sie t�te, wenn sie die Flagge f�nde. Aber es machte ihn auch nerv�s, sie dabei zu haben. Er entschlo� sich, die Satteltaschen auf dem Pferd zu belassen.</p><p>Mat schlo� sich ihnen an, und ein paar Augenblicke sp�ter kam auch Hurin zusammen mit Perrin. Mat trug Pumphosen, die er sich in die Stiefelsch�fte gestopft hatte, und Perrin trug seinen viel zu kurzen Umhang. Rand fand, da� sie alle wie schurkische Bettler wirken mu�ten, doch in den D�rfern waren sie so weitgehend unbemerkt geblieben.</p><p>�Also�, meinte Ingtar, �dann gehen wir mal los.�</p><p>Sie schlenderten hinaus auf die ungepflasterte Stra�e. Es wirkte ziellos; sie unterhielten sich ein wenig und lie�en bald die Wagenstellpl�tze hinter sich. Dann erreichten sie die gepflasterten Stra�en der Stadt selbst. Rand registrierte gar nicht, was er so alles sagte oder was die anderen sagten. Ingtar hatte geplant, sie wie jede andere Gruppe von M�nnern aussehen zu lassen, die zum Hafen hinunterging, doch es befanden sich einfach noch zu wenige Menschen au�erhalb der H�user. Der Morgen war kalt, und die f�nf M�nner wirkten wie eine Menschenmenge.</p><p>Sie gingen zusammen, aber angef�hrt von Hurin, der die Nase in die Luft streckte und manchmal diese Stra�e w�hlte, manchmal jene. Die anderen hielten sich an seinen Kurs, als sei das alles so beabsichtigt gewesen. �Er ist im Zickzack durch diese Stadt gewandert�, murmelte Hurin und verzog das Gesicht dabei. ��berall liegt sein Geruch, und es stinkt so schlimm, da� ich kaum die �lteren Spuren von den neueren unterscheiden kann. Zumindest wissen wir aber, da� er sich noch hier aufh�lt. Einige Spuren k�nnen nicht �lter als ein oder zwei Tage sein. Da bin ich sicher, ganz sicher�, f�gte er mit fester Stimme hinzu.</p><p>Nun erschienen langsam immer mehr Leute auf der Stra�e. Hier legte ein Obsth�ndler seine Ware auf dem Tisch aus, dort eilte ein Bursche mit einem gro�en B�ndel Schriftrollen unter dem Arm und einem Schreibbrett auf dem R�cken dahin. Anderswo wieder �lte ein Scherenschleifer die Achse seines Schleifsteins auf dem kleinen Karren. Zwei Frauen schritten in der anderen Richtung vorbei, die eine mit gesenktem Blick und einem silbernen Halsband, w�hrend die andere � in einem Kleid, das mit Blitzen gekennzeichnet war � eine zusammengerollte Silberleine in der Hand hielt.</p><p>Rand stockte der Atem. Es kostete ihn M�he, die beiden nicht anzustarren.</p><p>�Waren das...?� Mat hatte die Augen aufgerissen. Sie lagen tief in den dunklen Augenh�hlen. �War das eine <emphasis>Damane?�</emphasis></p><p>�So hat man sie beschrieben�, sagte Ingtar knapp. �Hurin, m�ssen wir jede Stra�e in dieser vom Schatten verfluchten Stadt durchschreiten?�</p><p>�Er war einfach �berall, Lord Ingtar�, sagte Hurin. �Sein Gestank ist �berall.� Sie waren in einen Stadtbezirk gekommen, wo die Steinh�user drei oder vier Stockwerke hoch waren, so wie gro�e Schenken.</p><p>Sie bogen um eine Ecke, und Rand schreckte auf, als er der Gruppe von Seanchan-Soldaten ansichtig wurde, die vor einem gro�en Geb�ude Wache stand. Und gegen�ber standen zwei Frauen in Kleidern mit Blitzabzeichen am Eingang eines Nebengeb�udes und unterhielten sich. �ber dem von den Soldaten bewachten Haus flatterte eine Flagge im Wind. Sie zeigte einen goldenen Falken, der Blitze in den Krallen trug. Das Haus, vor dem die beiden Frauen klatschten, war nicht weiter gekennzeichnet. Die R�stung des Offiziers sah prachtvoll aus. Sie war in Rot, Schwarz und Gold gehalten; dazu war der Helm vergoldet und sah aus wie der Kopf einer Spinne. Und dann bemerkte Rand die beiden Gestalten mit ledriger Haut, die zwischen den Soldaten kauerten. Er w�re beinahe gestolpert.</p><p><emphasis>Grolm.</emphasis> Diese keilf�rmigen K�pfe mit den drei Augen waren unverwechselbar. <emphasis>Das kann doch nicht wahr sein!</emphasis> Vielleicht schlief er noch und hatte einen Alptraum? <emphasis>Vielleicht sind wir noch nicht nach Falme aufgebrochen?</emphasis> Die anderen betrachteten die Kreaturen, w�hrend sie an dem bewachten Geb�ude vorbeigingen.</p><p>�Was im Namen des Lichts ist denn das?� fragte Mat.</p><p>Hurin hatte die Augen weit aufgerissen. �Lord Rand, das sind... Das sind... �</p><p>�Es spielt keine Rolle�, sagte Rand. Einen Augenblick sp�ter nickte Hurin verst�ndnisvoll.</p><p>�Wir sind des Hornes wegen hier�, sagte Ingtar, �und nicht um irgendwelche Monster der Seanchan anzugaffen. Beschr�nk dich darauf, Fain aufzusp�ren, Hurin.�</p><p>Von den Soldaten wurden sie kaum beachtet. Die Stra�e f�hrte direkt hinunter zu dem kreisf�rmig angelegten Hafen. Rand erkannte dort unten Schiffe, die vor Anker lagen: gro�e, eckig wirkende Schiffe mit hohen Masten, die auf diese Entfernung wie Spielzeuge wirkten.</p><p>�Er war oft hier.� Hurin rieb sich mit dem Handr�cken �ber die Nase. �Die Stra�e stinkt � da liegt eine Schicht von Gestank �ber der anderen. Es kann sein, da� er gestern hier war, Lord Ingtar. Vielleicht sogar gestern abend.�</p><p>Pl�tzlich verkrampfte Mat die H�nde in das Vorderteil seines Mantels. �Er ist dort drinnen�, fl�sterte er. Er wandte sich um und lief ein paar Schritte zur�ck. Es war das gro�e Geb�ude mit der Flagge. �Dort drinnen ist der Dolch. Ich habe ihn zuvor nicht bemerkt � wegen dieser �dieser Biester, aber ich sp�re ihn.�</p><p>Perrin stie� ihn mit dem Finger in die Rippen. �H�r auf, sonst fragen die sich noch, warum du sie wie ein Bl�der anstarrst.�</p><p>Rand sah sich um. Der Offizier blickte zu ihnen her�ber. Mat wandte sich m�rrisch wieder den Gef�hrten zu. �Sollen wir einfach weitermarschieren? Er ist dort drinnen, sage ich euch!�</p><p>�Wir sind hinter dem Horn her�, grollte Ingtar. �Ich mu� Fain finden und ihn zwingen, mir zu verraten, wo es ist.� Er verlangsamte seinen Schritt nicht.</p><p>Mat sagte nichts darauf, aber sein Gesicht war eine einzige Bitte.</p><p><emphasis>Ich mu� Fain auch finden,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Ich mu�.</emphasis> Aber nach einem Blick auf Mats Gesicht sagte er: �Ingtar, wenn sich der Dolch dort drinnen befindet, ist wahrscheinlich auch Fain dort. Ich kann mir nicht vorstellen, da� er sich weit entfernt von Dolch und Horn aufh�lt.�</p><p>Ingtar blieb stehen. Einen Augenblick sp�ter sagte er: �Kann sein, aber von hier drau�en k�nnen wir das nicht feststellen.�</p><p>�Wir sollten das Haus beobachten, um zu sehen, ob er herauskommt�, sagte Rand. �Falls er heute fr�h noch herauskommt, hat er auch dort geschlafen. Und ich wette, dort, wo er schl�ft, befindet sich auch das Horn. Falls er kommt, k�nnen wir um die Mittagszeit wieder bei Verin sein und vor Einbruch der Dunkelheit einen Plan vorbereitet haben.�</p><p>�Ich warte nicht auf Verin�, meinte Ingtar. �Und ich warte auch nicht auf die Nacht. Ich will das Horn in H�nden halten, bevor die Sonne sinkt.�</p><p>�Aber wir wissen doch nichts Genaues, Ingtar.�</p><p>�Ich wei�, da� der Dolch hier ist�, sagte Mat.</p><p>�Und Hurin sagt, da� Fain gestern abend hier war.� Ingtar winkte Hurins Versuche beiseite, noch etwas dazu zu sagen. �Dies ist das erste Mal, da� du bereit warst, einen n�heren Zeitpunkt zu nennen als nur ein oder zwei Tage. Wir werden uns das Horn augenblicklich holen. Jetzt gleich!�</p><p>�Wie denn?� fragte Rand. Der Offizier beobachtete sie nicht mehr, aber es standen mindestens zwanzig Soldaten vor dem Geb�ude. Und ein <emphasis>Grolm</emphasis>-Paar. <emphasis>Das ist Wahnsinn. Es kann doch hier keine</emphasis> Grolme <emphasis>geben.</emphasis> Aber der Gedanke allein lie� die Biester nicht verschwinden.</p><p>�Hinter diesen H�usern scheint es G�rten zu geben�, sagte Ingtar. Er sah sich nachdenklich um. �Falls eine dieser Gassen an einer Gartenmauer entlang verl�uft... Manchmal sind die Leute so damit besch�ftigt, den Vordereingang zu bewachen, da� sie die R�ckseite vernachl�ssigen. Kommt!� Er ging geradewegs auf die n�chste enge Gasse zwischen zwei H�usern zu. Hurin und Mat liefen hinter ihm her.</p><p>Rand und Perrin sahen sich in die Augen. Rands breitschultriger Freund zuckte die Achseln, und so folgten sie ebenfalls.</p><p>Die Gasse war nicht viel breiter als ihre Schultern, aber sie verlief tats�chlich zwischen hohen Gartenmauern, bis sie eine weitere Gasse kreuzte, die breit genug f�r eine Schubkarre oder einen Handwagen war. Auch sie war gepflastert, doch ihre Seiten wurden lediglich von den R�ckseiten einiger Geb�ude gebildet � hohe Steinw�nde mit l�denverschlossenen Fenstern. Wo sich noch Gartenmauern zeigten, ragten sie hoch auf und wurden nur durch kahle B�ume �berragt. Ingtar f�hrte sie durch diese Gasse, bis sie sich der flatternden Fahne gegen�ber befanden. Er holte unter seinem Mantel die stahlbewehrten Handschuhe hervor, zog sie an und sprang hinauf. Er konnte sich gerade noch an der Mauerkrone festklammern und zog sich dann hoch, um dar�ber hinweg zu sp�hen. Er berichtete mit leiser gleichf�rmiger Stimme: �B�ume. Blumenbeete. Pfade. Keine Menschenseele zu... Halt! Ein W�chter. Nur ein Mann. Er tr�gt nicht einmal seinen Helm. Z�hlt bis f�nfzig, und folgt mir dann.� Er schob einen Stiefel �ber die Mauerkrone und rollte sich hin�ber. Er verschwand, bevor Rand nur ein Wort sagen konnte.</p><p>Mat z�hlte langsam. Rand hielt die Luft an. Perrin f�hlte nach seiner Axt, und Hurin packte die Griffe seiner Waffen.</p><p>�... f�nfzig.� Hurin kletterte die Mauer hinauf und verschwand, bevor Mat ausgesprochen hatte. Perrin folgte fast gleichzeitig.</p><p>Rand glaubte, da� Mat m�glicherweise Hilfe ben�tigen werde, da er so bla� und angespannt wirkte, doch er zeigte keine Schw�che beim Hinaufklettern. Die Mauer bot gen�gend Vorspr�nge und Griffl�cher, so da� Rand nur wenige Augenblicke sp�ter neben Mat, Perrin und Hurin im Garten kauerte.</p><p>Der Herbst hatte den Garten fest im Griff. Die Blumenbeete waren bis auf ein paar immergr�ne Str�ucher leer und die B�ume beinahe kahl. Der Wind, in dem die Fahne flatterte, wirbelte Staub �ber die gepl�ttelten Gartenwege. Erst konnte Rand Ingtar nicht entdecken. Dann sah er den Schienarer, der sich an die R�ckwand des Hauses dr�ckte und ihnen mit dem Schwert in der Hand zuwinkte.</p><p>Rand rannte geb�ckt hin�ber. Er nahm eher die Fenster wahr, die ihn vom Haus herunter mit leeren Augen anzustarren schienen, als die Freunde, die neben ihm herrannten. Er war erleichtert, als er sich neben Ingtar an die Hauswand dr�cken konnte. Mat murmelte in sich hinein: �Er ist da drinnen. Ich f�hle ihn.�</p><p>�Wo ist der W�chter?� fl�sterte Rand. �Tot�, antwortete Ingtar. �Der Mann f�hlte sich zu sicher. Er versuchte nicht einmal, um Hilfe zu schreien. Ich habe seine Leiche unter den B�schen versteckt.�</p><p>Rand sah ihn mit gro�en Augen an. <emphasis>Der</emphasis> Seanchan <emphasis>f�hlte sich zu sicher?</emphasis> Das einzige, was ihn in diesem Moment vom Zur�cklaufen abhielt, war Mats Not.</p><p>�Wir sind fast da.� Auch bei Ingtar klang es, als f�hre er Selbstgespr�che. �Beinahe da. Kommt!�</p><p>Rand zog sein Schwert, als sie die Hintertreppe hinaufschlichen. Er sp�rte mehr, als er sah, wie Hurin sein Kurzschwert und den eingedellten Schwertbrecher herauszog und wie Perrin z�gernd die Axt aus der Schlinge am G�rtel holte.</p><p>Der Flur drinnen war eng. Aus einer halbge�ffneten T�r rechts roch es nach K�che. Mehrere Leute r�hrten sich dort. Man h�rte Stimmengewirr und gelegentlich das leise Klappern eines Deckels. Ingtar bedeutete Mat, die F�hrung zu �bernehmen, und sie schlichen an dieser T�r vorbei. Rand behielt die enge �ffnung im Auge, bis sie um die n�chste Ecke waren.</p><p>Eine schlanke junge Frau mit dunklem Haar trat aus einer T�r vor ihnen. Sie trug ein Tablett mit einer Tasse. Sie erstarrten alle. Die Frau wandte sich in die andere Richtung, ohne nach hinten zu blicken. Rand ri� die Augen auf. Ihr langes wei�es Gewand war fast durchsichtig. Sie verschwand um die n�chste Ecke.</p><p>�Habt ihr das gesehen?� fragte Mat heiser. �Man konnte richtig durch... �</p><p>Ingtar legte Mat eine Hand �ber den Mund und fl�sterte: �Haltet Eure Gedanken im Zaum und verge�t nicht, weswegen wir hier sind. Jetzt sucht es. Sucht das Horn f�r mich.�</p><p>Mat deutete auf eine enge Wendeltreppe. Sie stiegen bis zum n�chsten Absatz hinauf, und dann f�hrte er sie in den vorderen Teil des Hauses. In den Fluren standen nur wenige M�bel, und die waren alle abgerundet. Hier und da hing ein Gobelin an der Wand, oder eine Stellwand stand davor, beides meist mit V�geln auf �sten oder mit Blumen bemalt. �ber eine Stellwand flo� ein Strom, aber abgesehen von dem leicht gekr�uselten Wasser und engen Uferstreifen war der Hintergrund leer.</p><p>In allen Zimmern h�rte Rand die Ger�usche, die Menschen machen, wenn sie aufwachen, wenn sie auf Hausschuhen durch den Raum schlurfen und leise miteinander sprechen. Er sah niemanden, konnte sich aber alles gut vorstellen. Wenn jemand auf den Flur hinaustrat und f�nf schleichende M�nner mit Waffen in der Hand entdeckte und Alarm gab...</p><p>�Hier drinnen�, fl�sterte Mat. Er deutete auf eine gro�e Schiebet�r vor ihnen. Geschnitzte Handgriffe waren ihre einzige Zier. �Zumindest ist der Dolch dort.�</p><p>Ingtar sah Hurin an. Der Schn�ffler schob die T�r auf, und Ingtar sprang mit blankem Schwert hinein. Es war niemand drinnen. Rand und die anderen eilten hinein, und Hurin schlo� schnell die T�r hinter ihnen.</p><p>Bemalte Stellw�nde verbargen s�mtliche W�nde des Raumes und eventuell vorhandene weitere T�ren. Sie d�mpften auch das Licht, das durch Fenster fiel, die sich wohl zur Stra�e hin �ffneten. An einer Wand stand eine hohe runde Kommode. An einer anderen standen ein kleiner Tisch und ein einzelner Stuhl, der zum Tisch hin ger�ckt war. Rand h�rte, wie Ingtar �berrascht keuchte, aber er selbst seufzte lediglich erleichtert. Das gekr�mmte goldene Horn von Valere lag in einem St�nder auf dem Tisch. Darunter funkelte der Rubin am Griff des verzierten Dolches im Licht.</p><p>Mat eilte zum Tisch und hob Dolch und Horn auf. �Wir haben ihn�, kr�chzte er und sch�ttelte die Faust mit dem Dolch. �Wir haben beides.�</p><p>�Nicht so laut!� mahnte Perrin und verzog das Gesicht in �bertriebenem Schmerz. �Wir haben sie noch nicht nach drau�en gebracht.� Seine H�nde fingerten unabl�ssig am Griff seiner Axt herum, als hielten sie viel lieber etwas anderes.</p><p>�Das Horn von Valere.� Ehrfurcht lag in Ingtars Stimme. Er ber�hrte z�gernd das Horn und fuhr mit einem Finger die silberne Schrift um die �ffnung des Horns nach, wobei er lautlos den Text nachsprach. Dann zog er seine vor Erregung zitternde Hand zur�ck. �Es ist wahr. Beim Licht, endlich! Ich bin gerettet!�</p><p>Hurin schob die Stellw�nde beiseite, die vor den Fenstern standen. Nach einem letzten Ruck sp�hte er endlich hinunter auf die Stra�e. �Diese Soldaten sind noch alle da, als h�tten sie Wurzeln geschlagen.� Er schauderte. �Diese... Dinger auch.�</p><p>Rand trat zu ihm hin�ber. Die beiden Kreaturen waren <emphasis>Grolme,</emphasis> daran gab es keinen Zweifel. �Wie haben sie blo�... �</p><p>Als er den Blick von der Stra�e hob, erstarben ihm die Worte im Mund. Er sah geradewegs �ber die Gartenmauer des gro�en Geb�udes gegen�ber hinweg. Man hatte weitere Mauern abgerissen und so den Garten erweitert. Dort sa�en Frauen auf B�nken oder schlenderten die Gartenwege entlang, und zwar immer paarweise. Frauen, die durch silberne Leinen verbunden waren � vom Handgelenk der einen zum Hals der anderen. Eine der Frauen mit einem Halsband blickte auf. Er war zu weit weg, um ihr Gesicht klar erkennen zu k�nnen, doch einen Augenblick lang trafen sich ihre Blicke, und er wu�te, wer sie war. Er wurde leichenbla�. �Egwene�, hauchte er.</p><p>�Was redest du da?� fragte Mat. �Egwene ist in Sicherheit in Tar Valon. Ich w�nschte, wir w�ren auch dort.�</p><p>�Sie ist hier�, sagte Rand. Die beiden Frauen drehten sich um und gingen zu einem Geb�ude am hinteren Ende der G�rten. �Sie ist hier, gleich gegen�ber. O Licht, sie tr�gt eines dieser Halsb�nder!�</p><p>�Bist du sicher?� fragte Perrin. Er kam nach vorn und sp�hte ebenfalls durch das Fenster. �Ich sehe sie nicht, Rand. Und � ich k�nnte sie erkennen, wenn sie da w�re, selbst auf diese Entfernung.�</p><p>�Ich bin sicher�, sagte Rand. Die beiden Frauen verschwanden in einem Haus auf der anderen Stra�enseite. Sein Magen verkrampfte sich. <emphasis>Sie m��te doch in Sicherheit sein. Sie m��te in der Wei�en Burg sein.</emphasis> �Ich mu� sie herausholen. Ihr anderen... �</p><p>�Aha!� Die n�selnde Stimme war genauso leise wie das Ger�usch der zur Seite geschobenen T�r. �Euch habe ich nicht erwartet.�</p><p>F�r einen kurzen Moment stand Rand wie erstarrt da. Der hochgewachsene Mann mit dem rasierten Sch�del, der in den Raum getreten war, trug ein langes blaues Gewand, das auf dem Boden schleifte, und seine Fingern�gel waren so lang, da� Rand sich fragte, ob er �berhaupt irgend etwas ergreifen k�nne. Die beiden M�nner, die unauff�llig hinter ihm standen, hatten nur die H�lfte des Sch�dels rasiert. Auf der anderen Seite hing das dunkle Haar in einem Zopf jeweils auf die rechte Wange herunter. Einer von ihnen trug ein Schwert in der Scheide auf den Armen.</p><p>Er hatte nur einen Moment Zeit, und dann fielen die Stellw�nde an beiden Enden des Raumes um und enth�llten jeweils eine T�r, in der sich vier oder f�nf Soldaten der Seanchan dr�ngten, zwar ohne Helm, doch ger�stet und mit Schwertern in den H�nden.</p><p>�Ihr befindet Euch in der Gegenwart des Hochlords Turak�, begann der Mann, der das Schwert trug. Er sah Rand und die anderen w�tend an, doch eine knappe Bewegung eines Fingers mit blaulackiertem Nagel brachte ihn zum Schweigen. Der andere Diener trat vor, verbeugte sich und kn�pfte Turaks Gewand auf.</p><p>�Als einer meiner W�chter tot aufgefunden wurde�, sagte der Mann mit dem kahlen Sch�del gelassen, �hatte ich den Mann in Verdacht, der sich Fain nennt. Ich mi�traue ihm schon, seit Huon auf so geheimnisvolle Weise starb, und diesen Dolch wollte er immer schon haben.� Er streckte die Arme vor, damit der Diener ihm das Gewand ausziehen konnte. Trotz seiner sanften, n�selnden Stimme waren seine Arme und sein Oberk�rper mit Muskeln bepackt. Der Oberk�rper war nackt. Darunter trug er eine blaue Sch�rpe und eine weite wei�e Hose, die aus Hunderten von Pailletten bestand. Sein Tonfall wirkte gelangweilt, und er beachtete die Schwerter in den H�nden der Freunde kaum. �Und nun finde ich Fremde vor, die nicht nur den Dolch, sondern auch das Horn stehlen. Es wird mir eine Freude sein, einen oder zwei von Euch zu t�ten, weil Ihr meine morgendliche Ruhe gest�rt habt. Die �berlebenden sagen mir dann, wer Ihr seid und warum Ihr kamt.� Er streckte eine Hand aus, ohne hinzusehen, der Mann mit dem in der Scheide steckenden Schwert legte ihm den Griff in die Hand, und dann zog er die schwere gekr�mmte Klinge heraus. �Ich will nicht, da� das Horn besch�digt wird.�</p><p>Turak gab keinen Befehl, doch einer der Soldaten stolzierte in den Raum und fa�te nach dem Horn. Rand wu�te nicht, ob er lachen sollte oder nicht. Der Mann trug eine R�stung, aber mit seinem hochm�tigen Gesicht sah er wie Turak einfach �ber ihre Waffen hinweg.</p><p>Mat machte dem ein Ende. Als der Seanchan die Hand ausstreckte, schlitzte Mat sie mit dem Rubindolch auf. Fluchend sprang der Soldat zur�ck. Er wirkte v�llig �berrascht. Dann schrie er auf. Der Schrei lie� den Raum in Eisesk�lte erstarren. Alle blieben wie angewurzelt stehen. Die bebende Hand, die der Mann sich vor das Gesicht hielt, f�rbte sich schwarz. Die Dunkelheit verbreitete sich langsam von dem blutenden Schnitt auf seiner Handfl�che nach au�en. Er �ffnete den Mund und heulte laut, wobei er nach seinem Arm und seiner Schulter griff. Mit zuckenden Armen und Beinen st�rzte er zu Boden, wand sich auf dem Seidenteppich, kreischte, als sich sein Gesicht schwarz verf�rbte und seine dunklen Augen wie �berreife Pflaumen herausquollen, bis die Schreie von der angeschwollenen dunklen Zunge erstickt wurden. Er zuckte noch einmal, r�chelte schwer, seine Fersen trommelten auf den Boden, dann lag er still. Wo immer seine Haut zu sehen war, war sie schwarz wie von der Pest und schien bei der geringsten Ber�hrung aufbrechen zu wollen.</p><p>Mat leckte sich die Lippen und schluckte. Seine Hand am Dolchgriff bewegte sich unruhig. Selbst Turak starrte den Toten mit offenem Mund an.</p><p>�Wie Ihr seht�, sagte Ingtar leise, �sind wir keine leichte Beute.� Pl�tzlich sprang er �ber die Leiche hinweg auf die Soldaten zu, die noch immer erschrocken auf die Reste blickten, die noch vor Augenblicken ihr Kamerad gewesen waren. �Schinowa!� schrie er. �Folgt mir!� Hurin sprang ihm nach, und die Soldaten wichen vor ihnen zur�ck. Das Ger�usch von Stahl auf Stahl erhob sich.</p><p>Die Seanchan am anderen Ende des Raumes rannten schon los, als sich Ingtar bewegte, doch dann wichen sie ebenfalls wieder zur�ck, mehr noch vor dem Dolch in Mats ausgestreckter Hand als vor Perrins in wortlosem Knurren geschwungener Axt. Innerhalb weniger Herzschl�ge stand Rand allein Turak gegen�ber, der sein Schwert senkrecht vor sich hielt. Sein momentaner Schreck war verflogen. Sein scharfer Blick ruhte auf Rands Gesicht; der aufgequollene schwarze K�rper eines seiner Soldaten schien nicht f�r ihn zu existieren. F�r die beiden Diener schien er genausowenig vorhanden zu sein. Sie beachteten auch Rand und sein Schwert nicht, ebensowenig wie die Kampfger�usche, die sich langsam ins Innere des Hauses entfernten. Die Diener hatten seelenruhig begonnen, Turaks Gewand zu falten, nachdem dieser das Schwert in die Hand genommen hatte. Sie hatten nicht einmal bei den Todesschreien des Soldaten aufgeblickt. Nun knieten sie neben der T�r und beobachteten Rand und Turak mit teilnahmslosen Blicken.</p><p>�Ich dachte mir, da� es auf uns beide hinausl�uft.� Turak wirbelte seine Klinge mit Leichtigkeit herum, einen Kreis in der einen Richtung, dann in der anderen. Seine Finger hielten trotz der langen N�gel sicher den Knauf. Die N�gel schienen ihn nicht zu behindern. �Ihr seid jung. La�t uns sehen, was auf dieser Seite des Ozeans verlangt wird, wenn man sich den Reiher verdienen will.�</p><p>Pl�tzlich bemerkte Rand, da� auf Turaks Schwert ein gro�er Reiher eingraviert war. Nach den wenigen Lektionen, die er erhalten hatte, stand er nun einem echten Schwertmeister gegen�ber. Hastig warf er den schafsledernen Umhang beiseite, damit er ihn nicht belastete und behinderte. Turak wartete.</p><p>Rand suchte verzweifelt nach dem Nichts. Es war klar, da� er jedes bi�chen seiner F�higkeiten aktivieren mu�te, und selbst dann waren seine Aussichten gering, den Raum lebend zu verlassen. Aber er mu�te. Egwene war beinahe nur auf Rufweite von ihm entfernt, und er mu�te sie irgendwie befreien. Doch im Nichts wartete <emphasis>Saidin.