<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Der Weg der Klingen</book-title><date>2000</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Karin</first-name><last-name>K�nig</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="8"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>The Path of Daggers</book-title><date>1998</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>Tinstar, Zerwas, Tscharlie</src-ocr><id>5B39815D-5B13-4418-B460-9C5D484B724D</id><version>1.0</version></document-info></description><body><title><p>Robert Jordan</p><p>Der Weg der Klingen</p></title><epigraph><p>F�r Harriet</p><p>Meine Liebe, mein Leben, mein Herz, ewiglich.</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><p>Wer mit den M�chtigen speisen will, mu� den Pfad der Dolche erklimmen.</p><text-author>- Randbemerkung von unbekannter Hand in einer Aufzeichnung (die vermutlich aus der Zeit Artur Falkenfl�gels stammt) �ber die letzten Tage der geheimen Zusammenk�nfte in Tovan.</text-author></cite><cite><p>Zu den Gipfeln sind alle Pfade mit Dolchen gepflastert.</p><text-author>- Altes seanchanisches Sprichwort</text-author></cite></section><section><title><p>Und das Rad dreht sich</p></title><subtitle>Ein Vorwort von Andreas Decker</subtitle><p><emphasis>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und vergehen und lassen Erinnerungen zur�ck, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter ihres Ursprungs wiederkehrt.</emphasis></p><p>Mit diesen Worten beginnt jede Chronik aus der Welt des Rades, eines Universums, in dem das Rad der Zeit und das Gro�e Muster, das es webt, das oberste Prinzip sind.</p><p>Am Anfang steht eine Prophezeiung, die Prophezeiung des Drachen. Sie verk�ndet die Befreiung des Dunklen K�nigs, des B�sen schlechthin, und die Wiedergeburt Lews Therin Telamons, des Drachen, der einst vor Jahrtausenden sein Gef�ngnis versiegelte und daf�r den h�chsten Preis bezahlen mu�te. Sie berichtet von einem Mann, der sowohl der Vernichter als auch der Erl�ser der Welt sein soll. Er kann die <emphasis>Eine Macht</emphasis> lenken, und er ist der Wiedergeborene Drache, der <emphasis>Tarmon Gai'don</emphasis> schlagen soll, die Letzte Schlacht gegen den Dunklen K�nig.</p><p>Rand al'Thor ist der Wiedergeborene Drache.</p><p>Man schreibt das Dritte Zeitalter seit der Zerst�rung der Welt. Wieder strecken der Dunkle K�nig und seine Vertrauten, die dreizehn Verlorenen, die ihm schon in tiefer Vergangenheit zur Seite standen, die Hand nach der Welt aus. Horden nichtmenschlicher Trollocs und Myrddraals �berziehen das Land mit Verw�stung, gelenkt von den Verlorenen, die nahezu unerkannt unter den Menschen wandeln, wo sie Unruhe sch�ren und Kriege ausl�sen.</p><p>Allein Rand al'Thor ist laut den Prophezeiungen dazu bestimmt, die Letzte Schlacht zu schlagen. Und aus dem jungen Schafhirten ist ein entschlossener Mann geworden. Er beherrscht die <emphasis>Eine Macht,</emphasis> kann die Welt nach seinen W�nschen formen, und die Welt f�rchtet ihn. Er hat treue Freunde um sich geschart, Nationen besiegt und Throne gest�rzt. Er hat m�chtige Feinde und zweifelhafte Verb�ndete, aber die gr��te Bedrohung ist die <emphasis>Eine Macht.</emphasis> Denn wie alle M�nner, die sich der Macht bedienen, k�mpft er gegen den Makel des Wahnsinns an, der die mystische Energie beschmutzt.</p><p>Wie die Eingeweihten wissen, besteht sowohl die <emphasis>Eine Macht</emphasis> als auch die Wahre Quelle, der sie entspringt, aus zwei widerstreitenden und sich dennoch erg�nzenden Teilen: <emphasis>Saidin,</emphasis> der m�nnlichen H�lfte, und <emphasis>Saidar,</emphasis> der weiblichen H�lfte. Die Energie versetzt einige wenige Menschen in die Lage, die Elemente Erde, Wind, Feuer, Wasser und Geist nach ihrem Willen zu beeinflussen und Heldentaten zu vollbringen. Im untergegangenen Zeitalter der Legenden nannte man diese M�nner und Frauen Aes Sedai, was in der Alten Sprache �Diener aller� bedeutet.</p><p>Als der Dunkle K�nig, der im Augenblick der Sch�pfung von dem Sch�pfer des Universums au�erhalb von Zeit und Sch�pfung gefangengesetzt wurde, aus seinem Gef�ngnis auszubrechen drohte und von Lews Therin Telamon, dem st�rksten Aes Sedai seiner Zeit, besiegt wurde, geriet der triumphale Sieg zugleich zur verheerenden Niederlage. Im Augenblick der Versiegelung kam es zu einer Reaktion, die <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche Quelle der <emphasis>Einen Macht,</emphasis> mit einem Makel versah. Jeder Mann, der nach der Macht griff � was f�r ihn so nat�rlich war wie das Atemholen �, wurde wahnsinnig. Das hat sich bis auf den heutigen Tag nicht ge�ndert.</p><p>Bei den meisten vollzieht sich das als schleichender Proze�. Bei Lews Therin Telamon, dem Drachen, war dies anders. Blindw�tig in seinem Wahn, wandten er und seine Helfer sich mit der Macht gegen alle und jeden und schlie�lich gegen die Welt selbst. Erdbeben ersch�tterten das Land, St�rme fegten dar�ber hinweg, Vulkane brachen aus, der Ozean �berschwemmte das Land. Reiche gingen unter, und ganze V�lker starben.</p><p>Nach dem Neubeginn hat sich das Antlitz der Welt ver�ndert. Nun benutzen nur noch die weiblichen Aes Sedai die <emphasis>Eine Macht.</emphasis> Sie haben die Wei�e Burg gegr�ndet, und seit jenen dunklen Tagen wachen sie unerbittlich dar�ber, da� sich kein Mann der <emphasis>Einen Macht</emphasis> bedient. Sie sp�ren sie auf und �d�mpfen� sie, schneiden sie vom Zugang zur Wahren Quelle ab, um Unheil zu verhindern.</p><p>Rand al'Thor hatte schon immer ein zwiesp�ltiges Verh�ltnis zu den Aes Sedai. Aber er ist der Wiedergeborene Drache, der wie kein zweiter �ber die <emphasis>Eine Macht</emphasis> gebietet; er ist der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> der Aiel, der W�stennomaden, deren St�mme ihm fast alle bis in den Tod ergeben sind; er ist der Begr�nder der Schwarzen Burg und der <emphasis>Asha'man,</emphasis> der M�nner, die ungeachtet aller gegenteiligen Bem�hungen gelernt haben, mit der Macht umzugehen und sich gegen den schleichenden Wahnsinn zu wappnen.</p><p>Aber je l�nger er k�mpft, desto un�bersichtlicher wird die Lage; er kann immer weniger Menschen vertrauen, denn jeder scheint seine eigenen Ziele zu verfolgen. Er hat allen Grund zum Mi�trauen.</p><p>Nachdem die Aes Sedai Elaida sich mit einer umstrittenen Aktion zur Amyrlin der Wei�en Burg und damit zur faktischen Alleinherrscherin der Aes Sedai gemacht hat, ist es zum ersten Mal in der Geschichte der Wei�en Burg zur Spaltung gekommen. Elaida wollte den Drachen gefangennehmen und an ihren Marionettenschn�ren tanzen lassen, aber bei der Schlacht an den Quellen von Dumai wurde der Drache von seinem Freund Perrin, dem Wolfsbruder, und einem Kontingent Asha'man befreit. Rand al'Thor nimmt die Aes Sedai gefangen und l��t sie von den Aiel bewachen, eine unerh�rte Tat.</p><p>Ihm bleibt keine Zeit zum Ruhen. In Cairhien mu� er die Usurpatorin Lady Colavaere vom Thron vertreiben, den diese an sich gerissen hat; gro�m�tig schickt er sie ins Exil. Aber wieder zahlen sich seine guten Absichten nicht aus. Denn Colavaere begeht Selbstmord � eine erneute Last auf seinem Gewissen. Daran �ndert auch die Tatsache nichts, da� ihm das Meervolk Treue schw�rt.</p><p>Ungeachtet dieser Ereignisse marschiert das Heer Lord Brynes weiter auf die Wei�e Burg zu, geleitet von den abtr�nnigen Aes Sedai, die Egwene, Rands Freundin aus Kindertagen, zu ihrer Amyrlin machten. Die junge Frau hat es nicht leicht; ihr unterlaufen viele Fehler. So entkommt ihr Moghedien, eine der Verlorenen, die ihre Gefangene war. Aber noch andere Umst�nde bereiten ihr Sorgen. Sie schickte Nynaeve und Elayne, die Tochter-Erbin des K�nigreichs Andor, zusammen mit Birgitte und Aviendha nach Ebou Dar, damit die Frauen dort nach der Schale der Winde suchen sollen. Dieses <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> ein Artefakt aus dem Zeitalter der Legenden, das die <emphasis>Eine Macht</emphasis> verst�rken oder sie heraufbeschw�ren kann, soll das Wetter wieder in Ordnung bringen, das der Dunkle K�nig negativ beeinflu�t. Es ist eine gefahrvolle Mission, denn auch andere Kr�fte suchen die Schale der Winde. Aber die Frauen haben Hilfe, denn Mat Cauthon ist ebenfalls in der Stadt und steht ihnen trotz vieler Hindernisse zur Seite.</p><p>Gerade als die Freunde die Schale der Winde finden, �berfallen die besiegt geglaubten Seanchaner die Stadt. Auf der Flucht wird Mat unter einer einst�rzenden Mauer begraben.</p><p>Doch von allen diesen Ereignissen wei� Rand al'Thor nichts. Er lernt in Cairhien Cadsuane kennen, die angeblich �lteste lebende Aes Sedai, die ihre eigenen Pl�ne mit dem Drachen verfolgt. Kaum genesen von der Verletzung durch einen Schattenfreund, begibt sich der Drache nach Illian. Dort ist Sammael aufgetaucht, einer der m�chtigsten Verlorenen. Er kann ihm nach Shadar Logoth folgen und ihn vernichten.</p><p>Am Ende bietet man ihm die Schwerterkrone Illians an, und er hat einen neuen Verb�ndeten gefunden.</p><p>Aber die Lage bleibt bedrohlich. Da ist Moridin, �ber den nichts bekannt ist, au�er da� sein Name Tod bedeutet und er so m�chtig ist, da� er Moghedien, der er die Flucht erm�glichte, zu seiner Sklavin machen konnte. Da ist die Amyrlin Elaida, die trotz aller R�ckschl�ge ihren Plan, sich den Drachen gef�gig zu machen, noch l�ngst nicht aufgegeben hat. Da sind die Invasoren aus Seanchan, die Ebou Dar erobern. Da sind die abtr�nnigen Shaido-Aiel unter ihrer Anf�hrerin Sevanna, die unter den Einflu� der Verlorenen gerieten. Da ist Egwenes Heer, das auf die Stadt Tar Valon und die Wei�e Burg zumarschiert, um die Amyrlin zu vertreiben. Und da sind die Schwarzen Ajah � allen voran Alviarin, die Beh�terin der Chronik �, die im Herzen der Aes Sedai dem Dunklen K�nig dienen.</p><p>Das Rad dreht sich, und die Letzte Schlacht r�ckt immer n�her. Die Heere sammeln sich, und der Wiedergeborene Drache mu� k�mpfen, wenn die Welt kein zweites Mal untergehen soll.</p></section><section><title><p>Prolog</p><p>Trugbilder</p></title><p>Ethenielle hatte niedrigere Berge gesehen als diese unzutreffend Schwarze H�gel genannten gewaltigen Haufen halbwegs vergrabener Felsbl�cke, die mit steilen, gewundenen Wegen �berzogen waren. Einige dieser Wege h�tten sogar einer Ziege Schwierigkeiten bereitet. Man konnte drei Tage durch von der D�rre ausgetrocknete W�lder und �ber Wiesen mit braunem Gras reiten, ohne auch nur ein Anzeichen menschlicher Besiedelung zu sehen, um sich dann unvermittelt eine halbe Tagesreise von sieben oder acht kleinen D�rfern entfernt wiederzufinden, die nichts von der Welt wu�ten. Die Schwarzen H�gel waren f�r Bauern eine rauhe Gegend, weitab von den Handelsrouten, und jetzt noch rauher als gew�hnlich. Ein magerer Leopard, der beim Anblick von Menschen h�tte fliehen sollen, beobachtete sie von einem steilen Hang aus, keine vierzig Schritte entfernt, w�hrend sie mit ihrer bewaffneten Eskorte vor�berritt. Westw�rts drehten Geier unheilverk�ndend ihre Kreise. Keine Wolke verunstaltete die blutrote Sonne, doch wenn der warme Wind blies, wirbelte er Staub w�nde auf.</p><p>Ethenielle ritt mit f�nfzig ihrer besten M�nner im Gefolge unbesorgt und gem�chlich dahin. Anders als ihre fast legend�re Vorfahrin Surasa hegte sie nicht die Illusion, da� sich das Wetter nach ihren W�nschen richten w�rde, nur weil sie den Wolkenthron innehatte. Eile mit Weile... Ihre sorgf�ltig verschl�sselten, gut verwahrten Briefe enthielten genaue Anweisungen �ber die Marschordnung, um dem Bed�rfnis aller Beteiligten zu entsprechen, auf ihrer Reise keinerlei Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Keine leichte Aufgabe. Einige hatten es f�r unm�glich gehalten.</p><p>Sie dachte stirnrunzelnd dar�ber nach, da� sie sich gl�cklich sch�tzen konnte, so weit gelangt zu sein, ohne jemanden t�ten zu m�ssen, indem sie jene kleinen D�rfer gemieden hatte, selbst wenn es zus�tzliche Reisetage bedeutete. Die wenigen Ogier-<emphasis>Stedding</emphasis> stellten keinen Grund zur Sorge dar � Ogier k�mmerten sich meist wenig darum, was unter Menschen geschah, und in letzter Zeit anscheinend noch weniger als gew�hnlich �, aber die D�rfer... Sie waren zu klein, als da� sich dort Augen-und-Ohren der Wei�en Burg aufhielten, oder dieser Bursche, welcher der Wiedergeborene Drache zu sein behauptete � vielleicht war er es; sie konnte nicht entscheiden, was schlimmer w�re �, und doch zogen m�glicherweise H�ndler hindurch, die ebenso viel Gerede mit sich brachten wie Waren und die sich mit Menschen unterhielten, die wiederum mit anderen Menschen sprachen, so da� sich Ger�chte wie ein immer weiter anschwellender Flu� durch die Schwarzen H�gel und in die Au�enwelt verbreiteten. Ein einziger Schafhirte, welcher der Aufmerksamkeit entging, konnte mit wenigen Signalen noch f�nfhundert Meilen entfernt sichtbare Leuchtfeuer in Gang setzen. Die Art Leuchtfeuer, die W�lder und Wiesen in Flammen aufgehen lie�en. Und vielleicht St�dte. Nationen.</p><p>�Habe ich die richtige Wahl getroffen, Serailla?� Ethenielle grinste, obwohl sie sich �ber sich selbst �rgerte. Sie war vielleicht kein M�dchen mehr, aber ihre wenigen grauen Haare lie�en auf ihre noch unzureichende Erfahrung schlie�en. Die Entscheidung war getroffen. Sie hatte jedoch daran gedacht. Beim Licht, in Wahrheit war sie keineswegs so unbesorgt, wie sie es gern gewesen w�re.</p><p>Ethenielles erste Beraterin brachte ihre graue Stute n�her an den gl�nzend schwarzen Wallach der K�nigin heran. Mit ihrem Gelassenheit ausstrahlenden runden Gesicht und den nachdenklichen dunklen Augen h�tte Lady Serailla eine B�uerin sein k�nnen, die j�h in das Reitgewand einer Adligen gesteckt wurde, aber der Verstand hinter dieser glatten, verschwitzten Stirn war ebenso scharf wie der jeder beliebigen Aes Sedai. �Die zweite Wahlm�glichkeit enthielt lediglich andere Risiken, nicht jedoch geringere�, sagte sie ruhig. Untersetzt und im Sattel dennoch genauso anmutig wie als T�nzerin, war Serailla stets bed�chtig. Nicht schmeichlerisch oder unaufrichtig, nur einfach unersch�tterlich. �Was auch immer die Wahrheit ist, Majest�t � die Wei�e Burg ist anscheinend handlungsunf�hig und auch zerschlagen.</p><p>Ihr h�ttet vielleicht die Gro�e F�ule bemerkt, w�hrend die Welt hinter Euch zerfiel. Das h�ttet Ihr tun k�nnen, wenn Ihr jemand anders w�rt.�</p><p>Die einfache Notwendigkeit zu handeln. Hatte sie das hierher gebracht? Nun, wenn die Wei�e Burg nicht tun wollte oder konnte, was getan werden mu�te, dann mu�te es ein anderer tun. Was n�tzte es, die Gro�e F�ule zu bewachen, wenn die Welt hinter ihr tats�chlich zerfiel?</p><p>Ethenielle schaute zu dem schlanken Mann, der an ihrer anderen Seite ritt. Wei�e Streifen an seinen Schl�fen verliehen ihm ein w�rdiges Aussehen. Das in einer verzierten Scheide steckende Schwert von Kirukan ruhte in seiner Armbeuge. Es wurde zumindest das Schwert von Kirukan genannt. Die sagenhafte Kriegerk�nigin von Aramaelle hatte es angeblich getragen. Die Klinge war uralt, und einige behaupteten, sie sei mit Macht gestaltet worden. Das beidh�ndige Heft zeigte auf sie, wie es die Tradition erforderte, obwohl sie kein Schwert wie ein hitzk�pfiger Saldaeaner f�hren w�rde. Eine K�nigin sollte nachdenken, anf�hren und befehlen, was sie jedoch nicht bewerkstelligen konnte, wenn sie zu tun versuchte, was jeder Soldat in ihrem Heer besser konnte. �Und Ihr, Schwerttr�ger?� fragte sie. �Habt Ihr zu dieser sp�ten Stunde noch irgendwelche Bedenken?�</p><p>Lord Baldhere wandte sich auf seinem goldverzierten Sattel um und schaute zu den nachfolgenden Reitern mit den Bannern zur�ck, die in bearbeitetem Leder und besticktem Samt aufbewahrt wurden. �Ich verberge nicht gern, wer ich bin, Majest�t�, sagte er mi�mutig und wandte sich wieder um. �Die Welt wird uns nur allzubald kennenlernen und erfahren, was wir getan haben. Oder was wir zu tun versucht haben. Wir werden sterben oder in die Geschichte eingehen oder beides, so da� sie ebensogut wissen k�nnen, welche Namen sie vermerken m�ssen.� Baldhere besa� eine scharfe Zunge, und er k�mmerte sich lieber um Musik und seine Kleidung als um alles andere � diese gut geschnittene blaue Jacke war bereits die dritte, die er heute trug �, aber wie auch bei Serailla trog die Erscheinung. Die Verantwortung, die auf dem Schwerttr�ger des Wolkenthrons lastete, wog weitaus schwerer als das Schwert in seiner edelsteinbesetzten Scheide. Seit dem Tod von Ethenielles Ehemann vor gut zwanzig Jahren hatte Baldhere die Truppen Kandors an ihrer Stelle im Felde befehligt, und die meisten ihrer Soldaten w�ren ihm sogar nach Shayol Ghul gefolgt. Er z�hlte nicht zu den gr��ten Befehlshabern, aber er wu�te, wann es zu k�mpfen galt und wie er einen Sieg erringen konnte.</p><p>�Der Treffpunkt mu� unmittelbar vor uns liegen�, sagte Serailla unvermittelt, gerade als Ethenielle auf dem Gipfel des vor ihnen liegenden Passes den Kundschafter sein Pferd verhalten sah, den Baldhere vorausgeschickt hatte, ein durchtriebener Bursche namens Lomas, der einen Helmschmuck mit einem Fuchskopf trug. Seinen langen Speer schr�g geneigt, vollf�hrte er mit dem Arm die Geste, die �Treffpunkt in Sicht� bedeutete.</p><p>Baldhere wandte seinen st�mmigen Wallach um, befahl der Eskorte mit donnernder Stimme anzuhalten � er konnte br�llen, wenn er wollte � und gab dem Kastanienbraunen dann die Sporen, um Ethenielle und Serailla wieder einzuholen. Es stand ein Treffen langj�hriger Verb�ndeter bevor, aber als sie an Lomas vor�berritten, gab Baldhere dem Mann mit dem hageren Gesicht den knappen Befehl �zu wachen und Bescheid zu geben�. Falls etwas mi�l�nge, w�rde Lomas der Eskorte ein Zeichen geben, vorzur�cken und die K�nigin in Sicherheit zu bringen.</p><p>Ethenielle seufzte, als Serailla bei dem Befehl zustimmend nickte. Langj�hrige Verb�ndete, und doch sch�rte die Zeit das Mi�trauen. Ihr Vorhaben beunruhigte sie. Zu viele Regenten des S�dens waren im letzten Jahr gestorben oder verschwunden, als da� sie sich beim Tragen der Krone noch wohl gef�hlt h�tte. Zu viele L�nder waren so gr�ndlich vernichtet worden, wie es nur ein Heer Trollocs bewerkstelligen konnte. Wer auch immer er war � dieser al'Thor hatte viele Fragen zu beantworten. Sehr viele.</p><p>Hinter Lomas weitete sich der Pa� zu einem ebenen Kessel, der fast zu klein war, um als Tal bezeichnet zu werden, und in dem die B�ume zu weit auseinander standen, um als Wald zu gelten. Lederblattb�ume, Blautannen und Kiefern sowie einige wenige Eichen zeigten noch ein wenig Gr�n, aber die �brigen B�ume trugen braunes Laub oder wiesen nur noch kahle Zweige auf. Im S�den lag jedoch das, was diesen Ort zu einem guten Treffpunkt machte. Eine Turmspitze, schlank wie eine schimmernde, golden durchbrochene S�ule, lag schr�g geneigt und halbwegs verborgen an einem Hang, und die Spitze ragte gut siebzig Schritt �ber den B�umen auf. Jedermann in den Schwarzen H�geln wu�te davon, aber das n�chste Dorf war noch eine Reise von vier Tagen entfernt, und niemand w�rde sich der Spitze freiwillig auf mehr als zehn Meilen n�hern. Die Geschichten um diesen Ort erz�hlten von Visionen des Wahnsinns, von umhergehenden Toten und der t�dlichen Wirkung bei Ber�hrung der Spitze.</p><p>Ethenielle hielt sich nicht f�r abergl�ubisch, und doch erschauderte sie leicht. Nianh hatte erz�hlt, die Spitze sei aus dem Zeitalter der Legenden �briggeblieben und harmlos. Mit etwas Gl�ck hatten die Aes Sedai keinen Grund, sich der vor Jahren gef�hrten Unterhaltung zu entsinnen. Schade, da� die Toten nicht dazu gebracht werden konnten, hier umherzugehen. Eine Legende besagte, da� Kirukan einen falschen Drachen eigenh�ndig enthauptet und einem anderen Mann, der die Macht lenken konnte, zwei S�hne geboren hatte. Oder vielleicht dem gleichen Mann. Sie hatte sicherlich gewu�t, wie man seine Ziele erreicht und �berlebt.</p><p>Wie erwartet, waren die ersten beiden jener M�nner bereits angekommen, die Ethenielle treffen wollte, beide mit jeweils zwei Begleitern. Paitar Nachiman hatte mehr Falten in seinem l�nglichen Gesicht als der erstaunlich gutaussehende �ltere Mann, den sie als M�dchen bewundert hatte, obwohl er kaum noch Haare aufwies und diese �berwiegend grau waren. Er hatte gl�cklicherweise von der Mode der Arafeller, Z�pfe zu tragen, Abstand genommen und trug sein Haar kurz geschnitten. Er sa� aufrecht in seinem Sattel, die Schultern der bestickten gr�nen Seidenjacke ungepolstert, und sie vermutete, da� er das Schwert an seiner H�fte noch immer kraftvoll und geschickt f�hren konnte. Easar Togita, mit kantigem Gesicht und bis auf einen wei�en Haarschopf geschorenem Sch�del, die einfache Jacke in der Farbe alter Bronze, war einen Kopf kleiner und schlanker als der K�nig von Arafel, und doch lie� er Paitar fast sanft erscheinen. Easar von Shienar runzelte nicht die Stirn �lediglich in seinen Augen schien st�ndig eine Spur Traurigkeit zu liegen �, aber er war vielleicht ebenso hart wie der Stahl des Langschwerts auf seinem R�cken. Sie vertraute beiden M�nnern � und hoffte, da� ihre Familienverbindung hilfreich w�re, dieses Vertrauen zu bewahren. Durch Heirat erzielte B�ndnisse hatten die Grenzlande stets ebenso zusammengeschwei�t, wie es ihr gemeinsamer Krieg gegen die Gro�e F�ule getan hatte, und sie hatte eine Tochter mit Easars dritt�ltestem Sohn und einen Sohn mit Paitars Lieblingsenkelin verehelicht, wie auch ein Bruder und zwei Schwestern in ihre H�user eingeheiratet hatten.</p><p>Ihre Begleiter waren genauso unterschiedlich wie ihre K�nige. Ishigari Terasian sah stets so aus, als sei er gerade aus der Benommenheit nach einer durchzechten Nacht erwacht. Er war der dickste Mann, den Ethenielle jemals auf einem Pferd gesehen hatte. Seine edle rote Jacke war zerknittert, seine Augen tr�b, die Wangen unrasiert. Kyril Shianri dagegen war gro� und schlank und trotz des Staubs und Schwei�es auf seinem Gesicht fast ebenso gepflegt wie Baldhere, mit Silbergl�ckchen an seinen Stiefelspitzen und Handschuhen sowie in seinen Z�pfen. Er trug seine �bliche unzufriedene Miene zur Schau und hatte die Angewohnheit, stets an seiner Hakennase entlang auf jedermann au�er Paitar k�hl herabzusehen. Shianri war auf vielerlei Arten wirklich ein Narr � arafellische K�nige gaben kaum jemals vor, auf ihre Berater zu h�ren, sondern verlie�en sich statt dessen auf ihre K�niginnen �, aber er war mehr, als er auf den ersten Blick zu sein schien.</p><p>Agelmar Jagad h�tte eine gr��ere Ausgabe Easars sein k�nnen, ein einfacher, schlicht gekleideter, stahlharter Mann mit mehr Waffen am K�rper als Baldhere � er schien nur auf eine Gelegenheit zu lauern, seine todbringenden Waffen einzusetzen �, w�hrend Alesune Chulin ebenso schlank wie Serailla beleibt, ebenso h�bsch wie Serailla nichtssagend und ebenso temperamentvoll wie diese zur�ckhaltend war. Alesune schien f�r ihre edlen blauen Seidengew�nder geboren. Man tat gut daran, sich in Erinnerung zu rufen, da� es auch bei Serailla ein Fehler war, nur nach dem �u�eren zu urteilen.</p><p>�Friede und Licht m�gen Euch gewogen sein, Ethenielle von Kandor�, sagte Easar verdrie�lich, als Ethenielle ihr Pferd vor den M�nnern verhielt. Und Paitar hob im selben Moment an; �Das Licht umarme Euch, Ethenielle von Kandor.� Paitars Stimme konnte Frauenherzen noch immer schneller schlagen lassen. Auch das Herz einer Frau, die wu�te, da� er ganz und gar ihr geh�rte. Ethenielle bezweifelte, da� Menuki jemals in ihrem Leben eifers�chtig gewesen war oder Grund dazu gehabt hatte.</p><p>Sie begr��te die M�nner ebenso knapp und endete schroff: �Ich hoffe, Ihr seid hierher gelangt, ohne entdeckt zu werden.�</p><p>Easar schnaubte, lehnte sich in seinem Sattel zur�ck und betrachtete sie grimmig. Er war ein harter Mann, der aber seit elf Jahren verwitwet war und noch immer trauerte. Er hatte f�r seine Frau Gedichte geschrieben � hinter dem �u�eren Anschein verbarg sich stets mehr. �Wenn wir bemerkt worden w�ren, Ethenielle�, grollte er, �k�nnten wir jetzt ebensogut umkehren.�</p><p>�Ihr sprecht bereits von Umkehr?� Shianri gelang es, seine Verachtung mit kaum ausreichender H�flichkeit zu verbinden, um einer Herausforderung vorzubeugen. Dennoch betrachtete Agelmar ihn kalt, wobei er sich leicht im Sattel vorbeugte, ein Mann, der genau wu�te, wo sich jede seiner Waffen befand. Sie waren in vielen K�mpfen entlang der Gro�en F�ule Verb�ndete gewesen, aber jetzt begegneten sie sich mit neuem Mi�trauen.</p><p>Alesune brachte ihr Pferd, eine graue Stute so gro� wie ein Streitro�, zum T�nzeln. Die schmalen wei�en Streifen in Alesunes langem schwarzen Haar erschienen pl�tzlich wie ein Helmschmuck, und ihre Augen lie�en jedermann rasch vergessen, da� shienarische Frauen niemals Waffen gebrauchten und auch keine Duelle ausfochten. Ihr Titel lautete einfach <emphasis>Bhatayan</emphasis> des K�nigshofs, und doch beging jedermann einen schweren Fehler, der glaubte, der Einflu� der Shatayan ende bei der Beaufsichtigung der K�che, Dienerinnen und Lieferanten. �Tollk�hnheit hat nichts mit Mut zu tun, Lord Shianri. Wir verlassen die Gro�e F�ule fast ungesch�tzt, und wenn wir scheitern � und vielleicht sogar wenn wir erfolgreich sind �, k�nnten einige von uns ihre K�pfe auf Spie�en wiederfinden. Vielleicht sogar wir alle. Die Wei�e Burg k�nnte sehr wohl daf�r sorgen, wenn dieser al'Thor es nicht tut.�</p><p>�Die Gro�e Faule scheint zu schlafen�, murrte Terasian, der sich das fleischige Kinn rieb. �Ich habe sie noch nie so ruhig erlebt.�</p><p>�Der Schatten schl�ft niemals�, wandte Jagad gelassen ein, und Terasian nickte, als w�re auch das erw�genswert. Agelmar war der beste Befehlshaber unter ihnen, einer der besten �berhaupt, aber Terasians Platz zu Paitars Rechten war beileibe nicht dadurch bedingt, da� er ein guter Trinkkumpan war.</p><p>�Ich habe gen�gend Soldaten zur�ckgelassen, die das Land besch�tzen, solange nicht wieder Trolloc-Kriege stattfinden�, sagte Ethenielle mit fester Stimme. �Ich vertraue darauf, da� Ihr alle ebenso klug gehandelt habt. Aber das ist bedeutungslos. Glaubt jemand, da� wir jetzt wirklich noch umkehren k�nnen?� Sie �u�erte diese letzte Frage n�chtern, ohne eine Antwort zu erwarten, aber sie erhielt dennoch eine.</p><p>�Umkehren?� fragte eine Frau mit hoher Stimme hinter ihr. Tenobia von Saldaea galoppierte in die Versammlung und z�gelte ihren wei�en Wallach dann so ruckartig, da� er sich heftig aufb�umte. Dichte Perlenreihen zogen sich die dunkelgrauen �rmel ihres Reitgewandes mit engen R�cken hinab, w�hrend �ppige, rotgoldene Stickerei ihre schlanke Taille und den wohlgerundeten Busen betonte. Sie war f�r eine Frau gro�, und sie war trotz einer bestenfalls verwegenen Nase h�bsch, wenn nicht sogar sch�n. Gro�e schr�gstehende Augen von einem tiefen Dunkelblau verst�rkten diesen Eindruck gewi� noch, aber ebenso ihre au�ergew�hnliche Selbstsicherheit. Wie erwartet, wurde die K�nigin von Saldaea nur von Kalyan Ramsin begleitet, einem ihrer zahlreichen Onkel, ein grauhaariger Mann mit einem pockennarbigen Adlergesicht und einem dichten, um seinen Mund abw�rts gebogenen Schnurrbart. Tenobia Kazadi duldete den Rat der Soldaten, aber von niemand sonst. �Ich werde nicht umkehren�, fuhr sie zornig fort, �ungeachtet dessen, was Ihr anderen zu tun gedenkt. Ich habe meinen <emphasis>lieben</emphasis> Onkel Davram ausgesandt, mir den Kopf des falschen Drachen Mazrim Taim zu bringen, und nun folgen sowohl er als auch Taim diesem al'Thor, wenn ich auch nur die H�lfte dessen glauben darf, was ich geh�rt habe. Ich habe fast f�nftausend M�nner hinter mir, und was auch immer Ihr beschlie�en m�gt � <emphasis>ich</emphasis> werde nicht umkehren, bis mein Onkel und al'Thor begriffen haben, wer Saldaea regiert.�</p><p>Ethenielle wechselte Blicke mit Serailla und Baldhere, w�hrend Paitar und Easar Tenobia versicherten, da� sie ebenfalls weiterziehen wollten. Serailla sch�ttelte kaum merklich den Kopf und zuckte mit den Achseln. Baldhere verdrehte ungehalten die Augen. Ethenielle hatte nicht wirklich gehofft, Tenobia w�rde letztendlich beschlie�en fernzubleiben, aber das M�dchen w�rde gewi� Schwierigkeiten machen.</p><p>Die Saldaeaner waren ein seltsamer Menschenschlag � Ethenielle hatte sich oftmals gefragt, wie ihre Schwester Einone es schaffte, eine solch gute Ehe mit einem weiteren Onkel Tenobias zu f�hren �, aber Tenobia trieb diese Seltsamkeit auf die Spitze. Man erwartete von jedem Saldaeaner auff�lliges Verhalten, aber Tenobia geno� es, Domani vor den Kopf zu sto�en und Altarener langweilig erscheinen zu lassen. Das Temperament der Saldaeaner war legend�r, aber ihres glich einem verheerenden Feuer bei Sturm, und man konnte niemals vorhersagen, was den Funken ausl�ste. Ethenielle mochte nicht einmal daran denken, die Frau gegen ihren Willen Vernunftgr�nden zug�nglich machen zu wollen. Nur Davram Bashere hatte dies bisher erreichen k�nnen. Und dann war da noch die Frage der Heirat.</p><p>Tenobia war noch jung, wenn auch Jahre �ber das Alter hinaus, in dem sie h�tte heiraten sollen � die Eheschlie�ung war f�r jedes Mitglied eines Herrscherhauses eine Pflicht und um so mehr f�r den Herrscher selbst, da B�ndnisse geschlossen und Erben hervorgebracht werden mu�ten �, aber Ethenielle hatte das M�dchen niemals f�r einen ihrer eigenen S�hne in Erw�gung gezogen. Tenobias Anspr�che an einen Ehemann umfa�ten s�mtliche Erwartungen an alle anderen um sie herum. Er mu�te in der Lage sein, sich einem Dutzend Myrddraal zu stellen und sie zu t�ten �w�hrend er gleichzeitig die Harfe spielte <emphasis>und</emphasis> Gedichte schrieb. Er mu�te in der Lage sein, Gelehrte zu verwirren � w�hrend er auf einem Pferd eine steile Klippe hinabritt. Oder vielleicht hinauf. Nat�rlich w�rde er sich ihr beugen m�ssen � sie war immerhin eine K�nigin �, nur da� Tenobia hin und wieder von ihm erwarten w�rde, da� er ignorierte, was auch immer sie sagte, und sie sich gef�gig machte. Das M�dchen wollte <emphasis>genau</emphasis> das! Und das Licht helfe ihm, wenn er sie bezwingen wollte, wenn sie Ergebenheit verlangte, oder sich ihr beugte, wenn sie es wiederum anders haben wollte. Sie �u�erte nichts von alledem jemals offen, aber jede Frau mit Verstand, die sie �ber M�nner reden h�rte, konnte es sich bald zusammenreimen. Tenobia w�rde als Jungfrau sterben. Was bedeutete, da� ihr Onkel Davram den Thron erben w�rde, wenn sie ihn nach alledem am Leben lie�e, oder ansonsten Davrams Erbe.</p><p>Ein Wort erweckte Ethenielles Aufmerksamkeit und lie� sie sich j�h im Sattel aufrichten. Sie h�tte aufpassen sollen. Zuviel stand auf dem Spiel. �Aes Sedai?� fragte sie scharf. �Was ist mit den Aes Sedai?� Bis auf Paitars Ratgeber waren alle Berater aus der Wei�en Burg bei der Nachricht �ber die Zerw�rfnisse in der Burg gegangen, wobei ihre eigene Nianh und Easars Aisling sogar spurlos verschwanden. Wenn Aes Sedai einen Hinweis auf ihre Pl�ne erhalten hatten... Nun, Aes Sedai hatten stets eigene Pl�ne. Stets. Sie w�rde nicht gern feststellen m�ssen, da� sie ihre H�nde in zwei Hornissennester steckte anstatt nur in eines.</p><p>Paitar zuckte mit den Achseln und schien ein wenig verwirrt. Das war bei ihm erstaunlich, denn er lie� sich, ebenso wie Serailla, durch nichts ersch�ttern. �Ihr habt doch wohl kaum von mir erwartet, da� ich Coladara zur�cklasse, Ethenielle�, sagte er bes�nftigend. �Selbst wenn ich die Vorbereitungen vor ihr h�tte geheimhalten k�nnen.� Das hatte sie tats�chlich nicht erwartet. Seine Lieblingsschwester war eine Aes Sedai, und Kiruna hatte ihn zutiefst f�r die Burg eingenommen. Ethenielle hatte es nicht erwartet, aber sie hatte es zumindest gehofft. �Coladara hatte Besucher�, fuhr er fort. �Sieben Besucher. Es schien mir vern�nftig, sie unter den gegebenen Umst�nden mitzubringen. Gl�cklicherweise mu�te ich sie nicht lange �berzeugen. Tats�chlich �berhaupt nicht.�</p><p>�Das Licht bescheine und bewahre unsere Seelen�, keuchte Ethenielle und h�rte Serailla und Baldhere das gleiche �u�ern. �Acht Schwestern, Paitar? Acht?� Die Wei�e Burg kannte inzwischen gewi� jeden ihrer beabsichtigten Schritte.</p><p>�Und ich habe noch f�nf weitere bei mir�, warf Tenobia beil�ufig ein. �Sie begegneten mir, unmittelbar bevor ich Saldaea verlie�. Zuf�llig, dessen bin ich mir sicher. Sie schienen genauso �berrascht dar�ber zu sein wie ich. Als sie erfuhren, was ich vorhatte �ich wei� noch immer nicht, wie sie es erfuhren, aber sie wu�ten es �, war ich �berzeugt, sie w�rden eiligst Memara aufsuchen.� Sie furchte finster die Stirn. Elaida hatte sich schwer verrechnet, als sie eine Schwester sandte, um Tenobia einzusch�chtern. �Statt dessen�, endete sie, �waren Illeisien und die �brigen mehr auf Geheimhaltung bedacht als ich.�</p><p>�Dennoch�, beharrte Ethenielle. �Dreizehn Schwestern. Es mu� nur eine von ihnen eine M�glichkeit finden, eine Nachricht zu �bermitteln. Nur wenige Zeilen. Glaubt irgend jemand von Euch, er k�nne sie aufhalten?�</p><p>�Die W�rfel sind gefallen�, stellte Paitar schlicht fest. Was geschehen war, war geschehen. Arafeller waren f�r Ethenielle fast ebenso seltsam wie Saldaeaner.</p><p>�Weiter s�dlich�, f�gte Easar hinzu, �wird es vielleicht von Nutzen sein, dreizehn Aes Sedai unter uns zu haben.� Schweigen folgte, w�hrend greifbar war, was die Worte bedeuteten. Aber niemand wollte es aussprechen. Dies war etwas vollkommen anderes, als sich der Gro�en F�ule entgegenzustellen.</p><p>Tenobia lachte j�h unheimlich. Ihr Wallach begann zu t�nzeln, aber sie beruhigte ihn. �Ich will so schnell wie m�glich s�dw�rts gelangen, aber ich lade Euch alle ein, heute abend mit mir in meinem Zelt zu speisen. Ihr habt Gelegenheit, mit Illeisien und ihren Freunden zu sprechen, um festzustellen, ob Euer Urteil dem meinen entspricht. Und vielleicht k�nnten wir uns anschlie�end morgen abend alle in Paitars Lager versammeln und die Freundinnen seiner Schwester Coladara befragen.� Der Vorschlag war so vern�nftig, so offensichtlich notwendig, da� ihm sofort zugestimmt wurde. Und dann f�gte Tenobia wie als Nachgedanken hinzu: �Mein Onkel Kalyan w�re geehrt, wenn Ihr ihm erlaubtet, heute abend neben Euch zu sitzen, Ethenielle. Er bewundert Euch sehr.�</p><p>Ethenielle schaute zu Kalyan Ramsin � der Bursche, der hinter Tenobia schweigend auf seinem Pferd gesessen hatte, der niemals sprach und kaum jemals zu atmen schien �, sie sah ihn nur an, und einen Augenblick lang l�ftete der grauhaarige Adler den Schleier vor seinen Augen. Einen Augenblick lang sah sie etwas, was sie, seit ihr Bry gestorben war, nicht mehr gesehen hatte, einen Mann, der nicht eine K�nigin, sondern eine Frau ansah. Diese Erkenntnis traf sie v�llig unerwartet und raubte ihr den Atem. Tenobia blickte von ihrem Onkel zu Ethenielle und l�chelte zufrieden.</p><p>Zorn flammte in Ethenielle auf. Dieses L�cheln lie� alles so klar erscheinen wie Quellwasser, wenn Kalyans Blick dies nicht schon bewirkt hatte. Dieses junge Ding wollte den Burschen mit <emphasis>ihr</emphasis> verheiraten? Dieses Kind nahm an...? Pl�tzlich �berschattete Traurigkeit ihren Zorn. Sie selbst war noch j�nger gewesen, als sie die Heirat ihrer verwitweten Schwester Nazelle angeordnet hatte. Eine Staatsangelegenheit � und doch hatte Nazelle Lord Ismic, trotz all ihrer anf�nglichen Proteste, lieben gelernt. Sie sah Kalyan erneut und l�nger an. Sein ledriges Gesicht zeigte wieder angemessenen Respekt, und doch sah sie seine Augen, wie sie einstmals gewesen waren. Der Gemahl, den sie erw�hlte, w�rde ein harter Mann sein m�ssen, aber sie war bei den Ehen ihrer Kinder stets darauf bedacht gewesen, da� die Liebe zu ihrem Recht kam, und sie w�rde bei sich selbst keine niedrigeren Ma�st�be anlegen.</p><p>�Anstatt Tageslicht mit Reden zu verschwenden�, sagte sie atemloser, als ihr lieb war, �sollten wir das tun, weshalb wir hergekommen sind.� Das Licht versenge ihre Seele � sie war eine erwachsene Frau, kein M�dchen, das zum ersten Mal einem Freier begegnete. �Nun?� fragte sie. Dieses Mal klang ihre Stimme angemessen fest.</p><p>Alle Vereinbarungen waren in jenen sorgf�ltig formulierten Briefen getroffen worden, aber alle Pl�ne w�rden auf dem Weg nach S�den unter ver�nderten Umst�nden angepa�t werden m�ssen. Dieses Treffen hatte nur einen wahren Zweck, eine einfache, uralte Zeremonie der Grenzlande, �ber die in all den Jahren seit der Zerst�rung nur sieben Mal berichtet wurde. Eine schlichte Zeremonie, die sie �ber alle Worte hinaus, wie aussagekr�ftig auch immer sie sein mochten, binden w�rde. Die Herrscher f�hrten ihre Pferde n�her zueinander, w�hrend sich die Gefolgsleute zur�ckzogen.</p><p>Ethenielle stie� einen Zischlaut aus, als sie mit dem Dolch �ber ihre linke Handfl�che schnitt. Tenobia lachte, w�hrend sie ihre Hand einritzte. Paitar und Easar h�tten genausogut nur Splitter aus ihrer Haut ziehen k�nnen. Vier H�nde wurden ausgestreckt und verschr�nkt, das Herzblut vermischte sich, tropfte zu Boden, wurde von der steinharten Erde aufgesogen. �Wir sind eins, bis in den Tod�, sagte Easar, und sie alle sprachen die Worte mit ihm. �Wir sind eins, bis in den Tod.� Sie waren durch Blut und Erde verbunden. Jetzt mu�ten sie Rand al'Thor finden und tun, was getan werden mu�te. Ungeachtet, was es kostete.</p><p/><p>Als sie sich �berzeugt hatte, da� Turanna sich ohne Hilfe auf dem Kissen aufsetzen konnte, erhob sich Verin und lie� die zusammengesunkene Wei�e Schwester zur�ck, die aus einem Becher trank. Oder zumindest versuchte sie, Wasser zu trinken. Turannas Z�hne klapperten an den Silberbecher, was wenig verwunderlich war. Der Eingang des Zeltes war so niedrig, da� Verin sich ducken mu�te, um den Kopf hinauszustrecken. Schw�che vereinnahmte ihr R�ckgrat, wenn sie sich b�ckte. Sie hatte keine Angst vor der Frau, die hinter ihr in einem rauhen schwarzen Gewand zitterte. Verin hielt den vor ihr aufgebauten Schild fest, und sie bezweifelte, da� Turanna im Moment genug Kraft in den Beinen hatte, sie von hinten anzuspringen, selbst wenn ihr solch ein unglaublicher Gedanke k�me. Wei�e dachten einfach nicht auf diese Art. Zudem war es angesichts Turannas Zustand zweifelhaft, da� sie in den n�chsten Stunden schon wieder die Macht lenken k�nnte, selbst wenn sie nicht abgeschirmt w�re.</p><p>Das Aiel-Lager bedeckte die H�gel, hinter denen Cairhien lag. Niedrige, erdfarbene Zelte f�llten den Raum zwischen den wenigen B�umen aus, die so nahe der Stadt belassen worden waren. Staubwolken hingen in der Luft, aber weder Staub noch Hitze noch der grelle Glanz einer zornigen Sonne k�mmerten die Aiel. Gesch�ftigkeit und Zweckm��igkeit lie�en das Lager einer Stadt �hneln. In Verins Sichtfeld zerlegten M�nner Wild und flickten Zelte, sch�rften Dolche oder verfertigten die weichen Stiefel, die alle trugen.</p><p>Frauen kochten �ber offenen Feuern, buken Brot, arbeiteten an kleinen Webst�hlen oder k�mmerten sich um die wenigen Kinder im Lager. �berall eilten wei� gekleidete <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit Lasten umher, klopften Teppiche aus oder k�mmerten sich um Packpferde und Maultiere. Es waren keine Stra�enh�ndler oder Verkaufsst�nde zu sehen. Und nat�rlich keine Karren und Wagen. Keine Stadt � es waren eher tausend an einem Ort versammelte D�rfer, obwohl weitaus mehr M�nner als Frauen zu sehen waren und fast jeder Mann mit Ausnahme der Schmiede und jener, die wei� gekleidet waren, Waffen trug. F�r die meisten Frauen galt dies ebenfalls.</p><p>Die Anzahl der Menschen entsprach gewi� der Einwohnerschaft gro�er St�dte, mehr als genug Menschen, um einige wenige Aes Sedai-Gefangene vollkommen einzuschlie�en, und doch sah Verin eine schwarz gewandete Frau keine f�nfzig Schritte entfernt, die einen h�fthohen Stapel Steine auf einer Kuhhaut hinter sich herzog. Eine gro�e Kapuze verdeckte ihr Gesicht, aber au�er den gefangenen Schwestern trug niemand im Lager diese schwarzen Gew�nder. Eine Weise Frau schlenderte dicht an der Kuhhaut vorbei und ergl�hte vor Macht, w�hrend sie die Gefangene abschirmte. Unterdessen flankierten zwei T�chter des Speers die Schwester und benutzten Gerten, um sie voranzudr�ngen, wann immer sie taumelte. Verin fragte sich, ob sie das hatte sehen sollen. Erst heute morgen war sie an einer wild dreinblickenden Coiren Saeldain vor�bergegangen, welcher der Schwei� das Gesicht herablief. Sie wurde von einer Weisen Frau und zwei Aiel-M�nnern begleitet und ein gro�er, mit Sand gef�llter Korb beugte ihren R�cken, w�hrend sie einen Hang hinaufstolperte. Und gestern war es Sarene Nemdahl gewesen. Sie hatten ihr die Aufgabe zugewiesen, mit den H�nden Wasser aus einem Ledereimer in einen anderen zu sch�pfen, sie schlugen sie mit der Gerte, damit sie schneller arbeitete, und schlugen sie dann f�r jeden dadurch vergossenen Tropfen, da� sie geschlagen wurde, um schneller zu arbeiten. Sarene hatte Verin nach dem Warum gefragt, aber nicht so, als erwarte sie eine Antwort. Verin hatte nat�rlich auch keine Antwort geben k�nnen, bevor die T�chter des Speers Sarene wieder an ihre sinnlose Arbeit trieben.</p><p>Sie unterdr�ckte ein Seufzen. Einerseits konnte sie nicht wirklich Gefallen daran finden, wenn Schwestern, aus welchen Gr�nden oder Notwendigkeiten auch immer, so behandelt wurden, und andererseits war es nicht zu �bersehen, da� gewisse Weise Frauen wollten... Was eigentlich? Da� sie wu�te, da� es hier nichts zahlte, eine Aes Sedai zu sein? L�cherlich. Das war schon vor Tagen �beraus offensichtlich gewesen. Oder vielleicht, da� sie auch in ein schwarzes Gewand gesteckt werden k�nnte? Im Moment glaubte sie, zumindest davor sicher zu sein, aber die Weisen Frauen verbargen zahlreiche Geheimnisse, die sie noch aufdecken mu�te und deren geringstes der Aufbau ihrer Hierarchie war. Das allergeringste Geheimnis, und doch beinhaltete dies das �berleben und eine heile Haut. Frauen, die Befehle gaben, nahmen manchmal auch Befehle von gerade jenen Frauen entgegen, denen sie zuvor Befehle erteilt hatten, und sp�ter wechselte dies dann wiederum ohne ersichtlichen Grund. Niemand befehligte jedoch jemals Sorilea � und darin lag vielleicht ein gewisses Ma� an Sicherheit.</p><p>Sie konnte nicht umhin, Zufriedenheit zu versp�ren. Heute morgen im Sonnenpalast hatte Sorilea zu wissen verlangt, was Feuchtl�nder am meisten besch�mte. Kiruna und die �brigen Schwestern verstanden nicht. Sie bem�hten sich nicht wirklich zu verstehen, was hier drau�en vor sich ging, vielleicht weil sie sich vor dem f�rchteten, was sie erfahren k�nnten und da� solches Wissen ihre Eide beeintr�chtigen k�nnte. Sie bem�hten sich allenfalls, den Weg f�r sich selbst zu rechtfertigen, auf den das Schicksal sie verschlagen hatte, aber Verin hatte f�r den von ihr verfolgten Weg bereits Sinn und Zweck gefunden. Sie hatte au�erdem eine Liste in der Tasche, die sie Sorilea �bergeben wollte, wenn sie allein w�ren. Die anderen brauchten nichts davon zu wissen. Einigen der Gefangenen war sie noch niemals begegnet, aber sie glaubte, da� ihre Liste die Schw�chen der meisten aufzeigte, nach denen Sorilea suchte. Das Leben w�rde f�r die Frauen in Schwarz noch weitaus schwieriger werden. Und ihre eigenen Bem�hungen w�rden ihr mit etwas Gl�ck weiterhin n�tzen.</p><p>Zwei gro�e Aiel-M�nner sa�en unmittelbar vor dem Zelt und schienen in ein Fadenspiel vertieft, aber sie blickten sich sofort um, als ihr Kopf im Zelteingang erschien. Coram erhob sich trotz seiner Statur geschmeidig wie eine Schlange, und Mendan z�gerte nur solange, bis er den Faden eingesteckt hatte. In aufrechter Haltung h�tte ihr Kopf kaum bis zur Brust der M�nner gereicht. Aber sie h�tte sie nat�rlich dennoch beide z�chtigen k�nnen, wenn sie es gewagt h�tte. Sie war hin und wieder versucht gewesen. Sie waren ihre bestellten Berater, die sie vor Mi�verst�ndnissen im Lager bewahren sollten. Und sie gaben zweifellos alles, was sie sagte oder tat, weiter. Sie h�tte es vorgezogen, Tomas bei sich zu haben, aber nur auf mancherlei Art. Es war weitaus schwieriger, Geheimnisse vor seinem Beh�ter als vor Fremden zu bewahren.</p><p>�Bitte sagt Colinda, da� ich mit Turanna Norill fertig bin�, wandte sie sich an Coram, �und ersucht sie. Katerine Alruddin zu mir zu schicken.� Sie wollte sich zun�chst um die Schwestern k�mmern, die keine Beh�ter besa�en. Er nickte einmal, bevor er wortlos davontrottete. Diese Aiel-M�nner waren nicht sehr h�flich.</p><p>Mendan kauerte sich wieder hin und beobachtete sie mit erschreckend blauen Augen. Einer von ihnen blieb, ungeachtet ihrer Befehle, stets bei ihr. Ein Streifen roten Tuchs war um Mendans Schl�fen gebunden, der mit dem uralten Symbol der Aes Sedai gekennzeichnet war. Wie die anderen M�nner, die dieses Abzeichen trugen, und wie die T�chter des Speers schien er darauf zu warten, da� ihr ein Fehler unterlief. Nun, sie waren nicht die ersten, und bei weitem nicht die gef�hrlichsten. Einundsiebzig Jahre waren vergangen, seit sie zuletzt einen ernsthaften Fehler begangen hatte.</p><p>Sie l�chelte Mendan unbestimmt zu und wollte sich wieder ins Zelt zur�ckziehen, als pl�tzlich etwas ihren Blick auf sich zog. Wenn der Aiel in dem Moment versucht h�tte, ihr die Kehle durchzuschneiden, h�tte sie es vielleicht nicht einmal bemerkt.</p><p>Nicht weit von der Stelle entfernt, wo sie gebeugt im Zelteingang stand, knieten neun oder zehn Frauen in einer Reihe und rollten die M�hlsteine flacher Handm�hlen �hnlich denen auf abgeschiedenen Bauernh�fen. Andere Frauen brachten in K�rben Korn heran und trugen das grobe Mehl fort. Die Frauen in dunklen R�cken und hellen Blusen hatten ihre Haare mit gefalteten T�chern zur�ckgebunden. Eine Frau, die deutlich kleiner war als die �brigen, diejenige, deren Haar nicht bis zur Taille reichte, trug weder eine Halskette noch ein Armband. Sie schaute auf, und der Groll vertiefte sich auf ihrem sonnenger�teten Gesicht, als sie Verins Blick begegnete. Jedoch nur einen Moment, bevor sie sich hastig wieder �ber ihre Arbeit beugte.</p><p>Verin zog sich rasch ins Zelt zur�ck, w�hrend ihr Magen rebellierte. Irgain geh�rte der Gr�nen Ajah an. Oder vielmehr hatte sie der Gr�nen Ajah angeh�rt, bevor Rand al'Thor sie d�mpfte. Abgeschirmt zu sein, schw�chte den Bund mit einem Beh�ter und machte ihn verschwommen, aber ged�mpft zu sein, trennte ihn so sicher wie der Tod. Einer von Irgains beiden Beh�tern war offensichtlich vor Schreck tot umgefallen, und der andere war bei dem Versuch gestorben, Tausende von Aiel zu t�ten, ohne da� er zu entkommen versucht h�tte. Irgain w�nschte sich h�chstwahrscheinlich, sie w�re ebenfalls tot. Ged�mpft. Verin pre�te beide H�nde auf ihren Magen. Sie w�rde sich <emphasis>nicht</emphasis> �bergeben. Sie hatte schon Schlimmeres als eine ged�mpfte Frau gesehen. Viel Schlimmeres.</p><p>�Es gibt wohl keine Hoffnung mehr?� murmelte Turanna mit belegter Stimme. Sie weinte lautlos und starrte den Silberbecher in ihren zitternden H�nden wie einen entfernten und erschreckenden Gegenstand an. �Keine Hoffnung.�</p><p>�Es gibt immer einen Ausweg, wenn man nur danach sucht�, erkl�rte Verin und t�tschelte der Frau beil�ufig die Schulter. �Ihr m��t stets danach suchen.�</p><p>Ihre Gedanken rasten, doch keiner ber�hrte Turanna. Das Licht wu�te, da� Irgains D�mpfung ihr Inneres sich umkehren lie�. Aber warum mahlte die Frau Korn? Und weshalb war sie wie eine Aiel-Frau gekleidet? Mu�te sie genau an dieser Stelle arbeiten, damit Verin sie sehen konnte? Eine t�richte Frage. Selbst bei so starkem <emphasis>Ta'veren</emphasis> wie Rand al'Thors in nur wenigen Meilen Entfernung gab es Grenzen der Anzahl an Zuf�llen, die sie akzeptieren w�rde. Hatte sie sich verrechnet? Aber es konnte schlimmstenfalls kein allzu gro�er Fehler sein. Allerdings erwiesen sich kleine Fehler manchmal als ebenso t�dlich wie gro�e. Wie lange konnte sie aushalten, wenn Sorilea sie zu brechen beschlo�? Vermutlich nur beunruhigend kurze Zeit. Sorilea war auf vielerlei Weise h�rter als jeder andere Mensch, dem sie jemals begegnet war. Und sie konnte nichts vorbringen, um ihr Einhalt zu gebieten. Aber darum w�rde sie sich ein anderes Mal sorgen. Es hatte keinen Zweck, gedanklich vorauszueilen.</p><p>Sie kniete sich hin und bem�hte sich ein wenig, Turanna zu beruhigen, aber nicht allzu sehr. Ihre tr�stenden Worte klangen f�r Turanna wohl ebenso hohl wie f�r sie selbst, wenn man die Leere in ihren Augen betrachtete. Nichts konnte Turannas Lage �ndern au�er Turanna, und das mu�te sie selbst vollbringen. Die Wei�e Schwester weinte nur noch heftiger, wenn auch lautlos, w�hrend ihre Schultern bebten und Tr�nen ihr Gesicht herabstr�mten. Das Eintreten zweier Weiser Frauen und zweier junger Aiel-M�nner, die sich im Zelt nicht aufrichten konnten, bedeutete eine gewisse Erleichterung, jedenfalls f�r Verin. Sie erhob sich und vollf�hrte einen geschmeidigen Hofknicks, aber keiner der vier schenkte ihr auch nur die geringste Aufmerksamkeit.</p><p>Daviena war eine Frau mit gr�nen Augen und rotblondem Haar, und Losaine hatte graue Augen und dunkles Haar, das nur in der Sonne ein wenig Rot zeigte. Beide waren �ber einen Kopf gr��er als Verin und machten ein Gesicht, als sei innen eine unangenehme Aufgabe zugedacht worden, die sie jemand anderem w�nschten. Keine konnte die Macht ausreichend stark lenken, um Turanna allein halten zu k�nnen, aber sie verbanden sich, als h�tten sie schon ihr ganzes Leben lang Zirkel gebildet, wobei das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> um die Frauen zu verschmelzen schien, obwohl sie ein St�ck voneinander entfernt standen. Verin zwang sich zu einem L�cheln, um nicht grimmig zu erscheinen. Wo <emphasis>hatten</emphasis> sie das gelernt? Sie h�tte ihren ganzen Besitz darauf verwettet, da� sie es noch vor wenigen Tagen nicht gekonnt hatten.</p><p>Dann ging alles schnell und reibungslos vonstatten. Als die beiden M�nner Turanna an den Armen hochzogen, lie� sie den Silberbecher fallen, der zu ihrem Gl�ck leer war. Sie wehrte sich nicht, was ebensogut war, weil sie bedachte, da� jeder der M�nner sie wie einen Sack Mehl unter einem Arm h�tte davontragen k�nnen, aber ihr Mund stand offen, und sie stie� lautlos Verw�nschungen aus. Die Aiel k�mmerten sich nicht darum. Daviena in der Mitte des Zirkels �bernahm den Schild, und Verin lie� die Quelle vollkommen los. Keine von ihnen vertraute ihr, ungeachtet der Eide, die sie geschworen hatte, in ausreichendem Ma�e, um sie <emphasis>Saidar</emphasis> ohne ersichtlichen Grund festhalten zu lassen. Niemand schien es zu bemerken, aber sie h�tten es gewi� gemerkt, wenn sie an der Macht festgehalten h�tte. Die M�nner zerrten Turanna davon, wobei ihre blo�en F��e �ber die auf dem Boden des Zeltes ausgelegten Teppiche schleiften, und die Weisen Frauen folgten ihnen hinaus. Dann war alles vorbei. Was mit Turanna getan werden konnte, war getan worden.</p><p>Verin atmete tief aus und sank auf eines der bunten, mit Quasten versehenen Kissen. Ein edles, goldenes, mit einem Rankenmuster verziertes Tablett stand auf den Teppichen neben ihr. Sie f�llte einen der Silberbecher aus einem Zinnkrug und trank in gro�en Schlucken. Dies war eine schwei�treibende und erm�dende Arbeit. Es blieben noch Stunden Tageslicht, und doch f�hlte sie sich bereits jetzt, als h�tte sie eine schwere Kiste zwanzig Meilen weit getragen. Sie stellte den Becher wieder auf das Tablett und zog ihr kleines, ledergebundenes B�chlein aus ihrem G�rtel hervor. Es dauerte stets eine Weile, bis jene gebracht wurden, nach denen sie schickte. Einige Augenblicke, in denen sie ihre Aufzeichnungen durchgehen und neue Notizen machen konnte, w�ren keine vergeudete Zeit.</p><p>Es war nicht n�tig, Notizen �ber die Gefangenen zu machen, aber das pl�tzliche Erscheinen Cadsuane Melaidhrins vor mittlerweile drei Tagen gab Anla� zur Sorge. Hinter was <emphasis>war</emphasis> Cadsuane her? Ihre Begleiter konnte man au�er acht lassen, aber Cadsuane selbst war eine Legende, und allein schon die glaubhaften Erz�hlungen machten sie in der Tat gef�hrlich. Gef�hrlich und unberechenbar. Verin nahm eine Feder aus dem kleinen h�lzernen Schreibk�stchen, das sie stets bei sich trug, und griff nach der verschlossenen Tintenflasche in ihrer H�lle, als erneut eine Weise Frau das Zelt betrat.</p><p>Verin sprang so rasch auf, da� ihr B�chlein herabfiel. Aeron konnte die Macht �berhaupt nicht lenken, und doch vollf�hrte Verin vor der bereits ergrauenden Frau einen weitaus tieferen Hofknicks, als sie es vor Daviena und Losaine getan hatte. Als ihr Gesicht fast den Boden ber�hrte, lie� sie ihre R�cke los, um nach dem B�chlein zu greifen, aber Aerons Finger erreichten es zuerst. Verin richtete sich auf und beobachtete gelassen, wie die gr��ere Frau die Seiten durchbl�tterte.</p><p>Himmelblaue Augen begegneten ihren. Ein Winterhimmel. �Einige h�bsche Zeichnungen und sehr vieles �ber Pflanzen und Blumen�, sagte Aeron kalt. �Ich kann nichts �ber die Untersuchung entdecken, derentwegen Ihr gesandt wurdet.� Sie dr�ckte Verin das Buch barsch in die Hand.</p><p>�Danke, Weise Frau�, sagte Verin dem�tig und verstaute das B�chlein wieder sicher in ihrem G�rtel.</p><p>Sie vollf�hrte sogar vorsichtshalber noch einen weiteren, ebenso tiefen Hofknicks wie den ersten. �Ich habe die Angewohnheit zu notieren, was ich sehe.� Eines Tages w�rde sie die Geheimschrift, die sie f�r ihre Aufzeichnungen benutzte, in entschl�sselter Form niederschreiben m�ssen. Eines Tages, aber hoffentlich nicht allzu bald. Die Schr�nke und Kisten in ihren R�umen �ber der Bibliothek der Wei�en Burg waren voll mit solchen B�chern. �Was die ... ehm ... Gefangenen betrifft, so berichten sie bisher denselben Sachverhalt alle unterschiedlich. Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> sollte bis zur Letzten Schlacht in der Burg aufgenommen werden. Seine ... ehm ... Mi�handlung begann nach einem Fluchtversuch. Aber das wi�t Ihr nat�rlich bereits. Aber seid unbesorgt � ich werde gewi� noch mehr erfahren.� Das war nur zu wahr, wenn auch nicht die ganze Wahrheit. Sie hatte zu viele Schwestern sterben sehen, um es zu riskieren, die anderen ohne einen sehr guten Grund ins Grab zu schicken. Schwierig war jedoch zu entscheiden, was dieses Risiko ausl�sen k�nnte. Die Umst�nde der Entf�hrung des jungen al'Thor durch eine Abordnung erweckte in den Aiel Mordlust, aber was sie seine �Mi�handlung� nannten, erz�rnte sie kaum, soweit sie es beurteilen konnte.</p><p>Gold- und Elfenbeinarmb�nder klapperten leise, als Aeron ihre dunkle Stola richtete. Sie betrachtete Verin, als versuche sie, deren Gedanken zu lesen. Aeron nahm unter den Weisen Frauen anscheinend einen hohen Rang ein, und obwohl Verin gelegentlich ein L�cheln jene tief gebr�unten Wangen hatte kr�useln sehen, ein herzliches und unbeschwertes L�cheln, galt es jedoch niemals einer Aes Sedai. <emphasis>Wir h�tten niemals vermutet, da�</emphasis> Ihr <emphasis>diejenigen w�rt, die versagen,</emphasis> hatte sie Verin recht niedergeschlagen er�ffnet. Ihre weiteren Worte hatten jedoch keinen Zweifel mehr gelassen. <emphasis>Aes Sedai besitzen keine Ehre. Gebt mir nur den geringsten Grund, Euch zu mi�trauen, und ich werde Euch eigenh�ndig z�chtigen, bis Ihr nicht mehr stehen k�nnt. Gebt mir einen zweifachen Grund, Euch zu mi�trauen, und ich werde Euch f�r die Geier und Ameisen pf�hlen.</emphasis> Verin sah blinzelnd zu ihr hoch und bem�hte sich, aufrichtig zu wirken. Und dem�tig. Sie durfte nicht vergessen, dem�tig zu wirken. F�gsam und willf�hrig. Sie empfand keine Angst. Sie hatte in ihrem Leben schon h�rteren Blicken standgehalten, von Frauen � und M�nnern �, die nicht Aerons wenn auch geringe Bedenken teilten, wenn es darum ging, ihr Leben zu beenden. Aber es hatte sie erhebliche M�he gekostet, zu dieser Befragung geschickt zu werden. Sie konnte es sich nicht leisten, diese M�he vergeblich aufgewendet zu haben. Wenn man diesen Aiel nur mehr an den Gesichtern ablesen k�nnte!</p><p>Sie wurde sich j�h der Tatsache bewu�t, da� sie nicht mehr allein im Zelt waren. Zwei flachshaarige M�dchen waren mit einer schwarz gewandeten Frau eingetreten, die eine Handbreit kleiner als die beiden war und die sie halbwegs st�tzen mu�ten. Eines der M�dchen war Tialin, eine d�nne Rothaarige, die hinter dem Licht <emphasis>Saidars</emphasis> grimmig dreinblickte und die schwarz gewandete Gefangene abschirmte. Das Haar der Schwester hing in schwei�feuchten Locken bis auf ihre Schultern herab, und einzelne Str�hnen klebten an ihrem Gesicht, das so verschmutzt war, da� Verin sie zun�chst nicht erkannte. Das andere M�dchen hatte hohe Wangenknochen, wenn auch nicht <emphasis>sehr</emphasis> hoch angesetzt, eine Nase mit einer leicht hakenf�rmigen Kr�mmung und kaum merklich schr�gstehende braune Augen... Beldeine. Beldeine Nyram. Sie hatte das M�dchen in einigen Novizinnenkursen unterrichtet.</p><p>�D�rfte ich fragen�, begann sie vorsichtig, �warum sie gebracht wurde? Ich habe nach jemand anderem geschickt.� Beldeine hatte keinen Beh�ter, obwohl sie eine Gr�ne war � sie war erst vor knapp drei Jahren zur Stola erhoben worden, und Gr�ne waren h�ufig besonders w�hlerisch bez�glich ihres ersten Beh�ters �, aber wenn sie damit begannen, wen immer sie wollten herzubringen, k�nnte die n�chste Gefangene vielleicht zwei oder drei Beh�ter besitzen. Verin glaubte, heute noch zwei weitere Befragungen bew�ltigen zu k�nnen, aber nicht, wenn die Frauen auch nur einen Beh�ter h�tten. Und sie bezweifelte, da� sie ihr bei irgendeiner Gefangenen eine zweite Chance g�ben.</p><p>�Katerine Alruddin ist gestern abend entkommen�, spie Tialin fast hervor. Verin keuchte.</p><p>�Ihr habt sie <emphasis>entkommen</emphasis> lassen?� platzte sie ohne nachzudenken heraus. Ihre M�digkeit war keine Entschuldigung, aber die Worte l�sten sich von ihrer Zunge, bevor sie sich dessen bewu�t wurde. �Wie konntet Ihr so t�richt sein? Sie ist eine Rote und weder ein Feigling noch schwach in der Handhabung der Macht! Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> k�nnte in Gefahr sein! Warum haben wir nicht unverz�glich davon erfahren?�</p><p>�Ihre Flucht wurde erst heute morgen entdeckt�, grollte eine der T�chter des Speers. Ihre Augen h�tten polierte Saphire sein k�nnen. �Eine Weise Frau und zwei <emphasis>Cor Darei</emphasis> wurden vergiftet, und der <emphasis>Gai'schain,</emphasis> der ihnen etwas zu trinken bringen wollte, wurde mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden.�</p><p>Aeron sah die Tochter des Speers kalt und mit gew�lbten Augenbrauen an. �Hat sie mit Euch gesprochen, Carahuin?� Pl�tzlich mu�ten beide Schwestern Beldeine st�tzen. Aeron sah Tialin nur an, aber die rothaarige Weise Frau senkte den Blick. Verin wurden die n�chsten Aufmerksamkeiten zugedacht. �Eure Sorge um al'Thor ... ehrt Euch�, sagte Aeron widerwillig. �Er wird bewacht werden. Mehr braucht Ihr nicht zu wissen.� Pl�tzlich wurde ihre Stimme h�rter. �Aber Neulinge sprechen mit Weisen Frauen nicht in diesem Ton, Verin Mathwin <emphasis>Aes Sedai�</emphasis> Die letzten Worte klangen h�hnisch.</p><p>Verin unterdr�ckte ein Seufzen und verfiel in einen weiteren tiefen Hofknicks, wobei sie sich fast w�nschte, sie w�re noch genauso schlank wie bei ihrer Ankunft in der Wei�en Burg. Sie war wirklich nicht f�r all diese Verbeugungen gemacht. �Vergebt mir, Weise Frau�, sagte sie dem�tig. Entkommen! Die Umst�nde machten f�r sie, wenn nicht f�r die Aiel, alles nur allzu offensichtlich. �Die Sorge mu� meinen Verstand verwirrt haben.� Schade, da� sie nicht daf�r sorgen konnte, da� Katerine einen t�dlichen Unfall erlitt. �Ich werde mein Bestes tun, in Zukunft daran zu denken.� Nicht einmal ein Wimpernschlag deutete an, ob Aeron ihre Entschuldigung annahm. �Darf ich ihren Schild �bernehmen, Weise Frau?�</p><p>Aeron nickte, ohne Tiarin anzusehen, und Verin umarmte schnell die Quelle und �bernahm den Schild, den Tialin loslie�. Es erstaunte sie immer wieder, da� Frauen, die nicht die Macht lenken konnten, Machtlenkerinnen so bereitwillig befehligten, Tialin war in der Handhabung der Macht nicht wesentlich schw�cher als Verin, und doch beobachtete sie Aeron fast ebenso wachsam, wie die T�chter des Speers es taten, und als die T�chter des Speers das Zelt auf eine Geste von Aeron hin eilig verlie�en und Beldeine schwankend stehenlie�en, folgte Tialin nur einen Schritt hinter ihnen.</p><p>Aeron ging nicht, zumindest nicht sofort. �Ihr werdet Katerine Alruddin gegen�ber dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> nicht erw�hnen�, sagte sie. �Er hat genug zu bedenken, auch ohne sich um Nichtigkeiten sorgen zu m�ssen.�</p><p>�Ich werde ihm nichts von ihr sagen�, best�tigte Verin rasch. Nichtigkeiten? Eine Rote mit Katerines St�rke war keine Nichtigkeit Vielleicht sollte sie dies vermerken. Sie mu�te dar�ber nachdenken.</p><p>�Ihr solltet f�glich schweigen, Verin Mathwin, sonst werdet Ihr schreien m�ssen.�</p><p>Darauf lie� sich nichts erwidern, so da� sich Verin auf Demut und F�gsamkeit besann und noch einen Hofknicks vollf�hrte. Ihre Knie wollten jedoch protestieren.</p><p>Als Aeron gegangen war, erlaubte sich Verin ein erleichtertes Seufzen. Sie hatte bef�rchtet, da� Aeron bleiben w�rde. Die Erlaubnis zu erhalten, mit den Gefangenen allein zu sein, hatte fast ebensoviel M�he gekostet, wie Sorilea und Amys zu dem Entschlu� zu bringen, <emphasis>da�</emphasis> sie befragt werden m��ten, und zwar durch jemanden, der mit der Wei�en Burg auf vertrautem Fu�e stand. Wenn sie jemals erf�hren, da� sie zu dieser Entscheidung hingef�hrt worden waren... Aber darum w�rde sie sich ein anderes Mal sorgen. Es gab anscheinend viele �andere Male�.</p><p>�Es ist genug Wasser da, da� Ihr Euch zumindest Gesicht und H�nde waschen k�nnt�, bot sie Beldeine freundlich an. �Und wenn Ihr wollt, werde ich Euch Heilen.� Jede von ihr befragte Schwester hatte zumindest einige Striemen aufgewiesen. Die Aiel schlugen die Gefangenen bereits f�r das Versch�tten von Wasser oder wenn sie eine andere Aufgabe verdarben � und auch die stolzesten Gegenworte ernteten, wenn �berhaupt, nur h�hnisches Gel�chter. Die schwarz gewandeten Frauen wurden wie Tiere zusammengepfercht, durch einen Schlag mit der Gerte zum Gehen oder Umwenden oder Stehenbleiben gebracht, und sie wurden noch h�rter geschlagen, wenn sie nicht schnell genug gehorchten. Das Heilen erleichterte auch andere Dinge.</p><p>Schmutzig, verschwitzt und wie Schilf im Wind schwankend, verzog Beldeine die Lippen. �Ich w�rde lieber verbluten, als von Euch Geheilt zu werden!� spie sie hervor. �Vielleicht h�tte ich erwarten sollen, Euch vor diesen Wilden, diesen Unmenschen, kriechen zu sehen, aber ich h�tte niemals gedacht, da� Ihr Euch jemals so weit erniedrigen w�rdet, die Geheimnisse der Burg preiszugeben! Das kommt Verrat gleich, Verin! Aufruhr!� Sie stie� einen ver�chtlichen Laut aus. �Wenn Ihr davor nicht zur�ckschreckt, werdet Ihr vermutlich vor nichts haltmachen! Was habt Ihr und die �brigen sie au�er dem Verbinden sonst noch gelehrt?�</p><p>Verin schnalzte ver�rgert mit der Zunge, machte sich aber nicht die M�he, der jungen Frau den Kopf zurechtzur�cken. Ihr Nacken schmerzte davon, zu den Aiel hochzusehen � auch Beldeine war ungef�hr eine Handbreit gr��er als sie �, ihre Knie taten weh von den Hofknicksen, und entschieden zu viele Frauen, die es besser wissen sollten, hatten sie heute mit blinder Verachtung und t�richtem Stolz bedacht. Wer sollte es besser als eine Aes Sedai wissen, da� eine Schwester der Welt viele Gesichter zeigen mu�te? Man konnte Menschen nicht immer einsch�chtern oder zu etwas zwingen. Zudem war es weitaus besser, sich wie eine Novizin zu verhalten denn als eine solche bestraft zu werden, besonders wenn es einem nur Schmerz und Erniedrigung einbrachte. Selbst Kiruna mu�te den Sinn dessen schlie�lich einsehen.</p><p>�Setzt Euch, bevor Ihr zusammenbrecht�, sagte sie und lie� sich auf einem Kissen nieder. �La�t mich raten, was Ihr heute getan habt. Bei all diesem Schmutz w�rde ich sagen, da� Ihr ein Loch gegraben habt. Mit Euren blo�en H�nden, oder haben sie Euch einen L�ffel gegeben? Wenn sie beschlie�en, da� es fertig ist, werden sie es Euch einfach wieder zusch�tten lassen. Nun, la�t mich sehen. Ihr seid �berall schmutzig, aber Euer Gewand ist sauber, also vermute ich, da� sie Euch nackt graben lie�en. Wollt Ihr bestimmt nicht Geheilt werden? Sonnenbrand kann sehr schmerzhaft sein.� Sie f�llte einen weiteren Becher mit Wasser und lie� ihn auf einem Strang Luft durch das Zelt schweben, bis er vor Beldeine verharrte. �Eure Kehle mu� ausged�rrt sein.�</p><p>Die junge Gr�ne betrachtete den Becher einen Moment unsicher, und dann gaben ihre Beine pl�tzlich nach; mit einem bitteren Lachen brach sie auf einem Kissen zusammen. �Sie ... <emphasis>tr�nken</emphasis> mich h�ufig.� Sie lachte erneut, obwohl Verin nichts Belustigendes daran erkennen konnte. �Soviel ich will, solange ich alles schlucke.� Sie betrachtete Verin zornig, hielt inne und fuhr dann mit gepre�ter Stimme fort. �Dieses Gewand steht Euch sehr gut. Meines haben sie verbrannt. Ich habe sie dabei beobachtet. Sie haben mir alles au�er dem gestohlen.� Sie ber�hrte den goldenen Schlangenring um ihren linken Zeigefinger, ein breites goldenes Schimmern zwischen all dem Schmutz. �Sie fanden vermutlich nicht den Mut, mir auch den Ring zu nehmen. Ich wei�, was sie beabsichtigen, Verin, aber es wird ihnen nicht gelingen. Nicht bei mir � bei keiner von uns!�</p><p>Sie war noch immer vorsichtig. Verin stellte den Becher auf den Blumenteppich neben Beldeine, nahm dann ihren eigenen Becher hoch und trank, bevor sie sprach. �So? Was ist denn ihre Absicht?�</p><p>Dieses Mal klang das Lachen der anderen Frau sowohl br�chig als auch hart. �Brecht uns, und Ihr wi�t es! La�t uns al'Thor gegen�ber Eide sprechen, wie Ihr es getan habt. Oh, Verin, wie konntet Ihr? Treue zu schw�ren! Und noch schlimmer � einem <emphasis>Mann</emphasis> gegen�ber, <emphasis>ihm</emphasis> gegen�ber! Auch wenn Ihr Euch dazu �berwinden konntet, gegen den Amyrlin-Sitz zu rebellieren, gegen die Wei�e Burg...� Bei ihr klang beides sehr �hnlich. �...wie konntet Ihr <emphasis>das</emphasis> nur tun?�</p><p>Verin fragte sich einen Moment, ob die Dinge besser st�nden, wenn die Frauen, die jetzt im Aiel-Lager gefangengehalten wurden, wie sie selbst aufgehalten worden w�ren, ein Holzsplitter in den Fluten von al'Thors <emphasis>Ta'veren-</emphasis>Strudel. Die Worte waren aus ihrem Munde gedrungen, bevor sie dar�ber hatte nachdenken k�nnen. Keine Worte, die sie niemals selbst h�tte aussprechen k�nnen � so beeinflu�te einen das <emphasis>Ta'veren</emphasis> nicht �, sondern Worte, die sie unter diesen Umst�nden vielleicht einmal unter tausend Malen gesagt h�tte, einmal unter zehntausend Malen. Nein, es war lange und heftig dar�ber gestritten worden, ob die auf diese Weise geleisteten Eide gehalten werden m��ten, und der Streit dar�ber, wie sie zu halten seien, wurde auch jetzt noch fortgef�hrt. Es war weitaus besser so. Sie betastete gedankenverloren einen harten Gegenstand in ihrer G�rteltasche, eine kleine Brosche, ein durchscheinender Stein, zu einem Gebilde geschnitten, das wie eine Lilie mit zu vielen Bl�ttern aussah. Sie trug sie niemals, aber sie befand sich seit fast f�nfzig Jahren in ihrer Reichweite.</p><p>�Ihr seid <emphasis>Da'tsang,</emphasis> Beldeine. Das m��t Ihr doch schon geh�rt haben.� Sie brauchte Beldeines knappes Nicken nicht. Eine Geschm�hte zu benennen war genauso Teil der Aiel-Gesetze, wie ein Urteil zu verk�nden. So viel wu�te sie, wenn auch kaum mehr. �Eure Kleidung wurde verbrannt, weil kein Aiel etwas besitzen m�chte, was einst einer <emphasis>Da'tsang</emphasis> geh�rt hat. Alles �brige wurde zerhackt oder zerschlagen und unter einer f�r eine Latrine ausgehobenen Grube vergraben.�</p><p>�Auch mein ... mein Pferd?� fragte Beldeine angstvoll.</p><p>�Die Pferde haben sie nicht get�tet, aber ich wei� nicht, wo Eures ist.� Es wurde wahrscheinlich an einen St�dter verkauft oder war vielleicht einem Asha'man �berlassen worden. Ihr das zu sagen, k�nnte vielleicht mehr schaden als n�tzen. Verin erinnerte sich daran, da� Beldeine eine jener jungen Frauen war, die sehr tief f�r ihre Pferde empfanden. �Sie lassen Euch den Ring behalten, um Euch daran zu erinnern, wer Ihr wart, und um Eure Scham zu verst�rken. Ich wei� nicht, ob sie Euch al'Thor Treue schw�ren lassen w�rden, wenn Ihr darum batet. Es w�rde wohl etwas Unglaubliches von Eurer Seite erfordern.�</p><p>�Das w�rde ich ohnehin nicht tun! Niemals!� Die Worte klangen jedoch hohl, und Beldeines Schultern sackten herab. Sie war ersch�ttert, aber noch nicht in ausreichendem Ma�e.</p><p>Verin setzte ein herzliches L�cheln auf. Jemand hatte ihr einmal gesagt dieses L�cheln erinnere ihn an seine geliebte Mutter. Sie hoffte, da� er zumindest in diesem Punkt nicht gelogen hatte. Er hatte kurz darauf versucht, ihr einen Dolch zwischen die Rippen zu sto�en, und ihr L�cheln war das letzte gewesen, was er jemals gesehen hatte. �Ich kann mir keinen Grund denken, warum Ihr es tun w�rdet. Nein, ich f�rchte, Ihr habt nur sinnlose Arbeit vor Euch. Das halten sie f�r besch�mend. Zutiefst besch�mend. Wenn sie nat�rlich erkennen, da� Ihr es nicht so seht... Oje. Ich wette, es hat Euch nicht gefallen, nackt zu graben, selbst wenn T�chter des Speers Euch bewachten, aber stellt Euch einmal vor, so in einem Zelt voller M�nner zu stehen.� Beldeine zuckte zusammen. Verin plauderte weiter. Sie hatte das Plaudern zu einem Talent entwickelt. �Sie w�rden Euch nat�rlich nur dort stehen lassen. <emphasis>Da'tsang</emphasis> ist es nicht erlaubt, etwas N�tzliches zu tun, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist, und ein Aiel-Mann w�rde genauso bereitwillig einen Arm um einen verwesenden Kadaver legen wie... Nun, das ist wohl kein erfreulicher Gedanke. Auf jeden Fall steht Euch genau das bevor. Ich wei�, da� Ihr so lange widerstehen werdet wie m�glich, obwohl ich mir nicht sicher bin, wogegen es zu widerstehen gilt. Sie werden sich nicht die M�he machen, Informationen aus Euch herauszubekommen, oder etwas anderes versuchen, was Menschen gew�hnlich mit Gefangenen tun. Aber sie werden Euch auch nicht gehen lassen, niemals, bis sie sicher sind, da� Ihr die Scham so tief empfindet, da� nichts sonst �brigbleibt. Auch nicht, wenn dies Euer restliches Leben lang dauert.�</p><p>Beldeines Lippen bewegten sich lautlos, aber sie h�tte die Worte ebensogut aussprechen k�nnen. <emphasis>Mein restliches Leben lang.</emphasis> Sie regte sich unbehaglich auf ihrem Kissen und verzog schmerzvoll das Gesicht, vielleicht aufgrund des Sonnenbrandes oder der Striemen oder einfach wegen der ungewohnten Arbeit. �Wir werden gerettet werden�, sagte sie schlie�lich. �Die Amyrlin wird uns nicht im Stich... Wir werden gerettet werden, oder wir werden... Wir <emphasis>werden</emphasis> gerettet werden.� Sie ergriff j�h den neben ihr stehenden Silberbecher, legte den Kopf zur�ck, trank ihn leer und streckte ihn dann Verin entgegen, um mehr zu bekommen. Diese lie� den Zinnkrug hin�berschweben und stellte ihn ab, so da� die junge Frau sich selbst etwas eingie�en konnte.</p><p>�Oder Ihr werdet entkommen?� fragte Verin, und Beldeines schmutzige H�nde zuckten, so da� Wasser �ber den Becherrand schwappte. �Seid doch vern�nftig � Ihr werdet ebensowenig entkommen, wie Ihr gerettet werdet. Ihr seid von einem Heer von Aiel umgeben. Und al'Thor kann offensichtlich einige hundert dieser Asha'man ausheben, wann immer er will, um Euch zu verfolgen.� Die andere Frau erschauderte bei diesen Worten, und Verin fast ebenfalls. Dieses nichtige Durcheinander h�tte beendet werden m�ssen, sobald es begonnen hatte. �Nein, ich f�rchte, Ihr m��t irgendwie Euren eigenen Weg gehen. Nehmt die Dinge, wie sie sind. Ihr seid hierbei ganz allein. Ich wei�, da� sie Euch nicht mit anderen sprechen lassen. Ihr seid ganz allein�, sagte sie seufzend. Weite Augen starrten sie an, wie sie vielleicht eine rote Viper angestarrt h�tten. �Wir m�ssen es nicht schlimmer machen, als es ist. La�t mich Euch Heilen.�</p><p>Sie wartete kaum, bis die andere Frau j�mmerlich nickte, bevor sie sich neben sie kniete und beide H�nde um Beldeines Kopf legte. Die junge Frau war �beraus bereit. Verin �ffnete sich f�r weiteres <emphasis>Saidar</emphasis> und wob die Str�nge des Heilens, und die Gr�ne keuchte und zitterte. Der halb gef�llte Becher entglitt ihren H�nden, und ihr um sich schlagender Arm stie� den Krug um. Jetzt war sie <emphasis>vollkommen</emphasis> bereit.</p><p>In den Augenblicken der Verwirrung, die jedermann ergriffen, der Geheilt worden war, w�hrend Beldeine noch blinzelte und wieder zu sich zu kommen versuchte, �ffnete sich Verin durch das wie eine Blume gestaltete <emphasis>Angreal</emphasis> in ihrer Tasche noch weiter. Es war kein sehr m�chtiges <emphasis>Angreal,</emphasis> aber sie brauchte hierf�r jedes bi�chen zus�tzlicher Macht, die es ihr gew�hren konnte. Die Str�nge, die sie nun zu weben begann, �hnelten nicht den Str�ngen des Heilens. Geist �berwog bei weitem, aber da waren auch Wind und Wasser, Feuer und Erde, wobei letzteres ihr einige Schwierigkeiten bereitete, und selbst die mit Geist gewobenen Str�nge mu�ten immer wieder geteilt und so kompliziert angeordnet werden, da� ein Weber edler Teppiche als St�mper dagestanden h�tte. Selbst wenn eine Weise Frau den Kopf ins Zelt streckte, w�rde sie wohl kaum das seltene Talent besitzen, das notwendig war, um zu erkennen, was Verin tat. Es w�rde vielleicht dennoch Schwierigkeiten geben, schmerzliche Schwierigkeiten der einen oder anderen Art, aber sie konnte mit allem leben, was nicht die tats�chliche Entdeckung bedeutete.</p><p>�Was...?� fragte Beldeine benommen. Sie h�tte geschwankt, wenn Verin sie nicht festgehalten h�tte, und ihre Lider waren halbwegs geschlossen. �Was habt Ihr...? Was geht hier vor?�</p><p>�Ihr werdet keinen Schaden erleiden�, sagte Verin beruhigend. Die Frau k�nnte als Ergebnis dieser Behandlung innerhalb eines Jahres sterben oder in zehn Jahren, aber das Gewebe selbst w�rde ihr keinen Schaden zuf�gen. �Ich verspreche Euch, da� dies keine Gefahr darstellt, da� es sogar bei einem Kind angewandt werden kann.� Nat�rlich hing es davon ab, was man damit tat.</p><p>Sie mu�te die Str�nge Faden f�r Faden anordnen, und zu reden schien dabei eher hilfreich als hinderlich. Zudem k�nnte ein zu langes Schweigen Mi�trauen wecken, wenn ihre beiden W�chter lauschten. Ihr Blick schweifte h�ufig zum Zelteingang. Sie wollte einige Antworten in Erfahrung bringen, die sie nicht zu teilen beabsichtigte. Antworten, die keine der Frauen, die sie befragte, bereitwillig gaben, selbst wenn sie etwas wu�ten. Eine der geringeren Wirkungen dieses Gewebes war, da� es ebensogut die Zunge loste und den Geist �ffnete wie jedes narkotische Kraut, eine Wirkung, die schnell eintrat.</p><p>Sie senkte ihre Stimme fast zu einem Fl�stern und fuhr fort. �Rand al'Thor scheint zu glauben, er habe in der Wei�en Burg Unterst�tzung irgendwelcher Art, Beldeine. Das ist nat�rlich ein Geheimnis. Die Helfer m�ssen im verborgenen bleiben.� Selbst ein Lauscher h�tte nur h�ren k�nnen, da� sie sich unterhielten. �Sagt mir alles, was Ihr �ber sie wi�t.�</p><p>�Unterst�tzung?� murmelte Beldeine und runzelte die Stirn. Sie regte sich schwach, obwohl man es kaum als Bewegung bezeichnen konnte. �F�r ihn? Unter den Schwestern? Das kann nicht sein. Bis auf jene von Euch, die... Wie konntet Ihr, Verin? Warum habt Ihr nicht dagegen angek�mpft?�</p><p>Verin schnalzte ver�rgert mit der Zunge. Aber nicht wegen des t�richten Vorschlags, gegen einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> anzuk�mpfen. Der Junge schien so siegesgewi�. Warum? Sie fl�sterte weiterhin. �Habt Ihr keinen Verdacht, Beldeine? Habt Ihr keine Ger�chte geh�rt, bevor Ihr Tar Valon verlie�t? Kein Tuscheln? Niemand, der andeutete, sich ihm anders n�hern zu wollen? Erz�hlt es mir.�</p><p>�Niemand. Wie konntet...? Niemand w�rde... Ich habe Kiruna so bewundert.� Beldeines schl�frige Stimme zeugte von Verlust, und die �ber ihre Wangen str�menden Tr�nen hinterlie�en Spuren im Schmutz. Nur Verins H�nde hielten sie noch aufrecht.</p><p>Verin fuhr fort, die Str�nge ihres Gewebes anzuordnen, wobei ihr Blick immer wieder zum Zelteingang huschte. Sie hatte das Gef�hl, auch selbst ein wenig zu schwitzen. Sorilea k�nnte beschlie�en, da� sie bei der Befragung Hilfe ben�tigte. Sie k�nnte eine der Schwestern aus dem Sonnenpalast mit hierherbringen. Sollte irgendeine Schwester hiervon erfahren, war es sehr gut m�glich, da� Verin ged�mpft wurde. �Also wolltet Ihr ihn sauber gewaschen und wohlbehalten Elaida �bergeben�, sagte sie mit etwas lauterer Stimme. Das Schweigen hatte zu lange gedauert. Sie wollte nicht, da� die beiden dort drau�en berichteten, sie fl�stere mit den Gefangenen.</p><p>�Ich konnte nichts ... gegen ... Galinas Entscheidung einwenden. Sie f�hrte ... auf Befehl der Amyrlin.� Beldeine regte sich erneut schwach. Ihre Stimme klang noch immer verschwommen, wurde dann aber erregter. Ihre Augenlider flatterten. �Er mu�te ... gezwungen werden ... zu gehorchen! Es mu�te sein! Er h�tte nicht so ... grob behandelt werden d�rfen. Wie ihn ... zu foltern. Das war falsch.�</p><p>Verin schnaubte. Falsch? Unheilvoll traf eher zu. Vom ersten Augenblick an ein Unheil. Jetzt betrachtete der Mann jede Aes Sedai fast so, wie Aeron es tat. Und wenn es ihnen gelungen w�re, ihn nach Tar Valon zu bringen? Ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> wie Rand al'Thor leibhaftig in der Wei�en Burg? Ein Gedanke, der einen Stein erzittern lassen konnte. Was auch immer sich herausstellen mochte � Unheil w�re gewi� eine zu milde Bezeichnung. Der Preis, der bei den Brunnen von Dumai bezahlt wurde, um das zu verhindern, war nur allzu gering.</p><p>Sie stellte ihre Fragen weiterhin so, da� sie von jedem Lauscher deutlich verstanden werden konnten. Sie stellte Fragen, auf die sie bereits Antworten bekommen hatte, um jene zu vermeiden, die zu gef�hrlich waren, um beantwortet zu werden. Sie k�mmerte sich kaum um die aus Beldeines Mund str�menden Worte. Sie konzentrierte sich haupts�chlich auf ihr Gewebe.</p><p>Im Laufe der Jahre hatten sehr viele Dinge ihr Interesse erweckt, die nicht alle von der Burg gutgehei�en wurden. Fast jede Wilde, die zur Ausbildung in die Wei�e Burg kam � sowohl wahre Wilde, die bereits selbst zu lernen begonnen hatten, als auch M�dchen, die kaum begonnen hatten, die Quelle zu ber�hren, weil der in ihnen geborene Funke von allein belebt worden war; einige Schwestern sahen darin keinen wirklichen Unterschied �, fast jede dieser Wilden hatte zumindest eine Fertigkeit selbst gestaltet, und jene Fertigkeiten waren nahezu unwandelbar: entweder die Gabe, Unterhaltungen von Menschen zu belauschen, oder das Talent, Menschen dazu zu bringen, da� sie taten, was man wollte.</p><p>Um ersteres k�mmerte sich die Burg kaum. Selbst eine Wilde, die allein beachtliche Kontrolle erlangt hatte, lernte schnell, da� sie, solange sie NovizinnenWei� trug, <emphasis>Saidar</emphasis> nicht einmal ber�hren durfte, ohne da� eine Schwester oder eine der Aufgenommenen sie beaufsichtigten. Was die Gelegenheiten zum Lauschen zumeist erheblich beschnitt. Die andere Fertigkeit �hnelte jedoch zu sehr verbotenem Zwang. Oh, es war nur eine M�glichkeit, Vater dazu zu bringen, ihr Kleider und Schmuck zu schenken, die er nicht kaufen wollte, oder Mutter dazu zu bewegen, junge M�nner gutzuhei�en, die sie f�r gew�hnlich aus dem Haus jagte, Dinge dieser Art, aber die Burg machte diese Fertigkeit h�chst wirkungsvoll ausfindig. Viele der M�dchen und Frauen, mit denen Verin im Laufe der Jahre gesprochen hatte, konnten sich nicht dazu �berwinden, die Gewebe zu gestalten, und noch viel weniger, sie zu benutzen, und einige wollten sich nicht einmal mehr daran erinnern, wie man es tat. Aus Bruchst�cken und �berresten halb erinnerter Gewebe, die von unausgebildeten M�dchen f�r sehr beschr�nkte Zwecke gestaltet wurden, hatte Verin etwas rekonstruiert, das die Burg seit ihrer Gr�ndung verboten hatte. Zu Anfang war es von ihrer Seite reine Neugier gewesen. <emphasis>Die Neugier,</emphasis> dachte sie verzerrt, w�hrend sie an dem Gewebe um Beldeine arbeitete, <emphasis>hat mich in mehr als ein Fettn�pfchen gef�hrt.</emphasis> Die N�tzlichkeit zeigte sich erst sp�ter.</p><p>�Ich vermute, da� Elaida ihn unten in den offenen Zellen belassen wollte�, sagte sie im Plauderton. Die mit Gitterw�nden versehenen Zellen waren f�r M�nner gedacht, welche die Macht lenken konnten, wie auch f�r streng bewachte Neulinge in der Burg und Wilde, die Aes Sedai zu sein behauptet hatten, sowie f�r jedermann sonst, der sowohl eingesperrt als auch von der Quelle abgeschnitten werden mu�te. �Kein behaglicher Ort f�r den Wiedergeborenen Drachen. Ohne Ungest�rtheit. Glaubt Ihr, da� er der Wiedergeborene Drache ist, Beldeine?� Dieses Mal hielt sie inne, um der Antwort zu lauschen.</p><p>�Ja�, stie� Beldeine m�hsam hervor und sah Verin mit erschreckt rollenden Augen an. �Ja ... aber er mu� ... sicher ... verwahrt werden. Die Welt ... mu� ... vor ihm ... besch�tzt werden.�</p><p>Interessant. Sie hatten alle gesagt, da� die Welt vor ihm besch�tzt werden m�sse. Aber bemerkenswert waren auch jene, die glaubten, er brauche auch Schutz. Einige, die dies �u�erten, hatten sie damit �berrascht.</p><p>F�r Verin �hnelte das Gewebe, das sie gestaltet hatte, nichts so sehr wie einem zuf�lligen Gewirr schwach leuchtender, durchscheinender F�den, die sich um Beldeines Kopf b�ndelten, wobei sich vier F�den Geist aus der Masse erhoben. Sie zog an zweien jener F�den, die einander gegen�ber lagen, und das Gewirr brach leicht ein, fiel nach innen, wurde zu etwas nur vage Geordnetem. Beldeine �ffnete ruckartig die Augen und starrte in weite Ferne.</p><p>Verin gab mit fester, leiser Stimme ihre Anweisungen. Eigentlich waren es eher Vorschl�ge, obwohl sie diese wie Befehle �u�erte. Beldeine w�rde in sich selbst Gr�nde finden m�ssen zu gehorchen. Tat sie es nicht dann war all dies vergebliche M�he gewesen.</p><p>Bei ihren letzten Worten zog Verin auch an den beiden anderen F�den Geist, und das Gewirr brach noch weiter ein. Dieses Mal wurde es jedoch zu etwas anscheinend perfekt Geordnetem, ein genaueres und verschlungeneres Gewebe als die komplizierteste Spitze und mit derselben Bewegung abgebunden, mit der es zu schrumpfen begann. Dieses Mal fiel es ganz in sich zusammen, in Beldeines Kopf hinein. Jene schwach leuchtenden F�den versanken in ihr, bis sie g�nzlich verschwanden. Sie rollte erneut die Augen und schlug mit zitternden Gliedern um sich. Verin hielt sie so sanft wie m�glich fest, aber Beldeines Kopf zuckte dennoch hin und her, und ihre blo�en Fersen trommelten auf die Teppiche. Bald w�rde nur noch das sorgf�ltigste Sch�rfen zeigen, da� etwas getan worden war, und nicht einmal das w�rde die Beschaffenheit des Gewebes erkennen lassen. Verin hatte es sorgf�ltig �berpr�ft, und niemand war besser im Sch�rfen als sie.</p><p>Nat�rlich war es nicht wirklich Zwang gewesen, wie ihn die alten Texte beschrieben. Das Gewebe schwand qualvoll langsam, zusammengeflickt wie es war, und es mu�te ein Grund gegeben sein. Es half sehr, wenn derjenige, bei dem das Gewebe angewandt wurde, gef�hlsm��ig verletzbar war, aber Vertrauen war absolut unumg�nglich. Selbst jemanden �berraschend zu erwischen, n�tzte nichts, wenn er mi�trauisch war. Diese Tatsache schr�nkte die Brauchbarkeit bei M�nnern erheblich ein. Nur <emphasis>sehr</emphasis> wenige empfanden in Gegenwart von Aes Sedai kein Mi�trauen.</p><p>Doch selbst wenn man vom Mi�trauen einmal absah, waren M�nner leider sehr schlechte Versuchsobjekte. Verin konnte nicht verstehen, warum das so war. Die meisten der Gewebe jener M�dchen waren f�r ihre V�ter oder andere M�nner bestimmt gewesen. Jede starke Pers�nlichkeit k�nnte ihre eigenen Handlungen irgendwann in Frage stellen � oder auch vergessen, sie auszuf�hren, was zu weiteren Verwicklungen f�hrte �, aber unter den gleichen Umst�nden neigten M�nner weitaus eher dazu. Weitaus eher. Vielleicht war erneut das Mi�trauen der Grund. Nun, einmal hatte sich ein Mann sogar an die bei ihm angewandten Gewebe erinnert, wenn auch nicht an die Anweisungen, die sie ihm gegeben hatte. <emphasis>Das</emphasis> hatte erst Aufregung verursacht! Das wollte sie nicht wieder riskieren.</p><p>Zumindest lie�en Beldeines Zuckungen jetzt nach und h�rten dann ganz auf. Sie hob eine schmutzige Hand an den Kopf. �Was...? Was ist passiert?� fragte sie fast unh�rbar. �War ich ohnm�chtig?� Verge�-lichkeit war ein weiterer Vorteil des Gewebes und kam nicht unerwartet. Vater durfte sich schlie�lich nicht daran erinnern, da� man ihn irgendwie dazu gebracht hatte, dieses teure Gewand zu kaufen.</p><p>�Es ist sehr hei߫, sagte Verin und half ihr, sich wieder aufzusetzen. �Mir ist heute selbst einmal schwindlig geworden.� Aber vor M�digkeit, nicht durch die Hitze. Soviel <emphasis>Saidar</emphasis> zu handhaben, laugte einen aus, besonders wenn man es bereits viermal an einem Tag getan hatte. Das <emphasis>Angreal</emphasis> konnte die Wirkung nicht abmildern, wenn man es nicht mehr benutzte. Sie h�tte selbst eine st�tzende Hand gebrauchen k�nnen. �Ich glaube, das gen�gt. Wenn Ihr ohnm�chtig werdet, finden sie f�r Euch vielleicht eine Arbeit im Schatten.� Diese Aussicht schien Beldeine �berhaupt nicht aufzuheitern.</p><p>Verin rieb sich den R�cken und streckte den Kopf aus dem Zelt. Coram und Mendan hielten erneut in ihrem Spiel inne. Es war nicht erkennbar, da� sie gelauscht hatten, aber sie h�tte nicht ihr Leben darauf verwettet. Sie sagte ihnen, sie sei fertig mit Beldeine, und f�gte nach kurzem Nachdenken hinzu, da� sie einen weiteren Krug Wasser brauche, da Beldeine den ihren umgesto�en habe. Die Gesichter beider M�nner verd�sterten sich unter ihrer Br�une. Das w�rde den Weisen Frauen zugetragen werden, wenn sie Beldeine abholten. Es w�re eine weitere Hilfe, ihre Entscheidung zu treffen.</p><p>Die Sonne stand noch hoch am Himmel, aber ihre R�ckenschmerzen machten ihr deutlich, da� es f�r heute Zeit war aufzuh�ren. Sie konnte noch eine Schwester befragen, aber wenn sie es tat, w�rde sie es morgen fr�h in jedem Muskel sp�ren. Ihr Blick fiel auf Irgain, die jetzt bei den Frauen war, welche K�rbe zu den Handm�hlen trugen. Wie w�re ihr Leben verlaufen, wenn sie nicht so neugierig gewesen w�re, fragte sich Verin. Vielleicht h�tte sie Eadwin geheiratet und w�re in Far Madding geblieben, anstatt zur Wei�en Burg zu gehen. Vielleicht w�re sie aber auch schon lange tot, und die Kinder und Enkelkinder, die sie niemals gehabt hatte, ebenfalls.</p><p>Verin wandte sich seufzend wieder Coram zu. �W�rdet Ihr nach Mendans R�ckkehr Colinda ausrichten, da� ich Irgain Fatamed sehen m�chte?� Die morgigen Schmerzen in ihren Muskeln w�ren eine kleine Strafe f�r Beldeines Leiden wegen des vergossenen Wassers, aber sie tat es nicht deswegen und auch nicht wirklich aus Neugier. Sie hatte noch immer eine Aufgabe zu erf�llen. Sie mu�te den jungen Rand irgendwie am Leben erhalten � bis es an der Zeit war, da� er starb.</p><p>Der Raum h�tte sich in einem gro�en Palast befinden k�nnen, nur da� er weder Fenster noch T�ren auf wies. Das Feuer in einem reichverzierten Marmorkamin verbreitete keine W�rme, und die Flammen leckten nur an wenigen Scheiten. Der Mann, der an einem mitten auf einem mit glitzernden Gold- und Silberf�den durchwirkten Teppich stehenden Tisch sa�, k�mmerte sich wenig um den Prunk seines Zeitalters. Er war notwendig, um beeindrucken zu k�nnen, nicht mehr. Nicht da� er wirklich mehr als nur sich selbst gebraucht h�tte, um auch den stolzesten Widersacher zutiefst einzusch�chtern. Er nannte sich Moridin, und sicherlich hatte niemals jemand ein gr��eres Recht gehabt, sich Tod zu nennen.</p><p>Manchmal strich er m��ig �ber eine der beiden Geistfallen, die an einfachen Seidenschn�ren um seinen Hals hingen. Bei seiner Ber�hrung pulsierte der blutrote Kristall des <emphasis>Cour'souvra �</emphasis> Wirbel, die sich wie ein Herzschlag in unendliche Tiefen bewegten. Aber seine wahre Aufmerksamkeit galt dem vor ihm auf dem Tisch aufgestellten Spiel, dreiunddrei�ig rote und dreiunddrei�ig gr�ne Figuren, �ber ein Spielbrett von dreizehn Mal dreizehn Quadraten verteilt. Die Nachbildung einer fr�hen Entwicklungsstufe eines ber�hmten Spiels. Die wichtigste Figur, der Fischer, schwarzwei� wie das Spielbrett, wartete noch auf seinem angestammten Platz auf dem mittleren Quadrat. <emphasis>Sha'rah</emphasis> war ein schwieriges Spiel, das schon lange vor dem Krieg der Macht entstand. <emphasis>Sha'rah, Teheran</emphasis> und <emphasis>No'ri �</emphasis> das Spiel, das jetzt einfach �Steine� genannt wurde � hatten alle ihre Anh�nger, die behaupteten, sie beinhalteten s�mtliche Feinheiten des Lebens, aber Moridin hatte <emphasis>Sha'rah</emphasis> stets bevorzugt. Nur neun jemals lebende Menschen erinnerten sich noch an das Spiel. Er war ein Meister darin gewesen. Es war viel komplizierter als <emphasis>Teheran</emphasis> oder <emphasis>No'ri.</emphasis> Das erste Ziel war die Gefangennahme des Fischers. Erst dann begann das eigentliche Spiel.</p><p>Ein Diener n�herte sich Moridin, ein schlanker, anmutiger junger Mann in Wei�, unglaublich gutaussehend, und verbeugte sich, bevor er einen Kristallbecher auf einem Silbertablett darreichte. Er l�chelte, aber das L�cheln schlo� seine Augen nicht mit ein, die eher leblos als einfach tot wirkten. Die meisten Menschen h�tten sich unter diesem Blick unbehaglich gef�hlt. Moridin nahm nur den Becher entgegen und winkte den Diener fort. Die Lieferanten dieser Zeit boten ausgezeichnete Weine an. Aber er trank nicht.</p><p>Der Fischer hielt seine Aufmerksamkeit gefangen, lockte ihn. Mehrere Figuren konnten verschiedene Z�ge ausf�hren, nur die Eigenschaften des Fischers ver�nderten sich, je nachdem, wo er stand. Auf einem wei�en Quadrat war er im Angriff schwach, aber beweglich, und er konnte weit ausweichen. Auf einem schwarzen Quadrat war er im Angriff stark, aber langsam und verwundbar. Wenn Meister spielten, wechselte der Fischer vor Beendigung des Spiels viele Male die Seiten. Die gr�nrote Ziellinie, die das Spielbrett umgab, konnte mit jeder Figur erreicht werden, aber nur der Fischer durfte sie �berschreiten. Nicht da� er dort ungef�hrdet gewesen w�re. Der Fischer war niemals in Sicherheit. Wenn er einem selbst geh�rte, versuchte man, ihn auf ein Quadrat der eigenen Farbe hinter dem gegnerischen Spielbrettende zu bekommen. Das war die leichteste Art zu siegen, aber nicht die einzige. Wenn der Gegner den Fischer besa�, versuchte man, dem Fischer keine andere Wahl zu lassen, als auf ein Feld der eigenen Farbe zu wechseln. Daf�r w�re jedes Feld entlang der Ziellinie geeignet. Es konnte sich eher als bedrohlicher erweisen, den Fischer zu besitzen, als da� es ungef�hrlich war. Nat�rlich gab es beim <emphasis>Sha'rah</emphasis> noch einen dritten Weg zum Ziel, wenn man ihn einschlug, bevor man sich selbst fangen lie�. Das Spiel artete stets zu einem verworrenen Hin und Her aus, woraufhin der Sieg mit der vollst�ndigen Vernichtung des Gegners erfolgte. Er hatte das einmal verzweifelt versucht, aber der Versuch war fehlgeschlagen. Schmerzlich.</p><p>Zorn wallte j�h in Moridins Kopf auf, und schwarze Flecke tanzten vor seinen Augen, als er die Wahre Macht ergriff. Sich zu Schmerz steigernde Raserei toste in ihm. Seine Hand umfa�te die beiden Geistfallen, und die Wahre Macht schlo� sich um den Fischer, ri� ihn hoch und zermahlte ihn fast zu Pulver, zermahlte das Pulver beinahe zu Nichts. Der Becher barst in Moridins Hand. Er h�tte beinahe auch den <emphasis>Coursouvra</emphasis> zerdr�ckt. Die <emphasis>Saa</emphasis> waren ein schwarzer Blizzard, aber sie behinderten seine Sicht nicht. Der Fischer war stets als Mann gearbeitet. Eine Augenbinde machte ihn blind, und er pre�te eine Hand auf die Seite, wo einige Tropfen Blut durch seine Finger rannen. Die Gr�nde daf�r, wie auch der Ursprung des Namens, waren im Dunst der Zeit verloren. Manchmal erz�rnte es ihn, welches Wissen bei den Umdrehungen des Rades verlorenging, Wissen, das er brauchte, Wissen, auf das er ein Recht hatte. Ein Recht!</p><p>Er stellte den Fischer langsam wieder aufs Spielbrett zur�ck. Seine Finger l�sten sich allm�hlich vom <emphasis>Cour'souvra.</emphasis> Die Vernichtung war noch nicht notwendig. Noch nicht. Eisige Ruhe ersetzte im Handumdrehen den Zorn. Blut und Wein tropften unbemerkt von seiner zerschnittenen Hand. Vielleicht kam der Fischer aus irgendeinem verschwommenen Erinnerungsrest Rand al'Thors, der Schatten eines Schattens. Es war unwichtig. Er bemerkte, da� er lachte, und bem�hte sich nicht innezuhalten. Der Fischer stand noch abwartend auf dem Spielbrett, aber in dem gr��eren Spiel bewegte sich al'Thor bereits nach seinen W�nschen. Und bald... Es war sehr schwer, ein Spiel zu verlieren, wenn man beide Gegner f�hrte. Moridin lachte so sehr, da� Tr�nen seine Wangen hinabliefen, aber er war sich ihrer nicht bewu�t.</p></section><section><title><p>1</p><p>Den Vertrag einhalten</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und vergehen und hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und selbst der Mythos ist schon lange vergessen, wenn das Zeitalter, das ihn geboren hat, wiederkehrt. In einem Zeitalter, das von einigen das Dritte Zeitalter genannt wird, ein Zeitalter, das noch kommen wird und ein lange vergangenes Zeitalter, erhob sich ein Wind �ber der gro�en, gebirgigen Insel Tremalking. Der Wind war nicht der Anfang. Es gibt weder einen Anfang noch ein Ende bei der Drehung des Rades der Zeit. Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Anfang.</p><p>Der Wind wehte von Osten �ber Tremalking, wo die hellh�utigen Amayar ihre Felder bestellten, edles Glas und Porzellan verfertigten und dem friedlichen Wasserweg folgten. Die Amayar beachteten die Welt jenseits der weit verstreuten Inseln nicht, weil der Wasserweg lehrte, da� diese Welt nur eine Illusion war, ein gespiegeltes Bild des Glaubens, und doch beobachteten einige, wie der Wind Staub und schw�le Sommerhitze herantrug, wo kalter Winterregen fallen sollte, und sie erinnerten sich an Geschichten, die sie von den Atha'an Miere geh�rt hatten. Geschichten von der jenseitigen Welt und was die Prophezeiung verk�ndete. Einige schauten zu einem Berg, wo eine wuchtige Felshand aus der Erde ragte, die eine klare Kristallkugel hielt, gr��er als viele H�user. Die Amayar hatten ihre eigenen Prophezeiungen, und einige davon sprachen von der Hand und der Kugel. Und vom Ende der Illusionen.</p><p>Der Wind blies ostw�rts ins Meer der St�rme, unter einer sengenden Sonne an einem wolkenlosen Himmel, peitschte die K�mme gr�ner Meereswogen, tosende Winde von S�den und Westen, verheerend und wild, w�hrend das Wasser anstieg. Es waren noch nicht die St�rme, die im tiefsten Winter hereinbrachen, obwohl der Winter bereits halbwegs vor�ber sein sollte, und auch nicht die noch st�rkeren St�rme eines vergehenden Sommers, sondern Winde und Str�mungen, die vom seefahrenden Volk genutzt wurden, um den Kontinent an der K�ste entlang vom Ende der Welt bis Mayene und dar�ber hinaus und auch wieder zur�ck zu umfahren. Der Wind heulte ostw�rts, �ber das wogende Meer, wo die gro�en Wale aufstiegen und sangen und fliegende Fische auf ausgestreckten Flossen von zwei und mehr Schritt Spannweite zu sehen waren, ostw�rts und nordw�rts wirbelnd, �ber kleine Flotten von Fischerbooten hinweg, die ihre Netze durch flachere Gew�sser zogen. Einige jener Fischer standen mit offenem Mund da, die H�nde m��ig auf den Seilen ruhend, und betrachteten das gewaltige Aufgebot von gro�en und kleineren Schiffen, die zielbewu�t hart vor dem Wind fuhren und die Wogen mit ihrem breiten Bug brachen oder sie mit schmaleren durchschnitten, ihr Banner ein goldener Falke mit einem Blitz in den Klauen, eine Vielfalt wehender Banner wie Vorzeichen des Sturms. Ostw�rts und nordw�rts und weiter, bis der Wind den weiten, von Schiffen bev�lkerten Hafen Ebou Dars erreichte, in dem wie in vielen anderen H�fen Hunderte von Meervolk-Schiffen lagen und auf Nachricht des Coramoor, des Auserw�hlten, warteten.</p><p>Der Wind heulte �ber den Hafen, ersch�tterte kleine und gro�e Schiffe, fegte �ber die Stadt selbst, die unter der glei�enden Sonne wei� leuchtete, �ber Erker und Mauern und Kuppeln hinweg und durch die von den ber�hmten Gewerben des S�dens gesch�ftigen Stra�en und Kan�le. Der Wind wirbelte rund um die schimmernden Kuppeln und die schlanken T�rme des Tarasin-Palasts, trug den Geruch von Salz heran, erfa�te die Flagge von Altara, zwei goldene Leoparden auf rotblauem Feld, und die Banner des regierenden Hauses Mitsobar, das Schwert und der Anker, Gr�n auf Wei�. Noch nicht der Sturm, aber ein Vorbote von St�rmen.</p><p>Aviendha versp�rte ein Kribbeln zwischen den Schulterbl�ttern, als sie vor ihren Begleitern her durch die in Dutzenden freundlich heller Schattierungen gefliesten G�nge des Palasts schritt. Ein Gef�hl, beobachtet zu werden, das sie zuletzt empfunden hatte, als sie noch mit dem Speer verbunden war.</p><p><emphasis>Einbildung,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Einbildung und das Wissen, da� Feinde in der N�he sind, denen ich nicht die Stirn bieten kann!</emphasis> Vor noch gar nicht allzu langer Zeit hatte dieses Kribbeln bedeutet, da� jemand sie vielleicht zu t�ten beabsichtigte. Der Tod war nichts, was man f�rchten mu�te � jedermann starb, heute oder an einem anderen Tag �, aber sie wollte nicht wie ein in der Falle gefangenes Kaninchen sterben. Sie mu�te ihrem <emphasis>Toh</emphasis> begegnen.</p><p>Diener hasteten dicht an den W�nden vor�ber, verbeugten sich, vollf�hrten Hofknickse und senkten die Blicke, fast als verst�nden sie das Besch�mende ihrer Lebensf�hrung, obwohl gewi� nicht <emphasis>sie</emphasis> die Ursache daf�r sein konnten, da� Aviendha am liebsten mit den Achseln gezuckt h�tte. Sie hatte sich M�he gegeben, Diener anzusehen, aber selbst jetzt, wo die Haut zwischen ihren Schulterbl�ttern kribbelte, wich ihr Blick ihnen noch aus. Es mu�te Einbildung sein � und die Nerven. Dies war ein Tag f�r Einbildungen und schlechte Nerven.</p><p>Die �ppigen Seidentapeten wie auch die vergoldeten Lampen und Kandelaber, welche die G�nge s�umten, zogen ihren Blick an. Hauchd�nnes Porzellan in Rot-, Gelb-, Gr�n- und Blaut�nen stand in Wandnischen und hohen, durchbrochenen Schr�nken, Seite an Seite mit Gold- und Silberschmiedearbeiten sowie Elfenbein und Kristall, eine Vielzahl von Schalen und Vasen und Schatullen und Statuetten. Nur die Wundersch�nsten zogen ihren Blick wirklich an. Was auch immer Feuchtl�nder glaubten � Sch�nheit war mehr wert als Gold. Hier war so viel Sch�nes zu sehen. Sie h�tte nichts dagegen gehabt, am F�nften dieses Ortes beteiligt zu werden.</p><p>Ver�rgert �ber sich selbst runzelte sie die Stirn. Das war kein ehrenhafter Gedanke unter einem Dach, das ihr bereitwillig Schatten und Wasser gespendet hatte. Zugegebenerma�en unzeremoniell, aber auch ohne Schuld oder Blut Stahl oder Not. Aber immer noch besser das, als �ber einen kleinen Jungen nachdenken zu m�ssen, der irgendwo dort drau�en in dieser ruchlosen Stadt allein unterwegs war. Jede Stadt war ruchlos � dessen war sie sich inzwischen sicher, nachdem sie vier St�dte kennengelernt hatte �, aber Ebou Dar war die letzte Stadt, in der sie ein Kind h�tte allein herumlaufen lassen. Sie konnte nicht verstehen, warum die Gedanken an Olver kamen, wenn sie sich nicht bem�hte, sie zu verdr�ngen. Er war kein Teil des <emphasis>Toh,</emphasis> das sie Elayne und Rand al'Thor gegen�ber verpflichtete. Ein Shaido-Speer hatte ihm den Vater genommen und Hunger und Not die Mutter, aber selbst wenn es ihr eigener Speer gewesen w�re, der beide genommen h�tte, war der Junge noch immer ein Cairhiener, ein Baumm�rder. Warum sollte sie sich wegen eines Kindes dieser Abstammung qu�len? Warum? Sie versuchte, sich auf das zu gestaltende Gewebe zu konzentrieren, aber obwohl sie unter Elaynes Aufsicht ge�bt hatte, bis sie es im Schlaf h�tte gestalten k�nnen, dr�ngte sich Olvers Gesicht mit dem breiten Mund dazwischen. Birgitte sorgte sich noch mehr um ihn als sie selbst, aber in Birgittes Brust schlug ein ohnehin eigenartig weiches Herz f�r kleine � und besonders garstige �Jungen.</p><p>Aviendha gab es seufzend auf, die Unterhaltung ihrer Begleiter hinter ihr weiterhin ignorieren zu wollen, obwohl deren Ver�rgerung deutlich h�rbar war. Selbst das war besser, als sich um den Sohn von Baumm�rdern zu sorgen. Eidbrecher. Verachtetes Blut, ohne das die Welt besser dran w�re. Sie w�rde sich nicht um Olver sorgen oder k�mmern. Keinesfalls. Mat Cauthon w�rde den Jungen auf jeden Fall finden. Er konnte anscheinend alles finden. Das Zuh�ren beruhigte sie irgendwie. Das Kribbeln schwand.</p><p>�Es gef�llt mir �berhaupt nicht!� murrte Nynaeve, womit sie eine Er�rterung fortf�hrte, die in ihren R�umen begonnen hatte. ��berhaupt nicht, Lan, h�rst du?� Sie hatte ihr Mi�fallen bereits mindestens zwanzigmal bekundet, aber Nynaeve gab niemals auf, nur weil sie verloren hatte. Klein und dunkel�ugig schritt sie wild auf und ab, so da� ihre geteilten blauen R�cke flogen; eine Hand hatte sie in die N�he ihres dicken, h�ftlangen Zopfes gehoben und dann entschlossen wieder gesenkt, bevor sie die Hand erneut anhob. Nynaeve hielt starr an Zorn und Ver�rgerung fest, solange Lan in der N�he war. Oder sie versuchte es zumindest. Sie war von �berm��igem Stolz erf�llt, weil sie ihn geheiratet hatte. Die eng anliegende, bestickte blaue Jacke �ber ihrem mit gelben Schlitzen versehenen, seidenen Reitgewand stand offen und zeigte f�r Feuchtl�nder weitaus zuviel Busen, nur damit sie den schweren goldenen Ring zeigen konnte, der an einer schmalen Kette um ihren Hals hing. �Du hast kein Recht, dich so um mich zu <emphasis>sorgen,</emphasis> Lan Mandragoran�, fuhr sie mit fester Stimme fort. �Ich bin keine Porzellanfigur.�</p><p>Lan trat neben sie, ein gro�er Mann, der mit Kopf und Schultern �ber ihr aufragte; der Umhang eines Beh�ters hing von seinem R�cken herab. Sein Gesicht schien wie aus Stein gemei�elt, und sein Blick wog die Bedrohung ab, die jeder vor�bereilende Diener darstellen mochte. Er �berpr�fte jeden Quergang und jede Wandnische auf verborgene Angreifer. Er strahlte Angespanntheit aus, ein sprungbereiter L�we. Aviendha war in der N�he gef�hrlicher M�nner aufgewachsen, aber niemand hatte es jemals mit <emphasis>Aan'allein</emphasis> aufnehmen k�nnen.</p><p>�Du bist eine Aes Sedai, und ich bin dein Beh�ter�, sagte er mit tiefer, ruhiger Stimme. �Es ist meine Pflicht, mich um dich zu sorgen.� Sein Tonfall wurde weicher, was in starkem Widerspruch zu seinem kantigen Gesicht mit den scharfen, sich niemals ver�ndernden Augen stand. �Au�erdem ist es mir ein Herzensanliegen, mich um dich zu sorgen, Nynaeve. Du kannst alles von mir erbitten oder fordern, aber niemals, da� ich tatenlos zusehe, wenn dir etwas zust��t. An dem Tag, an dem du stirbst, werde auch ich sterben.�</p><p>Letzteres hatte er zuvor noch nicht gesagt, jedenfalls nicht in Aviendhas Gegenwart, und es traf Nynaeve wie ein Schlag in die Magengrube. Ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf, und sie bewegte lautlos die Lippen. Sie schien sich jedoch, wie immer, schnell wieder zu fassen. Sie gab vor, ihren mit blauen Federn geschm�ckten Hut zu richten, ein l�cherliches Gebilde, das wie ein seltsamer Vogel auf ihrem Kopf hockte, und warf ihm unter der breiten Krempe einen raschen Blick zu.</p><p>Aviendha argw�hnte, da� die andere Frau h�ufig Schweigen und vermutlich bedeutsame Blicke benutzte, um Unkenntnis zu verbergen. Sie vermutete, da� Nynaeve kaum mehr �ber M�nner � oder �ber den Umgang mit einem Mann � wu�te als sie selbst. Ihnen mit Dolchen und Speeren gegen�berzutreten, war weitaus leichter, als einen Mann zu lieben. Weitaus leichter. Wie schafften es Frauen, mit ihnen verheiratet zu sein? Aviendha wollte es verzweifelt wissen und hatte keine Ahnung, wie sie es in Erfahrung bringen sollte. Erst einen Tag mit <emphasis>Aan'allein</emphasis> verheiratet, hatte sich Nynaeve in weitaus mehr Hinsichten ver�ndert, als da� sie lediglich versuchte, ihr Temperament zu z�geln. Sie schien rasch von Best�rzung in Schrecken zu geraten, wie sehr sie es auch zu verbergen versuchte. Sie verfiel in merkw�rdigen Augenblicken in Tr�umereien, err�tete bei harmlosen Fragen und � sie leugnete es heftig, obwohl Aviendha es selbst miterlebt hatte � kicherte grundlos. Von Nynaeve w�rde sie nichts erfahren.</p><p>�Vermutlich wirst <emphasis>du</emphasis> mir auch wieder etwas �ber Beh�ter und Aes Sedai erz�hlen�, sagte Elayne k�hl zu Birgitte. �Nun, wir beide sind nicht verheiratet. Ich erwarte von dir, da� du meinen R�cken <emphasis>deckst,</emphasis> aber ich m�chte nicht, da� du dahinter Versprechen abgibst, die mich betreffen.� Elayne trug ebenso unpassende Kleidung wie Nynaeve, ein goldbesticktes Ebou Dari-Reitgewand aus gr�ner Seide, schicklich hoch geschlossen, aber mit einer ovalen �ffnung in der Mitte, welche die W�lbungen ihrer Br�ste freigab. Feuchtl�nder wurden bei Erw�hnung eines Schwitzzelts oder bei der Vorstellung, vor <emphasis>Gai'schain</emphasis> entkleidet zu werden und halb nackt umherzulaufen, wo jeder Fremde einen sehen konnte, verlegen. Aviendha k�mmerten Nynaeves Empfindungen nicht, aber Elayne war ihre N�chstschwester. Und w�rde hoffentlich noch mehr werden.</p><p>Birgittes hohe Stiefelabs�tze machten sie fast eine Handbreit gr��er als Nynaeve, wenn sie auch dann noch kleiner blieb als Elayne oder Aviendha. In der dunkelblauen Jacke und der weiten gr�nen Hose strahlte sie eine �hnlich zuversichtliche Bereitschaft wie Lan aus, obwohl sie bei ihr beil�ufiger schien: Ein auf einem Fels ausgestreckter Leopard � nicht ann�hernd so tr�ge, wie sie vorgab. Es war kein Pfeil in den Bogen eingelegt, den Birgitte mit sich trug, aber sie konnte trotz ihrer scheinbaren Unbek�mmertheit einen Pfeil aus dem K�cher an ihrer H�fte rei�en, bevor jemand auch nur blinzeln konnte, und bereits den dritten Pfeil abschie�en, bevor jemand anderer einen zweiten in die Sehne eingelegt hatte.</p><p>Sie l�chelte Elayne grimmig zu und sch�ttelte den Kopf, wobei ihr goldener Zopf schwang, der so lang und dicht wie Nynaeves Haar dunkel war. �Ich habe dir etwas ins Gesicht versprochen, nicht hinter deinem R�cken�, sagte sie trocken. �Wenn du ein wenig mehr Erfahrung hast, brauche ich dir nichts mehr �ber Beh�ter und Aes Sedai zu erz�hlen.� Elayne schnaubte, hob hochm�tig das Kinn an und besch�ftigte sich mit den B�ndern ihres Hutes, der mit langen gr�nen Federn geschm�ckt und noch schlimmer als Nynaeves Hut war. �Vielleicht viel mehr�, f�gte Birgitte hinzu. �Du versuchst schon wieder, alles unn�tig aufzubauschen.�</p><p>W�re Elayne nicht ihre N�chstschwester gewesen, h�tte Aviendha �ber ihr Err�ten gelacht. Jemanden zum Stolpern zu bringen, der hochm�tig einherstolzierte, war stets ein Vergn�gen, wie auch zuzusehen, wie jemand anderer dies tat, und selbst ein kleiner Sturz war ein Lachen wert. Nun richtete sie lediglich einen festen Blick auf Birgitte, ein Versprechen, da� mehr geahndet werden k�nnte. Sie mochte die Frau trotz all ihrer Geheimnisse, aber der Unterschied zwischen einer Freundin und einer N�chstschwester war etwas, was diese Feuchtl�nder anscheinend niemals verstehen w�rden. Birgitte l�chelte nur, schaute von ihr zu Elayne und murmelte leise vor sich hin. Aviendha schnappte das Wort �K�tzchen� auf. Schlimmer noch � es klang <emphasis>liebevoll.</emphasis> Jedermann mu�te es geh�rt haben. Jedermann!</p><p>�Was ist in dich gefahren, Aviendha?� fragte Nynaeve und stie� sie mit einem durchgedr�ckten Finger an. �Willst du den ganzen Tag mit ger�teten Wangen dastehen? Wir <emphasis>sind</emphasis> in Eile.�</p><p>Erst jetzt erkannte Aviendha an der Hitze ihres Gesichts, da� sie ebenso err�tet sein mu�te wie Elayne. Au�erdem stand sie stocksteif da, obwohl sie sich beeilen mu�ten. Von Worten getroffen � wie ein frisch mit dem Speer verheiratetes M�dchen, das die Neckerei unter den T�chtern des Speers � nicht gewohnt ist. Sie war es bereits seit fast zwanzig Jahren gewohnt und benahm sich wie ein Kind, das mit seinem ersten Bogen spielt. Dieser Gedanke lie� sie noch st�rker err�ten. Was der Grund daf�r war, da� sie die n�chste Biegung zu hastig nahm und beinahe mit Teslyn Baradon zusammengesto�en w�re.</p><p>Aviendha glitt auf den rotgr�nen Bodenfliesen aus und hielt sich nur an Elayne und Nynaeve aufrecht. Dieses Mal gelang es ihr, nicht zutiefst zu err�ten, aber sie h�tte es gern getan. Sie besch�mte ihre N�chstschwester ebenso wie sich selbst. Elayne bewahrte stets Haltung, egal was geschah. Gl�cklicherweise verkraftete Teslyn Baradon das Zusammentreffen kaum besser.</p><p>Die Frau mit dem scharfgeschnittenen Gesicht schrak zur�ck, keuchte wider Willen und straffte dann ver�rgert die schmalen Schultern. Die hageren Wangen und die schmale Nase verbargen die Alterslosigkeit der Z�ge der Roten Schwester, und ihr rotes, mit dunkelblauem, fast schwarzem Brokat besetztes Gewand lie� sie nur noch knochiger erscheinen, obwohl sie schnell wieder die Selbstbeherrschung der Dachherrin eines Clans annahm, die dunkelbraunen Augen so k�hl wie tiefe Schatten. Sie glitt mi�billigend an Aviendha vorbei, w�rdigte Lan keines Blickes und funkelte Birgitte einen Moment an. Den meisten Aes Sedai mi�fiel, da� Birgitte eine Beh�terin war, obwohl niemand einen anderen Grund daf�r nennen konnte, als etwas �ber Traditionen zu murren, Elayne und Nynaeve jedoch sah sie nacheinander forschend an. Aviendha hatte eher dem gestrigen Wind nachsp�ren als etwas auf Teslyn Baradons Gesicht lesen k�nnen.</p><p>�Ich habe es Merilille bereits gesagt�, �u�erte sie in breitem illianischem Akzent, �aber ich kann Euch ebensogut auch beruhigen. Welches ... Mi�geschick ... auch immer Ihr begehen werdet � Joline und ich mischen uns nicht ein. Daf�r habe ich gesorgt. Elaida mu� niemals davon erfahren, wenn Ihr vorsichtig seid. H�rt auf, mich wie Karpfen anzustarren, Kinder�, f�gte sie mit angewidertem Gesichtsausdruck hinzu. �Ich bin weder blind noch taub. Ich wei�, da� sich Windsucherinnen des Meervolks im Palast aufhalten und geheime Treffen mit K�nigin Tylin stattfinden. Wie auch andere Dinge.� Sie pre�te die schmalen Lippen zusammen, und obwohl ihr Tonfall ruhig blieb, flammte ihr dunkler Blick vor Zorn. �F�r jene anderen Dinge werdet Ihr jedoch bitter bezahlen m�ssen, Ihr und jene, die Euch erlauben, Aes Sedai zu spielen, aber im Moment werde ich dar�ber hinwegsehen. S�hne kann warten.�</p><p>Nynaeve zog fest an ihrem Zopf, den R�cken starr aufgerichtet, den Kopf hoch erhoben, und ihre Augen loderten. Unter anderen Umst�nden h�tte Aviendha vielleicht Mitleid mit dem Opfer von Nynaeves Spitzz�ngigkeit empfunden, die eindeutig bald explodieren w�rde. Nynaeves Zunge besa� mehr und sch�rfere Nadeln als ein <emphasis>Segade-Kaktus.</emphasis> Aviendha dachte emotionslos �ber diese Frau nach, die glaubte, sie k�nne durch sie hindurchsehen. Eine Weise Frau lie� sich nicht dazu herab, jemanden mit F�usten zu traktieren, aber sie war noch ein Neuling. Vielleicht w�rde es nicht ihr <emphasis>Ji</emphasis> kosten, wenn sie Teslyn Baradon nur ein wenig verletzte. Sie �ffnete im selben Moment den Mund, um der Roten Schwester Gelegenheit zur Verteidigung zu geben, als Nynaeve den Mund �ffnete, aber Elayne sprach als erste.</p><p>�Was wir vorhaben, Teslyn�, sagte sie mit eisiger Stimme, �geht Euch nichts an.� Auch sie stand starr aufrecht, ihre blauen Augen funkelten kalt. Ein zuf�lliger Lichtstrahl von einem hohen Fenster fing sich in ihren rotgoldenen Locken und schien sie zu entflammen. In diesem Moment h�tte Elayne eine Dachherrin wie eine Ziegenhirtin mit zuviel <emphasis>Oosquai</emphasis> im Bauch erscheinen lassen k�nnen. Es war eine gut geschulte F�higkeit. Sie �u�erte jedes Wort mit kristallkalter W�rde. �Ihr habt kein Recht, Euch in unsere Belange einzumischen, in irgend etwas, was <emphasis>irgendeine</emphasis> Schwester tut. �berhaupt kein Recht. Also nehmt Eure Nase aus unseren Jacken, Ihr St�mperin, und seid froh, da� wir nicht mit <emphasis>Euch</emphasis> uneins �ber die Unterst�tzung eines Eindringlings auf dem Amyrlin- Sitz sind.�</p><p>Aviendha schaute verwirrt zu ihrer N�chstschwester. Ihre <emphasis>Nase</emphasis> aus ihren <emphasis>Jacken</emphasis> nehmen? Zumindest sie und Elayne trugen keine Jacken. Eine St�mperin? Was sollte <emphasis>das</emphasis> bedeuten? Feuchtl�nder sagten oft merkw�rdige Dinge, und die anderen Frauen schienen alle ebenso verwirrt wie sie. Nur Lan, der Elayne fragend ansah, schien zu verstehen, und er musterte sie ... erstaunt. Und vielleicht belustigt. Es war schwer zu sagen. <emphasis>Aan'allein</emphasis> hatte seine Z�ge gut unter Kontrolle.</p><p>Teslyn Baradon schnaubte und kniff die Lippen noch fester zusammen. Aviendha bem�hte sich sehr, diese Menschen nur mit einem Teil ihres Namens anzusprechen, so wie sie es auch taten � wenn sie einen vollst�ndigen Namen benutzte, glaubten <emphasis>sie,</emphasis> sie sei aufgebracht! �� aber sie konnte sich nicht vorstellen, mit Teslyn Baradon so vertraut umzugehen. �Ich werde Euch t�richte Kinder Euch selbst �berlassen�, grollte die Frau. �Versichert Euch, da� Ihr Eure Nasen nicht mehr gef�hrdet, als dies bereits der Fall ist.�</p><p>Als sie w�rdevoll ihre R�cke raffte und sich zum Gehen wandte, ergriff Nynaeve ihren Arm. Feuchtl�nder zeigten ihre Empfindungen offen, und Nynaeve war ein Abbild des Konflikts, w�hrend Zorn die feste Entschlossenheit zu durchbrechen versuchte. �Wartet, Teslyn�, sagte sie widerwillig. �Ihr und Joline seid m�glicherweise in Gefahr. Ich habe es Tylin gesagt, aber ich denke, sie f�rchtet sich vielleicht, es sonst jemandem zu sagen. Zumindest tut sie es nicht gern. Niemand spricht dar�ber wirklich unbefangen.� Sie atmete tief durch, und wenn sie in diesem Augenblick an ihre eigenen �ngste dachte, hatte sie auch allen Grund dazu. Es war keine Schande, Angst zu empfinden, nur ihr nachzugeben oder sie zu zeigen. Aviendha sp�rte ein Flattern in der Magengrube, w�hrend Nynaeve fortfuhr. �Moghedien war hier in Ebou Dar. Sie k�nnte noch immer in der Stadt sein. Und vielleicht auch andere Verlorene. Mit einem <emphasis>Gholam,</emphasis> einem Schattengez�cht, dem die Macht nichts anhaben kann. Er sieht aus wie ein Mensch, wurde aber dazu erschaffen, Aes Sedai zu t�ten. Auch Stahl scheint ihn nicht zu verletzen, und er kann sich sogar durch ein Mauseloch zw�ngen. Die Schwarze Ajah befindet sich ebenfalls hier. Zudem kommt ein Sturm auf, ein schlimmer Sturm, Nur da� es kein wirklicher Sturm ist, jedenfalls kein wetterbedingter Sturm. Ich kann ihn sp�ren. Das ist eine F�higkeit, die ich besitze, vielleicht ein Talent. Ebou Dar droht Gefahr und schlimmeres Ungemach, als Wind oder Regen oder Blitze sonst darstellen.�</p><p>�Ich habe niemals zuvor von den Verlorenen, einem Sturm, der kein Sturm ist, <emphasis>und</emphasis> irgendwelchem Schattengez�cht geh�rt�, sagte Teslyn Baradon angespannt. �Ganz zu schweigen von der Schwarzen Ajah, Licht! Die Schwarze Ajah! Und vielleicht auch noch der Dunkle K�nig selbst?� Sie l�chelte sp�ttisch und pfl�ckte ver�chtlich Nynaeves Hand von ihrem �rmel. �Wenn Ihr wieder in der Wei�en Burg seid, wo Ihr hingeh�rt, in Wei�, das Euch wahrhaftig allen geb�hrt, werdet Ihr lernen, Eure Zeit nicht mehr mit Hirngespinsten zu vergeuden. Und Eure Geschichten nicht Schwestern zuzutragen.� Sie sah sie alle an, wobei sie Aviendha erneut auslie�, schnaubte ger�uschvoll und marschierte dann so energisch den Gang hinab, da� die Diener ihr aus dem Weg springen mu�ten.</p><p>�Diese Frau besitzt die Unverfrorenheit...!� platzte Nynaeve heraus, w�hrend sie der davoneilenden Frau nachblickte und mit beiden H�nden ihren Zopf traktierte. �Nachdem ich mich dazu <emphasis>gezwungen</emphasis> habe...!� Sie erstickte fast an ihrer Wut. �Nun, ich habe es versucht.� Was sie, ihrer Stimme nach zu urteilen, jetzt zutiefst bedauerte.</p><p>�Das hast du�, best�tigte Elayne mit nachdr�cklichem Nicken, �und mehr, als sie verdient. Zu leugnen, da� wir Aes Sedai sind! Ich werde das nicht mehr dulden! Bestimmt nicht!� Ihre Stimme hatte vorher nur kalt <emphasis>geklungen.</emphasis> Jetzt <emphasis>war</emphasis> sie kalt und grimmig.</p><p>�Kann man solch einem Menschen trauen?� murrte Aviendha. �Vielleicht sollten wir daf�r Sorge tragen, da� sie sich nicht einmischen kann.� Sie betrachtete ihre Faust. Teslyn Baradon w�rde <emphasis>sie</emphasis> zu sehen bekommen. Die Frau verdiente es, von den Schattenseelen, Moghedien oder anderen, erwischt zu werden. Narren verdienten, was immer ihnen ihre Torheit einbrachte.</p><p>Nynaeve �berdachte den Vorschlag anscheinend, aber sie sagte nur: �Wenn ich es nicht besser w��te, w�rde ich glauben, sie sei bereit, sich gegen Elaida zu wenden.� Sie schnalzte ver�rgert mit der Zunge.</p><p>�Man kann daran verzweifeln, wenn man versuchen will, die politischen Str�mungen der Aes Sedai zu ergr�nden.� Elayne sagte nicht, da� Nynaeve das inzwischen wissen m��te, aber ihr Tonfall dr�ckte genau das aus. �Selbst eine Rote <emphasis>k�nnte</emphasis> sich aus einem unbestimmten Grund, den wir nicht erahnen, gegen Elaida wenden. Oder sie k�nnte uns dazu bewegen wollen, in unserer Wachsamkeit nachzulassen, damit sie uns durch irgendeine List veranlassen kann, uns in Elaidas H�nde zu begeben, oder...�</p><p>Lan r�usperte sich. �Wenn einer der Verlorenen kommt�, sagte er mit vollkommen glatter Stimme, �k�nnte er jeden Moment hier eintreffen. Oder dieser <emphasis>Gholam</emphasis> k�nnte hierherkommen. In beiden F�llen w�re es ratsam, sich woanders aufzuhalten.�</p><p>�Mit Aes Sedai mu� man stets ein wenig Geduld �ben�, murrte Birgitte, als zitiere sie ein Sprichwort. �Aber die Windsucherinnen haben anscheinend keine Geduld�, fuhr sie fort, �so da� es vielleicht besser w�re, Teslyn zu vergessen und sich an Renaile zu erinnern.�</p><p>Elayne und Nynaeve sahen die Beh�ter mit eisigem Blick an. Sie liefen nicht gern vor den Schattenseelen und diesem <emphasis>Gholam</emphasis> davon, auch wenn sie diejenigen waren, die beschlossen hatten, da� ihnen keine andere Wahl blieb. Und sicherlich wurden sie auch nicht gern daran erinnert, da� sie fast ebenso dringend die Windsucherinnen finden wie den Verlorenen entkommen mu�ten. Aviendha wollte jene Blicke genauer betrachten � Weisen Frauen gen�gte ein Blick oder wenige Worte, wof�r sie stets die Bedrohung durch einen Speer oder eine Faust gebraucht hatte, und sie taten es �blicherweise schneller und erfolgreicher �, nur da� Elaynes und Nynaeves Blicke absolut keine sichtbare Wirkung auf die beiden hatten. Birgitte grinste und schaute zu Lan, der nachsichtig mit den Achseln zuckte.</p><p>Elayne und Nynaeve gaben auf. Sie richteten gem�chlich und unn�tigerweise ihre R�cke und ergriffen je einen Arm Aviendhas, bevor sie weitergingen, ohne sich auch nur mit einem Blick zu versichern, ob die Beh�ter ihnen folgten. Nicht da� Elayne es durch den Bund h�tte tun m�ssen. Oder Nynaeve, wenn auch nicht aus demselben Grund. <emphasis>Aan'allein</emphasis> war vielleicht mit jemand anderem verbunden, aber sein Ring hing an dieser Kette um ihren Hals. Sie bem�hten sich sehr, gem�chlich vorw�rts zu schlendern, wollten Birgitte und Lan nicht glauben machen, sie w�rden sich zur Eile antreiben lassen, aber tats�chlich gingen sie schneller als zuvor.</p><p>Wie um davon abzulenken, schwatzten sie eifrig �ber die nichtigsten Themen. Elayne bedauerte es, keine Gelegenheit gehabt zu haben, das Vogelfest vor zwei Tagen wirklich mitzuerleben. Sie war nicht einmal wegen der sp�rlichen Bekleidung err�tet, welche viele Leute getragen hatten. Nynaeve war ebenfalls nicht err�tet, aber sie begann jetzt eilig �ber das Fest der gl�henden Kohlen zu sprechen, das heute nacht stattfinden sollte. Einige der Diener behaupteten, es g�be ein Feuerwerk. Mehrere Wanderzirkusse mit seltenen Tieren und Akrobaten waren in der Stadt eingetroffen, die sowohl Elayne als auch Nynaeve interessierten, da sie einige Zeit bei solchen Zirkussen verbracht hatten. Sie sprachen �ber N�herinnen und die Vielzahl von in Ebou Dar erh�ltlicher Spitze sowie die verschiedenen Qualit�ten von Seide und Leinen, die man kaufen konnte, und Aviendha geno� die Bemerkungen dar�ber, wie gut ihr das graue Seidenreitgewand und die anderen Kleidungsst�cke aus edlem Tuch und Seidenstoffen standen, die Tylin Quintara ihr geschenkt hatte, wie auch die dazu passenden Str�mpfe und Kleider zum Wechseln und den Schmuck. Elayne und Nynaeve hatten ebenfalls verschwenderische Geschenke erhalten. Insgesamt f�llten ihre Geschenke eine Anzahl Kisten und B�ndel, die zusammen mit ihren Satteltaschen von den Dienern zu den St�llen hinabgetragen worden waren.</p><p>�Warum blickst du so finster drein, Aviendha?� fragte Elayne, t�tschelte deren Arm und l�chelte ihr zu. �Sorge dich nicht. Du kennst das Gewebe. Du wirst es hervorragend machen.�</p><p>Nynaeve beugte sich gleichfalls zu ihr und fl�sterte: �Ich werde dir einen Tee zubereiten, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Ich kenne mehrere Teesorten, die deinen Magen beruhigen werden, und auch jegliche andere Sorgen einer Frau.� Sie t�tschelte Aviendhas Arm ebenfalls.</p><p>Sie verstanden nicht. Keine tr�stenden Worte oder Tees konnten heilen, was sie plagte. Sie <emphasis>geno�</emphasis> Gespr�che �ber <emphasis>Spitze</emphasis> und <emphasis>Stickerei!</emphasis> Sie wu�te nicht, ob sie angewidert murren oder verzweifelt aufheulen sollte. Sie verweichlichte. Sie hatte niemals zuvor in ihrem Leben das Kleid einer Frau unter einem anderen Aspekt betrachtet als dem, wo sich darin vielleicht eine Waffe verbarg, niemals aber, um die Farbe oder den Schnitt zu bewundern oder dar�ber nachzudenken, wie es ihr stehen w�rde. Es war h�chste Zeit, diese Stadt zu verlassen und aus den Feuchtl�nderPal�sten herauszugelangen. Sie w�rde bald noch einf�ltig zu l�cheln beginnen. Sie hatte Elayne und Nynaeve dies nie tun sehen, aber jedermann wu�te, da� Feuchtl�nder-Frauen einf�ltig l�chelten. Arm in Arm dahinzuschlendern und �ber <emphasis>Spitze</emphasis> zu plaudern! Wie sollte sie ihren G�rteldolch erreichen, wenn jemand sie angriff? Ein Dolch war gegen die bedrohlichsten Angreifer vielleicht nutzlos, aber sie hatte schon Vertrauen in Stahl gehabt, als sie noch nicht wu�te, da� sie die Macht lenken konnte. Sollte jemand Elayne oder Nynaeve zu verletzen versuchen �besonders Elayne, aber sie hatte Mat Cauthon versprochen, sie beide ebenso sicher zu besch�tzen, wie Birgitte und <emphasis>Aan'allein</emphasis> es getan hatten �, sollte es also jemand versuchen, w�rde sie Stahl in deren Herzen pflanzen! W�hrend sie vorangingen, beklagte sie ihre Verweichlichung insgeheim weiterhin.</p><p>Hohe Doppeltore reihten sich an drei Seiten des gr��ten Stallhofs des Palasts; die Eing�nge waren von Dienern in gr�nwei�er Livree bev�lkert. In den wei�en, aus Stein erbauten St�llen hinter ihnen warteten gesattelte oder mit Weidenk�rben beladene Pferde. Meeresv�gel kreisten und schrien �ber ihnen, eine unerfreuliche Erinnerung daran, wieviel Wasser sich in der N�he befand. Hitze strahlte von den hellen Pflastersteinen ab, und die Luft war schwer vor Anspannung. Aviendha hatte schon Blutvergie�en gesehen, wo weniger Anspannung geherrscht hatte.</p><p>Renaile din Calon, gekleidet in roter und gelber Seide, die Arme �berheblich unter den Br�sten verschr�nkt, stand vor neunzehn weiteren barf��igen Frauen mit t�towierten H�nden und bunten Blusen, die meisten mit ebenso bunten Hosen und Sch�rpen. Der auf ihren dunklen Gesichtern gl�nzende Schwei� tat ihrer ernsten W�rde keinen Abbruch. Einige schnupperten an durchbrochenen Golddosen, die um ihren Hals hingen und mit einem schweren Duft gef�llt waren. Renaile din Calon trug f�nf breite goldene Ohrringe, und an einer Kette, die von einem dieser Ringe �ber die linke Wange bis zur Nase verlief, hingen Medaillons. Jede der drei dicht hinter ihr befindlichen Frauen trug acht Ohrringe und nur geringf�gig weniger Medaillons. So kennzeichnete das Meervolk untereinander die R�nge, zumindest bei den Frauen. Alle beugten sich Renaile din Calon, der Windsucherin der Herrin der Schiffe der Atha'an Miere, aber selbst die beiden Neulinge im Hintergrund in ihren dunklen Hosen und leinenen anstatt seidenen Blusen trugen eigenes Gold. Als Aviendha und die �brigen erschienen, schaute Renaile din Calon betont zur Sonne, die den Zenit bereits �berschritten hatte. Sie w�lbte die Augenbrauen, w�hrend sie ihren Blick dann auf sie richtete, die Augen so schwarz wie ihr von einer wei�en Str�hne gezeichnetes Haar, ein fordernder Blick voller Ungeduld, der herrisch wirkte.</p><p>Elayne und Nynaeve blieben j�h stehen und zwangen so auch Aviendha zu einem abrupten Halt, Sie wechselten an ihr vorbei besorgte Blicke und seufzten tief. Aviendha sah nicht, wie sie entkommen sollten. Die Verpflichtung band ihrer N�chstschwester und Nynaeve Hand und Fu�, und sie selbst hatten die Knoten festgezurrt.</p><p>�Ich werde mich um den Frauenzirkel k�mmern�, murrte Nynaeve leise, und Elayne sagte ein wenig beherzter: �Ich werde sicherstellen, da� die Schwestern bereit sind.�</p><p>Sie lie�en Aviendhas Arme los und gingen in entgegengesetzte Richtungen davon, wobei sie die Rocke rafften, um mit Birgitte und Lan im Gefolge rasch ausschreiten zu k�nnen. So mu�te sich Aviendha dem Blick der Windsucherin der Herrin der Schiffe allein stellen, dem Adlerblick einer Frau, die um ihre Stellung wu�te, aus der sie nicht vertrieben werden konnte. Gl�cklicherweise wandte sich Renaile din Calon rasch an ihre Begleiter, so rasch, da� die Enden ihrer langen gelben Sch�rpe weit schwangen. Die anderen Windsucherinnen versammelten sich um sie, bestrebt, ihre eindringlichen Worte zu h�ren. Sie auch nur einmal zu schlagen, w�rde gewi� alles verderben.</p><p>Aviendha versuchte, nicht zu ihnen zu schauen, aber ihr Blick kehrte doch immer wieder zu ihnen zur�ck.</p><p>Niemand hatte das Recht, ihre N�chstschwester in eine schwierige Lage zu bringen. Nasenringe! Ein kr�ftiger Zug an dieser Kette, und Renaile din Calon Blauer Stern w�rde eine andere Miene zeigen.</p><p>An einem Ende des Stallhofs standen die kleine Merilille Ceandevin und vier weitere Aes Sedai dicht beisammen und beobachteten die Windsucherinnen ebenfalls, �berwiegend mit hinter k�hler Gelassenheit schlecht verh�lltem Verdru�. Selbst die schlanke wei�haarige Vandene Namelle und ihre wie ihr Spiegelbild aussehende Erstschwester Adeleas, die sonst am unersch�tterlichsten von allen wirkte. Die eine oder andere richtete hin und wieder einen d�nnen Leinenstaubmantel oder strich �ber geteilte Seidenr�cke. Pl�tzliche Windst��e wirbelten ein wenig Staub auf und bewegten die farbver�ndernden Umh�nge auf den R�cken der f�nf Beh�ter, aber auch ihre Bewegungen zeugten eindeutig von Verdrossenheit. Nur Sareitha, die ein scheibenf�rmiges wei�es B�ndel bewachte, regte sich nicht, sondern runzelte nur die Stirn. Die Aes Sedai mi�billigten den Vertrag heftig, der die Atha'an Miere von ihren Schiffen hierher gebracht hatte und ihnen das Recht verlieh, Aes Sedai mit fordernder Ungeduld zu betrachten, aber dieser Vertrag band auch die Zungen der Schwestern und lie� sie an ihrer eigenen Ver�rgerung fast ersticken, was sie jedoch zu verbergen versuchten. Den Feuchtl�ndern gegen�ber h�tte ihnen das vielleicht auch gelingen k�nnen. Die dritte Gruppe Frauen, die am entgegengesetzten Ende des Hofes eng zusammenstanden, wurde fast ebenso mi�trauisch betrachtet.</p><p>Reanne Corly und die anderen zehn �berlebenden des Frauenzirkels der Schwesternschaft regten sich unter diesen mi�billigenden und forschenden Blicken unbehaglich, betupften ihre Gesichter mit bestickten Taschent�chern, richteten ihre breiten, farbenfrohen Strohh�te und gl�tteten schlichte, an einer Seite hochgen�hte Tuchr�cke, die Schichten von ebenso farbenfrohen Unterr�cken freigaben, wie es die Kleidung des Meervolks war. Es waren teilweise die Blicke der Aes Sedai, die bewirkten, da� sie von einem Fu� auf den anderen traten. Aber Angst vor den Verlorenen und dem <emphasis>Gholam</emphasis> wie auch vor anderen Dingen verst�rkten dieses Unbehagen noch. Die schmalen, tiefen Ausschnitte jener Gew�nder h�tten gen�gen sollen. Die meisten dieser Frauen wiesen zumindest einige wenige Falten auf den Wangen auf, und doch wirkten sie wie M�dchen mit H�nden voller gestohlenem Nu�brot. Alle bis auf die gedrungene Sumeko, die mit in die breiten H�ften gestemmten F�usten die Blicke der Aes Sedai nacheinander erwiderte. Das helle Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgab eine von ihnen, Kirstian, die st�ndig �ber die Schulter blickte. Ungef�hr zehn Jahre �lter als Nynaeve, schien sie mit ihrem blassen Gesicht nicht zu den anderen zu passen. Und das Gesicht wurde noch blasser, wann immer ihre schwarzen Augen dem Blick einer Aes Sedai begegneten.</p><p>Nynaeve eilte zu den Frauen, welche die Schwesternschaft anf�hrten, ihr Gesicht pure Aufmunterung, und Reanne und die anderen l�chelten sichtlich erleichtert. Zugegebenerma�en auch ein wenig befangen, wenn man nach den Seitenblicken zu Lan urteilen wollte. Sie sahen in ihm den Wolf, an den er sie erinnerte. Jedoch war Nynaeve der Grund, warum Sumeko nicht wie die �brigen niedergeschlagen wirkte, wann immer eine Aes Sedai in ihre Richtung blickte. Sie hatte geschworen, jede dieser Frauen zu lehren, da� sie ein R�ckgrat besa�en, obwohl Aviendha ihre Beweggr�nde nicht vollst�ndig verstand. Nynaeve war selbst eine Aes Sedai. Keine Weise Frau w�rde jemals jemandem raten, er solle sich gegen Weise Frauen erheben.</p><p>Wie gut auch immer das bei den anderen Aes Sedai Wirkung zeigen mochte � sogar Sumeko sah Nynaeve ein wenig unterw�rfig an. Der Frauenzirkel empfand es zumindest als seltsam, da� Frauen, die so jung wie Elayne und Nynaeve waren, den anderen Aes Sedai Befehle gaben und man ihnen gehorchte. Aviendha selbst fand es auch merkw�rdig. Wie konnte St�rke in der Macht � etwas, womit man so sicher geboren wurde wie mit zwei Augen � schwerer wiegen als in Jahren erworbene Ehre? Und doch gehorchten die �lteren Aes Sedai, und das gen�gte den Frauen der Schwesternschaft. Ieine, fast so gro� wie Aviendha selbst und fast so dunkel wie die Frauen des Meervolks, erwiderte jeden Blick Nynaeves mit einem willf�hrigen L�cheln, w�hrend Dimana, deren hellrotes Haar von wei�en Str�hnen durchzogen wurde, unter Nynaeves Blicken st�ndig den Kopf beugte und die blonde Sibella ein nerv�ses Kichern hinter vorgehaltener Hand verbarg. Trotz ihrer Ebou Dari-Kleidung war nur die hagere Tamarla mit ihrer olivfarbenen Haut Altarenerin und stammte nicht einmal aus der Stadt.</p><p>Sie wichen auseinander, sobald Nynaeve sich n�herte, und gaben eine auf dem Boden kniende Frau mit hinter dem R�cken gefesselten H�nden frei, �ber deren Kopf ein Ledersack gest�lpt war und deren Kleider zerrissen und staubig waren. Sie war ebensosehr der Grund f�r ihr Unbehagen wie Merililles gerunzelte Stirn oder die Verlorenen. Vielleicht sogar noch mehr.</p><p>Tamarla zog den Ledersack fort, so da� die d�nnen, mit Perlen geschm�ckten Z�pfe der Frau herabbaumelten. Ispan Shefar versuchte aufzustehen, aber sie taumelte und sank blinzelnd und albern kichernd wieder zur�ck. Schwei� rann ihre Wangen hinab, und einige wenige blaue Flecke von ihrer Gefangennahme entstellten ihre alterslosen Z�ge. Aviendha war der Ansicht, da� sie gemessen an ihren Verbrechen noch zu milde behandelt worden war.</p><p>Die Kr�uter, die Nynaeve der Frau eingefl��t hatte, umnebelten ihre Sinne ebenso, wie sie ihre Knie schw�chten, aber Kirstian schirmte sie dennoch mit aller Macht ab, die sie heraufbeschw�ren konnte. F�r die Schattenl�uferin bestand keinerlei Aussicht zu entkommen � selbst wenn sie die Kr�uter nicht h�tte schlucken m�ssen, war Kirstian doch ebenso stark in der Macht wie Reanne, st�rker als die meisten Aes Sedai, denen Aviendha jemals begegnet war �, und doch zupfte selbst Sumeko nerv�s an ihren R�cken und vermied es, die kniende Frau anzusehen.</p><p>�Die Schwestern sollten sie jetzt �bernehmen.� Reannes hohe Stimme klang so unsicher, da� sie der von Kirstian abgeschirmten Schwarzen Schwester h�tte geh�ren k�nnen. �Nynaeve Sedai, wir ... wir sollten nicht bewach ... ehm ... unter den Augen ... einer Aes Sedai.�</p><p>�Das ist richtig�, warf Sumeko schnell und beinahe �ngstlich ein. �Die Aes Sedai sollten sie jetzt �bernehmen.� Sibella wiederholte ihre Worte, und Nicken und zustimmendes Murmeln lief durch die Schwesternschaft. Sie glaubten zutiefst, weit unter den Aes Sedai zu stehen, und h�tten es h�chstwahrscheinlich vorgezogen, Trollocs zu bewachen, statt eine Aes Sedai festhalten zu m�ssen.</p><p>Die mi�billigenden Blicke von Merilille und den anderen Schwestern wandelten sich, als Ispan Shefars Gesicht enth�llt wurde. Sareitha Tomares, die ihre mit braunen Fransen versehene Stola erst wenige Jahre trug und noch nicht die alterslose Erscheinung besa�, starrte die Schattenl�uferin h�chst angewidert an. Adeleas und Vandene, die H�nde in die R�cke verkrampft, schienen mit dem Ha� gegen�ber der Frau zu k�mpfen, die ihre Schwester gewesen war und sie verraten hatte. Und doch sahen sie den Frauenzirkel nicht wesentlich freundlicher an. Auch sie wu�ten in ihren Herzen, da� die Schwesternschaft weit unter ihnen stand. Aber die Verr�terin war eine von ihnen gewesen, und niemand au�er ihnen hatte das Recht, sie zu richten. Aviendha stimmte zu. Eine Tochter des Speers, die ihre Speerschwestern verriet, starb weder schnell noch ehrenvoll.</p><p>Nynaeve zog den Sack nachdr�cklich wieder �ber Ispan Shefars Kopf. �Ihr habt sie bisher gut bewacht, und Ihr werdet sie weiterhin gut bewachen�, belehrte sie die Schwesternschaft bestimmt. �Wenn sie Anzeichen zeigt, sich zu erholen, zwingt ihr ein wenig von der Kr�utermischung die Kehle hinab. Das wird sie wieder trunken machen. Haltet ihr die Nase zu, wenn sie nicht schlucken will. Selbst eine Aes Sedai wird schlucken, wenn man ihr die Nase zuh�lt und ihr droht, sie zu ohrfeigen.�</p><p>Reannes Kinn sank herab, und ihre Augen weiteten sich wie auch die Augen der meisten ihrer Begleiterinnen. Sumeko nickte z�gerlich und blickte fast genauso starr wie die anderen. Wenn Frauen der Schwesternschaft den Namen Aes Sedai aussprachen, k�nnten sie ebensogut den Sch�pfer benennen. Der Gedanke daran, einer Aes Sedai die Nase zuzuhalten, selbst einer Schattenl�ufer in, zeichnete ihre Gesichter mit Entsetzen.</p><p>Den geweiteten Augen der Aes Sedai nach zu urteilen, gefiel ihnen die Vorstellung noch weniger. Merilille �ffnete den Mund, wobei sie Nynaeve ansah, aber genau in diesem Moment erreichte Elayne sie, und die Graue Schwester wandte sich statt dessen ihr zu, wobei sie f�r Birgitte kaum ein mi�billigendes Stirnrunzeln �brig hatte. An ihrer eher lauter als leiser werdenden Stimme konnte man das Ma� ihrer Ersch�tterung erkennen. Merilille war f�r gew�hnlich sehr besonnen. �Elayne, Ihr m��t mit Nynaeve sprechen. Diese Frauen sind bereits verwirrt und zutiefst ver�ngstigt. Es wird nicht sehr hilfreich sein, wenn Nynaeve sie noch weiter aufregt. Wenn der Amyrlin-Sitz ihnen wirklich die Erlaubnis geben will, zur Burg zu gehen�, sie sch�ttelte z�gernd den Kopf, um den Gedanken weit von sich zu weisen, �wenn sie das beabsichtigt, m�ssen sie eine klare Vorstellung von ihrem Platz bekommen und...�</p><p>�Das beabsichtigt die Amyrlin tats�chlich�, unterbrach Elayne sie. Bei Nynaeve wirkte ein bestimmter Tonfall wie eine unter der Nase gesch�ttelte Faust. Bei Elayne vermittelte er ruhige Gelassenheit. �Sie werden eine zweite Chance bekommen, und wenn sie versagen, werden sie dennoch nicht fortgeschickt werden. Keine Frau, welche die Macht lenken kann, wird wieder von der Burg abgeschnitten werden. Sie werden alle Teil der Wei�en Burg bleiben.�</p><p>Aviendha betastete m��ig ihren G�rteldolch und wunderte sich �ber Elaynes Worte. Egwene, Elaynes Amyrlin-Sitz, dachte ungef�hr dasselbe. Sie war auch eine Freundin, aber sie hielt ihr Herz in der N�he von Aes Sedai verh�llt. Aviendha selbst wollte kein Teil der Wei�en Burg sein, und sie bezweifelte stark, da� Sorilea oder eine andere Weise Frau dies wollte.</p><p>Merilille seufzte und faltete die H�nde, senkte ihre Stimme aber trotz ihrer nach au�en gezeigten Billigung nicht. �Wie Ihr meint, Elayne. Aber wegen Ispan � wir k�nnen einfach nicht zulassen...�</p><p>Elayne hob j�h eine Hand und gebot gebieterisch Schweigen. �H�rt auf, Merilille. Ihr m��t die Schale der Winde bewachen. Das gen�gt jedermann. Es wird auch Euch gen�gen.�</p><p>Merilille �ffnete den Mund, schlo� ihn dann wieder und beugte nachgiebig ein wenig den Kopf. Die anderen Aes Sedai beugten ihre K�pfe unter Elaynes stetem Blick ebenfalls. Wenn einige Widerwillen zeigten � wie schwach auch immer �, so galt das doch nicht f�r alle.</p><p>Sareitha nahm rasch das scheibenf�rmige B�ndel auf, das zu ihren F��en gelegen hatte und mit Schichten wei�er Seide umwickelt war. Ihre Arme reichten kaum darum herum, als sie die Schale der Winde an ihren Busen dr�ckte und Elayne besorgt anl�chelte, als wolle sie zeigen, da� sie die Schale wirklich gut bewachte.</p><p>Die Meervolk-Frauen betrachteten das B�ndel begierig und beugten sich beinahe vor. Aviendha w�re nicht �berrascht gewesen, wenn sie �ber die Steine gesprungen w�ren, um die Schale zu ergreifen. Die Aes Sedai sahen eindeutig das gleiche. Sareitha umklammerte das wei�e B�ndel noch fester, und Merilille trat tats�chlich zwischen sie und die Atha'an Miere. Glatte Aes Sedai-Gesichter spannten sich an, vergeblich um Ausdruckslosigkeit bem�ht. Sie waren der Meinung, die Schale sollte ihnen geh�ren. Alle Dinge, welche die Eine Macht benutzten oder beeinflu�ten, geh�rten ihrer Meinung nach der Wei�en Burg, ungeachtet dessen, wer sie im Moment besa�. Aber da war der Vertrag.</p><p>�Die Sonne steigt, Aes Sedai�, verk�ndete Renaile din Calon laut, �und Gefahr droht. Also bewahrt sie. Wenn Ihr Euch irgendwie herauswinden wollt, indem ihr Zeit schindet, �berlegt es Euch lieber zweimal. Versucht, den Vertrag zu brechen, und ich werde beim Herzen meines Vaters die Schiffe sofort zur�ckkehren lassen und die Schale zur�ckfordern. Sie hat von der Zerst�rung an uns geh�rt.�</p><p>�H�tet in Gegenwart von Aes Sedai Eure Zunge�, stie� Reanne barsch hervor, von ihrem blauen Strohhut bis zu den unter gr�nwei�en Rocks�umen hervorsehenden, festen Schuhen emp�rte Entr�stung.</p><p>Renaile din Calon verzog h�hnisch den Mund. �Die Medusen haben anscheinend Zungen. Es �berrascht mich jedoch, da� sie diese auch benutzen k�nnen, wenn keine Aes Sedai es erlaubt hat.�</p><p>Der Stallhof war im Handumdrehen von zwischen der Schwesternschaft und den Atha'an Miere hin und her fliegenden Beleidigungen erf�llt: �Wilde�, �Barbaren� und Schlimmeres; schrille Schreie �bert�nten Merililles Versuche, Reanne und ihre Begleiterinnen mit der einen und das Meervolk mit der anderen Hand zu beruhigen. Mehrere Windsucherinnen h�rten auf, nach den hinter ihren Sch�rpen steckenden Dolchen zu tasten, statt dessen ergriffen sie die Hefte. Das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> sprang um die erste und dann eine weitere der farbenfroh gekleideten Frauen auf. Die Frauen der Schwesternschaft wirkten best�rzt, obwohl es ihren Redeflu� nicht behinderte, aber dann umarmte auch Sumeko die Quelle, dann Tamarla, schlie�lich die geschmeidige, reh�ugige Chilares, und bald schimmerte jede einzelne von ihnen und von den Windsucherinnen, w�hrend Worte flogen und Temperamente �bersch�umten.</p><p>Aviendha h�tte am liebsten gest�hnt. Jeden Moment w�rde Blut flie�en. Sie w�rde Elaynes F�hrung folgen, aber ihre N�chstschwester starrte die Windsucherinnen und den Frauenzirkel gleicherma�en mit kaltem Zorn an. Elayne hatte wenig Geduld mit Einf�ltigkeit, weder bei sich selbst noch bei anderen, und Beleidigungen herauszuschreien, wenn vielleicht ein Feind nahte, war das schlimmste von allem. Aviendha umfa�te entschlossen ihren G�rteldolch und umarmte kurz darauf <emphasis>Saidar.</emphasis> Leben und Freude erf�llten sie so stark, da� sie am liebsten geweint h�tte. Weise Frauen benutzten die Macht nur, wenn Worte versagten, aber hier w�rden weder Worte noch Stahl gen�gen. Sie w�nschte, sie h�tte eine Ahnung, wen sie zuerst t�ten sollte.</p><p>�Das reicht!� Nynaeves durchdringender Schrei schnitt jedermann j�h das Wort ab. Erstaunte Gesichter wirbelten zu ihr herum. Sie wandte drohend den Kopf und streckte einen Finger in Richtung des Frauenkreises aus. �H�rt auf, Euch wie Kinder zu benehmen!� Ihre Stimme klang kaum weniger schneidend. �Oder wollt Ihr Euch zanken, bis die Verlorenen kommen, um die Schale <emphasis>und</emphasis> uns zu holen? Und Ihr�, fuhr sie mit zu den Windsucherinnen ausgestrecktem Finger fort, �h�rt auf, Euch aus der Vereinbarung zu stehlen! Ihr werdet die Schale erst bekommen, wenn Ihr jedes Wort des Vertrags erf�llt habt! Glaubt nicht, da� es anders sein wird!� Dann fuhr Nynaeve zu den Aes Sedai herum. �Und Ihr...!� Die k�hle �berraschung, der sie sich j�h gegen�bersah, lie� ihren Wortflu� zu einem ver�rgerten Brummen versiegen. Die Aes Sedai hatten sich nur an dem Geschrei beteiligt, um zu versuchen, es zu unterbinden. Um keine Aes Sedai schimmerte <emphasis>Saidar.</emphasis></p><p>Aber das gen�gte nat�rlich nicht, um Nynaeve vollst�ndig zu bes�nftigen. Sie zog heftig an ihrem Hut, offensichtlich noch immer voller Zorn, den sie abreagieren wollte. Aber die Frauen der Schwesternschaft starrten mit vor Kummer ger�teten Gesichtern auf die Pflastersteine, und selbst die Windsucherinnen schienen ein wenig besch�mt � ein wenig � und murrten in sich hinein, mieden aber Nynaeves Blick ebenfalls. Das Schimmern verbla�te nacheinander um alle Frauen, bis nur noch Aviendha die Quelle festhielt.</p><p>Sie zuckte zusammen, als Elayne ihren Arm ber�hrte. Sie verweichlichte. Menschen an sich heranschleichen zu lassen und bei einer Ber�hrung zusammenzuzucken!</p><p>�Der Streit scheint gebannt�, murmelte Elayne. �Vielleicht sollten wir gehen, bevor der n�chste ausbricht.� Leichte R�te auf ihren Wangen war das einzige Anzeichen daf�r, da� sie noch kurz zuvor zornig gewesen war. Auch Birgittes Wangen waren ein wenig ger�tet. Die beiden Frauen spiegelten einander seit Bestehen des Bundes auf mancherlei Art wider.</p><p>�Das sollten wir allerdings�, stimmte Aviendha ihr zu. Wenn sie noch l�nger hier verweilte, <emphasis>w�re</emphasis> sie tats�chlich ein weichherziger Feuchtl�nder.</p><p>Aller Augen folgten ihr, als sie in die Mitte des Stallhofs trat und zu dem Fleck ging, den sie gepr�ft und ersp�rt hatte, bis sie ihn mit geschlossenen Augen kannte. Es erf�llte sie mit einer Freude, <emphasis>Saidar</emphasis> zu benutzen, die sie nicht in Worte fassen konnte. <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen, davon umarmt zu werden, lie� einen lebendiger erscheinen als alles andere. Eine T�uschung, sagten die Weisen Frauen, so tr�gerisch und gef�hrlich wie eine Luftspiegelung im Termool, und doch schien es realer als die Pflastersteine unter ihren F��en, Sie bek�mpfte den Drang, noch mehr <emphasis>Saidar</emphasis> heranzuziehen. Sie hielt bereits beinahe so viel fest, wie sie aufnehmen konnte. Alle dr�ngten sich nahe an sie heran, als sie die Str�nge zu weben begann.</p><p>Es erstaunte Aviendha nach allem, was sie erlebt hatte, noch immer, da� es Dinge gab, welche die Aes Sedai nicht tun konnten. Mehrere der Frauen des Zirkels waren ausreichend stark, aber nur Sumeko und �berraschenderweise Reanne beobachteten offen, was sie tat. Sumeko ging sogar so weit, Nynaeves Versuche, sie aufmunternd zu t�tscheln, abzuwehren � was einen best�rzten und entr�steten Blick von Nynaeve bewirkte, den Sumeko jedoch nicht bemerkte, da sie sich auf Aviendha konzentrierte. Alle Windsucherinnen waren ausreichend stark. Sie beobachteten die Vorg�nge genauso begierig, wie sie die Schale betrachtet hatten. Der Vertrag gab ihnen jegliches Recht dazu.</p><p>Aviendha konzentrierte sich, und die Str�nge fl�ssen ineinander und schufen Gleichheit zwischen diesem Ort und jenem, den sie und Elayne und Nynaeve auf einer Karte erw�hlt hatten. Sie vollf�hrte eine Geste, als �ffne sie einen Zelteingang. Es war kein Teil des Gewebes, das Elayne ihr gezeigt hatte, aber es war fast alles, woran sie sich erinnern konnte, etwas, das sie selbst vollbracht hatte, lange bevor Elayne ihr erstes Wegetor er�ffnete. Die Str�nge verschmolzen zu einem silbrigen, senkrechten Schlitz, der sich drehte und zu einer �ffnung in der Luft wurde, die gr��er als ein Mensch und ebenso breit war. Jenseits lag eine gro�e Lichtung, von zwanzig oder drei�ig Fu� hohen B�umen umgeben, mehrere Meilen n�rdlich der Stadt auf der entgegengesetzten Flu�seite. Kniehohes braunes Gras reichte bis zum Wegetor und neigte sich in einem leichten Wind hindurch. Das Tor hatte sich nicht wirklich gedreht, sondern es vermittelte nur den Eindruck. Einige der Halme waren jedoch sauber durchschnitten, einige sogar der L�nge nach. Die R�nder eines sich er�ffnenden Wegetors lie�en eine Rasierklinge stumpf erscheinen.</p><p>Aviendha war �ber das Wegetor unzufrieden. Elayne konnte dieses Gewebe mit nur einem Teil ihrer St�rke gestalten, aber es erforderte aus einem unbestimmten Grund fast Aviendhas ganze Kraft. Sie war sich sicher, da� sie ein gr��eres Wegetor h�tte weben k�nnen, so gro�, wie Elayne es vermochte, welche die Gewebe gestaltet und benutzt hatte, ohne nachzudenken, als sie Rand al'Thor vor anscheinend sehr langer Zeit zu entkommen versuchte, aber ungeachtet dessen, wie oft Aviendha sich abm�hte, erreichte sie nur Bruchst�cke. Sie versp�rte keinen Neid � sie war eher stolz auf die Fertigkeiten ihrer N�chstschwester �, aber ihr Versagen besch�mte sie innerlich. Sorilea oder Amys w�rden sie hart angehen, wenn sie davon erfuhren. Von der Scham. Zuviel Stolz, w�rden sie es nennen. Amys sollte es verstehen. Sie war einst eine Tochter des Speers gewesen. Es <emphasis>war</emphasis> besch�mend, bei etwas zu versagen, wozu man bef�higt sein sollte. H�tte sie nicht das Gewebe festhalten m�ssen, w�re sie davongerannt, damit niemand sie sehen konnte.</p><p>Der Aufbruch war sorgf�ltig geplant worden, und der ganze Stallhof geriet abrupt in Bewegung, sobald sich das Wegetor vollst�ndig er�ffnet hatte. Zwei Frauen des Zirkels zogen die Schattenl�ufer in auf die F��e, und die Windsucherinnen bildeten hinter Renaile clin Calon eilig eine Reihe. Die Diener begannen Pferde aus den St�llen heranzuf�hren. Lan, Birgitte und einer der Beh�ter Careanes, ein schlanker Mann namens Cieryl Arjuna, sprangen sogleich einer nach dem anderen durch das Wegetor. Wie die <emphasis>Far</emphasis></p><p><emphasis>Dareis Mai</emphasis> beanspruchten auch die Beh�ter stets das Recht, als Kundschafter t�tig zu werden. Aviendha wollte ihnen folgen, aber das war nicht m�glich. Anders als Elayne konnte sie keine f�nf oder sechs Schritte weit gehen, ohne da� ihr Gewebe schw�cher wurde, und dasselbe geschah, wenn sie es abbinden wollte. Es war sehr entt�uschend.</p><p>Dieses Mal drohte keine erkennbare Gefahr, so da� die Aes Sedai unmittelbar folgten, auch Elayne und Nynaeve. Bauernh�fe standen in dem bewaldeten Gebiet dicht an dicht, und ein wandernder Schafhirte oder ein junges Paar, das Ungest�rtheit suchte, m��ten vielleicht daran gehindert werden, zuviel zu sehen, aber keine Schattenseelen oder Schattenl�ufer konnten diese Lichtung kennen. Nur sie, Elayne und Nynaeve kannten sie, und sie hatten bei ihrer Wahl des Ortes aus Angst vor Lauschern nicht dar�ber gesprochen. Auf der Lichtung sah Elayne Aviendha fragend an, aber Aviendha bedeutete ihr weiterzugehen. Pl�ne wurden gemacht, um befolgt zu werden, es sei denn, es gab einen Grund, sie zu �ndern.</p><p>Die Windsucherinnen betraten nacheinander die Lichtung, alle pl�tzlich unschl�ssig, als sie sich diesem Wegetor n�herten, von dem sie niemals auch nur getr�umt hatten. Sie atmeten tief durch, bevor sie hindurchtraten. Das Kribbeln kehrte j�h zur�ck.</p><p>Aviendha hob den Blick zu den auf den Stallhof hinausf�hrenden Fenstern. Jedermann k�nnte sich hinter den wei�en schmiedeeisernen oder holzgeschnitzten Sichtblenden verbergen. Tylin hatte den Dienern befohlen, diesen Fenstern fernzubleiben, aber wer w�rde Teslyn aufhalten oder Joline oder... Etwas zog ihren Blick h�her hinauf, zu den Kuppeln und T�rmen. Schmale G�nge umgaben einige der schlanken T�rme, und auf einem sehr hoch aufragenden Turm war eine schwarze Gestalt zu sehen, von dem in ihrem R�cken befindlichen Strahlenkranz der Sonne scharf abgezeichnet. Ein Mann.</p><p>Ihr stockte der Atem. Nichts an seiner Haltung mit den H�nden auf der Steinbr�stung zeugte von Gefahr, und doch wu�te sie, da� er derjenige war, der das Kribbeln zwischen ihren Schulterbl�ttern verursachte. Eine der Schattenseelen w�rde nicht einfach dort stehenbleiben und beobachten, aber dieses Wesen, dieser <emphasis>Gholam...</emphasis> Eis bildete sich in ihrer Magengrube. Er war vielleicht einfach nur ein Palastdiener. Vielleicht, aber sie glaubte es nicht. Man mu�te sich nicht sch�men, Angst zu empfinden.</p><p>Sie schaute besorgt zu den noch immer mit qu�lender Langsamkeit durch das Wegetor ziehenden Frauen. Die H�lfte der Meervolk-Frauen war hindurch gelangt, und der Frauenkreis wartete hinter den �brigen, die Schattenl�uferin fest im Griff, w�hrend ihr Unbehagen, dort hindurchgehen zu m�ssen, von Unmut �berlagert wurde, weil es den MeervolkFrauen erlaubt war, zuerst zu gehen. Wenn sie ihren Verdacht �u�erte, w�rden sich die Frauen der Schwesternschaft gewi� beeilen � die blo�e Erw�hnung der Schattenseelen versetzte sie in Angst und Schrecken �, w�hrend die Windsucherinnen durchaus versuchen k�nnten, die Schale sofort f�r sich zu beanspruchen. F�r sie war die Schale wichtiger als alles andere. Aber nur eine blinde N�rrin blieb gem�chlich stehen, w�hrend sich ein L�we an die Herde anschlich, die sie bewachen sollte. Sie ergriff eine der Atha'an Miere an einem roten Seiden�rmel.</p><p>�Sagt Elayne...� Ein Gesicht wie glatter schwarzer Stein wandte sich ihr zu. Irgendwie gelang es der Frau, ihre vollen Lippen d�nn erscheinen zu lassen. Ihre Augen waren schwarze Kieselsteine, flach und hart. Welche Botschaft konnte sie schicken, die nicht all die Schwierigkeiten heraufbeschwor, die sie von diesen Frauen f�rchtete? �Sagt Elayne und Nynaeve, sie sollen vorsichtig sein. Sagt ihnen, Feinde k�men stets dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Ihr m��t ihnen dies w�rtlich ausrichten.� Die Windsucherin nickte mit kaum verhaltener Ungeduld, wartete aber �berraschenderweise, bis Aviendha sie loslie�, bevor sie z�gernd durch das Wegetor trat.</p><p>Der Gang oben um den Turm war nun verlassen. Aviendha versp�rte keine Erleichterung. Er konnte �berall sein. Vielleicht auf dem Weg zum Stallhof hinab. Wer auch immer er war, was auch immer er vorhatte � er <emphasis>war</emphasis> gef�hrlich. Die Gefahr existierte nicht nur in ihrer Einbildung. Die letzten vier Beh�ter hatten ein Viereck um das Wegetor gebildet, eine Wache, die als letzte gehen w�rde, und so sehr sie ihre Schwerter auch verachtete, war sie doch dankbar, da� noch jemand au�er ihr mit dem scharfen Metall umgehen konnte. Nicht da� die Beh�ter gegen einen</p><p><emphasis>Gholam �</emphasis> oder, noch schlimmer, gegen eine der Schattenseelen � eine gr��ere Chance als die bei den Pferden wartenden Diener gehabt h�tten. Oder eine gr��ere Chance als sie selbst.</p><p>Sie zog grimmig die Macht heran, bis die S��e <emphasis>Saidars</emphasis> fast schmerzhaft wurde. Ein Quentchen mehr, und der Schmerz w�rde w�hrend der zum Sterben oder der daf�r n�tigen Zeit, die F�higkeit vollkommen zu verlieren, blendende Marter werden. Wenn diese Frauen sich doch nur beeilen w�rden! Man mu�te sich nicht sch�men, Angst zu empfinden, aber sie f�rchtete doch sehr, da� ihr die Angst ins Gesicht geschrieben stand.</p></section><section><title><p>2</p><p>Aufl�sung</p></title><p>Elayne trat zur Seite, sobald sie das Wegetor passiert hatte, aber Nynaeve stapfte �ber die Lichtung, scheuchte braune Grash�pfer aus dem verdorrten Gras auf und sah sich �berall nach den Beh�tern um. Zumindest nach einem der Beh�ter. Ein hellroter Vogel scho� �ber die Lichtung und verschwand dann wieder. Sonst regte sich nichts. Ein Eichh�rnchen keckerte irgendwo in den �berwiegend unbelaubten B�umen, und dann herrschte Stille. Es schien Elayne unm�glich, da� die drei Beh�ter hier entlang gekommen sein konnten, ohne solch breite Spuren zu hinterlassen wie Nynaeve, und doch vermochte sie kein Zeichen daf�r zu erkennen, da� sie �berhaupt hiergewesen waren.</p><p>Sie sp�rte Birgitte irgendwo weitab zu ihrer Linken, ungef�hr s�dwestlich, wie sie glaubte, und erkannte zufrieden, da� keine unmittelbare Gefahr drohte. Careane, die mit anderen Frauen einen Schutzkreis um Sareitha und die Schale bildete, neigte den Kopf fast so, als lausche sie auf etwas. Ihr Cieryl war offensichtlich nach S�dosten gegangen, was bedeutete, da� Lan sich n�rdlich befand. Seltsamerweise blickte Nynaeve auch gen Norden, w�hrend sie unentwegt leise vor sich hin murmelte. Vielleicht hatte ihre Ehe ein Gesp�r f�r ihn erweckt. Aber wahrscheinlicher war, da� sie eine Spur entdeckt hatte, die Elayne entgangen war. Nynaeve wu�te genausoviel �ber den Wald wie �ber Kr�uter.</p><p>Von Elaynes erstem Standort aus war Aviendha durch das Wegetor deutlich zu sehen, w�hrend sie die D�cher des Palasts betrachtete, als erwarte sie einen Hinterhalt. Ihrer Haltung nach h�tte sie einen Speer in H�nden halten und bereit sein k�nnen, in ihrem Reitgewand einen Kampf anzutreten. Es entlockte Elayne ein L�cheln, da� sie so tapfer verbarg, wie entt�uscht sie �ber ihre Unzul�nglichkeit war, wenn es darum ging, ein Wegetor <emphasis>zu</emphasis> er�ffnen. Aber Elayne konnte gleichzeitig nicht umhin, sich Sorgen zu machen. Aviendha <emphasis>war</emphasis> tapfer, und niemand, den Elayne kannte, bewahrte einen k�hleren Kopf. Aber sie k�nnte vielleicht beschlie�en, da� das <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> von ihr zu k�mpfen verlangte, auch wenn keine andere M�glichkeit bestand als davonzulaufen. Das Licht um sie herum schimmerte so hell, da� sie offensichtlich nicht viel mehr <emphasis>Saidar</emphasis> heranziehen konnte. Wenn einer der Verlorenen erschien...</p><p><emphasis>Ich hatte bei ihr bleiben sollen.</emphasis> Aber Elayne verwarf den Gedanken sofort wieder. Welche Entschuldigung sie auch ersann � Aviendha w�rde die Wahrheit kennen, und sie war manchmal reizbar wie ein Mann. Meistens. Besonders wenn es um ihre Ehre ging. Elayne lie� sich seufzend von den aus dem Wegetor str�menden Atha'an Miere fortdr�ngen. Sie blieb jedoch ausreichend nahe, um jeglichen Schrei auf der anderen Seite h�ren zu k�nnen. Ausreichend nahe, um Aviendha im Handumdrehen zu Hilfe zu eilen. Und noch aus einem anderen Grund.</p><p>Die Windsucherinnen kamen in der Reihenfolge ihrer Rangordnung durch das Wegetor und bem�hten sich um unbewegte Mienen, aber selbst Renaile lockerte ihre angespannten Schultern, als ihre blo�en F��e auf das hohe braune Gras traten. Einige erschauderten leicht, was sie aber rasch unterdr�ckten, oder schauten mit geweiteten Augen <emphasis>zu</emphasis> der in der Luft h�ngenden �ffnung zur�ck. Alle sahen Elayne mi�trauisch an, w�hrend sie an ihr vor�bergingen, und zwei oder drei �ffneten den Mund, vielleicht um zu fragen, was sie tat, vielleicht um sie zu bitten � oder ihr zu befehlen � weiterzugehen. Elayne war durchaus froh, da� sie auf Renailes knappes Dr�ngen hin gehorsam weitereilten. Sie w�rden nur allzu bald eine Gelegenheit erhalten, den Aes Sedai zu sagen, was sie tun sollten. Es mu�te nicht mit ihr beginnen.</p><p>Dieser Gedanke verursachte ihr �belkeit, und die Anzahl der Windsucherinnen lie� sie den Kopf sch�tteln. Sie besa�en das Wissen �ber das Wetter, wodurch sie die Schale angemessen benutzen konnten, und doch stimmte sogar Renaile � wenn auch widerwillig � zu, da� die Aussichten, das Wetter heilen zu k�nnen, um so besser waren, je mehr Macht durch die Schale gelenkt w�rde. Sie mu�te mit unglaublicher Genauigkeit gelenkt werden, die nur einer Frau allein oder einem Kreis m�glich war. Es mu�te ein voller Kreis von Dreizehn sein. Diese Dreizehn w�rden Nynaeve und Aviendha und Elayne selbst sicherlich einschlie�en, und wahrscheinlich auch einige Frauen der Schwesternschaft, aber Renaile beabsichtigte eindeutig auf dem Teil des Vertrags zu bestehen, der besagte, da� sie ein Anrecht darauf h�tten, jegliche F�higkeiten zu erlernen, welche die Aes Sedai lehren konnten. Das Wegetor zu gestalten, war die erste Lektion gewesen, und die zweite w�rde die Bildung eines Kreises sein. Es war ein Wunder, da� sie nicht jede Windsucherin im Hafen mitgebracht hatten. Man stelle sich vor, mit drei- oder vierhundert dieser Frauen umzugehen! Elayne stie� ein kleines Dankgebet aus, da� nur zwanzig Windsucherinnen mitgekommen waren.</p><p>Sie war jedoch nicht hier, um sie zu z�hlen. W�hrend die einzelnen Windsucherinnen nahe an ihr vor�bergingen, erlaubte sie sich, die St�rke der Frauen im Gebrauch der Macht zu er sp�ren. Zuvor war lediglich genug Zeit gewesen, in die N�he einer Handvoll von ihnen zu gelangen, und das vor dem Hintergrund all der Schwierigkeiten, Renaile davon zu �berzeugen, �berhaupt mitzukommen. Offensichtlich hatte das Erringen eines Ranges unter den Windsucherinnen weder etwas mit dem Alter noch mit der St�rke zu tun. Renaile war selbst bei den ersten drei oder vier Frauen bei weitem nicht die St�rkste, w�hrend eine der letzten Windsucherinnen, Senine, wettergegerbte Wangen und dichtes graues Haar aufwies. Seltsamerweise schien es, den Durchstichen an ihren Ohren nach zu urteilen, als h�tte Senine einst mehr als sechs und dickere Ohrringe getragen als heute.</p><p>Elayne ordnete Gesichter ein und merkte sie sich zusammen mit den ihr bekannten Namen mit einem zunehmenden Gef�hl der Zufriedenheit. Die Windsucherinnen hatten sich vielleicht in gewisser Weise die Oberhand gesichert, und sie und Nynaeve waren m�glicherweise in gro�en Schwierigkeiten, in sehr gro�en Schwierigkeiten, wenn die Bedingungen des Vertrags Egwene und dem Saal der Burg bekannt wurden, aber keine dieser Frauen w�rde unter den Aes Sedai einen besonders hohen Rang bekleiden. Allerdings auch keinen niedrigen Rang. Sie sagte sich, da� sie nicht selbstgef�llig sein durfte � das �nderte nichts an dem, was sie vereinbart hatten �, und doch war es sehr schwer, nicht selbstgef�llig zu werden. Dies waren immerhin die besten der Atha'an Miere. Zumindest hier in Ebou Dar. Und wenn sie Aes Sedai gewesen w�ren, jede einzelne von ihnen, von Kurin mit dem harten schwarzen Blick bis zu Renaile selbst, h�tten sie ihr zugeh�rt, wenn sie sprach, und h�tten sich erhoben, wenn sie den Raum betrat. Wenn sie Aes Sedai gewesen w�ren und sich so verhalten h�tten, wie sie es sollten.</p><p>Und dann erschienen die letzten der Reihe, und Elayne zuckte unwillk�rlich zusammen, als eine junge Windsucherin von einem der kleineren Schiffe an ihr vor�berging, eine Frau mit rundlichen Wangen namens Rainyn in schlichter blauer Seide und mit kaum einem halben Dutzend Medaillons an ihrer Nasenkette. Die beiden Neulinge, die jungenhaft schmale Talaan und Metarra mit den gro�en Augen, eilten mit verst�rten Mienen heran. Sie hatten sich den Nasenring noch nicht verdient und noch viel weniger die Kette, und nur ein einziger d�nner Goldring im linken Ohr kennzeichnete die drei als gleichgestellt. Elaynes Blick folgte ihnen angespannt.</p><p>Die Atha'an Miere scharten sich erneut um Renaile, wobei die meisten begierig zu den Aes Sedai und der Schale blickten. Die letzten drei Frauen blieben im Hintergrund, Neulinge mit dem Gesichtsausdruck jener, die sich nicht sicher waren, ob sie �berhaupt ein Recht hatten hierzusein, wobei Rainyn in Nachahmung Renailes die Arme kreuzte und doch kaum selbstbewu�ter wirkte als die anderen beiden. Die Windsucherin eines Springers, dem kleinsten der Meervolk-Schiffe, befand sich wahrscheinlich selten in Gesellschaft der Windsucherin der Wogenherrin ihres Clans, ganz zu schweigen von der Windsucherin der Herrin der Schiffe. Rainyn war ohne weiteres ebenso stark im Gebrauch der Macht wie Lelaine oder Romanda, und Metarra stand auf gleicher Ebene mit Elayne selbst, w�hrend Talaan... Talaan, die in ihrer roten Leinenbluse so bescheiden wirkte, mit anscheinend st�ndig gesenkten Lidern, kam Nynaeve sehr nahe. Sehr nahe. Und mehr noch � Elayne wu�te, da� sie selbst ihr volles Potential noch nicht erreicht hatte, und Nynaeve ebenfalls nicht. Wie stark w�rden Metarra und Talaan einst sein? Sie hatte sich an das Wissen gew�hnt, da� nur Nynaeve und die Verlorenen st�rker waren als sie. Nun, auch Egwene, aber sie war gezwungen worden, und ihr eigenes und Aviendhas Potential entsprachen dem Egwenes. <emphasis>Soviel zur Zufriedenheit,</emphasis> schalt sie sich reum�tig. Lini h�tte ihr gesagt, sie verdiene dies daf�r, da� sie die Dinge als selbstverst�ndlich betrachtete.</p><p>Elayne lachte leise in sich hinein und wandte sich dann wieder zu Aviendha um, aber der Frauenzirkel stand wie angewurzelt auf einem Fleck vor dem Wegetor. Sie zuckten unter kalten Blicken von Careane und Sareitha zusammen. Alle au�er Sumeko, doch sie trat ebenfalls nicht vor, obwohl sie den Blicken der Schwestern begegnet war. Kirstian schien kurz davor, in Tr�nen auszubrechen.</p><p>Elayne unterdr�ckte ein Seufzen und scheuchte die Frauen der Schwesternschaft aus dem Weg, da die Stallburschen die Pferde durch das Wegetor bringen wollten. Der Frauenzirkel trottete wie eine Herde Schafe voran � sie war die Hirtin und Merilille und die �brigen die W�lfe �, und sie waren gewi� noch schneller vorangegangen, wenn Ispan nicht gewesen w�re.</p><p>Famelle, eine von nur vier Frauen des Kreises, die noch kein Grau oder Wei� im Haar aufwiesen, und Eldase, eine Frau mit k�mpferischem Blick, wenn sie nicht gerade eine Aes Sedai betrachtete, hielten Ispan an den Armen fest. Sie konnten sich anscheinend nicht entscheiden, ob sie die Frau fest genug halten sollten, da� sie in aufrechter Haltung blieb, oder ob sie den Griff lockern sollten mit dem Ergebnis, da� die Schwarze Schwester ruckartig vorw�rts gelangte, halbwegs in die Knie ging und dann wieder hochgezogen wurde, bevor sie vollst�ndig hinfiel.</p><p>�Verzeiht Aes Sedai�, murmelte Famelle Ispan st�ndig mit leicht tarabonischem Akzent zu. �Oh, es tut mir leid, Aes Sedai.� Eldase zuckte jedes Mal zusammen und st�hnte leise, wenn Ispan stolperte. Gerade so, als h�tte Ispan nicht dabei geholfen, zwei der Ihren � und nur das Licht wu�te, wie viele andere noch � zu ermorden. Sie machten Aufhebens um eine Frau, die sterben w�rde. Die Morde in der Wei�en Burg, an denen Ispan beteiligt gewesen war, gen�gten, um sie zu verurteilen.</p><p>�Bringt sie irgendwo dort dr�ben hin�, befahl Elayne ihnen und winkte sie von dem Wegetor auf die Lichtung. Sie gehorchten, vollf�hrten unbeholfene Hofknickse, lie�en Ispan dabei um ein Haar fallen und murmelten an Elayne und die Schwarze Schwester gewandt Entschuldigungen. Reanne und die �brigen eilten voran, w�hrend sie die Schwestern um Merilille besorgt im Auge behielten.</p><p>Der Kampf der Blicke zwischen den Aes Sedai und den Frauen der Schwesternschaft, dem Frauenzirkel und den Windsucherinnen und den Atha'an Miere und fast allen anderen im Umkreis begann fast augenblicklich von neuem. Elayne bi� die Z�hne zusammen. Sie w�rde sie <emphasis>nicht</emphasis> anschreien. Nynaeve hatte mit Schreien ohnehin stets mehr Erfolg. Aber sie h�tte am liebsten jede einzelne von ihnen gesch�ttelt, damit sie wieder zur Vernunft k�men, sie gesch�ttelt, bis ihre Z�hne geklappert h�tten. Einschlie�lich Nynaeve, die alle anweisen sollte, anstatt in den Wald zu starren. Aber was war, wenn Rand sterben mu�te, wenn sie keine M�glichkeit fand, ihn zu retten?</p><p>Pl�tzlich brannten Tr�nen in ihren Augen. Rand <emphasis>w�rde</emphasis> sterben, und sie konnte nichts tun, um seinen Tod zu verhindern. <emphasis>Sch�le den Apfel in deiner Hand, M�dchen, nicht den auf dem Baum,</emphasis> schien Linis leise Stimme ihr ins Ohr zu fl�stern. <emphasis>Weinen kann man hinterher. Vorher sind Tr�nen nur Zeitverschwendung.</emphasis></p><p>�Danke, Lini�, murmelte Elayne. Ihre alte Kinderfrau war manchmal l�stig, weil sie niemals zugab, da� einer ihrer Sch�tzlinge wirklich erwachsen geworden war, aber sie erteilte stets gute Ratschl�ge. Da� Nynaeve ihre Pflichten vernachl�ssigte, war f�r Elayne kein Grund, es ihr gleichzutun.</p><p>Diener f�hrten unmittelbar hinter dem Frauenzirkel Pferde durch das Wegetor, allen voran die Packpferde. Keines dieser vorderen Tiere war mit etwas so Nichtigem wie Kleidung beladen. Wenn die Reitpferde auf der anderen Seite des Wegetors zur�ckgelassen werden mu�ten, konnten sie immer noch �ber den Flu� gebracht werden, aber was die ersten Packpferde trugen, durfte nicht den Verlorenen �berlassen werden. Elayne bedeutete der Frau mit dem lederartigen Gesicht, welche die ersten Tiere anf�hrte, mit ihr zur Seite zu treten, um den anderen aus dem Weg zu gehen.</p><p>Sie l�ste die starre Segeltuchabdeckung eines der breiten Weidenk�rbe und enth�llte einen Berg scheinbar achtlos hineingestopften Unrats, wovon einiges in Lumpen geh�llt war. Der gr��te Teil davon <emphasis>war</emphasis> vermutlich auch Unrat. Elayne umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und begann auszusortieren. Ein verrosteter Brustharnisch landete schnell auf dem Boden, zusammen mit einem zerbrochenen Tischbein, einer gesprungenen Platte, einem stark verbeulten Zinnkrug und einem Beutel aus modrigem Stoff, der beinahe in ihren H�nden zerfiel.</p><p>Der Lagerraum, in dem sie die Schale der Winde gefunden hatten, war vollgestopft gewesen mit Dingen, die auf einen Abfallhaufen geh�rt h�tten, durcheinandergeworfen mit noch weiteren Artefakten der Macht als nur der Schale, einige in wurmzerfressenen F�ssern oder Kisten und einige nur achtlos aufgeh�uft. Jahrhundertelang hatte die Schwesternschaft alle mit der Macht verbundenen Gegenst�nde verborgen, zu �ngstlich, sie zu gebrauchen, und zu �ngstlich, sie den Aes Sedai zu �berlassen. Bis heute morgen. Dies war die erste Gelegenheit f�r Elayne, nachzusehen, was der Aufbewahrung wert war. Das Licht gebe, da� die Schattenfreunde nicht mit etwas Bedeutsamem entkommen waren. Sie hatten einiges mitgenommen, aber mit Sicherheit weniger als ein Viertel dessen, was der Raum einschlie�lich des Unrats enthalten hatte. Das Licht gebe, da� sie etwas fand, was sie gebrauchen konnten. Menschen waren gestorben, um diese Gegenst�nde aus dem Rahad herauszubringen.</p><p>Sie lenkte die Macht nicht, sondern hielt sie nur fest, w�hrend sie jeden Gegenstand einzeln heraushob. Ein angeschlagener Tonbecher, drei zerbrochene Teller, ein mottenzerfressenes Kinderkleid und ein alter Stiefel mit einem Loch in der Seite fielen zu Boden. Dann nahm sie eine Steinskulptur hervor, ein wenig gr��er als ihre Hand � <emphasis>es f�hlte</emphasis> sich <emphasis>an</emphasis> wie Stein, <emphasis>k�nnte</emphasis> eine Skulptur sein, obwohl es aus einem unbestimmten Grund nicht wirklich gemei�elt aussah �, mit tiefblauen Kurvenlinien, ann�hernd wie Wurzeln geformt. Sie schien sich bei ihrer Ber�hrung leicht zu erw�rmen. Sie ... schwang ... mit <emphasis>Saidar</emphasis> mit. Eine bessere Beschreibung fiel Elayne nicht ein. Sie hatte keine Ahnung, wozu sie gedacht war, aber sie war ohne jeden Zweifel ein <emphasis>Ter'angreal.</emphasis> Sie legte die Skulptur auf die andere Seite, abseits des Berges aussortierter Sachen.</p><p>Dieser Berg wuchs weiterhin, aber auch auf dem anderen Stapel h�uften sich � wenn auch langsamer �Dinge, die au�er schwacher W�rme und dem Vermitteln der Empfindung, da� die Macht in ihnen widerhallte, nichts gemeinsam hatten. So beispielsweise ein kleines K�stchen, dessen Oberfl�che sich wie Elfenbein anf�hlte und mit gewundenen roten und gr�nen Streifen bedeckt war � sie stellte es vorsichtig ab, ohne den mit Scharnieren befestigten Deckel anzuheben, denn man konnte niemals wissen, was ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> vielleicht ausl�ste �; eine schwarze Rute, nicht dicker als ihr Finger und einen Schritt lang, fest, aber doch so biegsam, da� sie diese zu einem Kreis w�rde formen k�nnen; eine kleine, mit einem St�psel verschlossene Glasflasche, vielleicht aus Kristall, mit einer dunkelroten Fl�ssigkeit darin; die zwei Fu� hohe Figur eines gedrungenen, b�rtigen Mannes mit vergn�gtem L�cheln und einem Buch in der Hand, die aus vom Alter patinierter Bronze zu bestehen schien �Elayne brauchte beide H�nde, um sie anzuheben �, und andere Dinge. Das meiste war jedoch Unrat. Und nichts davon war das, was sie wirklich wollte. Noch nicht.</p><p>�Ist das der richtige Zeitpunkt daf�r?� fragte Nynaeve. Sie richtete sich hastig von der kleinen Ansammlung von <emphasis>Ter'angrealen</emphasis> auf, verzog das Gesicht und rieb sich die Hand an ihrem Rock ab. �Diese Rute f�hlt sich an wie ... Kummer�, murrte sie. Die Frau mit dem harten Gesicht, die den Kopf des Packpferdes festhielt, betrachtete blinzelnd die Rute und wich zur�ck.</p><p>Elayne betrachtete die Rute ebenfalls � Nynaeves spontane Eindr�cke �ber Gegenst�nde, die sie ber�hrte, konnten n�tzlich sein �, aber sie hielt nicht in ihrer T�tigkeit inne. Es hatte in letzter Zeit gewi� zu viel Kummer gegeben, als da� sie noch mehr gebraucht h�tten. Nicht da� Nynaeve ihre Eindr�cke immer so deutlich in Worte fassen konnte. Die Rute war vielleicht an einem Ort gewesen, wo viel Leid zugef�gt worden war, ohne selbst die Ursache daf�r zu sein. Der Weidenkorb war fast leer. Einiges von dem, was sich auf der Seite anh�ufte, w�rde aus Gr�nden des Gleichgewichts verteilt werden m�ssen. �Wenn sich irgendwo hier drinnen ein <emphasis>Angreal</emphasis> befindet, Nynaeve, w�rde ich es gerne finden, bevor Moghedien uns auf die Schultern tippt.�</p><p>Nynaeve brummte verstimmt, sp�hte aber auch in den Weidenkorb.</p><p>W�hrend Elayne ein weiteres Tischbein fallen lie� �nun waren es <emphasis>drei,</emphasis> die nicht zueinander pa�ten �, warf sie einen Blick auf die Lichtung. Alle Packpferde hatten das Wegetor passiert, und jetzt wurden die Reittiere hindurchgef�hrt und f�llten den freien Raum zwischen den B�umen mit Gesch�ftigkeit und L�rm. Merilille und die �brigen Aes Sedai sa�en bereits im Sattel und verbargen kaum ihre Ungeduld, endlich aufzubrechen, w�hrend Pol hastig die Satteltaschen ihrer Herrin festzurrte, aber die Windsucherinnen...</p><p>Zu Fu� und auf ihren Schiffen bewegten sie sich h�chst anmutig, sie waren jedoch nicht an Pferde gew�hnt. Renaile wollte von der falschen Seite aus aufsteigen, und die f�r sie auserw�hlte sanfte Kastanienbraune t�nzelte langsam im Kreis um den livrierten Diener herum, der mit einer Hand das Zaumzeug ergriff, w�hrend er sich mit der anderen verzweifelt die Haare raufte und vergeblich versuchte, die Windsucherin zu korrigieren. Zwei der Stalldienerinnen gaben sich alle M�he, Dorile in den Sattel zu helfen, die der Wogenherrin des Clans Somarin diente, w�hrend eine dritte, die den Kopf des Grauen hielt, die angespannte Miene eines Menschen zeigte, der sich ein Lachen verkniff. Rainyn sa� auf dem R�cken eines langbeinigen braunen Wallachs, hatte aber weder die F��e in die Steigb�gel gestellt, noch hielt sie die Z�gel in H�nden; auch hatte sie erhebliche Schwierigkeiten, beides zu finden. Und diese drei taten sich anscheinend noch am leichtesten. Pferde wieherten, t�nzelten und rollten mit den Augen, und Windsucherinnen stie�en derma�en laut Fl�che aus, da� sie noch �ber einen Sturm hinweg h�tten geh�rt werden k�nnen. Eine von ihnen schlug einen Diener mit der Faust nieder, und drei weitere Stallburschen versuchten, die Pferde wieder einzufangen, die sich losgerissen hatten.</p><p>Dann sah Elayne das, was sie zu sehen erwartet hatte, wenn Nynaeve in ihrer Aufmerksamkeit nachlie�. Lan stand bei seinem schwarzen Schlachtro� Mandarb und blickte abwechselnd von den B�umen zum Wegetor und zu Nynaeve. Birgitte kam kopfsch�ttelnd aus dem Wald, gefolgt von Cieryl, der sich aber Zeit lie�. Es gab dort drau�en nichts, was sie h�tte bedrohen oder ihnen Unannehmlichkeiten bereiten k�nnen.</p><p>Nynaeve beobachtete sie mit gew�lbten Augenbrauen.</p><p>�Ich habe nichts gesagt�, bemerkte Elayne. Sie umfa�te einen kleinen Gegenstand, der in Stoffetzen eingewickelt war. Sie wu�te sofort, was sich darin befand.</p><p>�Gut f�r dich�, grollte Nynaeve nicht allzu leise. �Ich kann Frauen nicht ausstehen, die ihre Nase in die Angelegenheiten anderer Leute stecken.� Elayne schwieg dazu und war stolz, sich nicht auf die Zunge bei�en zu m�ssen.</p><p>Sie wickelte die Stoffetzen ab, und eine kleine Bernsteinbrosche in der Form einer Schildkr�te kam zum Vorschein. Es sah zumindest wie Bernstein aus, was es vielleicht einstmals gewesen war, aber als sie sich durch die Brosche der Quelle �ffnete, str�mte <emphasis>Saidar</emphasis> in sie, ein Strom vergleichbar mit dem, was sie selbst m�helos heraufbeschw�ren konnte. Es war kein starkes <emphasis>Angreal,</emphasis> aber weitaus besser als nichts. Damit sollte sie doppelt soviel Macht handhaben k�nnen wie Nynaeve, und Nynaeve selbst w�rde es auch besser gelingen. Sie lie� den zus�tzlichen Strom <emphasis>Saidar</emphasis> los, steckte die Brosche mit einem erfreuten L�cheln in ihre G�rteltasche und suchte weiter. Wenn ein <emphasis>Angreal</emphasis> darin war, k�nnten vielleicht noch mehr darin enthalten sein. Und jetzt, wo sie eines zur Erforschung besa�, k�nnte sie vielleicht herausfinden, wie man ein <emphasis>Angreal gestaltete.</emphasis> Das hatte sie sich schon immer gew�nscht. Es kostete sie M�he, die Brosche nicht erneut hervorzunehmen und auf der Stelle mit der Erforschung zu beginnen.</p><p>Vandene hatte Nynaeve und Elayne schon einige Zeit beobachtet, und jetzt trieb sie ihren schlanken Wallach zu ihnen her�ber und stieg ab. Die Dienerin am Kopf des Packpferdes vollf�hrte einen angemesseneren, wenn auch unbeholfenen Hofknicks, als sie Elayne und Nynaeve gew�hrt hatte. �Ihr geht sorgf�ltig vor�, sagte Vandene zu Elayne, �und das ist sehr gut. Aber es w�re vielleicht noch besser, diese Dinge so zu belassen, bis sie sich in der Burg befinden.�</p><p>Elayne pre�te die Lippen zusammen. In der Burg? Sie meinte damit zweifellos, bis sie von jemand anders erforscht werden k�nnten. Von jemandem, der �lter und vermutlich erfahrener war. �Ich wei� <emphasis>sehr wohl,</emphasis> was ich tue, Vandene. Ich habe immerhin <emphasis>Ter'angreale gestaltet.</emphasis> Keine andere lebende Aes Sedai hat <emphasis>das</emphasis> vollbracht.� Sie hatte einige Schwestern das Grundwissen gelehrt, aber keine hatte die Feinheiten beherrscht, bis sie nach Ebou Dar aufgebrochen war.</p><p>Die �ltere Gr�ne nickte, w�hrend sie m��ig mit den Z�geln spielte. �Martine Janata wu�te, soweit ich geh�rt habe, ebenfalls, was sie tat�, sagte sie beil�ufig. �Sie war die letzte Schwester, die sich ernsthaft mit der Erforschung der <emphasis>Ter'angreale</emphasis> besch�ftigt hat. Sie hat es �ber vierzig Jahre lang getan, fast von dem Tag an, als sie die Stola erhielt. Sie war auch vorsichtig, wie man mir sagte. Dann fand Martines Dienerin sie eines Tages bewu�tlos auf dem Boden ihres Wohnraums vor. Ausgebrannt.� Selbst im Plauderton ge�u�ert waren diese Worte wie ein Schlag ins Gesicht. Vandenes Stimme hatte sich jedoch keinen Deut ver�ndert. �Ihr Beh�ter starb vor Schreck. Das ist in solchen F�llen nicht un�blich. Als Martine nach drei Tagen wieder zu sich kam, konnte sie sich nicht mehr erinnern, woran sie gearbeitet hatte. Sie konnte sich an die ganze vorangegangene Woche nicht mehr erinnern. Das war vor �ber f�nfundzwanzig Jahren, und niemand hat seitdem den Mut besessen, eines der <emphasis>Ter'angreale</emphasis> in ihrem Raum zu ber�hren. Ihre Aufzeichnungen befassen sich mit jedem einzelnen, und alles, was sie entdeckt hatte, war ungef�hrlich, harmlos, sogar wertlos, aber...� Vandene zuckte mit den Achseln. �Sie fand etwas Unerwartetes.�</p><p>Elayne sp�hte zu Birgitte und stellte fest, da� diese sie ebenfalls ansah. Sie brauchte das Stirnrunzeln auf ihrem Gesicht nicht zu sehen. Es wurde in ihrem Geist widergespiegelt, vor allem in dem kleinen Bereich ihres Geistes, der Birgitte <emphasis>war.</emphasis> Birgitte empfand ihre und sie Birgittes Besorgnis, bis manchmal schwer feststellbar war, wessen Besorgnis es war. Sie gef�hrdete nicht nur sich selbst. Aber sie wu�te <emphasis>tats�chlich,</emphasis> was sie tat. Zumindest besser als alle anderen. Und selbst wenn keiner der Verlorenen auftauchte, <emphasis>brauchten</emphasis> sie alle <emphasis>Angreale,</emphasis> die sie finden konnte.</p><p>�Was ist mit Martine geschehen?� fragte Nynaeve ruhig. �Ich meine, hinterher.� Sie wollte stets Heilen, wenn sie h�rte, da� jemand verletzt wurde. Sie wollte alles Heilen.</p><p>Vandene verzog das Gesicht. Sie war vielleicht diejenige, die Martine zur Sprache gebracht hatte, aber Aes Sedai redeten nicht gern �ber Frauen, die ausgebrannt oder ged�mpft worden waren. Sie erinnerten sich nicht gern an sie. �Sie verschwand, nachdem sie sich ausreichend erholt hatte, um aus der Burg zu entkommen�, sagte sie hastig. �Wichtig ist, sich in Erinnerung zu rufen, da� sie vorsichtig war. Ich bin ihr niemals begegnet, aber man hat mir erz�hlt, sie habe jedes <emphasis>Ter'angreal</emphasis> behandelt, als habe sie keine Ahnung, was es als n�chstes tun k�nnte, selbst dasjenige, das den Stoff f�r die Umh�nge der Beh�ter gestaltet, und niemand hat dieses jemals dazu bringen k�nnen, etwas anderes zu tun. Sie war vorsichtig, doch es hat ihr nichts gen�tzt.�</p><p>Nynaeve legte einen Arm �ber den fast leeren Tragkorb. �Vielleicht solltest du wirklich warten...�, begann sie.</p><p><emphasis>�Neieieiein!�</emphasis> schrie Merilille.</p><p>Elayne fuhr herum und �ffnete sich durch das <emphasis>Angreal</emphasis> instinktiv erneut, sich nur halbwegs der Tatsache bewu�t, da� <emphasis>Saidar</emphasis> in Nynaeve und Vandene flo�. Das Schimmern der Macht flammte um alle Frauen auf der Lichtung auf, welche die Quelle umarmen konnten. Merilille beugte sich mit geweiteten Augen im Sattel vor, eine Hand zum Wegetor ausgestreckt. Elayne runzelte die Stirn. Au�er Aviendha und den letzten vier W�chtern, die mitten im Aufbruch gest�rt worden waren und mit gezogenen Schwertern nach der Bedrohung suchten, war dort nichts zu sehen. Dann erkannte sie, was Aviendha tat, und verlor <emphasis>Saidar</emphasis> beinahe vor Entsetzen.</p><p>Das Wegetor zitterte, als Aviendha das Gewebe, das es gestaltet hatte, vorsichtig zerri�. Es erbebte und bog sich mit zitternden R�ndern. Die letzten Str�nge l�sten sich, und anstatt zu erl�schen, schimmerte die �ffnung, und die Ansicht des Hofes durch sie hindurch verbla�te, bis sie wie Nebel in der Sonne verdunstete.</p><p>�Das ist unm�glich!� sagte Renaile ungl�ubig. Zustimmendes, erstauntes Murmeln erhob sich von den Windsucherinnen. Die Frauen der Schwesternschaft starrten Aviendha an, wobei sie lautlos die Lippen bewegten.</p><p><emphasis>Elayne</emphasis> nickte wider Willen leicht. Es <emphasis>war</emphasis> eindeutig m�glich, aber eines der ersten Dinge, die sie als Novizin gelernt hatte, war, da� sie niemals, niemals, egal unter welchen Umst�nden, das versuchen durfte, was Aviendha gerade getan hatte. Man konnte ein Gewebe, jegliches Gewebe, nicht zerrei�en, anstatt es einfach verl�schen zu lassen, so hatte man ihr gesagt, ohne unvermeidlich Ungl�ck auf sich zu ziehen. Unvermeidlich.</p><p>�T�richtes M�dchen!� fauchte Vandene mit wutverzerrtem Gesicht. Sie schritt auf Aviendha zu und zog ihren Wallach hinter sich her. �Erkennt Ihr, was Ihr fast getan h�ttet? Ein Fehler � nur einer! �, und niemand wei�, was das Gewebe tun wird! Ihr h�ttet alles in hundert Schritt Umkreis vollst�ndig zerst�ren k�nnen! In f�nfhundert Schritt! Alles! Ihr h�ttet Euch selbst ausbrennen k�nnen und...�</p><p>�Es mu�te sein�, unterbrach Aviendha sie. Gemurmel erklang von den berittenen Aes Sedai, die sich um sie und Vandene scharten, aber Aviendha sah sie an und �bert�nte es. �Ich kenne die Gefahren, Vandene Namelle, aber es mu�te sein. Ist dies noch etwas, was Ihr Aes Sedai nicht tun k�nnt? Die Weisen Frauen sagen, jede Frau k�nne es lernen, wenn man es sie lehrt, einige Frauen besser und andere schlechter, aber jede Frau k�nne es lernen, wenn sie Stickerei zerpfl�cken kann.� Es war kein Hohn. Nicht ganz.</p><p>�Hier geht es <emphasis>nicht</emphasis> um Stickerei, M�dchen!� Merililles Stimme klang eiskalt. �Welche sogenannte Ausbildung Ihr auch immer bei Eurem Volk erhalten habt, so wi�t Ihr wahrscheinlich dennoch nicht, womit Ihr <emphasis>spielt!</emphasis> Ihr werdet mir versprechen � schw�ren! �, da� Ihr dies niemals wieder tun werdet!�</p><p>�Ihr Name sollte im Novizinnen-Buch stehen�, sagte Sareitha �ber die Schale hinweg blickend, die sie noch immer fest an ihren Busen dr�ckte. �Ich habe es schon immer gesagt. Sie sollte in das Buch eingetragen werden.� Careane nickte, und ihr strenger Blick pa�te Aviendha bereits das Novizinnengewand an.</p><p>�Das ist im Moment vielleicht noch nicht notwendig�, sagte Adeleas zu Aviendha, w�hrend sie sich im Sattel vorbeugte, �aber Ihr m��t Euch von uns anleiten lassen.� Der Tonfall der Braunen Schwester klang weitaus sanfter, als der Tonfall der anderen Frauen geklungen hatte, und dennoch waren ihre Worte nicht als Vorschlag gedacht.</p><p>Vor ungef�hr einem Monat h�tte Aviendha unter all der Mi�billigung der Aes Sedai vielleicht den Mut verloren, aber jetzt nicht mehr. Elayne zw�ngte sich hastig zwischen den Pferden hindurch, bevor ihre Freundin den Dolch zu ziehen beschlo�, den sie liebkoste, oder etwas noch Schlimmeres tat. �Vielleicht sollte einmal jemand fragen, <emphasis>warum</emphasis> sie es f�r n�tig gehalten hat�, sagte sie und legte sch�tzend einen Arm um Aviendhas Schultern.</p><p>Aviendha schlo� sie in den gereizten Blick nicht mit ein, den sie den anderen Schwestern zuwarf. �Nach dem, was ich getan habe, bleibt nichts von dem Wegetor �brig�, sagte sie geduldig. Zu geduldig. �Andernfalls k�nnten die �berreste eines solch gro�en Gewebes noch in <emphasis>zwei</emphasis> Tagen erkannt werden.�</p><p>Merilille schnaubte vernehmlich. �Es ist ein seltenes Talent, M�dchen. Weder Teslyn noch Joline besitzen es. Oder wird es Aiel-Wilden beigebracht?�</p><p>�Nur wenige besitzen dieses Talent�, r�umte Aviendha gelassen ein. �Ich aber schon.� Nun wurde sie anders angesehen, auch von Elayne. Es war ein <emphasis>sehr</emphasis> seltenes Talent. Sie schien es nicht zu bemerken. �Wollt <emphasis>Ihr</emphasis> behaupten, da� keine der Schattenseelen es besitzt?� fuhr sie fort. Die Anspannung ihrer Schultern unter Elaynes Hand zeigte, da� sie nicht so gelassen war, wie sie vorgab. �Seid Ihr solche Narren, da� Ihr Spuren hinterla�t, denen Eure Feinde folgen k�nnen?</p><p>Jedermann, der die �berreste erkennen kann, k�nnte ein Wegetor zu diesem Ort er�ffnen.�</p><p>Das h�tte normalerweise ihre Redegewandtheit, ihre sehr gro�e Redegewandtheit, herausgefordert, aber die Behauptung gen�gte, Merilille nur schweigend blinzeln zu lassen. Adeleas �ffnete den Mund und schlo� ihn dann lautlos wieder, und Vandene runzelte nachdenklich die Stirn, w�hrend Sareitha einfach nur besorgt wirkte. Wer wu�te schon, welche Talente die Verlorenen besa�en?</p><p>Seltsamerweise wich alle Wut aus Aviendha. Sie senkte den Blick und lockerte ihre Schultern. �Vielleicht h�tte ich das Wagnis nicht auf mich nehmen sollen�, murrte sie. �Ich konnte nicht klar denken, weil mich dieser Mann beobachtet hat, und als er verschwand...� Ein kleiner Teil ihrer Entschlossenheit kehrte zur�ck. �Ich glaube nicht, da� ein Mann meine Gewebe erkennen k�nnte�, sagte sie zu Elayne, �aber wenn er eine der Schattenseelen war, oder sogar der <emphasis>Gholam...</emphasis> Die Schattenseelen wissen mehr als wir alle. Wenn ich mich geirrt habe, dann habe ich gro�es <emphasis>Toh.</emphasis> Aber ich glaube nicht, da� ich mich geirrt habe. Ich glaube es einfach nicht.�</p><p>�Welcher Mann?� fragte Nynaeve. Ihr Hut war verrutscht, als sie sich zwischen den Pferden hindurchgezw�ngt hatte, und diese Tatsache wie auch das angespannte Stirnrunzeln, mit dem sie jedermann gleicherma�en bedachte, lie� sie kampfbereit aussehen. Vielleicht war sie es auch. Careanes Wallach stie� sie versehentlich mit der Schulter an, und sie schlug dem Grauen auf die Nase.</p><p>�Ein Diener�, sagte Merilille beil�ufig. �Welche Befehle Tylin auch immer erteilt hat � altarenische Diener sind unabh�ngige Leute, Oder vielleicht war es ihr Sohn. Dieser Junge ist viel zu neugierig.�</p><p>Die sie umgebenden Schwestern nickten, und Careane bemerkte: �Einer der Verlorenen w�re kaum dort stehengeblieben und h�tte abgewartet. Das habt Ihr selbst gesagt.� Sie t�tschelte den Hals ihres Wallachs und sah Nynaeve vorwurfsvoll an � Careane war eine derjenigen, die ihrem Pferd die Zuneigung zukommen lie�en, welche die meisten Menschen ihren Kindern zugedachten.</p><p>�Vielleicht war es ein Diener, vielleicht war es auch Beslan. Vielleicht.� Nynaeves Schnauben verdeutlichte, da� sie es nicht glaubte � oder da� sie die �brigen glauben machen wollte, da� sie es nicht glaubte. Sie konnte jemandem ins Gesicht sagen, er sei ein Dummkopf, aber wenn irgend jemand sonst es sagte, w�rde sie denjenigen verteidigen, bis sie heiser w�re. Nat�rlich schien sie nicht bereit zu entscheiden, ob sie Aviendha mochte, aber die �ltere Aes Sedai mochte sie unzweifelhaft nicht. Sie zog ihren Hut fast gerade, bedachte sie erneut mit ihrem finsteren Gesichtsausdruck und fuhr dann fort: �Gleichg�ltig, ob es Beslan oder der Dunkle K�nig war � es ist kein Grund, den ganzen Tag hier herumzustehen. Wir m�ssen uns bereitmachen und zum Bauernhof weiterziehen. Nun? Auf geht's!� Sie klatschte laut in die H�nde, und sogar Vandene zuckte leicht zusammen.</p><p>Es war nur noch wenig vorzubereiten, als die Schwestern ihre Pferde davonf�hrten. Lan und die anderen Beh�ter hatten sich nicht ausgeruht, nachdem sie erkannt hatten, da� keine Gefahr bestand. Einige der Diener waren wieder durch das Wegetor zur�ckgekehrt, bevor Aviendha es loslie�, aber die �brigen standen mit den ungef�hr drei Dutzend Packpferden da und schauten gelegentlich zu den Aes Sedai, wobei sie sich offenbar fragten, welches Wunder sie als n�chstes herbeizaubern w�rden. Die Windsucherinnen waren alle auf ihre Pferde gestiegen, wenn auch unbeholfen, und hielten die Z�gel so fest, als erwarteten sie, da� ihre Pferde jeden Moment davongaloppieren oder vielleicht Schwingen ausbreiten und losfliegen w�rden. Das gleiche galt f�r den Zirkel, auch wenn die Frauen anmutiger wirkten, unbesorgt, da� ihre R�cke und Unterr�cke �ber die Knie rutschten.</p><p>Ispan war noch immer mit verh�lltem Kopf und wie ein Sack auf einen Sattel gebunden. Sie h�tte auf einem Pferd wahrscheinlich auch nicht aufrecht sitzen k�nnen, aber selbst Sumekos Augen traten hervor, wann immer ihr Blick auf sie fiel.</p><p>Nynaeve sah sich um und schien bereit, jedermann mit Worten dazu anzutreiben, das zu tun, was bereits getan worden war, aber nur bis Lan ihr die Z�gel ihrer rundlichen braunen Stute reichte. Sie hatte ein besseres Pferd als Geschenk von Tylin standhaft abgelehnt. Ihre Hand zitterte leicht, als sie Lans Hand ber�hrte, und ihr Gesicht wechselte die Farbe, w�hrend sie den Zorn hinunterschluckte, den sie hatte entfesseln wollen. Als er ihr in den Sattel helfen wollte, sah sie ihn einen Moment an, als frage sie sich, was er vorh�tte, aber dann err�tete sie erneut, als er sie tats�chlich in den Sattel hob. Elayne konnte nur den Kopf sch�tteln. Sie hoffte, da� sie nicht einf�ltig wurde, wenn sie heiratete. <emphasis>Wenn</emphasis> sie heiratete.</p><p>Birgitte brachte Elaynes silbergraue Stute und den Graubraunen heran, den Aviendha ritt, aber sie verstand anscheinend, da� Elayne mit Aviendha unter vier Augen sprechen wollte. Sie nickte, fast als ob Elayne ihren Wunsch ausgesprochen h�tte, schwang sich auf ihren mausgrauen Wallach und ritt zu den anderen Beh�tern. Sie begr��ten sie mit einem Nicken und besprachen dann leise etwas. Den Blicken nach zu urteilen, die sie den Schwestern zuwarfen, hatte dieses �Etwas� damit zu tun, sich vor den Aes Sedai in acht zu nehmen, ob die Aes Sedai dies wollten oder nicht. Einschlie�lich ihr selbst, bemerkte Elayne grimmig.</p><p>Aber jetzt war daf�r keine Zeit. Aviendha stand da, spielte mit den Z�geln ihres Pferdes und betrachtete das Tier, wie eine Novizin eine K�che voller fettiger T�pfe betrachtet. F�r Aviendha machte es h�chstwahrscheinlich kaum einen Unterschied, T�pfe schrubben oder reiten zu m�ssen.</p><p>Elayne gl�ttete ihre gr�nen Reithandschuhe, wendete ihre Stute L�win leicht, um sie vor den Blicken der �brigen abzuschirmen, und ber�hrte dann Aviendhas Arm. �Es w�re vielleicht hilfreich, mit Adeleas oder Vandene zu sprechen�, sagte sie sanft. Sie mu�te hier sehr behutsam vorgehen, so vorsichtig wie bei jedem <emphasis>Ter'angreal.</emphasis> �Sie sind alt genug, um mehr zu wissen, als du vielleicht vermutest. Es mu� einen Grund daf�r geben, warum du ... Schwierigkeiten mit ... dem Schnellen Reisen hast.� Das war m�de ausgedr�ckt. Aviendha konnte das Gewebe anfangs fast �berhaupt nicht mehr gestalten. Vorsichtig. Aviendha war weitaus wichtiger, als jegliches <emphasis>Ter'angreal</emphasis> jemals sein konnte. �Sie k�nnten dir vielleicht helfen.�</p><p>�Wie?� Aviendha starrte auf den Sattel ihres Wallachs. �Sie k�nnen nicht Schnell Reisen. Wie sollte mir irgendeine von ihnen helfen k�nnen?� Ihre Schultern sackten j�h herab, und sie wandte Elayne ihr Gesicht zu. Unvergessene Tr�nen schimmerten in ihren Augen. �Das ist nicht die Wahrheit, Elayne, Nicht die ganze Wahrheit. Sie k�nnten nicht helfen, aber... Du bist meine N�chstschwester. Du hast das Recht, die ganze Wahrheit zu erfahren. Sie glauben, ich h�tte beim Anblick eines Dieners den Kopf verloren. Wenn ich um Hilfe bitte, kommt alles heraus. Da� ich einst Schnell Gereist bin, um einem Mann zu entkommen, und doch in der Seele hoffte, er wurde mich einfangen. Ich bin wie ein Hase davongerannt in der Hoffnung, eingefangen zu werden. Wie soll ich ihnen eine solche Schande gestehen? Selbst wenn sie wirklich helfen k�nnten � wie soll ich es ihnen erkl�ren?�</p><p>Elayne w�nschte, sie h�tte die Wahrheit nicht erfahren. Zumindest nicht den Teil �ber das Einfangen. Dar�ber, da� Rand sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> eingefangen hatte. Sie verdr�ngte die sie pl�tzlich �berkommende Eifersucht. <emphasis>Wenn eine Frau die N�rrin spielt, dann sieh dir den Mann an.</emphasis> Das war einer von Linis Lieblingss�tzen. Ein weiterer lautete: <emphasis>K�tzchen verwirren dein Garn, M�nner verwirren deinen Verstand, und es ist f�r beide so einfach wie das Atmen.</emphasis> Sie holte tief Luft. �Von mir wird niemand ein Wort erfahren, Aviendha. Ich werde dir so gut helfen, wie ich kann.� Nicht da� sich viele M�glichkeiten boten. Aviendha erkannte bemerkenswert schnell, wie Gewebe gestaltet wurden, viel schneller als sie selbst.</p><p>Aviendha nickte nur und kletterte unbeholfen in den Sattel, wobei sie sich nur unwesentlich anmutiger anstellte als die Meervolk-Frauen. �Ein Mann hat uns beobachtet, Elayne, und er war kein Diener.� Sie sah Elayne direkt an und f�gte hinzu: �Er hat mich erschreckt.� Ein Eingest�ndnis, das sie wahrscheinlich niemandem sonst auf der Welt gemacht h�tte.</p><p>�Jetzt sind wir vor ihm sicher, wer auch immer er war�, sagte Elayne, w�hrend sie L�win wendete, um Nynaeve und Lan aus der Lichtung zu folgen. N�chtern betrachtet war es h�chstwahrscheinlich ein Diener gewesen, aber das w�rde sie niemals jemandem sagen � Aviendha am allerwenigsten. �Wir sind in Sicherheit, und in wenigen Stunden werden wir den Bauernhof der Schwesternschaft erreichen und die Schale benutzen, und die Welt wird wieder heil sein.� Nun, etwas heiler. Die Sonne schien niedriger zu stehen als �ber dem Stallhof, aber sie wu�te, da� das nur Einbildung war.</p><p>Moridin beobachtete hinter einem wei�en schmiedeeisernen Sichtschutz, wie die letzten Pferde und dann die gro�e junge Frau und die vier Beh�ter durch das Wegetor verschwanden. M�glicherweise trugen sie einen Gegenstand davon, den er vielleicht gebrauchen konnte � vielleicht ein auf Menschen abgestimmtes <emphasis>Angreal �,</emphasis> aber das war eher unwahrscheinlich. Was den Rest der <emphasis>Ter'angreale</emphasis> betraf, w�rden sie sich h�chstwahrscheinlich bei dem Versuch umbringen, ihren Verwendungszweck herausfinden zu wollen. Sammael war ein Narr, da� er soviel riskiert hatte, um eine Ansammlung dessen in Besitz zu bekommen, wovon niemand wu�te, was es war. Aber andererseits war Sammael niemals auch nur halb so klug gewesen, wie er gedacht hatte. Er selbst w�rde seine Pl�ne nicht einfach �ber den Haufen werfen, um zu sehen, welche Bruchst�cke der Zivilisation er finden k�nnte. Nur m��ige Neugier hatte ihn hierhergef�hrt. Er wollte gern wissen, was andere f�r wichtig hielten. Aber es war wertloses Zeug.</p><p>Er wollte sich gerade abwenden, als die Umrisse des Wegetors sich pl�tzlich zu dehnen und zu zittern begannen. Er sah gebannt hin, bis die �ffnung einfach dahinschmolz. Er hatte niemals dazu geneigt, Verw�nschungen von sich zu geben, aber jetzt kamen ihm einige in den Sinn. Was hatte die Frau getan? Diese barbarischen Provinzler bereiteten zu viele �berraschungen. Eine Art zu Heilen wurde abgetrennt, wie unvollkommen auch immer. Das war unm�glich! Nur da� sie es getan hatten. Unfreiwillige Zirkel. Jene Beh�ter und der Bund, den sie mit den Aes Sedai teilten. Er hatte schon lange, lange Zeit davon gewu�t, aber wann immer er sie zu verstehen meinte, offenbarten diese <emphasis>Primitiven</emphasis> eine neue Fertigkeit, taten etwas, wovon niemand in seinem Zeitalter jemals getr�umt h�tte. Etwas, das die Zivilisation nicht einmal auf ihrem H�hepunkt gekannt hatte! Was hatte das M�dchen getan?</p><p>�Gro�er Meister?�</p><p>Moridin wandte kaum den Kopf vom Fenster ab. �Ja, Madic?� Verdammt sei seine Seele � was hatte das M�dchen getan?</p><p>Der kahl werdende Mann in gr�nwei�er Kleidung, der den kleinen Raum betreten hatte, verbeugte sich tief, bevor er auf die Knie fiel. Madic, einer der h�heren Diener im Palast mit l�nglichem Gesicht, besa� eine prahlerische W�rde, die er selbst jetzt zu bewahren versuchte. Moridin hatte M�nner, die weitaus h�her standen, sich weitaus schlechter pr�sentieren sehen. �Gro�er Meister, ich habe erfahren, was die Aes Sedai heute morgen in den Palast gef�hrt hat. Es hei�t, sie h�tten einen gro�en, in alten Zeiten verborgenen Schatz gefunden, Gold und Juwelen und Herzstein, Gegenst�nde von Shiota und Eharon und sogar vom Zeitalter der Legenden. Es sollen Dinge darunter sein, welche die Eine Macht benutzen. Es hei�t, eines k�nnte das Wetter beherrschen. Niemand wei�, wohin sie gehen, Gro�er Meister. Der Palast erbebt vor Gerede, aber zehn Zungen nennen zehn verschiedene Ziele.�</p><p>Moridin betrachtete erneut den Stallhof unter sich, noch w�hrend Madic sprach. L�cherliche Geschichten von Gold und <emphasis>Cuendillar</emphasis> interessierten ihn nicht. Nichts w�rde ein Wegetor so dahinschmelzen lassen. Es sei denn... Konnte sie das Gewebe tats�chlich aufgel�st haben? Der Tod �ngstigte ihn nicht. Er erwog kaltbl�tig die M�glichkeit, in Sichtweite eines sich aufl�senden Gewebes gewesen zu sein. Eines Gewebes, das erfolgreich vernichtet worden war. Durch diese Unm�glichkeit wurde noch eine weitere er�ffnet...</p><p>Eine Bemerkung Madics errang seine Aufmerksamkeit. �Das Wetter, Madic?� Die Palastt�rme warfen kurze Schatten, und keine Wolke schirmte die br�tende Stadt ab.</p><p>�Ja, Gro�er Meister. Der Gegenstand wird die Schale der Winde genannt.�</p><p>Der Name sagte ihm nichts. Aber ... ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zur Beherrschung des Wetters... In seinem Zeitalter war das Wetter mit Hilfe von <emphasis>Ter'angrealen</emphasis> sorgf�ltig reguliert worden. Eine der �berraschungen dieses Zeitalters � anscheinend eine der geringeren � war gewesen, da� es Menschen gab, die das Wetter in einem Umfang beeinflussen konnten, der eines dieser <emphasis>Ter'angreale</emphasis> h�tte erfordern sollen. Ein einzelner solcher Gegenstand sollte nicht gen�gen, auch nur einen gro�en Teil eines einzelnen Kontinents zu beeinflussen. Aber was konnten diese Frauen damit tun? Was? Wenn sie einen Zirkel benutzten?</p><p>Er ergriff die Wahre Macht, ohne nachzudenken, und das <emphasis>Saa</emphasis> wogte schwarz �ber sein Sichtfeld. Seine Finger verkrampften sich um das schmiedeeiserne Gitter vor dem Fenster. Das Metall �chzte und bog sich, aber nicht durch seinen Griff, sondern durch die Ranken der Wahren Macht, vom Gro�en Herrn selbst heraufbeschworen, die sich um das Gitter wanden und sich beugten, wenn er seine Hand im Zorn beugte. Der Gro�e Herr w�rde nicht erfreut sein. Er hatte sich aus seinem Gef�ngnis ausgestreckt, die Welt in hinreichendem Ma�e ber�hrt, um die Jahreszeiten erstarren zu lassen. Er wartete voller Ungeduld darauf, die Welt weiterhin zu ber�hren, das Nichts zu zerschmettern, das ihn einschlo�, und er w�rde nicht erfreut sein. Zorn vereinnahmte Moridin, das Blut pochte in seinen Ohren. Noch vor einem Moment hatte es ihn nicht gek�mmert, wohin diese Frauen gingen, aber jetzt...</p><p>Irgendwohin, weit fort von hier. Menschen, die flohen, liefen so weit und so schnell sie konnten. Irgendwohin, wo sie sich sicher f�hlten. Es hatte keinen Zweck, Madic loszuschicken, um Fragen zu stellen oder hier irgend jemanden unter Druck zu setzen. Sie w�ren nicht t�richt genug gewesen, jemanden zur�ckzulassen, der ihren Bestimmungsort kannte. Nicht in Tar Valon. Bei al'Thor? Bei dieser Bande aufst�ndischer Aes Sedai? Er hatte dort �berall Spione, wovon einige nicht einmal wu�ten, da� sie ihm dienten. Alle w�rden ihm dienen � vor dem Ende. Er w�rde nicht zulassen, da� seine Pl�ne jetzt noch durch t�richte Fehler verdorben w�rden.</p><p>Pl�tzlich h�rte er noch etwas anderes als den donnernden Trommelschlag seines eigenen Zorns. Ein brodelndes Ger�usch. Er blickte neugierig zu Madic �und trat von der sich auf dem Boden ausbreitenden Lache zur�ck. Anscheinend hatte er in seinem Zorn mehr als nur das schmiedeeiserne Gitter mit der Wahren Macht umklammert. Bemerkenswert, wieviel Blut man aus einem menschlichen K�rper pressen konnte.</p><p>Er lie� das, was von dem Mann �briggeblieben war, ohne Bedauern fallen. Sein einziger Gedanke war, da� gewi� die Aes Sedai daf�r verantwortlich gemacht w�rden, wenn Madic gefunden wurde. Ein weiterer kleiner Beitrag zu dem zunehmenden Chaos in der Welt. Er ri� ein Loch in das Gewebe des Musters und Reiste mit der Wahren Macht. Er mu�te diese Frauen finden, bevor sie die Schale der Winde benutzten. Und wenn das mi�lang... Er mochte Menschen nicht, die seine sorgf�ltig erdachten Pl�ne st�rten. Jene, die es taten und noch am Leben waren, lebten nur, um daf�r zu bezahlen.</p><p>Der <emphasis>Gholam</emphasis> betrat vorsichtig den Raum, die Nasenfl�gel beim Geruch noch immer warmen Blutes bereits bebend. Die bleifarbene Verbrennung auf seiner Wange gl�hte wie ein Kohlest�ck. Der <emphasis>Gholam</emphasis> schien einfach ein schlanker Mensch zu sein, ein wenig gr��er als der Durchschnitt seiner Zeit, und doch war er niemals etwas begegnet, das ihm Schaden zuf�gen konnte. Bis er auf diesen Mann mit dem Medaillon traf. Er entbl��te die Zahne in einem h�hnischen L�cheln. Er sah sich neugierig im Raum um, aber da war nur der zerquetschte K�rper auf dem Boden. Und ein ... Gef�hl von ... etwas. Nicht die Eine Macht, aber etwas, was ihm ... ein Kribbeln verursachte, wenn auch nicht ganz auf dieselbe Art. Neugier hatte ihn hierher gef�hrt. Das Gitter vor dem Fenster war teilweise verbogen, und es war an den Seiten herausgebrochen. Der <emphasis>Gholam</emphasis> erinnerte sich anscheinend an etwas, das ihm ein �hnliches Kribbeln verursacht hatte, aber vieles von dem, woran er sich erinnerte, war undeutlich und verschwommen. Die Welt hatte sich offenbar im Handumdrehen ver�ndert. Es hatte eine Welt der Kriege und des T�tens in gro�em Umfang gegeben, mit Waffen, die �ber Meilen reichten, �ber Tausende von Meilen, und dann war da ... dies. Doch der <emphasis>Gholam</emphasis> hatte sich nicht ver�ndert. Er war noch immer die gef�hrlichste Waffe von allen.</p><p>Seine Nasenfl�gel bebten erneut, obwohl er jene, welche die Macht lenken konnten, nicht durch den Geruch aufsp�rte. Die Eine Macht war unterhalb und Meilen entfernt im Norden benutzt worden. Sollte er den Frauen folgen oder nicht? Der Mann, der ihn verwundet hatte, war nicht bei ihnen. Dessen hatte er sich vergewissert, bevor er seinen �u�erst g�nstigen Standort verlassen hatte. Derjenige, der ihn befehligte, wollte den Mann, der ihn verwundet hatte, vielleicht ebensosehr tot sehen wie die Frauen, aber die Frauen waren ein leichteres Ziel. Die Frauen waren ebenfalls genannt worden, und im Moment war er unter Kontrolle. Er war in seinem ganzen Dasein gezwungen worden, dem einen oder anderen Menschen zu dienen, aber sein Geist wollte nicht unterjocht werden. Er mu�te den Frauen folgen. Er wollte ihnen folgen. Der Moment des Todes, wenn er die F�higkeit, die Macht zu lenken, mit dem Leben schwinden sp�rte, bewirkte eine Ekstase. Verz�ckung. Aber er hatte auch Hunger, und er hatte Zeit. Wohin auch immer sie fliehen w�rden � er konnte ihnen dorthin folgen. Er lie� sich mit einer flie�enden Bewegung neben dem entstellten K�rper nieder und begann sich zu n�hren. Frisches Blut, warmes Blut, war eine Notwendigkeit, aber menschliches Blut hatte stets den lieblichsten Wohlgeschmack.