</emphasis> Bei dem Gedanken daran tat sein Herz einen Sprung vor Freude, w�hrend sich ihm der Magen umdrehte. Aber genauso nahe wie Egwene waren diese anderen Frauen: <emphasis>Damane.</emphasis> Wenn er <emphasis>Saidin</emphasis> ber�hrte, wenn er sich nicht zur�ckhalten konnte und die Macht ben�tzte, w�rden sie es wissen. Das hatte Verin gesagt. Wissen und sich fragen, was da los sei. So viele von ihnen und so nahe. Vielleicht �berlebte er Turaks Fechtkunst und w�rde dann von diesen <emphasis>Damane</emphasis> get�tet. Doch er konnte nicht sterben, bevor er nicht Egwene befreit hatte. Rand hob sein Schwert.</p><p>Turak glitt auf leisen Sohlen auf ihn zu. Klinge schlug gegen Klinge wie der Hammer auf den Ambo�.</p><p>Gleich zu Beginn wurde Rand klar, da� ihn der Mann auslotete, da� er nur gerade so weit forcierte, damit er sah, was Rand konnte. Danach w�rde er wieder ein wenig forcieren und dann wieder. Seine starken Gelenke und seine Leichtf��igkeit hielten Rand genauso am Leben wie sein K�nnen. Ohne das Nichts war er immer einen halben Herzschlag zu langsam. Die Spitze von Turaks schwerem Schwert ritzte ihn unter dem linken Auge. Der Schmerz bi�. Ein Fetzen des Mantel�rmels hing ihm von der Schulter, dunkel und na�. Aus einem sauberen Schnitt, mit der Genauigkeit eines Schneiders angebracht, f�hlte er warme Feuchtigkeit �ber den Brustkorb rinnen. Auf dem Gesicht des Hochlords stand Entt�uschung geschrieben. Er trat mit einer ver�chtlichen Geste zur�ck. �Wo hast du diese Klinge gefunden, Junge? Oder verleihen sie hier etwa jemandem den Reiher, der nicht mehr kann als du? Spielt keine Rolle. Schlie� mit dem Leben ab. Es ist Zeit zu sterben.� Er griff wieder an.</p><p>Das Nichts h�llte Rand ein. <emphasis>Saidin</emphasis> str�mte auf ihn zu und ergl�hte mit dem Versprechen der Einen Macht, doch er achtete nicht darauf. Es war auch nicht schwieriger, als eine Pfeilspitze mit Widerhaken zu �bersehen, die sich in sein Fleisch bohrte. Er weigerte sich, die Macht durch seinen K�rper str�men zu lassen, eins zu werden mit der m�nnlichen H�lfte der Wahren Quelle. Er war eins mit dem Schwert in seiner Hand, eins mit dem Boden unter seinen F��en, eins mit den W�nden. Eins mit Turak.</p><p>Er erkannte die Fechtfiguren, die der Hochlord anwandte. Sie unterschieden sich ein wenig von denen, die er gelernt hatte, aber es reichte. <emphasis>Die Schwalbe fliegt</emphasis> auf traf auf <emphasis>Die Seide zur Seite schieben. Mond auf den Wassern</emphasis> traf auf <emphasis>Das Moorhuhn tanzt. Das Band flattert im Wind</emphasis> traf auf <emphasis>Steine fallen von der Klippe.</emphasis> Sie bewegten sich wie im Tanz durch den Raum, und ihre Musik war der Klang von Stahl auf Stahl.</p><p>Entt�uschung und Verachtung verschwanden aus Turaks Blick, wurden von �berraschung abgel�st � und dann durch Konzentration. Schwei� rann dem Hochlord �ber das Gesicht, als er Rand noch entschlossener angriff. <emphasis>Der dreizackige Blitz</emphasis> traf auf <emphasis>Blatt im Wind.</emphasis></p><p>Rands Gedanken schwebten au�erhalb des Nichts, von ihm losgel�st und kaum bemerkt. Es reichte nicht. Er stand einem Schwertmeister gegen�ber, und trotz des Nichts und aller seiner F�higkeiten brachte er es kaum fertig, sich der Angriffe Turaks zu erwehren. Kaum. Er mu�te den Kampf beenden, bevor Turak es tat. <emphasis>Saidin? Nein! Manchmal ist es notwendig, das Schwert im eigenen Fleisch zu bergen.</emphasis> Aber das half Egwene auch nicht. Er mu�te dem ein Ende bereiten. Jetzt.</p><p>Turaks Augen weiteten sich, als nun Rand seinerseits vorw�rtsglitt. Bisher hatte er sich nur verteidigt; jetzt griff er mit aller Kraft an. <emphasis>Der Keiler st�rmt bergab.</emphasis> Jede Bewegung der Klinge war ein Versuch, den K�rper des Hochlords zu erreichen. Nun konnte sich Turak nur noch zur�ckziehen und parieren, durch den ganzen Raum, fast bis zur T�r.</p><p>In einem winzigen Sekundenbruchteil, als Turak noch den <emphasis>Keiler</emphasis> parierte, wechselte Rand zu einer anderen Figur. <emphasis>Der Flu� untersp�lt das Ufer.</emphasis> Er fiel auf ein Knie nieder, und die Klinge schnitt quer von unten her. Er mu�te Turaks Keuchen nicht h�ren oder den Widerstand an der Klinge sp�ren, um es zu wissen. Er h�rte zwei dumpfe Schl�ge und wandte den Kopf, wohl wissend, was er sehen w�rde. Er blickte an seiner Klinge entlang, die rot und feucht vor ihm ergl�nzte, dorthin, wo der Hochlord lag. Das Schwert war ihm aus der schlaffen Hand gefallen, und dunkelrote Feuchtigkeit befleckte die gewebten V�gel auf dem Teppich unter seinem K�rper. Turaks Augen waren noch offen, doch bereits vom milchigen Schimmer des Todes �berzogen.</p><p>Das Nichts bebte. Er hatte zuvor schon Trollocs gegen�bergestanden und die Abk�mmlinge des Schattens besiegt. Doch noch nie hatte er gegen einen Mann mit einem Schwert k�mpfen m�ssen, au�er beim �ben oder im Scheinkampf. <emphasis>Ich habe soeben einen Mann get�tet.</emphasis> Das Nichts bebte, und <emphasis>Saidin</emphasis> versuchte, ihn zu erf�llen.</p><p>Verzweifelt ri� er sich los und atmete schwer. Er sah sich um. �berrascht bemerkte er, da� die beiden Diener immer noch neben der T�r knieten. Er hatte sie vergessen, und nun wu�te er nicht, was er mit ihnen anfangen sollte. Beide schienen unbewaffnet, und doch brauchten sie nur zu schreien...</p><p>Sie sahen ihn nicht an und sich auch nicht gegenseitig. Statt dessen betrachteten sie still den K�rper des Hochlords. Dann zogen sie aus ihrer Kleidung Dolche hervor, und er packte den Schwertgriff fester, doch jeder Mann richtete die Spitze seines Dolches gegen sich selbst. �Von Geburt bis zum Tod�, zitierten sie gemeinsam, �diene ich dem Blute.� Damit stie�en sie sich die Dolche ins eigene Herz. Beinahe friedlich vereint fielen sie nach vorn. Die K�pfe lagen am Boden, wie in einer letzten Verbeugung ihrem Lord gegen�ber.</p><p>Rand sah sie ungl�ubig an. <emphasis>Wahnsinnig,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich werde vielleicht wahnsinnig, aber sie waren es schon.</emphasis> Er stand etwas zittrig auf, als Ingtar und die anderen zur�ckgerannt kamen. Sie wiesen alle Kratzer und Schnittwunden auf. Das Leder von Ingtars Mantel war an mehreren Stellen befleckt. Mat hielt immer noch Horn und Dolch in den H�nden. Die Klinge des Dolchs war mittlerweile dunkler als der Rubin an seinem Griff. Auch Perrins Axt war rot, und er sah aus, als wolle er sich jeden Moment �bergeben.</p><p>�Ihr habt sie erledigt?� fragte Ingtar nach einem Blick auf die Leichen. �Dann sind wir hier fertig, falls kein Alarm ausgel�st wurde. Diese Narren haben nicht einmal um Hilfe gerufen � keiner von ihnen.�</p><p>�Ich sehe nach, ob die W�chter etwas geh�rt haben�, sagte Hurin. Er eilte ans Fenster.</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf. �Rand, diese Leute spinnen. Ich wei�, das habe ich fr�her schon gesagt, aber bei denen hier stimmt es tats�chlich. Diese Diener...� Rand hielt die Luft an und fragte sich, ob sie wohl alle Selbstmord begangen hatten. Mat fuhr fort: �Als sie uns k�mpfen sahen, fielen sie auf die Knie nieder, die Gesichter am Boden und die Arme um die K�pfe gelegt. Sie bewegten sich nicht und schrien nicht, sie versuchten nicht, den Soldaten zu helfen oder Alarm auszul�sen. Soweit ich wei�, liegen sie vielleicht immer noch so da.�</p><p>�Ich w�rde nicht damit rechnen, da� sie auf den Knien liegenbleiben�, bemerkte Ingtar trocken. �Wir machen uns jetzt aus dem Staub, so schnell wir k�nnen.�</p><p>�Geht nur�, sagte Rand. �Egwene... �</p><p>�Ihr Narr!� schimpfte Ingtar. �Wir haben erbeutet, weswegen wir gekommen sind. Das Horn von Valere. Die Hoffnung auf eine Rettung. Welche Rolle spielt dagegen ein M�dchen, selbst wenn Ihr sie liebt? Gegen das Horn und alles, wof�r es steht?�</p><p>�Es ist mir gleich, und wenn der Dunkle K�nig das Horn bekommt! Was z�hlt das alles, wenn ich Egwene in dieser Lage im Stich lasse? Wenn ich das fertigbringe, kann mich auch das Horn nicht mehr retten. Der Sch�pfer selbst k�nnte mich nicht retten. Ich w�rde mich selbst verdammen.�</p><p>Ingtar sah ihn mit undurchschaubarer Miene an. �Das meint Ihr wirklich so, nicht wahr?�</p><p>�Irgend etwas ist da drau�en los�, sagte Hurin eindringlich. �Ein Mann ist gerade hergerannt gekommen, und sie dr�ngen sich alle herum wie die Fische im Eimer. Wartet. Der Offizier kommt ins Haus herein!�</p><p>�Geht!� befahl Ingtar. Er versuchte, nach dem Horn zu greifen, doch Mat rannte bereits los. Rand z�gerte, aber Ingtar packte ihn am Arm und zog ihn in den Flur. Die anderen rannten Mat hinterher. Perrin warf Rand nur einen kurzen schmerzerf�llten Blick zu, bevor auch er wegrannte. �Ihr k�nnt das M�dchen auch nicht retten, wenn Ihr hier wie angewurzelt steht und Euch umbringen la�t!�</p><p>Also rannte er mit. Er verachtete sich selbst, weil er wegrannte, aber in ihm fl�sterte es: <emphasis>Ich komme zur�ck. Irgendwie befreie ich sie.</emphasis> Als sie den untersten Absatz der engen Wendeltreppe erreicht hatten, h�rten sie die tiefe Stimme eines Mannes im Vorderteil des Hauses, die verlangte, da� jemand aufstehe und sage, was los sei. Ein M�dchen in beinahe durchsichtigem Kleid und eine grauhaarige Frau in wei�em Wollkleid mit einer langen mehlbestaubten Sch�rze knieten am Fu� der Treppe neben der K�chent�r. Sie lagen genauso da, wie Mat es beschrieben hatte: die Gesichter zu Boden gewandt und die Arme sch�tzend um den Kopf gelegt, und sie r�hrten sich nicht, als Rand und die anderen vorbeihasteten. Er war erleichtert, als er ihre Atembewegungen wahrnahm.</p><p>Sie durchquerten den Garten, so schnell sie nur rennen konnten, und kletterten dann eilends �ber die r�ckw�rtige Mauer. Ingtar fluchte, als Mat das Horn von Valere zuerst hin�berwarf, und er versuchte, es aufzuheben, als es drau�en lag, doch Mat schnappte es sich wieder mit einem schnell hingeworfenen: �Es hat keinen Kratzer abbekommen�, und hastete die Gasse hinauf.</p><p>Weitere Rufe erklangen aus dem Haus, das sie gerade verlassen hatten. Eine Frau schrie, und jemand schlug einen Gong.</p><p><emphasis>Ich komme zur�ck und hole sie. Irgendwie.</emphasis> Rand eilte den anderen nach, so schnell er konnte.</p></section><section><title><p>46</p><p>Die aus dem Schatten treten</p></title><p>Nynaeve und die anderen h�rten entferntes Rufen, als sie sich den Geb�uden n�herten, in denen die <emphasis>Damane</emphasis> wohnten. Die Menschenmenge auf der Stra�e nahm st�ndig zu, und �ber allem lag eine gewisse Unruhe. Die Leute schritten schneller als sonst voran, blickten mi�trauischer als �blich an Nynaeve mit ihrem durch Blitzabzeichen gekennzeichneten Kleid und an der Frau vorbei, die sie an der silbernen Leine hielt.</p><p>Elayne nahm nerv�s ihr B�ndel in die andere Hand und blickte in Richtung der Quelle dieses L�rms, eine Stra�e weiter, wo der goldene Falke mit den Blitzen in den Klauen im Wind flatterte. �Was geschieht dort?�</p><p>�Hat nichts mit uns zu tun�, sagte Nynaeve mit fester Stimme.</p><p>�Das hoffst du jedenfalls�, f�gte Min hinzu. �Ich auch.� Sie beschleunigte den Schritt, eilte vor den anderen her die Treppe hinauf und verschwand in dem gro�en Steingeb�ude.</p><p>Nynaeve nahm die Gefangene enger an die Leine. �Denk daran, Seta, es ist genauso in deinem Interesse, da� wir hier sicher wieder herauskommen, wie in meinem.�</p><p>�Das vergesse ich nicht�, sagte die Seanchan-Frau mit Nachdruck. Sie hielt das Kinn auf die Brust gesenkt, um ihr Gesicht zu verbergen. �Ich schw�re, ich werde Euch keine Schwierigkeiten machen.�</p><p>Als sie die grauen Steinstufen hinaufschritten, erschienen oben am Kopf der Treppe eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> und eine <emphasis>Damane.</emphasis> Sie kamen ihnen entgegen. Nach einem kurzen Blick, um sicherzugehen, da� die Frau mit dem Halsband nicht Egwene war, sah Nynaeve die beiden nicht mehr an. Sie ben�tzte den <emphasis>Adam,</emphasis> um Seta ganz nahe an ihrer Seite zu halten. Wenn die vorbeikommende <emphasis>Damane</emphasis> die F�higkeit an einer von ihnen bemerkte, die Macht benutzen zu k�nnen, sollte sie denken, es handle sich um Seta. Sie sp�rte trotzdem, wie ihr der Schwei� den R�cken hinunterlief, doch dann merkte sie, da� die beiden ihnen nicht mehr Aufmerksamkeit schenkten als umgekehrt. Alles, was sie sahen, waren ein Kleid mit Blitzabzeichen und ein graues Kleid und die Tatsache, da� die Frauen, die sie trugen, durch die silberne Leine eines <emphasis>A'dam</emphasis> miteinander verbunden waren. Nur eine weitere <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit einer Gekoppelten, und dahinter eilte ein M�dchen aus der Stadt her und trug der <emphasis>Sul'dam</emphasis> ein B�ndel nach.</p><p>Nynaeve schob die T�r auf und trat ein.</p><p>Was sich auch unter Turaks Flagge Aufregendes ereignete, hier war es nicht zu sp�ren, noch nicht. Nur Frauen bewegten sich durch die Eingangshalle, und man erkannte sie leicht an ihrer Kleidung. Drei graugekleidete <emphasis>Damane</emphasis> mit <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Zwei Frauen in Kleidern mit Blitzabzeichen unterhielten sich weiter hinten, und drei schritten allein durch den Raum. Vier, die wie Min in einfache dunkle Wollkleider gekleidet waren, eilten mit Tabletts dahin.</p><p>Min stand wartend hinten in der Eingangshalle, als sie eintraten. Sie blickte einmal kurz in ihre Richtung und ging dann weiter ins Haus hinein. Nynaeve f�hrte Seta in einigem Abstand hinter Min her, und Elayne wuselte eifrig in ihrem Kielwasser einher. Keine warf ihnen auch nur einen zweiten Blick zu, soweit Nynaeve das beurteilen konnte, doch der Schwei�, der ihr R�ckgrat hinunterrann, schien zum Strom zu werden. Sie lie� Seta schnell weiterschreiten, damit niemand sie genauer mustern oder ihr gar eine Frage stellen konnte. Seta lie� sich mit niedergeschlagenem Blick nicht lange dr�ngen. Nynaeve nahm an, sie w�re am liebsten gerannt, wenn die Leine sie nicht zur�ckgehalten h�tte.</p><p>Im hinteren Teil des Hauses nahm Min eine enge Wendeltreppe nach oben. Nynaeve schob Seta vor sich her, und sie stiegen ganz hinauf bis zum vierten Stock. Die Decken hier waren niedrig, und der Flur lag still und leer. Man h�rte nur leises Weinen von irgendwoher. Weinen schien der gedr�ckten Stimmung in der Enge hier oben zu entsprechen.</p><p>�Hier oben...�, begann Elayne, doch dann sch�ttelte sie den Kopf. �Es ist ein Gef�hl... �</p><p>�Ja, stimmt�, sagte Nynaeve grimmig. Sie funkelte Seta an, die ihren Blick aber nicht vom Boden hob. Die Haut der Seanchan-Frau war vor Angst noch blasser als zuvor.</p><p>Wortlos �ffnete Min eine T�r und trat ein. Die anderen folgten ihr. Der Raum dahinter war durch rohe Holzverschl�ge in mehrere kleine Kabinen unterteilt worden. Ein enger Gang f�hrte zu einem Fenster. Nynaeve dr�ngte sich nach, als Min zur letzten T�r auf der rechten Seite eilte und sie �ffnete.</p><p>Ein schlankes dunkelhaariges M�dchen in Grau sa� an einem kleinen Tisch und hatte den Kopf vor sich auf den verschr�nkten Armen liegen. Noch ehe sie aufblickte, wu�te Nynaeve, da� es Egwene war. Ein Band glitzernden Metalls zog sich von dem Silberhalsband, das Egwene trug, zu einem Armband, das an einem Haken an der Wand hing. Sie ri� bei ihrem Anblick die Augen auf, und ihr Mund bewegte sich, ohne Worte hervorzubringen. Als Elayne die T�r schlo�, kicherte Egwene pl�tzlich und dr�ckte die Hand vor den Mund, um den Laut zu unterdr�cken. Das winzige Zimmer war �berf�llt.</p><p>�Ich wei�, da� ich nicht tr�ume�, sagte sie mit bebender Stimme, �denn wenn ich tr�umte, k�men jetzt Rand und Galad auf stolzen Pferden hereingeritten. Ich habe getr�umt. Ich glaubte, Rand sei hier. Ich konnte ihn nicht sehen, aber ich glaubte... � Ihre Stimme erstarb.</p><p>�Wenn du lieber auf ihn warten willst...�, sagte Min trocken.</p><p>�O nein. Nein, ihr seid alle wundersch�n, das Sch�nste, was ich jemals gesehen habe. Woher seid ihr gekommen? Wie habt ihr das geschafft? Diese Kleid, Nynaeve, und der <emphasis>Adam,</emphasis> und wer ist...� Pl�tzlich quiekte sie erschreckt. �Das ist Seta! Wie...?� Ihre Stimme verh�rtete sich so, da� Nynaeve sie kaum noch erkannte. �Ich w�rde sie gern in einen Kessel mit kochendem Wasser stecken.� Seta quetschte die Augen zu und verkrampfte die H�nde im Rock. Sie zitterte.</p><p>�Was haben sie mit dir gemacht?� rief Elayne. �Was haben sie gemacht, da� du jemandem so etwas w�nschst?�</p><p>Egwene wandte den Blick nicht von der Seanchan-Frau. �Ich m�chte, da� sie es f�hlt. Das hat sie mir angetan, hat mir das Gef�hl aufgezwungen, ich stecke bis zum Hals in... � Sie schauderte. �Du wei�t nicht, wie es ist, eins von diesen... Dingern... zu tragen, Elayne. Du wei�t nicht, was sie dir damit antun k�nnen. Ich kann nicht entscheiden, welche schlimmer ist, Seta oder Renna, aber sie sind mir alle verha�t.�</p><p>�Ich glaube, ich wei�, wie das ist�, sagte Nynaeve ruhig. Sie sp�rte den Schwei� auf Setas Haut und die kalten Schauder, die sie �berliefen. Die blonde Seanchan hatte furchtbare Angst. Sie konnte sich gerade noch zur�ckhalten, Setas �ngste nicht auf der Stelle in Wirklichkeit zu verwandeln.</p><p>�K�nnt ihr mir das abnehmen?� fragte Egwene. Sie ber�hrte ihr Halsband. �Es mu� doch m�glich sein, nachdem ihr Seta das angelegt habt... �</p><p>Nynaeve lenkte wieder nur ein ganz klein wenig der Macht gezielt auf Egwenes Halsband. Allein die Tatsache, da� Egwene so etwas tragen mu�te, machte sie bereits w�tend genug, und dazu kamen Setas Angst, die deutlich bewies, da� sie eine Bestrafung verdient hatte, und ihr eigenes Verlangen, dieser Frau etwas anzutun. Das Halsband �ffnete sich und fiel von Egwene ab. Staunend ber�hrte Egwene ihren Hals.</p><p>�Zieh mein Kleid und meinen Mantel an�, befahl ihr Nynaeve. Elayne entfaltete bereits das Kleiderb�ndel auf dem Bett. �Wir verlassen das Haus, ohne da� dich jemand bemerkt.� Sie �berlegte, ob sie den Kontakt mit <emphasis>Saidar</emphasis> halten sollte. Sie war w�tend genug, und es war ein so sch�nes Gef�hl. Doch z�gernd unterbrach sie den Kontakt. Dies war wohl der einzige Ort in Falme, wo sich keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> und keine <emphasis>Damane</emphasis> darum k�mmern w�rden, wenn jemand die Macht ben�tzte, aber es w�re trotzdem gef�hrlich, wenn sie das Gl�hen der Macht an einer Frau bemerkten, die sie f�r eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> hielten. �Ich wei� gar nicht, warum du nicht l�ngst weg bist. Allein hier oben kannst du doch das Ding einfach aufheben und wegrennen, selbst wenn du es nicht �ffnen kannst.�</p><p>W�hrend Min und Elayne ihr halfen, sich rasch umzuziehen und Nynaeves altes Kleid anzulegen, erkl�rte Egwene, da� es unm�glich sei, das Armband von dem Fleck zu entfernen, wo es die <emphasis>Sul'dam</emphasis> hingelegt oder �geh�ngt hatte und wie ihr schlecht wurde, wenn sie die Macht gebrauchte, obwohl keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> das Armband trug. Erst an diesem Morgen hatte sie herausgefunden, wie man das Halsband ohne die Hilfe der Macht �ffnen konnte, aber es n�tzte ihr nichts, denn das Ber�hren des Verschlusses mit der Absicht, ihn zu �ffnen, verkrampfte ihre Hand zu einem nutzlosen Knoten. Sie konnte den Verschlu� ber�hren, solange sie wollte, durfte dabei aber nicht daran denken, ihn zu �ffnen; die leiseste Andeutung dieser Absicht, und...</p><p>Nynaeve war es auch schlecht. Das Armband an ihrem Unterarm machte sie krank. Es war einfach zu furchtbar. Sie wollte es loswerden, bevor sie noch mehr �ber den <emphasis>A'dam</emphasis> erfuhr, bevor ihr vielleicht etwas klar wurde und sie sich daraufhin f�r immer und ewig beschmutzt vork�me.</p><p>Sie l�ste den silbernen Reif, nahm ihn ab und schlo� ihn energisch wieder. Dann h�ngte sie ihn an einen Haken.</p><p>�Glaub nicht, da� du deshalb jetzt um Hilfe rufen kannst.� Sie hielt Seta die Faust unter die Nase. �Ich kann dir immer noch den Wunsch vermitteln, am liebsten niemals geboren zu sein, und dazu brauche ich dieses blutige... Ding... nicht.�</p><p>�Ihr... Ihr wollt mich doch nicht damit zur�cklassen�, sagte Seta im Fl�sterton. �Das k�nnt Ihr nicht. Fesselt mich. Knebelt mich, damit ich keinen Alarm ausl�sen kann. Bitte!�</p><p>Egwene lachte humorlos. �La�t es ihr. Sie wird auch ohne Knebel nicht um Hilfe rufen. Du solltest besser hoffen, da� diejenige, die dich findet, den <emphasis>A'dam</emphasis> entfernt und dir dein kleines Geheimnis l��t, Seta. Dein schmutziges Geheimnis, nicht wahr?�</p><p>�Wovon sprichst du?� fragte Elayne.</p><p>�Ich habe lange dar�ber nachgedacht�, sagte Egwene. �Ich konnte ja sowieso nichts anderes tun, wenn sie mich hier oben allein � lie�en. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> behaupten, sie entwickelten nach ein paar Jahren eine gewisse F�higkeit. Die meisten von ihnen wissen, wenn eine Frau die Macht gebraucht, ob sie an sie gekoppelt sind oder nicht. Ich war mir nicht sicher, aber Seta ist der lebende Beweis.�</p><p>�Beweis wof�r?� wollte Elayne wissen, und dann ri� sie die Augen auf, als es ihr selbst klar wurde, doch Egwene fuhr fort: �Nynaeve, ein <emphasis>Adam</emphasis> funktioniert nur bei Frauen, die die Macht lenken k�nnen. Ist dir das nicht klar? Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> k�nnen genauso die Macht gebrauchen wie die <emphasis>Damane.�</emphasis> Seta knirschte mit den Z�hnen und sch�ttelte entschieden verneinend den Kopf. �Eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> st�rbe lieber, als das zuzugeben, wenn sie es �berhaupt wei�, und da sie ihre F�higkeiten nie ausbilden, k�nnen sie nicht viel damit anfangen. Doch sie k�nnen die Macht lenken!�</p><p>�Ich habe es dir doch gesagt�, meinte Min. �Dieses Halsband h�tte bei ihr nicht wirken sollen.� Sie kn�pfte Egwenes Kleid fertig zu. �Jede Frau, die die Macht nicht gebrauchen kann, h�tte dich gr�n und blau geschlagen, w�hrend du dich noch abm�htest, sie damit zu beherrschen.�</p><p>�Wie kann das sein?� fragte Nynaeve. �Ich glaubte, die Seanchan legten jede Frau an die Leine, die das kann.�</p><p>�Alle, die sie aufsp�ren k�nnen�, antwortete Egwene. �Aber diejenigen, die sie finden, sind gew�hnlich Menschen wie du und ich und Elayne. Wir wurden mit diesen F�higkeiten geboren und ben�tzten sie, ob uns das jemand beibrachte oder nicht. Doch wie steht es mit den Seanchan-M�dchen, die nicht mit dieser F�higkeit geboren wurden, es aber sp�ter lernen k�nnten? Nicht jede Frau kann eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> werden. Renna glaubte, es sei lieb von ihr, mir davon zu erz�hlen. Offensichtlich ist es dort ein Festtag in jeder Gemeinde, wenn die <emphasis>Sul'dam</emphasis> kommen, um die M�dchen zu pr�fen. Sie wollen nat�rlich solche wie dich und mich finden und an die Leine legen, aber alle anderen legen probeweise das Armband an, um festzustellen, ob sie f�hlen, was die Frau mit dem Halsband empfindet. Die das k�nnen, werden weggebracht und zur <emphasis>Sul'dam</emphasis> ausgebildet. Das sind die Frauen, die eigentlich auch lernen k�nnen, mit der Macht umzugehen.�</p><p>Seta st�hnte leise: �Nein. Nein. Nein.� Das wiederholte sie st�ndig.</p><p>�Ich wei�, sie ist furchtbar�, sagte Elayne, �aber irgendwie habe ich das Gef�hl, ich sollte ihr helfen. Sie k�nnte eine unserer Schwestern sein, doch die Seanchan haben alles schrecklich verdreht.�</p><p>Nynaeve �ffnete den Mund und wollte ihr sagen, sie solle sich lieber Gedanken dar�ber machen, wie sie sich selbst helfen konnten, da �ffnete sich die T�r.</p><p>�Was ist denn hier los?� wollte Renna wissen. Sie trat ein. �Eine Audienz?� Sie sah Nynaeve an und hatte dabei die H�nde in die H�ften gest�tzt. �Ich habe niemandem anders die Erlaubnis erteilt, sich mit meiner zahmen Tuli zu koppeln. Ich wei� noch nicht einmal, wer Ihr... � Ihr Blick fiel auf Egwene, die Nynaeves Kleid trug statt des grauen Kleides einer <emphasis>Damane.</emphasis> Egwene ohne das Halsband: Renna ri� v�llig �berrascht die Augen auf. Sie hatte nicht einmal die geringste M�glichkeit zu schreien.</p><p>Bevor sich noch jemand r�hren konnte, schnappte sich Egwene den Waschkrug vom Tischchen und knallte ihn Renna in den Bauch. Der Krug zerbrach, und der <emphasis>Sul'dam</emphasis> blieb die Luft weg. Sie gurgelte und kr�mmte sich vor Schmerz. Als sie vorn�berfiel, sprang Egwene fauchend auf sie zu, bis die �ltere Frau platt am Boden lag, und legte ihr das Halsband um, das sie selbst vorher getragen hatte. Es hatte noch am Boden gelegen. Dann zerrte Egwene an der Silberleine, bis das Armband vom Haken fiel, und das legte sie um den eigenen Unterarm. Sie hatte die Z�hne gefletscht und blickte Renna voll grimmiger Entschlossenheit an. Sie kniete auf den Schultern der <emphasis>Sul'dam</emphasis> und dr�ckte ihr beide H�nde auf den Mund. Renna wand sich in Todesangst. Ihre Augen quollen heraus; aus ihrer Kehle drang ein heiseres Kr�chzen. Egwenes H�nde hielten alle Schreie zur�ck. Renna trommelte mit den Fersen auf den Boden.</p><p>�H�r auf, Egwene!� Nynaeve packte Egwene an den Schultern und zog sie von der anderen Frau weg. �Egwene, la� das! Das willst du doch gar nicht.� Renna lag mit grauem Gesicht am Boden, atmete schwer und starrte wild zur Decke.</p><p>Pl�tzlich warf sich Egwene in Nynaeves Arme und schluchzte herzerweichend an ihrer Brust. �Sie hat mich verletzt, Nynaeve. Sie hat mir so weh getan. Alle haben das getan. Sie verletzten mich und taten mir weh, bis ich tat, was sie wollten. Ich hasse sie. Ich hasse sie, weil sie mir Schmerzen zugef�gt haben, und ich hasse sie, weil ich tun mu�te, was sie wollten.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Nynaeve sanft. Sie strich Egwene �ber das Haar. �Es ist in Ordnung, da� du sie ha�t, Egwene. Jeder versteht das. Sie verdienen es. Aber du darfst deshalb nicht genauso werden, wie sie sind.�</p><p>Seta hatte die H�nde vors Gesicht geschlagen. Renna ber�hrte ungl�ubig das Halsband, das sie jetzt trug. Ihre Hand zitterte.</p><p>Egwene richtete sich auf und wischte sich schnell die Tr�nen ab. �Das bin ich nicht. Ich werde nie so werden wie die.� Sie ri� das Armband beinahe ab und warf es zu Boden. �Ich werde nicht so. Aber ich k�nnte sie umbringen.�</p><p>�Sie verdienten es.� Min sah die beiden <emphasis>Sul'dam</emphasis> finster an.</p><p>�Rand br�chte jemanden um, wenn er so etwas t�te�, sagte Elayne. Sie ri� sich sichtlich zusammen. �Bestimmt t�te er das.�</p><p>�Vielleicht verdienen sie es�, sagte Nynaeve, �und vielleicht t�te er es. Aber die Menschen verwechseln oft Rache und T�ten mit Gerechtigkeit. Selten nur ertragen sie wirkliche Gerechtigkeit.� Sie hatte oft mit dem Frauenzirkel zusammen Recht sprechen m�ssen. Manchmal kamen M�nner zu ihnen, die glaubten, bei Frauen eine bessere M�glichkeit zu haben als beim Gemeinderat, aber diese M�nner wollten immer durch gro�e Reden oder Flehen um Gnade erreichen, da� ihr Urteil g�nstig ausfiel. Der Frauenzirkel lie� Gnade walten, wo sie verdient schien, aber immer hatte die Gerechtigkeit Vorrang, und die Seherin verk�ndete das Urteil. Sie hob das von Egwene weggeworfene Armband auf und schlo� es. �Wenn ich k�nnte, w�rde ich jede der Frauen hier befreien und alle diese <emphasis>Sul'dam</emphasis> vernichten. Aber da ich dazu nicht in der Lage bin... � Sie h�ngte das Armband an den gleichen Haken wie das andere und sagte dann zu den <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die nun niemand mehr an der Leine f�hrten:</p><p>�Wenn Ihr Euch sehr ruhig verhaltet, bleibt Ihr vielleicht lange genug unentdeckt, um die Halsb�nder �ffnen zu k�nnen. Das Rad webt, wie es will, und vielleicht habt Ihr genug Gutes erm�glicht, um das Schlechte aufzuwiegen, das Ihr angerichtet habt, so da� Euch das Rad gestattet, die Halsb�nder abzulegen. Falls nicht, wird man Euch schlie�lich finden. Und ich glaube, wer immer Euch auch findet, wird Euch eine Menge Fragen stellen, bevor man die Halsb�nder entfernt. M�glicherweise werdet Ihr auch aus erster Hand erleben, was Ihr allen jenen Frauen angetan habt. Das w�re gerecht�, f�gte sie f�r die anderen hinzu.</p><p>Rennas Gesicht war vor Angst erstarrt. Setas Schultern zuckten, als sie in die vors Gesicht geschlagenen H�nde schluchzte. Nynaeve verh�rtete ihr Herz. <emphasis>Das ist Gerechtigkeit,</emphasis> sagte sie sich. Dann schob sie die anderen aus dem Zimmer.</p><p>Beim Hinausgehen erregten sie nicht mehr Aufsehen als bei ihrem Kommen. Nynaeve glaubte, das sei ihrem Sul'dam-Kleid zu verdanken, aber sie konnte es trotzdem kaum erwarten, sich endlich wieder umzuziehen. Gleichg�ltig, was sie zum Anziehen f�nde. Der schmutzigste Fetzen w�rde sich auf ihrer Haut noch besser anf�hlen als dieses Kleid.</p><p>Die M�dchen waren sehr still und schritten ganz nahe hinter ihr her. Sie wu�te nicht, ob das Schweigen darauf zur�ckzuf�hren war, was sie getan hatte, oder auf die Angst, von jemandem aufgehalten zu werden. Sie blickte finster drein. H�tten sie sich wohler gef�hlt, wenn sie es zugelassen h�tte, da� sie aus Wut den Frauen die Kehlen durchgeschnitten h�tten? Dann traten sie wieder auf die Stra�e hinaus. �Pferde�, sagte Egwene. �Wir brauchen Pferde. Ich wei�, in welchen Stall sie Bela gesteckt haben, aber ich glaube nicht, da� wir sie dort herausholen k�nnen.�</p><p>�Wir m�ssen Bela hierlassen�, sagte Nynaeve zu ihr. �Wir fahren mit dem Schiff.�</p><p>�Wo sind alle Leute?� fragte Min, und pl�tzlich bemerkte auch Nynaeve, da� die Stra�en leer waren.</p><p>Die Menschenmengen waren verschwunden; es war �berhaupt kein Lebenszeichen mehr zu entdecken. Jeder Laden und jedes Fenster an der Stra�e waren verrammelt. Die Stra�e vom Hafen herauf marschierte eine Hundertschaft Seanchan-Soldaten in geordneten Reihen. An ihrer Spitze schritt ein Offizier in buntbemalter R�stung. Sie befanden sich noch recht weit von den Frauen entfernt, aber sie marschierten mit grimmigentschlossenen Schritten, und Nynaeve schien es, als seien alle Augen nur auf sie gerichtet. <emphasis>Das ist doch l�cherlich. Ich kann ihre Augen in den Helmen gar nicht erkennen, und falls jemand Alarm gegeben hat, dann doch hinter uns!</emphasis> Trotzdem blieb sie stehen.</p><p>�Hinter uns kommen noch mehr�, sagte Min leise. Auch Nynaeve vernahm nun das Trampeln ihrer Stiefel. �Ich wei� nicht, welche uns eher erreichen werden.�</p><p>Nynaeve holte tief Luft. �Die haben mit uns nichts zu tun.� Sie blickte an den sich n�hernden Soldaten vorbei zum Hafen hinunter, in dem die schachtelf�rmigen gro�en Schiffe der Seanchan lagen. Sie sah die <emphasis>Gischt</emphasis> von hier aus nicht, aber sie stie� im Inneren ein Sto�gebet aus, da� sie noch dort liegen m�ge. �Wir gehen einfach an ihnen vorbei.� <emphasis>Licht, hoffentlich geht das gut.</emphasis></p><p>�Was tun wir, wenn sie verlangen, da� wir mit ihnen gehen, Nynaeve?� fragte Elayne. �Du tr�gst dieses Kleid. Falls sie Fragen stellen... �</p><p>�Ich kehre nicht zur�ck�, sagte Egwene grimmig entschlossen. �Ich sterbe lieber. Ich werde ihnen schon zeigen, was sie mir beigebracht haben.� Nynaeve schien es, als bilde sich um Egwene herum eine goldene Aura.</p><p>�Nein!� sagte sie, aber es war zu sp�t.</p><p>Unter einem donner�hnlichen Grollen b�umte sich die Stra�e auf und explodierte. Erdbrocken, Pflastersteine und ger�stete Soldaten wurde beiseite geschleudert.</p><p>Immer noch von diesem Gl�hen umgeben, fuhr Egwene herum und blickte die Stra�e hinauf. Donner und Explosion wiederholten sich. Erdbrocken und Steinchen regneten auf die Frauen herab. Schreiende Soldaten brachten sich mehr oder weniger geordnet in Seitenstra�en und Gassen und unter Vorbauten in Sicherheit. Augenblicke sp�ter sah man keinen mehr, au�er denjenigen, die um die zwei gro�en Krater in der Stra�e herum verstreut dalagen. Einige davon r�hrten sich schwach, und ihr St�hnen war bis zu den Frauen her�ber zu h�ren.</p><p>Nynaeve hob abwehrend die H�nde und bem�hte sich, in beide Richtungen gleichzeitig zu blicken. �Du N�rrin! Wir wollen <emphasis>keine</emphasis> Aufmerksamkeit erregen!� Das n�tzte jetzt nat�rlich nichts mehr. Sie hoffte nur, da� sie an den Soldaten vorbei durch die Gassen den Hafen erreichen konnten. <emphasis>Die</emphasis> Damane <emphasis>wissen jetzt bestimmt auch Bescheid. Das k�nnen sie nicht �berh�rt haben.</emphasis></p><p>�Ich gehe nicht zur�ck und trage dieses Halsband�, sagte Egwene wildentschlossen. �Niemals!�</p><p>�Pa� auf!� schrie Min.</p><p>Unter schrillem Heulen erhob sich ein pferdegro�er Feuerball �ber den D�chern und fiel herab. Geradewegs auf sie zu.</p><p>�Rennt!� rief Nynaeve, warf sich in die n�chste Gasse und landete zwischen zwei dicht verrammelten L�den.</p><p>Als sie auf dem Bauch landete, blieb ihr erst einmal die Luft weg. Dann schlug der Feuerball ein. Hei�er Wind fegte �ber sie hinweg durch die Gasse. Sie schnappte nach Luft, rollte sich herum und blickte auf die Stra�e hinaus.</p><p>Die Pflastersteine an der Stelle, wo sie gestanden hatten, waren auf mindestens zehn Schritt im Umkreis gesprungen und geschw�rzt. Elayne kauerte in einer Gasse gegen�ber. Von Min und Egwene war nichts zu sehen. Nynaeve schlug vor Schreck die Hand vor den Mund.</p><p>Elayne glaubte zu verstehen. Die Tochter-Erbin sch�ttelte heftig den Kopf und deutete die Stra�e hinunter. Sie waren dorthin gelaufen.</p><p>Nynaeve atmete erleichtert auf. Im n�chsten Moment jedoch stieg der Zorn in ihr hoch. <emphasis>Diese N�rrin! Wir h�tten einfach an ihnen vorbeigehen k�nnen!</emphasis> Aber f�r Reue war jetzt keine Zeit. Sie eilte geb�ckt vor zur Ecke und sp�hte vorsichtig hinaus. Ein kopfgro�er Feuerball scho� die Stra�e herunter auf sie zu. Sie sprang zur�ck. Er explodierte genau an der Stelle, wo sich ihr Kopf befunden hatte. Ein Regen von abgesplitterten Steinchen ergo� sich �ber sie.</p><p>Der Zorn lie� die Eine Macht in ihr Inneres, und sie erf�llte sie, bevor sie es merkte. Ein Blitz zuckte aus dem Himmel herab und schlug krachend weiter oben an der Stra�e ein, ungef�hr dort, woher der Feuerball gekommen war. Ein weiterer Blitzschlag spaltete den Himmel, und dann rannte sie die Gasse hinunter. Hinter ihr hob der Blitz die Konturen der H�user am Eingang der Gasse deutlich hervor.</p><p><emphasis>Wenn Domon nicht mit seinem Schiff wartet, dann... Licht, hoffentlich schaffen wir es alle.</emphasis></p><p>Bayle Domon fuhr kerzengerade hoch, als ein Blitz �ber den schiefergrauen Himmel zuckte und irgendwo in der Stadt einschlug. Dann noch einmal. <emphasis>Es nicht geben genug Wolken daf�r!</emphasis> Etwas grollte laut oben in der Stadt, und ein Feuerball schlug in einem Dach beim Hafen ein. In weitem Bogen wurden Dachziegel umhergeschleudert. Die Hafenanlagen waren schon seit einer Weile menschenleer. Nur ein paar Seanchan standen herum, und die rannten nun und hatten die Schwerter gezogen und schrien wild durcheinander. Aus einem Lagerhaus kam ein Mann mit einem <emphasis>Grolm</emphasis> heraus. Er mu�te gewaltig rennen, um mit den langen Spr�ngen der Bestie mithalten zu k�nnen. Sie verschwanden in einer der Stra�en, die vom Hafen aufw�rtsf�hrten.</p><p>Einer von Domons M�nnern griff nach einer Axt und schwang sie �ber einem Haltetau hoch.</p><p>Mit zwei Schritten war Domon bei ihm und packte mit der einen Hand die erhobene Axt und mit der anderen die Kehle des Mannes. �Die <emphasis>Gischt</emphasis> segeln erst, wenn <emphasis>ich</emphasis> sagen, sie segelt, Aedwin Cole!�</p><p>�Jetzt schnappen sie endg�ltig �ber, Kapit�n!� schrie Yarin. Eine Explosion sandte Echos �ber den Hafen hinweg. Die M�wen flogen kreischend auf, und wieder blitzte es, und der Blitz schlug in Falme ein. �Die <emphasis>Damane</emphasis> werden uns alle t�ten! Brechen wir auf, w�hrend sie sich noch gegenseitig umbringen. Sie werden uns gar nicht bemerken, bis wir l�ngst weg sind!�</p><p>�Ich haben gegeben mein Wort�, sagte Domon. Er ri� Cole die Axt aus der Hand und warf sie auf das Deck. �Ich wirklich haben gegeben mein Wort.� <emphasis>Machen schnell, Frau,</emphasis> dachte er, <emphasis>Aes Sedai oder was du sein. Schnell!</emphasis></p><p>Geofram Bornhald beobachtete die Blitze, die nach Falme hineinzuckten und wandte seine Aufmerksamkeit wieder anderen Dingen zu. Ein riesiges fliegendes Gesch�pf, zweifellos eines der Monster der Seanchan, wand sich in der Luft wild umher, um den Blitzen zu entgehen. Falls da ein Gewitter tobte, w�rde es die Seanchan genauso behindern wie ihn. Nahezu kahle H�gel mit wenig Unterholz verbargen die Stadt noch vor ihm.</p><p>Seine tausend M�nner waren auf beiden Seiten ausgeschw�rmt: eine lange Reihe von Reitern, die sich durch die Senken zwischen den H�geln vorw�rtsschob. Der kalte Wind spielte mit ihren wei�en Umh�ngen und lie� die Flagge an Bornhalds Seite flattern, die Flagge mit der strahlenden goldenen Sonne der Kinder des Lichts.</p><p>�Geh nun, Byar!� befahl er. Der Mann mit dem hageren Gesicht z�gerte, und Bornhald sagte in sch�rferem Ton: �Ich sagte, geh, Kind Byar!�</p><p>Byar ber�hrte mit der Hand die Herzgegend und verbeugte sich. �Wie Ihr befehlt, Lordhauptmann.� Er wandte sein Pferd. Seine gesamte Gestalt dr�ckte Z�gern aus.</p><p>Bornhald verbannte Byar aus seinem Gehirn. Er hatte in dieser Hinsicht alles getan, was m�glich war. Er erhob die Stimme: �Die Legion wird im Schritt vorr�cken!�</p><p>Mit leise quietschenden S�tteln r�ckte die lange Reihe wei�gekleideter M�nner langsam in Richtung Falme vor.</p><p>Rand blickte vorsichtig um die Ecke zu den heranmarschierenden Seanchan hin�ber. Dann schlich er geb�ckt zur�ck in die enge Gasse zwischen zwei St�llen. Er verzog das Gesicht. Bald w�rden sie hier ankommen. Auf seiner Wange klebte verkrustetes Blut. Die Schnittwunden brannten, die er im Kampf gegen Turak davongetragen hatte, aber er konnte im Moment nichts dagegen tun. Wieder durchzuckte ein Blitz den Himmel. Er f�hlte die Ersch�tterung des begleitenden Donnerschlags durch die Stiefel hindurch. <emphasis>Was im Namen des Lichts geschieht da?</emphasis> �Kommen sie?� fragte Ingtar. �Rand, das Horn von Valere mu� unbedingt gerettet werden.� Trotz der Seanchan, der Blitze und Explosionen unten in der Stadt schien er in seinen eigenen Gedanken gefangen. Mat, Perrin und Hurin befanden sich am anderen Ende der Gasse und hielten Ausschau nach einer weiteren Patrouille der Seanchan. Der Ort, an dem sie die Pferde zur�ckgelassen hatten, lag ganz in der N�he. Wenn sie sie nur erreichen k�nnten!</p><p>�Sie ist in Schwierigkeiten�, murmelte Rand. Egwene. Er hatte so ein eigenartiges Gef�hl im Kopf, als seien Teile seines Lebens in Gefahr. Egwene war ein Teil davon, ein Faden in der Schnur seines Lebens, aber da waren auch noch andere, und er f�hlte, da� auch sie sich in Gefahr befanden. Hier in Falme. Falls auch nur einer dieser F�den ri�, w�rde sein Leben niemals mehr vollst�ndig sein, erf�llt, so wie es ihm vorbestimmt war. Er verstand es zwar nicht, aber das Gef�hl war eindeutig und klar.</p><p>�Hier kann ein einzelner Mann f�nfzig Soldaten aufhalten�, sagte Ingtar. Die beiden St�lle waren sich so nahe, da� kaum noch Platz f�r sie beide blieb, nebeneinander zu stehen. �Ein Mann, der in einer engen Gasse f�nfzig Gegner aufh�lt. Keine schlechte Art zu sterben. Es wurden schon f�r weit weniger Lieder gedichtet.�</p><p>�Das wird nicht n�tig sein�, sagte Rand. �Ich hoffe es wenigstens.� Ein Dach unten in der Stadt explodierte. <emphasis>Wie komme ich wieder dort hinein? Ich mu� zu ihr. Zu ihnen?</emphasis> Er sch�ttelte den Kopf und sp�hte erneut um die Ecke. Die Seanchan kamen n�her.</p><p>�Ich wu�te nicht, was er tun w�rde�, sagte Ingtar leise, mehr zu sich selbst. Er hatte sein Schwert gezogen und �berpr�fte mit dem Daumen die Sch�rfe. �Ein blasser kleiner Mann, den man kaum bemerkte, selbst wenn man ihn direkt anschaute. Bring ihn nach Fal Dara, sagte man mir, in die Festung! Ich wollte nicht, aber ich mu�te. Versteht Ihr das? Ich mu�te. Ich wu�te nicht, was er vorhatte, bis er diesen Pfeil abscho�. Ich wei� immer noch nicht, ob er auf die Amyrlin zielte oder auf Euch.�</p><p>Rand �berlief es kalt. Er sah Ingtar an. �Was sagt Ihr da?� fl�sterte er.</p><p>Ingtar schien so mit seinem Schwert besch�ftigt, da� er es nicht h�rte. ��berall wird die Menschheit weggeschwemmt. Nationen gehen unter und verschwinden. �berall sind Schattenfreunde, und keiner von diesen S�dl�ndern scheint es zu bemerken oder sich darum zu k�mmern. Wir k�mpfen um den Erhalt der Grenzlande, um ihre Sicherheit, und trotz alledem breitet sich Jahr um Jahr die F�ule weiter aus. Und diese S�dl�nder halten Trollocs f�r eine Sage und Myrddraal f�r Ungeheuer aus den Geschichten der Gaukler.� Er zog die Augenbrauen hoch und sch�ttelte den Kopf. �Es schien nur einen Weg zu geben. Wir lie�en uns f�r nichts und wieder nichts vernichten. Wir verteidigten Menschen, die nicht einmal von uns wu�ten und denen wir gleichg�ltig waren. Es schien so logisch. Warum sollten wir uns f�r sie t�ten lassen, wenn wir unseren Frieden haben konnten? Besser der Schatten, glaubte ich, als sinnloser Untergang, so wie Carallain oder Hardan oder... Es erschien damals alles so logisch.�</p><p>Rand packte Ingtar an den Aufschl�gen seines Mantels. �Ihr sprecht in R�tseln.� <emphasis>Das kann er doch nicht ernst meinen. Niemals!</emphasis> �Sprecht deutlich aus, was Ihr sagen wollt! Das ist doch alles nur Unsinn!�</p><p>Zum erstenmal sah Ingtar Rand in die Augen. Seine Augen glitzerten feucht. �Ihr seid ein besserer Mann als ich. Schafhirte oder Lord � ein besserer Mann. Die Prophezeiung sagt: �La� den, der mich erklingen l��t, nicht an Ruhm denken, sondern an die Rettung.� Ich dachte nur an meine Rettung. Ich w�rde das Horn blasen und die Helden der vergangenen Zeitalter gen Shayol Ghul f�hren. Das w�rde sicher ausreichen, um mich zu retten. Kein Mann kann so lange im Schatten wandeln, da� kein Weg mehr zur�ck ins Licht f�hrt. So sagt man doch. Das h�tte mich von dem reingewaschen, was ich war und getan habe.�</p><p>�O Licht, Ingtar!� Rand lie� den Mann los und sackte schlaff an die Stallwand. �Ich glaube... ich glaube, es gen�gt, wenn man es nur will. Ich glaube, Ihr m��t einfach aufh�ren... einer von ihnen zu sein.� Ingtar zuckte zusammen, als habe Rand das Wort ausgesprochen: Schattenfreund.</p><p>�Rand, als Verin uns durch den Portalstein hierherbrachte, habe ich � andere Leben gelebt. Manchmal bekam ich das Horn, doch ich blies es niemals. Ich versuchte, dem zu entkommen, was aus mir wird, doch niemals entkam ich. Immer wurde etwas anderes von mir verlangt, immer etwas Schlimmeres als zuvor, bis ich... Ihr wart bereit, darauf zu verzichten, um einen Freund zu retten. Denkt nicht an den Ruhm. O Licht, hilf mir!�</p><p>Rand wu�te nicht, was er sagen sollte. Es war, als h�tte ihm Egwene erkl�rt, sie habe Kinder ermordet. Zu schrecklich, um es zu glauben. Zu schrecklich, als da� jemand so etwas zug�be, wenn er es nicht war. Zu schrecklich.</p><p>Nach einer Weile sprach Ingtar weiter, diesmal mit festerer Stimme: �Es mu� ein Preis daf�r bezahlt werden, Rand. Es mu� immer f�r alles bezahlt werden. Vielleicht kann ich ihn hier bezahlen.�</p><p>�Ingtar, ich... �</p><p>�Rand, es ist das Recht jeden Mannes, den Tod durch das Schwert zu erw�hlen, wann er will. Selbst einer wie ich hat dieses Recht.�</p><p>Bevor Rand etwas entgegnen konnte, kam Hurin die Gasse heruntergerannt. �Die Patrouille ist abmarschiert�, schnaufte er, �hinunter in die Stadt. Sie scheinen sich dort unten zu sammeln. Mat und Perrin sind weitergegangen.� Er blickte kurz die Stra�e hinunter und zog den Kopf wieder zur�ck. �Wir sollten auch schnell schauen, da� wir weiterkommen, Lord Ingtar, Lord Rand. Diese insektenk�pfigen Seanchan werden gleich da sein.�</p><p>�Geht, Rand!� sagte Ingtar. Rand atmete tief durch. �Das Licht leuchte Euch, Lord Ingtar aus dem Hause Schinowa, und helfe Euch, in der Hand des Sch�pfers Schutz zu finden.� Er ber�hrte Ingtars Schulter. �Die letzte Umarmung der Mutter wird Euch willkommen hei�en.� Hurin schnappte nach Luft.</p><p>�Ich danke Euch�, sagte Ingtar leise. Alle Anspannung schien aus ihm gewichen. Zum erstenmal seit der Nacht des Trolloc�berfalls auf Fal Dara stand er so da, wie ihn Rand in Erinnerung hatte: stolz, selbstbewu�t und entspannt. Zufrieden.</p><p>Rand drehte sich um und bemerkte, da� Hurin ihn ansah, sie beide ansah. �Es ist Zeit, zu gehen.�</p><p>�Aber Lord Ingtar... �</p><p>�... tut, was er tun mu߫, sagte Rand in scharfem Ton. �Doch wir gehen.� Hurin nickte, und Rand schritt hinterher. Rand h�rte nun den stetigen Tritt der Stiefel der Seanchan-Soldaten. Er drehte sich nicht um.</p></section><section><title><p>47</p><p>Das Grab ist keine Grenze...</p></title><p>Mat und Perrin waren schon aufgesessen, als Rand und Hurin zu ihnen stie�en. Weit hinter ihnen h�rte Rand Ingtars Stimme: �F�r das Licht und Schinowa!� Das Klirren von Schwertern mischte sich in das Durcheinander anderer Stimmen.</p><p>�Wo ist Ingtar?� rief Mat. �Was ist da los?� Er hatte das Horn von Valere vor sich an das Sattelhorn geh�ngt, als w�re es ein ganz normales Instrument, aber der Dolch hing an seinem G�rtel. Den Griff mit dem Rubin hielt er sch�tzend in einer blassen Hand, die nur aus Sehnen und Knochen zu bestehen schien.</p><p>�Er stirbt�, sagte Rand hart, als er sich auf den Braunen schwang.