</p></section><section><title><p>3</p><p>Ein erfreulicher Ritt</p></title><p>Bauernh�fe, Weideland und Olivenhaine bedeckten den gr��ten Teil des Landes um Ebou Dar. Vereinzelte kleine W�lder erstreckten sich �ber wenige Meilen, und obwohl das Land weitaus flacher war als die Rhiannon-Berge im S�den, hob und senkte es sich doch um hundert Fu� oder mehr, was gen�gte, um in der Nachmittagssonne tiefe Schatten zu werfen. Alles in allem bot das Land mehr als ausreichenden Schutz vor den unerw�nschten Blicken anderer Reisender �beispielsweise ein seltsamer H�ndlerzug, fast f�nfzig berittene Leute und ebenso viele zu Fu�, besonders wenn sie Beh�ter bei sich hatten, die abgelegene Wege durch das Unterholz finden sollten. Elayne entdeckte au�er wenigen Ziegen, die auf einigen H�geln grasten, keine Anzeichen menschlicher Besiedelung.</p><p>Sogar die Pflanzen und B�ume, die an Hitze gew�hnt waren, begannen zu verdorren und abzusterben, und doch h�tte sie es zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht genossen, einfach nur die Landschaft zu betrachten. Diese Landschaft h�tte tausend Meilen von dem Land entfernt sein k�nnen, das sie gesehen hatte, als sie das andere Ufer des Eldar hinabgeritten war. Die H�gel bildeten seltsame, wulstige Umrisse, als w�ren sie von gro�en, unvorsichtigen H�nden zusammengepre�t worden. Scharen bunter V�gel flogen bei ihrem Vor�berziehen auf, und ein Dutzend Arten Kolibris schwirrten vor den Pferden davon, schwebende Edelsteine auf vibrierenden Fl�geln. Dichte Kletterpflanzen hingen an einigen Stellen wie dicke Seile herab, und es gab B�ume mit B�ndeln schmaler Wedel sowie Bl�tter, die wie gr�ne Federstaubwedel aussahen und so lang wie ein Mensch waren. Eine Handvoll Pflanzen, von der Hitze betrogen, m�hte sich, Bl�ten zu treiben, hellrot und lebhaft gelb, einige doppelt so gro� wie Elaynes H�nde. Ihr Duft war �ppig und ... �schw�l� kam ihr in den Sinn. Sie sah einige Steine, die, worauf sie h�tte wetten m�gen, einst Zehen einer Statue gewesen waren, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, warum jemand eine solch gro�e Statue mit blo�en F��en gestalten sollte. Ein anderes Mal f�hrte der Weg durch einen Wald mit dicken, geriffelten Steinen unter den B�umen � die verwitterten St�mpfe von S�ulen, viele umgest�rzt und alle wegen des Materials schon lange fast bis zum Boden von ortsans�ssigen Bauern abgebaut. Es war trotz des Staubs, den die Pferdehufe von der verdorrten Erde aufwirbelten, ein erfreulicher Ritt. Die Hitze ber�hrte sie nat�rlich nicht, und es gab kaum Fliegen. Alle Gefahren lagen hinter ihnen. Sie waren den Verlorenen entkommen, und es war ausgeschlossen, da� diese oder ihre Diener sie jetzt noch einholen konnten. Es <emphasis>h�tte</emphasis> ein erfreulicher Ritt sein k�nnen, wenn nicht...</p><p>Zuerst erfuhr Aviendha, da� ihre Nachricht �ber Feinde, die kommen, wenn man sie am wenigsten erwartet, nicht �berbracht worden war. Elayne war zun�chst einmal erleichtert, vom Thema Rand ablenken zu k�nnen. Es war keine erneute Eifersucht, aber sie merkte immer mehr, da� sie haben wollte, was Aviendha mit ihm geteilt hatte. Keine Eifersucht. Neid. Sie h�tte Eifersucht fast vorgezogen. Dann begann sie ihrer Freundin zuzuh�ren, die in leiser Eint�nigkeit vor sich hin murmelte � und die Haare in ihrem Nacken wollten sich aufstellen.</p><p>�Das kannst du nicht tun�, protestierte sie und f�hrte ihr Pferd n�her an Aviendhas heran. Sie vermutete, da� Aviendha wirklich nicht viel M�he h�tte, Kurin zu schlagen oder etwas �hnliches mit ihr zu tun. Das galt ohnehin, wenn die anderen Meervolk-Frauen dabei stillhielten. �Wir d�rfen keinen Krieg gegen sie beginnen, sicherlich nicht, bevor wie die Schale benutzt haben. Und auch nicht deswegen�, f�gte sie rasch hinzu. �Gewi� nicht.� Sie w�rden bestimmt keinen Krieg beginnen, weder bevor noch nachdem sie die Schale benutzt h�tten, was nicht einfach war, weil sich die Windsucherinnen mit jeder Stunde anma�ender benahmen. Nicht einfach, weil... Sie atmete tief durch und fuhr eilig fort. �Wenn sie mir deine Botschaft <emphasis>tats�chlich</emphasis> �bermittelt h�tte, dann h�tte ich nicht gewu�t, was du meintest. Ich verstehe, warum du nicht deutlicher werden konntest, aber das siehst du doch ein, oder?�</p><p>Aviendha starrte leeren Blickes voraus und verscheuchte mechanisch Fliegen von ihrem Gesicht. �Ich hatte ihr befohlen, die Nachricht w�rtlich zu �berbringen�, grollte sie. �W�rtlich! Was w�re gewesen, wenn er eine der Schattenseelen gewesen w�re? Was w�re gewesen, wenn er es geschafft h�tte, an mir vorbei durch das Wegetor zu gelangen, ohne da� du gewarnt gewesen w�rst? Was w�re gewesen, wenn...?� Sie warf Elayne einen verzweifelten Blick zu. �Ich werde mich zur�ckhalten�, sagte sie traurig, �aber ich werde daran zerbrechen.�</p><p>Elayne wollte gerade sagen, da� es richtig sei, ihren Zorn zu vergessen, und da� sie sich aufregen k�nne, soviel sie wolle, solange sie es nicht an den Atha'an Miere auslie�e � denn das hatte sie gemeint �, aber bevor sie den Mund �ffnen konnte, f�hrte Adeleas ihren schlanken Grauen auf Elaynes andere Seite. Die wei�haarige Schwester hatte in Ebou Dar einen neuen Sattel erworben, ein protziger Sattel mit Silber an Knauf und Hinterzwiesel. Die Fliegen mieden sie anscheinend aus einem unbestimmten Grund, obwohl sie stark duftete.</p><p>�Verzeiht, aber ich konnte nicht umhin, Eure letzten Worte mit anzuh�ren.� Adeleas klang �berhaupt nicht reum�tig, und Elayne fragte sich, wieviel sie geh�rt hatte. Sie sp�rte, da� sie err�tete. Einiges von dem, was Aviendha �ber Rand gesagt hatte, war bemerkenswert offen gewesen. Und einiges von dem, was sie selbst gesagt hatte, ebenfalls. Es war eine Sache, so mit der besten Freundin zu sprechen, aber eine ganz andere, wenn noch jemand zugeh�rt hatte. Aviendha schien genauso zu empfinden. Sie err�tete zwar nicht, aber der ver�rgerte Blick, den sie der Braunen zuwarf, h�tte Nynaeve alle Ehre gemacht.</p><p>Adeleas l�chelte nur, ein vages, nichtssagendes L�cheln. �Es w�re vielleicht am besten, wenn Ihr Eurer Freundin bei den Atha'an Miere freie Hand lie�et.� Sie sp�hte an Elayne vorbei zu Aviendha, die blinzelte. �Nun, etwas freiere Hand. Es sollte gen�gen, ihnen Angst vor dem Licht einzufl��en. Sie sind fast soweit, falls Ihr es noch nicht bemerkt habt. Sie nehmen sich vor den �wilden� Aiel weitaus mehr in acht � verzeiht mir, Aviendha � als vor den Aes Sedai. Merilille h�tte es sicherlich bald selbst vorgeschlagen.�</p><p>Aviendhas Miene verriet selten etwas, aber in diesem Moment wirkte sie ebenso verwirrt, wie Elayne sich f�hlte. Elayne drehte sich im Sattel, um stirnrunzelnd hinter sich zu blicken. Merilille ritt neben Vandene und Careane, und Sareitha folgte ihnen dichtauf. Sie betrachteten sehr eifrig alles andere als Elayne. Hinter den Schwestern kam das Meervolk, noch immer in einer Reihe hintereinander, und dahinter folgte der Frauenzirkel, der sich im Moment unmittelbar vor den Packpferden au�er Sicht hielt. Sie schl�ngelten sich durch die lichten Stellen zwischen gestutzten S�ulen. F�nfzig oder hundert rotgr�ne V�gel mit langen Schw�nzen flogen �ber ihre K�pfe hinweg und erf�llten die Luft mit kr�chzenden Schreien.</p><p>�Warum?� fragte Elayne kurz angebunden. Es schien t�richt, noch zu dem Tumult beizutragen, der bereits unmittelbar unter der Oberfl�che brodelte �und manchmal auch an der Oberfl�che �, aber sie hatte an Adeleas bisher keine t�richten Z�ge bemerkt. Die Braune Schwester w�lbte anscheinend �berrascht die Augenbrauen. Vielleicht war sie wirklich erstaunt. Adeleas dachte gew�hnlich, da� jedermann erkennen sollte, was sie selbst erkannte. Vielleicht.</p><p>�Warum? Um ein wenig Ausgleich wiederherzustellen, darum. Wenn die Atha'an Miere das Bed�rfnis versp�ren, uns vor den Aiel zu besch�tzen, ist das vielleicht ein n�tzlicher Ausgleich f�r...� Adeleas machte eine kurze Pause, pl�tzlich von der Aufgabe in Anspruch genommen, ihre hellgrauen R�cke zu richten. �...andere Dinge.�</p><p>Elaynes Miene verzerrte sich. Andere Dinge. Adeleas meinte unzweifelhaft den Vertrag mit dem Meervolk. �Ihr k�nnt mit den anderen reiten�, sagte sie k�hl.</p><p>Adeleas widersprach nicht und beharrte auch nicht auf ihrem Standpunkt. Sie neigte nur den Kopf und lie� ihr Pferd zur�ckfallen. Ihr kaum wahrnehmbares L�cheln ver�nderte sich nicht im geringsten. Die �lteren Aes Sedai nahmen es hin, da� Nynaeve und Elayne �ber ihnen standen und Egwenes Autorit�t hinter sich hatten, aber in Wahrheit �nderte das wenig. Vielleicht gar nichts. Sie verhielten sich �u�erlich respektvoll und gehorchten, und doch...</p><p>Elayne war bereits in einem Alter eine Aes Sedai, in dem die meisten Neulinge in der Burg noch immer Novizinnen-Wei� trugen und nur sehr wenige den Grad der Aufgenommenen erreicht hatten. Und sie und Nynaeve hatten diesem Vertrag zugestimmt, was wohl kaum eine Zurschaustellung von Weisheit und Scharfsinn gewesen war. Nicht nur, da� das Meervolk die Schale bek�me, sondern zus�tzlich mu�ten zwanzig Schwestern zu den Atha'an Miere gehen und die Windsucherinnen ihren Vereinbarungen gem�� alles lehren, was sie lernen wollten, und sie durften erst dann wieder gehen, wenn andere zu ihrer Abl�sung kamen. Den Windsucherinnen wurde erlaubt, die Burg als G�ste zu betreten. Es wurde ihnen erlaubt, zu lernen, was immer sie lernen wollten, und zu gehen, wann immer sie es w�nschten. Das allein w�rde den Saal schon zum Schreien veranlassen und Egwene wahrscheinlich ebenfalls, aber das �brige... Jede einzelne der �lteren Schwestern glaubte, da� sie diesen Vertrag h�tte vermeiden k�nnen. Vielleicht h�tten sie es wirklich gekonnt. Elayne glaubte es nicht, aber sie war sich nicht sicher.</p><p>Sie sagte nichts zu Aviendha, aber nach einigen Augenblicken bemerkte die andere Frau: �Wenn ich der Ehre dienen und Euch gleichzeitig helfen kann, k�mmert es mich nicht, ob es auch dem Ziel einiger Aes Sedai dient.� Sie schien niemals zu begreifen, da� Elayne ebenfalls eine Aes Sedai war � zumindest nicht vollkommen.</p><p>Elayne z�gerte und nickte schlie�lich. Etwas mu�te unternommen werden, um das Meervolk zu beruhigen. Merilille und die �brigen hatten bisher bemerkenswerte Geduld bewiesen, aber wie lange noch?</p><p>Nynaeve k�nnte explodieren, wenn sie ihre Aufmerksamkeit tats�chlich den Windsucherinnen zuwandte. Sie mu�te baldm�glichst einen Ausgleich herbeif�hren, aber wenn die Atha'an Miere weiterhin glaubten, sie k�nnten auf eine Aes Sedai herabsehen, w�rde es �rger geben. Das Leben war komplizierter, als sie es sich in Caemlyn vorgestellt hatte, ungeachtet dessen, wie viele Lektionen man ihr als Tochter-Erbin erteilt hatte. Und es war noch weitaus komplizierter, seit sie die Burg betreten hatte.</p><p>�Sei doch nicht so ... beharrlich�, sagte sie leise. �Und bitte gib auf dich acht. Sie sind immerhin zwanzig, und du bist allein. Ich m�chte nicht, da� etwas passiert, bevor ich dir helfen kann.� Aviendha sah sie grimmig an und trieb ihre Stute dann zum Rand der Steine, um auf die Atha'an Miere zu warten.</p><p>Elayne schaute hin und wieder zur�ck, aber sie konnte durch die B�ume lediglich erkennen, da� Aviendha neben Kurin ritt, recht unaufgeregt sprach und die Meervolk-Frauen nicht einmal ansah. Und sie gewi� nicht anstarrte, obwohl Kurin sie anscheinend �beraus erstaunt betrachtete. Als Aviendha ihr Pferd mit den Z�geln antrieb, um wieder zu Elayne zu gelangen, ritt Kurin voraus, um mit Renaile zu sprechen, und kurz darauf sandte Renaile ver�rgert Rainyn zur Spitze der Kolonne.</p><p>Die j�ngste der Windsucherinnen sa� noch unbeholfener auf ihrem Pferd als Aviendha, die sie an Elaynes anderer Seite ebenso zu ignorieren versuchte wie die kleinen gr�nen, um ihr dunkles Gesicht schwirrenden Fliegen. �Renaile din Calon Blauer Stern�, begann sie steif, �verlangt, da� Ihr die Aiel-Frauen zurechtweist, Elayne Aes Sedai.� Aviendha grinste sie offen an, und Rainyn mu�te sie zumindest heimlich beobachtet haben, da sich ihre Wangen unter dem Schwei�film r�teten.</p><p>�Sagt Renaile, da� Aviendha keine Aes Sedai ist�, erwiderte Elayne. �Ich werde sie bitten, vorsichtig zu sein� � das war keine L�ge; sie hatte es bereits getan und w�rde es wieder tun �, �aber ich kann sie zu nichts <emphasis>zwingen.�.</emphasis> Und sie f�gte l�chelnd hinzu: �Ihr wi�t, wie Aiel sind.� Das Meervolk hatte sehr genaue Vorstellungen davon, wie Aiel waren. Rainyn starrte die noch immer grinsende Aviendha mit geweiteten Augen an, wobei ihr Gesicht grau wurde, dann ri� sie ihr Pferd herum und galoppierte zu Renaile zur�ck.</p><p>Aviendha kicherte erfreut, aber Elayne fragte sich, ob diese ganze Idee ein Fehler gewesen war. Obwohl gute drei�ig Schritt zwischen ihnen lagen, konnte sie Renailes Gesicht bei Rainyns Bericht zornrot anlaufen sehen, und die anderen fl�sterten erregt. Sie wirkten nicht ver�ngstigt, sie schienen ver�rgert, und sie warfen den Aes Sedai vor ihnen zunehmend unheilvolle Blicke zu. Nicht Aviendha, sondern den Schwestern. Adeleas nickte nachdenklich, als sie es bemerkte, und Merilille konnte ein L�cheln nicht unterdr�cken. Zumindest sie waren erfreut.</p><p>W�re das der einzige Zwischenfall w�hrend des Ritts gewesen, h�tte man sich noch an den Blumen und V�geln erfreuen k�nnen, aber es war nicht einmal der erste. Es begann kurz nach Verlassen der Lichtung, als sich alle Frauen des Zirkels au�er Kirstian �die zweifellos auch gekommen w�re, wenn sie nicht den Befehl erhalten h�tte, Ispan abzuschirmen �, eine nach der anderen zu Elayne vortasteten. Eine nach der anderen kamen sie, jede z�gerlich und verzagt l�chelnd, bis Elayne ihnen am liebsten gesagt h�tte, sie sollten sich ihrem Alter entsprechend verhalten. Sie stellten gewi� keine Forderungen, und sie waren zu klug, um offen um das zu bitten, was ihnen bereits verweigert worden war, aber sie fanden andere Wege.</p><p>�Es kam mir in den Sinn�, sagte Reanne heiter, �da� Ihr Ispan doch gewi� recht dringend befragen wollt. Wer wei�, was sie in der Stadt noch vorhatte, au�er den Lagerraum zu finden?� Sie sprach im Plauderton, aber sie warf Elayne hin und wieder rasche Blicke zu, um zu sehen, wie sie ihren Vorschlag aufnahm. �Wir brauchen gewi� noch �ber eine Stunde, um den Bauernhof zu erreichen, in unserem Tempo vielleicht sogar zwei Stunden, und Ihr wollt doch sicher keine zwei Stunden verschwenden. Die Kr�uter, die Nynaeve Sedai ihr gegeben hat, haben sie recht gespr�chig gemacht.�</p><p>Das heitere L�cheln schwand, als Elayne erwiderte, die Befragung Ispans k�nne noch warten. Licht, dachten sie wirklich, da� jemand eine Befragung durchf�hrte, w�hrend er durch W�lder auf Wegen ritt, die kaum diese Bezeichnung verdienten? Reanne kehrte vor sich hin murrend zu den �brigen Frauen der Schwesternschaft zur�ck.</p><p>�Verzeiht, Elayne Sedai�, murmelte Chilares kurz darauf mit ihrem murandianischen Akzent. Ihr gr�ner Strohhut pa�te genau zu einigen ihrer �bereinandergeschichteten Unterr�cke. �Verzeiht, wenn ich Euch st�re.� Sie trug nicht den roten G�rtel einer Weisen Frau. Die wenigsten Frauen des Zirkels trugen ihn. Famelle war Goldschmiedin, und Eldase lieferte den H�ndlern Lackwaren zur Ausfuhr Chilares war Teppichh�ndlerin, w�hrend Reanne selbst die Verschiffungen der kleinen H�ndler regelte. Einige f�hrten einfache Aufgaben aus � Kirstian leitete einen kleinen Weberladen, und Dimana war eine erfolgreiche N�herin �, aber andererseits waren sie im Verlauf ihres Lebens alle vielen Gewerben nachgegangen und hatten viele Namen benutzt. �Ispan Sedai scheint es nicht gutzugehen�, sagte Chilares, w�hrend sie sich unbehaglich im Sattel regte. �Vielleicht beeintr�chtigen die Kr�uter sie mehr, als Nynaeve Sedai gedacht hat. Es w�re schrecklich, wenn ihr etwas zustie�e. Ich meine, bevor sie befragt werden kann. Vielleicht k�nnten die Schwestern sie sich ansehen? Um sie zu Heilen, wi�t Ihr...� Sie brach ab und blinzelte nerv�s mit ihren gro�en braunen Augen. Was berechtigt war, da Sumeko zu ihren Begleiterinnen geh�rte.</p><p>Ein Blick �ber die Schulter zeigte Elayne, da� sich die beleibte Frau in den Steigb�geln aufgestellt hatte, um an den Windsucherinnen vorbeizuschauen, bis sie Elayne ihren Blick erwidern sah und sich eilig wieder hinsetzte. Sumeko, die mehr vom Heilen verstand als jede andere Schwester au�er Nynaeve. Vielleicht sogar <emphasis>mehr</emphasis> als Nynaeve. Elayne deutete nur zum Ende der Kolonne, bis Chilares err�tete und ihr Pferd wendete.</p><p>Merilille schlo� sich Elayne nur wenige Augenblicke sp�ter an, und die Graue Schwester beherrschte den einfachen Plauderton weitaus besser als die Frauen der Schwesternschaft. Sie war zumindest in ihrer Art zu sprechen vollkommen ausgeglichen. Eine andere Sache war, was sie zu sagen hatte. �Ich frage mich, wie vertrauensw�rdig diese Frauen sind, Elayne.� Sie sch�rzte angewidert die Lippen, w�hrend sie mit einer behandschuhten Hand Staub von ihren geteilten blauen R�cken wischte. �Sie sagen, sie n�hmen keine Wilden auf, aber vielleicht ist Reanne selbst eine Wilde, wie nachdr�cklich auch immer sie behauptet, sie habe den Test zur Aufgenommenen nicht bestanden. F�r Sumeko gilt gewi� das gleiche und f�r Kirstian mit Sicherheit.� Es folgten ein kritischer Blick zu Kirstian und ein ablehnendes Kopfsch�tteln. �Ihr m��t doch bemerkt haben, wie sie bei jeder Erw�hnung der Burg zusammenzuckt. Sie wei� nicht mehr, als sie vielleicht in Unterhaltungen mit jemandem aufgeschnappt hat, der wirklich aus der Burg gewiesen wurde.� Merilille seufzte und gab vor zu bedauern, was sie sagen mu�te. Sie war wirklich sehr gut. �Habt Ihr einmal dar�ber nachgedacht, da� sie vielleicht auch bei anderen Dingen l�gen? Sie k�nnten nach allem, was wir wissen, Schattenfreunde sein, oder Opfer von Schattenfreunden. Vielleicht auch nicht, aber man kann ihnen kaum �ber den Weg trauen. Ich glaube, da� es den Bauernhof gibt, ob sie ihn nun als Unterschlupf verwenden oder nicht, sonst h�tte ich dem hier nicht zugestimmt, aber ich w�re nicht �berrascht, dort einige wenige bauf�llige Geb�ude und ungef�hr ein Dutzend Wilde vorzufinden. Nein, sie sind einfach nicht vertrauensw�rdig.�</p><p>Elayne wurde allm�hlich zornig, sobald sie erkannte, welche Richtung Merilille einschlug, und es wurde noch schlimmer. All dieses Herumgerede, all dies �w�re vielleicht und �k�nnte�:, so da� die Frau sogar Dinge andeutete, die sie selbst nicht glaubte. Schattenfreunde? Der Frauenzirkel hatte Schattenfreunde <emphasis>bek�mpft.</emphasis> Zwei waren dabei gestorben. Ohne Sumeko und Ieine w�re Nynaeve vielleicht tot, und Ispan w�re nicht gefangengenommen worden. Nein, der Grund, warum sie nicht vertrauensw�rdig waren, lag nicht darin, da� Merilille bef�rchtete, sie w�ren dem Schatten verschworen, sonst h�tte sie das gesagt. Sie waren nicht vertrauensw�rdig, weil man ihnen, wenn sie nicht vertrauensw�rdig waren, nicht gestatten konnte, Ispan zu behalten.</p><p>Elayne zerquetschte eine gro�e gr�ne Fliege, die sich auf den Hals von L�win gesetzt hatte; sie unterstrich Merililles letzte Worte mit diesem lauten Ger�usch, und die Graue Schwester zuckte �berrascht zusammen. �Wie k�nnt Ihr es wagen?� fl�sterte Elayne. �Sie haben sich Ispan und Falion im Rahad entgegengestellt, und dem <emphasis>Gholam</emphasis> ebenfalls, ganz zu schweigen von ungef�hr zwei Dutzend R�peln mit Schwertern. <emphasis>Ihr</emphasis> wart nicht dort� Das war kaum fair. Merilille und die �brigen waren wegen den Aes Sedai im Rahad zur�ckgelassen worden, offensichtlich Aes Sedai, die gro�e Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten. Es k�mmerte sie nicht. Ihr Zorn wuchs mit jedem Moment mehr, und ihre Stimme wurde mit jedem Wort lauter. �Ihr werdet mir gegen�ber <emphasis>niemals</emphasis> wieder solche Andeutungen machen. <emphasis>Niemals!</emphasis> Nicht ohne unumst��liche Gewi�heit! Nicht ohne <emphasis>Beweise!</emphasis> Wenn Ihr es doch tut, werde ich Euch eine Strafe auferlegen, da� Euch die Augen aus dem Kopf fallen!� Ungeachtet dessen, wie hoch sie �ber der anderen Frau stand, besa� sie nicht die Autorit�t, ihr �berhaupt eine Strafe aufzuerlegen, aber auch das k�mmerte sie nicht. �Ich werde Euch den restlichen Weg nach Tar Valon zu Fu� gehen lassen! Mit nur Brot und Wasser auf dem ganzen Weg! Ich werde <emphasis>Euch</emphasis> unter ihre Obhut stellen und ihnen sagen, sie sollen Euch niederschlagen, wenn Ihr Widerstand leistet!�</p><p>Sie erkannte allm�hlich, da� sie schrie. Grauwei�e V�gel schwirrten in einem breiten Band �ber ihre K�pfe, doch sie �bert�nte deren Schreie. Sie atmete tief ein und versuchte, sich zu beruhigen. Sie konnte nicht gut schreien. Es drang stets als Kreischen hervor. Alle sahen sie an, die meisten erstaunt. Aviendha nickte anerkennend. Aber sie h�tte nat�rlich ebenso reagiert, wenn Elayne ein Messer in Merililles Herz versenkt h�tte. Aviendha hielt zu ihren Freundinnen, was auch immer geschah. Merililles cairhienische Hellh�utigkeit war zu Totenbl�sse geworden.</p><p>�Ich meine, was ich sage�, belehrte Elayne sie in weitaus k�hlerem Tonfall, was noch tiefere Totenbl�sse bei Merilille zu bewirken schien. Sie meinte <emphasis>jedes</emphasis> Wort ernst. Sie konnten es sich nicht leisten, da� solche Ger�chte unter ihnen in Umlauf waren. Sie w�rde sie auf die eine oder andere Art beenden, obwohl der Frauenzirkel h�chstwahrscheinlich in Ohnmacht fallen w�rde.</p><p>Sie hoffte, da� dies das Ende war. Es h�tte das Ende sein sollen. Aber als Merilille ging, nahm Sareitha ihren Platz ein, und auch sie nannte einen Grund, warum man den Frauen der Schwesternschaft nicht trauen k�nnte. Ihr Alter. Selbst Kirstian behauptete, �lter zu sein als jede andere lebende Aes Sedai, w�hrend Reanne noch gut einhundert Jahre �lter und nicht einmal die �lteste der Schwesternschaft war. Ihr Titel ��lteste� wurde den �ltesten von ihnen in Ebou Dar verliehen, und die strenge Anordnung, der sie folgten, um Aufmerksamkeit zu vermeiden, beinhaltete eine Anzahl noch �lterer Frauen an anderen Orten.</p><p>Elayne schrie nicht mehr. Sie achtete sehr darauf, nicht zu schreien. �Wir werden die Wahrheit letztendlich erfahren�, belehrte sie Sareitha. Sie bezweifelte die Worte der Frauen der Schwesternschaft nicht, aber es mu�te einen Grund daf�r geben, warum sie weder alterslos wirkten noch so alt aussahen, wie sie zu sein behaupteten. Wenn sie es nur herausfinden k�nnte. Etwas sagte ihr, da� die L�sung auf der Hand lag, aber nichts Offensichtliches beantwortete ihre Frage. �Letztendlich�, wiederholte sie bestimmt, als die Braune erneut den Mund �ffnete. �Das wird gen�gen, Sareitha.� Die Braune nickte unsicher und blieb zur�ck. Keine zehn Minuten sp�ter nahm Sibella ihren Platz ein.</p><p>Jedesmal, wenn eine der Frauen der Schwesternschaft herankam, um reihum die Bitte vorzutragen, von Ispan entlastet zu werden, kam bald darauf auch eine der Schwestern heran, um dieselbe Bitte auszusprechen. Alle au�er Merilille, die noch immer blinzelte, wann immer Elayne sie ansah. Vielleicht hatte Schreien doch einen Nutzen. Es versuchte gewi� niemand sonst, die Schwesternschaft so unmittelbar anzugreifen.</p><p>Vandene begann beispielsweise damit, �ber das Meervolk zu sprechen, dar�ber, wie man die Auswirkungen des mit ihnen abgeschlossenen Vertrages umkehren k�nnte und warum es notwendig sei, sie so weitgehend wie m�glich umzukehren. Sie sprach recht sachlich, ohne ein Wort oder eine Geste des Vorwurfs. Nicht da� es n�tig gewesen w�re. Das Thema an sich gen�gte, wie vorsichtig auch immer es behandelt wurde. Die Wei�e Burg, so sagte sie, behielt ihren Einflu� auf die Welt nicht durch Waffengewalt oder �berzeugungskraft bei und auch nicht durch R�nkeschmieden oder Intrigen, obwohl sie letzteres nur nebenbei erw�hnte. Die Wei�e Burg beeinflu�te Ereignisse eher im �blichen Ma�e, weil jedermann sie als abgesondert und �berragend ansah, h�hergestellt als K�nige oder K�niginnen. Das wiederum hing von jeder Aes Sedai ab, die auf diese Art betrachtet wurde, als geheimnisvoll und abgesondert und anders als alle anderen. Eine andere Natur. In der bisherigen Geschichte der Burg wurden Aes Sedai, denen das nicht gelang � und es gab nur wenige � der �ffentlichkeit so weit wie m�glich vorenthalten.</p><p>Es dauerte eine Weile, bis Elayne erkannte, da� es bei der Unterhaltung nicht mehr um Angriffe auf das Meervolk ging, sondern worauf sie in Wirklichkeit abzielte. Eine andere Natur, geheimnisvoll und abgesondert, war zu ungenau. Jedenfalls f�r Nicht-Aes Sedai. In Wahrheit w�rden die Schwestern rauher mit Ispan umgehen, als der Frauenzirkel sich �berwinden k�nnte, nur nicht in der �ffentlichkeit. Der Streit h�tte vielleicht mehr Gewicht gehabt, wenn er weitergef�hrt worden w�re, aber so schickte Elayne Vandene ebenso rasch fort wie alle anderen. Adeleas ersetzte sie, unmittelbar nachdem Sibella belehrt worden war, da� wahrscheinlich keine der Schwestern verstehen w�rde, was Ispan murmelte, wenn niemand vom Frauenzirkel es verstand. Was sie murmelte! Licht! Die Aes Sedai wechselten sich noch wiederholt ab, und obwohl Elayne wu�te, was sie wollten, war es manchmal schwer, den Zusammenhang gleich zu erkennen. Als Careane ihr zu erz�hlen begann, da� jene Steine in Wahrheit einst Zehen gewesen waren, vermutlich Zehen einer Statue irgendeiner kriegerischen K�nigin, die fast zweihundert Fu� hoch gewesen war...</p><p>�Ispan bleibt, wo sie ist�, belehrte sie Careane k�hl, ohne auf mehr zu warten. �Nun, falls Ihr mir nicht wirklich erz�hlen wollt, warum die Shiotaner daran dachten, eine solche Statue aufzustellen...� Die Gr�ne hatte gesagt, alte Berichte behaupteten, sie h�tte kaum mehr als eine R�stung getragen, die noch dazu �u�erst knapp gewesen sei! Eine K�nigin! �Nein? Also, wenn es Euch nichts ausmacht, w�rde ich mit Aviendha gern unter vier Augen sprechen. Vielen Dank.� Aber selbst ihre Wortkargheit hielt die Frau nat�rlich nicht auf. Elayne war �berrascht, da� sie jetzt nicht noch Merililles Dienerin schickten.</p><p>Nichts von alledem w�re geschehen, wenn Nynaeve dort gewesen w�re, wo sie sein sollte. Elayne war zumindest sicher, da� Nynaeve den Frauenzirkel und die Schwestern kurz nacheinander gleicherma�en h�tte bezwingen k�nnen. Sie war gut im Bezwingen. Dem stand nur entgegen, da� Nynaeve sich fest an Lans Seite geheftet hatte, noch bevor sie die erste Lichtung verlie�en. Die Beh�ter kundschafteten voraus, an beiden Seiten des Weges und manchmal auch als Nachhut, und ritten nur so lange zur Kolonne zur�ck, um �ber das zu berichten, was sie gesehen hatten, oder um Anweisungen zu geben, wie ein Bauernhof oder eine Schafherde zu umgehen war. Birgitte entfernte sich weit und verbrachte niemals mehr als wenige Augenblicke mit Elayne. Lan entfernte sich noch weiter. Und wo Lan hinging, ging auch Nynaeve hin.</p><p>�Es macht doch niemand Schwierigkeiten, oder?� fragte sie mit d�sterem Blick zum Meervolk, als sie Lan das erstemal zur�ckfolgte. �Nun, dann ist es gut�, fuhr sie fort, bevor Elayne Gelegenheit zu einer Antwort bekam. Sie ri� ihre rundb�uchige Stute wie eine Rennreiterin herum, lie� die Z�gel knallen, galoppierte hinter Lan her, wobei sie ihren Hut mit einer Hand festhielt und holte ihn in dem Moment ein, als er gerade um die Flanke des H�gels vor ihnen verschwand. Danach kehrte tats�chlich Ruhe ein. Reanne hatte ihren Besuch abgestattet und Merilille den ihren, und alles schien geregelt.</p><p>Als Nynaeve das n�chstemal auftauchte, hatte Elayne erfolgreich eine Reihe verschleierter Versuche abgewehrt, Ispan den Schwestern zu �bergeben. Aviendha hatte mit Kurin gesprochen, und die Windsucherinnen wurden allm�hlich zornig, aber als Elayne ihr die Vorf�lle erkl�rte, sah Nynaeve sich nur stirnrunzelnd um. Nat�rlich war im Moment jedermann an seinem Platz. Die Atha'an Miere blickten tats�chlich finster drein, aber der Frauenzirkel blieb hinter ihnen, und was die Schwestern betraf, so h�tte keine Gruppe von Novizinnen wohlerzogener und unschuldiger aussehen k�nnen. Elayne h�tte am liebsten geschrien!</p><p>�Du kommst gewi� mit allem zurecht�, sagte Nynaeve. �Du <emphasis>hattest</emphasis> die entsprechende Ausbildung zur K�nigin. Dies kann nicht ann�hernd so... Der Teufel hole den Mann! Er verschwindet schon wieder! Du kommst zurecht.� Fort war sie und galoppierte auf dieser armseligen Stute davon, als sei sie ein Schlachtro�.</p><p>Zu dem Zeitpunkt begann Aviendha zu erz�hlen, wie sehr Rand es anscheinend mochte, ihren Hals zu k�ssen. Beil�ufig erw�hnte sie, wie sehr es ihr auch gefallen hatte. Es hatte Elayne ebenfalls gefallen, als er es bei ihr getan hatte, aber wie sehr sie sich auch daran gew�hnt hatte, �ber solche Dinge zu sprechen �sich mit einem unguten Gef�hl daran gew�hnt hatte �, sie wollte in diesem Moment nicht dar�ber reden. Sie war ver�rgert �ber Rand. Es war unfair, aber wenn er nicht gewesen w�re, h�tte sie Nynaeve sagen k�nnen, sie solle aufh�ren, Lan wie ein Kind zu behandeln, das �ber seine eigenen F��e stolpern k�nnte, und solle sich um ihre eigenen Pflichten k�mmern. Sie h�tte ihn beinahe auch f�r das Verhalten des Frauenzirkels und das der anderen Schwestern und der Windsucherinnen verantwortlich gemacht. <emphasis>Schuld zu �bernehmen, ist eines der Dinge, f�r die M�nner da sind,</emphasis> erinnerte sie sich an einen Ausspruch von Lin, wobei sie gelacht hatte. <emphasis>Sie verdienen es in aller Regel, selbst wenn du nicht genau wei�t, wieso.</emphasis> Es war nicht fair, und dennoch w�nschte sie, Rand bef�nde sich ausreichend lange in ihrer N�he, da� sie ihn ohrfeigen k�nnte, nur einmal. Ausreichend lange, da� sie ihn k�ssen k�nnte, ihn sanft ihren Hals k�ssen lassen k�nnte. Ausreichend lange...</p><p>�Er wird einen Rat befolgen, selbst wenn er ihn nicht gern h�rt�, sagte sie j�h mit err�tendem Gesicht. Licht, trotz all ihres Geredes �ber Schamgef�hl besa� Aviendha auf manchen Gebieten keines. Und anscheinend galt das f�r sie inzwischen ebenfalls! �Aber wenn ich ihn zu dr�ngen versuchte, blieb er stur, selbst wenn ich eindeutig recht hatte. Hat er sich bei dir genauso verhalten?�</p><p>Aviendha sah sie an und verstand anscheinend. Elayne war sich nicht sicher, ob ihr das gefiel oder nicht. Zumindest wurde nicht mehr von Rand und seinen K�ssen gesprochen. Zumindest eine Zeitlang. Aviendha wu�te einiges �ber M�nner � sie war als Tochter des Speers mit ihnen gereist und hatte an ihrer Seite gek�mpft �, aber sie hatte niemals etwas anderes als eine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> sein wollen, und es gab ... Widerspr�che. Selbst als Kind hatte sie mit ihren Puppen stets Speerkampf und Angriff gespielt. Sie hatte niemals geflirtet, verstand es gar nicht, und sie verstand auch nicht, warum sie diese Empfindung hatte, als Rands Blick auf sie fiel, oder hundert andere Dinge, die Elayne zu lernen begonnen hatte, als sie zum ersten Mal merkte, da� ein Junge sie anders ansah als die anderen Jungen. Aviendha erwartete von Elayne, da� sie ihr alles beibrachte, und Elayne versuchte es. Sie konnte mit Aviendha wirklich �ber alles sprechen. Wenn nur nicht Rand das so h�ufig angef�hrte Beispiel gewesen w�re. W�re er dagewesen, <emphasis>h�tte</emphasis> sie ihn geohrfeigt. Und gek��t. Und ihn dann erneut geohrfeigt.</p><p>Es war �berhaupt kein erfreulicher Ritt. Es war ein elender Ritt.</p><p>Nynaeve stattete noch einige weitere kurze Besuche ab, bevor sie schlie�lich kam und verk�ndete, da� der Bauernhof der Schwesternschaft unmittelbar voraus l�ge, hinter einem niedrigen, abgerundeten H�gel. Reanne hatte die Reisezeit zu pessimistisch eingesch�tzt. Nach dem Stand der Sonne war es erst zwei Uhr.</p><p>�Wir werden sehr bald dort ankommen�, belehrte Nynaeve Elayne und schien den m�rrischen Blick nicht zu bemerken, den diese ihr zuwarf. �Lan, bitte bring Reanne hierher. Es wird wohl am besten sein, wenn man auf dem Hof als erstes ein vertrautes Gesicht sieht.� Lan ri� sein Pferd herum, und Nynaeve wandte sich kurz im Sattel um und sah die Schwestern festen Blickes an. �Ich m�chte nicht, da� Ihr sie erschreckt. Haltet den Mund, bis wir eine Gelegenheit bekommen, unser Kommen zu erl�utern. Und verbergt Eure Gesichter. Zieht die Kapuzen Eurer Umh�nge �ber den Kopf.� Sie drehte sich wieder um, ohne auf eine Antwort zu warten, und nickte zufrieden. �So. Alles ist geregelt und in bester Ordnung. Ich schw�re dir, Elayne, ich wei� nicht, wor�ber du so st�hnst. Jedermann tut genau das, was er tun soll, soweit ich es erkennen kann.�</p><p>Elayne knirschte mit den Z�hnen. Sie w�nschte, sie w�ren bereits in Caemlyn, wo sie hinwollten, wenn dies hier vor�ber war. Sie hatte dort schon lange �berf�llige Pflichten zu erf�llen. Haupts�chlich mu�te sie sich darum k�mmern, die st�rkeren H�user davon zu �berzeugen, da� der L�wenthron trotz ihrer langen Abwesenheit ihr geh�rte � das und einen oder zwei Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen. Es h�tte vielleicht keine Mitbewerber gegeben, wenn sie dagewesen w�re, als ihre Mutter verschwand, als sie starb, aber die Geschichte Andors besagte, da� es inzwischen welche g�be. Irgendwie erschien diese Aufgabe soviel leichter als dies hier.</p></section><section><title><p>4</p><p>Ein stiller Ort</p></title><p>Der Bauernhof der Schwesternschaft lag in einer breiten, von drei niedrigen H�geln umgebenen Mulde, eine Ansammlung von mehr als einem Dutzend gro�er, wei� get�nchter Geb�ude mit Flachd�chern, die in der Sonne leuchteten. Vier gro�e Scheunen waren an den Hang des h�chsten H�gels gebaut, der oben abgeflacht war und auf der Seite jenseits der Scheunen in steilen Klippen abfiel. Einige wenige hohe Baume, die nicht ihr ganzes Laub verloren hatten, spendeten im Hof etwas Schatten. N�rdlich und �stlich f�hrten Olivenhaine von dem Hof fort und sogar die H�nge der H�gel hinauf. Eine gem�chliche Gesch�ftigkeit umgab den Bauernhof, auf dem trotz der Nachmittagshitze weit �ber hundert Menschen zu sehen waren, welche die allt�glichen Aufgaben ausf�hrten, wenn auch in aller Ruhe.</p><p>Die �rtlichkeit h�tte fast als kleines Dorf denn als Bauernhof gelten k�nnen, nur da� keine M�nner oder Kinder zu sehen waren. Das hatte Elayne auch nicht erwartet. Dies war eine Zwischenstation f�r Frauen der Schwesternschaft, die Ebou Dar verlassen wollten, damit sich nicht zu viele gleichzeitig in der Stadt aufhielten, was aber geheim war, so geheim wie die Schwesternschaft selbst. In der �ffentlichkeit war dieser Bauernhof im Umkreis von zweihundert oder mehr Meilen als Zufluchtsort f�r Frauen bekannt, als ein Ort der Besinnung und f�r eine gewisse Zeit �wenige Tage, eine Woche, manchmal l�nger �, als Zufluchtsst�tte vor den Sorgen der Welt. Elayne konnte die Heiterkeit in der Luft fast sp�ren. Sie h�tte vielleicht bedauert so viele Fremde an diesen ruhigen Ort gebracht zu haben, wenn sie nicht auch neue Hoffnung gebracht h�tte.</p><p>Das erste Erscheinen der Pferde, als sie um den geneigten H�gel herumritten, bewirkte weitaus weniger Aufsehen, als sie erwartet hatte. Einige der Frauen hielten inne, um sie zu beobachten, aber mehr nicht. Ihre Kleidung war sehr unterschiedlich � Elayne sah sogar hier und dort Seide schimmern �, einige trugen K�rbe und andere Eimer oder gro�e wei�e B�ndel mit W�sche. Eine Frau hielt zwei gebundene Enten an den F��en in jeder Hand. Adlige und Handwerkerinnen, B�uerinnen und Bettlerinnen waren hier alle gleicherma�en willkommen, und jede leistete w�hrend ihres Aufenthalts ihren Anteil an der anfallenden Arbeit. Aviendha ber�hrte Elaynes Arm und deutete auf die Kuppe eines der H�gel, die wie ein sich zu einer Seite neigender, umgekehrter Trichter aussah. Elayne beschattete ihre Augen mit einer Hand und sah kurz darauf eine Bewegung. Kein Wunder, da� niemand �berrascht war. W�chter konnten von dort oben aus jedermann, der sich n�herte, schon auf weite Entfernung sehen.</p><p>Eine Frau kam ihnen kurz vor den Geb�uden des Hofes entgegen. Sie war im Stil einer Ebou Dari gekleidet, mit tiefem Halsausschnitt, und ihre dunklen R�cke und die bunten Unterr�cke waren ausreichend kurz, da� sie diese wegen des Staubs nicht raffen mu�te. Sie trug keinen Hochzeitsdolch. Die Regeln der Schwesternschaft verboten eine Heirat, da jede zu viele Geheimnisse bewahren mu�te.</p><p>�Das ist Alise�, murmelte Reanne und verhielt ihr Pferd zwischen Nynaeve und Elayne. �Sie f�hrt im Moment den Hof. Sie ist sehr gescheit.� Dann f�gte sie wie als Nachgedanken noch leiser hinzu: �Alise ertr�gt Narren nicht leicht.� Als Alise herankam, richtete sich Reanne im Sattel auf und straffte die Schultern, als st�nde ihr eine Pr�fung bevor.</p><p>Mittelm��ig war der Begriff, der Elayne bei Alises Anblick einfiel, die gewi� nicht dazu bestimmt war, Reanne einzusch�chtern, auch wenn sie nicht die �lteste des Frauenzirkels gewesen w�re. Mit ihrem geraden R�cken schien Alise in mittlerem Alter zu sein, war weder schlank noch beleibt, weder gro� noch klein, und ein wenig Grau sprenkelte ihr dunkelbraunes Haar, das auf sehr zweckm��ige Art mit einem Band zur�ckgebunden war. Ihr Gesicht war wenig bemerkenswert, wenn auch recht ansehnlich, ein sanftes Gesicht mit einem vielleicht etwas langen Kinn. Als sie Reanne sah, wirkte sie einen Moment �berrascht und l�chelte dann. Das L�cheln ver�nderte alles. Es machte sie nicht sch�n oder auch nur h�bsch, aber Elayne f�hlte sich dadurch gew�rmt, getr�stet.</p><p>�Ich habe kaum erwartet, Euch zu sehen ... Reanne�, sagte Alise, die bei dem Namen leicht z�gerte. Sie war sich offensichtlich nicht sicher, ob sie vor Nynaeve, Elayne und Aviendha Reannes rechtm��igen Titel benutzen sollte. Sie betrachtete sie rasch, w�hrend sie mit leicht tarabonischem Akzent sprach. �Berowin hat uns die Nachricht �ber die Unruhen in Ebou Dar nat�rlich �berbracht, aber ich dachte nicht, da� es so schlimm w�re, da� Ihr die Stadt verlassen m��tet. Wer sind all diese...� Sie brach ab, und ihre Augen weiteten sich, als sie an ihnen vorbeischaute.</p><p>Elayne blickte zur�ck und h�tte fast einige der ausgew�hlten Satze ge�u�ert, die sie verschiedentlich aufgeschnappt hatte � in letzter Zeit haupts�chlich von Mat Cauthon. Sie verstand sie nicht alle, tats�chlich nicht einmal die meisten � niemand wollte ihr jemals erkl�ren, was sie genau bedeuteten �, aber man konnte damit gewisse Gef�hle ausdr�cken. Die Beh�ter hatten ihre die Farbe ver�ndernden Umh�nge abgelegt, und die Schwestern hatten die Kapuzen ihrer Staubm�ntel, wie angewiesen, hochgezogen, sogar Sareitha, die ihr jugendliches Gesicht nicht verbergen mu�te, aber Careane hatte ihre nicht weit genug hinaufgezogen. Sie umrahmte nur ihre alterslosen Z�ge. Nicht jeder w�rde erkennen, was sie sahen, und doch gewi� jedermann, der in der Wei�en Burg gewesen war. Careane zog die Kapuze unter Elaynes Blick hastig tiefer, aber der Schaden war bereits entstanden.</p><p>Auch andere auf dem Bauernhof au�er Alise besa�en scharfe Augen. �Aes Sedai!� heulte eine Frau in einem Tonfall auf, als verk�nde sie das Ende der Welt. Vielleicht war es das auch � f�r ihre Welt. Schreie verbreiteten sich rasch wie Staub im Wind. Der Bauernhof wurde zu einem aufgest�rten Ameisenhaufen. Hier und dort fielen Frauen in Ohnmacht, aber die meisten rannten wild davon, schrien, lie�en fallen, was sie in H�nden hielten, stie�en gegeneinander, fielen hin und rappelten sich wieder auf, um weiterzulaufen. Flatternde Enten, H�hner und schwarze Ziegen mit kurzen H�rnern Hefen wild umher, um nicht �berrannt zu werden. Inmitten all dieses Chaos standen einige Frauen und schauten verdutzt drein, eindeutig jene, die ohne Wissen �ber die Schwesternschaft in diese Zuflucht gekommen waren, obwohl sich manche in der allgemeinen Aufregung jetzt ebenfalls hastig fortbewegten.</p><p>��Licht!� rief Nynaeve und ri� an ihrem Zopf. �Einige von ihnen laufen in die Olivenhaine! Haltet sie auf! Das letzte, was wir wollen, ist eine Panik! Schickt die Beh�ter aus! Schnell, schnell!� Lan w�lbte fragend eine Augenbraue, aber sie vollf�hrte eine unmi�verst�ndliche Handbewegung. �Schnell! Bevor sie <emphasis>alle</emphasis> davonlaufen!� Mit einem halbherzigen Nicken trieb er Mandarb zum Galopp an und folgte den anderen M�nnern, die einen Bogen ritten, um das sich ausbreitende Chaos zwischen den Geb�uden zu meiden.</p><p>Elayne zuckte, zu Birgitte blickend, mit den Achseln und bedeutete ihr dann zu folgen. Sie stimmte mit Lan �berein. Es schien ein wenig sp�t, die allgemeine Flucht aufhalten zu wollen, und Beh�ter zu Pferde, die versuchten, ver�ngstigte Frauen zusammenzutreiben, waren vielleicht nicht die beste M�glichkeit. Aber sie konnte nicht erkennen, wie sie die Dinge jetzt noch �ndern sollte, und es hatte keinen Zweck, sie davonlaufen zu lassen. Sie w�rden die Neuigkeiten, die sie und Nynaeve mitgebracht hatten, alle h�ren wollen.</p><p>Alise machte keine Anstalten, davonzulaufen oder sich auch nur von der Furcht anstecken zu lassen, statt dessen sah sie Reanne mit stetem Blick an. Mit festem Blick. �Warum?� fl�sterte sie. �Warum, Reanne? Ich h�tte niemals geglaubt, da� Ihr so etwas tut! Haben sie Euch bestochen? Haben sie Euch Verg�nstigungen angeboten? Werden sie Euch laufenlassen, w�hrend wir den Preis bezahlen? Sie werden es wahrscheinlich nicht gestatten, aber ich schw�re, da� ich sie bitten werde, Euch anklagen zu d�rfen. Ja, Euch! Die Regeln gelten auch f�r Euch, <emphasis>�lteste!</emphasis> Wenn ich eine M�glichkeit finden kann, schw�re ich, da� Ihr nicht l�chelnd hier herausgelangt!� Ein sehr fester Blick. In der Tat stahlhart.</p><p>�Es ist nicht so, wie Ihr denkt�, sagte Reanne hastig, stieg ab und lie� die Z�gel los. Sie umfa�te Alises H�nde, obwohl die andere Frau sich zu befreien versuchte. �Oh, ich wollte nicht, da� es so kommt. Sie wissen Bescheid, Alise. �ber die Schwesternschaft. Die Burg hat schon <emphasis>immer</emphasis> dar�ber Bescheid gewu�t. Alles. Fast alles. Aber das ist jetzt nicht wichtig.� Alise w�lbte bei diesen Worten stark die Augenbrauen, aber Reanne fuhr eilig fort und strahlte unter ihrem gro�en Strohhut regelrecht vor Eifer. �Wir d�rfen zur�ckgehen, Alise. Wir k�nnen es erneut versuchen. Sie <emphasis>sagten,</emphasis> wir k�nnten es.� Die Geb�ude des Bauernhofs leerten sich anscheinend ebenfalls, da Frauen herauseilten, um nachzusehen, was den Aufruhr verursacht hatte, um sich dann mit gerafften R�cken der allgemeinen Flucht anzuschlie�en. Schreie aus den Olivenhainen verk�ndeten, da� die Beh�ter an der Arbeit waren, aber nicht, wieviel sie erreichten. Vielleicht gar nicht viel. Elayne sp�rte von Birgitte zunehmende Entt�uschung und Ver�rgerung. Reanne beobachtete den Tumult und seufzte. �Wir m�ssen sie zur�ckholen, Alise. Die Burg nimmt uns wieder auf.�</p><p>�Das ist f�r Euch und einige der �brigen alles sch�n und gut�, erwiderte Alise zweifelnd. �Wenn es stimmt. Aber was ist mit uns anderen? Die Burg h�tte mich nicht so lange bleiben lassen, wenn ich schneller gelernt h�tte.� Sie warf einen finsteren Blick zu den jetzt gut verh�llten Schwestern, und als sie Reannes Blick erwiderte, lag nicht wenig Zorn darin. <emphasis>�Wof�r</emphasis> sollten wir zur�ckgehen? Um erneut gesagt zu bekommen, wir seien nicht ausreichend stark, und dann fortgeschickt zu werden? Oder werden sie uns einfach unser restliches Leben lang als Novizinnen behalten? Einige w�ren damit vielleicht einverstanden, aber ich nicht. Wof�r, Reanne? Wof�r?�</p><p>Nynaeve stieg ab und zog ihre Stute an den Z�geln vorw�rts. Elayne tat es ihr gleich, obwohl sie L�win leichter f�hren konnte. �Um Teil der Burg zu sein, wenn Ihr das wollt�, sagte Nynaeve ungeduldig, bevor sie die beiden Frauen der Schwesternschaft auch nur erreicht hatte. �Und vielleicht, um eine Aes Sedai zu sein. Oder geht nicht zur�ck. Lauft davon � mir ist es gleich. Wenn ich hier fertig bin, ohnehin.� Sie pflanzte die Beine auf den Boden, nahm ihren Hut ab und stemmte die F�uste in die H�ften. �Es ist Zeitverschwendung, Reanne, und wir haben hier eine Aufgabe zu erledigen. Seid Ihr sicher, da� es hier jemand N�tzliches gibt? Redet. Wenn Ihr nicht sicher seid, dann k�nnen wir genausogut weiterziehen. Wir brauchen uns vielleicht nicht mehr zu beeilen, aber jetzt, da wir die Schale haben, w�re es mir lieber, wenn wir unsere Aufgabe bald erf�llen w�rden.�</p><p>Als sie und Elayne als Aes Sedai vorgestellt wurden, die Aes Sedai, welche die Zusagen gegeben hatten, stie� Alise einen erstickten Laut aus und begann ihre wollenen R�cke zu glatten, als h�tten ihre H�nde andernfalls Reannes Kehle umfassen wollen. Sie �ffnete ver�rgert den Mund � und schlo� ihn abrupt wieder, als Merilille sich ihnen zugesellte. Der feste Blick schwand nicht v�llig, aber er war jetzt mit Verwunderung gemischt. Und mit erheblicher Wachsamkeit.</p><p>�Nynaeve Sedai�, sagte Merilille ruhig, �die Atha'an Miere sind ... voller Ungeduld ... absteigen zu d�rfen. Ich denke, einige m�chten vielleicht um Heilung bitten.� Ein L�cheln umspielte kurz ihre Lippen.</p><p>Das kl�rte die Frage, obwohl Nynaeve �bertrieben ver�rgert �u�erte, was sie dem n�chsten Menschen antun w�rde, der ihre Worte in Zweifel zog. Elayne h�tte vielleicht auch einiges zu sagen gehabt, aber Nynaeve benahm sich tats�chlich ein wenig albern, w�hrend sie weiterhin auf diese Weise mit Merilille und Reanne umging, die beide h�flich darauf warteten, da� sie zum Ende k�me, w�hrend Alise alle drei anstarrte. Das kl�rte manches, oder vielleicht wurde es auch durch die Windsucherinnen gekl�rt, die zu Fu� herankamen und ihre Pferde ebenfalls hinter sich herzogen. Jeglicher Rest Anmut war w�hrend des Ritts verschwunden, von harten S�tteln vertrieben �ihre Beine schienen ebenso starr wie ihre Gesichter �, und doch konnte niemand etwas anderes in ihnen sehen, als sie tats�chlich waren.</p><p>�Wenn zwanzig Meervolk-Frauen so weit vom Meer entfernt sind�, murrte Alise, �glaube ich alles.� Nynaeve schnaubte, sie schwieg aber, wof�r Elayne ihr dankbar war. Die Frau konnte es anscheinend nur schwer akzeptieren, auch wenn Merilille sie Aes Sedai nannte. Weder ein Wortschwall noch schlechte Laune w�rden helfen.</p><p>�Dann Heilt sie�, forderte Nynaeve Merilille auf. Ihrer beider Blicke richteten sich auf die humpelnden Frauen, und Nynaeve f�gte hinzu; �Wenn sie darum bitten. H�flich.� Merilille l�chelte erneut, aber Nynaeve hatte bereits vom Meervolk abgelassen und betrachtete jetzt stirnrunzelnd den nahezu verlassenen Bauernhof. Einige wenige Ziegen trotteten noch um den mit fallen gelassener W�sche und Rechen und Besen, umgest�rzten Eimern und K�rben sowie den ohnm�chtig zusammengesunkenen Frauen der Schwesternschaft �bers�ten Hof, und eine Handvoll H�hner scharrten und pikten wieder, aber die einzigen bei Bewu�tsein befindlichen Frauen, die noch bei den Geb�uden zu sehen waren, geh�rten eindeutig nicht der Schwesternschaft an. Einige trugen besticktes Leinen oder Seide und andere raune l�ndliche Tuche, aber die Tatsache, da� sie nicht davongelaufen waren, besagte sehr viel �ber sie. Reanne vermutete, da� zu jedem beliebigen Zeitpunkt die H�lfte jener auf dem Hof dieser Gruppe zuzurechnen w�re. Die meisten schienen benommen.</p><p>Nynaeve verschwendete trotz ihres Murrens keine Zeit damit, sich um Alise zu k�mmern. Vielleicht k�mmerte sich Alise auch um Nynaeve. Es war schwer zu sagen, da die Frauen der Schwesternschaft den Aes Sedai gegen�ber nur wenig der Ehrerbietung des Frauenzirkels zeigten. Vielleicht war sie durch die pl�tzliche Wendung der Ereignisse einfach noch zu erstarrt. Jedenfalls gingen sie zusammen davon, wobei Nynaeve ihre Stute f�hrte und Alise mit dem Hut in ihrer anderen Hand erkl�rte, wie sie die verstreuten Frauen zusammenbringen und was sie dann mit ihnen tun sollte. Reanne war �berzeugt gewesen, da� sich hier zumindest eine Frau befand, die ausreichend stark war, um sich dem Zirkel anzuschlie�en � Garenia Rosoinde, und vielleicht zwei weitere. Elayne hoffte in Wahrheit, da� sie alle nicht mehr hier w�ren. Alise wechselte zwischen Nicken und sehr direkten Blicken zu Nynaeve, die diese anscheinend nicht bemerkte.</p><p>Jetzt, w�hrend sie darauf warteten, da� die Frauen wieder zur�ckkehren w�rden, schien ein guter Zeitpunkt zu sein, die Tragk�rbe weiter zu durchsuchen, aber als sich Elayne den Packpferden zuwandte, die gerade auf die Geb�ude des Bauernhofs zugef�hrt werden sollten, bemerkte sie den Frauenzirkel, Reanne und alle �brigen, die sich zu Fu� auf den Weg zum Hof machten, wobei einige auf die am Boden liegenden Frauen zueilten und andere auf jene, die mit offenen M�ndern herumstanden. Und kein Zeichen von Ispan, die sie dann jedoch schnell entdeckte �zwischen Adeleas und Vandene, die sie, jeweils einen ihrer Arme umfassend, halbwegs mit sich zogen, w�hrend ihre Staubm�ntel hinter ihnen herwehten.</p><p>Die wei�haarigen Schwestern waren verbunden, denn das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie beide, ohne Ispan mit einzuschlie�en. Man konnte nicht feststellen, welche den kleinen Kreis anf�hrte und den Schild gegen die Schattenfreundin festhielt, aber nicht einmal einer der Verlorenen h�tte ihn durchbrechen k�nnen. Sie beendeten ihr Gespr�ch mit einer beleibten Frau in einfachem braunen Tuch, die den Ledersack �ber Ispans Kopf anstarrte, aber dennoch einen Hofknicks vollf�hrte und dann auf eines der wei� get�nchten Geb�ude zeigte.</p><p>Elayne wechselte ver�rgerte Blicke mit Aviendha.</p><p>Nun, sie selbst war zumindest ver�rgert. Aviendha wirkte manchmal unbewegt wie ein Stein. Sie �bergaben ihre Pferde zweien der Stallknechte vom Palast und eilten hinter den anderen drei Frauen her. Einige der Frauen, die nicht der Schwesternschaft angeh�rten, versuchten, sie nach dem Geschehenen zu befragen, einige auf eher herrische Art, aber Elayne fertigte sie kurz ab und hinterlie� damit entr�stetes Naser�mpfen und Schnauben. Oh, was w�rde sie nicht alles darum geben, bereits das alterslose Gesicht zu besitzen! Dieser Gedanke l�ste in ihrem Unterbewu�tsein etwas aus, aber es schwand wieder, sobald sie es genauer betrachten wollte.</p><p>Als sie die einfache Holzt�r aufstie�, durch die das Trio verschwunden war, hatten Adeleas und Vandene Ispan bereits mit entbl��tem Kopf auf einen Stuhl mit leiterf�rmiger R�ckenlehne gesetzt. Der Sack lag zusammen mit Adeleas' und Vandenes Leinenumh�ngen auf einem schmalen Zeichentisch. Der Raum besa� nur ein in die Decke eingelassenes Fenster, aber da die Sonne noch hoch stand, fiel ausreichend Licht herein. Regale s�umten die W�nde, auf denen sich gro�e Kupferkannen und wei�e Schalen stapelten. Nach dem Geruch von gebackenem Brot zu schlie�en, f�hrte die einzige andere T�r in eine K�che.</p><p>Vandene sah sich beim Ger�usch der sich �ffnenden T�r streng um, aber ihr Gesicht gl�ttete sich zu v�lliger Ausdruckslosigkeit, als sie Elayne sah. �Sumeko meinte, die Kr�uter, die Nynaeve ihr gegeben hat, lie�en in ihrer Wirkung nach�, sagte sie, �und es schien das beste, Ispan ein wenig zu befragen, bevor wir ihren Geist erneut verwirren. Wir haben jetzt etwas Zeit. Es w�re gut zu wissen, was die Schwarze Ajah...�, sie verzog angewidert den Mund, �...in Ebou Dar wollte. Und was sie wissen.�</p><p>�Ich bezweifle, da� sie von diesem Bauernhof Kenntnis haben, da auch wir nichts davon wu�ten�, sagte Adeleas und tippte mit einem Finger nachdenklich an ihre Lippen, w�hrend sie die Frau auf dem Stuhl betrachtete. �Aber es ist besser, auf Nummer Sicher zu gehen, als sp�ter zu jammern.� Sie h�tte ebensogut ein nie zuvor gesehenes Tier pr�fend betrachten k�nnen, ein Wesen, dessen Existenz sie nicht begreifen konnte.</p><p>Ispan sch�rzte die Lippen. Schwei� lief ihr geschundenes Gesicht herab; ihre dunklen, mit Perlen geschm�ckten Z�pfe waren aufgel�st und ihre Kleidung vollkommen in Unordnung, aber sie war trotz ihrer tr�ben Augen nicht mehr ann�hernd so benommen wie am Vormittag. �Die Schwarze Ajah ist eine dreckige L�ge�, h�hnte sie ein wenig heiser. Es mu�te unter diesem Ledersack sehr hei� gewesen sein, und sie hatte kein Wasser mehr bekommen, seit sie den Tarasin-Palast verlassen hatten. �Ich bin wahrhaftig �berrascht von Eurer Behauptung. Und da� Ihr mir die Verantwortung zuschieben wollt! Was ich getan habe, habe ich auf Befehl des Amyrlin-Sitzes getan.�</p><p>�Auf <emphasis>Elaidas</emphasis> Befehl?� fauchte Elayne ungl�ubig. �Ihr besitzt die Unverfrorenheit zu behaupten, <emphasis>Elaida</emphasis> habe Euch befohlen, Schwestern zu ermorden und die Burg zu bestehlen? <emphasis>Elaida</emphasis> habe befohlen, was Ihr in Tear und Tanchico getan habt? Oder meint Ihr Siuan? Ihr armselige L�gnerin! Ihr habt den Drei Eiden entsagt, und das stempelt Euch zur Schwarzen Ajah.�</p><p>�Ich brauche Eure Fragen nicht zu beantworten�, entgegnete Ispan m�rrisch und zog die Schultern hoch. �Ihr erhebt Euch gegen den rechtm��igen Amyrlin-Sitz. Ihr werdet bestraft und vielleicht sogar ged�mpft werden. Besonders wenn Ihr mich verletzt.</p><p>Ich diene dem wahren Amyrlin-Sitz, und Ihr werdet ernstlich bestraft werden, wenn Ihr mir Schaden zuf�gt.�</p><p>�Ihr werdet alle Fragen beantworten, die meine N�chstschwestern Euch stellen.� Aviendha pr�fte mit dem Daumennagel ihren G�rteldolch, aber ihr Blick hielt Ispans fest. �Feuchtl�nder f�rchten Schmerzen. Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Ihr werdet die Fragen beantworten, die Euch gestellt werden.� Sie drohte und h�hnte nicht � sie sprach nur, aber Ispan sank auf ihrem Stuhl zusammen.</p><p>�Ich f�rchte, das ist gef�hrlich, selbst wenn sie kein Neuling in der Burg w�re�, bemerkte Adeleas. �Es ist uns verboten, bei einer Befragung Blut zu vergie�en oder anderen zu gestatten, es in unserem Namen zu tun.� Sie klang widerstrebend, obwohl Elayne nicht sagen konnte, ob das Verbot oder das Eingest�ndnis, da� Ispan ein Neuling war, der Grund daf�r war. Sie selbst hatte nicht wirklich geglaubt, da� Ispan noch immer als Neuling angesehen werden k�nnte. Ein Sprichwort besagte, da� keine Frau mit der Burg fertig war, bis die Burg mit ihr fertig war, aber in Wahrheit war es niemals beendet, wenn die Burg einen einmal ber�hrt hatte.</p><p>Sie betrachtete die Schwarze Schwester pr�fend, die so beschmutzt und doch so selbstsicher war. Ispan setzte sich wieder ein wenig aufrechter hin und warf Aviendha und Elayne am�siert ver�chtliche Blicke zu. Sie war vorher nicht so ausgeglichen gewesen, als sie noch dachte, da� Nynaeve und Elayne sie allein in ihrer Gewalt h�tten. Sie hatte ihre Haltung mit dem Bewu�tsein wiedergewonnen, da� auch �ltere Schwestern anwesend waren. Schwestern, die das Gesetz der Wei�en Burg verinnerlicht hatten. Das Gesetz verbat nicht nur Blutvergie�en, sondern auch das Brechen von Knochen und einige andere Dinge, die jeder Wei�m�ntel-Zweifler �beraus bereitwillig tat. Aber bevor eine wie auch immer geartete Befragung begann, mu�te eine Heilung erfolgen, und wenn die Befragung nach Sonnenaufgang begann, mu�te sie vor Sonnenuntergang beendet sein und umgekehrt. Das Gesetz schrieb sogar noch mehr Einschr�nkungen vor, wenn es sich um Neulinge, Schwestern, Aufgenommene und Novizinnen der Burg handelte, und verbot die Benutzung <emphasis>Saidars</emphasis> sowie Bestrafung oder Bu�e bei der Befragung. Oh, eine Schwester konnte einer Novizin mit der Macht eine Ohrfeige verpassen, wenn sie aufgebracht war, oder ihr sogar eine Tracht Pr�gel verabreichen, aber nicht wesentlich mehr. Ispan l�chelte sie an. Sie l�chelte! Elayne atmete tief durch.</p><p>�Adeleas, Vandene, ich m�chte, da� Ihr Aviendha und mich mit Ispan allein la�t.� Ihr Magen verkrampfte sich. Es mu�te eine M�glichkeit geben, die Frau ausreichend einzusch�chtern, um zu erfahren, was n�tig war, ohne das Burggesetz zu verletzen. Aber wie? Menschen, die von der Burg befragt werden sollten, begannen �blicherweise bereits zu reden, bevor sie auch nur ber�hrt wurden �jedermann <emphasis>wu�te,</emphasis> da� sich niemand gegen die Burg behaupten konnte, niemand! �, aber sie waren selten Neulinge. Sie h�rte eine Stimme. Dieses Mal nicht Linis Stimme, sondern die ihrer Mutter. <emphasis>Was du zu tun befiehlst, mu�t du auch bereitwillig selbst tun k�nnen. Als K�nigin hast du bereits getan, was du zu tun befiehlst.</emphasis> Wenn sie das Gesetz brach... Wieder erklang die Stimme ihrer Mutter. <emphasis>Selbst eine K�nigin kann nicht �ber dem Gesetz stehen, sonst gibt es kein Gesetz.</emphasis> Und dann Linis Stimme. <emphasis>Du kannst tun, was immer du willst, Kind. Solange du bereit bist, den Preis zu bezahlen.</emphasis> Sie nahm ihren Hut ab, ohne die B�nder zu l�sen. Es kostete sie M�he, ihre Stimme ruhig klingen zu lassen. �Wenn wir ... wenn wir mit unserem Gespr�ch mit ihr fertig sind, k�nnt Ihr sie wieder zum Frauenzirkel zur�ckbringen.� Hinterher w�rde sie sich Merilille f�gen. Die f�nf Schwestern konnten eine Bu�e vereinbaren, wenn sie darum gebeten wurden.</p><p>Ispan wandte j�h den Kopf; der Blick aus den geschwollenen Augen wanderte von Elayne zu Aviendha und wieder zur�ck, und die Augen weiteten sich allm�hlich, bis das Wei�e rundum sichtbar war. Sie war jetzt nicht mehr selbstsicher.</p><p>Vandene und Adeleas wechselten schweigend Blicke, so wie Menschen es tun, die so viel Zeit miteinander verbracht haben, da� Worte kaum noch n�tig sind. Dann nahm Vandene Elayne und Aviendha jeweils bei einem Arm. �Wenn ich Euch einen Moment drau�en sprechen d�rfte�, murmelte sie. Es klang wie ein Vorschlag, aber sie dr�ngte sie bereits zur T�r.</p><p>Drau�en auf dem Hof standen ungef�hr zwei Dutzend Frauen der Schwesternschaft wie Schafe zusammengepfercht. Nicht alle trugen die Kleidung der Ebou Dari, aber zwei trugen die roten G�rtel Weiser Frauen, und Elayne erkannte Berowin, eine rundliche kleine Frau, die sonst weitaus gr��eren Stolz zeigte, als ihre St�rke in der Macht gerechtfertigt h�tte. Aber jetzt nicht. Ihr Gesicht zeigte Angst, und die Blicke der Frauen irrten umher, obwohl der gesamte Frauenzirkel um sie herumstand und beharrlich auf sie einredete. Ein St�ck weiter versuchten Nynaeve und Alise, vielleicht doppelt so viele Frauen in eines der gr��eren Geb�ude zu dr�ngen. �Versuchten� schien die richtige Bezeichnung zu sein.</p><p>�...k�mmert mich nicht, <emphasis>welche</emphasis> Stellung Ihr innehabt�, schrie Nynaeve eine Frau in hellgr�ner Seide an, die stolz den Kopf reckte. �Ihr werdet dort hineingehen und dort bleiben. Aus dem Weg, sonst <emphasis>trete</emphasis> ich Euch hinein!�</p><p>Alise ergriff die gr�n gekleidete Frau kurzerhand am Kragen und schob sie trotz zorniger Proteste durch den Eingang. Ein lautes Kreischen erklang, wie von einer gro�en Gans, die getreten worden war, und dann erschien Alise wieder und klopfte ihre H�nde ab. Die anderen machten danach keine Schwierigkeiten mehr.</p><p>Vandene entlie� sie alle und beobachtete ihre Augen. Das Schimmern umgab sie auch weiterhin, und doch mu�te Adeleas ihre vereinten Str�nge konzentriert haben. Vandene h�tte den Schild aufrechterhalten k�nnen, wenn er erst gewoben war, ohne ihn sehen zu k�nnen, aber w�re sie diejenige gewesen, h�tte weitaus wahrscheinlicher Adeleas sie hinausgebracht. Vandene h�tte mehrere hundert Schritte gehen k�nnen, bevor die Verbindung nachlie� � diese w�rde selbst dann nicht zerbrechen, wenn sie und Adeleas an entgegengesetzte Punkte der Erde eilten, obwohl sie schon lange vorher nutzlos geworden w�re �, aber sie blieb in der N�he der T�r. Sie suchte anscheinend nach den richtigen Worten.</p><p>�Ich habe es immer f�r das beste gehalten, wenn Frauen mit Erfahrung diese Dinge regeln�, sagte sie schlie�lich. �Junge Frauen ereifern sich leicht. Dann tun sie des Guten zuviel. Oder manchmal erkennen sie, da� sie sich nicht dazu �berwinden k�nnen, genug zu tun, weil sie tats�chlich noch nicht genug erlebt haben. Oder schlimmstenfalls finden sie ... Geschmack daran. Ich glaube, Ihr habt beide diesen Makel.� Sie sah Aviendha absch�tzend an. Aviendha steckte hastig ihren G�rteldolch zur�ck in die Scheide. �Adeleas und ich haben genug erlebt, um zu wissen, warum wir tun m�ssen, was getan werden mu�, und wir haben den Eifer schon lange abgelegt. Vielleicht werdet Ihr dies uns �berlassen. Das ist sicherlich besser.� Vandene schien die Empfehlung zu akzeptieren. Sie nickte und wandte sich wieder der T�r zu.</p><p>Sie war kaum dahinter verschwunden, als Elayne innen den Gebrauch der Macht sp�rte, ein Gewebe, das den Innenraum �berlagert haben mu�te. Sicherlich ein Schutz vor Lauschern. Sie w�rden nicht wollen, da� jemand zuf�llig aufschnappte, was auch immer Ispan sagte. Dann bemerkte sie weiteren Gebrauch der Macht, und die darauffolgende Stille war unheilvoller als jegliche Schreie.</p><p>Sie setzte ihren Hut energisch wieder auf. Sie sp�rte die Hitze nicht, aber das Flimmern der Luft lie� sie sich pl�tzlich unwohl f�hlen. �Vielleicht hilfst du mir, das Gep�ck der Lastpferde durchzusehen�, sagte sie hastig. Sie hatte nicht befohlen, da� es getan werden sollte � was immer <emphasis>es</emphasis> war �, aber das �nderte anscheinend nichts. Aviendha nickte �berraschend schnell. Sie wollte dieser Stille offensichtlich auch entfliehen.</p><p>Die Windsucherinnen warteten nicht weit von der Stelle entfernt, wo die Diener die Packpferde hingef�hrt hatten, warteten ungeduldig und sahen sich gebieterisch um, die Arme in Nachahmung Renailes unter den Br�sten gekreuzt. Alise trat zu ihnen und machte Renaile nach einem raschen Blick als die Anf�hrerin aus. Elayne und Aviendha ignorierte sie.</p><p>�Kommt mit�, sagte sie in barschem Ton, der keinen Widerspruch duldete. �Die Aes Sedai meinen, Ihr wolltet sicher den Schatten aufsuchen, bis alles gekl�rt ist.� Die Worte �Aes Sedai� enthielten ebensoviel Bitterkeit, wie sie Ehrfurcht enthielten, wenn sie von den Frauen der Schwesternschaft ausgesprochen wurden. Vielleicht sogar mehr. Renaile erstarrte, und ihr gebr�untes Gesicht wurde noch dunkler, aber Alise fuhr unger�hrt fort. �Ihr Wilden k�nnt von mir aus dort drau�en sitzen und schwitzen, wenn Ihr wollt. Wenn Ihr sitzen <emphasis>k�nnt.�</emphasis> Es war offensichtlich, da� keine der Atha'an Miere Heilung von der Sattelwundheit erhalten hatte. Sie standen da, als wollten sie vergessen, da� sie unterhalb der Taille existierten. �Aber Ihr werdet mich nicht warten lassen.�</p><p>�Wi�t Ihr, wer ich bin?� fragte Renaile in kaum beherrschtem Zorn, aber Alise ging bereits davon und blickte nicht zur�ck. Renaile k�mpfte sichtlich mit sich, wischte sich mit dem Handr�cken den Schwei� von der Stirn und befahl den anderen Windsucherinnen dann ver�rgert, die verfluchten Pferde zur�ckzulassen und ihr zu folgen. Sie gingen schwankend und breitbeinig in einer Reihe hinter Alise her, und alle au�er den beiden Neulingen murrten vor sich hin �einschlie�lich Alise.</p><p>Elayne �berlegte sogleich, wie sie Frieden bewirken und die Schmerzen der Atha'an Miere heilen lassen k�nnte, ohne da� sie darum bitten m��ten. Oder da� eine Schwester es zu eifrig anbieten m��te. Nynaeve mu�te ebenso bes�nftigt werden wie die anderen Schwestern. Elayne erkannte zu ihrer �berraschung pl�tzlich, da� sie zum ersten Mal in ihrem Leben nicht wirklich den Wunsch hatte, f�r Ausgleich zu sorgen. Sie beobachtete, wie die Windsucherinnen auf eines der Geb�ude des Bauernhofs zuhumpelten, und entschied, da� alles gut war, so wie es war. Aviendha grinste breit, w�hrend sie die Atha'an Miere beobachtete. Elayne wurde rasch ernst und wandte sich den Packpferden zu. Sie hatten es jedoch verdient. Es war sehr schwer, ernst zu bleiben.</p><p>Die Durchsuchung ging mit Aviendhas Hilfe weitaus rascher vonstatten als zuvor, obwohl Aviendha nicht so schnell wie sie erkannte, wonach sie suchten, was keine gro�e �berraschung war. Einige der Schwestern, die Elayne ausgebildet hatte, zeigten gr��eres K�nnen hierin als sie selbst, aber die meisten kamen ihr nicht einmal nahe. Dennoch fanden zwei Paar H�nde mehr als eines, und es gab vieles zu finden.</p><p>Stallburschen in Livree und Frauen brachten den Unrat fort w�hrend sich auf der breiten Steinabdeckung einer quadratischen Zisterne viele <emphasis>Ter'angreale</emphasis> anh�uften.</p><p>Vier weitere Pferde wurden schnell entladen, und sie stellten eine Sammlung zusammen, die in der Burg gefeiert worden w�re, selbst wenn niemand <emphasis>Ter'angreale</emphasis> erforscht h�tte. Sie hatten jede erdenkliche Form. Becher und Schalen und Vasen, keine zwei von derselben Gr��e, mit demselben Muster oder aus dem gleichen Material. Eine flache, wurmstichige Schatulle, die schon auseinanderfiel und deren wie auch immer geartetes Futter l�ngst zu Staub zerfallen war, enthielt Schmuckst�cke � eine Halskette und Armb�nder, die mit farbigen Steinen besetzt waren, einen schmalen, juwelenbesetzten G�rtel und mehrere Fingerringe �, und es gab Platz f�r weitere. Jedes einzelne Schmuckst�ck war ein <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> und sie pa�ten alle zueinander, sollten zusammen getragen werden, obwohl sich Elayne nicht vorstellen konnte, warum eine Frau so viel Schmuck auf einmal am K�rper tragen wollte. Aviendha fand einen Dolch, um dessen Heft aus grobem Hirschgeweih Golddraht gewickelt war. Die Klinge war stumpf, und sie war es allem Anschein nach auch stets gewesen. Sie drehte den Dolch unentwegt in den H�nden � tats�chlich begannen ihre H�nde zu zittern �, bis Elayne ihn ihr fortnahm und zu den anderen Gegenst�nden auf die Zisternenplatte legte. Selbst dann stand Aviendha noch lange Zeit da, betrachtete den Dolch und leckte sich die Lippen, als seien sie ausgetrocknet. Es gab Fingerringe, Ohrringe, Halsketten, Armb�nder und G�rtelschnallen, die teilweise sehr eigenartige Muster aufwiesen. Es gab Statuetten und Figuren von V�geln und Tieren und Menschen, mehrere Dolche mit Ziselierungen, ein halbes Dutzend gro�e Medaillons aus Bronze oder Stahl, die meisten mit merkw�rdigen Mustern versehen, aber keines mit einem Bild, das Elayne wirklich verstehen konnte, ferner zwei seltsame H�te, die anscheinend aus Metall gefertigt waren, zu verziert und zu d�nn, um Helme zu sein, und unz�hlige Gegenst�nde, die sie nicht einmal ann�hernd benennen konnte. Darunter eine Rute vom Umfang ihres Handgelenks, hellrot und glatt und abgerundet, eher fest als hart, obwohl sie aus Stein zu sein schien. Sie erw�rmte sich in ihren H�nden nicht nur leicht � sie f�hlte sich fast hei� an! Es war genausowenig wirkliche Hitze, wie die W�rme real war, aber dennoch! Und was war mit den zwei wie Korbgeflecht gearbeiteten Metallkugeln, eine in der anderen? Jede Bewegung verursachte ein schwaches musikalisches Klingen, stets einen anderen Ton, und sie hatte das Gef�hl, da� jedes Mal eine noch kleinere Kugel entdeckt werden wollte, gleichg�ltig wie genau sie hinsah. Und der Gegenstand, der wie das aus Glas gefertigte Geduldsspiel eines Schmieds aussah? Er war so schwer, da� sie ihn fallen lie�, und er brach einen Splitter vom Rand der Zisternenplatte ab. Es war insgesamt eine Ansammlung, die bei jeder Aes Sedai Erstaunen hervorrufen w�rde. Und noch wichtiger war, da� sie noch zwei weitere <emphasis>Angreale</emphasis> gefunden hatten, die Elayne sehr vorsichtig in Reichweite beiseite legte.</p><p>Das eine war ein seltsames Schmuckst�ck, ein goldenes, mit vier flachen Ketten mit Fingerringen verbundenes Armband, das mit einem komplizierten, labyrinthischen Muster ziseliert war. Das war das st�rkere der beiden <emphasis>Angreale,</emphasis> sogar st�rker als die noch immer in ihrer G�rteltasche befindliche Schildkr�te. Es war f�r eine kleinere Hand als Aviendhas oder ihre gemacht. Seltsamerweise besa� das Armband ein kleines Schlo�, vollst�ndig mit einem sehr kleinen, r�hrenf�rmigen Schl�ssel, der von einer d�nnen, offensichtlich abnehmbaren Kette herabhing. Zusammen mit dem Schl�ssel abnehmbar! Das andere <emphasis>Angreal</emphasis> war eine sitzende Frau aus vom Alter dunkel gewordenem Elfenbein, welche die Beine vor sich gekreuzt hatte, die Knie entbl��t, aber mit so langem und �ppigem Haar, da� sie auch im schwersten Umhang nicht besser h�tte verh�llt sein k�nnen. Dieses <emphasis>Angreal</emphasis> war nicht einmal so stark wie die Schildkr�te, aber sie fand es sehr ansprechend. Eine Hand ruhte auf einem Knie der Frau, die Handfl�che nach oben gerichtet und die Finger so gehalten, da� der Daumen die Spitzen der beiden mittleren Finger ber�hrte, w�hrend die andere Hand erhoben war, die ersten beiden Finger ausgestreckt und die anderen gebogen. Die ganze Figur vermittelte den Eindruck �u�erster W�rde, und doch zeigte das genau ausgearbeitete Gesicht Belustigung und Vergn�gen. Vielleicht war sie f�r eine besondere Frau gefertigt worden? Sie schien irgendwie ein Portr�t zu sein. Vielleicht hatten sie es im Zeitalter der Legenden geschnitzt. Einige <emphasis>Ter'angreale</emphasis> waren sehr gro�, so da� M�nner und Pferde oder sogar die Macht n�tig w�ren, um sie zu bewegen, aber die meisten <emphasis>Angreale</emphasis> waren klein genug, um sie bei sich zu tragen. Nicht alle, aber die meisten.</p><p>Sie schlugen gerade die Segeltuchabdeckung zweier weiterer Packtaschen zur�ck, als Nynaeve heranschritt. Die Atha'an Miere traten aus einem der Geb�ude des Bauernhofs und hinkten nicht mehr. Merilille sprach mit Renaile, oder vielmehr sprach die Windsucherin, und Merilille h�rte zu. Elayne fragte sich, was dort drinnen geschehen war. Die schlanke Graue wirkte nicht mehr so zufrieden. Die Ansammlung von Frauen der Schwesternschaft war gr��er geworden, und gerade als Elayne aufsah, betraten drei weitere z�gernd den Hof, und zwei andere standen am Rande der Olivenb�ume und sahen sich unschl�ssig um. Sie konnte Birgitte sp�ren, irgendwo dort drau�en in den Hainen und nur unwesentlich weniger ver�rgert als zuvor. Nynaeve betrachtete die Ansammlung von <emphasis>Ter'angrealen</emphasis> und zog an ihrem Zopf. Ihren Hut hatte sie irgendwo verloren. �Das kann warten�, sagte sie und klang angewidert. �Es wird Zeit.�</p></section><section><title><p>5</p><p>Der Sturm bricht los</p></title><p>Die Sonne war erst auf halbem Wege vom Zenit zum Horizont, als sie den gut ausgetretenen, gewundenen Pfad zur Spitze des steilen H�gels �ber den Scheunen emporstiegen. Renaile hatte diesen Punkt ausgew�hlt. Es machte nach dem, was Elayne �ber die Beeinflussung des Wetters wu�te und was sie von einer Windsucherin des Meervolks gelernt hatte, um sicher zu sein, durchaus Sinn. Um etwas jenseits der unmittelbaren Umgebung ver�ndern zu k�nnen, mu�te man �ber weite Entfernungen arbeiten, was bedeutete, da� man �ber eine weite Strecke freie Sicht haben mu�te, was auf dem Meer viel leichter war als an Land, es sei denn, man befand sich auf einem Berg oder H�gelkamm. Weiterhin mu�te man geschickt vorgehen, um wolkenbruchartigen Regen oder Wirbelwinde oder nur das Licht wu�te, was sonst, zu verhindern. Was auch immer man tat � die Wirkung verbreitete sich wie Wellen von einem in einen Teich geworfenen Stein. Sie wollte auf keinen Fall den Kreis anf�hren, der die Schale benutzen w�rde.</p><p>Der Boden auf dem kahlen H�gelkamm war flach, eine rauhe Felsplatte, f�nfzig Schritte lang und breit, mit viel Platz f�r alle, die hiersein sollten, wie auch f�r einige, die strenggenommen nicht hiersein sollten. Von mindestens f�nfzig Schritt oberhalb des Bauernhofs aus hatte man meilenweit eine gro�artige Aussicht �ber die von Geh�ften, Weiden, W�ldern und Olivenhainen gepr�gte Landschaft. Viel zu viele Braunt�ne und versengte Gelbt�ne mischten sich mit wenigen Schattierungen von Gr�n, schrien ihnen die Notwendigkeit dessen entgegen, was sie zu tun beabsichtigten, und doch ber�hrte Elayne diese Sch�nheit. Trotz des wie leichter Nebel in der Luft liegenden Staubs konnte sie so <emphasis>weit</emphasis> sehen! Das Land war hier bis auf jene wenigen H�gel �berwiegend flach. Ebou Dar lag s�dlich gerade au�er Sicht, selbst wenn sie die Macht umarmte, und doch schien es, als sollte sie es sehen k�nnen, wenn sie sich nur ein wenig bem�hte. Mit ein wenig Anstrengung konnte sie gewi� den Eldar sehen. Eine phantastische Aussicht. Aber nicht alle hatten Gefallen daran.</p><p>�Eine Stunde vergeudet�, murrte Nynaeve und sah dabei Reanne von der Seite an. Und auch fast jedermann sonst. Da Lan nicht mitgekommen war, wollte sie die Gelegenheit anscheinend nutzen, ihre Launen an anderen auszulassen. �Fast eine Stunde. Vielleicht sogar mehr. Vollkommen vergeudet. Alise ist vermutlich ausreichend f�hig, aber man sollte meinen, Reanne <emphasis>w��te,</emphasis> wer da w�re! Licht! Wenn diese t�richte Frau abermals in meiner Gegenwart ohnm�chtig wird...!� Elayne hoffte, da� sie sich noch ein wenig l�nger beherrschte. Es w�rde ein gewaltiger Sturm werden, wenn sie ihren Gef�hlen freien Lauf lie�e.</p><p>Reanne versuchte, eine eifrige, heitere Miene beizubehalten, aber sie bewegte unruhig die H�nde und zupfte st�ndig ihre R�cke zurecht oder gl�ttete sie. Kirstian umklammerte ihre R�cke nur, schwitzte und schien sich jeden Moment �bergeben zu wollen. Wenn jemand sie ansah, irgend jemand, zitterte sie. Die dritte Frau der Schwesternschaft, Garenia, war eine saldaeanische H�ndlerin mit breiter Nase und vollen Lippen, eine kleine, schmalh�ftige Frau, st�rker als die beiden anderen, die nicht viel �lter als Nynaeve aussah. Auf ihrem blassen Gesicht gl�nzte �liger Schwei�, und ihre dunklen Augen weiteten sich, wann immer ihr Blick auf eine Aes Sedai fiel. Elayne dachte, da� sie vielleicht bald erfahren w�rde, ob einem Menschen <emphasis>wirklich</emphasis> die Augen aus dem Kopf fallen konnten. Zumindest hatte Garenia aufgeh�rt zu jammern, was sie den ganzen Weg den H�gel hinauf getan hatte.</p><p>Tats�chlich w�ren vielleicht noch andere stark genug gewesen � m�glicherweise; die Schwesternschaft achtete nicht sehr darauf �, aber die letzten beiden waren vor drei Tagen fortgegangen. Niemand sonst auf dem Bauernhof kam ihnen auch nur ann�hernd nahe, weshalb Nynaeve noch immer angewidert war. Einer der Gr�nde. Der andere Grund bestand darin, da� Garenia als eine der ersten ohnm�chtig im Hof aufgefunden worden war. Und sie war die ersten beiden Male, als sie wieder zu sich kam, erneut ohnm�chtig geworden, sobald ihr Blick auf eine der Schwestern fiel. Da Nynaeve Nynaeve war, w�rde sie nat�rlich nicht zugeben, da� sie einfach Alise h�tte bitten sollen, die sich noch immer auf dem Bauernhof befand. Oder Alise h�tte sagen sollen, was sie suchte, bevor die Frau danach fragte. Nynaeve erwartete niemals, da� jemand oben von unten unterscheiden konnte. Au�er ihr selbst.</p><p>�Wir k�nnten jetzt schon fertig sein!� grollte Nynaeve. �Wir k�nnten abgeschlossen haben, was...� Sie zitterte fast unter der Anstrengung, die MeervolkFrauen nicht grimmig anzustarren, die sich nahe dem �stlichen Rand der Felsplatte versammelten. Renaile, die eindringlich gestikulierte, schien Anweisungen zu erteilen. Elayne h�tte viel darum gegeben, diese verstehen zu k�nnen.</p><p>Nynaeves finstere Blicke schlossen Merilille, Careane und Sareitha, welche die seidenumwickelte Schale noch immer fest umklammerte, gewi� mit ein. Adeleas und Vandene waren unten bei Ispan geblieben. Jene drei Schwestern standen schwatzend zusammen und achteten �berhaupt nicht auf Nynaeve, bis sie diese direkt ansprach, w�hrend Merililles Blick manchmal zu den Windsucherinnen schweifte, sich aber dann wieder losri�. Ihre heitere Maske verzerrte sich leicht, und sie leckte sich mit der Zungenspitze �ber die Lippen.</p><p>Hatte sie dort unten einen Fehler gemacht, als sie sie Geheilt hatte? Merilille hatte Vertr�ge ausgehandelt und bei Streitigkeiten zwischen Nationen vermittelt. Nur wenige in der Wei�en Burg waren besser darin als sie. Aber Elayne erinnerte sich, einmal eine Geschichte geh�rt zu haben, eine Art Witz �ber eine Domani-H�ndlerin, einen Lademeister des Meervolks und eine Aes Sedai. Nicht viele Menschen erz�hlten Witze �ber Aes Sedai. Es k�nnte gef�hrlich sein. Die H�ndlerin und der Lademeister fanden am Strand einen gew�hnlichen Felsen und verkauften ihn sich gegenseitig immer wieder, wobei sie jedesmal auf unbestimmte Weise einen Gewinn machten. Dann kam eine Aes Sedai vorbei. Die Domani �berzeugte die Aes Sedai davon, den schlichten Felsen f�r den doppelten Preis, den sie zuletzt bezahlt hatte, zu kaufen. Woraufhin der Atha'an Miere die Aes Sedai davon �berzeugte, <emphasis>denselben</emphasis> Felsen von ihm f�r noch einmal das Doppelte zu kaufen. Es war nur ein Witz, aber er verdeutlichte, was die Menschen glaubten. Vielleicht h�tten die �lteren Schwestern <emphasis>keinen</emphasis> besseren Vertrag mit dem Meervolk ausgehandelt.</p><p>Aviendha ging geradewegs zum Rand der Felswand, sobald sie den H�gelkamm erreicht hatten, und blieb dann dort nach Norden blickend regungslos wie eine Statue stehen. Kurz darauf erkannte Elayne, da� sie keineswegs die Aussicht bewunderte. Aviendha starrte lediglich vor sich hin. Elayne sammelte mit den drei <emphasis>Angrealen</emphasis> in H�nden ein wenig unbeholfen ihre R�cke und gesellte sich zu ihrer Freundin.</p><p>Die Felswand fiel in f�nfzig Fu� hohen Stufen zu den Olivenhainen hin <emphasis>ab,</emphasis> steile Reihen welligen grauen Gesteins, die bis auf einige wenige verdorrte B�sche kahl waren. Der Abgrund erschien nicht wirklich bedrohlich, aber es war doch etwas anderes, als von einem Baumwipfel zu Boden zu blicken. Seltsamerweise f�hlte Elayne sich ein wenig benommen, als sie hinabblickte. Aviendha schien nicht zu bemerken, da� sich der Rand der Felswand direkt unter ihren Zehen befand.</p><p>�Beunruhigt dich etwas?� fragte Elayne leise.</p><p>Aviendha blickte weiterhin in die Ferne. �Ich habe dich entt�uscht�, sagte sie schlie�lich. Ihre Stimme klang tonlos und leer. �Ich konnte das Wegetor nicht angemessen gestalten, und alle haben gesehen, wie ich dich besch�mt habe. Ich habe einen Diener f�r ein Schattenwesen gehalten und mich daraufhin t�richt verhalten. Die Atha'an Miere verachten mich und betrachten die Aes Sedai, als w�re ich deren Hund, der auf ihren Befehl bellt. Ich habe behauptet, ich k�nnte die Schattenl�uferin zum Reden bringen, aber keine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> darf Gefangene befragen, ehe sie zwanzig Jahre mit dem Speer verheiratet ist; sie darf nur dabei zusehen, ehe sie zehn Jahre mit dem Speer verheiratet ist. Ich bin schwach und verweichlicht, Elayne. Ich kann es nicht ertragen, dich weiterhin zu besch�men. Wenn ich dich erneut entt�usche, werde ich sterben.�</p><p>Elaynes Mund wurde trocken. Das klang zu sehr nach einem Versprechen. Sie ergriff fest Aviendhas Arm und zog sie vom Rand des Abgrunds zur�ck. Aiel konnten fast so seltsam sein, wie sie vom Meervolk beurteilt wurden. Sie glaubte nicht, da� Aviendha springen w�rde � nicht wirklich �, aber sie w�rde kein Risiko eingehen. Zumindest versuchte Aviendha sich ihr nicht zu widersetzen.</p><p>Alle �brigen schienen mit sich selbst oder miteinander besch�ftigt zu sein. Nynaeve hatte begonnen, zu den Atha'an Miere zu sprechen, beide H�nde fest um ihren Zopf geschlossen und das Gesicht von der Anstrengung, nicht zu schreien, beinahe so dunkel wie deren Gesichter, w�hrend sie ihr mit geringsch�tziger Anma�ung zuh�rten. Merilille und Sareitha bewachten noch immer die Schale, und Careane versuchte recht erfolglos, mit den Frauen der Schwesternschaft ins Gespr�ch zu kommen. Reanne antwortete ihr, wenn sie auch unbehaglich blinzelte und ihre Lippen benetzte, aber Kirstian stand zitternd und schweigend da, w�hrend Garenia die Augen fest zupre�te. Elayne sprach dennoch leise. Dies ging niemanden sonst etwas an.</p><p>�Du hast niemanden entt�uscht, mich am allerwenigsten, Aviendha. Nichts, was du jemals getan hast, hat mich <emphasis>besch�mt,</emphasis> und nichts, was du tun wirst, k�nnte mich jemals besch�men.� Aviendha sah sie zweifelnd an. �Und du bist ungef�hr so schwach und verweichlicht wie ein Fels.� Das mu�te das seltsamste Kompliment sein, das sie jemals jemandem gemacht hatte, und doch wirkte Aviendha aufrichtig erfreut. �Ich wette, da� sich selbst das Meervolk vor dir zu Tode �ngstigt.� Noch ein seltsames Kompliment, aber es lie� Aviendha l�cheln, wenn auch nur schwach. Elayne atmete tief durch. �Was Ispan betrifft...� Es gefiel ihr nicht, hier�ber auch nur nachzudenken. �Ich dachte ebenfalls, ich k�nnte tun, was n�tig ist, aber nur daran zu denken l��t meine H�nde schwitzen und meinen Magen rumoren. Ich w�rde es verderben, selbst wenn ich es versuchte. Das haben wir also gemeinsam.�</p><p>Aviendha vollf�hrte die Geste in der Zeichensprache der T�chter des Speers, die �du erstaunst mich� bedeutete. Sie hatte begonnen, Elayne einige Gesten der Zeichensprache beizubringen, obwohl sie sagte, es sei verboten. Anscheinend �nderte sich das bei N�chstschwestern, die noch mehr werden wollten. Aber nicht wirklich. Aviendha dachte anscheinend, ihre Erkl�rung sei vollkommen eindeutig gewesen. �Ich meinte nicht, da� ich es nicht kann�, sagte sie laut, �nur da� ich nicht wei�, wie ich es anstellen soll. Wahrscheinlich h�tte ich sie get�tet, wenn ich es versucht h�tte.� Pl�tzlich l�chelte sie st�rker und herzlicher als zuvor und ber�hrte leicht Elaynes Wange. �Wir haben beide unsere Schw�chen�, fl�sterte sie, �aber das ist keine Schande, solange nur wir beide davon wissen.�</p><p>�Nein�, sagte Elayne kraftlos. Sie wu�te einfach nicht <emphasis>wie</emphasis> �Nat�rlich nicht.� Diese Frau barg mehr �berraschungen als jeder fahrende S�nger. �Hier�, sagte sie und dr�ckte Aviendha die von ihrem Haar umh�llte Frauenfigur in die Hand. �Benutze sie im Kreis.� Es war nicht leicht, das <emphasis>Angreal</emphasis> aus der Hand zu geben. Sie hatte es selbst benutzen wollen, aber Aviendha, ihre Freundin, ihre N�chstschwester, ben�tigte trotz ihres L�chelns Ermunterung. Aviendha wandte die kleine Elfenbeinfigur in ihren H�nden um. Elayne konnte fast sehen, wie sie zu entscheiden versuchte, auf welchem Wege sie die Figur zur�ckgeben k�nnte. �Aviendha, du wei�t, wie es sich anf�hlt, wenn du soviel <emphasis>Saidar</emphasis> festh�ltst wie m�glich? Stell dir vor, doppelt soviel festzuhalten. Stell es dir <emphasis>wirklich</emphasis> vor. Ich m�chte, da� du sie benutzt. Einverstanden?�</p><p>Aiel zeigten vielleicht kaum Empfindungen, aber jetzt weiteten sich Aviendhas gr�ne Augen. Sie hatte bei ihrer Suche �ber <emphasis>Angreale</emphasis> gesprochen, aber sie hatte zuvor wahrscheinlich niemals daran gedacht, wie es w�re, eines zu benutzen. �Doppelt soviel�, murmelte sie. �Soviel festzuhalten. Das kann ich mir nicht einmal vorstellen. Dies ist ein sehr gro�es Geschenk, Elayne.� Sie ber�hrte erneut Elaynes Wange und dr�ckte ihre Fingerspitzen daran. Das war die Aiel-Entsprechung eines Kusses und einer Umarmung.</p><p>Was auch immer Nynaeve dem Meervolk zu sagen hatte, es dauerte nicht lange. Sie verlie� sie schon bald wieder, wobei sie heftig an ihren R�cken zerrte. Als sie sich Elayne n�herte, sah sie Aviendha und den Rand des Abgrunds gleicherma�en grimmig an. Normalerweise leugnete <emphasis>sie,</emphasis> da� sie nicht schwindelfrei war, aber nun achtete sie darauf, da� die beiden anderen Frauen zwischen ihr und dem Abgrund blieben. �Ich mu� mit dir reden�, murrte sie und f�hrte Elayne ein kleines St�ck auf dem H�gelkamm entlang und weiter vom Rand fort. Nur ein kleines St�ck, aber weit genug von allen anderen entfernt, so da� niemand sie belauschen konnte. Sie atmete mehrere Male tief durch, bevor sie leise zu sprechen begann, wobei sie Elayne nicht ansah.</p><p>�Ich ... ich habe mich wie eine N�rrin benommen. Daran ist dieser verdammte Mann schuld! Wenn er nicht bei mir ist, kann ich an kaum etwas anderes denken, und wenn er da ist, kann ich �berhaupt nicht denken! Du ... du mu�t mir sagen, wenn ich ... wenn ich mich t�richt verhalte. Ich verlasse mich auf dich, Elayne.� Sie sprach weiterhin leise, aber ihr Tonfall wurde fast klagend. �Ich kann es mir nicht leisten, meinen Verstand wegen eines Mannes zu verlieren, nicht jetzt.�</p><p>Elayne war so erschrocken, da� sie einen Moment nichts sagen konnte. Nynaeve gab zu, t�richt gewesen zu sein? Sie h�tte beinahe nachgesehen, ob die Sonne gr�n geworden war! �Es ist nicht Lans Fehler, und das wei�t du, Nynaeve�, sagte sie schlie�lich. Sie verdr�ngte die Erinnerungen an ihre eigenen, k�rzlich gehegten Gedanken an Rand. Dies war nicht dasselbe. Doch die Gelegenheit war ein Geschenk des Lichts. Morgen w�rde Nynaeve sie wahrscheinlich ohrfeigen, wenn sie behauptete, Nynaeve sei t�richt. �Beherrsche dich, Nynaeve. H�r auf, dich wie ein albernes Kind zu verhalten.� Bestimmt keine Gedanken an Rand! <emphasis>Sie</emphasis> hatte Rand nicht <emphasis>so</emphasis> sehr angehimmelt! �Du bist eine Aes Sedai, und du sollst uns anf�hren. Anf�hren! Und nachdenken!�</p><p>Nynaeve faltete die H�nde �ber der Taille und lie� den Kopf h�ngen. �Ich werde es versuchen�, murmelte sie. �Ich werde es wirklich versuchen. Aber du wei�t nicht, wie das ist. Ich ... es tut mir leid.�</p><p>Elayne h�tte fast ihre Zunge verschluckt. Nynaeve <emphasis>entschuldigte</emphasis> sich noch zus�tzlich? Nynaeve war <emphasis>besch�mt?</emphasis> Vielleicht war sie krank?</p><p>Es hielt nat�rlich nicht an. Nynaeve betrachtete pl�tzlich stirnrunzelnd das <emphasis>Angreal</emphasis> und r�usperte sich. �Du hast Aviendha eines gegeben, nicht wahr?� fragte sie mit Nachdruck. �Nun, sie ist gewi� vertrauensw�rdig. Schade, da� wir dem Meervolk eines �berlassen m�ssen. Ich wette, da� sie anschlie�end versuchen werden, es zu behalten! Nun, sollen sie es versuchen! Welches ist meines?�</p><p>Elayne reichte ihr seufzend das Armband mit den damit verbundenen Ringen, und Nynaeve schritt davon, w�hrend sie das Schmuckst�ck an ihre linke Hand anlegte und allen Frauen laut zurief, sie sollten ihre Pl�tze einnehmen. Manchmal war es schwer, die Anf�hrerin Nynaeve von der Tyrannin Nynaeve zu unterscheiden. Zumindest, solange sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> anf�hrte.</p><p>Die Schale der Winde stand inmitten der Felsplatte auf ihrer abgewickelten wei�en Umh�llung, eine nahezu flache, schwere Scheibe aus reinem Kristall von zwei Fu� Durchmesser, auf deren Innenseite dicht umherwirbelnde Wolken eingearbeitet waren. Ein reich verziertes St�ck und doch schlicht, wenn man bedachte, was sie � hoffentlich � zu bewirken vermochte. Nynaeve nahm ihren Platz in der N�he der Schale ein, das <emphasis>Angreal</emphasis> um ihr Handgelenk geschlossen. Sie bewegte die Hand und wirkte �berrascht, da� die Ketten ihr anscheinend kein Unbehagen bereiteten. Das <emphasis>Angreal</emphasis> schien wie f�r sie gemacht. Die drei Frauen der Schwesternschaft waren bereits da, Kirstian und Garenia hinter Reanne zusammengedr�ngt und anscheinend ver�ngstigter denn je, wenn das noch m�glich war. Die Windsucherinnen standen fast zwanzig Schritte entfernt hinter Renaile aufgereiht.</p><p>Elayne raffte ihre geteilten R�cke, trat zu Aviendha, die nahe der Schale stand, und betrachtete das Meervolk mi�trauisch. Beabsichtigten sie, ein Aufhebens zu machen? Genau das hatte sie bef�rchtet, seit das erste Mal erw�hnt wurde, da� sich Frauen auf dem Bauernhof bef�nden, die vielleicht ausreichend stark waren, sich der Verbindung anzuschlie�en. Die Atha'an Miere beharrten so auf ihren R�ngen, da� es die Wei�e Burg besch�mte, und Garenias Anwesenheit bedeutete, da� Renaile din Calon Blauer Stern, Windsucherin der Herrin der Schiffe der Atha'an Miere, nicht Teil des Kreises sein w�rde. Nicht sein sollte.</p><p>Renaile betrachtete forschend die Frauen um die Schale. Sie schien sie abzusch�tzen, ihre F�higkeiten zu beurteilen. �Talaan din Gelyn�, rief sie pl�tzlich barsch, �nehmt Euren Platz ein!� Es klang wie ein Peitschenhieb! Sogar Nynaeve zuckte zusammen.</p><p>Talaan verbeugte sich tief, ber�hrte ihre Brust und lief dann zu der Schale. Sobald sie sich bewegte, rief Renaile erneut barsch: �Metarra din Junalle, nehmt Euren Platz ein!� Metarra, rundlich, aber doch kr�ftig, eilte hinter Talaan her. Beide waren noch zu jung, um sich den vom Meervolk sogenannten �Salznamen� verdient zu haben.</p><p>Einmal begonnen, ratterte Renaile alle Namen rasch herunter; sie setzte auch Rainyn und die beiden anderen Windsucherinnen in Bewegung, die alle schnell reagierten, wenn auch nicht so hastig wie die Neulinge. Der Anzahl ihrer Medaillons nach zu urteilen, standen Naime und Rysael rangm��ig h�her als Rainyn, w�rdevolle Frauen mit einer ruhigen Befehlshaltung, aber merklich schw�cher im Gebrauch der Macht. Dann hielt Renaile nur einen Herzschlag lang inne, und doch stach dieser Moment aus der raschen Aufz�hlung hervor. �Tebreille din Gelyn S�dwind, nehmt Euren Platz ein! Caire din Gelyn Flie�ende Woge, �bernehmt das Kommando!�</p><p>Elayne empfand einen Moment der Erleichterung, da� Renaile nicht auch sie selbst genannt hatte, aber dieser Moment dauerte nur so lange, wie Renailes Innehalten gedauert hatte. Tebreille und Caire wechselten einen Blick, Tebreille grimmig und Caire selbstgef�llig, bevor sie zur Schale traten. Acht Ohrringe und eine Vielzahl von einander �berlappenden Medaillons wiesen die Windsucherinnen als Wogenherrinnen der Clans aus. Allein Renaile stand �ber ihnen. Nur Dorile unter den auf der Felsplatte befindlichen Meervolk-Leuten kam ihnen gleich. In mit Brokat versehene gelbe Seide geh�llt, war Caire ein wenig gr��er. Tebreille, in ebenfalls mit Brokat verbr�mter gr�ner Seide, hatte das etwas strengere Gesicht, aber beide waren �beraus h�bsche Frauen, und man mu�te nicht ihre Namen wissen, um zu erkennen, da� sie blutsverwandt waren. Sie hatten dieselben gro�en, fast schwarzen Augen, dieselbe gerade Nase, das gleiche kr�ftige Kinn. Caire deutete schweigend auf den Platz zu ihrer Rechten. Tebreille sagte ebenfalls nichts; noch z�gerte sie, den ihr von ihrer Schwester angewiesenen Platz einzunehmen, aber ihr Gesicht war starr. Mit ihr umgab jetzt ein Kreis von dreizehn Frauen fast Schulter an Schulter die Schale. Caires Augen funkelten beinahe. Tebreilles Augen wirkten tr�b. Elayne wurde an ein weiteres Sprichwort Linis erinnert. <emphasis>Kein Dolch ist sch�rfer als der Ha� einer Schwester.</emphasis></p><p>Caire sah sich in dem Kreis der Frauen um die Schale um, der noch kein geschlossener Kreis war, als versuche sie, sich jedes Gesicht zu merken. Elayne kam zu sich, �bergab Talaan hastig das letzte <emphasis>Angreal,</emphasis> die kleine Elfenbeinschildkr�te, und erkl�rte, wie es benutzt wurde. Die Erkl�rung war einfach, und doch konnte jedermann, der es ohne Erkl�rung zu benutzen versuchte, Stunden damit vergeuden. Sie konnte jedoch keine f�nf Worte �u�ern.</p><p>�Ruhe!� br�llte Caire. Die t�towierten F�uste in die H�ften gestemmt und die blo�en F��e auseinander stehend, h�tte sie an Deck eines in die Schlacht segelnden Schiffes geh�rt. �Niemand hier wird ohne meine Erlaubnis sprechen. Talaan, Ihr erstattet sofort Bericht, wenn Ihr auf Euer Schiff zur�ckgekehrt seid.� Nichts an Caires Tonfall lie� vermuten, da� sie zu ihrer eigenen Tochter sprach. Talaan verbeugte sich tief, ber�hrte ihre Brust und murmelte etwas Unh�rbares. Caire schnaubte ver�chtlich � sie funkelte Elayne auf eine Art und Weise an, die ihren Wunsch vermuten lie�, sie k�nnte sie auch zur Berichterstattung verpflichten �, bevor sie mit einer Stimme fortfuhr, die man sicherlich noch am Fu�e des H�gels h�ren konnte. �Heute werden wir tun, was seit der Zerst�rung der Welt nicht mehr getan worden ist, als unsere Vorfahren gegen die entfesselte Natur gek�mpft haben. Sie haben durch die Schale der Winde und die Gnade des Lichts �berlebt. Heute werden wir die Schale der Winde benutzen, die uns mehr als zweitausend Jahre lang verloren war und uns jetzt zur�ckgegeben wurde. Ich habe das alte Wissen studiert, die Aufzeichnungen aus der Zeit, als unsere Vorfahren zum erstemal das Meer und das Weben der Winde kennenlernten und unserem Blut das Salz zugef�hrt wurde. Ich wei� alles, was �ber die Schale der Winde bekannt ist, mehr als jede andere.� Sie blickte zu ihrer Schwester, ein zufriedener Blick, den Tebreille ignorierte, was Caire noch mehr zufriedenzustellen schien. �Ich werde, wenn es dem Licht gef�llt, heute tun, wozu die Aes Sedai nicht imstande sind. Ich erwarte, da� Ihr alle bis zuletzt standhaltet. Ich werde kein Versagen dulden.�</p><p>Die �brigen Atha'an Miere hatten diese Ansprache anscheinend erwartet und fanden sie angemessen, aber die Frauen der Schwesternschaft sahen Caire erstaunt an. Elaynes Ansicht nach war Anma�ung nicht ann�hernd die richtige Bezeichnung. Caire erwartete allen Ernstes, <emphasis>da�</emphasis> es dem Licht gefiele, und es <emphasis>ihr</emphasis> zutiefst mi�fallen w�rde, wenn dem nicht so w�re! Nynaeve blickte gen Himmel und �ffnete den Mund. Caire kam ihr zuvor. �Nynaeve�, verk�ndete die Windsucherin laut, �Ihr werdet jetzt Eure F�higkeit im Verbinden unter Beweis stellen. Macht Euch an die Arbeit, Frau, schnell!�</p><p>Nynaeve schlo� fest die Augen. Ihr Mund ... verzerrte sich. Sie wirkte, als st�nde sie vor einem Zusammenbruch. �Vermutlich bedeutet das, da� ich die <emphasis>Erlaubnis</emphasis> zu sprechen habe!� murmelte sie �gl�cklicherweise zu leise, als da� Caire auf der anderen Seite des Kreises es h�tte h�ren k�nnen. Sie �ffnete die Augen wieder und setzte ein schwaches L�cheln auf, das sich auf grausige Weise von ihrem �brigen Gesichtsausdruck unterschied. Sie war das pure Unbehagen.</p><p>�Als erstes mu� die Wahre Quelle umarmt werden, Caire.� Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> schien pl�tzlich hell um Nynaeve. Elayne sp�rte, da� sie das <emphasis>Angreal</emphasis> in ihrer Hand bereits benutzte. �Ihr wi�t vermutlich, wie man dies tun mu�.� Nynaeve ignorierte, da� Caire j�h die Lippen zusammenpre�te, und fuhr fort. �Elayne wird mir jetzt bei der <emphasis>Demonstration</emphasis> helfen. Wenn wir Eure <emphasis>Erlaubnis</emphasis> haben?�</p><p>�Ich bereite mich darauf vor, die Quelle zu umarmen�, warf Elayne schnell ein, bevor Caire sie unterbrechen konnte, �aber ich umarme sie noch nicht wirklich.� Sie hielt inne; die Windsucherinnen beugten sich vor und beobachteten sie, obwohl in Wirklichkeit noch nichts zu sehen war. Selbst Kirstian und Garenia verga�en ihre Angst soweit, da� sie Interesse zeigten. �W�hrend ich in diesem Stadium verharre, vollf�hrt Nynaeve den Rest.�</p><p>�Jetzt werde ich mich nach ihr ausstrecken...� Nynaeve hielt inne und sah Talaan an. Elayne hatte keine Gelegenheit gehabt, ihr etwas Wesentliches zu sagen. �Es ist genauso wie mit dem <emphasis>Angreal�,</emphasis> sagte Nynaeve an den schlanken Neuling gewandt. Caire grollte, und Talaan versuchte, Nynaeve mit gesenktem Kopf zu beobachten. �Ihr �ffnet Euch <emphasis>durch</emphasis> ein <emphasis>Angreal</emphasis> zur Quelle, genauso wie ich mich durch Elayne zur Quelle �ffnen werde. Als wolltet Ihr das <emphasis>Angreal</emphasis> und die Quelle gleichzeitig umarmen. Es ist wirklich nicht sehr schwer. Seht gut zu, und Ihr werdet es erkennen. Wenn Ihr bereit seid, Euch in den Kreis einzubringen, dann tretet einfach hinzu. Auf diese Weise werde ich die Quelle, wenn ich sie durch Euch umarme, auch durch das <emphasis>Angreal</emphasis> umarmen.�</p><p>Ob Konzentration oder nicht � Schwei�perlen traten auf Elaynes Stirn. Die Hitze hatte nichts damit zu tun. Die Wahre Quelle lockte. Sie pulsierte, und Elayne pulsierte mit ihr. Sie forderte. Je l�nger sie eine Haaresbreite von der Ber�hrung der Macht trennte, desto st�rker w�rden das Verlangen und die Notwendigkeit. Sie begann leicht zu zittern. Vandene hatte ihr gesagt, da� die Erwartung um so schlimmer wurde, je l�nger man die Macht lenkte.</p><p>�Achtet auf Aviendha�, wies Nynaeve Talaan an. �Sie wei�, wie man...� Sie gewahrte Elaynes Gesicht und stie� hastig hervor: �Achtet darauf!�</p><p>Es war nicht genau das gleiche, als wenn man ein <emphasis>Angreal</emphasis> benutzte, wenn es dem auch sehr nahe kam. Es war auch nicht vorgesehen, es eilig zu tun. Nynaeves Ber�hrung war, milde ausgedr�ckt, nicht sanft. Elayne f�hlte sich, als w�rde sie gesch�ttelt. Physisch geschah nichts, aber in ihrem Kopf sprang sie scheinbar umher und st�rzte dann einen steilen Hang hinab. Schlimmer noch, sie wurde mit qu�lender Langsamkeit auf die Umarmung <emphasis>Saidars</emphasis> zu gedr�ngt. Es dauerte k�rzer als einen Herzschlag und schien doch Stunden, Tage zu dauern. Sie wollte schreien, aber sie konnte nicht atmen. Dann flo� die Eine Macht j�h durch sie hindurch, wie ein berstender Damm, ein Ansturm von Leben und Freude, von Entz�cken, und der Atem wich in langen Z�gen des Vergn�gens und einer solch gro�en Erleichterung aus ihr, da� ihre Beine zitterten. Sie konnte nur m�hsam ein Keuchen unterdr�cken. Sie zog sich taumelnd hoch und sah Nynaeve finster an, und Nynaeve zuckte entschuldigend die Achseln. Zweimal an einem Tag! Die Sonne <emphasis>mu�te</emphasis> gr�n werden.</p><p>�Ich kontrolliere jetzt ihren wie auch meinen Strom <emphasis>Saidar�,</emphasis> fuhr Nynaeve fort, ohne Elaynes Blick wirklich zu begegnen, �und werde es weiterhin tun, bis ich Elayne loslasse. Bef�rchtet nun nicht, da� derjenige, der den Kreis anf�hrt�, sie warf Caire einen finsteren Blick zu und schnaubte, �Euch dazu bringen kann, zuviel Macht heranzuziehen. Dies ist einem <emphasis>Angreal</emphasis> sehr �hnlich. Das <emphasis>Angreal</emphasis> f�ngt zus�tzliche Macht vor Euch ab, und ungef�hr auf die gleiche Weise k�nnt Ihr in einem Kreis nicht dazu gebracht werden, zuviel Macht heranzuziehen. Tats�chlich k�nnt Ihr in einem Kreis nicht ganz soviel Macht heranziehen wie son...�</p><p>�Das ist gef�hrlich!� unterbrach Renaile sie und dr�ngte sich grob zwischen Caire und Tebreille hindurch. Ihr finsterer Blick schlo� auch Nynaeve, Elayne und die Schwestern, die abseits vom Kreis standen, mit ein. �Ihr sagt, da� eine Frau eine andere einfach ergreifen, gefangenhalten, benutzen kann? Wie lange wi�t Ihr Aes Sedai das schon? Ich warne Euch � wenn Ihr es bei einer von uns anzuwenden versucht...� Jetzt wurde sie unterbrochen.</p><p>�So geht das nicht, Renaile.� Sareitha ber�hrte Garenia, und sie und Kirstian stoben auseinander, um ihr Platz zu machen. Die junge Braune sah Nynaeve unsicher an, faltete dann die H�nde und nahm einen belehrenden Tonfall an, als spr�che sie zu einer Schulklasse. Damit kehrte auch ihre Haltung zur�ck. Vielleicht sah sie Renaile in diesem Moment tats�chlich als Sch�lerin an. �Die Burg hat dies viele Jahre lang, schon lange vor den Trolloc-Kriegen, studiert. Ich habe jede Seite gelesen, die von jener Forschung in der Burg-Bibliothek �berdauert hat. Es wurde �berzeugend bewiesen, da� sich eine Frau nicht gegen den Willen einer anderen Frau mit ihr verbinden kann. Es kann einfach nicht geschehen. In diesem Fall passiert nichts. Bereitwillige Hingabe ist notwendig, genau wie das eigene Umarmen <emphasis>Saidars.�</emphasis> Sie klang vollkommen �berzeugt, aber Renaile runzelte noch immer die Stirn. Zu viele Menschen wu�ten, wie Aes Sedai den Eid, der das L�gen verbot, umgehen konnten.</p><p>�Und warum hat die Burg es erforscht?� fragte Renaile. �Warum war die Wei�e Burg daran so interessiert? Vielleicht forscht Ihr Aes Sedai noch immer daran?�</p><p>�Das ist l�cherlich.� Sareithas Stimme klang ver�rgert. �Wenn Ihr es wissen wollt, hat die Auseinandersetzung mit M�nnern, die die Macht lenken k�nnen, sie dazu gef�hrt. Die Zerst�rung der Welt war damals f�r einige noch eine lebendige Erinnerung. Vermutlich erinnern sich nicht mehr sehr viele Schwestern daran � es geh�rte nicht zu der notwendigen Unterweisung seit der Zeit vor den Trolloc-Kriegen �, aber M�nner k�nnen auch in den Kreis mit eingebracht werden, und da der Kreis nicht bricht, selbst wenn man schl�ft... Nun, Ihr k�nnt die Vorteile erkennen. Das war leider ein grundlegendes Vers�umnis. Um wieder auf uns zur�ckzukommen, behaupte ich erneut, da� es unm�glich ist, eine Frau in einen Kreis zu zwingen. Wenn Ihr meine Worte anzweifelt, versucht es selbst. Ihr werdet es sehen.�</p><p>Renaile nickte und akzeptierte damit letzteres. Man konnte nur wenig mehr tun, wenn eine Aes Sedai eine einfache Tatsache feststellte. Und doch fragte sich Elayne: Was stand auf jenen Seiten, welche die Zeit nicht �berdauert hatten? Sie hatte in einem Moment eine leichte Ver�nderung an Sareithas Tonfall bemerkt. Sie hatte Fragen. Sp�ter, wenn weniger Zuh�rer dabei waren.</p><p>Als sich Renaile und Sareitha zur�ckzogen, zupfte Nynaeve ihre geteilten R�cke zurecht; durch die Unterbrechung eindeutig irritiert, �ffnete sie erneut den Mund.</p><p>�Fahrt mit Eurer Demonstration fort, Nynaeve�, befahl Caire barsch. Ihr dunkles Gesicht war vielleicht so unbewegt wie die Oberfl�che eines zugefrorenen Teichs, aber sie war ebenfalls nicht sehr erfreut.</p><p>Nynaeve bewegte bereits die Lippen, bevor ein Laut hervordrang, und als sie sprach, geschah es eilig, als bef�rchte sie, da� sie wom�glich abermals unterbrochen w�rde.</p><p>Der n�chste Teil der Lektion bestand darin, die Kontrolle �ber den Kreis weiterzugeben. Das mu�te gleichfalls freiwillig geschehen, und selbst als sich Elayne zu Nynaeve ausstreckte, hielt sie den Atem an, bis sie die kaum merkliche Ver�nderung sp�rte, die bedeutete, da� jetzt sie die in sie hineinflie�ende Macht kontrollierte. Und jene, die in Nynaeve hineinflo�, nat�rlich ebenfalls. Sie war sich nicht sicher gewesen, da� es funktionieren w�rde. Nynaeve konnte m�helos einen Kreis bilden, wenn auch nicht sehr geschickt, aber die F�hrung weiterzugeben, schlo� auch eine Art Verzicht mit ein. Nynaeve hatte normalerweise <emphasis>erhebliche</emphasis> Schwierigkeiten damit, Kontrolle abzugeben oder in einen Kreis eingebracht zu werden, genauso wie es ihr einst schwergefallen war, sich <emphasis>Saidar</emphasis> zu �berlassen. Dies war auch der Grund daf�r, warum Elayne im Moment die F�hrung beibehielt. Sie w�rde an Caire weitergegeben werden m�ssen, und Nynaeve schaffte es vielleicht nicht, sie zweimal loszulassen. Die Entschuldigungen mu�ten f�r sie weitaus leichter gewesen sein.</p><p>Elayne verband sich als n�chstes mit Aviendha, damit Talaan tats�chlich erkennen konnte, wie dies mit einem <emphasis>Angreal</emphasis> geschah, soweit man es �berhaupt sehen konnte, und es funktionierte einwandfrei. Aviendha lernte sehr schnell und verschmolz auf Anhieb mit der Verbindung. Talaan lernte ebenfalls schnell, wie sich herausstellte, und f�gte ohne Z�gern ihren noch st�rkeren, durch das <emphasis>Angreal</emphasis> heraufbeschworenen Machtstrom hinzu. Elayne f�hrte die Frauen eine nach der anderen in den Kreis, und sie selbst erschauderte beinahe unter dem gewaltigen Strom der Macht, die in sie hineinstr�mte. Niemand zog bisher auch nur ann�hernd soviel Macht heran wie sie selbst, aber die Machtstr�me summierten sich, besonders wenn ein <emphasis>Angreal</emphasis> im Spiel war. Elaynes Wahrnehmung steigerte sich mit jeder zus�tzlichen Menge <emphasis>Saidar.</emphasis> Sie konnte die schweren D�fte in den durchbrochenen goldenen Dosen riechen, welche die Windsucherinnen um den Hals trugen, und sie voneinander unterscheiden. Sie konnte jede Falte und jede Naht an jedermanns Kleidung genauso deutlich ausmachen, als w�rde sie ihre Nase auf den Stoff pressen, wenn nicht noch deutlicher. Sie war sich der geringsten Luftbewegung auf ihrer Haut und in ihrem Haar bewu�t, Liebkosungen, die sie ohne die Macht niemals wahrgenommen h�tte.</p><p>Aber ihre Wahrnehmung beschr�nkte sich nat�rlich nicht nur darauf. Die Verbindung �hnelte in gewisser Weise dem Bund mit einem Beh�ter, war ebenso intensiv und irgendwie noch inniger. Sie wu�te, da� eine kleine Blase vom Aufstieg auf den H�gel an Nynaeves rechter Ferse ihr leichte Schmerzen verursachte. Nynaeve sprach stets von robustem Schuhwerk, aber sie hatte eine Schw�che f�r leichte Schuhe mit viel Stickerei. Nynaeve sah Caire finster an, die Arme verschr�nkt, die Hand, die das <emphasis>Angreal</emphasis> hielt, spielte mit dem �ber ihre rechte Schulter gezogenen Zopf, ganz starr, und doch brodelte in ihrem Inneren ein Mahlstrom von Gef�hlen. Angst, Sorge, Vorahnung, Ver�rgerung, Wachsamkeit und Ungeduld vermischten sich, und durch all das hindurch und manchmal �berlagernd drohten W�rmewellen und Hitzewogen zu entflammen. Nynaeve unterdr�ckte letztere rasch, besonders die Hitze, aber sie kehrten stets zur�ck. Elayne glaubte, sie fast erkennen zu k�nnen, aber es war wie etwas, das man nur aus dem Augenwinkel sah und fort war, wenn man den Kopf wandte.</p><p>�berraschenderweise empfand auch Aviendha Angst, aber nur wenig und gut beherrscht, ansonsten aber war sie von Entschlossenheit erf�llt. Garenia und Kirstian, die sichtbar zitterten, waren reinem Entsetzen nahe in einem Ma�e, da� es verwunderte, da� sie die Quelle auch nur ann�hernd hatten umarmen k�nnen. Reanne war bis zum �berflu� von Eifer erf�llt, auch wenn sie ihre R�cke gl�ttete. Und was die Atha'an Miere betraf... Selbst Tebreille strahlte wachsame Vorsicht aus, und Metarras und Rainyns umherschwirrende Blicke waren nicht n�tig, um erkennen zu k�nnen, da� ihre Aufmerksamkeit Caire galt, die sie alle ungeduldig und herrisch beobachtete.</p><p>Elayne hatte sich Caire bis zuletzt aufgespart, und es �berraschte sie nicht, da� sie vier Versuche � vier! �ben�tigte, um die Frau in den Kreis einzubringen. Caire war ebenso unnachgiebig wie Nynaeve. Elayne hoffte verzweifelt, da� die Frau aufgrund ihrer F�higkeiten und nicht aufgrund ihres Ranges ausgew�hlt worden war.</p><p>�Ich werde den Kreis jetzt Euch �bergeben�, belehrte sie die Windsucherin, als es schlie�lich vollbracht war. �Wenn Ihr Euch in Erinnerung ruft, was ich mit Nynaeve getan ha...� Die Worte blieben ihr j�h in der Kehle stecken, als ihr die F�hrung des Kreises entrissen wurde, ein Gef�hl, als h�tte sie ein pl�tzlicher Windsto� durcheinandergebracht. Sie atmete heftig aus, und es klang fast wie Ausspeien. Nun, dann sollte es wohl so sein.</p><p>�Gut�, sagte Caire und rieb sich die H�nde. �Gut.� Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Schale und wandte den Kopf hierhin und dorthin, w�hrend sie das Artefakt betrachtete. Nun, vielleicht nicht ihre ganze Aufmerksamkeit. Reanne wollte sich gerade hinsetzen, als Caire ohne aufzublicken fauchte: �Behaltet Euren Platz bei, Frau! Dies ist kein Spa�! Bleibt stehen, bis man Euch befiehlt, Euch zu r�hren!�</p><p>Reanne sprang best�rzt wieder auf und murrte leise, aber Caire schenkte ihr keinerlei Beachtung mehr. Der Blick der Windsucherin blieb auf die flache Kristallform gerichtet. Elayne sp�rte ausreichend gro�e Entschlossenheit, einen Berg zu versetzen. Und noch etwas anderes, schwach und rasch wieder unterdr�ckt. Unsicherheit. Unsicherheit? Wenn die Frau nach alledem in Wahrheit nicht wu�te, was zu tun war...</p><p>In diesem Moment streckte sich Caire weit aus. <emphasis>Saidar</emphasis> durchstr�mte Elayne, fast soviel, wie sie festhalten konnte. Ein ungebrochener Lichtring sprang auf, schlo� sich den Frauen im Kreis <emphasis>an,</emphasis> wurde heller, wann immer eine der Frauen ein <emphasis>Angreal</emphasis> benutzte, war aber auch ohne diese niemals schwach. Sie beobachtete genau, wie Caire die Macht lenkte, ein kompliziertes Gewebe aus allen f�nf M�chten gestaltet, ein vierflammiger Stern, den sie mit, wie Elayne anerkennend bemerkte, gro�artiger Pr�zision auf die Schale legte. Der Stern ber�hrte die Schale, und Elayne keuchte. Sie hatte einst mit der Macht ein Rinnsal in die Schale gelenkt � in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> um sich zu vergewissern, und nur in ein Spiegelbild der Schale, obwohl das noch immer gef�hrlich war �, und dieses klare Kristall war hellblau geworden, und die eingearbeiteten Wolken hatten sich bewegt. Jetzt war die Schale der Winde tiefblau, das strahlende Blau eines Sommerhimmels, und weiche, wei�e Wolken wogten dar�ber.</p><p>Der vierflammige Stern wurde f�nfflammig, die Zusammensetzung des Gewebes ver�nderte sich leicht, und die Schale war jetzt ein gr�nes Meer mit hoch aufsteigenden Wogen. Der f�nfflammige Stern wurde sechsflammig, und es war ein anderer Himmel zu sehen, ein anderes Blau, dunkler, vielleicht wie im Winter, mit vor Regen oder Schnee schweren purpurfarbenen Wolken. Der sechsflammige Stern wurde siebenflammig, und ein graugr�nes Meer tobte im Sturm. Achtflammiger Stern und Himmel. Neunflammiger Stern und Meer, und pl�tzlich sp�rte Elayne, wie die Schale selbst <emphasis>Saidar</emphasis> heranzog, ein wilder und weitaus st�rkerer Strom, als der ganze Kreis zusammen h�tte heraufbeschw�ren k�nnen.</p><p>Die Ver�nderungen in der Sch�le hielten unvermindert an, von Meer zu Himmel, von Wogen zu Wolken, aber dann scho� eine gewundene, verflochtene S�ule <emphasis>Saidar</emphasis> von der flachen Kristallscheibe empor, Feuer und Luft, Wasser und Erde und Geist, eine S�ule so breit wie die Schale scho� immer h�her in den Himmel hinein, bis ihre Spitze au�er Sicht geriet. Caire f�hrte ihr Gewebe fort w�hrend Schwei� ihr Gesicht hinabstr�mte. Sie hielt anscheinend nur inne, um salzige Tropfen von ihren Augen fortzublinzeln, w�hrend sie die Bilder in der Schale pr�fte, und gestaltete dann ein neues Gewebe. Das Flechtmuster der dicken S�ule ver�nderte sich mit jedem neuen Gewebe, spiegelte fl�chtig wieder, was Caire wob.</p><p>Elayne erkannte, da� es eine weise Entscheidung gewesen war, da� sie die Str�me f�r diesen Kreis nicht hatte verweben wollen. Was die Frau tat, erforderte weit mehr <emphasis>Jahre</emphasis> des Studiums, als sie selbst bisher absolviert hatte. Viele weitere Jahre. Und pl�tzlich erkannte sie noch etwas anderes. Diese sich st�ndig ver�ndernde Spitze <emphasis>Saidars</emphasis> wand sich noch um etwas Zus�tzliches, etwas Unsichtbares, das der S�ule Festigkeit verlieh. Sie schluckte schwer. Die Schale zog sowohl <emphasis>Saidar</emphasis> als auch <emphasis>Saidin</emphasis> heran.</p><p>Ihre Hoffnung, da� niemand sonst es herausgefunden h�tte, schwand mit einem Blick auf die anderen Frauen. Die H�lfte von ihnen betrachtete die sich drehende S�ule mit einem Abscheu, der dem Dunklen K�nig h�tte vorbehalten bleiben sollen. Die Angst wurde unter den in ihren K�pfen vorhandenen Empfindungen st�rker. Einige kamen Garenia und Kirstian nahe, und es war ein Wunder, da� diese beiden noch nicht wieder in Ohnmacht gefallen waren. Nynaeve stand kurz davor, sich zu �bergeben, auch wenn ihr Gesicht vollkommen ausdruckslos war. Aviendha schien �u�erlich ebenso ruhig, aber innerlich bebte und pulsierte ihre kleine Angst und versuchte anzuwachsen.</p><p>Caire strahlte nur Entschlossenheit aus, ebenso stahlhart wie ihre Miene. Nichts w�rde Caire in den Weg treten, gewi� nicht die blo�e Gegenwart des mit ihrem Gewebe vermischten, schattenbefleckten <emphasis>Saidins.</emphasis> Nichts w�rde sie aufhalten. Sie lenkte die Str�me, und pl�tzlich sprangen Spinnweben <emphasis>Saidar</emphasis> von der unsichtbaren Spitze der S�ule auf wie ungleichm��ige Speichen eines Rads, s�dlich fast ein stabiler F�cher und sich nach Norden und Nordwesten ausstreckende sp�rlichere F�cher, sowie einzelne spitzenartige Speichen, die sich in andere Richtungen ausstreckten. Sie ver�nderten sich, w�hrend sie anwuchsen, waren von einem Moment zum n�chsten nicht mehr dieselben und breiteten sich weiter und weiter �ber den Himmel aus, bis die Enden dieses Musters ebenfalls au�er Sicht gerieten. Elayne war sich sicher, da� nicht nur <emphasis>Saidar</emphasis> im Spiel war. An manchen Stellen schlo� und wand sich das Spinnengewebe um etwas, das sie nicht sehen konnte. Caire wob unverdrossen, und die S�ule tanzte nach ihren Befehlen, <emphasis>Saidar</emphasis> und <emphasis>Saidin</emphasis> zusammen, und das Spinnengewebe ver�nderte sich und schwebte wie ein schillerndes Kaleidoskop, das am Himmel entlang wirbelte und immer weiter in der Ferne verschwand.</p><p>Dann richtete sich Caire ohne Vorwarnung auf, rieb sich den R�cken und lie� die Quelle vollkommen los. S�ule und Spinnengewebe verschwanden. Caire brach halbwegs zusammen und atmete schwer. Die Schale wurde wieder klar, aber kleine Flecken <emphasis>Saidar</emphasis> blitzten und knisterten noch um ihren Rand auf. �Es ist getan, wenn das Licht es will�, sagte sie ersch�pft.</p><p>Elayne h�rte sie kaum. So sollte ein Kreis <emphasis>nicht</emphasis> beendet werden. Als Caire auf diese Weise loslie�, wich die Macht aus allen Frauen gleichzeitig. Elayne �ffnete ruckartig die Augen. Es war einen Moment so, als st�nde sie auf dem h�chsten Turm der Erde � und pl�tzlich war der Turm nicht mehr da! Nur ein Moment, aber kaum ein erfreulicher. Sie f�hlte sich ersch�pft, wenn auch nicht ann�hernd so, wie sie sich gef�hlt h�tte, wenn sie etwas anderes getan h�tte, als nur als Kanal zu dienen. Aber ein Verlustgef�hl herrschte vor. <emphasis>Saidar</emphasis> loszulassen war schon schlimm genug. Es einfach aus sich schwinden zu sp�ren war unvorstellbar schlimm.</p><p>Andere litten weitaus schwerer darunter als sie. Als das Schimmern verbla�te, das den Kreis begleitet hatte, setzte sich Nynaeve am Fleck hin, als w�ren ihre Beine geschmolzen, sa� da und strich �ber das mit den Ringen verbundene Armband, starrte es an und keuchte. Schwei� lief ihr �ber das Gesicht. �Ich f�hle mich wie ein K�chensieb, durch das gerade alle Milch hindurchgegossen wurde�, murmelte sie. Soviel Macht in sich zu bergen forderte seinen Preis, selbst wenn man nichts tat, selbst mit einem <emphasis>Angreal.</emphasis></p><p>Talaan schwankte, ein Schilfrohr im Wind, warf ihrer Mutter verstohlene Blicke zu und f�rchtete sich eindeutig davor, sich hinzusetzen. Aviendha stand aufrecht da, und ihr starrer Gesichtsausdruck verriet, da� Willenskraft genausoviel damit zu tun hatte wie alles andere. Sie l�chelte jedoch zaghaft und vollf�hrte eine Geste in der Zeichensprache der T�chter des Speers � den Preis wert � und dann unmittelbar danach eine weitere � mehr. Mehr als den Preis wert. Alle wirkten ersch�pft, wenn auch am meisten diejenigen, die <emphasis>Angreale</emphasis> benutzt hatten. Die Schale der Winde kam schlie�lich zum Stillstand, eben wie eine breite Schale aus klarem Kristall, aber jetzt mit hoch aufragenden Wogen verziert. <emphasis>Saidar</emphasis> schien jedoch noch immer vorhanden zu sein, von niemandem gelenkt und nicht anders sichtbar als in schwach aufflammenden Blitzen wie jene, die gegen Ende am Rand der Schale aufgeflammt waren.</p><p>Nynaeve hob den Kopf, blickte grollend in den wolkenlosen Himmel und senkte den Blick dann zu Caire. �Und wof�r das alles? Haben wir etwas bewirkt oder nicht?� Eine leichte Brise regte sich auf dem H�gelkamm, warm wie K�chenluft.</p><p>Die Windsucherin erhob sich m�hsam. �Meint Ihr, das Weben der Winde gesch�he so schnell, wie man einem Pfeilsch�tzen den Helm �berst�lpt?� fragte sie ver�chtlich. �Ich habe gerade mit einem Hebel von der Breite der Welt das Ruder an einem Boot bewegt! Es wird Zeit brauchen, bis es umkehrt, Zeit zu erkennen, da� es umkehren <emphasis>soll.</emphasis> Da� es umkehren <emphasis>mu�.</emphasis> Aber wenn es dies tut, wird nicht einmal der Vater der St�rme selbst ihm in den Weg treten k�nnen. Ich habe es getan, Aes Sedai, und die Schale der Winde geh�rt uns!�</p><p>Renaile trat in den Kreis und kniete sich neben die Schale. Vorsichtig wickelte sie die Schale wieder in die wei�e Seide. �Ich werde sie der Herrin der Schiffe bringen�, sagte sie zu Nynaeve. �Wir haben unseren Teil des Vertrags eingehalten, jetzt m��t Ihr Aes Sedai den restlichen Vertrag erf�llen.� Merilille stie� einen Laut aus, aber als Elayne sie ansah, schien die Graue ein Vorbild an Gelassenheit.</p><p>�Vielleicht habt Ihr Euren Teil erf�llt�, sagte Nynaeve und erhob sich schwankend. �Vielleicht. Das werden wir sehen, wenn dieses ... dieses <emphasis>Boot,</emphasis> das Ihr erw�hntet, umkehrt. Wenn es umkehrt!� Renaile sah sie �ber die Schale hinweg hart an, aber Nynaeve beachtete sie nicht. �Seltsam�, murmelte sie und rieb sich die Schl�fen. Das mit den Ringen verbundene Armband verfing sich in ihren Haaren, und sie zog eine Grimasse. �Ich kann fast ein Echo <emphasis>Saidars</emphasis> sp�ren. Es mu� dieses Ding sein!�</p><p>�Nein�, sagte Elayne z�gernd. �Ich kann es ebenfalls sp�ren.� Nicht lediglich das schwach wahrnehmbare Knistern in der Luft und nicht wirklich ein Echo. Mehr der Schatten eines Echos, so schwach, als sp�re sie, da� jemand <emphasis>Saidar</emphasis> benutzte... Sie wandte sich um. Am Horizont im S�den blitzte es, Dutzende leuchtend silberblauer Blitze vor dem Nachmittagshimmel. Ganz in der N�he von Ebou Dar.</p><p>�Ein Sturmregen?� fragte Sareitha eifrig. �Das Wetter mu� sich bereits umgekehrt haben.� Aber es waren keine Wolken am Himmel zu sehen, selbst dort nicht, wo die Blitze herniederprasselten. Sareitha war nicht stark genug in der Macht, um sp�ren zu k�nnen, wenn auf diese Entfernung <emphasis>Saidar</emphasis> gelenkt wurde.</p><p>Elayne erschauderte. <emphasis>Sie</emphasis> war nicht stark genug. Es sei denn, jemand lenkte soviel <emphasis>Saidar,</emphasis> wie sie es auf diesem H�gelkamm getan hatten. F�nfzig oder sogar einhundert Aes Sedai, die alle gleichzeitig die Macht lenkten. Oder... �Keiner der Verlorenen�, murmelte sie. Jemand hinter ihr st�hnte.</p><p>�Einer allein k�nnte das nicht vollbringen�, stimmte Nynaeve ihr leise zu. �Vielleicht haben sie uns nicht so empfunden wie wir sie, aber sie werden es gesehen haben, wenn sie nicht alle blind sind. Das Licht verdamme unser Gl�ck!� Auch wenn sie leise sprach � sie war beunruhigt. Sie r�gte Elayne h�ufig f�r solche Ausdrucksweisen. �Nimm alle, die nach Andor gehen werden, mit dir, Elayne. Ich werde ... ich werde euch dort treffen. Mat ist in der Stadt. Ich mu� zu ihm zur�ckgehen. Verdammt sei der Junge � er ist wegen mir gekommen, und ich mu� zur�ckkehren.�</p><p>Elayne schlang die Arme um sich und atmete tief durch. Sie �berlie� K�nigin Tylin der Gnade des Lichts. Tylin w�rde �berleben, wenn es m�glich war. Aber Mat Cauthon, ihr sehr seltsamer, sehr aufschlu�-reicher Untertan, ihr unwahrscheinlichster Retter... Er war auch wegen ihr gekommen und bot noch mehr an. Und Thom Merrilin, der liebe Thom, von dem sie manchmal w�nschte, da� er sich als ihr richtiger Vater erweisen w�rde, und das Licht verdamme, was das aus ihrer Mutter machte. Und der Junge, Olver, und Chel Vanin und... Sie mu�te wie eine K�nigin denken. <emphasis>Die Rosenkrone ist schwerer als ein Berg,</emphasis> hatte ihre Mutter sie belehrt, <emphasis>und die Pflicht wird dich erdr�cken, aber du mu�t ertragen und tun, was getan werden mu�.</emphasis></p><p>�Nein�, sagte sie dann fester. �Nein. Sieh dich an, Nynaeve. Du kannst kaum noch stehen. Selbst wenn wir alle gingen � was k�nnten wir denn tun? Wie viele der Verlorenen sind dort? Wir w�rden sterben oder Schlimmeres � und das vollkommen umsonst. Die Verlorenen haben keinen Grund, nach Mat oder anderen zu suchen. Sie werden hinter uns her sein.�</p><p>Nynaeve sah sie mit offenem Mund an, die eigensinnige Nynaeve, welcher der Schwei� das Gesicht herablief und deren Beine sie nicht mehr recht trugen. Die wundervolle, tapfere, t�richte Nynaeve. �Du meinst also, wir sollten ihn allein lassen, Elayne? Aviendha, redet mit ihr. Erz�hlt ihr von dieser Ehre, von der Ihr stets sprecht!�</p><p>Aviendha z�gerte und sch�ttelte dann den Kopf. Sie war fast so verschwitzt wie Nynaeve und ihren Bewegungen nach zu urteilen auch ebenso ersch�pft. �Es gibt Zeiten, in denen man ohne Hoffnung k�mpfen mu�, Nynaeve, aber Elayne hat recht. Die Schattenseelen werden nicht nach Mat Cauthon suchen. Sie werden hinter uns und der Schale her sein. Mat k�nnte die Stadt bereits verlassen haben. Wenn wir zur�ckkehren, riskieren wir, ihnen das zu geben, was unser Werk wieder zunichte machen k�nnte. Wo auch immer wir die Schale hinschicken � sie werden uns dazu bringen, ihnen zu sagen, wohin wir sie geschickt haben.�</p><p>Nynaeves Gesicht verzerrte sich vor Qual. Elayne wollte sie in die Arme nehmen.</p><p><emphasis>�Schattengez�cht!�</emphasis> schrie jemand, und pl�tzlich umarmten Frauen auf dem ganzen H�gelkamm</p><p><emphasis>Saidar.</emphasis></p><p>Feuerkugeln schossen von Merililles, Careanes und Sareithas H�nden auf, so schnell sie die Kugeln werfen konnten. Eine riesige, befl�gelte, in Flammen eingeh�llte Gestalt st�rzte vom Himmel, zog �ligen, schwarzen Rauch nach sich und fiel geradewegs in den Abgrund.</p><p>�Dort ist noch eines!� rief Kirstian und deutete in die entsprechende Richtung. Ein zweites befl�geltes Wesen, gro� wie ein Pferd, st�rzte auf den Abgrund zu, die geriffelten Schwingen drei�ig Schritte oder noch weiter, den langen Hals vor sich ausgestreckt und der noch l�ngere Schwanz hinter ihm her flatternd. Zwei Gestalten kauerten auf seinem R�cken. Ein Feuersturm regnete hinter ihm herab, am schnellsten von Aviendha und dem Meervolk heraufbeschworen, die ihre Gewebe ohne Wurfbewegung gestalteten. Es war ein solch dichter Feuerhagel, da� es schien, als bilde sich das Feuer aus der Luft. Das Wesen wich hinter den H�gel auf der anderen Seite aus und war verschwunden.</p><p>�Haben wir es get�tet?� fragte Sareitha. Ihre Augen schimmerten aufgeregt, und sie atmete heftig.</p><p>�Haben wir es �berhaupt getroffen?� grollte eine der Atha'an Miere angewidert.</p><p>�Schattengez�cht�, murmelte Merilille erstaunt. �Hier! Das beweist zumindest, da� sich die Verlorenen in Ebou Dar befinden.�</p><p>�Kein Schattengez�cht�, sagte Elayne mit hohler Stimme. Nynaeves Miene war ein Bild der Qual. Sie hatte es auch erkannt. �Sie nennen es <emphasis>Raken.</emphasis> Es sind die Seanchaner. Wir m�ssen gehen, Nynaeve, und alle Frauen auf dem Bauernhof mit uns nehmen. Ob wir dieses Wesen get�tet haben oder nicht � es werden weitere nachfolgen. Jedermann, den wir zur�cklassen, wird morgen fr�h eine <emphasis>Damane-Koppel</emphasis> tragen.� Nynaeve nickte z�gernd, fast schmerzlich. Elayne glaubte, sie �Oh, Mat� murmeln zu h�ren.</p><p>Renaile kam mit der Schale im Arm heran, die wieder wei� umh�llt war. �Einige unserer Schiffe sind diesen Seanchanern begegnet. Wenn sie sich in Ebou Dar befinden, dann stechen die Schiffe in See. Mein Schiff k�mpft um sein Leben, und ich bin nicht an Bord! Wir brechen sofort auf!� Und sie gestaltete genau am Fleck das Gewebe f�r ein Wegetor.</p><p>Es verflocht sich nat�rlich nutzlos, flammte einen Moment hell auf und brach dann zu Nichts zusammen, aber Elayne schrie wider Willen auf. Direkt hier, mitten unter ihnen! �Ihr werdet von hier aus nirgendwo hingehen, wenn Ihr nicht lange genug zu bleiben beabsichtigt, um diesen H�gelkamm kennenzulernen!� fauchte sie. Sie hoffte, da� keine der Frauen, die dem Kreis angeh�rt hatten, das Gewebe versuchten. <emphasis>Saidar</emphasis> festzuhalten war der schnellste Weg, einen Ort kennenzulernen. Sie h�tte es hier wirken lassen k�nnen, und sie konnten es h�chstwahrscheinlich auch. �Ihr werdet auch von <emphasis>nirgendwo sonst zu</emphasis> einem Schiff eilen. Ich glaube nicht einmal, da� es <emphasis>m�glich</emphasis> ist!� Merilille nickte, obwohl das wenig bedeutete. Aes Sedai hielten vieles f�r wahr, und einige Dinge waren es auch. Zumindest, wenn das Meervolk sie f�r erwiesen hielt. Nynaeve war im Moment nicht in der Verfassung, die F�hrung zu �bernehmen, so da� Elayne fortfuhr. Sie hoffte, dem Andenken ihrer Mutter w�rdig zu sein. �Aber vor allem werdet Ihr nirgendwo ohne uns hingehen, weil unser Vertrag noch nicht vollst�ndig erf�llt ist. Die Schale der Winde geh�rt Euch erst, wenn das Wetter reguliert ist.� Das stimmte nicht ganz, es sei denn, man verdrehte den Wortlaut des Vertrages ein wenig, und Renaile �ffnete den Mund, aber Elayne sprach weiter. <emphasis>�Und</emphasis> weil Ihr einen Handel mit Matrim Cauthon, meinem Untertan, eingegangen seid. Ihr geht bereitwillig dorthin, wo ich Euch hinschicke, oder Ihr werdet auf einen Packsattel gebunden. Diese Wahlm�glichkeiten habt Ihr akzeptiert. Also verla�t jetzt diesen H�gel, Renaile din Calon Blauer Stern, bevor die Seanchaner mit einem Heer und einigen hundert Frauen, welche die Macht lenken k�nnen und nichts mehr wollen, als uns gekoppelt neben ihnen zu sehen, auf uns herniederst�rzen. Lauft jetzt los!�</p><p>Zu ihrem Erstaunen lief sie tats�chlich los.</p></section><section><title><p>6</p><p>Str�nge</p></title><p>Elayne lief ebenfalls mit gerafften R�cken los und �bernahm auf dem gut ausgetretenen Pfad schnell die F�hrung. Nur Aviendha blieb dicht bei ihr, obwohl sie keine Ahnung zu haben schien, wie man in einem, wenn auch geteilten, Kleid rannte. Sonst h�tte sie Elayne, m�de wie sie war, gewi� �berholt. Alle anderen schl�ngelten sich den schmalen, gewundenen Pfad hinter ihnen entlang. Keine der Atha'an Miere w�rde an Renaile vor�bereilen, und sie konnte sich trotz ihrer Seidenhose nicht sehr schnell vorw�rts bewegen, da sie die Schale an ihre Brust gepre�t trug. Nynaeve plagten keine solchen Gewissensbisse. Sie k�mpfte sich mit Ellbogen eilig voran und schrie die Frauen an, ihr aus dem Weg zu gehen, wenn sie gegen sie stolperte, gleichg�ltig ob es Windsucherinnen, Frauen der Schwesternschaft oder Aes Sedai waren.</p><p>Elayne versp�rte trotz der Dringlichkeit und der Gefahr das Bed�rfnis zu lachen, w�hrend sie den H�gel hinabeilte, stolperte und sich wieder fing. Lini und ihre Mutter hatten ihre Besessenheit gef�rchtet, �ber Wiesen zu laufen und auf B�ume zu klettern, seit sie zw�lf Jahre alt gewesen war, aber es war nicht nur das pure Vergn�gen daran, wieder zu laufen, was tief in ihr Freude aufkommen lie�. Sie hatte sich so verhalten, wie sich eine K�nigin verhalten sollte, und es hatte <emphasis>genauso</emphasis> funktioniert, wie es funktionieren sollte! Sie hatte die Verantwortung �bernommen, Menschen aus der Gefahr zu f�hren, und sie <emphasis>folgten</emphasis> ihr! Ihr ganzes bisheriges Leben war die Ausbildung f�r diesen Augenblick gewesen. Es war Zufriedenheit, die sie lachen lie�, und die hei�e Glut des Stolzes schien in ihr zu pulsieren wie die Wogen <emphasis>Saidars.</emphasis></p><p>Sie umrundete die letzte Kurve und rannte an einer der gro�en, wei� get�nchten Scheunen entlang. Ihr Zeh verfing sich an einem verdeckten Stein. Sie st�rzte schwer vorn�ber, ruderte mit den Armen und schlug pl�tzlich kopf�ber Purzelb�ume durch die Luft. Sie hatte nicht einmal Zeit zu schreien. Sie landete mit einem harten Schlag, der ihr alle Luft aus den Lungen pre�te, am Fu� des Pfades � unmittelbar vor Birgitte. Einen Moment lang konnte sie nicht einmal nachdenken, und als sie sich wieder gefa�t hatte, war wenig von ihrer Zufriedenheit geblieben. Soviel zu k�niglicher W�rde. Sie strich sich das Haar aus dem Gesicht und versuchte den Atem anzuhalten, w�hrend sie auf Birgittes schneidende Bemerkung wartete. Dies war eine Gelegenheit f�r die andere Frau, geh�rig die �ltere und weisere Schwester zu spielen, und sie lie� selten eine Gelegenheit ungenutzt verstreichen.</p><p>Zu Elaynes �berraschung half Birgitte ihr auf die Beine, noch bevor Aviendha sie mit unbewegtem Gesicht erreicht hatte. Elayne konnte von ihrer Beh�terin nur ein Gef�hl der ... Konzentration sp�ren. Sie dachte, da� sich vielleicht ein Pfeil auf einer gespannten Bogensehne so anf�hlte. �Laufen wir davon oder k�mpfen wir?� fragte Birgitte. �Ich habe diese seanchanischen Flugwesen von Falme wiedererkannt, und um ganz ehrlich zu sein, schlage ich vor davonzulaufen. Mein Bogen ist einem solchen Gegner nicht gewachsen.� Aviendha sah sie mit gerunzelter Stirn an, und Elayne seufzte. Birgitte <emphasis>mu�te</emphasis> lernen, ihre Zunge zu h�ten, wenn sie wirklich verbergen wollte, wer sie war.</p><p>�Nat�rlich laufen wir davon�, keuchte Nynaeve, w�hrend sie sich die restliche Strecke hinabm�hte. �K�mpfen oder davonlaufen! Welch t�richte Frage! Glaubt Ihr, wir w�ren vollkommen...? Licht! Was tun sie?� Ihre Stimme wurde schrill, als sie weitersprach. �Alise! Alise, wo seid Ihr? Alise! Alise!�</p><p>Elayne erkannte best�rzt da� auf dem Bauernhof wieder eine ebenso gro�e Aufregung herrschte wie in dem Moment, als Careanes Gesicht erkannt wurde. Vielleicht eine noch gr��ere Aufregung. Einhundertsiebenundvierzig Frauen der Schwesternschaft wohnten zur Zeit auf dem Hof, wie Alise berichtet hatte, einschlie�lich vierundf�nfzig Weise Frauen mit dem roten G�rtel, die vor Tagen ausgeschickt wurden, und eine Anzahl anderer, die durch die Stadt gekommen waren. Jetzt sah es so aus, als liefen alle kreuz und quer Die meisten der Diener des Tarasin-Palasts in ihren gr�nwei�en Livreen liefen mit Lasten hierhin und dorthin. Enten und H�hner schossen mit Fl�gelflattern und Schreien durch den Tumult und trugen noch <emphasis>zu</emphasis> der allgemeinen Verwirrung bei. Elayne sah auch einen <emphasis>Beh�ter,</emphasis> Vandenes bereits ergrauenden Jaem, vorbeilaufen, die drahtigen Arme um einen gro�en Jutesack geschlungen!</p><p>Alise wirkte trotz des Schwei�es auf ihrem Gesicht ausgeglichen und gefa�t. Jede ihrer Haarstr�hnen war an ihrem Platz, und ihr Gewand sah noch so aus, als mache sie nur einen Spaziergang. �Es hat keinen Sinn zu schreien�, sagte sie ruhig und stemmte die H�nde in die H�ften. �Birgitte hat mir erz�hlt, was es mit diesen gro�en V�geln auf sich hat, und ich dachte, wir w�rden vielleicht besser fr�her als sp�ter aufbrechen, besonders als Ihr alle den H�gel herabranntet, als sei der Dunkle K�nig selbst hinter Euch her. Ich habe allen befohlen, ein sauberes Gewand pro Person, dreimal W�sche zum Wechseln sowie Str�mpfe, Seife, N�hk�rbe und alles Geld, das sie besitzen, einzupacken. Nur das. Die zehn Frauen, die als letzte fertig werden, �bernehmen den Abwasch, bis wir an unserem Ziel angelangt sind. Das wird sie zur Eile antreiben. Ich habe den Dienern befohlen, f�r alle F�lle auch alle verf�gbaren Essensvorr�te zusammenzutragen. Und Euren Beh�tern. Die meisten sind vern�nftige Burschen. �berraschend vern�nftig f�r M�nner. Ver�ndert sie ihr Beh�ter-Dasein?�</p><p>Nynaeve stand mit offenem Mund da, bereit. Befehle zu erteilen, die es nicht mehr zu erteilen gab. Ihre Empfindungen spiegelten sich zu rasch auf ihrem Gesicht, um sie zur�ckzuhalten. �Sehr gut�, murmelte sie schlie�lich ver�rgert. Aber pl�tzlich strahlte sie. �Die Frauen, die nicht zur Schwesternschaft geh�ren. Ja! Sie m�ssen...�</p><p>�Beruhigt Euch�, fiel Alise ihr ins Wort. �Die meisten sind bereits gegangen. Haupts�chlich jene, die Ehem�nner oder Familien haben, um die sie sich sorgen. Ich h�tte sie nicht zur�ckhalten k�nnen, selbst wenn ich es gewollt h�tte. Aber gut drei�ig von ihnen halten jene V�gel tats�chlich f�r Schattengez�cht und wollen so nahe wie m�glich bei den Aes Sedai bleiben.� Ein scharfes Schnauben unterstrich, wie sie dar�ber dachte. �Nun fa�t Euch wieder. Trinkt etwas k�hles Wasser. Nur nicht zu hastig. Und spritzt Euch auch etwas ins Gesicht. Ich mu� ein Auge auf alles haben.� Sie lie� ihren Blick �ber die hastige Gesch�ftigkeit gleiten und sch�ttelte den Kopf. �Einige w�rden sich sogar Zeit lassen, wenn Trollocs �ber den H�gel k�men, und die meisten adligen Frauen gew�hnen sich niemals richtig an unsere Regeln. Ich mu� zwei oder drei von ihnen vor unserem Aufbruch noch einmal daran erinnern.� Mit diesen Worten schritt sie heiter in das Gedr�nge auf dem Hof und lie� Nynaeve mit offenem Mund zur�ck.</p><p>�Nun�, sagte Elayne und strich �ber ihre R�cke, �du sagtest sie sei sehr f�hig.�</p><p>�Das habe ich niemals gesagt�, fauchte Nynaeve. �Ich habe niemals �sehr� gesagt. Pah! Wo ist mein Hut hingeraten? Sie glaubt, sie w��te alles. Ich wette, da� sie <emphasis>das</emphasis> nicht wei�!� Sie st�rmte in eine andere Richtung als Alise davon.</p><p>Elayne sah ihr verwundert nach. Ihr <emphasis>Hut?</emphasis> Sie h�tte auch gern gewu�t, wo ihr eigener Hut hingeraten war � es war ein wundersch�ner Hut �, aber wirklich! Vielleicht war Nynaeves Geist dadurch, da� sie in einem Kreis von M�chtigen gewesen war und dabei ein <emphasis>Angreal</emphasis> benutzt hatte, zeitweilig ersch�ttert worden. Sie f�hlte sich auch selbst ein wenig seltsam, als k�nnte sie kleine St�cke <emphasis>Saidar</emphasis> aus der Luft um sich herum pfl�cken. Aber im Moment mu�te sie sich um andere Dinge k�mmern. Wie zum Beispiel, sich zum Aufbruch bereitzumachen, bevor die Seanchaner kamen. Nach allem, was sie in Falme gesehen hatte, k�nnten sie tats�chlich hundert oder mehr <emphasis>Damane</emphasis> heranbringen, und ausgehend von dem wenigen, was Egwene �ber ihre Gefangenschaft verlauten lie�, w�ren die meisten dieser Frauen tats�chlich bereit, andere Frauen koppeln zu helfen. Sie hatte erz�hlt, da� der Anblick, wie die <emphasis>Damane</emphasis> der Seanchaner mit ihren <emphasis>Sul'dam</emphasis> lachten und sie umschmeichelten, sie am meisten abgesto�en hatte, gut dressierte Hunde mit ihren selbstgef�lligen Abrichtern. Einige der in Falme gekoppelten Frauen seien genauso gewesen. Diese Vorstellung lie� Elaynes Blut gefrieren. Sie w�rde eher sterben als zulassen, da� man sie koppelte! Und sie w�rde eher den Verlorenen als den Seanchanern �berlassen, was sie gefunden hatte. Sie lief zu der Zisterne, und Aviendha neben ihr keuchte fast ebenso sehr wie sie selbst. Anscheinend hatte Alise jedoch wirklich an alles gedacht. Die <emphasis>Ter'angreale</emphasis> waren bereits auf den Packpferden verstaut. Die noch nicht durchsuchten Tragk�rbe blieben voller durcheinanderger�ttelter, noch unbekannter Gegenst�nde, aber die Tragek�rbe, die Aviendha und sie geleert hatten, waren jetzt von groben S�cken Mehl und Salz, Bohnen und Linsen ausgebeult. Eine Handvoll Stallburschen k�mmerte sich um die Packpferde, anstatt mit Lasten umherzulaufen. Zweifellos auf Alises Befehl hin. Selbst Birgitte trabte mit einem kl�glichen Grinsen auf Anweisungen der Frau davon!</p><p>Elayne hob die Segeltuchabdeckungen an, um die <emphasis>Ter'angreale</emphasis> so gut wie m�glich zu �berpr�fen, ohne sie wieder auszupacken. Anscheinend war alles da, ein wenig wahllos in zwei Tragk�rbe geworfen, die beide nicht voll waren, aber es war nichts zerbrochen. Nat�rlich konnte nur etwas der Einen Macht selbst sehr Nahekommendes die meisten <emphasis>Ter'angreale</emphasis> zerbrechen, aber dennoch...</p><p>Aviendha setzte sich mit gekreuzten Beinen auf den Boden und tupfte sich mit einem gro�en, einfachen Leinentaschentuch, das �berhaupt nicht zu ihrem h�bschen Seidenreitgewand pa�te, den Schwei� vom Gesicht. Selbst sie begann Anzeichen von Ersch�pfung zu zeigen. �Was murmelst du vor dich hin, Elayne? Du klingst wie Nynaeve. Diese Alise hat uns nur die M�he erspart, die Gegenst�nde selbst einzupacken.�</p><p>Elayne err�tete leicht. Sie hatte nicht laut sprechen wollen. �Ich will einfach nicht, da� jemand damit umgeht, der nicht wei�, was sie bewirken k�nnen, Aviendha.� Einige <emphasis>Ter'angreale</emphasis> konnten sogar Menschen, die nicht die Macht lenken konnten, beeintr�chtigen, wenn sie falsch handelten, aber in Wahrheit wollte sie, da� <emphasis>niemand</emphasis> sie handhaben sollte. Sie geh�rten ihr! Der Saal w�rde sie <emphasis>nicht</emphasis> einer anderen Schwester �bergeben, nur weil sie �lter und <emphasis>erfahrener</emphasis> war, oder sie verbergen, weil es zu gef�hrlich war, <emphasis>Ter'angreale</emphasis> zu untersuchen. Bei so vielen Studienobjekten konnte sie vielleicht endlich herausfinden, wie man <emphasis>Ter'angreale</emphasis> schuf, die immer funktionierten. Es hatte bei weitem zu viele Mi�erfolge und halbe Erfolge gegeben. �Sie brauchen jemanden, der wei�, was er tut�, sagte sie und schlug die Segeltuchabdeckung wieder zu.</p><p>Der Tumult wurde schneller wieder zur Ordnung, als Elayne erwartet hatte, obwohl auch wieder nicht ganz so schnell, wie sie sich w�nschte. Nat�rlich h�tte, wie sie zugeben mu�te, nur Unverz�glichkeit ihren W�nschen entsprechen k�nnen. Sie konnte den Blick nicht vom Himmel l�sen und schickte Careane eilig auf den H�gel zur�ck, um die Strecke nach Ebou Dar zu beobachten. Die st�mmige Gr�ne grollte leise etwas, bevor sie einen Hofknicks vollf�hrte, und sah sogar die umhereilenden Frauen der Schwesternschaft stirnrunzelnd an, als wollte sie statt ihrer eine von ihnen vorschlagen, aber Elayne wollte jemanden f�r diese Aufgabe haben, der nicht beim Anblick von herannahendem Schattengez�cht in Ohnmacht fiel, und Careane bekleidete unter den Schwestern den niedrigsten Rang. Adeleas und Vandene f�hrten Ispan heraus, fest abgeschirmt und den Ledersack wieder �ber den Kopf gest�lpt. Sie ging recht leicht, und es war nicht zu erkennen, da� �berhaupt etwas mit ihr gemacht worden war, aber... Ispan hielt die H�nde an der Taille gefaltet und versuchte nicht einmal, den Sack anzuheben, um darunter hervorzusp�hen, und als ihr auf einen Sattel geholfen wurde, streckte sie sogar die Handgelenke aus, damit sie am Sattelknauf festgebunden werden konnten, ohne da� man es ihr befohlen h�tte. Wenn sie so bereitwillig war, hatten sie vielleicht etwas von ihr erfahren. Elayne wollte einfach nicht dar�ber nachdenken, wie ihnen das gelungen sein mochte. Es gab nat�rlich sozusagen ... Zusammenst��e, ungeachtet dessen, was auf sie zukommen mochte. Da� Nynaeve ihren mit blauen Federn versehenen Hut zur�ckbekam, war kein wirklicher Zusammensto�, obwohl es fast einer wurde. Alise hatte ihn <emphasis>tats�chlich</emphasis> gefunden und gab ihn Nynaeve zur�ck, wobei sie ihr riet, ihr Gesicht vor der Sonne zu sch�tzen, wenn sie ihre h�bsche glatte Haut behalten wollte. Nynaeve sah der Frau mit offenem Munde nach, die davoneilte, um sich wieder um die Vorbereitungen zu k�mmern, und schob den Hut dann demonstrativ unter einen Riemen ihrer Satteltaschen.</p><p>Nynaeve versuchte von Anfang an, die Zusammenst��e zu mildern, aber Alise war fast immer zuerst da, und wo Alise einem Zusammensto� begegnete, milderte er sich von selbst. Mehrere adlige Frauen forderten Hilfe beim Packen ihrer Habe. Ihnen wurde nur beschieden, da� sie gemeint hatte, was sie gesagt hatte, und da� sie die Konsequenzen tragen m��ten, wenn sie sich nicht beeilten. Sie beeilten sich. Einige, und nicht nur Adlige, �nderten ihre Meinung zum Aufbruch, als sie erfuhren, da� ihr Ziel Andor war, doch sie wurden buchst�blich davongejagt. Zu Fu� und mit der Empfehlung weiterzulaufen, solange ihre F��e sie trugen. Jedes Pferd wurde gebraucht, aber sie sollten einen guten Vorsprung haben, bevor die Seanchaner auftauchten. Es stand mindestens zu erwarten, da� sie jedermann in der N�he des Bauernhofs befragten. Wie ebenfalls zu erwarten stand, lie� sich Nynaeve mit Renaile auf ein Wortgefecht um die Schale und die Schildkr�te ein, die Talaan benutzt hatte und die Renaile offensichtlich hinter ihre Sch�rpe gesteckt hatte. Sie hatten jedoch kaum begonnen, ihre Worte mit Gesten zu bekr�ftigen, als Alise auftauchte. Kurz darauf befanden sich die Schale wieder in Sareithas und die Schildkr�te in Merililles Obhut, woraufhin Elayne der Anblick geg�nnt wurde, wie Alise einen Finger unter der Nase der erstaunten Windsucherin der Herrin der Schiffe der Atha'an Miere sch�ttelte und eine Schimpftirade zum Thema Diebstahl �ber sie ergo�, die Renaile entr�stete. Nynaeve zeigte auch ein wenig Entr�stung, als sie mit leeren H�nden davonging, aber Elayne dachte, sie h�tte noch niemals jemanden gesehen, der so verlassen gewirkt hatte.</p><p>Alles in allem dauerte dies jedoch nicht sehr lange.</p><p>Die noch auf dem Bauernhof verbliebenen Frauen versammelten sich unter den wachsamen Blicken des Frauenzirkels � und Alises, die sich die letzten zehn, die eintrafen, genau merkte, von denen alle au�er zweien in kunstvoll bestickte Seide gekleidet waren und sich nicht wesentlich von Elayne unterschieden. Sie waren gewi� keine Frauen der Schwesternschaft. Elayne hatte das sichere Gef�hl, da� sie tats�chlich den Abwasch w�rden machen m�ssen. Alise w�rde sich durch nichts, auch nicht durch Kleinigkeiten wie eine adlige Geburt, von der Durchsetzung ihrer Ank�ndigung abhalten lassen. Die Windsucherinnen stellten sich bis auf Renaile, die Verw�nschungen murmelte, wann immer sie Alise sah, �berraschend still mit ihren Pferden auf. Careane wurde vom H�gelkamm zur�ckgerufen. Die Beh�ter brachten den Schwestern ihre Pferde. Fast alle beobachteten den Himmel. <emphasis>Saidar</emphasis> schimmerte um alle �lteren Aes Sedai und die Windsucherinnen und auch um einige Frauen der Schwesternschaft.</p><p>W�hrend Nynaeve ihre Stute an den Anfang der Reihe zur Zisterne f�hrte, betastete sie das sich noch immer um ihre Hand schmiegende <emphasis>Angreal,</emphasis> als wollte sie diejenige sein, die das Wegetor gestaltete, so l�cherlich der blo�e Gedanke auch sein mochte. Schlie�lich war sie noch immer unsicher, wenn ihr die Selbstbeherrschung entglitt. Lan blieb stets in ihrer N�he, mit der �blichen starren Miene, und wenn jemals ein Mann bereit war, eine Frau aufzufangen, wenn sie fiel, dann war er es. Nynaeve h�tte vielleicht selbst mit dem Armband und den Ringen nicht genug Macht heranziehen k�nnen, um ein Wegetor zu gestalten. Und was noch wichtiger war � sie war auf dem Bauernhof umhergeeilt, seit sie angekommen waren, w�hrend Elayne erhebliche Zeit darauf verwendet hatte, <emphasis>Saidar</emphasis> genau dort festzuhalten, wo sie jetzt standen. Sie kannte diesen Fleck. Nynaeve runzelte verdrie�lich die Stirn, als Elayne die Quelle umarmte, aber sie besa� zumindest genug Verstand zu schweigen.</p><p>Elayne hatte vom ersten Augenblick an gew�nscht, sie h�tte die Figur der in ihr Haar geh�llten Frau von Aviendha zur�ckerbeten. Sie war ersch�pft, und alles <emphasis>Saidar,</emphasis> das sie heranziehen konnte, reichte kaum aus, um das Gewebe so zu gestalten, da� es halten w�rde. Die Str�nge bebten in ihrem Griff fast so, als versuchten sie, sich frei zu winden, und dann r�ckten sie so j�h an ihren Platz, da� sie zusammenzuckte. Die Macht zu lenken, wenn man ersch�pft war, war �berhaupt nicht so wie sonst, aber dies war das Schlimmste, was sie in dieser Hinsicht je erlebt hatte. Zumindest erschien der vertraute senkrechte Schlitz, wie er sein sollte, und verbreiterte sich direkt an der Zisterne entlang zu einer �ffnung. Eine �ffnung, die nicht gr��er war als diejenige, die Aviendha gestaltet hatte, aber Elayne war dankbar, da� sie zumindest ausreichend gro� war, da� ein Pferd hindurchgelangen konnte. Sie war nicht sicher gewesen, da� ihr dies gelingen w�rde. Einige Frauen der Schwesternschaft keuchten beim Anblick einer Hochlandwiese, die sich pl�tzlich zwischen ihnen und der vertrauten grauen Masse der Zisterne erstreckte.</p><p>�Du h�ttest es mich versuchen lassen sollen�, sagte Nynaeve leise, aber auch tadelnd. <emphasis>�Du</emphasis> h�ttest beinahe alles durcheinandergebracht.�</p><p>Aviendha warf Nynaeve einen eindeutigen Blick zu, der Elayne fast veranla�te, ihren Arm zu ergreifen. Je l�nger sie N�chstschwestern waren, desto h�ufiger dachte sie anscheinend, sie m��te Elaynes Ehre verteidigen. Wenn sie Erstschwestern wurden, mu�te Elayne daf�r sorgen, da� sie sich von Nynaeve und Birgitte fernhielt!</p><p>�Es ist vollbracht, Nynaeve�, sagte sie rasch. �Das allein z�hlt.� Nynaeve warf ihr ebenfalls einen eindeutigen Blick zu und murmelte etwas dar�ber, da� der Tag schwierig sei, als w�re <emphasis>Elayne</emphasis> diejenige, die ihre schnippische Seite zeigte.</p><p>Birgitte f�hrte ihr Pferd als erste durch das Wegetor, ihren Bogen in der anderen Hand und Lan schamlos anl�chelnd. Elayne konnte ihren Eifer sp�ren, eine Spur Zufriedenheit dar�ber, da� vielleicht dieses Mal sie und nicht Lan die F�hrung innehatte � zwischen Beh�tern bestand stets eine gewisse Rivalit�t �, sowie eine Spur Wachsamkeit. Aber nur wenig. Elayne kannte diese Wiese gut. Gareth Bryne hatte ihr nicht weit davon das Reiten beigebracht. Ungef�hr f�nf Meilen jenseits dieser ersten sp�rlich mit B�umen bewachsenen H�gel lag das Gutshaus einer der L�ndereien ihrer Mutter. Eine ihrer <emphasis>eigenen</emphasis> L�ndereien, woran sie sich noch gew�hnen mu�te. Die sieben Familien, die sich um das Haus und das Land k�mmerten, waren in jeder Richtung einen halben Tagesritt weit die einzigen Menschen.</p><p>Elayne hatte dieses Ziel erw�hlt, weil sie Caemlyn von hier aus in zwei Wochen erreichen konnten. Zudem war das Gut so abgelegen, da� sie Caemlyn vielleicht betreten konnte, bevor jemand wu�te, da� sie sich in Andor befand. Das konnte sich als �beraus notwendige Vorsichtsma�nahme erweisen. Rivalen um die Rosenkrone waren in Andors Geschichte zu verschiedenen Zeiten als �G�ste� festgehalten worden, bis sie ihre Anspr�che aufgaben. Ihre Mutter hatte selbst zwei solche Rivalen festgehalten, bis sie den Thron einnahm. Mit etwas Gl�ck k�nnte Elayne eine solide Basis geschaffen haben, wenn Egwene und die anderen eintrafen.</p><p>Lan f�hrte Mandarb direkt hinter Birgittes braunem Wallach her, und Nynaeve schwankte, als wollte sie dem schwarzen Schlachtro� hinterhereilen, ri� sich aber dann mit unbewegtem Blick, der Elayne zu schweigen gebot, zusammen. Sie machte sich zornig an ihren Z�geln zu schaffen, sichtlich bem�ht, irgendwo anders hinzuschauen als durch das Wegetor und hinter Lan her. Ihre Lippen bewegten sich. Kurz darauf erkannte Elayne, da� sie <emphasis>z�hlte.</emphasis></p><p>�Nynaeve�, sagte sie leise, �wir haben wirklich keine Zeit f�r...�</p><p>�Geht weiter!� rief Alise von hinten, und ihr H�ndeklatschen unterstrich ihre Worte h�rbar. �Kein Dr�ngen oder Schieben jetzt, aber auch kein Tr�deln!</p><p>Geht weiter!.�</p><p>Nynaeve wandte heftig den Kopf, und qu�lende Unentschlossenheit pr�gte ihre Z�ge. Sie ber�hrte aus einem unbestimmten Grund ihren breiten Hut, auf dem einige Federn gebrochen waren und herabhingen, bevor sie die Hand wieder fortnahm. �Oh, dieser verdammte alte...!� grollte sie, aber ihre restlichen Worte verloren sich, w�hrend sie ihre Stute durch das Wegetor zog. Elayne schnaubte. Und Nynaeve besa� die Frechheit, sich bei jedermann �ber <emphasis>ihrer</emphasis> aller <emphasis>Ausdrucksweise</emphasis> auszulassen! Sie w�nschte jedoch, sie h�tte die restlichen Worte auch h�ren k�nnen. Den Anfang kannte sie bereits.</p><p>Alise dr�ngte sie weiterhin, aber nach dem ersten Mal schien es nicht mehr n�tig zu sein. Selbst die Windsucherinnen beeilten sich, w�hrend sie �ber die Schultern besorgt den Himmel betrachteten, und sogar Renaile, die etwas �ber Alise murmelte, was Elayne nur unbewu�t registrierte. Obwohl es vergleichsweise milde klang, jemanden einen �Fische liebenden Aasfresser� zu nennen. Sie hatte eigentlich erwartet, da� das Meervolk t�glich Fisch a�.</p><p>Alise selbst brachte die Nachhut heran, bis auf die verbliebenen Beh�ter, als wollte sie sogar die Packpferde vorw�rts dr�ngen. Sie hielt ausreichend lange inne, um Elayne ihren mit gr�nen Federn geschm�ckten Hut zu reichen. �Ihr werdet die Sonne von Eurem h�bschen Gesicht fernhalten wollen�, sagte sie mit einem L�cheln. �Solch ein h�bsches M�dchen. Eure Haut sollte nicht vorzeitig ledrig werden.�</p><p>Aviendha, die neben ihr auf dem Boden sa�, fiel hinten�ber und ruderte lachend mit den Beinen.</p><p>�Ich glaube, ich werde sie bitten, <emphasis>dir</emphasis> einen Hut zu besorgen. Mit vielen Federn und Verbeugungen�, sagte Elayne mit s��er Stimme, bevor sie der Frau der Schwesternschaft rasch folgte. Das brachte Aviendha sofort zum Schweigen.</p><p>Die sich sanft w�lbende gro�e Wiese war von h�heren H�geln umgeben als jene, die sie verlassen hatten. Die hiesigen H�gel waren von ihr bekannten B�umen bestanden, Eiche und Kiefer und Schwarzholz, Tupelobaum und Lederblatt und F�hre, dichter Wald mit gesunden, hohen St�mmen im S�den und Westen und Osten, obwohl dieses Jahr vielleicht keine B�ume gef�llt w�rden. Die meisten der eher verstreut stehenden B�ume im Norden, auf das Gutshaus zu, waren besser f�r Feuerholz geeignet. Kleine graue Felsen sprenkelten das dichte braune Gras hier und dort, und nicht einmal ein verwelkter Stengel bezeichnete den Tod einer Wildblume. Das unterschied sich nicht wesentlich vom S�den.</p><p>Dieses eine Mal sp�hte Nynaeve nicht in die sie umgebende Landschaft, um Lan zu finden. Er und Birgitte w�ren ohnehin nicht lange fort, nicht hier. Statt dessen schritt sie energisch zwischen den Pferden aus, befahl den Frauen mit herrischer Stimme aufzusteigen, hetzte die Diener mit den Packpferden voran, belehrte die Frauen der Schwesternschaft, die keine Pferde hatten, kurz angebunden, da� jedes Kind f�nf Meilen laufen konnte, und schrie eine schlanke altarenische Adlige mit einer Narbe auf der Wange und einem B�ndel in den Armen, das fast so gro� war wie sie selbst, an, da� sie, wenn sie t�richt genug gewesen sei, alle ihre Kleider mitzubringen, diese auch tragen k�nne. Alise hatte die Atha'an Miere um sich versammelt und unterwies sie darin, wie man ein Pferd bestieg. Es war ein Wunder, da� sie anscheinend tats�chlich aufpa�ten. Nynaeve schaute in ihre Richtung und schien erfreut, Alise ruhig auf einem Fleck stehen zu sehen, bis Alise ihr ermutigend zul�chelte und ihr bedeutete, mit ihrer Arbeit fortzufahren.</p><p>Nynaeve stand einen Moment stocksteif da und starrte die Frau an. Dann kam sie durch das Gras auf Elayne zu. Sie griff mit beiden H�nden nach ihrem Hut, z�gerte, sah durch die Wimpern zu Elayne hoch und r�ckte den Hut erst dann unwirsch zurecht. �Dieses Mal werde ich alles ihr �berlassen�, sagte sie in verd�chtig vern�nftigem Tonfall. �Wir werden ja sehen, wie gut sie mit diesen ... Meervolkleuten zurechtkommt. Ja, das werden wir�, wiederholte sie in entschieden zu vern�nftigem Tonfall. Dann betrachtete sie pl�tzlich stirnrunzelnd das noch ge�ffnete Wegetor. �Warum h�ltst du es noch fest? La� es los.� Aviendha runzelte ebenfalls die Stirn.</p><p>Elayne atmete tief durch. Sie hatte dar�ber nachgedacht, und es gab keine andere M�glichkeit, aber Nynaeve w�rde es ihr auszureden versuchen, und es war keine Zeit zu streiten. Der durch das Wegetor sichtbare Hof war verlassen. Sogar die H�hner waren durch den Tumult schlie�lich vertrieben worden, aber wie lange w�rde es dauern, bis der Hof wieder lebendig w�rde? Sie betrachtete ihr Gewebe und lie� es dann so ruhig verschmelzen, da� nur wenige F�den ausgepr�gt blieben. Sie konnte nat�rlich alle Str�nge sehen, aber bis auf jene wenigen schienen sie untrennbar verbunden. �Bring alle zum Gutshaus, Nynaeve�, sagte sie. Die Sonne w�rde bald untergehen. Ihnen blieben vielleicht noch zwei Stunden Tageslicht. �Meister Hornwell wird �ber so viele in der Dunkelheit eintreffende Besucher �berrascht sein, aber sagt ihm, ihr wart G�ste des M�dchens, das wegen des Feuertanagra mit dem gebrochenen Fl�gel geweint hat. Er wird sich daran erinnern. Ich werde nachkommen, sobald ich kann.�</p><p>�Elayne�, begann Aviendha mit �berraschend �ngstlicher Stimme, und Nynaeve sagte gleichzeitig: �Was glaubst du eigentlich, was du...�</p><p>Es gab nur eine M�glichkeit, dem Einhalt zu gebieten. Elayne zog einen der unterscheidbaren F�den aus dem Gewebe heraus. Er flimmerte und bewegte sich wie ein lebendiger Tentakel, zerfaserte und zischte. Winzige Flocken <emphasis>Saidar</emphasis> spalteten sich ab und verbla�ten. Sie hatte das nicht bemerkt, als Aviendha ihr Gewebe aufgel�st hatte, aber sie hatte auch nur den Rest der Aufl�sung gesehen. �Geh nur�, wies sie Nynaeve an. �Ich werde warten, bis ihr alle au�er Sicht seid.� Nynaeve sah betr�bt vor sich hin. �Es mu� sein�, seufzte Elayne. �Die Seanchaner werden gewi� innerhalb von Stunden auf dem Bauernhof eintreffen. Und selbst wenn sie bis morgen warten �was ist, wenn eine der <emphasis>Damane</emphasis> das Talent besitzt, R�ckst�nde des Wegetors zu deuten? Nynaeve, ich werde den Seanchanern keinesfalls das Schnelle Reisen �berlassen. Das werde ich nicht tun!�</p><p>Nynaeve �u�erte leise grollend etwas �ber die Seanchaner, was ihrem Tonfall nach zu urteilen besonders drastisch gewesen sein mu�te. �Nun, und <emphasis>ich</emphasis> werde nicht zulassen, da� du dich ausbrennst!� sagte sie laut. �Jetzt mach das r�ckg�ngig! Bevor das Ganze explodiert, wie Vandene sagte. Du wirst uns alle t�ten!�</p><p>�Es kann nicht r�ckg�ngig gemacht werden�, sagte Aviendha und legte eine Hand auf Nynaeves Arm. �Sie hat es angefangen, und jetzt mu� sie es beenden. Du mu�t tun, was sie sagt, Nynaeve.�</p><p>Nynaeve senkte die Augenbrauen. �Muߋ war ein Wort, das sie auf sich gem�nzt gar nicht mochte. Sie war jedoch keine N�rrin, so da� sie nach mehreren Blicken � auf Elayne, auf das Wegetor, auf Aviendha, auf die Welt im allgemeinen � die Arme um Elayne schlang und sie heftig an sich dr�ckte.</p><p>�Sei vorsichtig, h�rst du?� fl�sterte sie. �Wenn du dich t�ten l��t, schw�re ich, da� ich dir bei lebendigem Leibe die Haut abziehen werde!� Elayne brach trotz allem in Lachen aus. Nynaeve schnaubte und schob sie an den Schultern auf Armesl�nge von sich. �Du wei�t, was ich meine�, grollte sie. �Und denk nicht, da� ich spa�e, denn ich meine es durchaus ernst! Ich meine es ernst�, f�gte sie sanfter hinzu.</p><p>�Pa� auf dich auf.�</p><p>Es dauerte einen Moment, bis Nynaeve sich wieder gefa�t hatte. Sie blinzelte und straffte ihre blauen Reithandschuhe. Tr�nen schimmerten kaum wahrnehmbar in ihren Augen, obwohl das eigentlich nicht sein konnte. Nynaeve brachte andere Menschen zum Weinen, weinte aber selbst nicht. �Also dann�, verk�ndete sie laut. �Alise, wenn noch nicht alle bereit sind...� Sie wandte sich um und brach erstickt ab.</p><p>Alle, die inzwischen aufgestiegen sein sollten, waren tats�chlich aufgestiegen, selbst die Atha'an Miere. Die Beh�ter waren um die anderen Schwestern versammelt. Lan und Birgitte waren zur�ckgekehrt, und Birgitte beobachtete Elayne besorgt. Die Diener hatten die Packpferde in einer Reihe aufgestellt, und die Frauen der Schwesternschaft warteten geduldig. Die meisten von ihnen waren zu Fu�. Eine Anzahl Pferde, die zum Reiten h�tten verwendet werden k�nnen, waren mit S�cken voller Nahrung und B�ndeln Habe beladen. Frauen, die mehr mitgenommen hatten, als Alise erlaubt hatte � keine Frauen der Schwesternschaft � trugen ihre B�ndel auf dem R�cken. Die schlanke Adlige mit der Narbe war durch ihre Last stark vorn�ber gebeugt und vermied es, Alise anzusehen. Alle Frauen, welche die Macht lenken konnten, betrachteten das Wegetor. Und alle Frauen, die Vandene von den Gefahren hatten sprechen h�ren, beobachteten den einzelnen zuckenden Faden, wie sie eine rote Viper beobachtet h�tten.</p><p>Alise selbst brachte Nynaeve ihr Pferd und richtete ihren Hut mit den blauen Federn, w�hrend Nynaeve einen Fu� in den Steigb�gel setzte. Nynaeve wandte die gedrungene Stute nordw�rts, wobei sie eine zutiefst gekr�nkte Miene aufsetzte, w�hrend Lan auf Mandarb neben sie ritt. Elayne verstand nicht, warum sie Alise nicht einfach zurechtwies. Wenn man Nynaeves Erz�hlungen glauben durfte, hatte sie Frauen, die �lter waren als sie, bereits in fr�hestem Alter zurechtgewiesen. Und sie war jetzt immerhin eine Aes Sedai. Das sollte sie jeder Frau der Schwesternschaft weit �berlegen machen.</p><p>Als die Kolonne zu den H�geln aufbrach, schaute Elayne zu Aviendha und Birgitte. Aviendha stand schweigend da, die Arme unter den Br�sten verschr�nkt, und hielt das <emphasis>Angreal</emphasis> der in ihr Haar geh�llten Frau mit einer Hand fest umklammert. Birgitte nahm Elayne L�wins Z�gel ab, band sie mit denen ihres eigenen Pferdes zusammen, ging dann zu einem zwanzig Schritt entfernten Felsen und setzte sich hin.</p><p>�Ihr beide m��t...�, begann Elayne und hustete dann, als Aviendha �berrascht die Augenbrauen w�lbte. Es war unm�glich, Aviendha aus einem Gefahrengebiet fortzuschicken, ohne sie zu besch�men. Vielleicht war es �berhaupt unm�glich. �Ich m�chte, da� du mit den anderen gehst�, sagte sie zu Birgitte. �Und nimm L�win auch mit. Aviendha und ich k�nnen uns auf ihrem Wallach abwechseln. Ich w�rde gern vor dem Schlafengehen noch einen Spaziergang machen.�</p><p>�Wenn du einen Mann jemals auch nur halb so gut behandelst wie dieses Pferd�, sagte Birgitte trocken, �wird er dir ein Leben lang treu sein. Ich glaube, ich werde einfach eine Weile sitzen bleiben. Ich bin heute lange genug geritten. Ich stehe dir nicht st�ndig zur Verf�gung. Wir k�nnen das Spiel vor den Schwestern und den anderen Beh�tern spielen, um dir eine gewisse Verlegenheit zu ersparen, aber wir beide wissen es besser.� Elayne sp�rte trotz der sp�ttischen Worte Birgittes Zuneigung. Nein, etwas St�rkeres als Zuneigung. Ihre Augen brannten pl�tzlich. Ihr Tod w�rde Birgitte zutiefst verletzen � der Beh�terbund sorgte daf�r �, aber jetzt blieb sie wegen ihrer Freundschaft.</p><p>�Ich bin dankbar, zwei Freundinnen wie euch zu haben�, sagte sie schlicht. Birgitte grinste sie an, als h�tte sie etwas Spa�iges gesagt.</p><p>Aviendha err�tete jedoch vor Zorn und starrte Birgitte mit geweiteten Augen an, als sei die Gegenwart der Beh�terin die Ursache f�r ihre ger�teten Wangen. Sie wandte den Blick hastig zu den Menschen, die den ersten H�gel noch nicht erreicht hatten und noch ungef�hr eine halbe Meile davon entfernt waren. �Du solltest besser warten, bis sie au�er Sicht sind�, sagte sie, �aber du darfst auch nicht zu lange warten. Wenn du mit der Aufl�sung erst begonnen hast, werden die Str�nge nach einiger Zeit allm�hlich ... glatt. Einen Strang loszulassen, bevor er sich aus dem Gewebe gel�st hat, ist genauso, als w�rde man das Gewebe loslassen. Es wird dann zu etwas Beliebigem zerfallen. Aber du brauchst dich auch nicht sonderlich zu beeilen. Jeder Faden mu� so weit frei gezogen werden wie m�glich. Je mehr F�den sich l�sen, desto leichter werden andere zu sehen sein, aber du mu�t stets den am besten sichtbaren Faden herauspicken.� Sie l�chelte herzlich und dr�ckte ihre Finger fest auf Elaynes Wange. �Du wirst es richtig machen, wenn du vorsichtig bist.�</p><p>Es klang nicht so schwierig. Sie mu�te nur vorsichtig sein. Es dauerte ziemlich lange, bis die letzte Frau �ber dem H�gel verschwand, die schlanke Adlige, die unter der Last ihrer Kleider gebeugt ging. Die Sonne schien �berhaupt nicht untergehen zu wollen, obwohl schon Stunden vergangen sein mu�ten. Was hatte Aviendha mit �glatt� gemeint? Das Wort hatte nicht so viele Bedeutungen � es mu�te wohl lediglich bedeuten, da� die Str�nge dann schwer festzuhalten waren.</p><p>Elayne fand es heraus, sobald sie erneut begann. �Glatt� war ein lebendiger Aal, wenn man ihn mit �l einrieb. Sie knirschte schon bei dem Versuch, den ersten Faden festzuhalten, mit den Z�hnen, und dann sollte sie ihn auch noch herausziehen. Nur die Tatsache, da� es noch weitere zu l�sen galt hinderte sie daran, erleichtert aufzuseufzen, als der Strang zu z�cken begann und sich schlie�lich l�ste. W�rden sie noch glatter, war sie sich nicht sicher, da� sie es schaffen k�nnte. Aviendha beobachtete sie genau, schwieg aber, obwohl sie Elayne stets ermutigend zul�chelte, wenn diese es brauchte. Elayne konnte Birgitte nicht sehen � sie wagte es nicht, den Blick von ihrer Arbeit abzuwenden �, und doch konnte sie Birgitte sp�ren, als kleine Ansammlung felsenfesten Vertrauens in ihrem Kopf, genug Vertrauen, da� es sie erf�llte.</p><p>Schwei� lief ihr �ber das Gesicht, den R�cken und den Bauch hinab, bis sie sich auch selbst �glatt� zu f�hlen begann. Ein Bad w�re heute abend <emphasis>h�chst</emphasis> willkommen. Nein, daran durfte sie jetzt nicht denken. Alle Aufmerksamkeit mu�te den F�den gelten. Sie zitterten in ihrem Griff, sobald sie einen ber�hrte, aber sie l�sten sich noch immer, und jedesmal, wenn ein Faden zu zucken begann, schien sich ein weiterer aus der Masse zu losen, zu pl�tzlich, um deutlich erkennbar zu sein, da zuvor nur eine feste Masse <emphasis>Saidar</emphasis> dagewesen war. Aus ihrem Blickwinkel erinnerte das Wegetor an ein schreckliches, verzerrtes Wesen am Grund eines Teichs, von zuckenden Ranken umgeben, die wuchsen, sich wanden und verschwanden, nur um durch neue ersetzt zu werden. Die f�r jedermann sichtbare �ffnung dehnte sich an den R�ndern und ver�nderte best�ndig ihre Gestalt und sogar die Gr��e. Elaynes Beine begannen zu zittern, und die Anstrengung beeintr�chtigte ihr Sehverm�gen ebenso wie der Schwei�. Sie wu�te nicht, wieviel l�nger sie noch weitermachen konnte. Sie bi� die Z�hne zusammen und k�mpfte. Ein Faden nach dem anderen. Ein Faden nach dem anderen...</p><p>Tausend Meilen entfernt, weniger als hundert Schritt durch das zitternde Wegetor, rannten Dutzende von Soldaten um die wei�en Geb�ude des Bauernhofs herum, kleine M�nner mit Armbrusten, braunen Brustharnischen und bemalten Helmen, die wie die K�pfe riesiger Insekten aussahen. Hinter ihnen kam eine Frau mit roten Abzeichen, einem Silberblitz auf den R�cken und einem Armband um ihr Handgelenk; die daran befestigte silberne Koppel war mit dem Band um den Hals einer Frau in Grau verbunden. Danach kamen eine weitere <emphasis>Sul'dam</emphasis> und ihre <emphasis>Damane</emphasis> und noch ein weiteres Paar. Eine der <emphasis>Sul'dam</emphasis> deutete auf das Wegetor, und pl�tzlich umh�llte das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> ihre <emphasis>Sul'dam.</emphasis></p><p>�Runter!� schrie Elayne und lie� sich r�ckw�rts fallen, au�er Sicht des Bauernhofs, als ein silberblauer Blitz mit ohrenbet�ubendem Br�llen durch das Wegetor scho� und sich wild in alle Richtungen ausbreitete. Ihre Haare str�ubten sich. Alle Str�hnen versuchten sich einzeln aufzurichten, und donnernde Erdfont�nen brachen auf, wo immer einer der Ausl�ufer des Blitzes auftraf. Erde und Steine regneten auf sie herab.</p><p>Elaynes H�rverm�gen kehrte j�h zur�ck, und sie nahm die Stimme eines Mannes von der anderen Seite der �ffnung in undeutlichem, gedehntem Tonfall wahr, der ihr ebenso eine G�nsehaut verursachte wie die Worte. �...m��t sie lebend gefangennehmen, ihr Narren!�</p><p>Pl�tzlich sprang einer der Soldaten unmittelbar vor ihr auf die Wiese. Birgittes Pfeil bohrte sich durch die auf seinen Lederbrustharnisch gepre�te Faust. Ein zweiter seanchanischer Soldat stolperte �ber den ersten, als dieser hinfiel, und Aviendhas G�rteldolch stak bereits in seiner Kehle, bevor er sich wieder aufrappeln konnte. Ein Pfeilhagel wurde von Birgittes Bogen abgeschossen. Sie hatte einen Stiefel auf die Z�gel ihres Pferdes gestellt und l�chelte grimmig, w�hrend sie scho�. Die Pferde warfen zitternd die K�pfe hoch und t�nzelten, als wollten sie sich losrei�en und davonlaufen, aber Birgitte stand nur da und scho�, so schnell sie die Pfeile einlegen konnte. Schreie von jenseits des Wegetors zeigten an, da� Birgitte Silberbogen noch immer mit jedem abgeschossenen Pfeil traf. Die Antwort erfolgte, schnell wie ein schlechter Gedanke. Schwarze Striche, Armbrustpfeile. So rasch, alles geschah so rasch. Aviendha fiel zu Boden, Blut lief �ber die Finger, die ihren rechten Arm umklammerten, aber sie lie� ihre Wunde sofort wieder los, kroch vorw�rts, suchte auf dem Boden mit angespanntem Gesicht nach dem <emphasis>Angreal.</emphasis> Birgitte schrie auf. Sie lie� den Bogen fallen und umfa�te ihren rechten Oberschenkel, aus dem ein Pfeil ragte. Elayne sp�rte den Schmerz so stark, als w�re es ihr eigener.</p><p>Sie ergriff in ihrer halb auf dem R�cken liegenden Stellung verzweifelt einen weiteren Faden des Gewebes. Und erkannte nach einem Zug entsetzt, da� sie nicht mehr tun konnte, als ihn nur festzuhalten. Hatte sich der Faden bewegt? Hatte er sich �berhaupt ein St�ck gel�st? Wenn dem so war, wagte sie ihn nicht loszulassen. Der Faden zitterte in ihrem Griff.</p><p>�Lebend, sagte ich!� br�llte die seanchanische Stimme. �Niemand, der eine Frau t�tet, bekommt etwas von dem erbeuteten Gold!� Der Regen von Armbrustpfeilen h�rte auf.</p><p>�Ihr wollt mich gefangennehmen?� rief Aviendha. �Dann kommt und tanzt mit mir!� J�h war sie vom Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben, selbst mit dem <emphasis>Angreal</emphasis> noch schwach, und Feuerkugeln sprangen vor dem Wegetor auf und stoben immer wieder hindurch. Keine sehr gro�en Kugeln, aber die Wucht des Aufpralls in Altara war best�ndig zu h�ren. Aviendha keuchte jedoch vor Anstrengung, und ihr Gesicht gl�nzte vor Schwei�. Birgitte hatte ihren Bogen wieder aufgenommen, jeder Zoll die Heldin der Legende. W�hrend Blut ihr Bein hinablief und sie kaum stehen konnte, hatte sie schon wieder einen Pfeil halbwegs herausgezogen und suchte nach einem neuen Ziel.</p><p>Elayne versuchte, ihre Atmung zu beruhigen. Sie konnte um keinen Preis mehr Macht heranziehen. �Ihr beide m��t fliehen�, sagte sie. Elayne konnte nicht glauben, da� sie so eiskalt und ruhig klang. Sie wu�te, da� sie h�tte jammern sollen. Ihr Herz pochte heftig.</p><p>�Ich wei� nicht, wie lange ich das hier noch halten kann.� Das galt sowohl f�r das Gewebe insgesamt als auch f�r den einzelnen Faden, Entglitt er ihr? �Flieht, so schnell ihr k�nnt. Auf der anderen Seite der Berge solltet ihr sicher sein, aber jeder Meter, den ihr bew�ltigen k�nnt, n�tzt etwas. Geht!�</p><p>Birgitte grollte etwas in der Alten Sprache, aber nichts, was Elayne bekannt war. Es klang wie S�tze, die sie gern lernen w�rde. Wenn jemals die Gelegenheit dazu best�nde. Birgittes folgende Worte konnte Elayne jedoch verstehen. �Wenn du dieses verdammte Ding losl��t, bevor ich es dir sage, wirst du nicht mehr darauf warten m�ssen, da� Nynaeve dir die Haut abzieht. Ich werde es selbst tun � dann erst kommt sie an die Reihe. Sei einfach still und halte fest! Aviendha, komm hier herum � hinter dieses Ding! Kannst du es von der R�ckseite aus aufrechterhalten? Komm her und steig auf eines dieser verdammten Pferde.�</p><p>�Solange ich sehen kann, wo ich weben mu߫, erwiderte Aviendha und richtete sich taumelnd auf. Sie wankte seitw�rts und fing sich nur m�hsam wieder. Blut aus einer b�sen Wunde flo� ihren �rmel hinab. �Ich denke, ich kann es.� Sie verschwand hinter dem Wegetor, und die Feuerkugeln barsten weiterhin. Man konnte von der anderen Seite durch ein Wegetor hindurchblicken, aber das Bild erschien dann wie ein Trugbild. Man konnte von jener Seite jedoch nicht hindurchgehen � der Versuch w�re extrem schmerzhaft �, und als Aviendha wieder erschien, wankte sie noch st�rker. Birgitte half ihr, auf ihr Pferd zu steigen � <emphasis>r�ckw�rts.</emphasis> Auch das noch!</p><p>Als Birgitte ihr dringliche Zeichen gab, machte Elayne sich nicht die M�he, den Kopf zu sch�tteln. Sie f�rchtete, was geschehen k�nnte, wenn sie es tat. �Ich bin mir nicht sicher, da� ich noch festhalten kann, wenn ich aufzustehen versuche.� In Wahrheit war sie sich nicht sicher, ob sie <emphasis>�berhaupt</emphasis> aufstehen konnte. Es hatte nichts mehr mit Ersch�pfung zu tun �ihre Muskeln hatten jede Kraft verloren. �Reitet, so schnell ihr k�nnt. Ich werde so lange festhalten wie m�glich. Bitte, geht!�</p><p>Birgitte murmelte in der Alten Sprache Fl�che � es mu�ten Fl�che sein, denn nichts sonst klang jemals so! � und dr�ckte Aviendha die Z�gel der Pferde in die Hand. Sie hinkte zu Elayne, wobei sie zweimal beinahe hinfiel, und beugte sich herab, um sie an den Schultern zu fassen. �Du kannst festhalten�, sagte sie, wobei ihre Stimme voller �berzeugung war, die sie auch Elayne gef�hlsm��ig vermittelte. �Ich bin vor dir noch niemals einer K�nigin von Andor begegnet, aber ich habe K�niginnen wie dich gekannt. Ihr habt ein R�ckgrat aus Stahl und das Herz einer L�win. Du kannst es schaffen!�</p><p>Sie zog Elayne langsam hoch, wartete ihre Antwort jedoch nicht ab. Ihr Gesicht war angespannt, und der Schmerz in ihrem Bein hallte in Elaynes Kopf wider. Elayne zitterte unter der Anstrengung, das Gewebe festzuhalten. Sie war �berrascht, sich aufrecht stehend wiederzufinden. Und lebend. Birgittes Bein pochte in ihrem Kopf wie wahnsinnig. Sie versuchte, sich nicht auf Birgitte zu st�tzen, aber ihre zitternden Glieder wollten sie nicht mehr allein tragen. Als sie auf die Pferde zuwankten, schaute sie best�ndig �ber die Schulter zur�ck. Sie konnte ein Gewebe festhalten, ohne hinzusehen � normalerweise konnte sie es �, aber sie mu�te sich versichern, da� sie diesen einen Faden tats�chlich noch unter Kontrolle hielt, da� er ihr nicht entglitt. Das Wegetor erinnerte jetzt an kein ihr bekanntes Gewebe mehr, es wand sich wild und verflocht wirre Tentakel.</p><p>St�hnend hob Birgitte sie eher in den Sattel, als da� sie ihr nur hinaufhalf. R�ckw�rts, genau wie bei Aviendha! �Du mu�t sehen k�nnen�, erkl�rte sie und hinkte zu ihrem Wallach. Die Z�gel aller drei Pferde in H�nden zog sie sich m�hsam hoch, ohne einen Laut auszusto�en, aber Elayne empfand ihren Schmerz. �Du tust, was getan werden mu�, und �berl��t es mir, wohin wir reiten.� Birgitte bohrte ihrem Wallach die Fersen in die Flanken, und die Pferde galoppierten in wilder Flucht davon.</p><p>Elayne klammerte sich ebenso verbissen an ihren Sattel, wie sie sich an das Gewebe, an <emphasis>Saidar</emphasis> selbst klammerte. Das galoppierende Pferd sch�ttelte sie durch, und sie konnte nur versuchen, im Sattel zu bleiben. Aviendha benutzte den Zwiesel ihres Sattels als St�tze. Sie atmete durch den weit aufgerissenen Mund, und ihr Blick wirkte starr. Das Schimmern um sie herum und der Strom von Feuerkugeln blieben jedoch bestehen. Gewi� nicht mehr so rasch wie zuvor, und einige Kugeln gingen weit am Wegetor vorbei, zogen Flammenspuren durchs Gras oder explodierten auf dem jenseits gelegenen Boden, aber sie wurden noch immer gestaltet und ausgel�st. Elayne sammelte Kraft, zwang sich dazu, Kraft zu sammeln. Wenn Aviendha weitermachte, obwohl sie jeden Moment zusammenzubrechen schien, konnte sie es auch.</p><p>Das Wegetor begann schnell zu schwinden, w�hrend sich zunehmend braune Grasfl�chen zwischen ihnen und der �ffnung erstreckten, und dann stieg der Boden an. Sie ritten den H�gel hinauf! Birgitte war ganz konzentriert, k�mpfte gegen den Schmerz in ihrem Bein an, dr�ngte die Pferde zu noch gr��erer Geschwindigkeit. Sie mu�ten nur den H�gelkamm erreichen.</p><p>Aviendha sank keuchend auf ihre Ellbogen, wurde haltlos durchgesch�ttelt. Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> flackerte um sie herum und schwand dann. �Ich kann nicht mehr�, keuchte sie. �Ich kann nicht.� Zu mehr war sie nicht l�nger in der Lage. Seanchanische Soldaten sprangen fast unmittelbar, nachdem der Feuerkugelhagel aufh�rte, auf die Wiese.</p><p>�Es ist in Ordnung�, stie� Elayne m�hsam hervor. Ihre Kehle war rauh. Alle Feuchtigkeit bedeckte jetzt ihre Haut und tr�nkte ihre Kleidung. �Es erm�det, ein <emphasis>Angreal</emphasis> zu benutzen. Du hast es gut gemacht. Sie k�nnen uns jetzt nichts mehr anhaben.�</p><p>Wie um ihr zu spotten, erschien auf der Wiese unter ihnen eine <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Die beiden Frauen waren selbst auf die Entfernung von einer halben Meile gut zu erkennen. Die tief im Westen stehende Sonne spiegelte sich noch auf dem <emphasis>A'dam,</emphasis> das sie verband. Ein zweites Paar kam dazu, dann ein drittes und ein viertes. Und ein f�nftes.</p><p>�Der H�gelkamm!� schrie Birgitte freudig. �Wir haben es geschafft! Heute abend wird gefeiert!�</p><p>Eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> auf der Wiese deutete in ihre Richtung, und die Zeit schien sich zu verlangsamen. Das Schimmern der Einen Macht sprang um die <emphasis>Damane</emphasis> der Frau auf. Elayne konnte sehen, wie das Gewebe sich formte. Sie wu�te, was es war. Man konnte es nicht aufhalten. �Schneller!� schrie sie. Der Schild traf sie. Elayne h�tte daf�r ausreichend stark sein sollen � sie <emphasis>h�tte</emphasis> es sein sollen! �, aber ersch�pft wie sie war, konnte sie sich kaum noch an <emphasis>Saidar</emphasis> klammern, und so durchtrennte er ihre Verbindung zur Quelle. Unten auf der Wiese fiel das Gewebe, das ein Wegetor gewesen war, in sich zusammen. Verst�rt und scheinbar unf�hig, sich zu regen, warf sich Aviendha aus dem Sattel auf Elayne und brachte sie beide zu Fall. Elayne hatte gerade noch Zeit, den jenseitigen H�gelhang unter sich zu sehen, als sie fiel.</p><p>Die Luft wurde wei� und verh�llte ihre Sicht. Da waren Ger�usche � sie erkannte, da� da Ger�usche waren, ein lautes Br�llen �, aber sie h�rte sie nicht. Sie prallte auf dem Boden auf, als w�re sie von einem Dach auf hartes Pflaster gest�rzt oder von einer Turmspitze.</p><p>Sie �ffnete die Augen und blickte nach oben. Der Himmel wirkte Irgendwie seltsam, verschwommen. Sie konnte sich einen Moment nicht bewegen, und als es ihr endlich gelang, keuchte sie laut. Sie hatte �berall Schmerzen. Oh, Licht, sie hatte Schmerzen! Sie hob langsam eine Hand zum Gesicht. Ihre Finger waren rot. Blut. Die anderen. Sie mu�te den anderen helfen. Sie konnte Birgitte sp�ren, den Schmerz genauso stark sp�ren wie das, was sie gepackt hatte, aber zumindest lebte Birgitte. Und sie war entschlossen � und anscheinend zornig. Sie konnte nicht allzu schlimm verletzt sein. Aviendha.</p><p>Elayne drehte sich schluchzend um und erhob sich dann auf H�nde und Knie, wobei sich in ihrem Kopf alles drehte und sie Schmerzen in der Seite versp�rte. Sie erinnerte sich vage daran, da� es gef�hrlich sein konnte, sich mit auch nur einer gebrochenen Rippe zu bewegen, aber dieser Gedanke verfl�chtigte sich rasch wieder. Denken schien ... schwierig. Aber Blinzeln half ihrer Sicht anscheinend. Ein wenig. Sie befand sich fast am Fu� des H�gels! Hoch �ber ihr stieg Qualm von der jenseitigen Wiese auf. Aber das war jetzt unwichtig. Vollkommen unwichtig.</p><p>Drei�ig Schritt den Hang aufw�rts hatte Aviendha sich ebenfalls auf H�nde und Knie aufgerichtet, fiel aber fast wieder um, als sie eine Hand hob, um sich das Blut aus ihrem Gesicht zu wischen, aber sie lie� ihren Blick dennoch �ngstlich suchend schweifen. Ihr Blick fiel auf Elayne, und sie erstarrte. Elayne fragte sich, wie schlimm sie aussah. Gewi� nicht schlimmer als Aviendha selbst. Der Rock der Frau war nur noch zur H�lfte vorhanden, ihr Leibchen fast abgerissen, und �berall, wo Haut zu sehen war, schien auch Blut zu sein.</p><p>Elayne kroch zu ihr. Das schien bei der Benommenheit in ihrem Kopf weitaus leichter als zu versuchen, aufzustehen und zu gehen. Als sie sich ihr n�herte, stie� Aviendha ein erleichtertes Seufzen aus.</p><p>�Es geht dir gut�, sagte sie und ber�hrte mit blutigen Fingern Elaynes Wange. �Ich hatte solche Angst. Solche Angst.�</p><p>Elayne blinzelte �berrascht. Was sie an sich selbst erkennen konnte, wirkte ebenso schlimm wie Aviendhas Zustand. Ihre R�cke waren zwar heil geblieben, aber sie blutete anscheinend aus zwei Dutzend Wunden. Dann erkannte sie es. Sie war nicht ausgebrannt. Sie erschauderte bei dem Gedanken. �Es geht uns beiden gut�, sagte sie sanft.</p><p>Ein St�ck seitlich von ihr wischte Birgitte ihr Messer an der M�hne von Aviendhas Wallach ab und richtete sich dann von dem leblosen Pferd auf. Ihr rechter Arm baumelte herab, ihr Umhang war fort wie auch ein Stiefel, ihre �brige Kleidung war zerrissen. Ihre Haut und Kleidung war genauso blutbefleckt wie die der beiden anderen. Der aus ihrem Oberschenkel ragende Armbrustpfeil schien ihre schlimmste Verletzung verursacht zu haben, aber die �brigen Wunden entsprachen gewi� Elaynes eigenen. �Sein R�ckgrat war gebrochen�, sagte sie, indem sie auf das Pferd zu ihren F��en deutete. �Meinem Pferd geht es wohl gut, denn ich sah es wie der Wind davonlaufen. Ich habe es immer schon f�r schnell gehalten. Aber L�win...� Sie zuckte mit den Achseln und schrak daraufhin zusammen. �Elayne, L�win war tot, als ich sie fand. Es tut mir leid.�</p><p>�Wir leben�, sagte Elayne fest, �und nur das z�hlt.� Sie konnte sp�ter um L�win trauern. Der Qualm �ber dem H�gelkamm war nicht dicht, stieg aber �ber einem weiten Gebiet auf. �Ich m�chte sehen, was ich getan habe.�</p><p>Sie mu�ten sich alle drei aneinander klammern, um aufstehen zu k�nnen, und es war sehr anstrengend, sich unter Keuchen und St�hnen � sogar von Aviendha � den Hang hinaufzum�hen. Sie klangen, als w�ren sie dem Tod nur knapp entronnen � was Elayne durchaus vermutete �, und sahen aus, als h�tten sie sich in einem Schlachthaus gesuhlt. Aviendha hielt das <emphasis>Angreal</emphasis> noch immer fest in ihrer Hand, aber selbst wenn Elayne oder sie mehr Talent zum Heilen besessen h�tten, so h�tten sie die Quelle nicht mehr umarmen, geschweige denn die Macht lenken k�nnen. Schlie�lich standen sie aneinandergelehnt auf dem H�gelkamm und betrachteten die Verw�stung.</p><p>Feuer umgab die Wiese, aber in der Mitte war sie geschw�rzt, schwelte, sogar die Steine waren verschwunden. Die meisten B�ume auf den umliegenden H�ngen waren umgest�rzt oder neigten sich von der Wiese fort. Falken erschienen, schwebten auf der vom Feuer aufsteigenden hei�en Luft. Falken jagten h�ufig auf diese Weise, suchten nach kleinen Tieren, die von den Flammen ins Freie getrieben wurden. Von den Seanchanern war nichts zu sehen. Elayne w�nschte, es w�ren Leichen vorhanden, damit sie sicher sein k�nnte, da� sie alle tot waren. Besonders alle <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Als sie jedoch auf den verbrannten, qualmenden Boden hinabblickte, war sie pl�tzlich froh, da� es keinen Beweis daf�r gab. Es war eine schreckliche Todesart gewesen. <emphasis>Das Licht sei ihren Seelen gn�dig,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Allen ihren Seelen.</emphasis></p><p>�Nun�, sagte sie laut, �ich habe es nicht so gut gemacht wie du, Aviendha, aber ich denke, ich habe mein Bestes gegeben. Ich werde versuchen, es beim n�chsten Mal noch besser zu machen.�</p><p>Aviendha sah sie von der Seite an. Sie hatte eine Wunde an der Wange, eine weitere auf der Stirn und einen langen Schnitt am Kopf, der ihren Sch�del freigab. �F�r einen ersten Versuch hast du es weitaus besser gemacht als ich. Ich habe beim ersten Mal nur einen einfachen, in einen Strang Wind verflochtenen Knoten erreicht. Es hat mich f�nfzig Versuche gekostet, auch nur das zu l�sen, ohne da� mich etwas anderes bedroht h�tte.�</p><p>�Ich h�tte vermutlich mit etwas Einfacherem beginnen sollen�, sagte Elayne. �Ich habe die Angewohnheit, alles zu �berst�rzen.� �berst�rzen? Das war noch stark untertrieben. Sie unterdr�ckte ein Kichern, aber nicht fr�h genug, um Schmerzen in der Seite zu versp�ren. Also st�hnte sie leise, anstatt zu kichern. �Letztendlich haben wir eine neue Waffe gefunden. Ich sollte vielleicht nicht froh dar�ber sein, aber da die Seanchaner zur�ckgekehrt sind, bin ich es doch.�</p><p>�Du verstehst nicht, Elayne.� Aviendha deutete zur Mitte der Wiese, wo das Wegetor gewesen war. �Das h�tte nicht mehr als ein Lichtblitz oder noch weniger sein k�nnen. Man wei� es nicht, bis es geschieht. Ist ein Lichtblitz das Risiko wert, sich und jede andere Frau im Umkreis von hundert oder mehr Schritten auszubrennen?�</p><p>Elayne starrte sie an. Aviendha war geblieben, obwohl sie das wu�te? Sein Leben zu riskieren, war eine Sache, aber die F�higkeit, die Macht zu lenken, zu verlieren... �Ich m�chte, da� wir einander als Erstschwestern annehmen, Aviendha. Sobald wir Weise Frauen finden k�nnen.� Was sie mit Rand tun sollten, wu�te sie beim besten Willen nicht. Allein der Gedanke, da� sie ihn beide heiraten w�rden � und Min ebenfalls! �, war mehr als l�cherlich. Aber dieser Sache war sie sich sicher. �Ich mu� nicht mehr �ber dich wissen. Ich m�chte deine Schwester sein.� Sie k��te sanft Aviendhas blutverschmierte Wange.</p><p>Aviendha err�tete noch weitaus st�rker als zuvor. Selbst Aiel-Liebende k��ten sich nicht wenn jemand sie sehen konnte. Flammende Sonnenunterg�nge wirkten gegen ihr Gesicht bla�. �Ich m�chte dich auch als Schwester haben�, murmelte sie. Aviendha schluckte schwer, beugte sich � mit einem Blick zu Birgitte, die nicht auf sie zu achten vorgab � her�ber und dr�ckte ihre Lippen rasch auf Elaynes Wange. Elayne liebte sie f�r diese Geste ebenso sehr wie f�r alles andere.</p><p>Birgitte hatte �ber die Schulter an ihnen vorbei geschaut und vielleicht hatte sie �berhaupt nichts vorgegeben, denn jetzt sagte sie pl�tzlich: �Es kommt jemand. Lan und Nynaeve, wenn ich mich nicht t�usche.�</p><p>Sie wandten sich unbeholfen um und hinkten und stolperten st�hnend vorw�rts, was recht l�cherlich aussehen mu�te. Helden in Geschichten wurden niemals so stark verletzt, da� sie kaum noch stehen konnten. N�rdlich von ihnen erschienen in der Ferne kurz zwei Reiter zwischen den B�umen, die in ihre Richtung galoppierten. Kurz, aber ausreichend lange, um einen gro�en Mann auf einem st�mmigen Pferd auszumachen und eine Frau auf einem kleineren Tier an seiner Seite. Die drei Frauen setzten sich hin und warteten. Das war noch etwas, was Helden in Geschichten niemals taten, �berlegte Elayne seufzend. Sie hoffte, sie w�rde ihrer Mutter als K�nigin zur Ehre gereichen, aber unzweifelhaft w�rde sie niemals eine Heldin werden.</p><p>Chulein bewegte leicht die Z�gel, und Segani b�umte sich etwas auf und kehrte auf einer geriffelten Schwinge um. Er war ein gut ausgebildeter <emphasis>Raken,</emphasis> schnell und lebhaft, ihr Liebling, obwohl sie ihn nicht allein flog. Es gab stets mehr <emphasis>Morat'raken</emphasis> als <emphasis>Rahen,</emphasis> das war eine unumst��liche Tatsache. Auf dem unter ihr liegenden Bauernhof sprangen Feuerkugeln scheinbar aus der Luft und schossen in alle Richtungen. Sie versuchte, nicht darauf zu achten. Ihre Aufgabe war es, nach Schwierigkeiten rund um den Bauernhof Ausschau zu halten. Zumindest stieg kein Qualm mehr von der Stelle auf, wo Tauan und Macu im Olivenhain gestorben waren.</p><p>Tausend Schritt �ber dem Boden fliegend, konnte sie sehr weit sehen. Auch alle anderen <emphasis>Raken</emphasis> waren unterwegs und erkundeten die Landschaft. Jede Frau, die davonlief, w�rde daraufhin �berpr�ft werden, ob sie eine jener Frauen war, die all diese Aufregung verursacht hatten, obwohl in Wahrheit gewi� jedermann in dieser Gegend, der einen <emphasis>Raken</emphasis> in der Luft sah, davonlaufen w�rde. Chulein mu�te hier nur auf bevorstehende Schwierigkeiten achten. Sie w�nschte, sie versp�rte nicht dieses Kribbeln zwischen den Schulterbl�ttern, was stets bedeutete, da� <emphasis>tats�chlich'</emphasis> Schwierigkeiten bevorstanden. Der Segani umwehende Wind war bei dieser Geschwindigkeit nicht sehr stark, aber sie zog das Zugband der gewachsten Leinenkapuze unter ihrem Kinn dennoch fester, �berpr�fte die ledernen Sicherheitsgurte, die sie im Sattel hielten, richtete ihre Schutzbrille und straffte ihre Handschuhe.</p><p>�ber hundert Himmelsf�uste befanden sich bereits am Boden und � noch wichtiger � sechs <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit <emphasis>Damane</emphasis> sowie ein weiteres Dutzend, die Schultertaschen voll �bersch�ssiger <emphasis>A'dam</emphasis> trugen. Der zweite Flug mit Verst�rkung w�rde sich s�dw�rts von den H�geln erheben. Es w�re besser gewesen, wenn mehr am ersten Angriff teilgenommen h�tten, aber die Hailene hatten allzu wenige <emphasis>To'raken,</emphasis> und ein hartn�ckiges Ger�cht besagte, da� vielen davon die Aufgabe zugewiesen wurde, die Hochdame Suroth und ihr Gefolge von Amadicia herab zu begleiten. Man sollte den Adel nicht schlecht beurteilen, aber sie w�nschte dennoch, es w�ren mehr <emphasis>To'raken</emphasis> nach Ebou Dar geschickt worden. Kein <emphasis>Morat'raken</emphasis> mochte die riesigen, ungelenken <emphasis>To'raken,</emphasis> die nur zum Tragen von Lasten geeignet waren, aber sie h�tten schneller weitere Himmelsf�uste und <emphasis>Sul'dam</emphasis> zu den Bodentruppen bringen k�nnen.</p><p>�Ein Ger�cht besagt, da� es dort unten Hunderte von <emphasis>Marath'damane</emphasis> g�be�, sagte Eliya hinter ihr laut. Im Himmel mu�te man laut sprechen, um das Rauschen des Windes zu �bert�nen. �Wei�t du, was ich mit meinem Anteil an dem erbeuteten Gold tun werde? Ich werde mir ein Gasthaus kaufen. Dieses Ebou Dar scheint mir ein vielversprechender Ort zu sein, soweit ich sehen konnte. Vielleicht werde ich sogar einen Mann finden und Kinder haben. Was meinst du dazu?�</p><p>Chulein grinste hinter ihrem den Wind abhaltenden Schal. Jeder Flieger sprach davon, ein Gasthaus � oder eine Sch�nke oder manchmal auch einen Bauernhof �zu kaufen, aber wer konnte den Himmel verlassen? Sie t�tschelte Seganis langen, ledrigen Hals. Und jeder weibliche Flieger � drei von vier waren Frauen �sprach von einem Ehemann und Kindern, aber Kinder bedeuteten auch das Ende der Fliegerei.</p><p>�Ich meine, du solltest die Augen offenhalten�, sagte sie. Es schadete aber nicht, ein wenig dar�ber zu reden. Als die am leichtesten bewehrten Soldaten waren sie fast ebenso hart wie die Garde der Totenwache, einige sogar noch h�rter. �Ich werde mit meinem Anteil eine <emphasis>Damane</emphasis> kaufen und eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> dingen.� Wenn sich dort unten nur halb so viele <emphasis>Marath'damane</emphasis> befanden, wie das Ger�cht behauptete, w�rde ihr Anteil f�r zwei <emphasis>Damane</emphasis> reichen. F�r drei! �Eine <emphasis>Damane,</emphasis> die dazu ausgebildet ist, Himmelslichter zu gestalten.</p><p>Wenn ich den Himmel verlasse, werde ich ebenso reich sein wie eine Adlige.� Sie hatten hier etwas, das man �Feuerwerk� nannte � sie hatte einige Burschen gesehen, die sich vergeblich bem�ht hatten, den Adel in Tanchico daf�r zu interessieren �, aber wer w�rde etwas, mit den Himmelslichtern verglichen, so Bedauernswertes auch betrachten? Jene Burschen waren gefesselt und au�erhalb der Stadt auf die Stra�e geworfen worden.</p><p>�Der Bauernhof!� rief Eliya, und pl�tzlich wurde Segani schwer von etwas getroffen, schwerer als durch den st�rksten Windsto�, den Chulein jemals erlebt hatte, wodurch er ins Taumeln geriet.</p><p>Der <emphasis>Raken</emphasis> st�rzte hinab, stie� seinen heiseren Schrei aus und drehte sich so schnell, da� Chulein fest in ihre Sicherheitsgurte gedr�ckt wurde. Sie lie� die H�nde auf den Oberschenkeln, die Z�gel umklammert, aber locker. Segani mu�te sich selbst hieraus befreien. Jeder Ruck an den Z�geln w�rde ihn nur behindern. Sie st�rzten, sich drehend, abw�rts. <emphasis>Morat'raken</emphasis> lernten, nicht zu Boden zu blicken, wenn ein <emphasis>Raken</emphasis> hinabst�rzte, was auch immer der Grund daf�r war, aber sie konnte nicht umhin, jedes Mal ihre H�he zu bestimmen, wenn ein peitschen�hnlicher Ruck den Boden n�her in Sicht brachte. Achthundert Schritt. Sechshundert. Vier. Zwei. Das Licht bescheine ihre Seele, und die unendliche Gnade des Sch�pfers sch�tze sie vor...</p><p>Segani fing sich mit einem Schlag seiner breiten Schwingen, der Chulein seitw�rts ri� und ihre Z�hne klappern lie�. Die Spitzen seiner Klauen streiften die Baumwipfel, als sie abw�rts rauschten. Mit in harter �bung erworbener Ruhe �berpr�fte sie die Bewegung seiner Schwingen auf Verletzungen. Es war nichts erkennbar, aber sie w�rde ihn dennoch von einem <emphasis>Der'morat'raken</emphasis> genau untersuchen lassen. Ein Meister w�rde nichts �bersehen, was ihrem Blick vielleicht entging.</p><p>�Anscheinend sind wir der Schattenlady erneut entkommen, Eliya.� Sie wandte sich um, schaute �ber die Schulter und brach ab. Ein St�ck eines gerissenen Sicherheitsgurtes wehte hinter dem leeren Sitz hinter ihr her. Jeder Flieger wu�te, da� die Lady am Ende eines langen Sturzes wartete, aber es zu wissen, erleichterte die Erkenntnis nie.</p><p>Sie sprach ein schnelles Gebet f�r die Tote, besann sich wieder ihrer Pflicht und dr�ngte Segani, wieder aufzusteigen. Sie schwebten langsam in Spiralen aufw�rts, falls eine verborgene Kraft sie treffen sollte, aber doch so schnell, wie sie es f�r sicher hielt. Vielleicht ein wenig schneller, als sie es f�r sicher hielt. Von jenseits des H�gels vor ihr aufsteigender Rauch gab Anla� zur Sorge, aber was sie sah, als sie den Kamm �berflog, lie� ihren Mund austrocknen. Ihre H�nde hielten noch immer die Z�gel umfa�t, und Segani stieg weiterhin mit kraftvollem Schwingenschlag aufw�rts.</p><p>Der Bauernhof war ... fort. Nur noch die Grundmauern der wei�en Geb�ude, die zuvor dort gestanden hatten, waren zu sehen, w�hrend die gro�en, in den Hang gebauten Gebilde nur noch Schutthaufen waren.</p><p>Fort. Alles war geschw�rzt und verbrannt. Feuer w�tete durch das Unterholz der H�nge und schlug hundert Schritt weite Breschen in die Olivenhaine und W�lder, die sich zwischen den H�geln erstreckten. Jenseits lagen auf weiteren ungef�hr hundert Meilen umgest�rzte B�ume, alle vom Bauernhof abgewandt. Sie hatte noch niemals etwas �hnliches gesehen. Nichts konnte dort unten noch leben. Nichts h�tte das �berleben k�nnen. Was auch immer es gewesen war.</p><p>Sie fa�te sich rasch wieder und lenkte Segani nach S�den. Sie konnte in der Ferne <emphasis>To'mken</emphasis> erkennen, jeder mit einem Dutzend Himmelsf�usten und mit <emphasis>Sul'dam</emphasis> besetzt, die alle zu sp�t kamen. Sie begann im Geiste ihren Bericht zu formulieren. Sicherlich konnte kein anderer ihn verfassen. Jedermann behauptete, dieses Land sei voller <emphasis>Marath'datwne,</emphasis> die nur darauf warteten, gekoppelt zu werden, aber mit diesen neuen Waffen waren die Frauen, die sich Aes Sedai nannten, eine echte Gefahr. Es mu�te etwas mit ihnen geschehen, etwas Entscheidendes. Vielleicht w�rde die Hochdame Suroth, wenn sie auf dem Weg nach Ebou Dar war, die Notwendigkeit ebenfalls erkennen.</p></section><section><title><p>7</p><p>Ein Ziegenpferch</p></title><p>Der ghealdanische Himmel war wolkenlos. Die bewaldeten H�gel wurden von einer glei�enden Sonne beschienen. Das Land schmachtete kurz vor der Mittagszeit. Kiefern und Lederblattb�ume wurden durch die D�rre gelblich, wie auch andere B�ume, die Perrin ebenfalls f�r Immergr�ne hielt. Kein Lufthauch regte sich. Schwei� tropfte sein Gesicht herab, lief in seinen kurz geschorenen Bart. Sein gelocktes Haar war stumpf. Er meinte, irgendwo im Westen Donner zu h�ren, aber er hatte aufgeh�rt zu glauben, da� es jemals wieder regnen w�rde. Man h�mmerte das Eisen auf dem Ambo� vor sich, anstatt Tagtr�umen dar�ber nachzuh�ngen, Silber bearbeiten zu k�nnen.</p><p>Von seinem g�nstigen Standort des nur sp�rlich bewachsenen H�gelkamms aus betrachtete er durch ein Fernglas die ummauerte Stadt Bethai. Auch seine Augen konnten auf diese Entfernung Unterst�tzung gebrauchen. Bethai war eine recht gro�e Stadt mit schiefergedeckten Geb�uden und einem halben Dutzend hohen Steingebilden, die vielleicht die Pal�ste niederer Adliger oder die Heime betuchter H�ndler waren. Er konnte das scharlachrote Banner nicht ausmachen, das schlaff auf dem h�chsten Turm des gr��ten Palasts hing, die einzige sichtbare Flagge, aber er wu�te dennoch, wem sie geh�rte. Alliandre Maritha Kigarin, K�nigin von Ghealdan, weit von ihrer Hauptstadt Jehannah entfernt. Die jeweils von gut zwanzig Soldaten bewachten Stadttore waren ge�ffnet und doch kam niemand heraus, und die Stra�en, die er einsehen konnte, waren bis auf einen einsamen Reiter, der von Norden eilig auf Bethai zugaloppierte, menschenleer. Die Soldaten waren nerv�s. Einige verlagerten beim Herannahen des Reiters ihre Langspie�e oder Bogen, als wedele er mit einem bluttriefenden Schwert. Weitere Soldaten auf Wache zogen bei den T�rmen der Stadtmauer oder auf der Mauer selbst auf. Es gab dort oben auch viele eingelegte Pfeile und erhobene Armbruste. Viel Angst.</p><p>Ein Sturm war �ber diesen Teil Ghealdans hinweggefegt. Er hatte noch immer Bestand. Die Horden des Propheten schufen Chaos, Banditen zogen ihren Vorteil daraus, und Wei�m�ntel, die zu �berf�llen von Amadicia �ber die Grenze kamen, konnten leicht so weit ausschw�rmen. Einige wenige verstreute Rauchs�ulen weiter s�dlich kennzeichneten wahrscheinlich brennende Bauernh�fe, das Werk von Wei�m�nteln oder des Propheten. Banditen machten sich selten die M�he, Br�nde zu legen, und die anderen beiden lie�en nur wenig f�r sie �brig. Das Ger�cht, das Perrin in jedem Dorf, durch das er gekommen war, geh�rt hatte und das besagte, da� Amador gefallen sei � an den Propheten, an die Taraboner oder an die Aes Sedai, je nachdem, wer die Geschichte erz�hlte �, trug noch zur allgemeinen Verwirrung bei. Einige behaupteten, Pedron Niall selbst sei im Kampf zur Verteidigung der Stadt gefallen. Das war alles in allem Grund genug f�r eine K�nigin, um ihre eigene Sicherheit besorgt zu sein. Oder vielleicht befanden sich die Soldaten auch wegen ihm dort unten. Seine Reise nach S�den war trotz all seiner Bem�hungen wohl kaum unbemerkt geblieben.</p><p>Er kratzte sich nachdenklich den Bart. Schade, da� die W�lfe in den umliegenden H�geln ihm nichts erz�hlen konnten, aber sie achteten selten auf die Belange der Menschen und blieben ihnen fern. Und seit den Brunnen von Dumai hatte er es nicht mehr als richtig empfunden, mehr von ihnen zu erbitten als unbedingt notwendig. Es w�re nach allem vielleicht das beste, wenn er allein hineinritt, mit nur wenigen der Leute von den Zwei Fl�ssen.</p><p>Er dachte oft, Faile k�nne seine Gedanken lesen, normalerweise wenn er es am wenigsten wollte, und sie bewies es erneut, als sie ihre rabenschwarze Stute Schwalbe dicht neben seinen Braunen f�hrte. Ihr eng geschnittenes Reitgewand war fast so dunkel wie die Stute, und doch schien sie die Hitze besser zu vertragen als er. Sie roch leicht nach Kr�uterseife und sauberem Schwei� � nach sich selbst. Nach Entschlossenheit. Der Blick ihrer schr�gstehenden Augen wirkte sehr entschlossen, und auch mit ihrer k�hn geschwungenen Nase erinnerte sie sehr an ihren Namensvetter, den Falken.</p><p>�Ich m�chte keine L�cher in dieser edlen blauen Jacke sehen, Gemahl�, sagte sie weich und nur f�r seine Ohren bestimmt, �und diese Burschen benehmen sich so, als w�rden sie Fremde vielleicht einfach beschie�en, bevor sie fragen, wer sie sind. Wie willst du zudem zu Alliandre gelangen, ohne deinen Namen in die Welt hinauszuposaunen? Denk daran, da� dies im stillen geschehen mu�.� Sie sagte nicht, da� sie gehen sollte, da� die Torw�chter eine Frau allein f�r einen Fl�chtling vor den Wirren halten w�rden, da� sie die K�nigin, die den Namen ihrer Mutter benutzte, erreichen k�nnte, ohne zuviel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber das war auch nicht n�tig. Er hatte all das und mehr jeden Abend von ihr geh�rt, seit sie Ghealdan betreten hatten. Er war teilweise hier, weil Alliandre in ihrem vorsichtig gehaltenen Brief an Rand ... Unterst�tzung? ... Treue? ... anbot. Auf jeden Fall war ihr Wunsch nach Geheimhaltung vorrangig gewesen.</p><p>Perrin bezweifelte, da� selbst Aram, der wenige Schritt hinter ihnen auf seinem langbeinigen Grauen sa�, ein Wort von dem geh�rt haben konnte, was Faile gesagt hatte. Berelain f�hrte ihre wei�e Stute auf Perrins andere Seite. Schwei� gl�nzte auf ihren Wangen. Durch eine Wolke von Rosenduft hindurch roch sie ebenfalls entschlossen. Ihm erschien es wie eine Wolke. Welch Wunder, da� ihr gr�nes Reitgewand nicht mehr Haut offenbarte als n�tig.</p><p>Berelains beide Begleiterinnen blieben zur�ck, obwohl Annoura, ihre Aes Sedai-Beraterin, ihn unter ihrer Kappe aus d�nnen, schulterlangen, mit Perlen geschm�ckten Z�pfen mit unlesbarer Miene forschend betrachtete. Nicht ihn und die beiden Frauen an seiner Seite. Besonders ihn. Sie schwitzte nicht. Er w�nschte, er w�re nahe genug, um den Geruch der Grauen Schwester mit der Hakennase wahrnehmen zu k�nnen. Anders als die anderen Aes Sedai hatte sie niemandem etwas versprochen. Was auch immer solche Versprechen wert waren. Lord Gallenne, Befehlshaber von Berelains Befl�gelten Wachen, war anscheinend eifrig damit besch�ftigt, Bethai durch ein an sein einziges Auge gehobenes Fernglas zu betrachten und sich auf eine Weise mit seinen Z�geln zu schaffen zu machen, an der Perrin inzwischen erkannte, da� er tief in �berlegungen versunken war. Wahrscheinlich dar�ber, wie man Bethai gewaltsam einnehmen k�nnte. Gallenne erwog die schlechteste M�glichkeit stets als erste.</p><p>�Ich bin immer noch der Meinung, da� ich diejenige sein sollte, die sich Alliandre n�hert�, sagte Berelain. Auch das hatte Perrin jeden Tag geh�rt. �Deswegen bin ich immerhin gekommen.� Das war einer der Gr�nde. �Annoura wird sofort eine Audienz gew�hrt bekommen und mich mit hineinbringen.� Ein zweites Wunder. Ihre Stimme hatte �berhaupt nicht kokett geklungen. Sie schien dem Gl�tten ihrer roten Lederhandschuhe ebensoviel Aufmerksamkeit zu widmen wie ihm.</p><p>Welche? Das Problem bestand darin, da� er keine der Frauen erw�hlen wollte.</p><p>Seonid, die zweite Aes Sedai, die auf den H�gelkamm geritten war, stand ein St�ck abseits bei ihrem kastanienbraunen Wallach neben einem hohen, von der D�rre ausgetrockneten Schwarzholzbaum und betrachtete nicht Bethai, sondern den Himmel. Die beiden hell�ugigen Weisen Frauen in ihrer Begleitung bildeten einen scharfen Kontrast dazu, die Gesichter im Gegensatz zu ihrem hellen Teint sonnengebr�unt und hellhaarig, w�hrend sie dunkelhaarig war, gro�, w�hrend sie klein war, ganz zu schweigen von ihren dunklen R�cken und wei�en Blusen im Gegensatz zu ihrem edlen blauen Tuch. Halsketten und Armb�nder aus Gold, Silber und Elfenbein schm�ckten Edarra und Nevarin, w�hrend Seonid nur ihren Gro�en Schlangenring trug. Sie waren jung, w�hrend sie alterslos war. Die Weisen Frauen und Seonid waren sich jedoch in ihrer Selbstbeherrschung gleich, und auch sie betrachteten den Himmel.</p><p>�Seht Ihr etwas?� fragte Perrin, womit er die Entscheidung hinausschob.</p><p>�Wir sehen den Himmel, Perrin Aybara�, antwortete Edarra ruhig, w�hrend ihr Schmuck leise klimperte, als sie die dunkle, �ber ihre Ellbogen geschlungene Stola richtete. Die Hitze schien die Aiel ebensowenig zu ber�hren wie die Aes Sedai. �Wenn wir mehr s�hen, w�rden wir es Euch sagen.� Er hoffte es. Er glaubte es. Zumindest wenn es etwas w�re, wovon sie glaubten, da� Grady und Neald es vielleicht auch sehen k�nnten. Die beiden Asha'man w�rden es nicht geheimhalten. Er w�nschte, sie w�ren hier anstatt im Lager.</p><p>Vor inzwischen mehr als einer halben Woche hatte ein durchbrochenes Gewebe der Einen Macht, das hoch �ber den Himmel zog, erhebliche Unruhe unter den Aes Sedai und den Weisen Frauen bewirkt. Und bei Grady und Neald. Eine Entwicklung, die wiederum noch gr��ere Unruhe bewirkt hatte � Panik in dem Ma�e, wie Aes Sedai sie wahrscheinlich versp�ren konnten. Asha'man, Aes Sedai und Weise Frauen behaupteten <emphasis>alle,</emphasis> sie k�nnten die Macht noch lange, nachdem das Gewebe verschwunden war, sp�ren, aber niemand wu�te, was es bedeutete. Neald sagte, es erinnere ihn an Wind, obwohl er nicht sagen konnte warum. Niemand wollte eine entschiedenere Meinung �u�ern, und doch mu�ten die Verlorenen in gro�em Umfang am Werk sein, wenn die m�nnliche und weibliche H�lfte der Macht sichtbar waren. Die Frage, was sie vorhatten, hatte Perrin in den vergangenen N�chten wach gehalten.</p><p>Er schaute wider Willen gen Himmel und sah nat�rlich nichts au�er einem Paar Tauben. Pl�tzlich geriet ein Falke in Sicht, und eine der Tauben verschwand in einem Federregen. Die andere floh mit aufgeregtem Fl�gelschlag in Richtung Bethai.</p><p>�Seid Ihr zu einer Entscheidung gelangt, Perrin Aybara?� fragte Nevarin mit scharfem Unterton in der Stimme. Die gr�n�ugige Weise Frau schien noch j�nger zu sein als Edarra, vielleicht nicht �lter als er selbst, doch sie besa� nicht im gleichen Umfang die Gelassenheit der blau�ugigen Frau. Ihre Stola glitt ihre Arme herab, als sie die H�nde in die H�ften stemmte, und er erwartete halbwegs, da� sie ihm mit dem Finger drohen w�rde. Oder mit der Faust. Sie erinnerte ihn an Nynaeve, obwohl sie einander gewi� nicht �hnelten. Nevarin h�tte Nynaeve unbeholfen wirken lassen. �Was n�tzt unser Rat, wenn Ihr nicht zuh�ren wollt?� fragte sie. �Was n�tzt er?�</p><p>Faile und Berelain sa�en aufrecht in ihren S�tteln, beide so stolz wie m�glich, und beide rochen erwartungsvoll und verunsichert zugleich. Und ver�rgert dar�ber, da� sie verunsichert waren. Dieser Flecken gefiel ihnen beiden nicht. Seonid war zu weit entfernt, als da� er sie h�tte riechen k�nnen, aber ihre zusammengepre�ten Lippen verrieten hinreichend ihre Stimmung. Edarras Befehl, nicht zu sprechen, bis sie angesprochen wurden, erz�rnte sie. Dennoch wollte sie gewi�, da� er den Rat der Weisen Frauen annahm. Sie sah ihn angespannt an, als k�nnte ihr nachdr�cklicher Blick ihn in die Richtung dr�ngen, die er einschlagen sollte. In Wahrheit wollte er sie erw�hlen, aber er z�gerte. Wie weit war ihr Treueschwur Rand gegen�ber wirklich belastbar? Nach dem, was er bisher gesehen hatte, st�rker, als er geglaubt h�tte, aber dennoch � wie weit konnte er einer Aes Sedai trauen? Die Ankunft von Seonids beiden Beh�tern gew�hrte ihm noch eine kurze Bedenkzeit.</p><p>Sie ritten zusammen heran, obwohl sie getrennt losgeritten waren, und hielten ihre Pferde weitgehend zwischen den B�umen entlang des H�gelkamms, damit sie von der Stadt aus nicht gesehen wurden. Furen war Tairener, sehr dunkel, mit Grau in seinem lockigen schwarzen Haar, w�hrend Teryl, ein Murandianer, zwanzig Jahre j�nger war, mit dunkelr�tlichem Haar, einem gedrehten Schnurrbart und blaueren Augen als Edarras, aber sie waren aus demselben Holz geschnitzt, gro� und hager und hart. Sie stiegen anmutig ab, wobei ihre Umh�nge die Farbe ver�nderten und auf beunruhigende Art unsichtbar wurden, und berichteten Seonid, wobei sie die Weisen Frauen bewu�t ignorierten. Und Perrin.</p><p>�Es ist schlimmer als im Norden�, sagte F�ren angewidert. Einige wenige Schwei�tropfen perlten auf seiner Stirn, obwohl beide M�nner von der Hitze nicht sehr beeintr�chtigt zu sein schienen. �Die hiesigen Adligen sind auf ihren G�tern oder in der Stadt eingeschlossen, und die Soldaten der K�nigin verweilen innerhalb der Stadtmauern. Sie haben das Land den M�nnern des Propheten �berlassen. Und den Banditen, obwohl sie in dieser Gegend anscheinend rar sind. Die Leute des Propheten sind �berall. Ich glaube, Alliandre wird gl�cklich sein, Euch zu sehen.�</p><p>�Unsinn�, schnaubte Teryl und schlug sich mit den Z�geln in die Handfl�che. �Ich habe nirgends mehr als f�nfzehn oder zwanzig auf einem Fleck gesehen, haupts�chlich mit Mistgabeln und Spie�en bewaffnet. Und sie waren abgerissen wie Bettler. Sicherlich geeignet, um Bauern zu �ngstigen, aber man sollte denken, die Adligen w�rden sie ausrotten und reihenweise aufh�ngen. Die K�nigin wird sich freuen, eine Schwester zu sehen.�</p><p>Seonid �ffnete den Mund und schaute dann zu Edarra hoch, die ihr zunickte. Wenn �berhaupt eine Reaktion erfolgte, pre�te die Gr�ne den Mund auf die Erlaubnis zu sprechen hin noch fester zusammen. Ihre Stimme klang jedoch butterweich. �Es besteht kein Grund mehr, Eure Entscheidung aufzuschieben, Lord Aybara.� Sie betonte den Titel ein wenig, weil sie genau wu�te, da� er ein Anrecht darauf hatte. �Eure Frau entstammt einem gro�en Hause, und Berelain ist eine Herrscherin, aber die saldaeanischen H�user z�hlen hier kaum, und Mayene ist die kleinste Nation. Eine Aes Sedai als Abgesandte wird Euch aus Alliandres Sicht das Wohlwollen der Wei�en Burg sichern.� Vielleicht erinnerte sie sich daran, da� Annoura dies auch bewirken w�rde, denn sie fuhr hastig fort: �Au�erdem war ich schon zuvor in Ghealdan, und mein Name ist hier wohlbekannt. Alliandre wird mich nicht nur sofort empfangen, sondern sie wird dem auch zuh�ren, was ich zu sagen habe.�</p><p>�Nevarin und ich werden mit ihr gehen�, sagte Edarra, und Nevarin f�gte hinzu; �Wir werden sicherstellen, da� sie nichts sagt, was sie nicht sagen sollte.� Seonid knirschte, f�r Perrin h�rbar, mit den Z�hnen und besch�ftigte sich damit, ihre geteilten Rocke mit sorgf�ltig gesenktem Blick zu gl�tten. Annoura stie� einen m�rrischen Laut aus und wandte sich von dem Anblick ab. Sie selbst hielt sich von den Weisen Frauen fern und mochte es nicht, die anderen Schwestern bei ihnen zu sehen.</p><p>Perrin h�tte am liebsten gest�hnt. Die Gr�ne zu schicken w�rde ihm die schwere Verantwortung nehmen, aber die Weisen Frauen trauten den Aes Sedai noch weniger als er und hielten Seonid und Masuri an der kurzen Leine. Es hatte in den D�rfern in letzter Zeit auch Geschichten �ber die Aiel gegeben. Niemand von diesen Leuten hatte jemals einen Aiel gesehen, aber es kursierten zahlreiche Ger�chte �ber die Aiel. Die H�lfte der Ghealdaner waren sicher, da� Aiel nur einen oder zwei Tage entfernt waren, und jede neue Geschichte war seltsamer und noch schrecklicher als die vorherige. Alliandre hatte vielleicht zuviel Angst, Perrin in ihre N�he zu lassen, wenn sie erst erlebte, da� zwei Aielfrauen einer Aes Sedai Befehle gaben. Und Seonid befolgte die Befehle, wenn auch z�hneknirschend! Nun, er w�rde Failes Leben nicht ohne weitere Versicherung au�er einem vage gehaltenen Brief, den er vor mehreren Monaten erhalten hatte, aufs Spiel setzen. Die Verantwortung lastete jetzt noch schwerer auf ihm, und doch hatte er �berhaupt keine Chance.</p><p>�Eine kleine Gruppe wird leichter durch diese Tore gelangen als eine gro�e�, sagte er schlie�lich, w�hrend er das Fernglas in seine Satteltasche stopfte. Sie w�rde auch weniger Leute zum Reden veranlassen. �Das bedeutet, da� nur Ihr und Annoura gehen werdet, Berelain. Und vielleicht Lord Gallenne. Ihn w�rden sie wahrscheinlich f�r Annouras Beh�ter halten.�</p><p>Berelain war erfreut und beugte sich her�ber, um mit beiden H�nden seinen Arm zu umfassen. Sie belie� es nat�rlich nicht dabei. Ihre Finger dr�ckten ihn liebevoll, und ihr L�cheln war ein Versprechen. Sie richtete sich mit vollkommen unschuldsvoller Miene wieder auf, bevor er sich regen konnte. Faile konzentrierte sich mit ausdruckslosem Gesicht darauf, ihre grauen Reithandschuhe zu straffen. Ihrem Geruch nach zu urteilen, hatte sie Berelains L�cheln bemerkt. Sie verbarg ihre Entt�uschung gut.</p><p>�Es tut mir leid, Faile�, sagte er, �aber...�</p><p>Heftiger Zorn flammte in ihrem Geruch auf. �Gewi� hast du noch einiges mit der Ersten zu besprechen, bevor sie geht, Gemahl�, erwiderte sie �u�erlich ruhig. Ihre schr�gstehenden Augen wirkten vollkommen gelassen, ihr Geruch aber war schneidend. �Am besten k�mmerst du dich jetzt um sie.� Sie wendete Schwalbe und f�hrte die Stute zu einer offensichtlich w�tenden Seonid und den mit angespannten Gesichtern dastehenden Aes Sedai, aber sie stieg nicht ab und sprach auch nicht mit ihnen. Statt dessen blickte sie stirnrunzelnd auf Bethal hinab, ein Falke, der aus seinem Horst beobachtet.</p><p>Perrin erkannte, da� er sich an die Nase fa�te, und senkte seine Hand rasch wieder. Es war nat�rlich kein Blut daran. Seine Nase f�hlte sich nur blutig an.</p><p>Berelain brauchte keine Anweisungen in letzter Minute � die Erste von Mayene und ihre Beraterin der Grauen wollten aufbrechen, vollkommen �berzeugt, da� sie wu�ten, was sie sagen und tun sollten �, aber Perrin schob alle Vorsicht beiseite und betonte, da� Berelain und nur Berelain mit Alliandre sprechen sollte. Annoura gew�hrte ihm einen jener k�hlen Aes Sedai-Blicke und nickte, was vielleicht Zustimmung oder Ablehnung bedeutete. Er bezweifelte, da� er ihr mehr entlocken k�nnte. Berelain verzog belustigt den Mund, obwohl sie mit allem, was er sagte, �bereinstimmte, oder es zumindest vorgab. Er vermutete, da� sie alles vorgeben w�rde, um zu bekommen, was sie wollte, und dieses L�cheln zum falschen Zeitpunkt �rgerte ihn. Gallenne hatte sein Fernglas ebenfalls eingesteckt, aber er spielte noch immer mit seinen Z�geln und �berlegte zweifellos, wie er f�r die beiden Frauen einen Weg aus Bethai heraus erzwingen k�nnte. Perrin h�tte am liebsten erneut gest�hnt.</p><p>Er beobachtete besorgt, wie sie den Weg hinabritten. Es war eine einfache Botschaft, die Berelain �berbringen sollte. Rand verstand Alliandres Vorsicht, aber wenn sie seinen Schutz wollte, mu�te sie bereit sein, ihn �ffentlich zu unterst�tzen. Sie w�rde seinen Schutz bekommen � Soldaten und Asha'man w�rden es jedermann verdeutlichen und auch Rand selbst, wenn es n�tig w�re �, wenn sie zustimmen w�rde, ihre Unterst�tzung anzuk�ndigen. Berelain hatte keine Veranlassung, die Botschaft irgendwie zu ver�ndern, trotz ihres L�chelns � das er als vielleicht eine andere Art des Sch�kerns deutete �, aber Annoura... Aes Sedai taten nun einmal, was sie taten, und die H�lfte der Zeit wu�te nur das Licht warum. Er w�nschte, er w��te eine M�glichkeit, Alliandre zu erreichen, ohne eine Schwester einsetzen zu m�ssen oder Gerede zu bewirken. Oder Failes Leben aufs Spiel zu setzen.</p><p>Die drei Reiter erreichten die Tore, Annoura voran, und W�chter hoben rasch Langspie�e und senkten Bogen und Armbruste, zweifellos sobald sich Annoura als Aes Sedai zu erkennen gab. Nicht viele Menschen besa�en den Mut, diese besondere Herkunft herauszufordern. Sehr bald f�hrte sie ihre Begleiter in die Stadt. Tats�chlich schienen die W�chter bestrebt, sie eilig durch die Tore zu schleusen, au�er Sicht jedes Beobachters in den H�geln. Einige sp�hten zu den fernen H�ngen, und Perrin mu�te sie nicht riechen, um ihr Unbehagen dar�ber zu sp�ren, wer dort verborgen sein und eine Schwester unwahrscheinlicherweise erkannt haben mochte.</p><p>Perrin wandte sich nach Norden dem Lager zu, f�hrte die �brigen den H�gelkamm entlang, bis sie au�er Sicht der T�rme von Bethai waren, und ritt dann schr�g zur festgetretenen Stra�e hinab. Verstreute Bauernh�fe, strohgedeckte H�user und lange, schmale Scheunen, verdorrte Weiden und Stoppelfelder und felsige Ziegenpferche mit hohen Mauern s�umten die Stra�e, aber es war nur wenig Vieh und noch weniger Menschen zu sehen. Jene wenigen Menschen beobachteten die Reiter wachsam, G�nse, die F�chse beobachteten, und hielten in ihrer Arbeit inne, bis die Pferde vor�ber gelangt waren. Aram beobachtete sie im Gegenzug ebenso wachsam und betastete hin und wieder das �ber seine Schulter hinausragende Schwertheft, vielleicht in dem Wunsch, noch etwas anderes als Bauern vorzufinden. Trotz seiner gr�ngestreiften Jacke war er noch immer ein wenig der Kesselflicker.</p><p>Edarra und Nevarin gingen neben Traber; sie schienen einen Spaziergang zu machen, denn trotz ihrer sperrigen R�cke hielten sie leicht Schritt. Seonid folgte ihnen auf ihrem Wallach. F�ren und Teryl folgten wiederum ihr. Die bla�wangige Gr�ne gab vor, einfach nur aus Vorsicht zwei Schritt hinter den Weisen Frauen reiten zu wollen, aber die M�nner runzelten offen die Stirn. Beh�ter achteten oft besser auf die W�rde ihrer Aes Sedai als die Schwestern selbst, und Aes Sedai besa�en K�niginnen angemessene W�rde.</p><p>Faile hielt Schwalbe auf der anderen Seite der Aiel-Frauen, ritt schweigend und betrachtete anscheinend angestrengt die von der D�rre vernarbte Landschaft. Schlank und anmutig, wie sie war, f�hlte Perrin sich neben ihr bestenfalls ein wenig unbeholfen. Sie hatte ein lebhaftes Temperament, wie Quecksilber, und das liebte er normalerweise an ihr, aber... Die Luft hatte sich leicht zu regen begonnen, gen�gend, um ihren Geruch best�ndig mit allen anderen D�ften zu vermischen. Er wu�te, da� er �ber Alliandre und ihre m�gliche Antwort nachdenken sollte, oder noch besser �ber den Propheten und wie er zu finden w�re, wenn Alliandre erst antwortete � wie auch immer diese Antwort ausfiele �, aber daf�r war in seinen Gedanken kein Raum.</p><p>Er hatte erwartet, da� Faile zornig sei, als er Berelain erw�hlte, zumal Rand sie vermutlich f�r diesen Zweck geschickt hatte. Faile wu�te, da� er sie keiner auch noch so geringen Gefahr aussetzen wollte, eine Tatsache, die ihr noch mehr mi�fiel als Berelain. Und doch duftete sie sanft wie ein Sommermorgen � bis er sich zu entschuldigen versuchte! Nun, Entschuldigungen sch�rten ihren Zorn �blicherweise, wenn sie bereits zornig war, aber sie war nicht zornig <emphasis>gewesen!</emphasis> Ohne Berelain verlief zwischen ihnen alles �beraus sanft. Meistens. Aber seine Erkl�rungen, da� er die Frau in keiner Weise ermutigte � da� er weit davon entfernt war! �, brachten ihm nur ein kurz angebundenes �Nat�rlich nicht!� in einem Tonfall ein, der ihn zum Toren stempelte, weil er es erw�hnt hatte. Aber sie wurde noch immer jedesmal zornig � auf ihn! �, wann immer Berelain ihn anl�chelte oder einen Vorwand fand, ihn zu ber�hren, gleichg�ltig wie br�sk er sie abwies, und nur das Licht wu�te, da� er es tat. Er stand bereits kurz davor, sie zu fesseln, und wu�te nicht, was er noch tun sollte, um sie zu entmutigen. Seine Versuche, von Faile zu erfahren, was er falsch machte, wurden mit einem oberfl�chlichen �Warum glaubst du, da� du etwas falsch machst?�, einem weniger oberfl�chlichen �Was glaubst <emphasis>du,</emphasis> falsch zu machen?� oder einem tonlosen �Ich m�chte nicht dar�ber reden� beantwortet. Er <emphasis>machte</emphasis> etwas falsch, aber er konnte nicht herausfinden, was es war! Er mu�te es jedoch herausfinden. Nichts war wichtiger als Faile. Nichts!</p><p>�Lord Perrin?�</p><p>Arams aufgeregte Stimme unterbrach Perrins d�stere Gedanken. �Nennt mich nicht so�, murrte er und blickte dann in die von dem Mann angezeigte Richtung zu einem weiteren aufgegebenen Bauernhof in einiger Entfernung vor ihnen, dessen Haus- und Scheunend�cher durch ein Feuer zerst�rt worden waren. Nur noch die raunen Steinw�nde standen. Aufgegeben, aber nicht verlassen, denn ver�rgerte Rufe erklangen von dort.</p><p>Ein Dutzend oder mehr derb gekleidete Burschen mit Speeren und Mistgabeln versuchten �ber die brusthohe Steinmauer eines Ziegenpferchs zu gelangen, w�hrend eine Handvoll Menschen darin sie drau�en zu halten versuchten. Mehrere Pferde liefen durch den L�rm erschreckt frei in dem Pferch herum, und drei Reiterinnen waren zu sehen. Sie warteten jedoch nicht einfach ab, wie der Kampf ausgehen w�rde. Eine der Frauen schleuderte anscheinend Steine, und noch w�hrend Perrin hinsah, scho� die zweite auf die Mauer zu, um mit einer langen Keule zuzuschlagen, w�hrend die dritte Frau ihr Pferd steigen lie�, so da� sich ein gro�er Bursche r�ckw�rts von der Mauer fallen lassen mu�te, um den ausschlagenden Pferdehufen zu entgehen. Aber es waren zu viele Angreifer und die zu verteidigende Mauer zu lang.</p><p>�Ich rate Euch, in weitem Bogen auszuweichen�, sagte Seonid. Edarra und Nevarin sahen sie grimmig an, aber sie fuhr fort, wobei Eile ihren n�chternen Tonfall �berwog. �Dies sind gewi� die Leute des Propheten, und sie zu t�ten w�re ein schlechter Anfang. Zehntausende, Hunderttausende k�nnten sterben, wenn Ihr bei ihm versagt. Ist es das wert, um eine Handvoll Menschen zu retten?�</p><p>Perrin beabsichtigte niemanden zu t�ten, wenn er es verhindern konnte, aber er beabsichtigte auch nicht fortzusehen. Er verschwendete jedoch keine Zeit mit Erkl�rungen. �K�nnt Ihr sie in Furcht versetzen?� fragte er Edarra. �Nur in Furcht, sonst nichts?� Er erinnerte sich nur zu gut an das, was die Weisen Frauen bei den Brunnen von Dumai getan hatten. Und die Asha'man. Vielleicht war es ebensogut, da� Grady und Neald nicht mitgekommen waren.</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Edarra, w�hrend sie die Menschen um den Pferch betrachtete. Sie sch�ttelte kaum merklich den Kopf und zuckte leicht mit den Achseln. �Vielleicht.� Es w�rde gen�gen m�ssen.</p><p>�Aram, Furen, Teryl�, befahl er barsch, �kommt mit mir!� Er bohrte seinem Pferd die Fersen in die Flanken und war erleichtert, die Beh�ter dichtauf folgen zu sehen, als Traber vorw�rts sprang. Vier angreifende M�nner wirkten gef�hrlicher als zwei. Er hielt mit den H�nden die Z�gel umfa�t, fern von seiner Streitaxt.</p><p>Er war nicht sehr erfreut, als Faile Schwalbe im Galopp neben ihn trieb. Er �ffnete den Mund, und sie sah ihn mit gew�lbter Augenbraue an. Ihr schwarzes Haar, das bei ihrem schnellen Ritt im Wind flatterte, war wundersch�n. Sie war wundersch�n. Eine gew�lbte Augenbraue, nicht mehr. Er sagte etwas anderes, als er beabsichtigt hatte. �Gib mir R�ckendeckung�, wies er sie an. Sie brachte l�chelnd von irgendwoher einen Dolch zum Vorschein. Bei all ihren verborgenen Klingen fragte er sich manchmal, warum er nicht gestochen wurde, wenn er sie <emphasis>zu</emphasis> umarmen versuchte.</p><p>Sobald sie wieder nach vorn blickte, gab er Aram ein Zeichen, das er vor Faile zu verbergen versuchte. Aram nickte und beugte sich dann mit blankgezogenem Schwert vor, bereit, den ersten der M�nner des Propheten aufzuspie�en, auf den er traf. Perrin hoffte, da� der Mann verstanden hatte, da� er Failes R�cken �und sie insgesamt � sch�tzen sollte, wenn sie mit diesen Burschen tats�chlich in einen Kampf verwickelt w�rden.</p><p>Keiner der Schurken hatte sie bisher bemerkt. Perrin rief, aber sie schienen ihn �ber ihr eigenes Geschrei hinweg nicht zu h�ren. Einem Mann in einem zu gro�en Mantel gelang es, auf die Mauer zu klettern, und zwei weitere schienen beinahe hin�bergelangt zu sein. Wenn die Weisen Frauen etwas tun wollten, war es h�chste...</p><p>Ein Donnerschlag fast �ber ihren K�pfen machte Perrin fast taub, ein gewaltiges Krachen, das Traber zum Stolpern brachte, bevor er sich wieder fangen konnte. Das hatten die Angreifer gewi� bemerkt. Sie taumelten, sahen sich wild um und hielten sich hastig die H�nde �ber die Ohren. Der Mann auf der Mauer verlor das Gleichgewicht und fiel auf die Au�enseite.</p><p>Er rappelte sich jedoch sofort wieder hoch und deutete ver�rgert auf die Einfriedung, woraufhin einige seiner Begleiter erneut angriffen. Andere sahen Perrin und deuteten auf ihn, wobei sich ihre Lippen bewegten, aber noch immer lief niemand davon. Einige wenige hoben ihre Waffen an.</p><p>Pl�tzlich erschien ein waagerechtes Feuerrad �ber dem Ziegenpferch, so breit, wie ein Mensch hoch war, das lodernde Flammenb�schel abwarf, w�hrend es sich mit an- und abschwellendem �chzen drehte, von d�sterem St�hnen zu wehklagendem Jammern und umgekehrt.</p><p>Jetzt liefen die derb gekleideten M�nner wie kopflose Wachteln in alle Richtungen davon. Der Mann in dem zu gro�en Umhang schwenkte noch einen Moment lang die Arme und schrie sie an, scho� aber dann mit einem letzten Blick auf das Feuerrad ebenfalls davon.</p><p>Perrin h�tte fast gelacht. Er w�rde niemanden t�ten m�ssen. Und er w�rde sich keine Sorgen machen m�ssen, da� Faile eine Mistgabel durch die Rippen gestochen bek�me.</p><p>Die Bedr�ngten in dem Pferch waren offensichtlich ebenso ver�ngstigt wie jene, die sich au�erhalb befanden, zumindest eine von ihnen. Die Frau, die ihr Pferd gegen einen Angreifer hatte steigen lassen, lie� das Tor aufgleiten und ritt dann in ungelenkem Galopp die Stra�e hinauf, fort von Perrin und den �brigen.</p><p>�Wartet!� rief Perrin. �Wir wollen Euch nichts antun!� Ob sie ihn nun geh�rt hatte oder nicht � sie trieb ihr Pferd weiterhin an. Die M�nner liefen jetzt so schnell sie konnten, aber wenn die Frau allein blieb, konnten schon zwei oder drei von ihnen ihr Schaden zuf�gen. Perrin legte sich flach auf Trabers Hals und stie� ihm die Fersen in die Flanken, und der Braune scho� wie ein Pfeil vorw�rts.</p><p>Er war ein gro�er Mann, und doch verdiente Traber seinen Namen nicht nur wegen seiner t�nzelnden Hufe. Au�erdem war das Pferd der Frau, seinem plumpen Gang nach zu urteilen, nicht an einen Sattel gew�hnt. Traber verringerte den Abstand mit jedem Schritt und kam so nahe heran, da� Perrin die Hand ausstrecken und das Zaumzeug des anderen Pferdes ergreifen konnte. Aus der N�he betrachtet war ihr Kastanienbrauner kaum mehr als ein Klepper, schwei�bedeckter und ausgelaugter, als der kurze Ritt es h�tte bewirken k�nnen. Perrin brachte beide Pferde langsam zum Stehen.</p><p>�Verzeiht, wenn ich Euch ge�ngstigt habe, Herrin�, sagte er. �Ich will Euch wirklich nichts antun.�</p><p>Zum zweiten Mal an diesem Tag bewirkte eine Entschuldigung nicht die von ihm erwartete Reaktion. Zornige blaue Augen starrten ihn aus einem von langen rotgoldenen Locken umrahmten Gesicht an, ein so hoheitsvolles Gesicht wie das einer K�nigin, auch wenn es schwei�- und staubbedeckt war. Ihr Gewand bestand aus einfachem Tuch und war von der Reise befleckt und ebenso staubig wie ihre Wangen, aber ihre Miene war sowohl zornerf�llt als auch k�niglich. �Ich brauche nicht...�, begann sie mit eisiger Stimme, w�hrend sie ihr Pferd zu befreien versuchte, brach dann aber ab, als eine weitere Frau, wei�haarig und knochig, auf einer schlaksigen braunen Stute in weitaus schlechterem Zustand als die Kastanienbraune heranritt. Diese Leute waren einige Zeit hart geritten. Die �ltere Frau war genauso ersch�pft und staubbedeckt wie die j�ngere.</p><p>Sie sah abwechselnd Perrin strahlend und die Frau, deren Z�gel er noch immer festhielt, stirnrunzelnd an. �Danke, mein Lord.� Ihre Stimme stockte einen Moment, als sie seine Augen bemerkte, aber sie z�gerte nicht lange. Sie war keine Frau, die vieles st�rte. Sie hielt noch immer den wuchtigen Stab in der Hand, den sie als Waffe benutzt hatte. �Eine Rettung im letzten Augenblick, f�rwahr. Maighdin, was habt Ihr Euch nur gedacht? Ihr h�ttet get�tet werden k�nnen! Und wir anderen auch! Sie ist ein eigensinniges M�dchen, mein Lord, das stets �bereilt handelt. Denkt daran, Kind, nur ein Narr l��t Freunde im Stich und gibt Silber f�r schimmerndes Messing auf. Wir danken Euch, mein Lord, und Maighdin wird Euch ebenfalls danken, wenn sie wieder zur Vernunft kommt.�</p><p>Maighdin, gut zehn Jahre �lter als Perrin, konnte nur im Vergleich zu der �lteren Frau als M�dchen bezeichnet werden, aber trotz der ersch�pften Miene, die ihrem Geruch entsprach, war die Entt�uschung von Zorn gef�rbt. Sie akzeptierte die Tirade, unternahm noch einen halbherzigen Versuch, ihr Pferd zu befreien, und gab dann auf. Sie legte ihre H�nde auf den Sattel, sah Perrin anklagend an und blinzelte. Wieder die gelben Augen. Trotz dieses Befremdens roch sie jedoch nicht �ngstlich. Die alte Frau schon, aber Perrin glaubte nicht, da� ihre Angst ihm galt.</p><p>Ein weiterer von Maighdins Begleitern, ein unrasierter Mann auf einem weiteren armseligen Klepper, einem Grauen mit wulstigen Knien, n�herte sich, w�hrend die alte Frau sprach, hielt sich aber im Hintergrund. Er war so gro� wie Perrin, wenn auch nicht ann�hernd so breit, und trug eine von der Reise zerschlissene Jacke mit einem dar�ber befestigten Schwertg�rtel. Wie die Frauen hatte auch er ein B�ndel hinten auf seinen Sattel gebunden. Die leichte Brise drehte sich und brachte Perrin den Geruch des Mannes heran. Er hatte keine Angst, sondern war wachsam. Und wenn man aus der Art, wie er Maighdin ansah, etwas schlie�en wollte, galt seine Wachsamkeit ihr. Vielleicht war dies doch nicht so einfach, wie Reisende vor einer Bande Schurken zu retten.</p><p>�Vielleicht solltet Ihr alle mit in mein Lager kommen�, schlug Perrin vor und lie� das Zaumzeug schlie�lich los. �Dort w�rt Ihr vor ... Banditen sicher.� Er erwartete halbwegs, da� Maighdin zum n�chstgelegenen Waldrand fl�chten w�rde, aber sie wendete ihr Pferd ebenso wie er und ritt mit zum Ziegenpferch zur�ck. Sie roch ... resigniert.</p><p>Dennoch sagte sie: �Ich danke Euch f�r das Angebot, aber ich ... wir ... m�ssen unsere Reise fortsetzen. Wir werden weiterziehen, Lini�, f�gte sie fester hinzu, und die �ltere Frau sah sie so starr an, da� Perrin sich fragte, ob sie Mutter und Tochter waren, obwohl sie die Frau mit ihrem Namen ansprach. Sie sahen sich gewi� in keiner Weise �hnlich. Lini hatte ein schmales Gesicht und pergamentene Haut, ganz sehnig, w�hrend Maighdin unter dem Staub vielleicht wundersch�n war. Wenn man helles Haar mochte.</p><p>Perrin schaute �ber die Schulter zu dem hinter ihnen reitenden Mann. Ein hart wirkender Bursche, der eine Rasur n�tig gehabt h�tte. Vielleicht mochte er helles Haar. Vielleicht mochte er es zu sehr. M�nner hatten sich und andere aus diesem Grund schon h�ufiger in Schwierigkeiten gebracht.</p><p>Vor ihnen ritt Faile auf Schwalbe und sp�hte �ber die Mauer des Pferchs zu den darin befindlichen Leuten. Vielleicht war einer von ihnen verletzt worden. Seonid und die Weisen Frauen waren nirgendwo zu sehen, Aram hatte offensichtlich verstanden. Er hielt sich nahe bei Faile auf, obwohl er ungeduldig zu Perrin blickte. Die Gefahr war jedoch eindeutig vor�ber.</p><p>Bevor Perrin die H�lfte des Wegs zum Pferch zur�ckgelegt hatte, erschien Teryl mit einem Mann mit schmalen Augen und stoppeligen Wangen, der neben seinem Rotgrauen her stolperte und dessen Kragen der Beh�ter fest im Griff hatte. �Ich dachte, wir sollten einen von ihnen gefangennehmen�, sagte Teryl mit hartem L�cheln. �Es ist stets besser, beide Seiten zu h�ren, was man auch gesehen zu haben glaubt, hat mein alter Vater immer gesagt.� Perrin war �berrascht. Er hatte gedacht, Teryl k�nnte nicht �ber seine Schwertspitze hinaus denken.</p><p>Obwohl der stoppelb�rtige Bursche am Kragen hochgehalten wurde, war der abgetragene Mantel eindeutig noch immer zu gro� f�r ihn. Perrin bezweifelte, da� noch jemand anders auf die Entfernung genug hatte sehen k�nnen, aber er erkannte auch die hervorstehende Nase. Dieser Mann war als letzter davongelaufen, und er war auch jetzt nicht eingesch�chtert. Sein h�hnisches Grinsen schlo� sie alle mit ein. �Ihr steckt wegen dieser Geschichte alle tief in der Klemme�, sagte er mit rauher Stimme. �Wir haben auf Befehl des Propheten gehandelt. Der Prophet sagt, wenn ein Mann eine Frau bel�stigt, die ihn nicht will, mu� er sterben. Diese Burschen haben sie gejagt...�, er reckte sein Kinn in Maighdins Richtung, �und sie lief davon. Der Prophet wird daf�r Eure Ohren fordern!� Er spie bekr�ftigend aus.</p><p>�Das ist l�cherlich�, verk�ndete Maighdin mit klarer Stimme. �Diese Leute sind meine Freunde. Der Mann hat vollkommen mi�verstanden, was er gesehen hat.�</p><p>Perrin nickte, und wenn sie glaubte, er stimme mit ihr �berein, war es auch gut. Aber wenn man das, was dieser Bursche behauptete, dem hinzuf�gte, was Lini gesagt hatte... Es war �berhaupt nicht einfach.</p><p>Faile und die anderen schlossen sich ihnen an, gefolgt von den �brigen Reisebegleitern Maighdins, drei weitere M�nner und eine weitere Frau, die alle vollkommen heruntergekommene Pferde mit sich f�hrten. Perrin konnte sich nicht erinnern, jemals eine gelungenere Ansammlung von krummen Knien, gebogenen Fesselgelenken, Spat und Senkr�cken gesehen zu haben. Sein Blick wanderte, wie stets, zuerst zu Faile � seine Nasenfl�gel streckten sich nach ihrem Geruch aus �, aber Seonid behinderte seine Sicht. Im Sattel zusammengesunken und zutiefst err�tet, blickte sie m�rrisch drein; ihr Gesicht wirkte seltsam, die Wangen waren aufgedunsen und der Mund leicht ge�ffnet. Da war etwas, etwas RotBlaues... Perrin blinzelte. Wenn er nicht inzwischen halluzinierte, hatte man ihr ein zusammengerolltes Tuch in den Mund gestopft! Wenn Weise Frauen einem Neuling den Mund zu halten befahlen, selbst einem Aes Sedai-Neuling, dann meinten sie es offensichtlich auch so.</p><p>Perrin war nicht der einzige, der ein scharfes Auge besa�. Maighdins Kinn sank herab, als sie Seonid sah, und sie warf Perrin einen langen, nachdenklichen Blick zu, als w�re er f�r das Tuch verantwortlich. Also erkannte sie eine Aes Sedai auf den ersten Blick? Das war f�r eine Frau vom Lande ungew�hnlich. Sie klang jedoch auch nicht nach einer Frau vom Lande.</p><p>Furen, der hinter Seonid ritt, machte ein sehr finsteres Gesicht, aber Teryl komplizierte alles noch mehr, indem er etwas zu Boden warf. �Das habe ich hinter ihm gefunden�, sagte er, �wo er es vielleicht auf der Flucht fallen gelassen hat.�</p><p>Zuerst wu�te Perrin nicht, was es war: eine lange Schlinge aus ungegerbtem Leder, die fest mit anscheinend aus br�chigem Leder bestehenden B�ndern umwickelt war. Dann erkannte er es und bleckte knurrend die Z�hne. �Ihr sagtet, der Prophet fordere unsere Ohren.�</p><p>Der stoppelb�rtige Mann h�rte auf, Seonid anzustarren, und leckte sich die Lippen. �Das ... das ist Haris Werk!� protestierte er. �Hari ist schlecht. Er beh�lt gern alles im Auge, erringt gern Troph�en, und er...� Er zuckte in seinem Mantel mit den Achseln und sank in sich zusammen wie ein in die Enge getriebener Hund. �Das k�nnt Ihr mir nicht anh�ngen! Der Prophet wird Euch aufkn�pfen, wenn Ihr mich anr�hrt! Er hat schon fr�her Adlige geh�ngt, edle Herren und Damen. Ich wandele im Licht des gesegneten Lord Drache!�</p><p>Perrin f�hrte Traber zu dem Mann und achtete dabei darauf, da� die Hufe seines Pferdes das ... Ding ... auf dem Boden nicht ber�hrten. Er wollte nichts weniger, als den Geruch des Burschen zu riechen, aber er beugte sich herab und n�herte sein Gesicht dem des Mannes. Scharfer Schwei� rang mit Angst, Entsetzen und einer Spur Zorn. Schade, da� er keine Schuld erkennen konnte. �Vielleicht fallen gelassen� bedeutete nicht fallen gelassene Die dicht zusammenstehenden Augen weiteten sich, und der Mann pre�te den R�cken an Teryls Wallach. Gelbe Augen hatten ihren Nutzen.</p><p>�Wenn ich Euch das anh�ngen <emphasis>k�nnte,</emphasis> w�rdet Ihr am n�chsten Baum aufgekn�pft�, grollte er. Der Bursche blinzelte und begann zu strahlen, als er begriff, was das bedeutete, aber Perrin lie� ihm keine Zeit, seine �berheblichkeit zur�ckzugewinnen. �Ich bin Perrin Aybara, und Euer kostbarer Lord Drache hat mich hierhergesandt. Er hat mich gesandt, und wenn ich einen Mann mit ... <emphasis>Troph�en</emphasis> ... finde, h�ngt er! Wenn ich einen Mann finde, der einen Bauernhof anz�ndet, h�ngt er! Wenn mich einer von Euch schief ansieht, h�ngt er! Und Ihr k�nnt Masema auch berichten, da� ich das gesagt habe!� Perrin richtete sich angewidert auf. �La�t ihn gehen, Teryl. Wenn er nicht in zwei Sekunden verschwunden ist...!�</p><p>Teryl lie� den Mantelkragen los, und der Bursche scho� auf die n�chststehenden Baume <emphasis>zu,</emphasis> ohne auch nur einmal zur�ckzublicken. Ein Teil von Perrins Abscheu galt ihm selbst. Zu drohen! Wenn ihn einer von ihnen schief ansah? Aber wenn der namenlose Mann nicht selbst Ohren abgeschnitten hatte, so hatte er doch zumindest dabei zugesehen und nichts dagegen unternommen.</p><p>Faile l�chelte, und Stolz schimmerte durch den Schwei� auf ihrem Gesicht. Ihr Blick vertrieb einiges von Perrins Abscheu. F�r diesen Blick w�re er barfu� durch Feuer gelaufen.</p><p>Aber es hatte nat�rlich nicht allen gefallen. Seonid pre�te die Augen zusammen, und ihre behandschuhten F�uste zitterten an den Z�geln, als wollte sie verzweifelt dieses Tuch aus ihrem Mund zerren und ihm sagen, was sie dachte. Er konnte es ohnehin vermuten. Edarra und Nevarin hatten ihre Stolen um sich gelegt und betrachteten ihn d�ster. O ja, er konnte es vermuten.</p><p>�Ich dachte, es sollte alles geheim bleiben�, sagte Teryl beil�ufig, w�hrend sie beobachtete, wie der stoppelb�rtige Mann davonlief. �Ich dachte, Masema sollte nicht wissen, da� Ihr hier seid, bis Ihr es ihm selbst in sein rosafarbenes Ohr fl�stert.�</p><p>So war es geplant gewesen. Rand hatte es als Vorsichtsma�nahme vorgeschlagen, worauf Seonid und Masuri bei jeder m�glichen Gelegenheit beharrt hatten. Aber ob Prophet des Lord Drache oder nicht �vielleicht wollte Masema niemandem von Angesicht zu Angesicht gegen�bertreten, den Rand gesandt hatte, wenn man das bedachte, was er angeblich erlaubt hatte. Edarra und die anderen Weisen Frauen sahen Masema als m�glichen Feind an, den man in einen Hinterhalt locken sollte, ehe er selbst eine Falle errichten k�nnte.</p><p>�Ich soll ... das aufhalten�, sagte Perrin und deutete ver�rgert auf die Schlinge aus ungegerbtem Leder auf dem Boden. Er hatte die Ger�chte geh�rt und nichts getan. Jetzt hatte er es erkannt. �Ich k�nnte ebensogut jetzt damit beginnen.� Und wenn Masema beschlo�, da� <emphasis>er</emphasis> ein Feind war? Wie viele Tausende folgten dem Propheten, aus Glaubensgr�nden oder aus Angst? Es war unwichtig. �Es h�rt auf, Teryl. Es h�rt auf!� Der Murandianer nickte z�gernd und betrachtete Perrin, als s�he er ihn zum ersten Mal.</p><p>�Mein Lord Perrin?� sagte Maighdin. Er hatte sie und ihre Freunde vollkommen vergessen. Die anderen hatten sich ein St�ck entfernt um sie versammelt, die meisten noch immer zu Fu�. Es waren noch drei M�nner au�er dem Burschen darunter, der Maighdin gefolgt war, und zwei davon verbargen sich hinter ihren Pferden. Lini schien die wachsamste von ihnen und betrachtete ihn besorgt. Sie hatte ihr Pferd nahe an Maighdins herangef�hrt und schien bereit, ihr Zaumzeug selbst zu ergreifen. Nicht um die j�ngere Frau am Davonlaufen zu hindern, sondern um selbst davonzulaufen und Maighdin mitzunehmen. Maighdin selbst wiederum schien vollkommen ruhig, aber sie betrachtete Perrin ebenfalls forschend. Das war nach all dem Gerede �ber den Propheten und den Wiedergeborenen Drachen � zus�tzlich zu seinen Augen �nicht verwunderlich. Ganz zu schweigen von der geknebelten Aes Sedai. Er erwartete, da� sie sagen w�rde, sie wollten sofort aufbrechen, aber statt dessen sagte sie: �Wir werden Euer freundliches Angebot annehmen. Ein oder zwei Tage Rast in Eurem Lager sind vielleicht genau das Richtige.�</p><p>�Wir Ihr meint, Herrin Maighdin�, erwiderte er gem�chlich. Es fiel ihm schwer, seine �berraschung zu verbergen. Besonders da er gerade die beiden M�nner erkannt hatte, die ihre Pferde zwischen sich und ihm zu halten versuchten. War <emphasis>Ta'veren</emphasis> am Werk gewesen, sie hierher zu bringen? Es war auf jeden Fall eine seltsame Wendung. �Es ist vielleicht genau das Richtige.�</p></section><section><title><p>8</p><p>Eine einfache Frau vom Lande</p></title><p>Das Lager befand sich ungef�hr eine Meile weiter, ein gutes St�ck von der Stra�e entfernt zwischen niedrigen, bewaldeten H�geln unmittelbar jenseits eines Wasserlaufs, der auf zehn Fu� Breite Steine und nur auf f�nf Fu� Breite Wasser aufwies und niemals tiefer war als bis zu den Knien eines Menschen. Kleine gr�ne und silberne Fische schossen vor den Pferdehufen davon. Gelegentlich Vor�bergehende w�rden hier kaum jemanden vermuten. Der n�chste Bauernhof war �ber eine Meile entfernt, und Perrin hatte sich selbst davon �berzeugt, da� diese Leute ihr Vieh anderswo tr�nkten.</p><p>Er hatte wirklich versucht, jegliches Aufsehen so weit wie m�glich zu vermeiden, indem sie auf Nebenstra�en und kleinsten Landwegen geritten waren, wenn sie nicht in den W�ldern bleiben konnten. Aber es war vergebliche M�he gewesen. Die Pferde konnten geweidet werden, wo immer es Gras gab, aber sie ben�tigten zumindest auch etwas Hafer, und selbst ein kleines Heer mu�te Nahrung erstehen, viel Nahrung. Jeder Mann verbrauchte vier Pfund am Tag, in Mehl und Bohnen und Fleisch gemessen. Die Ger�chte mu�ten schon in ganz Ghealdan kursieren, aber mit ein wenig Gl�ck w�rde niemand vermuten, wer sie waren. Perrin verzog das Gesicht. Vielleicht solange nicht, bis er hinging und den Mund �ffnete. Dennoch h�tte er niemals anders gehandelt.</p><p>Tats�chlich waren es drei Lager, die dicht beieinander lagen und nicht weit vom Wasserlauf entfernt waren. Sie reisten zusammen, folgten alle Perrin, gehorchten ihm vermutlich, aber es waren zu viele Pers�nlichkeiten im Spiel, und niemand war vollkommen sicher, da� die anderen dasselbe Ziel verfolgten. Ungef�hr neunhundert Befl�gelte W�chter hatten ihre Herdfeuer zwischen Reihen angepflockter Pferde auf einer weiten Wiese mit niedergetretenem braunem Gras gesch�rt. Perrin versuchte, seine Nase vor den vermischten Ger�chen von Pferden, Schwei�, Dung und kochendem Ziegenfleisch, die unangenehme Zusammenstellung eines hei�en Tages, zu verschlie�en. Ein Dutzend berittene Wachen umrundeten jeweils zu zweit gem�chlich das Lager, ihre langen, mit roten Wimpeln versehenen Speere alle genau im gleichen Winkel gehalten, aber die �brigen Mayener hatten ihre Brustharnische und Helme abgelegt. In der Sonne ohne Jacke und oft auch ohne Hemd, lagen, sie ausgestreckt auf ihren Decken oder w�rfelten, w�hrend sie auf das Essen warteten. Einige schauten auf, als Perrin vor�berritt, einige lie�en von ihren T�tigkeiten ab, um die Neuzug�nge in seiner Gruppe zu betrachten, aber niemand lief herbei. Also waren die Sp�htrupps noch immer drau�en. Kleine Sp�htrupps ohne Speere, die sehen konnten, ohne gesehen zu werden. Nun, das hoffte er zumindest. Das hatte er gehofft.</p><p>Eine Handvoll <emphasis>Gai'schain</emphasis> verrichteten zwischen den niedrigen, graubraunen Zelten auf dem sp�rlich bewaldeten H�gelkamm �ber den Mayenern verschiedene Aufgaben. Auf diese Entfernung schienen die wei� gekleideten Gestalten harmlos, die Augen gesenkt und sanftm�tig. Aus der N�he betrachtet, w�rden sie ebenso wirken, aber die meisten waren Shaido. Die Weisen Frauen behaupteten, <emphasis>Gai'schain</emphasis> seien <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Perrin traute keinem Shaido au�er Sichtweite. An einer Seite des Hangs knieten unter einem k�mmerlichen Tupelobaum ungef�hr ein Dutzend T�chter des Speers im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> in einem Kreis um Sulin, die trotz ihres wei�en Haars die Z�heste unter ihnen war. Sie hatte ebenfalls Kundschafter ausgesandt, Frauen, die zu Fu� ebenso schnell waren wie die Mayener zu Pferde und wahrscheinlich weitaus weniger Aufmerksamkeit erregen w�rden. Keine der Weisen Frauen dort oben zeigte sich, nur eine schlanke Frau, die in einem gro�en Kessel den Eintopf umr�hrte, richtete sich auf und rieb sich den R�cken, w�hrend sie Perrin und die anderen vor�berziehen sah. Eine Frau in einem gr�nen Seidenreitgewand.</p><p>Er konnte den d�steren Ausdruck auf Masuris Gesicht erkennen. Aes Sedai r�hrten nicht in Kesseln, noch vollf�hrten sie zwanzig weitere Aufgaben, welche die Weisen Frauen ihr und Seonid aufgetragen hatten. Masuri tat es f�r Rand, aber Rand war nicht hier, doch Perrin war hier. Bek�me sie auch nur halbwegs die Gelegenheit dazu, w�rde sie ihm das Fell �ber die Ohren ziehen.</p><p>Edarra und Nevarin tauchten aus jener Richtung auf und wirbelten selbst in ihren bauschigen Gew�ndern kaum die Schichten toten Laubs auf, die den Boden bedeckten. Seonid folgte ihnen, den Knebel noch immer im Mund. Sie wandte sich in ihrem Sattel um und blickte zu Perrin. Wenn er h�tte glauben k�nnen, da� eine Aes Sedai �ngstlich wirken konnte, h�tte er dies bei ihr vermutet. Furen und Teryl ritten mit finsteren Mienen hinter ihr her.</p><p>Masuri sah sie n�her kommen und beugte sich hastig wieder �ber den schwarzen Kessel, r�hrte mit neuerlicher Energie darin herum und versuchte den Eindruck zu erwecken, sie h�tte niemals damit aufgeh�rt. Solange Masuri den Weisen Frauen diente, glaubte Perrin keine Bef�rchtung um sein Fell hegen zu m�ssen. Die Weisen Frauen hielten sie anscheinend sehr kurz.</p><p>Nevarin schaute �ber die Schulter zu ihm zur�ck, ein weiterer dieser d�steren Blicke, die ihm von ihr und Edarra zugedacht wurden, seit er seine Warnung �seine Drohung � �ber den stoppelb�rtigen Burschen ausgesprochen hatte. Perrin stie� ver�rgert den Atem aus. Er mu�te sich solange nicht um sein Fell sorgen, bis die Weisen Frauen beschlossen, da� sie es <emphasis>wollten.</emphasis> Zu viele Pers�nlichkeiten. Zu viele Ziele.</p><p>Maighdin ritt neben Faile und beachtete scheinbar nicht, woran sie vor�berritten, aber er h�tte keine Kupferm�nze darauf verwettet. Ihre Augen hatten sich kaum merklich geweitet, als sie die mayenischen Wachen gesehen hatte. Sie wu�te ebenso gewi�, was rote Brustharnische und Helme, die wie mit einem Rand versehene T�pfe aussahen, bedeuteten, wie sie ein Aes Sedai-Gesicht erkannt hatte. Die meisten Menschen h�tten beides nicht vermocht, besonders nicht Menschen, die wie sie gekleidet waren. Diese Maighdin war ein R�tsel. Sie schien ihm aus einem unbestimmten Grund vage vertraut.</p><p>Lini und Tallanvor � so hatte er Maighdin den Burschen nennen h�ren, der hinter ihr hergeritten war, der �junge� Tallanvor, obwohl ihr Altersunterschied h�chstens vier oder f�nf Jahre betragen konnte �blieben so dicht hinter Maighdin wie m�glich, w�hrend Aram Perrin dichtauf zu folgen versuchte. Ebenso ein hartn�ckiger kleiner Bursche namens Balwer, der noch weniger auf ihre Umgebung zu achten schien, als Maighdin vorgab. Dennoch glaubte Perrin, da� Balwer mehr sah als sie. Er konnte nicht genau sagen warum, aber die wenigen Male, als er den Geruch des hageren kleinen Mannes erhaschte, wurde er an einen in der Luft schnuppernden Wolf erinnert. Seltsamerweise war Balwer nicht �ngstlich, ihn durchstr�mte lediglich eine wellenf�rmig schnell unterdr�ckte Ver�rgerung, begleitet vom zitternden Geruch der Ungeduld. Die dritte Frau, Breane, fl�sterte heftig mit einem ungeschlachten Burschen, der die Augen gesenkt hielt, manchmal schweigend nickte und manchmal den Kopf sch�ttelte. Wenn es jemals einen rauhen Burschen gegeben hatte, dann war er es, aber die kleine Frau strahlte ebenfalls Z�higkeit aus. Der letzte Mann verbarg sich hinter diesen beiden, ein gedrungener Bursche mit einem ramponierten, tief ins Gesicht gezogenen Strohhut. Bei ihm wirkte das Schwert, das alle M�nner trugen, genauso fremd wie bei Balwer.</p><p>Der dritte Teil des Lagers, der sich unter den B�umen unmittelbar hinter der Biegung des H�gels der Mayener ausbreitete, nahm genausoviel Raum ein wie die Befl�gelten Wachen, obwohl hier weitaus weniger Menschen verweilten. Hier waren die Pferde ein gutes St�ck von den Herdfeuern entfernt angepflockt, so da� reiner Essensgeruch die Luft erf�llte. Dieses Mal ger�stete Ziege und harte R�ben, welche die Bauern wahrscheinlich ihren Schweinen hatten verf�ttern wollen, auch wenn die Zeiten sehr hart waren. Ann�hernd dreihundert Leute von den Zwei Fl�ssen, die Perrin von zu Hause gefolgt waren, k�mmerten sich um Fleischspie�e, flickten Kleidung oder �berpr�ften Pfeile und Bogen, alle in zuf�lligen Gruppen von f�nf oder sechs Freunden um ein Feuer versammelt. Fast alle winkten und riefen Gr��e, obwohl zu h�ufig �Lord Perrin� und �Perrin Goldauge� erklang, als da� es ihm gefallen h�tte. Faile hatte jedoch ein Recht auf die Titel, mit denen sie bedacht wurde.</p><p>Grady und Neald, die in ihren nachtschwarzen Umh�ngen nicht schwitzten, gr��ten nicht. Sie standen neben dem Herdfeuer, das sie ein St�ck von allen anderen entfernt entz�ndet hatten, und sahen ihn nur an. Erwartungsvolle Blicke, dachte er. Was erwarteten sie? Das war die Frage, die er sich bei ihnen stets stellte. Die Asha'man bereiteten ihm mehr Unbehagen als die Aes Sedai oder die Weisen Frauen. Es war nat�rlich, da� Frauen die Macht lenkten, auch wenn ein Mann sich dabei nicht wirklich wohl f�hlte. Grady mit dem gew�hnlichen Gesicht wirkte trotz Umhang und Schwert wie ein Bauer und Neald mit seinem gezwirbelten Schnurrbart wie ein Geck, und doch konnte Perrin nicht vergessen, was sie waren und was sie an den Brunnen von Dumai getan hatten. Aber andererseits war er auch dort gewesen. Das Licht helfe ihm, so war es. Er nahm seine Hand von der Streitaxt an seinem G�rtel und stieg ab.</p><p>Diener � M�nner und Frauen von Lord Dobraines L�ndereien in Cairhien � liefen von den Reihen angepflockter Pferde herbei und �bernahmen ihre Reittiere. Keiner reichte �ber Perrins Schulter hinaus, l�ndlich gekleidete Leute, die sich st�ndig willf�hrig verbeugten und Hofknickse vollf�hrten. Faile sagte, er verwirre sie, wenn er sie aufforderte, damit aufzuh�ren oder es ihm gegen�ber nicht mehr so h�ufig zu tun. Tats�chlich rochen sie verwirrt, wenn er es tat, und verbeugten sich eine oder zwei Stunden sp�ter doch wieder. Andere, fast so viele wie die Leute von den Zwei Fl�ssen, besch�ftigten sich mit den Pferden oder mit den langen Reihen hochr�driger Karren, auf denen s�mtliche Vorr�te transportiert wurden. Einige wenige eilten in ein gro�es rotwei�es Zelt oder kamen daraus hervor.</p><p>Dieses Zelt veranla�te Perrin, wie �blich d�ster zu st�hnen. Berelain besa� im mayenischen Teil des Lagers ein noch gr��eres Zelt sowie eines f�r ihre beiden Dienerinnen und ein weiteres f�r die beiden Diebf�nger, die sie unbedingt mitbringen wollte. Auch Annoura hatte ein eigenes Zelt und Gallenne ebenfalls, aber nur er und Faile besa�en hier eines. Was ihn betraf, so h�tte er wie die anderen M�nner von zu Hause unter freiem Himmel geschlafen. Sie hatten nachts nichts au�er einer Decke �ber sich. Es war gewi� kein Regen zu bef�rchten. Auch die cairhienischen Diener schliefen im Freien neben den Karren. Er konnte Faile jedoch nicht darum bitten, wenn Berelain ein Zelt hatte. Wenn er Berelain nur in Cairhien h�tte zur�cklassen k�nnen. Aber dann h�tte er Faile nach Bethai hineinschicken m�ssen.</p><p>Zwei Banner an hohen, frisch zugeschnittenen Pf�hlen inmitten einer freien Fl�che in der N�he des Zelts verd�sterten seine Stimmung noch mehr. Die Brise war ein wenig aufgefrischt, obwohl es noch immer zu warm war. Er glaubte, den Donner erneut zu h�ren, ein schwaches Grollen im Westen. Die Banner entfalteten sich wellenf�rmig langsam, sackten unter ihrem eigenen Gewicht wieder zusammen und �ffneten sich erneut in Wellen. Sein karmesinrot ges�umter Roter Wolfskopf und der Rote Adler des lange versunkenen Manetheren wurden entgegen seinen Befehlen erneut �ffentlich gezeigt. Vielleicht hatte er es in gewisser Weise aufgegeben, sich zu verbergen, aber unbestreitbar war, da� Ghealdan ein Teil von Manetheren gewesen war. Alliandre w�rde nicht beruhigt sein, wenn sie von <emphasis>diesem</emphasis> Banner h�rte! Es gelang ihm, eine freundliche Miene und ein L�cheln f�r die st�mmige Frau aufzusetzen, die einen tiefen Hofknicks vollf�hrte und Traber davonf�hrte.</p><p>Die F�uste in die H�ften gestemmt, stand Maighdin da und betrachtete die sich entfaltenden Banner, w�hrend ihr Pferd mit den anderen fortgef�hrt wurde. �berraschenderweise trug Breane ihre beiden B�ndel, hielt sie jedoch unbeholfen fest. Sie betrachtete verdrie�lich die anderen Frauen. �Ich habe von solchen Bannern geh�rt�, sagte Maighdin unvermittelt. Kein Zorn klang in ihrer Stimme mit, die ebenso glatt war wie ihr Gesicht, aber Perrin konnte ihre Wut riechen. �Sie wurden von M�nnern in Andor gehi�t, in den Zwei Fl�ssen, die sich gegen ihren rechtm��igen Herrscher auflehnten. Aybara ist wohl ein Name aus den Zwei Fl�ssen.�</p><p>�Wir wissen nicht viel �ber rechtm��ige Herrscher in den Zwei Fl�ssen, Herrin Maighdin�, grollte er. Er w�rde jedem das Fell �ber die Ohren ziehen, der sie dieses Mal gehi�t hatte. Wenn sich die Geschichten �ber die Aufst�nde schon so weit verbreitet hatten... Er stand bereits zu vielen Schwierigkeiten gegen�ber, als da� er noch mehr h�tte gebrauchen k�nnen. �Morgase war vermutlich eine gute K�nigin, aber wir mu�ten uns allein durchs Leben schlagen, und das haben wir getan.� Ihm wurde j�h bewu�t, an wen sie ihn erinnerte. An Elayne. Nicht da� es etwas bedeutet h�tte. Er hatte M�nner tausend Meilen von den Zwei Fl�ssen entfernt gesehen, die zu Familien geh�ren konnten, die er zu Hause gekannt hatte. Dennoch mu�te es einen Grund f�r ihren Zorn geben. Ihr Akzent konnte andoranisch sein. �Die Dinge stehen in Andor nicht so schlecht wie Ihr vielleicht geh�rt habt�, belehrte er sie. �In Caemlyn war es friedlich, als ich das letzte Mal dort war, und Rand � der Wiedergeborene Drache � will Morgases Tochter Elayne auf den L�wenthron bringen.�</p><p>Maighdin war absolut nicht bes�nftigt, vielmehr drehte sie sich mit blitzenden Augen zu ihm um. �Er beabsichtigt, sie auf den Thron zu <emphasis>bringen? Niemand bringt</emphasis> eine K�nigin auf den L�wenthron! Elayne wird den Thron von Andor <emphasis>rechtm��ig</emphasis> beanspruchen!�</p><p>Perrin kratzte sich den Kopf und w�nschte, Faile w�rde aufh�ren, die Frau lediglich aufmerksam zu beobachten, und etwas sagen. Aber sie steckte nur ihre Reithandschuhe hinter ihren G�rtel. Bevor er dar�ber nachdenken konnte, was er erwidern sollte, mischte sich Lini ein, ergriff Maighdins Arm und sch�ttelte sie so fest, da� ihre Z�hne klapperten.</p><p>�Ihr werdet Euch entschuldigen!� befahl die alte Frau barsch. �Dieser Mann hat Euch das Leben gerettet, Maighdin, und Ihr verge�t Euch. Wie kann eine einfache Frau vom Lande so mit einem Lord sprechen! Erinnert Euch daran, wer Ihr seid, und bringt Euch mit Euren Worten nicht in Teufels K�che! Wenn dieser junge Lord Streit mit Morgase hatte � nun, jedermann wei�, da� sie tot ist, und es geht Euch gewi� nichts an! Jetzt entschuldigt Euch, bevor er �rgerlich wird!�</p><p>Maighdin sah Lini an, ihre Lippen bebten, und sie war noch best�rzter als Perrin. Sie �berraschte ihn jedoch erneut. Anstatt die wei�haarige Frau zurechtzuweisen, richtete sie sich langsam auf, straffte die Schultern und sah ihm in die Augen. �Lini hat vollkommen recht. Es war ungeh�rig von mir, so mit Euch zu sprechen, Lord Aybara. Ich entschuldige mich. Dem�tig. Und ich bitte Euch um Verzeihung.� Dem�tig? Ihr Kinn war angespannt, ihr Tonfall dem Stolz einer Aes Sedai angemessen, und ihr Geruch besagte, da� sie noch immer �u�erst w�tend war.</p><p>�Es ist verziehen�, sagte Perrin hastig. Was sie anscheinend auch nicht bes�nftigte. Sie l�chelte, und vielleicht wollte sie damit Dankbarkeit zeigen, aber er konnte sie mit den Z�hnen knirschen h�ren. Waren Frauen <emphasis>alle</emphasis> verr�ckt?</p><p>�Diese Leute sind von der Reise erhitzt und schmutzig, mein Gemahl�, sagte Faile schlie�lich einlenkend, �und die letzten Stunden waren gewi� anstrengend f�r sie. Aram kann den M�nnern zeigen, wo sie sich s�ubern k�nnen. Ich werde die Frauen mit mir nehmen. Ich werde feuchte T�cher bringen lassen, damit Ihr Euch Gesicht und H�nde waschen k�nnt�, sagte sie an Maighdin und Lini gewandt. Sie bedeutete Breane mit einer Geste, sich anzuschlie�en, und dr�ngte sie zum Zelt. Auf ein Nicken von Perrin hin forderte Aram die M�nner auf ihm zu folgen.</p><p>�Sobald Ihr Euch erfrischt habt, Meister Gill, w�rde ich gern mit Euch sprechen�, sagte Perrin.</p><p>Er h�tte ebensogut das sich drehende Feuerrad gestalten k�nnen. Maighdin fuhr herum und starrte ihn an, und die anderen beiden Frauen erstarrten in der Bewegung. Tallanvor ergriff pl�tzlich erneut sein Schwertheft, und Balwer stellte sich auf Zehenspitzen und sp�hte �ber sein B�ndel hinweg, den Kopf einmal hierhin und einmal dorthin geneigt. Vielleicht nicht wie ein Wolf, sondern eher wie ein Vogel, der sich vor Katzen in acht nimmt. Der untersetzte Mann, Basel Gill, lie� seine Habe fallen und schrak zusammen.</p><p>�Warum, Perrin?� stotterte er und ri� sich den Strohhut vom Kopf. Der Schwei� hinterlie� Spuren im Staub auf seinen Wangen. Er beugte sich herab, um sein B�ndel aufzuheben, �berlegte es sich dann aber anders und richtete sich erneut hastig auf. �Ich meine, Lord Perrin, ich ... ehm ... ich dachte, Ihr w�rt es, aber ... aber als sie Euch Lord nannten, war ich mir nicht mehr sicher, ob Ihr einen alten Wirt noch kennen wolltet.� Er rieb sich mit einem Taschentuch �ber seinen fast kahlen Kopf und lachte nerv�s. �Nat�rlich werde ich mit Euch sprechen. Das Waschen kann noch eine Weile warten.�</p><p>�Hallo, Perrin�, sagte ein ungeschlachter Mann. Lamgwin Dorn wirkte wegen seiner schweren Lider trotz der Muskeln und der Narben auf Gesicht und H�nden tr�ge. �Meister Gill und ich haben davon geh�rt, da� der junge Rand der Wiedergeborene Drache ist. Wir h�tten uns denken k�nnen, da� Ihr auch auftaucht. Perrin Aybara ist ein guter Mann, Herrin Maighdin. Ich denke, Ihr k�nnt ihm alles anvertrauen, was Ihr wollt.� Er war nicht tr�ge, und er war auch nicht dumm.</p><p>Aram machte eine ungeduldige Kopfbewegung, und Lamgwin und die beiden anderen folgten ihm, aber Tallanvor und Balwer lie�en sich Zeit und warfen Perrin und Meister Gill verwunderte Blicke zu. Besorgte Blicke. Und den Frauen. Faile dr�ngte sie ebenfalls vorw�rts, wenn sie Perrin, Meister Gill und den Aram folgenden M�nnern auch viele rasche Blicke zuwarfen. Pl�tzlich waren sie nicht mehr so erfreut dar�ber, getrennt zu werden.</p><p>Meister Gill wischte sich �ber die Stirn und l�chelte unbehaglich. Licht, warum roch er �ngstlich? fragte sich Perrin. Aus Angst vor ihm? Vor einem an den Wiedergeborenen Drachen gebundenen Mann, der sich Lord nannte und ein Heer anf�hrte, wie klein auch immer es war, und somit den Propheten bedrohte? Man k�nnte auch noch das Knebeln von Aes Sedai erw�hnen. Daf�r w�rde er auf die eine oder andere Art verantwortlich gemacht werden. <emphasis>Nein,</emphasis> dachte Perrin, <emphasis>daran ist nichts, was jemanden �ngstigen k�nnte.</emphasis> Wahrscheinlich hatten diese Menschen Angst, da� er sie alle t�ten k�nnte.</p><p>In dem Versuch, Meister Gill zu beruhigen, f�hrte er den Mann zu einer hundert Schritt von dem rotwei�en Zelt entfernten Eiche. Die meisten der gro�en Bl�tter des Baumes waren abgefallen, und die H�lfte des verbliebenen Laubs war braun, aber tief herabh�ngende Zweige spendeten ein wenig Schatten, und einige der knorrigen Wurzeln ragten so weit �ber die Erde, um als B�nke dienen zu k�nnen. Perrin hatte eine davon bereits benutzt und D�umchen gedreht, w�hrend das Lager errichtet wurde. Wann immer er etwas N�tzliches zu tun versuchte, entrissen es ihm stets zehn H�nde.</p><p>Basel Gill war jedoch nicht beruhigt, wie bem�ht sich Perrin auch nach dem Wohlergehen der K�nigin und seinem Gasthaus in Caemlyn erkundigte oder seinen eigenen Besuch dort in Erinnerung rief. Andererseits erinnerte sich Gill vielleicht daran, da� sein Besuch durch Aes Sedai und Gerede vom Dunklen K�nig und einer n�chtlichen Flucht nichts Beruhigendes gehabt hatte. Meister Gill schritt besorgt hin und her, pre�te das B�ndel an seine Brust, wechselte es von einem Arm in den anderen und antwortete nur sehr einsilbig, w�hrend er zwischendurch seine Lippen benetzte.</p><p>�Meister Gill�, sagte Perrin schlie�lich, �nennt mich nicht immer Lord Perrin. Es ist kompliziert, aber ich bin kein Lord. Das wi�t Ihr.�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte der rundliche Mann, der sich schlie�lich auf einer der Eichenwurzeln niederlie�. Er schien sein B�ndel nicht gern abzulegen und zog die H�nde nur z�gernd davon zur�ck. �Wie Ihr meint, Lord Perrin. Ehm, Rand ... der Lord Drache ... er will die Lady Elayne wirklich auf den Thron bringen? Nat�rlich m�chte ich Eure Worte nicht anzweifeln�, f�gte er eilig hinzu. Er nahm seinen Hut ab und begann erneut, sich �ber die Stirn zu wischen. Er schien selbst f�r einen solch rundlichen Mann doppelt so stark zu schwitzen, wie es die Hitze gerechtfertigt h�tte. �Gewi� wird der Lord Drache genau das tun, was Ihr gesagt habt.� Er lachte unsicher. �Ihr wolltet mit mir sprechen. Und sicher nicht �ber mein altes Gasthaus.�</p><p>Perrin stie� ersch�pft den Atem aus. Er hatte geglaubt, nichts k�nnte schlimmer sein als alte Freunde und Nachbarn, die katzbuckelten, aber sie verga�en es zumindest gelegentlich und sprachen dann frei heraus. Und keiner von ihnen hatte Angst vor ihm. �Ihr seid weit von zu Hause fort�, sagte er freundlich.</p><p>Es bestand kein Grund zur Eile, nicht bei einem Mann, der bereits fast au�er sich war. �Ich frage mich, was Euch hierher gef�hrt hat. Hoffentlich keine Schwierigkeiten?�</p><p>�Redet gerade heraus, Basel Gill�, forderte Lini ihn barsch auf, w�hrend sie auf die beiden zukam. �Keine Umschweife.� Sie war noch nicht allzu lange fort gewesen, und doch hatte sie irgendwie die Zeit gefunden, sich Gesicht und H�nde zu waschen, ihr Haar im Nacken zu einem ordentlichen wei�en Knoten aufzustecken und sich den meisten Staub von ihrem einfachen Tuchgewand zu klopfen. Sie vollf�hrte vor Perrin einen fl�chtigen Hofknicks, wandte sich dann zu Meister Gill um und drohte ihm mit einem knorrigen Finger. ��Drei Dinge �rgern �ber alle Ma�en: ein schmerzender Zahn, ein zu enger Schuh und ein geschw�tziger Mann.� Haltet Euch also an das Wesentliche und erz�hlt dem jungen Lord nicht mehr, als er h�ren will.� Sie bedachte den staunenden Wirt mit einem warnenden Blick und vollf�hrte dann vor Perrin j�h einen weiteren Hofknicks. �Er liebt den Klang seiner eigenen Stimme � die meisten M�nner tun das �, aber er wird Euch jetzt angemessen antworten, mein Lord.�</p><p>Meister Gill sah sie finster an und murmelte leise etwas, als sie ihm barsch zu sprechen bedeutete. �Kn�cherne, alte...�, verstand Perrin. �Was geschehen ist ... <emphasis>einfach</emphasis> und <emphasis>gerade heraus...�.</emphasis> Der rundliche Mann sah Lini erneut an, aber sie schien es nicht zu bemerken. �...ist, da� ich gesch�ftlich in Lugard zu tun hatte. Eine Gelegenheit, Wein einzuf�hren. Aber das wird Euch nicht interessieren. Ich habe Lamgwin nat�rlich mitgenommen, und Breane, weil sie ihn keinen Moment aus den Augen l��t, wenn es nicht unumg�nglich ist. Unterwegs begegneten wir Herrin Dorlain � Herrin Maighdin, wie wir sie nennen � und Lini und Tallanvor. Und nat�rlich Balwer. Auf der Stra�e. In der N�he von Lugard.�</p><p>�Maighdin und ich waren in Murandy in Stellung�, warf Lini ungeduldig ein. �Bis die Unruhen begannen. Tallanvor war Waffentr�ger des Hauses und Balwer der Schreiber. R�uber z�ndeten das Gut an, und unsere Herrin konnte es sich nicht mehr leisten, uns zu behalten, so da� wir beschlossen, aus Sicherheitsgr�nden zusammen zu reisen.�</p><p>�Das wollte ich gerade erz�hlen, Lini�, brummte Meister Gill, w�hrend er sich hinter dem Ohr kratzte.</p><p>�Der Weinh�ndler war aus einem unbestimmten Grund von Lugard aufs Land gegangen, und...� Er sch�ttelte den Kopf. �Es w�rde zu weit f�hren, alles zu erz�hlen, Perrin. Lord Perrin, meine ich. Verzeiht. Ihr wi�t, da� es heutzutage �berall Unruhen der einen oder anderen Art gibt. Anscheinend trafen wir jedes Mal, wenn wir Unruhen der einen Art entronnen waren, auf Unruhen der anderen Art und entfernten uns immer weiter von Caemlyn. Bis wir hierher kamen, m�de und f�r ein wenig Ruhe dankbar. Das ist die Geschichte in wenigen Worten.�</p><p>Perrin nickte gem�chlich. Das konnte die einfache Wahrheit sein, obwohl er gelernt hatte, da� Menschen hundert Gr�nde haben mochten, zu l�gen oder die Wahrheit schlicht zu verschleiern. Er verzog das Gesicht und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Licht! Er wurde langsam so mi�trauisch wie ein Cairhiener, und je tiefer Rand ihn in alles hineingezogen hatte, desto schlimmer war es geworden. Warum, um alles in der Welt, sollte Basel Gill ihn bel�gen? Die Dienerin einer Lady, die an Privilegien gew�hnt war und dann harte Zeiten erlebte � das erkl�rte Maighdins Verhalten. Einiges war einfach.</p><p>Lini hatte die H�nde an der Taille gefaltet, aber sie beobachtete ihn genau, erinnerte selbst �beraus an einen Falken, und Meister Gill begann unruhig zu werden, sobald er seine Erz�hlung beendet hatte. Er schien Perrins Miene als Aufforderung zu verstehen, noch mehr zu berichten. Er lachte nerv�s. �Ich habe seit dem Aiel-Krieg nicht viel von der Welt gesehen, und ich war damals erheblich magerer. Nun, wir sind bis Amador gekommen. Nat�rlich haben wir es wieder verlassen, nachdem die Seanchaner die Stadt einnahmen, aber sie sind in Wahrheit nicht schlimmer als die Wei�m�ntel, soweit ich...� Er brach ab, als sich Perrin j�h vorbeugte und seinen Rockaufschlag ergriff.</p><p>�Seanchaner, Meister Gill? Seid Ihr Euch dessen sicher? Oder ist das nur wieder eines dieser Ger�chte wie das �ber die Aiel oder die Aes Sedai?�</p><p>�Ich habe sie gesehen�, erwiderte Gill und wechselte unsichere Blicke mit Lini. �Sie haben sich sogar selbst als Seanchaner bezeichnet. Es �berrascht mich, da� Ihr nichts davon wi�t. Die Nachricht ist uns den ganzen Weg von Amador vorausgeeilt. Diese Seanchaner wollen, da� die Menschen wissen, was sie vorhaben. Seltsame Leute mit seltsamen Wesen.� Seine Stimme wurde angespannter. �Wie Schattengez�cht. Gro�e, lederartige Flugwesen, die Menschen tragen, und Wesen, die Eidechsen �hneln, nur da� sie so gro� sind wie Pferde und drei Augen haben. Ich habe sie gesehen! Wahrhaftig!�</p><p>�Ich glaube Euch�, sagte Perrin und lie� die Jacke des Mannes los. �Ich habe sie auch gesehen.� In Falme, wo tausend Wei�m�ntel in Minuten starben, und es waren tote Helden aus der Legende n�tig gewesen, vom Horn von Valere herbeigerufen, um die Seanchaner zur�ckzudr�ngen. Rand hatte gesagt, sie w�rden zur�ckkehren, aber wie konnte ihnen das so bald gelungen sein? Licht! Wenn sie Amador besetzt hielten, mu�ten sie auch Tarabon in ihrer Gewalt haben, oder zumindest den gr��ten Teil Tarabons. Nur ein Narr t�tete einen Hirsch, wenn er wu�te, da� ein verletzter B�r hinter ihm war. Wie viele St�dte hatten sie bereits eingenommen? �Ich kann Euch nicht sofort nach Caemlyn schicken, Meister Gill, aber wenn Ihr noch ein wenig bei mir bleibt, werde ich daf�r sorgen, da� Ihr in Sicherheit seid.� Wenn es �berhaupt noch sicher war, bei ihm zu bleiben. Der Prophet, Wei�m�ntel und jetzt vielleicht auch noch Seanchaner.</p><p>�Ich glaube, Ihr seid ein guter Mann�, sagte Lini pl�tzlich. �Ich f�rchte, wir haben Euch nicht die ganze Wahrheit gesagt, aber vielleicht sollten wir es jetzt tun.�</p><p>�Lini, was redet Ihr da?� rief Meister Gill aus und sprang auf. �Ich glaube, die Hitze macht ihr zu schaffen�, sagte er zu Perrin. �Und die lange Reise. Sie hat manchmal seltsame Anwandlungen. Ihr wi�t, wie alte Leute werden k�nnen. Still jetzt, Lini!�</p><p>Lini wehrte seine Hand ab, die er ihr �ber den Mund legen wollte. �Vorsicht, Basel Gill! Ich habe Euch gewarnt! Maighdin <emphasis>ist</emphasis> sozusagen vor Tallanvor davongelaufen, und er <emphasis>ist</emphasis> ihr nachgejagt. Wir alle sind seit inzwischen vier Tagen unterwegs und h�tten beinahe uns selbst und die Pferde get�tet. Nun, es ist kein Wunder, da� sie h�ufig wie abwesend ist. Ihr M�nner verwirrt den Verstand einer Frau, so da� sie kaum noch denken kann, und dann gebt Ihr vor, �berhaupt nichts getan zu haben. Ihr solltet alle aus Prinzip geohrfeigt werden. Das M�dchen f�rchtet ihr eigenes Herz! Die beiden sollten verheiratet werden, je schneller, desto besser.�</p><p>Meister Gill starrte sie an, und Perrin konnte nicht ausschlie�en, da� nicht auch er mit offenem Mund dastand. �Ich bin nicht sicher, ob ich genau verstanden habe, was Ihr von mir erwartet�, sagte er z�gerlich, doch die wei�haarige Frau antwortete fast schon, bevor er ganz geendet hatte.</p><p>�Stellt Euch nicht dumm. Das w�rde ich Euch keinen Moment abnehmen. Ihr seid kl�ger als die meisten. Das ist die schlimmste Angewohnheit von M�nnern, da� sie vorgeben, nicht zu bemerken, was vor ihrer Nase passiert.� Was war aus all den Hofknicksen geworden? Sie verschr�nkte ihre d�nnen Arme vor der Brust und sah ihn streng an. �Nun, wenn Ihr Euch doch dumm stellen wollt, werde ich es Euch erkl�ren. Euer Lord Drache tut, was immer er will, soweit ich geh�rt habe. Euer Prophet w�hlt Leute aus und verheiratet sie augenblicklich. Sehr gut. Ihr nehmt Maighdin und Tallanvor und verheiratet sie. Er wird es Euch danken, und sie ebenfalls. Wenn sie wieder zu sich kommt.�</p><p>Perrin blickte verbl�fft zu Meister Gill, der mit den Achseln zuckte und kl�glich grinste. �Entschuldigt mich�, sagte Perrin zu der finster dreinblickenden Frau, �ich mu� mich um einiges k�mmern.� Er eilte davon und schaute nur einmal zur�ck. Lini drohte Meister Gill mit dem Finger und schalt ihn trotz seines Protests aus. Die Brise verhinderte, da� Perrin ihre Worte verstand. Aber das wollte er in Wahrheit auch nicht. Sie <emphasis>waren</emphasis> alle verr�ckt!</p><p>Berelain hatte vielleicht ihre beiden Dienerinnen und ihre Diebf�nger, aber Faile hatte gewisserma�en auch Bedienstete. Fast zwanzig junge Tairener und Cairhiener sa�en mit gekreuzten Beinen in der N�he des Zelts, die Frauen in Jacken und Hosen und genau wie die M�nner mit Schwertg�rteln. Niemand trug das Haar l�nger als bis zur Schulter, und sowohl M�nner als auch Frauen hatten es mit einem Band zur�ckgenommen in Anlehnung an den Aiel-Pferdeschwanz. Perrin fragte sich, wo die �brigen waren. Sie entfernten sich selten weit aus der Reichweite von Failes Stimme. Er hoffte, da� sie keine Schwierigkeiten machten. Sie hatte sie unter ihre Fittiche genommen, um sie aus Schwierigkeiten <emphasis>herauszuhalten,</emphasis> sagte sie, und das Licht wu�te, da� sie hineingeraten w�ren, wenn sie mit einer Menge weiterer junger Toren wie sie in Cairhien zur�ckgeblieben w�ren. Perrins Meinung nach brauchten sie alle einen raschen Tritt in die Kehrseite, um ein wenig zu Verstand zu kommen. Sich zu duellieren, Ji'e'toh zu spielen und vorzugeben, eine Art Aiel zu sein! Dummheit!</p><p>Lacile erhob sich, als Perrin n�her kam, eine blasse kleine Frau mit roten B�ndern an ihren Aufschl�gen, kleinen goldenen Creolen in den Ohren und einem herausfordernden Blick, der Leute aus den Zwei Fl�ssen manchmal zu der Annahme veranla�te, sie w�rde trotz ihres Schwerts gern gek��t. Im Moment lag knallharte Herausforderung in ihrem Blick. Kurz nach ihr erhob sich auch Arrela, gro� und dunkel, das Haar so kurz geschnitten wie bei einer Tochter des Speers und die Kleidung einfacher als die der meisten M�nner. Anders als Lacile wirkte Arrela vollkommen abweisend. Die beiden machten Anstalten, vor das Zelt zu treten, um Perrin den Weg zu versperren, aber ein Bursche mit kantigem Kinn in einer Jacke mit bauschigen �rmeln stie� einen barschen Befehl aus, und sie setzten sich wieder hin. Widerwillig. Parelean hatte einen Bart getragen, als Perrin ihn zum ersten Mal gesehen hatte � das galt f�r mehrere der tairenischen M�nner �, aber Aiel trugen keine Barte.</p><p>Perrin murrte leise etwas �ber Torheit. Sie waren Faile absolut treu ergeben, und die Tatsache, da� er ihr Ehemann war, bedeutete ihnen wenig. Er konnte den Blick der jungen Dummk�pfe auf sich sp�ren, als er das Zelt betrat Faile w�rde ihm das Fell �ber die Ohren ziehen, wenn sie jemals erf�hre, da� er gehofft hatte, sie w�rden <emphasis>sie</emphasis> vor Schwierigkeiten bewahren.</p><p>Das Zelt war hoch und ger�umig und mit einem mit Blumen verzierten Teppich und sp�rlichen M�beln ausgestattet, die man �berwiegend zusammengeklappt auf einem Karren verstauen konnte. Der schwere Standspiegel geh�rte jedoch nicht dazu. Bis auf mit bestickten T�chern verzierte und als zus�tzliche Tische zu zweit zusammengestellte messingbeschlagene Kisten wurde alles von den geraden Linien funkelnder Goldverzierungen dominiert, die alles bis hin zum Waschgestell und dem dazugeh�rigen Spiegel schm�ckten. Ein Dutzend widergespiegelte Lampen machten das Innere des Zelts fast ebenso hell wie die Au�enwelt, wenn es auch erheblich k�hler war, und es hingen sogar zwei Seidenvorh�nge von den oberen Zeltstangen herab � f�r Perrins Geschmack zu �berladen und zu starr, da die V�gel und Blumen in Reihen und Winkeln angeordnet waren. Dobraine hatte sie bedr�ngt, wie cairhienische Adlige zu reisen, aber Perrin war es gelungen, das Schlimmste zu verhindern. Es war beispielsweise l�cherlich, das gro�e Bett mit auf eine Reise zu nehmen. Es hatte allein fast einen Karren beansprucht.</p><p>Faile und Maighdin sa�en zusammen etwas abseits, verzierte Silberbecher in H�nden. Sie schienen einander auf den Zahn zu f�hlen, �u�erlich l�chelnd, aber doch mit einer gewissen Sch�rfe in den Augen, ein Hinweis darauf, da� sie auf etwas hinter den Worten lauschten, aber nicht darauf lauerten, ob sie sich im n�chsten Moment umarmen oder die Dolche ziehen w�rden. Nun, er glaubte, da� die meisten Frauen nicht soweit gehen w�rden, tats�chlich den Dolch zu ziehen, aber Faile k�nnte es. Maighdin schien sich weitgehend von der Reise erholt zu haben, hatte sich inzwischen gewaschen und gek�mmt und den Staub von ihrer Kleidung geklopft. Auf einem kleinen Tisch mit einer Mosaikoberfl�che zwischen ihnen standen mehrere Becher und ein Silberkrug, der den Geruch von herbem Minztee verstr�mte. Beide Frauen sahen sich um, als er eintrat, und sie wiesen einen Augenblick fast die gleichen Mienen auf, k�hle Verwunderung dar�ber, wer sich da hereindr�ngte, und �berhaupt nicht erfreut �ber die Unterbrechung. Zumindest milderte Faile ihre Miene sofort durch ein L�cheln.</p><p>�Meister Gill hat mir Eure Geschichte erz�hlt, Herrin Dorlain�, sagte er. �Ihr habt harte Zeiten durchgestanden, aber seid versichert, da� Euch hier nichts geschehen kann, bis Ihr Euch zu gehen entschlie�t.� Die Frau murmelte �ber den Rand ihres Bechers hinweg einen Dank, aber sie roch wachsam und versuchte, ihn mit ihrem Blick wie ein offenes Buch zu lesen.</p><p>�Maighdin hat mir ihre Geschichte auch erz�hlt, Perrin�, sagte Faile, �und ich m�chte ihr ein Angebot machen. Maighdin, Ihr und Eure Freunde habt bedr�ckende Monate durchgestanden und mir gesagt, da� Ihr keine Aussichten auf Besserung seht. Warum tretet Ihr nicht alle in meinen Dienst ein? Ihr werdet weiterhin reisen m�ssen, aber die Umst�nde werden weitaus angenehmer sein. Ich zahle gut, und ich bin keine strenge Herrin.� Perrin zeigte sich sofort einverstanden. Wenn Faile ihren Launen nachgehen wollte, indem sie Heimatlose aufnahm, wollte er diesen Leuten auch helfen. Vielleicht w�ren sie zudem bei ihm sicherer, als wenn sie allein umherzogen.</p><p>Maighdin verschluckte sich an ihrem Tee und h�tte beinahe den Becher fallen lassen. Sie sah Faile blinzelnd an, w�hrend sie mit einem spitzenges�umten Leinentaschentuch die Fl�ssigkeit von ihrem Kinn tupfte, und ihr Stuhl knarrte leise, als sie sich seltsamerweise zu Perrin umwandte. �Ich ... danke Euch�, sagte sie schlie�lich z�gernd. �Ich denke...� Sie blickte Perrin weiterhin pr�fend an und sprach dann weiter. �Ja, ich danke Euch, und ich nehme Euer freundliches Angebot gerne an. Ich mu� es sogleich meinen Begleitern erz�hlen.� Sie erhob sich, z�gerte, bevor sie ihren Becher auf das Tablett stellte, und richtete sich dann nur auf, um ihre R�cke in einem Hofknicks auszubreiten, der jedem Palast zur Ehre gereicht h�tte. �Ich werde versuchen, Euch eine gute Dienerin zu sein, Herrin�, sagte sie ruhig. �Darf ich mich zur�ckziehen?� Auf Failes Erlaubnis hin vollf�hrte sie erneut einen Hofknicks und wich zwei Schritte zur�ck, bevor sie sich umwandte und ging! Perrin kratzte sich den Bart. Noch eine Frau, die es auf ihn abgesehen h�tte, wann immer Faile sich umdrehte.</p><p>Der Zelteingang war kaum hinter Maighdin zugefallen, als Faile ihren Becher absetzte, auflachte und mit den Fersen auf den Teppich trommelte. �Oh, ich mag sie, Perrin. Sie hat Mut! Ich wette, sie h�tte dir �ber jene Banner hinweg den Bart versengt, wenn ich dich nicht gerettet h�tte. O ja. Mut!�</p><p>Perrin brummte. Das war genau das, was er brauchte � noch eine Frau, die ihm den Bart versengte. �Ich habe Meister Gill versprochen, mich um sie zu k�mmern, Faile, aber... Kannst du dir vorstellen, was Lini gesagt hat? Sie wollte, da� ich Maighdin mit diesem Burschen Tallanvor verheirate. Sie einfach verheirate, egal, was sie sagen! Sie hat behauptet, die beiden wollten es.� Er go� Tee in einen Silberbecher und lie� sich auf den von Maighdin verlassenen Stuhl fallen, ohne auf sein alarmierendes Knarren unter seinem pl�tzlichen Gewicht zu achten. �Auf jeden Fall ist dieser Unsinn nur die geringste meiner Sorgen. Meister Gill sagt, die Seanchaner h�tten Amador eingenommen, und ich glaube ihm. Licht! Die Seanchaner!�</p><p>Faile legte die Fingerspitzen aneinander und starrte dar�ber hinweg ins Leere. �Vielleicht ist es genau das�, sann sie. �Die meisten Diener arbeiten besser, wenn sie verheiratet sind. Vielleicht sollte ich es arrangieren. Und auch f�r Breane. So wie sie hier herausgest�rmt ist, um diesen gro�en Burschen abzufangen, sobald ihr Gesicht ges�ubert war, vermute ich, da� sie bereits verheiratet sein sollten. Ihre Augen schimmerten. Ich will ein solches Verhalten bei meinen Dienern nicht, Perrin. Es f�hrt nur zu Tr�nen und Beschuldigungen und Schmollen.�</p><p>Perrin starrte sie an. �Hast du mir zugeh�rt?� fragte er leise. �Die Seanchaner haben Amador eingenommen! Die Seanchaner, Faile!�</p><p>Sie zuckte zusammen � sie hatte wirklich dar�ber nachgedacht, diese Frauen zu verheiraten! � und l�chelte ihn dann belustigt an. �Amador ist noch weit entfernt, und wenn wir diesen Seanchanern begegnen, wirst du gewi� mit ihnen fertig werden. Immerhin hast du mich gez�hmt, nicht wahr?� Das behauptete sie, obwohl er niemals ein Anzeichen davon bemerkt hatte.</p><p>�Sie sind vielleicht ein wenig schwieriger, als du es warst�, sagte er trocken, und sie l�chelte erneut. Sie roch aus einem unbestimmten Grund h�chst erfreut. �Ich erw�ge, Grady oder Neald loszuschicken, um Rand zu warnen, egal was er gesagt hat.� Sie sch�ttelte heftig den Kopf, und ihr L�cheln schwand, aber er fuhr fort. �Wenn ich w��te, wie ich ihn finden k�nnte, w�rde ich es tun. Es mu� eine M�glichkeit geben, ihm eine Nachricht zukommen zu lassen, ohne da� jemand etwas davon erf�hrt.� Rand hatte darauf noch nachdr�cklicher beharrt als auf der Geheimhaltung um Masema. Perrin war aus Rands Umgebung verbannt worden, und niemand sollte wissen, da� zwischen ihnen noch etwas anderes als Feindschaft geblieben war.</p><p>�Er wei� es, Perrin. Dessen bin ich mir sicher. Maighdin hat �berall in Amador Taubenschl�ge gesehen, aber die Seanchaner haben ihnen anscheinend keinen zweiten Blick geg�nnt. Inzwischen hat jeder H�ndler, der in Amador Handel betreibt, davon geh�rt, und die Wei�e Burg ebenfalls. Glaub mir, Rand mu� es auch erfahren haben. Du mu�t darauf �vertrauen, da� er am besten wei�, was zu tun ist. In diesem Fall wei� er es.� Sie war sich dessen nicht immer so sicher.</p><p>�Vielleicht�, murmelte Perrin ver�rgert. Er versuchte, sich nicht um Rands geistige Gesundheit zu sorgen, aber Rand lie� Perrin, wenn er am mi�trauischsten war, wie ein argloses Kind wirken. Wie weit vertraute ihm Rand? Er hielt Dinge zur�ck und hatte Pl�ne, die er niemals verlauten lie�.</p><p>Perrin atmete ger�uschvoll aus, lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck und trank einen Schluck Tee. Tats�chlich aber hatte Rand, ob wahnsinnig oder nicht, <emphasis>recht.</emphasis> Wenn die Verlorenen ahnten, was er vorhatte, oder wenn die Wei�e Burg es ahnte, w�rden sie eine M�glichkeit finden, ihm Steine in den Weg zu legen. �Zumindest kann ich den Augen-und-Ohren der Burg weniger Grund zum Reden geben. Dieses Mal werde ich das verdammte Banner <emphasis>verbrennen.�</emphasis> Und den Wolfskopf ebenfalls. Er mu�te vielleicht einen Lord spielen, aber er konnte es ohne ein verdammtes Banner tun!</p><p>Faile sch�rzte die vollen Lippen und sch�ttelte leicht den Kopf. Sie glitt von ihrem Stuhl, kniete sich neben ihn und nahm seine Hand. Perrin erwiderte ihren ruhigen Blick bedachtsam. Wenn sie ihn so intensiv ansah, so ernst, wollte sie ihm etwas Wichtiges mitteilen. Entweder das oder ihn kr�ftig zurechtweisen. Ihr Geruch vermittelte ihm nichts. Er versuchte aufzuh�ren, sie riechen zu wollen. Er konnte sich in ihrem Geruch nur zu leicht verlieren, und dann <emphasis>w�rde</emphasis> sie ihn zurechtweisen. Eines hatte er seit ihrer Heirat gelernt: Ein Mann brauchte seinen ganzen Verstand, wenn er mit einer Frau zu tun hatte. Und nur allzu h�ufig gen�gte nicht einmal das. Frauen taten ebenso gewi� wie Aes Sedai, was sie wollten.</p><p>�Du willst es dir vielleicht noch einmal �berlegen, Gemahl�, murmelte sie. Ein leises L�cheln umspielte ihre Mundwinkel, als w��te sie erneut, was er dachte.</p><p>�Ich bezweifle, da� irgend jemand, der uns gesehen hat, seit wir Ghealdan betreten haben, erkannt hat, was der Rote Adler bedeutet. In der N�he einer Stadt von der Gr��e Bethals werden jedoch einige das Banner erkennen. Und je l�nger wir Masema verfolgen m�ssen, desto gr��er ist die Wahrscheinlichkeit.�</p><p>Er machte sich nicht die M�he zu erw�hnen, da� dies um so mehr ein Grund daf�r w�re, das Banner loszuwerden. Faile war keine N�rrin, und sie dachte viel rascher als er. �Warum sollten wir es also behalten�, fragte er gem�chlich, �wenn es nur bewirkt, Aufmerksamkeit auf den Dummkopf zu ziehen, von dem alle glauben werden, er wolle Manetheren aus seinem Grab befreien?� M�nner hatten das fr�her schon versucht, und Frauen ebenfalls. Der Name Manetheren barg m�chtige Erinnerungen, und er kam jedermann recht, der einen Aufstand anzetteln wollte.</p><p>�Weil es <emphasis>tats�chlich</emphasis> Aufmerksamkeit erregen wird.� Sie beugte sich angespannt zu ihm. �Aufmerksamkeit f�r einen Mann, der Manetheren wieder auferstehen lassen will. Das niedere Volk wird dir ins Gesicht l�cheln, hoffen, da� du bald weiterziehst, und versuchen, dich so schnell wie m�glich zu vergessen. Und die H�hergestellten haben im Moment zu viele andere Sorgen, um zweimal hinzusehen, es sei denn, du zwingst sie dazu. Verglichen mit den Seanchanern oder dem Propheten oder den Wei�m�nteln ist ein Mann, der versucht, Manetheren wieder auferstehen zu lassen, unwichtig. Und ich glaube, man kann mit Gewi�heit sagen, da� die Burg im Moment auch nicht zweimal hinsehen wird.� Ihr L�cheln verst�rkte sich, und das Funkeln in ihren Augen besagte, da� sie nun auf den Punkt k�me. �Aber das wichtigste ist, da� niemand denken wird, da� dieser Mann etwas anderes vorhat.� Ihr L�cheln schwand j�h. �Und bezeichne dich nicht als Dummkopf, Perrin t'Bashere Aybara. Nicht einmal beil�ufig. Du bist kein Dummkopf, und ich mag es nicht, wenn du es sagst.� Ihr Geruch erinnerte an winzige Dornen. Es war nicht wirklicher Zorn, aber entschiedenes Mi�fallen.</p><p>Quecksilber. Ein schneller als ein Gedanke vor�ber huschender Eisvogel. Sicherlich schneller als seine Gedanken. Es w�re ihm niemals in den Sinn gekommen, sich so ... sch�ndlich zu verbergen. Aber er konnte den Sinn erkennen. Es war, als w�rde man die Tatsache verbergen, da� man ein M�rder war, indem man vorgab, ein Dieb zu sein. Und doch k�nnte es funktionieren.</p><p>Er kicherte und k��te ihre Fingerspitzen. �Das Banner bleibt�, sagte er. Vermutlich bedeutete das, da� auch der Wolfskopf blieb. Blut und blutige Asche! �Alliandre mu� jedoch die Wahrheit erfahren. Wenn sie glaubt, Rand wolle mich zum K�nig von Manetheren ernennen und ihr Land einnehmen...�</p><p>Faile erhob sich so j�h und wandte sich so pl�tzlich ab, da� er bef�rchtete, er h�tte einen Fehler begangen, als er die K�nigin erw�hnt hatte. Alliandre konnte nur zu leicht zu Berelain f�hren, und Faile roch ... heikel ... wachsam. Aber sie sagte �ber die Schulter: �Alliandre wird Perrin Goldauge keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Dieser Vogel ist so gut wie gefangen, Gemahl, also sollten wir �berlegen, wie wir Masema finden.� Sie kniete sich anmutig neben eine Kiste an der Zeltwand, die als einzige nicht abgedeckt war, hob den Deckel an und begann zusammengerollte Landkarten hervorzuholen.</p><p>Perrin hoffte, da� sie mit ihrer Einsch�tzung Alliandres recht hatte, weil er nicht wu�te, was er tun sollte, wenn sie sich irrte. Wenn er nur halbwegs der w�re, f�r den sie ihn hielt. Alliandre war ein gefangener Vogel, die Seanchaner w�rden f�r Perrin Goldauge wie Puppen katzbuckeln, und er w�rde sich den Propheten greifen und ihn zu Rand bringen, w�hrend Masema zehntausend M�nner um sich geschart hatte. Er erkannte nicht zum ersten Mal, da� er ihre Entt�uschung f�rchtete, wie sehr ihr Zorn ihn auch verletzte und verwirrte. Wenn er jemals Entt�uschung in ihren Augen s�he, w�rde es ihm das Herz brechen.</p><p>Er kniete sich neben sie, half ihr, die gr��te Karte auszubreiten, die den S�den Ghealdans und den Norden Amadicias zeigte, und betrachtete sie so, als w�rde ihn Masemas Name von dem Pergament anspringen. Er hatte mehr Grund als Rand, erfolgreich sein zu wollen. Was auch immer geschehen mochte �er durfte Faile nicht entt�uschen.</p><p>Faile lag in der Dunkelheit, lauschte, bis sie sicher war, da� Perrin fest schlief, und schl�pfte dann unter den Decken hervor, die sie miteinander teilten. Reum�tige Belustigung vereinnahmte sie, w�hrend sie sich ihr Leinennachtgewand �ber den Kopf zog. Glaubte er wirklich, sie w�rde nicht herausfinden, da� er das Bett eines Morgens tief in einem Geb�sch verborgen hatte, w�hrend die Karren entladen wurden? Nicht da� es ihr etwas ausmachte. Zumindest nicht viel. Sie hatte sicherlich ebenso h�ufig auf dem Boden geschlafen wie er. Sie hatte nat�rlich �berraschung geheuchelt und die Geschichte heruntergespielt. Bei jeder anderen Reaktion h�tte er sich entschuldigt und w�re vielleicht sogar zur�ckgegangen, um das Bett wieder zu holen. Zu wissen, wie man einen Gemahl zu nehmen hatte, war eine Kunst, hatte ihre Mutter stets gesagt. Hatte Deira ni Ghaline es jemals als so schwierig empfunden?</p><p>Sie schl�pfte barfu� in ihre Pantoffeln, zog ein Seidengewand �ber, z�gerte dann und schaute auf Perrin hinab. Er w�rde sie deutlich sehen k�nnen, wenn er aufwachte, aber er war f�r sie nur eine umschattete Erhebung. Sie w�nschte, ihre Mutter w�re jetzt hier, um ihr einen Rat zu geben. Sie liebte Perrin mit jeder Faser ihres Seins, aber er verwirrte sie vollkommen. Es war nat�rlich nicht m�glich, M�nner wirklich zu verstehen, aber er war so anders als alle, mit denen sie aufgewachsen war. Er prahlte niemals, und anstatt �ber sich selbst zu lachen, war er ... bescheiden. Sie hatte nicht geglaubt, da� ein Mann bescheiden sein <emphasis>konnte.</emphasis> Er beharrte darauf, da� nur der Zufall ihn zum Anf�hrer gemacht hatte, behauptete nicht zu wissen, wie man Menschen f�hrte, obwohl Menschen, die ihm begegneten, ihm bereits nach einer Stunde bereitwillig folgten. Er tat sein Denken als schwerf�llig ab, obwohl er so einf�hlsam war, da� sie sich sehr anstrengen mu�te, wenn sie �berhaupt irgendwelche Geheimnisse vor ihm bewahren wollte. Er war ein wundervoller Mann, ihr Wolf mit dem lockigen Haar. So stark und so sanft. Sie seufzte und schlich auf Zehenspitzen aus dem Zelt. Sein scharfes Geh�r hatte ihr schon fr�her Probleme bereitet.</p><p>Das Lager der Soldaten lag still unter einem zunehmenden Mond, der am wolkenlosen Himmel ebensoviel Licht spendete, wie es ein Vollmond vermocht h�tte, eine Helligkeit, welche die Sterne verblassen lie�. Verschiedene Nachtv�gel schrien schrill und wurden dann beim Ruf einer Eule still. Eine leichte Brise wehte, und sie schien wundersamerweise tats�chlich ein wenig k�hl. Wahrscheinlich bildete sie sich das nur ein. Die N�chte waren nur im Vergleich zu den Tagen k�hl.</p><p>Die meisten M�nner schliefen, dunkle Erhebungen in den Schatten unter den B�umen. Einige wenige blieben wach und unterhielten sich um die sp�rlichen noch brennenden Feuer. Sie gab sich keine M�he, im Verborgenen zu bleiben, aber niemand achtete auf sie. Einige schienen im Sitzen mit gesenkten K�pfen halbwegs zu schlafen. Wenn sie nicht gewu�t h�tte, wie gut die wachhabenden M�nner aufpa�ten, h�tte sie vielleicht geglaubt, das Lager k�nnte sogar von einer Herde wilder Tiere �berrascht werden. Nat�rlich w�rden die T�chter des Speers in der Nacht ebenfalls wachen. Aber es war auch bei ihnen unwichtig, ob sie von ihnen gesehen wurde.</p><p>Die hochr�drigen Karren bildeten lange, beschattete Reihen, unter denen die Diener bereits wohlig schliefen <emphasis>und</emphasis> schnarchten. Die meisten Diener. Ein Feuer brannte auch dort noch, um das Maighdin und ihre Freunde sa�en. Tallanvor sprach gerade und gestikulierte wild, aber anscheinend h�rten ihm nur die anderen M�nner zu, obwohl sein Blick auf Maighdin gerichtet zu sein schien. Es �berraschte nicht, da� sie in ihren B�ndeln bessere Kleidung mit sich trugen als die lumpen�hnliche, die sie vorher am K�rper getragen hatten, und ihre fr�here Herrin mu�te sehr gro�z�gig Seide an ihre Leute verteilt haben, denn Maighdin trug tats�chlich sehr gut geschnittene Seide in einem ged�mpften Blau. Niemand von den anderen war so gut gekleidet, so da� Maighdin vielleicht von ihrer Herrin bevorzugt worden war.</p><p>Ein Zweig knackte unter Failes Fu�, Kopfe fuhren herum, und Tallanvor sprang auf und zog beinahe sein Schwert, bevor er sie im Mondlicht ihr Gewand raffen sah. Sie waren wachsamer als die Leute aus den Zwei Fl�ssen hinter ihr. Einen Moment sahen alle sie nur an. Dann erhob sich Maighdin anmutig und vollf�hrte einen tiefen Hofknicks, und die �brigen folgten ihrem Beispiel rasch mit unterschiedlicher Geschicklichkeit. Nur Maighdin und Balwer schienen entspannt, w�hrend sich auf Gills Gesicht ein nerv�ses L�cheln zeigte.</p><p>�La�t Euch nicht st�ren�, wies Faile sie freundlich an. �Aber bleibt nicht zu lange wach. Morgen wird ein anstrengender Tag sein.� Sie ging weiter, aber als sie zur�ckschaute, standen sie noch immer da und sp�hten hinter ihr her. Ihre Reisen mu�ten sie zu �u�erster Wachsamkeit erzogen haben, so da� sie st�ndig auf der Hut waren. Sie fragte sich, wie gut sie sich einf�gen w�rden. Sie w�rde w�hrend der n�chsten Wochen damit besch�ftigt sein, ihnen ihre Art beizubringen, wie auch selbst deren Art kennenzulernen. Das eine war f�r einen gut funktionierenden Haushalt ebenso wichtig wie das andere. Die Zeit mu�te man sich nehmen.</p><p>Sie dachte in dieser Nacht jedoch nicht mehr lange an sie. Faile war bald an den Karren vorbei gelangt, noch nicht ganz bis zu der Stelle, wo Leute aus den Zwei Fl�ssen von den Baumkronen aus aufmerksam wachen w�rden. Nichts Gr��eres als eine Maus w�rde ungesehen an ihnen vorbeikommen � selbst einige der T�chter des Speers waren gelegentlich bemerkt worden �, aber sie hielten nach jedermann Ausschau, der ins Lager zu schleichen versuchte. Ihre Leute warteten auf einer kleinen mondbeschienenen Lichtung.</p><p>Einige der M�nner verbeugten sich, und Parelean fiel dabei fast auf ein Knie, bevor er sich wieder fing. Mehrere Frauen vollf�hrten ohne nachzudenken Hofknickse, was in ihrer M�nnerkleidung recht seltsam wirkte, und senkten dann ihre Blicke oder regten sich verlegen, als sie erkannten, was sie getan hatten. Sie waren mit h�fischem Verhalten aufgewachsen, obwohl sie sich sehr bem�hten, die Art der Aiel anzunehmen. Zumindest was sie f�r die Art der Aiel hielten. Manchmal erschreckten sie die T�chter des Speers mit ihren Vorstellungen. Perrin nannte sie Narren, und das waren sie in gewisser Weise auch, aber diese Cairhiener und Tairener hatten ihr Treue geschworen � sie nannten es den Wassereid, in versuchter Nachahmung der Aiel �, und dadurch waren sie ihre Leute. Untereinander nannten sie ihre Gemeinschaft <emphasis>Cha Faile,</emphasis> die Klaue des Falken, hatten aber die Notwendigkeit eingesehen, dies geheimzuhalten. Sie waren nicht in jeder Beziehung Narren. Tats�chlich waren sie den jungen M�nnern und Frauen, mit denen Faile aufgewachsen war, in mancherlei Hinsicht gar nicht so un�hnlich.</p><p>Jene, die sie heute morgen ausgesandt hatte, waren gerade zur�ckgekehrt, denn die Frauen unter ihnen wechselten soeben die aus Notwendigkeit getragene Kleidung. Selbst eine wie ein Mann gekleidete Frau h�tte in Bethai Aufmerksamkeit erregt, ganz zu schweigen von f�nf. Auf der Lichtung wirbelten R�cke und Jacken, Hemden und Hosen umher. Es machte den Frauen scheinbar nichts aus, vor den �ndern, einschlie�lich den M�nnern, unbekleidet zu sein, da es den Aiel offensichtlich nichts ausmachte, aber ihre Eile und ihr heftiges Atmen straften sie L�gen. Die M�nner regten sich unbehaglich und wandten die K�pfe, hin- und hergerissen zwischen den M�glichkeiten, anstandshalber fortzublicken oder hinzusehen. Faile hielt ihr Gewand fest �ber ihrem Nachthemd geschlossen. Sie h�tte sich nicht weiter anziehen k�nnen, ohne Perrin aufzuwecken, aber sie behauptete nicht, sich wohl zu f�hlen. Sie war keine Domani, die ihre Gefolgsleute im Bad empfing.</p><p>�Verzeiht unsere Versp�tung, Mylady Faile�, schnaufte Selande, w�hrend sie ihre Jacke anzog. Die kleine Frau sprach mit scharfem cairhienischem Akzent. Sie war selbst f�r eine Cairhienerin nicht gro�, vermittelte jedoch in der Neigung ihres Kopfes und der Haltung ihrer Schultern glaubw�rdigen Stolz und eine angemessene K�hnheit. �Wir w�ren schon eher zur�ckgekehrt, aber die Torw�chter wollten uns nicht hinauslassen.�</p><p>�Sie wollten Euch nicht hinauslassen?� fragte Faile scharf. Wenn sie es nur mit eigenen Augen h�tte sehen k�nnen, und nicht nur diese Frauen. Wenn Perrin nur sie anstatt dieses Frauenzimmers h�tte gehen lassen. Nein, sie w�rde nicht �ber Berelain nachdenken. Es war nicht Perrins Schuld. Das sagte sie sich zwanzigmal am Tag, wie ein Gebet. Aber warum war der Mann so blind? �Mit welcher Begr�ndung wollten sie Euch daran hindern?� Sie schnaubte ver�rgert. Schwierigkeiten mit dem Ehemann sollten den Ton, den man gegen�ber seinen Untergebenen anschlug, nicht beeinflussen.</p><p>�Mit nichts Wichtigem, Mylady.� Selande schlo� ihren Schwertg�rtel und richtete ihn. �Sie lie�en einige Burschen vor uns mit ihren Wagen passieren, ohne sie eines zweiten Blickes zu w�rdigen, aber sie wollten Frauen nicht ohne weiteres in die Nacht hinausgehen lassen.� Einige der anderen Frauen lachten, und die f�nf M�nner, die mit nach Bethai gegangen waren, regten sich unbehaglich, zweifellos, weil man sie nicht als ausreichenden Schutz angesehen hatte. Die restlichen <emphasis>Cha Faile</emphasis> bildeten hinter jenen zehn einen dichten Halbkreis, beobachteten Faile genau und h�rten aufmerksam zu. Mondlicht beschien ihre Gesichter.</p><p>�Erz�hlt mir, was Ihr gesehen habt�, befahl Faile in jetzt ruhigerem Tonfall. Viel besser.</p><p>Selande berichtete kurz, und trotz Failes Wunsch, selbst gegangen zu sein, mu�te sie zugeben, da� sie fast soviel gesehen hatten, wie sie sich nur hatte w�nschen k�nnen. Die Stra�en von Bethai waren selbst zur gesch�ftigsten Stunde des Tages fast leer. Die Leute blieben soweit wie m�glich in den H�usern. Es wurde etwas Handel getrieben, aber nur wenige H�ndler wagten sich in diesen Teil Ghealdans, und es wurde kaum genug Nahrung vom Land hereingebracht, um alle zu ern�hren. Die meisten Stadtbewohner waren wie bet�ubt, hatten Angst vor dem, was au�erhalb der Mauern lag, und versanken immer tiefer in Teilnahmslosigkeit und Verzweiflung. Alle hielten aus Angst vor den Spionen des Propheten den Mund und � aus Angst davor, f�r Spione gehalten zu werden � auch die Augen geschlossen. <emphasis>Der</emphasis> Prophet besa� starke Wirkung. Beispielsweise waren alle Taschendiebe und Stra�enr�uber aus Bethai verschwunden, auch wenn unz�hlige die H�gel durchstreiften. Es hie�, die Strafe des Propheten f�r einen Dieb w�re das Abschlagen der H�nde. Obwohl das f�r seine eigenen Leute anscheinend nicht galt.</p><p>�Die K�nigin zeigt sich jeden Tag in der Stadt, um den Leuten Mut zu machen�, sagte Selande, �aber ich glaube nicht, da� es viel hilft. Sie reist auch hierher in den S�den, um die Menschen daran zu erinnern, da� sie eine K�nigin haben. Vielleicht hatte sie woanders mehr Erfolg. Die Wache auf den Stadtmauern wurde verst�rkt, und auch die Anzahl ihrer Soldaten. Vielleicht bewirkt dies, da� sich die Stadtbewohner sicherer f�hlen. Bis sie weiterzieht. Anders als ihre Untertanen empfindet Alliandre selbst anscheinend keine Angst davor, da� der Prophet �ber die Mauern st�rmen k�nnte. Sie geht morgens und abends allein in den G�rten von Lord Telabins Palast spazieren und beh�lt nur wenige Soldaten in ihrer N�he, die ihre Zeit zumeist in den K�chen verbringen. Jedermann in der Stadt macht sich anscheinend ebenso viele Sorgen �ber die schwindenden Nahrungsvorr�te wie �ber den Propheten. In Wahrheit, Mylady, denke ich, da� sie trotz all der Wachen auf den Mauern Masema die Stadt �bergeben w�rden, auch wenn er allein an den Toren erschiene.�</p><p>�Das w�rden sie wahrhaftig tun�, warf Meralda ver�chtlich ein, w�hrend auch sie ihren Schwertg�rtel schlo�, �und noch um Gnade bitten.� Meralda war dunkel und st�mmig und so gro� wie Faile, aber die Tairenerin zog auf einen finsteren Blick von Selande hin den Kopf zwischen die Schultern und murmelte eine Entschuldigung. Es bestand kein Zweifel, wer die <emphasis>Cha Faile �</emphasis> nach Faile � anf�hrte.</p><p>Faile war froh gewesen, da� kein Grund bestanden hatte, die Rangordnung zu �ndern, die sie aufgestellt hatten. Selande war, von Parelean vielleicht abgesehen, die kl�gste von allen, und nur Arella und Camaille waren flinker. Selande besa� zudem noch eine zus�tzliche Eigenschaft, eine Unerschrockenheit, als h�tte sie bereits der schlimmsten Bedrohung in ihrem Leben gegen�bergestanden, so da� nichts jemals wieder so schlimm werden k�nnte. Nat�rlich wollte sie eine Narbe haben, wie die T�chter des Speers sie hatten. Faile besa� mehrere kleine Narben, fast alle Ehrenmale, aber es war Dummheit, eine Narbe regelrecht anzustreben. Zumindest war die Frau in dieser Angelegenheit nicht allzu eifrig.</p><p>�Wir haben eine Landkarte erstellt, wie Ihr gefordert habt, Mylady�, bemerkte die kleine Frau mit einem letzten warnenden Blick zu Meralda. �Wir haben die R�ckseite von Lord Telabins Palast so deutlich wie m�glich aufgef�hrt, aber ich f�rchte, es handelt sich nur um G�rten und St�lle.�</p><p>Faile versuchte nicht, die Linien auf dem Papier, das sie im Mondlicht entfaltete, zu erkennen. Schade, da� sie nicht selbst hatte gehen k�nnen. Sie h�tte auch das Innere aufzeichnen k�nnen. Nein. Was geschehen war, war geschehen, wie Perrin gerne sagte. Und es gen�gte. �Und Ihr seid sicher, da� niemand die aus der Stadt hinausfahrenden Wagen durchsucht?� Sie konnte selbst in dem fahlen Licht Verwirrung auf vielen der vor ihr befindlichen Gesichter erkennen. Niemand wu�te, warum sie einige von ihnen nach Bethai geschickt hatte.</p><p>Selande wirkte nicht verwirrt. �Ja, Mylady�, sagte sie ruhig.</p><p>Der Wind frischte einen Moment auf und lie� das Laub auf den B�umen und das tote Laub am Boden rascheln. Faile w�nschte, sie bes��e Perrins Geh�r und auch seine Nase und Augen. Es war unwichtig, wenn jemand sie hier mit ihren Gefolgsleuten sah, aber Lauscher w�ren etwas anderes. �Ihr habt es sehr gut gemacht, Selande. Ihr alle.� Perrin kannte die Gefahren, die hier genauso real waren wie irgendwo weiter im S�den. Er wu�te darum, aber er dachte wie die meisten M�nner ebenso oft mit dem Herzen wie mit dem Verstand. Eine Ehefrau mu�te praktisch denken, um ihren Gemahl aus Schwierigkeiten herauszuhalten. Das war der allererste Rat gewesen, den ihre Mutter ihr zum Thema Ehe gegeben hatte. �Ihr werdet beim ersten Tageslicht nach Bethai zur�ckkehren, und wenn Ihr Nachricht von mir erhaltet, werdet Ihr Folgendes tun...�</p><p>Selbst Selandes Augen weiteten sich entsetzt, w�hrend Faile fortfuhr, aber niemand �u�erte auch nur den geringsten Protest. Es h�tte Faile auch �berrascht, wenn jemand dies getan h�tte. Ihre Anweisungen waren sehr genau. Ihr Vorhaben w�rde Gefahren bergen, aber unter den gegebenen Umst�nden nicht ann�hernd so viele, wie sonst zu erwarten waren.</p><p>�Gibt es noch Fragen?� sagte sie schlie�lich. �Haben alle verstanden?�</p><p><emphasis>Cha Faile</emphasis> antwortete einstimmig. �Wir leben f�r den Dienst an unserer Lady Faile.� Und das w�rde bedeuten, da� sie ihrem geliebten Wolf dienen w�rden, ob er diese Leute nun wollte oder nicht.</p><p>Maighdin regte sich unter ihren Decken auf dem harten Boden, w�hrend sich der Schlaf ihr entzog. Das war jetzt ihr Name. Ein neuer Name f�r ein neues Leben. Maighdin f�r ihre Mutter und Dorlain f�r eine Familie auf L�ndereien, die ihr geh�rt hatten. Ein neues Leben f�r ein altes, vergangenes, aber Herzensbande konnten nicht getrennt werden. Und jetzt ... jetzt...</p><p>Das schwache Knacken von totem Laub lie� sie den Kopf heben, und sie beobachtete, wie ein dunkler Schatten durch die B�ume schlich. Lady Faile, die von dort, wo auch immer sie gewesen war, zu ihrem Zelt zur�ckkehrte. Eine angenehme junge Frau, freundlich und h�flich im Ausdruck. Woher ihr Gemahl auch stammen mochte � sie war gewi� adliger Herkunft. Aber jung. Unerfahren. Das half vielleicht.</p><p>Maighdin lie� den Kopf wieder auf die Jacke sinken, die sie als Kissen zusammengerollt hatte. Licht, was tat sie hier? Den Dienst f�r eine Lady aufzunehmen! Nein. Sie w�rde letztendlich an ihrer Zuversicht festhalten, die konnte sie noch immer finden. Sie konnte es. Wenn sie tief genug forschte. Sie hielt beim Ger�usch von Schritten in der N�he die Luft an.</p><p>Tallanvor kniete sich anmutig neben sie. Er trug kein Hemd, und das Mondlicht gl�nzte auf seinen geschmeidigen Brust- und Schultermuskeln, w�hrend sein Gesicht im Schatten lag. Eine leichte Brise zauste sein Haar. �Welcher Wahnsinn ist das?� fragte er leise. �In <emphasis>Dienst</emphasis> zu treten? Was habt Ihr vor? Und erz�hlt mir nichts von dem Unsinn, ein neues Leben beginnen zu wollen. Ich glaube es nicht. Niemand glaubt es.�</p><p>Sie versuchte, sich abzuwenden, aber er legte ihr eine Hand auf die Schulter. Er �bte keinen Druck aus, und doch lie� er sie sofort innehalten, Licht, bitte la� mich nicht zittern. Das Licht h�rte nicht auf sie, aber es gelang ihr zumindest, ihre Stimme ruhig zu halten. �Falls Ihr es noch nicht bemerkt habt � ich mu� jetzt meinen Weg in der Welt gehen. Besser als Dienerin einer Lady denn als Schankm�dchen. Ihr k�nnt gern allein weiterziehen, wenn Euch der Dienst hier nicht gef�llt.�</p><p>�Ihr habt Euren Verstand oder Euren Stolz nicht abgelegt als Ihr den Thron aufgegeben habt�, murrte er. Verdammt sei Lini, da� sie das enth�llt hatte! �Wenn Ihr vorgeben wollt, das getan zu haben, solltet Ihr Lini lieber aus dem Weg gehen.� Der Mann verspottete sie! Er spottete � und wie! �Sie will sich mit Maighdin unterhalten, und ich argw�hne, da� sie mit ihr nicht so sanft umgehen wird wie mit Morgase.�</p><p>Sie setzte sich ver�rgert auf und streifte seine Hand ab. �Seid Ihr blind und taub? Der Wiedergeborene Drache hat Pl�ne f�r Elayne! Licht, es w�rde mir schon nicht gefallen, wenn er auch nur ihren Namen w��te! Es mu� mehr als ein Zufall sein, was mich zu einem seiner Gefolgsleute gef�hrt hat, Tallanvor. So mu� es sein!�</p><p>�Verdammt, ich wu�te, da� es das sein mu�te. Ich hoffte, ich w�rde mich irren, aber...�Er klang ebenso ver�rgert wie sie. Er hatte kein Recht, ver�rgert zu sein! �Elayne ist in der Wei�en Burg in Sicherheit. Der Amyrlin-Sitz wird sie nicht in die N�he eines Mannes gelangen lassen, der die Macht lenken kann, selbst wenn er der Wiedergeborene Drache ist �besonders wenn er es ist! �, und Maighdin Dorlain kann am Amyrlin-Sitz, dem Wiedergeborenen Drachen <emphasis>oder</emphasis> dem L�wenthron nichts �ndern. Ihr kann nur das Genick gebrochen oder die Kehle durchschnitten werden, oder...!�</p><p>�Maighdin Dorlain kann aufpassen!� unterbrach sie ihn, um diese schreckliche Litanei zu beenden. �Sie kann zuh�ren! Sie kann...!� Sie brach ver�rgert ab. Was konnte sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> tun? Pl�tzlich erkannte sie, da� sie nur in ihrem d�nnen Nachthemd dasa�, und schlug rasch die Decken um sich. Die Nacht schien wirklich ein wenig k�hl. Oder vielleicht kam die G�nsehaut von Tallanvors unsichtbar auf ihr ruhendem Blick. Der Gedanke lie� sie err�ten, was er hoffentlich nicht sehen konnte. Gl�cklicherweise verlieh es aber auch ihrer Stimme Kraft. Sie war kein M�dchen mehr, das err�tete, weil ein Mann es ansah! �Ich werde tun, was ich kann, was auch immer das ist. Die Gelegenheit wird kommen, etwas zu erfahren oder zu tun, was Elayne helfen wird. Und ich werde die Gelegenheit ergreifen!�</p><p>�Eine gef�hrliche Entscheidung�, belehrte er sie ruhig. Sie w�nschte, sie k�nnte sein Gesicht in der Dunkelheit erkennen. Nat�rlich nur, um seine Miene zu ergr�nden. �Ihr habt geh�rt, wie er gedroht hat, jedermann zu h�ngen, der ihn schief ans�he. Ich kann das einem Mann mit solchen Augen glauben. Augen wie ein Tier. Ich war �berrascht, da� er diesen Burschen gehen lie�. Ich dachte, er w�rde ihm die Kehle herausrei�en! Wenn er entdeckt, wer Ihr seid, wer Ihr fr�her wart... Balwer k�nnte Euch verraten. Er hat niemals glaubhaft erkl�rt, warum er uns geholfen hat, aus Amador zu entkommen. Vielleicht hoffte er, K�nigin Morgase w�rde ihm eine neue Stellung geben. Jetzt wei� er, da� er keine Aussicht darauf hat, und will bei seinem neuen Herrn und seiner neuen Herrin vielleicht um Gunst buhlen.�</p><p>�Habt Ihr Angst vor <emphasis>Lord</emphasis> Perrin Goldauge?� fragte sie ver�chtlich. Licht, der Mann versetzte sie in Angst! Diese Augen geh�rten zu einem Wolf. �Balwer wei� genug, um den Mund zu halten. Alles, was er sagt, wird auf ihn zur�ckfallen. Er kam immerhin mit mir. Wenn Ihr Angst habt, dann reitet doch weiter!�</p><p>�Das schleudert Ihr mir immer ins Gesicht�, seufzte er und setzte sich auf die Fersen zur�ck. Sie konnte seine Augen nicht sehen, aber sie konnte seinen Blick sp�ren. �Ihr sagt, ich solle weiterreiten, wenn ich wollte. Es gab einmal einen Soldaten, der eine K�nigin aus der Ferne liebte, wohl wissend, da� es hoffnungslos war, wohl wissend, da� er niemals wagen d�rfte, dar�ber zu sprechen. Jetzt ist die K�nigin fort, und nur eine Frau ist geblieben, und ich hoffe. Ich brenne vor Hoffnung! Wenn Ihr wollt, da� ich gehe, Maighdin, dann sagt es. Ein Wort. �Geh!� Ein einfaches Wort.�</p><p>Sie �ffnete den Mund. <emphasis>Ein einfaches Wort,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Licht, es ist nur ein Wort! Warum kann ich es nicht sagen? Licht, bitte!</emphasis> Das Licht lie� sie zum zweiten Mal in dieser Nacht im Stich. Sie sa� in ihre Decken gekauert wie eine N�rrin, den Mund ge�ffnet, das Gesicht ger�tet.</p><p>Wenn er sie erneut verspottet h�tte, dann h�tte sie ihren G�rteldolch in ihn versenkt. Wenn er gelacht oder irgendein Zeichen des Triumphs von sich gegeben h�tte... Statt dessen beugte er sich vor und k��te sie sanft auf die Augenlider. Sie stie� tief in der Kehle einen Laut aus. Sie konnte sich anscheinend nicht bewegen. Sie beobachtete mit geweiteten Augen, wie er sich erhob. Er ragte im Mondlicht �ber ihr auf. Sie war eine K�nigin � sie war eine K�nigin gewesen �, die es gewohnt war zu befehlen, die es gewohnt war, in schweren Zeiten harte Entscheidungen zu treffen, aber in diesem Moment �berwog ihr pochender Herzschlag ihre Gedanken.</p><p>�Wenn Ihr gesagt h�ttet �geh��, bemerkte er, �h�tte ich die Hoffnung begraben, aber ich k�nnte Euch niemals verlassen.�</p><p>Erst als er wieder unter seine eigenen Decken gekrochen war, konnte sie sich dazu bringen, sich wieder hinzulegen und ihre Decken um sich zu ziehen. Ihr Atem flog. Die Nacht <emphasis>war</emphasis> k�hl. Sie schauderte eher, als da� sie zitterte. Tallanvor war zu jung. Zu jung! Schlimmer noch � er hatte recht. Verdammt sei er daf�r! Die Dienerin einer Lady konnte die Ereignisse in keiner Weise beeinflussen, und wenn der wolfs�ugige M�rder des Wiedergeborenen Drachen erfuhr, da� er Morgase von Andor in H�nden hatte, konnte sie gegen Elayne benutzt werden, anstatt ihr helfen zu k�nnen. Er hatte kein Recht, recht zu haben, wenn sie wollte, da� er sich irrte! Die Unlogik dieses Gedankens erz�rnte sie. Es bestand <emphasis>wirklich</emphasis> die M�glichkeit f�r sie, etwas Gutes zu tun! So mu�te es sein!</p><p>Eine leise Stimme lachte in ihrem Hinterkopf. <emphasis>Du kannst nicht vergessen, da� du Morgase Trakand bist,</emphasis> belehrte sie die Stimme ver�chtlich, <emphasis>und selbst nachdem sie ihren Thron aufgegeben hat, kann K�nigin Morgase nicht damit aufh�ren, sich in die Angelegenheiten der M�chtigen einzumischen, gleichg�ltig, wieviel Schaden sie dadurch bisher schon angerichtet hat. Und sie kann einen Mann auch nicht fortschicken, weil sie nicht aufh�ren kann, daran zu denken, wie stark seine H�nde sind und wie sich seine Lippen kr�useln, wenn er l�chelt und...</emphasis></p><p>Sie zog sich w�tend die Decken �ber den Kopf und versuchte auf diese Weise, die Stimme auszuschlie�en. Sie blieb <emphasis>nicht,</emphasis> weil sie nicht von der Macht lassen konnte. Und was Tallanvor betraf..</p><p>Sie w�rde ihn energisch an seinen Platz verweisen. Dieses Mal w�rde sie es tun! Aber... Wo war sein Platz in Gegenwart einer Frau, die keine K�nigin mehr war? Sie versuchte, ihn aus ihren Gedanken zu verbannen, und sie versuchte, diese sp�ttische Stimme zu ignorieren, die keine Ruhe geben wollte, aber als der Schlaf schlie�lich kam, konnte sie noch immer den Druck seiner Lippen auf ihren Augenlidern sp�ren.</p></section><section><title><p>9</p><p>Wirrnisse</p></title><p>Perrin erwachte, wie �blich, vor dem ersten Tageslicht, und Faile war, wie �blich, bereits auf den Beinen. Sie konnte eine Maus ger�uschvoll erscheinen lassen, wenn sie es wollte, und er argw�hnte, da� es ihr auch dann gel�nge, zuerst aufzustehen, wenn er bereits eine Stunde nach dem Einschlafen erwachte. Der Zelteingang war zur�ckgeschlagen, die Seitenw�nde am Boden ein wenig angehoben, und ein Windhauch wehte durch die �ffnung im Zeltdach, der gen�gte, eine Illusion von K�hle zu bewirken. Tats�chlich erschauderte Perrin, als er nach seinem Hemd und seiner Hose suchte. Nun, es sollte Winter sein, selbst wenn das Wetter dem nicht entsprach.</p><p>Er zog sich im Dunkeln an und schrubbte seine Z�hne mit Salz, wozu er kein Licht ben�tigte, und als er das Zelt verlie� und in seine Stiefel stieg, hatte Faile in der tiefgrauen D�mmerung des fr�hen Morgens bereits ihre neuen Diener um sich versammelt, von denen einige entz�ndete Laternen hielten. Die Tochter eines Lord brauchte Diener. Er h�tte schon fr�her daf�r sorgen sollen. In Caemlyn gab es Leute aus den Zwei Fl�ssen, die Faile selbst unterwiesen hatte, aber da Geheimhaltung vonn�ten war, hatte sie ihre Diener nicht mitnehmen k�nnen. Meister Gill w�rde zwar so bald wie m�glich nach Hause ziehen wollen und Lamgwin und Breane ebenfalls, aber vielleicht w�rden Maighdin und Lini bleiben.</p><p>Aram, der mit gekreuzten Beinen neben dem Zelt gesessen hatte, richtete sich jetzt auf und wartete ruhig auf Perrin. H�tte Perrin es nicht verhindert, h�tte Aram quer vor dem Zelteingang geschlafen. Heute morgen trug er eine rotwei� gestreifte Jacke, obwohl das Wei� ein wenig schmuddelig wirkte, und selbst jetzt ragte das mit dem Wolfskopf-Knauf versehene Schwertheft �ber seine Schulter. Perrin hatte seine Streitaxt im Zelt gelassen und war dankbar, sie los zu sein. Tallanvor trug sein Schwert ebenfalls am Gurt �ber der Jacke, Meister Gill und die beiden anderen hingegen waren unbewaffnet.</p><p>Faile mu�te ihn erwartet haben, denn kaum trat Perrin aus dem Zelt, als sie auch schon zu ihm hin�bersah und Befehle erteilte. Maighdin und Breane eilten mit Laternen an ihm und Aram vorbei, die Z�hne zusammengebissen, und rochen aus einem unbestimmten Grund entschlossen. Keine von ihnen vollf�hrte einen Hofknicks oder verbeugte sich, was Perrin angenehm �berraschte. Lini jedoch tat es, ein rasches Beugen des Knies, bevor sie den beiden anderen nacheilte und etwas �ber � seinen Stand anerkennen� murmelte. Perrin vermutete in Lini eine jener Frauen, die ihren �Stand� im Befehlen sahen. Wenn er dar�ber nachdachte, galt das wohl f�r die meisten Frauen. So war anscheinend der Lauf der Welt, nicht nur in den Zwei Fl�ssen.</p><p>Tallanvor und Lamgwin folgten den Frauen dichtauf, und Lamgwin verbeugte sich ebenso ernsthaft wie Tallanvor, der dies fast verbissen tat. Perrin seufzte und verbeugte sich ebenfalls, woraufhin beide erschraken und ihn anstarrten. Ein kurzer Befehl von Lini trieb sie ins Zelt.</p><p>Faile l�chelte Perrin nur fl�chtig zu, bevor sie sich in Richtung der Karren entfernte, wobei sie sich abwechselnd mit Basel Gill auf ihrer einen und Sebban Balwer auf der anderen Seite unterhielt Jeder der M�nner hielt eine Laterne vor sich, um ihr zu leuchten. Nat�rlich befanden sich etliche jener Dummk�pfe in H�rweite, wenn sie die Stimme erhob, stolzierten einher, strichen �ber ihre Schwerthefte und starrten in die Dunkelheit, als erwarteten sie einen Angriff oder hofften sogar darauf. Perrin zupfte an seinem kurzen Bart. Faile war stets besch�ftigt, und niemand nahm ihr die Arbeit ab. Niemand w�rde es wagen.</p><p>Noch zeigte sich die D�mmerung nicht am Horizont, und doch machten sich die Cairhiener bereits rund um die Karren zu schaffen und eilten sich zusehends, je n�her Faile kam. Die Leute aus den Zwei Fl�ssen, die den Alltag der Bauern gewohnt waren, bereiteten bereits ihr Fr�hst�ck zu, einige lachend und eifrig, andere m�rrisch, aber die meisten erf�llten ihre Aufgaben. Einige wenige wollten liegen bleiben, wurden aber schlicht aufgescheucht. Grady und Neald waren ebenfalls aufgestanden und hielten sich wie gewohnt abseits, Schatten in schwarzen Jacken unter den B�umen. Perrin konnte sich nicht erinnern, sie jemals ohne diese Jacken gesehen zu haben, die stets bis zum Hals geschlossen und an jedem neuen Tag wieder sauber und glatt aussahen, in welchem Zustand auch immer sie am Abend zuvor gewesen waren. Sie f�hrten wie jeden Morgen synchron Schwert�bungen aus. Das gefiel Perrin besser als ihre abendliche T�tigkeit, mit gekreuzten Beinen dazusitzen, die H�nde auf den Knien, und in ein fernes Nichts zu starren. Sie taten niemals etwas anderes als das, was alle sehen konnten, und doch wu�te im Lager niemand auch nur ann�hernd, was in ihnen vorging, und ein jeder hielt sich so weit wie m�glich von ihnen fern. Nicht einmal die T�chter des Speers n�herten sich ihnen.</p><p>Perrin bemerkte pl�tzlich, da� etwas fehlte. Faile beauftragte stets einen der M�nner, ihm eine Schale mit den dicken Getreideflocken zu bringen, die sie zum Fr�hst�ck a�en, aber heute morgen war sie anscheinend zu besch�ftigt. Freudig eilte er zu den Herdfeuern, um sich die Mahlzeit wenigstens einmal selbst zu holen. Aber seine Hoffnung wurde entt�uscht.</p><p>Flann Barstere, ein schlaksiger Bursche mit einem Gr�bchen am Kinn, begegnete ihm auf halbem Wege und reichte ihm eine geschnitzte Schale. Flann stammte aus der N�he von Wachh�gel, und Perrin kannte ihn nicht gut, aber sie hatten ein- oder zweimal zusammen gejagt, und Perrin hatte ihm einmal geholfen, eine der K�he seines Vaters aus einem Sumpf im Wasserwald zu ziehen. �Lady Faile wies mich an, Euch dies zu bringen, Perrin�, sagte Flann �ngstlich. �Ihr werdet ihr doch nicht sagen, da� ich es vergessen hatte? Ich habe etwas Honig gefunden, und ich habe einige L�ffel voll hineingegeben.� Perrin unterdr�ckte ein Seufzen. Zumindest hatte Flann seinen Namen behalten.</p><p>Nun, vielleicht gelang es ihm tats�chlich nicht, die einfachsten Aufgaben selbst auszuf�hren, aber er war noch immer f�r die M�nner verantwortlich, die unter den B�umen fr�hst�ckten. Ohne ihn w�ren sie bei ihren Familien und bereiteten sich auf die t�gliche Arbeit auf dem Bauernhof vor, anstatt sich zu fragen, ob sie noch vor Sonnenuntergang t�ten m��ten oder get�tet w�rden. Perrin schlang seine mit Honig ges��ten Getreideflocken hinunter und wies Aram an, sein Fr�hst�ck in Ruhe zu sich zu nehmen, aber der Mann machte eine solche Leidensmiene, da� er sich seiner erbarmte und sich von ihm begleiten lie�, w�hrend er durch das Lager ging. Perrin geno� diese Runde nicht. M�nner stellten ihre Schalen ab, wenn er sich n�herte, oder standen sogar auf, bis er vor�bergelangt war. Er knirschte mit den Z�hnen, wann immer ihn jemand, mit dem er aufgewachsen war oder der ihn wom�glich als Junge auf Boteng�nge geschickt hatte, Lord Perrin nannte. Nicht jedermann tat dies, aber zu viele. Viel zu viele. Nach einiger Zeit gab er es ersch�pft auf, es ihnen zu untersagen. Nur allzu h�ufig lautete die Antwort: �Oh! Ganz wie Ihr meint, Lord Perrin.� Es gen�gte, einen Mann verzweifeln zu lassen!</p><p>Dennoch zwang er sich, innezuhalten und mit jedem Mann ein paar Worte zu wechseln. Aber vor allem hielt er seine Augen offen. Und seine Nase. Sie alle waren eifrig darauf bedacht, ihre Bogen und Pfeilspitzen pfleglich zu warten, aber einige w�rden ihre Stiefelsohlen oder Hosenb�den durchscheuern lassen, ohne es zu merken, oder Blasen schw�ren lassen, weil man sie nicht dazu bewegen konnte, sofort etwas dagegen zu unternehmen. Mehrere M�nner hatten die Angewohnheit, Branntwein zu trinken, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten, aber zwei oder drei von ihnen vertrugen ihn nicht. In einem kleinen Dorf, durch das sie am Tag vor ihrer Ankunft in Bethai gekommen waren, hatte es nicht weniger als drei Schenken gegeben.</p><p>Es war seltsam. Stets war es ihm unangenehm gewesen, wenn Herrin Luhhan oder seine Mutter ihm gesagt hatten, er brauche neue Stiefel oder seine Hose m�sse geflickt werden, und er war sich sicher, da� eine solche Bevormundung auch jeden anderen ge�rgert h�tte, aber von dem bereits ergrauten, alten Jondyn Barran angefangen sagten die Leute aus den zwei Fl�ssen einfach: �Nun, recht habt Ihr, Lord Perrin; ich k�mmere mich sofort darum.� Er sah einige von ihnen einander zugrinsen, wenn er weiterging. Und sie rochen erfreut! Als er ein Tongef�� mit Birnenbranntwein in Jori Congars Satteltaschen entdeckte � Jori war ein hagerer Bursche, der doppelt soviel a� wie alle anderen, aber dennoch stets den Eindruck machte, als habe er eine Woche lang nichts mehr gegessen; er war ein guter Bogensch�tze, der jedoch bei jeder Gelegenheit trank, bis er nicht mehr stehen konnte, und au�erdem flinke Finger besa� �, sah Jori ihn mit gro�en Augen an und spreizte die H�nde, als w��te er nicht, wo das Gef�� hergekommen sei. Aber als Perrin weiterging, w�hrend er den Branntwein ausgo�, sagte Jori lachend: �Lord Perrin l��t nicht alles durchgehen!� Er klang stolz! Manchmal glaubte Perrin, er habe sich als einziger seine geistige Gesundheit bewahrt.</p><p>Und er bemerkte noch etwas. Die M�nner achteten allesamt sehr darauf, was er nicht sagte. Alle warfen nacheinander Blicke zu den zwei Bannern, dem Roten Wolfskopf und dem Roten Adler, die gelegentlich in einer leichten Brise flatterten. Sie betrachteten die Banner und beobachteten ihn, warteten auf den Befehl, den er jedesmal gegeben hatte, wenn sie gehi�t worden waren, seit sie Ghealdan erreicht hatten, und auch h�ufig zuvor. Nur da� er gestern nichts gesagt hatte und auch heute nichts sagen w�rde. Perrin sah an den Gesichtern der M�nner, da� sie Vermutungen anstellten. Er versuchte, nicht auf ihr Fl�stern hinter seinem R�cken zu achten. Was w�rden sie sagen, wenn er sich irrte, wenn die Wei�m�ntel oder K�nig Ailron beschlossen, den Blick ausreichend lange vom Propheten und von den Seanchanern abwenden zu k�nnen, um einen mutma�lichen Aufruhr zu ersticken? Er war f�r sie verantwortlich, und bereits zu viele von ihnen waren umgekommen.</p><p>Die Sonne war schon vollst�ndig �ber dem Horizont aufgegangen und verbreitete grelles Morgenlicht, als er seinen Rundgang beendete. Tallanvor und Lamgwin schleppten unter Linis Anleitung Kisten aus Perrins Zelt, w�hrend Maighdin und Breane auf einem Flecken verdorrten Grases den Inhalt durchforsteten, der �berwiegend aus Decken, W�sche und langen bunten Streifen Seidensatin bestand, mit denen das Bett, das er �verlegt� hatte, geschm�ckt werden sollte. Faile befand sich wohl im Zelt, denn die plappernde Schar von Dummk�pfen stand nicht weit entfernt. Sie mu�ten nichts tragen oder schleppen. Sie waren ebenso n�tzlich wie Ratten in einer Scheune.</p><p>Perrin kam in den Sinn, nach den Pferden zu sehen, aber als er durch die B�ume zu den angepflockten Tieren schaute, bemerkte man ihn. Nicht weniger als drei der Hufschmiede traten �ngstlich vor, w�hrend sie ihn beobachteten. Sie waren st�mmige Burschen mit Ledersch�rzen, die einander �hnelten wie Eier in einem Korb, obwohl Falton nur einen wei�en Haarkranz aufwies, Aemin erst allm�hlich ergraute und Jerasid nicht einmal in mittlerem Alter war. Perrin grollte bei ihrem Anblick. Sie w�rden in seiner N�he bleiben, wenn er eines der Pferde anr�hrte, und die Augen verdrehen, wenn er einen Huf anhob. Das eine Mal, als er bei seinem Pferd ein schadhaftes Hufeisen zu wechseln versucht hatte, waren alle sechs Hufschmiede herbeigeeilt, hatten die Werkzeuge an sich genommen, bevor er sie ber�hren konnte, und den Kastanienbraunen in ihrer Hast, die Arbeit selbst zu tun, fast umgeworfen.</p><p>�Sie f�rchten, da� Ihr ihnen nicht traut�, sagte Aram unvermittelt. Perrin sah ihn �berrascht an, und Aram zuckte die Achseln. �Ich habe mit einigen von ihnen gesprochen. Sie denken, wenn sich ein Lord selbst um seine Pferde k�mmert, dann nur deshalb, weil er ihnen nicht traut.� Sein Tonfall dr�ckte aus, da� er sie wegen ihrer Annahme f�r Narren hielt, aber er sah Perrin von der Seite an und zuckte erneut unbehaglich die Achseln. �Ich glaube, sie sind auch peinlich ber�hrt. Wenn Ihr Euch nicht so verhaltet, wie sie es von einem Lord erwarten, f�llt es ihrer Meinung nach auch auf sie selbst zur�ck.�</p><p>�Licht!� murrte Perrin. Faile hatte dasselbe gesagt �zumindest da� sie peinlich ber�hrt w�ren �, aber er hatte gedacht, das sei nur der Eindruck der Tochter eines Lords. Faile war von Dienern umgeben aufgewachsen. Wie konnte sie daher die Gedanken eines Menschen nachvollziehen, der f�r sein Auskommen arbeiten mu�te? Er blickte stirnrunzelnd zu den Pferden. Inzwischen standen f�nf der Schmiede beisammen und beobachteten ihn. Peinlich ber�hrt, da� er nach seinen eigenen Pferden sehen wollte. �Denkt <emphasis>Ihr,</emphasis> ich sollte mich wie ein Narr in seidenen Kniehosen benehmen?� fragte er. Aram blinzelte und betrachtete verlegen seine Stiefel. �Licht!� grollte Perrin.</p><p>Als er Basel Gill erblickte, der von den Karren herbeieilte, ging er ihm entgegen. Er glaubte, Gill gestern nicht ausreichend beruhigt zu haben. Der untersetzte Mann f�hrte Selbstgespr�che, w�hrend er sich immer wieder mit dem Taschentuch �ber den Kopf rieb, da er in seiner zerknitterten dunkelgrauen Jacke stark schwitzte. Die Tageshitze begann bereits unertr�glich zu werden. Er sah Perrin nicht, bis er fast vor ihm stand, zuckte dann zusammen, stopfte das Taschentuch in eine Jackentasche und verbeugte sich. Er wirkte wie f�r ein Fest zurechtgemacht.</p><p>�Ah. Mein Lord Perrin. Lady Faile hat mir befohlen, mit einem Karren nach Bethai zu fahren. Sie sagte, ich solle etwas Tabak aus den Zwei Fl�ssen f�r Euch besorgen, aber ich wei� nicht, ob das m�glich ist. Tabakbl�tter aus den Zwei Fl�ssen waren stets teuer, und es wird nicht mehr soviel Handel getrieben.�</p><p>�Sie schickt Euch nach Tabak?� fragte Perrin stirnrunzelnd. Vermutlich war die Geheimhaltung bereits ohnehin aufgehoben, aber dennoch... �Ich habe im vorletzten Dorf drei F�sser Tabak gekauft. Das ist genug f�r alle.�</p><p>Gill sch�ttelte entschlossen den Kopf. �Aber keinen Tabak aus den Zwei Fl�ssen. Nach Lady Failes Ansicht zieht Ihr diesen allen anderen Tabaksorten vor. Der ghealdeanische Tabak gen�gt vielleicht f�r Eure Leute. Ich solle Euer <emphasis>Shambayan</emphasis> sein, wie sie es nannte, und sie und Euch mit dem versorgen, was Ihr braucht.� Das am�sierte ihn anscheinend. Sein Bauch bebte vor stillem Lachen. �Ich habe eine umfangreiche Liste erhalten, obwohl ich nicht wei�, wieviel davon ich besorgen kann. Guten Wein, Kr�uter, Fr�chte, Kerzen und Lampen�l, Wachstuch und Wachs, Papier und Tinte, Nadeln, oh, alles M�gliche. Tallanvor, Lamgwin und ich werden bald aufbrechen, zusammen mit einigen anderen Gefolgsleuten Lady Failes.�</p><p>Andere Gefolgsleute Lady Failes. Tallanvor und Lamgwin brachten noch eine weitere Kiste heraus, welche die Frauen durchst�bern sollten. Sie mu�ten an der am Boden kauernden Gruppe junger Narren vorbei, die niemals Hilfe anboten. Tats�chlich ignorierten die Faulenzer sie vollst�ndig.</p><p>�Behaltet diese Burschen im Auge�, raunte Perrin. �Wenn einer von ihnen Schwierigkeiten macht � wenn es auch nur danach aussieht �, la�t Lamgwin ihn zurechtstutzen.� Und wenn es eine der Frauen war? Bei ihnen waren Schwierigkeiten ebenso wahrscheinlich, vielleicht sogar wahrscheinlicher. Perrin brummte. Failes Gefolgsleute bereiteten ihm st�ndige Magenschmerzen. Es war zu schade, da� sie nicht mit Leuten wie Meister Gill und Maighdin zufrieden sein konnte. �Ihr habt Balwer nicht erw�hnt. Hat er sich entschlossen, allein weiterzuziehen?� In diesem Moment trug die jetzt aus einer anderen Richtung wehende Brise Balwers Geruch heran, ein wachsamer Geruch, der dem ausgemergelten �u�eren des Burschen vollkommen widersprach.</p><p>Balwer verursachte auf dem trockenen Laub am Boden selbst f�r einen solch kleinen schlanken Mann erstaunlich wenig Ger�usche. Er verbeugte sich hastig in seiner spatzenbraunen Jacke, und sein geneigter Kopf trug noch zu dem Bild eines Vogels bei. �Ich bleibe, mein Lord�, sagte er vorsichtig, oder vielleicht war Vorsicht nur seine Art �Ich bleibe als ergebener Schreiber Lady Failes. Und als Euer Schreiber, wenn es Euch beliebt.� Er trat ungelenk n�her heran. �Ich bin sehr bewandert darin, mein Lord. Ich habe ein gutes Ged�chtnis und eine sch�ne Schrift, und mein Lord darf versichert sein, da� etwas mir von Euch Anvertrautes niemals an jemand anderen weitergegeben werden wird. Verschwiegenheit ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Schreibers. Habt Ihr nicht wichtige Pflichten f�r unsere neue Herrin zu erledigen, Meister Gill?�</p><p>Gill sah Balwer stirnrunzelnd an, �ffnete den Mund und schlo� ihn dann ruckartig wieder. Er wandte sich auf dem Absatz um und entfernte sich in Richtung des Zeltes.</p><p>Balwer sah ihm einen Moment nach, den Kopf auf eine Seite gelegt und die Lippen nachdenklich gesch�rzt. �Ich kann Euch auch noch andere Dienste anbieten, mein Lord�, sagte er schlie�lich. �Ich habe einige Gespr�che der Leute meines Lords geh�rt und erfahren, da� mein Lord vielleicht einige ... Schwierigkeiten mit den Kindern des Lichts hatte. Ein Schreiber erf�hrt so manches. Ich wei� �berraschend viel �ber die Kinder.�</p><p>�Mit etwas Gl�ck kann ich die Wei�m�ntel umgehen�, beschied ihn Perrin. �Es w�re besser, wenn Ihr w��tet, wo sich der Prophet aufh�lt � oder die Seanchaner.� Er erwartete gewi� keines von beidem, aber Balwer �berraschte ihn.</p><p>�Ich bin nat�rlich nicht sicher, aber ich glaube, die Seanchaner sind bisher noch nicht weit �ber Amador hinaus gelangt. Es ist schwer, verl��liche Berichte von Ger�chten zu trennen, mein Lord, aber ich halte die Augen und Ohren offen. Tats�chlich scheinen sie unerwartet rasch voranzukommen. Sie sind ein gef�hrliches Volk mit vielen tarabonischen Soldaten. Mein Lord wei� wohl durch Meister Gill von ihnen, aber ich habe sie in Amador genau beobachtet und werde meinem Lord gern berichten, was ich gesehen habe. Was den Propheten betrifft, so gibt es ebenso viele Ger�chte �ber ihn wie �ber die Seanchaner, aber ich glaube, zuverl�ssig sagen zu k�nnen, da� er sich k�rzlich in Abila aufgehalten hat, eine recht gro�e Stadt ungef�hr vierzig Meilen s�dlich von hier.� Balwer l�chelte fl�chtig, ein kurzes, selbstzufriedenes L�cheln.</p><p>�Wie k�nnt Ihr dessen so sicher sein?� fragte Perrin z�gernd.</p><p>�Wie ich bereits sagte, mein Lord � ich halte meine Augen und Ohren offen. Der Prophet hat angeblich eine Reihe Gasth�user und Schenken geschlossen und jene niedergerissen, die er f�r anr�chig hielt. Es wurden mehrere erw�hnt, und ich wei� zuf�lligerweise, da� es entsprechende Gasth�user in Abila gibt. Ich denke, die M�glichkeit, da� andere St�dte Gasth�user gleichen Namens aufweisen, ist recht gering.� Er l�chelte erneut fl�chtig und roch selbstzufrieden.</p><p>Perrin kratzte sich nachdenklich den Bart. Der Mann erinnerte sich zuf�llig daran, wo sich einige Gasth�user, die Masema vermutlich niedergerissen hatte, befunden hatten. Und wenn sich erwies, da� Masema nach allem doch nicht dort war � nun, die Ger�chte sprossen derzeit wie Pilze nach einem Regen. Balwer schien sich zudem wichtig machen zu wollen. �Danke, Meister Balwer. Ich werde es bedenken. Wenn Ihr noch mehr h�rt, erz�hlt es mir.� Als er sich zum Gehen wandte, ergriff Balwer seinen �rmel.</p><p>Er zog die hageren Finger sofort wieder zur�ck, als h�tte er sich verbrannt, und verbeugte sich auf seine vogel�hnliche Weise, w�hrend er seine H�nde aneinander rieb. �Verzeiht, mein Lord. Ich m�chte Euch nicht bedr�ngen, aber Ihr solltet die Wei�m�ntel nicht untersch�tzen. Es w�re zwar klug, sie zu umgehen, aber es ist vielleicht nicht m�glich. Sie sind weitaus n�her als die Seanchaner. Eamon Valda, der neue Kommandierende Lordhauptmann, hat die meisten Wei�m�ntel ins n�rdliche Amadicia gef�hrt bevor Amador fiel. Er hat ebenfalls den Propheten gejagt, mein Lord. Valda ist ein gef�hrlicher Mann, und Rhadam Asunawa, der Gro�inquisitor, l��t Valda sogar noch freundlich scheinen. Ich f�rchte, da� keiner von beiden Eure Lordschaft liebt. Verzeiht.� Er verbeugte sich erneut, z�gerte und fuhr dann bed�chtig fort. �Es ist gro�artig, da� Ihr Euer Banner von Manetheren herzeigt, wenn ich das so sagen darf. Mein Lord wird Valda und Asunawa durchaus das Wasser reichen k�nnen, sofern er vorsichtig ist.�</p><p>W�hrend Perrin beobachtete, wie Balwer sich unter Verbeugungen zur�ckzog, dachte er, da� er jetzt einen Teil der Geschichte Balwers kannte. Er war eindeutig mit den Wei�m�nteln zusammengesto�en. Und das konnte nur bedeuten, da� er ihnen in den Weg geraten war und zur falschen Zeit das Falsche ge�u�ert hatte, aber Balwer hegte anscheinend einen besonderen Groll. Er verf�gte auch �ber einen scharfen Geist, denn er sah �ber den Roten Adler hinaus. Und er besa� eine scharfe Zunge gegen�ber Meister Gill.</p><p>Letzterer kniete neben Maighdin und sprach, trotz Linis Bem�hungen, ihn zum Schweigen zu bringen, rasch auf sie ein. Maighdin hatte sich umgewandt, um zu verfolgen, wie Balwer eilig durch die B�ume auf die Karren zustrebte, aber ihr Blick schwenkte auch hin und wieder zu Perrin. Die �brigen scharten sich dicht um sie und sp�hten ebenfalls abwechselnd zu Balwer und zu Perrin. Wenn er jemals Menschen gesehen hatte, die �ber jemandes Worte beunruhigt waren, dann sie. Aber wor�ber waren sie beunruhigt? Wahrscheinlich �ber Verleumdungen, Geschichten von Unmut und Missetaten, wahrhaftige oder eingebildete.</p><p>Zusammengepferchte Menschen neigten dazu, mit der Zeit aufeinander loszugehen. Wenn es das war, konnte er vielleicht noch verhindern, da� Blut vergossen wurde. Tallanvor liebkoste erneut sein Schwertheft! Was hatte Faile mit dem Burschen vor?</p><p>�Aram, ich m�chte, da� Ihr mit Tallanvor und den anderen sprecht. Sagt ihnen, was Balwer mir gerade mitgeteilt hat. Erw�hnt es beil�ufig, aber gebt alles weiter.� Das sollte beunruhigenden Ger�chten entgegenwirken. Faile sagte, Dienern m�sse man das Gef�hl vermitteln, Vertraute zu sein. �Freundet Euch mit ihnen an, wenn es geht, Aram. Aber wenn Ihr wegen einer der Frauen ins Tr�umen geraten wollt, dann haltet Euch an Lini. Die beiden anderen sind vergeben.�</p><p>Der Mann hatte bei jeder h�bschen Frau eine glatte Zunge, aber es gelang ihm dennoch, sowohl �berrascht als auch beleidigt zu wirken. �Wie Ihr w�nscht, Lord Perrin�, murrte er. �Ich hole Euch rasch wieder ein.�</p><p>�Ich bin dr�ben bei den Aiel.�</p><p>Aram blinzelte. �Ah, gut. Nun, es k�nnte jedoch eine Weile dauern, wenn ich mich mit ihnen anfreunden soll. Sie machen auf mich nicht den Eindruck, als legten sie gro�en Wert auf Freunde.� Und das von einem Burschen, der au�er Faile jedermann, der sich Perrin n�herte, mi�trauisch betrachtete und niemals jemandem zul�chelte, der keinen Rock trug.</p><p>Er ging dennoch hin�ber und hockte sich dorthin, wo er mit Gill und den �brigen sprechen konnte. Ihr Unbehagen war selbst aus der Entfernung offensichtlich. Sie fuhren mit ihrer Arbeit fort, wechselten nur hin und wieder ein Wort mit Aram und sahen einander ebenso h�ufig an wie ihn. Unberechenbar. Aber zumindest redeten sie.</p><p>Perrin fragte sich, inwiefern Aram mit den Aiel aneinandergeraten war � es schien gar keine Zeit daf�r gewesen zu sein! �, aber er fragte sich das nicht lange.</p><p>Jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Aiel endete �blicherweise mit einem Toten, aber nicht mit einem toten Aiel. Schlie�lich war er selbst auch nicht allzu versessen darauf, den Weisen Frauen zu begegnen. Er ging um den H�gel, aber anstatt den Hang hinaufzusteigen, trugen ihn seine F��e zu den Bewohnern von Mayene. Er hatte auch ihr Lager so weitgehend wie m�glich gemieden, und das nicht nur wegen Berelain. Es hatte auch seine Nachteile, einen zu scharfen Geruchssinn zu besitzen.</p><p>Gl�cklicherweise trug ein auffrischender Windhauch den gr��ten Teil des Gestanks davon, obwohl er die Hitze kaum milderte. Schwei� lief die Gesichter der berittenen W�chter in den roten R�stungen herab. Bei seinem Anblick setzten sie sich noch aufrechter hin, was schon etwas bedeutete. W�hrend die Leute aus den Zwei Fl�ssen wie Bauern ritten, waren die Bewohner von Mayene �blicherweise Statuen auf Pferder�cken. Aber sie konnten k�mpfen. Das Licht gebe, da� es nicht dazu kam.</p><p>Havien Nurelle eilte heran, w�hrend er seine Jacke zukn�pfte, bevor Perrin noch ganz an den W�chtern vorbei gelangt war. Die ungef�hr ein Dutzend weiteren Offiziere folgten Nurelle auf den Fersen, alle in ihren Jacken, und einige befestigten gerade die Riemen ihrer roten Brustharnische. Zwei oder drei trugen Helme mit d�nnen roten Federn unter dem Arm. Die meisten waren um Jahre �lter als Nurelle, einige sogar doppelt so alt, bereits ergrauende M�nner mit harten, narbigen Gesichtern, aber Nurelle war zur Belohnung f�r Rands Rettung zu Gallennes Stellvertreter ernannt worden.</p><p>�Die Erste ist noch nicht zur�ckgekehrt, Lord Perrin.� Nurelle verbeugte sich, und die �brigen taten es ihm gleich. Der gro�e schlanke Mann wirkte nicht mehr so jung wie vor den Brunnen von Dumai. In seinen Augen, die mehr Blut gesehen hatten als manche Veteranen aus zwanzig Schlachten, zeigte sich jetzt eine gewisse Sch�rfe. Aber wenn sein Gesicht auch h�rter geworden war, roch er noch immer eifrig bem�ht, gefallen zu wollen. Havien Nurelle betrachtete Perrin Aybara als einen Mann, der fliegen oder auf dem Wasser wandeln konnte, wenn er es wollte. �Die Morgenpatrouille hat nichts Ungew�hnliches bemerkt, zumindest jene nicht, die bereits zur�ckgekehrt sind. Sonst h�tte ich es Euch berichtet.�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Perrin. �Ich ... wollte mich nur ein wenig umsehen.�</p><p>Er wollte einfach nur umhergehen, bis er den Mut fand, den Weisen Frauen entgegenzutreten, aber der junge Bewohner von Mayene folgte ihm mit den �brigen Offizieren, beobachtete �ngstlich, ob Lord Perrin bei den Befl�gelten Wachen Makel fand, und zuckte jedesmal zusammen, wann immer sie auf M�nner mit entbl��tem Oberk�rper trafen, die auf einer Decke w�rfelten, oder auf einen Burschen, der in der aufsteigenden Sonne schlief. Er h�tte sich keine Sorgen zu machen brauchen. Perrin erschien das Lager sehr geordnet. Jeder Mann hatte seine Decken und seinen Sattel als Kissen nicht mehr als zwei Schritte von der Stelle entfernt, wo sein Pferd an eines der langen Seile gebunden war, die schlaff zwischen brusthohen, aufrecht in die Erde getriebenen Pf�hlen hingen. Alle zwanzig Schritt war ein Herdfeuer entz�ndet worden, zwischen denen Lanzen aufgesteckt waren. Das Lager der Soldaten bildete um f�nf spitz zulaufende Zelte, von denen eines goldblau gestreift und gr��er als die anderen vier zusammengenommen war, eine Art Schutzwall. All das unterschied sich sehr von dem wahllos angeordneten Lager der Leute aus den Zwei Fl�ssen.</p><p>Perrin ging z�gig voran und versuchte, nicht zu t�richt zu erscheinen. Er war sich nicht sicher, wie erfolgreich er darin war. Es dr�ngte ihn, innezuhalten und eines oder zwei der Pferde zu �berpr�fen � nur um einen Huf anfassen zu k�nnen, ohne da� jemand sogleich in Ohnmacht fiel �, aber in Erinnerung an Arams Worte hielt er sich zur�ck. Jedermann schien bei seinem Auftauchen ebenso erschreckt wie Nurelle. Verwirrtes Murmeln folgte ihm, und sein Geh�r fing einige Bemerkungen �ber Offiziere, besonders Lords, auf, wobei es ihn froh stimmte, da� Nurelle und die anderen sie nicht auch h�rten. Schlie�lich gelangte er zum Rand des Lagers und blickte den mit Gestr�pp �berwucherten Hang hinauf in Richtung der Zelte der Weisen Frauen. Nur wenige der T�chter des Speers waren dort oben zwischen den verstreut stehenden Zelten zu sehen, sowie einige <emphasis>Gai'schain.</emphasis></p><p>�Lord Perrin�, sagte Nurelle z�gernd. �Die Aes Sedai...� Er trat n�her und senkte die Stimme zu einem heiseren Fl�stern. �Ich wei�, da� sie sich dem Lord Drache verschworen haben, aber... Ich habe einiges gesehen, Lord Perrin. Sie verrichten <emphasis>Lagerarbeiten!</emphasis> Aes Sedai! Heute morgen kamen Masuri und Seonid herab, um Wasser zu holen! Und gestern, nachdem Ihr zur�ckgekehrt wart... Gestern glaubte ich dort oben jemanden ... aufschreien zu h�ren. Es kann nat�rlich keine der Schwestern gewesen sein�, f�gte er hastig hinzu und lachte, um zu verdeutlichen, wie t�richt der Gedanke war � ein sehr unsicheres Lachen. �Ihr ... Ihr werdet nachsehen, ob alles ... mit ihnen in Ordnung ist?� Er war als Anf�hrer von zweihundert Lanzentr�gern zwischen vierzigtausend Shaido geritten, aber hier�ber zu sprechen, verursachte ihm Unbehagen. Nat�rlich war er zwischen vierzigtausend Shaido geritten, weil eine Aes Sedai es von ihm verlangt hatte.</p><p>�Ich werde tun, was ich kann�, murrte Perrin. Vielleicht standen die Dinge schlechter, als er gedacht hatte. Jetzt galt es zu verhindern, da� sie sich noch weiter verschlechterten, sofern es ihm m�glich war. Er h�tte sich lieber erneut den Shaido entgegengestellt.</p><p>Nurelle nickte, als h�tte Perrin alles versprochen, worum er gebeten worden war. �Dann ist es gut�, sagte Nurelle und klang erleichtert. Er sah Perrin von der Seite an und wollte wohl noch etwas hinzuf�gen, was aber offensichtlich nicht so heikel war wie das Thema Aes Sedai. �Ich habe geh�rt, da� Ihr den Roten Adler geduldet habt.�</p><p>Perrin w�re fast zusammengezuckt. Die Neuigkeit war selbst angesichts der kurzen Entfernung nur um den H�gel herum schnell weitergetragen worden. �Es schien mir richtig�, sagte er z�gernd. Berelain w�rde die Wahrheit erfahren m�ssen, aber wenn zu viele sie kannten, w�rde sie vom n�chsten Dorf, an dem sie vor�berzogen, oder vom n�chsten Bauernhof verbreitet werden. �Dies war ein Teil von Manetheren�, f�gte er hinzu, als w��te Nurelle das nicht nur zu gut. Wahrheit! Er konnte die Wahrheit inzwischen ebensogut verdrehen wie eine Aes Sedai, selbst seinen Gefolgsleuten gegen�ber. �Es war gewi� nicht das erste Mal, da� die Flagge in dieser Gegend gehi�t wurde, aber keiner jener Burschen hatte den Wiedergeborenen Drachen hinter sich.� Und wenn das nicht die n�tige Wirkung zeitigte, wu�te er nicht, was er noch tun sollte.</p><p>Er erkannte j�h, da� ihn anscheinend die gesamte Befl�gelte Wache mit ihren Offizieren beobachtete. Sie fragten sich zweifellos, was er gerade sagte, nachdem er seinen Kurs eingeschlagen hatte. Sogar die Diener traten vor die Zelte. Er hatte dergleichen noch nie gesehen, war sich aber bewu�t, da� er ein Lob aussprechen sollte.</p><p>Er hob seine Stimme und sagte: �Die Befl�gelten Wachen werden Mayene zur Ehre gereichen, wenn wir jemals weiteren Brunnen von Dumai gegen�berstehen sollten.� Das waren die ersten Worte, die ihm einfielen, aber er zuckte unwillk�rlich zusammen.</p><p>Zu seinem Entsetzen ert�nten Rufe und Jubel unter den Soldaten: �Perrin Goldaugen!� und �Mayene f�r Goldaugen!� und �Goldaugen und Manetheren!� M�nner tanzten und vollf�hrten Freudenspr�nge, und einige ergriffen Speere und schwenkten sie, so da� die roten Wimpel in der Brise flatterten. Ergraute Bannertr�ger beobachteten sie mit verschr�nkten Armen und nickten beif�llig. Nurelle strahlte, und nicht nur er. Offiziere mit von Grau durchzogenem Haar und Narben auf den Gesichtern grinsten wie Jungen, die im Unterricht gelobt wurden. Licht, er <emphasis>war</emphasis> der einzige, der sich seine geistige Gesundheit bewahrt hatte! Er <emphasis>betete,</emphasis> da� es niemals wieder zu einem Kampf k�me!</p><p>W�hrend er �berlegte, ob dies zu Verwicklungen mit Berelain f�hren w�rde, verabschiedete er sich von Nurelle und den anderen und stapfte durch totes und verdorrendes Gestr�pp, das ihm nicht einmal bis zur Taille reichte, den H�gel hinauf. Braunes Unkraut knirschte unter seinen Stiefeln. Rufe erklangen vom Lager der Mayener. Die Erste w�rde vielleicht, selbst nachdem sie die Wahrheit erfahren hatte, nicht erfreut sein, wenn ihre Soldaten ihm derma�en zujubelten. Nat�rlich konnte das auch Vorteile haben. Vielleicht w�re sie sosehr ver�rgert, da� sie aufh�ren w�rde, ihn zu bel�stigen.</p><p>Er hielt kurz vor dem H�gelkamm inne und lauschte auf die verklingenden Hochrufe. Hier w�rde ihm niemand zujubeln. Alle Eing�nge der niedrigen, graubraunen Zelte der Weisen Frauen waren geschlossen und verbargen sie vor seinem Blick. Nur wenige der T�chter des Speers waren jetzt zu sehen. Sie sa�en in der Hocke unter einem Lederblattbaum, der noch ein wenig Gr�n aufwies, und musterten ihn neugierig. Sie bewegten die H�nde schnell in ihrer Zeichensprache. Kurz darauf erhob sich Sulin, richtete ihren schweren G�rteldolch und schritt in seine Richtung, eine gro�e, drahtige Frau mit einer r�tlichen Narbe im sonnengebr�unten Gesicht. Sie blickte in die Richtung, aus der er gekommen war, und schien erleichtert, da� er allein war, obwohl Empfindungen bei den Aiel oft schwer zu deuten waren.</p><p>�Das ist gut, Perrin Aybara�, sagte sie ruhig. �Die Weisen Frauen waren nicht erfreut, da� Ihr sie zu Euch kommen la�t. Nur ein Narr bereitet Weisen Frauen Mi�fallen, und ich habe Euch nicht f�r einen Narren gehalten.�</p><p>Perrin kratzte sich den Bart. Er hatte sich von den Weisen Frauen � und von den Aes Sedai � so weit wie m�glich ferngehalten, und er hatte nicht die Absicht gehabt, sie zu zwingen, zu ihm zu kommen. Er f�hlte sich in ihrer Gegenwart einfach nicht wohl, um es milde auszudr�cken. �Nun, jetzt mu� ich mit Edarra sprechen�, erwiderte er. ��ber die Aes Sedai.�</p><p>�Vielleicht habe ich mich doch geirrt�, sagte Sulin trocken. �Aber ich werde es ihr sagen.� Sie wollte sich gerade umwenden, hielt aber noch einmal inne. �Bitte, sagt mir eines. Teryl Wynter und Furen Alharra stehen Seonid Traighan nahe � wie Erstbr�der einer Erstschwester; sie sch�tzt M�nner nicht als solche �, und dennoch haben sie angeboten, Seonids Strafe f�r sie auf sich zu nehmen. Wie konnten sie Seonid so besch�men?�</p><p>Er �ffnete den Mund, schwieg aber. Zwei <emphasis>Gaischain</emphasis> erschienen am Kamm des H�gels, die Packpferde der Aiel mit sich f�hrten. Die wei� gekleideten M�nner gingen auf dem Weg zum Flu� in wenigen Schritten Entfernung vor�ber. Er konnte nicht sicher sein, glaubte aber, da� beide Shaido waren. Sie hielten die Blicke dem�tig gesenkt und schauten kaum einmal auf, um sich ihres Weges zu versichern. Sie h�tten jede Gelegenheit gehabt davonzulaufen, da sie solche Aufgaben ausf�hrten, ohne bewacht zu werden. Ein eigenartiges Volk.</p><p>�Ich sehe, da� auch Ihr entsetzt seid�, bemerkte Sulin. �Ich hatte gehofft, da� Ihr es mir erkl�ren k�nntet. Ich werde Edarra Bescheid geben.� W�hrend sie zu den Zelten gingen, f�gte sie �ber die Schulter hinzu: �Ihr Feuchtl�nder seid sehr eigenartig, Perrin Aybara.�</p><p>Perrin blickte ihr stirnrunzelnd nach, und als sie in einem der Zelte verschwand, wandte er sich um und sah den beiden <emphasis>Gai'schain,</emphasis> welche die Pferde zum Wasser f�hrten, stirnrunzelnd nach. <emphasis>Feuchtl�nder</emphasis> waren eigenartig? Licht! Also hatte Nurelle richtig geh�rt. Es war h�chste Zeit, da� er seine Nase in das steckte, was zwischen den Weisen Frauen und den Aes Sedai vor sich ging. Er hatte es schon fr�her tun sollen. Er w�nschte, er h�tte nicht das Gef�hl, als w�rde er die Nase in ein Hornissennest stecken.</p><p>Es dauerte ziemlich lange, bis Sulin wieder erschien, und ihr Anblick hob seine Stimmung nicht. Sie hielt den Zelteingang f�r ihn auf und tippte ver�chtlich gegen seinen G�rteldolch, als er geduckt hineinging, �Ihr solltet f�r diesen Tanz besser gewappnet sein, Perrin Aybara�, sagte sie.</p><p>Perrin war �berrascht, im Inneren des Zeltes alle sechs Weisen Frauen mit gekreuzten Beinen auf farbenfrohen, mit Quasten versehenen Kissen sitzen zu sehen, die Stolen um die Taillen gebunden und die R�cke wie F�cher sorgf�ltig auf den ausgelegten Teppichen drapiert. Er hatte gehofft, nur Edarra vorzufinden. Anscheinend war keine der Frauen mehr als vier oder f�nf Jahre �lter als er, und doch vermittelten sie ihm jedesmal das Gef�hl, als st�nde er den �ltesten Mitgliedern des Frauenzirkels gegen�ber, denjenigen, die Jahre mit dem Erlernen der F�higkeit verbracht hatten, genau das herauszufinden, was man verbergen wollte. Es war so gut wie unm�glich, den Geruch der einzelnen Frauen zu unterscheiden, aber das war auch kaum n�tig. Sechs Augenpaare hefteten sich auf ihn, von Janinas hellen himmelblauen Augen bis zu Marlines zwielichtig purpurfarbenen, ganz zu schweigen von Nevarins durchdringenden gr�nen Augen. Jedes dieser Augenpaare schien ihn aufzuspie�en.</p><p>Edarra bedeutete ihm barsch, sich ebenfalls auf ein Kissen zu setzen, was er dankbar wahrnahm, obwohl er jetzt alle im Halbkreis vor sich hatte. Vielleicht hatten die Weisen Frauen diese Zelte so angelegt, damit M�nner den Kopf beugen mu�ten, wenn sie aufrecht stehen wollten. Seltsamerweise war es im d�steren Inneren des Zeltes k�hler, aber er hatte dennoch das Gef�hl zu schwitzen. Er konnte die Ger�che der Frauen vielleicht nicht voneinander unterscheiden, aber sie rochen wie W�lfe, die eine angepflockte Ziege betrachten. Ein <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit kantigem Gesicht, der ein gutes St�ck gr��er war als Perrin, kniete vor ihm nieder und bot ihm auf einem kunstvoll gearbeiteten Silbertablett einen goldenen Becher mit dunklem gew�rztem Wein an. Die Weisen Frauen hielten bereits verschiedenerlei Silberbecher in H�nden. Er war sich nicht sicher, was es bedeutete, da� man ihm einen goldenen Becher anbot � vielleicht nichts, aber wer wu�te das bei den Aiel? �, und nahm den Becher vorsichtig entgegen. Das Getr�nk roch nach Pflaumen. Der Bursche verbeugte sich �beraus dem�tig, als Edarra in die H�nde klatschte, und verlie� unter weiteren Verbeugungen das Zelt. Die erst halbwegs verheilte Wunde in seinem harten Gesicht mu�te von den Brunnen von Dumai stammen.</p><p>�Jetzt, da Ihr hier seid�, sagte Edarra, sobald sich der Zelteingang hinter dem <emphasis>Gai'schain</emphasis> geschlossen hatte, �werden wir Euch erneut erkl�ren, warum Ihr den Mann, der sich Masema Dagar nennt, t�ten m��t.�</p><p>�Wir sollten es nicht nochmals erkl�ren m�ssen�, warf Delora ein. Ihr Haar und ihre Augen �hnelten denen Maighdins, aber niemand hatte ihr verkniffenes Gesicht als h�bsch bezeichnet. Sie verhielt sich sehr kalt. �Dieser Masema Dagar ist eine Gefahr f�r den <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Er mu� sterben.�</p><p>�Die Traumg�nger haben es uns gesagt, Perrin Aybara.� Carelle war gewi� h�bsch, und obwohl ihr feuriges Haar und ihre stechenden Augen sie aussehen lie�en, als k�nne sie leicht zornig werden, war sie f�r eine Weise Frau stets freundlich. �Sie haben den Traum gedeutet. Der Mann mu� sterben.�</p><p>Perrin nahm einen Schluck gew�rzten Pflaumenwein, um Zeit zu gewinnen. Der Wein erschien ihm irgendwie k�hl. Es war immer dasselbe mit ihnen. Rand hatte keine Warnung von den Traumg�ngern erw�hnt. Perrin hatte zuerst davon gesprochen, wenn auch nur das eine Mal. Sie hatten geglaubt, er bezweifle ihre Worte, und selbst Carelles Augen hatten gefunkelt. Nicht da� Perrin sie hur L�gnerinnen hielt, eigentlich nicht. Er hatte sie noch bei keiner L�ge ertappt. Aber was sie sich f�r die Zukunft w�nschten und was Rand sich f�r die Zukunft w�nschte � oder was Perrin selbst wollte �, waren vielleicht verschiedene Dinge. M�glicherweise war Rand der Geheimniskr�mer. �Vielleicht k�nntet Ihr mir erkl�ren, worin diese Gefahr besteht�, sagte er schlie�lich. �Das Licht wei�, da� Masema wahnsinnig ist, aber er <emphasis>unterst�tzt</emphasis> Rand. Es h�tte schwerwiegende Folgen, wenn ich umherginge und Leute aus unseren eigenen Reihen t�tete. Das wird die Menschen gewi� dazu veranlassen, Rand zu folgen.�</p><p>Sarkasmus war bei ihnen verschwendet. Sie sahen ihn unverwandt an. �Der Mann mu� sterben�, sagte Edarra schlie�lich abermals. �Es gen�gt, da� drei Traumg�nger es gesagt haben und sechs Weise Frauen es an Euch weitergeben.� Dasselbe wie immer. M�glicherweise wu�ten sie nicht mehr als das. Vielleicht sollte er mit dem fortfahren, weshalb er gekommen war.</p><p>�Ich m�chte �ber Seonid und Masuri sprechen�, sagte er, und sechs Gesichter erstarrten. Licht, diese Frauen konnte einen Stein einsch�chtern! Perrin stellte den Weinbecher neben sich ab und beugte sich entschlossen zu ihnen vor. �Ich soll den Menschen Rand verschworene Aes Sedai zeigen.� Tats�chlich sollte er sie Masema zeigen, aber dies schien ein guter Zeitpunkt, das andere zu erw�hnen. �Sie werden nicht zur Zusammenarbeit bereit sein, wenn Ihr gegen sie angeht! Licht! Sie sind Aes Sedai! Warum lernt Ihr nicht von ihnen, anstatt sie Wasser schleppen zu lassen? Sie wissen alles M�gliche, was Ihr nicht wi�t.� Zu sp�t. Er bi� sich auf die Zunge. Aber die Aielfrauen waren nicht beleidigt. Zumindest zeigten sie es nicht.</p><p>�Sie wissen tats�chlich Dinge, die wir nicht wissen�, belehrte Delora ihn unbeeindruckt, �und wir wissen Dinge, die sie nicht wissen.� Vollkommen unbeeindruckt.</p><p>�Wir lernen, was es zu lernen gibt, Perrin Aybara�, erkl�rte Marline ruhig, w�hrend sie mit den Fingern durch ihr fast schwarzes Haar fuhr. Sie war eine der wenigen Aiel, die Perrin mit solch dunklem Haar gesehen hatte, und sie spielte oft damit. �Und wir lehren, was es zu lehren gibt.�</p><p>�Auf jeden Fall�, sagte Janina, �ist das nicht Eure Sache. M�nner mischen sich nicht in Angelegenheiten zwischen Weisen Frauen und Lehrlingen ein.� Sie sch�ttelte �ber seine Torheit den Kopf.</p><p>�Ihr k�nnt mit dem Lauschen aufh�ren und hereinkommen, Seonid Traighan�, sagte Edarra pl�tzlich. Perrin blinzelte �berrascht, aber keine der Frauen zuckte mit einer Wimper.</p><p>Einen Moment herrschte Schweigen, dann wurde der Zelteingang beiseite geschoben. Seonid trat ein und kniete sich rasch auf die Teppiche. Die vielger�hmte Gelassenheit der Aes Sedai war ihr gr�ndlich vergangen. Ihr Mund war zu einer d�nnen Linie zusammengepre�t, die Augen wirkten angespannt, ihr Gesicht war ger�tet. Sie roch nach Zorn, Entt�uschung und einem Dutzend weiteren Empfindungen, die sich so rasch vermischten, da� Perrin M�he hatte, sie zu erkennen. �Darf ich mit ihm sprechen?� fragte Seonid mit gepre�ter Stimme.</p><p>�Wenn Ihr aufpa�t, was Ihr sagt�, antwortete Edarra. Die Weise Frau trank ihren Wein und verfolgte das Geschehen �ber den Rand des Bechers hinweg. Ein Lehrer, der einen Sch�ler beobachtete? Ein Falke, der einer Maus nachstellte? Perrin war sich nicht sicher. Edarra hingegen war sich ihres Platzes <emphasis>sehr</emphasis> sicher, wer auch immer ihr Gegen�ber war. Und Seonid ebenfalls. Aber das vermittelte sich ihm nicht.</p><p>Seonid wandte sich auf Knien um, sah ihn an und richtete sich dann mit funkelnden Augen gerade auf. Zorn durchzog ihren Geruch. �Was auch immer Ihr wi�t�, sagte sie ver�rgert, �was auch immer Ihr zu wissen <emphasis>glaubt,</emphasis> werdet Ihr vergessen!� Nein, es war kein Funke Gelassenheit mehr in ihr. �Was auch immer zwischen den Weisen Frauen und uns geschieht, ist allein unsere Sache! Ihr werdet Euch heraushalten, den Blick abwenden und schweigen!�</p><p>Erstaunt fuhr sich Perrin mit den Fingern durchs Haar. �Licht, seid Ihr aufgebracht, weil ich wei�, da� Ihr geschlagen wurdet?� fragte er ungl�ubig. Nun, er w�re es auch gewesen, aber nicht noch neben allem anderen. �Wi�t Ihr denn nicht, da� diese Frauen Euch sofort die Kehle durchschneiden w�rden, sobald sie Euch s�hen? Euch die Kehle durchschneiden und Euch am Wegesrand liegenlassen? Nun, ich habe mir geschworen, da� ich das nicht zulassen werde! Ich mag Euch nicht, aber ich habe versprochen, Euch vor den Weisen Frauen oder den Asha'man oder Rand selbst zu besch�tzen, also steigt von Eurem hohen Ro� herab!� Als er erkannte, da� er schrie, atmete er verlegen tief durch, lehnte sich auf seinem Kissen zur�ck, ergriff den Weinbecher und nahm einen kr�ftigen Schluck.</p><p>Seonid erstarrte mit jedem Wort vor Emp�rung mehr, und sie sch�rzte die Lippen, noch bevor er geendet hatte. �Ihr habt es versprochen?� h�hnte sie. �Ihr denkt, Aes Sedai brauchten <emphasis>Euren</emphasis> Schutz? Ihr...?�</p><p>�Das reicht�, sagte Edarra ruhig, und Seonid schlo� ger�uschvoll den Mund, obwohl sie die H�nde so fest in ihren R�cken verkrampfte, da� die Kn�chel wei� hervortraten.</p><p>�Was veranla�t Euch, zu glauben, da� wir sie t�ten w�rden, Perrin Aybara?� fragte Janina neugierig. Aiel konnte man selten Gef�hle vom Gesicht ablesen, aber die anderen sahen ihn stirnrunzelnd oder offen ungl�ubig an.</p><p>�Ich wei�, wie Ihr empfindet�, erwiderte er z�gernd. �Ich wei� es bereits seit den Brunnen von Dumai, als ich sah, wie ihr mit den gefangenen Schwestern umsprangt.� Er w�rde ihnen nicht verraten, da� er ihren Ha� und ihre Verachtung jedesmal riechen konnte, wenn eine Weise Frau eine Aes Sedai ansah. Er roch es jetzt nicht, aber niemand konnte solch gro�en Zorn lange empfinden, ohne zu zerspringen. Das bedeutete nicht, da� dieser Zorn vergangen war, nur da� er sich sehr tief eingepr�gt hatte.</p><p>Delora schnaubte, ein Ger�usch wie rei�endes Leinen. �Zuerst sagt Ihr, sie m��ten verh�tschelt werden, weil Ihr sie braucht, und jetzt sagt Ihr, es w�re n�tig, weil sie Aes Sedai sind und Ihr versprochen habt, sie zu besch�tzen. Was ist die Wahrheit, Perrin Aybara?�</p><p>�Beides.� Perrin erwiderte Deloras strengen Blick lange Zeit und sah dann nacheinander auch die anderen an. �Beides ist wahr, und ich meine beides ernst.�</p><p>Die Weisen Frauen wechselten Blicke, bei denen jedes Flackern des Lids hundert Worte bedeutete und kein Mann auch nur eines verstehen konnte. Schlie�lich schienen sie sich, ihre Halsketten und Stolen zurecht zupfend, einig zu werden.</p><p>�Wir t�ten keine Lehrlinge, Perrin Aybara�, sagte Nevarin. Sie klang bei dem Gedanken entsetzt. �Als Rand al'Thor uns bat, sie auszubilden, dachte er vielleicht, wir t�ten es nur zu dem Zweck, da� sie uns gehorchen sollten, aber wir machen keine leeren Versprechungen. Sie <emphasis>sind jetzt</emphasis> Lehrlinge.�</p><p>�Und das werden sie bleiben, bis f�nf Weise Frauen �bereinkommen, da� sie bereit sind, mehr zu werden�, f�gte Marline hinzu, w�hrend sie ihr langes Haar �ber eine Schulter schwang. �Und sie werden nicht anders behandelt als alle anderen.�</p><p>Edarra nickte �ber ihrem Weinbecher. �Sagt ihm, was Ihr ihm hinsichtlich Masema Dagar raten wolltet, Seonid Traighan�, befahl sie.</p><p>Die kniende Frau hatte sich w�hrend Nevarins und Marlines kurzen Ansprachen sichtlich gewunden und ihre R�cke so fest umfa�t, da� Perrin dachte, die Seide w�rde rei�en, aber sie verschwendete keine Zeit, Edarras Anweisungen zu entsprechen. �Die Weisen Frauen haben recht, welche Gr�nde sie auch immer haben. Und ich sage das nicht, weil sie es wollen.� Sie richtete sich erneut auf und bem�hte sich angestrengt, ihre Z�ge zu gl�tten. Ihre Stimme klang jedoch noch immer leicht zornig. �Ich sah das Werk sogenannter Drachenverschworener, bevor ich Rand al'Thor begegnete. Tod und Zerst�rung, ohne jeglichen Nutzen. Selbst ein treuer Hund mu� zurechtgewiesen werden, wenn ihm Schaum vor der Schnauze steht.�</p><p>�Blut und Asche!� grollte Perrin. �Wie kann ich Euch nach diesen Worten auch nur noch in Sichtweite des Mannes gelangen lassen? Ihr habt Rand Treue geschworen. Ihr wi�t, da� es nicht das ist, was er will! Was ist mit dem �Tausende werden sterben, wenn Ihr versagt�?� Licht, wenn Masuri genauso empfand, dann mu�te er es vergebens mit Aes Sedai und Weisen Frauen aufnehmen! Nein, schlimmer noch. Er w�rde Masema vor ihnen besch�tzen m�ssen!</p><p>�Masuri betrachtet Masema ebenso als Fanatiker wie ich�, erwiderte Seonid. Sie hatte ihre Gelassenheit nun vollkommen zur�ckgewonnen. Sie musterte ihn mit k�hlem, unlesbarem Gesicht und roch �u�erst wachsam. Aufmerksam. Als brauchte er seine Nase, obwohl ihr Blick doch seinen festhielt, gro�e, dunkle, unergr�ndliche Augen. �Ich habe geschworen, dem Wiedergeborenen Drachen zu dienen, und ich kann ihm jetzt am besten dienen, indem ich dieses Tier von ihm fernhalte. Es ist schon schlimm genug, da� einige Herrscher wissen, da� Masema ihn unterst�tzt. Aber noch schlimmer w�re, wenn sie ihn den Mann umarmen sehen w�rden. Und es <emphasis>werden</emphasis> Tausende sterben, wenn Ihr versagt � darin versagt, Masema nahe genug zu kommen, um ihn zu t�ten.�</p><p>Perrin hatte das Gef�hl, als drehe sich ihm der Kopf. Wieder ging eine Aes Sedai geschickt mit Worten um und erweckte den Anschein, schwarz zu sagen, wenn sie wei� meinte. Andererseits trugen die Weisen Frauen noch das ihre dazu bei.</p><p>�Masuri Sokawa�, sagte Nevarin ruhig, �glaubt, der w�tende Hund k�nnte gefangen und an die Leine gelegt werden, so da� man ihn sicher f�hren k�nnte.� Seonid wirkte einen Moment ebenso �berrascht, wie Perrin sich f�hlte, aber sie fing sich schnell wieder. Zumindest �u�erlich. Sie roch vorsichtig, als sp�re sie eine Falle, wo sie keine erwartet hatte.</p><p>�Au�erdem m�chte sie Euch an ein Halfter gew�hnen, Perrin Aybara�, f�gte Carelle noch beil�ufiger hinzu. �Sie glaubt, Ihr m��tet auch gebunden werden, damit Ihr keine Gefahr darstellt.� Nichts in ihrem sommersprossigen Gesicht zeigte, ob sie dem zustimmte.</p><p>Edarra hob eine Hand zu Seonid. �Ihr d�rft jetzt gehen. Ihr werdet nicht mehr lauschen, statt dessen k�nnt Ihr Gharadin erneut fragen, ob Ihr die Wunde an seiner Wange heilen d�rft. Denkt daran � wenn er sich noch immer weigert, m��t Ihr es akzeptieren. Er ist ein <emphasis>Gai'schain,</emphasis> nicht einer Eurer Feuchtl�nderdiener.� Sie sprach das letzte Wort mit tiefster Verachtung aus.</p><p>Seonid betrachtete Perrin mit eisigem, durchbohrendem Blick. Dann sah sie zu den Weisen Frauen hin�ber, und ihre Lippen zitterten, als wollte sie etwas sagen. Letztendlich konnte sie sich jedoch nur so w�rdevoll wie m�glich zur�ckziehen. �u�erlich war sie, was beachtenswert war, eine Aes Sedai, die eine K�nigin besch�men k�nnte. Aber ihr wehte der Geruch �u�erster Entt�uschung nach.</p><p>Sobald sie fort war, wandten sich die sechs Weisen Frauen erneut Perrin zu.</p><p>�Nun�, sagte Edarra, �jetzt k�nnt Ihr uns erkl�ren, warum Ihr dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ein w�tendes Tier zur Seite stellen w�rdet.�</p><p>�Nur ein Narr gehorcht dem Befehl eines anderen, ihn �ber eine Klippe zu sto�en�, sagte Nevarin.</p><p>�Ihr wollt uns nicht zuh�ren�, sagte Janina, �also werden wir Euch zuh�ren. Sprecht, Perrin Aybara.�</p><p>Perrin erwog, aus dem Zelt zu fl�chten. Aber wenn er das t�te, lie�e er eine Aes Sedai zur�ck, die ihm vielleicht noch eine zweifelhafte Hilfe w�re, und eine weitere, die, wie auch die sechs Weisen Frauen, darauf erpicht war, alles zu zerst�ren, was er erreicht hatte. Er stellte seinen Weinbecher ab und legte die H�nde auf die Knie. Er brauchte einen klaren Kopf, wenn er diesen Frauen zeigen wollte, da� er keine angepflockte Ziege war.</p></section><section><title><p>10</p><p>Ver�nderungen</p></title><p>Als Perrin das Zelt der Weisen Frauen verlie�, erwog er, seine Jacke auszuziehen, um nachzusehen, ob seine Haut noch heil war. Er war vielleicht keine zahme Ziege, eher jedoch ein Hirsch mit sechs Wolfsweibchen auf den Fersen, und er war sich nicht sicher, was ihm Schnelligkeit eingebracht hatte. Gewi� hatte keine der Weisen Frauen ihre Meinung ge�ndert, und ihre Versprechungen, nichts auf eigene Faust zu unternehmen, waren bestenfalls unbestimmt gewesen. Bez�glich der Aes Sedai hatte es gar keine Zusagen gegeben, nicht einmal andeutungsweise.</p><p>Er hielt nach einer der Schwestern Ausschau und entdeckte Masuri. Ein d�nnes Seil war zwischen zwei B�umen gespannt und ein mit roten und gr�nen Fransen versehener Teppich dar�ber gebreitet worden. Die schlanke Braune klopfte ihn mit einem gebogenen Holzklopfer aus, lie� Staubwolken aufsteigen, die in der sp�ten Morgensonne glitzerten. Ihr Beh�ter, ein gedrungener Mann mit dunklem, zur�ckweichendem Haar, sa� in der N�he auf einem umgest�rzten Baumstamm und beobachtete sie verdrie�lich. Rovair Kirklin war normalerweise sehr freundlich, aber heute war sein L�cheln tief verborgen. Masuri erblickte Perrin und warf ihm, fast ohne in ihrer Arbeit innezuhalten, einen derma�en frostigen und feindseligen Blick zu, da� er seufzte. Dabei war sie diejenige, die wie er dachte. Jedenfalls ann�hernd wie er. Ein Falke mit roten Schwanzfedern schwebte �ber sie hinweg, lie� sich von aufsteigenden Str�men hei�er Luft von H�gel zu H�gel tragen, ohne mit den ausgebreiteten Schwingen zu schlagen. Es w�re wundervoll, vor allem davonfliegen zu k�nnen. Vor den Beschwernissen vor ihm, nicht vor den Tr�umen.</p><p>Er nickte Sulin und den T�chtern des Speers zu, die unter dem Lederblattbaum anscheinend Wurzeln geschlagen hatten, und blieb stehen. Zwei M�nner erklommen den H�gel, einer ein Aiel in dem Grau und Braun und Gr�n des <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> den in seiner H�lle steckenden Bogen auf dem R�cken und einen prall gef�llten K�cher am G�rtel, sowie seine Speere und einen runden Leder schild in H�nden. Gaul war ein Freund und der einzige Mann unter den Aiel, der kein Wei� trug. Sein Begleiter, mit einem breitkrempigen Hut und Jacke und Hose in schlichtem mattem Gr�n und einen Kopf kleiner, war kein Aiel. Er trug ebenfalls einen gef�llten K�cher am G�rtel sowie einen noch l�ngeren und schwereren Dolch als der Aiel, aber er hielt seinen Bogen in der Hand, der weitaus k�rzer war als der Langbogen der Leute aus den Zwei Fl�ssen, wenn auch l�nger als die Hornbogen der Aiel. Trotz seiner Kleidung wirkte er nicht wie ein Bauer, aber auch nicht wie ein St�dter.</p><p>Vielleicht lag es an dem im Nacken zusammengebundenen und bis auf die Taille reichenden, bereits ergrauenden Haar und dem sich �ber seiner Brust ausbreitenden Bart, vielleicht auch an der Art, wie er sich bewegte. �hnlich wie der Mann neben ihm glitt er um das Gestr�pp auf dem H�gel herum, ohne da� bei seinem Vor�bergehen ein Zweig knackte oder ein Stengel brach. Perrin hatte ihn eine, wie ihm schien, sehr lange Zeit nicht mehr gesehen.</p><p>Als sie den H�gelkamm erreichten, betrachtete Elyas Machera Perrin, wobei seine goldenen Augen im Schatten seiner Hutkrempe schwach schimmerten. So hatten seine Augen schon Jahre vor Perrins ausgesehen. Elyas hatte Perrin den W�lfen vorgestellt. Damals war er in Felle gekleidet gewesen. �Ich freue mich, dich wiederzusehen, Junge�, sagte er ruhig. Schwei� gl�nzte auf seinem Gesicht, aber kaum mehr als auf Gauls. �Hast du die Streitaxt letztendlich weggegeben? Ich h�tte nicht geglaubt, da� du jemals aufh�ren w�rdest, sie zu hassen.�</p><p>�Ich hasse sie noch immer�, erwiderte Perrin ebenso ruhig. Der ehemalige Beh�ter hatte ihm geraten, er solle die Streitaxt behalten, bis er es nicht mehr ha�te, sie zu benutzen. Licht, er ha�te es noch immer! Inzwischen hatte er noch neue Gr�nde f�r diesen Ha� gefunden. �Was f�hrt Euch in diesen Teil der Welt, Elyas? Wo hat Gaul Euch gefunden?�</p><p>�Er hat <emphasis>mich</emphasis> gefunden�, sagte Gaul. �Ich erkannte erst, da� er hinter mir war, als er hustete.� Er sprach laut genug, da� die T�chter des Speers ihn h�ren konnten, und die pl�tzliche Stille unter ihnen war fast greifbar.</p><p>Perrin erwartete zumindest einige schneidende Bemerkungen � der Aielhumor konnte einem fast das Blut in den Adern gefrieren lassen, und die T�chter des Speers ergriffen jede Gelegenheit, den gr�n�ugigen Mann anzugreifen �, aber statt dessen nahmen die Frauen ihre Speere und Schilde auf, um damit ger�uschvoll ihre Zustimmung auszudr�cken. Gaul nickte anerkennend.</p><p>Elyas brummte verlegen und zog seinen Hut tiefer herab, aber er roch zumindest erfreut. Die Aiel billigten auf dieser Seite der Drachenmauer nicht viel. �Ich ziehe gern umher�, sagte er zu Perrin, �und ich war gerade zuf�llig in Ghealdan, als mir einige gemeinsame Freunde erz�hlten, da� du mit diesem Zug reist.� Er benannte die gemeinsamen Freunde nicht. Es war nicht ratsam, offen dar�ber zu sprechen, sich mit W�lfen unterhalten zu haben. �Sie haben mir vieles gesagt. Sie erz�hlten mir, sie h�tten eine bevorstehende Ver�nderung gerochen. Sie wu�ten nicht, was es ist, aber vielleicht wei�t du es. Ich h�rte, da� du mit dem Wiedergeborenen Drachen zusammen warst.�</p><p>�Ich wei� auch nicht, was es sein k�nnte�, erwiderte Perrin nachdenklich. Eine Ver�nderung? Er hatte die W�lfe lediglich gefragt, wo sich gro�e Gruppen Menschen aufhielten, damit er sie umgehen konnte. Selbst hier in Ghealdan f�hlte er sich unter ihnen manchmal f�r die bei den Brunnen von Dumai umgekommenen W�lfe verantwortlich. Welche Art Ver�nderung? �Rand ver�ndert gewi� einiges, aber ich wei� nicht, was sie meinen. Licht, die ganze Welt steht auf dem Kopf, auch ohne ihn.�</p><p>�Alle Dinge �ndern sich�, sagte Gaul. �Bis wir erwachen, schwebt der Traum auf dem Wind.� Er betrachtete Perrin und Elyas einen Moment lang und verglich ihre Augen, wie Perrin vermutete. Er schwieg jedoch. Die Aiel nahmen goldene Augen anscheinend nur als weitere Eigent�mlichkeit unter Feuchtl�ndern hin, �Ich werde euch beide allein lassen. Freunde, die lange getrennt waren, m�ssen ungest�rt miteinander reden k�nnen. Sulin, sind Chiad und Bain in der N�he? Ich sah sie gestern auf der Jagd und dachte, ich k�nnte ihnen zeigen, wie man einen Bogen spannt, bevor eine von ihnen sich selbst erschie�t.�</p><p>�Ich war �berrascht, Euch heute zur�ckkommen zu sehen�, erwiderte die wei�haarige Frau. �Sie sind unterwegs, um Kaninchenfallen aufzustellen.� Die T�chter des Speers lachten und verst�ndigten sich rasch in der Zeichensprache.</p><p>Gaul rollte seufzend die Augen. �In diesem Fall mu� ich sie wahrscheinlich befreien.� Fast ebenso viele T�chter des Speers lachten auch dar�ber, einschlie�lich Sulin. �M�gest du heute Schatten finden�, sagte er an Perrin gewandt, ein zwangloser Abschied unter Freunden, aber Elyas fa�te er um die Unterarme und sagte: �Meine Ehre ist die Eure, Elyas Machera.�</p><p>�Ein seltsamer Bursche�, murmelte Elyas, w�hrend er beobachtete, wie Gaul den H�gel mit leichten Schritten wieder hinabstieg. �Als ich hustete, wandte er sich um, vermutlich bereit, mich zu t�ten, und dann begann er statt dessen einfach zu lachen. Hast du Einw�nde dagegen, irgendwo anders hinzugehen? Es gef�llt mir nicht in Gesellschaft von Aes Sedai.� Er verengte die Augen. �Gaul sagt, es waren drei bei dir. Du erwartest doch nicht, noch weitere zu treffen?�</p><p>�Ich hoffe nicht�, erwiderte Perrin. Masuri schaute zwischen Schl�gen mit ihrem Klopfer in ihre Richtung. Sie w�rde noch fr�h genug von Elyas Augen erfahren und nachforschen, was ihn noch mit Perrin verband. �Kommt mit mir. Ich sollte schon l�ngst wieder in meinem Lager sein. Macht Ihr Euch Sorgen dar�ber, einer Aes Sedai zu begegnen, die Euch kennt?� Elyas' Zeit als Beh�ter hatte geendet, als bekannt wurde, da� er mit W�lfen sprechen konnte. Einige Schwestern hielten dies f�r ein Mal des Dunklen K�nigs, und er hatte andere Beh�ter t�ten m�ssen, um zu entkommen.</p><p>Der �ltere Mann wartete, bis sie auf ein Dutzend Schritte an die Zelte herangelangt waren, bevor er antwortete, und selbst dann sprach er so leise, als argw�hne er, da� jemand hinter ihnen ebenso gute Ohren h�tte wie sie. �Nur eine, die meinen Namen kennt, ist schon schlimm genug. Beh�ter laufen nicht allzuoft davon, Junge. Die meisten Aes Sedai lassen einen Mann gehen, der wirklich gehen will � die meisten �, aber sie k�nnen dich aufsp�ren, wie weit du auch l�ufst, wenn sie beschlie�en, dich zu jagen. Und jede Schwester, die einen Abtr�nnigen findet, wird jede freie Stunde darauf verwenden, ihn w�nschen zu lassen, er w�re niemals geboren.� Er erschauderte leicht. Er roch nicht nach Angst, aber nach der Erwartung von Schmerz. �Dann wird sie ihn seiner Aes Sedai �bergeben, um die Lektion zu vollenden. Anschlie�end ist ein Mann niemals wieder ganz derselbe.� Am Rande des Hanges schaute er zur�ck. Masuri schien den Teppich t�ten zu wollen, legte ihre ganze Wut in den Versuch, ein Loch hineinzuschlagen. Elyas erschauderte jedoch erneut. �Das Schlimmste, was passieren k�nnte, w�re, unverhofft Rina zu begegnen. Ich w�re lieber mit zwei gebrochenen Beinen in einem Waldbrand gefangen.�</p><p>�Rina ist Eure Aes Sedai? Aber wie k�nntet Ihr Rina unverhofft begegnen? Der Bund vermittelt Euch, wo sie sich aufh�lt.� Das r�hrte an etwas in Perrins Erinnerung, aber was auch immer es war, bei Elyas' Erwiderung schmolz es dahin.</p><p>�Viele k�nnen den Bund gewisserma�en verf�lschen. Vielleicht k�nnen sie es alle. Man wei� nicht viel mehr, als da� sie noch lebt, und das wei� ich ohnehin, weil ich nicht wahnsinnig geworden bin.� Elyas sah den fragenden Ausdruck auf Perrins Gesicht und lachte laut auf. �Licht, Mann, eine Schwester besteht auch aus Fleisch und Blut. Die meisten jedenfalls. Denk dar�ber nach. W�rdest du jemanden in deinem Kopf haben wollen, w�hrend du ein vielversprechendes M�dchen herzt? Tut mir leid, ich verga�, da� du jetzt verheiratet bist. Es sollte keine Beleidigung sein. Ich war jedoch �berrascht zu h�ren, da� du eine Saldaeanerin geheiratet hast.�</p><p>��berrascht?� Perrin hatte den Bund der Beh�ter niemals so betrachtet. Licht! Was das betraf, hatte er Aes Sedai niemals so betrachtet. Elyas' Andeutung schien ungef�hr so vorstellbar wie ... wie ein Mensch, der mit W�lfen spricht. �Warum �berrascht?� Sie stiegen ohne Eile und fast ger�uschlos durch den Wald auf dieser Seite des H�gels hinab. Perrin war stets ein guter J�ger gewesen, der an die W�lder gew�hnt war, und auch Elyas r�hrte kaum die Bl�tter unter seinen F��en auf, sondern glitt geschmeidig durch das Unterholz, ohne einen Zweig zu bewegen. Er h�tte sich seinen Bogen wieder �ber den R�cken schlingen k�nnen, aber er trug ihn noch immer schu�bereit in der Hand. Elyas war vorsichtig, besonders in der N�he von Menschen.</p><p>�Nun, weil du sehr ruhig bist. Ich dachte, du w�rdest eine Frau heiraten, die deinem Naturell entspricht. Nun, du wei�t inzwischen, da� Saldaeaner nicht ruhig sind. Au�er gegen�ber Fremden und Au�enseitern. Im Nu entflammt, ist die Glut im n�chsten Moment erloschen und vergessen. Sie lassen Arafeller schwerf�llig und Domani regelrecht stumpfsinnig wirken.� Elyas grinste pl�tzlich. �Ich habe einmal ein Jahr lang mit einer Saldaeanerin zusammengelebt. Merya hat mich f�nf Tage in der Woche angeschrien und mir auch Teller an den Kopf geworfen. Jedesmal, wenn ich ans Gehen dachte, wollte sie es jedoch wieder gutmachen, und ich kam anscheinend niemals bis zur T�r. Letztendlich hat sie mich verlassen. Sie sagte, ich w�re f�r ihren Geschmack zu zur�ckhaltend.� Er lachte in der Erinnerung rauh, rieb aber �ber eine noch schwach sichtbare, von damals stammende Narbe an seinem Kinn. Ein Dolch hatte sie wohl verursacht.</p><p>�Faile ist anders.� Es klang, als w�re man mit Nynaeve verheiratet! Nynaeve mit Zahnschmerzen! �Das soll nicht hei�en, da� sie nicht hin und wieder zornig wird�, f�gte er widerwillig hinzu, �aber sie schreit nicht und wirft auch nicht mit Tellern.� Nun, sie schrie nicht sehr oft, und anstatt nur heftig aufzuflammen und dann gleich wieder zu vergehen, begann ihr Zorn heftig und hielt an, bis er abk�hlte. Elyas sah ihn von der Seite an. �Wenn ich jemals einen Mann gerochen habe, der versucht, Hagel zu entgehen... Du gehst stets sanft mit ihr um, nicht wahr? Du bist vollkommen nachsichtig und wirst niemals zornig? Wirst ihr gegen�ber niemals laut?�</p><p>�Nat�rlich nicht!� brauste Perrin auf. �Ich liebe sie! Warum sollte ich sie anschreien?�</p><p>Elyas murrte leise vor sich hin, obwohl Perrin nat�rlich jedes Wort verstehen konnte. �Verdammt, wenn ein Mann auf einer roten Natter sitzen will, ist das seine Sache. Es ist auch nicht meine Angelegenheit, wenn sich ein Mann die H�nde an einem Feuer im Dach w�rmen will. Es ist sein Leben. W�rde er es mir danken? Nein, das w�rde er, verdammt noch mal, nicht!�</p><p>�Was wollt Ihr damit sagen?� Perrin ergriff Elyas' Arm und zwang ihn, unter einem Ilexbaum stehenzubleiben, dessen stachelige Bl�tter �berwiegend gr�n waren. Bis auf einige ums �berleben k�mpfende Kriechgew�chse wuchs kaum etwas in der N�he. Sie waren den H�gel noch nicht zur H�lfte hinunter gelangt. �Faile ist keine rote Natter <emphasis>und</emphasis> kein Feuer im Dach! Wartet, bis Ihr sie kennenlernt, bevor Ihr redet, als w�rdet Ihr sie bereits kennen.�</p><p>Elyas fuhr sich ver�rgert mit den Fingern durch seinen langen Bart. �Ich kenne Saldaeaner, Junge. Ich bin nicht nur in jenem Jahr dort gewesen. Ich habe in meinem Leben h�chstens f�nf saldaeanische Frauen getroffen, die ich als sanftm�tig oder auch nur als beherrscht bezeichnen w�rde. Nein, sie ist keine Natter; ich wette, sie ist ein Leopard. Knurre nicht, verdammt! Ich verwette meine Stiefel, da� sie l�cheln w�rde, wenn sie mich das sagen h�rte!�</p><p>Perrin �ffnete ver�rgert den Mund und schlo� ihn dann wieder. Er hatte nicht erkannt, da� er tats�chlich tief in der Kehle geknurrt hatte. Faile <emphasis>w�rde</emphasis> l�cheln, wenn sie als Leopard bezeichnet w�rde. �Ihr wollt doch nicht etwa behaupten, da� sie will, da� ich sie anschreie, Elyas.�</p><p>�Doch, genau das will ich damit sagen. H�chstwahrscheinlich jedenfalls. Vielleicht ist sie die sechste. Vielleicht. H�r mich einfach zu Ende an. Die meisten Frauen werden dich, wenn du die Stimme erhebst, verwundert ansehen oder zu Eis erstarren, und als n�chstes streitest du dar�ber, da� du ver�rgert bist, ungeachtet des urspr�nglichen Grundes f�r deinen Zorn. H�te bei einer Saldaeanerin jedoch deine Zunge und sage ihr gegen�ber, sie sei nicht stark genug, es mit dir aufzunehmen. Beleidige sie auf diese Art, und du hast Gl�ck, wenn sie dich nicht dir selbst zum Fr�hst�ck vorsetzt. Sie ist kein M�dchen aus Far Madding, das von einem Mann erwartet, da� er den von ihr zugewiesenen Platz einnimmt und springt, wenn sie mit den Fingern schnippt. Sie ist ein Leopard, und sie erwartet von ihrem Ehemann, da� er auch ein Leopard ist. Licht! Ich wei� nicht, was ich tue! Einem Mann bez�glich seiner Frau Ratschl�ge zu erteilen ist eine gute M�glichkeit, den Kopf abgerissen zu bekommen.�</p><p>Jetzt knurrte Elyas. Er r�ckte unn�tigerweise seinen Hut zurecht und sah sich stirnrunzelnd auf dem H�gel um, als �berlege er, ob er wieder in den W�ldern verschwinden sollte, aber dann stie� er Perrin mit einem Finger an. �Schau, ich wu�te schon immer, da� du mehr als nur ein Herumirrender warst, und nachdem ich das, was mir die W�lfe erz�hlten, mit der Tatsache in Zusammenhang brachte, da� du gerade zuf�llig zu diesem Propheten eilst, dachte ich, du k�nntest vielleicht einen Freund gebrauchen, der dir den R�cken deckt. Die W�lfe haben nat�rlich nicht erw�hnt, da� du diese schmucken mayenischen Speertr�ger <emphasis>anf�hrst.</emphasis> Gaul auch nicht, bis wir sie sahen. Wenn du m�chtest, da� ich bleibe, dann bleibe ich. Wenn nicht, so habe ich vieles von der Welt noch nicht gesehen.�</p><p>�Ich kann jederzeit einen Freund gebrauchen, Elyas.� <emphasis>Konnte</emphasis> Faile wirklich <emphasis>wollen,</emphasis> da� er sie anschrie? Er hatte immer gewu�t, da� er jemanden verletzen k�nnte, wenn er nicht vorsichtig war, und er hatte stets versucht, sein Temperament zu z�geln. Worte konnten ebensosehr verletzten wie F�uste, jene falschen Worte, die man niemals so meinte, wie sie im Zorn gesagt wurden. Es schien ihm unm�glich. Es war einfach nicht einleuchtend. Keine Frau w�rde das von ihrem Ehemann oder irgendeinem anderen Mann hinnehmen.</p><p>Der Ruf eines Blaufinks lie� Perrin zusammenzucken und versetzte seinen Ohren einen Stich. Es war selbst f�r ihn kaum h�rbar, aber kurz darauf wurde das Trillern n�her wiederholt und dann noch n�her. Elyas sah ihn mit gew�lbten Augenbrauen an. Perrin erkannte den Ruf eines Grenzlandvogels. Er hatte es von einigen Shienarern, unter ihnen Masema, gelernt und es an die Leute aus den Zwei Fl�ssen weitergegeben.</p><p>�Wir bekommen Besuch�, bemerkte er zu Elyas.</p><p>Sie kamen rasch heran, vier Reiter in schnellem Galopp, die eintrafen, noch bevor er und Elyas den Fu� des H�gels erreicht hatten. Berelain ritt voran, durchquerte spritzend den Flu�, w�hrend Annoura und Gallenne sowie eine Frau mit einem hellen, mit einer Kapuze versehenen Staubmantel dicht hinter ihr ritten. Sie eilten unmittelbar am Lager der Mayener vorbei, ohne einen Blick darauf zu werfen, und z�gelten ihre Pferde erst, als sie sich unmittelbar vor dem rotwei� gestreiften Zelt befanden. Einige der cairhienischen Diener eilten herbei, um Z�gel zu �bernehmen und Steigb�gel zu halten, und Berelain und ihre Begleiterinnen hatten das Zelt bereits betreten, bevor sich der durch ihre Ankunft aufgewirbelte Staub gelegt hatte.</p><p>Alles in allem verursachte ihre Ankunft erhebliche Unruhe. Raunen erhob sich unter den M�nnern aus den Zwei Fl�ssen, das Perrin nur als erwartungsvoll bezeichnen konnte. Die unvermeidlichen jungen Narren Failes kratzten sich den Kopf und schauten zu dem Zelt, w�hrend sie aufgeregt miteinander redeten. Grady und Neald beobachteten das Zelt durch die B�ume hindurch ebenfalls und steckten hin und wieder die K�pfe zusammen, um miteinander zu sprechen, obwohl niemand ihnen nahe genug war, um sie belauschen zu k�nnen.</p><p>�Sieht so aus, als w�ren deine Besucher nicht zuf�llig hier�, sagte Elyas leise. �Achte auf Gallenne. Er k�nnte �rger bedeuten.�</p><p>�Ihr kennt ihn, Elyas? Ich m�chte gern, da� Ihr bleibt, aber wenn Ihr glaubt, er k�nnte einer der Schwestern verraten, wer Ihr seid...� Perrin zuckte resigniert die Achseln. �Ich k�nnte Seonid und Masuri vielleicht aufhalten� � er glaubte es zumindest �, �aber Annoura wird wohl tun, was immer sie will.� Und was dachte <emphasis>sie</emphasis> wirklich �ber Masema?</p><p>�Oh, Bertain Gallenne kennt Menschen wie Elyas Machera nicht�, erwiderte Elyas mit verzerrtem L�cheln. �Aber ich kenne ihn. Er wird sich nicht gegen dich stellen oder hinter deinem R�cken handeln, vielmehr ist Berelain der kluge Kopf unter ihnen. Sie hat Tear aus Mayene herausgehalten, indem sie die Tairener gegen die Illianer ausgespielt hat, seit sie sechzehn war. Berelain wei�, wie man geschickt verf�hrt. Gallenne kennt nur den Angriff, Er ist gut darin, aber er sieht niemals etwas anderes und h�lt manchmal nicht inne, um nachzudenken.�</p><p>�Soviel hatte ich �ber die beiden auch schon herausgefunden�, murrte Perrin. Zumindest hatte Berelain einen Boten von Alliandre mitgebracht. Mit einer neuen Dienerin h�tte sie es nicht so eilig gehabt. Daher stellte sich die Frage, warum f�r Alliandres Antwort ein Bote n�tig war. �Ich sollte zun�chst ergr�nden, ob Berelain gute Nachrichten mitgebracht hat, Elyas. Wir werden uns sp�ter dar�ber unterhalten, was uns im S�den erwartet. Und Ihr k�nnt Faile treffen�, f�gte er noch hinzu, bevor er sich abwandte.</p><p>�Der Krater des Verderbens erwartet uns im S�den�, rief ihm der andere Mann nach, �oder zumindest dergestalt, wie ich ihn unterhalb der Gro�en F�ule zu sehen erwartet habe.� Perrin bildete sich ein, das schwache Donnern im Westen erneut geh�rt zu haben. Nun, das w�re eine erfreuliche Abwechslung.</p><p>Im Zelt trug Breane ein Silbertablett mit einer Schale Rosenwasser und T�chern f�r Gesicht und H�nde herum und vollf�hrte starre Hofknickse, w�hrend sie es darbot. Maighdin reichte mit noch starreren Hofknicksen ein Tablett mit Bechern voller gew�rztem Wein herum � dem Geruch nach aus den letzten getrockneten Blaubeeren gemacht �, w�hrend Lini den Staubmantel des Neuank�mmlings zusammenfaltete. Etwas schien seltsam an der Art, wie Faile und Berelain neben der gerade eingetroffenen Frau standen, und Annoura blieb hinter ihnen, ganz auf sie konzentriert. Ungef�hr in mittlerem Alter, mit einer gr�nen Netzhaube, die das fast bis auf ihre Taille herabreichende dunkle Haar zusammenhielt, h�tte man sie vielleicht h�bsch nennen k�nnen, wenn ihre Nase nicht so lang gewesen w�re. Und wenn sie sie nicht so hoch gereckt h�tte. Kleiner als Faile oder Berelain, gelang es ihr dennoch, an dieser Nase entlang auf Perrin hinabzublicken und ihn von Kopf bis Fu� k�hl zu betrachten. Sie blinzelte nicht, als sie seine Augen bemerkte, obwohl fast jedermann sonst es tat.</p><p>�Majest�t�, sagte Berelain mit f�rmlicher Stimme, sobald Perrin eintrat, �darf ich Euch Lord Perrin Aybara aus den Zwei Fl�ssen in Andor vorstellen, der pers�nliche Freund und Abgesandte des Wiedergeborenen Drachen.� Die Frau mit der langen Nase nickte vorsichtig, k�hl, und Berelain fuhr fast augenblicklich fort. �Lord Aybara, begr��t Alliandre Maritha Kigarin, K�nigin von Ghealdan, vom Licht gesegnet, Verteidigerin des Garens Walls, die erfreut ist, Euch pers�nlich zu empfangen, und hei�t sie willkommen.� Gallenne, der nahe der Zeltwand stand, richtete seine Augenklappe und hob Perrin mit triumphierendem L�cheln seinen Weinbecher entgegen.</p><p>Aus einem unbestimmten Grund warf Faile Berelain einen strengen Blick zu. Perrin w�re fast das Kinn herabgesackt. Alliandre selbst? Er fragte sich, ob er sich hinknien sollte, entschied sich aber dann nach zu langem Z�gern f�r eine Verbeugung. Er hatte keine Ahnung, wie man sich einer K�nigin gegen�ber verhielt. Besonders einer K�nigin gegen�ber, die aus heiterem Himmel und ohne Begleitung und Prunk auftauchte. Sie trug ein dunkelgr�nes Reitgewand aus einfachem Tuch ohne jegliche Stickerei.</p><p>�Die letzten Berichte�, begann Alliandre, �veranla�ten mich zu der Entscheidung, zu Euch zu kommen, Lord Aybara.� Ihre Stimme klang ruhig, ihr Gesicht war unbewegt, ihr Blick zur�ckhaltend. Und wachsam � oder Perrin w�re ein tairenischer F�hrmann. Er sollte besser auf der Hut sein, bis er w��te, wohin der Weg f�hrte. �Ihr habt es vielleicht noch nicht geh�rt�, fuhr sie fort, �aber vor vier Tagen fiel Illian dem Wiedergeborenen Drachen zu, dessen Name im Licht gesegnet sei. Er hat die Lorbeerkrone errungen, obwohl ich h�rte, da� sie jetzt die Krone der Schwerter genannt wird.�</p><p>Faile, die gerade einen Becher von Maighdins Tablett nahm, fl�sterte leise. �Und vor sieben Tagen haben die Seanchaner Ebou Dar eingenommen,� Selbst Maighdin konnte es nicht h�ren.</p><p>H�tte Perrin sich nicht bereits zusammengerissen, h�tte er jetzt wahrhaftig mit offenem Mund dagestanden. Warum erz�hlte Faile ihm dies, anstatt zu warten, bis die Frau es aussprach, die es ihr berichtet haben mu�te? Er wiederholte ihre Worte f�r jedermann deutlich h�rbar. Mit harter Stimme, aber das war die einzige M�glichkeit, sie fest klingen zu lassen. Ebou Dar ebenfalls? Licht! Und vor sieben Tagen? An dem Tag, an dem Grady und die �brigen die Eine Macht am Himmel gesehen hatten? Vielleicht ein Zufall. Aber w�re es ihm lieber gewesen, wenn es die Verlorenen gewesen w�ren?</p><p>Annoura blickte stirnrunzelnd �ber ihren Becher hinweg und sch�rzte die Lippen, bevor er noch zu Ende gesprochen hatte, und Berelain sah ihn mit best�rztem Ausdruck an, der aber rasch wieder schwand. Sie wu�ten, da� er nichts von Ebou Dar gewu�t hatte, als sie nach Bethai hinein ritten.</p><p>Alliandre nickte nur, ebenso selbstbeherrscht wie die Graue. �Ihr scheint bemerkenswert gut unterrichtet�, sagte sie und trat n�her zu ihm. �Ich bezweifle, da� erste Ger�chte Jehannah mit den Flu�h�ndlern bereits erreicht haben. Ich selbst habe erst vor wenigen Tagen davon erfahren. Mehrere H�ndler halten mich �ber die Ereignisse auf dem laufenden. Wahrscheinlich hoffen sie�, f�gte sie trocken hinzu, �da� ich beim Propheten des Drachen F�rsprache f�r sie einlege, falls es erforderlich wird.�</p><p>Jetzt konnte er ihren Geruch erkennen, und seine Meinung �ber sie wendete sich zum Guten. �u�erlich war die K�nigin ganz k�hle Zur�ckhaltung, aber von Angst durchzogene Unsicherheit pr�gte ihren Geruch. Er glaubte nicht, da� er eine solch ruhige Miene h�tte beibehalten k�nnen, wenn er so empfunden h�tte.</p><p>�Man sollte stets so viel wissen wie m�glich�, erwiderte er einigerma�en aufgew�hlt. <emphasis>Verdammt, dachte er,</emphasis><emphasis>ich</emphasis> mu� <emphasis>Rand hier�ber berichten!</emphasis></p><p>�Wir in Saldaea beziehen unsere Kenntnisse ebenfalls von H�ndlern�, sagte Faile. Damit deutete sie an, da� Perrin durch sie von Ebou Dar erfahren h�tte. �Sie h�ren von Geschehnissen in tausend Meilen Entfernung anscheinend schon Wochen bevor die Ger�chte beginnen.�</p><p>Sie sah Perrin nicht an, aber er wu�te, da� sie ihn ebenso ansprach wie Alliandre. Rand wu�te Bescheid, wollte sie ihm damit mitteilen. Und es gab <emphasis>ohnehin</emphasis> keine M�glichkeit, ihm heimlich eine Nachricht zukommen zu lassen. Konnte Faile <emphasis>wirklich</emphasis> wollen, da� er...? Nein, das war undenkbar. Er erkannte blinzelnd, da� er etwas verpa�t hatte, was Alliandre gesagt hatte. �Verzeiht, Alliandre�, sagte er h�flich. �Ich dachte gerade �ber Rand nach � den Wiedergeborenen Drachen.� Nat�rlich war es undenkbar!</p><p>Alle sahen ihn an, sogar Lini und Maighdin und Breane. Annouras Augen hatten sich geweitet, und Gallennes Mund stand offen. Dann erkannte Perrin es. Er hatte die K�nigin gerade bei ihrem Namen genannt. Er nahm einen Becher von Maighdins Tablett, und sie richtete sich so rasch aus ihrem Hofknicks auf, da� sie ihm fast den Becher aus der Hand geschlagen h�tte. Er winkte sie wie abwesend fort und wischte sich die feuchte Hand an seiner Jacke ab. Er mu�te sich besser konzentrieren, durfte seine Gedanken nicht in neun verschiedene Richtungen schweifen lassen. Ungeachtet dessen, was Elyas gesagt hatte, w�rde Faile niemals... Nein! Konzentriere dich!</p><p>Alliandre fa�te sich rasch. Tats�chlich schien sie am wenigsten von allen �berrascht gewesen zu sein, und ihr Geruch ver�nderte sich nicht. �Ich sagte, da� es das kl�gste war, heimlich zu Euch zu kommen, Lord Aybara�, wiederholte sie mit dieser k�hlen Stimme. �Lord Telabin glaubt, ich hielte mich allein in seinen G�rten auf, welche ich durch ein selten benutztes Tor verlassen habe. Und ich habe die Stadt als Annoura Sedais Dienerin verlassen.� Sie strich mit den Fingerspitzen �ber den Rock ihres Reitkleids und lachte leise. Selbst dieses Lachen klang bei ihr k�hl, widersprach sehr dem, was ihm seine Nase vermittelte. �Einige meiner eigenen Soldaten haben mich gesehen, aber durch die hochgezogene Kapuze meines Umhangs hat mich niemand erkannt.�</p><p>�So wie die Dinge liegen, war das wahrscheinlich wirklich das kl�gste�, entgegnete Perrin vorsichtig. �Aber Ihr werdet Euch fr�her oder sp�ter doch zeigen m�ssen � auf die eine oder andere Art.� H�flich und doch direkt, das war der richtige Weg. Eine K�nigin w�rde keine Zeit mit einem Mann verschwenden wollen, der Unsinn redete. Au�erdem wollte er Faile nicht entt�uschen. �Warum seid Ihr �berhaupt selbst gekommen? Ihr h�ttet nur einen Brief schicken oder Berelain Eure Antwort mitzuteilen brauchen. Werdet Ihr Euch auf Rands Seite stellen oder nicht? Wie dem auch sei � sorgt Euch nicht um Eure sichere R�ckkehr nach Bethal.� Das war eine gute Bemerkung. Was auch immer sie sonst bef�rchtete, so mu�te sie schon allein die Tatsache �ngstigen, ohne ihr Gefolge hier zu sein.</p><p>Faile beobachtete ihn, obwohl sie es nicht zu tun vorgab; sie trank ihren gew�rzten Wein und l�chelte Alliandre zu, aber er bemerkte ihre raschen Seitenblicke. Berelain gab nichts vor, sondern musterte ihn offen mit leicht verengten Augen und den Blick niemals von seinem Gesicht abwendend. Annoura wirkte �hnlich angespannt und ebenso aufmerksam. Glaubten sie <emphasis>alle,</emphasis> da� er sich wieder versprechen w�rde?</p><p>Anstatt auf seine Fragen einzugehen, sagte Alliandre: �Die Erste hat mir viel �ber Euch erz�hlt, Lord Aybara, und �ber den Wiedergeborenen Drachen, dessen Name vom Licht gesegnet sei.� Letzteres klang mechanisch, ein Zusatz, �ber den sie nicht mehr nachdenken mu�te. �Ich kann ihm nicht gegen�bertreten, bevor ich nicht meine Entscheidung getroffen habe, daher wollte ich Euch sprechen, um die Lage einsch�tzen zu k�nnen. Man kann viel durch jene �ber einen Mann erfahren, die befugt sind, f�r ihn zu sprechen,� Sie neigte den Kopf �ber den Becher in ihren H�nden und sah Perrin durch gesenkte Lider an. Bei Berelain w�re das Sch�kern gewesen, aber nicht bei Alliandre. �Ich habe auch Eure Banner gesehen�, sagte sie gefa�t. �Die Erste hatte sie nicht erw�hnt.�</p><p>Perrin runzelte die Stirn, bevor er es verhindern konnte. Berelain hatte ihr viel �ber ihn erz�hlt? Was hatte sie gesagt? �Die Banner sollen gesehen werden.� Die Ver�rgerung verlieh seiner Stimme eine Rauheit, die er nur m�hsam unterdr�cken konnte. Nun, Berelain war eine Frau, die angeschrien werden <emphasis>mu�te.</emphasis> �Glaubt mir, es gibt keine Pl�ne, Manetheren wiederzuerrichten.� So, jetzt war sein Tonfall ebenso k�hl wie der Alliandres. �Wie entscheidet Ihr Euch? Rand kann im Handumdrehen zehntausend � hunderttausend � Soldaten nach Ghealdan bringen.� Und das w�rde er vielleicht auch tun m�ssen. Die Seanchaner in Amador <emphasis>und</emphasis> in Ebou Dar? Licht, wie viele waren es?</p><p>Alliandre trank von ihrem gew�rzten Wein, bevor sie antwortete, und sie wich der Frage erneut aus. �Es gibt tausend Ger�chte, wie Ihr sicher wi�t, und selbst das wildeste ist glaubhaft, wenn der Drache wiedergeboren ist. Fremde tauchen auf, die behaupten, Artur Falkenfl�gels Heere seien zur�ckgekehrt, und die Burg selbst ist durch Aufruhr gespalten.�</p><p>�Eine Angelegenheit der Aes Sedai�, sagte Annoura barsch. �Das geht niemanden sonst etwas an.� Berelain warf ihr einen ver�rgerten Blick zu, den sie nicht zu bemerken vorzog.</p><p>Alliandre zuckte zusammen und wandte der Schwester die Schulter zu. K�nigin oder nicht �niemand wollte diesen Tonfall von einer Aes Sedai h�ren. �Die Welt verkehrt sich, Lord Aybara. Nun, man hat mir sogar von Aiel berichtet, die ein Dorf hier in Ghealdan pl�nderten.� Perrin erkannte j�h, da� es hier um mehr ging als nur um die Angst, Aes Sedai zu beleidigen. Alliandre beobachtete ihn abwartend. Aber worauf wartete sie? Auf Beruhigung?</p><p>�Die einzigen Aiel in Ghealdan sind bei mir�, belehrte er sie. �Die Seanchaner m�gen vielleicht Abk�mmlinge von Artur Falkenfl�gels Heer sein, aber Falkenfl�gel ist seit eintausend Jahren tot. Rand hat sich ihnen bereits einmal entgegengestellt, und er wird es wieder tun.� Er erinnerte sich an Falme ebenso deutlich wie an die Brunnen von Dumai, obwohl er es zu vergessen versucht hatte. Gewi� reichten die Truppen Seanchaner nicht aus, um Amador <emphasis>und</emphasis> Ebou Dar einzunehmen, selbst mit ihren <emphasis>Damane</emphasis> nicht. Balwer behauptete, es w�ren auch tarabonische Soldaten beteiligt. �Und vielleicht freut es Euch zu h�ren, da� jene aufr�hrerischen Aes Sedai Rand unterst�tzen. Zumindest werden sie es bald tun.� Das hatte Rand jedenfalls gesagt. Einige wenige Aes Sedai, die nirgendwo anders hingehen konnten als zu ihm. Perrin war sich dessen nicht so sicher. Die Ger�chte in Ghealdan dichteten den Schwestern ein Heer an. Nat�rlich berichteten die gleichen Ger�chte bei dieser Hand voll von mehr Aes Sedai, als es auf der ganzen Welt gab, aber dennoch... Licht, er w�nschte, jemand w�rde <emphasis>ihn</emphasis> beruhigen! �Warum setzen wir uns nicht�, sagte er. �Ich werde alle Eure Fragen beantworten, um Euch bei Eurer Entscheidung zu helfen, aber wir k�nnen es uns dabei ebensogut bequem machen.� Er zog einen der Faltst�hle zu sich heran und dachte erst im letzten Moment daran, sich nicht einfach hineinfallen zu lassen, aber er knarrte dennoch unter ihm.</p><p>Lini und die beiden anderen Diener zogen eilig St�hle zu einem Kreis um den seinen heran, aber keine der anderen Frauen trat zu ihnen. Alliandre stand da und sah Perrin an, w�hrend die �brigen sie beobachteten. Bis auf Gallenne, der sich einen weiteren Becher Wein aus dem Silberkrug eingo�.</p><p>Perrin fiel auf, da� Faile, seit die H�ndler erw�hnt wurden, kein Wort mehr gesagt hatte. F�r Berelains Schweigen war er ebenso dankbar wie f�r die Tatsache, da� sie nicht beschlossen hatte, vor der K�nigin mit ihm zu sch�kern, aber er h�tte gerade jetzt ein wenig Unterst�tzung von Faile gebrauchen k�nnen. Einen kleinen Rat. Licht, sie wu�te zehnmal mehr als er dar�ber, was er hier sagen und tun sollte.</p><p>Er fragte sich, ob er wie die anderen stehen sollte, stellte den gew�rzten Wein auf einem der kleinen Tische ab und bat Faile, mit Alliandre zu sprechen. �Wenn jemand der K�nigin den richtigen Weg weisen kann, dann du�, sagte er. Faile l�chelte ihm erfreut zu, hielt aber den Mund.</p><p>Alliandre streckte j�h ihren Becher von sich, als erwarte sie, da� dort ein Tablett st�nde. Es wurde ihr gerade noch rechtzeitig eines gereicht, und Maighdin, die es hielt, murrte etwas. Perrin hoffte, da� Faile es nicht geh�rt hatte. Faile verabscheute es, wenn Diener diese Sprache benutzten. Er wollte sich gerade erheben, als Alliandre sich ihm n�herte, aber zu seinem Entsetzen kniete sie anmutig vor ihm nieder und ergriff seine H�nde. Bevor er erkannte, was sie beabsichtigte, drehte sie ihre H�nde, so da� sie mit den Handr�cken zueinander zwischen seinen Handfl�chen lagen. Sie klammerte sich so fest an ihn, da� ihre H�nde schmerzen mu�ten. Und er war sich keineswegs sicher, sich von ihr l�sen zu k�nnen, ohne ihr weh zu tun.</p><p>�Unter dem Licht�, sagte sie fest, w�hrend sie zu ihm aufblickte. �Ich, Alliandre Maritha Kigarin, gelobe Lord Perrin Aybara von den Zwei Fl�ssen jetzt und f�r alle Zeit Treue und Ergebenheit, es sei denn, er beschlie�t, mich von sich aus freizugeben. Meine L�nder und Throne geh�ren ihm, denn ich lege sie in seine H�nde. Das schw�re ich.�</p><p>Einen Moment herrschte Schweigen, nur unterbrochen durch Gallennes Keuchen und den ged�mpften Laut seines auf dem Teppich aufschlagenden Weinbechers.</p><p>Dann h�rte er Failes Stimme so leise, da� niemand in ihrer N�he ihre Worte h�tte verstehen k�nnen. �Unter dem Licht, ich nehme Euer Gel�bnis an und werde Euch und die Euren im Kampf und in Winterst�rmen und vor allem, was die Zeit an Unheil bringen mag, besch�tzen. Die L�nder und Throne von Ghealdan �bergebe ich Euch als pflichtgetreue Vasallin. Unter dem Licht, ich werde...� Das mu�te die saldaeanische Art der Annahme sein. Dank dem Licht war sie zu besch�ftigt mit ihm, um Berelain ihm heftig zunicken und ihn gleichfalls dr�ngen zu sehen. Sie beide wirkten fast, als h�tten sie dies erwartet! Annoura erschien mit ihrem offenstehenden Mund jedoch ebenso erstaunt wie er � wie ein Fisch, der gerade das Wasser schwinden sah.</p><p>�Warum?� fragte er sanft, Failes entt�uschten Zischlaut und Berelains ver�rgertes Brummen gleicherma�en mi�achtend. <emphasis>Verdammt,</emphasis> dachte er, <emphasis>ich bin ein einfacher Schmied!</emphasis> Niemand schwor einem Schmied die Treue. �Man hat mir gesagt, ich sei ein <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Vielleicht wollt Ihr Euch dies noch einmal �berlegen.�</p><p>�Ich hoffe, da� Ihr ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> seid, mein Lord.� Alliandre lachte wenig belustigt und ergriff seine H�nde noch fester, als f�rchte sie, er k�nnte sie ihr entziehen. �Ich hoffe es von ganzem Herzen. Ich f�rchte, nichts Geringeres wird Ghealdan retten. Ich bin zu dieser Entscheidung gelangt, als die Erste mir sagte, warum Ihr hier seid, und die Begegnung mit Euch hat mich nur in meinem Entschlu� best�rkt. Ghealdan braucht Schutz, den ich ihm nicht geben kann, so da� ich verpflichtet bin, Schutz zu suchen. Ihr k�nnt es besch�tzen, mein Lord, Ihr und der Wiedergeborene Drache, dessen Name im Licht gesegnet sei. Tats�chlich w�rde ich meinen Schwur ihm gegen�ber leisten, wenn er hier w�re, aber Ihr seid sein Stellvertreter. Indem ich den Schwur Euch gegen�ber leiste, leiste ich ihn auch ihm gegen�ber.� Sie atmete tief ein und �berwand sich zu einem weiteren Wort. �Bitte.� Sie roch jetzt verzweifelt, und ihre Augen schimmerten vor Angst.</p><p>Er z�gerte dennoch. Dies war fast mehr, als Rand sich w�nschen konnte, aber Perrin Aybara war nur ein Schmied! Konnte er sich das noch immer sagen, wenn er hierauf einging? Alliandre blickte flehend zu ihm hoch. Wirkte <emphasis>Taveren</emphasis> auch bei ihnen selbst? fragte er sich. �Unter dem Licht, ich, Perrin Aybara, nehme Euer Gel�bnis an...� Seine Kehle war trocken, als er die Worte ausgesprochen hatte, die Faile ihm zugefl�stert hatte. Nun war es zu sp�t, innezuhalten und nachzudenken.</p><p>Alliandre k��te mit erleichtertem Seufzen seine H�nde. Perrin glaubte, noch niemals in seinem Leben so verlegen gewesen zu sein. Er erhob sich rasch und zog Alliandre mit sich hoch. Dann erkannte er, da� er nicht wu�te, was er als n�chstes tun sollte. Die stolz strahlende Faile fl�sterte ihm keine Hinweise mehr zu. Berelain l�chelte mit ger�tetem Gesicht ebenfalls erleichtert.</p><p>Er war sich sicher, da� Annoura die Stimme erheben w�rde � Aes Sedai hatten stets viel zu sagen, besonders wenn es ihnen die Gelegenheit verschaffte, die F�hrung zu �bernehmen �, aber die Graue Schwester streckte nur ihren Weinbecher aus, um sich von Maighdin nachschenken zu lassen. Sie beobachtete ihn mit unlesbarer Miene, und Maighdin tat dies ebenfalls so angespannt, da� sie den Krug noch neigte, als der gew�rzte Wein bereits �ber das Handgelenk der Aes Sedai lief. Annoura zuckte zusammen und starrte den Becher in ihrer Hand an, als h�tte sie vergessen, da� er dort war. Faile legte die Stirn in Falten, Lini runzelte die Stirn noch st�rker, und Maighdin eilte nach einem Tuch, um die Hand der Schwester abzutrocknen, w�hrend sie wieder leise murrte. Faile w�rde einen Anfall bekommen, wenn sie dieses Murren jemals h�rte.</p><p>Perrin wurde sich bewu�t, da� er sich zuviel Zeit nahm. Alliandre leckte sich besorgt die Lippen. Sie erwartete mehr, aber was? �Jetzt, da wir hier zu einem Ende gelangt sind, mu� ich als n�chstes den Propheten finden�, sagte er und zuckte zusammen. Zu unverbl�mt. Er hatte kein Gef�hl f�r den Umgang mit Adligen, geschweige denn mit K�niginnen. �Ihr wollt vermutlich nach Bethai zur�ckkehren, bevor jemand erf�hrt, da� Ihr fort wart.�</p><p>�Zuletzt habe ich geh�rt�, entgegnete Alliandre, �der Prophet des Lord Drachen sei in Abila. Das ist eine ziemlich gro�e Stadt in Amadicia, vielleicht vierzig Meilen s�dlich von hier.�</p><p>Perrin runzelte wider Willen die Stirn, obwohl er seine Z�ge rasch wieder gl�ttete. Also hatte Balwer recht gehabt. Wenn er in einem Punkt recht gehabt hatte, bedeutete das allerdings nicht, da� er in allen Punkten recht hatte, aber es w�re es vielleicht wert, sich anzuh�ren, was der Mann �ber die Wei�m�ntel zu sagen hatte. Und �ber die Seanchaner. Wie viele Taraboner waren beteiligt?</p><p>Faile glitt neben ihn, legte eine Hand auf seinen Arm und l�chelte Alliandre herzlich zu. �Du kannst sie jetzt noch nicht fortschicken, mein Herz. Die K�nigin ist doch gerade erst angekommen. La� uns noch etwas hier im Schatten plaudern, bevor sie den R�ckweg antreten mu�. Ich wei�, da� du dich um wichtige Dinge k�mmern mu�t.�</p><p>Es gelang ihm mit M�he, Faile nicht anzustarren. Was konnte wichtiger sein als die K�nigin von Ghealdan? Mit Sicherheit nichts, was ihm jemand zu tun �berlassen w�rde. Sie wollte eindeutig ohne ihn mit Alliandre sprechen. Mit etwas Gl�ck w�rde sie ihm sp�ter erz�hlen, warum. Mit etwas Gl�ck w�rde sie ihm alles erz�hlen. Elyas glaubte die Saldeaner vielleicht zu kennen, aber Perrin hatte gelernt, da� nur ein Narr alle Geheimnisse seiner Frau herauszufinden versucht. Oder sie von jenen wissen l��t, die er bereits herausgefunden hat.</p><p>Alliandre zu verlassen sollte zweifellos ebenso zeremoniell vonstatten gehen wie sie zu begr��en, und es gelang ihm, sich angemessen zu verbeugen und sich zu entschuldigen, woraufhin sie einen tiefen Hofknicks vollf�hrte und murmelte, er erwiese ihr zuviel der Ehre � das war alles. Mit einer Kopfbewegung bedeutete er Gallenne, ihm zu folgen. Er bezweifelte, da� Faile ihn davonschicken, Gallenne aber bleiben lassen w�rde. Wor�ber <emphasis>wollte</emphasis> sie mit der K�nigin allein sprechen?</p><p>Drau�en versetzte der ein�ugige Mann Perrin einen Schlag auf die Schulter, der einen kleineren Mann ins Straucheln gebracht h�tte. �Verdammt, ich habe so etwas noch nie geh�rt! Jetzt kann ich behaupten, da� ich wahrhaftig einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> bei der Arbeit beobachtet habe. Was soll ich tun?� Und was sollte er darauf antworten?</p><p>In diesem Moment h�rte er Schreien aus dem Lager der Bewohner von Mayene, den Klang eines Streits, laut genug, da� die M�nner aus den Zwei Fl�ssen aufstanden und durch die B�ume sp�hten, obwohl die H�gelflanke die Sicht verdeckte.</p><p>�La�t uns zuerst nachsehen, was dort vor sich geht� erwiderte Perrin. Das w�rde ihm Zeit zum Nachdenken verschaffen. Dar�ber, was er auf Gallennes Frage erwidern sollte, und �ber andere Dinge.</p><p>Faile wartete einige Momente, nachdem Perrin gegangen war, bevor sie den Dienern beschied, sie und die �brigen w�rden sich selbst einschenken. Maighdin war so damit besch�ftigt, Alliandre anzustarren, da� Lini sie am �rmel ziehen mu�te, damit sie sich r�hrte. Faile w�rde sich sp�ter darum k�mmern m�ssen. Sie stellte ihren Becher ab und folgte den drei Frauen zum Zelteingang, als wollte sie sie zur Eile antreiben, aber dort hielt sie inne.</p><p>Perrin und Gallenne gingen durch die B�ume auf das Lager der Bewohner von Mayene zu. Gut. Die meisten der <emphasis>Cha Faile</emphasis> kauerten nicht weit entfernt. Sie machte Parelean auf sich aufmerksam und vollf�hrte in H�fth�he eine Geste, die hinter ihr niemand sehen konnte. Eine schnelle Kreisbewegung, gefolgt von einer geballten Faust. Die Tairener und Cairhiener teilten sich sofort in Zweier- und Dreiergruppen auf und schw�rmten aus. Weitaus weniger beredt als die Zeichensprache der T�chter des Speers, gen�gten die Gesten der <emphasis>Cha Faile</emphasis> jedoch. Innerhalb weniger Augenblicke umstand ein lockerer Ring ihrer Leute anscheinend zuf�llig das Zelt, die sich m��ig unterhielten oder das Fadenspiel spielten. Aber niemand w�rde n�her als zwanzig Schritte ans Zelt herankommen, ohne da� Faile gewarnt w�rde.</p><p>Perrin machte ihr die meisten Sorgen. Sie hatte etwas Bedeutungsvolles erwartet, sobald Alliandre leibhaftig auftauchte, wenn auch nicht das, was dann geschah, aber Perrin war durch ihren Schwur wie benommen gewesen. Wenn es ihm in den Sinn kam zur�ckzukehren, um einen weiteren Vorsto� zu unternehmen, damit Alliandre sich nicht wegen ihrer Entscheidung gr�mte... Oh, er dachte mit dem Herzen, wenn er seinen Verstand einsetzen sollte. Und mit dem Verstand, wenn er auf sein Herz h�ren sollte! Sie empfand bei diesem Gedanken Schuldgef�hle.</p><p>�Merkw�rdige Diener habt Ihr unterwegs aufgelesen�, sagte Berelain neben ihr im Tonfall sp�ttischen Wohlwollens. Faile zuckte zusammen. Sie hatte nicht bemerkt, da� die Frau hinter sie getreten war Lini und die �brigen Diener gingen gerade auf die Karren zu, wobei Lini Maighdin mit dem Finger drohte. Berelain blickte von Faile zu ihnen. Sie sprach leise, aber der sp�ttische Unterton blieb. �Zumindest die �lteste kennt anscheinend ihre Pflichten, anstatt nur davon geh�rt <emphasis>zu</emphasis> haben, aber Annoura sagte mir, die J�ngste w�re eine Wilde. Sehr schwach, sagt Annoura, und unbedeutend, aber Wilde bereiten stets Kummer. Die anderen werden Geschichten �ber sie verbreiten, wenn sie es erfahren, und sie wird fr�her oder sp�ter davonlaufen. Das tun Wilde stets, wie ich h�rte. Das kommt davon, wenn man Dienerinnen wie streunende Hunde aufliest.�</p><p>�Sie geben sich ausreichend M�he und passen sich an�, erwiderte Faile k�hl. Dennoch war eine ausf�hrliche Unterhaltung mit Lini unbedingt n�tig. Eine Wilde? Sie k�nnte sich vielleicht als n�tzlich erweisen, selbst wenn sie schwach war. �Ich dachte immer, Ihr w�rt gut darin, Diener auszuw�hlen.� Berelain blinzelte. Sie war sich nicht sicher, was das bedeuten sollte, und Faile achtete sorgf�ltig darauf, ihre Zufriedenheit nicht zu zeigen. Sie wandte sich ab und sagte: �Annoura, w�rdet Ihr einen Lauschschutz f�r uns weben?�</p><p>Es war nicht zu erwarten, da� Seonid oder Masuri eine Gelegenheit f�nden, mit Hilfe der Macht zu lauschen � Faile erwartete, da� Perrin zornig w�rde, wenn er herausfand, wie stark die Weisen Frauen das Paar im Zaum hielten �, aber die Weisen Frauen selbst mochten hiervon erfahren haben. Faile war sich sicher, da� Edarra und die �brigen Seonid und Masuri geradezu verh�rten.</p><p>Die geflochtenen Z�pfe der Grauen Schwester wippten leicht, als sie nickte. �Es ist vollbracht, Lady Faile�, sagte sie, und Berelain pre�te kurz die Lippen zusammen. Recht zufriedenstellend. Die Verwegenheit, dies hier in Failes eigenem Zelt zu wagen! Sie verdiente mehr, als da� jemand zwischen sie und ihren Berater trat, aber es war zufriedenstellend.</p><p>Auf kindische Art zufriedenstellend, gestand Faile sich ein, wobei sie sich auf die vorliegende Sache konzentrieren sollte. Sie h�tte sich vor Ver�rgerung fast auf die Lippen gebissen. Sie zweifelte nicht an der Liebe ihres Mannes, aber sie konnte Berelain nicht so behandeln, wie die Frau es verdiente, und das zwang sie gegen ihren Willen, Perrin zu h�ufig als Spielball zu benutzen. Und als Preis, wie Berelain glaubte. Wenn Perrin sich nur nicht manchmal so ben�hme, als w�re er vielleicht genau das. Entschlossen verdr�ngte sie alle diese Gedanken. Hier mu�te die Arbeit einer Ehefrau getan werden. Der praktische Teil der Arbeit.</p><p>Alliandre sah nachdenklich zu Annoura hin�ber, als ein Schutz erw�hnt wurde � sie mu�te erkannt haben, da� es um eine ernsthafte Unterhaltung ging �, aber sie sagte: �Euer Gatte ist ein au�ergew�hnlicher Mann, Lady Faile. Es ist nicht abwertend gemeint, wenn ich sage, da� sein rauhes �u�eres keinen solch scharfen Verstand vermuten l��t. Da wir Amadicia unmittelbar vor der Haust�r haben, spielen wir in Ghealdan notgedrungen <emphasis>Daes Dae'mar,</emphasis> aber ich glaube nicht, da� ich jemals zuvor so rasch, geschickt und leicht zu einer Entscheidung gef�hrt wurde, wie Lord Perrin es getan hat. Die Andeutung einer Drohung hier, ein Stirnrunzeln da. Ein �u�erst au�ergew�hnlicher Mann.�</p><p>Dieses Mal fiel es Faile recht schwer, ihr L�cheln zu verbergen. Diese S�dl�nder sch�tzten das Spiel der H�user hoch ein, und sie glaubte nicht, da� Alliandre gern erf�hre, da� Perrin einfach sagte, was er dachte �manchmal entschieden zu offen �, und da� Menschen, die schlecht dachten, seine Ehrlichkeit f�r Berechnung hielten. �Er hat einige Zeit in Cairhien verbracht�, sagte sie. Sollte Alliandre das auffassen, wie sie wollte. �Wir k�nnen hinter Annoura Sedais Schutz offen sprechen. Es ist nicht zu �bersehen, da� Ihr noch nicht nach Bethai zur�ckkehren wollt. Gen�gt Euer Schwur Perrin und Perrins Schwur Euch gegen�ber nicht, ihn an Euch zu binden?