</p><p>�Dann m�ssen wir ihm helfen�, sagte Perrin. �Mat kann das Horn und den Dolch zu... �</p><p>�Er tut es f�r uns, damit wir entkommen k�nnen�, sagte Rand. <emphasis>Auch f�r uns jedenfalls.</emphasis> �Wir bringen dieses Horn zu Verin und dann k�nnt ihr helfen, da� es dorthin gelangt, wohin sie es w�nscht.�</p><p>�Was willst du damit sagen?� fragte Perrin. Rand hieb dem Braunen die Fersen in die Flanken, und er galoppierte los auf die H�gel jenseits der Stadt zu.</p><p>�F�r das Licht und Schinowa!� ert�nte Ingtars Kampfschrei hinter ihm. Es klang triumphierend, und wie zur Antwort peitschte ein Blitz �ber den Himmel.</p><p>Rand schlug den Braunen mit den Z�geln und legte sich ganz auf den Hals des Hengstes. Der galoppierte, so schnell er nur konnte, mit wehender M�hne und flatterndem Schweif dahin. Er hoffte, das Gef�hl loszuwerden, da� er vor Ingtars Schrei weglief und vor dem, was er f�r sie tat. <emphasis>Ingtar, ein Schattenfreund! Es k�mmert mich nicht. Er war trotzdem mein Freund.</emphasis> Die Galoppspr�nge des Braunen konnten ihm nicht helfen, vor den eigenen Gedanken zu fliehen. <emphasis>Der Tod ist leichter als eine Feder, aber die Pflicht ist schwerer als ein Berg. So viele Pflichten. Egwene. Das Horn. Fain. Mat und sein Dolch. Warum nicht nur eines und dann das n�chste? Ich mu� mich um alles gleichzeitig k�mmern. O Licht, Egwene!</emphasis></p><p>Er ri� so pl�tzlich an den Z�geln, da� der Braune zum Stand schlitterte und beinahe auf den Hinterbacken sa�. Sie befanden sich in einem W�ldchen auf der Kuppe eines H�gels, von wo aus sie Falme �berblicken konnten. Die anderen galoppierten ebenfalls heran.</p><p>�Was hast du damit gemeint?� wollte Perrin wissen. � <emphasis>Wir</emphasis> k�nnten Verin helfen, das Horn an seinen Bestimmungsort zu bringen? Wo wirst <emphasis>du</emphasis> denn dann sein?�</p><p>�Vielleicht wird er bereits verr�ckt�, meinte Mat. �Wenn er dem Wahnsinn verf�llt, will er sicher nicht bei uns bleiben, oder, Rand?�</p><p>�Ihr drei bringt Verin das Horn�, sagte Rand. <emphasis>Egwene. So viele F�den, die in so gro�er Gefahr sind. So viele Aufgaben.</emphasis> �Ihr braucht mich nicht dazu.�</p><p>Mat streichelte den Griff des Dolches. �Alles sch�n und gut, aber was ist mit dir? Seng mich, aber du kannst doch wohl noch nicht verr�ckt werden. Das kannst du uns nicht antun!� Hurin starrte sie mit offenem Mund an und verstand nur die H�lfte.</p><p>�Ich kehre zur�ck�, sagte Rand. �Ich h�tte Falme nicht verlassen d�rfen.� Irgendwie klang das noch nicht ganz richtig; es ergab noch keinen wirklichen Sinn f�r ihn. �Ich mu� zur�ck. Jetzt gleich.� Das klang besser. �Egwene ist noch dort drinnen, habt ihr das vergessen? Mit einem dieser Halsb�nder gefangen gehalten.�</p><p>�Bist du sicher?� fragte Mat. �Ich habe sie nicht gesehen. Aaaah! Wenn du sagst, sie ist dort, dann ist sie auch dort. Wir bringen das Horn zu Verin, und dann reiten wir alle zusammen zur�ck, um ihr zu helfen. Du glaubst doch nicht im Ernst, da� ich sie im Stich lasse.�</p><p>Rand sch�ttelt den Kopf. <emphasis>F�den, Pflichten.</emphasis> Er hatte das Gef�hl, als m�sse er gleich wie ein Feuerwerksk�rper explodieren. <emphasis>Licht, was geht mit mir vor?</emphasis> �Mat, Verin mu� dich und den Dolch nach Tar Valon bringen, damit du endlich von deiner Abh�ngigkeit befreit wirst. Du kannst keine Zeit mehr verschwenden.�</p><p>�Egwene zu retten, ist keine Zeitverschwendung!� Doch Mats Hand verkrampfte sich so um den Dolchgriff, da� sie zitterte.</p><p>�Keiner von uns kehrt nach Falme zur�ck�, sagte Perrin. �Jedenfalls jetzt noch nicht. Seht!� Er deutete in Richtung Falme.</p><p>Die Stellpl�tze der Wagen und die Pferdekoppeln f�rbten sich schwarz mit Seanchan-Soldaten. Tausende von ihnen marschierten dort auf, Reihe auf Reihe, mit Berittenen auf schuppenbewehrten Kreaturen oder Pferden zur Seite. Farbflecke zeigten an, wo sich Offiziere befanden. <emphasis>Grolme</emphasis> und andere fremdartige Gesch�pfe durchsetzten die Reihen, beinahe und doch nicht ganz wie ungeheure V�gel und Eidechsen, und dann noch riesige Kreaturen, die v�llig unbeschreiblich waren, mit gerunzelter grauer Haut und riesigen Sto�z�hnen. In regelm��igen Abst�nden waren Gruppen von <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> verteilt. Rand fragte sich, ob sich Egwene auch darunter befand. In der Stadt hinter den Truppen explodierte immer noch von Zeit zu Zeit ein Dach, und immer wieder zuckten Blitze �ber den Himmel. Zwei fliegende Gesch�pfe mit ledrigen Schwingen, die bestimmt von Spitze zu Spitze zwanzig Spannen ma�en, schwangen sich �ber allen durch die Luft. Sie hielten sich in vorsichtigem Abstand zu den tanzenden Blitzen.</p><p>�Alles wegen uns?� fragte Mat ungl�ubig. �Wer sind wir denn nach deren Meinung?�</p><p>Rand hatte die Antwort darauf, doch er schob sie ganz schnell beiseite, bevor sie ihm zu deutlich vor Augen trat.</p><p>�Wir k�nnen auch nicht nach der anderen Seite reiten, Lord Rand�, sagte Hurin. �Wei�m�ntel. Hunderte von ihnen.�</p><p>Rand drehte sein Pferd, bis er sah, worauf der Schn�ffler deutete. Eine lange, in wei�e Umh�nge geh�llte Reihe kam wellenf�rmig �ber die H�gel auf sie zu.</p><p>�Lord Rand�, sagte Hurin leise, �wenn die das Horn von Valere sehen, werden wir es niemals bis zu einer Aes Sedai bringen. Wir werden uns nicht einmal selbst mehr dem Horn n�hern k�nnen.�</p><p>�Vielleicht sammeln sich die Seanchan deshalb�, sagte Mat hoffnungsvoll. �Wegen der Wei�m�ntel. Vielleicht hat doch alles nichts mit uns zu tun.�</p><p>�Ganz gleich, aber auf jeden Fall wird in ein paar Minuten hier eine Schlacht beginnen�, bemerkte Perrin trocken.</p><p>�Jede Seite k�nnte unser Ende bedeuten�, meinte Hurin, �auch wenn sie das Horn nicht entdecken. Wenn sie es aber sehen... �</p><p>Rand brachte es nicht fertig, �ber die Wei�m�ntel und die Seanchan nachzudenken. <emphasis>Ich mu� zur�ck. Ich mu�.</emphasis></p><p>Ihm wurde klar, da� er das Horn von Valere anblickte. Sie alle sahen es an. Das gekr�mmte goldene Horn hing an Mats Sattelhorn, und alle Augen waren darauf gerichtet.</p><p>�Es mu� bei der Letzten Schlacht zugegen sein�, sagte Mat und leckte sich nerv�s die Lippen. �Nichts spricht dagegen, da� es schon vorher ben�tzt wird.� Er zog das Horn aus seiner Lederschlaufe und sah die anderen bittend an. �Es spricht doch nichts dagegen?�</p><p>Keiner sagte etwas. Rand brachte kein Wort heraus. Seine Gedanken waren zu dr�ngend, als da� er h�tte sprechen k�nnen. <emphasis>Mu� zur�ckreiten. Mu� zur�ckreiten.</emphasis> Je l�nger er das Horn anblickte, desto dr�ngender wurde die Stimme in seinem Inneren. <emphasis>Mu�. Mu�.</emphasis> Mats H�nde zitterten, als er das Horn von Valere an die Lippen hob.</p><p>Es war ein klarer Ton, so golden wie das Horn selbst. Die B�ume um sie herum schienen mitzuvibrieren, genau wie der Boden unter ihnen und der Himmel �ber ihnen. Dieser eine lange Ton erfa�te einfach alles.</p><p>Aus dem Nichts bildete sich Nebel. Zuerst hingen nur feine Nebelf�den in der Luft, dann gr��ere Schwaden und immer gr��ere, bis das Land wie mit Wolken bedeckt war.</p><p>Geofram Bornhald versteifte sich im Sattel als ein Ton die Luft erf�llte, so s��, da� er lachen wollte, und so traurig, da� er fast geweint h�tte. Er schien aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen. Ein feiner Dunst erhob sich und schwoll vor seinen Augen an.</p><p><emphasis>Die</emphasis> Seanchan. <emphasis>Sie versuchen irgend etwas. Sie wissen, da� wir hier sind.</emphasis> Es war zu fr�h, die Stadt lag noch zu weit entfernt, aber er zog sein Schwert. Ein Klappern erklang die lange Reihe der Soldaten entlang, als die Schwerter aus den Scheiden fuhren. Er rief: �Die Legion r�ckt im Trab vor!�</p><p>Nun deckte der Nebel alles zu, doch er wu�te, da� Falme immer noch vor ihm lag. Die Pferde trabten schneller. Er sah sie zwar nicht, daf�r h�rte er sie.</p><p>Pl�tzlich b�umte sich der Boden vor ihm donnernd auf und �bersch�ttete ihn mit Erdbrocken und Steinchen. Aus der wei�en Blindheit zu seiner Rechten erklang ein weiteres Donnern. Pferde wieherten wild, und M�nner schrien. Dann dasselbe zu seiner Linken, dann erneut. Und noch einmal. Donner und Schreie, alles im Nebel verborgen.</p><p>�Die Legion greift an!� Sein Pferd sprang unter dem Druck seiner Fersen vorw�rts, und er h�rte den Aufschrei seiner Legion. Alles, was noch lebte, folgte ihm.</p><p>Donner und Schreie, in Wei� geh�llt.</p><p>Sein letzter bewu�ter Gedanke dr�ckte Bedauern aus. Byar w�rde seinem Sohn Dain nicht berichten k�nnen, wie er gestorben war.</p><p>Rand erkannte nicht einmal mehr die B�ume auf dem H�gel. Mat hatte das Horn mit ehrf�rchtigem Blick abgesetzt, doch Rand hatte den Klang immer noch im Ohr. Der Nebel verbarg alles in wehenden Schwaden, so wei� wie die feinste gebleichte Wolle, aber trotzdem sah Rand. Er sah, doch was er sah, war heller Wahnsinn. Falme schwebte irgendwo unter ihm. Am Stadtrand zum Landinneren zu war alles schwarz von Soldaten der Seanchan. Blitze durchzuckten Falmes Stra�en. Falme hing �ber seinem Kopf. Dort griffen Wei�m�ntel an und starben, als sich die Erde feuerspeiend unter den Hufen ihrer Pferde auftat. M�nner rannten �ber die Decks gro�er eckiger Schiffe im Hafen, und auf einem Schiff, das ihm sehr bekannt vorkam, warteten ver�ngstigte M�nner. Er erkannte sogar das Gesicht des Kapit�ns. Bayle Domon. Er schlug die H�nde vor das Gesicht. Die B�ume lagen im Verborgenen, aber die anderen erkannte er trotzdem ganz klar. Hurin: nerv�s. Mat: in Selbstgespr�che vertieft, ver�ngstigt. Perrin, der wirkte, als habe er alles das vorausgesehen. Der Nebel wallte um sie herum.</p><p>Hurin keuchte: �Lord Rand!� Er h�tte nicht erst mit dem Finger deuten m�ssen.</p><p>�ber die Nebelschwaden hinweg, als seien sie der Abhang eines Berges, ritten dunkle Gestalten. Zuerst verbarg der dichte Nebel die Einzelheiten, aber sie kamen langsam n�her, und nun war es an Rand, nach Luft zu schnappen. Er erkannte sie. M�nner, nicht alle von ihnen ger�stet, und Frauen. Ihre Kleidung und ihre Waffen stammten aus allen Zeitaltern, aber er kannte sie alle.</p><p>Rogosch Adlerauge, ein v�terlich wirkender Mann mit wei�em Haar und so scharfem Blick, da� sein Name noch weit untertrieben schien. Gaidal Cain, ein dunkelh�utiger Mann, �ber dessen breite Schultern die Griffe zweier Schwerter ragten. Die goldhaarige Birgitte mit ihrem schimmernden Silberbogen und dem K�cher, der vor silbernen Pfeilen �berquoll. Weitere. Er kannte ihre Gesichter, kannte ihre Namen. Doch als er einen nach dem anderen anblickte, h�rte er hundert Namen bei jedem, einige davon so fremdartig, da� er sie nicht mehr als Namen erkannte. Aber er wu�te, wer sie waren. Michael statt Mikel. Patrick statt Paedrig. Oscar statt Otarin.</p><p>Er kannte auch den Mann, der an ihrer Spitze ritt: hochgewachsen, mit einer Hakennase, dunklen tiefliegenden Augen und mit dem gro�en Schwert namens Gerechtigkeit an der Seite: Artur Falkenfl�gel.</p><p>Mat starrte sie mit offenem Mund an, als sie ihre Pferde vor ihm und den anderen anhielten. �Sind das... ? Seid Ihr alle?� Es waren wenig mehr als hundert, wie Rand sah, und es wurde ihm bewu�t, da� er auch nicht mehr erwartet hatte. Hurin stand der Mund ebenfalls offen, und die Augen fielen ihm fast aus dem Kopf.</p><p>�Es ist mehr als nur Mut n�tig, um einen Mann an das Horn zu binden.� Artur Falkenfl�gels Stimme war tief und hallend, eine Stimme, die es gewohnt war, Befehle zu erteilen.</p><p>�Oder eine Frau�, sagte Birgitte in scharfem Ton.</p><p>�Oder eine Frau�, stimmte Falkenfl�gel zu. �Nur wenige sind an das Rad gebunden und werden von ihm immer wieder hinausgewirbelt, um den Willen des Rads im Muster der Zeitalter zu erf�llen. Du k�nntest es ihm sagen, Lews Therin, k�nntest du dich nur daran erinnern.� Er blickte Rand an.</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf, wollte aber keine Zeit verschwenden: �Es hat eine Invasion stattgefunden von Leuten, die sich Seanchan nennen und die im Kampf gefangene Aes Sedai einsetzen. Sie m�ssen ins Meer zur�ckgetrieben werden. Und � da ist noch ein M�dchen. Egwene al'Vere. Eine Novizin aus der Wei�en Burg. Sie ist ebenfalls eine Gefangene der Seanchan. Ihr m��t mir helfen, sie zu befreien.�</p><p>Zu seiner �berraschung l�ste das bei einigen in Artur Falkenfl�gels Truppe Schmunzeln aus, und Birgitte, die an ihrer Bogensehne zupfte, lachte geradeheraus: �Du hast doch immer etwas mit Frauen, die dich in Schwierigkeiten bringen, Lews Therin.� Es klang neckend, so wie zwischen alten Freunden.</p><p>�Ich hei�e Rand al'Thor�, fauchte er. �Ihr m��t schnell machen. Es bleibt nicht viel Zeit.�</p><p>�Zeit?� sagte Birgitte l�chelnd. �Wir haben alle Zeit der Welt.� Gaidal Cain lie� die Z�gel fallen, lenkte das Pferd durch Schenkeldruck und zog mit jeder Hand ein Schwert. Die kleine Gruppe von Helden entbl��te jetzt die Waffen, nahm die Bogen zur Hand und hob Speere und �xte.</p><p>Gerechtigkeit schimmerte wie ein Spiegel in der im Kampfhandschuh steckenden Faust Falkenfl�gels. �Ich habe in zahllosen Schlachten Seite an Seite mit dir gek�mpft, Lews Therin, und ebensooft gegen dich. Das Rad wirft uns zur Erf�llung seines eigenen Zwecks in das Muster hinaus, nicht um uns selbst zu dienen. Ich kenne dich, auch wenn du selbst dich nicht kennen magst. Wir werden diese Invasoren f�r dich vertreiben.� Sein Streitro� b�umte sich auf, und er sah sich mit gerunzelter Stirn um. �Etwas stimmt hier nicht. Irgend etwas h�lt mich fest.� Pl�tzlich traf sein scharfer Blick Rand. �Du bist hier. Ist auch das Banner hier?� Die hinter ihm murmelten zustimmend.</p><p>�Ja.� Rand ri� die Schnallen an seinen Satteltaschen auf und zog die Drachenflagge hervor. Sie f�llte seine H�nde und hing beinahe bis zu den Knien seines Hengstes hinunter. Das Gemurmel unter den Helden wurde lauter.</p><p>�Das Muster webt sich um unsere H�lse wie eine Schlinge�, sagte Artur Falkenfl�gel. �Du bist hier. Das Banner ist hier. Das Muster dieses Augenblicks ist fertiggestellt. Wir sind dem Ruf des Horns gefolgt, aber es ist das Banner, dem wir folgen m�ssen. Und der Drache.� Hurin stie� einen erstickten Laut aus.</p><p>�Seng mich�, hauchte Mat. �Es ist also wahr. Seng mich!�</p><p>Perrin z�gerte nur einen Moment, bevor er sich von seinem Pferd schwang und in den Nebel hineinschritt. Bald h�rte man ein Hacken, und als er zur�ckkehrte, trug er einen frisch geschnittenen d�nnen Baumstamm in der Hand, den er von kleinen �sten befreit hatte. �Gib sie mir, Rand�, sagte er ernst. �Wenn sie sie brauchen... Gib sie mir.�</p><p>Schnell half ihm Rand, die Flagge an den Stab zu binden. Als Perrin sie in der Hand hielt und wieder aufs Pferd stieg, flatterte das Tuch der ganzen L�nge nach im Wind. Es wirkte, als bewege sich der schlangen�hnliche Drache, als lebe er. Der Wind ber�hrte den Nebel �berhaupt nicht, nur die Flagge.</p><p>�Du bleibst hier�, sagte Rand zu Hurin. �Wenn es vorbei ist... Hier bist du in Sicherheit.�</p><p>Hurin zog sein Kurzschwert und hielt es so, als k�nne er damit vom Pferder�cken aus k�mpfen. �Verzeiht mir, Lord Rand, aber lieber nicht. Ich verstehe nicht den zehnten Teil dessen, was ich geh�rt habe... oder dessen, was ich vor mir sehe� Er wurde ganz leise und sch�chtern, erhob aber dann doch wieder die Stimme. �Aber ich bin soweit gekommen, und nun will ich auch den ganzen Weg gehen.�</p><p>Artur Falkenfl�gel schlug dem Schn�ffler auf die Schulter. �Manchmal bringt uns das Rad neue Kameraden, mein Freund. Vielleicht bist du wirklich eines Tages einer von uns.� Hurin sa� stolz im Sattel, als h�tte man ihm eine Krone angeboten. Falkenfl�gel verbeugte sich f�rmlich im Sattel vor Rand. �Mit Eurer Genehmigung... Lord Rand. Bl�ser, spielst du uns auf dem Horn auf? Es pa�t doch, sich vom Horn von Valere in die Schlacht singen zu lassen. Bannertr�ger, gebt Ihr den Schritt vor?�</p><p>Mat stie� wieder in das Horn. Es gab einen langen und hohen Ton von sich, der den Nebel vibrieren lie�. Perrin spornte sein Pferd an und ritt neben Mat dahin. Rand zog sein Reiherschwert und dr�ngte sich zwischen seine beiden Freunde.</p><p>Er sah nichts au�er dicken wei�en Schwaden, und trotzdem nahm er gleichzeitig alles wahr, das er zuvor gesehen hatte. Falme, wo jemand auf der Stra�e gerade die Macht gebrauchte, und den Hafen, das Heer der Seanchan, die sterbenden Wei�m�ntel, alles unter ihm, alles �ber ihm, alles so, wie es gewesen war. Es schien ihm, da� �berhaupt keine Zeit vergangen, seit das Horn ert�nt war, als h�tte die Zeit stillgestanden, w�hrend die Helden dem Ruf Folge leisteten. Jetzt aber begann die Zeit wieder zu laufen.</p><p>Die wilden Aufschreie, die Mat nun dem Horn entlockte, fanden im Nebel ein Echo, und das Trommeln der Hufe wurde schneller. Rand galoppierte in den Nebel hinein und fragte sich, wohin er wohl ritt. Die Wolken verdichteten sich und verbargen die Reihe von Helden, die zu beiden Seiten galoppierten, vor seinen Blicken. Immer mehr wurde vor ihm verborgen, bis er nur noch Mat, Perrin und Hurin klar erkannte. Hurin duckte sich im Sattel und trieb mit weit aufgerissenen Augen sein Pferd an. Mat stie� ins Horn und lachte zwischendurch. Perrins gelbe Augen gl�hten, und das Banner des Drachen flatterte hinter ihm her. Dann waren auch sie verschwunden, und Rand ritt, wie es schien, allein weiter.</p><p>Auf gewisse Weise nahm er sie ja immer noch wahr, aber nur auf die gleiche Weise, wie er auch Falme und die Seanchan wahrnahm. Er wu�te nicht, wo sie sich befanden oder wo er war. Er packte sein Schwert fester und sp�hte in die Nebelschwaden hinaus. Ganz allein ritt er durch den Nebel und wu�te, da� es so vorbestimmt war.</p><p>Pl�tzlich stand Ba'alzamon vor ihm im Nebel und breitete die Arme aus.</p><p>Der Braune b�umte sich wild auf und warf Rand aus dem Sattel. Rand klammerte sich beim Sturz verzweifelt an sein Schwert. Es folgte aber keine harte Landung. Er staunte nicht schlecht, denn er landete � auf nichts. Im einen Augenblick flog er durch den Nebel und im n�chsten nicht mehr. Das war alles.</p><p>Als er wieder auf den Beinen stand, war sein Pferd weg, aber Ba'alzamon war noch da. Er schritt mit einem langen schwarzangekohlten Stab in der Hand auf ihn zu. Sie waren allein miteinander und dem wallenden Nebel. Hinter Ba'alzamon lag nur Schatten. Der Nebel hinter ihm war nicht dunkel. Nein, diese Schw�rze schlo� den wei�en Nebel vollkommen aus.</p><p>Rand nahm auch noch andere Dinge wahr: Artur Falkenfl�gel und die anderen Helden trafen im dichten Nebel auf die Seanchan. Perrin mit dem Banner in der Hand handhabte seine Axt, um Angreifer zur�ckzuschlagen, die ihn zu erreichen suchten. Mat blies immer noch eine wilde Musik auf dem Horn von Valere. Hurin k�mpfte am Soden mit Kurzschwert und Schwertbrecher, wie er es gewohnt war. Es schien, als w�rden sie in einer einzigen Welle von den Seanchan �berrannt, doch es waren die Seanchan in ihren schwarzen R�stungen, die zur�ckwichen.</p><p>Rand trat vor, um sich Ba'alzamon zu stellen. Z�gernd bildete er das Nichts um sich herum, griff nach der Wahren Quelle und lie� sich von der Einen Macht erf�llen. Es gab keinen anderen Weg. Vielleicht hatte er keine Aussicht auf Sieg gegen den Dunklen K�nig, es sei denn mit Hilfe der Einen Macht. Sie durchdrang seine Glieder und schien alles in sich aufzunehmen, sogar seine Kleider und sein Schwert. Er f�hlte sich wie eine gl�hende Sonne. Er geno� es, und gleichzeitig h�tte er sich am liebsten �bergeben.</p><p>�Geh mir aus dem Weg!� rief er. �Ich bin nicht deinetwegen hier!�</p><p>�Das M�dchen?� Ba'alzamon lachte. Sein Mund wandelte sich zu einem Feuerofen. Seine Verbrennungen waren beinahe verheilt und hatten nur ein paar r�tliche Narben zur�ckgelassen, die auch schon verbla�ten. Er wirkte wie ein gutaussehender Mann von mittleren Jahren. Abgesehen nat�rlich von seinem Mund und seinen Augen. �Welche davon, Lews Therin? Diesmal kann dir niemand helfen. Du geh�rst mir, oder du bist tot. In diesem Fall geh�rst du mir sowieso.�</p><p>�L�gner!� fauchte Rand. Er schlug nach Ba'alzamon, doch an dem Stab aus angekohltem Holz rief sein Schwert lediglich einen Funkenschauer hervor. �Vater der L�gen!�</p><p>�Narr! Haben dir die anderen, die du heraufbeschworen hast, nicht gesagt, wer du wirklich bist?� Die Feuer in Ba'alzamons Gesicht br�llten auf vor Lachen.</p><p>Selbst im Nichts, in dem er schwebte, lief es Rand kalt den R�cken hinunter. <emphasis>Hatten sie gelogen? Ich will nicht der Wiedergeborene Drache sein!</emphasis> Er griff sein Schwert noch fester. <emphasis>Die Seide zur Seite schieben,</emphasis> doch Ba'alzamon schlug sein Schwert jedesmal weg. Funken flogen wie in der Werkstatt eines Schmieds. �Ich habe in Falme zu tun und nicht mit dir. Mit dir niemals�, sagte Rand. <emphasis>Ich mu� seine Aufmerksamkeit auf mich lenken, bis sie Egwene befreien.</emphasis> Auf diese eigenartige Weise nahm er wahr, wie die Schlacht nun um die nebelverh�llten Stellpl�tze der Wagen und die Koppeln herum tobte.</p><p>�Du bemitleidenswerter Kr�ppel. Du hast das Horn von Valere ben�tzt. Jetzt bist du daran gebunden. Glaubst du, da� diese W�rmer von der Wei�en Burg dich jemals wieder freilassen werden? Sie werden dir Ketten um den Hals legen, die so schwer sind, da� du sie niemals sprengen kannst.�</p><p>Rand war so �berrascht, da� er dieses Gef�hl sogar im Nichts noch empfand. <emphasis>Er wei� nicht alles! Er wei� es nicht!</emphasis> Er war sicher, da� sich die Freude dar�ber auf seinem Gesicht zeigte. Um sie zu verbergen, griff er Ba'alzamon erneut an. <emphasis>Die Hummel k��t eine Rose. Mond auf den Wassern. Der Flug der Schwalbe.</emphasis> Blitze zuckten zwischen Schwert und Stab auf. Aufspr�hende Funken stoben in den Nebel. Ba'alzamon wich zur�ck. Seine Augen gl�hten wie tosende Hoch�fen.</p><p>Am Rand seines Bewu�tseins nahm Rand wahr, wie sich die Seanchan in Falme weiter zur�ckzogen und verzweifelt ums �berleben k�mpften. <emphasis>Damane</emphasis> zerfetzten die Erde mit Hilfe der Einen Macht, doch das half nicht gegen Artur Falkenfl�gel und die anderen Helden des Horns.</p><p>�Willst du f�r immer ein Wurm unter einem Felsbrocken bleiben?� knurrte Ba'alzamon. Die Dunkelheit hinter ihm brodelte und kochte. �W�hrend wir noch hier stehen, t�test du dich selbst. Die Macht w�tet in deinem Inneren. Sie verbrennt dich. Sie t�tet dich. Nur ich allein auf der Welt kann dir beibringen, wie man sie beherrscht. Dien mir und bleib am Leben. Dien mir oder stirb!�</p><p>�Niemals!� <emphasis>Ich mu� ihn lang genug aufhalten. Beeil dich, Falkenfl�gel! Mach schnell!</emphasis> Er warf sich erneut auf Ba'alzamon. <emphasis>Die Schwalbe fliegt auf. Blatt im Wind.