� Einige Menschen hier im S�den hatten eigenartige Vorstellungen davon, was Treue bedeutete.</p><p>Berelain trat schweigend zu Failes Rechten, und kurz darauf trat Annoura zu ihrer Linken, so da� sich Alliandre ihnen allen dreien gegen�bersah. Es �berraschte Faile, da� die Aes Sedai ihren Plan unterst�tzten, ohne zu wissen, was er beinhaltete � Annoura hatte zweifellos ihre eigenen Gr�nde, und Faile h�tte viel daf�r gegeben zu erfahren, welcher Art diese Gr�nde waren �, aber bei Berelain �berraschte es sie nicht. Eine beil�ufig ge�u�erte sp�ttische Bemerkung k�nnte alles verderben, besonders �ber Perrins F�higkeiten im Gro�en Spiel, und doch war sie sich sicher, da� diese Bemerkung nicht fiel. Das erz�rnte sie in gewisser Weise. Sie hatte Berelain einst verachtet. Sie ha�te sie noch immer zutiefst, aber widerwilliger Respekt hatte die Verachtung ersetzt. Die Frau wu�te, wann ihr �Spiel� ausgesetzt werden mu�te. W�re Perrin nicht gewesen, glaubte Faile, da� sie die Frau tats�chlich h�tte <emphasis>m�gen</emphasis> k�nnen! Um diesen abscheulichen Gedanken auszul�schen, stellte sie sich vor, Berelain kahl zu scheren. Sie war ein Weibsst�ck und eine Hure! Und nichts, wodurch Faile sich jetzt ablenken lassen w�rde.</p><p>Alliandre betrachtete die drei Frauen vor ihr nacheinander, aber sie zeigte keine Anspannung. Sie nahm ihren Weinbecher wieder auf, trank beil�ufig und sprach dann seufzend und mit reum�tigem L�cheln, als w�ren ihre Worte in Wahrheit nicht so wichtig, wie sie klangen. �Ich will meinen Schwur nat�rlich halten, aber Ihr m��t verstehen, da� ich mehr erhofft hatte. Wenn Euer Ehemann geht, bin ich in der gleichen Lage wie zuvor. Vielleicht sogar in einer noch schlimmeren Lage, bis greifbare Hilfe vom Lord Drachen kommt, dessen Name im Licht gesegnet sei. Der Prophet k�nnte Bethai oder sogar Jehannah selbst zerst�ren, wie er es mit Samara getan hat, und ich kann ihn nicht aufhalten. Und wenn er irgendwie von meinem Schwur erf�hrt... Er sagt, er sei gekommen, um uns zu zeigen, wie man dem Lord Drachen im Licht dient, aber <emphasis>er</emphasis> weist den Weg, und ich kann mir nicht vorstellen, da� er erfreut sein wird, wenn jemand einen anderen Weg findet.�</p><p>�Es ist gut, da� Ihr Euren Schwur halten wollt�, belehrte Faile sie trocken. �Wenn Ihr mehr von meinem Ehemann erwartet, solltet Ihr vielleicht mehr tun. So k�nntet Ihr ihn begleiten, wenn er nach S�den zieht, um den Propheten zu treffen. Ihr werdet nat�rlich Eure eigenen Soldaten bei Euch haben wollen, aber ich schlage vor, da� es nicht mehr sein sollten, als die Erste mit sich f�hrt. Wollen wir uns setzen?� Sie lie� sich auf dem Stuhl nieder, den Perrin frei gemacht hatte, bedeutete Berelain und Annoura, auf den benachbarten St�hlen Platz zu nehmen und deutete erst dann auf einen weiteren Stuhl f�r Alliandre.</p><p>Die K�nigin setzte sich langsam hin und sah Faile mit geweiteten Augen an, nicht nerv�s, aber h�chst �berrascht. �Warum, im Licht, sollte ich das tun?� rief sie aus. �Lady Faile, die Kinder des Lichts werden jeden Vorwand nutzen, in Ghealdan noch mehr zu pl�ndern, und K�nig Ailron k�nnte beschlie�en, ebenfalls ein Heer nach Norden zu entsenden. Es ist unm�glich!�</p><p>�Die Frau Eures Lehnsherrn fordert es von Euch, Alliandre�, sagte Faile fest.</p><p>Es schien nicht m�glich, da� sich Alliandres Augen noch mehr weiten k�nnten als zuvor, und doch taten sie es. Sie blickte zu Annoura und sah nur die unersch�tterliche Gelassenheit einer Aes Sedai. �Nat�rlich�, sagte sie kurz darauf. Ihre Stimme klang hohl. Sie schluckte und f�gte hinzu: �Nat�rlich werde ich Eurer ... Forderung entsprechen ... meine Lady.�</p><p>Faile verbarg ihre Erleichterung hinter einem anmutigen Nicken. Sie hatte erwartet, da� sich Alliandre weigern w�rde. Da� Alliandre Treue schw�ren konnte, ohne zu erkennen, was das bedeutete � da� sie es f�r n�tig hielt zu erw�hnen, sie beabsichtige, den Schwur einzuhalten! �, hatte Faile nur in ihrem Glauben best�rkt, da� man die Frau nicht zur�cklassen durfte. Nach allem, was man h�rte, hatte sie Masema nachgegeben. Selbstverst�ndlich nur widerwillig, wobei sie kaum eine andere Wahl hatte und erst dann, als sie es tun mu�te, und doch konnte Unterordnung zur Gewohnheit werden. Wenn sie wieder in Bethai w�re, ohne da� sich etwas sichtbar �nderte � wie lange w�rde es dann dauern, bis sie beschl�sse, sich mit einer Warnung an Masema abzusichern? Sie hatte das Gewicht ihres Schwurs gesp�rt. Nun konnte Faile ihr die B�rde erleichtern.</p><p>�Ich bin froh, da� Ihr uns begleiten werdet�, sagte sie herzlich. Und das entsprach der Wahrheit. �Mein Mann vergi�t Menschen nicht, die ihm einen Dienst erweisen. Ein solcher Dienst k�nnte es sein, wenn Ihr Euren Adligen schreibt, da� ein Mann im S�den das Banner von Manetheren gehi�t hat.� Berelain wandte �berrascht den Kopf, und Annoura blinzelte zumindest.</p><p>�Lady Faile�, sagte Alliandre dr�ngend, �die H�lfte von ihnen wird sich an den Propheten wenden, sobald sie meinen Brief erhalten. Sie f�rchten ihn, und nur das Licht wei�, was er tun wird.� Das war genau die Antwort, auf die Faile gehofft hatte.</p><p>�Weshalb Ihr ihm ebenfalls schreiben werdet, um ihm mitzuteilen, da� Ihr einige Soldaten versammelt habt, um Euch pers�nlich um diesen Mann zu k�mmern. Der Prophet des Drachen ist zu bedeutend, als da� er seine Aufmerksamkeit einer solch unwichtigen Sache zuwenden sollte.�</p><p>�Sehr gut�, murmelte Annoura. �Niemand wird wissen, um wen es geht.�</p><p>Berelain lachte vor Begeisterung � verdammt sei sie!</p><p>�Meine Lady�, fl�sterte Alliandre, �ich sagte, mein Lord Perrin sei au�ergew�hnlich. Darf ich hinzuf�gen, da� seine Frau in jeder Beziehung ebenso au�ergew�hnlich ist?�</p><p>Faile gab sich M�he, sich nicht zu offensichtlich in diesem Lob zu sonnen. Jetzt mu�te sie ihre Leute in Bethai benachrichtigen, was sie in gewisser Weise bedauerte. Es Perrin zu erkl�ren w�re �beraus schwierig gewesen, aber selbst er h�tte nicht die Ruhe bewahren k�nnen, wenn sie die K�nigin von Ghealdan entf�hrt h�tte.</p><p>Die meisten der Befl�gelten W�chter schienen sich am Rande ihres Lagerplatzes versammelt zu haben, wo sie zehn ihrer Leute zu Pferde umringten. Da die Reiter keine Speere trugen, mu�ten sie Kundschafter sein. Die sie umstehenden M�nner dr�ngten sich in dem Versuch, n�her heran zu kommen, gegenseitig beiseite. Perrin glaubte erneut, Donnern zu h�ren, jetzt n�her, aber er nahm es nur nebenbei wahr.</p><p>Als er sich gerade zu den Reitern hindurchzw�ngen wollte, br�llte Gallenne: �Platz da, ihr r�udigen Hunde!� K�pfe wurden ruckartig gewandt, und M�nner dr�ngten in der Menge zur Seite und er�ffneten so einen schmalen Durchgang. Perrin fragte sich, was geschehen w�rde, wenn er die M�nner aus den Zwei Fl�ssen r�udige Hunde nannte. Es w�rde ihm wahrscheinlich einen Schlag auf die Nase einbringen, w�re aber vielleicht einen Versuch wert.</p><p>Nurelle und die anderen Offiziere befanden sich bei den Kundschaftern, desgleichen sieben Mann zu Fu� mit auf dem R�cken gefesselten H�nden und F�hrseilen um den Hals, die unruhig mit den F��en scharrten, die Schultern einzogen und aus Angst oder Trotz oder beidem finster dreinblickten. Ihre Kleidung war steif von altem Schmutz, obwohl einige Kleidungsst�cke einst edel gewesen waren. Sie rochen seltsamerweise stark nach Holzrauch. Au�erdem hatten einige der berittenen Soldaten Ru� auf dem Gesicht und einer oder zwei anscheinend Verbrennungen. Aram stand da und betrachtete die Gefangenen mit leichtem Stirnrunzeln.</p><p>Gallenne stellte sich mit gespreizten Beinen und in die H�ften gestemmten F�usten auf, wobei er mit seinem einen Auge ebenso streng blicken konnte wie die meisten M�nner mit zweien. �Was ist passiert?� fragte er barsch. �Meine Kundschafter sollen Nachrichten bringen, keine Lumpensammler!�</p><p>�Ortis soll berichten, mein Lord�, sagte Nurelle. �Er war dabei. Unterf�hrer Ortis!�</p><p>Ein Soldat mittleren Alters stieg aus dem Sattel und verbeugte sich mit auf das Herz gepre�ter Hand. Er trug einen einfachen Helm ohne die Federn und Schwingen, welche die Offiziershelme aufwiesen. Seine Gesichtsr�te war deutlich zu erkennen, und eine Wange war von einer Narbe gezeichnet, wodurch der Mundwinkel nach oben gezogen wurde. �Mein Lord Gallenne, mein Lord Aybara�, sagte er mit rauher Stimme. �Wir trafen ungef�hr zwei Meilen westlich von hier auf diese R�benfresser. Sie steckten gerade einen Bauernhof in Brand, obwohl sich die Landleute noch darin befanden. Eine Frau versuchte, aus dem Fenster zu fliehen, doch dieser Abschaum schlug ihr den Sch�del ein. Da wir Lord Aybaras Meinung zu solchem Handeln kennen, setzten wir dem ein Ende.</p><p>Wir kamen zu sp�t, um alle Bewohner zu retten, aber wir haben diese sieben M�nner gefangengenommen. Die �brigen entkamen.�</p><p>�Die Menschen sind oft versucht, wieder in den Schatten zur�ckzugleiten�, sagte einer der Gefangenen pl�tzlich. �Sie m�ssen an den Preis erinnert werden.� Er war ein gro�er, hagerer Mann mit w�rdevoller Haltung, dessen Stimme ruhig und gebildet klang, aber seine Jacke war ebenso schmutzig wie diejenigen aller �brigen, und er hatte sich seit zwei oder drei Tagen nicht mehr rasiert. Der Prophet hie� es anscheinend nicht gut, Zeit f�r Dinge wie eine Rasur oder das Waschen zu verschwenden. Mit gefesselten H�nden und einem Seil um den Hals sah er seine Gefangenenw�rter ohne die geringste Angst an. Er war ganz hochm�tiger Trotz. �Eure Soldaten beeindrucken mich nicht�, sagte er. �Der Prophet des Lord Drachen, dessen Name im Licht gesegnet sei, hat weitaus gr��ere Heere vernichtet. Ihr k�nnt uns t�ten, aber wir werden ger�cht werden, wenn der Prophet Euer Blut vergie�t. Niemand von Euch wird uns lange �berleben. Der Prophet wird in Feuer und Blut triumphieren.� Er beendete seine Rede mit leisem Lachen, das Kinn emporgereckt. Murmeln erhob sich in der Zuh�rerschaft. Sie wu�ten sehr genau, da� Masema tats�chlich schon gr��ere Heere als ihres vernichtet hatte.</p><p>�H�ngt sie�, sagte Perrin. Er h�rte den Donner erneut.</p><p>Nachdem er den Befehl gegeben hatte, zwang er sich, auch zuzusehen. Trotz des Gemurmels mangelte es nicht an Helfern. Einige der Gefangenen begannen zu weinen, als die F�hrseile �ber �ste geworfen wurden. Ein einst dicker Mann, dessen Hautfalten schlaff herabhingen, rief, er bereue und w�rde jedem Herrn dienen, der ihm zugewiesen w�rde. Ein kahlk�pfiger Bursche, der so z�h wie Lamgwin aussah, schlug um sich und schrie, bis das Seil sein Heulen beendete. Nur der Mann mit der ruhigen Stimme wehrte sich nicht, selbst als sich die Schlinge um seinen Hals zuzog. Seine Augen spr�hten bis zum Schlu� Trotz.</p><p>�Wenigstens einer von ihnen wei�, wie man stirbt�, grollte Gallenne, als der K�rper schlie�lich erschlaffte. Er betrachtete die an den B�umen h�ngenden M�nner stirnrunzelnd, als bedauere er, da� sie sich nicht st�rker gewehrt hatten.</p><p>�Wenn diese Leute dem Schatten dienten...�, Aram z�gerte. �Verzeiht, Lord Perrin, aber wird dies dem Wiedergeborenen Drachen gefallen?�</p><p>Perrin zuckte zusammen und sah ihn entgeistert an. �Licht, Aram, Ihr habt geh�rt, was sie getan haben! Rand h�tte ihnen selbst die Schlinge um den Hals gelegt!� Er glaubte es und hoffte zumindest, da� er es getan h�tte. Rands Ziel war es, die Nationen vor der Letzten Schlacht zusammenzuschwei�en, und er hatte sich bisher wenig um den Preis auf diesem Weg gek�mmert.</p><p>Die M�nner wandten j�h die K�pfe, als so lautes Donnern erklang, da� alle es h�ren konnten. Das Donnern n�herte sich rasch. Wind erhob sich, lie� wieder nach, erhob sich erneut und zerrte an Perrins Jacke, w�hrend er die Richtung �nderte. Blitze durchzuckten einen wolkenlosen Himmel. Im Lager der Bewohner von Mayene wieherten Pferde und zerrten an ihren Seilen. Der Donner krachte wiederholt, Blitze wanden sich wie silbrig blaue Schlangen, und unter einer brennenden Sonne fiel Regen, vereinzelte dicke Tropfen, die Staub aufwirbelten, wo sie auf den kahlen Boden trafen. Perrin wischte sich einen Tropfen von der Wange und betrachtete seine feuchten Finger erstaunt.</p><p>Sehr bald hatte sich der Sturm wieder gelegt, und Donner und Blitz zogen ostw�rts weiter. Die durstige Erde saugte die herabgefallenen Regentropfen augenblicklich auf, die Sonne brannte so heftig wie je, und nur flackerndes Licht am Himmel und verhallendes Donnern bezeugten, da� �berhaupt etwas geschehen war. Die Soldaten sahen einander unsicher an. Gallenne l�ste mit offensichtlicher M�he die Finger von seinem Schwertheft.</p><p>�Das ... das kann nicht das Werk des Dunklen K�nigs sein�, sagte Aram und zuckte zusammen. Niemand hatte jemals einen Sturm wie diesen erlebt. �Bedeutet das nicht, da� sich das Wetter �ndert, Lord Perrin? Das Wetter wird sich wieder einpendeln?�</p><p>Perrin �ffnete den Mund, um dem Mann diese Anrede zu verbieten, schlo� ihn dann aber seufzend wieder. �Ich wei� es nicht�, antwortete er. Was hatte Gaul noch gesagt? �Alles �ndert sich, Aram.� Er h�tte nur niemals gedacht, da� er sich auch �ndern m��te.</p></section><section><title><p>11</p><p>Fragen und ein Eid</p></title><p>Die Luft in dem gro�en Stall roch nach altem Heu und Pferdedung. Und nach Blut und verbranntem Fleisch. Da alle T�ren geschlossen waren, war die Luft stickig. Zwei Laternen spendeten nur wenig Licht, und Schatten erf�llten den gr��ten Teil des Inneren. In den langen Reihen Boxen wieherten unruhig Pferde. Der Mann, der an den Handgelenken von einem Dachbalken hing, st�hnte leise und hustete dann abgehackt. Sein Kopf sank auf die Brust. Er war gro� und muskul�s, wenn er auch eher mitgenommen wirkte.</p><p>Sevanna erkannte j�h, da� sich seine Brust nicht mehr hob und senkte. Die mit Edelsteinen besetzten Ringe an ihren Fingern schimmerten rot und gr�n, w�hrend sie Rhiale ein Zeichen gab.</p><p>Die Frau mit dem flammenden Haar dr�ckte den Kopf des Mannes hoch, hob ein Augenlid an und pre�te dann, ungeachtet der noch immer glimmenden Sp�ne, die in ihm steckten, ein Ohr an seine Brust. Dann richtete sie sich mit einem angewiderten Laut auf. �Er ist tot. Wir h�tten dies den T�chtern des Speers �berlassen sollen, Sevanna, oder den Schwarz augen. Gewi� haben wir ihn aus Unwissenheit get�tet.�</p><p>Sevanna kniff die Lippen zusammen und richtete mit klirrenden Armb�ndern ihre Stola. Die Armb�nder reichten ihr fast bis zu den Ellbogen, ein bemerkenswertes Gewicht in Gold, Elfenbein und Edelsteinen, und dennoch h�tte sie, wenn es m�glich gewesen w�re, alle getragen, die sie besa�. Keine der anderen Frauen sagte etwas. Gefangene zu verh�ren, war nicht die Aufgabe der Weisen Frauen, aber Rhiale wu�te, warum sie dies selbst hatten tun m�ssen. Der einzige �berlebende von zehn berittenen M�nnern, die geglaubt hatten, zwanzig T�chter des Speers besiegen zu k�nnen, war gleichzeitig der erste Seanchaner gewesen, der in den zehn Tagen seit ihrer Ankunft in diesem Land gefangengenommen wurde.</p><p>�Er h�tte �berlebt, wenn er nicht so sehr gegen den Schmerz angek�mpft h�tte, Rhiale�, sagte Someryn schlie�lich kopfsch�ttelnd. �Ein starker Mann f�r einen Feuchtl�nder, aber er konnte den Schmerz nicht ertragen. Dennoch hat er uns viel verraten.�</p><p>Sevanna warf ihr einen Seitenblick zu und versuchte zu erkennen, ob die Bemerkung sarkastisch gemeint gewesen war. Someryn war so gro� wie die meisten M�nner und trug mehr Armb�nder als jede andere Frau au�er Sevanna. Halsketten mit Feuertropfen und Smaragden, Rubinen und Saphiren verdeckten fast ihren vollen Busen, der ansonsten mit ihrer beinahe bis zum Rock ge�ffneten Bluse halb entbl��t gewesen w�re. Die um ihre Taille geschlungene Stola enth�llte ihre k�rperlichen Reize. Es fiel Sevanna manchmal schwer zu sagen, ob Someryn sie nachahmte oder in Wettstreit mit ihr stand.</p><p>�Viel!� rief Meira aus. Ihr l�ngliches Gesicht schien im Licht der Laterne, die sie hielt, grimmiger als gew�hnlich, obwohl das kaum m�glich schien. Meira konnte sogar die dunkle Seite der Mittagssonne finden. �Da� seine Leute zwei Tage westlich in der Stadt Amador lagern? Das wu�ten wir bereits. Er hat uns nur wilde Geschichten erz�hlt. Artur Falkenfl�gel! Pah! Die T�chter des Speers h�tten ihn bei sich behalten und tun sollen, was n�tig war.�</p><p>�W�rdet Ihr ... es wagen, da� alle zu fr�h zuviel erfahren?� Sevanna bi� sich ver�rgert auf die Lippen. Sie h�tte sie fast �Ihr Narren� genannt. Ihrer Meinung nach wu�ten bereits zu viele zuviel, darunter Weise Frauen, aber sie konnte es nicht riskieren, die Frauen zu beleidigen. Und dieses Wissen nagte an ihr! �Die Menschen haben Angst.� Es war zumindest nicht n�tig, ihre Verachtung zu verbergen. Was sie best�rzte und erz�rnte, war nicht, da� sie Angst hatten, sondern wie wenige sich bem�hten, diese Tatsache zu verbergen. �Schwarzaugen oder Steinsoldaten oder sogar T�chter des Speers h�tten dar�ber gesprochen, was er gesagt hat. Ihr wi�t, da� sie es getan h�tten! Seine L�gen h�tten nur noch mehr Furcht verbreitet.� Es mu�ten L�gen gewesen sein. Sevanna stellte sich ein Meer so vor wie die Seen, die sie in den Feuchtlanden gesehen hatte, aber ohne da� man das jenseitige Ufer sah. Wenn Hunderttausende weitere seiner Leute kamen, selbst von der anderen Seite eines so gro�en Gew�ssers, h�tten die anderen Gefangenen, die sie befragt hatte, von ihnen gewu�t. Und kein Gefangener wurde ohne ihre Anwesenheit befragt.</p><p>Tion hob die zweite Laterne an und betrachtete sie aus grauen Augen mit stetem Blick. Sie war fast einen Kopf kleiner als Someryn und dennoch gr��er als Sevanna. Und doppelt so breit. Ihr rundes Gesicht erschien h�ufig sanft, was aber t�uschte. �Sie haben recht, wenn sie sich f�rchten�, sagte sie mit kalter Stimme. <emphasis>�Ich</emphasis> habe auch Angst und sch�me mich nicht daf�r. Die Seanchaner sind sehr zahlreich, wenn sie wirklich Amador allein eingenommen haben, und wir sind nur wenige. Ihr habt Eure Septime um Euch, Sevanna, aber wo ist <emphasis>meine</emphasis> Septime? Euer Feuchtl�nder-Freund Caddar und seine zahme Aes Sedai haben uns durch seine �ffnungen in der Luft zum Sterben geschickt. Wo sind die �brigen Shaido?�</p><p>Rhiale stellte sich herausfordernd neben Tion, und Alarys, die selbst jetzt mit ihrem schwarzen Haar spielte, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, schlo� sich ihnen ebenfalls rasch an. Oder vielleicht tat sie es deshalb, um nicht Sevannas Blick begegnen zu m�ssen. Kurz darauf stellte sich auch eine stirnrunzelnde Meira dazu, und dann auch Modarra. Man h�tte Modarra als schlank bezeichnen k�nnen, wenn sie nicht noch gr��er als Someryn gewesen w�re, weshalb man sie bestenfalls mager nennen konnte. Sevanna hatte geglaubt, Modarra ebenso fest unter Kontrolle zu haben wie die Ringe an ihren Fingern.</p><p>Ebenso fest unter Kontrolle wie... Someryn sah sie an, seufzte, schaute zu den anderen und trat dann langsam zu ihnen.</p><p>Sevanna blieb ganz am Rande des Lichtkreises der Laterne stehen. Von allen durch die T�tung Desaines an sie gebundenen Frauen traute sie diesen am meisten. Nicht, da� sie �berhaupt jemandem sehr weit vertraute. Aber bei Someryn und Modarra war sie sich sicher gewesen, da� sie so unverbr�chlich zu ihr geh�rten, als h�tten sie den Wassereid geschworen, ihr �berallhin zu folgen. Und jetzt wagten sie es, sich ihr mit anklagendem Blick entgegenzustellen. Selbst Alarys schaute von der Besch�ftigung mit ihrem Haar auf.</p><p>Sevanna begegnete ihren Blicken mit k�hlem, fast h�hnischem L�cheln. Jetzt, so beschlo� sie, war nicht der richtige Zeitpunkt, sie an das Verbrechen zu erinnern, das ihre Schicksale zusammenschwei�te. Nicht der Kn�ppel, nicht dieses Mal. �Ich habe schon geargw�hnt, da� Caddar versuchen k�nnte, uns zu betr�gen�, sagte sie statt dessen. Rhiales blaue Augen weiteten sich bei dem Eingest�ndnis, und Tion �ffnete den Mund. Sevanna fuhr fort, ohne ihnen Zeit zu einem Einwand zu lassen. �W�rt Ihr lieber in Bruderm�rders Dolch geblieben, um vernichtet zu werden? Um von vier Clans, deren Weise Frauen wissen, wie man jene �ffnungen ohne Reisekammern gestaltet, wie Tiere gejagt zu werden? Statt dessen befinden wir uns im Herzen eines reichen, milden Landes, das sogar noch reicher ist als die L�nder der Baumm�rder. Seht nur, was wir uns in nur zehn Tagen angeeignet haben. Wieviel mehr werden wir uns in einer Stadt der Feuchtl�nder aneignen? Ihr f�rchtet die Seanchaner wegen ihrer �berzahl? Erinnert Euch daran, da� ich alle Weisen Frauen der Shaido bei mir habe, welche die Macht lenken k�nnen.� Sie dachte jetzt nur noch selten daran, da� sie selbst die Macht nicht lenken konnte. Dieser Mangel w�rde bald behoben sein. �Wir sind ebenso stark wie jede Streitkraft, welche die Feuchtl�nder gegen uns entsenden k�nnen. Selbst wenn sie fliegende Eidechsen besitzen.� Sie schnaubte ger�uschvoll, um ihrer Meinung dar�ber noch mehr Nachdruck zu verleihen. Niemand von ihnen hatte schon fliegende Eidechsen gesehen und auch keiner der Kundschafter, aber fast alle Gefangenen hatten diese l�cherlichen Geschichten erz�hlt. �Wir werden uns dieses Land aneignen, sobald wir die anderen Septimen gefunden haben. Das <emphasis>ganze</emphasis> Land! Wir werden den Aes Sedai zehnfache Wiedergutmachung abringen. Und wir werden Caddar finden und ihn im Tod um Gnade winseln lassen.�</p><p>Das h�tte sie alle wieder �berzeugen, ihre Herzen beruhigen m�ssen, wie sie es schon fr�her getan hatte. Aber nicht eine Miene �nderte sich. Nicht eine.</p><p>�Und da ist der <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte Tion ruhig. �Es sei denn, Ihr h�ttet Euren Plan aufgegeben, ihn zu heiraten.�</p><p>�Ich habe nichts aufgegeben�, erwiderte Sevanna ver�rgert. Der Mann � und was noch wichtiger war, die Macht, die mit ihm einherging � w�rde eines Tages ihr geh�ren. Irgendwie. Was auch immer daf�r n�tig war. Sie fuhr mit ruhigerer Stimme fort. �Rand al'Thor ist jetzt wohl kaum von Bedeutung.� Zumindest nicht f�r diese blinden Dummk�pfe. Wenn sie ihn in ihrer Hand h�tte, w�re f�r sie alles m�glich. �Ich beabsichtige nicht, den ganzen Tag hier herumzustehen und �ber meinen Brautkranz zu sprechen. Ich mu� mich um <emphasis>wirklich</emphasis> wichtige Dinge k�mmern.�</p><p>W�hrend sie durch die Dunkelheit davonschritt, auf die Stallt�ren zu, kam ihr pl�tzlich ein unangenehmer Gedanke. Sie war allein mit diesen Frauen. Wie weit konnte sie ihnen <emphasis>tats�chlich</emphasis> vertrauen? Desaines Tod war ihr noch lebhaft im Ged�chtnis: Die Weise Frau war mit der Einen Macht ... dahingeschlachtet worden. Unter anderem von den Frauen hinter ihr. Der Gedanke verursachte ihr Magenkr�mpfe. Sie lauschte auf das schwache Rascheln von Stroh, da� ihr verraten w�rde, da� jemand ihr folgte, h�rte aber nichts. Standen sie einfach noch da und sahen ihr nach? Sie weigerte sich, �ber die Schulter zu blicken. Es kostete sie einige M�he, dieselbe ruhige Gangart beizubehalten � <emphasis>sie</emphasis> w�rde keine Angst zeigen und sich auf diese Weise besch�men! �, und doch konnte sie nicht umhin, erleichtert aufzuatmen, als sie eine der gro�en T�ren in ihren gut ge�lten Scharnieren aufstie� und ins helle Mittagslicht trat.</p><p>Efalin ging drau�en auf und ab, die <emphasis>Shoufa</emphasis> um den Hals gelegt, den Bogen in seiner H�lle auf dem R�cken, Speere und Schild in H�nden. Die grauhaarige Frau wandte sich j�h um, wobei die Sorge auf ihrem Gesicht beim Anblick Sevannas nur unwesentlich abnahm. Sie war die F�hrerin aller T�chter des Speers der Shaido, und sie zeigte ihre Sorge! Sie war keine Jumai, aber sie war mit Sevanna gekommen, wobei sie die Ausrede benutzt hatte, Sevanna spr�che als Anf�hrerin, bis ein neues Oberhaupt der Shaido gew�hlt werden k�nne. Sevanna war sich sicher, da� Efalin die Vermutung hegte, dies w�rde niemals geschehen. Efalin wu�te, wo die Macht lag. Und wann sie den Mund halten mu�te.</p><p>�Begrabt ihn tief und verbergt das Grab�, befahl Sevanna ihr.</p><p>Efalin nickte, und die T�chter des Speers verschwanden hinter ihr im Stall. Sevanna betrachtete das Geb�ude mit seinem spitzen roten Dach und den blauen Mauern und wandte sich dann dem davor befindlichen Feld zu. Eine niedrige Steinumgrenzung mit einem einzigen Durchgang vor dem Stall umschlo� einen Kreis festgetretener Erde von ungef�hr hundert Schritten Durchmesser. Die Feuchtl�nder hatten ihn zur Dressur von Pferden verwendet. Sevanna war nicht in den Sinn gekommen, die fr�heren Besitzer zu fragen, warum die Stallungen so weit von allem anderen errichtet worden und von so hohen B�umen umgeben waren, da� Sevanna sie manchmal noch immer staunend betrachtete, aber die Abgeschiedenheit pa�te ihr gut. Efalin und die T�chter des Speers hatten den Seanchaner gefangengenommen. Niemand, der nicht dabeigewesen war, wu�te etwas von ihm. Oder w�rde etwas von ihm erfahren. Unterhielten sich die anderen Weisen Frauen dort drinnen �ber sie? Vor den T�chtern des Speers? Was sagten sie? Sie w�rde weder auf sie noch auf sonst jemanden warten!</p><p>Someryn und die �brigen verlie�en den Stall in dem Moment, als Sevanna auf den Wald zuging, und folgten ihr dorthin, wobei sie miteinander �ber die Seanchaner und �ber Caddar sprachen, wie auch dar�ber, wohin die �brigen Shaido gesandt worden waren. Nicht �ber sie, aber das w�rden sie auch nicht tun, wenn sie es h�ren konnte. Was sie h�rte, lie� sie das Gesicht verziehen. �ber dreihundert Weise Frauen befanden sich bei den Jumai, und es kamen stets dieselben Fragen, wann immer drei oder vier sich miteinander zu unterhalten begannen. Wo waren die �brigen Septimen? War Caddar ein von Rand al'Thor geschleuderter Speer gewesen? Wie viele Seanchaner waren dort? Ritten sie wirklich auf Eidechsen? Eidechsen! Diese Frauen waren vom ersten Augenblick an bei ihr gewesen. Sie hatte sie Schritt f�r Schritt gef�hrt, aber sie glaubten, sie h�tten bei der Planung jedes Zuges geholfen, glaubten, sie w�rden ihr Ziel kennen. Wenn sie die Frauen jetzt verlor...</p><p>Der Wald �ffnete sich auf eine gro�e Lichtung, die den Kreis bei den Stallungen mehr als f�nfzigmal h�tte aufnehmen k�nnen, und Sevanna sp�rte, wie ihre schlechte Stimmung schwand, als sie stehenblieb und sich umschaute. Niedrige H�gel erhoben sich im Norden, und die wenige Meilen dahinter liegenden Berge waren wolkenbedeckt, gro�e wei�e Massen, mit Dunkelgrau gestreift. Sie hatte noch niemals in ihrem Leben so viele Wolken gesehen. Nahebei verrichteten Tausende Jumai ihre allt�glichen Arbeiten. Das Klingen von H�mmern auf Ambossen ert�nte von den Schmieden, und Schafe und Ziegen wurden f�r die Abendmahlzeit geschlachtet, wobei sich ihr Bl�ken mit dem Lachen der Kinder vermischte, die spielend umherrannten. Da die Jumai mehr Zeit zur Verf�gung gehabt hatten, sich auf ihre Flucht aus Bruderm�rders Dolch vorzubereiten, hatten sie die in Cairhien erworbenen Herden mitgebracht und sie hier zusammengef�hrt.</p><p>Viele Leute hatten ihre Zelte aufgestellt, obwohl es nicht n�tig war. Bunte Geb�ude f�llten die Lichtung fast wie ein gro�es Dorf der Feuchtl�nder aus, gro�e Scheunen und St�lle, eine gro�e Schmiede und die niedrigen H�user, in denen die Diener Schutz gefunden hatten, alle rot und blau get�ncht, die das gr��te Geb�ude umgaben. Es wurde das Gutshaus genannt, unter dunkelgr�nen Dachziegeln drei Stockwerke hoch, das Geb�ude selbst in einem helleren, mit Gelb durchsetzten Gr�n gehalten, auf einem breiten, von Menschen errichteten Steinh�gel von zehn Schritt H�he. Jumai und <emphasis>Gai'schain</emphasis> stiegen die lange Rampe hoch, die zur T�r des Geb�udes f�hrte, und betraten die kunstvoll geschnitzten Balkone, die es umgaben.</p><p>Die Steinmauern und Pal�ste in Cairhien hatten sie nicht halb so stark beeindruckt. Dieses Geb�ude war farblich wie ein Wagen der Verlorenen gehalten, aber dennoch gro�artig. Die Vermutung h�tte nahegelegen, da� es sich diese Leute bei so vielen B�umen leisten konnten, <emphasis>alles</emphasis> aus Holz zu erbauen. Konnte niemand au�er ihr erkennen, wie reich dieses Land war? Es verrichteten mehr wei�gekleidete <emphasis>Gai'schain</emphasis> ihre Aufgaben, als alle zwanzig Septimen jemals zuvor besch�ftigt hatten, fast halb so viele wie Jumai! Niemand beschwerte sich mehr dar�ber, da� Feuchtl�nder zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht wurden. Sie waren so f�gsam! Ein junger Mann mit gro�en Augen in grobem Leinen eilte, einen Korb umklammernd, vor�ber, starrte die Menschen um ihn an und stolperte �ber den Saum seines Gewands. Sevanna l�chelte. Der Vater dieses Mannes hatte sich der Herr dieses Ortes genannt und getobt, sie und ihr Volk w�rden f�r ihre Ausschreitungen gejagt werden, aber jetzt trug er Wei� und arbeitete ebenso hart wie sein Sohn, seine Frau und seine anderen T�chter und S�hne. Die Frauen hatten viel edlen Schmuck und wundersch�ne Seide besessen, und Sevanna hatte nur die erste Auswahl getroffen. Ein reiches Land und so ergiebig.</p><p>Die Frauen hinter ihr waren am Rande des Waldes j�h stehengeblieben, um miteinander zu sprechen. Sie h�rte ihre Worte, was ihre Stimmung j�h wieder umschlagen lie�.</p><p>�...wie viele Aes Sedai f�r diese Seanchaner k�mpfen�, sagte Tion gerade. �Das m�ssen wir in Erfahrung bringen.� Someryn und Modarra murmelten zustimmend.</p><p>�Ich halte das nicht f�r bedeutsam�, warf Rhiale ein. Zumindest erstreckte sich ihre Widerspenstigkeit auch auf andere. �Ich glaube nicht, da� sie k�mpfen werden, wenn wir sie nicht angreifen. Denkt daran, sie haben nichts getan, ehe wir gegen sie vorgingen, nicht einmal, um sich zu verteidigen.�</p><p>�Und als sie sich wehrten�, sagte Meira �rgerlich, �sind dreiundzwanzig von uns gestorben! Und mehr als zehntausend <emphasis>Algai d'siswai</emphasis> sind ebenfalls nicht zur�ckgekehrt. Wir sind hier kaum noch ein Drittel, selbst wenn man die Bruderlosen mitz�hlt.� Sie sprach diesen Namen ver�chtlich aus.</p><p>�Das war Rand al'Thors Werk!� belehrte Sevanna sie scharf. �Anstatt zu beklagen, was er gegen uns unternommen hat, denkt lieber dar�ber nach, was wir tun k�nnen, wenn er uns geh�rt!� <emphasis>Wenn er mir geh�rt,</emphasis> dachte Sevanna. Die Aes Sedai hatten ihn gefangengenommen und einige Zeit festgehalten, aber sie besa� etwas, was sie nicht besessen hatten, sonst h�tten sie es benutzt. �Denkt statt dessen daran, da� wir die Aes Sedai fast besiegt hatten, bis er sich auf ihre Seite schlug. Aes Sedai sind nichts!�</p><p>Ihre Bem�hungen, den Mut der Frauen zu sch�ren, hatten erneut keine sichtbare Wirkung. Sie konnten sich nur daran erinnern, da� die Speere bei dem Versuch, Rand al'Thor gefangenzunehmen, zerbrochen worden waren, und sie mit ihnen. Modarra h�tte ihre gesamte Septime verlieren k�nnen, und selbst Tion runzelte unbehaglich die Stirn und erinnerte sich zweifellos daran, da� auch sie wie eine ver�ngstigte Ziege davongelaufen war.</p><p>�Weise Frauen�, meldete sich eine m�nnliche Stimme hinter Sevanna zu Wort, �ich wurde geschickt, Euch um Eure Meinung zu bitten.�</p><p>Sofort wurden die Mienen aller Frauen wieder gleichm�tig. Was sie nicht erreichte, hatte er schon durch seine blo�e Anwesenheit geschafft. Keine Weise Frau w�rde jemand anderem als einer anderen Weisen Frau gestatten, sie die Haltung verlieren zu sehen. Alarys h�rte auch auf, �ber ihr Haar zu streichen, das sie �ber die Schulter gelegt hatte. Offensichtlich erkannte keine von ihnen den Mann. Sevanna aber glaubte ihn zu erkennen.</p><p>Er betrachtete sie ernst mit seinen gr�nen Augen, die weitaus �lter wirkten als sein glattes Gesicht. Er besa� volle Lippen, aber um seinen Mund lag ein Zug, als h�tte er vergessen, wie man l�chelt. �Ich bin Kinhuin von den <emphasis>Meradin.</emphasis> Die Jumai sagen, wir d�rften diesen Platz nicht gleicherma�en benutzen, weil wir keine Jumai sind, aber der wahre Grund ist, da� nur halb so viele Jumai wie <emphasis>Algai d'siswai</emphasis> hier sind. Die Bruderlosen bitten um Eure Meinung, Weise Frauen.�</p><p>Jetzt, da sie wu�ten, wer er war, konnten einige ihr Mi�fallen �ber die M�nner, die Clan und Septime aufgaben, um lieber zu den Shaido zu gehen als zu Rand al'Thor � ein Feuchtl�nder und kein wahrer <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> wie sie glaubten �, nicht verbergen. Tions Gesicht wurde einfach ausdruckslos, aber Rhiales Augen funkelten, und Meira wollte die Stirn runzeln. Nur Modarra zeigte Anteilnahme, aber sie h�tte andererseits auch versucht, einen Streit zwischen Baumm�rdern zu schlichten.</p><p>�Diese sechs Weisen Frauen werden ein Urteil f�llen, nachdem sie beide Seiten geh�rt haben�, belehrte Sevanna Kinhuin mit ebenb�rtigem Ernst.</p><p>Die anderen Frauen sahen sie an und verbargen ihre �berraschung dar�ber, da� sie auf eine Entscheidung verzichten wollte, nur ungen�gend. Sie hatte es arrangiert, da� zehnmal so viele <emphasis>Mera'din</emphasis> die Jumai begleiteten, wie mit jeder anderen Septime gezogen waren. Sie hatte tats�chlich Caddar im Verdacht gehabt, wenn auch nicht f�r das, was er getan hatte, und sie hatte so viele Speere bei sich haben wollen wie m�glich. Au�erdem konnten sie jederzeit statt der Jumai sterben.</p><p>Sie heuchelte �berraschung �ber die �berraschung der anderen. �Es w�re nicht gerecht, wenn ich Partei ergriffe, da meine eigene Septime darin verwickelt ist�, belehrte sie die anderen Frauen, bevor sie sich wieder dem gr�n�ugigen Mann zuwandte. �Sie werden gerecht urteilen, Kinhuin. Und ich bin sicher, da� sie f�r die <emphasis>Mera'din</emphasis> sprechen werden.�</p><p>Die anderen Frauen sahen sie finster an, bevor Tion Kinhuin j�h bedeutete vorauszugehen. Er mu�te seinen Blick von Sevanna losrei�en, um der Aufforderung nachzukommen. Sie beobachtete mit leisem L�cheln � er hatte sie angesehen, nicht Someryn �, wie sie in der Menge der Leute auf dem Gel�nde des Gutshauses verschwanden. Auch wenn sie die Bruderlosen nicht mochten und sie dem Mann gegen�ber Voraussagen �ber ihre Entscheidung �u�erte, bestand die M�glichkeit, da� sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> so entscheiden w�rden. Wie auch immer � Kinhuin w�rde sich erinnern und es den anderen seiner sogenannten Gemeinschaft mitteilen. Sie hatte die Jumai bereits in der Tasche, aber alles, was die <emphasis>Mera'din</emphasis> an sie band, war ebenfalls willkommen.</p><p>Sevanna wandte sich um und schritt wieder auf den Wald zu, nicht auf die Stallungen. Jetzt, da sie allein war, konnte sie sich um etwas weitaus Wichtigeres k�mmern als um die Bruderlosen. Sie tastete nach etwas, das sie unten in ihre Bluse gesteckt hatte, wo ihre Stola es verbarg. Sie h�tte es gesp�rt, wenn es auch nur um Haaresbreite verrutscht w�re, aber sie wollte seine glatte L�nge mit den Fingern sp�ren. Keine Weise Frau w�rde es mehr wagen, sie niedriger einzustufen als sich selbst, wenn sie dies erst benutzt hatte � vielleicht schon heute. Und eines Tages w�rde es ihr Rand al'Thor verschaffen. Immerhin k�nnte Caddar, wenn er einmal gelogen hatte, auch in anderer Hinsicht gelogen haben.</p><p>Galina Casban sah die Weise Frau, die sie abschirmte, durch einen Tr�nenschleier an. Als w�re der Schild der schlanken Frau n�tig gewesen. Im Moment h�tte sie nicht einmal die Quelle umarmen k�nnen. Zwischen zwei T�chtern des Speers mit gekreuzten Beinen auf dem Boden sitzend, richtete Belinde ihre Stola und l�chelte d�nn, als kenne sie Galinas Gedanken. Sie hatte ein schmales, fuchs�hnliches Gesicht, und ihr Haar und die Augenbrauen waren von der Sonne fast wei� gebleicht. Galina w�nschte, sie h�tte ihren Sch�del zerschmettert, anstatt sie nur geschlagen zu haben.</p><p>Es war kein Fluchtversuch gewesen, nur Ausdruck gr��erer Entt�uschung, als sie ertragen konnte. Ihre Tage begannen und endeten mit zunehmender Ersch�pfung. Sie konnte sich nicht erinnern, wie lange es her war, da� man sie in dieses rauhe schwarze Gewand gesteckt hatte. Die Tage verschmolzen wie ein endloser Strom. Eine Woche? Ein Monat? Vielleicht nicht so lange. Sicherlich nicht l�nger. Sie w�nschte, sie h�tte Belinde niemals ber�hrt. Wenn die Frau ihr nicht T�cher in den Mund gestopft h�tte, um ihr Schluchzen zu unterdr�cken, h�tte sie darum gebeten, wieder Steine tragen zu d�rfen oder einen Haufen Kiesel Stein f�r Stein abzutragen oder irgendeine der anderen Qualen auf sich zu nehmen, mit denen sie ihre Zeit ausf�llten. Alles lieber als das.</p><p>Nur Galinas Kopf ragte aus dem Ledersack hervor, der von dem knorrigen Ast einer Eiche herabhing. Direkt unter dem Sack gl�hten in einer bronzenen Kohlenpfanne Kohlen, gl�hten langsam und erhitzten die Luft in dem Sack. Sie kauerte mit an ihre Zehen gebundenen Daumen in dieser schwelenden Hitze, und Schwei� �berzog ihre Nacktheit. Das Haar klebte ihr feucht am Gesicht, und sie keuchte, rang mit bebenden Nasenfl�geln nach Luft, wenn sie nicht schluchzte. Dennoch w�re dies immer noch besser gewesen als die endlose, sinnlose, sehr harte Arbeit, der sie sie unterworfen hatten, wenn nicht eines gewesen w�re. Bevor Belinde den Sack unter ihrem Kinn zuzog, hatte sie einen Beutel voll irgendeines feinen Pulvers �ber sie gest�ubt, und als sie zu schwitzen anfing, hatte dieses Pulver wie in die Augen gestreuter Pfeffer zu brennen begonnen und schien sie von den Schultern abw�rts zu bedecken. Oh, Licht, es brannte!</p><p>Es offenbarte ihre Verzweiflung, da� sie das Licht anrief, aber sie hatten sie trotz all ihrer Bem�hungen nicht gebrochen. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> freikommen � das w�rde sie! �, und wenn das gesch�he, w�rde sie diese Wilden mit Blut bezahlen lassen! Str�me von Blut! Ozeane! Sie w�rde sie alle lebendig h�uten lassen! Sie w�rde...! Sie warf den Kopf zur�ck und heulte. Die zusammengerollten T�cher in ihrem Mund d�mpften den Laut, aber sie heulte, und sie wu�te nicht, ob sie ihren Zorn herausschrie oder um Gnade flehte.</p><p>Als ihr Heulen erstarb und ihr Kopf vorn�ber sank, sprangen Belinde und die T�chter des Speers auf. Sevanna trat hinzu. Galina bem�hte sich, ihr Schluchzen vor der blonden Frau zu unterdr�cken, aber sie h�tte ebensogut versuchen k�nnen, die Sonne mit blo�en Fingern vom Himmel zu pfl�cken. �H�rt, wie sie winselt und pl�rrt�, h�hnte Sevanna, die unter sie getreten war. Galina versuchte, Sevannas ver�chtlichen Blick gleicherma�en zu erwidern. Sevanna beh�ngte sich mit Schmuck, der f�r zehn Frauen gen�gt h�tte! Sie trug eine so weit ge�ffnete Bluse, da� ihr Busen fast blo�lag, w�ren nicht all diese nicht zusammenpassenden Halsketten gewesen, und sie atmete tief ein, wann immer M�nner sie ansahen! Galina versuchte es, aber es war schwer, Verachtung zu zeigen, wenn zusammen mit dem Schwei� Tr�nen die Wangen hinabliefen. Sie bebte vor Schluchzen, so da� der Sack schwang.</p><p>�Diese <emphasis>Da'tsang</emphasis> ist z�h wie ein altes Mutterschaf�, kicherte Belinde, �aber ich fand immer, da� selbst das z�heste alte Mutterschaf durch langsames Kochen mit den richtigen Kr�utern zart wird. Als ich eine Tochter des Speers war, bekam ich sogar Steinsoldaten durch stundenlanges Kochen weich.� Galina schlo� die Augen. Sie w�rden mit Ozeanen von Blut bezahlen...</p><p>Der Sack wankte, und Galina �ffnete ruckartig die Augen, als er herabzusinken begann. Die T�chter des Speers hatten das Seil �ber dem Ast gel�st, und zwei von ihnen lie�en sie langsam herab. Sie schlug wild um sich, versuchte hinabzublicken und begann vor Erleichterung fast erneut zu schluchzen, als sie sah, da� die Kohlenpfanne beiseite geschoben worden war. Als Belinde vom Kochen sprach... Etwas Derartiges w�rde Belindes Schicksal sein, beschlo� Galina. An einen Spie� gebunden und �ber einem Feuer gedreht, bis ihre Lebenss�fte herabtropften! Das als Anfang!</p><p>Der Ledersack landete mit einem Ruck, der Galina aufst�hnen lie�, auf dem Boden und kippte um. Die T�chter des Speers sch�ttelten sie so unbek�mmert, als w�re es ein Sack Kartoffeln, auf das braune Unkraut, durchschnitten die Fesseln um ihre Daumen und Zehen und nahmen ihr den Knebel aus dem Mund. Schmutz und totes Laub blieben an dem sie bedeckenden Schwei� kleben.</p><p>Sie wollte so gern aufstehen, um ihnen allen offenen Blickes zu begegnen. Statt dessen richtete sie sich nur auf H�nde und Knie auf und grub ihre Finger und Zehen in die Laubdecke des Waldbodens. H�tte sie sich noch weiter erhoben, h�tte sie ihre H�nde nicht daran hindern k�nnen, ihre rote, brennende Haut zu bes�nftigen. Der Schwei� brannte wie Pfeffer. Sie konnte nur am Boden kauern, zittern, versuchen, ihren Mund wieder zu befeuchten und ihren Tr�umen nachh�ngen, was sie diesen Wilden antun w�rde.</p><p>�Ich h�tte Euch f�r st�rker gehalten�, sagte Sevanna �ber ihr nachdenklich, �aber wom�glich hat Belinde recht. Vielleicht seid ihr jetzt weich genug. Wenn Ihr schw�rt, mir zu gehorchen, k�nnt Ihr aufh�ren, eine <emphasis>Datsang</emphasis> zu sein. Vielleicht werdet Ihr nicht einmal eine <emphasis>Gai'schain</emphasis> sein m�ssen. Schw�rt Ihr, mir in allem zu gehorchen?�</p><p>�Ja!� Das rauh ausgesto�ene Wort erklang ohne Z�gern von Galinas Zunge, obwohl sie schlucken mu�te, bevor sie mehr sagen konnte. �Ich werde gehorchen! Ich schw�re es!� Also w�rde sie gehorchen, bis sie ihr die Gelegenheit gaben, die sie brauchte. Mehr war nicht n�tig? Nur ein Schwur, den sie schon am ersten Tag geleistet, h�tte? Sevanna w�rde erfahren, was es hie�, �ber hei�en Kohlen zu h�ngen. O ja, sie...</p><p>�Dann werdet Ihr nichts dagegen haben, den Schwur hierauf zu leisten�, sagte Sevanna und warf etwas vor ihr auf den Boden.</p><p>Galinas Kopfhaut kribbelte, als sie darauf schaute. Eine wei�e Rute wie poliertes Elfenbein, einen Fu� lang und nicht dicker als ihr Handgelenk. Dann sah sie die in das ihr zugewandte Ende eingeritzten flie�enden Markierungen, Zahlzeichen, die im Zeitalter der Legenden benutzt wurden. Einhundertelf. Sie glaubte zuerst, es sei die Eidesrute, irgendwie aus der Wei�en Burg entwendet. Sie war ebenfalls markiert, aber mit dem Zahlzeichen Drei, und einige glaubten, da� es f�r die Drei Eide st�nde. Vielleicht war dies nicht, was es schien. Vielleicht. Und doch h�tte keine dort zusammengerollte Natter aus den Versunkenen Landen sie so vollkommen erstarren lassen k�nnen.</p><p>�Ein h�bscher Schwur, Sevanna. Wann wolltet Ihr es uns anderen erz�hlen?�</p><p>Diese Stimme lie� Galina ruckartig den Kopf heben. Sie h�tte ihren Blick auch von einer Kobra losgel�st.</p><p>Zwischen den B�umen erschien Therava an der Spitze von zw�lf Weisen Frauen mit kalten Mienen. Sie blieben hinter ihr stehen und stellten sich Sevanna gegen�ber. Jede der jetzt anwesenden Frauen au�er den T�chtern des Speers war dabeigewesen, als man Galina dazu verurteilt hatte, das schwarze Gewand zu tragen. Ein Wort von Therava, ein kurzes Nicken von Sevanna, und die T�chter des Speers verschwanden rasch. Galina schwitzte noch immer, aber pl�tzlich erschien ihr die Luft k�hl.</p><p>Sevanna schaute zu Belinde, die ihren Blick mied. Sie sch�rzte die Lippen, halbwegs h�hnisch, halbwegs zornig, und stemmte die F�uste in die H�ften. Galina verstand nicht, woher sie den Mut nahm, da sie die Macht �berhaupt nicht lenken konnte. Einige dieser Frauen besa�en nicht unerhebliche St�rke. Nein, sie konnte es sich nicht leisten, an sie nur als an Wilde zu denken, wenn sie entkommen und Rache �ben wollte. Therava und Someryn waren st�rker als jede andere Frau in der Burg, und jede von ihnen h�tte ohne weiteres eine Aes Sedai sein k�nnen.</p><p>Aber Sevanna stand ihnen herausfordernd gegen�ber. �Ihr habt anscheinend schnell Recht gesprochen�, sagte sie mit staubtrockener Stimme.</p><p>�Es war eine einfache Angelegenheit�, erwiderte Tion ruhig. �Die <emphasis>Mera'din</emphasis> erfuhren gerechte Behandlung.�</p><p>�Und man hat ihnen gesagt, sie erf�hren sie <emphasis>trotz</emphasis> Eures Versuches, uns zu beeinflussen�, f�gte Rhiale beinahe hitzig hinzu. Sevannas Zorn wurde deutlicher.</p><p>Therava wollte sich von ihrem Vorhaben jedoch nicht ablenken lassen. Sie erreichte Galina mit einem schnellen Schritt, ergriff eine Handvoll ihres Haars, zog sie mit einem Ruck auf die Knie und bog ihren Kopf zur�ck. Therava war beileibe nicht die gr��te dieser Frauen, und doch ragte sie h�her auf als die meisten M�nner und blickte mit den Augen eines Falken herab, vertrieb jeglichen Gedanken an Rache oder Widerstand. Die wei�en Str�hnen in ihrem dunkelroten Haar lie�en ihr Gesicht nur noch herrischer wirken. Galina ballte die H�nde auf den Oberschenkeln zu F�usten, und ihre N�gel bohrten sich in die Handfl�chen. Selbst das Brennen ihrer Haut wurde unter diesem Blick abgeschw�cht. Sie hatte davon getr�umt, jede einzelne dieser Frauen zu zerbrechen, sie um den Tod flehen zu lassen und ihnen ihre Bitte lachend zu verweigern. Alle au�er Therava. Sie erf�llte nachts ihre Tr�ume, und Galina konnte nur zu fliehen versuchen. Aber die einzige Flucht bestand darin, schreiend aufzuwachen. Galina hatte starke M�nner und starke Frauen zerbrochen, aber jetzt starrte sie mit geweiteten Augen zu Therava hoch und wimmerte.</p><p>�Sie besitzt keine Ehre, welche besch�mt werden k�nnte.� Therava spie diese Worte fast aus, �Wenn Ihr wollt, da� sie gebrochen wird, Sevanna, dann �berla�t sie mir. Wenn ich mit ihr fertig bin, wird sie auch ohne das Spielzeug Eures Freundes Caddar gehorchen.�</p><p>Sevanna leugnete emp�rt die Freundschaft mit diesem Caddar, wer immer er war. Rhiale fauchte, Sevanna h�tte ihn zu den anderen gebracht, und die anderen Frauen begannen dar�ber zu streiten, ob der �Binder� besser funktionieren w�rde als die �Reisekammer�.</p><p>Ein kleiner Teil von Galinas Verstand klammerte sich an die Erw�hnung der Reisekammer. Sie hatte schon zuvor davon sprechen h�ren und sehnte sich danach, sie nur einen Moment in die H�nde zu bekommen. Mit solch einem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> w�rde sie bef�higt zu Reisen, wie unzuverl�ssig es anscheinend auch war. Sie k�nnte... Keinerlei Hoffnung auf Flucht vermochte den Gedanken dar�ber standzuhalten, was Therava ihr antun w�rde, wenn die anderen beschlossen, der Bitte der Frau nachzukommen. Als die Weise Frau mit den Falkenaugen ihr Haar loslie�, um sich an dem Gespr�ch zu beteiligen, warf sich Galina auf die Rute. Alles, selbst Sevanna gehorchen zu m�ssen, war besser, als Therava �bergeben zu werden. W�re sie nicht abgeschirmt gewesen, h�tte sie die Macht gelenkt, um die Rute zu aktivieren.</p><p>Kaum umschlossen ihre Finger das glatte Material, als Therava einen Fu� darauf setzte und ihre H�nde schmerzhaft auf dem Boden festhielt. Keine der Weisen Frauen blickte auch nur zu Galina hin, die sich windend dalag und nutzlos freizukommen versuchte. Sie konnte sich nicht dazu bringen, allzu fest an ihrer Hand zu ziehen. Sie konnte sich dunkel daran erinnern, da� Herrscher �ngstlich vor ihr erbla�t waren, aber sie wagte es nicht, den Fu� dieser Frau zu bewegen.</p><p>�Wenn sie schw�ren soll�, sagte Therava und sah Sevanna streng an, �sollte sie schw�ren, uns allen hier zu gehorchen.� Alle au�er Belinde, die nachdenklich die Lippen sch�rzte, �u�erten Zustimmung.</p><p>Sevanna erwiderte Theravas Blick ebenso streng. �Gut�, pflichtete sie ihr schlie�lich bei. �Aber mir zuerst. Ich bin nicht nur eine Weise Frau, ich spreche auch als Clanh�uptling.�</p><p>Therava l�chelte d�nn. �Das stimmt. Zweien unter uns zuerst, Sevanna. Euch und mir.� Sevannas Miene wurde keinen Deut weniger herausfordernd, aber sie nickte widerwillig. Erst da nahm Therava ihren Fu� fort. Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie, und ein Strang Geist ber�hrte die Zahlzeichen am Ende der Rute in Galinas H�nden, genau wie es mit der Eidesrute gemacht wurde.</p><p>Galina z�gerte einen Moment und kr�mmte die gequetschten Finger. Es f�hlte sich auch genauso an wie bei der Eidesrute: nicht ganz wie Elfenbein, nicht ganz wie Glas, aber entschieden k�hl an den Handfl�chen. Wenn es eine zweite Eidesrute war, konnte sie auch verwendet werden, um jeden Eid, den sie jetzt leistete, r�ckg�ngig zu machen, sofern sie die Gelegenheit bek�me. Sie wollte kein Wagnis eingehen, wollte auf jeden Fall Therava gegen�ber keinen Eid leisten. In ihrem bisherigen Leben hatte stets <emphasis>sie</emphasis> befohlen. Das Leben seit ihrer Gefangennahme war elend gewesen, aber Therava konnte sie zum Scho�hund machen! Wenn sie den Eid jedoch nicht leistete �w�rden sie zulassen, da� Therava sie zerbrach? Sie hegte nicht den geringsten Zweifel, da� die Frau genau das tun w�rde.</p><p>�Unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Erl�sung und Wiedergeburt� � sie glaubte nicht mehr an das Licht oder an eine Hoffnung auf Erl�sung, und es war nicht n�tig, mehr als ein einfaches Versprechen zu geben, aber sie erwarteten einen starken Eid ��schw�re ich, jeder hier anwesenden Weisen Frau in allem zu gehorchen, insbesondere Therava und Sevanna,� Die letzte Hoffnung, da� dieser �Binder� etwas anderes w�re, schwand, als Galina sp�rte, wie sich der Eid um sie legte, als tr�ge sie pl�tzlich ein Kleidungsst�ck, welches sie von Kopf bis Fu� viel zu fest bedeckte. Sie warf den Kopf zur�ck und schrie, weil es pl�tzlich schien, als w�rde ihr die brennende Haut tief ins Fleisch gedr�ckt, aber haupts�chlich aus purer Verzweiflung.</p><p>�Seid still!� befahl Therava scharf. �Ich will Euer Jammern nicht h�ren!� Galina bi� ger�uschvoll die Z�hne zusammen, bi� sich dabei auf die Zunge und k�mpfte darum, ihr Schluchzen zu unterdr�cken. Jetzt war nur noch Gehorsam m�glich. Therava sah sie stirnrunzelnd an. �Dann wollen wir einmal sehen, ob es wahrhaftig wirkt�, murrte sie und beugte sich n�her heran. �Habt Ihr eine Gewalttat gegen irgendeine der hier anwesenden Weisen Frauen geplant? Antwortet wahrheitsgem�� und bittet um Strafe, wenn dem so ist. Die Strafe f�r Gewalt gegen eine Weise Frau�, f�gte sie wie als Nachgedanken hinzu, �mag darin bestehen, wie ein Tier get�tet zu werden.� Sie zog einen Finger ausdrucksvoll �ber ihre Kehle und ergriff dann mit derselben Hand ihren G�rteldolch.</p><p>Galina rang in panischer Angst nach Luft und scheute vor der Frau zur�ck. Sie konnte ihren Blick jedoch nicht von Therava l�sen, und sie konnte die Worte nicht aufhalten, die sie zitternd ausstie�. �D-d-das habe ich geplant, g-gegen Euch alle! B-bitte b-bestraft mich d-daf�r!� W�rde man sie jetzt t�ten? Sollte sie nach alledem hier sterben?</p><p>�Anscheinend wirkt der �Binder� so, wie Euer Freund behauptet hat, Sevanna.� Therava nahm Galina die Rute aus den schlaffen H�nden und steckte sie hinter ihren G�rtel, w�hrend sie sich aufrichtete. �Und anscheinend werdet Ihr nun doch Wei� tragen, Galina Casban.� Aus einem unbestimmten Grund l�chelte sie dar�ber erfreut. Aber sie sprach noch weiter. �Ihr werdet Euch dem�tig verhalten, wie es einer <emphasis>Gai'schain</emphasis> geziemt. Wenn ein <emphasis>Kind</emphasis> Euch befiehlt zu springen, werdet Ihr springen, es sei denn, jemand von uns hat etwas anderes gesagt. Und Ihr werdet <emphasis>Saidar</emphasis> nicht ber�hren und nicht die Macht lenken, es sei denn, jemand von uns befiehlt es Euch. La�t den Schild los, Belinde.�</p><p>Der Schild verschwand, und Galina kniete am Boden und blickte ins Leere. Die Quelle schimmerte qu�lend gerade au�er Sicht. Sie h�tte ebensogut versuchen k�nnen, Fl�gel zu entwickeln, wie sich danach auszustrecken.</p><p>Armb�nder klirrten, als Sevanna zornig ihre Stola richtete. �Ihr nehmt Euch zuviel heraus, Therava. Es geh�rt mir; gebt es mir!� Sie streckte die Hand aus, aber Therava kreuzte nur die Arme unter der Brust.</p><p>�Es hat Treffen der Weisen Frauen gegeben�, belehrte die Frau mit dem unbeugsamen Blick Sevanna.</p><p>�Wir sind zu gewissen Entscheidungen gelangt.� Die Frauen, die mit ihr gekommen waren, versammelten sich hinter ihr und stellten sich Sevanna alle gegen�ber. Belinde schlo� sich ihnen eilig an.</p><p>�Ohne mich?� fauchte Sevanna. �Wagt eine von Euch, eine Entscheidung ohne mich zu treffen?� Ihr Tonfall blieb so fest wie je, aber ihr Blick zuckte zu der Rute hinter Theravas G�rtel, und Galina glaubte bei ihr Unbehagen zu bemerken. Zu einem anderen Zeitpunkt h�tte sie es mit Freuden registriert.</p><p>�Eine Entscheidung mu�te ohne Euch getroffen werden�, sagte Tion mit tonloser Stimme.</p><p>�Ihr sprecht als Clanh�uptling, wie Ihr so h�ufig betont�, f�gte Emerys hinzu, ein sp�ttisches Funkeln in den gro�en grauen Augen. �Weise Frauen m�ssen manchmal miteinander sprechen, ohne da� ein Clanh�uptling zuh�rt. Oder jemand, der als Clanh�uptling spricht.�</p><p>�Wir haben beschlossen�, sagte Therava, �da� Ihr den Rat einer Weisen Frau ebenso braucht wie ein Clanh�uptling. <emphasis>Ich</emphasis> werde Euch beraten.�</p><p>Sevanna richtete ihre Stola und betrachtete die ihr gegen�berstehenden Frauen. Ihre Miene war unlesbar. Wie machte sie das? Sie konnten sie wie ein Ei unter einem Hammer zerschmettern. �Und welchen <emphasis>Rat</emphasis> gebt Ihr mir, Therava?� fragte sie schlie�lich mit eisiger Stimme.</p><p>�Mein dringender Rat lautet, unverz�glich aufzubrechen�, erwiderte Therava ebenso eisig. �Diese Seanchaner sind zu nahe und in der �berzahl. Wir sollten nach Norden in die Verschleierten Berge ziehen und ein Lager errichten. Von dort k�nnen wir Gruppen auf die Suche nach den anderen Septimen schicken. Es k�nnte lange dauern, die Shaido wieder zu vereinen, Sevanna. Euer Feuchtl�nder-Freund hat uns vielleicht in alle neun Ecken der Welt verstreut. Bis zur Wiedervereinigung sind wir verwundbar.�</p><p>�Wir werden morgen aufbrechen.� W�re Galina sich nicht sicher gewesen, Sevanna in- und auswendig zu kennen, h�tte sie geglaubt die Frau kl�nge sowohl verdrie�lich als auch �rgerlich. Ihre gr�nen Augen blitzten. �Wir ziehen jedoch ostw�rts. Auf diese Weise entfernen wir uns auch von den Seanchanern, und die L�nder im Osten sind im Aufruhr, reif zum Pfl�cken.�</p><p>Es entstand ein langes Schweigen. Dann nickte Therava. �Ostw�rts.� Sie sprach das Wort sanft aus, die Sanftheit von seidenverh�lltem Stahl. �Aber denkt daran, da� Clanh�uptlinge stets bedauern mu�ten, wenn sie den Rat einer Weisen Frau zu h�ufig abwiesen. Das k�nnte auch Euch passieren.� Ihre Miene dr�ckte gleicherma�en Drohung aus wie ihre Stimme, und doch lachte Sevanna!</p><p>�Denkt <emphasis>Ihr</emphasis> daran, Therava! Denkt Ihr alle daran! Wenn ich den Geiern �berlassen werde, gilt das f�r Euch alle ebenfalls! Daf�r habe ich gesorgt,�</p><p>Alle Frauen au�er Therava wechselten besorgte Blicke, und Modarra und Norlea runzelten die Stirn.</p><p>Auf Knien zusammengesunken und wimmernd in dem vergeblichen Versuch, ihre brennende Haut mit den H�nden zu bes�nftigen, fragte Galina sich, was diese Drohungen bedeuteten. Der Gedanke bahnte sich seinen Weg nur m�hsam durch Verbitterung und Selbstmitleid. Alles, was sie gegen diese Frauen verwenden k�nnte, w�re willkommen. Wenn sie es zu benutzen wagte. Ein bitterer Gedanke.</p><p>Sie erkannte j�h, da� sich der Himmel verfinsterte. Wolken zogen von Norden heran, grau und schwarz gestreift, und verdunkelten die Sonne. Doch aus den Wolken fielen in der Luft umherwirbelnde Schneeschauer. Sie erreichten den Boden nicht, kamen kaum bis zu den Baumspitzen, aber Galina ri� den Mund auf. Schnee! Hatte der Gro�e Herr seinen Griff um die Welt aus einem unbestimmten Grund gelockert?</p><p>Die Weisen Frauen starrten ebenfalls mit offenem Mund in den Himmel, als h�tten sie noch niemals Wolken, geschweige denn Schnee gesehen.</p><p>�Was ist das, Galina Casban?� verlangte Therava zu wissen. �Sprecht, wenn Ihr es wi�t!� Sie wandte den Blick nicht vom Himmel ab, bis Galina ihr erkl�rte, es sei Schnee, und als sie sich abwandte, tat sie es lachend. �Ich habe bereits vermutet, da� die M�nner, die Laman Baumm�rder niederstreckten, mit ihren Erz�hlungen �ber Schnee gelogen h�tten. Dies k�nnte nicht einmal eine Maus behindern!�</p><p>Galina versagte es sich, sie �ber wahre Schneef�lle aufzukl�ren, erschreckt, da� sie beinahe um Gunst gebuhlt hatte. Erschreckt auch �ber das geringe Vergn�gen daran, ihr Wissen zur�ckgehalten zu haben. <emphasis>Ich bin die H�chste der Roten Ajah!</emphasis> mahnte sie sich selbst. <emphasis>Und ich bekleide einen hohen Rang der Schwarzen Ajah!</emphasis> Es klang wie L�gen. Es war nicht richtig!</p><p>�Da wir hier fertig sind�, sagte Sevanna, �werde ich die <emphasis>Gai'schain</emphasis> zur�ckbringen und daf�r sorgen, da� sie wei�e Kleidung bekommt. Ihr k�nnt hierbleiben und den Schnee anstarren, wenn Ihr wollt.� Ihre Stimme klang so butterweich, da� niemand geglaubt h�tte, sie k�nnte nur Augenblicke fr�her schrill geklungen haben. Sie schlang sich ihre Stola �ber die Ellbogen und richtete einige ihrer Halsketten. Nichts auf der Welt k�mmerte sie mehr.</p><p>�Wir werden uns um die <emphasis>Gai'schain</emphasis> k�mmern�, erwiderte Therava ebenso weich. �Da Ihr als Clanh�uptling sprecht, habt Ihr noch einen langen Tag und den gr��ten Teil der Nacht vor Euch, wenn wir morgen aufbrechen wollen.� Sevannas Augen blitzten noch einmal kurz auf, aber Therava schnippte nur mit den Fingern und vollf�hrte eine scharfe Geste zu Galina, bevor sie sich zum Gehen wandte. �Kommt mit mir�, sagte sie. �Und h�rt auf zu schmollen.�</p><p>Galina erhob sich m�hsam mit gesenktem Kopf und folgte eilig Therava und den anderen Frauen, welche die Macht lenken konnten. Schmollen? Sie hatte vielleicht die Stirn gerunzelt, aber niemals geschmollt! Ihre Gedanken rasten wie Ratten im K�fig, ohne eine Hoffnung auf Flucht zu entdecken. Es mu�te Hoffnung geben! Es mu�te eine geben! Ein Gedanke, der in all dem Tumult an die Oberfl�che gelangte, lie� sie fast wieder in Tr�nen ausbrechen. Waren die Gew�nder der Gai'schain weicher als das kratzige schwarze Tuch, das sie bisher hatte tragen m�ssen? Es mu�te einen Ausweg geben! Ein schneller Blick zur�ck zum Wald zeigte ihr, da� Sevanna noch immer unbewegt dastand und ihnen nachsah. �ber ihnen wirbelten die Wolken umher, aber der herabfallende Schnee schmolz wie Galinas Hoffnungen dahin.</p></section><section><title><p>12</p><p>Neue B�ndnisse</p></title><p>Graendal w�nschte, unter den Gegenst�nden, die sie nach Sammaels Tod aus Illian fortgeschafft hatte, bef�nde sich ein einfacher Umwandler. Dieses Zeitalter war erschreckend gew�hnlich, barbarisch und unangenehm. Dennoch gefiel ihr auch einiges. In einem gro�en Bambusk�fig am entgegengesetzten Ende des Raums tr�llerten hundert buntgefiederte V�gel, in ihrem vielfarbigen Umherhuschen fast so sch�n wie ihre beiden Lieblinge in ihren durchscheinenden Gew�ndern, die zu beiden Seiten der T�r warteten, die Blicke auf sie gerichtet und bestrebt, ihrem Vergn�gen zu dienen. Auch wenn �llampen nicht dasselbe Licht wie Gl�hbirnen verstr�mten, sorgten sie doch mit Hilfe der gro�en Spiegel an den W�nden f�r einen gewissen ungez�gelten Glanz an der vergoldeten, wie Fischschuppen gearbeiteten Decke. Es w�re schon erfreulich gewesen, die Worte nur aussprechen zu m�ssen, aber sie tats�chlich mit eigener Hand zu Papier zu bringen, verschaffte ihr ein �hnliches Vergn�gen wie das Skizzieren. Die Schrift dieses Zeitalters war recht einfach, und es war auch nicht schwer gewesen, den Stil eines anderen Menschen kopieren.</p><p>Sie signierte das Schriftst�ck mit einem Schn�rkel �nat�rlich nicht mit ihrem eigenen Namen �, streute Sand dar�ber, faltete es und versiegelte es mit einem der Siegelringe verschiedener Gr��en, die auf ihrem Schreibtisch eine h�bsch anzusehende Reihe bildeten: Die Hand und das Schwert von Arad Doman auf einen unregelm��igen Kreis blauen und gr�nen Wachs gepre�t.</p><p>�Bringt dies rasch zu Lord Ituralde�, befahl sie, �und sagt nur, was ich Euch auf getragen habe.�</p><p>�So schnell mich Pferde tragen k�nnen, meine Lady.� Nazran verbeugte sich, w�hrend er den Brief entgegennahm, und strich mit einem Finger �ber seinen d�nnen schwarzen Schnurrbart �ber einem einnehmenden L�cheln. St�mmig und tiefbraun, in einer gut sitzenden blauen Jacke, sah er gut aus. Aber nicht gut genug. �Ich erhielt dies von Lady Tuva, die an ihren Verletzungen starb, nachdem sie mir gesagt hatte, sie sei ein Bote von Alsalam und sei von einem Grauen Mann angegriffen worden.�</p><p>�Versichert Euch, da� menschliches Blut daran ist�, mahnte sie. Graendal bezweifelte, da� in dieser Zeit jemand menschliches Blut von anderem Blut unterscheiden k�nnte, aber sie war zu h�ufig �berrascht worden, um unn�tige Risiken einzugehen. �Genug, da� es echt wirkt. Nicht genug, um verwischen zu k�nnen, was ich geschrieben habe.�</p><p>Seine schwarzen Augen verweilten zugetan auf ihr, als er sich erneut verbeugte, aber sobald er sich wieder aufgerichtet hatte, eilte er zur T�r, wobei seine Stiefel dumpf auf dem hellgelben Marmorboden aufschlugen. Er bemerkte die Diener mit ihren starr auf sie gerichteten Blicken nicht, oder gab vor, sie nicht zu bemerken, obwohl er einst ein Freund des jungen Mannes gewesen war. Nur eine Ber�hrung mit Zwang war n�tig gewesen, um Nazran fast ebenso begierig gehorchen zu lassen wie die anderen, ganz zu schweigen nat�rlich davon, da� er ihre weiblichen Reize dennoch wieder auskosten k�nnte. Sie lachte weich. Nun, er glaubte, er k�nnte sie auskosten. S�he er ein wenig besser aus, h�tte er es tats�chlich gekonnt. Nat�rlich w�re er dann zu nichts anderem mehr n�tze gewesen. Er w�rde Pferde zu Tode reiten, um Ituralde zu erreichen, und wenn diese Nachricht, von Alsalams engem Cousin �berbracht, vermutlich vom K�nig selbst gesandt und um ein Haar von Grauen M�nnern aufgehalten, dem Gebot des Gro�en Herrn, das Chaos zu vergr��ern, nicht entsprach, k�nnte nicht viel mehr als Baalsfeuer dies erreichen. Und es w�re ihren eigenen Zwecken ebenfalls sehr dienlich.</p><p>Graendal griff nach dem einzigen Ring auf dem Schreibtisch, der kein Siegelring war, ein einfacher goldener Reif, der nur auf ihren kleinen Finger pa�te. Es war eine angenehme �berraschung gewesen, unter Sammaels Habseligkeiten ein auf Frauen abgestimmtes <emphasis>Angreal</emphasis> zu finden und manches N�tzliche, w�hrend al'Thor und diese jungen Hunde, die sich Ashaman nannten, in Sammaels R�umen im Gro�en Saal des Konzils st�ndig ein- und ausgingen. Sie hatten entfernt, was sie nicht mitgenommen hatte. Gef�hrliche junge Hunde, sie alle, besonders al'Thor. Sie hatte nicht riskieren wollen, da� <emphasis>irgend jemand</emphasis> eine Verbindung zwischen ihr und Sammael herstellen konnte. Ja, sie mu�te die Verwirklichung ihrer eigenen Pl�ne beschleunigen und sich von Sammaels Mi�geschick distanzieren.</p><p>Pl�tzlich erschien am entgegengesetzten Ende des Raums ein senkrechter Silberschlitz, der vor den zwischen den schweren vergoldeten Spiegeln h�ngenden Wandteppichen hell schimmerte, und eine kristallklare Melodie erklang. Sie w�lbte �berrascht die Augenbrauen. Anscheinend erinnerte sich jemand der Aufmerksamkeiten eines zivilisierteren Zeitalters. Sie stand auf, zw�ngte den goldenen Reif �ber den Rubinring an ihrem kleinen Finger und umarmte dadurch <emphasis>Saidar,</emphasis> bevor sie mit der Macht das Gewebe gestaltete, das eine Antwortmelodie f�r denjenigen anstimmen w�rde, der ein Wegetor er�ffnen wollte. Das <emphasis>Angreal</emphasis> bot nicht viel, und doch w�re jedermann, der ihre Kraft zu kennen glaubte, erschrocken.</p><p>Das Wegetor er�ffnete sich, und zwei Frauen in fast identischen rotschwarzen Seidengew�ndern traten behutsam hindurch. Zumindest Moghedien bewegte sich vorsichtig, die dunklen Augen auf der Suche nach Fallen, w�hrend sie ihre weiten R�cke gl�ttete. Das Wegetor verbla�te kurz darauf, aber sie hielt <emphasis>Saidar</emphasis> weiterhin fest. Eine vern�nftige Vorsichtsma�nahme, wobei Moghedien schon immer Vorkehrungen getroffen hatte. Graendal lie� die Quelle ebenfalls nicht los. Moghediens Begleiterin, eine kleine junge Frau mit langem silbernen Haar und lebhaften blauen Augen, sah sich kalt um, schaute aber kaum einmal in Graendals Richtung. Ihrem Verhalten nach h�tte sie eine Erste Beraterin sein k�nnen, die gezwungen war, die Gesellschaft gew�hnlicher Arbeitender zu ertragen, und sich bem�hte, ihr Vorhandensein zu ignorieren. T�richt, die Spinne nachzuahmen. Rot und Schwarz standen ihr nicht, und sie h�tte ihren eindrucksvollen Busen besser einsetzen sollen.</p><p>�Graendal, dies ist Cyndane�, sagte Moghedien. �Wir ... arbeiten zusammen.� Sie l�chelte nicht, als sie den Namen der hochm�tigen jungen Frau nannte, Graendal hingegen schon. Ein h�bscher Name f�r ein �beraus h�bsches M�dchen, aber welche Wendung des Schicksals hatte eine Mutter dieser Zeit dazu veranla�t, ihrer Tochter einen Namen zu geben, der �Letzte Chance� bedeutete? Cyndanes Gesicht blieb kalt und ausdruckslos, aber ihre Augen flackerten. Eine wundersch�ne, aus Eis gemei�elte Puppe mit verborgenem Feuer. Anscheinend kannte sie die Bedeutung ihres Namens, und sie gefiel ihr nicht.</p><p>�Was f�hrt Euch und Eure Freundin hierher, Moghedien?� fragte Graendal. Von der Spinne h�tte sie als letztes erwartet, aus den Schatten hervorzukommen. �Habt keine Angst, vor meinen Dienern zu sprechen.� Sie vollf�hrte eine Geste, und das Paar an der T�r sank auf die Knie und pre�te die Gesichter auf den Boden. Sie w�rden zwar nicht auf ihren Befehl hin tot umfallen, aber beinahe.</p><p>�Welches Interesse k�nnt Ihr an ihnen haben, wenn Ihr doch alles zerst�rt, was sie vielleicht bemerkenswert machen w�rde?� fragte Cyndane, w�hrend sie anma�end �ber den Boden schritt. Sie hielt sich sehr gerade, k�mpfte um jeden Millimeter Gr��e. �Wi�t Ihr, da� Sammael tot ist?�</p><p>Graendal hielt ihre Miene ebenfalls ohne allzu gro�e M�he ausdruckslos. Sie hatte vermutet, dieses M�dchen sei eine Schattenfreundin, die Moghedien f�r Boteng�nge aufgelesen hatte, vielleicht eine Adlige, die glaubte, ihr Titel gelte etwas, aber jetzt, da sie Cyndane von nahem sah... Das M�dchen war in der Einen Macht st�rker als sie selbst! Das war sogar in ihrem eigenen Zeitalter unter M�nnern ungew�hnlich und unter Frauen tats�chlich sehr selten gewesen. Sie �nderte augenblicklich ihre Absicht, jegliche Verbindung zu Sammael zu leugnen.</p><p>�Ich habe es vermutet�, erwiderte sie und l�chelte Moghedien �ber den Kopf der jungen Frau hinweg falsch zu. Wieviel wu�te sie? Wo hatte die Spinne ein M�dchen gefunden, das soviel st�rker war als sie, und warum reiste sie mit ihr? Moghedien war immer auf jedermann eifers�chtig gewesen, der st�rker war. Oder, genauer gesagt, auf alles. �Er pflegte mich zu besuchen, um meine Hilfe bei dem einen oder anderen wahnsinnigen Plan zu erbitten. Ich habe ihn niemals direkt abgewiesen. Ihr wi�t, Sammael ist � er war � ein zu gef�hrlicher Mann, um ihn abzuweisen. Er erschien unfehlbar alle paar Tage, und als seine Besuche aufh�rten, nahm ich schon an, da� ihm etwas Schreckliches zugesto�en w�re. Wer ist dieses M�dchen, Moghedien? Eine bemerkenswerte Entdeckung.�</p><p>Die junge Frau trat n�her und sah sie mit Augen wie blaues Feuer unverwandt an. �Sie hat Euch meinen Namen genannt. Mehr braucht Ihr nicht zu erfahren.� Das M�dchen wu�te, da� sie mit einer der Auserw�hlten sprach, und doch blieb ihr Tonfall frostig. Selbst wenn man ihre St�rke bedachte, war dies keine einfache Schattenfreundin. Es sei denn, sie w�re geisteskrank. �Habt Ihr auf das Wetter geachtet, Graendal?�</p><p>Graendal erkannte j�h, da� Moghedien dem M�dchen das Reden �berlie�. Sie hielt sich zur�ck, bis eine Schw�che sichtbar w�rde. Und Graendal hatte es zugelassen! �Ihr seid vermutlich nicht gekommen, um mir von Sammaels Tod zu berichten, Moghedien�, sagte sie scharf. �Oder um �ber das Wetter zu sprechen. Ihr wi�t, da� ich selten meine R�ume verlasse.� Die Natur war widerspenstig, lie� Ordnung vermissen. Aber in diesem Raum gab es nicht einmal Fenster, ebensowenig wie in den meisten R�umen, die sie benutzte. �Was wollt Ihr?� Die dunkelhaarige Frau glitt seitw�rts an der Wand entlang. Das Schimmern der Einen Macht umgab sie noch immer. Graendal trat beil�ufig beiseite, so da� sie beide aber noch im Blick hatte.</p><p>�Ihr macht einen Fehler, Graendal.� Cyndanes volle Lippen bewegten sich bei ihrem frostigen L�cheln kaum. Sie geno� es. �Ich habe gegenw�rtig unter uns die F�hrung inne. Moghedien steht wegen <emphasis>ihrer</emphasis> k�rzlichen Fehler bei Moridin in schlechtem Ruf.�</p><p>Moghedien schlang die Arme um sich und warf der silberhaarigen Frau einen finsteren Blick zu, was so gut wie jede m�ndliche Best�tigung war. Pl�tzlich �ffneten sich Cyndanes gro�e Augen noch weiter, und sie keuchte unter Schaudern.</p><p>Moghediens Blick wurde h�misch. �Ihr habt gegenw�rtig die F�hrung inne�, h�hnte sie. �Ihr steht in seinen Augen nicht viel h�her als ich.� Und dann erschauderte <emphasis>sie</emphasis> und zitterte und bi� sich auf die Lippen.</p><p>Graendal fragte sich, ob man mit ihr spielte. Der unverh�llte gegenseitige Ha� auf den Gesichtern der beiden Frauen schien nicht vorget�uscht. Wie dem auch sei � sie w�rde erleben, wie es ihnen gefiele, wenn man mit <emphasis>ihnen</emphasis> spielte. Sie rieb sich unbewu�t die H�nde, strich �ber das <emphasis>Angreal</emphasis> an ihrem Finger und trat zu einem Stuhl, ohne das Paar aus den Augen zu lassen. Es tr�stete sie, die S��e <emphasis>Saidars</emphasis> in sich str�men zu sp�ren. Nicht da� sie Trost gebraucht h�tte, aber hier stimmte etwas nicht. Die hohe, gerade R�ckenlehne, reich geschnitzt und vergoldet, lie� den Stuhl an einen Thron erinnern, obwohl er sich nicht von den anderen St�hlen im Raum unterschied. Solche Dinge beeinflu�ten auch die Erfahrensten auf Ebenen, deren sie sich niemals bewu�t wurden.</p><p>Sie lehnte sich mit �bereinandergeschlagenen Beinen zur�ck, ein Fu� wippte m��ig � das Bild einer sich wohl f�hlenden Frau �, und sie gab ihrer Stimme einen gelangweilten Unterton. �Da Ihr die F�hrung innehabt, Kind, sagt mir doch, wer ist dieser Mann, der sich der Tod nennt, wenn er in menschlicher Gestalt erscheint. Was ist er?�</p><p>�Moridin ist Nae'blis.� Die Stimme des M�dchens klang ruhig und kalt und �berheblich. �Der Gro�e Herr hat beschlossen, da� es an der Zeit ist, da� auch Ihr dem Nae'blis dient.�</p><p>Graendal richtete sich ruckartig auf. �Das ist l�cherlich.� Sie konnte ihre Ver�rgerung nicht verbergen. �Ein Mann, von dem ich noch niemals auch nur <emphasis>geh�rt</emphasis> habe, wurde zum Regenten des Gro�en Herrn auf Erden ernannt?� Es k�mmerte sie nicht, wenn andere sie zu manipulieren versuchten � sie fand stets eine M�glichkeit, solche Pl�ne gegen sie selbst zu kehren �, aber Moghedien mu�te sie f�r eine N�rrin halten! Sie hegte keinen Zweifel, da� dieses abscheuliche M�dchen an Moghediens F�den hing, was auch immer sie behaupteten, welche Blicke auch immer sie sich zuwarfen. �Ich diene dem Gro�en Herrn und mir selbst, niemandem sonst! Ich denke, Ihr beide solltet jetzt gehen und Euer kleines Spiel woanders spielen. Demandred l��t sich m�glicherweise davon zerstreuen. Oder vielleicht Semirhage? Seid beim Lenken der Macht vorsichtig, wenn Ihr geht. Ich habe einige schwebende Gewebe errichtet, und Ihr wollt doch keines ausl�sen.�</p><p>Das war eine L�ge, aber eine sehr glaubw�rdige, so da� sie erschrak, als Moghedien pl�tzlich die Macht lenkte. Alle Lampen im Raum erloschen, und sie wurden in Dunkelheit getaucht. Graendal lie� sich sofort aus dem Stuhl fallen, damit sie nicht mehr dort w�re, wo die Frauen sie zuletzt gesehen hatten, und sie lenkte dabei ebenfalls die Macht, wob ein Gewebe aus Licht, das auf einer Seite des Raumes schwebte, eine Kugel aus reinem Wei�, die gespenstische Schatten in den Raum warf. Das Paar war jetzt deutlich zu sehen. Sie lenkte die Macht ohne Z�gern, zog alle Kraft aus dem kleinen Ring. Sie brauchte nicht alle Kraft, oder nicht vollst�ndig, aber sie wollte jeden Vorteil nutzen, der ihr zur Verf�gung stand. Sie w�rden sie angreifen! Ein Netz aus Zwang schlo� sich um die beiden Frauen, bevor sie sich regen konnten.</p><p>Sie hatte die Netze vor Zorn stark gewoben, fast ausreichend stark, da� sie schaden konnten, und die Frauen standen da und sahen sie bewundernd an, die Augen geweitet und den Mund zu einer Schmeichelei ge�ffnet, von Verehrung berauscht. Jetzt konnte sie ihnen Befehle erteilen. Wenn sie ihnen befahl, sich die eigenen Kehlen durchzuschneiden, w�rden sie es tun. Pl�tzlich erkannte Graendal, da� Moghedien die Quelle nicht mehr umarmte. Soviel Zwang hatte sie vielleicht gen�gend erschreckt, sie loszulassen. Die Diener an der T�r hatten sich nat�rlich nicht geregt.</p><p>�Nun�, sagte sie ein wenig atemlos, �werdet Ihr jetzt meine Fragen beantworten?� Sie hatte viele Fragen, einschlie�lich derjenigen, wer dieser Moridin war, wenn es einen solchen Mann gab, und wo Cyndane herkam, aber eine Frage reizte sie mehr als alle anderen. �Was habt Ihr hierdurch zu erreichen gehofft, Moghedien? Ich k�nnte mich entschlie�en, diese Gewebe um Euch zu verknoten. Ihr k�nntet f�r Euer Spiel bezahlen, indem Ihr <emphasis>mir</emphasis> dient.�</p><p>�Nein, bitte�, st�hnte Moghedien und rang die H�nde. Sie begann tats�chlich zu weinen! �Ihr werdet uns alle t�ten! Bitte, Ihr m��t dem <emphasis>Nae'blis</emphasis> dienen! Wir sind nur gekommen, um Euch in Moridins Dienst zu �berf�hren!� Das Gesicht der silberhaarigen kleinen Frau war in dem fahlen Licht eine umschattete Maske des Entsetzens, und ihr Busen hob und senkte sich schwer, w�hrend sie nach Atem rang.</p><p>Graendal, die sich j�h unbehaglich f�hlte, �ffnete den Mund. Diese Geschichte machte immer weniger Sinn. Sie �ffnete den Mund, und die Wahre Quelle schwand. Die Eine Macht zog sich von ihr zur�ck, und der Raum wurde wieder dunkel. Die V�gel in den K�figen brachen j�h in aufgeregtes Zwitschern aus und schlugen mit den Fl�geln wild gegen die Bambusst�be.</p><p>Hinter Graendal knirschte eine Stimme wie zu Staub zerriebener Fels. �Der Gro�e Herr dachte, Ihr w�rdet vielleicht an ihren Worten zweifeln, Graendal. Die Zeit, in der Ihr Euren eigenen Weg gehen konntet, ist vor�ber.� Eine Kugel von... Etwas ... erschien in der Luft, eine tiefschwarze Kugel, aber silbernes Licht durchstr�mte den Raum. Die Spiegel schimmerten nicht. Sie schienen in diesem Licht stumpf. Die V�gel wurden wieder still. Irgendwie wu�te Graendal, da� sie vor Schreck wie versteinert waren.</p><p>Sie starrte den Myrddraal an, hell und augenlos und in noch tieferes Schwarz gekleidet, als die Kugel schwarz war, aber gr��er als alle anderen, die sie jemals gesehen hatte. Er mu�te der Grund daf�r sein, da� sie die Quelle nicht mehr sp�ren konnte, aber das war unm�glich! Au�er... Wo war diese seltsame Kugel schwarzen Lichts hergekommen, wenn nicht von ihm? Sie hatte beim Anblick eines Myrddraals niemals dieselbe Angst versp�rt wie andere, nicht in gleichem Ma�e, und doch hoben sich jetzt ihre H�nde mechanisch, und sie mu�te sie gewaltsam senken, um nicht ihr Gesicht zu bedecken. Sie schaute zu Moghedien und Cyndane und zuckte zusammen. Sie hatten die gleiche Pose wie ihre Diener eingenommen, kauerten auf den Knien, die K�pfe in Richtung des Myrddraal am Boden.</p><p>Sie sp�rte, wie ihr Mund trocken wurde. �Ihr seid ein Bote des Gro�en Herrn?� Ihre Stimme war fest, aber schwach. Sie hatte noch niemals davon geh�rt, da� der Gro�e Herr eine Botschaft durch einen Myrddraal gesandt h�tte, und doch... Moghedien hatte die Haltung eines Feiglings eingenommen, aber sie war dennoch eine der Auserw�hlten � und erniedrigte sich ebenso eifrig wie das M�dchen. Und da war das Licht. Graendal w�nschte, ihr Gewand w�re nicht so tief ausgeschnitten. Das war nat�rlich l�cherlich. Die Begierde der Myrddraals nach Frauen war wohlbekannt, aber sie war eine der... Ihr Blick schweifte erneut zu Moghedien.</p><p>Der Myrddraal schl�ngelte sich an ihr vorbei, ohne sie zu beachten. Sein langer schwarzer Umhang hing von seinen Bewegungen unber�hrt herab. Aginor hatte geglaubt, die Wesen w�ren nicht ganz auf dieselbe Art auf der Welt wie alles andere. �Leicht im Ungleichgewicht mit Zeit und Realit�t�, hatte er es genannt, was auch immer das bedeuten mochte.</p><p>�Ich bin Shaidar Haran.� Der Myrddraal blieb bei ihren Dienern stehen und packte sie mit jeweils einer Hand am Nacken. �Wenn ich spreche, k�nnt Ihr es so betrachten, als h�rtet Ihr die Stimme des Gro�en Herrn der Dunkelheit.� Die H�nde schlossen sich, bis das �berraschend laute Knacken von Knochen zu h�ren war. Der junge Mann verkrampfte sich im Tod und trat um sich. Die junge Frau wurde einfach schlaff. Sie waren zwei ihrer h�bschesten Diener gewesen. Der Myrddraal richtete sich von den leblosen K�rpern auf. �Ich bin sein Helfer in dieser Welt, Graendal. Wenn Ihr vor mir steht, steht Ihr vor ihm.�</p><p>Graendal dachte sorgf�ltig, wenn auch rasch nach. Sie hatte Angst, eine Empfindung, die sie weitaus h�ufiger bei anderen hervorrief, aber sie wu�te, wie sie ihre Angst beherrschen konnte. Obwohl sie niemals Heere befehligt hatte, waren ihr Gefahren durchaus nicht fremd, noch war sie ein Feigling, aber dies war mehr als nur eine einfache Gefahr. Moghedien und Cyndane knieten noch immer mit auf den Marmorboden gesenkten K�pfen, wobei Moghedien tats�chlich sichtbar zitterte. Graendal glaubte diesem Myrddraal. Oder was auch immer er in Wahrheit war. Der Gro�e Herr griff <emphasis>tats�chlich</emphasis> unmittelbarer in die Ereignisse ein, als sie bef�rchtet hatte. Und wenn er von ihrem Plan mit Sammael erfahren hatte... Das hie�, wenn er zu handeln beschl�sse. Es w�re zu diesem Zeitpunkt t�richt anzunehmen, da� er es nicht w��te.</p><p>Sie kniete sich anmutig vor den Myrddraal. �Was soll ich tun?� Ihre Stimme hatte ihre Kraft zur�ckgewonnen. Notwendige F�gsamkeit war keine Feigheit. Jene, die sich nicht vor dem Gro�en Herrn beugten, wurden gebeugt. Oder zerbrochen. �Soll ich Euch Gro�er Herr nennen, oder zieht Ihr einen anderen Titel vor? Ich w�rde mich auch bei der Hand des Gro�en Herrn nicht wohl f�hlen, ihn so anzusprechen wie den Gro�en Herrn selbst.�</p><p>Der Myrddraal lachte erschreckenderweise. Es klang wie br�ckelndes Eis. Myrddraals lachten niemals. �Ihr seid tapferer als die meisten, und kl�ger. Shaidar Haran wird f�r Euch gen�gen. Solange Ihr Euch daran erinnert, wer ich bin. Solange Ihr Eure Tapferkeit die Angst in Euch nicht allzusehr �berwiegen la�t.�</p><p>W�hrend er seine Befehle gab � ein Besuch bei Moridin war anscheinend der erste Befehl �, beschlo� sie, den Brief, den sie Rodel Ituralde gesandt hatte, zu verschweigen. Sie w�rde Moghedien gegen�ber wachsam sein m�ssen, und vielleicht auch Cyndane gegen�ber, die Rache f�r ihre kurze Benutzung des Zwangs �ben k�nnten, denn sie bezweifelte, da� das M�dchen vers�hnlicher war als die Spinne. Nichts, was man ihr antrug, deutete an, da� ihr Handeln dem Gro�en Herrn mi�fiel, und sie mu�te erst noch �ber ihre Lage nachdenken. Moridin, wer auch immer er sein mochte, war vielleicht heute Nae'blis, aber es gab stets auch ein Morgen.</p><p>Cadsuane st�tzte sich in Arilyns schwankender Kutsche ab und zog einen der ledernen Fenstervorh�nge so weit auf, da� sie hinaussehen konnte. Leichter Regen fiel aus einem grauen Himmel voller dahinst�rmender Wolken und rauher, umherwirbelnder Winde auf Cairhien. Und nicht nur der Himmel war winderf�llt. Heulende Windst��e ersch�tterten auch die Kutsche. Winzige Tropfen trafen kalt wie Eis auf ihre Hand. Wenn die Luft noch weiter abk�hlte, w�rde es schneien. Sie zog ihren wollenen Umhang fester um sich. Sie war froh gewesen, ihn zuunterst in ihren Satteltaschen zu finden. Die Luft w�rde abk�hlen. Die steilen Schieferd�cher der Stadt und die gepflasterten Stra�en gl�nzten na�, und obwohl es nicht stark regnete, waren nur wenige Menschen bereit, dem heftigen Wind zu trotzen. Eine Frau, die mit leichten Schl�gen ihres Stachelstocks einen Ochsenkarren lenkte, ging zwar ebenso geduldig voran wie ihr Ochse, aber die meisten Fu�g�nger hielten ihre Umh�nge fest geschlossen, die Kapuzen hochgezogen, und traten schnell beiseite, wenn die Tr�ger einer S�nfte, deren steifer <emphasis>Con</emphasis> flatterte, vor�bereilten. Noch andere au�er der Frau und ihrem Ochsen sahen jedoch keinen Grund zur Eile. Mitten auf der Stra�e stand ein gro�er Aiel und starrte mit offenem Mund ungl�ubig gen Himmel, w�hrend ihn der Regen durchn��te; er war so davon gefangen, da� ein forscher Taschendieb seine G�rteltasche mit einem Schnitt abtrennte und von seinem Opfer unbemerkt davonrannte. Eine Frau, deren sorgf�ltig gelocktes und aufgestecktes Haar sie als Adlige auswies, ging langsam voran, w�hrend ihr Umhang und dessen Kapuze wild flatterten. Dies war vielleicht das erste Mal, da� sie tats�chlich zu Fu� auf einer Stra�e ging, aber sie lachte, als der Regen ihre Wangen benetzte. Die Besitzerin einer Parf�merie blickte freudlos aus dem Eingang ihres Ladens hervor. Sie w�rde heute wenig Umsatz machen. Die meisten Stra�enh�ndler waren aus demselben Grund verschwunden, aber eine Handvoll rief von Karren unter Behelfsmarkisen aus noch immer hoffnungsvoll hei�en Tee und Fleischpasteten aus.</p><p>Zwei halb verhungerte Hunde liefen aus einer Gasse heran, steifbeinig und mit erhobenen Schw�nzen, und knurrten und bellten die Kutsche an. Cadsuane lie� den Vorhang fallen. Hunde schienen Frauen, welche die Macht lenken konnten, ebenso leicht zu erkennen, wie Katzen es vermochten, aber Hunde glaubten anscheinend, die Frauen <emphasis>w�ren</emphasis> Katzen, wenn auch unnat�rlich gro�e. Die beiden Frauen, die ihr gegen�bersa�en, waren noch immer in ihre Unterhaltung vertieft.</p><p>�Verzeiht�, sagte Daigian gerade, �aber die Logik ist unentrinnbar.� Sie beugte entschuldigend den Kopf, wodurch der Mondstein, der an einer d�nnen Silberkette von ihrem langen schwarzen Haar herabhing, �ber der Stirn hin und her schwang. Ihre Finger zupften an den wei�en Schlitzen in ihren dunklen R�cken, und sie sprach hastig, als f�rchte sie, unterbrochen zu werden. �Wenn man annimmt, da� die lang anhaltende Hitze das Werk des Dunklen K�nigs war, mu� der Wandel durch eine andere Wirkung eingetreten sein. Er h�tte nicht nachgegeben. Ihr k�nntet behaupten, da� er beschlossen habe, die Welt erfrieren oder ertrinken zu lassen, anstatt sie auszud�rren, aber warum? H�tte die Hitze noch den Fr�hling �ber angehalten, h�tten die Toten die Lebenden zahlenm��ig durchaus �berwiegen k�nnen, nicht anders, als wenn bis in den Sommer hinein Schnee f�llt. Daher ist unzweifelhaft eine andere Hand am Werk.� Die Sch�chternheit der rundlichen Frau war manchmal anstrengend, aber Cadsuane fand ihre Logik wie immer einwandfrei. Sie w�nschte nur, sie w��te, wessen Hand im Spiel war.</p><p>�Friede!� murrte Kumira. �Mir w�re eine Unze knallharter Beweise lieber als ein Zentner Eurer Wei�en Ajah-Logik.� Sie selbst war eine Braune, eine h�bsche Frau mit kurzgeschnittenem Haar, die eine scharfe Beobachterin und niemals so tief in Gedanken versunken war, da� sie die Welt um sich herum verga�. Kaum hatte Kumira gesprochen, als sie auch schon Daigians Knie geziemend t�tschelte und l�chelte, wodurch ihre blauen Augen herzlicher wirkten. Die Shienarer waren im gro�en und ganzen ein h�fliches Volk, und Kumira achtete darauf, niemanden zu beleidigen, unabsichtlich zumindest.</p><p>�Denkt dar�ber nach, was wir mit den Schwestern tun k�nnen, die von den Aiel festgehalten werden. Ich wei�, da�. Ihr etwas ersinnen k�nnt, wenn �berhaupt jemand es kann.�</p><p>Cadsuane schnaubte. �Sie verdienen, was immer mit ihnen geschieht� Sie selbst war nicht in die N�he der Aielzelte gelassen worden noch jemand aus ihrer Begleitung, aber einige der Narren, die al'Thor die Treue geschworen hatten, hatten sich hinaus zu dem verstreuten Lager gewagt und waren mit bleichen Gesichtern und zwischen Zorn und �belkeit schwankend zur�ckgekehrt. Normalerweise w�re sie �ber die Verletzung der Aes Sedai-W�rde ebenfalls zornig gewesen, wie auch immer die Umst�nde waren. Aber jetzt nicht. Um ihr Ziel zu erreichen, h�tte sie jede Aes Sedai der Wei�en Burg nackt durch die Stra�en gejagt. Wie konnte sie sich mit dem Unbehagen von Frauen belasten, die vielleicht alles verdorben hatten?</p><p>Kumira �ffnete den Mund zum Protest, obwohl sie von ihren Gef�hlen wu�te, doch Cadsuane fuhr ruhig, aber schonungslos fort. �Vielleicht werden sie gen�gend Tr�nen vergie�en, um f�r das von ihnen bewirkte Durcheinander zu b��en, aber ich bezweifle es. Wir haben sie nicht mehr unter Kontrolle, und wenn ich sie kontrollieren k�nnte, w�rde ich sie den Aiel vielleicht einfach <emphasis>�bergeben.</emphasis> Verge�t sie, Daigian, und verfolgt mit Eurem klugen Verstand die Spur, die ich Euch aufzeige.�</p><p>Die blassen Wangen der Cairhienerin err�teten bei dem Kompliment stark. Dank dem Licht war sie nur in Gegenwart anderer Schwestern so. Kumira sa� schweigend da, mit ausdruckslosem Gesicht, die H�nde im Scho� verschr�nkt. Sie war jetzt vielleicht bezwungen, aber nur weniges konnte Kumira auf lange Sicht bezwingen. Genau diese beiden wollte Cadsuane heute bei sich haben.</p><p>Die Kutsche neigte sich, als das Gespann die lange, zum Sonnenpalast hinauff�hrende Rampe erklomm. �Denkt an das, was ich Euch gesagt habe�, belehrte sie die beiden nachdr�cklich. �Und seid vorsichtig!�</p><p>Sie murmelten, da� sie es beachten w�rden, so gut sie konnten, und Cadsuane nickte. Wenn n�tig, w�rde sie beide als Mulch benutzen, und andere ebenfalls, aber sie beabsichtigte niemanden zu verlieren, nur weil er unvorsichtig war.</p><p>Die Kutsche durfte die Palasttore unverz�glich passieren. Die W�chter erkannten Arilyns Siegel an den T�ren, und sie wu�ten, wer sich darin befand. Die Kutsche war in der vergangenen Woche nur allzu h�ufig im Palast gewesen. Sobald die Pferde stehenblieben, �ffnete ein besorgt dreinblickender Bediensteter in ungeschm�cktem Schwarz den Schlag, der einen breiten, flachen Schirm aus dunklem �ltuch hielt. Regen tropfte vom Rand auf seinen kahlen Kopf, aber der Schirm war auch nicht zu seinem Schutz gedacht.</p><p>Cadsuane �berpr�fte rasch den von ihrem Haarknoten herabh�ngenden Schmuck, um sich zu vergewissern, da� noch alles da war � sie hatte noch keines dieser Ornamente verloren, weil sie darauf aufpa�te �, dann ergriff sie ihren eckigen Weidenn�hkorb unter dem Sitz und stieg aus. Ein halbes Dutzend Bedienstete standen wartend mit Schirmen in H�nden da. Ein halbes Dutzend Passagiere h�tte die Kutsche unbequem werden lassen, aber die Bediensteten wollten nichts vers�umen, und die �berz�hligen eilten erst davon, als offenkundig war, da� sich nur drei Passagiere in der Kutsche befanden.</p><p>Die Ankunft der Kutsche war anscheinend beobachtet worden. Dunkel gekleidete Diener und Dienerinnen bildeten auf den tiefblauen und goldenen Fliesen der Eingangshalle mit ihrer eckig gew�lbten hohen Decke eine korrekte Reihe. Sie sprangen vor, nahmen Umh�nge ab, hielten kleine warme Leinent�cher bereit, falls jemand sich Gesicht oder H�nde abtrocknen wollte, und boten Becher aus MeervolkPorzellan mit scharf gew�rztem, hei�em Wein dar. Es war ein Wintergetr�nk, aber der pl�tzliche Temperaturabfall lie� es dennoch passend erscheinen. Und immerhin <emphasis>war</emphasis> es letztendlich Winter.</p><p>Drei Aes Sedai standen wartend zwischen wuchtigen Pfeilern aus dunklem Marmor vor hohen, hellen, f�r Cairhien zweifellos wichtige Schlachten zeigenden Friesen auf einer Seite der Halle, aber Cadsuane ignorierte die Frauen im Moment noch. Einer der jungen Diener trug eine rotgoldene Gestalt auf die linke Seite seiner Jacke gestickt, die gemeinhin ein Drache genannt wurde. Corgaide, die grauhaarige Frau mit dem ernsten Gesicht, welche die Diener im Sonnenpalast befehligte, stach lediglich durch einen gro�en, schweren Schl�sselring an der Taille hervor. Auch die Kleidung aller anderen war vollkommen schmucklos, und trotz des offensichtlichen Enthusiasmus des jungen Mannes war es Corgaide, die H�terin der Schl�ssel, welche den Ton unter den Dienern angab. Dennoch hatte sie dem jungen Mann die Stickerei gestattet. Was man in Erinnerung behalten sollte. Cadsuane sprach ruhig mit ihr und fragte nach einem Raum, wo sie ungest�rt an ihrem Stickrahmen arbeiten k�nnte. Die Frau nahm ihre Frage vollkommen gelassen auf. Andererseits hatte sie, da sie in diesem Palast diente, gewi� schon seltsamere Anliegen vorgetragen bekommen.</p><p>Als sich die Diener unter Verbeugungen und Hofknicksen mit den Umh�ngen und Tabletts zur�ckzogen, wandte sich Cadsuane schlie�lich den drei Schwestern zwischen den S�ulen zu. Sie alle sahen sie an und mi�achteten Kumira und Daigian. Corgaide blieb, aber sie hielt sich im Hintergrund und lie� die Aes Sedai ungest�rt. �Ich habe gewi� nicht erwartet.</p><p>Euch gem�tlich umherspazieren zu sehen�, sagte Cadsuane. �Ich dachte, die Aiel lie�en ihre Lehrlinge hart arbeiten.�</p><p>Faeldrin reagierte kaum, sie bewegte nur leicht den Kopf, so da� die farbigen Perlen in ihren d�nnen Z�pfen klapperten, aber Merana err�tete vor Verlegenheit und krampfte die H�nde in ihre R�cke. Gewisse Ereignisse hatten Merana so stark ersch�ttert, da� sich Cadsuane nicht sicher war, ob sie sich jemals wieder davon erholen w�rde. Bera blieb nat�rlich nahezu unersch�tterlich.</p><p>�Die meisten von uns haben wegen des Regens einen freien Tag zugestanden bekommen�, erwiderte Bera ruhig. Sie war eine kr�ftige Frau in einfachem Tuch � fein gewoben und gut geschnitten, aber entschieden einfach �, so da� sie eher auf einen Bauernhof als in einen Palast gepa�t h�tte. Doch nur ein Narr h�tte sich dadurch t�uschen lassen. Bera besa� einen scharfen Verstand und einen starken Willen, und Cadsuane glaubte nicht, da� sie jemals den gleichen Fehler zweimal machte. Wie die meisten Schwestern hatte auch sie die Begegnung mit der leibhaftigen Cadsuane Melaidhrin noch nicht vollkommen �berwunden, aber sie lie� sich nicht von Ehrfurcht leiten. Nach kaum wahrnehmbarem tiefem Einatmen fuhr sie fort. �Ich kann nicht verstehen, warum Ihr immer wieder zur�ckkommt, Cadsuane. Ihr wollt eindeutig etwas von uns, aber wenn Ihr uns nicht sagt, worum es sich handelt, k�nnen wir Euch nicht helfen. Wir wissen, was Ihr f�r den Lord Drachen getan habt...� � sie z�gerte bei dem Titel ein wenig, denn sie waren sich noch immer nicht ganz sicher, wie sie den Jungen nennen sollten �, �aber es ist offensichtlich, da� Ihr seinetwegen nach Cairhien gekommen seid. Wenn Ihr uns jedoch nicht sagt, was Ihr vorhabt und aus welchen Gr�nden, m��t Ihr verstehen, da� Ihr von uns keine Hilfe erwarten k�nnt.� Faeldrin, eine weitere Gr�ne, zuckte bei Beras k�hnem Tonfall zusammen, nickte aber zustimmend, noch bevor Bera geendet hatte.</p><p>�Ihr m��t auch Folgendes verstehen�, f�gte Merana hinzu, die ihre Gelassenheit zur�ckgewonnen hatte. �Wenn wir beschlie�en, uns Euch entgegenstellen zu m�ssen, werden wir es tun.� Beras Miene �nderte sich nicht, aber Faeldrin pre�te kurz die Lippen zusammen. Vielleicht war sie anderer Meinung, und vielleicht wollte sie nicht zuviel preisgeben.</p><p>Cadsuane schenkte ihnen ein schwaches L�cheln. Ihnen sagen, was sie vorhatte und weshalb? Wenn <emphasis>sie</emphasis> beschlossen? Bisher hatten sie es nur geschafft, sich mit gefesselten H�nden und F��en in die Satteltaschen des jungen al'Thor stopfen zu lassen, selbst Bera. Das war kaum eine Empfehlung, sie �ber mehr entscheiden zu lassen als dar�ber, was sie morgens anziehen sollten! �Ich bin nicht gekommen, um Euch zu besuchen�, sagte sie. �Obwohl Kumira und Daigian einen Besuch vermutlich genie�en w�rden, da Ihr einen freien Tag habt. Wenn Ihr mich jetzt entschuldigen wollt.�</p><p>Sie bedeutete Corgaide vorauszugehen und folgte dann der Frau durch die Eingangshalle. Sie schaute nur einmal zur�ck. Bera und die �brigen hatten Kumira und Daigian bereits in ihre Mitte genommen und dr�ngten sie fort, aber kaum wie willkommene G�ste. Eher wie eine G�nseherde. Cadsuane l�chelte. Die meisten Schwestern beurteilten Daigian kaum besser als eine Wilde und behandelten sie kaum freundlicher als eine Dienerin. Und Kumira stand in dieser Gesellschaft nicht h�her. Selbst die Mi�trauischsten konnten sich nicht vorstellen, da� sie hier waren, um jemanden von etwas zu �berzeugen. Daher w�rde Daigian Tee eingie�en und still dasitzen, au�er wenn sie angesprochen w�rde � und mit ihrem scharfen Verstand alles analysieren, was sie h�rte. Kumira w�rde alle au�er Daigian vor ihr sprechen lassen � und jedes Wort, jede Geste und jeden Gesichtsausdruck deuten und im Ged�chtnis behalten. Bera und die �brigen w�rden ihre dem Jungen gegen�ber geleisteten Eide nat�rlich halten � selbstverst�ndlich �, aber wie eifrig sie es t�ten, war eine andere Frage. Selbst Merana w�re vielleicht abgeneigt, weit �ber blo�en Gehorsam hinauszugehen. Das war schlimm genug, lie� ihnen aber erheblichen Raum zu manipulieren. Oder manipuliert zu werden.</p><p>Dunkel livrierte Diener, die in Erledigung ihrer Aufgaben durch die mit Wandteppichen behangenen G�nge eilten, sprangen f�r Cadsuane und Corgaide beiseite, und die beiden schritten unter vielen Verbeugungen und Hofknicksen �ber K�rben und Tabletts und Armen voller Handt�cher voran. Aus der Art, wie Corgaide beobachtet wurde, schlo� Cadsuane, da� die H�terin der Schl�ssel ebenso geachtet war wie die Aes Sedai. Es waren auch einige Aiel da, gro�e M�nner wie L�wen mit kalten Augen und Frauen wie Leoparden mit noch k�lteren Augen. Einige sandten ihr ausreichend eisige Blicke nach, um den drau�en vom Regen angedrohten Schnee herbeizubringen, aber andere Aiel nickten ihr ernst zu, und hier und da ging eine der Frauen mit den wilden Augen sogar soweit, ihr zuzul�cheln. Sie hatte niemals behauptet, daf�r verantwortlich zu sein, ihren <emphasis>Car'a'carn</emphasis> gerettet zu haben, aber Erz�hlungen wurden beim Wiedererz�hlen ausgeschm�ckt, und der Glaube gew�hrte ihr mehr Respekt als jeder anderen Schwester und gewi� mehr Bewegungsfreiheit im Bereich des Palasts. Sie fragte sich, wie sie sich f�hlen w�rden, wenn sie w��ten, da� es ihr, wenn sie den Jungen gerade jetzt vor sich gehabt h�tte, sehr schwergefallen w�re, ihn nicht zu verpr�geln! Es war kaum mehr als eine Woche her, da� er fast get�tet worden w�re, und er hatte es nicht nur geschafft, ihr vollkommen aus dem Weg zu gehen, sondern er hatte ihr ihre Aufgabe sogar noch erschwert, wenn auch nur die H�lfte von dem der Wahrheit entsprach, was sie h�rte. Es war bedauerlich, da� er nicht in Far Madding aufgewachsen war. Aber das h�tte vielleicht wiederum zu einer anderen Katastrophe gef�hrt.</p><p>Der Raum, den Corgaide ihr zuwies, war behaglich warm, mit zu beiden Seiten des Raums in Marmorkaminen brennenden Feuern, entz�ndeten Lampen und in Glast�rmen gespiegelten Flammen, welche die D�sternis des Tages vertrieben. Corgaide hatte offensichtlich befohlen, Vorbereitungen zu treffen, w�hrend sie in der Eingangshalle gewartet hatte. Eine Dienerin erschien fast gleichzeitig mit ihnen und brachte auf einem Tablett hei�en Tee und gew�rzten Wein sowie kleine honigglasierte Kuchen.</p><p>�Ben�tigt Ihr sonst noch etwas, Aes Sedai?� fragte Corgaide, w�hrend Cadsuane ihren N�hkorb neben das Tablett auf einen �ppig vergoldeten Tisch stellte, der ebenso gro�artige Schnitzereien aufwies wie der ebenfalls mit Gold �berzogene breite Sims. Cadsuane f�hlte sich stets wie im Inneren einer goldenen Fischreuse, wenn sie Cairhien besuchte. Trotz des Lichts und der W�rme im Raum tropfte der Regen vor den hohen, schmalen Fenstern, und der graue Himmel verst�rkte die unangenehme Empfindung noch.</p><p>�Der Tee gen�gt vollkommen�, sagte sie. �Ihr k�nnt Alanna Mosvani ausrichten, da� ich sie unverz�glich sehen m�chte.�</p><p>Corgaides Schl�ssel klangen, als sie einen Hofknicks vollf�hrte und respektvoll murmelte, sie w�rde �Alanna Aes Sedai� pers�nlich suchen. Ihre ernste Miene ver�nderte sich nicht, w�hrend sie sich zur�ckzog. Aber sie w�rde die Bitte h�chstwahrscheinlich auf Spitzfindigkeiten �berpr�fen. Cadsuane zog es vor, wenn m�glich direkt zu sein. Sie hatte bereits unz�hlige kluge Leute zu Fall gebracht, die nicht geglaubt hatten, da� sie genau das meinte, was sie sagte.</p><p>Sie �ffnete den Deckel ihres N�hkorbs und nahm ihren Stickrahmen mit einer darum gewickelten, nicht einmal zur H�lfte fertiggestellten Arbeit hervor. In den Korb waren Taschen f�r Gegenst�nde eingearbeitet, die nichts mit dem Sticken zu tun hatten: f�r ihren elfenbeinernen Handspiegel sowie Haarb�rste und Kamm, ein Federk�stchen und eine fest verschlossene Tintenflasche, eine Anzahl Dinge, bei denen es sich im Laufe der Jahre als n�tzlich erwiesen hatte, sie zur Hand zu haben, einschlie�lich einiger, �ber die jedermann �berrascht gewesen w�re, der den Mut besessen h�tte, den Korb zu durchsuchen. Nicht da� sie ihn oft aus den Augen lie�. Sie stellte die polierte silberne Garndose vorsichtig auf den Tisch, entnahm die ben�tigten F�den und lie� sich mit dem R�cken zur T�r nieder. Das Hauptmotiv auf ihrer Stickarbeit war bereits vollendet, die Hand eines Mannes, die das uralte Symbol der Aes Sedai umschlo�. Risse verliefen �ber die schwarzwei�e Scheibe, und man konnte nicht sagen, ob die Hand sie zusammenzuhalten versuchte oder sie zerdr�ckte. Sie wu�te, was sie beabsichtigte. Die Zeit w�rde die Wahrheit zutage f�rdern.</p><p>Sie f�delte einen Faden ein und setzte die Arbeit an einem der umgebenden Motive fort, einer hellroten Rose. Rosen, Sternenglanz und Sonnenr�der, abwechselnd mit G�nsebl�mchen und Kolibris, alle von Borten starrer Nesseln und Str�uchern mit langen Dornen getrennt. Es w�rde ein verwirrendes Bild, wenn es fertiggestellt w�re.</p><p>Bevor sie auch nur ein halbes Bl�tenblatt der Rose gestickt hatte, erregte das auf dem flachen Deckel der Garndose widergespiegelte Aufblitzen einer Bewegung ihre Aufmerksamkeit. Sie hatte ihn sorgf�ltig so hingelegt, da� er den Eingang widerspiegeln <emphasis>mu�te.</emphasis> Sie hob den Kopf nicht von ihrer Arbeit. Alanna stand da und starrte auf ihren R�cken. Cadsuane stickte gem�chlich weiter, aber sie beobachtete das Spiegelbild aus den Augenwinkeln. Zweimal wandte sich Alanna halbwegs zum Gehen um, ri� sich dann schlie�lich zusammen und st�hlte sich sichtbar.</p><p>�Kommt herein, Alanna.� Cadsuane hob noch immer nicht den Kopf, sondern deutete auf einen Punkt vor sich. �Stellt Euch dorthin.� Sie l�chelte verhalten, als Alanna zusammenzuckte. Es hatte Vorteile, wenn man eine Legende war. Die Leute bemerkten selten das Offensichtliche, wenn sie es mit einer solchen zu tun hatten.</p><p>Alanna betrat mit rauschenden Seidenr�cken stolz den Raum und nahm den von Cadsuane angewiesenen Platz ein, aber um ihren Mund lag ein m�rrischer Zug. �Warum beharrt Ihr darauf, mich unaufh�rlich zu behelligen?� fragte sie. �Ich kann Euch nicht mehr sagen, als ich Euch bereits mitgeteilt habe. Und wenn ich es k�nnte, w�rde ich es wohl dennoch nicht tun! Er geh�rt...!� Sie brach j�h ab und bi� sich auf die Unterlippe, aber sie h�tte den Satz ebensogut beenden k�nnen. Al'Thor geh�rte ihr, war ihr Beh�ter. Sie besa� die Unverfrorenheit das zu glauben!</p><p>�Ich habe Euer Verbrechen f�r mich behalten�, sagte Cadsuane ruhig, �aber nur weil ich keinen Grund sah, die Dinge noch mehr zu verwirren.� Sie hob den Blick zu der anderen Frau und sprach weiterhin freundlich. �Wenn Ihr glaubt, das bedeutete, ich w�rde nicht alles von Euch erfahren, dann �berdenkt das noch einmal.�</p><p>Alanna erstarrte. Pl�tzlich flammte das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> um sie auf.</p><p>�Wenn Ihr Euch wirklich t�richt verhalten wollt.� Cadsuane l�chelte � ein kaltes L�cheln. Sie machte keinerlei Anstalten, selbst die Quelle zu umarmen. Ein Teil ihres Haarschmucks � verschlungene, goldene Halbmonde � lag k�hl an ihrer Schl�fe. �Im Moment seid Ihr noch unversehrt, aber meine Geduld w�hrt nicht endlos. Tats�chlich h�ngt sie an einem seidenen Faden.�</p><p>Alanna k�mpfte mit sich und strich unbewu�t �ber ihr blaues Seidenkleid. Das Schimmern der Macht verbla�te j�h, und sie wandte den Kopf so rasch von Cadsuane ab, da� ihr langes schwarzes Haar schwang. �Ich wei� nicht mehr zu erz�hlen.� Die eigensinnig ge�u�erten Worte drangen gehaucht hervor �Er war verletzt, und auch wieder nicht, aber ich glaube nicht, da� eine Schwester ihn geheilt hat. Die Wunden, die niemand heilen konnte, sind noch immer vorhanden. Er eilt umher, reist unentwegt, aber er befindet sich noch immer im S�den. Ich glaube, er befindet sich irgendwo in Illian, aber auf diese Entfernung k�nnte ich ihn auch in Tear vermuten. Er ist voller Zorn und Schmerz und Mi�trauen. Mehr wei� ich nicht, Cadsuane. Mehr nicht!�</p><p>Cadsuane go� sich einen Becher Tee ein, wobei sie die Hitze des Silberkrugs beachtete und dann auch die von dem Becher aus d�nnem gr�nem Porzellan abstr�mende W�rme �berpr�fte. Wie man es bei Silber vielleicht h�tte erwarten k�nnen, war der Tee rasch abgek�hlt. Sie lenkte kurz die Macht und erhitzte ihn wieder. Der dunkle Tee schmeckte zu sehr nach Minze. Cairhiener verwendeten die Minze ihrer Meinung nach entschieden zu gro�z�gig. Sie bot Alanna keinen Becher an. Reisen. Wie <emphasis>konnte</emphasis> der Junge wiederentdeckt haben, was der Wei�en Burg seit der Zerst�rung verlorengegangen war? �Ihr werdet mir jedoch weiterhin umfassend Bericht erstatten, nicht wahr, Alanna.� Es war keine Frage. �Seht mich an, Frau! Ich will jede Einzelheit wissen, auch wenn Ihr nur von ihm <emphasis>tr�umt!�</emphasis></p><p>Unvergessene Tr�nen schimmerten in Alannas Augen. �Ihr h�ttet an meiner Stelle dasselbe getan!�</p><p>Cadsuane sah sie �ber ihren Becher hinweg stirnrunzelnd an. Vielleicht entsprach das der Wahrheit. Es gab keinen Unterschied zwischen dem, was Alanna getan hatte, und dem Vorgang, wenn sich ein Mann einer Frau gewaltsam aufdr�ngte, aber � das Licht helfe ihr! � sie h�tte es vielleicht auch getan, wenn sie geglaubt h�tte, es w�rde ihr zu ihrem Ziel verhelfen. Jetzt erwog sie nicht einmal mehr, Alanna dazu zu bringen, den Bund an sie weiterzugeben. Alanna hatte bewiesen, wie nutzlos diese Kontrolle �ber ihn war.</p><p>�La�t mich nicht warten, Alanna�, sagte sie mit frostiger Stimme. Sie empfand kein Mitgef�hl f�r die Frau. Alanna war eine weitere in einer Reihe von Schwestern, von Moiraine bis Elaida, die verpfuscht und verschlimmert hatten, was sie h�tten in Ordnung bringen sollen, w�hrend sie selbst Logain Ablar und dann Mazrim Taim nachgejagt war. Was ihre Stimmung keineswegs milderte.</p><p>�Ich werde Euch weiterhin umfassend unterrichten�, seufzte Alanna und schmollte wie ein kleines M�dchen. Cadsuane juckte es in den Fingern, sie zu schlagen. Alanna trug die Stola bereits seit fast vierzig Jahren. Sie h�tte erwachsener sein sollen. Nat�rlich war sie eine Arafellin. In Far Madding trotzten und schmollten nur wenige M�dchen von zwanzig so sehr, wie es einer greisen Arafellin noch auf dem Totenbett gelang.</p><p>Alannas Augen weiteten sich j�h vor Schrecken, und Cadsuane sah ein weiteres Gesicht im Deckel ihrer Garndose widergespiegelt. Sie stellte ihren Becher auf das Tablett zur�ck, legte den Stickrahmen auf den Tisch, stand auf und wandte sich zur T�r. Sie beeilte sich nicht, aber sie tr�delte auch nicht und spielte keine Spiele, wie sie es mit Alanna getan hatte.</p><p>�Seid Ihr fertig mit ihr, Aes Sedai?� fragte Sorilea, w�hrend sie den Raum betrat. Die z�he, wei�haarige Weise Frau sprach zu Cadsuane, aber ihr Blick haftete auf Alanna. Elfenbein und Gold klapperten leise an ihren Handgelenken, als sie die H�nde in die H�ften stemmte, und ihre dunkle Stola glitt zu ihren Ellbogen herab.</p><p>Als Cadsuane erwiderte, sie sei in der Tat fertig mit Alanna, gab Sorilea ihr kurz ein Zeichen, und Alanna schritt aus dem Raum. St�rzte aus dem Raum, h�tte es vielleicht besser getroffen � mit pl�tzlich ver�rgerter Miene. Sorilea blickte ihr stirnrunzelnd nach. Cadsuane war der Frau schon zuvor begegnet, und es waren bemerkenswerte, wenn auch kurze Begegnungen gewesen. Sie hatte nicht viele Menschen getroffen, die sie als eindrucksvoll bezeichnet h�tte, aber Sorilea geh�rte dazu. Sie konnte vielleicht sogar ihr selbst auf einigen Gebieten das Wasser reichen. Sie vermutete auch, da� die Frau ebenso alt war wie sie, vielleicht �lter, was zu finden sie niemals erwartet hatte.</p><p>Kaum war Alanna verschwunden, als Kiruna im Eingang erschien. In ihrer Eile verfing sie sich in ihren grauen Seidenr�cken, und sie sp�hte den Gang in die Richtung hinab, in die Alanna gegangen war. Sie trug ein kunstvoll verziertes, goldenes Tablett mit einem noch kunstvoller gearbeiteten, goldenen Krug mit hohem Ausgu� und, unpassenderweise, zwei kleinen, wei� glasierten Tonbechern. �Warum l�uft Alanna davon?� fragte sie. �Ich w�re eher hier gewesen, Sorilea, aber...� Dann sah sie Cadsuane und err�tete zuriefst. Verlegenheit wirkte an der statuenhaften Frau recht seltsam.</p><p>�Stellt das Tablett auf den Tisch, M�dchen�, sagte Sorilea, �und dann geht zu Chaelin. Sie wird bereits darauf warten, Euch Euren Unterricht erteilen zu k�nnen.�</p><p>Kiruna stellte ihre Last steif ab, wobei sie Cadsuanes Blick mied. Als sie sich zum Gehen wandte, ergriff Sorilea mit sehnigen Fingern ihr Kinn. �Ihr fangt an, Euch wirklich M�he zu geben, Kind�, sagte die Weise Frau fest. �Wenn Ihr so weitermacht, werdet Ihr gut werden. Sehr gut sogar. Jetzt geht. Chaelin ist nicht so geduldig wie ich.�</p><p>Sorilea deutete zur T�r, aber Kiruna stand da und sah sie einen langen Moment mit seltsamem Ausdruck auf dem Gesicht an. Wenn Cadsuane gefragt worden w�re, h�tte sie behauptet, da� Kiruna �ber das Lob erfreut und �berrascht war, gelobt zu werden. Die wei�haarige Frau �ffnete den Mund, doch Kiruna sch�ttelte sich kurz und eilte aus dem Raum. Eine bemerkenswerte Vorstellung.</p><p>�Glaubt Ihr wirklich, da� sie Eure Art, <emphasis>Saidar</emphasis> zu weben, erlernen wird?� fragte Cadsuane, ihre Zweifel verbergend. Kiruna und die anderen hatten ihr aus den Unterrichtsstunden berichtet, aber viele der Gewebe der Weisen Frauen unterschieden sich sehr von den in der Wei�en Burg gelehrten. F�r gew�hnlich pr�gte sich die erste Art, wie man das Gewebe f�r etwas Bestimmtes erlernte, jedermann fest ein. Eine zweite Art zu erlernen war fast unm�glich, und selbst wenn man es konnte, gelang das auf die zweite Art erlernte Gewebe fast niemals so gut wie das der ersten Art. Das war einer der Gr�nde, warum einige Schwestern Wilde in keinem Alter in der Burg willkommen hie�en. Zu vieles konnte schon gelernt worden sein und nicht wieder verlernt werden.</p><p>Sorilea zuckte die Achseln. �Vielleicht. Eine zweite Art zu erlernen ist ohne all die Gestik von Euch Aes Sedai schwer genug. Das Wichtigste, was Kiruna Nachiman lernen mu�, ist, da� sie Stolz besitzt und nicht, da� er sie besitzt. Sie wird eine sehr starke Frau sein, wenn sie das erst begreift.� Sie nahm sich einen Stuhl gegen�ber demjenigen, auf dem Cadsuane gesessen hatte, betrachtete ihn nachdenklich und setzte sich dann hin. Sie wirkte fast so steif und unbehaglich, wie sich Kiruna gef�hlt haben mu�te, aber dann bedeutete sie Cadsuane gebieterisch, sich ebenfalls hinzusetzen. Sorilea war eine Frau von gro�er Willenskraft, die es gewohnt war zu befehlen.</p><p>Cadsuane unterdr�ckte ein kl�gliches Kichern, w�hrend sie der Aufforderung nachkam. Es war gut, daran erinnert zu werden, da� die Weisen Frauen, ob Wilde oder nicht, durchaus keine einf�ltigen Barbaren waren. Sie w�rden die Unterschiede nat�rlich kennen. Und was die Gestik betraf... Sie hatte nur wenige die Macht lenken sehen, aber sie hatte bemerkt, da� sie einige Gewebe ohne die Gesten schufen, welche die Schwestern gebrauchten. <emphasis>Die</emphasis> Handbewegungen waren nicht wirklich Teil des Gewebes, aber in gewisser Weise doch, weil sie Teil des Erlernens des Gewebes gewesen waren. Vielleicht hatte es einst Aes Sedai gegeben, die beispielsweise eine Feuerkugel schleudern konnten, ohne eine wie auch immer geartete Wurfbewegung auszuf�hren, aber wenn dem so war, waren sie schon lange tot � und ihr Wissen mit ihnen. Heutzutage konnten einige Dinge einfach nicht ohne die entsprechenden Gesten getan werden. Es gab Schwestern, die behaupteten, anhand der f�r bestimmte Gewebe verwendeten Bewegungen erkennen zu k�nnen, wer eine andere Schwester unterrichtet hatte.</p><p>�Es ist schwierig, jedem unserer Neulinge etwas beizubringen�, fuhr Sorilea fort. �Ich will niemanden beleidigen, aber Ihr Aes Sedai sprecht anscheinend einen Eid und versucht dann augenblicklich, eine M�glichkeit zu finden, ihn zu umgehen. Alanna Mosvani ist besonders schwierig.� Pl�tzlich richteten sich ihre klaren gr�nen Augen scharf auf Cadsuanes Gesicht. �Wie k�nnen wir sie f�r ihr bewu�tes Versagen bestrafen, wenn das bedeutete, dem <emphasis>Car'acarn</emphasis> zu schaden?�</p><p>Cadsuane faltete die H�nde im Scho�. Es fiel ihr nicht leicht, ihre �berraschung zu verbergen. Nur soviel zur Geheimhaltung von Alannas Verbrechen. Aber warum hatte die Frau ihr mitgeteilt da� sie davon wu�te? Vielleicht eine Enth�llung, die eine weitere verlangte. �Der Bund wirkt nicht so�, sagte sie. �Wenn Ihr sie t�tet, wird er bald darauf ebenfalls sterben. Bei allem anderen wird er sich dessen bewu�t sein, was mit ihr geschieht, aber er wird es nicht wirklich sp�ren. Auf die jetzige Entfernung wird er sich dessen nur vage bewu�t sein.�</p><p>Sorilea nickte nachdenklich. Ihre Finger ber�hrten das goldene Tablett auf dem Tisch und l�sten sich dann wieder davon. Ihre Miene war ebenso unbewegt wie bei einer Statue, aber Cadsuane vermutete, da� Alanna unangenehm �berrascht sein w�rde, wenn sie das n�chste Mal aufbrauste oder auf eine ihrer Arafeller Launen verfiel. Das war jedoch unwichtig. Nur der Junge z�hlte.</p><p>�Die meisten Menschen nehmen, was ihnen geboten wird, wenn es reizvoll und erfreulich erscheint�, sagte Sorilea. �Einst haben wir auch �ber Rand al'Thor so gedacht. Leider ist es zu sp�t, den einmal von uns eingeschlagenen Pfad zu verlassen. Jetzt mi�traut er allem, was offen angeboten wird. Nun, wenn ich wollte, da� er etwas annimmt, w�rde ich vorgeben, ich wollte nicht, da� er es bekommt. Wenn ich in seiner N�he bleiben wollte, w�rde ich Gleichg�ltigkeit vorgeben, wann ich ihn jemals wieders�he.� Ihr durchdringender Blick richtete sich erneut auf Cadsuane. Nicht in dem Versuch, ihre Gedanken zu ergr�nden. Die Frau wu�te zumindest einiges. Sie wu�te genug � oder zuviel.</p><p>Dennoch empfand Cadsuane zunehmend erwartungsvolle Spannung. Wenn sie je Zweifel daran gehegt hatte, da� Sorilea sie ergr�nden wollte, waren sie jetzt beseitigt. Man versuchte jemanden nur dann auf diese Weise zu ergr�nden, wenn man auf eine gewisse �bereinstimmung hoffte. �Denkt Ihr, da� ein Mann hart sein mu�?� fragte sie herausfordernd. �Oder stark?� Sie lie� durch ihren Tonfall keinen Zweifel, da� sie einen Unterschied darin sah.</p><p>Sorilea ber�hrte erneut das Tablett. Ein kaum wahrnehmbares L�cheln schien einen Moment ihre Lippen zu umspielen. Oder auch nicht. �Die meisten Menschen sehen beides als ein und dasselbe an, Cadsuane Melaidhrin. Aber St�rke �berdauert, wohingegen H�rte zerbricht.�</p><p>Cadsuane atmete tief ein. Ein Risiko, das sie bei jedem anderen, der es eingegangen w�re, getadelt h�tte. Aber sie war nicht jeder andere, und manchmal mu�te man Risiken eingehen. �Der Junge verwechselt sie�, sagte sie. �Er mu� stark sein, doch er verh�rtet sich bereits zu sehr, und er wird nicht aufh�ren, bis er aufgehalten wird. Er hat vergessen, wie man lacht �au�er vor Bitterkeit. Er hat keine Tr�nen mehr. Wenn er nicht wieder zu lachen und zu weinen lernt, steht der Welt eine Katastrophe bevor. Er mu� lernen, da� sogar der Wiedergeborene Drache ein Mensch aus Fleisch und Blut ist. Wenn er so, wie er jetzt ist, in die Letzte Schlacht zieht, k�nnte sein Sieg ebenso d�ster werden wie seine Niederlage.�</p><p>Sorilea h�rte angespannt zu, schwieg aber, nachdem Cadsuane geendet hatte. Ihre gr�nen Augen betrachteten sie forschend. �Euer Wiedergeborener Drache und Eure Letzte Schlacht werden in unseren Prophezeiungen nicht erw�hnt�, sagte Sorilea schlie�lich. �Wir haben versucht, Rand al'Thor seine Abstammung aufzuzeigen, aber ich f�rchte, er sieht uns nur als einen weiteren Speer an. Und wenn ein Speer in Eurer Hand zerbricht haltet Ihr nicht inne, um dies zu beklagen, sondern Ihr ergreift einen neuen Speer.</p><p>Vielleicht verfolgen wir beide gar nicht so verschiedene Ziele.�</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Cadsuane vorsichtig. Auch nur eine Handbreit unterschiedliche Ziele mochten sich �berhaupt nicht �hneln.</p><p>Das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umflo� j�h die Frau mit dem z�hen Gesicht. Sie war so schwach im Gebrauch der Macht, da� Daigian vergleichsweise zumindest m��ig stark erschien. Aber andererseits lag Sorileas St�rke auch nicht in der Macht. �Eines k�nntet Ihr vielleicht als n�tzlich erachten�, sagte sie. �Ich kann es nicht zur Wirkung bringen, aber ich kann die Str�nge weben, um es Euch zu zeigen.� Sie tat genau das, wob schwache Str�nge, die zusammenfielen und verschmolzen, zu schwach, um ihre Aufgabe zu erf�llen. �Man nennt es Reisen�, f�gte Sorilea hinzu.</p><p>Jetzt sank Cadsuanes Kinn herab. Alanna, Kiruna und die �brigen leugneten, die Weisen Frauen zu lehren, wie man sich mit der Macht verband oder auch einige andere F�higkeiten, die sie pl�tzlich anscheinend beherrschten, und Cadsuane hatte angenommen, die Aiel h�tten es geschafft, sie aus den in den Zelten festgehaltenen Schwestern herauszupressen.</p><p>Unm�glich, h�tte sie behauptet, und doch glaubte sie nicht, da� Sorilea log. Sie konnte es kaum erwarten, das Gewebe selbst zu versuchen. Nicht da� es augenblicklich etwas genutzt h�tte. Selbst wenn sie genau w��te, wo sich der verflixte Junge aufhielt, mu�te sie ihn dazu bringen, zu ihr zu kommen. Darin hatte Sorilea recht. �Ein �beraus gro�z�giges Geschenk�, sagte sie gem�chlich. �Ich kann Euch nichts Vergleichbares geben.�</p><p>Dieses Mal war das fl�chtige L�cheln um Sorileas Lippen unverkennbar. Sie wu�te sehr wohl, da� Cadsuane in ihrer Schuld stand. Sie nahm den schweren goldenen Krug mit beiden H�nden hoch und f�llte vorsichtig die kleinen wei�en Becher mit klarem Wasser. Sie vergo� keinen Tropfen.</p><p>�Ich biete Euch den Wassereid an�, sagte sie feierlich und nahm einen der Becher auf. �Hiermit sind wir vereint um Rand al'Thor das Lachen und Weinen wieder zu lehren.� Sie trank einen Schluck, und Cadsuane tat es ihr gleich.</p><p>�Wir sind vereint.� Und wenn sich herausstellte, da� ihre Ziele �berhaupt nicht �bereinstimmten? Sie untersch�tzte Sorilea nicht als Verb�ndete oder Gegnerin, aber Cadsuane wu�te, welches Ziel um jeden Preis erreicht werden mu�te.</p></section><section><title><p>13</p><p>Wie Schnee schwebend</p></title><p>Der n�rdliche Horizont leuchtete durch den heftigen Regen, der im Osten Illians die Nacht hindurch niedergegangen war, purpurfarben. �ber ihnen drohte ein Morgenhimmel d�ster brodelnder Wolken, und starker Wind lie� die Umh�nge flattern und die Banner � das wei�e Drachenbanner und das karmesinrote Banner des Lichts, sowie die hellen Standarten des Adels aus Illian und Cairhien und Tear � auf dem H�gelkamm knattern und krachen wie Peitschen. Die Adligen blieben f�r sich, drei weitl�ufig angeordnete, in gold- und silbergl�nzenden Stahl, Seide, Samt und Spitze geh�llte Gruppen, die sich aber allesamt unbehaglich umsahen. Selbst ihre erfahrensten Pferde warfen die K�pfe auf und stampften mit den Hufen auf den schlammigen Boden. Der Wind war kalt und f�hlte sich noch k�lter an, weil er die sengende Hitze so j�h verdr�ngt hatte, ebenso wie der Regen nach so langer Trockenheit be�ngstigend gewesen war. Jede Nation hatte darum gebetet, da� die D�rre ein Ende nehmen m�ge, aber niemand wu�te, was er mit den unerbittlichen St�rmen als Antwort auf ihre Gebete anfangen sollte. Einige beobachteten Rand, wenn sie glaubten, da� er es nicht bemerkte. Vielleicht fragten sie sich, ob <emphasis>er</emphasis> ihnen auf diese Weise geantwortet hatte. Der Gedanke lie� ihn leise und verbittert lachen.</p><p>Er t�tschelte mit lederbehandschuhter Hand den Hals seines schwarzen Wallachs und war froh, da� Tai'daishar keine Nervosit�t zeigte. Das kr�ftige Tier stand unbewegt wie eine Statue, wartete auf den Druck von Z�geln oder Knien, ehe es sich bewegte. Das Pferd des Wiedergeborenen Drachen schien ebenso kalt wie er, als schwebten sie gemeinsam im Nichts. Obwohl die Eine Macht ihn durchstr�mte, Feuer und Eis und Tod, war er sich des Windes kaum bewu�t, der seinen goldbestickten Umhang flattern lie� und durch seine Jacke fuhr, gr�ne, �ppig goldbestickte Seide und nicht f�r solches Wetter gemacht. Die Wunden an seiner Seite schmerzten und pochten �der alte Schnitt und der dar�ber verlaufende neue, die Wunden, die niemals heilen w�rden � aber auch sie nahm er nur entfernt wahr, wie die Verletzungen eines anderen Menschen. Die Schwerterkrone h�tte mit den scharfen Spitzen der winzigen Klingen zwischen ihren goldenen Lorbeerbl�ttern in die Schl�fen eines anderen stechen k�nnen. Er sp�rte jedoch die Blicke der Adligen in seinem R�cken.</p><p>Er r�ckte sein Schwertheft zurecht und beugte sich vor. Er konnte die dichte Ansammlung niedriger, bewaldeter H�gel eine halbe Meile �stlich so deutlich wie durch sein Fernglas sehen. Das Land war hier flach, die einzigen Erhebungen jene bewaldeten H�gel und dieser langgezogene, aus der Heide hervorragende Grat. Das n�chste dichte Gestr�pp, das diese Bezeichnung auch verdiente, war ann�hernd zehn Meilen entfernt. Nur sturmzerschlagene, halb entlaubte B�ume und wirres Unterholz waren auf den H�geln zu sehen, aber er wu�te, was sie verbargen. Zwei-, vielleicht dreitausend der M�nner, die Sammael hier versammelt hatte, um ihn an der Einnahme Illians zu hindern.</p><p>Dieses Heer hatte sich aufgel�st, als die Soldaten erfuhren, da� der Mann, der sie gerufen hatte, tot war, da� Mattin Stepaneos verschwunden oder vielleicht ebenfalls tot war und da� es in Illian einen neuen K�nig gab. Viele waren in ihr Heim zur�ckgekehrt, aber fast ebenso viele blieben auch noch zusammen. Meist nur zwanzig Mann hier, drei�ig dort, aber ein gro�es Heer, wenn sie sich wieder vereinigten, und ansonsten zahllose bewaffnete Horden. Wie auch immer � man durfte nicht zulassen, da� sie das Land durchstreiften. Der Mangel an Zeit und die Verantwortung lasteten schwer auf Rands Schultern. Es war niemals genug Zeit, aber vielleicht dieses eine Mal... Feuer und Eis und Tod.</p><p><emphasis>Was w�rdest du tun?</emphasis> dachte er. <emphasis>Bist du da?</emphasis> Und dann zweifelnd und den Zweifel hassend: <emphasis>Warst du jemals da?</emphasis> Schweigen antwortete ihm, tief und unzug�nglich in der ihn umgebenden Leere. Oder erklang irgendwo in den entlegenen Winkeln seines Geistes wahnsinniges Gel�chter? Bildete er es sich ein wie das Gef�hl, es sehe ihm jemand �ber die Schulter, jemand, der fast seinen R�cken ber�hrte? Oder wie die Farben, die gerade au�erhalb seines Sichtkreises umherwirbelten, mehr als Farben, und dann wieder verschwanden? Wahrnehmungen Wahnsinniger. Sein behandschuhter Daumen glitt an den sich um das Drachenszepter windenden Schnitzereien entlang. Die gr�nwei�en Quasten unter der gl�nzenden Speerspitze flatterten im Wind. Feuer und Eis und der Tod w�rden kommen.</p><p>�Ich werde selbst mit ihnen reden�, verk�ndete er, wodurch er jedoch einen Aufruhr bewirkte.</p><p>Lord Gregorin, der die gr�ne Sch�rpe des Konzils der Neun schr�g �ber seinen kunstvoll vergoldeten Brustharnisch geschlungen hatte, dr�ngte seinen wei�en Wallach mit den schlanken Fesseln von den Illianern heran, dicht gefolgt von Demetre Marcolin, Erster Befehlshaber der Gef�hrten auf einem kr�ftigen Kastanienbraunen. Marcolin war der einzige unter ihnen, der weder Seide noch Spitze trug, der einzige in einfacher, wenn auch gl�nzend polierter R�stung, obwohl der auf dem Sattelknauf aufliegende konische Helm drei d�nne goldene Federn aufwies. Lord Marac hob die Z�gel <emphasis>an,</emphasis> lie� sie aber unsicher wieder sinken, als er sah, da� keiner der �brigen Neun sich regte. Als kr�ftiger Mann mit schwerf�lliger Art und neu im Konzil, sah er trotz der �ppigen Seide unter seiner verschwenderischen R�stung und der dar�ber wogenden Spitze h�ufig eher wie ein Handwerker aus. Die Hohen Herren Weiramon und Tolmeran ritten eilig von den Tairenern herbei, ebenso gold- und silbergl�nzend wie jeder andere der Neun und wie auch Rosana, gerade erst zur Hochdame erhoben und mit dem Falken-und-Sterne-Emblem ihres Hauses auf dem Brustharnisch. Auch andere machten halbherzige Anstalten zu folgen, blieben aber dann mit besorgter Miene zur�ck. Der gertenschlanke Aracome und der blau�ugige Maraconn sowie der kahlk�pfige Gueyam waren tote M�nner. Sie wu�ten es nicht, aber wie sehr sie sich auch ins Zentrum der Macht w�nschten, f�rchteten sie doch, da� Rand sie t�ten w�rde. Von den Cairhienern kam nur mit zerschlagener R�stung, von der die Vergoldung abbl�tterte, Lord Semaradrid auf einem Grauen heran, der auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Semaradrid hatte ein hageres, hartes Gesicht; die Vorderseite seines Sch�dels war rasiert und bepudert wie bei einem einfachen Soldaten, und seine dunklen Augen schimmerten vor Verachtung gegen�ber den gr��eren Tairenern.</p><p>Es war �berhaupt viel Verachtung im Spiel. Die Tairener und die Cairhiener ha�ten einander. Die Illianer und die Tairener verachteten einander. Nur die Cairhiener und die Illianer kamen einigerma�en miteinander zurecht und selbst unter ihnen gab es gewisse Spannungen. Ihre beiden Nationen konnten vielleicht nicht ann�hernd die lange schwierige Geschichte aufweisen, die sich Tear und Illian teilten, aber die Cairhiener waren mit ihren Waffen und R�stungen noch immer Fremde auf illianischem Boden, bestenfalls halbherzig willkommen gehei�en und auch das nur, weil sie Rand folgten. Aber trotz all des Stirnrunzelns und der Ver�rgerung und den Versuchen, das erste Wort zu haben, w�hrend sie in einem Wirbel vom Wind bewegter Umh�nge um Rand herum schwirrten, hatten sie jetzt ein gemeinsames Ziel. Gewisserma�en.</p><p>�Majest�t�, sagte Gregorin hastig und verbeugte sich auf seinem goldverzierten Sattel, �ich bitte Euch, mich oder den Ersten Befehlshaber Marcolin an Eurer Stelle gehen zu lassen.� Der eckig gestutzte Bart, der seine Oberlippe freilie�, umrahmte ein rundes, besorgt gefurchtes Gesicht. �Diese M�nner m�ssen wissen, da� Ihr ein K�nig seid � die Verk�ndigungen m�ssen in jedem Dorf, sozusagen an jeder Kreuzung zu lesen sein �, und doch werden sie Eurer Krone gegen�ber vielleicht nicht den angemessenen Respekt zeigen.� Marcolin mit dem kantigen, glatt rasierten Kinn und den tiefliegenden Augen gab nicht zu erkennen, was sich hinter seiner gleichm�tigen Miene verbarg. Die Treue der Gef�hrten galt der Krone von Illian, und Marcolin war alt genug, um sich an die Zeit zu erinnern, als Tam al'Thor �ber ihm zweiter Befehlshaber gewesen war, und nur er wu�te, was er von Rand al'Thor als K�nig hielt.</p><p>�Mein Lord Drache�, begann Weiramon feierlich, w�hrend er sich verbeugte und nicht abwartete, bis Gregorin geendet h�tte. Der Mann verfiel stets in einen feierlichen Singsang und schien sich selbst auf dem Pferder�cken zu br�sten. Samt, gestreifte Seide und �ppige Spitze bedeckten fast seine ganze R�stung, und sein spitzer grauer Bart str�mte einen blumigen Geruch nach Duft�len aus. �Dieser P�bel ist zu unbedeutend, als da� sich der Lord Drache pers�nlich darum k�mmern sollte. Ich sage, Hunde sollten Hunde fangen. Sollen die Illianer sie aufsp�ren. Verdammt sei meine Seele, aber sie haben Euch bisher nur mit Reden gedient.� Man konnte fest darauf vertrauen, da� er eine �bereinkunft mit Gregorin in eine Beleidigung umm�nzte. Tolmeran war so hager, da� selbst Weiramon neben ihm wuchtig und d�ster wirkte. Er war kein Narr und ein Rivale Weiramons, und doch nickte er nur z�gernd. Es war keinerlei Zuneigung zu den Illianern vorhanden.</p><p>Semaradrid schaute ver�chtlich zu den Tairenern, wandte sich aber unmittelbar an Rand. �Diese Ansammlung umfa�t zehnmal so viele Leute wie jede bisher angetroffene, mein Lord Drache.� Der K�nig von Illian k�mmerte ihn nicht, und der Wiedergeborene Drache nicht wesentlich mehr, nur da� der Thron Cairhiens von Rand vergeben wurde und Semaradrid hoffte, er w�rde jemandem �bergeben, dem er folgen k�nnte, anstatt ihn bek�mpfen zu m�ssen. �Ihre Treue mu� wohl Brend gelten, sonst w�ren nicht so viele geblieben. Ich bef�rchte, es ist Zeitverschwendung, mit ihnen zu sprechen, aber wenn Ihr reden m��t, la�t mich ihnen mit Stahl verdeutlichen, welchen Preis sie daf�r zu bezahlen haben, wenn sie aus der Reihe tanzen.�</p><p>Rosana, eine hagere Frau, nicht gro�, aber ann�hernd so gro� wie er, mit Augen wie blaues Eis, sah Semaradrid offen an. Sie wartete ebenfalls nicht, bis er geendet hatte, und sprach ebenfalls an Rand gewandt. �Ich habe einen zu weiten Weg hinter mir, um Euch jetzt vergebens sterben zu sehen�, sagte sie ungeziert. Rosana war ebensowenig t�richt wie Tolmeran und hatte einen Platz im Hohen Konzil beansprucht, obwohl tairenische Hochdamen dies selten taten, und ungeziert war die passende Beschreibung f�r sie. Obwohl die meisten adligen Frauen R�stungen trugen, f�hrte keine Frau ihre Waffentr�ger tats�chlich in den Kampf, aber Rosana hatte einen Streitkolben mit hervorspringender Kante an ihrem Sattel befestigt, und Rand dachte bisweilen, sie bek�me wohl gern die Gelegenheit, ihn zu benutzen. �Ich bezweifle, da� diese Illianer keine Bogen besitzen�, sagte sie, �und es ist nur ein Pfeil n�tig, auch den Wiedergeborenen Drachen zu t�ten.� Marcolin sch�rzte nachdenklich die Lippen, nickte, bevor er sich dessen bewu�t wurde, und wechselte dann best�rzte Blicke mit Rosana, einer �berraschter als der andere, mit einem alten Feind gleicher Meinung zu sein.</p><p>�Diese Bauern h�tten ohne Unterst�tzung niemals den Mut aufgebracht, unter Waffen zu bleiben�, fuhr Weiramon gelassen fort, indem er Rosana ignorierte. Er war ge�bt darin, jeden zu ignorieren, den er nicht bemerken wollte. Er <emphasis>war</emphasis> ein Narr. �Darf ich vorschlagen, da� mein Lord Drache hinsichtlich dieser sogenannten Neun auf die Quelle achtet?�</p><p>�Ich verwehre mich gegen die Beleidigungen dieses tairenischen Dicksch�dels, Majest�t!� grollte Gregorin augenblicklich, eine Hand drohend am Schwert. �Ich verwehre mich nachdr�cklich dagegen!�</p><p>�Es sind dieses Mal zu viele�, sagte Semaradrid im selben Augenblick. �Die meisten werden sich gegen uns wenden, zumindest sobald Ihr ihnen den R�cken kehrt.� Seiner finsteren Miene nach zu urteilen, h�tte er ebensogut von den Tairenern wie von den M�nnern auf den bewaldeten H�geln sprechen k�nnen. Vielleicht war es auch so. �Wir sollten sie besser t�ten und es dabei bewenden lassen!�</p><p>�Habe ich nach Euren Meinungen gefragt?� stie� Rand scharf hervor. Das Gez�nk verstummte. Nur noch das Knattern der im Wind flatternden Umh�nge und Banner war zu h�ren. Pl�tzlich ausdruckslose Gesichter betrachteten ihn, von denen nicht nur eines grau wurde. Sie wu�ten nicht, da� er die Macht festhielt, obwohl sie ihn zu kennen glaubten. Nicht alles, was sie wu�ten, entsprach der Wahrheit, aber es erf�llte den gleichen Zweck, da� sie es glaubten. �Ihr werdet mit mir kommen, Gregorin�, sagte Rand mit wieder ruhigerer, aber dennoch ausreichend harter Stimme. Sie verstanden nur Stahl. Wurde er weich, <emphasis>w�rden</emphasis> sie sich gegen ihn wenden. �Und auch Ihr, Marcolin. Die �brigen bleiben hier. Dashiva! Hopwil!�</p><p>Alle nicht Genannten nahmen ihre Pferde rasch zur�ck, als die beiden Asha'man zu Rand ritten, und die Illianer betrachteten die M�nner in den schwarzen Jacken, als w�ren sie gern auch zur�ckgeblieben.</p><p>Corlan Dashiva blickte finster drein und murrte, wie so h�ufig, leise vor sich hin. Alle waren sich dessen bewu�t, da� <emphasis>Saidin</emphasis> die M�nner fr�her oder sp�ter wahnsinnig werden lie�, und Dashiva mit dem einfachen Gesicht wirkte gewi� bereits wahnsinnig, das d�nne, ungeschnittene Haar im Winde wehend, w�hrend er sich die Lippen leckte und den Kopf sch�ttelte. Eben Hopwil, gerade sechzehn Jahre alt und noch mit einigen verstreuten Pusteln auf den Wangen, blickte ebenfalls d�ster ins Leere. Zumindest kannte Rand den Grund daf�r.</p><p>W�hrend sich die Asha'man n�herten, konnte Rand nicht umhin, den Kopf zu neigen, um zu lauschen, obwohl sich das, worauf er lauschte, in seinem Kopf vollzog. Alanna war nat�rlich dort. Weder das Nichts noch die Macht �nderten irgend etwas daran. Die Entfernung d�mpfte das Bewu�tsein � das Bewu�tsein, da� sie existierte, irgendwo im fernen Norden �, und doch war da heute mehr, etwas, das er in letzter Zeit mehrmals, wenn auch nur vage gesp�rt hatte. Ein erschrecktes Fl�stern vielleicht, oder Zorn, ein Hauch von etwas Durchdringendem, das er nicht ganz greifen konnte.</p><p>Sie mu�te das, was immer sie bewegte, sehr stark empfinden, wenn er sich dessen auf diese Entfernung so bewu�t war. Vielleicht vermi�te sie ihn. Ein abwegiger Gedanke. Er vermi�te sie nicht. Alanna zu ignorieren war leichter geworden als fr�her. Sie war da, aber gegenw�rtiger war die Stimme, die ihm �blicherweise etwas von Tod und Morden zu schrie, wann immer ein Asha'man in Sicht kam. Lews Therin war fort. Es sei denn, das Gef�hl, jemand betrachte angestrengt seinen Hinterkopf und streiche mit einem Finger �ber seine Schulterbl�tter, w�re er. Ert�nte <emphasis>tats�chlich</emphasis> tief in seinen Gedanken das rauhe Gel�chter eines Wahnsinnigen? Oder war es sein eigenes? Der Mann <emphasis>war</emphasis> dort gewesen! Wahrhaftig!</p><p>Er merkte, da� Marcolin ihn anstarrte und Gregorin sich sehr bem�hte, es nicht zu tun. �Noch nicht�, belehrte er sie sp�ttisch und mu�te fast lachen, als sie unzweifelhaft sofort verstanden. Die Erleichterung auf ihren Gesichtern war zu offensichtlich, als da� sie es nicht verstanden haben k�nnten. Er war nicht verr�ckt. Noch nicht. �Kommt mit�, sagte er und trieb Tai'daishar im Trab den Hang hinab. Er f�hlte sich allein, obwohl ihm die M�nner folgten. Er f�hlte sich trotz der Macht leer.</p><p>Zwischen ihrem H�gelkamm und den anderen H�geln lagen stellenweise dichtes Gestr�pp und lange Striche verdorrtes Gras, eine vom Regen niedergedr�ckte, gl�nzende Matte aus Braun und Gelb. Noch vor wenigen Tagen war der Boden so ausged�rrt gewesen, da� Rand geglaubt hatte, die Erde k�nne einen Flu� aufsaugen, ohne sich zu ver�ndern. Dann kamen die Sturzb�che, vom letztendlich gn�digen Sch�pfer oder vielleicht in einem Anfall schwarzen Humors vom Dunklen K�nig gesandt. Er wu�te es nicht. Jetzt lie�en die Pferdehufe bei jedem zweiten Schritt Schlamm aufspritzen. Er hoffte, da� dies nicht lange so anhielt. Hopwils Bericht zufolge hatte er ein wenig Zeit, aber nicht ewig. Vielleicht Wochen, wenn er Gl�ck hatte. Er brauchte aber Monate. Licht, er brauchte Jahre, die er niemals zur Verf�gung h�tte!</p><p>Sein H�rverm�gen war durch die Macht verst�rkt, so da� er einiges von dem verstehen konnte, was die M�nner hinter ihm sprachen. Gregorin und Marcolin ritten dicht nebeneinander, versuchten ihre Umh�nge im Wind festzuhalten und sprachen leise �ber die M�nner vor ihnen, �ber ihre Angst davor, da� die M�nner k�mpfen k�nnten. Keiner von beiden zweifelte daran, da� sie vernichtet w�rden, wenn sie sich auf einen Kampf einlie�en, aber sie f�rchteten die Auswirkungen auf Rand und seine Wirkung auf Illian, wenn die Illianer ihn bek�mpften, jetzt, da Brend tot war. Sie konnten sich noch immer nicht dazu �berwinden, Brend bei seinem wahren Namen Sammael zu nennen. Die blo�e Vorstellung, da� einer der Verlorenen in Illian regiert hatte, �ngstigte sie noch mehr als die Tatsache, da� jetzt der Wiedergeborene Drache dort herrschte.</p><p>Dashiva, der wie ein Mensch, der niemals zuvor ein Pferd gesehen hatte, im Sattel kauerte, murrte ver�rgert vor sich hin � in der Alten Sprache, die er so fl�ssig wie ein Gelehrter sprach und schrieb. Rand beherrschte sie ein wenig, aber nicht genug, um verstehen <emphasis>zu</emphasis> k�nnen, was der Bursche murmelte. Wahrscheinlich Klagen �ber das Wetter. Dashiva hielt sich, obwohl er ein Bauer war, nicht gern drau�en auf, es sei denn, der Himmel war wolkenlos.</p><p>Nur Hopwil ritt schweigend und blickte manchmal stirnrunzelnd auf etwas jenseits des Horizonts, Haar und Umhang peitschten ebenso wild im Wind wie Dashivas. Hin und wieder umfa�te er unbewu�t das Heft seines Schwertes. Rand mu�te ihn dreimal ansprechen, das letzte Mal mit Nachdruck, bevor er �berrascht zusammenzuckte und seinen schlanken Kastanienbraunen neben Tai'daishar lenkte.</p><p>Rand betrachtete ihn. Der junge Mann, trotz seines Alters kein Kind mehr, war voller geworden, seit Rand ihm zum ersten Mal begegnet war, obwohl seine Nase und Ohren noch immer f�r einen gr��eren Mann gemacht schienen. Ein Drache in mit rotem Emaille belegtem Gold erg�nzte jetzt ebenso wie bei Dashiva das silberne Schwert an seinem hohen Kragen. Er hatte einst gesagt, er w�rde ein Jahr lang vor Freude lachen, wenn ihm der Drache erst geh�rte, aber jetzt betrachtete er Rand ausdruckslos, als blicke er durch ihn hindurch.</p><p>�Was Ihr erfahren habt, waren gute Nachrichten�, belehrte Rand ihn. Nur mit M�he konnte er sich daran hindern, das Drachenszepter in seiner Hand zu zerbrechen. �Ihr habt es gut gemacht.� Er hatte erwartet, da� die Seanchaner zur�ckkehren w�rden, hatte jedoch gehofft, da� es nicht so bald geschehen w�rde und nicht im Handumdrehen St�dte erobert wurden. Als er herausfand, da� H�ndler in Illian schon Tage vorher Bescheid gewu�t hatten, bevor jemand von ihnen die Neun informierte � das Licht verh�te, da� sie eine M�glichkeit, etwas zu verdienen, verl�ren, weil zu viele zuviel wu�ten! �, h�tte er die Stadt beinahe bis auf die Grundmauern niedergerissen. Aber es war dennoch eine gute Nachricht, oder zumindest so gut, wie sie unter den gegebenen Umst�nden sein konnte. Hopwil war nach Amador und in die umliegende Gegend gereist und hatte herausgefunden, da� die Seanchaner anscheinend abwarteten. Vielleicht mu�ten sie erst verdauen, was sie vereinnahmt hatten. Das Licht gebe, da� sie daran erstickten! Rand zwang sich, seinen Griff um das Drachenszepter zu lockern. �Wenn Morr nur halb so gute Nachrichten bringt, habe ich Zeit, Illian zu festigen, bevor ich mich um sie k�mmere.� Und auch Ebou Dar! Das Licht verbrenne die Seanchaner! Sie bedeuteten eine Ablenkung, die er weder brauchte noch ignorieren durfte.</p><p>Hopwil schwieg und schaute nur.</p><p>�Seid Ihr aufgebracht, weil Ihr Frauen t�ten mu�-tet?� <emphasis>Desora, von den Musara Reyn, und Lamelle, von den Rauchwasser-Miagoma, und...</emphasis> Rand verdr�ngte die Litanei wieder, sobald sie durch das Nichts zu schweben begann. Neue Namen waren auf dieser Liste aufgetaucht, Namen, die hinzugef�gt zu haben er sich nicht erinnern konnte. Laigin Arnault, eine Rote Schwester, die bei dem Versuch umgekommen war, ihn als Gefangenen nach Tar Valon zu bringen. Sie hatte gewi� kein Recht auf einen Platz, hatte aber dennoch einen beansprucht. Colavaere Saighan, die sich lieber erh�ngt hatte, als Gerechtigkeit zu akzeptieren. Und weitere. Auch M�nner waren zu Tausenden gestorben, durch Weisung oder durch seine eigene Hand, aber es waren die Gesichter der Frauen, die seine Tr�ume heimsuchten. Jede Nacht stellte er sich ihren schweigend anklagenden Blicken. Vielleicht hatte er <emphasis>ihre</emphasis> Augen in letzter Zeit gesp�rt.</p><p>�Ich habe Euch von den <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Sul'dam</emphasis> berichtet�, sagte Rand ruhig, obwohl Zorn in ihm aufflammte und Feuer sich wie Spinnweben um die Leere des Nichts legte. <emphasis>Das Licht verdamme mich</emphasis> �<emphasis>ich habe mehr Frauen get�tet, als alle deine Alptr�ume enthalten k�nnten! Meine H�nde sind befleckt vom Blut der Frauen!</emphasis> �H�ttet Ihr diese seanchanische Patrouille nicht ausgel�scht, h�tte sie gewi� Euch get�tet.� Er sagte nicht, da� Hopwil sie h�tte meiden sollen und damit die Notwendigkeit, sie zu t�ten. Daf�r war es nun zu sp�t. �Ich bezweifle, da� <emphasis>Damane</emphasis> auch nur wissen, wie man einen Mann abschirmt. Ihr hattet keine Wahl.� Und es war besser, da� sie alle tot waren, als da� einige mit der Nachricht �ber einen Mann entkommen w�ren, der die Macht lenken konnte und sie auskundschaftete.</p><p>Hopwil ber�hrte wie abwesend seinen linken �rmel, wo Schw�rze den feuerverkohlten Stoff verbarg. Die Seanchaner waren nicht leicht oder schnell gestorben. �Ich habe die Leichen in einer Grube aufgeschichtet�, sagte er tonlos. �Auch die Pferde und alles andere. Dann habe ich alles zu Asche verbrannt. Wei�e Asche, die auf dem Wind wie Schnee dahinschwebte. Es hat mich �berhaupt nicht ber�hrt.�</p><p>Rand h�rte die L�ge von den Lippen des Mannes, aber Hopwil mu�te lernen. Und schlie�lich hatte er gelernt. Sie waren, was sie waren, und mehr gab es dazu nicht zu sagen. Mehr nicht. Liah, von den Cosaida Chareen, ein in Feuer geschriebener Name. Moiraine Damodred, ein weiterer Name, der die Seele eher versengte, als nur zu brennen. Eine namenlose Schattenfreundin, nur durch ein Gesicht gegenw�rtig, die durch sein Schwert gestorben war, fast...</p><p>�Majest�t�, sagte Gregorin laut und deutete voraus. Ein einzelner Mann trat am Fu�e des n�chstgelegenen H�gels aus dem Wald und blieb dann in herausfordernder Haltung stehen. Er hatte einen Bogen bei sich und trug einen spitzen Stahlhelm sowie ein geg�rtetes Kettenhemd, das ihm fast bis an die Knie reichte.</p><p>Rand trieb sein Pferd von Macht erf�llt zu dem Mann. <emphasis>Saidin</emphasis> konnte ihn vor Menschen sch�tzen.</p><p>Aus der N�he wirkte der Bogensch�tze nicht mehr so tapfer. Rost befleckte Helm und Kettenhemd, und er war durchn��t. Schlamm reichte ihm bis zu den Oberschenkeln, und das feuchte Haar hing ihm das schmale Gesicht herab. Er hustete hohl und fuhr sich mit dem Handr�cken �ber die lange Nase. Seine Bogensehne, die er vor dem Regen gesch�tzt hatte, war jedoch gespannt. Und die Befiederung an den Pfeilen in seinem K�cher war ebenfalls trocken.</p><p>�Seid Ihr hier der Anf�hrer?� fragte Rand.</p><p>�Man k�nnte sagen, da� ich in seinem Namen spreche�, erwiderte der hagere Mann vorsichtig. �Warum?� W�hrend die anderen hinter Rand herangaloppierten, �nderte der Mann seine Haltung, die dunklen Augen wie die eines in die Enge getriebenen Dachses. In die Enge getriebene Dachse waren gef�hrlich.</p><p>�H�tet Eure Zunge, Mann!� fauchte Gregorin. �Ihr sprecht mit Rand al'Thor, dem Wiedergeborenen Drachen, Herr des Morgens und K�nig von Illian! Kniet vor Eurem K�nig nieder! Wie hei�t Ihr?�</p><p>�Er soll der Wiedergeborene Drache sein?� fragte der Bursche zweifelnd. Er betrachtete Rand von der Krone auf seinem Kopf bis zu den Stiefeln, wobei sein Blick einen Moment auf der vergoldeten Drachenschnalle seines Schwertg�rtels verweilte, dann sch�ttelte der Mann den Kopf, als h�tte er jemand �lteren oder Eindrucksvolleren erwartet. �Herr des Morgens, sagt Ihr? Unser K�nig hat sich niemals so bezeichnet.� Er machte keinerlei Anstalten, sich hinzuknien oder seinen Namen zu nennen. Gregorins Miene verd�sterte sich beim Tonfall und vielleicht auch aufgrund der Weigerung des Mannes, Rand als K�nig anzusehen, zusehends. Marcolin nickte leicht, als h�tte er nicht mehr erwartet.</p><p>Schwaches Rascheln erklang im Unterholz zwischen den B�umen. Rand h�rte es fr�hzeitig und sp�rte j�h, wie Hopwil von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt wurde. Hopwil starrte nicht mehr ins Leere, sondern beobachtete mit wildem Feuer in den Augen aufmerksam den Waldrand. Dashiva strich sich ruhig das dunkle Haar aus dem Gesicht und wirkte eher gelangweilt. Gregorin beugte sich im Sattel vor und �ffnete ver�rgert den Mund. Feuer und Eis, aber noch nicht Tod.</p><p>�Immer mit der Ruhe, Gregorin.� Rand erhob seine Stimme nicht, aber er wob Str�nge aus Luft und Feuer, so da� seine Worte bis zum Wald getragen wurden. �Ich mache Euch ein gro�z�giges Angebot.� Der Mann mit der langen Nase wankte bei dem Klang, und Gregorins Pferd scheute. Jene verborgenen M�nner w�rden ihn deutlich verstehen. �Legt die Waffen nieder. Jene von Euch, die heimkehren m�chten, k�nnen dies tun. Jene, die statt dessen mir folgen wollen, k�nnen dies ebenfalls tun. Aber niemand verl��t diesen Ort bewaffnet, der mir <emphasis>nicht</emphasis> folgt. Ich wei�, da� die meisten von Euch gute M�nner sind, die dem Ruf ihres K�nigs und des Konzils der Neun gefolgt sind, um Illian zu verteidigen, aber jetzt bin <emphasis>ich</emphasis> Euer K�nig, und ich will nicht, da� sich jemand von Euch versucht f�hlt, zum Stra�enr�uber zu werden.� Marcolin nickte grimmig.</p><p>�Was ist mit dem Abbrennen von Bauernh�fen durch Eure Drachenverschworenen?� erklang die ver�ngstigte Stimme eines Mannes aus dem Wald. �Sie sind Banditen!�</p><p>�Was ist mit Euren Aiel?� rief ein weiterer Mann. �Ich habe geh�rt, sie brennen ganze D�rfer nieder!� Weitere Stimmen von unsichtbaren M�nnern schlossen sich an, die alle dasselbe riefen, von Drachenverschworenen und Aiel, m�rderischen Banditen und Wilden. Rand knirschte mit den Z�hnen.</p><p>Als die Rufe verstummten, sagte der Mann mit dem schmalen Gesicht: �Seht Ihr?� Er hielt inne, um zu husten, r�usperte sich und spie aus. Ein erb�rmlicher Anblick, aber sein R�ckgrat war ebenso gerade wie seine Bogensehne. Er ignorierte Rands Blick genauso leicht wie Gregorins. �Ihr fordert uns auf, unbewaffnet nach Hause zu ziehen, au�erstande, uns oder unsere Familien zu verteidigen, w�hrend Eure Leute H�user anz�nden und stehlen und t�ten. Sie sagen, der Sturm k�me gewi߫, f�gte er hinzu und schien �berrascht, da� er es gesagt hatte, und einen Moment auch verwirrt.</p><p>�Die Aiel, von denen Ihr geh�rt habt, sind meine Feinde!� Dieses Mal nicht spinnwebartiges Feuer, sondern massiver Zorn, der sich um das Nichts schlang. Rands Stimme klang jedoch eisig. Sie erinnerte an strengen Winter. Der Sturm kam gewi�? Licht, er <emphasis>war</emphasis> der Sturm! <emphasis>�Meine</emphasis> Aiel jagen sie. Meine Aiel jagen die Shaido, sie und Davram Bashere und die meisten der Gef�hrten jagen Banditen, wie auch immer sie sich nennen! Ich bin der K�nig von Illian, und ich werde niemandem gestatten, den Frieden in Illian zu st�ren!�</p><p>�Selbst wenn Eure Behauptung der Wahrheit entspricht...�, begann der Mann mit dem schmalen Gesicht.</p><p>�Es ist wahr!� fauchte Rand. �Ihr habt bis zum Mittag Zeit, Euch zu entscheiden.� Der Mann runzelte unschl�ssig die Stirn. Wenn die drohenden Wolken nicht aufklarten, mochte ihm die Zeit bis Mittag lang und schwer werden. Rand gew�hrte ihm keine Erleichterung. �Entscheidet weise!� sagte er, dann wandte er Tai'daishar j�h um und trieb ihn im Galopp zum H�gelkamm zur�ck, ohne auf die anderen zu warten.</p><p>Er lie� die Macht widerwillig los, zwang sich, nicht wie jemand daran festzuhalten, der sich noch mit den Fingern�geln an Rettung klammerte, wenn das Leben schon aus ihm entwich. Er sah einen Moment doppelt. Die Welt schien sich schaukelnd zu neigen. Dieses Problem hatte er erst in letzter Zeit, und er machte sich Sorgen dar�ber, da� es Teil der Krankheit sein k�nnte, die M�nner, welche die Macht lenkten, t�tete, aber die Benommenheit hielt stets nur Augenblicke an. Es war das letzte Loslassen, was er bedauerte. Die Welt wurde anscheinend stumpf. Nein, sie <emphasis>wurde</emphasis> stumpf und verringerte sich irgendwie. Die Farben verbla�ten, und der Himmel wurde, verglichen mit vorher, kleiner. Er wollte die Quelle verzweifelt erneut ergreifen und die Macht daraus herauspressen. Es war stets so, wenn die Macht aus ihm entwich.</p><p>Kaum war <emphasis>Saidin</emphasis> jedoch geschwunden, als Zorn an seiner Stelle aufwallte, wei�, hei� und versengend, fast so vereinnahmend, wie die Macht es gewesen war. Die Seanchaner gen�gten nicht. Und Banditen, die sich hinter seinem Namen versteckten? Er konnte sich keine t�dlichen Ablenkungen leisten. Griff Sammael aus seinem Grab heraus? Hatte er die Shaido ausgestreut, um wie Dornen zu sprie�en, wo immer Rand eine Hand hinlegte? Warum? Der Mann konnte nicht geglaubt haben, da� er sterben w�rde. Und wenn auch nur die H�lfte der Geschichten stimmten, die Rand geh�rt hatte, gab es in Murandy und Altara und nur das Licht wu�te wo noch weitere Shaido! Viele von ihnen, die bereits gefangengenommen worden waren, hatten von einer Aes Sedai gesprochen. Konnte die <emphasis>Wei�e Burg</emphasis> in irgendeiner Weise damit zu tun haben? W�rde die Wei�e Burg ihn niemals in Ruhe lassen? Niemals? Niemals.</p><p>W�hrend er gegen seinen Zorn ank�mpfte, bemerkte er nicht, wie Gregorin und die �brigen herankamen. Als sie den H�gelkamm mit den wartenden Adligen erreichten, verhielt Rand sein Pferd so j�h, da� Tai'daishar sich aufb�umte und Schlamm von seinen Hufen spritzte. Die Adligen nahmen ihre Pferde zur�ck, von Rands Wallach fort, von ihm fort.</p><p>�Ich habe ihnen bis heute mittag Zeit gegeben�, verk�ndete er. �Beobachtet sie. Ich will nicht, da� diese Horde in f�nfzig kleinere Banden zerf�llt und sich davonstiehlt. Ich bin in meinem Zelt.� Bis auf ihre vom Wind verwehten Umh�nge h�tten sie aus Stein sein k�nnen, am Fleck verwurzelt, als h�tte er den Befehl auf sie selbst gem�nzt. In diesem Moment k�mmerte es ihn nicht, ob sie dort blieben, bis sie gefroren oder zerschmolzen.</p><p>Ohne ein weiteres Wort stieg er die R�ckseite des H�gels hinab, gefolgt von zwei schwarz gewandeten Asha'man und seinen illianischen Bannertr�gern. Feuer und Eis und der Tod kamen. Aber er war aus Stahl. Er war Stahl.</p></section><section><title><p>14</p><p>Eine Botschaft vom M'Hael</p></title><p>Eine Meile westlich des H�gelkamms begannen die Lager, M�nner und Pferde und Herdfeuer, windgepeitschte Banner und einige wenige, nach Nationen und H�usern zusammenstehende Zelte, jedes Lager ein See verkohlten Schlamms, durch Streifen gestr�ppartiger Heide voneinander getrennt. M�nner zu Pferde und zu Fu� verfolgten, wie Rands wehende Banner vor�berzogen, und sp�hten zu den anderen Lagern, um deren Reaktionen abzusch�tzen. Als die Aiel hiergewesen waren, hatten diese M�nner ein einziges gro�es Lager errichtet, von einem der wenigen Dinge zusammengetrieben, die sie wirklich gemein hatten. Sie waren keine Aiel und f�rchteten sie, wie sehr sie es auch leugneten. Die Welt w�rde untergehen, wenn Rand nicht erfolgreich w�re, aber er hegte keine Illusionen dar�ber, da� sie ihm unverbr�chlich die Treue hielten. Vielleicht glaubten sie auch, das Schicksal der Welt k�nne ihren eigenen Belangen, ihren eigenen W�nschen nach Gold oder Glanz oder Macht angepa�t werden. Aber �berwiegend folgten sie ihm, weil sie ihn weitaus mehr f�rchteten als die Aiel. Vielleicht sogar mehr als den Dunklen K�nig, an den einige nicht wirklich glaubten, nicht tief im Herzen, nicht da� er die Welt noch st�rker sch�digen k�nnte, als er es bereits getan hatte. Rand blickte in ihre Gesichter, und sie glaubten daran. Jetzt akzeptierte er es. Er hatte zu viele Schlachten vor sich, um M�hen bei einer Schlacht zu verschwenden, die er nicht gewinnen konnte. Es mu�te ihm gen�gen, da� sie ihm folgten und gehorchten.</p><p>Das gr��te der Lager war sein eigenes, und hier waren illianische Gef�hrten in gr�nen Jacken mit gelben Aufschl�gen gemeinsam mit tairenischen Verteidigern des Steins in schwarzgolden gestreiften Jacken und einer gleichen Anzahl aus ungef�hr vierzig H�usern herangezogener Cairhiener in dunklen Farben, einige mit starr �ber ihren K�pfen aufragenden <emphasis>Cons,</emphasis> eng beisammen. Sie bereiteten ihre Mahlzeiten an verschiedenen Feuern, schliefen getrennt, pflockten ihre Pferde getrennt an und beobachteten einander wachsam, aber sie vermischten sich auch. Die Sicherheit des Wiedergeborenen Drachen lag in ihrer Verantwortung, und sie nahmen ihre Aufgabe ernst. Jeder von ihnen k�nnte ihn betr�gen, aber nicht, solange die �brigen wachten. Alter Ha� und neue Abneigungen w�rden jeden Plan zunichte machen, bevor der Verr�ter noch zu Ende gedacht h�tte.</p><p>Ein Ring aus Stahl stand um Rands Zelt Wache, ein riesiges, spitzes, �ber und �ber mit goldenen Bienen besticktes Zelt aus gr�ner Seide. Es hatte seinem Vorg�nger, Mattin Stepaneos, geh�rt und war sozusagen mit der Krone gekommen. Gef�hrten mit gl�nzenden konischen Helmen standen Seite an Seite mit Verteidigern mit Helmen, die W�lbung und Rand aufwiesen, sowie mit Cairhienern mit glockenf�rmigen Helmen, die den Wind ignorierten, die Hellebarden in pr�zisem Winkel geneigt. Keiner von ihnen regte sich auch nur im geringsten, als Rand sein Pferd verhielt, aber eine Schar Diener lief herbei, um sich um ihn und die Asha'man zu k�mmern. Eine hagere Frau in der gr�ngelben Weste eines Stallknechts vom K�niglichen Palast in Illian �bernahm seine Z�gel, w�hrend ein knollennasiger Bursche in der schwarzgoldenen Livree des Steins von Tear ihm den Steigb�gel hielt. Sie sahen ihn unter ihren Stirnlocken hervor an und warfen einander einen scharfen Blick zu. Boreane Carivin, eine st�mmige, blasse kleine Frau in einem dunklen Gewand, bot ihm wichtigtuerisch ein Silbertablett mit feuchten T�chern dar, von denen Dampf aufstieg. Als Cairhienerin beobachtete sie die beiden anderen aufmerksam, wohl eher, um sich zu versichern, da� sie ihre Aufgaben gewissenhaft ausf�hrten, als vor schlecht verh�llter Feindseligkeit. Aber dennoch war sie wachsam. Was bei den Soldaten funktionierte, funktionierte bei den Dienern ebensogut.</p><p>Rand zog seine Handschuhe aus und lehnte Boreanes Angebot ab. Damer Flinn war von einer kunstvoll geschnitzten Bank vor dem Zelt aufgestanden, als Rand abstieg. Bis auf einen gezackten wei�en Haarkranz kahl, sah Flinn eher wie ein Gro�vater aus als wie ein Asha'man. Ein lederz�her Gro�vater mit einem steifen Bein, der mehr von der Welt gesehen hatte als nur seinen Bauernhof. Das Schwert an seiner H�fte vermittelte den Eindruck, als geh�rte es dorthin, wie es bei einem ehemaligen Soldaten der K�niglichen Garde sein sollte. Rand vertraute ihm mehr als den meisten anderen. Flinn hatte ihm immerhin das Leben gerettet.</p><p>Flinn salutierte, die geballte Faust auf der Brust, und als Rand seinen Gru� mit einem Nicken erwiderte, hinkte er n�her heran, wartete aber, bis die Stallknechte mit den Pferden gegangen waren, bevor er mit leiser Stimme sprach. �Torval ist hier. Vom M'Hael gesandt, behauptet er. Er wollte im Zelt des Konzils warten. Ich habe Narishma aufgetragen, ihn im Auge zu behalten.� So hatte Rands Befehl gelautet, obwohl er sich nicht sicher war, warum er ihn gegeben hatte. Niemand, der von der Schwarzen Burg kam, sollte sich selbst �berlassen bleiben. Flinn betastete z�gernd den Drachen an seinem schwarzen Kragen. �Er war nicht erfreut zu h�ren, da� Ihr uns alle erhoben habt.�</p><p>�Tats�chlich�, sagte Rand sanft, w�hrend er die Handschuhe hinter seinen Schwertg�rtel steckte. Da Flinn noch immer unsicher wirkte, f�gte er hinzu: �Ihr habt es alle verdient.� Er hatte einen der Asha'man zu Taim schicken wollen � dem F�hrer, dem M'Hael, wie die Asha'man ihn nannten �, aber jetzt konnte Torval die Botschaft �berbringen. Im Zelt des Konzils? �La�t Erfrischungen bringen�, befahl er Flinn und bedeutete Hopwil und Dashiva, ihm zu folgen.</p><p>Flinn salutierte erneut, aber Rand schritt bereits davon, wobei der schwarze Schlamm unter seinen Stiefeln hervorquoll. Keine Hochrufe erklangen im st�rmischen Wind f�r ihn. Er konnte sich noch daran erinnern, als sie erklungen waren, wenn es nicht eine von Lews Therins Erinnerungen war. Wenn Lews Therin jemals real gewesen war. Ein Farbblitz erschien gerade au�erhalb seines Sichtfelds, das Gef�hl, da� jemand in der N�he war, der ihn von hinten ber�hrte. Er konzentrierte sich m�hsam.</p><p>Das Zelt des Konzils war ein gro�er rotgestreifter Pavillon, der einst auf den Ebenen von Maredo gestanden hatte und jetzt inmitten von Rands Lager aufgeschlagen war, von drei�ig Schritt freiem Boden umgeben. Hier standen niemals Wachen, sofern Rand nicht mit den Adligen zusammentraf. Jedermann, der hineinzuschleichen versucht h�tte, w�re sofort von tausend neugierigen Augen bemerkt worden. Drei Banner auf hohen Pf�hlen � die Aufgehende Sonne von Cairhien, die Drei Mondsicheln von Tear und die Goldenen Bienen von Illian � bildeten ein Dreieck um das Zelt, und �ber dem karmesinroten Dach, h�her als die �brigen, ragten das Drachenbanner und das Banner des Lichts auf. Der Wind lie� sie alle wehen, sich wellen und knattern, und auch die Zeltw�nde erbebten unter den B�en. Im Zelt lagen farbenfrohe Fransenteppiche auf dem Boden, und das einzige M�belst�ck war ein gro�er, reich geschnitzter und vergoldeter Tisch mit Elfenbein- und T�rkisintarsien. Ein Durcheinander von Landkarten verbarg fast die Tischplatte.</p><p>Torval hob den Kopf von den Karten, eindeutig bereit, jedermann anzuschreien, wer auch immer hereingeplatzt war. Fast mittleren Alters und neben jedem au�er Rand oder einem Aiel gro� erscheinend, blickte er k�hl seine scharfgeschnittene Nase hinab, die vor Entr�stung bebte. Der Drache und das Schwert an seinem Jackenkragen gl�nzten im Licht der Kandelaber. Er trug eine schimmernd schwarze Seidenjacke, deren Schnitt auch einem Lord zur Ehre gereicht h�tte. Die Silberscheide seines Schwerts war goldverziert, und ein gl�nzender Rubin kr�nte das Heft. Ein weiterer Edelstein schimmerte undeutlich an einem Fingerring. Man konnte M�nner nicht zu Waffen ausbilden, ohne ein gewisses Ma� an Herablassung erwarten zu m�ssen, und doch mochte Rand Torval nicht. Aber andererseits brauchte er auch Lews Therins Stimme nicht, um einem Mann in einer schwarzen Jacke gegen�ber Mi�trauen zu hegen. Wie weit vertraute er selbst Flinn? Und doch mu�te er sie anf�hren. Er hatte die Asha'man geschaffen, jetzt war er f�r sie verantwortlich.</p><p>Als Torval ihn sah, richtete er sich nachl�ssig auf und salutierte, aber seine Miene ver�nderte sich kaum. Er hatte schon einen h�hnischen Zug um den Mund gezeigt als Rand ihm zum ersten Mal begegnet war. �Mein Lord Drache�, sagte er im Akzent der Taraboner, und er h�tte damit ebensogut einen Gleichgestellten begr��en k�nnen. Seine prahlerische Verbeugung schlo� auch Hopwil und Dashiva mit ein. �Ich begl�ckw�nsche Euch zur Eroberung Illians. Ein gro�er Sieg, nicht wahr? Ich hatte zur Begr��ung Wein anbieten wollen, aber dieser junge ... Geweihte ... versteht anscheinend keine Befehle.�</p><p>In der Ecke des Zelts klangen die Silberglocken an Narishmas beiden langen dunklen Z�pfen leise, als er sich regte. Die s�dliche Sonne hatte ihn dunkel gebr�unt, aber sonst hatte sich nichts an ihm ver�ndert. �lter als Rand, lie� ihn sein Gesicht noch j�nger erscheinen als Hopwil. Die seine Wangen �berziehende R�te zeugte von Zorn, nicht von Verlegenheit. Sein Stolz auf das neu errungene Schwert an seinem Kragen war unaufdringlich, aber sp�rbar. Torval l�chelte ihn an, ein z�gerndes L�cheln, sowohl belustigt als auch gef�hrlich. Dashiva lachte kurz und trocken auf und war dann still.</p><p>�Was macht Ihr hier, Torval?� fragte Rand grob. Er warf das Drachenszepter und seine Panzerhandschuhe auf die Landkarten und lie� ihnen seinen Schwertg�rtel und das in der Scheide steckende Schwert folgen. Torval hatte keine Veranlassung, die Landkarten zu betrachten. Lews Therins Stimme war auch jetzt nicht n�tig.</p><p>Torval zog achselzuckend einen Brief aus seiner Jackentasche und reichte ihn Rand. �Der M'Hael schickt dies.� Das Papier war schneewei� und dick, das Siegel ein in ein golden glitzerndes, gro�es Oval blauen Wachses eingedr�ckter Drache. Man h�tte fast denken k�nnen, der Brief k�me vom Wiedergeborenen Drachen. Taim hielt offenbar viel von sich. �Der M'Hael hat mir aufgetragen, Euch zu sagen, da� die Geschichten �ber die Aes Sedai, die mit einem Heer in Murandy stehen, wahr sind. Ger�chte besagen, sie erh�ben sich gegen Tar Valon...� Torvals Hohn wurde durch Unglauben noch verst�rkt �, �...aber sie marschieren auf die Schwarze Burg zu. Sie k�nnten bald zu einer Gefahr werden.�</p><p>Rand brach das prachtvolle Siegel zwischen seinen Fingern in St�cke. �Sie ziehen nach Caemlyn, nicht zur Schwarzen Burg, und sie sind keine Bedrohung, Meine Befehle waren eindeutig. La�t die Aes Sedai in Ruhe, solange sie Euch nicht angreifen.�</p><p>�Aber wie k�nnt Ihr sicher sein, da� sie keine Bedrohung darstellen?� beharrte Torval. �Vielleicht ziehen sie nach Caemlyn, wie Ihr sagt, aber wenn Ihr Euch irrt, werden wir es erst erfahren, wenn sie uns angreifen,�</p><p>�Torval k�nnte recht haben�, wandte Dashiva nachdenklich ein. �Ich kann nicht behaupten, da� ich Frauen trauen w�rde, die mich in eine Kiste gesperrt haben, und diese haben keine Eide geschworen. Oder doch?�</p><p>�Ich sagte, la�t sie in Ruhe!� Rand schlug hart auf den Tisch, und Hopwil zuckte �berrascht zusammen. Dashiva runzelte verwirrt die Stirn, bevor er sie rasch wieder gl�ttete, aber Rand k�mmerten Dashivas Stimmungen nicht. Er hatte die Hand zuf�llig � er war sich sicher, da� es zuf�llig geschah � auf sein Drachenszepter gelegt. Sein Arm zitterte von dem Wunsch, es Torval durchs Herz zu sto�en. Lews Therin bedurfte es �berhaupt nicht. �Die Asha'man sind eine Waffe, die dann eingesetzt wird, wenn ich es sage, und nicht um wie Hennen umherzuflattern, wann immer sich Taim vor einer Handvoll Aes Sedai f�rchtet, die im gleichen Gasthaus speisen. Wenn es sein mu�, kann ich mich auch noch deutlicher ausdr�cken.�</p><p>�Das ist gewi� nicht n�tig�, sagte Torval schnell. Zumindest hatte etwas den verzerrten Zug um seinen Mund beseitigt. Er spreizte mit starrem Blick fast sch�chtern und beinahe entschuldigend die H�nde. Er war eindeutig ver�ngstigt. �Der M'Hael wollte Euch nur Bescheid geben. Eure Befehle werden jeden Tag nach dem Credo bei den morgendlichen Anweisungen laut verlesen,�</p><p>�Das ist gut.� Rand hielt seine Stimme k�hl und unterdr�ckte m�hsam ein Stirnrunzeln. Der Mann f�rchtete seinen kostbaren M'Hael, nicht den Wiedergeborenen Drachen. Er argw�hnte, da� Taim es �belnehmen k�nnte, wenn ihm etwas, was er gesagt hatte, Rands Zorn einbr�chte. �Denn ich werde jeden von Euch t�ten, der sich in die N�he dieser Frauen in Murandy wagt. Ihr zerst�rt, wo <emphasis>ich</emphasis> hinzeige.�</p><p>Torval verbeugte sich steif und murmelte: �Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache.� Er entbl��te in einem mi�lungenen L�cheln die Z�hne, aber seine Nasenfl�gel bebten, und er mied m�hsam jedermanns Blick, w�hrend er nichts zu meiden vorgab. Dashiva lachte erneut rauh auf, und Hopwil grinste leicht.</p><p>Narishma hatte jedoch keine Freude an Torvals Unbehagen und beachtete es auch nicht. Er sah Rand unverwandt an, als sp�re er tiefliegende Str�mungen, die den anderen entgingen. Die meisten Frauen und nicht wenige M�nner hielten ihn einfach f�r einen h�bschen Burschen, aber jene zu gro�en Augen schienen manchmal mehr zu erkennen als alle anderen.</p><p>Rand zog seine Hand von dem Drachenszepter zur�ck und strich den Brief glatt. Seine H�nde zitterten kaum merklich. Torval l�chelte schwach und verbittert und bemerkte nichts. Narishma machte es sich an der Zeltwand wieder bequem.</p><p>Dann wurden von einer Boreane folgenden w�rdigen Prozession der Dienerschaft, eine Reihe Illianer und Cairhiener und Tairener in ihren unterschiedlichen Livreen, die Erfrischungen gebracht. Ein Diener trug ein Silbertablett mit Kr�gen verschiedener Sorten Wein, und zwei weitere trugen Tabletts mit Silberkr�gen hei�en gew�rzten Weins und edlen Glaspokalen. Ein Bursche mit r�tlichem Gesicht in Gr�n und Gelb trug ein Tablett, auf dem eingegossen wurde, und einer dunklen Frau in Schwarz und Gold kam die Aufgabe zu, die Kr�ge tats�chlich zu handhaben. Es gab N�sse und kandierte Fr�chte, verschiedene K�sesorten und Oliven, wobei f�r jede Sorte ein Diener oder eine Dienerin n�tig war. Unter Boreanes Anleitung f�hrten sie einen formellen Tanz <emphasis>auf,</emphasis> verbeugten sich, vollf�hrten Hofknickse und machten sich gegenseitig Platz, w�hrend sie die Erfrischungen darboten.</p><p>Rand nahm seinen gew�rzten Wein entgegen, setzte sich auf die Tischkante und stellte den dampfenden Becher unber�hrt neben sich, w�hrend er sich mit dem Brief besch�ftigte. Es war weder eine Anrede vermerkt noch eine Einleitung irgendeiner Art. Taim ha�te es, Rand mit einem Titel anzureden, obwohl er diese Tatsache zu verbergen versuchte.</p><p>Es ist mir eine Ehre zu berichten, da� inzwischen neunundzwanzig Asha'man, siebenundneunzig Geweihte und dreihundertzweiundzwanzig Soldaten f�r die Schwarze Burg ausgehoben wurden. Es gab leider eine Handvoll Deserteure, deren Namen getilgt wurden, aber die Verluste bei der Ausbildung halten sich in Grenzen.</p><p>Es sind jetzt st�ndig f�nfzig Rekrutierungsgruppen unterwegs, mit dem Ergebnis, da� den Listen fast t�glich drei oder vier neue Namen hinzugef�gt werden. Die Schwarze Burg wird der Wei�en Burg in wenigen Monaten ebenb�rtig sein, wie ich es vorausgesagt habe. In einem Jahr wird Tar Valon vor unserer Anzahl erzittern. Ich habe diesen Brombeerbusch selbst abgeerntet. Ein kleiner, dorniger Busch, aber mit einer f�r seine Gr��e �berraschenden Anzahl an Beeren.</p><p>Mazrim Taim M'Hael Rand verzog das Gesicht und verdr�ngte den Brombeerbusch aus seinen Gedanken. Was getan werden mu�te, war unvermeidlich. Die ganze Welt bezahlte einen Preis f�r seine Existenz. Er w�rde daf�r sterben, aber die ganze Welt bezahlte.</p><p>Es gab ohnehin auch noch andere Dinge, derentwegen man hadern mu�te. Jeden Tag drei oder vier neue Namen? Taim war zuversichtlich. Bei dieser Rate g�be es in einigen Monaten wahrhaftig mehr M�nner, welche die Macht lenken konnten, als Aes Sedai, aber selbst die j�ngste Schwester hatte bereits Jahre der Ausbildung hinter sich. Und ein Teil dieser Ausbildung beinhaltete, wie man mit einem Mann umging, der die Macht lenken konnte. Er wollte keinerlei Begegnung der Asha'man mit den Aes Sedai erw�gen, die wu�ten, was ihnen bevorstand. Blut und Bedauern konnten das einzige Ergebnis sein, was auch immer geschah. Die Asha'man sollten jedoch nicht die Wei�e Burg angreifen, ungeachtet dessen, was Taim glaubte, obwohl es ein zweckdienlicher Glaube war, wenn er bewirkte, da� Tar Valon auf der Hut war. Ein Ashaman mu�te nur wissen, wie man t�tete. Wenn es gen�gend gab, die dies am rechten Ort und zur rechten Zeit taten und wenn sie ausreichend lange lebten, war das alles, wof�r sie geschaffen worden waren.</p><p>�Wie viele M�nner sind desertiert, Torval?� fragte er ruhig. Er nahm den Weinbecher hoch und trank einen Schluck, als sei die Antwort unwichtig. Der Wein h�tte ihn erw�rmen sollen, aber er kam ihm nur bitter vor, �Und wie viele Verluste hat es bei der Ausbildung gegeben?�</p><p>Torval kostete gerade von den Erfrischungen, rieb sich die H�nde und betrachtete mit gew�lbten Augenbrauen das Angebot an Weinen, woraufhin er sich damit br�stete, den besten erkennen zu k�nnen. Dashiva hatte das zuerst Dargereichte angenommen und stand jetzt finster da, wobei er in seinen mit einem gedrehten Stiel versehenen Pokal starrte, als enthalte er Abwaschwasser. Torval deutete auf eines der Tabletts und neigte nachdenklich den Kopf, sprach aber dann. �Bisher neunzehn Deserteure. Der M'Hael hat angeordnet, da� man sie t�tet, wann immer sie gefunden werden, und da� ihre K�pfe als abschreckendes Beispiel zur�ckgebracht werden sollen.� Er nahm geziert ein St�ck kandierte Birne von dem dargebotenen Tablett, steckte es in den Mund und l�chelte erfreut. �Im Moment h�ngen drei K�pfe wie Fr�chte am Verr�terbaum.�</p><p>�Gut�, sagte Rand gleichm�tig. Bei M�nnern, die jetzt davonliefen, durfte man nicht darauf vertrauen, da� sie nicht auch sp�ter davonlaufen w�rden, wenn Leben von ihrer Standhaftigkeit abhingen. Und man durfte diesen M�nnern nicht erlauben, ihren eigenen Weg zu gehen. Diese Burschen auf den H�geln bedeuteten, selbst wenn sie gemeinsam entkamen, weniger Gefahr als auch nur ein in der Schwarzen Burg ausgebildeter Mann. Der Verr�terbaum? Taim war gut darin, gro�artige Namen zu erfinden. Aber die M�nner brauchten die Auszeichnungen, die Symbole und die Namen, die schwarzen Jacken und die Anstecknadeln, damit sie zusammenhielten. Bis es an der Zeit war zu sterben. �Wenn ich die Schwarze Burg das n�chste Mal besuche, will ich die K�pfe aller Deserteure sehen.�</p><p>Ein zweites St�ck kandierte Birne, auf halbem Wege zu Torvals Mund, entglitt seinen Fingern und befleckte seine edle Jacke. �Es k�nnte die Aushebungen behindern, wenn man sich darum bem�hte�, sagte er z�gerlich. �Die Deserteure halten sich verborgen.�</p><p>Rand bezwang den Blick des anderen Mannes. �Wie viele Verluste gab es bei der Ausbildung?� verlangte er zu wissen. Der Asha'man mit der scharf geschnittenen Nase z�gerte. �Wie viele?� wiederholte Rand.</p><p>Narishma beugte sich vor und sah Torval angespannt an. Ebenso Hopwil. Die Diener f�hrten ihren ruhigen, leisen Tanz weiterhin fort, boten ihre Tabletts jedoch M�nnern dar, die sie nicht mehr sahen. Boreane nutzte Narishmas Anspannung, um daf�r zu sorgen, da� sein Silberbecher mehr hei�es Wasser als gew�rzten Wein enthielt.</p><p>Torval zuckte zu beil�ufig die Achseln. �Insgesamt einundf�nfzig. Dreizehn brannten aus, und achtundzwanzig starben am Fleck. Die �brigen... Der M'Hael gibt ihrem Wein etwas hinzu, und sie wachen nicht mehr auf.� Sein Tonfall wurde j�h geh�ssig. �Es kann jederzeit ganz pl�tzlich geschehen. Ein Mann schrie an seinem zweiten Tag, Spinnen kr�chen unter seine Haut.� Er l�chelte Narishma und Hopwil boshaft an, und beinahe auch Rand, aber er wandte sich mit seinen n�chsten Worten an die beiden anderen. �Versteht Ihr? Man braucht sich nicht zu sorgen, ob man dem Wahnsinn verf�llt. Man verletzt weder sich selbst noch jemand anderen. Man schl�ft ein ... f�r immer. Das ist gn�diger als das D�mpfen, selbst wenn man wei�, wie es gemacht wird. Es ist g�tiger, als dem Wahnsinn �berlassen zu bleiben <emphasis>und</emphasis> abgeschnitten zu werden.� Narishma erwiderte seinen Blick, angespannt wie eine Harfensaite, der Becher in seiner Hand vergessen. Hopwil runzelte erneut �ber etwas die Stirn, was nur er sehen konnte.</p><p>�G�tiger�, wiederholte Rand tonlos und stellte seinen Becher neben sich auf den Tisch. Etwas im Wein. Meine Seele ist schwarz vor Blut und verdammt. Es war kein schlimmer Gedanke, nicht durchdringend oder bohrend, sondern die einfache Feststellung einer Tatsache. �Eine Gnade, die sich vielleicht jedermann ersehnt, Torval.�</p><p>Torvals grausames L�cheln schwand, und er stand schwer atmend da. Die Rechnung war leicht zu erstellen: ein Mann von zehn vernichtet, ein Mann von f�nfzig wahnsinnig geworden, und weitere w�rden hinzukommen. Es war erst wenig Zeit verstrichen, und man w�rde erst am Todestag erfahren, ob man die Umst�nde besiegt hatte. Nur da� die Umst�nde letztendlich einen selbst auf die eine oder andere Weise besiegten. Dieser Bedrohung war auch Torval, ungeachtet alles anderen, ausgesetzt.</p><p>Rand wurde sich j�h Boreanes bewu�t. Es dauerte einen Moment, bevor er den Ausdruck auf ihrem Gesicht bemerkte, woraufhin er sich harte Worte versagte. Wie konnte sie es wagen, Mitleid zu empfinden! Glaubte sie, Tarmon Gai'don k�nnte ohne Blutvergie�en gewonnen werden? Die Prophezeiungen des Drachen forderten Blut wie Regen!</p><p>�La�t uns allein�, befahl er ihr, und sie versammelte schweigend die Dienerschaft um sich. Aber ihre Augen zeigten noch immer einen mitf�hlenden Ausdruck, w�hrend sie die Diener hinausscheuchte.</p><p>Rand suchte erfolglos nach einer M�glichkeit, die Stimmung zu heben. Mitleid schw�chte sie ebenso sicher wie Angst, und sie mu�ten stark sein. Um sich dem Notwendigen zu stellen, mu�ten sie <emphasis>alle</emphasis> stahlhart sein. Das war seine Aufgabe, er war daf�r verantwortlich.</p><p>Narishma sp�hte gedankenverloren in den von seinem Wein aufsteigenden Dampf, und Hopwil versuchte noch immer, die Zeltwand mit seinem Blick zu durchbohren. Torval warf Rand einen Seitenblick zu und bem�hte sich, den h�hnischen Zug um seinen Mund zur�ckzuerlangen. Nur Dashiva schien unger�hrt, die Arme verschr�nkt, und betrachtete Torval, wie ein Mann vielleicht ein zum Verkauf stehendes Pferd betrachten w�rde.</p><p>In dieses qualvolle, sich ausdehnende Schweigen platzte ein st�mmiger, windzerzauster junger Mann in Schwarz mit dem Schwert und Drachen am Kragen. Im gleichen Alter wie Hopwil, aber noch nicht alt genug, um meistenorts heiraten zu k�nnen, schien Fedwin Morr sehr angespannt. Er bewegte sich auf Zehenspitzen, und seine Augen huschten wie die einer jagenden Katze umher, die sich bewu�t war, da� sie ebenfalls gejagt wurde. Er war einst anders gewesen, vor gar nicht allzu langer Zeit. �Die Seanchaner werden Ebou Dar bald verlassen�, meldete er, w�hrend er salutierte. �Sie wollen sich als n�chstes gegen Illian wenden.� Hopwil zuckte zusammen und keuchte, aus seinen d�steren Betrachtungen aufgeschreckt. Dashiva lachte erneut, wenn auch dieses Mal freudlos.</p><p>Rand nickte und nahm das Drachenszepter auf. Er trug es auch als Ged�chtnisst�tze. Die Seanchaner tanzten nach ihrer eigenen Melodie, nicht nach dem Lied, das er sich ersehnte.</p><p>Wenn Rand die Ank�ndigung schweigend aufnahm, so galt dies f�r Torval nicht. Er erlangte seine h�hnische Haltung zur�ck und w�lbte ver�chtlich eine Augenbraue. �Haben sie Euch das alles erz�hlt?� fragte er sp�ttisch. �Oder habt Ihr gelernt, Gedanken zu lesen? La�t mich Euch etwas sagen, Junge. Ich habe sowohl gegen Amadicianer als auch gegen Domani gek�mpft und wei�, da� kein Heer eine Stadt einnimmt und sich dann auf einen tausend Meilen langen Marsch begibt! Mehr als tausend Meilen! Oder glaubt Ihr, da� sie das Schnelle Reisen beherrschen?�</p><p>Morr begegnete Torvals Hohn mit Gelassenheit. Oder wenn es ihn beunruhigte, lie� er es sich nur dadurch anmerken, da� er mit einem Daumen �ber sein Schwertheft strich. �Ich habe mit einigen von ihnen gesprochen. Die meisten waren Taraboner, und fast jeden Tag landen weitere mit Schiffen an.� Er dr�ngte sich an Torval vorbei zum Tisch, wobei er den Taraboner mit einem gleichm�tigen Blick bedachte. �Alle gerieten regelrecht in Panik, wann immer jemand mit schleppender Sprechweise den Mund auftat.� Der �ltere Mann �ffnete ver�rgert den seinen, aber der junge Mann fuhr an Rand gewandt eilig fort. �Sie stellen Soldaten entlang der ganzen Venirberge auf. Jeweils f�nfhundert, manchmal auch tausend. Bereits den ganzen Weg zur Halbinsel Arran. Und sie kaufen oder nehmen sich jeden Wagen und Karren innerhalb zwanzig Meilen von Ebou Dar wie auch die Zugtiere.�</p><p>�Karren!� rief Torval aus. �Wagen! Glaubt Ihr also, sie wollen einen Jahrmarkt abhalten? Und welcher Narr w�rde ein Heer durch Berge f�hren, wenn es ausgezeichnete Stra�en gibt?� Er bemerkte, da� Rand ihn beobachtete, und brach mit leichtem Stirnrunzeln abrupt ab.</p><p>�Ich hatte Euch befohlen, Euch bedeckt zu halten, Morr.� Rand lie� seine Ver�rgerung anklingen. Der junge Asha'man mu�te zur�cktreten, als Rand vom Tisch sprang. �Ihr solltet nicht hingehen und die Seanchaner nach ihren Pl�nen befragen, sondern beobachten und Euch bedeckt halten.�</p><p>�Ich war vorsichtig. Ich habe meine Anstecknadeln nicht getragen.� Morrs Blick �nderte sich auch Rand gegen�ber nicht, noch immer der J�ger und der Gejagte zugleich. Er schien innerlich zu kochen. H�tte Rand es nicht besser gewu�t, h�tte er geglaubt, Morr hielte die Macht fest in dem Kampf, <emphasis>Saidin</emphasis> zu �berleben, w�hrend es ihm zehnfaches Leben schenkte. Schwei� schimmerte auf seinem Gesicht. �Wenn irgendeiner der M�nner, mit denen ich gesprochen habe, wu�te, wohin sie als n�chstes z�gen, sagten sie es nicht, und ich habe nicht gefragt, aber sie beschwerten sich bei einem Krug Bier bereitwillig dar�ber, die ganze Zeit marschieren zu m�ssen und niemals ausruhen zu d�rfen. In Ebou Dar tranken sie so schnell wie m�glich alles Bier der Stadt, weil es hie�, sie m��ten wieder weitermarschieren. Und sie versammeln Wagen, genau wie ich es gesagt habe.� Das alles drang eilig hervor, und er bi� am Ende die Z�hne zusammen, als wollte er weitere hervorsprudelnde Worte einschlie�en.</p><p>Rand l�chelte pl�tzlich und klopfte ihm auf die Schulter �Ihr habt es gut gemacht. Die Wagen h�tten gen�gt, aber Ihr habt es gut gemacht. Wagen sind wichtig�, f�gte er an Torval gewandt hinzu. �Wenn ein Heer das Land abgrast, nimmt es, was es findet. Oder auch nicht, wenn es nichts findet.� Torval hatte mit keiner Wimper gezuckt, als er von Seanchanern in Ebou Dar h�rte. Wenn diese Geschichte die Schwarze Burg erreicht hatte � warum hatte Taim es dann nicht erw�hnt? Rand hoffte, da� sein L�cheln nicht h�hnisch wirkte. �Es ist schwer, Versorgungsz�ge zusammenzustellen, aber wenn man einen solchen besitzt, gibt es Futter f�r die Tiere und Bohnen f�r die Menschen. Die Seanchaner organisieren alles.�</p><p>Er bl�tterte die Landkarten durch, fand diejenige, die er gesucht hatte, und breitete sie aus, wobei er sie an einer Seite mit seinem Schwert und an der anderen mit dem Drachenszepter beschwerte. Er blickte auf die K�ste zwischen Illian und Ebou Dar, die fast auf ganzer L�nge von mit Fischerd�rfern und kleinen St�dten gesprenkelten H�geln und Bergen ges�umt war. Die Seanchaner organisierten alles. Ebou Dar geh�rte ihnen seit kaum einer Woche, aber die Augen-und-Ohren der H�ndler berichteten von weit fortgeschrittenen Behebungen des Schadens, welcher der Stadt bei der Einnahme zugef�gt wurde, von sauberen Spit�lern f�r die Kranken, von Nahrung und Arbeit f�r die Armen und jene, die durch Unruhen im Land vertrieben wurden. Patrouillen durchstreiften die Stra�en und das umliegende Land, damit bei Tag und Nacht niemand Wegelagerer oder R�uber f�rchten mu�te, und obwohl H�ndler willkommen waren, war das Schmuggeln fast vollkommen unterbunden worden. Diese ehrbaren illianischen H�ndler hatten sich bez�glich des Schmuggelns �berraschend verdrossen gezeigt. Was planten die Seanchaner als n�chsten Schritt?</p><p>Die anderen versammelten sich um den Tisch, w�hrend Rand die Landkarte betrachtete. Es gab nahe der K�ste Stra�en, aber nur armselige und unregelm��ig verlaufende. Die breiten Handelsstra�en lagen weiter im Land, umgingen das unwegsame Gel�nde und die schlimmsten St�rme vom Meer. �M�nner, die von diesen Bergen aus �berf�lle begehen, k�nnten jedermann den Durchgang erschweren, der die Inlandstra�en benutzen wollte�, sagte er schlie�lich. �Indem sie die Berge kontrollieren, machen sie die Stra�en so sicher wie eine Stra�e in der Stadt. Ihr habt recht, Morr. Sie kommen nach Illian.�</p><p>Torval st�tzte sich auf seine F�uste und starrte Morr finster an, der recht gehabt hatte, wo er sich geirrt hatte. Vielleicht ein bitteres Vergehen in Torvals Buch. �Dennoch wird es Monate dauern, bis sie Euch hier Schwierigkeiten bereiten k�nnen�, sagte er m�rrisch. �Hundert in Illian aufgestellte Asha'man oder auch nur f�nfzig k�nnten jegliches Heer der Welt vernichten, bevor ein Mann die D�mme �berquert.�</p><p>�Ich bezweifle, da� ein Heer mit <emphasis>Dom�ne</emphasis> ebenso leicht zu vernichten ist, wie man Aiel t�tet, die einen Angriff planen und �berrascht werden�, sagte Rand ruhig, und Torval erstarrte. �Au�erdem mu� ich ganz Illian verteidigen, nicht nur die Stadt.�</p><p>Rand ignorierte den Mann und zog mit einem Finger die Linien auf der Karte nach. Zwischen der Halbinsel Arran und der Stadt Illian lag der Kabalgraben, hundert Meilen offenen Wassers, und wollte man den Behauptungen der Schiffskapit�ne in Illian glauben, konnten ihre l�ngsten Senkbleie schon eine Meile vom Ufer entfernt keinen Grund mehr finden. Die Wogen dort lie�en Schiffe kentern, w�hrend sie nordw�rts rollten, um mit f�nfzehn Fu� hohen Brechern auf die K�ste aufzutreffen. Bei diesem Wetter w�rde es noch schlimmer sein. Und die Umrundung des Kabalgrabens bedeutete eine Strecke von zweihundert Meilen, um die Stadt zu erreichen, selbst wenn man die k�rzesten Wege w�hlte, aber wenn die Seanchaner von der Halbinsel Arran vorw�rts dr�ngten, konnten sie die Grenze trotz des Sturmregens in zwei Wochen erreichen. Vielleicht fr�her. Es war besser, an einem Ort zu k�mpfen, den er statt ihrer erw�hlte. Sein Finger umrundete die S�dk�ste Altaras entlang der Venirberge, bis die Berge kurz vor Ebou Dar in H�gel �bergingen. F�nfhundert Mann hier, tausend dort. Eine qu�lende Perlenkette zog sich wie Tropfen die Berge entlang. Ein scharfer Vorsto� k�nnte sie nach Ebou Dar zur�ckwerfen, k�nnte sie vielleicht sogar dort einschlie�en, w�hrend sie herauszufinden versuchten, was er vorhatte. Oder...</p><p>�Da war noch etwas�, sagte Morr pl�tzlich hastig. �Man sprach �ber irgendeine geheime Waffe der Aes Sedai. Ich fand heraus, wo sie benutzt wurde, wenige Meilen von der Stadt entfernt. Der Boden war ganz verbrannt, in der Mitte v�llig versengt, auf gut dreihundert oder mehr Schritt Breite, und zudem fand ich noch zerst�rte Obstg�rten vor. Der Sand war zu glasartigen Platten verschmolzen. Dort war <emphasis>Saidin</emphasis> am schlimmsten.�</p><p>Torval winkte ab. �Vielleicht waren Aes Sedai in der N�he, als die Stadt fiel. Oder vielleicht haben die Seanchaner das selbst getan. Eine Schwester mit einem <emphasis>Angreal</emphasis> k�nnte...�</p><p>Rand unterbrach ihn. �Was meint Ihr damit, da� <emphasis>Saidin</emphasis> dort am schlimmsten war?� Dashiva regte sich, betrachtete Morr auf seltsame Weise und streckte dann die Hand aus, als wollte er den jungen Mann festhalten. Rand hielt ihn schroff davon ab. �Was meint Ihr damit, Morr?�</p><p>Morr sah ihn mit fest geschlossenem Mund an und fuhr mit dem Daumen sein Schwertheft hinauf und hinab. Der Zorn in ihm schien ausbrechen zu wollen. Tats�chlich <emphasis>waren</emphasis> jetzt Schwei�perlen auf sein Gesicht getreten. <emphasis>�Saidin</emphasis> war ... seltsam�, sagte er rauh. Die Worte drangen abgehackt hervor. �Dort war es am schlimmsten. Ich konnte ... es sp�ren ... in der Luft �berall um mich herum, aber es war auch �berall um Ebou Dar seltsam und sogar noch hundert Meilen entfernt. Ich mu�te dagegen ank�mpfen. Es war nicht wie sonst. Es war anders. Als lebe es. Manchmal... manchmal tat es nicht, was ich wollte. Manchmal... tat es etwas anderes. Das tat es. Ich bin nicht verr�ckt! Es war so!� Der Wind frischte auf, heulte einen Moment, lie� die Zeltw�nde erbeben und peitschen, und Morr verfiel in Schweigen. Narishmas Glocken klangen, als er ruckartig den Kopf wandte, und verstummten dann wieder.</p><p>�Das ist unm�glich�, murrte Dashiva sehr leise in das Schweigen. �Es ist einfach unm�glich.�</p><p>�Wer wei�, was m�glich ist?� fragte Rand. �Ich nicht! Wi�t Ihr es?� Dashiva hob �berrascht den Kopf, aber Rand wandte sich, jetzt freundlicher, erneut an Morr. �Macht Euch keine Sorgen, Mann.� Er sprach nicht sanft � das konnte er nicht �, aber ermutigend, wie er hoffte. Er dachte an seine Aufgabe, seine Verantwortung. �Ihr werdet mit mir in die Letzte Schlacht ziehen. Das verspreche ich Euch.�</p><p>Der junge Mann ruckte und rieb sich mit der Hand �ber das Gesicht, als sei er �berrascht, da� es feucht war, aber er sah dabei Torval an, der vollkommen still geworden war. Wu�te Morr von dem Wein? Es war eine Gnade, wenn man die Wahlm�glichkeiten bedachte. Eine geringe, bittere Gnade.</p><p>Rand nahm Taims Schreiben auf, faltete das Blatt und steckte es in seine Jackentasche. Bereits einer von F�nfzig wahnsinnig, und es sollten noch weitere folgen. War Morr der n�chste? Dashiva war gewi� nahe daran. Hopwils Blicke erhielten eine neue Bedeutung, und Narishmas gewohnte Ruhe ebenfalls. Wahnsinn bedeutete nicht immer, da� man sich �ber Spinnen aufregte. Er hatte einst dort vorsichtig nachgefragt, wo er sicher war, ehrliche Antworten zu bekommen, wie man <emphasis>Saidin</emphasis> vom Makel reinwaschen k�nnte. Doch er erhielt ein R�tsel als Antwort. Herid Fei hatte behauptet, das R�tsel lege �verl��liche Grunds�tze, sowohl philosophischer als auch naturphilosophischer Art�, fest, aber er hatte keine M�glichkeit gesehen, es auf das vorliegende Problem anzuwenden. Mu�te Fei vielleicht sterben, weil er das R�tsel gel�st hatte? Rand besa� einen Hinweis auf die Antwort, oder zumindest glaubte er es, eine Vermutung, die aber auch unheilvoll in die falsche Richtung weisen konnte. Hinweise und R�tsel waren keine Antworten, und doch mu�te er etwas tun. Wenn <emphasis>Saidin</emphasis> nicht irgendwie vom Makel reingewaschen wurde, k�nnte Tarmon Gai'don eine bereits von Wahnsinnigen zerst�rte Welt vorfinden. Was getan werden mu�te, mu�te getan werden.</p><p>�Das w�re wunderbar�, sagte Torval fast fl�sternd, �aber wie k�nnte jemand anderer au�er dem Sch�pfer oder...� Er brach unbehaglich ab.</p><p>Rand hatte nicht erkannt, da� er einige seiner Gedanken laut ausgesprochen hatte. Narishmas, Morrs und Hopwils Augen h�tten zu einem Gesicht geh�ren k�nnen, schimmerten pl�tzlich hoffnungsvoll. Dashiva wirkte wie erschlagen. Rand hoffte, da� er nicht zuviel gesagt hatte. Einige Geheimnisse mu�ten bewahrt werden, einschlie�lich dem, was er als n�chstes vorhatte.</p><p>Kurz darauf lief Hopwil zu seinem Pferd, um mit Befehlen f�r die Adligen zum H�gelkamm zu reiten. Morr und Dashiva machten sich eilig auf die Suche nach Flinn und den anderen Asha'man, und Torval schritt davon, um mit Befehlen f�r Taim wieder zur Schwarzen Burg zu reisen. Narishma war der letzte Verbliebene, und eingedenk der Aes Sedai und Seanchaner schickte Rand ihn mit genauen Anweisungen, die den jungen Mann veranla�ten, die Lippen zusammenzupressen, ebenfalls fort.</p><p>�Sprecht mit niemandem�, endete Rand freundlich, w�hrend er fest Narishmas Arm umfa�te. �Und entt�uscht mich nicht. Keinesfalls.�</p><p>�Ich werde Euch nicht entt�uschen�, sagte Narishma unbewegt. Er gr��te rasch und ging ebenfalls.</p><p><emphasis>Gef�hrlich,</emphasis> fl�sterte eine Stimme in Rands Kopf. O <emphasis>ja, sehr gef�hrlich. Vielleicht zu gef�hrlich. Aber es k�nnte funktionieren. Vielleicht. Auf jeden Fall mu�t du Torval jetzt t�ten. Du mu�t es tun.</emphasis></p><p>Weiramon betrat das Zelt des Konzils, dr�ngte Gregorin und Tolmeran beiseite und versuchte, auch Rosana und Semaradrid beiseite zu schieben, die Rand berichten wollten, da� die M�nner im Wald letztendlich weise entschieden hatten. Sie fanden ihn lachend vor, bis ihm Tr�nen �ber die Wangen liefen. Lews Therin war zur�ckgekommen. Oder er war tats�chlich bereits wahnsinnig. Es war auf jeden Fall ein Grund zum Lachen.</p></section><section><title><p>15</p><p>St�rker als ein geschriebenes Gesetz</p></title><p>Egwene erwachte in der d�steren, kalten Dunkelheit der Nacht, ersch�pft von ruhelosem Schlaf und beunruhigenden Tr�umen, die um so besorgniserregender waren, weil sie sich nicht an sie erinnern konnte. Ihre Tr�ume waren ihr stets zug�nglich, so klar wie gedruckte Worte auf einem Blatt Papier, und doch waren jene d�ster und furchterregend gewesen. Sie hatte in letzter Zeit zu viele solcher Tr�ume gehabt. Sie erweckten in ihr den Wunsch davonzulaufen, zu entkommen, wobei sie sich niemals erinnern konnte, wovor, sich aber stets unwohl und unsicher f�hlte und sogar zitterte. Wenigstens hatte sie keine Kopfschmerzen. Zumindest konnte sie sich an die Tr�ume erinnern, die sie f�r bedeutsam hielt, obwohl sie nicht wu�te, wie sie sie deuten sollte. Rand, der verschiedene Masken trug, bis pl�tzlich eines dieser falschen Gesichter keine Maske mehr war, sondern er selbst. Perrin und ein Kesselflicker, die sich mit Streitaxt und Schwert panisch einen Weg durch Brombeerstr�ucher schlugen, sich nicht der Klippe bewu�t, die unmittelbar vor ihnen lag. Und die Brombeerstr�ucher schrien mit menschlichen Stimmen, die sie nicht vernahmen. Mat, der auf riesigen Waagschalen zwei Aes Sedai wog, und von seiner Entscheidung hing... Sie konnte nicht sagen, was davon abhing. Etwas Gewaltiges. Die Welt vielleicht. Es hatte andere Tr�ume gegeben, die meisten von Leiden durchdrungen. In letzter Zeit waren alle ihre Tr�ume, in denen Mat auftauchte, erschreckend und qualvoll, wie von Alptr�umen geworfene Schatten, fast als w�re Mat selbst nicht ganz real. Das hatte zur Folge, da� sie um Mat bangte, der in Ebou Dar geblieben war, und da� sie schmerzlich bedauerte, ihn dorthin geschickt zu haben, ganz zu schweigen von dem armen alten Thom Merrilin. Aber sie war sich sicher, da� die vergessenen Tr�ume noch schlimmer waren.</p><p>Der Klang leise streitender Stimmen hatte sie geweckt. Der Vollmond stand noch hoch am Himmel und warf genug Licht, da� sie zwei einander am Zelteingang gegen�berstehende Frauen ausmachen konnte.</p><p>�Die Kopfschmerzen qu�len die arme Frau den ganzen Tag, und sie kommt auch nachts kaum zur Ruhe�, fl�sterte Halima heftig, die F�uste in die H�ften gestemmt. �Dies kann bis morgen warten,�</p><p>�Ich m�chte nicht mit Euch streiten.� Siuans Stimme klang �beraus frostig, und sie warf ihren Umhang zur�ck, als wolle sie sich auf einen Kampf vorbereiten. Sie war dem Wetter angemessen in grobes Tuch gekleidet, das sie zweifellos �ber so vielen Schichten Kleidung trug, wie darunter pa�ten. �Tretet beiseite, und zwar rasch, sonst werde ich Eure Eingeweide als K�der benutzen! Und zieht Euch schicklich an!�</p><p>Halima richtete sich leise lachend auf und stellte sich Siuan nur noch entschlossener in den Weg. Ihr wei�es Nachtgewand lag eng an, war aber f�r seinen Zweck durchaus schicklich � obwohl es verwunderlich schien, da� sie in der d�nnen Seide nicht fror. Die Glut in den dreibeinigen Kohlenpfannen war schon lange erloschen, und weder die h�ufig geflickte Zeltleinwand noch die Lagen Teppiche auf dem Boden vermochten die W�rme noch zu halten. Der Atem beider Frauen war wei�er Nebel.</p><p>Egwene warf die Decken zur�ck und setzte sich auf ihrem schmalen Feldbett ersch�pft auf. Halima war eine Frau vom Lande mit einem Hauch von Blasiertheit und schien h�ufig die den Aes Sedai geb�hrende Achtung nicht anzuerkennen oder tats�chlich zu glauben, sie m�sse niemandem Achtung erweisen. Sie sprach mit Sitzenden wie vielleicht mit Frauen in ihrem eigenen Dorf, mit einem Lachen und offenem Blick sowie freim�tiger Erdverbundenheit, die manchmal erschreckte. Siuan verbrachte ihre Tage damit, Frauen Platz zu machen, die noch vor einem Jahr auf ein Wort von ihr sprangen, l�chelte fast jede Schwester im Lager an und vollf�hrte Hofknickse vor ihnen. Manche legten noch immer viele der Probleme der Wei�en Burg ihr zur Last und glaubten, sie h�tte kaum genug erlitten, um ges�hnt zu haben. Es reichte aus, jedermanns Stolz anzuspornen. Zusammen waren die beiden wie eine auf der Ladefl�che des Wagens eines Feuerwerkers aufgestellte Laterne, aber Egwene hoffte, eine Explosion verhindern zu k�nnen. Au�erdem w�re Siuan nicht mitten in der Nacht hierher gekommen, wenn es nicht wichtig w�re.</p><p>�Geht wieder zu Bett, Halima.� Egwene unterdr�ckte ein G�hnen, w�hrend sie sich herabbeugte, um ihre Schuhe und Str�mpfe unter dem Feldbett hervorzukramen. Sie benutzte nicht die Macht, um eine Lampe zu entz�nden. Es war besser, wenn niemand bemerkte, da� die Amyrlin wach war, �Geht schon. Ihr braucht Eure Nachtruhe.�</p><p>Halima widersprach, vielleicht heftiger, als sie es dem Amyrlin-Sitz gegen�ber h�tte tun sollen, aber dann lag sie schon bald wieder auf ihrem schmalen Feldbett, das f�r sie ins Zelt gequetscht worden war. Es blieb bei einem Waschtisch, einem Standspiegel und einem richtigen Lehnstuhl sowie vier gro�en, aufeinandergestapelten Kisten sehr wenig Raum, sich darin zu bewegen. Die Kisten enthielten die best�ndige Flut von Geschenken von den Sitzenden, die noch nicht erkannt hatten, da� Egwene, wie jung sie auch sein mochte, nicht jung genug war, um sich von Seide und Spitzen verwirren oder ablenken zu lassen. Halima lag zusammengerollt da und schaute in die Dunkelheit, w�hrend Egwene sich mit einem Elfenbeinkamm hastig durch das Haar fuhr, grobe F�ustlinge anzog und eine Jacke mit Fuchskragen �ber ihr Nachtgewand legte. Es war ein dickes, wollenes Nachtgewand, und sie h�tte bei diesem Wetter auch nichts dagegen gehabt, wenn es noch dicker gewesen w�re. Halimas Augen schienen das schwache Mondlicht aufzunehmen und schimmerten dunkel und unbewegt.</p><p>Egwene glaubte nicht, da� die Frau um ihren Platz in der N�he des Amyrlin-Sitzes besorgt war, so unbestimmt er auch war, und das Licht wu�te, da� sie kein Geschw�tz verbreitete, aber Halima war auf unschuldige Art auf alles neugierig, ob es sie etwas anging oder nicht. Grund genug, Siuan andernorts anzuh�ren. Inzwischen wu�te jedermann, da� Siuan gewisserma�en ihr Los mit Egwene teilte, wie sie glaubten, wenn auch m�rrisch und widerwillig. Siuan Sanche war Gegenstand einiger Belustigung und gelegentlichen Mitleids, darauf beschr�nkt, sich der Frau anzuschlie�en, die den einst ihr geh�renden Titel innehatte, wobei diese Frau nur eine Marionette w�re, wenn der Saal seinen Streit dar�ber beendet h�tte, wer ihre F�den in der Hand halten sollte. Siuan empfand menschlich genug, um unterschwellig Unmut zu empfinden, aber bisher hatten sie geheimhalten k�nnen, da� sie Egwene gar nicht ungern beriet. Also erduldete sie Mitleid und Hohn, so gut sie konnte, und jedermann glaubte, sie sei durch ihre Erfahrungen nicht nur �u�erlich ver�ndert. Dieser Glaube mu�te aufrechterhalten werden, sonst w�rden Romanda und Lelaine und h�chstwahrscheinlich auch der �brige Saal M�glichkeiten finden, sie � und ihren Rat � von Egwene fernzuhalten.</p><p>Die K�lte au�erhalb des Zeltes traf Egwenes Gesicht und drang unter ihren Umhang. Ihr Nachtgewand sch�tzte nicht besser als Halimas. Trotz festen Leders und guten Tuchs f�hlten sich ihre Fu�e an, als ginge sie barfu�. Ranken frostiger Luft ringelten sich um ihre Ohren, spotteten dem ihre Kapuze s�umenden dichten Fell. Sie sehnte sich nach ihrem Bett, und sie mu�te alle vorhandene Konzentration aufbringen, die K�lte zu ignorieren. Wolken trieben �ber den Himmel, und ihre Schatten schwebten �ber dem schimmerndem Schnee, der den Boden bedeckte, eine wei�e Decke, durchbrochen von den dunklen Erhebungen der Zelte und den gr��eren Umrissen mit Segeltuch bespannter Wagen, die jetzt lange h�lzerne Kufen anstatt R�der aufwiesen. Viele der Wagen waren nicht mehr abseits der Zelte abgestellt, sondern dort belassen worden, wo sie entladen worden waren. Niemand brachte es fertig, den Wagenlenkern am Ende des Tages diese besondere M�he zuzumuten. Nichts au�er diesen fahlen, gleitenden Schatten regte sich. Die breiten Rinnen, die als Wege durch das Lager niedergetreten worden waren, lagen verwaist. Es herrschte entschiedene und so tiefe Stille, da� sie fast bedauerte, sie zu brechen.</p><p>�Was ist geschehen?� fragte sie leise und warf einen wachsamen Blick zu dem kleinen Zelt neben ihrem, das sich ihre Dienerinnen Chesa, Meri und Selane teilten. Es war ebenso ruhig und dunkel wie alle anderen. Die Ersch�pfung lag so dicht �ber dem Lager wie der Schnee. �Keine weitere Er�ffnung wie die Schwesternschaft, hoffe ich.� Sie schnalzte ver�rgert mit der Zunge. Sie war durch lange kalte Tage im Sattel und zu wenig tiefen Schlaf ebenfalls ersch�pft, sonst h�tte sie das nicht gesagt. �Es tut mir leid, Siuan.�</p><p>�Ihr m��t Euch nicht entschuldigen, Mutter.� Siuan sprach ebenfalls leise und sah sich nach Lauschern in den Schatten um. Sie wollten beide nicht dabei beobachtet werden, wie sie �ber die Schwesternschaft sprachen. �Ich wei�, ich h�tte es Euch schon fr�her sagen sollen, aber es schien nicht wichtig. Ich h�tte niemals erwartet, da� diese M�dchen auch nur mit einer von ihnen sprechen. Es gibt zu vieles, was ich Euch berichten m�chte. Ich mu� versuchen, mich auf das Wichtige zu beschr�nken.�</p><p>Egwene unterdr�ckte m�hsam ein Seufzen. Das war fast w�rtlich die Rechtfertigung, die Siuan schon mehrere Male zuvor gebraucht hatte. Sie wollte damit versuchen, Egwene in wenigen Monaten gewaltsam ihre zwanzig Jahre Erfahrung als Aes Sedai und mehr als zehn davon als Amyrlin einzutrichtern. Egwene f�hlte sich manchmal wie eine f�r den Markt gem�stete Gans. �Nun, was ist heute nacht wichtig?�</p><p>�Gareth Bryne wartet in Eurem Arbeitszelt.� Siuan sprach nicht lauter, aber mit einer gewissen Sch�rfe, wie immer, wenn sie von Lord Bryne sprach. Sie zog sich die Kapuze ihres Umhangs tiefer ins Gesicht und gab einen katzen�hnlich fauchenden Laut von sich. �Der Mann kam mit schneetropfender Kleidung herein, scheuchte mich aus dem Bett und lie� mir kaum Zeit, mich anzukleiden, bevor er mich hinter sich auf den Sattel hob. Er sagte kein Wort, er lie� mich nur am Rande des Lagers herunter und trug mir dann auf, Euch zu holen, als w�re ich eine Dienerin!�</p><p>Egwene unterdr�ckte energisch eine aufsteigende Hoffnung. Es hatte zu viele Entt�uschungen gegeben, und was auch immer Bryne mitten in der Nacht hierher gef�hrt hatte, weitaus wahrscheinlicher war es eine m�gliche Katastrophe als das, was sie sich w�nschte. Wie weit war es noch bis zur Grenze nach Andor? �Wir sollten uns anh�ren, was er will.�</p><p>Sie ging auf das Zelt zu, das allgemein als das Arbeitszelt der Amyrlin bezeichnet wurde, ihren Umhang fest um sich geschlossen. Sie zitterte nicht, aber sich nur zu weigern, Hitze und Kalte an sich heranzulassen, vertrieb sie nicht. Man konnte sie bis zu dem Moment ignorieren, bis der Sonnenstich das Gehirn siedete oder Erfrierungen H�nde und F��e verfaulen lie�en. Sie �berlegte, was Siuan gesagt hatte.</p><p>�Ihr habt nicht hier in Eurem eigenen Zelt geschlafen?� fragte sie vorsichtig. Die Beziehung der anderen Frau zu Lord Bryne war auf eigent�mliche Art <emphasis>tats�chlich</emphasis> die einer Dienerin, aber Egwene hoffte, da� sich Siuan von ihrem dickk�pfigen Stolz nicht dazu verleiten lassen w�rde, ihn Vorteil daraus ziehen zu lassen. Sie konnte es sich weder von ihm noch von ihr vorstellen, aber vor noch nicht allzu langer Zeit h�tte sie sich auch nicht vorstellen k�nnen, da� Siuan diese Situation auch nur ansatzweise akzeptierte. Sie konnte noch immer nicht verstehen, warum.</p><p>Siuan schnaubte laut, schritt energisch aus und fiel fast hin, als sie ausrutschte. Der von zahllosen F��en niedergetretene Schnee war zu einer glatten Eisschicht geworden. Egwene schritt vorsichtig aus. Jeden Tag brach sich jemand Knochen und mu�te von den von der Reise ersch�pften Schwestern geheilt werden. Sie lie� ihren Umhang los und bot Siuan zur gegenseitigen Unterst�tzung einen Arm. Siuan ergriff ihn murrend.</p><p>�Als ich damit fertig war, das zweite Paar Stiefel und den zweiten Sattel des Mannes zu putzen, war es zu sp�t, noch hierher zur�ckzukehren. Nicht da� er mir mehr als Decken in einer Ecke angeboten h�tte. Nicht Gareth Bryne! Er hat sie mich selbst aus der Kiste ausgraben lassen, w�hrend <emphasis>er</emphasis> das Licht wei� wohin ging! M�nner sind eine Pr�fung, und er ist die h�rteste!� Sie hielt inne, um Luft zu holen, und wechselte dann das Thema. �Ihr solltet diese Halima nicht in Eurem Zelt schlafen lassen. Sie bedeutet noch zwei Ohren, in deren Gegenwart Ihr vorsichtig sein m��t, und sie ist neugierig. Au�erdem m��t Ihr damit rechnen, sie mit irgendeinem Soldaten vorzufinden.�</p><p>�Ich bin sehr froh, da� Delana sie nachts entbehren kann�, sagte Egwene fest. �Ich brauche Halima. Es sei denn, Nisaos Heilk�nste k�nnten meine Kopfschmerzen beim zweiten Mal besser vertreiben.� Halimas Finger schienen den Schmerz durch ihre Kopfhaut herauszuziehen. Ohne sie k�nnte sie �berhaupt nicht schlafen. Nisaos Bem�hungen hatten bisher keinerlei Erfolg gehabt, und sie war die einzige Gelbe, der Egwene sich mit ihren Schmerzen zu n�hern wagte. Was das �brige betraf... Sie verlieh ihrer Stimme noch mehr Festigkeit. �Es �berrascht mich, da� Ihr noch immer auf dieses Geschw�tz h�rt, Tochter. Die Tatsache, da� M�nner Frauen gern anschauen, bedeutet nicht, da� sie dies herausfordert, wie Ihr wohl wissen solltet. Ich habe bemerkt, da� einige auch Euch ansehen und l�cheln.� Sie konnte jetzt leichter in diesem Tonfall sprechen als fr�her.</p><p>Siuan warf ihr einen best�rzten Seitenblick zu und �u�erte kurz darauf murrend eine Entschuldigung. Vielleicht war sie ehrlich gemeint. Egwene nahm sie jedenfalls an. Lord Bryne bekam Siuans Stimmung nicht gut, und da Halima mit hineingezogen wurde, war Egwene froh, da� sie nicht zu einer strikteren Haltung gezwungen wurde. Siuan hatte selbst gesagt, sie solle keinen Unsinn dulden, und sie konnte es sich gewi� nicht leisten, ihn gerade von Siuan zu dulden.</p><p>Sie m�hten sich Arm in Arm schweigend weiter, w�hrend die K�lte ihren Atem gefrieren lie� und durch ihre Haut drang. Der Schnee war ein Fluch und eine Lektion. Sie konnte Siuan noch immer dar�ber dozieren h�ren, was sie das Gesetz der Unbeabsichtigten Konsequenzen nannte, das st�rker als jegliches geschriebenes Gesetz sei. <emphasis>Ob das, was man tut, die gew�nschte Wirkung erzielt oder nicht, so hat es doch mindestens drei vollkommen unerw�nschte Wirkungen, von denen eine gew�hnlich unerfreulich ist.</emphasis></p><p>Die ersten schwachen Regenf�lle hatten hur Erstaunen gesorgt auch wenn Egwene dem Saal bereits mitgeteilt hatte, da� die Schale der Winde gefunden und benutzt worden war. Mehr h�tte sie nicht riskieren d�rfen, als ihnen zu berichten, was Elayne ihr in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gesagt hatte. Zu vieles, was in Ebou Dar geschehen war, schien geeignet, ihr den Boden unter den F��en zu entziehen, und ihre Position war ohnedies schon gef�hrdet genug. Heftige Freude war bei den ersten Tropfen in ihr aufgewallt. Sie hatten ihren Marsch mittags unterbrochen, und es hatte im Regen Freudenfeuer und ein Festessen, Dankesgebete der Schwestern und T�nze der Diener und Soldaten gegeben. Sogar einige Aes Sedai hatten getanzt.</p><p>Wenige Tage sp�ter wurde der sanfte Regen zu langanhaltendem, heftigem Platzregen und dann zu tobendem Sturmregen. Die Temperatur sank sturzartig, und der Sturmregen wurde zu Schneest�rmen. Jetzt brauchten sie f�r die einst an einem Tag zur�ckgelegte Entfernung f�nf Tage, wenn der Himmel wolkenverhangen war, wobei Egwene z�hneknirschende Betrachtungen dar�ber anstellte, wie langsam sie vorankamen, und wenn es schneite, zogen sie �berhaupt nicht weiter. Da konnte man nur allzu leicht an drei oder mehr unbeabsichtigte Konsequenzen denken, und der Schnee mochte noch die am wenigsten unerfreuliche davon sein.</p><p>Als sie sich dem kleinen geflickten Zelt n�herten, das als Arbeitszelt der Amyrlin bezeichnet wurde, bewegte sich neben einem der hohen Wagen ein Schatten, und Egwene hielt den Atem an. Der Schatten wurde zu einer Gestalt, die ihre Kapuze f�r einen Augenblick so weit zur�ckzog, da� Leanes Gesicht erkennbar wurde.</p><p>�Sie wird Wache halten und es uns wissen lassen, wenn jemand kommt�, sagte Siuan leise.</p><p>�Das ist gut�, murmelte Egwene. Die Frau h�tte ihr das <emphasis>wirklich</emphasis> vorher sagen k�nnen. Sie hatte halbwegs bef�rchtet es w�re Romanda oder Lelaine!</p><p>Das Arbeitszelt der Amyrlin lag im Dunkeln, aber im Innern wartete Lord Bryne geduldig in seinen Umhang geh�llt, ein Schatten zwischen Schatten. Egwene umarmte die Quelle und lenkte die Macht, nicht um die Laterne, die von einer Zeltstange herabhing, oder eine der Kerzen zu entz�nden, sondern um eine kleine Kugel fahlen Lichts zu gestalten, die sie �ber dem Falttisch schweben lie�, den sie als Schreibtisch benutzte. Es war eine sehr kleine und sehr fahle Kugel, die von au�en wahrscheinlich nicht bemerkt w�rde und schnell wie ein Gedanke gel�scht werden konnte. Sie durfte keine Entdeckung riskieren.</p><p>Es hatte Amyrlins gegeben, die mit St�rke regiert hatten, Amyrlins, denen es gelungen war, Ausgewogenheit mit dem Saal zu erreichen, und Amyrlins, die so wenig Macht wie sie oder selten sogar noch weniger besessen hatten, was in den geheimen Aufzeichnungen der Wei�en Burg wohlverborgen wurde. Mehrere Amyrlins hatten Macht und Einflu� vergeudet, waren von St�rke zu Schw�che verfallen, aber seit �ber dreitausend Jahren war es au�erordentlich wenigen gelungen, sich in die andere Richtung zu bewegen. Egwene w�nschte sich sehr, sie w��te, wie Myriam Copan und den �brigen dieser kaum einer Handvoll solches gelungen war. Wenn jemand jemals daran gedacht hatte, es niederzuschreiben, waren diese Aufzeichnungen schon lange verloren.</p><p>Bryne verbeugte sich respektvoll und zeigte sich �ber ihre Vorsicht nicht �berrascht. Er wu�te, was sie riskierte, indem sie ihn heimlich traf. Sie vertraute diesem kr�ftigen, stark ergrauenden Mann mit dem offenen, wettergegerbten Gesicht weitgehend, und das nicht nur, weil sie ihm vertrauen mu�te. Sein Umhang war aus dickem rotem Tuch, mit Marderpelz verbr�mt und der Flamme von Tar Valon besetzt, einem Geschenk des Saals, und doch hatte er ein Dutzend Mal in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, da�, was auch immer der Saal glaubte � und er war nicht blind genug, das nicht erkannt zu haben! �, sie die Amyrlin sei, und er folgte der Amyrlin. Oh, er hatte das niemals direkt ausgesprochen, aber mit vorsichtig formulierten Hinweisen vermittelt, die keinen Zweifel lie�en. Mehr zu erwarten h�tte bedeutet, zuviel zu erwarten. Es gab fast ebenso viele Unterstr�mungen im Lager, wie Aes Sedai dort waren, und einige davon waren ausreichend stark, ihn hinabziehen zu k�nnen. Mehrere waren stark genug, sie noch tiefer in Schwierigkeiten zu ziehen, als es jetzt der Fall war, wenn der Saal von diesem Treffen erf�hre. Sie vertraute ihm weiter als jedem anderen au�er Siuan und Leane oder Elayne und Nynaeve, vielleicht sogar noch weiter als jeder der Schwestern, die ihr heimlich Treue geschworen hatten, und sie w�nschte, sie h�tte den Mut, ihm noch weiter zu vertrauen. Die Kugel wei�en Lichts warf schwache, unregelm��ige Schatten.</p><p>�Ihr habt Neuigkeiten, Lord Bryne?� fragte sie und unterdr�ckte ihre Hoffnung. Sie konnte sich ein Dutzend m�gliche Nachrichten vorstellen, die ihn in der Nacht hierher f�hren konnten, deren jede ihre eigenen Fallen barg. Hatte Rand beschlossen, der Krone Illians noch weitere hinzuzuf�gen, oder hatten die Seanchaner eine weitere Stadt eingenommen, oder verfolgte die Bande der Roten Hand pl�tzlich eigene Pl�ne, anstatt den Aes Sedai zu folgen, oder...</p><p>�Ein Heer liegt n�rdlich von uns, Mutter�, erwiderte er ruhig. Seine in Lederhandschuhen steckenden H�nde ruhten leicht auf seinem langen Schwertheft.</p><p>Ein Heer im Norden, ein wenig mehr Schnee � alles dasselbe. �Haupts�chlich Andoraner, aber auch eine Anzahl Murandianer. Meine Kundschafter brachten die Nachricht vor weniger als einer Stunde. Pelivar f�hrt sie <emphasis>an,</emphasis> und Arathelle ist bei ihm, die Hochsitze der beiden st�rksten H�user in Andor, und sie haben mindestens zwanzig weitere mitgebracht. Sie dringen anscheinend rasch nach S�den vor. Wenn Ihr Eure Richtung beibehaltet, wovon ich Euch abrate, sollten wir in zwei, h�chstens drei Tagen unmittelbar auf sie sto�en.�</p><p>Egwene behielt eine ausdruckslose Miene bei und unterdr�ckte ihre Erleichterung. Dies war die Nachricht, auf die sie gehofft und inst�ndig gewartet hatte. Sie hatte bereits bef�rchtet, da� es niemals eintreffen w�rde. �berraschenderweise war Siuan diejenige, die keuchte und zu sp�t eine Hand �ber den Mund legte.</p><p>Bryne sah sie mit gew�lbten Augenbrauen an, aber sie erholte sich rasch und nahm so gekonnt die vollkommene Aes Sedai-Gelassenheit an, da� man ihr jugendliches Gesicht fast vergessen konnte.</p><p>�Habt Ihr Skrupel, Eure andoranischen Kameraden zu bek�mpfen?� fragte sie. �Sprecht, Mann.� Nun, ein kleiner Ri� in der Gelassenheit war erkennbar.</p><p>�Wie Ihr befehlt, Siuan Sedai.� Brynes Tonfall barg keinen Spott, und doch pre�te Siuan die Lippen zusammen, w�hrend ihre �u�ere K�hle rasch schwand. Er verbeugte sich leicht vor ihr, ungelenk, aber annehmbar. �Ich werde nat�rlich bek�mpfen, wen immer ich dem Wunsch der Mutter gem�� bek�mpfen soll.� Er war selbst hier nicht entgegenkommender. M�nner lernten, in Gegenwart von Aes Sedai vorsichtig zu sein. Wie auch Frauen. Egwene hatte das Gef�hl, als sei ihr die Vorsicht zur zweiten Natur geworden.</p><p>�Und wenn wir nicht weiterziehen?� fragte sie. So viele Pl�ne waren geschmiedet worden, nur von ihr und Siuan und manchmal Leane, und jetzt mu�te sie noch immer jeden Schritt so vorsichtig beginnen wie auf den vereisten Wegen drau�en. �Wenn wir hier bleiben?�</p><p>Er z�gerte nicht. �Wenn Ihr eine M�glichkeit h�ttet, mit Euren Leuten diese Gefahr zu umgehen, ohne k�mpfen zu m�ssen, w�re das gut und sch�n, aber irgendwann am morgigen Tag erreicht das Heer eine ausgezeichnete Verteidigungsposition, eine Flanke vom Flu� Armahn und die andere von einem gro�en Torfsumpf gesch�tzt und vor sich kleine Fl�sse, die Angriffe aufhalten. Pelivar wird dort lagern, um abzuwarten. Er wei�, wie man das macht. Arathelle wird ihren Anteil daran haben, wenn es Verhandlungen gibt, aber sie wird die Langspie�e und Schwerter ihm �berlassen. Wir k�nnen diesen Platz nicht vor ihm erreichen, und das Gebiet dort w�re f�r uns ohnehin nicht von Nutzen, wenn er sich n�rdlich befindet. Wenn Ihr k�mpfen wollt, rate ich dazu, abermals den H�gelkamm aufzusuchen, den wir vor zwei Tagen �berquert haben. Ihn k�nnen wir leicht vor ihnen erreichen, wenn wir in der D�mmerung aufbrechen, und Pelivar w�rde es sich auch dann zweimal �berlegen, uns dort anzugreifen, wenn er die dreifache Anzahl Leute h�tte, �ber die er in Wirklichkeit verf�gt.�</p><p>Egwene stampfte in ihren Str�mpfen mit den fast erfrorenen Zehen auf und seufzte ver�rgert. Es war ein Unterschied, ob man sich von der K�lte nicht ber�hren lie� oder sie nicht sp�rte. Sie ging vorsichtig vor, lie� sich von der K�lte nicht ablenken und fragte: <emphasis>�Werden</emphasis> sie mit uns sprechen, wenn wir es ihnen anbieten?�</p><p>�Wahrscheinlich, Mutter. Die Murandianer z�hlen kaum. Sie sind nur dort, um jeden m�glichen Vorteil aus der Situation zu ziehen, ebenso wie ihre mir unterstehenden Landsleute. Perival und Arathelle sind wichtig. Wenn ich wetten sollte, w�rde ich sagen, da� sie Euch nur von Andor fernhalten wollen.� Er sch�ttelte grimmig den Kopf. �Aber sie werden k�mpfen, wenn es sein mu�, vielleicht selbst wenn das bedeutet, Aes Sedai anstatt Soldaten gegen�bertreten zu m�ssen. Wahrscheinlich haben sie dieselben Geschichten wie wir �ber jene Schlacht irgendwo im Osten geh�rt.�</p><p>�Unsinn!� grollte Siuan. Soweit zur Gelassenheit. �Wilde Ger�chte und blo�es Geschw�tz sind kein Beweis daf�r, da� es <emphasis>�berhaupt</emphasis> eine Schlacht gegeben hat, Ihr Schafskopf, und wenn es eine Schlacht gegeben h�tte, dann h�tten sich Schwestern nicht hineinziehen lassen!� Der Mann bedeutete f�r sie wirklich ein Anla� zur S�nde.</p><p>Bryne l�chelte seltsamerweise. Das tat er h�ufig, wenn Siuan ihre Gereiztheit zeigte. Bei jedermann sonst h�tte Egwene dieses L�cheln als z�rtlich bezeichnet. �Es ist besser f�r uns, wenn sie es glauben�, belehrte er Siuan freundlich. Ihr Gesicht verfinsterte sich derart, da� man h�tte denken k�nnen, er h�tte sie verh�hnt.</p><p>Warum lie� sich eine ansonsten vern�nftige Frau von einem Mann so in Rage versetzen? Was auch immer der Grund daf�r war, Egwene hatte daf�r heute nacht keine Zeit. �Siuan, ich sehe gerade, da� jemand vergessen hat, den gew�rzten Wein fortzunehmen. Er kann bei dieser K�lte noch nicht vers�uert sein. W�rmt ihn bitte f�r uns auf.� Sie wollte die Frau nicht vor Bryne ma�regeln, aber sie mu�te im Zaum gehalten werden, und dies schien die freundlichste Art, dies zu tun. Sie h�tten den Silberkrug wirklich nicht auf dem Tisch stehenlassen sollen.</p><p>Siuan zuckte zwar nicht zusammen, aber ihrem verletzten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, den sie schnell wieder verbannte, h�tte man niemals glauben m�gen, da� sie die Kniehosen des Mannes wusch. Sie lenkte ohne ein Wort leicht die Macht, um den Wein erneut zu erhitzen, f�llte dann rasch zwei saubere Becher und reichte Egwene den ersten. Den zweiten behielt sie selbst; sie sah Lord Bryne nur an, w�hrend sie daraus trank, und �berlie� es ihm, sich selbst einen Becher einzugie�en.</p><p>Egwene w�rmte sich ihre in F�ustlingen steckenden H�nde an ihrem Becher. Sie war ver�rgert. Vielleicht war dies Teil von Siuans lange aufgeschobener Auseinandersetzung mit dem Tod ihres Beh�ters. Sie wurde immer noch hin und wieder aus unersichtlichem Grund r�hrselig, obwohl sie es zu verbergen versuchte. Egwene verdr�ngte diese Angelegenheit aus ihren Gedanken. Heute nacht erschien sie wie ein Ameisenhaufen neben Bergen.</p><p>�Ich m�chte eine Schlacht nach M�glichkeit vermeiden, Lord Bryne. Das Heer ist f�r Tar Valon gedacht, nicht daf�r, hier einen Krieg zu bestreiten. Verabredet so bald wie m�glich ein Treffen zwischen dem Amyrlin-Sitz, Lord Pelivar, Lady Arathelle und jedem anderen, von dem Ihr denkt, da� er dabeisein sollte. Aber nicht hier. Unser rasch errichtetes Lager wird sie nicht sonderlich beeindrucken. Denkt daran �so bald wie m�glich. Ich h�tte nichts gegen morgen, wenn das machbar ist.�</p><p>�So schnell kann ich es nicht schaffen, Mutter�, sagte er sanft. �Wenn ich Reiter ausschicke, sobald ich ins Lager zur�ckkehre, werden sie wohl nicht vor morgen abend mit einer Antwort zur�ck sein.�</p><p>�Dann solltet Ihr unverz�glich aufbrechen.� Licht, ihre H�nde und F��e f�hlten sich kalt an. Und ihre Magengrube ebenfalls. Aber ihre Stimme blieb ruhig. �Und ich m�chte, da� Ihr dieses Treffen und die Existenz des Heeres so lange wie m�glich vor dem Saal geheimhaltet.�</p><p>Damit bat sie ihn, ein ebenso gro�es Risiko auf sich zu nehmen, wie sie es tat. Gareth Bryne war einer der besten lebenden Befehlshaber, aber der Saal war erz�rnt dar�ber, da� er das Heer nicht in ihrem Sinne f�hrte. Die Sitzenden waren zu Beginn dankbar f�r seinen Namen gewesen, weil er half, Soldaten f�r ihren Zweck heranzuziehen. Inzwischen bestand das Heer aus �ber drei�igtausend bewaffneten M�nnern, und trotz der Schneef�lle kamen noch weitere hinzu, folglich dachten sie, sie brauchten Lord Gareth Bryne vielleicht nicht mehr. Und dann gab es nat�rlich noch jene, die glaubten, sie h�tten ihn niemals gebraucht. Sie w�rden ihn nicht einfach fortschicken. Wenn der Saal sich zu handeln entschl�sse, k�nnte er sehr wohl wegen Verrat geh�ngt werden.</p><p>Er zuckte mit keiner Wimper, und er stellte keine Fragen. Vielleicht wu�te er, da� sie keine Antworten geben w�rde. Oder vielleicht dachte er, er kenne sie. �Es herrscht nicht viel Verkehr zwischen Eurem und meinem Lager, aber zu viele Menschen wissen bereits von dem Geheimnis. Ich werde jedoch tun, was ich kann.�</p><p>So einfach war das. Der erste Schritt auf dem Weg, der sie zum Amyrlin-Sitz in Tar Valon f�hren oder sie fest in den Griff des Saals bringen w�rde, wobei f�r sie nichts anderes �brigbliebe als zu entscheiden, ob Romanda oder Lelaine ihr sagen w�rden, was sie zu tun habe. Solch ein lebenswichtiger Moment sollte von Fanfaren und Trompeten oder zumindest von Donner am Himmel begleitet sein. So war es in Geschichten stets.</p><p>Egwene lie� die Lichtkugel verl�schen, aber als Bryne sich zum Gehen wandte, ergriff sie seinen Arm. Es war, als ergreife man durch seine Jacke hindurch einen dicken Ast. �Eine Frage noch, Lord Bryne. Ihr wollt doch nicht vom Marsch ersch�pfte M�nner zu einer Belagerung Tar Valons f�hren? Wieviel Ruhe wolltet Ihr ihnen g�nnen, bevor Ihr aufbrecht?�</p><p>Er hielt zum ersten Mal inne, und sie w�nschte, das Licht w�rde noch brennen, damit sie sein Gesicht sehen k�nnte. Sie glaubte, da� er die Stirn in Falten legte. �Selbst wenn man die Leute au�er acht l��t, die im Sold der Burg stehen�, begann er schlie�lich z�gernd, �verbreitet sich die Nachricht von einem Heer rasend schnell. Elaida wird es bis zum Tag unserer Ankunft erfahren haben, und sie wird uns keine Stunde Zeit geben. Ihr wi�t doch, da� sie die Burgwachen verst�rkt hat? Angeblich auf f�nfzigtausend Mann. Aber ich w�rde die M�nner nach M�glichkeit gern dennoch einen Monat rasten und sich erholen lassen. Zehn Tage w�ren zwar auch genug, aber ein Monat w�re besser.� Sie ruckte und lie� ihn los. Diese beil�ufige Frage �ber die Burgwache schmerzte sie. Er war sich durchaus bewu�t, da� der Saal und die Ajahs ihr nur sagten, was sie wissen sollte. �Ihr habt vermutlich recht�, sagte sie tonlos. �Es wird keine Zeit zum Ausruhen verbleiben, wenn wir Tar Valon erst erreichen. Schickt Eure schnellsten Reiter. Es wird doch keine Schwierigkeiten geben? Pelivar und Arathelle werden sie doch in Ruhe anh�ren?� Die Besorgnis in ihrer Stimme war nicht vorget�uscht. Vielleicht wurde mehr als nur ihre Pl�ne vernichtet, wenn sie jetzt k�mpfen mu�ten.</p><p>Brynes Tonfall �nderte sich anscheinend nicht, aber er klang jetzt in gewisser Weise tr�stlich. �Solange es genug Licht gibt, damit sie die wei�en Federn sehen k�nnen, werden sie einen Unterh�ndler erkennen und ihm zuh�ren. Ich sollte jetzt besser gehen, Mutter. Es ist ein langer und anstrengender Ritt, selbst f�r M�nner, die Ersatzpferde zur Verf�gung haben.�</p><p>Egwene atmete tief aus, sobald der Zelteingang hinter ihm zufiel. Ihre Schultern waren angespannt, und sie hatte das Gef�hl, als bek�me sie jeden Moment Kopfschmerzen. Normalerweise entspannte sie sich in Brynes Gegenwart und �bernahm seine Sicherheit. Heute nacht hatte sie ihn manipulieren m�ssen, und sie glaubte, da� er es wu�te. Er war ein achtsamer Mann. Aber es stand zu viel auf dem Spiel, um ihm noch weiter zu vertrauen, bis er sich offen erkl�rte � vielleicht in Form eines Eides wie derjenige, den Myrelle und die �brigen geleistet hatten. Bryne folgte der Amyrlin, und das Heer folgte Bryne. Wenn er glaubte, sie w�rde die M�nner sinnlos vergeuden, gen�gten wenige Worte von ihm, um sie hilflos dem Saal auszuliefern. Sie trank einen tiefen Schluck und sp�rte die W�rme des gew�rzten Weins durch sich hindurch str�men.</p><p>�Es w�re besser f�r uns, wenn sie es glaubten�, murmelte sie. �Ich w�nschte, es g�be etwas, <emphasis>was</emphasis> sie glauben k�nnten. Wenn ich vielleicht auch nichts sonst erreiche, Siuan, hoffe ich zumindest, da� ich uns von den Drei Eiden befreien kann.�</p><p>�Nein!� erwiderte Siuan barsch. Sie klang regelrecht emp�rt. �Es auch nur zu versuchen k�nnte verheerende Folgen haben, und wenn Ihr Erfolg h�ttet... Das Licht helfe uns... Wenn Ihr Erfolg h�ttet, w�rdet Ihr die Wei�e Burg vernichten.�</p><p>�Wovon sprecht Ihr? Ich versuche, die Eide zu befolgen, Siuan, da wir gegenw�rtig an sie gebunden sind, aber die Eide werden uns gegen die Seanchaner nicht helfen. Wenn Schwestern in Lebensgefahr geraten m�ssen, bevor sie sich wehren d�rfen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir alle tot oder angeleint sind.� Sie konnte das <emphasis>A'dam</emphasis> um ihre Kehle wieder einen Moment sp�ren, das sie in einen Hund an einer Leine verwandelt hatte. In einen gut dressierten und gehorsamen Hund. Jetzt war sie froh �ber die Dunkelheit, die ihr Zittern verbarg. Schatten verfinsterten Siuans Gesicht bis auf ihren ger�uschlos mahlenden Unterkiefer.</p><p>�Seht mich nicht so an, Siuan.� Es war leichter, ver�rgert als ver�ngstigt zu sein und Angst hinter Zorn zu verbergen. Sie w�rde sich <emphasis>niemals</emphasis> wieder anleinen lassen! �Ihr habt jeden Vorteil genutzt, seit Ihr von den Eiden befreit wurdet. Wenn Ihr nicht gelogen h�ttet, bef�nden wir uns alle ohne Heer in Salidar, w�rden D�umchen drehen und auf ein Wunder warten. Nun, Ihr w�rdet das jedenfalls tun. Sie h�tten mich niemals zur Amyrlin ernannt, wenn Ihr nicht bez�glich Logain und der Roten gelogen h�ttet. Elaida w�rde uneingeschr�nkt regieren, und in einem Jahr w�rde sich niemand mehr daran erinnern, wie sie sich den Amyrlin-Sitz angeeignet hat. <emphasis>Sie</emphasis> w�rde die Burg gewi� vernichten. Ihr wi�t, da� sie hinsichtlich Rand vieles falsch macht. Es w�rde mich nicht �berraschen, wenn sie inzwischen sogar versucht h�tte, ihn zu entf�hren, nur da� sie gerade mit uns besch�ftigt ist. Nun, vielleicht w�rde sie ihn nicht entf�hren, aber sie w�rde gewi� irgend etwas tun. Und die Aes Sedai w�rden heute wahrscheinlich die Asha'man bek�mpfen, ungeachtet dessen, da� Tarmon Gai'don hinter der n�chsten Ecke wartet.�</p><p>�Ich habe gelogen, als es n�tig schien�, fl�sterte Siuan. �Als es ratsam schien.� Ihre Schultern waren eingesunken, und sie klang, als gestehe sie Verbrechen, die sie nicht einmal sich selbst gegen�ber zugeben wollte. �Manchmal denke ich, da� es f�r mich zu leicht geworden ist, zu entscheiden, ob etwas n�tig und ratsam ist. Ich habe fast jedermann belogen � bis auf Euch. Aber auch das ist mir wohl in den Sinn gekommen, um Euch zu einer Entscheidung hinzuf�hren oder von einer Entscheidung abzubringen. Nicht die Tatsache, da� ich Euer Vertrauen behalten wollte, hat mich abgehalten.� Siuan streckte in der Dunkelheit bittend eine Hand aus. �Das Licht wei�, was Euer Vertrauen und Eure Freundschaft mir bedeuten, aber das war es nicht. Es war auch nicht das Wissen, da� Ihr mir die Haut in Fetzen abziehen oder mich fortschicken w�rdet, wenn Ihr es herausf�ndet, vielmehr erkannte ich, da� ich bei jemandem an den Eiden festhalten m��te, um mich nicht vollkommen zu verlieren. Also bel�ge ich Euch und Gareth Bryne nicht, zu welchem Preis auch immer. Und ich werde so bald wie m�glich erneut die Drei Eide auf die Eidesrute schw�ren, Mutter.�</p><p>�Warum?� fragte Egwene ruhig. Siuan hatte erwogen, sie zu bel�gen? Sie <emphasis>h�tte</emphasis> ihr daf�r die Haut abgezogen. Aber ihr Zorn war bereits verraucht. �Ich verzeihe L�gen nicht, Siuan � normalerweise nicht. Aber manchmal ist es wirklich notwendig.� Ihre Zeit bei den Aiel kam ihr in den Sinn. �Jedenfalls solange man bereit ist, daf�r zu bezahlen. Ich habe Schwestern Strafen f�r geringere Vergehen auf sich nehmen sehen. Ihr seid eine der ersten einer neuen Art Aes Sedai, Siuan, frei und ungebunden. Ich glaube Euch, wenn Ihr mir sagt, da� Ihr mich nicht bel�gen werdet.� Oder Lord Bryne? Das war seltsam. �Warum wollt Ihr Eure Freiheit also aufgeben?�</p><p>�Aufgeben?� Siuan lachte. �Ich werde nichts aufgeben.� Sie richtete sich auf, und ihre Stimme wurde zun�chst fester und dann leidenschaftlich. �Die Eide sind es, die uns zu mehr als nur einer einfachen Gruppe Frauen machen, die sich ins Weltgeschehen einmischen. Die Eide halten uns zusammen, feste Glaubensvorstellungen binden uns, ein einziger Lebensfaden verl�uft durch alle Schwestern, lebendig oder tot, bis zu den Ersten zur�ck, die ihre H�nde auf die Eidesrute legten. <emphasis>Sie</emphasis> sind es, die uns zu Aes Sedai machen, nicht <emphasis>Saidar.</emphasis> Jede Wilde kann die Macht lenken. M�nner m�gen das, was wir sagen, von allen Seiten betrachten, aber wenn eine Schwester sagt: �So ist es�, dann <emphasis>wissen</emphasis> sie, da� es stimmt, und sie vertrauen ihr aufgrund der Eide. Dank der Eide f�rchtet auch keine K�nigin, da� Schwestern ihre St�dte verw�sten werden. Der schlimmste Schurke wei�, da� er bei einer Schwester in Sicherheit ist, wenn er ihr keinen Schaden zuzuf�gen versucht. Oh, die Wei�m�ntel nennen sie L�gen, und einige Menschen haben seltsame Vorstellungen �ber das, was die Eide beinhalten, aber es gibt nur wenige Orte, wo eine Aes Sedai nicht hingehen kann und wo man ihr nicht zuh�ren wird � aufgrund der Eide. Die Drei Eide beinhalten, was es bedeutet, eine Aes Sedai zu <emphasis>sein,</emphasis> das <emphasis>Herz</emphasis> des Aes Sedai-Seins. Werft das fort, und wir sind wie Sand, der von den Gezeiten fortgesp�lt wird. Anstatt etwas aufzugeben, werde ich etwas gewinnen.�</p><p>Egwene runzelte die Stirn. �Und die Seanchaner?� Was <emphasis>es bedeutet, eine Aes Sedai zu sein.</emphasis> Sie hatte fast von dem Tage an, als sie in Tar Valon eintraf, auf das Ziel hingearbeitet, eine Aes Sedai zu werden, aber sie hatte niemals wirklich dar�ber nachgedacht, was eine Frau <emphasis>gewi�</emphasis> zur Aes Sedai machte.</p><p>Siuan lachte erneut, obwohl es dieses Mal ein wenig verzerrt und abgespannt klang. Sie sch�ttelte den Kopf und wirkte trotz der Dunkelheit m�de. �Ich wei� es nicht, Mutter. Das Licht helfe mir, aber ich wei� es nicht. Immerhin haben wir die Trolloc-Kriege �berlebt und auch die Wei�m�ntel und Artur Falkenfl�gel und alles dazwischen Liegende. Wir k�nnen einen Weg finden, mit diesen Seanchanern umzugehen, ohne uns zu vernichten.�</p><p>Egwene war sich dessen nicht so sicher. Viele der Schwestern im Lager hielten die Seanchaner f�r eine solche Gefahr, da� die Belagerung Elaidas ihrer Meinung nach warten sollte. Als w�rde abwarten Elaida nicht auf dem Amyrlin-Sitz festigen. Viele andere glaubten anscheinend, da� nur die Wiedervereinigung der Wei�en Burg, zu welchem Preis auch immer, die Seanchaner vertreiben k�nnte. Das �berleben verlor einen Teil seiner Anziehungskraft, wenn es ein �berleben an einer Koppel war, und Elaidas Koppel w�rde nicht weniger Einschr�nkungen bedeuten als die der Seanchaner. Was es bedeutet, eine Aes Sedai zu <emphasis>sein.</emphasis></p><p>�Es ist nicht n�tig, Gareth Bryne auf Armesl�nge fernzuhalten�, sagte Siuan pl�tzlich. �Es stimmt, der Mann ist die wandelnde Tr�bsal. Wenn er nicht als Bu�e f�r meine L�gen z�hlt, w�rde es auch nicht gen�gen, mir die Haut abzuziehen. Eines Tages werde ich ihn jeden Morgen ohrfeigen und abends zweimal, nur aus Prinzip, aber Ihr k�nnt ihm alles sagen. Es w�re hilfreich, wenn er verst�nde. Er vertraut <emphasis>Euch,</emphasis> und es bedr�ckt ihn, wenn er sich fragen mu�, ob Ihr wi�t, was Ihr tut. Er zeigt es nicht, aber ich merke es.�</p><p>Pl�tzlich f�gten sich f�r Egwene Bruchst�cke zusammen wie bei einem Puzzle. Erschreckende Bruchst�cke. Siuan <emphasis>liebte</emphasis> diesen Mann! Nichts anderes ergab einen Sinn. Alles, was sie �ber die beiden wu�te, �nderte sich, und das nicht unbedingt zum Besseren. Eine verliebte Frau schaltete ihren Verstand h�ufig aus, wenn sie in der N�he des betreffenden Mannes war, und dessen war sie sich selbst auch nur zu bewu�t. Wo <emphasis>war</emphasis> Gawyn? Ging es ihm gut? Genug davon. Zu viel, im Lichte dessen, was sie sagen mu�te. Sie nahm ihren strengsten Amyrlin-Tonfall an. �Ihr k�nnt Lord Bryne ohrfeigen oder mit ihm schlafen, Siuan, aber Ihr <emphasis>werdet</emphasis> Euch in seiner Gegenwart in acht nehmen. Ihr werdet <emphasis>keine</emphasis> Dinge verlauten lassen, die er noch nicht wissen mu�. Habt Ihr mich verstanden?�</p><p>Siuan richtete sich starr auf. �Ich pflege nicht sinnlos zu plaudern, Mutter�, entgegnete sie zornig.</p><p>�Ich bin sehr froh, das zu h�ren, Siuan.� Obwohl sie beide fast gleichaltrig aussahen, h�tte Siuan ihre Mutter sein k�nnen, und doch f�hlte sich Egwene in diesem Moment, als sei sie die �ltere. Dies war vielleicht das erste Mal, da� Siuan mit einem Mann nicht wie eine Aes Sedai, sondern wie eine Frau umgehen mu�te. <emphasis>Nur wenige Jahre des Glaubens, ich liebte Rand,</emphasis> dachte Egwene bedauernd, <emphasis>wenige Monate der Schw�rmerei f�r Gavyn, und ich wei� alles, was es zu wissen gibt.</emphasis></p><p>�Ich glaube, wir sind hier fertig�, fuhr sie fort und nahm Siuans Arm. �Fast. Kommt mit.�</p><p>Die Zeltw�nde hatten sie kaum gesch�tzt, aber hinauszutreten lie� sie die H�rte des Winters neuerlich sp�ren. Das vom Schnee widergespiegelte Mondlicht reichte fast zum Lesen aus, aber der Schimmer erschien kalt. Bryne war so vollst�ndig verschwunden, als h�tte es ihn nie gegeben. Leane, deren Schlankheit unter mehreren Schichten Kleidung verborgen war, tauchte kurz auf, um zu berichten, da� sie niemanden gesehen hatte, und verschwand dann eilig wieder in der Nacht. Niemand wu�te von einer Verbindung zwischen Leane und Egwene, und jedermann glaubte, Leane und Siuan bef�nden sich praktisch im Krieg.</p><p>Egwene nahm ihren Umhang so fest zusammen, wie es ihr mit einer Hand m�glich war, und konzentrierte sich darauf, die K�lte zu ignorieren, w�hrend sie und Siuan in die entgegengesetzte Richtung davongingen. Sie konnte die K�lte tats�chlich ignorieren und achtete aufmerksam auf jedermann, der sich drau�en aufhalten mochte, was kein Zufall w�re.</p><p>�Lord Bryne hatte recht damit�, sagte sie zu Siuan, �da� es besser w�re, wenn Pelivar und Arathelle diese Geschichten glaubten. Oder wenn sie diesbez�glich zumindest im Zweifel w�ren. Zu unsicher, um zu k�mpfen oder etwas anderes zu tun als zu reden. Denkt Ihr, da� sie einen Besuch von Aes Sedai guthei�en w�rden? Siuan, h�rt Ihr mir zu?�</p><p>Siuan zuckte zusammen und h�rte auf, in die Ferne zu starren. Sie war bisher nicht ausgerutscht, aber jetzt geschah es, und sie gewann nur m�hsam ihr Gleichgewicht wieder, bevor sie Egwene mit hinabgezogen h�tte. �Ja, Mutter. Nat�rlich h�re ich Euch zu. Sie w�rden es vielleicht nicht wirklich guthei�en, aber ich bezweifle, da� sie Schwestern abweisen w�rden.�</p><p>�Dann m�chte ich, da� Ihr Beonin, Anaiya und Myrelle weckt. Sie sollen noch in dieser Stunde nach Norden reiten. Wenn Lord Bryne bis morgen abend eine Antwort erwartet, bleibt nicht viel Zeit.� Schade, da� sie nicht herausgefunden hatte, wo genau dieses andere Heer lag, aber Bryne zu fragen h�tte Mi�trauen erwecken k�nnen. Es sollte f�r Beh�ter nicht zu schwer sein, das Lager zu finden, und jene drei Schwestern besa�en f�nf Beh�ter.</p><p>Siuan h�rte ihren Anweisungen schweigend zu. Nicht nur jene drei sollten aus dem Schlaf gerissen werden. Bis zur D�mmerung w�rden Sheriam und Carlinya, Morvrin und Nisao ebenfalls wissen, wor�ber sie beim Fr�hst�ck sprechen sollten. Eine Saat mu�te ges�t werden, eine Saat, die nicht fr�her hatte ausgestreut werden k�nnen, damit sie nicht zu bald spro�, obwohl sie nur allzu wenig Zeit hatte zu wachsen.</p><p>�Es wird mir ein Vergn�gen sein, sie aus ihren Betten zu werfen�, bemerkte Siuan, als Egwene geendet hatte. �Wenn ich in diesen Sachen herumlaufen mu�...� Sie lie� Egwenes Arm los und wollte sich schon abwenden, hielt aber dann mit ernster, sogar grimmiger Miene noch einmal inne. �Ich wei�, da� Ihr eine zweite Gerra Kishar � oder vielleicht Sereille Bagand � sein wollt. Ihr habt das Zeug dazu. Aber achtet darauf, da� Ihr Euch nicht als weitere Shein Chunla erweist Gute Nacht, Mutter. Schlaft gut.�</p><p>Egwene stand da und sah ihr nach, eine in ihren Umhang geh�llte Gestalt, die manchmal auf dem Weg ausglitt und zornig so laut Worte zischte, da� man sie fast verstehen konnte. Gerra und Sereille waren als zwei der gr��ten Amyrlins in Erinnerung geblieben. Beide hatten den Einflu� und das Ansehen der Wei�en Burg in einem Ma�e verst�rkt, wie es seit der Zeit vor Artur Falkenfl�gel selten erreicht wurde. Beide kontrollierten die Burg auch selbst, Gerra durch geschicktes Ausspielen einer Partei des Saals gegen die andere und Sereille durch reine Willenskraft. Shein Chunla war eine andere Geschichte, da sie die Macht des Amyrlin-Sitzes verschwendet hatte, indem sie der Burg die meisten Schwestern entfremdete. Die Welt glaubte, Shein sei vor fast vierhundert Jahren im Amt gestorben, aber die tief verborgene Wahrheit war, da� sie abgesetzt und in ein lebenslanges Exil geschickt worden war. Selbst die geheimen Aufzeichnungen behandeln gewisse Bereiche nur oberfl�chlich, und doch war es recht offensichtlich, da� die Schwestern, die Shein bewachten, nach der Aufdeckung ihres vierten Plans, sie wieder auf den Amyrlin-Sitz zu bringen, sie im Schlaf mit einem Kissen erstickten. Egwene erschauderte und sagte sich, es l�ge an der K�lte.</p><p>Sie wandte sich um und begab sich langsam zu ihrem Zelt zur�ck. Gut schlafen? Der Vollmond hing tief am Himmel, und der Sonnenaufgang war noch Stunden entfernt, aber sie war sich nicht sicher, da� sie �berhaupt noch w�rde schlafen k�nnen.</p></section><section><title><p>16</p><p>Unerwartete Abwesenheiten</p></title><p>Egwene rief den Saal der Burg zusammen, noch bevor die Sonne am n�chsten Morgen �ber dem Horizont sichtbar wurde. In Tar Valon w�re dies von aufwendigen Zeremonien begleitet gewesen, und selbst seit Verlassen Salidars hatten sie trotz der Beschwernisse der Reise einige davon beibehalten. Jetzt ging Sheriam einfach in der noch herrschenden Dunkelheit von einem Zelt der Sitzenden zum anderen und verk�ndete, da� der Amyrlin-Sitz den Saal zusammengerufen hatte. Schlie�lich standen in der D�mmerung unmittelbar vor Sonnenaufgang achtzehn Frauen im Halbkreis auf dem Schnee, um Egwene zuzuh�ren, alle gegen die K�lte warm angezogen, die ihren Atem gefrieren lie�.</p><p>Andere Schwestern tauchten allm�hlich hinter ihnen auf, um ebenfalls zuzuh�ren, zun�chst nur wenige, aber als sie niemand zum Gehen aufforderte, wuchs die Gruppe an, und ein sehr ged�mpftes Fl�stern verbreitete sich. Nur wenige Schwestern w�rden es wagen, auch nur eine einzelne Sitzende zu st�ren, geschweige denn den gesamten Saal. Die Aufgenommenen in geg�rteten Gew�ndern und Umh�ngen, die hinter den Aes Sedai erschienen waren, verhielten sich nat�rlich noch stiller, und die sich ebenfalls versammelnden Novizinnen, die keine Arbeiten zu erledigen hatten, wiederum stiller, obwohl sie weitaus zahlreicher waren. Das Lager beherbergte inzwischen eineinhalb Mal so viele Novizinnen wie Schwestern, so viele, da� nur wenige einen angemessenen wei�en Umhang besa�en und die meisten sich mit einem einfachen wei�en Rock anstatt eines Novizinnengewands begn�gen mu�ten. Einige Schwestern waren noch immer der Meinung, man sollte zu der alten Verfahrensweise zur�ckkehren und M�dchen sie aufsp�ren lassen, aber die meisten bedauerten die verlorenen Jahre, in denen die Anzahl der Aes Sedai abnahm. Egwene selbst erschauderte fast, wann immer sie daran dachte, was die Burg h�tte sein k�nnen. Dies war eine Ver�nderung, gegen die nicht einmal Siuan Einw�nde erheben konnte.</p><p>Pl�tzlich kam Carlinya um die Ecke eines Zeltes und blieb beim Anblick Egwenes und der Sitzenden j�h stehen. Die Wei�e Schwester, die normalerweise vollkommene Haltung bewahrte, starrte mit offenem Mund her�ber, und ihr helles Gesicht r�tete sich, bevor sie davoneilte, wobei sie �ber die Schulter zur�ckblickte. Egwene behielt nur m�hsam eine ausdruckslose Miene bei. Alle anderen waren zu sehr mit dem besch�ftigt, was auch sie selbst heute morgen besch�ftigte, um es ebenfalls bemerkt zu haben, aber fr�her oder sp�ter w�rde jemand es bemerken und sich wundern.</p><p>Sheriam warf ihren kunstvoll bestickten Umhang zur�ck, um die schmale blaue Stola der H�terin der Chroniken freizugeben, und vollf�hrte vor Egwene einen so formellen Hofknicks, wie es ihre sperrige Kleidung erlaubte, bevor sie einen Platz an Egwenes Seite einnahm. In Schichten edlen Tuchs und Seide geh�llt, war die Frau mit dem flammenden Haar das Abbild des Gleichmuts. Auf Egwenes Nicken hin trat sie einen Schritt vor, um mit klarer, hoher Stimme die uralte Formel zu sprechen.</p><p>�Sie kommt; sie kommt! Die H�terin der Siegel, die Flamme Tar Valons, der Amyrlin-Sitz. Gebt alle acht, denn sie kommt!� Die Formel schien hier ein wenig fehl am Platz, und au�erdem war die H�terin bereits da und kam nicht erst. Die Sitzenden standen schweigend und abwartend da. Einige wenige runzelten ungeduldig die Stirn oder machten sich ruhelos an ihren Umh�ngen oder R�cken zu schaffen.</p><p>Egwene warf ihren Umhang ebenfalls zur�ck und entbl��te so die siebenfach gestreifte, um ihren Hals geschlungene Stola. Diese Frauen mu�ten auf jede m�gliche Art daran erinnert werden, da� sie tats�chlich der Amyrlin-Sitz war. �Alle sind ersch�pft vom Reisen bei diesem Wetter�, verk�ndete sie nicht ganz so laut wie Sheriam, aber doch laut genug, da� jedermann sie h�ren konnte. Sie versp�rte eine vage Vorahnung, eine fast schwindlig machende Erregung. Das Gef�hl unterschied sich nicht sehr von �belkeit �Ich habe beschlossen, zwei oder vielleicht drei Tage hier zu lagern.� Das lie� alle die K�pfe heben und Interesse zeigen. Sie hoffte, da� sich Siuan in der Zuh�rerschaft bef�nde. Sie versuchte, sich an die Eide zu halten. �Die Pferde brauchen ebenfalls Ruhe, und viele der Wagen m�ssen dringend repariert werden. Die Beh�terin der Chroniken wird die notwendigen Anordnungen treffen.� Jetzt hatte es wahrhaft begonnen.</p><p>Sie erwartete weder eine Auseinandersetzung noch eine Debatte, und es gab auch keine. Sie hatte Siuan gegen�ber nicht �bertrieben. Zu viele Schwestern hofften auf ein Wunder, damit sie nicht unter den beobachtenden Blicken der Welt nach Tar Valon marschieren mu�ten. Selbst unter jenen, die in tiefstem Herzen �berzeugt waren, da� Elaida trotz allem, was sie getan hatte, zum Besten der Burg vertrieben werden mu�te, w�rden nur allzu viele jede Gelegenheit der Verz�gerung ergreifen, jede M�glichkeit, da� dieses Wunder geschehen k�nnte. Romanda wartete nicht ab, bis Sheriam die Schlu�zeilen gesprochen hatte. Sobald Egwene geendet hatte, schritt Romanda, die mit ihrem festen grauen, unter der Kapuze verborgenen Knoten noch recht jugendlich aussah, einfach davon. Magla, Saroiya und Varilin eilten ihr mit fliegenden Umh�ngen hinterher, soweit jemand eilen konnte, wenn er bei jedem Schritt kn�cheltief versank. Es gelang ihnen dennoch gut. Als Lelaine sah, da� Romanda ging, versammelte sie mit einer Handbewegung Faiselle, Takima und Lyrelle aus dem Halbkreis und schritt ebenfalls davon, ohne sich noch einmal umzusehen, wie ein Schwan mit drei �ngstlichen G�nschen im Schlepptau. Wenn Lelaine ihre drei Begleiterinnen auch nicht so fest im Griff hatte wie Romanda die ihren, bestand jedoch kein gro�er Unterschied. Auch die �brigen Sitzenden warteten kaum ab, bis Sheriam das abschlie�ende �Nun geht im Licht� ge�u�ert hatte. Egwene wandte sich um, als sich der Saal bereits in alle Richtungen zerstreute. Die Vorahnung verst�rkte sich und wurde �belkeit <emphasis>sehr</emphasis> �hnlich.</p><p>�Drei Tage�, murmelte Sheriam, w�hrend sie Egwene eine Hand reichte, um ihr auf einen der ausgetretenen Wege herab zu helfen. Die Winkel ihrer gr�nen Augen kr�uselten sich sp�ttisch. �Ich bin �berrascht, Mutter. Verzeiht, aber Ihr seid mehr als einmal vorangeprescht, wenn ich Einhalt gebieten wollte.�</p><p>�La�t uns das noch mal er�rtern, wenn Ihr mit den Wagnern und Hufschmieden gesprochen habt�, wies Egwene sie an. �Wir werden mit Pferden, die tot zusammenbrechen, und Wagen, die auseinanderfallen, nicht weit kommen.�</p><p>�Wie Ihr meint, Mutter�, erwiderte die andere Frau nicht gerade dem�tig, aber vollkommen angemessen.</p><p>Der Weg war jetzt nicht sicherer als zuvor, und manchmal glitten sie aus. Sie hakten sich unter und gingen langsam weiter. Sheriam bot mehr Unterst�tzung, als Egwene ben�tigte, aber sie tat dies fast verstohlen. Der Amyrlin-Sitz sollte nicht angesichts f�nfzig Schwestern und einhundert Dienern auf den Allerwertesten fallen, aber sie sollte auch nicht wie eine Invalidin gest�tzt werden.</p><p>Die meisten Sitzenden einschlie�lich Sheriam, die sich Egwene verschworen hatten, hatten dies tats�chlich aus schlichter Angst und einem Selbsterhaltungstrieb heraus getan. Wenn der Saal erfuhr, da� sie Schwestern ausgesandt hatten, um die Aes Sedai in Tar Valon zu beeinflussen und, was noch schlimmer war, dies aus Angst vor Schattenfreunden unter den Sitzenden vor dem Saal geheimgehalten hatten, w�rden sie vollkommen gewi� den Rest ihres Lebens in Bu�e im Exil verbringen. Also hatten sich die Frauen, die geglaubt hatten, sie k�nnten Egwene wie eine Marionette umherzerren, nachdem der gr��te Teil ihres Einflusses auf den Saal geschwunden war, als ihr Verschworene wiedergefunden. Das kam selbst in den geheimen Aufzeichnungen selten vor. Es wurde von den Schwestern erwartet, der Amyrlin zu gehorchen, aber ihr Treue zu schw�ren war etwas v�llig anderes. Die meisten schien dies noch immer zu beunruhigen, obwohl sie gehorchten. Nur wenige waren so schlimm wie Carlinya, aber Egwene hatte Beonins Z�hne tats�chlich klappern h�ren, als sie Egwene nach geleistetem Schwur das erstemal mit den Sitzenden gesehen hatte. Morvrin schien stets aufs neue erstaunt, wann immer ihr Blick auf Egwene fiel, als glaube sie es noch immer nicht so recht, und Nisao runzelte st�ndig die Stirn. Anaiya schnalzte zur Mahnung an die Geheimhaltung mit der Zunge, und Myrelle zuckte h�ufig zusammen, wenn auch noch aus anderen Gr�nden als nur wegen des geleisteten Eides. Aber Sheriam war einfach nicht nur dem Namen nach in die Rolle der Beh�terin der Chroniken Egwenes geschl�pft.</p><p>�Darf ich vorschlagen, diese Gelegenheit dazu zu nutzen, herauszufinden, was das umliegende Land an Nahrung und Futter zu bieten hat, Mutter? Unsere Vorr�te sind fast aufgebraucht.� Sheriam runzelte besorgt die Stirn. �Besonders Tee und Salz, obwohl ich bezweifle, da� wir dies hier finden,�</p><p>�Tut was Ihr k�nnt�, sagte Egwene freundlich. Es kam ihr jetzt seltsam vor, da� sie einst Ehrfurcht vor Sheriam und erhebliche Angst vor ihrem Mi�fallen empfunden hatte. Und es schien ihr ebenso seltsam, da� Sheriam, die jetzt nicht mehr die Herrin der Novizinnen war und Egwene nicht mehr in die von ihr gew�nschte Richtung zu dr�ngen versuchte, tats�chlich einen gl�cklicheren Eindruck machte. �Ich habe volles Vertrauen in Euch, Sheriam.� Die Frau strahlte bei diesem Lob offen.</p><p>Die Sonne war noch immer nicht �ber den Zelten aufgestiegen, aber das Lager war bereits in Bewegung. Das Fr�hst�ck war vor�ber, und die K�che wuschen ab, unterst�tzt von einer Horde Novizinnen. Der Energie nach zu urteilen, mit der die jungen Frauen an die Arbeit gingen, schien es sie zu erw�rmen, Kessel mit Schnee zu schrubben, aber die K�che bewegten sich schwerf�llig, rieben sich den R�cken, hielten inne, um zu seufzen, zogen manchmal ihre Umh�nge fester oder starrten freudlos in den Schnee. Zitternde Diener, welche die meisten Kleider trugen, die sie besa�en, hatten nach alter Gewohnheit damit begonnen, Zelte abzubauen und Wagen zu beladen, nachdem sie ihre eilige Mahlzeit beendet hatten, und stolperten jetzt umher, um die Zelte wieder aufzubauen und die Kisten wieder aus den Wagen zu hieven. Tiere, die bereits angeschirrt worden waren, wurden von ersch�pften Pferdeburschen davongef�hrt, die mit h�ngenden K�pfen vorangingen. Egwene h�rte einige wenige Proteste von M�nnern, die nicht bemerkten, da� Schwestern in der N�he waren, aber der gr��ere Teil der Leute schien zu m�de, sich zu beschweren.</p><p>Die meisten Aes Sedai, deren Zelte wieder errichtet worden waren, verschwanden darin, aber einige wiesen auch noch die Arbeiter an, und andere eilten die festgetretenen Pfade auf eigenen Boteng�ngen entlang. Anders als alle anderen zeigten sie �u�erlich so wenig M�digkeit wie ihre Beh�ter, denen es irgendwie gelang, den Eindruck zu erwecken, als h�tten sie allen f�r diesen sch�nen Fr�hlingstag ben�tigten Schlaf bekommen. Egwene vermutete dies als den wichtigsten Teil dessen, wie eine Schwester Kraft aus ihrem Beh�ter zog, davon abgesehen, was sie mit dem Bund tun konnte. Wenn ein Beh�ter sich nicht eingestehen wollte, <emphasis>da�</emphasis> er fror oder m�de oder hungrig war, mu�te man es ebenfalls aushaken.</p><p>Auf einem der Querwege erschien Morvrin, die Takimas Arm umklammerte. Vielleicht zur Unterst�tzung, obwohl Morvrin die kleinere Frau noch kleiner erscheinen lie�, als sie tats�chlich war. Vielleicht tat sie es aber auch, um Takima an der Flucht zu hindern.</p><p>Morvrin war hartn�ckig, wenn sie sich erst einmal ein Ziel gesetzt hatte, Egwene runzelte die Stirn. Es mochte sehr wohl von Morvrin erwartet werden, eine Sitzende f�r ihre Ajah der Braunen zu erw�hlen, aber Egwene h�tte Janya oder Escaralde f�r wahrscheinlicher gehalten. Die beiden gerieten hinter einem abgedeckten Wagen auf Kufen au�er Sicht, wobei sich Morvrin herabbeugte, um ihrer Begleiterin etwas ins Ohr zu fl�stern. Es war nicht erkennbar, ob Takima zuh�rte.</p><p>�Stimmt etwas nicht, Mutter?�</p><p>Egwene setzte ein angespanntes L�cheln auf. �Nicht mehr als �blich, Sheriam. Nicht mehr als �blich.�</p><p>Sheriam verlie� Egwene am Arbeitszelt der Amyrlin, um sich um die aufgetragenen Aufgaben zu k�mmern. Egwene betrat das Zelt und fand alles bereit. Alles andere h�tte sie �berrascht. Selame stellte gerade ein Teetablett auf den Schreibtisch. Bunte Perlenstickerei schm�ckte das Leibchen und die �rmel der Frau, und da sie ihre lange Nase hoch erhoben trug, schien sie auf den ersten Blick kaum wie eine Dienerin, aber sie hatte sich um alles N�tige gek�mmert. Zwei Kohlenpfannen voller gl�hender Kohlen hatten die K�lte einigerma�en vertrieben, obwohl die meiste W�rme durch den Rauchabzug entwich. Getrocknete, auf die Kohlen gestreute Kr�uter verliehen dem im Zelt verbleibenden Rauch einen angenehmen Geruch. Das Tablett vom Vorabend war verschwunden, und die Laterne und die Talgkerzen waren vorbereitet und entz�ndet worden. Niemand w�rde den Zelteingang weit genug ge�ffnet lassen, um Licht von au�en hereindringen zu lassen.</p><p>Siuan war ebenfalls bereits da, mit einem Stapel Papier in H�nden, einen gequ�lten Ausdruck auf dem Gesicht und einen Tintenfleck auf der Nase. Ihr Posten als Schreiberin gab ihnen beiden einen weiteren Grund, im Gespr�ch miteinander gesehen zu werden, und Sheriam hatte keine Einw�nde gehabt, die Arbeit aufzugeben. Siuan grollte jedoch h�ufig. F�r eine Frau, welche die Burg seit ihrem Eintreten als Novizin selten verlassen hatte, verabscheute sie es in bemerkenswertem Ma�e, drinnen zu bleiben. Im Moment war sie das Abbild einer Frau, die Geduld bewies und wollte, da� jedermann es bemerkte.</p><p>Selame l�chelte trotz ihrer emporgereckten Nase einf�ltig und vollf�hrte so viele Hofknickse, da� das �bernehmen von Egwenes Umhang und F�ustlingen zu einer kunstvollen kleinen Zeremonie wurde. Die Frau schwatzte immerzu, die Mutter solle die F��e anheben, und vielleicht sollte sie der Mutter eine Reisedecke holen, und vielleicht sollte sie bleiben, falls die Mutter noch etwas ben�tigte, bis Egwene sie regelrecht hinausjagte. Der Tee schmeckte nach Minze. Bei diesem Wetter! Selame war eine Pr�fung, und sie konnte kaum treu genannt werden, aber sie bem�hte sich.</p><p>Es war jedoch keine Zeit, m��ig zu sein und Tee zu trinken. Egwene richtete ihre Stola und nahm ihren Platz hinter dem Schreibtisch ein, wobei sie einem Bein ihres Stuhls einen Sto� versetzte, damit er nicht, wie so h�ufig, unter ihr zusammenklappte. Siuan kauerte auf einem ebenfalls gebrechlichen Stuhl auf der anderen Seite des Tisches, und der Tee wurde kalt. Sie sprachen nicht �ber Pl�ne oder �ber Gareth Bryne oder Hoffnungen. Was diesbez�glich im Moment getan werden konnte, war getan worden. Die Berichte und Anliegen stapelten sich im Verlauf ihrer Reise, Ersch�pfung besiegte alle Versuche, sich darum zu k�mmern, aber jetzt, wo sie aufgehalten wurden, mu�te alles durchgesehen werden. Ein in ihrer N�he lagerndes Heer �nderte das nicht.</p><p>Egwene fragte sich manchmal, wie so viel Papier aufgetrieben wurde, wenn es doch bei allen anderen Dingen zunehmend schwierig schien. Die Berichte, die Siuan ihr reichte, f�hrten detailliert Verknappungen auf, aber kaum mehr. Nicht nur jene, die Sheriam erw�hnt hatte, sondern auch Kohle und N�gel und Eisen f�r die Hufschmiede und Wagner, Leder und �lgetr�nkte F�den f�r die Sattler, Lampen�l und Kerzen und hundert andere Dinge waren knapp, sogar Seife. Und was nicht ausging, n�tzte ab, von den Schuhen bis zu den Zelten, alles in Siuans k�hner Handschrift aufgelistet, die krakeliger wurde, je schreiender die Bed�rfnisse waren, �ber die sie schrieb. Ihre Berechnung des verbliebenen Geldes schien in energischem Zorn aufs Papier geworfen worden zu sein. Und dies war nichts, was man nicht ernst nehmen durfte.</p><p>Unter Siuans Papieren befanden sich auch mehrere Eingaben von Sitzenden mit Vorschl�gen zur L�sung der Geldsorgen. Oder eher mit Informationen f�r Egwene, was sie dem Saal vorzutragen beabsichtigten. Es gab jedoch bei allen Pl�nen nur wenige Vorteile und viele Fallen. Moria Karentanis schlug vor, den Sold der Soldaten einzusparen, eine Idee, die das Heer h�tte wie Tau unter einer Hochsommersonne dahinschmelzen lassen, wenn der Saal sie bereits umgesetzt h�tte. Malind Nachenin richtete einen Appell an in der N�he befindliche Adlige, der eher nach einer Forderung klang und sehr wohl die ganze Gegend gegen sie aufbringen k�nnte, wie auch Salita Toranes' Absicht, in den St�dten und D�rfern, durch die sie kamen, eine Abgabe zu erheben.</p><p>Egwene zerkn�llte die drei Eingaben in der Faust und sch�ttelte diese in Siuans Richtung. Sie w�nschte, es w�ren die Kehlen der drei Sitzenden, die sie umschlo�. �Glauben sie denn <emphasis>alle,</emphasis> es m��te nur nach ihrer Nase gehen, ungeachtet der Erfordernisse? Licht, sie benehmen sich <emphasis>tats�chlich</emphasis> wie Kinder!�</p><p>�Es ist der Burg schon oft genug gelungen, ihre W�nsche Wirklichkeit werden zu lassen�, sagte Siuan selbstgef�llig. �Bedenkt, da� einige behaupten w�rden, auch Ihr ignoriertet die Realit�t.�</p><p>Egwene schnaubte. Gl�cklicherweise konnte keiner der Vorschl�ge ohne eine Verf�gung ihrerseits in die Tat umgesetzt werden, wof�r auch immer der Saal stimmen mochte. Sie hatte selbst unter diesen begrenzten Umst�nden ein wenig Macht. Sehr wenig, aber das war besser als nichts. �Ist der Saal immer so schwierig, Siuan?�</p><p>Siuan nickte und verlagerte leicht ihre Stellung. Nicht einmal zwei Beine ihres Stuhls wiesen die gleiche L�nge auf. �Aber es k�nnte noch schlimmer sein. Erinnert mich daran, da� ich Euch ausf�hrlich von dem Jahr der Vier Amyrlins erz�hle. Das war ungef�hr einhundertf�nfzig Jahre nach der Gr�ndung Tar Valons. In jener Zeit kam das Wirken der Burg fast den heutigen Geschehnissen gleich. Jedermann versuchte, nach M�glichkeit das Ruder zu �bernehmen. Tats�chlich gab es in diesem Jahr eine Zeitlang zwei rivalisierende S�le der Burg. Beinahe wie jetzt. Fast alle hatten am Ende das Nachsehen, einschlie�lich einiger weniger, die glaubten, sie k�nnten die Burg retten. Einigen w�re es vielleicht gelungen, wenn sie nicht in Treibsand geraten w�ren. Die Burg �berlebte nat�rlich dennoch. Das tut sie stets.�</p><p>Mehr als dreitausend Jahre lang schritt die Geschichte der Burg voran, vieles unterdr�ckt, nur wenigen Augen enth�llt, und doch schien sich Siuan jedes Details erinnern zu k�nnen. Sie mu�te sich einen gro�en Teil ihres Lebens regelrecht in jenen geheimen Aufzeichnungen <emphasis>vergraben</emphasis> haben. Einer Sache war sich Egwene sicher: Sie w�rde Sheins Schicksal nach M�glichkeit meiden, aber sie w�rde nicht dort verbleiben, wo sie war, kaum in einer g�nstigeren Lage als Cemaile Sorenthaine. Schon lange vor Beendigung ihrer Regierungszeit war die wichtigste Entscheidung, die Cemaile noch zu treffen blieb, diejenige, welches Gewand sie tragen wollte.</p><p>Sie <emphasis>w�rde</emphasis> Siuan bitten m�ssen, ihr ausf�hrlich von dem Jahr der Vier Amyrlins zu erz�hlen, und sie freute sich nicht darauf.</p><p>Der wandernde Lichtstrahl durch den Rauchabzug im Dach zeigte an, da� sich der Morgen dem Mittag zuneigte, aber Siuans Stapel Papiere schien kaum abgenommen zu haben. Jegliche Unterbrechung w�re willkommen gewesen, selbst vorzeitige Entdeckung. Nun, das vielleicht nicht.</p><p>�Was kommt als n�chstes, Siuan?� fragte sie grollend.</p><p>Aran'gars Blick wurde von einer fl�chtigen Bewegung angezogen, und sie sp�hte durch die Baume zum Lager des Heeres, ein sch�tzender Kreis um die Zelte der Aes Sedai. Eine Reihe von Reitern begleiteter Wagenschlitten bewegte sich langsam ostw�rts. Die fahle Sonne schimmerte auf R�stungen und Speerspitzen. Sie verzog h�hnisch das Gesicht. Speere und Pferde! Ein primitiver Haufen, der nicht schneller vorankam als ein Mensch zu Fu�, angef�hrt von einem Mann, der nicht wu�te, was hundert Meilen entfernt geschah. Und die Aes Sedai? Sie konnte sie alle vernichten, und sie w�rden selbst im Tode noch nicht vermuten, wer sie umbrachte. Nat�rlich w�rde sie gleichfalls nicht lange �berleben. Dieser Gedanke lie� sie erschaudern. Der Gro�e Herr gab nur sehr wenigen eine zweite Chance im Leben, und sie w�rde die ihre nicht vergeuden.</p><p>Sie wartete, bis die Reiter im Wald au�er Sicht gerieten, bevor sie sich wieder dem Lager zuwandte und m��ig an die Tr�ume der vergangenen Nacht dachte. Der weiche Schnee hinter ihr w�rde bis zum Fr�hjahrstauwetter verbergen, was sie vergraben hatte � durchaus lange genug. Einige der M�nner im Lager vor ihr bemerkten sie schlie�lich und richteten sich von ihren Arbeiten auf, um sie zu beobachten. Sie l�chelte wider Willen und strich den Rock �ber ihren H�ften glatt. Es war inzwischen schwierig geworden, sich wirklich daran zu erinnern, wie das Leben als Mann gewesen war. War sie damals ein solch leicht zu beeinflussender Tor gewesen? Mit einer Leiche ungesehen durch diese Horde zu gelangen, war selbst f�r sie schwierig gewesen, aber sie geno� den R�ckweg.</p><p>Der Morgen schritt mit scheinbar endlosem Durchforsten von Papieren voran, bis das geschah, wovon Egwene gewu�t hatte, da� es geschehen w�rde. Gewisse Ereignisse traten jeden Tag ein. Es w�rde bitterkalt werden, es w�rde schneien, es w�rden Wolken �ber den grauen Himmel ziehen, und es w�rde windig sein. Und es w�rden Besuche von Lelaine und Romanda stattfinden.</p><p>Egwene war m�de vom langen Sitzen und vertrat sich gerade die Beine, als Lelaine mit Faolain im Schlepptau ins Zelt rauschte. Kalte Luft wehte mit ihnen herein, bevor sich der Zelteingang wieder schlo�. Lelaine sah sich mit leicht mi�billigender Miene um und zog dann ihre blauen Lederhandschuhe aus, w�hrend sie sich von Faolain den luchsges�umten Umhang von den Schultern nehmen lie�. In tiefblauer Seide, mit durchdringenden Augen, schlank und w�rdevoll h�tte sie sich ebensogut in ihrem eigenen Zelt befinden k�nnen. Auf eine beil�ufige Geste hin zog sich Faolain mit dem Kleidungsst�ck ehrerbietig in eine Ecke zur�ck, w�hrend sie ihren eigenen Umhang nur mit einer Schulterbewegung zur�ckwarf. Sie war unzweifelhaft bereit, auf ein weiteres Zeichen der Sitzenden hin sofort zu gehen. Ihre dunklen Z�ge zeugten von resignierter Demut, was ihr nicht sehr �hnlich sah.</p><p>Lelaine legte ihre Zur�ckhaltung kurzzeitig ab, indem sie Siuan �berraschend herzlich anl�chelte. Sie waren vor Jahren Freundinnen gewesen, und sie hatte sogar eine Art Schutz angeboten, wie Faolain ihn angenommen hatte, den Schutz einer Sitzenden und einen sch�tzenden Arm gegen den Hohn und die Beschuldigungen anderer Schwestern. Lelaine ber�hrte Siuans Wange und fl�sterte leise etwas, das mitf�hlend klang. Siuan err�tete, und erschreckende Unsicherheit zeigte sich auf ihrem Gesicht Egwene war sich sicher, da� dies nicht vorget�uscht war. Siuan fiel es schwer, mit dem umzugehen, was sich tats�chlich in ihr ver�ndert hatte, und mehr noch damit, wie leicht sie sich anpa�te.</p><p>Lelaine betrachtete den Stuhl vor dem Schreibtisch und lehnte wie �blich einen solch unsicheren Platz deutlich ab. Schlie�lich w�rdigte sie Egwenes Anwesenheit mit einer leichten Neigung ihres Kopfes. �Wir m�ssen �ber das Meervolk sprechen, Mutter�, sagte sie in einem dem Amyrlin-Sitz gegen�ber etwas <emphasis>zu</emphasis> harten Tonfall.</p><p>Erst als Egwene das enge Gef�hl in ihrer Kehle schwinden sp�rte, erkannte sie, da� sie bef�rchtet hatte, Lelaine w��te bereits von dem, was Lord Bryne ihr berichtet hatte. Oder sogar von dem Treffen, das er plante. Aber im n�chsten Moment kehrte das beengte Gef�hl wieder zur�ck. Das Meervolk? Der Saal konnte doch gewi� noch nichts von dem aberwitzigen Vertrag erfahren haben, den Nynaeve und Elayne geschlossen hatten. Sie konnte sich nicht vorstellen, was die beiden in eine solche Katastrophe gef�hrt hatte oder wie sie damit umgehen sollte.</p><p>Ihr Magen rebellierte, w�hrend sie ihren Platz hinter dem Tisch wieder einnahm, ohne ihre Empfindungen preiszugeben. Dabei knickte dieses dumme Stuhlbein ein, so da� sie fast auf die Teppiche fiel, bevor sie es wieder gerade ziehen konnte. Sie hoffte, da� sie nicht err�tete. ��ber das Meervolk in Caemlyn oder das in Cairhien?� Ja, das klang angemessen ruhig und gefa�t.</p><p>�Das in Cairhien.� Romandas hohe Stimme erinnerte an j�h erklingende Glocken. �Gewi� in Cairhien.� Ihr Eintreten lie� Lelaine fast sch�chtern erscheinen, als die Macht ihrer Pers�nlichkeit unvermittelt das Zelt erf�llte. Romanda l�chelte nicht herzlich. So h�bsch ihr Gesicht auch war, daf�r schien es nicht gemacht.</p><p>Theodrin folgte ihr ins Zelt, wo Romanda schwungvoll ihren Umhang ablegte und ihn mit einer solch herrischen Geste der schlanken pausb�ckigen Schwester zuwarf, da� Theodrin sich veranla�t sah, hastig in eine Ecke gegen�ber Faolain zu verschwinden. Faolain war eindeutig bezwungen, und Theodrins schr�gstehende Augen waren stark geweitet, als sei sie st�ndig best�rzt, und sie schien nach Luft zu ringen. Wie bei Faolain forderte auch ihr rechtm��iger Platz in der Hierarchie der Aes Sedai eine bessere Besch�ftigung, aber beiden sollte sie anscheinend nicht allzubald zugestanden werden.</p><p>Romandas bezwingender Blick ruhte einen Moment auf Siuan, als �berlege sie, ob sie diese auch in eine Ecke schicken sollte, aber dann rauschte sie fast abweisend an Lelaine vorbei, bevor sie sich Egwene zuwandte. �Dieser junge Mann hat anscheinend mit dem Meervolk gesprochen, Mutter. Die Augen-und-Ohren der Gelben in Cairhien sind h�chst erregt dar�ber. Wi�t Ihr, welches Interesse er an den Atha'an Miere haben k�nnte?�</p><p>Trotz Benutzung des Titels klang Romanda kaum so, als spr�che sie mit dem Amyrlin-Sitz, aber andererseits galt das f�r sie stets. Es bestand kein Zweifel dar�ber, wer �dieser junge Mann� war. Jede Schwester im Lager akzeptierte Rand als den Wiedergeborenen Drachen, aber jedermann, der sie reden h�rte, h�tte glauben k�nnen, sie spr�chen �ber einen st�rrischen jungen T�lpel, der vielleicht betrunken zum Essen erscheinen und den Tisch umsto�en w�rde.</p><p>�Sie kann wohl kaum wissen, was im Kopf des Jungen vor sich geht�, bemerkte Lelaine, bevor Egwene auch nur den Mund �ffnen konnte. Ihr L�cheln wirkte dieses Mal �berhaupt nicht herzlich. �Wenn eine Antwort gefunden werden mu�, Romanda, wird sie in Caemlyn zu finden sein. Die dortigen Atha'an Miere halten sich nicht abgesondert auf einem Schiff auf, und ich bezweifle ernsthaft, da� hochrangige Meervolk-Leute mit verschiedenen Auftr�gen von See kommen. Ich habe noch nie geh�rt, da� sie dies bisher aus irgendeinem Grund getan h�tten. Vielleicht interessiert <emphasis>er sie.</emphasis> Sie sollten inzwischen wissen, wer er ist.�</p><p>Romanda erwiderte das L�cheln � und die Zeltw�nde h�tten gefrieren sollen. �Es ist kaum n�tig, das Offensichtliche festzustellen, Lelaine. Die vorrangige Frage ist, wie man es herausfinden kann.�</p><p>�Ich war gerade dabei, diese Frage zu kl�ren, als Ihr hereinst�rztet, Romanda. Wenn die Mutter das n�chste Mal Elayne oder Nynaeve in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> trifft, kann sie Anweisungen geben. Merilille kann herausfinden, was die Atha'an Miere wollen, oder vielleicht auch, was der Junge vorhat, wenn sie Caemlyn erreicht. Schade, da� die M�dchen nicht daran gedacht haben, einen richtigen Zeitplan aufzustellen, aber wir m�ssen das Problem angehen. Merilille kann sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> mit einer Sitzenden treffen, wenn sie etwas wei�.� Lelaine vollf�hrte eine kleine Geste. Es war eindeutig, da� sie selbst die erw�hnte Sitzende sein sollte. �Ich dachte, Salidar w�re vielleicht ein geeigneter Ort.�</p><p>Romanda schnaubte belustigt. Selbst darin lag keine W�rme. �Es ist leichter, Merilille Anweisungen zu geben, als daf�r zu sorgen, da� sie gehorcht, Lelaine. Ich erwarte, da� sie erf�hrt, da� sie eindringlichen Fragen ausgesetzt sein wird. Diese Schale der Winde h�tte zuerst uns zur Pr�fung �berbracht werden sollen. Ich glaube, keine der Schwestern in Ebou Dar war sehr geschickt im Wolkentanz, und Ihr k�nnt das Ergebnis sehen � all dieser Tumult und die Heftigkeit. Ich erw�ge, vor dem Saal eine Eingabe bez�glich aller Beteiligten zu machen.� Die Stimme der grauhaarigen Frau wurde pl�tzlich butterweich. �Ihr habt die Wahl Merililles unterst�tzt, soweit ich mich erinnere.�</p><p>Lelaine richtete sich ruckartig auf. Ihre Augen blitzten. �Ich habe jene Frau unterst�tzt, welche die Grauen in den Vordergrund geschoben haben, und nicht mehr�, sagte sie angewidert. �Wie h�tte ich wissen sollen, da� sie die Schale dort benutzen w�rde? Und Meervolk-Wilde in den Kreis mit einzubeziehen! Wie konnten sie glauben, da� sie ebensoviel von der Beeinflussung des Wetters verstehen wie die Aes Sedai?� Ihr Zorn schwand j�h. Sie verteidigte sich vor ihrer st�rksten Widersacherin im Saal, ihrer einzigen wahren Widersacherin. Doch sie stimmte, was ihrer Ansicht nach zweifellos das schlimmste war, �ber das Meervolk mit ihr �berein. Es bestand kein Zweifel, da� es so war, aber dem auch Ausdruck zu verleihen, war eine andere Sache.</p><p>Romandas kaltes L�cheln vertiefte sich noch, als Lelaines Gesicht vor Zorn erbla�te. Sie richtete mit peinlich genauer Sorgfalt ihre bronzefarbenen R�cke, w�hrend Lelaine nach einer M�glichkeit suchte, die Lage umzukehren. �Wir werden sehen, wie der Saal dazu steht, Lelaine�, sagte sie schlie�lich. �Bis die Eingabe gemacht wird, w�re es, glaube ich, das beste, wenn sich Merilille <emphasis>nicht</emphasis> mit einer an ihrer Wahl beteiligten Sitzenden trifft. Selbst eine heimliche Verabredung w�rde mi�trauisch betrachtet werden. Ihr seid sicherlich einverstanden, da� ich mit ihr sprechen sollte.�</p><p>Lelaine erbla�te jetzt auf andere Art. Sie hatte keine Angst, nicht sichtbar, und doch konnte Egwene fast sehen, wie sie abz�hlte, wer f�r und wer gegen sie war. Eine heimliche Verabredung war fast ebenso schlimm wie Verrat und erforderte keine Mehrheit. Das w�rde sie wahrscheinlich zu vermeiden suchen, aber es w�rden umfassende und erbitterte Streitgespr�che stattfinden. Romandas Gruppe w�rde dies vielleicht noch f�rdern, was uns�gliche Probleme heraufbeschw�rte, ungeachtet der Frage, ob Egwenes Plane erfolgreich w�ren oder nicht. Und sie konnte nichts tun, diese Entwicklung aufzuhalten, wenn sie nicht enth�llen wollte, was in Ebou Dar wirklich geschehen war. Dann k�nnte sie sie ebensogut bitten, sie dasselbe Angebot annehmen zu lassen wie Faolain und Theodrin.</p><p>Egwene atmete tief durch. Vielleicht k�nnte sie wenigstens die Benutzung Salidars als Treffpunkt in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> verhindern. Dort traf sie jetzt Elayne und Nynaeve. Wenn sie die beiden �berhaupt traf, was sie seit Tagen nicht mehr getan hatte. Wenn Sitzende in der Welt der Tr�ume ein und aus gingen und �berall dort angetroffen werden konnten, wo man sich sicher sein zu k�nnen glaubte, da� sie dort nicht auftauchen w�rden, wurde es schwierig. �Ich werde Eure Anweisungen bez�glich Merilille weitergeben, wenn ich Elayne und Nynaeve das n�chste Mal treffe. Ich werde es Euch wissen lassen, wenn sie bereit ist, Euch zu treffen.� Was niemals geschehen w�rde, wenn sie jene Anweisungen erst weitergegeben h�tte.</p><p>Die Sitzenden wandten j�h die K�pfe, und zwei Paar Augen starrten Egwene an. Sie hatten vergessen, da� sie da war! Sie bem�hte sich, eine ausdruckslose Miene beizubehalten, erkannte, da� sie ver�rgert mit dem Fu� auftippte, und hielt inne. Sie mu�te noch eine Weile dem entsprechen, was sie �ber sie dachten. Noch ein wenig l�nger. Zumindest empfand sie keine �belkeit mehr. Nur Zorn.</p><p>In diese momentane Stille brach Chesa mit Egwenes Mittagsmahlzeit auf einem abgedeckten Tablett. Dunkelhaarig, rundlich und in mittlerem Alter h�bsch, gelang es Chesa, angemessenen Respekt zu vermitteln, ohne zu kriechen. Ihr Hofknicks geriet so einfach, wie auch ihr dunkelgraues Gewand gehalten war, das nur einen Hauch einfache Spitze am Kragen aufwies. �Verzeiht mein Eindringen, Mutter, Aes Sedai. Ich bedaure die Versp�tung <emphasis>wirklich,</emphasis> Mutter, aber Meri ist anscheinend davongezogen.� Sie schnalzte ver�rgert mit der Zunge, w�hrend sie das Tablett vor Egwene abstellte. Einfach davonzuziehen sah der falsch benannten Meri gar nicht �hnlich. Dieser m�rrischen Frau mi�fielen eigene Fehler ebensosehr wie Fehler anderer.</p><p>Romanda runzelte die Stirn, schwieg aber. Sie durfte nicht zuviel Interesse an einer von Egwenes Dienerinnen zeigen. Besonders, wenn die Frau ihre Spionin war. Ebenso wie Selame Lelaines Spionin war. Egwene vermied es, Theodrin oder Faolain anzusehen, die beide noch immer wie Aufgenommene pflichtgetreu in ihren Ecken standen.</p><p>Chesa �ffnete halbwegs den Mund, schlo� ihn dann aber wieder, vielleicht weil sie durch die Sitzenden eingesch�chtert war. Egwene war erleichtert, als sie einen weiteren Hofknicks vollf�hrte und mit einem gemurmelten �Wenn Ihr erlaubt, Mutter� sich entfernte. Chesas Rat erfolgte stets durch Andeutungen, wenn noch jemand anderer anwesend war, aber im Moment war das letzte, was Egwene wollte, auch nur eine wohl�berlegte Mahnung, ihr Essen zu verspeisen, solange es noch hei� sei.</p><p>Lelaine fuhr fort, als h�tte es keine Unterbrechung gegeben. �Wichtig ist�, sagte sie fest, �zu erfahren, was die Atha'an Miere wollen und was der Junge tut. Vielleicht will er auch ihr K�nig werden.� Sie streckte die Arme aus und lie� sich von Faolain den Umhang wieder umlegen, was die dunkle junge Frau vorsichtig tat. �Ihr werdet daran denken, es mich wissen zu lassen, wenn Ihr es erw�gt, Mutter?� Es war eigentlich keine Frage.</p><p>�Ich werde ernsthaft dar�ber nachdenken�, belehrte Egwene sie. Was nicht bedeuten sollte, da� sie ihre Gedanken mitteilen w�rde. Sie w�nschte, sie h�tte auch nur eine vage Vorstellung von der Antwort. Ihr war bekannt, da� die Atha'an Miere Rand f�r ihren prophezeiten Coramoor hielten, obwohl der Saal es nicht wu�te, aber was er von ihnen wollte � oder sie von ihm � konnte sie sich nicht ann�hernd vorstellen. Nach Elaynes Worten hatten die bei ihnen befindlichen Angeh�rigen des Meervolks auch keinen Hinweis darauf. Oder zumindest behaupteten sie es. Egwene w�nschte fast, es bef�nden sich eine Handvoll der Schwestern im Lager, die von den Atha'an Miere gekommen waren. Jene Windsucherinnen w�rden auf die eine oder andere Art Probleme verursachen.</p><p>Auf ein Zeichen von Romanda hin sprang Theodrin wie aufgescheucht mit dem Umhang der Sitzenden vor. Romandas Miene nach zu urteilen, war sie �ber Lelaines Wiederherstellung nicht erfreut. �Ihr werdet daran denken, Merilille zu sagen, da� ich mit ihr zu sprechen w�nsche, Mutter�, sagte sie, und das war keineswegs eine Frage.</p><p>Einen kurzen Augenblick standen die beiden Sitzenden da und sahen einander an, wobei sie Egwene in ihrer gegenseitigen Erbitterung erneut verga�en. Sie gingen ohne ein Wort zu ihr, fast um Vorrang ringend, bevor Romanda zuerst hinausglitt und Theodrin ihr auf dem Fu�e folgte. Lelaine bleckte die Z�hne und schob Faolain vor sich aus dem Zelt.</p><p>Siuan stie� einen tiefen Seufzer aus und versuchte nicht, ihre Erleichterung zu verbergen.</p><p>�Wenn Ihr erlaubt, Mutter�, knurrte Egwene sp�ttisch. �Wenn es Euch recht ist, Mutter. Ihr d�rft gehen, T�chter.� Sie atmete tief aus und lehnte sich auf ihrem Stuhl zur�ck, der sie augenblicklich auf den Teppich schickte. Sie richtete sich langsam wieder auf, gl�ttete energisch ihre R�cke und r�ckte die Stola zurecht. Es war zumindest nicht vor jenen zwei Frauen passiert. �Geht und besorgt etwas zu essen, Siuan. Wir haben noch einen langen Tag vor uns.�</p><p>�Einige St�rze schmerzen weniger als andere�, sagte Siuan wie zu sich selbst, bevor sie geb�ckt das Zelt verlie�. Es war gut, da� sie so schnell ging, denn andernfalls h�tte Egwene sie vielleicht gescholten.</p><p>Sie kehrte jedoch bald zur�ck, und sie a�en harte Br�tchen und Linseneintopf mit harten Karotten und Fleischst�cken, die Egwene nicht n�her betrachtete. Es gab nur wenige Unterbrechungen oder Bel�stigungen, w�hrend deren sie schwiegen und die Berichte zu studieren vorgaben. Chesa kam, um das Tablett fortzur�umen, und sp�ter noch einmal, um neue Kerzen aufzustellen, wobei sie grollte, was ihr nicht �hnlich sah.</p><p>�Wer h�tte erwartet, da� Selame auch davonziehen w�rde?� murrte sie halbwegs zu sich selbst. �Vermutlich hat sie sich mit den Soldaten eingelassen. Diese Halima �bt einen schlechten Einflu� aus.�</p><p>Ein hagerer junger Bursche mit tropfender Nase entfernte die bereits erkaltete Asche in den Kohlenpfannen und brachte neue Kohlen � der Amyrlin wurde mehr W�rme zugestanden als den meisten anderen, aber auch das war nicht viel �, wobei er �ber seine eigenen Stiefel stolperte und Egwene auf eine Art anstarrte, die nach den beiden Sitzenden als recht angenehm bezeichnet werden mu�te. Sheriam tauchte auf, um nachzufragen, ob Egwene noch irgendwelche weiteren Anweisungen habe, und schien dann bleiben zu wollen. Vielleicht machten sie die wenigen Geheimnisse, die sie kannte, nerv�s. Zumindest lie� sie ihre Blicke unbehaglich schweifen.</p><p>Das war alles, und Egwene war sich nicht sicher, ob es nur so war, weil niemand die Amyrlin grundlos st�rte, oder weil alle wu�ten, da� die wahren Entscheidungen im Saal getroffen wurden.</p><p>�Ich wei� nichts von diesem Bericht �ber Soldaten, die westw�rts aus Kandor hinaus ziehen�, sagte Siuan, sobald sich der Zelteingang hinter Sheriam geschlossen hatte. �Es gibt nur diesen einen Bericht, und Grenzbewohner entfernen sich selten weit von der Gro�en F�ule, aber das wei� jeder Narr, so da� es wohl kaum die Art Geschichte ist, die jemand erfinden w�rde.� Sie las jetzt nichts ab.</p><p>Siuan hatte es bislang geschafft, das Netzwerk der Augen-und-Ohren der Amyrlin sehr sorgf�ltig unter Kontrolle zu halten, und Berichte, Ger�chte und Geschw�tz fl�ssen ihr in best�ndigem Strom zu, um gesichtet zu werden, bevor sie und Egwene entschieden, was an den Saal weitergegeben wurde. Leane besa� ihr eigenes Netzwerk, das noch zu dem best�ndigen Strom beitrug. Das meiste davon wurde weitergegeben � einige Dinge mu�te der Saal wissen, und es gab keine Gew�hr, da� die Ajahs weitergeben w�rden, was ihre eigenen Agenten erfuhren �, aber alles mu�te Daraufhin �berpr�ft werden, ob es vielleicht gef�hrlich sein oder die Aufmerksamkeit vom wahren Ziel ablenken k�nnte.</p><p>Nur wenige jener Str�me trugen in letzter Zeit gute Nachrichten heran. Cairhien hatte viele Ger�chte �ber mit Rand verb�ndete oder, noch schlimmer, ihm dienende Aes Sedai hervorgebracht, obwohl zumindest diese Angaben einfach unbeachtet gelassen werden konnten. Die Weisen Frauen sagten nicht viel �ber Rand oder die Menschen, die mit ihm in Verbindung standen, aber ihnen zufolge erwartete Merana seine R�ckkehr, und die Schwestern im Sonnenpalast, wo der Wiedergeborene Drache seinen ersten Thron innehatte, waren gewi� ein guter Grund, solche Erz�hlungen entstehen zu lassen. Andere Ger�chte wurden nicht so leicht mi�achtet, selbst wenn schwer zu erkennen war, was man von ihnen halten sollte. Ein Drucker in Illian behauptete, er h�tte Beweise daf�r, da� Rand Mattin Stepaneos mit eigenen H�nden get�tet und den Leichnam mit der Einen Macht vernichtet h�tte, w�hrend eine Arbeiterin auf den dortigen Docks erkl�rte, sie h�tte gesehen, wie man den fr�heren K�nig gefesselt und geknebelt und in einen Teppich eingerollt an Bord eines Schiffes gebracht habe, das in der Nacht mit dem Segen des Befehlshabers der Hafenwache davongesegelt sei. Ersteres war weitaus wahrscheinlicher, aber Egwene hoffte, da� keiner der Agenten der Ajahs diese Geschichten geh�rt h�tte. Es gab in den B�chern der Schwestern bereits zu viele abtr�gliche Vermerke �ber Rand.</p><p>So ging es weiter. Die Seanchaner schienen sich gegen nur geringen Widerstand in Ebou Dar festzusetzen. Das war vielleicht in einem Land zu erwarten gewesen, in dem die wahre Regentschaft der K�nigin nur wenige Tagesritte von ihrer Hauptstadt entfernt endete, und doch war es kaum ermutigend. Die Shaido waren anscheinend �berall, obwohl stets nur �ber zehn Ecken von ihnen berichtet wurde. Die meisten Schwestern schienen zu glauben, die verstreuten Shaido w�ren Rands Werk, obwohl die Weisen Frauen dies bestritten, was Sheriam weitergab. Aber nat�rlich wollte niemand ihre mutma�lichen L�gen allzu genau �berpr�fen. Es gab hundert Ausreden, denn niemand au�er den Egwene verschworenen Schwestern wollte sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> treffen, und auch ihnen mu�te es befohlen werden. Anaiya nannte die Begegnungen trocken �recht umfassende Lektionen in Demut�, und sie schien �berhaupt nicht belustigt zu sein.</p><p>�Es <emphasis>kann</emphasis> nicht so viele Shaido geben�, murrte Egwene. Dem zweiten Schub Kohlen, der zu schwacher Glutasche erstarb, waren keine Kr�uter beigef�gt worden, und ihre Augen schmerzten von dem schwach in der Luft schwebenden Rauch. Die Macht zu lenken, um ihn zu beseitigen, w�rde auch die letzte W�rme vertreiben. �Ein Teil von alledem mu� das Werk von Banditen sein.� Wer konnte schlie�lich unterscheiden, ob ein Dorf von fl�chtigen Banditen oder von Shaido ges�ubert worden war? Besonders, wenn man es erst aus dritter oder f�nfter Hand h�rte. �Es sind gewi� ausreichend viele Banditen in der N�he, da� sie f�r einen Teil der Geschehnisse verantwortlich gemacht werden k�nnen.� Die meisten nannten sich Drachenverschworene, was �berhaupt nicht hilfreich war.</p><p>Egwene bewegte die Schultern, um die Verspannungen in ihren Muskeln zu l�sen.</p><p>Dann erkannte sie j�h, da� Siuan so intensiv ins Leere starrte, da� sie fast von ihrem Stuhl zu fallen schien. �Siuan, schlaft Ihr ein? Wir haben zwar den gr��ten Teil des Tages gearbeitet, aber drau�en ist es immer noch hell.� Am Rauchabzug war Licht zu sehen, obwohl es allm�hlich schwand.</p><p>Siuan blinzelte. �Verzeiht. Ich habe in letzter Zeit �ber etwas nachgedacht und zu entscheiden versucht, ob ich es Euch mitteilen soll. �ber den Saal.�</p><p>��ber den Saal! Siuan, wenn Ihr etwas �ber den Saal wi�t...!�</p><p>�Ich <emphasis>wei�</emphasis> nichts�, unterbrach Siuan sie. �Ich vermute nur etwas.� Sie schnalzte ver�rgert mit der Zunge. �Und nicht einmal das wirklich. Zumindest wei� ich nicht, was ich vermuten soll. Aber ich sehe ein Muster.�</p><p>�Dann solltet Ihr mir lieber davon erz�hlen�, sagte Egwene. Siuan hatte sich als sehr geschickt darin erwiesen, Muster zu entdecken, wo andere nur ein Durcheinander sahen.</p><p>Siuan regte sich unbehaglich auf ihrem Stuhl und beugte sich dann angespannt vor. �Es geht um Folgendes: Au�er Romanda und Moria sind die in Salidar erw�hlten Sitzenden ... zu jung.� Vieles hatte sich in Siuan gewandelt, aber �ber das Alter anderer Schwestern zu reden bereitete ihr eindeutig noch immer Unbehagen. �Escaralde ist die �lteste, und sie ist gewi� nicht viel �lter als siebzig. Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, ohne in den Novizinnenb�chern in Tar Valon nachzuschlagen, aber ich bin mir ziemlich sicher. Der Saal hat nur selten mehr als eine Sitzende unter hundert Jahren aufgewiesen, und hier sind es neun!�</p><p>�Aber Romanda und Moria <emphasis>sind</emphasis> neu hinzugekommen�, sagte Egwene freundlich, w�hrend sie die Ellbogen auf den Tisch st�tzte. Es war ein langer Tag gewesen. �Und keine von beiden ist jung. Vielleicht sollten wir dankbar daf�r sein, da� die anderen es sind, sonst w�ren sie vielleicht nicht bereit gewesen, mich aufzustellen.� Sie h�tte noch darauf hinweisen k�nnen, da� Siuan selbst zur Amyrlin gew�hlt worden war, als sie nicht einmal halb so alt wie Escaralde war, aber es w�re eine grausame Erinnerung gewesen.</p><p>�Vielleicht�, sagte Siuan eigensinnig. �Romanda stand f�r den Saal fest, sobald sie auftauchte. Ich bezweifle, da� es eine Gelbe gibt, die gegen sie zu sprechen wagte, um den Vorsitz zu erlangen. Und Moria ... sie h�ngt nicht an Lelaine, aber Lelaine und Lyrelle dachten wahrscheinlich, sie w�rde es tun. Ich wei� es nicht. Aber merkt Euch meine Worte: Wenn eine Frau in zu jungem Alter erhoben wird, gibt es daf�r einen Grund.� Sie atmete tief durch. �Das galt auch bei mir.� Der Schmerz des Verlusts zeigte sich deutlich auf ihrem Gesicht, gewi� der Verlust des Amyrlin-Sitzes, dieser von all den von ihr erlittenen Verlusten vielleicht am schmerzhaftesten. Aber der Eindruck schwand fast ebenso schnell wieder, wie er entstanden war. Egwene glaubte nicht, da� sie schon jemals einer solch starken Frau wie Siuan begegnet war. �Dieses Mal waren �beraus viele Schwestern im angemessenen Alter, erw�hlt zu werden, und ich kann nicht verstehen, warum sich f�nf Ajahs auf all diese jungen Schwestern festlegen sollten. Es besteht ein Muster, und ich werde es herausfinden.�</p><p>Egwene war anderer Meinung. Ver�nderung lag in der Luft, ob Siuan es wahrhaben wollte oder nicht. Elaida hatte mit einem Brauch gebrochen, fast das Gesetz gebrochen, indem sie sich Siuans Platz widerrechtlich angeeignet hatte. Schwestern waren aus der Burg entflohen und hatten die Welt dar�ber unterrichtet, und letzteres war gewi� noch niemals zuvor geschehen. Ver�nderung. �ltere Schwestern w�ren eher der alten Art verbunden, aber selbst einige von ihnen mu�ten erkennen, da� alles in Bewegung geraten war. Gewi� war das der Grund, warum j�ngere Frauen gew�hlt worden waren, die Neuem offener gegen�berstanden. Sollte sie Siuan befehlen, ihre Zeit nicht mehr damit zu verschwenden? Siuan hatte genug anderes zu tun. Oder sollte sie Siuan weitermachen lassen? Sie wollte so gern beweisen, da� die Ver�nderung, die jene erkannte, in Wahrheit gar nicht bestand.</p><p>Bevor Egwene eine Entscheidung treffen konnte, betrat Romanda geduckt das Zelt und blieb, den Eingang ge�ffnet haltend, stehen. Lange Schatten erstreckten sich drau�en �ber den Schnee. Der Abend kam schnell. Romandas Gesicht war ebenso d�ster wie jene Schatten. Sie sah Siuan mit starrem Blick an und �u�erte barsch nur ein Wort: �Raus!�</p><p>Egwene nickte kaum merklich, aber Siuan war bereits aufgesprungen. Sie stolperte und rannte dann fast aus dem Zelt. Von einer Schwester vom Range Siuans wurde erwartet, da� sie jeder Schwester gehorchte, welche der St�rke in der Macht Romandas gleichkam, nicht nur einer Sitzenden.</p><p>Romanda schlo� den Zelteingang und umarmte die Quelle. Das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie, und sie wob einen Schutz gegen Lauscher um das Innere des Zelts, ohne auch nur vorzugeben, Egwene um Erlaubnis fragen zu wollen. �Ihr seid eine N�rrin!� stie� sie zwischen zusammengepre�ten Z�hnen hervor. �Wie lange glaubtet Ihr, dies geheimhalten zu k�nnen? Soldaten reden, Kind. M�nner reden immer! Bryne wird Gl�ck haben, wenn der Saal nicht seinen Kopf fordert.�</p><p>Egwene erhob sich langsam, w�hrend sie ihre R�cke gl�ttete. Sie hatte hierauf gewartet, aber dennoch mu�te sie auch weiterhin vorsichtig sein. Das Spiel war noch lange nicht beendet, und alles konnte sich noch immer blitzartig gegen sie wenden. Sie mu�te Unschuld vorgeben, bis sie es sich leisten konnte, damit aufzuh�ren, �Mu� ich Euch daran erinnern, da� Unh�flichkeit dem Amyrlin-Sitz gegen�ber ein Verbrechen ist, Tochter�, sagte sie statt dessen. Sie hatte schon so lange etwas vorget�uscht, und sie war so nahe daran.</p><p>�Der Amyrlin-Sitz.� Romanda schritt �ber die Teppiche auf Armesl�nge zu Egwene, und ihrem Blick nach zu urteilen, erwog sie, noch n�her zu kommen. �Ihr seid ein Kind! Euer Hintern erinnert sich noch der letzten Schl�ge, die Ihr als Novizin erhalten habt! Ihr werdet Gl�ck haben, wenn der Saal Euch nicht mit einigen h�bschen Spielzeugen in eine Ecke verweist. Wenn Ihr das vermeiden wollt, werdet Ihr mir zuh�ren und tun, was ich Euch sage. Und jetzt setzt Euch!�</p><p>Egwene kochte innerlich, aber sie setzte sich hin. Es war noch zu fr�h.</p><p>Romanda stemmte mit zufriedenem Nicken die F�uste in die H�ften. Sie sah auf Egwene herab wie eine strenge Tante, die eine ungehorsame Nichte zurechtweist. Eine sehr strenge Tante. Oder ein Scharfrichter mit Zahnschmerzen. �Dieses Treffen mit Pelivar und Arathelle mu� jetzt, da es einberufen wurde, nat�rlich stattfinden. Sie erwarten den Amyrlin-Sitz, und sie werden sie sehen. Ihr werdet mit allem Eurem Titel geb�hrendem Prunk und aller W�rde daran teilnehmen. Und Ihr werdet ihnen sagen, da� ich f�r Euch sprechen soll, woraufhin Ihr den Mund halten werdet! Es ist eine feste Hand erforderlich, sie uns aus dem Weg zu schaffen � und jemand, der wei�, was er tut. Lelaine wird zweifellos jeden Moment hier sein und versuchen, sich vorzudr�ngen, aber Ihr solltet Euch der Schwierigkeiten entsinnen, in denen sie steckt. Ich habe den Tag mit Gespr�chen mit den anderen Sitzenden verbracht, und es erscheint sehr wahrscheinlich, da� Merililles und Meranas Versagen Lelaine zur Last gelegt werden wird, wenn der Saal das n�chste Mal tagt. Wenn Ihr also irgendwelche Hoffnungen hegt, die f�r Euch notwendige Erfahrung zu sammeln, um dieser Stola gerecht zu werden, liegt sie bei mir! Versteht Ihr mich?�</p><p>�Ich verstehe vollkommen�, sagte Egwene mit, wie sie hoffte, sanftm�tiger Stimme. Wenn sie Romanda an ihrer Stelle sprechen lie�e, w�rden keine Zweifel mehr bestehen. Der Saal und die ganze Welt w�rden wissen, unter welchem Einflu� Egwene al'Vere stand.</p><p>Romandas Blick schien sich in ihren Kopf zu bohren, bevor die Frau kurz nickte. �Hoffentlich. Ich beabsichtige, Elaida vom Amyrlin-Sitz zu vertreiben, und ich werde mir diese Absicht nicht verderben lassen, weil ein Kind glaubt, es w��te genug, um seinen Weg �ber die Stra�e zu finden, ohne da� jemand seine Hand h�lt.� Sie warf sich mit einem Schnauben den Umhang um und rauschte aus dem Zelt. Der Schutz schwand mit ihr.</p><p>Egwene sa� da und blickte stirnrunzelnd zum Zelteingang. Ein Kind? Verdammt sei die Frau, sie war der Amyrlin-Sitz! Ob es ihnen nun gefiel oder nicht �sie hatten sie erw�hlt, und sie w�rden damit leben m�ssen! Sie ergriff das steinerne Tintengef�� und warf es auf den Zelteingang.</p><p>Lelaine sprang zur�ck und entging dem Gescho� nur knapp. �Ruhig, ruhig�, schalt sie, w�hrend sie eintrat.</p><p>Sie bat ebensowenig um Erlaubnis wie Romanda, umarmte die Quelle und wob ebenfalls einen Schutz gegen Lauscher. Wo Romanda Zorn empfunden zu haben schien, empfand Lelaine Selbstzufriedenheit; sie rieb sich die behandschuhten H�nde und l�chelte.</p><p>�Ich brauche Euch vermutlich nicht zu erz�hlen, da� Euer kleines Geheimnis enth�llt wurde. Das war nicht nett von Lord Bryne, aber ich denke, er ist zu wertvoll, um ihn zu t�ten. Sein Gl�ck, da� ich so denke. La�t mich sehen. Romanda hat Euch vermutlich erz�hlt, da� ein Treffen mit Pelivar und Arathelle stattfinden wird, Ihr aber Romanda das Reden �berlassen sollt. Habe ich recht?� Egwene regte sich, aber Lelaine winkte ab. �Ihr braucht nicht zu antworten. Ich kenne Romanda. Zu ihrem Pech habe ich vor ihr davon erfahren, und anstatt geradewegs zu Euch zu laufen, habe ich die anderen Sitzenden befragt. Wollt Ihr wissen, was sie denken?�</p><p>Egwene ballte die F�uste im Scho�, wo es, wie sie hoffte, nicht bemerkt w�rde. �Ihr werdet es mir vermutlich erz�hlen.�</p><p>�Es steht Euch nicht zu, in diesem Ton mit mir zu sprechen�, sagte Lelaine scharf, aber im n�chsten Moment l�chelte sie schon wieder. �Der Saal ist unzufrieden mit Euch. Sehr unzufrieden. Womit auch immer Romanda Euch gedroht hat � und das kann man sich nur allzuleicht vorstellen �, kann ich ausr�umen. Romanda hat au�erdem eine Anzahl Sitzender mit ihren Schikanen ver�rgert. Wenn Ihr also nicht mit noch weniger Autorit�t als jetzt dastehen wollt, sollte Romanda morgen �berrascht werden, indem Ihr mich als Eure Sprecherin benennt. Es ist schwer zu glauben, da� Arathelle und Pelivar dumm genug waren, diesem Treffen zuzustimmen, aber sie werden mit eingezogenem Schwanz davonschleichen, wenn ich erst mit ihnen fertig bin.�</p><p>�Woher soll ich wissen, da� Ihr Eure Drohungen nicht ohnehin ausf�hrt?� Egwene hoffte, da� ihre zornige �u�erung nur m�rrisch klang. Licht, sie hatte all dies satt!</p><p>�Weil ich sage, da� ich es nicht tun werde�, fauchte Lelaine. �Wi�t Ihr denn inzwischen nicht, da� Ihr in Wahrheit keinerlei Befugnisse habt? Der Saal hat sie, und dies ist eine Sache zwischen Romanda und mir. In weiteren hundert Jahren wird Euch die Stola vielleicht geb�hren, aber im Moment sitzt still, faltet Eure H�nde und la�t jemanden, der wei�, was er tut, Elaida vertreiben.�</p><p>Egwene sa� erneut zum Eingang starrend da, nachdem Lelaine gegangen war. Dieses Mal lie� sie den Zorn nicht �berkochen. <emphasis>Die Stola wird Euch vielleicht geb�hren.</emphasis> Romanda hatte fast dasselbe gesagt. <emphasis>Jemand, der wei�, was er tut.</emphasis> T�uschte sie sich <emphasis>tats�chlich?</emphasis> Ein Kind, das zunichte machte, was eine erfahrene Frau leicht handhaben konnte?</p><p>Siuan schl�pfte ins Zelt und blieb dann mit besorgtem Blick stehen. �Gareth Bryne kam gerade zu mir, um mir zu sagen, da� der Saal Bescheid wei߫, sagte sie trocken. �Er kam unter dem Vorwand, nach seinen Hemden zu fragen. Er und seine verdammten Hemden! Das Treffen ist f�r morgen angesetzt, an einem See ungef�hr f�nf Stunden n�rdlich von hier. Pelivar und Arathelle sind bereits dorthin unterwegs und Aemlyn ebenfalls. Ein drittes starkes Haus.�</p><p>�Das ist mehr, als Lelaine oder Romanda mir mitzuteilen geruhten�, sagte Egwene ebenso trocken. Nein. Hundert oder f�nfzig oder f�nf Jahre an der Hand gef�hrt, am Kragen vorw�rts geschoben werden � und sie w�rde zu nichts anderem mehr taugen. Wenn sie in etwas hineinwachsen sollte, dann mu�te sie <emphasis>jetzt</emphasis> wachsen.</p><p>�Oh, Blut und blutige Asche�, st�hnte Siuan. �Ich halte es nicht aus! Was haben sie gesagt? Wie sind die Gespr�che verlaufen?�</p><p>�Ungef�hr so, wie wir es erwartet hatten.� Egwene l�chelte mit einer Verwunderung, die sich auch in ihrer Stimme widerspiegelte. �Siuan, sie h�tten mir den Saal nicht gekonnter ausliefern k�nnen, wenn ich ihnen gesagt h�tte, was sie tun sollen.�</p><p>Das letzte Tageslicht schwand, als Sheriam sich ihrem Zelt n�herte, das noch kleiner war als Egwenes. W�re sie nicht die Beh�terin der Chroniken gewesen, h�tte sie es sogar noch teilen m�ssen. Sie betrat das Zelt geduckt und hatte nur noch Zeit zu erkennen, da� sie nicht allein war, als sie bereits abgeschirmt und mit dem Gesicht nach unten auf ihr Feldbett geworfen wurde. Sie wollte aufschreien, aber eine Ecke ihrer Decken verstopfte ihr den Mund. Die Kleidung wurde ihr vom Leib gerissen.</p><p>Dann erhielt sie einen Schlag auf den Kopf. �Ihr solltet mich auf dem laufenden halten, Sheriam. Dieses M�dchen plant etwas, und ich will wissen, was es ist.�</p><p>Es dauerte lange, ihren Fragesteller davon zu �berzeugen, da� sie ihm bereits alles gesagt hatte, was sie wu�te, da� sie niemals ein Wort zur�ckhalten w�rde, kein Fl�stern. Als sie schlie�lich in Ruhe gelassen wurde, lag sie zusammengerollt da, wimmerte vor Schmerzen und w�nschte sich bitterlich, sie hatte niemals in ihrem Leben auch nur mit einer einzigen Sitzenden im Saal gesprochen.</p></section><section><title><p>17</p><p>Drau�en auf dem Eis</p></title><p>Am n�chsten Morgen zog eine Kolonne Reiter schon lange vor der D�mmerung aus dem Aes Sedai-Lager gen Norden, vom Knarren der S�ttel und dem Knirschen durch die harsche Schneedecke brechender Pferdehufe einmal abgesehen nahezu lautlos. Gelegentlich schnaubte ein Pferd oder klirrte Metall und wurde rasch ged�mpft. Der Mond war bereits untergegangen, der Himmel sternenklar, aber die helle, �ber allem liegende Schneedecke erleuchtete die Dunkelheit. Als im Osten die erste Morgenr�te erschien, waren sie bereits gut �ber eine Stunde geritten. Was nicht bedeutete, da� sie weit gekommen w�ren. Egwene konnte Daishar �ber einige offene Fl�chen in leichtem Galopp gehen lassen, wodurch Schnee aufst�ubte wie verspritzendes Wasser, aber �berwiegend mu�ten die Pferde in langsamem Schritttempo durch sp�rliche W�lder gef�hrt werden, wo der Schnee tiefe Gr�ben bedeckte und auf den Zweigen �ber ihnen hing. Eichen und Kiefern, Tupelo- und Lederblattb�ume sowie B�ume, die sie nicht kannte, wirkten jetzt alle noch erb�rmlicher als in der sengenden Hitze. Heute war das Abramsfest, aber es w�rde keine in Honigkuchen eingebackenen Preise geben. Das Licht gebe, da� einige Menschen dennoch an diesem Tag �berraschungen erlebten.</p><p>Die Sonne stieg auf, ein fahler goldener Ball, der keine W�rme spendete. Jeder Atemzug stach noch immer in der Kehle und wurde zu Nebel. Ein scharfer Wind wehte, nicht stark, aber schneidend, und im Westen rollten dunkle Wolken auf ihrem Weg nach Andor nordw�rts. Sie versp�rte Mitleid mit jedermann, der die Last dieser Wolken zu sp�ren bekommen w�rde. Und Erleichterung dar�ber, da� sie sich von ihnen entfernten. Es w�re unertr�glich gewesen, noch einen Tag zu warten. Sie hatte �berhaupt nicht schlafen k�nnen � aus nerv�ser Ungeduld, nicht wegen ihrer Kopfschmerzen. Aus Ungeduld � und aus wie kalte Luft unter den Zeltw�nden hindurchkriechender Angst. Sie war jedoch nicht m�de. Sie f�hlte sich wie eine zusammengedr�ckte Feder, eine fest aufgezogene Uhr, voller Energie, die verzweifelt verbraucht werden wollte, Licht, es konnte noch immer alles schrecklich fehlschlagen.</p><p>Eine beeindruckende Kolonne folgte der Standarte der Wei�en Burg, der wei�en Flamme von Tar Valon inmitten einer aus den sieben Farben der Ajahs gebildeten Spirale. Heimlich in Salidar gen�ht, hatte sie seitdem zusammen mit den Schl�sseln in der Obhut des Saals am Boden einer Kiste gelegen. Sie glaubte nicht, da� sie die Standarte gezeigt h�tten, w�re heute morgen nicht Prunk vonn�ten gewesen. Tausend Mann schwerer Kavallerie in Kettenpanzern bildeten eine umfangreiche Eskorte, einen vollkommenen Rahmen aus Speeren, Schwertern, Streitkolben und Streit�xten, die s�dlich der Grenzlande selten zu sehen waren. Ihr Befehlshaber war ein ein�ugiger Shienarer mit einer bunten Augenklappe, ein Mann, dem sie vor scheinbar einem Zeitalter begegnet war. Uno Nomesta beobachtete durch das Visier seines Helms den Wald, als erwarte er �berall Hinterhalte, und seine M�nner, die sehr aufrecht im Sattel sa�en, schienen beinahe ebenso wachsam.</p><p>Vor ihnen und durch die B�ume fast verdeckt ritt eine Gruppe von M�nnern, die Helme und Brust- und R�ckenpanzer trugen, aber keinen weiteren Schutz. Ihre Umh�nge flatterten ungehindert in der Luft, da sie eine behandschuhte Hand f�r die Z�gel und eine Hand f�r den Kurzbogen, den sie alle trugen, brauchten. Vor dieser Gruppe befanden sich noch weitere M�nner und au�er Sicht auch links und rechts und hinter ihnen, insgesamt weitere tausend Mann, die kundschafteten und sie abschirmten. Gareth Bryne erwartete von den Andoranern keinen Betrug, aber er hatte sich, wie er sagte, schon fr�her geirrt, und die Murandianer waren noch eine andere Sache. Au�erdem mu�te mit von Elaida bezahlten Meuchelm�rdern oder sogar Schattenfreunden gerechnet werden. Nur das Licht allein wu�te, wann oder warum sich ein Schattenfreund zum Meuchelmord entschlo�. Auch bei den Shaido, die vermutlich weit entfernt waren, wu�te anscheinend niemand, da� sie da waren, bis das T�ten begann. Selbst Stra�enr�uber h�tten ihr Gl�ck bei einer zu kleinen Gruppe versuchen k�nnen. Lord Bryne ging keine unn�tigen Risiken ein, wor�ber Egwene sehr froh war. Sie wollte heute so viele Zeugen wie m�glich haben.</p><p>Sie selbst ritt mit Sheriam, Siuan und Bryne vor dem Banner. Die anderen schienen in ihre eigenen Gedanken versunken. Lord Bryne sa� locker im Sattel, und der Nebel seines Atems bildete einen leichten Eisfilm auf seinem Visier, aber Egwene konnte erkennen, da� er sich den Gel�ndeverlauf sorgf�ltig einpr�gte, falls er hier k�mpfen mu�te, Siuan ritt so starr, da� sie lange bevor sie ihr Ziel erreichten wundgeritten w�re, aber sie blickte gen Norden, als k�nne sie den See bereits sehen, und manchmal nickte sie vor sich hin oder sch�ttelte den Kopf. Sie h�tte dies nicht getan, wenn sie sich wohl gef�hlt h�tte. Sheriam wu�te nicht besser, was auf sie zuk�me, als die Sitzenden, und doch schien sie sogar noch nerv�ser als Siuan, regte sich st�ndig im Sattel und verzog das Gesicht. Auch Zorn schimmerte aus einem unbestimmten Grund in ihren Augen.</p><p>Dicht hinter dem Banner folgte in Doppelreihen der gesamte Saal der Burg, in bestickter Seide, �ppigem Samt, Pelzen und Umh�ngen mit der deutlich auf dem R�cken planierten Flamme. Frauen, die selten mehr Schmuck als den Gro�en Schlangenring trugen, waren heute mit den feinsten Edelsteinen geschm�ckt, welche die Schmuckk�sten des Lagers bargen. Und ihre Beh�ter sahen durch ihre die Farbe ver�ndernden Umh�nge noch gro�artiger aus. Die M�nner schienen beinahe zu verschwinden, wenn die beunruhigenden Umh�nge im starken Wind wehten. Diener folgten, zwei oder drei f�r jede Schwester, auf den besten Pferden, die f�r sie gefunden werden konnten. Sie w�ren vielleicht selbst als niedriger gestellte Adlige angesehen worden, wenn nicht einige von ihnen Packpferde gef�hrt h�tten. Jede Kiste im Lager war durchst�bert worden, um sie in strahlende Farben zu kleiden.</p><p>Delana hatte Halima auf einer feurigen wei�en Schimmelstute mitgebracht, vielleicht weil sie eine der Sitzenden ohne Beh�ter war. Die beiden ritten fast Knie an Knie. Delana beugte sich manchmal zu Halima her�ber, um Vertrauliches zu besprechen, obwohl Halima zu aufgeregt schien, um zuh�ren zu k�nnen. Halima war vermutlich Delanas Schreiberin, und jedermann vermutete Mildt�tigkeit oder m�glicherweise Freundschaft dahinter, wie unwahrscheinlich das auch zwischen der w�rdevollen, hellhaarigen Schwester und der hei�bl�tigen, schwarzhaarigen Frau vom Lande schien. Egwene hatte Halimas unbeholfene Handschrift gesehen, so unf�rmig wie die eines gerade das Schreiben lernenden Kindes. Heute trug sie ebenso edle Kleidung wie die Schwestern, mit Juwelen, die Delanas ohne weiteres gleichkamen und von der sie gewi� auch stammten. Wann immer ein Windsto� an Halimas Samtumhang zerrte, wurde ein erschreckend gro�er Teil ihres Busens sichtbar, und sie lachte stets, wenn sie den Umhang wieder fester um ihre Schultern zog, wobei sie nicht zugab, da� sie die K�lte st�rker empfand als die Schwestern.</p><p>Egwene war zum ersten Mal dankbar f�r all die Kleidung, die man ihr geschenkt hatte und die es ihr erlaubte, die Sitzenden zu �bertreffen. Ihr gr�nblaues Reisekleid war mit wei�en Schlitzen versehen und mit Zuchtperlen bestickt. Perlen schm�ckten auch die Oberseite ihrer Handschuhe. Im letzten Moment hatten Romanda einen hermelinverbr�mten Umhang und Lelaine eine Halskette und Ohrringe aus Smaragden und wei�en Opalen beigesteuert. Die Mondsteine in ihrem Haar stammten von Janya. Die Amyrlin mu�te heute alle �berstrahlen. Selbst Siuan schien in ihrem blauem Samtgewand mit cremefarbener Spitze, einem breiten Perlenband um den Hals und weiteren Perlen im Haar f�r einen Ball bereit.</p><p>Romanda und Lelaine f�hrten die Sitzenden an und ritten so dicht hinter dem Bannertr�ger her, da� er manchmal nerv�s �ber die Schulter blickte und sein Pferd n�her an die Reiter vor ihm herantrieb. Egwene gelang es, nur ein- oder zweimal zur�ckzuschauen, und doch konnte sie deren Blicke zwischen den Schulterbl�ttern sp�ren. Beide glaubten, sie fest im Griff zu haben, und beide w�rden sich wundern m�ssen, wer sie tats�chlich im Griff hatte. Oh, Licht, dies durfte nicht mi�lingen. Nicht jetzt!</p><p>Au�er der Kolonne regte sich in der schneebedeckten Landschaft wenig. Ein Falke mit breiten Schwingen �ber ihnen zog vor dem kalten blauen Himmel eine Zeitlang seine Kreise, bevor er nach Osten abschwenkte. Egwene sah F�chse mit schwarzem Schwanz in der Ferne dahintrotten, noch immer mit ihrem Sommerfell, und einmal tauchte wie eine Geistergestalt ein gro�er Hirsch mit hohem, gegabeltem Geweih auf und verschwand dann im Wald. Ein von Belas Hufen aufgescheuchter Hase sprang davon, woraufhin die struppige Stute den Kopf aufwarf. Siuan schrie und packte die Z�gel, als erwarte sie, da� Bela durchgehen w�rde. Bela schnaubte nat�rlich nur vorwurfsvoll und trottete schwerf�llig weiter. Egwenes gro�er Rotgrauer scheute st�rker, dabei war der Hase nicht einmal in seine N�he gekommen.</p><p>Siuan begann leise zu schimpfen, nachdem der Hase davongehoppelt war, und es dauerte einige Zeit, bevor sie Belas Z�gel wieder lockerte. Es machte sie stets reizbar, auf einem Pferd zu sitzen � sie reiste in einem der Wagen, wann immer es m�glich war �, aber sie war selten so schlecht gelaunt. Lord Brynes Miene oder ihre auf ihn gerichteten zornigen Blicke verrieten jedem aufmerksamen Beobachter den wahren Grund.</p><p>Falls er Siuans Blicke bemerkte, zeigte er es nicht. Er sah als einziger aus wie immer, schlicht und etwas mitgenommen. Ein Fels, der St�rmen getrotzt hatte und auch noch weitere �berstehen w�rde. Egwene war aus einem unbestimmten Grund froh, da� er dem Ansinnen, ihn in edlere Kleidung zu stecken, widerstanden hatte. Sie mu�ten wirklich Eindruck schinden, aber er tat dies bereits so, wie er war.</p><p>�Es ist ein sch�ner Morgen zum Reiten�, sagte Sheriam nach einiger Zeit. �Es gibt doch nichts Besseres als einen ausgiebigen Ritt im Schnee, um die Gedanken zu kl�ren.� Sie sprach laut und deutlich und fixierte l�chelnd die noch immer murrende Siuan.</p><p>Siuan schwieg dazu � sie konnte vor so vielen Augen kaum etwas anderes tun �, aber sie sah Sheriam mit einem Blick an, der f�r sp�ter harte Worte ank�ndigte. Die feuerhaarige Frau zuckte fast zusammen und wandte sich j�h ab. Schwinge, ihre graugescheckte Stute, t�nzelte einige Schritte, und Sheriam beruhigte sie mit fester Hand. Sie hatte der Frau gegen�ber, die sie zur Herrin der Novizinnen ernannt hatte, wenig Dankbarkeit gezeigt, und fand wie die meisten in dieser Lage Gr�nde, Siuan daf�r verantwortlich zu machen. Das war der einzige Fehler, den Egwene seit dem Schwur an ihr entdeckt hatte. Nun, sie war dagegen gewesen, als Beh�terin der Chroniken auf die gleiche Art Befehle von Siuan entgegennehmen zu m�ssen wie die anderen, aber Egwene hatte sofort erkannt, wohin das f�hren w�rde. Dies war nicht das erstemal, da� Sheriam versucht hatte, spitze Bemerkungen anzubringen. Siuan beharrte darauf, sich selbst um Sheriam zu k�mmern, und ihr Stolz war zu verletzbar, als da� Egwene das Ersuchen verweigert h�tte, es sei denn, die Angelegenheit drohte auszuufern.</p><p>Egwene w�nschte, es g�be eine M�glichkeit, schneller voranzukommen. Siuan grollte erneut, und Sheriam dachte offensichtlich dar�ber nach, was sie noch sagen k�nnte, was nicht gerade einen Verweis heraufbeschwor. All dieses Murren und die b�sen Blicke gingen Egwene allm�hlich unter die Haut. Nach einer Weile zerm�rbte sie sogar Brynes n�chterne Haltung. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, was sie sagen k�nnte, um seine Selbstsicherheit zu ersch�ttern. Leider � oder vielleicht dem Licht sei Dank � glaubte sie nicht, da� dies m�glich sei. Aber wenn sie noch viel l�nger warten m��te, f�rchtete sie, aus reiner Ungeduld zu platzen.</p><p>Die Sonne n�herte sich dem Zenit, doch sie kamen nur qualvoll langsam voran. Schlie�lich wandte sich einer der Reiter vor ihnen um und hob eine Hand. Bryne entschuldigte sich hastig bei Egwene und galoppierte nach vorn. Sein kr�ftiger kastanienbrauner Wallach kam durch den Schnee eher langsam voran, aber Bryne holte die Vorreiter ein, wechselte einige Worte, schickte sie dann weiter durch den Wald voraus und wartete auf Egwene und die �brigen.</p><p>Als er erneut neben sie ritt, schlossen sich Romanda und Lelaine ihnen an. Die beiden Sitzenden nahmen Egwenes Anwesenheit kaum zur Kenntnis, sondern richteten ihre Aufmerksamkeit mit der k�hlen Gelassenheit, die schon so manchen Mann, der Aes Sedai gegen�bergestanden hatte, auf Bryne. Nur da� sie einander hin und wieder nachdenklich von der Seite ansahen. Sie schienen kaum zu erkennen, was sie taten. Egwene hoffte, da� sie wenigstens halb so nerv�s waren wie sie. Damit w�re sie schon zufrieden.</p><p>K�hle, gelassene Blicke schweiften �ber Bryne hinweg wie Regen �ber den besagten Fels. Er verbeugte sich leicht vor den Sitzenden, sprach aber an Egwene gewandt. �Sie sind bereits eingetroffen, Mutter.� Das war zu erwarten gewesen. �Sie haben fast ebenso viele M�nner mitgebracht wie wir, diese befinden sich jedoch alle auf der Nordseite des Sees. Ich habe Kundschafter ausgeschickt, um sicherzustellen, da� uns niemand umzingelt, was ich aber nicht erwarte.�</p><p>�Hoffentlich habt Ihr recht�, erwiderte Romanda scharf, und Lelaine f�gte in noch weitaus k�lterem Tonfall hinzu: �Eure Einsch�tzungen waren in letzter Zeit nicht immer zutreffend, Lord Bryne.� Ein frostiger, schneidender Tonfall.</p><p>�Wie Ihr meint, Aes Sedai.� Er verbeugte sich erneut leicht, ohne sich wirklich von Egwene abzuwenden. Wie Siuan war auch er jetzt offen an sie gebunden, zumindest soweit es den Saal betraf. Wenn sie nur nicht ahnten, wie fest! Wenn sie nur sicher sein k�nnte, wie fest. �Noch etwas, Mutter�, fuhr er fort. �Talmanes befindet sich ebenfalls am See. Ungef�hr hundert Mann der Bande stehen auf der Ostseite. Nicht genug, um Schwierigkeiten zu machen, selbst wenn er es wollte, und ich glaube kaum, da� er es will,�</p><p>Egwene nickte nur. Nicht genug, um Schwierigkeiten zu machen? Talmanes allein k�nnte schon gen�gen! Sie sp�rte einen bitteren Geschmack im Mund. Es ... durfte ... jetzt ... nicht ... schiefgehen!</p><p>�Talmanes!� rief Lelaine aus, als ihre Gelassenheit schwand. Sie <emphasis>mu�te</emphasis> ebenso nerv�s sein wie Egwene. �Wie hat er es herausgefunden? Wenn Ihr Drachenverschworene in Euren Plan mit einbezogen habt, Lord Bryne, werdet Ihr wahrhaftig erfahren, was es hei�t, zu weit zu gehen!�</p><p>Romanda grollte unmittelbar darauf: �Das ist sch�ndlich! Ihr sagt, Ihr habt erst jetzt von seiner Anwesenheit erfahren? Wenn dem so ist, habt Ihr Euren Ruf zu Unrecht!� Die Gelassenheit einiger Aes Sedai war heute anscheinend leicht zu ersch�ttern.</p><p>Sie fuhren in diesem Sinne fort, aber Bryne ritt weiter und murmelte nur gelegentlich �Wie Ihr meint, Aes Sedai�, wenn er �berhaupt etwas erwiderte. Er hatte heute morgen in Egwenes Gegenwart schon schlimmere Vorw�rfe geh�rt und reagierte nicht mehr darauf. Schlie�lich war es Siuan, die schnaubte und dann zutiefst err�tete, als die Sitzenden sie �berrascht ansahen. Egwene h�tte fast den Kopf gesch�ttelt. Siuan war ganz entschieden verliebt. Und man mu�te <emphasis>sehr</emphasis> entschieden mit ihr reden! Bryne l�chelte aus einem unbestimmten Grund, aber vielleicht nur, weil er nicht mehr der Gegenstand der Aufmerksamkeit der Sitzenden war.</p><p>Sie gelangten aus dem Wald auf eine weitere, sehr gro�e freie Fl�che. Jetzt war keine Zeit mehr f�r nichtige Gedanken.</p><p>Bis auf einen breiten Kranz durch den Schnee ragenden, hohen braunen Schilfs und Rohrkolben wies hier nichts auf einen See hin. Die freie Fl�che h�tte eine gro�e Wiese sein k�nnen, eben und ann�hernd oval in der Form. In einiger Entfernung vom Waldrand war auf dem zugefrorenen See auf hohen Pf�hlen ein gro�er blauer Pavillon errichtet worden, und dahinter warteten eine kleine Menschenmenge und Dutzende von Dienern bei den Pferden. Der Wind zerrte an einem bunten Dickicht von Standarten und Bannern und trug ged�mpfte Rufe her�ber, die nur Befehle sein konnten. Weitere Diener liefen eilig umher. Anscheinend waren sie noch nicht lange genug hier, um ihre Vorbereitungen beendet zu haben.</p><p>Der Waldrand auf der anderen Seite des Ufers war ungef�hr eine Meile entfernt, und dort spiegelte sich das schwache Sonnenlicht im Metall wider � ziemlich viel Metall, das sich �ber das ganze jenseitige Ufer zog. Die �stlich stehende Bande, fast ebenso nahe wie der Pavillon, versuchte nicht, im Verborgenen zu bleiben, sondern hielt sich nahe der Rohrkolben neben ihren Pferden auf. Einige wenige von ihnen deuteten auf die Neuank�mmlinge, als die Fahne von Tar Valon erschien. Die Menschen am Pavillon hielten inne, um ebenfalls hinzuschauen.</p><p>Egwene z�gerte nicht, auf das schneebedeckte Eis hinaus zu reiten. Sie stellte sich dabei jedoch eine sich zur Sonne �ffnende Rosenknospe vor, die alte Novizinnen�bung. Sie umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> zwar nicht tats�chlich, aber die sie durchstr�mende Ruhe war sehr willkommen.</p><p>Siuan und Sheriam folgten ihr, desgleichen die Sitzenden mit ihren Beh�tern und den Dienern. Lord Bryne und der Bannertr�ger gingen als einzige Soldaten mit. Hinter ihr erklingende Rufe verrieten ihr, da� Uno seine bewaffneten Reiter am Ufer Aufstellung nehmen lie�. Die leichter bewaffneten M�nner waren zu beiden Seiten ausgeschw�rmt, diejenigen, die nicht dazu abgestellt waren, sie gegen Verrat zu sch�tzen. Ein Grund daf�r, da� der See als Treffpunkt ausgew�hlt worden war, bestand darin, da� das Eis dick genug war, um eine stattliche Anzahl Pferde zu tragen, aber nicht Hunderte, geschweige denn Tausende. Das verminderte die Gefahr, in einen Hinterhalt zu geraten. Nat�rlich war ein Pavillon, der mit Bogen nicht erreichbar war, f�r die Eine Macht sehr wohl erreichbar, zumindest wenn er sichtbar war. Nur da� sich der �rgste Mann der Welt davor sicher wu�te, solange er keine Schwester bedrohte. Egwene atmete heftig aus und bem�hte sich erneut um Ruhe.</p><p>Es w�re eine angemessene Begr��ung f�r den Amyrlin-Sitz gewesen, wenn Diener mit hei�en Getr�nken und um hei�e Steine gewickelten T�chern herbeigeeilt w�ren und die Lords und Ladys selbst die Z�gel �bernommen und zum Zeichen des Abramsfests einen Ku� dargeboten h�tten. Jeder Besucher irgendeines Ranges h�tte die Diener erwarten k�nnen, aber niemand am Pavillon regte sich. Bryne stieg ab und kam heran, um Daishars Z�gel zu nehmen, und derselbe schlanke junge Mann, der am Vortag mit Holzkohle gekommen war, lief herbei, um Egwenes Steigb�gel zu halten. Seine Nase tropfte noch immer, aber in der roten Samtjacke, die ihm nur ein wenig zu gro� war, und einem hellblauen Umhang �bertrumpfte er jeden der Adligen, die unter dem Baldachin standen und her�ber starrten. Sie schienen �berwiegend in grobes Tuch gekleidet, ohne viel Stickerei und mit nur sehr wenig Seide oder Spitze. Wahrscheinlich hatten sie M�he gehabt, passende Kleidung aufzutreiben, als der Schneefall begann und sie sich bereits auf dem Marsch befanden. Obwohl es unbestreitbar war, da� der junge Mann selbst einen Kesselflicker h�tte �bertrumpfen k�nnen.</p><p>In dem Pavillon waren Teppiche ausgelegt und Kohlepfannen entz�ndet worden, obwohl der Wind Hitze und Rauch gleicherma�en davontrug. Jeweils acht St�hle waren in zwei einander gegen�berliegenden Reihen angeordnet worden. Sie hatten nicht so viele Schwestern erwartet. Einige der wartenden Adligen wechselten best�rzte Blicke, und manche ihrer Diener kneteten die H�nde und fragten sich, was zu tun sei.</p><p>Die St�hle pa�ten alle nicht zusammen, waren aber in der Gr��e gleich; keiner war merklich zerschlissener oder besch�digter als ein anderer, und keiner wies mehr oder weniger vergoldete Schnitzereien als die anderen auf. Der schlanke junge Mann und eine Anzahl anderer trotteten hinein, trugen die f�r die Aes Sedai bestimmten St�hle unter den finsteren Blicken der Adligen, die nicht einmal gefragt wurden, in den Schnee hinaus und eilten dann davon, um beim Abladen der Packpferde zu helfen. Noch immer sprach niemand ein Wort.</p><p>Es wurden rasch f�r den ganzen Saal und Egwene ausreichende Sitzgelegenheiten geschaffen. Nur einfache B�nke, wenn auch gl�nzend poliert, aber eine jede stand auf einem kleinen, mit T�chern in den Farben der Ajah der Sitzenden bedeckten Podest. Das vordere Podest f�r Egwenes Bank war wie ihre Stola gestreift. Es hatte in der Nacht hastige Gesch�ftigkeit gegeben, angefangen vom Suchen des Bienenwachses zur Politur bis zu edlem Stoff in den richtigen Farben.</p><p>Als Egwene und die Sitzenden ihre Pl�tze eingenommen hatten, sa�en sie einen Fu� h�her als alle anderen. Sie hatte ihre Zweifel gehabt, aber das Fehlen jeglicher Begr��ung hatte alle Ungewi�heit ausger�umt. Auch noch der am niedrigsten gestellte Bauer hatte einem Vagabunden am Abramsfest einen Becher und einen Ku� dargeboten. Doch sie waren weder Bittsteller noch Gleichgestellte. Sie waren Aes Sedai.</p><p>Die Beh�ter standen hinter ihren Aes Sedai, und Siuan und Sheriam flankierten Egwene. Die Schwestern schlugen betont ihre Umh�nge zur�ck und zogen ihre Handschuhe aus, um zu unterstreichen, da� die K�lte sie nicht ber�hrte, ganz im Gegensatz zu den Adligen, die ihre Umh�nge fest geschlossen hielten. Drau�en wehte die Flamme von Tar Valon im eisigen Wind. Nur Halima, die neben Delanas Platz am Rand des mit grauem Tuch bedeckten Podests herumlungerte, h�tte das gro�artige Bild beeintr�chtigen k�nnen, aber ihre gro�en gr�nen Augen betrachteten die Andoraner und Murandianer so herausfordernd, da� sie es nicht zu sehr verdarb.</p><p>Es gab einige verwunderte Blicke, als Egwene den vorderen Platz einnahm, aber nur wenige. Niemand schien wirklich �berrascht. <emphasis>Sie haben vermutlich von dem</emphasis> M�dchen als <emphasis>Amyrlin geh�rt,</emphasis> dachte sie ohne Bitterkeit. Nun, es hatte schon K�niginnen gegeben, die j�nger waren als sie, auch in Andor und Murandy. Sie nickte bed�chtig, und Sheriam deutete auf die Stuhlreihe. Gleichg�ltig, wer zuerst eingetroffen war oder den Pavillon errichtet hatte, bestand doch kein Zweifel daran, wer dieses Treffen einberufen hatte und den Vorsitz f�hrte.</p><p>Dies wurde jedoch nicht gut aufgenommen. Ein Moment schweigsamen Z�gerns entstand, w�hrend die Adligen einen Weg zu ersinnen suchten, eine gleicherma�en sichere Position zu erlangen, und nicht wenige verzogen das Gesicht, als sie erkannten, da� es ihnen unm�glich war. Acht von ihnen setzten sich mit grimmigen Gesichtern hin, vier M�nner und vier Frauen, wobei sie ein gro�es Aufhebens davon machten, ver�rgert ihre Umh�nge zu richten oder ihre R�cke zu gl�tten. Jene von niedrigerem Rang blieben hinter den St�hlen stehen, und es bestand eindeutig nur noch wenig Zuneigung zwischen Andoranern und Murandianern. Auch stritten die Murandianer, M�nner wie Frauen gleicherma�en, untereinander ebenso heftig um den Vorrang wie mit ihren �Verb�ndeten� aus dem Norden. Den Aes Sedai wurden ebenfalls viele d�stere Blicke zugedacht, und einige wenige sahen auch Bryne stirnrunzelnd an, der mit dem Helm unter dem Arm im Hintergrund stand. Er war auf beiden Seiten der Grenze wohlbekannt und selbst von den meisten jener geachtet, die ihn gern tot gesehen h�tten. Zumindest war das der Fall gewesen, bevor er als Anf�hrer des Heers der Aes Sedai auftauchte. Aber er ignorierte ihre stechenden Blicke ebenso, wie er die scharfen Zungen der Sitzenden ignoriert hatte.</p><p>Und noch ein Mann blieb f�r sich. Er wirkte farblos, in dunkler Jacke und Brustharnisch. Weniger als eine Handbreit gr��er als Egwene, trug er die Vorderseite seines Sch�dels rasiert und hatte einen langen roten Schal um den linken Arm gebunden. Auf seinen tiefgrauen Umhang war in Brusth�he eine gro�e rote Hand gestickt. Talmanes stand gegen�ber von Bryne, lehnte mit anma�ender L�ssigkeit an einem der Pfosten des Pavillons und beobachtete das Geschehen, ohne seine Gedanken erahnen zu lassen. Egwene w�nschte, sie w��te, was er hier zu suchen hatte. Sie w�nschte, sie w��te, was er gesagt hatte, bevor sie eingetroffen war. Sie mu�te auf jeden Fall mit ihm sprechen. Wenn es m�glich w�re, ohne da� hundert Ohren lauschten. Ein hagerer, wettergegerbter Mann in einem roten Umhang, der inmitten der Stuhlreihe sa�, beugte sich vor und �ffnete den Mund, aber Sheriam kam ihm mit klarer, weit tragender Stimme zuvor.</p><p>�Mutter, darf ich Euch aus Andor Arathelle Renshar vorstellen, Hochsitz des Hauses Renshar, sowie Pelivar Coelan, Hochsitz des Hauses Coelan, und Aemlyn Carand, Hochsitz des Hauses Carand mit ihrem Ehemann, Culhan Carand.� Die Genannten reagierten ver�rgert mit einem kurzen Nicken. Pelivar war der hagere Mann. Er wurde an der Stirn bereits kahl. Sheriam fuhr fort, ohne innezuhalten. Es war ein Gl�ck, da� Bryne die Namen jener hatte liefern k�nnen, die zum Sprechen auserw�hlt worden waren. �Darf ich Euch weiterhin aus Murandy Donel do Morny a'Lordeine vorstellen, sowie Cian do Mehon a'Macansa, Paitr do Fearna a'Conn und Segan do Avharin a'Roos.� Die Murandianer schien das Fehlen von Titeln anscheinend noch mehr zu ver�rgern als die Andoraner. Donel, der mehr Spitze trug als die meisten Frauen, zwirbelte w�tend seinen gedrehten Schnurrbart, und Paitr schien den seinen abrei�en zu wollen. Segan sch�rzte die vollen Lippen, und ihre dunklen Augen blitzten, w�hrend Cian, eine st�mmige, bereits ergrauende Frau, vernehmlich schnaubte. Sheriam beachtete es nicht. �Ihr befindet Euch unter den Augen der H�terin der Siegel. Ihr befindet Euch vor der Flamme von Tar Valon. Ihr d�rft dem Amyrlin-Sitz Eure Gesuche vorbringen.�</p><p>Nun, das gefiel ihnen nicht � nicht im geringsten. Egwene hatte schon zuvor gedacht, sie seien ver�rgert, aber jetzt wirkten sie, als h�tten sie zu viele gr�ne Dattelpflaumen gegessen. Vielleicht hatten sie geglaubt, sie k�nnten ignorieren, da� sie die Amyrlin war. Sie w�rden dazulernen. Aber nat�rlich mu�te sie zun�chst den Saal belehren.</p><p>�Es bestehen uralte Bande zwischen Andor und der Wei�en Burg�, sagte sie laut und fest. �Schwestern sind in Andor oder Murandy stets willkommen gehei�en worden. Warum f�hrt Ihr dann ein Heer gegen Aes Sedai heran? Ihr mischt Euch dort ein, wo Throne und Nationen es nicht wagen einzuschreiten. Es sind bereits Throne gefallen, die sich in die Angelegenheiten der Aes Sedai eingemischt haben.�</p><p>Es klang angemessen drohend, gleichg�ltig, ob Myrelle und die �brigen ihren Weg hatten vorbereiten k�nnen. Mit etwas Gl�ck befanden sie sich bereits wieder auf dem Weg zum Lager, ohne da� jemand etwas davon erfahren h�tte. Es sei denn, einer dieser Adligen h�tte den falschen Namen genannt. Das w�rde sie einen Vorteil dem Saal gegen�ber kosten, was aber, neben allem anderen betrachtet, nur ein Strohhalm neben einem Heuhaufen w�re.</p><p>Pelivar wechselte Blicke mit der Frau neben ihm, und sie stand auf. Die Falten in ihrem Gesicht konnten nicht verbergen, da� Arathelle in jugendlichem Alter eine wundersch�ne Frau mit edlem Knochenbau gewesen war. Jetzt war ihr Haar stark von Grau durchzogen und ihr Blick so hart wie der jedes Beh�ters. Ihre rot behandschuhten H�nde ergriffen die S�ume ihres Umhangs zu beiden Seiten, aber eindeutig nicht vor Besorgtheit. Den Mund zu einer schmalen Linie zusammen gepre�t, betrachtete sie die Reihe der Sitzenden pr�fend, bevor sie sprach � �ber Egwene hinweg, an die Sitzenden hinter ihr gewandt. Egwene bi� die Z�hne zusammen und setzte eine h�fliche Miene auf.</p><p>�Genau aus diesem Grund sind wir hier � weil wir nicht in Angelegenheiten der Wei�en Burg verstrickt werden wollen.� Arathelles Stimme vermittelte Autorit�t, was beim Hochsitz eines m�chtigen Hauses nicht �berraschte. Es war kein Hinweis auf die vielleicht selbst bei einem so m�chtigen Hochsitz angesichts so vieler Schwestern, ganz zu schweigen vom Amyrlin-Sitz, zu erwartende Gehemmtheit zu erkennen. �Wenn alles stimmt was wir geh�rt haben, dann sollte die Euch erteilte Erlaubnis, Andor ungehindert zu durchqueren, der Wei�en Burg bestenfalls als Unterst�tzung erscheinen. Fehlender Widerstand gegen Euch k�nnte bedeuten, gelernt zu haben, was die Traube in der Weinpresse lernt� Mehrere Murandianer wandten sich ihr stirnrunzelnd zu. Niemand in Murandy hatte versucht, den Durchzug der Schwestern zu verhindern. H�chstwahrscheinlich hatte niemand die M�glichkeiten �ber den Tag hinaus bedacht, an dem sie ein fremdes Land betraten.</p><p>Arathelle fuhr fort, als h�tte sie nichts bemerkt, was Egwene aber bezweifelte. �Schlimmstenfalls... Wir haben ... Berichte geh�rt ... von Aes Sedai, die heimlich nach Andor hinein gelangen, und von Burgwachen. Ger�chte ist vielleicht eine bessere Bezeichnung, die aber von vielen Seiten kommen. Niemand von uns w�rde eine Schlacht zwischen Aes Sedai in Andor begr��en.�</p><p>�Das Licht bewahre und besch�tze uns!� platzte Donel mit hochrotem Gesicht heraus. Paitr nickte ermutigend, w�hrend er an den Rand seines Stuhls vorr�ckte, und Cian schien bereit, selbst einzugreifen. �Hier will dies auch niemand!� spie Donal aus. �Nicht zwischen Aes Sedai! Nat�rlich haben wir geh�rt, was im Osten geschehen ist! Und jene Schwestern...!�</p><p>Egwene atmete ein wenig leichter, als Arathelle ihn entschlossen unterbrach. �Bitte, Lord Donel. Ihr werdet noch an die Reihe kommen zu sprechen.� Sie wandte sich wieder Egwene zu � oder vielmehr erneut den Sitzenden �, ohne seine Antwort abzuwarten, so da� er und die drei anderen Murandianer noch mehr z�rnten. Sie selbst gab sich unbeteiligt, wie eine Frau, die Tatsachen darlegte. Sie darlegte und glaubte, sie m��ten so gesehen werden, wie sie selbst sie sah.</p><p>�Wie ich gerade sagte � das ist unsere schlimmste Bef�rchtung, wenn die Ger�chte stimmen. Und auch, wenn sie nicht stimmen. Vielleicht versammeln sich Aes Sedai und Burgwachen wirklich heimlich in Andor. Es stehen Aes Sedai bereit, mit einem Heer in Andor einzumarschieren. Die Wei�e Burg schien schon ausreichend h�ufig auf ein Ziel ausgerichtet, w�hrend wir anderen erst sp�ter erfuhren, da� es in Wahrheit die ganze Zeit um ein anderes Ziel ging. Ich kann mir kaum vorstellen, da� selbst die Wei�e Burg soweit gehen w�rde, aber wenn es jemals ein Ziel gab, das jedermann Magenschmerzen verursachen kann, dann ist es die Schwarze Burg.� Arathelle erschauderte leicht, und Egwene glaubte nicht, da� die K�lte die Ursache war. �Ein Kampf zwischen Aes Sedai k�nnte das Land auf Meilen im Umkreis vernichten. <emphasis>Diese</emphasis> Schlacht k�nnte halb Andor zerst�ren.�</p><p>Pelivar sprang auf. �Also liegt es auf der Hand, da� Ihr einen anderen Weg w�hlen m��t.� Seine Stimme klang �berraschend hoch, aber nicht weniger fest als Arathelles. �Wenn ich sterben mu�, um meine Heimat zu verteidigen, dann besser hier als dort, wo meine L�ndereien und meine Leute ebenfalls vernichtet werden.�</p><p>Er sank auf eine bes�nftigende Geste von Arathelle hin wieder auf seinen Stuhl, aber sein harter Blick vermittelte nicht den Eindruck, da� er beruhigt war. Aemlyn, eine rundliche Frau in dunklem Tuch, hatte bei seinen Worten zustimmend genickt, dergleichen ihr Mann mit dem kantigen Gesicht.</p><p>Donel sah Pelivar an, als h�tte er auch diesen Gedanken niemals gehegt, und er war nicht der einzige. Einige der stehenden Murandianer meldeten sich laut zu Wort, bis andere sie wieder zum Schweigen brachten. Teilweise dadurch, da� sie eine Faust sch�ttelten. Was konnte diese Leute bewogen haben, gemeinsam mit den Andoranern ein Heer aufzustellen?</p><p>Egwene atmete tief durch. Eine sich der Sonne �ffnende Rosenknospe. Sie hatten sie nicht als Amyrlin-Sitz anerkannt � Arathelle hatte sie soweit ignoriert, wie es m�glich war, ohne sie beiseite zu schieben! �, und doch hatten sie ihr alles andere gegeben, was sie sich nur h�tte w�nschen k�nnen. Ruhig. Jetzt w�rden Lelaine und Romanda erwarten, da� sie eine von ihnen benannte, um die Verhandlungen zu f�hren. Sie hoffte, da� sie sich nerv�s fragten, welche von ihnen es sein w�rde. Aber es w�rde keine Verhandlungen geben. Es konnte keine geben.</p><p>�Elaida�, sagte sie gleichm�tig, w�hrend sie abwechselnd Arathelle und die sitzenden Adligen ansah, �ist eine unrechtm��ige Machthaberin, die das Herz der Burg gesch�ndet hat. Ich bin der Amyrlin-Sitz.� Sie war �berrascht, wie w�rdevoll sie klang, wie k�hl. Aber nicht mehr so �berrascht, wie sie fr�her noch gewesen w�re. Das Licht helfe ihr � sie <emphasis>war</emphasis> der Amyrlin-Sitz. �Wir ziehen nach Tar Valon, um Elaida abzusetzen und sie vor Gericht zu stellen, aber das ist die Angelegenheit der Wei�en Burg und nicht die Eure, au�er da� die Wahrheit bekannt werden mu�. Diese sogenannte Schwarze Burg ist ebenfalls unsere Angelegenheit. M�nner, welche die Macht lenken k�nnen, waren stets die Angelegenheit der Wei�en Burg. Wir werden uns nach Gutd�nken um sie k�mmern, wenn die Zeit daf�r reif ist, aber ich versichere Euch, diese Zeit ist noch nicht gekommen. Wichtigere Angelegenheiten haben Vorrang.�</p><p>Sie h�rte Bewegung unter den Sitzenden hinter ihr. Tats�chlich das Rutschen auf B�nken und das knisternde Rascheln von R�cken, die gerichtet wurden. Zumindest einige mu�ten ernsthaft aufgebracht sein. Nun, mehrere hatten vorgeschlagen, da� man sich beil�ufig um die Schwarze Burg k�mmern k�nne. Nicht eine der Schwestern glaubte, es k�nnten sich dort mehr als h�chstens ein Dutzend M�nner befinden, gleichg�ltig, was sie geh�rt hatten. Es war einfach nicht denkbar, da� <emphasis>Hunderte</emphasis> von M�nnern die Macht lenken <emphasis>wollten.</emphasis> Andererseits war vielleicht auch die Erkenntnis der Grund f�r die Unruhe unter den Sitzenden, da� Egwene weder Romanda noch Lelaine als Sprecherin benannt hatte.</p><p>Arathelle runzelte die Stirn, ahnte vielleicht etwas. Pelivar regte sich, erhob sich beinahe erneut, und Donel richtete sich m�rrisch auf. Sie konnte nur voranpreschen. Sie hatte niemals etwas anderes tun k�nnen.</p><p>�Ich verstehe Eure Besorgnis�, fuhr sie im gleichen formellen Tonfall fort, �und ich werde sie ansprechen.� Was hatte es mit diesem seltsamen Ruf zu den Waffen der Bande auf sich? Ja. Es war an der Zeit, die W�rfel fallen zu lassen. �Ich versichere Euch als Amyrlin-Sitz folgender Tatsachen: Wir werden einen Monat hierbleiben, uns ausruhen und Murandy dann verlassen, aber wir werden die Grenze nach Andor nicht �berschreiten. Murandy wird danach nicht mehr von uns behelligt werden, und Andor wird auf diese Weise �berhaupt nicht behelligt werden. Ich bin sicher�, f�gte sie hinzu, �da� die hier anwesenden murandianischen Lords und Ladys uns gern im Austausch gegen gutes Silber mit allem N�tigen versorgen werden. Wir werden angemessene Preise bezahlen.� Es hatte keinen Sinn, die Andoraner zu beschwichtigen, wenn das bedeutete, da� die Murandianer die Pferde stahlen und die Versorgungsz�ge �berfielen.</p><p>Die Murandianer, die sich unbehaglich umsahen, schienen entschieden im Zwiespalt. Es gab Geld zu verdienen, und es war viel Geld n�tig, ein solch gro�es Heer zu versorgen, aber wer konnte andererseits erfolgreich um das schachern, was ein solch gro�es Heer anbot? Donel schien tats�chlich �belkeit zu versp�ren, w�hrend Cian offenbar im Geiste auflistete. Lautes Murren erhob sich unter den Zuschauern.</p><p>Egwene h�tte gern �ber die Schulter geblickt. Das Schweigen der Sitzenden war ohrenbet�ubend. Siuan blickte starr geradeaus und umklammerte ihre R�cke, als zwinge sie sich durch Willenskraft zur Ruhe. Zumindest sie hatte gewu�t, was k�me. Sheriam, die nichts geahnt hatte, betrachtete die Andoraner und Murandianer erhaben, als h�tte sie jedes Wort erwartet.</p><p>Egwene mu�te sie das M�dchen vergessen lassen, das sie vor sich sahen, damit sie einer Frau zuh�rten, welche die Z�gel der Macht fest in der Hand hielt. Und wenn sie die Z�gel jetzt noch nicht in der Hand hatte, w�rde es zumindest bald soweit sein! Sie verlieh ihrer Stimme noch mehr Festigkeit. �Merkt Euch meine Worte gut. Ich habe meine Entscheidung getroffen. Es ist an Euch, sie anzunehmen. Oder sich dem zu stellen, was aus Eurer Weigerung gewi� entstehen wird.� Als sie schwieg, heulte der Wind kurz auf, lie� den Pavillon knattern und zerrte an jedermanns Kleidung. Egwene richtete ruhig ihr Haar. Einige der zusehenden Adligen erschauderten leicht und zogen ihre Umh�nge enger um sich, und sie hoffte, dies sei nicht nur durch die K�lte bedingt.</p><p>Arathelle wechselte Blicke mit Pelivar und Aemlyn, und alle drei betrachteten pr�fend die Sitzenden, bevor sie z�gernd nickten. Sie dachten, sie �u�erte nur Worte, welche die Sitzenden ihr eingetrichtert h�tten! Dennoch seufzte Egwene fast vor Erleichterung.</p><p>�Es wird so geschehen, wie Ihr befehlt�, sagte die Adlige mit dem harten Blick. Und dann erneut an die Sitzenden gewandt: �Wir zweifeln nat�rlich nicht an den Worten von Aes Sedai, aber Ihr werdet verstehen, wenn wir ebenfalls bleiben. Manchmal entspricht das, was man h�rt, nicht dem, was man zu h�ren glaubt. Gewi� ist das hier nicht der Fall, aber wir werden ebenso lange bleiben wie Ihr.� Donel machte tats�chlich ein Gesicht, als m�sse er sich gleich �bergeben. Seine L�ndereien lagen wahrscheinlich ganz in der N�he. Es war bekannt, da� andoranische Heere in Murandy selten f�r etwas bezahlt hatten.</p><p>Egwene erhob sich, und sie h�rte das Rascheln der sich hinter ihr erhebenden Sitzenden. �Also ist es abgemacht. Wir m�ssen bald aufbrechen, wenn wir vor Einbruch der Dunkelheit in unser Lager zur�ckkehren wollen, aber wir sollten uns trotzdem noch einige Augenblicke Zeit nehmen. Einander ein wenig besser kennenzulernen k�nnte vielleicht sp�tere Mi�verst�ndnisse verhindern.� Und Gespr�che k�nnten ihr die M�glichkeit verschaffen, Talmanes zu erreichen. �Oh. �ber noch eines solltet Ihr Kenntnis haben. Das Novizinnenbuch steht jetzt jeder Frau offen, gleichg�ltig, wie alt sie ist, wenn sie sich als geeignet erweist.� Arathelle blinzelte. Siuan nicht, und doch glaubte Egwene ein schwaches Brummen zu h�ren. Dies war nicht Teil dessen, was sie besprochen hatten, aber ein besser Zeitpunkt w�rde niemals kommen. �Nun erhebt Euch. Gewi� wollt Ihr alle gern mit den Sitzenden sprechen. Legt die F�rmlichkeit ab.�</p><p>Sie stieg von ihrem Podest herab, ohne auf Sheriams helfende Hand zu warten. Sie h�tte fast gelacht. Letzte Nacht hatte sie bef�rchtet, sie w�rde ihr Ziel vielleicht niemals erreichen, aber sie befand sich bereits auf halbem Wege dorthin, fast auf halbem Weg, und es war nicht ann�hernd so schwierig gewesen, wie sie erwartet hatte. Nat�rlich blieb die andere H�lfte noch zu bew�ltigen.</p></section><section><title><p>18</p><p>Ein seltsamer Ruf</p></title><p>Nachdem Egwene herabgestiegen war, regte sich einen Moment niemand sonst. Und dann eilten die Andoraner und Murandianer fast wie ein Mann <emphasis>zu</emphasis> den Sitzenden. Offenkundig war ein M�dchen als Amyrlin � eine weibliche Puppe und Galionsfigur! � f�r sie nicht von Interesse angesichts der alterslosen Gesichter, die zumindest besagten, da� sie tats�chlich mit Aes Sedai sprachen. Zwei oder drei Lords und Ladys dr�ngten sich um jede Sitzende, einige reckten herausfordernd das Kinn, andere beugten sch�chtern den Kopf, aber jeder beharrte darauf, angeh�rt zu werden. Der scharfe Wind vertrieb ihren Nebelatem und lie� vor Aufregung vergessene Umh�nge flattern. Auch Sheriam wurde von dem rotgesichtigen Lord Donel gel�chert, der abwechselnd aufbrauste und sich ruckartig verbeugte.</p><p>Egwene zog Sheriam von dem Mann mit den verengten Augen fort. �Findet unauff�llig alles nur M�gliche �ber diese Schwestern und Burgwachen in Andor heraus�, fl�sterte sie hastig. Donel beanspruchte die Frau erneut, sobald Egwene sie losgelassen hatte. Sheriam schien tats�chlich au�er Fassung, aber ihre Stirn gl�ttete sich rasch wieder. Donel blinzelte unbehaglich, als sie <emphasis>ihn</emphasis> zu befragen begann.</p><p>Romanda und Lelaine starrten Egwene mit wie in Eis gemei�elten Gesichtern durch die Menge hindurch an, aber beide mu�ten sich um zwei Adlige k�mmern, die etwas von ihnen wollten. Vielleicht die nochmalige Versicherung, da� sich hinter Egwenes Worten keine List verbarg. Wie sie es hassen w�rden, das zu tun, aber welche Ausfl�chte sie auch machen w�rden � und das taten sie gewi�! �, war diese Versicherung unvermeidbar, wenn sie sie nicht gleichzeitig leugnen wollten. Selbst diese beiden w�rden nicht so weit gehen. Nicht hier, nicht in aller �ffentlichkeit.</p><p>Siuan n�herte sich Egwene mit dem�tiger Miene, aber ihr Blick schweifte unruhig umher. Sie hielt vielleicht nach Romanda oder Lelaine Ausschau, die k�men, um Egwene vom Fleck weg zu ergreifen und Recht, Gebr�uche, Anstand <emphasis>und</emphasis> Zuschauer zu vergessen. �Shein Chunla�, fl�sterte sie zischend.</p><p>Egwene nickte, aber <emphasis>sie</emphasis> hielt nach Talmanes Ausschau. Die meisten M�nner und einige der Frauen waren ausreichend gro�, ihn verbergen zu k�nnen. Und da alle st�ndig den Standort wechselten... Sie stellte sich auf Zehenspitzen. Wo war er hingegangen?</p><p>Segan pflanzte sich vor ihr auf, die F�uste in die H�ften gestemmt, und betrachtete Siuan zweifelnd. Egwene stellte sich rasch wieder richtig hin. Die Amyrlin durfte nicht wie ein M�dchen beim Tanz auf der Suche nach einem Jungen herumzappeln. Eine sich �ffnende Rosenknospe. Ruhig. Gelassen bleiben. Der Teufel hole alle M�nner!</p><p>Segan, eine schlanke Frau mit langem dunklen Haar, schien bereits verdrie�lich geboren zu sein, den vollen Mund st�ndig zu einem Schmollen verzogen. Ihr Gewand bestand aus edlem blauem Tuch und hielt warm, aber es wies weitaus zuviel gr�ne Stickerei �ber dem Busen auf, und ihre Handschuhe h�tten einem Kesselflicker zur Ehre gereicht. Sie betrachtete Egwene von Kopf bis Fu� und sch�rzte mit ebenso skeptischer Miene die Lippen, wie sie es bereits bei Siuan getan hatte. �Eure Bemerkung �ber das Novizinnenbuch...�, sagte sie pl�tzlich. �Habt Ihr damit jede Frau absolut jeden Alters gemeint? Jede kann also eine Aes Sedai werden?�</p><p>Eine Frage, die Egwene am Herzen lag, und eine Antwort, die sie gern gegeben h�tte � zusammen mit einer Ohrfeige f�r den zweifelnden Unterton �, aber genau in diesem Moment gab eine L�cke im Strom der Menschen nahe der R�ckwand des Pavillons den Blick auf Talmanes frei. Im Gespr�ch mit Pelivar! Sie standen steif da, Bulldoggen, die zwar noch nicht die Z�hne bleckten, aber wachsam darauf achteten, da� niemand nahe genug kam, um sie belauschen zu k�nnen. �Jede Frau absolut jeden Alters, Tochter�, best�tigte sie wie abwesend. Pelivar?</p><p>�Danke�, sagte Segan und f�gte halbherzig hinzu: �Mutter.� Sie deutete einen kaum erkennbaren Hofknicks an, bevor sie davoneilte. Egwene blickte ihr hinterher. Nun, es war zumindest ein Anfang.</p><p>Siuan schnaubte. �Es macht mir nichts aus, wenn es sein mu� auch in der Dunkelheit die Drachenfinger zu umsegeln�, murrte sie leise. �Wir haben dar�ber gesprochen. Wir haben die Gefahren erwogen und haben anscheinend keine Wahl. Aber Ihr m��t ein Feuer an Deck entfachen, um Aufmerksamkeit zu erwecken. Es gen�gt Euch nicht, einen kleinen Fisch ins Netz zu bekommen. Es mu� ein gro�er Fisch sein. Es gen�gt Euch nicht, kleine Hindernisse zu bew�ltigen...�</p><p>Egwene unterbrach sie. �Siuan, ich denke, ich sollte Lord Bryne erz�hlen, da� Ihr bis �ber beide Ohren in ihn verliebt seid. Es ist nur gerecht, da� er es erf�hrt, meint Ihr nicht?� Siuans blaue Augen traten hervor, und sie bewegte die Lippen, aber es erklang nur eine Art Kollern. Egwene t�tschelte ihre Schulter. �Ihr seid eine Aes Sedai, Siuan. Gebt Euch M�he, zumindest ein wenig W�rde zu bewahren. Und versucht, etwas �ber jene Schwestern in Andor herauszufinden.� Die Menge teilte sich erneut Sie sah Talmanes an einem anderen Fleck, aber noch immer am Rande des Pavillons. Jetzt war er allein.</p><p>Sie ging bem�ht beil�ufig in seine Richtung, lie� Siuan noch immer sprachlos zur�ck. Ein h�bscher, dunkelhaariger Diener, dessen bauschige Tuchhose seine wohlgerundeten Waden nicht ganz verbergen konnte, bot Siuan auf einem Tablett einen dampfenden Becher an. Weitere Diener gingen mit Silbertabletts umher. Erfrischungen wurden angeboten, wenn auch ein wenig versp�tet. Und es war viel zu sp�t f�r den Friedensku�. Sie h�rte nicht, was Siuan sagte, als sie den Becher an sich ri�, aber aus der Art, wie der Bursche zusammenzuckte und sich hastig verbeugte, war zu entnehmen, da� er ihre schlechte Laune zumindest bemerkt hatte. Egwene seufzte.</p><p>Talmanes stand mit verschr�nkten Armen da und beobachtete das Geschehen mit einem belustigten L�cheln, das seine Augen nicht mit einschlo�. Er schien vor Tatendrang zu spr�hen, aber seine Augen wirkten m�de. Er verbeugte sich respektvoll, als sie herannahte, doch klang seine Stimme leicht verzerrt, als er sagte: �Ihr habt heute eine Grenze ver�ndert.� Er schlo� seinen Umhang gegen den eisigen Wind. �Sie war immer ... flie�end ... die Grenze zwischen Andor und Murandy, gleichg�ltig, was die Landkarten besagen, aber Andor hat niemals zuvor so viele Leute gen S�den gesandt. Au�er nat�rlich im Aiel-Krieg und im Wei�m�ntel-Krieg, aber damals sind sie nur hindurchgezogen. Wenn sie erst einmal einen Monat hier sind, werden neue Landkarten eine neue Grenze aufzeigen. Seht Euch die Kriecherei der Murandianer an, die um Pelivar und seine Begleiter ebenso herumscharwenzeln wie um die Schwestern. Sie hoffen, f�r einen Tag neue Freunde zu gewinnen.�</p><p>Egwene, die ihre sorgf�ltige Beobachtung jener, die <emphasis>sie</emphasis> vielleicht beobachteten, zu verbergen suchte, schien es, als ob alle Adligen, Murandianer und Andoraner gleicherma�en, auf die Sitzenden fixiert waren. Sie hatte unzweifelhaft wichtigere Angelegenheiten im Kopf als Grenzen. F�r sie wichtige Angelegenheiten, wenn auch nicht f�r die Adligen. Bis auf wenige Momente wurde keine der Sitzenden �ber ihre Kopfe hinweg sichtbar. Nur Halima und Siuan schienen sie zu bemerken, und ein Geschnatter wie das einer Herde aufgeregter G�nse erf�llte den Pavillon. Sie senkte die Stimme und w�hlte ihre Worte sorgf�ltig.</p><p>�Freunde sind stets wichtig, Talmanes. Ihr wart Mat ein guter Freund, und mir, glaube ich, auch. Ich hoffe, das hat sich nicht ge�ndert. Ich hoffe, Ihr habt niemandem erz�hlt, was Ihr nicht erz�hlen solltet� Licht, sie <emphasis>hatte</emphasis> Angst, sonst w�re sie nicht so direkt gewesen. Als n�chstes w�rde sie noch mit der Frage herausplatzen, wor�ber er und Pelivar gesprochen hatten!</p><p>Gl�cklicherweise lachte er sie nicht aus, obwohl sie sich wie eine Frau vom Lande mit schlichtem Geist benahm, auch wenn er das vielleicht dachte. Er betrachtete sie ernst, bevor er mit leiser Stimme sprach. Er konnte auch vorsichtig sein. �Nicht alle M�nner klatschen. Sagt mir, als Ihr Mat s�dw�rts schicktet � wu�tet Ihr da, was Ihr heute hier tun w�rdet?�</p><p>�Wie h�tte ich das vor zwei Monaten wissen k�nnen? Nein, Aes Sedai sind nicht allwissend, Talmanes.� Sie hatte darauf gehofft, hatte es geplant, aber sie hatte es nicht gewu�t, nicht damals. Sie hoffte auch, da� er nicht klatschte. Einige M�nner taten es tats�chlich nicht.</p><p>Romanda kam mit festem Schritt und starrer Miene auf sie zu, aber Arathelle fing sie ab, ergriff die Gelbe Sitzende am Arm und lie� sich trotz Romandas Erstaunen nicht abwimmeln.</p><p>�Werdet Ihr mir wenigstens sagen, wo Mat ist?� fragte Talmanes. �Ist er mit der Tochter-Erbin auf dem Weg nach Caemlyn? Warum seid Ihr �berrascht? Eine Dienerin spricht mit einem Soldaten, wenn sie Wasser aus demselben Flu� holt. Selbst wenn er ein schrecklicher Drachenverschworener <emphasis>ist�,</emphasis> f�gte er trocken hinzu.</p><p>Licht! M�nner waren manchmal wirklich ... ungeh�rig. Auch die besten von ihnen fanden M�glichkeiten, im falschen Moment genau das Falsche zu sagen, die falsche Frage zu stellen, ganz zu schweigen davon, Dienerinnen zum Reden zu verf�hren. Es w�re um so vieles leichter, wenn sie einfach l�gen k�nnte, aber er hatte ihr innerhalb der Eide viel Raum gelassen. Die halbe Wahrheit w�rde gen�gen und ihn davon abhalten, nach Ebou Dar zu eilen. Vielleicht auch weniger als die halbe Wahrheit.</p><p>In der entgegengesetzten Ecke des Pavillons stand Siuan in eine Unterhaltung mit einem gro�en jungen Rotschopf mit gezwirbeltem Schnurrbart vertieft, der sie ebenso zweifelnd ansah, wie Segan es getan hatte. Adlige kannten zumeist das Aussehen von Aes Sedai, aber er hielt Siuans Aufmerksamkeit nur teilweise gefangen. Ihr Blick zuckte st�ndig zu Egwene, schien laut wie das Gewissen zu schreien. Oder nicht ganz so laut. Angemessen. Was es bedeutete, eine Aes Sedai zu sein. Sie hatte <emphasis>nichts</emphasis> von heute gewu�t, nur darauf gehofft! Egwene schnaubte ver�rgert. Verdammt sei die Frau!</p><p>�Nach allem, was ich zuletzt geh�rt habe, war er in Ebou Dar�, murmelte sie. �Aber er zieht inzwischen wohl so schnell wie m�glich nach Norden. Er glaubt noch immer, da� er mich retten mu�, Talmanes, und Matrim Cauthon w�rde die Gelegenheit nicht vers�umen, zur Stelle zu sein, damit er behaupten kann, ich h�tte Euch dies gesagt.�</p><p>Talmanes wirkte keineswegs �berrascht. �Ich dachte mir schon, da� es so sein k�nnte�, seufzte er. �Ich habe etwas ... gesp�rt, schon seit Wochen. Andere in der Bande ebenfalls. Nicht dr�ngend, aber stets vorhanden, als brauchte er mich. Als sollte ich auf jeden Fall s�dw�rts suchen. Es kann merkw�rdig sein, einem <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu folgen.�</p><p>�Vermutlich�, stimmte sie zu und hoffte, da� ihre Ungl�ubigkeit nicht erkennbar war. Es war seltsam genug, Mat, den Tunichtgut, als den Anf�hrer der Bande der Roten Hand zu betrachten, und noch viel seltsamer als einen <emphasis>Ta'veren,</emphasis> aber ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> mu�te gewi� anwesend oder zumindest in der N�he sein, um irgendeine Wirkung zu erzielen.</p><p>�Mat hat sich in dem Punkt geirrt, da� Ihr Rettung braucht. Ihr hattet wohl niemals die Absicht, mich um Hilfe zu bitten?�</p><p>Er sprach noch immer leise, aber sie sah sich dennoch rasch um. Siuan beobachtete sie weiterhin. Ebenso Halima. Paitr stand viel zu nahe bei ihr, mit dampfendem Atem, seine Kleidung richtend und �ber seinen Schnurrbart streichend � der Art nach zu urteilen, wie er ihr Gewand betrachtete, hatte er sie nicht f�lschlicherweise f�r eine Schwester gehalten, das war gewi�! �, aber sie achtete nur fl�chtig auf ihn, Seitenblicke in Egwenes Richtung werfend, w�hrend sie ihn herzlich anl�chelte. Alle anderen schienen sehr besch�ftigt, und niemand war nahe genug, um sie verstehen zu k�nnen.</p><p>�Der Amyrlin-Sitz k�nnte wohl kaum Zuflucht suchen. Aber manchmal war es ein Trost zu wissen, da� Ihr da wart�, r�umte sie wenn auch widerwillig ein. Der Amyrlin-Sitz sollte wohl kaum einen Schlupfwinkel brauchen, aber es konnte nichts schaden, solange keine der Sitzenden davon wu�te. �Ihr <emphasis>wart</emphasis> ein Freund, Talmanes. Ich hoffe, das gilt noch immer. Ich hoffe es wirklich.�</p><p>�Ihr wart ... ehrlicher zu mir, als ich es erwartet habe�, sagte er bed�chtig. �Daher werde ich Euch etwas erz�hlen.� Seine Miene �nderte sich nicht �einem Beobachter mu�te er genauso entspannt erscheinen wie zuvor �, aber jetzt fl�sterte er. �K�nig Roedran ist wegen der Bande an mich herangetreten. Anscheinend hofft er, Murandys erster wahrer K�nig zu werden. Er will uns anwerben. Ich h�tte es unter gew�hnlichen Umst�nden nicht erwogen, aber es ist niemals genug Geld vorhanden, und mit diesem ... diesem <emphasis>Gef�hl,</emphasis> da� Mat uns braucht... Es w�re vielleicht besser, wenn wir in Murandy blieben. Wie leicht zu erkennen ist, seid Ihr dort, wo Ihr sein wollt, und habt alles unter Kontrolle.�</p><p>Er schwieg, als eine junge Dienerin einen Hofknicks vollf�hrte und Gl�hwein anbot. Sie trug kunstvoll besticktes gr�nes Tuch und einen Umhang mit Kaninchenfell. Andere Diener aus dem Lager halfen jetzt ebenfalls aus, zweifellos, damit sie etwas anderes zu tun hatten, als dazustehen und zu zittern. Das rundliche Gesicht der jungen Frau war vor K�lte starr.</p><p>Talmanes winkte ab und zog seinen Umhang dann wieder fest um sich, aber Egwene nahm einen Silberbecher, um einen Moment Zeit zum Nachdenken zu haben. Die Bande wurde nicht l�nger gebraucht. Die Schwestern nahmen ihre Anwesenheit inzwischen trotz allen Murrens als gegeben hin, ob sie nun Drachenverschworene waren oder nicht. Sie f�rchteten keinen Angriff mehr, und sie hatte die Anwesenheit der Horde nicht wirklich gebraucht, um sie anzutreiben, seit sie Salidar verlassen hatten. Der einzige wahre Zweck, dem <emphasis>Shen an Calliar</emphasis> jetzt diente, war, Rekruten f�r Brynes Heer auszuheben, M�nner, die glaubten, da� zwei Heere eine Schlacht bedeuteten, und auf der Seite mit der gr��ten Anzahl Soldaten stehen wollten. Sie brauchte sie nicht, aber Talmanes hatte als Freund gehandelt. Sie war die Amyrlin, und manchmal dr�ngten Freundschaft und Verantwortung in dieselbe Richtung.</p><p>Als die Dienerin sich entfernte, legte Egwene eine Hand auf Talmanes' Arm. �Das d�rft Ihr nicht tun. Selbst die Bande kann Murandy nicht allein erobern, und jede Hand wird sich gegen Euch richten. Ihr wi�t sehr gut, da� das einzige, was die Murandianer zusammenh�lt, Fremde auf ihrem Grund und Boden sind. Folgt uns nach Tar Valon, Talmanes. Mat wird dorthin kommen. Davon bin ich �berzeugt.� Mat w�rde nicht wirklich glauben, da� sie die Amyrlin war, bis er sie die Stola in der Wei�en Burg tragen s�he.</p><p>�Roedran ist kein Narr�, entgegnete er ruhig. �Er will, da� wir nur dasitzen und abwarten, ein fremdes Heer � ohne Aes Sedai �, und da� niemand wei�, wozu. Es sollte ihm keine gro�en Schwierigkeiten bereiten, die Adligen gegen uns zu vereinen. Dann, so sagt er, ziehen wir klammheimlich �ber die Grenze. Er glaubt, er kann sich hinterher allein um sie k�mmern.�</p><p>Es gelang ihr nicht, die leichte Ver�rgerung aus ihrer Stimme herauszuhalten. �Und was sollte ihn daran hindern, Euch zu verraten? Wenn die Drohung ohne Kampf vergeht, dann vielleicht auch sein Traum von einem vereinten Murandy.� Der t�richte Mann schien <emphasis>belustigt!</emphasis></p><p>�Ich bin auch kein Narr. Roedran kann nicht vor dem Fr�hjahr bereit sein. Diese Leute h�tten niemals ihre G�ter verlassen, wenn die Andoraner nicht nach S�den gekommen w�ren, und sie waren bereits vor dem Schneefall unterwegs. Mat wird uns vorher finden. Er mu� von uns h�ren, wenn er nach Norden kommt. Roedran wird sich mit dem zufriedengeben m�ssen, was immer er bis dahin erreicht hat. Wenn Mat also nach Tar Valon zu gehen beabsichtigt, werde ich Euch vielleicht dennoch dort sehen.�</p><p>Egwene stie� einen �rgerlichen Laut aus. Es war ein bemerkenswerter Plan der Art, wie Siuan ihn vielleicht ersinnen, und kaum einer, wie Roedran Almaric do Arreloa a'Nalo ihn sich Egwenes Meinung nach ausdenken k�nnte. Das einzig Unzweifelhafte war, da� Talmanes sich entschieden hatte.</p><p>�Ich will Euer Wort, Talmanes, da� Ihr Euch nicht von Roedran in einen Krieg hineinziehen la�t.� Verantwortung. Die schmale Stola um ihren Hals schien zehnmal mehr zu wiegen als ihr Umhang. �Wenn er sich eher regt als Ihr denkt, werdet Ihr weiterziehen, gleichg�ltig, ob Mat sich Euch dann bereits angeschlossen hat oder nicht.�</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte es versprechen, aber das ist unm�glich�, entgegnete er. �Ich erwarte den ersten Angriff auf meine Versorgungsleute sp�testens drei Tage nachdem ich mich von Lord Brynes Heer abgesetzt habe. Jeder Herr und jeder Knecht wird glauben, er k�nnte nachts ein paar Pferde ergattern, mir einen Nadelstich versetzen und sich dann verstekken.�</p><p>�Ich rede nicht davon, da� Ihr Euch verteidigen sollt, und das wi�t Ihr�, sagte sie fest, �Euer Wort, Talmanes. Sonst werde ich Eure �bereinkunft mit Roedran nicht erlauben.� Die einzige M�glichkeit, sie aufzuhalten, bestand darin, sie zu verraten, aber sie w�rde keinen Krieg zur�cklassen, einen Krieg, den sie begonnen h�tte, indem sie Talmanes hierher gebracht hatte.</p><p>Er betrachtete sie, als s�he er sie zum ersten Mal, und beugte schlie�lich den Kopf. Seltsamerweise schien diese Geste formeller als seine vorherige Verbeugung. �Es wird nach Eurem Willen geschehen, Mutter. Sagt mir, seid Ihr sicher, da� Ihr nicht auch ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> seid?�</p><p>�Ich bin der Amyrlin-Sitz�, erwiderte sie. �Das gen�gt jedermann.� Sie ber�hrte erneut seinen Arm.</p><p>�Das Licht bescheine Euch, Talmanes.� Dieses Mal schlo� sein L�cheln beinahe auch seine Augen mit ein.</p><p>Obwohl sie fl�sterten, war ihr Gespr�ch unvermeidlich bemerkt worden. Vielleicht auch weil sie fl�sterten. Das M�dchen, das die Amyrlin zu sein behauptete, eine Aufr�hrerin gegen die Wei�e Burg, im Gespr�ch mit dem Anf�hrer zehntausend Drachenverschworener. Hatte sie Talmanes' Plan mit Roedran erschwert oder erleichtert? War ein Krieg in Murandy jetzt weniger wahrscheinlich, oder hatte sie das Gegenteil bewirkt? Siuan und ihr verdammtes Gesetz der Unbeabsichtigten Konsequenzen! F�nfzig Blicke folgten ihr und wurden j�h wieder abgewendet, als sie durch die Menge schritt, sich die H�nde an ihrem Becher w�rmend. Nun, die meisten wandten sich j�h wieder ab. Die Gesichter der Sitzenden waren ganz alterslose, vorgebliche Gelassenheit, aber Lelaine h�tte eine braun�ugige Kr�he sein k�nnen, die einen in seichtem Wasser zappelnden Fisch beobachtete, w�hrend Romandas nur unwesentlich dunklere Augen L�cher in Eisen h�tten bohren k�nnen.</p><p>Egwene versuchte, die Sonne drau�en im Blick zu behalten, w�hrend sie den Pavillon langsam im Halbkreis durchschritt. Die Adligen bedr�ngten die Sitzenden noch immer, zogen von einer zur anderen, als suchten sie bessere Antworten, und sie nahm allm�hlich kleine Dinge wahr. Donel blieb auf seinem Weg von Janya zu Moria stehen und verbeugte sich tief vor Aemlyn, die mit einem huldvollen Nicken reagierte. Cian, die sich von Takima abwandte, vollf�hrte einen tiefen Hofknicks vor Pelivar, der mit einer leichten Verbeugung antwortete. Und da waren noch andere, wobei sich stets ein Murandianer vor einem Andoraner verbeugte, der ebenso formell reagierte. Die Andoraner gaben sich alle M�he, Bryne bis auf das seltsame Stirnrunzeln zu ignorieren, aber unz�hlige Murandianer suchten ihn auf, einer nach dem anderen und in reichlicher Entfernung von allen �brigen, und nach ihrer Blickrichtung zu urteilen, sprachen sie eindeutig �ber Pelivar oder Arathelle oder Aemlyn. Vielleicht hatte Talmanes recht gehabt.</p><p>Auch vor ihr wurden Hofknickse und Verbeugungen vollf�hrt, obwohl sie nicht so tief gerieten wie jene vor Arathelle und Pelivar und Aemlyn, geschweige denn jene vor den Sitzenden. Ein halbes Dutzend Frauen erz�hlten ihr, wie dankbar sie w�ren, da� die Angelegenheit friedlich beigelegt wurde, obwohl tats�chlich fast ebenso viele nichtssagende �u�erungen machten oder unbehaglich die Achseln zuckten, wenn sie die gleiche Empfindung ausdr�ckte, als seien sie sich nicht sicher, da� <emphasis>wirklich</emphasis> alles friedlich enden w�rde. Ihre entsprechenden Versicherungen wurden mit einem inbr�nstigen �Das Licht gebe es!� oder einem ergebenen �Wenn das Licht es will!� erwidert. Vier nannten sie Mutter, eine ohne anf�ngliches Z�gern, und drei weitere sagten, sie sei recht h�bsch, sie habe wundersch�ne Augen und eine anmutige Haltung � in dieser Reihenfolge. Es waren vielleicht passende Komplimente f�r Egwenes Alter, aber nicht f�r ihre Stellung.</p><p>Sie fand zumindest in einer Hinsicht ungetr�btes Vergn�gen. Segan wurde nicht als einzige von ihrer Ank�ndigung bez�glich des Novizinnenbuchs verlockt. Das war eindeutig der Grund, warum die meisten Frauen zuerst mit ihr sprachen. Immerhin mochten sich die anderen Schwestern zwar gegen die Burg auflehnen, aber sie beanspruchte, der Amyrlin-Sitz zu sein. Sie mu�ten starkes Interesse haben, um ihre Zweifel zu �berwinden, auch wenn niemand es zeigen wollte. Arathelle stellte ihre Fragen stirnrunzelnd, wodurch auch ihre Wangen von weiteren Falten �berzogen wurden. Aemlyn sch�ttelte bei der Antwort ihren grauen Kopf. Auch die wuchtige Cian fragte nach, gefolgt von einer andoranischen Lady namens Negara mit scharfgeschnittenem Gesicht und dann von einer h�bschen Murandianerin mit gro�en Augen namens Jennet sowie weiteren. Niemand wollte es f�r sich selbst wissen � mehrere wiesen sogleich darauf hin, besonders die j�ngeren Frauen �, aber es dauerte nicht lange, bis jede einzelne Adlige nachgefragt hatte und mehrere Diener ebenfalls unter dem Vorwand, weiteren gew�rzten Wein reichen zu wollen. Eine drahtige Frau namens Nildra kam aus dem Aes Sedai-Lager.</p><p>Egwene war recht zufrieden mit der Saat, die sie dort ges�t hatte. Weniger zufrieden war sie mit den M�nnern. Vereinzelt sprachen sie mit ihr, aber erst, als sie ihr von Angesicht zu Angesicht gegen�berstanden und anscheinend keine andere Wahl mehr hatten. Eine kaum verst�ndliche Bemerkung �ber das Wetter, entweder das Ende der D�rre lobend oder die pl�tzlichen Schneef�lle beklagend, eine gemurmelte Hoffnung, da� das Unwesen mit den Banditen bald beendet w�re, vielleicht mit einem bedeutungsvollen Blick zu Talmanes, und sie entglitten wieder. Ein B�r von einem Andoraner namens Macharan fiel bei dem Bestreben, ihr aus dem Weg zu gehen, �ber seine eigenen Stiefel. Es war in gewisser Weise kaum �berraschend. Die Frauen hatten, wenn auch nur vor sich selbst, die Rechtfertigung des Novizinnenbuches, aber die M�nner hatten nur den einen Gedanken, da� ein Gespr�ch mit ihr sie vielleicht �ber einen Kamm scheren w�rde.</p><p>Es war ziemlich entmutigend. Es k�mmerte sie nicht, was die M�nner �ber Novizinnen dachten, aber sie h�tte zu gern gewu�t, ob sie ebensosehr wie die Frauen bef�rchteten, da� dies letztendlich handgemein ende. Solche Bef�rchtungen konnten sich nur allzuleicht selbst erf�llen. Schlie�lich entschied sie, da� es nur eine M�glichkeit gab, das herauszufinden.</p><p>Pelivar wandte sich von einem Tablett um, von dem er sich einen Becher Wein genommen hatte, und sprang mit unterdr�cktem Fluchen zur�ck, um nicht gegen sie zu sto�en. H�tte sie noch n�her sein wollen, h�tte sie auf seinen Stiefeln stehen m�ssen. Hei�er Wein ergo� sich �ber Pelivars behandschuhte Hand und lief unter seinen Jacken�rmel, woraufhin er einen weiteren Fluch nicht unterdr�ckte. Er war gro� genug, um �ber ihr aufzuragen, und nutzte dies auch weidlich. Sein Stirnrunzeln kennzeichnete ihn als einen Mann, der eine l�stige junge Frau barsch aus dem Weg scheuchen wollte. Oder einen Mann, der beinahe auf eine rote Natter getreten w�re. Sie hielt sich aufrecht und konzentrierte sich auf ein Bild von ihm als kleiner Junge, der nichts Gutes im Schilde f�hrte. Das half stets. Die meisten M�nner sp�rten es anscheinend. Er murmelte etwas � es h�tte ebensogut eine h�fliche Begr��ungsformel wie ein weiterer Fluch sein k�nnen �, neigte leicht den Kopf und versuchte dann, um sie herumzugehen. Sie trat ebenfalls beiseite, um vor ihm zu bleiben. Er trat zur�ck, und sie folgte ihm. Er begann, gehetzt zu wirken. Sie beschlo�, ihn zu beruhigen, bevor sie die wichtige Frage vorantrieb. Sie wollte Antworten, keine Ausfl�chte.</p><p>�Es mu� Euch doch freuen zu h�ren, da� die Tochter-Erbin auf dem Weg nach Caemlyn ist, Lord Pelivar.� Sie hatte mehrere der Sitzenden dies erw�hnen h�ren.</p><p>Sein Gesicht wurde ausdruckslos. �Elayne Trakand hat ein Anrecht auf den L�wenthron�, erwiderte er mit tonloser Stimme.</p><p>Egwenes Augen weiteten sich, und er trat, offensichtlich aus Unsicherheit, erneut zur�ck. Vielleicht glaubte er, sie sei ver�rgert, weil er sie nicht mit ihrem Titel angesprochen hatte, aber das hatte sie kaum beachtet. Felivar hatte Elaynes Mutter bei ihrem Anspruch auf den Thron unterst�tzt, und Elayne war sich sicher gewesen, da� er auch sie unterst�tzen w�rde.</p><p>Sie sprach herzlich �ber Pelivar, wie �ber einen Lieblingsonkel.</p><p>�Mutter�, murmelte Siuan neben ihr, �wir m�ssen gehen, wenn wir das Lager noch vor Sonnenuntergang erreichen wollen.� Es gelang ihr, diese leisen Worte recht eindringlich klingen zu lassen. Die Sonne hatte ihren Zenit bereits �berschritten.</p><p>�Bei diesem Wetter sollte man bei Einbruch der Nacht nicht im Freien sein�, sagte Pelivar hastig, �Wenn Ihr mich entschuldigen wollt � ich mu� mich ebenfalls zum Aufbruch bereitmachen.� Er stellte seinen Becher auf das Tablett eines vor�bereilenden Dieners, verbeugte sich dann z�gernd und schritt mit der Haltung eines Mannes davon, der einer Falle entkommen war.</p><p>Egwene h�tte vor Entt�uschung am liebsten mit den Z�hnen geknirscht. Was hielt der Mann nun <emphasis>wirklich</emphasis> von ihrer �bereinkunft? Wenn man es so nennen konnte, so wie sie ihnen ihre Vorstellungen aufgezwungen hatte. Arathelle und Aemlyn besa�en mehr Macht und Einflu� als die meisten M�nner, und doch ritten Pelivar und Culhan und �hnliche mit den Soldaten. Sie konnten sie noch immer heftig in Verlegenheit bringen.</p><p>�Sucht Sheriam�, grollte sie, �und sagt ihr, sie solle alle <emphasis>sofort</emphasis> aufsitzen lassen, egal, unter welchen Umst�nden!� Sie durfte den Sitzenden keine Nacht Zeit lassen, �ber das nachzudenken, was heute geschehen war, geschweige denn, eigene Pl�ne zu schmieden und gegen sie zu intrigieren. Sie <emphasis>mu�ten</emphasis> wieder im Lager sein, bevor die Sonne unterging.</p></section><section><title><p>19</p><p>Das Gesetz</p></title><p>Die Sitzenden auf ihre Pferde zu bekommen erwies sich als ein Kinderspiel. Sie waren ebenso erpicht fortzukommen wie Egwene, besonders Romanda und Lelaine, die beide so frostig wie der Wind und deren Augen wie Gewitterwolken waren. Die �brigen waren das Abbild k�hler Gelassenheit der Aes Sedai, die diese Haltung wie einen schweren Geruch verstr�mten, und doch eilten sie so rasch zu ihren Pferden, da� die Adligen staunend zur�ckblieben. Die bunt gekleideten Diener beeilten sich, die Packpferde zu beladen, um so rasch wie m�glich aufzuholen.</p><p>Egwene lie� Daishar im Schnee hart vorangehen, und Lord Bryne sorgte, ohne einen weiteren Blick oder ein Nicken von ihr daf�r, da� die bewaffneten Eskorten ebenso rasch voranritten. Siuan auf Bela und Sheriam auf Wing schlossen sich ihr eilig an. Lange Strecken k�mpften sie sich durch eine fesselhohe Schneedecke, wobei die Pferde die Hufe fast im Trab hoch anheben mu�ten, w�hrend die Flamme von Tar Valon im eisigen Wind wogte. Und selbst als es n�tig wurde, langsamer voranzureiten, als die Pferde knietief durch die Schneekruste einsanken, ritten sie z�gig voran.</p><p>Die Sitzenden hatten keine andere Wahl als mitzuhalten, und die Geschwindigkeit gab ihnen kaum eine Gelegenheit, unterwegs miteinander zu reden. In diesem ersch�pfenden Tempo k�nnte ein Moment der Unaufmerksamkeit ein gebrochenes Bein f�r das Tier und ein gebrochenes Genick f�r den Reiter zur Folge haben. Dennoch gelang es sowohl Romanda als auch Lelaine, ihre erlesenen Kreise um sich zu versammeln, so da� diese beiden Gruppen von einem Schutz gegen Lauscher umgeben durch den Schnee stolperten. Die beiden lie�en anscheinend Schimpftiraden vom Stapel. Egwene konnte sich denken, worum es ging. Was das betraf, so gelang es auch anderen Sitzenden, eine Weile zusammenzureiten, leise einige Worte zu wechseln und manchmal ihr und manchmal den von <emphasis>Saidar</emphasis> umgebenen Schwestern k�hle Blicke zuzuwerfen. Nur Delana beteiligte sich nicht an diesen kurzen Unterhaltungen. Sie blieb dicht bei Halima, die zumindest nicht verhehlte, da� sie fror. Die Frau vom Lande hielt mit angespanntem Gesicht den Umhang eng um sich, aber sie versuchte noch immer, Delana zu tr�sten, indem sie ihr fast st�ndig etwas zufl�sterte. Delana schien Trost zu brauchen. Ihre Brauen waren gesenkt, so da� eine steile Falte ihre Stirn zerfurchte, die sie tats�chlich gealtert wirken lie�.</p><p>Sie war nicht die einzige, die sich sorgte. Die anderen verbargen das Gef�hl hinter Starrheit, strahlten vollkommene Sicherheit aus, aber die Beh�ter verhielten sich, als erwarteten sie beim n�chsten Schritt das Schlimmste. Unaufh�rlich lie�en sie die Blicke unbehaglich schweifen, die Umh�nge im Wind flatternd, damit sie die H�nde frei behielten. Wenn sich eine Aes Sedai sorgte, dann sorgte sich auch ihr Beh�ter, und die Sitzenden waren zu sehr von ihren eigenen Gedanken in Anspruch genommen, um daran zu denken, die M�nner zu beruhigen. Egwene war einfach froh, das zu sehen. Wenn die Sitzenden sich sorgten, hatten sie noch keine Entscheidung getroffen.</p><p>Als Bryan vorausritt, um mit Uno zu sprechen, ergriff sie die Gelegenheit, zu erfragen, was die beiden Frauen �ber die Aes Sedai und die Burgwachen in Andor erfahren hatten.</p><p>�Nicht viel�, erwiderte Siuan mit angespannter Stimme. Die struppige Bela schien mit der Gangart keine Schwierigkeiten zu haben, aber Siuan sehr wohl, die mit einer Hand die Z�gel und mit der anderen den Sattelknauf umklammerte. �Soweit ich herausfinden konnte, gibt es f�nfzig Ger�chte und keine Tatsachen. Wahrscheinlich ist es ein M�rchen, aber es k�nnte vielleicht dennoch wahr sein.� Bela strauchelte, ihre Vorderhufe sanken tief ein, und Siuan keuchte. �Das Licht verdamme alle Pferde!�</p><p>Sheriam hatte auch nicht mehr erfahren. Sie sch�ttelte den Kopf und seufzte ver�rgert. �Es klingt f�r mich alles nach Unsinn, Mutter. Es gibt <emphasis>immer</emphasis> Ger�chte �ber umherschleichende Schwestern. Habt Ihr niemals reiten gelernt, Siuan?� f�gte sie pl�tzlich ver�chtlich hinzu. �Heute abend werdet Ihr zu wundgeritten sein, um noch laufen zu k�nnen!� Sheriams Nerven mu�ten blo�liegen, da� sie so offen redete.</p><p>Siuans Blick verh�rtete sich, und sie �ffnete halbwegs h�hnend den Mund, gleichg�ltig, wer sie hinter dem Banner hervor beobachten mochte.</p><p>�Seid still, alle beide!� fauchte Egwene. Sie atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Sie war auch selbst ein wenig angegriffen. Was auch immer Arathelle glaubte � jegliche von Elaida zu ihrer Behinderung gesandten Streitkr�fte w�ren zu zahlreich, um sich heimlich anzuschleichen. Also blieb noch die Schwarze Burg, schon in der Entstehung ein Ungl�ck. Man sollte sich besser um Naheliegendes k�mmern, als zu weit vorauszudenken. Besonders, wenn das Vorausliegende in einem anderen Land geschah und vielleicht gar nicht existierte.</p><p>Sie versagte sich dennoch die Worte, indem sie Sheriam Anweisungen f�r den Zeitpunkt gab, wenn sie das Lager erreichten. Sie war der Amyrlin-Sitz, und das bedeutete, da� sie f�r <emphasis>alle</emphasis> Aes Sedai die Verantwortung trug, selbst f�r jene, die Elaida folgten. Ihre Stimme klang jedoch felsenfest. Es war zu sp�t, Angst zu haben, wenn man den Wolf erst bei den Ohren gepackt hatte.</p><p>Sheriams schr�gstehende Augen weiteten sich, als sie die Anweisungen h�rte. �Mutter, darf ich fragen, warum...?� Sie brach unter Egwenes ruhigem Blick ab und schluckte. �Wie Ihr befehlt, Mutter�, sagte sie z�gernd. �Seltsam. Ich erinnere mich noch an den Tag, als Ihr und Nynaeve zur Burg kamt, zwei M�dchen, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie aufgeregt oder �ngstlich sein sollten. Seitdem hat sich so vieles ge�ndert.�</p><p>�Nichts w�hrt ewig�, belehrte Egwene sie. Sie warf Siuan einen bedeutungsvollen Blick zu, die sich aber weigerte, es zu bemerken. Sie schien verdrie�lich. Sheriam hingegen wirkte leidend.</p><p>Dann kehrte Lord Bryne zu ihnen zur�ck, und er mu�te die Stimmung unter ihnen sp�ren. Abgesehen davon, da� er sagte, sie l�gen gut in der Zeit, schwieg er. Ein kluger Mann.</p><p>Ob sie gut in der Zeit lagen oder nicht � die Sonne war bereits fast hinter die Baumwipfel gesunken, als sie schlie�lich durch das sich ausbreitende Lager des Heers ritten. Wagen und Zelte warfen lange Schatten �ber den Schnee, und eine Anzahl M�nner arbeitete hart, weitere Unterst�nde aus Gestr�pp zu errichten. Es waren nicht ann�hernd genug Zelte vorhanden, selbst nicht f�r alle Soldaten, und das Lager beherbergte noch einmal fast ebenso viele Sattler und W�scherinnen und alle jene, die jeglichem Heer unvermeidlich folgten. Das Klingen der Ambosse zeugte von noch immer t�tigen Huf- und Waffenschmieden. Herdfeuer brannten �berall, und die Kavallerie zerstreute sich, nach W�rme und hei�em Essen verlangend, sobald ihre ersch�pft dahintrottenden Tiere versorgt waren. �berraschenderweise ritt Bryne weiterhin an Egwenes Seite, nachdem sie ihn entlassen hatte.</p><p>�Wenn Ihr erlaubt, Mutter�, sagte er, �m�chte ich Euch noch eine Weile begleiten.� Sheriam wandte sich tats�chlich im Sattel um und sah erstaunt zur�ck. Siuan blickte ebenfalls erstaunt strikt geradeaus, als wage sie nicht, ihn ihre pl�tzlich geweiteten Augen sehen zu lassen.</p><p>Was glaubte er, was er tun konnte? Als ihr Leibw�chter fungieren? Gegen <emphasis>Schwestern?</emphasis> Dieser Bursche mit der tropfenden Nase w�rde gen�gen. Einfach offenbaren, wie vollst�ndig er auf ihrer Seite stand? Morgen war daf�r noch genug Zeit, wenn heute abend alles gut verlief. Diese Offenbarung k�nnte den Saal jetzt leicht in Richtungen vorpreschen lassen, die sie kaum zu erw�gen wagte.</p><p>�Der heutige Abend ist Aes Sedai-Angelegenheiten vorbehalten�, belehrte sie ihn entschlossen. Aber er hatte, so t�richt die Vorstellung auch war, angeboten, sein Leben f�r sie zu riskieren. Die Gr�nde daf�r lagen im dunkeln � wer konnte schon sagen, warum ein Mann <emphasis>irgend etwas</emphasis> tat? �, und doch schuldete sie ihm daf�r etwas. Unter anderem daf�r. �Wenn ich Siuan heute abend nicht zu Euch schicke, Lord Bryne, solltet Ihr vor dem Morgen aufbrechen. Falls die Ereignisse des heutigen Tages mir zur Last gelegt werden, k�nnte sich das auch auf Euch auswirken. Es k�nnte sich als gef�hrlich erweisen zu bleiben. Sogar als t�dlich. Ich glaube nicht, da� sie eine besondere Entschuldigung brauchten.� Es war nicht n�tig, �sie� genauer zu benennen.</p><p>�Ich habe mein Wort gegeben�, erwiderte er ruhig. �Bis nach Tar Valon.� Er hielt inne und schaute zu Siuan, weniger z�gernd als nachdenklich. �Was auch immer heute abend besprochen werden soll�, sagte er schlie�lich, �Ihr solltet dabei daran denken, da� drei�igtausend Mann und Gareth Bryne hinter Euch stehen. Das d�rfte einiges Gewicht haben, selbst unter Aes Sedai. Bis morgen, Mutter.� Er wendete seinen Kastanienbraunen und rief noch �ber die Schulter: �Ich erwarte, Euch morgen auch zu sehen, Siuan. Daran wird sich <emphasis>nichts</emphasis> �ndern.� Siuan starrte ihm nach, als er sich entfernte. Ihr Blick wirkte gequ�lt.</p><p>Egwene konnte nicht anders, als ihm ebenfalls nachzublicken. Er war noch niemals zuvor so offen gewesen, nicht ann�hernd. Warum ausgerechnet jetzt?</p><p>Als sie den vierzig oder f�nfzig Schritt breiten Streifen �berquerten, der das Lager des Heers von dem der Aes Sedai trennte, nickte Egwene Sheriam zu, die ihr Pferd bei den ersten Zelten verhielt. Egwene und Siuan ritten weiter. Hinter ihnen erklang Sheriams Stimme erstaunlich klar und fest. �Der Amyrlin-Sitz beruft den Saal heute zu einer formellen Sitzung. Trefft rasch alle Vorbereitungen.� Egwene schaute nicht zur�ck.</p><p>Bei ihrem Zelt eilte eine hagere Pferdemagd mit wehenden R�cken herbei, um Daishar und Bela zu �bernehmen. Ihr Gesicht wirkte angespannt, und sie neigte kaum den Kopf, bevor sie mit den Pferden so rasch wieder davoneilte, wie sie gekommen war. Die W�rme der gl�henden Kohlepfannen im Zelt war wie eine sich schlie�ende Faust. Egwene hatte bis dahin nicht bemerkt, wie kalt es drau�en war. Oder wie sehr sie fror.</p><p>Chesa nahm ihr den Umhang ab, doch als sie ihre H�nde sp�rte, rief sie aus: �Ihr seid ja bis auf die Knochen durchgefroren, Mutter!� Sie plapperte weiter, w�hrend sie sich damit besch�ftigte, Egwenes und Siuans Umh�nge zusammenzufalten, die ordentlich zur�ckgeschlagenen Decken auf Egwenes Feldbett glattzustreichen und ein auf einer der Kisten abgestelltes Tablett zu �berpr�fen. �Ich w�rde mich sofort ins Bett legen und hei�e Ziegelsteine um mich schichten, wenn ich so durchgefroren w�re. Zumindest, sobald ich etwas gegessen h�tte. Man kann sich nur �u�erlich erw�rmen, wenn man auch innerlich erw�rmt ist. Ich werde ein paar zus�tzliche Ziegelsteine f�r Eure F��e besorgen, w�hrend Ihr e�t. Und nat�rlich auch f�r Siuan Sedai. Oh, wenn ich so hungrig w�re wie Ihr, w�rde ich bestimmt mein Essen hinunterschlingen wollen, aber dann bekomme ich stets Magenschmerzen.� Sie hielt bei dem Tablett inne, betrachtete Egwene und nickte zufrieden, als diese sagte, sie w�rde nicht zu hastig essen.</p><p>Es war nicht leicht, ernsthaft zu antworten. Chesa war stets erfrischend, aber nach den Strapazen des heutigen Tages mu�te Egwene fast vor Vergn�gen lachen. Chesa war unkompliziert. Auf dem Tablett befanden sich zwei wei�e Schalen mit Linseneintopf sowie ein hoher Krug mit gew�rztem Wein, zwei Silberbecher und zwei gro�e Br�tchen. Irgendwie hatte die Frau gewu�t, da� Siuan mit ihr essen w�rde. Die Schalen und der Krug dampften. Wie oft hatte Chesa dieses Tablett auswechseln m�ssen, um zu gew�hrleisten, da� Egwene sofort nach ihrer R�ckkehr eine hei�e Mahlzeit vorfand? Einfach und unkompliziert. Und so f�rsorglich wie eine Mutter. Oder wie eine Freundin.</p><p>�Ich mu� noch aufs Bett verzichten, Chesa. Heute abend habe ich noch zu arbeiten. W�rdet Ihr uns allein lassen?�</p><p>Siuan sch�ttelte den Kopf, als sich der Zelteingang hinter der rundlichen Frau schlo�. �Seid Ihr sicher, da� sie nicht schon seit Eurer S�uglingszeit in Euren Diensten steht?� murmelte sie.</p><p>Egwene nahm eine der Schalen, einen L�ffel und ein Br�tchen und machte es sich seufzend auf einem Stuhl bequem. Sie umarmte die Quelle und sch�tzte das Zelt gegen Lauscher. Leider lie� <emphasis>Saidar</emphasis> sie ihrer halb erfrorenen H�nde und F��e noch bewu�ter werden, und auch die �brigen K�rperteile waren nicht wesentlich w�rmer. Die Schale war fast zu hei�, um sie zu halten, und das Br�tchen ebenfalls. Oh, wie gern sie diese Ziegelsteine angenommen h�tte.</p><p>�K�nnen wir noch irgend etwas tun?� fragte sie und nahm einen L�ffel Eintopf. Sie war ausgehungert, was nicht verwunderlich war, da sie seit dem im Morgengrauen eingenommenen Fr�hst�ck nichts mehr gegessen hatte. Die Linsen und holzigen Karotten schmeckten wie das k�stlichste Mahl, das ihre Mutter je zubereitet hatte. �Mir f�llt nichts mehr ein, aber Euch vielleicht?�</p><p>�Was getan werden kann, wurde bereits getan. Es gibt nichts sonst, au�er, da� der Sch�pfer selbst eingreift.� Siuan nahm die andere Schale und lie� sich auf einen niedrigen Stuhl sinken, aber dann sa� sie nur da, starrte in ihren Eintopf und r�hrte mit dem L�ffel darin. �Ihr w�rdet es ihm doch nicht wirklich sagen, oder?� fragte sie schlie�lich. �Ich k�nnte es nicht ertragen, wenn er es w��te.�</p><p>�Warum, um alles in der Welt, nicht?�</p><p>�Er w�rde es ausnutzen�, sagte Siuan d�ster. �Oh, nicht <emphasis>das.</emphasis> Das glaube ich nicht.� Sie war in mancherlei Hinsicht sehr pr�de. �Aber der Mann w�rde mir das Leben zur H�lle machen!� Und seine Kniehosen zu waschen und jeden Tag seine Stiefel und seinen Sattel zu polieren, war das nicht die H�lle?</p><p>Egwene seufzte. Wie <emphasis>konnte</emphasis> eine solch vern�nftige, intelligente, f�hige Frau bei diesem Thema zu einem solchen Wirrkopf werden? Ein Bild stieg in ihr auf wie eine zischende Natter. Ein Bild von ihr selbst, wie sie auf Gawyns Knien sa� und sie sich k��ten. In einer Schenke! Sie verdr�ngte es energisch. �Siuan, ich brauche Eure Erfahrung. Ich brauche Euren Verstand. Ich kann es mir nicht leisten, da� Ihr wegen Lord Bryne nur halbwegs bei der Sache seid. Wenn Ihr Euch nicht zusammenrei�en k�nnt, werde ich ihm bezahlen, was Ihr ihm schuldet, und Euch verbieten, ihn wiederzusehen. Das werde ich tun.�</p><p>�Ich habe gesagt, da� ich die Schuld abarbeiten werde�, entgegnete Siuan starrk�pfig. �Ich besitze ebensoviel Ehre wie der verdammte Lord Gareth Bryne! Ebensoviel und mehr. Er h�lt sein Wort, und ich halte meines! Au�erdem hat Min mir erz�hlt, da� ich in seiner N�he bleiben mu�, weil wir sonst beide sterben. Oder etwas �hnliches.� Die leichte R�te ihrer Wangen verriet sie jedoch. Ungeachtet ihrer Ehre und Mins Vision w�rde sie bereitwillig alles auf sich nehmen, um dem Mann nahe zu sein!</p><p>�Na, fabelhaft. Ihr seid vernarrt, und wenn ich Euch befehle, ihm fernzubleiben, werdet ihr den Befehl entweder mi�achten oder Tr�bsal blasen und Euren restlichen Verstand verlieren. Was habt Ihr mit ihm vor?�</p><p>Siuan runzelte ungehalten die Stirn und gab grollend einige Erkl�rungen ab, was sie gern mit dem verdammten Gareth Bryne tun w�rde. Nichts davon h�tte ihm gefallen. Einiges h�tte er vielleicht nicht �berlebt.</p><p>�Siuan�, warnte Egwene, �Ihr leugnet erneut das Offensichtliche, und ich werde es ihm erz�hlen <emphasis>und</emphasis> ihm das Geld geben.�</p><p>Siuan schmollte st�rrisch. Sie schmollte! St�rrisch! Siuan! �Ich habe keine Zeit, mich zu verlieben. Ich habe kaum Zeit zum Nachdenken, w�hrend ich f�r Euch <emphasis>und</emphasis> ihn arbeite. Und selbst wenn heute abend alles gelingt, werde ich noch doppelt soviel zu tun haben. Au�erdem...� Ihre Miene ver�nderte sich, und sie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her. �Was ist, wenn er ... meine Gef�hle nicht erwidert?� murrte sie. �Er hat niemals auch nur versucht, mich zu k�ssen. Ihn k�mmert nur, ob seine Hemden sauber sind.�</p><p>Egwene wollte mit dem L�ffel die letzten Reste in ihrer Schale zusammenkratzen und war �berrascht, als er leer blieb. Auch von dem Br�tchen waren nur wenige Kr�mel auf ihrem Gewand geblieben. Licht, ihr Magen f�hlte sich noch immer leer an. Sie be�ugte hoffnungsvoll Siuans Schale. Die Frau schien wenig Interesse an etwas anderem als daran zu haben, Kreise in ihre Linsen zu zeichnen.</p><p>Pl�tzlich kam ihr ein Gedanke. Warum hatte Lord Bryne darauf bestanden, da� Siuan ihre Schuld abarbeitete, nachdem er erfahren hatte, wer sie war? Nur weil sie gesagt hatte, da� sie es tun w�rde? Es war eine widersinnige Vereinbarung, die es ihr jedoch erm�glichte, in seiner N�he zu bleiben, wie nichts anderes es bewirkt h�tte. Sie hatte sich ebenfalls schon oft gefragt, warum Bryne zugestimmt hatte, das Heer aufzustellen. Er mu�te gewu�t haben, da� dadurch die M�glichkeit bestand, da� er mit dem Kopf auf dem Hackklotz enden k�nnte. Und warum hatte er ihr dieses Heer angeboten, einer jungen Amyrlin ohne wahre Autorit�t und ohne Freundin unter den Schwestern au�er Siuan, soweit er wu�te? Konnte die Antwort auf alle diese Fragen einfach sein, da� ... er Siuan liebte? Nein. Die meisten M�nner waren leichtfertig und unbest�ndig, aber das war <emphasis>wirklich</emphasis> widersinnig! Dennoch �u�erte sie diese Vermutung, wenn auch nur, um Siuan zu belustigen. Vielleicht munterte es sie ein wenig auf.</p><p>Siuan schnaubte ungl�ubig. Es wirkte bei diesem h�bschen Gesicht seltsam, aber niemand konnte so ausdrucksvoll schnauben wie sie. �Er ist keineswegs ein Dummkopf�, sagte sie trocken. �Tats�chlich tr�gt er einen klugen Kopf auf seinen Schultern. Er denkt meistens wie eine Frau.�</p><p>�Ich habe Euch noch immer nicht sagen h�ren, da� Ihr wieder zur Vernunft kommen wollt, Siuan�, beharrte Egwene. �Ihr m��t es auf die eine oder andere Weise tun.�</p><p>�Nun, nat�rlich werde ich das. Ich wei� nicht, was mit mir los war. Es ist nicht so, als h�tte ich noch niemals zuvor einen Mann gek��t.� Pl�tzlich verengte sie ihre Augen, als erwarte sie, da� Egwene das bezweifelte. �Ich habe nicht mein <emphasis>ganzes</emphasis> Leben in der Burg verbracht. Es ist l�cherlich! �ber <emphasis>M�nner</emphasis> zu plaudern, ausgerechnet heute abend!� Sie sp�hte in ihre Schale und schien zum erstenmal zu bemerken, da� sie Essen enthielt. Sie nahm einen L�ffelvoll und deutete dann auf Egwene. �Ihr m��t jetzt mehr denn je auf Eure Zeiteinteilung achten. Wenn Romanda oder Lelaine das Ruder ergreifen, werdet Ihr niemals wieder selbst dar�ber entscheiden.�</p><p>Ob l�cherlich oder nicht � etwas hatte Siuans Appetit mit Sicherheit wiederhergestellt. Sie a� ihren Eintopf schneller auf als Egwene ihren, und kein Kr�mel des Br�tchens entging ihr. Egwene merkte, da� sie ihre leere Schale sogar noch mit den Fingern ausgewischt hatte. Nat�rlich konnte sie nur noch die letzten Reste Linsen davon ablecken.</p><p>Es war eigentlich nicht mehr n�tig, die Geschehnisse des heutigen Abends noch einmal zu besprechen. Sie hatten so viele Male ersonnen und wiederholt verbessert, was Egwene wann sagen sollte, da� sie �berrascht war, da� sie nicht davon getr�umt hatte. Sie h�tte ihren Teil gewi� im Schlaf beherrscht. Siuan beharrte dennoch darauf und n�herte sich sehr weit dem Punkt, an dem Egwene sie w�rde zurechtweisen m�ssen, weil sie alles immer und immer wieder durchging und erneut M�glichkeiten aufbrachte, die sie schon hundertmal zuvor besprochen hatten. Seltsamerweise war Siuan jetzt sehr guter Stimmung. Sie versuchte sich sogar in ein wenig Humor, was f�r sie in letzter Zeit ungew�hnlich geworden war, obwohl einiges davon Galgenhumor war.</p><p>�Ihr wi�t, da� Romanda einst selbst die Amyrlin werden wollte�, sagte sie. �Ich habe geh�rt, da� statt dessen Tamra Stola und Stab erhielt und sie sich deshalb in den Ruhestand zur�ckzog. Ich w�rde alles darauf verwetten, da� ihre Augen doppelt so stark hervortreten wie Lelaines.�</p><p>Und sp�ter sagte sie: �Ich w�nschte, ich k�nnte dort sein, um sie wehklagen zu h�ren. Jemand wird es bald tun m�ssen, und es w�re mir lieber, wenn es sie w�ren anstatt wir. Ich konnte noch nie gut singen.� Sie sang tats�chlich ein Bruchst�ck eines Liedes �ber jemanden, der �ber den Flu� einen Jungen erblickte, aber kein Boot besa�. Sie hatte recht � ihre Stimme war bestenfalls als nett zu bezeichnen, aber sie konnte keine Melodie halten.</p><p>Und noch sp�ter: �Es ist gut, da� ich jetzt solch ein unverbrauchtes Gesicht habe. Wenn dies b�se endet, werden sie uns beide wie Puppen anziehen und uns auf ein Regal setzen, um uns zu bewundern. Nat�rlich k�nnten wir statt dessen auch �Unf�lle� erleiden. Puppen zerbrechen. Gareth Bryne wird sich jemand anderen suchen m�ssen, den er bevormunden kann.� Sie <emphasis>lachte</emphasis> wahrhaftig dar�ber.</p><p>Egwene empfand gro�e Erleichterung, als sich der Zelteingang kurzzeitig nach innen w�lbte und jemanden ank�ndigte, der genug wu�te, um dort nicht einzutreten, wo ein Schutz bestand. Sie wollte wirklich nicht h�ren, wohin Siuans Humor noch f�hren w�rde!</p><p>Sobald Egwene den Schutz loslie�, trat Sheriam ein, begleitet von einem Luftzug, der zehnmal k�lter schien als zuvor. �Es ist an der Zeit, Mutter. Alles ist bereit.� Ihre schr�gstehenden Augen waren geweitet, und sie leckte sich mit der Zungenspitze �ber die Lippen.</p><p>Siuan erhob sich und nahm ihren Umhang von Egwenes Feldbett, hielt dann aber in ihrer Bewegung, ihn sich um die Schultern zu legen, inne. �Ich <emphasis>habe</emphasis> die Drachenfinger bereits im Dunkeln umsegelt�, sagte sie ernst. �Es ist m�glich.�</p><p>Sheriam runzelte die Stirn, als Siuan hinauseilte und weitere K�lte hereinlie�. �Manchmal denke ich...�, begann sie, aber was immer sie manchmal dachte, teilte sie Egwene nicht mit. �Warum tut Ihr das, Mutter?� fragte sie statt dessen. �Euer Verhalten heute am See und jetzt die Einberufung des Saals. Und warum habt Ihr uns den ganzen gestrigen Tag damit verbringen lassen, mit jedermann, der uns begegnete, Gespr�che �ber Logain zu f�hren? Ich bin der Ansicht, da� Ihr es mir erkl�ren solltet. Ich <emphasis>bin</emphasis> Eure Beh�terin der Chroniken. Ich <emphasis>habe</emphasis> Treue geschworen.�</p><p>�Ich werde Euch sagen, was Ihr wissen m��t�, erwiderte Egwene und warf sich den Umhang um die Schultern. Es war nicht n�tig zu sagen, da� sie einem erzwungenen Schwur, selbst dem einer Schwester, keineswegs traute. Und Sheriam k�nnte einen Grund finden, trotz des Schwurs dem Falschen etwas zu verraten. Aes Sedai waren immerhin daf�r bekannt, sich bei ihren Worten Hintert�rchen offenzulassen. Sie glaubte nicht wirklich, da� das geschehen w�rde, aber sie durfte, genau wie bei Lord Bryne, nicht einmal kleine Risiken eingehen, es sei denn, sie war dazu gezwungen.</p><p>�Ich mu� Euch sagen�, sagte Sheriam verbittert, �da� morgen entweder Romanda oder Lelaine wohl Eure Beh�terin der Chroniken sein wird und ich Bu�e tun werde, weil ich den Saal nicht gewarnt habe.�</p><p>Egwene nickte. Das ist nur allzugut m�glich. �Wollen wir gehen?�</p><p>Die Sonne stand als rote Scheibe �ber den Baumwipfeln im Westen, und ein unheimliches Licht spiegelte sich auf dem Schnee. Diener verbeugten sich schweigend oder vollf�hrten still Hofknickse, als Egwene vor�berging. Ihre Mienen waren besorgt oder ausdruckslos. Diener konnten die Stimmungen ihrer Dienstherren fast ebenso schnell erkennen wie Beh�ter.</p><p>Zun�chst war nicht eine Schwester zu sehen, doch dann waren alle da, eine gro�e Versammlung rund um einen auf der einzigen ausreichend gro�en freien Flache des Lagers errichteten Pavillon, die von den Schwestern genutzt wurde, um zu den Taubenschl�gen in Salidar zu gleiten und mit den Berichten der Augen-und-Ohren zur�ckzureisen. Das gro�e, h�ufig geflickte schwere Segeltuch war nicht leicht zu errichten gewesen. Der Saal war in den vergangenen zwei Monaten sehr h�ufig �hnlich wie am gestrigen Morgen zusammengetroffen oder hatte sich in eines der gr��eren Zelte gedr�ngt. Der Pavillon war erst zweimal errichtet worden, seit sie Salidar verlassen hatten. Beide Male f�r eine Gerichtsverhandlung.</p><p>Als die Schwestern Egwene und Sheriam herannahen sahen, fl�sterten jene im Hintergrund mit den vorderen, und es bildete sich eine Gasse, um sie hindurchzulassen. Ausdruckslose Augen beobachteten die beiden, ohne einen Hinweis darauf zu geben, ob die Schwestern wu�ten oder auch nur erahnten, was geschehen w�rde. Ohne einen Hinweis darauf, was sie dachten. Schmetterlinge flatterten in Egwenes Bauch. Eine Rosenknospe. Ruhig.</p><p>Sie betrat die ausgelegten Teppiche mit bunten Blumen und einem Dutzend weiteren Mustern und schritt zwischen dem Kreis der aufgestellten Kohlepfannen hindurch. Sheriam ergriff das Wort. �Sie kommt. Sie kommt...� Es war kaum verwunderlich, wenn sie etwas weniger eindrucksvoll klang als gew�hnlich, ein wenig nerv�s.</p><p>Die polierten B�nke und die mit T�chern abgedeckten Podeste vom See waren erneut aufgestellt. Sie bildeten einen weitaus formelleren Anblick als das nicht zueinander passende Gewirr von St�hlen, das bisher verwendet worden war. Gr�ne, Graue und Gelbe auf einer Seite, Wei�e, Braune und Blaue auf der anderen.</p><p>Am entgegengesetzten Ende, am weitesten von Egwene entfernt, stand das gestreifte Podest und die Bank f�r den Amyrlin-Sitz. Wenn sie dort s��e, w�re sie Mittelpunkt aller und sich sehr wohl der Tatsache bewu�t, da� sie allein achtzehn Schwestern gegen�berstand. Es war gut, da� sie ihre Kleidung noch nicht gewechselt hatte. Alle Sitzenden trugen noch immer ihren Prunk vom See, nur zus�tzlich ihre Stola. Eine Rosenknospe. Ruhig.</p><p>Einer der Pl�tze war unbesetzt, wenn auch nur noch kurze Zeit. Delana lief in dem Moment herbei, als Sheriam ihre Litanei beendet hatte. Die Graue Schwester wirkte atemlos und aufgeregt und nahm unbeholfen ihren Platz zwischen Varilin und Kwamesa ein. Sie l�chelte kl�glich und spielte nerv�s mit den Feuertropfen um ihren Hals. Jedermann h�tte denken k�nnen, sie solle verurteilt werden. Ruhig. Niemand wurde verurteilt. Noch nicht.</p><p>Egwene schritt langsam �ber die Teppiche, zwischen den beiden Reihen entlang, gefolgt von Sheriam, und Kwamesa erhob sich. Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> schimmerte pl�tzlich um die dunkle schlanke Frau auf, die j�ngste der Sitzenden. Heute abend w�rden die Formalit�ten nicht vernachl�ssigt werden. �Was vor den Saal der Burg gebracht wird, geht allein den Saal etwas an�, verk�ndete Kwamesa. �Wer auch immer ungebeten eindringt, ob Frau oder Mann, ob Eingeweihter oder Au�enseiter, ob sie in Frieden oder zornigen Sinnes kommen, ich werde jeden dem Gesetz gem�� verpflichten, sich dem Gesetz zu stellen. Wisset, da� meine Worte wahr sind. Es wird und soll geschehen.�</p><p>Diese Formel war �lter als der Eid gegen das Sprechen der Unwahrheit, aus einer Zeit stammend, als fast ebenso viele Amyrlins durch Meuchelmord starben wie durch alle anderen Ursachen zusammengenommen. Egwene schritt weiterhin angemessen voran. Es kostete sie M�he, ihre Stola nicht zu ber�hren � zur Erinnerung. Sie versuchte, sich auf die Bank vor ihr zu konzentrieren.</p><p>Kwamesa nahm ihren Platz wieder ein, noch immer vor Macht schimmernd. Dann erhob sich von den Wei�en Aledrin, die ebenfalls von <emphasis>Saidar</emphasis> umgeben war. Sie war mit ihrem dunkelblonden Haar und den gro�en braunen Augen eigentlich recht h�bsch, besonders wenn sie l�chelte, aber heute abend hatte jeder Stein mehr Ausstrahlung als sie. �Es gibt jene in H�rweite, die nicht dem Saal angeh�ren�, sagte sie mit k�hler, stark vom tarabonischen Akzent gef�rbter Stimme. �Was im Saal der Burg besprochen wird, ist nur f�r den Saal bestimmt, bis der Saal anders entscheidet. Ich werde uns abschirmen. Ich werde unsere Worte nur f�r uns h�rbar versiegeln.� Sie wob einen Schutz, der den ganzen Pavillon einschlo�, und setzte sich wieder hin. Bewegung entstand unter den drau�en befindlichen Schwestern, die den Saal jetzt vollkommen still erleben mu�ten.</p><p>Seltsam, da� unter Sitzenden so vieles vom Alter abhing, wenn die Unterscheidung durch das Alter unter den �brigen Aes Sedai doch einem Fluch gleichkam. <emphasis>Konnte</emphasis> Siuan im jeweiligen Alter der Sitzenden ein Muster erkannt haben? Nein. Konzentriere dich. Ruhig und konzentriert.</p><p>Egwene umfa�te fest ihren Umhang, stieg auf das bunt gestreifte Podest und wandte sich um. Lelaine war bereits aufgestanden, die mit blauen Fransen versehene Stola �ber den Arm gelegt, und Romanda erhob sich gerade, ohne auch nur darauf zu warten, da� Egwene sich hinsetzte. �Ich m�chte dem Saal eine Frage stellen�, verk�ndete sie mit lauter, fester Stimme. �Wer ist bereit, der unrechtm��igen Machthaberin Elaida do Avriny a'Roihan den Krieg zu erkl�ren?�</p><p>Und dann setzte sie sich hin, warf ihren Umhang zur�ck und lie� ihn auf die Bank gleiten. Sheriam, die neben ihr auf dem Teppich stand, schien k�hl und gefa�t, stie� aber einen leisen Laut aus, fast ein Wimmern. Egwene glaubte nicht, da� sonst noch jemand es geh�rt hatte. Sie hoffte es nicht.</p><p>Es folgte ein kurzer Moment allgemeinen Entsetzens. Frauen erstarrten auf ihren Sitzen und sahen sie erstaunt an. Vielleicht ebenso sehr, weil sie diese Frage gestellt hatte, wie auch wegen der Frage selbst.</p><p>Niemand stellte dem Saal eine Frage, bevor er den Sitzenden das Wort erteilt hatte. Das tat man einfach nicht, ebenso sehr aus praktischen Gr�nden wie aus Tradition.</p><p>Schlie�lich ergriff Lelaine das Wort. �Wir erkl�ren keinen <emphasis>Einzelpersonen</emphasis> den Krieg�, sagte sie trocken. �Nicht einmal Verr�tern wie Elaida. Ich beantrage jedenfalls, Eure Frage zur�ckzustellen, w�hrend wir uns mit Dringlicherem befassen.� Sie hatte seit dem R�ckritt Zeit gehabt, sich zu sammeln. Ihre Miene wirkte jetzt nur noch unbeugsam, nicht mehr zornig. Sie strich �ber ihre mit blauen Schlitzen versehenen R�cke, als wische sie Elaida weg � oder vielleicht Egwene �, und wandte ihre Aufmerksamkeit dann den �brigen Sitzenden zu. �Was uns heute abend hier zusammengef�hrt hat, ist... Ich wollte gerade sagen, es sei einfach, aber das ist es nicht. Das Novizinnenbuch �ffnen? Es w�rden <emphasis>Gro�m�tter</emphasis> gepr�ft werden wollen. Einen Monat hierbleiben? Ich brauche die damit verbundenen Schwierigkeiten wohl kaum aufzuz�hlen, angefangen davon, da� wir die H�lfte unseres Goldes ausg�ben, ohne Tar Valon auch nur einen Schritt n�her zu kommen. Und was das Nicht�berschreiten der Grenze nach Andor betrifft...�</p><p>�Meine Schwester Lelaine hat in ihrer Besorgnis vergessen, wer das Vorrecht zu sprechen besitzt�, unterbrach Romanda sie ruhig. Ihr L�cheln lie� Lelaine noch fr�hlich erscheinen. Dennoch nahm sie sich die Mu�e, ihre Stola nach ihrem Geschmack zu richten, eine Frau, die alle Zeit der Welt besa�. �Ich stelle dem Saal zwei Fragen, und die zweite Frage wird auch Lelaines Besorgnis beinhalten. Bedauerlicherweise f�r sie betrifft meine erste Frage ausgerechnet Lelaines Eignung, weiterhin Mitglied des Saals zu bleiben.� Ihr L�cheln weitete sich noch, ohne auch nur im geringsten herzlicher zu werden. Lelaine setzte sich langsam hin und zeigte ihre Ver�rgerung deutlich.</p><p>�Eine Frage des Krieges kann nicht zur�ckgestellt werden�, wandte Egwene laut ein. �Sie mu� beantwortet werden, bevor eine weitere Frage gestellt werden darf. So lautet das Gesetz.�</p><p>Die Sitzenden wechselten rasche, fragende Blicke.</p><p>�Ist das so?� fragte Janya schlie�lich. Sie blinzelte nachdenklich und wandte sich auf ihrer Bank der Frau neben sich zu. �Takima, Ihr behaltet alles, was Ihr gelesen habt, und ich glaube mich gewi� zu erinnern, da� Ihr erw�hnt habt, auch das Kriegsrecht gelesen zu traben. Beinhaltet es dies?�</p><p>Egwene hielt den Atem an. Die Wei�e Burg hatte w�hrend der letzten tausend Jahre Soldaten in unz�hlige Kriege geschickt, aber stets als Antwort auf eine Bitte um Beistand von mindestens zwei Reichen, und es war stets ihr Krieg gewesen, nicht der Krieg der Burg. Das letzte Mal, als die Burg tats�chlich selbst den Krieg erkl�rte, hatte es sich um Artur Falkenfl�gel gehandelt. Siuan sagte, da� jetzt nur noch wenige Bibliothekare viel mehr wu�ten, als da� ein Kriegsrecht <emphasis>existierte.</emphasis></p><p>Klein, mit h�ftlangem dunklem Haar und einer Haut von der Farbe alten Elfenbeins, erinnerte Takima die Menschen oft an einen Vogel, den Kopf nachdenklich zur Seite gelegt. Jetzt wirkte sie wie ein Vogel, der losfliegen wollte, denn sie regte sich unruhig auf ihrem Platz, richtete ihre Stola und zupfte unn�tigerweise ihre Haube aus Perlen und Saphiren zurecht. �So ist es�, sagte sie schlie�lich und schlo� wieder energisch den Mund.</p><p>Egwene begann wieder ruhig zu atmen.</p><p>�Anscheinend�, sagte Romanda angespannt, �hat Siuan Sanche Euch gut ausgebildet, Mutter. Wie k�nnt Ihr Euch f�r eine Kriegserkl�rung aussprechen? Einer Frau gegen�ber.� Sie klang, als versuche sie, etwas Unangenehmes von sich zu schieben, und sie setzte sich wieder hin und wartete, da� es verschwand.</p><p>Egwene nickte dennoch huldvoll und erhob sich. Sie begegnete den Blicken der Sitzenden nacheinander ruhig und gefa�t. Takima mied ihren Blick. Licht, die Frau wu�te! Aber sie hatte geschwiegen. W�rde sie sich ausreichend lange ruhig verhalten? Es war zu sp�t, die Pl�ne noch zu �ndern.</p><p>�Heute stehen wir einem Heer gegen�ber, das von Menschen gef�hrt wird, die uns mi�trauen. Sonst g�be es dieses Heer nicht.� Egwene wollte mit Leidenschaft sprechen, sie hervorbrechen lassen, aber Siuan hatte ihr zu �u�erster K�hle geraten, und sie hatte schlie�lich zugestimmt. Die Sitzenden mu�ten sich einer selbstbeherrschten Frau gegen�bersehen, nicht einem M�dchen, das von seinen Gef�hlen geleitet wird. Die Worte kamen ihr jedoch aus dem Herzen. �Ihr habt Arathelle sagen h�ren, sie wolle nicht in Aes Sedai-Angelegenheiten verwickelt werden. Und doch haben sie bereitwillig ein Heer nach Murandy gebracht und stehen uns im Weg, da sie sich nicht sicher sind, wer wir sind oder was wir vorhaben. Hatte irgend jemand von Euch das Gef�hl, sie glaubten wirklich, da� Ihr Sitzende seid?� Malind, mit rundem Gesicht und zornigen Augen, regte sich auf ihrer Bank der Gr�nen, wie auch Salita, die an ihrer mit gelben Fransen versehenen Stola zog, obwohl ihr dunkles Gesicht ausdruckslos blieb. Berana, eine weitere in Salidar erw�hlte Sitzende, runzelte nachdenklich die Stirn. Egwene erw�hnte die Reaktion auf sie als Amyrlin nicht. Wenn ihnen dieser Gedanke nicht bereits gekommen war, wollte sie ihn ihnen nicht eingeben.</p><p>�Wir haben Elaidas Verbrechen zahllosen Adligen gegen�ber aufgef�hrt�, fuhr sie fort. �Wir haben ihnen gesagt, da� wir sie absetzen wollen. Aber sie bezweifeln es. Sie denken, da� wir vielleicht � vielleicht � das sind, was wir zu sein behaupten. Und vielleicht schwindeln wir ihnen etwas vor. M�glicherweise sind wir nur Elaidas Helfer, die einen wohldurchdachten Plan verfolgen. Zweifel qu�lt Menschen. Zweifel verliehen Pelivar und Arathelle den Mut, sich vor die Aes Sedai zu stellen und zu sagen: �Ihr k�nnt nicht weitergehen�. Wer wird sich uns noch in den Weg stellen oder sich einmischen, weil sie sich nicht sicher sind und die Unsicherheit sie dazu bringt, verwirrt zu handeln? Es gibt f�r uns nur eine M�glichkeit, ihre Verwirrung zu zerstreuen. Wir haben bereits alles andere getan. Wenn wir erkl�ren, da� wir uns mit Elaida im Kriegszustand befinden, k�nnen keine Zweifel mehr bestehen. Ich sage nicht, da� Arathelle und Pelivar und Aemlyn losmarschieren werden, sobald wir es tun, aber sie und alle anderen werden dann wissen, wer wir sind. Niemand wird es erneut wagen, seine Zweifel offen zu zeigen, wenn Ihr sagt, da� Ihr der Saal der Burg seid. Niemand wird es wagen, sich uns in den Weg zu stellen und sich durch Unsicherheit und Unwissenheit in die Angelegenheiten der Burg einzumischen. Wir sind zur T�r geschritten und haben unsere H�nde auf den Riegel gelegt. Wenn Ihr Angst habt, durch die T�r zu schreiten, dann fordert Ihr die Welt regelrecht heraus zu glauben, Ihr w�rt nichts als Marionetten Elaidas.�</p><p>Sie setzte sich wieder hin, �berrascht dar�ber, wie ruhig sie war. Jenseits der beiden Reihen der Sitzenden regten sich die drau�en befindlichen Schwestern und steckten die K�pfe zusammen. Sie konnte sich das aufgeregte Murmeln vorstellen, das Aledrins Schutz ausschlo�. Wenn nur Takima ausreichend lange schwieg!</p><p>Romanda brummte ungeduldig und stand nur so lange auf, um fragen zu k�nnen: �Wer tritt daf�r ein, Elaida den Krieg zu erkl�ren?� Ihr Blick schweifte erneut zu Lelaine, und ihr kaltes, selbstgef�lliges L�cheln kehrte zur�ck. Es war deutlich zu erkennen, was sie f�r wichtig erachtete, wenn dieser Unsinn erst vor�ber war.</p><p>Janya erhob sich sofort, und die langen braunen Fransen an ihrem Schal schwangen. �Wir k�nnten es ebensogut tun�, sagte sie. Janya sollte eigentlich nicht das Wort ergreifen, aber ihr energisch vorgerecktes Kinn und ihr scharfer Blick warnten jedermann, sie zur Ordnung zu rufen. F�r gew�hnlich war sie nicht so ungest�m, aber ihre Worte sprudelten jetzt �berst�rzt heraus. �Verbessern, wovon die Welt wei�, da� es dadurch nicht noch schlimmer wird. Nun? Nun? Ich sehe keinen Sinn darin zu warten.� Escaralde, die auf der anderen Seite von Takima sa�, nickte und erhob sich ebenfalls.</p><p>Mona sprang fast auf und blickte stirnrunzelnd auf Lyrelle hinab, die ihre R�cke raffte, als wollte sie ebenfalls aufstehen, aber dann z�gerte und Lelaine fragend ansah. Lelaine war zu sehr damit besch�ftigt, Romanda �ber die Teppiche hinweg finster anzustarren, um es zu bemerken.</p><p>Unter den Gr�nen standen Samalin und Malind zusammen auf, und Faiselle hob ruckartig den Kopf. Faiselle, eine gedrungene Domani mit kupferfarbener Haut, war keine Frau, die leicht zu ersch�ttern war, aber jetzt war sie best�rzt und wendete ihr kantiges Gesicht mit den geweiteten Augen von Samalin zu Malind und wieder zur�ck.</p><p>Salita stand auf, richtete sorgf�ltig ihre mit gelben Fransen versehene Stola und mied ebenso sorgf�ltig Romandas pl�tzlich finsteren Blick. Kwasema erhob sich ebenfalls, und dann Aledrin, die wiederum Berana am �rmel mit hochzog. Delana wandte sich auf ihrer Bank g�nzlich um und sp�hte zu den drau�en stehenden Schwestern. Obwohl kein Laut hereindrang, vermittelte sich die Aufregung der Zuschauer durch st�ndige Bewegung, zusammengesteckte K�pfe und den Sitzenden hastig zugeworfene Blicke. Delana, die sich z�gernd erhob, hatte beide H�nde auf den Bauch gepre�t, als wollte sie sich jeden Moment �bergeben. Takima verzog das Gesicht und betrachtete ihre auf den Knien ruhenden H�nde. Saroiya beobachtete die beiden anderen Wei�en Sitzenden und zupfte an ihrem Ohr, wie sie es auch tat, wenn sie tief in Gedanken versunken war. Aber niemand sonst machte Anstalten aufzustehen.</p><p>Egwene versp�rte ebenfalls leichte �belkeit. Zehn. Nur zehn. Sie war sich so sicher gewesen. Siuan war sich so sicher gewesen. Logain allein h�tte gen�gen sollen, wenn man ihr Unwissen �ber das betreffende Gesetz in Betracht zog. Pelivars Heer und Arathelles Weigerung zuzugeben, da� sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> Sitzende waren, h�tte sie anspornen sollen.</p><p>�F�r die Liebe des Lichts!� platzte Moira heraus. Sie wandte sich zu Lyrelle und Lelaine um und stemmte die F�uste in die H�ften. Wenn Janyas Ansprache den Gebr�uchen schon zuwider gewesen war, machte dies sie jedoch vollst�ndig zunichte. Zurschaustellungen von Zorn waren im Saal streng verboten, doch Moiras Augen blitzten, und ihr illianischer Akzent troff vor Zorn. �Worauf wartet Ihr? Elaida hat die Stola und den Stab gestohlen! Elaidas Ajah hat Logain zu einem falschen Drachen gemacht, und nur das Licht wei�, wie viele weitere M�nner noch! Keine Frau in der Geschichte der Burg hat diese Erkl�rung jemals mehr verdient! Steht auf oder schweigt von jetzt an �ber Eure <emphasis>Entschlossenheit,</emphasis> sie abzusetzen!�</p><p>Lelaine starrte sie nicht direkt an, aber man h�tte ihre Miene so deuten k�nnen, da� sie sich von einem Spatz angegriffen f�hlte. �Dies ist wohl kaum eine Abstimmung wert, Moira�, sagte sie mit angespannter Stimme. �Wir beide werden uns sp�ter �ber Anstand unterhalten. Dennoch, wenn Ihr eine Darbietung der Entschlossenheit braucht...� Sie stand mit heftigem Schnauben auf und vollf�hrte eine ebenso energische Kopfbewegung, die bewirkte, da� Lyrelle ebenfalls wie an F�den gezogen aufstand, Lelaine schien �berrascht, da� es Faiselle und Takima nicht auch auf die F��e brachte.</p><p>Takima, die weit davon entfernt war, sich zu erheben, stie� einen Laut aus, als w�re sie geschlagen worden. Unglaube �berzog ihr Gesicht, w�hrend sie den Blick �ber die stehenden Frauen gleiten lie� und sie offensichtlich z�hlte. Und es dann erneut tat. Takima, die sich an <emphasis>alles</emphasis> beim ersten Mal erinnerte.</p><p>Egwene atmete vor Erleichterung tief aus. Es war vollbracht. Sie konnte es kaum glauben. Kurz darauf r�usperte sie sich, und Sheriam sprang tats�chlich auf.</p><p>Die gr�nen Augen gro� wie Untertassen, r�usperte sich auch die Beh�terin der Chroniken. �Da die Mehrheit daf�r gestimmt hat, wird Elaida do Avriny a'Roihan hiermit der Krieg erkl�rt.� Ihre Stimme klang nicht allzu fest, aber es gen�gte. �Im Interesse der Einigkeit bitte ich die Minderheit, ebenfalls aufzustehen.�</p><p>Faiselle regte sich unentschlossen und pre�te die H�nde im Scho� zusammen. Saroiya �ffnete den Mund und schlo� ihn mit besorgter Miene wieder, ohne etwas gesagt zu haben. Niemand sonst regte sich.</p><p>�Ihr werdet sie nicht bekommen�, sagte Romanda tonlos. Das Hohnl�cheln, mit dem sie Lelaine bedachte, gen�gte als Feststellung, warum zumindest sie nicht aufstehen w�rde. �Jetzt, da diese unwichtige Angelegenheit gekl�rt ist, k�nnen wir mit...�</p><p>�Ich glaube nicht, da� wir das k�nnen�, unterbrach Egwene sie. �Takima, was sagt das Kriegsrecht �ber den Amyrlin-Sitz?� Romanda blieb mit offenem Mund stehen.</p><p>Takima verzog die Lippen. Die kleine Braune erinnerte mehr denn je an einen Vogel, der davonfliegen wollte. �Das Kriegsrecht...�, begann sie, atmete dann tief durch und setzte sich aufrecht hin. �Das Kriegsrecht besagt: �Wie ein Paar H�nde ein Schwert f�hren mu�, so soll der Amyrlin-Sitz den Krieg durch einen Erla� befehlen und durchf�hren. Sie soll den Rat des Saals der Burg suchen, aber der Saal soll alle ihre Erlasse m�glichst rasch ausf�hren, und sie sollen, um der Einigkeit willen...�� Sie z�gerte und mu�te sich sichtlich zwingen fortzufahren. �...sie sollen und m�ssen jeden Erla� des Amyrlin-Sitzes bez�glich der Durchf�hrung des Krieges billigen, als w�re er mehrheitlich beschlossen.�</p><p>Ein langes Schweigen entstand. Aller Augen schienen hervorzutreten. Delana wandte sich j�h um und erbrach sich auf die Teppiche hinter ihrer Bank. Kwamesa und Salita stiegen herab und wollten zu ihr gehen, aber sie winkte sie zur�ck und zog ein Tuch aus ihrem �rmel, um sich den Mund abzuwischen. Magla und Saroiya und mehrere andere, die noch sa�en, machten ein Gesicht, als wollten sie ihrem Beispiel folgen. Jedoch keine der anderen, die in Salidar erw�hlt worden waren. Romanda wirkte eisenhart.</p><p>�Sehr klug�, sagte Lelaine schlie�lich kurz angebunden und f�gte nach einer wohlerwogenen Pause hinzu: �Mutter. Werdet Ihr uns an dem teilhaben lassen, was die gro�e Weisheit Eurer umfangreichen Erfahrung Euch zu tun r�t? Ich meine, wegen des Krieges. Ich m�chte nicht mi�verstanden werden.�</p><p>�Ich m�chte ebenfalls nicht mi�verstanden werden�, sagte Egwene kalt. Sie beugte sich vor und fixierte die Blaue Schwester streng. �Ein gewisses Ma� an Respekt dem Amyrlin-Sitz gegen�ber ist <emphasis>unumg�nglich,</emphasis> und von nun an <emphasis>werde</emphasis> ich ihn bekommen, Tochter. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, Euch Eures Amtes zu entheben und eine Strafe auszusprechen.� Lelaines Augen weiteten sich vor Entsetzen immer st�rker. Hatte die Frau wirklich geglaubt, alles w�rde so weitergehen wie bisher? Oder hatte Lelaine, nachdem Egwene es so lange kaum gewagt hatte, auch nur ein wenig R�ckgrat zu zeigen, einfach gedacht, sie bes��e keines? Sie wollte Lelaine wirklich nicht ihres Amtes entheben. Sie mu�te mit dem vollst�ndigen Saal noch immer �ber Angelegenheiten verhandeln, die nicht �berzeugend als Teil des Krieges gegen Elaida ausgegeben werden konnten.</p><p>Sie bemerkte aus den Augenwinkeln ein L�cheln um Romandas Lippen, als sie Lelaine sich hinsetzen sah. �Das gilt f�r alle, Romanda�, sagte sie. Romandas L�cheln schwand j�h.</p><p>�Wenn ich etwas sagen d�rfte, Mutter�, bat Takima und erhob sich z�gernd. Sie versuchte zu l�cheln, schien sich aber noch immer entschieden unwohl zu f�hlen. �Ich denke, Ihr habt einen guten Anfang gemacht. Es hat vielleicht Vorteile, hier einen Monat haltzumachen. Oder l�nger.� Romanda wandte ruckartig den Kopf und starrte sie an, aber dieses eine Mal bemerkte Takima es anscheinend nicht. �Wenn wir hier �berwintern, k�nnen wir noch schlimmeres Wetter weiter im Norden meiden und auch sorgf�ltig Vorbereitungen treffen...�</p><p>�Die Verz�gerungen haben ein Ende, Tochter�, unterbrach Egwene sie. �Wir werden uns keine Zeit mehr lassen.� W�rde sie eine neue Gerra oder eine neue Shein werden? Beides war noch immer m�glich. �Wir werden in einem Monat aufbrechen.� Nein, sie war Egwene al'Vere. Was auch immer die geheimen Aufzeichnungen �ber ihre Fehler und Tugenden besagen w�rden, wu�te nur das Licht, aber es w�ren ihre eigenen Fehler und Tugenden. �Wir werden in einem Monat mit der Belagerung Tar Valons beginnen.�</p><p>Dieses Mal wurde das Schweigen nur von Takimas Weinen unterbrochen.</p></section><section><title><p>20</p><p>Nach Andor</p></title><p>Elayne hoffte insgeheim, da� die Reise nach Caemlyn reibungslos verlaufen w�rde. Vollkommen ersch�pft kauerte sie neben Aviendha und Birgitte in den von ihrer Kleidung �briggebliebenen Lumpen, die vor Dreck und Staub und dem Blut der Verletzungen starrten, die sie bei der Explosion des Wegetors davongetragen hatte. Sie w�re bestenfalls in zwei Wochen imstande, ihre Anspr�che auf den L�wenthron anzumelden. Auf dem H�gelkamm heilte Nynaeve Elaynes zahlreiche Verletzungen, sprach kaum ein Wort und schalt sie vor allem nicht aus. Das war sicherlich ein erfreuliches Zeichen, wenn auch ungew�hnlich. Ihre Miene spiegelte den Kampf zwischen der Erleichterung dar�ber, da� sie alle am Leben waren, und der Sorge wider.</p><p>Lans Kraft war n�tig, um den seanchanischen Armbrustpfeil aus Birgittes Oberschenkel zu ziehen, bevor sie von dieser Wunde Geheilt werden konnte, aber obwohl ihr Gesicht bleich wurde und Elayne durch den Bund einen stechenden Schmerz empfand, der in ihr das Bed�rfnis erweckte aufzuschreien, st�hnte ihre Beh�terin nur durch zusammengebissene Z�hne.</p><p><emphasis>��Tai'shar,</emphasis> Kandor�, murmelte Lan, als er die vierkantige Eisenspitze, die eigentlich daf�r gedacht war, R�stungen zu durchschlagen, neben sich auf den Boden warf. Das wahre Blut Kandors. Birgitte blinzelte, und er hielt inne. �Verzeiht, wenn ich mich geirrt habe. Aus Eurer Kleidung habe ich geschlossen, da� Ihr eine Kandori w�rt.�</p><p>�O ja�, hauchte Birgitte. �Kandori.� Sie l�chelte, vielleicht aufgrund ihrer Verletzungen, nur schwach. Nynaeve scheuchte Lan ungeduldig aus dem Weg, damit sie sich um Birgitte k�mmern konnte. Elayne hoffte, da� die Frau mehr �ber Kandor w��te als nur den Namen des Landes. Als Birgitte geboren wurde, hatte Kandor noch nicht existiert. Das h�tte sie als Omen nehmen sollen.</p><p>Birgitte ritt die f�nf Meilen bis zu dem kleinen Gutshaus mit dem Schieferdach hinter Nynaeve auf deren st�mmiger brauner Stute, und Elayne und Aviendha ritten Lans gro�en schwarzen Hengst. Zumindest Elayne sa� auf Mandarbs Sattel, Aviendhas Arme um ihre Taille, w�hrend Lan das temperamentvolle Tier f�hrte. Ausgebildete Schlachtrosse waren ebenso gute Waffen wie Schwerter und f�r Fremde gef�hrliche Reittiere. <emphasis>Sei deiner selbst sicher, M�dchen,</emphasis> hatte Lini ihr stets gesagt, <emphasis>aber nicht</emphasis> zu <emphasis>sicher,</emphasis> und sie versuchte es. Sie h�tte erkennen sollen, da� sie die Ereignisse nicht besser unter Kontrolle hatte als Mandarbs Z�gel.</p><p>Bei dem dreist�ckigen Steingeb�ude hatten der st�mmige und grauhaarige Meister Hornwell und seine etwas weniger rundliche und etwas weniger grauhaarige Frau, die aber ihrem Mann ansonsten bemerkenswert �hnlich sah, alle auf den L�ndereien arbeitenden Knechte und M�gde sowie Merililles Dienerin Pol und die gr�nwei� livrierten Bediensteten aus dem Tarasin-Palast umhergescheucht, um Schlafgelegenheiten f�r �ber zweihundert Leute, zumeist Frauen, zu schaffen, die in der D�mmerung aus dem Nichts aufgetaucht waren. Die Vorbereitungen schritten �berraschend schnell voran, obwohl die Landarbeiter immer wieder stehenblieben, um das alterslose Gesicht einer Aes Sedai, den die Farbe ver�ndernden Umhang eines Beh�ters, der ihn teilweise verschwinden lie�, oder eine Angeh�rige des Meervolks in all ihrer bunten Seide und mit ihrem ungew�hnlichen Schmuck anzustarren. Frauen der Schwesternschaft kamen �berein, da� es jetzt angebracht sei, sich zu f�rchten und zu weinen, gleichg�ltig, was Reanne und der Frauenzirkel ihnen sagten. Die Windsucherinnen murrten dar�ber, wie weit sie sich vom Meer entfernt h�tten � gegen ihren Willen, wie Renaile din Calon lauthals behauptete. Und Adlige und Handwerkerinnen, die nur zu bereitwillig vor dem geflohen waren, was auch immer in Ebou Dar zur�ckgeblieben war, und bereitwillig das B�ndel mit ihren Habseligkeiten auf dem R�cken trugen, schimpften jetzt dar�ber, da� ihnen ein Heuboden zum Schlafen angeboten wurde.</p><p>All das war im Gange, als Elayne und die �brigen eintrafen, w�hrend die Sonne am westlichen Horizont versank � Trubel und Geschrei rund um das Haus und die strohgedeckten Au�engeb�ude, aber Alise Tenjile, die liebensw�rdig und gleichzeitig verbissen l�chelte, schien die Situation besser im Griff zu haben als selbst die f�higen Hornwells. Frauen der Schwesternschaft, die trotz Reannes tr�stenden Versuchen jetzt noch heftiger weinten, trockneten auf eine gemurmelte Bemerkung von Alise hin ihre Tr�nen und setzten sich mit der entschlossenen Haltung von Frauen, die sich in einer feindselig gesinnten Welt viele Jahre lang um sich selbst gek�mmert hatten, in Bewegung. Hochm�tige Adlige mit Hochzeitsdolchen in den ovalen Ausschnitten ihrer spitzenges�umten Leibchen und Handwerkerinnen, die fast ebenso viel Anma�ung und Busen zeigten, wenn sie auch keine Seide trugen, schreckten beim Anblick der herannahenden Alise zur�ck und eilten auf die gro�en Scheunen zu, w�hrend sie ihre B�ndel umklammerten und laut verk�ndeten, sie h�tten es sich schon immer gew�nscht, auf Stroh zu schlafen. Selbst die Windsucherinnen, von denen viele unter den Atha'an Miere bedeutende und m�chtige Frauen waren, �u�erten ihre Beschwerden verhaltener, wenn Alise sich n�herte. Sareitha, welche die Alterslosigkeit noch nicht erlangt hatte, sah Alise fragend an und ber�hrte ihre Stola mit den braunen Fransen, wie um sich zu vergewissern, da� diese noch vorhanden war. Merilille, die durch nichts zu ersch�ttern war, beobachtete die Frau mit einer Mischung aus Anerkennung und offener Verwunderung bei ihrer Arbeit.</p><p>Nynaeve stieg vor der Eingangst�r des Hauses aus dem Sattel, schaute zu Alise, zog einmal wohlerwogen und angemessen an ihrem Zopf, was die andere Frau vor Gesch�ftigkeit nicht bemerkte, und schritt ins Haus, wobei sie ihre blauen Reithandschuhe abstreifte und vor sich hin murmelte. Lan lachte leise, w�hrend er ihr nachsah, erstickte sein Lachen aber sofort, als Elayne abstieg. Licht, wirkten seine Augen kalt! Sie hoffte um Nynaeves willen, da� der Mann vor seinem Schicksal bewahrt werden konnte, aber sie glaubte es nicht, wenn sie in diese Augen sah.</p><p>�Wo ist Ispan?� fl�sterte sie, w�hrend sie Aviendha beim Absteigen half. Viele der Frauen wu�ten, da� eine Aes Sedai � eine Schwarze Schwester � gefangengehalten wurde, daher w�rde sich die Nachricht wie ein Lauffeuer auf den L�ndereien verbreiten, aber es war besser, wenn die Bewohner des Gutshofs ein wenig vorbereitet waren.</p><p>�Adeleas und Vandene haben sie zu einer kleinen Holzf�llerh�tte ungef�hr eine halbe Meile von hier gebracht�, erwiderte er ebenso leise. �Ich glaube nicht, da� jemand in all diesem Durcheinander eine Frau mit einem Sack �ber dem Kopf bemerkt hat. Die Schwestern sagten, sie w�rden heute nacht bei ihr bleiben.�</p><p>Elayne erschauderte. Die Schattenfreundin sollte anscheinend erneut befragt werden, sobald die Sonne untergegangen war. Sie waren jetzt in Andor, daher empfand sie noch st�rker das Gef�hl, sie h�tte den entsprechenden Befehl gegeben.</p><p>Schon bald sa� sie in einer kupfernen Badewanne, geno� parf�mierte Seife und saubere Haut, lachte und bespritzte Birgitte mit Wasser, die sich in einer weiteren Wanne rekelte und zur�ckspritzte, woraufhin sie beide �ber Aviendhas schlecht verh�lltes Entsetzen kicherten, da� sie bis zur Brust im Wasser sa�. Aviendha meinte jedoch, einen sehr guten Scherz gemacht zu haben und erz�hlte daraufhin eine h�chst unpassende Geschichte �ber einen Mann, der sich <emphasis>Segadestacheln</emphasis> im Hinterteil zuzog. Dann erz�hlte Birgitte eine noch unpassendere Geschichte �ber eine Frau, die mit dem Kopf zwischen Zaunlatten feststeckte, die sogar Aviendha err�ten lie�. Sie hatten jedoch <emphasis>wirklich</emphasis> Spa� dabei. Elayne w�nschte, sie k�nnte ebenfalls eine solche Geschichte beitragen.</p><p>Sie und Aviendha k�mmten und b�rsteten einander das Haar � ein allabendliches Ritual von N�chstschwestern �, dann kuschelten sie sich m�de in die mit einem Baldachin versehenen Betten in einem kleinen Raum, in dem gl�cklicherweise nur sie und Aviendha, Birgitte und Nynaeve schliefen. In gr��eren R�umen bedeckten Feldbetten und Strohlager den Boden, auch in den Wohnr�umen, den K�chen und auf den meisten G�ngen. Nynaeve murrte die halbe Nacht �ber die Ungeh�rigkeit, eine Frau zu zwingen, von ihrem Mann getrennt zu schlafen, und die andere H�lfte der Nacht weckten ihre Ellbogen Elayne anscheinend jedes Mal, wenn sie einschlief. Birgitte weigerte sich schlicht, den Platz zu tauschen, und Aviendha konnte sie nicht bitten, die heftigen St��e der Frau zu erdulden, so da� sie nicht viel Schlaf fand.