</emphasis> Diesmal war er es, der zur�ckgetrieben wurde. Verschwommen nahm er wahr, da� die Seanchan einen Gegenangriff begannen und wieder bis zu den St�llen vorstie�en. Er verdoppelte seine Anstrengungen. <emphasis>Der</emphasis></p><p><emphasis>Eisvogel f�ngt eine Forelle.</emphasis> Die Seanchan wichen vor einem Angriff zur�ck. Artur Falkenfl�gel und Perrin ritten Seite an Seite in der Vorhut. <emphasis>Stroh zusammenbinden.</emphasis> Ba'alzamon fing seinen Schlag in einem Springbrunnen roter Gl�hw�rmchen ab und er mu�te zur�ckspringen, damit ihm der Stab nicht den Sch�del spaltete. Der Luftzug strich ihm �ber das Haar. Die Seanchan r�ckten vor. <emphasis>Funken schlagen.</emphasis> Funken spr�hten wie Hagelk�rner, Ba'alzamon sprang vor seinem Schlag weg, und die Seanchan wurden in der Bereich der Pflasterstra�en zur�ckgetrieben.</p><p>Rand h�tte am liebsten laut aufgeheult. Pl�tzlich war ihm klar, da� zwischen den beiden K�mpfen eine Verbindung bestand. Wenn er angriff, dann trieben die vom Horn herbeigerufenen Helden die Seanchan zur�ck. Wich er aber zur�ck, dann erhoben sich die Seanchan wieder.</p><p>�Sie werden dich nicht retten�, sagte Ba'alzamon. �Diejenigen, die dich vielleicht retten k�nnten, werden weit �ber das Aryth-Meer gebracht. Falls du sie jemals wiedersiehst, sind sie Sklavinnen an der Leine und werden dich im Namen ihrer neuen Herren vernichten.�</p><p><emphasis>Egwene. Ich kann nicht zulassen, da� man ihr so etwas antut.</emphasis> Ba'alzamons Stimme drang durch seine Gedanken. �Es gibt f�r dich nur eine Rettung, Rand al'Thor. Lews Therin Bruderm�rder. Ich bin deine Rettung. Diene mir, und ich schenke dir die Welt. Widerstehe, und ich werde dich vernichten wie so viele Male zuvor. Doch diesmal werde ich dich bis auf den Grund deiner Seele vernichten, ganz und gar und auf ewig!�</p><p><emphasis>Ich habe wieder gewonnen, Lews Therin.</emphasis> Der Gedanke trieb an der Blase des Nichts vorbei, aber es war schwer, ihn nicht zu beachten, nicht an alle die anderen Leben zu denken, nachdem er ihn geh�rt hatte. Er hob sein Schwert, und Ba'alzamon hielt seinen Stab bereit.</p><p>Zum erstenmal wurde Rand klar, da� sich Ba'alzamon so verhielt, als k�nne ihn das Reiherschwert wirklich verletzen. <emphasis>Stahl kann doch dem Dunklen K�nig nicht schaden.</emphasis> Doch Ba'alzamon beobachtete vorsichtig jede Bewegung des Schwerts. Rand war eins mit dem Schwert. Er sp�rte jedes Metallteilchen, aus dem es zusammengesetzt war, winzige Teilchen, die tausendmal zu klein waren, um f�r das Auge sichtbar zu sein. Und er f�hlte, wie die ihn durchdringende Macht auch in das Schwert eindrang und das komplizierte Muster in sich aufnahm, das die Aes Sedai w�hrend der Trolloc-Kriege geschaffen hatten.</p><p>Dann h�rte er eine andere Stimme � die Stimme Lans. <emphasis>Es wird eine Zeit kommen, da willst du etwas, das dir wichtiger ist als dein Leben.</emphasis> Ingtars Stimme. <emphasis>Es ist das Recht jedes Mannes zu w�hlen, wann er durch das Schwert sterben will.</emphasis> Ein Bild von Egwene formte sich in seinen Gedanken, mit einem Halsband, als <emphasis>Damane</emphasis> ihr Leben fristend. <emphasis>F�den meines Lebens sind in Gefahr. Egwene.</emphasis> Bevor es ihm bewu�t wurde, hatte er bereits die Grundstellung f�r <emphasis>Der Reiher watet durchs Schilf</emphasis> eingenommen, stand nur auf einem Fu�, das Schwert hoch erhoben, offen und ohne Abwehrm�glichkeit. <emphasis>Der Tod ist leichter als eine Feder, die Pflicht schwerer als ein Berg.</emphasis> Ba'alzamon sah ihn gro� an. �Warum grinst du wie ein Tor, du Narr? Wei�t du nicht, da� ich dich g�nzlich vernichten kann?�</p><p>Rand war ruhig, und diese Ruhe kam nicht aus dem Nichts. �Ich werde dir niemals dienen, Vater der L�gen. In tausend Leben habe ich dir nicht gedient. Das wei� ich. Da bin ich sicher. Komm! Es ist Zeit zu sterben.�</p><p>Ba'alzamons Augen wurden gro�. Einen Moment lang waren sie �fen, die Rand den Schwei� ins Gesicht trieben. Die Schw�rze hinter Ba'alzamon wallte auf und um ihn herum, und sein Gesicht verh�rtete sich. �Dann stirb, Wurm!� Er stie� mit dem Stab wie mit einem Speer zu.</p><p>Rand schrie auf, als er sp�rte, wie er ihm die Seite durchbohrte und es brannte wie ein wei�gl�hendes Brenneisen. Das Nichts erzitterte, aber mit letzter Kraft erhielt er es und stie� das Reiherschwert tief in Ba'alzamons Herz. Ba'alzamon schrie, und die Dunkelheit hinter ihm schrie. Die Welt explodierte in einem Feuerschlag.</p></section><section><title><p>48</p><p>Die Frauen des Drachen</p></title><p>Min schob sich durch die Menschenmenge auf der gepflasterten Stra�e hinauf. Die meisten Leute standen bleich und verst�rt herum; einige weinten haltlos. Manche rannten umher, aber offensichtlich ohne zu wissen, wohin. Alle machten den Eindruck, als seien sie Marionetten, deren F�den von niemandem mehr gef�hrt wurden und die mehr Angst davor hatten zu gehen als zu bleiben. Sie suchte die Menge nach den Gesichtern von Egwene, Elayne oder Nynaeve ab, doch sie fand nur Falmer. Irgend etwas zog sie jedoch unwiderstehlich weiter voran.</p><p>Einmal drehte sie sich kurz um. Im Hafen brannten Schiffe der Seanchan, und weiter hinten in der Hafenausfahrt sah sie ein Flammenmeer. Viele der kantigen Schiffe segelten wie Spielzeugschiffchen dem Horizont und der untergehenden Sonne entgegen. Sie segelten so schnell nach Westen, wie die <emphasis>Damane</emphasis> mit dem von ihnen herbeigerufenen Wind es eben noch schafften. Ein kleines Schiff entfernte sich langsam hart am Wind der K�ste entlang vom Hafen. Die <emphasis>Gischt.</emphasis> Sie nahm es Bayle Domon nicht �bel, da� er nicht mehr gewartet hatte. Nach allem, was sich in Falme abgespielt hatte, war es schon ein Wunder, da� er es solange ausgehalten hatte.</p><p>Ein Seanchan-Schiff lag noch im Hafen, das nicht brannte, obwohl die Aufbauten von bereits gel�schten Br�nden schwarz verkohlt waren. Als sich dieses Schiff langsam auf die Hafenausfahrt zu bewegte, erschien auf den Klippen �ber dem hinteren Rand des Hafens ein Reiter. Die Gestalt ritt geradewegs �ber das Wasser. Min ri� Augen und Mund auf. Silber gl�nzte auf, als die Gestalt einen Bogen erhob. Ein silberner Blitz fuhr auf das kantige Schiff zu. F�r einen Moment wurden Bogen und Schiff durch eine gl�nzendsilberne Linie verbunden. Tosend, so da� sie es auf diese Entfernung noch h�rte, schlugen wieder Flammen auf dem Vorderdeck hoch, und Seeleute huschten �ber das Deck.</p><p>Min blinzelte, und als sie wieder hinsah, war die Gestalt auf dem Pferd verschwunden. Das Schiff kroch immer noch der Hafenausfahrt entgegen, und die Besatzung bek�mpfte das Feuer.</p><p>Sie sch�ttelte sich und schritt weiter nach oben. Sie hatte an diesem Tag so viel gesehen, da� sie ein Reiter, der auf seinem Pferd �ber das Wasser ritt, nicht mehr als ein paar Augenblicke lang ablenken konnte. <emphasis>Auch wenn es wirklich Birgitte mit ihrem Bogen gewesen sein sollte. Und Artur Falkenfl�gel. Ich habe ihn gesehen. Da bin ich ganz sicher.</emphasis> Vor einem der gro�en Steingeb�ude blieb sie unsicher stehen. Sie �bersah die Menschen, die wie bet�ubt an ihr vorbeistolperten. Irgendwo dort drinnen wartete etwas auf sie. Sie eilte die Treppe hinauf und �ffnete die T�r.</p><p>Niemand versuchte, sie aufzuhalten. Soweit sie sagen konnte, befand sich niemand in dem Geb�ude. Die meisten Falmer waren drau�en auf der Stra�e und versuchten sich dar�ber klar zu werden, ob sie alle gemeinsam verr�ckt geworden waren oder was sonst. Sie ging durch das Haus in den Garten dahinter, und da war er.</p><p>Rand lag auf dem R�cken unter einer Eiche. Sein Gesicht war bleich, die Augen hatte er geschlossen, und die linke Hand hielt noch einen Schwertgriff mit einer Klinge, die nur noch etwa einen Fu� lang war. Der Rest schien abgeschmolzen zu sein. Seine Brust hob und senkte sich langsam, aber nicht im regelm��igen Rhythmus gesunden Schlafs.</p><p>Sie atmete tief ein, um sich etwas zu beruhigen, und dann �berlegte sie, was sie f�r ihn tun konnte. Zuerst mu�te sie diese verst�mmelte Klinge loswerden. Falls er um sich schlug, k�nnte er sich damit verletzen. Also �ffnete sie m�hsam seine Faust und zuckte zusammen, als sie merkte, da� der Schwertgriff an seiner Handfl�che festklebte. Dann hatte sie es geschafft und warf den Stummel angewidert zur Seite. Der Reiher vom Griff hatte sich in seine Handfl�che eingebrannt. Doch das war offensichtlich nicht der Grund daf�r, da� er bewu�tlos hier lag. <emphasis>Wie ist das nur passiert? Nynaeve mu� sp�ter Salbe daraufstreichen.</emphasis> Eine oberfl�chliche Untersuchung zeigte ihr, da� die meisten seiner Schnitte und Absch�rfungen nicht neu waren. Zumindest war Zeit gewesen, da� das Blut eine Kruste gebildet hatte, und die blauen Flecken f�rbten sich am Rande schon gelblich. Auf der linken Seite war ein Loch in den Mantel gebrannt. Sie �ffnete den Mantel und zog sein Hemd hoch. Dann pfiff sie scharf durch die Z�hne. Tief in sein Fleisch hinein war eine Wunde gebrannt, die sich allerdings offensichtlich von selbst desinfiziert hatte. Was sie ersch�tterte, war die Temperatur seiner Haut. Sie f�hlte sich an wie Eis, und die kalte Luft dieses Tages wirkte warm dagegen.</p><p>Sie packte ihn an den Schultern und schleifte ihn zum Haus. Er war schlaff � tote Masse. �Gro�er Klotz�, schimpfte sie. �Warum kannst du nicht klein und leicht sein? Nein, du mu�t solche Beine und Schultern haben! Ich sollte dich hier drau�en liegenlassen.�</p><p>Sie plagte sich die Treppe hinauf und gab acht, da� er nicht h�ufiger anstie� als notwendig. Dann schleifte sie ihn ins Haus. Drinnen lie� sie ihn liegen, richtete sich auf und rieb sich erst einmal den R�cken. Sie knurrte etwas �ber das Muster in sich hinein und suchte hastig herum. Es gab hinten im Haus ein kleines Schlafzimmer. Vielleicht geh�rte es einem Diener. Jedenfalls enthielt es ein Bett mit gen�gend Decken, und im Kamin lagen fertige Scheite. Nach einigen Augenblicken hatte sie das Feuer entfacht, die Decken zur�ckgeschlagen und eine Lampe auf dem Nachttisch angez�ndet. Dann lief sie zur�ck, um Rand zu holen.</p><p>Es war keine leichte Aufgabe, ihn in das Zimmer und auf das Bett zu bef�rdern, aber sie brachte es dann doch schweratmend fertig und deckte ihn zu. Einen Moment sp�ter steckte sie die Hand unter seine Decken, verzog das Gesicht und sch�ttelte den Kopf. Die Decken waren bereits eiskalt. Er besa� keine K�rperw�rme, um sie aufzuw�rmen. Mit einem leicht �bertriebenen Seufzer schl�pfte sie zu ihm unter die Decken. Dann legte sie seinen Kopf an ihre Schulter. Seine Augen waren nach wie vor geschlossen, und sein Atem ging unregelm��ig. Sie glaubte, wenn sie erst zu Nynaeve rannte, k�nne er in der Zwischenzeit gestorben sein. <emphasis>Er braucht eine Aes Sedai,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Ich kann ihn lediglich ein wenig w�rmen.</emphasis> Eine Weile musterte sie sein Gesicht. Sie sah dabei wirklich nur sein Gesicht, denn wenn jemand bewu�tlos war, konnte sie nicht in seine Zukunft sehen. �Ich mag �ltere M�nner�, erz�hlte sie ihm. �Ich mag gebildete M�nner mit Geist. Ich interessiere mich nicht f�r Bauernh�fe, Schafe und Schafhirten. Noch dazu f�r so junge Schafhirten.� Seufzend wischte sie ihm eine Haarstr�hne aus dem Gesicht. Er hatte seidenweiches Haar. �Aber du bist ja eigentlich auch kein Sch�fer, oder? Nicht mehr jedenfalls. Licht, warum mu�te mich das Muster nur ausgerechnet mit dir zusammenwerfen? Warum nicht irgendein sicheres und unkompliziertes Schicksal, wie zum Beispiel schiffbr�chig auf einer Insel ohne Lebensmittel und zusammen mit einem Dutzend hungriger Aielm�nner leben?�</p><p>Aus dem Flur h�rte sie kein Ger�usch, und doch �ffnete sich die T�r. Sie hob den Kopf. Egwene stand im Zimmer und betrachtete die Szene mit gro�en Augen. �Oh�, war aber alles, was sie sagte.</p><p>Mins Wangen liefen rot an. <emphasis>Warum mu� ich mich so verhalten, als h�tte ich etwas angestellt? N�rrin!</emphasis> �Ich... ich halte ihn warm. Er ist bewu�tlos und eiskalt.�</p><p>Egwene kam nicht weiter in das Zimmer herein. �Ich �ich f�hlte, wie er mich anzog, mich brauchte. Elayne f�hlte dasselbe. Ich denke, es hat etwas damit zu tun, wer � wer er ist, aber Nynaeve hat nichts gesp�rt.� Sie atmete tief und erregt ein. �Elayne und Nynaeve holen die Pferde. Wir haben Bela gefunden. Die Seanchan haben die meisten ihrer Pferde zur�ckgelassen. Nynaeve meint, wir sollten so schnell wie m�glich losreiten, und � und... Min, du wei�t doch jetzt, wer er ist, oder?�</p><p>�Ich wei� es.� Min wollte ihren Arm unter Rands Kopf wegziehen, aber sie f�hlte sich wie gel�hmt. �Jedenfalls vermute ich es. Was immer er sein mag, jetzt ist er jedenfalls verwundet. Ich kann nichts f�r ihn tun, au�er ihn warm halten. Vielleicht kann Nynaeve etwas f�r ihn tun.�</p><p>�Min, du wei�t... du wei�t doch, da� er nicht heiraten kann. Er bringt... uns alle in Gefahr, Min.�</p><p>�Das mu�t du mit dir selbst ausmachen�, sagte Min. Sie zog Rands Kopf an ihre Brust. �Elayne hatte schon recht. Du hast ihn zugunsten der Wei�en Burg verlassen. Was kann es dich interessieren, wenn ich ihn mir schnappe?�</p><p>Egwene blickte sie, wie es schien, lange Zeit an. Nicht Rand, �berhaupt nicht, sondern nur sie. Sie merkte, wie ihr Gesicht immer mehr anlief, und wollte wegsehen, konnte es aber nicht.</p><p>�Ich werde Nynaeve holen�, sagte Egwene schlie�lich und lief mit geradem R�cken und hocherhobenem Kopf aus dem Zimmer.</p><p>Min wollte sie zur�ckrufen, ihr hinterherlaufen, aber sie lag wie gel�hmt da. Tr�nen der Entt�uschung rollten ihr die Wangen hinunter. <emphasis>Es mu�te sein. Ich wei� es. Ich habe das in ihrer Zukunft gelesen. Licht, ich will nicht darin verwickelt sein.</emphasis> �Es ist alles deine Schuld�, sagte sie zu Rands schlaffer Gestalt. �Nein, das ist es nicht. Aber ich glaube, du mu�t daf�r bezahlen. Wir h�ngen alle wie die Fliegen in einem Spinnennetz. Was ist, wenn ich ihr sage, da� es noch eine weitere Frau gibt, die erst kommen wird und die sie noch nicht einmal kennt? Und was w�rdest du selbst davon halten, mein feiner Lord Schafhirte? Du siehst nicht gerade schlecht aus, aber... Licht, ich wei� noch nicht einmal, ob du wirklich mich erw�hlen wirst. Ich wei� auch nicht, ob ich �berhaupt von dir erw�hlt werden will. Oder wirst du uns alle drei auf dem Knie jonglieren? Es ist vielleicht nicht deine Schuld, Rand al'Thor, aber anst�ndig ist es auch nicht.�</p><p>�Nicht Rand al'Thor�, sagte eine wohlt�nende Stimme von der T�r her. �Lews Therin Telamon. Der Wiedergeborene Drache.�</p><p>Min ri� die Augen auf. Sie war die sch�nste Frau, die Min jemals gesehen hatte, mit blasser glatter Haut, langem schwarzen Haar und Augen, so dunkel wie die Nacht. Ihr Kleid war so wei�, da� frischgefallener Schnee dagegen schmutzig gewirkt h�tte. Ihr G�rtel war aus Silber. Ihr Schmuck war ebenfalls aus Silber. Min war ganz auf Abwehr eingestellt. �Was meint Ihr damit? Wer seid Ihr?�</p><p>Die Frau stand nun am Bett und strich Rand die Haare glatt, als sei Min nicht vorhanden. Ihre Bewegungen waren so elegant, da� Min Neid empfand, obwohl sie noch nie zuvor eine Frau um etwas beneidet hatte. �Er glaubt es immer noch nicht, denke ich. Er wei� es, glaubt es aber nicht. Ich habe seine Schritte geleitet, habe ihn herumgeschoben und gezogen und ihn angelockt. Er war schon immer stur, aber diesmal werde ich ihn erziehen. Ishamael glaubt, er beherrschte den Ablauf der Dinge, aber in Wirklichkeit bin ich es, die alle F�den spinnt.� Ihre Finger streiften �ber Rands Stirn, als wolle sie ein Zeichen hinterlassen. Min fand, da� es wie ein Drachenzahn aussah. Rand r�hrte sich und murmelte etwas. Es waren die ersten Laute, die er von sich gab, seit sie ihn gefunden hatte.</p><p>�Wer seid Ihr?� wollte Min wissen. Die Frau blickte sie an. Sie sah Min nur einfach an, doch Min dr�ckte sich nach hinten in die Kissen und klammerte sich verzweifelt an Rand fest.</p><p>�Man nennt mich Lanfear, Kind.�</p><p>Mins Mund war pl�tzlich so ausgetrocknet, da� sie kein Wort herausbrachte, selbst wenn es um ihr Leben gegangen w�re. <emphasis>Eine der Verlorenen! Nein! Licht, nein!</emphasis> Sie konnte nur den Kopf sch�tteln. Diese Ablehnung brachte Lanfear zum L�cheln.</p><p>�Lews Therin geh�rte und geh�rt mir, M�dchen. Pfleg ihn f�r mich, bis ich zur�ckkomme und ihn hole.� Damit war sie weg.</p><p>Min starrte ihr mit offenem Mund nach. In einem Augenblick war sie noch da und im n�chsten weg. Min wurde erst jetzt klar, da� sie Rands bewu�tlosen K�rper ganz fest in die Arme geschlossen hatte. Sie hatte das Gef�hl, seinen Schutz zu ben�tigen.</p><p>Das hagere Gesicht zeigte einen entschlossenen Ausdruck, und so ritt Byar mit der sinkenden Sonne im R�cken dahin und warf keinen Blick zur�ck. Er hatte alles gesehen, was n�tig war, alles, was er bei diesem verfluchten Nebel sehen konnte. Die Legion war tot, Lordhauptmann Geofram Bornhald war tot, und es gab nur eine Erkl�rung daf�r: Schattenfreunde hatten sie verraten, Schattenfreunde wie dieser Perrin von den Zwei Fl�ssen. Diese Nachricht brachte er Dain Bornhald, dem Sohn des Lordhauptmanns, der zusammen mit den Kindern Tar Valon �berwachte. Aber er hatte noch Schlimmeres zu berichten und niemand Geringerem als Pedron Niall selbst. Er mu�te berichten, was er am Himmel �ber Falme beobachtet hatte. Er schlug sein Pferd mit dem Z�gel und blickte nicht zur�ck.</p></section><section><title><p>49</p><p>Wie es vorbestimmt war</p></title><p>Rand �ffnete die Augen und blickte direkt in das durch das gr�ne Bl�tterdach eines Lederblattbaums einfallende Sonnenlicht. Die widerstandsf�higen breiten Bl�tter des Baums waren trotz des fortgeschrittenen Herbstes noch immer gr�n. Im Wind, der die Bl�tter flattern lie�, lag eine Andeutung von Schnee. Vielleicht w�rde es noch vor Anbruch der Nacht schneien. Er lag auf dem R�cken und f�hlte mit den H�nden nach den Decken, die ihn w�rmten. Mantel und Hemd waren zwar verschwunden, aber um seine Brust schien sich ein Verband zu ziehen, und die linke Seite schmerzte. Er drehte den Kopf, und da sa� Min auf dem Boden und beobachtete ihn. Er erkannte sie kaum wieder, weil sie einen Rock trug. Sie l�chelte unsicher.</p><p>�Min, bist du es? Woher kommst du? Wo sind wir?� Sein Erinnerungsverm�gen war nur undeutlich. An fr�here Dinge konnte er sich erinnern, aber die letzten Tage erschienen ihm wie die Scherben eines Spiegels, die durch seinen Verstand wirbelten und ihm nur kurze Ausblicke gew�hrten, bevor sie wieder wegflogen. �Wir kommen aus Falme�, sagte sie. �Wir sind jetzt f�nf Tagesreisen �stlich davon, und du hast die ganze Zeit geschlafen.�</p><p>�Falme.� Weitere Erinnerungsfetzen. Mat hatte das Horn von Valere geblasen. �Egwene! Ist sie... ? Haben sie sie befreit?� Er hielt die Luft an.</p><p>�Ich wei� nicht, wen du mit �sie� meinst, aber sie ist frei. Wir haben sie selbst befreit.�</p><p>�Wir? Ich verstehe nicht.� <emphasis>Sie ist frei. Wenigstens ist sie...</emphasis> �Nynaeve, Elayne und ich.�</p><p>�Nynaeve? Elayne? Wie denn das? Wart ihr <emphasis>alle</emphasis> in Falme?� Er versuchte, sich aufzusetzen, aber sie dr�ckte ihn mit sanfter Gewalt zur�ck und verharrte so, die H�nde auf seinen Schultern und den Blick aufmerksam auf sein Gesicht gerichtet. �Wo ist sie?�</p><p>�Weg.� Mins Gesicht lief rot an. �Sie sind alle weg. Egwene und Nynaeve, Mat, Hurin und Verin. Hurin wollte eigentlich nicht weg. Aber jetzt sind sie alle auf dem Weg nach Tar Valon. Egwene und Nynaeve m�ssen zu ihrer Ausbildung in die Burg zur�ck, und Mat mu� zu den Aes Sedai, damit sie irgend etwas wegen des Dolchs unternehmen. Sie haben das Horn von Valere mitgenommen. Ich kann nicht glauben, da� ich es wirklich gesehen habe.�</p><p>�Weg�, murmelte er. �Sie hat nicht einmal gewartet, bis ich aufwache.� Das Rot von Mins Wangen wurde kr�ftiger, und sie setzte sich ein St�ck nach hinten und betrachtete eingehend ihren Scho�.</p><p>Er hob die H�nde und fuhr sich �ber das Gesicht. Dann hielt er mitten in der Bewegung inne und betrachtete erschrocken seine Handfl�chen. Auch auf seine linken Handfl�che war jetzt ein Reiher eingebrannt, der genau dem auf der rechten Hand glich; eine Linie war wie die andere. <emphasis>Einmal der Reiher, um ihn auf den rechten Weg zu bringen; zum zweitenmal der Reiher, um ihm seinen wahren Namen zu verleihen.</emphasis> �Nein!�</p><p>�Sie sind weg�, sagte sie. �Das Neinsagen hilft jetzt auch nichts.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. Irgend etwas sagte ihm, da� der Schmerz in seiner Seite wichtig war. Er konnte sich nicht daran erinnern, verwundet worden zu sein, aber es war wichtig. Er wollte seine Decken hochschlagen und nachsehen, doch sie zog seine H�nde weg.</p><p>�Mit denen solltest du jetzt nichts anfangen. Sie sind noch nicht abgeheilt. Verin versuchte, sie auf ihre Art zu heilen, doch das gelang bei dir nicht.� Sie z�gerte und nagte an der Unterlippe. �Moiraine meint, Nynaeve mu� irgend etwas getan haben, oder du h�ttest die Zeit nicht �berlebt, bis wir dich zu Verin brachten. Nynaeve aber sagt, sie habe viel zuviel Angst gehabt, um irgend etwas auszuprobieren Es... stimmt etwas mit deiner Wunde nicht. Du wirst warten m�ssen, bis sie auf nat�rlichem Weg abheilt.� Sie machte sich offensichtlich Sorgen.</p><p>�Moiraine ist hier?� Er lachte bitter. �Als du sagtest, Verin sei weg, glaubte ich schon, ich w�re endlich alle Aes Sedai los.�</p><p>�Ich bin hier�, sagte Moiraine. Sie erschien ganz in Blau gekleidet und genauso w�rdevoll wie in der Wei�en Burg. Sie trat an sein Lager und stand direkt �ber ihm.</p><p>Min sah die Aes Sedai finster an. Rand hatte das eigenartig Gef�hl, da� sie ihn vor Moiraine besch�tzen wolle.</p><p>�Ich w�nschte, Ihr w�rt nicht hier�, sagte er zu der Aes Sedai. �Soweit es mich betrifft, k�nnt Ihr wieder in Euer Versteck zur�ckgehen und dort bleiben.�</p><p>�Ich habe mich nicht versteckt�, sagte Moiraine gelassen. �Ich habe getan, was ich konnte, hier auf der Toman-Halbinsel und in Falme. Es war wenig, doch ich habe viel dabei erfahren. Ich habe es nicht geschafft, zwei meiner Schwestern zu retten, bevor die Seanchan sie mit den Gekoppelten auf die Schiffe trieben, aber ich habe getan, was in meinen M�glichkeiten lag.�</p><p>�Was Ihr konntet, so. Ihr habt mir Verin hinterhergeschickt, um mich zu bewachen, aber ich bin kein Schaf, das man treiben kann, Moiraine. Ihr habt gesagt, ich k�nne gehen, wohin ich wolle, und ich will dorthin, wo Ihr nicht seid.�</p><p>�Ich habe Verin nicht geschickt.� Moiraine runzelte die Stirn. �Sie mu� von allein nachgekommen sein. Viele Leute interessieren sich f�r Euch, Rand. Hat Fain Euch gefunden oder Ihr ihn?