</p><p>Elayne f�hlte sich noch immer angeschlagen, als sie sich am n�chsten Morgen, als die aufgehende Sonne wie eine schmelzende Goldkugel am Himmel stand, zum Aufbruch bereitmachten. Es gab nur wenige Reittiere auf dem Gutshof, die sie zudem nicht alle mitnehmen konnten, so da� diejenigen, die zu Fu� vom Bauernhof der Schwesternschaft geflohen waren, auch weiterhin zu Fu� gehen mu�ten, wohingegen Elayne einen schwarzen Wallach namens Feuerherz und Aviendha und Birgitte ebenfalls frische Pferde ritten. Auch die meisten Frauen der Schwesternschaft waren zu Fu�, w�hrend die Diener die Packpferde f�hrten wie auch die ungef�hr zwanzig Frauen, die ihren Besuch auf dem Bauernhof der Schwesternschaft in der Hoffnung auf Frieden und besinnliche Betrachtung offensichtlich nicht mehr bedauerten. Die Beh�ter ritten voraus und erkundeten den Weg um die welligen, mit verdorrten B�umen bestandenen H�gel. Alle �brigen bildeten eine h�chst eigenartige Kolonne, angef�hrt von Nynaeve, Elayne und den anderen Schwestern. Und nat�rlich Aviendha.</p><p>Die Gruppe konnte kaum unbemerkt bleiben � so viele Frauen, die mit so wenigen M�nnern als Besch�tzer reisten, ganz zu schweigen von zwanzig dunklen Windsucherinnen, die unbeholfen auf ihren Pferden sa�en und bunt wie exotisch gefiederte V�gel gekleidet waren, sowie neun Aes Sedai, von denen sechs f�r jedermann erkennbar waren, der wu�te, worauf er achten mu�te. Als z�ge nicht schon die eine Frau, die mit einem Ledersack �ber dem Kopf ritt, neugierige Blicke auf sich. Elayne hatte gehofft, Caemlyn unbemerkt zu erreichen, aber das schien kaum mehr m�glich. Dennoch gab es keinen Grund, warum jemand vermuten sollte, da� Elayne Trakand, die Tochter-Erbin selbst, zu dieser Reisegesellschaft geh�rte. Anfangs glaubte sie, die gr��te bevorstehende Schwierigkeit best�nde darin, da� sich jemand ihren Anspr�chen entgegenstellte, wenn er von ihrer Anwesenheit erf�hre, und bewaffnete M�nner entsandte, die sie in Gewahrsam nehmen sollten, bis die Nachfolge geregelt w�re.</p><p>Inzwischen erwartete sie die ersten Schwierigkeiten von den fu�kranken Handwerkerinnen und Adligen, allesamt stolze Frauen und keine daran gew�hnt, staubige H�gel zu erklimmen. Besonders, seit Merililles Dienerin ihre eigene gedrungene Stute ritt. Den wenigen B�uerinnen unter ihnen machte der Fu�marsch anscheinend nicht allzuviel aus, aber fast die H�lfte der Gruppe bestand aus Frauen, die L�ndereien und G�ter und Pal�ste besa�en, und die meisten der �brigen h�tten es sich zumindest leisten k�nnen, unter Umst�nden sogar mehrere Gutsh�fe zu kaufen. Darunter befanden sich zwei Goldschmiedinnen, drei Weberinnen, die zusammen �ber vierhundert Webst�hle besa�en, eine Frau, in deren Manufakturen ein Zehntel aller Lackwaren Ebou Dars gefertigt wurden, und eine Bankhalterin. Sie gingen zu Fu�, ihren Besitz auf den R�cken gebunden, w�hrend ihre Pferde mit Proviant beladen waren. Es drohte dr�ckende Not. Die letzten M�nzen aus aller Geldb�rsen waren gesammelt und Nynaeves strenger Obhut �bergeben worden, aber selbst das reichte vielleicht nicht mehr den ganzen Weg nach Caemlyn f�r Nahrung, Futter und Unterkunft f�r eine solch gro�e Gruppe aus. Doch die Frauen verstanden anscheinend nicht. W�hrend der ersten Tagesm�rsche beschwerten sie sich laut und unabl�ssig. Am lautesten von allen klagte eine schlanke Lady mit einer d�nnen Narbe auf der Wange, eine Frau mit starrer Miene namens Malien, die unter dem Gewicht eines gewaltigen B�ndels von einem Dutzend oder mehr Kleidern stark gebeugt ging.</p><p>Als sie am ersten Abend lagerten, die Herdfeuer im Zwielicht flackerten und alle von Bohnen und Brot ges�ttigt, wenn auch nicht zufrieden mit dem Essen waren, versammelte Malien die adligen Frauen um sich, deren Seidengew�nder von der Reise stark verschmutzt waren. Die Handwerkerinnen schl�ssen sich ihnen ebenfalls an wie auch die Bankhalterin, und die B�uerinnen blieben in der N�he. Bevor Malien jedoch ein Wort sagen konnte, gesellte sich Reanne zu der Gruppe. Ihr Gesicht wies viele kleine F�ltchen auf. In ihrem einfachen braunen Tuch und mit auf der linken Seite hochgen�hten R�cken, so da� bunte Schichten Unterr�cke zu sehen waren, h�tte man sie ebenfalls f�r eine B�uerin halten k�nnen.</p><p>�Wenn Ihr nach Hause zur�ckkehren wollt�, verk�ndete sie mit ihrer ungew�hnlich hohen Stimme, �k�nnt Ihr das jederzeit tun. Ich bedaure jedoch, in diesem Fall Eure Pferde hierbehalten zu m�ssen. Ihr werdet daf�r entsch�digt, sobald es m�glich ist. Wenn Ihr Euch jedoch entscheidet zu bleiben, denkt daran, da� die Regeln des Bauernhofs noch immer gelten.� Eine Anzahl der Frauen um sie herum sahen sie mit offenen M�ndern an. Malien war nicht die einzige, die ver�rgert den Mund aufsperrte.</p><p>Alise tauchte pl�tzlich an Reannes Seite auf, die F�uste in die H�ften gestemmt. Sie l�chelte jetzt nicht mehr. �Ich sagte, da� die letzten zehn, die zum Aufbruch bereit w�ren, den Abwasch �bernehmen m��-ten�, belehrte sie die Frauen erneut entschlossen und benannte sie augenblicklich: Julien, eine rundliche Goldschmiedin, Naiselle, die Bankhalterin mit den k�hlen Augen, sowie alle acht adligen Frauen. Sie standen da und starrten Alise an, bis sie in die H�nde klatschte und verk�ndete: �Zwingt mich nicht, die Regel f�r Vers�umnisse anzuwenden, damit Ihr Euren Anteil an den Aufgaben erledigt.�</p><p>Malien eilte mit geweiteten Augen und ungl�ubig vor sich hin murmelnd als letzte davon, um die Schalen einzusammeln, aber am n�chsten Morgen verringerte sie ihr B�ndel, indem sie spitzenges�umte Seidengew�nder am Fu� des H�gels zur�cklie�, �ber die beim Aufbruch hinweggetrampelt wurde. Elayne erwartete weiteren Widerstand, aber Reanne f�hrte die Frauen mit fester Hand und Alise mit noch festerer, und wenn Malien und die �brigen m�rrisch dreinblickten und sich �ber die tagt�glich zunehmenden Schmutzflecken auf ihren Kleidern beklagten, waren nur wenige Worte Reannes n�tig, um sie an die Arbeit zu schicken. Alise mu�te sogar nur in die H�nde klatschen.</p><p>W�re die restliche Reise ebenso friedlich verlaufen, w�re Egwene bereit gewesen, sich diesen Frauen bei ihrer Schmutzarbeit anzuschlie�en. Dessen war sie sich schon lange sicher, bevor sie in Caemlyn eintrafen.</p><p>Als sie einen schmalen, staubigen Pfad erreichten, der kaum mehr als eine Wagenspur war, trafen sie bald auf Bauernh�fe, strohgedeckte Steinh�user und an den H�gelh�ngen kauernde oder sich in Mulden schmiegende Scheunen. Von da an verbrachten sie, gleichg�ltig, ob das Land h�gelig oder flach, bewaldet oder kahl war, selten viele Stunden au�er Sicht eines Bauernhofs oder Dorfes. W�hrend die Ortsans�ssigen die seltsamen Fremden anstarrten, versuchte Elayne �berall zu erfahren, wieviel Unterst�tzung das Haus Trakand fand und wor�ber sich die Menschen am meisten sorgten. Es w�re bedeutsam, diese Sorgen anzusprechen, wenn sie ihren Anspruch auf den Thron hinreichend best�rken wollte � ebenso wichtig wie die Unterst�tzung durch andere H�user. Sie h�rte vieles, wenn auch nicht immer das, was sie sich zu h�ren erhofft hatte. Andoraner beanspruchten das Recht, der K�nigin selbst ihre Meinung kundzutun. Sie hielten sich einer jungen Adligen gegen�ber kaum zur�ck, gleichg�ltig, welch eigent�mliche Reisegef�hrten sie begleiteten.</p><p>In einem Dorf namens Damelien mit drei M�hlen neben einem schmalen, fast ausgetrockneten Flu� bemerkte ein Gastwirt mit kantigem Kinn, da� er Morgase f�r eine gute K�nigin gehalten habe, die beste, die man haben konnte, die beste, die es jemals g�be. �Ihre Tochter w�re vielleicht auch eine gute Herrscherin gewesen�, fuhr er m�rrisch fort und rieb mit dem Daumen �ber sein Kinn. �Schade, da� der Wiedergeborene Drache sie get�tet hat. Vermutlich mu�te er es tun � vielleicht wegen der Prophezeiungen �, aber er hatte keinen Grund, die Fl�sse austrocknen zu lassen, nicht wahr? Wieviel Korn, sagtet Ihr, brauchen Eure Pferde, Lady? Ich f�rchte, es ist sehr teuer.�</p><p>Eine Frau mit hartem Gesichtsausdruck in einem zerschlissenen braunen Gewand, das ihr offensichtlich zu gro� war, begutachtete ein von einer niedrigen Steinmauer umgebenes Feld, von dem der hei�e Wind Staub in den Wald fegte. Die �brigen Bauernh�fe um Grabh�gel waren in ebenso schlechtem oder noch schlechterem Zustand. �Ich frage Euch � hatte der Wiedergeborene Drache ein Recht, uns das anzutun?� Sie spie aus und sah stirnrunzelnd zu Elayne auf. �Der Thron? Oh, Dyelin ist ebensogut wie jede andere, jetzt, da Morgase und ihre Tochter tot sind. Einige hier in der Gegend treten noch immer f�r Naean oder Elenia ein, aber ich bin f�r Dyelin. Doch Caemlyn ist weit entfernt, und meine Sorge gilt der Ernte. Wenn ich jemals wieder etwas ernten kann.�</p><p>�Oh, es ist wahr, meine Lady, es ist wahr. Elayne lebt�, belehrte sie ein hagerer alter Tischler in Forel Markt. Er war vollkommen kahl und seine Finger vom Alter verkr�mmt, aber die Arbeiten, die in seiner Werkstatt zwischen Hobel- und S�gesp�nen standen, waren nicht schlechter als alle anderen, die Elayne bisher gesehen hatte. Sie war mit ihm allein in der Werkstatt. Das Dorf machte einen ziemlich verlassenen Eindruck. �Der Wiedergeborene Drache l��t sie nach Caemlyn bringen, um ihr die Rosenkrone eigenh�ndig aufzusetzen�, wagte er sich weiter vor. �Die Nachricht hat sich schnell verbreitet. Ich finde es nicht richtig. Wie ich h�rte, ist er einer dieser schwarz�ugigen Aiel. Wir sollten nach Caemlyn marschieren und ihn und alle Aiel dorthin zur�cktreiben, woher sie gekommen sind. Dann kann Elayne den Thron selbst beanspruchen. Wenn Dyelin ihr den Thron �berhaupt �berl��t.�</p><p>Elayne h�rte vieles �ber Rand. Man munkelte, da� er Elaida die Treue geschworen habe, und andere wollten wissen, da� er ausgerechnet der K�nig von Illian sei. In Andor wurde er f�r alles Schlechte verantwortlich gemacht, was w�hrend der letzten zwei oder drei Jahre geschehen war, einschlie�lich Totgeburten und gebrochener Beine, Heuschreckenplagen, zweik�pfiger K�lber und dreibeiniger H�hner. Und selbst Menschen, die glaubten, Elaynes Mutter h�tte das Land verw�stet und es sei ein Segen, da� die Herrschaft des Hauses Trakand beendet sei, hielten Rand al'Thor noch immer f�r einen Eindringling. Der Wiedergeborene Drache solle lieber den Dunklen K�nig in Shayol Ghul bek�mpfen und aus Andor vertrieben werden. Das war nicht das, was sie zu h�ren gehofft hatte, ganz und gar nicht. Aber sie h�rte dieses Gerede immer und immer wieder. Es war eine durchwegs unerfreuliche Reise. Es war eine einzige lange Lektion in Linis Lieblingssprichwort: <emphasis>Nicht der Stein, den du siehst, ist schuld daran, wenn du auf die Nase f�llst.</emphasis></p><p>Sie dachte daran, da� die Adligen Schwierigkeiten machen k�nnten, und noch an eine Anzahl anderer Dinge, von denen einige gewi� ebenso gro�e Ersch�tterungen hervorriefen wie das Wegetor. Durch den Vertrag mit Nynaeve und ihr selbst �berheblich geworden, traten die Windsucherinnen den <emphasis>Aes</emphasis> Sedai gegen�ber aufreizend �berlegen auf, besonders nachdem herauskam, da� Merilille zugestimmt hatte, als eine der ersten Schwestern zu den Schiffen zu gehen. Aber obwohl eine Mi�stimmung blieb, kam sie niemals ganz zum Ausbruch. Die Windsucherinnen und die Frauen der Schwesternschaft, besonders der Frauenzirkel, schienen ebenso gewi� mit ihrer Geduld am Ende. Sie ignorierten einander, wenn sie sich nicht offen verh�hnten, die Schwesternschaft die �Meervolk-Wilden, die die Nase hoch tragen�, und die Windsucherinnen die kriecherischen Sandw�rmer, die den Aes Sedai die F��e k�ssen�. Aber es ging niemals �ber gesch�rzte Lippen oder liebkoste Dolche hinaus.</p><p>Ispan bot gewi� Anla� zur Sorge, wie Elayne glaubte, aber nach wenigen Tagen lie�en Vandene und Adeleas sie ohne den Ledersack, jedoch abgeschirmt reiten, eine schweigsame Gestalt mit farbigen Perlen in ihren d�nnen Z�pfen, das alterslose Gesicht gesenkt und die Z�gel in H�nden. Renaile erz�hlte jedermann, der zuh�ren wollte, da� eine Schattenfreundin unter den Atha'an Miere ihrer Namen beraubt wurde, sobald ihre Schuld bewiesen sei, und dann mit Steinen an den F��en �ber Bord geworfen w�rde. Unter den Frauen der Schwesternschaft erbla�ten sogar Reanne und Alise ein jedes Mal, wenn sie der Tarabonerin ansichtig wurden. Ispan hingegen wurde von Tag zu Tag sanfter, suchte eifrig zu gefallen und l�chelte den beiden wei�haarigen Schwestern gewinnend zu, gleichg�ltig, was sie ihr antaten, wenn sie sie nachts von den �brigen fortbrachten. Adeleas und Vandene wurden andererseits immer mi�mutiger. Adeleas berichtete Nynaeve in Elaynes H�rweite, da� die Frau ganze B�nde �ber alte Pl�ne der Schwarzen Ajah erz�hlte, sowohl �ber jene, an denen sie nicht beteiligt war, wie auch �ber jene, die sie sehr wohl mit Begeisterung verfolgt hatte, aber selbst als sie sie hart bedr�ngten � Elayne mochte sich nicht �berwinden zu fragen, wie dies geschah � und sie Namen von Schattenfreunden preisgab, waren es �berwiegend Namen von Toten, unter denen kein Name einer Schwester war. Vandene �u�erte ihre allm�hliche Bef�rchtung, sie habe einen Eid geschworen, ihre Komplizen nicht zu verraten. Sie schirmten Ispan weiterhin so weit wie m�glich von den anderen ab und fuhren mit ihren Befragungen fort, aber es war offensichtlich, da� sie sich blind und vorsichtig vorantasten mu�ten.</p><p>Und da waren Nynaeve und Lan, wobei sie bei dem Bem�hen fast platzte, ihr Temperament in seiner N�he zu z�geln. Nynaeve vertr�umte die Zeit mit Gedanken an ihn, wenn sie getrennt schlafen mu�ten � was bei der Einteilung der Unterk�nfte fast immer der Fall war � und schwankte zwischen Begierde und Angst, wenn sie sich mit ihm auf einen Heuboden davonstehlen konnte. Elaynes Einsch�tzung nach war es ihr eigener Fehler, sich eine Meervolk-Hochzeit erw�hlt zu haben. Die Meervolkleute glaubten ebenso an Hierarchie wie an das Meer, und sie wu�ten, da� bei einem Ehepaar vielleicht viele Male in ihrem Leben einmal der eine und einmal der andere �berwog. Ihre Hochzeitsriten trugen dem Rechnung. Wer auch immer das Recht hatte, offiziell zu befehlen, mu�te privat gehorchen. Nynaeve behauptete, da� Lan niemals Nutzen daraus zog. �Nicht wirklich�, sagte sie, was immer das bedeuten sollte, und bei diesen Worten err�tete sie stets. Aber sie wartete weiterhin darauf, da� er es t�te, und ihn belustigte dies anscheinend in zunehmendem Ma�e. Diese Belustigung sch�rte nat�rlich wiederum Nynaeves Zorn. Und Nynaeve explodierte tats�chlich �von allen Wutausbr�chen, die Elayne erwartet hatte, der erste. Sie fauchte jeden an, der ihr in den Weg geriet, au�er Lan, bei dem sie butterweich war, und Alise. Ein oder zwei Mal h�tte sie beinahe die Beherrschung verloren, aber selbst Nynaeve konnte sich wohl nicht dazu bringen, Alise anzufauchen.</p><p>Elayne hegte Hoffnungen, nicht Sorgen, da auch die anderen Artefakte zusammen mit der Schale der Winde aus dem Rahad herausgebracht worden waren. Aviendha half ihr beim Suchen und auch Nynaeve das eine oder andere Mal, aber sie war viel zu langsam und unbeholfen und zeigte wenig Geschick darin, das, was sie suchten, zu finden. Sie entdeckten keinen <emphasis>Angreal</emphasis> mehr, aber die Sammlung von <emphasis>Ter 'angrealen</emphasis> wuchs. Nachdem aller Unrat beseitigt worden war, f�llten die Gegenst�nde, die man mit Hilfe der Einen Macht benutzen konnte, f�nf ganze Tragk�rbe der Packpferde.</p><p>Da Elayne sehr vorsichtig vorging, schritt ihr Studium der Artefakte nicht allzu schnell voran. Hierbei war die Anwendung der Macht Geist die sicherste � es sei denn nat�rlich, da� zuf�llig Geist die Macht war, die den Gegenstand ausl�ste! �, aber hin und wieder mu�te sie auch andere Str�nge benutzen, die sie dann so sanft wie m�glich verwob. Manchmal ergab ihr vorsichtiges Sondieren nichts, aber ihre erste Ber�hrung eines Gegenstands, der wie ein gl�sernes Geduldsspiel aussah, machte sie benommen und hielt sie die halbe Nacht wach, und ein Faden Feuer, der einen aus flaumigen Metallfedern gefertigten Helm ber�hrte, verursachte jedermann innerhalb zwanzig Schritten rasende Kopfschmerzen. Au�er ihr selbst. Und dann war da die karmesinrote Rute, die sich irgendwie hei� anf�hlte.</p><p>Sie sa� auf dem Rand ihres Bettes im Gasthaus <emphasis>Wilder Eber</emphasis> und untersuchte die glatte Rute im Licht zweier polierter Messinglampen. Von gleichem Umfang wie ihr Handgelenk und einen Fu� lang, schien sie aus Stein, f�hlte sich aber eher nachgiebig an. Elayne war allein. Seit dem Vorfall mit dem Helm hatte sie versucht, ihre Studien fern von den �brigen zu betreiben. Die Hitze der Rute lie� sie an Feuer denken ...</p><p>Sie �ffnete blinzelnd die Augen und setzte sich im Bett auf. Sonnenlicht str�mte zum Fenster herein. Sie trug ihr Nachthemd, und Nynaeve stand vollst�ndig angezogen da und blickte stirnrunzelnd auf sie herab. Aviendha und Birgitte beobachteten die Szene von der T�r aus.</p><p>�Was ist geschehen?� fragte Elayne, doch Nynaeve sch�ttelte grimmig den Kopf.</p><p>�Das willst du nicht wissen.� Ihre Lippen zuckten.</p><p>Aviendhas Miene verriet nichts. Birgittes Mund war vielleicht ein wenig angespannt, aber ihre st�rkste Empfindung, die sich Elayne vermittelte, war eine Mischung aus Erleichterung und � Heiterkeit! Es kostete die Frau M�he, sich nicht lachend auf dem Boden zu w�lzen!</p><p>Das schlimmste daran war, da� <emphasis>niemand</emphasis> ihr erz�hlen wollte, was geschehen war. Was hatte sie nur gesagt oder getan? Sie war sicher, da� es das war, dem rasch versteckten Grinsen der Frauen der Schwesternschaft, der Windsucherinnen und auch der �brigen Schwestern nach zu urteilen. Aber niemand wollte es ihr sagen! Danach beschlo� sie, das Studium der <emphasis>Ter'angreale</emphasis> an einen behaglicheren Ort zu verlegen. Irgendwohin, wo sie entschieden ungest�rter war!</p><p>Neun Tage nach ihrer Flucht aus Ebou Dar erschienen hier und da Wolken am Himmel, und vereinzelte dicke Regentropfen lie�en auf der Stra�e Staub aufstieben. Am n�chsten Tag nieselte es mit Unterbrechungen, und am nachfolgenden Tag hielt sie str�mender Regen in den H�usern und Scheunen von Forel Markt. In der Nacht verwandelte sich der Regen in Graupel, und am Morgen schwebte dichtes Schneegest�ber von einem von dunklen Wolken verhangenen Himmel. Nachdem sie mehr als die H�lfte des Weges nach Caemlyn zur�ckgelegt hatten, hegte Elayne Zweifel, ob sie die restliche Strecke in zwei Wochen schaffen w�rden.</p><p>Mit dem Schnee erwies sich die Kleidung als unzureichend. Elayne machte sich Vorw�rfe, weil sie nicht bedacht hatte, da� jedermann warme Kleidung ben�tigen k�nnte, bevor sie ihr Ziel erreichten. Auch Nynaeve machte sich Vorw�rfe, nicht daran gedacht zu haben. Merilille hielt es f�r ihr eigenes Vers�umnis, und Reanne ebenfalls. Tats�chlich standen sie an diesem Morgen auf der Hauptstra�e von Forel Markt und stritten dar�ber, wem die Vorw�rfe geb�hrten, w�hrend sich Schneeflocken auf ihren K�pfen niederlie�en. Elayne war sich hinterher nicht mehr sicher, wem von ihnen die Unsinnigkeit ihres Streits zuerst auffiel, wer als erster lachte, aber schlie�lich lachten sie alle, als sie sich im <emphasis>Wei�en Schwan</emphasis> um einen Tisch niederlie�en, um das weitere Vorgehen zu er�rtern. Eine m�gliche L�sung lie� ihnen das Lachen jedoch vergehen: Jeden mit einer warmen Jacke oder einem Umhang zu versorgen w�rde ihre Geldb�rse stark schrumpfen lassen, wenn man �berhaupt so viele wie n�tig auftreiben konnte. Nat�rlich konnte Schmuck verkauft werden, aber niemand in Forel Markt schien an ihren edlen Halsketten oder Armb�ndern interessiert.</p><p>Aviendha l�ste dieses Problem, indem sie einen kleinen Beutel voll reinen, perfekten, teilweise recht gro�en Edelsteinen pr�sentierte. Seltsamerweise starrten genau die Leute, die nicht allzu h�flich erkl�rt hatten, sie h�tten keine Verwendung f�r juwelenbesetzte Halsketten, mit gro�en Augen auf die ungefa�ten Steine auf Aviendhas Handfl�che. Reanne meinte, das eine s�hen sie als Tand und das andere als Reichtum an, aber was auch immer sie bewog, die Leute von Forel Markt waren �beraus bereit, im Austausch f�r zwei Rubine mittelm��iger Gr��e, einen gro�en Mondstein und einen kleinen Feuertropfen so viele dicke, teilweise kaum getragene Kleidungsst�cke heranzuschaffen, wie ihre Besucher w�nschten.</p><p>�Sehr gro�z�gig von ihnen�, murrte Nynaeve ver�rgert, als die Leute begannen, Kleider aus ihren Kisten und Dachb�den auszugraben. Ein best�ndiger Strom von Menschen marschierte mit Armen voller Kleidung in das Gasthaus. �Mit diesen Steinen k�nnte man das ganze Dorf kaufen!� Aviendha zuckte die Achseln. Sie h�tte eine Handvoll Edelsteine hergegeben, wenn Reanne nicht eingeschritten w�re.</p><p>Merilille sch�ttelte den Kopf. �Wir haben, was sie wollen, aber sie haben auch, was wir wollen. Ich f�rchte, das bedeutet, da� sie den Preis bestimmen.� Was nur allzu sehr dem Verh�ltnis zum Meervolk entsprach. Nynaeve f�hlte sich entschieden unwohl.</p><p>Als sie in einem Gang des Gasthauses allein waren, fragte Elayne Aviendha, woher sie ein solches Verm�gen an Edelsteinen hatte, und noch dazu eines, das sie so eifrig loswerden wollte. Sie erwartete als Antwort von ihrer N�chstschwester, es sei Beute aus dem Stein von Tear oder vielleicht aus Cairhien.</p><p>�Rand al'Thor hat mich get�uscht�, murrte Aviendha verdrie�lich. �Ich habe versucht, mich von meinem <emphasis>Toh</emphasis> ihm gegen�ber freizukaufen. Ich wei�, da� das der ehrloseste Weg ist�, begehrte sie auf, �aber ich habe keine andere M�glichkeit gesehen, und er hatte leichtes Spiel mit mir! Warum tut ein Mann, wenn man die Dinge logisch �berdenkt, stets etwas vollkommen Unlogisches und gewinnt dennoch die Oberhand?�</p><p>�Ihre h�bschen K�pfe sind so wirr, da� eine Frau nicht erwarten darf, ihren Gedankeng�ngen zu folgen�, belehrte Elayne sie. Angesichts des Beutels voller wertvoller Edelsteine im Besitz ihrer N�chstschwester fragte sie nicht, welches <emphasis>Toh</emphasis> Aviendha freizukaufen beabsichtigt hatte oder wie der Versuch geendet hatte. Es war schon ohne die Vorstellung, wo <emphasis>dies</emphasis> hinf�hren sollte, schwer genug, �ber Rand zu sprechen.</p><p>Der Schnee machte noch mehr als nur warme Kleidung n�tig. Gegen Mittag, als das Schneegest�ber weiter zunahm, schritt Renaile die Treppe in den Gemeinschaftsraum hinab. Sie verk�ndete, da� ihr Teil des Handels erf�llt sei, und forderte nicht nur die Schale der Winde, sondern auch Merilille. Die Graue Schwester starrte sie best�rzt an � wie auch viele andere. Die B�nke waren mit den Frauen der Schwesternschaft besetzt, die jetzt an der Reihe waren, ihr Mittagsmahl einzunehmen. Bedienungen liefen umher und versorgten diese dritte Gruppe. Renaile sprach laut und vernehmlich, und aller Augen im Raum wandten sich ihr zu.</p><p>�Ihr k�nnt jetzt mit Eurer Lektion beginnen�, belehrte Renaile die verbl�ffte Aes Sedai. �Geht in meine R�ume hinauf.� Merilille wollte widersprechen, aber die Windsucherin der Herrin der Schiffe stemmte mit kalter Miene die F�uste in die H�ften. �Wenn ich einen Befehl gebe, Merilille Ceandevin�, sagte sie frostig, �erwarte ich, da� jedermann an Deck springt. Und jetzt springt Ihr!�</p><p>Merilille sprang nicht wirklich, aber sie ri� sich zusammen und stieg, mehr oder weniger von Renaile gescheucht, die Treppe hinauf. Sie hatte aufgrund ihres Versprechens keine andere Wahl. Reanne bem�hte sich um Fassung. Alise und die untersetzte Sumeko, die noch immer ihren roten G�rtel trug, schauten nachdenklich drein.</p><p>In den folgenden Tagen behielt Renaile Merilille, au�er wenn sie mit einer anderen Windsucherin unterwegs war, in ihrer N�he, gleichg�ltig, ob sie sich auf Pferden einen schneebedeckten Weg entlang m�hten, durch die Stra�en eines Dorfes gingen oder auf einem Bauernhof Quartier zu finden hofften. Das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgab die Graue Schwester und ihre Eskorte fast ununterbrochen, und Merilille f�hrte ein Gewebe nach dem anderen vor. Die blasse Cairhienerin war merklich kleiner als jede der dunklen MeervolkFrauen, aber zun�chst gelang es Merilille durch die reine Macht der Gelassenheit der Aes Sedai, gr��er zu erscheinen. Schon bald wirkte sie jedoch st�ndig erschreckt. Elayne erfuhr, als sie einmal alle Betten zum Schlafen hatten, was nur selten der Fall war, da� Merilille sich einen Raum mit Pol, ihrer Dienerin, und den Sch�lern der Windsucherinnen, Talaan und Metarra, teilte. Elayne war sich nicht sicher, was das �ber Merililles Status verriet. Die Windsucherinnen stellten sie eindeutig nicht auf eine Stufe mit den Sch�lern. Sie erwarteten einfach, da� sie ohne Verz�gerungen oder Ausfl�chte tat, was man ihr sagte.</p><p>Reanne war nach wie vor �ber die Wendung der Ereignisse entsetzt, aber Alise und Sumeko waren nicht die einzigen unter den Frauen der Schwesternschaft, die genau beobachteten, und auch nicht die einzigen, die nachdenklich nickten. Und pl�tzlich bemerkte Elayne noch ein weiteres Problem. Die Frauen der Schwesternschaft sahen Ispan in der Gefangenschaft immer gef�giger werden, aber sie war die Gefangene anderer Aes Sedai. Die Meervolk-Frauen waren keine Aes Sedai und Merilille keine Gefangene, und doch sprang sie, wenn Renaile einen Befehl erteilte oder auch Dorile oder Caire oder Caires Blutsschwester Tebreille. Bei immer mehr Frauen der Schwesternschaft wich entsetztes Staunen nachdenklicher Beobachtung.</p><p>Vielleicht waren Aes Sedai doch nicht so verschieden. Wenn Aes Sedai einfach Frauen wie sie selbst waren �warum sollten sie sich dann erneut der Strenge der Burg, der Autorit�t und Disziplin der Aes Sedai unterwerfen? Hatten sie nicht auch allein sehr gut �berlebt, einige weitaus l�ngere Zeit, als irgendeine der �lteren Schwestern zu glauben bereit war? Elayne sah es ihnen beinahe an, wie der Gedanke in ihren K�pfen entstand.</p><p>Als sie es jedoch Nynaeve gegen�ber erw�hnte, murrte diese nur: �Es war h�chste Zeit, da� einige der Schwestern erfahren, wie es ist, wenn man eine Frau zu lehren versucht, die mehr zu wissen glaubt. Diejenigen, die die Voraussetzungen haben, die Stola zu erlangen, werden sie noch immer erlangen wollen, und was die �brigen betrifft, so kann ich nicht erkennen, warum sie nicht ein wenig Selbstvertrauen gewinnen sollten.� Elayne sah davon ab, Nynaeves Klagen �ber Sumeko zu erw�hnen, die gewi� Selbstvertrauen gezeigt hatte. Sumeko hatte mehrere von Nynaeves Heilgeweben als �unbeholfen� bezeichnet, und Elayne hatte gedacht, Nynaeve w�rde augenblicklich der Schlag treffen. �Es ist jedenfalls nicht n�tig, Egwene irgend etwas davon zu erz�hlen, wenn sie wieder da ist. Sie hat schon genug Sorgen.� Das �irgend etwas davon� bezog sich zweifellos auf Merilille und die Windsucherinnen.</p><p>Sie sa�en im Nachthemd auf ihren Betten im zweiten Stock des Gasthauses <emphasis>Neuer Pflug,</emphasis> und sie trugen den gedrehten, ringf�rmigen <emphasis>Traum-Ter'angreal</emphasis> um ihren Hals, Elayne an einem einfachen Lederband und Nynaeve neben Lans schwerem Siegelring an einer d�nnen goldenen Kette. Aviendha und Birgitte, die noch vollkommen angekleidet waren, sa�en auf ihren Kleiderkisten. Sie nannten es �Wache halten�, bis Elayne und Nynaeve aus der Welt der Tr�ume zur�ckgekehrt w�ren. Beide trugen ihre Umh�nge, bis sie unter ihre Decken kriechen k�nnten. Der <emphasis>Neue Pflug</emphasis> war ganz und gar nicht neu. Netzf�rmige Risse �berzogen die get�nchten W�nde, durch die es obendrein zog.</p><p>Das Zimmer selbst war klein, und die Kisten und aufeinandergestapelten B�ndel lie�en nur f�r wenig anderes au�er Betten und den Waschtisch Platz. Elayne wu�te, da� sie in Caemlyn repr�sentieren m��te, aber manchmal f�hlte sie sich doch schuldig, wenn ihre Habe auf Packpferden transportiert wurde, w�hrend die meisten anderen Frauen mit dem auskommen mu�ten, was sie auf ihren R�cken tragen konnten. Nynaeve zeigte jedoch niemals Reue wegen <emphasis>ihrer</emphasis> Kisten. Sie waren bereits seit sechzehn Tagen unterwegs. Der Vollmond am n�chtlichen Himmel schien auf eine hohe Schneedecke, die das Reisen morgen erschweren w�rde, selbst wenn der Himmel klar bliebe, und Elayne hielt es f�r eine optimistische Einsch�tzung, wenn man noch eine weitere Woche nach Caemlyn einplante.</p><p>�Ich bin klug genug, sie nicht daran zu erinnern�, belehrte sie Nynaeve. �Ich will nicht noch einmal zurechtgewiesen werden.�</p><p>Das war milde ausgedr�ckt. Sie hatten <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nicht mehr betreten, seit sie Egwene in der Nacht nach dem Aufbruch vom Gutshof mitgeteilt hatten, da� die Schale der Winde benutzt worden war. Sie hatten ihr auch widerwillig von dem Vertrag mit dem Meervolk berichtet, zu dem sie gezwungen gewesen waren � und fanden sich j�h dem Amyrlin-Sitz mit der gestreiften Stola um die Schultern gegen�ber. Elayne wu�te, da� es n�tig und Rechtens war � die engste Freundin unter den Untertanen einer K�nigin wu�te sehr wohl, da� diese nicht nur eine Freundin, sondern auch die K�nigin war. Aber es hatte ihr nicht gefallen, da� ihre Freundin ihnen mit zorniger Stimme vorgeworfen hatte, sie h�tten sich wie geistlose T�lpel verhalten, die ihnen allen wom�glich den Untergang beschert h�tten � besonders, da Elayne ihr insgeheim zustimmen mu�te. Es hatte ihr auch nicht gefallen zu h�ren, da� Egwene ihnen beiden nur deswegen keine strenge Bu�e auferlegte, weil sie es sich nicht leisten konnte, sie ihre Zeit verschwenden zu lassen. Dennoch war es n�tig und Rechtens gewesen. Wenn sie den L�wenthron inneh�tte, w�re sie noch immer eine Aes Sedai und deren Gesetzen, Regeln und Br�uchen unterworfen. Das galt nicht f�r Andor � sie w�rde ihr Land nicht der Wei�en Burg �bergeben �, aber f�r sie selbst. Daher akzeptierte sie Egwenes Vorhaltungen ruhig, so unerfreulich sie auch waren. Nynaeve hatte sich gewunden und verlegen gestottert, widersprochen und fast geschmollt, sich aber dann so ausgiebig entschuldigt, da� Elayne kaum glauben konnte, sie sei noch dieselbe Frau, die sie schon so lange kannte. Nat�rlich war Egwene die Amyrlin geblieben, in ihrer Ungehaltenheit k�hl, selbst als sie ihr die Fehler verzieh. Heute nacht konnte es bestenfalls noch unerfreulicher oder ungem�tlicher werden, wenn Egwene anwesend war.</p><p>Aber als sie sich ins Salidar <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> tr�umten, in jenen Raum der Kleinen Burg, der das Arbeitszimmer der Amyrlin genannt wurde, war Egwene nicht dort, und der einzige Hinweis darauf, da� sie den Raum seit ihrem letzten Treffen aufgesucht hatte, waren einige wie von einer tr�gen Hand, die sich nicht viel M�he machen wollte, grob auf ein wurmzerfressenes Wandpaneel geritzte, kaum sichtbare Worte.</p><p><emphasis>BLEIBT IN CAEMLYN</emphasis></p><p>Und wenige Handbreit daneben:</p><p><emphasis>VERHALTET EUCH RUHIG UND SEID VORSICHTIG</emphasis></p><p>Das waren Egwenes letzte Anweisungen. Sie sollten nach Caemlyn ziehen und dort bleiben, bis sie herausfand, wie man den Saal daran hindern k�nnte, sie alle zu vernichten. Eine Mahnung, die sie nicht ausl�schen konnten.</p><p>Elayne umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und lenkte die Macht, um ihre Nachricht zu hinterlassen: die Zahl F�nfzehn scheinbar auf den schweren Tisch eingeritzt, der Egwenes Schreibtisch gewesen war. Indem sie das Gewebe umkehrte und abband, w�rde nur jemand, der seine Finger �ber die Ziffern gleiten lie�, erkennen, da� sie nicht wirklich vorhanden waren. Vielleicht brauchten sie keine f�nfzehn Tage bis Caemlyn, aber gewi� mehr als eine Woche.</p><p>Nynaeve schritt zum Fenster und sp�hte in beide Richtungen hinaus, wobei sie sorgf�ltig darauf achtete, den Kopf nicht zu weit vorzustrecken. Dort drau�en war es ebenso Nacht wie in der wachen Welt, und der helle Schein des Vollmonds schimmerte auf dem Schnee, obwohl sich die Luft nicht kalt anf�hlte. Au�er ihnen sollte niemand dort sein, und wenn jemand dort war, sollte man ihn tunlichst meiden. �Hoffentlich sind ihre Pl�ne nicht durcheinandergeraten�, murmelte sie.</p><p>�Sie hat uns befohlen, diese Pl�ne nicht einmal untereinander zu erw�hnen, Nynaeve. �Ein ausgesprochenes Geheimnis bekommt Fl�gel.�� Das war ein weiteres von Linis vielen Lieblingssprichworten gewesen.</p><p>Nynaeve sah sie �ber die Schulter mit verzerrter Miene an und betrachtete dann wieder die schmale Gasse. �F�r dich ist es anders. Ich habe sie als Kind umsorgt, ihre Windeln gewechselt und ihr gelegentlich den Hintern versohlt. Und jetzt mu� ich springen, wenn sie mit den Fingern schnippt. Das ist schwer.�</p><p>Elayne konnte nicht anders. Sie schnippte mit den Fingern.</p><p>Nynaeve fuhr so schnell herum, da� ihr Anblick verschwamm, die Augen vor Entsetzen geweitet. Ihr Gewand verwandelte sich von einem blauen Reitgewand zun�chst in das mit Streifen versehene Wei� der Aufgenommenen und dann in das dunkle, robuste Tuch der Zwei Fl�sse. Als sie erkannte, da� Egwene nicht da war, wurde sie vor Erleichterung fast ohnm�chtig.</p><p>Als sie wieder in ihre K�rper zur�ckkehrten und erwachten, um den anderen zu sagen, sie k�nnten zu Bett gehen, hielt Aviendha die Geschichte gewi� f�r einen guten Scherz, und Birgitte lachte ebenfalls. Nynaeve bekam jedoch ihre Rache. Am n�chsten Morgen weckte sie Elayne mit einem Eiszapfen. Elaynes Schreie weckten auch alle �brigen im ganzen Dorf auf.</p><p>Drei Tage sp�ter erfolgte die erste Ersch�tterung.</p></section><section><title><p>21</p><p>Dem Ruf folgen</p></title><p>Die <emphasis>Cemaros</emphasis> genannten gro�en Winterst�rme tobten weiterhin vom Meer der St�rme heran und rauher, als selbst die Alten sich erinnerten. Einige meinten, die Cemaros wollten in diesem Jahr ihre monatelange Versp�tung wettmachen. Blitze rissen den Himmel auf, so da� die Dunkelheit in Licht getaucht wurde. Wind peitschte das Land, und Regen prasselte darauf ein und verwandelte die ausgetrockneten Wege in Schlammstr�me. Manchmal gefror der Schlamm nach Einbruch der Nacht, aber der Sonnenaufgang brachte sogar unter einem grauen Himmel stets Tauwetter mit sich, und der Boden wurde wieder morastig. Rand war �berrascht, wie sehr all dies seine Pl�ne behinderte.</p><p>Die Asha'man, nach denen er geschickt hatte, kamen bereits am Morgen des n�chsten Tages; sie ritten aus einem Wegetor in str�menden Regen hinein, der die Sonne so stark verdunkelte, da� man meinen konnte, der Abend d�mmere bereits. Durch die �ffnung in der Luft fiel aus Andor Schnee. Dicke wei�e Flocken wirbelten dicht umher und verbargen, was dahinter lag. Die meisten M�nner der kleinen Kolonne waren in schwere schwarze Umh�nge geh�llt, aber der Regen mied sie und ihre Pferde anscheinend. Es war nicht offensichtlich, und doch sah jedermann, der es bemerkte, ein zweites, wenn nicht ein drittes Mal hin. Es war nur ein einfaches Gewebe n�tig, um trocken zu bleiben, solange man nichts dagegen hatte, damit zu prahlen, was man war. Aber das �bernahm ohnehin die schwarzwei�e, auf einen karmesinroten Kreis vorn auf ihren Umhang eingearbeitete Scheibe. Selbst vom Regen halb verborgen, umgab die M�nner ein d�nkelhafter Stolz, wie sie in ihren S�tteln sa�en. Sie waren stolz auf das, was sie waren.</p><p>Ihr Befehlshaber, Charl Gedwyn, war einige Jahre �lter als Rand und mittelgro�; wie auch Torval trug er das Schwert und den Drachen am Kragen seiner Jacke aus bester schwarzer Seide. Seine Schwertscheide war �ppig verziert, und sein aus Silber gefertigter Schwertg�rtel war mit einer ebenfalls silbernen Schnalle in der Form einer geballten Faust geschlossen. Gedwyn nannte sich Tsorovan'm'hael, in der Alten Sprache Beherrscher des Sturms, was immer das bedeuten mochte. Es schien zumindest dem Wetter angemessen.</p><p>Dennoch stand Gedwyn unmittelbar hinter dem Eingang von Rands reichverziertem gr�nem Zelt und blickte stirnrunzelnd in den str�menden Regen hinaus. Eine Wache berittener Gef�hrten umgab das Zelt in nicht mehr als drei�ig Schritt Entfernung, die jedoch kaum zu sehen waren. Sie h�tten Statuen sein k�nnen, da sie dem str�menden Regen trotzten.</p><p>�Wie soll ich Eurer Ansicht nach bei diesem Wetter jemanden finden?� murrte Gedwyn und schaute �ber die Schulter zu Rand. Kurz darauf f�gte er hinzu: �Mein Lord Drache.� Sein Blick war unnachgiebig und herausfordernd, aber das war er stets, gleichg�ltig, ob er auf einen Menschen oder einen Zaunpfahl gerichtet war. �Rochaid und ich haben acht Geweihte und vierzig Soldaten mitgebracht, gen�gend M�nner, um ein Heer zu vernichten oder zehn K�nige einzusch�chtern. Wir k�nnten vielleicht sogar eine Aes Sedai zum Blinzeln veranlassen�, sagte er angespannt. �Verdammt, wir beide allein k�nnten schon einiges bewirken. Oder Ihr k�nntet es. Warum braucht Ihr noch jemand anderen?�</p><p>�Ich erwarte von Euch, da� Ihr gehorcht, Gedwyn�, erwiderte Rand kalt. Beherrscher des Sturms? Manel Rochaid, Gedwyns Stellvertreter, nannte sich Baijan'm'hael, Beherrscher des Angriffs. Was f�hrte Taim im Schilde, indem er neue R�nge schuf? Wichtig war, da� der Mann Waffen gestaltete. Hauptsache, da� die Waffen lange genug bei geistiger Gesundheit blieben, um noch eingesetzt werden zu k�nnen. �Hingegen erwarte ich nicht von Euch, da� Ihr Eure Zeit damit verschwendet, meine Anweisungen in Frage zu stellen.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache�, murmelte Gedwyn. �Ich werde meine M�nner sofort ausschicken.� Er salutierte kurz, die geballte Faust an der Brust, und schritt in den Regen hinaus. Die Flut wich vor ihm aus und rann den schmalen Schild herab, den er um sich gewoben hatte. Rand fragte sich, ob der Mann ahnte, wie nahe er dem Tod gekommen war, als er <emphasis>Saidin</emphasis> ohne Vorwarnung ergriffen hatte.</p><p><emphasis>Du mu�t ihn t�ten, bevor er dich t�tet,</emphasis> kicherte Lews Therin. <emphasis>Sie werden es tun. Tote k�nnen niemanden verraten.</emphasis> Die Stimme in Rands Kopf nahm einen verwunderten Unterton an. <emphasis>Aber manchmal sterben sie nicht. Bin ich tot? Und du?</emphasis></p><p>Rand verdr�ngte die Stimme, bis sie nur noch ein gerade eben vernehmbares Summen war. Lews Therin schwieg seit seinem Wiedererscheinen in Rands Kopf selten, wenn er nicht dazu gezwungen wurde. Der Mann schien jetzt wahnsinniger und zorniger denn je. Und manchmal auch st�rker. Diese Stimme suchte auch Rands Tr�ume heim, und wenn er sich selbst in einem Traum sah, war es nicht immer wirklich er selbst, den er erblickte. Es war auch nicht immer Lews Therin, die Fratze, die er inzwischen als Lews Therins Gesicht erkannte. Manchmal war es verschwommen und doch vage vertraut, und Lews Therin schien davor ebenfalls zu erschrecken. Das war ein Hinweis darauf, wie weit der Wahnsinn bei Lews Therin fortgeschritten war. Oder vielleicht bei ihm selbst.</p><p><emphasis>Noch nicht,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Ich kann es mir noch nicht leisten, wahnsinnig zu werden.</emphasis></p><p><emphasis>Wann dann?</emphasis> fl�sterte Lews Therin, bevor Rand ihn wieder z�rn Schweigen bringen konnte.</p><p>Mit der Ankunft Gedwyns und der Asha'man begann die Ausf�hrung seines Plans, die Seanchaner westw�rts zu treiben, schritt jedoch sehr z�gerlich voran. Rand wechselte unverz�glich sein Lager und bem�hte sich nicht, sein Vorgehen zu verbergen. Es hatte wenig Sinn, Geheimhaltung anzustreben. Nachrichten wurden durch Tauben langsam und durch Kuriere noch weitaus langsamer verbreitet, und doch zweifelte Rand nicht daran, da� er beobachtet wurde �von der Wei�en Burg, von den Verlorenen, von jedermann, der dort Gewinne oder Verluste vermutete, wohin der Wiedergeborene Drache zog, und es sich leisten konnte, einen Soldaten zu bestechen. Vielleicht sogar auch von den Seanchanern. Wenn er sie auskundschaften konnte � warum sollte es ihnen dann nicht in gleicher Weise gelingen? Aber nicht einmal die Asha'man wu�ten, warum er weiterzog.</p><p>W�hrend Rand m��ig zusah, wie M�nner sein Zelt auf einen hochr�drigen Karren luden, erschien Weiramon auf einem seiner vielen Pferde, ein stolzer wei�er Wallach edelster tairenischer Zucht. Der Regen hatte nachgelassen, obwohl noch immer graue Wolken die Mittagssonne verschleierten und die Luft feucht war. Das Drachenbanner und das Banner des Lichts hingen schlaff und na� an ihren hohen Masten.</p><p>Tairenische Verteidiger hatten die Gef�hrten inzwischen ersetzt, und als Weiramon durch den Kreis der W�chter ritt, betrachtete er mit finsterer Miene Rodrivar Tihera, einen hageren Burschen, der selbst f�r einen Tairener dunkelh�utig war und einen spitz gestutzten Bart trug. Als v�llig unbedeutender Adliger, der sich durch seine Verdienste hocharbeiten mu�te, nahm es Tihera besonders genau. Die breiten wei�en Federn auf seinem Helm machten seine sorgf�ltige Verbeugung vor Weiramon �beraus eindrucksvoll, woraufhin der Hochlord noch finsterer dreinblickte als zuvor.</p><p>Der Befehlshaber des Steins mu�te die Verantwortung f�r Rands Leibwache nicht pers�nlich �bernehmen, aber des �fteren tat er es dennoch, ebenso wie Marcolin h�ufig die Gef�hrten selbst befehligte. Eine oft verbitterte Rivalit�t war zwischen den Verteidigern und den Gef�hrten �ber die Frage entstanden, wer Rand besch�tzen sollte. Die Tairener beanspruchten dieses Vorrecht, weil er l�nger in Tear regiert hatte, und die Illianer beanspruchten es, weil er immerhin K�nig von Illian war. Vielleicht hatte Weiramon von der Forderung der Verteidiger geh�rt, Tear m�sse einen eigenen K�nig bekommen � und wer w�re daf�r besser geeignet als der Mann, der den Stein eingenommen hatte? Weiramon stimmte durchaus zu, da� Tear einen eigenen K�nig haben sollte, aber er war nicht mit der Wahl desjenigen einverstanden, der die Krone tragen sollte, und er war nicht der einzige, der so dachte.</p><p>Der Mann gl�ttete seine Z�ge, sobald er Rands Blick bemerkte, und schwang sich aus seinem goldverzierten Sattel, um eine Tiheras weit �berlegene Verbeugung zu vollf�hren, obwohl er unmerklich das Gesicht verzog, als er seinen polierten Stiefel in den Schlamm setzen mu�te. Er trug einen Regenumhang, der die Feuchtigkeit von seiner edlen Kleidung abhielt, aber selbst dieser war mit Goldf�den bestickt und wies einen Kragen aus Saphiren auf. Trotz Rands Umhang aus dunkelgr�ner Seide, dessen Saum goldene Bienen zierten, w�re es jedermann zu verzeihen gewesen, wenn er vermutet h�tte, Weiramon und nicht Rand m�sse die Schwerterkrone tragen.</p><p>�Mein Lord Drache�, begann Weiramon. �Ich kann Euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, Euch von Tairenern besch�tzt zu sehen. Die Welt w�rde gewi� trauern, wenn Euch etwas zustie�e.� Er war zu gescheit, um sich so weit vorzuwagen, die Gef�hrten als nicht vertrauensw�rdig zu bezeichnen. Fast zu gescheit.</p><p>�Fr�her oder sp�ter wird es geschehen�, sagte Rand trocken. �Und ich wei�, wie sehr Ihr trauern w�rdet, Weiramon.�</p><p>Der Bursche bildete sich tats�chlich etwas darauf ein und strich sich �ber seinen spitzen, von Grau durchzogenen Bart. Er h�rte, was er h�ren wollte. �Seid meiner Treue versichert, mein Lord, denn sie ist auch der Grund daf�r, warum mich die Befehle beunruhigen, die Euer Kurier mir heute morgen �berbrachte.� Das war Adley gewesen. Viele der Adligen glaubten, da� ihnen von den Asha'man weniger Gefahr drohte, wenn sie sie lediglich als Rands Diener betrachteten. �Es war klug von Euch, die meisten Cairhiener und nat�rlich auch die Illianer fortzuschicken. Das versteht sich von selbst. Ich kann sogar verstehen, warum Ihr Gueyam und den �brigen mi�traut.� Weiramons Stiefel machten klatschende Ger�usche im Schlamm, als er n�her trat, und seine Stimme nahm einen vertrauensvollen Unterton an. �Ich glaube, da� einige von ihnen ... Nun, ich w�rde nicht sagen, da� sie gegen Euch intrigiert haben, aber ihre Treue war wohl nicht immer so untadelig wie die meine.� Sein Tonfall ver�nderte sich erneut, wurde fest und zuversichtlich, die Stimme eines Mannes, der sich nur um die Bed�rfnisse desjenigen k�mmert, dem er dient. Desjenigen, der gewi� <emphasis>ihn</emphasis> zum ersten K�nig von Tear machen w�rde. �Gestattet mir, alle meine Waffentr�ger aufzubieten, mein Lord Drache. Mit ihnen und den Verteidigern kann ich mich f�r die Ehre des Herrn des Morgens und seine Sicherheit verb�rgen.�</p><p>In jedem der �ber die Heide verstreuten Lager wurden Wagen und Karren beladen und Pferde gesattelt. Die meisten Zelte waren bereits abgebaut. Die Hochlady Rosana ritt gen Norden, und ihrem Banner folgten gen�gend Leute, um unter den Banditen Verw�stung anrichten und die Shaido zumindest eine Weile aufhalten zu k�nnen. Aber nicht genug, um sie leichtsinnig werden zu lassen, besonders dann nicht, wenn die H�lfte der M�nner Gueyams und Maraconns Gefolgsleute waren, die von Verteidigern des Steins unterst�tzt wurden. �hnliches galt f�r Spiron Narettin, der mit ebenso vielen Gef�hrten und anderen aus dem Konzil der Neun Verschworenen ostw�rts �ber den hohen Bergr�cken ritt. Seine Truppe wurde verst�rkt durch hundert weitere Fu�soldaten, bei denen es sich um einige der Burschen handelte, die sich am Tag zuvor in den W�ldern jenseits dieses Bergr�ckens ergeben hatten und nun das Ende der Reihe bildeten. �berraschend viele der M�nner hatten die M�glichkeit gew�hlt, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen, aber Rand traute ihnen nicht genug, um sie zusammenbleiben zu lassen. Tolmeran brach gerade mit derselben Zusammenstellung von Leuten gen S�den auf, und weitere w�rden abmarschieren, sobald ihre Karren und Wagen beladen waren. Alle in verschiedene Richtungen, und niemand konnte den M�nnern in seinem R�cken ausreichend trauen, um mehr zu tun, als Rands Befehlen zu folgen. Es war eine wichtige Aufgabe, Illian den Frieden zu bringen, und doch bedauerte es jeder einzelne Lord und jede einzelne Lady, vom Wiedergeborenen Drachen fortgeschickt zu werden, und fragte sich offensichtlich, ob dies bedeutete, da� sie sein Vertrauen verloren hatten. Obwohl einige wenige vielleicht auch �berlegt hatten, warum er jene, die er unter seiner Aufsicht belie�, bei sich behielt. Rosana hatte jedenfalls nachdenklich dreingeschaut.</p><p>�Eure Sorge r�hrt mich�, sagte Rand zu Weiramon, �aber wie viele Leibw�chter braucht ein Mann? Ich will keinen Krieg beginnen.� Es war vielleicht ein guter Einwand, aber dieser Krieg war bereits im Entstehen begriffen. Er hatte in Falme begonnen, wenn nicht schon vorher. �Macht Eure Leute marschbereit.�</p><p><emphasis>Wie viele sind f�r meinen Stolz gestorben?</emphasis> st�hnte Lews Therin. <emphasis>Wie viele sind f�r meine Fehler gestorben?</emphasis></p><p>�Darf ich zumindest fragen, wohin wir ziehen?� Weiramons fast ver�rgerte Frage erklang unmittelbar nach der Stimme in Rands Kopf.</p><p>�In die Stadt�, fauchte Rand. Er wu�te nicht, wie viele Menschen durch seine Fehler ums Leben gekommen waren, aber er war sich sicher, da� niemand f�r seinen Stolz gestorben war.</p><p>Weiramon �ffnete verwirrt den Mund, da er nicht wu�te, ob Rand Tear oder Illian oder vielleicht sogar Cairhien meinte, aber dieser scheuchte ihn mit einer harschen, fast zustechenden Bewegung mit dem Drachenszepter davon, welche die gr�nwei�en Quasten schwingen lie�. Er w�nschte halbwegs, er h�tte damit gleichzeitig Lews Therin erstechen k�nnen. �Ich beabsichtige nicht, den ganzen Tag hier herumzusitzen, Weiramon! Geht zu Euren M�nnern!�</p><p>Kaum eine Stunde sp�ter ergriff er die Wahre Quelle und machte sich bereit, ein Wegetor f�r das Reisen zu gestalten. Er mu�te gegen die Benommenheit ank�mpfen, die ihn in letzter Zeit umfing, wann immer er die Macht ergriff oder loslie�, und schwankte fast in Tai'daishars Sattel. Die Quelle zu ber�hren kam f�r ihn fast �belkeit gleich. Wenn er doppelt sah, und sei es auch nur f�r wenige Augenblicke, wurde das Gestalten von Gewebestr�ngen schwierig, wenn nicht unm�glich. Er h�tte Dashiva oder Flinn oder jemand anderen bitten k�nnen, es f�r ihn zu tun, aber Gedwyn und Rochaid warteten mit ihren Pferden vor ungef�hr einem Dutzend Soldaten in schwarzen Jacken, all jene, die nicht auf die Suche gegangen waren. Sie warteten einfach schweigend ab und beobachteten Rand. Rochaid, h�chstens eine Handbreit kleiner als Rand und vielleicht zwei Jahre j�nger, war ebenfalls ein vollst�ndig ausgebildeter Asha'man, und auch seine Jacke bestand aus Seide. Ein kleines L�cheln umspielte seine Lippen, als w��te er Dinge, von denen andere nichts wu�ten. Was wu�te er? Gewi� etwas �ber die Seanchaner � wenn nicht sogar �ber Rands Pl�ne mit ihnen. Was noch? Vielleicht nichts, aber Rand w�rde vor diesen beiden keine Schw�che zeigen. Die Benommenheit schwand rasch, wenn auch die Doppelsichtigkeit wie stets w�hrend der letzten Wochen ein wenig langsamer, und dann vollendete er das Gewebe ohne innezuhalten, gab seinem Pferd die Sporen und ritt durch die sich vor ihm entstehende �ffnung.</p><p>Die Stadt, von der er gesprochen hatte, war Illian, wobei sich das Wegetor im Norden der Stadt er�ffnete. Trotz Weiramons vermeintlicher Besorgnis ging er wohl kaum ungesch�tzt und allein. Fast dreitausend Mann ritten hinter ihm durch die hohe quadratische �ffnung in der Luft auf das wellige Weideland nicht weit von der breiten, schlammigen Stra�e, die zum Damm des Nordsterns f�hrte. Obwohl jeder Lord nur eine Handvoll Waffentr�ger hatte mitnehmen d�rfen � f�r M�nner, die sonst tausend, wenn nicht Tausende Leute anf�hrten, waren einhundert Mann nur eine Handvoll �, ergaben alle zusammen eine stattliche Anzahl: Tairener, Cairhiener und Illianer, Verteidiger des Steins unter Tihera und Gef�hrten unter Marcolin sowie Asha'man, die Gedwyn auf dem Fu�e folgten. Die Asha'man, die mit ihm gekommen waren, ohnehin. Dashiva, Flinn und die �brigen hielten ihre Pferde dicht hinter Rand. Alle au�er Narishma, der noch nicht zur�ckgekommen war. Der Mann wu�te, wo er ihn finden konnte, aber es gefiel Rand trotzdem nicht.</p><p>Jede Gruppe blieb so weitgehend wie m�glich f�r sich. Gueyam, Maraconn und Aracome, die mehr auf Rand als auf ihren Weg achteten, sowie Gregorin Panar mit drei weiteren des Konzils der Neun, die sich in ihren S�tteln seitw�rts beugten, um beunruhigt miteinander zu tuscheln, ritten mit Weiramon. Semaradrid, in dessen Gefolge sich einige cairhienische Lords mit angespannten Mienen befanden, beobachtete Rand fast ebenso genau wie die Tairener. Rand hatte jene, die mit ihm ritten, ebenso sorgf�ltig ausgew�hlt wie jene, die er fortgeschickt hatte � nicht immer aus den Gr�nden, die andere vielleicht vermutet h�tten.</p><p>Beobachter h�tten es f�r eine Zurschaustellung der Kampfentschlossenheit gehalten, mit all den leuchtenden Bannern und Standarten und kleinen <emphasis>Cons</emphasis> bei einigen der Cairhiener. Strahlend und tapfer und sehr gef�hrlich. Einige <emphasis>hatten</emphasis> gegen Rand intrigiert, und zudem hatte er erfahren, da� zwischen Semaradrids Haus Maravin und dem Hause Riatin, das in Cairhien offen gegen ihn rebelliert hatte, alte B�ndnisse bestanden. Semaradrid leugnete die Verbindung nicht, aber er hatte sie auch nicht erw�hnt, bevor Rand davon h�rte. Er kannte das Konzil der Neun einfach noch zu wenig, um es zu riskieren, sie zur�ckzulassen. Weiramon hingegen war ein Narr. Sich selbst �berlassen, k�nnte er vielleicht sehr wohl versuchen, die Gunst des Lord Drachen zu erringen, indem er ein Heer gegen die Seanchaner oder gegen Murandy oder nur das Licht wu�te gegen wen oder wohin sonst f�hrte. Zu unbesonnen, um zur�ckgelassen, zu m�chtig, um beiseite geschoben zu werden, ritt er also mit Rand und f�hlte sich geehrt. Es war beinahe bedauerlich, da� er nicht so t�richt war, etwas zu tun, woraufhin man ihn h�tte vernichten k�nnen.</p><p>Hinter ihnen kamen die Diener und Karren � niemand verstand, warum Rand den anderen alle Wagen mitgegeben hatte, und er w�rde es auch nicht erkl�ren � und dann die von Pferdeknechten gef�hrten Ersatzpferde und die langen, unregelm��igen Reihen von M�nnern in zerschlagenen Brustpanzern, die nicht richtig pa�ten, oder in Lederwamsen, auf die rostige Stahlscheiben aufgen�ht waren, bewaffnet mit Bogen, Armbrusten oder Speeren und sogar einigen wenigen Langspie�en, sowie weitere der Burschen, die �Lord Brends� Ruf gefolgt waren und sich dagegen entschieden hatten, unbewaffnet nach Hause zur�ckzukehren. Ihr Anf�hrer war der Mann, mit dem Rand am Waldrand gesprochen hatte, Eagan Padros genannt und weitaus kl�ger, als es den Anschein hatte. Es war meistenorts f�r einen B�rgerlichen schwer, sehr weit aufzusteigen, aber Rand hatte Padros ausersehen. Der Bursche versammelte seine Leute auf einer Seite, die aber keine Ordnung hielten und einander mit den Ellbogen beiseite dr�ngten, um besser s�dw�rts schauen zu k�nnen.</p><p>Der Damm des Nordsterns erstreckte sich pfeilgerade durch Meilen braunen Sumpflands um Illian, eine breite Stra�e festgetretener Erde, die nur von flachen Steinbr�cken unterbrochen wurde. Der S�dwind trug den Geruch von Meersalz und einem Hauch Gerberei heran. Illian war eine weitl�ufig angelegte Stadt und ebenso gro� wie Caemlyn oder Cairhien. Bunte Dachziegel und Hunderte hoch aufragender T�rme, die in der Sonne schimmerten, waren �ber das Meer aus Schilf und Gras, in dem langbeinige Kraniche umherstelzten und �ber dem Scharen wei�er V�gel im Tiefflug schrille Schreie ausstie�en, gerade eben zu sehen. Illian hatte niemals Mauern gebraucht, und gegen Rand h�tten sie ohnehin nichts gen�tzt.</p><p>Es herrschte allgemeine Entt�uschung, da� er Illian nicht betreten wollte, obwohl sich in seiner H�rweite niemand dar�ber beklagte. Dennoch gab es viele unzufriedene Gesichter und ver�rgertes Murren, w�hrend eilig Lager errichtet wurden. Wie die meisten gro�en St�dte war auch Illian f�r fremdartige Z�nfte, freigebige Schankm�dchen und willige Frauen bekannt. Zumindest unter den M�nnern, die noch niemals dort gewesen waren, auch wenn es ihre eigene Hauptstadt war. Unwissen steigerte den Ruf einer Stadt f�r solche Verhei�ungen stets noch. Aber nur Morr galoppierte �ber den Damm davon. Die M�nner, die gerade Zeltpf�hle in die Erde rammten oder Pflockleinen f�r die Pferde befestigten, richteten sich auf und sahen ihm neiderf�llt nach. Adlige beobachteten ihn neugierig, obwohl sie vorzugeben versuchten, dies nicht zu tun.</p><p>Die Asha'man bei Gedwyn beachteten Morr nicht, w�hrend sie ihr eigenes Lager errichteten, das aus einem pechschwarzen Zelt f�r Gedwyn und Rochaid und einer Fl�che bestand, auf der feuchtes braunes Gras und Schlamm selbstverst�ndlich mit der Macht flach und trocken gepre�t wurden und wo die �brigen M�nner in ihre Umh�nge geh�llt schlafen w�rden. Sie machten sich nicht einmal die M�he, Herdfeuer ohne die Macht aufzuschichten. Einige wenige aus den anderen Lagern beobachteten mit gro�en Augen, wie sich das Zelt wie von Geisterhand aufstellte und Haltegurte von Packs�tteln flogen, aber die meisten schauten woandershin, wenn sie erkannten, was vor sich ging. Zwei oder drei der Soldaten in den schwarzen Jacken f�hrten anscheinend Selbstgespr�che.</p><p>Flinn und die �brigen schl�ssen sich Gedwyns Gruppe nicht an � sie hatten zwei Zelte in der N�he von Rands Zelt errichtet �, aber Dashiva ging zu der Stelle, wo der �Beherrscher des Sturms� und der Beherrscher des Angriffs� m��ig herumstanden und barsch Befehle ausgaben. Ein kurzer Wortwechsel, und er ging kopfsch�ttelnd und �rgerlich vor sich hin murmelnd wieder zur�ck. Gedwyn und Rochaid waren keine freundlichen Menschen.</p><p>Rand zog sich in sein Zelt zur�ck, sobald es aufgeschlagen war, legte sich vollkommen angekleidet auf sein Feldbett und starrte an die schr�ge Decke. Hopwil brachte ihm einen dampfenden Zinnkrug mit Gl�hwein � Rand hatte seine Diener zur�ckgelassen �, aber der Wein wurde auf seinem Schreibtisch kalt. Sein Verstand arbeitete fieberhaft. Noch zwei oder drei Tage, und die Seanchaner w�rden einen herben Schlag erleiden. Dann ginge es zur�ck nach Cairhien, um nachzusehen, wie weit die Verhandlungen mit dem Meervolk gediehen waren. Au�erdem wollte er erfahren, was Cadsuane vorhatte � zwar schuldete er ihr etwas, aber sie hatte ihre eigenen Pl�ne! Vielleicht gelang es ihm, den Aufstand in Cairhien endg�ltig zu beenden. Waren Caraline Damodred und Darlin Sisnera in der allgemeinen Verwirrung entkommen? Den Hochlord Darlin in seiner Gewalt zu haben k�nnte auch das Ende des Aufstands in Tear bedeuten. Bliebe noch Andor. Wenn Mat und Elayne in Murandy waren, wie es den Anschein hatte, w�rde es bestenfalls noch Wochen dauern, bis Elayne den L�wenthron beanspruchen konnte. Wenn das eintr�fe, w�rde er sich von Caemlyn fernhalten m�ssen. Aber er mu�te mit Nynaeve sprechen. <emphasis>Konnte</emphasis> er <emphasis>Saidin</emphasis> vom Makel befreien? Es mochte vielleicht funktionieren. Es k�nnte aber auch die Welt zerst�ren. Lews Therin redete in starrem Entsetzen auf ihn ein. Licht, wo <emphasis>war</emphasis> Narishma?</p><p>Ein Cemaros brach herein, der so nahe am Meer weitaus st�rker war. Regen prasselte wie Trommelwirbel auf Rands Zelt. Blitze erf�llten den Eingang mit blauwei�em Licht, und Donner rollte wie einst�rzende Berge.</p><p>Aus diesem Unwetter trat Narishma ins Zelt, tropfna� und das dunkle Haar am Kopf klebend. Seine Befehle hatten gelautet, um jeden Preis Aufmerksamkeit zu vermeiden. Seine durchweichte braune Jacke war schlicht und sein dunkles Haar ungeflochten zur�ckgebunden. Auch ohne Schmuck zog fast h�ftlanges Haar bei einem Mann Blicke auf sich. Er schaute finster drein. Unter einem Arm trug er ein zylindrisches, mit einer Kordel verschn�rtes B�ndel, das dicker war als das Bein eines Mannes.</p><p>Rand sprang von seinem Feldbett auf und ri� Narishma das B�ndel aus der Hand, bevor dieser es ihm reichen konnte. �Hat Euch jemand gesehen?� fragte er. �Was hielt Euch so lange auf? Ich hatte Euch schon gestern abend erwartet!�</p><p>�Es dauerte eine Weile, herauszufinden, was zu tun war�, erwiderte Narishma tonlos. �Ihr habt mir nicht alles gesagt. Ihr h�ttet mich beinahe get�tet.�</p><p>Das war l�cherlich. Rand <emphasis>hatte</emphasis> ihm alles gesagt, was er wissen mu�te, dessen war er sich sicher. Es hatte keinen Sinn, dem Mann so weit zu vertrauen, wie er es getan hatte, nur damit er starb und alles verdarb. Er steckte das B�ndel vorsichtig unter sein Feldbett. Seine H�nde zitterten vor Verlangen, die Umh�llung abzurei�en, sich zu versichern, da� sie enthielt, wonach er Narishma geschickt hatte. Aber der Mann h�tte nicht zur�ckzukehren gewagt, wenn dem nicht so w�re. �Zieht Euch eine trockene Jacke an, bevor Ihr Euch zu den �brigen gesellt�, sagte Rand. �Und Narishma ...� Rand richtete sich auf und betrachtete den anderen Mann mit stetem Blick. �Wenn Ihr jemandem hiervon erz�hlt, <emphasis>werde</emphasis> ich Euch t�ten.�</p><p><emphasis>T�te die ganze Welt,</emphasis> lachte Lews Therin. Ein h�hnisches, verzweifeltes St�hnen. Ich <emphasis>habe die Welt get�tet, und du kannst es auch, wenn du dich bem�hst.</emphasis></p><p>Narishma schlug sich mit der Faust fest an die Brust. �Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache�, sagte er mit einem Anflug von �rger in der Stimme.</p><p>Im ersten Morgenlicht des folgenden Tages marschierten tausend Mann der Legion des Drachen aus Illian heraus �ber den Damm des Nordsterns zum stetigen Klang der Trommeln. Dichte graue Wolken zogen �ber den Himmel, und eine steife, stark salzige Meeresbrise peitschte Umh�nge und Banner und k�ndigte den n�chsten Sturm an. Die Soldaten erregten mit ihren blauen andoranischen Helmen und den langen blauen Umh�ngen mit dem rotgoldenen Drachen auf der Brust bei den bereits lagernden Waffentr�gern einige Aufmerksamkeit. Jede der f�nf Kompanien war mit einer blauen Standarte mit dem Drachen und einer Ziffer gekennzeichnet. Die M�nner der Legion waren in vielerlei Hinsicht anders. Sie trugen ihren Brustharnisch beispielsweise unter der Jacke, damit der Drache nicht verdeckt wurde, und jeder Mann trug ein Kurzschwert an der H�fte sowie eine eisenbeschlagene Armbrust �ber der Schulter. Die Offiziere gingen unmittelbar vor den Trommlern und Standarten zu Fu�, jeder mit einer hohen roten Feder am Helm. Die einzigen Pferde waren Morrs mausfarbener Wallach an der Spitze und Packtiere am Ende der Kolonne.</p><p>�Fu�soldaten�, murrte Weiramon und schlug mit den Z�geln gegen eine behandschuhte Hand. �Verd�mmt, sie n�tzen uns nichts. Sie werden beim ersten Angriff auseinander laufen, wenn nicht schon vorher.� Die Kolonne schritt auf dem Damm kr�ftig aus. Sie hatte bei der Einnahme Illians geholfen, ohne auseinanderzulaufen.</p><p>Semaradrid sch�ttelte den Kopf. �Keine Langspie�e�, murrte er. �Ich habe gut gef�hrte Fu�soldaten mit Langspie�en standhalten sehen, aber ohne...� Er stie� einen ver�chtlichen Laut aus.</p><p>Gregorin Panar, der dritte Mann, der in Rands N�he im Sattel sa� und die Neuank�mmlinge beobachtete, schwieg. Vielleicht hegte er kein Vorurteil gegen Fu�soldaten � obwohl er dann einer von nur einer Handvoll Adligen w�re, denen Rand ohne solche Vorbehalte begegnet war �, aber er bem�hte sich mit einigem Erfolg, nicht zu finster dreinzublicken. Jedermann wu�te inzwischen, da� die M�nner mit dem Drachen auf der Brust Waffen trugen, weil sie dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen beschlossen hatten und aus keinem anderen Grund. Die Illianer mu�-ten sich fragen, wohin sie z�gen, weil Rand wollte, da� die Legion mitkam und dem Konzil das Ziel nicht anvertraut werden sollte. Daher beobachtete Semaradrid Rand von der Seite. Nur Weiramon war zu t�richt, um dar�ber nachzudenken. Rand wandte Tai'daishar ab. Er hatte Narishmas B�ndel teilweise ausgewickelt und unter dem Riemen seines linken Steigb�gels befestigt. �Brecht das Lager ab. Wir ziehen weiter�, wies er die Adligen an.</p><p>Dieses Mal lie� er Dashiva das Wegetor weben, das sie alle fortbringen sollte. Der Bursche mit dem unscheinbaren Gesicht sah ihn stirnrunzelnd an und murmelte vor sich hin � er schien aus einem unbestimmten Grund tats�chlich beleidigt! �, und Gedwyn und Rochaid, ihre Pferde Schulter an Schulter, verfolgten mit sp�ttischem L�cheln, wie der silberne Lichtschlitz zu einer �ffnung im Nichts wurde. Die beiden beobachteten eher Rand als Dashiva. Nun, sollten sie ihn doch beobachten. Wie oft konnte er <emphasis>Saidin</emphasis> ergreifen und es riskieren, benommen aufs Gesicht zu fallen, bevor er tats�chlich fiel? Es durfte nicht dort geschehen, wo sie es sehen konnten.</p><p>Dieses Mal f�hrte sie das Wegetor auf eine breite Stra�e, die die niedrigen, mit Gestr�pp bestandenen Ausl�ufer der Nemarellin-Berge im Westen durchschnitt. Nicht den Verschleierten Bergen vergleichbar und kein Flecken auf dem R�ckgrat der Welt, aber sie erhoben sich dennoch dunkel und erhaben vor dem Himmel, scharfkantige Gipfel, welche die Westk�ste Illians umgaben. Dahinter lag der Kabalgraben und wiederum dahinter ...</p><p>Die M�nner erkannten die Gipfel nur allzu bald. Gregorin Panar sah sich einmal um und brummte dann zufrieden. Die anderen drei Ratsmitglieder und Marcolin verhielten ihre Pferde dicht bei ihm, um sich miteinander zu beraten, w�hrend noch immer Reiter durch das Wegetor drangen. Semaradrid brauchte nur unwesentlich l�nger, um herauszufinden, wo sie sich befanden, und Tihera ebenfalls, und beide nickten dann verstehend.</p><p>Die Silberstra�e f�hrte von der Stadt nach Lugard und diente dem Inlandhandel nach Westen. Es gab auch eine Goldstra�e, die nach Far Madding f�hrte. Stra�en und Namen stammten gleicherma�en aus der Zeit, bevor es Illian gegeben hatte. In Jahrhunderten hatten Wagenr�der, Hufe und Stiefel die Stra�en befestigt, und die Cemaros konnten sie nur mit Schlamm verschmutzen. Sie geh�rten zu den wenigen zuverl�ssigen Landstra�en in Illian, auf denen sich auch im Winter gro�e Menschenmengen bewegen konnten. Jedermann wu�te inzwischen von den Seanchanern in Ebou Dar, obwohl viele der Ger�chte, die Rand unter den Waffentr�gern geh�rt hatte, behaupteten, die Eindringlinge seien die noch heimt�ckischeren Vettern der Trollocs. Wenn die Seanchaner die Absicht hatten, Illian anzugreifen, war die Silberstra�e ein guter Ort, sich zur Verteidigung zu sammeln.</p><p>Semaradrid und die �brigen glaubten zu wissen, was Rand im Sinne hatte: Er mu�te erfahren haben, da� die Seanchaner kamen, und die Asha'man waren hier, um sie zu vernichten. Trotz der Geschichten �ber die Seanchaner schien niemand beunruhigt, da� er nicht zum Zuge k�me. Nat�rlich mu�te Tihera es Weiramon letztendlich erkl�ren, der daraufhin beunruhigt <emphasis>war,</emphasis> obwohl er es durch eine gro�artige Rede �ber die Weisheit des Lord Drache und das milit�rische Genie des Herrn des Morgens sowie dar�ber, da� er pers�nlich den ersten Angriff gegen diese Seanchaner f�hren w�rde, zu verbergen suchte. Ein vollkommen t�richter Narr. Mit etwas Gl�ck w�re jedermann sonst, der von einer Armee auf der Silberstra�e erf�hre, zumindest nicht wesentlich schlauer als Semaradrid oder Gregorin. Mit etwas Gl�ck w�rde niemand Wichtiges die Wahrheit erfahren, bevor es zu sp�t war.</p><p>Rand richtete sich auf eine Wartezeit ein und dachte, es w�rde nur noch ungef�hr einen Tag dauern, aber die Zeit dehnte sich und er begann sich zu fragen, ob er vielleicht ein beinahe ebenso gro�er Narr wie Weiramon war.</p><p>Die meisten Asha'man waren ausgezogen, um in ganz Illian und Tear und den Ebenen von Maredo jene anderen zu suchen, die Rand bei sich haben wollte. Sie suchten in den Cemaros. Wegetore und das Schnelle Reisen waren sch�n und gut, aber selbst Asha'man mu�ten sich Zeit f�r die Suche nehmen, wenn Regeng�sse die Sicht behinderten und Morast Ger�chte fast zum Stocken brachte. Auf der Suche konnten die Asha'man ohne es zu merken in einer Meile Entfernung an ihrer Beute vorbeigelangen, und wenn sie schlie�lich zur�ckkehrten, waren die Gesuchten bereits weitergezogen. Einige mu�ten sich auf der Suche nach Menschen, die nicht gefunden werden wollten, weiter fortbegeben. Tage vergingen, bevor die ersten Asha'man Neuigkeiten brachten.</p><p>Der Hochlord Sunamon schlo� sich Weiramon an; er war ein dicker Mann mit salbungsvoller Art � zumindest Rand gegen�ber. In seiner edlen Seidenjacke vornehm gekleidet und stets l�chelnd, beteuerte er eloquent seine Treue, aber er intrigierte schon so lange gegen Rand, da� er es wahrscheinlich auch bereits im Schlaf tat. Der Hochlord Torean nahte mit dem plumpen Gesicht eines Bauern und seinem gewaltigen Reichtum heran und stammelte etwas �ber die Ehre, erneut an der Seite des Lord Drache reiten zu d�rfen. Gold interessierte Torean mehr als alles andere, au�er vielleicht die Privilegien, die Rand den Adligen in Tear genommen hatte. Er schien besonders entsetzt, als er erfuhr, da� es keine Dienerinnen im Lager gab und nicht einmal ein Dorf in der N�he war, in dem man vielleicht willf�hrige Bauernt�chter finden k�nnte. Torean hatte ebenso h�ufig wie Sunamon gegen Rand intrigiert, vielleicht sogar h�ufiger als Gueyam oder Maraconn oder Aracome.</p><p>Es gab noch andere. Da war Bertome Saighan, ein kleiner, auf rauhe Art ansehnlicher Mann, dessen Sch�del vorn rasiert war. Er betrauerte den Tod seiner Cousine Colavaere vermutlich nicht allzu sehr, da ihn das zum neuen Hochsitz des Hauses Saighan machte. Ger�chte besagten, da� Rand sie ermordet h�tte. Bertome verbeugte sich und l�chelte, aber sein L�chern schlo� seine dunklen Augen nicht mit ein. Einige behaupteten, er h�tte seine Cousine sehr gemocht. Auch Ailil Riatin kam, eine schlanke, w�rdevolle Frau mit gro�en dunklen Augen, nicht mehr jung, aber noch recht h�bsch, die beteuerte, sie hege nicht den Wunsch, am Feldzug pers�nlich teilzunehmen, vielmehr habe sie jemand anderen mit dieser Aufgabe betraut. Sie gelobte dem Lord Drache ihre Treue, obwohl ihr Bruder Toram den von Rand f�r Elayne vorgesehenen Thron beanspruchte und hinter vorgehaltener Hand Ger�chte kursierten, da� sie alles f�r Toram tun w�rde, absolut alles. Sie w�rde sich sogar mit seinen Feinden verb�nden � nat�rlich um sie behindern oder ausspionieren oder beides tun zu k�nnen. Dalthanes Annallin kam und Amondrid Osiellin und Doressin Chuliandred ebenfalls, Lords, die Colavaeres �bernahme des Sonnenthrons unterst�tzt hatten, als sie glaubten, Rand w�rde niemals nach Cairhien zur�ckkehren.</p><p>Cairhiener und Tairener stie�en nacheinander mit f�nfzig oder h�chstens hundert Gefolgsleuten hinzu. M�nner und Frauen, denen er noch weniger vertraute als Gregorin oder Semaradrid. Die meisten waren M�nner, jedoch nicht, weil er Frauen f�r weniger gef�hrlich hielt � er war kein <emphasis>solch</emphasis> gro�er Narr; eine Frau konnte einen doppelt so schnell t�ten wie ein Mann und �blicherweise aus einem nur halb so einleuchtenden Grund! �, sondern weil er sich nicht dazu bringen konnte, irgendeine Frau au�er den kampferprobtesten dorthin mitzunehmen, wohin er ginge. Ailil konnte herzlich l�cheln, w�hrend sie erwog, an welcher Stelle sie einem den Dolch in die Rippen sto�en wollte. Anaiyella, eine geschmeidige, einf�ltig l�chelnde Hochdame, war aus Cairhien nach Tear zur�ckgekehrt und hatte offen von sich selbst als Anw�rterin auf den noch nicht existierenden Thron von Tear gesprochen. Vielleicht <emphasis>war</emphasis> sie eine T�rin, aber es war ihr gelungen, reichlich Unterst�tzung zu erlangen, sowohl unter den Adligen als auch auf den Stra�en.</p><p>So versammelte er all jene, die seinen Blicken zu lange entschwunden waren. Er konnte sie nicht alle gleichzeitig im Auge behalten, aber er konnte es sich nicht leisten, sie vergessen zu lassen, da� er sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> manchmal beobachtete. Er versammelte sie und wartete ab. Es wurden acht Tage.</p><p>Regen trommelte in einem schw�cher werdenden Rhythmus auf das Zeltdach, als der letzte Mann, den er erwartete, schlie�lich eintraf.</p><p>Davram Bashere sch�ttelte Wassertropfen von seinem Regenumhang, blies angewidert gegen seinen dichten, von Grau durchzogenen Schnurrbart und warf den Umhang �ber einen Lehnstuhl mit hoher runder Lehne. Der kleine Mann mit einer gro�en Hakennase schien kompakter, als er war. Nicht weil er etwas vorgab, sondern weil er f�r sich beschlossen hatte, ebenso gro� zu sein wie alle anderen anwesenden M�nner und jene ihn als gleich gro� wahrnahmen. Kluge M�nner taten dies. Er hatte sich den wolfsk�pfigen, elfenbeinernen Kommandostab des Marschallgenerals von Saldaea, den er nachl�ssig hinter seinen Schwertg�rtel gesteckt hatte, auf vielen Schlachtfeldern und bei ebenso vielen Konzilien erworben. Er war einer der sehr wenigen M�nner, denen Rand sein Leben anvertrauen w�rde.</p><p>�Ich wei�, da� Ihr nicht gern Erkl�rungen abgebt�, murmelte Bashere, �aber ich k�nnte ein wenig Aufkl�rung gebrauchen.� Er lie� sich in einem Sessel nieder und schwang ein Bein �ber dessen Lehne. Bashere schien stets ausgeglichen, aber er konnte auch sehr schnell in Fahrt geraten. �Dieser Asha'man wollte nicht mehr verraten, als da� Ihr mich schon gestern gebraucht h�ttet, aber er sagte auch, ich solle nicht mehr als tausend Mann mitbringen. Ich hatte nur halb so viele M�nner bei mir, aber ich habe zumindest diese mitgebracht. Es kann sich wohl nicht um einen Feldzug handeln. Die H�lfte der Banner, die ich drau�en sah, geh�ren M�nnern, die sich die Zunge abbei�en w�rden, wenn sie einen Burschen mit einem Dolch hinter Euch stehen s�hen, und die �brigen geh�ren M�nnern, die in einem solchen Fall versuchen w�rden, Eure Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn sie den M�rder nicht zuvor bezahlt h�tten.�</p><p>Rand sa� in Hemds�rmeln hinter seinem Schreibtisch und pre�te die Handballen ersch�pft auf seine Augen. Da Boreane Carivin nicht mitgekommen war, waren die Lampendochte nicht gestutzt, und schwacher Rauch hing in der Luft. Au�erdem war Rand den gr��ten Teil der Nacht wach geblieben, um die �ber den Tisch verstreuten Landkarten zu studieren � Landkarten von S�d-Altara, von denen nicht einmal zwei �bereinstimmten.</p><p>�Wenn Ihr eine Schlacht schlagen wollt�, gab er Bashere zu bedenken, �wer k�nnte dann die Zeche besser bezahlen als die M�nner, die Euch tot sehen wollen? Es werden ohnehin keine Soldaten diese Schlacht gewinnen. Sie sollen nur jedermann davon abhalten, sich an die Asha'man heranzuschleichen. Was haltet Ihr davon?�</p><p>Bashere schnaubte so laut, da� sich sein schwerer Schnurrbart regte. �Ich denke, es herrscht ein todbringendes Durcheinander. Jemand wird noch daran zugrunde gehen. Das Licht gebe, da� nicht wir es sind.� Und dann lachte er, als w�re das ein netter Scherz gewesen.</p><p>Lews Therin lachte auch.</p></section><section><title><p>22</p><p>Wolken ziehen auf</p></title><p>Rands kleines Heer formierte sich unter best�ndigem Nieseln in Kolonnen auf den niedrigen, welligen H�geln gegen�ber den Nemarellin-Gipfeln, die dunkel und scharf abgegrenzt vor dem Westhimmel standen. Es war eigentlich nicht n�tig, sich in die beabsichtigte Richtung zu wenden, wenn man Schnell Reiste, aber Rand empfand es anders stets als falsch. Trotz des Regens lie�en rasch abnehmende graue Wolken erstaunlich viel hellen Sonnenschein hindurch, zumindest erschien es ihm nach all der D�sternis der letzten Zeit so.</p><p>Vier der Kolonnen wurden von Basheres Saldaeanern angef�hrt, krummbeinige M�nner in kurzen Jacken, die unter einem kleinen Wald gl�nzender Lanzenspitzen geduldig neben ihren Reittieren standen, w�hrend die anderen f�nf Kolonnen von M�nnern in blauen Jacken mit dem Drachen auf der Brust angef�hrt wurden, befehligt von einem kleinen, gedrungenen Burschen namens Jak Masond. Wenn Masond sich bewegte, geschah dies stets �berraschend schnell, aber jetzt stand er vollkommen reglos, die F��e gespreizt und die H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt. Seine M�nner hatten ihre Pl�tze eingenommen wie auch die Verteidiger und die Gef�hrten, die grollten, weil sie sich hinter der Infanterie einreihen mu�ten. Im Unterschied dazu liefen die Adligen und ihre Leute recht kopflos umher. Dicker Schlamm quatschte unter Hufen und Stiefeln und behinderte Wagenr�der. Laute Fl�che erklangen. Es dauerte einige Zeit, fast sechstausend bereits durchn��te M�nner Aufstellung nehmen zu lassen, die mit jedem Moment noch nasser wurden, und hinzu kamen noch die Versorgungskarren und die Ersatzpferde.</p><p>Rand hatte seine beste Kleidung angelegt, damit er auf den ersten Blick aus der Masse herausragte. Ein wenig Macht hatte das Drachenszepter blitzblank poliert, und weitere Macht hatte die Schwerterkrone auf Hochglanz gebracht. Die vergoldete Drachenschnalle seines Schwertg�rtels schimmerte im Licht wie auch die Goldfadenstickerei auf seiner blauen Seidenjacke. Die Seanchaner sollten wissen, wer gekommen war, um sie zu vernichten.</p><p>Auf einer weiten Ebene sa� er auf Tai'daishar und beobachtete ungeduldig, wie die Adligen auf den H�geln umherliefen. Nicht weit entfernt sa�en Gedwyn und Rochaid vor ihren M�nnern im Sattel, die eine exakte Linie bildeten, die Geweihten vorn und die Soldaten hinter ihnen aufgereiht. Es hatten ebenso viele M�nner graues oder sch�tteres Haar wie junge M�nner dabei waren � mehrere waren im gleichen Alter wie Hopwil oder Morr �, aber jeder einzelne von ihnen war ausreichend stark im Gebrauch der Macht, um ein Wegetor zu gestalten. Flinn und Dashiva warteten in zwangloser Ansammlung mit Adley und Morr, Hopwil und Narishma hinter Rand, desgleichen zwei berittene Bannertr�ger in starrer Haltung, der eine ein Tairener, der andere ein Cairhiener, deren Brustpanzer, Helme und stahlverst�rkte Panzerhandschuhe gl�nzend poliert waren. Das karmesinrote Banner des Lichts und das lange wei�e Drachenbanner hingen schlaff und tropf na� herab. Rand hatte die Macht in seinem Zelt ergriffen, wo sein kurzzeitiges Taumeln nicht bemerkt w�rde, so da� der sp�rliche Regen ihn und sein Pferd nicht ber�hrte.</p><p>Heute empfand er den Makel auf <emphasis>Saidin</emphasis> besonders stark, wie dickfl�ssiges, �belriechendes �l, das in seine Poren eindrang und seine Knochen und selbst seine Seele zutiefst befleckte. Er hatte geglaubt, sich in gewisser Weise an die Widerw�rtigkeit gew�hnt zu haben, aber heute bereitete sie ihm sogar st�rkere �belkeit als das gefrorene Feuer und die geschmolzene K�lte <emphasis>Saidins.</emphasis> Er hielt jetzt so oft wie m�glich an der Quelle fest und akzeptierte die Widerw�rtigkeit, um das neue Unwohlsein bei ihrem Ergreifen zu meiden. Es k�nnte seinen Tod bedeuten, wenn er zulie�e, da� das Unwohlsein ihn von <emphasis>diesem</emphasis> Kampf ablenkte. Vielleicht hing es irgendwie mit den Schwindelanf�llen zusammen. Licht, er durfte noch nicht wahnsinnig werden, und er durfte nicht sterben. Noch nicht. Es war noch so vieles zu tun.</p><p>Er pre�te sein linkes Bein gegen Tai'daishars Flanke, nur um das l�ngliche, zwischen den Steigb�gelgurt und die karmesinrote Satteldecke geschnallte B�ndel zu sp�ren. Jedes Mal, wenn er dies tat, schl�ngelte sich etwas �ber die Au�enh�lle des Nichts. Erwartung und vielleicht ein Hauch von Angst. Der gut ausgebildete Wallach dr�ngte nach links, und Rand mu�te ihn zur�ckhalten. Wann w�rden die Adligen endlich Aufstellung genommen haben? Er knirschte ungeduldig mit den Z�hnen.</p><p>Er konnte sich daran erinnern, da� er in seiner Kindheit M�nner lachend dar�ber reden geh�rt hatte, da� der Dunkle K�nig Semirhage verpr�geln w�rde, wenn bei Sonnenschein Regen fiele. Das Lachen hatte jedoch eher unbehaglich geklungen, und der knochige alte Cenn Buie h�hnte daraufhin stets, Semirhage w�re danach zornig und ver�rgert und w�rde kleine Jungen stehlen, die den �lteren im Weg standen. Das hatte gen�gt, Rand zu vertreiben, als er noch klein war. Er w�nschte, Semirhage w�rde jetzt <emphasis>tats�chlich</emphasis> kommen, genau in diesem Moment. Er w�rde sie zum Weinen bringen.</p><p><emphasis>Nichts bringt Semirhage zum Weinen,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Sie l��t andere Menschen Tr�nen vergie�en, aber sie selbst hat keine Tr�nen.</emphasis></p><p>Rand lachte leise. Wenn sie heute k�me, <emphasis>w�rde</emphasis> er sie zum Weinen bringen. Semirhage und die �brigen Verlorenen alle zusammen. Und ganz sicher w�rde er die Seanchaner zum Weinen bringen.</p><p>Nicht jedermann war �ber die von ihm ausgegebenen Befehle erfreut. Sunamons �liges L�cheln schwand, als er glaubte, Rand s�he es nicht. Torean hatte eine Flasche in seinen Satteltaschen, zweifellos Brandy, oder vielleicht auch mehrere Flaschen, weil er best�ndig trank und ihm der Alkohol niemals auszugehen schien. Semaradrid, Marcolin und Tihera erschienen vor Rand, um mit finsteren Gesichtern gegen die geringe Anzahl der M�nner zu protestieren. Vor wenigen Jahren h�tte ein Heer von sechstausend Mann noch f�r jeden Krieg gen�gt, aber sie hatten nun Heere mit Zehntausenden und sogar Hunderttausenden von M�nnern gesehen, wie zu Artur Falkenfl�gels Zeiten, und wollten noch weitaus mehr M�nner aufbieten, um die Seanchaner anzugreifen. Er schickte sie ver�rgert fort. Sie verstanden nicht, da� schon f�nfzig Asha'man eine so gro�e Schlagkraft besa�en, wie man sie sich nur w�nschen konnte. Rand fragte sich, wie sie reagiert h�tten, wenn er ihnen mitgeteilt h�tte, da� <emphasis>er</emphasis> allein schon genug Schlagkraft besa�. Er hatte bereits erwogen, dies selbst zu erledigen. Es k�nnte vielleicht noch dazu kommen.</p><p>Weiramon ritt heran. Er nahm nicht gern Befehle von Bashere entgegen, und es gefiel ihm auch nicht, da� sie in die Berge zogen � es war sehr schwer, in den Bergen einen angemessenen Angriff auszuf�hren.</p><p>�Der Saldaeaner ist anscheinend der Ansicht, ich sollte an der rechten Flanke reiten�, murrte Weiramon ver�chtlich. Er zuckte die Achseln, als sei dies aus einem unbestimmten Grund eine schwere Beleidigung. �Und die Fu�soldaten, mein Lord Drache. Ich denke wirklich ...�</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> denke, Ihr solltet Eure Leute bereitmachen�, sagte Rand kalt. Ein Teil dieser K�lte war auf sein Schweben in gef�hlloser Leere zur�ckzuf�hren. �Sonst werdet Ihr an keiner Flanke reiten.� Er meinte damit, da� er den Mann zur�cklassen w�rde, wenn er nicht rechtzeitig bereit w�re. Ein solcher Narr konnte gewi� nicht viel anrichten, wenn man ihn an diesem entlegenen Fleck mit nur wenigen Waffentr�gern zur�cklie�e. Rand w�rde zur�ck sein, bevor er auch nur ein Dorf erreicht h�tte.</p><p>Alles Blut wich aus Weiramons Gesicht. �Wie mein Lord Drache befiehlt�, sagte er ungew�hnlich rasch und wendete sein Pferd, noch bevor er zu Ende gesprochen hatte. Er ritt heute einen gro�en Kastanienbraunen mit gew�lbter Brust.</p><p>Die blasse Lady Ailil verhielt ihr Pferd vor Rand, begleitet von der Hochdame Anaiyella, die zusammen ein seltsames Paar bildeten, und das nicht nur, weil ihre Nationen verfeindet waren. Ailil war f�r eine Cairhienerin gro�, und jeden Zoll strahlte sie W�rde und Exaktheit aus, von der W�lbung ihrer Augenbrauen bis zur Biegung ihres rot behandschuhten Handgelenks und der Art, wie ihr mit einem perlenbesetzten Kragen versehener Regenumhang �ber den Rumpf ihrer rauchgrauen Stute fiel. Anders als Semaradrid oder Marcolin, Weiramon oder Tihera blinzelte sie nicht einmal beim Anblick der um Rand herabrinnenden Regentropfen. Anaiyella blinzelte jedoch und keuchte. Dann kicherte sie hinter vorgehaltener Hand. Anaiyella war gertenschlank und auf geheimnisvolle Art h�bsch. Ihr Regenumhang wies einen rubinbesetzten Kragen auf und war zus�tzlich mit Goldf�den bestickt, aber damit endete auch schon jegliche �hnlichkeit mit Ailil. Anaiyella war ganz gezierte Eleganz und l�chelte einf�ltig. Als sie sich verneigte, beugte auch ihr wei�er Wallach die Vorderbeine. Das t�nzelnde Tier war pr�chtig, aber Rand vermutete, da� es keinen Charakter hatte. Genau wie seine Herrin.</p><p>�Mein Lord Drache�, begann Ailil, �ich mu� erneut gegen meine Einbindung in diesen ... Feldzug protestieren.� Ihre Stimme klang k�hl und unbeteiligt, wenn auch nicht unfreundlich. �Ich werde meine Gefolgsleute Euren Befehlen gem�� anweisen, aber ich hege keinerlei Wunsch, mitten in eine Schlacht zu geraten.�</p><p>�O nein�, f�gte Anaiyella mit leichtem Erschaudern hinzu. Selbst ihr Tonfall klang einf�ltig. �Schlachten sind unangenehm, das sagt jedenfalls mein Pferdemeister. Ihr werdet uns doch nicht zwingen mitzugehen, mein Lord Drache? Wir haben geh�rt, Ihr w�rdet mit Frauen besonders umsichtig verfahren. Nicht wahr, Ailil?�</p><p>Rand war so �berrascht, da� das Nichts einbrach und <emphasis>Saidin</emphasis> schwand. Regentropfen begannen durch sein Haar zu rinnen und seine Jacke zu durchtr�nken, aber w�hrend er den hohen Sattelknauf umklammerte, um sich aufrecht zu halten, als er vier Frauen anstatt zweien sah, war er einen Moment zu benommen, um es zu bemerken. Wieviel wu�ten sie? Sie hatten es <emphasis>geh�rt?</emphasis> Wie viele Leute wu�ten es schon? Woher wu�te es �berhaupt jemand? Licht, die Ger�chte behaupteten, er h�tte Morgase, Elayne, Colavaere und wahrscheinlich noch hundert weitere Frauen get�tet, und eine jede auf schlimmere Art als die vorige! Er schluckte gegen seine �belkeit an, die nur zum Teil durch <emphasis>Saidin</emphasis> bedingt war. <emphasis>Verdammt, wie viele Spione beobachten mich</emphasis> tats�chlich? Der Gedanke war ein Grollen.</p><p>69</p><p><emphasis>Die Toten beobachten,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. <emphasis>Die Toten schlie�en ihre Augen niemals.</emphasis> Rand erschauderte.</p><p>�Ich versuche, mit Frauen umsichtig umzugehen�, belehrte er sie, als er sich wieder im Griff hatte.</p><p>�Darum m�chte ich, da� Ihr in den n�chsten Tagen in meiner N�he bleibt. Aber wenn Euch der Gedanke so sehr widerstrebt, k�nnte ich einen der Asha'man abstellen und Euch zur Schwarzen Burg bringen lassen. Dort w�rt Ihr sicher.�</p><p>Anaiyella lachte affektiert, aber ihr Gesicht wurde grau.</p><p>�Danke, nein�, sagte Ailil kurz darauf vollkommen ruhig. �Ich sollte mich jetzt mit meinem Heerf�hrer beraten, was uns bevorsteht.� Aber sie hielt noch einmal inne, w�hrend sie ihre Stute umwandte, und betrachtete Rand mit einem Seitenblick. �Mein Bruder Toram ist... ungest�m, sogar unbesonnen. Ich bin es nicht.�</p><p>Anaiyella l�chelte Rand viel zu lieblich an und schien tats�chlich beunruhigt, bevor sie Ailil folgte, aber als sie sich erst von Rand abgewandt hatte, grub sie ihrem Pferd die Fersen in die Flanken, benutzte ihre Reitpeitsche mit dem edelsteinbesetzten Griff und ritt an der anderen Frau vorbei. Dieser wei�e Wallach war �berraschend schnell.</p><p>Letztendlich waren alle bereit, und die Kolonnen schl�ngelten sich �ber die niedrigen H�gel.</p><p>�Fangt an�, befahl Rand Gedwyn, der sein Pferd abrupt wendete und seinen M�nnern Befehle zurief. Die acht Geweihten ritten voraus und stiegen an einer bestimmten Stelle gegen�ber den Bergen ab. Einer von ihnen kam Rand vertraut vor, ein bereits ergrauender Bursche, dessen spitzer tairenischer Bart in dem runzligen Gesicht eines Mannes vom Lande irgendwie fehl am Platz war. Acht vertikale Linien grellen blauen Lichts drehten sich und wurden zu �ffnungen, die variierende Ansichten eines weiten, k�rglich bewaldeten, zu einem steilen Pa� aufsteigenden Gebirgstals zeigten. Die Venirberge in Altara.</p><p><emphasis>T�te sie,</emphasis> klagte Lews Therin flehentlich. <emphasis>Sie sind zu gef�hrlich, um leben zu d�rfen!</emphasis> Rand unterdr�ckte die Stimme, ohne nachzudenken. Lews Therin reagierte h�ufig auf diese Art, wenn ein anderer Mann die Macht lenkte oder auch nur dazu f�hig war. Er fragte sich nicht mehr, warum.</p><p>Rand gab leise einen Befehl, und Flinn blinzelte �berrascht, bevor er sich eilends der Reihe der M�nner anschlo� und ein neuntes Wegetor wob. Keines erreichte die Gr��e, die Rand gestalten konnte, aber durch jedes w�rde ein Karren gelangen k�nnen, wenn auch nur knapp. Er hatte beabsichtigt, dies selbst zu tun, aber er wollte <emphasis>Saidin</emphasis> nicht erneut vor jedermann ergreifen. Er bemerkte, da� Gedwyn und Rochaid ihn mit gleicherma�en wissendem L�cheln beobachteten. Und Dashiva ebenfalls, dessen Lippen sich bewegten, w�hrend er mit sich selbst sprach. Bildete Rand es sich nur ein, oder sah auch Narishma ihn fragend an? Und Adley? Und Morr?</p><p>Rand erschauderte, bevor er es verhindern konnte. Mi�trauen seitens Gedwyn und Rochaid war erkl�rbar, aber erkrankte er jetzt an dem, was Nynaeve das Grauen genannt hatte? Eine Art Wahnsinn, ein l�hmender Verdacht gegen alle und jeden? Es hatte einen komischen Kauz namens Benly Coplin gegeben, der glaubte, da� jedermann gegen ihn intrigierte. Er war verhungert, als Rand noch ein Junge war, da er sich aus Angst vor Gift geweigert hatte zu essen.</p><p>Rand beugte sich tief �ber Tai'daishars Hals und dr�ngte den Wallach durch das gr��te Wegetor. Es war Flinns Wegetor, aber er w�re in diesem Moment auch durch ein von Gedwyn gestaltetes Wegetor geritten. Er gelangte als erster auf altaranischen Boden.</p><p>Die �brigen folgten ihm schnell, die Asha'man allen voran. Dashiva blickte stirnrunzelnd in Rands Richtung und Narishma ebenfalls. Nur Gedwyn begann sofort, seinen Soldaten Anweisungen zu geben. Einer nach dem anderen eilten sie vorw�rts, er�ffneten ein Wegetor und dr�ngten hindurch, ihre Pferde hinter sich herziehend. Weiter voraus im Tal zeigten grelle Lichtblitze die er�ffneten und sich schlie�enden Wegetore an. Die Asha'man konnten �ber geringe Entfernungen Reisen, ohne sich vorher die Stelle zu merken, von der sie aufbrachen, und legten Entfernungen weitaus schneller zur�ck als zu Pferde. Nach kurzer Zeit blieben au�er den Geweihten, welche die Wegetore hielten, nur noch Gedwyn und Rochaid zur�ck. Die �brigen schw�rmten auf der Suche nach den Seanchanern westw�rts aus. Die Saldaeaner waren bereits vollst�ndig durch die Wegetore gelangt und sa�en auf. Legion�re schw�rmten mit bereitgehaltener Armbrust im Trab im Wald aus. In diesem Land konnten sie sich zu Fu� ebenso schnell vorw�rts bewegen wie die Reiter.</p><p>W�hrend das restliche Heer auftauchte, ritt Rand in der Richtung das Tal hinauf, in welche die Asha'man gezogen waren. Hohe Berge in seinem R�cken bildeten eine Mauer gegen�ber dem Meer, und westw�rts verliefen die Gipfel fast bis Ebou Dar. Er trieb seinen Wallach zu leichtem Galopp an.</p><p>Bashere holte ihn ein, noch bevor er den Pa� erreichte. Der Mann ritt einen kleinen, schnellen Kastanienbraunen � die meisten Saldaeaner ritten kleine Pferde. �Hier gibt es anscheinend keine Seanchaner�, sagte er fast gelangweilt und strich sich mit einem Handr�cken �ber seinen Bart. �Aber es h�tte sein k�nnen. Tenobia wird wahrscheinlich nur allzu bald meinen Kopf fordern, weil ich einem lebenden � und wieviel mehr einem toten � Wiedergeborenen Drachen folge.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. Vielleicht konnte er sich von Flinn den R�cken decken lassen, von Narishma und ... Flinn hatte ihm das Leben gerettet. Der Mann mu�te aufrichtig sein. Menschen konnten sich jedoch �ndern. Und Narishma? Selbst nachdem...? Er fr�stelte angesichts des Risikos, das er eingegangen war. Nicht das Grauen. Narishma <emphasis>hatte</emphasis> sich als aufrichtig erwiesen, aber es war dennoch ein aberwitziges Risiko gewesen. So wahnsinnig, wie vor Blicken davonzulaufen, die vielleicht gar nicht existierten, wobei er nicht einmal eine Vorstellung hatte, was ihn am Ende erwartete. Bashere hatte recht, aber Rand wollte nicht weiter dar�ber sprechen.</p><p>Die zum Pa� hinauff�hrenden H�nge bestanden aus blankem Gestein und Felsen aller Gr��en, aber zwischen den nat�rlichen Gesteinsbrocken lagen verwitterte Fragmente einer einst riesigen Statue. Einige St�cke waren gerade noch als bearbeiteter Stein erkennbar, andere etwas besser. Neben einer Hand fast von der Gr��e von Rands Brust, die ein Schwertheft mit abgebrochener Klinge umfa�te, die wiederum breiter als seine Hand war, lag ein gro�er weiblicher Kopf mit Rissen im Gesicht und einer Krone, die aus aufragenden Dolchen zu bestehen schien, von denen einige noch immer unversehrt waren.</p><p>�Was glaubt Ihr, wer sie war?� fragte er. Nat�rlich eine K�nigin. Selbst wenn in einer fr�heren Zeit auch H�ndler oder Gelehrte Kronen getragen hatten, verdienten doch nur Herrscher und Feldherrn Statuen.</p><p>Bashere wandte sich im Sattel um und betrachtete den Kopf, bevor er antwortete. �Eine K�nigin von Shiota, wette ich�, sagte er schlie�lich. ��lter ist die Statue nicht. Ich sah einst eine in Eharon gefertigte Statue, die so verwittert war, da� man nicht einmal mehr sagen konnte, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Vermutlich war sie eine Eroberin, sonst h�tten sie sie nicht mit einem Schwert dargestellt. Ich glaube mich daran zu erinnern, da� Shiota eine solche Krone an Herrscher vergab, welche die Grenzen ausweiteten. Vielleicht nannte man sie die Schwerterkrone? Vielleicht k�nnte Euch eine Braune Schwester mehr dar�ber sagen.�</p><p>�Es ist nicht wichtig�, erwiderte Rand ver�rgert.</p><p>Bashere fuhr dennoch fort, die ergrauenden Augenbrauen gesenkt und in w�rdevollem Ernst. �Vermutlich haben ihr Tausende zugejubelt, sie die Hoffnung Shiotas genannt und vielleicht sogar geglaubt, da� sie es war. Sie k�nnte zu ihrer Zeit ebenso gef�rchtet und respektiert gewesen sein wie Artur Falkenfl�gel zu sp�teren Zeiten, aber m�glicherweise kennen nicht einmal die Braunen Schwestern ihren Namen. Wenn man stirbt, vergessen die Leute, wer man war und was man getan oder zu tun versucht hat. Jedermann stirbt letztendlich, aber es gibt verdammt noch mal keinen Grund, vor der gesetzten Zeit zu sterben.�</p><p>�Das beabsichtige ich auch nicht�, erwiderte Rand scharf. Er wu�te, wo er sterben sollte, allerdings nicht wann. Er glaubte es zumindest zu wissen.</p><p>Aus den Augenwinkeln nahm er weiter unten eine Bewegung wahr, wo das blanke Gestein in Gestr�pp und einige wenige karge B�ume �berging. F�nfzig Schritt entfernt trat ein Mann ins Freie, hob einen Bogen hoch und zog die Bogensehne geschmeidig an seine Wange. Alles schien gleichzeitig zu geschehen.</p><p>Rand wendete Tai'daishar ver�rgert um und beobachtete, wie der Bogensch�tze seiner Bewegung folgte. Er ergriff <emphasis>Saidin,</emphasis> und frisches Leben und Verderbnis str�mten gleichzeitig in ihn. Er f�hlte sich benommen. Da waren zwei Bogensch�tzen. Galle stieg in seiner Kehle auf, w�hrend er gegen den heftigen Ansturm der Macht ank�mpfte, der seine Knochen zu versengen und seine Haut zu gefrieren versuchte.</p><p>Er konnte ihn nicht kontrollieren. Er konnte nur am Leben bleiben. Er k�mpfte verzweifelt um klare Sicht, darum, ausreichend gut sehen zu k�nnen, um die Str�nge zu weben, die er kaum zu bew�ltigen vermochte, da �belkeit ebenso stark in ihn einstr�mte wie die Macht. Er glaubte, Bashere schreien zu h�ren. Zwei Bogensch�tzen sch�ssen ihre Pfeile ab.</p><p>Rand h�tte sterben sollen. Aus dieser Entfernung h�tte auch ein Kind sein Ziel getroffen. Vielleicht rettete es ihn, da� er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war. Als der Bogensch�tze den Pfeil abscho�, flog fast zu seinen F��en ein Schw�rm grau gefiederter Wachteln auf, die schrille Schreie ausstie�en. Dies gen�gte nicht, einen erfahrenen Mann aus dem Gleichgewicht zu bringen, und tats�chlich verzog der Bursche nur um Haaresbreite. Rand sp�rte den Luftzug des vor�berfliegenden Pfeils an seiner Wange. Pl�tzlich trafen faustgro�e Feuerkugeln den Bogensch�tzen. Er schrie auf, als sein Arm fortgeschleudert wurde, dessen Hand noch immer den Bogen hielt. Eine weitere Feuerkugel trennte sein linkes Bein am Knie ab, und er fiel schreiend hin.</p><p>Rand beugte sich aus dem Sattel und �bergab sich. Sein Magen schien alle Mahlzeiten aussto�en <emphasis>zu</emphasis> wollen, die er jemals zu sich genommen hatte. Das Nichts und <emphasis>Saidin</emphasis> entzogen sich ihm schlagartig. Es war fast mehr, als er ertragen konnte, ohne aus dem Sattel zu fallen.</p><p>Als er sich wieder aufrichten konnte, nahm er das wei�e Stofftaschentuch entgegen, das Bashere ihm schweigend reichte, und wischte sich den Mund ab. Der Saldaeaner runzelte besorgt die Stirn, wozu auch aller Grund bestand. Rands Magen wollte sich nicht beruhigen. Er dachte, da� er sehr bla� sein mu�te. Er atmete tief ein. <emphasis>Saidin</emphasis> auf diese Art zu verlieren konnte einen Mann umbringen. Aber er sp�rte die Quelle noch immer. Zumindest hatte <emphasis>Saidin</emphasis> ihn nicht ausgebrannt, und er konnte wieder richtig sehen. Da war nur ein Davram Bashere. Aber die �belkeit wurde mit jedem Ergreifen <emphasis>Saidins</emphasis> schlimmer.</p><p>�Sehen wir einmal nach, ob von dem Burschen genug �briggeblieben ist, da� man mit ihm reden kann�, sagte er zu Bashere. Dem war jedoch nicht so.</p><p>Rochaid kniete neben dem Toten und durchsuchte ruhig die zerrissene, blutgetr�nkte Jacke. Ein Arm und ein Bein fehlten, au�erdem wies der Bursche noch ein geschw�rztes Loch von der Gr��e seines Kopfes in der Brust auf. Es war Eagan Padros. Seine blicklosen Augen starrten �berrascht gen Himmel. Gedwyn ignorierte den K�rper zu seinen F��en und betrachtete statt dessen Rand ebenso kalt wie Rochaid. Beide M�nner hielten <emphasis>Saidin</emphasis> fest. �berraschenderweise st�hnte Lews Therin nur.</p><p>Flinn und Narishma galoppierten mit lautem Hufgeklapper den Hang hinauf, gefolgt von fast einhundert Saldaeanern. Als sie n�her kamen, konnte Rand die Macht in dem bereits ergrauenden �lteren und in dem j�ngeren Mann sp�ren, vielleicht so viel, wie sie halten konnten. Beide hatten seit den Brunnen von Dumai an St�rke hinzugewonnen. So war das bei M�nnern. Frauen schienen langsam st�rker zu werden, aber bei M�nnern geschah dies abrupt. Flinn war st�rker als Gedwyn oder Rochaid, und Narishma stand ihm nicht viel nach. Im Moment zumindest, denn man konnte nicht wissen, wie es enden w�rde. Aber keiner von ihnen reichte auch nur ann�hernd an Rand heran. Jedenfalls noch nicht. Man konnte nicht wissen, was die Zeit bringen w�rde. Nicht das Grauen.</p><p>�Nur gut, da� wir beschlossen haben, Euch zu folgen, mein Lord Drache.� Gedwyns Stimme klang besorgt und mied jeden Anflug von Hohn. �Habt Ihr heute morgen einen empfindlichen Magen?�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Er konnte den Blick nicht von Padros' Gesicht abwenden. Warum? Weil er Illian erobert hatte? Weil der Mann �Lord Brend� treu gewesen war?</p><p>Mit einem lauten Ausruf ri� Rochaid einen Lederbeutel aus Padros' Jackentasche und st�lpte ihn um. Schimmernde Goldm�nzen ergossen sich klingend auf den Felsenboden. �Drei�ig Kronen�, grollte er. �Kronen aus Tar Valon. Es besteht kein Zweifel, wer ihn bezahlt hat.� Er hob eine M�nze auf und warf sie Rand zu, der aber keinerlei Anstalten machte, sie aufzufangen, so da� sie von seinem Arm abprallte.</p><p>�Es gibt viele M�nzen aus Tar Valon�, bemerkte Bashere gelassen. �Die H�lfte der M�nner in diesem Tal haben welche in ihren Taschen. Ich selbst auch.� Gedwyn und Rochaid fuhren zu ihm herum. Bashere l�chelte hinter seinem dichten Schnurrbart oder zeigte zumindest die Z�hne, aber einige der Saldaeaner regten sich unbehaglich in ihren S�tteln und betasteten ihre G�rteltaschen.</p><p>Oben in der N�he des Passes rotierte ein Lichtschlitz zu einem Wegetor, und ein Shienarer mit Haarknoten in einer einfachen Jacke lief hindurch und zog sein Pferd hinter sich her. Anscheinend war der erste Seanchaner gefunden worden, und zwar nicht allzu weit entfernt, wenn der Mann so schnell zur�ck war.</p><p>�Es ist Zeit zu gehen�, wandte sich Rand an Bashere. Der Mann nickte, aber er regte sich nicht. Statt dessen betrachtete er pr�fend die zwei Asha'man, die in Padros' N�he standen. Sie ignorierten ihn.</p><p>�Was machen wir mit ihm?� fragte Gedwyn und deutete auf den Leichnam. �Wir sollten ihn zumindest zu den Hexen zur�ckschicken.�</p><p>�La�t ihn hier�, erwiderte Rand.</p><p><emphasis>Bist du jetzt bereit zu t�ten?</emphasis> fragte Lews Therin. Er klang �berhaupt nicht wahnsinnig.</p><p><emphasis>Noch nicht,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Bald.</emphasis></p><p>Er grub Tai'daishar die Fersen in die Flanken und galoppierte zum Heer hinunter. Narishma und Flinn folgten dichtauf, und Bashere und die hundert Saldaeaner ebenfalls. Sie sahen sich alle um, als erwarteten sie einen weiteren Anschlag auf Rands Leben. Im Osten bildeten sich zwischen den Gipfeln schwarze Wolken zu einem weiteren Cemaros. <emphasis>Bald.</emphasis></p><p>Der Lagerplatz auf dem H�gel war gut gew�hlt. Ein Bach in der N�he lieferte Wasser, und es gab gute Sicht nach allen Seiten. Assid Bakuun war nicht stolz auf das Lager. W�hrend drei�ig Jahren im Ewig Siegreichen Heer hatte er Hunderte von Lagern errichtet. Er w�re ebensowenig stolz darauf gewesen, einen Raum durchqueren zu k�nnen, ohne hinzufallen. Er war auch nicht stolz darauf, wo er war. Drei�ig Jahre hatte er im Dienste der Herrscherin, m�ge sie ewig leben, verbracht, und w�hrend sich, mit Blick auf den Kristallthron, gelegentlich ein Empork�mmling aufgelehnt hatte, hatte er sich in diesen Jahren �berwiegend auf diese Situation vorbereitet. Zwei Generationen lang, w�hrend die gro�en Schiffe f�r die Wiederkehr gebaut wurden, war das Ewig Siegreiche Heer ausgebildet worden. Bakuun hatte gewi� Stolz empfunden, als er erfuhr, da� er einer der R�ckkehrer sein sollte. Man konnte ihm seinen Traum von der Wiedererlangung der von Artur Falkenfl�gels rechtm��igen Erben gestohlenen L�ndereien gewi� verzeihen, wie auch wilde Tr�ume von der Vervollst�ndigung dieser neuen Konsolidierung, bevor der Corenne kam. Es waren immerhin keine solch unerf�llbaren Tr�ume, wie sich herausstellte, aber die Erf�llung w�rde nicht so erfolgen, wie er es sich vorgestellt hatte.</p><p>Ein zur�ckkehrender Sp�htrupp bestehend aus f�nfzig tarabonischen Lanzentr�gern ritt den Hang hinauf, rote und gr�ne Streifen �ber den massiven Brustharnischen und ihre dichten Schnurrb�rte von Schleiern aus Kettenpanzer verborgen. Sie ritten gut, und sie k�mpften auch gut, wenn sie vern�nftige Anf�hrer hatten. Mehr als zehnmal so viele M�nner waren bereits bei den Herdfeuern oder den Pflockleinen, um sich um ihre Pferde zu k�mmern, aber drei Sp�htrupps waren noch nicht zur�ckgekehrt. Bakuun h�tte niemals erwartet, da� einmal �ber die H�lfte seiner Leute Abk�mmlinge von Dieben w�ren, und sie sch�mten sich dessen nicht. Sie sahen jedermann direkt in die Augen. Der Befehlshaber des Sp�htrupps verbeugte sich tief vor Bakuun, w�hrend ihre schlammbespritzten Pferde vor�berzogen, aber viele der �brigen redeten weiterhin in ihrem eigent�mlichen Akzent miteinander, zu schnell, als da� Bakuun sie h�tte verstehen k�nnen. Sie hatten auch eigent�mliche Vorstellungen von Disziplin.</p><p>Bakuun sch�ttelte den Kopf und ging dann zu dem gro�en Zelt der <emphasis>Sul'dam</emphasis> hin�ber. Vier der <emphasis>Sul'dam</emphasis> sa�en in ihren dunkelblauen Gew�ndern mit dem gespaltenen Blitz auf den R�cken auf St�hlen vor dem Zelt und genossen w�hrend einer der seltenen Unterbrechungen der St�rme den Sonnenschein. Die grau gekleidete <emphasis>Damane</emphasis> sa� zu ihren F��en, und Nerith flocht ihr helles Haar. Und sie unterhielt sich auch mit ihr, woraufhin sich alle an dem Gespr�ch beteiligten und leise lachten. Das Armband am Ende der Koppel des silbrigen <emphasis>A'dam</emphasis> lag auf dem Boden. Bakuun brummte ver�rgert. Er hatte zu Hause einen Lieblingswolfshund, mit dem er auch manchmal sprach, aber er w�rde niemals erwarten, da� Nip ihm antwortete!</p><p>�Geht es ihr gut?� fragte er Nerith nicht zum ersten Mal. Und auch nicht zum zehnten Mal. �Ist mit ihr alles in Ordnung?� Die <emphasis>Damane</emphasis> senkte den Blick und schwieg.</p><p>�Es geht ihr recht gut, Hauptmann Bakuun.� Nerith, eine Frau mit kantigem Gesicht, sprach mit dem angemessenen Respekt. Aber sie strich der <emphasis>Damane</emphasis> beruhigend �ber den Kopf, w�hrend sie sprach. �Was auch immer ihr fehlte, es ist jetzt vorbei. Es war auf jeden Fall nichts Schlimmes. Nichts, wor�ber man sich Sorgen machen m��te.� Die <emphasis>Damane</emphasis> zitterte.</p><p>Bakuun brummte erneut. Diese Antwort unterschied sich nicht wesentlich von den zuvor erhaltenen. Etwas hatte jedoch in Ebou Dar nicht gestimmt, und nicht nur mit dieser <emphasis>Damane.</emphasis> Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> waren alle vollkommen verschlossen gewesen � und die vom Blut w�rde einem wie ihm nat�rlich nichts sagen, aber er hatte zuviel Gerede geh�rt. Es besagte, die <emphasis>Damane</emphasis> w�ren alle krank oder wahnsinnig. Licht, er hatte rund um Ebou Dar keine einzige die Macht anwenden sehen, als die Stadt erst gesichert war, nicht einmal f�r eine Siegesdemonstration von Himmelslichtern � und wer hatte jemals so etwas geh�rt!</p><p>�Nun, ich hoffe, sie ...�, begann er und brach ab, als durch den Ostpa� ein <emphasis>Raken</emphasis> heranscho�. Er schlug kraftvoll mit seinen gro�en ledrigen Schwingen, um H�he zu gewinnen, neigte sich pl�tzlich unmittelbar �ber dem H�gel und beschrieb einen engen Kreis, eine Schwingenspitze fast senkrecht abw�rts zeigend. Ein schmales rotes Band mit einer Bleikugel als Gewicht fiel herab.</p><p>Bakuun unterdr�ckte einen Fluch. Flieger mu�ten stets angeben, aber wenn diese beiden bei Ablieferung ihres Kundschafterberichts einen seiner M�nner verletzten, w�rde er ihre K�pfe fordern, gleichg�ltig, wem er gegen�bertreten m��te, um sie zu bekommen. Er h�tte nicht k�mpfen wollen, ohne Flieger als Kundschafter zur Verf�gung zu haben, aber sie wurden verh�tschelt wie das Lieblingsscho�kind irgendeines Adligen.</p><p>Das Band sank pfeilgerade herab. Das Bleigewicht traf auf dem Boden auf, prallte noch einmal ab und blieb schlie�lich fast neben dem hohen schmalen Nachrichtenmast liegen.</p><p>Bakuun ging direkt zu seinem Zelt, aber sein Oberleutnant wartete bereits mit dem schlammbeschmutzten Band und der Nachrichtenr�hre. Tiras war ein knochiger Mann, einen Kopf gr��er als er selbst und mit einem kl�glichen Flecken Bart an der Kinnspitze.</p><p>Der Bericht lag zusammengerollt in der schmalen Metallr�hre. Er war auf einen Papierstreifen geschrieben, durch den man fast hindurchsehen konnte, und einfach gehalten. Bakuun war niemals gezwungen gewesen, auf einem <emphasis>Raken</emphasis> oder einem <emphasis>To'mken</emphasis> zu reiten �dem Licht sei Dank, und die Herrscherin, m�ge sie ewig leben, sei gepriesen! �, aber er bezweifelte, da� es leicht war, auf dem R�cken einer fliegenden Eidechse eine Feder zu f�hren. Der Inhalt der Nachricht veranla�te ihn, den Deckel seines kleinen Schreibtischs zu �ffnen und rasch ein paar Zeilen zu schreiben.</p><p>�Eine Streitmacht steht keine zehn Meilen �stlich von hier�, belehrte er Tiras. �F�nf- oder sechsmal so viele M�nner wie wir.� Flieger �bertrieben manchmal, aber nicht allzu h�ufig. Wie konnten so viele M�nner so weit durch diese Berge gelangen, ohne bemerkt zu werden? Er hatte die Ostk�ste gesehen, und er wollte, da� seine Grabgebete bezahlt w�ren, bevor er dort zu landen versuchte. Verdammt, die Flieger br�steten sich stets damit, sie w�rden sogar eine Fliege bemerken, die sich irgendwo in der Gegend bewegte. �Es besteht kein Grund zu der Annahme, da� sie von unserer Anwesenheit wissen, aber ein wenig Verst�rkung k�nnte wohl nicht schaden.�</p><p>Tiras lachte. �Wir lassen sie die <emphasis>Damane</emphasis> sp�ren. Das w�rde selbst dann gen�gen, wenn sie uns zwanzigfach �berlegen w�ren.� Sein einziger wirklicher Fehler war seine �bertriebene Zuversicht. Er war jedoch ein guter Soldat.</p><p>�Und wenn sie einige wenige ... Aes Sedai bei sich haben?� fragte Bakuun leise, wobei ihm der Name kaum M�he bereitete, w�hrend er den Bericht des Fliegers zusammen mit seiner eigenen kurzen Nachricht wieder in die R�hre steckte. Er hatte nicht geglaubt, da� <emphasis>irgend jemand</emphasis> diese ... Frauen frei herumlaufen lassen k�nnte.</p><p>Tiras' Miene zeigte, da� er sich an die Geschichten �ber eine Geheimwaffe der Aes Sedai erinnerte. Das rote Band wehte hinter ihm her, als er mit der Metallr�hre davoneilte.</p><p>Schon bald wurden R�hre und Band an der Spitze des Nachrichtenmasts befestigt, woraufhin ein leichter Wind den langen Streifen f�nfzehn Schritt �ber dem H�gelkamm bewegte. Der <emphasis>Raken</emphasis> schwebte das Tal entlang darauf zu, die ausgebreiteten Schwingen totenstill. Pl�tzlich schwang sich eine der Reiterinnen aus dem Sattel und hing dann � kopf�ber! � unter den Krallen des <emphasis>Raken.</emphasis> Bakuuns Magen rebellierte, als er sie dabei beobachtete. Aber ihre Hand schlo� sich um das Band, und der Mast bog sich und federte wieder hoch, nachdem die Nachrichtenr�hre aus der Befestigung gerissen wurde. Die Reiterin kletterte wieder in den Sattel, w�hrend das Wesen in langsamen Kreisen aufstieg.</p><p>Bakuun verbannte <emphasis>Raken</emphasis> und Flieger aus seinen Gedanken, w�hrend er �ber das Tal hinweg blickte. Es war weit und lang, bis auf diesen H�gel fast flach und von steilen, bewaldeten H�ngen umgeben. Nur eine Ziege konnte hier abseits der P�sse eindringen, die er einsehen konnte. Mit den <emphasis>Damane</emphasis> w�rde er jedermann in St�cke rei�en, der versuchte, �ber diese morastige Wiese hinweg anzugreifen. Er hatte dennoch alle benachrichtigt. Griffe der Feind direkt an, dann tr�fe er ein, bevor irgendwelche Verst�rkung k�me, die bestenfalls drei Tage brauchte. Wie <emphasis>waren</emphasis> sie ungesehen so weit gekommen?</p><p>Er hatte die letzten Schlachten der Konsolidierung um zweihundert Jahre verpa�t, aber einige jener Aufst�nde waren schwerwiegend gewesen. Zwei Jahre K�mpfe in Marendalar, drei�igtausend Tote und f�nfzigmal so viele, die per Schiff als Eigentum aufs Festland zur�ckkehrten. Eigenartiges zu bemerken hielt einen Soldaten am Leben. Bakuun befahl, das Lager abzubauen und alle Spuren zu beseitigen, und f�hrte seine M�nner zu den bewaldeten H�geln. Dunkle Wolken zogen im Osten auf. Ein weiterer dieser verfluchten St�rme kam auf.</p></section><section><title><p>23</p><p>Kriegswirren</p></title><p>Der Regen hatte vor�bergehend aufgeh�rt. Rand f�hrte Tai'daishar um einen entwurzelten Baum herum und blickte stirnrunzelnd auf einen toten Mann hinab, der auf dem R�cken hinter dem Baumstamm lag. Der Bursche war klein und gedrungen, das Gesicht faltig und seine R�stung ganz aus blauen und gr�nen Pl�ttchen. Blicklos starrte er in die schwarzen Wolken �ber ihnen. Er �hnelte Eagan Padros sehr, bis hin zu dem fehlenden Bein. Offensichtlich ein Offizier. Das Schwert neben seiner ausgestreckten Hand besa� ein in der Form einer Frau geschnitztes Elfenbeinheft, und sein gl�nzender Helm, der wie der Kopf eines riesigen Insekts aussah, wies zwei lange, d�nne blaue Federn auf.</p><p>Entwurzelte und zersplitterte B�ume, einige hell lodernd in Flammen, lagen auf gut f�nfhundert Schritt Breite �ber den Berghang verstreut, wie auch Leichname mit gebrochenen Gliedern oder in St�cke gerissen, als <emphasis>Saidin</emphasis> den Berghang verheerte. Die meisten trugen Stahlschleier �ber den Gesichtern und Brustharnische mit waagerechten farbigen Streifen. Dem Licht sei Dank, da� keine Frauen dabei waren. Die verletzten Pferde waren get�tet worden � noch etwas, wof�r man dankbar sein mu�te. Es war unglaublich, wie laut ein Pferd schreien konnte.</p><p><emphasis>Denkst du, die Toten schweigen?</emphasis> Lews Therins Lachen klang rauh. <emphasis>Glaubst du das?</emphasis> Gequ�lter Zorn schwang in seiner Stimme mit. <emphasis>Die Toten</emphasis> schreien <emphasis>mich an.</emphasis></p><p><emphasis>Mich auch,</emphasis> dachte Rand betr�bt. <emphasis>Ich kann es nicht ertragen, ihnen zuzuh�ren, aber wie bringt man sie zum Schweigen!</emphasis> Lews Trierin begann, um seine verlorene Ilyena zu weinen.</p><p>�Ein gro�er Sieg�, psalmodierte Weiramon hinter Rand und murrte dann: �Aber es ist nur wenig Ehre damit verbunden. Die alte Kampfart ist die beste.� Schlamm befleckte Rands Jacke �berall, aber Weiramon schien �berraschenderweise noch ebenso unbeeintr�chtigt wie auf der Silberstra�e. Sein Helm und seine R�stung gl�nzten. Wie war ihm das gelungen? Die Taraboner hatten letztendlich angegriffen und Lanzen und Mut gegen die Eine Macht aufgeboten. Weiramon hatte seinen Angriff gef�hrt, um sie zu vernichten, ohne den Befehl dazu und gefolgt von allen Tairenern au�er den Verteidigern � �berraschenderweise sogar von einem halbwegs betrunkenen Torean und von Semaradrid und Gregorin Panar, zusammen mit den meisten der Cairhiener und Illianer. Es war zu diesem Zeitpunkt schwer gewesen auszuharren, und jedermann wollte etwas tun, was er beherrschte. Die Asha'man h�tten es schneller schaffen k�nnen, wenn auch ungeordneter.</p><p>Rand hatte sich nicht an den K�mpfen beteiligt, au�er da� er dort im Sattel gesessen hatte, wo die M�nner ihn sehen konnten. Er hatte Angst gehabt, die Macht zu ergreifen. Er wagte es nicht, ihnen gegen�ber Schw�che zu zeigen. Keinesfalls. Lews Therin schwatzte bei dem Gedanken entsetzt drauflos.</p><p>In gleichem Ma�e �berraschend wie Weiramons saubere Jacke war die Tatsache, da� Anaiyella mit ihm ritt und ausnahmsweise einmal nicht affektiert l�chelte. Ihr verkniffenes Gesicht dr�ckte Mi�billigung aus. Seltsamerweise verdarb das ihr Aussehen nicht halb so sehr wie ihr eingebildetes L�cheln. Sie hatte ebensowenig an dem Angriff teilgenommen wie Ailil, aber Anaiyellas Pferdemeister hatte mitgek�mpft, und der Mann war mit Gewi�heit tot, da eine tarabonische Lanze in seiner Brust stak, was ihr �berhaupt nicht gefiel. Aber warum begleitete sie Weiramon? Nur weil sie Tairener waren, die sich zusammenscharten? Vielleicht. Sie war in Begleitung Sunamons gewesen, soweit Rand zuletzt gesehen hatte.</p><p>Bashere trieb seinen Kastanienbraunen den Hang hinauf und umrundete die Toten, w�hrend er sie nicht mehr zu beachten schien als einen zersplitterten Baumstamm oder einen brennenden Stumpf. Sein Helm hing am Sattel, und seine Panzerhandschuhe steckten hinter dem Schwertg�rtel. Seine rechte Seite wie auch die seines Pferdes war schlammbespritzt.</p><p>�Aracome ist tot�, sagte er. �Flinn hat ihn zu Heilen versucht, aber ich glaube nicht, da� Aracome so leben wollte. Bisher sind es ann�hernd f�nfzig Tote, und auch einige der Verwundeten �berleben vielleicht nicht.� Anaiyella erbleichte. Rand hatte sie in Aracomes N�he gesehen, wo sie sich �bergab. Tote B�rgerliche ber�hrten sie nicht so sehr.</p><p>Rand versp�rte einen Moment Mitleid. Nicht f�r sie und auch nicht allzu sehr f�r Aracome. Aber f�r Min, obwohl sie sicher in Cairhien war. Min hatte Aracomes Tod vorausgesagt, und Gueyams und Maraconns Tod ebenso. Was auch immer sie gesehen hatte � Rand hoffte, da� es der Realit�t nicht einmal nahe gekommen war.</p><p>Die meisten Soldaten kundschafteten erneut. Unten auf der weiten Wiese gaben von Gedwyns Geweihten gewobene Wegetore die Versorgungskarren und die Ersatzpferde frei. Die mit ihnen auftauchenden M�nner rissen den Mund auf, sobald sie weit genug gelangt waren, um das Tal sehen zu k�nnen. Der morastige Boden war nicht so durchfurcht wie der Hang, und doch durchschnitten zwei Fu� breite und f�nfzig Fu� lange geschw�rzte Rinnen das braune Gras. G�hnende �ffnungen waren erkennbar, die vielleicht nicht einmal ein Pferd �berspringen k�nnte. Sie hatten die <emphasis>Damane</emphasis> noch nicht entdeckt. Rand glaubte, es handele sich nur um eine. Weitere h�tten unter diesen Umst�nden erheblich gr��eren Schaden angerichtet.</p><p>M�nner machten sich um ein paar kleine Feuer zu schaffen, auf denen unter anderem Teewasser kochte. Dieses Mal vermischten sich Tairener, Cairhiener und Illianer und nicht nur die B�rgerlichen. Semaradrid teilte seine Sattelflasche mit Gueyam, der mit einer Hand m�de �ber seinen kahlen Kopf rieb. Maraconn und Kiril Drapaneos, ein schlaksiger Mann mit einem viereckig geschnittenen Bart und einem schmalen Gesicht, hockten auf den Fersen in der N�he eines der Feuer. Sie spielten anscheinend Karten! Torean hatte einen ganzen Kreis lachender junger cairhienischer Adliger um sich versammelt, obwohl sie vielleicht weniger belustigt �ber seine Spa�e als �ber die Art waren, wie er schwankte und seine Kartoffelnase rieb. Die Legion�re hielten sich fern, aber sie hatten die �Freiwilligem aufgenommen, die Padros zum Banner des Lichts gefolgt waren. Sie schienen eifriger bem�ht als alle anderen, seit sie erfahren hatten, wie Padros gestorben war. Legion�re in blauen Jacken zeigten ihnen, wie man die Richtung �nderte, ohne wie eine G�nseherde auseinanderzugeraten.</p><p>Flinn k�mmerte sich ebenso um die Verwundeten wie Adley, Morr und Hopwil. Narishma konnte kaum mehr als unbedeutende Schnitte Heilen, nicht besser als Rand, und Dashiva konnte nicht einmal das. Gedwyn und Rochaid standen in eine Unterhaltung vertieft abseits von allen anderen, ihre Pferde auf dem H�gel inmitten des Tals an den Z�geln haltend. Sie hatten erwartet, die Seanchaner auf dem H�gel �berraschen zu k�nnen, als sie aus den ihn umgebenden Wegetoren gedrungen waren. Fast f�nfzig M�nner waren tot und weitere w�rden noch sterben, aber ohne Flinn und die �brigen w�ren es �ber zweihundert Tote gewesen. Gedwyn und Rochaid hatten ihre H�nde nicht beschmutzen wollen und sahen Rand angewidert an, als er sie doch dazu trieb. Einer der Toten war ein Soldat, und ein weiterer Soldat, ein rundgesichtiger Cairhiener, sa� zusammengesunken und mit benommenem Blick neben einem Feuer. Rand hoffte, da� dieser Blick nur dadurch bedingt war, da� der Mann durch den unter seinen F��en aufbrechenden Boden durch die Luft geschleudert worden war.</p><p>Unten auf der furchendurchzogenen Ebene beriet sich Ailil mit ihrem Heerf�hrer, einem blassen kleinen Mann namens Denharad. Ihre Pferde standen fast auf Tuchf�hlung zusammen, und sie blickten gelegentlich den Berg hinauf zu Rand. Was f�hrten sie im Schilde?</p><p>�N�chstesmal werden wir es besser machen�, murrte Bashere. Er lie� seinen Blick �ber das Tal wandern und sch�ttelte dann den Kopf. �Der schlimmste Fehler ist, denselben Fehler zweimal zu machen, und das werden wir nicht tun.�</p><p>Weiramon h�rte ihn und sagte das gleiche, wobei er aber zwanzigmal so viele, �beraus blumige Worte gebrauchte. Ohne zuzugeben, da� Fehler gemacht worden waren, und gewi� nicht von seiner Seite. Rands Fehler verschwieg er mit derselben Gewandtheit.</p><p>Rand nickte mit zusammengepre�ten Lippen. Sie w�rden es das n�chste Mal besser machen. Sie mu�ten es besser machen, wenn er nicht die H�lfte seiner M�nner in diesen Bergen begraben wollte. Nun fragte er sich, was er mit den Gefangenen tun sollte.</p><p>Die meisten Feinde, die dem Tod auf dem Berghang entronnen waren, hatten sich durch den verbliebenen Wald zur�ckziehen k�nnen. Bashere behauptete, dies sei erstaunlich geordnet geschehen, wenn man die Umst�nde bedachte, und doch bedeuteten sie jetzt wahrscheinlich keine gro�e Bedrohung mehr. Es sei denn, sie h�tten <emphasis>Damane</emphasis> bei sich. Ungef�hr einhundert M�nner, denen man Waffen und Harnische abgenommen hatte, sa�en unter den wachsamen Blicken von zwei Dutzend berittenen Gef�hrten und Verteidigern zusammengesunken auf dem Boden. Es waren �berwiegend Taraboner, von denen einige die K�pfe hoben und ihre W�chter verspotteten. Gedwyn hatte sie nach ihrer Befragung t�ten wollen. Weiramon k�mmerte es nicht, ob ihnen die Kehlen durchgeschnitten wurden, aber er betrachtete Folter als Zeitverschwendung. Er beharrte darauf, da� niemand etwas N�tzliches w��te. Es war kein einziger Adliger dabei.</p><p>Rand schaute zu Bashere. Weiramon fuhr <emphasis>noch immer</emphasis> t�nend fort. �... diese Berge f�r Euch freifegen, mein Lord Drache. Wir werden sie unter unseren Hufen zertreten und ...� Anaiyella nickte grimmig.</p><p>�Sechs gewonnen und ein halbes Dutzend verloren�, sagte Bashere leise. Er kratzte sich mit einem Fingernagel Schlamm aus seinem dichten Schnurrbart. �Oder wie einige meiner Lehnsleute sagen: Was man hier erringt, verliert man dort wieder.� Er war sehr hilfreich!</p><p>Und dann verschlimmerte einer von Basheres Sp�htrupps die Dinge noch.</p><p>Die sechs M�nner stie�en mit den Enden ihrer Lanzen eine Gefangene vor ihren Pferden den Hang entlang. Sie war eine schwarzhaarige Frau in einem zerrissenen und verschmutzten dunkelblauen Gewand mit roten Abzeichen auf der Brust und gespaltenen Blitzen auf den R�cken. Ihr Gesicht war ebenfalls verschmutzt und tr�nenverschmiert. Sie stolperte und fiel hin, obwohl das Sto�en mit den Lanzenenden eher eine Geste als eine wirkliche Ber�hrung war. Sie sah ihre Gefangenenw�rter ver�chtlich an und spie einmal aus. Sie verh�hnte sogar Rand.</p><p>�Habt Ihr sie verletzt?� fragte er. Es war vielleicht eine seltsame Frage bei einem Feind � nach allem, was in diesem Tal geschehen war. Und bei einer <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Aber er war einfach damit herausgeplatzt.</p><p>�Wir nicht, mein Lord Drache�, sagte der m�rrische Anf�hrer des Sp�htrupps. �Wir haben sie so gefunden.� Er kratzte sich durch seinen langen Bart hindurch das Kinn und sah Bashere hilfesuchend an. �Sie behauptet, wir h�tten ihre Gille get�tet. Einen Lieblingshund vielleicht oder eine Katze, nach dem, was sie weiterhin sagte. Ihr Name ist Nerith. Soviel haben wir aus ihr herausbekommen.� Die Frau wandte sich um und sah ihn erneut ver�chtlich an.</p><p>Rand seufzte. Kein Lieblingshund. Nein! Dieser Name geh�rte nicht auf die Liste! Aber er konnte h�ren, wie die Litanei der Namen sich in seinem Kopf abspulte, und �Gille die <emphasis>Damane�</emphasis> befand sich darunter. Lews Therin betrauerte seine Ilyena. Ihr Name stand auch auf der Liste. Rand hielt es f�r berechtigt.</p><p>�Ist sie eine seanchanische Aes Sedai?� fragte Anaiyella unvermittelt und beugte sich �ber ihren Sattelknauf, um Nerith genauer zu betrachten. Nerith spie auch sie an, die Augen vor Zorn geweitet. Rand erkl�rte das wenige, was er �ber <emphasis>Sul'dam</emphasis> wu�te, da� sie Frauen, welche die Macht lenken konnten, mit Hilfe eines <emphasis>Ter'angreals kontrollierten,</emphasis> aber die Macht nicht selbst lenken konnten, und zu seiner �berraschung sagte die elegante, einf�ltig l�chelnde Hochdame k�hl: �Wenn sich mein Lord Drache befangen f�hlt, werde ich sie f�r ihn h�ngen lassen.� Nerith spie sie erneut voller Verachtung an! Sie besa� geh�rigen Mut.</p><p>�Nein!� grollte Rand. Licht, was die Menschen alles tun w�rden, um sich gut mit ihm zu stellen! Vielleicht war Anaiyella ihrem Pferdemeister auch n�her gewesen, als es schicklich war. Der Mann war kr�ftig, bereits kahl und ein B�rgerlicher gewesen, was bei Tairenern erhebliches Gewicht hatte, aber Frauen hatten bei M�nnern bekanntlich einen merkw�rdigen Geschmack.</p><p>�Sobald wir zum Aufbruch bereit sind�, befahl er Bashere, �la�t Ihr die M�nner dort unten frei.� Es stand au�er Frage, Gefangene mitzuschleppen, wenn er seinen n�chsten Angriff f�hrte, und einhundert Mann und sp�ter gewi� noch mehr zur�ckzulassen und dann mit den Versorgungskarren mitzuschicken,barg ein zu hohes Risiko. Sie konnten keine Verwicklungen heraufbeschw�ren, wenn man sie zur�cklie�. Selbst die Burschen, die zu Pferde entkommen waren, vermochten eine Warnung nicht schneller zu �berbringen, als er Reisen konnte.</p><p>Bashere zuckte leicht die Achseln. Vielleicht war es so, aber andererseits gab es stets Zuf�lle. Merkw�rdige Dinge geschahen selbst dann, wenn kein <emphasis>Ta'veren</emphasis> in der N�he war.</p><p>Weiramon und Anaiyella �ffneten fast gleichzeitig den Mund, um zu protestieren, aber Rand fuhr eilig fort. �Es ist entschieden! Wir werden die Frau jedoch bei uns behalten und alle weiteren Frauen, die wir gefangennehmen.�</p><p>�Verdammt�, rief Weiramon aus. �Warum?� Der Mann schien wie vom Donner ger�hrt, und auch Bashere ri� best�rzt den Kopf hoch. Anaiyella verzog ver�chtlich den Mund, bevor es ihr gelang, ein einf�ltiges L�cheln f�r den Lord Drache aufzusetzen. Sie hielt ihn eindeutig f�r zu weich, eine Frau mit den �brigen fortzuschicken. Sie w�rden in diesem Gel�nde nur m�hsam vorankommen, ganz zu schweigen von den knappen Rationen, und auch das Wetter war nicht f�r Frauen geeignet.</p><p>�Ich habe bereits gen�gend Aes Sedai gegen mich, warum also sollte ich Nerith wieder fortschicken�, belehrte er sie. Das Licht wu�te, da� es wahr war! Sie nickten, auch wenn Weiramon dies z�gerlich tat. Bashere schien erleichtert und Anaiyella entt�uscht. Aber was sollte er mit dieser Frau und weiteren tun, die er gefangennahm? Er hatte nicht die Absicht, die Schwarze Burg in ein Gef�ngnis zu verwandeln. Die Aiel k�nnten sie festhalten. Nur da� die Weisen Frauen ihnen vielleicht in dem Moment die Kehlen durchschnitten, wenn er ihnen den R�cken wandte. Was war jedoch mit den Schwestern, die Mat mit Elayne nach Caemlyn brachte? �Wenn dies vorbei ist, werde ich sie einigen von mir auserw�hlten Aes Sedai �bergeben.� Sollten sie es als Geste seines guten Willens ansehen, ein wenig Bes�nftigung daf�r, da� sie seinen Schutz akzeptieren mu�ten.</p><p>Kaum waren ihm die Worte entschl�pft, als Nerith totenbla� wurde und lauthals schrie. Weiterhin unaufh�rlich schreiend, st�rzte sie den Hang hinab, kletterte eilig �ber umgest�rzte B�ume, fiel hin und rappelte sich wieder hoch.</p><p>�Verdammt! Fangt sie wieder ein!� fauchte Rand. Der saldaeanische Sp�htrupp hetzte der Frau hinterher und lie� die Pferde �ber die Hindernisse setzen, ohne gebrochene Beine oder H�lse in Betracht zu ziehen, woraufhin sie noch unbedachter zwischen den Pferden umhersprang.</p><p>Am Eingang des �stlichsten Passes er�ffnete sich mit einem Silberblitz ein Wegetor. Ein Soldat in schwarzer Jacke zog sein Pferd hindurch, sprang in den Sattel, als das Wegetor erlosch, und trieb sein Tier zum Galopp in Richtung des H�gelkamms an, wo Gedwyn und Rochaid warteten. Rand beobachtete dies unger�hrt. Lews Therin knurrte in seinem Kopf, man m�sse alle Asha'man t�ten, bevor es zu sp�t w�re.</p><p>Als die drei M�nner den Hang zu Rand hinaufritten, hatten vier der Saldaeaner Nerith auf den Boden gepre�t und fesselten ihre H�nde und F��e. So wie sie um sich schlug und bi�, waren vier Mann dazu n�tig, und ein belustigter Bashere bot eine Wette an, da� sie die vier M�nner �berw�ltigte. Anaiyella murrte, man solle der Frau den Sch�del spalten. Rand sah sie stirnrunzelnd an.</p><p>Der Soldat zwischen Gedwyn und Rochaid sah Nerith unbehaglich an, als sie vor�berritten. Rand erinnerte sich vage daran, ihn an dem Tag in der Schwarzen Burg gesehen zu haben, als er zum ersten Mal die silbernen Schwerter verteilte und Taim die allererste Drachen-Anstecknadel verlieh. Der junge Mann hie� Varil Nensen und trug noch immer den seinen dichten Schnurrbart verbergenden, durchscheinenden Schleier. Er hatte jedoch nicht gez�gert, als er sich seinen Landsleuten gegen�bersah. Seine Treue galt jetzt der Schwarzen Burg und dem Wiedergeborenen Drachen � wie zumindest Taim stets betonte. Der zweite Teil dieser Aussage klang stets wie ein Nachgedanke.</p><p>�Euch wird die Ehre zuteil, dem Wiedergeborenen Drachen selbst Bericht zu erstatten, Soldat Nensen�, sagte Gedwyn widerwillig.</p><p>Nensen richtete sich im Sattel auf. �Mein Lord Drache!� bellte er und schlug sich mit der Faust an die Brust. �Weitere Feinde stehen ungef�hr drei�ig Meilen westlich von hier, mein Lord Drache.� Drei�ig Meilen war der Radius, den Rand den Kundschaftern zu sondieren befohlen hatte, bevor sie zur�ckkehren sollten. Was n�tzte es, wenn ein Soldat Seanchaner fand, w�hrend die �brigen noch weiter westlich zogen? �Vielleicht die H�lfte derer, die hier waren�, fuhr Nensen fort. �Und ...� Seine dunklen Augen zuckten erneut zu Nerith. Sie war jetzt gefesselt, und die Saldaeaner bem�hten sich gerade, sie auf ein Pferd zu binden. �Und ich habe keinerlei Frauen gesehen, mein Lord Drache.�</p><p>Bashere blickte blinzelnd gen Himmel. Dunkle Wolken zogen von Gipfel zu Gipfel, aber die Sonne sollte noch hoch am Himmel stehen. �Es ist an der Zeit, die M�nner zu verk�stigen, bevor die �brigen zur�ckkehren�, sagte er und nickte zufrieden. Nerith hatte es geschafft, ihre Z�hne in das Handgelenk eines Saldaeaners zu schlagen, und sie lie� nicht locker.</p><p>�Verk�stigt sie rasch�, sagte Rand ver�rgert. W�rde sich jede <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die er gefangennahm, als so schwierig erweisen? H�chstwahrscheinlich. Licht, was w�rde geschehen, wenn sie eine <emphasis>Damane</emphasis> gefangennahmen? �Ich will nicht den ganzen Winter in diesen Bergen verbringen.� Gille die <emphasis>Damane.</emphasis> Er konnte einen Namen nicht mehr ausl�schen, wenn er erst auf jene Liste gelangt war.</p><p><emphasis>Die Toten schweigen niemals,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. <emphasis>Die Toten schlafen niemals.</emphasis></p><p>Rand ritt zu den Feuern hinab, aber er hatte keinen Appetit.</p><p>Furyk Karede betrachtete von der Spitze eines Felsvorsprungs aus die bewaldeten Berge ringsherum, scharfe Spitzen wie bedrohliche F�nge. Sein gro�er, gescheckter Wallach richtete die Ohren auf, als vernehme er etwas, das Karede entgangen war, aber ansonsten stand das Tier still. Karede mu�te h�ufig anhalten und die Linse seines Fernrohrs abwischen. Leichter Regen fiel aus einem grauen Morgenhimmel. Die beiden schwarzen Federn auf seinem Helm waren gebeugt statt aufgerichtet, und Wasser lief seinen R�cken hinab. Der Regen war unbedeutend, jedenfalls im Vergleich zu gestern. Im S�den rollte drohend Donner. Karedes Sorge galt jedoch nicht dem Wetter.</p><p>Unter ihm schl�ngelten sich die letzten von zweitausenddreihundert Mann auf gewundenen P�ssen. Sie ritten gute Pferde und wurden recht gut gef�hrt, obwohl nur zweihundert von ihnen Seanchaner waren � und nur zwei au�er ihm selbst trugen das Rot-Gr�n der Garde. Das gr��te Kontingent stellten die Taraboner �er kannte ihren Charakter �, aber ein gutes Drittel waren Amadicianer und Altaraner, die erst vor allzu kurzer Zeit ihren Eid geleistet hatten, als da� irgend jemand sicher sein konnte, wie sie sich bew�hren w�rden. Einige Altaraner und Amadicianer hatten bereits zwei- oder dreimal die Seiten gewechselt, oder zumindest hatten sie es versucht. Die Menschen auf dieser Seite des Aryth-Meeres besa�en kein Schamgef�hl. Ein Dutzend <emphasis>Sul'dam</emphasis> ritt fast am Anfang der Kolonne, und er w�nschte, alle zw�lf h�tten die neben ihren Pferden laufenden <emphasis>Damane</emphasis> gekoppelt anstatt nur zwei.</p><p>F�nfzig Schritt weiter beobachteten die zehn M�nner der Vorausabteilung die H�nge �ber ihnen, wenn auch nicht so aufmerksam, wie sie es h�tten tun sollen. Zu viele M�nner, die als Vorausabteilung ritten, verlie�en sich darauf, da� die vor ihnen befindlichen Kundschafter Gefahren entdeckten. Karede nahm sich vor, pers�nlich mit diesen M�nnern zu sprechen. Sie w�rden ihre Pflicht danach ordentlicher erf�llen, sonst w�rde er sie in die Arbeitstrupps versetzen.</p><p>Ein <emphasis>Raken</emphasis> erschien �stlich vor ihnen, glitt tief �ber die Baumwipfel, drehte ab und folgte den Windungen der Landschaft. Eigenartig. <emphasis>Morat'mken,</emphasis> Flieger, flogen stets gern in gro�er H�he, es sei denn, der Himmel war von Blitzen durchzuckt. Karede senkte das Fernrohr, um hinzuschauen.</p><p>�Vielleicht erhalten wir letztendlich einen weiteren Kundschafterbericht�, bemerkte Jadranka zu den hinter Karede wartenden Offizieren, nicht zu ihm. Drei der zehn M�nner bekleideten denselben Rang wie Karede, und doch st�rten nur wenige au�er dem Adel einen Mann im Blutrot und fast schwarzen Gr�n der Totenwache. Nicht da� viele Adlige es getan h�tten.</p><p>Den Geschichten zufolge, die er als Kind geh�rt hatte, war einer seiner adligen Vorfahren Luthair Paendrag auf Artur Falkenfl�gels Befehl hin nach Seanchan gefolgt, und zweihundert Jahre sp�ter, als nur der Norden sicher war, hatte ein weiterer Vorfahr versucht, ein eigenes K�nigreich zu errichten, endete allerdings statt dessen damit, da� er vom Henker freigekauft werden mu�te. Vielleicht war es so gewesen. Viele <emphasis>Da'covale</emphasis> beanspruchten zumindest untereinander adlige Vorfahren, aber nur wenige Adlige empfanden solches Geschw�tz als belustigend. Auf jeden Fall hatte Karede Gl�ck empfunden, als die Erw�hler ihn aussuchten, einen kr�ftigen Knaben, der noch zu jung war, als da� man ihm Pflichten zugewiesen h�tte, und er war noch immer stolz auf die auf seine Schultern t�towierten Raben. Viele Totenw�chter gingen ohne Jacke oder Hemd umher, wann immer es m�glich war, um die T�towierungen zu zeigen.</p><p>Karede war ein <emphasis>Da'covale,</emphasis> der Besitz des Kristallthrons, mit K�rper und Seele, und er war wie jeder Mann der Garde stolz darauf. Er k�mpfte, wo immer die Herrscherin ihn hinschickte, und w�rde an dem Tag sterben, an dem sie es ihm befahl. Die Garde gehorchte allein der Herrscherin, und wo sie erschien, trat sie als ihr Arm auf, als sichtbare Mahnung an alle. Es war nicht verwunderlich, da� sich einige Adlige unbehaglich f�hlten, wenn sie eine Abordnung der Garde vor�berziehen sahen. Es war ein weitaus besseres Leben, als die St�lle eines Lords auszumisten oder einer Lady <emphasis>Kaf</emphasis> zu servieren. Aber er verfluchte das Schicksal, das ihn zur Inspektion der Au�enposten in diese Berge geschickt hatte.</p><p>Der <emphasis>Raken</emphasis> schwebte weiterhin westw�rts, die beiden Flieger tief in den Sattel gekauert. Es gab keinen Kundschafterbericht, keine Nachricht f�r ihn. Furyk wu�te, da� er es sich einbildete, aber der lange, ausgestreckte Hals des Wesens wirkte irgendwie ... angstvoll. W�re er jemand anderer gewesen, h�tte er vielleicht auch Angst empfunden. Es hatte nur wenige Nachrichten f�r ihn gegeben, seit er vor drei Tagen seine Befehle erhalten hatte, das Kommando zu �bernehmen und westw�rts zu ziehen, und jede Nachricht hatte eher noch mehr Verwirrung als Klarheit hervorgerufen.</p><p>Die Ortsans�ssigen, diese Altaraner, waren anscheinend in gro�er Anzahl in die Berge gezogen, aber wie? Die Stra�en im Norden des Gebirges wurden von Kundschaftertrupps kontrolliert und fast bis zur Grenze nach Illian bewacht, sowohl von Fliegern und <emphasis>Morat'torm</emphasis> als auch von berittenen Truppen. Was hatte die Altaraner zu der Entscheidung veranla�t, so stark die Z�hne zu zeigen? Zusammengeh�rigkeit? Man konnte bei ihnen schon durch einen Blick ein Duell heraufbeschw�ren � obwohl sie allm�hlich lernten, da� es nur eine langsamere Art war, die Kehle durchgeschnitten zu bekommen, wenn man einen Gardisten herausforderte. Aber er hatte Adlige dieser sogenannten Nation erlebt, die einander <emphasis>und</emphasis> ihre K�nigin f�r die blo�e Zusicherung verkaufen wollten, da� ihre eigenen L�ndereien verschont und ihnen zudem diejenigen ihrer Nachbarn einverleibt w�rden.</p><p>Nadoc, ein gro�er Mann mit einem tr�gerisch sanften Gesicht, wandte sich im Sattel um und beobachtete den <emphasis>Raken.</emphasis> �Ich marschiere nicht gern blind�, murrte er. �Nicht, wenn es den Altaranern gelungen ist, vierzigtausend Mann hier herauf zu bringen. Mindestens vierzigtausend.�</p><p>Jadranka schnaubte so laut, da� sein gro�er wei�er Wallach scheute. Der �lteste der drei Hauptm�nner hinter Karede diente schon ebenso lange wie Karede selbst, ein kleiner d�nner Mann mit auff�lliger Nase und einer untadeligen Haltung. Sein Pferd war ebenfalls auff�llig. �Vierzigtausend oder einhundert, Nadoc, sie sind von hier bis zum Ende der Berge verstreut, zu weit voneinander entfernt, um sich gegenseitig beizustehen. Verdammt, die H�lfte von ihnen ist sicherlich bereits tot. Vermutlich sind sie �berall mit den Au�enposten aneinandergeraten, darum erhalten wir keine Berichte. Es wird einfach von uns erwartet, da� wir die �berreste beseitigen.�</p><p>Karede unterdr�ckte ein Seufzen. Er hatte gehofft, Jadranka sei kein Narr. Siegesmeldungen verbreiteten sich schnell, aber die seltenen Niederlagen wurden verschwiegen und vergessen. Soviel Schweigen war ... unheilvoll.</p><p>�Der letzte Bericht klang nicht, als gehe es nur um die �berreste�, beharrte Nadoc. <emphasis>Er</emphasis> war <emphasis>kein</emphasis> Narr. �Keine f�nfzig Meilen vor uns stehen f�nfzigtausend Mann, und ich bezweifle, da� wir sie einfach aus dem Weg r�umen k�nnen.�</p><p>Jadranka schnaubte erneut. �Wir werden sie vernichten, mit Schwertern oder mit blo�en H�nden. Das Licht verdamme mich, aber ich kann ein ordentliches Gefecht kaum erwarten. Ich habe den Kundschaftern befohlen, z�gig vorzusto�en, bis sie sie gefunden haben. Ich werde sie nicht entwischen lassen.�</p><p>�Ihr habt was getan?� fragte Karede sanft.</p><p>Trotz der vermeintlichen Sanftheit zogen seine Worte aller Aufmerksamkeit auf sich. Nadoc und einige wenige andere hatten M�he, Jadranka nicht anzustarren. Kundschaftern wurde befohlen, z�gig vorzusto�en, Kundschaftern wurde gesagt, wonach sie Ausschau halten sollten. Was war unbemerkt geblieben, wenn solche Befehle erteilt wurden?</p><p>Bevor jemand den Mund �ffnen konnte, erklangen Schreie von den M�nnern im Pa� und das schrille Wiehern von Pferden.</p><p>Karede pre�te das Fernrohr an sein Auge. Auf dem vor ihm liegenden Pa� starben M�nner und Pferde unter einem Hagel von Armbrustpfeilen, da nichts sonst die st�hlernen Brustharnische und Kettenpanzer h�tte durchschlagen k�nnen. Hunderte lagen bereits am Boden, weitere Hunderte hingen verwundet im Sattel oder liefen zu Fu� vor den stampfenden Pferden davon. Zu viele liefen davon. Noch als er hinsah, rissen Reiter ihre Pferde herum und versuchten, den Pa� hinauf zu fliehen. Wo, im Licht, waren die <emphasis>Sul'daml</emphasis> Keine Spur war von ihnen zu entdecken. Er hatte Aufst�ndischen gegen�bergestanden, die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> zur Verf�gung hatten und die stets so rasch wie m�glich get�tet werden mu�ten. Vielleicht hatten die Ortsans�ssigen das gelernt.</p><p>Pl�tzlich begann der Boden die ganze Kolonne seiner M�nner entlang in br�llenden Font�nen aufzubrechen, die M�nner und Pferde ebenso leicht in die Luft schleuderten wie Erde und Steine. Blitze zuckten aus dem Himmel herab, blauwei�e Pfeile, die Erde und Menschen gleicherma�en spalteten. Einige M�nner wurden einfach so in St�cke gerissen. Hatten die Ortsans�ssigen eigene <emphasis>Damane?</emphasis> Nein, es mu�ten jene Aes Sedai sein.</p><p>�Was sollen wir tun?� fragte Nadoc. Er klang ersch�ttert, wozu er auch allen Grund hatte.</p><p>�Denkt Ihr daran, Eure M�nner im Stich zu lassen?� h�hnte Jadranka. �Wir sammeln sie und greifen an, Ihr ...!� Er brach gurgelnd ab, als Karedes Schwertspitze in seine Kehle eindrang. Manchmal konnte man Narren tolerieren und manchmal nicht. Als der Mann aus dem Sattel st�rzte, wischte Karede seine Klinge geschickt an der wei�en M�hne des Wallachs ab, bevor das Tier davonjagte. Manchmal mu�te man auch ein wenig auftrumpfen.</p><p>�Wir sammeln, was m�glich ist, Nadoc�, sagte er, als h�tte es Jadranka nie gegeben. �Wir retten, was zu retten ist, und dann ziehen wir uns zur�ck.�</p><p>W�hrend er sein Pferd wendete, um zum Pa� hinab zu reiten, wo Blitze zuckten und Donner br�llte, befahl er Anghar, einem jungen Mann mit stetem Blick und einem schnellen Pferd, ostw�rts zu reiten und zu berichten, was sich hier ereignet hatte. Vielleicht w�rde ein Flieger sehen, was geschah, vielleicht aber auch nicht, obwohl Karede jetzt zu wissen glaubte, warum sie niedrig flogen. Er vermutete, da� die Hochdame Suroth und die Gener�le in Ebou Dar bereits wu�ten, was hier oben vor sich ging. War heute der Tag, an dem er f�r die Herrscherin sterben w�rde? Er trieb seinem Pferd die Fersen in die Flanken.</p><p>Rand sp�hte von dem flachen, d�nn bewaldeten Kamm westw�rts �ber den Wald vor ihm. Da die Macht ihn durchstr�mte � Leben, so lieblich; Widerw�rtigkeit, oh, so widerw�rtig �- konnte er sogar einzelne Bl�tter erkennen, aber das gen�gte nicht. Tai'daishar stampfte mit den Hufen auf. Die gezackten Gipfel ringsum �berragten den Kamm um eine Meile oder mehr, aber der Kamm ragte wiederum ein gutes St�ck �ber den tiefer gelegenen Baumwipfeln eines welligen, bewaldeten Tals von �ber einer Meile L�nge und fast ebenso umfangreicher Breite auf. Dort unten war alles ruhig. So still wie das Nichts, in dem er schwebte. Jedenfalls im Moment. Hier und dort stiegen Rauchwolken von Gruppen von zwei oder drei wie Fackeln brennenden B�umen auf. Nur die N�sse verhinderte, da� sie das Tal in ein Flammenmeer verwandelten.</p><p>Flinn und Dashiva waren als einzige Asha'man noch bei ihm, alle �brigen befanden sich unten im Tal. Die beiden standen ein St�ck von ihm entfernt am Waldrand, hielten ihre Pferde am Z�gel und blickten ebenfalls auf das bewaldete Tal hinab. Nun, Flinn blickte hinab, ebenso angespannt wie Rand selbst. Dashiva schaute nur gelegentlich hin, verzog den Mund und murmelte manchmal auf eine Art vor sich hin, die Flinn beunruhigte, so da� er Dashiva von der Seite ansah. Die Macht erf�llte beide M�nner fast im �berflu�, und doch schwieg Lews Therin zur Abwechslung. Der Mann zog sich w�hrend der letzten Tage anscheinend immer mehr zur�ck.</p><p>Die Sonne schien wahrhaftig, und es waren nur verstreut graue Wolken zu sehen. F�nf Tage waren vergangen, seit Rand sein kleines Heer nach Altara gebracht hatte und er seinen ersten seanchanischen Toten gesehen hatte. Seitdem hatte er noch einige gesehen. Gedanken glitten �ber die Oberfl�che des Nichts. Er konnte sp�ren, wie der in seine Handfl�che eingebrannte Reiher durch seinen Handschuh gegen das Drachenszepter dr�ckte. Still. Es waren keine Flugwesen zu sehen. Drei davon waren gestorben, von Blitzen vom Himmel geholt, bevor ihre Reiter fernzubleiben lernten. Bashere war von den Wesen fasziniert. Ruhig.</p><p>�Vielleicht ist es vorbei, mein Lord Drache.� Ailils Stimme klang ruhig und k�hl, aber sie t�tschelte ihrer Stute den Hals, obwohl das Tier keinen Trost brauchte. Sie sah Flinn und Dashiva von der Seite an und richtete sich dann auf, entschlossen, vor ihnen nicht einen Hauch Beunruhigung zu zeigen.</p><p>Rand merkte, da� er summte, und hielt j�h inne. Das war Lews Therins Angewohnheit, wenn er eine h�bsche Frau ansah, nicht seine. Nicht seine! Licht, wenn er bereits die Verschrobenheiten des Burschen �bernahm, noch dazu, wenn er gar nicht da war ...!</p><p>Pl�tzlich dr�hnte im Tal hohler Donner. Feuer flammte in gut zwei Meilen oder mehr Entfernung in Font�nen zwischen den B�umen auf, dann erneut und immer wieder. Blitze krachten nicht weit von der Stelle in den Wald, wo hohe Flammen aufgebrochen waren, einzelne Blitze wie gezackte, blauwei�e Lanzen. Ein Schauer von Blitzen und Feuer, und dann war alles wieder still. Dieses Mal standen keine B�ume in Flammen.</p><p>Einiges davon war <emphasis>Saidin</emphasis> gewesen. Einiges davon.</p><p>Schreie erklangen, dumpf und fern und wohl aus einem anderen Teil des Tals. Selbst f�r Rands durch <emphasis>Saidin</emphasis> verst�rktes H�rverm�gen zu weit entfernt, um das Krachen von Stahl zu h�ren. Trotz allem k�mpften nicht nur Asha'man, Geweihte und Soldaten.</p><p>Anaiyella atmete tief aus. Sie mu�te den Atem schon angehalten haben, seit der Austausch mit der Macht begann. M�nner, die mit Stahl k�mpften, beunruhigten sie nicht. Dann t�tschelte <emphasis>sie</emphasis> den Hals ihres Pferdes. Der Wallach hatte nur mit einem Ohr gezuckt. Rand hatte das schon h�ufig an Frauen bemerkt. Wenn sie aufgeregt waren, versuchten sie recht h�ufig, andere zu tr�sten, ob sie Trost brauchten oder nicht, wobei ein Pferd auch gen�gte. Wo <emphasis>war</emphasis> Lews Therin?</p><p>Er beugte sich ver�rgert vor und betrachtete erneut die Baumkronen. Die vielen immergr�nen B�ume bildeten trotz der lange herrschenden Trockenheit einen wirksamen Sichtschutz. Wie beil�ufig ber�hrte er das schmale B�ndel unter dem Ledergurt seines Steigb�gels. Er k�nnte sich einmischen � und blind angreifen. Er k�nnte in die W�lder hinabreiten � und h�chstens zehn Schritt weit sehen. Dort unten w�re er kaum n�tzlicher als einer der Soldaten.</p><p>Ein Wegetor er�ffnete sich in geringer Entfernung unter den B�umen auf dem Kamm. Ein silbriger Schlitz erweiterte sich zu einer �ffnung, die andere B�ume und dichtes Unterholz freigab. Ein Soldat mit kupferfarbener Haut, einem d�nnen Schnurrbart und einer kleinen Perle im Ohr trat zu Fu� hervor und lie� das Wegetor wieder verschwinden. Er schob eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> vor sich her, deren Handgelenke auf dem R�cken zusammengebunden waren, eine h�bsche Frau, wenn man von der purpurfarbenen Beule an ihrer Schl�fe absah. Mit dieser hing anscheinend auch ihre finstere Miene und ihr ramponiertes, bl�tterbehaftetes Gewand zusammen. Sie sah den Soldaten �ber die Schulter h�hnisch an, w�hrend er sie den Kamm entlang auf Rand zutrieb, und dann sah sie Rand ebenso h�hnisch an.</p><p>Der Soldat nahm Haltung an und salutierte gekonnt. �Soldat Arien Nalaam, mein Lord Drache!� bellte er und blickte geradeaus auf Rands Sattel. �Mein Lord Drache befahl, alle gefangenen Frauen zu ihm zu bringen.�</p><p>Rand nickte. Seine �berpr�fung der Gefangenen, obwohl jeder Dummkopf sehen konnte, was sie waren, sollte nur den Eindruck erwecken, da� er etwas zu tun h�tte. �Bringt sie zu den Karren zur�ck, Soldat Nalaam, und beteiligt Euch dann wieder am Kampf.� Er h�tte bei diesen Worten fast mit den Z�hnen geknirscht. Sich wieder am Kampf beteiligen! W�hrend Rand al'Thor, der Wiedergeborene Drache und K�nig von Illian, auf seinem Pferd sa� und die Baumwipfel anstarrte!</p><p>Nalaam salutierte erneut, bevor er die Frau davontrieb. Sie sp�hte wieder �ber die Schulter, aber dieses Mal nicht zu dem Soldaten, sondern zu Rand, mit gro�en Augen und erstaunt ge�ffnetem Mund. Nalaam hie� sie aus einem unbestimmten Grund erst innehalten, als er den Fleck erreicht hatte, wo er aus dem Wegetor hervorgetreten war. Er h�tte sich eigentlich nur ausreichend weit entfernen m�ssen, um die Pferde nicht zu verletzen.</p><p>�Was tut Ihr?� fragte Rand, als <emphasis>Saidin</emphasis> den Mann erf�llte.</p><p>Nalaam wandte sich halb zu ihm zur�ck und z�gerte einen Moment. �Es scheint leichter, wenn ich einen Ort benutze, an dem ich bereits ein Wegetor er�ffnet habe, mein Lord Drache. <emphasis>Saidin ... Saidin</emphasis> f�hlt sich hier f�r mich... seltsam an.� Seine Gefangene wandte sich mit finsterem Gesicht zu ihm um.</p><p>Kurz darauf bedeutete Rand ihm fortzufahren. Flinn gab vor, sich mit dem Sattelgurt seines Pferdes zu besch�ftigen, aber der kahl werdende alte Mann l�chelte schwach und beinahe �berheblich. Dashiva ... kicherte. Flinn hatte als erster erw�hnt, da� sich <emphasis>Saidin</emphasis> in diesem Tal seltsam anf�hlte. Narishma und Hopwil hatten ihn nat�rlich geh�rt, und Morr f�gte noch seine Geschichten �ber die �Fremdartigkeit� um Ebou Dar an. So war <emphasis>es</emphasis> nicht verwunderlich, da� jetzt jedermann etwas zu sp�ren behauptete, obwohl niemand sagen konnte, was es war. <emphasis>Saidin</emphasis> f�hlte sich einfach ... eigenartig an. Licht, wie sollte es sich angesichts des Makels sonst anf�hlen, der der m�nnlichen H�lfte der Quelle anhaftete? Rand hoffte, da� seine neue Krankheit sie nicht alle befiel.</p><p>Nalaams Wegetor er�ffnete sich und erlosch hinter ihm und seiner Gefangenen wieder. Rand gab sich ganz dem Ersp�ren <emphasis>Saidins</emphasis> hin. Leben und Verderbnis vermischten sich. Eis, das tiefsten Winter warm, und Feuer, das die Flammen einer Esse kalt wirken lie�. Tod, der nur darauf wartete, da� er einen Fehler beging. Es f�hlte sich �berhaupt nicht anders an. Oder doch? Er blickte stirnrunzelnd zu der Stelle, an der Nalaam mit der Frau verschwunden war.</p><p>Sie war die vierte <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die an diesem Nachmittag gefangengenommen worden war. Das ergab insgesamt dreiundzwanzig Sw/'rfflm-Gefangene bei den Karren und zwei <emphasis>Damane,</emphasis> beide noch mit ihrer silbrigen Koppel und dem Halsband, die auf getrennten Karren bef�rdert wurden. Mit jenen Kragen konnten sie keine drei Schritte tun, ohne noch st�rkere �belkeit zu versp�ren als Rand, wenn er die Quelle ergriff. Er war sich nicht sicher, ob die Schwestern bei Mat erfreut w�ren, sie nach alledem zu sehen. Rand hatte die erste <emphasis>Damane</emphasis> vor drei Tagen nicht f�r eine Gefangene gehalten. Die schlanke Frau mit hellblondem Haar und gro�en blauen Augen war eine seanchanische Gefangene, die befreit werden mu�te, das dachte er zumindest. Aber als er eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> zwang, der Frau ihr <emphasis>Adam</emphasis> abzunehmen, schrie sie, die <emphasis>Sul'dam</emphasis> solle ihr helfen, und griff sofort mit der Macht an. Sie hatte der <emphasis>Sul'dam</emphasis> sogar den Hals dargeboten, damit sie ihr das Halsband wieder umlegte! Neun Verteidiger und ein Soldat waren gestorben, bevor sie abgeschirmt werden konnte. Gedwyn h�tte sie augenblicklich get�tet, wenn Rand es nicht verhindert h�tte. Die Verteidiger, die sich in der N�he von Frauen, welche die Macht lenken konnten, fast ebenso unwohl f�hlten wie andere in der N�he von M�nnern mit dieser F�higkeit, wollten sie noch immer tot sehen. Sie hatten w�hrend der vergangenen Tage Verluste im Kampf erlitten, aber es bedeutete f�r sie anscheinend eine besondere Beleidigung, wenn M�nner von einer Gefangenen get�tet wurden.</p><p>Es hatte mehr Verluste gegeben, als Rand erwartet hatte. Einunddrei�ig Verteidiger und sechsundvierzig Gef�hrten waren gestorben sowie mehr als zweihundert Legion�re und Waffentr�ger der Adligen, sieben Soldaten und ein Geweihter � M�nner, denen Rand, bevor sie seinem Ruf nach Illian gefolgt waren, niemals zuvor begegnet war. Zu viele, wenn man bedachte, da� bis auf die schwersten Verletzungen alles Geheilt werden konnte, wenn ein Mann nur lange genug durchhielt. Aber Rand trieb die Seanchaner dennoch unnachgiebig westw�rts.</p><p>Weitere Schreie erklangen irgendwo weit unten im Tal. Feuer entflammte ungef�hr drei Meilen westlich, Blitze zuckten und lie�en B�ume umst�rzen, Felsen brachen von einem weiter entfernten Berghang herab, seltsame Font�nen, die sich den H�gel entlang zogen. Das br�llende Donnern verschluckte die Schreie. Die Seanchaner zogen sich zur�ck.</p><p>�Reitet hinunter!� befahl Rand Flinn und Dashiva. �Ihr beide. Sucht Gedwyn und sagt ihm, ich h�tte den Befehl zum Angriff gegeben!�</p><p>Dashiva blickte mit verzerrtem Gesicht auf die Baumkronen und f�hrte sein Pferd dann unbeholfen den Bergkamm entlang. Der Mann hatte kein Geschick darin, Pferde zu reiten oder auch nur zu f�hren. Er stolperte sogar fast �ber sein Schwert!</p><p>Flinn schaute besorgt zu Rand hoch. �Ihr wollt allein hierbleiben, mein Lord Drache?�</p><p>�Ich bin wohl kaum allein�, sagte Rand trocken und blickte zu Ailil und Anaiyella. Sie waren zu ihren Waffentr�gern zur�ckgeritten, fast zweihundert Lanzentr�ger, die kurz vor der Stelle warteten, wo der Kamm ostw�rts abfiel. Ihr Anf�hrer Denharad blickte stirnrunzelnd durch das Visier seines Helms. Er befehligte jetzt beide Gruppen, und w�hrend seine Sorge Ailil und Anaiyella galt, gelang es seinen Burschen durch ihr Auftreten noch immer, die meisten Angreifer fernzuhalten. Au�erdem hatte Weiramon das n�rdliche Ende des Kamms gesichert, so da� nicht einmal eine Fliege vorbeik�me, wie er behauptete, und Bashere hielt den S�den, ohne sich jedoch dessen zu r�hmen. Bashere errichtete einfach eine Mauer aus Lanzen, ohne dar�ber zu reden, und die Seanchaner zogen sich daraufhin zur�ck. �Ich selbst bin auch nicht hilflos, Flinn.�</p><p>Flinn kratzte sich skeptisch seinen wei�en Haarkranz, bevor er salutierte und sein Pferd auf die Stelle zuf�hrte, wo Dashivas Wegetor bereits erlosch. Er humpelte dahin, sch�ttelte den Kopf und murrte fast ebenso vernehmlich wie Dashiva. Rand empfand Zorn. Er durfte nicht wahnsinnig werden, und sie auch nicht.</p><p>Flinns Wegetor schwand, und Rand kehrte zur Betrachtung der Baumwipfel zur�ck. Es war wieder ruhig. Die Zeit erstreckte sich in Stille. Es war keine gute Idee gewesen, die Au�enposten in den Bergen einnehmen zu wollen. Das gab er jetzt bereitwillig zu. In diesem Gebiet konnte man eine halbe Meile von einem Heer entfernt sein, ohne es zu bemerken. Und in jenen dichten W�ldern dort unten konnte man zehn Fu� davon entfernt sein, ohne es zu bemerken! Er mu�te den Seanchanern auf geeigneterem Boden gegen�bertreten ...</p><p>Er mu�te j�h gegen heftige Wogen <emphasis>Saidins</emphasis> ank�mpfen, die seinen Sch�del zu durchbohren drohten. Das Nichts schwand und schmolz unter dem Ansturm dahin. Erschreckt und benommen lie� er die Quelle los, bevor sie ihn t�ten k�nnte. �belkeit vereinnahmte ihn. Er sah zwei Schwerterkronen auf der dichten Laubdecke vor seinem Gesicht! Er lag am Boden! Er konnte nicht richtig atmen und rang m�hsam nach Luft. Von einem der goldenen Lorbeerbl�tter der Krone war ein St�ck abgebrochen, und Blut befleckte mehrere der winzigen goldenen Schwertspitzen. Ein brennender Schmerz an seiner Seite zeigte ihm, da� diese niemals heilenden Wunden aufgebrochen waren. Er versuchte, sich hochzuziehen, schrie auf und starrte in benommenem Erstaunen auf die dunkle Befiederung eines Pfeils, der in seinem rechten Arm stak. Er brach st�hnend zusammen. Etwas lief sein Gesicht herab, tropfte vor seinen Augen. Blut.</p><p>Er wurde sich vage klagender Schreie bewu�t. Reiter erschienen zwischen den B�umen im Norden und galoppierten den Kamm entlang, einige mit gesenkten Lanzen und einige mit Kurzbogen, die sie so rasch abfeuerten, wie sie die Pfeile einlegen und die Bogen spannen konnten. Reiter in blaugelber R�stung und Helmen wie riesige Insektenk�pfe. Seanchaner, anscheinend mehrere hundert, die aus dem Norden kamen. Soviel zu Weiramons Fliege.</p><p>Rand bem�hte sich, die Quelle zu ergreifen. Es war zu sp�t, sich �ber �belkeit oder �ber seinen Sturz zu sorgen. Ein anderes Mal h�tte er vielleicht dar�ber gelacht. Er bem�hte sich.... Es war, als w�rde er im Dunkeln mit tauben Fingern nach einer Nadel greifen.</p><p><emphasis>Zeit zu sterben,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. Rand hatte immer schon gewu�t, da� Lews Therin am Ende dasein w�rde.</p><p>Keine f�nfzig Schritt von Rand entfernt st�rzten sich schreiende Tairener und Cairhiener auf die Seanchaner.</p><p>�K�mpft, ihr Hunde!� schrie Anaiyella und schwang sich neben Rand aus dem Sattel. �K�mpft!� Die geschmeidige Lady in ihrer Seide und Spitze gab eine Reihe von Fl�chen von sich, die selbst einen Wagenlenker sprachlos gemacht h�tten.</p><p>Anaiyella stand mit den Z�geln ihres Pferdes da und schaute von dem Gewirr von M�nnern und Stahl zu Rand. Ailil drehte ihn auf den R�cken. Sie kniete sich neben ihn und blickte mit einem unlesbaren Ausdruck in ihren gro�en dunklen Augen auf ihn herab. Er konnte sich anscheinend nicht bewegen, f�hlte sich ausgelaugt und war sich nicht einmal sicher, ob er blinzeln konnte. Schreie und das Zusammenklingen von Stahl t�nten in seinen Ohren.</p><p>�Wenn er unter unseren H�nden stirbt, wird Bashere uns beide h�ngen!� Anaiyella l�chelte jetzt gewi� nicht mehr einf�ltig. �Und wenn jene schwarz gewandeten Ungeheuer uns erwischen...!� Sie erschauderte, beugte sich n�her zu Ailil und fuchtelte mit einem G�rteldolch herum, den Rand zuvor nicht in ihrer Hand bemerkt hatte. Am Heft gl�nzte ein blutroter Rubin. �Euer Heerf�hrer k�nnte gen�gend M�nner er�brigen, um uns von hier fortzubringen. Wir k�nnten schon Meilen entfernt sein, bevor er gefunden wird, wieder auf unseren L�ndereien sein ...�</p><p>�Ich glaube, er kann uns h�ren�, unterbrach Ailil sie ruhig. Sie bewegte ihre rot behandschuhten H�nde an ihrer Taille. Steckte sie einen G�rteldolch in die Scheide? Oder zog sie einen Dolch? �Wenn er hier stirbt...� Sie brach ebenso abrupt ab wie die andere Frau und wandte ruckartig den Kopf.</p><p>Hufe donnerten auf beiden Seiten an Rand vorbei. Die Reiter galoppierten gen Norden auf die Seanchaner zu. Das Schwert in H�nden, verhielt Bashere sein Pferd kaum, bevor er aus dem Sattel sprang. Gregorin Panar stieg langsamer ab, schwenkte aber sein Schwert den vor�berreitenden M�nnern entgegen. �Siegt f�r den K�nig und Illian!� rief er ihnen zu. �Siegt f�r den Herrn des Morgens!� Das Zusammenklingen von Stahl verst�rkte sich und auch das Schreien.</p><p>�Es <emphasis>mu�te</emphasis> letztendlich so kommen�, grollte Bashere, w�hrend er die beiden Frauen mit mi�trauischen Blicken bedachte. Er verschwendete jedoch nur einen Augenblick, bevor er seine Stimme �ber das Kampfget�se erhob. �Morr! Verdammt sei Eure Asha'manhaut. Hier, jetzt!� Er verriet, dem Licht sei Dank, nicht, da� der Lord Drache am Boden lag.</p><p>Rand wandte m�hsam den Kopf, so da� er sehen konnte, wie die Illianer und Saldaeaner weiterhin nordw�rts dr�ngten. Die Seanchaner mu�ten Boden verloren haben.</p><p>�Morr!� Der Name dr�hnte durch Basheres Schnurrbart, und dann lie� sich der Gerufene von seinem galoppierenden Pferd fast auf Anaiyella fallen.</p><p>Angesichts einer nicht erfolgenden Entschuldigung wirkte sie verstimmt, w�hrend sich der Mann neben Rand kniete und sich das dunkle Haar aus dem Gesicht strich. Sie trat jedoch nur allzu schnell zur�ck, als sie erkannte, da� er die Macht lenken wollte. Ailil erhob sich weitaus gem�chlicher, aber sie trat nicht wesentlich langsamer fort. Den G�rteldolch mit dem Silbergriff lie� sie wieder in seine Scheide an ihrer Taille gleiten.</p><p>Das Heilen war eine einfache, wenn auch nicht gerade bequeme Angelegenheit. Die Befiederung des Pfeils wurde abgebrochen und der restliche Pfeil mit einem scharfen Ruck, der Rand keuchen lie�, ganz herausgezogen. Schmutz und Holzsplitter w�rden abfallen, wenn sich die Haut zusammenzog, aber nur Flinn und wenige andere konnten die Macht benutzen, die n�tig war, um tieferliegende Bruchst�cke zu beseitigen. Morr legte zwei Finger an Rands Brust, schob mit angespanntem Ausdruck die Zunge zwischen die Z�hne und wob das Heilgewebe, wie er es stets machte. Anders funktionierte es bei ihm nicht. Es waren nicht die komplizierten Gewebe, die Flinn benutzte. Nur wenige konnten sie gestalten und bisher niemand so gut wie Flinn. Dies war einfacher. Grober. Hitzewellen durchstr�mten Rand so stark, da� er st�hnte und Schwei� aus jeder Pore str�mte. Er zitterte heftig bis zu den Zehen. Ein Braten im Ofen mu�te sich �hnlich f�hlen.</p><p>Der pl�tzliche Hitzestrom verebbte langsam wieder, und Rand lag keuchend da. In seinem Kopf keuchte auch Lews Therin. <emphasis>T�te ihn! T�te ihn!</emphasis> Immer wieder.</p><p>Rand d�mpfte die Stimme zu einem fernen Summen und dankte Morr � der junge Mann blinzelte, als w�re er �berrascht! �, ergriff dann das auf dem Boden liegende Drachenszepter und zwang sich aufzustehen, wenn er auch schwankte. Bashere wollte ihm einen Arm darbieten, trat aber auf eine Geste hin zur�ck. Rand konnte einigerma�en ohne Hilfe stehen. Er h�tte jedoch keinesfalls die Macht lenken k�nnen. Als er seine Seite ber�hrte, f�hlte er Blut, und die alte runde Narbe und der neuere, dar�ber verlaufende Schnitt f�hlten sich weich an. Sie waren nie ganz verheilt.</p><p>Er betrachtete die beiden Frauen einen Moment. Anaiyella murmelte etwas, das vage wie ein Gl�ckwunsch klang, und g�nnte ihm ein unterw�rfiges L�cheln. Ailil stand sehr aufrecht da, als sei nichts geschehen. Hatten sie ihn sterben lassen wollen? Oder ihn t�ten wollen? Aber wenn dem so war � warum hatten sie dann ihren Waffentr�gern die Verantwortung �bertragen und waren herbeigeeilt, um nach ihm zu sehen? Andererseits <emphasis>hatte</emphasis> Ailil ihren Dolch gezogen, als von seinem Tod die Rede war.</p><p>Die meisten Saldaeaner und Illianer galoppierten gen Norden oder ritten den Hang des H�gels hinab und verfolgten die letzten Seanchaner. Weiramon erschien von Norden und ritt langsam auf einem gro�en, gl�nzenden Schwarzen heran, der mit den Hufen scharrte, als er Rand sah. Die Waffentr�ger ritten in Doppelreihe hinter ihm.</p><p>�Mein Lord Drache�, begann der Hochlord, w�hrend er abstieg. Er schien <emphasis>noch immer</emphasis> so sauber wie in Illian. Bashere war im Gegensatz zu ihm zerzaust und hier und da ein wenig schmutzig, und Gregorins edle Kleidung war entschieden dreckig. Weiramon verbeugte sich auf eine Art, die an einem K�nigshof Besch�mung hervorgerufen h�tte. �Verzeiht, mein Lord Drache. Ich dachte, ich h�tte vor dem Kamm Seanchaner herannahen sehen und wollte mich ihnen entgegenstellen. Ich h�tte niemals diese anderen vermutet. Ihr wi�t nicht, wie sehr es mich schmerzen w�rde, wenn Ihr verletzt worden w�rt.�</p><p>�Ich kann es mir denken�, sagte Rand trocken, und Weiramon blinzelte. Seanchaner, die herannahten? Vielleicht. Weiramon w�rde jede Gelegenheit f�r einen ruhmreichen Angriff nutzen. �Wo stehen die Seanchaner jetzt, Bashere?�</p><p>�Sie ziehen sich zur�ck�, erwiderte Bashere. Am entgegengesetzten Ende des Tals flammten einen Moment erneut Feuer und Blitze auf, wie um ihn L�gen zu strafen.</p><p>�Eure ... Eure Kundschafter sagen, alle w�ren auf dem R�ckzug�, sagte Gregorin, rieb sich den Bart und warf Morr einen unbehaglichen Seitenblick zu. Morr grinste ihn offen an. Rand hatte den Illianer im dichtesten Kampfget�mmel an der Spitze seiner M�nner gesehen, wie er sie ermutigte und sein Schwert mit wilder Hemmungslosigkeit schwang, aber bei Morrs Grinsen zuckte er zur�ck.</p><p>Dann kam Gedwyn heran, der sein Pferd nachl�ssig, fast �berheblich f�hrte. Er sah Bashere und Gregorin h�misch an, bedachte Weiramon mit einem Stirnrunzeln, als wisse er bereits von dem Fehler des Mannes, und betrachtete Ailil und Anaiyella, als wollte er sie zwicken. Die beiden Frauen zogen sich hastig zur�ck, was auch die M�nner au�er Bashere taten. Selbst Morr. Gedwyn ber�hrte als Gru� an Rand beil�ufig mit der Faust die Brust. �Ich habe Kundschafter ausgesandt, sobald ich erkannte, da� diese Gruppe besiegt war. Innerhalb von zehn Meilen stehen drei weitere Kolonnen.�</p><p>�Sie sind eilig westw�rts gezogen�, warf Bashere ruhig ein, aber er betrachtete Gedwyn scharf. �Ihr habt es geschafft�, sagte er zu Rand. �Sie weichen <emphasis>alle</emphasis> zur�ck. Ich bezweifle, da� sie vor Ebou Dar innehalten werden. Nicht jede Schlacht endet mit einem gro�en Einmarsch in die Stadt, und diese ist beendet.�</p><p>�berraschenderweise begann Weiramon f�r einen Vorsto� zu pl�dieren, um �Ebou Dar f�r den Ruhm des Herrn des Morgens einzunehmen�, wie er sich ausdr�ckte, aber es war gewi� noch erschreckender, von Gedwyn zu h�ren, er h�tte nichts dagegen, einige weitere Angriffe auf die Seanchaner zu f�hren und Ebou Dar aufzusuchen. Selbst Ailil und Anaiyella stimmten daf�r, �den Seanchanern ein f�r allemal ein Ende zu bereiten�, obwohl Ailil noch hinzuf�gte, da� sie es auch wollte, um zu vermeiden, deswegen zur�ckkehren zu m�ssen. Sie war sich ziemlich sicher, da� der Lord Drache dabei auf ihrer Begleitung bestehen w�rde, das �u�erte sie in einem so k�hlen und trockenen Tonfall wie eine Nacht in der Aiel-W�ste.</p><p>Nur Bashere und Gregorin sprachen sich f�r die R�ckkehr aus und erhoben ihre Stimmen um so lauter, je stiller Rand wurde. Schweigend blickte er westw�rts in Richtung Ebou Dar.</p><p>�Wir haben getan, weshalb wir hergekommen sind�, beharrte Gregorin. �Barmherziges Licht, wollt Ihr Ebou Dar selbst einnehmen?�</p><p>Ebou Dar einnehmen, dachte Rand. Warum nicht? Niemand w�rde das erwarten. Eine vollkommene �berraschung, sowohl f�r die Seanchaner wie auch f�r alle anderen.</p><p>�Es gibt Zeiten, in denen man seinen Vorteil ergreift und weitermacht�, grollte Bashere. �Zu einer anderen Zeit nimmt man seinen Gewinn und geht nach Hause. Ich sage, es ist an der Zeit, nach Hause zu gehen.�</p><p><emphasis>Ich h�tte nichts dagegen, wenn du in meinem Kopf w�rst,</emphasis> sagte Lews Therin und klang fast geistig gesund, <emphasis>wenn du nicht so eindeutig wahnsinnig w�rst.</emphasis></p><p>Ebou Dar. Rand umfa�te das Drachenszepter fester, und Lews Therin kicherte.</p></section><section><title><p>24</p><p>Zeit f�r H�rte</p></title><p>Ein Dutzend Meilen �stlich von Ebou Dar glitt ein <emphasis>Raken</emphasis> aus dem wolkenverhangenen Sonnenaufgang heran und landete auf einer l�nglichen Weide, die durch farbige Wimpel an hohen Pfosten als Flugfeld markiert war. Das braune Gras wurde bereits seit Tagen niedergetreten. Die ganze Anmut der Wesen im Flug verlor sich, sobald ihre Klauen in schwerf�lligem Lauf den Boden ber�hrten, wobei sie die ledrigen, mindestens drei�ig Fu� weiten Fl�gelspitzen ausgebreitet hielten, als wollten sie sich wieder aufw�rts schwingen. Es war kein sch�ner Anblick, wenn ein <emphasis>Raken</emphasis> fl�gelschlagend und unbeholfen das Flugfeld entlang lief, w�hrend sich die Flieger an den Sattel klammerten, bis er schlie�lich taumelnd aufstieg und mit den Fl�gelspitzen nur knapp die Wipfel der Olivenb�ume am Ende des Flugfeldes verfehlte. Erst wenn sie an H�he gewannen, sich der Sonne zuwandten und auf die Wolken zuflogen, erlangten <emphasis>Raken</emphasis> ihre w�rdevolle Erhabenheit zur�ck. Nach der Landung machten sich die Flieger nicht die M�he abzusteigen. W�hrend ein Erdung dem <emphasis>Raken</emphasis> einen Korb mit ged�rrten Fr�chten entgegenhielt, wovon dieser zwei Handvoll auf einmal verschlang, reichte einer der Flieger einem rang�lteren Erdling den Kundschafterbericht herab, w�hrend sich der zweite Flieger auf der anderen Seite hinunterbeugte, um von einem noch rang�lteren Flieger, der die Z�gel nicht mehr allzu h�ufig selbst halten konnte, neue Befehle entgegenzunehmen. Das Wesen wurde fast ebenso rasch, wie es zum Halten gebracht wurde, gewendet und zu vier oder f�nf weiteren <emphasis>Raken</emphasis> gebracht, die bereits darauf warteten, da� sie mit ihrem langen, linkischen Lauf in den Himmel wieder an der Reihe waren.</p><p>Boten trugen die Kundschafterberichte eilig zwischen voranschreitenden Formationen von Kavallerie und Infanterie hindurch zu dem gro�en, mit einem roten Banner versehenen Zelt des Befehlshabers. Es gab hochm�tige tarabonische Lanzentr�ger und schwerf�llige, wohlgeordnete amadicianische Pikeniere, die Brustharnische waagerecht mit den Farben ihrer Regimenter gekennzeichnet. Die ungeordnete altaranische leichte Kavallerie lie� ihre Pferde t�nzeln, voller Einbildung auf die roten Schlitze kreuz und quer �ber ihrer Brust, die sich so sehr von den Kennzeichnungen aller anderen unterschieden. Die Altaraner wu�ten nicht, da� auf diese Art Hilfstruppen zweifelhafter Zuverl�ssigkeit gekennzeichnet wurden. Unter den seanchanischen Soldaten waren namhafte Regimenter mit hohen Verdiensten. Sie kamen aus allen Teilen des Reiches: hell�ugige M�nner aus Alqam, honigbraune M�nner aus N'Kon und kohlenschwarze M�nner aus Khoweal und Dalenshar. Sie waren <emphasis>Morat'torm</emphasis> auf ihren wendigen, mit Schuppen �berzogenen Reittieren, die Pferde vor Angst wiehern und t�nzeln lie�en, und einige sogar <emphasis>Morat'grolm</emphasis> mit ihren wuchtigen, mit Schn�beln ausgestatteten Sch�tzlingen, aber etwas, das ein seanchanisches Heer eigentlich stets begleitete, gl�nzte durch Abwesenheit. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> hielten sich noch immer in ihren Zelten auf. Kennar Miraj dachte h�ufig an die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane.</emphasis></p><p>Von seinem Platz auf dem Podest aus konnte Miraj den Kartentisch deutlich sehen, an dem Unterleutnants ohne Helm die Berichte �berpr�ften und die Kr�fte auf dem Schlachtfeld kennzeichnende Markierungen setzten. Jede Markierung wies ein kleines Papierbanner mit gezeichneten Symbolen auf, die �ber die Gr��e und Zusammensetzung der jeweiligen Streitmacht Auskunft gaben. Es war fast unm�glich, in diesen L�ndern vern�nftige Landkarten aufzutreiben, aber die Landkarte auf dem gro�en Tisch gen�gte. Und sie beunruhigte durch das, was sie aussagte. So gab es viel zu viele schwarze Scheiben f�r vernichtete oder zerstreute Au�enposten, die die ganze �stliche H�lfte der Venirberge sprenkelten. Ebenso viele rote Keile f�r Kommandos auf dem Vormarsch markierten das westliche Ende und wiesen alle nach Ebou Dar zur�ck. Zwischen den schwarzen Scheiben verstreut standen siebzehn starre wei�e Scheiben. W�hrend Miraj zusah, stellte ein junger Offizier im Braun und Schwarz eines <emphasis>Morat'torm</emphasis> sorgf�ltig eine achtzehnte Scheibe f�r feindliche Kr�fte auf. Bei einigen wenigen mochte es sich um dieselbe Gruppe handeln, die zweimal gesichtet wurde, aber die meisten standen viel zu weit auseinander, als da� der Zeitpunkt der Sichtungen falsch sein k�nnte.</p><p>Schreiber in einfachen braunen Jacken mit Rangabzeichen an den weiten Kragen warteten an ihren Schreibtischen entlang den Zeltw�nden, die Federn in der Hand, darauf, da� Miraj Befehle ausg�be, die sie zur Verteilung abschreiben w�rden. Er hatte bereits alle m�glichen Befehle gegeben. In den Bergen lagen neunzigtausend feindliche Soldaten, fast doppelt so viele, wie er hier selbst mit den ortsans�ssigen Truppen ausheben konnte. Unglaubw�rdig viele, aber die Kundschafter logen nicht. L�gnern wurden von ihren Kameraden die Kehle durchgeschnitten. Sie mu�ten noch mindestens einhundert Meilen �ber die Berge zur�cklegen, wenn sie Ebou Dar bedrohen wollten. Fast zweihundert, da sich die wei�en Scheiben weiter im Osten befanden und sich danach noch weitere einhundert Meilen h�gelige Landschaft erstreckte. Der feindliche General beabsichtigte gewi� nicht, seine verstreuten Kr�fte dem Feind einzeln gegen�bertreten zu lassen. Nur die Zeit war auf seiner Seite.</p><p>Der Zelteingang �ffnete sich, und die Hochlady Suroth glitt herein, deren schwarzes Haar sich wie eine stolze M�hne ihren R�cken hinab ergo� und deren geb�geltes schneewei�es Gewand wie auch das reich bestickte �bergewand irgendwie vom Schlamm drau�en unber�hrt geblieben waren. Er hatte sie noch in Ebou Dar vermutet. Sie mu�te mit einem <emphasis>To'raken</emphasis> hierhergeflogen sein. F�r ihre Verh�ltnisse kam sie mit geringer Begleitung. Zwei Gardisten der Totenwache mit schwarzen Quasten an ihren Schwertheften hielten den Zelteingang auf, und weitere waren drau�en zu sehen, M�nner mit starren Mienen in Rot und Gr�n. Suroth war die Verk�rperung der Herrscherin, m�ge sie ewig leben. Selbst der Adel respektierte sie. Sie rauschte an ihnen vorbei, als w�ren sie ebenso Diener wie die �ppig gebaute <emphasis>Da'covale</emphasis> in einem fast durchsichtigen wei�en Gewand, das honiggelbe Haar zu vielen d�nnen Z�pfen geflochten, die das vergoldete Schreibpult der Hochlady dem�tig zwei Schritte hinter ihr her trug. Suroths Stimme des Blutes, Alwhin, eine finster dreinblickende Frau in gr�nen Gew�ndern, welche die linke Seite ihres Kopfes geschoren und das restliche, hellbraune Haar zu einem festen Zopf geflochten trug, folgte ihrer Herrin auf den Fersen. Als Miraj von dem Podest herab trat, erkannte er entsetzt, da� die zweite <emphasis>Da'covale</emphasis> hinter Suroth � klein, dunkelhaarig und schlank in ihrem durchsichtigen Gewand � eine <emphasis>Damane</emphasis> war! Er hatte noch niemals von einer solcherart gekleideten <emphasis>Damane</emphasis> geh�rt, aber noch seltsamer war, da� Alwhin sie am<emphasis>A'dam</emphasis> f�hrte!</p><p>Er zeigte seine �berraschung jedoch nicht, w�hrend er auf ein Knie sank und murmelte: �M�ge das Licht die Hochlady Suroth bescheinen. Alle Ehre der Hochlady Suroth.� Alle anderen warfen sich mit gesenkten Blicken auf den Segeltuchboden. Miraj war adelig, wenn auch von zu niedrigem Stand, als da� er sich die Seiten seines Sch�dels wie Suroth h�tte rasieren d�rfen. Lediglich die N�gel seiner kleinen Finger waren lackiert. Er war auch von weitaus zu niedrigem Stand, um �berraschung zeigen zu d�rfen, wenn eine Hochlady ihrer Stimme erlaubte, weiterhin die <emphasis>Sul'dam</emphasis> zu spielen, nachdem sie zur <emphasis>So'jhin</emphasis> erhoben worden war. Seltsame Zeiten in einem fremden Land, wo der Wiedergeborene Drache einherging und <emphasis>Marath'damane</emphasis> wild t�teten und versklavten, wo immer sie wollten.</p><p>Suroth sah ihn kaum an, bevor sie sich der Landkarte auf dem Tisch zuwandte, und wenn der Blick ihrer schwarzen Augen bei dem Anblick angespannter wurde, dann hatte sie allen Grund dazu. Unter ihr hatten die Hailene weitaus mehr getan, als man sich ertr�umt h�tte, indem sie gro�e Fl�chen gestohlenen Landes zur�ckgewonnen hatten. Sie waren nur ausgesandt worden, den Weg auszukundschaften, und nach Falme hatten einige sogar das f�r unm�glich gehalten. Sie trommelte ver�rgert mit den Fingern auf die Tischplatte, wobei die langen, blaulackierten N�gel ihrer ersten beiden Finger schimmerten. Wenn sie weiterhin Erfolg h�tte, k�nnte sie ihren Kopf vielleicht vollst�ndig scheren und einen dritten Nagel an jeder Hand lackieren. Bei solchen Gro�taten war eine Aufnahme in die Herrscherfamilie nicht ungew�hnlich. Wenn sie hingegen zu weit ging und die Grenze �berschritt, w�rde sie die Fingern�gel vielleicht beschnitten bekommen und sich in ein hauchd�nnes Gewand gesteckt wiederfinden, um einem Adligen zu dienen, wenn sie nicht an einen Bauern verkauft w�rde, dem sie beim Bestellen der Felder helfen m��te. Schlimmstenfalls w�rde Miraj nur seine Adern �ffnen m�ssen.</p><p>Er schwieg und beobachtete Suroth weiterhin geduldig, aber er war Leutnant der Kundschafter gewesen, ein <emphasis>Morat'raken,</emphasis> bevor er zum Blut erhoben wurde, und er konnte nicht umhin, alles um sich herum zu bemerken. Ein Kundschafter lebte oder starb durch das, was er sah oder nicht sah, wie auch die M�nner, die auf dem Bauch rund um das Zelt lagen. Einige schienen kaum zu atmen. Suroth h�tte ihn beiseite nehmen und sie mit ihrer Arbeit fortfahren lassen sollen. Eine Botin wurde am Eingang von den Soldaten abgewiesen. Welch schreckliche Botschaft brachte sie, da� sie sich an den Gardisten der Totenwache vorbeizudr�ngen versuchte?</p><p>Sein Blick fiel auf die <emphasis>Da'covale,</emphasis> die das Schreibpult trug. Ein finsterer Ausdruck �berzog ihr Puppengesicht, nur Augenblicke unterdr�ckt. Besitz, der Zorn zeigte? Und da war noch etwas. Sein Blick zuckte zu der <emphasis>Damane,</emphasis> die zwar den Kopf gesenkt hielt, sich aber trotzdem neugierig umsah. Die braun�ugige <emphasis>Da'covale</emphasis> und die hell�ugige <emphasis>Damane</emphasis> sahen so verschieden aus, wie es bei zwei Frauen nur m�glich war, und doch hatten sie etwas gemeinsam. Etwas auf ihren Gesichtern. Seltsam. Er h�tte nicht sagen k�nnen, wie alt die beiden waren.</p><p>Alwhin bemerkte seinen fl�chtigen Blick. Mit einem Ruck an der silbernen Koppel des <emphasis>A'dam</emphasis> schickte sie die <emphasis>Damane</emphasis> mit dem Gesicht nach unten auf den Tuchboden. Sie schnippte mit den Fingern, deutete mit der freien Hand auf das Tuch und verzog das Gesicht, als sich die <emphasis>Da'covale</emphasis> mit dem honigfarbenen Haar nicht regte. �Hinunter, Liandrin!� zischte sie kaum h�rbar. Mit einem starren Blick zu Alwhin sank die <emphasis>Da'covale</emphasis> auf die Knie, ihre Z�ge von Trotz gezeichnet.</p><p>H�chst seltsam, aber kaum von Bedeutung. Er wartete mit teilnahmsloser Miene, aber ansonsten vor Ungeduld schier berstend ab � vor Ungeduld und ziemlichem Unbehagen. Er war zum Blut erhoben worden, nachdem er in einer einzigen Nacht mit drei Pfeilen im K�rper f�nfzig Meilen weit geritten war, um die Nachricht �ber ein Heer von Aufst�ndischen, die auf Seandar zumarschierten, zu �berbringen, und sein R�cken bereitete ihm noch immer Beschwerden.</p><p>Schlie�lich wandte sich Suroth vom Kartentisch um. Sie erlaubte ihm nicht aufzustehen, akzeptierte ihn nicht als Adligen. Nicht da� er es erwartet h�tte. Er stand weit unter ihr. �Ihr seid marschbereit?� fragte sie kurz angebunden. Zumindest sprach sie nicht durch ihre Stimme zu ihm. Vor so vielen seiner Offiziere h�tte er sich daf�r gesch�mt.</p><p>�Ich werde bereit sein, Suroth�, antwortete er ruhig und erwiderte ihren Blick. Er <emphasis>war</emphasis> adlig, wie niedrig auch immer er stand. �Sie brauchen mindestens zehn Tage, um sich zu versammeln, und mindestens zehn weitere Tage, bevor sie die Berge verlassen k�nnen. Aber ich werde weitaus eher ...�</p><p>�Sie k�nnten morgen hier sein�, fauchte sie. �Heute! Wenn sie kommen, Miraj, werden sie durch die alte Kunst des Reisens kommen, das scheint jedenfalls sehr wahrscheinlich.�</p><p>Er h�rte M�nner sich wider Willen auf dem Boden regen. Suroth verlor die Kontrolle �ber ihre Gef�hle <emphasis>und</emphasis> schwatzte von Legenden? �Seid Ihr sicher?� Die Worte platzten heraus, bevor er sie aufhalten konnte.</p><p>Jetzt verlor sie wirklich die Selbstbeherrschung. Ihre Augen flammten. Sie ergriff den Saum ihres mit Blumen bestickten Gewandes, so da� die Kn�chel wei� hervortraten, und ihre H�nde zitterten. �Zweifelt Ihr an mir?� stie� sie ungl�ubig hervor. �Es sollte gen�gen, da� ich meine Gew�hrsm�nner habe.� Miraj erkannte, da� sie ebenso zornig auf sie wie auf ihn war.</p><p>�Wenn sie kommen, werden es vielleicht f�nfzig dieser Asha'man sein, wie sie sich gro�spurig nennen, aber nicht mehr als f�nf- oder sechstausend Soldaten. Anscheinend gab es seit Anbeginn nicht mehr, was auch immer die Flieger sagen.�</p><p>Miraj nickte z�gernd. F�nftausend Mann, die sich mit der Einen Macht unbemerkt fortbewegten, w�rden eine Menge erkl�ren. Welche Gew�hrsm�nner <emphasis>hatte</emphasis> sie, da� sie die Zahlen so genau kannte? Er war nicht t�richt genug, danach zu fragen. Sie hatte gewi� Augen-und-Ohren in ihren Diensten, die auch sie beobachteten. F�nfzig Asha'man. Der blo�e Gedanke an <emphasis>einen</emphasis> Mann, der die Macht lenkte, erweckte in ihm bereits den Wunsch, angewidert auszuspeien. Ger�chte behaupteten, da� der Wiedergeborene Drache, dieser Rand al'Thor, sie aus allen Nationen versammelte, aber er h�tte niemals erwartet, da� es so viele sein k�nnten. Es hie�, der Wiedergeborene Drache k�nne die Macht lenken. Das mochte stimmen, immerhin war er der Wiedergeborene Drache.</p><p>Die Prophezeiungen des Drachen waren in Seanchan schon bekannt, bevor Luthair Paendrag die Konsolidierung begann � wie es hie�, verf�lscht und sehr von der reinen Version abweichend, die Luthair Paendrag brachte. Miraj hatte mehrere Ausgaben des in diesen L�ndern verbreiteten <emphasis>Karaethon-Zyklus</emphasis> gesehen, und sie waren ebenfalls verf�lscht � nicht eine erw�hnte, da� er dem Kristallthron dienen sollte! �, aber die Prophezeiungen hielten die Gedanken und Herzen der Menschen noch immer gefangen. Viele hofften, da� die Wiederkehr bald gesch�he und da� diese L�nder vor Tarmon Gai'don zur�ckgewonnen werden k�nnten, damit der Wiedergeborene Drache die Letzte Schlacht zum Ruhm der Herrscherin, m�ge sie ewig leben, gewinnen k�nnte. Die Herrscherin w�rde gewi� wollen, da� al'Thor zu ihr geschickt w�rde, damit sie den Mann sehen k�nnte, der ihr diente. Es w�rde keine Schwierigkeiten mit al'Thor geben, wenn er erst vor ihr kniete. Nur wenige sch�ttelten die Ehrfurcht ab, die sie empfanden, wenn sie vor dem Kristallthron knieten, w�hrend der Durst zu gehorchen ihre Zungen austrocknete. Aber es schien offensichtlich, da� es leichter w�re, den Burschen auf ein Schiff zu schaffen, wenn man sich der Asha'man entledigte �man mu�te sich ihrer gewi� entledigen � und wartete, bis al'Thor ein gutes St�ck �ber das Aryth-Meer nach Seandar zur�ckgelegt h�tte.</p><p>Das brachte Miraj zu dem Problem zur�ck, das er hatte vermeiden wollen, wie er innerlich erschreckt erkannte. Er war kein Mann, der vor Schwierigkeiten zur�ckschreckte oder sie gar blind ignorierte, aber diese unterschieden sich von allem, was er kannte. Er hatte in zwei Dutzend Schlachten mit auf beiden Seiten eingesetzten <emphasis>Dom�ne,</emphasis> gek�mpft. Er kannte ihre Art. Es ging nicht nur darum, mit der Macht anzugreifen. Erfahrene <emphasis>Sul'dam</emphasis> erkannten irgendwie, was <emphasis>Damane</emphasis> oder <emphasis>Marath'damane</emphasis> taten, und die <emphasis>Damane</emphasis> sagten es den anderen, damit sie sich auch verteidigen konnten. Erkannten <emphasis>Sul'dam</emphasis> auch, was ein Mann tat? Schlimmer ...</p><p>�Ihr werdet die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> mir �berlassen?� fragte er. Wider Willen atmete er tief durch und f�gte hinzu: �Wenn sie noch immer krank sind, wird es von unserer Seite ein kurzer und blutiger Kampf.�</p><p>Weitere Regungen unter den auf dem Bauch liegenden M�nnern war die Folge. Jedes zweite Ger�cht im Lager handelte davon, welche Krankheit die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> an ihre Zelte gefesselt h�tte. Alwhin reagierte recht offen, h�chst unpassend f�r eine <emphasis>So'jhin,</emphasis> mit einem zornigen Blick. Die <emphasis>Damane</emphasis> zuckte erneut zusammen und fing an zu zittern. Seltsamerweise zuckte auch die <emphasis>Da'covale</emphasis> mit dem honigfarbenen Haar zusammen.</p><p>Suroth trat l�chelnd zu der Stelle, wo die <emphasis>Da'covale</emphasis> kniete. Warum sollte sie eine schlecht ausgebildete Dienerin anl�cheln? Sie streichelte die d�nnen Z�pfe der knienden Frau, und der Rosenmund wurde j�h zu einem Schmollen verzogen. Eine ehemalige Adlige dieser L�nder? Suroths erste Worte best�tigten diese Annahme, obwohl sie offensichtlich f�r ihn bestimmt waren. �Kleine Fehler kosten wenig, und gro�e Fehler kosten sehr viel. Ihr werdet die <emphasis>Damane</emphasis> bekommen, die Ihr fordert, Miraj. Und Ihr werdet diese Asha'man lehren, da� sie im Norden h�tten bleiben sollen. Ihr werdet sie vom Angesicht der Erde tilgen, die Asha'man, die Soldaten, alle. Bis auf den letzten Mann, Miraj. Ich habe gesprochen.�</p><p>�Es wird geschehen, wie Ihr befehlt, Suroth�, erwiderte er. �Sie werden vernichtet werden bis auf den letzten Mann.� Mehr konnte er jetzt nicht sagen. Er w�nschte jedoch, sie h�tte ihm eine Antwort auf die Frage gegeben, ob die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> noch krank waren.</p><p>Rand verhielt und wendete Tai'daishar in der N�he des Kamms des kahlen, felsigen H�gels und verfolgte, wie der gr��te Teil seines kleinen Heers aus den anderen �ffnungen in der Luft hervordrang. Er hatte die Wahre Quelle sehr fest gehalten, so fest, da� sie in seinem Griff zu zittern schien. Mit der Macht in sich f�hlten sich die scharfen Spitzen der Schwerterkrone, die in seine Schl�fen stachen, mit einem Mal sch�rfer denn je an, und den Frost des fr�hen Morgens empfand er gleichzeitig k�lter und nicht der Beachtung wert. Die niemals heilenden Wunden an seiner Seite waren ein dumpfer und ferner Schmerz. Lews Therin schien vor Unsicherheit nach Atem zu ringen oder auch vor Angst. Vielleicht wollte er nicht mehr so gern sterben, nachdem er dem Tod am Tag zuvor so nahe gekommen war. Aber andererseits wollte er nicht immer sterben. Das einzig Best�ndige an dem Mann war das Verlangen zu t�ten, was nur allzu h�ufig auch zuf�llig seine eigene T�tung einschlo�.</p><p>Es <emphasis>wird bald f�r jedermann gen�gend Leichen geben,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Licht, die letzten sechs Tage h�tten ausgereicht, um sogar einem Geier �belkeit zu verursachen.</emphasis> Waren es wirklich nur sechs Tage? Der Abscheu ber�hrte ihn jedoch nicht. Er wollte es nicht zulassen. Lews Therin antwortete nicht. Ja, es war an der Zeit, ein hartes Herz zu bewahren. Und einen harten Magen. Rand beugte sich einen Moment herab, um das stoffumwickelte B�ndel unter seinem Steigb�gelgurt zu ber�hren. Nein, daf�r war die Zeit noch nicht reif. Vielleicht w�rde diese Zeit �berhaupt nicht kommen. Unsicherheit legte sich schimmernd �ber das Nichts und wohl auch noch etwas anderes. Unsicherheit, ja, aber das andere war nicht Angst. Es war nicht Angst!</p><p>Die H�lfte der ihn umgebenden niedrigen H�gel waren mit geduckten, knorrigen, vom Sonnenlicht gesprenkelten Olivenb�umen bestanden. Lanzentr�ger ritten bereits pr�fend die Reihen entlang. In diesen Hainen waren keine Arbeiter, keine Bauern und kein Geb�ude irgendeiner Art zu sehen. Wenige Meilen westlich erschienen die H�gel dunkler und bewaldeter. Legion�re, die reihenweise unterhalb von Rand auftauchten, stellten sich auf, von einem unregelm��igen Viereck illianischer Freiwilliger gefolgt, die jetzt zur Legion geh�rten. Sobald ihre Reihen geordnet waren, machten sie Platz f�r die Verteidiger und Gef�hrten. Der Boden schien fast �berwiegend aus Lehm zu bestehen, denn Stiefel und Hufe rutschten auf der d�nnen Schlammschicht gleicherma�en aus. Seltsamerweise standen jedoch nur wenige wei�e Wolken am Himmel, und die Sonne war ein hellgelber Ball.</p><p>Nichts flog auf, was gr��er als ein Spatz gewesen w�re.</p><p>Dashiva und Flinn geh�rten zu jenen M�nnern, die Wegetore hielten, wie auch Adley und Hopwil, Morr und Narishma. Einige der Wegetore lagen au�erhalb von Rands Sichtfeld hinter den welligen H�geln. Er wollte, da� alle M�nner so rasch wie m�glich hindurchk�men, und bis auf wenige Soldaten, die den Himmel beobachteten, hielt jedermann in einer schwarzen Jacke, der nicht bereits als Kundschafter ausgeritten war, ein Gewebe fest. Selbst Gedwyn und Rochaid, wenn auch mit verzerrten Mienen.</p><p>Bashere ritt in leichtem Trab den Hang hinauf, �beraus zufrieden mit sich und seinem kleinen Kastanienbraunen. Er hatte seinen Umhang trotz der morgendlichen K�hle, die nicht der K�lte in den Bergen entsprach, aber dennoch winterlich war, zur�ckgeschlagen. Er nickte Anaiyella und Ailil fl�chtig zu, die ihn jedpch nur finster ansahen. Bashere l�chelte halbherzig durch seinen dichten Schnurrbart, der wie abw�rts gebogene H�rner aussah. Er hegte den Frauen gegen�ber ebenso viele Zweifel wie Rand, und die Frauen wu�ten Bescheid, zumindest �ber Basheres Vorbehalte. Anaiyella wandte den Kopf rasch von dem Saldaeaner ab und streichelte die M�hne ihres Wallachs. Ailil umklammerte ihre Z�gel zu starr.</p><p>Die beiden hatten sich seit dem Zwischenfall auf dem Kamm nicht mehr weit von Rand entfernt und hatten am Vorabend sogar ihre Zelte in H�rweite aufgestellt. Auf dem mit braunem Gras bewachsenen gegen�berliegenden Hang verlagerte Denharad sein Gewicht, um die Gefolgsleute der beiden adligen Frauen zu betrachten, die hinter ihm Aufstellung genommen hatten. Dann wandte er sich rasch wieder der Beobachtung Rands zu. Er behielt sehr wahrscheinlich auch Ailil im Auge, und vielleicht auch Anaiyella, aber Rand beobachtete er zweifellos. Rand war sich nicht sicher, ob sie noch immer f�rchteten, die Verantwortung daf�r �bernehmen zu m�ssen, wenn er get�tet w�rde, oder ob sie einfach nur dabei zusehen wollten. Er war sich jedoch sicher, da� er ihnen keine Gelegenheit dazu geben wollte.</p><p><emphasis>Wer kennt das Herz einer Frau?</emphasis> Lews Therin kicherte verzerrt. Er klang, als bef�nde er sich in einer seiner vern�nftigeren Phasen. <emphasis>Die meisten Frauen w�rden achselzuckend abtun, wof�r ein Mann dich t�ten w�rde, und dich wiederum f�r etwas t�ten, was ein Mann achselzuckend abt�te.</emphasis></p><p>Rand ignorierte ihn. Das letzte f�r ihn sichtbare Wegetor erlosch. Die Asha'man, die gerade aufsa�en, waren zu weit von ihm entfernt, als da� er h�tte sagen k�nnen, ob noch einer von ihnen <emphasis>Saidin</emphasis> festhielt, aber das war auch unwichtig, solange er es festhielt. Der unbeholfene Dashiva versuchte rasch aufzusteigen und fiel fast zweimal herunter, bevor er den Sattel erfolgreich eroberte. Die meisten der in Sicht befindlichen M�nner in den schwarzen Jacken ritten gen Norden oder S�den.</p><p>Die �brigen Adligen versammelten sich eilig mit Bashere auf dem Hang unmittelbar unter Rand, die H�chstrangigen und jene mit der meisten Macht an der Spitze, nach ein wenig Dr�ngeln hier und dort, wo der Vorrang unsicher blieb. Tihera und Marcolin sa�en mit sorgf�ltig ausdruckslos gehaltenen Mienen auf ihren Pferden jeweils abseits der Masse der Adligen. Man k�nnte sie vielleicht um Rat bitten, aber beide wu�ten, da� die endg�ltigen Entscheidungen den �brigen zukamen. Weiramon �ffnete mit gro�artiger Geste den Mund, zweifellos, um einen weiteren herrlichen, salbungsvollen Vortrag �ber den Ruhm zu halten, indem man dem Wiedergeborenen Drachen folgte. Sunamon und Torean, die seine Reden gew�hnt und ausreichend m�chtig waren, sich in seiner N�he nicht in acht nehmen zu m�ssen, f�hrten ihre Pferde zueinander und begannen sich ruhig zu unterhalten. Sunamons Gesicht wirkte ungew�hnlich hart, und Torean schien bereit, trotz der roten Streifen an seinen Jacken�rmeln Grenzen zu �berschreiten. Bertome mit dem kantigen Gesicht und einige der anderen Cairhiener lachten gegenseitig �ber ihre Spa�e. Jedermann hatte genug von Weiramons gro�artigen Erg�ssen. Semaradrids Stirnrunzeln vertiefte sich jedesmal, wenn er Ailil und Anaiyella ansah � es gefiel ihm nicht, da� sie in Rands N�he blieben.</p><p>�Ungef�hr zehn Meilen von uns entfernt�, sagte Rand laut, �marschieren gut f�nfzigtausend Mann auf.� Sie waren sich dessen bewu�t, aber seine Worte zogen dennoch aller Aufmerksamkeit auf sich und brachten jedermann zum Schweigen. Auch Weiramon schlo� ver�rgert den Mund. Der Bursche liebte es, sich reden zu h�ren. Gueyam und Maraconn, diese Narren, die heftig an ihren ge�lten Barten zupften, l�chelten erwartungsvoll. Semaradrid machte ein Gesicht, als h�tte er eine ganze Schale schlechter Pflaumen gegessen. Gregorin und die drei Lords der Neun bei ihm zeigten nur grimmige Entschlossenheit. Sie waren keine Narren. �Die Kundschafter haben keine Anzeichen von <emphasis>Sul'dam</emphasis> oder <emphasis>Damane</emphasis> gesehen�, fuhr Rand fort, �aber auch ohne sie gen�gt ihre Anzahl, viele von uns zu t�ten, wenn jemand den Plan vergi�t. Ich bin jedoch sicher, da� niemand ihn vergessen <emphasis>wird.�</emphasis> Dieses Mal sollten keine Angriffe ohne Befehle stattfinden, hatte er allen eingesch�rft, und auch kein Davonpreschen, weil man glaubte, man h�tte vielleicht gerade etwas gesehen.</p><p>Weiramon l�chelte, und es gelang ihm, dieses L�cheln ebenso �lig wirken zu lassen, wie Sunamon dies jemals gelungen war.</p><p>Es war in gewisser Weise ein einfacher Plan. Sie w�rden in f�nf Kolonnen westw�rts marschieren, jede Kolonne mit Asha'man, und versuchen, die Seanchaner von allen Seiten gleichzeitig anzugreifen � oder zumindest von so vielen Seiten, wie es ihnen gelang. Bashere beharrte darauf, da� einfache Pl�ne die besten seien.</p><p><emphasis>Kein Schlachtplan �bersteht den ersten Zusammensto�,</emphasis> sagte Lews Therin in Rands Kopf. Er schien im Moment noch klar. Im Moment. <emphasis>Irgend etwas stimmt nicht,</emphasis> grollte er dann pl�tzlich. Seine Stimme wurde lauter und ging schlie�lich in wildes, ungl�ubiges Lachen �ber. Es <emphasis>kann nichts falsch daran sein, aber da ist etwas Seltsames, etwas Falsches, dahinjagend, springend, sich drehend.</emphasis> Sein gackerndes Lachen wurde zu Weinen. Es <emphasis>kann nicht sein! Ich mu� wahnsinnig sein!</emphasis> Er verschwand, bevor Rand ihn verstummen lassen konnte. Verdammt sei er, an dem Plan war nichts falsch, sonst h�tte sich Bashere mit Freude darauf gest�rzt.</p><p>Lews Therin war <emphasis>tats�chlich</emphasis> wahnsinnig, daran bestand kein Zweifel. Aber solange Rand al'Thor geistig gesund blieb ... Es w�re ein herber Streich f�r die Welt, wenn der Wiedergeborene Drache wahnsinnig w�rde, bevor die Letzte Schlacht auch nur begonnen hatte. �Nehmt Eure Pl�tze ein�, befahl er, w�hrend er eine Geste mit dem Drachenszepter vollf�hrte. Er mu�te den Drang bek�mpfen, �ber den Streich zu lachen.</p><p>Die Adligen trennten sich auf seinen Befehl und liefen umher und murrten, w�hrend sie sich neu gruppierten. Nur wenigen gefiel die Aufteilung, die Rand vorgenommen hatte. Welche Barrieren auch immer unter dem Schock der ersten K�mpfe in den Bergen gefallen waren � sie hatten fast augenblicklich erneut bestanden.</p><p>Weiramon blickte wegen seiner nicht zum Vortrag gebrachten Rede finster drein, aber nach einer gekonnten Verbeugung, bei der sein Bart Rand wie ein Speer bedrohte, ritt er nordw�rts �ber die H�gel, gefolgt von Kiril Drapeneos, Bertome, Doressin und mehreren geringeren cairhienischen Lords, alle mit starren Gesichtern, weil ihnen ein Tairener vorangestellt worden war. Gedwyn ritt an Weiramons Seite, als w�re er der Anf�hrer, und erntete daf�r finstere Blicke, die er nicht zu bemerken vorgab. Die anderen Gruppierungen waren ebenso gemischt. Gregorin eilte ebenfalls nordw�rts mit einem verdrie�lichen Sunamon, der so zu tun versuchte, als reite er nur zuf�llig in dieselbe Richtung, und mit Dalthanes, der eine geringere Anzahl Cairhiener anf�hrte. Jeordwyn Semaris, ein weiterer der Neun, folgte Bashere mit Amondrid und Gueyam s�dw�rts. Jene drei hatten den Saldaeaner aus dem einfachen Grund fast eifrig akzeptiert, weil er kein Tairener oder Cairhiener oder Illianer war, abh�ngig von demjenigen, der diesen Gedanken hegte. Rochaid schien das gleiche mit Bashere zu versuchen, was Gedwyn mit Weiramon gelang, aber Bashere ignorierte es anscheinend. Ein kleines St�ck von Basheres Gruppe entfernt ritten Torean und Maraconn, die K�pfe zusammengesteckt und wahrscheinlich ihrem Arger dar�ber Luft machend, da� Semaradrid ihnen vorangestellt worden war. Ershin Netari blickte st�ndig zu Jeordwyn und stellte sich in seinen Steigb�geln auf, um auch zu Gregorin und Kiril zur�ckzuschauen, obwohl es kaum wahrscheinlich war, da� er sie an den H�geln vorbei noch sehen konnte. Semaradrid mit starr aufgerichtetem R�cken wirkte ebenso unersch�tterlich wie Bashere.</p><p>Es war das gleiche Prinzip, das Rand seit jeher anwendete. Er vertraute Bashere, und er glaubte, auch Gregorin vertrauen zu k�nnen, und keiner der �brigen durfte es wagen, auch nur daran zu denken, sich gegen ihn zu wenden, wenn so viele Fremde ihn umgaben, so viele alte Feinde und so wenige Freunde. Rand lachte leise, w�hrend er sie alle vom Hang fortreiten sah. Sie w�rden f�r ihn gut k�mpfen, weil sie keine andere Wahl hatten. Nicht mehr als er selbst.</p><p><emphasis>Wahnsinn,</emphasis> zischte Lews Therin. Rand verdr�ngte die Stimme ver�rgert.</p><p>Er blieb nat�rlich nicht allein. Tihera und Marcolin hatten die meisten der Verteidiger und Gef�hrten unter den Olivenb�umen auf den H�geln rechts und links von ihm in Reihen aufsitzen lassen. Die �brigen waren ausgeschw�rmt, um �berraschungen vorzubeugen. Eine Gruppe Legion�re in blauen Jacken wartete unter Masonds Aufsicht geduldig in der Senke, und noch einmal so viele M�nner bildeten ihre Nachhut, noch in der Kleidung, die sie bereits getragen hatten, als sie sich in der Heide in Illian ergeben hatten. Sie versuchten recht erfolglos, der Gelassenheit der Legion�re nachzueifern.</p><p>Rand schaute zu Ailil und Anaiyella. Die Tairenerin l�chelte ihn einf�ltig an, aber das L�cheln schwand schnell wieder. Das Gesicht der Cairhienerin war starr. Er konnte sie nicht vergessen, und auch Denharad und deren Waffentr�ger nicht. Seine Kolonne, die sich in der Mitte befand, w�re die gr��te und bei weitem st�rkste.</p><p>Flinn und die M�nner, die Rand nach den Brunnen von Dumai erw�hlt hatte, ritten den H�gel hinauf und auf ihn zu. Der bereits kahl werdende alte Mann �bernahm stets die F�hrung, obwohl alle au�er Adley und Narishma inzwischen sowohl den Drachen als auch das Schwert trugen und Dashiva beides sogar zuerst getragen hatte. Das war teilweise dem Umstand zuzuschreiben, da� sich der j�ngere Mann Flinn mit seiner langj�hrigen Erfahrung als Bannertr�ger in der Garde der K�nigin von Andor beugte. Vielleicht lag es aber auch daran, da� es Dashiva anscheinend nicht k�mmerte. Er schien �ber die anderen nur belustigt. Das hei�t, wenn er Zeit au�erhalb seiner Selbstgespr�che er�brigen konnte. Meistens war er sich jedoch kaum etwas �ber seine eigene Nase hinaus bewu�t.</p><p>Aus diesem Grund war es fast ein Schock, als Dashiva sein schlankes Pferd mit den Stiefeln unbeholfen vor die anderen trieb. Das einfache Gesicht, das so h�ufig unlesbar oder versonnen wirkte, weil der Bursche in seine eigenen Gedanken versunken war, zeigte jetzt einen sehr besorgten Ausdruck. Und es war mehr als ein Schock, als er <emphasis>Saidin</emphasis> ergriff, sobald er Rand erreicht hatte, und einen Lauschschutz um sie wob. Lews Therin verschwendete keinen Atem damit �wenn eine entk�rperte Stimme Atem <emphasis>hatte �,</emphasis> etwas �ber das T�ten zu murmeln. Er st�rzte sich lautlos knurrend auf die Quelle und versuchte, Rand die Macht zu entrei�en. Ebenso j�h wurde er wieder ruhig und verschwand.</p><p>�Irgend etwas stimmt hier mit <emphasis>Saidin</emphasis> nicht, irgend etwas fehlt�, sagte Dashiva und klang sehr bestimmt. Tats�chlich klang er ... pr�zise und gereizt. Wie ein Lehrer, der einem besonders schwerf�lligen Sch�ler einen Vortrag hielt. Er richtete sogar einen Finger auf Rand. �Ich wei� nicht, was es ist. Nichts kann <emphasis>Saidin</emphasis> verzerren, und wenn es verzerrt werden k�nnte, h�tten wir es bereits in den Bergen gesp�rt. Nun, dort war gestern <emphasis>tats�chlich</emphasis> etwas, aber so schwach ... Hier sp�re ich es jedoch deutlich. <emphasis>Saidin</emphasis> ist... begierig. Ich wei�, ich wei�, es lebt nicht, aber es ... pulsiert hier. Es ist schwer zu kontrollieren.�</p><p>Rand zwang sich, seinen Griff um das Drachenszepter zu lockern. Er war sich schon immer sicher gewesen, da� Dashiva fast ebenso wahnsinnig war wie Lews Therin selbst. Normalerweise hatte sich der Mann jedoch besser im Griff, wie gef�hrdet auch immer er war. �Ich lenke die Macht schon l�nger als Ihr, Dashiva. Ihr sp�rt einfach zunehmend ihren Makel.� Seine Stimme klang nicht beruhigend. Licht, er durfte jetzt noch nicht wahnsinnig werden, und sie auch nicht! �Nehmt Euren Platz ein, wir brechen bald auf.� Die Kundschafter mu�ten bald zur�ckkehren. In diesem flacheren Land w�rden sie mit Hilfe des Reisens nicht lange brauchen, um zehn Meilen zu erkunden.</p><p>Dashiva machte keinerlei Anstalten, gehorchen zu wollen. Statt dessen �ffnete er ver�rgert den Mund und schlo� ihn dann ger�uschvoll wieder. Sichtlich zitternd atmete er tief durch. �Ich bin mir sehr wohl der Tatsache bewu�t, wie lange Ihr die Macht bereits lenkt�, sagte er mit frostiger, fast ver�chtlicher Stimme, �aber gewi� k�nnt auch Ihr es sp�ren. Sp�rt es, Mann! Ich mag es nicht, wenn <emphasis>Saidin</emphasis> etwas Seltsames anhaftet, und ich m�chte nicht sterben oder ... oder ausgebrannt werden, weil Ihr blind seid! Seht Euch meinen Lauschschutz an! Seht ihn Euch an!�</p><p>Rand schaute hin. Es war eigenartig genug, da� sich Dashiva vordr�ngte, aber da� Dashiva zornig war? Und dann sah er den Schutz richtig an. Die Str�nge h�tten so best�ndig sein sollen wie in fest gewobenem Segeltuch. Aber sie vibrierten. Der Schutz umgab sie so massiv, wie es sein sollte, aber die einzelnen F�den der Macht schimmerten in leichter Bewegung. Morr hatte gesagt, <emphasis>Saidin</emphasis> w�re in der N�he von Ebou Dar seltsam, wie auch hundert Meilen im Umkreis. Sie waren jetzt n�her als hundert Meilen herangelangt.</p><p>Rand zwang sich, <emphasis>Saidin</emphasis> zu sp�ren. Er war sich der Macht stets bewu�t � alles andere bedeutete den Tod oder Schlimmeres �, aber er hatte sich an den Kampf gew�hnt. Er k�mpfte um sein Leben, aber der Kampf war ebenso nat�rlich geworden wie das Leben. Der Kampf <emphasis>war</emphasis> Leben. Er zwang sich, diesen Kampf, sein Leben, zu sp�ren. K�lte, die Stein zu Staub zerrieb. Feuer, das Stein zu Dampf versengte. Verderbnis, die eine verrottete Jauchegrube wie einen Garten voller Blumen duften lie� und ... ein Pulsieren, wie etwas in seiner Faust Zuckendes. Das war nicht die Art Pochen, das er in Shadar Logoth gesp�rt hatte, als der Makel auf <emphasis>Saidin</emphasis> mit dem B�sen dieses Ortes mitgeschwungen hatte, und <emphasis>Saidin</emphasis> ebenfalls. Die Widerw�rtigkeit war hier stark und best�ndig. <emphasis>Saidin</emphasis> selbst war voller Str�mungen und Wellenbewegungen. Dashiva nannte es �begierig sein�, und Rand konnte erkennen, warum.</p><p>Weiter unten am Hang fuhr sich Morr hinter Flinn mit einer Hand durchs Haar und sah sich unbehaglich um. Flinn verhielt sich �hnlich, indem er sich im Sattel regte und den Sitz seines Schwertes in der Scheide �berpr�fte. Narishma, der den Himmel nach Flugwesen absuchte, blinzelte viel zu h�ufig. An Adleys Wange zuckte ein Muskel. Sie alle zeigten Anzeichen von Nervosit�t, was nicht verwunderlich war. Erleichterung wallte in Rand auf. Es war also kein Wahnsinn.</p><p>Dashiva l�chelte ein verzerrtes, selbstzufriedenes L�cheln. �Ich kann nicht glauben, da� Ihr es nicht schon fr�her bemerkt habt.� Seine Stimme klang fast h�hnisch. �Ihr habt <emphasis>Saidin</emphasis> doch Tag und Nacht festgehalten, seit wir zu diesem Feldzug aufgebrochen sind. Dies ist nur ein einfacher Schutz, aber er wollte nicht Gestalt annehmen und f�gte sich dann pl�tzlich zusammen, als entz�ge er sich meinen H�nden.�</p><p>Der silberblaue Schlitz eines Wegetors bildete sich auf einem der kahlen H�gel eine halbe Meile westlich, und ein Soldat, der von einem Erkundungsritt zur�ckkehrte, zog sein Pferd hindurch und stieg eilig auf. Rand konnte selbst auf diese Entfernung das schwache Schimmern der Gewebe rund um das Wegetor erkennen, bevor sie verschwanden. Der Reiter hatte den Fu� des H�gels noch nicht erreicht, als sich auf dem Kamm bereits ein weiteres Wegetor er�ffnete, und dann ein drittes und ein viertes und weitere, eines nach dem anderen.</p><p>�Aber er hat Gestalt angenommen�, sagte Rand. Wie auch die Wegetore der Kundschafter. �Auch wenn <emphasis>Saidin</emphasis> schwer zu kontrollieren ist, tut es dennoch, was Ihr wollt.� Aber warum war es hier schwieriger? Diese Frage mu�te ein andermal gekl�rt werden. Licht, er w�nschte, Herid Fei w�re noch am Leben. Der alte Philosoph h�tte vielleicht eine Antwort gewu�t. �Geht mit den anderen zur�ck, Dashiva�, befahl er, aber der Mann starrte ihn erstaunt an, und Rand mu�te seine Aufforderung wiederholen, bevor der Bursche den Lauschschutz verschwinden lie�, gru�los sein Pferd herumri� und das Tier mit den Fersen wieder den Hang hinabtrieb.</p><p>�Gibt es Probleme, mein Lord Drache?� fragte Anaiyella einf�ltig l�chelnd. Ailil sah Rand nur mit ausdruckslosem Blick an.</p><p>Als sie den ersten Kundschafter auf Rand zureiten sahen, verteilten sich die �brigen nach Norden und S�den, wo sie sich den anderen Kolonnen anschlie�en w�rden. <emphasis>Es</emphasis> w�rde schneller gehen, sie auf die alte Art aufzusuchen, als mit Wegetoren herumzulavieren. Nalaam verhielt sein Pferd vor Rand und schlug sich mit der Faust an die Brust. <emphasis>Saidin</emphasis> tat noch immer, was der Mann, der es lenkte, von ihm wollte. Nalaam salutierte und erstattete Bericht. Die Seanchaner lagerten nur f�nf oder sechs Meilen �stlich, und sie hatten <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> bei sich.