�</p><p>Der pl�tzliche Themenwechsel �berraschte ihn. �Fain? Nein. Ich bin schon ein toller Held. Ich habe versucht, Egwene zu befreien, und Min ist mir zuvorgekommen. Fain sagte, er werde in Emondsfeld etwas anstellen, falls ich ihm nicht gegen�bertrete, und ich habe ihn nicht einmal gesehen. Ist er auch mit den Seanchan abgesegelt?�</p><p>Moiraine sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht. Ich w�nschte, ich w��te Bescheid. Aber es ist gut, da� Ihr ihn nicht aufgesp�rt habt, jedenfalls solange Ihr nicht wi�t, wer er ist.�</p><p>�Er ist ein Schattenfreund.�</p><p>�Mehr als nur das. Schlimmer. Padan Fain war bis auf den Grund seiner Seele eine Kreatur des Dunklen K�nigs, aber ich glaube, da� er in Shadar Logoth Mordeth zum Opfer fiel, der den Schatten mit genauso b�sartigen Mitteln bek�mpfte wie der Schatten ihn. Mordeth versuchte, Fains Seele zu verschlingen, um wieder einen menschlichen K�rper zu besitzen, aber er fand eine Seele vor, die unmittelbar vom Dunklen K�nig ber�hrt worden war. Das Ergebnis... Das Ergebnis war weder Padan Fain noch Mordeth, sondern etwas noch viel B�seres: ein aus beiden verschmolzenes Wesen. Fain, nennen wir ihn einfach einmal so, ist gef�hrlicher, als Ihr glaubt. Ihr h�ttet ein solches Zusammentreffen m�glicherweise nicht �berlebt, und falls doch, w�rt Ihr vielleicht schlimmer dran gewesen als ein Diener des Schattens.�</p><p>�Wenn er noch lebt und nicht mit den Seanchan gesegelt ist, dann mu� ich... � Er brach ab, als sie sein Reiherschwert unter ihrem Umhang hervorzog. Die Klinge war einen Fu� vom Griff entfernt zu Ende, als sei sie abgeschmolzen worden. Die Erinnerungen st�rmten auf ihn ein. �Ich habe ihn get�tet�, sagte er leise. �Diesmal habe ich ihn get�tet.�</p><p>Moiraine legte das zerst�rte Schwert zur Seite wie ein nutzloses Ding, was ja nun auch stimmte. Sie wischte sich die H�nde ab. �Den Dunklen K�nig t�tet man nicht so leicht. Die blo�e Tatsache, da� er am Himmel �ber Falme erschien, ist schon mehr als beunruhigend. Er sollte das eigentlich nicht fertigbringen, wenn er noch so sicher gefangen ist, wie wir glaubten. Und wenn nicht, warum hat er uns dann nicht alle vernichtet?� Min rutschte nerv�s umher.</p><p>�Am Himmel?� fragte Rand erstaunt.</p><p>�Ihr beide�, sagte Moiraine. �Euer Kampf hat am Himmel stattgefunden, und jede Menschenseele in Falme konnte zusehen. Vielleicht sogar auf der ganzen TomanHalbinsel, wenn man dem Glauben schenkt, was ich geh�rt habe.�</p><p>�Wir � wir haben alle zugesehen�, sagte Min mit leiser Stimme. Sie legte beruhigend eine Hand auf Rands Hand.</p><p>Moiraine fa�te erneut unter ihren Umhang und zog ein zusammengerolltes Dokument hervor, einen der gro�en Bogen, wie sie die Stra�enmaler in Falme verwendeten. Die Kreiden waren ein wenig verwischt, aber das Bild war klar und deutlich genug. Ein Mann mit einem Flammengesicht k�mpfte mit einem Stab gegen einen Mann mit einem Schwert. Sie k�mpften zwischen blitzerhellten Wolken, und hinter dem Mann mit dem Schwert flatterte das Drachenbanner. Rands Gesicht war gut zu erkennen.</p><p>�Wer hat das alles gesehen?� wollte er wissen. �Zerrei�t es! Verbrennt es!�</p><p>Die Aes Sedai rollte den Bogen wieder zusammen. �Das h�lfe auch nicht, Rand. Ich habe es vor zwei Tagen gekauft in einem Dorf, durch das wir kamen. Es gibt Hunderte davon, vielleicht Tausende, und �berall wird die Geschichte vom Kampf des Drachen gegen den Dunklen K�nig am Himmel �ber Falme erz�hlt.�</p><p>Rand sah Min an. Sie nickte z�gernd und dr�ckte seine Hand. Sie wirkte ver�ngstigt, zuckte aber nicht zur�ck. <emphasis>Ich frage mich, ob Egwene deshalb wegging. Sie hatte recht damit, mich zu verlassen.</emphasis> �Das Muster verfestigt sich noch mehr um Euch�, sagte Moiraine. �Ihr braucht mich jetzt mehr denn je.�</p><p>�Ich brauche Euch nicht�, sagte er grob, �und ich will Euch nicht bei mir haben. Ich will mit alledem nichts zu tun haben.� Er erinnerte sich daran, da� man ihn Lews Therin genannt hatte; nicht nur Ba'alzamon, sondern auch Artur Falkenfl�gel hatte das getan. �Ich will das nicht. Licht, man glaubt, da� der Drache die Welt erneut zerst�ren wird, alles vernichten. Ich werde nicht zu diesem Drachen!�</p><p>�Ihr seid, der Ihr seid�, sagte Moiraine. �Ihr bringt bereits Unruhe in die Welt. Die Schwarze Ajah hat sich zum erstenmal seit zweitausend Jahren wieder gezeigt. Arad Doman und Tarabon befanden sich am Rande eines Krieges, und wenn die Neuigkeiten aus Falme sie erreichen, wird es noch kritischer. In Cairhien herrscht B�rgerkrieg.�</p><p>�Ich habe doch in Cairhien nichts angestellt!� protestierte er. �Das k�nnt Ihr mir nicht auch noch zuschieben.�</p><p>�Nichts anzustellen, war schon immer ein Zug im Gro�en Spiel�, sagte sie seufzend, �und vor allem so, wie sie es jetzt spielen. Ihr wart der z�ndende Funke, und Cairhien ist wie ein Feuerwerksk�rper explodiert. Was, glaubt Ihr, wird geschehen, wenn die Neuigkeiten aus Falme sich in Arad Doman und Tarabon herumsprechen? Dort hat es schon immer M�nner gegeben, die bereit waren, sich dem Drachen anzuschlie�en, jedem, der sich als Drache bezeichnete, und nie zuvor hat es solch gewaltige Zeichen am Himmel gegeben. Aber es gibt noch mehr Neues. Hier.� Sie warf ihm einen Beutel auf die Brust.</p><p>Er z�gerte und �ffnete ihn dann. Er enthielt Scherben von etwas, das wie schwarz und wei� glasierte Keramik aussah. Er hatte so etwas schon einmal gesehen. �Ein weiteres Siegel vom Gef�ngnis des Dunklen K�nigs�, brachte er leise hervor. Min schnappte nach Luft. Ihre Hand suchte nun Hilfe in seiner und nicht mehr umgekehrt. �Zwei�, sagte Moiraine �Drei der sieben sind nun gebrochen. Das eine, das ich schon hatte, und zwei, die ich im Haus des Hochlords in Falme fand. Wenn alle sieben Siegel gebrochen sind, vielleicht auch schon vorher wird der Verschlu� zerbrechen, mit dem die Menschen jene �ffnung verschlossen, die in das vom Sch�pfer geschaffene Gef�ngnis gebohrt worden war. Dann kann der Dunkle K�nig wieder die Hand durch die �ffnung stecken und die Welt ber�hren. Und die einzige Hoffnung der Welt liegt darin, da� in diesem Augenblick der Wiedergeborene Drache da ist und ihm gegen�bertritt.�</p><p>Min versuchte Rand davon abzuhalten, seine Decken zur�ckzuschlagen, doch er schob ihre H�nde sanft beiseite. �Ich mu� jetzt laufen.� Sie half ihm auf, seufzte und klagte jedoch dabei, da� er sich selbst keinen Gefallen damit tue und seine Wunde sicherlich noch schlimmer werde. Er sah nun, da� sein Brustkorb ganz in Bandagen steckte. Min legte ihm eine der Decken wie einen Umhang um die Schultern.</p><p>Einen Augenblick lang stand er �ber das Reiherschwert gebeugt da. Es lag verst�mmelt auf dem Boden. <emphasis>Tams Schwert. Das Schwert meines Vaters.</emphasis> Z�gernd, noch widerwilliger, als er jemals etwas getan oder gedacht hatte, lie� er die Hoffnung fahren, da� Tam wirklich sein echter Vater gewesen war. Es war ein Gef�hl, als risse er sich das Herz aus dem K�rper. Aber das �nderte nichts an seinen Gef�hlen f�r Tam, und Emondsfeld war die einzige Heimat, die er je kennengelernt hatte. <emphasis>Fain ist das Wichtigste. Ich habe da noch eine Pflicht zu erf�llen. Ihn mu� ich aufhalten.</emphasis> Die beiden Frauen mu�ten ihn st�tzen, jede an einem Arm, damit er hinuntergelangte, wo schon die Lagerfeuer brannten, unweit von einer einfachen Landstra�e. Loial sa� da und las in einem Buch: <emphasis>Jenseits des Sonnenuntergangs.</emphasis> Perrin sa� ein St�ck entfernt und blickte in die Flammen. Die Schienarer bereiteten ihr Abendbrot vor. Lan sa� unter einem Baum und schliff sein Schwert. Der Beh�ter musterte Rand besorgt und nickte ihm zu.</p><p>Noch etwas fiel ihm auf. In der Mitte des Lagers flatterte die Flagge des Drachen im Wind. Irgendwo hatten sie einen richtigen Flaggenstock gefunden, um Perrins Stab zu ersetzen.</p><p>Rand wollte wissen: �Was tun die hier drau�en, wo jeder, der vorbeikommt sie sehen kann?�</p><p>�Es ist zu sp�t, sich zu verstecken, Rand�, sagte Moiraine. �Es war schon immer zu sp�t f�r Euch.�</p><p>�Ich mu� trotzdem nicht gerade ein Schild aufstellen, das allen sagt: Ich bin hier. Ich werde Fain niemals finden, falls mich jemand dieser Flagge wegen umbringt.� Er wandte sich Loial und Perrin zu. �Ich bin froh, da� ihr geblieben seid. Ich h�tte aber auch Verst�ndnis gehabt, wenn ihr gegangen w�rt.�</p><p>�Warum sollte ich nicht bleiben?� fragte Loial. �Klar, du bist noch mehr <emphasis>ta'veren</emphasis> als ich glaubte, aber du bist auch mein Freund. Ich hoffe, da� du noch mein Freund bist.� Seine Ohren zuckten nerv�s.</p><p>�Das bin ich�, sagte Rand. �Solange es f�r dich ungef�hrlich ist, dich in meiner N�he aufzuhalten, und sogar noch danach.� Der Ogier grinste breit.</p><p>�Ich werde auch bleiben�, sagte Perrin. In seiner Stimme lag ein Unterton von Schicksalsergebenheit. �Das Rad webt uns fest in sein Muster hinein, Rand. Wer h�tte damals in Emondsfeld daran geglaubt?�</p><p>Die Schienarer versammelten sich um sie. Zu Rands �berraschung fielen sie auf die Knie nieder. Alle sahen ihn an.</p><p>�Wir wollen Euch Treue schw�ren�, sagte Uno. Die anderen, die neben ihm knieten, nickten dazu.</p><p>�Euer Treueeid gilt Ingtar und Lord Agelmar�, protestierte Rand. �Ingtar ist einen tapferen Tod gestorben, Uno. Er starb, damit wir anderen mit dem Horn entkommen konnten.� Er mu�te es ihnen nicht mehr erz�hlen � jeder wu�te, was danach geschehen war. Er hoffte, da� Ingtar wieder zum Licht gefunden hatte �Berichtet das Lord Agelmar, wenn ihr nach Fal Dara zur�ckkehrt.�</p><p>�Man behauptet�, sagte der Ein�ugige vorsichtig, �wenn der Drache wiedergeboren ist, dann zerschmettert er alle Eide und alle Bindungen. Nichts kann uns jetzt mehr halten. Wir wollen Euch Treue schw�ren.� Er zog sein Schwert und legte es mit dem Griff auf Rand zu vor ihn hin. Die anderen Schienarer taten es ihm nach.</p><p>�Ihr habt mit dem Dunklen K�nig gek�mpft�, sagte Masema. Masema, der ihn ha�te. Masema sah ihn jetzt an, als habe er das pure Licht vor sich. �Ich sah Euch, Lord Drache. Ich sah Euch. Ich bin Euer Mann bis zum Tod.� Seine dunklen Augen leuchteten vor Begeisterung.</p><p>�Ihr m��t w�hlen, Rand�, sagte Moiraine. �Die Welt wird zerst�rt, ob Ihr es nun verursacht oder nicht. Tarmon Gai'don wird kommen, und das allein wird die Welt zerrei�en. Werdet Ihr weiter versuchen, Euch vor Eurem Schicksal zu verbergen und es der Welt �berlassen, ohne Besch�tzer in die Letzte Schlacht zu gehen? W�hlt!�</p><p>Alle beobachteten ihn und warteten. <emphasis>Der Tod ist leichter als eine Feder, die Pflicht schwerer als ein Berg.</emphasis> Er traf seine Entscheidung.</p></section><section><title><p>50</p><p>Danach</p></title><p>Schiffe und Pferde, Planwagen und Wanderer trugen die Geschichte in die Welt hinaus. Sie wurde erz�hlt und wiedererz�hlt und ver�ndert, doch im Herzen blieb sie gleich. In Arad Doman und Tarabon und �berall erz�hlte man sich von den gewaltigen Vorzeichen am Himmel �ber Falme. Und M�nner erkl�rten sich f�r den Drachen und wurden von anderen M�nnern deshalb niedergestreckt, bis auch diese wieder niedergestreckt wurden.</p><p>Andere Ger�chte verbreiteten sich. Man sprach von einer Kolonne, die aus der untergehenden Sonne heraus �ber die Ebene von Almoth ritt. Hundert M�nner aus den Grenzlanden, sagte man. Nein, tausend. Nein, tausend Helden, die von jenseits des Grabes wiedergekehrt waren, um dem Ruf des Horns von Valere Folge zu leisten. Zehntausend. Sie hatten eine ganze Legion der Kinder des Lichts vernichtet. Sie hatten das zur�ckgekehrte Heer Artur Falkenfl�gels besiegt und �ber das Meer heimgeschickt. Sie waren das Heer Artur Falkenfl�gels, das endlich heimgekehrt war. Sie ritten auf die Berge zu und den Sonnenaufgang.</p><p>Und doch gab es eines, was all diese Ger�chte und Erz�hlungen gemeinsam hatten: An ihrer Spitze ritt ein Mann, dessen Gesicht man am Himmel �ber Falme gesehen hatte, und sie ritten unter dem Banner des Wiedergeborenen Drachen.</p><empty-line/><cite><p>Und die Menschen beteten zum Sch�pfer und sagten: O Licht des Himmels, Licht der Welt, la� den Verk�ndeten am Berge geboren werden, so, wie es prophezeit wurde, so wie es in vergangenen Zeitaltern geschah und in k�nftigen Zeitaltern geschehen wird. La� den Prinz des Morgens zum Land singen, so da� wieder Gr�nes w�chst und die T�ler wieder L�mmer hervorbringen. La� den Arm des Herren des Sonnenaufgangs zu unserem Schutz werden und uns vor der Dunkelheit verbergen und uns mit dem gro�en Schwert der Gerechtigkeit verteidigen. La� den Drachen wieder auf dem Wind der Zeit reiten.</p><text-author>(aus <emphasis>Charal Drianaan te Calamon,</emphasis> dem <emphasis>Zyklus des Drachen.</emphasis></text-author><text-author>Autor unbekannt, Viertes Zeitalter)</text-author></cite></section><section><title><p>GLOSSAR</p></title><p><emphasis><strong>Vorbemerkung zur Datierung.</strong> Der Tomanische Kalender</emphasis> (von Toma dur Ahmid entworfen) wurde ungef�hr zwei Jahrhunderte nach dem Tod des letzten m�nnlichen Aes Sedai eingef�hrt. Er z�hlte die Jahre <emphasis>Nach der Zerst�rung der Welt</emphasis> (NZ). W�hrend der Trolloc-Kriege wurden viele Aufzeichnungen zerst�rt, so da� man sich nach dem Ende dieser Kriege nicht mehr sicher war, in welchem Jahr der alten Zeitrechnung der neue Kalender einsetzte. Tiam von Gazar schlug die Einf�hrung eines neuen Kalenders vor, der die damals angenommene Befreiung von der Bedrohung durch die Trollocs feierte und jedes Jahr als ein <emphasis>Freies Jahr</emphasis> (FJ) z�hlte. Innerhalb der zwanzig auf das Kriegsende folgenden Jahre fand der <emphasis>Gazarenische Kalender</emphasis> weitgehende Anerkennung. Artur Falkenfl�gel bem�hte sich, einen neuen Kalender durchzusetzen, der auf seiner Reichsgr�ndung basierte (VG, <emphasis>Von der Gr�ndung an),</emphasis> aber dieser Versuch ist heute nur noch den Historikern bekannt. Nach weitreichender Zerst�rung, Tod und Aufruhr w�hrend des Hundertj�hrigen Kriegs wurde ein vierter Kalender von Uren din Jubai Fliegende M�we entworfen, einem Gelehrten der Meerleute, und von dem Panarch Farede von Tarabon weiterverbreitet. Der <emphasis>Farede-Kalender,</emphasis> der von dem willk�rlich angenommenen Ende des Hundertj�hrigen Kriegs an rechnet und die Jahre seither als <emphasis>Neue �ra</emphasis> (N�) f�hrt, ist momentan in Gebrauch.</p><empty-line/><p><strong>A'dam</strong> (Eidam): eine Vorrichtung � sie besteht aus einem Halsring und einem Armreif, die durch eine silberfarbene Metallkette verbunden sind �, die ben�tzt werden kann, um gegen ihren Willen jede Frau zu kontrollieren, die die Eine Macht lenken kann. Der Halsring wird von der <emphasis>Damane</emphasis> getragen, der Armreif von der <emphasis>Sul'dam (siehe auch:</emphasis> Damane, Sul'dam).</p><p><strong>Aes Sedai</strong> (Aies Sehdai): Tr�ger der Einen Macht. Seit der Zeit des Wahnsinns sind alle �berlebenden Aes Sedai Frauen. Man mi�traut ihnen und f�rchtet, ja, man ha�t sie. Viele geben ihnen die Schuld an der Zerst�rung der Welt, und allgemein glaubt man, sie mischten sich in die Angelegenheiten ganzer Staaten ein. Gleichzeitig aber findet man nur wenige Herrscher ohne Aes Sedai-Berater, selbst in L�ndern, wo schon die Existenz einer solchen Verbindung geheimgehalten werden mu�. Als Anrede wird ben�tzt: Sheriam Sedai; und als Ehrentitel: Sheriam Aes Sedai <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Ajah; Amyrlin).</p><p><strong>Agelmar; Lord Agelmar</strong> (Eigelmar) aus dem Hause Jagad: Herr von Fal Dara. Im Wappen f�hrt er drei rennende Rotf�chse.</p><p><strong>Aiel</strong> (Aiiehl): die Bewohner der Aiel-W�ste, gelten als wild und z�h. Man nennt sie auch Aielm�nner. Vor dem T�ten verschleiern sie ihre Gesichter. Das f�hrte zu der Redensart: �Er benimmt sich wie ein Aiel mit schwarzem Schleier�, um einen gewaltt�tigen Menschen zu beschreiben. Sie nehmen kein Schwert in die Hand, sind aber t�dliche Krieger, ob mit Waffen oder nur mit blo�en H�nden. W�hrend sie in die Schlacht ziehen, spielen ihre Spielleute Tanzmelodien auf. Die Aielm�nner ben�tzen f�r die Schlacht das Wort �der Tanz�.</p><p><strong>Aiel-Kriegergemeinschaften:</strong> Alle Aiel-Krieger sind Mitglieder einer der Kriegergemeinschaften. Es gibt z. B. die Steinsoldaten, die Roten Schilde oder die T�chter des Speers. Jede Gemeinschaft hat eigene Gebr�uche und manchmal auch ganz bestimmte Pflichten. Zum Beispiel fungieren die Roten Schilde als Polizei. Steinsoldaten schw�ren oftmals, sich nicht zur�ckzuziehen, wenn einmal eine Schlacht begonnen hat. Um diesen Eid zu erf�llen, sterben sie, wenn n�tig, bis auf den letzten Mann. Die Clans der Aiel bek�mpfen sich auch gelegentlich untereinander, aber Mitglieder der gleichen Gemeinschaft k�mpfen nicht gegeneinander, selbst wenn ihre Clans im Krieg miteinander liegen. So gibt es jederzeit, sogar w�hrend einer offenen kriegerischen Auseinandersetzung, Kontakt zwischen den Clans <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel-W�ste, <emphasis>Far Dareis Mai).</emphasis></p><p><strong>Aiel-W�ste:</strong> das rauhe, zerrissene und fast wasserlose Gebiet �stlich des R�ckgrats der Welt. Nur wenige Au�enseiter wagen sich dorthin, weil es f�r jemanden, der nicht dort geboren wurde, fast unm�glich ist, Wasser zu finden, und weil die Aiel sich im st�ndigen Kriegszustand mit allen anderen V�lkern befinden und keine Fremden m�gen.</p><p><strong>Ajah:</strong> Gesellschaftsgruppen unter den Aes Sedai. Jede Aes Sedai geh�rt einer solchen Gruppe an. Sie unterscheiden sich durch ihre Farben: Blaue Ajah, Rote Ajah, Wei�e Ajah, Gr�ne Ajah, Braune Ajah, Gelbe Ajah und Graue Ajah. Jede Gruppe folgt ihrer eigenen Auslegung in bezug auf die Anwendung der Einen Macht und die Existenz der Aes Sedai. Zum Beispiel setzen die Roten Ajah ihre ganze Kraft dazu ein, M�nner zu finden und zu beeinflussen, die versuchen, die Macht auszu�ben. Eine Braune Ajah andererseits leugnet alle Verbindungen zur Au�enwelt und verschreibt sich ganz der Suche nach Wissen. Es gibt Ger�chte (heftig verneint und niemals vor einer Aes Sedai zu erw�hnen) �ber eine Schwarze Ajah, die dem Dunklen K�nig dient.</p><p><strong>Alanna Mosvani:</strong> eine Aes Sedai der Gr�nen Ajah.</p><p><strong>Alantin:</strong> in der Alten Sprache �Bruder�, Kurzform f�r <emphasis>tia avende alantin,</emphasis> �Bruder der B�ume�; �Baumbruder�.</p><p><strong>Alar:</strong> der �lteste der �ltesten des Stedding Tsofu.</p><p><strong>Aldieb:</strong> in der Alten Sprache �Westwind�, der Wind, der den Fr�hlingsregen bringt.</p><p><strong>al'Meara, Nynaeve</strong> (Almehra, Nainiev): eine Frau aus Emondsfeld im Distrikt der Zwei Fl�sse in Andor.</p><p><strong>al'Thor, Rand:</strong> ein junger Mann aus Emondsfeld, der einst Sch�fer war.</p><p><strong>al'Vere, Egwene</strong> (Alwier, Egwain): eine junge Frau aus Emondsfeld.</p><p><strong>Amalisa, Lady</strong>: eine Schienarerin aus dem Hause Jagad; Lord Agelmars Schwester.</p><p><strong>Amyrlin, die:</strong> (1.) Titel der Anf�hrerin der Aes Sedai. Auf Lebenszeit vom Turmrat gew�hlt, dem h�chsten Gremium der Aes Sedai; dieser besteht aus je drei Abgeordneten der sieben Ajahs. Die Amyrlin hat, jedenfalls theoretisch, unter den Aes Sedai beinahe uneingeschr�nkte Macht. Sie hat in etwa den Rang einer K�nigin.</p><p>(2.) Thron der Anf�hrerin der Aes Sedai.</p><p><strong>Anaiya:</strong> eine Aes Sedai der Blauen Ajah.</p><p><strong>Angreal:</strong> ein sehr seltenes Objekt. Es erlaubt einer Person, die die Eine Macht lenken kann, einen st�rkeren Energieflu� zu meistern, als das sonst ohne Hilfe und ohne Lebensgefahr m�glich ist. Relikt des Zeitalters der Legenden. Es ist heute nicht mehr bekannt, wie die Gegenst�nde angefertigt wurden. Es existieren nur noch sehr wenige <emphasis>(siehe auch: Sa'Angreal, Ter'Angreal).</emphasis></p><p><strong>Arad Doman:</strong> eine Nation am Aryth-Meer.</p><p><strong>Arafel</strong>: eines der Grenzlande. Im Wappen f�hrt Arafel drei wei�e Rosen auf rotem Feld und diagonal gegen�ber drei rote Rosen auf wei�em Feld.</p><p><strong>Avendesora:</strong> in der alten Sprache der Baum des Lebens; wird in vielen Geschichten und Legenden erw�hnt.</p><p><strong>Aybara, Perrin:</strong> ein junger Mann aus Emondsfeld, der fr�her Gehilfe eines Hufschmieds war.</p><empty-line/><p><strong>Ba'alzamon:</strong> in der Trolloc-Sprache �Herz der Dunkelheit�. Es wird angenommen, dies sei der Trolloc-Name f�r den Dunklen K�nig <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Dunkler K�nig; Trollocs).</p><p><strong>Barthanes, Lord, aus dem Hause Damodred:</strong> Lord aus Cairhien, der an Einflu� gleich nach dem K�nig kommt. Sein pers�nliches Wappen ist der Angreifende Keiler. Das Wappen des Hauses Damodred sind Krone und Baum.</p><p><strong>Baum:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Avendesora.</p><p><strong>Baumlied:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Baums�nger.</p><p><strong>Baumm�rder:</strong> Aiel-Bezeichnung f�r Bewohner Cairhiens, die immer im Tonfall der Entr�stung und des Schreckens verwendet wird.</p><p><strong>Baums�nger:</strong> ein Ogier, der die F�higkeit besitzt, zu den B�umen zu singen (�Baumlied� genannt) und sie damit heilt oder ihnen hilft, zu wachsen und zu bl�hen, oder der Gegenst�nde aus ihrem Holz anzufertigen hilft, durch die der Baum nicht besch�digt wird. Auf diese Art hergestellte Objekte werden als �besungenes Holz� bezeichnet und sind sehr gesucht. Es existieren nicht mehr viele Ogier, die Baums�nger sind; das Talent scheint auszusterben.</p><p><strong>Beh�ter:</strong> ein Krieger, der einer Aes Sedai zugeschworen ist. Das geschieht mit Hilfe der Einen Macht und er gewinnt dadurch F�higkeiten wie schnelles Heilen von Wunden, er kann lange Zeitr�ume ohne Wasser, Nahrung und Schlaf auskommen und den Einflu� des Dunklen K�nigs auf gr��ere Entfernung sp�ren. Solange er am Leben ist, wei� die mit ihm verbundene Aes Sedai, da� er lebt, auch wenn er noch so weit entfernt ist, und sollte er sterben, dann wei� sie den genauen Zeitpunkt und auch den Grund seines Todes. Allerdings wei� sie nicht, wie weit von ihr entfernt er sich befindet oder in welcher Richtung. Die meisten Ajahs gestatten einer Aes Sedai den Bund mit nur einem Beh�ter. Die Roten Ajah allerdings lehnen die Beh�ter f�r sich selbst ganz ab, w�hrend die Gr�nen Ajah eine Verbindung mit so vielen Beh�tern gestatten, wie die Aes Sedai es w�nscht. An sich mu� der Beh�ter der Verbindung freiwillig zur Verf�gung stehen, es gab jedoch auch F�lle, in denen der Krieger dazu gezwungen wurde. Welche Vorteile die Aes Sedai aus der Verbindung ziehen, wird von ihnen als streng beh�tetes Geheimnis behandelt. <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aes Sedai).</p><p><strong>Bel Tine</strong> (Behltein): Fr�hlingsfest im Gebiet der Zwei Fl�sse, bei dem das Ende des Winters, die erste aufgehende Saat und die Geburt der ersten L�mmer gefeiert werden.</p><p><strong>besungenes Holz:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Baums�nger.</p><p><strong>Birgitte:</strong> die goldhaarige Heldin der Legende und Hunderter von Erz�hlungen der Gaukler. Sie tr�gt einen Silberbogen und silberne Pfeile, mit denen sie ihr Ziel nie verfehlte.</p><p><strong>Bittern:</strong> ein Musikinstrument mit wahlweise sechs neun oder zw�lf Saiten. Es wird auf die Knie gelegt und gezupft oder mit einem Plektrum angeschlagen.</p><p><strong>blocken:</strong> der Akt � durchgef�hrt von einer Aes Sedai �in dem eine Frau, die sie lenken kann, von der Einen Macht abgenabelt wird. Eine Frau, die geblockt wurde, kann die Wahre Quelle noch f�hlen, sie aber nicht mehr ber�hren.</p><p><strong>Bornhald, Geofram:</strong> ein Oberkommandierender Hauptmann der Kinder des Lichts.</p><p><strong>Byar, Jaret:</strong> ein Offizier der Kinder des Lichts.</p><empty-line/><p><strong>Caemlyn:</strong> die Hauptstadt von Andor.</p><p><strong>Cairhien:</strong> sowohl eine Nation am R�ckgrat der Welt wie auch die Hauptstadt dieser Nation. Die Stadt wurde im Aielkrieg (976-978 N�) niedergebrannt und gepl�ndert. Im Wappen f�hrt Cairhien eine goldene Sonne mit vielen Strahlen, die sich vom unteren Rand eines himmelblauen Feldes erhebt.</p><p><strong>Carallain:</strong> eine der Nationen, die nach dem Hundertj�hrigen Krieg aus dem Imperium Artur Falkenfl�gels hervorgingen. Sie verfiel danach und ihre letzten Spuren verloren sich etwa gegen 500 N�.</p><p><strong>Cauthon, Matrim</strong> (Mat): ein junger Mann von den Zwei Fl�ssen.</p><p><strong>Chronik, Beh�ter der:</strong> Unter den Aes Sedai ist dies die Stellvertreterin der Amyrlin. Sie fungiert auch als deren Sekret�rin. Sie wird von der Vollversammlung auf Lebenszeit gew�hlt und kommt gew�hnlich aus der gleichen Ajah wie die Amyrlin <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Amyrlin; Ajah).</p><p><strong>Corenne:</strong> in der Alten Sprache: �Wiederkehr� oder �die Wiederkehr�.</p><p><strong>Cuendillar:</strong> auch als Herzstein bekannt <emphasis>(siehe</emphasis> Herzstein).</p><empty-line/><p><strong>d�mpfen, D�mpfung:</strong> Wenn ein Mann die Anlage zeigt, die Eine Macht zu beherrschen, m�ssen die Aes Sedai seine Kr�fte �d�mpfen�, also vollst�ndig unterdr�cken, da er sonst wahnsinnig wird, vom Verderben der <emphasis>Saidin</emphasis> getroffen und m�glicherweise schreckliches Unheil mit seinen Kr�ften anrichten wird. Ein Mann, der eine D�mpfung erfuhr, kann die Eine Macht immer noch sp�ren, sie aber nicht mehr ben�tzen. Wenn vor der D�mpfung der beginnende Wahnsinn eingesetzt hat, kann er durch den Akt der D�mpfung aufgehalten, jedoch nicht geheilt werden. Hat die D�mpfung fr�h genug stattgefunden, kann das Leben des Mannes gerettet werden.</p><p><strong>Daes Dae'mar:</strong> das Gro�e Spiel, auch bekannt als das Spiel der H�user. Dieser Name wurde den Pl�nen, Intrigen und Machenschaften der gro�en Adelsh�user untereinander verliehen. Man legt gro�en Wert darauf, verdeckt zu arbeiten, auf ein Ziel hinzuarbeiten, w�hrend man ein ganz anderes vort�uscht, um ein Ziel mit geringstm�glicher Anstrengung zu erreichen.</p><p><strong>Dai Shan</strong> (Dai Schan): Titel in den Grenzlanden. Er bedeutet: mit dem Diadem ausgezeichneter Schlachtenlord <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Grenzlande).</p><p><strong>Damane:</strong> in der Alten Sprache: die Gefesselten. Frauen, die die Eine Macht lenken k�nnen, werden mit Hilfe des <emphasis>A'dam</emphasis> unter Kontrolle gehalten und von den Seanchanern zu verschiedenen Zwecken benutzt, vor allem als Wunderwaffen im Krieg <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Seanchan; <emphasis>A'dam; Sul'dam).</emphasis></p><p><strong>Damodred, Lord Galadedrid:</strong> der einzige Sohn von Taringail Damodred und Tigraine; Halbbruder von Elayne und Gawyn. Im Wappen f�hrt er ein gefl�geltes silbernes Schwert, das nach unten zeigt.</p><p><strong>Do Miere A'vron:</strong><emphasis>siehe</emphasis> W�chter der Wogen.</p><p><strong>Domon, Bayle</strong> (Beil): Kapit�n der <emphasis>Gischt,</emphasis> der alte Dinge sammelt.</p><p><strong>Drache:</strong> Ehrenbezeichnung f�r Lews Therin Telamon w�hrend des Schattenkriegs. Als der Wahnsinn alle m�nnlichen Aes Sedai befiel, t�tete Lews Therin alle, die etwas von seinem Blut in sich trugen, und jeden, den er liebte. So bezeichnete man ihn anschlie�end als Bruderm�rder <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Wiedergeborener Drache, Prophezeiungen des Drachen).</p><p><strong>Drache, falscher:</strong> Manchmal behaupten M�nner, der Wiedergeborene Drache zu sein, und manch einer davon gewinnt so viele Anh�nger, da� eine Streitmacht n�tig ist, um ihn zu besiegen. Einige davon haben schon Kriege begonnen, in die viele Nationen verwickelt wurden. In den letzten Jahrhunderten waren die meisten falschen Drachen nicht in der Lage, die Eine Macht richtig anzuwenden, aber es gab doch ein paar, die es beherrschten. Alle jedoch verschwanden entweder, wurden gefangen oder get�tet, ohne eine der Prophezeiungen erf�llen zu k�nnen, die sich um die Wiedergeburt des Drachen ranken. Diese M�nner nennt man falsche Drachen. Unter jenen, die die Eine Macht lenken konnten, waren Raolin Dunkelbann (335-36 NZ), Yurian Steinbogen (ca. 1300-1308 NZ), Davian (FJ 351), Guaire Amalasan (FJ 939-43) und Logain (997 N�) <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Wiedergeborener Drache).</p><p><strong>Drachen, Prophezeiungen des:</strong> ein im <emphasis>Karaethon-Zyklus</emphasis> enthaltener, wenig bekannter und selten erw�hnter Text, der voraussagt, da� der Dunkle K�nig wieder befreit wird und die Welt ber�hrt. Lews Therin Telamon, der Drache, Zerst�rer der Welt, wird wiedergeboren, um Tarmon Gai'don, die Letzte Schlacht, gegen den Schatten zu schlagen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache).</p><p><strong>Drachenzahn:</strong> ein stilisiertes Zeichen, meist schwarz, in Form einer auf der Spitze stehenden Tr�ne. Wenn es auf eine T�r oder ein Haus gezeichnet wird, gilt dies als Anschuldigung, die Bewohner dienten dem B�sen, oder als Versuch, die Aufmerksamkeit des Dunklen K�nigs auf den Betreffenden zu lenken und ihm damit zu schaden.</p><p><strong>Draghkar:</strong> ein Gesch�pf des Dunklen K�nigs, das urspr�nglich aus Menschen gez�chtet wurde. Ein Draghkar sieht aus wie ein hochgewachsener Mann mit Fledermausfl�geln, dessen Haut zu bla� und dessen Augen zu gro� wirken. Der Gesang des Draghkars lockt seine Opfer an und unterdr�ckt deren Eigenwillen. Es gibt eine Redensart: �Der Ku� des Draghkars bedeutet den Tod.� Er bei�t nicht, doch mit seinem Ku� verschlingt er zuerst die Seele seines Opfers und dann dessen Lebenskraft.</p><p><strong>Dunkler K�nig:</strong> gebr�uchlichste Bezeichnung, in allen L�ndern verwendet, f�r Shai'tan, die Quelle des B�sen. Antithese des Sch�pfers. Im Augenblick der Sch�pfung wurde er vom Sch�pfer in ein Verlies am Shayol Ghul gesperrt. Ein Versuch, ihn aus diesem Kerker zu befreien, f�hrte zum Schattenkrieg, dem Verderben der <emphasis>Saidin,</emphasis> der Zerst�rung der Welt und dem Ende des Zeitalters der Legenden.</p><p><strong>Dunklen K�nig nennen, den:</strong> Wenn man den wirklichen Namen des Dunklen K�nigs erw�hnt (Shai'tan), zieht man seine Aufmerksamkeit auf sich, was unweigerlich dazu f�hrt, da� man Pech hat oder schlimmstenfalls eine Katastrophe erlebt. Aus diesem Grund werden viele Euphemismen verwendet, wie z. B. der Dunkle K�nig, der Vater der L�gen, der Sichtblender, der Herr der Gr�ber, der Sch�fer der Nacht, Herzensbann, Herzfang, Grasbrenner und Blattverderber. Jemand, der das Pech anzuziehen scheint, �nennt den Dunklen K�nig�.</p><empty-line/><p><strong>Eine Macht, die:</strong> die Kraft aus der Wahren Quelle. Die gro�e Mehrheit der Menschen ist v�llig unf�hig, die Eine Macht anzuwenden. Eine sehr geringe Anzahl von Menschen kann die Anwendung erlernen, und ganz wenige besitzen diese F�higkeit von Geburt an. Diese wenigen m�ssen ihren Gebrauch nicht lernen, denn sie werden die Wahre Quelle ber�hren und die Eine Macht ben�tzen, ob sie wollen oder nicht, vielleicht sogar ohne zu bemerken, was sie tun. Diese angeborene F�higkeit taucht meist erstmals w�hrend der Pubert�t auf. Wenn man dann nicht die richtige Beherrschung erlernt � durch Lehrer oder auch ganz allein (extrem schwierig, die Erfolgsquote liegt bei eins zu vier) �, ist der Tod die sichere Folge. Seit der Zeit des Wahns hat kein Mann es gelernt, die Eine Macht kontrolliert anzuwenden, ohne dabei auf die Dauer auf schreckliche Art dem Wahnsinn zu verfallen. Selbst wenn er in gewissem Ma� die Kontrolle erlangt hat, stirbt er an einer Verfallskrankheit, bei der er lebendigen Leibs verfault. Auch diese Krankheit wird, genau wie der Wahnsinn, von dem Verderben hervorgerufen, das der Dunkle K�nig �ber die <emphasis>Saidin</emphasis> brachte. Bei Frauen ist der Tod mangels Kontrolle der Einen Macht etwas ertr�glicher, aber sterben m�ssen auch sie. Die Aes Sedai suchen nach M�dchen mit diesen angeborenen F�higkeiten, zum einen, um ihr Leben zu retten und zum anderen, um die Anzahl der Aes Sedai zu vergr��ern. Sie suchen nach M�nnern mit dieser F�higkeit, um zu verhindern, da� sie Schreckliches damit anrichten, wenn sie dem Wahn verfallen. <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Zeit des Wahns; die Wahre Quelle).</p><p><strong>Elaida:</strong> eine Aes Sedai-Ratgeberin der K�nigin Morgase von Andor.</p><p><strong>Elayne:</strong> K�nigin Morgases Tochter, die Tochter-Erbin des Throns von Andor. Sie f�hrt im Wappen eine goldene Lilie.</p><p><strong>Erster Prinz des Schwertes:</strong> Titel � normalerweise �des �ltesten Bruders der K�nigin von Andor, der seit seiner Kindheit darauf vorbereitet wurde, im Krieg die Armee der K�nigin zu kommandieren und im Frieden als ihr Ratgeber zu dienen. Falls die K�nigin keinen �berlebenden Bruder hat, bestimmt sie jemanden f�r diesen Rang.</p><empty-line/><p><strong>F�ule:</strong><emphasis>siehe:</emphasis> Gro�e F�ule.</p><p><strong>Fain, Padan:</strong> ein Mann, der in der Festung von Fal Dara als Schattenfreund gefangengehalten wird.</p><p><strong>Falkenfl�gel, Artur:</strong> ein legend�rer K�nig, der alle L�nder westlich des R�ckgrats der Welt und einige von jenseits der Aiel-W�ste einte. Er sandte sogar eine Armee �ber das Aryth-Meer, doch verlor man bei seinem Tod, der den Hundertj�hrigen Krieg ausl�ste, jeden Kontakt mit diesen Soldaten. Er f�hrte einen fliegenden goldenen Falken im Wappen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hundertj�hriger Krieg).</p><p><strong>Far Dareis Mai:</strong> w�rtlich �T�chter des Speers�; eine von mehreren Kriegergemeinschaften der Aiel. Anders als bei den �brigen werden ausschlie�lich Frauen aufgenommen. Sollte sie heiraten, darf sie nicht Mitglied bleiben. W�hrend einer Schwangerschaft darf ein Mitglied nicht k�mpfen. Jedes Kind eines Mitglieds wird von einer anderen Frau aufgezogen, so da� niemand wei�, wer die wirkliche Mutter war. (�Du darfst keinem Manne angeh�ren, und kein Mann oder Kind darf dir angeh�ren. Der Speer ist dein Liebhaber, dein Kind und dein Leben.�) Diese Kinder sind hochangesehen, denn es wurde prophezeit, da� ein Kind einer Tochter des Speers die Clans vereinen und zu der Bedeutung zur�ckf�hren wird, die sie im Zeitalter der Legenden besa�en <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel-Kriegergemeinschaften).</p><p><strong>Flamme von Tar Valon:</strong> das Symbol f�r Tar Valon und die Aes Sedai. Die stilisierte Darstellung einer Flamme; eine wei�e, nach oben gerichtete Tr�ne.</p><p><strong>F�nf M�chte:</strong> die Str�nge der Einen Macht. Jeder, der die Eine Macht anwenden kann, wird einige dieser Str�nge besser als die anderen handhaben k�nnen. Diese Str�nge nennt man nach den Dingen, die man durch ihre Anwendung beeinflussen kann: Erde, Luft, Feuer, Wasser, Geist � die F�nf M�chte. Wer die Eine Macht anwenden kann, beherrscht gew�hnlich einen oder zwei dieser Str�nge besonders gut und hat Schw�chen in der Anwendung der �brigen. Einige wenige beherrschen auch drei davon, aber seit dem Zeitalter der Legenden gab es niemanden mehr, der alle f�nf in gleichem Ma�e beherrschte. Und auch dann war dies eine gro�e Seltenheit. Das Ma�, in dem diese Str�nge beherrscht werden und Anwendung finden, ist individuell verschieden; einzelne dieser Personen sind sehr viel st�rker als die anderen. Wenn man bestimmte Handlungen mit Hilfe der Einen Macht vollbringen will, mu� man einen oder mehrere bestimmte Str�nge beherrschen. Wenn man beispielsweise ein Feuer entz�nden oder beeinflussen will, braucht man den Feuer-Strang; will man das Wetter �ndern, mu� man die Bereiche Luft und Wasser beherrschen, w�hrend man f�r Heilungen Wasser und Geist benutzen mu�.</p><p>W�hrend M�nner und Frauen in gleichem Ma�e den Geist beherrschten, war das Talent in bezug auf Erde und/oder Feuer besonders oft bei M�nnern ausgepr�gt und das f�r Wasser und/oder Luft bei Frauen. Es gab Ausnahmen, aber trotzdem betrachtete man Erde und Feuer als die m�nnlichen M�chte, Luft und Wasser als die weiblichen. Im allgemeinen werden die F�higkeiten als gleichwertig betrachtet, doch unter den Aes Sedai gibt es ein Sprichwort: �Es gibt keinen Felsen, der so fest ist, da� Wind und Wasser ihn nicht abtragen k�nnen, und kein Feuer, das nicht von Wasser oder Wind gel�scht werden kann.� Es soll nicht unerw�hnt bleiben, da� dieses Sprichwort erst lange nach dem Tod des letzten m�nnlichen Aes Sedai aufkam. Irgendein m�gliches �quivalent bei den m�nnlichen Aes Sedai ist nicht mehr bekannt.</p><empty-line/><p><strong>Gaidin:</strong> w�rtlich �Bruder der Schlacht�. Ein Titel, den die Aes Sedai den Beh�tern verleihen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Beh�ter).</p><p><strong>Galad:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Damodred, Lord Galadedrid.</p><p><strong>galldrian su Riatin Rie:</strong> w�rtlich Galldrian aus dem Hause Riatin, K�nig. K�nig von Cairhien <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Cairhien).</p><p><strong>Gaukler:</strong> fahrende M�rchenerz�hler, Musikanten, Jongleure, Akrobaten und Alleinunterhalter. Ihr Abzeichen ist die aus bunten Flicken zusammengesetzte Kleidung. Sie besuchen vor allem D�rfer und Kleinst�dte, da in den gr��eren St�dten schon zuviel andere Unterhaltung geboten wird.</p><p><strong>Gawyn:</strong> Sohn der K�nigin Morgase, Bruder von Elayne, der bei Elaynes Thronbesteigung Erster Prinz des Schwertes wird. Er f�hrt einen wei�en Keiler im Wappen.</p><p><strong>Gefesselten, die:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Damane.</p><p><strong>Gewichtseinheiten:</strong> 10 Unzen = 1 Pfund; 10 Pfund = 1 Stein; 10 Steine = 1 Zentner; 10 Zentner = 1 Tonne.</p><p><strong>Goaban:</strong> eine der Nationen, die nach dem Hundertj�hrigen Krieg aus dem Imperium Artur Falkenfl�gels hervorging. Sie verfiel danach, und ihre letzten Spuren verloren sich etwa gegen 500 NA <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Artur Falkenfl�gel; Hundertj�hriger Krieg).</p><p><strong>Grenzlande:</strong> die an die Gro�e F�ule angrenzenden Nationen: Saldaea, Arafel, Kandor und Schienar.</p><p><strong>Gro�e F�ule:</strong> eine Region im hohen Norden, die durch den Dunklen K�nig vollst�ndig verdorben wurde. Sie stellt eine Zuflucht f�r Trollocs, Myrddraal und andere Kreaturen des Dunklen K�nigs dar.</p><p><strong>Gro�er Herr der Dunkelheit:</strong> Diese Bezeichnung verwenden die Schattenfreunde f�r den Dunklen K�nig. Sie behaupten, es sei Blasphemie, seinen wirklichen Namen zu ben�tzen.</p><p><strong>Gro�es Muster:</strong> Das Rad der Zeit verwebt die Muster der einzelnen Zeitalter zum Gro�en Muster, in dem die gesamte Existenz und Realit�t, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft festgelegt sind. Auch als Gewebe der Zeiten oder Zeitengewebe bekannt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Muster eines Zeitalters, Rad der Zeit).</p><p><strong>Gro�e Schlange:</strong> ein Symbol f�r die Zeit und die Ewigkeit, das schon uralt war, bevor das Zeitalter der Legenden begann. Es zeigt eine Schlange, die ihren eigenen Schwanz verschlingt. Man verleiht einen Ring in der Form der Gro�en Schlange an Frauen, die unter den Aes Sedai zu Auserkorenen bef�rdert werden.</p><p><strong>Gro�e Spiel, das:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Daes Dae'mar.</p><empty-line/><p><strong>Haid:</strong> Fl�chenma� zur Vermessung von Land; etwa 100 x 100 Schritte.</p><p><strong>Hailene</strong> (Heyliene): in der Alten Sprache �Die zuvor kamen� oder �Vorg�nger�.</p><p><strong>Halbmensch:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Myrddraal.</p><p><strong>Hardan:</strong> eine der Nationen, die aus Artur Falkenfl�gels Reich hervorging. Sie ist l�ngst vergessen und lag einst zwischen Cairhien und Schienar.</p><p><strong>Herzstein:</strong> eine unzerst�rbare Substanz, die w�hrend des Zeitalters der Legenden erschaffen wurde. Jede bekannte Kraft, die dazu ben�tzt wird, den Herzstein zu zerst�ren, wird von ihm absorbiert und st�rkt die Kraft des Herzsteins.</p><p><strong>Horn von Valere:</strong> das legend�re Ziel der Wilden Jagd nach dem Horn. Man nimmt an, das Horn k�nne tote Helden zum Leben erwecken, damit sie gegen den Schatten k�mpfen.</p><p><strong>Hundert Gef�hrten:</strong> hundert m�nnliche Aes Sedai, ausgew�hlt aus den m�chtigsten des Zeitalters der Legenden, die � von Lews Therin Telamon gef�hrt �den letzten Angriff durchf�hrten und den Schattenkrieg beendeten, indem sie den Dunklen K�nig erneut in seinen Kerker sperrten und diesen versiegelten. Der Gegenangriff verdarb die Saidin; die Hundert Gef�hrten verfielen dem Wahnsinn und begannen die Zerst�rung der Welt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Zeit des Wahns, Zerst�rung der Welt, Wahre Quelle, Eine Macht).</p><p><strong>Hundertj�hriger Krieg:</strong> eine Reihe sich �berschneidender Kriege, gepr�gt von sich st�ndig ver�ndernden B�ndnissen, ausgel�st durch den Tod von Artur Falkenfl�gel und die darauffolgenden Auseinandersetzungen um seine Nachfolge. Er dauerte von 994 FJ bis 1117 FJ. Der Krieg entv�lkerte weite Landstriche zwischen dem Aryth-Meer und der Aiel-W�ste, zwischen dem Meer der St�rme und der Gro�en F�ule. Die Zerst�rungen waren so schwerwiegend, da� �ber diese Zeit nur noch fragmentarische Berichte vorliegen. Das Reich Artur Falkenfl�gels zerfiel und die heutigen Staaten bildeten sich heraus <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Falkenfl�gel, Artur).</p><p><strong>Hurin:</strong> ein Schienarer, der die F�higkeit besitzt, zu riechen, wo Gewalt angewandt wurde, und der dem Geruch derjenigen folgen kann, die Gewalt angewandt haben. Er dient als �Schn�ffler� dem K�nig in Fal Dara in Schienar.</p><empty-line/><p><strong>Illian:</strong> ein gro�er Hafen am Meer der St�rme, Hauptstadt der gleichnamigen Nation. Im Wappen von Illian findet man neun goldene Bienen auf dunkelgr�nem Feld.</p><p><strong>Ingtar, Lord Ingtar aus dem Hause Schinowa:</strong> ein Krieger aus Schienar. Sein Wappen ist die Graue Eule.</p><p><strong>Ishamael</strong> (Ischamajel): in der Alten Sprache �Verr�ter aller Hoffnung�. Einer der Verlorenen. Er war der Anf�hrer der Aes Sedai und lief w�hrend des Schattenkriegs zum Dunklen K�nig �ber. Man sagt, selbst er habe seinen urspr�nglichen Namen vergessen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Verlorene).</p><empty-line/><p><strong>Karaethon-Zyklus:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Drachen, Prophezeiungen des.</p><p><strong>Kesselflicker:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Tuatha'an.</p><p><strong>Kinder des Lichts:</strong> eine Gemeinschaft von Asketen, die sich den Sieg �ber den Dunklen K�nig und die Vernichtung aller Schattenfreunde zum Ziel gesetzt hat. Die Gemeinschaft wurde w�hrend des Hundertj�hrigen Kriegs von Lothair Mantelar gegr�ndet, um gegen die ansteigende Zahl der Schattenfreunde als Prediger anzugehen. W�hrend des Kriegs entwickelte sich daraus eine vollst�ndige milit�rische Organisation, extrem streng ideologisch ausgerichtet und fest in dem Glauben, nur sie dienten der absoluten Wahrheit und dem Recht. Sie hassen die Aes Sedai und halten sie sowie alle, die sie unterst�tzen oder sich mit ihnen befreunden, f�r Schattenfreunde. Sie werden geringsch�tzig Wei�m�ntel genannt. Im Wappen f�hren sie eine goldene Sonne mit Strahlen auf wei�em Feld.</p><p><strong>Krieg um die Macht:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Schattenkrieg.</p><p><strong>Kuppel der Wahrheit:</strong> gro�er Empfangssaal der Kinder des Lichts. Er befindet sich in Amador, der Hauptstadt von Amadicia. Es gibt einen K�nig von Amadicia, doch die wirklichen Herrscher des Landes sind die Kinder des Lichts <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kinder des Lichts).</p><empty-line/><p><strong>L�ngenma�e:</strong> 10 Finger = 3 H�nde = 1 Fu�; 3 Fu� = 1 Schritt; 2 Schritte = 1 Spanne; 1000 Spannen = 1 Meile.</p><p><strong>Laman</strong> (Leimahn): ein K�nig von Cairhien aus dem Hause Damodred, der seinen Thron verlor.</p><p><strong>Lan, al'Lan Mandragoran:</strong> ein Beh�ter, der Moiraine zugeschworen wurde. Ungekr�nter K�nig von Malkier, Dai Shan, und der letzte �berlebende Lord von Malkier <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Beh�ter, Moiraine, Malkier, Dai Shan).</p><p><strong>Lanfear:</strong> in der Alten Sprache �Tochter der Nacht�; eine der Verlorenen, vielleicht sogar die m�chtigste neben Ishamael. Im Gegensatz zu den anderen Verlorenen w�hlte sie ihren Namen selbst. Man sagt von ihr, sie habe Lews Therin Telamon geliebt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Verlorene; Drache).</p><p><strong>Leane:</strong> eine Aes Sedai der Blauen Ajah und Beh�terin der Chronik <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Chronik, Beh�ter der).</p><p><strong>Lews Therin Telamon; Lews Therin Bruderm�rder:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Drache.�</p><p><strong>Liandrin:</strong> eine Aes Sedai der Roten Ajah aus Tarabon.</p><p><strong>Logain:</strong> ein falscher Drache, der von den Aes Sedai ged�mpft wurde.</p><p><strong>Loial:</strong> ein Ogier aus dem Stedding Schangtai.