</p><p>Rand erteilte seine Befehle, w�hrend Nalaam davongaloppierte. Seine Kolonne brach gen Westen auf. Die Verteidiger und Gef�hrten ritten an beiden Flanken. Die Legion�re marschierten als Nachhut unmittelbar hinter Denharad � eine Mahnung an die adligen Frauen und ihre Waffentr�ger, wenn sie eine solche brauchten. Anaiyella schaute h�ufig �ber die Schulter, und Ailil gab sich gr��te M�he, es ihr nicht gleichzutun. Rand bildete mit Flinn und den �brigen den Hauptvorsto�. Wie auch bei den anderen Kolonnen f�hrten Asha'man den Angriff, und M�nner mit Stahl deckten ihnen den R�cken, w�hrend sie t�teten. Die Sonne stand noch lange nicht im Zenit. Nichts hatte sich ge�ndert, was eine �nderung des Plans gerechtfertigt h�tte.</p><p><emphasis>Der Wahnsinn wartet auf einige der M�nner,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. <emphasis>Andere beschleicht er bereits.</emphasis></p><p>Miraj ritt in der N�he der Spitze seines Heeres, das �stlich eine schlammige, sich durch h�gelige Olivenhaine und W�lder windende Stra�e entlangzog. Nicht ganz an der Spitze. Ein vollst�ndiges Regiment, �berwiegend Seanchaner, ritt zwischen ihm und den vorausgeeilten Kundschaftern. Er hatte Gener�le gekannt, die an vorderster Front hatten sein wollen. Die meisten waren tot, und die meisten hatten die Schlacht verloren, in der sie gestorben waren. Der Schlamm hielt den Staub am Boden, und doch verbreitete sich die Nachricht eines herannahenden Heeres, gleichg�ltig, in welchem Land, wie ein Steppenbrand auf den Sa'las Ebenen. Hier und da erblickte Miraj zwischen den Olivenb�umen einen umgest�rzten Karren oder eine im Stich gelassene Sense, aber die Arbeiter waren schon lange verschwunden. Sie w�rden seine Gegner gl�cklicherweise ebenso meiden wie ihn. Mit etwas Gl�ck w�rden seine Gegner, da sie keine <emphasis>Raken</emphasis> besa�en, ihn nicht bemerken, ehe es zu sp�t war. Kennar Miraj vertraute nicht gern auf das Gl�ck.</p><p>Abgesehen von Unteroffizieren, die bereitwillig Landkarten zeichneten oder Befehle abschrieben, und Boten, die sie �berbrachten, ritt er nur in Begleitung Abaldar Yulans, der so klein war, da� sein recht gew�hnlicher brauner Wallach riesig erschien. Der leidenschaftliche Mann hatte die N�gel seiner kleinen Finger gr�n bemalt und trug eine schwarze Per�cke, um seine Kahlheit zu verbergen. Au�erdem war Lisaine Jarath bei ihm, eine grauhaarige Frau aus Seandar selbst, deren helles, rundliches Gesicht und blaue Augen tiefe Ernsthaftigkeit zeigten. Yulan war beunruhigt. Mirajs kohlenschwarzer Befehlshaber der Luftstreitkr�fte betrachtete die Regeln h�ufig unmutig, die es ihm nur noch selten erlaubten, die Z�gel eines <emphasis>Raken</emphasis> zu ber�hren, aber heute blickte er besonders unmutig drein. Der Himmel war klar, das ideale Wetter f�r <emphasis>Raken,</emphasis> aber auf Suroths Befehl hin w�rde heute keiner der Flieger aufsteigen. Es waren zu wenige <emphasis>Raken</emphasis> bei den Hailene, um sie unn�tig aufs Spiel zu setzen. Lisaines Schweigen beunruhigte Miraj mehr. Sie war nicht nur die rang�lteste <emphasis>Der'sul'dam</emphasis> unter seinem Kommando, sondern auch eine Freundin, mit der er manchen Becher <emphasis>Kaf</emphasis> und viele Brettspiele geteilt hatte. Eine lebhafte Frau, die stets vor Begeisterung und Vergn�gen spr�hte. Und sie war auf kalte Art ruhig und so verschwiegen wie jede andere <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die er zu befragen versucht hatte.</p><p>So weit er sehen konnte, flankierten zwanzig <emphasis>Damane</emphasis> die Reiter, wobei jede neben dem Pferd ihrer <emphasis>Sul'dam</emphasis> ging. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> regten sich unbehaglich in ihren S�tteln, beugten sich herab, um einer <emphasis>Damane</emphasis> den Kopf zu t�tscheln, und richteten sich nur wieder auf, um sich dann erneut herabzubeugen und ihr �bers Haar zu streichen. Die <emphasis>Damane</emphasis> erschienen ihm nur allzu beherrscht, aber die <emphasis>Sul'dam</emphasis> standen eindeutig auf Messers Schneide. Die �berschwengliche Lisaine ritt schweigend wie ein Fels.</p><p>Ein <emphasis>Torrn</emphasis> erschien vor ihnen und scho� ein gutes St�ck seitlich am Rand der Haine die Kolonne entlang.</p><p>Dennoch wieherten die Pferde und scheuten, als das mit bronzefarbenen Schuppen versehene Wesen vor�berflog. Ein ausgebildeter <emphasis>Torrn</emphasis> griff keine Pferde an � zumindest solange nicht, wie ihn die Lust am T�ten nicht �bermannte, was der Grund daf�r war, warum Torrn in der Schlacht nichts taugten �, aber Pferde, die darauf dressiert waren, in der N�he von <emphasis>Torrn</emphasis> die Ruhe zu bewahren, waren ebenso selten wie <emphasis>Torrn</emphasis> selbst.</p><p>Miraj schickte einen hageren Unterleutnant namens Varek los, den Kundschafterbericht des <emphasis>Momt'torm</emphasis> zu holen. Zu Fu�, und das Licht verberge, ob Varek <emphasis>Sei'taer</emphasis> verlor. Er w�rde keine Zeit mit Varek verschwenden, der ein Pferd zu beherrschen versuchte, das aus der Gegend stammte. Der Mann kehrte rasch zur�ck, verbeugte sich knapp und begann mit dem Bericht, bevor er sich noch ganz wieder aufgerichtet hatte.</p><p>�Der Feind steht keine f�nf Meilen �stlich von hier, mein Lord, und marschiert in unsere Richtung. Das feindliche Heer ist in f�nf Kolonnen aufgeteilt, die ann�hernd eine Meile Abstand halten.�</p><p>Soviel zum Gl�ck. Aber Miraj hatte bereits dar�ber nachgedacht, wie er vierzigtausend Mann mit seinen lediglich f�nftausend Mann und f�nfzig <emphasis>Damane</emphasis> angreifen w�rde. Rasch galoppierten M�nner mit Befehlen los, um eine versuchte Einschlie�ung zu verhindern. Die Regimenter hinter ihm ritten in die Haine, und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> schw�rmten mit den <emphasis>Damane</emphasis> zwischen ihnen ebenfalls aus.</p><p>Miraj zog seinen Umhang gegen einen pl�tzlichen kalten Wind fester zusammen und bemerkte dann etwas, was ihn noch st�rker fr�steln lie�. Lisaine hatte auch beobachtet, wie die <emphasis>Sul'dam</emphasis> im Wald verschwanden. Und sie begann zu schwitzen.</p><p>Bertome betrachtete die Waldlandschaft vor sich mit einer Wachsamkeit, die er kaum zu verbergen versuchte. Von seinen vier Landsleuten hinter ihm war nur Doressin im Spiel der H�user wirklich ge�bt. Dieser t�richte tairenische Hund Weiramon hatte nat�rlich keine Ahnung. Bertome starrte den R�cken des aufgeblasenen Narren an. Tief in eine Unterhaltung mit Gedwyn vertieft, ritt Weiramon ein gutes St�ck vor den anderen, und wenn Bertome einen weiteren Beweis f�r seine �berheblichkeit gebraucht h�tte, dann war es die Art, wie er das junge Ungeheuer mit dem feurigen Blick gew�hren lie�. Er bemerkte, da� Kiril ihn von der Seite ansah, und f�hrte seinen Grauen noch weiter von dem hoch aufragenden Mann fort. Er empfand dem Illianer gegen�ber keine besondere Abneigung, aber er ha�te Menschen, die �ber ihm aufragten. Er konnte es nicht erwarten, nach Cairhien zur�ckzukehren, wo er nicht von ungelenken Riesen umgeben war. Kiril Drapeneos war jedoch nicht blind; er hatte ebenfalls ein Dutzend Kundschafter ausgesandt, w�hrend Weiramon nur einen auf den Weg gebracht hatte.</p><p>�Doressin�, sagte Bertome leise, und dann ein wenig lauter: �Doressin, du Nachtw�chter!�</p><p>Der knochige Mann zuckte im Sattel zusammen. Wie Bertome und die �brigen drei hatte auch er die Vorderseite seines Sch�dels rasiert und gepudert. Diese Art, sich als Soldat zu kennzeichnen, war recht gebr�uchlich geworden. Doressin h�tte ihn im Gegenzug eine Kr�te nennen sollen, so wie sie es seit ihrer Kinderzeit gehalten hatten, aber statt dessen dr�ngte er seinen Wallach neben Bertome und beugte sich zu ihm. Er war besorgt, was seiner Miene deutlich anzumerken war. �Dir ist doch klar, da� der Wiedergeborene Drache uns tot sehen will?� fl�sterte er, w�hrend er die Kolonne hinter ihnen betrachtete.</p><p>�Blut und Feuer, ich habe nur auf Colavaere geh�rt, aber seit er sie get�tet hat, wei� ich, da� auch ich ein toter Mann bin.�</p><p>Auch Bertome betrachtete einen Moment die Kolonne der Waffentr�ger, die sich durch die gewellten H�gel hinter ihnen wanden. Die B�ume standen hier vereinzelter als weiter voraus, aber es waren dennoch gen�gend viele, um mit einem �berraschenden Angriff rechnen zu m�ssen. Der letzte Olivenhain lag fast eine Meile zur�ck. Weiramons M�nner ritten nat�rlich voran, in jenen l�cherlichen Jacken mit den dicken wei�en Streifen auf den �rmeln, und dann kamen Kirils Illianer in ausreichend viel Gr�n und Rot, um sogar Kesselflicker in den Schatten zu stellen. Seine eigenen Leute, die unter ihren Brustharnischen schlichtes Dunkelblau trugen, waren noch au�er Sicht bei Doressins M�nnern, denen die Kompanie der Legion�re folgte. Weiramon war anscheinend �berrascht gewesen, da� die Fu�soldaten Schritt hielten, obwohl er nicht schnell voranging.</p><p>Bertome betrachtete jedoch nicht wirklich die Waffentr�ger. Sieben Mann ritten noch vor Weiramons Leuten, sieben M�nner mit harten Gesichtern, totenkalten Augen und in schwarzen Jacken. Einer trug eine Anstecknadel in der Form eines silbernen Schwertes an seinem hohen Kragen.</p><p>�Eine raffinierte Art, es anzugehen�, sagte er trocken zu Doressin. �Ich bezweifle, da� al'Thor uns jene Burschen mitgegeben h�tte, wenn wir nur Kanonenfutter sein sollten.� Doressin �ffnete mit noch immer finsterer Miene erneut den Mund, aber Bertome fuhr fort: �Ich mu� mit dem Tairener sprechen.� Es gefiel ihm nicht, seinen Freund aus Kindertagen so zu sehen. Al'Thor hatte ihn verwirrt.</p><p>Weiramon und Gedwyn h�rten ihn nicht heranreiten, da sie so sehr voneinander in Anspruch genommen waren. Gedwyn spielte m��ig mit seinen Z�geln, das Gesicht voll kalter Verachtung. Der Tairener war err�tet. �Es k�mmert mich nicht, wer Ihr seid�, sagte er mit leiser, harter Stimme zu dem schwarz gewandeten Mann. �Ich werde keine weiteren Risiken eingehen, solange ich nicht einen Befehl direkt von den Lippen...�</p><p>Pl�tzlich bemerkten sie Bertome, und Weiramon schlo� rasch den Mund. Er starrte Bertome an, als wollte er ihn t�ten. Das best�ndige L�cheln des Asha'man schwand. Der Wind wehte rauh und schneidend, w�hrend Wolken vor die Sonne zogen, aber er war nicht k�lter als Gedwyns pl�tzlich starrer Blick. Bertome erkannte entsetzt, da� der Mann ihn augenblicklich tot sehen wollte.</p><p>Gedwyns frostig t�dlicher Blick �nderte sich nicht, aber auf Weiramons Gesicht vollzog sich eine bemerkenswerte Wandlung. Das Rot verbla�te langsam, w�hrend er im Handumdrehen ein L�cheln hervorzauberte, ein schmieriges L�cheln mit nur einer Spur sp�ttischer Herablassung. �Ich habe �ber Euch nachgedacht�, sagte er herzlich. �Schade, da� al'Thor Eure Cousine erw�rgt hat. Mit seinen eigenen H�nden, wie ich h�rte. Es hat mich, ehrlich gesagt, �berrascht, da� Ihr seinem Ruf gefolgt seid. Ich habe gesehen, wie er Euch beobachtete. Ich f�rchte, er plant etwas ... Interessanteres ... f�r Euch, als Euch ebenfalls zu erw�rgen.�</p><p>Bertome unterdr�ckte ein Seufzen, das nicht nur der Plumpheit des Narren galt. Viele versuchten, ihn mit Colavaeres Tod zu beeinflussen. Sie war seine Lieblingscousine gewesen, aber unvorstellbar ehrgeizig. Das Haus Saighan hatte berechtigte Anspr�che auf den Sonnenthron, und doch h�tte sie ihn nicht gegen die St�rke Riatins oder Damodreds halten k�nnen, nicht ohne den offiziellen Segen der Wei�en Burg oder des Wiedergeborenen Drachen. Dennoch <emphasis>war</emphasis> sie seine Lieblingscousine gewesen. Was wollte Weiramon? Sicherlich nicht das, was er oberfl�chlich zu wollen schien. Selbst dieser tairenische Dummkopf war nicht so leicht zu durchschauen.</p><p>Bevor er eine Antwort ersinnen konnte, kam durch den Wald vor ihnen ein Reiter auf sie zugaloppiert, ein Cairhiener, und als er sein Pferd j�h vor ihnen verhielt, erkannte Bertome einen seiner eigenen Waffentr�ger, einen Burschen mit Zahnl�cken und Narben auf beiden Wangen. Doile, dachte er, von den Colchaine-L�ndereien.</p><p>�Mein Lord Bertome!� keuchte der Bursche und verbeugte sich hastig. �Zweitausend Taraboner sind mir knapp auf den Fersen. Bei ihnen sind Frauen mit Blitzen auf den Gew�ndern!�</p><p>�Knapp auf den Fersen�, murmelte Weiramon ver�chtlich. �Wir werden sehen, was mein Mann zu berichten hat, wenn er zur�ckkommt. Ich sehe gewi� keine ...!�</p><p>Pl�tzliche, nicht allzu weit entfernte Rufe unterbrachen ihn, wie auch das Donnern von Hufen, und dann erschienen in vollem Galopp Lanzentr�ger der leichten Kavallerie, ein best�ndiger, durch den Wald preschender Strom direkt auf Bertome und die anderen zu.</p><p>Weiramon lachte. �T�tet, wen immer Ihr wollt, Gedwyn�, sagte er und zog schwungvoll sein Schwert. �Ich gebrauche meine Methoden, weiter nichts!� W�hrend er rasch zu seinen Waffentr�gern zur�ckritt, schwang er die Klinge �ber dem Kopf und rief: �Saniago! Saniago und Ruhm!� Es �berraschte nicht, da� er den Rufen f�r sein Haus und seine gr��te Liebe nicht noch einen Ruf f�r sein Land hinzuf�gte.</p><p>Bertome preschte in dieselbe Richtung und rief: �Saighan und Cairhien!� Er brauchte sein Schwert noch nicht zu schwingen. �Saighan und Cairhien!� Was <emphasis>hatte</emphasis> der Mann gewollt?</p><p>Donner grollte, und Bertome schaute verbl�fft zum Himmel. Es waren nur wenig mehr Wolken zu sehen als zuvor. Nein. Doile � Dalyn? � hatte diese Frauen erw�hnt. Und dann verga� er v�llig, was der t�richte Tairener gewollt hatte, als Taraboner mit st�hlernen Visieren �ber die bewaldeten H�gel auf ihn zust�rmten, die Erde Feuer fing und der Himmel vor ihnen Blitze regnete.</p><p>�Saighan und Cairhien!�</p><p>Der Wind frischte auf.</p><p>Reiter prallten zwischen ausladenden B�umen und undurchdringlichem Dickicht aufeinander. Das Licht schien zu schwinden, die Wolken �ber ihnen ballten sich, aber es war durch den dichten Laubbaldachin schwer zu sagen. Dr�hnender Donner erstickte das Klingen von Stahl, die Schreie von M�nnern und das erschreckte Wiehern von Pferden. Manchmal bebte der Boden. Manchmal erklangen feindliche Rufe. �Den Lushenos! Den Lushenos und die Bienen!� �Annallin! Schart Euch um Annallin!� �Haellin! Haellin! F�r den Hochlord Sunamon!� Der letzte Ruf war der einzige, den Varek zumindest verstand, obwohl er argw�hnte, da� vielleicht keiner der Ortsans�ssigen, die sich Hochlord oder Hochlady nannten, die Chance bek�me, den Eid zu leisten.</p><p>Er ri� sein Schwert aus der Achselh�hle seines Gegners, in die er es unmittelbar �ber dem Brustharnisch versenkt hatte, und schickte den bleichen kleinen Mann zu Boden. Ein gef�hrlicher K�mpfer, bis er den Fehler machte, seine Klinge zu hoch zu erheben. Der Kastanienbraune des Mannes preschte ger�uschvoll durch das Unterholz davon, und Varek erlaubte sich einen Moment des Bedauerns. Das Tier machte einen besseren Eindruck als der wei�f��ige Graue, den er zu reiten gezwungen war. Nur einen Moment � und dann sp�hte er durch die dichten B�ume, bei denen von der H�lfte der Zweige Kletterpflanzen herabhingen und von fast allen Zweigen B�ndel irgendeiner grauen, federartigen Pflanze.</p><p>Schlachtger�usche waren aus allen Richtungen zu vernehmen, aber zun�chst konnte Varek keine Bewegung ausmachen. Dann erschienen in f�nfzig Schritt Entfernung ein Dutzend altaranische Lanzentr�ger, die ihre Pferde im Schritt f�hrten und sich vorsichtig umsahen, obwohl die Art, wie sie sich laut miteinander unterhielten, die roten Schlitze kreuz und quer �ber ihren Brustharnischen �beraus rechtfertigte. Varek ergriff seine Z�gel. Vielleicht k�nnte eine Eskorte, selbst dieser undisziplinierte P�bel, den Unterschied bedeuten, ob die dringende Nachricht, die er bei sich trug, Bannergeneral Chianmai erreichte oder nicht.</p><p>Schwarze Striche blitzten unter den B�umen auf und leerten altaranische S�ttel. Die Pferde stoben in alle Richtungen davon, wenn ihre Reiter st�rzten, und dann waren nur noch ein Dutzend Leichname auf dem feuchten Teppich toten Laubs zu sehen, wobei aus jedem K�rper mindestens ein Armbrustpfeil hervorragte. Nichts regte sich. Varek erschauerte wider Willen. Diese Fu�soldaten in ihren blauen Jacken hatten zun�chst ungef�hrlich ausgesehen, aber sie traten niemals ins Freie, sondern verbargen sich in Bodensenken und hinter B�umen. Sie waren jedoch nicht das schlimmste. Er war sich nach dem panischen R�ckzug zu den Schiffen in Falme sicher gewesen, da� er das Schlimmste gesehen hatte, was ihm jemals begegnen k�nnte: das Ewig Siegreiche Heer in die Flucht geschlagen. Vor weniger als einer halben Stunde hatte er jedoch hundert Taraboner einem einzelnen Mann in einer schwarzen Jacke gegen�berstehen sehen. Einhundert Lanzentr�ger gegen einen, und die Taraboner waren in St�cke gerissen worden. Sprichw�rtlich in St�cke gerissen. M�nner und Pferde waren einfach so rasch explodiert, wie er nur z�hlen konnte. Das Gemetzel war noch weitergegangen, nachdem sich die Taraboner zur Flucht wandten, bis niemand mehr in Sichtweite war. Vielleicht war es wirklich nicht furchtbarer, als wenn der Boden unter den F��en aufbrach, aber zumindest lie�en <emphasis>Damme</emphasis> �blicherweise genug von einem Menschen �brig, was man begraben konnte.</p><p>Der letzte Mann, mit dem er in diesen W�ldern sprechen konnte, ein ergrauter Veteran aus der Heimat, der einhundert amadicianische Langspie�tr�ger anf�hrte, sagte ihm, da� sich Chianmai in dieser Richtung bef�nde. Vor sich erblickte er an B�ume gebundene, reiterlose Pferde und M�nner zu Fu�. Vielleicht wu�ten sie, wo Chianmai zu finden war. Und er w�rde sie zurechtweisen, weil sie herumstanden, w�hrend ein Kampf tobte.</p><p>Als er zwischen sie ritt, verga� er seine Strafpredigt jedoch. Er hatte gefunden, wonach er gesucht hatte, aber absolut nicht das, was er hatte finden wollen. Ein Dutzend schwer verbrannte Leichen lagen in einer Reihe. Eine, das honigbraune Gesicht unber�hrt, war erkennbar Chianmai. Die Fu�soldaten waren alle Taraboner, Amadicianer und Altaraner. Einige von ihnen waren ebenfalls verletzt. Die einzigen Seanchaner waren eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit starrer Miene und eine weinende <emphasis>Damane.</emphasis></p><p>�Was ist geschehen?� fragte Varek. Er glaubte nicht, da� es den Asha'man �hnlich sah, �berlebende zur�ckzulassen. Vielleicht hatte die <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihn abgewehrt.</p><p>�Wahnsinn, mein Lord.� Ein hoch aufragender Taraboner bedachte den Mann mit einem Achselzucken, �ber dessen versengten linken Arm Salbe verteilt war. Der �rmel war bis zum Brustpanzer des Burschen fortgebrannt, aber trotz seiner Verbrennungen verzog er keine Miene. Sein Visier hing nur noch an einer Ecke des mit roten Federn versehenen konischen Helms und gab auf diese Weise ein hartes Gesicht mit dichtem grauem Schnurrbart, der fast seinen Mund verdeckte, frei. Sein Blick war unversch�mt direkt. �Eine Gruppe Illianer hat uns ohne Vorwarnung �berfallen. Zun�chst verlief alles gut, denn sie hatten keine Schwarzjacken bei sich. Lord Chianmai, der uns tapfer anf�hrte, und die ... die Frauen ... lenkten die Macht und lie�en Blitze zucken. Dann, gerade als die Illianer aufgeben wollten, fielen auch Blitze zwischen uns.� Er brach mit einem vielsagenden Blick zur <emphasis>Sul'dam</emphasis> ab.</p><p>Sie sprang sofort auf, sch�ttelte ihre freie Faust und kam so weit auf den Taraboner zu, wie es die an ihrem anderen Handgelenk befestigte Koppel zulie�. Ihre <emphasis>Damane</emphasis> lag weinend und zusammengesunken da. �Ich will die Worte dieses Hundes gegen meine Zakai nicht h�ren! Sie ist eine gute <emphasis>Damanel</emphasis> Eine gute <emphasis>Damanel�</emphasis></p><p>Varek versuchte, die Frau durch Gesten zu beruhigen. Er hatte erlebt, wie <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihre Sch�tzlinge f�r Missetaten hatten leiden lassen, wie auch einige wenige, welche die Widerspenstigen zu Kr�ppeln gemacht hatten, aber die meisten w�rden sogar einem Adligen gegen�ber, der ihre <emphasis>Damane</emphasis> verleumdete, eine drohende Haltung einnehmen. Dieser Taraboner war <emphasis>kein</emphasis> Adliger, und dem Blick der bebenden <emphasis>Sul'dam</emphasis> nach zu urteilen, war sie bereit, einen Mord zu begehen. H�tte der Mann seine l�cherliche Beschuldigung tats�chlich laut ausgesprochen, h�tte sie ihn vielleicht auf der Stelle get�tet.</p><p>�Die Gebete f�r die Toten m�ssen warten�, sagte Varek barsch. Was er vorhatte, br�chte ihn in die H�nde der Sucher, wenn er scheiterte, aber au�er der <emphasis>Sul'dam</emphasis> war hier kein Seanchaner �briggeblieben. �Ich �bernehme das Kommando. Wir werden uns nach S�den absetzen.�</p><p>�Absetzen!� bellte der breitschultrige Taraboner. �Wir werden <emphasis>Tage</emphasis> brauchen, um uns <emphasis>abzusetzen*.</emphasis> Die Illianer k�mpfen wie in die Enge getriebene Dachse und die Cairhiener wie eingesperrte Frettchen. Die Tairener sind nicht so schwer zu bek�mpfen, wie ich geh�rt habe, aber da sind auch noch vielleicht ein Dutzend dieser Asha'man. In diesem Tollhaus wei� ich nicht einmal, wo sich drei Viertel meiner M�nner befinden!� Durch sein Beispiel ermutigt, begannen auch die �brigen zu protestieren.</p><p>Varek ignorierte sie und versagte sich die Frage, was ein �Tollhaus� sei. Er konnte es sich angesichts des dichten Waldes rundum, des Kampfl�rms und der donnernden Explosionen und Blitze gut vorstellen. �Ihr werdet Eure M�nner sammeln und Euch zur�ckziehen�, sagte er laut und unterbrach somit das Geplapper. �Aber nicht zu rasch. Ihr werdet f�r Disziplin sorgen.� Mirajs Befehl f�r Chianmai lautete �mit gr��tm�glicher Eile� � er hatte ihn sich gemerkt, falls mit der Abschrift in seinen Satteltaschen etwas gesch�he �, aber wenn sie hierbei �bereilt handelten, bliebe die H�lfte der M�nner zur�ck und w�rde vom Feind mit Mu�e in kleine St�cke zerfetzt. �Nun bewegt Euch! Ihr k�mpft f�r die Herrscherin, m�ge sie ewig leben!�</p><p>Letzteres war die Art Ermutigung, wie man sie frisch ausgehobenen Rekruten mit auf den Weg gab, aber aus einem unbestimmten Grund zuckten die M�nner wie geschlagen zusammen. Dann verbeugten sie sich rasch und tief, die H�nde auf den Knien, und flogen fast zu ihren Pferden. Seltsam. Jetzt war es an ihm, die seanchanischen Einheiten zu finden. Eine dieser Einheiten w�rde von jemandem befehligt werden, der �ber ihm stand, dann k�nnte er seine Verantwortung abgeben.</p><p>Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> lag auf den Knien, strich ihrer noch immer schluchzenden <emphasis>Damane</emphasis> �bers Haar und sang leise. �Beruhigt sie�, befahl er ihr. <emphasis>Mit gr��tm�glicher Eile.</emphasis> Er glaubte, eine Spur Angst in Miraj s Blick gesehen zu haben. Was k�nnte Kennar Miraj Angst einjagen? �Ich denke, wir werden uns im S�den auf Euch <emphasis>Sul'dam</emphasis> verlassen m�ssen.� Aber warum lie� sie das erbleichen?</p><p>Bashere stand am Waldrand und betrachtete durch das Visier seines Helms stirnrunzelnd, was sich ihm darbot. Sein Kastanienbrauner stupste ihn an der Schulter an. Bashere hielt seinen Umhang gegen den Wind fest geschlossen � eher um jede Bewegung zu vermeiden, die Aufmerksamkeit erregen k�nnte, als wegen der K�lte, obwohl sie ihm eine G�nsehaut verursachte. Damals in Saldaea h�tte er es noch als Fr�hlingsbrise empfunden, aber Monate in den S�dlanden hatten ihn verweichlicht. Kurz vor der Mittagszeit schimmerte die Sonne hell zwischen grauen Wolken hindurch, die rasch �ber den Himmel zogen. Nur weil man eine Schlacht mit der Sonne im R�cken begann, bedeutete das noch nicht, da� man sie auch in Richtung Westen beendete. Vor ihm lag eine weite Wiese, auf der Herden schwarzwei�er Ziegen das braune Gras abfra�en, ganz so, als tobe keine Schlacht um sie herum. Nicht da� hier im Moment Anzeichen davon zu bemerken gewesen w�ren. Dennoch konnte man zerfetzt werden, wenn man diese Wiese �berquerte. Und zwischen den B�umen, gleichg�ltig, ob Wald oder Olivenhaine oder Unterholz, sah man den Feind nicht immer zwangsl�ufig, bevor man auf ihn stie�.</p><p>�Wenn wir sie �berqueren wollen�, murrte Gueyam, w�hrend er sich mit einer Hand �ber seinen kahlen Sch�del rieb, �dann sollten wir es jetzt tun. Bei der Wahrheit des Lichts � wir verschwenden Zeit.� Amondrid schlo� ger�uschvoll den Mund. Wahrscheinlich hatte der mondgesichtige Cairhiener gerade dasselbe sagen wollen, aber er w�rde einem T�irener erst dann zustimmen, wenn Pferde auf B�ume kletterten.</p><p>Jeordwyn Semaris schnaubte. Der Mann h�tte sich einen Bart wachsen lassen sollen, um dieses schmale Kinn zu verbergen. Es lie� seinen Kopf wie die Axt eines F�rsters aussehen. �Ich sage, wir sollten sie umgehen�, murrte er. �Ich habe genug M�nner an diese lichtverfluchten <emphasis>Damane</emphasis> verloren und ...� Er brach mit einem unsicheren Blick <emphasis>zu</emphasis> Rochaid ab.</p><p>Der junge Asha'man stand allein, den Mund zusammengepre�t, und betastete die Drachen-Anstecknadel an seinem Kragen. Seinem Blick nach zu urteilen fragte er sich vielleicht, ob es das wert war. Der Junge wirkte jetzt nicht mehr entschlossen, sondern runzelte nur besorgt die Stirn.</p><p>Bashere f�hrte sein Pferd am Z�gel auf den Asha'man zu und zog ihn beiseite. Rochaid runzelte die Stirn und folgte der Aufforderung dann widerwillig. Der Mann ragte �ber Bashere auf, was diesen aber nicht k�mmerte.</p><p>�Kann ich beim n�chsten Mal auf Eure Leute z�hlen?� fragte Bashere, wobei er ver�rgert an seinem Schnurrbart zog. �Keine Verz�gerungen mehr?� Rochaid und seine Burschen schienen stets ausweichend zu antworten, wenn sie sich <emphasis>Damane</emphasis> gegen�bersahen.</p><p>�Ich wei�, was ich tue, Bashere�, knurrte Rochaid. �T�ten wir f�r Euch nicht genug von ihnen? Soweit ich erkennen kann, haben wir es fast geschafft!�</p><p>Bashere nickte z�gernd, obwohl er mit letzterem nicht einverstanden war. Es waren fast �berall noch viele feindliche Soldaten �brig, wenn man genau hinsah. Aber viele <emphasis>waren</emphasis> auch tot. Er hatte bei seinen Vorst��en ber�cksichtigt, was er von den Trolloc-Kriegen wu�te, als die Kr�fte des Lichts selten auch nur ann�hernd an die Anzahl heranreichten, denen sie jetzt gegen�berstanden. An den Flanken angreifen und fliehen. Von hinten angreifen und fliehen. Angreifen und fliehen, und wenn der Feind nachsetzte, sich auf dem vorher erw�hlten Terrain, wo die Legion�re mit ihren Armbrusten warteten, umwenden und ihn bek�mpfen, bis es wieder Zeit war zu fliehen. Oder bis er besiegt war. Heute hatte er bereits Taraboner, Amadicianer, Altaraner <emphasis>und</emphasis> diese Seanchaner in ihren seltsamen R�stungen besiegt. Er hatte mehr Feinde sterben sehen als in jedem anderen Kampf seit dem Blutigen Schnee. Aber wo er Asha'man hatte, besa� die Gegenseite jene <emphasis>Dom�ne.</emphasis> Ein gutes Drittel seiner Saldaeaner lag tot auf den zur�ckliegenden Meilen. Fast die H�lfte seiner Streitkr�fte war tot, wenn man alle mitrechnete, und es waren immer noch mehr Seanchaner mit ihren verfluchten Frauen dort drau�en, wie auch Taraboner, Amadicianer und Altaraner. Sie kamen immer n�her heran. Es erschienen immer mehr, wenn er welche besiegt hatte. Und die Asha'man begannen zu ... z�gern.</p><p>Er schwang sich in den Sattel seines Pferdes und ritt zu Jeordwyn und den �brigen zur�ck. �Wir umgehen die Wiese�, befahl er und ignorierte Jeordwyns Nicken ebenso wie Gueyams und Amondrids finstere Mienen. �Die dreifache Anzahl Kundschafter soll ausschw�rmen. Ich will z�gig vorangehen, aber ich will �ber keine <emphasis>Damane</emphasis> stolpern.� Niemand lachte.</p><p>Rochaid hatte die anderen f�nf Asha'man um sich versammelt, von denen nur einer ein Silberschwert am Kragen trug. Beim Aufbruch an diesem Morgen waren noch zwei weitere Asha'man ohne Anstecknadeln dabeigewesen, aber wenn Asha'man wu�ten, wie man t�tete, so wu�ten es die <emphasis>Dom�ne</emphasis> auch. Rochaid schwenkte ver�rgert die Arme und schien mit ihnen zu streiten. Sein Gesicht war ger�tet, ihre Gesichter hingegen ausdruckslos und stur. Bashere hoffte nur, da� Rochaid sie alle davon abhalten konnte zu desertieren. Der heutige Tag hatte genug Verluste gebracht, auch ohne da� sich solche M�nner absetzten.</p><p>Leichter Regen fiel. Rand betrachtete stirnrunzelnd die dicken schwarzen Wolken, die sich am Himmel sammelten und die blasse Sonne bereits zu verdecken begannen. Jetzt regnete es nur leicht, aber der Regen w�rde ebenso zunehmen wie diese Wolken! Ver�rgert betrachtete er wieder die vor ihm liegende Landschaft. Die Schwerterkrone stach in seine Schl�fen. Da er die Macht festhielt, breitete sich das Land trotz des Wetters klar vor ihm aus. H�gel fielen ab, einige mit Dickichten oder Olivenb�umen bewachsen, andere mit kargem Gras oder nur felsig und unkrautbestanden. Er glaubte, neben einem Leichnam eine Bewegung gesehen zu haben und dann wieder zwischen den Baumreihen eines Olivenhains auf einem anderen H�gel eine Meile von dem Leichnam entfernt. Aber es nur zu glauben, gen�gte nicht. Tote M�nner lagen auf den zur�ckliegenden Meilen verstreut, tote Feinde. Auch tote Frauen, wie er wu�te, doch er hatte sich von allen Pl�tzen ferngehalten, an denen <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> gestorben waren, hatte sich geweigert, ihre Gesichter zu betrachten. Die meisten glaubten, Ha� auf diejenigen sei der Grund, die so viele seiner Gefolgsleute get�tet hatten. Tai'daishar t�nzelte einige Schritte auf dem H�gelk�mm, bevor Rand ihn mit fester Hand und Kniedruck beruhigte. Es w�re nicht gut, wenn eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihn bei seinem Tun beobachtete. Die wenigen B�ume um ihn herum konnten nicht viel verbergen. Er registrierte vage, da� er keinen einzigen Baum erkannte. Tai'daishar warf den Kopf auf. Um beide H�nde frei zu haben, falls der Wallach sich nicht wieder beruhigte, steckte Rand das Drachenszepter in seine Satteltaschen, so da� nur noch das geschnitzte untere Ende hervorsah. Er h�tte dem Pferd seine Ersch�pfung mit <emphasis>Saidin</emphasis> nehmen k�nnen, aber er wu�te nicht, wie er es mit der Macht zum Gehorsam bringen konnte.</p><p>Er verstand nicht, wie der Wallach noch genug Energie aufbringen konnte. <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llte ihn, brodelte in ihm, aber sein K�rper, den er nur vage wahrnahm, wollte vor Ersch�pfung zusammenbrechen. Dies war teilweise der reinen Menge an Macht zuzuschreiben, die er heute gelenkt hatte, aber auch der Anstrengung, <emphasis>Saidin</emphasis> soweit zu bek�mpfen, da� es tat, was er verlangte. <emphasis>Saidin</emphasis> mu�te stets neu erobert und bezwungen werden, jedoch niemals zuvor so stark wie heute. Die niemals vollst�ndig heilenden Wunden an seiner linken Seite schmerzten.</p><p>�Es war ein Versehen, mein Lord�, sagte Adley pl�tzlich. �Ich schw�re es!�</p><p>�Haltet den Mund und pa�t auf!� befahl Rand ihm barsch. Adley senkte den Blick einen Moment auf seine Z�gel, strich sich dann das Haar aus dem Gesicht und hob gehorsam wieder den Blick.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> hier und heute zu kontrollieren war schwerer denn je, aber es irgendwann loszulassen, konnte den eigenen Tod bedeuten. Adley hatte es losgelassen, und M�nner waren in unkontrollierten Feuerst��en gestorben, nicht nur die Amadicianer, auf die er gezielt hatte, sondern auch fast drei�ig von Ailils Waffentr�gern und beinahe ebenso viele von Anaiyellas Leuten.</p><p>H�tte er nicht einen Fehler begangen, w�re Adley bei Morr gewesen, bei den Gef�hrten in den W�ldern eine halbe Meile s�dlich. Narishma und Hopwil befanden sich bei den Verteidigern im Norden. Rand wollte Adley im Auge behalten. Waren au�erhalb seines Sichtkreises noch andere �Versehen� passiert? Er konnte nicht st�ndig alle �berwachen. Flinn machte ein �u�erst grimmiges Gesicht, und Dashiva schien vor Anstrengung fast zu schwitzen. Er schimpfte noch immer leise vor sich hin, so leise, da� Rand es nicht einmal mit der ihm innewohnenden Macht h�ren konnte, und wischte sich mit einem spitzenges�umten Leinentaschentuch, das im Laufe des Tages ziemlich schmutzig geworden war, st�ndig den Regen aus dem Gesicht. Rand glaubte nicht, da� sie Fehler begangen hatten. Auf jeden Fall hielten weder sie noch Adley die Macht jetzt fest. Und sie w�rden es auch nicht tun, bis er sie anwies, sie zu ergreifen.</p><p>�Ist es vollbracht?� fragte Anaiyella hinter ihm.</p><p>Ohne darauf zu achten, wer sie vielleicht von dort drau�en beobachtete, ri� Rand Tai'daishar zu ihr herum. Die Tairenerin zuckte im Sattel zur�ck, so da� die Kapuze ihres edlen Regenumhangs auf ihre Schultern fiel. Ihre Wange zuckte. Ihre Augen zeigten Angst � oder Ha�. Ailil neben ihr hielt mit rot behandschuhten H�nden ruhig ihre Z�gel fest.</p><p>�Was wollt Ihr denn noch?� fragte die kleine Frau mit k�hler Stimme. Eine Lady, die h�flich zu einem Diener sprach. �Wenn sich die Gr��e eines Sieges nach der Anzahl der erschlagenen Feinde bemi�t, wird Euer Name wohl allein durch den heutigen Tag in die Geschichte eingehen.�</p><p>�Ich will die Seanchaner ins Meer treiben!� fauchte Rand. Licht, er <emphasis>mu�te sie</emphasis> jetzt besiegen, wenn er die Chance dazu hatte! Er konnte nicht die Seanchaner und die Verlorenen und nur das Licht wu�te wen oder was noch gleichzeitig bek�mpfen! �Ich habe es schon fr�her getan, und ich werde es wieder tun!�</p><p><emphasis>Hast du dieses Mal das H�rn von Valere in deiner Tasche versteckt?</emphasis> fragte Lews Therin listig. Rand knurrte ihn lautlos an.</p><p>�Dort unten ist jemand�, sagte Flinn pl�tzlich. �Er reitet von Westen hier herauf.�</p><p>Rand wendete sein Pferd wieder. Legion�re umstanden die H�nge des H�gels, obwohl sie sich so gut verborgen hielten, da� Rand nur selten einen Blick auf eine blaue Jacke erhaschte. Keiner von ihnen besa� ein Pferd. Wer w�rde hier herauf reiten ...</p><p>Basheres Kastanienbrauner trabte den Hang fast so hinauf, als w�re er eine ebene Fl�che. Sein Helm hing am Sattel, und er wirkte ersch�pft. Er begann ohne Vorrede mit tonloser Stimme zu berichten. �Wir sind hier fertig. Es geh�rt zum Kampf zu wissen, wann man gehen mu�, und jetzt ist es an der Zeit. Ich habe ann�hernd f�nfhundert Tote zur�ckgelassen. Drei weitere Soldaten habe ich ausgeschickt, um Semaradrid, Gregorin und Weiramon zu suchen und ihnen zu sagen, da� sie sich Euch wieder anschlie�en sollen. Sie sind wahrscheinlich in keiner besseren Verfassung als ich. Wie sieht <emphasis>Eure</emphasis> Bilanz aus?�</p><p>Rand ignorierte die Frage. Seine eigenen Toten �berstiegen Basheres um fast zweihundert Mann. �Ihr hattet kein Recht, Befehle an die �brigen auszusenden. Solange noch ein halbes Dutzend Asha'man �brig ist � so lange es mich noch gibt! �, gen�gt das! Ich will den Rest des seanchanischen Heers aufsp�ren und vernichten, Bashere. Ich werde nicht zulassen, da� sie Tarabon und Amadicia auch noch Altara hinzuf�gen.�</p><p>Bashere strich sich mit verzerrtem Lachen �ber seinen Schnurrbart. �Ihr wollt sie finden. Seht dort drau�en.� Er deutete mit einer behandschuhten Hand �ber die H�gel im Westen. �Ich kann keinen bestimmten Punkt bezeichnen, aber zehntausend, vielleicht auch f�nfzehntausend Mann befinden sich in Sichtweite, auch wenn Ihr sie durch diese B�ume nicht sehen k�nnt. Ich habe mit dem Dunklen K�nig getanzt, um unbemerkt durch sie hindurchzugelangen. Au�erdem befinden sich ungef�hr hundert <emphasis>Damane</emphasis> dort unten, vielleicht auch mehr. Und es kommen gewi� noch weitere hinzu, und auch weitere M�nner. Ihr General hat anscheinend beschlossen, sich auf Euch zu konzentrieren. Es ist vermutlich nicht immer angenehm, ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu sein.�</p><p>�Wenn sie dort drau�en sind ...�, sagte Rand und betrachtete pr�fend die H�gel. Es regnete jetzt st�rker. Wo hatte er eine Bewegung gesehen? Licht, er war m�de. <emphasis>Saidin</emphasis> h�mmerte auf ihn ein. Er ber�hrte unbewu�t das eingewickelte B�ndel unter seinem Steigb�gelgurt. Dann lie� seine Hand von allein wieder davon ab. Zehntausend, vielleicht sogar f�nfzehntausend ... Wenn Semaradrid und Gregorin und Weiramon zu ihm stie�en ... Wichtiger noch war, da� die restlichen Asha'man zu ihm stie�en ... �Wenn sie dort drau�en sind, werde ich sie vernichten, Bashere. Ich werde sie von allen Seiten angreifen, so wie wir es anfangs geplant hatten.�</p><p>Stirnrunzelnd f�hrte Bashere sein Pferd n�her an Tai'daishar heran, bis sein Knie fast Rands ber�hrte, w�hrend Flinn sein Pferd fortdr�ngte. Adley war zu sehr darauf konzentriert, durch den Regen zu sp�hen, um etwas so Nahes zu bemerken, und Dashiva, der sich noch immer unaufh�rlich �bers Gesicht wischte, sah neugierig zu. Bashere senkte seine Stimme zu einem Murmeln. �Ihr denkt nicht folgerichtig. Es war anf�nglich ein guter Plan, aber ihr General kombiniert schnell. Er lie� seine M�nner ausschw�rmen und nahm unseren Angriffen die Spitze, bevor wir ihn im Aufbruch erwischen konnten. Wir haben ihm zwar Verluste zugef�gt, aber jetzt zieht er seine restlichen Kr�fte zusammen. Ihr k�nnt ihn nicht �berraschen. Er <emphasis>will,</emphasis> da� wir ihn angreifen. Er <emphasis>wartet</emphasis> dort drau�en auf uns. Ob Asha'man oder nicht � wenn wir diesem Burschen direkt gegen�bertreten, werden nur die Geier fett und keiner kommt davon.�</p><p>�Niemand stellt sich dem Wiedergeborenen Drachen direkt gegen�ber�, grollte Rand. �Das k�nnten die Verlorenen ihm berichten, wer auch immer er ist. Richtig, Flinn? Dashiva?� Flinn. nickte unsicher. Dashiva zuckte zusammen. �Ihr meint also, ich k�nnte ihn nicht �berraschen, Bashere? Schaut her!� Er zog das l�ngliche B�ndel unter seinem Steigb�gelgurt hervor, l�ste die Tuchh�lle und h�rte Keuchen, als Regentropfen auf einem Schwert zu glitzern begannen, das aus Kristall gefertigt schien. <emphasis>Das Schwert, das kein Schwert ist.</emphasis> �Dann wollen wir einmal sehen, ob ihn <emphasis>Callandor</emphasis> in den H�nden des Wiedergeborenen Drachen �berrascht, Bashere.�</p><p>Rand barg die durchscheinende Klinge in einer Armbeuge und trieb Tai'daishar einige Schritte vorw�rts. Es gab keinen Grund daf�r. Er hatte von dort keinen besseren Blick. Au�er da� ... Etwas zog sich �ber die Oberfl�che des Nichts, ein sich windendes schwarzes Gewebe. Er hatte Angst. Als er <emphasis>Callandor</emphasis> das letzte Mal benutzt hatte, es <emphasis>wirklich</emphasis> benutzt hatte, hatte er versucht, Tote ins Leben zur�ckzuholen. Er war damals sicher gewesen, alles tun zu k�nnen, absolut alles. Wie ein Wahnsinniger, der glaubte, da� er fliegen k�nnte. Aber er war der Wiedergeborene Drache. Er <emphasis>konnte</emphasis> alles tun. Hatte er das nicht immer wieder bewiesen? Er griff durch das Schwert, das kein chwert ist, nach der Quelle.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> schien in <emphasis>Callandor</emphasis> hineinzuspringen, bevor er die Quelle ber�hrte. Das Kristallschwert schimmerte vom Knauf bis zur Schwertspitze in wei�em Licht. Er hatte zuvor nur geglaubt, die Macht erf�lle ihn. Jetzt hielt er mehr davon fest, als zehn oder auch hundert M�nner ohne Unterst�tzung h�tten festhalten k�nnen. Er wu�te nicht, wie viele. Das Sonnenfeuer versengte seinen Kopf. Die K�lte aller Winter aller Zeitalter fra� sich in sein Herz. Dieser rei�ende Strom trug den Makel aller Misthaufen der Welt mit sich, die sich in seine Seele entleerten. <emphasis>Saidin</emphasis> versuchte noch immer, ihn zu t�ten, auch den letzten Rest seines Seins fort zu scheuern, fort zu brennen, fort zu frieren, aber er k�mpfte, und er �berlebte einen weiteren Moment und noch einen Moment und noch einen. Er versp�rte das Bed�rfnis zu lachen. Er <emphasis>konnte</emphasis> alles tun!</p><p>Einst hatte er, als er <emphasis>Callandor</emphasis> gehalten hatte, eine Waffe gestaltet, die im Stein von Tear Schattengez�cht aufsp�rte und es mit Blitzen t�tete. Sicherlich mu�te es etwas �hnliches geben, was er jetzt gegen seine Feinde einsetzen k�nnte. Aber als er Lews Therin rief, antwortete ihm nur ver�ngstigtes Wimmern, als f�rchte diese entk�rperte Stimme den Schmerz <emphasis>Saidins.</emphasis></p><p>Mit dem flammenden <emphasis>Callandor</emphasis> in der Hand � er konnte sich nicht daran erinnern, die Klinge �ber den Kopf erhoben zu haben � starrte er auf die H�gel, in denen sich seine Feinde verborgen hielten. Die H�gel erschienen jetzt im dichter werdenden Regen grau, und dunkle Wolken schl�ssen das Sonnenlicht aus. Was hatte er Eagan Padros gesagt?</p><p>�Ich bin der Sturm�, fl�sterte er � f�r seine Ohren ein Schrei, ein Br�llen �, und er lenkte die Macht.</p><p>Die Wolken �ber ihm siedeten. Wo sie ru�schwarz gewesen waren, wurden sie zur Mittemacht, zum Herzen der Mitternacht. Er wu�te nicht, was er lenkte. Er wu�te es trotz Asmodeans Unterweisung h�ufig nicht. Vielleicht f�hrte Lews Therin ihn, obwohl er wimmerte. Str�nge <emphasis>Saidins</emphasis> wirbelten �ber den Himmel, Wind und Wasser und Feuer. Feuer. Der Himmel regnete wahrhaftig Blitze. Einhundert Blitze gleichzeitig, Hunderte blauwei� gespaltene Sch�fte, die �berall in Sichtweite abw�rts stachen. Die H�gel vor ihm brachen auf. Einige platzten unter dem Ansturm der Blitze auseinander wie zertretene Ameisenhaufen. Flammen sprangen in Dickichten auf, B�ume wurden im Regen zu Fackeln, und Flammen rasten durch Olivenhaine.</p><p>Etwas traf ihn schwer und er erkannte, da� er sich m�hsam vom Boden aufrappelte. Die Krone war ihm vom Kopf gefallen. <emphasis>Callandor</emphasis> schimmerte jedoch noch immer in seiner Hand. Er war sich vage bewu�t, da� auch Tai'daishar zitternd aufstand. Also wollten sie einen Gegenangriff auf ihn f�hren.</p><p>Er stie� <emphasis>Callandor</emphasis> hoch �ber den Kopf und schrie ihnen zu: �Greift mich an, wenn Ihr es wagt! Ich <emphasis>bin</emphasis> der Sturm! Kommt, wenn Ihr es wagt, Shai'tan! Ich bin der Wiedergeborene Drache!� Tausend zischende Lichtblitze hagelten aus den Wolken.</p><p>Etwas schleuderte ihn erneut zu Boden. Er versuchte, sich wieder aufzurappeln. Das noch immer schimmernde <emphasis>Callandor</emphasis> lag einen Schritt von seiner ausgestreckten Hand entfernt. Der Himmel wurde von Blitzen zerrissen. Pl�tzlich erkannte Rand, da� das auf ihm lastende Gewicht Bashere war und da� der Mann ihn sch�ttelte. Bashere mu�te ihn zu Boden geschleudert haben!</p><p>�H�rt auf!� schrie der Saldaeaner. Aus einem Ri� an seinem Kopf lief f�cherf�rmig Blut �ber sein Gesicht. �Ihr t�tet uns, Mann! H�rt auf!�</p><p>Rand wandte den Kopf, und ein benommener Blick gen�gte. Blitze flammten <emphasis>�berall</emphasis> um ihn herum auf, in <emphasis>allen</emphasis> Richtungen. Ein Blitz traf auf dem r�ckw�rtigen Hang auf, wo sich Denharad und die Waffentr�ger befanden. Schreie von M�nnern und Pferden ert�nten. Anaiyella und Ailil versuchten vergebens, die sich mit wild rollenden Augen aufb�umenden Pferde zu beruhigen. Flinn beugte sich �ber jemanden, der nicht weit entfernt von einem toten Pferd mit bereits starren Beinen lag.</p><p>Rand lie� <emphasis>Saidin</emphasis> los. Er lie� es los, aber es flo� noch einige Augenblicke in ihn, und Blitze w�teten weiterhin. Der Strom in ihm nahm ab, versiegte und schwand. Schwindel vereinnahmte ihn statt dessen. Drei weitere Herzschl�ge lang schimmerte <emphasis>Callandor</emphasis> auf dem Boden doppelt, und Blitze regneten herab. Dann herrschte bis auf das ansteigende Trommeln des Regens Stille. Und bis auf die Schreie von jenseits des H�gels.</p><p>Bashere l�ste sich langsam von ihm, und Rand stand taumelnd auf und blinzelte, als sich sein Sehverm�gen wieder einstellte. Der Saldaeaner beobachtete ihn, wie er vielleicht auch einen tollw�tigen L�wen beobachtet h�tte, und betastete sein Schwertheft. Anaiyella warf einen Blick auf Rand und brach ohnm�chtig zusammen. Ihr Pferd scho� mit schleifenden Z�geln davon. Ailil, die sich noch immer mit ihrem Pferd abm�hte, g�nnte Rand nur wenige Blicke. Rand belie� <emphasis>Callandor</emphasis> f�r den Moment an seinem Platz. Er war sich nicht sicher, da� er es aufzuheben wagte. Noch nicht.</p><p>Flinn richtete sich auf, sch�ttelte den Kopf und stand dann schweigend da, w�hrend Rand wankend hinter ihn trat. Der Regen fiel auf Jonan Adleys blicklose Augen, die sich entsetzt vorw�lbten. Jonan war einer der ersten gewesen. Jene Schreie von jenseits des H�gels schienen durch den Regen zu schneiden. Wie viele noch, fragte sich Rand. Unter den Verteidigern? Den Gef�hrten? Unter ...?</p><p>Dichter Regen verbarg die H�gel, in denen das seanchanische Heer lag. Hatte er sie �berhaupt getroffen, als er blind zugeschlagen hatte? Oder warteten sie mit all ihren <emphasis>Damane</emphasis> noch immer dort drau�en? Warteten sie ab, wie viele seiner eigenen Leute er noch f�r sie t�ten w�rde?</p><p>�Stellt so viele Wachen auf, wie Ihr f�r n�tig erachtet�, befahl er Bashere. Seine Stimme klang eisenhart. Einer der ersten. Sein Herz war eisenhart. �Wenn Gregorin und die �brigen zu uns sto�en, werden wir so schnell wie m�glich dorthin reisen, wo die Karren warten.� Bashere nickte schweigend und wandte sich im Regen ab.</p><p><emphasis>Ich habe verloren,</emphasis> dachte Rand schwerf�llig. <emphasis>Ich bin</emphasis></p><p><emphasis>der Wiedergeborene Drache, aber ich habe zum ersten Mal verloren.</emphasis></p><p>Pl�tzlich geriet Lews Therin in Wut, wobei die listigen Seitenhiebe vergessen waren. <emphasis>Ich bin niemals besiegt worden,</emphasis> knurrte er. <emphasis>Ich bin der Herr des Morgens!</emphasis> Niemand <emphasis>kann mich besiegen!</emphasis></p><p>Rand sa� im Regen, drehte die Schwerterkrone in H�nden und betrachtete das im Schlamm liegende <emphasis>Callandor.</emphasis> Er lie� Lews Therin toben.</p><p>Abaldar Yulan weinte, dankbar f�r den Regen, der die Tr�nen auf seinen Wangen verbarg. Jemand w�rde den Befehl geben m�ssen. Letztendlich w�rde sich jemand bei der Herrscherin, m�ge sie ewig leben, entschuldigen m�ssen, und vielleicht noch eher bei Suroth. Sie waren jedoch nicht der Grund f�r seine Tr�nen, und er weinte auch nicht um einen toten Kameraden. Er ri� grob einen �rmel von seiner Jacke und legte ihn �ber Miraj s starre Augen, damit der Regen nicht darauf tr�fe.</p><p>�Gebt das Signal zum R�ckzug�, befahl Yulan und sah die M�nner um ihn herum zusammenzucken. Das Ewig Siegreiche Heer hatte an diesen Gestaden zum zweiten Mal eine verheerende Niederlage erlitten, und Yulan glaubte nicht, da� er der einzige war, der weinte.</p></section><section><title><p>25</p><p>Eine unwillkommene R�ckkehr</p></title><p>Elaida sa� hinter ihrem vergoldeten Schreibtisch und betastete die vom Alter nachgedunkelte Elfenbeinschnitzerei eines fremdartigen Vogels mit einem ebenso langen Schnabel wie sein K�rper. Einigerma�en belustigt h�rte sie den sechs Frauen zu, die auf der anderen Seite des Tisches standen und alle Sitzende ihrer Ajahs waren. Sie sahen einander finster von der Seite an, scharrten mit ihren Samtpantoffeln auf dem hell gemusterten Teppich, der den gr��ten Teil der rotbraunen Bodenfliesen bedeckte, zupften an mit Ranken versehenen Stolen, da� die farbigen Fransen tanzten, und erweckten den Eindruck einer Schar verstockter Dienerinnen, die w�nschten, sie h�tten den Mut, einander vor ihrer Herrin an die Kehle zu gehen. Eisblumen bedeckten die Fensterscheiben, so da� man den Schnee kaum sehen konnte, den der Wind in eisigem Zorn umherwirbelte. Elaida war es recht warm, und das nicht nur aufgrund der dicken Holzscheite, die in dem wei�en Marmorkamin loderten. Ob diese Frauen sich dessen bewu�t waren oder nicht � nun, Duhara wu�te es gewi�, und die �brigen vielleicht auch �, sie <emphasis>war</emphasis> ihre Herrin. Die kunstvolle goldene Kastenuhr, die Cemaile aufgestellt hatte, zeigte die verstreichende Zeit an. Cemailes verschwundener Traum <emphasis>w�rde</emphasis> wahr werden. Die Burg w�rde ihren Ruhm zur�ckerlangen und w�re fest in der Hand Elaida do Avriny a'Roihans.</p><p>�Es wurde noch nie ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> gefunden, mit dem das Machtlenken einer Frau �kontrolliert werden� kann�, sagte Velina gerade mit k�hler und klarer, aber fast m�dchenhaft hoher Stimme, die �berhaupt nicht zu ihrer Adlerhakennase und den stechenden, schr�gstehenden Augen pa�te. Sie sa� f�r die Wei�en und war abgesehen von ihrer lebhaften Erscheinung auch das genaue Abbild einer Wei�en. Selbst ihr einfaches, makelloses Gewand schien starr und kalt. �Nur sehr wenige wurden jemals gefunden, die auch nur ann�hernd die gleiche Funktion erf�llen. Daher k�nnte es logischerweise, wenn solch ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> gefunden w�rde, oder auch mehr als eines, so unwahrscheinlich das auch sein mag, nicht gen�gend viele davon geben, um mehr als h�chstens zwei oder drei Frauen zu kontrollieren. Daraus folgt, da� die Berichte �ber diese sogenannten Seanchaner vollkommen �bertrieben sind. Wenn es Frauen an �Koppeln� gibt, k�nnen sie unm�glich die Macht lenken. Ich leugne nicht, da� diese Leute Ebou Dar besetzt haben und auch Amador und vielleicht noch weitere L�nder, aber diese Berichte sind eindeutig nur eine Sch�pfung Rand al'Thors, vielleicht um die Menschen zu �ngstigen, damit sie ihm scharenweise zustr�men wie sein Prophet. Es ist einfache Logik.�</p><p>�Ich bin sehr froh, da� Ihr zumindest die Nachrichten aus Amador und Ebou Dar nicht leugnet, Velina�, sagte Shevan trocken, und sie konnte tats�chlich <emphasis>sehr</emphasis> trocken sein. Die Braune Sitzende war so gro� wie die meisten M�nner und dazu klapperd�rr, und ihr kantiges Gesicht und das lange Kinn machte ihre Lockenpracht nicht vorteilhafter. Sie richtete mit spinnenartigen Fingern ihre Stola und gl�ttete die R�cke aus dunkelgoldenem Samt; ihre Stimme wurde betont belustigt. �Ich f�hle mich nicht wohl dabei, Vermutungen anzustellen, was sein kann und was nicht sein kann. Beispielsweise �wu�te� vor noch nicht allzu langer Zeit jedermann, da� nur ein von einer Schwester gewobener Schild eine Frau am Lenken der Macht hindern konnte. Dann kommt ein einfaches Kraut, Gabelwurz � und absolut jedermann kann Euch einen Tee einfl��en, der Euch �ber Stunden der F�higkeit beraubt, die Macht zu lenken. Das ist vermutlich bei st�rrischen Wilden und �hnlichen n�tzlich, aber eine �ble kleine �berraschung f�r jene, die alles zu wissen glauben. Vielleicht lernt als n�chstes jemand, wieder <emphasis>Ter'angreale</emphasis> zu fertigen.�</p><p>Elaida pre�te die Lippen zusammen. Sie besch�ftigte sich nicht mit Unm�glichem, und wenn es in dreitausend Jahren keiner Schwester gelungen war, das Wissen um die Fertigung von <emphasis>Ter'angrealen</emphasis> wiederzuentdecken, w�rde man es niemals wiederentdecken. Wissen, das ihr durch die Finger rann, wenn sie es festhalten wollte, gr�mte sie. Trotz all ihrer Bem�hungen hatte inzwischen jede letzte Anf�ngerin in der Burg von der Gabelwurz erfahren, auch wenn niemandem dieses Wissen letztendlich gefiel. Niemandem gefiel es auch, pl�tzlich jedermann gegen�ber verletzlich zu sein, der von den Krautern wu�te und ein wenig hei�es Wasser besa�. Das Wissen war schlimmer als Gift, wie die Sitzenden hier deutlich machten.</p><p>Bei der Erw�hnung des Krautes zeigten Duharas gro�e dunkle Augen in ihrem kupferfarbenen Gesicht Unbehagen, und sie wirkte starrer als �blich. Sedore schluckte tats�chlich, und ihre Finger verkrampften sich um die Ledermappe, die Elaida ihr gereicht hatte, obwohl die rundgesichtige Gelbe normalerweise k�hle Eleganz ausstrahlte. Andaya zitterte! Sie zog wahrhaftig ihre mit grauen Fransen versehene Stola krampfhaft um sich.</p><p>Elaida fragte sich, was sie wohl t�ten, wenn sie erf�hren, da� die Asha'man das Schnelle Reisen wiederentdeckt hatten. Im Moment waren sie kaum in der Lage, �berhaupt von ihnen zu sprechen. Es war ihr zumindest gelungen, <emphasis>dieses</emphasis> Wissen auf eine Handvoll Menschen zu beschr�nken.</p><p>�Ich denke, wir sollten uns lieber mit dem besch�ftigen, was unzweifelhaft feststeht�, sagte Andaya bestimmt, nachdem sie sich wieder unter Kontrolle hatte. Ihr hellbraunes Haar, das sie gl�nzend geb�rstet hatte, fiel ihren R�cken hinab, und ihr mit silbernen Schlitzen versehenes blaues Gewand war in andoranischem Stil geschnitten, aber ihre Sprache war noch immer stark tarabonisch gef�rbt. Obwohl sie weder klein noch sonderlich schlank war, erinnerte sie Elaida immer irgendwie an einen Spatz, der gerade auf einen Ast h�pfen will. Eine h�chst untypische Unterh�ndlerin, obwohl sie sich einen guten Ruf erworben hatte. Sie l�chelte nicht sehr erfreut in die Runde, und auch das erinnerte an einen Spatz. Vielleicht lag es an der Art, wie sie ihren Kopf hielt. �Reine Spekulation, mit der wertvolle Zeit verschwendet wird. Die Welt h�ngt an einem seidenen Faden, und ich will keine kostbare Zeit damit verlieren, �ber Logik zu plaudern oder dar�ber, was jeder Narr und jede Novizin wei�. Hat jemand etwas N�tzliches zu sagen?� Sie konnte f�r einen Spatz recht bissig werden. Velina wurde rot, und Shevans Gesicht verd�sterte sich.</p><p>Rubinde betrachtete die Graue mit gesch�rzten Lippen. Vielleicht sollte es ein L�cheln sein, aber es war nur verzerrt. Die Mayenerin wirkte mit ihrem rabenschwarzen Haar und den Augen wie Saphiren �blicherweise, als wolle sie eine Steinmauer durchschreiten, und so, wie sie jetzt die F�uste in die H�ften stemmte, schien sie dazu <emphasis>�beraus</emphasis> bereit. �Wir haben uns um alles in unserer Macht Stehende gek�mmert, Andaya, zumindest um das meiste. Die Aufst�ndischen werden in Murandy vom Schnee aufgehalten, und wir werden ihnen den Winter �ber so stark zusetzen, da� sie im Fr�hjahr zur�ckgekrochen kommen und um Entschuldigung und Bu�e bitten. Um Tear werden wir uns k�mmern, sobald wir herausfinden, wohin der Hochlord Darlin verschwunden ist, und um Cairhien, wenn wir erst Caraline Damodred und Toram Riatin in ihren Verstecken aufgest�bert haben. Al'Thor besitzt im Moment die Krone von Illian, aber auch daran wird gearbeitet. Wenn Ihr also keinen Plan habt, wie man den Mann in die Burg locken oder diese sogenannten �Asha'man� aus der Welt schaffen kann, mu� ich mich um die Angelegenheiten meiner Ajah k�mmern.�</p><p>Andaya richtete sich mit wahrhaft zerzaustem Gefieder auf. Duhara verengte die Augen, denn die Erw�hnung von M�nnern, welche die Macht lenken konnten, erz�rnte sie stets. Shevan schnalzte mit der Zunge, als schelte sie unartige Kinder, und Velina runzelte aus einem unbestimmten Grund die Stirn, den ihr gewi� Shevan eingegeben hatte. Es war belustigend, geriet aber au�er Kontrolle.</p><p>�Die Angelegenheiten der Ajahs sind wichtig, T�chter.� Elaida hob ihre Stimme nicht an, aber aller K�pfe wandten sich ihr ruckartig zu. Sie legte die Elfenbeinschnitzerei zu ihrer restlichen Sammlung in die gro�e, mit Rosen und goldenen Schneckenornamenten verzierte Schachtel und richtete sorgf�ltig ihre Schreibmappe und den Schreibkasten aus, so da� die lackierte Schachtel die Reihe vollendete, und als die Frauen vollkommen still waren, fuhr sie fort. �Die Angelegenheiten der Burg sind jedoch wichtiger. Ich vertraue darauf, da� Ihr meine Erlasse umgehend befolgt. Ich bemerke in der Burg zuviel Tr�gheit. Ich f�rchte, Silviana wird sehr besch�ftigt sein, wenn die Angelegenheiten nicht bald bereinigt sind.� Sie sprach keine weitere Drohung aus. Sie l�chelte nur.</p><p>�Wie Ihr befehlt, Mutter�, murmelten sechs Stimmen nicht so fest, wie die Schwestern es sich vielleicht gew�nscht h�tten. Selbst Duharas Gesicht war kr�nklich bleich, als sie ihren Hofknicks vollf�hrte. Zwei Sitzende hatten ihre Pl�tze eingeb��t, und ein halbes Dutzend hatte zur Bu�e tagelangen Arbeitsdienst geleistet, was in ihrer Position erniedrigend war und zudem eine Dem�tigung des Geistes darstellte. Shevan und Sedore konnten sich gewi� nur allzu gut an das Schrubben der B�den und an die Arbeit in den W�schereien erinnern, aber keine war bisher zur Dem�tigung des Fleisches zu Silviana geschickt worden. Niemand wollte das. Die Herrin der Novizinnen erhielt jede Woche zwei oder drei Besuche von Schwestern, denen von ihren Ajahs Bu�e auferlegt worden war oder die selbst eine Bu�e auf sich genommen hatten � einige Schl�ge mit dem Riemen, wie schmerzhaft sie auch sein mochten, waren weitaus schneller vergessen, als wenn man einen Monat lang Gartenwege rechen mu�te �, aber Silviana hatte erheblich weniger Mitleid mit den Schwestern als mit den Novizinnen und Aufgenommenen, die ihr unterstanden. Mehr als eine Schwester mu�te sich tagelang gefragt haben, ob ein Monat Gartenarbeit nicht doch vorzuziehen gewesen w�re.</p><p>Sie hasteten auf die T�ren zu in dem Bestreben, rasch fortzukommen. Ob sie nun Sitzende waren oder nicht � keine von ihnen h�tte diese H�hen der Burg betreten, ohne von Elaida gerufen worden zu sein. Elaida betastete ihre gestreifte Stola und l�chelte �beraus erfreut. Ja, sie war die Herrin in der Wei�en Burg, wie es f�r den Amyrlin-Sitz angemessen war.</p><p>Bevor die Sitzenden die T�ren erreichten, �ffnete sich die T�r zur Linken, und Alviarin trat ein. Die schmale wei�e Stola der Beh�terin der Chroniken �ber einem Seidengewand, das Velinas fast schmuddelig erscheinen lie�, war fast nicht zu sehen.</p><p>Elaida sp�rte, wie ihr L�cheln schief geriet und zu schwinden begann. Alviarin hielt ein Blatt Pergament in einer schlanken Hand. Seltsam, was man zu einem Zeitpunkt wie diesem bemerkte. Die Frau war seit fast zwei Wochen ohne Nachricht aus der Burg verschwunden. Niemand hatte sie auch nur gehen gesehen, und Elaida hatte begonnen, sich erfreuliche Dinge auszumalen, wie beispielsweise Alviarin in einer Schneeverwehung oder von einem Flu� mitgerissen und zwischen Eisschollen treibend.</p><p>Die sechs Sitzenden blieben unsicher stehen, als Alviarin ihnen nicht aus dem Weg ging. Selbst eine Beh�terin mit Alviarins Einflu� hielt Sitzende nicht auf, obwohl Velina, f�r gew�hnlich die selbstbewu�teste Frau in der Burg, aus einem unbestimmten Grund zusammenzuckte. Alviarin schaute einmal k�hl zu Elaida, betrachtete dann die Sitzenden einen Moment und verstand alles.</p><p>�Ich denke, Ihr solltet das mir �berlassen�, sagte sie in k�hlem Tonfall zu Sedora. �Die Mutter erw�gt ihre Erlasse gern sorgf�ltig, wie Ihr wi�t. Dies w�re nicht das erste Mal, da� sie ihre Meinung nach der Unterzeichnung �ndert.� Sie streckte eine schlanke Hand aus.</p><p>Sedore, deren Hochm�tigkeit selbst unter Gelben bemerkenswert war, z�gerte kaum, bevor sie ihr die Ledermappe reichte.</p><p>Elaida knirschte w�tend mit den Z�hnen. Sedore ha�te sie, seit sie f�nf Tage lang bis zu den Ellbogen in hei�em Wasser gesteckt und Geschirr geschrubbt hatte. Elaida w�rde beim n�chsten Mal etwas noch Unerfreulicheres f�r sie finden. Vielleicht doch Silviana. Oder die Reinigung der Abtrittgruben!</p><p>Alviarin trat schweigend beiseite, und die Sitzenden gingen davon, w�hrend sie ihre Stolen richteten, vor sich hin murrten und m�hsam die W�rde des Saals wieder annahmen. Alviarin schlo� rasch die T�r hinter ihnen und trat zu Elaida, w�hrend sie die Papiere in der Mappe durchbl�tterte. Die Erlasse, die Elaida in der Hoffnung unterzeichnet hatte, da� Alviarin tot sei. Nat�rlich hatte sie nicht zu sehr darauf vertraut. Sie hatte nicht mit Seaine gesprochen, falls jemand es vielleicht s�he und Alviarin bei ihrer R�ckkehr erz�hlte, aber Seaine war gewi� eifrig bei der Arbeit und folgte dem Pfad des Verrats, der mit Sicherheit zu Alviarin Freidhen f�hrte. Aber Elaida hatte gehofft. Oh, und wie sie gehofft hatte!</p><p>Alviarin murmelte vor sich hin, w�hrend sie die Mappe durchsah. �Dies kann vermutlich ausgef�hrt werden. Aber dies nicht. Und dies auch nicht. Und dies gewi� nicht!� Sie zerkn�llte einen vom Amyrlin-Sitz unterzeichneten und besiegelten Erla� und warf ihn ver�chtlich zu Boden. Sie blieb neben Elaidas vergoldetem Stuhl stehen, in dessen hoher R�ckenlehne mit Mondsteinen die Flamme Tar Valons eingelegt war, knallte die Mappe zu und das Pergament auf den Tisch. Und dann schlug sie Elaida so hart ins Gesicht, da� diese schwarze Flecken sah.</p><p>�Ich dachte, wir h�tten das gekl�rt, Elaida.� Die Stimme der schrecklichen Frau lie� den Schneesturm drau�en noch warm erscheinen. �Ich wei�, wie ich die Burg vor Euren Fehlern bewahren kann, und werde nicht zulassen, da� Ihr hinter meinem R�cken neue Fehler begeht. Wenn Ihr darauf beharrt, seid versichert, da� ich Euch absetzen, d�mpfen und vor jedem Neuling und sogar den Dienern unter der Birkenrute jammern lassen werde!�</p><p>Elaida gelang es nur m�hsam, nicht die Hand an ihre Wange zu heben. Sie brauchte keinen Spiegel, um zu erkennen, da� sie ger�tet war. Sie mu�te vorsichtig sein. Seaine hatte noch nichts gefunden, sonst w�re sie bereits gekommen. Aber Alviarin k�nnte vor den Saal treten und die ganze ungl�ckselige Entf�hrung des al'Thor-Jungen enth�llen. Das allein w�rde schon ausreichen, da� sie abgesetzt, ged�mpft und ausgepeitscht w�rde, Alviarin hatte jedoch noch etwas anderes in der Hand. Toveine Gazal f�hrte f�nfzig Schwestern und zweihundert Burgw�chter gegen die Schwarze Burg, in der � und dessen war Elaida sich sicher gewesen, als sie die Befehle ausgegeben hatte �vielleicht zwei oder drei M�nner die Macht lenken konnten. Aber selbst bei Hunderten dieser Asha'man setzte sie noch Hoffnungen auf Toveine. Die Schwarze Burg w�rde in Feuer und Blut versinken, hatte sie vorhergesagt, und Schwestern w�rden auf ihrem Boden wandeln. Das bedeutete gewi�, da� Toveine triumphieren w�rde. Mehr noch � die �brige Prophezeiung lie� vermuten, da� die Burg unter ihr all ihren fr�heren Ruhm wiedererlangen und da� al'Thor selbst vor ihrem Zorn erzittern w�rde. Alviarin hatte die Worte aus Elaidas Mund dringen h�ren, als die Vorhersage sie �bermannte. Doch sp�ter hatte sie sich nicht daran erinnert, als sie mit ihrer Erpressung begann, hatte ihr eigenes Verh�ngnis nicht erkannt. Elaida wartete geduldig. Sie w�rde es der Frau dreifach heimzahlen! Aber sie konnte warten. Im Moment.</p><p>Alviarin versuchte nicht, ihren Hohn zu verbergen. Sie schob die Mappe beiseite und das Blatt Pergament vor Elaida, �ffnete den gr�ngoldenen Schreibkasten, tauchte Elaidas Feder ins Tintenfa� und hielt sie ihr hin. �Unterzeichnet.�</p><p>Elaida nahm die Feder und fragte sich, welcher Wahnsinn es w�re, unter den sie ihren Namen setzen sollte. Eine weitere Verst�rkung der Burgwache, obwohl die Aufst�nde niedergeschlagen w�ren, bevor Soldaten Nutzen br�chten? Ein weiterer Versuch, die Ajahs zu zwingen, der Burg zu offenbaren, wer ihnen vorstand? Das war gewi� fehlgeschlagen. Sie las rasch und sp�rte die eisige K�lte in ihrem Magen.</p><p>Die Welt wei� jetzt, da� Rand al'Thor der Wiedergeborene Drache ist. Die Welt wei�, da� er ein Mann ist, der die Eine Macht ber�hren kann. Solche M�nner unterstehen schon seit undenklichen Zeiten der Burg. Dem Wiedergeborenen Drachen wird der Schutz der Burg gew�hrt, und wer auch immer sich ihm au�er durch die Wei�e Burg zu n�hern versucht, macht sich des Verrats am Licht schuldig und wird jetzt und f�r immer verbannt. Die Welt m�ge in dem Wissen Ruhe finden, da� die Burg den Wiedergeborenen Drachen sicher in die Letzte Schlacht und den unvermeidlichen Triumph geleiten wird.</p><p>Sie f�gte mechanisch und wie benommen �des Lichts� hinter �Triumph� ein, aber dann erstarrte ihre Hand. Es k�nnte noch angehen, al'Thor als den Wiedergeborenen Drachen anzuerkennen, da er es war, und das k�nnte wiederum dazu f�hren, da� viele die Ger�chte glaubten, er habe bereits vor ihr niedergekniet, was sich vielleicht als n�tzlich erweisen w�rde, aber was das �brige betraf, konnte sie kaum glauben, da� so viel Unheil in so wenigen Worten enthalten sein konnte.</p><p>�Das Licht lasse Gnade walten�, hauchte sie inbr�nstig. �Wenn dies verk�ndet wird, dann wird al'Thor unm�glich davon zu �berzeugen sein, da� seine Entf�hrung von uns nicht gutgehei�en war.� Es w�re auch so schon schwer genug, aber sie hatte schon fr�her erlebt, da� man Menschen davon �berzeugen konnte, da� Geschehenes nicht geschehen war, obwohl sie mitten in diesem Geschehen standen. �Und er wird zehnmal wachsamer auf einen weiteren Versuch achten. Alviarin, dies wird bestenfalls einige seiner Gefolgsleute abschrecken. Bestenfalls!� Viele waren wahrscheinlich schon so tief verstrickt, da� sie den Versuch nicht wagen w�rden, sich zur�ckzuziehen. Und gewi� nicht, wenn sie glaubten, ihnen drohe bereits die Verbannung! �Ich k�nnte ebensogut die Burg mit meinen eigenen H�nden anz�nden wie dies unterschreiben!�</p><p>Alviarin seufzte ungeduldig. �Ihr habt doch Euren Katechismus nicht vergessen? Sagt ihn f�r mich auf, wie ich es Euch gelehrt habe.�</p><p>Elaidas Lippen pre�ten sich von selbst zusammen. Ein Vergn�gen in Abwesenheit der Frau � nicht das gr��te, aber wahrhaft ein Vergn�gen � war es gewesen, nicht gezwungen zu sein, jeden Tag diese widerw�rtige Litanei zu wiederholen. �Ich werde tun, was mir befohlen wird�, sagte sie schlie�lich mit tonloser Stimme. Sie war der Amyrlin-Sitz! �Ich werde die Worte aussprechen, die Ihr mir zu sagen befehlt, und nicht mehr.� Ihre Vorhersage verhie� ihren Triumph, aber beim Licht, m�ge er bald kommen! �Ich werde unterzeichnen, was Ihr mir zu unterzeichnen befehlt, und nichts sonst. Ich gehorche ...� Sie erstickte fast an diesen Worten. �Ich gehorche Eurem Willen.�</p><p>�Ihr klingt, als m��tet Ihr an die Wahrhaftigkeit dieser Worte erinnert werden�, sagte Alviarin mit einem weiteren Seufzer. �Ich habe Euch vermutlich zu lange allein gelassen.� Sie tippte mit einem Finger gebieterisch auf das Pergament. �Unterzeichnet.�</p><p>Elaida f�hrte die Feder �ber das Pergament. Sie konnte nicht anders.</p><p>Alviarin wartete kaum ab, bis die Federspitze wieder angehoben wurde, bevor sie den Erla� an sich ri�. �Ich werde ihn selbst versiegeln�, sagte sie und eilte zur T�r. �Ich h�tte das Siegel der Amyrlin nicht dort belassen sollen, wo Ihr es finden konntet. Ich werde sp�ter noch mit Euch sprechen. Ich <emphasis>habe</emphasis> Euch zu lange Euch selbst �berlassen. Seid hier, wenn ich zur�ckkomme.�</p><p>�Sp�ter?� fragte Elaida. �Wann? Alviarin? Alviarin?�</p><p>Die T�r schlo� sich hinter der Frau, und Elaida blieb w�tend zur�ck. Hier sein, wenn Alviarin zur�ckkam! Auf ihre R�ume beschr�nkt wie eine Novizin in der Strafzelle!</p><p>Sie spielte eine Zeitlang mit ihrem Schreibkasten, auf dem goldene Falken unter wei�en Wolken am blauen Himmel k�mpften, konnte sich aber nicht dazu �berwinden, ihn zu �ffnen. Als Alviarin fort war, hatte sich der Kasten erneut mit wichtigen Briefen und Berichten gef�llt, nicht nur mit den Krumen, die Alviarin ihr sonst zukommen lie�, und doch h�tte er nach R�ckkehr der Frau ebensogut wieder leer sein k�nnen. Elaida erhob sich und richtete die Rosen in ihren wei�en Vasen, die auf wei�en Marmorsockeln in jeder Ecke des Raums standen. Blaue Rosen � die seltensten.</p><p>Sie erkannte j�h, da� sie einen entzwei gebrochenen Rosenstiel in ihrer Hand anstarrte. Ein halbes Dutzend weitere lagen am Boden. Sie stie� einen �berraschten Laut aus. Sie hatte sich vorgestellt, da� ihre H�nde um Alviarins Kehle l�gen. Es war nicht das erste Mal, da� sie daran gedacht hatte, die Frau zu t�ten, aber Alviarin w�rde gewi� Vorkehrungen getroffen haben. Es waren zweifellos versiegelte Dokumente, die ge�ffnet werden sollten, wenn etwas Unvorhergesehenes gesch�he, die bei den Schwestern hinterlegt worden waren, an die Elaida als letzte d�chte. Das war ihre eine wirkliche Sorge w�hrend Alviarins Abwesenheit gewesen, da� noch jemand glauben k�nnte, die Frau sei tot, und mit dem Beweis herausr�cken w�rde, der ihr die Stola um ihre Schultern n�hme. Fr�her oder sp�ter, auf die eine oder andere Art, w�rde Alviarin jedoch so sicher erledigt sein, wie diese Rosen es waren ...</p><p>�Ihr habt auf mein Klopfen nicht geantwortet, Mutter, also kam ich einfach herein�, sagte eine Frau hinter ihr barsch.</p><p>Elaida wandte sich um, bereit zu schelten, aber beim Anblick der st�mmigen Frau mit dem viereckigen Gesicht und einer roten Stola, die unmittelbar hinter der T�r stehengeblieben war, wich alles Blut aus ihrem Gesicht.</p><p>�Die Beh�terin sagte, Ihr wolltet mich sprechen�, �u�erte Silviana ver�rgert. �Wegen einer geheimen Bu�e.� Sie bem�hte sich nicht einmal dem Amyrlin-Sitz gegen�ber, ihren Abscheu zu verbergen. Silviana hielt geheime Bu�en f�r l�cherliche Heuchelei. Bu�e war eine �ffentliche Angelegenheit, nur die Bestrafung geschah im geheimen. �Sie hat mich auch gebeten, Euch an etwas zu erinnern, aber sie eilte davon, ohne mir zu sagen, worum es sich handelte.� Sie beendete ihre Worte mit einem Schnauben. Silviana sah alles, was ihr Zeit f�r ihre Novizinnen und Aufgenommene raubte, als unn�tige Unterbrechung an.</p><p>�Ich glaube, ich erinnere mich�, sagte Elaida teilnahmslos.</p><p>Als Silviana schlie�lich ging � nach nur einer halben Stunde, dem Glockenschlag von Cemailes Uhr nach zu urteilen, und doch eine nicht enden wollende Ewigkeit �, hielt nur die Sicherheit der Vorhersage und der Gedanke daran, da� Seaine den Verrat zu Alviarin zur�ckverfolgen w�rde, Elaida davon ab, sofort den Saal der Sitzenden zusammenzurufen, um zu fordern, Alviarin die Stola der Beh�terin der Chroniken abzunehmen � und die ebenso sichere Tatsache, da� sie selbst in dieser Konfrontation mit Bestimmtheit gest�rzt w�rde, gleichg�ltig, ob dies auch f�r Alviarin galt oder nicht. Also lag Elaida do Avriny a'Roihan, die W�chterin der Siegel, die Flamme von Tar Valon, der Amyrlin-Sitz und gewi� die m�chtigste Herrscherin der Welt, mit dem Gesicht nach unten auf ihrem Bett und weinte in die Kissen, zu geschw�cht, um das Nachthemd anzuziehen, das vergessen auf dem Boden lag. Bei ihrer R�ckkehr w�rde Alviarin gewi� darauf bestehen, da� sie die ganze Befragung �ber s��e. Sie weinte und betete durch ihre Tr�nen hindurch, da� Alviarins Niedergang bald gesch�he.</p><p>�Ich habe dir nicht aufgetragen, Elaida ... schlagen zu lassen�, sagte diese Stimme wie Kristallglocken. �Erhebst du dich �ber dich selbst?�</p><p>Alviarin warf sich vor der Frau, die aus Schatten und silbrigem Licht gemacht schien, von den Knien auf den Bauch. Sie ergriff den Saum von Mesaanas Gewand und �berh�ufte es mit K�ssen. Das illusorische Gewebe � das mu�te es sein, obwohl sie weder auch nur einen einzigen Faden <emphasis>Saidar</emphasis> sehen konnte noch die F�higkeit, die Macht zu lenken, die sie bei der Frau sp�rte, die �ber ihr aufragte � hielt nicht vollst�ndig stand, da sie den Saum des Gewandes hektisch bewegte. Bronzefarbene Seide mit einem schmalen Rand kunstvoll gestickter schwarzer Schneckenverzierungen schimmerten hindurch.</p><p>�Ich lebe, um Euch zu dienen und zu gehorchen, Gro�e Herrin�, keuchte Alviarin zwischen K�ssen. �Ich wei�, da� ich zu den Untersten der Unteren geh�re, in Eurer Gegenwart ein Nichts bin, und bete nur f�r Euer L�cheln.� Sie war schon einmal daf�r bestraft worden, sich ��ber sich selbst erhoben� zu haben � nicht f�r Ungehorsam, dem Gro�en Herrn der Dunkelheit sei Dank! �, und sie wu�te, da� Elaida zu diesem Zeitpunkt nicht halb so laut wehklagen konnte wie sie damals.</p><p>Mesaana duldete die K�sse eine Weile und setzte ihnen schlie�lich ein Ende, indem sie Alviarins Gesicht mit einer Schuhspitze unter dem Kinn anhob. �Der Erla� ist bekanntgegeben worden.� Es war keine Frage, aber Alviarin antwortete dennoch hastig.</p><p>�Ja, Gro�e Herrin. Und Abschriften sind zum Nordhafen und S�dhafen gesandt worden, noch bevor ich Elaida unterschreiben lie�. Die ersten Kuriere sind aufgebrochen, und kein H�ndler wird die Stadt verlassen, ohne Kopien zur Verteilung mitzunehmen.� Mesaana wu�te das alles nat�rlich bereits. Sie wu�te alles. Ein Krampf verh�rtete Alviarins gekr�mmten Nacken, aber sie regte sich nicht. Mesaana w�rde ihr sagen, wann sie sich bewegen durfte. �Gro�e Herrin, Elaida ist nur eine leere H�lle. Darf ich dem�tig fragen, ob es nicht besser w�re, wenn wir ohne sie ausk�men?� Sie hielt den Atem an. Fragen konnten bei den Auserw�hlten gef�hrlich sein.</p><p>Ein silbriger Finger mit einem Schattennagel tippte gegen zu einem belustigten L�cheln verzogene Silberlippen. �W�re es besser, du w�rdest die Stola der Amyrlin tragen, Kind?� fragte Mesaana schlie�lich. �Ein geringer Ehrgeiz, der zu dir passen w�rde, aber alles zu seiner Zeit. Im Moment habe ich eine andere kleine Aufgabe f�r dich. Trotz all der Mauern, die zwischen den Ajahs entstanden sind, scheinen ihre Anf�hrer sich erstaunlich regelm��ig zu treffen. Zuf�llig, wie sie vorgeben. Zumindest alle au�er den Roten. Schade, da� Galina umkam, sonst k�nnte sie dir sagen, was sie vorhaben. Es ist wahrscheinlich nichts Wichtiges, aber du wirst herausbekommen, warum sie einander erst �ffentlich angreifen und dann heimlich miteinander fl�stern.�</p><p>�Ich h�re und ich gehorche, Gro�e Herrin�, erwiderte Alviarin prompt, dankbar, da� Mesaana es f�r unwichtig erachtete. Das gro�e �Geheimnis�, wer den Ajahs vorstand, war f�r sie kein Geheimnis � jede Schwarze Schwester war gefordert, dem Obersten Konzil jedes Fl�stern in ihrer Ajah weiterzugeben �, aber unter ihnen war nur Galina eine Schwarze gewesen. Das bedeutete, da� man die Schwarzen Schwestern unter den Sitzenden befragen mu�te. Das erforderte Zeit und bot nicht die geringste Gew�hr f�r einen Erfolg. Bis auf Ferane Neheran und Suana Dragand, die <emphasis>mit Sicherheit</emphasis> Vorsitzende ihrer Ajahs waren, schienen Sitzende nur selten zu wissen, was der Vorstand ihrer Ajah dachte, bis man es ihnen sagte. �Ich werde Euch Nachricht geben, sobald ich etwas erfahre, Gro�e Herrin.�</p><p>Aber sie behielt eine Besonderheit f�r sich. Ob unwichtig oder nicht � Mesaana wu�te <emphasis>nicht</emphasis> alles, was in der Wei�en Burg geschah. Aber Alviarin w�rde f�r eine Schwester in bronzefarbenen R�cken mit einem Saum mit schwarzen Schneckenverzierungen die Augen offenhalten. Mesaana verbarg sich in der Burg, und Wissen war Macht.</p></section><section><title><p>26</p><p>Ein kleiner Obolus</p></title><p>Seaine durchschritt die G�nge der Burg, und mit jeder Biegung nahm das Gef�hl der Verwirrung zu. Die Wei�e Burg war zugegebenerma�en sehr gro�, aber sie lief schon stundenlang durch die G�nge. Sie sehnte sich in ihre eigenen R�ume. Trotz der geschlossenen Fensterfl�gel zog es in den breiten, mit Wandteppichen behangenen Korridoren, so da� die Kandelaber flackerten. Der kalte Windhauch war schwer zu ignorieren, wenn er unter ihre R�cke wehte. Ihre R�ume waren warm und behaglich � und sicher.</p><p>Dienerinnen vollf�hrten Hofknickse, und Diener verbeugten sich, wenn sie vor�berging. Doch sie wurden nur halbwegs bemerkt. Die meisten Schwestern befanden sich in den Quartieren ihrer Ajahs, und jene wenigen, die sich au�erhalb davon aufhielten, taten dies mit wachsamem Stolz, h�ufig zu zweit, stets zwei derselben Ajah, die Stolen �ber die Arme gebreitet und wie Banner dargeboten. Seaine l�chelte und nickte Talene erfreut zu, aber die statuenhafte, goldhaarige Sitzende erwiderte ihren Blick hart, eine aus Eis gehauene Sch�nheit, und schritt dann davon, w�hrend sie an ihrer mit gr�nen Fransen versehenen Stola zupfte.</p><p>Es war jetzt zu sp�t, sich Talene mit dem Anliegen zu n�hern, da� sie sich an ihrer Suche beteiligen sollte, selbst wenn Pevara einverstanden gewesen w�re. Pevara riet zu �u�erster Vorsicht, und um die Wahrheit zu sagen, war Seaine gerne bereit, unter den gegebenen Umst�nden zuzuh�ren. Nur war Talene eine Freundin � oder vielmehr eine Freundin gewesen.</p><p>Aber Talene war nicht die Schlimmste. Mehrere gew�hnliche Schwestern zeigten ihre Verachtung offen. Einer Sitzenden gegen�ber! Nat�rlich war darunter keine Wei�e, aber das sollte keinen Unterschied machen. Gleichg�ltig, was in der Burg vor sich ging, sollte der Anstand gewahrt bleiben. Juilaine Madome, eine gro�e, anziehende Frau mit kurzgeschnittenem schwarzem Haar, die erst seit weniger als einem Jahr einen Sitz f�r die Braune Ajah innehatte, fegte ohne ein Wort der Entschuldigung an ihr vorbei und ging mit ihrem typischen unweiblichen Schritt davon. Saerin Asnobar, eine weitere Braune Sitzende, sah Seaine finster an und betastete den gebogenen Dolch, den sie stets in ihrem G�rtel trug, bevor sie in einem Seitengang verschwand. Saerin war Altaranerin, und die wei�en Str�hnen an ihren dunklen Schl�fen betonten eine schmale, vom Alter verbla�te wei�e Narbe auf einer olivfarbenen Wange. Nur ein Beh�ter konnte ebenso finster dreinblicken wie sie.</p><p>Vielleicht war all dies zu erwarten gewesen. Es hatte in letzter Zeit einige ungl�ckselige Vorf�lle gegeben, und keine Schwester w�rde es vergessen, wenn sie eher unzeremoniell aus den G�ngen in der N�he der Quartiere anderer Ajahs vertrieben wurde, und noch viel weniger das, was manchmal noch damit einherging. Ger�chte besagten, da� mehr als nur die W�rde einer Sitzenden � einer Sitzenden! � durch die Roten verletzt wurde, wenn auch nicht erw�hnt wurde, um wen es sich handelte. Schade, da� der Saal Elaidas wahnsinnigen Erla� nicht aufhalten konnte, aber nachdem sich zun�chst eine Ajah und dann eine weitere auf die neuen Vorrechte gest�rzt hatten, waren nur wenige Sitzende bereit, sie jetzt wieder aufzugeben, und das Ergebnis war eine beinahe in zwei bewaffnete Lager gespaltene Burg. Seaine hatte einst gedacht, die Luft in der Burg sei wie ein zitternder, brodelnder Dunst aus Mi�trauen und Verleumdung. Jetzt war sie ein zitternder, brodelnder Dunst mit bei�ender Sch�rfe.</p><p>Sie schnalzte ver�rgert mit der Zunge und richtete ihre mit wei�en Fransen versehene Stola, w�hrend Saerin verschwand. Es gab keinen Grund zusammenzuzucken, nur weil eine Altaranerin finster dreinblickte �selbst Saerin w�rde nicht weitergehen �, und es war noch unvern�nftiger, sich �ber etwas zu sorgen, was sie nicht �ndern konnte, wenn sie eine Aufgabe hatte.</p><p>Und dann, nach all ihrer Sucherei an diesem Morgen, tat sie nur einen einzigen weiteren Schritt und sah ihre gesuchte Beute auf sich zukommen. Zerah Dacan war ein schlankes, schwarzhaariges M�dchen mit stolzer, angemessen selbstbewu�ter Haltung und allem �u�eren Anschein nach von den in diesen Tagen die Burg durchstr�menden Spannungen unber�hrt. Nun, sie war eigentlich kein M�dchen mehr, aber Seaine war sich sicher, da� sie ihre mit wei�en Fransen versehene Stola noch keine f�nfzig Jahre trug. Sie war jedenfalls eher unerfahren, was hilfreich sein k�nnte.</p><p>Zerah machte keinerlei Anstalten, einer Sitzenden ihrer eigenen Ajah aus dem Weg gehen zu wollen und beugte respektvoll den Kopf, als Seaine neben sie trat. Die �rmel ihres wei�en Gewandes wiesen kunstvolle goldene Stickerei auf, die auch ein breites Band um ihren Rock s�umte. Es war ungew�hnlich viel Stickerei f�r die Wei�e Ajah. �Sitzende�, murmelte sie. Zeigten ihre blauen Augen eine Spur von Besorgnis?</p><p>�Ich brauche Euch f�r etwas�, sagte Seaine ruhiger, als ihr zumute war. H�chstwahrscheinlich spiegelten sich ihre eigenen Empfindungen in Zerahs gro�en Augen wider. �Kommt mit mir.� Es stand nichts zu bef�rchten, nicht im Herzen der Wei�en Burg, aber es war �berraschend m�hsam, die H�nde unverkrampft in H�fth�he zu falten.</p><p>Wie erwartet � und erhofft � ging Zerah f�gsam mit. Sie schritt recht anmutig neben Seaine aus, als sie breite Marmortreppen und gewundene Rampen hinabstiegen, und runzelte nur leicht die Stirn, als Seaine eine T�r im Parterre zu schmalen Stufen �ffnete, die sich spiralf�rmig in die Dunkelheit hinabwanden.</p><p>�Nach Euch, Schwester�, sagte Seaine und lie� durch das Lenken der Macht eine kleine Lichtkugel erscheinen. Dem Protokoll nach h�tte sie der anderen Frau vorangehen sollen, aber sie konnte sich nicht dazu �berwinden.</p><p>Zerah z�gerte nicht, hinabzusteigen, schlie�lich hatte sie von einer Wei�en Sitzenden nichts zu bef�rchten. Seaine w�rde ihr sagen, was sie von ihr wollte, wenn die Zeit reif war, und es w�rde nichts sein, was sie nicht tun k�nnte. Unverst�ndlicherweise rebellierte Seaines Magen. Licht, sie hielt <emphasis>Saidar</emphasis> fest und die andere Frau nicht. Zerah war in jedem Fall schw�cher. Es stand nichts zu bef�rchten, was ihren unruhigen Magen allerdings nicht tr�stete.</p><p>Sie stiegen best�ndig abw�rts an T�ren vorbei, die zu immer tiefer liegenden Kellergeschossen f�hrten, bis sie das unterste Gescho� erreichten, das noch unter der Ebene lag, wo die Aufgenommenen gepr�ft wurden. Der dunkle Gang wurde nur von Seaines kleinem Licht beleuchtet. Sie hielten ihre R�cke gerafft, aber ihre Schuhe wirbelten kleine Staubwolken auf, auch wenn sie vorsichtig ausschritten. Einfache Holzt�ren s�umten die glatten Felsw�nde, viele davon mit vollkommen verrosteten Scharnieren und Schl�ssern.</p><p>�Sitzende�, fragte Zerah schlie�lich mit einem zweifelnden Unterton, �was wollt Ihr hier unten? Ich glaube nicht, da� in den letzten Jahren jemand so weit herabgestiegen ist.�</p><p>Seaine war sich sicher, da� ihr eigener Besuch vor wenigen Tagen hier unten der erste seit mindestens einem Jahrhundert gewesen war. Das war einer der Gr�nde, warum sie und Pevara dieses Gescho� erw�hlt hatten. �Geht einfach hier hinein�, sagte sie und �ffnete eine T�r, die sich nur leicht quietschend bewegte. Kein noch so gro�z�gig angewendetes �l h�tte all den Rost l�sen k�nnen, und der Versuch, die Macht dazu zu verwenden, war fehlgeschlagen. Sie konnte besser mit der Macht Erde umgehen als Pevara, aber das besagte nicht viel.</p><p>Zerah trat ein und blinzelte �berrascht. In einem ansonsten leeren Raum sa� Pevara hinter einem massiven, wenn auch eher wackeligen Tisch, der von drei schmalen B�nken umstanden war. Es war schwierig gewesen, diese wenigen Gegenst�nde unbemerkt hier herab zu bringen � besonders, wenn man Dienern nicht trauen konnte. Weitaus einfacher, wenn auch nicht angenehmer war es gewesen, den Staub zu beseitigen und den Staub drau�en im Gang wieder zur Ruhe zu bringen, was nach jedem Besuch n�tig gewesen war.</p><p>�Ich wollte es schon aufgeben, hier in der Dunkelheit zu sitzen�, grollte Pevara. Das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie, als sie eine Laterne neben dem Tisch aufhob und sie mit der Macht entz�ndete, wodurch der ehemalige Lagerraum mit den rauhen W�nden angemessen beleuchtet wurde. Die ein wenig rundliche Rote Sitzende wirkte gereizt. �Wir wollen Euch einige Fragen stellen, Zerah.� Sie schirmte die Frau ab, w�hrend Seaine die T�r schlo�.</p><p>Zerahs im Schatten liegendes Gesicht blieb �u�erst ruhig, aber sie schluckte h�rbar. �Wor�ber, Sitzende?� Die Stimme der jungen Frau zitterte leicht, was jedoch einfach an der Stimmung in der Burg liegen konnte.</p><p>��ber die Schwarze Ajah�, erwiderte Pevara knapp. �Wir wollen wissen, ob Ihr eine Schattenfreundin seid.�</p><p>Erstaunen und Zorn vertrieben Zerahs Ruhe. Die meisten h�tten dies als glaubhaftes Leugnen verstanden, auch ohne da� sie noch w�tend hervorstie�: �Das mu� ich mir von Euch nicht bieten lassen! Ihr Roten habt jahrelang falsche Drachen aufgestellt! Wenn Ihr mich fragt, braucht Ihr nicht �ber die Quartiere der Roten hinaus zu schauen, um Schwarze Schwestern zu finden!�</p><p>Pevaras Gesicht verd�sterte sich vor Zorn. Ihre Treuezugeh�rigkeit ihrer Ajah gegen�ber war stark, was selbstverst�ndlich war, schlimmer war jedoch, da� sie ihre gesamte Familie an die Schattenfreunde verloren hatte. Seaine beschlo� einzugreifen, bevor Pevara zu brutaler Gewalt �berging. Sie hatten keinen Beweis. Noch nicht.</p><p>�Setzt Euch, Zerah�, sagte sie so freundlich wie m�glich. �Setzt Euch, Schwester.�</p><p>Zerah wandte sich zur T�r, als wollte sie den Befehl einer Sitzenden � noch dazu ihrer eigenen Ajah! � vielleicht mi�achten, aber schlie�lich lie� sie sich steif ganz am Rand einer der B�nke nieder.</p><p>Noch bevor Seaine einen Platz eingenommen hatte, der Zerah zwischen sie brachte, legte Pevara die elfenbeinfarbene Eidesrute auf die verwitterte Tischplatte. Seaine seufzte. Sie waren Sitzende, die unbestreitbar das Recht besa�en, jedes von ihnen gew�nschte <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu benutzen, aber sie war diejenige gewesen, die <emphasis>es</emphasis> entwendet hatte, denn f�r sie war es notgedrungen ein Entwenden, da sie keine der angebrachten Vorgehensweisen beachtet hatte. Im Grunde war sie sich die ganze Zeit �ber sicher gewesen, sie w�rde die seit langem verstorbene Sereille Bagand hier vorfinden, bereit, sie am Ohr ins Studierzimmer der Herrin der Novizinnen zu schleifen. Ein unsinniger, deswegen aber nicht weniger realer Gedanke.</p><p>�Wir wollen sichergehen, da� Ihr die Wahrheit sagt�, erkl�rte Pevara, die noch immer gereizt klang, �so da� Ihr einen Eid schw�ren werdet, woraufhin ich Euch erneut fragen werde.�</p><p>�Ich sollte dem nicht unterzogen werden�, sagte Zerah mit anklagendem Blick zu Seaine, �aber ich werde alle Eide erneut leisten, wenn das n�tig ist, um Euch zufriedenzustellen. Und ich werde hinterher von Euch <emphasis>beiden</emphasis> eine Entschuldigung fordern.� Sie klang kaum wie eine abgeschirmte Frau, der eine solche Frage gestellt wurde. Sie griff fast ver�chtlich nach der schmalen, einen Fu� langen Rute, die im tr�ben Licht der Laterne schimmerte.</p><p>�Ihr werdet schw�ren, uns beiden vollkommen zu gehorchen�, befahl Pevara ihr, woraufhin die Hand zur�ckzuckte wie vor einer zusammengerollten Natter. Pevara fuhr unger�hrt fort und schob die Rute sogar mit zwei Fingern noch n�her an die Frau heran. �Auf diese Weise k�nnen wir Euch befehlen, wahrheitsgem�� zu antworten und sicher sein, da� Ihr es tut. Und wenn Ihr die falsche Antwort gebt, k�nnen wir sicher sein, da� Ihr gehorsam sein und uns dabei helfen werdet, Eure Schwarzen Schwestern aufzusp�ren. Die Rute kann auch dazu benutzt werden, Euch von dem Eid zu befreien, wenn Ihr die richtige Antwort gebt.�</p><p>�Zu <emphasis>befreien</emphasis> ...?� rief Zerah aus. �Ich habe noch niemals davon geh�rt, da� jemand von einem Eid auf die Eidesrute <emphasis>befreit</emphasis> worden w�re.�</p><p>�Darum haben wir alle diese Vorkehrungen getroffen�, belehrte Seaine sie. �Eine Schwarze Schwester mu� logischerweise in der Lage sein zu l�gen, was bedeutet, da� sie zumindest von diesem Eid und wahrscheinlich von allen drei Eiden befreit worden sein mu�. Pevara und ich haben es ausprobiert und festgestellt, da� die Prozedur der Eidesleistung sehr �hnlich ist.� Sie erw�hnte jedoch nicht, wie schmerzhaft es gewesen war, so da� sie beide geweint hatten. Sie erw�hnte auch nicht, da� Zerah nicht von ihrem Eid befreit w�rde, wie auch immer ihre Antwort lautete, nicht bevor die Suche nach der Schwarzen Ajah abgeschlossen w�re. Sie konnten es beispielsweise nicht zulassen, da� sie davonliefe und sich �ber diese Befragung beschwerte, was sie fast sicher t�te � mit jedem Recht, wenn sie nicht der Schwarzen Ajah angeh�rte. Wenn.</p><p>Licht, Seaine w�nschte, sie h�tten eine Schwester einer anderen Ajah gefunden, welche die von ihnen gesetzten Kriterien erf�llt h�tte. Eine Gr�ne oder eine Gelbe w�ren gut gewesen. Sie waren in ihren besten Zeiten hochm�tig, und in letzter Zeit...! Nein. Sie w�rde nicht der sich in der Burg verbreitenden Krankheit zum Opfer fallen. Und doch konnte sie nicht verhindern, da� ihr Namen von Schwestern in den Sinn kamen � ein Dutzend Gr�ne und doppelt so viele Gelbe �, deren jede einzelne schon lange �berf�llig war, einige Stufen herabgesetzt zu werden. Eine Sitzende verachten?</p><p>�Ihr habt Euch von einem der Eide <emphasis>befreit?�</emphasis> Zerah klang zugleich best�rzt, angewidert und voller Unbehagen. Eine vollkommen vern�nftige Reaktion.</p><p>�Und wir haben ihn erneut geleistet�, murrte Pevara ungeduldig. Sie ri� die Rute hoch und lenkte ein wenig der Macht Geist in ein Ende, w�hrend sie Zerahs Schild aufrecht hielt. �Unter dem Licht, ich schw�re, kein Wort zu �u�ern, das nicht der Wahrheit entspricht. Unter dem Licht, ich schw�re, keine Waffe f�r einen Menschen zu gestalten, damit er einen anderen damit t�te. Unter dem Licht, ich schw�re, die eine Macht, au�er gegen Schattengez�cht oder als letzte Verteidigung meines Lebens, des Lebens meines Beh�ters oder das einer anderen Schwester, nicht als Waffe zu gebrauchen.� Sie verzog bei Erw�hnung des Beh�ters nicht das Gesicht, was den Roten neu verbundene Schwestern h�ufig taten. �Ich bin keine Schattenfreundin. Ich hoffe, das stellt Euch zufrieden.� Sie zeigte Zerah die Z�hne, aber es war schwer zu sagen, ob es ein L�cheln oder eine Drohung war.</p><p>Seaine sprach die Eide nach, wobei sie einen leichten Druck von der Kopfhaut bis zu den Fu�sohlen versp�rte. In Wahrheit war der Druck nur schwer zu bemerken, da sich ihre Haut von der Zur�cknahme des Eides gegen das L�gen noch immer zu fest anf�hlte. Zu behaupten, da� Pevara einen Bart hatte oder da� die Stra�en von Tar Valon mit K�se gepflastert w�ren, war eine Zeitlang erheiternd � sogar Pevara hatte gekichert �, aber das jetzige Unbehagen kaum wert gewesen. Ihr war der Versuch nicht wirklich n�tig erschienen. Es mu�te logischerweise so sein. Ihre Zunge hatte M�he, es auszusprechen, da� sie keine Schwarze war � es war scheu�lich, auch nur daran zu denken �, aber sie reichte Zerah die Eidesrute mit einem nachdr�cklichen Nicken.</p><p>Die schlanke Frau regte sich auf ihrer Bank und wandte die glatte wei�e Rute in den Fingern, wobei sie krampfhaft schluckte. Das fahle Laternenlicht verlieh ihr ein kr�nkliches Aussehen. Sie schaute mit geweiteten Augen von Pevara zu Seaine, schlo� dann die H�nde fest um die Rute und nickte.</p><p>�Genauso, wie ich es Euch vorgesagt habe�, grollte Pevara und lenkte erneut die Macht Geist in die Rute, �sonst werdet Ihr schw�ren, bis Ihr es richtig macht.�</p><p>�Ich schw�re, Euch beiden vollkommen zu gehorchen�, sagte Zerah mit angespannter Stimme und erschauderte dann, als der Eid sich ihrer bem�chtigte. �Befragt mich �ber die Schwarze Ajah.� Ihre H�nde zitterten beim Halten der Rute. �Befragt mich �ber die Schwarze Ajah!� Ihre Heftigkeit gab Seaine die Antwort, noch bevor Pevara den Strang Geist loslie� und die Frage stellte, wobei sie �u�erste Wahrheit forderte. �Nein!� Zerah schrie es geradezu heraus. �Nein, ich geh�re nicht der Schwarzen Ajah an. Und jetzt nehmt diesen Eid von mir! Befreit mich!�</p><p>Seaine sank betr�bt zusammen und st�tzte die Ellbogen auf den Tisch. Sie hatte gewi� nicht <emphasis>gewollt,</emphasis> da� Zerah gestanden h�tte, aber sie war sich sicher gewesen, da� sie nach so vielen Wochen des Suchens eine L�gnerin gefunden h�tte. Wie viele Wochen Suche lagen noch vor ihnen? Und wie lange m��te sie noch vom Aufwachen bis zum Schlafengehen �ber ihre Schulter sehen? Wenn sie �berhaupt schlafen konnte.</p><p>Pevara richtete anklagend einen Finger auf die Frau. �Ihr habt einigen Leuten erz�hlt, Ihr k�mt aus dem Norden.�</p><p>Zerahs Augen weiteten sich erneut. �Das stimmt�, sagte sie z�gernd. �Ich bin das Ufer des Erinin nach Jualdhe hinab geritten. Jetzt befreit mich von diesem Eid!�</p><p>Seaine sah sie stirnrunzelnd an. �An Eurer Satteldecke wurden Golddornsamen und rote Kletten gefunden, Zerah. Golddorn und rote Kletten sind hundert Meilen <emphasis>s�dlich</emphasis> von Tar Valon zu finden.�</p><p>Zerah sprang auf, und Pevara fauchte: �Setzt Euch!�</p><p>Die Frau lie� sich ger�uschvoll auf die Bank fallen, aber sie zuckte nicht einmal zusammen. Sie zitterte. Nein, sie bebte. Sie hatte den Mund fest geschlossen, sonst h�tten ihre Z�hne, wie Seaine sicher annahm, gewi� geklappert. Licht, die Frage des Nordens oder S�dens �ngstigte sie st�rker als die Anschuldigung, eine Schattenfreundin zu sein. �Woher seid Ihr aufgebrechen?� fragte Seaine z�gernd. �Und warum...?� Sie hatte fragen wollen, warum die Frau einen Umweg gemacht hatte � was sie eindeutig getan hatte �, nur um zu verbergen, aus welcher Richtung sie gekommen war, aber die Antworten brachen bereits aus Zerah hervor.</p><p>�Aus Salidar�, wimmerte sie. Es gab keine andere Bezeichnung daf�r. Noch immer die Eidesrute umklammernd, wand sie sich auf der Bank. Tr�nen liefen aus ihren Augen, die stark geweitet und auf Pevara fixiert waren. Worte str�mten hervor, obwohl ihre Z�hne jetzt wahrhaftig klapperten. �Ich b-bin g-ge-kommen, um s-sicherzugehen, da� alle Schwestern hier �ber die R-Roten und Logain Bescheid wissen, damit sie Elaida a-absetzen und die B-Burg wieder heil werden kann.� Sie brach mit einem Wehklagen zusammen, w�hrend sie die Rote Sitzende mit einem zum Schrei ge�ffneten Mund anstarrte.</p><p>�Nun gut�, sagte Pevara und wiederholte dann grimmiger: �Nun gut!� Ihr Gesicht wirkte vollkommen gefa�t, und das Glitzern in ihren dunklen Augen spiegelte nichts von dem �bermut wider, an den Seaine sich von der Zeit als Novizin und Aufgenommene her erinnerte. �Also seid Ihr die Quelle dieses ... Ger�chts. Ihr werdet vor den Saal treten und die L�ge enth�llen! Gesteht die L�ge ein, M�dchen!�</p><p>Waren Zerahs Augen zuvor schon geweitet, so traten sie jetzt regelrecht hervor. Die Rute entfiel ihren H�nden und rollte �ber die Tischplatte, w�hrend sie ihre Kehle umklammerte. Pl�tzlich drang ein erstickter Laut aus ihrem Mund. Pevara starrte sie entsetzt an, aber Seaine verstand j�h.</p><p>�Bei der Gnade des Lichts!� keuchte sie. �Ihr m��t nicht l�gen, Zerah!� Zerah bewegte die Beine unter dem Tisch, als versuche sie aufzustehen, k�nne jedoch die F��e nicht unter Kontrolle bekommen. �Sagt es ihr, Pevara. Sie glaubt, es sei wahr! Ihr habt ihr befohlen, die Wahrheit zu sagen <emphasis>und</emphasis> zu l�gen. Seht mich nicht so an! Sie glaubt es!� Eine Spur Blau erschien auf Zerahs Lippen. Ihre Lider flatterten. Seaine rang um Ruhe. �Pevara, Ihr habt den Befehl gegeben, also m��t auch Ihr ihn wieder zur�cknehmen, sonst wird sie vor unseren Augen ersticken.�</p><p>�Sie ist eine <emphasis>Aufst�ndische.�</emphasis> Pevara belegte dieses Wort mit der gr��tm�glichen Geringsch�tzung. Aber dann seufzte sie. �Sie steht jedoch noch nicht vor Gericht. Ihr m��t nicht... l�gen... M�dchen.� Zerah st�rzte vorn�ber, lag mit einer auf die Tischplatte ge-pre�ten Wange da und rang wimmernd nach Luft.</p><p>Seaine sch�ttelte verwundert den Kopf. Sie hatten die M�glichkeit <emphasis>widerstreitender</emphasis> Eide nicht bedacht. Was w�re, wenn die Schwarze Ajah den Eid gegen das L�gen nicht einfach fortnahm, sondern durch einen ihrer eigenen Eide ersetzte? Was w�re, wenn sie alle drei durch eigene Eide ersetzten? Sie und Pevara m��-ten sehr vorsichtig vorgehen, wenn sie eine Schwarze Schwester f�nden, sonst w�rde sie ihnen tot zusammenbrechen, noch bevor sie wu�ten, worum es sich bei dem Konflikt handelte. Vielleicht sollte zun�chst eine Entsagung von allen Drei Eiden erfolgen � es gab keine M�glichkeit, vorsichtiger damit umzugehen, ohne zu wissen, was Schwarze Schwestern schworen �, gefolgt von der Wiederaufnahme der Drei Eide? Licht, der Schmerz, von allem gleichzeitig losgel�st zu werden, w�rde dem Schmerz einer Befragung kaum nachstehen. Aber ein Schattenfreund verdiente das und mehr. Wenn sie jemals einen fanden.</p><p>Pevara schaute ohne das leiseste Anzeichen von Mitleid auf die keuchende Frau hinab. �Wenn sie wegen Rebellion vor Gericht steht, beabsichtige ich, �ber sie zu Gericht zu sitzen.�</p><p>�Wenn sie vor Gericht gestellt <emphasis>wird,</emphasis> Pevara�, sagte Seaine nachdenklich. �Es w�re schade, wenn wir die Unterst�tzung einer Frau verl�ren, von der wir wissen, da� sie keine Schattenfreundin ist. Und da sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> eine Aufst�ndische ist, brauchen wir uns keine allzu gro�en Sorgen dar�ber zu machen, sie zu benutzen.� Es hatte zahlreiche Streitgespr�che �ber den zweiten Grund, den neuen Eid zu belassen, gegeben, die zu keinem Ergebnis gef�hrt hatten. Eine dem Gehorsam verschworene Schwester konnte unterworfen werden � Seaine regte sich unbehaglich, denn dies klang der verbotenen Scheu�lichkeit des Zwangs zu �hnlich �, sie konnte dazu <emphasis>bewegt</emphasis> werden, bei der Jagd zu helfen, solange es einem nichts ausmachte, sie zu zwingen, die Gefahr auf sich zu nehmen, ob sie es wollte oder nicht. �Ich kann mir nicht vorstellen, da� sie nur eine schicken w�rden�, fuhr sie fort. �Zerah, wie viele von Euch sind gekommen, um diese Geschichte zu verbreiten?�</p><p>�Zehn�, murmelte die Frau gegen die Tischplatte, richtete sich dann j�h auf und blickte sich trotzig um. �Ich werde meine Schwestern nicht verraten! Ich w�rde niemals ...!� Sie brach j�h ab und verzog verbittert die Lippen, als sie erkannte, da� sie das gerade getan hatte.</p><p>�Namen!� bellte Pevara. �Nennt mir ihre Namen, oder ich werde Euch hier und jetzt die Haut abziehen!�</p><p>Namen drangen von Zerahs unwilligen Lippen, gewi� eher auf den Befehl als auf die Drohung hin. Als Seaine jedoch Pevaras grimmige Miene betrachtete, war sie sich sicher, da� diese nur den geringsten Anla� brauchte, um Zerah wie eine beim Stehlen ertappte Novizin zu bestrafen. Sie selbst empfand seltsamerweise nicht die gleiche Feindseligkeit. Abscheu, ja, aber eindeutig nicht so stark. Die Frau war eine Aufst�ndische, die dabei geholfen hatte, die Wei�e Burg zu spalten, wenn eine Schwester doch alles auf sich nehmen mu�te, um die Burg heil zu erhalten, und doch ... Sehr seltsam.</p><p>�Einverstanden, Pevara?� fragte sie, als die Liste abgeschlossen war. Die eigensinnige Frau nickte als Zustimmung nur heftig. �Sehr gut. Zerah, Ihr werdet Bernaile heute nachmittag in meine R�ume bringen.� Es waren die Namen zweier weiterer Angeh�riger jeder Ajah, ausgenommen der Blauen und der Roten, genannt worden, aber es war besser, mit der anderen Wei�en zu beginnen. �Ihr werdet nur sagen, da� ich sie in einer privaten Angelegenheit sprechen m�chte, und sie weder durch Worte noch Taten noch aus Versehen warnen. Dann werdet Ihr still beiseite treten und Pevara und mich alles N�tige tun lassen. Ihr werdet zu einem wertvolleren Nutzen herangezogen werden, als Euer fehlgeleiteter Aufstand es ist, Zerah.� Nat�rlich war er fehlgeleitet. Gleichg�ltig, wie wahnsinnig Elaida durch die Macht geworden war. �Ihr werdet uns helfen, die Schwarze Ajah zu vernichten.�</p><p>Zerah nickte mit gequ�lter Miene bei jedem ausdr�cklichen Befehl unfreiwillig, aber bei der Erw�hnung einer Jagd nach der Schwarzen Ajah keuchte sie. Licht, ihr Verstand mu�te durch das, was sie gerade durchgemacht hatte, vollkommen durcheinandergeraten sein!</p><p>�Und Ihr werdet aufh�ren, diese ... Geschichten zu verbreiten�, wandte Pevara streng ein. �Von diesem Moment an werdet Ihr die Rote Ajah und falsche Drachen nicht mehr in einem Atemzug nennen. Habe ich mich verst�ndlich ausgedr�ckt?�</p><p>Zeras Gesicht wurde zu einer Maske m�rrischen Eigensinns. Zerahs Mund sagte: �Ich habe verstanden, Sitzende.� Sie wirkte bereit, aus reiner Entt�uschung erneut zu weinen.</p><p>�Geht mir jetzt aus den Augen�, befahl Pevara und lie� Schild und <emphasis>Saidar</emphasis> zusammen los. �Und fa�t Euch! Wascht Euch das Gesicht und richtet Euer Haar!� Letzteres wurde an den R�cken der Frau gewandt gesprochen, die bereits vom Tisch aufgesprungen war. Zerah mu�te die H�nde von ihrem Haar l�sen, um die T�r zu �ffnen. Als sich die T�r quietschend hinter ihr geschlossen hatte, schnaubte Pevara. �Ich h�tte es ihr durchaus zugetraut, so zerzaust zu Bernaile zu gehen, um sie auf diese Weise zu warnen.�</p><p>�Ein stichhaltiger Gesichtspunkt�, r�umte Seaine ein. �Aber wen werden wir warnen, wenn wir diese Frauen finster ansehen? Wir werden bestenfalls Aufmerksamkeit erregen.�</p><p>�So wie die Dinge liegen, Seaine, w�rden wir nicht einmal Aufmerksamkeit erregen, wenn wir sie kreuz und quer �ber das Burggel�nde tr�ten.� Pevara klang, als w�re das eine erstrebenswerte Vorstellung. �Sie sind <emphasis>Aufst�ndische,</emphasis> und ich beabsichtige, sie so hart heranzunehmen, da� sie verraten, wenn eine von ihnen auch nur einen falschen Gedanken hegt!�</p><p>Sie sprachen dieses Thema immer wieder durch. Seaine beharrte darauf, da� es gen�gte, wenn sie ihre Befehle sorgf�ltig �berd�chten und keine Schlupfl�cher lie�en. Pevara wies darauf hin, da� sie zehn �zehn! � Rebellen ungestraft durch die G�nge der Burg schreiten lie�en. Seaine meinte, sie <emphasis>w�rden</emphasis> schlie�lich bestraft werden, und Pevara grollte, da� es schlie�lich nicht bald genug w�re. Seaine hatte die Willenskraft der anderen Frau stets bewundert, aber in Wahrheit war es manchmal nur reiner Eigensinn.</p><p>Ein leises Quietschen eines Scharniers war die einzig n�tige Warnung, damit Seaine die Eidesrute rasch auf ihren Scho� nahm und sie in den Falten ihrer R�cke verbarg, als sich die T�r weit �ffnete. Sie und Pevara umarmten die Quelle fast gleichzeitig.</p><p>Saerin betrat ruhig den Raum, eine Laterne in der Hand, und machte Talene den Weg frei, der wiederum mit einer zweiten Laterne die kleine Yukiri folgte, wie auch die jungenhaft schlanke Doesine, die f�r eine Cairhienerin gro� war. Letztere schlo� fest die T�r und lehnte sich dann dagegen, als wollte sie jedermann am Gehen hindern. Vier Sitzende, die alle in der Burg verbliebenen Ajahs repr�sentierten. Sie ignorierten anscheinend die Tatsache, da� Seaine und Pevara <emphasis>Saidar</emphasis> festhielten. Der Raum f�hlte sich f�r Seaine pl�tzlich �berf�llt an. Einbildung, gewi�, aber ...</p><p>�Es ist seltsam, Euch beide zusammen zu sehen�, sagte Saerin. Ihre Miene wirkte vielleicht heiter, aber sie strich mit den Fingern das Heft des gebogenen Dolchs hinter ihrem G�rtel entlang. Sie hatte ihren Sitz schon seit vierzig Jahren inne, l�nger als jedermann sonst im Saal, und jedermann hatte es gelernt, sich vor ihrer Gereiztheit in acht zu nehmen.</p><p>�Dasselbe k�nnten wir von Euch sagen�, erwiderte Pevara trocken. Saerins Gereiztheit konnte <emphasis>sie</emphasis> niemals aus der Fassung bringen. �Oder seid Ihr hier herab gekommen, um Doesine zu helfen, etwas von ihrem Selbst zur�ckzuerlangen?� Trotz ihrer vornehmen Haltung lie� pl�tzliche R�te das Gesicht der Gelben noch mehr wie das eines h�bschen Jungen aussehen und vermittelte Seaine, welche Sitzende sich den Quartieren der Roten mit unerfreulichem Ausgang zu weit gen�hert hatte. �Ich h�tte jedoch nicht gedacht, da� Euch dies zusammenf�hren w�rde. Gr�ne an den Kehlen der Gelben, Braune an denen der Grauen. Oder habt Ihr sie einfach zu einem stillen Duell hier herab gebracht, Saerin?�</p><p>Seaine suchte hastig nach einem Grund, <emphasis>warum</emphasis> diese vier so tief in das Fundament Tar Valons hinabgestiegen waren. Was konnte sie verbinden? Ihre Ajahs � <emphasis>alle</emphasis> Ajahs � gingen einander wahrhaft an die Kehlen. Allen vieren waren Bu�en von Elaida auferlegt worden. Keine Sitzende konnte Gefallen an Arbeit finden, besonders wenn jedermann genau wu�te, warum sie die B�den oder T�pfe schrubbte, aber das bewirkte wohl kaum einen Bund. Was war es sonst? Keine war adlig geboren. Saerin und Yukiri waren die T�chter von Gastwirten und Talene die Tochter eines Bauern, w�hrend Doesines Vater ein Messerschmied gewesen war. Saerin war zun�chst von den T�chtern des Schweigens ausgebildet worden, die einzige von ihnen, welche die Stola erlangt hatte. Pl�tzlich kam Seaine ein Gedanke, der ihre Kehle trocken werden lie�. Saerin mit ihrem oft ungez�gelten Temperament. Doesine, die als Novizin tats�chlich dreimal davongelaufen war, obwohl sie nur ein einziges Mal bis zu den Br�cken gekommen war. Talene, die vielleicht mehr Bu�en als jede andere Novizin in der Geschichte der Burg verdient h�tte. Yukiri, die Graue, die stets als letzte mit ihren Schwestern �bereinstimmte, wenn sie einen anderen Weg gehen wollte � und �brigens auch die letzte, die sich dem Urteil des Saals anschlo�. Alle vier wurden in gewisser Weise als .Aufst�ndische angesehen, und Elaida hatte jede einzelne gedem�tigt. Konnten sie glauben, einen Fehler begangen zu haben, indem sie Siuan abgesetzt und Elaida erhoben hatten? Konnten <emphasis>sie</emphasis> die Angelegenheit mit Zerah und den �brigen herausgefunden haben? Und wenn dem so war � was beabsichtigten sie zu tun?</p><p>Seaine bereitete sich geistig darauf vor, <emphasis>Saidar</emphasis> zu weben, obwohl sie keine gro�e Hoffnung hegte, entkommen zu k�nnen. Pevara kam Saerin und Yukiri in ihrer St�rke gleich, aber sie selbst war schw�cher als alle hier au�er Doesine. Sie machte sich bereit, doch Talene trat vor und zerschmetterte alle ihre Schlu�-folgerungen.</p><p>�Yukiri hat Euch beide zusammen umherschleichen sehen, und wir wollten wissen, warum.� Ihre �ber raschend tiefe Stimme klang trotz ihrer eisigen Miene gereizt. �Haben die Anf�hrerinnen Eurer Ajahs Euch eine geheime Aufgabe �bertragen? In der �ffentlichkeit bek�mpfen sie sich schlimmer als alle anderen, aber sie haben sich anscheinend heimlich zu Beratungen zusammengefunden. Was auch immer sie planen � der Saal hat ein Recht, es zu erfahren.�</p><p>�Oh, gebt auf, Talene.� Yukiris Stimme war stets eine noch gr��ere �berraschung als Talenes. In ihrer dunkel silberfarbenen Seide mit elfenbeinfarbener Spitze wirkte die Frau wie eine K�nigin in Miniatur, aber sie klang wie eine zufriedene Frau vom Lande. Sie behauptete, dieser Kontrast sei bei Verhandlungen hilfreich. Sie l�chelte Seaine und Pevara an, eine Herrscherin, die sich vielleicht unschl�ssig war, wieviel Gnade sie walten lassen sollte. �Ich habe Euch beide herumschn�ffeln sehen wie Frettchen im H�hnerstall�, sagte sie, �aber ich habe den Mund gehalten, bis Talene hysterisch darauf reagierte, wer sich da wohl in die Ecken dr�ckte. Ich habe es selbst auch bemerkt, und ich vermute, da� einige dieser Frauen ihre Ajahs ebenfalls anf�hren k�nnten, so da� ... Manchmal ergeben sechs und sechs ein Dutzend, und manchmal ergibt es ein Durcheinander. Sagt es uns jetzt, wenn Ihr es wi�t. Der Saal hat ein Recht, es zu erfahren.�</p><p>�Wir gehen nicht, ehe Ihr es uns gesagt habt�, warf Talene noch gereizter als zuvor ein.</p><p>Pevara schnaubte und verschr�nkte die Arme. �Wenn die Anf�hrerin meiner Ajah mir �berhaupt etwas gesagt h�tte, s�he ich keine Veranlassung, Euch davon zu erz�hlen. Was Seaine und ich besprachen, hat zuf�lligerweise nichts mit den Roten oder den Wei�en zu tun. Also schn�ffelt woanders herum.� Aber sie lie� <emphasis>Saidar</emphasis> nicht los. Seaine ebenfalls nicht.</p><p>�Es war vollkommen sinnlos, und ich habe es, verdammt noch mal, gewu�t�, murrte Doesine von ihrem Platz an der T�r aus. �Warum habe ich nur zugelassen, da� Ihr mich hier hineinzieht...� Manchmal sprach sie wie ein Junge, dem man den Mund auswaschen sollte.</p><p>Seaine w�re aufgestanden und gegangen, wenn sie nicht bef�rchtet h�tte, da� ihre Knie nachg�ben. Pevara stand tats�chlich auf und blickte mit einer ungeduldig gew�lbten Augenbraue zu der Frau zwischen ihr und der T�r.</p><p>Saerin betastete ihr Dolchheft, sah sie sp�ttisch an und regte sich keinen Fingerbreit. �Ein R�tsel�, murmelte sie. Ohne Vorwarnung trat sie vor und griff mit ihrer freien Hand so schnell auf Seaines Scho�, da� diese keuchte. Sie versuchte, die Eidesrute verborgen zu halten, aber sie erreichte nur, da� Saerin die Rute pl�tzlich mit einer Hand in H�fth�he hielt, w�hrend sie selbst das andere Ende und eine Faustvoll ihrer R�cke umklammerte. �Ich liebe R�tsel�, bemerkte Saerin.</p><p>Seaine lie� los und richtete ihr Gewand. Sie schien keine andere Wahl zu haben.</p><p>Das Auftauchen der Rute bewirkte kurzzeitige Aufregung, als fast alle gleichzeitig sprachen.</p><p>�Blut und Feuer�, grollte Doesine. �Erhebt Ihr hier unten verdammte neue Schwestern?�</p><p>�Oh, la�t sie in Ruhe, Saerin�, sagte Yukiri lachend. �Was auch immer sie vorhaben, geht nur sie etwas an.�</p><p>Talene bellte unmittelbar darauf: �Warum sonst schleichen sie st�ndig zusammen umher, wenn es nichts mit den Anf�hrerinnen der Ajahs zu tun hat?�</p><p>Saerin hob eine Hand und erreichte kurz darauf wieder Ruhe. Alle Anwesenden waren Sitzende, aber sie hatte im Saal das Recht, zuerst zu sprechen, und auch vierzig Jahre z�hlten etwas. �Das ist wohl der Schl�ssel zu dem R�tsel�, sagte sie und strich mit dem Daumen �ber die Rute. �Warum nach allem dies?� Pl�tzlich umgab das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> auch sie, und sie lenkte die Macht Geist in die Rute. �Unter dem Licht, ich werde kein unwahres Wort �u�ern. Ich bin keine Schattenfreundin.�</p><p>In dem folgenden Schweigen h�tte sogar das Niesen einer Maus laut geklungen.</p><p>�Habe ich recht?� fragte Saerin und lie� die Macht los. Sie hielt Seaine die Rute hin.</p><p>Seaine leistete den Eid gegen das L�gen zum dritten Mal und wiederholte zum zweiten Mal, da� sie nicht der Schwarzen Ajah angeh�rte. Pevara tat es ihr mit starrer W�rde und mit adlerscharfem Blick gleich.</p><p>�Das ist doch l�cherlich�, sagte Talene. �Es <emphasis>gibt</emphasis> keine Schwarze Ajah.�</p><p>Yukiri nahm die Rute von Pevara entgegen und lenkte die Macht. �Unter dem Licht, ich werde kein unwahres Wort �u�ern. Ich geh�re nicht der Schwarzen Ajah an.� Das sie umgebende Licht <emphasis>Saidars</emphasis> erlosch, und sie reichte Doesine die Rute.</p><p>Talene runzelte angewidert die Stirn. �Verzichtet darauf, Doesine. Ich werde diese widerliche Vorstellung nicht weiter mitmachen.�</p><p>�Unter dem Licht, ich werde kein unwahres Wort �u�ern�, sagte Doesine fast ehrf�rchtig, wobei das sie umgebende Schimmern an einen Strahlenkranz erinnerte. �Ich geh�re nicht der Schwarzen Ajah an.� Wenn es um ernste Angelegenheiten ging, sprach sie so exakt, wie es sich eine Herrin der Novizinnen nur w�nschen konnte. Sie streckte Talene die Rute entgegen.</p><p>Die blonde Frau wich davor zur�ck wie vor einer giftigen Schlange. �Allein das zu fordern kommt einer Verleumdung gleich. Etwas Schlimmerem als einer Verleumdung!� Ein wilder Ausdruck trat in ihre Augen. Vielleicht war es unsinnig, so etwas zu denken, aber genau das kam Seaine in den Sinn. �Jetzt geht mir aus dem Weg�, forderte Talene mit aller Autorit�t einer Sitzenden in der Stimme. �Ich gehe!�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte Pevara bed�chtig, und Yukiri nickte gem�chlich zustimmend. Saerin strich nicht mehr �ber ihr Dolchheft. Sie ergriff es so fest, da� ihre Kn�chel wei� wurden.</p><p>Toveine Gazal m�hte sich zu Pferde durch den tiefen Schnee Andors und verfluchte den Tag ihrer Geburt. Klein und ein wenig rundlich, mit glatter, kupferfarbener Haut und langem, gl�nzenden dunklen Haar, war sie vielen im Laufe der Jahre h�bsch erschienen, aber niemand hatte sie jemals als sch�n bezeichnet, was auch jetzt gewi� niemand tun w�rde. Die dunklen Augen, die einst offen dreingeblickt hatten, bohrten sich jetzt in alles, was sie jemals betrachtete, sofern sie nicht w�tend war. Heute war sie w�tend. Und wenn Toveine w�tend war, flohen sogar Schlangen.</p><p>Vier weitere Rote ritten hinter ihr, und dahinter wiederum zwanzig Angeh�rige der Burgwache in dunklen Jacken und Umh�ngen. Keinem der M�nner gefiel es, da� ihre R�stungen auf den Pferden verstaut waren, und sie beobachteten den beide Seiten der Stra�e s�umenden Wald, als erwarteten sie jeden Moment einen Angriff. Toveine konnte sich nicht vorstellen, wie sie mit ihren Jacken und Umh�ngen mit der hell schimmernden Flamme von Tar Valon dreihundert Meilen quer durch Andor gelangen sollten, ohne bemerkt zu werden. Die Reise war jedoch fast zu Ende. Noch einen, vielleicht auch zwei Tage zu Pferde auf den mit kniehohem Schnee bedeckten Stra�en, und sie w�rden mit neun �hnlichen Gruppen wie ihrer eigenen zusammentreffen. Leider waren nicht alle Schwestern dieser Gruppen Rote, aber das beunruhigte sie nicht allzu sehr. Toveine Gazal, einst eine Sitzende f�r die Roten, w�rde als die Frau in die Geschichte eingehen, die diese <emphasis>Schwarze</emphasis> Burg vernichtet hatte.</p><p>Sie war sich sicher, da� Elaida glaubte, aus Exil und Ungnade befreit, sei sie dankbar f�r die Gelegenheit, sich zu bew�hren. H�hnisch l�chelte sie auf eine Art, die vielleicht sogar einen Wolf erschreckt h�tte. Was vor zwanzig Jahren getan worden war, war notwendig gewesen, und das Licht verdamme all jene, die behaupteten, die Schwarze Ajah m�sse damit zu tun gehabt haben. Es war notwendig und richtig gewesen, aber Toveine Gazal war von ihrem Sitz im Saal vertrieben und gezwungen worden, unter der Birkenrute um Gnade zu winseln, w�hrend die versammelten Schwestern und sogar Novizinnen und Aufgenommene zusahen und Zeugen wurden, da� auch Sitzende dem Gesetz unterworfen waren, obwohl man ihnen nicht sagte, welchem Gesetz. Und dann war sie die letzten zwanzig Jahre zum Arbeiten auf den abgelegenen Hof der Herrin Jara Doweel geschickt worden, eine Frau, die eine Aes Sedai, die im Exil Bu�e tat, nicht anders ansah als jeden anderen sich in Sonne und Schnee abplagenden Arbeiter. Toveines H�nde an den Z�geln wurden unruhig. Sie konnte die Schwielen sp�ren. Herrin Doweel � sie konnte selbst jetzt noch nicht an die Frau denken, ohne ihren Titel zu erw�hnen � glaubte an harte Arbeit. Und auch an so strenge Disziplin, wie sie jede Novizin halten mu�te! Sie kannte keine Gnade mit jemandem, der sich vor der r�ckenbrecherischen Arbeit, die sie auch selbst verrichtete, zu dr�cken versuchte, und absolut keine Gnade mit einer Frau, die sich davonschlich, um sich mit einem h�bschen Jungen zu vergn�gen. So hatte Toveines Leben w�hrend der letzten zwanzig Jahre ausgesehen. Elaida hingegen war leichthin zum Amyrlin-Sitz gelangt, den Toveine einst f�r sich selbst ertr�umt hatte. Nein, sie war nicht dankbar. Aber sie hatte gelernt, auf ihre Stunde zu warten.</p><p>Pl�tzlich preschte ein Reiter, ein gro�er Mann in einer schwarzen Jacke, dessen dunkles Haar ihm bis auf die Schultern fiel, aus dem Wald vor ihr auf die Stra�e, wobei Schnee auf s tob. �Es hat keinen Sinn zu k�mpfen�, verk�ndete er bestimmt und hob eine behandschuhte Hand. �Ergebt Euch friedlich, dann wird niemandem etwas geschehen.�</p><p>Es waren weder seine Erscheinung noch seine Worte, was Toveine dazu brachte, ihr Pferd j�h zu z�geln, w�hrend sich die anderen Schwestern um sie versammelten. �Ergreift ihn�, sagte sie ruhig. �Aber Ihr solltet Euch besser verbinden. Er schirmt mich ab.� Anscheinend war einer dieser Asha'man zu ihr gekommen. Wie zuvorkommend von ihm.</p><p>Pl�tzlich erkannte sie, da� nichts geschah, und sie wandte ihren Blick von dem Burschen ab, um Jenare finster anzusehen. Das blasse, kantige Gesicht der Frau schien vollkommen blutleer. �Toveine�, sagte sie unsicher. �Ich bin auch abgeschirmt.�</p><p>�Ich ebenfalls�, keuchte Lemai ungl�ubig, und die anderen stimmten zunehmend entsetzt mit ein. Sie waren alle abgeschirmt.</p><p>Weitere M�nner in schwarzen Jacken erschienen rund um sie herum zwischen den B�umen, die Pferde langsam vorantreibend. Toveine h�rte bei f�nfzehn auf zu z�hlen. Die Wachen murrten ver�rgert und erwarteten den Befehl einer Schwester. Sie wu�ten jedoch nichts, au�er da� eine Bande Schurken ihnen aufgelauert hatte. Toveine schnalzte ver�rgert mit der Zunge. Diese M�nner vermochten nat�rlich nicht alle die Macht zu lenken, aber anscheinend standen ihr alle Asha'man gegen�ber, die es konnten. Sie bewahrte Ruhe. Im Gegensatz zu einigen der Schwestern in ihrer Begleitung waren dies nicht die ersten M�nner, welche die Macht lenken konnten, denen sie gegen�berstand. Der gro�e Mann ritt l�chelnd auf sie zu und glaubte offenbar, sie w�re seiner l�cherlichen Aufforderung gefolgt.</p><p>�Auf meinen Befehl hin�, sagte sie leise, �werden wir in alle Richtungen ausbrechen. Sobald Ihr weit genug fort gelangt seid, da� der Mann den Schild losl��t, kehrt Ihr um und helft den Wachen. Macht Euch bereit.� Dann rief sie: �W�chter, bek�mpft sie!�</p><p>Die W�chter st�rmten br�llend vorw�rts, schwenkten ihre Schwerter und beabsichtigten zweifellos, die Schwestern zu besch�tzen. Toveine ri� ihr Pferd nach rechts, grub ihm die Fersen in die Flanken und kauerte sich tief �ber seinen Hals, w�hrend sie zwischen den erschreckten W�chtern und dann zwischen zwei sehr jungen M�nnern in schwarzen Jacken hindurch preschte, die sie erstaunt anstarrten. Dann war sie bereits in den Wald gelangt und trieb ihr Pferd im hohen Schnee noch weiter an, ohne daran zu denken, da� sich die Stute ein Bein brechen k�nnte. Sie mochte das Tier, aber heute w�rde mehr als ein Pferd sterben. Hinter ihr erklangen Schreie und eine Stimme, welche die ganze Kakophonie �bert�nte. Die Stimme des gro�en Mannes.</p><p>�Ergreift sie lebend, wie es der Wiedergeborene Drache befohlen hat! Wenn Ihr einer Aes Sedai Schaden zuf�gt, werdet Ihr Euch vor mir verantworten m�ssen!�</p><p>Wie es der Wiedergeborene Drache befohlen hat. Toveine empfand zum ersten Mal Angst, wie einen Eiszapfen, der sich durch ihre Eingeweide wand. Der Wiedergeborene Drache. Sie peitschte mit den Z�geln auf den Hals ihres Pferdes ein. Sie war noch immer abgeschirmt! Gewi� hatte sie inzwischen gen�gend viele B�ume zwischen sich und den verfluchten Mann gebracht, da� er sie nicht mehr sehen konnte! Oh, Licht, der Wiedergeborene Drache!</p><p>Sie st�hnte, als etwas sie an der Taille traf � ein Ast, wo kein Ast war �, und sie aus dem Sattel ri�. Sie hing da und sah ihr Pferd so schnell davonpreschen, wie der Schnee es nur zulie�. Sie hing tats�chlich da. Mitten in der Luft, die Arme an den Seiten gefangen, die F��e einen Schritt �ber dem Boden baumelnd. Sie schluckte schwer. Es mu�te der m�nnliche Teil der Macht sein, der sie festhielt. Sie war niemals zuvor von <emphasis>Saidin</emphasis> ber�hrt worden. Sie f�hlte ein dickes enges Band um ihre Taille und glaubte, den Makel des Dunklen K�nigs sp�ren zu k�nnen. Sie zitterte und mu�te sich bezwingen, nicht zu schreien.</p><p>Der gro�e Mann verhielt sein Pferd vor ihr, und sie schwebte seitw�rts vor ihn auf den Sattel. Er schien jedoch nicht besonders interessiert an der Aes Sedai, die er gefangengenommen hatte. �Hardlin!� rief er. �Norley! Kajima! Einer von Euch verdammten jungen T�lpeln sofort hierher!�</p><p>Er war sehr gro� und hatte Schultern von der Breite eines Axtgriffs � so h�tte Herrin Doweel ihn beschrieben �, mittleren Alters und auf einfache Art gutaussehend. �berhaupt nicht wie die h�bschen Burschen, die Toveine so mochte, eifrig und dankbar und so leicht um den Finger zu wickeln. Ein Silberschwert zierte den hohen Kragen seiner schwarzen Tuchjacke auf einer Seite und ein merkw�rdiges Wesen in goldenem und rotem Emaille auf der anderen. Er war ein Mann, der die Macht lenken konnte. Und er hatte sie abgeschirmt und gefangengenommen.</p><p>Der Schrei, der sich ihrer Kehle entrang, erschreckte sogar sie selbst. Sie h�tte ihn zur�ckgehalten, wenn es ihr m�glich gewesen w�re, aber dann drang ein weiterer, noch schrillerer Schrei hervor und noch einer und noch einer. Sie trat wild um sich und warf sich von einer Seite auf die andere. Es n�tzte gegen die Macht nichts. Sie wu�te das, aber nur in einem kleinen Bereich ihres Seins. Ihr restliches Ich schrie aus vollem Halse, heulte wortlose Bitten um Rettung vor dem Schatten heraus. Sie k�mpfte schreiend wie ein wahnsinniges Tier.</p><p>Sie war sich dumpf der Tatsache bewu�t, da� sein Pferd scheute, als ihre Fersen gegen seine Schulter trommelten. Dann h�rte sie den Mann'dumpf sprechen. �Ruhig, du schwerf�lliger Sack Kohle! Beruhige dich, Schwester. Ich werde nicht... Ruhig, du lahmes Maultier! Licht! Verzeiht, Schwester, aber so wird es uns beigebracht.� Und dann k��te er sie.</p><p>Sie hatte nur einen Herzschlag lang Zeit zu erkennen, da� seine Lippen die ihren ber�hrten, dann schwand ihre Sicht, und W�rme durchflutete sie. Mehr als W�rme. Sie wurde innerlich zu geschmolzenem Honig, zu brodelndem Honig, der fast kochte. Sie war eine Harfensaite, die immer schneller, bis zur Unsichtbarkeit schnell vibrierte. Sie war eine d�nne Kristallvase, die fast bis zum Bersten klang. Die Harfensaite ri�, die Vase barst.</p><p>Zun�chst erkannte sie nicht, da� dieser Laut aus ihrem weit ge�ffneten Mund drang. Sie konnte einen Moment nicht zusammenh�ngend denken. Sie starrte keuchend in das m�nnliche Gesicht �ber ihr und fragte sich, wem es geh�rte. Ja, der gro�e Mann. Der Mann, der die Macht lenken konnte ...</p><p>�Ich h�tte es lieber ohne diesen kleinen Obolus geschafft�, seufzte er und t�tschelte seinem Pferd den Hals. Das Tier schnaubte, scheute jedoch nicht mehr. �Aber es war vermutlich dennoch n�tig. Seid ruhig. Versucht nicht zu entkommen, greift keine M�nner in schwarzen Jacken an, und ber�hrt die Quelle nicht, wenn ich es Euch nicht erlaube. Nun, wie hei�t Ihr?�</p><p>Wenn er es nicht erlaubte? Wie unversch�mt der Mann war! �Toveine Gazal�, sagte sie und blinzelte. Warum hatte sie ihm geantwortet?</p><p>�Da seid Ihr ja�, sagte ein anderer Mann mit einer schwarzen Jacke und f�hrte sein Pferd durch den Schnee zu ihnen. Dieser w�rde ihr viel besser gefallen � zumindest wenn er nicht auch die Macht lenken k�nnte. Sie bezweifelte, da� dieser Bursche mit den rosigen Wangen sich h�ufiger als zweimal in der Woche rasieren mu�te. �Licht, Logain!� rief der h�bsche Junge aus. �Habt Ihr eine <emphasis>zweite</emphasis> gebunden? Das wird dem M'Hael nicht gefallen! Es gef�llt ihm schon nicht, wenn wir eine an uns binden! Aber vielleicht ist es auch nicht wichtig, da Ihr beide Euch so nahesteht.�</p><p>�Nahe, Vinchova?� fragte Logain verzerrt. �Wenn es nach dem M'Hael ginge, w�rde ich mit den neuen Jungen R�ben hacken. Oder unter dem Feld begraben werden�, f�gte er so leise hinzu, da� Toveine den Eindruck hatte, er wollte nicht, da� er geh�rt w�rde.</p><p>Wieviel er auch geh�rt haben mochte � der h�bsche Junge lachte ungl�ubig. Toveine h�rte ihn kaum. Sie schaute zu dem �ber ihr aufragenden Mann hoch. Logain. Der falsche Drache. Aber er war tot! Ged�mpft und tot! Jetzt hielt er sie nachl�ssig vor sich im Sattel fest. Warum schrie sie nicht oder pr�gelte auf ihn ein? Selbst ihr G�rteldolch w�rde aus dieser N�he gen�gen. Und doch versp�rte sie �berhaupt kein Bed�rfnis, nach dem Elfenbeinheft zu greifen. Sie erkannte, da� sie es tun k�nnte. Dieses Band um ihre Taille war fort. Sie k�nnte sich zumindest vom Pferd gleiten lassen und versuchen zu ... Sie versp�rte ebensowenig ein Bed�rfnis danach.</p><p>�Was habt Ihr mit mir gemacht?� fragte sie ruhig. Zumindest war es ihr gelungen, Ruhe zu bewahren!</p><p>Logain wandte sein Pferd, um zur Stra�e zur�ckzureiten, und erz�hlte ihr dann, was er getan hatte. Sie legte ihren Kopf an seine breite Brust, ungeachtet seiner Gr��e, und weinte. Sie schwor sich, da� sie Elaida hierf�r bezahlen lassen w�rde. Wenn Logain es jemals zulie�e, w�rde sie es ihr heimzahlen. Letzteres war ein besonders bitterer Gedanke.</p></section><section><title><p>27</p><p>Der Vertrag</p></title><p>Min sa� mit gekreuzten Beinen auf einem �ppig vergoldeten Stuhl mit hoher R�ckenlehne und versuchte, sich in die ledergebundene Ausgabe von Herid Fels <emphasis>Vernunft und Unvernunft</emphasis> zu versenken, die ge�ffnet auf ihren Knien lag. Es war nicht leicht. Oh, das Buch selbst war faszinierend. Meister Fels Schriften f�hrten sie stets in eine Gedankenwelt, die sie sich nicht h�tte tr�umen lassen, als sie noch in den St�llen arbeitete. Sie bedauerte den Tod des g�tigen alten Mannes sehr. Sie hoffte, in seinen B�chern einen Hinweis darauf zu finden, warum er get�tet worden war. Ihre dunklen Locken schwangen, als sie den Kopf sch�ttelte und sich wieder auf den Text zu konzentrieren versuchte.</p><p>Das Buch war faszinierend, aber die Umgebung bedr�ckte sie. Rands kleiner Thronraum im Sonnenpalast war �ber und �ber mit Gold verziert, von den breiten Simsen bis zu den hohen Spiegeln an den W�nden, die jene ersetzten, die Rand zerschmettert hatte, von den beiden Reihen St�hlen bis zu dem Podest mit dem Drachenthron. Dieser war eine Ungeheuerlichkeit, im Stil von Tear gearbeitet, wie cairhienische K�nstler ihn sich vorstellten, auf den R�cken zweier Drachen ruhend, w�hrend zwei weitere Drachen als Armlehnen dienten und wiederum weitere die R�ckenlehne hinaufkrochen, alle mit gro�en Sonnensteinen als Augen, alles vor Gold und rotem Emaille glitzernd. Eine gro�e goldene Aufgehende Sonne mit welligen Strahlen, die in den polierten Steinboden eingelassen war, trug nur noch zu dem bedr�ckenden Gef�hl bei. Wenigstens verbreiteten die beiden riesigen Kamine angenehme W�rme, besonders jetzt, da es drau�en schneite. Dies war Rands Raum. Das Behagen angesichts dieser Tatsache wog jegliche Bedr�ckung auf. Ein �rgerlicher Gedanke. Dies war Rands Raum, wenn er jemals zur�ckzukehren geruhte. Ein sehr �rgerlicher Gedanke. Einen Mann zu lieben schien weitgehend aus vielen �rgerlichen Zugest�ndnissen sich selbst gegen�ber zu bestehen!</p><p>Sie regte sich in dem nutzlosen Unterfangen, dem harten Stuhl Bequemlichkeit abzuringen, und versuchte zu lesen, aber ihr Blick huschte st�ndig zu den hohen T�ren, deren jede von ihrer eigenen Reihe vergoldeter Aufgehender Sonnen verziert wurde. Sie hoffte, Rand hereinkommen zu sehen. Sie f�rchtete, Sorilea oder Cadsuane zu sehen. Sie richtete unbewu�t ihre hellblaue Jacke und betastete die winzigen, auf die Aufschl�ge gestickten Schneegl�ckchen. Weitere wanden sich um die �rmel, und ihre Hosenbeine waren so eng gearbeitet, da� sie sich gerade noch hineinzw�ngen konnte. Wirklich kein allzu gro�er Unterschied zu dem, was sie stets getragen hatte. Bisher hatte sie Kleider vermieden, auch wenn sie viel Stickerei trug, aber sie bef�rchtete sehr, da� Sorilea sie in ein Kleid stecken wollte, auch wenn die Weise Frau sie eigenh�ndig aus ihrer Kleidung heraussch�len mu�te.</p><p>Sorilea wu�te alles �ber sie und Rand. <emphasis>Alles.</emphasis> Sie sp�rte, wie sie err�tete. Sorilea versuchte anscheinend zu entscheiden, ob Min Farshaw eine angemessene ... Geliebte ... f�r Rand al'Thor war. Das Wort lie� sie sich t�richterweise leichtsinnig f�hlen. Sie war nicht leichtsinnig! Das Wort weckte in ihr das Bed�rfnis, schuldbewu�t �ber die Schulter nach den Tanten zu sehen, die sie aufgezogen hatten. <emphasis>Nein,</emphasis> dachte sie grimmig, <emphasis>du bist nicht leichtsinnig. Leichtsinn ist im Vergleich zu deinem Verhalten noch vern�nftig!</emphasis></p><p>Oder vielleicht wollte Sorilea wissen, ob Rand zu Min pa�te. Manchmal schien es so. Die Weisen Frauen akzeptierten Min weitgehend als eine der Ihren, aber w�hrend dieser letzten Wochen hatte Sorilea sie ausgequetscht wie eine Zitrone. Die wei�haarige Weise Frau mit dem ledrigen Gesicht wollte jede Einzelheit �ber Min wissen, und auch jede Einzelheit �ber Rand. Sie wollte den Staub am Boden seiner Taschen kennenlernen! Min hatte zweimal versucht, die unaufh�rliche Befragung zu vereiteln, und Sorilea hatte beide Male eine Gerte pr�sentiert! Diese schreckliche alte Frau legte sie einfach �ber die Kante des n�chststehenden Tisches und erz�hlte ihr hinterher, da� das vielleicht eine weitere Einzelheit in ihrem Kopf l�sen w�rde. Auch keine der anderen Weisen Frauen zeigte das mindeste Erbarmen! Licht, was man f�r einen Mann alles auf sich nehmen mu�te! Und sie konnte ihn noch nicht einmal f�r sich allein haben!</p><p>Cadsuane war eine v�llig andere Angelegenheit. Die �beraus w�rdevolle Aes Sedai, so grauhaarig, wie Sorilea wei� war, schien sich nicht im geringsten f�r Min oder f�r Rand zu interessieren, aber sie verbrachte viel Zeit im Sonnenpalast. Es war unm�glich, ihr vollst�ndig aus dem Weg zu gehen. Sie schien �berall umherzuwandern, wo sie wollte. Und wenn Cadsuane Min ansah, wie kurz auch immer, konnte Min sich des Eindrucks nicht erwehren, die Frau k�nnte Bullen das Tanzen und B�ren das Singen beibringen. Sie erwartete st�ndig, da� sie auf sie deuten und verk�nden w�rde, es sei an der Zeit, da� Min Farshaw lernte, einen Ball auf ihrer Nase zu balancieren. Fr�her oder sp�ter mu�te Rand Cadsuane erneut gegen�bertreten, und der Gedanke daran bereitete Min Magenschmerzen.</p><p>Sie zwang sich dazu, sich wieder �ber das Buch zu beugen. Eine der T�ren schwang auf, und Rand trat mit dem Drachenszepter in einer Armbeuge ein. Er trug eine goldene Krone, einen breiten Reif aus Lorbeerbl�ttern � das mu�te diese Schwerterkrone sein, von der alle redeten �, eine enge Hose, die seine Beine vorteilhaft zur Geltung brachte, und eine mit goldener Stickerei versehene, gr�ne Seidenjacke, die ihm wunderbar pa�te. <emphasis>Er</emphasis> war wunderbar.</p><p>Min kennzeichnete die Stelle, die sie gerade gelesen hatte, mit dem Zettel, den Meister Fei geschrieben hatte und der besagte, sie sei �zu h�bsch�, schlo� das Buch sorgf�ltig und legte es ebenso behutsam auf den Boden neben ihrem Stuhl. Dann verschr�nkte sie die Arme und wartete. H�tte sie gestanden, dann h�tte sie mit dem Fu� aufgetippt, aber sie wollte nicht, da� der Mann glaubte, sie spr�nge auf, nur weil er <emphasis>endlich</emphasis> erschien.</p><p>Er stand einen Moment nur da, sah sie l�chelnd an und zog aus einem unbestimmten Grund an seinem Ohrl�ppchen � anscheinend summte er auch! �, und dann fuhr er pl�tzlich herum und starrte finster zu den T�ren. �Die T�chter des Speers dort drau�en haben mir nicht gesagt, da� du hier bist. Sie haben �berhaupt kaum ein Wort gesagt. Licht, sie schienen bereit, sich bei meinem Anblick zu verschleiern.�</p><p>�Vielleicht sind sie verstimmt�, sagte Min ruhig. �Vielleicht haben sie sich gefragt, wo du warst. So wie ich auch. Vielleicht haben <emphasis>sie</emphasis> sich gefragt, ob du verletzt oder krank wurdest oder vielleicht schon tot bist.� So <emphasis>wie ich auch,</emphasis> dachte sie verbittert. Der Mann wirkte verwirrt!</p><p>�Ich habe dir geschrieben�, sagte er z�gernd, und sie r�mpfte die Nase.</p><p>�Zwei Mal. Weil Asha'man deine Briefe abliefern konnten, hast du zwei Mal geschrieben, Rand al'Thor. Wenn du es Briefe nennst!�</p><p>Er taumelte, als h�tte sie ihn geschlagen � nein, als h�tte sie ihm in den Bauch getreten! �, und blinzelte. Sie ri� sich zusammen und sank gegen die R�ckenlehne des Stuhls. Wenn man einem Mann im falschen Moment Mitleid gew�hrte, gewann man verlorenen Boden niemals zur�ck. Ein Teil von ihr wollte ihn umarmen, ihn tr�sten, allen Schmerz von ihm nehmen, all seinen Kummer lindern. Er hatte so viel davon und weigerte sich, auch nur einen zuzugeben. Sie w�rde <emphasis>nicht</emphasis> aufspringen, zu ihm eilen und �berst�rzt erkl�ren, was falsch war oder ... Licht, es mu�te ihm gutgehen.</p><p>Etwas nahm sie sanft unter den Ellbogen und hob sie vom Stuhl. Ihre blauen Stiefel baumelten in der Luft, und sie schwebte auf ihn zu, w�hrend das Drachenszepter von ihm fort schwebte. Also meinte er, l�cheln zu k�nnen? Er meinte, sein h�bsches L�cheln k�nnte sie umstimmen? Sie �ffnete den Mund, um ihm heftig die Meinung zu sagen! Er legte die Arme um sie und k��te sie.</p><p>Als sie wieder atmen konnte, sp�hte sie durch gesenkte Wimpern zu ihm hoch. �Zuerst...� Sie schluckte, da ihre Stimme zitterte. �Zuerst stolzierte Jahar Narishma herein, versuchte auf seine �bliche Art jedermanns Gedanken zu ergr�nden und verschwand, nachdem er mir ein St�ck Pergament gegeben hatte. Warte. Es besagte: �Ich habe Anspruch auf die Krone Illians erhoben. Vertraue niemandem, bis ich zur�ckkehre. Rand.� Ich w�rde sagen, da fehlte noch einiges, um es einen Liebesbrief zu nennen.�</p><p>Er k��te sie erneut.</p><p>Dieses Mal dauerte es l�nger, bis sie wieder zu Atem kam. Nichts verlief so, wie sie es erwartet hatte. Andererseits verlief es gar nicht so schlecht. �Beim zweiten Mal gab Jonan Adley ein St�ck Papier ab, das besagte: �Ich werde zur�ckkehren, wenn ich hier fertig bin. Vertraue niemandem. Rand.� Adley suchte mich im Bad auf�, f�gte sie hinzu, �und er hatte keine Hemmungen zu schauen.� Rand versuchte stets vorzugeben, er sei nicht eifers�chtig � als g�be es einen Mann auf der Welt, der nicht eifers�chtig war �, aber sie hatte seine finsteren Blicke bemerkt, wenn andere M�nner sie ansahen. Und seine erhebliche Leidenschaft war danach stets noch heftiger. Vielleicht sollte sie vorschlagen, da� sie sich ins Schlafzimmer zur�ckz�gen? Nein, sie w�rde keinesfalls so forsch vorgehen ...</p><p>Rand setzte sie mit ausdrucksloser Miene ab. �Adley ist tot�, sagte er. Pl�tzlich flog die Krone von seinem Kopf und wirbelte durch den ganzen Raum, als sei sie geschleudert worden. Als Min bereits dachte, sie w�rde gegen die R�ckseite des Drachenthrons krachen, hielt der breite Goldring j�h inne und sank langsam auf den Sitz des Throns.</p><p>Min stockte der Atem, als sie zu Rand aufsah. Blut gl�nzte in den dunkelroten Locken �ber seinem linken Ohr. Sie zog ein spitzenbesetztes Taschentuch aus ihrem �rmel und wollte es zu seiner Schl�fe f�hren, aber er ergriff ihr Handgelenk.</p><p>�Ich habe ihn get�tet�, sagte er ruhig.</p><p>Sie erschauderte beim Klang seiner Stimme. Ruhig, so wie das Grab ruhig war. Vielleicht war das Schlafzimmer eine ausgezeichnete Idee. Gleichg�ltig, wie forsch es war. Sie zwang sich zu l�cheln � err�tete, als sie erkannte, wie leicht es war, zu l�cheln, wenn man an das gro�e Bett dachte � und ergriff seine Hemdbrust, bereit, ihm Jacke und Hemd jetzt und hier vom Leib zu rei�en.</p><p>Jemand klopfte an die T�ren.</p><p>Mins H�nde l�sten sich j�h von Rands Hemd, und sie wich einen Schritt zur�ck. Wer konnte das sein? fragte sie sich ver�rgert. Die T�chter des Speers k�ndeten Besucher entweder an, wenn Rand da war, oder schickten sie einfach herein.</p><p>�Komm�, sagte er laut und l�chelte sie wehm�tig an. Min err�tete dabei erneut.</p><p>Dobraine streckte den Kopf durch die T�r, trat dann ein und schlo� die T�r hinter sich, als er sie zusammenstehen sah. Der cairhienische Lord war ein kleiner Mann, kaum gr��er als Min, der die Vorderseite seines Kopfes rasiert hatte, w�hrend das �brige, �berwiegend graue Haar bis auf seine Schultern fiel. Blaue und wei�e Streifen schm�ckten die Vorderseite seiner fast schwarzen Jacke bis unter die Taille. Schon bevor er Rands Gunst erworben hatte, war er ein m�chtiger Adliger im Land gewesen. Jetzt regierte er hier, zumindest bis Elayne den Sonnenthron beanspruchen konnte. �Mein Lord Drache�, murmelte er und verbeugte sich. �Meine Lady <emphasis>Ta'veren.�</emphasis></p><p>�Ein Scherz�, murrte Min, als Rand sie mit gew�lbter Augenbraue ansah.</p><p>�Vielleicht�, sagte Dobraine und zuckte leichthin die Achseln, �und doch tr�gt die H�lfte der adligen Frauen in der Stadt jetzt in Nachahmung der Lady Min bunte Farben. Au�erdem Hosen, die ihre Beine zeigen, und viele Jacken, die nicht einmal �ber ihre...� Er hustete diskret, als er erkannte, da� Mins Jacke auch <emphasis>ihre</emphasis> H�ften nicht vollst�ndig verbarg.</p><p>Sie erwog, ihm zu sagen, <emphasis>er</emphasis> h�tte sehr h�bsche Beine, auch wenn sie entschieden wulstig waren, �berlegte es sich dann aber rasch anders. Rands Eifersucht war vielleicht eine w�rmende Flamme, wenn sie allein waren, aber sie wollte nicht, da� er Dobraine angriff. Sie bef�rchtete, da� er dazu f�hig w�re. Au�erdem glaubte sie, da� es ein Ausrutscher gewesen war. Lord Dobraine Taborwin war nicht der Mann, der auch nur ann�hernd rauhe Scherze machte.</p><p>�Also ver�nderst auch du die Welt, Min.� Rand tippte ihr grinsend mit einem Finger auf die Nasenspitze. Er tippte ihr auf die Nasenspitze! Wie einem Kind, �ber das er sich lustig machte! Schlimmer noch � sie sp�rte, da� sie sein Grinsen wie eine N�rrin erwiderte. �Anscheinend auf bessere Art als ich�, fuhr er fort, doch sein kurzzeitiges, jungenhaftes Grinsen schwand wie Nebel.</p><p>�Ist in Tear und Illian alles in Ordnung, mein Lord?� fragte Dobraine.</p><p>�In Tear und Illian ist alles in Ordnung�, erwiderte Rand grimmig. �Was habt Ihr f�r mich, Dobraine? Setzt Euch, Mann. Setzt Euch.� Er deutete auf die Stuhlreihen und lie� sich auch selbst nieder.</p><p>�Ich habe allen Euren Briefen gem�� gehandelt�, sagte Dobraine und setzte sich Rand gegen�ber, �aber ich furchte, es gibt nur wenig Gutes zu berichten.�</p><p>�Ich werde uns etwas zu trinken holen�, sagte Min mit angespannter Stimme. Briefe? Es war nicht leicht, in Stiefeln mit Abs�tzen zu stolzieren � sie hatte sich an sie gew�hnt, aber man schwankte darin bei allem, was man tat �, doch ausreichender Zorn machte alles m�glich. Sie trat zu dem kleinen vergoldeten Tisch unter einem der gro�en Spiegel, auf dem ein Silberkrug und Becher standen. Sie besch�ftigte sich damit, voller Wut gew�rzten Wein einzugie�en. Die Diener brachten stets zus�tzliche Becher, falls sie Besucher hatte, obwohl au�er Sorilea oder einigen t�richten adligen Frauen selten jemand kam. Der Wein war kaum noch warm, aber er war hei� genug f�r die beiden. Sie hatte zwei Briefe erhalten, aber sie k�nnte wetten, da� Dobraine zehn bekommen hatte! Zwanzig! Sie knallte den Krug und die Becher auf den Tisch und h�rte aufmerksam zu. Worum ging es hinter ihrem R�cken bei den Dutzenden von Briefen?</p><p>�Toram Riatin scheint verschwunden zu sein�, sagte Dobraine, �obwohl es zumindest ger�chteweise hei�t, er lebe noch. Ger�chte besagen auch, da� Daved Hanion und Jeraal Mordeth � Padan Fain, wie Ihr den Mann nennt � ihn im Stich gelassen haben. Ich habe �brigens Torams Schwester, die Lady Ailil, in gro�z�gigen R�umen untergebracht, mit Dienern, die ... zuverl�ssig sind.� Seinem Tonfall nach zu urteilen, meinte er eindeutig, da� sie <emphasis>ihm</emphasis> gegen�ber zuverl�ssig waren. Die Frau w�rde nicht einmal ein Gewand wechseln k�nnen, ohne da� er davon erfuhr. �Ich kann durchaus begreifen, warum sie und Lord Bertome und die �brigen hierher gebracht wurden, aber warum Hochlord Weiramon oder Hochlady Anaiyella? Ihre Diener sind selbstverst�ndlich auch zuverl�ssig.�</p><p>�Woran erkennt Ihr, da� eine Frau Euch t�ten will?� sann Rand.</p><p>�Wenn sie Euren Namen kennt?� Es klang nicht nach einem Scherz. Rand neigte nachdenklich den Kopf und nickte dann. Nickte! Min hoffte, da� er nicht noch immer Stimmen h�rte.</p><p>Rand machte eine Handbewegung, als wollte er die Frau hinwegfegen, die ihn t�ten wollte. Es war gef�hrlich, sie in der N�he zu haben. Min wollte ihn gewi� nicht t�ten, aber sie h�tte nichts dagegen, wenn Sorilea mit dieser Gerte auf ihn losginge! Hosen boten nicht viel Schutz.</p><p>�Weiramon ist ein Narr, der zu viele Fehler macht�, belehrte Rand Dobraine, der gelassen zustimmte. �Mein Fehler war, zu glauben, ich k�nnte ihn benutzen. Anscheinend ist er es zufrieden, in der N�he des Wiedergeborenen Drachen bleiben zu k�nnen. Was noch?� Min reichte ihm einen Becher, und er l�chelte sie trotz des �ber sein Handgelenk laufenden Weins an. Vielleicht glaubte er, es sei ein Versehen gewesen.</p><p>�Kaum mehr und doch zuviel�, begann Dobraine und zuckte dann auf seinem Stuhl zur�ck, um nicht auch mit Wein begossen zu werden. Ihre kurze Aufgabe als Schankm�dchen hatte ihr nicht gefallen. �Vielen Dank, meine Lady Min�, murmelte er freundlich, aber er sah sie mi�trauisch an, w�hrend er den Becher entgegennahm. Sie schritt ruhig zum Tisch zur�ck, um ihren Wein zu holen. Ruhig.</p><p>�Ich f�rchte, Lady Caraline und Hochlord Darlin befinden sich in Lady Arilyns Palast hier in der Stadt�, fuhr der cairhienische Lord fort, �unter dem Schutz Cadsuane Sedais. Vielleicht ist Schutz nicht das richtige Wort. Mir wurde der Zutritt zu ihnen verweigert, aber wie ich h�rte, wollten sie die Stadt verlassen und sind wie S�cke zur�ckbef�rdert worden. <emphasis>In</emphasis> einem Sack, wie eine Geschichte behauptet. Da ich Cadsuane schon einmal begegnet bin, kann ich es fast glauben.�</p><p>�Cadsuane�, murmelte Rand, und Min �berlief ein Schaudern. Er klang eigentlich nicht �ngstlich, aber doch mehr als nur beunruhigt. �Was sollte ich deiner Meinung nach wegen Caraline und Darlin unternehmen, Min?�</p><p>Sie sa� zwei St�hle von ihm entfernt und zuckte zusammen, als er sie pl�tzlich mit einbezog. Sie schaute kl�glich auf den ihre beste cremefarbene Seidenbluse und ihre Hose durchtr�nkenden Wein hinab. �Caraline wird Elaynes Anspruch auf den Sonnenthron unterst�tzen�, sagte sie m�rrisch. Der Wein schien f�r warmen Wein reichlich kalt, und sie bezweifelte, da� der Fleck jemals wieder aus der Bluse zu entfernen w�re. �Keine Vision, aber ich glaube ihr.� Sie schaute nicht zu Dobraine, der jedoch ernst nickte. Jedermann wu�te inzwischen von ihren Visionen. Die einzige Folge war ein Strom von adligen Frauen gewesen, die ihre Zukunft wissen wollten und obendrein recht verdrie�lich wurden, als sie ihnen sagte, sie k�nnte sie ihnen nicht voraussagen. Den meisten h�tte das wenige nicht gefallen, das sie gesehen hatte. Nichts Unheilvolles, aber auch nicht all die strahlenden Wunder, die Wahrsager auf dem Jahrmarkt versprachen. �Abgesehen von der Tatsache, da� Darlin Caraline heiraten wird, wenn sie ihn ausreichend hingehalten hat, kann ich nur sagen, da� Darlin eines Tages ein K�nig sein wird. Ich sah die Krone auf seinem Kopf, eine Krone mit einem Schwert auf der Vorderseite, aber ich wei� nicht, zu welchem Land sie geh�rt. Und, o ja. Er wird im Bett sterben. Und sie wird ihn �berleben.�</p><p>Dobraine verschluckte sich an seinem Wein, verspr�hte etwas davon und tupfte sich dann mit einem einfachen Leinentaschentuch die Lippen ab. Die meisten jener, die es <emphasis>wu�ten, glaubten</emphasis> es nicht. Recht zufrieden mit sich, trank Min den kleinen Rest Wein in ihrem Becher. Und dann verschluckte <emphasis>sie</emphasis> sich, keuchte und ri� das Taschentuch aus ihrem �rmel, um sich ebenfalls den Mund abzutupfen. Licht, sie w�rde sich zusammenrei�en m�ssen!</p><p>Rand nickte nur und sp�hte in seinen Becher. �Also werden sie leben, um mir Schwierigkeiten zu machen�, murmelte er f�r diese harten Worte sehr sanft. Ihr Schafhirte war hart wie eine Klinge. �Und was mache ich mit...�</p><p>Er wandte sich auf dem Stuhl j�h zu den T�ren um, von denen eine gerade ge�ffnet wurde. Er hatte sehr gute Ohren, denn Min hatte nichts geh�rt.</p><p>Keine der beiden Aes Sedai, die eintraten, war Cadsuane, und Min sp�rte, wie sich ihre Schultern entspannten, w�hrend sie ihr Taschentuch wieder einsteckte. W�hrend Rafela die T�r schlo�, vollf�hrte Merana einen tiefen Hofknicks vor Rand, obwohl die haselnu�braunen Augen der Grauen Schwester auch Min und Dobraine registrierten, und dann breitete auch die rundgesichtige Rafela ihre tiefblauen R�cke weit aus. Keine erhob sich, bevor Rand die entsprechende Geste vollf�hrte. Sie traten mit k�hl gelassenen Mienen auf ihn zu. Nur die rundliche Blaue Schwester betastete kurz ihre Stola, als wolle sie sich in Erinnerung rufen, da� diese wirklich um ihre Schultern lag. Min hatte diese Geste schon zuvor gesehen, bei anderen Schwestern, die Rand die Treue geschworen hatten. Es konnte f�r sie nicht leicht sein. Nur die Wei�e Burg befehligte Aes Sedai, aber Rand gehorchten diese ebenso. Aes Sedai sprachen mit K�nigen und K�niginnen wie mit Gleichgestellten oder vielleicht etwas H�herstehenden, und doch nannten die Weisen Frauen sie Lehrlinge und erwarteten von ihnen doppelt so raschen Gehorsam wie Rand.</p><p>Nichts davon war auf Meranas glattem Gesicht zu erkennen. �Mein Lord Drache�, sagte sie respektvoll. �Uns wurde gerade erst mitgeteilt, da� Ihr zur�ckgekehrt seid, und wir dachten, Ihr wolltet vielleicht rasch erfahren, wie die Verhandlungen mit den Atha'an Miere stehen.� Sie sah Dobraine nur an, und er erhob sich sofort. Cairhiener waren es gewohnt, da� Menschen unter vier Augen miteinander sprechen wollten.</p><p>�Dobraine kann bleiben�, sagte Rand kurz angebunden. Hatte er gez�gert? Er erhob sich nicht. Die Augen eisblau, war er ganz der Wiedergeborene Drache. Min hatte ihm gesagt, da� diese Frauen wahrhaftig zu ihm geh�rten, da� alle f�nf, die ihn zu den MeervolkSchiffen begleitet hatten, ihrem Eid �u�erst treu ergeben und daher seinem Willen unterworfen waren, und doch schien es ihm schwerzufallen, einer Aes Sedai zu trauen. Sie verstand, aber er w�rde es lernen m�ssen.</p><p>�Wie Ihr w�nscht�, erwiderte Merana und neigte kurz den Kopf. �Rafela und ich haben eine �bereinkunft mit dem Meervolk erreicht. Der Vertrag, wie sie es nennen.� Der Unterschied war klar erkennbar. Die H�nde auf mit grauen Schlitzen versehenen gr�nen R�cken ruhend, atmete sie tief durch. Es mu�te sein. �Harine din Togara Zwei Winde, Herrin der Wogen des Shodein-Clans, die f�r Nesta din Reas Zwei Monde, Herrin der Schiffe der Atha'an Miere, und somit f�r alle Atha'an Miere verbindlich spricht, hat zugesagt, alle Schiffe zur Verf�gung zu stellen, die der Wiedergeborene Drache ben�tigt, damit er welches Ziel auch immer f�r welchen Zweck auch immer erreichen kann.� Merana wurde gerne etwas belehrend, wenn keine Weisen Frauen in der N�he waren, denn die Weisen Frauen lie�en es nicht zu. �Im Gegenzug haben Rafela und ich in Eurem Namen zugesagt, da� der Wiedergeborene Drache keine Gesetze der Atha'an Miere �ndern wird, wie er es bei den ...� Sie z�gerte einen Moment. �Verzeiht. Ich bin es gewohnt, �bereink�nfte genauso wiederzugeben, wie sie geschlossen wurden. Das Wort, das sie benutzten, lautete �Landgebundene�, aber sie meinten damit das, was Ihr in Tear und Cairhien getan habt.� Sie wirkte einen fl�chtigen Moment nachdenklich. Vielleicht fragte sie sich, ob er das gleiche in Illian getan hatte. Sie hatte sich erleichtert gezeigt, da� er in ihrer Heimat Andor nichts ver�ndert hatte.</p><p>�Damit kann ich vermutlich leben�, murrte er.</p><p>�Zweitens�, fuhr Rafela fort, die dicklichen H�nde an der Taille gefaltet, �m��t Ihr den Atha'an Miere Land geben, eine Quadratmeile � f�r jede Stadt an schiffbarem Wasser, die Ihr jetzt kontrolliert oder in Zukunft kontrollieren werdet.� Sie klang kaum weniger schw�lstig als ihre Begleiterin. Sie klang auch nicht sehr erfreut �ber ihre Worte. Sie war immerhin Tairenerin, und nur wenige H�fen kontrollierten ihren Handel genauer als Tear. �Innerhalb dieses Gebietes sollen die Gesetze der Atha'an Miere jegliche anderen Gesetze �berwiegen. Dieses Abkommen mu� auch von den Herrschern besagter H�fen best�tigt werden, so da� ...� Sie z�gerte jetzt ebenfalls, und ihre dunklen Wangen wurden ein wenig grau.</p><p>�So da� dieses Abkommen mich �berleben wird?� fragte Rand trocken. Er lachte bellend. �Auch damit kann ich leben.�</p><p>�Jede Stadt mit einem Hafen?� rief Dobraine aus. �Meinen sie damit... auch hier?� Er sprang auf und begann auf und ab zu gehen, wobei er noch mehr Wein versch�ttete, als Min es bereits getan hatte. Er schien es nicht zu bemerken. �Eine Quadratmeile? Nur das Licht allein wei�, welch eigenartige Gesetze das sind! Ich bin auf einem Meervolk-Schiff gereist, und es <emphasis>ist</emphasis> eigenartig! Blo�e Beine geh�ren nicht dazu! Und was die Zoll- und Liegegeb�hren betrifft und ...� Er wandte sich abrupt zu Rand um. Er bedachte die Aes Sedai, die ihn nicht beachteten, mit einem finsteren Blick, aber er sprach fast grob zu Rand. �Sie werden Cairhien in einem Jahr ruinieren, mein Lord Drache. Sie werden jeden Hafen ruinieren, in dem Ihr ihnen dies gew�hrt.�</p><p>Min stimmte ihm schweigend zu, aber Rand winkte nur ab und lachte erneut. �Das beabsichtigen sie vielleicht, aber ich verstehe einiges davon, Dobraine. Sie haben nicht gesagt, wer das Land ausw�hlen soll, so da� es sich �berhaupt nicht <emphasis>am</emphasis> Wasser befinden mu�. Sie werden ihre Nahrung von Euch beziehen und daher nach Euren Gesetzen leben m�ssen, so da� sie nicht zu �berheblich sein d�rfen. Schlimmstenfalls k�nnt Ihr Eure Zollgeb�hren eintreiben, wenn die G�ter aus ihren ... Freih�fen kommen. Und was das �brige betrifft � wenn ich es akzeptieren kann, k�nnt Ihr es auch.� Jetzt lachte er nicht mehr, und Dobraine beugte den Kopf.</p><p>Min fragte sich, wo er das alles gelernt hatte. Er klang wie ein K�nig, der wu�te, was er tat. Vielleicht hatte Elayne es ihn gelehrt.</p><p>�Der n�chste Vertragspunkt beinhaltet mehr�, sagte Rand zu den beiden Aes Sedai.</p><p>Merana und Rafela wechselten Blicke und ber�hrten unbewu�t R�cke und Stolen. Dann sprach Merana mit gar nicht mehr schw�lstiger Stimme. �Drittens erkl�rt sich der Wiedergeborene Drache bereit, st�ndig eine von den Atha'an Miere erw�hlte Gesandte in seiner N�he zu dulden. Harine din Togara hat sich selbst dazu ernannt. Sie wird von ihrer Windsucherin, ihrem Schwertmeister und einem Gefolge begleitet werden.�</p><p>�Was?� br�llte Rand und sprang auf.</p><p>Rafela sprach eilig weiter, als bef�rchte sie, er k�nnte sie unterbrechen. �Und viertens stimmt der Wiedergeborene Drache zu, einem Ruf der Herrin der Schiffe unverz�glich zu folgen, aber nicht h�ufiger als zwei Mal in jeweils drei aufeinanderfolgenden Jahren.� Sie endete ein wenig atemlos in der Hoffnung, da� letzteres vers�hnlicher wirkte.</p><p>Das Drachenszepter flog vom Boden hinter Rand heran, und er fing es in der Luft auf, ohne hinzusehen. Seine Augen wirkten nicht mehr eisig. Sie waren jetzt pures blaues Feuer. �Eine Meervolk-Abgesandte, die mir an den Fersen klebt?� schrie er. �Einem Ruf folgen?� Er sch�ttelte die geschnitzte Spitze in Rafelas Richtung, so da� die gr�nwei�en Quasten durch die Luft peitschten. �Es gibt Leute dort drau�en, die uns vollst�ndig niederwerfen wollen und vielleicht auch dazu in der Lage w�ren! Die Verlorenen warten darauf! Der Dunkle K�nig wartet! Warum habt Ihr nicht zugesichert, da� ich ihre Schiffsr�mpfe kalfatern sollte, w�hrend Ihr verhandeltet?!�</p><p>Normalerweise versuchte Min, ihn zu beruhigen, wenn er sich aufregte, aber dieses Mal beugte sie sich nur vor und starrte die Aes Sedai an. Sie war vollkommen seiner Meinung. Sie hatten einen Kuhhandel abgeschlossen!</p><p>Rafela verunsicherte dieser Ausbruch, aber Merana ri� sich zusammen. In ihren Augen war ebenfalls braunes, goldgeflecktes Feuer zu sehen. �Ihr tadelt <emphasis>uns?�</emphasis> fauchte sie in ebenso frostigem Tonfall, wie ihre Augen hitzig funkelten. Sie war eine Aes Sedai, wie das Kind Min sie betrachtet hatte, k�niglicher als alle K�niginnen, �ber alle Macht hinaus m�chtig. �Ihr wart am Anfang dabei, <emphasis>Ta'veren,</emphasis> und Ihr habt sie vollkommen in Bann geschlagen. Ihr h�ttet sie alle vor Euch niederknien lassen k�nnen! Aber Ihr seid gegangen! Sie waren nicht erfreut zu erfahren, da� sie f�r einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> getanzt hatten. Sie haben irgendwo gelernt, Schilde zu weben, und bevor Ihr das Schiff noch ganz verlassen hattet, wurden Rafela und ich abgeschirmt. Daher konnten wir keinen Vorteil aus der Macht ziehen. Harine drohte mehr als einmal, uns an den Zehen in die Takelage zu h�ngen, bis wir zur Vernunft k�men, und ich f�r mein Teil habe sie ernst genommen! Seid gl�cklich, da� Ihr die Schiffe bekommt, die Ihr wollt, Rand al'Thor. Harine h�tte Euch nur eine Handvoll gegeben! Seid gl�cklich, da� sie nicht Eure neuen Stiefel verlangt hat und Euren gr��lichen Thron noch dazu! Oh, sie hat Euch �brigens formell als den <emphasis>Coramoor</emphasis> anerkannt, auf da� Ihr Bauchweh davon bekommt!�</p><p>Min starrte sie an. Rand und Dobraine sahen sie an, und der Mund des Cairhieners stand offen. Rafela starrte mit mahlendem Kiefer vor sich hin. Das Feuer wich aus Meranas Augen, die sich allm�hlich immer mehr weiteten, als d�mmere ihr erst jetzt, was sie gerade gesagt hatte.</p><p>Das Drachenszepter zitterte in Rands Faust. Min hatte seinen Zorn schon aus weitaus geringerem Anla� fast bis zum Bersten anschwellen sehen. Sie betete um eine M�glichkeit, die Explosion aufhalten zu k�nnen, konnte aber keine erkennen.</p><p>�Es scheint�, sagte er schlie�lich, �da� die Worte, die ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> bewirkt, nicht immer die Worte sind, die er h�ren will.� Er klang ... ruhig. Min wollte nicht �ber seine geistige Gesundheit nachdenken. �Ihr habt es gut gemacht, Merana. Ich habe Euch eine schwere Aufgabe �bertragen, aber Ihr und Rafela habt sie gut bew�ltigt.�</p><p>Die beiden Aes Sedai wankten, und Min dachte einen Moment, sie w�rden vor reiner Erleichterung zusammenbrechen.</p><p>�Zumindest ist es uns gelungen, die Einzelheiten vor Cadsuane verborgen zu halten�, sagte Rafela, die unsicher ihre R�cke gl�ttete. �Wir konnten nicht verhindern, da� jedermann von irgendeinem Abkommen erfuhr, aber wir haben Weiteres vor ihr verborgen.�</p><p>�Ja�, f�gte Merana atemlos hinzu. �Sie hat uns sogar auf dem Weg hierher nachgestellt. Es ist schwer, etwas vor ihr geheimzuhalten, aber wir haben es geschafft. Wir dachten, da� Ihr nicht wolltet, da� sie ...� Angesichts Rands steinernem Gesichtsausdruck brach sie ab.</p><p>�Wieder Cadsuane�, sagte er tonlos. Er betrachtete stirnrunzelnd die geschnitzte Spitze des Szepters in seiner Hand und warf es dann auf einen Stuhl. �Sie befindet sich doch im Sonnenpalast. Min, trage den T�chtern des Speers drau�en auf, sie sollen Cadsuane eine Nachricht �berbringen. Sie soll dem Wiedergeborenen Drachen schnellstens ihre Aufwartung machen.�</p><p>�Rand, ich glaube nicht...�, begann Min unbehaglich, aber Rand unterbrach sie. Nicht unfreundlich, aber sehr bestimmt.</p><p>�Bitte, tu es, Min. Diese Frau ist wie ein Wolf, der einen Schafpferch ersp�ht. Ich beabsichtige herauszufinden, was sie im Schilde f�hrt.�</p><p>Min stand ganz langsam auf und schleppte sich zur T�r. Sie war nicht die einzige, die dies f�r eine schlechte Idee hielt. Oder die zumindest nicht anwesend sein wollte, wenn der Wiedergeborene Drache Cadsuane Melaidhrin gegen�bertrat. Dobraine ging auf dem Weg zur T�r an ihr vorbei und verbeugte sich hastig, und sogar Merana und Rafela hatten den Raum bereits vor ihr verlassen, obwohl sie den Anschein zu erwecken suchten, sie h�tten es nicht eilig. Aber als Min ihren Kopf in den Gang streckte, hatten die beiden Schwestern Dobraine bereits eingeholt und eilten davon.</p><p>Seltsamerweise hatten die sechs T�chter des Speers, die vor den T�ren gestanden hatten, als Min den Raum betreten hatte, Zuwachs bekommen, so da� sie den Gang so weit s�umten, wie sie in beiden Richtungen sehen konnte, gro�e Frauen mit harten Gesichtern in Grau und dem Braungrau des <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> die <emphasis>Shoufa</emphasis> um die K�pfe gewickelt und den langen schwarzen Schleier herabgelassen. Viele trugen ihre Speere und Schilde, als erwarteten sie einen Kampf. Einige spielten ein Fingerspiel namens �Schere, Papier, Stein�, und die �brigen sahen angespannt zu.</p><p>Jedoch nicht so angespannt, da� sie Min nicht bemerkt h�tten. Als sie Rands Botschaft weitergab, wurde die Reihen entlang rasch die Zeichensprache benutzt, und dann trotteten zwei T�chter des Speers davon. Die anderen kehrten sofort zu ihrem Spiel zur�ck, als Ausf�hrende oder Zuschauer.</p><p>Min kratzte sich verwirrt am Kopf und betrat erneut den Raum. Die T�chter des Speers machten sie oft nerv�s, und doch hatten sie stets ein Wort f�r sie �brig, manchmal respektvoll, wie einer Weisen Frau gegen�ber, und manchmal scherzhaft, obwohl sie, milde ausgedr�ckt, einen seltsamen Humor besa�en. Sie hatten sie aber noch niemals zuvor so wie jetzt ignoriert.</p><p>Rand befand sich im Schlafzimmer, und schon die einfache Tatsache lie� ihr Herz rasen. Er hatte seine Jacke ausgezogen, sein schneewei�es Hemd am Hals und an den Manschetten ge�ffnet und seinen G�rtel abgelegt. Min setzte sich ans Fu�ende des Bettes, lehnte sich an einen der schweren Schwarzholz-Bettpfosten zur�ck, schwang die F��e hoch und nahm den Schneidersitz ein. Sie hatte noch keine Gelegenheit gehabt, Rand dabei zuzusehen, wie er sich auszog, und sie beabsichtigte es zu genie�en.</p><p>Anstatt jedoch mit seiner T�tigkeit fortzufahren, stand er nur da und sah sie an. �Was k�nnte Cadsuane mich lehren?� fragte er unvermittelt.</p><p>�Dich und alle Asha'man�, erwiderte sie. Das hatte ihr die Vision gezeigt. �Ich wei� nicht, was es ist, Rand. Ich wei� nur, da� ihr etwas lernen m��t. Ihr alle.� Anscheinend wollte er es beim aus der Hose h�ngenden Hemd belassen. Sie fuhr seufzend fort. �Du brauchst sie, Rand. Du kannst es dir nicht leisten, sie zu erz�rnen, geschweige denn, sie davonzujagen.� Tats�chlich glaubte sie, da� nicht einmal f�nfzig Myrddraal und tausend Trollocs Cadsuane irgendwohin <emphasis>jagen</emphasis> k�nnten.</p><p>Ein abwesender Ausdruck trat in Rands Augen, und kurz darauf sch�ttelte er den Kopf. �Warum sollte ich einem Wahnsinnigen zuh�ren?� murrte er fast unh�rbar. Licht, glaubte er wirklich, Lews Therin Telamon spr�che in seinem Kopf? �Zeige jemandem, da� du ihn brauchst, Min, und er hat dich in der Gewalt. Es ist wie eine Koppel, an der er dich �berall hinziehen kann. Ich werde mir f�r keine Aes Sedai die Schlinge selbst um den Hals legen. F�r keine!� Z�gernd l�ste er wieder seine geballten F�uste. �Dich brauche ich, Min�, sagte er schlicht. �Nicht wegen deiner Visionen. Ich brauche dich einfach.�</p><p>Verdammt, der Mann konnte einem mit wenigen Worten den Boden unter den F��en entziehen!</p><p>Mit einem ebenso begierigen L�cheln wie dem ihren ergriff er den Saum seines Hemdes und beugte sich herab, um es sich �ber den Kopf zu ziehen. Sie verschr�nkte die Finger �ber ihrem Bauch und lehnte sich erneut zur�ck, um zuzusehen.</p><p>Die drei T�chter des Speers, die den Raum betraten, trugen die <emphasis>Shoufa</emphasis> nicht mehr, die im Gang ihr kurzes Haar verborgen hatte. Sie kamen mit leeren H�nden und trugen auch nicht mehr die G�rteldolche mit der schweren Klinge. Mehr konnte Min in der kurzen Zeit nicht erkennen.</p><p>Rands Kopf und Arme steckten noch im Hemd. Die flachshaarige Somara, die selbst f�r eine Aiel gro� war, ergriff das wei�e Leinen, verknotete es und setzte Rand auf diese Weise gefangen. Fast mit derselben Bewegung trat sie ihm zwischen die Beine. Er beugte sich mit ersticktem St�hnen vor.</p><p>Nesair, mit dem roten Haar und trotz der wei�en Narben auf beiden sonnengebr�unten Wangen wundersch�n, rammte ihm eine Faust ausreichend hart in die rechte Seite, da� er seitw�rts taumelte.</p><p>Min sprang mit einem Schrei vom Bett. Sie wu�te nicht, welcher Wahnsinn hier herrschte, konnte es nicht einmal ann�hernd erahnen. Sie zog mit einer anmutigen Bewegung ihre beiden Dolche aus den �rmeln und warf sich schreiend auf die T�chter des Speers. �Hilfe! Oh, Rand! Hilft uns denn niemand!�</p><p>Die dritte Tochter des Speers, Nandera, wandte sich behende wie eine Schlange um, und Min sp�rte, wie sich ein Fu� in ihren Magen bohrte. Pfeifend entwich ihr Atem. Die Dolche flogen aus ihren tauben H�nden; sie wurde von der Tochter des Speers herumgewirbelt und landete krachend auf dem R�cken, wodurch auch noch die restliche Atemluft aus ihren Lungen gepre�t wurde. Sie versuchte, sich zu bewegen und zu atmen �versuchte zu verstehen! �, aber sie konnte nur daliegen und zusehen.</p><p>Die drei Frauen gingen gr�ndlich vor. Nesair und Nandera bearbeiteten Rand mit ihren F�usten, w�hrend Somara ihn vorn�bergebeugt in seinem eigenen Hemd gefangenhielt. Wieder und wieder plazierten sie gezielte Schl�ge in Rands harten Bauch und in seine rechte Seite. Min h�tte hysterisch gelacht, wenn sie genug Atem gehabt h�tte. Sie versuchten, ihn totzupr�geln, und vermieden sehr sorgf�ltig Schl�ge in der N�he der empfindlichen runden Narbe an seiner linken Seite, durch die der erst halbwegs verheilte Ri� verlief.</p><p>Min wu�te sehr wohl, wie hart Rands K�rper war, wie stark, aber dem konnte niemand standhalten. Langsam sackten seine Knie ein, und als sie ihn auf die Bodenfliesen geschickt hatten, traten Nandera und Nesair zur�ck. Sie nickten, und Somara lie� Rands Hemd los. Er fiel vorw�rts aufs Gesicht. Sie konnte h�ren, wie er keuchte und das St�hnen bek�mpfte, das trotz seiner Bem�hungen aufwallte. Somara zog ihm im Knien fast z�rtlich das Hemd herab. Er lag mit der Wange auf dem Boden und rang nach Atem.</p><p>Nesair beugte sich herab, ergriff eine Faustvoll seines Haars und ri� seinen Kopf hoch. �Wir haben uns das Recht hierauf errungen�, grollte sie. �Jede Tochter des Speers wollte Hand an Euch legen. Ich habe meinen Clan f�r Euch verlassen, Rand al'Thor, und ich werde nicht zulassen, da� Ihr mich sch�ndlich behandelt!�</p><p>Somara vollf�hrte eine Handbewegung, als wollte sie ihm das Haar aus dem Gesicht streichen, ri� die Hand aber dann zur�ck. �So behandeln wir einen Erstbruder, der uns entehrt, Rand al'Thor�, sagte sie fest. �Beim ersten Mal. Beim zweiten Mal werden wir Riemen benutzen.�</p><p>Nandera stand mit steinernem Gesicht �ber Rand, eine Faust in die H�fte gestemmt. �Ihr tragt Verantwortung f�r die Ehre der <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> Sohn einer Tochter des Speers�, sagte sie grimmig. �Ihr habt versprochen, uns zum Tanz der Speere f�r Euch zu rufen, und dann seid Ihr in die Schlacht geeilt und habt uns zur�ckgelassen. Das werdet Ihr nicht wieder tun.�</p><p>Sie trat �ber ihn hinweg und ging, und die anderen beiden folgten ihr. Nur Somara schaute zur�ck, und wenn auch Mitleid in ihren blauen Augen stand, enthielt ihre Stimme keines, als sie sagte: �Sorgt daf�r, da� dies nicht wieder n�tig wird, Sohn einer Tochter des Speers.�</p><p>Rand hatte sich m�hsam auf H�nde und Knie aufgerichtet, als es Min gelang, zu ihm zu kriechen. �Sie m�ssen verr�ckt sein�, kr�chzte sie. Licht, ihr Bauch schmerzte! �Rhuarc wird...!� Sie wu�te nicht, was Rhuarc tun w�rde. Es w�re nicht genug, was immer es w�re. �Sorilea.� Sorilea w�rde sie drau�en in der Sonne pf�hlen! F�r den Anfang! �Wenn wir ihr erz�hlen ...�</p><p>�Wir werden niemandem davon erz�hlen�, sagte er. Seine Stimme klang fast, als w�re er wieder bei Atem, obwohl seine Augen noch immer ein wenig hervorstanden. Wie konnte er das tun? �Sie haben das Recht dazu. Sie haben es sich <emphasis>verdient.�</emphasis></p><p>Min kannte diesen Tonfall nur allzu gut. Wenn ein Mann beschlo�, eigensinnig zu sein, w�rde er sich nackt in die Nesseln setzen und einem ins Gesicht sagen, sie ber�hrten seine Haut nicht! Sie freute sich fast, ihn st�hnen zu h�ren, als sie ihm beim Aufstehen half. Nun, als sie einander aufzustehen halfen. Wenn er ein sturer, wollk�pfiger Dummkopf sein wollte, verdiente er ein paar blaue Flecken!</p><p>Er legte sich aufs Bett und lie� sich auf die aufgeh�uften Kissen zur�cksinken. Min kuschelte sich neben ihn. Es war nicht das, worauf sie gehofft hatte, aber im Moment mu�te es gen�gen.</p><p>�Dies ist nicht das, wof�r ich das Bett benutzen wollte�, murrte er. Sie war sich nicht sicher, ob sie es hatte h�ren sollen.</p><p>Sie lachte. �Ich mag es ebenso sehr, wenn du mich im Arm h�ltst, wie ... wie das andere.� Er l�chelte sie seltsamerweise an, als w��te er, da� sie log. Ihre Tante Miren behauptete, es w�re eine der drei L�gen, die jeder Mann von einer Frau glauben w�rde.</p><p>�Wenn ich st�re�, sagte die k�hle Stimme einer Frau vom Eingang, �k�nnte ich wiederkommen, wenn es besser pa�t.�</p><p>Min zuckte von Rand zur�ck, als h�tte sie sich verbrannt, aber als er sie wieder zu sich zog, kuschelte sie sich erneut an ihn. Sie erkannte die im Eingang stehende Aes Sedai, eine rundliche kleine Cairhienerin mit vier d�nnen farbigen Streifen �ber ihrem vollen Busen und wei�en Schlitzen in den dunklen R�cken. Daigian Moseneillin war eine der Schwestern, die mit Cadsuane gekommen waren. Mins Meinung nach war sie fast ebenso anma�end wie Cadsuane selbst.</p><p>�Wer auch immer Ihr seid, hat Euch niemand beigebracht, da� man anklopft?� fragte Rand tr�ge. Min erkannte jedoch, da� jeder Muskel in dem sie umfassenden Arm hart angespannt war.</p><p>Der an einer Silberkette auf Daigians Stirn baumelnde Mondstein schwang, als sie z�gernd den Kopf sch�ttelte. Sie war eindeutig wenig erfreut. �Cadsuane Sedai hat Eure Nachricht erhalten�, sagte sie sogar noch k�hler als zuvor. �Sie hat mich gebeten, ihr Bedauern zu �bermitteln, da sie gern ihre Handarbeit beenden m�chte. Vielleicht kann sie Euch an einem anderen Tag aufsuchen. Wenn sie Zeit hat.�</p><p>�Das hat sie gesagt?� fragte Rand gef�hrlich ruhig.</p><p>Daigian r�mpfte ver�chtlich die Nase. �Ich werde Euch jetzt wieder allein lassen, damit Ihr damit fortfahren k�nnt... was immer Ihr gerade tatet.� Min fragte sich, ob sie damit durchkommen k�nnte, wenn sie eine Aes Sedai schlug. Daigian sah sie mit eisigem Blick an, als h�tte sie ihren Gedanken erahnt, wandte sich um und verlie� den Raum.</p><p>Rand setzte sich mit einem unterdr�ckten Fluch auf. �Sagt Cadsuane, sie kann in den Krater des Verderbens gehen!� rief er der sich zur�ckziehenden Schwester nach. �Sagt ihr, sie kann dort verrotten!�</p><p>�Es n�tzt nichts, Rand�, sagte Min seufzend. Dies w�rde schwerer, als sie gedacht hatte. �Du brauchst Cadsuane, aber sie braucht dich nicht.�</p><p>�Nein?� fragte er leise, und sie erschauderte. Sie hatte zuvor nur geglaubt, seine Stimme kl�nge gef�hrlich ruhig.</p><p>Rand bereitete sich sorgf�ltig vor, zog seine gr�ne Jacke wieder an und schickte Min mit Nachrichten fort, welche die T�chter des Speers �berbringen sollten. Zumindest das w�rden sie noch immer tun. Die Rippen auf seiner rechten K�rperseite schmerzten fast ebenso sehr wie die Wunden auf seiner linken, und sein Bauch f�hlte sich an, als w�re er mit einem Brett bearbeitet worden. Er hatte es ihnen versprochen. Er streckte sich in seinem Schlafzimmer allein nach <emphasis>Saidin</emphasis> aus, wollte nicht einmal Min Zeuge werden lassen, wenn er abermals taumelte. Gewi� konnte er ihr zumindest ein wenig Sicherheit geben, aber wie konnte sie sich tats�chlich sicher f�hlen, wenn sie s�he, wie er fast zusammenbrach? Er mu�te um ihretwillen stark sein. Er mu�te um der Welt willen stark sein. Die geb�ndelten Empfindungen in seinem Hinterkopf, die Alanna waren, gemahnten ihn an den Preis f�r eine Unachtsamkeit.</p><p>�Ich halte dies noch immer f�r Wahnsinn, Rand al'Thor�, sagte Min, als er sich die Krone vorsichtig auf den Kopf setzte. Er wollte verhindern, da� die kleinen Klingen ihn wieder verletzten. �H�rst du mir zu? Nun, wenn du es dennoch tun willst, komme ich mit dir. Du hast zugegeben, da� du mich brauchst, und du wirst mich hierf�r mehr brauchen denn je!� Sie war voller Tatendrang, die F�uste auf die H�ften gestemmt, ein Fu� auftippend, die Augen funkelnd.</p><p>�Du bleibst hier�, sagte er bestimmt. Er war sich noch immer nicht sicher, was er tun wollte, nicht g�nzlich, und er wollte nicht, da� sie ihn versagen sah. Er hatte gro�e Angst, da� er versagen k�nnte. Er erwartete jedoch einen Streit.</p><p>Sie sah ihn stirnrunzelnd an, und ihr Fu� kam zur Ruhe. Das zornige Leuchten in ihren Augen verwandelte sich in Sorge, die sie durch ein Augenzwinkern vertrieb. �Nun, du bist vermutlich alt genug, den Stallhof zu �berqueren, ohne da� dich jemand an der Hand h�lt, Schafhirte. Au�erdem gerate ich mit meinem Buch ins Hintertreffen.�</p><p>Sie lie� sich auf einen der hohen vergoldeten St�hle fallen, zog die Beine unter sich und nahm das Buch hoch, in dem sie gelesen hatte, als er hereingekommen war. Kurz darauf schien sie vollkommen von dem Text in Anspruch genommen.</p><p>Rand nickte. Er hatte gewollt, da� sie hier in Sicherheit blieb. Dennoch brauchte sie ihn nicht so vollst�ndig zu vergessen.</p><p>Sechs T�chter des Speers hockten im Gang vor seiner T�r. Sie sahen ihn mit ausdruckslosen Augen schweigend an. Nandera blickte am ausdruckslosesten, obwohl Somara und Nesair ihr fast gleichkamen.</p><p>Nesair hielt er f�r eine Shaido. Er w�rde sie streng im Auge behalten m�ssen.</p><p>Die Asha'man warteten ebenfalls � Lews Therin murrte in Rands Kopf d�ster etwas vom T�ten �, au�er Narishma alle, mit dem Drachen und dem Schwert an ihren Kragen. Er befahl Narishma knapp, vor seinen R�umen Wache zu halten, und der Mann salutierte ebenso knapp, die dunklen, gro�en Augen zu einsichtig und leicht anklagend. Rand glaubte nicht, da� die T�chter des Speers ihr Mi�fallen an Min auslassen w�rden, aber er wollte das Wagnis nicht auf sich nehmen. Licht, er <emphasis>hatte</emphasis> Narishma alles �ber die Fallen gesagt, die er im Stein gewoben hatte, als er den Mann mit dem Auftrag losgeschickt hatte, <emphasis>Callandor</emphasis> zu holen. Der Mann konnte sich etwas zusammenreimen. Verdammt, es war ein irrsinniges Risiko gewesen.</p><p><emphasis>Nur Wahnsinnige vertrauen niemals.</emphasis> Lews Therin klang belustigt und selbst ziemlich wahnsinnig. Die Wunden an Rands Seite pochten und schienen in fernem Schmerz miteinander zu schwingen.</p><p>�F�hrt mich zu Cadsuanes Gem�chern�, befahl er. Nandera erhob sich anmutig und ging davon, ohne zur�ckzublicken. Er folgte ihr, und die �brigen � Dashiva und Flinn, Morr und Hopwil � folgten wiederum ihm. Er gab ihnen unterwegs eilig Anweisungen. Ausgerechnet Flinn wollte protestieren, aber Rand brachte ihn zum Schweigen. Jetzt war keine Zeit zu zaudern. Der ergraute einstige W�chter war der letzte, von dem Rand dies erwartet h�tte. Von Morr oder Hopwil vielleicht. Wenn sie auch nicht mehr wirklich naiv waren, so waren sie doch noch immer sehr jung. Aber Flinn nicht. Nanderas weiche Stiefel verursachten kein Ger�usch, doch die Schritte aller anderen hallten von der hohen Kassettendecke wider und trieben jedermann davon, der auch nur einen unbedeutenden Grund zur Furcht hatte. Rands Wunden pochten.</p><p>Jedermann im Sonnenpalast kannte den Wiedergeborenen Drachen inzwischen vom Sehen, und sie wu�ten auch, wer die M�nner mit den schwarzen Jacken waren. Schwarz livrierte Diener verbeugten sich tief und eilten hastig au�er Sicht. Die meisten Adligen versuchten beinahe ebenso rasch, Abstand zwischen sich und die f�nf M�nner zu bringen, welche die Macht lenken konnten, und verschwanden mit gesch�ftigen Mienen irgendwohin. Ailil sah sie mit unlesbarem Gesichtsausdruck vor�bergehen. Anaiyella l�chelte nat�rlich einf�ltig, aber als Rand zur�ckschaute, sah sie ihm mit einer Miene nach, die Nanderas in nichts nachstand. Bertome l�chelte, w�hrend er einen Kratzfu� machte, ein d�steres L�cheln, das weder Freude noch Vergn�gen enthielt.</p><p>Nandera sprach auch dann nicht, als sie ihr Ziel erreicht hatten, vielmehr deutete sie nur mit einem ihrer Speere auf eine geschlossene T�r, wandte sich auf dem Absatz um und ging den Weg wieder zur�ck, den sie gekommen waren. Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ohne eine einzige Tochter des Speers zum Schutz. Glaubten sie, vier Asha'man gen�gten f�r seine Sicherheit? Oder war ihr Weggang ein weiteres Zeichen ihres Mi�fallens?</p><p>�Tut, was ich Euch befohlen habe�, sagte Rand.</p><p>Dashiva zuckte zusammen, als komme er gerade wieder zu sich, und ergriff dann die Quelle. Die breite, mit vertikalen Linien verzierte T�r schwang bewegt von einem Strang Luft mit einem Knall auf. Die �brigen drei M�nner ergriffen <emphasis>Saidin</emphasis> ebenfalls und folgten Dashiva mit grimmigen Mienen in den Raum.</p><p>�Der Wiedergeborene Drache�, hallte Dashivas Stimme laut wider, nur leicht durch die Macht verst�rkt, �der K�nig von Illian, der Herr des Morgens, kommt, um Cadsuane Melaidhrin zu sehen.�</p><p>Rand trat hocherhobenen Hauptes ein. Er erkannte das Gewebe nicht, das Dashiva gewoben hatte, aber die Luft schien vor drohender Gefahr zu summen, ein Gef�hl von etwas unerbittlich Herannahendem.</p><p>�Ich habe nach Euch geschickt, Cadsuane�, sagte Rand. Er benutzte kein Gewebe, seine Stimme klang hart und auch ohne Hilfe tonlos.</p><p>Die Gr�ne Schwester, an die er sich gut erinnern konnte, sa� mit einem Stickrahmen in H�nden neben einem kleinen Tisch, und aus einem ge�ffneten Korb auf diesem Tisch quollen aus einem der vielen F�cher Str�nge bunter F�den. Sie war genauso, wie er sie in Erinnerung hatte: dieses strenge Gesicht, noch betont durch einen eisengrauen, mit kleinen, herabbaumelnden goldenen Fischen und V�geln, Sternen und Monden geschm�ckten Knoten, jene dunklen Augen, die in ihrem Gesicht fast schwarz wirkten, die k�hlen, besonnenen Augen. Lews Therin wimmerte und floh bei ihrem Anblick.</p><p>�Nun�, sagte sie und legte den Stickrahmen beiseite. �Nach allem, was ich �ber Euch geh�rt habe, Junge, h�tte ich wenigstens Donnerschlag, Himmelstrompeten und flammende Blitze erwartet.� Sie betrachtete ruhig die f�nf M�nner mit den steinernen Mienen, welche die Macht lenken konnten, was h�tte gen�gen sollen, um jede Aes Sedai zur�ckweichen zu lassen. Dann betrachtete sie ebenso ruhig den Wiedergeborenen Drachen. �Ich hoffe, da� wenigstens einer von Euch zaubern wird�, sagte sie. �Oder Feuer schlucken? Es hat mir stets gefallen, Feuerschluckern zuzusehen.�</p><p>Flinn lachte bellend, bevor er sich wieder fing, und selbst dann mu�te er anscheinend noch gegen seine Belustigung ank�mpfen. Morr und Hopwil wechselten verwirrte als auch �beraus zornige Blicke. Dashiva l�chelte gereizt, und das Gewebe, das er festhielt, wurde st�rker, bis Rand ein bedrohliches Gef�hl hatte.</p><p>�Es gen�gt, da� Ihr wi�t, wer ich bin�, belehrte Rand sie. �Dashiva und Ihr anderen, wartet drau�en.�</p><p>Dashiva �ffnete wie zum Widerspruch den Mund. Das hatte nicht zu Rands Anweisungen geh�rt, aber sie w�rden die Frau auf diese Weise nicht einsch�chtern. Der Mann ging jedoch leise murrend hinaus. Hopwil und Morr verlie�en den Raum rascher als n�tig, w�hrend sie Cadsuane Seitenblicke zuwarfen. Flinn zog sich trotz seines Hinkens als einziger w�rdevoll zur�ck. Und er schien noch immer belustigt!</p><p>Rand lenkte die Macht, und ein schwerer, mit geschnitzten Leoparden verzierter Stuhl schwebte von seinem Platz an der Wand und drehte sich um seine Achse, bevor er wie eine Feder vor Cadsuane zum Stehen kam. Gleichzeitig schwebte ein schwerer Silberkrug von einem langen, gedeckten Tisch auf der anderen Seite des Raums heran und knackte durch j�hes Erhitzen laut. Als ihm Dampf entstr�mte, neigte er sich und vollf�hrte eine langsame Kreiselbewegung, w�hrend ein Silberbecher heranflog, um die dunkle Fl�ssigkeit aufzufangen.</p><p>�Zu hei�, glaube ich�, sagte Rand, und die Glasscheiben in den Fenstern st�rzten aus den hohen, schmalen Rahmen. Schneeflocken wirbelten auf einem eisigen Windhauch ins Zimmer, und der Becher schwebte durch eines der Fenster hinaus und wieder herein, genau in seine Hand, w�hrend er sich niederlie�. Er wollte doch einmal sehen, wie ruhig sie bleiben konnte, wenn sie ein Wahnsinniger anstarrte. Die dunkle Fl�ssigkeit war Tee, nach dieser Art des Erhitzens zu stark und sehr bitter. Aber die W�rme kam ihm gerade recht. Die heulend in den Raum fegenden und an den Wandteppichen zerrenden Windst��e verursachten ihm eine G�nsehaut, aber im weit entfernten Nichts war es die Haut eines anderen.</p><p>�Die Lorbeerkrone ist h�bscher als manche andere�, sagte Cadsuane leicht l�chelnd. Ihr Haarschmuck schwang, wann immer sich der Wind erhob, und kleine Haarstr�hnen flatterten um ihren Knoten, aber das einzige, woran man erkennen konnte, da� sie den Luftzug bemerkte, war die Tatsache, da� sie den Stickrahmen auffing, ehe er vom Tisch geweht wurde. �Ich ziehe diesen Namen vor. Aber Ihr k�nnt nicht von mir erwarten, da� mich Kronen beeindrucken. Ich habe zwei regierenden K�nigen und drei K�niginnen den Hintern versohlt. Sie konnten ungef�hr einen Tag lang nicht mehr sitzen, nachdem ich mit ihnen fertig war, aber ich errang ihre Aufmerksamkeit. Also seht Ihr, warum Kronen mich nicht beeindrucken.�</p><p>Rand entspannte seine Kiefermuskeln. Es w�rde nichts n�tzen, mit den Z�hnen zu knirschen. Er weitete die Augen in der Hoffnung, wahnsinnnig anstatt einfach nur zornig auszusehen. �Die meisten Aes Sedai meiden den Sonnenpalast�, sagte er. �Au�er jenen, die mir die Treue geschworen haben. Und jenen, die ich gefangenhalte.� Licht, was sollte er mit <emphasis>ihnen</emphasis> tun? Solange die Weisen Frauen sie ihm aus dem Weg hielten, war soweit alles gut.</p><p>�Die Aiel sind anscheinend der Ansicht, ich sollte kommen und gehen k�nnen, wie es mir gef�llt�, sagte sie abwesend und betrachtete den Stickrahmen in ihrer Hand, als denke sie dar�ber nach, mit ihrer Arbeit fortzufahren. �Das kommt durch ein wenig belanglose Hilfe, die ich dem einen oder anderen Jungen gew�hrt habe, obwohl ich nicht erkl�ren kann, warum jemand anderer als seine Mutter ihn dessen f�r wert erachten sollte.�</p><p>Rand bem�hte sich weiterhin, nicht mit den Z�hnen zu knirschen. Sie <emphasis>hatte</emphasis> ihm das Leben gerettet. Sie und Damer Flinn und viele andere Beteiligte, unter anderem Min. Und er schuldete Cadsuane noch immer etwas daf�r, verdammt sei sie! �Ich m�chte, da� Ihr meine Beraterin werdet. Ich bin jetzt K�nig von Illian, und K�nige haben f�r gew�hnlich Aes Sedai-Berater.�</p><p>Sie betrachtete beil�ufig seine Krone. �Das werde ich gewi� nicht. Eine Beraterin mu� zu h�ufig zusehen, wie ihr Sch�tzling Chaos verursacht, als da� es mir gefallen k�nnte. Sie mu� auch Befehle entgegennehmen, etwas, worin ich besonders schlecht bin. Gen�gt nicht jemand anderer? Alanna vielleicht?�</p><p>Rand setzte sich wider Willen starr aufrecht. Wu�te sie von dem Bund? Merana hatte gesagt, es sei schwer, etwas vor ihr geheimzuhalten. Nein, er k�nnte sich sp�ter noch Gedanken dar�ber machen, wieviel seine �treuen� Aes Sedai Cadsuane erz�hlten. Licht, er w�nschte, Min k�nnte sich einmal irren. Aber eher w�rde er glauben, da� er Wasser atmen k�nnte. �Ich...� Er konnte sich nicht dazu bringen, ihr zu sagen, da� er sie brauchte. Keine Schlinge! �Was w�re, wenn Ihr keine Eide leisten m��tet?�</p><p>�Das w�re vielleicht eine M�glichkeit�, sagte sie ungewi�, w�hrend sie weiterhin ihre verdammte Stickerei betrachtete. Dann sah sie ihn nachdenklich an. �Ihr klingt... beunruhigt. Ich sage einem Mann nicht gern, da� er Angst hat, selbst wenn er Grund dazu hat. Beunruhigt �ber eine Schwester, die Ihr nicht in einen zahmen Scho�hund verwandelt habt, der Euch in gewisser Weise zu gefallen versucht? La�t mich sehen. Ich kann Euch einiges versprechen, vielleicht wird Euch das beruhigen. Ich erwarte nat�rlich, da� Ihr zuh�rt � la�t mich Atem verschwenden, und Ihr werdet leiden �, aber ich werde Euch nicht dazu bringen zu tun, was ich will. Ich werde gewi� keine L�gen tolerieren � das ist noch etwas, was Ihr als entschieden beunruhigend empfinden werdet �, aber ich erwarte auch nicht, da� Ihr mir Eure tiefsten Sehns�chte verratet. O ja, was auch immer ich tue, wird zu Eurem eigenen Besten sein. Nicht zu meinem Besten, nicht zum Besten der Wei�en Burg � zu Eurem Besten. Nun, mildert das Eure Bef�rchtungen? Verzeiht. Eure Beunruhigung.�</p><p>W�hrend Rand sie ansah, �berlegte er, ob er lachen sollte. �Bringt man Euch das bei?� fragte er. �Ich meine, ein Versprechen wie eine Drohung klingen zu lassen.�</p><p>�Oh, ich verstehe. Ihr wollt Regeln. Das wollen die meisten Jungen, was auch immer sie sagen. Gut, la�t mich sehen. Ich kann Unh�flichkeit nicht ertragen, also werdet Ihr mir, meinen Freunden und meinen G�sten gegen�ber angemessen h�flich sein. Das beinhaltet, nicht die Macht gegen sie zu lenken, falls Ihr das nicht bereits vermutet habt, und Euer Temperament zu z�geln, was man sich wohl merken kann. Es betrifft ebenfalls Eure ... Gef�hrten mit den schwarzen Jacken. Es w�re schade, wenn ich Euch f�r etwas schlagen m��te, was einer von ihnen getan hat. Gen�gt das? Ich kann noch weitere Regeln aufstellen, wenn Ihr welche braucht.�</p><p>Rand stellte seinen Becher neben dem Stuhl ab. Der Tee war ebenso kalt geworden, wie er bitter war. Schnee h�ufte sich unter den Fenstern allm�hlich in Verwehungen auf. �Ich soll noch wahnsinnig werden, Aes Sedai, aber Ihr seid es bereits.� Er erhob sich und schritt zur T�r.</p><p>�Ich hoffe, Ihr habt nicht versucht, <emphasis>Callandor</emphasis> zu benutzen�, sagte sie hinter ihm selbstzufrieden. �Ich habe geh�rt, da� es aus dem Stein verschwunden ist. Ihr seid einmal entkommen, aber Ihr entkommt vielleicht kein zweites Mal.�</p><p>Er hielt j�h inne und schaute �ber die Schulter. Die Frau arbeitete weiter an dieser verdammten Stickerei! Der Wind fegte in den Raum, wirbelte Schnee umher, und sie hob nicht einmal den Kopf. �Was meint Ihr damit?�</p><p>�Wie?� Sie schaute nicht auf. �Oh. Nur sehr wenige in der Burg wu�ten, was <emphasis>Callandor</emphasis> ist, bevor Ihr es in Euren Besitz brachtet, aber in verstaubten Ecken der Burgbibliothek sind �berraschende Dinge verborgen. Ich habe sie vor einigen Jahren durchst�bert, bevor ich beschlo�, mich zur�ckzuziehen.�</p><p>�Was habt Ihr entdeckt?� fragte er rauh.</p><p>Cadsuane schaute auf und wirkte, das Haar schwingend und mit Schnee auf ihrem Gewand, wahrhaft wie eine K�nigin. �Ich habe Euch gesagt, da� ich Unh�flichkeit nicht ertragen kann. Wenn Ihr mich erneut um Hilfe bittet, erwarte ich, da� Ihr <emphasis>h�flich</emphasis> bittet. Und ich w�rde heute eine Entschuldigung f�r Euer Betragen annehmen!�</p><p>�Was ist mit <emphasis>Callandorl�.</emphasis></p><p>�Es ist makelbehaftet�, erwiderte sie knapp, �ihm fehlt der Schutz, der die Benutzung anderer <emphasis>Sa'angreale</emphasis> sicher macht, und es verst�rkt den Makel <emphasis>Saidins</emphasis> anscheinend noch, einschlie�lich der Ungez�geltheit des Geistes. Jedenfalls solange ein Mann es benutzt. Die einzige M�glichkeit, <emphasis>Das Schwert, das kein Schwert ist</emphasis> zu benutzen, ohne Euer eigenes Leben aufs Spiel zu setzen oder nur das Licht wei� welchen Wahnsinn zu versuchen, besteht darin, es mit zwei Frauen verbunden zu tun, von denen eine die Str�nge f�hrt.�</p><p>Rand bem�hte sich, seine Entt�uschung nicht zu zeigen, und trat von Cadsuane fort. Also war nicht nur die Ungez�geltheit <emphasis>Saidins</emphasis> rund um Ebou Dar schuld an Adleys Tod. Er hatte den Mann in dem Moment ermordet, als er Narishma nach dem Schwert geschickt hatte.</p><p>Cadsuanes Stimme verfolgte ihn. �Denkt daran, Junge. Ihr m��t sehr nett bitten und Euch entschuldigen. Ich w�rde vielleicht darauf eingehen, wenn Eure Entschuldigung aufrichtig klingt.�</p><p>Rand h�rte <emphasis>sie</emphasis> kaum. Er hatte gehofft, <emphasis>Callandor</emphasis> erneut benutzen zu k�nnen, hatte gehofft, es w�re ausreichend stark. Jetzt blieb nur eine M�glichkeit, die ihn erschreckte. Er glaubte die Stimme einer anderen Frau zu h�ren � die Stimme einer Toten. <emphasis>Du k�nntest den Sch�pfer herausfordern.</emphasis></p></section><section><title><p>28</p><p>Rotdorn</p></title><p>Es schien kaum der geeignete Schauplatz f�r die von Elayne bef�rchtete Explosion. Harlon Br�cke war ein stattliches Dorf mit drei Gasth�usern und ausreichend vielen Geb�uden, da� niemand auf einem Heuboden schlafen mu�te. Als Elayne und Birgitte an diesem Morgen in den Schankraum hinabgingen, l�chelte die Gastwirtin, Herrin Dill, ihnen herzlich zu und vollf�hrte einen ihrem Umfang angemessenen Hofknicks. Dies geschah nicht nur, weil Elayne eine Aes Sedai war. Herrin Dill freute sich so dar�ber, da� ihr Gasthaus voll belegt war, obwohl die Stra�en verschneit waren, da� sie vor fast jedermann knickste. Bei ihrem Eintreten verschlang Aviendha rasch das restliche Brot und den K�se ihres Fr�hst�cks, wischte einige Kr�mel von ihrem gr�nen Gewand und langte nach ihrem dunklen Urnhang, um ihnen nach drau�en zu folgen.</p><p>Die Sonne stieg gerade als niedrige, hellgelbe Scheibe �ber den Horizont. Nur wenige wei�e, flaumige Wolken beeintr�chtigten einen klaren blauen Himmel. Es war ein idealer Tag zum Reisen.</p><p>Adeleas kam die verschneite Stra�e herauf und zog Garenia Rosoinde, eine Frau der Schwesternschaft, am Arm mit sich. Garenia war eine Saldaeanerin mit schmalen H�ften, welche die letzten zwanzig Jahre als Kr�merin verbracht hatte, obwohl sie nur wenige Jahre �lter zu sein schien als Nynaeve. Ihre stark hakenf�rmige Nase machte sie normalerweise zu einer eindrucksvollen Erscheinung, eine Frau, die hart verhandeln konnte und keinen Deut zur�ckwich. Aber jetzt waren ihre dunklen, schr�gstehenden Augen geweitet und ihr Mund zu lautloser Klage ge�ffnet. Immer mehr Frauen der Schwesternschaft folgten ihr miteinander fl�sternd, die R�cke �ber den Schnee gerafft, und weitere schl�ssen sich ihnen aus allen Richtungen an. Reanne und die �brigen Frauen des Zirkels liefen mit grimmigen Mienen an der Spitze, alle au�er Kirstian, die noch blasser als sonst wirkte. Auch Alise war da � mit �u�erst unbewegtem Gesicht.</p><p>Adeleas blieb vor Elayne stehen und schob Garenia so grob vorw�rts, da� die Frau auf H�nde und Knie in den Schnee fiel, wo sie jammernd liegenblieb. Die Frauen der Schwesternschaft versammelten sich hinter ihr, w�hrend immer noch weitere herbeistr�mten.</p><p>�Ich komme in dieser Angelegenheit zu Euch, weil Nynaeve besch�ftigt ist�, wandte sich die Braune Schwester an Elayne. Sie meinte damit, da� Nynaeve sich irgendwo ein wenig mit Lan vergn�gte, aber nicht einmal ein L�cheln erschien um Adeleas' Lippen. �Seid ruhig, Kind!� fauchte sie Garenia an, die prompt still wurde. Adeleas nickte zufrieden. �Dies ist nicht Garenia Rosoinde�, sagte sie. �Ich habe sie letztendlich erkannt. Sie ist Zarya Alkaese, eine Novizin, die unmittelbar bevor Vandene und ich beschlossen, uns zur�ckzuziehen und unsere Geschichte der Welt aufzuschreiben, davonlief. Sie hat es zugegeben, als ich sie zur Rede stellte. Es �berrascht mich, da� Careane sie nicht vorher erkannt hat. Sie waren zwei Jahre lang zusammen Novizinnen. Das Gesetz ist hierin eindeutig, Elayne. Eine Davongelaufene mu� sobald wie m�glich wieder Wei� tragen und streng diszipliniert werden, bis sie zu einer angemessenen</p><p>Bestrafung zur Burg zur�ckgeschickt werden kann. Danach wird sie niemals wieder ans Davonlaufen denken!�</p><p>Elayne nickte gem�chlich und bem�hte sich, eine Antwort zu ersinnen. Ob Garenia � Zarya � erneut an Flucht dachte oder nicht, sie w�rde keine Gelegenheit mehr dazu bekommen. Zarya war zu stark in der Macht. Die Burg w�rde sie nicht gehen lassen, und wenn sie ihr ganzes restliches Leben daf�r brauchte, die Stola zu erlangen. Aber Elayne erinnerte sich an etwas, das sie diese Frau hatte sagen h�ren, als sie ihr zum ersten Mal begegnet war. Sie hatte die Bedeutung dessen damals nicht erkannt, aber jetzt tat sie es. Wie w�rde Zarya das Novizinnenwei� verkraften, nachdem sie siebzig Jahre lang eigenst�ndig gelebt hatte? Schlimmer noch, das Fl�stern der Frauen der Schwesternschaft klang allm�hlich bedrohlich.</p><p>Sie mu�te nicht lange nachdenken. Kirstian sank pl�tzlich auf die Knie und umklammerte mit einer Hand Adeleas' R�cke. �Ich bekenne ebenfalls�, sagte sie leise, und es war ein Wunder, da� �ber diese blutleeren Lippen �berhaupt noch ein Laut kam. �Ich wurde vor fast dreihundert Jahren in das Novizinnenbuch eingeschrieben und bin weniger als ein Jahr sp�ter davongelaufen. Ich f�ge mich und ... bitte um Gnade.�</p><p>Jetzt weiteten sich Adeleas' Augen. Kirstian behauptete, aus der Wei�en Burg davongelaufen zu sein, als sie selbst noch ein Kind war, wenn nicht vor ihrer Geburt! Die meisten der Schwestern glaubten die von den Frauen der Schwesternschaft angegebenen Alter noch immer nicht. Dem Anschein nach war Kirstian gerade erst in mittlerem Alter.</p><p>Dennoch erholte Adeleas sich rasch wieder. Wie alt die andere Frau auch immer war � Adeleas war ungef�hr ebenso lange Aes Sedai wie jede andere der �ltesten. Eine Aura von Alter und Autorit�t umgab sie. �Wenn das so ist, Kind�, sagte sie, wobei ihre Stimme nur leicht schwankte, �f�rchte ich, da� wir auch Euch in Wei� kleiden m�ssen. Ihr werdet nat�rlich bestraft werden, aber die Strafe wird milder ausfallen, weil Ihr Euch bekannt habt.�</p><p>�Aus diesem Grund habe ich es getan.� Kirstians feste Stimme wurde durch ein schweres Schlucken etwas ersch�ttert. Sie war fast ebenso stark wie Zarya � keine Frau des Zirkels war schwach �, und sie w�rde sehr streng beaufsichtigt werden. �Ich wu�te, da� Ihr mich fr�her oder sp�ter aufsp�ren w�rdet.�</p><p>Adeleas nickte, als w�re das nur allzu offensichtlich, obwohl Elayne sich nicht vorstellen konnte, wie man die Frau h�tte ausfindig machen sollen. Sie bezweifelte sehr, da� Kirstian Chalwin der Name war, mit dem die Frau getauft worden war. Die meisten Mitglieder der Schwesternschaft glaubten jedoch an die Allwissenheit der Aes Sedai. Zumindest hatten sie daran geglaubt.</p><p>�Unsinn!� Sarainya Vostovans heisere Stimme durchschnitt das Gemurmel der Schwesternschaft. Weder ausreichend stark, um eine Aes Sedai werden zu k�nnen, noch auch nur ann�hernd alt genug, um einen sehr hohen Rang innerhalb der Schwesternschaft zu bekleiden, setzte sie sich dennoch trotzig von der Masse ab. �Warum sollten wir sie der Wei�en Burg �berlassen? Wir haben Frauen bei der Flucht geholfen, und das ist richtig so! Es geh�rt nicht zu den Regeln, sie zur�ckzubringen!�</p><p>�Beherrscht Euch!� sagte Reanne scharf. �Alise, nehmt Sarainya in Eure Obhut. Anscheinend vergi�t sie zu viele der Regeln, die sie zu kennen behauptet.�</p><p>Alise sah Reanne mit noch immer unlesbarer Miene an. Alise, welche die Regeln der Schwesternschaft mit fester Hand durchsetzte. �Es geh�rt wirklich nicht zu unseren Regeln, Davongelaufene zur�ckzubringen, Reanne�, sagte sie.</p><p>Reanne zuckte zusammen, als w�re sie geschlagen worden. �Und wie sollen wir sie Eurer Ansicht nach festhalten?� fragte sie schlie�lich. �Wir haben Davongelaufene stets verborgen gehalten, bis wir sicher waren, da� sie nicht mehr gejagt wurden, und wenn sie vorher gefunden wurden, haben wir die Schwestern sie mitnehmen lassen. <emphasis>Das</emphasis> ist die Regel, Alise. Welche andere Regel sollen wir denn noch verletzen? Wollt Ihr vorschlagen, wir sollten uns tats�chlich <emphasis>gegen</emphasis> die Aes Sedai stellen?� Ihre Stimme verdeutlichte die L�cherlichkeit einer solchen Vorstellung, und dennoch stand Alise da und sah sie schweigend an.</p><p>�Ja!� rief jemand von den Frauen der Schwesternschaft. �Wir sind viele, und sie sind nur wenige!� Adeleas starrte ungl�ubig in die Menge. Elayne umarmte <emphasis>Saidar,</emphasis> obwohl sie wu�te, da� die Stimme recht hatte � die Schwesternschaft hatte zu viele Mitglieder. Sie sp�rte, da� Aviendha die Macht ebenfalls ergriff und Birgitte sich dazu bereitmachte.</p><p>Alise sch�ttelte sich, als k�me sie gerade zu sich, und tat dann etwas weitaus Vern�nftigeres und gewi� weitaus Wirkungsvolleres. �Sarainya�, sagte sie laut, �Ihr werdet Euch bei mir melden, wenn wir heute abend rasten, mit einer Gerte, die Ihr selbst schneiden werdet, bevor wir aufbrechen!� Und dann sagte sie ebenso laut zu Reanne: �Ich werde mich Eurem Urteil stellen, wenn wir abends rasten. Ansonsten sehe ich nicht, da� sich irgend jemand bereitmacht!�</p><p>Daraufhin brachen die Frauen der Schwesternschaft rasch auf und eilten davon, um ihre Habe zusammenzuraffen, aber Elayne sah einige von ihnen dabei leise miteinander tuscheln. Als sie �ber die Br�cke �ber den zugefrorenen Flu� ritten, der sich neben dem Dorf entlang wand, w�hrend Nynaeve ungl�ubig dar�ber nachsann, was sie verpa�t hatte, und nach jemandem suchte, den sie zur Verantwortung ziehen konnte, trugen Sarainya, Asra und auch Alise Gerten bei sich, w�hrend Zarya und Kirstian eiligst beschaffte wei�e Gew�nder unter ihren dunklen Umh�ngen trugen. Die Windsucherinnen zeigten auf sie und lachten schallend. Viele der Frauen der Schwesternschaft sprachen noch immer in Gruppen miteinander und schwiegen augenblicklich, wann immer eine Schwester oder ein Mitglied des Frauenzirkels sie ansah. Und sie blickten finster drein, wenn sie wiederum Aes Sedai ansahen.</p><p>Acht weitere Tage m�hevollen Vorankommens durch den Schnee, wenn es aufgeh�rt hatte zu schneien, und z�hneknirschenden Abwartens in Gasth�usern, wenn es weiterhin schneite. Acht weitere Tage finsteren Br�tens bei der Schwesternschaft und kalter Blicke zu den Schwestern, Tage, in denen Windsucherinnen um die Schwesternschaft und die Aes Sedai gleicherma�en herumstolzierten. Am Morgen des neunten Tages w�nschte sich Elayne allm�hlich, alle w�rden einander einfach an die Kehle gehen.</p><p>Sie fragte sich, ob sie die letzten zehn Meilen nach Caemlyn ohne Mord �berst�nden, als Kirstian an ihre T�r klopfte und hereinfegte, ohne eine Antwort abzuwarten. Das einfache Tuchgewand der Frau war f�r eine Novizin nicht einmal ann�hernd wei� genug, und sie hatte tats�chlich einen Gro�teil ihrer W�rde zur�ckerlangt, als wisse sie, da� ihre Zukunft ihre Gegenwart aufwog, aber jetzt vollf�hrte sie einen hastigen Hofknicks und stolperte dabei fast �ber ihren Umhang, w�hrend ihre beinahe schwarzen Augen sie angstvoll ansahen. �Nynaeve Sedai, Elayne Sedai, Lord Lan sagt, Ihr sollt sofort zu ihm kommen�, richtete sie atemlos aus. �Er hat mir aufgetragen, mit niemandem sonst zu sprechen, und auch Ihr sollt mit niemandem sprechen.�</p><p>Elayne und Nynaeve wechselten Blicke mit Aviendha und Birgitte. Nynaeve grollte leise etwas �ber den Mann, der Privates nicht von Offiziellem trennen konnte, aber schon bevor sie err�tete, war klar, da� sie es nicht so meinte. Elayne sp�rte, wie Birgitte sich konzentrierte, ein aufgelegter Pfeil, der auf ein Ziel gerichtet ist.</p><p>Kirstian wu�te nicht, was Lan wollte, nur wo sie sie hinf�hren sollte. Es ging zu der kleinen H�tte au�erhalb des Dorfes, wohin Adeleas Ispan in der Nacht zuvor gebracht hatte. Lan stand davor, sein Blick ebenso kalt wie die Luft, und wollte Kirstian nicht eintreten lassen. Als Elayne hineinging, sah sie den Grund daf�r.</p><p>Adeleas lag auf der Seite neben einem umgest�rzten Stuhl, und ein Becher lag nicht weit von ihrer ausgestreckten Hand auf dem rauhen Holzboden. Ihre Augen waren starr, und eine Pf�tze geronnenen Blutes breitete sich von dem tiefen Schnitt in ihrer Kehle aus. Ispan lag auf einem schmalen Feldbett, die Augen starr zur Decke gerichtet. Der weit ge�ffnete Mund gab ihre Z�hne frei, und ihre hervorstehenden Augen schienen voller Entsetzen. Es mu�te Entsetzen sein, denn ein armdicker Holzpfahl ragte zwischen ihren Br�sten hervor. Der Hammer, der eindeutig dazu benutzt worden war, den Pfahl einzutreiben, lag neben dem Feldbett nahe einem dunklen Fleck, der sich bis unter das Feldbett erstreckte.</p><p>Elayne unterdr�ckte den starken Drang, sich zu �bergeben. �Licht�, fl�sterte sie. �Licht! Wer kann das getan haben? <emphasis>Wie</emphasis> konnte jemand so etwas tun?� Aviendha sch�ttelte verwundert den Kopf, und Lan tat nicht einmal das. Er schaute einfach in neun Richtungen gleichzeitig, als erwarte er, da� derjenige oder dasjenige, wer oder was auch immer diese Morde begangen hatte, durch eines der zwei winzigen Fenster k�me, wenn nicht sogar durch die W�nde. Birgitte zog ihren G�rteldolch, und ihrer Miene nach zu urteilen w�nschte sie sich zutiefst, ihren Bogen mitgebracht zu haben. Dieser aufgelegte Pfeil war st�rker denn je in Elaynes Kopf zu sp�ren.</p><p>Nynaeve blieb zun�chst stehen, wo sie war, und betrachtete das Innere der H�tte. Abgesehen vom Offensichtlichen war wenig erkennbar. Ein zweiter dreibeiniger Stuhl, ein grobgezimmerter Tisch mit einer flackernden Lampe, eine gr�ne Teekanne und ein zweiter Becher, ein Kamin aus Feldsteinen mit erkalteter Asche � das war alles. Die H�tte war so klein, da� Nynaeve bereits mit einem Schritt am Tisch war. Sie tauchte ihren Finger in die Teekanne, f�hrte ihn an die Zungenspitze, spie dann heftig aus und sch�ttete den ganzen, aus Tee und Teebl�ttern bestehenden Inhalt der Kanne �ber den Tisch. Elayne blinzelte verwundert.</p><p>�Was ist geschehen?� fragte Vandene schlie�lich k�hl von der T�r her. Lan wollte ihr in den Weg treten, aber sie hielt ihn mit einer kleinen Geste auf. Elayne wollte einen Arm um sie legen und wurde mit einer weiteren Geste ebenfalls gehindert. Vandenes Blick blieb auf ihre Schwester gerichtet, ein ruhiger Blick aus einem gelassenen Aes Sedai-Gesicht. Die tote Frau auf dem Feldbett h�tte ebensogut nicht dasein k�nnen. �Als ich Euch alle hierher eilen sah, dachte ich ... Wir wu�ten, da� uns nicht mehr viele Jahre blieben, aber ...� Ihre Stimme klang v�llig ruhig, allerdings war kaum verwunderlich, da� es Verstellung war. �Was habt Ihr gefunden, Nynaeve?�</p><p>Mitleid wirkte an Nynaeve seltsam. Sie r�usperte sich und deutete auf die Teebl�tter, ohne sie zu ber�hren. Zwei wei�e Schnitzel lagen unter den mattschwarzen Bl�ttern. �Das ist Rotdornwurz�, sagte sie und versuchte, sachlich zu klingen. �Sie schmeckt s��, so da� man sie im Tee vielleicht nur bemerkt, wenn man wei�, was es ist, besonders wenn man viel Honig nimmt.�</p><p>Vandene nickte, ohne den Blick von ihrer Schwester abzuwenden. �Adeleas hat in Ebou Dar Gefallen an s��em Tee gefunden.�</p><p>�Ein wenig davon lindert Schmerz�, sagte Nynaeve. �So viel davon ... so viel davon t�tet, wenn auch langsam. Schon ein paar Schlucke gen�gen.� Sie atmete tief durch und f�gte hinzu: �Sie waren vielleicht noch Stunden bei Bewu�tsein. Unf�hig, sich zu bewegen, aber bei Bewu�tsein. Entweder wollte derjenige, der dies getan hat, nicht riskieren, da� zu rasch jemand mit einem Gegenmittel k�me � obwohl ich gegen ein solch starkes Gebr�u keines kenne �, oder er wollte, da� eine von ihnen oder beide w��-ten, wer sie get�tet hat.� Elayne war entsetzt �ber die Brutalit�t, aber Vandene nickte nur.</p><p>�Es war vermutlich Ispan, da man mit ihr die meiste Zeit verbracht hat.� Es schien fast, als w�rde die wei�haarige Gr�ne laut nachdenken, um einem R�tsel auf die Spur zu kommen. Es beanspruchte weniger Zeit, jemandem die Kehle durchzuschneiden, als jemandem einen Pfahl durchs Herz zu treiben. Ihre Ruhe verursachte Elayne eine G�nsehaut. �Adeleas h�tte niemals von jemandem etwas zu trinken angenommen, den sie nicht kannte, nicht hier drau�en mit Ispan. Diese beiden Tatsachen entlarven ihre M�rderin in gewisser Weise � eine Schattenfreundin, eine aus unserer Gruppe. Eine von uns.� Elayne sp�rte ihr eigenes und Birgittes Entsetzen.</p><p>�Eine von uns�, stimmte Nynaeve traurig zu. Aviendha fuhr mit dem Daumen �ber ihre Dolchklinge, was Elayne dieses eine Mal als angemessen empfand.</p><p>Vandene bat darum, einige Augenblicke mit ihrer Schwester allein gelassen zu werden, dann setzte sie sich auf den Boden und barg Adeleas in ihren Armen, noch bevor die anderen drau�en waren. Jaem, Vandenes alter Beh�ter, erwartete sie bereits mit einer zitternden Kirstian.</p><p>Pl�tzlich erklang aus der H�tte heftiges Wehklagen, der lauthals ausgesto�ene Schrei einer Frau, die alles verloren zu haben glaubte. Ausgerechnet Nynaeve wandte sich um und wollte wieder hineingehen, aber Lan legte ihr eine Hand auf den Arm, und Jaem pflanzte sich mit nicht wesentlich freundlicherem Blick als Lan vor der T�r auf. Sie konnten nichts anderes tun als Vandene ihrem Schmerz zu �berlassen. Und den Schmerz zu teilen, wie Elayne erkannte, als sie das Gewirr von Empfindungen in ihrem Kopf sp�rte, das Birgitte war. Sie erschauderte, und Birgitte legte ihr einen Arm um die Schultern. Aviendha tat es ihr von der anderen Seite gleich und bedeutete Nynaeve, sich ihnen anzuschlie�en, was sie nach kurzem Z�gern tat. Der Mord, an den Elayne so leichthin gedacht hatte, war eingetreten. Eine ihrer Gef�hrtinnen war eine Schattenfreundin, und der Tag f�hlte sich pl�tzlich unsagbar kalt an, aber die N�he ihrer Freundinnen w�rmte sie.</p><p>Obwohl sich die Windsucherinnen bescheiden unterordneten, brauchten sie f�r die letzten zehn d�steren Meilen nach Caemlyn durch den Schnee zwei Tage. Nicht da� sie Merilille auch nur ann�hernd weniger hart bedr�ngten. Nicht da� die Frauen der</p><p>Schwesternschaft aufh�rten, miteinander zu sprechen, und nicht weiterhin in Schweigen verfielen, wann immer eine Schwester oder eines der Mitglieder des Frauenzirkels in ihre N�he kam. Vandene, die ihrem Pferd den silberbeschlagenen Sattel ihrer Schwester aufgelegt hatte, schien fast noch ebenso gelassen wie an Adeleas' Grab, aber Jaems Blicke trugen das stille Versprechen des Todes in die Welt, das gewi� auch Vandene im Herzen trug. Elayne h�tte auch dann nicht gl�cklicher sein k�nnen, der Mauern und T�rme Caemlyns ansichtig zu werden, wenn der blo�e Anblick ihr die Rosenkrone beschert und Adeleas zur�ckgebracht h�tte.</p><p>Sogar Caemlyn, eine der gro�en St�dte der Welt, hatte niemals zuvor eine Gruppe wie die ihre beherbergt, und als sie erst innerhalb der wuchtigen Stadtmauern aus grauem Stein gelangt waren und die Neustadt entlang breiter, schlammiger, von Menschen und Karren und Wagen bev�lkerter Stra�en durchquerten, erregten sie Aufmerksamkeit. Ladenbesitzer standen in ihren Eing�ngen und gafften. Kutscher z�gelten ihre Gespanne, um sie anzustarren. Hoch aufragende Aielm�nner und gro�e T�chter des Speers beobachteten sie anscheinend von jeder Ecke aus. Die meisten Leute schienen die Aiel nicht zu bemerken, aber Elayne tat es durchaus. Sie liebte Aviendha ebenso sehr wie sich selbst, vielleicht sogar mehr, aber sie konnte keinen Gefallen an einem Heer bewaffneter Aiel finden, das durch Caemlyns Stra�en zog.</p><p>Elayne versp�rte allm�hlich das Gef�hl, nach Hause zu kommen. Die Stra�en folgten den Windungen der H�gel, und jede Erhebung bot eine neue Aussicht auf schneebedeckte Parks, Monumente und bunt gedeckte T�rme, die in der Nachmittagssonne in hundert Farben schillerten. Schlie�lich befanden sie sich vor dem K�niglichen Palast selbst, eine Ansammlung von hellen Erkern, goldenen Kuppeln und kunstvoll durchbrochenen Steinmetzarbeiten. Das Banner Anders, der Wei�e L�we auf rotem Feld, wehte von fast jeder Spitze, und von den �brigen wehten das Drachenbanner und das Banner des Lichts.</p><p>An den hohen, vergoldeten Palasttoren ritt Elayne in ihrem von der Reise verschmutzten grauen Reitgewand voraus. Tradition und Legende besagten, da� Frauen, die sich dem Palast beim ersten Mal in Prunk n�herten, stets scheiterten. Sie hatte deutlich gemacht, da� sie dies allein tun mu�te, und doch w�nschte sie fast, Aviendha und Birgitte w�re es gelungen, sie umzustimmen. Die H�lfte der zwei Dutzend W�chter vor den Toren waren T�chter des Speers der Aiel, die �brigen M�nner mit Helmen und blauen Jacken mit einem rotgoldenen Drachen �ber der Brust.</p><p>�Ich bin Elayne Trakand�, verk�ndete sie laut und �berrascht dar�ber, wie ruhig sie klang. Ihre Stimme war weit zu h�ren, und �berall auf dem gro�en Platz wandten sich Menschen von ihren Begleitern ab und ihr zu. Die uralte Formel ging ihr leicht von den Lippen. �Im Namen des Hauses Trakand, nach dem Recht der Abstammung von Ishara, bin ich gekommen, um den L�wenthron von Andor zu beanspruchen, wenn das Licht es will.�</p><p>Die Tore wurden weit ge�ffnet.</p><p>Aber es w�rde nat�rlich nicht so leicht werden. Selbst der Besitz des Palasts gen�gte nicht, um den Thron Anders unangefochten innezuhaben. Sie �bergab ihre Begleiter der Obhut einer erstaunten Reene Harfor � sie war sehr erfreut zu sehen, da� die bereits ergrauende Haushofmeisterin, rundlich und herrschaftlich wie jede K�nigin, den Palast noch immer in ihren f�higen H�nden hatte � und eines erlesenen Kreises von Dienern in rotwei�er Livree und eilte zum Gro�en Saal, dem Thronsaal Andors. Dies war jedoch noch nicht Teil des Rituals. Sie h�tte sich eigentlich umziehen und ihr rotes Seidengewand mit dem perlenverzierten Leibchen und den wei�en L�wen auf den �rmeln anlegen sollen, aber sie f�hlte sich getrieben. Dieses Mal erhob nicht einmal Nynaeve Einw�nde.</p><p>Wei�e, <emphasis>zwanzig</emphasis> Fu� hohe S�ulen s�umten die Seiten des Gro�en Saals. Der Raum war leer und still, aber das w�rde nicht lange vorhalten. Das klare Nachmittagslicht, das durch die hohen Fenster entlang den W�nden fiel, vermischte sich mit dem farbigen Licht von den in die Decke eingelassenen Fenstern, auf denen sich der Wei�e L�we von Andor mit Szenen andoranischer Siege und den fr�hesten K�niginnen abwechselte, beginnend mit Ishara selbst, so dunkel wie jede Atha'an Miere und mit der ganzen Autorit�t jeder Aes Sedai. Keine Herrscherin Andors konnte ihren Status vergessen, wenn die Vorg�nger, welche diese Nation gestaltet hatten, auf sie herabsahen.</p><p>Vor dem Anblick eines bestimmten Gegenstands f�rchtete Elayne sich � vor der gewaltigen Ungeheuerlichkeit des ganz aus vergoldeten Drachen bestehenden Throns, den sie in <emphasis>Tel'amn'rhiod</emphasis> am Ende des Saals auf dem Podest hatte stehen sehen. Er war, dem Licht sei Dank, nicht da. Der L�wenthron stand auch nicht mehr wie eine Troph�e auf einem hohen Sockel, sondern auf seinem rechtm��igen Platz auf dem Podest, ein wuchtiger Sessel, geschnitzt und vergoldet, aber f�r eine Frau gemacht. Der Wei�e L�we, mit Mondsteinen auf einem Feld aus Rubinen gestaltet, w�rde �ber dem Kopf jeder Frau aufragen, die sich auf den Thron setzte. Kein Mann konnte sich darauf wohl f�hlen, weil er, wie die Legende behauptete, dann w��te, da� er sein Schicksal besiegelt h�tte. Elayne hielt es f�r wahrscheinlicher, da� die Erbauer einfach sichergestellt hatten, da� ein Mann nicht darauf <emphasis>pa�te.</emphasis></p><p>Sie erklomm die wei�en Marmorstufen des Podests und legte eine Hand auf die Armlehne des Throns. Sie hatte kein Recht, sich darauf niederzulassen, noch nicht. So lange nicht, bis sie als K�nigin anerkannt w�rde. Aber Eide auf den L�wenthron zu schw�ren war ein Brauch, der so alt wie Andor selbst war. Sie mu�te dem Verlangen widerstehen, einfach auf die Knie zu sinken und den Thronsitz mit Tr�nen zu benetzen. Sie war vielleicht mit dem Tod ihrer Mutter ausges�hnt, aber diese Umgebung brachte dennoch allen Schmerz zur�ck. Sie durfte jetzt nicht zusammenbrechen.</p><p>�Unter dem Licht, ich werde dein Andenken ehren, Mutter�, sagte sie leise. �Ich werde den Namen Morgase Trakand ehren und versuchen, dem Hause Trakand nur Ehre zu machen.�</p><p>�Ich habe den Wachen befohlen, die Neugierigen fernzuhalten. Ich dachte, da� Ihr hier vielleicht eine Weile allein sein wolltet.�</p><p>Elayne wandte sich langsam zu Dyelin Taravin um, w�hrend die blonde Frau den Gro�en Saal herabschritt. Dyelin war eine der ersten gewesen, die ihre Mutter bei ihrem Anspruch auf den Thron unterst�tzt hatten. Ihr Haar war grauer, als Elayne es in Erinnerung hatte, und es waren mehr Falten um ihre Augenwinkel zu sehen als fr�her. Aber sie war noch immer recht h�bsch, eine starke Frau. Und als Freundin oder Gegnerin gleicherma�en m�chtig.</p><p>Sie blieb am Fu� des Podests stehen und schaute hinauf. �Ich h�re seit zwei Tagen, da� Ihr am Leben w�rt, aber ich habe es bis jetzt nicht wirklich geglaubt. Also seid Ihr gekommen, um den Thron vom Wiedergeborenen Drachen entgegenzunehmen?�</p><p>�Ich beanspruche den Thron nach meinem eigenen Recht, Dyelin, mit eigener Hand. Der L�wenthron ist kein Tand, den man von einem Mann empf�ngt.� Dyelin nickte, als sei dies eine selbstverst�ndliche Wahrheit. Was es f�r jeden Andoraner auch war. �Wie ist Eure Position, Dyelin? F�r Trakand � oder dagegen? Ich habe Euren Namen auf meinem Weg hierher oft nennen h�ren.�</p><p>�Da Ihr den Thron nach Eurem eigenen Recht beansprucht, bin ich daf�r.� Nur wenigen Menschen gelang es, so n�chtern zu klingen wie sie. Elayne setzte sich auf die oberste Stufe des Podests und bedeutete der �lteren Frau, sich ihr anzuschlie�en. �Es gibt nat�rlich einige Hindernisse�, fuhr Dyelin fort, w�hrend sie ihre blauen R�cke raffte, um sich hinzusetzen. �Es gab bereits einige Anw�rter, wie Ihr vielleicht wi�t. Naean und Elenia habe ich unter der Anschuldigung des Verrats sicher eingesperrt, was die meisten Leute im Moment anscheinend bereitwillig akzeptieren. Elenias Ehemann ist noch immer rege f�r sie t�tig, wenn auch im stillen, und Arymilla, die alberne Gans, hat ebenfalls ihren Anspruch angemeldet. Sie wird von irgend jemandem unterst�tzt, aber nicht in dem Ma�e, da� es Euch bek�mmern m��te. Wirklich beunruhigt sein solltet Ihr � abgesehen von den Aiel �berall in der Stadt, die auf die R�ckkehr des Wiedergeborenen Drachen warten � �ber Aemlyn, Arathelle und Pelivar. Im Moment stehen Luan und Ellorien noch hinter Euch, aber sie k�nnten zu jenen dreien �berlaufen.�</p><p>Eine recht kurze Liste und n�chtern vorgetragen. Elayne hatte von Naean und Elenia geh�rt, wenn sie auch nicht gewu�t hatte, da� Jarid noch immer glaubte, seine Frau habe Aussichten auf den Thron.</p><p>Arymilla war <emphasis>tats�chlich</emphasis> eine Gans, wenn sie glaubte, sie w�rde akzeptiert, wer auch immer sie unterst�tzte. Die letzten f�nf Namen beunruhigten Elayne jedoch ernstlich. Jeder dieser Menschen hatte ihre Mutter ebenso stark unterst�tzt wie Dyelin, und jeder stand einem starken Haus vor.</p><p>�Also wollen auch Arathelle und Aemlyn den Thron einnehmen�, murmelte Elayne. �Von Ellorien kann ich es nicht glauben, nicht f�r sich selbst.� Pelivar handelte vielleicht f�r eine seiner T�chter, aber Luan hatte nur Enkelinnen, von denen keine auch nur ann�hernd alt genug war. �Ihr glaubt anscheinend, es k�nnten sich alle f�nf H�user verb�nden. Unter wem?� Das bedeutete eine ernsthafte Bedrohung.</p><p>Dyelin st�tzte l�chelnd das Kinn in die Hand. �Sie sind wohl der Meinung, <emphasis>ich</emphasis> sollte den Thron innehaben. Nun, was beabsichtigt Ihr hinsichtlich des Wiedergeborenen Drachen zu tun? Er ist schon einige Zeit nicht mehr hiergewesen, aber er kann anscheinend unverhofft aus der Luft auftauchen.�</p><p>Elayne schlo� einen Moment fest die Augen, aber als sie sie wieder �ffnete, sa� sie noch immer auf den Stufen des Podests im Gro�en Saal, und Dyelin l�chelte sie noch immer an. Ihr Bruder k�mpfte f�r Elaida, und ihr Halbbruder war ein Wei�mantel. Sie hatte Frauen in den Palast geholt, die sich jeden Moment gegeneinander stellen k�nnten, ganz zu schweigen von der Tatsache, da� eine davon eine Schattenfreundin, vielleicht sogar eine der Schwarzen Ajah war. Und diejenigen, die ihren Anspruch auf den Thron am st�rksten bedrohten, standen hinter einer Frau, die behauptete, <emphasis>sie</emphasis> unterst�tze Elayne. Die Welt war ziemlich verr�ckt. Sie k�nnte ebensogut ihr Scherflein dazu beitragen.</p><p>�Ich will ihn als meinen Beh�ter an mich binden�, sagte sie und fuhr fort, bevor die andere Frau mehr tun konnte, als erstaunt zu blinzeln. �Ich hoffe au�erdem, ihn heiraten zu k�nnen. Diese Dinge haben jedoch nichts mit dem L�wenthron zu tun. Als erstes beabsichtige ich ...�</p><p>W�hrend sie fortfuhr, begann Dyelin zu lachen. Elayne w�nschte, sie w��te, ob es vor Freude �ber ihre Pl�ne geschah, oder weil Dyelin erkannte, da� ihr selbst der Weg zum L�wenthron geebnet wurde. Zumindest wu�te sie jetzt, was ihr bevorstand.</p><p>Als Daved Hanion in Caemlyn einritt, konnte er nicht umhin festzustellen, welch eine �beraus f�r Pl�nderungen geeignete Stadt es doch w�re. Er hatte in seiner Zeit als Soldat viele Pl�nderungen in D�rfern und St�dten gesehen, und einmal, vor zwanzig Jahren, auch in der gro�en Stadt Cairhien, nachdem die Aiel sie verlassen hatten. Seltsam, da� all diese Aiel Caemlyn so offensichtlich unber�hrt gelassen hatten, aber andererseits k�nnte man, wenn die h�chsten T�rme Cairhiens nicht gebrannt h�tten, vielleicht kaum erkennen, da� sie dagewesen waren. Viel Gold � unter anderem �, das zum Aufheben bereitlag, und viele Menschen, die dies besorgten. Er konnte sich die breiten Stra�en voller Reiter und fl�chtender Menschen vorstellen, voller dicker H�ndler, die ihr Gold hergaben, bevor der Dolch sie ber�hrte, in der Hoffnung, da� ihr Leben verschont bliebe, voller schlanker M�dchen und rundlicher Frauen, die so schrecklich ver�ngstigt waren, da� sie kaum schreien und sich noch viel weniger wehren w�rden, wenn sie in eine Ecke gezerrt wurden. Er hatte jene Dinge gesehen und sie auch selbst getan und hoffte, sie erneut tun zu k�nnen. Aber nicht in Caemlyn, wie er seufzend einr�umte. H�tte er die Befehle, die ihn hierher gef�hrt hatten, mi�achten k�nnen, w�re er vielleicht dorthin gegangen, wo es nicht soviel zu holen gab, was aber entschieden leichter zu erlangen war.</p><p>Seine Anweisungen waren jedoch eindeutig gewesen. Er stellte sein Pferd im <emphasis>Roten Bullen</emphasis> in der Neustadt unter und wanderte eine Meile bis zu einem hohen Steinhaus in einer Seitenstra�e, das Haus einer reichen H�ndlerin, die mit ihrem Gold besonnen umging. Auf die T�ren war ein kleines Siegel, ein rotes Herz auf einer goldenen Hand darstellend, aufgemalt. Der ungeschlachte Bursche, der ihn einlie�, war mit seinem unfreundlichen Blick kein typischer Diener eines H�ndlers. Der gro�e Mann f�hrte ihn schweigend tiefer in das Haus und dann ins Kellergescho� hinab. Hanion tastete nach dem Schwert in seiner Scheide. Zu all dem, was er schon gesehen hatte, hatten auch M�nner und Frauen geh�rt, die zu ihrer eigenen Vollstreckung gef�hrt wurden. Er hielt sich nicht f�r einen Versager, aber andererseits hatte er auch kaum Erfolge aufzuweisen. Er hatte jedoch Befehle befolgt. Was aber nicht immer gen�gte.</p><p>In dem von ringsum befindlichen, vergoldeten Lampen beleuchteten Kellergescho� wanderte sein Blick zuerst zu einer h�bschen Frau in einem spitzenbesetzten, scharlachroten Seidengewand, deren Haar von einem Spitzennetz bedeckt war. Er wu�te nicht, wer diese Lady Shiaine war, aber seine Befehle hatten gelautet, da� er ihr gehorchen sollte. Er verbeugte sich gekonnt mit einem L�cheln. Sie sah ihn nur an, als warte sie darauf, da� er bemerkte, was der Keller noch enthielt.</p><p>Er h�tte es kaum �bersehen k�nnen, da in dem Raum au�er einigen F�ssern nur ein gro�er, schwerer Tisch stand, der auf sehr seltsame Art gedeckt war. Zwei Ovale waren in die Tischplatte geschnitten worden, und aus einem Oval ragten Kopf und Schultern eines Mannes heraus, dessen Kopf auf die h�lzerne Oberfl�che zur�ckgezerrt war und dort mit auf die Tischplatte genagelten Riemen an einem zwischen seine Z�hne gerammten Holzklotz festgehalten wurde. Eine auf gleiche Art festgebundene Frau bildete den �brigen Tischschmuck. Unter dem Tisch war zu sehen, da� sie mit an die Kn�chel gebundenen Handgelenken knieten. F�r jegliche Art Vergn�gungen recht gut gesichert. Der Mann wies ein wenig Grau im Haar auf und hatte das Gesicht eines Lords, aber seine tiefliegenden Augen rollten wild umher, was wenig �berraschte. Das auf dem Tisch ausgebreitete Haar der Frau war dunkel und gl�nzend, aber ihr Gesicht war f�r Hanions Geschmack ein wenig zu l�nglich.</p><p>Pl�tzlich sah er ihr Gesicht wirklich, und seine Hand zuckte zu seinem Schwert, bevor er es verhindern konnte. Es kostete ihn einige M�he, das Schwertheft wieder loszulassen, was er sorgf�ltig verbarg. Es war das Gesicht einer Aes Sedai, aber eine Aes Sedai, die sich auf diese Art fesseln lie�, war keine Bedrohung.</p><p>�Also besitzt Ihr Verstand.� Ihrem Akzent nach zu urteilen, war Shiaine eine Adlige, und sie hatte gewi� etwas Gebieterisches an sich, als sie um den Tisch herumwirbelte und in das festgehaltene Gesicht des Mannes blickte. �Ich habe den Gro�en Meister Moridin gebeten, mir einen Mann mit Verstand zu schicken. Der arme Jaichim hier besitzt sehr wenig davon.�</p><p>Hanion runzelte die Stirn und gl�ttete sie augenblicklich wieder. Er hatte seine Befehle von Moghedien pers�nlich erhalten. Wer, im Krater des Verderbens, war Moridin? Aber es war unwichtig. Seine Befehle kamen von Moghedien, das gen�gte.</p><p>Der ungeschlachte Bursche reichte Shiaine einen Trichter, den sie in ein durch den Holzklotz zwischen Jaichims Z�hnen gebohrtes Loch steckte. Die Augen des Mannes standen weit hervor. �Der arme Jaichim hat zutiefst versagt�, bemerkte Shiaine mit einem L�cheln wie das eines Fuchses, der ein Huhn beobachtet. �Moridin w�nscht, da� er bestraft wird. Der arme Jaichim mag seinen Branntwein.�</p><p>Sie trat zur�ck, jedoch nur so weit, da� sie alles deutlich sehen konnte, und Hanion zuckte zusammen, als der ungeschlachte Mann mit einem der F�sser zum Tisch trat. Hanion glaubte nicht, da� er das Fa� ohne Hilfe h�tte anheben k�nnen, aber der gro�e Bursche neigte es m�helos. Der festgebundene Mann schrie einmal auf, und dann ergo� sich ein Strom einer dunklen Fl�ssigkeit aus dem Fa� in den Trichter und verwandelte seinen Schrei in ein Gurgeln. Der herbe Geruch des Branntweins erf�llte die Luft. Der Mann k�mpfte trotz seiner Fesseln, schlug um sich und schaffte es sogar, den Tisch seitlich anzuheben, aber der Branntwein flo� weiterhin. Luftblasen stiegen in dem Trichter auf, als er zu schreien versuchte, aber der best�ndige Strom h�rte nicht auf. Und dann erlahmte der Widerstand des Mannes und endete schlie�lich. Weite, glasige Augen starrten zur Decke, und Branntwein rann aus seiner Nase. Der gro�e Bursche h�rte noch immer nicht auf, bis die letzten Tropfen aus dem leeren Fa� liefen.</p><p>�Ich glaube, der arme Jaichim hat letztendlich genug Branntwein gehabt.� Shiaine lachte erfreut.</p><p>Hanion nickte. Vermutlich hatte sie recht. Er fragte sich, wer er gewesen war.</p><p>Shiaine war noch nicht ganz fertig. Auf eine Geste von ihr ri� der ungeschlachte Mann einen der Riemen vom Nagel, welche den Knebel der Aes Sedai hielten. Hanion dachte, der Knebel h�tte vielleicht einige Z�hne in ihrem Mund gelockert, aber wenn dem so war, verschwendete sie keine Zeit damit. Sie sprach, noch bevor der Bursche den Riemen losgelassen hatte.</p><p>�Ich werde Euch gehorchen!� jammerte sie. �Ich werde den Befehlen des Gro�en Herrn gehorchen! Er hat meinen Schild aufgel�st, damit ich gehorchen kann! Das hat er mir gesagt! La�t es mich beweisen! Ich werde kriechen! Ich bin ein Wurm, und Ihr seid die Sonne! Oh, bitte! Bitte! Bitte!�</p><p>Shiaine erstickte die Worte, das flehentliche Wimmern, indem sie eine Hand �ber den Mund der Aes Sedai legte. �Woher soll ich wissen, da� Ihr nicht wieder versagt, Falion? Ihr habt zuvor versagt, und Moridin hat mir Eure Bestrafung �berlassen. Er hat mir eine andere Aes Sedai zugeteilt �brauche ich zwei von Euch? Vielleicht gebe ich Euch eine zweite Chance, Euren Fall zu vertreten, Falion �vielleicht �, aber wenn ich es tue, werdet Ihr mich �berzeugen m�ssen. Ich werde wahre Begeisterung erwarten.�</p><p>Falion begann erneut zu flehen, machte �bertriebene Versprechungen, sobald Shiaine ihre Hand fortnahm, aber sie wurde nur allzu bald wieder auf wortlose Schreie und Tr�nen beschr�nkt, als ihr der Knebel wieder angelegt, der Nagel wieder durch den Riemen getrieben und Jaichims Trichter �ber ihrer weit ge�ffneten Kehle angebracht wurde. Der ungeschlachte Mann stellte ein weiteres Fa� neben ihrem Kopf auf den Tisch. Die Aes Sedai schien wahnsinnig zu werden, die hervorstehenden Augen rollten wild umher; sie zappelte unter dem Tisch, bis er wackelte.</p><p>Hanion war beeindruckt. Eine Aes Sedai mu�te schwerer zu brechen sein als ein fetter H�ndler oder seine pausbackige Tochter. Aber Shiaine hatte offenbar die Hilfe einer der Auserw�hlten gehabt. Als er merkte, da� sie ihn ansah, unterlie� er es, auf Falion hinab zu l�cheln. Seine erste Lebensregel lautete, niemals jene zu beleidigen, welche die Auserw�hlten ihm voranstellten.</p><p>�Sagt mir, Hanion�, bemerkte Shiaine, �wie w�rdet Ihr Hand an eine K�nigin legen?�</p><p>Er leckte sich wider Willen die Lippen. An eine K�nigin? <emphasis>Das</emphasis> hatte er niemals getan.</p></section><section><title><p>29</p><p>Ein Becher Schlaf</p></title><p>Sei kein solcher Wollkopf, Rand!� Min zwang sich sitzen zu bleiben, schlug die Beine �bereinander und wippte m��ig mit einem Fu�, aber sie konnte die Ver�rgerung nicht aus ihrer Stimme verbannen. �Geh zu ihr! Sprich mit ihr!�</p><p>�Warum?� fauchte er. �Ich wei� jetzt, woran ich bin. Es ist besser so. Sie ist jetzt in Sicherheit. Vor jedermann, der mich angreifen will. Und sicher vor mir! Es ist besser so!� Aber er schritt in Hemds�rmeln zwischen den zwei Stuhlreihen vor dem Drachenthron auf und ab, die F�uste so angespannt, da� die Kn�chel wei� hervortraten, und finsterer dreinblickend als die schwarzen Wolken au�erhalb der Fenster, die eine neue Schneedecke �ber Cairhien breiteten.</p><p>Min wechselte Blicke mit Fedwin Morr, der an den mit Sonnen verzierten T�ren stand. Die T�chter des Speers lie�en jetzt jedermann, der keine offensichtliche Bedrohung bedeutete, unangek�ndigt herein, aber jene, die Rand heute morgen nicht sehen wollte, w�rden von dem st�mmigen Jungen fortgeschickt werden. Er trug den Drachen und das Schwert an seinem schwarzen Kragen, und Min wu�te, da� er bereits mehr blutige Schlachten miterlebt hatte als die meisten M�nner, die dreimal so alt waren wie er, und doch war er noch ein Junge. Heute wirkte er, w�hrend er Rand beklommene Blicke zuwarf, j�nger denn je. Das Schwert an seiner H�fte empfand Min noch immer als fehl am Platz.</p><p>�Der Wiedergeborene Drache ist ein Mann, Fedwin�, sagte sie. �Und wie alle M�nner trotzt er, wenn er glaubt, eine Frau wollte ihn nicht wiedersehen.�</p><p>Rand blieb stehen und sah sie m�rrisch an. Nur das Wissen, da� er sehr realen Schmerz verbarg, hielt sie davon ab zu lachen. Das und das genauso sichere Wissen, da� er ebenso verletzt gewesen w�re, wenn <emphasis>sie</emphasis> getan h�tte, was getan worden war. Nicht da� sie jemals die Gelegenheit bek�me, seine Banner niederzurei�en, aber der Vergleich stimmte. Rand war zun�chst von den Neuigkeiten, die Taim in der D�mmerung aus Caemlyn brachte, wie benommen gewesen, aber bald nachdem der Mann gegangen war, hatte er aufgeh�rt, schweigend vor sich hin zu br�ten und hatte ... hiermit begonnen!</p><p>Sie stand auf, richtete ihre hellgr�ne Jacke, kreuzte die Arme unter den Br�sten und stellte sich unmittelbar vor ihn. �Was sonst kann es sein?� fragte sie ruhig. Nun, sie versuchte, ruhig zu sein, und es gelang ihr beinahe. Sie liebte den Mann, aber nach diesem Morgen h�tte sie ihn am liebsten kr�ftig geohrfeigt. �Du hast Mat nicht erw�hnt, und du wei�t nicht einmal, ob <emphasis>er</emphasis> �berhaupt noch lebt.�</p><p>�Mat lebt�, murrte Rand. �Ich w�rde es wissen, wenn er tot w�re. Was meinst du damit, ich w�rde ...!� Er bi� die Z�hne zusammen, als k�nnte er sich nicht dazu bringen, das Wort auszusprechen.</p><p>�Trotzen�, half sie ihm. �Und bald wirst du schmollen. Einige Frauen finden M�nner h�bscher, wenn sie schmollen. Ich geh�re nicht dazu.� Nun, genug davon. Seine Miene hatte sich verd�stert, doch er err�tete nicht. �Hast du nicht daf�r gesorgt, da� sie den Thron von Andor bekam? Der rechtm��ig ihr geh�rt, k�nnte ich noch hinzuf�gen. Hast du nicht gesagt, du wolltest, da� sie Andor ganz bekommt und nicht zerrissen wie Cairhien oder Tear?�</p><p>�Das habe ich gesagt!� br�llte er. �Und jetzt geh�rt es ihr, und sie will, da� ich es verlasse. Ich w�rde sagen, das reicht! Und sag mir nicht wieder, ich solle aufh�ren zu br�llen! Ich br�lle nicht...!� Er erkannte, da� er es doch tat, und schlo� ger�uschvoll den Mund. Ein lautes Grollen drang aus seiner Kehle. Morr betrachtete eingehend einen seiner Kn�pfe und drehte ihn hin und her. Er hatte das heute morgen schon h�ufiger getan.</p><p>Min behielt eine ausdruckslose Miene bei. Sie w�rde ihn <emphasis>nicht</emphasis> schlagen, und er war zu gro�, als da� sie ihm h�tte den Hintern versohlen k�nnen. �Andor geh�rt ihr, genau wie du es wolltest�, sagte sie beinahe ruhig. �Keiner der Verlorenen wird sie jetzt noch behelligen, da sie dein Banner niedergerissen hat.� Ein gef�hrliches Leuchten trat in seine blaugrauen Augen, aber sie fuhr bestimmt fort. �Genau wie du es wolltest. Du kannst doch nicht wirklich glauben, da� sie sich auf die Seite deiner Feinde stellt? Andor wird dem Wiedergeborenen Drachen folgen, und das wei�t du. Also bist du nur aus dem Grund verdrossen, weil du glaubst, sie wolle dich nicht sehen. Geh zu ihr, du Narr!� Die n�chsten Worte fielen ihr am schwersten. �Sie wird dich k�ssen, bevor du auch nur zwei Worte gesagt hast.� Licht, sie liebte Elayne fast so sehr wie Rand � auf andere Weise vielleicht ebensosehr �, aber wie sollte eine Frau mit einer wundersch�nen, blonden K�nigin konkurrieren, die auf Abruf eine m�chtige Nation zur Verf�gung hatte?</p><p>�Ich bin nicht... verdrossen�, sagte Rand mit angespannter Stimme und begann erneut, auf und ab zu gehen. Min erwog, ihn fest in den Hintern zu treten.</p><p>Eine der T�ren �ffnete sich, und die wei�haarige Sorilea trat ein. Sie fegte Morr beiseite, noch w�hrend er zu Rand schaute, um festzustellen, ob dieser ihr Eintreten erlaubte. Rand �ffnete den Mund � verdrossen, was auch immer er sonst behauptete �, w�hrend f�nf Frauen in dicken schwarzen Gew�ndern, die vom schmelzenden Schnee feucht waren, der Weisen Frau in den Raum folgten, die H�nde gefaltet, die Blicke gesenkt und die Kapuzen einen Teil ihrer Gesichter verbergend. Ihre F��e waren in Lumpen gewickelt.</p><p>Mins Kopfhaut kribbelte. Sie sah Bilder und Auren um alle sechs Frauen wie auch um Rand tanzen, wieder verschwinden und ersetzt werden. Sie hatte gehofft, er h�tte vergessen, da� jene f�nf noch lebten. Was, im Namen des Lichts, tat diese unberechenbare alte Frau?</p><p>Sorilea vollf�hrte mit klirrenden Gold- und Elfenbeinarmb�ndern eine Geste, und die f�nf stellten sich hastig in einer Reihe auf der in den Steinboden eingelassenen goldenen Aufgehenden Sonne auf. Rand schritt diese Reihe entlang, streifte Kapuzen zur�ck und entbl��te so Gesichter, die er mit kaltem Blick betrachtete. All die schwarzgewandeten Frauen waren ungewaschen und ihr Haar vor Schwei� glatt und schmutzig. Elza Penfell, eine Gr�ne Schwester, erwiderte seinen Blick ungeduldig, einen seltsam inbr�nstigen Ausdruck auf dem Gesicht. Nesune Bihara, eine schlanke Braune, betrachtete ihn ebenso aufmerksam wie er sie. Sarene Nemdahl, selbst in ihrem schmutzigen Zustand so wundersch�n, da� er glaubte, ihre Alterslosigkeit sei nat�rlich, schien ihre Wei�e Ajah-K�hle nur m�hsam beibehalten zu k�nnen. Beldeine Nyram, welche die Stola noch zu kurz trug, um die alterslosen Z�ge aufzuweisen, versuchte ein unsicheres L�cheln, das aber unter seinem Blick dahinschmolz. Erian Boroleos, bla� und fast so h�bsch wie Sarene, zuckte zusammen und zwang sich dann deutlich sichtbar, diesem eisigen Blick standzuhalten. Die beiden letzteren waren ebenfalls Gr�ne, und alle f�nf hatten zu den Schwestern geh�rt, die ihn auf Elaidas Befehl hin entf�hrt hatten. Einige waren unter jenen gewesen, die ihn auf dem Weg nach Tar Valon gequ�lt hatten. Rand wachte immer noch manchmal schwei�gebadet und keuchend auf und murmelte etwas dar�ber, eingesperrt und geschlagen zu werden. Min hoffte, da� sie keine Mordgedanken in seinem Blick sah.</p><p>�Diese Frauen wurden zu <emphasis>Da'tsang</emphasis> gemacht, Rand al'Thor�, sagte Sorilea. �Ich glaube, sie empfinden jetzt zutiefste Schmach. Erian Boroleos bat als erste darum, so geschlagen zu werden, wie Ihr geschlagen wurdet, bei Sonnenaufgang und bei Sonnenuntergang, und inzwischen haben auch die anderen darum gebeten. Diese Bitte wurde gew�hrt. Sie haben auch alle darum gebeten, Euch nach besten Kr�ften dienen zu d�rfen. Das <emphasis>Toh</emphasis> f�r ihren Verrat kann nicht erf�llt werden� � ihre Stimme klang einen Moment d�sterer, denn f�r die Aiel war der Verrat der Entf�hrung weitaus schlimmer als das, was sie danach getan hatten �, �aber sie wissen um ihre Schmach und m�chten es zumindest versuchen. Wir haben beschlossen, Euch die Entscheidung zu �berlassen.�</p><p>Min runzelte die Stirn. Rand die Entscheidung �berlassen? Weise Frauen �berlie�en Entscheidungen, die sie selbst treffen konnten, selten jemand anderem. Und Sorilea tat dies <emphasis>niemals.</emphasis> Die starke Weise Frau richtete sorgf�ltig die dunkle Stola um ihre Schultern und sah Rand an, als w�re diese Angelegenheit �berhaupt nicht wichtig. Doch dann warf sie Min einen Blick aus kalten blauen Augen zu, und pl�tzlich war Min sich sicher, da� die harte alte Frau ihr das Fell �ber die Ohren ziehen w�rde, wenn sie hier das Falsche sagte. Es war keine Vision. Sie kannte Sorilea inzwischen einfach besser, als sie wollte.</p><p>Sie gab sich entschlossen der Betrachtung dessen hin, was rund um die Frauen erschien und wieder verschwand. Keine leichte Aufgabe, wenn sie so nahe beieinander standen, da� sie nicht sicher sein konnte, ob ein bestimmtes Bild zu dieser oder jener Frau geh�rte. Zumindest waren die Auren einigerma�en best�ndig. Licht, mochte sie in der Lage sein, zumindest etwas von dem zu verstehen, was sie sah!</p><p>Rand nahm Sorileas Verk�ndigung k�hl auf, wenn auch nur oberfl�chlich. Er rieb sich langsam die H�nde und betrachtete nachdenklich die in seine Handfl�chen gebrannten Reiher. Dann betrachtete er nacheinander jedes der Aes Sedai-Gesichter und konzentrierte sich schlie�lich auf Erian.</p><p>�Warum?� fragte er sie mit sanfter Stimme. �Ich habe zwei Eurer Beh�ter get�tet. Warum?� Min zuckte zusammen. Rand war vieles, aber selten sanft. Erian war eine jener wenigen, die ihn mehr als einmal geschlagen hatten.</p><p>Die blasse illianische Schwester richtete sich auf. Bilder tanzten, Auren flammten auf und erloschen, aber es war nichts, was Min lesen konnte. Mit schmutzigem Gesicht und langem, stumpfem schwarzem Haar nahm Erian all ihre Aes Sedai-Autorit�t zusammen und begegnete seinem Blick gleichm�tig. Aber ihre Antwort war einfach und direkt. �Wir haben einen Fehler gemacht, als wir Euch gefangennahmen. Ich habe lange dar�ber nachgedacht. Ihr m��t in der Letzten Schlacht k�mpfen, und wir m�ssen Euch helfen. Ich verstehe es, wenn Ihr mich nicht annehmt, aber ich werde Euch die n�tige Hilfe zukommen lassen, wenn Ihr es erlaubt.�</p><p>Rand sah sie ausdruckslos an.</p><p>Er wiederholte seine aus einem Wort bestehende Frage vor jeder Schwester, und die Antworten waren so unterschiedlich wie die Frauen, die sie gaben.</p><p>�Die Gr�ne Ajah ist die Kampfajah�, belehrte Beldeine ihn stolz, und trotz der Flecken auf ihren Wangen und dunkler Schatten unter den Augen wirkte sie wie eine K�nigin der Schlachten. Aber andererseits schien dies die zweite Natur saldaeanischer Frauen zu sein. �Wenn Ihr nach Tarmon Gai'don zieht, mu� die Gr�ne Ajah da sein. Ich werde Euch folgen, wenn Ihr mich annehmt.� Licht, sie w�rde einen Asha'man als Beh�ter binden! Wie...? Nein, das war jetzt nicht wichtig.</p><p>�Was wir getan haben, war zum damaligen Zeitpunkt folgerichtig.� Sarenes m�hsam beibehaltene, k�hle Klarheit wurde zu eindeutiger Sorge, und sie sch�ttelte den Kopf. �Ich sage das nur zur Erkl�rung, nicht als Entschuldigung. Die Umst�nde haben sich ge�ndert. F�r Euch mag der folgerichtige Verlauf vielleicht sein ...� Sie atmete zitternd ein. Bilder und Auren. Ausgerechnet eine st�rmische Liebesaff�re! Die Frau war Eis, wie wundersch�n sie auch war. Und es n�tzte nichts zu wissen, da� irgendein Mann sie dahinschmelzen lassen w�rde! �... uns wieder in die Gefangenschaft zur�ckzuschicken�, fuhr sie fort, �oder uns sogar t�ten zu lassen. F�r mich ist es folgerichtig zu sagen, da� ich Euch dienen mu�.�</p><p>Nesune neigte den Kopf, und ihre fast schwarzen Augen schienen fast jede Einzelheit Rands zu speichern. Eine rotgr�ne Aura erz�hlte von Ehren und Ruhm. Ein gro�es Geb�ude erschien �ber ihrem Kopf und verschwand wieder. Sie w�rde eine Bibliothek gr�nden. �Ich m�chte mich um Euch bem�hen�, sagte sie schlicht. �Und das kann ich wohl kaum tun, wenn ich Steine schleppe oder L�cher grabe. Diese T�tigkeiten lassen einem viel Zeit zum Nachdenken, aber Euch zu dienen scheint mir ein fairer Tausch f�r das, was ich vielleicht lernen kann.� Rand blinzelte bei der Direktheit ihrer Worte, aber seine Miene ver�nderte sich nicht.</p><p>Die �berraschendste Antwort kam von Elza, mehr durch die Art, wie sie gegeben wurde, als durch die Worte selbst. Sie sank auf die Knie und schaute mit fiebrigen Augen zu Rand auf. Ihr ganzes Gesicht gl�hte vor Eifer. Auren flammten auf, und Bilder erschienen kaskadenf�rmig um sie herum, die aber nichts aussagten. �Ihr seid der Wiedergeborene Drache�, sagte sie atemlos. �Ihr m��t in die Letzte Schlacht ziehen. Und ich mu� dabei helfen, da� Ihr in diese Schlacht ziehen k�nnt! Ich werde tun, was immer n�tig ist!� Dann warf sie sich mit dem Gesicht auf den Boden und pre�te die Lippen auf den blanken Stein vor seinen Stiefeln. Selbst Sorilea war �berrascht, und Sarenes Mund stand offen. Morr starrte sie an und drehte dann rasch wieder an seinem Knopf. Min glaubte, ihn nerv�s kichern zu h�ren.</p><p>Rand wandte sich auf dem Absatz um und schritt auf den Drachenthron zu, auf dem sein Szepter und die Krone Illians auf seinem goldbestickten roten Umhang lagen. Sein Gesicht war so freudlos, da� Min zu ihm eilen wollte, gleichg�ltig, wer zusah, aber sie betrachtete dennoch weiterhin die Aes Sedai und Sorilea. Sie hatte noch niemals etwas wirklich N�tzliches um diese wei�haarige alte Vettel herum gesehen.</p><p>Rand wandte sich j�h wieder um und schritt so rasch auf die Reihe der Frauen zu, da� Beldeine und Sarene zur�ckwichen. Eine scharfe Geste von Sorilea lie� sie ihren Platz augenblicklich wieder einnehmen.</p><p>�W�rdet Ihr es akzeptieren, in eine Kiste eingesperrt zu werden?� Seine Stimme knirschte, Stein, der auf gefrorenem Fels mahlte. �Den ganzen Tag in einer Kiste eingeschlossen zu sein und geschlagen zu werden, bevor Ihr hineinsteigt und wenn Ihr wieder herauskommt?� Das hatten sie ihm angetan.</p><p>�Ja!� st�hnte Elza am Boden. �Ich werde tun, was immer n�tig ist!�</p><p>�Wenn Ihr es verlangt�, gelang es Erian ersch�ttert zu antworten, und die anderen nickten mit entsetzten Mienen z�gerlich.</p><p>Min betrachtete die Szene erstaunt und ballte die H�nde in den Jackentaschen zu F�usten. Es schien nur zu nat�rlich, da� er sich auf gleiche Weise r�chen wollte, aber sie mu�te dem irgendwie Einhalt gebieten. Sie kannte ihn besser als er sich selbst. Sie wu�te, wo er hart wie eine Dolchklinge und wo er verletzlich war, wie sehr er es auch leugnete. Er w�rde sich dies niemals vergeben. Aber wie sollte sie es verhindern? Zorn verzerrte sein Gesicht, und er sch�ttelte den Kopf, wie er es stets tat, wenn er mit dieser Stimme in seinem Kopf stritt, die er h�rte. Er murmelte ein Wort laut genug, da� sie es h�ren konnte: <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Sorilea stand ruhig da und beobachtete ihn ebenso aufmerksam wie Nesune. Nicht einmal die drohende Kiste ersch�tterte die Braune. Bis auf Elza, die noch immer st�hnte und den Boden k��te, starrten die Frauen ihn hohl�ugig an, als s�hen sie sich bereits vor Schmerz gekr�mmt und gefesselt, wie er es gewesen war.</p><p>Unter all den um Rand und die Frauen auftauchenden Bildern flammte pl�tzlich eine Aura auf, blau und gelb mit Gr�n, die sie alle einschlo�. Min erkannte ihre Bedeutung. Sie keuchte, halb �berrascht, halb erleichtert.</p><p>�Sie werden dir dienen, jede auf ihre Art, Rand�, sagte sie hastig. �Ich habe es gesehen.� <emphasis>Sorilea</emphasis> w�rde ihm dienen? Min fragte sich j�h, was genau �auf ihre Art� bedeutete. Die Worte kamen mit dem Wissen, aber sie wu�te nicht immer, was die Worte selbst bedeuteten. Aber sie <emphasis>w�rden</emphasis> ihm dienen, soviel war sicher.</p><p>Der Zorn wich aus Rands Gesicht, w�hrend er die Aes Sedai schweigend betrachtete. Einige von ihnen sahen Min mit gew�lbten Augenbrauen an und wunderten sich offensichtlich dar�ber, da� nur wenige Worte von ihr soviel Gewicht hatten, aber �berwiegend beobachteten sie Rand, wobei sie kaum zu atmen schienen. Selbst Elza hob den Kopf, um zu ihm aufzuschauen. Sorilea warf Min einen raschen Blick zu und nickte kaum wahrnehmbar. Anerkennend, dachte Min. Also t�uschte die alte Frau auf die eine oder andere Art nur vor, da� sie nichts k�mmerte?</p><p>Schlie�lich sprach Rand. �Ihr k�nnt Euch mir verschw�ren, wie es auch Kiruna und die �brigen getan haben. Andernfalls m��t Ihr dorthin zur�ckgehen, wo die Weisen Frauen Euch festgehalten haben. Weniger werde ich nicht akzeptieren.� Obwohl seine Stimme fordernd klang, wirkte er, als wenn auch ihn nichts k�mmerte, die Arme verschr�nkt, der Blick ungeduldig. Der von ihm geforderte Schwur wurde eiligst geleistet.</p><p>Min erwartete keine Ausfl�chte, nicht nach ihrer Vision, und doch �berraschte es sie, als sich Elza auf die Knie aufrichtete und die �brigen sich auf die Knie niederlie�en. In grobem Gleichklang schworen f�nf weitere Aes Sedai unter dem Licht und bei der Hoffnung auf Erl�sung, dem Wiedergeborenen Drachen treu zu dienen, bis die Letzte Schlacht geschlagen war. Nesune sprach die Worte aus, als erw�ge sie jedes einzelne, Sarene so, als zitiere sie ein logisches Prinzip, Elza mit einem breiten, siegreichen L�cheln � aber sie alle leisteten den Schwur. Wie viele Aes Sedai w�rde er um sich versammeln?</p><p>Mit dem Eid schien Rand das Interesse zu verlieren. �Sucht Kleidung f�r sie und steckt sie zu Euren anderen �Lehrlingen��, befahl er Sorilea geistesabwesend. Er runzelte die Stirn, was aber nicht ihr oder den Aes Sedai galt. �Wie viele wirst du letztendlich hinter dir haben?� Min zuckte beim Echo ihres eigenen Gedankens fast zusammen.</p><p>�Wie viele auch immer n�tig sind�, sagte Sorilea trocken. �Ich glaube, es werden weitere kommen.� Sie klatschte einmal in die H�nde und vollf�hrte eine Geste, und die f�nf Schwestern sprangen auf. Nur Nesune wirkte �berrascht, wie bereitwillig sie gehorcht hatten. Sorilea l�chelte, ein sehr zufriedenes L�cheln f�r eine Aiel, und Min glaubte nicht, da� es dem Gehorsam der Frauen galt.</p><p>Rand wandte sich ab. Er begann bereits wieder, auf und ab zu schreiten und wegen Elayne finster die Stirn zu runzeln. Min lie� sich erneut auf ihren Stuhl sinken und w�nschte, sie h�tte eines von Meister Fels B�chern zum Lesen. Oder um es auf Rand zu schleudern. Nun, eines von Meister Fei zum Lesen, und das eines anderen zum Werfen.</p><p>Sorilea trieb die schwarz gekleideten Schwestern aus dem Raum, hielt dann mit einer Hand an der T�r inne und schaute zu Rand zur�ck, der von ihr fort auf den vergoldeten Thron zuging. Sie sch�rzte nachdenklich die Lippen. �Diese Frau, Cadsuane Melaidhrin, verweilt heute wieder unter diesem Dach�, sagte sie schlie�lich an seinen R�cken gewandt. �Sie glaubt wahrscheinlich, ihr h�ttet Angst vor ihr, Rand al'Thor, so wie Ihr sie meidet.� Mit diesen Worten ging sie.</p><p>Rand stand einen langen Moment nur da und starrte auf den Thron. Oder vielleicht auf etwas Jenseitiges. Dann sch�ttelte er sich j�h und trat auf das Podest, um die Schwerterkrone aufzunehmen. Als er sie sich jedoch gerade aufsetzen wollte, z�gerte er und legte sie auf den Thron zur�ck. Er zog seine Jacke an und belie� Krone und Szepter an ihrem Platz.</p><p>�Ich beabsichtige herauszufinden, was Cadsuane will�, verk�ndete er. �Sie kommt nicht jeden Tag zum Palast, weil sie gern durch den Schnee l�uft. Kommst du mit mir, Min? Vielleicht hast du dort eine Vision.�</p><p>Sie war schneller aufgestanden als alle diese Aes Sedai. Ein Besuch bei Cadsuane w�re wahrscheinlich ebenso angenehm wie ein Besuch bei Sorilea, aber alles war besser, als allein hier zu sitzen. Au�erdem h�tte sie dort vielleicht <emphasis>wirklich</emphasis> eine Vision. Fedwin schlo� sich ihnen mit wachsamem Blick an.</p><p>Die sechs T�chter des Speers drau�en in dem hohen gew�lbten Gang erhoben sich, aber sie folgten ihnen nicht. Min kannte nur Somara, die Min kurz zul�chelte und Rand einen mi�billigenden Blick zuwarf. Die �brigen blickten lediglich finster drein. Die T�chter des Speers hatten seine Erkl�rung zun�chst akzeptiert, da� er ohne sie gegangen war, um m�gliche Beobachter zu der Annahme zu verleiten, er befinde sich noch in Cairhien, aber sie verlangten noch immer zu wissen, warum er nicht im nachhinein nach ihnen geschickt hatte, und Rand hatte keine Antwort gewu�t. Er murrte leise etwas und beschleunigte seinen Schritt, so da� Min M�he hatte mitzuhalten.</p><p>�Beobachte Cadsuane genau, Min�, sagte er. �Und Ihr ebenfalls, Morr. Sie verfolgt irgendeinen Aes Sedai-Plan, aber ich sei verdammt, wenn ich erkennen kann, worum es geht. Ich wei� es nicht...�</p><p>Eine Steinmauer traf Min anscheinend von hinten. Sie glaubte ein Br�llen, ein Krachen zu h�ren. Und dann drehte Rand sie um � sie lag auf dem Boden? �und blickte das erste Mal, seit sie sich erinnern konnte, mit Angst in diesen morgenblauen Augen auf sie herab. Sie schwand erst, als sie sich hustend aufsetzte. Die Luft war voller Staub! Und dann sah sie den Gang.</p><p>Die T�chter des Speers waren von ihrem Platz vor Rands T�ren verschwunden, und auch die T�ren selbst waren verschwunden, zusammen mit dem gr��ten Teil der Wand. Eine fast ebenso gro�e, gezackte �ffnung klaffte in der gegen�berliegenden Wand. Trotz des Staubs konnte Min genau in seine R�ume schauen, die verheert waren. �berall lagen gro�e Haufen Schutt, und durch ein g�hnendes Loch in der dar�berliegenden Decke sah man den Himmel. Schnee wirbelte auf die im Schutt tanzenden Flammen herab. Einer der wuchtigen Schwarzholzpfosten von Rands Bett stak brennend in den Tr�mmern, und sie erkannte, da� sie bis ganz hinaus zu den Stufent�rmen blicken konnte, die vom herabfallenden Schnee verschleiert waren. Es war, als h�tte ein riesiger Hammer in den Sonnenpalast eingeschlagen. Wenn sie dort drinnen gewesen w�ren anstatt auf dem Weg zu Cadsuane ... Min erschauderte.</p><p>�Was ...?� begann sie unsicher und tat die nutzlose Frage dann ab. Jeder Narr konnte sehen, <emphasis>was</emphasis> geschehen war. �Wer?� fragte sie statt dessen.</p><p>Staubbedeckt, das Haar vollkommen wirr und mit Rissen in ihren Jacken, erweckten die beiden M�nner den Eindruck, als w�ren sie den Gang entlang gerollt worden, und vielleicht war dem auch so. Sie befanden sich alle drei gute zehn Schritt weiter als zuvor von der Stelle entfernt, wo die T�ren gewesen waren. In der Ferne erklangen besorgte Rufe, die durch die G�nge hallten. Keiner der M�nner antwortete ihr.</p><p>�Kann ich Euch vertrauen, Morr?� fragte Rand.</p><p>Fedwin erwiderte seinen Blick offen. �Ihr k�nnt mir Euer Leben anvertrauen�, sagte er schlicht.</p><p>�Genau das <emphasis>vertraue</emphasis> ich Euch auch an�, sagte Rand. Er strich mit den Fingern �ber Mins Wange und erhob sich dann j�h. �Besch�tzt sie mit <emphasis>Eurem</emphasis> Leben, Morr.� Seine Stimme klang stahlhart. Grimmig wie der Tod. �Wenn sie noch immer im Palast sind, werden sie sp�ren, wenn Ihr ein Wegetor zu gestalten versucht, und Euch angreifen, bevor Ihr es beenden k�nnt. Lenkt die Macht nicht, wenn es nicht sein mu�, aber haltet Euch bereit. Bringt Min zu den Dienstbotenquartieren hinunter und t�tet jeden, der zu ihr zu gelangen versucht. Jeden!�</p><p>Mit einem letzten Blick zu ihr � oh, Licht, zu jedem anderen Zeitpunkt h�tte sie gedacht, sie k�nnte gl�cklich sterben, wenn sie diesen Blick in seinen Augen sah! � eilte er im Laufschritt davon, fort vom Ort der Verw�stung. Fort von ihr. Wer auch immer ihn zu t�ten versucht hatte, w�rde ihn jagen.</p><p>Morr t�tschelte mit einer staubigen Hand ihren Arm und grinste sie jungenhaft an. �Macht Euch keine Sorgen, Min. Ich werde auf Euch aufpassen.�</p><p>Aber wer w�rde auf Rand aufpassen? Kann ich Euch vertrauen? hatte er diesen Jungen gefragt, der als einer der ersten gekommen war und darum gebeten hatte, lernen zu d�rfen. Licht, wer w�rde auf ihn aufpassen?</p><p>Rand umrundete eine Ecke und blieb dann mit einer Hand an der Wand stehen, um die Quelle zu ergreifen. Es war t�richt, da� er nicht wollte, da� Min ihn taumeln sah, wenn jemand ihn zu t�ten versuchte, aber es war so. Nicht einfach irgend jemand. Ein Mann, Demadred, oder vielleicht Asmodean, der doch noch zur�ckgekehrt war. Vielleicht auch beide. Es war seltsam gewesen, als w�re das Gewebe aus verschiedenen Richtungen entstanden. Er hatte das Lenken der Macht zu sp�t gesp�rt, um etwas dagegen zu unternehmen. In seinen R�umen w�re er gestorben. Er war bereit zu sterben. Aber Min nicht, nein, Min nicht. Elayne sollte sich besser gegen ihn wenden. Oh, Licht, das tat sie!</p><p>Er ergriff die Quelle, und <emphasis>Saidin</emphasis> durchstr�mte ihn mit geschmolzener K�lte und gefrorener Hitze, mit Leben und Sanftheit, Schmutz und Tod. Sein Magen rebellierte, und der Gang vor ihm kr�mmte sich. Er glaubte einen Moment, ein Gesicht zu sehen. Nicht mit seinen Augen. In seinem Kopf. Einen Mann, schimmernd und unscharf, und dann fort. Er schwebte voller Macht im leeren Nichts.</p><p><emphasis>Du wirst nicht siegen,</emphasis> belehrte er Lews Therin. <emphasis>Wenn ich sterbe, sterbe ich</emphasis> selbst!</p><p><emphasis>Ich h�tte llyena fortschicken sollen,</emphasis> fl�sterte Lews Therin zur�ck. <emphasis>Sie h�tte �berlebt.</emphasis></p><p>Rand stie� die Stimme von sich, wie er sich von der Wand abstie�, und huschte mit aller ihm m�glichen Verstohlenheit die Palastg�nge entlang, trat vorsichtig auf, glitt nahe an den mit Gobelins behangenen W�nden entlang, um goldverzierte Truhen und vergoldete Vitrinen mit zerbrechlichem Porzellan und Elfenbeinstatuetten herum. Sein Blick suchte seine Angreifer. Sie w�rden nicht eher ruhen, bis sie seine Leiche vor sich h�tten, aber sie w�rden sich seinen R�umen sehr vorsichtig n�hern, falls er durch irgendeinen <emphasis>Ta'veren-</emphasis>Wirbel �berlebt h�tte. Sie w�rden abwarten, um zu sehen, ob er sich regte. Im Nichts war er so sehr verbunden mit der Macht, wie ein Mann es nur ertragen konnte. Im Nichts war er, wie mit einem Schwert, eins mit seiner Umgebung.</p><p>Wilde Schreie und L�rm erklangen aus allen Richtungen, wobei einige lauthals wissen wollten, was geschehen war, und andere riefen, der Wiedergeborene Drache sei gewi� wahnsinnig geworden. Das Kn�uel Entt�uschung in seinem Kopf, das Alanna war, bot einen kleinen Trost. Sie befand sich au�erhalb des Palasts, wie schon den ganzen Morgen, vielleicht sogar au�erhalb der Stadtmauern. Er w�nschte, das g�lte auch f�r Min. Manchmal sah er M�nner und Frauen in den G�ngen, haupts�chlich schwarz livrierte Diener, die rannten, hinfielen, sich wieder aufrappelten und weiterrannten. Sie sahen ihn nicht. Mit der ihm innewohnenden Macht konnte er auch das leiseste Ger�usch h�ren. Einschlie�lich des Ger�uschs weicher Stiefel in leichtf��igem Lauf.</p><p>Er lehnte sich gegen eine Wand neben einem langen, mit Porzellan bestandenen Tisch, wob rasch Feuer und Luft um sich und hielt sich in dem Umh�llenden Licht sehr still.</p><p>Ein ganzer Strom verschleierter T�chter des Speers erschien und lief, ohne ihn zu sehen, an ihm vorbei auf seine R�ume zu. Er durfte nicht zulassen, da� sie ihn begleiteten. Er hatte es versprochen, aber nur, um sie k�mpfen zu lassen, und nicht, um sie zur Schlachtbank zu f�hren. Wenn er Demandred und Asmodean fand, w�rden die T�chter des Speers sterben, und er mu�te seiner Liste bereits f�nf weitere Namen hinzuf�gen. Sorama von den Geneigte Bergspitze-Daryne befand sich bereits darauf. Es war ein notwendiges Versprechen gewesen, eines, das er halten mu�te. Er verdiente schon f�r dieses Versprechen allein zu sterben!</p><p><emphasis>Adler und Frauen k�nnen nur in K�figen sicher gehalten werden,</emphasis> zitierte Lews Therin eine feststehende Redewendung und begann dann j�h zu weinen, als die letzte der T�chter des Speers verschwand.</p><p>Rand ging weiter und durchstreifte den Palast in weiten, sich langsam von seinen R�umen entfernenden B�gen. Das ihn Umh�llende Licht ben�tigte nur sehr wenig der Macht � so wenig, da� niemand die Benutzung <emphasis>Saidins</emphasis> h�tte sp�ren k�nnen, der nicht unmittelbar darauf stie� �, und er benutzte es, wann immer jemand ihn wom�glich sehen konnte. Seine Angreifer hatten den Anschlag auf seine R�ume nicht zuf�llig ausgef�hrt. Sie hatten Augen-und-Ohren im Palast. Vielleicht war es sein Wirken als <emphasis>Ta'veren</emphasis> gewesen, das ihn aus seinen R�umen getrieben hatte, wenn ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> auf sich selbst wirken konnte, und vielleicht war es auch nur ein Zufall, aber vielleicht konnte sein Zerren am Muster seine Angreifer in seine Reichweite f�hren, w�hrend sie ihn tot oder verletzt glaubten. Lews Therin kicherte bei dem Gedanken. Rand konnte fast sp�ren, wie sich der Mann erwartungsvoll die H�nde rieb.</p><p>Er mu�te sich noch drei Mal hinter der Macht verbergen, als verschleierte T�chter des Speers vor�bereilten, und einmal, als er Cadsuane mit nicht weniger als sechs Aes Sedai auf den Fersen, von denen er keine erkannte, vor ihm den Gang entlang eilen sah. Sie schienen auf der Jagd zu sein. Eigentlich hatte er keine Angst vor der grauhaarigen Schwester. Nein, nat�rlich hatte er keine Angst! Aber er wartete, bis sie und ihre Freundinnen weit au�er Sicht gelangt waren, bevor er sein ihn verbergendes Gewebe loslie�. Lews Therin kicherte bei Cadsuane nicht. Er war totenstill, bis sie fort war.</p><p>Rand trat von der Wand fort, als sich unmittelbar neben ihm eine T�r �ffnete und Ailil heraussp�hte. Er hatte nicht bemerkt, da� er sich in der N�he ihrer R�ume befand. Hinter ihrer Schulter tauchte eine dunkle Frau auf, mit breiten goldenen Ohrringen und einer mit Medaillons behangenen Goldkette, die �ber ihre linke Wange zu einem Nasenring verlief. Shalon, Windsucherin Harine din Togaras, die Gesandte der Atha'an Miere, die schon fast in dem Moment mit ihrem Gefolge in den Palast eingezogen war, als Merana ihm von der �bereinkunft berichtet hatte. Und sie traf sich mit einer Frau, die ihn vielleicht tot sehen wollte. Ihrer beider Augen traten bei seinem Anblick hervor.</p><p>Er war so freundlich wie m�glich, aber er mu�te sich beeilen. Nur wenige Momente, nachdem sich die T�r ge�ffnet hatte, versteckte er eine einigerma�en �berrumpelte Ailil neben Shalon unter ihrem Bett. Vielleicht hatten sie keinen Anteil an dem, was geschah. Vielleicht. Es war jedoch besser sicherzugehen, als hinterher zu bereuen. Sie starrten ihn an, mit Knebeln im Mund, und wehrten sich gegen die Streifen Bettlaken, mit denen er sie an H�nden und F��en gefesselt hatte. Den Schild, der Shalon abschirmte, hatte er abgebunden. Es w�rde ungef�hr einen Tag lang dauern, bevor sich der Knoten l�ste, aber bis dahin w�rde sie auch jemand finden und ihre �brigen Fesseln durchschneiden.</p><p>Da Rand sich wegen dieses Schildes sorgte, �ffnete er die T�r einen Spaltbreit, so da� er den Gang �berpr�fen konnte, und eilte dann hinaus und den leeren Flur entlang. Er hatte der Windsucherin nicht die M�glichkeit lassen d�rfen, die Macht zu lenken, aber eine Frau abzuschirmen erforderte mehr als nur ein Quentchen der Macht. Wenn einer seiner Angreifer ausreichend nahe gewesen war ... Doch er erblickte ebensowenig in den Querg�ngen irgend jemanden.</p><p>F�nfzig Schritt hinter Ailils R�umen �ffnete sich der Gang zu einer quadratischen, mit Balustern versehenen, blauen Marmorgalerie mit breiten Treppen an beiden Enden, die auf einen quadratischen Raum mit einer hohen gew�lbten Decke und derselben Galerie auf der anderen Seite hinausf�hrte. Zehn Fu� hohe Wandteppiche mit in strengen Mustern dargestellten, dem Himmel entgegen strebenden V�geln hingen an den W�nden. Unten stand Dashiva und sah sich um, wobei er sich unsicher die Lippen leckte. Gedwyn und Rochaid waren bei ihm! Lews Therin schwatzte vom T�ten.</p><p>�... habe Euch gesagt, da� <emphasis>ich</emphasis> nichts gesp�rt habe�, sagte Gedwyn gerade. �Er ist tot!�</p><p>Dann erblickte ihn Dashiva oben an der Treppe.</p><p>Als einzige Warnung registrierte Rand, wie sich Dashivas Gesicht j�h boshaft verzerrte. Dashiva lenkte die Macht, und ohne Zeit zum Nachdenken zu haben, wob Rand etwas. Wie so oft, wu�te er nicht was, denn etwas drang aus Lews Therins Erinnerungen empor. Rand war sich nicht einmal sicher, ob er das Gewebe vollkommen selbst gestaltete oder ob Lews Therin</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> ergriffen hatte, aber dennoch wob er mit Luft und Feuer und Erde einen Schild um sich. Feuer brach von Dashiva auf, zerschmetterte Marmor, schleuderte Rand in den Gang zur�ck und lie� ihn in seinen Kokon beschr�nkt umherrollen.</p><p>Dieser Kokon w�rde alles au�er Baalsfeuer abhalten. Einschlie�lich der Luft zum Atmen. Rand lie� ihn keuchend los, w�hrend das Krachen der Explosionen noch immer nachklang, Staub in der Luft hing und geborstene Marmorst�cke herabfielen. Au�er wegen der Atemluft lie� er den Kokon auch los, weil das, was die Macht abhalten konnte, sie auch darin festhielt. Bevor er noch zum Stillstand gelangt war, lenkte er Feuer und Luft, wob sie aber vollkommen anders als f�r das Umh�llende Licht n�tig. D�nne rote Dr�hte entsprangen seiner linken Hand und breiteten sich f�cherf�rmig aus, w�hrend sie durch das sich dazwischen auft�rmende Gestein zu der Stelle hindurch schnitten, an der Dashiva und die �brigen gestanden hatten. Aus seiner Linken schnellten Flammenkugeln, mit Luft verwobenes Feuer, schneller als er z�hlen konnte, und brannten sich durch das Gestein, bevor sie in jenem Raum explodierten. Ein best�ndiges, ohrenbet�ubendes Br�llen lie� den Palast erbeben. Herabgesunkener Staub erhob sich abermals, und neue Steinsplitter st�rzten herab.</p><p>Rand sprang jedoch fast augenblicklich auf und lief an Ailils R�umen vorbei wieder zur�ck. Ein Mann, der angriff und am Fleck verweilte, forderte seinen Tod heraus. Er war bereit zu sterben, aber noch nicht jetzt. Er knurrte lautlos, eilte einen weiteren Gang entlang, stieg eine enge Dienstbotentreppe hinab und landete im darunterliegenden Stockwerk.</p><p>Er arbeitete sich vorsichtig zu der Stelle vor, wo er Dashiva gesehen hatte, bereit, auch nur bei seinem fl�chtigen Anblick t�dliche Gewebe zu schleudern.</p><p><emphasis>Ich h�tte sie alle gleich zu Anfang t�ten sollen,</emphasis> schnaubte Lews Therin. <emphasis>Ich h�tte sie alle t�ten sollen!</emphasis></p><p>Rand lie� ihn w�ten.</p><p>Der gro�e Raum war vom Feuer verheert worden. Nur verkohlte �berreste, an denen noch Flammen z�ngelten, waren von den Wandteppichen geblieben, und gewaltige Vertiefungen von einem Schritt Durchmesser klafften im Boden und in den W�nden. Die Treppe, die Rand hatte hinabsteigen wollen, endete auf halber H�he an einer zehn Fu� hohen L�cke. Aber es war kein Anzeichen von den drei M�nnern zu sehen. Sie w�rden nicht vollst�ndig verbrannt sein. Etwas w�rde �briggeblieben sein.</p><p>Ein Diener in einer schwarzen Jacke streckte vorsichtig den Kopf aus einer kleinen T�r neben der Treppe an der anderen Seite des Raums. Als sein Blick auf Rand fiel, rollte er mit den Augen und sank vorn�ber. Eine Dienerin lugte aus einem Gang hervor, raffte dann ihre R�cke und rannte den Weg zur�ck, den sie gekommen war, wobei sie lauthals schrie, der Wiedergeborene Drache t�te jedermann im Palast.</p><p>Rand verlie� den Raum mit verzerrter Miene. Er war sehr gut darin, Menschen zu �ngstigen, die ihm keinen Schaden zuf�gen konnten. Sehr gut im Zerst�ren.</p><p><emphasis>Zerst�ren oder zerst�rt werden,</emphasis> sagte Lews Therin lachend. <emphasis>Wenn das deine Wahl ist � gibt es dann einen Unterschied?</emphasis></p><p>Irgendwo im Palast lenkte ein Mann genug Macht, um ein Wegetor zu gestalten. Dashiva und seine Leute, die fliehen wollten? Oder die ihn dies glauben machen wollten?</p><p>Er durchschritt die G�nge des Palasts, ohne sich noch um Deckung zu k�mmern, auch wenn jedermann sonst darum bem�ht schien. Die wenigen Diener, die er sah, flohen schreiend. Er durchforschte jeden Gang, fast bis zum Bersten von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt, voller Feuer und Eis, die ihn ebenso sicher vernichten wollten, wie Dashiva es gewollt hatte, voll des Makels, der sich den Weg in seine Seele wand. Er brauchte Lews Therins irres Lachen und seine Fieberphantasien nicht, um von dem Verlangen zu t�ten erf�llt zu sein.</p><p>Ein fl�chtiger Blick auf eine schwarze Jacke vor ihm, und seine Hand scho� hoch, Feuer flammte auf, explodierte und ri� die Ecke fort, an der zwei G�nge aufeinander trafen. Rand lie� das Gewebe verblassen, aber er lie� es nicht los. Hatte er ihn get�tet?</p><p>�Mein Lord Drache�, rief eine Stimme jenseits des geborstenen Mauerwerks, �ich bin es, Narishma! Und Flinn!�</p><p>�Ich habe Euch nicht erkannt�, log Rand. �Kommt her.�</p><p>�Ihr seid wohl erz�rnt�, rief Flinns Stimme. �Wir sollten vielleicht noch eine Weile warten, bis sich alle wieder beruhigt haben.�</p><p>�Ja�, sagte Rand z�gernd. Hatte er wirklich versucht, Narishma zu t�ten? Er glaubte nicht, Lews Therin die Schuld geben zu k�nnen. �Ja, das ist vielleicht das beste. Noch eine Weile.� Es erfolgte keine Antwort. H�rte er sich entfernende Stiefelschritte? Er zwang seine H�nde nach unten und wandte sich in eine andere Richtung.</p><p>Er durchsuchte den Palast stundenlang, ohne ein Zeichen von Dashiva und den anderen zu finden. Die G�nge und gro�en S�le, sogar die K�chen waren menschenleer. Er fand nichts und erfuhr nichts. Nein. Er erkannte, da� er etwas sehr wohl erfahren hatte. Vertrauen war ein Dolch, und das Heft war ebenso scharf wie die Klinge.</p><p>Dann fand er zum Schmerz.</p><p>Der kleine Raum mit dem gemauerten Gew�lbe lag tief unter dem Sonnenpalast verborgen und war warm, obwohl kein Kamin vorhanden war, aber Min fror dennoch. Drei vergoldete Lampen auf dem kleinen Holztisch gaben ausreichendes Licht. Rand hatte gesagt, da� er sie von hier fortschaffen k�nnte, auch wenn jemand den Palast aus dem Boden zu rei�en versuchte. Er hatte nicht geklungen, als h�tte er gescherzt.</p><p>Min hielt die Krone Illians auf dem Scho� und beobachtete Rand, wie er Fedwin beobachtete. Ihre H�nde legten sich fester um die Krone und l�sten sich sofort wieder, als die kleinen, unter den Lorbeerbl�ttern verborgenen Schwerter sie stachen. Seltsam, da� die Krone und das Szepter �berlebt haben sollten, obwohl der Drachenthron selbst nur noch ein Haufen unter Schutt begrabener, vergoldeter Splitter war. Eine gro�e Ledertasche neben ihrem Stuhl, an der Rands Schwertg�rtel und das in der Scheide steckende Schwert lehnten, enthielt, was er noch hatte retten k�nnen. Ihrer Einsch�tzung nach eine �berwiegend seltsame Auswahl.</p><p><emphasis>Du gedankenloser Tolpatsch,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Nicht �ber das nachzudenken, was unmittelbar vor dir ist, wird es nicht vertreiben.</emphasis></p><p>Rand sa� mit gekreuzten Beinen auf dem blanken Steinboden, noch immer von Staub und Splittern bedeckt und die Jacke zerrissen. Sein Gesicht war versteinert. Er beobachtete Fedwin, ohne einmal zu blinzeln. Der Junge sa� ebenfalls auf dem Boden, die Beine von sich gestreckt. Die Zunge zwischen den Z�hnen, konzentrierte er sich darauf, aus Holzkl�tzen einen Turm zu bauen. Min schluckte schwer.</p><p>Sie konnte sich noch immer an den Schrecken erinnern, als sie erkannte, da� der Junge, der sie �besch�tzte�, jetzt den Geist eines Kleinkinds besa�. Auch die Traurigkeit war geblieben � Licht, er war nur ein Junge! Es war nicht richtig! �, aber sie hoffte, da� Rand ihn noch immer abschirmte. Es war nicht leicht gewesen, Fedwin dazu zu bringen, mit diesen Holzkl�tzen zu spielen, anstatt mit der Macht Steine aus den W�nden zu ziehen, um einen � gro�en Turm zu Eurem Schutz� zu bauen. Und dann hatte <emphasis>sie</emphasis> dagesessen und <emphasis>ihn</emphasis> besch�tzt, bis Rand kam. Oh, Licht, sie versp�rte das Verlangen zu weinen. Noch mehr um Rand als um Fedwin.</p><p>�Ihr verbergt Euch anscheinend in den Tiefen.�</p><p>Die dunkle Stimme im Eingang hatte noch nicht geendet, als Rand auch schon aufgesprungen war und Mazrim Taim gegen�berstand. Der Mann mit der Hakennase trug wie stets eine schwarze Jacke mit blaugoldenen Drachen auf den �rmeln. Anders als die Asha'man wies er weder Schwert noch Drachen an seinem hohen Kragen auf. Sein dunkles Gesicht war fast ebenso ausdruckslos wie Rands. Als Rand ihn ansah, schien er mit den Z�hnen zu knirschen. Min befreite verstohlen einen Dolch aus ihrem �rmel. Um beide M�nner tanzten gleich viele Bilder und Auren, aber es war keine Vision, die sie pl�tzlich vorsichtig werden lie�. Sie hatte schon fr�her gesehen, wie ein Mann zu entscheiden versuchte, ob er einen anderen Mann t�ten sollte, und jetzt sah sie es wieder.</p><p>�Ihr kommt hierher und haltet <emphasis>Saidin</emphasis> fest, Taim?� fragte Rand viel zu sanft. Taim spreizte die H�nde, und Rand sagte: �So ist es besser.� Aber er entspannte sich nicht.</p><p>�Ich bef�rchtete nur, ich k�nnte versehentlich erstochen werden�, sagte Taim entschuldigend, �wenn ich durch G�nge hier herabsteige, die voller Aielfrauen sind. Sie scheinen ziemlich aufgeregt.� Sein Blick lie� Rand nicht los, aber Min war sich sicher, da� er bemerkt hatte, wie sie ihren Dolch ber�hrte. �Was nat�rlich verst�ndlich ist�, fuhr er glatt fort. �Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, Euch lebend vorzufinden, nachdem ich gesehen habe, was oben geschehen ist. Ich bin gekommen, um Abtr�nnige zu melden. Normalerweise h�tte ich mir die M�he nicht gemacht, aber es handelt sich um Gedwyn, Rochaid, Torval und Kisman. Sie waren wohl wegen der Ereignisse in Altara verstimmt, aber ich h�tte niemals gedacht, da� sie so weit gehen w�rden. Ich habe keinen der M�nner gesehen, die ich bei Euch lie�.� Sein Blick zuckte einen Moment <emphasis>zu</emphasis> Fedwin. Nur einen Moment. �Es gab noch ... andere ... Verluste? Ich nehme den da mit, wenn Ihr wollt.�</p><p>�Ich habe den M�nnern befohlen, au�er Sicht zu bleiben�, sagte Rand barsch. �Und ich werde mich selbst um Fedwin k�mmern. Sein Name ist Fedwin Morr, Taim � nicht �der da�.� Er ging r�ckw�rts zum Tisch und nahm den zwischen den Lampen stehenden Silberbecher auf. Min hielt den Atem an.</p><p>�Die Weise Frau in meinem Dorf konnte alles heilen�, sagte Rand, w�hrend er sich neben Fedwin kniete. Irgendwie gelang es ihm, dem Jungen zuzul�cheln, ohne Taim aus den Augen zu lassen. Fedwin erwiderte sein L�cheln gl�cklich und wollte den Becher nehmen, aber Rand hielt ihn ihm selbst an die Lippen. �Sie wei� mehr �ber Krauter als sonst jemand, dem ich jemals begegnet bin. Ich habe ein wenig dar�ber von ihr gelernt � welche Krauter giftig sind und welche nicht.� Fedwin seufzte, als Rand den Becher fortnahm und den Jungen an seiner Brust barg. �Schlaf, Fedwin�, murmelte Rand.</p><p>Es schien, als schliefe der Junge wirklich ein. Seine Augen fielen zu, und seine Brust hob und senkte sich langsamer. Noch langsamer. Bis es aufh�rte. Sein L�cheln verweilte.</p><p>�Es war etwas im Wein�, sagte Rand sanft, w�hrend er Fedwin hinlegte. Mins Augen brannten, aber sie w�rde nicht weinen. Sie w�rde es nicht tun!</p><p>�Ihr seid h�rter, als ich dachte�, murrte Tairn.</p><p>Rand l�chelte ihn mit festem, wildem Blick an. �F�gt Corlan Dashiva Eurer Liste der Abtr�nnigen hinzu, Taim. Wenn ich die Schwarze Burg das n�chste Mal besuche, erwarte ich, seinen Kopf an Eurem Verr�terbaum zu sehen.�</p><p>�Dashiva?� wiederholte Taim mit �berrascht geweiteten Augen. �Es wird Euren W�nschen gem�� geschehen. Wenn Ihr die Schwarze Burg das n�chste Mal besucht.� So rasch erholte er sich, erneut aalglatt und gelassen. Wie sehr sie w�nschte, sie k�nnte ihre Visionen von ihm entschl�sseln.</p><p>�Kehrt zur Schwarzen Burg zur�ck und kommt nicht wieder hierher.� Rand erhob sich und sah den anderen Mann �ber Fedwins K�rper hinweg an. �Ich ziehe vielleicht eine Weile umher.�</p><p>Taim verbeugte sich kaum sichtbar. �Wie Ihr befehlt.�</p><p>Als sich die T�r hinter ihm schlo�, atmete Min tief aus.</p><p>�Es hat keinen Sinn, Zeit zu verschwenden, und wir haben auch keine Zeit zu verschwenden.� Rand kniete sich vor sie hin, nahm die Krone und lie� sie zu den anderen Gegenst�nden in die Tasche gleiten. �Min, ich dachte, ich w�re das ganze Rudel Jagdhunde, das einen Wolf nach dem anderen zu Tode hetzt, aber anscheinend bin ich der Wolf.�</p><p>�Verdammt seist du�, fl�sterte sie. Min verschr�nkte beide H�nde in seinem Haar und sah ihm in die Augen. Jetzt blau, jetzt grau, jetzt ein Morgenhimmel unmittelbar vor Sonnenaufgang. Und trocken. �Du kannst weinen, Rand al'Thor. Du wirst nicht dahinschmelzen, wenn du weinst!�</p><p>�Ich habe auch keine Zeit f�r Tr�nen, Min�, sagte er sanft. �Manchmal fangen die Jagdhunde den Wolf und w�nschten, es w�re ihnen nicht gelungen. Manchmal greift er sie an oder wartet im Hinterhalt. Aber zun�chst mu� der Wolf davonlaufen.�</p><p>�Wann brechen wir auf?� Sie lie� sein Haar nicht los. Sie w�rde ihn niemals loslassen. Niemals.</p></section><section><title><p>30</p><p>Anf�nge</p></title><p>Perrin hielt mit einer Hand seinen pelzverbr�mten �Umhang fest und �berlie� dem kastanienbraunen Steher das Tempo. Die Morgensonne spendete keine W�rme, und der von Furchen durchzogene Schnee auf der nach Abila f�hrenden Stra�e machte das Vorankommen m�hsam. Perrin und seine ein Dutzend Gef�hrten teilten sich den Weg mit nur zwei rumpelnden Ochsenkarren und einer Handvoll Bauern in einfachem dunklen Tuch. Sie alle schleppten sich mit gesenkten K�pfen voran, umklammerten Hut oder M�tze, wann immer sich Wind erhob, konzentrierten sich ansonsten aber auf den Boden unter ihren F��en. Hinter ihm h�rte Perrin Neald leise einen zotigen Witz rei�en. Grady brummte als Antwort, und Balwer r�mpfte zimperlich die Nase. Keiner der drei schien in irgendeiner Weise durch das beeintr�chtigt, was sie w�hrend des letzten Monats gesehen und geh�rt hatten, seit sie die Grenze nach Amadicia �berquert hatten � oder auch durch das, was vor ihnen lag. Edarra schalt Masuri heftig, weil sie ihre Kapuze abgenommen hatte. Edarra und Carelle trugen zus�tzlich zu den Umh�ngen ihre Stolen um Kopf und Schultern geschlungen, aber selbst nachdem sie die Notwendigkeit, reiten zu m�ssen, eingesehen hatten, hatten sie sich noch geweigert, ihre sperrigen R�cke zu wechseln, so da� ihre mit dunklen Str�mpfen bekleideten Beine bis �ber die Knie frei lagen. Die K�lte schien sie nicht im geringsten zu st�ren, nur die Fremdartigkeit des Schnees. Carelle mahnte Seonid leise, was gesch�he, wenn sie ihr Gesicht nicht verborgen hielte.</p><p>Nat�rlich w�re eine Tracht Pr�gel das mindeste, was sie zu bef�rchten h�tte, wenn sie ihr Gesicht zu fr�h zeigte, wie sie und die Weise Frau nur allzu gut wu�ten. Perrin brauchte nicht zur�ckzublicken, um zu wissen, da� die drei Beh�ter der Schwestern, die in gew�hnliche Umh�nge gekleidet die Nachhut bildeten, jeden Moment mit der Notwendigkeit rechneten, die Schwerter ziehen und sich den Weg freik�mpfen zu m�ssen. So verhielten sie sich bereits, seit sie das Lager in der D�mmerung verlassen hatten. Perrin fuhr mit einem behandschuhten Daumen �ber die Streitaxt an seinem G�rtel und umfa�te dann den Saum seines Umhangs, bevor ein pl�tzlicher Windsto� ihn aufbl�hen konnte. Wenn dies schlecht ausging, k�nnten die Beh�ter vielleicht recht haben.</p><p>Zur Linken, kurz vor der Stelle, wo eine Holzbr�cke �ber den zugefrorenen Flu� f�hrte, der sich am Stadtrand entlangwand, ragten auf einer gro�en quadratischen Plattform, um deren Fu� sich Schneeverwehungen angeh�uft hatten, verkohlte Balken aus dem Schnee. Da der ortsans�ssige Lord gez�gert hatte, dem Wiedergeborenen Drachen die Treue zu schw�ren, hatte er Gl�ck gehabt, nur ausgepeitscht und all dessen entledigt zu werden, was er besa�. Eine Gruppe an der Br�cke stehender M�nner beobachtete, wie die Reiter n�her kamen. Perrin sah keine Helme oder R�stungen, aber alle M�nner umklammerten Speere oder Armbruste fast ebenso angespannt wie er seinen Umhang. Sie sprachen nicht miteinander, statt dessen beobachteten sie nur, w�hrend sich der gefrorene Atem vor ihren Gesichtern kr�uselte. �berall um die Stadt herum waren weitere Gruppen W�chter zu sehen, an jeder ausw�rts f�hrenden Stra�e, an jedem Freiraum zwischen zwei Geb�uden. Dies war das Land des Propheten, aber die Wei�m�ntel und K�nig Ailrons Heer hatten noch immer gro�e Teile davon inne.</p><p>�Es war richtig, da� ich Falle nicht mitgenommen habe�, murmelte er, �aber ich werde dennoch daf�r bezahlen m�ssen.�</p><p>�Nat�rlich werdet Ihr bezahlen�, schnaubte Elyas. Er kam f�r einen Mann, der den gr��ten Teil der letzten f�nfzehn Jahre zu Fu� verbracht hatte, gut mit seinem mausgrauen Wallach zurecht. K�rzlich hatte er bei einem W�rfelspiel mit Gallenne einen mit schwarzem Fuchspelz ges�umten Umhang gewonnen. Aram, der an Perrins anderer Seite ritt, betrachtete Elyas finster, aber der b�rtige Mann ignorierte ihn. Sie kamen nicht gut miteinander aus. �Ein Mann mu� immer fr�her oder sp�ter bezahlen, bei jeder Frau, ob er es verdient oder nicht. Aber ich hatte doch recht?�</p><p>Perrin nickte z�hneknirschend. Es schien noch immer nicht richtig, von einem anderen Mann Ratschl�ge f�r die eigene Frau anzunehmen, selbst wohl�berlegte, verstohlene Ratschl�ge, und doch halfen sie anscheinend. Nat�rlich war es ebenso schwer, Faile gegen�ber die Stimme zu erheben, wie sie Berelain gegen�ber nicht zu erheben, aber er hatte letzteres recht h�ufig und ersteres einige Male geschafft. Er war Elyas' Rat getreu gefolgt. Nun, �berwiegend, so gut er konnte. Dieser stechende Geruch der Eifersucht bestand beim Anblick Berelains noch immer, aber der Geruch des Verletztseins war verschwunden, w�hrend sie langsam gen S�den zogen. Er f�hlte sich dennoch unbehaglich. Als er Faile heute morgen fest erkl�rte, da� sie nicht mitkommen k�nne, hatte sie mit keinem Wort widersprochen! Sie roch sogar ... erfreut! Unter anderem, einschlie�lich Best�rztsein. Wie konnte sie jedoch gleichzeitig erfreut und best�rzt sein? Nichts davon war auf ihrem Gesicht zu lesen gewesen, aber seine Nase betrog ihn niemals. Es schien ihm, als begriffe er immer weniger, je mehr er �ber Frauen lernte.</p><p>Die Br�ckenw�chter runzelten die Stirn und betasteten ihre Waffen, als Stehers Hufe mit hohlem Klang auf den Holzplanken auftrafen. Die W�chter bildeten die �bliche seltsame Mischung von Gefolgsleuten des Propheten, Burschen mit schmutzigen Gesichtern in zu gro�en Seidenjacken, narbengesichtige Draufg�nger und Neulinge mit rosigen Wangen sowie ehemalige H�ndler und Handwerker, die schon seit Monaten in ihrer ehemals edlen Kleidung zu schlafen schienen. Ihre Waffen machten jedoch einen gut gepflegten Eindruck. Einige der M�nner hatten einen fiebrigen Glanz in den Augen. Die �brigen zeigten wachsame, h�lzerne Mienen. Sie rochen nicht nur ungewaschen, sondern auch eifrig, besorgt, inbr�nstig, �ngstlich � alles gleichzeitig.</p><p>Sie machten keinerlei Anstalten, ihnen den Weg zu versperren, sondern beobachteten nur, wobei sie kaum blinzelten. Nach allem, was Perrin geh�rt hatte, kamen von Frauen in Seide bis zu Bettlern in Lumpen alle m�glichen Menschen in der Hoffnung zum Propheten, zus�tzlichen Segen zu erlangen, wenn sie sich ihm pers�nlich unterwarfen. Oder vielleicht zus�tzlichen Schutz. Darum war er mit nur einer Handvoll Gef�hrten hierher gekommen. Er w�rde Masema in Furcht versetzen, wenn er es m��te und wenn Masema in Furcht versetzt werden konnte, aber es schien kl�ger, an den Mann heranzutreten, ohne eine Schlacht zu schlagen. Er konnte die Blicke der W�chter auf seinem R�cken sp�ren, bis sie die kurze Br�cke �berquert und die gepflasterten Stra�en Abilas erreicht hatten. Perrin versp�rte jedoch keine Erleichterung, als dieser Druck wich.</p><p>Abila war eine recht gro�e Stadt mit mehreren hohen Wacht�rmen und vielen vierst�ckigen Geb�uden, deren D�cher alle schiefergedeckt waren. Hier und dort f�llten Steinhaufen und Holzbalken eine L�cke zwischen zwei Geb�uden aus, wo ein Gasthaus oder das Haus eines H�ndlers abgerissen worden war. Der Prophet mi�billigte durch Handel erworbenen Reichtum ebenso sehr wie Zechgelage oder das, was seine Gefolgsleute unz�chtiges Benehmen nannten. Er mi�billigte viele Dinge und lie� seine Meinung durch anschauliche Beispiele bekannt werden.</p><p>Die Stra�en waren stark bev�lkert, aber Perrin und seine Gef�hrten waren die einzigen Reiter. Der Schnee war schon l�ngst zu halbwegs gefrorenem, kn�chelhohem Matsch zertreten worden. Viele Ochsenkarren, aber nur sehr wenige Wagen und keine einzige Kutsche bahnten sich langsam ihren Weg durch die Menge. Bis auf jene, die zerschlissene, abgetragene oder vielleicht gestohlene Kleidung trugen, war jedermann in eint�niges Tuch gekleidet. Die meisten Menschen waren in Eile, aber ebenso wie die Menschen auf der Landstra�e mit gesenkten K�pfen. Weniger eilig hatten es verschiedene Gruppen bewaffneter M�nner. Es roch in den Stra�en �berwiegend nach Schmutz und Angst, was Perrin die Haare zu Berge stehen lie�. Zumindest w�rde es sich, wenn es n�tig w�rde, nicht als schwieriger erweisen, eine Stadt ohne Mauer zu verlassen, als sie zu betreten.</p><p>�Mein Lord�, murmelte Balwer, als sie vor einen jener Schutthaufen gelangten. Er wartete kaum ab, bis Perrin nickte, bevor er sein Pferd zur Seite f�hrte und in eine andere Richtung lenkte, im Sattel zusammengekauert, den braunen Umhang fest um sich geschlungen. Es bereitete Perrin selbst hier keine Sorgen, da� der hagere kleine Mann allein davonritt. Er erfuhr auf seinen Alleing�ngen f�r einen Schreiber erstaunlich viel und schien zu wissen, was er tat.</p><p>Perrin verbannte Balwer aus seinen Gedanken und wandte sich dem zu, was <emphasis>er</emphasis> hier vorhatte.</p><p>Nur eine Frage war n�tig, an einen schlaksigen jungen Mann mit schw�rmerisch leuchtendem Gesicht gerichtet, um zu erfahren, wo sich der Prophet aufhielt, und drei weitere Fragen an andere Menschen auf den Stra�en, um das Haus der H�ndlerin zu finden, vier Stockwerke grauen Steins mit wei�en Marmorkanten und Fensterumrahmungen. Masema mi�billigte es, Geld zu scheffeln, aber er nahm bereitwillig Unterst�tzung von jenen an, die sie ihm gew�hrten. Andererseits sagte Balwer, Masema habe ebenso h�ufig auf einem zugigen Bauernhof �bernachtet und sei genauso zufrieden gewesen. Masema trank nur Wasser, und wo auch immer er hinging, stellte er eine arme Witwe ein und a� das Essen, das sie kochte, ob gut oder schlecht, ohne sich zu beklagen.</p><p>Die �berall sonst die Stra�en bev�lkernde Menge fehlte vor diesem hohen Haus, obwohl eine Anzahl bewaffneter W�chter wie jene an der Br�cke dies fast wieder wettmachten. Jene, die nicht unversch�mt grinsten, sahen Perrin verdrie�lich an. Die beiden Aes Sedai hielten die Gesichter tief in den Kapuzen verborgen und die K�pfe gesenkt, wobei wei�er Atem wie Dampf aus den Kapuzen aufstieg. Perrin sah Elyas aus den Augenwinkeln mit dem Daumen �ber das Heft seines langen Dolchs streichen. Es fiel ihm schwer, nicht auch seine Streitaxt zu betasten.</p><p>�Ich komme mit einer Nachricht des Wiedergeborenen Drachen f�r den Propheten�, verk�ndete er. Als sich keiner der M�nner regte, f�gte er hinzu: �Mein Name ist Perrin Aybara. Der Prophet kennt mich.� Balwer hatte ihn ermahnt, er solle weder Masemas Namen nennen noch Rand als etwas anderes als den Wiedergeborenen Drachen bezeichnen. Er wollte hier keinen Aufruhr bewirken.</p><p>Die Behauptung, Masema zu kennen, schien die W�chter <emphasis>zu</emphasis> beleben. Mehrere wechselten erstaunte Blicke, und einer lief in das Geb�ude. Die �brigen sahen Perrin absch�tzend an. Kurz darauf trat eine Frau in den Eingang. H�bsch, mit etwas Wei� an den Schl�fen, in einem hochgeschlossenen blauen Tuchgewand, das edel, wenn auch schlicht war, h�tte sie die H�ndlerin selbst sein k�nnen. Masema warf diejenigen, die ihm Gastfreundschaft gew�hrten, nicht auf die Stra�e, aber ihre Diener oder Knechte landeten �blicherweise bei einer der Banden, die �den Ruhm des Wiedergeborenen Drachen� verbreiteten.</p><p>�Wenn Ihr mir folgen wollt, Meister Aybara�, sagte die Frau ruhig. �Ich werde Euch und Eure Freunde zum Propheten des Drachen bringen, m�ge das Licht seinen Namen erleuchten.� Sie klang vielleicht ruhig, aber sie roch best�rzt.</p><p>Perrin befahl Neald und den Beh�tern, die Pferde zu bewachen, bis sie zur�ckkehrten, dann folgte er der Frau mit den �brigen Gef�hrten ins Haus. Im Inneren war es d�ster, nur wenige Lampen waren entz�ndet, und es war nicht wesentlich w�rmer als im Freien. Selbst die Weisen Frauen schienen bedr�ckt. Sie rochen nicht wirklich �ngstlich, aber ebenso ann�hernd wie die Aes Sedai, und Grady und Elyas rochen wachsam, nach zu Berge stehenden Haaren und angelegten Ohren. Aram roch seltsamerweise begierig. Perrin hoffte, da� der Mann nicht versuchen w�rde, das Schwert auf seinem R�cken zu ziehen.</p><p>Der gro�e, mit Teppichen ausgelegte Raum, in den die Frau sie f�hrte und an dessen beiden Schmalseiten Kaminfeuer loderten, h�tte das Arbeitszimmer eines Feldherrn sein k�nnen, da alle Tische und die H�lfte der St�hle mit Landkarten und Dokumenten bedeckt waren. Es war so warm, da� Perrin seinen Umhang zur�ckschlug und es bedauerte, zwei Hemden unter seiner Jacke zu tragen. Masema, der in der Mitte des Raums stand, zog seinen Blick sofort auf sich wie ein Magnet Eisensp�ne, ein dunkler, d�sterer Mann mit rasiertem Kopf und einer hellen, dreieckigen Narbe auf einer Wange, der eine zerknitterte graue Jacke und abgetragene Stiefel trug. In seinen tiefliegenden Augen brannte ein dunkles Feuer, und sein Geruch ... Die einzige Bezeichnung, die Perrin f�r diesen stahlharten, messerscharfen und heftig und angespannt bebenden Geruch einfiel, war Wahnsinn. Und Rand glaubte, diesen Mann anleinen zu k�nnen?</p><p>�Ihr seid es also�, grollte Masema. �Ich h�tte nicht gedacht, da� Ihr hier aufzutauchen wagt. Ich wei�, was Ihr vorhattet! Hari hat es mir vor �ber einer Woche erz�hlt, und ich habe mich auch anderweitig erkundigt.� In einer Ecke des Raums regte sich jemand, ein Bursche mit schmalen Augen und einer gro�en Nase, und Perrin schalt sich, da� er ihn nicht eher bemerkt hatte. Haris gr�ne Seidenjacke war weitaus edler als seine Kleidung bei ihrer ersten Begegnung. Der Bursche rieb sich die H�nde und grinste Perrin boshaft an, aber er schwieg, w�hrend Masema fortfuhr. Die Stimme des Propheten wurde mit jedem Wort hitziger, nicht vor Zorn, sondern in einer Weise, als wolle er Perrin jede Silbe tief in die Haut einbrennen. �Ich wei�, da� Ihr M�nner get�tet habt, die zum Wiedergeborenen Drachen kamen. Ich wei�, da� Ihr versucht, Euer eigenes K�nigreich zu errichten! Ja, ich wei� von Manetheren! Von Eurem Ehrgeiz! Eurer Gier nach Ruhm! Ihr habt demjenigen den R�cken gekehrt...!�</p><p>Masemas Augen traten pl�tzlich hervor, und er roch zum ersten Mal nach Zorn. Hari stie� einen erstickten Laut aus und versuchte gewisserma�en, durch die Wand zur�ckzuweichen. Seonid und Masuri hatten ihre Kapuzen abgenommen und standen mit ruhigen und k�hlen Mienen da, f�r jedermann, der ihr Aussehen kannte, eindeutig Aes Sedai. Perrin fragte sich, ob sie die Macht festhielten. Er h�tte gewettet, da� die Weisen Frauen es taten. Edarra und Carelle hielten schweigend nach allen Richtungen Ausschau, und obwohl ihre Gesichter ausdruckslos waren, waren sie eindeutig kampfbereit. Auch Grady war bereit. Vielleicht hielt er ebenfalls die Macht fest. Elyas lehnte neben den ge�ffneten T�ren an der Wand, �u�erlich ebenso gefa�t wie die Schwestern, aber er roch angriffsbereit. Aram stand da und starrte Masema mit offenem Mund an! Licht!</p><p>�Also entspricht dies ebenfalls der Wahrheit!� fauchte Masema geifernd. �W�hrend schmutzige Ger�chte gegen den geheiligten Namen des Lord Drache verbreitet werden, wagt Ihr es, mit diesen ... diesen ...!�</p><p>�Sie haben dem Lord Drache die Treue geschworen, Masema�, unterbrach Perrin ihn. �Sie dienen ihm! Ihr auch? Er hat mich hierher gesandt, um das T�ten zu unterbinden und um Euch zu ihm zu bringen.� Niemand bot ihm einen Platz an, so da� er selbst einen Stapel Papiere von einem Stuhl fegte und sich hinsetzte. Er w�nschte, die anderen w�rden sich ebenfalls hinsetzen. Es war schwerer, sich anzuschreien, wenn man sa�.</p><p>Hari stierte ihn an, und Masema bebte f�rmlich. Weil er ungefragt Platz genommen hatte? O ja.</p><p>�Ich habe menschliche Namen aufgegeben�, sagte Masema kalt. �Ich bin nur der Prophet des Lord Drache, m�ge das Licht ihn erleuchten und die Welt vor ihm niederknien.� Seinem Tonfall nach zu urteilen, w�rden die Welt und das Licht ein Versagen gleicherma�en bedauern. �Es gibt hier noch viel Gro�artiges zu tun. Alle m�ssen gehorchen, wenn der Lord Drache ruft, aber im Winter kommt man nur langsam voran. Eine Ver/�gerung von einigen Wochen wird kaum einen Unterschied machen.�</p><p>�Ich kann Euch noch heute nach Cairhien bringen�, sagte Perrin. �Wenn der Lord Drache mit Euch gesprochen hat, k�nnt Ihr auf gleichem Wege zur�ckkehren und in wenigen Tagen wieder hier sein.� Wenn Rand ihn gehen lie�.</p><p>Masema schrak tats�chlich zur�ck. Er entbl��te die Z�hne und schaute zu den Aes Sedai. �Hat die Macht irgend etwas damit zu tun? Ich will nicht mit der Macht in Ber�hrung kommen! Es ist l�sterlich, wenn Sterbliche sie ber�hren!�</p><p>Perrin h�tte ihn fast mit offenem Mund angestarrt. �Der Wiedergeborene Drache lenkt die Macht, Mann!�</p><p>�Der gesegnete Wiedergeborene Drache ist nicht wie andere Menschen, Aybara!� knurrte Masema. �Er ist das fleischgewordene Licht! Ich werde seinem Ruf folgen, aber ich werde mich nicht von dem Schmutz ber�hren lassen, den diese Frauen handhaben!�</p><p>Perrin lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck und seufzte. Wenn der Mann solche Furcht vor den Aes Sedai hatte � wie w�rde er sich dann erst verhalten, wenn er erfuhr, da� auch Grady und Neald die Macht lenken konnten? Er erwog einen Moment, Masema einfach niederzuschlagen und ... M�nner gingen an dem Raum vorbei, hielten kurz inne und schauten herein, bevor sie weiter eilten. Es brauchte nur einer von ihnen einen Schrei auszusto�en, und Abila k�nnte zum Schlachtfeld werden. �Dann reiten wir, Prophet�, sagte er ver�rgert. Licht, Rand hatte ihn angewiesen, dies geheimzuhalten, bis Masema vor Rand st�nde! Wie sollte er <emphasis>das</emphasis> bewerkstelligen, wenn sie den ganzen Weg nach Cairhien ritten? �Aber keine Verz�gerungen. Der Lord Drache m�chte dringend mit Euch sprechen.�</p><p>�Ich m�chte auch dringend mit dem Lord Drache sprechen, m�ge sein Name vom Licht gesegnet sein.� Sein Blick zuckte zu den beiden Aes Sedai. Er versuchte, es zu verbergen, und l�chelte Perrin tats�chlich an. Aber er roch ... grimmig. �Ich m�chte ihn tats�chlich sehr dringend sprechen.�</p><p>�M�chte meine Lady, da� ich einen der Falkner bitte, ihr einen Habicht zu bringen?� fragte Maighdin Faile. Einer von Alliandres vier Falknern, ein Mann, der ebenso hager war wie ihre V�gel, dr�ngte einen Habicht mit gl�nzendem Gefieder und einer Federkappe von der Holzstange vor seinem Sattel auf seinen schweren Handschuh und hob ihr den grauen Vogel entgegen. Der Falke, dessen Fl�gel blaue Spitzen aufwiesen, sa� auf Alliandres gr�n behandschuhtem Handgelenk. Dieser Vogel war f�r sie reserviert, leider. Alliandre war sich ihres Platzes als Vasallin bewu�t, aber Faile verstand, da� sie ihren Lieblingsvogel nicht aufgeben wollte.</p><p>Sie sch�ttelte nur den Kopf, und Maighdin verneigte sich im Sattel und f�hrte ihre gescheckte Stute ausreichend weit von Schwalbe fort, um nicht aufdringlich zu wirken, blieb aber auch nahe genug, um zur Stelle zu sein, ohne da� Faile die Stimme erheben m��te. Die w�rdevolle blonde Frau hatte sich in jeder Beziehung als so verst�ndige und f�hige Dienerin einer Lady erwiesen, wie Faile es sich erhofft hatte. Zumindest war dem so gewesen, sobald sie merkte, da� Lini eine Vorrangstellung unter Failes Dienerinnen einnahm, welche vergleichbaren Positionen sie auch immer bei ihrer fr�heren Herrin innegehabt hatten.</p><p>�berraschenderweise war tats�chlich ein Zwischenspiel mit der Gerte n�tig gewesen, aber Faile gab vor, nichts davon zu wissen. Nur eine ausgesprochene N�rrin brachte ihre Diener in Verlegenheit. Aber da war auch noch die Angelegenheit mit Maighdin und Tallanvor. Sie war sich sicher, da� Maighdin seit geraumer Zeit mit ihm schlief, und wenn sie einen Beweis daf�r fand, w�rden sie heiraten, und wenn sie Lini auf die beiden ansetzen mu�te. Aber das war nur eine geringe Sorge und konnte ihr den Morgen nicht verderben.</p><p>Die Falkenjagd war Alliandres Idee gewesen, aber Faile hatte nichts gegen einen Ritt durch diesen sp�rlichen Wald einzuwenden gehabt, in dem der Schnee eine hohe Decke �ber alles gebreitet hatte und dick und wei� auf kahlen Zweigen lag. Das Gr�n der noch belaubten B�ume schien klarer. Die Luft war lebendig und roch sauber und frisch.</p><p>Bain und Chiad hatten darauf bestanden, sie zu begleiten. Die beiden hockten in der N�he, die <emphasis>Shoufa</emphasis> um die K�pfe gewunden, und beobachteten sie mit verstimmten Mienen. Sulin hatte mit allen T�chtern des Speers mitkommen wollen, aber bei hundert �berall in Umlauf befindlichen Geschichten von Aiel-�berf�llen gen�gte der Anblick eines Aiel, damit die meisten Menschen in Amadicia davonliefen oder nach einem Schwert griffen. Es mu�te etwas Wahres an diesen Geschichten sein, sonst w�rden <emphasis>nicht</emphasis> so viele Menschen einen Aiel erkennen, obwohl nur das Licht allein wu�te, wer sie waren oder woher sie kamen.</p><p>Zwanzig von Alliandres Soldaten und ebenso viele mayenische Befl�gelte W�chter bildeten so nahe an Abila gewi� eine ausreichende Eskorte. Die roten oder gr�nen Wimpel an ihren Lanzen hoben sich wie B�nder, wenn der Wind auffrischte. Der einzige Wermutstropfen war Berelains Anwesenheit, obwohl es belustigend war, die Frau in ihrem pelzbesetzten roten Umhang, der die Dicke zweier Decken hatte, zittern zu sehen, denn in Mayene gab es keinen richtigen Winter. Er entsprach allenfalls den letzten Herbsttagen. In Saldaea konnte der tiefste Winter entbl��te Haut so hart wie Holz gefrieren. Faile atmete tief ein. Sie versp�rte das Verlangen zu lachen.</p><p>Durch irgendein Wunder hatte ihr Ehemann, ihr geliebter Wolf, begonnen, sich so zu verhalten, wie er es sollte. Anstatt Berelain anzuschreien oder vor ihr davonzulaufen, tolerierte Perrin die Schmeicheleien des Weibsst�cks jetzt, tolerierte sie eindeutig auf die Art, wie er ein um seine Knie spielendes Kind dulden w�rde. Und das beste von allem war, da� sie ihren �rger nicht mehr unterdr�cken mu�te, wenn sie ihn herauslassen wollte. Wenn sie schrie, schrie er zur�ck. Sie wu�te, da� er kein Saldaeaner war, aber das Gef�hl, da� er sie f�r zu schwach gehalten hatte, sich gegen ihn zu behaupten, hatte sie schwer belastet. Sie h�tte ihn vor wenigen Tagen beim Abendessen beinahe darauf aufmerksam gemacht, da� Berelain aus ihrem Gewand fallen w�rde, wenn sie sich noch weiter �ber den Tisch beugte. Nun, so weit w�rde sie nicht gehen, nicht bei Berelain. Die Hure glaubte <emphasis>noch immer,</emphasis> sie k�nnte ihn f�r sich gewinnen. Gerade heute morgen war er gebieterisch gewesen, hatte keinen Einwand gelten lassen, die Art Mann, bei dem eine Frau wu�te, da� sie stark sein mu�te, um ihn zu verdienen, um ihm gleichzukommen. Sie w�rde ihn deswegen nat�rlich noch zur Rechenschaft ziehen m�ssen. Ein gebieterischer Mann war wunderbar, solange er nicht zu glauben begann, er k�nne stets befehlen. Lachen? Sie h�tte singen m�gen!</p><p>�Maighdin, ich denke, ich werde nach allem...�</p><p>Maighdin stand sofort mit fragendem L�cheln an ihrer Seite, aber Falle brach beim Anblick von drei Reitern vor ihr ab, die so rasch, wie sie ihre Pferde antreiben konnten, durch den Schnee pfl�gten.</p><p>�Zumindest gibt es viele Hasen, meine Lady�, sagte Alliandre, w�hrend sie ihren gro�en wei�en Wallach neben Schwalbe f�hrte. �Aber ich hatte gehofft... Wer sind sie?� Ihr Falke regte sich auf ihrem dicken Handschuh, so da� die Glocken an seinen Fu�riemen klangen. �Es sind anscheinend einige Eurer Leute, meine Lady.�</p><p>Falle nickte grimmig. Sie erkannte sie ebenfalls. Parelean, Arrela und Lacile. Aber was taten sie hier?</p><p>Die drei verhielten ihre Dampfwolken aussto�enden Pferde vor Falle. Parelean wirkte ebenso verst�rt wie sein Schecke. Lacile, deren blasses Gesicht in der tiefen Kapuze ihres Umhangs fast verborgen war, schluckte �ngstlich, und Arrelas dunkles Gesicht schien grau. �Meine Lady�, sagte Parelean hastig, �wir bringen schlechte Nachrichten! Der Prophet Masema hat sich mit den Seanchanern getroffen!�</p><p>�Mit den Seanchanern!� entfuhr es Alliandre. �Er kann doch wohl nicht glauben, <emphasis>sie</emphasis> w�rden sich dem Lord Drache anschlie�en!�</p><p>�Es ist vielleicht viel einfacher�, sagte Berelain und dr�ngte ihre auff�llige wei�e Stute an Alliandres Seite. Da Perrin nicht da war, den es zu beeindrucken galt, trug sie ein dunkelblaues, recht sittsam geschnittenes Reitgewand, das bis zum Hals geschlossen war. Sie zitterte noch immer. �Masema mag die Aes Sedai nicht, und die Seanchaner halten Frauen, welche die Macht lenken k�nnen, als Gefangene.�</p><p>Falle schnalzte ver�rgert mit der Zunge. Das waren wirklich schlechte Nachrichten, wenn sie zutrafen. Sie konnte nur hoffen, da� Parelean und die �brigen sich noch genug Verstand bewahrt hatten, wenigstens vorzugeben, sie h�tten nur zuf�llig dar�ber reden h�ren. Aber auch wenn dem so war, brauchte sie Gewi�-heit � und zwar rasch. Perrin k�nnte Masema bereits erreicht haben. �Welchen Beweis habt Ihr, Parelean?�</p><p>�Wir haben mit drei Bauern gesprochen, die vor vier N�chten ein gro�es Flugwesen landen sahen, meine Lady. Es brachte eine Frau heran, die zu Masema gef�hrt wurde und drei Stunden bei ihm blieb.�</p><p>�Wir konnten ihrem Weg bis zu Masemas Aufenthaltsort in Abila folgen�, f�gte Lacile hinzu.</p><p>�Die drei M�nner hielten das Wesen f�r Schattengez�cht�, warf Arrela ein, �aber sie schienen ziemlich zuverl�ssig.� Wenn sie sagte, da� irgend jemand, der nicht zur <emphasis>Cha Faile</emphasis> geh�rte, ziemlich zuverl�ssig war, dann war das genauso, als wenn andere sagten, sie hielten ihn f�r grundehrlich.</p><p>�Ich mu� unverz�glich nach Abila reiten�, sagte Faile und nahm Schwalbes Z�gel auf. �Alliandre, nehmt Maighdin und Berelain mit Euch.� Zu jedem anderen Zeitpunkt h�tte es sie am�siert, da� Berelain bei ihren Worten die Lippen zusammenpre�te. �Parelean, Arrela und Lacile werden mich begleiten ...� Ein Mann schrie, und alle zuckten zusammen.</p><p>F�nfzig Schritt entfernt st�rzte einer von Alliandres mit gr�nen Jacken bekleideten Soldaten aus dem Sattel, und kurz darauf fiel auch ein Befl�gelter W�chter, aus dessen Kehle ein Pfeil ragte. Aiel tauchten zwischen den B�umen auf, verschleiert und im Lauf Bogen handhabend. Weitere Soldaten fielen. Bain und Chiad waren aufgesprungen, deren dunkle Schleier ihre Gesichter bis auf die Augen verbargen. Sie gingen geschickt mit ihren Bogen um, aber sie warfen Faile auch besorgte Blicke zu. �berall um sie herum waren Aiel, anscheinend Hunderte, eine gro�e, sie umschlie�ende Schlinge. Berittene Soldaten senkten ihre Lanzen und bildeten einen weiten Kreis um Faile und die �brigen, aber es entstanden sofort L�cken, als Aiel-Pfeile ihr Ziel trafen.</p><p>�Jemand mu� diese Nachrichten �ber Masema Lord Perrin �berbringen�, erkl�rte Faile Parelean und den beiden Frauen. �Jemand von Euch mu� ihn erreichen! Reitet wie der Wind!� Ihr Blick schlo� auch Alliandre und Maighdin ein. Und Berelain ebenfalls. �Ihr alle, reitet wie der Wind, oder sterbt hier!� Faile wartete kaum auf ihr best�tigendes Nicken, sondern lie� ihren Worten Taten folgen, indem sie Schwalbe die Fersen in die Flanken bohrte und den nutzlosen Kreis der Soldaten durchbrach. �Reitet!� schrie sie. Jemand mu�te Perrin warnen. �Reitet!�</p><p>Sie beugte sich tief �ber Schwalbes Hals und trieb die schwarze Stute zu schnellem Lauf an. Flinke Hufe wirbelten Schnee auf, w�hrend Schwalbe leicht wie ihre Namensvetterin dahinschnellte. Hundert Schritt lang glaubte Faile, sie k�nnte entkommen. Doch dann schrie Schwalbe auf, stolperte und schlug mit dem scharfen Knacken eines gebrochenen Beins auf dem Boden auf. Faile flog durch die Luft und traf hart auf, wobei ihr der Atem aus den Lungen entwich, als sie mit dem Gesicht voran in den Schnee eintauchte. Sie rang nach Luft, k�mpfte sich hoch und ri� einen Dolch aus ihrem G�rtel. Schwalbe hatte geschrien, bevor sie gestolpert war, vor diesem schrecklichen Knacken.</p><p>Ein verschleierter Aiel ragte wie aus dem Nichts vor Faile auf und hieb mit starren Fingern auf ihr Handgelenk ein. Der Dolch entfiel ihren gef�hllosen Fingern, und bevor sie mit der linken Hand einen weiteren Dolch z�cken konnte, war der Mann schon �ber ihr.</p><p>Sie k�mpfte, trat und schlug um sich, bi� sogar, aber der Bursche war so breit wie Perrin und einen Kopf gr��er. Er schien ihr auch ebenso unerbittlich wie Perrin. Sie h�tte vor Entt�uschung �ber die erniedrigende Leichtigkeit weinen k�nnen, mit der er sie �berw�ltigte, indem er ihr zun�chst alle ihre Dolche nahm und sie hinter seinen G�rtel steckte und dann eine ihrer eigenen Klingen benutzte, um ihr die Kleidung zu zerschneiden. Sie lag, fast bevor es ihr bewu�t wurde, nackt im Schnee. Er hatte ihr die H�nde mit einem ihrer Str�mpfe auf dem R�cken gefesselt und den anderen Strumpf als Koppel um ihren Hals gebunden.</p><p>Sie hatte keine andere Wahl, als ihm zitternd und durch den Schnee stolpernd zu folgen. Sie bekam vor K�lte eine G�nsehaut. Licht, wie hatte sie diesen Tag jemals f�r etwas anderes als eiskalt halten k�nnen? Und Licht, wenn es nur jemandem gelungen war, mit den Nachrichten �ber Masema zu entkommen! Perrin w�rde nat�rlich auch von ihrer Gefangennahme erfahren, aber sie w�rde irgendwie entkommen k�nnen. Das andere war wichtiger.</p><p>Der erste Leichnam, den sie sah, war Pareleans; er lag auf dem R�cken, das Schwert in der ausgestreckten Hand, und �berall auf seiner edlen Jacke mit den Satinstreifen an den �rmeln war Blut. Es folgten noch viele Leichname, Befl�gelte W�chter mit ihren roten Brustharnischen, Alliandres Soldaten mit den dunkelgr�nen Helmen, einer der Falkner, wobei der Wanderfalke mit der Kappe vergeblich gegen die noch immer fest in der Faust des Mannes gefangenen Riemen anflatterte. Sie gab die Hoffnung jedoch nicht auf.</p><p>Die ersten anderen Gefangenen, die sie sah, zwischen einigen Aiel kniend, M�nnern und T�chtern des Speers, deren Schleier jetzt �ber ihre Brust herabhingen, waren Bain und Chiad, ebenfalls nackt, die ungefesselten H�nde auf den Knien. Blut lief �ber Bains Gesicht und machte ihr flammendrotes Haar stumpf. Chiads linke Wange war blau und angeschwollen, und ihre grauen Augen wirkten ein wenig erstaunt. Sie knieten gerade aufgerichtet da, unbeteiligt und nicht besch�mt, aber als der gro�e Aiel Faile neben ihnen grob auf die Knie zwang, kamen sie wieder zu sich.</p><p>�Das ist nicht recht, Shaido�, murmelte Chiad ver�rgert.</p><p>�Sie folgt keinem <emphasis>Ji'e'toh�,</emphasis> erwiderte Bain barsch. �Man kann sie nicht zur <emphasis>Gai'shain</emphasis> machen.�</p><p>�Die <emphasis>Gai'shain</emphasis> werden friedlich sein�, sagte eine bereits ergrauende Tochter des Speers gedankenverloren. Bain und Chiad sahen Faile kummervoll an und verlegten sich dann wieder auf schweigendes Abwarten. Faile kauerte sich zusammen, versuchte ihre Nacktheit mit den Knien zu bedecken und wu�te nicht, ob sie weinen oder lachen sollte. Dies waren die beiden Frauen, die ihr h�tten helfen k�nnen zu entkommen, und keine w�rde es wegen <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> auch nur versuchen.</p><p>�Ich sage es noch einmal, Efalin�, murrte der Mann, der sie gefangengenommen hatte, �dies ist t�richt. Wir kommen auf diesem ... Schnee viel zu langsam voran.� Er sprach das Wort seltsam aus. �Es gibt hier zu viele bewaffnete M�nner. Wir sollten nach Osten ziehen und nicht noch weitere <emphasis>Gai'shain</emphasis> gefangennehmen, die uns noch mehr behindern.�</p><p>�Sevanna will weitere Gai'shain, Rolan�, erwiderte die bereits ergrauende Tochter des Speers. Sie runzelte jedoch die Stirn, und ihre harten grauen Augen schienen einen Moment Mi�billigung auszudr�cken.</p><p>Faile blinzelte zitternd, als ihr die Namen ins Bewu�tsein drangen. Licht, die K�lte beeintr�chtigte ihren Verstand. Sevanna. Shaido. Sie waren doch in Bruderm�rders Dolch, so weit von hier entfernt, wie man nur sein konnte, wenn man nicht das R�ckgrat der Welt �berquerte! Aber sie befanden sich eindeutig nicht dort. Das sollte Perrin ebenfalls wissen, ein weiterer Grund, warum sie bald entkommen mu�te. Es bestand wohl kaum eine Chance darauf, da sie hier im Schnee kauerte und sich fragte, welche ihrer K�rperteile zuerst erfrieren w�rden. Das Rad wog ihre Belustigung �ber Berelains Zittern mit dieser Rache auf. Tats�chlich freute sie sich auf die dicken Tuchgew�nder der <emphasis>Gai'shain.</emphasis> Ihre Gefangenenw�rter machten jedoch keinerlei Anstalten zum Aufbruch. Offenbar sollten noch weitere Gefangene herangebracht werden.</p><p>Die erste war Maighdin, ebenso wie Faile all ihrer Kleidung beraubt und gefesselt und jeden Schritt des Weges sich widersetzend. Bis die Tochter des Speers, die sie vorw�rts stie�, ihr j�h die F��e wegtrat. Maighdin tauchte mit dem Ges�� in den Schnee ein, und ihre Augen weiteten sich so stark, da� Faile vielleicht gelacht h�tte, wenn sie kein Mitleid f�r die Frau empfunden h�tte. Als n�chste kam Alliandre, in dem Versuch, sich zu sch�tzen, stark vorn�bergebeugt, und dann Arrela, die durch ihre Nacktheit halbwegs gel�hmt schien und von zwei T�chtern des Speers beinahe vorangezerrt werden mu�te. Schlie�lich erschien ein weiterer gro�er Aiel mit einer wie ein Paket unter dem Arm geklemmten, wild um sich tretenden Lacile.</p><p>�Die �brigen sind tot oder entkommen�, sagte der Mann und lie� die kleine cairhienische Frau neben Faile fallen. �Sevanna wird sich mit diesen begn�gen m�ssen, Efalin. Sie legt zuviel Wert auf Leute, die Seide tragen.�</p><p>Faile wehrte sich nicht, als man sie dr�ngte aufzustehen und sie dann an der Spitze der �brigen Gefangenen m�hsam durch den Schnee stapfen lie�. Sie war zu benommen, um sich zu wehren. Parelean tot, Arrela und Lacile gefangen, und Alliandre und Maighdin ebenfalls. Licht, jemand mu�te Perrin vor Masema warnen. Irgend jemand. Es schien ein letzter Schlag zu sein. Doch sie war hier, zitternd und die Z�hne zusammenbei�end, damit sie nicht klapperten, und bem�hte sich nach besten Kr�ften vorzugeben, sie w�re nicht v�llig nackt und gefesselt und auf dem Weg in eine Ungewisse Gefangenschaft. Obendrein mu�te sie noch hoffen, da� es dieser hinterh�ltigen Katze � dieser schmollenden Hure! � Berelain gelungen war, zu entkommen, damit sie Perrin erreichen k�nnte. Abgesehen von allem anderen schien dies das schlimmste.</p><p>Egwene f�hrte Daishar die Kolonne der Neulinge entlang, Schwestern auf ihren Pferden zwischen den Wagen und Aufgenommene und Novizinnen trotz des Schnees zu Fu�. Die Sonne schien hell, und es standen nur wenige Wolken am Himmel, aber es stieg dennoch Dampf aus den N�stern ihres Wallachs. Sheriam und Siuan ritten hinter ihr und unterhielten sich leise �ber von Siuans Augen-und-Ohren erfahrene Neuigkeiten. Egwene hatte die Frau mit dem feuerroten Haar schon f�r eine t�chtige Beh�terin der Chroniken gehalten, als sie sich damit abgefunden hatte, da� sie nicht die Amyrlin war, und Sheriam schien ihren Pflichten von Tag zu Tag emsiger nachzukommen. Chesa folgte auf ihrer st�mmigen Stute, und sie murrte, was ihr nicht �hnlich sah, dar�ber, da� Meri und Selame davongelaufen waren, diese undankbaren Gesch�pfe, und ihr die Arbeit f�r drei �berlie�en. Sie ritten langsam voran, und Egwene mied es sehr sorgf�ltig, die Kolonne zu betrachten.</p><p>Ein Monat der Aushebungen, in dem das Novizinnenbuch jedermann offenstand, hatte eine erstaunliche Anzahl Frauen zu ihnen gef�hrt, die danach strebten, Aes Sedai zu werden, Frauen jeden Alters, von denen einige Hunderte von Meilen weit gereist waren. Es befanden sich jetzt doppelt so viele Novizinnen in der Kolonne wie zuvor. Fast eintausend! Die weitaus meisten w�rden niemals die Stola tragen, und doch erregte ihre blo�e Anzahl Aufsehen. Einige w�rden vielleicht hin und wieder Schwierigkeiten bereiten, und eine Frau, eine Gro�mutter namens Sharina mit einem noch gr��eren Potential als Nynaeve, hatte gewi� jedermann verbl�fft, aber es war nicht der Anblick einer Mutter und einer Tochter, die miteinander stritten, weil die Tochter eines Tages die weitaus St�rkere sein w�rde, den Egwene zu meiden versuchte, oder adlige Frauen, die zu glauben begannen, sie h�tten die falsche Wahl getroffen, als sie darum baten, gepr�ft zu werden, und auch nicht Sharinas beunruhigend direkte Blicke. Die grauhaarige Frau befolgte jede Regel und zeigte allen angemessenen Respekt, aber sie hatte ihre gro�e Familie durch die reine Macht ihrer Anwesenheit gef�hrt, und selbst einige der Schwestern behandelten sie mit Vorsicht. Was Egwene nicht sehen wollte, waren die jungen Frauen, die sich ihnen vor zwei Tagen angeschlossen hatten. Die beiden Schwestern, die sie hierher gebracht hatten, waren �u�erst best�rzt gewesen, Egwene als Amyrlin vorzufinden, aber ihre Sch�tzlinge konnten es schlichtweg nicht glauben, nicht Egwene al'Vere, die Tochter des B�rgermeisters von Emondsfelde. Sie wollte niemanden bestrafen lassen, aber sie w�rde es tun m�ssen, wenn noch jemand ihr die Zunge herausstreckte.</p><p>Gareth Bryne hatte sein Heer ebenfalls in einer langen Kolonne Aufstellung nehmen lassen, Kavallerie und Fu�soldaten alle in Reih und Glied und sich durch den Wald au�er Sicht erstreckend. Die fahle Sonne schimmerte auf Brustharnischen, Helmen und den Spitzen der Langspie�e. Pferde stampften im Schnee ungeduldig mit den Hufen.</p><p>Bryne f�hrte seinen robusten Kastanienbraunen zu Egwene heran, bevor sie die Sitzenden erreichte, die auf einer gro�en Lichtung vor beiden Kolonnen auf ihren Pferden warteten. Er l�chelte sie durch sein Visier an. Ein beruhigendes L�cheln, dachte sie. �Ein sch�ner Morgen f�r diesen Zweck, Mutter�, sagte er.</p><p>Sie nickte nur, und er ritt hinter sie neben Siuan, die ihn nicht sofort anfauchte. Egwene war sich nicht ganz sicher, welche Anpassung Siuan mit dem Mann erreicht hatte, aber sie grollte in Egwenes H�rweite nur noch selten �ber ihn und niemals, wenn er dabei war. Egwene war froh, da� er jetzt dabei war. Der Amyrlin-Sitz durfte ihrem Feldherrn nicht vermitteln, da� sie von ihm beruhigt werden wollte, aber sie sp�rte, da� es heute morgen n�tig war.</p><p>Die Sitzenden hatten ihre Pferde am Waldrand in einer Linie aufgereiht, und dreizehn weitere Schwestern sa�en ein St�ck entfernt auf ihren Pferden und beobachteten die Sitzenden sorgf�ltig. Romanda und Lelaine trieben ihre Tiere fast gleichzeitig vorw�rts, und Egwene konnte nur m�hsam ein Seufzen unterdr�cken, als sie auf sie zugaloppierten, wobei die Umh�nge hinter ihnen herflatterten und die Pferdehufe wie bei einem Angriff Schnee verspr�hten. Der Saal gehorchte ihr, weil er keine andere Wahl hatte. Bei Angelegenheiten, die den Krieg gegen Elaida betrafen, gehorchten sie jedenfalls, aber Licht, wie sehr sie dar�ber streiten konnten, was den Krieg betraf oder was nicht. Wenn es ihn nicht betraf, war es sehr schwer, etwas aus ihnen herauszubekommen! Von Sharina abgesehen h�tten sie vielleicht eine M�glichkeit gefunden, damit aufzuh�ren, Frauen jeden Alters aufzunehmen. Aber selbst Romanda war von Sharina beeindruckt.</p><p>Die beiden verhielten ihre Pferde vor ihr, aber bevor sie den Mund �ffnen konnten, ergriff sie das Wort. �Es wird Zeit, da� wir weiterkommen, T�chter. Wir d�rfen keine Zeit mit m��igem Geschw�tz vergeuden. Beginnt also.� Romanda r�mpfte die Nase, wenn auch kaum vernehmlich, und Lelaine wollte es ihr offensichtlich gleichtun.</p><p>Sie wirbelten ihre Pferde gleichzeitig herum und sahen einander dann einen Moment an. Die Ereignisse des vergangenen Monats hatten ihre gegenseitige Abneigung nur noch verst�rkt. Lelaine warf ver�rgert den Kopf in den Nacken, und Romanda l�chelte leicht. Egwene h�tte beinahe ebenfalls gel�chelt. Diese gegenseitige Feindseligkeit war noch immer ihre st�rkste Kraft im Saal.</p><p>�Der Amyrlin-Sitz befiehlt Euch zu beginnen�, verk�ndete Romanda und hob mit einer theatralischen Geste eine Hand.</p><p>Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> flammte um die dreizehn in der N�he der Sitzenden befindlichen Schwestern auf, um sie alle zusammen; ein breiter Silberschlitz erschien inmitten der Lichtung und wurde dann, sich drehend, zu einem zehn Schritt hohen und hundert Schritt breiten Wegetor. Schneeflocken schwebten von der anderen Seite heran. Laute Befehle erklangen unter den Soldaten, und die erste schwerbewaffnete Kavallerie ritt durch das Tor. Der Schnee wirbelte jenseits davon zu dicht umher, als da� man weit h�tte sehen k�nnen, und doch bildete Egwene sich ein, die Leuchtenden Mauern Tar Valons und die Wei�e Burg selbst zu erkennen.</p><p>�Es hat begonnen, Mutter�, sagte Sheriam und klang beinahe �berrascht.</p><p>�Es hat begonnen�, stimmte Egwene ihr zu. Und wenn das Licht es wollte, w�rde Elaida bald gest�rzt werden. Egwene sollte warten, bis Bryne der Meinung war, es seien gen�gend viele Soldaten durch das Wegetor hindurch gelangt, aber sie konnte sich nicht zur�ckhalten. Sie stie� Daishar die Fersen in die Flanken und ritt durch das Wegetor in herabfallenden Schnee auf die Ebene, �ber der schwarz und rauchend der Drachenberg vor einem wei�en Himmel aufragte.</p></section><section><title><p>31</p><p>Danach</p></title><p>Winterst�rme und hoher Schnee behinderten den Landhandel, wo er nicht bis zum Fr�hjahr eingestellt wurde, und von drei ausgesandten Brieftauben fielen zwei Falken oder dem Wetter zum Opfer, aber wo die Fl�sse nicht vereist waren, fuhren noch Schiffe, und Ger�chte gelangten blitzschnell voran. Eintausend Ger�chte, jedes tausend Samen s�end, die sprossen und in Schnee und Eis ebensogut gediehen wie in fruchtbarer Erde.</p><p>In Tar Valon, so besagten einige Ger�chte, seien gro�e Heere aufeinander gesto�en, die Stra�en schw�mmen in Blut, und aufst�ndische Aes Sedai h�tten den Kopf Elaida a'Roihans aufgespie�t. Nein. Elaida hatte Ernst gemacht, und jene, die unter den Aufst�ndischen �berlebt hatten, krochen zu ihren F��en. Weiter hie� es, es habe weder Aufst�ndische noch eine Spaltung der Wei�en Burg gegeben. Die Schwarze Burg sei durch die Macht der Aes Sedai vernichtet worden, und Asha'man jagten Asha'man durch alle Nationen. Die Wei�e Burg sollte den Sonnenpalast in Cairhien zerschmettert haben und der Wiedergeborene Drache selbst als Marionette und Werkzeug an den Amyrlin-Sitz gebunden sein. Einige Geschichten berichteten, Aes Sedai seien wiederum an ihn gebunden und an die Asha'man, was aber nur wenige glaubten, die zudem verspottet wurden.</p><p>Artur Falkenfl�gels Heere sollten zur�ckgekehrt sein, um sein l�ngst verschwundenes Reich zur�ckzufordern, und die Seanchaner fegten alle Hindernisse aus dem Weg und vertrieben sogar den Wiedergeborenen Drachen aus Altara. Die Seanchaner waren gekommen, um ihm zu dienen. Nein, er hatte die Seanchaner ins Meer getrieben und ihr Heer vollkommen vernichtet. Sie hatten den Wiedergeborenen Drachen fortgebracht, damit er vor ihrer Herrscherin knien sollte. Nein. Der Wiedergeborene Drache war tot, und es gab ebenso viel Trauer wie Feiern, ebenso viele Tr�nen wie Freudenrufe.</p><p>Die Geschichten verbreiteten sich wie Spinnennetze �ber das Land, und M�nner und Frauen planten in dem Glauben, die Wahrheit zu kennen, die Zukunft. Sie planten � und das Muster nahm ihre Pl�ne in sich auf und wob die vorhergesagte Zukunft.</p></section><section><title><p>Glossar</p></title><subtitle>Vorbemerkung zur Datierung</subtitle><p>Der Tomanische Kalender (von Toma dur Ahmid entworfen) wurde ungef�hr zwei Jahrhunderte nach dem Tod des letzten m�nnlichen Aes Sedai eingef�hrt. Er z�hlte die Jahre nach der Zerst�rung der Welt (NZ). Da aber in den Jahren der Zerst�rung und in den darauf folgenden Jahren fast totales Chaos herrschte und dieser Kalender erst gut hundert Jahre nach dem Ende der Zerst�rung eingef�hrt wurde, hat man seinen Beginn v�llig willk�rlich gew�hlt. Am Ende der Trolloc-Kriege waren so viele Aufzeichnungen vernichtet worden, dass man sich stritt, in welchem Jahr der alten Zeitrechnung man sich �berhaupt befand. Tiam von Gazar schlug die Einf�hrung eines neuen Kalenders vor, der am Ende dieser Kriege einsetzte und die (scheinbare) Erl�sung der Welt von der Bedrohung durch Trollocs feierte. In diesem zweiten Kalender erschien jedes Jahr als so genanntes Freies Jahr (FJ). Innerhalb der zwanzig auf das Kriegsende folgenden Jahre fand der Gazareische Kalender weitgehend Anerkennung. Artur Falkenfl�gel bem�hte sich, einen neuen Kalender durchzusetzen, der auf seiner Reichsgr�ndung basierte (VG = Von der Gr�ndung an), aber dieser Versuch ist heute nur noch den Historikern bekannt. Nach weitreichender Zerst�rung, Tod und Aufruhr w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges entstand ein vierter Kalender durch Uren din Jubai Fliegende M�we, einem Gelehrten der Meerleute, und wurde von dem Panarchen Farede von Tarabon weiterverbreitet. Dieser Farede-Kalender z�hlt die Jahre der Neuen �ra (NA) von dem willk�rlich angenommenen Ende des Hundertj�hrigen Krieges an und ist w�hrend der geschilderten Ereignisse in Gebrauch.</p><p><strong>A'dam</strong> (aidam): Ein Ger�t, mit dessen Hilfe man Frauen kontrollieren kann, die die Macht lenken, und das nur von Frauen ben�tzt werden kann, die entweder selbst die F�higkeit besitzen, mit der Macht umzugehen, oder die das zumindest erlernen k�nnen. Er verkn�pft die beiden Frauen. Der von den Seanchanern verwendete Typus besteht aus einem Halsband und einem Armreif, die durch eine Leine miteinander verbunden sind; s�mtliche Teile sind aus einem silbrigen Metall gefertigt. Falls ein Mann, der die Macht lenken kann, mithilfe eines <emphasis>Adam</emphasis> mit einer Frau verkn�pft wird, f�hrt das wahrscheinlich zu beider Tod. Selbst die blo�e Ber�hrung eines <emphasis>Adam</emphasis> durch einen Mann mit dieser F�higkeit verursacht ihm gro�e Schmerzen, falls dieser <emphasis>A'dam</emphasis> von einer Frau mit Zugang zur Wahren Quelle getragen wird.</p><p><strong>Aes Sedai</strong> (Aies Sehdai): Tr�ger der Einen Macht. Seit der Zeit des Wahnsinns sind alle �berlebenden Aes Sedai Frauen. Von vielen respektiert und verehrt, misstraut man ihnen und f�rchtet, ja, hasst sie weitgehend. Viele geben ihnen die Schuld an der Zerst�rung der Welt und allgemein glaubt man, sie w�rden sich in die Angelegenheiten ganzer Staaten einmischen. Gleichzeitig aber findet man nur wenige Herrscher ohne Aes Sedai-Berater, selbst in L�ndern, wo schon die Existenz einer solchen Verbindung geheim gehalten werden muss. Nach einigen Jahren, in denen sie die Macht gebrauchen, beginnen die Aes Sedai alterslos zu wirken, so dass auch eine Aes Sedai, die bereits Gro�mutter sein k�nnte, keine Alterserscheinungen zeigt, au�er vielleicht ein paar grauen Haaren <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Ajah; Amyrlin-Sitz).</p><p><strong>Aiel</strong> (Aiiehl): Die Bewohner der Aiel-W�ste. Gelten als wild und z�h. Vor dem T�ten verschleiern sie ihre Gesichter. Sie nehmen kein Schwert in die Hand, nicht einmal in t�dlichster Gefahr, und sie reiten nur unter Zwang auf einem Pferd, sind aber t�dliche Krieger, ob mit Waffen oder nur mit blo�en H�nden. Die Aielm�nner ben�tzen f�r den Kampf die Bezeichnung �der Tanz� und �der Tanz der Speere�. Sie sind in zw�lf Clans zersplittert: die Chareen, die Chodarra, die Daryne, die Goshien, die Miagoma, die Nakai, die Reyn, die Shaarad, die Shaido, die Shiande, die Taardad und die Tomanelle. Jeder Clan ist wiederum in Septimen eingeteilt. Manchmal sprechen sie auch von dem dreizehnten Clan, <emphasis>dem Clan, den es nicht gibt,</emphasis> den Jenn, die einst Rhuidean erbauten. Es geh�rt zum Allgemeinwissen, dass die Aiel einst den Aes Sedai den Dienst versagten und dieser S�nde wegen in die Aiel-W�ste verbannt wurden, und dass sie der Vernichtung anheim fallen, sollten sie noch einmal die Aes Sedai im Stich lassen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel-Kriegergemeinschaften).</p><p><strong>Aielkrieg</strong> (976-78 N�): Als K�nig Laman von Cairhien den Avendoraldera f�llte, �berquerten vier Clans der Aiel das R�ckgrat der Welt. Sie eroberten und brandschatzten die Hauptstadt Cairhien und viele andere kleine und gro�e St�dte im Land. Der Konflikt weitete sich schnell nach Andor und Tear aus. Im Allgemeinen glaubt man, die Aiel seien in der Schlacht an der Leuchtenden Mauer vor Tar Valon endg�ltig besiegt worden, aber in Wirklichkeit fiel K�nig Laman in dieser Schlacht, und die Aiel, die damit ihr Ziel erreicht hatten, kehrten �ber das R�ckgrat der Welt in ihre Heimat zur�ck.</p><p><strong>Aiel-Kriegergemeinschaften:</strong> Alle Aiel-Krieger sind Mitglieder einer von zw�lf Kriegergemeinschaften. Es sind die Schwarzaugen <emphasis>(Sein Doon),</emphasis> die Br�der des Adlers <emphasis>(Far Aldazar Din),</emphasis> die L�ufer der D�mmerung <emphasis>(Rahien Sorei),</emphasis> die Messerh�nde <emphasis>(Sovin Nai),</emphasis> die T�chter des Speers <emphasis>(Far Dareis Mai),</emphasis> die Bergt�nzer <emphasis>(Hama N'dore),</emphasis> die Nachtspeere <emphasis>(Core Darei),</emphasis> die Roten Schilde <emphasis>(Aethan Dar),</emphasis> die Steinhunde <emphasis>(Shae'en M'taal),</emphasis> die Donnerg�nger <emphasis>(Sha'mad Conde),</emphasis> die Blutabk�mmlinge <emphasis>(Tain Shari)</emphasis> und die Wassersucher <emphasis>(DuahdeMahdi'in).</emphasis> Jede Gemeinschaft hat eigene Br�uche und manchmal auch ganz bestimmte Pflichten. Zum Beispiel fungieren die Roten Schilde als Polizei. Steinsoldaten werden h�ufig als Nachhut bei R�ckzugsgefechten eingesetzt. Die T�chter des Speers sind gute Kundschafterinnen. Die Clans der Aiel bek�mpfen sich auch gelegentlich untereinander, aber Mitglieder der gleichen Gemeinschaft k�mpfen nicht gegeneinander, selbst wenn ihre Clans im Krieg miteinander liegen. So gibt es jederzeit, sogar w�hrend einer offenen kriegerischen Auseinandersetzung, Kontakt zwischen den Clans <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel).</p><p><strong>Aiel-W�ste:</strong> das rauhe, zerrissene und fast wasserlose Gebiet �stlich des R�ckgrats der Welt, von den Aiel auch das Dreifache Land genannt. Nur wenige Au�enseiter wagen sich dorthin, nicht nur, weil es f�r jemanden, der nicht dort geboren wurde, fast unm�glich ist Wasser zu finden, sondern auch, weil die Aiel sich im st�ndigen Kriegszustand mit allen anderen V�lkern befinden und keine Fremden m�gen. Nur fahrende H�ndler, Gaukler und die Tuatha'an d�rfen sich in die W�ste begeben, und sogar ihnen gegen�ber sind die Kontakte eingeschr�nkt, da sich die Aiel bem�hen, jedem Zusammentreffen mit den Tuatha'an aus dem Weg zu gehen, die von ihnen auch als �die Verlorenem bezeichnet werden. Es sind keine Landkarten der W�ste bekannt.</p><p><strong>Ajah:</strong> Gemeinschaften unter den Aes Sedai. Es gibt sieben Ajahs, die durch ihre Farben gekennzeichnet werden: Blau, Rot, Wei�, Gr�n, Braun, Gelb und Grau. Bis auf den Amyrlin-Sitz geh�rt jede Aes Sedai einer von ihnen an. Jede Gruppe folgt ihrer eigenen Auslegung, was die Anwendung der Einen Macht betrifft sowie die eigentliche Aufgabe der Aes Sedai. Die Rote Ajah setzt all ihre Kr�fte dazu ein, M�nner, die die Macht lenken k�nnen, zu finden und zu d�mpfen. Die Schwestern der Braunen entsagen allem Weltlichen und widmen ihr Dasein der Suche nach Wissen, w�hrend die Wei�en gr��tenteils weder mit der Welt noch mit weltlichem Wissen etwas zu tun haben wollen und sich den Fragen der Philosophie und der Wahrheit widmen. Die Gr�ne Ajah (die w�hrend der Trolloc-Kriege auch Kampf-Ajah genannt wurde), h�lt sich f�r Tarmon Gai'don bereit. Die Gelben Schwestern widmen sich der Heilung von Krankheiten und die Blauen studieren die Rechtsprechung. Die Grauen sind Vermittler und stiften Frieden und Konsens. Die Existenz einer Schwarzen Ajah, die sich den Zielen des Dunklen K�nig verschrieben hat, wird offiziell und vehement bestritten.</p><p><strong>Altara:</strong> Nation am Meer der St�rme, die aber in Wirklichkeit nur durch den Namen �berhaupt nach au�en hin als Einheit dargestellt wird. Die Menschen in Altara betrachten sich zuallererst als B�rger einer Stadt oder eines Dorfes, oder als Dienstleute dieses Lords und jener Lady, und erst in zweiter Linie als Einwohner Altaras. Nur wenige Adlige zahlen der Krone ihre Steuern, und ihre Dienstverpflichtung ist h�chstens als Lippenbekenntnis aufzufassen. Der Herrscher Altaras (zur Zeit K�nigin Tylin Quintara aus dem Hause Mitsobar) ist nur selten mehr als eben der m�chtigste Adlige im Land, und manche waren noch nicht einmal das. Der Thron der Winde ist so bedeutungslos, da� ihn viele m�chtige Adlige bereits verschm�hten, obwohl sie in der Lage gewesen w�ren, ihn zu besteigen.</p><p><strong>Alte Sprache,</strong> die: die vorherrschende Sprache w�hrend des Zeitalters der Legenden. Man erwartet im allgemeinen von Adligen und anderen gebildeten Menschen, da� sie diese Sprache erlernt haben. Die meisten aber kennen nur ein paar Worte. Eine �bersetzung st��t oft auf Schwierigkeiten, da sehr h�ufig W�rter oder Ausdrucksweisen mit vielschichtigen, subtilen Bedeutungen vorkommen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Zeitalter der Legenden).</p><p><strong>al'Thor, Tam:</strong> ein Bauer und Sch�fer von den Zwei Fl�ssen. Als junger Mann zog er aus, um Soldat zu werden. Er kehrte sp�ter mit seiner Frau (Kari, mittlerweile verstorben) und einem Kind (Rand) nach Emondsfeld zur�ck.</p><p><strong>Amyrlin-Sitz,</strong> der: (1) Titel der F�hrerin der Aes Sedai. Auf Lebenszeit vom Turmrat, dem h�chsten Gremium der Aes Sedai, gew�hlt; dieser besteht aus je drei Abgeordneten (die man Sitzende nennt, wie z.B. �Sitzende der Gr�nen�) der sieben Ajahs. Der Amyrlin-Sitz hat, jedenfalls theoretisch, die uneingeschr�nkte Macht �ber die Aes Sedai. Sie hat etwa den Rang einer K�nigin. Etwas weniger formell ist die Bezeichnung: die Amyrlin. (2) Thron der F�hrerin der Aes Sedai.</p><p><strong>Amys:</strong> die Weise Frau der Kaltfelsenfestung. Sie ist eine Traumg�ngerin, eine Aiel der Neun-T�ler-Septime der Taardad Aiel. Verheiratet mit Rhuarc, Schwesterfrau der Lian, der Dachherrin der Kaltfelsenfestung, und der Schwestermutter der Aviendha.</p><p><strong>Angreal:</strong> Ein �berbleibsel aus dem Zeitalter der Legenden. Es erlaubt einer Person, die die Eine Macht lenken kann, einen st�rkeren Energiefluss zu meistern, als das sonst ohne Hilfe und Lebensgefahr m�glich w�re. Einige wurden zur Benutzung durch Frauen hergestellt, andere f�r M�nner. Ger�chte �ber <emphasis>Angreale,</emphasis> die von beiden Geschlechtern ben�tzt werden k�nnen, wurden nie best�tigt. Es ist heute nicht mehr bekannt, wie sie angefertigt wurden. Es existieren nur noch sehr wenige <emphasis>(siehe auch: Sa'angreal, Ter'angreal).</emphasis></p><p><strong>Arad Doman:</strong> Land und Nation am Aryth-Meer. Im Augenblick durch einen B�rgerkrieg und gleichzeitig ausgetragene Kriege gegen die Anh�nger des Wiedergeborenen Drachen und gegen Tarabon zerrissen. Domani-Frauen sind ber�hmt und ber�chtigt f�r ihre Sch�nheit, Verf�hrungskunst und f�r ihre skandal�s offenherzige Kleidung.</p><p><strong>Asha'man:</strong> (1) In der Alten Sprache �W�chter�, immer ein W�chter von Gerechtigkeit und Wahrheit. (2) Die Bezeichnung der M�nner � sowohl allgemein als auch im Sinne eines Ranges �, die zur Schwarzen Burg in der N�he von Caemlyn in Andor gezogen sind, um dort den Gebrauch der Einen Macht zu erlernen. Ihre Ausbildung konzentriert sich auf die M�glichkeiten, die Eine Macht als Waffe zu benutzen. Sobald sie gelernt haben, <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche H�lfte der Macht, zu ergreifen, wird von ihnen verlangt � eine weitere Abweichung von den Gepflogenheiten der Wei�en Burg �, alle m�hevollen Arbeiten mithilfe der Macht zu erledigen. Ein neu aufgenommener Rekrut wird Soldat genannt; er tr�gt einen schlichten schwarzen Mantel mit einem hohen Kragen nach der andoranischen Mode. Mit der Bef�rderung zum Geweihten erh�lt er das Recht, eine als Schwert bezeichnete silberne Anstecknadel am Mantelkragen zu tragen. Die Bef�rderung zum Asha'man beinhaltet das Recht, auf der dem Schwert gegen�berliegenden Kragenseite die aus Gold und rotem Emaille bestehende Anstecknadel in Form eines Drachen zu tragen. Obwohl viele Frauen � einschlie�lich der Ehefrauen � die Flucht ergreifen, wenn sie erfahren, dass ihr Mann die Macht lenken kann, sind eine stattliche Anzahl der M�nner aus der Schwarzen Burg verheiratet, und sie benutzen eine Abart des Beh�terbundes, um eine Verbindung zu ihren Frauen herzustellen. Dieser Bund wurde k�rzlich so modifiziert, dass er Gehorsam erzwingt, und dazu benutzt, gefangene Aes Sedai gef�gig zu machen.</p><p><strong>Atha'an Miere:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Meervolk.</p><p><strong>Aufgenommene:</strong> Junge Frauen in der Ausbildung zur Aes Sedai, die eine bestimmte Stufe erreicht und einige Pr�fungen bestanden haben. Normalerweise braucht man f�nf bis zehn Jahre, um von der Novizin zur Aufgenommenen erhoben zu werden. Die Aufgenommenen sind in ihrer Bewegungsfreiheit weniger eingeschr�nkt als die Novizinnen, und es ist ihnen innerhalb bestimmter Grenzen sogar erlaubt, eigene Studiengebiete zu w�hlen. Eine Aufgenommene hat das Recht, einen Gro�en Schlangenring zu tragen, aber nur am dritten Finger ihrer linken Hand. Wenn eine Aufgenommene zur Aes Sedai erhoben wird, w�hlt sie ihre Ajah, erh�lt das Recht, deren Stola zu tragen und darf den Ring an jedem Finger oder auch gar nicht tragen, je nachdem, was die Umst�nde von ihr verlangen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aes Sedai).</p><p><strong>Avendoraldera:</strong> ein in Cairhien aus einem <emphasis>Avendesora-Keim</emphasis> gezogener Baum. Der Keimling war ein Geschenk der Aiel im Jahre 566 N�. Es gibt aber keinen zuverl�ssigen Bericht �ber eine Verbindung zwischen den Aiel und dem legend�ren Baum des Lebens.</p><p><strong>Bair:</strong> Weise Frau der Haido-Septime der Shaarad Aiel; eine Traumg�ngerin. Sie kann die Macht nicht ben�tzen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Traumg�nger).</p><p><strong>Beh�ter:</strong> Ein Krieger, der durch den Beh�terbund mit einer Aes Sedai verbunden ist. Dies geschieht mithilfe der Einen Macht und er erh�lt dadurch besondere F�higkeiten. Er hat st�rkere Heilkr�fte, kommt lange Zeit ohne Nahrung, Wasser und Schlaf aus und kann den Einfluss des Dunklen K�nigs auf gr��ere Entfernung sp�ren. Beh�ter und Aes Sedai teilen durch den Bund gewisse physische und emotioneile Empfindungen. Solange ein Beh�ter am Leben ist, ist sich die mit ihm verbundene Aes Sedai dieser Tatsache bewusst � ganz egal, wie weit er von ihr entfernt ist �, und wenn er stirbt, wird sie den Augenblick und die Art seines Todes kennen. Die meisten Ajahs vertreten die Auffassung, dass eine Aes Sedai nur mit einem Beh�ter verbunden sein sollte, allerdings weigern sich die Roten Ajah, �berhaupt einen Bund einzugehen, w�hrend die Gr�nen Ajah der Meinung sind, eine Aes Sedai sollte so viele Beh�ter haben, wie sie f�r richtig h�lt. Ein Beh�ter sollte den Bund freiwillig eingehen, aber es ist vorgekommen, dass ihm der Bund gegen seinen Willen aufgezwungen wurde. Was die Aes Sedai von der Verbindung haben, ist ein wohlgeh�tetes Geheimnis. Allen historischen Aufzeichnungen zufolge sind Beh�ter immer nur M�nner gewesen, aber k�rzlich ging eine Frau den Bund ein, bei dem es daraufhin zu gewissen anderen Eigenschaften kam <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Birgitte)</p><p><strong>Berelain sur Paendrag:</strong> die Erste von Mayene, Gesegnete des Lichts, Verteidiger der Wogen, Hochsitz des Hauses Paeron. Eine sch�ne und willensstarke junge Frau und eine geschickte Herrscherin <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Mayene).</p><p><strong>Birgitte:</strong> Beh�terin von Elayne Trakand, vermutlich die erste weibliche Beh�terin �berhaupt, eine Tatsache, die eine Reihe von gr��tenteils unerwarteten Schwierigkeiten mit sich bringt. Birgitte ist in Wahrheit die legend�re Heldin gleichen Namens, die zu jenen geh�rte, die durch das H�rn von Valere zur�ckgerufen werden sollten. W�hrend eines Kampfes mit Moghedien wurde sie aus dem <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> in die Welt der Lebenden gerissen und nur das Eingehen des Bundes mit Elayne konnte ihr Leben retten. Abgesehen von ihrer Sch�nheit und ihrem Geschick mit dem Bogen �hnelt sie nur wenig den Legenden, die man �ber sie erz�hlt.</p><p><strong>Blut, das:</strong> Bezeichnung der Seanchaner f�r ihren Adel. Man kann zum Blut sowohl erhoben als auch hineingeboren werden.</p><p><strong>Cadin'sor:</strong> Uniform der Aielsoldaten: Mantel und Hose in Braun und Grau, so da� sie sich kaum von Felsen oder Schatten abheben. Dazu geh�ren weiche, bis zum Knie hoch geschn�rte Stiefel. In der Alten Sprache �Arbeitskleidung�, was allerdings eine etwas ungenaue �bersetzung darstellt.</p><p><strong>Cairhien:</strong> sowohl eine Nation am R�ckgrat der Welt wie auch die Hauptstadt dieser Nation. Die Stadt wurde im Aielkrieg (976-978 N�) wie so viele andere St�dte und D�rfer niedergebrannt und gepl�ndert. Als Folge wurde sehr viel Agrarland in der N�he des R�ckgrats der Welt aufgegeben, so da� seither gro�e Mengen Getreide importiert werden m�ssen. Auf den Mord an K�nig Galldrian (998 N�) folgten ein B�rgerkrieg unter den Adelsh�usern um die Nachfolge auf dem Sonnenthron, die Unterbrechung der Lebensmittellieferungen und eine Hungersnot. Die Stadt wird w�hrend einer Periode, die mittlerweile als �Zweiter Aielkrieg� bezeichnet wird, von den Shaido belagert, doch dieser Belagerungsring wurde von anderen Aielclans unter der F�hrung Rand al'Thors gesprengt. Im Wappen f�hrt Cairhien eine goldene Sonne mit vielen Strahlen, die sich vom unteren Rand eines himmelblauen Feldes erhebt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aielkrieg).</p><p><strong>Callandor:</strong> �Das Schwert, das kein Schwert ist� oder �Das unber�hrbare Schwert�. Ein Kristallschwert, das im Stein von Tear aufbewahrt wurde in einem Raum, der den Namen �Herz des Steins� tr�gt. Es ist ein �u�erst m�chtiger <emphasis>Sa'Angreal,</emphasis> der von einem Mann ben�tzt werden mu�. Keine Hand kann es ber�hren, au�er der des Wiedergeborenen Drachen. Den Prophezeiungen des Drachen nach war eines der wichtigsten Zeichen f�r die erfolgte Wiedergeburt des Drachen und das Nahen von Tarmon Gai'don, da� der Drache den Stein von Tear einnahm und <emphasis>Callandor</emphasis> in seinen Besitz brachte. Es wurde von Rand al'Thor wieder ins Herz des Steins zur�ckgebracht und in den Steinboden hineingerammt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Wiedergeborener Drache; <emphasis>Sa'Angreal;</emphasis> Stein von Tear).</p><p><strong>Car'a'carn:</strong> in der Alten Sprache �H�uptling der H�uptlingen Den Weissagungen der Aiel nach ein Mann, der bei Sonnenaufgang aus Rhuidean zu ihnen kommen werde, mit Drachenmalen auf beiden Armen, und der sie �ber die Drachenmauer f�hren werde. Die Prophezeiung von Rhuidean sagt aus, er werde die Aiel einen und sie vernichten, bis auf den Rest eines Restes <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel; Rhuidean).</p><p><strong>Caraighan Maconar:</strong> legend�re Gr�ne Schwester (212373 NZ), Heldin von hundert Abenteuergeschichten, der man Unternehmungen zuschreibt, die selbst von einigen Aes Sedai f�r unm�glich gehalten werden, obwohl sie in den Chroniken der Wei�en Burg erw�hnt werden. So soll sie ganz allein einen Aufstand in Mosadorin niedergeschlagen und die Unruhen in Comaidin unterdr�ckt haben, obwohl sie zu dieser Zeit �ber keinen einzigen Beh�ter verf�gte. Die Gr�nen Ajah betrachten sie als den Urtyp und das Vorbild aller Gr�nen Schwestern <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aes Sedai; Ajah).</p><p><strong>Carridin, Jaichim:</strong> ein Inquisitor der Hand des Lichts, also ein hoher Offizier der Kinder des Lichts, der in Wirklichkeit ein Schattenfreund ist.</p><p><strong>Cauthon, Abell:</strong> ein Bauer von den Zwei Fl�ssen, Vater des Mat Cauthon, Frau: Natti. T�chter: Eldrin und Bodewhin, Bode genannt.</p><p><strong>Corenne:</strong> In der Alten Sprache �Die Wiederkehr�. Die Seanchaner bezeichnen damit sowohl die Flotte aus Tausenden von Schiffen wie auch die Hunderttausende von Soldaten, Handwerkern und anderen Menschen, die Schiffe transportierten und den Vorl�ufern folgen, um das Land zu beanspruchen, das Artur Falkenfl�gels Nachfahren gestohlen wurde, <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hailene)</p><p><strong>Da'covale:</strong> (1) In der Alten Sprache bezeichnet man damit eine Person, die einer anderen geh�rt oder ihr �Besitz� ist. (2) Bei den Seanchanern wird dieser Begriff h�ufig f�r Besitzt�mer und Sklaven verwendet. In Seanchan hat die Sklaverei eine lange und ungew�hnliche Geschichte, da Sklaven die M�glichkeit haben, zu Positionen mit gro�er Macht und �ffentlicher Autorit�t aufzusteigen, darunter auch solche, in denen sie �ber freie B�rger bestimmen <emphasis>(siehe auch: So'jhin).</emphasis></p><p><strong>Damane:</strong> In der Alten Sprache �Die Gefesselten�. Frauen, die die Eine Macht lenken k�nnen, werden mithilfe eines <emphasis>A'dam</emphasis> unter Kontrolle gehalten und dienen den Seanchanern zu verschiedenen Zwecken, vor allem als Wunderwaffen im Krieg. Im ganzen Reich von Seanchan werden jedes Jahr junge Frauen gepr�ft, ob sie �ber die F�higkeit verf�gen, bis hin zu dem Alter, in dem sich die Gabe, die Macht gebrauchen zu k�nnen, in jedem Fall gezeigt h�tte. Genauso wie die jungen M�nner mit diesem Talent (die hingerichtet werden) werden die <emphasis>Damane</emphasis> aus den Familienb�chern und allen B�rgerlisten des Reiches gestrichen. Frauen, die dieses Talent besitzen, aber noch nicht zu <emphasis>Damane</emphasis> gemacht wurden, nennt man <emphasis>Marath'danwne,</emphasis> �jene, die an die Leine gelegt werden m�ssen� (siehe auch: <emphasis>Adam; Marath'danwne;</emphasis> Seanchan; <emphasis>Sul'dam).</emphasis></p><p><strong>d�mpfen</strong> (einer D�mpfung unterziehen): Wenn ein Mann die Anlage zeigt, die Eine Macht zu beherrschen, m�ssen die Aes Sedai seine Kr�fte �d�mpfen�, also komplett unterdr�cken, da er sonst wahnsinnig wird, vom Verderben des <emphasis>Saidin</emphasis> getroffen, und m�glicherweise schreckliches Unheil mit seinen Kr�ften anrichten wird. Eine Person, die einer D�mpfung unterzogen wurde, kann die Eine Macht immer noch sp�ren, sie aber nicht mehr ben�tzen. Wenn vor der D�mpfung der beginnende Wahnsinn eingesetzt hat, kann er durch den Akt der D�mpfung aufgehalten, jedoch nicht geheilt werden. Hat die D�mpfung fr�h genug stattgefunden, kann das Leben der Person gerettet werden. D�mpfungen bei Frauen sind so selten gewesen, da� man von den Novizinnen der Wei�en Burg verlangt, die Namen und Verbrechen aller auswendig zu lernen, die jemals diesem Akt unterzogen wurden. Die Aes Sedai d�rfen eine Frau nur dann einer D�mpfung unterziehen, wenn diese in einem Gerichtsverfahren eines Verbrechens �berf�hrt wurde. Eine unbeabsichtigte oder durch einen Unfall herbeigef�hrte D�mpfung wird auch als �Ausbrennen� bezeichnet. Ein Mensch, der einer D�mpfung unterzogen wurde, gleich, ob als Bestrafung oder durch einen Unfall, verliert im allgemeinen jeden Lebenswillen und stirbt nach wenigen Jahren, wenn nicht schon fr�her durch Selbstmord. Nur in wenigen F�llen gelingt es einem solchen Menschen, die Leere, die der ausbleibende Kontakt mit der Wahren Quelle in seinem Innern hinterl��t, mit anderen Zielen zu f�llen und so neuen Lebensmut zu gewinnen. Die Folgen einer jeglichen D�mpfung gelten als endg�ltig und nicht mehr heilbar <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Eine Macht).</p><p><strong>Deane Aryman:</strong> eine Amyrlin, welche die Wei�e Burg vor schlimmerem Schaden bewahrte, nachdem ihre Vorg�ngerin Bonwhin versucht hatte, die Kontrolle �ber Artur Falkenfl�gel zu erlangen. Sie wurde etwa im Jahr 920 FJ im Dorf Salidar in Eharon geboren und aus den Blauen Ajah 992 FJ zur Amyrlin erhoben. Man sagt ihr nach, sie habe Souran Maravaile dazu gebracht die Belagerung von Tar Valon (die 975 FJ begonnen hatte) nach Falkenfl�gels Tod zu beenden. Deane stellte den Ruf der Burg wieder her, und es wird allgemein angenommen, da� sie zum Zeitpunkt ihres Todes nach einem Sturz vom Pferd im Jahre 1084 FJ kurz vor dem erfolgreichen Abschlu� von Verhandlungen mit den sich um die Nachfolge Falkenfl�gels als Herrscher seines Imperiums streitenden Adligen stand, die F�hrung der Wei�en Burg zu akzeptieren, um die Einheit des Reichs zu erhalten <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Amyrlin-Sitz; Artur Falkenfl�gel).</p><p><strong>Der'morat:</strong> (1) In der Alten Sprache �Meisterbezwinger�. (2) Bezeichnung der Seanchaner f�r einen Tierb�ndiger und Ausbilder von Exoten beziehungsweise f�r jeden Ausbilder, wobei das Suffix einen langj�hrigen und f�higen Meister bezeichnet, so wie beispielsweise in <emphasis>Der'morat'raken. Der'morat</emphasis> k�nnen eine ziemlich hohe soziale Stellung erreichen; der h�chste ist der <emphasis>Der'sul'dam,</emphasis> die Ausbilder der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die mit hohen Armeeoffizieren gleichzusetzen sind <emphasis>(siehe auch: Morat).</emphasis></p><p><strong>Drache,</strong> der: Ehrenbezeichnung f�r Lews Therin Telamon w�hrend des Schattenkrieges vor mehr als dreitausend Jahren. Als der Wahnsinn alle m�nnlichen Aes Sedai befiel, t�tete Lews Therin alle Angeh�rigen, die etwas von seinem Blut in sich trugen und jede Person, die er liebte. So bezeichnete man ihn anschlie�end als Bruderm�rder <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Wiedergeborener Drache, Prophezeiungen des Drachen).</p><p><strong>Drache, falscher:</strong> Manchmal behaupten Manner, der Wiedergeborene Drache zu sein, und manch einer davon gewinnt so viele Anh�nger, da� eine Armee notwendig ist, um ihn zu besiegen. Einige davon haben schon Kriege .begonnen, in die viele Nationen verwickelt wurden. In den letzten Jahrhunderten waren die meisten falschen Drachen nicht in der Lage, die Eine Macht richtig anzuwenden, aber es gab doch ein paar, die das konnten. Alle jedoch verschwanden entweder, oder wurden gefangen oder get�tet, ohne eine der Prophezeiungen erf�llen zu k�nnen, die sich um die Wiedergeburt des Drachen ranken. Diese M�nner nennt man falsche Drachen. Unter jenen, die die Eine Macht lenken konnten, waren die m�chtigsten Raolin Dunkelbann (335-36 NZ), Yurian Steinbogen (ca. 1300-1308 NZ), Davian (FJ 351), Guaire Amalasan (FJ 939-43), Logain (997 N�) und Mazrim Taim (998 N�) <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Wiedergeborener Drache).</p><p><strong>Dunkler K�nig:</strong> gebr�uchlichste Bezeichnung, in allen L�ndern verwendet, f�r Shai'tan: die Quelle des B�sen, Antithese des Sch�pfers. Im Augenblick der Sch�pfung wurde er vom Sch�pfer in ein Verlie� am Shayol Ghul gesperrt. Ein Versuch, ihn aus diesem Kerker zu befreien, f�hrte zum Schattenkrieg, dem Verderben des <emphasis>Saidin,</emphasis> der Zerst�rung der Welt und dem Ende des Zeitalters der Legenden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Prophezeiungen des Drachen).</p><p><strong>Eide, Drei:</strong> die Eide, die eine Aufgenommene ablegen mu�, um zur Aes Sedai erhoben zu werden. Sie werden gesprochen, w�hrend die Aufgenommene eine Eidesrute in der Hand h�lt. Das ist ein <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> der sie an die Eide bindet. Sie mu� schw�ren, da� sie (1) kein unwahres Wort ausspricht, (2) keine Waffe herstellt, mit der Menschen andere Menschen t�ten k�nnen, und (3) da� sie niemals die Eine Macht als Waffe verwendet, au�er gegen Abk�mmlinge des Schattens oder, um ihr Leben oder das ihres Beh�ters oder einer anderen Aes Sedai in h�chster Not zu verteidigen. Diese Eide waren fr�her nicht zwingend vorgeschrieben, doch nach verschiedenen Geschehnissen vor und nach der Zerst�rung hielt man sie f�r notwendig. Der zweite Eid war urspr�nglich der erste und kam als Reaktion auf den Krieg um die Macht. Der erste Eid wird w�rtlich eingehalten, aber oft geschickt umgangen, indem man eben nur einen Teil der Wahrheit ausspricht. Man glaubt allgemein, da� der zweite und dritte nicht zu umgehen sind.</p><p><strong>Eine Macht,</strong> die: die Kraft aus der Wahren Quelle. Die gro�e Mehrheit der Menschen ist absolut unf�hig, zu lernen, wie man die Eine Macht anwendet. Eine sehr geringe Anzahl von Menschen kann die Anwendung erlernen, und noch weniger besitzen diese F�higkeit von Geburt an. Diese wenigen m�ssen ihren Gebrauch nicht lernen, denn sie werden die Wahre Quelle ber�hren und die Eine Macht ben�tzen, ob sie wollen oder nicht, vielleicht sogar, ohne zu bemerken, was sie da tun. Diese angeborene F�higkeit taucht meist zuerst w�hrend der Pubert�t auf. Wenn man dann nicht die Kontrolle dar�ber erlernt � durch Lehrer oder auch ganz allein (�u�erst schwierig, die Erfolgsquote liegt bei eins zu vier) ist die Folge der sichere Tod. Seit der Zeit des Wahns hat kein Mann es gelernt, die Eine Macht kontrolliert anzuwenden, ohne dabei auf die Dauer auf schreckliche Art dem Wahnsinn zu verfallen. Selbst wenn er in gewissem Ma� die Kontrolle erlangt hat, stirbt er an einer Verfallskrankheit, bei der er lebendigen Leibs verfault. Auch diese Krankheit wird, genau wie der Wahnsinn, von dem Verderben hervorgerufen, das der Dunkle K�nig �ber <emphasis>Saidin</emphasis> brachte. Bei Frauen ist der Tod mangels Kontrolle der Einen Macht etwas ertr�glicher, aber sterben m�ssen auch sie. Die Aes Sedai suchen nach M�dchen mit diesen angeborenen F�higkeiten, zum einen, um ihre Leben zu retten und zum anderen, um die Anzahl der Aes Sedai zu vergr��ern. Sie suchen nach M�nnern mit dieser F�higkeit, um zu verhindern, da� sie Schreckliches damit anrichten, wenn sie dem Wahn verfallen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Zerst�rung der Welt; F�nf M�chte; Zeit des Wahns, die Wahre Quelle).</p><p><strong>Elaida do Avriny a'Roihan:</strong> eine Aes Sedai, die einst zu den Roten Ajah geh�rte, vormals Ratgeberin der K�nigin Morgase von Andor. Sie kann manchmal die Zukunft vorhersagen. Mittlerweile zum Amyrlin-Sitz erhoben.</p><p><strong>Erstschwester; Erstbruder:</strong> Diese Verwandschaftsbezeichn�ng bei den Aiel bedeutet einfach, die gleiche Mutter zu haben. Das ist f�r die Aiel eine engere Verwandtschaftsbeziehung, als vom gleichen Vater abzustammen.</p><p><strong>Fain, Padan:</strong> Ehemaliger Schattenfreund, der mittlerweile etwas viel Schlimmeres als ein Schattenfreund ist. Er ist genauso sehr ein Feind der Verlorenen wie Rand al'Thors, den er leidenschaftlich hasst. Zuletzt fungierte er unter dem Namen Jeraal Mordeth als Berater von Lord Toram Riatin bei dessen Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen in Cairhien.</p><p><strong>Falkenfl�gel, Artur:</strong> ein legend�rer K�nig (Artur Paendrag Tanreall, 943-994 FJ), der alle L�nder westlich des R�ckgrats der Welt und einige von jenseits der Aiel-W�ste einte. Er sandte sogar eine Armee �ber das Aryth-Meer (992 FJ), doch verlor man bei seinem Tod, der den Hundertj�hrigen Krieg ausl�ste, jeden Kontakt mit diesen Soldaten. Er f�hrte einen fliegenden goldenen Falken im Wappen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hundertj�hriger Krieg).</p><p><strong>Far Dareis Mai:</strong> in der Alten Sprache w�rtlich �von den Speert�chtern�, meist einfach �T�chter des Speers� genannt. Eine von mehreren Kriegergemeinschaften der Aiel. Anders als bei den �brigen werden ausschlie�lich Frauen aufgenommen. Sollte sie heiraten, darf eine Frau nicht Mitglied bleiben. W�hrend einer Schwangerschaft darf ein Mitglied nicht k�mpfen. Jedes Kind eines Mitglieds wird von einer anderen Frau aufgezogen, so da� niemand mehr wei�, wer die wirkliche Mutter war. (�Du darfst keinem Manne angeh�ren und kein Mann oder Kind darf dir angeh�ren. Der Speer ist dein Liebhaber, dein Kind und dein Leben.�) Diese Kinder sind hochangesehen, denn es wurde prophezeit, da� ein Kind einer Tochter des Speers die Clans vereinen und zu der Bedeutung zur�ckf�hren wird, die sie im Zeitalter der Legenden besa�en <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel Kriegergemeinschaften).</p><p><strong>F�ule,</strong> die: <emphasis>siehe</emphasis> Gro�e F�ule.</p><p><strong>F�uste des Himmels:</strong> Leicht bewaffnete und gepanzerte seanchanische Infanterie, die auf den R�cken der gefl�gelten Kreaturen namens <emphasis>To'raken</emphasis> in die Schlacht ziehen. Es handelt sich ausschlie�lich um kleinw�chsige M�nner und Frauen, was gr��tenteils an dem geringen Gewicht liegt, das ein <emphasis>To'raken</emphasis> tragen kann. Sie gelten allgemein als die z�hesten verf�gbaren Soldaten und werden haupts�chlich f�r Sturmangriffe eingesetzt, zum Beispiel auf die Nachhut des Feindes, sowie in solchen F�llen, in denen es darauf ankommt, Soldaten in k�rzester Zeit an ihre Positionen zu bringen.</p><p><strong>Flamme von Tar Valon:</strong> das Symbol f�r Tar Valon, den Amyrlin-Sitz und die Aes Sedai. Die stilisierte Darstellung einer Flamme: eine wei�e, nach oben gerichtete Tr�ne.</p><p><strong>F�nf M�chte,</strong> die: Das sind die Str�nge der Einen Macht. Diese Str�nge nennt man nach den Dingen, die man durch ihre Anwendung beeinflussen kann: Erde, Luft, Feuer, Wasser, Geist � die F�nf M�chte. Wer die Eine Macht anwenden kann, beherrscht gew�hnlich einen oder zwei dieser Str�nge besonders gut und hat Schw�chen in der Anwendung der �brigen. Einige wenige beherrschen auch drei davon, aber seit dem Zeitalter der Legenden gab es niemand mehr, der alle f�nf in gleichem Ma�e beherrschte. Und auch dann war das eine gro�e Seltenheit. Das Ma�, in dem diese Str�nge beherrscht werden und Anwendung finden, ist individuell ganz verschieden; einzelne dieser Personen sind sehr viel st�rker als die anderen. Wenn man bestimmte Handlungen mit Hilfe der Einen Macht vollbringen will, mu� man einen oder mehrere bestimmte Str�nge beherrschen. Wenn man beispielsweise ein Feuer entz�nden oder beeinflussen will, braucht man den Feuer-Strang; will man das Wetter �ndern, mu� man die Bereiche Luft und Wasser beherrschen, w�hrend man f�r Heilungen Wasser und Geist benutzen mu�. W�hrend im Zeitalter der Legenden M�nner und Frauen in gleichem Ma�e den Geist beherrschten, war das Talent in bezug auf Erde und/oder Feuer besonders oft bei M�nnern ausgepr�gt und das f�r Wasser und,oder Luft bei Frauen. Es gab Ausnahmen, aber trotzdem betrachtete man Erde und Feuer als die m�nnlichen M�chte, Luft und Wasser als die weiblichen.</p><p><strong>Gaidin:</strong> in der Alten Sprache �Bruder der Schlacht�. Ein Titel, den die Aes Sedai den Beh�tern verleihen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Beh�ter).</p><p><strong>Gai'schain:</strong> in der Alten Sprache �dem Frieden im Kampfe verschworen�, soweit dieser Begriff �berhaupt �bersetzt werden kann. Von einem Aiel, der oder die w�hrend eines �berfalls oder einer bewaffneten Auseinandersetzung von einem anderen Aiel gefangengenommen wird, verlangt das <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> da� er oder sie dem neuen Herrn gehorsam ein Jahr und einen Tag lang dient und dabei keine Waffe anr�hrt und niemals Gewalt ben�tzt. Eine Weise Frau, ein Schmied oder eine Frau mit einem Kind unter zehn Jahren k�nnen nicht zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht werden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Trostlosigkeit).</p><p><strong>Galad; Lord Galadedrid Damodred:</strong> Halbbruder von Elayne und Gawyn. Sie haben alle den gleichen Vater; Taringail Damodred. Im Wappen f�hrt er ein gefl�geltes silbernes Schwert dessen Spitze nach unten zeigt.</p><p><strong>Gareth Bryne</strong> (Garet Brein): einst Generalhauptmann der K�niglichen Garde von Andor. Von K�nigin Morgase ins Exil verbannt. Er wird als einer der gr��ten lebenden Milit�rstrategen betrachtet. Das Siegel des Hauses Bryne zeigt einen wilden Stier, um dessen Hals die Rosenkrone von Andor h�ngt. Gareth Brynes pers�nliches Abzeichen sind drei goldene Sterne mit jeweils f�nf Zacken.</p><p><strong>Gaukler:</strong> fahrende M�rchenerz�hler, Musikanten, Jongleure, Akrobaten und Alleinunterhalter. Ihr Abzeichen ist die aus bunten Flicken zusammengesetzte Kleidung. Sie besuchen vor allem D�rfer und Kleinst�dte, da in den gr��eren St�dten schon zuviel andere Unterhaltung geboten wird.</p><p><strong>Gawyn aus dem Hause Trakand:</strong> Sohn der K�nigin Morgase, Bruder von Elayne, der bei Elaynes Thronbesteigung Erster Prinz des Schwertes wird. Halbbruder von Galad. Er f�hrt einen wei�en Keiler im Wappen.</p><p><strong>Gef�hrten:</strong> die Milit�relite von Illian, die derzeit von dem Ersten Hauptmann Demetre Marcolin befehligt wird. Die Gef�hrten stellen die Leibwache f�r den K�nig von Illian und bewachen Schl�sselstellungen des Landes. Dar�ber hinaus hat man die Gef�hrten in der Schlacht traditionellerweise dazu eingesetzt, die st�rkste Position des Feindes anzugreifen, seine Schw�che auszunutzen und, falls n�tig, den R�ckzug des K�nigs zu decken. Im Gegensatz zu den meisten vergleichbaren Eliteeinheiten sind Ausl�nder nicht nur willkommen (mit Ausnahme von Tairenern, Altaranern und Murandianern), sie k�nnen sogar � genau wie normale Untertanen � in die h�chsten Positionen aufsteigen, was ebenfalls sehr ungew�hnlich ist. Die Uniform der Gef�hrten besteht aus einem gr�nen Mantel, einem Brustharnisch, auf dem die Neun Bienen von Illian eingraviert sind, sowie einem konischen Helm mit einem Stangenvisier. Der Erste Hauptmann tr�gt an den Manschetten vier aufgestickte goldene Ringe und drei schmale goldene Federn auf dem Helm. Der Zweite Hauptmann tr�gt an den Manschetten drei aufgestickte goldene Ringe und am Helm drei goldene Federn mit gr�nen Spitzen. Leutnants tragen an den Manschetten zwei gelbe Ringe und zwei gr�ne Federn auf dem Helm, Unterleutnants einen gelben Ring und eine gr�ne Feder. Bannertr�ger tragen zwei unterbrochene gelbe Ringe an der Manschette und eine gelbe Feder, Fu�soldaten einen einzigen unterbrochenen gelben Ring.</p><p><strong>Gewichtseinheiten:</strong> 10 Unzen = 1 Pfund; 10 Pfund = 1 Stein; 10 Steine = 1 Zentner; 10 Zentner = 1 Tonne.</p><p><strong>Grauer Mann:</strong> jemand, der freiwillig seine oder ihre Seele dem Schatten geopfert hat und ihm nun als Attent�ter dient. Graue M�nner sehen so unauff�llig aus, da� man sie sehen kann, ohne sie wahrzunehmen. Die gro�e Mehrheit der Grauen M�nner sind tats�chlich M�nner, aber es gibt darunter auch einige Frauen. Sie werden auch als die �Seelenlosen� bezeichnet.</p><p><strong>Grenzlande:</strong> die an die Gro�e F�ule angrenzenden Nationen: Saldaea, Arafel, Kandor und Schienar. Sie haben eine Geschichte unendlich vieler �berf�lle und Kriegsz�ge gegen Trollocs und Myrddraal <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Gro�e F�ule).</p><p><strong>Gro�e F�ule:</strong> eine Region im hohen Norden, die durch den Einflu� des Dunklen K�nigs vollst�ndig verw�stet wurde. Sie stellt eine Zuflucht f�r Trollocs, Myrddraal und andere Kreaturen des Schattens dar.</p><p><strong>Gro�er Herr der Dunkelheit:</strong> Diese Bezeichnung verwenden die Schattenfreunde f�r den Dunklen K�nig. Sie behaupten, es sei Blasphemie, seinen wirklichen Namen zu ben�tzen.</p><p><strong>Gro�e Schlange:</strong> ein Symbol f�r die Zeit und die Ewigkeit, das schon uralt war, bevor das Zeitalter der Legenden begann. Es zeigt eine Schlange, die ihren eigenen Schwanz verschlingt. Man verleiht einen Ring in der Form der Gro�en Schlange an Frauen, die unter den Aes Sedai zu Aufgenommenen erhoben werden.</p><p><strong>Hailene:</strong> In der Alten Sprache �Vorl�ufer� oder �Jene, die vorher kommen�. Bezeichnung der Seanchaner f�r die gewaltige Expeditionsstreitmacht, die �ber das Aryth-Meer geschickt wurde, um die L�nder auszuspionieren, die einst von Arrur Falkenfl�gel beherrscht wurden. Seitdem sie unter dem Befehl der Hochlady Suroth steht und ihre Gr��e durch in den eroberten L�ndern eingezogene Rekruten stark angeschwollen ist, hat die Hailene ihre urspr�nglichen Ziele weit hinter sich gelassen.</p><p><strong>Hanion, Daved:</strong> Schattenfreund und ehemaliger Befehlshaber der Wei�en L�wen, der in den Diensten des Verlorenen Rahvin stand, w�hrend dieser als Lord Gaebril Caemlyn beherrschte. Sp�ter f�hrte Hanion befehlsgem�� die Wei�en L�wen nach Cairhien, um dort die Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen voranzutreiben. Die Wei�en L�wen wurden von einer �Blase des B�sen� vernichtet und Hanion wurde zu bisher unbekannten Zwecken nach Caemlyn zur�ckbeordert.</p><p><strong>Hierarchie des Meervolks:</strong> Das Atha'an Miere, das Meervolk, wird von der Herrin der Schiffe des Atha'an Miere beherrscht. Dir zur Seite stehen die Windsucherinnen der Herrin der Schiffe sowie der Meister der Klingen. Den n�chsten untergeordneten Rang bekleiden die Herrinnen der Wogen der einzelnen Clans, von denen jede ebenfalls �ber eine Windsucherin und einen Schwertmeister verf�gen. Die Herrin der Wogen des betreffenden Clans herrscht �ber die Segelherrinnen (die Schiffskapit�ne), die den Befehl �ber die Schiffe haben und von ihren eigenen Windsucherinnen und Zahlmeistern unterst�tzt werden. Die Windsucherin der Herrin der Schiffe hat die Autorit�t �ber alle Windsucherinnen der Clan-Wellenherrinnen, von denen jede wiederum die Autorit�t �ber alle Windsucherinnen ihres Clans hat. Das Gleiche gilt f�r den Meister der Klingen, der die Autorit�t �ber alle Schwertmeister hat, denen wiederum die Zahlmeister ihres Clans unterstehen. Beim Meervolk ist Rang nicht erblich. Die Herrin der Schiffe wird auf Lebenszeit von den Ersten Zw�lf des Atha'an Miere gew�hlt, den zw�lf �ltesten Herrinnen der Wogen. Die Herrin der Wogen des Clans wird wiederum von den zw�lf �ltesten Segelherrinnen ihres Clans gew�hlt, die man schlicht die Ersten Zw�lf nennt � ein Begriff, der ebenfalls dazu benutzt wird, um die �lteste Segelherrin vor Ort zu benennen. Sie kann von denselben Ersten Zw�lf durch eine Abstimmung wieder abgesetzt werden. In der Tat kann bis auf die Herrin der Schiffe jeder wegen Gesetzes�bertretungen, Feigheit oder anderen Verbrechen bis hinunter zum einfachen Deckmatrosen degradiert werden. Beim Tod einer Herrin der Wogen oder der Herrin der Schiffe muss ihre Windsucherin notwendigerweise einer Frau mit niederem Rang dienen und ihr eigener Rang verringert sich deswegen ebenfalls.</p><p><strong>Hochlords von Tear:</strong> Die Hochlords von Tear regieren als Rat diesen Staat, der weder K�nig noch K�nigin aufweist. Ihre Anzahl steht nicht fest. Im Laufe der Jahre hat es Zeiten gegeben, wo nur sechs Hochlords regierten, aber auch zwanzig kamen bereits vor. Man darf sie nicht mit den Landherren verwechseln, niedrigeren Adligen in den l�ndlichen Bezirken Tears.</p><p><strong>Horn von Valere:</strong> das legend�re Ziel der Gro�en Jagd nach dem Horn. Das Horn kann tote Helden zum Leben erwecken, damit sie gegen den Schatten k�mpfen. Eine neue Jagd nach dem Horn wurde in Illian ausgerufen, und man kann nun in vielen L�ndern J�ger des Horns antreffen.</p><p><strong>Hundertj�hriger Krieg:</strong> eine Reihe sich �berschneidender Kriege, gepr�gt von sich st�ndig ver�ndernden B�ndnissen, ausgel�st durch den Tod von Artur Falkenfl�gel und die darauf folgenden Auseinandersetzungen um seine Nachfolge. Er dauerte von 994 FJ bis 1117 FJ. Der Krieg entv�lkerte weite Landstriche zwischen dem Aryth-Meer und der Aiel-W�ste, zwischen dem Meer der St�rme und der Gro�en F�ule. Die Zerst�rungen waren so schwerwiegend, da� �ber diese Zeit nur noch fragmentarische Berichte vorliegen. Das Reich Artur Falkenfl�gels zerfiel und die heutigen Staaten bildeten sich heraus <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Falkenfl�gel, Artur).</p><p><strong>Illian:</strong> ein gro�er Hafen am Meer der St�rme, Hauptstadt der gleichnamigen Nation. Im Wappen von Illian findet man neun goldene Bienen auf dunkelgr�nem Feld.</p><p><strong>Ishara:</strong> Die erste K�nigin von Andor (zirka 994-1020 FJ). Nach dem Tod Artur Falkenfl�gels �berzeugte Ishara ihren Gemahl, einen von Falkenfl�gels wichtigsten Gener�len, die Belagerung von Tar Valon abzubrechen und sie mit so vielen Soldaten, wie er von dem Heer auf seine Seite ziehen konnte, nach Caemlyn zu begleiten. Wo viele andere versuchten, Falkenfl�gels ganzes Reich f�r sich zu erobern und scheiterten, nahm Ishara erfolgreich von einem kleinen Teil Besitz. Heutzutage weist fast jedes Adelshaus Andors etwas von Isharas Blut auf und der rechtm��ige Anspruch auf den L�wenthron h�ngt sowohl von der direkten Abstammung von ihr als auch von der nachgewiesenen Anzahl an Verbindungen zu ihr ab.</p><p><strong>Juilin Sandar:</strong> ein Diebf�nger aus Tear.</p><p><strong>Kalender:</strong> Die Woche hat zehn Tage, der Monat 28 und es gibt 13 Monate im Jahr. Mehrere Festtage geh�ren keinem bestimmten Monat an: der Sonntag oder Sonnentag (der l�ngste Tag des Jahres), das Erntedankfest (einmal alle vier Jahre zur Fr�hlingssonnwende), und das Fest der Rettung aller Seelen, auch Allerseelen genannt (einmal alle zehn Jahre zur Herbstsonnwende).</p><p><strong>Kesselflicker:</strong> volkst�mliche Bezeichnung f�r die Tuatha'an, die man auch das �Fahrende Volk� nennt. Ein Nomadenvolk, das in bunt gestrichenen Wohnwagen lebt und einer absolut pazifistischen Weltanschauung folgen, die man den �Weg des Blattes� nennt. Sie geh�ren zu den wenigen, die unbehelligt die Aiel-W�ste durchqueren k�nnen, da die Aiel jeden Kontakt mit ihnen strikt vermeiden. Nur wenige Menschen vermuten �berhaupt da� die Tuatha'an Nachkommen von Aiel sind, die sich w�hrend der Zerst�rung der Welt von den anderen absetzten, um einen Weg zur�ck in eine Zeit des Friedens zu finden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel).</p><p><strong>Kinder des Lichts:</strong> eine �bernationale Gemeinschaft von Asketen, die sich den Sieg �ber den Dunklen K�nig und die Vernichtung aller Schattenfreunde zum Ziel gesetzt hat. Die Gemeinschaft wurde w�hrend des Hundertj�hrigen Kriegs von Lothair Mantelar gegr�ndet, um gegen die ansteigende Zahl der Schattenfreunde als Prediger anzugehen. W�hrend des Kriegs entwickelte sich daraus eine vollst�ndige milit�rische Organisation, extrem streng ideologisch ausgerichtet und fest im Glauben, nur sie dienten der absoluten Wahrheit und dem Recht. Sie hassen die Aes Sedai und halten sie, sowie alle, die sie unterst�tzen oder sich mit ihnen befreunden, f�r Schattenfreunde. Sie werden geringsch�tzig Wei�m�ntel genannt. Im Wappen f�hren sie eine goldene Sonne mit Strahlen auf wei�em Feld <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Zweifler).</p><p><strong>Krieg um die Macht:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Schattenkrieg.</p><p><strong>Kusinen:</strong> Selbst w�hrend der Trolloc-Kriege vor mehr als zweitausend Jahren (zirka 1000-1350 NZ) hielt die Wei�e Burg ihren Standard aufrecht und schickte Frauen fort, die nicht die n�tigen Voraussetzungen erf�llten. Eine Gruppe solcher Frauen, die sich davor f�rchteten, w�hrend der Kriege nach Hause zur�ckzukehren, floh nach Barashta (in der N�he des heutigen Ebou Dar), so weit von den K�mpfen entfernt, wie es nur m�glich war. Sie bezeichneten sich als Kusinen, blieben im Untergrund und boten einen sicheren Hafen f�r all jene, die aus der Burg fortgeschickt wurden. Im Laufe der Zeit f�hrte die Verbindung mit Frauen, denen man befohlen hatte, die Burg zu verlassen, zu Kontakten mit Ausrei�erinnen, und obwohl man die wahren Gr�nde vermutlich nie erfahren wird, fingen die Kusinen an, auch Ausrei�erinnen bei sich aufzunehmen. Sie unternahmen gro�e Anstrengungen, dass diese M�dchen nichts �ber die Kusinen erfuhren, bis sie sicher sein konnten, dass die Aes Sedai sich nicht auf sie st�rzen und sie zur�ckholen w�rden. Schlie�lich war allgemein bekannt, dass Ausrei�erinnen fr�her oder sp�ter immer eingefangen wurden, und die Kusinen wussten ganz genau, dass man auch sie streng bestrafen w�rde, falls sie ihre Existenz nicht geheim hielten. Allerdings wussten die Aes Sedai der Wei�en Burg fast von Anfang an �ber sie Bescheid, doch die Kriege lie�en keine Zeit �brig, sich um sie zu k�mmern. Nach Beendigung der Kriege kam die Burg zu der Einsicht, dass es m�glicherweise nicht in ihrem besten Interesse lag, die Kusinen zu vernichten. Im Gegensatz zu den Verlautbarungen der Burg war vielen Ausrei�erinnen die Flucht gelungen, aber sobald die Kusinen ihnen halfen, wusste die Burg genau, in welche Richtung sie flohen, und nun holte sie neun von zehn zur�ck. Da die Kusinen in dem Bem�hen, ihre Existenz und ihre Anzahl zu verbergen, Barashta (und sp�ter Ebou Dar) immer wieder verlie�en, um sp�ter wieder dorthin zur�ckzukehren, und nie l�nger als zehn Jahre an einem Ort blieben, damit niemand bemerkte, dass sie nicht wie andere Menschen alterten, kam die Burg zu dem Glauben, dass es nur wenige von ihnen gab, die niemals gro�es Aufsehen erregten. Um die Kusinen als Falle f�r Ausrei�erinnen zu benutzen, entschied sich die Burg, sie im Gegensatz zu jeder �hnlichen Verbindung im Verlauf der Geschichte in Ruhe zu lassen. Tats�chlich ist sogar die Existenz der Kusinen ein Geheimnis, das allein den anerkannten Aes Sedai bekannt ist. Die Kusinen haben keine Gesetze, sondern nur Regeln, die teilweise auf dem Regelwerk der Wei�en Burg f�r Novizinnen und Aufgenommene basieren und teilweise auf der Notwendigkeit zur Geheimhaltung. Wie bei der Entstehungsgeschichte der Kusinen vielleicht zu erwarten ist, werden die Regeln bei allen Mitgliedern sehr streng eingehalten. K�rzlich erfolgte offene Kontakte zwischen Aes Sedai und Kusinen sind zwar nur einer Hand voll Schwestern bekannt, haben jedoch zu schockierenden Erkenntnissen gef�hrt, einschlie�lich der Tatsache, dass es doppelt so viele Kusinen wie Aes Sedai gibt. Dar�ber hinaus sind einige von ihnen mehr als hundert Jahre �lter, als jede Aes Sedai seit Beginn der Trolloc-Kriege und auch schon zuvor geworden ist. Die Auswirkungen dieser Enth�llungen sowohl auf die Kusinen wie auf die Aes Sedai ist jedoch noch eine Sache der Spekulation <emphasis>(siehe auch:</emphasis> N�hkr�nzchen).</p><p><strong>L�ngenma�e:</strong> 10 Finger = 1 Hand; 3 H�nde = 1 Fu�; 3 Fu� = 1 Schritt; 2 Schritte = 1 Spanne; 1000 Spannen = 1 Meile.</p><p><strong>Lan, al'Lan Mandragoran:</strong> ein Beh�ter, der Moiraine im Jahre 979 N� zugeschworen wurde. Ungekr�nter K�nig von Malkier, Dai Shan (Schlachtenf�hrer), und der letzte �berlebende Lord von Malkier. Dieses Land wurde im Jahr seiner Geburt (953 N�) von der Gro�en F�ule verschlungen. Im Alter von sechzehn Jahren begann er seinen Ein-Mann-Krieg gegen die F�ule und den Schatten, den er bis zu seiner Berufung zu Moiraines Beh�ter fortf�hrte <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Beh�ter, Moiraine).</p><p><strong>Legion des Drachen:</strong> Eine gro�e Milit�rformation, die nur aus Infanterie besteht und dem Wiedergeborenen Drachen die Treue geschworen hat. Ihre Ausbildung liegt in den H�nden von Davram Bashere, und zwar nach Vorschriften, die er selbst zusammen mit Mat Cauthon erarbeitet hat und die sich rigoros vom �blichen Einsatz der Fu�soldaten unterscheiden. Viele M�nner melden sich als Freiwillige, aber ein gro�er Teil der Legion wird von Rekr�tier�ngskommandos der Schwarzen Burg herangeschafft, die zuerst alle M�nner, die bereit sind, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen, an einer Sammelstelle zusammenholen, und auch das erst, nachdem sie sie durch Wegetore in die N�he von Caemlyn schaffen, um diejenigen herauszusieben, die man im Gebrauch der Einen Macht unterweisen kann. Der Rest � bei weitem der gr��ere Teil � wird in Basheres Ausbildungslager geschickt.</p><p><strong>Lews Therin Telamon; Lews Therin Bruderm�rder:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Drache.</p><p><strong>Lini:</strong> Kinderm�dchen der Lady Elayne in ihrer Kindheit. Davor war sie bereits Erzieherin ihrer Mutter Morgase und deren Mutter. Eine Frau von enormer innerer Kraft, einigem Scharfsinn und sehr wortgewaltig in bezug auf Redensarten.</p><p><strong>Logain:</strong> ein Mann, der einst behauptete, der Wiedergeborene Drache zu sein. Er �berzog Ghealdan, Altara und Murandy mit Krieg, bevor er gefangengenommen, zur Wei�en Burg gebracht und einer D�mpfung unterzogen wurde. Sp�ter entkam er inmitten der Wirren um die Absetzung Siuan Sanches. Ein Mann, dem immer noch Gro�es bevorsteht <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache, falscher).</p><p><strong>Manetheren:</strong> eine der Zehn Nationen, die den Zweiten Pakt schlossen; Hauptstadt des gleichnamigen Staates. Sowohl die Stadt wie auch die Nation wurden in den Trolloc-Kriegen vollst�ndig zerst�rt. Das Wappen Manetherens zeigte einen Roten Adler im Flug <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Trolloc-Kriege).</p><p><strong>Marath'damane:</strong> In der Alten Sprache �jene, die an die Leine gelegt werden m�ssen� und �eine, die man anleinen muss�. So bezeichnen die Seanchaner jede Frau, die die Macht lenken kann und nicht den Kragen einer <emphasis>Dom�ne</emphasis> tr�gt <emphasis>(siehe auch: Damme).</emphasis></p><p><strong>Mayene</strong> (Maijehn): Stadtstaat am Meer der St�rme, der seinen Reichtum und seine Unabh�ngigkeit der Kenntnis verdankt, die �lfischschw�rme aufsp�ren zu k�nnen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung kommt der der Olivenplantagen von Tear, Illian und Tarabon gleich. �lfisch und Oliven liefern nahezu alles �l f�r Lampen. Die augenblickliche Herrscherin von Mayene ist Berelain. Ihr Titel lautet: die Erste von Mayene. Der Titel: Zweite/Zweiter stand fr�her nur einem einzigen Lord oder einer Lady zu, wurde aber w�hrend der letzten etwa vierhundert Jahre von bis zu neun Adligen gleichzeitig gef�hrt. Die Herrscher von Mayene f�hren ihre Abstammung auf Artur Falkenfl�gel zur�ck. Das Wappen von Mayene zeigt einen fliegenden goldenen Falken. Mayene wurde traditionell von Tear wirtschaftlich und politisch eingeengt und unterdr�ckt.</p><p><strong>Mazrim Taim:</strong> ein falscher Drache, der in Saldaea viel Unheil anrichtete, bevor er geschlagen und gefangen wurde. Er ist nicht nur in der Lage, die Eine Macht zu ben�tzen, sondern besitzt au�erordentliche Kr�fte <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache, falscher).</p><p><strong>Meerleute, Meervolk:</strong> genauer: Atha'an Miere, das �Volk des Meeres�. Geheimnisumwitterte Bewohner der Inseln im Aryth-Meer und im Meer der St�rme. Sie verbringen wenig Zeit auf diesen Inseln und leben statt dessen zumeist auf ihren Schiffen. Sie beherrschen den Seehandel fast vollst�ndig.</p><p><strong>Melaine</strong> (Mehlein): Weise Frau der Jhirad Septime der Goshien Aiel. Eine Traumg�ngerin. Relativ stark, was den Gebrauch der Einen Macht angeht. Verheiratet mit Bael, dem Clanh�uptling der Goshien. Schwesterfrau der Dorhinda, der Dachherrin der DampfendeQuellen-Feste <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Traumg�nger).</p><p><strong>Merrilin, Thom:</strong> ein ziemlich vielschichtiger Gaukler, einst Hofbarde und Geliebter von K�nigin Morgase <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Spiel der H�user; Gaukler).</p><p><strong>Moiraine Damodred:</strong> Eine Aes Sedai der Blauen Ajah. Sie ben�tzt nur selten ihren Familiennamen und h�lt ihre Beziehung zum Hause Damodred meist geheim. Geboren 956 N� im K�niglichen Palast von Cairhien. Nachdem sie 972 N� als Novizin in die Wei�e Burg kam, machte sie dort rasch Karriere. Sie wurde nach nur drei Jahren zur Aufgenommenen erhoben und drei Jahre sp�ter, am Ende des Aielkriegs, zur Aes Sedai. Von diesem Zeitpunkt an begann sie ihre Suche nach dem jungen Mann, der � den Prophezeiungen der Aes Sedai Gitara Morose zufolge � w�hrend der Schlacht an der Leuchtenden Mauer am Abhang des Drachenbergs geboren wurde und der zum Wiedergeborenen Drachen bestimmt war. Sie war es auch, die Rand al'Thor, Mat Cauthon, Petrin Aybara und Egwene al'Vere von den Zwei Fl�ssen fortbrachte. Sie verschwand w�hrend eines Kampfes mit Lanfear in Cairhien in einem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> und wurde, dem Anschein nach, genauso get�tet wie die Verlorene.</p><p><strong>Morat-:</strong> In der Alten Sprache �Tierb�ndiger�. Die Seanchaner bezeichnen damit die M�nner und Frauen, die die Exoten abrichten; es gibt <emphasis>Morat'raken, Rakenb�ndiger</emphasis> oder Reiter, die zwanglos auch Flieger genannt werden <emphasis>(siehe auch: Der'morat).</emphasis></p><p><strong>Morgase</strong> (Morgeis): Von der Gnade des Lichts, K�nigin von Andor, Verteidigerin des Lichts, Besch�tzerin des Volkes, Hochsitz des Hauses Trakand. Im Wappen f�hrt sie drei goldene Schl�ssel. Das Wappen des Hauses Trakand zeigt einen silbernen Grundpfeiler. Sie mu�te ins Exil gehen und wird allgemein f�r tot gehalten. Viele glauben, sie sei vom Wiedergeborenen Drachen ermordet worden.</p><p><strong>Muster eines Zeitalters:</strong> Das Rad der Zeit verwebt die Str�nge menschlichen Lebens zum Muster eines Zeitalters, oftmals vereinfacht als �das Muster� bezeichnet, das die Substanz der Realit�t dieser Zeit bildet; auch als Zeitengewebe bekannt <emphasis>(siehe auch: Ta'veren).</emphasis></p><p><strong>Myrddraal:</strong> Kreaturen des Dunklen K�nigs, Kommandanten der Trolloc-Heere. Nachkommen von Trollocs, bei denen das Erbe der menschlichen Vorfahren wieder st�rker hervortritt, die man benutzt hat, um die Trollocs zu erschaffen. Trotzdem deutlich vom B�sen dieser Rasse gezeichnet. Sie sehen �u�erlich wie Menschen aus, haben aber keine Augen. Sie k�nnen jedoch im Hellen wie im Dunklen wie Adler sehen. Sie haben gewisse, vom Dunklen K�nig stammende Kr�fte, darunter die F�higkeit, mit einem Blick ihr Opfer vor Angst zu l�hmen. Wo Schatten sind, k�nnen sie hineinschl�pfen und sind nahezu unsichtbar. Eine ihrer wenigen bekannten Schw�chen besteht darin, da� sie Schwierigkeiten haben, flie�endes Wasser zu �berqueren. Man kennt sie unter vielen Namen in den verschiedenen L�ndern, z.B. ab Halbmenschen, die Augenlosen, Schattenm�nner, Lurk und die Blassen. Wenig bekannt ist die Tatsache, da� die Myrddraal in einem Spiegel nur ein verschwommenes Bild erzeugen.</p><p><strong>N�chstschwester; N�chstbruder:</strong> Mit diesen Begriffen bezeichnen die Aiel eine Beziehung, die so eng ist wie zwischen Erstschwestern und/oder Erstbr�dern. N�chstschwestern adoptieren einander h�ufig als Erstschwestern. Bei N�chstbr�dern ist das kaum jemals der Fall.</p><p><strong>N�hkr�nzchen:</strong> Die Anf�hrerinnen der Kusinen. Da keine Angeh�rige der Kusinen jemals erfahren hat, wie die Hierarchie der Aes Sedai funktioniert � das Wissen dar�ber wird erst dann weitergegeben, wenn eine Aufgenommene die Pr�fung f�r die Stola bestanden hat �, legten sie keinen Wert auf die St�rke in der Macht, sondern ma�en dem Alter ein gr��eres Gewicht zu; so nimmt die �ltere Frau immer einen h�heren Rang als die j�ngere ein. Das N�hkr�nzchen (die Bezeichnung wurde gew�hlt, weil sie � wie der Begriff Kusine � unverf�nglich ist) setzt sich daher aus den dreizehn �ltesten in Ebou Dar wohnenden Kusinen zusammen und die Frau mit dem h�chsten Alter und damit die Vorsitzende tr�gt den Titel �lteste. Nach den Regeln m�ssen alle zur�cktreten, wenn die Zeit zum Weiterziehen gekommen ist, aber so lange sie in Ebou Dar beheimatet sind, haben sie die absolute Autorit�t �ber die Kusinen, und zwar in einem Ma�, um das sie jeder Amyrlin-Sitz beneiden w�rde <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kusinen).</p><p><strong>Ogier:</strong> (1) Eine nichtmenschliche Rasse. Typisch f�r Ogier sind ihre Gr��e (m�nnliche Ogier werden im Durchschnitt zehn Fu� gro�), ihre breiten, r�sselartigen Nasen und die langen, mit Haarb�scheln bewachsenen Ohren. Sie wohnen in Gebieten, die sie <emphasis>Stedding</emphasis> nennen. Nach der Zerst�rung der Welt (von den Ogiern das Exil genannt) waren sie aus diesen <emphasis>Stedding</emphasis> vertrieben und das f�hrte zu einer als �das Sehnen� bezeichneten Erscheinung: Ein Ogier, der sich zu lange au�erhalb seines Stedding aufh�lt, erkrankt und stirbt schlie�lich. Sie sind in informierten Kreisen bekannt als extrem gute Steinbaumeister, die fast alle gro�en St�dte der Menschen nach der Zerst�rung erbauten. Sie selbst betrachten diese Kunst allerdings nur als etwas, das sie w�hrend des Exils erlernten und das nicht so wichtig ist wie das Pflegen der B�ume in einem <emphasis>Stedding,</emphasis> besonders der hochaufragenden Gro�en B�ume. Au�er zu ihrer Arbeit als Steinbaumeister verlassen sie ihr <emphasis>Stedding</emphasis> nur selten und wollen mit der Menschheit nichts zu tun haben. Man wei� unter Menschen nur sehr wenig �ber sie und viele halten die Ogier sogar f�r blo�e Legenden. Obwohl sie als friedliebend gelten und nur sehr schwer zu erregen sind, hei�t es in einigen alten Berichten, sie h�tten w�hrend der Trolloc-Kriege Seite an Seite mit den Menschen gek�mpft. Dort werden sie als m�rderische Gegner bezeichnet. Im Gro�en und Ganzen sind sie ungemein wissensdurstig, und ihre B�cher und Berichte enthalten oftmals Informah'onen, die bei den Menschen l�ngst verloren gegangen sind. Die normale Lebenserwartung eines Ogiers ist etwa drei- oder viermal so hoch wie bei Menschen. (2) Jedes Individuum dieser nichtmenschlichen Rasse <emphasis>(siehe auch: Stedding).</emphasis></p><p><strong>Padan Fain:</strong> Einst als H�ndler in das Gebiet der Zwei Fl�sse gekommen, stellte er sich bald als Schattenfreund heraus. Er wurde zum Schayol Ghul geholt und dort so in seiner ganzen Pers�nlichkeit beeinflu�t, da� er nicht nur in der Lage sein sollte, den jungen Mann zu finden, der zum Wiedergeborenen Drachen werden sollte, so wie der Jagdhund die Beute f�r den J�ger aufsp�rt, sondern sogar ein dauerndes inneres Bed�rfnis sp�ren sollte, fast eine Art von Besessenheit, diese Suche erfolgreich abzuschlie�en. Dies verursachte Fain solche psychische Schmerzen, da� er sowohl den Dunklen K�nig, wie auch Rand al'Thor zu hassen begann. Auf der Verfolgung al'Thors traf er in Shadar Logoth auf die dort gefangene Seele von Mordeth, die versuchte, Fains K�rper zu �bernehmen. Der ver�nderten Pers�nlichkeit Fains wegen resultierte das in einer Art von Vereinigung beider Seelen mit Fain in der Oberhand und mit F�higkeiten, die weit jenseits derer liegen, die beide M�nner vorher besa�en. Fain durchschaut diese selbst noch keineswegs in vollem Ma�e. Die meisten Menschen werden von Angst gepackt, wenn sie dem augenlosen Blick eines Myrddraal ausgesetzt sind, doch Fains Blick wiederum jagt selbst einem Myrddraal Angst ein.</p><p><strong>Prophet:</strong> Die formelle Bezeichnung lautet Prophet des Lord Drachen. Einst war Masema Dagar ein schienarischer Soldat, der eine Offenbarung erlebte und entschied, dass er dazu auserw�hlt wurde, die Worte des Wiedergeborenen Drachen auf der Welt zu verbreiten. Er glaubt, dass es nichts Wichtigeres gibt, als die Tatsache anzuerkennen, dass der Wiedergeborene Drache das gestaltgewordene Licht ist und man willens ist, seinem irgendwann erschallenden Ruf zu folgen. Er und seine Anh�nger sind zu jeder Gewalttat bereit, um andere zu zwingen, die glorreichen Taten des Wiedergeborenen Drachen zu preisen. Er hat seinem Namen entsagt, l�sst sich nur noch als �der Prophet� ansprechen und hat gro�e Teile von Ghealdan und Amadicia, die nun unter seiner Herrschaft stehen, ins Chaos gest�rzt.</p><p><strong>Prophezeiungen des Drachen:</strong> Ein nur unter den ausgesprochen Gebildeten bekannter Zyklus von Weissagungen, der auch selten erw�hnt wird. Man findet ihn im gr��eren Karaethon Zyklus. Es wird dort vorausgesagt, dass der Dunkle K�nig wieder befreit werde, und dass Lews Therin Telamon, der Drache, wiedergeboren werde, um in Tarmon Gai'don, der Letzten Schlacht gegen den Schatten, zu k�mpfen. Es wird prophezeit, dass er die Welt abermals rettet und erneut zerst�ren wird <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache).</p><p><strong>Rad der Zeit:</strong> Die Zeit stellt man sich als ein Rad mit sieben Speichen vor � jede Speiche steht f�r ein Zeitalter. Wie sich das Rad dreht so folgt Zeitalter auf Zeitalter. Jedes hinterl��t Erinnerungen, die zu Legenden verblassen, zu blo�en Mythen werden und schlie�lich vergessen sind, wenn dieses Zeitalter wiederkehrt. Das Muster eines Zeitalters wird bei jeder Wiederkehr leicht ver�ndert, doch auch wenn die �nderungen einschneidender Natur sein sollten, bleibt es das gleiche Zeitalter. Bei jeder Wiederkehr sind allerdings die Ver�nderungen gravierender.</p><p><strong>Rashima Kerenmosa:</strong> Man nennt sie auch die �Soldatenamyrlin�. Geboren ca. 1150 NZ und aus den Reihen der Gr�nen Ajah im Jahre 1251 NZ zur Amyrlin erhoben. Sie f�hrte pers�nlich die Heere der Wei�en Burg in den Kampf und errang unz�hlige Siege, die ber�hmtesten am Kaisin Pa�, an der Sorellestufe, bei Larapelle, Tel Norwin und Maighande, wo sie 1301 NZ ums Leben kam. Man entdeckte ihre Leiche nach Ende der Schlacht, umgeben von denen ihrer f�nf Beh�ter und einem wahren Wall aus den Leibern von Trollocs und Myrddraal, unter denen sich nicht weniger als neun Schattenlords befanden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aes Sedai; Ajah; Amyrlin-Sitz; Schattenlords; Beh�ter).</p><p><strong>Rhuidean:</strong> eine Gro�e Stadt, die einzige in der Aiel- W�ste und der Au�enwelt v�llig unbekannt. Sie lag fast dreitausend Jahre lang verlassen in einem W�stental. Einst wurde den Aielm�nnern nur gestattet, einmal in ihrem Leben Rhuidean zum Zweck einer Pr�fung zu betreten. Die Pr�fung fand innerhalb eines gro�en <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> statt. Wer bestand, besa� die F�higkeit zum Clanh�uptling, doch nur einer von dreien �berlebte. Frauen durften Rhuidean zweimal betreten. Sie wurden beim zweiten Mal im gleichen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> gepr�ft, und wenn sie �berlebten, wurden sie zu Weisen Frauen. Bei ihnen war die �berlebensrate erheblich h�her als bei den M�nnern. Mittlerweile ist die Stadt wieder von den Aiel bewohnt, und ein Ende des Tals von Rhuidean ist von einem gro�en See ausgef�llt, der aus einem enormen unterirdischen Reservoir gespeist wird und aus dem wiederum der einzige Flu� der W�ste entspringt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel).</p><p><strong>R�ckgrat der Welt:</strong> eine hohe Bergkette, �ber die nur wenige P�sse f�hren. Sie trennt die Aiel-W�ste von den westlichen L�ndern. Wird auch Drachenmauer genannt.</p><p><strong>Sa'angreal:</strong> Ein extrem seltenes Objekt, das einem Menschen erlaubt, die Eine Macht in viel st�rkerem Ma�e als sonst m�glich zu ben�tzen. Ein <emphasis>Sa'angreal</emphasis> �hnelt einem <emphasis>Angreal,</emphasis> ist jedoch ungleich st�rker. Die Menge der Einen Macht, die man mit einem <emphasis>Sa'angreal</emphasis> beherrschen kann, ist betr�chtlich gr��er als die mithilfe eines <emphasis>Angreals</emphasis> kontrollierte. Das Verh�ltnis entspricht etwa der Macht, die man mit einem <emphasis>Angreal</emphasis> kontrolliert im Gegensatz zu der, die man ohne jedes Hilfsmittel lenkt. Sie sind Relikte des Zeitalters der Legenden. Es ist nicht mehr bekannt, wie sie angefertigt wurden. Wie die <emphasis>Angreal</emphasis> sind auch sie geschlechterspezifisch und k�nnen entweder nur von einer Frau oder einem Mann eingesetzt werden. Es gibt nur noch eine Hand voll davon, weit weniger sogar als <emphasis>Angreale.</emphasis></p><p><strong>Saidar, Saidin:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Wahre Quelle.</p><p><strong>Schattenfreunde:</strong> die Anh�nger des Dunklen K�nigs. Sie glauben, gro�e Macht und andere Belohnungen, darunter sogar Unsterblichkeit, zu empfangen, wenn er aus seinem Kerker befreit wird. Untereinander gebrauchen sie gelegentlich die alte Bezeichnung: �Freunde der Dunkelheit�.</p><p><strong>Schattenkrieg:</strong> auch als der Krieg um die Macht bekannt; mit ihm endet das Zeitalter der Legenden. Er begann kurz nach dem Versuch, den Dunklen K�nig zu befreien und erfa�te bald schon die ganze Welt. In einer Welt, die selbst die Erinnerung an den Krieg vergessen hatte, wurde nun der Krieg in all seinen Formen wiederentdeckt. Er war besonders schrecklich, wo die Macht des Dunklen K�nigs die Welt ber�hrte, und auch die Eine Macht wurde als Waffe verwendet. Der Krieg wurde beendet, als der Dunkle K�nig wieder in seinen Kerker verbannt und dieser versiegelt werden konnte. Diese Unternehmung f�hrte Lews Therin Telamon, der Drache, zusammen mit hundert m�nnlichen Aes Sedai durch, die man auch die Hundert Gef�hrten nannte. Der Gegenschlag des Dunklen K�nigs verdarb <emphasis>Saidin</emphasis> und trieb Lews Therin und die Hundert Gef�hrten in den Wahnsinn. So begann die Zeit des Wahns und die Zerst�rung der Welt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Eine Macht; Drache).</p><p><strong>Schattenlords:</strong> diejenigen M�nner und Frauen (Aes Sedai), die der Einen Macht dienten, aber w�hrend der Trolloc-Kriege zum Schatten �berliefen und dann die Heere von Trollocs und Schattenfreunden als Gener�le kommandierten. Weniger Gebildete verwechseln sie gelegentlich mit den Verlorenen.</p><p><strong>Schwesterfrau:</strong> Verwandtschaftsgrad bei den Aiel. Aielfrauen, die bereits N�chstschwestern oder Erstschwestern sind und entdecken, da� sie den gleichen Mann lieben, oder die einfach nicht wollen, da� ein Mann zwischen sie tritt, heiraten ihn beide und werden so zu Schwesterfrauen. Frauen, die den gleichen Mann lieben, versuchen manchmal, herauszufinden, ob sie N�chstschwestern oder durch Adoption Erstschwestern werden k�nnen, denn das ist die erste Voraussetzung, um Schwesterfrauen werden zu k�nnen.</p><p><strong>Seanchan:</strong> Das Land, aus dem die Nachkommen der Streitmacht stammen, die Artur Falkenfl�gel �ber das Aryth-Meer sandte, um die dort gelegenen L�nder zu erobern. Sie glauben, dass man aus Sicherheitsgr�nden jede Frau, die mit der Macht umgehen kann, durch einen <emphasis>A'dam</emphasis> kontrollieren muss. Aus dem gleichen Grund werden solche M�nner get�tet.</p><p><strong>Seherin:</strong> eine Frau, die vom Frauenzirkel bzw. der Versammlung der Frauen ihres Dorfs berufen und zu dessen Vorsitzender bestimmt wird, weil sie die F�higkeit des Heuens besitzt, das Wetter vorhersagen kann und auch sonst als kluge Frau und Ratgeberin anerkannt ist. Ihre Position fordert gro�es Verantwortungsbewu�tsein und verleiht ihr viel Autorit�t. Allgemein wird sie dem B�rgermeister gleichgestellt, in manchen D�rfern steht sie sogar �ber ihm. Im Gegensatz zum B�rgermeister wird sie auf Lebenszeit erw�hlt. Es ist �u�erst selten, da� eine Seherin vor ihrem Tod aus ihrem Amt entfernt wird. Ihre Auseinandersetzungen mit dem B�rgermeister sind auch zur Tradition geworden. Je nach dem Land wird sie auch als F�hrerin, Heilerin, Weise Frau, Sucherin oder einfach als Weise bezeichnet.</p><p><strong>Sei'mosiev:</strong> In der Alten Sprache �gesenkter Blick�. Ist bei den Seanchanern die Rede davon, dass jemand <emphasis>sei'mosiev</emphasis> wurde, bedeutet das, dass er das �Gesicht verloren� hat <emphasis>(siehe auch:</emphasis><emphasis>Sei'taer).</emphasis></p><p><strong>Sei'taen</strong> In der Alten Sprache �offener Blick�. Die Seanchaner bezeichnen damit Ehre oder �Gesicht�, die F�higkeit, jemandem ohne Scham in die Augen sehen zu k�nnen. Es ist m�glich, <emphasis>sei'taer</emphasis> �zu haben�, was so viel bedeutet, dass man eine ehrenhafte Person ist, die einem anderen offen ins Gesicht sehen kann, so wie es m�glich ist, <emphasis>sei'taer</emphasis> zu �gewinnen� oder zu �verlieren� <emphasis>(siehe auch: sei'mosiev).</emphasis></p><p><strong>Shayol Ghul:</strong> ein Berg im Versengten Land jenseits der Gro�en F�ule; dort befindet sich der Kerker, in dem der Dunkle K�nig gefangengehalten wird.</p><p><strong>Shen an Calhar:</strong> In der Alten Sprache �die Bande der Roten Hand�. (1) Eine legend�re Gruppe von Helden, die viele Abenteuer bestand und schlie�lich bei der Verteidigung von Manetheren starb, als das Land w�hrend der Trolloc-Kriege vernichtet wurde. (2) Eine Truppenformation, die eher zuf�llig von Mat Cauthon begr�ndet wurde; sie ist �hnlich den Streitkr�ften organisiert, die es auf dem H�hepunkt der milit�rischen Kunst gab, den Tagen von Artur Falkenfl�gel und den unmittelbar darauf folgenden Jahrhunderten.</p><p><strong>So'jhin:</strong> Die treffendste �bersetzung aus der Alten Sprache d�rfte die Umschreibung �Erhabenheit unter Niederen� sein, obwohl es einige auch als �sowohl Himmel wie auch Tal� �bersetzen. Mit <emphasis>So'jhin</emphasis> bezeichnen Seanchaner die H�heren Diener, deren Rang erblich ist. Sie sind <emphasis>Da'covale,</emphasis> Besitz, bekleiden jedoch Positionen von betr�chtlicher Autorit�t und Macht. Selbst Angeh�rige des Blutes behandeln die <emphasis>So'jhin</emphasis> der Kaiserfamilie mit Vorsicht und sprechen die pers�nlichen <emphasis>So'jhin</emphasis> der Kaiserin als Gleichgestellte an <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Blut, <emphasis>Da'covale).</emphasis></p><p><strong>Sorilea:</strong> die Weise Frau der Schendefestung, eine Jarra Chareen. Sie hat nicht viel Geschick im Umgang mit der Macht. Sie ist die �lteste aller Weisen Frauen, wenn auch nicht um soviel �lter, als die meisten glauben.</p><p><strong>Spanne:</strong><emphasis>siehe</emphasis> L�ngenma�e.</p><p><strong>Spiel der H�user:</strong> Diese Bezeichnung wurde dem Intrigenspiel der Adelsh�user untereinander verliehen, mit dem sie sich Vorteile verschaffen wollen. Gro�er Wert wird darauf gelegt, subtil vorzugehen, auf eine Sache abzuzielen, w�hrend man ein ganz anderes Ziel vort�uscht, und sein Ziel schlie�lich mit geringstm�glichem Aufwand zu erreichen. Es ist auch als das �Gro�e Spiel� bekannt und gelegentlich unter seiner Bezeichnung in der Alten Sprache: <emphasis>Daes Dae'mar.</emphasis></p><p><strong>Stedding,</strong> das: Eine Ogier-Enklave. Viele <emphasis>Stedding</emphasis> sind seit der Zerst�rung der Welt verlassen worden. In Erz�hlungen und Legenden werden sie als Zufluchtsst�tte bezeichnet, und das aus gutem Grund. Auf eine heute nicht mehr bekannte Weise wurden sie abgeschirmt, sodass in ihrem Bereich die Eine Macht nicht angewendet werden kann und nicht einmal eine Spur der Wahren Quelle wahrzunehmen ist. Versuche, von au�erhalb eines <emphasis>Stedding</emphasis> mithilfe der Einen Macht in deren Innerem einzugreifen, blieben erfolglos. Kein Trolloc wird ohne Not ein Stedding betreten und selbst ein Myrddraal betritt es nur, wenn er dazu gezwungen ist, und dann auch nur z�gernd und mit gr��ter Abscheu. Sogar echte und hingebungsvolle Schattenfreunde f�hlen sich in einem <emphasis>Stedding</emphasis> �u�erst unwohl.</p><p><strong>Stein von Tear:</strong> eine gro�e Festung in der Stadt Tear, von der berichtet wird, sie sei bald nach der Zerst�rung der Welt mit Hilfe der Einen Macht erbaut worden. Sie wurde unz�hlige Male angegriffen und belagert, doch nie erobert. Erst unter dem Angriff des Wiedergeborenen Drachen mit wenigen hundert Aielkriegern fiel die Festung innerhalb einer einzigen Nacht. Damit wurden zwei Voraussagen aus den Prophezeiungen des Drachen erf�llt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache, Prophezeiungen des Drachen).</p><p><strong>Sul'dam:</strong> W�rtlich: �Tr�gerin der Leine�. Bezeichnung der Seanchaner f�r eine Frau mit der F�higkeit, <emphasis>Damane �</emphasis> Frauen, die die Eine Macht lenken k�nnen � zu beherrschen und mithilfe eines <emphasis>Adam</emphasis> unter Kontrolle zu halten. Junge Frauen werden von den Seanchanern im gleichen Alter und zur gleichen Zeit auf diese F�higkeit hin �berpr�ft wie die <emphasis>Damane</emphasis> selbst. Eine relativ ehrenvolle Position in der seanchanischen Gesellschaft. Man findet viel mehr <emphasis>Sul'dam</emphasis> als <emphasis>Damane (siehe auch: A'dam; Damane;</emphasis> Seanchan)</p><p><strong>Talente:</strong> F�higkeiten, die Eine Macht auf ganz spezifische Weise zu gebrauchen. Selbst bei gleich gelagerten Talenten ergeben sich von Person zu Person gro�e individuelle Unterschiede, die nur selten mit der St�rke zu tun haben, die diese Person in bezug auf die Anwendung der Einen Macht besitzt. Das naturgem�� popul�rste und am meisten verbreitete Talent ist das des Heilens. Weitere Beispiele sind das �Wolkentanzen�, womit die Beeinflussung des Wetters gemeint ist, und der �Erdgesang�, mit dessen Hilfe Erdbewegungen gesteuert werden k�nnen und so beispielsweise Erdbeben und Lawinen verhindert oder ausgel�st werden. Es gibt auch eine Reihe weniger bedeutsamer Talente, wie die F�higkeit, <emphasis>Ta'veren</emphasis> wahrzunehmen oder sogar deren Eigenschaft, den Zufall zu beeinflussen, auf einer sehr eng begrenzten Fl�che (meist nicht mehr als wenige Quadratfu� gro�) kopieren zu k�nnen. Von manchen Talenten kennt man heute nur noch die Bezeichnung und besitzt eventuell noch eine vage Beschreibung, wie z. B. beim Reisen, einer F�higkeit, sich von einem Ort zu einem anderen zu bewegen, ohne den Zwischenraum durchqueren zu m�ssen. Andere wie z.B. das Vorhersagen (die F�higkeit, zuk�nftige Ereignisse zumindest auf allgemeinere Art und Weise vorhersehen zu k�nnen) oder das Sch�rfen (Aufsp�ren und manchmal sogar Gewinnen von Erzen) sind mittlerweile selten oder beinahe verschwunden. Ein weiteres Talent, das man seit langem f�r verloren hielt, ist das Tr�umen. Unter anderem lassen sich hier die Tr�ume des Tr�umers so deuten, da� sie eine genauere Vorhersage der Zukunft erlauben. Manche Tr�umer hatten die F�higkeit, <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> die Welt der Tr�ume, zu erreichen und sogar in die Tr�ume anderer Menschen einzudringen. Die letzte bekannte Tr�umerin war Corianin Nedeal, die im Jahre 526 N� starb, doch nur wenige wissen, da� es jetzt eine neue gibt. Viele solcher Talente werden jetzt erst wiederentdeckt <emphasis>(siehe auch: Tel'aran'rhiod).</emphasis></p><p><strong>Tallanvor, Martyn:</strong> Leutnant der K�niglichen Garde in Andor, der seine K�nigin mehr liebt als Ehre oder Leben.</p><p><strong>Tarabon:</strong> Land und Nation am Aryth-Meer, Hauptstadt: Tanchico. Einst eine gro�e Handelsmacht und Quelle von Teppichen, Textilfarben und Feuerwerksk�rpern, die von der Gilde der Feuerwerker hergestellt werden. Jetzt von einem B�rgerkrieg und gleichzeitigen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Arad Doman und den Anh�ngern des Wiedergeborenen Drachen zerrissen und deshalb weitgehend vom Ausland abgeschnitten.</p><p><strong>Tarmon Gai'don:</strong> die Letzte Schlacht <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Prophezeiungen des Drachen; Horn von Valere).</p><p><strong>Ta'veren:</strong> eine Person im Zentrum des Gewebes von Lebensstr�ngen aus ihrer Umgebung, m�glicherweise sogar <emphasis>aller</emphasis> Lebensstr�nge, die vom Rad der Zeit zu einem Schicksalsgewebe zusammengef�gt wurden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Muster eines Zeitalters).</p><p><strong>Tear:</strong> ein gro�er Hafen und ein Staat am Meer der St�rme. Das Wappen von Tear zeigt drei wei�e Halbmonde auf rot und goldgemustertem Feld <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Stein von Tear).</p><p><strong>Telamon, Lews Therin:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Drache.</p><p><strong>Tel'aran'rhiod:</strong> In der Alten Sprache: �die unsichtbare Welt� oder �die Welt der Tr�ume�. Eine Welt, die man in Tr�umen manchmal sehen kann. Nach den Angaben der Alten durchdringt und umgibt sie alle m�glichen Welten. Im Gegensatz zu anderen Tr�umen ist das, was dort mit lebendigen Dingen geschieht, v�llig real. Wenn man dort also eine Wunde empf�ngt, ist diese beim Erwachen immer noch vorhanden, und einer, der dort stirbt, erwacht nie mehr. Ansonsten hat aber das, was dort geschieht, keinerlei Einfluss auf die wachende Welt. Viele Menschen k�nnen <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kurze Augenblicke lang in ihren Tr�umen ber�hren, aber nur wenige haben je die F�higkeit besessen, aus freien St�cken dort einzudringen, wenn auch einige <emphasis>Ter'angreale</emphasis> entdeckt wurden, die eine solche F�higkeit unterst�tzen. Mithilfe eines solchen <emphasis>Ter'angreals</emphasis> k�nnen auch Menschen in die Welt der Tr�ume eintreten, die nicht die F�higkeit zum Gebrauch der Macht besitzen <emphasis>(siehe auch: Ter'angreal).</emphasis></p><p><strong>Ter'angreal:</strong> Gegenst�nde aus dem Zeitalter der Legenden, die die eine Macht verwenden oder bei deren Gebrauch helfen. Im Gegensatz zu <emphasis>Angrealen</emphasis> und <emphasis>Sa'angrealen</emphasis> wurde jeder <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu einem ganz bestimmten Zweck hergestellt. So verwandelt beispielsweise ein Eidstab den auf ihn geleisteten Eid zu etwas absolut Bindendem. Aes Sedai benutzen diverse <emphasis>Ter'angreale,</emphasis> aber bei vielen ist die urspr�ngliche Anwendung in Vergessenheit geraten. Manche erfordern den Einsatz der Einen Macht, um zu funktionieren, andere wiederum auch nicht. Einige t�ten sogar oder zerst�ren die F�higkeit einer Frau, die sie ben�tzt, die Eine Macht zu lenken. Wie bei den <emphasis>Angrealen</emphasis> und <emphasis>Sa'angrealen</emphasis> ist nicht mehr bekannt, wie man sie herstellt. Dieses Geheimnis ging nach der Zerst�rung der Welt verloren <emphasis>(siehe auch: Angreal; Sa'angreal).</emphasis></p><p><strong>Tiefenschau:</strong> (1) Die F�higkeit, mithilfe der Einen Macht Krankheiten zu diagnostizieren. (2) Die F�higkeit, mithilfe der Einen Macht Erzvorkommen aufzusp�ren. Dies ist eine seit langem verschollene F�higkeit der Aes Sedai, was wom�glich auch der Grund daf�r ist, dass der Name heute eine andere F�higkeit bezeichnet.</p><p><strong>Tochter-Erbin:</strong> Titel der Erbin des L�wenthrons von Andor. Ohne eine �berlebende Tochter f�llt der Thron an die n�chste weibliche Verwandte der K�nigin. Unstimmigkeiten dar�ber, wer die n�chste in der Erbfolge sei, haben mehrmals bereits zu Machtk�mpfen gef�hrt. Der letzte davon wird in Andor einfach �die Thronfolge� genannt und au�erhalb des Landes �der Dritte Andoranische Erbfolgekrieg�. Durch ihn kam Morgase aus dem Hause Trakand auf den Thron.</p><p><strong>Totenwache:</strong> Eliteeinheit des seanchanischen Kaiserreichs, in der sowohl Menschen wie auch Ogier dienen. Die menschlichen Mitglieder der Totenwache sind alle <emphasis>Da'covale,</emphasis> die als Sklaven geboren und in fr�hester Jugend ausgew�hlt wurden, um der Kaiserin, zu deren Besitz sie z�hlen, zu dienen. Bis zum Fanatismus loyal und von wildem Stolz erf�llt haben sie oftmals Raben auf die Schultern t�towiert, das Zeichen eines <emphasis>Da'covale</emphasis> der Kaiserin. Helme und R�stung sind dunkelgr�n und blutrot lackiert, die Schilde sind schwarz lackiert, und Speere und Schwerter haben schwarze Quasten <emphasis>(siehe auch: Da'covale).</emphasis></p><p><strong>Tr�umer:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Talente.</p><p><strong>Traumg�nger:</strong> Bezeichnung der Aiel f�r eine Frau, die <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> aus eigenem Willen erreichen, die Tr�ume anderer auslegen und mit anderen in deren Traum sprechen kann. Auch die Aes Sedai ben�tzen diese Bezeichnung gelegentlich im Zusammenhang mit dem Talent eines �Tr�umers� <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Talente; <emphasis>Tel'aran'rhiod).</emphasis></p><p><strong>Trolloc-Kriege:</strong> eine Reihe von Kriegen, die etwa gegen 1000 NZ begannen und sich �ber mehr als 300 Jahre hinzogen. Trolloc-Heere unter der F�hrung von Myrddraal und Schattenlords verw�steten die Welt. Schlie�lich aber wurden die Trollocs entweder get�tet oder in die Gro�e Faule zur�ckgetrieben. Mehrere Staaten wurden im Rahmen dieser Kriege ausgel�scht oder entv�lkert. Alle Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind fragmentarisch <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Schattenlords; Myrddraal; Trollocs).</p><p><strong>Trollocs:</strong> Kreaturen des Dunklen K�nigs, die er w�hrend des Schattenkriegs erschuf. Sie sind k�rperlich sehr gro� und extrem b�sartig. Sie stellen eine hybride Kreuzung zwischen Tier und Mensch dar und t�ten aus purer Mordlust. Nur diejenigen, die selbst von den Trollocs gef�rchtet werden, k�nnen diesen trauen. Trollocs sind schlau, hinterh�ltig und verr�terisch. Sie essen alles, auch jede Art von Fleisch, das von Menschen und anderen Trollocs eingeschlossen. Da sie zum Teil von Menschen abstammen, sind sie zum Geschlechtsverkehr mit Menschen imstande, doch die meisten einer solchen Verbindung entspringenden Kinder werden entweder tot geboren oder sind kaum lebensf�hig. Die Trollocs leben in stammes�hnlichen Horden. Die wichtigsten davon hei�en: Ahffrait, Al'ghol, Bhan'sheen, Dha'vol, Dhai'mon, Dhjin'nen, Ghar'ghael, Ghob'hlin, Gho'hlem, Ghraem'lan, Ko'bal und Kno'mon <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Trolloc-Kriege).</p><p><strong>Trostlosigkeit:</strong> Bezeichnung f�r die Auswirkung der folgenden Erkenntnis auf viele Aiel: Die Aiel waren keineswegs immer furchterregende Krieger. Ihre Vorfahren waren strikte Pazifisten, die sich w�hrend und nach der Zerst�rung der Welt dazu gezwungen sahen, sich selbst zu verteidigen. Viele glauben, gerade darin habe ihr Versagen den Aiel gegen�ber gelegen. Einige werfen daraufhin ihre Speere weg und rennen davon. Andere weigern sich, das Wei� der <emphasis>Gai'schain</emphasis> abzulegen, obwohl ihre Dienstzeit vor�ber ist. Wieder andere weigern sich, dies als die Wahrheit anzuerkennen, und folgerichtig erkennen sie auch Rand al'Thor nicht als den wahren <emphasis>Car'a'carn</emphasis> an. Diese Aiel kehren entweder in die W�ste zur�ck oder schlie�en sich den Shaido an, die gegen Rand al'Thor k�mpfen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel; Aiel-W�ste; <emphasis>Car'a'carn; Gai'schain).</emphasis></p><p><strong>Vereinigung:</strong> Als die von Artur Falkenfl�gel ausgesandten Heere unter dem Kommando seines Sohnes Luthair in Seanchan landeten, entdeckten sie einen sich in st�ndiger Ver�nderung befindlichen Flickenteppich aus Nationen, die permanent miteinander Krieg f�hrten und die h�ufig von Aes Sedai beherrscht wurden. Ohne ein Gegenst�ck zur Wei�en Burg k�mpften die Aes Sedai mithilfe der Einen Macht um die Vergr��erung ihrer pers�nlichen Reiche. Sie bildeten kleine Gruppen und intrigierten st�ndig gegeneinander. Diese Intrigen drehten sich gr��tenteils um den Gewinn pers�nlicher Vorteile. Die daraus entstandenen Kriege unter den zahllosen Nationen erm�glichten den aus dem Osten �ber das Aryth-Meer eingedrungenen Heeren �berhaupt erst, mit der Eroberung eines ganzen Kontinents zu beginnen, die sp�ter von ihren Nachkommen vollendet wurde. Diese Eroberung, in deren Verlauf die Nachkommen der urspr�nglichen Soldaten nicht nur ihre Herrschaft auf ganz Seanchan ausdehnten, sondern zu Seanchanern wurden, dauerte l�nger als neunhundert Jahre und wird als die Vereinigung bezeichnet.</p><p><strong>Verkn�pfung:</strong> die F�higkeit von Frauen, ihre Str�nge der Einen Macht miteinander zu vereinigen. Diese kombinierten Str�nge sind insgesamt wohl nicht ganz so stark wie die Summe der einzelnen Str�nge, werden aber von der Person gelenkt, die diese Verkn�pfung leitet und k�nnen auf diese Weise viel pr�ziser und effektiver eingesetzt werden als einzelne Str�nge. M�nner k�nnen ihre F�higkeiten nicht miteinander verkn�pfen, wenn keine Frau oder keine Frauen im Zirkel mitwirken. Dagegen k�nnen sich bis zu dreizehn Frauen verkn�pfen, ohne die Mitwirkung eines Mannes zu ben�tigen. Nimmt ein Mann an diesem Zirkel teil, k�nnen sich bis zu sechsundzwanzig Frauen verkn�pfen. Zwei M�nner k�nnen den Zirkel auf vierunddrei�ig Frauen erweitern, und so geht es weiter bis zu einer Obergrenze von sechs M�nnern und Sechsundsechzig Frauen. Es gibt Verkn�pfungen, an denen mehr M�nner, aber daf�r weniger Frauen teilnehmen, aber abgesehen von der Verkn�pfung nur einer Frau mit einem Mann mu� sich immer mindestens eine Frau mehr im Zirkel befinden als M�nner. Bei den meisten Zirkeln kann entweder ein Mann oder eine Frau die Leitung �bernehmen, doch bei einem Maximalzirkel von zweiundsiebzig Personen oder bei gemischten Zirkeln unter dreizehn Mitgliedern mu� jeweils ein Mann die F�hrung �bernehmen. Obwohl im allgemeinen M�nner st�rker sind, was den Gebrauch der Macht betrifft, sind die st�rksten Zirkel diejenigen mit soweit wie m�glich ausgeglichener Anzahl an M�nnern und Frauen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aes Sedai).</p><p><strong>Verlorene:</strong> Name von dreizehn m�chtigen Aes Sedai, sowohl M�nner als auch Frauen, die w�hrend des Zeitalters der Legenden zum Schatten �berliefen und in der Versiegelung des Stollens zum Gef�ngnis des Dunklen K�nigs gefangen wurden. Obwohl lange Zeit angenommen wurde, dass w�hrend des Schattenkrieges allein sie das Licht aufgaben, gab es in Wahrheit noch andere; diese dreizehn nahmen lediglich die h�chsten R�nge ein. Die Verlorenen (die sich selbst die Auserw�hlten nennen) sind seit ihrem Erwachen in der neuen Zeit dezimiert worden. Die bekannten �berlebenden sind Demandred, Semirhage, Graendal, Mesaana, Moghedien sowie zwei andere, die in neuen K�rpern wiedergeboren wurden und die neuen Namen Osan'gar und Aran'gar erhielten. K�rzlich erschien ein Mann, der sich Moridin nennt und bei dem es sich m�glicherweise um einen weiteren toten Verlorenen handelt, der vom Dunklen K�nig von jenseits des Grabes zur�ckgeholt wurde. Das Gleiche trifft vielleicht auf die Frau namens Cyndane zu, aber da Aran'gar ein Mann war, der als Frau zur�ckgebracht wurde, k�nnten sich die Spekulationen �ber Moridin und Cyndane als sinnlos erweisen, bevor man mehr erfahren hat.</p><p><strong>Vorl�ufer,</strong><emphasis>siehe auch:</emphasis> Hailene</p><p><strong>Wahre Quelle:</strong> die treibende Kraft des Universums, die das Rad der Zeit antreibt. Sie teilt sich in eine m�nnliche <emphasis>(Saidin)</emphasis> und eine weibliche H�lfte <emphasis>(Saidar),</emphasis> die gleichzeitig miteinander und gegeneinander arbeiten. Nur ein Mann kann von <emphasis>Saidin</emphasis> Energie beziehen und nur eine Frau von <emphasis>Saidar.</emphasis> Seit dem Beginn der Zeit des Wahns vor mehr als dreitausend Jahren ist <emphasis>Saidin</emphasis> von der Hand des Dunklen K�nigs gezeichnet <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Eine Macht).</p><p><strong>Weise Frau:</strong> Bei den Aiel w�hlen die Weisen Frauen unter allen Frauen diejenigen aus, die zu dieser T�tigkeit berufen sind. Sie erlernen die Heilkunst, Kr�uterkunde und anderes, �hnlich wie die Seherinnen. Sie besitzen gro�e Autorit�t und Verantwortung sowie gro�en Einfluss auf die Septimen und die Clanh�uptlinge, obwohl diese M�nner sie oft beschuldigen, dass sie sich st�ndig einmischen. Eine betr�chtliche Anzahl von Weisen Frauen k�nnen � in unterschiedlicher St�rke � die Eine Macht lenken; sie sp�ren jede Aielfrau auf, die mit dem Funken geboren wurde oder lernen kann, die Macht zu benutzen. Allerdings herrscht unter den Aiel der Brauch, nicht �ber dieses Thema zu sprechen. So wie es ebenfalls Brauch ist, dass Weise Frauen jeden Kontakt mit Aes Sedai meiden, und zwar wesentlich konsequenter als die anderen Aiel. Weise Frauen stehen �ber allen Fehden und kriegerischen Auseinandersetzungen und d�rfen dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zufolge weder verletzt noch auf sonstige Weise behindert werden. W�rde eine Weise Frau an einem Kampf teilnehmen, w�re das eine grobe Verletzung jeglicher Sitten und Traditionen. Drei zurzeit lebende Weise Frauen sind Traumg�ngerinnen und verf�gen �ber die F�higkeit, <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu betreten und unter anderem mit anderen Menschen in ihren Tr�umen zu sprechen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Traumg�nger; <emphasis>Tel'aran'rhiod).</emphasis></p><p><strong>Wei�e Burg:</strong> Zentrum und Herz der Macht der Aes Sedai. Sie befindet sich im Herzen der gro�en Inselstadt Tar Valon.</p><p><strong>Wei�m�ntel:</strong><emphasis>siehe</emphasis> Kinder des Lichts.</p><p><strong>Wiedergeborener Drache:</strong> Nach der Prophezeiung und den Legenden wird der Drache dann wiedergeboren werden, wenn die Menschheit in gr��ter Not ist und er die Welt retten muss. Das ist nichts, worauf sich die Menschen freuen, denn die Prophezeiung besagt, dass die Wiedergeburt des Drachen zu einer neuen Zerst�rung der Welt f�hren wird, au�erdem erschrecken die Menschen bei dem Gedanken an Lews Therin Bruderm�rder, auch wenn er schon mehr als dreitausend Jahre tot ist <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache).</p><p><strong>Wilde:</strong> eine Frau, die allein gelernt hat, die Eine Macht zu lenken, und die ihre Krise �berlebte, was nur etwa einer von vieren gelingt. Solche Frauen wehren sich gew�hnlich gegen die Erkenntnis, da� sie die Macht tats�chlich ben�tzen, doch durchbricht man diese Sperre, geh�ren die Wilden sp�ter oft zu den m�chtigsten Aes Sedai. Die Bezeichnung �Wilde� wird h�ufig abwertend verwendet.</p><p><strong>Zeitalter der Legenden:</strong> das Zeitalter, welches von dem Krieg des Schattens und der Zerst�rung der Welt beendet wurde. Eine Zeit, in der die Aes Sedai Wunder vollbringen konnten, von denen man heute nur tr�umen kann <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Zerst�rung der Welt; Schattenkrieg).</p><p><strong>Zerst�rung der Welt:</strong> Als Lews Therin Telamon und die Hundert Gef�hrten das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs wieder versiegelten, fiel durch den Gegenangriff ein Schatten auf <emphasis>Saidin.</emphasis> Schlie�lich verfiel jeder m�nnliche Aes Sedai auf schreckliche Art dem Wahnsinn. In ihrem Wahn ver�nderten diese M�nner, die die Eine Macht in einem heute unvorstellbaren Ma�e beherrschten, die Oberfl�che der Erde. Sie riefen furchtbare Erdbeben hervor, Gebirgsz�ge wurden eingeebnet, neue Berge erhoben sich, wo sich Meere befunden hatten, entstand Pestland und an anderen Stellen drang der Ozean in bewohnte L�nder ein. Viele Teile der Welt wurden vollst�ndig entv�lkert und die �berlebenden wie Staub vom Wind verstreut. Diese Zerst�rung wird in Geschichten, Legenden und Geschichtsb�chern als die Zerst�rung der Welt bezeichnet.</p><p><strong>Zweifler:</strong> ein Orden innerhalb der Gemeinschaft der Kinder des Lichts. Sie sehen ihre Aufgabe darin, die Wahrheit im Wortstreit zu finden und Schattenfreunde zu erkennen. Ihre Suche nach der Wahrheit und dem Licht, so wie sie die Dinge sehen, wird noch eifriger betrieben, als bei den Kindern des Lichts allgemein �blich. Ihre normale Befragungsmethode ist die Folter, wobei sie der Auffassung sind, da� sie selbst die Wahrheit bereits kennen und ihre Opfer nur dazu bringen m�ssen, sie zu gestehen. Die Zweifler bezeichnen sich als die �Hand des Lichts�, die Hand, welche die Wahrheit ausgr�bt, und sie verhalten sich gelegentlich so, als seien sie v�llig unabh�ngig von den Kindern und dem Rat der Gesalbten, der die Gemeinschaft leitet. Das Oberhaupt der Zweifler ist der Hochinquisitor, der einen Sitz im Rat der Gesalbten hat. Im Wappen f�hren sie einen blutroten Hirtenstab <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kinder des Lichts).</p></section></body><binary id="cover" 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