</p><p><strong>Luc, Lord Luc aus dem Hause Mantear:</strong> Tigraines Bruder, der ihr Erster Prinz des Schwertes geworden w�re, h�tte sie den Thron bestiegen. Man glaubt allgemein an eine Verbindung zwischen seinem Verschwinden in der Gro�en F�ule und Tigraines sp�terem Verschwinden. Er f�hrte eine Eichel im Wappen.</p><p><strong>Luthair:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Mondwin, Luthair Paendrag.</p><empty-line/><p><strong>Malkier:</strong> eine Nation, einstmals eins der Grenzlande, mittlerweile Teil der Gro�en F�ule. Im Wappen f�hrte Malkier einen fliegenden goldenen Kranich.</p><p><strong>Manetheren:</strong> eine der Zehn Nationen, die den Zweiten Pakt schlossen; Hauptstadt des gleichnamigen Staates. Sowohl die Stadt wie auch die Nation wurden in den Trolloc-Kriegen vollst�ndig zerst�rt.</p><p><strong>Maradon:</strong> Hauptstadt von Saldaea.</p><p><strong>Marath'Damane:</strong> in der Alten Sprache �Die gefesselt werden muߋ. Diese Bezeichnung wird in Seanchan f�r Frauen verwendet, die die Eine Macht lenken k�nnen, aber noch nicht gefangen und mit dem Halsring versehen wurden <emphasis>(siehe auch: Damane; A'dam;</emphasis> Seanchan).</p><p><strong>Masema:</strong> ein Soldat aus Schienar, der die Aiel ha�t.</p><p><strong>maschiara:</strong> in der Alten Sprache �geliebt�; bedeutet jedoch: eine verlorene und nicht wiederzubringende Liebe.</p><p><strong>Meerleute, Meervolk:</strong> Bewohner der Inseln im Aryth-Meer und im Meer der St�rme. Sie verbringen wenig Zeit auf diesen Inseln und leben statt dessen meist auf ihren Schiffen. Sie beherrschen den Seehandel fast vollst�ndig.</p><p><strong>Meile:</strong><emphasis>siehe</emphasis> L�ngenma�e.</p><p><strong>Merrilin, Thom:</strong> ein Gaukler.</p><p><strong>Min:</strong> eine junge Frau mit der F�higkeit, die Aura der sie umgebenden Menschen zu erkennen und auf ihre Zukunft zu schlie�en.</p><p><strong>Moiraine</strong> (Moar�n): eine Aes Sedai der Blauen Ajah.</p><p><strong>Mondwin, Luthair Paendrag:</strong> Sohn des Artur Falkenfl�gel. Er befehligte die Armee, die Falkenfl�gel �ber das Aryth-Meer sandte. Seine Flagge zeigte einen goldenen Falken mit ausgebreiteten Schwingen, der in seinen Klauen Blitze h�lt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Falkenfl�gel, Artur).</p><p><strong>Mordeth:</strong> Ratsherr, der die Stadt Aridhol dazu brachte, Methoden der Schattenfreunde gegen die Schattenfreunde selbst anzuwenden. Dadurch f�hrte er die Zerst�rung der Stadt und ihre Umbenennung in Shadar Logoth (�Wo der Schatten wartet�) herbei. Nur Mordeth �berlebte in Shadar Logoth au�er � dem Ha�, der die Stadt abt�tete. Seit zweitausend Jahren ist er in den Ruinen gefangen und wartet auf jemanden, dessen Seele er verschlingen kann, um so einen neuen K�rper zu gewinnen.</p><p><strong>Morgase</strong> (Morgeis): Von der Gnade des Lichts, K�nigin von Andor, Hochsitz des Hauses Trakand.</p><p><strong>Muster eines Zeitalters:</strong> Das Rad der Zeit verwebt die Str�nge menschlichen Lebens zum Muster eines Zeitalters, das die Substanz der Realit�t dieser Zeit bildet; auch als Zeitengewebe bekannt <emphasis>(siehe auch: Ta'veren).</emphasis></p><p><strong>Myrddraal:</strong> Kreaturen des Dunklen K�nigs, Kommandanten der Trolloc-Heere. Nachkommen von Trollocs, bei denen das Erbe der menschlichen Vorfahren wieder st�rker hervortritt, die man benutzt hat, um die Trollocs zu erschaffen. Trotzdem deutlich vom B�sen dieser Rasse gezeichnet. Sie sehen �u�erlich wie Menschen aus, haben aber keine Augen. Sie k�nnen jedoch im Hellen wie im Dunklen wie Adler sehen. Sie haben gewisse, vom Dunklen K�nig abstammende Kr�fte, darunter die F�higkeit, mit einem Blick ihr Opfer vor Angst zu l�hmen. Wo es Schatten gibt, k�nnen sie hineinschl�pfen und sind nahezu unsichtbar. Eine ihrer wenigen bekannten Schw�chen besteht darin, da� sie Schwierigkeiten haben, flie�endes Wasser zu �berqueren. Man kennt sie unter vielen Namen in den verschiedenen L�ndern, z. B. als Halbmenschen, Augenlose, Schattenm�nner, Lurk und die Blassen.</p><empty-line/><p><strong>Niall, Pedron:</strong> Lordhauptmann und Kommandeur der Kinder des Lichts <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kinder des Lichts).</p><p><strong>Nisura, Lady:</strong> eine Schienarische Adlige und Hofdame von Lady Amalisa.</p><empty-line/><p><strong>Pakt der Zehn Nationen:</strong> eine Liga, die in den Jahrhunderten nach der Zerst�rung der Welt entstand (ca. 200 NZ); dem Sieg �ber den Dunklen K�nig verschrieben; zerbrach w�hrend der Trolloc-Kriege.</p><empty-line/><p><strong>Rad der Zeit:</strong> Die Zeit stellt man sich als ein Rad mit sieben Speichen vor � jede Speiche steht f�r ein Zeitalter. Wie sich das Rad dreht, so folgt Zeitalter auf Zeitalter. Jedes hinterl��t Erinnerungen, die zu Legenden verblassen, zu blo�en Mythen werden und schlie�lich vergessen sind, wenn dieses Zeitalter wiederkehrt. Das Muster eines Zeitalters wird bei jeder Wiederkehr leicht ver�ndert, doch auch wenn die �nderungen einschneidender Natur sein sollten, bleibt es doch das gleiche Zeitalter.</p><p><strong>Ragan:</strong> ein Krieger aus Schienar.</p><p><strong>Rote Schilde:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Aiel-Kriegergemeinschaften.</p><p><strong>Renna:</strong> eine Frau aus Seanchan; eine <emphasis>Sul'dam (siehe auch:</emphasis> Seanchan; <emphasis>Sul'dam).</emphasis></p><p><strong>Rhyagelle</strong> (Raiagehl): in der Alten Sprache �Die nach Hause zur�ckkehren� oder die �Heimkehrer�.</p><p><strong>R�ckgrat der Welt:</strong> eine hohe Bergkette, �ber die nur wenige P�sse f�hren. Sie trennt die Aiel-W�ste von den westlichen L�ndern.</p><empty-line/><p><strong>Sa'Angreal:</strong> ein extrem seltenes Objekt, das es einem Menschen erlaubt, die Eine Macht in viel st�rkerem Ma�e als sonst m�glich zu ben�tzen. Ein <emphasis>SaAngreal</emphasis> ist �hnlich, doch ungleich st�rker als ein <emphasis>Angreal.</emphasis> Die Menge an Energie, die mit Hilfe eines <emphasis>Sa'Angreals</emphasis> eingesetzt werden kann, verh�lt sich zu der eines <emphasis>Angreals</emphasis> wie die mit dessen Hilfe einsetzbare Energie zu der, die man ganz ohne irgendwelche Hilfe beherrschen kann. Relikte des Zeitalters der Legenden. Es ist nicht mehr bekannt, wie sie angefertigt wurden. Es gibt nur noch eine Handvoll davon, weit weniger sogar als <emphasis>Angreale.</emphasis></p><p><strong>Sanche, Siuan</strong> (Santschei, Swahn): eine Aes Sedai, die fr�her der Blauen Ajah angeh�rte. Im Jahre 985 N� zur Amyrlin erhoben. Die Amyrlin geh�rt zu allen Ajahs und nicht mehr zu einer einzelnen.</p><p><strong>Saidar, Saidin:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Wahre Quelle.</p><p><strong>Saldaea:</strong> eines der Grenzlande. Im Wappen f�hrt Saldaea drei silberne Fische auf dunkelblauem Feld.</p><p><strong>Schattenfreunde:</strong> die Anh�nger des Dunklen K�nigs. Sie glauben, gro�e Macht und andere Belohnungen zu empfangen, wenn er aus seinem Kerker befreit wird.</p><p><strong>Schattenkrieg:</strong> auch als der Krieg um die Macht bekannt. Mit ihm endet das Zeitalter der Legenden. Er begann kurz nach dem Versuch, den Dunklen K�nig zu befreien, und erfa�te bald schon die ganze Welt. In einer Welt, die selbst die Erinnerung an den Krieg vergessen hatte, wurde nun der Krieg in allen seinen Formen wiederentdeckt. Er war besonders schrecklich, wo die Macht des Dunklen K�nigs die Welt ber�hrte, und auch die Eine Macht wurde als Waffe verwendet. Der Krieg wurde beendet, als der Dunkle K�nig wieder in seinen Kerker verbannt werden konnte <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hundert Gef�hrten, Drache).</p><p><strong>Schicksalsgewebe:</strong><emphasis>siehe ta'maral'ailen.</emphasis></p><p><strong>Schienar:</strong> eines der Grenzlande. Im Wappen von Schienar sieht man einen sich herabst�rzenden schwarzen Falken.</p><p><strong>Schufa:</strong> ein Kleidungsst�ck der Aiel, ein Tuch, gew�hnlich sand- oder felsfarben, das man um Kopf und Hals wickelt. Nur das Gesicht bleibt frei.</p><p><strong>Seanchan</strong> (Schantschan): (1.) Nachkommen der Armeemitglieder, die Artur Falkenfl�gel �ber das Aryth-Meer sandte und die zur�ckgekehrt sind, um das Land ihrer Vorfahren wieder in Besitz zu nehmen. (2.) Das Land, aus dem die Seanchaner kommen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hailene; Corenne; Rhyagelle).</p><p><strong>Seandar</strong> (Schandar): Hauptstadt von Seanchan, wo die Kaiserin im Hof der Neun Monde auf dem Kristallthron sitzt.</p><p><strong>Seherin:</strong> eine Frau, die in den Frauenzirkel ihres Dorfs berufen wird, weil sie die F�higkeit des Heilens besitzt, das Wetter vorhersagen kann und auch sonst als kluge Frau anerkannt wird. Ihr Rang erfordert gro�es Verantwortungsbewu�tsein und verleiht ihr viel Autorit�t. Allgemein wird sie dem B�rgermeister gleichgestellt, in manchen D�rfern steht sie sogar �ber ihm. Im Gegensatz zum B�rgermeister wird sie auf Lebenszeit gew�hlt. Es ist �u�erst selten, da� eine Seherin vor ihrem Tod aus ihrem Amt entfernt wird.</p><p>Ihre Auseinandersetzungen mit dem B�rgermeister sind auch zur Tradition geworden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Frauenzirkel).</p><p><strong>Selene:</strong> eine Frau, die auf dem Weg nach Cairhien auftaucht.</p><p><strong>Seta:</strong> eine Frau aus Seanchan; eine <emphasis>Sul'dam (siehe auch:</emphasis> Seanchan; <emphasis>Sul'dam).</emphasis></p><p><strong>Shadar Logoth:</strong> in der Alten Sprache �der Ort, an dem der Schatten wartet�; eine seit den Trolloc-Kriegen verlassene und gemiedene Stadt. Sie steht auf verfluchtem Land, und kein Steinchen dort ist harmlos <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Mordeth).</p><p><strong>Shai'tan:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Dunkler K�nig.</p><p><strong>Shayol Ghul:</strong> ein Berg im Versengten Land; dort befindet sich der Kerker, in dem der Dunkle K�nig gefangengehalten wird.</p><p><strong>Sheriam:</strong> eine Aes Sedai von den Blauen Ajah.</p><p><strong>Spanne:</strong><emphasis>siehe</emphasis> L�ngenma�e.</p><p><strong>Sonnentag:</strong> ein Festtag im Mittsommer, der in vielen Gegenden der Welt gefeiert wird.</p><p><strong>Spiel der H�user, das:</strong><emphasis>siehe Daes Dae'mar.</emphasis></p><p><strong>Stedding:</strong> eine Ogier-Enklave. Viele <emphasis>Stedding</emphasis> sind seit der Zerst�rung der Welt verlassen worden. In Erz�hlungen und Legenden werden sie als Zufluchtsst�tte bezeichnet, und das aus gutem Grund. Auf eine heute nicht mehr bekannte Weise wurden sie abgeschirmt, so da� in ihrem Bereich kein Aes Sedai die Eine Macht anwenden kann und nicht einmal eine Spur der Wahren Quelle wahrnimmt. Versuche, von au�erhalb eines <emphasis>Stedding</emphasis> mit Hilfe der Einen Macht im Inneren einzugreifen, bleiben erfolglos. Kein Trolloc wird ohne Not ein <emphasis>Stedding</emphasis> betreten, und selbst ein Myrddraal betritt es nur, wenn er dazu gezwungen ist, und auch dann nur z�gernd und mit gr��tem Abscheu. Sogar echte Schattenfreunde f�hlen sich in einem <emphasis>Stedding</emphasis> nicht wohl.</p><p><strong>Steinsoldaten:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Aiel-Kriegergemeinschaften.</p><p><strong>Stein von Tear:</strong> die Festung �ber der Stadt Tear. Man sagt, sie sei die erste Festung gewesen, die nach der Zeit des Wahns gebaut wurde. Manche behaupten sogar, sie sei <emphasis>w�hrend</emphasis> der Zeit des Wahns erbaut worden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Tear).</p><p><strong>Sul'dam:</strong> eine Frau, die die Pr�fung bestanden hat, mit der sie beweisen mu�te, da� sie das Armband eines <emphasis>A'dam</emphasis> tragen und somit eine <emphasis>Damane</emphasis> unter Kontrolle halten kann <emphasis>(siehe auch: A'dam; Damane).</emphasis></p><p><strong>Suroth, Hohe Dame:</strong> eine Adlige hohen Ranges aus Seanchan.</p><empty-line/><p><strong>Tai'shar:</strong> in der Alten Sprache �Ehrbarer Nachkomme des/der�.</p><p><strong>Ta'maral'ailen:</strong> in der Alten Sprache �Schicksalsgewebe�; eine einschneidende �nderung im Muster eines Zeitalters, die von einer oder mehreren Personen ausgeht. Sie sind <emphasis>ta'veren (siehe auch:</emphasis> Muster eines Zeitalters, <emphasis>ta'veren).</emphasis></p><p><strong>Tanreall, Artur Paendrag:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Falkenfl�gel, Artur.</p><p><strong>Tarmon Gai'don:</strong> die Letzte Schlacht <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drachen, Prophezeiungen des; Horn von Valere).</p><p><strong>Tar Valon:</strong> eine Stadt auf einer Insel im Flu� Erinin; Mittelpunkt der Macht der Aes Sedai. Von hier aus regiert die Amyrlin.</p><p><strong>Ta'veren:</strong> eine Person im Zentrum des Gewebes von Lebensstr�ngen aus ihrer Umgebung, m�glicherweise sogar <emphasis>aller</emphasis> Lebensstr�nge, die vom Rad der Zeit zu einem Schicksalsgewebe zusammengef�gt wurden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Muster eines Zeitalters).</p><p><strong>Tear:</strong> ein gro�er Hafen am Meer der St�rme. Das Wappen von Tear zeigt drei wei�e Halbmonde auf rot-und goldgemustertem Feld.</p><p><strong>Telamon, Lews Therin:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Drache, der.</p><p><strong>Ter'Angreal:</strong> jedes einer Anzahl von �berbleibseln aus dem Zeitalter der Legenden, die die Eine Macht verwenden. Im Gegensatz zu <emphasis>Angreal</emphasis> und <emphasis>SaAngreal</emphasis> wurde jeder <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu einem ganz bestimmten Zweck hergestellt. Z. B. macht ein bestimmter <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> jeden Eid, der in ihm geschworen wird, zu etwas endg�ltig Bindendem. Einige werden von den Aes Sedai ben�tzt, aber �ber ihre urspr�ngliche Anwendung ist kaum etwas bekannt. Einige t�ten sogar oder zerst�ren die F�higkeit einer Frau, die sie ben�tzt, die Eine Macht zu lenken <emphasis>(siehe auch: Angreal; Sa'Angreal).</emphasis></p><p><strong>tia avende alantin:</strong> �Bruder der B�ume.�</p><p><strong>Tia mi aven Moridin isainde vadin:</strong> in der Alten Sprache �Das Grab ist keine Grenze f�r meinen Ruf�. Inschrift auf dem Horn von Valere <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Horn von Valere).</p><p><strong>Tigraine</strong> (Tigr�n): Als Tochter-Erbin von Andor heiratete sie Taringail Damodred und gebar seinen Sohn Galadedrid. Ihr Verschwinden im Jahr 972 N�, kurz nachdem ihr Bruder Luc in der F�ule verschwand, l�ste einen Kampf um ihre Nachfolge in Andor aus und verursachte die Geschehnisse in Cairhien, die schlie�lich zum Aiel-Krieg f�hrten. Sie zeigte im Wappen eine Frauenhand, die den Stiel einer Rose mit wei�er Bl�te umfa�te.</p><p><strong>Tochter-Erbin:</strong> Titel der Erbin des Throns von Andor. Die �lteste Tochter der K�nigin folgt ihrer Mutter auf den Thron. Sollte keine Tochter geboren oder am Leben sein, geht der Thron an die n�chste Blutsverwandte der K�nigin.</p><p><strong>Tochter der Nacht:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Lanfear.</p><p><strong>Trolloc-Kriege:</strong> eine Reihe von Kriegen, die etwa gegen 1000 NZ begannen und sich �ber mehr als 300 Jahre hinzogen. Trolloc-Heere verw�steten die Welt. Schlie�lich aber wurden die Trollocs entweder get�tet oder in die Gro�e F�ule zur�ckgetrieben. Mehrere Staaten wurden im Rahmen dieser Kriege ausgel�scht oder entv�lkert. Alle Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind fragmentarisch <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Pakt der Zehn Nationen).</p><p><strong>Trollocs:</strong> Kreaturen des Dunklen K�nigs, die er w�hrend des Schattenkriegs erschuf. Sie sind k�rperlich sehr gro� und extrem b�sartig. Sie stellen eine hybride Kreuzung zwischen Tier und Mensch dar und t�ten aus purer Mordlust. Nur diejenigen, die selbst von den Trollocs gef�rchtet werden, k�nnen diesen trauen. Trollocs sind schlau, hinterh�ltig und verr�terisch. Sie essen alles, auch jede Art von Fleisch, das von Menschen und anderen Trollocs eingeschlossen. Da sie zum Teil von Menschen abstammen, sind sie zum Geschlechtsverkehr mit Menschen imstande, doch die meisten einer solchen Verbindung entspringenden Kinder werden entweder tot geboren oder sind kaum lebensf�hig. Die Trollocs leben in stammes�hnlichen Horden. Die wichtigsten davon hei�en: Ahf'frait, Al'ghol, Bhan'sheen, Dha'vol, Dhai'mon, Dhjin'nen, Ghar'ghael, Ghob'hlin, Gho'hlem, Ghraem'lan, Ko'bal und Kno'mon.</p><p><strong>Tuatha'an:</strong> ein Nomadenvolk, auch als die Kesselflicker oder das Fahrende Volk bekannt. Sie wohnen in buntbemalten Wagen und folgen einer pazifistischen Weltanschauung, die sie den Weg des Blattes nennen. Die von den Kesselflickern reparierten Gegenst�nde sind h�ufig besser als vorher. Sie geh�ren zu den wenigen, die unbehelligt durch die Aiel-W�ste ziehen k�nnen, denn die Aiel meiden jeden Kontakt mit ihnen.</p><p><strong>Turak, Hoher Herr des Hauses Aladon:</strong> ein hochgestellter Adliger aus Seanchan, Befehlshaber der Hailene <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Seanchan; <emphasis>Hailene).</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Verin:</strong> eine Aes Sedai der Braunen Ajah.</p><p><strong>Verlorenen, die:</strong> Name f�r die dreizehn der m�chtigsten Aes Sedai, die es jemals gab, die w�hrend des Schattenkriegs zum Dunklen K�nig �berliefen, weil er ihnen daf�r die Unsterblichkeit versprach. Sowohl Legenden wie auch fragmentarische Berichte stimmen darin �berein, da� sie zusammen mit dem Dunklen K�nig eingekerkert wurden, als dessen Gef�ngnis wieder versiegelt wurde. Ihre Namen werden heute noch verwendet, um Kinder zu erschrecken.</p><p><strong>Verr�ter aller Hoffnung:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Ishamael.</p><p><strong>Versengte Land, das:</strong> verw�steter Landstrich in der Umgebung des Shayol Ghul, jenseits der Gro�en F�ule.</p><empty-line/><p><strong>W�chter der Wogen:</strong> eine Gruppe, die glaubt, die von Artur Falkenfl�gel �ber das Aryth-Meer gesandte Armee werde eines Tages zur�ckkehren, und die deshalb von der Stadt Falme auf der Toman-Halbinsel aus Wache h�lt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Do Miere A'vron).</p><p><strong>Wahre Quelle, die:</strong> die treibende Kraft des Universums, die das Rad der Zeit antreibt. Sie teilt sich in eine m�nnliche <emphasis>(Saidin)</emphasis> und eine weibliche H�lfte <emphasis>(Saidar),</emphasis> die gleichzeitig miteinander und gegeneinander arbeiten. Nur ein Mann kann von <emphasis>Saidin</emphasis> Energie beziehen und nur eine Frau von <emphasis>Saidar.</emphasis> Seit dem Beginn der Zeit des Wahns ist <emphasis>Saidin</emphasis> von der Hand des Dunklen K�nigs gezeichnet <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Eine Macht, die).</p><p><strong>Wei�e Burg:</strong> der Palast des Amyrlin-Sitzes in Tar Valon und der Ort, an dem die Aes Sedai ausgebildet werden.</p><p><strong>Wei�mantel:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Kinder des Lichts.</p><p><strong>Wiedergeborener Drache:</strong> Nach der Prophezeiung und der Legende wird der Drache dann wiedergeboren werden, wenn die Menschheit in gr��ter Not ist und er die Welt retten mu�. Darauf freuen sich die Menschen nicht, denn die Prophezeiung sagt, da� die Wiedergeburt des Drachen zu einer neuen Zerst�rung der Welt f�hren wird, und au�erdem erschrecken die Menschen beim Gedanken an Lews Therin Bruderm�rder, den Drachen, auch wenn er schon mehr als dreitausend Jahre tot ist <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache; Drache, falscher).</p><p><strong>Wilde Jagd nach dem Horn, die:</strong> ein Zyklus von Erz�hlungen �ber die legend�re Suche nach dem Horn von Valere in den Jahren zwischen dem Ende der Trolloc-Kriege und dem Beginn des Hundertj�hrigen Kriegs. Um sie vollst�ndig zu erz�hlen, ben�tigt man viele Tage.</p><p><strong>Zeit des Wahns:</strong> die Jahre, nachdem der Gegenschlag des Dunklen K�nigs die m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle verdarb, die m�nnlichen Aes Sedai dem Wahnsinn verfielen und die Welt zerst�rten. Die genaue Dauer dieser Periode ist unbekannt, aber es wird angenommen, sie habe beinahe hundert Jahre gedauert. Sie war erst vollst�ndig beendet, als der letzte m�nnliche Aes Sedai starb <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hundert Gef�hrten; Wahre Quelle; Eine Macht; Zerst�rung der Welt).</p><empty-line/><p><strong>Zeitalter der Legenden:</strong> das Zeitalter, welches von dem Krieg des Schattens und der Zerst�rung der Welt beendet wurde; eine Zeit, in der die Aes Sedai Wunder vollbringen konnten, von denen man heute nur tr�umen kann <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Rad der Zeit).</p><p><strong>Zerst�rung der Welt:</strong> Als Lews Therin Telamon und die Hundert Gef�hrten das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs wieder versiegelten, fiel durch den Gegenangriff ein Schatten auf die <emphasis>Saidin.</emphasis> Schlie�lich verfiel jeder m�nnliche Aes Sedai auf schreckliche Art dem Wahnsinn. In ihrem Wahn ver�nderten diese M�nner, die die Eine Macht in einem heute unvorstellbaren Ma�e beherrschten, die Oberfl�che der Erde. Sie riefen furchtbare Erdbeben hervor, Gebirgsz�ge wurden eingeebnet, neue Berge erhoben sich. Wo sich Meere befunden hatten, entstand Festland, und an anderen Stellen drang der Ozean in bewohnte L�nder ein. Viele Teile der Welt wurden vollst�ndig entv�lkert und die �berlebenden wie Staub vom Wind verstreut. Diese Zerst�rung wird in Geschichten, Legenden und Geschichtsb�chern als die Zerst�rung der Welt bezeichnet <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Zeit des Wahns).</p><p><strong>Zweifler, die:</strong> ein Orden innerhalb der Gemeinschaft der Kinder des Lichts. Sie sehen ihre Aufgabe darin, die Wahrheit im Wortstreit zu erkennen und Schattenfreunde zu erkennen. Ihre Suche nach der Wahrheit und dem Licht, so wie sie die Dinge sehen, wird noch eifriger betrieben, als das bei den Kindern des Lichts allgemein �blich ist. Ihre normale Befragungsmethode ist die Folter, wobei sie der Auffassung sind, da� sie selbst die Wahrheit bereits kennen und ihre Opfer nur dazu bringen m�ssen, sie zu gestehen. Die Zweifler bezeichnen sich als die Hand des Lichts und verhalten sich gelegentlich so, als seien sie v�llig unabh�ngig von den Kindern und dem Rat der Gesalbten, der die Gemeinschaft leitet. Das Oberhaupt der Zweifler ist der Hochinquisitor, der einen Sitz im Rat der Gesalbten hat. Ihr Wappen ist ein blutroter Hirtenstab.</p></section></body><binary id="cover" 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